Mbenöausgabe Nr. 473 ♦ 44. Jahrgang /iusgabe B Nr. 234 ©Muasbebinsunafn und«njfisenptflf« sind In der Morgenausgab« angegebi« «edottloo: Sw. SS, cindeoslrotz« S ?»rnsprecher• DSnhosf 292— 292 yw.-Möten«: Sojlnldemortal Berlin Derltner Volktsvl�kt flO Pfennis) v s Donnerstag 6. Oktober 1 927 Verlag und Anzelgenabtetlung! Seschäftszeit SMi bis 5 Uhr Verleger: vorwärts- Verlag GmbH. Berlin STD. 68. Cinbenftrafie 3 Fernsprecher: VSnhoN 292— 29: �sn�ralorgan der Sozialdemokrat i feben Partei Dcutfcblands proletaristhe Einheitsfront in Jürth. Die ganze kommunistische Rathanssraktiou zur SPD. übergetreten. Nürnberg, 6. Oktober.(Eigenbericht.) Die Sozialdemokratische Partei in Nürnberg und in Fürth ist dieser Tage in eine Werbeaktion eingetreten. Sie Hut bisher einen bemerkenswerten Erfolg zu verzeichnen: denn die kommunistische Rathausfraktion von Fürth gibt heute im Nürnberger Parteiblatt folgende Erklärung der Leffentlichkeit bekannt: „Die politischen Verhältnisse in Deutschland wirken sich immer ungünstiger für die Lage der Arbeilerschast aus. Dem kann nur be- gegnet werden durch eine einige machtvolle Arbeiter- Partei. Nach den bisherigen Ersahrungen kann dieses Ziel die Kommunistische Partei nicht erreichen. Die Haltung der kommu- nisiischen Partei und die dort um sich greifende Zersplitterung macht sich immer nachteiliger für die gewerkschaftlichen Organisationen und damit für die Arbeiter selbst gellend. Zn der klaren Erkenntnis, dah die Sozialdemokratische Partei allein noch die Möglichkeit zu einer Zusammenfassung der Arbeiterschaft und zur wirksamen Bekämpfung der Reaktion bietet, erklären die Unterzeichneten ihren Uebertrilt zu dieser Partei. Getreu ihrem Grundsolz, nur den Interessen der arbeitenden Bevölke- rung zu dienen, sind sie. soweit sie dem Fürlher Stadtrat angehören. davon überzeugt, mit diesem Schritt auch im Sinne ihrer Wähler zu handeln. An ihre bisherigen Gesinnungsfreunde und Genossen richten die Unterzeichneten das Ersuchen, ihrem Beispiel zu folgen und durch Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei die Einigkeit und Geschlossenheit der Arbeiterschaft herzustellen. gez. Fischer. Bauer. Koch. Scheid. Seeger." Damit hat in Fürth die Kommunistische Rathausfraktion aufgehört zu existieren, genau so, wie das vor einem Jahre in Nürnberg bei der Kommunistischen Partei sich ebenfalls ab- spielte. In Nürnberg und in Fürth ijibt es heute keine tom- munistischen Temeindevertreter mehr in den Rathäusern. parteiverfihmelzung in St. Ctienne. Poris, 6. Oktober. Der erweiterte Vorstand der sozialistischen Partei beschäftigt« sich gestern mit dem von einer Gruppe ehemaliger Parteiangehöriger in St. Etienne gestellten Antrag auf Wiederaufnahme in die Partei. Es wurde beschloflen, eine Fusion von Organisation zu Organisation vorzunehmen, ohne Nachprüfung der Veitrittsgesuche der einzelnen Mitglieder. Außerdem beschloß der Verwaltungsausschuß gestern, die geplante sozialistische Z o l l k o n f e r« n z, an der Sozialisten aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz und Frankreich teil- nehmen, auf den 13. und 16. Ottoder nach Paris einzuberufen. » Was die vom französischen Parteivorstond beschlossene Ver- jchmelzung in St. Etienne betrifft, so handelt es sich um einen ehe- maligen kommunistischen Verband dieses vorwiegend industriel- len Bezirkes, der sich bereits vor nahezu sechs Jahren von Moskau losgesagt hatte und dem es bisher gelungen war, sich selbständig zu behaupten. Die dortigen„Sozialistisch-Kommunisten", wie sie sich nannten, hatten sogar drei Abgeordnetenmandate in ihrem Departement erobert. Diese drei Abgeordneten, darunter der be- kannte Rechtsanwalt Ernest Lafont, werden nun der sozialistischen Kammerfraktion beitreten. Als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie werden die Ge- nossen Dr. ch Ufer ding und Robert Schmidt an der inter- nationalen Zollkvnserenz teilnehmen. Slum über Zrankreichs /lbrüstungspfiicht. Paris, 6. Oktober. Leon Blum schreibt im„P o p u l a i r e": Frankreich hat Deutschland und allen Nationen gegenüber, die den Versailler Ver- trag unterzeichnet haben, die Verpflichtung der Abriishmg übernommen. Die Deutschland auferlegte Entwaffnung, die es auch noch Ansicht der alliierten Regierungen in befriedigender Weise durch- geführt hat, ist nach dem Friedensvertrog als Vorspiel und A n- b a h n u n g einer allgemeinen Abrüstung aufzufassen. Deulschland, dem offizielle Entlastung erleilt worden ist, hat allen Grund, Frankreich seine Abrüstungspslicht vorzuhalten. Wenn Frankreich hierin nicht guten Willen und Loyalität zeigt, wird es der deutschen Reaktion und allen Kräften zur Wiedereinführung der Monarchie sowie des militärischen Revanche-Gedankens das furchtbarste Propa- g a n d a m i t t e l liefern. Die Abrüstung ist notwendig, wenn man eine soziale Reform will: sie ist ferner notwendig, weil sie eine unumgängliche Vorbedingung ist für die B e f r i e- dung Europas. Man mag die Institutionen der internationalen Rechtsprechung, die Schiedsgerichtsabkommen und die Garantiever- träge so weit ausbauen, wie man will, solange es Armeen gibt, die angriffsfähig sind und eine Angriffsdrohung darstellen, wird der Friede nicht gewährleistet sein. Gegenüber früheren Zeiten schafft heute nicht mehr der Krieg die Armeen, sondern die Heere schaffen die Kriegsgefahr. Renoudel über Sie Zwischenfälle in Toulon. Paris, 6. Oktober. Der sozialistische Abg. R e n a u d e l, der selbst Abgeordneter von Toulon ist, hat einem Vertreter der„Ouotidien" erklärt, er habe die Ueberzeugung, daß die Zwischenfälle in Toulon nicht so e r n st gewesen seien, wie sie in der konservativen und in der kommunistischen Presse dargestellt worden seien, die beide ein Interesse daran hätten, die Ereignisse zu ü b e r t r e i b e n, Es sei sehr wahrscheinlich, daß die Meuterer von der kommunistischen Propaganda beeinflußt worden sind. Es handelt sich nur darum, festzustellen, in welchem Ausmaße dies der Fall war. Der fiufftanö niedergeschlagen. Bis auf Beracruz ist Mexiko in der Hand der Regierung. Mexiko. 6. Oktober.(Eigenbericht.) Der Ausstand gegen die Regierung Talles ist bis auf Vera- c r u z, wo die Truppen des Generals Gomez von den Anhängern der Regierung eingeschlossen sind, niedergeworfen. Ins- gefaml wurden bisher 4 Generale und zahlreiche Komplicen hin- gerichtet. 2S Abgeordnete wurden ihrer Mitgliedschaft zum Par- lament enthoben. Bisher sind im ganzen 40 Meuterer standrechtlich erschossen worden. Ein Oberstleutnant mit seinem ganzen Rcgimentsstab wurden hingerichtet. In M e x i k o- S t a d t ist es zu Unruhen gekommen, be! denen mehrere Personen getötet und verleßt wurden. Crfolgshastung im neuen Strafrecht. Ein sozialdemokratischer Berbesserungsantrag wird abgelehnt. Der Strafgesetzausschuß des Reichstags behandelte die wichtige Frage der E r f o l g s h a f t u n g. In der Regierungs- vorläge findet sich im 8 22 Absatz 2 die Beslinimung: Wer durch sein Tun die Gefahr herbeiführt, daß«in bestimmter Ersolg eintritt, ist verpflichtet, ihn abzuwenden. Genosse Saengcr begründete den sozialdemokratischen Antrag auf Streichung dieser Bestimmung mit dem Hinweis darauf, daß die vorgesehene, hö6)st gefährliche Bestimmung sicherlich zu einem Mißbrauch dieses Paragraphen durch die Richter führen würde, besonders bei politischen Delikten. Der Veranstalter von Demonstrationen zum Beispiel würde bei der heutigen Ein- stellung des Richtertums damit rechnen müssen, daß er für jede etwa vorkommende Ausschreitung verantwortlich gemacht werden würde. Trotz dieser sehr berechtigten Kritik an dem Regierungsentwurf wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt und die Regierungsvorlage angenommen. Zu den Bestimmungen des Gesetzentwurfs über die Notwehr oerlangte ein sozialdemokratischer Antrag die Wiederherstellung des geltenden Rechts. Genosse Saenger wandte sich entschieden gegen die unmögliche Bestimmung der Vorlage, nach welcher künstig der- fenige, der in Notwehr ist, nur dann straffrei sein soll, wenn der Schaden, der durch die Ausübung der Verteidigung zu erwarten ist. nicht außer Verhältnis zu dem durch den Angriff drohenden Schaden steht. Di« Vertreter mehrerer Parteien, auch der Vorsitzende. Abg. Kahl, hielten die Bedenken der sozialdemo- kratischen Fraktion für durchaus berechtigt. «.Deutsche Treue' vor Gericht. Berufungsverhandlung Mahraun gegen Sodenstern. Vor der kleinen Strafkammer fand heute morgen die Berufungs- Verhandlung in der Sache Mahraun gegen Soden st ern statt. Das Urteil der ersten Instanz hatte, wie erinnerlich, durch die herausfordernd„nationale" Begründung, die seinerzeit der Richter Treftz, ein ehemaliger Marineoberkriegsgerichtsrat, gab, das größte Aufsehen erregt. S o d e n st e r n, der Schriftleiter des Organs des Nationalver- bandes deutscher Offiziere„Deutsche Treue", hatte ein« Er- klärung des Verbandsvorstandes veröffentlicht, in der Mahraun, dem Großmeister des Jungdeutschen Ordens, vorgeworfen wurde, er be- fürworte ein Militärbündnis mit Frankreich, das unter Umständen einen Teil des deutschen Volkes im Falle eines Krieges mit Frankreich in die Lage bringen könne, gegen das deutsche Volk kämpfen zu müssen. Dies« Erklärung hatte eine Privatklage Mahrauns gegen Soden. stern und gegen die Mitglieder des Vorstandes des Nationalverban- des deutscher Offiziere, den Generalleutnant a. D. Wächter und den Major a. D. v. Jena zur Folge. Das Gericht der ersten Instanz sprach Sodenstern frei, weil er die Erklärung vor ihrem Abdruck nicht gelesen habe, und verurteilte die beiden anderen Beklagten zu jeöOM. Geldstrafe wegen formaler Beleidigung. Der Vorsitzende versucht, einen Vergleich anzuregen; er scheitert an der Kostenfrage. Das Gericht tritt in die Verhandlung ein. Das Urteil des Gerichts lautete: Di« Berufung der Beklagten wird verworfen, das erstinstanzliche Urteil wird angesichts der Be- rufung des Privatklägers dahin abgeändert, daß für jeden der Be- klagten eine Geldstrafe von je 300 Mark festgelegt wird, für die im Falle der Nichteintreibung eine Gefängiestrafe von zehn Tagen tritt. Die Publikationsbefugnis bleibt bestehen; die Kosten des Verfahrens haben die Beklagten v. Wächter und o. Jena zu tragen. Die deutschen in Zinnlanö. Nachdenkliches über Landsleutc. Von Dr. Th. H a u b a ch. Die heutige Stellung des Deutschtums in Finnland ist entscheidend bedingt durch das Eingreifen des deutschen Expeditionskorps unter von der Goltz im finnischen Bürger- krieg. Es ist nicht unbekannt, daß ein erheblicher Teil des finnischen Volkes diesen Krieg als„Freiheitskrieg" bezeichnet (ob mit Recht soll hier nicht erörtert werden) und demgemäß haben die Deutschen als„Befreier" und„Retter in der Not" jahrelang eine außerordentliche Stellung eingenommen. Daraus ist bei uns die keineswegs unschädliche Legende von den enthusiastischen finnischen Sympathien für Deutschland ent- standen, eine Legende, die zu teilweise recht schofler Aus- Nutzung dieser Freundschaftsgefühle geführt hat. Außerdem haben sich unsere, auf ihre legendäre Befreierrolle sehr stolzen Landsleute zu ihrem eigenen Schaden viel zu wenig darum gekümmert, daß die prodeutschen Sympathien im wescnt- lichen von der bürgerlichen und vielleicht auch bäuerischen Klasse getragen wurden, daß aber bei der Arbeiter- s ch a f t ein Gefühl tief st er Erbitterung in Erinne- rung an heroische Niederlagen und furchtbare Leiden zurück- bleiben mußte. In dem Maße nun, in dem der Bürgerkrieg aushört aktueller Gegenstand der finnischen Tagespolitik zu werden, in dem Maße, in dem Haß und Leidenschaften der Parteien abklingen und sich neben der horoisierenden Legende auch die nüchterne geschichtliche Untersuchung einen Platz in der öffentlichen Meinung erobert— in dem gleichen Maße kann der Deutsche nicht mehr von dem Ruhme des Be- freiungskrieges" Nutzen ziehen, der ihm in den ersten Jahren nach Errichtung der finnischen Republik verschwenderisch zu- teil wurde. Man kann heute sagen, daß die Sympathien der finnischen Bourgeoisie für Deutsche recht erheblich abgekühlt und einer mehr nüchternen Betrachtung der Motive gewichen sind, die der deutschen Intervention in Finnland zugrunde lagen. Gleichzeitig aber hat wohl auch der finnische Pro- letarier gelernt, in dem Deutschen nicht mehr ausschließlich den Anstifter seiner Niederlage zu sehen, und wenn er auch kaum direkte prodeutsche Sympathien entwickelt, so unter- scheidet er doch heute sachlich von Fall zu Fall. Geht man in Helsingfors die Boulevardsgassen entlang, so entdeckt man auf einem freien Platz das Denkmal, das die Stadt den im April 1918 gefallenen deutschen Soldaten gesetzt hat. Ein anscheinend ständig erneuerter Kranz mit großer schwarzweißroter Schleife charakterisiert die Art der Sympathien, die zwischen der„weißen" Partei Finnlands und den Deutschen bestanden haben und auch noch bestehen. Bis heute scheint noch niemand in der finnischen Hauptstadt auf den Gedanken gekommen zu sein, daß die Mehrzahl der hier geehrten Toten eine Schmückung mit schwarzweißroten Bändern ganz energisch sich verbitten würde, wenn sie es noch könnte. Trotzdem scheinen heute die letzten Stunden dieser sonderbaren deutsch-finnischen Freundschaft gekommen zu sein. Der Ruhm der deutschen Intervention im„Freiheitskriege" beginnt zu verblassen und damit zugleich die Legende über diesen Krieg— der Finne denkt heute lebhaft daran, welch abenteuerliche Pläne die deutsche Oberste Heeresleitung beim Eingreifen in die Kämpfe seines Landes verfolgt hat. Gerade in nationalfinnischen Kreisen, die Jahre hindurch die leb- haften Beziehungen zu den v.-d.-Goltz-Leuten unterhalten haben, hört man heute harte Urteile über die Thron- kandidatur des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, die die Weisheit der OHL. sich als Kaufpreis für die Truppensendung ausgedacht hatte. Die egoistischen Motive der deutschen Intervention werden heute vielfach unterstrichen und sogar das Verhalten der Interoentions- truppen einer teilweise recht lebhaften Kritik unterzogen. Besonders nach dem Kriege haben ehemalige deutsche Offiziere, geflohene Kappisten, Verschwörer aller Art, Finn- land überschwemmt, die Gastfreiheit und Freundschaft des finnischen Bürgertums weidlich ausgenutzt und anscheinend des öfteren schmählich vergolten. Noch heute, wenn auch nur noch vereinzelt, kann man auf den nach Finnland fahrenden Schiffen solche deutschvölkischen Abenteurer entdecken, die durch wüste Intrigenwirtschaft und Schnorrereien dem deut- schen Namen in Finnland schwer schaden. Alles in allem: das finnische Bürgertum, auch diejenigen Kreise, die noch so„national" und„weiß" gesonnen sind, scheinen die Nase von den schwarzweißroten deutschen Freun- den allmählich voll zu kriegen. Ein nicht unwichtiges Symp- tom für diese Entwicklung ist die lebhafte und recht unfreund- liche Kampagne, die plötzlich, im Sommer dieses Jahres, von der hauptstädtischen Presse gegen den deutschen Handel ge- führt wurde. Bloßes Jnteressentengczänk? Wer ein Gefühl für Tonarten hat, weiß, woran er ist. Noch ein anderes: die abgetakelten v.-d.-Goltz-Leute, die die von ihnen glücklich „befreiten" finnischen Bürger jahraus, jahrein weidlich be- suchten, sind meistens als Faschisten, als völkische Abenteurer, als Demokratentöter und Diktaturhelden erschienen. Die finnischen Bürger aber sind Demokraten, durch und durch Demokraten, was sie damit bewiesen haben, daß sie ihren völligen Sieg über die„Roten" zum Aufbau einer Republik mit vielleicht ein wenig bedenklicher Verfassung, aber immerhin einer Republik benutzt haben. Für das Geschrei und Geschnarre der„völkisch-nationalcn" Finnland- befreier hat der finnische Bürger, je länger es dauert, desto weniger Interesse. Nie Sympathie klingt ab— auch die finnische Bourgeoisie geht ihre eigenen Äege. Und die in Finnland lebenden Deutschen? Das ist eine merkwürdige Geschichte. Solange der schneidige völkische „Befreierton" den Finnen genehm schien, solange scheint es den Leuten mit der großen HohenzoUernschnauze vorbehält- los gelungen zu sein, der deutschen Kolonie die Heldenflöten- töne beizubringen. Gewiß gab es auch da schon Leute, die geekelt und geärgert von gewissen schwarzweißroten Laus- bubenmanieren beiseite standen. Heute aber, und das ist das erfreuliche, beginnen sie sich zu regen— zwar langsam und heimlich noch, aber sie regen sich. Bittere Worte bekommt man zu hören über den bisherigen Führer der Deutschen, Kommerzienrat Goldberg-Löwe, dessen Aeußerungen auf der Dresdener Auslandsdeutschen- tagung teilweise überaus heftig kommentiert wurden. Der Reichsdeutsche, der sich durch das ständige Herauskehren der deutschnationalen Parteifahne provoziert fühlt, kann heute bei einem nicht ganz unerheblichen Teil seiner Landsleute in Helfingfors auf Verständnis stoßen. Daß diese Leute bis jetzt nicht nach außen hin geschloffen auftreten konnten, daß sie nicht imstande waren, dem schnoddrig-nationalen Ton entgegenzutreten, der sich so übel bemerkbar macht— das liegt vor allem an der wirtschaftlichen Abhängig- k e i t, unter derem Druck die allermeisten oppositionell ge- stimmten Deutschen stehen.(Heber diese wirtschaftliche Abhängigkeit wäre viel zu sagen— sie ist für viele geradezu zu einem Martyrium geworden.) Dann aber liegt alles an dem völligen Mangel organisatorischer Unter- stützung von Deutschland aus. Der schwarzweih- rote Deutsche hat von der Heimat alles, was er braucht— private und sogar amtliche Unterstützung, er hat den famosen Verein für das Deutschtum im Auslande, der trotz tausend- facher Äbleugnung als nationalistische Organisatwn wirkt, er hat selber Geld und einflußreiche Verbindungen. Nur so konnte es kommen, daß unter Verfälschung der tatsächlichen Lage eine Minderheit das politische Gesicht des finnischen Auslandsdeutschtums bestimmen konnte, ein Zustand, der endlich heute sich zu lösen beginnt, der aber immer noch un- erträglich genug ist. Es war ein schweres Versäumnis der deutschen Republikaner, die Auslandsarbeit solange ver- nachlässigt zu haben. Heute sind die Möglichkeiten, die sich bieten, zweifellos groß. Man muß zupacken, mit allen Mitteln zupacken. Eine politische Aufgabe ist hier zu lösen.____ Eitler, Justiz, Kapital. Ein paar notwendige fragen. Man stelle sich folgendes vor: ein paar Tage vor dem Stahlhelmtag wären kommunistische Führer beim Berliner Polizeipräsidium und beim preußischen Innen- Ministerium erschienen mit der Drohung, die Stahlhelmleute wie die Hunde niederzuschießen, wenn deren Umzug nicht oerboten würde. Man stelle sich weiter vor: am Morgen des Stahlhelmtages wäre ein Haufen Kommunisten vor einer Reichswehrkaserne erschienen und hätte sich mit Gewalt in den Besitz von einigen Hundert Gewehren, ein paar Dutzend Maschinengewehren, einiger Kisten Handgranaten usw. gesetzt. Dann sei eine bewaffnete kommunistische Truppe von etwa 8000 Mann kampfbereit auf dem Tempelhoser Feld auf- marschiert, nachdem sie vorher an die Zivilbevölkerung War- nungen vor dem Betreten der Straße verteilt hätten. Der Rattenkönig der daraus entstehenden Strafverfahren wäre gar nicht abzusehen gewesen: Beamtennötigung, Bedrohung mit Verbrechen, Bildung eines bewaffneten Haufens, Land- friedensbruch, Amtsanmaßung, Hochverrat, und noch einige Dutzend anderer Verbrechen wären zur Anklage gekommen. Genau so aber sind— nicht Kommunisten sondern Hitler und sein Anhang am t. Mai 1923 gegen die sozialdemokratische Maidemonstration vorgegangen. Das schleppend geführte Strafverfahren ist ohne jeden erslchtbaren Grund im Sande verlaufen. Nun gibt es aber einen Z 346 des StGB., der den Beamten mit Zuchthaus bedroht» der— zur Ausübung der Strafgewalt bemfen— die Ver- Iuöenmarkt in Amsterdam. Von Erich Grifar. Der Judenmarkt zu Amsterdam ist die seltsamste Warenbörse der alten Welt. All« Sätze, die je Uber die Vergänglichkeit der Dinge geschrieben wurden, sind hier aufgehoben und dem Fremden, der nur flüchtig durch das Gewimmel feilschender und schreiender, kaufender und verkaufender Menschen hindurchgleitet, erscheint es, als ob hier jedes Ding erst dann seinen vollen Handclswert bekomm«, wenn ein normaler Haushalt keine Verwendung mehr dafür hat. Vom rostigen Nagel bis zum ganzen Herd, vom gebrauchten Wollsteumpf bis zum abgetragenen Anzug findet jede Ware hier einen Platz und einen Menschen, der seine Zeit daransetzt,«inen Käufer zu erwarten, der noch einige Cents oder Gulden für das hier Angebotene gibt. Aber wenn auch dar Handel auf diesem seltsamen Markt nicht immer genug zum Leben abwirft, die Hoffnung einmal nicht mehr einen Haufen rostiger Vorhangschlösser oder Gummisohlen oder durch Brandslhaden unverkäuslich gewordene Hosenträger bewachen zu müssen, lebt in jedem der dunteibärtigen Händler, die hier auf das Glück warten, das ihnen den Weg frei gibt in die Klaffe der Händler, die mit dem An- und Berkaus alter Möbel den Grundstock zu einem Vremögen legen, das groh genug ist, um in der Iodenbroestraät einen gutgehenden Laden eröffnen zu können. Selten genug ist freilich diese Chance und sie erklärt den Eifer nicht, mit dem selbst der wertloseste Gegenstand noch auf den Markt gebracht wird, der selbst dann, wenn er einen Käufer findet, die Zeit nicht bezahlt macht, die vertan wurde, um ihn zu vorkausen. Den lieferen Sinn dieses Treidens versteht nur der, der dl« Leidenschaften einer Rasse kennt, der Handeln Selbstzweck wurde: denn die Zahl derjenigen, die diesen Markt besuchen, um etwas zu kaufen, ist gering. Wer mag wissen, wie lange schon das Bügeleisen, das hier auf dem Boden neben einem Puppenhaus« liegt, auf einen Käufer wartet und wer alles es schon in die Hand nahm, um es wieder an seinen Platz zu stellen, ohne es zu kaufen? Wer wird jemals auf den Ge- danken kommen, die Karikatur eines Petroleumherdes zu erstehen, dt« der nächste Händler, wie lange schon, feilhäll? Besser geht schon der Handel mit den Zubehörteilen alter Fahrräder. Auch die Dinge, die den armseligen Hausholt des Proletariers ergänzen sollen, be- schädigte Schöpslöffel, Eierbecher, Teller, Haushaltwagen, Tassen und Kohlcnkästen finden Käufer. Auch Kindcrwagenräder, die in ganzen Sätze» und an vielen Stellen zu haben sind, wechseln leicht ihren Besitzer. Dann gibt es hier noch Stoffreste, alte Unterhosen, Bettbarchent, der aussieht, als sei er zehn Jahre in einem linder- reichen Haushalt benutzt worden, Kiffen und Krawatten zu sehen und zu kaufen. Vor Plüschmöbeln baut sich der Vergaser eines Motor- rades auf und neben einer alten Schneiderschere liegen zwei Klavier. leuchter. Bilderrahmeu und Kiuderjpielzeuge gibt«» beim nächsten folgung einer strafbaren Handlung unter- l ä ß t, um jemand der gesetzlichen Strafe zu entziehen. Nach dem Bericht des zur Bayerischen Volkspartei gehörenden Abg. Grafen Pestalozza im bayerischen Untersuchungsausschuß wird die Frage gestattet sein, ob der Z 346 für b a y e r i s ch e Staatsanwälte und bayerische Justizministerialbeamte nicht in Geltung ist? Ein weiteres Wort ist über die f i n a n z i e l l e n Hinter- Männer des Hitler-Putsches zu sagen. Wieder ist der Name des Herrn von Borsig aufgetaucht. Herr von Borsig ist nicht nur der Leiter eines Unternehmens, das sich in der damaligen Zeit der Inflation auf Kosten der Allgemeinheit ungeheuer bereichern konnte, sondern daneben auch der Vor- sitzende der Vereinigung Deutscher Arbeit- geberverbände. Die direkte oder indirekte Finanzierung des Hitler- Putsche? würde nicht das einzige unsaubere Kapitel dieser Vereinigung darstellen. Bor einiger Zeit wurde bekanntlich festgestellt, daß die Vereinigung Deutscher Arbeitgeberver- bänoe in dem sogenannten„Arbeitszeitfond" sich einen aus- gesprochenen Korruptionsfonds geschaffen hatte, aus dem mehrere Hunderttausend Mark zum Zwecke der inneren Korrumpienmg der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften verausgabt worden find. Als der Skandal nicht mehr auf- zuhalten war, opferte die Vereinigung den Syndikus Dr. T ä n z l e r und den Verwalter des Fonds Herrn v o n Z e n- gen. Beide gingen und— schwiegen. Sie nahmen die Schuld vor der Oejfentlichkeit auf sich/damit andere Personen von klingenderem Namen aus dem Spiel blieben. Wahrscheinlich wird man auch jetzt wieder in der Hitler- Angelegenheit ein paar subalterne„Schuldige" finden. Denn ganz selbstverständlich haben Herr von Borsig und der übrige Vorstand der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände von dieser Sache genau so wenig gewußt, wie von den K o r r u p- tionsgeldern an Karl Erdmann und von dem Soov-Mark-Darlehn für den Fememörder Oberleut- n a n t S ch u l z._ Das Parteibuch entjcheiöet! Streit um die Nachfolgerschaft Zechlins. Di».Kölnische Zeitung" dementiert in einem offenbar Partei- offiziösen Telegramm aus Berlin die Nachricht vom Rücktritt des Ministerialdirektors Zechlin, des Leiters der Presseabteilung der Reichsregierung, fügt aber dem Dementi folgende Bemerkungen hinzu: Sollte sich jedoch späterhin eine neue Lage ergeben, so muß schon jetzt daran erinnert werden, daß Reichskanzler Dr. Marx bei der Bildung des Kabinett« der Deutschen Volkspartei die bindende Zusage gemacht hat, wonach nur ein Mitglied der Deut- schen Volkspartei als Nachfolger des scheidenden Leiters der Presse- abtellung in Frage komme» könne. Nach der Auffassung maß- gebender Kreise der Deutschen Volkspartei wird ihre(!) Wahl nur auf ein Mitglied fallen können, das bereits auf eine längere Zeit bewährter Mitarbeit innerhalb der Partei zurückblicken kann. Hier wird also mit dürrer Deutlichkeit auegesprochen, daß frei- werdende Beamwnstellen von der Bürgsrblockregierung nicht nach persönlicher Eignung, sondern nach der Parteizugehörigkeit vergeben werden, ja für vorkommende Fälle bereits im voraus vergeben worden sind! Die Parteien des Bürgerblock» tun damit dasselbe, was sie bisher mit Unrecht uni» irr demagogisch aufhetzender Weise gegen die Sozialdemokratie behauptet haben. Rechtsblock-LIste in Bremen. Die Deutschnationale Voltspartei, die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaftliche Vereinigung und die Deutschvölkische Freiheitspartei haben sich— wie es ihnen zu- kommt— zu gemeinsamem Vorgehen bei den bevorstehenden BürgerfchaftZwahlen in Bremen geeinigt. Präfident Massaryk ist, entgegen der Meldung eines Mittags- blattes aus Wien» die von einer schweren Erkrankung des tsthecho- slowakischen Präsidenten sprach, völlig gesund. Händler. Auch Photographien längst verstorbener Familien fanden ihren Weg hierher. Darunter ist eine Photographie des Papstes. Daneben wartet ein kleiner Teddybär auf seine Auferstehung, ein altes Tigerfell bietet fein« Dienste als Bettvorleger an, und drüben, mitten auf der Straße, steht ein ganzes Bett. Die zugehörigen Matratzen muß man sich allerdings zwei Straßenzüge welter bei der Konkurrenz besorgen, aber das macht nichts, dafür kann man die Kopierpresse, wenn man Verwendung dafür hat, gleich mitnehmen. Wer einem technischen Museum ein« Freude machen will, kause den hier liegenden Staubsauger. Cr stammt noch aus dem vorigen Jahr- hundert und arbeitet statt mit einem Motor mst einer Saugpumpe. Beschädigte Gipsfigurcn und beschriebene Postkorten, bunte Muscheln und Fächer warten auf den, der sein Heim mit ihnen schmücken will, und wenn es mal wieder Krieg gibt, wird auch sür die hier ausliegenden englischen Tornister und deutschen Infanterie- spaten, mit und ohne Säge,«In Käufer gefunden werden. Man darf die Hoffnung nicht ausgeben. Aus einem Haufen verwaschener Lumpen sucht eine arme Frau sich eine Bluse heraus. An der Art, wie sie jedes Stück prüfend gegen da« Licht hält, ist zu sehen, wie ernst es ihr um den Kauf ist. Doch auch der Magen kommt zu seinem Rechte. Bonbons werden verkauft, und an vielen Stellen dampft eine Elerkocherei. Dann gibt es Leberwürste in Essig, Rindsleber und Matjesheringe, die man in Amsterdam nicht nur im Judenoiertel auf der Straße oerzehrt. Nun hallen gar Trompetenstöße über den Platz. Auf einen, Podium, dicht von Menschen umlagert, steht ein reisender Zahnarzt, der für wenige Cents bereit ist, jedem, den der Anblick der auf einem kleinen Tischchen liegenden Marterwerkzeuge nicht erschreckt, an Ort und Stelle die faulen Zähne herauszuziehen. Zum Gaudium des schaulustigen Volkes. Das Kreischen eines Grammophon, das uns vorjährige und ältere Schlager ins Ohr trompetet, übertönt die Schreie der Mutigen. die dem Zahnarzt sich opfern. Platten, die der reguläre Handel nicht mehr aufnehmen kann oder mag, finden hier zu Bruchteilen des Ladenpreises Absatz. Gummiabsätze werden ebenfalls angeboten und angerostete Scheren, dl« bei einem Brand durch Wasserschaden litte». In einem kleinen Gäßchen, das auf eine mit trüber Flüssigkeit gefüllte Gracht mündet, hat sich so etwas wie eine Spezialschau in Eisenwaren gebildet. Ein alter Feuereimer träumt hier von der ver- gangenen, der minimaxlosen Zeit, in der er seine Tag« nicht auf dem Trödelmarkt neben dem Senkkasten eines Straßenkanals verbringen mußte. Ofenringe in allen Größen und Wagenräder stehen dicht dabei. Sogar das Untergestell einer Lore kann man hier taufen. Dann stehen noch schwere Achsen da und Kurbelwellen, ein Amboß und eine große Kabelwinde, die Gott weiß wer zu Geld gemacht, oder In diesem Viertel vergesien hat. Die Besitzer dieser Sachen, die an den marktfreien Tagen nicht fortgeräumt werden, w-il sie zu schwer sind, sitzen auf den Treppen der naheliegenden Wohnhäuser die öegnaöigungen in Preußen. Ihre Handhabung und ihre Möglichkeiten. In, einer parteigenösiischen Korrespondenz schreibt der Ministe- rialrat im preußischen Justizministerium S. Rosenfeld zu den bevorstehenden Begnadigungen in Preußen: Hinter den Mauorn preußischer Strafanstalten sitzen an_40 000 Menschen. Mag auch ein Teil von ihnen dem unrettbaren Schicksal des berufsmäßigen Verbrechertums angehören, vor dem die Gesell- schoft zu schützen ist, so wissen wir doch, daß in vielen Fällen mehr Schicksal als Schuld die Ursache dafür geworden ist, daß Richterspruch sie auf Monate und zuweilen Jahre trt das Dunkel der Gefängnismauern stieß. Wir wissen auch, daß oft Zufälligkeit darüber entscheidend war, wie hoch die Strafe bemessen ist, daß oft sür gleiche oder ähnliche Taten ein Angeklagter im Orte£. und vor dem scharf urteilenden Richter D. eine wc.t höhere Straf« zugemessen erholten hat, als er in einem anderen Orte und vor einem anderen Richter zu erwarten gehabt hätte. Wie oft auch wäre das Urteil ganz anders ausgesallen, wenn Gericht und Staatsanwaltschaft mehr Mühe darauf verwendet hätte, die Hintergründe der Tal aufzuschließen, die Umwelt zu untersuchen, aus der die�Tat ent- sprungen ist, zu schweigen von den nicht ganz seltenen Fällen, in denen auch das Gesetz bei richtiger Anwendung selbst eine mildere Strafe verlangt hätte. Vor einiger Zeit lag uns ein Urteil vor, durch das«in Arbeiter, der einen Strauß A st» r n auf einem städtischen Platz gepflückt hatte, um sie seiner Braut zum Geburt:- tag zu schenken, wegen Rückfalldieb st ahls in zwei Instanzen zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis ver- urteilt war. Erst der Justizministcr im Gnadenverfahren erkannte richtig, daß die Tat nur eine Uebertretung des Feld- und Forst- polizeigesetzes war, die mit 10 Mark Geldstrafe mehr als ausreichend gesühnt war und wandelte die Strafe im Gnadenwege demgemäß um. Wie unendlich viel hängt für das Schicksal des einzelnen und seine Familie davon ab, ob er vor dem Gejängnis bewahrt bleibt oder bei der Verbüßung einer Gefängnisstrafe um Wochen und Monat« früher seiner Freiheit wiedergegeben wird. Deshalb richten sich die Hoffnungen zahlreicher Menschen innerhalb und außerhalb der Desängnisie auf diesen Erlaß des Preußischen Staatsministe- riums vom 2. Oktober 1927, durch den aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten»über den gewöhnlichen Rahmen hinausgehend« Einzelbegnadigung" für Bestrafungen zugesichert wurde, die vor dem 2. Oktober 1927 rechts- kräftig geworden sind.— In erster Linie kamen Straftaten in Betracht, die im politischen Kamps oder au» Rot begangen worden stnd�DIe aus Zusammenstößen zwischen Repu- blikanern, Kommunisten und Rechtsverbänden hervorgegangenen Be- strafungen habe» vor allem Anwartschast auf weitgehende Gnade. Zu berücksichtigen sind bei der Auswahl der Einzelfälle die Per- fönlichkett des Verurteilten, insbesondere sein Alter(d. h. der jugendlichen Täter wie solcher, die wegen ihres höheren Alter» Scho- nung und Nachsicht vordienen), sein Borleben und seine Verdienste um die Allgemeinheit. Für da« Vorleben wird ins Gewicht fallen, ob der Verurteilte bisher straffrei geblieben oder doch nicht erheblich vorbestraft ist. An Verdiensten wird ihnen die K r i e g s t e i l- nähme, Kriegsbeschädigung sowie die Bekleidung öffentlicher Ehrenämter zugute geHallen werden. Ferner sollen die Umstände und Beweggründe der Tat, das Verhalten des Vernr teilten bei der Tat, insbesondere seine Bemühungen um Wiedergutmachung des Schadens und sein« Führung im Strafvollzug berücksichtigt werden. Entscheidend soll ins Ekewicht fallen weiterhin die wirtschaftliche Lag« und die sonstigen Berhältnisse der Familie des Verurteilten. Hierdurch ist dein Gnadenerweiser der weiteste Raum gegeben, und es wird deshalb zweckmäßig in den Gnadengesuchen gerade auf die Darstellung der sozialen Lage der Familie des Ver- urteilten Wert zu legen sein. was hak man nun zu tun, um der beabsichtigten Gnadenwergllnstigung teilhaftig zu werden? Wenn auch die Staatsanwaltschaften, die Beauftragten für Gnaden- und nur, wenn einsr allzu eifrige Blicke auf diese gewichtigen Dinge wirft, kommen sie herbei und machen»einen günstigen Preis". Von diesem Gewimmel der Waren und Menschen klingt der Lärm straßenweit. Und wenn er schon verhallt ist, begegnet man immer wieder noch einzelnen Händlern, die mit Wagen oder Packen voll wertlosem Kram nicht müßig auf das Glück warten wollen, sondern ihm entgegenziehen, damit es st« zu denen emporhebt, die im glänzenden Auto durch die Stadt fahren. pilgerlieS. (Aus dem Gesangbuch eines strengen Marxisten-Leninisten.) Zu der Nep geweihten Sphären, Zu des Ckkis Hochall ären, Zu dem Narkomindel hin, Zu den stolzen Komosolzen, Die sich mit Kulaken holzen, Freunde, Brüder, laßt un« ziehn! ZK., Polbureau, Trotzkisten, Zeittrosojus, Rotarmisten-- Ach, mein Herz läßt kein« Ruh': Preisen muß ich die Profintern, Den Agitprop der Komintern Und die grooße GPU.l Peker-Bosegger-Lund. Auf Einladung der Volksbühne sprach Hermann Kienzl in der Aula des Gymnasiums „Zum C.r a u e n K l o st e r" über den Volksdichtcr Peter Rosegger. Rosegger gibt tatsächlich bodenständige erdgewachsene Kunst und kein Salontirolertum in der Art des späteren Defregger. Die Bauern werden nicht nur idyllisch behandell oder irgendwie für die gute Bürgerstube zurechtfrisiert. Rosegger schildert sie. wie sie tatsächlich sind, mit allen ihren Fehlern und Vorzügen: allerdings ist er ein zu liebenswürdiges Talent, um die Schattenseiten des Doseins zu betonen. Er untermalt leise humoristisch Menschen und Situationen. Er betrachtet sie manchmal mit unaufdringlicher Wehmut, aber er biegt meistens wirklicher Tragik aus. Nach einer kurzen biographischen Würdigung las Hermann Kienzl. Gedichte, Erzählungen und Anek- doten Roseagers. Einfach, schlicht und innig sind diese Verse, aber Rosegger gibt sein bestes in der kurzen Prosaerzählung. In dem zweiten Teil la» Kienzl Anekdoten in steyerischer Mundart. Leider blieb hier manches unverständlich, denn für«inen Berliner ist der sieyerische Dialekt beinahe eine fremde Sprache. t. Splelplanöiiderung. Wegen plötztiSer Erkrankung mehrerer Haupt- darsteller muh im StaatSthcaler10 M, ab 1. November 4 5 M. be- zahlen. Als erster Mitarbeiter ist genannt der Landgerichtsdirektor Dr. H. Wunderlich, volksparteiliches Mitglied de, Reichstage», dann folgt eine systematische Darstellung der Aufwertung und schließ- lich die Durchführungsverordnungen und die Kommentore. Natürlich müssen fich all« Reichs-, Landes, und Gemeinde- behörden. ebenso viel« Rechtsanwälte usw. das Buch beschaffen, da ste in der einschlägigen Gesetzgebung die Ausführenden und Auslegenden sind und es sich um eine verwickelts Rechtsmaterie handelt. Das nennt man Geschäft! Es ist deshalb auch gar nicht verwun- derlich, daß der Berliner Verlag Otto Liebmann stolz auf das Titel- blatt setzen kann: 2 1.— 2 7. T a u se n d, 5. Auflage. Nehmen wir den hohen Preis von 40 und 45 M., dann ergibt sich ein e n o r m e r V e r d i e n st des Herrn Staatssekretärs a. D. Man muß deshalb fragen: Ist die Aufwertung, an welch« sich so viele arme und unvermögende Leute heute klammern müssen, auch dazu noch da, daß pensionierte Staatsbeamte sich durch sie gehörig bereichern? Oder sollte nicht da« Reich und der Reichstag für die zur Anwendung des Gesetzes notwendige Literatur selbst Sorg« tragen, zumal schließlich die Steuerzahler und die Aufwertung». geschädigten die unnötigen Mehrkosten solcher privaten Sonder- gewinne zu tragen haben?__ was ift mit vörr? Eine rätselhafte Angelegenheit. Bei der Berufungsoerhandlung, die heute vor der Stroikammer Eharlottenburg in der Angelegenheit des kommu- nistischeii Landtagsabgcordneten und ehemaligen Stadtverordneten Dörr stattfand, gab es eine lleberraschung: Dörr uxrr nicht erschienen! Ais der Staatsanwalt daraufhin die Verwerfung der Berufung des Zlngeklogten und Eintritt in die Verhandlung, soweit die Staotsanwaltschait Berufung eingelegt hatte, verlangte, kam eine neue Sensation: Die Frau des Angeklagten sagte nämlich aus, daß Dörr leit Juli dieses Jahres sich zu Hause überhaupt nicht habe blicken lassen. Er könne somit von dem Termin keine Kenntnis haben. Sie wisse nicht, wo er fei. er müsse sich in einem Zustand geistiger D e l w i r r u n g befinden, auf berlinisch: meschugge sein! Das Gericht vertagte oarauf die Verhandlung. Es handelt sich, wie man sich erinne.l, darum, daß Dörr 1000 M. der„Roten Htitc" für sich behalten hoben soll. Di« Angelcgenheir iit ziemlich rätselhaft, und verwundert fragt man: Was ist mit Dörr! Die Gzeanftieger in Lissabon. Tie Laudung i« Nebel. Emde«, 8. Oktober. Nach Milleilung der Aluglettung Norderney ist da» Flugzeug V 1230 in Lissabon gelandet. Lei den Zunkers-Flugzeugwerken Ist folgendes Telegramm aus Lissabon eingegangen: „Loose berichtet: Landung nur wegen Nebel. Maschine. Mannschaft wohlauf, hosse sechsten Morgen Lissabon erreichen." ltine Erklärung öer Junkers-Werke. Die Telegraphenunion ist von den Junkers-Werken offiziell zu folgender Erklärung ermächtigt worden:' „Die von der Telearaphcnunlon am 4. Oktober d. I. oerbreitete Meldung, wonach die Junkers-Werke den Zulassungsantrag für das gestartete Junkers-Fwgzeug„D. 1230* gestellt und dieses beim deutschen Luftrat für den Langstreckenflug angemeldet haben, ist in vollem Umfang richtig. Damit haben die Zunkers- werke als ge- ichäftlichcr Unternehmer des Fluge» zu gelten. Di« vom WTB. am 5. Oktober verbreitete Nachricht, der zufolg« die Junkers-Werke in keiner Weif« hinter d«m Unternehmen stehen und dieses Unter- nehmen weder technisch, noch organisatorisch, noch finanziell in irgendeiner Beziehung vorbereitet haben, also an dem Unternehmen uninteressiert sind, ist falsch und geht aus unrichtig« Kombinationen zurück." Die Morde des ZigeunerS Herzberg. .Eine Reih« von Mordtoten werden dem 38 Jahre ollen Zigeuner Hermann Herzberg zur Last gelegt, der jahrelang von vielen Behörden gesucht, endlich nach einem ausgedehnten Fohndungsver- fahren von den Landjägern bei P i l l k a l l« n ergriffen und fegt vor- läufig nach Berlin gebracht wurde. Herzbcvg, der Pferdehandel betrieb, erschoß mit 22 Jahren in der Nähe von Stettin«inen Zigeuner, der seinen Batcr überfallen hatte. Er erhielt acht Jahre Zucht- Haus, die er in Sonnenburg verbüßte. Nachdem«r im August 1918 entlassen worden war, verfolgten ihn, wie er behauptet, die An. gehörigen des Stammes des Erschossenen ständig mit Blutroch«. Wiederholt sei er überfallen und angeschossen worden. Ein Jahr nach seiner Entlassung erschoß er in Gülzow in Pommern seinen O n k« l den Zigeuner Heinrich R o s» n o a ch. Auch das soll mit der Blutrache zusammenhängen. Den gewaltsamen Tod seines Schwiegcroaiers verschuldet zu haben, gibt der Verhajteie ebenfalls zu. Diese Tat liegt ebenfalls schon«ine Reih« von Jahren zurück. Alles andere, dessen er beschuldigt wird, bestreitet Hcrzberg. Mord« an Förstern ufw., die im Lauf« der Jahre in den verschiedensten Gegenden verübt wurden, sollen von anderen ihm unbekannten Tätern begangen worden sein. Andere Zigeuner hätten lediglich aus Rache auch dies« ihm zur Last gelegt und ihn deshalb angezeigt. Nach seinem Verhör durch die Kriminalinipektion A wird Herzberg heute nach Hanau übergeführt werden, in dessen Umgebung er seinen Schwiegervater erschossen hat. Feuer in der Weberftrajte. Die Feuerwehr war gestern nacht um 3 Uhr mehrere Swnden lang in der W e b e r st r a ß e 3 mit der Bekämpfung eines gesähr- lichen Fabrikbrandes bcschästiat. In den Parterreräumen des Onergebäudes, in dem ein« Tischlerei ihre Werkstätten hat, war Feuer ausgebrochen, das erst bemerkt wurde, als aus den Fenstern meterhohe Flammen herausschlugen. Als die Feuerwehr an der Brandstätt« eintraf, hatte der Brand bereits auf das erste Stockwerk übergegrissen. Holz- Vorräte gaben dem Feuer reiche Nahrung. Starke Oualmentwicklung erschwerte die Löscharbeiten, so daß die Feuerwehrbeamten nur mit Schutzmasken oordriiwen tonnten. Nach einstündigem Wasser- geben au« mehreren Schlauchleitungen war die Haupi- gefahr beseitigt. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis gegen 7 Uhr morgen«.— Durch F u n k e n s l u g aus einem f ch a d h a s t e n Ofen entstand gestern nacht in einer Fahrradwert statt in der N e u e n d o r s« r„S t r a ß e 7 8 zu S v a n d a u Feuer. Der Raum brannte völlig au». Di« Spandauer Feuermehr war über eine Stunde an der Brandstätte tätig.— Im Dachstuhl des Hause« Krausen st raße 09 brach heute früh Feuer au», das von Hausbewohnern bemerkt wurde, als es noch Im Entstehen be» griffen war. Die alarmierte Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Totqefahreu und li-geu Zwei patrouillierende Polizeibeamten machten gestern nacht gegen 1.30 Uhr vor dem Haus« Pfarrstraste 43 einen schrecklichen Fund. Mitten aus dem Fahrdamm lag i» einer Blutlache die Leiche eines Mannes, die schwere Kopfverletzungen aufwies. Der Arzt der nächsten Rettungsstelle stellte den Tod durch U e b e r fa h r en' fest. Di« Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach ter Halle in der Bornitzstraß« übergeführt. Wie au» den Papieren hervorging, die bei dem Toten gefunden wurden, handelt es sich um den öOjährigen Buchhalter Ludwig Würz au» der Kantstraße 4 zu Lichtenberg.— Ohn« Zweifel handelt ti sich wieder einmal um das Opfer eine» rücksichtslosen Kraftwagen- führers, der, nachdem das Unglück geschehen war, die Flucht er- griff und hcn Schwerverletzten hilflos liegen ließ. Erd- und Aeuerbestaiinngen. Die Berliner Bevölkerung neigt immer mehr dazu, ihre Toten den Flammen zu übergeben. Im Juni dieses Jahres waren 975 Erdüestattunge« irnö 1046 Feuerbestattungen zu verzeichnen. Im Bormonat waren die betreffenden Zahlen 958 zu 1032, und im Juni 1920 wurden 940 der Gestorbenen der Erde und 1033 dem Feuer übergeben. Der Konfession nach gehörten von den 1040 im Juni 1927 durch Feuer Bestatteten 032 der evangelischen, 35 der katholischen, 21 der jüdischen Religion an; 249 waren Dissidenten und 49„Sonstige".— Die Herren Geistlichen aller Konfessionen, die ehemals fanatisch gegen die Feuerbestattung eiferten, haben sich längst damit abgefunden: sie lehnen es nicht mehr ab, bei den Trauerfeierlichkeiten mitzu- wirken, wenn der Wunsch an sie ergeht. Wo ift öle Zalsthgelüzeutrale? Internationale Verbrecher. Bei verschiedenen Banken In Kopenhagen, Oslo, Stock« Holm und Amsterdam wurden vor kurzem englische Pfundnoten eingewechselt. Sie wurden zur Abrechnung an die Bank von England gesandt und hier als Fälschungen erkannt. Im Amsterdam wurde nun vor einigen Wochen ein Mann festgenommen, al» er auf einer Bank eine falsche 50-Psund- Note umwechseln wollte. Er nannte sich Mathäus B e r m e e r und wies sich mit einem Paß aus, der in Berlin auegestellt, wahrscheinlich g e s ä l s ch t ist. Di« Berliner Zentrale stellte fest, daß Vermeer ein russischer Kunstmaler Salonion S m o l a n o f s ist. Dieser wurde bereits 1923 in Berlin sestaenommen, zugleich mit einem Ivan Miasosedoff, der in jenem Jahre englische Psundnoten gefälscht hatte. Miasajedofs entlastet« aber seinen Freund vollständig. So mußte der Kunstmaler auf freien Fuß gesetzt werden. Er wurde aber aus- gewiesen. Seitdem reist« Smolanosf umher und berührte Kopen- Hagen, Oslo und Stockholm, bis er jetzt in Amsterdam festge- n o m m e n wurde. Er leugnete, irgend etwas gefälscht zu haben und behauptete, daß er die falsche 50-Psund-Note selbst gut- gläubig in Zahlung genommen habe. Nach seiner Ent- larvung durch die hiesige Falschgeldzentrale wird man wohl nicht mehr daran zweifeln, daß er selbst auch der Fälscher ist. Man sucht jetzt die Falschgeldzentral« festzustellen. N«turkataftrophe in Rumänien. Nach Meldungen aus Bukarest boben die heftigen Regen» güsse in den letzten Tagen in vielen Teilen des Landes große II e b e r s ch w e in in u n g e u verursacht. Bei I a s s y ist der Pruth über die Ilfer getreten und hat alle ti-fer gelegenen Stadtteile unter Wasser gesetzt. Besonders schwer verwüstet wurde die D o b r u d s ch a. Zahlreiche Slädi« und Dörfer wurden über- flutet. Aus den Trümmern der zusammengestürzten Häuser wurden insgesamt 15 Leichen geborgen. Der Schoden übersteigt 100 Millionen Lei. Cpfet des Londoner Nebels. In London herrscht zurzeit außerordentlich dichter Nebel, was zu einem schweren Unfall sührt«. Zwei In« spektionsbeamt« der Londoner Untergrundbahn wurden bei einer Besichtigung der Strecke von einem Zug erfaßt und beide getötet. Der Nebeldunst war so dicht, daß der Führer nur wenig« Meter weit sehen konnte. Poetische Diebe. In einem kleinen Dorfe bei Sablat in N o r d b ö h m e n bewirt- schoflen zwei Schwestern einen Bauernhof. Das Paar ist weit und breit als außerordentlich geizig bekannt. Dieses Jahr haben die Schwestern eine glänzende K r a u t c r n t e. Da sst nun diese Woche genau der vierte Teil des großen Feldes gestohlen worden. Einen einzigen Krautkopj ließen die Dieb« stehen, daraus prangte«in Zettel mit den Worten:„W e r so wie Ihr aus Gott ver- traut, der gönnt auch» armen Leuten Kraut!" 10 Jahre Zuchthau» für einen TUenschenquäier. Das Schwurgericht in Trier verurteilte einen Arbeiter namens Philippi. der sein« Frau in bestialischer Weise mißhandelt und dadurch ihren Tod herbeigeführt hotte, zu 10 I« h r e n Zuchthaus. Erster Schnee? Au» dem Erzgebirge und R i e s e n g e e birg« werden seit Mittwoch S ch n« e s ä i l e gemeldet. Di« Zvlerlsienvertretang Sclbsihils« e.V. der gejchSdlgten Auslands-, Kolonial- und iSrinzlandsdcut'ihen bält am Freitag, dem 7. Oktober, abends 8 Uhr, im Biirgeriaal des Raltmules. Königstrasie, ihre Mitglieder» verlammiung ab, in der über die RriegSentsitädigungSfiage beraten wird und einige Reichsia-zsaLgeordiietc über diese Frage sprechen werden. In- leressenteu sowie Gäste werden eingeladen. ver Deutsche Arbetter-Siingerdund,©au Berlin, X. Dezirk, verantlaltet am Sonnabend, dem S. Oktober, einen großen Kunst- und Werbe-Abend im Cäcllten-Ldzeum. Berltn-Lichtenberg, RaibouSslraße. Einlaß um 7 Uhr. Beginn 1,30 Uhr. Sintiitt völlig tostenloS. ES wirken mit: Valter H ä n el vom Bundesvoi stand und Paul S ch n e i d e r,©anooi fitzender, al« Reierenlen. Ferner Lichtenbcrger Männerchor„Hoiinung 89" Gemischter Chor„Osten", Op«> niänger Sack ,�a t n« r und Organist Schwarz. Es soll ein Gemischter Chor sür Lichtenberg und Umgebung gegründet werden. (Schluß des redaktionellen Teils.) Da» bekannt« Monat»aaird«rvben-Aau», Lothringer St«. M I,»in Rosentlialee Plag, dringt in der heutigen Nummer ein Inserat, ans da» wir ganz besontcr» dinwcisen, da die wirklich billigen Preise stir die anerkannt guten Qualllälea einem jeden&sl«gvchcit biet», jchao jetzt sei»» Ledars«iuzudecke». Schlichtungsverbanülungen km Srauerftreik Heute abend erste Aussprache. wie wir erfahren, hak der Vorsitzende des Sthlichknngsansjchnsses .xm sich aus die Parleieu im vrauerstreik zu heute abend zu einer Aussprache geladen. Es kann sich bei dieser ersten Besprechung zunächst nur um eine Aussprache insormatorischen Charakters handeln. Bei dem gegenwärtigen Stand des Kampses ist ein Cinigungsoersuch auch aussichtslos. Die Unternehmer bemühen sich krampshaft, ihre Betriebe wenigstens teilweise durch Streikbrecher in Gang zu hallen. Die Brauer verhören geschlossen im Streik und warten den Zellpunkt ab. an dem die Unternehmer zur Einsicht kommen werden. * Die Brauereien wollen nach wie vor die Unterhaltung der Licht- und Eismaschinen als„Notstandsarbeiten" gewertet wissen, damit der„N o t st a n d". der ihnen durch den Streik er- wachsen ist, möglichst behoben werden kann. Der Einsatz der .Technischen Nothilfe wird auherdem mit der Begründung gefordert, daß die halbfertige Ware und die Rohstoffe dem Ver- derben ausgesetzt würden, wenn die Eismaschinen nicht in Betrieb kämen. Noch immer— so klagen die Herren— hat der Polizeipräsident über die Forderung auf Einsetzung der Technischen Nothilse nicht entschieden. Die Unternehmer wollen deshalb von sich aus durch Einstellung von— freiwilligen Hilfskräften, das heißt von Streik- brechern, ihre Eismaschinen' in Gang bringen. Ihren Notbetrieb zur Abholung von Bier, worüber sie mit den Vertretern der Gast- wirte verhandelt haben, wollen die Brauereiunternehmer erweitern. Die Arbeiterschaft Berlins hat bis jetzt zu dem Streik noch keine Stellung genommen, in der Erwartung, daß es zwischen den Vertretern der Brauereien und den Vertretern der Streikenden, sei es direkt oder indirekt, zu Verhandlungen kommen wird, um den Streik beizulegen. Di« Brauereiarbeiter streiken nicht um zu streiken und die Brauereien zu schädigen oder gar— wie von deren Seite aus ziemlich deutlich ongeieutst wurde— um die Gast- und Schankwirte zu schadigen. Der Streit geht um die Erring ung besserer Lohn- und Arbeitsbedingun- gen Eine gewisse Erweiterung der bereits gemachten Zugestand- nisse— und«s kommt unschwer zur V e r st ä n d i g u n g. So fest entschlossen die Vrauereiarbeiter auch sind, den auf- genommenen Kampf bis zum Ersolg weiterführen, so sind sie doch nicht übermütig, um«in annehmbares Angebot auszuschlagen. Eine Einigung ist wie gesagt leicht möglich, wenn sie vo» beiden Seiten gewollt wird. f\n die Angestellten der öravereienl Die Berliner Brauereiarbeiter führen gegenwärtig einen schweren Lohnkampf. Selbstverständliche Pflicht jedes im Berliner Brauereigewerbe tätigen Arbeitnehmers ist es. alles zu tun, um den Komps zu einem Erfolge zu führen, und alles zu vermeiden, was den Kampf erschweren und beein- trächtigen könnt«. Insbesondere darf kein kaufmännischer und tech- nischcr Angestellter, kein Werkmeister irgendwelche Streikarbeit verrichten. Wer Streikarbcit im gegenwärtigen Kampf der Brauerei- arbeiter leistet, übt schmählichen Verrat an seirsen Arbeitskollegen. In jedem Kampfe, den die Berliner Angestellten, gleichviel in welcher Gruppe, geführt haben, sind sie durch die organisiert« Ar- beiterschast dadurch unterstützt worden, daß diese direkt oder indirekt Leistung von Streikarbeir ablehnte. Genau so muh jeder klassenbewußte Angestellte handeln, der Ehr. und Solidaritätsgesühl hat. Der Begriff„Solidarität" darf kein bloßes Aushängeschild sein. In Anten des Kampfes muh sich die Solidarität praktisch erweisen. Wir erwarten, daß alle Angestellten in den Berliner Brauereien im Sinne dieses Aufrufes handeln, jede Streitarbeit ablehnen und sich als Kollegen benehmen, die durch ihr Verhalten in diesem Kampfe das Ansehen der Angestelltenverbände und die Zusammen- arbeit mit den Arbeitergewerkschaiten nicht beeinträchtigen. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. F l a t a u. Zentralverbond der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Berlin. G o t t s u r ch t. Deutscher Wertmeisterverband, Bezirk 1». Rothe. Bund der technischen Angestellten u. Beamten, Ortsverwaltung Berlin. Günther. Nlagiftrat gegen Staötverorünete. Tie zwischentarifliche Lohnerhöhung abgelehnt. Die erinnerlich, hak die Stadtverordnetenversammlung aus Rück- sich: auf die fortschreitende Teuerung entsprechend einem Antrage des Verbandes der Gemeinde- und Slaatsarbeiler e i n st i m m> g beschlossen, die Cöhnr der Gemeindearbeiber u m l 0 p f. die Stunde zu erhöhen. Zu diesem Beschluß nahm der Magistrat gestern abend Stellung. Cr ist dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung nicht bei- getreten, ver Magistrat hat sich damit begnügt, den Beschluß a b z u- lehnen, ohne selbst andere Vorschläge zu machen. Es liegt also ein S o n f l i k l zwischen Skadloerordnetenversamm- lnng und Magistrat vor. E» ist nicht anzunehmen, daß die Stadt- vcrordnelcnoersammlung diese Ablehnung ruhig einsteckt. Es dürfte darüber zu Auseinandersetzungen kommen. Auch der Gemeinde- und Slanlsarbeilerverband wird sich zweifellos damit nicht abfinden, doch dürste er. da ein einstimmiger Beschluß der Stadtverordnelenversamm- lung vorliegt, abwarten, wie fich diest zu dem Beschluß des Magistrats verhält. die Seöeutung öes Schlichtungswesens. Eine Lehre aus der Strastenbahnerbewegung. Es ist natürlich ein aussichtsloses Beginnen, den Analphabeten der KPD. das Abc. des Gewerkschastskampses beibringen zu wollen. Nicht gerade deshalb, weil die Kommunisten begriffsstutzig wären. Wie schnell ein überrevolutionärer Kommunist umlernen, und sich in einen Gelben verwandeln kann, dafür gibt es Beispiele. Wie schnell man in der KPD. vom Führer zum Sozialverräter wird und umgekehrt, auch uifür gibt es Beispiele in Menge. Aussichtslos ist jeder Bclehrungsverfuch vor allem deshalb, weil die Handlanger Moskaus nichts lernen dürfen. Sie sind nur ausführende Organ«, haben zu gehorchen, und ihr« ausschließliche Aufgabe besteht in der Bekämpfung der Gewerkschaften und der Sozialdemo. kratischen Partei. Aus Anlaß der Stroßenbahnerbewegung bemühen sich nun dies« Handlanger Moskaus,„theoretische" Auseinandersetzungen über das Streikrecht vom Stapel zu lassen und über den„Bankerott" des Schlichtungswesens. Dazu sei grundsätzlich bemerkt: Das Schlichtungsverfahren kann keine Ge- werkschaft ersetzen. Es hat keinen freie« Gewerkschafter gegeben und es gibt keinen, der jemals die Auffassung vertreten hätte, als war« das Schlichtungswesen irgendwie identisch mit einem gewerkschaftlichen Kampfmittel. Praktisch liegen die Dinge so, daß durch das Schlichtungswesen und durch einen Schiedsspruch unter Umständen d i« Arbeiterforderungen festgesetzt werden, die sonst nur durch einen mehr oder weniger langen Kampf erreicht wer. den können. Ein Schiedsspruch kann also den Arbeitern wie den Unternehmern«inen Kampf ersparen, ohne in Wirklich- kest auf die Dauer bessere oder schlechtere Arbeitsbedingungen fest- setzen zu können, als es dem gegenseitigen Kräfteverhältnis und der wirtschaftlichen Konjunktur entspricht. Wäre dem anders, dann würde ja in Sowjetrußland wirklich das Paradies bestehen, von dem die Kommunisten immer reden. Dann würde in Sowjetrußland die Arbeiterschaft nicht unter Lohn- und Arbeitsbedingungen arbeiten müssen, die noch schlechter sind als die im kapiialistischcn Deutschland. Der Wert des Schlichtungswesens besteht einzig und ollein darin, daß opfer- reiche Kämpfe unter Umständen vermieden werden können. Warum ist nun der Straßenbahnerkonflikt nur mit einem teil- weisen Erfolg ausgegangen? Warum haben die Funktionäre der Straßenbahner— und nicht nur die sozialdemokratischen Funk- tionäre— es nicht gewagt, die Durchführung des Streiks zu über- nehmen, die ihnen von der Organisationsleitung srcigestellt wor- den war? Ganz einfach deshalb nicht, weil das Lräfteverhällnis den Straßenbahnern nicht gerade sehr günstig war. Vierzig Prozent der Straßenbahner sind gegenwärtig erst sreigewerkschaft- lich organisiert. Die Straßenbahner unter diesen Umständen in einen Streik hineinführen, bedeutete, sie in eine Niederloge hineinführen. Das hat der kommunistisch« Obmann des Be- triebsrats der Straßenbahner sehr wohl eingesehen, und deshalb hat er es abgelehnt, die Verantwortung für den Streit zu über- nehmen. Deshalb ist er auch ohne Ausschlußverfahren, ohne die Mög- lichkeit zu haben, sich zu verteidigen, aus der KPD. hinausgeflogen. Die KPD. ist dazu da, die Arbeiter in Niederlagen hineinzuführen. Wer sich dieser Taktik nicht fügt, der fliegt. Wären die Straßenbahner statt zu 40 Prozent zu 80 Prozent organisiert, dann würde die Direktion der Straßenbahn von vorn- herein andere Saiten ausgezogen haben. Dann würde auch der Schiedsspruch anders ausgefallen lein. Dann wäre auch die Mög- lichkeit gegeben gewesen, im Falle eines unbefriedigenden Schieds- t spruche» selbst no ch. eine? PerchindkichkestserNSpung kstten Streif durch die Betriebsvertretung zu führen. Nicht wir also, nicht die sogenannte reformistische Gewerkschasts- bureaukratie bewertet das Schlichtungswesen höher als es ihm zu- kommt, sondern die KPD. tut so, als wäre das Schlichtungsoer- fahren ein« Art Allheilmittel. Das ist es nicht und kann es nicht sein. Dafür ist gerade Sowjetrußland mit seinem obligatorischen Schlichtungsverfahren ein schlagendes Beispiel. Reichstagung üer Serufsfeuerwehrleute. Zweiter Derhandlungstag. Halle, 6. Oktober.(Eigenbericht.) Der zweit« Tag der Reichsbezirksvertreterkonferenz des VDB. wurde am Bormittag ausschließlich der Behandlung von Besoldungs- fragen gewidmet. Zuerst referiert« der 2. Verbandsvorsitzende Heyn- Berlin über die Neuregelung der Beamtenbesoldnng. Er stellt« einleitend fest, daß keine Rede davon sein kann, daß die Städte nach Aushebung des Besoldungssperrgesetzes ihre Feuerwehr- beamten bester bezahlt hätten. Nur dort, wo die Wiederherstellung früherer Besoldungsverhältniste und die Zlnpastung der Besoldung der Feuerwehrleute an die in Preußen erfolgte Verbesserung notwendig war, sei die Besoldung beibehalten, und zwar bei insgesamt IS Be- rvfsfeuerwehren. Die Neuregelung bringt bei weitem nicht das, was die Beamten nach der Magdeburger Rede des Reichsfinonzministers erwarten dursten. Hierauf oerbreitete sich der Referent über die For- derungen der Organisation. In der Debatte schilderten verschiedene Redner die Schwierig- leiten, die bei den Verhandlungen mit den einzelnen Länderregie- rungen zu überwinden gewesen feien. Betont wurde übereinstim- mend, daß sich die Regierungen auffallend bemühten, die Oesfentlich- keit über ihre wirklichen Absichten im Dunkeln zu lasten. Möller vom ADB. stellte fest, daß der Minister' so getan habe, als bringe die neu« Gehaltserhöhung vornehmlich für die niederen Beamten größere Vorteil«, während die höheren weit schlechter ausgingen. Durch Ionglierung mit verschieden gestalteten Prozentsätzen sei dieser Ein- druck erzielt worden. In Wirklichkeit zeigen die realen Zahlen, daß die scheinbar geringer« Erhöhung bei den oberen Gruppen osi mehr ausmacht, als das Gesamteinkommen niederer Beamter. Feierobend- Berlin kam nach eingehenden Ausführungen zu dem Resultat, daß die neue Besoldungsordnung in Wirklichkeit nur B e r- s ch l e ch t e r u n g e n mit sich bringt. Er stellt die Forderung auf, daß angesichts desien wenigstens die Gemeinden die bisher geltende BO. beibehalten. Danach wurde beschlossen, zur Eingruppierung des Feuerwehrpersonals bei der kommenden Besoldungsreform folgende Forderungen zu stellen: In die neue Reichsbesoldung sind einzugruppieren: 1. Feuerwehrmänner während der Probedienstzeit in Gehalts- gruppe VI; 2. Feuerwehrmänner nach Ablauf der Probedienstzeit in Gehaltsgruppe Vb; 3. Vrandmeifter nach den Richtlinien des DDB, geprüfte Oberfeuerwehrmänner in Gehalisgruppe IVb; desgleichen Feuerwehrmänner und Oberfeuerwehrmänner, die nach abgelegter Prüfung nach 20 Dienstjahren keine ctatsmäßige höhere Stellung erhalten können: 4. Oberbrandmeister in die Gehaltsgruppe lVo. In der Nachmittagssitzung sprach W e i l m a i e r- Berlin über Berforgungsanwärter im Feucrwehrberuf. Danach fanden noch einige organisatorische Fragen Behandlung. Achtung. Kollegen, Werkmeister der Ledertadustrte! SrzKe öffentliche Ter- sommluna am Freuag. dem 7. Ollober, abends 7V, Uhr. im„Alexandriner", Alexandrinenstr. 37a. Referent: Soll. Rothe vom DBV. Ter Vorstand. Die Sparkaste der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G„ verlin. kvallsir. öS. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von S— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von ü— 1 Uhr geöffnet. Terantwortlich iiir Politik: Dr. llurt Stijet; SBirifchoft:«. Klingelhiler-, Dr. John Schiiossti: Lotalcs: «loae: sömiiich in Perlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckere« Lindenffrak» 3. und Vcrlagsanstalt Paul Sing» u Co. Berlin EW Srdener un«l anü«leiue vekiu« an« limSeSena; Kauft Eure Hcrrcn«Bekleldung i n wirklich reellen und guten Qualitäten in dem bekannten Monatsgarderoben- Haus Lothringer Straße SS', am Rosenthaler Platz Einige Beispiele: Paletot marengo gute Qualität Qfl_ von Mk. OOa an Anzüge Mau Twin �0 pr.vonMk. HOi— a Ulster dkl. braun 00• gem.v.Mk. Uli a Anzüge dunk. gestreift OC von Mk. tJi'a usw. Sport pelzen swuaen»: 7S. 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Berlin O 17, KoppcnMraBe 6, 2 -* allen Ausgabestellen „Vorwärts". TOTAL.- AUSVERKAUF wegen vellstSndlger Aufgabe des Harrcngardereben-SpeslalgeschEftes(lerlraudtcnstraBe 24. Das gesamte vorrätige Lager und die im Auftrag befindlichen Waren, ladt nettren IlllU d Stfldc, miisaen in ganz kurzer Zeit vollstdudig ausverkauft werden. E« gelangen zum Verkauf lllSillSlS TaueDde fetltti modernste fertige Herren-Anzüge, Mäntel, Hosen Die Preise sind rücksichtslos herabgesetzt, zum Teil weit unter Einkaufspreis! Herrcn-Wintcr-MEntelf blaue und farbige Herren-Jackelt-AnzQgef Tanz-, Smoking-, Frack-AnsUjje, gestreifte Herren-Kammgarnhosen, Konflrmanden-AnsUge, Jünglings- u. Knaben-Ansage u. Mäntel Benutzen Sie diese beispiellos günstige Gelegenheit zum Einkauf Ihres Herbst« und W I n t e r b e d a r f s.— Kommen Sie möglichst vormittags. Herrenbekleidung Gertraudtenstr. 24 gegenfiber der Pcfrtlürdie