Nr. 47$ 4 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 243 Bezugspreis: Wöch«n!Ii Vkennia lzuläMa ,wel iettaedrucktc Borte». irdes weitere Wort 12 Tlennia. Eiestengeluche das erste Wort lö Bfennig. iedes weitere Wort 10 Blennia. Worte Uber IS Buch- staden zählen iur zwei Worte. Arbeitsmarlt Keile SO Vfennia. Familienan, eigen tstr Abonnenten Keile»0 Picnnia. Anzeigenannahme im 5?auotgeschäst. Lindenstraße L. wochcntäzlich von S'/j bis 17»Ihr. Redaktion und Verlag: öerlin Ew. 60, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Varls, 8- Oktober.(Eigenbericht.) I-er Ministerrat befaßt« sich sehr ausführlich mit dem Füll Rakowfki. Im Anschluß an die Sitzung wurde der gesamt« offizielle Meinungsaustausch zwifchen Paris und Moskau veröffentlicht. Das erste Dokument ist eine Verbalnote der französischen Bot- schaster in Moskau vom l- Oktober. Darin wird der tags zuvor vom Pariser Ministerrot gefaßt« Beschluß, daß die Anwesenheit Rokowskis auf seinem Poriser Posten unerwünscht sei, erläutert und dazu erklärt, daß die französische Regierung im Interesse der künftigen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Rußland die Abberufung Rakowskis für wünschenswert ansehe. . Am 4. Oktober antwortete Tschitscherin, daß die russische Re- gierung die Abberufung Rakowskis als unerwünscht b-trochte und als unerklärlich vom Standpunkt der Erfolge mit der Schulden- rcgelung, die dank Rakowski erzielt wurden: es wäre gefährlich für die stesmnlen Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen, den Botschafter abzuberusen. Rußland müsie vorher eine genau« Darlegung erhalten, in der die Forderung Frankreichs aus- sührl ch begründet werde. Das dritte Dokument ist die soeben vom französischen Botschafter an Tschitscherin persönlich übergebene Note mit dem ossi zielten Antrag auf Abberufung Rakowskis. Die Note erklärt, daß Rakowski zum erstenmal mit seiner Unterzeichnung des Moni- fest? der russischen Kommunistischen Partei aus der gebotenen Zurück- Haltung l?erousg««reten sei. Weiter hob« er die Pflicht der Zurück- hältung in ganz unzulässiger Weise verletzt, als er leine letzten Bor- schlägx in den xusiisch-sranzösischen Schuldeiwerhandlungen sofort der Presie mitteilt«, und zwar augenscheinlich in der Absicht, die französischen Anlilh-befißer gegen die französische Regierung aufzuhetzen. Frankreich habe keineswegs die Absicht,«inen Bruch der dchlomatilchen Beziehungen herbeizuführen: aber die Autorität Rakowskis sei durch diese Zwischenfälle zu sehr erschüttert, als daß er künftig noch Verhandlungen führen könne. Die Note wirst schließ- lich der russischen Regierung vor, daß sie sich allen bisherigen Schritten der französischen Regierung gegenüber taub gestellt habe. Der Sonntag, den 9. Oktober 1927 Generalsekretär des Außenministeriums habe Rakowski selbst gebeten, von sich aus seine Abberufung zu beantragen, sei aber dabei auf voll« Taubheit gestoßen. Man glaubt die Befürchtung hegen zu müssen, daß Rußland den Abbruch der diplomatischen Beziehungen erwarte und nur dos eine Ziel verfolge, Frankreich diesen Abbruch möglichst teuer bezahlen zu lasten. Man erwartet daher, daß Tschitscherin und Liwinosf vorläufig überhaupt nicht antworten und eventuell versuchen werden. Rakowski solange als mögllch aus seinem Pariser Posten zu belassen. Die französische Regierung aber hat außer der Ausweisung keine wirksamen Mittel, um ihn zur Abreise zu bewegen. Man be- fürchtet in diesem Fall«, daß Rußland den Botschasterposten in Paris leerlossen und damit Frankreich i» die Zwangslage versetzen werde, seinen Botschafter in Moskau mindestens in Ferien zu schicken. All dies bildet den Grund, warum der Mintsterrat sich bisher sorgfältig hütete, irgendeinen Beschluß über den Zeitpunkt des Wiederzusammcntritts der Kammer zu fasten. Poincare wünscht, einer parlamentarischen Erörterung des Aalles Rakowski aus dem Wege zu gehen. Er hegt die Hoffnung, daß der ganze Zwischenfall bis zum Wieder- zusammentritt des Parlaments aus der Well geschafft wird. Er will daher nochmals mit dem Vorsitzenden der Finanzkommission verhandeln, um mit diesem irgendeinen Vorwand für weitere Vertagung des Parlaments zu finden. Man trägt sich vor- läufig mit der Absicht, die Kammer erst am 7. November zusammentreten zu losten. keine �bbruchgefcihr. Rloskau, 8. Ottober. Nach Informationen, die der Vertreter des WTB. aus bester Quelle erhielt, erscheint die Gefahr des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Frankreich beseitigt. vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SV. 68, Linüenstr.Z P-Mchecklont»! Berlin 17 981—»anlkont«: Bant der Arteiter, Anftrfteltrn nah Beamten. Walls». Sä!»iikanto-Sesellsihaft. D«»»Iitenk,!le iindenstr. 1. Krisenspiel. Diktator Schacht und seine Trabanten. In der Wirtschaftspolitik des Reiches spielen sich Dinge ab, die die höchste Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft erfor- dern. Nachdem die Wirtschaftstätigkeit seit Jahresbeginn in ununterbrochenem Aufstieg gestanden hat, droht sie sich in- folge äußerer Eingriffe bereits wieder krisenhaft zu- zuspitzen. Wie immer, so ist es auch jetzt der Geld- und Kapitalmarkt, an dem diese Verschärfung der Lage sich zuerst zeigt. Als die Reichsbank am Ende dieser Woche ihren a m t- l i ch e n G e l d l e i h s a tz aus 7 Proz. erhöhte, hat sie keines- wegs eine neue Situation geschaffen— sie folgte lediglich den Tatsachen, die vorsichtigen Beobachtern seit langem erkenn- bar waren und vor deren Entwicklung sie eindringlich warnten. Die Verteuerung des Leihkapitals ist von verhäng- nisvoller Wirkung für den B a u m a r k t, der heute bereits wieder direkt und indirekt Hunderttausende von Arbeits- kräftcn beschäftigt. Sie ist von Wichtigkeit für die Staats- und Gemeindefinanzen, die zur Deckung ihres außerordentlichen Bedarfs und insbesondere gewerbliche Zwecke den Kapitalmarkt brauchen. Und sie ist von gleicher Bedeutung für die Industrie, die, wenn man von den Großbetrieben absieht, noch immer tin großen Umfange aus die Kapitalbeschaffung im Inland angewiesen ist. Alle diese Anleihen, die jetzt und voraussichtlich für längere Zeit unter- bleiben müßten, bedeuten im großen Umfange Aufträge für die Unternehmungen und Arbeitsmözlichkeiten für die Ar- bester. Anstatt daher alles zu tun, um das billig vom Aus- land hereindrängende Kapital ins Land hereinzulasien, sieht der gegenwärtige Reichsbankpräsident Dr. Schacht seine Hauptaufgabe darin, das zu verhindern. -l- Fast wäre es darüber zum Konflikt mit der Regie- rung gekommen. Der Reichsbankpräsident ist autonom, ist niemandem verantwortlich. Dem Volke aber gegenüber stehen die Regierungen des Reiches und der Länder, die für ihre Taten vor dem Parlament die Verantwortung tragen. So konnte sich begeben, daß die preußische Regierung eine Anleihe von 30 Millionen Dollar im Auslande aufnehmen wollte, der plötzlich infolge der ablehnenden Haltung der Reichsbank die amerikanische Regierung die Genehmigunq versagte. Andere Organe des Staatswesens kamen nicht erst dazu, von den fremden Geldgebern abgewiesen zu werden. Die Anleiheberatungsstelle, die die Kontrolle über Gemeinde- onleihen vom Ausland versieht, versagte unter Vrotest des Stadtparlaments der aufstrebenden Stadt Frankfurt a. M. die Unterbringung einer bereits vorbereiteten Anleihe in Amerika. So ging es vielen Gemeinden. Der Wohnungs- bau wurde lange Zest hierdurch und wird noch heute dadurch behindert, daß man der Heranziehung von Auslandsgeldern zu diesem Zweck Schwierigkeiten in den Wea legt. Wer die Schwierigkeiten macht, ist nicht etwa der Revarations- agent oder irgendeine andere fremde Stelle. Es ist vielmehr die Notenbank des Deutschen Reiches, deren Leitung die Fernhaltung ausländischer Kredite betreibt, ohne den inländischen Geld- und Kapitalmarkt so lenken zu können, daß der Produktion die notwendigen Betriebsmittel zur Ber- fügung stehen. 3- Es ist ein gefährliches Spiel, das hier getrieben wird. Wie gefährlich es ist, das erkennt man daraus, daß es selbst den Ministerien des Rechtsblocks bedenklich wird. Daher mußte das Rsichskabinett eingreifen. Das Kompromiß, das dabei gefunden wurde, war für Schacht ein Sieg. Die Beschränkung der ausländischen Anleihen soll grundsätzlich aufrechterhalten, die Kontrolle darüber ausgebaut werden. Freilich scheiterte Schacht mit seinem Anspruch, ein ausschließ- liches Entscheidungsrecht der Reichsbank über die Erlaubnis von Ausländsanleihen zu erhalten. Der deutsche Kapitalmarkt soll unter Druck bleiben. So ist der Wille des Reichskabinctts. Dabei drohen an vielen Stellen die erwähnten Schwierigkeiten infolge der in- ländischen Geldteuerung. Obendrein pflegt der Winter regel- mäßig auch in ruhigen Zeiten eine Zunahme der Arbeits- l o s i g k e i t zu bringen. Bleibt die Anleihekontrotte, dann wird es den Ländern und den Gemeinden erschwert, durch eigene produktive Arbeiten einem Anschwellen der Arbeits- losigkeit entgegenzuwirken. Die A r b e i t e r s 6i a f t ist es, die die Kosten � dieses Krisensmels zu tragen hat— eines Spiels, das volkswirtschaftlich unsinnig und ganz offenbar von anfechtbaren Nebenabsichten getragen ist. » Zunächst werden die großen Industriebetriebe von der Anleihekontrolle überhaupt nicht betroffen. Sie können im Auslands Geld aufnehmen, soviel sie wollen. Niemand redet i ihnen hinein. Das Interesie. ausländisches Kapfiai hereinzuholen, hat ober bei den Großunternehmern merksich nach- gelasson, seitdem es diesen möglich geworden ist. bei steigen- den Inlandspreisen und rationalisierten, das heißt gesenkten Produktionskosten ihren eigenen Finanzbsdarf aus dem A b- Sulgarifche Reüensarten. Wieder einmal Versicherungen statt Abhilfe. S o s i a. S. Oktober. Die gestrige Besprechung des Auhenniinisters Buross mik dem jugoslawischen Gesandten Retschilsch über die neue Tätigkeit der mazedonischen Revolutionäre hak sich in sreundschistlichen Formen abgespielt. Retschitjch teilte dem Mnislcr gewisse Rachrichten über die letzten Attentate mit und gab ihm Kenntnis van den dnrch die jugoflawischea Behörden zur Bekämpsung der Revolutionäre ergris» scren Maßnahmen. Weiterhin lenkte er die Aufmerksamkeit der bulgarischen Regierung aus die c r n st e n R ü ck w I r k u n g e n. die die Täsigkeik der mazedonischen Revolutionäre aus die bulgarischjugoslawischen Beziehungen haben könnte. Zn bulgarischen politi- schen Kreisen werden diese verbrecherischen Umtriebe beklagt und verurteilt und die entschiedene Hoffnung genährt, daß es auch diesmal beiden Regierungen gelingen wird, die vorübergehen- den Schwierigkeiten zu überwinden, wie man versicheri, wird, soweit es von der bulgarischen Regierung abhängt, alles Denkbare zur Ausrechlerhollung der freundschaftlichen Beziehungen getan werden. Loaüon hofft: Kein Appell nach Genf! London, 8. Oktober.(Reuter.) Di« Großmächte sind bemüht gewesen, der jugoslawischen und der bulgarischen Regierung zur Mäßigung in der Angelegen- heit der Grenzzwischenfälle zu raten. In maßgebenden Londoner Kreisen besteht keine Neigung, die Lage mit übertriebenem Besii- mismus zu betrachten. Bisher liegt k«in Borschlag auf Der- Weisung der Angelegenheit an den Völkerbund vor und man hofft, daß sich ein solcher Schritt auch nicht als notwendig er- weisen wird.___ Eine Kampfreöe vanöerveiües» Zurück zu den alten Kampf, nethoden! Brüssel, 8. Oktober.(Eigenbericht.) Außenminister Panderoelde hielt bei der Jubiläumsfeier eines sozialistischen Erholungsheimes«ine Ansprache, mit der er im Hinblick auf den bevorstehenden Wiederzusammsntnti des Parlaments den itmerpoiitischlm Feldzug eröffnete. Er sagte u a.:„Die G c- nosung des Landes und der Parte, ist nunmehr vollendet. Der Burgfried« ist zu Evde. wir müssen zu den alten Äampfmethadan zurückkehren. Drei Fragen müssen in der nächsten Parlamentstagung in den Vordergrund gerückt werden: der Pächterschutz, die Sozialversicherung und die sechsmonatige Militärdienstpflicht. Wenn wir dafür kämpfen, brauchen wir keine parlamentarischen und auch keine Regierungsschwierig- leiten zu fürchten. Die Verkürzung der Dienstzeit ist eng verbunden mit der A b r ü st u n g, sie muß die allgemeine Abrüstung be- schleunigen". Vandervelde schloß folgendermaßen:„Ich rufe euch auf zum Schwur, daß ihr alle vereint, wie seinerzeit für das ollgemeine Wahlrecht, so jetzt für die sechsmonatig« Dienstzeit, für die Ab- rüstuiig und den Frieden kämpfen werdet.". Diese Rede wird gewiß innerpolitische Nachwirkungen haben. Spanische porlamentskarikatur. Nichtbeteiligung der Arbeiterschaft. M a d r i d. S. Oktober. Dar Allgemeine Arbeileroerband Hot in einer außerordentlichen Tagung die Frage der Vertretung in der Ztationolversammlung geprüft und sich einmütig für die R i ch t b c k e i l i g u n g ausgesprochen. Rebellen auf üer Zlucht. Regicr»tngssieg in Mexiko. Mexiko, S. Oktober. Das Rachrichtcnbureau des Präsidenten E a l l e s teilt mit, daß die Generale G o m e z und A l m e d a eine von ihnen bei der El- Triunfo-Ranch bezogene Stellung ausgegeben nnd den Rückzug nach Süden angetreten haben. Die Buadestruppen haben die Ranch besetzt, ohne den Feind zn Gesicht zu bekommen. Riesenbranö in Znöien. Tausend Häuser in Peschawur zerstört. Peschawur, S. Oktober. Zu dem am dichtest bevölkerten Teil der Stadt brach gestern früh ein Brand aus. durch den über tausend Häuser mit zahlreichen Läden völlig zerstört wurden. Trotz eifrigster Bemühungen von Feuerwehr, Milstiir und Polizei konnte der Brand bi, heute früh noch nicht gllöscht werden. Man glaubt, daß da« Feuer im Hause eines Hindu» enlstandeu ist. Zn der Hauptsache sind dem Bvaad hlnduhäus« zum Opfer gesallen. doch wurden auch zahlreich« Häuser von Mohammedanern zerstört. Frankreich gegen Rakowski. Notenveröffentlichung und Abbruchforge. s a tz weitgehend zu decken. Der Mittel- und Klein- i n d u st r i e ist der Zugang zum Auslandskapital versperrt. Die Fernholtung von Auslandsanleihen trifft ober in erster Linie die wirtschaftliche Tätigkeit der öffentlichen Hand, über deren angebliche Verschwendung die Privatindustrie so gern zu klagen pflegt. Wollte Schacht sein stark geschwun- denes Renommee bei feinen großinduftriellen Freunden wiederherstellen, indem er die„marxistische" Gemein» Wirtschaft in ihrem Lebensnerv zu treffen suchte? Ob er das wirklich wollte oder nicht, ist nicht entscheidend. Ein Mann, der auf so hoher finanzpolitischer Warte steht wie er. muß auch für die Konsequenzen verantwortlich gemacht werden, di-» eintreten, wenn er sie auch nicht direkt beabsicbtigt hat. Die Resolution des Städtetaoes und die scharfen An- griffe, die i u. a. von unseren Genossen gegen die unqe- rechtfertigte Bevormundung der Gemeinden gerichtet worden sind, sprechen eine deutliche Sprache. Es find letzten Endes die sozialen Aufgaben der Städte, die voll- kommen verkümmern müssen, wenn das Reich durcb feine Steuergesetzgebung die schärfste Sparsamkeit dieler Staats- orqane auf kulturellem und sozialem Gebiet erzwingt, gleich- zeitig aber auch die Wirtschaftstätigkeit der Gemeinden durch die Anleihekontrolle Scbachts lahmgelegt wird. Wenn Schaidt ein Gegner der öffentlichen Wirtschaft ist, so ist das feine Privatstube. Wenn aber der keinem Parla- ment verantwortliche Reichsbankpräfident feine Sonderstellung dazu gebraucht, gegen den Willen des Volkes die öffentliche Wirtschaft zu bekämvfen, so muß sich gerade die Arbeiterschaft diese Einmischung energisch verbitten. Das Volk als Ganzes muß schärfsten Vrotest dagegen er- beben, daß ein solcher Kampf um Wirtschaftsprinzipien mit Mitteln geführt wird, die auf die gesamte Kapital- Versorgung der deutschen Volkswirtschaft zurückwirken. * Der Reichsbankpräfident verlangt die Anleihekontrolle auch aus Gründen der Reparationspolitik. Das spricht er offen aus. Er sieht in der„geborgten Konsunktur". in der Finanzierung der Produktion und des Absatzes durch Ausländsanleihen die Gefahr, daß die Uebertragung von Goldzahlungen an die Entente erleichtert wird und bei ibr Illusionen über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands erweckt werden. Da'u muß einmal ein ganz offenes Wort ge- sprachen werden: Für die Durchführung der Revarationen ist der R e- parationsagent verantwortlich. Er unterhält dafür ein eigenes Bureau. Seine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, daß ohne Erschütterung der deutschen Währung das Rengra- tionsprogramm abgewickelt wird. Seine Aufgabe ist es auch, bei den Ententemäcbten Illusionen zu z e r st ö- r c n. die durch eine vorübergehende Konjunktur entstehen könnlen. Der Reichsbankpräfident dagegen ist der beamtete und beioldete Sachwalter der Deutschen Reichsbonk und der deutschen Kreditwirtschast. Treibt er-eine Reparations- Politik auf eigene Faust, so bringt er das deutsche Volk in Gefahr, neuer Quertreibereien gegen die Wiedergutmachung beschuldigt zu werden. Jedenfalls weiß jeder Finanzmann, innerhalb und außerhalb Deutschlands, daß derartige zwangswirtschaftlichs Eingriffe in den deutschen Kreditver- kehr, wie fie der Diktator Schacht immer wieder betreibt, das Gegenteil von einer Klarheit über die wahre Sachlage schaffen: daher trägt sein. Austreten nur dazu bei, die Klärung eher zu oerzögern, als zu beschleunigen. Wenn wenigstens die künstliche Zurückdämmung von Aushiudsgeldern den Erfolg hätte, den man im Reichsbonk- dlrektorium erwartet! Wenn wirklich eine größere Sparsam- keit erzielt würde! Das ist jedoch nicht der Fall. Anstatt der langfristigen kontrollierbaren und einwandfreien Auslands- onleihen verschulden sich die deutschen Gemeinden gegenüber Mittelsmännern und Bankiers kurzfristig, die ihre Dar- lehen oft auch nur vom Ausland bezogen haben. Anstatt Kieinstaötnacht. Von Rudi Cims. Die Großstadt tönt wie eine farbenreich« Sinionie. Tagsüber tosen brausend« Akkorde. Vieltausend Stimmen klingen und schwingen zusammen— Musik in Dur. Nachts aber spielen nur vereinzelte Solisten— atonal in Moll. Nie endet diese Sinfonie, denn niemals erstirbt da» Loren in den Großstadtstraßen. Wie anders ist die kleine Stadt, di« ich in später Nacht durch- wandere. Wohl singt man auch hier am hellen Tage di« Lieder der Arbeit. Aber abend« hallt von den fiäuierwänden nur noch ein leises Echo. Und nachts schläft mit den Menschen auch die kleine Stadt einen tiefen, festen Schlaf.— Die Mitternachtsstunde ist schon vorbei. Trüb brennen spar- lich« Gaslaternen in den schmalen, winkligen Gassen. Hinter den verhangenen Fenstern engbrüstiger, kleiner Häuser schlafen längst die Menschen. Im mattsilbernen Mondlicht träumen di« alten Giebel und geschnitzten Erter. Rote Geranien glühen vor den kleinen Fensterkreuzen. Wie«in Schwurfinger streckt sich der Turm des ehrwürdigen Doms zum Sternenhimmel. Lang«, gespenstige Schatten liegen auf dem schlechten, holprigen Pflaster. Ueber den breiten Marktplatz schleicht gemächllch eine schwarze Katze. Nirgends«in Mensch.... Irgendwo murmeln die Wasser eines Brunnens.... Ein fernes Wagenrollen---- Schrille Pfiffe zerreißen für Sekunden die nächtlich« Still«. Alles erstirbt wieder und man hört nur den Hall der eigenen Schritte. Stille— Seltsam wird es einem zumute. Man denkt an die schaurigen Geschichten eines E. T. A. Hossmann— an Dolche, die im Mondschein blitzen, an blutend« Herzen, an Menschen, die in dunklen, engen Gasten ihr Leben verröcheln.— Der romantische Schleier fällt—„Metollarbeiter-Verband" leuchtet es in großen Lettern von einem kleinen, weißen Haus. Hier sitzen tagsüber die Führer der roten Arbeiter, die in den Fabriken und Hüttenwerken stehen. Eine Tafel an granitener Wand erinnert, daß in dieser Stadt ein Wohltäter der Menschheit Jugend- und Lehr- jähre verbracht«— August Bebels Bronzerelief grüßt von der Mauer herunter. Einige Schritte weiter—„Bolksstimme" steht über einer Buchhandlung angemalt. Hier ist das geistige Waffenarsenal der kleinstädtischen Arbeiterstadt. Verband und Partei— nichts von alter Romantik---- In dem mittelalterlichen Gefäß, das d>« klein« Stadt mit ihren Gasten und Winkeln darstellt, lebt der neue Geist der Gemeinschaft und des Forlschritts.— Die kleine Stadt bleibt zurück____ Auf halber Höhe des Berge- ragt eine Ruine---- Geheimnisvoll rauscht der Wald... In Silber- licht gebader liegt die Welt____ . Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin durchs tiefe Blau, wie schöne, stolze Träume, Mir ist, als od ich laugst gestorben bin Und ziehe selig mit durch ew'ge Räume." - der ungefährlichen indirekten, langfristigen tritt die un- . kontrollierte, viel gefährlichere kurzfristige Ber- > s ch u l d u n g, die obendrein den Nackteil hat. daß sie be- , deutend teurer bezahlt werden muß. Denn so verschwende- > risch sind die Gemeinden nicht, ohne Not an den Anleihe- ° markt heranzutreten. Dafür dürfen sie nun die viel höheren > Provisionen und Zinken bezahlen, die durch das Dazwischen- > treten von Mittelsmännern, Valutaversicherungen und ähn- > lichen Teueningsmomenten unvermeidlich werden. Während > Schacht den Beweis liefern will, daß erhöhte Gold Zahlungen , an das Ausland unmöglich sind, müssen aroße Teile des deutschen Volkes höhere Steuern an die Gemeinden und größere Goldzinsen und Goldprovisionen an das Ausland sahlen. um ihre sozialen und kulturellen Aufgaben durch- führen zu können— ein Widersinn wie er größer nickt denk- bar ist. Allein die ausgedehnte öffentliche Diskussion über die Kreditwürdigkeit der Länder und Gemeinden bat dem deutschen Kredit im Ausland auf das schwerste geschädigt. * Die Reichsreqieruna ist für die Finanzpolitik verant- wörtlich. Gegen ihren Widerspruch kann sich auch der Reichs- bankpräsid-'nt nicht auf die Dauer halten, auck wenn er auto- nom ist. Mit dieser Politik aber sind wir an den Rand einer Wirtschaftskrise gerückt. Wir überschätzen die Gefahr nicht, aber sie ilt vorhanden. Sie zu bekämpfen gibt es nur ein Mittel: Oeffnen der Tore, die uns mit dem Welt- markt, auch mit dem Weltkapital verbinden bei gleichzeitiger Erhöduna der Löhne, die den Ablatz st-iaert und es so der deutschen Produktion ermöalicht. ihre Leistungsfähig- keit voll auszunuh--n. Stott dessen betreibt man die Selb st- b l o ck a d e gegenüber dem fremden Kapitalzustrom. betreibt »-an den Lohndruck auf die Arbeiterschaft. So ist der Rechtsblock dofür verantwortlich, wenn istzt allerorten Lohnkämvfe entbrennen und mit aller Erbitterung durchgefochten werden müsien. Gröbere wirtschaftliche Ein- ficht bei den Unternehmern und der Regieruna hätte manche von ihnen üherslülsig gemacht. Die Arbeiterschaft jedenfalls hat keinen Ansaß, ihren Kovf für die Experimente einer vlan- loten Wirtschaftsführung hinzuhalten, wie sie jetzt mit ihren gefährlichen Folgen offenbar wird. Die»mstekrempefte Scbulvorlaae. Niederlage v. Keudells im Ncichsrat. Die Ausschüsse des Reichsrots haben am Freitag die erste Lesung des Schulgesetzes beendet, die zweite soll am Mittwoch vorgenommen werden, so daß das Reichsratsplenum am Freitag die zweite Lesung vornehmen könnte. Man hofft, auf diese Weise erreichen zu können, daß der Reichstag schon in der übernächsten Woche den Entwurf in die erste Lesung nimmt. Steht noch nicht fest, ob dieses zeitliche Ziel erreicht wird, so ist jetzt schon zu sagen, daß die Vorlage kaum ohne ein- schneidende Veränderungen aus dem Reichsrat herauskommen wird. Diese Veränderungen dürsten, falls das Reichsratsplenum die Ausschußbeschlüsse bestätigt, sich in der Richtung der Vorschläge bewegen, die von der preußischen und badischen Regierung oemacht worden sind, also auf eine verstärkte Stellung der Simultanschule Hinauslaufen. Bleibt es bei diesen Vorschlägen, dann wird die Keudellsche Vorlage total umgekrempelt den Reichsrat verlassen. In einer deutschnationalen Lehrerversammlung am Frei- tag soll Herr v. Kcudell gesagt haben, daß die Reichsregierung den preußischen Vorschlägen„s e l b st v e r st ä n d l i ch n i ch t" zustimmen werde. Die der Volkspartei nahestehende„Täg- liche Rundschau" erklärte diese Rede für befremdlich und den Bericht über sie für unglaubwürdig. In der Tat wurde die „befremdliche" Aeußerung alsbald durch ein Korrespondenz- bureau dementiert. Lange stehl man in Gedanken versunken. Man denkt an Goethe, der einst von hier oben auf die blauen Dächer der Stadt hernieder- schaute, der hier den Stoff für seinen„Werther" fand. Dort drüben steht da« Lottehaus. Im Tale liegt der Part, wo der unglücklich« Jerusalem seine letzten Stunden verbracht«. Nicht weil davon ist die Wohnung, wo ein Pistolenschuß sein Leben endete.— Da— mit einem Mal« wird der Himmel wie mit Blut über- gasten---- Vorbei sind die Traumvisionen, denn jenseil» des Flustes, der die Stadt in zwei Hälften schneidet, stehen Hochöfen und Hütten- werke. Jetzt leuchten rote Feuer herüber.... Rotes Eisen fließt in breiten Bächen au« den Oefen in die Formen.... Hochofenabstich. Zw« Gesichter zeigt di« kleine Stadt. Die alten Giebel und Dächer, die engen Gasten und der Dom mit seinem schiefernen Bischofshut tragen die Züge einer untergegangenen Zeit. Sie sind versteinerte Zeugen dieser Epoche. Aber auf der anderen Seite des Flusses, am Rande der Stadt, wo di« roten Feuer leuchten— da blickt«in junges Gesicht, die neue Zeit. Arbeit, Technik. Fortschritt. Hoch oben die Ruine. Dort saßen einst die Ritter, hielten nach reisenden Kaufleuten Aueschau, um st« zu berauben. Drunten im Tal stehe« Villen____ Dort schlafen in weichen Betten moderne Ritter. Unternehmer, die die schweißtriefenden Menschen an den glühenden Feuern ausbeuten. Zwölf Stunden schinden sich di« Gießereiarbeiter. Die Arbeiter, die da drüben das glühende Eisen in die Formen leiten, arbeiten von sechs Uhr abends bis sechs Uhr früh____ Zwölf Stunden schlucken sie den Graphitstaub.„Oualitäts- arbeit" verlangen die Unternehmer von den ermüdeten Menschen. Viele von ihnen kommen von stundenweit entfernten Dörfern. Ihres Lebens Kreislauf ist Arbeit und ein bißchen Schlaf. Rote Feuer brennen in den Hüttenwerken und rote Feuer lodern in den Herzen der Arbeiter. Vom Gemeinschaftsgefühl zusammen- geschweißt, schmieden sie die Wassen für den Befreiungstampf des Proletariats.„Es güt. die Arbeit zu befreien" singen di« Männer an den Feuern. Sie werden es schaffen— und nicht mehr Sklaven, sondern Bürger im Wirtschastestaat sein. Schon verbiassen die ersten Sterne---- Bald ist die Nach: vor- über---- Ein unsichtbarer Kapellmeister kommt mit der Partitur.... Und die Menschen, die jetzt noch schlafen, müssen wieder seinem Taktstock folgen— die Lieder der Arbeit intonieren. „Vühaentunst im Wandel der Zeiten." H. Johanne« G ün. t h e r sprach in einer Veranstaltung vom B i l d u n g s a m t C h a r- lottenburg im Schillersaal über.,B ü h n« n t u n st im Wandel der Zeit« n". An diese», ersten Abend gab er einen Ueberbiick über die antike Theaterlunst, dei der Volisbelustigung»nd Kulthandlung noch vereint waren, wenn auch natürlich je nach Ver- anlagung und Kullurepoche der Völker der«ine oder der andeie � Faktor überwog. Eharakterisiisch für das antike Theater ist das Fehlen von Darstellerinnen aus der Bühne. Auch Frauenrollen murden von Männern gegeben, sowohl im klassischen Rom und Griechenland wie in China und Japan, wo noch bis in die neueste Da noch nicht feststeht, welche Gestalt die Vorlage im Plenum des Reichsrats erhalten wird und wie die Reichs- regierung und die Parteien des Bürxerblocks auf sie reagieren werden, wäre jedes Prophezeien verfrüht. Einstweilen ober befindet sich der deutschnationale Innenminister v. Keudell in keiner beneidenswerten Lage, und so wie ihm geht es der hinter ihm stehenden Partei. die Tagung öes Albert Thomas über die Bedeutung der Berliner Tagung. Im Hotel Eden, wo der Direktor und der Präsident des Jnter- nationalen Arbeitsamts mit einem Stabe von Beamten abgestiegen sind, empfing Albert Thomas gestern abend die Vertreter der Presse. In einer tief durchdachten, humorvollen Rede in deutscher Sprache wies Albert Thomas auf die Bedeutung der Berliner Tagung hin. Er erläuterte die verschiedenen Tages- ordnungspunkie und kam schließlich auf die Ratifizierung der inter- nationalen Abkommen zu sprechen, wobei er die Hoffnung äußerte, daß die Berliner Tagung des Berwaltungsrats des Jniernationalen Arbeitsamts nicht vorübergehen werde, ohne daß die deutsche Regierung eine oder mehrere Ratifizierungen ankündigen oder vollziehen werde. Albert Thomas wies dabei aus das internationale Abkommen von Washington über den Achtstundentag Hut. das wohl keine Prestigefrage für das Internationale Arbeitsamt, aber«in Kernstück der internationalen Sozialpolitik sei. M« Sozialpolitik habe zum Ziel den Schutz und die Erhebung der Arbeiterschaft: ohne Zeit und Muße ist aber eine Höherentwicklung nicht möglich. Wenn auch das Abkommen von Washington nicht aus der Tagesordnung der Berliner Tagung des Berwaltungsrats stehe, so sei es doch sehr wahrscheinlich. daß auch diesmal davon gesprochen werden würde. Albert Thomas sprach schließlich über den wachsenden Anteil Deutschlands an den Arbeiten des Internationalen Arbeitsamts, wobei er mitteilt«, daß die deutsche Ausgabe der verschiedenen Verössenttichungen des Jnter- nationalen Arbeitsamts in diesem Jahre zweifellos die höchste Auf» tage von allen anderen Sproäien haben werde. 2m gleichen Maße sei deshalb auch der deutsche Beamtenstab sowohl in Gens im Jnter- nationalen Arbeitsamt wie in seiner Berliner Zweigstelle gewachsen. Obwohl die offiziellen Verhandlungssprachen immer noch englisch und französisch seien, so habe man es doch infolge dieser wachsenden Mitarbeit durchzusetzen vermocht, daß die Reden in deutscher Sprache auf den Tagungen des Internationalen Arbeits- amts von den offiziellen Uebersetzern in die beiden anderen Sprachen übersetzt werden, und daß der Text der Abkommen nicht nur englisch und französisch, sondern auch in deutscher Sprache offiziell abgefaßt werde. Albert Thomas sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß die Berliner Tagung diesen steigenden Anteil Deutschlands noch ver. stärken möge. Die Arbeiten des Verwoltungerats beginnen mit Kommission«- sitzungen am kommenden Montag. Die Sitzungen des Lerwaltungs- rate, die öffentlich sind, beginnen am Dienstag nachmittag. Flucht aus üer Kpd. Auf dem Wege zur wahren Einheitsfront. Draunschweig. 8. Oktoher,(Eigenbericht.) Di« Flucht aus der KPD. zurück zur Sozialdemokratie Hot auch in Braunschweig eingesetzt. Dieser Tage ist der braunschiveigisch« kommunistsche Stadtverordnete Siemann zur SPD. übergetreten. Die Stadtverordnetenstaktion der SPD. zählt nunmehr 14 Mandaie, während die kommunistische Fraktion nur noch einen Berireter im Stadtparlament hat. In dem Arbeiterort Lehndorf, der direkt mit ber Stadt Brounschweig zusammenhängt, ist der frühere Landtagsabgeordnete und Angestellt« des Holzarbeiterverbande«. Arno K r o s s«, ebenfalls zur Sozialdemokratie zurückgekehrt. Da sowohl Siemann wie Kross« im Holzarbeiterverband«inigen Einfluß be» saßen, haben die Kommunisten in dieser Gewerkschaft nun ziemlich ausgespielt. Zeit hinein keine Frau die Bühne betrat. Illustriert wurde der auf- schlußreich« Vortrag von zahlreichen Lichtbildern(von denen aller- dings ein ungünstig angebrachter Bühnenvorhang oft wesentliche Teile abschnitt). Außerdem sah man eine Szene des griechischen Theaters, ein chinesisches Bllhnenspiel und einen fein ausgeführten Maskentanz Wy M a g i t o s.®— Z. .Hoppla— wir leben" umgeformt. Aus Leizig wird uns geschrieben: Tollers Stück hatte bei seiner ersten Aufführung im Leipziger Stadttheater einen ungewöhnlich starken Erfolg, einen Erfolg, der um so bemerkenswerter ist, als er in der ge- spielten einfachen Inszenierung nicht dieser galt, sondern wirklich nur der Dichtung. Das zum Teil jugendliche und vor ollem prole- tarische Publikum war aufgerüttelt, ausbewegt wie immer bei Toller, der gerade in der Leipziger Arbeiterschaft viel Freund« hat. Die gegebene Fassung weicht von der Piscatorschen Berlin» wesent- lich ab: sie sst filmlos, unmechanischer und begnügt sich mit einem unpathetischen Schluß: Thomas erhängt sick) nicht, sondern lebt weiter, ermutigt, zur Arbeit bereit. Diese« Ende ist ehrlich. Dieses Ende ist deshalb ganz Toller. Wie der Autor im Kreis der Haupldarsteller iL ehmann-Haupt. Etanchina, Siedet) bejubelt wurde, jetzt in der kühlen Kunststadt Leipzig in Erstaunen. E. G. ZNuslkleben und Schulmusik. Am letzten Tage der gegenwärtig in Dresden stattfindenden Reichsschulmusikwoche stand die Frage de? allgemeinen Musiklebens und seine Beeinflussung durch die Schulmusik zur Diskussion. Professor Walter Vraunfeld sprach über„Die Bedeutung der Schulmusik im Rahmen des Musik» lebens unserer Zeit".' Durch das Kind solle man versuchen, auch das Elternhaus der Musik zurückzugewinnen. Dann sprach Prof. von Waltershausen über„Schulmusik als Grundlage der musikalischen Berufsbildung". Er erblickte in der Musik ein vorzüg- liche« Mittel, um über die seelischen Wirrnisse der Pubertätszeit hin- weg, zukommen. Der letzte Redner, Prof. Dr. S ch ü n e m a n n- Berlin, sprach über„Musikerziehung und Musikwissenschaft'. Zwei Richtungen ständen sich gegenüber. Die eine betone die Praxis, die ander« das wissenschaftliche Moment. In früherer Zeit sei die Musik Gebrauchsgut gewesen. Heute sei sie erst dazu berufen. In seinem Schlußwort faßte Prof. Leo Kestenberg noch einmal zu- sammen, was die sechste Reichcschulmufikwoch« an positiver Arbeit pcleistet hat, und dankte den Behörden, Künstlern und Vortragenden für ihre Unterstützung. Darauf schloß Ministerialrat Dr. Ment- G l ü ck e r! vom sächsische» Voltobildungsministerium die Tagung. Dies« sei für die Unterrichtsverwaltung sehr wertvoll gewesen, und man hosfe, manche Anregung verwerten zu können. ZftezerUche Varbieivvee» werden die Vorträge uniciltützen. die Aorgarete Valimänn am!0.. 17. und St. Oilober, jeweils abend» V Ubr, in der ilula de» G Y m n a i i u m» zum r a>> e n» l o<1 e r. Kioflerslr. 74. über den. Ä o d e r n«>i Tanz- bäit. Siniahlmten sär jeden Vorirag zum Prell« von EIN M.. für die drei Vorträze zulammeu zum Preise von 2 M. lind in belchrZnkter Zahl noch in den Vertauss- it eilen der AoltSbühne EP., an sämtlichen Tietzlchen Thealcr» lassen, iowie am Zaalcingang erhältlich. Sl-ftuna eine« deutichamerilan-säien Augeoorzte». Ter«lugenarzt ?r. Ja-« Schneider in Milwailkee hat i» seinem Testament der AugeiNU.u" in Sürzburg für eine Stiftung 300 üOO Dollar hinterlassen. Kohler spricht in Karlsruhe. Für Schwarzrotgold und— gegen Reichsbanner. Karlsruhe, 8. Oktober. Reichsfinonzminister Dr. Köhler hielt heut« abend im Windt- Horstbund eine Rede. Er wies darauf hin, daß d«r Schutz der Republik der Grundgedanke der Zentrumspolitik fei. Eine mon- archistijche Propaganda im Rohmen der Regierungspolitit fei un- erträglich. Di« Parteien, die in der Regierung zusammenarbeiteten, stünden auf dem Boden der Verfassung von Weimar(!?) und das sei der Boden der demokratischen Republik. Das Zentrum werde darüber wachen, daß diese Grundlage in keiner Weise verschoben werde, und werde sich gegen Beschimpfungen der republikanischen Staatsform zu wehren wissen. Klogen über allzu starkes Hervordrängen der schwarzweitzroten Forben könnten wohl mit geringerem Anspruch auf Berechtigung von denen erhoben wer- den, die bei dem 80. Geburtstage des Herrn Reichspräsidenten es abgelehnt hätten, die schwarzrotgoldene Flagge bei der Spalierbil- dung überhaupt zu zeigen. Dos Reichsbanner habe durch diesen Beschluß schwere Schuld auf sich geladen. Denn es habe durch sein Fernbleibe» ein durchaus falsches Bild von der wahren Meinung der Mehrheit des deutschen Voltes gegeben. Zu den währungs- und wirtschaftspolitischcn Fragen sagte der Minister: Unsere Währung ist gefestigt. Re- parationspolitisch befinden wir uns noch in einer Uebergangszeit. Diese auszunutzen und alles das nicht nur vorzubereiten, sondern auch durchzuführen, was vor dem Eintritt in das N o r m a l j a h r erforderlich ist, das mit dem 1. September lS28 beginm, ist unsere Ausgabe und Pflicht. Die deutsche Regierung wird auch jetzt alles tun, was in ihren Kräften steht, um die Erzielung der für die Er- füllung des Dawes-Planes erforderlichen Einkünfte sicherzustellen. Das wird auch der demnächst zur Vorlage kommende Reichsetat für 1928 beweisen. Die Welt soll in dem Vertrauen aus Deutschlands gegebenes Wort und fein« Arbeit zur Erfüllung dieses Wortes nicht enttäuscht werden. Tagung öer Deutschen Kmöensgesellschast. Kritik an der Landcsdcrratsjustiz.— Gegen die Verschärfung des Landesvcrratsparagraphcn. Erfurt, 8. Oktober. Die Generalversammlung der Deutschen F riedensge sells chast wurde am Sonnabendvormittag von Prof. Dr. O u i d d« eröffnet. Als Leiter der Tagung wurde Prof. Dr. S ch u m e r- Magdeburg, als stellvertretender Leiter Rechtsanwalt I d e r h o f f- Erfurt bc- stimmt. Hierauf evgrisf Reichstagsabgeordnetcr Genosse Dr. L e v i- Berlin das Wort zu einem Referat über das Thema:.Landes- und Kriegsoerrat im deutschen Strasrecht". Er betonte einleitend, daß die bisher geltenden Strafbestimmungen sich als durchaus zureichend erwiesen hätten. Trotzdem wolle man im neuen' Strafgesetzbuch weit schärfere Bestimmungen durchsetzen, deren Konsequenzen für die Rechtsprechung u n a b s e h- dar seien. Offenbar wolle man auch die Infonnationstätigkeit der Abgeordneten und Journalisten über militärisch« Ding«, besonders über die illegalen militärischen Organisationen, unterbinden. Wo solle es hinkommen, wenn dem Volk« jede Möglichkeit zur Beob- achwng und Kritik irgendwelcher offensichtlich gefahrvollen Vorgänge genommen werdel Der ganz« Spuk der Schwarzen Reichswehr UM»«/ verflogen gewesen in dem Augeichlick» wo vie Sönne �ber «effentlichkeit hätte hineinleuchten können, aber nur durch die Ge- Heimhaltung sei dies alles unterdrückt worden zum Schaden des Reiches. Jetzt solle sogar schon derjenige bestraft werden, der ver- suche, sich Nachrichten über eine Schwarze Reichswehr zu verschaffen, und eine solche Bestimmung wolle man dem Reichsgericht in die .Hand geben! Anschließend erstattete Prof. Dr. Q u i d d e den Geschäftsbericht, dem zu entnehmen war. daß die Friedenogesellschast zurzeit etwa 150 Ortsgruppen mit 25 000 Mitgliedern zählt. Nach Partei- Zugehörigkeit waren davon 40 Proz. Sozialdemokraten, 26 Demo- kraten, 25 Proz. Unorganisierte und 5 Proz. Zentrumsangehörige. In der Nachmittagssitzung sprachen Frau Dr. Helene S t o e ck e r und Dr. Hans S e e b e r g- Berlin über„Deutschland. Rußland und der Weltsrieden'. Otauisch-polniscbe Sturmzeichen. Beide gedenken des Wtlna-Putsches. Warschau, 8. Ottober.(Eigenbericht.) Am heutigen Sonntag findet gleichzeitig in Kowno eine litauische und in Wilna eine polnische Erinnerungsfeier zum 7. Jahres- tag der Besetzung de» Wilnagebietes durch die polnischen Truppen des Generals Z e l i g o w s k i statt. Die Wilnaer Feier dient zugleich dem Protest gegen die Unterdrückung der polnischen Minderheit im litauischen Staate, worauf inzwischen Polen mtt einer Reihe Der- geltungsmoßnahmen gegen die litauische Minderheit geantwortet hat. P i l s u d s t i fährt zur Kundgebung nach Wilna und mit ihm eine ganze Anzahl Minister. Auch General Z e l i g o w s k i erscheint dies- mal zu der Feier, dieser gewaltsamen polnischen Friedens- „Revision". Die Nachrichten von der litauischen Grenze lauten recht ge- f ä h r l i ch. Die polnischen Gegenmaßnahmen haben danach durchaus keine Abschwächung des litauischen Vorgehens gegen die polnische Minderheit erreicht. Kowno scheint im Gegenteil ein noch schärferes Vorgehen gegen die Polen durchführen zu wollen. Auch ist es be- reits zu kleinen Schießereien zwischen den Grenz- wachen gekommen. Die polnische Presse gibt u. a. Flugblätter wieder, die in Litauen vertellt werden und Aufrufe zum Krieg« mit Polen dar- stellen. Die Unterzeichner dieser Flugblätter sind Kriegeroereine und offiziös unterstützte Selbstschutzoerbände. Allerding» haben auch einzelne Warschauer Zeitungen eine recht scharfe Sprache gegen den kleineren Nachbarstaat geführt. Die polnischen So- zialisten stehen bisher mit ihrem Vorschlage, auf alle Gegen- maßnahmen gegen die litauische Minderheit zu verzichten und den Streitfall dem Völkerbund zu unterbreiten, in der polnischen Ocffentlichkeit ganz allein._ tudendorfs dementiert, daß man ihn von der Feldherrntribüne am Tonncnbergdenkma! hinuntergewiesen habe. Sein Leiborgan bestätigt indessen ausdrücklich die Richtigkeit der„Vorwärts"™!. dung. wonach Ludendorff sich geärgert hat, mit Hindanburg im gleichen Wagen zu sitzen. Gegen das vesolbunzrgesctz. Der Gesountvorstand des Reichs- Verbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten hat am 5. und 6. Oktober zu dem Besoldungsgesetzentwurf der Reichsregierung Stellung genommen. In einer Entschließung wendet er sich gegen die zu gering« Erhöhung der Gehälter der wirtschaftlich am be- drängtesten Beamten und gegen die ideelle Herabdrückung der unteren Beamtenschaft. Ein Urteil gegen Die Verleumdung an der Wiege de« Tresckow— Badicke: Der Prozeß Tresckow-Badicke hat mit einer schweren Niederlage der deutschnationalen Großgrund- b e s i tz e r des Kreises Königsberg(Neumark) geendet, und mit einer schweren moralischen Niederlage des Reichs- kanzlers Marx. Das Gericht hat erkannt, daß die Be- hauptung, v. Tresckow habe einen groben Ver- trauensbruch begangen, eine Verleumdung und besonders strafwürdig sei. Die öffentliche Gerichtsverhandlung hat erwiesen. daß es kein Material gibt, dos den Vorwurf des groben Ver- trauensbruchs rechtfertigt. Sie hat ferner erwiesen, daß die deutschnationalen Großgrundbesitzer im Kreise Königsberg Anfang des Jahres 1926 mit dem Gedanken des Staats- st r e i ch s spielten und dazu rüsteten. Die Schwierigkeiten der Regierungsbildung sollten zu einer Diktatur Hindenburgs auf Grund des Artikels 48 führen, der Widerstand des verfassungstreuen Volkes sollte durch die Reichswehr und die illegalen Formationen nieder- geworfen werden. Das waren die Gedankengänge der Herr- schaftsn. Man blickt in die Welt der illegalen Kompagnien, der schwarzen Formationen, der Privatarmee der Reaktion. Herr v. Tresckow gehörte einer Organisation an, die ver- fassungstreu sein wollte. Das war sein grober Ver- trauensbruch! Ein Mann aus dem Kreise der staatsstreichlüsternen Großgrundbesitzer, der an der Forderung illegaler Rüstung wie am Boykott gegen Tresckow aktiv betelligt war, ist heute Reichsmini st erdesInnern, Hüter der Verfassung.. Der Reichskanzler Marx hat sich, um Herrn v. Keu- bell zu decken und im Amte zu halten, die Behauptung des „groben Vertrauensbruchs" zu eigen gemacht. Er hat ein Mitglied eines Verbandes, der auf legales, verfassungs- mäßiges Handeln Wert legte, falsch beschuldigt, um einen Putschisten zu decken. Das Urteil gegen Badicke schlägt den Reichskanzler Marx. Jeder Satz der Begründung fordert die Frage heraus: und der Reichskanzler? Er hat ebenso wie der Major Badicke nachweislich falsche Tatsachen über Tresckow behaup- tet, er hat wie Badicke den Versuch gemacht, Tresckow in der Achtung der Oeffentlichkeit herabzusetzen. Badicke ist zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Und der Reichs- kanzler? Wird Herr Marx, der selber ein ehemaliger d e u t- scher Richter ist, eine Ehrenerklärung für Herrn von Tresckow abgeben? Aber wenn Herr Marx eine solche Ehrenerklärung gibt, dann müßte er logisch seinen Standpunkt zum Fall Keu- d e l! ändern. Die Alternative heißt: entweder der Wahrheit und dem R e cb t die Ehre— oder Bürgerblockpol itik.' Fest steht nach dem Spruch des Gerichts: Herr v. Keu- -d-el l wurds-im Amt und damit der Bürgerbl-ock beisammen» aehalten durck eine Verleumdung, die«in deutsches Gericht als besonders strafwürdig bezeichnet hat. * Im Prvzeß Tresckow-Badick« bat dos Gericht den An- trog der Verteidigimg des Beklagten Badicke, die Oeffentlichkeit aus- zuschließen, abgelehnt. So war der Beklagte, der Großgrundbesitzer aus der Reumark, Kreis Königsberg, der 68jährige Major a. D. Badicke, gezwungen, seine Ausführungen in aller Oeffentlichkeit zu machen. Die Herren Großgrundbesitzer hatten im Dezember 1925 und im Januar 1926 die schwierige Situation bei der Kabinettsbildung als geeigneten Augenblick für die Errichtung einer Diktatur htndenburg auf Grund des Z 48 der verfosiung erachtet. Eine Diktatur würde aber, meinten sie, innere U n- ruhen zur Folge haben, die Reichswehr würde nicht imstande sein, allein dieser Unruhen Herr zu werden, da müßten illegale Formationen ihr unter die Schulter greifen. Major a. D. Badicke sprach weiter davon, daß Palen möglicherweis« diese inneren Unruhen zu einem Einbruch in deutsches Gebiet be- nutzt habe» würde. Dagegen hätte man sich durch einen Grenz- schütz sichern wollen. Tresckow habe nun einen groben Vertrauensbruch begangen und die Landesverteidigung im höchsten Maße geschädigt, als er von dem Plan, im Kreise Königsberg (Reumark) zwei bis drei Kompagnien aufzustellen, dem Bundes- kanzler des Zungdeuifchen Ordens Mitteilung machte und auf diese Weise auch mit das Material für die Mahraunfche Denkschrift ge- liefert habe. Als der„Jungdeutsche" die Sache so dargestellt habe, als fei gegen v. Tresckow der Boykott wegen seiner Zugehörig- keit zum Iungdeutfchen Orden erklärt worden, da habe er sich ge- zwungen gesehen, in der„D e u t s ch e n T r e u e", der„D e u t s ch e n Zeitung", der„Täglichen Rundschau" eine dahingehende Berichtigung zu schicken, daß v. Tresckow wegen feines schweren Der- trauensbruchcs, durch den er die Landesverteidigung Im höchsten Maße gefährdet habe, boykottiert worden sei. Diese Berichtigung habe er aber erst nach der bekannten Rede von Marx veröffentlicht. Schon die Aussage des ersten Zeugen, des Leutnants o. D. Prsuß. beleuchtet schlaglichtartig die Situation im Januar 1926 im Kreise Königsberg(Neumark). Im Auftrage der Großgrund- besitzcr erschien Herr Preuß am 23. Januar bei dem Leutnant a. D. Herrn v. d. L a n ke, der krank zu Bett lag. um ihm mitzuteilen, daß er sich nun mit der Ausstellung der Kompagnien beeilen sollte. Zu- fällig war auch der Schwager des Herrn v. d. Lanks. Herr o. Tresckow, anwesend. Da die Kompagnien auf Grund bereits früher verfertigter Listen aufgestellt werden sollteu. so legte Herr Preuß Herrn v. Tresckow nahe, er möchte dafür sorgen, daß auch dcr Jungdeutsche Orden seine Listen zur Verfügung stelle. Herr Preuß muß auf Vorhalt des Vorsitzenden nach langem Hin und Her die Möglichkeit zugeben, daß er bei seiner Unterredung mit v. Tresckow gesagt habe, er handle auf Wunsch und mit Einverständnis derReichswehr. Auch bestreitet er nicht, daß auf jener Großgrundbesitzerversammlung von dem Gebrauch des 8 48 durch den Reichspräsideaten und von inneren Unruhen die Rede gewesen sei. Herr o. d. Lank c, der offenherzig eingesteht, daß er nie die kn Reichskanzler. Bürgerblocks.— Urteil im Prozetz 500 M. Geldstrafe. Zeit gehabt habe, sich mit Politik zu befassen und einfach den An- Ordnungen Herrn Badickes gefolgt fei, erklärt. daß auch er der Ansicht gewesen sei, daß das Reichswehrministerium mit der Aufstellung von Kompagnien einver- standen sei. Mit v. Tresckow habe er schon früher über die Aushändigung der Listen seiner Ordensbrüder gesprochen. In dos richtige Licht wird der angebliche Vertrauensbruch des Herrn v. Tresckow durch die Aussage des Generalleutnants o. D. Salzenberg gerückt. Er ist Ordenswanderswacht des Jung- deutschen Ordens. Seine Funktionen sind dreisacher Natur: einmal hat er für die körperliche Ertüchtigung der Jungmannen zu sorgen: dann dafür, daß sie in den Vaterländischen Formationen, wie Grenz- schütz und dergleichen mehr bis zum letzten ihre Pslicht erfüllen, und drittens hat er darüber zu wachen, daß die Bestrebungen der Jung- männer sich in legalen Bahnen bewegen und sich mit den Auffassungen des Reichswehrmini st eriums im Ein- klang befänden. In Erfüllung dieser letzten Obliegenheiten habe er gewissermaßen den Mittels ni an n zwischen dem Jung- deutschen Orden und dem Reichswehr mini st erium gespielt. Er besuchte allwöchentlich das Ministerium, um seine Ab- sichten kennenzulernen. Andererseits brachte er auch Beschwer- den über Erscheinungen innerhalb der Vaterländischen Organi- sationen vor, sofern sie sich nicht im Einklang befanden mit den Absichten des Reichswehrministeriums. Es habe sich dabei nicht selten um Dinge gehandelt, die das Reichswehrministerium auf da» schwerste hätten kompromitticren können. allerdings sei das nicht die Schuld der Verbände, sondern nur die Schuld einzelner Personen gewesen. In de» wiederholten Mitteilungen, die chm v. Tresckow über die Pläne der Großgrund- besitzcr in Königsberg i. d. Reumark gemacht habe, sei ihm ausge- sollen, daß die Verwendung der Formationen zum Grenzschuh nicht erwähnt, dagegen der 8 48 in dieser Verbindung genannt wurde: auch daß behauptet wurde, das Reichswehrministerium wünsche die Ausstellung dieser Formationen. Da es ihm aber bekannt gewesen sei, daß im Lande immer wieder Leute behaupteten, im Austrage des Reichswehrministeriums zu handeln, ohne in Wirklichkeit von diesem beauftragt zu sein, so hielt er es für seine Pflicht, das Reichswehrmini st erium von dSr Mitteilung v. Tresckows in Kenntnis zu setzen. Von einem Vertrauensbruch durch o. Tresckow konnte in diesem Falle überhaupt keine Rede sein. Seine Mitteilung blieb innerhalb eines bestimmten Lertrauenskreiscs. Dieser Vertrauenskreis be- stand aber aus den Persönlichkeiten, die die Aufstellung der For- mationen forderten, aus den Verbänden, die sich dazu zur Vor- fügung stellten, und aus ihm selbst. Als Vertrauensbruch könne auch nicht der Umstand bezeichnet werden, daß die Mitteilung v. Tresckows in der sogenannten Denkschrift Aufnahme gesunden hat. In Wirklichkeit habe diese Denkschrift nichts anderes dargestellk als eine Aufzählung von Meldungen und Beschwerden, die er, Salzen- berg, bereits bei frichcren Gelegenheiten dem Rcichswehrministenuni zur Kenntnis gebracht habe. In der weiteren Zeugenvernehmung ergaben sich kein« neuen Momente. Gegen>47 Uhr wurde folgendes Urteil verkündet: ver Angeklagte Major Badicke wird wegen Vergehen gegen § 186 und 8 200 des StGB, zu einer Geldstrafe von 500 M., im Richtbeitreibungsfalle zu zehn Tagen hast und den kosten des Ver- sahrens verurteilt. Dem Privattläger hasso v. Tresckow wird die vesugni» zugesprochen, das Urteil binnen vier Wochen in der„Tag- lichen Rundschau", der„Deutschen Zeltung", dem„Berliner Tage- blatl" und den« Organ des Zungdculschen Ordens aus kosten des Angeklagten zu veröffentlichen. In der Begründeing heißt«s: Durch die Beweisaufnahme ist festgestellt, daß die Behauptungen des Angeklagten nicht erweisl'ch wahr sind, da in dem Verhalten des Herrn v. Tresckow weder ein verlrauensmißürauch, noch eine Schädigung der Landesverieidigung liegt. Von einem Vertrauensbruch kann schon deshalb keine Rede sein, weil durch die Zeugen bekundet worden ist, daß die Auf- stellung der Formationen durchaus kein Geheimnis im engen Kreise, sondern daß diese Absicht ziemlich offenkundig gewesen wäre. Noch viel weniger aber kann von einer Schädigung der Landesverteidigung die Red« sein. Die Weitergabe der Nachricht an die höchste Leitung des Jung- deutschen Ordens und von dort an die Reichsregierung kann nie und nimmer eine Schädigung der deutschen Landesinler- essen bedeuten. Die von dem Beklagten behaupteten Tatsachen sind also nicht erweislich wahr. Es ergab sich aus der Verhandlung vielmehr das Bild, daß der Angeklagte und die ihm nahestehenden Kreis« einen Prügelknaben gesucht haben, dem die Verantwortung für die später erfolgten Presscoecöffentlichungen aufgebürdet werden sollte. Der Beweis. daß Herr v. Tresckow an diesen Presseveröffentlichungen irgendwie mitgewirkt, oder daß seine Mitteilungen über die Absichten der Aufstellung von Formationen an Herrn v. Salzen- berg in einem kausalen Zusammenhang zu den Presseverösfent» lichungen stehen, ist n i ch t e r b r a ch t. Es sollte, das war da» Bestreben des Angeklagten, einem angesehenen M.tglied des Kreises das Genick gebrochen werden. Er sollke in den Augen der Oesscnl- lichkelt und in der Achtung der Volksgenossen herabgewürdigt werden. Nach den Wirkungen, die dies« Tat für den Kläger in gesellschast- licher und finanzieller Beziehung hatte, war die Strafe schwer zu bemessen. „wii:'. Diesmal klein geschrieben! Das„Acht-Uhr-Abendblatt" veröifentlicht ein« Unterredung mit unserem verflüchtigten Monarchen, in der sich der tapfere Deserteur über die Ursachen der Nioderlage mit den schönen Worten ausläßt: „Wi�r hätten bis zum letzten Mann, bis zur letzten Kohlrübe und bis zum letzten Schuß Pulver tämpfen sollen." „Bis zum letzten Mann"— so meint der Vater»an sechs kräftigen Söhnen, deren keiner gefallen ist.„Bis zur letzten Kohl- rllbe"—(o meint der Besitzer des ungeheuerlichen Hamster- l a g e r s, das alsbald nach der Revolution im Berliner Schloß«»!- deckt wurde und viele hundert Zentner Mehl, Zucker, Konserven, Schokolade usw. umfaßte.„Bis zum letzten Schuß Puloer"— damit hat er wohl die Flucht nach Holland gemeint bzw. den Schuß Puloer, den er sich am 9, November selbst nicht wert war. Jedenfalls hat ER, als er von„wir" sprach, sei eigenes„WIR" nicht mtt eingeschlossen. Achtung, Srauereiarbeiter! Auf Beschluß der Auakklouärverfammlung findet die Urobstw». oning über Annahme oder Ablehnung des Angebots der Arbeitgeber auch noch heute Sonntag statt. Das Ergebnis der Urabstimmung muß bis heute abend K Uhr in der Geschäftsstelle de» Der- bände» der Lebensmittel, und Getröntearbsiter, Mulockstraßc lv, ob- gegeben werden. Am Sonntag, abends 6 Uhr. findet Mulackftrahe l0 eine SIHvng der Streikleitung statt. Um 7 Uhr abends ver- sammeln sich die Streikleitung und die Obleute der Betriebsstreik. Teilungen im Lokal von Bültner, Schwedtcr Straße ZZ, kleiner Saal. Zu dieser Slhuirg haben nur die Mitglieder der Slreikleitung und die Vetricbsobleulc Zutritt. Die Abgabe des Zählergebniffes kann am Sonntag schon von Z UKr nachmittags ob In der Mulackstraße llt erfolgen. Die Streikleitung. Zu dem Einigungsvorschlag, über den die Brauer gestern und heute abstimmen, erfahren wir, daß die Unternehmer bei den Ber- Handlungen sich dahin geäußert haben, alle Streikenden nicht wieder- einzustellen. Nach dein Wortlaut des Eintgungsvorschlages hatten wir angenommen, daß sämtliche Streikenden wieder ringe stellt werden sollen. Wohl erschien uns das Zuge- ständnis der Unternehmer bezügliä) der Löhne unbefriedigend, immerhin hielten wir eine Lohnerhöhung von 4 Mark jür einen Er- folg. Da ober nunmehr feststeht, daß die Unternehmer Maßrege- langen vornehmen wollen, ist unser Kommentar im gestrigen Morgenblott, der die Annahme des Borschlages empfahl, natürlich gegen st andslos geworden. Di« Sache der streikenden Brauereiarbeiter steht durchaus nicht etwa so, daß sie um den Preis eines geringen Entgegenkommens in der Lohnsroge Maßregelungen in den Kauf nehmen müßten. chatten die Brouereiunternehmer an diesem Scharf- macherstondpunkt fest, dann fordern sie damit die gesamte Berliner Arbeiter- und Anqestclllenschaft heraus. Darüber sollten die Herren sich klar sein. Schieüsfpruch für Sie �ochbahner. Morgen Urabstimmung. Die gestrige« Berhandlungen vor dem vereinbarten Schieds- geruht führten zu einem Schiedsspruch, dessen Dortlaut noch nicht vorliegt. Ueber den Inhalt des Schiedsspruches erfahren wir: Die Arbeitszeit des Fahrpersonals soll wie bisher im Monatsdurchschnitt 230 Stunden bettagen. Don der 221. Stunde ab erfolgt jedoch ein Lohnzuschlag von 20 Proz. Die Dauer der Dienstzeit wird von bisher 15 Stunden auf 12 Stunden herab- geseßt. Die Nochtrnhezeit wird van bisher 8 Stunden aui 10 Stunden erhöht und darf nur in dringenden Fällen auf 8 Stunden gekürzt«erden. Ilebcrstunden sind mit 2Z Proz. Zuschlag zu be- zahlen. Die sozialen Einrichtungen, wie Krankenlohn, Geltung des § 618 BGB. und Urlaub, werden den Bestimmungen des Straßen- bohncrschiedsspruches angepaßt, mir mit dem Unterschied«, daß im Todesfall der Ehefrau vier Tags Urlaub zu gewähren sind anstatt zwei Tage. Für das technische Personal bleibt es bei der Arbeitszeit von 8 Stunden. Etwaige längere Arbeitszeit ist mit 23 Proz. Zu- schlag zu bezahlen. Die weiteren Bestimmungen für dos Fahr- personal gellen auch für das technische Personal. Die Geltungs- dauer des Schiedsspruches ist bis 31. März 1928. Ueber die Abgeltung der seit dem 1. Juli gemochten U eberstunden auf Grund des Tarifvertrags sollen sich die Parteien aus einen Pouschalbetrag einigen, um Klage vor dem Arbeitsgericht zu ver- meiden. Der chochbabngcsellschoft wurde außerdem nahegelegt, für das technische Personal eine Ruhegehallseinrichtung zu schaffen, die für das Fohrpersonal bereits besteht. Einige Punkte, wie die Entschädigung für besonders schmutzige Arbeiten, Laden von Akkumulatoren, Waschpausen usw.. sind noch strittig, weshalb die Parteien nochmals darüber verhandeln werden. E r k l ä r u n g s f r i st ist bis Dienstag. Was bisher am Tarifvertrag der chochbahner besser war als bei der Sttaßenbahn ist geblieben, was schlechter war. ist noch dem Tarif für die Straßenbahner geregev worden. Der Schiedsspruch von de« Funktionäre« abgelehrt» Di« Funktionäre der chochbahner nahmen alsbald noch Bekannt- werden des Schiedsspruches dazu Stellung. Sie lehnten den Schieds-- spruch als ungenügend ab und überlassen die Entscheidung einer U r a b st i m m u n g der chochbahner, die morgen vor sich gehen wird. Der Kampf in üer berliner Holzmöuftrie. Teilergebnis der Urabstiutmung. Bon den Mitgliedern des cholzarbeiieroerbandes, deren Stimmen bisher gezähll wurden, hoben sich 9? Proz. für den Stteik erklärt. Ist die Zählung auch noch nickst abgeschlossen, so bringt doch schon dieses Teilergebnis die Stimmung der Berliner Holzarbeiter recht deutlich zum Ausdruck. * Die von uns im gestrigen Morgenblatt wiedergcgebene Meldung der 85.- Korrespondenz wurde in der gestrigen Funktionäroerjamm- lung als aus den Kreisen der Arbeitgeber herrührend und in der chaupisoche als s a l s ch bezeichnet. An den Bestrebungen der Arbeitgeber, den Konflikt vor den Schlichtungsausschuß zu bringen, ist die Orgonisatwn der Holzarbeiter gänzlich unbeteiligt. Im Gegenteil, der cholzarbeiterverband hat sich mit aller Entschieden- heit gegen die Anrufung des Schlichtungsous- s ch u s s e s gewehrt, da er von dieser Stelle keinen Erfolg erwartet. Der wcftsächsische Textilkonslikt. Die Berhandlungen zur Beilegung des Lohnstrcsts in der west- sächsischen Textilindustrie, die dieser Tage im Reichsarbeitsministe- rium geführt wurden, hoben keine Einigung gebracht. Die Arbeitgeber haben daraufhin Nerbindlichkcttscrklärung des Schieds- spruches für Westsachscn beantragt. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbeitsminister. und««rlaasanktal» iiitua 3 SeUofl», Daul Eing» v Co. Berlin SW SS. Lindnilirok» 3. „An» der SOauMlf und„llnterdaltnna und Biffra*. 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Oktober 1427 V&trm man so vor ungefähr 25 Iahren das manchmal etwas oirftrengende Vergnügen hatte, einem Onkel aus der Provinz„Berlin zu zeigen", dann war das Aufstellen eines Vergnügungsprogramms ein« verhältnismäßig einfache Angelegenheit. Man„ging in die Stadt", da hott« man alles hübsch beieinander, und die beiden ersten Stationen des Aalvorienberges von Vergnügen hießen unfehlbar „Zeughaus" und„P a n o p t i k u m". Dos letztere bildete wegen seiner„guten Loge" an der Friedrichstroß« dann meist den Heber- gong zu dem inoffiziellen Teil der Festlichkesten, zu dem Teil, den man auf Bitten de« guten Onkels bei dem sommerlichen Gegen- besuch in Freienwalde oder Treuenbrießen dann nie erwähnen durste.... Der eingeborene Berliner selbst svestich zog dem Besuch dieser Bildungsinstitute andere Vergnügen vor, und auch die alt- berühmten Halbweltrases in der' Fricdrichstadt waren nicht eigentlich sein Geschmack, ober daß für eine richtige Bummelsahrt nur die Gegend zwischen den„Linden" und der Leipziger Straße in Be- tracht kam, das stand auch bei ihm fest. von öer Passage zum, Neppskiprospekt Das ist anders gewordene Noch früher als die großen Geschäfts- Häuser der City«»änderte ein großer Teil der Vergnügungsindustrie nach dem Westen ab. Wer heute, besonders in den Nachmittag- stunden, durch die Frkdrichstroße und besonders durch die Passoge wandert,«mpsiirdet es deutlich: diese Gegend zehrt von vergangenem„Ruh m". Zwar besteht die Possag« noch mit all den Geschmacksgreueln der„Andenteirlöden", aber als Ersatz für die Wochsfigurenherrlichkeit des Panoptikums mit„Schreckens- kommer" liegt da nur noch der Laden des berühmten Hosmalers. Der tut freilich,«vas er kann, um die gute aste Zeit vor uns auf- erstehen zu lassen.„Anatomisches Thealer" und das.Wellpanorama" leben auch noch, aber das oltberühmt« Cafe, das eine bei allen Provinzlern so beliebte„Lasterhöhle"«vor, hat einem— koscheren Restaurant Platz machen müssen. Es ist eben, wie in der ganzen Gegend: es ist sozusagen„die Verjoldung runterjejan- gen".— Dafür haben wir nun ein anderes prominentes Vergnügungsviertel: den Straßenzug Witlenbergplah— Kursürstendamm: aber das ist keine Kopie des alten. Es ist noch nicht zu lange her, da hieß der Kursürstendamm und die Tauentzien- stroße der„R e p p s k i p r o s p e k t" von Berlin. Vor, Sasino, Eoft: es war alles einerlei, alle waren auf„Nepp" eingestellt— in der Zeit des triumphierenden Dollars, der Inflationszeit. Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Zwar halten noch einige Etablisse- inents krampfhaft an den glorreichen Traditionen dieser Zeit fest, aber sie merken longsam, daß ihre Zeit vorbei ist. Auch der Kurfür st endamm muß sich auf„volkstümliche Preise" umstellen, und nur die Lokole, die dieses Prinzip rechtzeitig erkannt haben, machen das große Geschäft. Da ist nicht nur das zu jeder Tages- und Nachtstunde besetzte Bohnencafe an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: da ist neben dem großen Warenhaus am Wittenbergplatz in einer Seitenstraße eine russisch« Konditorei, die beide ihren soliden Preisen und ihrer Einstellung aus«in intellektuelles Publikum mit manchmal recht beschränkten Mitteln einen Rekordbesuch und ein Geschäst verdanken, um das sie große Etablissements beneiden können, lind wer durch dieIoachimstholerStraße geht, kann es als Zeichen der Zeit notieren: der„Hackepeter" und die Fischbockslube haben nun auch den weflen erorbert, und man kann auf dem Kursürstendamm so billig leben wie am Oranienburger Tor. Vorftaötfreuöen. Neben diesen mehr oder minder auf Zuzug aus dem Ausland oder aus der Provinz eingestellten„ZZergnügungszentralen" ober gibt es noch in fast ollen vorslädlen kleine Oasen volkstümlicher Freuden. manchmal Neugründungen, die das Wachstum der jungen Großstadt erzwang, rocil der Bewohner der Vorstadt nicht stundenweit seinem Vergnügen nachfahren will, manchmal Rest« ehemaliger Aus- flugsortc aus den Zeiten, da Schöneberg, Charlotten» bürg, Rixdorf noch Ausflugsziele für Kremserpartien waren. Die Hasenheide! Noch existiert sie, und sie ist ein« merkwürdig« Mischung des alten und des neuen Berlin. Neben den alten Gärten mit ihrem schönen Baumbestand, dem „Cafe" in dem anheimelnden, einstöckigen Hause und dem„musika- lischen Wirt", der sein Restaurant zu einem Raritätenkabinett ge- macht hat und„elektrischen Kognak" und„alle Mittwochabend frische Kartoffelpuffer" anpreist, sind da hochmodern auf. gemochte Casäs und Dielen entstanden, und ein Riesensaal beherbergt abwechselnd politische Versammlungen aller Parteien und Bockbierfest«. Aber der Berliner fällt auf den„Nepp" so leicht nicht rem, sein« Denis« ist:„Einmal und nicht wieder!" und er will sein Vergnügen„billig— und'ne Menge sors I e l d". Das ist auch die Lösung des Rätsels, warum so ganz groß- artig ausgezogene Sachen nicht recht florieren, wie zum Beispiel der groß« Riesenrummelplatz im Westen, der am Gestade des Halensees so gern Conney Island von Berlin spielen möchte. vas �vergnügungsviertel" öer Obdachlosen. Das hört sich wie ein schlechter Witz an und ist doch eine trau- rige Wahrheit. Es ist in diesem Viertel viel billiger, sich Nacht für Nacht zu„vergnügen", als«in Bett in einem nicht allzu dreckigen Gasthof zu bezahlen. Di«„Palme" aber ist nicht jedermanns Sache, und so sitzen Nacht für Nacht die„Etablissements" der wünzstrahe voll von diesen zwangsweisen„vergnügungssüchtigen". Bis 11 Uhr hämmern die mechanischen Klavier« der Kinos, die schon am frühen Morgen um 1�10 Uhr wieder öffnen, und etwas länger noch ist die „Spotthalle" geöffnet, wo oft die letzten Groschen in der Hoffnung auf Gewimr in den Bajazzoautomaten wandern oder wo man sich wenigstens gratis wärmen kann. Dann kann man in irgendeinem der zahlreichen Bierlokale— alle mit„Stimmungskapell«"— bei einer„Molle" für 15 oder 2l> Pfennig eine Stunde lang sitzen— und dann ist da jetzt noch eine F i x k a s s c e st u b e, in der der Kellner so schätzenswert langsam bedient.... Sonst geht es morgens in den Wattes aal am Bahnhof Alexanderplatz, der öffnet schon um 3 Uhr, und wenn kein« Razzia kommt, ist man da bis 5 Uhr ge- borgen. Dann aber muß man frierend heraus in den grauen Morgen zu neuer Not und altem Elend. * Das ist Berlin, Berlin, di«„vergnügungssüchtigste Stadt der Welt"... Berlin, in dem das„Vergnügen" billiger ist als der Schlaf, in dem sich selbst das letzte Elend noch in die bunten Papier- lumpen alkoholischer Lustigkeit wickelt, und in der man alles kaufen kann, nur nicht wahre Freude. es Dement. fKoman von Fjodor Gladkorv. Ein Weib mit breitem Hintern schrie aus voller Kehle und wackelte bei jeder Bewegung wie Gallerte. „Hergepflanzt hat man euch, euch Ungeheuer, auf unseren Hals geschickt, euch Verfluchten... Wir krepieren hier, nur damit euer Bauch fetter wird... Schaut nur diese Fressen an!... Mein Mann, der Teufelskerl, kratzt nur den Ziegen die Bäuche, und ich muß hierher zu euch kommen, um mit euch zu schwätzen, Ihr Dickbäuche Ihr..." Und die Arbeiter stießen sie in den Rücken und erstickten fast vor Schreien und Lachen. „Brüll noch lauter. Tante Awdotja! Deck alles mit deinem Bauche zu, der Hintern wird das schon aushalten..." „Schweigt, Schweinehunde!... Wozu hat man such Fabrikkomiteeleute an die Spitze gestellt?... Sollen das Stiefel sein, ist das eine Beschuhung?..- Soll das für einen Arbeiter sein?" Sie machte einen Schritt nach rückwärts, hob das Bein mit breitem Schwünge in die Höhe und ließ ihren Stiefel dröhnend auf den Tisch fallen. Der Rock rutschte herauf bis übers Knie und entblößte dos bläuliche, verfchwollene Bein vom Fuß bis zum Schenkel. Die Männer lachten laut auf und klatschten mit den Händen. „Bravo, Tante Awdotja!... Eine feine Nummer hast du uns da gezeigt... Zieh den Vorhang höher... Zeig uns doch die Hauptvorstellung... zeig!.. Loschak saß wie ein steinerner Götze. �Gromada, mager, von Schwindsucht zerfressen, sprang auf, hob die' Hand. „Bürgerin!... Genossin!... Du bist doch eine Ar- beiterin... Dos Fabriktomitee tut seine Pflicht... upd so und weiter.. „Sprich, Tante Awdotja!... Antworte für uns alle!..." „Jagt dieses Luder zu des Teufels Großmutter... Was heißt denn das?... Hier hängt Genosse Lenin an der Wand, und dieser Fetzen da entblößt sich bis zum Nabel!..." „Schweigt, Ihr Schweinehunde! Wo sind meine Stiefel, die mir das Fabriktomitee geben sollre?... Sind wohl in die Kosakensiedlung zusammen mit dem Hamstersack spaziert und dann in die Küche als Fraß für die Schweine... Solch ein Geschenk schluckt selber in euren Bauch hinein... Schluckt nur!..." Sie zog den Fuß aus dem Stiefel, der Fuß glitt auf den Boden, und der Stiefel mit seinem geöffneten Maul polterte auf Loschaks Brust. Aber Loschak saß wie früher, starr wie ein Anthrazit- fels. Er nahm den Stiefel ruhig in die Hand und stellte ihn vor sich. „Nun, Tante, steh mal deinen Mann!... Wir hören zu!.. Gromada hielt es nicht länger aus. Sprang auf, fuchtelte mit den Händen. Seine letzten Blutstropfen erzitterten blaß auf seinen dunkeln, erdgrauen Backenknochen. „Das kann ich nicht ertragen, Genosse Loschak... Wenn eine Bürgerin nicht versteht... und so und weiter... aber es ist Schmach und Schande für sie... das Fabrikkomitee ist keine Räuberbande... So eine Provokation muß bestraft werden!..." „Hab Geduld, Gromada!... Ein gutes Dampfbad bringt Nutzen... Und hier wollen wir mal gleich die Sache richtigstellen. Nun, du armes, beleidigtes Waisenkind, sprich: für was für eine geleistete Arbeit hast du eigentlich Stiefel zu bekommen?..." „Du buckliger Span du, kannst mir nichts vormachen... Gearbeitet oder nicht— bekommen muß ich sie doch.. „Halts Maul! Wirble nicht wie eine Trommel da herum, sondern denk mit deinem Schädel... Ich frage dich, für welche geleistete Arbeit willst du Grütze mit Milch und Zucker bekommen? Nun, gib den anderen Stiefel. Man hat sie dir irrtümlich gegeben... Und Schweine requirieren wir für unsere Küche, unser Essen, das du selber in deinen hungrigen Bauch hineinfrißt!... Beweise! Wenn du es beweisen kannst— bekommst du sie zurück..." Awdotja warf sich auf die Arbeiter, machte sie alle bis zum letzten verrückt. „Pfui, verflucht sollt Ihr sein! Paßt auf. Brüder, hütet eure Haut!..." Loschak nahm mit derselben düsteren Ruhe den Stiefel (die Sohle des Stiefels war wie eine Kuhzunge) und hob ihn vom Tisch. „Hast du, Weib!... Laß ihn dir von deinem Mann richten und trage ihn. Und komm ein andermal her, um dich zu unterhalten. Wenn wir unser Werk wieder laufen lassen, dann werden wir dich in die Steinbrüche schicken. Wirst Felsen ohne Dynamit sprengen." Awdotja packte den Stiefel, setzte sich auf den Boden und zog ihn auf ihren dicken Fuß mit den geschwollenen Venen. Verlegener Unsinn quoll aus ihrem Mund:„Höret, Tölpel: erklärt mir, wie die Sowjetregierung das alles macht... Dem Bauer nahm sie das Brot für den Krieg mit den Bourgeois, den Bourgeois nahm sie die Fabriken, wie zum Beispiel unsere... Arbeit ist keine da. Den ganzen Kram hat sie den Bourgeois weggenommen und sagt: teilt euch nur ein, Arbeiter, damit nichts verloren geht. Was du willst, mach damit... Wenn aber das Werk wieder arbeiten wird... dann wird es anders werden. Macht, daß Ihr nach Hause kommt. Ihr Tölpel..." Gljeb salutierte neben dem Tisch, legte die Hand an den Helm und lachte. „Guten Tag, Burschen!... Lang haben wir uns nicht gesehen. Bin nach Haus gekommen, aber hier bei euch ist kein Werk mehr, sondern ein Schlachthaus. Was für einen Dreck habt Ihr aus dem Betrieb gemacht, Freunde!... Er- schießen sollte man euch, liebe Genossen..." Unter Gromada krachte der Stuhl wie eine Trommel, fiel um, alle vier Füße nach oben. „Gljeb!... Genosse!... Loschak, buckliger Freund, siehst du nicht?... Gljeb Tschumalow, unser Gljeb!... Der Erschlagene und Lebende... Schau nur, Loschak!..." Loschak saß wie ein schwarzer Götze und sah Gljeb ebenso düster an wie die Arbeiter, wie die ganzen genossenschaft- lichen Nichtstuer, die jeden Tag von früh bis zum Abend durch das Fabrikkomitee liefen. „So. Ich sehe, hast dich gemeldet, warst Schlosier, du Krieger. Das ist Farbe für unseren Trumpf. Und du, Krieger, du mußt hier die Sache auf die Beine stellen... Hast du gesehen, wie unsere ganze Arbeiterschaft verseucht ist? Die Schlosserei ist ganz verfault: Gljeb, dort macht man Feuerzeugs... verfluchter Ort!" Er zog mit Anstrengung seine unmäßig lange und schwere Hand unter dem Tisch hervor und streckte sie lang- sam Gljeb entgegen, und es war merkwürdig, daß diese große Hand(sie war größer als Gljebs) die Hand Loschaks war. Arbeiter aus den verschiedenen Abteilungen des Werkes liefen zusammen, sahen Gljeb verwundert und verlegen wie einen auferstandenen Toten an, schauten einander an, brummten verwirrt, und in einem wilden Durcheinander griffen ihre Hände nach Gljebs Händen. Und es war ganz still, sie atmeten alle nur in tiefen Seufzern. Alles Unsinnige, alles Geschrei und oller Lärm waren mit Mujka und Awdotja verschwunden.— (Fortsetzung folgt.) Oer Rächer öer Kamilienehre. Ein Bruderzwist mit tödlichem Ausgang. Das Schreckenstind seiner Familie war Paul Rosenfeld, der am 7. August nach einem Streit mit seinen Brüdern er» schössen wurde. Das gerichtliche Nachspiel fand gestern vor dem Schwurgericht III statt. Unter der Anklage der vorsätzlichen Tötung hatte sich der Stiefliruder des Erschossenen, der Gerüstbauer Friedrich Schulz, zu verantworten. Dabei drehte es sich in der Hauptsach« um die Frage, ob«ine berechtigte Notwehr vorlag. Nach dieser Richtung hin hatte im Gegensatz zu der Anklage Rechtsanwalt Dr. S. Fcblowicz einen umfangreichen Beweis angetreten. Die drei Brüder des Erschaffenen Georg Schulz, Friedrich Schulz und Max Rosenfeld sind ordentlich« orbeitssam« Leute, und der Angeklagte Friedrich Schulz hat als Gerüst- b a u e r wöchentlich über IliO M. verdient. Paul Rosenfeld da- gegen war ein arbeitsscheuer Mensch und wurde wegen seiner Gewalttätigkeit allgemein gefürchtet. Er war ein Schwerverbrecher und kam schließlich wegen einer Reihe von Einbruchsdiebstählen ins Zuchthaus, wo er auch noch eine Meuterei verübte und eine weitere Strafe erhielt. Als Paul Rosenfeld im Zuchthaus faß, heiratete Max Rosenfeld die bisherig« Braut seines Bruders. Schon im Zuchthaus drvhte Paul Rosen- seid, daß er, wie ein Mitgefangener vor Gericht bekundete, seinen Brüdern das Messer in den Wanst jagen werde. Noch seiner Frei- lasiung am 26. Mai ging dann auch der Streit sofort los. Die drei Brüder wurden von ihm geschlagen und mit dem Mesier bedroht. Der Zwist erreichte den Höhepunkt, als Paul Rosenfeld sich rühmte, mit der Frau feines Bruders die alten Beziehungen wieder aufgenommen zu haben. Mehrmals versucht« Paul Rosenfeld in die Wohnung von Max einzudringen. Am Sonntag, dem 7. August, gingen Max Rosenseld und der Angeklagte Friedrich Schulz nach dem Laubengelände ihres Stiefvaters und erfuhren zu ihrem Schreck, daß Paul in der Laube lieg« und schlafe. Friedrich ging zu ihm und fragte ihn, was er ihm getan habe, daß er ihn mit dem Messer nieder st«chen wolle. Paul sprang sofort aus den Fragenden zu und packte hn an der Kehle. Er soll dabei auch ein Messer gezogen haben. Während Max seinem Stiefbruder Friedrich mit einem Spazierstock zu Hilfe kam, zog der Angegriffene den Revolver, den er in der Tasche hatte, und feuerte mehrere Schüsse ab, die den Angreiser zu Boden streckten. Die gesamte Beweisausnahme ergab, daß der getötete Paul Rosenfeld ein äußer st brutaler Mensch war und daß er vielen Leuten gesagt hatte, er würde seine Brüder niederstechen, um sich wegen des„Raubes seiner Braut" zu rächen. Das Schwurgericht kam unter Borsitz von Landgericht sdlrektor Bombe nach ganz kurzer Beratung zu einer Freisprechung von Friedrich Schulz. Der Staatsanwalt hatte wegen Totschlags an seinem Stief- bruder Paul Rosenfeld unter Zubilligung mildernder Um- stände ein Jahr Gefängnis beantragt. Das Schwurgericht hielt Notwehr für vorliegend. Der Angeklagte tonnte mit seinen Abwehrmaßnahmen n i cht warten, bis sein Angreifer ihm mit dem Messer die Kehle durchschnitten hatte, dann wäre es zu spät gewesen._ »Vollzugsorgan der Kommunisten'". Randbemerkungen zum Seelower Prozeß. In Seelow ist am letzten Dienstag der Junker Udo von A l» vensleben zu 100 M. Geldstrafe oerurteilt worden. weil er dos Verhalten des Fürftenwalder Polizeikommissars Hoepf- ner am Tag« des Volksentscheids rüpelhast genannt hatte. Wegen seiner Behauptung, die Fürftenwalder Polizei fei das Vollzugsorgan der Kommunisten, wurde lhm der (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zuerkannt. Die Kommunisten Fürstenwaldes sind außerordentlich erstaunt über die Weisheit, die in diesem Urteil ausgedrückt ist, denn sie, die inehrfach der Polizei den Vorwurf gemacht haben, daß sie einseitig für die Rechtsradikalen eintrete, sehen sich ins Unrecht gesetzt. In Wirklichkeit kennt die Fürftenwalder Polizei keinen Unterschied der Partei oder Richtung. Sie ist, ein I nst r um e nt d es r e p u< blikan ischen Staates, zum Schutze aller da. Immer wieder ist dieser Gedanke in den alljährlichen Neujahrskundgebungen des Polizeiverwalters zum Ausdruck gekommen. Dem Richter von See. low sei gern zugestanden, daß er sich bemüht hat, objektiv zu sein. Aber nicht er, sondern der Vertreter Udo von Alvensleben, der Anwalt Bloch, beherrschte die Situation. Nur so war ein solcher Ausgang möglich. Weder der als Nebenkläger zugelassene Polizei- kommissar Hoepfner, noch die Polizeibehörde von Fürstenwalde, deren Interesse an der Sache doch vorausgeletzt werden dürfte, hat Kenntnis von dem Termin erhalten. Der Polizeikommissar erhielt erst auf telephonisch« Nachfrage diese Kenntnis. Der Angeklagte ober hatte die Möglichkeit, eine ganze Garnitur von Gestnnungs- freunden nach Seelow zu dirigieren. Die Amtsanwoltjchaft hat inzwischen gegen das erstaunliche Ur- teil Berufung«ingelegt. In der neuen Verhandlung wird hoffentlich auch der Polizeioerwalter von Fürstenwalde Gelegenheit haben, sich zu der interessanten Behauptung zu äußern, daß die ihm unterstellte Polizei ein Vollzugsorgan der Kommunisten fei. Ein Salzsäureattentat auf der Straße. Die Leiterin einer Butterfiliale in der Müllerstraße lernte im Jahr« 1911 einen Kaufmann Karl D. aus der G o e t h e st r a ß e und seine Frau Margarete kennen. Sie zog sich aber im Laufe der Zeit mehr und mehr von dem Ehepaar zurück, weil Frau D. unberechtigt e i f e r- süchtig war. Diese Eifersucht aber steigerte sich trotzdem noch. Gestern vormittag erschien die hysterische Frau vor dem Buttergeschäft und ließ die Leiterin zu einer Rück sprach« herausbitten. Bor der Tür hielt sie ihr einen Brief vor mit der Frage, ob sie den geschrieben habe. Als die Leiterin ihn nehmen wollte, um nach dem Inhalt zu sehen, zog Frau D. eine Flasche mit Salzsäure aus der Tasche, um ihr die ätzende Flüstigkeit ins Gesicht zu schütten. 9er Kampf ums eigene heim. Deutschnationale gegen Wohnungsbau und Siedlung. Bekanntlich hat die Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau- Aktiengesellschaft, kurz Gehag genannt, zwischen Dahlem und Zehlen- dorf-West eine Reihenhäussiedlung mit Mietwohnungen und Cigenhäusern erstehen lassen, die von Anbeginn an mit dem Bekanntwerden des Projektes sich den schärfsten kritischen Aus- fällen ausgesetzt sah, und zwar Ausfällen, die von der poli- tischen Rechten kamen. Deutschnationale und B o l k s- p a r t e i l e r sehen in den westlichen Vororten die bevorrechteten Reservat« ihrer eigenen Cliquen. Nach ihrer Meinung haben hier nicht die Häuschen und die Wohnungen der kleinen Leute zu stehen, sondern die Villen und Paläste derer, die schwarzwcißrot flaggen. Das Bauvorhaben der Gehag war chnen von vornherein verhaßt, weil sie mit den Zwei- und Dreizimmerwohnungen in Reihenhäusern und mit Drei- und Vierzimmer-Reihenhäuschen dieses Wohnprivileg durchbrochen sahen. Als dann doch mit dem Bau begonnen wurde, feuerte man in der Presse die stärksten Schimpfkanonaden ab. In der Zehlendorfer Bezirksoersammlung und in der Verwaltung waren es die Deutschnationalen, die offen und versteckt gegen den Bau Stimmung machten. Unterstützt wurden sie von einer chnen will- fahrigen Örtspresse. Das Geheul ging erst recht los, als die Bauten im Herbst 1926 zauberhaft schnell aus der Erde wuchsen. Im Früh- jähr 1927 war die neue Siedlung, die mit etwa Si, Uhr Kreisvvllversammlung bei Maier, Türkisches Zelt, Hl U tm------ Ladung-. Eintritt. _ s jeden M-ttwoch A Uhr Turnholle tbartenstr. 107 statt. Tetlnahme der gngenh. W>..Partei____.. suchen alle Kameraden, sich daran ,u beteiligen.— iZchöncberg. Friedenau: La., d. 13., friert der Ortsvcrein in den Cpichernsälen sein Herbslvergnügen. Alle Kameraden mit Angehörigen und besrenndete» Republikanern sind hierzu berzlichft eingeladen. Eintritt IM.— Wiatersportabi.: Anweldeschlng für Eki-Trockenkursu» tt. Dklvber. Kursusaebühr 4 M. Uebnngsskier koltenio?. Anmeldungen sind zu richten an?. Breslauer, Berlin LW l>8, Älarkgrafen- Praßra Arbeiterverein file Biochemie und Lcdenseesor«. Bezirk Moabit: Bezirk?» versanunlung Mittwoch, 12. Dltaber, bei Krüger, PuIIitzhr. Ifl. Bortrag über Rheumatismus. Referent lbenossc Pfarrer.— Bezirk Prenzlauer Berg: Be- ratiingsstlind« jctzt Montag» IS— 20 Uhr Am Falkplatz 2. dos t Ir., bei Fischer. Arbeitoaeweinschast«nischied-ner Repudllkoner. Donnerstag, 18. Lklodcr. 20 Uhr, Dönhofsloiiditorei, Kommandantenstr. 84, öffentlicher Bortraasabend mit Aussprache:„Die Richtungen im Pazifismus." Referent Paslar Francke. Sagen als Kulturgut der Völker. Nenne mir eine Sage und ich will dir künden,«es Geistes Kind das Volk der Sage ist; so könnte man mit Recht einen bekannlen Satz umformen. Die Sagen der südlichen Völker schmücken sich mit glühenden, blendenden Farben der Sinneslust, während die Sagen der mohammedanischen Völker im Morgenland den Komps, Ueberwindung des wirklichen oder eingebildeten Gegners, Komps gegen sich selbst und gegen alles, was der Lehre des Propheten«nigegensteht. schildern, lind darum ist es auch nicht verwunderlich, daß es der Orient, das Morgenland ist, das die Sagen von der Bekämpfung des Schlafes und den betenden Derwijehe» schuf. Diese von einem der bekanntesten Künstler Deutschlands illustrierte Sage aus der Entwicklung der edlen Kaffeebohne, die jedoch wegen ihres schädlichen Koffeingehaltes noch für unser Klima lokfeinfrei gemacht werden muß. ist für Unsere Leser an anderer Stelle unseres Blattes wiedergegeben. 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Cr lieh für Sick selbst einen Crank brauen und fand, dah er ohne Schlaf blieb, bis um die Morgenröte der 6ebetsruf erschallte. Dem gehegten{Renschen der Gegenwart ist Ruhe und Schlaf unentbehrlich: er kann jedoch Bohnenkaffee Jederzeit unbedenklich zu sich nehmen, da es der Wissenschaff gelungen Ist, unserem Jahrhundert den coffeinfreien Kaffee Bag zu schenken. Kaffee Bag ist.das Ergebnis hochwertiger Plantagenzucht und (De Köstlichkeit seines Aromas Ist unflbertroffeiu g| Kaffee ßag schont Berz und Nerven M WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Großer Verkauf, Extra-Preise Sfrumpf-Rcparäfar in 1 Minute, nach dem Lisfru- Verfahren Flor, Kunstseide oder Molle, � Päckchen Pf» Päckchen Pf Vorführung in allen 4 Geschäften Kleider- u. 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Bereinbarungen mit der amerikanischen Forbenindustrie getrossen. In Frankreich hat die I. G. mit einem der Großkonzerne, mit dem Kuhlman-Kon- z e r n eine weitgehende Zusammenarbeit verabredet. Am wichtigsten find freilich die Vereinbarungen mit dem englischen Grohtrust — Imperial Chemical Co.—, deren Inhalt der Oeffentlichteit immer noch vorenthalten wird. Man redet über eine auch kapitalmäßige Verflechtung, von einem Aktientausch: deutsche J.-G.-Aktien wurden, wie man Hort, vom englischen Chemietrust auf der Börse bereits in großem Umfang ausgekauft. Der englische„Eveninq Standard" will bereits von einem Riesenkartell unter Beteiligung der chemi- jchen Industrien Deutschlands, Englands, Frankreichs, Amerikas und oiollonds wissen. Das Kartell soll olle auch nur einigermaßen nichtigen Produzenten chemischer Artikel einbeziehen und insbS sondere die Fragen des Patcntaustausches, der Produktionskoiürolle und der Preise regeln. Delttrust für Margarine. Zwei große Trusts beherrschten bisher einen großen Teil der europäischen Margarineversorgung, zwei holländisch-eng» lisch« Konzerne: Jürgens und van den Bergh. Die ur- iprünglich holländischen Gesellschaften haben zur Vergrößerung ihres Machtbcreichs englisches Kapital herangezogen. Sie beherrschen außer den holländischen und englischen auch den deutschen Margorinemarkt. Ungefähr drei Viertel der deutschen Mar- garineproduktion entfielen auf die beiden Auslandskonzerne. Die größte deutsche Tochterunternehmung des Iürgens-Konzerns ist die Deutsche Jürgens Werke chamburg mit einem Aktienkapital von 14 Millionen Mark, außerdem besitzt Jürgens in Deutschland noch sechs Margarinefabriken. Van den Bergh hat vier große und zwei klein« Fabriken in Deutschland. Sie verfügen aber mit über die größten und bedeutendsten O e l m ü h l e n, melche die(zum größten Teil eingeführten) Oelsaaten verarbeiten und den Margnrinesabriken zuführen. Etwa 40 bis 50 Proz. der Leistungsfähigkeit der deutschen Oelmühlen entfallen auf die im Besitz der beiden Konzerne befind- lichen Oelmühlen. ' Welche Kapitalmacht der Iürgens-Konzern darstellt, der im übrigen auch in Skandinavien, Frankreich, in de-- Tschechoslowakei Margarrnesabriten, außerdem in der Reifenindustrie umfangreiche Beteiligungen hat, geht daraus hervor, daß allein die holländische und die englische Iürgens-Geselllchaft ein Aktienkapital von über 330 Millionen Mark haben. Von den drei Großgesell- schaften des Dan den Bergh-Konzcrns besitzt ollein die Rotterdamer Firma«in Aktien- und Obligationenkapital von mehr als ISO Mil- lionen Mark. Der Margarinetrust und die Verbraucher. Schon die genannten Ziffern geben eine Vorstellung über den Umfang der Geschäft«, die in der Margarineindustrio gemacht werden. Nach letzten Schätzungen beläust sich die gesamte deutsche Margarine- Produktion, die dem Verbrauch ungefähr entsprechen dürfte, auf 400 000 bis 430 000 Tonnen für das Jahr 1020. Den Durchschnitts- erlös dieser Meng« bei den Fabriken, das Psund Margarine mit 65 Pf. berechnet, betrug der Jahresumsatz der Margarinefabriken etwa eine halbe Milliarde Mark, wovon 373 Millionen auf die beiden Großtonzerne entfielen. Der Lmushalt der Verbraucher wird freilich um eine viel größere Summe belastet: wenn wir eine lOprozentige Zunahme des Marganneverbrouchs gegen das Borjahr annehmen, können wir im Kleinhandel mit etwa einer Milliarde M a r k als Ausgaben der deutschen Verbraucher kür Margarine im lausenden Jahr rechnen. Wenn man die chälste der deutschen Bevölkerung' unter die Margarineoerbcaucher rechnet, so entfallen pro Kops der Verbraucher jährlich etwa 30 bis 32 Pfund Margarine. Bei diesen Mengen ist selostverstöndlich die Preis- b i l d u n g der Margarine von größter Wichtigkeit. Immerhin war die Steigerung der Margarinepreise seit dem Kriege erheblich geringer als für andere Lebensmittel oder Industrieartikel. Kaum in einem Industriezweig ist die Senkung der Produktionskosten so früh und so erfolgreich erreicht worden, wie in der Margarineindustrie. chinzu kam der Konkurrenzkampf der Oelmühlen, der zur Berbilligung der Margarineöle führte, nicht zuletzt aber der Konkurrenzkampf der beiden Großtonzerne. Nun erfolgte kürzlich der Zusammenschluß der beiden W e l t k o n z e r n e. Die Stimmrechtsaktien der Konzerne beider Gruppen werden in ein neues internationales Syndikat eingebracht, was auf einen engen Zusammenschluß schließen läßt. Es wird sich zeigen, wieweit das Aufhören der Konkurrenz zu Preis- erhöhungen ausgenützt werden wird- Einer übermäßigen Preisstelgerung sind freilich sowohl in der Kaufkraft wie«n der Kaufbereitschaft der Berbraucher Schranken gesetzt. Bei dem Masten- konsum würde aber selbst ein« mäßige Preiserhöhung Millionen» gewinne für den Welttrust bedeuten. Meltmonopol für Kunstseide. Bekanntlich besteht zwischen den Kunstseidewelttrusts: Glanz- st o f s- Deutschland, C o u r t a u l d- England und S n i a- Italien eine Arbeitsgemeinschaft. Diese drei Trusts beherrschen 7 0 Proz. der Weltproduttion. Ein vierter Grohtrust. die holländisch« E n k a ist der Form nach von der Arbeitsgemeinschast unabhängig, in Wirklichkeit verfügen der deutsche und der englische Trust kapital- mäßig über die Mehrheit der Enka, die mit der Arbecksgemeinschaft durch Bereinbarungen verbunden ist. Was diese Trust? für die eigenen Länder bedeuten, ergibt sich aus folgenden Ziffern: Glanz- stosf beherrscht mehr als drei Viertel der deutschen, Courtauld 70 Proz ver englischen und 60 Proz. der amerikanischen durch ihre amerikanische Tochtergesellschaft), Snia 80 Proz. der italienischen Produktion. In letzter Zeit macht die Arbeltsgemeinschaft noch große An- strengungen für die Erweiterung ihres Machtbereichs. So hat stch kürzlich die Snta die italienische Varedo-Gruppe, die viertgrößte italienische Produzentin, angegliedert und steht mit der zweitgrößten, Soie de CHStillon, wegen Anschluß in Berhandlung. Außerhalb der Arbeitsgemeinschaft stehen noch die folgenden Großkonzerne: in England die British-Eelanese- Gesellschaft, di« belgische T u b i z e mit umfangreicher Produktion auch in Amerika, der Du-Pont-Konzern in den Vereinigten Staaten, der Holland«- sch« B r e d a- Konzern mit namhafter Produktion auch in Frank- reich und endlich die französischen Großkonzerne. Die sranzöstschen Großkonzerne, die Bernheim-�illed-Gruppe mit ihren Tochtergelellschosten haben im C o m p t o i r ihre gemein- same Verkaussorganisation, die übrigen Kunstseideproduzenten sind in der Union kartellmäßig zusammengeschlossen. Kürzlich wurde zwischen den beiden Gruppen: Ccmptoir und Union eine Kartell- Vereinbarung erreich!. Aus diesem Anlaß traten die Bestrebungen zur Einbeziehuna der französischen Konzerne wie auch der holländischen Breda in ein W e l t t a r t e l l in den Vorder- grund. Die französische Bernheim-Gruppa(Comptvir) steht aber in enger Verbindung mit Du Pont-Amerika. Du Pont beherrscht wieder die amenkanilche T u b lz e: der französische Anschluß dürfte deshalb die Ausgestaltung der großen Arbeitsgemeinschaft zu einem Wcltmonopol einen großen Schritt vorwärts bringen. Der Staat und die internationale Monopolmacht. Es ist sicher, daß man in dem gewaltsamen Tempo, in dein sich heute Wellkartelle und Wellmonopole bilden, zum Teil auch Aus. Wirkungen des Weltkriegs zu erblicken hat. Wie in jedem am Krieg beteiligten Lande die Konzentration des Kapitals mächtig vorwärts getrieben wurde, well die Kosten des Krieges irgendwie bezahll und auch von den Industrien getragen werden, so geht es auch in der Weltwirtschast im ganzen. Die größten Kapitalgesellschaften der Well verbünden sich, um durch internationale Zusammenarbeit ein- mal die Wellkriegskostcn leichter tragen, in der Hauptsache aber, um sie aus schwächere Schultern leichter abwälzen zu können. Das ist auch die letzte und größte Gefahr der neuen Weltmonopole. Dabei hört der Staat zunehmend auf, noch Macht über diese Weltgebilde zu haben. Vom Herrn wird er zum Diener dieser Gebilde, wo immer nur die Staatsmacht dem Kapital zu willen ist. In dieser Tatsache beruht auch die überragende Bedeutung der Entstehung internationaler OrAdnisationcn zwischen den Staaten, wie sie der Völkerbund, seine Wirtschastekommission und sein neu geschaffener Wirtschaftsrat darstellen. Nur wird diese ihre Bc- deutung zu wenig erkannt. Die Krise des Staates, die sich aus der internationale» Organisation des Großkapitals notwendig ergibt, tonn letztlich nur international überwunden werden. Dazu ist aber die nationale Erstarkung aller demokratischen Kräfte, die national« Crstartung der arbeitenden Massen bl» zur BeHerr- schung des Staates Dorausfetzung. Dann auch ein Völkerbund der Staaten kann nur dann demokratische Ziele gegenüber dein inter- nationalen Großkapital verfolgen und erreichen, wenn die Z u- sam mensetzung internationaler Körperschaften von den arbei- tcndcn Massen der einzelnen Nationen bestimmt wird. Eine fiuffichtsratssitzang öes Chemietrufts hat in Leuna, im Mittelpunkt seiner Stickstoff- und Oelinteressen, stattgefunden. Die mit Spannung erwarteten Mitteilungen über die beabsichtigten Kapitalerhöhungen der IG.-Fardenindustrie und die Kartellverhandlungen mit der chemischen Großindustrie Englands blieben aus. Der Aufsichtsrat hat sich, wie gewohnt, wieder meister- Haft in Schweigen gehüllt. Immerhin hat man erfahren, daß Pro- duttion und Absatz bis jetzt gegenüber dem Vor- jähr weiter gestiegen und der Geschäftsgang nach wie vor auf allen Gebieten sehr günstig ist. Neue Sesserung öes berliner �rbeitsmarkts Wieder l;S60 Arbeitslose weniger. Die fortschreitende Besserung auf dem Berliner Arbeitsmarkt tritt in der Berichtswoche wieder zahlenmäßig recht deutlich in Erscheinung. Durch den Rückgang von 3560 Personen hat die Arbeitslosigkeit gegenwärtig einen Stand von 133 642 er- reicht. Ein Vergleich mit den Arbeitslosenzahlen von Ansang Oktober vorigen Jahres ergibt ein Weniger von über 112000 Personen. Damit wird der Grad der Besserung des Arbettsmarktes deutlich gekennzeichnet. Dt« zahlenmäßig erhöhte Abnahme der Aibeitslosigkelt dieser Woche ist um so bemerkenswerter, als andererseits auch wieder größere Zugänge zu verzeichnen sind, die sich besonders bei den schulentlassenen Jugendlichen, im Gastwirtsgewerbe und bei de» Angestellten bemerkbar machen. Allerdings muß hervorgehoben werden, daß die Jugendlichen sehr schnell von Hanvel, Gewerbe und Industrie ausgenommen werde», und im allgemeinen der Mangel an diesen Kräften nicht wesentlich behoben worden ist. Im Baugewerbe macht sich bei den Malern, Maurern und Stukkateuren «in langsames, wenn zunächst auch noch geringfügiges Steigen der Arbeitslosigkeit bemerkbar, wogegen andere Berufs- gruppen. wie Zimmerer, Ofensetzer und Glaser eine Besserung der Voschäftigungsverhältnisse aufweisen. Im allgemeinen tann bei dieser Entwicklung von einer ungünstigen Wendung im Baugewerbe bisher nicht gesprochen werden. Die größte Aufnahmefähigkeit zeigte die Metallindustrie, die allein«ine Entlastung des Arbeits- Marktes um rund 1000 Personen brachte. Land- und Forstwirtschaft sowie Lohnarbeit wechselnder Art hatten gleichfalls einen recht be- oeutenden Kräftebedarf. Gute Dermittlungstätigkeit weisen auch das Spinnstoff- und Bekleidungsgewerbe, Holz- und Schnitzstoff- gewerbe und das Handels- und Berkehrsgewerbc aus. Es waren 133 642 Personen bei den Arbettsnachwelsen ein- getragen gegen 141 202 der Vorwoche. Darunter befanden sich 01 863(03 426) männliche und 43 779(45 776) wribliche Personen. Erwerbslosenunter st ützung bezogen 39 342(41 801> männliche und 14 043(16 415) weiblich«, insgesamt 54 283(38 2l6> Personen. Außerdem wurden noch 22 527(21 632) Personen durch die Erwerbslosenhilse der Stadtgemeinde Berlin und 17 600(18 840) Personen durch die Krisenfürsorgc unterstützt. Bei Notstandsarbeiten wurden 3036(4800) Personen beschäftigt. Die deutsche öiunenschiffahrt. Der Stand der deutschen Flußschifflotte. In Duisburg hat die Hauptversammlung des Zentrolvereins für deutsche Binnenschissohrt stattgejuaden. Der Rückgang des Per- kehrs gegenüber der Vorkriegszeit, die Ablieferung eines Teiles der deutschen Binnenflotte durch den Bersailler Bertrag und die scharf« Berkehr« konkurrenz d?r Reichsbahn haben die Lage der deutschen Binnenschiffahrt zeitweise erschwert. Ihre Unternehmer haben denn auch öffentliche Subventionen in Form öon verbilligten Krediten durchgesetzt. In„Wirtschast und Statistik" gibt das Statistische Reichsowt einen Ueberblick über die deutsch« Binnenflott«. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der deutschen Flußschiff«, auf das jetzige Reichsgebiet bezogen, gegenüber 1012 um 14,4 Proz. zurückbleibt, daß aber die Gesamt»ragsähigkeit— und auf die kommt es au— doch um 0,2 Proz. größer ist als 1912. Allerdings ist der Anteil der 13 Jahre alten Schiffe gegenüber der Vorkriegszeit von einem Drittel auf drei Viertel der Gefnmttrogsähigkeit gestiegen. Weiter ergibt sich die interessante Totsache, daß sich der Schwerpunkt des Binnenschiffahrtoerkehrs stark nach den w e st l i ch e n Stromgebieten oerschoben hat. Bor allem sahren im Rheingebiet weitaus die größten Schisse. Während auf der Oder, der Elbe und den märkischen Wasser- straßen 13 653 Schisse mit 3,50 Millionen Tonnen stationiert sind, tressen auf das Rheingcbiet nur 3333 Schisse, die aber eine Lade- sähigkeit von 2,27 Millionen Tonnen haben. Aus der Duisburger Tagung wurden insbesondere die gleich- mäßige Ausgestaltung aller«rfügbaren Verkehrsmittel unter staatlicher Führung, der Schutz der Binnenschissahrt vor U c b e r- griffen der Deutschen Reichsbahn,»ud die einheitliche Leitung der gesamten deutschen Wasserstraßenverwaltung durch dos Reich gefordert. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 3. Oktober berechnete Großhandolsinderzisfer des Statistischen Reichsamts bc- trägt 130,8 gegen 130,0 in der Vorwoche. Die Gesamtindexziffer war demnach gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer der A g r a r st o f f e um 0,4 Proz. nachgegeben Gleichzeitig hat die Indexziffer für Kolonial- waren um 0,3 Proz. angezogen. Die Indcrzisfcr der industrielle» Rohstoffe und Halbwaren weist den gleichen Stand wie in der Vorwoche auf, während diejenige der industriellen Fertigware» um OL Proz. g e st i e g e n ist. 3m Monatsdurchschnitt September ist die Großhondclsindexzisser von 1Z7.9 aus 139,7 gestiegen. wrä'iWiim Haben Sie eine qule 5# Ziqaielfe? Die Vermittlungsstellen für Roggenschuldner eingerichtet. Unit- lich wird mitgeteilt, daß die schon seit Monaten versprochenen Ver- mittlungsstellcn für Roagenschuldner endlich eingerichtet worden sind: und ,�war dci den Preußischen Landschaften, der Hannoverschen Landeskrcditanstalt, den Hannoverschen ritterschaftlichen Krediimsti- Inten, der Preußischen Zentrnldodenkredit-A.-G. und der Preußischen Psniidbriesbank A.-G. Bei der letzteren, der Nachfolgerin der N o g ge n r e n t c» d a n k, ist der Polizeipräsident von Berlin als AermittluNgestelle bestellt worden, während bei den anderen ge- nannten Insiiuiteli die Stoatskommissaie bzw. Oberpräsidenten a.s Pzrmittlnngsstelle tätig werden. Die provinziellen Landwirtschasts- lammern sind bei der Vcrmitllungstätigkeit zu beteiligen. Die be- tciligten Kreditinstitute sind verpflichtet, den Bermittlungs- stellen von einem drplicnden Zwangsoersähren gegen Schuldner von Naggenhypotheken Mitteilung zu machen. Die Nermitflungsstellen können, wenn ein Zwangsverfahren droht, auch von den betroffenen R og g en f ch u l d n c r n angerufen werden. Vergleichsver- Handlungen mit d.n Gläubigern, Umwandlung von Roggen- in Reichsmärkhypothekcn� Abverkäufe von Parzellen find die Mittel, durch welche die eingerichteten Stellen bedrängten Roggcnschuld- ncrn helfen sollen.— Natürlich wird durch die Einrichtung der Per- msttlungsstcllen der angestrebte» gesetzlichen Regelung noch nicht vorgegriffen. Eine Lersuchsqrube zur Ur.glücksverhülung wird vom Deutschen Reich, dem. Preußischen Staat und der Knappschafts-Berufsgenossen- schast gemeinsam eingerichtet und betrieben. Untersuchungen zur Bekämpfung von Gr ubenexplosionen und Gruben- branden fcwie die Erprobung von Einrichtungen für die Seil- fahrt sind der Zweck. Als beratendes Organ wird ein Beirat berufen, in dem neben den Gründern die Bergbehörde, die Arbeit- aebcroerbände, die Angestellten- und Arbeitnehmerverbände, die Bcrgwcrksgesellschast Hibernia und«achverständige tätig sein sollen. Alz Dersuchsgrub« ist die stilliegende Zeche Hibernia von Preußen zur Verfügung gestellt. Genosse Grzesinski in Pommern. Hilfe für die Dettergeschädiglen. Preußen hat beschlossen, zur Linderung der dringendsten Not, zur Sicherstellung der Hacksruchternte und der Herbstbestellung sowie zur Durchhaltung des Viehbestandes in den von den Wetterschäden am härtesten betroffenen pommerschen Gebieten 3 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Auf preußischen Antrag gibt die Reichs- regierung ebenfalls 3 Millionen und die Provinz Pommern weitere 2 Millionen, von denen Preußen zunächst 1 Million als Darlehen vorschießt. Zur Durchführung der erforderlichen Maßnahmen be- findet sich Genosse Grzesinski, der preußische Innenminister, zurzeit im Notstandsgebiet. Weiter gute Papierdividenden. Jahresbericht und Abschluß de- Vereins für Zellstoff-Jndustrie, Berlin und Dresden zeigen, daß der günstige Beschäftigungsgrad der Holz- und Papierindustrie seit dem Frühjahr vorigen Jahres unverändert angehalten hat. Das Unternehmen konnte das ganze Geschäftsjahr seine bedeutend erweiterten Betriebe voll arbeiten lassen und verfügt auch zurzeit noch über einen Auftragsbestand, der lange volle Beschäftigung sichert. Trotz der Klagen über die gedrückten Preise konnte die Dividende von 8 aus 1l> Proz. herausgesetzt werden. Die Betriebsgewinne stiegen von 1,3 auf 1,9 Millionen und trotz erhöhter Abschreibungen und Zuweisung von 179 009 M. an die Reserven übertrifft der R e l n g e w i n n von fast einer halben Million den des Vorjahres um etwa 160 000 M. Wie der Geschäfts- bericht ausiührt, werden die deutschen Zellstofs-Unternehmen durch die starte Auslandskonkurrenz zu schärfster Rationalisie- r u n g gezwungen, da es nur den modernst ausgebauten Werken möglich ist, mit den unter günstigeren Produktionsbedingungen arbeitenden Ausländern Schritt zu halten. Den französisch-amerikanischen Handelskrieg doch noch zv ver. meiden, ist offenbar dos Bestreben der beide beteiligten Regierungen. Auf der amerikanischen Botschaft in Paris wird erklärt, daß die französische Oesfcntlichkeit den Zollerhöhungen für sranzö- fische Waren zu große Bedeutung beimesse. Das französische Handelsministerium läßt verbreiten, daß die von Amerika getroffenen Maßnahmen die zwischen den beiden Ländern schwebenden Verhandlungen nicht berühren. Di« amerikanischen Zoll- erhöhungen seien ein« auromalisch« Folge der in Frankreich vorge- nominenen Torifverschärfurrg.— Bei milder Auslegung kann man die Dinge tatsächlich sp ansehen. Jedenfalls sind die beiden Länder zu dieser milden Auffassung, wie es scheint, bereit, und es wäre er- freulich, wenn die beabsichtigten Bertragsoerhandlungen wirklich den Handclssricden sichern könnten. Englisches Kapital in der deutschen Papierindustrie. Die Papierfabrik K ö s l i n A.- G., die sich im Jahre 1925 wegen hoher Verluste unter Geschäftsaufsicht stellen mußte, im letzten Iahrö aber bereits wieder mit Gewinn arbeitete, ist jetzt in englische Hände übergegangen. Das gesamte Aktienkapital von 3 Millionen Mark wurde von der zu diesem Zweck gegründeten englischen Hol- dinggesellschast Combined Pulp an Paper Mills(Vereinigte Zellstoff- und Papierfabriken) übernommen, die ein Aktienkapital von rund 8 Millionen Mark besitzt. Das Zuckereinschränkungsgesetz in Kuba angenommen. Der Gesetzentwurf, der eine Beschränkung der Zuckerproduktion vor- sieht, und der von der Regierung besonders befürwortet wurde, ist, wie aus 5)avanna gemeldet wird, vom kubanischen Kongreß und vom Senat angenommen worden. Di« Regierung führte zu diesem Entwurf aus, daß es unbedingt notwendig war, die Produktion der kubanischen Zuckerindustrie in geregelte Bahnen zu leiten, um auf diese Weise eine unbedingt notwendige Stabilität der dortigen Zuckerindustrie herbeizuführen. r miäerJJEmU modern gemustert iL Ai ryr Meter M t.SO, J.tO.&tf rj. SthOfiSll reine Wolle, In neunriiarn Fer'ysieHungen Meter M 9 33 2,45, S&attearips e eme VJolle, uoppeti breit Meter M Bordüren-pmiinQ mit bunitr Stidterei, die große Mode, 130 cm Lr.it, Meter M Xmlseide gemustert, für Tatia Meider Meter M. 5.00. 2 SO. Crepe de Chine voUe Qualität, moderrits Fer beasoriiment, Me er M. 6,05, 5.95, S WnschsBuil MotgenrÖcke und Kinderbekleidung, Meier M. 2.90 Velours de Mus beliebte Manie Ixvere, Meier M. 3.90. 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Rovembee nie;, nachmittag» von 4-8 Uhr, und zwar so- wollt tllr die Arbeitgeber, wie auch fiir die Vcrsichertenvertrcter im Kassen» total i Serli» O 27, Schiellerstrall« 5, 3 Treppen, statt. Nach ß 73 der Äassensatzung sind 30 Vertreter und 60 Stellvertreter au» dem Kreise der Arbeitgeber und 60 Vertreter und 120 Stellvertreter an» de« »reite der Versicherten zu wählen. Die Wahlberechtigten werden hiermit zur Sinrcichnng von B»rschlag»l!ste» ausgesordert mit dem Hinweis, daß nur Vorschlagslisten wirtschaftlicher Ber. einigungen von Arbeitgebern oder von Arbeitnehmern oder von Verbänden solcher Vereinigungen, sowie Vorschlagslisten von Arbeitgebern oder Ver» sicherten �dcrstckfichtigt werden, die spätestens vier Wochen vor dem Wahltage, d. h. bis ZUM 25. Oitobcr 1927, bei dem unterzeichneten»asscnvorsitzcnden als BohUritcr eingereicht sind. Die eingereichten Vorschlagslisten liegen nach rrsolgter Prllfung und Eni» scheidung über ihre tzulassnng in der Zeit von,!>. November bis zum Wahltage in den iSeschäftsränmen der»assc zur Einsicht aus. Die Stimmabgabe ist an b'ele zugelassene» Vortchlagslisten gebunden. Besanderc Wählerlisten werden nicht ausgestellt. Als lojche gelten die Arbeitgeber» und Mitgtiederverzeichnisse der.»asse. die bis zum Wahltage in den Geschäftsräumen der Kasse während der Dicnststunden lrormtttags 8-1 Uhr) eingesehen werden iännen. Etwaige Einsprüche gegen die Ricktigteit der sich aus den Arbcitgcbtr» und Milgliederverzeichpiisen ergebenden Wahl» und Stiuunberechtigung sind be! Vermeidung des Aus'chlnsies fpStestrus vier Wochen vor dein Wahltage, d. h bis zum 25. Oltober 1027. unter Beifügung von Beweismitteln bei dem unter» zeichneten stassenvorsitienden als Wahlleiter einzulegen.. Der Wahlausschuß ist bciugt, dir Wahl» und Ctimmdmchtignng jedes Wähler» bei der Wahlhandlung zu prüfen. Es empfiehlt sich daher, einen Ausweis hierüber Hetzte Quittung über bezahlte Kasscnbeiträqe. Bescheinigungen über die Mitgliedschaft vom Arbeitgeber, sür Selbst» und Weitcrvcrsichertc die Mitgliedskarte usw.) zur Wahlhandlung mitzubringen. Auch werden den Wahwcrechtchten auf ihren Äotrag an den dem Wahl» tage vorangehenden 11 Tagen Wahlan»w«ise im Kasscnlokal während der Dicnstftunden ausgestellt, edenio für d-e wahlberechtigten Arbeitgeber Be» lcheinigunqel, darüber, wieviel Stimmen dem Antragsteller zustehen. Imistbriaen wirh auf die dicebeziigl-che» Bestimmungen der Wahlordnung nnd der llossenlatzung, die beide zur Einsichtnabine in den Gefell listsräumen der Kasse onsliegen und, soweit der Borrat reicht, auf Antrag auch kosten!»» rau che: flösse abgegeben werden,»«»drülittch-hingewiesen.-''0-« Unterjacken ÄÄ ,flt.®flmen ünnstie� LlZmenschiüp er m,t ,u 0.95 0.45 l.50 1." I.40 1» l.40 1.90 0.75 2.1° 190 2.30 3.»° 2.6ü 893 • Uettjiezjjge au» gutem Dtmiti. 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Der Sturm schwillt ober weiter an. Täglich wird die Berliner Orts- Verwaltung des Einhsitsverbondcs der Eisenbahner Deutschlands mit Anfragen bombardiert, was denn nun überhaupt verhandelt werde. Auch in der stark besuchten Mitgliederversammlung am Freitag des Kreises 3 machte sich die Entrüstung über das brutale Verhalten der Reichsbahnvsrwaltung Luft. Die Amts- und Dienstoorstönde versuchen nach wie vor, die Arbeiterschaft nicht nur untereinander, sondern auch gegen die Gewerkschaften auszuspielen, lediglich zu dem Aroech die Arbeitsleistungen bis ins Uferlose zu steigern. Es sind da» die Leute, die nur an ihr persönliches Wohlergehen denken, aber nicht den Mut aufbringen, den vorgesetzten Stellen über die Not der Eisenbahnerschoft zu berichten. Nachfolgende Resolution wurde angenommen: „Die Kreisversammlung des Kreises 3 des Einhcitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands nahm zu den schleppenden Lohnverhand- langen Stellung und ist mit dem Gang der ersten Verhandlungen nicht zufrieden. Die Preis« zur Bestreitung der notwendigsten Lebens- mittel steigen von Tag �u Tag, die Mieten sind gesteigert und so ist di« Lage der Eisenbahner unhaltbar geworden. Die Per- sommlung fordert vom chaupworstand, nichts unversucht zu lassen, die gestellten Forderungen möglichst durchzusetzen. Sie fordert weiter den Abschluß kurzfristiger Tarife. Die Versammlung gelobt serner, daß sie nach wie vor den chauptvorstand in diesem den Eisenbahnern aufgezwungenen Kampf mit ollen gcwerkschaft- lichen Mitteln unterstützen wird." Streik bei Siemens. Im Siemens-Schuikert Kleinbauwerk stellten die Automateneinrichter am Freitag eine Mprozentige Lohnforderung. Ihre bisherigen Verdienste betrugen im Durchschnitt l,l7 Mark pro Stund«, was für einen qualifizierten Facharbeiter eine viel zu niedrig« Entlohnung ist. Die Firma lehnt« jedoch jedes Eittgegenkommen ab. Daraus hin trat die ganze Abteilung geschlossen in den Streik. In Frage kommen vorläufig nur die Automotcncinrichter. Ter Streik bei Gcneral-Motors beendet. Am Donnerstag wurden zwischen den Gewerkschaften und dem Betriebsrat und der Direktion der General-Mowrs-Gestllschnst in Borsigwalde Verhandlungen geführt, die z» einer V e r st ä n d i- g u n g geführt haben. Es wurde ein« Vereinbarung getroffen, die im wesentlichen folgendes besagt: Handwerker erhalten in Ankunft eineb Einftcllungslohn von 1,60 M. pro Stunde, der alle 13 Wochen um 6 Pf. ste'gt bis -um Höchstsatz von 1,80 M. Für angelernte Arbeiter beträgt der Einstellungslohn 1,30 M. uird steigt in den gleichen Aeitinter- vollen bis auf 1<ö0 M. Ungelernte Arbe-tcr erhalten einen Einstcllungslohn von 1,10 M., der noch drefzehnwöchiger 2k- jchäsligang auf 1,15 M. und sech-undzwov-igwächiger. Belchostigrwg aus l.ZO M. steigt. Wenn Arbeiter, zu Leistungen einer höheren Gruppe fähig sind, also z. B. ein ungelernte? Arbeiter die Arbeii eines angelernten Arbeiters verrichten kann, so soll er möglichst bald in diese Gruppe oersetzt werden. Di« Firma hak sich weiter verpflichtet, den alten Betriebsrat wieder ein zu st el- l e n und überhaupt keine Maßregelungen vor zu- nehmen. Di« Arbeitsaufnahme erfolgt in einzelnen Abständen voneinander. Die Streikenden haben in einer Versammlung am Donnerstag beschlossen, dieser Vereinbarung zuzustimmen, so daß von einem Teil der Belegschaft die Arbeit am Freitag früh wieder auf- genommen worden ist._ Einigung im Hotelgewerbe. Der Streik d«r Betrieb.'Handwerker, Maschinisten, Heizer und Transportarbeiter, der am Sonnabend einsetzte, wurde schon durch Vorverhandlungen am Freitag abend für den Aschlnger-Kon- z e r n gegenstandslos. Die Firma Aschinger verpstichlei« sich, ihren aanzen Einfluß aufzubieten, daß die Abmachungen mit ihr für das gesamte Hotelgewerbe Geltung erhalten. Der Streik wurde deshalb nach kurzer Dauer von den beteiligten Organ,. solionen wieder abgebrochen, und die Belegschaften nahmen ge- schlössen die Arbeit wieder aus. Nu? die Firma Kranzler (Hotelbettiebs-A.-G.) sperrte ihre Konditoren aus. In den heute weiter geführton Verhandlungen wurde erreicht: für die gesamten Handwerker und Transportarbeiter die Fest- legung des Achtstundentages unter Fortzahlung des Lohnes» welcher bisher sür eine neun- bzw. neunernhalbstundige Arbeitszeit gezahlt wurde. Für die Bäcker u n d K o n d t t o r e n, welche bisher schon acht Stunden arbeiteten, bedeutet dies«ine Lohnerhöhung von 5 Mark pro Woche. Dieser Erfolg konnte nur erzielt werden durch die geschlossen« Organisation der Handwerker, vor allem im Aschinger- Konzern. Der neue Lohn be- trägt in dar Spitze 39 Mark.___ Tarif losigkeit io den Huchöruckereien. Warum fein Oshnlarif für die Travsporkarbeiter? Mo« schreibt uns: Seit langem sträubt sich der Verband Bariiner Vuchdruckereibesitzer grundsätzlich gegen eine tarifliche Regelung der Transportarbeiterlöhne Wahrend für die Buchdruckergehilfen und Hilfsarbeiter«in Tarifvertrag be- steht, sind die Transportarbeiter völlig der Unternehmerwillkür preis- gegeben. Wohin der tariflof« Zustand führt, beweist folgendes Beispiel. Bei der Firma G e h r i n g u. Reim er? verlangt« ein Trans» portarbeiter im Auftroge feiner Kollegen eine Lohnerhöhung, die in ihrem Ausmaß noch unter den Lohnsätzen der Hilfsarbeiter log. Dieser bescheiden« Versuch hatte den Erfolg, daß den Transport- arbeitern zwar sede Lohnerhöhung abgelehnt wurde, der Werkmeister D a n k e l dem beauftragte» Verhöndler ober einen Fau st schlag in die Augen oer setzte mit den: Bemerken, der Geschlagene soll« zufrieden sein, daß er, Danket, ihn nicht noch unier die Füße nehme. Fau st schlage statt Lohnerhöhung! Das sind die Folgen der tariffeindlichen Einstellung des Arbeitgcberverbandes der Buchdruckereibesitzer. Der schlagfertige Werkmeister soll selber organisiert sein. Gegen gen Reidtssdinlgeseizenfwiirf! Der Sozialistische Kulturbund veranstaltet am Sonnlog. dem 16. Oktober. 11 Uhr. im Berliner Bathaus. Sönigstr. tBürgerfaal). eine grsß« Prosetikundgebung mit der Tagesordnung: „Oer KsitosstöuIKsmp?." Arbeiter. Angestellte, Beamte, erscheint in Massen zur Kundgebung! Lehrgänge üer Serliner Gewerkschaftsschule In der Woche vom Montag, dem 17. Oktober, bis Freitag, dem 21. Oktober, beginnt die Winterorbeit der Berliner Gewerkschafts- schule. Dos neue Untsrnchtsverzeichnis sieht wiederum außer vier Einführungskursen für unvorgcbildete Hörer eine Reihe von oolks- wirtschaftlichen, betriebswirffchaftlichen. arbeitsrechtlichen und ge- werkschaftlichen Lehrgängen vor. Außerdem ist eine neue sozial- politische Arbeitsgruppe für Anfänger errichtet worden und eins kulturpolitische Arbeitsgruppe für Anfänger. Aus dem Lehrplan heben wir folgende Kurse hervor: BolkswirtjchasUiche Arbeitsgruppe für Anfänger. Lehrer: Dipl.- Handelslehrer Paul Koske. Deginn: Freitog, den 21. Oktober. 19 Uhr. im Leibniz-Gymnasium. Maviannenplatz. Die Genoffenschafksbewegung und die gememwirffchaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft. Lehrer: Simon K o tz e n st« i n. Beginn: Mittwoch, den 2. November. 1914 Uhr, im Leibniz-dym- nasium, Marianncnplatz. Velriebswirtschastlichc Arbeitsgruppe für Anfänger. Lehrer: Prokurfft Willi H e nz e. Beginn: Montag, den 17. Oktober. 19 Uhr. im Hörsaal der Berliner Gewerkschaftsschule, Engeluser 24/25, 2. Hos. I Treppe rechts. Arbeilsrechtliche Gruppe für Anfänger. Lehr«: Dr. Bruno B r o e ck e r. Beginn: Freitog, den 21. Oktober.19 Uhr, im Sophien- Lyzeum, Weinweisterftr. 16/17. Gewerkschaftliche Zelt- und Streitsrogen. Lehrer: H. S ch l i m m e. Beginn: Donnerstag, den 20. Oktober. 19 Uhr, im Lsibniz-Giun- nastum, Mariannenplatz. Arbeltsgruppe Sozialpolitik für Anfänger. Lehrer: Dr. Salo- man Schwarz. Beginn: Dienstag, den 18. Oktober, 19 Uhr, im Leibniz-Gymnosiiim, Mariannenplatz. kulturpolitisch« Arbeitsgruppe für Anfänger. Lehrer: Moria Ho d a nn, Beginn: Donnerstäg, den 20. Oktober, 19 Uhr. im Lcibniz-Gymnosium, Marionnenpiaiz.' Außer diesen Lehrgängen werden noch'eistiqe Seminare und F o rts ch r itt s lehr g änge abgehalten. Die Rationalisierung der Betriebe, der gegenwärtige Konjunkturausschwung, der schon jetzt leichte Anzeichen einer- drehenden rückläufigen Bewegung erkennen läßr. werfen eine Menge Fragen auf. die für den gewerkschaftlich organisierten Arbsilc? und Gewerkschaftsfunktionär van einschneiden- r----- �| fcb mäi fer Arbeitsgerichtsgesetz beanspruchen ebenfalls dos Interesse unserer Gowerkschaftsgenossen. Die Lehrgänge der Berliner Gewcrkschasts- schule sind dazu eingerichtet worden, um über di« gesamten Fragen Auskünste und Belehrungen zu geben. Es ist notwendig, daß von dieser Gelegenheit weitgehendster Gebrauch gemacht wird. Unter- richtsverzeichniste sind in den Ortsverwaltuugen und stn Zimmer 13 des Gewerkschastshaufcs zu haben. Lehrberalungssprechstunden finden Montags und Freitags zwischen 4 und 7 Uhr im Gewerkschaftshaus. Enaelirn? 24/25, 1. Stock, Zimmer 6, statt. Deutscher ZNelallarbeiteroerband. IZ. Ctiofct, Ii Kit, Vr«uche»>>crl>nnl»»g fett ftilitot&tikt (Sag»', Tafel- uiife SSnfatbtiUt, Pfeittt. rSoimnacti, Wtrsz-Ufe. unfe ÄctdjniJiiqs outntfect, Stfensiihur, Snbinfect. gofetUublfäfertt,(Slcarolaiöttfofettt, Aiitfe. ro«tenfetlfci,«flaatbeittt, Im eiRangtffeai fces SctbanÄo organiperien rirveucs unc> wswsrricyattsmnrnonar van emschnewen- der Bedeutung sind. Die neue soziolpolftische Gesetzgebung, das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, ferner dos tlckrtaag, e. Eoraaj, Tempelhfetl Am Diknstaa. ll. Okisbl«. 17 Uhr. Im Lokal von 81100, Temptlbot, grirdoick-Silli-lin, Gdt«oltttskoz«. wichtig« llrattionostgung. Zcdcr(Bcnvslt und all- G-nossinn-n müssen ««scheinen. Der geaktiontvotslanfe. Achtung. SPD..?tfeltifea fee» ftäbtisSeii Vieh, uufe Schl-chthole»! Moegen, Montag. IS Uhr. Im Lokal von Otto, Riaacr Str. Sä. wichtige graktloiissitzung. Erscheinen aller Trnosien ist Pslicht. Der Fraktionfenorstfefefe. Jugendheim des Berlchrsbundes, Engeluscr Urä.— Morgen, Montag, 19', j Uhr, Zusammenkunst aller Sruppenleitunge» Im Iuqcndheim des DMV., LInienssr. M/SS. 1. Portal 2 Dt. Tagesordnung: 1...Luftfahrt und Arbeiter. bewegung", mit Lichtbildern. Refetent Flugzeugführer Walter Binder. 2. Unter Werben. 3. Organisatorisches. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Funktioniir. ausweise» und Verbandsbuche� Zugendgruppe fee, ZfeA. anstaltungen\ trag:„Derhart 4W WW. WW______ � Kermaniaftr f 8. Portrog:„Die Wahlen' zur Ängestelltenverncherung" (Machate).— Z!»rfe«n: Jugendheim Danziger Str.«2, Baratt- 7. Bsrtrag: „Jugend und Mode" lWeigeltt. vetbanfe der Semelnd«. und Staatsarbeltet. z. vezttk Wedding: Am Dienstag. Ii. Oktober, 19 Uhr. im Lokal von Mecklenburg, Paoenestr. s, Bezirks- Versammlung.„Die Ruhelohnbestimmungen der Stadt Berlin und der stadti. fdjen Werfe." Referent Kollege� fflütne. Unsere Lohnbewegung. Biinktliches Dtutscher Bfengeiorrfsbnad. Ffeib. Erscheinen erwartet in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Die Bezirksleitung. der Tifefer. Am Dienstag, U. Ok» *''—-— Ititgliedet. gelegen» Sport. Ningerwettstreit im Sportpalost. Kunst im ZMltelgewichk Sieger. Am Frettayabend versuchte es der schwere Wiener H. Sa Bio« mit dem finnischen Mcisterringer Hut honen: ober auch er konnte gegen seinen äußerst gewandten Gegner nichts ausrichten. Dos erste Treffen der beiden zeitigte noch kein Resultat, ain Sanntag werden beide noch einmal die Hände kreuzen. Der Pole Sztckker rang mtt dem größeren und schwereren Deutlchpolen P i n e tz k i im Eni- schcidungskamps und komite siegen. Pinegki Bevorzugte die Unter- griff«, denen sich aber der Pole ntft Eleganz immer wieder entzog. Die Annahme, baß der lange Pinetzki höchstens einer Ucberrafchung zum Opfer fallen würde, erwies sich als richtig. Auf einen Doppel Nelson des Polen antwortete Sztekker mit schnellem Annzug aus dein Stand nach einer Rinozeit van einer Stunde 14„55 Minuten. Die Vegecznung des Letten Lcskinowicz mit Stolzenwald brachte einen harten Kampf. Als in der.50. Minute der Lette einen Untergriff anbringen konnte, war es um Stolzenwald geschahen. Da im Mittelgewicht der Jugoslawe Kopp wegen Er- krankung zum Entscheidungskampf nicht mehr antreten konnte, stehen nun in dieser Klasse bereits die Sieger und die Reihentalge de? Plätze fest. Erster wurde der ausgezeichnete Elberfelder Kunst mit 11 Siegen vor dem routinierten Stettiner S t e! n k e> der mit 10 Siegen und einer Niederlage den zweiten Platz belegt«. Dritter blieb Favre- Paris mit neun Siegen und zwei Niederlagen. Abschluß üer Rütt-Saison.' Glänzende Besetzung des IVO-kilomeiee-Emzelrennens.— Drei neue Ausländer am Start. Zum letzten Mole in diesem Lab« wird morgen Sonntag, noch. mittags 3 Uhr. die Startglottc aus der Rütl-Zlrena läuten. AIS ilblchtntz seiner ereignisreichen zweiten«oilon bringt Ruit diesmal lein Mann- schastSrennen, sondern ein langes Einzelrennen mit Punchvertung. dem erden llaifischen Namen.Kriterium der Asse" und eine dielcS grossen Titels würdige Besetzung gegeben bat, denn sotgende 12 Fahrer treten zu dem schweren Wettbewerb an. bei dem diesmal jeder gus sich selbst angewiesen ist und nicht von einem Pariner abgelöst werden kann: Achill« Eouchard sFrankreich'. Andre Moulvn lFrankreicht. Georges Ronsse lBekgiens. Maurice Tewols(Belgien). Alesfandro Tdnanl(Itafien). Willi Lorenz iDeiillchland). Flitz Lauer(Teutschland'. Paul Kroll(Dcni'chland), Wcni-r Mietbe(Deutschland). Paul Luschcnhagen(Deutschland). Franz Petrrmann (Deutschland), Otto Llant(Deulscblond Rennen zu Hoppegarken am Sonnabend, dem 8. Oktober. 1. R e n n e n. 1. Feenkönigin(Jonek». 2. Nun Her HenncS),.'5. Hülgralb (Parga). Toto: 47: ist. Platz: 2WW... WWWWW„ZW»WW KssshfelllWWWWW Belleoue llber„Internationale sozialistische Jugendarbeit. Jugendliche Zü P Erwaäilene 1 M. heute. Sonntag. S. Oktober: Aiilliiischee Platz! fm" Nonlum, Lichtenberg 9 Uhr Arbeitsdienst i______ stration Weitzenseer Weg. : Tr-sspunkt zur«onlumbesichtiqung 9'i Uhr vor de» Siitlergutstratze. Erscheint atfel— HobenschSnfeause»: Cchulausn Addern stratze. lfi',) Uhr Treffpunkt zur Demo". ' Oefele�g�WWWMWWMMWIW�M��W ______________„ W. Treffpunkt zur----- 19 Uhr ÜBcrbcfetet in der Gdiulaula Rodernftraße. — Senefelfeer-Birrtel: Beteiligung an der Werbeseirr in Aosenthol. Tresfpiinlt 14 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Tempelhof-Mariendors! Besichtigung d-o Westbasen». Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Tempelhof.— Wafevsee: Tre'fpnrkl lSch Uhr am Wilhelmplatz lnicht lbsö Uhr) zur Iugendseler der Abt. Rowow Rrinickendorf West: Heim E-ldelstr. l. "' bar- i" «rscheint zahlreich und. Abend.— Pankow. Aorfe: erb«: Rosen« Werdesrier Bunter im Lokal Schneider, Dauptstratz«, Treffpunkt zum Umzüa 15 Uhr Bohichof Rosrntbal. ' Parteigenossen, untersiützt uns durch euren Besuch!— Schönhauser Aorssadt: Lchönsließer Sie. 7. Heimabend(20 Uhr). Werbebezirt Nreuzdcrg: Lindcnhcim, 9 Uhr pünktlich, Fariketzung de» Funk, tionlirkursu». 14 Uhr treffen ssch all« Gruppen zur Demonstration i» Rosen. thal auf dem l. chos des„Vorwönts" Wervebezirl Reulelln: Aerdefeier in Bosenthal. Trefsrun!) ltz>; Uhr Bahn. Hof Neukölln. Unkostenbeitrag 50 Pf. Note ssahnen und Musikinstrumente mit. bringen. Nachzügler Nosenthal, Lokal Schneider» Garten, tauptstratze. Morgen Montag. 10. Oktober. iS'u Uhr: Singlrri«: Uebungsabcnd pünktlich IM) Uhr im Lindenheim. Moabit l: Schule Waldenserstr. 29. Tpreck>chorprobe.— Moabit p: Hein, Lebrter Str. 76/19. Uebungoadend.— Friedenau: Schule Ostenbochrr Str. ä... Uebungsobend.— Dchövebcrg Nli Henn Hauptstr. 15...Serüelle Frage»", 1. Teil.— Eharloitenburg-Rorb: Heim Olberstrasie..Pilhclm Busch.— Friedrichshfege«: Naihau». Friedrichstr. 87.„August Bebel."— Neu. Lichte». berg: Keim Pr>nz,Aldert.Sirasie. Ucbuirgsadend.— Lichtenberg-Westi Heim Scharnweberstr. 29. Funkiionörversammlung.— Pfenkow'Süd: Schul« Nasser. Friedrich-Etr. 57'58. Uebungeabend.— Bohnsdorf: Treffpunkt zum Uobung». abend UN- Uhr Bahnhof Grünau.— Britz: Die geplante Denwnstralion findet nicht statt.___ weNrrberlchi der öffentlichen IveNeidlensisiell- Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Trocken und heiter bis wolkig, Temperaturen wenig der- Zndert. Schwache Winde aus östlichen Nichtungen.— Iär vrntlchlanfe. Im ganzen Reiche trocken und wechselnd bewo-kt, nacht» sehr kühl biS unier' 0 Grad CelfiuS. Itellenweile nebelig, am Tage mild. taber. 17'� Uhr, in den Slesidenzfestlalen, Landsberger Str. Z2, Mitglied« verfaimnlung. Bericht vom Bezirk», und Serbantstaa. F-chgruppenongeleg-i heilen. Di« Kachgruppenlritu»». 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Gktober 1927 Unterhaltung und ANissen SeUage ües vorwärts Fröhlicher herbst. ?Ncht Glanz und Pracht sind uusres Kampfes Krönung, Nur brauner herbst im klirrenden Geäst, Dan dunklen Früchten hie und da ein Rest Aud Duft ringsum von Klarheit und Versöhnung. Verbannte wir vom warmgesügken Rest Erlitten lange Trübsal und Verhöhnung Und trugen es in langsamer Gewöhnung Und wurden stolzdurchglüht und lebensfest. Wir tauchen in die kühle Himmelsbläue Run unsre kühlgewordnen Augen ein Und freuen uns der bleibenden Gestalt, Die über allem Wandel stets aufs neue Uns grünt aus Blälterwirbel. Baum und Stein. Und werden todesreif im Lebenswald. D. L u s ch n a t. Das Kinö. Von Anlal Farkas. (Einzig berechtigte Uebersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mczei. Wien.) Als sie das Theater, das Trabrennen, die Riviera und die Glücksocrsuchc in Monte Carlo schon sattbekommcn hatten, kehrten sie in die Hauptstadt zurück und gähnten gclangweilt. Dem Mann oder der Frau siel es da ein, daß ein Kind im Hause sehr gut wäre. (Der Papagei war vergangene Woche eingegangen. Er züchtet auch übrigens viele Wanzen.) Der Hund— ist ein kluges, manierliches Wesen, man kann ihn selbst im Salon schlafen lassen, dos ist wahr— ober ein Hund ist ja doch kein Kind. Sie fanden heraus, daß das Lebensziel des Menschen das Großziehen von Nachkommen ist. Warum sollen nach ihrem Tode ihre Verwandten nach ihnen erben, wenn das auch ihr Kind tun kann? „Woher sollen wir aber ein Kind nehmen, wenn uns einmal der liebe Gott keines geschenkt hat?" „In den Zeitungen wird oft inseriert, dost Kinder an Kindes. statt abgegeben werden." ..Das ist nicht gut. Dessen Eltern pumpen einen das ganze Leben hindurch am" ..Rehmen wir also eines aus dem Findelhau»." „Auch das ist schwer. Wer weiß, wer die Eftern waren und was für ererbte seelische oder körperliche Krankheiten e» ins Haus mitbringt." „Du hast recht." „Ich sage dir etwa» anderes. Du hast doch schon von meinem onglücklichcn Druder Josef gehört, nicht wahr? Dieser Hot Kinder und ich glaub«, er hätte nichts dagegen, wenn wir eine» davon odoptteren würden." „Ihr seid doch böse miteinander!" „Wir werden das auch weiterhin sein, ich will mich auch gar nicht mit ihm aussöhnen. Eines von seinen Kindern tonn er uns aber trotzdem geben." Josef hatte«ine große Familie, war aber«in armer Mensch. Da» Unglück versolgte ihn, seine schlechte, leichtfertige Natur er- leichterte aber noch die Arbeit des Unglücks: er vertrank, verspielte sein Vermögen, seine Stellung: so fristete er kümmerlich sein Leben von einem Tag zum anderen, und er war derart zerlumpt, daß man sich mit ihm am hellen Tag nicht einmal in ein Gespräch einlassen tonnte. Ein oder zweimal kleideten sie ihn an, verholfen ihm zu einer Stellung: es half nichts. Er hatte wundervolle Kinder. So geschah es dann auch. Sie nahmen dem Josef einen Buben weg, den dreijährigen Paul. Er war«in verständiger Junge. Di« Züge der Familie besaß er; ein jeder tonnte glauben, daß es ihr eigenes Kind ist. Paul grämte sich anfangs sehr noch seiner Mama, seinem Papa und nach seinen Spielgefährten von der Straße. Er wäre gern barfuß gelaufen, unordentlich gewesen, das hatte aber ein Ende. Er bekam schöne, neue Kleider, wie er sie bisher nur in den Schaufenstern gesehen hatte. Sie machten au» ihm ein seines, vornehmes kleine» Kind, das sich zu jedem Augenblick so benehmen mußte, wie man es ihm befahl. Man lehrte ihn auch, daß dieser neue Onkel sein Papa, die neue Tante seine Mama ist. Seine kleinen Geschwister konnte er nicht mehr sehen. „Die Hauptsache ist." sprach der neue Papa,„daß jene Um- gebung nicht mehr in Paulchens Nähe komme. Er wird sie schon vergessen." „Gott behüte, daß er sie wiedersieht. Er ist noch ein kleines Kind, jetzt kann er sie noch vergessen, bis er heranwächst, wird er mit Leib und Seele der unsere sein." » lieber Paulchen gab es keine Klage. Nach einigen Monaten hatte er sich in die neue Umgebung hineingelebt. Man führte ihn spazieren. Er trippelte stolz vor Papa und Mama einher, mit seinem schönen Spazierstöckchen rhythmisch auf den Gehsteig klopfend. Die Vorbeigehenden konnten sich der Bemerkung nicht enthalten: „Ein schönes Kind hat dieses Ehepaar! Sie können es wahrlich nicht ableugnen, daß es ihnen gehört." Sie hörten es und waren stolz über diese Bemerkung. Er ist also ein schöner Bub und jeder hält ihn für ihr Kind. Das genügt« schon zur Glückseligkeit. Paulchcn schaute voll Interesse den sich aus der Straße über» mütig herumtreibenden barfüßigen Kindern zu. Er blieb auch stehen. aber man rief ihm zu: „Bleib nicht stehen, mein Liebling. Geh' nur schön vorwärts." Paulchcn gehorchte. Dann faßten feine Füße vor einer Schenk« Wurzel. Eine heisere, streitsüchtige Stimme war von drinnen zu vernehmen, doch Paulchen kam diese Stimme sehr bekannt vor.... Der Papa trat rasch auf ihn zu und nahm ihn bei der Kand: „Vorwärts. Paulchen. Wir gehen in den Tiergarten." Di« Mama sagte: „Von nun an werden wir nur noch im Auto spazierenfahren." * Sie spielten im Salon. Die Mama las Vers« au» dem Bilder- buch vor und Paulchen hörte ihr zu. Dann rief er auf jede» einzelne Moskauer Ketzergericht. Papst Stalin: ,vu aber, �rzketzer Leo Trotzki, öer üu üie Macht öes hl. Ckti unö des hl. /lgitprop geschmäht, sei verflucht im Namen üer Komintern, öer pcofintern unö öes Narkominürl!' Bild: da» ist diese», da» jenes Tier. Das ist ein Hund, dieses ein Eichhörnchen, jenes«in Wölf, da» ein Fuchs. In diesem Augenblick war aus dem Vorzimmer der Lärm eines «treues zu vernehmen. Der Papa schrie erregt mehrmals auf jemanden ein: ...Komm' mir nicht mehr hierher!.. Mach', daß du weiter- kommst!... Ich Hobe dir den Preis bezohft, er geht dich nicht» mehr an!... Ich zeige ihn dir nicht einmal! Marsch hinaus, sonst hole ich einen Schutzmann!" Auch die Worte de» anderen waren b>» hinein zu vernehmen: „Do» Kind gehört mir!... Ihr habt kein Anrecht darauf! Ich will e, haben!... Ich nehme es mit!" Paulchen erhob den Kops. Di« Stimm« kam ihm sehr bekannt vor. Cr lief zur Tür«, aber die neue Mama nahm ihn aus den Arm. .Komm, mein kleines Söhnchen, in das andere Zimmer auf deinem Schaukelpferd reiten!" Sie trug da» Kind durch zwei oder drei Zimmer, und als der neue Papa zu ihnen eintrat, lief Paulchen auf ihn zu, umarmte seine Knie und fragte ihn: „Papa, wer war das?" Der neue Papa und die neue Mama sahen einander an. Der neue Papa log als erster: „Niemand, mein Kind, nur... nur so ein Mensch..." Das Herz des kleinen Jungen fühlte diese Lüge heraus. -» Sie fuhren in einem Auto einkaufen. Vor dem Geschäft blieb der Wagen stehen. Der neue Papa und die neue Mama gingen hinein. Sie sagten zu Paulchen, den si« im Auto ließen: „Bleib' hier sitzen. Kindchen, steig' nicht hinunter, sprich zu niemandem." Nach einer halben Stunde traten ste aus dem Geschäst. Da sagte der neue Papa zu der neuen Mama: „Schau doch nur!" Paulchen stand im Wagen und umarmte den Hals de» neben thm stehenden verkommenen Mannes. Er weinte. Der verkommene Mann verschwand unter einem Augenblick. Der neue Papa und die neue Mama traten zu dem Auto. Die Augen des kleinen Jungen waren voll Tränen, aber er lachte trotz- dem, er lochte sehr, der Arme. „Worüber freust du dich so sehr, mein Kind?" fragten sie ihn. „Ueber... über euch!" „Wer war jener Mann, mit dem du gesprochen hast? Nun, sag' es! Wir werden dir deshalb nicht böse fein, sag' es nur." „Das?... nur... nur so ein Mensch..." » � „Ich gebe den Buben morgen seinem Dater zurück," sagte der neue Papa. „Warum?" „Es gefällt mir nicht, daß er so klein ist und schon so lügt wie ein Erwachsener."__ Walfische Toö. Bon Richard Huelsenbeck. W als i s ch b a l, im Juni. Hat mft Aases Tod nicht? zu tun. auch nicht mit der Edda oder einem Drama von Richard Wogner, sondern ist eine Wirklichkeit, sogar eine sehr banale, schrecklich schmierig«, etwas ekelhafte Wirk- lichkeit. Als wir in Walfischbai einliefen, kamen die deutschen Kalo- nisten in solchen Scharen an Bord, daß man kaum die Salontceppen aus das Betriebsdeck hinabsteigen konnte. In einem Gewühl englisch aiifgemachicr, aber unoersälscht deutsch aussehender Ladys und einiger Herren, die sich nach Aolegung aller nationalen Eigentümlichkeiten einen kleinen Bauch al» Remi- niszenz ans liebe Vaterland bewahrt hotten, traf ich den Geheim- tm S G ist ein alter Elesantenjäger aus Deutsch-Ost, war auch%■> zirksamtmann und spricht Kisuaheli wie andere Leute plattdeutsch. Er macht ober wenig Gebrauch von seinen ieltenen Fähigkeiten unk» schnauzt die Damen an wie nasse Säcke, wenn sie ihn noch den „Gefahren der Wildnis" ausfragen wollen. Eine besonder« Vorliebe hat er für botanische Gärten, überall, wo unser Schiff angelegt hat, habe ich mit ihm den botanischen Garten ousaesucht Wenn einer da war. Hier in Waijijchbai mußte G.» Interesse für botanische Gärten einen schweren Rückschlag erleiden(auf den er allerdings gefaßt war). Immerhin konnte er nicht ahnen, daß Walsischbai eigentlich nur aus Sand besteht, in den einige Steinhäuser varsielstig gesetzt sind. Dafür hatten wir diesmal eine andere Sensation, es gibt hier, nicht weit von der Anlegestelle des Dampfers, ein« Walsiichstativri. Ais wir durch den Sand wateten, rom-tete vnfer noch eine Pointe, die ich nicht vergesse» will anzusühren. Irgendein Gehirn, da» nicht ohne Blumen leben kann, liatte sich ausgedacht, im trostlosen Sand eine Allee zu pflanzen. Da im Sand keine Wurzel sesthält, die Hitze alles verschlingt, was grün ist, war er auf die Idee gekommen, Bäumchen in Fässer zu pflanzen und diese Fäsier In Parade nebeneinander zu stellen, als UHirex es uralte Linden, unter deren Mpseln sich das frohe Volksleben ab- soielt. Es war rührend, traurig und schaurig zugleich. Wüste mit. Laube. Wüst« mit Blumenbeet. Von weitem sahen wir die Umrisse eines vordiluvialcn Tieres. Er ist es. Er ist es nicht. G. zweifelte, weil er mcliit«, es sei jetzt keine Saison. Er war es ober doch. Al? wir näher kamen, waren es drei, dann vier, dann sünf. Es war ein riesiger Fangtag, denn es war nicht nur Saison, sondern Hochsaison für Walfischsong. Ehe ich es vergesse. Zur Charakteristik des hervorragenden Gemütes unserer Mitmenschen und ein Beitrag zu dem Thema„Der Mensch ist gut". Walfischhochsaison ist dann, wenn die WaÜische sich paaren. Sie kommen zu zweien und zweie», Männchen und Weibchen. hochzeiternd und liebegirrend aus den südlichen kalten Meeren in die subtrovischen Gewässer. Manchmal ist auch, Frucht junger Liebe, ein kleines Wolfischlein dabei. Diese Zeit größter Harmlosigkeit harmloser Riesen benutzt man, um ihnen Granaten in den weichen Bauch zu schieße», die an einer Harpune befestigt sind. Die Harpune wird, wie männiglich bekannt, aus einer Kanone geschosie», alles ist prachtvoll nach neuestem amerikaniichen System eingerichtal. Die Zeit, die man zur Tötung eines Waisisches braucht, ist aus das gtößtmoglichste Minimum beschränkt. Die Rattonaiisiermig des Mordes muß aber der Rationoltsie- rung des Zerlegens beschämt weichen. In einer holden Siunde Iropst der Koloß»ines Riesimtieres in dicken Flelschfetze» aus Röstschale» und in schwerbäiuhige Kessel, aus denen man nur als Lebertran er- stehen tonn. Wir standen am Rande eines Blutiecs und beobachietcn, wie einer der mit langen, scharfen Partisanen bewehrten Walsischkncchte an einem wabbelnden Leichnam herumsäbelt«. Es ist merkwürdig zu sehen, wie sich die faustdick« Fettschicht leicht abpellen läßt, man hat da» Gefühl, ein Pfirsich wird entkernt. Di« Walfischknechte sind Norweger, die mit stumpfen, sturen Gesichten, auf den Walfisch einschneiden. Es ist ihnen nichts Neues mehr, sie säbeln, weil sie Geld kriegen, ob es Walfische oder Meer- schweinchen sind. Einen Stoß in den Bauch, und eine Tonne Blut ergießt sich auf den hölzernen Gleitboden. Wir weichen entsetzt. Das Zerlegen nimmt Tempo an, man hört das Ecknattar van Winschen, Ketten klirren und werden herbeigeschleppt, etjerne Haken werden an den stückweis abgezogenen Fettschichien eingesät. Eine Schicht nach der anderen wird maschinell abgezogen, es bleibt nichts al» ein armseliges Walsischmuskelbiindel Nur am Kopf, um das winzige Aug« ist ein Stück Haut stehen geblieben. Der Walsisch macht noch einen letzten Angriff auf die Mensch- heit, er sucht sie durch einen schrecklichen Gestank in die Flucht zu schlagen, aber die erfahrenen Mordgesellen lächeln nur. Hartleys fuperfine Sabacea setzt sich in Brand, es ist eine grobe Lebertran- marke, aber die Leute sind daran gewöhnt, und ein echter Norweger kennt seit seiner Geburt nichts anderes. Eine wilde Meute stürzt sich auf die Muskulatur, zwischen Blut, Fett und dunklen Fleischfetzen stampft, schreit und meuchelt es. Mit großen Hämmern werden die Wirbel zerschlagen, wütend« Stiche gelten den Eingeweiden, ein Riesenherz hak ausgespielt. Mit einigen Meisterschnitten, die selbst in den Stockyards Chikagos Auf- sehen erregen würden, werden die Barten abgesägt, nirgendwo ist der Mensch so sehr er selbst wie hier. Keine Repressalie, keine heiin- liche Falle, kein« moralischen Einwände und andere Dummheiten treffen den, der der flinkste Mörder ist. Zwischen Resten toter Meeresriesen wandelt, seines Wertes sicher, der Chef der Station. Auf den Zehen durch Blut und Schmutz watend, nähern wir uns ihm. G. will eine Statistik über die Tran- gewinnung und die Bartenoerwertung haben. Ich hasse Statfftiken und frage, ob keine Gefahr sei, daß die Walfisch« aussterben, wenn man sie so niedersäbele und niederschieße. Der Chef zuckt die Achseln, er weih e» auch nicht. G. ist neugierig und schreitet stelzend und spitzentanzend weiter durch den Blutsee. Hin und wieder schlägt uns eine Gestanksladung «uf die Nase, daß wir taumeln. G. sieht voller Staunen, wie große Fleischfetzen an einem Hause hochgezogen werden, auf einer Gleitbahn ähnlich wie im Lunapark wird, schauerlicher Anblick, das entblößte Gerippe eine» Walfisches hinaufgezogen, es erinnert an«inen Saurier aus einer Zeit, als die Menschen noch keine Granaten und Harpunen kannten. Oder— glückliche Wölfische— al» es überhaupt noch keine Menschen gab. Der neugierig« G. klettert eine Treppe hinauf, ich folge,«in furchtbavi-r Geruch von Blut, Verwesung und Tran schlägt uns entgegen. Wir find auf einem Boden, von wo riesige Fleischsetzen von schwarzen Arbeitern in die Kesiellöcher mtt langen Haken ge- zerrt werden. Dantes Hölle ist«in« armselige Phantasterei gegen diese» Bild, die bleckenden schwarzen Fressen machen alles fürchterlicher. Man arbeitet halbnackt, die Hitze der nahen Kessel klebt in dicken Tropfen auf allen Gesichtern. G. gibt sich nicht zufrieden, er muß die ganze Einrichtung sehen, er ist von einer Gründlichkeit, die mich nachdenklich macht. Daß ich nicht gründlich sei, wurde mir schon aus der Schule »«rgeworfen, hier wäre meine Schwäche ein Vorzug gewesen, aber G. zog mich unerbittlich hinter sich her. Hinter den Gebäuden fanden wir hundert Fässer mit roten Deckeln und Böden, die auf den Abtransport warteten. Ich weiß nicht, wieviel liebende Walfische in hundert Fässern Platz finden. G. wußte es auch nicht, obwohl er es sich klarzumachen suchte. Was er auch immer sah, er suchte„es sich klarzumachen", aber dies- mal ließen ihn sein« Berechnungen im Stich. Wir kamen noch an einem Schweinekoben vorbei, der einem der hier tätigen Beamten gehörte. Bier schwarze Schweine be- «egten sich grunzend und behaglich sich räuspernd hinter dem Stacbeldraht. G. sagte mir, daß es ein« ganz bestimmte Rasse sei, die sonst nicht in Asrika vorkäme. Da er zoologisch außerordentlich beschlagen ist. machte ihn diese Tatsache nachdenklich, und er sprach auf dem ganzen langen Sandwatweg nach Hause kaum ein Wort. Als wir dann im Rauchsalon hinter einem Manhattan-Coetail saßen, sagte vr:.Ich fand die Sache mit den Walfischen interessant, aber ich werde es mir nicht noch einmal ansehen." Er wollte nicht sagen warum, aber wir wußten es beide. Wie man das Gruseln lernen kann. Für IVi Schilling durch die llnkenvelt London». Don C h. Piper. Das ist die neueste Sensation, welch« unternehmende Touristen» Gesellschaften den amerikanischen und kolonialen Besuchern bieten, mit denen jetzt jeder einlaufende Dampfer voll besetzt ist. Ein abenteuerlustiger Londoner Journalist, der«in« solche Fahrt in einem großen Rundfahrt-Auto mitgemacht hat, schildert seine Eindrücke wie folgt: China-Stodt war das erste Ziel der Tour, und als das lange, gedrängt voll besetzt« Auto über das holprige Pflaster von Penny- fields rumpelte, schrie der Kondukteur durch sein Megaphon:.Hier, hinter den Fenstern mit den herabgelassenen Rolläden aus beiden Seiten, befinden sich die Opiumhöhlen.— Hier, rechts, liegt eine der berüchtigsten Spielhöllen im ganzen Lime-Houfe-Diertel. Hi�er ver- bringt John Chinaman seine Zeil und verschleudert sein � Fan-tan, Puk-a-pu und anderen Glücksspielen des Ostens Aus den Schatten der China-Stadt huple da» Auto seine lärmend« Dahn durch Whitechapel, und der Kondukteur zeigt« auf allen Seiten aus Stätten des Laster» und Verbrechen».„Das ist der einzige Gin-Palast, der heute noch in London existiert— Dort, in dem Hause, werden Matrosen allnächtlich mit Geheimmitteln betäubt und beraubt.— Die» ist die Stelle, wo„Jack der Aufschlitzer" seine Morde vollführte." So ging es Schlag auf Schlag auf die Nerven der Passagiere nieder, und als wir das Londoner Ghetto erreichten, waren alle durch und durch erschüttert von dem enormen Umfange der Kriminal!- tät und des Lasters, der in der größten Hauptstadt der Welt herrscht. Au» der dunklen Unterwell des Eastend hupte das Auto west- wärts noch der jazztollen.Schwarzen Kolonie", die an Tottenham Court Road grenzt. Hier lockten viele kleine Cafes. Die Klänge zerhackter, schriller, sogenannter Musik schnitten in die Ohren und peitschten die Nerven. Aufsallend große, starte, in ihrer europäischen Kleidung wunderlich aussehend« Aethiopior wandelten umher, auf- geputzte weiß« Mädchen am Arm. .London hat eine schwarz« Bevölkerung von 17 OOst Köpfen," verkündet« das Megaphon. Um zwei schwarze Söhne Afrikas im Faustkampf sammelten sich gespannte Zuschauer, und schon nahten sich drei Policemen. Weiter ging es..Das hier sst Soho," erzählte unser Mann am Megaphon.„Man nennt es das Drogenland wegen des enormen Umfanges des Drogenhandels, der hier betrieben wird.— Wir find nun im Londoner Montmartw. Hier können Sie Londons wirkliches Nachtleben beobachten.— Hier rechts ist einer unferer berühmtesten Nachtklubs, der schon öfter als irgendein anderer Westend-Klub von der Polizei überfallen worden ist." Langsam drang unser Auto durch ein wahres Labyrinth von engen Straßen, bis sich«in Platz plötzlich weitet«..Piccadilly Circus," schrie unser Manage«.„Die Nabe der Welt. Seotland Pard behauptet, wenn sie einen Verbrecher suchen, werden sie ihn hier am ehesten treffen— wenn st« lang« genug warten.— West- minster-Brücke. Von hier aus genießen Sie nachts den schönsten Anblick von London und Themse.— Links sehen Sie die.Selbst- mörderallee". Von dieser Strecke des Ufers haben sich Hundert« und Taufende verzweifelt in den Fluß gestürzt." Gleich darauf hielt da» Auto, und wir waren wieder in der „Oberwelt", im stärksten Strom des Leben». Wer von den Passagieren möchte aber sagen, daß er für TU Schillinge nicht genug gesehen, nicht genug Wahrheit und Dich- tung vernommen hat? Diese sogenannten„Touren durch die Unterwelt" scheinen die populärsten von allen Londoner Rundfahrten zu werden. Es find schon verschiedene weitere Autos in den Dienst gestellt und neue werden geliefert. Die Sache ist für die Touristenagenturen ein gutes Geschäft, und auch für die Kondukteur«, so daß der Wettbewerb um die Stellen schars ist. Es sollen sich sogar schon viele echte Bürger der Unterwelt gemeldet haben, um die Führung durch die geheimsten Labyrinthe zu übernehmen._ Die erste Wetterkarte in der Zeitung. Der Wetterbericht und die Wetterkarte sind besonders in den beiden letzten Jahren, in denen so viele Katastrophen vorgekommen sind, dem Zeitungsleser immer wichttger geworden. Bei manchem gilt der erste Blick der Wetter- karte, aus der er sich über die Witterungslage unterrichtet. Wie im „Zeitungs-Verlag" mitaeteill wird, hat zum erstenmal die englische Zeitung„Daily Rews� am 14. Juni 1849 mit der regelmäßigen zu machen. Aber die neue Spall« konnte sich im Zciiungswesen nicht recht durchsetzen, weil noch eine Organisation des europäischen Wetterdienstes fehlte. Da kam ein besonderer Vorfall der Entwick- lung zu Hilfe. Am 14. November 1854 wurden während des Krim- Krieges die Flotten der Verbündeten im Schwarzen Meer durch einen Sturm in große Gefahr gebracht, das französische Schiff „Henry" wurde zerstört, ein Militärlager am Lande vernichtet. Die Meteorologen wiesen darauf hin, daß sich die Schäden hätten v?r- meiden lassen, wenn ein einheitlicher Wetterdienst vorhanden gewesen wäre. 1863 führte der französische Asttonom Lcverrier die Organ:- sation des Wetterdienstes in Frankreich durch, bald schlössen sie, andere Kulturstoaten an, und seit etwa einem halben Jahrhundert hat sich die Wetterkarte in der Zeitung auf Grund dieses umfassen- den Nachrichtendienstes eingebürgert. Wieso stegi Shakespeare»„Böhmen" an der Meeresküste? Man hat sich schon sehr oft über die geographischen Unkenntnisse des größten englischen Dramatiker» Shakespeare gewundert. Besonders «ine szenische Bemerkung im„Wintermärchen:„Böhmen eine wüste Gegeich am Meer" hat bei Bildungsfanatikern ein ironisches Lächeln hervorgerufen. Es scheint ober, als ob Shakespeare mit seiner Bemerkung nicht ein so schlechter Geograph gewesen ist, wie man zu glauben berechtigt ist. Schon 1906 hat Eduard von Lippen in seinen Abhandlungen zur Geschichte der Naturwissenschaften aus eine vergessene Stelle in den Annalen der Barfüßer zu Thann hin gewiesen. Da wird erzählt, daß 1481 nach einer Pilgerfahrt ins heilig« Land vierzehn Pilger heimkehrten und in Böhmen landeten. Bei dem Worte„Böhmen" ist hinzugesetzt:„Hiermit ist Apulien gemeint. Apulien hieß also im Mittelalter gelegenttich auch Bohemia. vermutlich nach dem Normanncnfürsten Bohemund von Tarent, dem eigenttichen Urheber des ersten Kreuzzuges, dessen Bedeutung die Namensgebung des Landes rechtfertigte. Sirchenglocke« aus Porzellan. Die Staatlich« Porzellanfabrik in Meißen ist mit der Herstellung eines Glockenspiels für den Stadt- kirchturm beschäftigt. Von 40 dazu nötigen Glocken sind über die Hälfte bereits fertig. Ausführender Künstler ist Professur Börner. Dies« neuartigen Glocken sollen einen wunderbaren, bisher nie ge- hörten Klang geben. Ävooe. Solkskuutt Budarvcit Kissenplatte �00.�4'° Kissenplatte«.«/«>«. 7so Tischdecke 250 c%. 90«b Dnrehiawer.................. 29,50_ wir zeigen aparte Neuheiten auf öen verfchieSensten Gebieten üer Hanüarbeitskunst.* Die Ausstellung ist verbunöen mtt theoretischen und praktischen flnlektungen zurSelbstaofertigung üer ausgestellten Moüelle ZUvS mtt«swettalott» TorgccetdiBet Kissenplatte«.�«. I75 Tischdecke �130«. n»i.. 7so Tischdecke».140 i7o«... 9S0 Straminplatte V 10 gemalt................................ Kissenplatte 5«-�... I35 Kaffff eewärrnerswch I28 Damen-Strümpfe Pa. Qualitäten............... 95« Pa. Kunstseide-------------- 148 Pa. Seidenflor.d. I68 Pa reine Wolle.-n....... 248 Pa. Bemberg 238 Straminkissen Se0 mtuterferüg......................... eürfv kHalbtach� 45 l 42/55 c Pareien-BekleSdung u...rfHertie'-Strumpf O50 mit be«oadertr Ventärkn««. la modaraaB Fartwa OKI tcbwart......................... Paar M>> BefuchMche« teil weU««cKt SaHlan f•»«hk. ua«. 085 nd«et»» RiadUdcr..... "lÄ t?so l«r Cbaasseestr. y�S�r- Sonntag H. Gktober IH27 lus öer Seltsame Iilmberuse. ?m Film Fibt es eine Anzahl von Berufen, von denen die Oeffentlichldt nichts ahnt, die aber nichtsdestoweniger sehr hoch be- zahlt werden. Einer der bestbezahlten Filmberuse von Hollywood ist der sogenannt«„Cutter", der Film-„Schneider". Damit ist nicht ein Mann gemeint, der für die Mitwirkenden des Films An- züge und Kleider schneidert, sondern die wichtige Persönlichkeit, die aus den vielen tausend Metern sertiggestellten Films diejenigen Bilder herausschneidet, die das größte Interesse des Publikums auf den Film konzentrieren. Vom Filmschneider hängt es ob, ob der Film zu lang wird oder nicht, ob die Logik der Handlung gewahrt bleibt, ob die Handlung, die oft genug durch viel zu viele Ereignisse belastet ist, schnell genug vorwärts stürmt und Spannung erzeugt, und endlich, ob die Auswahl der Szenen so ist, wie sie dos Publikum liebt. Der„Cutter" muß wie ein guter Redakteur einer Zeitung den Sinn für das Aktuelle und Interessante haben. Der Regisseur, der einen Film herstellt, ist meist in seine Arbeit sehr verliebt und hält jedes Bild für völlig unentbehrlich. Es gehört also ein objek- tiver Betrachter dazu, mir dem Sinn sür«in« erfolgreiche Handlung, um die wirklich notwendigen Bilder von den überflüssigen zu son- dein. Oft genug wird von dem„Cutter" ein Film, der eine Länge von Züvü Metern hat, auf die Hälfte zusammengcschnitten. Aber dann ist er erst ein guter und erfolgreicher Film. Der Mann, der den Blick für den Erfolg und die notwendigen geistigen und künst- lerischen Eigenschaften besitzt, um einen Film gur zurechtzuschneiden, ist sehr selten und darum sehr teuer bezahlt. Eine andere sehr hoch bezahlte Stellung hat ein namenloser Mit- o'beiter von Harald Lloyd inne, der nur dazu da ist, originelle Methoden zu ersinnen, in komischer Weise auf den Rücken zu fallen. Jeder kennt Harald Lloyd, und weiß, daß er in seinen Filmen vollkommen unbekümmert um seine Mitmenschen und sogar um den Riesenoerkehr der Straße dahingeht, nicht auf die Gefahren achtet und nicht auf das Treiben der Menschen um ihn, sondern in höchst komischer Weise durch den Film schreitet. Dabei gerät er oft in Gruben, auf glatte Flächen und muß hinsallen. Dieses Hin- fallen ist meist der Augenblick, wo das Gelächter des Publikums einsetzt. Es ist der wichtigste Moment im ganzen Film von Harold Lloyd, denn— man achte darauf— Harald Lloyd fällt so hin, daß es stets konüsch wirkt, und immer aus eine neu« Art. Das sieht olles leicht und unvorbereitet aus, ebenso wie die selbstverständliche Rücksichtslosigkeit Harold Lloyds. In Wirklichkeit ist es ober sehr schwer und hundertmal einstudiert, bevor der Film endgültig gedreht wird. Besonders schwer ist die Erfindung stets neuer Methoden des Hinfallens. Es gehört dazu, da es sich um einen sehr engen Bezirk der Schauspielerei handelt, eine außergewöhnliche Fruchtbar. keit der Phantasie, und es dauerte viel« Jahre, bevor Harald Lloyd de» Mann sand, der wirklich stets auf neue Gedanken kommt. Wie selten ein derartiges Talent ist, geht daraus hervor, daß der„Hin. faller" ein Iahresgehalt von 230 000 Dollar bezieht. Wer kennt nicht Douglas Fairbanks und fein« halsbrecherischen Kunststücke? Erstaunlich an ihm ist die Tatsache, daß er in jedem Film neue K u n st st ü ck e ausführt. Im Publikum fällt das nicht auf. Es würde ihm nur auffallen, wenn ein und dasselbe Kunst- stück sich mehrere Mole wiederholen würde. Das muß natürlich verhindert werden, und zu diesem Zweck gibt es einen Ersinder halsbrecherischer Kunststücke, der in enger Gemeinschaft mit dem Manuskriptverfasser arbeitet. Die Handlung eines Films ist für Douglas Fairbanks weniger wichtig, als die halsbrecherischen Kunst. stücke, die darin vorkommen. Eine spannende Handlung zu erfinden, i't nämlich leichter, al» stets neue Tricks zu ersinnen, mit denen das Publikum unterhalten wird. Das Publikum will bei bestimmten Schauspielern immer bestimmte Dinge sehen. Douglas Fairbanks märe in kurzer Zeit ein erledigter Mann, wenn«r nicht stets neue Stücke bringen würde, die von seinen ersten erfolgreichen zwar im Verlauf verschieden, aber in ihrer Art doch ähnlich sind. Ein psycho- logischer Film mit Fairbanks ist, wie Fairbanks bereits durch einen Versuch festgestellt hat, trotz des Namens, der große Anziehungs- kraft ausübt, verloren. In Deutschland gibt es zwar auch den Film-„Schneider", aber die anderen Berufe sind bei uns nicht üblich, da wir hier nicht Schauspieler von ähnlicher Einseitigkeit haben wie Liarald Lloyd und Douglas Fairbanks. Es wäre etwa hier allein Harry Piel zu nennen, der auch ähnliche Filme herstellt. „Der Grlow." sBeba-Palast„Atrium".) Ein unglücklicher Großsürst, der in England Pilot werden muß, hat an sich nichts Originelles, und daß er sich in einen russischen Revuestar oerliebt, ist auch bereits i» allen Variationen abgehandelt worden. Die Hochzeit gehört überdies zu dem traditionellen, glück- lichen Ende, und jeder Großfürst, der etwas auf sich hält, besitzt einen berühmten Diamanten, der ihm boshafterweise abhanden kommt und den er am Schluß nach Ablieferung des Diebes an das Gefängnis in Großaufnahme wiedererhält. Das ist das übliche, ge- heiligte Schema, das auch hier nicht durchbrochen wird. Neu allein. daß'der Diamant auf den hübschen Namen„Orlow" hört. Der Stöfs entstammt der gleichnamigen Operette Bruno Granichstaedtens und Ernest Marischkas. Versilmungen von Operetten offerieren sich nun meistens als ein einziges Unglück. Sie schwelgen in Tragik und Rührseligkeit, man nmß unentwegt weinen. Diese Scntimentalitäts- orgie ist hier vermieden worden. Der Film bewahrt im Grunde eine humoristische Hallung, trotzdem der Großsürst über einem Beutelchen mit russischer Erde schluchzt und auch die Liebesgeschichte bin und wieder pathetisch werden möchte. Di« Regie I. und L. Flecks betont ober nichl den wuchtendey Lebensernst, sie unter- streicht ihn nicht, im Gegenteil, sie gibt nach den verweinten Augen sofort irgendeine komische Episode, die den Ausgleich schafft, sie dämmt durch dies« sanitäre Maßnahin« eine epidemisch um sich greisende Rührung auf der Stelle ein. Und noch ein Verdienst Hot die Regie. Sie zieht den Film wirklich filmisch aus. sie nimmt kein« Rücksicht aus bekannte Situationen aus der Operette, die im Film unwirksam bleiben, sie geht von dem bewegten Bild aus. Allerdings, einige Male ereignen sich folgenschwere Entgleisungen. Worum bringt man den Text der Lieder? Warum zeigt man Großaufnahmen eines singenden Herrn? Es ist kein besonderes Vergnügen, in den Mund des Schauspielers hineinstorren zu müsien. Doch das ent« scheidet nicht über die Qualität des Films. Iwan Petrov ich, ein neuer Mann, spielt den Großfürsten sehr gut m der Bewegung und beherrscht in der Mimik. Er ist elegant, liebenswürdig, auch stark im leidenschaftlichen Ausdruck und wird nie sab mondän. Dieser Gefahr entgeht leider nicht Bivian G i b s o n. Sie bleibt manchmal im Typischen stecken, sie vergißt nicht, daß sie einen Revuestar zu spielen hat und daß der Film für diese merkwürdig« Menschen- gattung ein bestimmtes Schema präpariert hat. Doch darüber hinaus wächst allmählich ihre Leistung. Sie entfernt sich von der Schablone. Bruno K a st n e r ist ohne Uebertreibungen und gelöster als sonst. Der Finsterling des Films mit den weltmännischen Allüren. Die anderen, Eoi Eva, Iunkermann und Alexander zeigen ihr bekanntes Gesicht. Aus der Masse der Operettenverfilmungen hebt sich dieser Film wohlluend ab._ F. S. »Sühne." (Emelka-Palasl.) Russische Filmleute reizte das Goldgräbsrmilicu, dieserhalb oer- Mnten sie eine Erzählung Jack Londons. Vier Personen, Fred Nelson, der Führer, Edith, seine Frau, Martin, der Deutsche, und Fedor, der Russe, graben aus Anteil nach Gold. Jack, der Irländer, schuftet auch, doch nicht auf Anteil, er hat sich als Knecht verdungen. Als der Führer die Mine aufgeben will, findet Jack, der Knecht, im letzten Augenblick Gold. Nun setzt eine rastlose, harte, überaus erfolgreiche Arbeit ein. Vier werden reich, unermeßlich reich, einer soll arm bleiben! Jack, der Knecht. Dabei ist er doch eigentlich der Entdecker des Goldes. Jack oerkommt bald vor Neid, die anderen sind voller Hohn über den Irländer. Da wird er zum Meuchelmörder und erschießt den Russen und den Deutschen. Nelson will den Mörder töten, doch wird er von seiner Frau daran gehindert. Sie fesseln ihn, wollen ihn dem ordentlichen Gericht übergeben und bewachen ihn abwechselnd. Es bricht eine furchtbare Zeit über die drei herein. Schlaflose Nächte zermürben sie, Hochwasser schließt sie von allen Menschen ab. Sie sind nahezu irrsinnig. Da sehen sie die ersten Blüten des Frühlings. Die Frau feiert Geburtstag, diese kleine Feier bringt die drei Menschen einander wieder näher. Sie müssen dem unerträglichen Zustand ein Ende machen. Im Namen der Königin von England verurteilen sie Jack zum Tod« durch Erhängen. Er unterwirst sich freiwillig dem Gericht und dem Urteil, doch als die beiden, niedergeschmettert von all dem schweren Geschehen, in ihrem Häuschen sitzen, kommt Jack, denn der Strick ist gerissen. Er schenkt den beiden den Strick, well der Strick eines Gehängten be- kvnnttich Glück bring«, soll. Dieser Schluß wirkt unendlich komisch, zumal er fatalerweise stark an das übliche gut« Filmend« erinnert. Sonst aber hat dieser Film nichts mit dem Durchschnittsfilm gemein. Er will nur die Seelenqualen der Menschen erfassen und das Grauen: das Grauen auf jeden Fall, das Grauen in jeder Szene. Was die Realistik der Darstellung anbelangt, so bleibt auch nicht die geringste Wunschmög- lichkeit nach wahrem Leben übrig. Fred Forell, S. Komarow sind eben irrsinnige Menschen. Und dann A. Chochlowa, die Frau. Durch diese Rolle ist ihr Name aus der Geschichte des Films nicht mehr zu tilgen. Sie hat sich so völlig vom verkitschten weiblichen Filmtyp losgelöst, daß sie, nahezu übereifrig, sich als Ausbund von Häßlichkeit vor die Kamera stellt. K. Kusnetzows Photographie war einfach vollendet. L. K u l e s ch o w, der Regisseur, ist ein Mann stärkste» künstlerischen Könnens und enormer filmischer Leistungs- sähigkeit. Sicher ist ja sein Weg nicht der einzige Weg, um Jack London zu verfilmen, denn dieses Filmwerk, durch und durch eigener Färbung, wirkte duxch seine Eigenart abstoßend auf den allergrößten Teil des PubNkums. Der Zuschauer, der nur Entspannung im Film- theater sucht, kann dieses Werk tatsächlich nicht vertragen, es fällt ihm einfach auf die Nerven. Man kann es dem nur Erholung Suchenden ja schließlich auch nicht verdenken, wenn er den Stand- plinkt vertritt:„Ich will sür mein Geld nicht gemartert werden", was ja nicht ausschließt, daß der künstlerisch und filmisch interessierte Mensch zu diesem Werk eine ganz andere Stellung einnimmt, e. b. »Liebesreigeo." (Primus-Palasi.) Im ferne» Persien baut Wilhelm Steierl« im Austrag der russischen Regierung eine Eisenbahn, und als er dann nach Jahren nach Berlin in Geschäften zurückkehrt, versteht er die Welt nicht mehr. Was ist Eharleston? Warum Vubikops und Lippenstift? Sein Freund Jack T r e v o r ist inzwischen ein großer Schauspieler geworden und hat sich mit der still duldenden Kläre Rommer verheiratet. Der prachwoll männliche Dieterle verliebt sich pro- grammäßig in Kläre und beinahe wäre sie mit ihm nach Persien gegangen, well Jack ein Verhältnis mit Marcella A l d a n i, der Frau des Großindustriellen M i« r e n d o r f, etablieren möchte. Aber im entscheidende» Augenblick erliegt Marcella einem Herz- schlag, Jack bricht damit verknüpft zusammen. Klär« pflegt ihn, und Dieterle heiratet Mierendorsfs Tochter Chorlotte 2l n d e r und wird dadurch Mitinhaber der Firma. So endet ein Lebenslaus, der ver- heißungsvoll auf einem Russenps erdchen begann. Der Regisseur Walter Fein ordnet mit sachkundiger Hand diese leicht verwirr- baren Dinge, entwirft eine große Welt im Sinne der Kurfürsten- dammromane, ist sehr freigebig nüt pompösen Wohnräumen und läßt die Leute sich bewegen, wie sie sich eben im durchschnittlichen Gesellschaftsroman bewegen müssen. Und doch hätte hier inehr ent- stehen können, wenn der Gegensatz von erdverwurzeltem Menschen- tum und Wellstadt schärfer, echter, weniger verkitscht heraus- gearbeitet wäre. Aber man scheut, sich vor Konsequenzen, man läßt lieber alles gehen, wie es geht, ob man dadurch jedoch dem deutschen Film dient, ist«ine andere Frage.— t. »versiegelte Lippen." lMarmorhaus.) Diesen Titel wählte man sür einen Film der zarten Liebe und der Katastrophen. Ein Waisenkind verläßt das Kloster, in dem«S erzogen wurde. Gleich auf der Fahrt in die Welt lernt es einen jungen Kunstmaler kennen. Die junge Waise trifft es schlech, bei der Tante, denn die ist die alternde Frau eines vielverliebten Mannes. Nach einem wüsten Aufttitt verläßt das jung« Mädchen das Haus und sucht Zuflucht bei dem Maler, der ihm zu Liebe im gleichen Städtchen wohnt. Und es kommt, wie es im Film zwischen zwei jungen Menschen kommen muß, sie verlieben sich heftig. Doch er ist Vellage des vorwärts an eine gelähmte Frau gebunden, die auf ihrer Hochzeitsreis« durch Flugzeugabsturz verunglückte. Lange verheimlicht er die Totsache, und als das junge Kind sie endlich erfährt, flieht°s ins Kloster. Doch die Frau des Künstlers setzt sich absichtlich den Unbllden de; Wetters aus um an Lungenentzündung zu sterben. Im Film ge- lingt dieser immerhin etwas unsichere Selbstmordplan. Eine resolute Nonne führt dann das Paar zusammen. Diese olle Nonne, Stina Berg, spiett sie prächtig, rettet überhaupt das ganz« Stück. Sie, die andauernd nach der Schnupftabakdose greift und aus eine Ber- Warnung antwortet:„Ich diene meinem Gott mit dem Herzen und nicht mit der Nase", ist komisch und urwüchsig zugleich. Sonst ist zuviel Sentimentalttät in den Film hineingearbeitet worden und dw schwärmerische religiöse Ergebenheit des jungen Mädchens kann einem nicht recht verständlich werden, da Mona Martensson nicht überzeugend genug spielen kann. Gustav Molander ist ein feinsinniger Regisseur, der mit großer Gewissenhaftigkeit Einzel- Helten schildert. So schuf er einen typischen Schwedenfilm, der uns vor Iahren, infolg« seiner Ruhe und seiner feinen Ausmalung, eine Offenbarung gewesen wäre und der uns heut« reichlich überhalt vorkommt._ e. b. „Sing Sing Oos Haus ohne Hoffnung." (Schauburg.) Dieser Film weicht in der Darstellung nichi neu Deut von drm üblichen Durchschnittsamerikaner ab, doch verleih, fein Manuskripi ichn Bedeutung. Es zeigt, wie auf Grund eines Indizienbeweises ein Mensch zum Tode verurteilt wird. Der Unschuldige wäre auch bestimmt hingerichtet worden, wenn seine Tochter nicht ichlauer ge- wesen wäre, als die Kriminalbeamten. Um die Sache besonders schmackhaft zu machen, ist der Unschuldige ein Millionär und die Tochter ein liebreizendes Mädel. Der ungenannte Regisseuc be- nimmt sich sehr geschickt. Er lehnt die schablonenhafte Kriminalfilm- spannung ab, das Publikum kennt den Täter und wird so direkt mitbetrofsen von der Häufung der Schuldbeweise gegen den zu Unrecht Verurteillen. Das glückliche Ende befteit dann rechtzeitig vom Albdruck. So entstand endlich einmal, obwohl filmisch auch nicht eine Neuheit Anwendung fand,«in Film, der gewiß viele Zu- schauer zum Nachdenken anregt. Vielleicht war es dabei gerade ver- dienstlich, ihm keine Eigenart zu geben, ihn ganz im üblichen Massen- geschmack zu gestalten. Den Gegnern einer Verurteilung aus Indizienbeweis hin ist durch diesen Film wirklich eine Waffe zur Hand gegeben._,— s. »Nur nicht locker(offen." (Mozart-Saal.) Ein Lebemann und Liebesroutinier, wie er in dieser Nollkomm-. heit noch amerikanischen Begriffen nur in Paris gedeihen kann, wird von einem kleinen Mädchen für die Ehe etngefangen. Es ge- lingt, weil dieser Herr im Grunde unwahrscheinlich dumm und un° erfahren ist. Das junge Mädchen platzt immer in eine Liebesszene hinein, die für eine andere Frau inszeniert wurde, und schließlich ist der väterliche Segen fällig. Der Film wirkt am Anfang außer- ordentlich naiv, aber zum Schluß sind dann ein paar Szenen an- gehängt, die wundervoll witzig und durchaus parodistisch gehallen sind. Man parodiert die beliebten Selbstmordaufnahmen vo, dem flackernden Kamin mit gezücktem Revolver und anderen pathetischen Dingen. Hier wird auch Law C o d y beweglicher, überwindet sein« unangenehme Schablone des ewig lächelnden Verführers. Normo S h ea re r spiett das junge Mädchen voll holder Naivität) übertreibt stellenweise allerdings so stark, daß jeder die Parodie merken muß. Der Film ist uneinheitlich, er findet nicht immer den Ausgleich zwischen Parodie und ernstgemeintem Spiel, aber er hat keine toten Stellen. Der Regisseur Robert Z. Leonard denkt wie jeder Amerikaner filmisch, der Witz liegt in der filmisch ausdeutbaren Situation und»ich, im Wort, wie oft im deutschen Lustspiel. Aller- dings haben die Amerikaner merkwürdige Vorstellungen von Paris. _ F. S. »die Lrau mit üem Weltrekord." (Tauenhien-Palaft.) Zufällig wird Frau Lee Fordes Weltmeisterin im Schwimme«, das ist eben im Film möglich. Und nun muh sie alle Unannehmlich- ketten, die die Weltmeisterschaft mit sich bringt, auskosten. Sie ist glücklich verheiratet und darf nicht verheiratet sein. Daraus ent- stehen Verwicklungen schlimmster Art. Der Ehemann bekommt Othellogelüste, als er aber dem Beispiel des venetianischen Mohren folgen will, ist seine Frau schon derart berühmt geworden, daß sie sich einen Ehemann erlauben darf. Am Schluß herrscht Glück in Großformat. Der FUni ist sehr anständig gearbeitet, ist gute, stabile Durchschnittsproduktion, Erich W a s ch n e ck, der Regisseur, hat leider die Neigung, ins Breite zu gehen, er konzentriert die Hand- lung nicht genügend, er findet nie ein Ende, doch er stellt gute Bilder und gibt auch den Schauspielern Gesicht. Dies gelingt ihm nicht bei Joop von Hülsen, der als Ehemann farblos bleibt. Lee Parry wird allmählich belebter im seelischen Ausdruck und verliert ihr« forcierte, zapplige Lustigkeit, sie geht jetzt auch sparsamer mit ihrem innigen Augenaufschlag um. Die berühmte Frau liegt ihr weniger als die liebende Frau. Sehr gut ist S ch l e t t o w als Manager. Er hat endlich die Starrheit seines Hagen vergessen.— t. »Ss wer." (Gloria-Palast.) Dieser Film nach Hermann Sudermanns Roman „Es war" wäre besser nicht gewesen. Inhalt: Das dämonische Weib, Duell. Der Tote ihr Mann, der Ueberlebende ihr Geliebter, der nun ins Ausland geht. Dos dämonische Weib will auf ihn warten, Heimkehr: sie ist die Frau seines Blutssreundes geworden. Diesmal nur beinahe Duell. Die Dömonin stirbt rechtzeitig. Eine lächelnde junge Dome wartet als Trost auf den zweimal Betrogenen,— Di« schwülen Szenen wurden vom Publikum mit verständnisvoller Heitertett begrüßt. In der Hauptrolle Grete Garbo, einzige Eni- schuldigung für den Film. Einmal eindrucksvoll das von Haß und Empörung verhäßlichte und dabei unendlich rührend wirkend« Kindergesicht der Barbara K ent. L— z. «« MONA MARTENSSON QUSIAIMOlAHnfR BüL MARMORHAUS DER RATION AI BISMARCK 1580 VORVERKAUF «rSMäS. URA UFFÜHRUNG WOCHENTAGS: 5" 2'« 9" SCLNNTAQS* 3« 5" J" 9" Mus See Partei. Der russische Genosse Dr. Leo Elkin ist im Alter von nur 43 Jahren an Tuberkulose in Berlin gestorben.(5r war der Partei vor fast einem Vierteljahrhundert beigetreten und hat der revolutio- nären und sozialistischen Arbeit unter dem Zarismus in Baku, Kiew und Petersburg seine besten Jahre aeopsert. Nach der Februar- revoluti.on 1917 wurde er Sekretär des Zentralkomitees des„Bun- des jüdischer Arbeiter". Seit 1921 lebte er als Emigrant in Berlin. Ehre dem Andenken dieses selbstlosen und treuen Kämpfers für die Sache des Proletariats!— Sein Leib wird am Montag, 1,0. Oktober, um 2'� Uhr, im Krematorium iZLilmersdors eingeäschert. Die sudetcndeuksche Sozialdemokralie gibt seit mehreren Mo- noten die illustrierte Zeitschrist„F r e u n d s 6>a f t" sür ihre Mit- glieder aus: sie enthält neben unterhaltendem und belehrendem auch viel agitatorischen Stoff. In nächster Zeit wird unsere nachbarliche Bruderpaitei auch die wissenschastliche politisch-kulturelle Zeitschrift „Ii n ser Weg" erscheinen lassen. >ialeod«nge» fSr diese Rubrik fiud Beril» SW 6*. Liudeuftreß» 3. parteinachrichten für Groß-Serlin stet» au da» Beziri»s»I«tariat. ~ Hot- 2 Srcp. recht», ,u richte» i.»rei» Friedrich»haiit. Montag, 10. Oktober, 1» Uhr, in Schmitt»®eWI- schaftshaus, Fruchtstr. 3B«, itreisfuuitionäroersammlung. Vortrag:„tSr»f und der außenpolitische Bankerott de» BUrgcrbloNs." Referent Redakteur Bittor Echin. Alle fsunktionär« deo Kreises müssen erscheinen. Die Ab. rc6>nung muß«benfallo on> Montag vorgenommen werden. Mitgliedsbuch und Funktionärkarte mitbringen.— Mittwoch, 13. Oktober, IS'.S Uhr, Bc. zirksversammlung im Rothaus, Stadiverordnetensißungssaal. Einlaßkarten ab ISZ1 Uhr beim Genossen Fischer. Eingang Evandaucr Straße. 7. Krci» Eharlotteubm«. Bildungsousschuß: Montag, 10. Oktober, lOVj Uhr, im Jugendheim, Roflncnstr. 4, Sißung.— Sonntag, 23, Oktober, IT'-j Uhr, im Srankentassenhaus, Berliner Str. 137, gnlmobend. Karten A 75 Pf. ,w haben hei den Bildungsousschußmitglicdorn.— Bibliothek de» Kreise» an Jugendheim. Rostnenstr. 4, ist Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitag, von 10— A Uhr geöffnet. Bedeutende R-uanschaffungen sind ge. macht und stehen zur Berfllqung. 9. Krell Wilmersdorf. Montag, 10. Oktober, 31 Uhr, Sitzung de» engeren Krelooorstande» bei Sandmann, Halenfee, Westfälische Str. 42.— Montag, 10. Oktober, k0 Uhr, Sitzung sämtlicher porteigeniissischen Beamten bei Andrea», Pfalzdurger Str. 55. Vortrag:..Di« volitische Lage und die Be» amten." Referent Erich Kuttner, M. d. L. Wichtige geschäftliche Mittri. lungen. Erscheinen unbedingt erforderlich. 11. Krei» Schöncberg.Friedenau. Montag, 10. Oktober, M Uhr, In der Spedi- twn. Bnziger Str. 27, Sitzung der Zeitungskommission. Alle Abteilungen müsse» vertreten fein. 14. flroijj Neuköl». Moni» sämtlicher Funktionär« unbedingt erforderlich.— Freitag, 14. Oktober. 20 Uhr, Kinovorstellung im städtischen Soulbau.>ir Auffuhrung ge. langt:„Der schwarze Sonntag", russischer Revolutionsfilm. Außerdem Kinderfest im Volkspark. Eintrittskarten zum Preise von«0 Pf. einschl. Steuer sind aus den Zahlobenden igt haben. Richtverkaust« Karten sind spätesten» am 10. Oktober im Partcibureau abzugeben. 15. Krih» Treptow. Montag, 10. Oktober, 20 Uhr, in Riederschttneweide, Wer. liner-. Eck« Fennstraße, Krcisvorstandssitzung mit den Abteilungsleitern und den Obleuten der Revisoren. 17. Krei, Lichtenberg. Montag. 10. Oktober, 10 Uhr, im Arbeitsamt, Schreiber. Hauer Straße, Funktionärsitzung. 18. Kreis Wcißenfee. Montag, 10. Oktober,?0 Uhr, bei Galla», Lchderstraße, Krei»si>aktionär»«rlamwlung. Achtung! Der Kreisvorstand tritt bereits um l9',t Uhr ebendort zusammen. 19. Krei» Pankow. Montag, 10. Oktober, IS'p Uhr. im Rathau» Pankow. Großer.Sitzungssial, Fraktionssitzung mit den Kreiodelezierten. Erscheinen unbedingt ersorderllch. 29. Krei» Rei»Iche»dors. Montag, 10, Oktober. Igst Uhr, bei Uhkia, Reinichen. dnrf, Restdenzstraße. Eck- Schönhol, er Weg, Sitzung des Bildungsau»» fchusse». Jeder Bezirk muß unbedingt vertrelen sein. Heule. Sonnlag. 9. Oktober: «□. woi. wruvpe mimicr: su-y iuji« Straße, zur Besschtigu 05. Abt. Reutiilln. Treffpunkt 1471 Uhr aus dem Boddini 45. Abt. Gruppe Richter: Wi Uhr Treffpunkt Saltestclle Wiener, Ecke Lieg, Besichtigung der Konsuman tagen in Lichtenberg. '"punkt zur Demonstration der Krieg-beschädlgten um oddinplatz. Morgen, Montag, l0. Oktober: 1. Abt. 1914 Uh« bei gschiesing. Ackerstr. 1, Funktionärsitzung. 7. Abt. lähS Uhr bei Bärwalde, Echlcgelstr. 0, Funktionärsitzung. Erscheinen ist Pflicht. 9. Abt. Zsi Uhr bei Rickart, Llsinmetzslr. 36», wichtige Funktionärsitzung. 11. Abt. lOstz Uhr bei Berger, Lcvetzowstr. 21, Ecke Iagowstraße, Frunktionär» sitzung.' 13. Abt. 19H Uhr bei Bessel, Bremer Str. 40, Funktionärsitzung. 14. Abt. 20 Uhr bei Lauritzen. Putbusser Str. 11,' licke Funktionäre müssen erscheinen. 15. Abt. IV'2 Uhr bei Obiglo, Stralsunder Str. 11, Funktionärsitzung. Igt« Uhr bei Kintzel, Uscdomstr. Z?. Sitzung sämtlicher Funktionäre. lg'« Uhr bei Müller. Ufcrstr. 12, Funktionärsitzung. Funktionärsitzung. Sämt, Wf Uhr bei Schrcpel, Grünthaler Straße, Funktionärsitzung. 10'� Uhr bei Pose.�Koloniestr. 15, Funktionärsitzung� 1«. Abt. 10.«bt. 19- Abt. >»- W.M»WWW>»W»M>»W 21. Abt. 19$ Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21, Funktionärsitzung. i». Abt. 1014 Uhr bei Grunwaldt, Kameruner Str. 10, Funtlwnärsitzung. 2t. Ab». 10$ Uhr be! Köhler, Greikswalder Sir. 50>i, Funktionärsitzung. 99. Abt. 10$ Uhr bei Heiles, Prenzlauer Allee, wichtig itinen Ist Pfltchs I ,7 M lung. ärsitzung. 20. Abt. 10$ Uhr bei Wooßmann. Sleimstr. 10, wichtig« Funktionärsitzung. Abt. 10$ Uhr bei Büttner, Echwedter Str. 23, Sitzung sämtlicher Funk- iijjiäre. 31.«(El. 20 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Sitzung der Funktionäre mit den Betriebovertraueneleuten.$ Stunde früher vorher Sitzung deo Adteiluna»vorslandes. 30. Abt. 10$ Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr, z, Funktionär- sitzung. 41. Abt. AI Uhr bei Lipsert, Mariendorfer Str. 6, Sitzung sämtlicher Funk. tionärc. 40. Abt. 20 Uhr de! Wlersdorsf, Urbanstr.«, Funktionärsitzung. Erscheinen hr bei unbedingt erforderli 43. Ab«. 10$ Uh'' 44.«bt. 19 Uhr darf sehlen. 45.«bt. 19$ Uhr bei Sommer Jolss, Gräfe- Eck« Mllllenhoffstraße, Funltlonärsitzung. bei Ewald, Lkalttzer Et«. 12«, Funttiouärsttzung. Niemand D....... wiener Str. 20, Funktionärsitzung. Abt. 19 �Udr bot Eichholz, Euorystr. ,23. Funktionärsitzung. Desgleichen sind die her de» BUckicrkrets vom Genossen Urban abzuholen. Zur Besichiigung meiner Ausstellung:„Der gut gedeckte Tisch" bleibenlhnen nur noch 4 Tage. Wann kommen Sie? m mm y mw.Mtz jt m K"(T< m ra n■ Ltndeshatcr Leinen- o. Gebildweberei. Größtes Sondei-heus(ür Leinen u-WftBdn Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag. 9. Oktober: 0: Morteofeier. 11.30: UnterhaUungsniusik. 14.15: Die Bedeutung der philatelistischen Pachpresse. 14.45; Sachgemäße Jungviehfütterung. 15.20: Uebertragung von der Rennbatai Berlln-Karlshortt. 16.30: Unterhaltungsmusik. 19.05: Musik und Film. 19.30: Ein Besuch bei Prof. Heinrich Zille. 20: Der deutsch» Anteil an der Ertorschung Mittelasiens. 20.30: Rezitationen— Lieder — Musikvorträge. 22.30: Tanzmusik. Montag, 10. Oktober: 15.30: Rechtsiragen für di« Krau. 16; Die moderne Wanderbühne. 16.30: Novellen. 17: Kanzert. IS.30: Technische Wochenplauderei. 19.05: Weidgerechtes Jagen. 19.30: Erziehung zum volkswirtschaftlichen Denken. 19.55: Vom Oroßen Kurfürsten bis zu Friedrich dem Großen. 20.30: Hans Reimann spricht. 21: Mozart: Musikvorträge. 22.30: Sendespiele:..Das fatale Ei", Fabelgroteske, Musik von Schritt. Anschließend: Lieder und Musikvorträge. Dienstag. 11 Oktober: 12.30: Dia Viertelstunde für den Landwirt. 16; Indische Fakire, Yogis und Zauberer. 16.3«: Unterhaltungsmusik. 19.05: Stunde mit Büchern. 19.30: Die AogesteHten in der moderne» Wirtschalt. 20: Erscheinungen und Theorien des Okkultismus. 20.30: Vortrag. 21: Uebertrsgung aus dem Berliner Sportpalast. Mittwoch, 12. Oktober: 13.45: Glockenspiel der Psroehialkirche. 15.30; Die Frauen hewegung in der Kunst und in der Wissenschaft. 16: Deutscher Klosterbau. 16.30: Jugend- bühnt. 17: Unterhaltungsmusik. 18.30; Vortrag: Rheumatismus 19.05: Die deutsche Amateurphotographie. 19-30: Rechtsfragen des Tages. 20: Der Aufbau der Materie. 20.30: Sendespitle;„Genoveva". Oper von Schumann. 22-30: Musikvorträge. Donnerstag. 13. Oktober: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Durch die Hohe Tatra. 16.30:„Per verbesserte Baedeker." 17: Kammermusik. 18.30: Maschine und Handarbeit im Baubetriebe. 19.05: Erforschung des Erdinnern mit physikali- sehen Methoden 20.10; Deutschland, das Herz Europas. 20.45: Branden- burgisebe und Berliner Volksmusik aus alten Tagen. 22-30; Tanzmusik. Freitag, U. Oktober: 18.30: Die Hausvirtscbali auf dem Iii. Internationalen Kongreß für wissenschaftliche Arbeitsorganisation. 16: Siedlung und Produktionssteigerung. 16.30: Unterhaltungsmusik, t8J0: Italienisch. 18.45: Politik als Kunst und Wissen- Schaft. 19.18: Weltanschauung und Gesundheit. 19.50: Sendespiele:„Macbeth" von Shakespeare. 22.30» Lieder und Musikvorträge. Sonnabend, 15. Oktober: 12.30: Die Viertelstunde iür den Landwirt. 16: Die Feuerbestattung der Neuzeit, 16.30; Unterhaltungsmusik.>8.30: Friedrich Ludwig Jahn zum 75. Todestag. Anschließend: Sportschau des Monats. 19.05: Die Bedeutung des Kraftfahrzeuges für de» Geschäftsmann und Gewerbetreibenden.>9-30: Das deutsche Handwerk. 19.55: Neues vom Himmel und von der Erde. 20.30; Vo;a Gassenhauer bis zum Schlager. 22-30: Tanzmusik. Königswusterhausen» Sonntag, 9. Oktober: Ab 9; Uebertragung aus Berlin. 18: Schachfunk. 18.40: Frauen um Goethe. 19.05: Dostoiewski und das Christentum. Ab 20: Uebertragung aus Berlin. Montag. 10. Oktober: 16: Aus der neuphilologiseben Zeitschriltenliteratur. 16.30: Aus dem Zentralu Institut für Erziehung und Unterricht. 17: Sieben Jahre Freie Stadt Danzig. 18: Die Notwendigkeit der Forderung junger Talente. 18.30: Englisch für An- iänger. 18.55: Die Ernte 1927. 19.20: Wirtschaftlichkeit im Betriebe. Ab 22.30: Uebertragung aus Berlin. Dienstag. 11. Oktober: 16: Deutschunterricht in Zusammenarbeit mit den Kunstlächer». 17: Die früheste deutsche Literatur. 18: Die neue Verglelchsordnung. 18210: Spanisch für Anfänger. 18.58: Carl Hauptmann. 19.20: Aus der Prosa deutscher Staatsmänner und Gelehrter. Ab 20.30: Uebertiagung aus Berlin. Mittwoch, 12. Oktober: 16; Schuikundllche Fragen in Diaiocform. 16-30: Französisch(KullurU kundlich-iiter arische Stunde). 17: EinlUhniag in die Geologie. 17-30: Jüngste deutsche Lyriker. IS: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Konstruktlons- elemente. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.55: Die gesetzlichen Grundlagen der Wohnungswirtschaft. 19.20: Wlssensehaltlieher Vortrag für Tierärzte. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin, Donnerstag. 13. Oktober: 16: Jugendpflege. 16.30: Erziehungsberatung. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Weltpolitische Stunde. 18.30: Spamseh für Fortgeschrittene. 18.55: Die Grundlagen der Ticrseuchenbekämpfung in Deutschland. 19.20: Das deutsche Kunstlied:„Hugo Wo»". Ab 20.15: Uebertragung aus Langenberg. Ab 22: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 14. Oktober: 16: Ein hs'gicniscbcs Kasperictheaterstück 16.30: Sprechtechnik. 17: Grund: lagen des modernen Staalensystems. 18: Die heutige Bedeutung der Werk- Stolle und die Werkstofflagung. 18J0: Englisch für Anfänger. 18.85: Ron:,. bilifit und Aktienkurse- 19.20: Wlssenschattlicher Vortrag Iür Aerrte. Ab 19.50: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 15. Oktober: 16: Lichtbild und Film in der Schule. 16.30: Au» der pädagogischen Zeit-: Schriftenliteratur. 17: Bedeutung und Aulgabe der Akademie der Arbeit. 17,30: Zur Psychologie des Industrieangestellten. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter; Konstruktionsclemente. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55: Englisch für Fortgeschrittene. 19.20: Rezitationen ans Heinrich von Kleist. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. 47. Abt. 1»$ Uhr bei Beetz. Nannunsir. 44. Funktinnärsitzuno. 53. Abt UbacIettenbutB. 20 Uhr bei Babe. Kaiserin-Augusia-Allee 53. Funktionärsitzuna. 80. nni 81, Abt. Schäneberg.Friebeaa». 19$ Uhr bei Klabe. Kandiert,. streß« OO'bl, Mltoltaderversainmlung der 43. Abgabestelle der Konsum- »enossenschatt. Vortrag:..Kartelle und Verbraucher". Referent Bruno Gropplar. Wir ersuchen die Mitglieder um vollzählige» Erscheinen. Dienstag. It. Oktober: 17. AH, 19$ Uhr bei Dose. Nordhafen 8, Funktionärsitzung, 53. Abt. Eharlottenburg. 20 Uhr bei Lux. Suttrnstr, 28. Funktionärsitzung. 85. Abt. Zempelhok. 2. und 5. Bezirk: 10$ Uhr im Lokal Busse(.Sänger- heimT. Werder,. Ecke Kaiser-Wilhelm-Str., Kablabend. 98. Abt. Reiützlln: 10$ Uhr bei Teich. Knesebeckstr. 135. Funktionärsitzung. 99. Abt. Britz. Vackow. 10$ Ubr bei Günther. Ehausseeftr. 48. Funktionär» sitzung. 187,«bt. ttetnleadors.Bes« 19$ Uhr Im..Volkshaus", Scharnweherstr. UT, Funktionärsitzung. Erscheinen ist Pflicht! Bezirks-Mieterausschuß. Sitzung der«»leflnngomieleavertreler UN» eller sonst Im Sohnnna». wesen tätigen Stadioerordneteu. Pezlrkoveeordneteii. Stadlräten usw. — Dienstag, 11. Oktober, l» Uhr, iu den Sophiansälen, Lophienstr. l7, Kochzeitssaal. Tageoorbnungt 1, Vortrag dea Genossen Stadtrat Kermes über die Sleuorganisatiaa de» Berliner Wohnungsbau,. 2. Bericht be« Genossen Ernst Rüden über die Reichetagsoorlagen zur Berschlech. terung des Mieterschutzes und über die Schassung eine» sozialen Miel. rechte». 8.»ordereiluag der Werbewoche.— Jede Abteilung muß oer, trete» sein. Mittwoch. 12. Oktober: 9. Abt. 19$ Uhr im Artuobof, Perleberger Str. 29. Mitgliederversammlung. Vortrag:»Die Kriegsschuldfroge und Frankreich". Referent Dr. o. Un- gern-Sternberg. Die Bezirkssührer laben dazu ein. 8. Abt. Ku der Mitgliederversammlung bei Büttner. Schwedter Str. 23, laden die Bezirkssührer«in. Varirag des Genossen Polizeioberst a. D. Dr. Lermann Hchützinger. Die Verzeichnisse der„Vorwärt»"-L«ser sind unbedingt beim Genossett Dobrohlatv, Swinemünder Str. 11, abzuliesern, Die Monatsschrift ist ibensall» von dort abzuholen. 73. Abt. Achmargenbors. 10 Uhr im-Seiftbous", Warnemünder Str.. Mitgliederversammlung. Bortrag:»Die Bedeutnna der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten.* Referent: Dr. Fritz SchSnherr. Die Bezirks- sührer laden dazu ein. 107. Abi. Falkenberg-Alt-Gllenlcke. Donuergtag, 14. gliederversammlung bei Fabian. Eäpenicker. Eck« .Der Reichsschulgesetzentwurs'. Referent Lehrer '' nders dazu ein. laden beso Oktober. W.'i Uhr. Mit- Ecke Grünauer Str.«ortrag: Faust. Dir Bezirkssührer 47, Abk. Poeanzeigel Sonnabend, 15. Oktober, findet eine Ke-bstseie» Im großen Saale de» Sewerkschastshauses, Eugeluser 24.25, t»$ llbr.°°Mii .................... st»tt. sättzin Itwirkende: Theo Raret sRezitationen), Grete Werner und «Irder zne Laute), Karl Litt« sAnspaache), Freie Turner. schatt Groß-Verltn, Kaorlle de, D-utichen Mitsikeroerbandrs, Friedrich. Segae-Ebor. Eintritt«0 Vf. Parleilreunhe und.Vorwärts�.Lesrr find srenndlichst eingeladen. Zungsozialisten. «an Berlin- Brandenburg. Achwng.»auleitungsmitglirderl Montag. 10. Oktober, 17 bis 10 Uhr,— Geuppc Boddinplatz<91 Äbt.li Treilpunit zum Spielen und Basteln Montag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr rl der Baracke Ganghoserstr.— Gruppe«ritz: w ruppe Groß-Siedliinq Keimtagc Dienstag im Jugendheim im Raihaus. Donnerstag in der Schul« Ehausseestr. van 16 bis 19 Ubr.— Gruppe Elbcstraße: Gruppennachmittage in der Elbe- schule Motthn und Donnerstag oon 18 bis 18$ Uhr,— Gruppe Falke: Zufamnienlünste Montag und Freitag von 16 bt» 18$ Uhr verläunq In der Kertzbergschule. dann im Jugendheim. Böhmische Str. 1.— Genpp« Ketmann- platz: Montaa und Donnerstag von 16 bis 19 Uhr. Spielen»nd Basteln in der Schule Kaiser-Friedrich-Str. 4.— Gruppe Quelle: Montaa und Freitag von 16 bis 19 Uhr Spielen und Basteln in der Schule Maricndorfer Weg, 82. Abt. Steglitz. Jeden Dienstag von 18 bis 18 Uhr Spielen im Keim Albrechlstr. 47. Sterbetafel üer Gcoß-öerliner partel-tprganisation 9. Abt. 3. Oktober verstorben.____________., Die Beerdieuns hat bereit» stattgefunden. Unser Genome Karl Wiedemann, Ltepbanstraße, ist am lr werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren. Biit*, unsem Schaufcnstmr «a btachtoJ Rillend* Geschenke i* Mannt» PrdxwStssUM Modernsr Schmuck/ Qualitäit- Uhren Silberne Bestecke und Geräte/ Juwelen Kaqfvn Sit Schmuck und EddgträU. die hUihenden Wert hthaltn/ iger Straße 97 CharlatUnslrußc und Köniastraße 30 mn d. NtncnFriidridist* Leipzig e Bettfedern anerkannt billig und reell. Pfd grau ilOPl.geschi.ssgPs, Rups l 7S,Haibdaune2,7ö,4, iß volldaunige si, Daune 4. 7. weiß 9—10. steißdaune 3,50—6, Oberbett In dichtes Inlett 8 Pfd, schw, 12. 18. Nissen 8 Pfd. 3,50 550 au w, gegen Rachn, Muster, Preisl. frei, kein Risiko. Richtpassend zurück. liSbm, lletltcdernsper iaissana Sacbsel 6t Stadler, Berlin E 12, Landsderger Str. 43. Hygienische Dampsrciitigung gratis Pel, waren direkt vom Kürschnerm-ist-r. Noch nie dagewesene Auswahl. 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Kfinstter-Th 8 Uhr Justiz cejsing-Theater 8 Uhr .Wz Heinrirh ir Rose-Theater 4 Uhr «>/. Uhr Die Maschinen' bau er v. Berlin Tlieater am Hottkusser Tor KoMbnsscr StraSe». Täglich 8 U- u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger m großer Form In ihrem r Bombeaprogramm> Volkspreise von SO Pf. bis ZJ» M. L SonnURnaehmlttag" Grobe Eamulen-VorUcUanO Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. h. 1,75 M. flennen a Karlshorst Sonntag, den 9. Oktober 1921 naebm.>>/, Uhr Qr. Preis von Karlshorst. R«lchshallcn>theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum SchluB; Bin« Wochzei. >l> der Miillcrstrade Nachmittags.- H ilde Preise, volles Programm. Dönhoff• Bratt'l i VarieU, Konzart, Tanz LHnc Anzahlung cMMzelleu qw/» 6, 7V» 9 Uhr. Eintritt I M. Siibr ut.nd tetephouisch oder schrist- Bureau, Sutturabteiiung. StraLenKastnverdinaun Äutodusverbinaung: "6 Linie 8, 14 Eisenkaiinverbinllung: Batinliok Weißensee. I Konz.-Dir, Hermann Wolff u. Jules Sachs Bachsaal(aheni, BlUthnarsaal), Sonnabend, IB. Oktb., Mauas Programm 8 Uhr VALESKA GERT u. a. Norvosltat, Boxen, Alparis, Jugend Im Mal, Erzengel Karton bei Bote&. Bock, Wertheim u. Abendkasse esontiers wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwirti- und trotzdem nmiiign Hilfe gegen Rheumaflsnitts und Gicht, Ischias und Podagra bringt auch Ihnen gewiB der seit 30 Jahren bewährte, von den Aerzten empfohlene Dr. Zinssers Rheumatismus-Tee. Er treibt die überschüssige Harnsäure aus dem Körper und macht ihn widerstandsfähiger gegen kalte, nasse, rauhe und wechselnde Witterung. Fühle mich aus Dankbarkeit verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, daB mich Ihr Rheumatismus- Tee von meinem schrecklichen Rheumatismus- leiden befreit hat Auch kann ich Ihnen zu meiner größten Freude und Dankbarkeit mitteilen, daß nur Ihr Tee meinen Rheumatismus zu heilen vermochte. Frau E. Scharp, Cantreck/Post Solche Anerkennungen erhielten wir in den letzten Jahren mehr als 12000. Machen auch Sie einen Versuch! Bestellen Sie noch heut& ein Probepaket! 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Diesen Opfern de» modernen Saviia- lismus beizustehen, ist vornehmst- Pflicht eine» jeden organisierten Arbeiter», und deshalb ergeht auch in diesem Jahr wie- der der Appell an die Solidarität unserer Mitgsicder, wie in Porjahren ihren Teil dazu beizutragen, um den arbeitslosen Mitgliedern unseres Verbände« eine Weihnachtsunterftsitzung gewähren zu kännen. Aur Durchführung dieser Absicht hat die Verwaltung Sondermarken zu äv ter I, gegen Borlegung de» Mitglieds- buches und der Funktionärkarte erhält. sich sind. Bei sofortiger Bezahlung der entnommenen Marken wird kein Au»- weis verlangt.— Ebenso sind Sondermarken bei den Hauskassierern unseres Verbandes gegen sofortige Bezahlung er- l, ältlich. Zur Ausgabe und zur Ab- rechnuna der Marken ist der Abrech. nungsschalter von jetzt ab bis auf weitere» Dienstag» und Freitags bis 1» Uhr und an den Übrigen Wochen» tagen bi» 1« Ulli geöffnet. Die Marken zu 50 Pf. sind für unsere weiblichen und jugendlichen Aollegen und die Marken zu 1 Mark für unsere männlichen Kollegen bestimmt. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, mindestens eine Marke zu entnehmen, dabei wird vorausgesetzt, daß dieienigen Kolleaen, die zu den besser bezahlten Berufen gehören, mehrere Marken ent. nehmen. Unterstützung sollen alle Mitglieder des Verbandes erhalten, die mindestens 6 Wochen Mitglied unseres Verbandes und in der Woche vom 12. bis 17. De- zember 1927 erwerbslos sind: ebenso diejenigen Miigsieder. die in der gleichen Zeit arbeiisunkähig tMitgliedcr der In- validenklassej oder krank sind. Kolleginnen und Kollegen als Be- triebsräte, Vertrauensleute oder son- stige Funktionär« unserer Organisation! Seht euch mit allen Krättcn dafür ein, daß da» Werk proletarischer Solidarität von Erfolg gekrönt ist. Wohl wissen wir, baß der Nus an den Opfermut unserer Mitgsicder allzu oft ergeht. Wir sind jedoch der Auffassung. daß wir selbst bei schlechtem Berdirnst verpflichtet sind, einen geringen Betrag abzustoßen, um den arbeitslosen Mit- gliedern unsere» Berbande, und deren Angehörigen eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Wir erwarten, daß der Ruf der Or- gar.ifation nicht unzehört bleibt und daß sich die Funktionäre unsere» Per- bandes mit oller Kraft dafür einsetzen werden, daß sich auch nicht ein einzige» Mitglied bei der Sammlung ausschließt, damit der Ertrag der Sammlung mög- lichst groß wird. NM eine nennenswerte UnterftUtzungssumm- aushändigen zu können. Der gesamte einkassiert« Betrag der Sondermarken wird ohne jede Ab- streichung für Verwaltungskoften restlos unseren Mitgliedern zugeführt. E« wird serner gebeten, daß ein- kassiert« Beträge oder größere Teil- beträge sofort an das Bureau abge- liefert werden. Die Endabrechnung muß spätestens am 9. Dezember 1927 erfolgt fein, damit zu übersehen ist, welcher Betrag an die Unieesttitzungsempsänger ausgegeben werden kann. Auf zur proletarischen Solidarität! Dl« Oetvvarmaltnug. Bum u. Sicht. Nerven- und SrkäUungsichmerzen Mi»(Siiedermr.en, Ischias und Dexen» schütz sind ein« Q. ai. Des echt« Deichet» Electricmn einNalurprodutsi sibirischer Mchtenwätder l« stet rasche und wirksame Hille. D ele begeisieri« Anerkennungen. Man nehm« nurEIerlricum zu haben in Avoih. v. Drvg. M 1.2o, 2.- und 3.50. Echt aber nur mit der Mark« M.ebico u. der Firma OlioRsUiiEl. Berlin CO., Sijendahnftr. 4 DAS FEINSTE B I E L E F E LD ER FA B R I K AT fcSS66€eeet«SSSSSSSA Unserm Funitionär und lang- S jährigem Abteilungsleiter Knuppe und Fraui>; Ü begl&cfnUnfdiea mir herzlichst« Ifs zur Silberhochzeit /ß sfi- 1281)31) Abteilung Pankow Jty «essssss»» Am Mittwoch, dem 5. Oktober 1927, früh S Uhr. enhchlies nach turzem, lchwerem Leiden mein inniggesiedter Mann, unser guter Bater, Schwicger- und Großvater Wilhelm Rauhe im Aller von 62 Iahren. Um stilles Beileid bitten im Namen der Hinterdliebensn Karis Rauhe, geh. Eirke, Ii ki Rlndim. Lichten dg., 6 Okt.. Türrschmidlsir. 2t. Einäscherung Montag, 10. d., nachm. 4'/j Uhr, im Krem. Baumschulenweg rjtZjeAvMmiÄlli «n.«vobbwL?' dos Wcid' beändßnwdkäKmmainq ona jeden, föoudten«n jeioee duöeren. iiimjeb- vq aUungl.-Jeaocn. eln�cbel-Spezial» «ebdüil bmHoeiiFeN M.Wuchen qececM wccrißa. DRIHÄ noitetzes- teiScf hotjJatfvdiaiMi nicfii dbetpitjaiuiadn 5ene«tAuomai nod. SCHLAF-SPEISE* HEPflENZIMMERN, sowie ftüchßii. Vr. EmzeLmäbeln s WÄtortnoctimitoe. P!eicn..ü)£ii50ißeni(j dec KREDIT: den ei seinen stundeahöm. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtigerTeilnahme bei| 1 der Bestattung meines lieben Gatten, unseres guten Lonis jaUobeii 1 sagen wir allen Verwandten, Bekannten, sowie dem | Verband der Maler, den Herren des Vorstandes und I der Direktion der AOK. Berlin und des Krankenkassen-Verbandes im Bezirk des Oberversicherungsamts Berlin, den Genossen der SPD. 3. Abu ferner allen Kollegen des Verstorbenen unseren herzlichsten Dank. Margarete Jakohcit u. Kinder. Berlin, den 9. Oktober 1927. Am Donnerstag, dem 6 Oktober, verschied nach langem, schwerem Leiden unser teurer Kollege dl'"" uni langjähriger Mitarbeiter Dr. Leo Etfcin Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken] [ bewahren! Seiner trauernden Gattin und Sohn drücken| | wir unser innigstes Beileid aus. Die Angestellten der Zentralverwaltung des ,,ORT"-Vertan(les e. V. I der„ORT"'-Oescllschait Abt. Deutschland e.V. der Co-Operative Tool Supply Co. G. m. b. H. Einäscherung: Montag, 10. d. M, 21/, Uhr nachm., I im Krematorium Wilmersdorf(Fehrbeiliner Platz). | Anssrnnelden! I Nach einmonatiger Mitgliedschaft kostenlose pietätvolle Bestattung. Einzelüberführung. Eigene Bestattungswesen. Höchste Leistungen, konkurrenzlos niedrige Beiträge. KirchenanstrUt nicht erforderlich!! I Monaisheitr. bls40Jh.25Pf. 1 Monatsbeltr.Ms60Jh.7SPf. SS„ 60„„ Ober 60, IM. Gültig bis 21. Oktober b�abe dieser Anzeige in UhlandstraBe 42« betragt r für jede Person!•— Me Bei Ab i stelle geb&hr der Geschäfts« die Aufnahme- ark. Mitglieder anderer Peuerbestattuns;s*Verelne zahlen bei | Uebertritt keine Aufnabme�ebubr und sind[ sofort vollberecbtigt« Aligemeiner FeuerMattyngs-Verelii zu Berlin Geschäftsstelle: W15, Uhlandstr. 42 I I Telephon: Oliva 17.3. Postscheckkonto: Berlin 117970| | Geschäftszeit 8—4, Freitag bis S, Sonnabend bis 2 Uhr. I Anssdmelden! Möbel ca. 2 000 qm Ausstellungsräume 1 Ratenzahlung bis zu 2 Jahren j ohne besondere Aufschläge oder Zinsea- berechoang. 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