Abendausgabe Nr. 479 ♦ 44. Iahrgaag Ausgabe B Nr. 257 StilUflsScIilnsunfle» unh fin-b in der Morgenauigab« angeMb» »e»«rt>»o: STB. 6a, Clnt>*nftraf|« a x-rosprech-r: DSxhoss 292— 297 SojiDlönaofral Snila Vorwark (lO PffenwSg) Montag )0. Oktober 1 H27 Serla« und UnsMaenabtetltina: »«schSft-z-it 8t4 dl» 5 Uhr Verleger: vorwart»» Serlag wnlbh. vrrllo Sw. 69, cindeustrohe 3 Fernsprecher, VSnhoss 292— 29« Derliner VolKslrlÄkk Tentralorgan Äer 8o2ialäemoKrati tcken Partei Daitfchlands Wahlsieg in Hamburg. Schwere Niederlage der Rechtsparteien.— Die Sozialdemokratie gewinnt VStHK» Stimmen und 8 Mandate! Hamburg. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Das vorläufige Ergebnis der Hamburger Vürgerschofls- wähl ist das folgende: Sozialdemokraten. Kommunisten... Demokraten... Deutsche Volkspartei Deutfchnationale.. Zentrum.... Nationalsozialisten. Istittelstandspartei. Zlufwertungsparlei. S. VN. 1927 248 165 110115 65 396 74 357 99 890 10199 9 737 27 055 7 706 26. Okt. 1924 173 385 78 522 70 622 74 834 90 626 8 503 Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis verteilen sich die Sitze in der neuen Bürgerschaft wie folgt: Sommu» nisten 27(bisher 24). Demokraten 16(21) Sozialdemokraten 6 3(53), Deutsche Volksparlei 18(23). Zentrum 2(2). Dcukfchnationale 25(28). Nationalsozialisten 2(4), Tiliktelsiandsparlci 6(0), Zlufwertungspartei 1(0). * Das Ergebnis der Hamburger Wahl bestätigt das Bild, das die Kommunalwahlen von Altona gegeben hatten: starker Zug nach links, großer Stimmengewinn der Sozial- demokratie, Gewinn der Kommunisten, Niederlage des Bürgertums. Die sozialen und politischen Kräfte, die dies Ergebnis hervorgerufen haben, sind klar: Wirtschaftskrise, Arbeits- losigkeit, Unternehmerdruck auf die Arbeiterschaft, reaktionäre Politik des Bürgerblocks. Die politische Schlußfolgerung: die reaktiv- nären Absichten des Bürgerblocks sind nicht getragen von der Stimmung des Volkes, sie rufen den Protest des Volkes hervor. Wir bestreiten dem Bürgerblock und seiner Politik das Mandat des Volkes. Die Sozialdemokratie wird angesichts dieses Wahlergebnisses der Politik des Bürger- blocks den entschlossensten Widerstand entgegensetzen. Die letzten Wahlergebnisse zeigen, daß sie in wachsendem Maße damit den Volkswillen vollzieht. HamburgerEtimmen zum Sürgerschastswahlergebnis Hamburg, 10. Oktober. Die„Hamburger Nachrichten"(dcutschnational) weisen in ihrer Besprechung über das Ergebnis der Bürgerschaftsuxihlen larauf hin. daß seit der letzten Bürgerschajtswahl im Jahre 1924 zirka 60000 Wahlberechtigte hinzugekommen seien und meinen, daß deren Stimmen wohl inderhauptsocheder Sozialdemokratie zugesallen seien. Die immerhin noch be- trächtliche Anzahl von 225 000 Indifferenten verbuchen sie auf das Verlustkonto der Rechtsparteien. � Dos„Hamburger Fremdenblatt"(demokratisch! schreibt u. a.: Die Wahl habe der bürgerlichen Rechten große Enttäuschung gebracht. Die Bildung von Splitterpar- teien und Interessengruppen habe die Stoßkraft der bü r g e r- lichen Mittelpartcien gemindert. Das Blatt hält ein Zu- sammengehen der Sozialdemokraten und Kommunisten, obwohl sie die absolute Mehrheit besäßen, für völlig ausgeschlossen. Wahlsieg in Königsberg. Tie Svzialdemokratie verdoppelt ihre Stimmenzahl. Königsberg. 1». Ottober. Bei den gestrigen Wahlen zur Königsberger Stadtverordneten- Versammlung wurden folgende Stimmen abgegeben: Auswertungs- parte! 1742(0). Deutsche Doltspartei 26 555(23 892), Mieterlist- 1885(24 585), Deutsche Demokratisch« Partei 4386(5356). Eoangeli- scher Gemeinschaftsbund 6203(6255), Kommunistische Partei 2 5 9 5 8(2 3 7 6 8), Zentrum 3810(3673), Sozialdemokratisch« Partei 25 S99(13 336), Deutschnational» Partei 11725 (16 91 9), Deutscher Rentnerbund 1113(0). Bölkisch-Sozialer Freiheitsblock 2442(15 042), Reichspartei des Deutschen Mittel- standes 3332(0). Bolksrechtspartei 701(0). Bon 196 307 Wahl- berechtigten hoben 115 757 Wälder ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug demnach 58,8 Proz. Nach dem Ergebnis der gestrigen Wahlen ist die Mandatsver- teilung im neuen Königsberger Stadtparlament folgende: Auf- wertungspariei 1(0). Deutsche Volkspartei 15(12), Mieterliste 1(6). Deutsche Demokratisch« Partei 2(3), Evangelischer Gemeinschaft�- bund 3(3), Kommunistisch« Partei 15(14), Zentrum 2(1), Sozialdemokratische Partei 15(9), Deutschnationole Volkspartei 7 (8), Deutscher Rentnerbund 0(0), Völkisch-Sozialer Freiheitsblock 1(7). Reichsportci des Deutschen Mittelstandes 2(0), Volksrechts- xartef 0(0)._____________________________. Der Sieg an öer Wasserkante. Hamburg. 10. Oktober.(Eigenbericht.) Zum zweiten Male innerhalb von 14 Tagen hat an der Wasserkante eine politisch hoch bedeutsame Wahl stattgefun- den. Und wiederum hat die Sozialdemokratie einen großen Erfolg errungen mit einem Gewinn von 74 000 Stimmen und 10 Mandaten. Die Sozialdemokra- tische Partei ist gestern aus der Hamburger Bürgerschafts- wähl als Siegerin hervorgegangen. Die rechtsbürgerlichen Gegner, die sich vorgenommen hatten,„die roten Ketten" zu brechen und den Marxismus niederzuringen, haben einen vollendeten Mißerfolg zu verzeichnen. Wenn sie auch infolge der erheblich stärkeren Wahlbeteiligung(über 115 000 Wähler sind mehr zur Wahlurne geschritten) gegenüber der Bürger- schaftswahl im Oktober 1924 keinen Verlust in der absoluten Stimmenzahl erlitten, so ist doch der prozentuale Anteil ihrer Stimmen an der Gesamtstimmenzahl zurückgegangen. Trotz der erheblichen Gewinne, die die Wirtschaftspartei zum Teil auf Kosten der Demokraten zu verzeichnen hat, ist der Anteil der Rechtsbürgerlichen von 35,8 auf 32 Proz. zurück- gegangen, während der Anteil der Sozialdemokratie von 32,4 auf 38,7 Proz., der Anteil der Kommunisten von 14,7 auf 17 Proz. gestiegen ist. Sozialdemokraten und Kommunisten haben zusammen also 55,7 Proz. der abgegeben en Stimmen erhalten. Die Stimmenziffer der beiden proletarischen Parteien ist von 244 000 im Ok- tober 1924 auf 357 000 gestiegen. Das Mehr an abgegebenen gültigen Stimmen gegenüber der letzten Bürgerschaftswahl ist also restlos den Sozialdemokraten und Kommunisten zuge- fallen. Dabei ist sowohl im Wachstum wie in der Gesamt- stärke die Sozialdemokratie der Kommunistischen Partei um mehr als das Doppelte überlegen. Die Hamburger Bürgerschaftswahl hat damit den Ein- druck bestätigt, der sich schon aus den Kommunalwahlen im preußischen Unterelbegebiet vor zwei Wochen ergab. Sie hat bewiesen, daß ein starker, unaufhaltsamer Zug nach links durch die deutsche Wählerschaft geht und daß insbesondere die Sozialdemokratie der Sammel- punkt ist für alle entschiedenen demokratischen und fortschritt- lichen Kreise. Der seit den Reichstagswahlen im Jahre 1924 betriebene reaktionäre Kurs hat dem Volke die Augen geöffnet. In steigendem Maße kehren politische Vernunft und Ueberleaung wieder bei den breiten Massen des Volkes ein, und besonders in den Reihen der Arbeiterschaft, aus denen 1924 noch Tausende von Stimmen den Völkischen und Deutschnationalen zufielen, wächst die Erkenntnis, daß nur in der Stärkung der Sozialdemokratie eine Bürgschaft für politischen und kulturellen Fortschritt gegeben ist. Der Zu- wachs der Kommunistischen Partei, der ebenso wie vor 14 Tagen in Altona auch in Hamburg zu verzeichnen ist, ist kein Argument dagegen. Denn er ist hauptsächlich aus den besonderen örtlichen Verhältnissen zu erklären. In der großen Hafenstadt mit ihren großen Elendsvierteln gibt es natur- gemäß viele Tausende, auf die der rüde Ton der Kommu- nisten immer einen besonderen Eindruck macht. Die B e- seitigung diesessozialen Elends, das den Nähr- boden abgibt für die unfruchtbare Politik der KPD., wird die vornehmste Aufgabe der sozialdemokratischen Politik bleiben. Entscheidend an dem Wahlausgang aber ist d i e große Niederlage der Rechtsparteien. Sie waren aus- gezogen, die Marxisten gewaltig in die Pfanne zu hauen. Die Deutschnationalen hatten schon sehr voreilig ihre Wahl- Prognose verbreitet. Von 28 Sitzen hofften sie an die 50 heranzukommen und die bisherige Regierungskoalition zu zerschlagen. Ihre Erwartungen gingen dahin, ebenso wie im Reich auch in Hamburg in die Regierung hineinzukommen. Um so schwerer ist ihre Enttäuschung. Nach dieser Wahl scheinen sie ihre Hoffnungen in Hamburg für immer be- graben zu haben. Nicht mehr wie bei früheren Wahlen können sie diesmal ihre Niederlage auf Faulheit der Wähler zurückführen, denn stärker als bisher sind die Wähler auf- marschiert. Während 1921 nur 70,9 Proz., 1924 gar nur 66,06 Proz. ihre Stimmen abgaben, sind diesmal 74,24 Proz. Wähler an die Wahlurne geschritten. Leider wird die starke proletarische Mehrheit in Ham- bürg sich nur wenig auswirken können, da die Kommu- n i st e n in der letzten Zeit mehr noch als bisher ihre Auf- gäbe nur in niederträchtig st er Bekämpfung der Sozialdemokratie erblickten. Solange sie ihre Politik nicht erheblich ändern, ist an ein dauerndes Zu- sammenarbeiten nicht zu denken. Die bisherige Re- gierungskoalition von Sozialdemokraten, Demo- kraten und Volkspartei hat mit 99 von 160 Sitzen eine sichere Mehrheit im Parlament. Wie sich die Regierungsverhält- nisse gestalten werden, steht noch dahin. Eins aber ist sicher, daß der Zuwachs der Sozialdemokratie nicht ohne Einfluß auf die Zusammensetzung des Senats bleiben kann. Nach diesem Wahlgang ist die Sozialdemokratie noch mehr als bisher berufen, in Hamburg führend die Politik zu gestalten und dem politischen Hamburg das Gesicht zu geben! Deutfthnationale Wahlkampfparolen. Sie wollen im Zeichen Hindenburgs unterliegen. In Oschatz hielt auf dem Parteitag der Deutschnatio- nalen Westsachsens Reichsjustizminister H e r g t eine Rede, die in interessanter Weise zeigte, wie sich die Deutschnatio- nalen den nächsten Wahlkampf vorstellen. Hinter Hinden- bürg stehe eine Einheitsfront und der Gedanke der deutschen Einheit sei„der H i n d e n b u r g g e d a n k e". gegen den die Regierungsparteien nicht verstoßen dürfen. Betrübt stellte Hergt fest: Leider neigten unter dem Gesichtspunkt« der Wahlagitation heute schon verschiedene Regierungsparteien zur Distanzierung. Es sei denkbar, daß Koalitionsparteien sich vor den Wahlen selbständig zu machen wünschten, um mit eigenen Parolen in den Wahl- kämpf zu gehen. Diese Selbständigkeit führe ober notwendig zur Verschärfung aller Fragen, zum Kampf, der unter dem großen Hind«nburggedanten unter allen Umständen vermieden werden soll«. Die deutschnational« Politik für die Wahl stehe noch nicht fest. Es dürste aber bei allen deutschnationalen Parteifreunden einmütig die Meinung herrschen, daß mit dem Hindenburggedanken als gemeinsamer großer Parole in die Wahl geschritten werden müsse. Unter Hintanstellung einseitiger Parteiziele müßte das deutsche Volk sich hinter diesen Gedanken stellen. Also jetzt soll Hindenburg dafür herhalten, daß den Deutschnationalen wegen ihres fortgesetzten Volksbetruges im Wahlkampf keine Vorwürfe gemacht werden dürfen. Im Namen Hindenburgs sollen sich Zentrum und Deutsche Volkspartei jeder Kritik enthalten und sich sklavisch den Parolen der Hergt, Keudell und Konsorten fügen. Man kann mit Recht gespannt sein, wie sich die Koalitionsfreunde der Deutschnationalen zu dieser Zumutung verhalten werden. Sicher ist jedenfalls, daß kein Hindenburg und kein„Hin- denburggedanke" die Deutschnationalen davor schützen wird, im Wohttampf die Wahrheit zu hören. Dafür wird schon die Sozialdemokratie sorgen. Aber die Angst der Deutsch- nationalen vor den nächsten Wahlen scheint wirklich schon sehr groß zu sein, wenn sie in dieser Weise die P e r s o n d e s Reichspräsidenten als Schutzschild benützen wollen. Es wird ihnen alles nichts helfen! Die nächste Wahl bringt die Abrechnung. Nach dem Hindenburgtag die H a m- b u r g e r W a h l— das ist die Antwort an die Deutschnatio- nalen und Schwarzweihroten! veutschnationaler Pakt mit Sem Stahlhelm. Auf einer Führertagung, die der„Stahlhelm" am Sonnabend und Sonntag in Hall« abhielt, erklärt« Oberstleutnant a. D. D ü st e r b e r g, der Stahlhelm verhandle mitden„natio- nalen" Parteien über bestimmte Forderungen, von denen die Stahlhelmorganisation ihre Beteiligung an der Wahl ab- hängig mache. Ohne politische Macht sei eine grundsätzlich« Besse- rung im Staate im Sinne der Stahlhelmbestrebungen nicht durch- zuführen. Wie man dazu hört, handelt es sich nicht allein um die be- kannten programmatischen Forderungen des Stahlhelms, die hier zur Geltung kommen sollen, sondern auch darum, in welcher Weise Stahlhelm kandidaten auf der Liste der Deutsch- nationalen Partei zu berücksichtigen sind. Die Sehnsucht nach Rcichstagsmandaten ist eben innerhalb des Stahlhelms nicht mehr zu unterdrücken. Daher dies« Bündnisverhandlungen zwischen Stahlhelm und Deutschnationalen, zu denen die übrigen bürgerlichen Parteien schweigen sollen. veutsihaationale gegen Schulgesetz. Die Deutschnationalen Hessens erklärten sich auf ihrcni Partei- tag zu Worms für die Erhaltung der Simultanschule, also gegen da» Reichsschulgejetz. Ungeteilt« Freude erlebt Herr v. Keudell nicht einmal bei jeineu eigenen Parteifreunden. Neue?»Erfolgs üer Nechtsregierung. Zunächst statt 10000 Mann Truppenreduzierung. Der Oberbefehlshaber der französischen Besahung, General G u! l l a u m a l hat, wie er auch der rheinischen Presse mitteilte, an den deutschen Reichskommissar für die besehten Gebiete, Lang- werth von Simmern, eine Milleitung über die Verminderung der Besahungstruppen zunächst um viertausend und später um weitere sechstausend gerichtet. Die Votschasterkonfcrenz hatte Anfang September dem deutschen Außenminister durch eine Rote mitgeteilt, daß die Vesahungsarmee in möglichst kurzer Zeit um zehntausend Mann aus sechzigtauscnd Mann herab- geseht werden wird, nähere» sollt« noch mitgeteilt werden. Die Rcichsregierung hat eine solche weitere Mitteilung bis jehl nicht erhalten und schein« auch nicht in der Benachrichtigung Guillaumats an Langwerth o. Simmern einen Ersah für diese ihr angekündigte Mitteilung zu erblicken, wartet diese vielmehr noch ab. 3n Regie- rungskrcisen herrscht ziemliche Ausregung darüber, daß die von der Bolschaslerkonferenz angekündigte Truppenverminderung um zehntausend Mann durch den General Guillaumat z u n ä ch st auf nur viertausend Mann reduziert zu sein scheint. Preußens fiusianösanleihe wirb aufgelegt. Tie letzten Schwierigkeiten beseitigt. Wie WTB. Handelsdienst von unterrichteter Seite erfährt, sind die der Auslegung der preußischen Ausländsanleihe von 1927 ent- gegenstchenden Schwierigkeiten behoben worden. Es ist ein« Fassung für den Prospekt in bezug auf die Bestimmungen des Dawes-Planes und des Bersailler Vertrages gefunden worden, die unter Wahrung der von den verschiedenen Seiten geltend gemachten rechtlichen Gesichtspunkte eine praktische Lösung darstellt. Die Anleihe soll voraussichtlich noch in dieser Woche in New Port zur Emission gelangen. Der Iahre»dienst für die Verzinsung, der bisher von Preußen begebenen fundierten An- leihen beträgt unter Einrechnung der jetzt zur Ausgabe gelangenden M-Millionrn-Dollar-Anleihe 8 Millionen Mark für die innere Schuld, dazu 3199900 Dollar gleich 13 Millionen Mark für die äußere Schuld, zusammen also 21 Millionen Mark. Das bedeutet ein« Zinsenlast von noch nicht 9,6 Proz. des Iahresbudgeis. Kommunisten überfallen ein Tanzvergnügen Ausschreitungen Roter Frontkämpfer in Wittenberge. Wittenberge. 19. Oktober.(Eigenbericht.) Rote Frontkämpfer, die aus Berlin und anderen Ort- schaften nach Wittenberge zu einem Gautreffen gekommen waren, überfielen in der Nacht vom Sonnabend zum Sonnlag eine Gesell- schaft, die sich im Lokal„Weinberg" zu einem Vergnügen zu- sammcngcfunden hatte. Es kam zu einer wüsten Schlägerei und Messerstecherei, bei der ein Festteilnehmer schwer, mehrere andere leichter verwundet wurden. Der Schwer- oerletzte mußte mit erheblichen Stichwunden am Kopf und am Hals ins Krankenhaus geschafft werden. Die Teilnehmer mußten flüchten. Das Lokal wurde demoliert. Der„Weinberg" ist«in Lokal, ln dem der„Stahlhelm" zu verkehren pflegt. Di« Kommunisten hatten darin auch diesmal Stahl- helmer vermutet. In Wirklichkeit war das Tanzvergnügen von dem Geselligkeitsverein„Eintracht" abgehalten worden, dem allerdings etwa IS Angehörige des„Iungstahlhelms" angehören. In der zweiten Morgenstunde betraten zwei Kommunisten das Lokal und verlangten Bier, das sie vom Wirt anstandslos erhielten. Plötzlich entfernte sich der eine Kommunist, es ertönte ein Pfiff mit«lner Triller- pfeife, und im gleichen Augenblick wurden von kommunistischen Trupps, die von dem einen der beiden Besucher herbeigeholt waren, sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Die Kcnnmu- nisten stürmten in den Saal und schlugen rücksichtslos auf dl« über- raschten Gäste los, auch auf Frauen und Mädchen. Die Polizei, die einschreiten mußte, nahm etwa S9 Kommunisten fest. Die Kommunisten begründen den Ueberfall damit, daß angeblich „�onnp spielt aus/ Erstaufführung in der Städtischen Oper. E r n st K r e n« ck's vi«l genannte Oper hatte Sonnabend als Festvorstellung für den„A e r e i n Berliner Presse" einen anfangs matten, zuletzt aber fast unbestritten großen Erfolg. Das Werk, an fünfzig deutschen und ausländischen Bühnen angenommen» mußte auch in Berlin aus der Taufe gehoben werden. Das war man der stärksten Opernbegobung der heutigen Musikergeneration schuldig. Anlage, Stoff, Darstellung, Szenerie, Tendenz werden diese erste sogenannte Iazzoper zu einem Kassenerfolg machen. Damit sind Recht und Pflicht einer großstädtischen Oper festgelegt. Fragt. sich, ob wir mit Tendenz. Thema. Zeitgebundenheit diese» Werks einverstanden sein können. Wir antworten mit einem lauten Nein. Ein Pendelwerk, hin- und hergeworsen zwischen Stilen von vorgestern und übermorgen, zwischen Ernst und Parodie, zwischen sentinientaler Lyrlk und oberflächlichem Sinnenkultu», zwischen Ehr- furcht und Verhöhnung, Apotheose menschlicher Sehnsucht und bürgerlich-frivoler Alltäglichkeit. So der Text, so die Szene und leider auch die Musik. Sie hat eine» genialische» Wurf, hat Augen- blickswerte und Stimmung, hat Tempo und reißerischen Tanz- schwung. Di« Szenen, in denen die Gletscher dem einsamen Menschen mit mystischen Worten antworten, die kleine Episode, In der Jonny, der Nigger, die Geige als Symbol des LebtnsgemifseS, des jauchzenden Vergnügens, der Welteplvcmle Jazz in einem an Händel gemahnenden Choral speist— das sind kleine Meisterstücke intuitiver Kunst, orchitekionisclzer Gestaltung mit einfachsten Mitteln. 5ster ist K r e n e k nicht nur ehrlich in Gesinnung, sondern auch ehrlich im Verraten seiner Könnerschafl. Das Zentrum aber, uni das sich dies« Sterne drehen, heißt Blues, Ehnrleston, Tango. Hier ist die Kopie des Amüsicrtaumels schlimmer als der Taumel selber. Hier wird, was in höherem Sinn verächtlich ist, vergröbert und gleichzeitig durch die Wertbetsnuna innerhalb einer heilig geltenden Kunst als Götzenbild aufgestellt. Wäre die ganze Oper als Parodie auf die Banalität der Welt gedacht oder durchgeführt, so käme man durch die außerordentliche Nolnnik bei Musik über die Prosa des Textes und Larmoyanz des Gefühl» hinweg. Wir hätten dann immer noch ein Pendelwert, lüimlich zwischen Operette und komischer Tanzoper. Aber wir wüßten, woran wir sind, fühlten nicht mehr die Derpflichtung, uns zu entscheiden zwischen Heiligung oder Ver- dammung. So aber mischt der Dichterkomponist Tön« von tlesster menschlicher Tragik in das wirbelnde Chaos des Oberflächenjahr- hundert». Operette. Diele. Hotel. Radio, Cilzuo, Film, rasende« Auto, Jazzkapelle— wie zeitgemäß unter dem Niveau menschlicher Selbstbesivnungl Und all das als Hintergrund für da» Leiden und schmerzhaste Aufbegehren einer in Not geratenen Kreatur! Aus diesem Zwiespalt oibt es für den eigenwilligen, abseitigen, begabten und reißerischen Komponisten ebensowenig Rettung, wie für den .fiörer. Es gelingt ihm. uns mit sicherem Instinkt für Bühnen- Wirkung interessante, aufregende, packsudo, gehetz'e Bilder zu malen, nt bews-ren, zu besingen. Es gelingt ihm nicht ein Ganzes zu fallen, ein aus lebenswahrerer Idee herauswachsendes Theaterstück ohne tausend»rüch« zu schaffen. Dt« Einbeziehung von Revue und zwei ihrer Kameraden vorher von zehn Stahllzelmleuten überfallen worden seien. Weder in dem Bericht von Augenzeugen noch im Polizeibericht sind Mitteilungen von einem solchen Ueberfall ent- halten, der übrigens das wütende Vorgehen gegen Uebeteiligte in keiner Weise entschuldigen könnte. Wegen der Ausschreitungen lzat die Polizei all« für den Sonntag geplanten Veranstaltungen verboten. Die von außerhalb, vor allem aus Berlin sowohl auf Lastautos wie mit der Eisenbahn in Wittenberge eintreffenden Roten Frontkämpfer wurden sofort wieder nach Berlin abgeschoben. Bon den Verhafteten sollen sieben Kommunisten dem Gericht wegen Landfriedensbruch vorgeführt werden. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. De? begrüßt Thomas. Die lagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes hat dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Äewerkschastsbundes die erwünschte Veran- lassung geboten, zu Ehren der ausländischen Arbeitnehm-rvertreter sowie des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas und feiner Mitarbeiter ein gesellige« Beisammensein zu veranstalten. Der Vertreter des Bundesvorstandes im Verwaltungs- rat ist der Repräsentant der gesamten deutschen Gewerkschaften in der internationalen Arbeitsorganisation. Der Bundesvorstand hatte daher auch ixie Führer der C h r i st l i ch e n und Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften zu dieser Veranstaltung gt- beten. Auch der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und Staats- sekretär Dr. G e i b sowie der Vorsitzend« der Sozialdemokratischen Partei Hermann Müller-F ranken waren der Einladung der Gewerkschaften gefolgt, mit welcher die Reihe der Begrüßungs- sestlichkeilen, die in dieser Woche stattfinden, eröffnet wurde. Die Nlö'rüer öes Generals. Wie man sie entdeckt und verfolgt hat. Belgrad, 19. Oktober. Ueber di« Verhaftung der Mörder de« Generals Kowatschewitsch werden folgende Einzelheiten berichtet: In der Näh« von Radowiste erkundigten sich drei oerdächtig« Personen bei dem Gcmeindevorstand nach dem Wege zur bulgarischen Grenze. Der Ge- meindevorftand wies sie einen falschen Weg und olamicrte di« Bevölkerung sowie die Gendarmerie. Diese nahmen sofort die Ber- folgung der Unbekannten auf und vermochten sie auch zu stellen. Die Unbekannten schössen und warfen Bomben. Es gelang jedoch der Gendarmerie, die drei Personen in eine Höhle zu treiben, au» der sie jedoch den Kampf fortsetzten, bi» schließlich zwei erschossen und der dritte verwundet wurde. Di« Gendarmerie holte die Leichen und den verwundeten Bulgaren au« der Höhle und brachte sie nach Stip. Einer der Erschossenen war als S ch m l e d e a r b« i t e r vor drei Monaten nach Stip gekommen und hatte in der nächsten Näh« der Generalswohnung Arbeit ge- funden. Der am Leben gebliebene Attentäter stammt aus Stip und bestätigt(sagt Belgrad. Red.), daß das Attentat auf Anregung ge- wisser Bulgaren verübt worden sei. Er gab den Behörden wertvoll« Daten, die sedoch im Interesse der weiteren Untersuchung geheim- gehalten werden. Die Leiche de« ermordeten Generale ist am gestrigen Sonntag in Belgrad auf das feierlichst« bestattet worden. Was Sulgarien tu« will. Sofia, 19. Oktober. Wie die Zeitung„Sora" berichtet, ist die bulgarische Regierung entschlossen, zur Verhinderung weiterer Grenzübertritte bewaffneter mazedonischer Banden die gleichen Maßnahmen zu ergreifen, wie di, Belgrader Regierung. Ueber die Bezirke Petritsch und Küstendil, die Hauptsitze der mazedonischen Organisation, soll der Belagerungszustand verhängt werden. Da«in solches Dekret der König unterzeichnen muß, wird sein« Rückkehr au, dem Ausland abgewartet werden. Borzeitige Einberufung der Raftonaloersamm- lung wird erwartet. der große Tag in tvilna. Ruhiger Verlauf.— Pilsudskis Zurückhaltung. Tie Sozialisten mache« nicht mit. Warschau, 19. Oktober.(Eigenbericht.) Die gestrigen Kundgebungen und Erinnerungssetern in W i l n a sind friedlicher verlausen, als man befürchtet hat. Marschall Pilsudski, der selbst mit einer Anzahl seiner Kabinettsunt- glieöcr, darunter dem stellvertretenden Außenminister und dem stell- verlretendelt Kriegsminister in Witna eintraf, hielt sich von der Teilnahme an der militärischen Parade fern. Die Parade verlics zwar selbstverständlich in einem höchst militärischen Stil, der durch di� Teilnahme von bewaffneten Iugendoerbänden noch besonders unterstrichen wurde. Sie überschritt aber nicht das Maß der in den Vorjahren stattgefundenen militärischen Feiern. Au den Demonstrationen nahmen nur die bürgerlichen polni'chcu Parteien teil. Die Sozialisten, die die Vergeltungsmaßnahmen gegen polnische Slaatsbürger litauischer Rolionalitäl mißbilligen, werden ihren Slandpuakl in«lner eigenen Versammlung darlegen. Auch die Bersammlung der bürgerlichen Partelen war aber sichtlich von dem Bestreben erfüllt, nicht weiter Lei in» Feuer zu gießen. Ein- zelne Zwischenrufer, die besonders in Paralleloersammlungcir im Freien zum Kriege gegen Litauen hetzten, fanden keinen Widerhall. Di« Vergeltungsmaßnahmen der polnischen Regie- rung wurden in den Kundgebungen natürlich begrüßt. Es wnrde ober betont, daß man die litauische staatliche Unabhängigkeit aichr antasten wolle» auch keinen Krieg und keine dauernd- Zwietracht mit der likaulschen Winderheit in Polen wünsche. Pilsudski hielt während des Tages Besprechungen mit den Ministern und mit den örtlicizen Behörden ab, in denen die weiteren Maßnahmen bcschloss«n wurden. Der friedliche Verlauf der Veranstaltungen wird hier als Zeichen der Entspannung aufgefaßt. Nur ein bürgerliches liberales Morgenblatt leistet sich heute noch eine neue Hetz«, indem es die Resolution der gestrigen Demonstranten durch einen selbst« r f u n- denen Satz gegen Deutschland und Rußland zu ver- schärfen sucht. Spanien will Norümarokko räumen! Aufsehenerregende Erklärungen Primo de Riveras. Die Londoner„Sunday Times" vcrösfentlichen ein Interview mit dem spanischen Miniisterpräsidenten Primo de R i v e r a. in dem sich dieser bereit erklärte, durch Vermittlung Ehamberlains mit Frankreich über die Räumung der bisherigen spanischen Marokko- zone zu verhandeln, deren Besetzung Spanien nur Opfer koste und Säzwierigkeitcn bereite. Die von ihm erwarteten französischen Gegenlei st ungen erwähnte er nicht. Er erklärte jedoch aus- drücklich, daß Gibraltar in dieser Frage keine Rolle spielen würde, denn Spanien habe im Laufe der Zeit erkannt, daß Gibraltar al» englische Flottenbasis auch für Spanien größere Sicherheit verbürge! Primo kündigte weitere Zusammenkünfte zwischen ihm und Ehamberlain an. C h a m b e r l a i n Hot aus der Durchreise in Pari» mit Briand vor allem da» Maroktoproblem besprochen und die Räumungs- bereikschaft Spaniens zur Sprache gebracht. Sewißensprüfung in Mexiko. Die Offiziere sollen die Verfassung neu beschwöre«. London, 19. Oktober. Di« Bundestruppen haben den Aufständischen«in« schwere Niederlog« beigebracht. Flugzeuge bewarfen die in voller Auf- lösung flüchtenden Aufständischen mit Bomben. Der Aufstand scheint zusammengebrochen zu sein. Der Herausgeber der Zeitung„El Universal" wurde unter der Beschuldigung ver- hastet, einer der Urheber der Revolte zu sein. Der Kriegsminister hat durch seinen Genevalstabcchef sämtliche Kommanvanten anweisen lassen, ihre Offiziere auf die Verfassung neu zu ver- cidigen und sie die Erklärung abgeben zu lassen, daß sie die Rcgicrungspolitit unterstützen. Kino in das seichte Bett heutiger Opemkunst ist nur«ine mechanische, ein« kunstgewerbliche,«Ine zeitgebundene Leistung. Da» Herz hätte über da» Handgelenk verfügen müssen, nicht umgekehrt. Auch die edelsten Seiten der Partitur leiden am Krampf der Ungesanglichkeit, an der Entseelung wirklich schöpferischer Einfälle. Wenn uns der Tanzrhythmus packt, so sind wir unweigerlich eingesangen in jener Lebcnsotmosphäre, die uns anwidert. Krenck, der die„Zwingburg" schrieb, ist nicht der Jüngling, der sich mit solchem Zkunstwerk zweiter Garnitur zufrieden gäbe. Ein Durchgang zum„Orpheus", eine Brücke zum Ruhm, zur Lebensmöglichkeit, zum singulären Fall des künstlerischen Geschäfts. Die große Sehnsucht, die er seinem Kom- ponisten Max in Mund und Seele legt, ist sein« eigene. Er wird nun, ohne zu straucheln, die Oper vorwärtstreiben. Dabei zu helfen, sprang die Städtische Oper ein. Max, vor Tondichter, lernt auf Gletschern Anita kennen, die Sängerin. Sie reist auf Gastspiele, wird von dem oberflächlichen Welttiedling Daniellv verführt, kommt durch Intrige in den Besitz der im Hotel gestohlenen Amatiqeige, reist nach Amerika. Der Dieb ist Jonny, der Neger. Die Jagd nach der Geige ist Hauptteil der Handlung mit allen Mitteln detektivischer und szenischer Tricks. Max wird unschuldig verdächtigt. In der letzten Sekunde erreicht er den schon abfahrenden Zug der Geliebten. Jonny aber steht auf der Weltkugel und geigt, geigt. Alle Völker Europas huldigen ihm. So wahrt die Welt 1927 ihre heiligsten Güter. V a r g o und Klein, denen im BühntNlechnlschen die größte Aufgabe zuteil wurde, hatten glänzende Borarbeit geleistet. Nur das Schlußbild mit seiner varietohaften Buntheit enttäuscht, und das Auto dürfte großstädtisches Format haben. Aber die Bahnhofshalle allein ist eine Sehenswürdigkeit, und der einfahrende Zug, das Leben auf dem Perron und den Treppen in seiner realistischen Wahr- hcit nicht zu überbieten. Sebastian lieferte das bisher beste, oetonntest«, schwungvollste Gesellenstück dirigiertechnischer Beaabung, Martin brachte in di« Menschen der Bühne jenen Gesamt- rhythmus de» Tänzerischen, den die Musik verheißt, andeutet, in sich birgt. Jonny war Ludwig Hof mann: eine phänomenale Leistung, nicht mehr Einzelwesen, sondern Typ einer Zeit, Mensch- liches und Tierisches, Künstlerisches und Modesüchtiges, Genie und Aich in einer einzigen, großen schauspielerischen Züsammenraffung darstellend. Auf gleicher Höhe selbstverständlicher Spiellaune die Pvonne der P f a h l- W a l l e r st e i n. Noch nie war st« so sicher, so gut am Platz, mit all ihrer süßen Laune, all ihrer graziös- schnippischen Lebendigkeit. Sie und Jonny gaben den Humor des Stückes bezwingend her. Die ernsten Partien, schwerer belastet vom Komponisten und undankbarer, wurden von Burgwinkels und der L j» n g b e r g unfreier«? Art, zu singen und zu sein, nicht über da» anständige Niveau geboben. G u t t m an n als verwöhnter Star muhte sich zu einer Grandezza verstehen, die ihm in ihrer geschwollenen Eitelkeit Gott sei Dank nicht liegt. Ein aggressives Stück, ein problematisches, Gipf«l mechanischer Tendenzen in der Kunst. Zeitgehinden, wetiumbundcn, notwendig als Symbol dekadenter Kultur. Aber auch geladen mit jenen elek- irischen Ionen, die In nächstliegender Zeit ein modernes Opernwerk ganz anderer Inhalt« und Tendenzen herausschleudern werden. Dr. Kurt Singer. Reue Baukunst. Es ist selten so v!el an Baustilen herum- experimentiert worden, wie in dieser Zeit, wo die zwingende Notwendigkeit eines ergiebigen Wohnungsbaues al» wesentlichste Faktoren Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit fordert. Bruno Taut, der auf Einladung der Volksbühne im Hörsaal des Kun st gewerbe- Museums über„Neue B a u I u n st" sprach, zeigte, klarer als durch Worte, an sehr instruktiv ausgewählten Lichtbildern, was„Neue Baukunst" oft ist und was sie sein sollte. Die Romantik liegt den Deutschen im Blut, und so versuchen sie gern, durch Anklänge an Stilarten der Vergangenheit auch im Haus- bau etwas von der«ingebildeten„guten" alten Zeit wieder lebendig zu machen. Dagegen stellte Bruno Taut Bilder wirtlich moderner, fachlicher Bauten, di« vom Grundriß ausgehend das Haus bilden. Taut wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß solche Häuser, die ein bequemes, gesundes Wohnen ermöglichen, eben auch„richtig" feien: denn die Art. wie sie sich dem Menschen anpassen und wie sie auf if>n_ wirken, sei ihr Kriterium. Eine absolut« Richtigkeit des Stils gäbe es nicht. Jeder Baukünstler müsse seie eigen« Form finden. Es sei nur wesentlich, daß dies« Form aus dem wirklichen Gebrauchssinn de» Hauses erwachse. T e s. Pros. Ferdinand Sregori sprach in einer Klei st-Morgen« feier, die das Rose-Theater anläßlich des 159. Geburtstages des Dichters veranstaltet hatte. Temperamentvoll schilderte er die Bedeutung Kleists für die deutsch» Bühne. Kleist ist der deutsche Dramatiker. Seine Werke sind vom ersten bis zum letzten Wert bühnenecht, es gibt darin nicht» Uebcrflülsiges. nichts, was vom dramatischen Ausdruck abirrt. Denn die gesamte Ausdruckskraft des Dichters war dramatisch, auch in seinen prachwoll knapp geprägten Anekdoten und in seinen klar ausgebauten ErzäHlungei, und Novellen. Keiner der anderen klassischen Bühnendichter hat diese dramatische Reinheit seiner Werke erreicht, weil sie keinem so notur- gemäß war wie Kleist. Aber dieser Di-Aer, der zwischen den Epochen von Klassizismus und Romantik als Fremdling stand, mußte von seiner Zeit— mit Goethe an der Spitze— verkannt werden. Die Dichtungen Kleist» wurden für die deutsche Bühne erst fast hundert Jahr« nach seinem Tode entdeckt.— Anschließend sprach Eregori aus den Werken des Dichters. Dieser glänzende Sprecher halte hier eine Aufgabe gefunden, die ihn restlos begeisterte. So wlird» es eine sehr schön« Stund«. Ee solgte eine gute, liebevoll erarbeitete Aufführung von„Der zerbrochene Krug". S— z. Die Untersuchung des Falles Konnersreuth. In einer Erklärung gibt dos bischöfliche Ordinariat Regcnsburg da» Ergebnis der ärzt- lichen Untersuchung im Falle Therese Neuinann von Konnersreuth bekannt. Danach sei durch ärztliche Autorität und unter stlenarr Bewachung festgestellt worden, naß die Neumann während der Be- wachung(15 Tage) keinerlet Nahrung zu sich genommen hat. ENnor Tordin, Helga Roraiann und 3fa TUbell werden In der ersten dlesjZSrigcn T a n Z m a t i n e e der Ä o l t s d a h n c E. P. NM Sflunia!. dem 23. Cftoder, vorm. 11'/, Uhr. Im Theater am Bklamplah eine Reihe neu« Solotänze zeigen. Eililahkarten zum Prelle von 1,50 K. in den Verkaufsstellen der Volksbühne E. B., und an sömIUchen Tietjlchcn Theaterkaffen. Gasvergiftung in Ltchterfelöe. 5 Personen in größter Lebensgefahr. Opfer einer Gasvergiftung wären in der vergangenen Nacht beinahe fünf Personen in dem Hause Marienfelder«trafje 23 zu Lichterfelder geworden. Im zweiten Stock dieses Hauses wohnen ein 44 Jahre alter Maurer Paul Anders, seine ebenso alte Ehefrau Martha, eine 22 Jahre alte Tochter Dorn, die 7S Jahre alte Großmutter Ernestine Müller und ein« 47 Jahre alte Frau Martha Eggers. Heute früh um 6 Uhr nahm man im Hause einen st a r k e n Gasgeruch wahr und rief die Polizei des 19-5. Reviers und die Feuerwehr herbei. Man ging dem Ursprung d«s Geruches nach und fand ihn zunächst in der Wohnung des Anders. Als die Beamten hier eindrangen, lagen alle Insassen betäubt in ihren Betten. Sämtliche Räume waren mit Gas angeflllll. Frau Anders, ihre Tochter und Frau Eggers hatten bereits die Be- sinnung verloren, konnten ober von den Samaritern der Feuerwehr ins Leben zurückgerufen werden und wurden nach dem St. Vinzenz- krankenhaus gebracht. Anders und Frau Müller erholten sich bald wieder und konnten in der Wohnung bleiben. Beamte der Kriminal- inspettion Steglitz, die die Untersuchung sofort aufnahmen, stellten s�st, daß das Gas aus einer möblierten Unter- wohnung, die der Hauswirtin gehört und zurzeit leersteht, durch die Deck« nach oben gedrungen war In der Unterwobnung hatte sich ein Verschluß der Gasleitung an der Decke gelöst. Wen die Schuld trifft, bedarf noch der nKheren Feststellung. Ein Sootssteg zusammengebrochen. Elf Personen ins Waffer gestürzt. Nor Richtershorn bei Grünau brach am Sonntagnachmittag i n- folge Ueberlastung ein Bootssteg zusammen, wobei« l f Personen ins Wasser stürzten. Zum Glück sind kein« Todesopfer zu beklagen. Zwischen dem Restaurant Richter auf Richtershorn bei Grünau und dem anderen Spreeufer vermittelt ein Motorfährboot den regel- mäßigen Uebersebverkehr. Am Sonntag um 14,30 Uhr legt« an der mehrere Meter langen Larümngsbrücke das mit Ausflügler.r stark besetzte Fährboot an. Kaum hatte«ine größere Anzahl das Boot verlassen und die Landungsbrücke betreten, als es einen heftigen Krach gab. Im nächsten Augenblick bracheinTeilderBrücko ein und elf Personen, Erwachsene und Kinder, stürzten ia das Wasser. Auf Das Geschrei eilte von allen Seiten sofort Hilfe herbei. Da die Wassertiefe an der Unfallstelle etwa einen Met«r beträgt, aestolteten sich die Rcttungsorbeiten nicht sonderlich schwierig. Es gelang, all« Verunglückten, di« außer dem Schrecken noch den Schaden an ihrer Sonnivgskleidimg zu tragen hoben, wohlbehalten zu bergen. Ein? polizeiliche Untersuchung über den Vorfall ist inzwischen eingeleitet worden. Wahrscheinlich waren die Bohlen derart morsch, daß sie die starke Belastung nicht mehr aushielten. vke Nepublik marschiert auch!n Potsdam. Mehr als 7000 Reichsbannerleut« aus Potsdam, Brandenburg, biowawe» und Berlin waren gestern in Potsdam zu einem Republikanischen Tage aufmarschiert, um gerade in dieser Hochburg der Reaktion zu zeigen, daß die Republik unauf- h a l t s a m auf dem Marsche ist. Die Teilnahme der Bcvölkc- rung war sehr stark, zahlreiche schwarzrotgoldene Fahnen waren aus den Fenstern gehißt, und aus vielen Fenstern wurden den vorbeimarschierenden Re pu b l i k a n e rn Blumen zugeworfen. Oberstudiendirektor Dr. Müller sprach auf dem Bassin- platz kurze Einleitungssätze, dann nahm Ministerialdirektor Dr. Spieker das Wort.' um dl« Treu« des Zentrums zur Republik und Schwarzrotgold wirksam zu betonen. Als darauf der demokratische Landtagsabgeordnete Chefredakteur R u s ch k e des Schöpfer» der Weimarer Bersassung. Hugo Preutz. dessen Todestag sich gestern zum dritten Male jährte, in schönen Worten gedachte, wurden die Häupter entblößt, und die Reichsfahnen senkten sich. Als dritter Redner sprach Reichsminister a. D. Genosse Robert Schmidt. Wenn man. führte er aus, die Schlösser von Potsdam besichtige, so würde einem gezeigt, wo die Fürsten der Ver- gangcnheit gegessen, getrunken und gefeiert hätten. Das fei geschehen auf Kosten des Volte». Untertanengeist habe geherrscht, aber diesem Untertanengeist von Potsdam hätten wir den Bolksgeist von Weimar gegenübergestellt, der immer in Dichtung und Kunst vom Gedanken der Freiheit gclragen gewesen sei. Dos Werk von Weimar zu schützen und das schwnrzrotgoldene Symbol des freien Staates mit Stolz auch an den Stätten der Re- nktion durchzusetzen, dos sei die hohe Aufgabe des Reichsbanners. Begeistert stimmte die Menge in das Hoch auf die Republik ein. Bootstaufe beim Reichsbanner. Die Wassersportabteilung des Reichsbanner, hatte am Sonntag seine Freunde zu seiner zweiten Boolstaufe eingeladen. Im Frühjahr dieses Jahres wurde das Boot.Oberbürgermeister Böß" oetauft. Am Sonntag wurden zwei weitere Boote getauft. Die Zentrumspartei halte ein Boot gespendet, das den Namen .Mathias Erzberger"' erhielt. Das zweite Boot hatte Stadtrat Bendig der Wasserspoctabteilung gespendet, die es auf den Namen des Spenders taufen ließ. Die Feier selbst konnte aus dem Bootsplatz des Reichsbanners nicht abgehalten werden, iveil der Besuch außerordentlich stark war. Auf einem sestlich ge- schmückten Platze in der Nähe des Bovtsplotzes begrüßte zu Beginn der Feier der Gauvorsitzende Landrat Siering die zahlreich er- schie.ienen Gäste, unter denen man Vertreter der republikanischen Parteien, den Pollzeipräsldenten Zörgledel und sehr viele Polizei- ofsiziere sah. Staatssekretär A b e g g hielt die Festansprache und zeichnet« ein Bild de» politischen Führers Mathias Erzberger. Erz- berger war einer der ersten während de» Krieges, die dem deutschen Volte die Augen öffneten und rückhaltlos die wirtschaftlichen Schmie- rigteittN auszeichneten. Er war einer der wenigen, die mutig für die Beendigung des Krieges eintraten. Prosesiar F a ß b e n d er nahm die Bootstaufe dieses Bootes vor. Bürgermeister Kohl taufte das Boot.Stadtrat Bendig"._ Der». Oktobn— ein Rekord-VerkehrStag. Das war gestern ein selten schöner vktobertag, von einer so milden strahlenden Wärme ganz gesättigt, daß Zehmausendc hinauszogen, sich trotz der aus dem Boden aufsteigenden yefährli-�en Kühle und Frische im Wald« und an den Seeuiern lagerten, und die Kaffee- gärten zum Ueberschwenunen brachte. Im Grvnewaldsee ließen sich sogar ein paar Schwimmer bewundern. Der Grunewald war über- Haupt das Ziel ungezählter Tausend«. Ein starker Bertehr setzte in den frühen Morgenstunden auch nach den bekannten Ausflugs- zielen der Spree und Havel cln. Allein die Straßen- bahn befördert« rund zw ei Millionen Fohrgäste. Be- sonders stark war der Andrang auf die Linien noch Tegel. Heiligense« und auf der entgegengesetzten Richtung nach Friedrichs ha gen, Grünau usw. Wenn die vorgeschrittene Jahreszeit berücksichtigt wird, bedeuten di- zwei Millionen»ine Rekordzahl.— Dl« Eisenbahn hatte einen guten Durch» schnittsverkehr. Insgesamt wurden über 1W ZNillioaen Fahrgäste befördert. Nach Potsdam wurden 29 000(Reichs- bannertag), Grünau 31000, Karlshorst 24 000(Rennen), Friedrichs- haben rund 23 000 Karten aueaegeben.— Dt« übrigen Pororte weisen ähnliche Zahlen auf.— Der Betrieb aus der Straßen- und Elsenbahn in der siebenten Abendstunde dagegen war alles andere als angenehm. Während sich Im Sommer der Rückverkehr wegen der längeren Tage in einer größeren Zeitspanne abspielen kann, drängt» sich bei dem frühen Dunkelwerden der Verkehr in der siebenten Abendstunde In einem kaum dagewesenen Ausmatz. Schwere Roheitsvergehen. Unsicherheit im nächtlichen Berlin. Unerhört« Ausschreitungen verübten in der Nacht zu Sonntag zwei junge Männer in der Gegend der Insel- und Wallstraße. Gegen 3 Uhr riefen sie in de! Jnselstraße eine A u t o d r o s ch k e an, als ob sie eine Fahrt machen wollten. Der Chauffeur hatte kaum feinen Wagen zum Stehen gebracht, als die Burschen kurzerhand samt- l i ch e S ch e i b e n einschlugen. Der Mann konnte sich weiteren Mißhandlungen und Tätlichkeiten nur dadurch entziehen, daß er schleunigst das Auto wieder in Gang brachte und davonfuhr. Er erstattete auf dem 13. Polizeirevier Anzeige, und mehrere Beamte machten sich sofort aus die Such« nach den Uebeltätern. Diese waren inzwischen die Inselstraß« entlanggegangen und hatten hier wieder Unheil angerichtet. Vor dem Hause Nr. 7 ist augenblicklich «in Gerüst aufgebaut, dessen Bewachung der 60 Jahre alte Wächter der Wachbcreitschaft Groß-Berlin, Ernst Franke aus der Spandauer Straße versah. Die beiden Strolche fielen hinterrücks über den betagten Mann her, risien ihn zu Boden und schlugen mit einem Kanteisen, das sie von der Baustelle aufgerafft hatten, erbarmungslos auf ihn«in. Endlich ließen sie den Schwer- verletzten, der sich nicht mehr rühren konnte, hilflos liegen und ver- suchten zu flüchten. Inzwischen hatte aber ein Mann vom gegen- überliegenden Hause aus den rohen Ueberfall beobachtet und eiligst das 9. Revier benachrichtigt. Den Beamten gelang es denn auch, die beiden Burschen an der Jnselbrücke zu fassen und auf die Wache zu bringen. Hier wurden sie festgestellt als ein 28 Jahre alter Binzens G r o s a aus der Strelitzer Straße und ein 30jähriger Albert Bcnda aus der Adalbertstraße. Der mißhandelte Wächter Franke wurde zunächst nach der Rettungsstelle und dann noch dem Kranken- haus am Urban gebracht, wo er fast hoffnungslos daniederliegt. Außer einer klaffenden Wunde am Hinterkopf hat er einen Nasenbeinbruch davongetragen. Die Rohlinge haben ihm die Augenbrauen aufgeschlagen und das recht« Auge des Mannes ist ausgelausen. Franke muß auch gewürgt worden sein, denn er ist noch nicht imstande gewesen, zu sprechen, da augenscheinlich der Kehlkopf eingedrückt ist. Die Strolche werden der Kriminalpolizei vorgeführt werden. Da anzunehmen ist, daß die beide» Festgenommenen noch andere Schandtaten verübt haben, so werden alle Personen, die hierüber etwas bekunden können, ersucht, dies dgm 2. Kriminalbezirt des Polizeiamts Mitte am Molkenmarkt mitzuteilen. Wieder ein Raubüberfall im Friedrichshain. Die Unsicherheit, unter der der Friedrichshain leidet, hat schon wiederholt die Kriminal- und Schutzpolizei zu größeren Streifen veranlaßt, um mit den Wegelagerern, meist lungen Burschen, auf- zuräumen. Trotz verschiedener Festnahmen finden sich aber immer wieder neue Rotten zusammen, die allcingchende Männer und Frauen und besonders auch Liebcspärchen, die aus den Bänken sitzen, angreifen. Am Sonntag gegen 22 Uhr ging der 56 Jahre alt« Schlächtermeister Ernst ch. aus der Wilhelm- Stolze-Straße noch mit seinem Hunde in dem Hain umher. Plötzlich sah er sich von etwa 8— 10 Burschen, die er vorher gar nicht wahrgenommen hatte, die also aus einem Gebüsch herausgekommen sein müssen, uinringt. Einer versetzte ihm mit e i n e m K n ü p p e l einen Hieb über den Kopf, so daß er zu Boden fiel. Weitere Schläge, die ihm die ganze Bande versetzte, raubten ihm die Besinnung. Leute, die den Vorgang aus der Ferne sahen, dachten zunächst, daß jemand unwohl geworden sei und daß andere sich um ihn bemühten. Sie machten dann ober doch eine Schupostreise auf den Vorgang aufmerksam. Diese sanb den Schlächcrmeister aus, und nun ergab sich, daß die Burschen, die die Leute für Samariter ge- halten hatten, ihm aus der Iackettasche«ine braunlcderne B rief- tasche mit 400 Mark geraubt hatten. Bei einer sofort unternommenen Absuchung des Hains wurden vier Burschen aus der M e m e l e r und Tilsiter Straße, die zum Teil schon der Polizei bekannt waren, ausgegrissen und heute morgen dem Raubdezernat vorgeführt. Die Brieftasche ist bei keinem von ihnen gefunden worden. Das Erdbeben in Nlitteleuropa. Di« habsburgischen Nachsolgestaaten sind vorgestern, wie wir schon im Sonntagsblatt kurz aus W ie n berichteten, von einem Erdbeben helmgesucht worden. Wir verzeichnen aus Deutsch- ö st erreich, der Tschechoslowakei und Ungarn folgende Meldungen: Wien. 10. Oktober. Das Erdbeben hat in Wien selbst verhältnismäßig wenig Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde in sechs Fällen zu Hilfe geholt, in denen es sich um Schornsteineinstürze und starke Baugebrechen an einem alten Hause handelte. Der Bevölkerung be- mächtigte sich eine P a n i k st i m m u n g, in manchen Gassen eilten die Leute auf die Straße. In den Theatern ergriff das Publikum große Erregung, die im Deutschen Volkstheater zur Flucht des Galcriepublitums führte. Das Erdbeben hat namentlich in den Dörfern. S ch w a d o r s und Enzersdorf verheerende Wirkungen gehabt. In Schwadors, wo schwächere Erdbewegungen noch bis gestern mittag verspürt wurden, wurden etwa 9 0 Pro- zent der vorwiegend aus Fachwsrk bestehenden Häuser beschädigt. davon einige so stark, datz sie abgetragen werden müssen. Eine Reih« von Familien mußte ausquartiert werden» Auch das Schloß des kürzlich verstorbenen Fürsten Montenuevo, M a r g a- reihen am Moos, hat sehr gelitten. Die 400 Jahre alten dicken Mauern erhielten st a r k e Risse. Der niederösterrcichischd Landeshauptmann veranlaßte di« Einsetzung von Militär zur Besorgung der dringendsten Sicherungsarbetten. Prcßburg. Um 20 Uhr 51 Minuten wurde hier ein Erdbeben verspürt, das süns bis sechs Sekunden dauerte. Die Erschütterungen »raren so heftig, daß die in den Zimmern an den Wänden befestigten Gegenstände sich bewegten und in den höheren Stockwerken die Bilder von den Wänden fielen. Besondere Unfälle oder Unglücksfälle find bisher nicht bekannt geworden. Prag. Sonnabend abend wurde auch in Prag ein Erdbeben deutlich wahrgenommen. Besonders in den höher gelegenen Woh- nungen verspürte man wellenförmige Schwantungen von der Dauer einer Sekunde mit etwa zehn Selundea Unter- brechuna. Weiter wurden in Brünn einige Sekunden nach 20,50 Uhr sechs starte Erdstöße verschiedener Stärke verspätt. Im westlichen Teil der Stadt gerieten die Schränke ine Schwanken. An verschiedenen Stellen ist der Mauer putz von den HSusern gefallen. Ferner liegen noch Berichte aus verschiedenen anderen Orten Mähren« vor, während Nordböhmen vom Beben verschont wurde. Raab(Ungarn). Auch hier wurde ein Erdbeben von wenigen Sekunden Dauer»«rspürt. Das Beben war besonders in den höheren Stockwerten der HS.user zu spüren, wo Bilder und Gerät- schaften in Bewequng gerieten. Schaden wurde nicht angerichtet. Auch au» anderen Städten Ungarns, wie Szombothely. Köszey und Dönöck, liegen ähnliche Meldungen vor. Dresden. Die letzten Ausstrahlungen des Bebens erstreckten sich bis ins Reichsgebiet. Wie aus Dresden gemeldet wird, wurde das Erdbeben auch dort deutlich verspürt. Sonnabend um 20.55 Uhr bemerkt« man vornehmlich im Osten und Norden der Stadt ein« etwa sunt Sekunden anhaltend« starke Wellenbewegung. Au» Lübau wird berichtet, datz das Beben etwa drei Sekunden dauert«._ Folgenschwere Explosion in Newhork. New Park. 10. Ottober. Im italienischen Diertel von New Port wurde am Sonnabend durch ein« Erplosion ein Hausvölligin Trüm« m ergelegt. FünfPersonen, darunter zwei Kinder, fanden dabei den Tod. Zwöls Personen konnten, teilweise in schwerverletztem Zustand, geborgen werden. Aus der Heftigkeit der Detonation schloß man, daß es sich um«Ine Dynamit- crplofion handelte, da die Explosion einer gehermen Whisky- Destillatlonsanlage, an die man zuerst dachte, wohl kaum die Gewalt hat. ein vierstöckiges Haus zum Einsturz zu bringen. Unter den Trümmern wurde eine Bombe gesunden. Sport. dle Meisierjcbafisbsxkämpfe im Sportpalast. Wagner-Diener kämpfen morgen abend. Die zehnte deutsche Schwergewichtsmeisterschaft wird morgen Dienstag abend 8 Uhr zwischen dem Titelverteidiger Rudi W a g e n« r und dem Herausforderer Franz Diener im Spott» Palast ausgetragen. Der Kampf geht über 15 Runden, mit Bier- unzsnhandschuhen und hatten Bandagen. Die Weltergewichts» Meisterschaft wird zwischen Ernst Grimm und Karl S a h m ausgetragen während Harry Stein und Erich Kohler um di« Fli«gengswichtsm«ist«rschaft kämpfen werden. Der herausforderungsringkainpf zwischen dem Herausforderer S z t c k k e r, dem Sieger der Ringerkonturrtnz im Sportpalast, und dem bisher unbesiegten Finne» Huthonen gelangt heute abend zum Austrag. Der Kampf geht bis zur Entscheidung. Di« Polizeistunde ist für diesen Abend aufgehoben, Rennen zu karlshorst am Sonntag, dem 9. Oktober. 1. Rennen. 1. Favoritin(KukulieSI, 2. Sepp. 3. Lichtstrahl Ii- Toto: 89:10. Platz: 16,- 22, 13; 10. Ferner liefen: Hannes, Sonechllde, ThaleS, Taunus, Durst, Eleu. Hugtn, Ostgotw, Mcdwa. 2. Rennen. I. Rosentönig(Lt. v. Götz), 2. Karrora, 3. Treubcrz. Toto: 133:10. Platz: 33, 127. 147:10. Ferner Uesen: Feuermahl, Rom- reise, Husdcnt, Troostep, Cherrv Brandt», Jogull, Hiltrud, Abcndwind, Tibet, Filanba. Diamant, Kriegsgewinnler, Mirakel. 3. R e n n r n. 1. Leset»(Oertel), Mutati» mulandis. 3. ManneSIreue. Toto: 38: 10. Platz: 17, 15, 16:10. Ferner lieseii: Grand Mousscux, Pistole, Parsisal, Amandus, Lobrcdner, Black Bridge, Panna, Walada, Siegreich, Lzente». 4. Rennen. 1. Culworth(33. Schnitzer), 2. Enzian, 3. Tornado. Toto: 20: 10. Platz: 13, 12: 10. Ferner liefen: Girant. Amerssoort, AbaSvcr. 5. R e n n« n. 1. Mninberg(v. Borcke), 2. Dorn II, L. Immelmann. Tolo: 88:10. Platz: 14, 14, 15:10. Ferner Uesen: Niederwaid, Propulsor, Nain-Naln, Ondina, Firn II, Pcrlensischcr, 6. Rennen. 1. Abteilung. 1. Felsenfest(3lckermann). 2. Greis an, 3. Norge. Toto: 2t: 10. Platz: 13, 13, 17:10. Ferner Uesen: Golondrina, HohcnselS, Mataja, Grunthrada, Oisried, FantaSca. 2: Abteilung. 1. Erlkönig II(Thiel), 2. AdoniS. 3. Rilornell. Toto: 26:10. Platz: 13, 15, 18:10. Feiner Uesen: Goldener Frlcden, Narrenzeii, Bommerlund, Lebensmut. Greis. 7. R e n n e n. 1. Derber(v. Borcke), 2. Jgnatia, 3. Mansbach. Toto: 20:10. Platz: 11, 12, 11:10. Ferner Uesen: Ältpreutzc, Gras Holck, Tannkönig, Sanktion, Missa, Maid, Poesie. Der Srnuerftreik geht weiter! Mit»5 Prozent der Abstimmenden beschlossen. Die Urabstimmung unter den streikenden Prmicreiarb. lüde:. SallabirrGBaa» 9ts. KGnstler-Tb. 8 Uhr Justiz Lcsslng-Theaicr 8 Uhr , Honig Heinridi IV Trianon-Th. Täglich«'/. Uhr: Snha ßlässner in WMWll Preise 1,3,318. usw. yucrgen; Aler.cncrrplad Y. ggtl NerTSae, hebt *11* J eure Arbeitsfähig- ri*' keit durch den Gebrauch von Hubertusbader Quellsalz dem einzigen rein natürlichen Calclumsalz. Kalkmangel ist in den meisten Fällen der Grund für das Versagen der Nerven. Die entkräfteten Nerven müssen durch Kalkzufuhr gestärkt werden, damit sie wieder die Kraft aufbringen, um Schlaflosigkeit Erregungs- und Krampfzustände zu beheben. Laboratorium Hubertusbad K. G. Tbale a. I, Zentratbureau Berlin C 2, Burgstr. 28 Telephon: Norden 9020,36. Zu haben in allen Apotheken und Drogerien. Originalpackung 3.— M. Hasakinstrumcnte eialpiaas«, überaus preiswert. Piano- fabtik Link. 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