Vr. 4S2 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 245 Morgenausgabe Groß-Berlin 10 Pfg« Auswärts 15 Pfg. Bezugspreis: KtättdUi 70 Pknnia. msnstUch f.- Zieichswor» norom jahrbat. Uatez oferetfbanh im Zn. nni Ausland 5�0 Reichsmark oto Monat. See«Sotmärts* mit her tHuRti«. tot» Sonntagsbeilage.Volk unb Zeit' (aste den Beilagen.Unterhaltung und Mllc«'..Aus der Kilmmelt'. .Krauenstimme'..Der Kinder- ireund*..Ingcnd.BorsSrts'..Blick in die Bilchera>elt' und Kultur» arbeit' erscheint sochentLgNch zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Selegramm-Mrei? e: »Sajialfteinatcal Berlin" Derliner Volksblatt Anzetgenprcije: Sie«inivaltig« RonvarciOc. »eile SO Piennia. Reklame, eile 6r- Reichsmark..Klein« A»,cigrn" da« iettaedruckt« Wort 2S Biennig (julSliui»sei kettaedruckte Woriel. iede« seiiere Wort 12 Pfennig. Stell engefuch« da, erfle Wort IS Pfennig. Iede, weiter« Wort 10 Pfennig. Worte über 12 Buchitaben jiihlen für jwei Wort«. Brbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. ssomilienan, eigen für Abonnenten Zeile<0 Piennia. Anzeigenannahme im Hanptgefchäii. Lindcnstrah« S. wochentäglich von S'--. bis 17 Uhr. �entralorgan cier SoÄalclemokratifcken Partei l)eutscklanäs ReSaktion unö Verlag: Serlin SV). HS, LinSenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Mittwoch, den 12. Oktober 1927 vonoärts-verlog G.m.b.H., Serlin EW. SS, Linüenstr.3 ,,«erli» S? SS«—«auNooto: Bant der Arbeiter,«ngeftelte» NN» Beamten. Sallftr.«! Vinkonto-Seiellchait. Dcoeßten takle«indenftr.». Der hochbahnerstreit beendet. Einigung vor dem Schlichter. Der Schlichter hat die Parteien im hochbahnerfireik gestern zn Einiguagsverhaodlnngen zu fich geladen. Diese Verhandlungen gestalteten sich zwar schr laug. w i e r i g. endigten aber schließlich mit einem Einigung». Vorschlag, den noch gestern abend sowohl die Verhaod- lungskommission als auch die Streikleitung annahmen. Die Annahme des Eilligungsvorschlages hatte den De- schloß zur Folge, den Streik als b e e n d e t zu erklären. Die Arbeit wurde heute früh zur üblichen Stunde wieder aufgenommen. Die neuen firbeitsbeüingungen. Erhebliche Berbefferungeu des Mnnteltarifs. Di« mehr als sechsstündigen Derhandlung«, vor dem Schlichter zu einem Einigungsvorschlog geführt, der folgende stimnmngen bzw. Verbesserungen enthält: Der§ 3, der die Arbeitszeit des Fahrperjonals festlegt (das technische Personal hatte bereits de» Achtstundentags, wurde an Stelle einer monatlichen Arbeitszeit von 230 Stunden festgesetzt, daß die regelmäßig« Arbeitszeit 208 Stunden beträgt, daß jedoch für den Betrieb 230 Stunden gefordert werden können. Für die Arbeitszeit von der 200. bis zur 230. Arbeits- stunde wird rückwirkend ob t. Zoll ein Zuschlag von 20 Proz. gezahlt. Bisher erfolgte dieser Zuschlag erst von der 221. Stunde ab. Weitere Ueberstunden werden mit 25 Proz. Zuschlag bezahlt, und zwar gleichfalls rückwirkend bis zum 1. Juli. Auch in der Zahlung des Krankenlohnes sind erhebliche Berbesierungsu erreicht worden. Bisher wurden bei einer Be- schästigung von drei Monaten bis zu einem Jahr 70 Proz. des Lohnes bis gu sechs Wochen bezahlt: künftig bis zu dreizehn Wochen. Bei einer Beschäftigung von mehr als zehn Jahren wird in Zukunft beim Krankenlohn das Bruttoeinkommen be- rechnet. Bei Betriebsunfällen wird fernerhin bis zur vollen Gesundung oder der Festsetzung einer Unsallvente der volle Lohn weiter gezahlt. Auch betreffs der Anwendung des§ 616 des BGB. sind einige Ver> befferungen erreicht worden. Auch die Bestimmungen über den Urlaub sind verbesiert, und zwar entsprechend den Bestimmungen der Straßenbahn. Di« Geltungsdauer des MaMeltarifs, die bisher bis zum 31. März 1020 lief und dann um je ein Jahr immer verlängert werde« konnte, ist auf den 31. Dezember 1028 festgesetzt worden und kann um je ein halbes Jahr verlängert«erden. All« Berbeffe- runeen sind sowohl aus das technische wie auf das Fahrpersanal an- zuwenden. Der Streik M nicht als Unterbrechung des Arbeilsver- bälinisses: Maßregelungen werden nicht vorgenommen. Schließlich wurde noch folgend« Vrotokollnotiz vereinbart: .Die Gesellschaft für elektrische Hoch, und Untergrundbahn erklärt: 1. Bei der Errechnung des Nettoverdienstes werden die Pen- sionskassenbeitr'äg« nicht in Ansatz gebracht. 2. Di« Bc- fugnisie der Betriebsvertretung nach dem Betriebsrätegesetz «erden durch Aushang in den Dienststellen bekanntgemacht werden. 3. Wegen der Punkte 3 bis 7 der Forderungen der Arbeitnehmer» seit« zu ß 10 soll, namentlich auch hinsichtlich der Lieferung von Leibwäsche und Schutzkleidung, noch im Oktober dieses Jahres mit de» Arbsitnehmerverbänden verhandelt werden." Schieüsspruch für Sie Drauereiarbeiter. Heute Entscheidung der Funktionäre. Nach etwa fünfstündiger Beratung fällt« das aus je drei Ar- bester, und Unternehmervertretern gebildete freie Schiedsgericht unter Vorsitz des Gewerberats Körner gestern abend einen Schieds- spruch für die Brauereiarbester, der im wesentlichen solgendes besagt: Di« Löhn« werden für die Zeft vom Tage der Arbeitsaufnahme ab bis einschlietzlich der letzten Lohnwoche im Monat Dezember u« 3 Mark in dar Spitze und von diesem Zettpuntt ab bis zum $0. Februar 1928 um eine weitere Mark erhöht. In den übrigen Kategorien erhöhen sich die Löhne nach dem bekannten Schlüssel. Das Lohnabkommen soll bi? zum 29. Februar 1928 gelten. Die Unternehmer oerpflichten sich, sämtliche bei Ausbruch des Streck es beschäftigten ständigen Arbeiter wieder ein zu- stellen. Die einzelnen Firmen behasten sich jedoch vor, die Arbester, für die aus betriebstechnischen Gründen eine dauernde Beschäftigung nicht möglich ist. zur gegebenen Zeit zu entlassen. Die Einstellung erfolgt entsprechend den technischen Notwendigkesten der Betriebe und nach den Anordnungen der Betriebsleitungen. Sie muß nach Abbruch des Streikes in spätestens einer Woche durchge- führt sein. Lei den wiedereingestellten Arbeitern wird der Streck in bezug auf Urlaub und KrankenloHn nicht als eine Unterbrechung des Arbeltsverhästnifles angesehen. Die Erklärungsfrist ist auf den 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, festgesetzt. Zu diesem Schiedsspruch werden heute vormittag zunächst die Funktionäre Stellung nehmen, worauf die Streikenden selbst in einer Urabstimmung entscheiden werden. verjlänöigung im Ilaggenkonfiitt. Das amtliche Kommunique.— Eine unbefriedigende Lösung. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst meldet, hat «ine Rücksprache, die am 10. Oktober zwischen dem Verein Berliner chotels und verwandter Betriebe» dem Reichsauhen- minister Dr. Strefemann und dem Staatssekretär des Preußischen Staatsministeriums Dr. W e i s m a n n statt- gefunden hat, zu folgendem Ergebnis geführt: Es wurde klargestellt, daß der Derein Berliner Hotels niemals einer Mißachtung der schwarzrotgoldenen Reichsflagg« Ausdruck gegeben und keine oerfasiungsfeindlich« Kundgebung ver- anstattet hat. Der D e r e i n wird den Wünschen der Reicks- regierung und Preußischen Staatsregierung entsprechend sich dafür einsetzen, daß künstig in ollen Fällen, in denen aus nationalen Anlasten geflaggt wird, die Reichsfloggen gezeigt werden: ebenso werden die Reichsflaggen dann gehißt, jalls sich die Not- wendigkeit ergeben sollte, eine fremde Staatsfahne auf- zuziehen. Die preußische Staatsregierung wird das Ersuchen des Ministerpräsidenten vom 26. August und die daraufhin von den Stoatsmtnistern herausgegebenen Verfügungen zurücknehmen. Das ist also der„F l a g g e n f r i e d e", der zwischen den Behörden des Reiches und Preußens mit den Hotelbesitzern nach recht erbitterten Luseinandersetzunaen geschlossen wurde. Eine erfreuliche Klärung bringt er insofern, als nunmehr die Hotelier» versichern, eine Mißachtung der verfassungsmäßigen Reichsfarben nicht beabsichtigt zu haben und sie auch in Zukunft vermeiden zu wollen. Doch w i« da« geschehen soll, daß ist eine andere Frage. Die Hotelier» wollen in Zukunft„die Retchsflaggen" zeigen. An zuständiger preußischer Stell« beutet man diese Wendung, so. daß die Relchsfarb»» tso heiß« sie w d« Lösung nicht den berechtigte die die Reichsfarben nicht jed Verfassung) Schwarzrotyold neben der Handelsflagge — fchwarzweißrot mit den Reichsfarben in der oberen inne- ren Ecke— gemeint sind. Eittspricht schon eine derartige cn Wünschen der Republikaner, seder beliebigen Zweckfahne gleich- geachtet sehen wollen, so muß abgewartet werden, ob sich die Hoteliers auch wirklich an diese Auslegung der Kompromiß- forme! hatten. Möglich'.st es schon, daß d,e Hotelbesitzer auf einmal entdecken, ihre Fremdenzimmer seien eine Heeresein- richtung und daher müßten sie auch die schwarzweißrote Krieqsflagge hiffen. Am 2. Oktober jedenfalls scheint diese Meinung noch recht weit verbreitet gewesen zu sein. Will man auch in Zukunft so verfahren, so wird sich die Stellung der entschiedenen Republikaner zu den Hoteliers nicht wesentlich ändern können. Es ist also abzuwarten, welche Auslegung das Kommunique bei den Hoteliers findet. In jedem Falle ist als erfreuliches Ergebnis des Flagaenkrieges zu verzeichnen, daß der Widerstand der Hotelbesitzer gegen die Roichsflagge gebrochen ist. Auch daran ist nicht zu zweifeln, daß die republikanische Preußen- regierung a l l e i u sich kaum mit diesem Kompromiß zu» frieden gegeben, sondern die volle und ausschließliche An- erkennung der Reichsfarben Schwarzrotgold zur Bedingung des„Friedens" gemacht hätte. Noch aber hat es die republikanische Bevölkerung in der Hand, dahin zu wirken, daß die Reicbsfarben nicht nur� auf dem Papier geachtet, sondern tastächlich als Symbol des neuen Aolksftaats über» all gezeiat werden, wo man auf die Kundschaft der breiten Polksmasson Gewicht legt. Diejenigen, die auch jetzt nicht jfagiUouo wtUn tarnt*"*** getrost iiuW sich faffep Marx-ffeuöell-Tresckow. Zum Kampf der Jungdeutschen für Tresckows Ehre. Der.Lungdeutsche Orden" ist—- wer will's bezweifeln?— national bis auf die Knochen. Aber er hat sich des Ver- brechen» schuldig gemacht, sich an einer Verschwörung gegen die Verfassung nicht beteiligen, bei einem putschistischen Unternehmen nicht mitmachen zu wollen. Welche Folgen das für ihn gehabt hat, schildert er in seinem Organ, dem .Lungdeutschen" selbst: Der deutfchnallonale Reichslagsabgeordnele Geheimer Finanzrot hugenberg verwerte« ein ihm als Aussichtsrat zur Kenntnis gekorn- menes Bankschreiben, verfälscht es, indem er wesentliche Stellen fortläßt, den Eindruck erweckt, als handele es sich um einen Bettel- brief an ihn, und behauptet dann, zestützt auf dieses ver- fälschte Material, daß der Hochmeister de» Jungdeutschen Ordens den Orden zu Privatgeschäften benutze und ihn um Geld angebettelt habe. ver deutschnationale Laadlogsabgeordnete von der Osten. Warnitz nennt den Hochmeister des Jungdeutschen Ordens„Schweine- Hund" und behauptet, daß alle, die nicht von ihm abrückten, sich auf dieselbe Stuf« stellten. Zur Rede gestellt, will er sich dieser unter Eid von dem Rittergutsbesitzer von Tresckow sen. gemachten Angaben nicht mehr enisinnen. Mahraun ist auf einmal in seinen ?lug«n ein Idealist, der allerdings„gefährliche Mächte" in seiner Umgebung habe. Ersucht, Personen zu nennen, verkriecht er sich hinter die Immunität des Abgeordnet'en. Der deutschnationale Rcichskagsabgeordnele, jetziger Reichsinnenminister von keudell beteiligt sich nach Kräften an dem Kampf gegen den Orden. Die Ansicht des Herrn von der Osten über Mah- raun macht er fich zu eigen. DemKoniturHasso vonTrcs- ckow droht er den Boykott a n, wenn er sich nicht vom Orden lös« und jede innere und äußere Gemeinschaft mft der Ordensleüung aufgebe. Zur Rettung seines wackelnden Minister- fesiels läßt er es zu, oder er vsraillaßt es wohl gar, daß der Reichs- kanzler eine den Tatsachen nicht entsprechende, die Ehre eines Volksgenossen schwer schädigende Erklärung im Reichstage abgibt. Der Reichskanzler Dr. Marx, ein ehemaliger preußischer Richter, fällt im Reichstage ein vernichtendes Urteil über einen deutschen Staatsbürger, welches den Tatsachen wider- spricht. Er hielt es nicht für notwendig, die Berechttgung des Vorwurfes vorher objekttv zu prüsen, die einseitige Doistellung des Falles, wahrscheinlich durch seinen Mimsterkollegen von Keudell, genügte ihm, die ungeheuerliche Anklage in die Welt zu schleudern. Die ihm zugegangene Darstellung des Sachoerhaltes fetten« des Jung- deutschen Ordens, heute vom Gericht in ihrer Richtigkeit Wort für Wort b e st ä t i g t, war für ihn nicht maßgebend. Der Partei- taktik zuliebe wird heut« sogar vom Reichs- kanzler die Ehre eines Staatsbürgers geopfert. Der.Lungdeutsche" ist immer noch geneigt, dem Reichs- kanzler, deffen Ehrenerklärung er erwartet, mildernde Um- stände zuzubilligen. Mit desto größerer Schärfe wendet er sich gegen v. Keudell: Ver wirklich Schuldige wird wohl Herr von keudell sein. Ist er es, dann soll der Reichskanzler ihn auch nennen, damit das deutsche Volk weiß, in welchen Händen die Wahrung der ver- fassungsmäßigen Rechte der Staatsbürger liegt. Uns Jungdeutschen soll man aber nicht mehr damit kommen, daß man uns veranlassen will,„aus nationalen Gründen" zu schweigen, wenn es sich um Verfehlungen von Personen handelt, die von sich sagen, sie seien national, wer leichtfertig mit der Ehre seiner Volksgenossen umspringt. und als Minister Slandesmahnahmen sanktioniert, die die Gemeinschaft des Volkes und damit die Ration auf» schwerste gefährden. ist für uns nicht nalionot. Auch die Zugehörigkeit des Herrn von Keudell zu einer nationalen Partei wird uns nicht hindern, seinem Handeln die Bezeichnung zu geben, die es verdient. Inzwischen ist aber auch die Hoffnung des.Lungdcut- en" auf Marx wieder einigermaßen schwankend geworden. an hat ihm nämlich von amtlicher Seite erklärt: Eine Erklärung des Reichskanzlers zur An- gelegenheit des Herrn von Tresckow kann zurzeit nicht abgegeben werden, da Dr. Marx sich auf einer Reise durch das besetzte Gebiet befindet und zurzeit in der Pfalz weilt. Eine Entscheidung kann im übrigen erst getroffen werden, wenn ein rechtskräftiges Urteil in dieser Sache vorliegt. Auf die Frage, ob der Herr Reichskanzler gedenkt, die Unterlagen, die ihn zu seinen Ausführungen im Reichs- tag über Herrn von Tresckow bewogen haben, bekanntzugeben, kann wegen der Reise des Herrn Reichskanzlers nicht geantwortet werden. Für uns bleibt die Hauptperson in dieser Sache der Reichskanzler. Herr Marx kennt das deutschnationale Verleumdersystems, er weiß, wie es(jegen seine eigene Partei und ihn selbst gearbeitet hat. Wir erinnern nur an die infame Lügenhetze wegen der Postenbesetzung im Völker- bund, bei der wir ihn der Wahrheit zuliebe in Schutz genom- men haben. Will er sich jetzt selber diese Methoden des politischen Kampfes zu eigen machen? Herr Marx wird wohl nie den Ruhm gewinnen, ein Staatsmann großen Formats zu sein, er hat ober einen Ruf zu»erlieren, nämlich de««ine» rechtschaffenen '"■----- sich u, der Kandidat dea.voltedlock« zu» Manne«. Daß l Zteichatanzler des Bürgerblocks Hergeyeben hat, war schon ein sehr schwerer Persönlicher Fall. Die Angelegenheit Tresckow aber, die sich aus diesem Fall unmittelbar entwickelte, wird für ihn geradezu zur moralischen Katastrophe— wenn er nicht die Kraft findet, das Netz zu zerreißen, in das er verstrickt wchrdeN ist. Wir müssen dabei bleiben, daß der Rückzug des Reichs- kanzlers hinter die zweite Gerichtsinstanz, der in der vor- stehend mitgeteilten amtlichen Erklärung angekündigt ist, etwas äußerst Unwürdiges wäre. Ganz abgesehen davon, daß dieser Rückzug eine blamable Solidarisierung mit dem zu � recht verurteilten Verleumder B a d i ck e darstellen würde, muß wiederholt werden, daß in der zweiten Instanz gar nichts mehr geklärt werden kann, was noch nicht geklärt worden ist. Es steht fest, daß man im Jahre 1926 in der Neumark den Versuch gemacht hat, illegale Truppen aufzustellen, daß man diesen Versuch mit einem eventuell zu erwartenden Staats st reich des Reichs- Präsidenten begründet und das Einverständnis der Reichswehr vorgeschützt hat. Es steht fest, daß Herr v. Tresckow, der aufgefordert war, seine jungdeutschen Mann- schaften für die illegale Truppenbildung zur Verfügung zu stellen, so vorsichtig war, sich durch seinen militärischen Mittelsmann, den Generalleutnant S a l z e n b e r g, bei der Reichswehr zu erkundigen und daß er dort erfahren hatte, daß alles Lüge und Schwindel fei. � Wegen dieser gesetzes- und verfasiungstreuen Haltung ist Herr v. Tresckow von den Gutsbesitzern seines Kreises unter Mitwirkung des Herrn v. Keudell boykot- tiert worden. Dieser Boykott war nichts anderes als die Rache der Entlarvten.-- Und dann stellt sich der Reichs- kanzler Marx im Reichstag hin, deckt die Putschisten und schleudert gegen den Schützer des Gesetzes und der Verfassung, Herrn v. Tresckow, den Vorwurf des„groben Vertrauens- bruchs"! Die Gerichtsverhandlung hat diesen Tatbestand un- widerruflich klargestellt. Will Herr Marx jetzt wirklich, tiachdem er von der ersten Instanz mit Badicke zusammen als unsichtbarer Angeklagter mitverurteilt worden ist, abwarten, ob ihn die zweite Instanz nicht freispricht? Es wäre kläglich! Zuletzt nock ein Wort an den„Iungdeutschen". Er macht für den Skandal, über den er sich mit Recht beschwert, „unser famoses Parteiwesen" verantwortlich und zeigt damit, daß er in diesem Punkt noch ganz in der Ideologie seiner deutschnationalen Gegner besangen ist. Die Deutschnationalen sind es ja, die am lautesten über das „Parteiwesen" zetern, um es aufs gründlichste zu miß- brauchen und zu beschmutzen. Die parlamentarische Immunität, die, wie der„Iungdeutsche" wissen wird, schon vor der Novemberumwälzung bestanden hat, ist ein notwendiges Neckt, denn es mutz eine Stelle geben, an der die Freiheit der Meinung vor jeder Unterdrückung durch die Gewalt geschützt ist. Kein Recht ist aber so gut, daß es. nicht auch mißbraucht werden könnte. Wer die Immunität mi ß b.rg u ch t, um falsche Anschuldigungen zu erheben und sie ausxecktzuerbalten. auch nachdem ihm die Wahrhest be- . tonnt worden ist, schädigt nicht mehr die fremde Ehre, sondern «ur- noch seine eigene« �. ; r.; 8• r.> i i f.'•>«.»»...i— 4--•- Reichstag am t$. Oktober. Erste Beratung des ReichssdjulgesetzeS. Der Reichstag ist nunmehr endgültig auf Dien»- tag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle das Reichsfchul- gefetz. Man rechnet in parlamentarischen Kreisen damit, daß die erste Lesung dieser Vorlage mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen wird. Sie soll dann einem besonderen Ausschuß zur Weiter- beratung überwiesen werden. Deutschnationale für Monarchie. Und die Richtlinien? Die Deutsch. Konservative Partei hat am Montag in Frankfurt ihre diesjährige Hauptversammlung abgehallen. An sich könnte man über diese Tagung sonderbarer Größen hinweg- gehen, wenn sie nicht ein« Entschließung gefaßt hätte, die an Schmähungen gegen die Republik einfach nicht mehr zu überbiete nchl Es heißt darin: .Die au» Verrat, Treubruch und Eigennutz ent- standene R« g i«ru n g s s o r m lehnen wir ab und stehen in unbeirrbarer Treue zu unserem angestammten Fürsten. Wir verwerfen den sogenannten Boden der Tatsachen(!), aus dem die Republik durch Ausnahmegesetz geschützt und der rechtmäßige Herrscher unter das Unrecht des Ausnahmerechts gestellt wird... Aber auch nichts, auch nicht die organisierten Kriegsdienstoerweige- rungen von FöZter bis L ö b e wird den deutschen Besreiungs- kämpf aushallen, wenn alle Deutschen ehrlich und ehrliebend in Wort und Tat zusammenstehen, wenn es nicht mehr heißt:.H i n- ein in die Korruption des neuen Staates!', son- der»:„Zurück zur Ehrlichkeit des alten Reiches, zurück zur selbst- losen Hingabe an König und Vaterland!". .Mit Gott für Kaiser und Reich", so klingt die famos« Resolu- tion aus. Die deutfchnaiionalen Politiker, die der Deutschkonserva- tioen Partei angehören, die Herren vom Schlage E v e r l i n g und Westarp, die gleichzeitig für die Regierungspolitik der Deutsch- nationalen stimmen, konnten sich selbst kein« schallendere Ohrfeig« versetzen, als es in dieser Resolution geschah. Aber was sagt da» Zentrum zu dieser Auslegung der Regierungsrichtlinien? Wenn ein Wirth oder andere gegen eine einzelne Maßnahme der Re- gierung Sturm laufen, dann wird sofort das Scherbengericht zu- sammengerufen. Wird da» Zentrum dulden, daß«in mächtiger Flügel der deutfchnationalen Regierungspartei in dieser niederträchtigen Weise gegen die Republik und gegen die Re- gierung hetzt, ohne dagegen Protest zu erheben? Oder will man den Besitzinteressen im Bürgerblock auch noch die letzten Spuren von Selbstachtung opfern? Möglich ist bei dieser Regierung alle»! Die Mißwirtschaft in tzalle. Die reaktionäre Presse schweigt dazu. Die seil Monaten schwebende Untersuchung über den Stadt- bankskondal in Halle ist nunmehr abgeschlossen und die An- klageschrift, die nicht weniger als 300 Druckseiten umfaßt, den An- geklagten zugestellt worden. Unter ihnen steht an der Spitze der deutschnationale Direktor der Stadtbant, B e r g e r. Der zweite Hauptangetlagte ist der d e u t s ch n a t i o n a l e Kaufmann Karl Schröder, der im Jahre 1923 in Halle ein Geschäft gegründet hat. Er wußte die Freundschaft des Stadtbankdirettors zu gewinnen und erhielt dann, lediglich durch Wechsel gedeckt, Kredite, die inner- halb weniger Monate auf 250 000 M. anwuchsen. Als eine Revision zu befürchten war, gründete Schröder in Berlin eine Möbelgesell- schaft, aus die er dann die Wechsel umschrieb. Es war jedoch ein« reine Scheingründung. Später ließ sich der Stadtbankdirek- tor durch eins bevorstehende Heirat mit einer reichenErbin ver- trösten. Obwohl der künftige Schwiegervater bei Direktor Berger über Schröder Auskünfte einzog und dem Schwiegersohn angeblich ein wertvolles Auto schenkte, handelt« es sich auch hierbei nur um Bluff und Schwindel.' mit denen Schröder arbeitete, um sich weiter über Wasser zu halten. Der Stadtbankdirektor Berger aber kroch immer wieder auf den Leim seines Freundes. Der unter deutschnationaler Leitung stehenden Stadt Hall« kostete dieses Ge- fchäftsgebaren deutschnationaler.Ehrenmänner" über eine halb« Million Mark. In der deutschnationalen Press« ist von alledem natürlich kein Wort zu lesen. Verschwendung öffentlicher Mittel für Rechts, verbände. Im Preußischen Landtag hat Genosse Krüger(Brandenburg) namens der Sozialdemokratischen Partei jolgende Anfrage an die Regierung gestellt: Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Potsdam hat am 9. September den Beschluß gefaßt, chrem Oberbürgermeister Rauscher zwei Zimmer seiner in der Orangerie für ihn vom Staat gemieteten Wohnung zu einem Repräsentationsspeisesaal aus- zubauen. Die Kosten für den Umbau sind mll 12 000 M. veranschlagt. In der Stadtverordnetenversammlung hat der Führer der deutschnationalen Fraktion, Herr Rechtsanwalt Aoerdunk, erklärt, man wolle durch diesen Ausbau den Oberbürgermeister Rauscher sur sein Verhalten in der Flaggenfrage belohnen.—. Herr Oberbürgermeister Rauscher bezieht gegenwärtig ein monat- liches Einkommen von 1100 M.. zuzüglich einer Gehaltsaufbesserung von 250 M. ab 1. Oktober, insgesamt also 1650 M. Di« S t a d t v« r o r d n e t e n v« r sa m m l u n g i n Pots- dam hat wiederHoll in politisch einseitiger Weise städtische Mittel für Organisationen verwandt, die im diametralen Gegensatz zur heutigen Staatssorm stehen, so z. SB. für die Bemittmig des t a h l h e l m' am Stahlhclmtoge 5000 SM., für die des.Werwol, 2000 M., für andere Rechtsorganisationen 1200 M. Dem Reichs- banner aber wurde für dessen Tagung am 9. Oktober dieses Jahres die erbeten« finanzielle Unterstützung versagt.— Ich erblicke m den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung und der Zustimmung des Magistrats zu diesen eine bewußte Verschwendung st ädti- scher Mittel, die angesichts der in Potsdam herrsckenden großen Wohnungsnot zweckentsprechender verwendet werden könnten. Ich frag« das Staatsministerium: Hat es von den Beschlüssen der städtischen Körperschaften Kenntnis erhallen, und was gedenkt es zu tun, um diese Verschwendung städtischer Mittel zu inhibieren? verAienter ReinfaU von Zastbiften. «tnrmischer Verlauf einer antifaschistischen Versammlung. Duisburg, 1l. Oktober.(TU.) Auf Veranlassung der Deutschen Friedensgesellschast sprach gestern abend in Duisburg die früher« Sekretärin Mussolinis. Angelica Balabanosf über das Thema:.Der Faschismus als Kriegsgefahr". Der i t a l i e n i s ch e K o n s u l i n D u i s b u r g hatte sich vergeblich bemüht, ein polizeiliches Verbot dieser Ver- sammlung zu erreichen. Di« Fremdenpollzei prüfte die Papiere der Rednerin, die jedoch in Ordnung befunden wurden. In der Aus- fprack« nahm einer der anwesenden italienischen Kvnsulatsbeamten das Wort, um den Faschismus zu verteidigen. Als er Hochrufe auf Mussolini ausbrachte, wurde ihm mit N i e d e r- R u f« n erwidert. Die Konsulatsbeomten verließen darauf den Saal. Der fteirifche Stinnes verhastet. Wegen arbeiterschädigcnden Akticnbetruges. Wien. 11. Oktober.(Eigenbericht.) In Graz wurde der ehemalige Präsident der lliaab-Oedenburger Eisenbahngesellschaft, Dr� Viktor Wutte, im Austrage der Staats- anwaltschaft oerhaftet. Gegen Pr. Wutte war vom Arbeiter- 2k- trievsrat der Gesellschaft Strafanzeige erstallet worden wegen der Affäre, die im vorigen Jahre im November im parlamentarischen Untersuchungsausschuß gegen chn verhandell wurde. Es war damals festgestellt worden, daß er in amtlicher Eigenschaft der Gesellschaft gehörige Aktien fürsich verka�lft und dadurch die Gesell- schaft m tu viele Millionen Schilling geschädigt hatte. Infolge dieler Handlungsweise waren zahlreich« Arbeiter ent- lassen worden, deshalb hat der Betriebsrot vor einigen Wochen for- mell Strafanzeige erstallet. Wulle war eine Zelllang einer der reich- sten Leute in Deutschösterreich und halle den Namen eines„steier- märkischen Stinnes". Cr war«ine Zell hindurch auch antisozioli- stischer Abgeordneter. Ratlonalkommunist Major Duchrucker im tandbund. Der durch die Hindenburg-Amnestie aus der Festungshaft entlassene Major Buchrucker, der Führer des Küstriner Putjches, wird, wie wir hören, nach einer kurzen Erholungsreise eine leitende Stellung beim Pommerschen Landbund übernehmen. Dem Pommerschen Landbund gehört u. a. auch her ehemalige Kapp- Innenminister von I a g o w an. Mlbert Thomas. Von Z. Steiner-Zullien. Am Sonnabend im Edenhotel hat Albert Thomas den Pvessevertretern die Persönlichkeiten des Sverwaltungsrats de» Internationalen Arbeitsamtes vorgestellt. Don sich selbst sagte Albert Thomas nur, daß er eigentlich ein aller Der- liner seit— er hat im Jahre 1903 hier«in Semester studiert— und daß die deutschen Journalisten, wenn sie ihm unangenehm sein wollen, sagen:.Zlkbert Thomas, der frühere Munitionsminister". "' Nun ist es für einen.alten Berliner" zwar eine Leistung, auch französischer Munillonsminister gewesen zu sein: aber Albert .Thomas war und ist nicht nur dos. Und da er für dies« Woche .einer der prominentesten.Berliner" ist, dürften einige persönliche Randbemerkungen am Platze sein. Meine SBetanntschast mll Albert Thomas ist jetzt genau 23 Jahre äst. Damals— es war kurz nach dem internationalen Kongreß von Amsterdam— polemisierten wir gegeneinander von Sstaris aus in der Frankfurter.Volksstimme" über französisch« Politik, im beson- deren aber über die Politik der.3 a n r e| i st e n". Eigentlich polemisierte Parous gegen Albert Thomas. Ich fiel diesem dabei nur in die Flanke. Also, Albert Thomas stand damals schon auf dem rechten Flügel dör(noch nicht geeinigten) Sozialistischen Partei. Da stand er immer. Manchmal sogar auf dem.äußersten" rechten Flügel. Wenn rttim- lich unter dem Druck der polllischen Konjunktur so mancher es für geroten hielt, wenigstens zellweise eine kleine Linksschwenkung zu vollführen. Und das ist da» Merkwürdig« an diesem Mann der scheinbar so anpossungssähig ist: er ist in dem Vierteljahrhundert seiner aktiven .pajilil'chen Tätigkeit auch in taktischen Fragen immer derselbe ge- blieben: er war immer„Reformist" und„Ministerialist". Er ist im besten Sinne des Wortes ein großer Diplomat, aber die Konzesiio- sten, die er macht, gehen nie auf Kosten seiner Ueberzeugung. Zwischendurch war Albert Thomas Professor, Journalist, Schrift- steller/' Genossenschaftler, Gewerkschaftler, Korrespondent deutscher Zeitungen und schließlich seit 1910 auch Abgeordneter. Er war meist dies alles auf einmal. Und auch das zeichnet ihn aus: seine ungeheure Arbeitskraft, in der ihm vielleicht nur fein Meister Iaun-s über war.. Wie Iaures es war. ist Albert Thomas ein glänzender Redner uizd Schriftsteller. Er hat aber nu- sehr ryenig von der genialen Künstlernatur Iaures'. Albert Thomas ist immer«in nüchterner Realist gewesen, obwohl dieser nüchterne Rechner ein Feuerkops ist. Er erinnert darin an Bebel. •-• Albert Thomas�„Rechtspolitik" war immer eine Pokllik der Sozialreformen. Er ist Evolutionist. Er schielt nicht nach der Bour- geoisie. er denkt immer an die Arbeiterschaft� . Wen», man.-von einem iranzösischen Pclitiker sagt, er steht irgenSchk c>,f dem rechten Flügel, bann denkt mau in Deutschland. daß dieser Bolll'ker iroet'dmie nätionaliwsch. ai.lideutsch sein müsse. Da mochte ich noch«ine ll-ine Erinnerung auftischen. Es war in Bordeaux im September 1911. Albe 1 Thomas war damals irgendein hohe» Tier, vjelleuU noch im Mimsteriym der öffentlichen I Arbeiten von S« m b a t, vielleicht schon im Kriegsministerium von M i l l e r a n d, vielleicht hall« er einen Fuß in beiden Ministerien. Ich suchte ihn in seiner Wohnung aus, ich glaube, um ihn«in seine Intervention zugunsten der deutschen Gefangenen zu bitten. Wäh- rend wir sprachen, kam ein anderer Besucher, wahrscheinlich irgend- ein Heereslieferant, der lahme Pferde oder papiern« Stiefelsohlen zu verkausen hall«. Albert Thomas bugsierte mich in sein Schlaf- zimmer und wies auf einen Pack Zeitungen. Aus seinem Nachttisch, wo der überarbeitete Mensch das Buch seiner Erholung liegen hat, lag ein großer Stoß des„Vorwärts", damals in Frankreich unauf- findbar. Er wurde Munitionsminister, ich Zivilgefangener. Staunet verfolgte ich die Politik dieses Munitionsministers. Albert Thomas hat als Munllionsminister in Creusot, dem sranzösischen Essen der Vorkriegszeit, eine gerade.zu aufrührerische Rede an die Arbeiter ge- halten. Dieser Munitionsminister hat es sich vor allem angelegen sein lassen, dem Munitionsarbeiter nicht nur zu seinem Recht zu oerhelfen, sondern ihm neue Recht« zu verschaffen. Er hat damals den Betriebsrätegedanken vorweggenommen. Auch als Minittons- minister war er vor allem Sozialpolitiker. Albert Thomas war eigentlich durch sein Talent und feine Arbeitskrast berufen, der Nachfolger von Iaures zu sein. Durch seine unwandelbare reformistische Haltung hat er sich zeitweise— er war damals schon Direktor des Internationalen Arbeitsamts— in der französischen Partei geradezu unmöglich gemacht. Aber Wbert Thomas wird wieder in die aktive französische Politik.zurückkehren. Er wird eine große Roll« spielen. Er ist noch jung, noch nicht 50. Er wird vlelleickt der Nachfolger Driands fein— ober immer mit seiner Partei. Und dann werden wir in Deutichland erleben, daß dieser„ehemalige Munitionsminister" Deiitschland und die Deut- scheu viel zu gut kennt, um sie nicht zu schätzen. Die Entstehung ües moüernen Tanzes. Margaret« Wallmann, die Lellerin der neuen Berliner Wigman-Scbule, begann in der Aula des Gymnasiums zum Grauen Klo st er ihre von der Volksbühne arrangierte Vor- tragsserie über das Thema:„Der moderne Tanz". Sie gab zunächst eine kurze Uebersicht über die Entwicklung des neuen Kunst. tanzes, zu dem Ijadoro Dunean den ersten Anstoß gegeben hatte, dessen theoretisch« Grundlagen Rudolf von Laban schuf, und der in der Kunst Mary Wigmons seine höchste und reichste Blüte ent- fallet hat. ZVährend das alte, endgültig abgestorbene Ballett aus Rokokotraditionen fußte und eine im wesentlichen höfische, niemal» volkstümliche Kunst gewesen ist, hat sich der neue Tanz aus dem Geist unserer Zell entwickelt, in der er mit allen Wurzeln haftet. Er ist nicht künstlich gefchoffen, sondetn»atürlick gewachsen. Er beruht nicht aus einer unpersönlichen, schablonenhaften, von außen hineingearbeiteten Technis sondern auf Bewegungen, die aus dem individuellen Körvergesühl des Tanzenden sich ergeben. Die Gym- nastit, die sein« Vorstufe bildet, umerscheidet sich iowobl oor, eer gliederverrenkenden Akrnbank der Bttlettechvik wie non dem unifor- mierenden Drill tiirneristter Freiübungen. Sie weck! und ptlegl die jedem einzelnen naturgemäße Bewegung und läßt der Entsallung des persönlichen Lörpe rausdrucks den weitesten Spielraum, Ihr« Grundlag« ist der Wechsel von Spannung und Entspannung. Durch intensive Beseelung der Spannungen und Entspannungen wird die gymnastische Bewegung zur tänzerischen. Aus der Verbindung meh- rerer beseelter Ausdrucksbewegungen entsteht der Tanz. Die Mög» lichkeiten solcher Verbindungen sind unbegrenzt. Rhythmus und Raumgefühl sind ihre beherrschenden Faktoren. Eine zehnköpsig« Tänzerinnengruppe illustriert« die theoretischen Darlegungen. An Kopf-, Hand-, Arm- und SBcitibewe- qungen begriff und ersühlle man das SBesen der Spannung und Entspannung. Rhythmisch« und raumgestaltende Einzel- und Gruppenbewegungen zeigten das allmähliche Herauswachsen des Tanzes aus der Gymnastik. Wir sahen, wie trotz der gleichen rhy'h- mischen Bindungen und der gleichen Grundformen der Bewegung jeder Körper sein« eigene charakteristische Ausdruckskraft entfaltete. Und wir erlebten schließlich an einem improvisierten Einzeltanz die Entstehimg einer modernen Klmsttanzschöpfung. Reicher Beifall des zahlreich erschienenen SBnblikuns lohnte die meisterhaften, leicht verständlichen und sehr instruktiven Zlusführim- gen der Rednerin und die Darbietungen ihrer Stänzerfchar Di« beiden nächsten Vortragsabende, die den Zyklus begieß.>n, sollen über das Wesen des Einzeltanzes und des Gruppen- tanzes unterrichten. Wer Interesse für den. modernen Tanz hat und einen tieferen Einblick in seine Eigenart gewinnen möchte, kann hier«ine Fülle von Anregung und Belehrung finden. _ John S ch i k o w s k i. Ein Alausoleum für Dante. Die sterblichen Reste Dantes sind in Raoenna in einem kleinen Tempel beigesetzt, der 1730 von einem Legaten des Papstes errichtet wurde. Diele Grabstätte für den größten italienischen Dichter genügt aber Mussollni nicht, und so hat er jetzt einen Architekten nach Raoenna entsandt, der umgehend «inen Plan ausarbeiten soll, um Dante«in seiner würdiges Grab zu schaffen. Nach diesem Plan sollen die Uebcrreste de» Dichters nach der Kirche de» heiligen Franziskus übergeführt werden, die ein« der schönsten Bauten Ravennos ist, und um diese Kirche wird eine „Zone des Schweigens" geschaffen, so daß die Besucher an der Weihcstätt« verweilen können, ohne durch den Lärm der Stadt gestört zu werden. MündNibe Vvchkritik. Di« von Erna ftelb bereit» rni»«tüjen SS'ntet veranstalteten Abende ipttdeir int loinwenden Linter wieder ousaenommen. Der erste Abend ist am 19. Okiober. Auttunst und Einladungen durch da« Sekretariat Erna Felb. Joachlmsthaler Str. lt(SlSmarck 8600). Edwar» weih, ein amerikansscher Planist, gibt zum Besten de» Ata. demilchen Austauschdienste» mehrere Konzertabende. Der erste findet Freilag. S Uhr. im Blathner-Saal. statt. lheoter- Akademie de» Ladischen tandeslheater». Mit Genebmigunq de» Unterricht»- und KuItuSmimsteriiiinS wurde am l. Oktober am Land«'- tbeater in KarlSrube eine UnterrichtSanstalt unter der Bezeichuuuq �Tbeater-Akademie de« Badlichen LandeStbealer»" eingerichtet, die' iich die Veiterbildung angehender Bübnenkünftler durch theoretiichen Unterricht lwd durch vratliiche Uedungen zur Aufgabe stellt. Die Ausbildung dauert zwei Jabre.>7. vir devssche Sprache an der LIaaer AnIveefitSt. Die Univtrfiiäl in Riga dal einen Bejchlun gefaßt, wonach Borleiungrn, die bisher in rnifiichrr Sprache gehalten wurden, nunmehr in deutscher Sprache gehalten werden Internationales Arbeitsamt. Die Berliner Tagung. Lanötagsbeginn. Viertägige Zwischentagungen.- Tie Besoldungsnovelle. Der Preuhisch« Landtoa hat am Dienstag nach einer mehr als drsimonatigen Paus« seine Arbeiten wieder aufgenommen. Er wird nicht lange zusammenbleiben. An eigentlich dringlichen Arbeiten hat er mir die neue Besoldungsordnung zu erledigen, die gegenwärtig im preußischen Staatsrat beraten wird. Sobald der Staatsrat mit dem Entwurf fertig ist— man hofft am Donners- tag—, wird der Landtag die erste Lesung des Gesetzentwurfes vor- nehme» und sich unmittelbar danach vertagen, damit der Hauptaus- schuß möglichst rasch die neue Boomtenbesoldung durchberaten und fertigstellen kann. Das wird freilich, schon mit Rücksicht auf die gleichlaufenden Beratungen im Reichs, mindestens drei Wochen in Anspruch nehmen, und da vom K.— 13. November die sozialdemokratische Werbewoch« stattfindet, kann der Landtag erst am 14. November wieder zusammenkommen. Dann soll mit Hochdruck bis Weihnachten durchgearbeitet werden, um die erste Lesimg des Etats durchzuführen und wenn möglich Städteordnung und LandtzeMeindeordnung endgültig zu verabschieden. Für die 4 Sitzungstage dieser Woche sieht da- Programm so aus: Am Mittwoch werden die Ueberschwemmungen und sonstigen Natur- kätastrophen besvrochen, zu denen fast zwei Dutzend Hilfsanträge vorliegen. Am Donnerstag sind eine Reihe wichtiger Abstimmungen über die während des Sommers erlassenen Notverordnungen, ins- besondere den preußischen Flaggenerlaß und das Elek- trizitätsgesetz, und der Freitag ist für die Besoldungsordnung vor- gesehen. fimneftieüebatte. In der gestrigen Sitzung des Landtags gab es zunächst eine von Wh Kommunisten heraufbeschworene Debatte über die Amnestie. Präsident Bartels machte bei der Eröffimng Mitteilung von dem Glückwunsch, den er für das Präsidium des Preußischen Landtages zum 89. Geburtstag des Reichspräsidenten ausgesprochen hat.(Bravo rechts!) Er widmete dann dcm während der Sommer- pause verstorbenen deutschnationalen Abgeordneten Dr. Ouaet-Faßlem einen Nachruf. Zur Geschäftsordnung beantragte Abg. Pieck(Kam.), als ersten Gegenstand der Tagesordnung einen kommunistischen Amnestieantrag zu beraten. Da dem Antrag nickst widersprochen wurde, trat das Haus in seine Beratung ein.- Abg. Obuch(Komm): Das ganze Bolt hat zum 89. Geburtstag des Reichspräsidenten eine allgemeine'Amnestie erwartet. Aber die Hoffnung ist in bittere Enttäuschung umgeschlagen. Wir ver- langen die Freilosiung der politischen Gefangenen, insbesondere auch von Max Hölz, dessen Begnadigung schon vor mehr als Jahresfrist der sozialdemokratische Heilmann für geboten erklärt Hat. I u st i z m i n i st e r Dr. Schmidt: Der Fall Hölz, ebenso wie die anderen vom Abg. Obuch vorgetragenen �älle sind Reichs- anoelegenheit. Bei uns in Preußen wird durch meine all- gemeine Verfügung Begnadigung in so großem Umfang eintreten, daß jedes denkbar« Ä m n est i e g e s etz dadurch über- troffen wird. Nach unwesentlicher weiterer Debatte wird der Amnestieantrag dcm Rechtsausschuß überwiesen. Ebenfalls an den Rechts- ausschuß überwiesen wird der Gesetzentwurf, der im Disziplinar- verfahren gegen Richter die Oesfentllchkeit der Verhandlungen her. stellen will.— Es folgt die Beratung der Geschöflsberichle der flaaklichen Lergwerksaktiengesellschastdn Recklinghaujen und hibernla für das Jahr 1S26. Abg. Otter(Soz.): Der Abschluß der beiden staatlichen Berg- weiksgesellschaften ist durchaus günstig. Es ergibt sich daraus mit zwingender Notwendigkeit, daß es auch dem übrigen Ruhr. verg'b'aü ausgezeichnet gsthen'muß. Lebhafte Beun- nftigung hat unter der Bergarbeiterschaft hervorgerufen, daß Hlvernka trotz des günstigen Absatzes wieder mit Arb elterent- lassungen beginnen will. Unzureichend ist die Versorgung der Bergarbeiter mit Lebensmitteln. Denken die staatlichen Bergwerls- gefellfchaften daran, den Bergarbeitern den Ankauf eines Winter- Vorrates von Kartoffeln zu ermöglichen? Der günstige Geschäfts« abfchluß würde Hibernia und Recklinqhausen erlauben, einmal etwas Durchgreifendes zur Auffüllung der Arbeiterunter- stützungskaffen zu tun. Bei einer ausreichenden Dividend« waren die Abschreibungen im Jahre 1926 besonders hoch. Die Lage des Ruhrbergboues sollte e» den Unternehmern leicht machen, der (Forderung der Bergarbeiter nach Besserung der LohnverhSilnisse entgegen zukommen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. v. waldthausen(Dnat.): Die knapp« Verzinsung des im Bergbau arbeitenden Kapital- mit höchstens? Proz. Dividende im Jahre 1926 war nur möglich infolge des englischen Bergarbeiter» streikes. Jetzt hat sich die Geschäftslage schon wieder erheblich ver- ichlechtert und die Ueberwälzung weiterer Lasten auf den Bergbau ist ganz unmöglich.— Nach weiterer Debatte werden die Geschäfts- berichte durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt. Der Einspruch des deutfchnationalen Abgeordneten Wiede- mann(Spandau) gegen den Ordnungsruf, den ihm Präsident Bartels m der letzten Vorferiensitzung am 1. Juli erteilt hat, wird gegen die Stimmen der Rechtsparteien zurückgewiesen. Nach Erledigung zahlreicher Berichte des Rechnungsausschusies und des Ausschusses für Verkehrsinteresien vertagt sich das Haus auf Mittwoch. 12 Uhr mit der Tagesordnung: Wetterkotastrophen und Ueberschwemmungen.__ die belgistbe tzeeresüienstzeit. Vanderveldcs Feldzug für Berkürzung. Brüssel. 11. Oktober.(Eigenbericht.) Außenminister Bandervelde hiell in Marchienne-au- Pont wieder eine Rede, mit der er einen weiteren Schritt zur Klärung der innerpolitischen Lage getan hat. Seine vorige Rede war allgemein als Ankündigung einer bevorstehenden politischen Krise aufgefaßt worden. Heute hat er, ohne den Gegensatz zu den anderen Parteien weiter zuzuspitzen, den Standpunkt der sozialisti- schen Partei zum Militärproblem in deutlichster Weise gekennzeichnet. Er führte u. a. aus:„Der Kriegsminister de Brocqueville hat über die Mangelhaftigkeit der Cadres und der Befestigungen geklagt, aber die Arbeiter, namentlich die Jugendlichen, fordern mit wachsen- dem Ungestüm die sechsmonatig« Dienstzeit. Jetzt, wo die Mafie der deutschen Arbeiter keinen Militärdienst mehr zu leisten braucht und für die Produtt ion frei ist, erscheint die Verkürzung der Dienstzeit in Belgien doppelt geboten; außerdem ist sie ein Schritt auf dem Wege zur A b r ü st u n g und ein Teil des Kampfes für den Frieden. Zuzugeben ist, daß die Verkürzung der Dienstzeit eine gleichzeitige Reorganisierung des Der- teidigungsfyftems erfordert, besonders der Cadres und der Befestigungen. Die Frage ist, ob die Parteien sich über eine ent- sprechende Form werden einigen können. Das wird sehr schwer sein, denn bisher bestehen darüber tiefe Meinungsverschiedenheiten. Die Regierung wird sicki demnächst mit der Frage befassen müssen. Sie wird dann feststellen können, oh eine Einigung möglich ist oder nicht. Die Parteien werden ihre Verantwortung auf sich zu nehmen haben. Wir Sozialisten haben das erforderlich« Vertrauen, was auch kommen mag. Es gibt Reformen, die man nicht«ndlos ver- zögern kann."»_ Fünf englische liberale Parlamentarier. Sir Edward Augustine St. Aubin Harney, Aethon, Linsied, Wigqins und Garro- Jones, sind in Berlin, wo sie industrielle und kommunal« Ein» richtungem besichtigen, eingetroffen. Im festlich geschmückten Saal des Reichsarbeitsministeriums begann gestern nachmittag die öffentliche Tagung des Berwaltungs» rats des Internationalen Arbeitsamts. Im Namen der Reichs- regierung begrüßte der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns den Verwaltungsrat und teilte diesem dabei mit, daß Deutschland onläß-- lich dieser Tagung eine Ratifizierung vorgenommen habe und zwar die Ratifizierung des Abkommens von Washington— über die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Ms der Reich-arbeitsminister„die Ratifizierung des Abkommens von Washington" sagte, horchten die Delegierten überrascht auf, in der Meinung, es handelt sich um das Abkommen über den Acht- st u n d e n t a g... Weiter teilte der Reichsarbeitsminister mit, daß die Reichs- regierung vor einigen Tagen dem Reichsrat eine Vorlag« über- mittelt habe zur Ratifizierung der Abkommen, die in diesem Jahre von der Arbeitskonferenz, betreffend die Krankendersichs- rung der gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeiter, ange- nommen wurde. Schließlich sprach der Reichsarbeitsininister noch von dem neuen Arbeitsschutzgesetz, das aber immer noch .in Vorbereitung" ist. Dieses Arbeitsschutzgesetz sei so ausgearbeitet, daß mit seiner Verabschiedung ein« Reihe wichtiger internationaler Abkommen ratifiziert werden könne. Ganz besonders gelte dies von der Kernfrage, dem Arbeitszeitabtommen. Das Ar- beitszeitnotgefetz habe hier schon vorgearbeitet. In seiner Rede wies der Reichsarbeitsminister besonders auf die S o z i o l v e r s i ch«- rung hin und betonte, daß Deutschland bemüht sei, die sozial- politische Gesetzgebung auch auf anderen Gebieten der Arbeitsmarkt. Politik, des Wohnungs- und Siedlungswesens usw. vorwärts zu treiben. Herr Brauns hob rühmend hervor, daß dieses Werk.in den letzten drei bis vier Jahren" geschaffen worden sei. Daß es vor allem das Wert der Doltsbeauftragten sit, die hier bahn- brechend gewirkt haben, scheint der Reichsarbeitsministcr vergessen zu haben. Der PräsiWnt des Verwaltungsrats, Fontaine, und der Direktor des Internationalen Arbettsamts, Albert Thomas, konnten natürlich nichts anderes tun, als in freundlichen und höflichen Worten für diese praktisch etwas magere Begrüßung zu danken. Als noch der Wiederwahl des Bureaus des Verwaltungs- rats, das sich aus'Herrn Fontaine als Präsidenten und dem Unternehmervertreter C a r l i« r und dem Arbeitervertreter Ge- nosien Oudegeest als Vizepräsidenten zusammensetzte, der Be- richt des Direktors zur Diskussion kam, schnitt I o u h a u x die Frage an, die auf allen Lippen schwebt«„Wie steht es mit der Ratifizierung des Abkommens ü h e r den Acht stunden- tag durch Deutschland?" 2lls deutscher Regierungsvertreter antwortete ihm Ministerial- direktor Sitzler, der die bekannte Darstellung von der Aus- arbeitung des Arbeitsschutzgesetzes wiederHolle und mll der Hoff- nung schloß, daß nach Verabschiedung dieses Gesetzes die Rott- fizierung des Abkommenz„b a l d" erfolgen werde. Her? Sitzler Stimmenthaltuag in Litauen. Zur Braudmarkung des Schwindelplebiszicks. Komas. 10» Oktober. Der vorstand der Sozialdemokratischea Partei Litauen» fordert In einem Ausruf zur Stimmenthaltung beim Referendum über die versassungsänderuug auf. Da der klerikale Block einen ähnlichen Aufruf erlassen hat. so werde« vermutlich all« Oppo- sitionsparleien das Referendum boykottieren. Die sozialistischen Parteien von Lettland und Finnland— zwei Länder, mit denen Litauen außenpolitisch gern zusammenarbeiten will und in denen die Sozialisten mllregiereu— haben in Entschließungen die Poliiik der litauischen Putschregierung verurteilt. Auch die West möchte dürften nach den Unterredungen des polnischen Außenminister» in Pari» einen diplomatischen Schritt in Sowno unternehmen. England scheint allerdings auch In Warschau beruhigend eingewirkt zu haben. Mildere Minüerheitenpolitik. Polen stellt die Vergeltung gegen Litauen ein. Warschau, 11. Oktober.(Eigenbericht.) Die Regierung hat einen neuen Schritt zur Verständi- gung mit Litauen getan. Der größte Teil der verhafteten Litauer wurde auf direkte Weisung PUsudskis freigelassen, darunter sämtliche verhafteten Priester. Auch die noch in Haft zurückgebliebenen Lehrer sollen spätestens Mittwoch besrett werden, da der Vorsitzende des litauischen Kulturverbandes im Wllnagebiet eine Loyalitätsertlärung abgegeben hat. Die Kownoer Regierung hat ungeachtet dieser Maßnahmen durch ihren Kultusminister am Dienstag erklären lassen, daß sie die Maß- nahmen gegen die polnischen Minderheitsschulen aufrecht zu er- halten gedenkt. Eine bemerkenswerte Milderung ist gegenüber den U k r a i- n e r n erfolgt, deren Sprache als Pflichtfach an den polnischen höheren Schulen in dem ukrainisch besiedelten Südostgebiet ein- geführt wurde. Die» ist ein« verdienstliche Tat des Unterrichts- Ministers Dobruzki und des Leiters der Ostabteilung im Außen- Ministerium, H o l u f k o. Bedauerlich ist, das Holusto aus alter Freundschaft mll Pilsudski die Polnische Sozialistische Partei ver- lasieh hat, nachdem sie Moraczewski ausgeschlossen hatte. Im übrigen jedoch wird die kaum noch konstitutionell scheinende Offizierherrschast in Polen aufs neue durch das Lemberger Militärgericht bewiesen. Dieses hatte über den Hauptmann Won- s o w i e c z zu urteilen, der den Redakteur des Oppositionsblattes .Slowo Palstje" überfallen und derart mißhandelt hatte, daß der Redakteur ins Kronkenhaus gebracht werden mußte. Der Hauptmann wurde zu 39 Zloty(etwa 13 Mk.) Geldstrafe„ver- urteill"....... Keine besserung in Gftoberjchlefien. Rybuik, 11. Okwber. Die Wojenjodschost hat die beiden in Rybnik zu unbesoldeten Stadträten gewählten Deutschen nicht bestätigt. Das neugewählte irisch« Parlament hat als Präsidenten (Sprecher) einstimmig Dr. Hayes wiedergewähll und einen An- trag De Valero, dem Sprecher statt 34 999„nur" 17 999 M. zu zahlen, abgelehnt. Die Wiederwahl Cosgraves zum Premier- minister ist beantragt, die Arbeiterpartei wird gegen ihn stimmen. hat vor Jahren schon bestimmter die Ratifizierung des Abkommens von Washington in Aussicht gestellt. Es war eine allgemeine Enttäuschung. Dieses Gefühl hatte offenbar auch der Reichsorbeitsminister, der sich zu Jouhaux begab und die Erklärungen seines Ministerial- direktors persönlich ergänzte. Zum Schluß gab es noch eine ziemlich lange und lebhafte Aus- einondersetzung über die Festsetzung des Datums der nächstjährigen internationalen Arbeitskonferenz. Der englische Regierungsoertreter schlug vor, statt im M a i die Konferenz im Oktober nach der Tagung des Völkerbundes abzuhalten. Dem wurde entgegengehalten, daß mit einer solchen Verlegung die Bedeutung der Internationalen Arbeitskonferenz herab- gedrückt und das öffentiche Interesse von der � Frage der internationalen Sozialpolitik abgelenkt- werden würde. Obwohl in der Debatte nur das technisch« Für und Wider der Dotumsverlegung erörtert wurde, hatte man den Eindruck, als sei es die Absicht der englischen Regierung, durch diese Verlegung zu erreichen, daß man möglichst wenig von der internationalen Sozialpolitik spreche. Die Beschlußfassung wurde auf die heuttge Sitzung vertagt. ver Serlcht ües virektors. Aus dem umfangreichen Bericht des Direktors des Jnternatio. nalen Arbeitsamtes, den Albert Thomas mündlich ergänzte, ist M. 3. Die Arbeiter der Firmen Dulberg und Mandel bäum erhallen eine Lohnzulag« von 5 Pf. ab 3. Oktober und eine weller« Lohnzulage von 3 Pf. ab 1. Dezember. Bei den Akkordarbeitern wird diese neue Lohnzulage prozentual auf den Durchschnillsverdienst für den Monat August umgerechnet. Die Schmutzkonkurrenz soll beschützt werüeu. Der Graphische Hilssarbelleroerband und der Deutsch« Buch- druckerverband hoben vor kurzem die Allgemeinvcrbind- l i ch k e i t des neuen Tarifs für die Buchdruckereihilfs- arbeiter beantragt. Gegen die beantragte Ausdehnung des Tarifvertrags auf die Außenseiter hoben der Arbcllgeberverband der papierverarbeitenden Industriellen sowie der Derband deutscher Buch- druckereibesitzer Einspruch erhoben. Also dir beiden großen Umeenehmerverbände im Buchbinder- aewerb«, dl« mll den Arbeit erv seit Iahren im Tarifvcrhältnis stehen und in Gemeinschaft mit den Arbeiterorganisationen die All- ?emeinverbindl>chk«ll herbeizuführen suchten, um die Außenseller eine SchmutzkonkurrrenzaufGrundbilligerLöhne treiben zu lasten, erheben Einspruch dagegen, daß der Buchdruckerei- hllksarbellertarif auf die Außenseiter im DÄHisruckergewerbe aus- gedehnt wird. Die Begündung. die die Unternehmer für ihre Hallung geben, ist so sadenscheinig, daß es nicht lohnt, fich mll ihr auseinander zu setzen. Das Ganze wird um fo unverstönd- licher, wenn man sich vergegenwärtigt, daß auch der Verband Deut- scher Buchbindereibefltzer sich an der gleichen Aktion beteiljate. Aus diesen Vorgängen kann man erkennen, mll welchem Mißbehag«« das Unternehmertum die Entwicklung der Tarife beobachtet.� Grund genug für die Arbeiterschaft, sich für die kommenden Kämpfe zu rüsten._ Serufliche öilöungsarbeit öer flngeftelltea. Die kaufmännischen und Bureauangestelllen sind im gleichen Maße wie bestimmte Arbellerberuse von der organisatorischen Um- stellung der Betriebe und der damll verbundenen Wandlung ihrer Verusstäligkell berührt. Finden doch die Grundsätze der wisten- schaftlichen Betriebslehre im kausmänmichen und Bureaubetrieb in steigendem Maße Anwenduns. Auch führt die Benutzung moderner Maschinen und Geräte zur tellweisen Ausschallung der Hondarbell und fordert ständiges Umlernen und Anpassung an neue Arbeits- Methoden und HUfsmittel. Es liegt im wohlverstandenen Intereste der Angestellten, gleich- zeitig mll der materiellen Anerkennung auch die ideelle Geltung ihrer Berufstätigkeit zu erkämpfen.. Der Zentralverband der Angestellten gibt seinen Wllgliedern Gelegenheit, in „Berufskundlichen Arbeitsgemeiuschasten", vo/ denen einige als Sonderkurse der Berliner Gewerkschaftsschule oe» anstaltet smd, den Anforderungen ihrer Berussarbell Rechnung istragen, neue Lerufskenntniste zu gewinnen und vorhandene cujzti* frischen._. Der vom ZdA. veröffentlichte Arbeitsplan enthält neben Kurien. die elementare Kenntnisse oennill-ln, wie z. B. Reichskurz! chnst. Kaufmännisches Deutsch, Plokatschrist, drei englische Sprachkurse, die jeweils für Teilnehmer mll verschiedenen Vorkenntnissen vorgesehen sind. Den besonderen Berufsinteressen der Angestellten aus der Bekleidungsindustrie trägt die Arbellsgemeinschaft„K o n f e k- tionszeichnen" Rechnung. Auf dem Gebiet der Buch- f ü h r u n g findet eine gründliche Besprechung und Durcharbeitung aller Systeme statt, unter besonderer Berücksichtigung der Buchhal- tungsmaschinen und Durchschreibemethvden. Besondere Erwähnung verdienen die Arbeitsgemeinschaften„Bilanzlunde",.Steuerrecht", .Wirtschaftsrcchl" und.Bureauorganifalion". Arbeitspläne find im Ortsbureau des ZdA.«rhältlrch. Die Kurs« beginnen in der drillen Oktoberwoche. Daß der praktische, auf den Erfolg gerichtete Geist der Ange- stellten« auch bei der Ausgestaltung dieses Arbellsplanes mitgewirkt hat. ergibt auch die Auswahl der Lehrkräfte. Es heißt im Arbeits- plan:..Für die Auswahl der Leller war in gleichem Maße die kaufmännisch« Praxis Hz. B. als Steuersachverständiger, Betriebs- Organisator, Geschäftsleiters inaßgebend, wie die in städtischen und privaten Handelsschulen gesammelt« Unterrichtserfahrung." Weiter heißt es:, „Die in diesem Plan angekündigten beruss? kundlichenArbeitsgemein schalten sollen die Mit» olieder des ZdA. in ihrem Berufs st reden unter, stützen und ihnen helfen, sich im beruflichen Wett» bewerb zu behaupten. Mag der Besuch dieser Ar- beitsgemeinschaften beitragen zur Erhöhung der Berufsfähigkeit, zur Stärkung des sozialen itje rts der Ange st eilten." Deutscher Holzorbeileroerband. VertmuenzmännervoriammluitA der Betrieb«, welche dem Monteltarifoertrag für die Holzindustrie unterstehen, am Donnerswg, dem 13. Oktober, 19 Uhr, in den An« dreos-Solen, Andreasstrahe 21. Sascnftgtam de, tzMC. Stute, Sittuuäi, ISU Uhr, finde» fetzende«er. enftaUiiitgrn ftatt: vsir»: Jugendhelm in See Echnle SüUiurc Str.. 18. Bor» trag:„Siloiiu und Attahot" fSAlcickitc).— äloitäHa: Julieadhetm»agot- ftrofie 38. Soriraz mll ZIezllatienen ühet„tzrltz Steulcr* lRechow».— Sirrd. «Mi! Jugendheim im Realgnmnesium Schlcewiger User lt. Ziertraa:„ätoahitet dhronil"(Willi Stria in).— Wedoisg-Eesnndbrunoen: Jugendheim Schon- Iiedistr. 1. Auesprad'rcecnd:.»rireexleiuiiile.'— Spandau: Jugendheim Lindeituftr 1. Pattroa:.Saz S!eich,schu!zesetz." Freititaii»ingend Kroß-Beeii». Heute, Mittwoch, liftj Uhr, tagen ie Gruppen: Zientiilln: Grupvenheim Jugendheim Bergftt. 29, Hof.?,s» ussioneadend:„Warum Gemeinschaft?"— Südniesleu: Grupnenhe:m Etiidt. Unsere Mädels zeigen, mas sie .If m>- l•veui«'. C(Zr. tzze IL. U/U.S sie- röcnen.— Moabit: Zugendheim Sehetrr 6a. 18—1».«ortrag:.Zieichsschut» gesegentwurs."— Rordrtng: Grupvenheim Jugendheim Ghcr-walder Str. 10. Sloetcon;„Da,?erufrauÄ>!ldunas<>eseh.�— Banmschulenweq: Jugendheim Zaumsehiilenweg, Srnsiftr. l«. Sir degrllhen die>5chulenllalie»en.— Weiheusee: Jugendheim Parisir. gustiinde in Weißenseer Betrieben.— Jenirnin: Jugendheim Jehdenittrr Str. 24— 23.?en kommenden zum Grub.— gharlattrndurg: Jugendheim Dtich. Kranlenlaffenhaus. Berliner Etr. 18?. Berirag: Ergebnisse der Pariser JSB.-Tagunq.'— llebungtabeud der Nrei,mufiladte>lung im Jugendheim(Schule! Riedersch'öneweide. Berliner Strohe ZU.— Äutturabtaituag de, DML.: 19 Uhr. Pragramm: Ekifahrt in» Gllltk.— Pressen van Nichtmetallen.— Fix und Fax fahren verlehrt. Bei. trag t» Pf. Berantwartlich filr Palllid: Dr. Gurt Geyer; Wirtschast:». ttlingeldiiserx Gewerkschastsbeweguna: Fr.»fttor»! Ftuilletan Dr. Zahn Schiiaw»li: Lokales: und Sonstiges: Fritz itargadt: Anzeige»: Th. Glalle: sämtlich in Berlin Verlag: VarwSrt».BerIag Smd H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsansial« Paul Singer u Sa Berlin SB 88. Lindensirahr 8. vice,» 9 Beilaaea und..Unterdaltnna»ad Bifien" Blut- auffrischend, reinigt die Orgsne Faehlnjer Terstnastslle, Berlin SW II Schöaeberger Sir. 16 a. Tel. LQizov 8260-61 Hntsfidiende Mädctofeleier In gaai hervorragend guten QuaUlÄteru w jSSf relreoder VerarbeUung, mit Knopfletiten und Blenden- Gar nierang, In vielen Farben und» ab GröSc 50 nuv• Jede weitere Grabe 0.-50 Mark mehr Blendend tchOne aus reinwollenem, welchen, warmen Flansch. 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Besonders berücksschtial wurden dir Speisewagen, und Schlafwagenkurse. Der Berliner volkschor veranstaltet auch in diesem Winter wieder seine üblichen Noten- und Fortbildungskurse, an denen auch Gäste in beschränkter Zahl teilnehmen können. Der Elementarkursus der Notenlehr« und des Singen» nach Roten steht unter Leitung des Dirigenten Dr. Zander und findet jeden zweiten und vierten Menstag von 8 bis 10 Uhr abend» statt: den Kursus für Fortgeschrittene(Stimmbildung und Bomblattsingen) leitet Dr. 2Usr«d Guttmann jeden ersten und dritten Dienstag im Monat. Diese Kurse finden In den Klassenräumen des Andreas-Realgqmno- simns, Koppenstratze 76 beim Schlessschen Bahnhof, statt. In der Aula dieser Schule findet am Sonnabend, dem 22 Oktober, 20 Uhr, ein Vortrag von Prof. Siegsried Och» über die Johannis- passion von I. S. Bach statt, zu dem auch Gäste Zutritt haben. Neueintritt von singenden Mitgliedern(auch ohne Notenkenntnisse) in den Chor jeden Freitag in der allgemeinen Chorprobe von 8 bis 10 Uhr abends. Kabarett der Somit«. Diese Parodie-ErzeugimgSfabrik an gros, die Jedwede Entgleilunz gewissenbaft bucht und. mit dem nüttaen Humor vereben, dem Publikum ierviert, bat sich dietmat die pUzartiq wuchernde rbeiniich« Schundfllmliteralur oorgetnöpst Da« ewig wiederlebrende IUI« Heldelberg-Milieu mit feudalem Studio, WlrtStöchterlein. Papa Sudiker und was lonil noch zu diesem bden Dlngiana erforderlich llt. wurde durch die parodlllilche Maschln« aedrebt. Da« Thema it» natürlich zu sser- pflückunqSzwccken wl« geichatfen, wurde aber troh eifrigftev Bemühen« der Darstellenden nicht genügend ausgelchlachlet. Ilse Reis. Max Hansen und Bau! Morgan— drei toisicher« Zielaäng«— konnten im Rennen um«inen toten Punlt den etwa» anämischen Figuren nicht genügende L«be»»lrast«inbauchen. Vorder gab eS vorzügliche EinzeUeistungen, da ja jeder Künstl-r sein IpezlelleS.DerävpelungSressort" bescht. HanS R e l- mann, diesmal nicht im sächfllchen Idiom, brachte Melodramatisches mit Arammophonuntermaluna. In der altobol-umdufteten Lyrik„Prei! Rah' erinnert er stark an seine» Kollegen Joachim Rtngelnay. Das menschgewordene Nervenbündelchen Blandin« E b t n g e r entzückte wieder durch prachtvoll PeriönItcheS au« der Träqtt der Gosse. Willi Rosen. der unerreichte«ilbenvoltigcur und Eyntopenb-zwiiiz-r«, brillierte In neuem, sehr witzigem Reperloire. DaS ganze- Saliripiet kredenzt Paul illttolauS mit launigen Worten. Kammerlänger Fleischer von bar StaalSoper, Paul S ch e l d o n, ein lehr geschickter H-iluSpoluSmann und die hübsche, tanzende Edith Meinhard seien nicht vergessen. 3m Thealer am SoNbusser Tor bringen die Elitesängcr in ibrem Olloberspiclplan alS Sinleitima ein luftiges Potpourri von Bernhard Eros, von den Herren Gustav Rieft, HanS Naumann, Erich Mattini und Eugen Becker meisterbast und mit gutem Humor gelungen. AlS Darsteller schöner Frauen erzielt Han» Ren« groften Seisall. In seinem Lieoe.Ich denl' dabei an dich' oefiel Gustav Rieft. Groften Seisoll fanden Hans Rcnä und Max Hennings Duette am Flügel, ebenso Schorsch Ruselli als sächsische Typ«.«I» GroteSktomIker erzielle Alfon» Bornemann in seinem Snsemdleschlaqer„Pantlnentlub-Schieber- tosenden Beifall. Zum Schlug kamen zwei lusllfle Einakter,«tn Schwank„Der Paletot", von Legow, und -in PollSitÜck,.Die zweit« grau", von Giegfrled Staab. zur Aussührung. Beide Stücke wurde» flott und mit echtem Berliner Humor«eiptett. Das Publikum bewies durch langanbattendcn Brisall, daft ihm die Stück« ge. iirien. Auch dem Blülbgen-Orchestcr, welches unter der Leitung de» Muftt- dlrektorS Hermann Blüthgen steht, gebührt volle ll««>ckennung. AasSiigeekarse in Englisch, ZranzSfisch, Spanisch und Rnsflsch. Mitle Ottober beginnen neu« Anjängerturie iribcnduntcrrichti in den obtaen Sprachen für Gcnoisinncn und Genassen ohne jegliche Vorkenntnisse. Teilnehmer mit guten Vorkennlnisse» können jederzeit enlsmechcnden Mittel- bzw. Oberlursen beitreten. Für das kommende Winterhaibjabr sind Sprachlurse in solgende» Stadtteilen vorgesehen: Lichtenberg, Neukölln, Weiftentec, Schireberg, WiimerSdorj. Tbarlottenburg, Moabit sowie im Innern der Stadt. Anmeldungen zu allen Kursen diS zum 15. Oktober lichrlsilich oder persönlich) beim Genossen H. Fuchs, Berlin W. 57, Zieten- strafte 6 a I(nabe Nollendorsplatz). Sprachenschiü« der Arbeiter und An- gestellten Droft-BertinS. vi« houplilelle für vflonzenschnh der Landwirtschastatammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin(Dtreltor Pros. Dr. LudwigS) Der- anflaltet, lote tn lrüheren Jabren, auch tn dielem Winter wieder Kurse über SchädllngSbekämpsung tm Obst-, Gemüse- und Blumen- garten. Der erst« iiursu« findet an den vler Sonnabende» im November. den 5.. iZ.. tS und LS. statt. Die Vorträge, dt« nachmittag« von 5 biS 7 Ubr im Sitzungssaal der Biologischen Reichsanstalt, Berlin- Dahlem. Königin-Luiie-Str. 19. geholten werden, werden durch Demon- flrationen und Lichtbilder erläutert. Borherige Anmclditirg ist ersorderlich und an dl« Hauvtstelle für Pflanzenschutz tn Bcrtin-Dghlem, Köntgin- Luise-Str. 19 �Fernsprecher: G 6 Vrcitenbgch 833) zu richten. Teil- nehmertarte 2 M.__ Wieder eine Kanalschwimmerin. Gertrud Ederles Rekord gebrochen. London. 11. Oktober. Miß Mona Mc. Lennan, die gestern in aller Still« um 7.40 Uhr abend» von Kap Grinez zu einem neuen Versuch, teil Kanal zu durchschwimmen, startete, ist heut« vormittag um 9.60 Uhr an der Küste von Folkesion, gelandet. Su hat damit d«n Kanal in 18 Stund«» und 10 Minuten durchschwömmen. Die Zeil ihrer Kanaldurchquerung Ist um 89 Minuten besser als diesenige von Miß Eberl« und bedeutet«inen neuen Rekord für Frauen. Der wirklich« Rame von Miß Mona Mc. Lennan ist Miß Dr. Loga». Sie übt«in« ärztlich« Praxi» in einem der besten Londoner Dieitel au» und hat bereit» mehrfach«inen Versuch unternommen, den Kanal zu durchschwimmen. Im letzten Jahr war st« einmal mehr ol» t4 Stunden im Wasser und nur noch funfhuntert Meter von der Küste entfernt. Der gestrig« Start erfolgte in asser Stille, und selbst die Mutter der Schwimmerin wurde erst nach der glücklichen Landung verständig,._ w-tterberichl der öffentlichen Wetterdienststelle verlin und Umgegend sRachdr.»erb.) Wattig dt« beller und tagsüber etwa« lübier. leichte nörd- »che Wind«.— Ztir venltchlan»: Im Dfun Regen, in Rorddeuischiand wolttg di« heiter, im Süden völlig hiiter, strichweise Bodenfrbste e£a • Oo ideale ZCtlt Abführ-Konfekl flr. 4S2 ♦ 44. Fahrgaag 2. Heilage öes Vorwärts Mittwoch. 12. Oktober 1927 Aua der Partei. Berichtigung. In der Notiz über die Haltung der schweizerischen Sozialdemokratie zur Kommunistischen Partei muh die dort gebrachte Abkürzung natürlich SPS.» aber nicht SPD. heihen. Groß-Berliner parteinachrichten. Alle für diese Rubrik bestimmten Einsendungen sind nicht an die Redaktion des„vorwärts" zu richten, sondern an den Bezirks- verband Grosi-Berlin. Bureau Fischer, SEI. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, links 2 Treppen. voranzeioe. Die vom Bezirksvorstand beschlossene össentliche Kundgebung C"zen die Schulpolitik des Lürgerblocks sindct am Mittwoch, 19. Oktober. 19� Uhr im Lehrervereinshoms. Alexanderstr. 41 uit.— Die XBencflen werden ersucht, schon jetzt für den Besuch der Aeranstakwng rege Propaganda zu entfalten. I.«rei» Mitt».««ic1tkru>»ils»hrt! 1«. Oltober, 19V4 Uhr, im 9c. jirfäamt, ftraftcrftr. 68, Sitzungss-al, Echulu»g»kursu». Thema:„Auf. gaben und Ahfbou der WohllahrtsSmter: Zusammenarbeit ehrenamtlicher und besoldeter«ras.!,." Stcserentiu Genossin Tr. Hellinoer. Ilrei» Sharlottendurg, Zeiwngalommissiou: Freitag, 14. Okiober, IZZä Uhr, im Jugendheim Tosiaenstr. J, Sitzung. Sämtliche Nommissionsmitglieder niilsscn anwesend sein. . Krei» Schoneber» Tie?ortrag»reih» des Genossen Marquardt beginnt Montag, 17. Oktpbee, 20 Uhr, bei Will, Marti n-Luther-Str.«g. Hand- zettel werden der Sonnabend. Abendauagabe beigelegt. Wir bitten die Zahlabendleiter, ans den Bortrogzobend hinzuweisen. Thema:.Die Pro. gramme der sozialUtischen Parteien." -'-"os. Du~" _______________.e Pezirkoführer werden gebeten, in den Zahl- abcnden eindringlich' aus den am Freitag, 14. Ottober, 20 Uhr, im Fest. saal« M--------------------- 1" musik- Preutzncr._______,...„ tritt 50 Pf. Arbeitslose Genossen fc»t. Treptow. Sonntag, 16. Oktober, Besichtigung des Berkchrsmuseums, Knvalidenltr. 50—51. Treffpunkt pünktlich ll Uhr.� Eintritt 20 Pf. pro 12. Kreis Tempelbos. 15. 02. Probleme" in Niederschäneweide, Schule Hossolwerder Straße,»orgcvuhr 2 M.. liaihlbar in zwei Paten. Wir erwarten reg« Beteiligung. Sympathi- sierende, von SenosskN eingeführt, können teilnehmen. hMte. Mittwoch. 12. Oktober. Abt. im Uhr MStgiiederversammlung in den Moaditer Fesisälen, Kirch. straft« 12. Bortrag de» Genossen Heymann über»Der Streit um die Abt. �?»Ähr Zahlabend In solgendeu Lokalen: Bezirke»3— SS bei Pohsl, Ctargarder, Eike Lnchener Strafte; Bez. 26—97 bei Schröter, Pappclallee 24; Bez. 100 Poppelaller»1: Bez. 101—102 bei Hofsmann, Lvchener Str. 8; Bez. 117—122 Kuglersir. 2; Bez. 124—127 Kanzowstr. 1». Wichtige Tage». Ät'. ha rlottenbnrg. 2. Gruppe: Zahlabend bei Ioskowütck, Holtzendorff. strafte 2V. Bortrag des Genossen S-igewass-r...... Abt. Grunewald. 20 Uhr Bahnhassresiaurant Grunewald Zahlabend. Bezirksfitdrer rechnen von der Bannerweihe ob.__„_ t Abt Schöneberg. 2V Uhr Zahlabend. 1. Bez. bei M:lde, Rollendorfstr. 16. 2. Bez bei Jürgens, Barbarossastr. Sa. Referent Genosse Löwenthal: .Sozialistisch« Bewegung in den Hochschulen." 2. Bez. bei Zeugner, Grunewalbstr. 26. Referent Genosse Dr. Mierendorf:„Parl-mcntar:smus und Wahlrechtsreform." 4. Bez. bei Will, Martin.Luthcr.Str. 6g. Refe. rent Genosse Bothur:.Arbeiterschaft und industriell-«onzentrations- Bewegung." Abt. Rc-köll». s-hlabcnde pünktlich 20 Uhr. Bez. 14. 2», SO bei Sanier, Harzer Str. 88. Bortra« des Genossen Deigelt:„Konkordat oder Reichs- schulgesetz." Bez. 27/22, 28,22 bei Ewald, Elbe-, Eck- Weserstraß«. Bor. 1 de» Genossen Fechner über.Kommunalpolitische Gegenwartsfragen. Bez. 21, 44, 45, SS bei Wolfs, Kaiser-Friedrich-, Ecke� Rose trag des Senoss Bez. 21, 44, 45, aa oe>»otm«aurr-arieorill»», aar mai-ggr-.>W>> trag des Genossen Schritte über»Was ist ein Konkordat? Bez. 46, 47, 59, 72 und 72 bei Kanserfky, Richardstr. 108. Bortrag und Redner w«rden 114. 12». Abt. auf den: Zahlabend bekanntgegeben. Auf allen Zahlabenden außerdem sehr wichtige Mitteilüuge::, weshalb �"""" und Genossen erforderlich ist. restloses Erscheinen aller Gcnosssnncn Abt. Lichtenberg. Wi Uhr Zahlabend. 1. und 3. Gruppe bei Millmg, Riederbornimstr. 3. Referentin Genossin Klapper. 2. Gruppe be: Schwarzer, Gabriel. Man-Str. 17. Rsferent Genosse Seligmann. 4, Gruppe bei Scheerbaum. Krossener, Ecke Eeumestrafte, Referent Genosse Michlenz. Abt. Tegel. Mitgliederversammlung bei Otto Schade. Berliner Str. 17, Ecke Beithstrafte. Vortrag:.Unsere nächsten Aufgaden." R«f«r»nt Senoss« �140? Wittenau. Lokal Schul, am Bahnhof. Bortrog:.Politische Streif. lichter." Referent Paul Iudrian._ Sterbetafel der Groß-öerliner partei-Grganifation 1. Abt. Unser, langiährige Genossin L u> s e S ch n e i d e r. Garten. s'rafte 22. ist nach langem Leiben verstorben. Einäscherung Donnerstag, >2. Oktober. 17's, Uhr. Keri-blftrafte. Rege Betelligung erwünscht. 22 Abt. Der Senoss- Otto Lindner. Hohcnlohestr. 7. ist plötzlich ueestorben. Di. Einäscherung findet am Donnerstag. 12 Oktober, 13Zb Uhr. in: Krematorium Baumfchulcnweg statt. Rege Beteiligung erwartet der " lU Abt. Genosse Otto Schmidt, Bergmannftr. 111, ist im 78. Leben«. M,'«''»"k***>*'■'* "PÄt.iÄ cntzllndung. Beisetzung R a d a n,. Letteallee 12, im 46. Lebensjahre an Blinddarm. isetzung Mittwoch, 15?- Uhr, aus dem Friedhof Humboldtstraße. Sport. Seginn üer lvinter'Kaöfport-Saison! Sporkpalast rüstet.— Erösfuungsreanen am 18. Oktober. Kaum haben die Sommerradrennbahnen für dieses Jahr ihre Pforten geschlossen, da ruft schon die bekannt« und beliebte Winterradrennbahn in der Potsdamer Strahe zur Eröffnung. Mit den, Einbau der Bahn, die wieder wie in den Porjahren eine Länge von 160 Metern ausweist, ist heute nacht nach der Beendigung der Boxkämpfe begonnen worden. Wenn olles glatt geht, kann die Fahrsläche bereits am Sonnabend zu in Training freigegeben werden. Ein großer Teil des Unterbaues ist neu kanstruiert. um die im Vorjahre noch vor- bandenen Mängel in den Kuroenausgängen restlos zu beseitigen. Hassen wir nunmehr, daß sich die Bahn als eine einwandfreie ent- pupptl Die eigentlich« Winterradsportsaison wird allerdings nur kurz iein: sie wird— wenn nicht noch andere Projekte austauchen— nur drei Wochen währen. Für die sonst so sportliche Haupt- stadt eine kläglich« Angelegenheit. Immerhin werden die Herren Karfiol und K ö n i g s b c r g c r von der Sportpalast A.-G. die wenigen Renntage lebhast zu gestalten wissen! Die Erössnungs- rennen finden am Dienstag, dem 18. Oktober, statt. Sic bringen den.G r a h c n P r e! s der N a t i o n e n". Acht Deutsche und acht Ausländer mit bekannten Namen werden hier mit von der Partie sein. Der Fl'eaerweltineister M i ch a r d- Paris und der deutsch« Fliegermeister F r i ck e sind bereits verpflichtet. Ferner be- streiten die Ausländer den.Kroßen Fremdcnpreis" und die Deut- 'chen den„Kroßen Preis der Inländer". Ein Sv-Kilometer-Mann- schastsrennen nach«-Tagc-Art. das von zehn Mannschaften bestritten wird, beschließt da- Programm. Am 21. O k t o b e r folgt«in M c e- l i n g der DRU. und am 23. Oktober ein stark besetztes inter- nationales llll), Kilometer- Mannschaftsrennen iür Zerufsfahrcr. Den 28. Oktober haben sich die B D R.- Amateure reserviert, während der 30. Oktober den traditio- nellen.,S e ch s t a g e a u s t o k t", ein internationales Dreistunden- Mannschastsrennen, bringt. Und dann die Krönung de» Ganzen: vom 3. bis 9. November das 19. Berliner Sechs- tagerennen I Boxkämpfe des Polizeisportvereins. Am Montag veranstaltete der Polizeisportverein in den Kermaniosälen einen Boxkampfabend, der vielen eine Ent- t ä u s ch u n g bereitete. Zw«! Kämpfe fielen ganz aus und in zwei weiteren Veaegnungen traten„Reservisten" in den Ring, die wenig zeigten.— Im Leichtgewicht siegte Behrensmeyer(Union) gegen B l ll m e l(PSV.) nach Punkten. Im Weltergewicht punktete Franke(Ost) seinen Gegner Köhler(PSV.) aus. Anders (PSV.) dagegen errang über K a l i e s(Schultheiß) einen hohen Punktsieg. Im Mittelgewicht gab es zwischen P a u tz(PSV.) und Korduan(Osram) einen hitzigen Kamps, der unentschieden endete. Schulze(Post) wurde von dem routin'crten Schiew« (PSV.) ausgepunktet. Im Halbschwergewicht siegte M i 6> a e l i s (PSV.) über B i tz k o w s k l I durch Aufgab« in der zweiten Rund« und A n s o r g(PSV.) über Richter(BSC.) nach Punkten. Der Schwergewichtskamps zwischen P o l u g a(Tennis) und S ch w e r tz (BSV) fand wegen Startverbotes des ersteren nicht statt, was noch zu unliebsamen Szenen im Ring führte. Lesen den Reldissdiuldesefzenfwurf! Der Sozialistische Kulturbund veraustaltet am Sooutag. dem lS. Oktober, ll Ahr. im Berliner Rathaus, Söuigstr«vürgersaal», eine grolle Proteitkundgebung mit der Tagesordnung: „Der Reichsschulkampf." Redner: Reichstogsobg Alwin Soenner. München/ Londkagsabg. Dr. Hildegard lvegscheider, verlin/ Studiendirektor Eowerau, Berlin Arbeiter, Angeslcllte, Beamte erscheint in Massen I Revuen zu Grunewald am Dieastag. dem 11. Okkober. 1. R e n n e n, 1. Lolos lTarra?), 2. Marabou CD. Schmidt), 3. Emp- sehlung sHuguenin), Toto: 15: 10. Platz: 10. 10. 13:10. Ferner liefen: Maraviglia, Palisander, Patron, Liebetztraum. Grimm. 2. R e n n« n, 1. Mulatte(Böhlle), 2. Verona II sKorb), 3. vlstrrlust Toto: 17: 10. Platz: 14, 20: 10. Ferner liefen: SozialijtiscKe �rbeiterjusenü Grofi-öerlin. Achtung, Abteilungsleiter! Die Berlchtsbogen für das 2, Quartal sIuli bis September) sowie Mouatsprogramme für Rovembcr müssen adgeliesert werden, .Da» junge Dentschlanb." Zm Anschluß an die Ausstellung spricht Erich Olleuhauer am Donnerstag, 13, Oktober, 20 Uhr, in der Fcfthalle des Schlosses Belleoue über„Internationale soziolistischc Jugendarbeit/ Jugendliche 20 Bs, Erwachsen« 1 R, Die Bückerstubc ist heute, Mittwoch, von 17—19 Uhr geöffnet. Abrechnung der Beitragsmarken ufw heute, Mittwoch. 12. Oktober. 1914 Uhr. Einführungsabende mit besonderem Programm.. Wcdding: Heim Turmer, Ecke Ceestraße,— Humannplatz! Heim E walder Str. 10.— Hohenschönhausen: Heim Freien waldcr Etr, 5—6.— Reiche berget Li-rt-l: Heim Reichen berger Str. 66,— Lichtenberg-Mitte: Heim Do' c straße 22.— Lichteuberq-West: Heim Scharnweberstr. 29, 1. Otis Berlin S 14. S-b-Nianstr 27/33. Ho» 2 Tr Mittwoch, 12. Oktober. Mitt«: Die 6 Kameradschaft beteiligt sich um l9>4 Uhr an der Kundgebung der SPD. in Büttner, Festsälen, Schwedter«troße, Pren�aucr Berg: 20 Uhr sämtliche Sportler Turnhalle Greifenhagener Straß«. Einteilung. Auch Schutzsportler müssen erscheinen. Ausgabe der Ausweise und Abzeichen gegen Zahlung von 50 Pf,— Freitag. 14. Oktober. Eharlottenburg: 2015 Uhr Bersammlung der Kameradschaft Westend bei Schellbach, Königin.Elisabeth.Str, 6. Wintersport. Abt.: 20 Ud: Hauptversammlung im Cafe Lachs, Potsdamer Str. 92. Erscheinen Pflicht, Gäste willkomme::,— Lichtenberg nebst Untergruppen: Donnerstag, 12. Oktober, 19?4 Uhr, in Kerns Festsälen, Türrschmidtftraße, Pollversammlung. Vortrag des Kameraden Eenatspräsidentcn Dr. Großmann. Alle Kameraden haben zu erscheinen.— Lichterselde-Laniwitz: Donnerstag. 13. Oktober, 20 Uhr, Kamerad. schaftsverfammlung Licht-tfelder F-stsLIe. Zehlendorfer Straße. B-rtrag: „Deutschland und der Völkerbund." Etudienrat Marquardt. Interessierte Repudltkaner willkommen. Freie Hochschule. Mittwoch, 12. Oktober, 20 Uhr, Dorotheenstr. 12. Dr. Hammer:„Ebrliche Grschlechtsbcratung und geltendes Recht." Arbeiter- Schachklnb,«crbcbrzirk West. Mittwoch, 12. Oktober, 20 Uhr, Abt. Moabit, Siemensstr. 12, Kombination im Mittelspiel, Schochlehrkursus für Anfänger. Gäste willkommen!— Donnerslog, 13. Oktober, W Uhr. Abt. Westend, Soph!e.Charlotte»Str. 88, Kombination im Mittel» und Endspiel, Schachlehrkursus für Anfänger. Gäste willkommen!— Schülerabt. Moabit spielt I-den Montag von 17—19 Uhr in der Weltlichen Schule, Wald-ns-rstr. 20. Außerdem Schachlehrkursu« für spielend- und für nichtspielende Schüler.— Gruppe Prenzlauer Berg: Schönhau/er Allee l24b. Donnerstag, 12. Oktober, Bortrag:„Radiotechnische Meßinstrumente."— Gruppe Wcddiug: Donnerstag, 13. Oktober, Experimentier, und Bastelabend für jedermann. Der Mittwoch Im Strumpfhaus Metzge«. Ganz besonders blllige Artikel in Strümpfen, Handschuhen, Trikotagen und Wollwaren bietet heute das „Strumpfhaus Metzger" an. Die Sonderangebote, die nur für den heutigen Mittwoch gelten, sind erstklassige, reguläre Waren, und können wlr nur empfehlen, von dem Mittwochangebot de-„Strumpfhaus Metzger" regen Ge- brauch zu mache::. >eO«-se«s» Unseren Genossen Z August Schulze j} w Buggenhagenstraße 2 0 W b-giackwilnsch«» n»ir h-rzllchs»« zur goldeueu HoehzaU I. tz.: ver tzblrllune-roriionck äer II», tzdt Uobienbertz »ssssss«» eeeefeec*- 41. Abt. SPD. Am 8 Oktober verstarb unter langjährige» Mitglteb. der Genosse Otto Schmidt im 78. Lebensiahre. Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet am Don- nerstag. dem 13. Ottober, 14 Uhr, tm Krematorium Baumschulenweg sta.t Rege Beteiligung erwartet Die Abtcllnnixslellting. Allen, die an der T: au er Wer meine» Manne» teUa enommen haben, unseren herzlichsten Dank Frau Zohauna Tadert und Kinder. MlllNlIelMM-IM!! Be! BrmettlatttKn lincr Alrtallindustriell«,. Tagesordnung: Bericht über dos Ergebnis der Berhandlung mit dem Verband Berliner Meiallinduftrüllrn. Zutritt nur gegen Vorlegung des Mit- gliedsbuches einer dem Metalltartell an. gelchlesienen Sewersschaft und der mil den: VBMZ.-Stempcl versehenen LegUi- malionslaete. Oos INclallkartell. vsrlmiinaer ikler-ms« (Kein Zirsik- SierA Zu beziehen durch: Bierverlag Arne! Teltower Strafte 51 Id.: Hnnheidt 3311.«ichlionif: lubii 2764 1 (Mittw, 12.10.27 Staats-Sper | AmPl.d.Republ. Anf. 7 Uhr Bosen- hayaner itaatl. Sdiauspielli. Am Gendarinennarkl 7 Uhr ampisi- (rion Mittw., 12.10. 27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Ab.-Torn. III Anf. I' j Dianalieh Cavallerla nuilcana Staatl. Sdiillertb. Charlottenburg 8 Uhr Im weißen Volksbühne rtiealer am BDlawplati TP. am TckilfdaaafPamm 8 Uhr Ka&aie u. Liebe 8 Uhr Eeoijs Danilig. Dazu: Der gemflilicbe Kommissur Deytsüies moatet Norden lOZZt— 37 8 Uhr, Ende 11 Uhr Mso.Ha "chauspisl von Shakespeare Kammerspiele Norden 10334—37 S'/.U. EndelO'/sU. Ihr Mann Unkni«! m Paul Oaralir Die Komödie Bismarck 2414/7516 8>/. Uhr, Ende 10',- Zinsen Komödie von Bernard Shaw Trianon-Th Erika dlässner in FiaiPtäsiiieDtjD SchrifcrSdinBiir. lliuTan?. Hiilstn, aanlpmirt n, i. TßafSn-Tue mer 8 Uhr Der rote Halm Piscatorbfiime fhcat. a. Ncllindorfplili Kurfürst 2091/93 8 Uhr »oppla. wir lebOD von Ernst Toller ins. Erwin Piscator Sonntag. l6.0ktober ll'/u Uhr vorm. Alfred- Karr- MatioOe veranst vom Verlag Der Ueberbllck" Mitwirkende- Prof, Julncr, Birgntr. DntiB Durleot. KiSpfer, Nortner, lottofl. Wedski nd. A.T. Weiser Diealer des Westens 8 Uhr: Gastspiel Frltzl Massary Eine Fran von Format Nenet Theater am Zoo Täglich S'/j Uhr OielDitigefl Komische Oper ■i'/eUhr. Allabendlich 8'/,Uhr| lamsz Kieins | nenartldes Revue- S t 0 ck| In 2S Bildern Die Welt applaudiert.. 200 MITWIRKENDEM Lha.; Hans Albers, Else Borna,! .Johannes Müller, Erich Poremski, Beate Roos-Reuter,| Vlcky Werkmeister usw. Thcaterkaase ab 10 Uhr ununterbrochen geöffnet! CASINO-THEATER« Uhr Die Paula vom Metropol. Aassdmeiden! Gutschein 1—4 Fers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel nur 1,60 M. SöKKLLcL Nollendorf 7360 Die Okiober- Variefe-Rcvue Ranaissance-Theater Steinplatz 901. Heute 8 U.: Emma Gramatlca: Niccodemi Der Scfaatien Das �ro�e Wunder schaut's Euch an 100 Löwen und-1 Mann Hopuan Alfred Sümcider Kaiserallee, geg. Stadtp.. 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Gktober 1�27 Unterhaltung unö AAissen Seilage Ses vorwärts Jugenöepisoöe. Von Aula Simon. (Schluß.) Der Francis ist kein kleiner Junge mehr. Mit goldenem Lachen kehrt er an Bord zurück. Es kitzelt ordentlich da in der Kehle und will heraus, wahrhaftig... und er lacht laut hinein in die Musik von Wellen. Maschinen, Kuhgestampf und sitzt doch wieder auf dem harten Kringel von geteerten Seilen. Das Schiff fährt weiter. Jetzt kommt es ganz nach Norden. Ja, richtig an die Eisberge heran. Man wird vielleicht Eisbären — weiße Bären— zu sehen bekommen. Vielleicht wird jemand auf sie Jagd machen. Herr Goodjen, der Kapitän, kann es sicher gut. Und nachher wird der Kurs weit südlich gehen: man wird »ach Hamburg kommen. Und Francis denkt, was er von Hamburg denn damals gehört hat? Nicht in der Schule nur. Und da fällt ihm ein, daß er ja den Schwager seiner Tante dort besuchen könnte. Es fällt ihm ein, daß Hieronymus Holzbein dort in einem Vorort wohnt und einen Sargladen hat- Ob nun einen richtigen Sarg- laden oder ob er nur Särge zimmert, das ist dem Francis nicht ganz klar. Und er träumt dem nun nach, wie so ein Sarg.zustande kommt. Cr hat noch nie daran gedacht. Jedoch die Bäume rings umher, die geben Holz, und wenn es dann in ihren Kronen ächz: und stöhnt und st« der Sturm zu wundervollen Orgien wi.d zusammenreißt, so sind sie doch nur Holz und haben eine Zukunft. Wird dieser hier— dort drüben der am schmalen Ufer, was wird er werdsn? Schifssplanke oder schön gehobeller Tisch in einer Bar, wie jüngst in Guatemala? Und sein Blick— der goldene Jugendblick— hat neue Lichter aufgesteckt, als er an Guatemala denkt. Ein Bartisch jener Baum dort drüben, ein« Planke oder gor ein Sarg? Da muß er lachen! Jedoch Francis entscheidet schnell, daß er den Hieronymus Holzbein aufsuchen wird, wenn sie in Hamburg landen. Und er hall sein Wort. Fast hat er zu wenig Zeit, denn was gibt's in Hamburg nicht alles zu sehen, und er geht jetzt schon manchmal in gleichem Tritt mit den Männern ans Land. Erst scheu und abwartend, dann aber mit dem Frohgefllhl, das feste Erdreich unter sich zu haben, und widerstandslos angewckt vom bunten Wesen, da» sich den Seeleuten überall so gern bereithält. Am Abend aber fährt er geradenwegs hinaus in den ent- legen«» Lorort zu Hieronymus Holzbein. Es ist schon spät. Die Leute sitzen nicht mehr vor den Türen, die Häuser haben chre Läden schon herabgelassen uich manchmal nur blickt durch ein Fenster ein Lichtschein auf die Straße. Das hat der Francis anders sich gedacht. Er kennt ja nur noch die Gewohnheiten des Meeree. Wenn da der Mond sein Licht auesendet, dann strömt«» hin, verschwendet Weiß, atembenehmend schön. Und wellenhin schaukell da» Schisf, von Duft und Sternenraum und Mondesglanz getragen. ein schlagend Herz in seliger Bewegung. Oder schwarz eingehüllt von Sturm und Nebel, wie wenn die Götter mit ihm Fangball spielen, wenn's Ernst wird und Orkane sich vom Himmel reißen und in die Wasser tauchen und wieder aufsahren—«in Trieb, ein Jagen, ein« Rebellion bis in den Urgrund aller Meer«. Daß die Menschen ihr« Häuser schließen, mit Schlössern sich verwehren, vor Dieben ängstigen, Gott den Herrn sowett verlieren, daß sie im Dunkel ihn nicht sehen können und also Barrikaden bauen zum Schutz vor Nacht und bösen Elementen— das hat der Francis nicht bedacht. So kommt er denn zur Unzeit in den kleinen Vorort zu Hieronymus. Die Katzen buckeln an Laternenpfohlen, Klatschrosen hängen üppig am Staket, der Mond streut sein« weißen Laken aus und im„Gefleckten Kakadu" hängen leicht verregnete Lampions ihr Grün und Rot an lanpeu Drähten auf. Was soll er tun? Der Ort schläft schon oder zieht da» letzte Hosenbein bereits vom Schenkel. Dle Turmuhr schlägt neun Uhr. In so besagtem Dämme r- licht tastet sich Francis dennoch zu dem richtigen Haus: er sieht des Hisrnomymus' Firmenschild gewaltig prangen, zwei Sarge fassen es munter illustrierend zur Rechten und zur Linken deutlich ein. Was soll er tun? An die verrammelten Türen oder Fenster klopfen? Die Schläfer stören? Da sieht er einen Kater mit g«- sprenkeltem Schwanz ins Särtchen springen. Er springt ihm nach. Er ist auch müde. Könnte man nicht schlafen gehen? Der Koter überlegt. Vielleicht dasselbe. Springt wieder. Er ihm nach. Und findet sich in einem großen, langen, hölzernen Etwas. Biclleicht ist es ein Bett. Die Laterne leuchtet schlecht und der Mond scheint widerwillig. Jedoch die Katze nickt befriedigt, legt sich zusammen. schnurrt. Wahrscheinlich schläft sie hier«in. Und Francis denkt: «Ich auch." Legt sich zusaminen, lacht, was wohl dasselbe ist. wie wenn die Katze schnurrt, und schläst am liebsten gleich. Nur noch von drüben, vom„geslcckten Kakadu" dringt es laut her und kommt jetzt näher und viele Schritte nah. Francis will doch sehen. Die Leute sind nun fast bei ihm. er setzt sich in die Knie und hebt den Kopf und Brust aus seinem Kasten raus. Jedoch da schreit es neben ihm und um ihn markzerreibend. hoch und lang und gräßlich, die Katze springt davon: es schreit. schreit von allen Seiten und er sieht sich rings umstellt von Menschen, die aus ihn zeigen. Und er fühlt sich fahl im Mond und fremd und leer. Wae wollen die Leute? Da kommen welch« gar mit Fackeln. Just auf Ihn zu. Und weil er nichts versteht, sieht er an sich her. unter und will sich selbst betrachten, und nun im Fackellicht erkennt er, was geschehen: er hat selbander halb geknickt und fahl beleuchtet in Hieronymus Holzbein« einem Sarg gelegen, den der im Vor- garten dem Täu der Nacht und Natz des Himmels hingestellt. Und diese wackeren Leute hier herum füribtcn, er sei ein Toter. Und da sie sehen, daß er sich quietschlebendig hier in den Sarg hineingelegt, so henken sie, er habe sie verspotten und vertrotteln wollen, und rufen gradenwegs nach Amtlichkeit und hoher Polizei. Da aber hat der Francis sich gestrafft, er springt mit noch be- henderem Satze als die Katze heraus aus seiner dunklen Kiste, auf zwei Deine, segt hin ein golden junge», unerhörtes Lachen, daß seine Lenden sich verbiegen. So springi er schon zum zweiten Male — jetzt au, dem Garten— und unterdessen haben,"scheint's, sich tmmer mehr Bewohntr aus ihren Stuben. Betten und verwandten Orten zusammengefunden, unschlüssig, was sie tun sollen und wie die Sache endet, die ihnen solchen Schrecken in die Glieder sandte, al» wenn der Beelzebub leibhaftig selbst erschienen. Derweil sie noch erwägen und sich denn doch«ntschNeßen wer. den. um Red' und Antwort den Geselle» da zu bitten, derweil ver- zichtet Francis auf die Bekannischaft mit Herrn Hslzbein. zieht feinen Gürtel enger an und mit den langen IungenbcineN legt er Entfernung zwischen sich und die ehrsam«» Bürger dieser Gegend. lind läuft vnron und sieht Nicht um und lacht und säuft ,md sacht. Ain Schienenstrang ist er nun angelangt, der Mond läuft mi( die Schienen auch. Bold wird«r ja in Hamburg sein. Die Nacht ist lang, der Weg nicht weit für solche jungen, srohen Glieder. Und hinter Ihm stehen still und sehen ihm nach die Wächter ihrer Häuser und ihres Friedens. Sie sehen ihn längst nicht mehr und gehen nach Hause und schütteln bedächtig ihre Häupter und fragen sich:„Wer war der Schlingel? Was wollte er uns Schlechtes tun? Einbrechen, stehlen, morden?" Und niemand fühlt, was dieser Schlingel wirklich ist:«in Vaga- bund des Lebens, Mitglied von jenem unsichtbaren Orden, der ohne Satzung, Paragraph und Eintragung in allen Kontinenten ausge- breitet ist und heimlich diese» Namen trägt:«Zum glücklich-gegen- wärt'gen Dasein." Marx in Verlegenheit. »Wie kann ich öiese Ehrenerklärung nur a d g e b e n, ohne Herrn v. Keuöell bloßzustellen!" Mus öem Leben Lenins in Lonöon. Erste Begegnung mit Trotzki. Im Moskauer Staatsverlan sind sorbrn dir Mrmoirrn der Witwe LriliNü, Nadaschda Arupskaja, erschiencn. Dicsr Ncmoiren umfaffrn die Periode von IKSZ die jiirn Tode de« rotrn Diktators. Wir sind bereit» i» der»inen Abschnitt aus diesem Weck, und zwar das Leben Lenin» IN London, zum crsien Male in deutsch« Uoderfetzung zu vrrSfsrntlichen. Nach London kamen Lenin und ich im Jahre 1903. London überwältigte uns durch seine Größe. Am ersten Tage unserer An- kunst war die Themsestadt in Nebel gehüllt, aber das Gesicht Lenins war freudig erregt, als er diese Feste des englischen Kapitals zum erstenmal sah. Am Bahnhof wurden wir von einem Gesinnung»' genossen, einem russischen Emigranten, der lange Jahre in England lebte, einem gewissen Alexejew, erwartet: Alcxejew sprach ausge- zeichnet englisch und war die erste Zeit unjer Führer und Dolmetsch. Ich hatte zwar im Gefängnis durch Selbstsiudiuin englisch gelernt, aber hier in London erwlcs es sich, daß es mit unseren englischen Kenntnissen nicht weit her war. Wir hatten tatsächlich keine Ahnung von der englischen Sprach« und erlebten aus diesem Grunde vir komische Episoden. Lenin amüsierte sich zuerst, dann aber beschloß er, so rasch als möglich die Sprache zu erlernen, das Land und die Sitten zu erforschen. Wir besuchten oft Meetings, setzten uns in die erste Reihe und horchten, was der Redner sprach. Dann wurden wir ständige Besucher des Hydc Park. Dort finden täglich hnprovi- sierte Meetings statt: da steht ein Atheist und beweist, daß es keinen Gott gibt, wenige Schritte weiter ein Kapitän der„Heilsarmee", der die Leute zu Gott ruft, daneben ein Angestellter, der über die traurige soziale Loge der Angestellten spricht. Dieses Hären der eng' tischen Sprache half uns viel, unser Wissen zu vervollkommnen Dann nahm Lenin einen Lehrer und erlernte verhältnismäßig rasch die Sprach«. Lenin interessierte sich lebhast für London und seine zahlreichen Bibliotheken. Er konnte tagelang in der Bibliothek des Britischen Museums sitzen und dort die Folianten studieren. Di« Museen und Bildergalerien interessierten ihn nicht. Lenin wollte gern das Leben Londons kennen lernen. Zu diese, n Zwecke setzt« er sich gern auf das Verdeck des Omnibusses und fuhr kreuz und quer durch dle Stadt. Ihm gefiel das pulsierende Leben dieser Handelsmetropole mit ihren stillen Boulevards, mit der City, mit den schmalen Gäß- chen, wo die Arbeiter wohnen und die Wäsche in der Mitte der Straße hing. In dies« Arbeiterbezirke marschierten wir oft zu Fuß, und hier sahen wir den Kontrast zwischen dem Reichtum und der Armut. Vom Omnibus aus konnte man auch manche charakteristische Straßenszene sehen' Neben den Bars standen versoffene, abgerissene Menschen, mitunter sah man unter chnen ein Weib in einer ver- schlissenen Toilette. Vom Omnibus sahen wir einmal, wie ein Polizist, ein Riese von Gestalt, einen schmächtigen Taschendieb vor sich herstieß und wie ein Menge johlend und pfeifend sie verfolgt«. Zweimal in der Woche, wenn die Arbeitslöhne ausgezahlt wurden, gingen wir in die Arbeiterbezirke und schauten uns dort das Leben auf der Gaste an. An solchen Tagen wird läng» der Trottoir» eine Reihe von Buden aufgestellt, und die Straßen sind von Arbeitern und Arbeiterinnen überfüllt, da wird gekaust, gelacht. Lenin zog e» immer zu den Arbeitermaffen, und er ging dort» hin, wo die Arbeiter sich versammelten. Er sucht« auch gern die öffentlichen Lesehallen auf. In London gibt e» viele Lesehollen, wohin man direkt von der Straße kommen kann So eine Lese- halle ist«in leere- Zimmer, obne Tisch«, Stühle, nyr an den Wänden hängen diverse Zeitungen. Man nimmt ein Blatt vom Regal, schaut es rasch dura», hängt es zurück und verläßt die Halle. Solche Leje» hallen wollte Lenin auch in Rußland einführen. Lenln besuchte in London auch gern die Kirchen In England ist gewöhnlich in den Kirchen nach den, Gottesdienst ein Vortrag mit nachfolgender Dis- kussion. Auf den Disputen treten dann oft Arbeiter als Redner auf. Einmal kamen wir in eine lozialiftifche Kirch«. Es gibt auch solche In London. Ein Sozialistenführer la» der Gemeinde au» der Bibel vor und hielt dann«ine Predigt, in welcher er feststellte, daß der Auszug der Juden aus Aegypten nichts anderes war, als eine Flucht vor dem Kapitalismus. Dann stand die Gemeinde auf und fang einen Choral mit dem Refrain:„Herr, erlöse uns von dem Kapitalismus und führe uns in das Reich des Sozialismus!" Oft suchten wir die Umgebung Londons auf. Besonders gern fuhren wir nach Prime Rose Hill. Dort gingen wir aus den Friedhos und sahen uns die letzte Ruhestätte von Karl Marx an. Da meine Mutter bald nach London kommen sollte, so mieteten wir einige Zimmer und beschlossen, selbst Küche zu führen, da die englische.Küche uns nicht schmeckte. Da man in London keine poli- zelliche Anmeldung kennt und von Fremden kein« Pässe vorlangi. gaben wir uns für Deutsche aus und nannten uns Richter. Eine» Tages, in aller Herrgottsfrühe, klopft« es stark an unserer Tür. Ich stand auf, össnete, und vor mir stand ein junger Mann. Er sagte höflich:„Mein Name ist Leo Trotzki, ich bin au» Sibirien geslüchtet und komm« auf Empfehlung von Parteigenossen zu Herrn Lenin. Kann ich Wladimir Iljitsch sprechen?" Ich führte Trotzki direkt ins Schlafzimmer zu Lenin und ließ sie allein. Das war die erste Begegnung zwischen Lenin und Trotzki. Trotzki machte aus Lenin «inen ausgezeichneten Eindruck, und Lenin macht« ihm den Bor- schlag, in die Redaktton der„Jskra" einzutreten, aber Plechanow, der in Trotzki einen Lockspitzel sah, wollte von der Mitarbeit Trotz- kis nichts wissen und schickte sein« Beiträge wieder zurück. Im März 1903 verließ Trotz» London und übersiedelt« nach Paris, wo er sich bald einen Namen machte. In London schrieb Lenin seine Broschüre:„Zu der Bauernarmutl" Dos war ine erste Broschüre, die Lenin an die Bauernschaft gerichtet hat. Da die Gruppe„Be- sreiung der Arbeiter" beschlosien hatte, noch Genf zu übersiedeln, 8 verließen wir im April 1903 London und gingen nach Gens. uf der Reise erkrankte Lenin an einer schweren Nervenkrankheit und mußte in Genf zwei Wochen im Bett liegen. nie öuchhänöler im schwarzen Eröteil. Die Bewohner Afrikas hoben zumeist kein Bedürfnis nach einer Buchhandlung, denn sie können ja nicht lesen: desto sehnsüchtiger aber verlangt der weiße Ansiedler nach geistiger Nahrung, die ihn mtt der Außenwelt in Verbindung hält und ihm über die Lange- weile des eintönigen Pilonzerlebens hlnweghilst. Deshalb gründete Walter Hagens im Joyre 1907 eine Buchhandlung in Lome in der damaligen deutschen Kolonie Togo und hat sie bis zum Ausbruch des Krieges mit gutem Erfolge geführt, lieber feine Erfahrungen schreibt er sehr lebendig in dem bei Christoph Stessen in Stuttgart erschienenen Buch„lamb» v.'sui"(Gott grüße Dich). Natürlich hat eine Buchhandlung in Asrika ein ganz anderes Gesicht als eine solche in Deutschland. Die meisten Neger in Togo waren Analphabeten und sind es noch heute. Für sie kommen also Bücher nicht in Frag«. Allerdings hatten selbst die Neger großes Interesse für ein« besondere Art Bücher, nämlich für illustrierte Kataloge. Deutsche Firmen sandte» regelniäßig ihre Kataloge in die deutschen Kolonien und das war etwas sür die Neger. Da kamen sie bei einem schrist'. und lesekundigen Freunde zusammen. der dann, wenn der Katalog durchgesehen war, eine ganze Kollektion von Bestellungen bekam, di« er nach Leipzig weitergab. Wenn dann die Waren nach Wochen sehnsüchtigen Wartens ankamen, dann war meist die Enttäuschung groß. Der eine hatte sich ein Paar Sttefet ausgesucht und bekam Kinderstiefel, da jalsche Nummern angegeben waren: der zweite hatte sich zu seiner Hochzeit einen silbernen Kranz bestellt statt eines grünen, weil er das vornehmer' fand, der dritte für drei Mark ein« Taschenuhr, die nur drei Tage ging. Der vierte ein paar Hosenträger, die er nicht gebrauchen konnte, da die Hosen dazu fehlten. Der sünste ein Taschenmesser: ja sogar Büchertaschen, Sonnenschirme, Korsetts, Florstrümpf«. Manschetten, Toschenscheren und Spielwaren kamen da zum Vor- schein Di« weihen Zlnsiedler wurden aber eifrige und dauernde Kunden der Buchhandlung, und zwar gingen Bücher wie Zeit- schrifdcn gleich gut. Als Berkäufer hatte Hagens drei junge Togo- neoer ausgebildet, von denen der älteste auch die Buchhaltung und Korrespondenz erledigte und einmal monatlich auf Geschäftsreisen ging. Di« Bücher muhten sehr rasch abgesetzt werden, denn„Laden- Hüter" kann man sich in Afrika nicht leisten, weil das Lager von den Ameisen zerfressen wird Die schwarzen Ztunden fehlten jedoch nicht ganz.„Neben dem oortiment für Europäer," erzählt Hagens, !,untcrhi«lt die Buchhandlung auch ein Sortiment sür lesekundige Eingeborene, dos in der Hauptsache in deutschen Iugendschriften. Lehr- und Erbauungsbüchern bestand. Besonders groß war das Laqer In Schulbüchern sür die 3000 bis 6000 Schüler der vielen Missionsschulen. Mancher kaufte nur einen Griffel,«ine Feder, einen Briefbogen sür je einen Pfennig das Stück. Sobald der Neger schreiben kann, schreibt er Brief«. Briefpapier und Umschläge roaren stets begehrte Artikel. Aber wenn die Tafel zerbrochen, die Tinte verschüttet war, dann war oft„Holland in Not", wenn zur Neuanschassung das Geld nicht reichte. Am besten ging ein kleines Büchlein über die Bedeutung der Namen. Bei den Negern yat jeder Name sein« Bedeutung.„Kwaschi" bedeutet der am Sonntag Geborene,„Asiba" die am Freitag Geborene,„Sewodo" gleich Gottdank, und„Stazibo", das heißt„schwarze Sau", so nannte sich ein« junge schwarz« Schöne. Sie war nämlich bei ihrer Geburt gleich schwarz.(Gewöhnlich sind die Neugeborenen in Afrika säst so hell wie die Europäerkinder.) So erhielt sie diesen zarten Namen. Wollen sich Eingeboren« taufen lassen, so suchen sie sich einen neuen Namen, am liebsten aus der Bibel. Das Namenbüchlein mit Bedeutung der Rufnamen ist ihnen daher«in köstlicher Schatz." Elektrisch geladene Omnibusse. Bei Londoner Autobusien hat man beobachtet, daß sie unter besonderen Wetlcrbedingungen und nach längerem Fahren mit angezogener Brems« stark mit Elektrizität geladen waren: näherte man sich dem Wagen, so konnte man einen Funken von etwa 1 Zentimeter Länge aus dem Handrad herausziehen. Der Funken verursachte aus dem Finger nur ein leichtes Prickeln und hatte keine stark« Wirkung. Man nahm an, daß es sich um leichte Schädigungen an der Zündung Handel«, durch die die Elektrizität frei werde. Dies ist aber, wie in der „Umschau" hervorgehoben wird, wegen der Läng« und Verhältnis- mäßigen Schwäche des Funkens nicht wahrscheinlich: vielmehr dürste die Reibung des gebremsten Wagens die Entstehung der Elektrizität hervorrufen. Als die ersten Damoswagen auf den Straßen fubren, mußte man die Wagen erden, indem man ein kurzes Stück Kette vom Wagen aus die Erde herunterhängen ließ: dadurch wurd-e die elektrische Ladung abgeleitet, die an dem Wagen infolge des Damps- ablasicns entstand. Es wäre interessant zu erfahren, ab man bei uns In Deutschland«ine ähnlich« elektrisch« Ladung bei Omnibussen beobachtet. Da» rotierend« hau». Zwei französisch« Architekten haben ein Haus fertiggestellt, da» aus Stahl und Beton gebaut ist und mit Hilf» eines elektrischen Mosore im Verlaufe einer Sttmb« sich voll- ständig um seine Achse dreht. Da» Hau» wird auf 350 000 Fronken geschätzt und dürfte daher nur sür Millionäre in sfrage kommen. vier Millionen Hunde in England. Ein« neue Schötziing be- ztffert die Zahl der Hunde in Großbrttannien auf 4 Millionen, so daß auf jeden zehnten Bewohner ein Hund käme. Von diesen sind mehr als SZ0 009 Tiere Luxushunde mit Stammbaum. Die Hnndeindustrie beschäfiiqt Tausende von Männern und Frauen und bat einen jähr- lichen Umsatz von vielen Millionen Pfund Die Erträgnisse de? Hundesteuer belausen sich aus jährlich fast 20 Millionen Mark. Danach kann man England wrhl als da» Land bezeichnen, in dem es die meisten Hundeliebhaber gibt. Der Kampf um öie Wertzuwachsjkeuer. Hausbesitzer und Spekulanten gegen die neue Steuerordunng Berlins. Der Kampf um die Wei-tzuwochssteuer oder— besser gesagt— der Kampf gegen die Wertzuwachssteuer ist wieder auf der ganzen Linie entbrannt. Er richtet sich in Wirtlichkeit gegen die steuerliche Erfassung der Jnflationsgewinne auf dem Grundstücksmarkt, er nimmt aber die jegt schwebenden Verhandlungen über die Ein- beziehung des Altbesitzes in die Wertzuwachssteuer zum willkommenen Anlaß, um dos gesamte Gebäude ins Wanken zu bringen. Gewinne beim Altbesitz? Die Stadt Verlin hatte bekanntlich ursprünglich die Absicht, die sogenannte„Kieler F o r m" der Besteuerung des Altbesitzes zu übernehmen. Wir haben seinerzeit ausführlich über die rechtliche» Unterlagen und die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Form be- richtet. Es sei nur daran erinnert, daß dabei nicht die Gesamtwerte, sondern die angelegten Bau kapitalien in Vergleich miteinander gestellt werden sollten. Diese Form der Besteuerung ist der Stadt Kiel ohne Bedenken genehmigt worden, ist in anderen Städten»n- beanstandet nachgeahmt, wurde aber in Berlin schon im Vorstadium der Beratungen als ungesetzlich beanstandet. Es zeigte sich auch hier wieder die bekannte Totsache, daß die Reickishauptstadt bei den staatlichn Aufsichtsbehörden eine durchaus nicht von ihr beanspruchte„Sonderstellung" einnimmt. So blieb der Stadl Berlin keine andere Möglichkeit, als die Wertzuwachssteuer in der bisher üblichen Form auf den Altbesitz auszudehnen. Der Vorgang ist augenblicklich fast belanglos und wäre auch sicher in der Oessentlichkeit unbeachtet geblieben, wenn eben nicht die Interessentenkreise diese Gelegenheit zu einem Angriff auf die gesamte Steuer ausnützen zu können glaubten. Denn bei normalen Grundstücken wird diese Steuer praktisch a u s absehbor« Zeit nicht in die Erscheinung treten, weil ein Wertzuwachs nicht vorhanden ist. Auch in günstigen Gegenden wird heutzutage nur das Sieben- bis Achtfache der Friedcnsmiete(gegenüber dem Dreizehn- bis Fiinszehnfachen beim Vorkriegserwerb) gezahlt, im Osten und Norden wird bisweilen mir das Vier- bis Fünffache erläst, und es wird von sachkundiger Seite behauptet, daß Pakete bis zu 2G> Häusern herumschwimmen, die auch noch unter diesem Satz nicht an den Mann zu bringen sind. Immerhin sind seit der Inflation Häuser aus den Altbesitz sür in ehr als 100 M i l l i o- n e n Mark oerkauft worden. Der größte Teil davon wäre auch in Zukunft wertzuwachssteuer frei. Aber es gibt immerhin einige wenige Grundstücke, etwa am Kursürstcndainm, deren Verkaufswert heute schon den Vorkriegsprcis nicht unerheblich überschritten hat� lind es erscheint nur recht und billig, daß solche Verkäufe, auch wenn es sich um Altbesitz handelt, ebenso in die Wertzuwachssteuer einbezogen werden wie Änflationskäuse. Drosselt die Steuer den Umsah? Die I n fl a t i o n s t ä n f e bilden natürlich zurzeit dos tragende Gerüst des Auskommens aus der Steuer. Es wird von den Inter- esienten behauptet, daß bei einem niedrigeren Steuersatz nicht nur der Ilmsatz bei diesen Grundstücken bedeutend steigen würde, sondern daß sogar dos Gesamtaufkommcn infolge dieser Steigerung erheblich hoher sein würde. Erfreulicherweise können wir dieser unb.'wieienen Behauptung jetzt eine Ersahrungslatsochc entgegenstellen Dos Istaufkomnien der Wertzuwochssteuer betrug bei einem Steuer- satz von 20 Proz. im Jahre 192ä lO'.b Millionen. Der Ansatz wurde für 1026 bei dem neuen, erhöhten Satz von.10 Pro.;, aus 1? Millionen festgelegt. Der Ertrag war trotz der„katastrophalen" „drosselnden" Steuerhöhc so günsiin, daß in den Haushalt dieses Jahres lä Millionen als voraussichtliches Ergebnis eiliges. uzt werden konnten, lind es besteht kein Zweifel, daß diese Summe ganz außerordentlich überschritten werden wird, denn in den ersten vier Monaten des Etatsjahrcs sind bereits nahezu 10 M i l l i o n e n totsächlich vereinnahmt worden— der sicherste Beweis für die von uns immer vertretene Zlusfassniig,' daß der Grundstücksmarkt im wesentlichen von der allgemeinen Wirtschaftslage und der Höhe der Mieten beeinflußt wird und nicht von der«teuer auf den etwaigen Wertzuwachs. Durch die Wertzuwachssteuer wird der Umsatz nicht g e- drosselt, sondern der Kreis der in Betracht konimenden Käufer wird ein anderer: und dies auch nicht etwa durch die Steuer als solche, sondern durch die Tatsache der unerhört billigen Jnflationskäufe durch Ausländer und drs dadurch erzielten ganz abnormen Gewinnes. Dos Beispiel, dos der Ver- treter der Interessenten, Herr Paul Benedick(Jsr. Schmidt«öhiis), im„B T." ansührt, ist sicherlich richtig: Ein Haus im Westen mir 20 000 M. Friedensmietc wird heute mit 160 000 M. nerkauit. Es ist in der Inflation für die Lappalie von 6000 M. erworben worden. wozu eine Sluswertungshypothek von 60 000 M. kommt. Wir haben also einen— doch ganz gewiß„unverdienten"— Wertzuwachs von 102 000 M. Dieses Haus kann nur noch ein sehr tapitalkrästiger Besitzer kaufen, weil der Verkäufer eben auf den größten Tetl des unverdienten Wertzuwachses nicht verzichten will. Das Haus wäre vor dem Kriege mit ein Zehntel Anzahlung vom Werte (14* 20 000= 280 000 M), also mit 28 000 M. Larkapital zu erwerben gewesen. Heute verlangt der Besitzer, um seinen In- slationsgewinn zu„realisieren", 25 bis 40 Proz. Anzahlung, also mindestens 40 000 M. und halst überdies die ganze Wert- Zuwachs st euer dem Käufer auf, wodurch sich die rund 30 000 M. auf 30 000 M. Steuer für diesen erhöhen. Ist wirklich danach die W e r t Z u w a ch s st e u c r daran schuld, daß der Klein- kapitalist ein solches Haus aus Inflationsbesitz heute nicht mehr erstehen kann? Soll die Stadt, also die Allgemeinheit, die unter der Inflation wahrlich schwer genug gelitten hat, aus einen Anteil an solchen Gewinnen verzichten, weil der Verdiener heute gegen- über der Vorkriegszeit das Zweieinhalb- bis Vierfache an barem Gelde bei der Wiederveräußcrung beansprucht, wenn, wie Herr Benedick so schön sagt,„der Verkauf einen Sinn haben soll"? Die Tat- fache, daß in Berlin trog der dreißigprozentigen Wertzuwachs- steuer in einem Dritteljahr izäuser mit einer Wertsteigerung von insgesamt über 32 Millionen v e r k a u s t worden sind, beweist, das; Käufer vorhanden sind, wenn ihr Kreis auch ein anderer geworden ist— was den Maklern sicherlich ganz besonders fühlbar wird. Die nationale Bemäntelung. Bleibt nur noch das„nationale" Moment:„Inslationskäufe waren Auslandskäus«, wir müssen Substanz und Ertrag wieder in deutsche Hände bekommen." Dabei ist richtig, daß die Zahl der Berliner Häuser, die sich im Belitz von Ausländern be- finden, noch immer erschreckend hoch ist. Im April 1926 hat Kuczinski sie auf 20 000 berechnet, inzwischen sind etwa 2000 wieder zurückgekauft, so daß heute noch 18000 Häuser im Aus- land'sbesitz sind, d. h. rund 20 Proz.>.'r gesamten 86 000 Häuser in Berlin Sie repräsentieren bei etwa 270 Millionen Mark Vor- kriegsmiete einen heutigen Substanzwert von mindestens 1,7 Mil- liarden Mark, der sich auf 4 Milliarden Mark steigern würde, wenn einmal die sünszehnsache Vorkriegsmiete bei Verkäufen erreicht werden sollte. Die Zurückgewinnung dieses Besitzes ist zweifellos ein er- strebensweries Ziel. Es macht aber von vornherein stutzig, daß ausgerechnet diejenigen Interessentenkreise sie am lautesten sor- dcrn, die seinerzeit bei der Uebersremdung ihre hilfreiche Hand oe- boten haben und bei dieser Uebersremdung Provisionen u n d Gewinne ohne..nationale" Bedenken in die Tasche gesteckt haben, Sie schlagen jetzt eine Suspension der Wert- zuwachssteuer auf ein Jahr vor, um in dieier Zeit die überiremdeten Grundstücke zurückkaufen zu können. Das würde für die Stadt den Verzicht aus die B« st e u e r u n g all dieser Jnflationsgewinne bedeuten, den Verzicht also auf eine Summe, die mindestens ein Neuntel des heutigen Substanzwertes, d. h. rund 200 Millionen Mark, ausmacht. Mit diesem Geschenk an spekulierende Auslands- küufcr wäre nach Meinung der Jmmobilieninteresienten der Rück- kauf schnell zu erreichen, der longsamer zwar, aber doch sicher. wie die obigen Zahlen beweisen, auch ohnedies erfolgt. Uns will scheinen, daß ein solcher Verzicht der Stadt auf eine zweifellos berechtigte Steuer geradezu unvera ntwontlich märe. Zu Geschenken an Jnslationsgewinnler ist unsere Zeit und sind insbeson- der« unsere Städte mit ihren finanziellen Sorgen und ihren sozialen Verpflichtungen ganz gewiß nicht in der Lage. Der neue Berliner Entwurf. Mit Recht behält daher der neue Entwurf der Berliner Wert- znivackssteuerordnnng d e n Sog v o n 30 P r a ,;. s ü r Insla- l i o n s k ä.u'f e bei, wie ja auch die preußijche Mustersttuerordnung diesen Satz ausdrücklich vorsieht. Er ermäßigt die Steuer für Grund- stücke, die bereits vor dem 1. Januar 1919 im Besitz des Verkäufers waren, um 2 Proz. für jedes Jahr bis zum Jahre 1913, von da ab um ein weiteres H Proz. für jedes Jahr bis zumMindest- satz von 10 Proz. Eine solche Steuer dürfte ollen Anforde- rungen, die an steuerliche Gerechtigkeit gestellt werden können, voll- aus genügen. Diese Sätze können auch beibehalten werden, w.'nn bei gesteigerten Grundstückspreisen ein essektioer Wertzuwachs auch beim Ältbesiy wieder einmal die Regel sein sollte und nicht mehr, wie jetzt,«ine seltene Sl u s n a h m e. wobei der ja auf ollen anderen Gebieten längst entschiedene Streit, ob Reichsmark gleich Ma'? zu setzen ist, keine Rolle spielt. Sehr erfreulich sind in dem neuen Ent- wurs die verschärften Sicherungen gegen Schiebun- gen aller Art, insbesondere gegen die Eintragung übermäßig hoher Hypotheken mit nochsolgeiider Subhostation:„Durch Mißbrauch von «Forme» und Gestaltungsinöglichkeiten des bürgerlichen Rechts kann die Steuerpflicht nicht umgangen oder gemildert werden"(§ 51. Sa ist zu hoffen, daß in Zukunft totsächlich jeglicher unverdiente Wert- zurvachs van der Steuer erfaßt werden wird. Oer deutsche Einzelhandel tagt. Borgestern hat die Hauptgemeiiischaft des deutschen Einzelhandels Ihre Jahreshaupttagung in Berlin eröfsuet. Es ist die zweite Tagung dieses Verbandes, der in 72 Verbänden rund 400 000 größere und kleinere Handelsbetriebe organisatorisch ersaßt, d. h. etwa zwei Drittel sämtlicher in Deutschland bei der letzten Betriebsstatistik gezählten Handelsbetriebe. Der deutsche Einzelhandel steht bewußt in einem Gegensatz zum Großhandel, so sehr er sich auch auf vielen Gebieten durch geiiossenschostliche Orgaiijsation die Einkäufervorteile des Groß- Handels gesichert hat. Er steht aber in bewußtem Gegensatz zu der Selbsthilfe der K o n s u m e n t c n, gleichviel wo er ihr begegnet, obwohl die Selbsthilfe der Koiisunienteii überall da, wo sie die Zwifchengewinne des Handels ausschaltet, dem Einzel- Handel eine uni die erzielten Ersparnisse vergrößerte Gesomtkauskrast zur Verfügung stellt. Sehr selten wird das vom Einzelhandel er- könnt, noch seltener anerkannt, wie überhaupt die gesunde Preis- kvnkurrenz, die die genossenschaftliche Selbsthilfe dem Einzelhandel macht, einer der wirksamsten Hebel zur Verbesserung der Leistungs- sähtgkeit des Einzelhandels ist. Der erste Tag der Verhandlungen, die zunächst intern sind, brachte eine Stellungnahme des Einzelhandels zum Steuerocrcinheit- lichungsgesetz, Oberregierungsrat Dr.'Adametz, der auch aus der Tagung des Deutschen Groß- und Ueberseebandels zum selben Thema gesprochen hatte, wiederholte die Forderung nach einer gnindlichen Reform des Verhältnisses zwischen den Ländern und dem Reich, die nur durch eine durchgreifende Vcrfassungsreform möglich ist. Merkwürdig mutet es an, daß er von Lohn- bewegungen als Folge der Erhöhung der Beamten- gedältcr spricht, obwohl davon keine Rede sein kann, und solche Lohn- bewegungen sür«ine eventuelle Preissteigerung haftbar macht. Der Handel müsse die Verantwortung sür eine eventuelle eintretende Preiserhöhung von sich ablehnen. Lohnbewegungen sind in der Tat nicht die Folge der Beamten- besoldungserhöhung, sondern nichts als ein Ausgleich bereits eingetretener Preiserhöhungen. Der Einzelhandel verfährt aber sehr uiivcriiünstig, wenn er sich gegen Lohnerhöhungen wehrt, weil der Borteil, der aus Lohnerhöhungen für die Ver- größerung seines Slbsatzes dem Händel erwächst, unver- gleichlich viel größer ist, als die verhältnismäßig geringen L o h n s u m m c n, die er selber mehr zu tragen hätte. Der zweite Tag brachte für die Oessentlichkeit einige Entsckilie- ßungen, die u. a. die Konzessionierung des Versteigerungsgewerbes, der Auskiinsteien und des Deteküogewerbes, den'Ausschluß des Hausierhandels van einigen Gegenständen, die schärfere Sichtung und steuerliche Ersassung des Wandergewerbes, den Ausschluß von Kraftfahrzeugen beim Wandergewerbe fordern. Durch Ausnahme von sechs Händleroerl'äiiben wurde die Mitgliedschaft um 24 000 Per- sonen erweitert. Der beuiig« Tag bringt eine öffentlich« Mitgliederversammlung, aus der oucki der preußische Handelsminifter sprechen wird, und eine össentliche Kundgebung. Nach öer Diskonterhöhung. Noch Rekordstand für Wechsel bei der Reichsbank. Die Diskonterhöhung der Reichsbank vom 4. Oktober erfolgte bekanMlich sehr plötzlich. Nicht wie sonst hat die Reichsbank obge- wartet, wie sich nach der scharfen Inanspruchnahme am September- ende ibre Lage nach der ersten Woche des Oktober darstellt. Nur drei Tage der ersten Oktoberwoche fallen allerdings in die Zeit nach der Diskonterhöhung. Immerhin ist durch das Vorgehen der Reichs- dank schwer festzustellen, was bei den in der ersten Okioberwoche ei»- getretenen Veränderungen als Folge von Diskonterhöhung bzw. als Folge der regelmäßigen Entspannung nach dem Ultimo anzusprechen ist. Die Kapitalanlage in Wechseln und Lombarddarlehen ist um 232,2 aus 2759,5 Millionen zurückgegangen. Die Wechselbe st ä n d e nahmen um 142,5 auf 2603,2 Millionen, diejenigen an Lombarddarlehen um 89.7 aus 64,1 Millionen ab. Der Rückgang der Wechselbestände laßt ein« Einwirkung der Diskonterhöhung kaum erkennen, und wenn die Lombarddarlehen im Verhältnis auch stärker zurückgegangen sind, so bleibt der Bestand mit 64 Millionen bei dem hohen Lombardsotz von 8 Prozent doch sehr groß. Interessant ist der B e r g l e i ch zwischen dem Wechselbestoiid in der Woche nach der Diskonterhöhung im Monat Juni(2116,9 Millionen) und dem Bestand am Ende der ersten Woche des Oktober, also nach der zweiten Diskont- erhöhung dieses Jahres(2603,2 Millionen). Der Vergleich ist, daß trog der zweimaligen Erhöhung des Diskonts die Wechselbestände der Reichsbank innerhalb knapp vier Monaten um eine halbe Milliarde zugenommen haben. Die Ent- lastung in der ersten Oktoberwoche bei den eingereichten Wechseln ist trog der Diskonterhöhung noch niedriger als in den ersten Wochen der drei vorhergegangenen Monate. Mit 2,60 Milliarden Wechseln hat das Portefeuille der Reichsbank für die erste Monatswoche d. I. wieder einen Rekordstand, womit aber durchaus nicht gesagt sein soll, daß seine Vergrößerung außer Verhältnis zur Erweiterung der Industrie- und Handelsumsätze steht. Daß die Spannung aus dem Geldmarkt groß ist, zeigt auch der Rückgang der Kunden- gelber auf Girokonto um 18,9 auf 610,8 Millionen Mark. Der Popiergeldumlaus der Reichsbank ist trotz des Rück- flustes von 213,2 Millionen Roten und Rentenbankscheinen mit ins- gesamt 4958,2 Millionen sehr hoch geblieben. Der Notenumlauf ging um 178,4 aus 4004,1, der an Rentenbankscheinen um 34,8 auf 954,1 Millionen zurück. Die Bestände an Gold und deckungs- sähigen Devisen sind wenig verändert: die Devisen nohmerr um 2,1 aus 155,9 Millionen zu, während die Goldbestände gerst'g- fügig um 228 000 M. auf 1851,9 Millionen abnahmen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen stieg von 48,0 aus 50,1 Pro,;., was für die erste Monatswoche seit Juni, dem Zeitpunkt der ersten Diskonterhöhung, bemerkenswerterweisc der niedrigste Stand ist. Für die weitere Diskontpolitik der Reichsbank wird es natürlich entscheidend sein, wie sich ihre Bilanz in den nächsten Wochen entwickelt. Es wird berichtet, daß die Einreichung von Wechseln nicht unerheblich zurückgegangen ist. vas Zragezeichen üer Seratuagsstelle. Im Reichsfinonzministerium wurde gestern wieder die künftige Gestaltung der Beratungsstelle für Ausländsanleihen verho adelt. Anwesend war neben dem Reichsfinanz- und dem Reichswirtschofts- minister auch der Reichsbankpräsident. Es hob« völlige Heber- e i n st i m m u n g über die den Ländern zu machenden Borschläge geherrscht. Die Einladungen zu den Besprechungen mit den Länder- regierungen seien bereits ergangen. Wie der„S o z. Pressedienst" dazu erfährt, werden die Verhandlungen mit den Ländervertretungen am Mittwoch, dem 19. Oktober, ausgenommen. Mit einer schnellen Einigung ist noch Lage der Dinge jedoch nicht zu rechnen. In der Zwischen- zeit lehnt es die Beratungsstelle ad. Anträge auf Genehmigung von Kommunal- und Länderan- leihen zu beraten. Damit ist fürs erste den Ländern und Gemeinden der Weg zum Auslandskapitalinarkt gesperrt. Dos ist ein durchaus unhaltbarer Zustand. Hier muß schon deshalb schleunigst«ine Aenderung erfolgen, weil die Möglichkeit einer Eini- gung mit den Ländern nicht so bald gegeben ist. Der Chemietruft Sehnt sich weiter aus. Borfig und ZNonnesmann vereinigen die Kälteindustrien. Die letzte Aufsichtsrotssitzunq der I. G. Farbenindustrie hat neben sehr unzulänglichen allgemeinen Mitteilungen doch die wichtige Tatsache bekonntgcmacht, daß man mit dem bedeutendsten norwegi- scheu Stickstoffunteriiehmen, der über das groß« Kapital von 55,14 Millionen Kronen, verfügenden„N o r s t H y d r o e l e k t r i s k K o n e l st o f A k t i« s e l s k a b" eine engere Gemeinschaft einge- gangen ist. die auch durch einen Aktienaustausch versestigl werden soll. Diese Verbindung ist von besonderer Bedeutung sür den Fall, daß im W e l> st i ck st o f f g e s ch ä s t. in dem sich die meisten Länder jetzt selbständig machen, einmal scharfe Konkurrenzoerhöllnisj« eintreten. Di« riesigen Wasierkräfte Norwegens, die dem Werk zur Verfügung stehen, ermöglichen eine billige Produktion, deren Kon- kurrenz der Chemietrust offenbar auf alle Fälle ausschalten will. Jetzt wird aus dem Jnteresfenkreis der I. G. Farbenindustrie ein« neue Transaktion gemeldet. Zwischen der Rhei- nisch-We st sälischen Sprengstoff A.-G. und der Berliner Gustav Genschow?l. G. laufen Verhandlungen sür den Zusammenschluß. Die Rheinisch-Westfälische Sprengst oft A.-G. hat einen Vertrag mit der I. G. Farbenindustrie, wonach vier Zehntel der Chemietrustdioidendc garantiert werden und das Werk später im Chemielrust aufgehen soll. Eine ähnlich« Verbindung soll zwischen Genschow und dem Kölner Werk geschossen werden, sci daß indirekt der Zusammenschlusi der beiden Werk« eine Ausdehnung des Chemietrusts darstellen würde. Eine andere interessante Kombination erfolgt zwischen den Berliner Borsig-Werken und dem Konzern der Ge- brüder Mannesmann, der mit den Mannesmann Röhren werken nichts mehr zu tun hat. Die beiden Firmen grenzen ihre Pro- duktion von Kälteanlagen und Kältemaschinen gegenseitig ab und gründen«ine gemeinsame Verkaufszentrol«. Bei Borsig gilt die Kälteobteilung als einer der aussichtsreichsten Fabrikationszweige. Im Mannecinann-Konzern ist die Kiihlapparaleverteilung ebenfalls wohl der wichtigste Teil des Konzerns. Offenbar handcu es sich bei diesem Zusammenschluß um die Abwehr der ausländischen „F r i g i d a i r e"- K o n k u r r e n z, die sich in Deutschland in diesem Monat stark ausgedehnt Hot. S0 Tahre Siemens u. Halske. Nach dem Borsig- und dem Schwortzkopsf-Iubiläum ist jetzt vom Siemens-Konzern zu melden, daß er ain 12. Oktober auf eine achtzigjährige Vergangenheit zurück- sieht. Der Betrieb wurde im Jahre 1847 mit zehn Arbeitern ange- sangen, während im ganzen Konzern heute über hunderttausend An- gestellt« und Arbeiter beschäftigt sind. MAEGP Suppen m IBürfeln ersparen beim Suppenkochen die größte flrbeit- das Zurichten. 1 Würfel für 2 Teller 13 Pf. ■3