Nr. 344. Erscheint täglich außer MontagZ. Preis pränumerando: Viertel- jährlich s.Zv Mark, monatlich MO Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei tii's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 3,30 Mk. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oeslerreich- Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Ml. pr. Monat. Eingetr. in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1885 unter Nr. 7123. 13. Jahrs. Jnsertions-Bebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzctle oder deren Raum so Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nuinincr müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpediiion abgegeben werden. Die Erpediiion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abendS, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I.Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Koliaidemokrat Kerlin". Verliner Volksbkall. Zentralorgan der s ozialdemokratischen�artei Deutschlands. ?reitag�drnl� Gktober°1893���°°Krpedition� sw. 19, a'xntii-sintfir 3. MedaKtion: SW. 19, Meuth-Straße 2. An die VitvkeisenoTen! Durch Beschluß des Parteitages in Breslau sind die Unter- zeichneten wiederum mit der Leitung der Parteigeschäfte für das nächste Jahr betraut worden. Entsprechend den Bestimimnigen des§ 13 Abs. III unseres Organisationsstatuts hat sofort im Anschluß an die Wahl die Konstituirung der Parteileitung stall- gefunden, bei welcher Gelegenheit nachstehende Beschlüsse gefaßt wurden: Die Adresse des Parteibureaus ist wie bisher: I. Auer, Berlin L W., K a tz b a ch st r. 9. Säinmtliche für den Parteivorstand bestimmte Briefe und sonstigen Zusendungen sind nur an die vorstehende Adresse zu richten. Alle Geldsendungen dagegen sind n u r an den Parteikassirer Albin Gerisch, Berlin SW., K a tz b a ch st r. 9, zu adresstren. Beschwerden über den Parteivorstand oder dessen Geschäft?« führung sind an Heinrich Meister, Hannover, Pferde st r. 9, einzusenden.. Parteigenossen! Nach den Bestimmungen des§ 4 des Organisationsstatuts hat die Neuwahl der Vertrauenspersonen alljährlich im Anschlüsse an den Parteitag stattzusinden. Wir richten deshalb an Euch das Ersuchen, diese Neuwahlen überall wo sie nolhwendig sind, schleunigst vorzunehnien und von dem Ergebniß derselben unter genauer Angabe der Adresse des Gewählten dem Parteivorstande unter der oben angegebenen Adresse Mittheilung zu mache». Auch die Vertrauenspersonen jener Orte, welche im neuen Jahre die Parteigeschäfle wie bisher weiter besorgen, werden er- sucht, davon dem Parteivorstande Mittheilung zu machen, damit das Adressenverzeichniß auf dem Laufenden gehalten werden kann und Jrrthüiner vermieden werden. Die Vertrauenspersonen werden besonders darauf aufmerksam gemacht.daß es nicht genügt, wenn ihre Neuwahl in irgend einem der Partei-Organe veröffentlicht wird. Bei der großen Zahl unserer Preß-Organe ist es ausgeschlossen, daß seitens des Parteivorstandes eine so genaue Kontrolle statt- findet, um jede Notiz über etwa erfolgte Wahlen von Verlranens- Personen feststellen zu können. Die Wahlen der Vertrauenspersonen haben in ö f f e n t- l i ch e n Parteiversammlnngen stattzufinden, zu denen jedermann Zutritt hat, der sich zu den sozialdemokratischen Grundsätzen bekennt. Wo solche öffentliche Versammlungen nicht stattfinden können, sei es, weil die Genossen kein Lokal bekommen oder weil, wie in Mecklenburg, sozialdemokratische Versammlungen überhaupt nicht geduldet werden,'�da genügt es, wenn die Parteigenossen sich privat verständigen und Einen aus ihrer Milte als Ver- trauensperson in Vorschlag bringen. Parteigenossen! Der Parteivorstand ist entschlossen, auch 2 Ein Vovrüiitkev» 1«°�. wboie». Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Rnederer. Als er den: Förster, der immer noch regungslos an seinem Platze stand und von der Seite tief trallrig den weinenden Schullehrer betrachtete, die Hand gab, wandte er sein Gesicht ab und wischte sich die Augen. Dann wich er der heranströmeuden Menge aus und schritt langsam zu der kleinen Friedhofsthiire, wo er seinen Hut aussetzte. Wie im Zweifel, wohin er gehen sollte, machte er ans dem schmalen Wege des Sirchenbühels einige Schritte nach verschiedenen Seiten und blickte dabei über die abbröckelnde Mauer noch immer auf das Gcwoge zurück, das dort um die Grabstätte wimmelte. Man konnte es ihm an- sehen, daß er froh war, der Trauerversammlting entronnen zu sein, deren verstimmenden Eindruck er schnell zu ver- ivischen suchte. Er schüttelte den Kopf, als er gegen den Rand der kleinen Anhöhe trat, reckte die Schultern ein paarmal empor, spie aus und holte einen Kamm aus der Tasche. Sorgfältig durchfuhr er seinen rothbraunen, dichten Voll- bart, der weit herabreichte und, unter dem Kinn ein wenig gestutzt, zwei stattliche Hälften aufwies. Die stechenden Augen blinzelten wohlgefällig ans die gut gepflegte Haarmasse herab, die ntit beiden Händen glattgestrichen wurde. Auch die Uniform wurde besichtigt und verrieth die peinlichste Sauberkeit bis hinab zu den blankgeputzten, viereckigen Stiefeln. Der Mann schien von der Musterung befriedigt. Ersetzte sich langsam in Bewegung und wanderte vom Bühel im neuen Jahre seine Pflicht zu erfüllen wie bisher, wir erwarten, daß Eurerseits das gleiche geschieht. Vorwärts, trotz alledem! Hoch die internationale Sozialdemokratie! Berlin, 17. Oktober t39ö. Für die Parteileitung: A il g u st Bebel. Paul Singer. Vorsitzende. I. Auer, W. P s a n n k u ch, Schriftführer. Albin Gerisch, Kassirer. Junkerlicher SknukssoziuliSmus. Die kapitalistische Produktionsentwickelung schafft eine ökonomische Uebermacht des industriellen Kapitals. Dieses wäre mit dem agrarischen Junkerthum politisch schon längst fertig, wie es mit ihm ökonomisch durch Hypotheken bereits fertig geworden ist, trüge es nicht selbst in der Auflehnung des Proletariats den Tod im.Herzen. So kommt es, daß in Teutschland, einem Industriestaat eisten Ranges, im Vordergrund der politischen Macht nicht die Bourgeoisie, sondern das Junkerthum steht. Das politische Vorherrschen des agrarischen Junker- thunis würde aber ein noch ganz anderes, ein noch durch- greifcnderes sein, würde es verstehen, ökonomisch durch- greifende Aenderungen zu fordern. Das ist eben der Jammer des Agrarierthums, der sich aus seiner ökonomischen Klassen- läge crgiebt, daß es sich auf die Dauer nicht zu helfen weiß. Gctreidezölle, Doppelwährung— das sind abge- schinackte Dinge. Das sind Sachen, die längst nicht nur von der Theorie, sondern auch von der Praxis ge- richtet sind. Diese Art der Volksbewucherung ist zu nackt, zii offen- kundig. Jedermann sieht hier jetzt gleich, wie das Geld alls dem Staatssäckel genoinmeil und in die Taschen der Agrarier geschoben wird. Und jedermann kann leicht aus- rechnen, daß die Operation das Volk zehnmal soviel kostet, als sie deit Junkern einbringt. Eine solche Manier ist, seitdem es innerhalb einer parlamentarischen Regiernng eine politisch kämpfende Arbeiterklaffe giebt, nicht ent- wickelungsfähig. Die ökonomische und politische Entwickelung drängt die Agrarier dazu, viel schärfere ökonomische Umwälzungen zu erstreben. Die europäische Industrie herrscht ans dem Weltmarkt, aber die europäische Laudwirlhschaft wird von dem gleichen Weltmarkt beherrscht. Deshalb das Bc- streben der Junker, sich von dem Weltmarkt abzn- schließen durch Getrcidezölle. Nachdem aber diescs Mittel verbraucht, bleibt nichis übrig, als sich gegen dewWaaren- markt überhaupt zu wenden. Das der Ursprung des agrarischen Staatssozialismus. Seilte weitere Entwickelung führt über die Verstaatlichung der Hypotheken zu der Ver- staatlichung des Grund und Bodens! Diese Deduktion wird jetzt, nachdem die hochsteigende agrarische Bewegung schon manche sehr kennzeichnende Blüthe gezeitigt hat, kaum jemaild überraschen. Aber vor herab. Dabei hatte sein Schritt etwas Selbstbewußtes und Stolzes. Hoch emporgercckt trug er den derben Schädel und blickte herausfordernd um sich. An einigen Häusern des Dorfes kam er so vorüber und gelangte zum gelb- gestrichenen Gasthaus, dessen Hauptfront scheckig gemalte H»iligenbildcr und fromme Sprüche bcdeckteli. „Wciin's erlaubt ist, Herr Förster?" tönte es flüsternd neben ihm. Es war der Wirth. Höflich hatte er den Hut abgenommen und sich init tiefer Verbeugung an die linke Seite des Angeredeten begeben. Sein langes Gesicht steckte noch in den Falten der angelegten Traurigkeit und sah gar- kummervoll drein. „Ich glaub' gar, der Herr Förster schenken mir die Ehr' V Die Sprache des Wirthes stimmte mit dem Llnzuge überein, der seinen hageren, langen Körper bedeckte. Sie war halb städtisch, halb ländlich, ein Umstand, auf den sich Herr Kreittmayer nicht wenig einbildete. Ueberragtc er doch als ein Mann, der in der Welt schon weit herum- gckomnien war, mit seiner gebildeten, flötenden Redeweise alle seine Landsleute, die nichts als ihr Dorf kannten. „Wenn's gefällig ist, Herr Förster!" Daniit wies er höflich zum Eingang und entblößte sein Hanpt.— Vom Friedhof tönte ein feierlicher Choral ins Dorf herab. Das Begräbniß war beendet, die Menge zerstreute sich. In der weißgetünchten Eckstube, die heute zu Ehren des Sonntags frisch gescheuert war, ließ sich der Förster unter einer schlecht geschnitzten Kreuzigungsgrnppe behaglich nieder. Langsam stopfte er seine kleine Pfeife und nickte zu den Bauern hinüber, die nach und nach mit einem„Grüaß wenigen Jahren wußte die ganze Welt nicht, wohin die Agrarier hinlenken werden, sie selbst nicht minder. Und doch wurde das Resultat klar und entschieden auf einem sozialdemokratischen Parteitage vorhergesagt. Es war 1892 in Berlin. Damals sagte W. Liebknecht in seiner Rede über den Staatssozialismus:„Bei der Entwickelung, welche die deutsche L a n d w i r t h sich a f t nimmt, halte ich es durchaus nicht für unwahrscheinlich, daß das Jnnkerthum, welches schon bei der theilweisen Vcrstaat- lichung der Schnapsbreimerei seine Rechnung so gut ge- fundcn hat, mit Freuden seine Hand dazu reichen wird, die Landwirthschaft wie alle übrigen Betriebe zu ver- staatlichen. Die Staatssozialisten bilden jetzt gewiß nicht die Majorität, aber sie sind mächtig und die ganze ivirth- schaftliche und politische Entwickelimg Deutschlands ist einem derartigen Versuch zur Verwirklichung des Staatssozialisnms entschieden günstig. Ich halte es darum für doppelt noth- wendig, daß wir klipp und klar Stellung' nehmen— denn die Gefahr rückt immer näher heran."(Protokoll S. 213.) Diese Ausfassung wurde gerechtfertigt durch die Eut- Wickelung weniger Jahre. Es genügt, den Alltrag K a n i tz zu nennen! Der Antrag Kanitz trat zunächst als vereinzelte Erscheinung, als Kuriosnm auf und wurde mit spöttischem Gelächter aufgenommen. Jetzt lacht man nicht mehr über ihn! Denn er hat bereits die gesetzgeberische Maschinerie und die vollziehende Gewalt des Staats in mächtige Bewegung gesetzt und hat die gesammte agrarische Hochfluth hiliter sich. Nun wird man sagen:„Ja, der Antrag Kanitz ist entstanden, weil man die Getreidezölle nicht hat erhöhen können." Allerdings, das war seine Veranlassung. Aber es ist auch kein Zufall, daß man die Getreidezölle nicht auf die frühere Höhe hat heraufbringen können. Und würde man auch noch einmal die Zölle erhöhen, so würde man es immer wieder thun müssen, denn die Getreidczölle wirken nur, so lange sie gesteigert werden. Ulid schließlich gelangt man doch zu einem Punkt, wo die Zölle nicht ni e h r erhöht werden können. Was dann? Dann kommt eben der Antrag Kanitz. Aber der Antrag Kanitz ist nur erst ein schüchterner Versuch und leidet deshalb an seiner eigenen Inkonsequenz. Er ist nur ein Taster nach i n e r bestimmten Richtung. Und als A n s k u n d s ch a f t u n g hatte er einen glänzenden Erfolg. Anderes wird kommen, und das wird konsequenter sein und gründlicher! Ob eine allgemeine kapitalistische Verstaatlichung dcr Landwirthschaft zu verwirklichen ist, hängt von einer komplizirtcn Menge ökonomischer und politischer Be- dingungen ab. Aber darauf kommt es am allerwenigsten an. Wichtig ist die Bedeutung des Agrarsozialismus sür die G e g e n w a r t s p o l i t i k. Es kommt darauf an, daß derartige Forderungen g e st e l l t werden, daß sie in den politischen Vordergrund treten, daß um ihretwillen eine ausgedehnte politische Agitation entwickelt wird. Kurz, es handelt sich darum, daß der Staatssozialismus der Agrarier die politische Situation beeinflußt, eine neile politische Ge- staltung hervorruft und dadurch die anderen Parteien zur Stellungnahme zwingt. Gott, Herr Förster!" in die Stube polterten und an ent- fernteren Tischen Platz nahmen. Der Wirth brachte frischen Anstich und kredenzte dem Förster die erste Maß. Mit breitem Fletschen der eberartigen iveißen Zähne hob dieser den Krug zum Munde und trank eilten tüchtigen Schluck. Schweigend saß ihm der Wirth gegenüber. Die devoten Augcil hingen an den schwülstigen Lippen des Försters, der seilte Pfeife anzülldete und beide Arme zur blanken Tisch- platte niederließ. „A z'ividre G'schicht, ha, Kreittmayer?" „Der Herr Förster meinen den Todesfall.... Ja, du lieber Gott, das is wohl a z'widre, traurige G'schicht. Man muß zwar Gott danken, daß die arme Frau Försterin erlöst is, aber's is halt doch a harte Prüfung für den Herrn Förster und ffiir die Fräul'n Anna!" „Hm, hm," nickte das Gegenüber, dichte Dampswolken blasend. Der Wirth schüttelte nachdenklich den Kopf. „De Verziveiflung, de Verzweiflung," sagte er. „Von wem?" „Nun... von der Fräul'n Anna halt! Ja, wenn Sie das g'seh'n hätt'n, Herr Förster!... Sie machen sich kein' Begriff, wie's im Forsthaus droben zuge- gangen is." „No, aber er, der Baldcr, scheint mir eigentli doch ziemli kalt z'sein, er hat ja net amal g'woant." Der Förster sprach dies mit etwas gedämpfter Stimnie, weil die Bauern an den Nebentischen, ohne ein Wort zu reden, uu- nntcrbrochen zu ihm herüberstierten. Verlegen hob der Wirth die magere Hand empor nud blickte ans die Decke, wo dichte Fliegeuschwärme saßen: Die M irren int WiongoftÄnk. Der Aufstand der zur Verzweiflung getriebenen Neger greift immer weiter um sich. Neuesten Berichten zufolge veranstalteten sie eine förmliche Jagd auf die belgischen Offiziere Peltzer. Shaw, Bolen, Lassaux und Cassart. Die drei ersteren wurden zu Tode gemartert und furchtbar verstümmelt. Cassart blieb drei Tage nahrungslos im Dickicht verborgen. Die Lage der belgischen Verwaltungsbeamten gilt für gefährlich, da man den Verrath der übrigen Neger« soldaten befürchtet. Ueber das Treiben des berüchtigten Kapitän Lothaire und feine Ermordung des Händlers Stokes hat Dr. M i ch a u x, der einzige Zeuge bei der Verurtheilung des Stokes, einem Jnter- viewer Mittheilungen gemacht, aus denen hervorgeht, daß das Kriegsgericht, durch welches Stokes verurtheilt wurde, nur aus einer Person bestand und diese Person war— Kapitän Lothaire. �Dr. Michaux fungirte ausschließlich als Dolmetscher, kein anderer Weißer befand sich im Lager. Das Verhör dauerte kaum etwas über eine Stunde und nur wenige Araber wurden als Zeugen aufgerufen. Lothaire theilte Stokes dann kurz mit, daß er„zum Tode verurtheilt sei" und am folgenden Tage hingerichtet werden solle. Stokes war vor Ent- setzen stumm, begab sich in seine Hütte, schickte nach Dr. Michaux und bat ihn, sich bei Lothaire für ihn(Stokes) zu verwenden. Dies geschah, aber Lothaire war vollständig un- beugsam. Als ein letztes Mittel bat Dr. Michaux um einen Ausschub von wenigen Tagen, aber auch dies wurde ihm ab« geschlagen. Abends wiederholte er den Versuch, den Entschluß Lothaire's zu erschütter» und hatte die Absicht, es am nächsten Morgen nochmals zu thun, aber um 5 Uhr in der Frühe wurde Stokes schon aus dem Bette geholt, gehängt und am Fuße des Galgens sofort begrabe».— Ferner liegen Berichte aus englischen Quellen vor, die keinen Zweifel darüber lassen, was für eine wüste Gewalt- Herrschaft von den Kongo-Beamten geübt wird. So äußerte sich ein Missionar, der längere Jahre am Kongo zugebracht hat: „Die volle Wahrheit darf niemand sagen, der je wieder nach dem Kongo zurückkehren will. Die Beamten verfahren völlig willkürlich, als ob ihnen niemand etwas zu sagen hätte." Ueber die Ermordung des englischen Händlers Stokes sprach sich der Missionar wie folgt aus:„Ich hörte von dem Vorfall erst, als ich den Strom hinab- fuhr. Wie ich aber Kapitän Lothaire kenne, war ich nicht überrascht. Die Eingeborenen haben eine heilige Scheu vor diesem Manne. Die Eingeborenen am Lulangaflusse nennen ihn„Losemba", d. h. Nebel, weil niemand weiß, was er nächstens beginnen will. Dennoch ist Lothaire noch garnicht der schlimmste der Kongo-Beamten. Viele haben noch einen weit schlimmeren Namen. Mit Lothaire steht es allerdings schlimm genug. Vor vier Jahren traf er mit einer Truppe Schwarzer gegenüber der Missionsstation Lulongo ein. Die Eingeborenen waren geflohen, sobald sie von dem Anmarsch Lothaire's gehört hatten. Darauf bat er den Missionar, seinen Einfluß geltend zu machen, die Eingeborenen zurückzubringen. Er wolle ihnen drei Tage Frist gewähren, um ein Palaver ab- zuhalten. Der Missionar traute Lothaire. Er hielt ihn für einen Offizier und einen Christen. So kamen die Eingeborene» denn aus die Station. Kaum waren fie aber angelangt, so eröffnete Lothaire mit seinen Leuten das Feuer auf sie. Eine Menge wurde getödtet. Natürlich schoben die Eingeborenen den Missionaren die Schuld für den Verrath zu. Darauf meldete Lothaire einer anderen Missions- station, daß er sie bald besuchen würde. Dieser Missionar war vorsichtig und warnte die Eingeborenen. Eine Sache scheint bei der Stokes'schen Angelegenheit übersehen zu weiden. Die Karawane des Stokes hatte Waaren im Werth« von 4000 Lstrl. Wahrscheinlich kamen viele Waffen, die von den Kongostaat-Beamten bei den Eingeborenen gefunden wurden, von der Stokes'schen Karawane. Die Beamten werden natürlich erkläre», daß die Eingeborenen die Waffen von den „Briten" erhalten hatten. Friede herrscht allerdings zur Zeit. Aber wie? Jeder Ort am Aruwhimi hat eine Menge Gummi zu zahlen. Als die Eingeborenen es nicht aufbringe» konnten, wurden sie bestraft. Die Folge war, daß 00 Araber sich er- hoben und den Soldaten des Kongostaates die Waffe» und Munition abnahmen. Eine Menge Soldaten fanden ihren Tod. Darauf zogen die Eingeborenen gegen die Hauptstation Basoko vor. Dreimal gingen sie gegen den befestigten Platz vor. Es gelang ihnen aber nicht. Das alles hat sich im Frühling und Ansang Sommer abgespielt. Zu der Zeit hatte ein belgischer Offizier die Station Monsambe, fünszij englische Meilen unterhalb Bangala angegriffen. Der Angrf „Ja, mein," sagte er,„unser Herr Förster des is halt a Mann, der... er suchte nach dem passenden Ausdruck, „der sich net irr' machen laßt. Aber.. setzte er hastig hinzu,„es is ihm schon furchtbar nah''gangen, ich weiß, wie er an der Frau g'hängt hat." '„No ja," stieß der Förster mit seiner rauhen Stimme hervor,„davon red't ja koa Mensch, i mein' halt blos, bei am Begräbniß da soll ma an'm Menschen do a bisse! mehr Trauer anmerken, als ma bei ihm g'sehn' hat, g'rad weil er halt so an der Frau g'hängt hat, wie Sie sagen!" „Freili, freili!" wisperte der Wirth und strich mit der flachen Hand über seine Glatze, die zwischen den dünnen, grauen Haarbüscheln hervorglänzte.„Freili! Glauben sollt' man's schon, daß man bei einer solchen Gelegenheit dem Menschen eine Trauer anmerken müßt. Hab ich's ja selber g'sehen, wie Sie sich die Augen g'wischt haben, Herr Förster, wo Sie doch die Verstorbene weiter nix an- gangen hat." Der Förster nahm auf einen Augenblick wieder seine Kirchhofsmiene an und verzog den Mund. Dann packte er den Maßkrug mit seiner braunen Rechten, an deren mittelstem Finger ein schmaler Goldreisen im fetten Fleische klebte, that einen großen Zug und sagte: „De Frau hat mir halt leid'than. Sie hat Lebtaglang nix Guat's g'habt." »Ja, ja, das Leiden, das schwere Leiden, und �mn hinterher noch die trostlose G'schicht mit der Anna unj/dem Lehrer! Daß sie das noch hat erleben müssen!"> Flüsternd hatte der Wirth gesprochen. Als esi fertig war, schlug er die dürren Hände klatschend zumnimen. „Das hat ihr noch den Rest'geben, Herr Förster", fügte er bei und wackelte mit dem Zeigefinger, wie drohend, in der Lust herum. „Kann scho sei, kann scho sei", sagte der Förster trotzig und biß mehrmals nacheinander in das Mundstück seiner Pfeife hinein. In der Stube war es voll geworden. Bierdunst und f igarrenqualm vermengten sich mtt dem fettigen Geruch der ederstiefel und Kleider. Seltener sahen die Bauern, die jetzt langsam zu reden begannen, auf den Tisch herüber, wo der Wirth in gebückter Stellung saß und zu warten schien, ob der Förster noch etwas sagen wolle. Dieser aber schwieg und paffte große Wolken in das Zimmer hinein. Lauge blickte er den bläulichen Dunstringen nach, bis sie sich allmälig an den Köpfen der Bauern auflösten. Offenbar beschäftigte ihn etwas, über das er nachdenken wollte. (Fortsetzung folgt.) war völlig ungerechtfertigt. Die belgischen Soldaten brannten die Orte nieder. Nur die Missionsstalion schonten sie. Der Fall kam dem König Leopold zu Ohren, der Einzelheiten forderte. Im Kongostaat liegt die Sache so: Junge und un- erfahrene Offiziere, die sich weit weg von der Zentralverwaltung befinden, thun, was sie wollen. König Leopold und der Goilverneur sind ohnmächtig. Der Angriff auf Bangala steht nicht ver- einzelt da." Ein anderer Engländer, der drei Jahre im Kongostaat ver- weilte, erzählt: „Ich kann nichts dagegen sagen, wenn man die Beamten des Kongostaates der Unfähigkeit und Brutalität anklagt. Ihr Hau plzweck ist, Gummi und Elfenbein zu bekommen. Daran liegt ihnen alles. Sie machen sich keine Gewisseusskrupel daraus, einen-Stamm gegen den anderen zu hetzen. Der stärkere Stamm muß die Kastanien aus dem Feuer holen, damit die Kongo-Beamten das Elfenbein des schwächeren Stammes erlangen. Eine Menge Menschenleben gehen dabei zu gründe und es ist deshalb kein Wunder, wenn so häufig belgische Offiziere ermordet werden. Auch der Fluß wird strenge bewacht. Die Kongo-Beamten sehen ein mit Elfenbein beladenes Kanoe den Fluß am Abend hinab- fahren. Sie geben den Eingeborenen Zeichen, anzuhalten und ihre Maare einzubringen. Einen Preis wollen sie aber zahlen, der weit niedriger ist, als er von jedem Händler erhalten werden kann. Die Folge ist selbstverständlich, daß die Eingeborenen so schnell wie möglich davon fahren. Was geschieht? Das Feuer wird auf das Kanoe eröffnet. Entweder werden die Eingeborenen getödtet oder sie müssen den Beamten des Kongostaates ihr Elfenbein überliefern. Ein anderer Punkt ist der, daß belgische Agenten fortwährend be- müht sind,. britische Unterthanen an der Goldküste, in Sierra und in Barbadoes anzuwerben. Die britische Regierung hat schon ein Auge darauf. Die Leute werden als Arbeiter verpflichtet und müssen dann, sobald sie im Kongostaat eingetroffen sind, Militärdienste leisten. Sehr wenige kehren ze an die Küste zurück. Sie sterben im Innern. M e i st e n s verhungern sie. Die Folge ist, daß hunderte Meilen weit das Land verödet ist. Die Eingeborenen flüchten aus französisches Gebiet. Freilich muß man den höhere» Kongo-Beamten, die sich an der Küste befinden, zur Ehre nachsagen, daß sie für de» Stand der Dinge im Freistaate nicht verantwortlich sind. In Boma wird doch wenigstens der Versuch gemacht, die Kinder der Eingeborenen zu erziehen. Im Innern aber herrscht fortwährend der Be- lagerungszustand. Wenn es nach den Bewohnern des Kongo- staates gegangen wäre, so würde» die Belgier längst aus dem Lande vertrieben sein und die Briten und andere Europäer dasselbe Schicksal getroffen haben. Nur das Mißtrauen eines Stammes gegen den anderen rettet die Belgier."— polttifche AebevNchk. Berlin, 17. Oktober. Die Landtags-Ersatzwahlen im Königreich Sachsen (für 27 Kreise) fanden heute, Donnerstag, statt. Bisher gehörten von den 82 Mitgliedern des Landtages 43 der konservativen Partei an; außerdem bestand die zweite Ständekammer aus 14 nationalliberalen, 14 sozial- demokratischen, 7 kammcrfortschrittlichen, 2 freisinnig volksparteilichen und 2 antisemitisch- reformerischen Mit- gliedern. Auszuscheiden haben diesmal 14 Konservative, darunter der bisherige Kammerpräsident Hofrath Ackermann- Dresden, 3 Nationalliberale, 2 Kammerfortschrittler, die beiden einzigen Freisinnigen und SSozialdcmokraten. Die antisemitischen Reformer treten in 12 Wahlkreisen mit eigenen Kandidaten den Konservativen entgegen. Privatdepeschcn melden uns folgende Resultate: In Dresden II erhielt Genosse Schönfeld 3027 Stimmen (gegenüber 1301 sozialdemokratischen Stimmen im Jahre 1889). Gewählt wnrde Behrens(kons.), der 4454 Stimmen erhielt. Dresden III wurde von unserer Partei erobert. Genosse F r ä s d o r f erhielt 1994(1889: 1284 sozialdemokratische Stimmen), Schmidt(freis.) erhielt 103, Häckel(Antisemit) 994, Vogel(kons.) 1488 Stimmen. In Leipzig II erhielt Genosse H e i n i s ch 1964(1889: 2379) Stimmen, der Antisemit 110 Stimmen; gewählt wurde Schill(Kartell) mit 2367 Stimmen. Leipzig IV wurde von unserer Partei be- hanptet. Genosse Pinkau erhielt 3889(1893: 4021) Stimmen, Schilbach(Kartell) 1441. Im 13. städtischen Wahlkreise(Burgstädt) wurde der Konservative Liebau mit 1113 Stimmen gegen den Antisemiten Drescher, der 878 Stimmen und gegen unseren Kandidaten Land gras, der 763 Stimmen erhielt, gewählt. Chemnitz-Stadt und Chemnitz-Land behauptete unsere Partei trotz aller Anstrengungen der Gegner. In Chemnitz-Stadt erhielt Genosse Seifert 3913, der Antisemit 2037, der Konservative 851 Stimmen, in Chemnitz- Land siegte Genosse Hofmann mit 1808 Stimmen gegen 890 anti- semitische und 1058 konservative Stimmen. Den Bezirk Zwickau-Land behauptete für unsere Partei Musikdirektor Stolle. So sehen wir, daß unsere Partei trotz aller Angriffe der Gegner, trotz der unerhörtesten Wahlmachinationen, trotz der Energie der Gegner, trotz aller Aufrufe immer vorioärts marschirt, die Feinde aus dem Felde schlägt und sich keinen Fuß breit Terrain rauben läßt. Alle Machenschaften der Gegner sind unwirksam gegenüber dem festen Zusammenhalte und deq�eisernen Pflichtgefühl deutscher Proletarier.— Stttentatsfruktifizirung. Man hat wirklich gefunden in der Hinterlassenschaft des Attentäters kcyer, das der Staatsgewalt einen Anlaß zum Einschreiten egen die Sozialdemokratie gegeben hat. Ein Privat- Telegramm aus Mülhausen vom 17. Oktober berichtet uns über diese Haupt- und Staatsaktion: „Der Statthalter hatte gestern beim Kaiser Vortrag. Heute wurde der„Offenburger Volksfreund" durch Ver- fügung des Statthalters auf grund seiner außerordentlichen Ge- walten in Elsaß-Lothringen(Diktatur) verboten. Die amt- liche Korrespondenz inotivirt das Verbot damit, der„Volks- freund" habe hauptsächlich die Fabrikanten persönlich verunglimpft und verdächtigt. Der Attentäter Meyer sei laut Haussuchung Leser des„Volksfreund" ge- wesen und der Entschluß zur That sei zweifellos unter dem verwirrenden Einfluß einer planmäßigen Hetze gegen die Fabrikbesitzer bei ihm entstanden. Die fernere Verbreitung des „Volksfreund" im Lande würde eine fortgesetzte Bedrohung der öffentlichen Sicherheit herbeiführen." Da sieht man wieder klärlich den Nutzen des Diktatur- Paragraphen. Die Logik der elsaß- lothringischen Behörde ist bewnndernswerth. Schade eigentlich, daß es nicht einen solchen Diktaturparagraphen für das ganzeReich giebt und daß somit nicht sämmtliche Landesverwnltungen sich das Straßburger Vorbild zu nutze machen können. Da ließen sich innen Jahresfrist sämmtliche Blätter verbieten, die den rikanten oder anderen Leuten unbequem werde». ev welchem schweren Verbrecher findet man keine Zeintngen? In unserer Zeit dringt die Zeitungslektüre bis in alle Winkel. Und läßt sich die Polizei bei der Verbrecherverfolgung nebenbei für die Entdeckung„ans- hetzerischer" Literatur nur das Bibelwort zur Richtschnur dienen:„Suchet, so werdet Ihr finden"— dann wird es niemals an solchen Beweisen für die intellektuelle Urheber- schaft der„hetzerischen" Zeitungen an allen möglichen Verbrechen mangeln. Schwerlich wird durch eine solche künstliche Konstruktion, wie sie der elsaß- lothringischen Landesverwaltung beliebt hat, der gewünschte Eindruck auf In- und Ausland erzielt werden können. Zur Beurtheilung dieser Aktion ist es interessant, was vor dieser Fiktion die„Vossische Zeitung" über die Versuche, den Attentäter Meyer zu einem Politikus auszupuffen, gesagt hat: Das freisinnige Blatt meint, zunächst müsse man„unter- suchen, einmal ob die That des Arbeiters Meyer über- Haupt einen politischen Charakter trägt, und sodann ob irgend- wie die Gesetzgebung für derlei Verbrechen verantwortlich zu machen, also ihre Aenderung geboten wäre. Die erstere Frage mit Sicherheit zu bejahen, ist heute kaum jemand im stände, obwohl neuerdings einige Personen, die mit Meyer vertraut verkehrt haben sollen, unter dem Verdacht, von seinem Vorhaben Kenntniß gehabt zu haben, verhastet worden sind. Diese Verhaftung, wenn anders sie aufrecht erhalten werden kann, wäre auch möglich, wenn Meyer aus Privatrache gehandelt hätte. Ein Mensch, der im Jahre 1883 mit einem Monat, im Jahre 188S mit achtzehn Monaten Gefäugniß ibegen Dieb- stahls bestraft ist und sich dann als Zuhälter ernährt hat, verdient schwerlich als politischer Schwärmer angesehen zu werden. Bei ihm liegt der Beweggrund der Rachsucht um so näher, je mehr sich bestätigt, daß er von dem Fabrikanten Schwartz als Ansetzer thätlich mißhandelt worden sei. „Wie aber ist es möglich, die Mordthat auf die Unzu- länglichkeit der Straf- und Polizeigesetzgebung zurückzuführen? In der Kundgebung des Kaisers steht davon kein Wort. Wir haben gegen diese Ausbeutung der Mittheilung des Herrschers an den Statthalter schon einmal Einspruch erhoben. Wäre die Mordthat vielleicht unterblieben, wenn ein Sozialisten- gesetz oder ein Umsturzgcsetz bestanden hätte? Ein solcher Trug- schluß wäre allenfalls möglich gewesen, wenn sich das Verbrechen in den alten Grenzen des Reichs ab- gespielt hätte. Aber es ist just in Elsaß-Lothringen vorgekommen, und in Elsaß- Lothringen giebt es weder Preßfreiheit, noch VersammlungS- ireiheit; dort hat die Verwaltung vermöge des iktaturparagraphen alle Vollmachten, die von den Umsturzschreiern für das ganze Reich ersehnt werden könnten. Die Mülhausener Blutthat beweist daher, nicht daß die Gesetzgebung des Reichs unzulänglich, sondern daß auch das Ausnahmegesetz, die Diktatur, Verbrechen nicht zu verhindern im stände ist. Sie ist geeignet, nicht die Nothivendigkeit, sondern die Unwirksamkeit einer Ausnahmegesetzgebung darzuthun.— Taft die Regierung sich„ermannen" möge, natür- lich zur polizeilichen Verfolgung aller„Umstürzler" und zil Ausnahmegesetzen, darum haben unterschiedliche Ordnungs- retter in der Kartellpresse dringend im Anschluß an die kaiserliche Depesche aus Hubertusstock gebeten. Die„Post", die nie zurückbleibt bei solchen Bemühungen, bringt auch gleich mit genialem Griff das Attentat auf den Glashütten-Direktor Ressö guier in Carmaux mit dem Meyer'schcn Attentat in Verbindung. Sie findet in beiden eine Be- thätigung„sozialdemokratisch-anarchistischer Mordinstinkte". Es genügt, diese eben so sinnlose wie perfide Phrase nur zu registriren als Kennzeichen dafür, mit welchen unsauberen Mitteln jetzt gegen die Sozialdemokratie die Hetze weiter geführt wird.— Bom„Wolff'schen Telegraphenbureau" erhalten wir folgende Zuschrift: „In Ihrer Nr. 243 finden wir verschiedene Bemerkungen, welche die Behandlung der bekannten Depesche Seiner Majestät des Kaisers in Sachen Schwartz-Mulhausen durch unser Bureau betreffen. Wir ersuchen Sie, nachstehende Berichtigung zu ver- öffentlichen: 1. Die Kaiserdepesche war nicht uns„überantwortet", viel- mehr ist dieielbe bereits Montag früh durch die„Straß- burger Korrespondenz" veröffentlicht worden und von dort in die mittags erscheinenden Straßburger Blätter über- gegangen, 2. Wir erhielten die Depesche von unserer Straßburger Agentur, und zwar infolge Telephonstörung zwischen Berlin und Straßburg auf dem Umwege über Frankfurt. Da wir den genauen Wortlaut der Depefchejjeröffenllichen wollten, hielten wir eine Rückfrage nach Straßburg für erforder- lich, wodurch allerdings eine gewisse Verzögerung der Ver- öffentlichung verursacht wurde. 3. Von uns ist weder eine einfache noch eine dringende De- pesche versandt worden, noch auch ist eine telephonische Weisung ergangen, welche die Publikation der Depesche inhibiren sollte. Dieses ist der einfache Thatbestand." Aus der Zuschrift geht hervor, daß auf Anlaß des Zentralbureaus in Berlin die dort eingetroffene Nachricht zunächst beanstandet und erst Bestätigung eingeholt wurde. Dadurch wird der t h a t s ä ch l i ch e Inhalt der uns zu- gegangenen Mittheilung im wesentlichen bestätigt, bestritten wird die Schlußfolgerung, die unser Korrespondent daraus gezogen hatte. Nach der Version des Wolff'schen Bureaus erscheint eS, daß der Redaktion selbst Zweifel an der Richtigkeit der eigenartigen Depesche aufgestoßen sind und sie zur vorläufigen Zurückhaltung derselben und zu weiteren Nachforschungen veranlaßt haben. Das ist angesichts des Inhalts der Depesche allerdings zu begreifen.— Staatsminister von Bötticher. Offiziös wird folgende Meldung verbreitet: »Hiesige Blätter geben das Gerücht wieder, daß Staats- minister Dr. von Bötticher seine Entlassung eingereicht habe. Wie wir erfahren, ist in maßgebenden Kreisen von einem Abschiedsgesuch des Staatsmini st ers von Bötticher nichts bekannt." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt zu dieser Sache: „Auf grund von Erkundigungen an eiuer Slelle, die mit den Intentionen des Herrn v. Bötticher durchaus vertraut fein mnß, können wir mitlheilen, daß der Minister der Ansicht ist, es läge gegenwärtig hierzu absolut keine Ber- a n l a s s u n g vor. Die Erklärung de? Staats- Ministeriums habe die vielbesprochene Angelegenkeit durchaus in jeder Beziehung klargestellt. Es sei absolut unverständlich, wie man an der klaren Faffuug»och herumdeutele. Der Thatbestand sei ein sehr einfacher. Herr v. Bötticher erklärte seinerzeit, als er von den finanziellen Verlegenheiten seines Schwiegervaters, eines BankdirekrorS, hörte, er ivolle hergeben, was er besitze, im übrigen aber mit der Sache nicht das geringste zu thun haben. Er ging sofort zum Fürsten Bismarck, setzte ihn von der Angelegenheit in Kenntniß und iheilte mit, daß er, weil ihm die Affäre unangenehm sei, seinen Abschied erbitte. Fürst Bismarck hielt ihn davon zurück und veranlaßt- Kaiser Wilhelm I.. die anderen Verwandten und die Freunde des Bankdirektors, welche dessen finanzielle Schwierigkeiten behoben hatte», aus einen, Fonds schadlos zu halten. Herr v. Bötticher selbst erhielt keinerlei Ersatz; hat auch nie von Bankiers Geld entliehen, Bei der ganzen Affäre Berg hat sich Herr v. Bötticher also ab- solut nichts vorzuwerfen, und auch daraus, daß er im Amt ge blieben, würde ihm kein Vorwurf gemacht werden, wenn er mit theilte, was Kaiser Wilhelm l. ihm damals geschrieben. Ueber die vom Fürsten Bismarck vermutheten In triguen des Herrn v. Bötticher sagt ferner die klerikale „Kölnische Volrszeitung": „An eine Jntrigue des Ministers v. Bötticher glaubt schon längst außer den eingeschworenen Bismärckern kein Mensch mehr; es ist aber außerdem Thatsache, daß schon ein halbes Jahr vor der Entlassung des Fürsten Bismarck der Kaiser einem katholischen Kirchen- f ü r st e n gegenüber sich darüber beklagt hat, wie schwer es ihm sei, niit Bismarck zusammen zuarbeiten. Per- sonen, welche Kennlniß von dieser Unterredung hatten, zweiselten dninnls schon nicht, daß es über kurz oder lang zu einem Bruch zwischen dem Kaiser und dem ersten Reichskanzler kommen würde. terr v. Bötticher war an der wachsenden Mißstimmung des aisers gegen den Fürsten Bismarck unschuldig.— Tie Selbstkastrirnng der bayerischen Kammer. Eine Privaldepesche aus München meldet uns: Wie vorauszusehen war, wurde durch einen gemeinsamen Klubbeschluß der Ultramontanen und Liberalen der Antrag Grillenberger, dem Ministerium das Mißtrauen zu votiren, nicht zur Beralhung zugelassen, weil derselbe nach Meinung der Mehr- heitsparteien außerhalb der Kompetenz der Kammer liege. Grillenberger konstatirte, daß die Kammer sich damit ihrer Rechte begebe und daß das Vorgehen der beiden großen Parteien nichts anderes als das Gegentheil von Muth beweise. Diese„geschäftsordnungsmäßige Verhandlung" ist eine von den beiden großen bürgerlichen Parteien gehätschelte Spezialität des bayerischen Landtags. Sie soll dazu dienen, allen un- liebsamen, nicht in das Ordnungs- und Streberprogramm der „bürgerlichen Politiker" passenden Anträgen gleich bei der Geburt mit juristischen Stricken den Garaus zu machen. Im Land draußen wird man sich durch diese gewohnten Manöver nicht irre machen lassen und auch die Geschäflsordnungsdebatle genügte, um unfern Genossen Gelegenheit zu geben, das ganze Heuchelspiel der ultra- montanen und liberalen Mischmaschler gebührend zu kenn zeichnen. Zur Umnennung der Sache Pfund und Genossen schreibt man dem„Hamburger Korrespondenten" aus Berlin: „Lebhaft besprochen wird das Vorgehen der Staatsanwalt- schaft am Landgericht Berlin I, die die Anklagesache gegen die sozialdemokratischen Redakteure Pfund und Dierl wegen Majestätsbeleidigung aus der Sache wider„Pfund und Genossen" in„Dierl und Genossen" umnannte. Diese Um- nennung hat nämlich zur Folge, daß die Sache vor die Kammer des Landgerichts-Direktors Brausewetter kommt, dessen besonders scharfe Haltung gegen die Presse und namentlich die radikale bekannt ist, während sie sonst vor eine andere Strafkammer ge- ' Wommen wäre. Die Beschwerde der Verlheidigung wurde ab- 'Tjelehnt mit dem Bedeuten, daß es der Staatsanwaltschaft bei der Zusammenziehung mehrerer Anklagesachen freistehe, nach welchem Angeklagten sie diese benennen wolle. Aus den Ein- wand, daß die Sache bisher Pfund und Genossen geheißen habe und kein Grund für Umnennung vorliege, wurde überhaupt nicht eingegangeu. Die„National- Zeitung" und niit ihr sogar konservative Blätter fordern gründliche Aufklärung: Wenn kein einleuchtender Grund für die Umnennung angegeben wird, müsse der beunruhigende Eindruck entstehe», daß die Staatsanwaltschaft bei großen Gerichten sich unter Umständen die über den einzelnen Fall erkennenden Richter aussuchen könne und in der Thar aus- suche."— Unters, ichuiigShaft. Der„Vossischen Zeitung" wird von juristischer Seite geschrieben, daß die Majestätsbeleidigung im Sinne des S 1 des Strafgesetzbuches nickt ein Verbrechen, son- dern ein Vergehen sei, also in dem Verfahren wegen Majestäts- beleidigung die Verhaftung wegen Fluchtverdachts nicht ohne Begründung dieses Verdachts zulässig sei. Die Verhaftungen wegen Majestätsbeleidigung seien daher besonders scharf zu kritisiren. Einzelnen der Haftbefehle wegen Majestätsbeleidigung ist die Be- gründung gegeben worden, daß der Fluchtverdacht sich einfach aus der Höhe der wahrscheinlichen Strafe ergebe. Es wird also auf das Vergehen lediglich der Grundsatz angewendet, den das Gesetz für Verbrechen aufstellt. Andere dieser Hastbefehle sind mit der Gefahr der Verdunkelung des Thatbestandes be- gründet. In der einen wie der anderen Richtung bedürfen die Vorschristen über die Untersuchungshaft der durchgreifenden Aenderung. Dieselbe Handhabung der gesetzlichen Bestimmung, die jetzt bei der von Sozialdemokraten verübten Majestäts- beleidigung stattfindet, ist von jeher auch bei anderen Vergehen erfolgt- Auch hier werden Fluchtverdacht oder„Kollusionsgefahr" viel häufiger mit Rücksicht aus die Höhe der wahrscheinlichen Strafe„vermulhet", als durch gerichtskundige Thatsachen be- gründet. Ter Prozeß gegen den Ersten Staatsanwalt Lorenz in Erfurt, über den unsere Leser an anderer Stelle einen ausführlichen Bericht finden, ist von hervor- ragender Bedeutung, schon deshalb, weil er die Ausnahme- stcllung der Staatsanwallschaft den Gerichten gegenüber ins helle Licht setzt. Auch die Vorgänge in der Verhandlung waren hochintereffant, so die Konstatirung der krankhaften Reiz- barkeit des ersten Staatsanwalts, die den vorgesetzten Be- Hörden aber nicht den Anlaß bot, Herrn Lorenz einen anderen Thätigkeitskreis zuzuweisen. Bemerkens- wcrth war auch die Vorsicht in den Aeußerungen der richterlichen Zeugen, die, wenn sie selbst Zeugen zu vernehmen haben, von den vor ihrem Richter- stuhle stehenden vollste Genauigkeit der Aussagen und Ver- meiduug aller Widersprüche fordern. Vollstes Lob verdient unser Kollege und Genosse Hülle, der ohne Vertheidiger in trefflichster Weise seine Sache führte, während der Staats- anwalt Lorenz, der sonst doch nicht zu den Schüchterneu gehörte, der Verhandlung fernblieb und sich durch einen Rechtsanwalt vertreten ließ.— Heraus mit Eurem Flederwisch! ruft uns die„Staats- bürger.Zeituvg" in einer Notiz � über die Hammerstein-Briefe zu. Ter guten„Siaatsbürger-Zeitung" können wir leider den Ge- fallen nickt thun, sie wird doch wohl wissen, daß wir unsere Materialien dann benutzen, wenn es unseren Gegnern am un- bequemsten ist, deshalb bestimmen wir und nicht unsere Gegner den Ze> punkt unserer Veröffentlickungen. Die Hintermänner des anlisemiliichen Blattes werden übrigens früher als ihnen lieb ist, niit unserem Flederwisch Bekanntschaft machen.— Teutsches Reich. BundeSratb. In der heutigen Sitzung des Bundes- ralhes wurde bezüglich der Vorlage betreffend eine Zusatz- Vereinbarung zum internationalen Uebereinkommen über den Eiscnbahn-Frachtverkehr vom 14. Oktober 1890 die Beschluß- sassung für heule ausgesetzt. Die Uebersichtcn der Einnahmen und Ausgaben der asrikanischen Schutzgebiete für 1VS3/94 und für 1894/35 wurden dem zuständigen Ausschuffe überwiesen und dem Antrage des IV. und V. Ausschusses zu der Vorlage, betr. die Abänderung des ß 53 der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands die Zustimmung ertheilt.— — Zur Dortmunder Reichstags-Wahl, die am LS. Oktober vor sich geht, bringt die„Rheinisch- Westfälische Arbeiter-Zeitung" eine für die Nationalliberalen charakteristische Notiz. Das sozialdemokratische Wahlkomitee, sagt unser Bruder- organ, hatte sich an die beiden gegnerischen Komitees mit dem Ersuchen der Bestellung gleicher Stimmzettel gewandt. Während das Zentrumskomitee mittheilte, daß seinerseits dasselbe Ersuchen an die Nationalliberalen gestellt worden sei, lehnten die Nationalliberalen eine Vereinbarung ab, gaben aber anHeim, bei ihrem Zettellieferanten, der Firma W. Crüwell, auch die sozialdemokratischen Stimmzettel von demselben Papier zu bestelle». — Dies ist inzwischen geschehen. Bekanntlich kommt es aber nicht nur auf die Papierfarbe, sondern auch aus die Größe der Stimmzettel sowie die Art des Druckes an. — Derselbe 31 6 g. Arendt, welcher in seinem„Deut- schen Wochenblatt" unlängst den Verfassungsbruch empfahl zur Beseitigung des Reichstagswahlrechts, proklamirt jetzt, daß die An- erkennung der Verfaffung die Vorbedingung für den Genuß ihrer Rechte bilde. Die Ausnutzung der versassungsmäßigen Rechte zur Beseitigung der Verfassung sei unstatthaft. Damit hat also, wie die„Freis. Ztg." treffend bemerkt, Abg. Arendt sich selbst und sein Wochenblatt als des verfassungsmäßigen Rechtsschutzes un würdig bezeichnet. Herr 3lrendt will sreilich diese Logik nur gegenüber den Sozialdemokraten gelten lassen; ihm selbst gegen über ist dies natürlich etwas ganz anderes. — Dem koburger Landtage ist der Entwurf eines Kaligesetzes zur Sicheruiig der Schürfung für den Staat zu gegangen. München, 16. Oktober.(Eigener Berichts Die Jnter- pellation Grillenberger und Genossen be züglich der Typhuserkrankungen in bayerischen Garnisonen hat bereits eine Wirkung geübt. Der Chef des Infanterie-Leib Regiments stattete gestern der Regimentsküche einen Besuch ab, monirte die bisher geübte„Sparsamkeit" und ordnete an, daß von jetzt ab z u r e i ch e n d e K o st für die Mannschaft bereitet werden müsse. Vor allem sei dafür zu sorgen, daß von den neuen Rekruten keine Klage erhoben würde über knappe Verköstigung u. s. w. Das Krieysininisterium hat, wie man hört, diesbezügliche Llnweisungen an die Regiments� kommandos ergehen lassen. Hätte man der einschlägige» Kritik unserer Genossen in der vorigen Session des Landtags die nöthige Aufmerksamkeil geschenkt, so wären die berüchtigten „Typhtis"epidemien in den bayerischen Garnisonen wohl über Haupt nicht zum 3Iusbruch gelangt. 3lbänderung des bayerischen Forstgesetzes bezweckt ein soeben an den Landtag gelangter Antrag der bayerischen Liberalen. Der 3lrt. 30 des Gesetzes, welcher den Besitzern von Privatwaldungen die zwangsweise 3lblös»ng des Forstrechts gestattet, soll dahin umgeändert werde», daß in der Folge eine 3lblösung nur im Einverständniß niit de» Recht lern stallfinden kann. Auch daS Zentrum hatte bereits eine» ähnlichen 3lntrag angekündigt und der Finauzminister stellte eine diesbezügliche Vorlage in Aussicht. Die„Liberalen" beeilten sich diesmal, den anderen zuvorzukommen; so treiben die Erstochenen von Fuchsmühl die altersschwache bayerische Kammer zu un- gewohnt eifriger Hast. — Die sozialdemokratische Fraktion des bayerischen Landtages erklärte durch den 3Ibg. Scherm anlässig der Berathung des Gesetzentwurfes betr. Verstaatlichung der Viehversicherung,„daß wir völlig unverändert den leichen Standpunkt einnehmen, wie er von uns in voriger Zession bei verschiedenen 3lnläffen eingehend begründet worden ist." Scherm wiederholte,>vas unser Fraktionsredner in der Sitzung vom 24. Oktober 1893 zlisammenfassend gesagt hat: „Es ist der Sozialdemokratie nicht möglich, in großen sozialen Fragen nach bloßen Augenblicks-Gesichtspunklen zu handeln. Es kann ihr nicht einfalle», de» sogenannten Mittelständen, von denen gesprochen worden ist, als ob sie allein nothleidend wären, besondere Vorrechte ans Kosten der 3lllgenieinhiit zu gewähren. Sie kann nicht daran denken, au irgend welchen rückläufigen Maß nahmen theilzunehmen, durch welche die fortschreitende Ent Wickelung des Produktionswesens aufgehalten oder zurückgeschraubt werden soll. Aber wenn wir auch dies alles nicht thun können, so tritt die Sozialdemokratie den Bauern doch keineswegs mit leeren Händen gegenüber. Die Sozialdemokratie hat als Endziel, die heutige kapitalistische Wirlhschast durch die höhere, bessere, mensch- sichere Produktionsform des Sozialismus zu ersetzen. Sie stellt sich aber deshalb keineswegs auf den Staudpunkt, bis zur Erreichung dieses Zieles die Hände thatenlos in den Schooß zu legen und das soziale Nnheil widerstandslos sich ausbreiten zu lassen. Vielmehr sehen wir es als unsere wesentliche 3lufgabe an, auch die gegenwärtigen Daseins- und Kampsbedingungen des werkthätigen Volkes in Stadt und Länd nach Kräften zu ver- bessern, um auf diese Weise die Härten und Opfer der Um- Wandlung nach Möglichkeit z» erspare» und Stützpunkte für eine organiscke Umgestaltung der Gesellschaft zu gewinnen." 'Anschließend hieran führte Gen. Scherm weiter auS: Von diesem Gesichtspunkte aus bringe» wir, wie wir für die kulturelle Entwicklung auf allen Gebieten eintrete», auch der Landeskultur unser lebhaftes Interesse entgegen und werden stets alle dieselbe fördernde» Maßnahmen unterstützen. Die Lage der Masse der bedrängten Bauernschaft liegt uns am Herzen, wie diejenige der ländlichen und städtischen Arbeiter. Wir wollen alles irgendwie Zulässige thun, um ihr Laos ertrag- licher zu machen, um der größtmöglichen Zahl von Bauern den drohenden Abslnrz ins Proletariat z» ersparen. Wir wolle» ihnen in ihrem Kampfe niit dem Kapital und dem Fiskus thatkräftig beistehen, sie als Steuerzahler, als Schuldner, als Wald- und Waideberechtigte, als Erzeuger der zur Volksernährung nöthigen Landesprodukte vor Nachtheilen bewahren. Denn die Sozialdemokratie ist uns, wie wir schon wiederholt dargethan haben, keineswegs nur eine einseitige Industriearbeiter- partei, sonder» eine Partei des ganzen werkthätigen, nach wirth- schaftsicher und politischer Bildung ringenden Volkes I Dieser unser Standpunkt, welcher die einstimmige Billigung unserer Wähler und des letzten Parteitages der bayerische» Sozialdemokraten gefunden hat, ist feststehend und dein Einflüsse vorübergehender Strömungen entzogen. Bon diesen Gesichlsplnikten aus beurtheilen wir auch den vorliegenden Gesetzentwurf, dem wir unsere Zustimmung nur dann geben werde», wen» er eine Gestaltung erhält, durch welche der Zweck erreicht wird, daß der Masse der kleinen Viehbesitzer die Versicheruugsmöglichkeit gegeben wird, durch welche sie unter Mithilfe der Gesammtheit vor wirthschaftlichen Nachtheile» bewahrt werden sollen. — Eine freie wirthschaftliche Vereinigung habe» die Bauenibündler und Konservativen im bayerischen Landtage gegründet. — Zum durchlöcherten Jesuitengesetz wird den„M. N. N." aus E l s a ß> L o th ri n g e n geschrieben: In der Redemptoristeiffrage ist»unmehr die Eulscheidung zu gunsieu der klerikalen Forderungen erfolgt Das Ministerium gab in den letzten Jahre» die Geuehmiguug zur Gründung von nicht weniger als vier neuen Männerklöstern zu Siegolsheim, Königshofen, Metz und St. UHIrich. Die Patres, Kapuziner und Franziskaner, de- äffen sich neben der Vorbereitung für de» äußeren Missionsdienst mit dem AushilfSdieust in der Seelsorge, ersehen also gcwisserniaßeii die 1873 ausgewiesene» öiedeinptoristen. Das Ministerium hielt es daher für ausreichend, zniiächst nur drei der alten Redemptoriste»- Niederlassungen wieder besiedeln zu lassen. Diese Anordnung. zu der die Regierung nach Lage der hiesigen Gesetzgebung voll- ständig berechtigt war, veranlaßte den Klerus zur Veranstaltung von Versaniiiilungen und Protestschreibe», in welchen die öle- gierung in energischen 3Iusdr>icken zur Aenderung ihres Be- schlusses aufgefordert wurde. Diesem Drucke ist nun»achgegebcn und angeordnet worden, daß sänuntliche Niederlassungen wieder besiedelt werden dürfen. Ein Theil der Patres ist bereits ei»- getroffen. Oesterreich. — Zum Rückgänge des Liberalismus. Der erste Wahlbezirk der Stadt'Wien ist der sicherste Wahlkreis der liberalen Partei. In demselben wurde der Demokrat Ztronaivetter»eben drei Liberalen gewählt. Ueber die Vorgänge beim RechenschaftS- bericht Kronawetter's berichtet man der„Frankfurter Ztg.":„Der 3lbg. Kronawetter erstattete heute de» Wählern der inneren Stadt setiie» Rechenschaftsbericht. Er betonte das Festhalten an den demo- kralischen Grundsätzen und sein Mißtrauen auch gegen die neue Regierung. Der folgende Redner Dr. Steger entfesselte durch lebhafte 3l»griffe auf die Liberalen einen großen Sturm der Libe- ralen. Dr. Mittler, der erwidern wollte, mußte wegen der Zwischenrufe der Demokraten auf das Wort verzichten, worauf die Liberalen den Saal verließen. Die Zurückgebliebenen»ahmen eine Resolution zu gunsten des allgemeinen Stinimrechts an und sprachen ihr ferneres Vertrauen zu Kronawetter aus." Wie tief der Liberalismus gesunken ist, beiveist der Umstand, daß die Liberalen vor dein Häuslein Demokraten schon das Hasen- panier ergreifen.— — Der 3lusn ah me zustand über Prag soll nach LSmonatlicher Dauer, der mehrere hundert Jahre Gefängniß- strafen wegen politischer Vergehen und andere kolossale Schädi- gungen der politischen Gegner entsprechen, mit dem hetitigsn Tage aufgehoben werden.— Frankreich. Zur Lage i» Carmaux wird uns aus Paris unterm 16. Oktober geschrieben: Je näher die Eröffnung der Kammer rückt, desto kritischer gestaltet sich die Lage in Carmaux, als dessen einziger Gewalthaber ininiermehr Herr Resseguier erscheint, dem alle Behörden, von der Regierung an- gefangen bis herab zu den Gendarmen, unterthan sind. Ein- sehend, daß sie dank der Solidarität der 3lrbeiterschaft die Glas- arbeiter nicht aushungern können und wütheud darüber, daß selbst die außerhalb Carmaux augeworbeuen 3lrbeiter kaum an- gelangt mit de» Streikenden gemeinsame Sache machen, setze» sie alles daran, um dem Streik ein gewaltsanies Ende zu bereiten. Jeder Tag bringt darum innner neue Provokationen, die, je näher die Kammer- eröffnung rückt, immer schärfer werden. So wurde gestern der allgemein beliebte Kassirer des VertheidigungSkomitees der Glas- arbeiter, Charpentier, verhaftet, weil er 17 von den außerhalb Carmaux unter falschen Äorspiegelungen angeworbenen Glasarbeitern, die, nachdem sie die wahre Lage kannten, sich ge- weigert hatten, die Glasfabrik zu betreten, das nöthige Reisegeld gab, um wieder zu ihren früheren Plätze» zurückkehren' zu können. Die Aufregung über diese Verhaftung ist un- geheuer. Nun kommt noch die Nachricht, daß auf Ressöguier ein 3lttentat verübt worden sei. Während er nämlich gestern 3lbend im Begriffe war, in seine Fabrik ein- zutrete», soll ein Schuß auf ihn abgefeuert worden sein, ohne ihn jedoch zu verwunden. Der Attentäter, heißt es weiter, sei verschwunden. Gerüchtweise verlautet auch, daß die Verhaftung Jaurös' nahe bevorsteht, was mich in meiner 3lnnahme, daß man es mit einem Polizei-Attentat zu thun hat, nur noch mehr bestärkt, da ja der ganze Streik nur provozirt wurde, um die gewerkschaftlichen und sozialistischen Organisationen von Carmaux und dessen sozialistischen Llbgeordneten aus dem Wege zu räumen.— Es liegen hierzu folgende Wolff'sche Depeschen vor: Paris, 17. Oktober. Wie der Korrespondent des„Figaro" in Carmaux seinem Blatte versichert, wurde bei einer gestern an den, Sitze des Streikkomitee's vorgenommenen Haussuchung eine Quittung über einen aus Deutschland an das Komitee gesandten Geldbeitrag beschlagnahmt. Carmaux, 16. Oktober. Ein Verkäufer anarchistischer Blätter Namens Guilhem ist als Urheber des Mordversuches gegen den Direktor Ressögnier verhastet worden. — Eine Milliarde nforderung für Kriegs- schiffe. In der Budgetkommisston der Deputirtenkannner sprach sich der Marineminister gestern über die Frage der Schiffs- Neubauten aus. Er legte dar, der japanisch-chinesische Krieg habe die Nothwendigkeit des Baues zahlreicher Kreuzer von großer Schnelligkeit, guter 3lrlliirung und genügendem Schutz erwiesen. Das neue Programni für den Bau von Panzer- schiffen, Kreuzern und Avisos erfordere etwa eine Milliarde Franks, die auf zwölf Jahre zu vertheilen wären. Der jährliche Betrag der Kredite für Schiffsneubauten müßte demgeniäß iini etwa zehn Millionen Franks erhöht werden. Im weitere» Verlaus seiner Darlegungen trat der Marineminister für die Beibehaltung der Flottenstationen im Auslande ein.— Spanien. — Der Aufstand in Kuba dürfte zu Verwickelungen mit den amerikanischen Republiken führen, von denen einige dem- nächst die Insurgenten als kriegsühreude Macht anerkennen dürsten. Hierzu liegt folgende Meldung der„C. N. o. G." aus Buenos 3lires vor: Der spanische Gesandte hat der brasilianischen Negierung einen energischen Prolest gegen die beabsichtigte 3llierkeni»l»g der klibanischen Jnsurgenle»> Regierung überreicht, ohne jedoch irgend eine Zusage erreichen zu können. Die Ancrkeniiung der Rebellen als kriegführende Macht scilens Brasiliens ist un- zweifelhast.— Rumänien. — Das Parlament ist heute aufgelöst worden.— Türkei. Konstautinopel, 17. Oktober. Die Botschafter beschlossen, den armenischen Patriarchen geineiiisniii aufzufordern, in ein. dringlicher Weise für die Beschwichtigung der Aufregung zu wirken, welche durch das aufrührerische Komitee genährt wird und iu der Bevölkerung Widerhall findet. Die Dragomane des österreichisch- ungarischen, russischen und englischen Botschaft werden heute dem Patriarchen eine dahingehende Mittheilung mache». Gleichzeitig werden der italienische, deutsche und französische Dragomau Vc in armenischen Kirchen gefundenen Waffen dem Seraskierat (Kriegsministerium) zustellen. Der Ministcrrath wird heute über den Reformentwnrs entscheiden, welcher gemeiusam von dem euglischen, russischen und französischen Botschafter im Einocr- tändiüß mit dem türkischen Minister des 3l»s>värtige» n»?- gearbeitet wurde.— Indien. Bombay» 17. Oktober.(Meldung des„Reiiter'schen Bureaus"). Nach einer Meldung aus Goa sind alle europäischeii und eingeborenen Einivohuer im Ällter von 16 bis 45 Jahren an- gewiesen worden, sich zur Vertheidigung der Stadt gegen die aufständischen Eingeborenen in die Truppe einstelleu zu lassen. Wer sich widersetzt, soll als Rebell betrachtet werde». Die Panik in Goa dauert fort.— Ostasieu. Bokohama, 17. Oktober.(Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Einer Meldung aus Söul zufolge wurde die Leiche der Königin von Korea aufgefunden. Die Mörder sollen 'apanische Soschi sein. Der nach Korea entsandte japanisch» Minister Komnra wurde angewiesen, die Mörder zu beslrasen. falls es Japaner sind. NÄrkei-NÄ�rirszten. Parteiliteratur. Das Protokoll des BreSlauer Partei- taacs gelangt am Donnerstag. 24. Oktober, zier Ausgabe. Die für die Partei hochwichtigen Verhandlungen über die Agrarfrage sind in ausführlichster Weise wiedergegeben, weshalb das Protokoll um ein Viertel stärker geworden ist. als das vorjährige, das IS Bogen umfaßt. Dementsprechend mußte der Preis auf 30 P f. festgesetzt werde». Bei dem allgemeinen Interesse, das die diesjährigen Parteilags-Verhandlungen erregt haben, wird das Protokoll trotzdem die weiteste Verbreitung finden. Soll die Zusendung rechtzeitig erfolgen, so ist ungesäumte Aufgabe der Bestellungen an die Buchhandlung des„Vorwärts" erbeten. Von der Agitation. Außer der bereits erwähnten Ver- sammlung in L a n g e n b i e l a u i. Schles. hielt Liebknecht in dieser Provinz noch eine Versaimnlnng in Altwasser ab und wandte sich dann nach Sachsen, wo er am Montag in Chemnitz i» zwei Versammlungen über die Landtagswahlen sprach. Dann referirte er in L e i p z i g, wo ihm der überwachende Polizeibeamte das Wort entzog, als er sagte: Die jetzt von den Gegner» verlangte scharfe Handhabung der Gesetze de- deutet, daß die Göttin Justitia die Binde fallen lasse und sich ansehe, wer vor ihr steht, ob ein Antisemit, ob ein National- liberaler, ob ein Sozialdemokrat.„Ich entziehe dem Redner das Wort!" ertönte hier die Stimnie des überwachende» Beamten. Es war damit, sagt die„Leipziger Volksztg.", der Beweis ge- liefert, daß Sozialdemokraten in unserem gemüthliche» Sachsen nicht einmal zitircn dürfen, was ein Reichsgerichtsrath Stenglein und das amtliche Organ der sächsischen Regierung, die„Leipziger Zeitung", offen forderte: den Tendenzprozeß, unter dem ein Sozialdemokrat für dieselbe Handlung bestraft werden soll, die ein„Gutgesinnter" ungehindert ausüben kann.— Weiter sprach Liebknecht in D r e s d e n. Alle Versammlungen, die er aus seiner Agitationsreise abhielt, waren äußerst zahlreich besucht und legten Zcugniß ab für die gehobene Stimmung der Parteigenossen. In W e r d a n sprach Reichstags- Abgeordneter G e r i s ch in übersülltem Saale der Zentralhalle unter großem Beifall über die Landtagswahlen. Wie unsere elsässifchen Parteigenossen ihre Versammlungen schon mehrfach auf schweizerischem Boden abhalten mußten, weil ihnen die Besprechung ihrer Angelegenheiten durch heimathliche Be- Hörden unmöglich gemacht wurde, so inußlen dieser Tage auch sächsische Parteigenossen„aus fremder Erde", in Böhme», zu- sainmenkommen, um über die sächsischen Landtagsivahlen zu ver- handeln. In S e i f h e» n e r s d o r f, eincm Dorf in der sächsischen Amtshauptmannschast Zittau, war kein Lokal zur Abhaltung einer Versammlung zu bekommen. So zog man denn nach Runiburg in Böhmen hinüber. Dort endlich konnte eine Volks- Versammlung der Sachsen abgehallen werden und Landtags- Abgeordneter Kaden aus Dresden sein llteferat halten. Ein Sozialdemokrat ist zwar überall heimisch, für ihn giebt es keine Fremde. Aber das benimmt de» Zuständen, unter welchen die sozialdemokratische Arbeiterschaft ihre Interessen wahrnehmen muß, nicht den Charakter des Satirischen. Bei der Gemeinderathswahl im Torf Gonsenheim in Hessen wurden die Kandidaten der Arbeiterpartei gewählt. Die sogenannte Bürgerpartei brachte nur zwei durch. Der Sieg unserer Parteigenossen ist um so bemerkenswerther, als die sonst einander so feindlichen Brüder Zentrum und Liberalismus sich vereinigt hatten, um die Arbeiter unterzukriegen. Z» den Stadtverordnete». Wahlen in Bar in e n haben unsere Parteigenossen fünf Kandidaten aufgestellt, bei denen in Köln werden sechs Sozialdemokraten kandidire». Selbstverständ- lich hofft man nicht, diese Burgen der besitzenden Klaffen im ersten Anlauf zu erobern. Aber der Anfang ist gemacht, um den Arbeitern in beiden Kommunen eine Vertretung z» verschaffen, und früher oder später wird der verhaßte Sozialist auch dort in die Rathhäuser einziehen, um bei der Verwaltung des Gemein- wesens ein Wort mitzusprechen. Polizeiliches, Gerichtliches:r. — Wegen Beleidigung der Chemnitzer. Slmtshauptmannschaft war der Redakteur der Bnrgstädter„V o lks st i in m e", Genosse D i e h l, zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Das Reichsgericht hat jetzt seine Revision verworfen. — Die Amtshauptmannschast in Borna verbot eine in Rötha geplante Volksversammlung, weil der Parteigenosse Grenz aus Leipzig das Referat halten sollte. Nach dem sächsischen„Juwel" von Vereinsgesetz ist das Verbieten einer Versammlung aus solchein Grunde bekanntlich nicht schwer. — Wegen groben Unfugs wurden vom Augsburger Schöffengericht 6 Mitglieder der ehemaligen Boykottkommission zu je 20 Mk. Geldstrafe oder S Tagen Haft verurtheilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen, weil er der Boykotlkommission nicht als Mitglied angehört hat. Die Angeklagten hatten auf 30 M. lautende Strafmandate erhalten, wogegen sie richterliche Entscheidung beantragten. In der Urtheilsbegründung wurde zwar vom Schöffengericht anerkannt, daß sie in Wahrung be- rechtigter Interessen gehandelt hätten; nach einer Entscheidung des Reichsgerichts sei jedoch die Aufforderung zum Boykott strafbar und hätte dementsprechend erkannt werden müssen. Soziale MofcevZWfzk. Wen» der vertragswidrige» Kündigung eiueS Tienst- verhiiltnisscö und der Entlassung aus demselben von dem Eni- lassenen nicht widersprochen wird, sondern der Betroffene sich vorbehaltlos in die Entlassung fügt, so liegt, nach einem Urtheil des Reichsgerichts vom IL. Mai ds. Js., in diesem Verhalte» nicht o h n e w e i t e r e s e i n e Z u st i m m u n g d e s E n t- lassenen. Er ist dadurch nicht gehindert, nachträglich Eni- schädigungSansprüche wegen der ungerechtfertigten Entlassung zu erheben. Tie Pcnsionirnng der städtische» Arbeiter von Paris soll auf der Seine-Präsektur Gegenstand eines Projekts sein, das man nächstens dem Pariser Gemeinderath vorlegen will. Wie eine bürgerliche Korrespondenz ineldct, denkt man sich die Sache so: Jeder Arbeiter der Stadt Paris hat monatlich 5 Fr. von seinem Loh» abzugeben. Die Stadt verdoppelt diese Summe. Auf diese Weise erhält der Arbeiter bei seiner Pensionirung mit 60 bis 65 Jahren etwa 700 bis 1200 Fr. jährliche Pension. Im Falle.seiner vor- herigcn Entlassung erhält er die volle, bis zu diesem Zeitpunkte anfgelauseue Summe, obivohl er nur die Hälfte davon eingezahlt hat. Der Stadt erwächst hieraus bei ihren soov städtischen Arbeitern eine beträchtliche Last von ungefähr 600 000 Fr. jährlich, die erst nach 2S Jahren geringer wird. Man wird weitere Nachrichten abwarten müssen, ehe sich über dieses Projekt abschließend urtheilen läßt. Verkürzung der Arbeitszeit. Die fortgesetzte energische Agitation für bessere Existenzbedingungen hat auf dem württem- bergischen Schwarzwald' ihre Früchte gezeitigt. Dem Beispiel der'Schwenninger Uhrenfabriken sind nun die beiden chirurgischen Jnsirumentensabriken in Tuttlingen gefolgt und haben ebenfalls die zehnstündige Arbeitszeit eingeführt. GokvovUf-ckznftUrsx.vlS. Tännutllche MMHeilungcn von OrganisaNonen, vor allein solche Uber Ausstände oder Aussperrunge», müssen stels de» Stempel der betresfende» Organisation tragen. A» die organisirte» Arbeiter! Nach sechswöchigem Kampfe hat am IS. Oktober eine öffentliche Versammlung der V e r g o l d e r und Berufsgenossen Berlins den Generalstreik aufgehoben. Das eigentliche Ziel, die Abschaffung der Akkordarbeit, wurde zwar nicht erreicht, indessen eine 2Sprozentige Lohnerhöhung erlangt. Der Ausstand ist also nicht vergebens gewesen. Aufgabe der Vergolder Berlins ist es nun, durch unermüdliche Agitation die Mitgliederzahl der Organisation zu vermehren, damit das Errungene erhallen und ausreichende Kraft zur künftigen Verbesserung der Lage der Be- rufsgenossen gesamnielt werden kann. Weiter ist es Ehrenpflicht der wieder in Arbeit tretenden Berussgenossen, die noch im partiellen Ausstand verharrenden Kollegen thatkräftig zu unter- stützen. Sie werden hierdurch ersucht, das nöthige zu veranlassen, und die organisirte Arbeiterschaft überhaupt wird gebeten, sich an den Sammlungen für die noch zu unterstützenden Ausständigen lebhaft zu betheiligen. Geldsendungen sind an den Kassirer der Agitationskommission der im Vergoldergeiverbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, F. Steide!, Friedrichs- bergerstraße 20, 3 Tr., zu senden. Im Auftrage der Lohn- kommission: W. Schnorre, Gerhardstr. 6, H. 3 Tr. Vo» de» Inhabern der Lnxnspapierfabrik von S ch a l l e r u. S c y f e r t in G l a u ch a u i. S. war in einer gewerkschaftlichen Bekanntmachung behauptet worden, sie hätten das Bestreben, die Löhne auf den Stand der in der Glauchaucr Textilindustrie gezahlten herabzudrücken, und deswegen, sowie wegen der den Arbeitern zu theil werdenden Behandlung seien Differenzen ausgebrochen, die die ersten Kräfte mit Ein- schluß des Werkführers bereits zur Kündigung veranlaßt hätten, Dem gegenüber erklärte uns Herr Friedrich Schaller, der Mitinhaber der Firma, daß Lohnschmälerungen irgend welcher Art nicht vorgekommen seien und daß Klagen über die Behand- lung niemals zur Kenntniß der Chefs gekommen wären. Die Firma habe überhaupt nur mit zwei oder drei Arbeitern Differenzen gehabt, die lediglich darin ihre Ursache hätten, daß die betreffenden trotz verweigerter Erlnubniß an einem Arbeits- tage die Arbeil wegen des Jahrmarkts früher schloffen. Eeneralkommission. Die Adressen der im folgenden ge- nannten drei Mitglieder der Generalkommission lauten jetzt: A. D e m u t h. Hamburg, Poolstr. 9, 1. Etage; Frau W. Käh ler, Wandsbek, Hamburgerstr. 23; G. S a b a t h, Hamburg, St. Georg, Brennerftr. S6, 4. Etage. Die Sammelliste 132 der streikenden Lohgerber und Lederzurichter ist verloren gegangen. Sie ist anzu- halten und an die Lohnkommission der Gewerkschaft. Elbinger- straße 9 bei A. Vogel, abzuliefern. Die Lohnkommission der Lohgerber. Der Düsseldorfer Ortsvcrband der Hirsch-Dnncker- schen Gctverkvcreinc beschloß, wie die dortige„Bürger-Ztg." kürzlich meldete, seine Auflösung. Die Gründe zu diesem Schritt waren nach diesem Blatt folgende: Schon seit geraumer Zeit sei die Berliner Leitung der Geiverkvereine nicht dazu zu bewegen gewesen, der Düsseldorfer Vertretung der Gewerkvereine die Aenherung ihrer Meinung, die in einigen prinzipielle» Punkten von der Meinung der offiziellen Verbandsleiter abweiche, im Organ des Verbandes zu gestatten. Fast alle Berichte, die von Düsseldorf ausgingen, wären von der Berliner Zentralleitung, wie sich aus den verlesenen Korrespondenzen ergeben habe, aus den nichtigsten Gründen zurückgewiesen worden. Geradezu befchämend für die Leitung eines Arbeiterblattes sei es, daß die Redaktion des„Gewerkvereins" unbegründcterweise aus Furcht vor den preßgesetzlichen Folgen u. a. einen Satz beanstandete, der sich gegen den hartnäckigen und erbitterten Feind jeder Arbeiterorganisation, den Generalsekretär Herrn Dr. Beumer, richtete, trotzdem, wie sich die Redaktion der„Bürger-Zeitung" überzeugte, in diesem Satze auch der spitzfindigste Staatsanwalt nicht die Spur einer Beleidigung hätte entdecken können. Daß von Dr. Max Hirsch und seinem Generalstabe muthige Vertretung der Arbeitermteressen nicht erwartet werden kann, hätte der Düsseldorfer Ortsverband aber doch schon längst wisse» müsse»._'vi. Gevichks-Ieikunlg. Die gege» das Schuhmachermcister Gust. Hoffmau»'- sche Ehepaar geführte Voruntersuchung wegen Ermordung ihres Sohnes Karl Hoffmann hat, wie wir hören, zur Erhebung einer Anklage nach dieser Richtung hin nicht geführt. Das Ehepaar wird sich— abgesehen davon, daß es sich wegen betrügerischen Bankrotts und der Mann auch noch wegen Meineids in Unter- suchnngshaft befindet— nur wegen Veränderung des Personen- standes zu verantworten haben. Der schwere Verdacht des Mordes lenkte sich bekanntlich ans die Angeklagten, nachdem im vorigen Jahre in der Hasenhaide beim Ansschachten des Bodens das Skelett eines Knaben gefunden worden war. der mit Sicherheit als der seil dem Jahre 1890 verschwundene Karl Hoffmann festgestellt worden ist. Bekannt ist ferner, daß die Hoffmann'schen Eheleute in- zwischen schon einen anderen Knaben, der bei Elsterwerda mit einer Zigeunerbande angehalten worden war, als ihren verfchwundenen Sohn anerkannt hatten, obgleich dieser seiner ganzen Figur' nach auch nicht die mindeste Aehnlichkeit mit dem verschwundenen Karl hatte, bei feiner ersten Begegnung mit Hoffmann diesen auch absolut nicht als Vater erkannte, vielmehr erst nach Privatunterredung mit letzterem sich auf die Einzelheiten der Hoffmann'schen Familiengeschichte besann und behauptete, in der Hasenhaide geraubt worden zu sein. Dieser unechte Karl Hoffmann kam s. Z. auf kurze Zeit nach Berlin und wurde van» nach außerhalb zu dem Vater des Hoffmann gebracht, von wo er aber sehr bald nach Verübnng eines Diebstahls entlief. Er kehrte nach Berlin zurück, sein an- geblicher Vater wollte aber nichts mehr von ihm wissen und so wurde denn der angebliche Karl Hoffmann ins städtische Waisen- haus gebracht. Dort ist er vor etwa 3 Jahren entsprungen und es ist nicht möglich gewesen, ihn wieder auf;»- finden. Die Hoffmann'schen Eheleute hatten die von ihnen als Vertheidiger gewählten Rechtsanwälte Dr. Haase und Dr. Schwindt bereits mit umfangreichen Instruktionen versehe», um den auf ihnen lastenden Verdacht des Mordes zu entkräften, sie sind nun weiterer Schritte nach dieser Richtung hin überhoben, da die Voruntersuchung die Art des Todes des Karl Hoffinann überhaupt nicht hat ausklären können. Tagegen bleibt bestehen, daß die Angeklagte» dadurch, daß sie den Zigeunerjungen fälschlich für ihren verschwundenen Sohn aus- gegeben und auch diesbezügliche Erklärungen vor Behörden ab- gegeben haben, sich der Veränderung des Personenstandes ver- dächtig gemacht haben, die»am§ 169 Str.-G.-B. mit Gefängniß bis zu drei Jahren bedroht ist. Nach den Ergebnissen der'Voruntersuchung ist die Anklage auf diesen Punkt beschränkt worden. Zwei Fälle schwerer Erpressung gelangten gestern vor der neunten Straskammer des Landgerichts I gegen den Kaufmann Eduard Wolter zur Verhandlung. Der Angeklagte war in Noth geratheu. Sein Bruder, ein Eisenbahnbeamter, hatte ihn nach Kräften unterstützt, er hatte ihm nach und nach 1800 M. geopfert. Als er iveitere Zuschüsse verweigerte, forderte der Augeklagte solche in Höhe von 200 M. unter der Drohung, ihm sonst schwere Ver- legenheiten bereite» zu wollen. Einen Erfolg hatte dieser Brief nicht. In einem zweiten Brief wiederholte der Angeklagte seine Forderung, diesmal mit der Drohung, er werde erst ihn und dann sich erschießen.„Wie fein und liedlich würde es sein, wenn die beiden Brüder gemeinsam die Reise nach dem Kirchhose an- treten würden!" Die beiden Schreiben geriethen in die Hände der Ehefrau des Bedrohten. Sie erstaltete Anzeige. Im gestrigen Termine bat der Zeuge unter Thränen für seinen angeklagten Bruder. Er verweigerte sein Zeugniß, da die beiden Briefe aber dem Gerichtshöfe vorlagen, so konnte der Angeklagte überführt werden. Er wurde zu fünf Monaten Gefängniß verurtheilt. VevfÄMmlungen. Lederarbeiter. Der Streik in der Steinlein'schen Leder- fabrik beschäftigte am 16. d. M. eine öffentliche Versammlung aller in der Lederindustrie beschäftigten Arbeiter(Lohgerber, Lederzurichter zc.) Dem dort gegebenen Bericht zufolge ist die Lage des Streiks unverändert. Streikbrecher sind noch immer nickt zu verzeichnen. Unterhandlungen, die mit dem Fabrikanten gepflogen worden sind, scheiterten an dessen Starrsinn. Der Kampf wird immer erbitterter. Der Zentralverband hat die Sache nun vollständig in die Hand genommen und sorgt für thatkräftige Unterstützung. Die Berliner zentralisirten Gerber werden von jetzt an S0 Pf. wöchentlich anstatt 20 Pf. zum Streik- fonds zahlen. Auch die Lohgerber und Lederzurichter werden erhöhte Beiträge zur Unterstützung leisten. Der Fabrikant Herr Meinecke soll zwar behaupten, keinen Bedarf an Arbeitern zu haben, doch sucht er in allen Fachzeitungen Lederarbeiter. Wie mitgetheilt wurde, sind drei von den Streikenden wankelmülhig geworden und haben sich in der Steinlein'schen Fabrik um Arbeit beworben, sind aber vom Fabrikanten zurückgewiesen ivorden. Busse beantragte, diese drei nicht mehr als Streikende zu betrachten und ihnen keine Unterstützung mehr zu gewähren. Ter Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung wählte hierauf eine Kommission zur Regelung der internationalen Frage. I» Aussicht genommen ist für nächstes Jahr eine internationale Konferenz in Deutsch- land, die die Frage der Gegenseitigkeit der Reise-Unlerstützung:c. zum Austrag bringen soll. Da die Freie Vereinigung der Lohgerber und Lederzurichter dem Zentralverbaude bei- getreten, die Agitations- Kommission der Lohgerber und Lederzurichter mithin überflüssig geworden ist, wurde die bestehende Agitationskommission der Lederarbeiter durch zwei Lohgerber verstärkt. Diese besteht nun aus 7 Personen. Im weiteren machte sich infolge der Auflösung der Freien Vereinigung eine Regulirung des Vertrauensmänner-Systems nothwendig. Als Vertrauensmann wurde A r n d t belassen, als zweiter Delegirter zur Gewerkschaftskominission wurde Busse, zum Stellvertreter Fritsche gewählt. Die Resolution des Ausschusses der Gewerkschaftskommission betreffend die Regelung des Sammel» wesens fand die Zustimmung der Versammlung. DspeMe« und letzke MAchrirhken. Dresden, 17. Oktober. 11 Uhr 30 Min.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Während wir alle Sitze behauptet haben, sind die Antisemiten überall unterlegen. Im 1. städtischen und 1. ländlichen Wahlkreise haben wir großen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Im 2. ländlichen Wahlkreise(Groß-Schönau) Stoltzer(Sozdemokrat) 716, Fährmann(freisinnig) 1027, gewählt Richter(Kartell) 1990 Stimmen. Im Pirnaer Land- kreise erhielt Dreyer(Soz.) 1067, gewählt Frenzcl (Kartell) 1949 Stimmen. Im S. städtischen Wahlkreise(Dohna) wurde Ackermann(Kartell) geivählt. Leipzig, 17. Oktober.(B. H.) Landtagswahl. Im zweiten Wahlkreis fielen auf Justizrath Schill(Ordnungspartei 2363, auf Heinisch(Soz.) 19S4. auf Kleeberg(Antisemit) 110 Stimmen. Im vierten Wahlkreis ist P i n k a u(Soz.) mit 3839 Stimmen gewählt. Ingenieur Schilbach(Ordnungspartei) erhielt 1434 Stimmen. Dresden, 17. Oktober.(W. T. B.) Nach den bisher vor- liegenden Resultaten der Landtagswahlen ist der Besitzstand dejr selbe geblieben. Von einzelnen Wahlen sind bekannt: Im 2. Dresdener Wahlkreise gewählt Kaufmann Behrens(konservativ), im 3. Wahlkreise Töpfer Fräßdorf(Soz), in Leipzig 2. Wahlkreis Justizrath Dr. Schill(Ordnungspartei), 4. Wahlkreis Phoiograph Pinkau(Soz.), 16. Kreis Krimmitschau- Werdau, Stadtrath Teichmann(Ordnungspartei), in Chemnitz Seifert(Soz.), in Burgstädt Liebau(kons.), in Schneeberg-Neuslädtel Baunieistcr Bochmann-Aue(kons.). � Chemnitz, 17. Oktober.(B. B.) L an d ta g s w a h l. Im zweiten Wahlkreis der Stadt Chemnitz wurde der Reichstags» Abgeordnete Seifert(Soz.) m i t 3900 von 6800 Stimmen gewählt.— Im 31. L an d w a h lk r eis(Land orte um Chemnitz und Linibach) ist Reichstags-Abgeord neter Hof- mann(Soz.), im 36. Land w a h l k r e i s(Landorte um Stollberg) Stolle-Meerane(Soz.)ge>vählt. Frankfurt a. M., 17. Oktober.(B. H.) Der„Frankfurter Ztg." wird aus Bochum gemeldet, daß nach der Dortmunder „Tremonia" die Herrinannshütte bei Hörde S0 bis 69 Arbeitern gekündigt hat. Frankfurt a. M., 17. Oktober.(W. T. B.) Die„Frank- furter Zeitung" meldet aus Belgrad, daß der Ministerrath in seiner gestrigen Sitzung beschlossen habe, die Skupschtina auf de» 3. November nach Belgrad einzuberufen. Mannheim, 17. Oktober.(B. H.) Der geflüchtete Bank- kassirer Meyer von der Deutschen Union-Bank wurde heute Vor- mittag in Jnterlaken, Schweiz, verhaftet. Man fand bei ihm noch drei Packele mit Werlhpapiercn vor. Wien, 17. Oktober.(B. H.) Die Lokomotivführer beschlossen i» einer aus allen Provinzen stark besuchten Versammlung, die Einreihung in die Beamtenkategorie zu erstrebe»; Festsetzung des Gehaltes, das mit 600 Gulden beginnen soll und dann von drei zu drei Jahren bis zu 1200 Gulden steigen soll. Ferner soll erstrebt werden: jährlich 14 Tage Urlaub; achtstündige Arbeitszeit bei Schnell- und zehnstündige bei ge- wöhnlichen Zügen, F«hrbegünstigung 2. Klasse, sowie Einführung eines Pauschalsystems von 40 Gulden für Lokomotlvsührer und 40 Gulden für Heizer. Pariö, 16. Oktober.(W. T. B.) Dr. Duclaux ist zum Leiter des„Institut Pastenr", Dr. Roux zu dessen Stellvertreter ausersehen. Paris, 17. Oktober.(W. T. B.) Eine Versammlung von 60 sozialistischen Deputirten und Pariser Munizipalräthen besprach heute Nachmittag die Lage rn Carmaux. Millerand forderte dazu auf, an das Land ein Manifest zu richten, in welchem die Haltung der Regierung getadelt wird. Andere Redner verlangten, daß alle mit einem Mandat betrauten Sozia- listen nach Carmaux gehen sollten, um durch ihre Gegenwart gegen die Negierungsmabnahmen zu protesliren. Nach lebhafter Debatte gelangte der Vorschlag Millcrand's zur Annahme. Paris, 17. Oktober.(W. T. B.) 400 Zuckerträger eines Lagerhauses in La Villete sind in den Ausstand getreten; die- selben fordern eine Lohnerhöhung. Belgrad, 17. Oktober.(W. T. B.) Infolge der Nach- richt des„Standard" aus Proknplje, daß die asiatische Pest aus der Türkei eingeschleppt sei, hat die Regierung eine streng« Untersuchung augeordnet, welche die Meldung des„Standard" als eine durchaus irrige erweist. Wahr ist nur, daß dort fünf Fälle von Variola(Blattern) an ungcimpfte» Einwanderern aus der Türkei vorgekommen sind, von denen einer gestorben, zwei genesen und zwei noch krank sind. Die Regierung hat strenge Jsolirnngsmaßregeln angeordnet und animalische Lymphe zur Nachimpfung der türkischen Einwanderer abgeschickt. Konstantinopel, 17. Oktober.(W. T. B.) Die Verhaud- lungen der drei Botschafter mit Saidpascha halten sicheren! Ver- nehmen zufolge ein günstiges nahezu endgilliges Resnltal, die Hauplsache bleibt nun die Entscheidung des Sultans, die nicht mit Sicherheit vorauszusehen ist. Auf die Nachricht von dem Abschluß der Verhandlungen wurden heute einige bisher geschlossene Geschäfte der Armenier wieder geöffnet. Havana, 17. Oktober.(W. T. B.) Eine Truppe von 460 Mann stieß am 9. d. M. in der Gegend von Paso Roble(?) mit 800 Aufständischen zusammen, wobei 24 Aufständische und ein Spanier gelödtet wurden. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knnert, Ecköneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag ven Max Bading in Berlin. Hirrzn I Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 244. Freitag, de« 18. Oktober 1895. 12. Jahrg. Sin Sknnksnnwntt nov Gevichk. Ueber die vorgestrige Verhandlung in der Privat-Beleidi- gungsklage Hülle gegen Staatsanwalt Lorenz erhalten wir ans Erfurt den folgenden Bericht: Die Verhandlung leitet Amtsgerichtsrath Höck. Als Ver- theidiger des Privat-Angeklagten. Ersten Staatsanwalts Lorenz, ist Rechtsanwall Meßdorf erschienen. Der Privalkläger, Redakteur Hülle hat keinen Rechtsbeistand. Der Privat-Angeklagte, Erste Staatsanwalt Lorenz ist nicht erschienen. Ter Präsident verliest den Beschluß der hiesigen Strafkammer, wonach diese als Beschwerdekammer ans den ab- lehnenden Beschluß des hiesigen Amtsgerichts beschlossen hat: das Verfahren gegen den Ersten Staatsanwalt Lorenz wegen öffent- licher Privatbeleidigung zu eröffnen. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Meßdorf, bemerkt: Er gebe zu, daß der Erste Staatsanwalt gesagt hat:„Gewerbs- und ge- heitsmäßiger Ehrabschneider". Den Ausdruck„Verleumder" ge- braucht zu haben, müsse er vorläufig bestreiten. Es wird hierauf Landgerichtsrath Schimmelpfeng als Zeuge in den Saal geruien. Dieser bekundet auf Befragen des Präsidenten: Ich habe am 20. November 1893 in der in Rede stehenden Straf- kammer-Sitzung den Vorsitz geführt. Soweit mir erinnerlich, griff während der Vernehmung eines Zeugen, der Erste Staats- anwalt Lorenz in die Verhandlung ein und sagte:„Sie leben ja blos von Verleumdungen". Ter Angeklagte Hülle protestirte dagegen. Daraufhin sagte der Erste Staatsanwalt:„Sie sind ein gewerbsmäßiger Ehrabschneider und Verleumder". Ob zuerst das Wort„Verleumder" und alsdann das Wort„Ehrabschneider" gefallen ist, kann ich heute nicht mehr sagen. Jedenfalls sind beide Worte gefallen. Herr Hülle bat niich um Schutz, ich erklärte ihm aber, daß ich dazu nicht in derLagesei. Ich habe im übrigen früher einmal eine schriftliche Erklärung zu Protokoll gegeben.— Präsident: In Ihrer schriftliche» Er- llärung haben Sie sich etwas milder ausgedrückt. Sie sagten in derselben: Der Herr Erste Staatsanwalt hat von„Ehr- abschneiderei" gesprochen.— Landgerichtsrath Schimmelpfeng: Genau kann ich nicht mehr sagen, ob das Wort„Ehr- abschneiderei" oder„Ehrabschneider" gebraucht worden ist. Bestimmt kann ich mich aber des Wortes„ge- werbsmäßig" erinnern.— Präsident: Halten Sie das Wort „Ehrabschneider" oder„Ehrabschneiderei" für richtig?— Zeuge: Ich habe bereits gesagt, daß ich mich genau der Worte nicht erinnere. Allein als ich die schriftliche Erklärung abgab, konnte ich mich jedenfalls noch besser erinnern als heute.— Präsident: Ist nun auch das Wort„Verleumder" oder„Verleunidung" ge- fallen?— Zeuge: Eins von beiden Worten ist jedenfalls ge- fallen, ich kann aber nicht mehr sagen, welcher von diesen beiden Ausdrücken gebraucht worden ist.— Privatkläger Hülle: Ist dem Herrn Zeugen erinnerlich, daß er noch an demselben oder am solgenden Tage mit einigen Richtern über den Vorgang gesprochen und dabei geäußert hat:„Die Sache wird»och ein Nachspiel haben?"— Zeuge: Das ist möglich, genau kann ich mich aber nicht erinnern. Ich erinnere mich nur genau, daß der damalige Angeklagte Hülle mich um Schutz bat, ich ihm aber erklärte, daß ich dazu außer stände sei, da ich über den Herrn Staats- anwalt keine Disziplinarbefugniß habe.— Hülle: Das ist richtig. Der Herr Erste Staatsanwalt bemerkte auf die soeben erwähnte Erklärung des Herrn Land- gerichtsrath:„Wenn es Ihnen nicht paßt, so beschweren Sie sich doch!"— Landgerichtsralh Schimmelpfeng: Ich kann mich auch dieses Vorganges nicht mehr erinnern, die Möglichkeit gebe ich aber zu.— Verth. R.-A. Moß dorf: Ist der Ausdruck:„Verleumdung" oder„Verleumder" in oder außerhalb des Plädoyers gefallen?— Zeuge: Dessen er innere ich mich nicht mehr. Ich erinnere mich nur, daß der Herr Erste Staatsanwalt im Plädoyer auf die vorhin erwähnten Vorgänge zurückgekommen ist und daß er das erste Mal, als er in die Verhandlung eingriff, nicht das Wort halte, ich fand des- halb die Bemerkung des Herrn Ersten Staatsanwalts für nn- gehörig.— Der zweite Zeuge ist Landgerichtsrath Wilson Dieser war in der Verhandlung vom 20. November 1833 Bei- sitzender. Er bekundet auf Befragen des Präsidenten: Ich er- innere mich des Vorgangs nicht mehr genau, es sind mir blos noch die Worte:„Gewerbsmäßige Ehrabschneiderei" erinnerlich.— Präs.: Sie haben früher einmal gesagt: Es seien Ihnen die Worte: „Gewerbsmäßiger Verleumder" und„Ehrabschneider" eriuner- lich.— Zeuge: Mir sind heute nur noch die Worte„gewerbsmäßige Ehrabschneiderei" erinnerlich, es ist aber möglich, daß auch der Aus- druck„Verleumder" gefallen ist.— Verth.: Geschahen diese Aus- drücke während des Plaidoyers?— Zeuge: Ich glaube mich bestimmt zu erinnern, daß die Ausdrücke im Laufe der Haupt- Verhandlung gefallen sind.— Hülle: Herr Landgerichtsralh, ist Ihnen erinnerlich, daß der Erste Staatsanwalt damals sehr er- regt war?— Zeuge: Das ist möglich, ich kann mich auch hieraus nicht mehr erinnern.— Präsident: Leidet nicht der Herr Erste Staatsanwalt an einer etwas krankhaften Reizbarkeit?— Zeuge: Der Herr Erste Staatsanwalt hat schon seit länger denn einem Jahre nicht mehr vor der Strafkammer plaidirt, ich vermag daher über diesen Punkt keine Auskunft zu geben. Der folgende Zeuge ist Landgerichts-Rath Tacke. Dieser ist ebenfalls Beisttzendcr in der Verhandlung gegen Hülle ge- wesen. Er bekundet: Ich vermag mich nur dunkel auf die in jener Sitzung gefallenen Worte zu erinnern, ich kann auch nicht mehr genau sagen, ob die Worte in oder außerhalb des Plädoyers gefallen sind. Mir sind nur die Worte„gewerbs- mäßiger Ehrabschneider" haften geblieben. Genau ist mir er- innerlich, daß nach dem in Rede stehenden Vorgange Herr Land- gerichtsrath Schimmelpfeng mit mehreren anderen Richtern über den Friedrich Wilhelmsplatz ging und mit diesen das Thema erörterte. Bei dieser Gelegenheit sagte Herr Landgerichlsrath Schimmelpfeng: Ich glaube, der Herr Staatsanwalt ist etwas zu weit gegangen, die Sache dürfte»och ein Nachspiel haben. Aus diesem Gespräch sind mir die Worte:„Sie leben ja von gewerbsmäßiger Ehrabschneiderei, oder: von gewerbsmäßiger Verleumdung" haften geblieben. Ich glaube, die Ausdrücke hat der Herr Erste Staatsanwalt außerhalb des Plädoyers ge- braucht.— Verth.: Kann sich der Herr Zeuge genau erinnern, ob auch der Ausdruck„Verleumder" oder„Verleumdung" gefallen ist?_ Zeuge: Nein. Haften sind mir blos die Worte „gewerbsmäßiger Ehrabschneider" geblieben, weil ich diese für ganz absonderlich hielt, die mir bis dahin noch nie n> als vorgekommen wäre n. Zeuge Landgerichtsralh Wilson: Ich muß bemerken, daß ich mich des soeben erwähnten Gesprächs auf dem Friedrich Wilhelmsplatz ebenfalls erinnere. Landrichter Markus, der hierauf als Zeuge erscheint, be- kündet: Ich war in der Verhandlung am 20. November 1393 Beisitzender und hatte das Referat. So weit ich mich erinnere, hat der Erste Siaatsanwalt auf eine Bemerkung des Angeklagten Hülle gesagt:„Sie leben ja nur von Beleidigungen", oder auch „von Verleumdungen". Hülle protestirte dagegen. Daraufhin jagte der Herr Erste Staatsanwalt:„Sie sind ein gewerbs- mäßiger Ehrabschneider." Hülle bat de» Herrn Vorsitzenden um Schutz. Letzterer erklärte jedoch, daß die ihm zustehende Schovgspolize« sich nicht ans den Herrn Staatsanwalt erstrecke, j — Verth.: Können Sie sich erinnern, ob der Herr Staatsan- walt gesagt hat:„Sie leben ja von Beleidigungen", oder„von Verleumdungen"?— Zeuge: Genau kann ich mich der Ausdrücke nicht mehr erinnern, ich halte aber„Beleidigungen" für richtiger.— Verth.: Es handelte sich damals um einen Artikel, in dem ein Unteroffizier, dem Mißhandlungen vor- geworfen wurden, beleidigt war?— Zeuge: Jawohl.— Hülle: Ich beantrage zu konstatiren, daß der angeblich beleidigte Unter- offizier vom Kriegsgericht wegen Mißhandlung Unter- gebener zu acht Monaten Gefängniß ver- urt heilt worden ist und daß ich in jener Ver- Handlung freigesprochen wurde.— Zeuge Land- richter Marcus: Soweit mir erinnerlich, ist das richtig, etwas Bestimmtes vermag ich allerdings ohne Einsicht in die Akten nicht zu bekunden.— Der letzte Zeuge ist der damalige Ver- theidiger Hülle's, Rechtsanwalt Zander. Dieser sagt aus: Während der Zeugenvernehmung bemerkte der Angeklagte Rauh:„Ich hatte nicht die Absicht zu beleidigen". Darauf versetzte der Staatsanwalt:„Sie leben ja blos von Verleumdungen." Hülle protestirte gegen diese Be- merkung. Darauf versetzte der Staatsanwalt:„Sie treiben ja die Ehrabschneiderei gewerbs- und gewohnheitsmäßig." — Präs.: Sie haben früher angegeben: Sie hätten sich damals Notizen gemacht.— Zeuge: Jawohl, kann ich die Notizen viel- leicht einsehen? Der Präsident legt die Notizen dem Zeugen vor. Danach hat.sich dieser„gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider" »otirt.— Zeuge R.-A. Zander: Heute schwebt mir allerdings das Wort„Ehrabschneiderei" vor. Die Zeugenvernehmung ist danach beendet. Präs.: Der Herr Privatangeklagte nimmt bekanntlich den Schutz des tz 193 des Strafgesetzbuchs für sich in Anspruch. Andererseits wird es wohl als gerichtsnotorisch gelten. daß der Privatkläger mehrfach wegen Beleidigung im Sume der§§ 185 und 186, niemals aber auf grund des tz 187 des Strafgesetzbuchs bestrast worden ist.— Verth.: Ich kann mich damit nicht be- gnügen. sondern beantrage, die gegen den Privatkläger ergan- genen vernrtheilenden Erkenntnisse sämmllich zur Verlesung zu bringen. Nur dadurch kann das Schöffengericht ein Urtheil über die Persönlichkeit des Privatklägers gewinnen.— Privat- kläger Hülle: Ich kann mich diesem Antrage n n r a» s ch l i e ß e n, da daraus der Beweis erbracht werden wird, daß ich in den meisten Fällen nur der Form wegen, auf grund des Z 185 des Strafgesetzbuches verurtheilt worden bin und daß ich in fast allen Fällen den Beiveis der Wahrheit erbracht habe. Ich beantrage aber auch, alle freisprechenden Erkenntnisse, die gegen mich ergangen sind, zu verlesen.— Präsident: Ich will blos bemerken, daß die Verlesung aller dieser Erkenntnisse mindestens vier Stunden dauern dürste.— Verth.: Ich muß trotzdem auf nieinem Antrage beharren. Ich will zunächst konstatiren, daß der Kläger wegen Beleidigung des Gärtners Bluth verurtheilt worden ist, weil er diesem die ungeheuerlichsten Dinge vor- geworfen und hinzugefügt hat:„Der Thäter war vom Besitzteufel ergriffen, ein solches Vorkomnmiß entspricht den Einrichtungen der heutigen kapitalistischen Gesellschaft." Die Verurtheilung erfolgte aus§ 186, da die Angaben vollständig erfunden waren.— Hülle: Dieser Artikel war der„National-Zeitung" entnommen, die doch jedermann als ein maßvolles Blatt halten wird. Daß die„National-Zeitung" sich einmal eine Ente hat aufbinden lassen, kann doch mir nicht an- gerechnet werden.'— Verth.: Der Privatkläger wird doch nicht behaupten wollen, daß die Worte:„Der Thäter war vom Besitz- teufel ergriffen" und„Die Handlungsweise wurzelt in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft" von der„National-Zeitung" her- rühren. Diesen Zusatz hat eben der Privatkläger gemacht.— Hülle: Den Zusatz habe ich dem„Vorwärts" entnommen; damit wird doch aber gerade ausgesprochen, daß nicht der einzelne, sondern das System an den vorkommenden Verbrechen die Schuld trägt.— Der Vertheidiger legt noch auf mehrere Erkenntnisse Gewicht, aus denen er den Beweis führen will, daß der Kläger mit der Ehre anderer leichtfertig umgehe.— Hülle: Ich muß gegen die'Absicht des Herrn Vertheidigers, einzelne Erkennt- nisse vorlesen zu lassen, protestiren, ich muß auf der Verlesung aller Erkenntnisse bestehen.— Nach längerer Berathung des Ge- richtshofes verkündet der Präsident: Der Gerichtshof hat be- schloffen, nur den Tenor der Erkenntnisse zur Verlesung zu bringen.— Verth.: Dies können wir uns ersparen, da diesseits zugegeben wird, daß der Kläger nie- mals auf grund des§ 187 des Strafgesetzbuches bestrast worden ist. Dagegen bitte ich, aus de» Akten zu konstatiren, daß am 20. November 1893 eine Reihe von verurtheilendcn Erkenntnissen gegen den Kläger noch nicht ergangen waren, dem Herrn Ersten Staatsanwalt aber aus den Akten bekannt war, daß der Kläger sich der Verleumdung und Ehrabschneiderei schuldig gemacht habe.— Nach noch längeren Auseinandersetzungen zwischen dem Vertheidiger und dem Privatkläger Hülle wird dem Autrage des ersteren stattgegeben.— Es beginnen alsdann die Plädoyers. Privatkläger, Redakteur Hülle: Nach dem Ergebniß der Beweisaufnahme kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Herr Erste Staatsanwalt gesagt hat:„Sie sind ein gewerbs- und ge wohnheitsmäßiger Verleumder und Ehrabschneider". Diese Worte sind um so eher als gesprochen anzunehmen, da der ehemalige Vorsitzende, Herr Landgerichtsrath Schimmelpfeng ausorücklich heute bekundet bat: Er habe den Ausdruck für ungehörig ge- halten. Welche Animosität der Herr Erste Staatsanwalt gegen mich an den Tag gelegt hat, geht auch aus dem Umstände hervor, daß derselbe, nachdem Raub und ich freigesprochen waren, ausgerufen hat:„O, welche Lu st, Staatsanwalt zu s e i n." Jedenfalls steht es fest, daß ich noch niemals wegen Verleumdung bestrasl worden bin. Die Fälle, die der Herr Vertheidiger hier hervorgehoben hat, beweisen keineswegs, daß ich leichtfertig mit der Ehre anderer umgehe. Dey�all Kortüm wnrde zum Beispiel auch von anderen unabhängigen Blättern und zwar deshalb besprochen, weil er in der hiesigen Bürgerschaft großes Aufsehen erregte und dem Herrn Baurath Kortüm Gelegenheit gegeben werden sollte, sich öffent lich zu rechtfertigen. Jedenfalls war der Herr Erste Staats� anwalt in keiner Weise berechtigt, mich einen gewerbs- und ge wohnheitsmäßigen Ehrabschneider und Verleumder zu nennen und zu sagen: ich lebe ja nur von Beleidigungen und Ver- leumdungen. Ich lebe nicht von der Verleumdung oder Be- leidigung, sondern von dem Gehalt, das ich als Redakteur beziehe. Einen Nachweis für die Richtigkeit seiner Bemerkung ist der Herr Erste Staatsanwalt vollständig schuldig geblieben. Der Schntz des Z 193 des Strafgesetzbuches kann dem Ersten Staats- anwalt nicht zur Seite stehen, da er die Grenzen dieses Para- graphen weit iiberschritien hat. Ein Erster Staatsanwall muß doch verstehen, seine Worte in die richtige Form zu kleide», er muß seine Straianträge begründen können, ohne zu verletzen. Wohin sollte es führe», wenn es dein Staats- anivalt, über den dem Vorsitzenden keine Disziplinar- gemalt zustellt, gestattet sein soll, jeden Aiigcklaglcn nach Belieben beleidigen zu können. Man wäre alsdann genölhigt, von der S e l b st h i k f e Gebrauch zu machen, ein Vorkomnmiß, das doch aber in eiiiem geordneten Staatswesen nicht vorkonimen darf. Ich beantrage daher: den Privatangellagten zu bestrafen und da die Beleidigung öffent- l i ch gefallen ist, mir auch die Publikationsbefugniß zuzusprechen.\ Vertheidiger Rechtsanwalt M o ß d orf: Die Beweisaufnahme hat ein klares Bild über die Vorkommnisse der Strafkammer- Sitzung vom 20. November 1893 nicht ergeben. Es ist an- zunehmen, daß der Referent und der Vertheidiger die Sache n>n besten wissen. Diese haben bekundet: Der Erste Staatsanwalt habe gesagt:„Sie leben ja nur von Beleidigungen" und später: „Sie sind ein gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider". Bei Beurlheilung der Sache wird es nothwendig sein, auf die Tendenz der Partei einzugehen, der der Privatkläger an- gehört und zu der auch das von ihm redigirte Blatt steht. Es ist bekannt, daß die Partei des Privatklägers bezw. deren Presse fortgesetzt bemüht ist, Angehörige anderer Parteien. Beamte, Arbeil- geber u. s. w. anzugreifen und sie in der öffentlichen Meinung herab- zuwürdigen. Ja selbst das Privatleben der Gegner wird in die Oeffentlichkeit gezogen. Es wird vom Besitzteufel gesprochen, es wird den Arbeitern unaufhörlich Haß gegen die besitzenden Klassen gepredigt, und zwar geschieht dies, um die Arbeiter für die Sozialdemokratie zu gewinnen. Diesem Verfahren gegenüber war der Herr Erste Staatsanwalt vollständig berechtigt, zusagen: „Sie leben ja nur von Beleidigungen" und„Sie sind ein ge- werbs- und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider". Wenn ein Staatsanwalt eine ähnliche Aeußerung zu einem wegen Diebstahls oder Betruges mehrfach vorbestraften Angeklagten thun würde, dann dürfte wohl niemand etwas darin finden. Denjenigen, der fortgesetzt die Ehre anderer herabsetzt, darf ein Staatsanwalt gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider nennen. Er handelt nur in Ausübung seiner Amtspflicht, wenn er noch vor dem Plaido yer den Angeklagten charakterisirt, um den Gerichts- Hof und speziell den Vorsitzenden auf die Persönlichkeit des An- geklagten aufmerksam zu machen. Jedenfalls steht dem Herrn Ersten Staatsanwalt in hinreichender Weise der Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zur Seite. Ich beantrage daher. den Privatangeklagten freizusprechen und den Kläger kostenpflichtig abzuweisen. Privatkläger Hülle: Der Herr Vertheidiger hat mit der ihm eigenthümlichen Nonchalance behauptet, daß die sozialdemokratische Partei und Presse die Ehrabschneiderei gewerbs- und gewohnheils- mäßig betreibt, ja selbst das Privatleben der Gegner nicht schont. Ich muß zunächst bemerken, daß ich persönlich Angriffe aus das Privatleben der Gegner niemals gethan und wo solche vor- gekommen sind, stets offen gemißbilligt habe. Daß von der sozial- demokratischen Partei und Presse leichtfertig mit der Ehre der Gegner umgegangen wird, bestreite ich. Wir kritistren lediglich die schlechte» Zustände, machen aber stets die Verhältnisse, niemals aber den einzelnen verantwortlich; dies wird von uns auch stets ausdrücklich betont.— Nach noch kurzen Bemerkungen zwischen dem Privatkläger und dem Vertheidiger zieht sich der Gerichtshof zur Berathung zurück. Nach etwa halbstündiger Berathung verkündet der Präsident, Amtsgerichtsrath Höck folgendes Erkenntniß: Das Schöffengericht hat im Namen des Königs für Reckt erkannt, daß der Privatangeklagte, Erste Staatsanwalt Lorenz, der öffentlichen Beleidigung schuldig und deshalb mit 50 Mark Geldstrafe zu b e st r a f e n und dem Privatkläger das Recht zuzusprechen sei: den Tenor des Erkenntnisses 4 Wochen nach erlangter Rechtskrast auf Kosten des Angeklagten im hiesigen „Allgem. Anzeiger" zu veröffentlichen. Auch sind dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auserlegt worden. Der Gerichtshof hat auf grund der Beweisaufnahme für fest- gestellt erachtet, daß der Angeklagte gesagt hat:„Sie sind ein gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Ehrabschneider." Ob auch der Ausdruck„Verleumder" gefallen ist, erscheint zweifelhaft. Der Gerichtshof ist zu seiner Annahme durch die bestimmten Be- kundungen des Landgerichtsraths Schimmelpfeng und des Herrn Rechtsanwalts Zander gekommen. Letzterer wußte wohl heute nicht mehr genau, ob das Wort„Ehrabschneider" oder„Ehr- abschneiderei" gefallen ist, der Gerichtshof hat aber die von Herrn Rechtsanwalt Zander sofort gemachten Notizen für maß- gebend gehalten. Der Gerichtshof hält den geschehenen Ausdruck für eine st arke Beleidigung und kann dem Angeklagten den Schutz des 8 193 des Straf-Gesetzbuches nicht zugestehen. da das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form hervor- geht. Der Herr Erste Staatsanwalt hätte den Angeklagten charakterisiren und seinen Strafautrag begründen können, ohne den Angeklagten in dieser Weise zu v e r l e tz e n. Z u w e l ch e n Konsequenzen sollte es auch führen, wenn es eine in Staatsanwalt gestattet wäre, in dieser Weise einen Angeklagten zu beleidigen. Es mußte daher eine Bestrafung eintreten. Bei Abmessung des Straf- maßes hat der Gerichtshos einmal erwogen, daß der Kläger, wenn auch nicht aus 8 187, so doch ans grund der 8s 185 und 136 des Straf-Gesetzbuches niehrsach vorbestraft ist und daß der Erste Staatsanwalt vielleicht der Meinung war, der damalige Angeklagte habe mit bösem Vorsatz den inkriminirten Artikel ge- schrieben. Der Gerichtshos hat außerdem erwogen, daß der Staatsanwall in jener Strafkammer-Sitzung etwas erregt war und derselbe körperlich leidend ist, dieser Zustand aber auf das Nervensystem des Staatsanwalts nicht ohne Einfluß ist und eine gewisse Reizbarkeit bewirkt. In Berücksichtigung alles dessen hat der Gerichtshof dem Angeklcktzten mildernde Umstände zugebilligt und deshalb, wie geschehen, erkannt. UokNles. Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen der Arbeiterschaft unter den bekannten Bedingungen zur Verfügung: Köhler. Möckernstr. 117; R o s e n b e r g, Schwarzer Aoler, Schulstr. 66. — Die Sperre über die G a in b r i n u s- B r a u e r e i in Charlotten bürg ist aufgehoben; das Lokal steht der Arbeiterschaft zur Verfügung. Die Lokalkommissiou: Karl Scholz, Wrangelstr. 32. Den Parteigenossen von Wilmersdorf zur Nachricht, daß heute, Freitag Abend Flugblätter zur Vertheilung ge- langen. Treffpunkt bei Klmgenberg, Berlinerftr. 40. Um>«ge Betheiligung wird ersucht. I. A.: Nerre. Der Kampf für Ordnung, Religion«ud Sitte gegen die Mächte des Umsturzes ist mit herzerfrischender Aktualität bislang eigentlich nur vom nniformirten Theil des deutschen Volkes betrieben worden: hier allerdings von Köller bis zum letzten Münter hinab scharf und schneidig. Gewiß hat sich die Großbourgeoisie in den ihr zur Versügung stehenden Hetzblättern alle Mühe gegebe», aus daß der Sozialdemokratio der Garaus bereitet werde, aber zu der Forsche, wie sie der Seplemberkurs in polizeilichen und staatsanivaltschaftlichcn Kreisen zeitigte, ge- dieh im fromnien Bürgerthum die Sache leider lange nicht. Und doch ist es von Tag zu Tag uothwendiger, der Oeffentlichkeit plausibel zu machen, was für eine böse Sorte die Sozialdemo- kratie im Grunde ihres rothen Herzens eigentlich ist. Diesem tiefgefühlten Bedürfniß haben nuiiuiehr zivei ge- scheidle Leute mit guter Witterung nach ihrem besten Vermögen abgeholfen. Sie sind auf die geniale und doch so einfache Idee gckoiiimen, von der Schaubühne als moralischer Slnstalt herab die Erinannung aller derjenigen, die sick»och deutsches Volk nennen dürfen, mit Nachdruck zu betreiben. Es war allerdings pcin- lich. daß die wirklichen Theater, mit denen die Köller'sche Polizei- zensur sich zwecks Unterdrückung aufrührerischer Gedanken wesentlich beschäftigt, es mit mehr oder minder schnödem Achsel- gucfett ablehnten, sich an dieser Aktion im Kampf für die heiligsten Güter der Nation zu betheiligen; aber wozu hätten wir denn die Stätten, die sich stets die Pflege des Patriotismus haben an- gelegen sein lassen, die folgerichtig von der Polizeizensur am wenigsten behelligten Chantans? Von hier ans wurde am Mittwoch Abend die Rettung des deutschen Volkes unternommen. An den Anschlagsäulen stand zu lesen:„R e i ch s h a l l e n- Theater. Heute und folgende Tage:„Vorwärts!" Zeit- bild in zwei Abtheilungen von Richard Anger und Leopold Ely." Das Stück ist bei einen» Hosbuchhändler in Druck erschienen. Der eine der Verfasser hat, wenn wir recht unterrichtet sind, bislang mit Abfassung der vom Zirkusdirektor Renz der Presse zugesandten Reklamenotizen sein Brot verdient, wogegen der andere, unserer Erinnerung nach, früher schon an kleinen Bühnen herum- geschmockt hat. Schon geraume Zeit vor der Aufführung war von der einschlagenden Wirkung des gegen die Sozialdeniokratie gerichteten Werkes getuschelt worden, und wir sahen daher mit einiger Betlom- menheit dem Mittwoch Abend entgegen. Das Reichshallen-Chantant war— freilich nur gut zur Hälfte— mit einem brav patriotischen Publikum besetzt, das unmittelbar vor Aufführung des Stückes Gelegenheit hatte, sich an einem„orientalischen" Ballet und an den saftigen Vorträgen einer französischen Chansonnelte zu er- bauen. Namentlich die Französin, die bis zur Magengrube völlig nackend und an den weiter unten liegenden Partien ihres Körpers beinahe zur Hälfte bekleidet war, wirkte auch bei denen die kein französisch verstanden, faszinirend durch die trotz der Barrisons bis jetzt in Berlin unerhörte Lascivilät ihrer Geberden Nachdem das Publikum derart empfänglich gemacht worden, ging der«igehtliche Bühnenkampf für Ordnung, Religion und Sitte vor sich. Eine Weißbierkneipe. An einem Tische brave anständige Bürger, am anderen Tische Sozialdemokraten, durch die Bank betrunken. Der Lokalredakteur des„Vorivärts" säuft immer mehr Weißbier mit Luft und führt wirre Redensarten gegen die Sedanfeier. Ein Agitator kommt; auch der Sitzredakteur läuft aus Plötzensee herbei und klagt, daß er mit einer Mark Lohn für den Tag„Brummen" seine Familie nicht ernähren könne. werden immer betrunkenere Reden gehalten und schließlich kommt es zu einer allgemeinen Keilerei, bei der die Sozialdemokraten natürlich von den Ordnnngsmännern fllrchter lich verhauen werden. Der zweite Akt spielt in der Redaktion des„Vorwärts". Der politische Redakteur quält sich gleich dem Lokalredakteur mit Leitarlikellügen gegen den Sedanstag ab. Aber der Setzer ist gut patriotisch und singt„Ich bin ein Preuße" und der Sitzredakteur erklärt, daß er bei der Karre voll neuer Prozesse streiken wolle. So zieht sich das Gewitter über der vaterlandslosen Rotte zusammen und zum Schluß stürmt die Berliner Arbeiterschaft das Redaktionsbureau j brave Bürger zwingen den Redakteuren patriotische Embleme in die Hand, das Proletariat illuminirt die Ladeufenster und stellt des alten Kaisers Büste auf. Apotheose. Rasender Beifall, fast ebenso stark wie vorher bei den Pariser Lascivitäten. Vielleicht hören wir bald von patriotischen„Fabrib Herren", welche ihre Arbeiter, bei denen die Gratisvertheilung von Eugen Richter's„Zukunftsbildern" nichts anschlagen wollte, nunmehr zur Bekehrung ins Reichshallen-Theater schicken. Von der Berliner Volksschule. In einem fortschritt lichen Bezirksverein ist am Mittwoch Abend nach einem Vortrage des Schriftstellers Heinz Krieger eine Resolution gefaßt, wela,e konstatirt, daß seit etwa zehn Jahren ein merklicher Stillstand in der Entwicklung des Berliner Volksschnlwesens eingetreten ist und daß durch Vernachlässigung der sehr berechtigte» Wünsche der Lehrer aus Betheiligung an der Verivaltung das Ministerium Anlaß erhalten hat, sich in die städtische Verwaltung einzumischen. Die Versammlung fordert darin weiter daS Selbstverwaltungsrccht in Schillangelegenheiten und spricht schließlich folgende„Wünsche" aus: Herabminderung der Schulfrequenz, namentlich der Unter stufen. Einführung des Achtklassensystems, Abschaffung der Vor- schulen und Aushebung der öffentlichen Prüfungen. Regelung der Ferien nach Maßgabe der Ferien der höheren Schulen. Zeitgemäße Ausgestaltung des Lehrplanes. Die Versammlung billigt ferner die vorgeschlagene Dezentralisation der Schul Verwaltung. Die Anschauung in den Kreisen Gleichgesinnter ist wenig schmeichelhaft für den maßgebenden Koinmnnalfreisinn Ei» vener UkaS der Firma Nauck u. Hartmann hat be- stimmt, daß der Name des Kultusministers Dr. Bosse auf den Anschlagsäulen nicht genannt werden darf. In den Plakaten, welche ein hiesiger Bezirksverein bei den Anschlagpächtern ausgegeben hat, sind in den Zeilen„Das Volksschulwesen und der Herr Kultusminister Dr. Bosse" die letzten Worte in„Kultus- Ministerium" geändert worden. Von einer neuen Duellpriigrlei meldet ein Bericht erstatter:„Unblutig verlaufen ist ein Pifioleiiduell, das gestern, Donnerstag, früh im Grunewald stattgefunden hat. Die beiden Gegner waren ein Gerichtsassessor T. und ein Herr G Die Veranlassung hatte wieder einmal eine Dame gegeben. Die Bedingungen waren bei dreimaligen, Kugelwechsel ziemlich scharf Nach den ersten Schüssen, die auf keiner Seite trafen, gelang es jedoch, eine Aussöhnung herbeizuführen, indem der jüngere Gegner aus seine Ansprüche verzichtete und den Gegenstand des Kampfes dem älteren überließ, der somit als der Sieger aus dem Streite hervorging. Die Versöhnung wurde nach dem un blutigen Streite mit einem solennen Frühschoppen gefeiert." Nur so fortgefahren mit den zeitgemäßen Rohheilsvergehen, und die berufenen Staatsrettir werden staunen ob der Erfolge ihres schneidigen Wirkens! Es scheint fast, als wollte man in gewissen Kreisen alle Elemente, die noch Sinn für Gesittung und Ge- fetzlichkeit haben, mit Gewalt der Sozialdemokratie zudrängen. Die Liliputaner setzen ihr Gastspiel im Friedrich Wilhelm� städtischen Theater fort. Am Sonntag findet die sechzigste Vor- pellung statt. Die unverschlossene Brückenthür. Im gestrigen Polizei bericht wurde gemeldet, daß ein Arbeiter in der Trunkenheit von der Eisenbahn-Brücke zwischen Köpnickerstraße und Mühlenstraße herabgefallen und dann durch einen Kaufmann gerettet worden sei. Hierzu wird uns von einem Augenzeugen berichtet, daß der Verunglückte weniger durch eigene Schuld, als durch ein Versehen des Brückenwärters zu Schaden gekommen sei; der Angestellte habe nämlich die Abschlußthür unverschlossen gelassen, und so sei der Arbeiter, der, um anderen Passanten auszuweichen, sich an die Thür gelehnt hatte, in die Fluthen gestürzt. Hoffentlich giebt das Unglück Anlaß zu größerer Aufinerksamkelt. In der Gewehrfabrik zu Spandau hat sich am Mittwoch Morgen 10>/s Uhr wiederum ein schlimmer Unglücksfall ereignet. Der Arbeiter Karl Schmidt war damit beschäftigt, eine alte Trommel, welche früher zu Zündstoffen gebraucht wurde, zu zer- kleinern. Bei dieser Arbeit explodirte der in der Trommel noch vorhandene Zündstoff; Schmidt erlitt an den Füßen so erheb- liche Verletzungen, daß er nach dem Garntsonlazareth gebracht werden mußte. Der Chef der Exekutive der politischen Polizei, Polizei- rath von Mauderode ist am Donnerstag Morgen gestorben. Im Schanspielhause ereignete sich während der Vor- stellnng von„Maria Stuart" am Mittwoch ein schwerer Un- glücksfall. Der Barbiergehilfe Metzner hatte sich von einem bei der Beleuchtung des Schauspielhauses angestellten Arbeiter auf die Bühne hinaufschmnggeln lassen. Hinter den Koulissen, auf der rechten Seite der Bühne befinden sich zwei Logen, unten die sogenannte Beleuchtungsloge und darüber ein Raum für die Darsteller, welche im Augenblick nicht beschäftigt von da aus die Bühne übersehen können. Ueber dieser Loge befindet sich in der Höhe von 4 Metern eine Nische, in welcher elektrische Anlagen angebracht sind. Hier wurde Metzner von seinem Freunde placirt. Während der Vorstellung und zwar zu Ende des zweiten Aktes wurde der Barbiergehilfe wohl von einem Krampfanfall erfaßt und stürzte von der beträchtlichen Höhe herab auf die Bühne. Das Publikum vernahm wohl den dumpfen Fall, konnte aber die Ursache nicht erkennen, da sich der Unglücksfall hinter den Koulissen ereignete, so daß eine größere Unruhe nicht entstand. M. hat eine Gehirnerschütterung erlitten und wurde im Krankenwagen nach der Charitee überführt. Eine aufregende Szene wurde Donnerstag Vormittag durch ein Schadenfeuer in Friedrichsberg veranlaßt. Im zweiten Stock des Grundstücks Kronprinzenstr. 21 betreibt dort im Seiten- gebäude das Ehepaar Kanitz eine kleine Putzfedernfabrik, die nur drei Räume, eine Küche und zwei Stuben in Anspruch nimmt. Die Fabrik beschäftigt zehn Arbeiterinne». Eine von diesen, die 23 jährige Franziska Calatzko aus der Rninmelsburger-Straße machte Tonnerstag Vorniittag un> 9 Uhr in der Küche Feuer an, um Federn zu dämpfen. Nebe» der Maschine standen auf einem Tische verschiedene Behälter mit flüssigem Kantschuk. Als das Mädchen einen Augenblick die Küche verlassen hatte, um ans einer Stube Federn zu holen, gab es plötzlich einen Knall, der davon herrührte, daß der kkautschuk auf bisher nicht aufgeklärte Weise in Brand gerathen war. Drei der Arbeiterinnen, Calatzko, die 2ljährige Anna Tietz aus der Gürtelstraße und die 20jährige Ida Schütz aus der Friedrich-Karlstraße geriethen beim Anblick des Feuers in eine solche Aufregung, daß sie ans dem Fenster aus den Hof hinabsprangen. Fran Kunitz versuchte die Calatzko zlirückzuhalten, diese riß sich jedoch los»nd stürzte sich hinaus. Unterdessen hatten'Arbeiter bereits eine Leiter an das Fenster angelegt. Diese ergriff das Mädchen zu seinem Glück und rutschte daran herunter. So kam sie mit einigen Kopsverletzungen davon. Ein Glück für die beide» anderen Mädchen war es, daß Frauen ans dem Hause, die das Hilfegeschrei gehört und die gefährliche Lage erkannt hatten, so- fort unter dem Fenster auf den, Hofe Betten ausgebreitet hatten. So schlugen sie weniger heftig auf, trugen aber inimerhin innere Verletzungen, die Schütz auch eine Fußverstauchling davon. Der Arzt Dr. Strnßmann brachte allen dreien sofort die erste Hilfe, worauf sie in ihre Wohnungen gebracht wurden. Denen, die besonnener gewesen und oben geblieben waren, geschah nichts. Haus- bewodner löschten das Fener, das nur den Tisch und die Thüren an der Küche beschädigte, schon größtentheils ab, so daß der Friedrichsderger Feuerwehr nicht viel zu thun übrig blieb. Ein Berliner Einbrecher ist am Mittwoch in Hannover dingfest gemacht worden. Nach einer der hiesigen Polizei zu- gegangenen Mittheilung ist nämlich daselbst der 30jährige Kellner Hamann festgenominen worden, als er den Versuch machte, nachts die Thür eines Modewaaren- Geschäftes zu erbrechen. Der mit Zuchthaus vorbestrafte Bursche war Tags vorher aus Berlin in Hannover eingetroffen; der Einbruchsversuch daselbst war das erste unglückliche Debul auf seiner„Geschäftstour". Gesperrt ist für Fuhrwerke und Reiter die Wasserthor- Brücke. Selbstmordversuch im Gefänaniß. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch wurde in Weißensee der in der Brunnen- straße hierselbst ivohnende Schreiber Hugo Müller auf der Straße von dem Nachtwächter wegen ruhestöreuden Lärinens verhaftet und bis zu seiner Vernehmung am nächsten Morgen in dem dortigen Amtsgefängniß untergebracht. Aus Verzweiflung darüber versuchte M. in seiner Zelle einen Selbstmord auszuführen, in- dem er sich an seinem Hosenträger aufknüpfte. Ter auf dem Korridor des Gefängnisses patrouillirende Amtsdiener Zöllmann vernahm zufällig das lliöcheln des Lebensmüden und schnitt ihn ab. M. wurde nach dem dortigen Krankenhause gebracht. Durch einen Sprung aus dem Fenster hat eine Frau Professor Knorr in Charlottenburg sich am Mittwoch derartige Verletzungen zugezogen, daß sie binnen wenigen Stunden starb. Es wird berichtet, daß die That in einer WahnvorsteNung begangen sei. Polizeibericht. Am 16. d. M., morgens, wurden ei» Pförtner in seiner Wohnung, in der Karlstraße, und mittags ein Hausdiener auf dem Boden eines Hauses in der Wilsnackerstraße erhängt vorgefunden.— Morgens stürzte ein Theil des Gesimses über dem ersten Stqcke des Hauses Gipsstr. 5 auf den Bürgersteig herab und verletzte drei vorübergehende Personen. Ein Arbeiter und eine Arbeiterin blieben bewußtlos liegen und mußten in ein Krankenhaus gebracht werden; ein zweiter Man» konnte sich selbst nach Hailse begeben.— Auf der Kottbuser- brücke gerieth vormittags ein Plann unter die Räder eines beladenen Kohlenwagens und trug schwere Verletzungen am Kopfe und am Unterschenkel davon.— Bei der Einfahrt in ein Grundstück Vor dem Stralauer Thor fuhr ein Kutscher mit dem von ihm geführten Arbeitswagen gegen eine Bordschwelle, wurde dabei von seinem Sitze herabgeschleudert und überfahren. Er erlitt eine bedeutende Ouetschung des Unter- schenkels.— In einer Gastwirthschaft am Schlesischen Bahnhofe erschoß sich in einem Fremdenziinmer ein Reisender.— Nach- mittags fiel in der Müllerstraße ein Knischer von seinem Roll- wagen, gerieth unter die Räder und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb.— Eine Frau versuchte in ihrer Wohnung, in der Schönleinstraße, sich zu erhängen. Sie wurde jedoch noch lebend aus ihrer Lage befreit und nach dem Kranken- Hause gebracht.— Abends fiel in der Greifswalderstraße der Kutscher eines Geschäftswagens denn Anzünden der Wagen- laterne vom Wagen und zog sich Verletzungen am Kopfe und a» der Hand zu. WitternngSiibersicht vom 17. Oktober 1805. Schöffengericht sprach dennoch ihre Verurtheilung aus und auch die Strafkammer entschied zu Ungunsten der Angeklagten, indem sie sich durch folgende Erwägungen leiten ließ: Der größte Theil der Mitglieder bestehe aus Sozialdemokraten und in einen, Vortrage, der in einer Versammlung des Vereins von Dr. B e r t h o l d-Hamburg gehalten wurde, sei auf den Siegeslauf des Sozialismus hingewiesen worden. Der Redner habe ferner einmal davon gesprochen, daß bis jetzt die besitzende Klasse das Monopol besessen hätte, künstlerischen Vorstellungen beizuwohnen, daß nun aber auch das Proletariat daran denke, die Kunst für sich in Anspruch zu nehmen und jenes Monopol aufzuheben. Aehnlich habe sich Julius Türk in einem Vortrage geäußert. Dann seien Theaterstücke vom Verein zur Anfführung gebracht worden, in welchen der Widerspruch zwischen Besitz und Armuth beleuchtet werde, ivie denn überhaupt die Auswahl der aufgeführten Stücke eine tiefe Unzufriedenheil mit den herrschen- den Zuständen ergebe. So seien aufgeführt worden der „ M e i n e i d b a u e r",„Einsame Mensche n".„Die Weber",„Kein H ü s u n g" lnid auch„Kabale und Liebe". Letzteres Schauspiel sei ein ganz besonders revolutionäres Stück. Diese Aus- wähl in den zur Aufführung gelangten Stücken sei nicht etwa zufällig, sie sei bewußt vorgenommen worden. Auch ein Prolog von Fr. Mehring, der einmal vorgetragen sei, richte sich aggressiv gegen die besitzende Klasse. Aus alledem wäre, so deduzirt das Gericht, garnicht zu verkennen, daß die„Freie Volksbühne für Hannover und Linden" bezweckte, der s o z i a l d e in o- kratischen Partei neue Mitglieder zuzuführen und die Ziele dieser Partei zu verbreiten. Hiernach sei es dem Verein wesentlich darauf angekoniinen. auf öffentliche Angelegenheiten, auf die bestehende Gesellschaftsordnung im Sinne der sozialdenio- kratischen Partei einzuwirken; nickt aber sei es ihm h e i l i g st e Pflicht gewesen, das Kunstbedürfniß seiner Mitglieder zu be- friedigen und auf eine Läuterung des künstlerischen Geschmacks hinzuarbeiten. Somit wäre aber die Nichleinreichung des Mitgliederverzeichniffes dem Vorstand« als eine Gesetz- Widrigkeit zur Last zu legen. In der Revision betonten die Angeklagten, daß ganz unerheblich sei, ob die Mit- glieder eines Vereins außerdem in einer bestimmten Partei vereinigt seien. Uebrigens sei anzunehmen, daß die Schöpfer des Vereinsgesetzes mit der„Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten" nicht eine indirekte, theoretische Einwirkung meinten, sondern eine praktische. Der Strafsenat des Kammer- gerichts verwarf am 17. Oktober die Revision mit der Be- gründung, daß der Zweck der„Freien Volksbühne für Hannover und Linden" von der Strafkammer ohne Rechlsirrthümer fest- gestellt sei. Neber den Miilheimer Nnfrnhrprozeh erhält das„Ber- liner Tageblatt" folgende Mittheilung: Die Beweiserhebung im Mülheimer Krawallprozeß ging mittags zu Ende, indeß fordert die Vertheidigung die Ladung noch weiterer Zeugen. Ei» bereits früher zur Aussage über bestimmte Personen ver- nommener Polizist entwarf heule nach Schluß des Zeugenverhörs ein Gesammlbild der Affäre, welches die Vertheidigung proto- kollirt wisse» wollte. Bei dieser Gelegenheit stellt Richtsanivalt Eilender eine ganz neue Beweiserhebung i» Aussicht, so daß der Prozeß noch weitere Folgen haben dürfte. Tie Verhandlunge» dürften erst am Sonnabend zu Ende gehen. Wetter-Prognose fiir Freitag, den 18. Oktober 1895. Kühles Wetter mit mäßigen nordwestlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. Gerichk-s-Seikung. Zum Kampfe gegen die freie» Volksbühne». D Vorstand der„Freien Volksbühne" in Hannover' hatte sich seinerzeit vor dem dortigen Schöffengericht wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz zu verantworten, der dadurch be- gangen sein sollte, daß er linterlassen hatte, der Polizeibehörde innerhalb dreier Tage das Miigliederverzeichniß einzureichen. Die Angeklagten, Beckmann, Wald und Stoltefuß mit Namen, bestritten, dazu verpflichtet gewesen zu sein. Es wäre ihnen und de», Verein garnicht eingefallen, auf öffentliche Angelegen- heften einwirken zu wollen, was durch die Silage behauptet werde. Der Verein habe lediglich bezweckt, künstlerische Interessen zu pflegen und zwar durch Vorführung erhebender Kunstwerke. Das Eingelaufene Druckfchriste«. D«r 0o!wldri»oll»»t. geniral-WochenvIali der soziatdemotraitschen Partei Deutschlands sExpeditton in Berlin SW., Beulhsirabe 8). Die Nr.«z hat folgenden Inhalt: Wochenschau.— Aus England.— Die landwtrlhschastttchsn Wander- arbeiter in Rußland.— Ein zeiigemäber Lyriler.— Partetnachrichien.— Todtenliste. Ter BreSIauer Parlettag.— Seiretdemonopols-Projekte in der Schweiz. — Arbeiler-Organisaltonen. Arbetlerschutz.— Wie man uns behandelt.— Vermischtes. NerZÄmmlunigen. Die Freie Vereinigung der Lohgerber, Lederzurichter und Berufsgenosscn Berlins nahm in ihrer Generalversamm- luiig am 13. Oktober die Abrechnung des Kassirers Schwarz über das dritte Quartal entgegen und ertheilt« ihm Decharge. Hierauf wurde die Frage des Anschlusses an den Verband er- wogen. Während des letzten Streiks sind die Gegensätze zwischen dem Lokalverein und dem Verband so scharf hervorgetreten, daß man sich sagte, so könne es nicht mehr weiter gehen. Ins- besondere der Streik bei Gebrüder Steinlein brachte es zu wege, daß sich die Meinung allgemein dem Verband zuwandte. In der Generalversammlung wurde der Anschluß u. a. mit der treffenden Bemerkung befürwortet, daß ebenso, wie sich die Unternehmer immer enger vereinigten, auch die Ardeiter sich immer inniger und in immer größeren Massen zusammenschließen müßten, um die Uebergriffe des Unter, lebmerlhitins erfolgreicher abzuwehren. Die Debatte zeitigte das erfrevliche Resultat, daß eiilstimmig be- schlössen wurde, die Freie Vereinigung solle dem Verband als zweite Berliner Filiale beitreten. Man schritt dann sofort zur Wahl des Filialvorstandes; einstimmig wurden zu dessen Mit- glieder die Kollegen Busse, Schröder, Schwarz. Schulz und P. F r i t s ch ernannt. Zum Schluß der Ber- saminlung ermahnten die anwesenden Verbandsmitglieder M o h a u p t und Haferland zu festem Zusammeiihalt»nd zu thatkräftiger Mitarbeit an den Aufgaben der Organisation. zlob>It»r-Kttdu»»»I'ch»I». Während der Feiten vom i. bis inll. eo.ci- »ober fällt der Unlerrlchl in beide» Schulen aus. Dle Bldlioih.ie» und Lcse- ztminer sind jedoch alladendllch von 7jj— l($ Uhr geöffnet. Dieselben befinden fich Walbemarstr. ,4 und Mlillerftr. 179a. Nerg»iiy>,»0«v-r»in„«i»igk,ii". Sthung mit Damen» Uhr im Restaurant Thießen, Zionstirchplaz i. Wälle willkommen. Frei» Prr«ini»»»a der Kandier Kerlin». Frellag, den 18. Oltober, abend« 8 Uhr, bei Lorenz,»oppenstr 47: Versammlung. Frirdrichohagen. Den Parleigenofsen htermit zur Nachrlcht, daß in der Verfammluna, die morgen Abend 8% Uhr in Lerche'» Bürgersälen slatlfindet, Eenoffe Waldeck Manasf« über„Kirchen und Kasernen" spricht. VvvmilÄzkes. Abermals ei» Bergwerks Unglück. Die„Görlitzer Nach- richten" melden: Infolge schlagender Welter erstickten in dem Schachte der„Kaiser Wilhelm- Grube" bei Lichtenau, Kreis Lauban, zwei Bergleuie; zwei andere wurden rechtzeitig gerettet. Die Cholera in Tamiette(Egypten). Nach einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus" aus Alexandrien sind am Mittwoch in Damiette zwei weitere leichte Cholerafälle vor- gekommen. Hunderte von Einwohnern verlassen die Stadt. In andern Orten ist kein Cholerasall beobachtet. Briefkasten der Redaktion. IVO. Sprechen Sie gelegentlich auf der Re- Kolenda daktion vor. Dr. Leo AronS ersucht uns die folgende Eiklärnng zu unserem Berichte über den Parteitag zu veröffentlichen: Nach dem Bericht soll ich gesngl haben, man werde leicht als schlaffer Reformer bezeichnet, wen» man einen Gegen- stand behandelt, der im Prograin», nicht enthalten ist und dabei „auch nur einigermaßen von den Grundsätzen derPartei abmepcht". Ich habe im Gegeutheil betont, aß man bei Behandlnng genannter Gegenstände diesem Vor- zirf ausgesetzt ist, selbst wenn man dabei in keiner eise gegen die Partetgrnndsätze verstößt. I. M. Gneisenalistraste. 1. Ja. 2. Die Jntcrventions- klage anstelleil. 3. Wie es scheint, steht Ihne» ei» Anspruch auf Ersatz nicht zu.— W M. In der Nummer des„Vorwäit»." vom 29. September, 3. Beilage S. 2 ist unter„Soziale Rechls- pflege" eingehend dargelegt, in welchen Fällen Klcbebeilräge zurückzuerstatten sind.— 33. Die Klage halte Aussicht ans Er- folg.— 5k. H. 0. l. In Schlesien gilt getreuntes Gülerrccht. Ter Vater erhält'/s.dieKinder zusammen �/ides Nachlasses 2, Ja. 3. Nein. Für deiiJuhnlt der Inserate über nimmt die giedaktion dein Pnbliknu» gegenüber keinerlei VerantUiorttuin Theater. Freitag, den!S. Oktober Dents'chr» Theater. Der Meister von Palmyra. Kerlinrr Theater. Die Grille. Zefstng- Theater. Der Veilchen- fresier. Frirdrilsi-Milheiutstädt. Theater. Die Reise nach dein Mars. Ztenes Theater. Der Militärstaat. Schiller-Theater. Wilhelm Tell. Kestdent Theater. Der Rabenvater Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst- Theatrr. Parade- bunimler. Crntral-Theater. Eine tolle Nacht. Alrranderplah- Theater. Die Ziöniaslochrer als Bettlerin, oder: Die Schule des Lebens. Zlatianal-Theater. Die Braut von Messina. oder: Die feindlichen Brüder. Theatrr Zluter den Linden. Der goldene Kamerad. American-Theater. Die Millionen- «bin von Nixdorf. Rrich»hall«n-Thrater. Spezialitaten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallner«Theater.) j: Milhelm Tell. bend: Wilhelm Tell._ ZriedrichWilhklmstDt. Theater Ä5/S6. Chansseestr. Sö/Ä6. Gastspiet der t.ilipataner Jeden Abend 7>/s Uhr: Die Reise nch k\\i Mars. S o n nabend. nachmittags 3 Uhr: Große Kinder-UorfteUnng. Ajwmttch-»••»Ä"" Kinder nachmittags halbe Preise. Centrai-Theater. Alte Jakobstr. 30. Emil Thomas a. G. stoviiät I Zum 44. Male: Novität! Eine tollf Nacht. Große Ausstaltungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Vilh. Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Richard Schultz. Anfang 7�/2 Uhr. Morgen: Zum 4S. Male: Eine tolle Nacht._ Adolph Ernst-Theater. Zum 45. Male: Varailetlimmtkr. Besetzung der Hanptrollen: Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst. 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Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion aus der Boltz'schen Ver- sammlung vom 7. d.M. über die Bedeutung des Zlrbeitsnachweises des Zentral- Vereins sür Arbeitsnachweis(Alexanderplatz) für die organisirte Arbeiterschaft Berlins. 9S0b Die Herren vom Generalrath der deutschen Gewerkvereine sowohl wie alle übrigen Interessenten dieses Jnstituls, besonders die Maurer, Zimmerer, Schlosser, Maler, Klempner:c. werden hiermit ersucht, i» der Versammlung zu erscheinen. vor Lindoralgr. Arbeiter und Arbeiterinnen von Deutsch-Wilmersdorf, Halensee n. ßheingau. Sonntag, den 30. Oktober, vormittags 10 /s Uhr, »aale des Rekauratrnrs Alingcnhcvg, Kerlinerstr. 40. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Gewerbegerichts-Beisitzers A. Körsten-Verlin über„Die Bedeutung der Gewerbegerichte für die gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen. 2. Diskussion. 3. Verschiedeues.— Pflicht aller Interessenten ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. 202/7 vis Kommission. I. 31.: N e r r e. Bauhanilwerker-Krankenkasse für Barl. u. Dmg. (Eingeschriebene Hilfskasse Nr. IIS.) Am Sottntag, den 20. Oktober, vormittags 10 Uhr, in �chmiedel's Festsälen, Alte Jakobstrahc S2: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassirers vom 3. Quartal. 2. Revisionsbericht. 3. Wahl eines Bevollmächtigten für Unfälle. 4. Wahl eines Hilsskassirers für den Westen. S. Entgegennahme etwaiger Beschwerden gegen den Vorstand. Mitgliedsbuch legitimirt.-WlZ Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 261/5 Der Vorstand. I. A.: Heinrich Metzle, Oderbergerstr. 10. Ifepeln der Schaftebranche. Sonnabend, den 19. d. M., abends 9 Uhr, im Lokale des Herr» Werna», Rosenthalerftraße 57: PT* Vevtanrinlnng"MiD NB. Ausgabe der Billets zum Vergnügen. 173/3 WM" Kistenmacher,-WA Sonntag, 20. Oktober, vorn». 10 Uhr, i» de» Oranienhallen, Annenkr. 31: OefTentl. Versammlung« Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Millarg über: Fortschritt und Armuth. 2. Abrechnung des Vertrauensmannes vom 3. Quartal. 3. Bericht des Delegirten der Gewerkschaftskommission. 4. Verschiedenes. 94/11 Der Nertranrnsmann. E. Tschern ig, Fürstenstr. 16, H. 4 Tr. ßreie Vereinigung aller i. d. chirurgischen Branche beschäftigten Berufsgenossen. Sonntag, 20, Oktober, vor»». 10 Uhr, in Grnndel's Salon, Krnnnenstr. 188: venera!»Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Genossen A. Hoflmann über: Vernunft und Glaube. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 48/13 Um zahlreichen Besuch wird gebeten Der Vorstand. Fachvereindc- Stellmacher Herlinv nnd Umgegend. 159/3 General-Versammlung Sonntag, den 20. d. M., vormittags O'� tthr, bei Wernan, Rosenthalerstrahe 57. Tagesordnung: I. Vortrag. 2. 3Ibrechnung vom 3. Quartal. 3 Vereiusangelegenheite». 4. Aufnahme neuer Mitglieder. Diejenigen Mitglieder, welche Beiträge entrichten wolle», werden er- sucht, recht pünktlich zu erscheinen. ver Vorstsml. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Mitglieder- Versammlung am Sonnabend, den 10. Oktober 1805, abends S'/a Uhr, bei W i h e l, Ackerftraße 145. Tagesordnung' 1. Die Fortschritte unserer Organisation. Referent Kollege Wustro«. 2 Diskussion. 3. Verschiedenes. Uni zahlreichen Besuch bittet Her Vorstsnif. Montag, den 21. Oktober 1805, abends SVs Uhr, „Oranienhallen", Oranienstrahe 51: Vlitglieder-Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Hr. Wey! über: Hypnotisinus. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Streik bei I. P f a f f e. 4. Vereins- angelegenheiten. i42/4 'lim zahlreichen Besuch bittet 0er Vorstand. NB. Die Inhaber von Streikliüeu werden ersucht, dieselben Sonntag, vormittags IO'/2 Uhr, im Vereinslokal, Naunynstr. 73, zur Abrechnung zu bringen._ K NtlMgmlg M M-Bewssmfilikr. Hente, Freitag, vormittags 10' 2 Ilhr, bei Rö lli g, Rene Friedrichstrafte Nr. 44: � IßM" Versammlung, Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. 50113 Uni zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. lllli» »mii) gelveM.HiPllrbtiter Berlins. Generalversammlung am Sonntag, den 20. Oktober, vor- mittags 10 Uhr, im Lokal O w z a r e k, Langestr. 65. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Vereiusaugelegenheiten. 3. Verschiedenes. 30/2 Wenn nicht ganz dringende Gründe vorliegen, so ist jedes Mitglied ver- pflichtet zu erscheinen; niemand darf fehlen._ Der Vorstand. zentral-Kranken- n-SterbMe kr hentslhen Wagenbaner. Isilinle Mlosbik. Versammlung am Sonntag, den 20. d. M., vormittags 9Vs Uhr, im Lokale D r e n d e l, Jagow- straße 16. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Innere Kassenangelegenheiten. 253/1 Der Vorstand. Achtung i Achtung! Barbiere. Nene Friedrich-Strasse 20 _ befindet sich der DSF- Arbeltsnachweis"WE des Verbandes der dentscben Barbiere Friseure nnd Perrückenmacher. Es empfiehlt die Benutzung desselben 964j Frit? Preusi, Gastwirth. Achtung! Achtung! Sckonekepg. Die Mitglieder- Versammlung der Vau- und gewcrbl. Hilfsarbeiter fällt diesen Monat aus. 29/3 Der Vorstand. Die 5d'ürbispächter aus der Wiesen- straße senden ihrem Kärdiskönig Herrn R. Seidel, Sandstr. 8, die besten Glückwünsche zu seinem heutigen Geburtstage. Ein drei- fach donnerndes Hoch! daß die ganze Sandstraße wackelt. Di« Miesen-Kolonie. Erlaube mir dem geehrten Publikum hiermit anzuzeigen, daß ich die Granienballen, Grauienstr. 51, übernommen habe und noch einige Sonnabende meine Säle sür 200 Per- sonen und kleinen Saal für 60 Personen für Hochzeiten und andere Festlichkeiten noch frei habe. 972b Varl Helfer, Besitzer der Oranienhallen (am Moritzplntz). Hohe Pmism zahle ich dem, der mir dazu verhilft, einen Konsumartikel in Fabrik-Kan- tineu zc. einzuführen. 3433L' Adr. unter A. B. 52 Exped. d. Ztg. Jeden Ipirlen Sonnabend bei Voelz, Gänse- Ans- Breslauerstr. 9. Mühlenslr. bäum, sind von sofort und 1. Jan. billige Wohnungen von ein und zwei Stuben, Küche und Zubehör zu vermiethen. 3494L* Der Verwalter. Schläfst. Ww. Gesch. Adalbertstr. 34 v.lV. Mff- Achtimg!"BU Parpethodenleger! Die Kollegen der Firma Bosen» feld& Cie. haben wegen Lohu- differenzen die 3lrbeit niedergelegt. Die Verkstatt-Kontroiikommission d. Deutschen Holzarbeiter Verbandes. Balancier. Tücht. Arbeiter, der an Quadroniermaschine Bescheid weiß, verl. Silberwaaren-Fabrik Sebastianstr. 20.* Klaviaturmacher. Geübte Klavialurmacher für Har- monikas finden sofort dauernde und lohnende Arbeit bei' Ch. F. Pietschman» Söhne, Berlin, Brunnenstr. 25. Marmorirer auf Kontobücher verlangen Bielenstahl, ftunpe& Co., Holzmarktstr. 67. M* Schuhmacher auf gewendete Arbeit(Jahrschuhe u. Ballschuhe) finden in u. außer dem Hanse lohnende Beschäftigung. jN* Schuhwaarenfabrik Heinrich Töpfer, Dresden-Neustadt, Magazinstr. 6. Tücht. Rock- nnd Paletotschneider per sof. gesucht. Iii. B. Rosenthai u, Ko., Kaiser Wilhelmstr. 48.' Zimmerer. Verein der Zimmerer Herlins u. Umg. Sonntag, den 20. Oktober, vormittags pünktlich 10 Uhr, in Cotm's Festsälen(großer Saal): General VevsÄmmlung. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über die Thätigkeit des Vereins. 2. Abrechnung vom 3. Quartal 1395. 3. Vorstandswahl. 4. Vereinsangelegenheiten. Bei dieser wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht der Mitglieder recht pünktlich zu erscheinen. ver Vorstand, •V«difuno! Allgem. Versammlnng sämmtl. Bau-Anschläger won Berlin und Umgegend Sonntag, den 20. Oktober, vormittags lO�a Uhr. Grenadierstrasse 33. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die stattgefundenen Gewerbegerichtssitzungen. Bericht- erstatter Otto S ch e n k e r. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Gewerkschafts- Delegirten und eines Stellvertreters. 4. Verschiedeues. 33/8] Der Vorstand. Arbeiter, Parteigenossen! Die ausgesperrten Schuhmacher Burgs Haben Hier FnnAlivenstrsiHe Mr. 112 f Ecke Chausseestraße, eine Verhaufsstelle errichtet und führen nur gute und reelle Maare zu billigsten Preisen. 320217* Wir bitten die Genossen, uns durch reichliche Einkäufe zu unterstützen. Bürger GenossenMasts-SlbnIObM. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin.) Sovttabend, 10. Okt., in Keller's Festsäle», Koppenstr. 20: 3. Stiftyiiiisfest bestehend aus Concerf, humor. Vorträgen, Deklamationen und lebenden Bildern. Sodann: Gvotzev Vstlk."VT SW Anfang 3 Uhr. Billets für Herren 50 Pf., Damen 25 Pf., sind zu haben in allen Zahlstelleu des Verbandes, sowie bei folgende» Vorstandsmitgliederu: Gansins, Ackerstr. 132, 2. Hof I. Mieke, Adalbertstr. 9, v. IV. Hühner, Reichenberger- straße 60. Wendel, Zimmerstr. 90/91, Hof rechts II. Pritsche, Lothringerstraße 58, II. Schöpflin, Johanuiterstr. 16, IV bei Littmann. Fr. Gebhardt, Urbanstr. 25, 1. Qg. III. Tabert, Wienerstr. 68 bei Pohl. Engemann, Sichten- bergerstr 5, IN. Dierke, Schönhauser Allee 154, IV. Winter, Calvinstr. 28, Hof part. bei Milenz. Garov, Willibald Alexisstr. 13, v. 11. Fr. Matz, Friedrichsberg, Friedrich Karlstr. 23. Montag, de» 21. Oktober 1805, abends 8'/« Nhr, in Brochnow's Festsälen, Sebastianstr. SO: Ausserordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere bisherige Thätigkeit im Verband und unsere nächsten Auf- gaben. 2. Event. Beschlußfassung auf Erhebung einer Extrasteuer für teu lokale» Streikfonds. Pflicht der Mitglieder ist es, zahlreich zu erscheinen. UV Mitgliedsbuch legitimirt."WS Die Grtsverwalwng. Die Zahlstellen des Verbandes befinden sich: Naunynstr. 86 bei Streit., Grünauerstr. 3 bei Geiz. Görlitzer» und Sorauerstraßen-Ecke bei Tolksdorf. Pücklerstr. 55 bei Schilling. Dieffenbachstr. 31 bei Gaule. Manteuffelstr. 69 bei Brödenfeld.(Daselbst befindet sich auch die Biblio« thek der Drechsler.) Für den Mesten: Gneisenaustr. 35 bei Hesse. Culmstr. 36 bei Hanmann. Belle-Allianeeplatz 6 bei Hilscher. Für Friedrichsberg: Friedrich-Karlstr. 11 bei Heinicke. Für Unmmelsbnrg: Kant- und Türrschmidtstraßeu Ecke bei Schräder. IM- Jeden Sonnabend: Zahlabend."WQ Alle Werkstatt-Angelegenheiten sind zu melden bei dem Kollegen Wieds- mann, Annenstraße 39, auf dem Arbeitsnachweis, oder an den Vorsitzenden der Werkstatt'Kontrollkommission, Kollegen Gmnert, Manteuffelstr. 64. NB. Alle diejenigen Kollegen, welche noch Listen für dir Schmöllnrr nnd Unmmelsbnrgrr Streikenden in Händen haben, werden ersucht. baldigst mit Kollegen Drunert abzurechnen. Für den Uorden: Ruppinerstr. 44 bei Haabe. Tresckowstr. 24 bei Schmidt. Lothringerstr. 67 bei Dieke. Echwedterstr. 31 bei Liske. Müllerstr. 7a bei Glelnert. Bergstr. 60 bei Hilgenfeld. Thurmstr. 83 bei Holzbächer. Birkenstr. 28 bei Buge. Fnr den Gsten: Friedrichsbergerstr. 19 bei Winkelmann. Bluinenstr. 38 bei Wiedemann. Frankfurter Allee 90 bei Zabel. Koppenstr. 47 bei Iiorenz. Langestr. 65 bei Tempel. Landsberger Allee 27a bei Lange. Für Süd Gst: Cuvrysir. 25 bei Erbe. Ritterstr. 123 bei Stramm. Dleue kreis Volksbühne. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im Svdiller-I'delltsr, für die Mitglieder der„Neuen Freien Volksbühne": AtthnU nnd Jicbr» Von Schiller. IM" Mittwoch, den 23. Oktober, im große» Saale„Zur neuen Post", Beuthstr. 21 I: Wilh. Busch-Abend.— Näheres die Anschlagsäulen am Freitag.[150/2J q Der Verstand. (Etfjt Sfonsdorkev ITtkin** ä Liter 1,30 M.. 5 Liter 5,30 M.. 10 Liter 10 M. Echten alten Nordhäuser, a Liter 1,— M., 5 Liter 4,30 M. Ingber, Getreidekiimme), Wachholder, ä L. 1 M., 5 L. 4,50 M. Himbeer-, Kirsch-, Johanuisbeer-Saft, vorzüglich, Li�r 1,30 M. Medicin. Ungarwein, beste Qualität, Literflasche 3,10 M. 3104L* empfehlen und senden einzelne Flaschen frei Hans Berlin Eiugen Heumann& Co>| 6 a Bellealliance-Platz 6 a. 81 Nene Friedrichstrasse 81. 8 Oraniensir. 8. 29 Genthinerstr. 29. Potsdam, Waisenstr. 27. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knnert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.