flbenöausgabe Nr. 483 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 234 vc�uasbedinzunqen und»njeisrnpr«!?« knd in d«r M°�g«naussab« angtttln* RcttoKlon: Sw. 68. Cindcnftcab« 8 Zernsprecher: VS-hoss 292— 291 r-l.TldreGx: Sojtaldemotcat Berlin rV; Derlinev Volksvlatk (lO Pfennig) Mittwoch 12. GkLober 1 �27 Berlas und Änzeigenabtetluns! TcschSktszeit SU bii S Uhr Verleger. vorwSrls. Verlag wrnbH. Berlin SM. SS, clndenstrabe 8 Zernsprecher: VSnhoss 292— 29? �entralorgan der Bozialdcmokrati fehen parte! Deutfcblands Urabstimmung öer Die Funktionäre lehnen Die Funktionäre der streikenden Brauereiarbeiter Beschäftigten sich heute vormittag in einer übersütlten Versammlung im Gewcrk- schaftshaus mit dem gestern in später Nachtstunde gesällten Schiedsspruch. Die Organisationsvertreter gaben zunächst einen eingehenden Bericht von den Verhandlungen und ihrem Ergebnis. Sie teilten weiter mit, daß die LoHnkommisfion einstimmig beschlossen habe, den Funktionären sowohl wie den Streikenden die Annahme des Schiedsspruches zu empfehlen. In der ausgiebigen, teilweise sehr lebhaften Debatte wurde im Gegensatz zu der Empfehlung der Lohnkommission fast nur für die Ablehnung des Schiedsspruches gesprochen. Di« Funktionäre vertraten diese Auffassung vornehmlich wegen der Klausel des Schiedsspruches, die vorsieht, daß zwar sämtliche bei Ausbruch des Streiks beschäftigten ständigen Arbeiter Innerhalb einer Woche wieder eingestellt werden sollen, daß aber später, wenn es die betriebstechnischen Notwendigkeiten crsordern, Entlassungen Hrauereiarbeiter. den Schiedsspruch ab. vorgenommen werden können. Die Funktionäre erblickten in dieser Klausel trotz der entgegenkonimenden Erklärung der Unternehmer bei den Verhandlungen eine Hintertür, um zu gegebener Aeit doch mißliebige Arbeiter entlassen zu können. Däneben spielte aber auch die Lohnfrage eine Rolle, die in dem Schiedsspruch nicht genügend berücksichtigt worden ist. 3n der geheimen Abstimmung beschlossen die Funktionäre mit 226 gegen 112 Stimmen bei einer ungültigen Stimme, den Streitenden. die heute noch in einer Urabstimmung über die Annahm: oder Ablehnung des Schiedsspruches zu entscheiden haben, die Ablehnung des Schiedsspruches zu empfehlen. Die Ergebnisse der in den einzelnen Streiklokalen vorzunehmenden Urabstimmung müssen bis heute abend 8 Uhr im Bureau des Ver- bandes der Lebensmittel- und Getrönkearbeiter, Mulackstr. 10, abge». liefert seiir. Marx und Oülow. Eine peinliche Parallele für den Reichskanzler Marx. Der Reichskanzler Marx scheint keine Anstalten zu machen, im Falle Tresckow Konsequenzen aus dem Gerichtsurteil zu ziehen, um eine Ehrenerklärung für den von ihm falsch be- schuldigten Herrn v. Tresckow abzugeben. Zur Charakterisierung dieser Haltung verweisen wir aus den folgenden Vorfall aus dem Jahre 191)7. Während des Wahlkampfes hatte das sozialdemokratische Wahlkomitee in Frankfurt a. M. am 5. Februar 1907, am Tage der Stich- wähl, ein Flugblatt ausgegeben, in dem es die Frei- sinnig-Dem'okratische Partei des versuchten Stimmenkaufs be- schuldigte. Das Flugblatt war vom sozialdemokratischen Parteisekretär Wilhelm Dittmann unterzeichnet. Die„Frankfurter Zeitung" stellte am folgenden Tage unter der Ueberschrist„Halunkenmoral" die Behauptung auf. das Flugblatt, das sich auf einen Vorgang vom 5. Fe- bruar bezog, fei bereits am 4. Februar abends gedruckt wor- den. Es charakterisiere sich also als eine Schurkerei der daran beteiligten Personen. Der Name des Genossen Dittmann wurde ausdrücklich genannt. Noch am selben Tag sandte Genosse Dittmann der„Frankfurter Zeitung" eine Berich- t i g u n g, in der er feststellte, daß ihm die betreffende Mit- teilung am 5. Februar 10 Uhr morgens gemacht worden sei, daß er darauf das Flugblatt geschrieben und um 11 Uhr zum Druck gegeben habe. Er benannte Zeugen und kündigte Klage an. Am 27. Februar verlas der Reichskanzler F ü r st B ü l o w im Reichstag den„Halunkenmoral" überschriebenen Artikel der„Frankfurter Zeitung" als Beweis für die„ver- logene Kampfesweise" der Sozialdemokratie. Daraufhin ver- öffentlichte der„Vorwärts" am Morgen des 28. Februar gleichzeitig mit der Reichstagsrede Bülows die in der„Frank- surter Zeitung" erschienene Berichtigung Dittmanns. Genosse Dittmann sandte dem Reichskanzler Bülow ein Telegramm. in dem er auf die Berichtigung, auf die Tatsache der Ve- leidigungsklage hinwies und zum Schluß forderte: „Nachbem Sie die mich aufs schwerst« kompromittierende. objektiv unwahre Behauptung der„Frankfurter Zeitung" vordem ganzen Lande wiederholt haben, darf ich nunmehr wohl von Ihrer Loyalität erwarten, daß Sie auch meine Berichtigung, deren Wortlaut im heutigen„Vorwärts" veröffentlicht wird, a n derselben Stelle zur Kenntnis geben werden." Der Reichskanzler Bülow glaubte zunächst, mit einer kurzen Notiz in der„Norddeutschen Allgemenien Zeitung" davonzukommen. In dieser Notiz wurde der Empfang des Telegramms bestätigt und folgende Bemerkung hinzugefügt: „Von dieser Berichtigung war dem Reichskanzler nichts bekannt. Ob die„Frankfurter Zeitung" mit den vom Fürsten Bülow ver- lesenen Mitteilungen im Rechte war oder nicht, wird ja dos in Aus- sich gestellte gerichtliche Verfahren beweisen." Darauf wurde Bülow im Reichstag am 1. März durch den Genossen Singer gestellt, der daxouf hinwies, daß Bülow„die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit" gehabt hätte, am Tage, nachdem er das Telegramm Ditt- manns erhalten habe, seinen Angriff zurückzunehmen. Ge- nosse David nannte in der Reichstagssitzung vom 4. März das Verhalten Bülows eine Unanständigkeit. Am 2 3. April wurde die Beleidigungsklage Dittmanns gegen die„Frankfurter Zeitung" vor dem Frank- furter Schöffengericht verhandelt. Das Urteil stellte fest, daß die tatsächlichen Angaben der„Frankfurter Zeitung" un- richtig seien. Es führte dann weiter aus: „Es ist bedauerlich, daß aus dieser Brandmarkung weitere Konsequenzen entstanden sind und die Sache im Reichstag zur Sprache gebracht wurde, denn dadurch ist der Kläger, von dem auch die Gegenseite anerkennt, daß er bisher ruhig und anständig zckäinpjt habe, in breiter Oeffentlichkeit bloßgestellt worden. Deshalb mußte die Strafe, obwohl dem Angeklagten die bons kicies zugebilligt werden, doch so normiert werden, daß eine ausreichende Sühne sür die Beleidigung gegeben war." Das Urteil lautete auf 300 Mark Geldstrafe. Die Wieder- holung der Anschuldigung durch den Reichskanzler Bülow war strafverschärfend ins Gewicht gefallen. In der ersten Reichstagssitzung, in der Bülow nach dem 27. Februar zum erstenmal wieder erschien— am 1. Mai 1907—, hielt Genosse David dem Reichskanzler das Urteil gegen d>e„Frankfurter Zeitung" entgegen und forderte ihn zum Widerruf auf. Darauf erklärte Bülow von der Reichstagstribüne herab: „Ich will konstatieren, daß ich die Angaben über das mit Wil- Helm Dittmann unterzeichnete Flugblatt aus der„Frankfurter Zei- tung" mit ausdrücklicher Angabe dieses Blattes als Quelle verlesen habe. Daß der„Franlsurter Zeitung" darüber bereits eine Berich- tigung zugegangen war, ist mir, als ich die Stelle aus dem Artikel verlas, nicht bekannt gewesen. Ich will auch hier Akt davon nehmen, daß nach der gerichtlichen Feststellung der von der„Frank- surter Zeitung" banz. liäe erhobene Borwurf tatsächlich nicht begründet war. Sie werden mich, meine Herren, immer bereit finden, einen Irrtum richtigzustellen und auch dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen." Der Reichskanzler Bülow hatte damit den einfachsten Anforderungen des Anftandes entsprochen. Es muß festgestellt werden, daß er sich nicht hinter die Berufungs- in stanz verkrochen hat, obwohl die„Frankfurter Zei- tung" gegen das Schöffengerichtsurtcil Berufung eingelegt hatte. Reichskanzler Marx hat bisher noch kein Verständnis dafür gezeigt, daß es würdig gewesen wäre, wenn er die Initiative zu einer Ehrenerklärung fiir Tresckow ergriffen hätte. Will er sich hinter die Berufungsinstanz verstecken? Will er sich im Plenum des Reichstags den Vorwurf der Un- anftändigkeit machen lassen? Sozialüemokratie uns Rechtsblock. Einberufung der Reichstagsfraktion. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion tagte am Mittwoch vormittag und beschloß, die Fraktion auf Dienstag, dem 18. Oktober, vormittags 10 Uhr, zu be- rufen mit der Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Ge- famtpolitik der Reichsregierung, 2. Anträge und Interpellationen. der Vahleinüruck im fluslanü. Königsberg und Hamburg sür den Fsrieden. Paris, 12. Oktober.(Eigenbericht.) Das„Oeuvre" vertritt im Leitartikel die Ansicht, daß der W a h l a u s f a l l von Königsberg und Hamburg die beste und energischste Antwort des deutschen Voltes auf die Rede von Hindenburg in Tannenberg geliefert hätte. Das Resultat von Königsberg ist um so bemerkenswerter, als die Hauptstadt Ost- preußens territorial von Deutschland getrennt sei und deshalb alle schlechten Gründe der Welt gehabt hätte, um hier die Chance einer Revanche zu zeigen. Wenn andererseits Hamburg das große Zentrum der sozialistischen Docker sei, so sei ste aber aitch eine Hochburg großkapitalistischer Unternehmungen. Die Wahlen von Königsberg und Homburg seien unter der Devise ausgetragen wor- den, für oder gegen den Frieden, für oder gegen den Völker- bund. In Frankreich habe man ebenfalls Stahlhelmverbände: die Wahlen des nächsten Jahres werden unter der gleichen Devise stehen. öaperische Justiz. Zum bisherigen Ergebnis der Münchener Untersuchung. In der an Iustizskandalen so reichen Geschichte der beut- schen Rechtspflege gab es bisher kaum einen Fall, der mit solcher Deutlichkeit das wahre Gesicht unserer politisierten Klassenjustiz offenbarte, wie die Vorgänge, die mit dem miß- glückten Staatsstreichversuch Hitlers vom 1. Mai 1923 zu- sammenhängen. Die ersten drei Tage des parlamentarischen Untersuchungsausschusses in. München brachten eine solche Fülle von erschreckenden Einzelheiten darüber, wie man es in Bayern verstand, die Justiz in den Dienst der Parteipolitik zu stellen, daß in jedem anderen Lande der dafür verant- wortliche Iustizminifter nicht eine einzige Stunde mehr fein Amt verwalten dürfte. In Deutschland und besonders in Bayern scheint das anders zu fein. Schon die bisher erfolgten Vernehmungen vor dem Untersuchungsausschuß haben mit aller Deutlichkeit ge- zeigt, warum die Strafverfolgung der Vorgänge vorn 1. Mai unterblieben ist. Die Verantwortlichen suchten es so darzustellen, als habe das Belastungsmaterial nicht zu einer Verurteilung ausgereicht. In Wirklichkeit waren aber ganz andere Gründe maßgebend. Der Iustizminister Dr. G ü r t- n e r lüftete den Schleier ein wenig und gab offen zu. daß mindestens drei Personen von den Plänen Hitlers und der Kampfverbände für den 1. Mai unterrichtet waren. Auch die Namen dieser Unterrichteten gab er bekannt: Es waren der bayerische Ministerpräsident Herr v. K n i l l i n g. der Chef der Landespolizei Oberst S e i ß e r und der Reichswehr- kommandeur General v. Lossow. Der bayerische Ministerpräsident, die Chefs der Reichswehr und der Landespolizei wußten also, daß sich am 1. Mai die Kampfverbände bewaffnet auf dem Oberwiesenfeld versammeln würden! Es steht nach Aussage des Iustizministers mit Bestimmtheit fest, daß H i t l e r die maßgebenden Behörden von seinem Plan unter- richtet hatte. Deshalb war auch mit Sicherheit anzunehmen. daß Hitler sich in einem etwaigen Prozeß darauf berufen würde, er habe den Behörden seine Absichten mitgeteilt. Der Ministerpräsident, der Chef der Landespolizei und General Lossow hätten als Z e u g e n vernommen werden müssen und dann hätte sich wohl herausgestellt, wie sich diese.Herren verhalten hatten, als Hitler ihnen seine Pläne entwickelte. Denn darüber hat man bisher im Untersuchungsausschuß nichts gehört. Daß aber die etwaige Vernehmung dieser Zeugen vor Gericht als höchst unbequem empfunden wurde, ergab sich aus der Aussage Gürtners vor dem Ausschuß, daß eine solche Vernehmung eine Katastrophe für die bayerische Regierung geworden wäre. Schließlich fürchtete man auch, daß die Meinungsverschieden'ieiten, die damyls im bayerischen Kabinett herrschten, im Gerichtssaal ausgetragen werden könnten. Ministerpräsident K n i l l i n g (er war schon unter dem letzten bayerischen König Minister) war für die Dulduwz der Hitler-Bewegung. während der Innenminister S ch w e y e r ihre Gefährlichkeit erkannte und ihr deshalb mit starkem Polizeidruck begegnen wollte. Eine freundschaftliche Auseinandersetzung über diese Probleme i.n Gerichtssaal zwischen Schweyer und Knilling wollte man natürlich vermeiden. Zwar erklärten alle bisher vernom- menen Zeugen im Untersuchungsausschuß, es sei von keiner Seite eine Einflußnahme auf den Gang der Untersuchung versucht worden, aber der mit der Sache betraute Staats- anwalt Dresse berichtete doch an das Justizministerium, daß sich aus dem vorhandenen Material keine Anklage wegen Hochverrats, oder auch nur wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat erheben lasse. Nun ist es nicht ohne Interesse, zu wissen, daß der gleiche Staatsanwalt Dresse ein Jahr vorher die Anklage in dem bekannten Prozeß gegen Genossen Felix Fechenbach führte. In diesem Prozeß war man weniger zimperlich. Es konnte ja auch kein Minister bloßgestellt werden. Dresse konstruierte landesverräterische Handlungen, stellte unbeweisbare Behauptungen auf, beantragte die Höchststrafe von IS Iahren Zuchthaus gegen Fechenbach und schloß sein Plädoyer mit der Bemerkung: „Ich bedauere, daß mir die gesetzlichen Be- stimmungen nicht erlauben, eine höher« Strafe zu beantragen!" Ganz anders, wenn Hitler feine Haufen bewaffnet, um einen Staatsstreich durchzuführen. Er kann seelenruhig Waffen aus dem Reichswehrdepot nehmen, kann mit Panzerautos, Maschinengewehren und Minenwerfern auffahren und die friedliche Bevölke- rung Münchens mit Erschießen bedrohen, kann die Abrechnung mit dem„inneren Feind" ankündigen und Staatsanwalt Dresse findet allenfalls ein Vergehen gegen § 127 des Strafgesetzbuches(Bildung bewaffneter Haufen), nicht einmal das Delikt des Landfriedensbruches. Aber auch nach§ 127 glaubt er kaum eine Verurteilung erreichen zu können. Der Innenminister Schweyer war für energisches Vorgehen gegen die staatsfeindliche Verbindung der Nationalsozialisten. Aber er konnte sich im Kabinett nicht durchsetzen. Gegen Kommunisten dagegen erfindet man eine ganz neue Judikatur und verurteilt kommunistische Funk- tionäre wegen Zugehörigkeit zu einer„staatsfeindlichen" Verbindung auch heute noch zu Gefängnisstrafen, bestraft also die Gesinnung! Aus politischen Zweckmäßigkeitsgründen unterließ man aber die Strafverfolgung von erwiesenen Staatsoerbrechen der Nationalsozialisten. Ein recht interessantes Licht auf die bayerischen Zustande wirft auch ein anderes Ergebnis des Untersuchungsausschusses. Aus Gründen der Staatssicherheit und aus außenpolitischen Rücksichten sollte angeblich der Prozeß gegen chitler auf einen fnät"-!"! Zeitpunkt nerschoben roeröcn. Eitler hatte nämlich gedroht, eine Denkschrift zu veröfsentlichen, worin die X ii i a mm e n h ä n g e mit der R e i ci> s w e h r und Landespolizei aufgedeckt würden! So etwas nennt man. wenn es auf der politischen Linken passiert,„Landes- verrat". Außerdem glaubte man begründete Ursache zu haben, daß im Falle der Durchführung des Prozesses mit einem neuen Putsch zu rechnen sei. Aus Angst vor dem angedrohten Landesverrat Hitlers und aus Angst vor einem neuen Putsch hielt man den Gang des Strafverfahrens auf, beugte sich also nationalsozialistischer E r v e s s u n g! Das ist bayerische Staatsraison. Das ist das wahre, unoerhüllte Gesicht der bäuerischen Justiz Als die Erhebun- gen gegen Hitler und Genolsen abgeschlosien waren, kam vom Justizministerium die Weisung, keinen Sitzungs- antrag zu stellen, sondern abzuwarten bis vom Justiz- Ministerium entsprechende Weisung komme. Diese Weisung kam aber nicht. Das Verfahren wurde verschleppt. Der Fustizminister hatte also in den Gang eines'Strafprozesses eingegriffen und auch die Mitwirkung des Iustizministers bei der späteren endgültigen Einstellung des Verfahrens auf Grund der Emminger-Verordnung ist durch Aussage des Staatsanwalts Dresse erwiesen. Für die Durchführung des Verfahrens war das V o l t s- a eri cht zuständig. Artikel 3 des Bolksgerichtsgefetzes be- stimmt: „Oos Verfahren vor den Dolksgerichten bezweckt die rascheste Aburteilung der Beschuldigten." Deshalb sah das Volksgericht auch keine Voruntersuchung vor. sondern der Staatsanwalt hatte sofort Sitzungsantrag zu stellen und in der ersten Sitzung die öffentliche Anklage zu erheben. Aber gerade die Durchführung dieser Bestim- mung des Volksqerichtsgefetzes wurde vom Justizminister durch sein Eingreifen verhindert. Am 2Z. Juli 1324 teilte der Iustizminister dem bayeri- scheu Landtag mit: „Das Verfahren selbst war kurz vor den November» Vorgängen(Hitler-Putsch 192ß) zum Abschluß gereift. Es wurde durch die Novembervvrgäng« überholt." Das war eine glatte Unrichtigkeit. Das Verfahren war, wie die Ergebnisis des Untersuchungsausschusses zeigen, bereits am 1. August 1323. also schon drei Monate vor dem bekannten B ü r g e rb rä u k elle r- Putsch Hitlers abschluß- und verandlungsreif. Das wurde dem Landtiag damals verschwiegen! Das bisherige Ergebnis des Münchener Unter- suchungsausschuffes ist zunächst der volle Beweis dafür, daß das bayerische Justizministerium durch sein unerhörtes Ver- halten die Verfassung verletzt hat. Es hat sich weiter gezeigt, in wie kaum vorstsllbarem Maße Partei- j u st i z geübt wird, wie in München die Staatsautorität vor nationalsozialistischen, erpresserischen Drohungen mit Landes- verrat kapituliert. Nicht aufgeklärt ist bis jetzt, was maßgebende amtliche Persönlichkeiten zur Verhinderung strafbarer Handlungen unternommen haben, als sie von Hitlers Plänen unterrichtet wurden. Nicht geklärt ist. welche Neichswehroffiziere für Hitlers Waffenentnahme aus dem Reichswehrdepot verantwortlich sind und was gegen sie unternommen worden ist. Klar ist nur. daß es kaum ein Land gibt, in dem der Gegensatz zwischen Justiz und Gerechtigkeit größer ist, als in der„Ordnungszelle Bayern! Irland« Mlnisterprössdenk ist wieder Cosgrcwe. Es wurde gegen die Arbeiterpartei und die Völkischen mit 76 gegen 70 Stimmen wiedergewählt. vier fehlende Minister. Fseine Werbemethoden. Schon einmal berichteten wir allerhand Spaßiges über die Werbewoche derCharlottenburgerDeutschnationalen. Heute haben wir folgendes mitzuteilen: Es waren als Redner an- gekündigt für den 3. Oktober Herr Reichsverkehrsminister Dr. K. c. Koch, für den 5. Oktober Herr Reichsinnenminister vonKeudell, für den 7. Oktober Herr Reichswirtfchaftsminifter Schiele, für den 10. Oktober Herr Reichsjustizminister H e r g t. In diesen vier Ver- sammlungen sah man von diesen vier Reichsministern insgesamt vier, die nicht da waren. Bezeichnen wir die Dinge, wie sie sind! Die vier Minister- namen sollten locken und werben, alle Welt aus Charlotten- bürg und Umgegend sollte herbeiströmen, um dann mit den Lawerrenzens, Fedlers, Koenneckes, Kimbels usw. getröstet zu werden. So etwas heißt gemeinhin: Bauernsang! Wirkungen des baperifchen Konkordats. Wo bleibt die Reichsverfassung? Die„Bayerische Lehrerzeitung" teilt folgend« Fäll« mit: In Bamberg wurde ein katholischer Lehrer, der von seiner ersten Frau durch Verschulden derselben geschieden wurde und eine zweite bürgerliche Ehe«inging, von der Regierung seines Amtes enthoben. Diese Enthebung dauerte neunMonate. Drei Gesuche um Wiederverwendung blieben seitens der Regierung unbc- antwortet. Erst durch Eingreifen von Landtagsabgeordneten erfolgt« schließlich s«ine Versetzung an die Simultanschul« in Nürnberg. Aus den Akten wird folgendes festgestellt: „Die Stadtschulbehörde Bambers berichtete an die Regierung, daß sie den betressenden Lehrer darauf aufmerksam macht, daß er im Hinblick auf Z 5 Abs. 1 des Konkor- dats Konsequenzen im Falle seiner Wiederverheiratung zu er- warten habe. Es könne die Frage aufgeworfen werden, ob er noch weiter„geeignet fei, in verläfsigcr Weise in der katholischen Reli- gionslehre zu unterrichten und im Geiste des katholischen Glaubens zu erziehen"(Wortlaut des Textes des Konkordats). Die Regie. r u n g antwortete der Schulbehörde, daß sie die Bedenken derselben teile. Der betrejsende Stadtpfarrer teilte dem Lehrer schriftlich mit, daß er ihm dle Trennung feiner Ehe anemp- fehle, und daß „das Ordinariat an das Ministerium die Aufforderung gerichtet habe, daß der Lehrer von der katholischen Bekenntnisschul« zu entfernen sei. Auf Ersuchen des Ministeriums habe das Ordi- noriat gestattet, daß der Lehrer noch bis zum Ende des Schul- jahres an seiner Stelle bleiben könne." Am IS. April begann das neue Schuljahr, und am 14. April, 18 Uhr, erhielt der Lehrer von der Schulbehörd« die Mitteilung, daß er bis auf werteres beurlaubt(d. ks. seines Dienste» enthoben) sei." In einem niederbayerischen Fall berichtete ein Lehrer, der seit neun Jahren von seiner Frau geschieden war, an die Regierung, daß er sich wieder verheiraten wolle. Diese antwortete ihm, daß die n e u e E h e, eine Zivilehe, kirchlich unzulässig sei und daß auf Grund des Art. 8 des Kon- kordats Abhilfe beantragt werden wird. Boraussichtlich käme die Versetzung des Lehrers in den Ruhestand in Betracht. Der Lehrer schreckte trotzdem nicht vor einer Wiederverehelichung zurück im Vertrauen darauf, daß es kein Staatsgesetz gibt, das dies un- möglich macht. Der Pfarrer verkündete darauf auf der Kanzel die Exkommunikation des Lehrers und wandte sich neuerdings an die Regierung. Die Regierimg von Niederbayern verfügte hierauf die vorläufige Dienstenthebung des Lehrers. Im Jahre 1026 sandte ein Pfarramt und das Bischöflich« Ordi- nariat unter ausdrücklicher Berufung auf das Konkordat eine An- tlageschrist gegen einen Lehrer an einer katholischen Bekenntnisschule an die Regierung mit dem Betreff:„Entfernung des Lehrers H. von einer Konfessionsschuke". Als Grund für dies« Gesuch wurde die ZugehSrigkeit de« Lehrers zur Freimaurerloge angegeben. Das Schul- dekanat richtet« an den Lehrer eine Anfrage, ob er Mitglied der Bundesloge„Zur Sonne" fei und forderte die Nipp und klare Beant- wortung dieser Frage. In dieser Anfrage wurde auf die Bestim- mungcn des Kanonischen Kodex hingewiesen und die E x- kommunikation und die Unmöglichkeit einer kirch- lichen Beerdigung angedroht. Der Lehrer erklärte dem Dekanat, daß er aus der Loge austreten, aber den Unter- stützungskassen derselben, um keine wirtschaftlichen Nachteile zu erleiden, weiter angehören wolle. Trotzdem forderte das Ordinariat beim Ministerium die Dienstenthebung des Lehrers, da er nach wie vor der Loge angehören wolle. Das Ministeriuni ließen den Lehrer den wahrhast salomonischen Entscheid ergehen, er(der Lehrer) habe den Nachweis zu erbringen,„daß es sich bei der Loge um eine Vereinigung Handell, die für einen K a t h o- l i k e n nach kirchlichen Grundsätzen nicht verboten ist". Es geht aus den bisher angesührlen Fällen von Maßrege- lungen von Lehrern hervor, daß es auf Grund des Kon- kordats für den bayerischen Lehrer keine staatsbürgerlichen Rechte mehr gibt, die in der Reichs- und Landesverfassung für alle Staatsbürger garantiert sind, und daß das Äirchenrecht das Staatsrecht in Bayern zerbricht. Kapitalserhöhung in öie eigene Tasche. Die Berfehlunge» des steierischen Industriekapitäns. Wien. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Die Veruntreuungen des früheren Präsidenten der Graz-Kös» lache? Eisenbahn, und Bergbau-Gesellschaft— eines treudeutfch- nationalen Mannes— betragen nach den vorläufigen Feststellungen mehr als 100 Millionen Schilling. Wutte hat wiederholt Millionen Schilling von Geschäftsgeldern auf fein Privatkonto gutschreiben lassen. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, daß cr aus der dritten Kapiialsoermchrung für die von ihm gelettete Ge- sellfchaft von 144 Millionen Schilling seiner Firma nur 20 Millionen zukommen ließ und den Rest für sich verwendete. Reinigung üer Reichswehr. In Mexiko. Mexiko. 12. Oktober. Das mexikanische Kriegsministerium gibt bekannt, daß vier Dlvisionsgeneräle und 20 Brigadegenerale von ihren Posten entfernt wurden, da st« mit den Rebellen in Ver- bindung standen. Seit Beginn der Rbellion sind 18 Generale und 6 4 Offiziere oiiderer Dienstgrade erschossen worden. Der Eisenbahnverkehr im Süden von Mexiko soll noch unter- brachen sein. verbok gekarnker klommvnistenkundgebungen. Auf Grund des vorläusigen Verbots aller Versammlungen und Kundgebungen der KPD. und des Roten Frontkämpferbundes in Wtttenberge versuchicn die Kommunistin den beabsichtigten Zweck durch Veranstaltungen der Roten Hilfe und der Internalionalen Arbeiter- Hilfe zu erreichen. Jetzt sind auch diese Veranstaltungen ver- boten worden. Deutsch-englische» Lufioerkehrsabkommeu. Dem Reichstag ist jetzt der Gesetzentwurf über das Luftverkehrsabkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Großbritannien zugegangen. Ferner ist ein Gesetzentwurf über das Abkommen mit Polen über die Verwaltung der die Grenze bildenden Strecke der Warthe dem Reichstage vorgelegt worden. Amundfen fährt nach Amerika. Der Polarforscher Amundsen passierte London aui der Durchreise nach Southampton, wo er sich an Bord des„Leviaihan" nach Nordamerika begibt. Dort wird er etwa 100 Vorträge über die beiden Pole halten. Auf Befragen sagte er, daß die Möglichkeit zur Entsendung weiterer Polorerpeditionen bestände, da noch weite Gebiete unbekannt wären. Großöeutsthe Theatergemeinstbast. ' Die hähre deutsche Kunst ist nicht mehr verwaist. Schund und Schmutz werden unftr Volk nicht mehr oergiften- Der„Iungdo" männlichen und weiblichen Geschlechts, Herr Kümmelberg vom Bund der kinderreichen Familien, der Deutsche Wehrverein, der Chef» redakteur des„Tag", der Hochmeister der Pankgrasschast, der Vor» sitzende des Kreisvereins nördlicher Vororte der Deutschnationalen Volkspartei und andere Führer unseres Volkes haben mtt Gottes Hilfe dafür gesorgt. Sie haben die.Großdeutsche Theatergemein- schast e. V." �gründet, die von nun ab für all« Ewigkeit ihren Sitz in Berlin O27 haben wird. Die Großdeutsche Dheatergemeinschast hat das Theater« des Kolumbus gefunden. Ewer Hochwohlgeboren, jawohl, Ewer Hochwohlgeboren wird jeder Deutsche tituliert, der auf Postscheckkonto Nr. 38 630 seinen Obulus einzahlt. Die Großdeutjch« Theatergemeinschaft, in der außer den genannten Herren und Damen noch der Leiter der Bezirksoerbände alter Korpsstudenten und der Vorsitzende der Vereinigung der alten Burschenschafter, Vorort Groß- Berlin, fungieren, oerlangt nicht einmal die Ludendorffsche Blut« probe. Es ist auch sonst die strengst« Diskretion in Fragen Weih» wedel und Beschneidung vorgesehen, wofern nur die Postscheck, mimmer richtig angegeben wird. Die Grvßdeutsche Theatergemein- schast weiß wohl, wo jeden gutgesinnten Landsmann der Theater- jchuh drückt. Sie drückt das in ihrem Werbebriefe, der an Toleranz, Geschmack, sprachlicher Reinheit und kerniger Gesinnung ein unüder- tressliches Muster darstellt, folgendermaßen aus: „Sie werden sich als deutscher Mensch schwer den sogenannten Berliner Kulturbühnen anichließen können. Die Volksbühne treibt in ihrem Theater zwischen sachlichen Inszenierungen eindeutige, sozialistische Propaganda und fördert darüber hinaus den Kulturboljche- wismus.— Toller und Genossen werden dann weiterhin in den Volksbühnenkreisen ein nicht mißzu verstehendes„Gesinnungstheater" beherrschen." Diesem Kulturbolschewismus schwört die Großdeutfche Theater- gemeinschaft die Fehde, indem sie die bürgerlich«„Volksbühne" gründet. Di« Großdeutsch« Theatergemelnfchaft fackelt nicht lange: sie verspricht außer der Bekämpfung aller„Berliner Geschäfts- theater" ihren Mitgliedern„Stunden heiligen Erlebens" und garan- tiert endlich«in„Gesinnungstheater im Dienste der r e i n e n Kunst". Parkett und Ränge des Wallner-Theaters sind frisch ausgepinselt. Osramlampen wurden erneuert. Der beratende Vorstand und die übrigen Beiräte wurden verpflichtet, zur Weihs des Hauses in Smoking und Ordensschmuck zu erscheinen. Sogar ein Stück wurde aufgeführt, von jenem Franz K r a n e w i t t e r. dem heute 67iShrigen Poeten, der aus den Tiroler Bergen nach Berlin O geholt wurde. Der Theaterzettel berichtet in seinem unvergleichlichen Deutsch: „E'n Innsbruck« Mädchen, mit der er später vor den Altar tritt, weck: und löst die dichterischen.Kräfte; Leopold W e i n d l,«in Innsbri-cker Zeitungsmann, weist ihn den Weg zum Drama, das dann seiner Persönlichkeit elementarster Ausdruck wird." Wir sehen diesen so elementar erweckten Dramatiker und be- wundern seine deutsch« Treu« und Bescheidenheit. Aus Treue schrieb er sämttiche wirksamen Szenen aus Schiller, Kleist und ähnlichen Großmeistern ab. Aus Bescheidenheit verbarg er jedes eigene Talent. Der ehrwürdige Greis hat sich dank seiner Herkunst aus der „märchenhaften Zauberwelt eines Alpendorfes" ewig jung gehalten. Sein Schauspiel in 4 Aufzügen„Andre Hofer" steht an Frische, an Einfall und Reinhell keinem auch noch so jugendlichen Gymnasiasten- drama nach. Nehmt alles nur in allem: Franz Kranewitter konnte nirgends besser aufgehoben sein als in der Großdeuischen Theater- gemeinschaft. Nun darf endlich die neue Zeit des deutschen Theaters beginnen, die alles hinwegfegt, was an Schund und Schmutz und Ausländerei den echten deutschen Mann schädigte. Nur eines muß die Großdeutsche Theatergemeinschast schien- nigst ändern: sie muß den Schauspieler Heinz S alfner sofort ent- lassen. Denn«r hat Talent und hat mit innerer Kraft den Tirolerhelden ausgestattet. Das war eine Fälschung des Theater- stiles der Großdeutschen Theatergemeinschaft, Max.Hochdorf. wie erkältet man sich nicht! Mit dem seuchten und kühlen Wetter hat auch sofort wieder eine Erkältungsepidemi« eingesetzt. Es ist ja begreiflich, daß nach einem so sonnenlosen Sommer wie dem diesjährigen die Menschen besonders anfällig sind, denn den meisten war es nicht möglich, die nötigen Mengen von Sonnensicht und Sauerstosf sich einzuverleiben, die uns gegen Erkältungen Im Winter feien. Die Erkältungstrank- heiten werden ja von den meisten Menschen als notwendige Uebel hingenommen, gegen die sich„nicht viel machen läßt". Da ein Schnupfen oder ein Husten nicht zum Tod« führt und man diese lästigen Gesellen auch wieder los wird, so kümmert man sich nicht viel darum. Aber nur allzu häufig find Erkältungen die Vorläufer schwerer Erkrankungen, und die Schädigungen, die dadurch der Be- vülkerung eines Landes zugefügt werden, sind ungeheuer groß, wenn man sie auch nur ungefähr abschätzen kann. Deshalb haben die Aerzte in neuester Zeit die Bekämpfung der Erkällungen mit viel größerem Ernst und Eifer aufgenommen, und wem: alle Maß- »ahmen richtig durchgeführt würden, dann könnte man diese Geißel der Menschhell oertreiben. Diese Ansicht vertritt Dr. Frederick Graves in einem englischen Fachblatt.„Die meisten Erkältungen ließen sich vermeiden", schreibt er,„wenn die Menschen sich mehr in acht nähmen, nicht ins Kalte gingen, wenn sie erhitzt sind, keine nassen Kleider und besonders kein« nassen Füße duldeten, ihre Ernährung und Körperpflege besser einrichteten und in der Oesfentlichkeit nicht husten oder niesen würden. Alles, was unfern regelmäßigen Blutkreislauf unterbricht, wie z. B. ein plötzliches Kallwerden, macht uns zur Beute der war- tendcn Bazillen. Nur ein solcher kleiner Vorfall ist notwendig, um den Krankheitserreger in Tätigkeit zu setzen. Wir müssen der Natur ebenso äußerlich durch Kleidung wie innerlich durch Nahrung Helsen, um sie gegen diesen Feind zu schützen. Man trage warme, aber nickst zu luftdicht abgeschlossene Kleidung, die gerade genügt, um uns vor Frösteln zu bewahren. Man nehme ein« fettreichere Nahrung. Be- sonders zu empfehlen ist Lebertran, der das im Winter so wichtige D-VUamin cnthöll. Körperliche Uebungen sind nicht weniger wichlig, da sie dazu beitragen, der Lunge die nötige Lust zuzuführen und dem Blut den so wichtigen Sauerstoff. Kaltes oder lauwarmes Baden ist ein gutes Abhärtungsmittel. Wenn aber doch der Tag kommt. an dem wir fühlen, daß wir„etwas abgekriegt haben", dann gehe man nach Hause, nehme ein heißes Bad, eine Aspirintoblette und einen heißen Trunk, und wenn man sich am nächsten Tag noch nicht wieder wohl fühlt, halle man sich weiter zu Hause und rufe den Arzt. Wenn man mit einer Erkältung ausgehl, dann bringt man die Ba- zillen nur unter die Leute und kann selbst den gefährlichen Erreger der Lungenentzündung einatmen, der während einer Erkällung besonders leicht sich entwickeln kann. Wer eine Erkältung nicht beachtet, kann gewiß in vielen Fällen auch so über diesen Angriff des Feindes hinwegkommen, aber manchmal wird er dadurch schweren Schaden erleiden." Ein Vühnenulk, der enkwaffnet.„Frau Präsident! n", französischer Schwank ältester Schablone von Maurice Hennequin und Pierre Veber im Trianontheater. Der Herr Justiz- minister hält streng auf die Tugend seiner Beamten. Auf einer Inspektionsreise besucht er spät abends den Gerichtspräsidenten Tricointe. Bei dem hat sich Gobctte einlogiert, eine Tingeltangel- foubrette mit äußerst sußfreiem Benehmen. Der Minister hält sie für die Frau des Präsidenten, und der arme Tricointe tut gewiß nichts, den Irrtum aufzuklären. Seine vierschrötige Frau ist ja Gott sei Dank auf Reisen. Gobette macht also die Honneurs des Hauses mit dezwingender Liebenswürdigkeit. Was im Hause ist, stellt sie dem Gast freundlichst zur Verfügung, sogar sich selbst. So freigebig ist sie. Der Minister seinerseits nimmt die Gastgeschenke gern an und zeigt sich dafür dankbar. Er befördert den Gerichtspräsidenten in rascher Folge zum Personalchef im Ministerium und dann sogar zum Präsidenten des Appellationsgerichtshofs. Diese Beförderungs- komödie spielt sich im Ministerium selbst(zweiter Akt) ab, wo auch die richtige Frau Tricointe inzwischen eingetroffen ist und für die Reinmachefrau gehalten wird. Die Biihnenumstände bringen es so mll sich, daß abwechselnd die echte und die salsche Prau Präsidentin im Unterkleid auf der Bühne stehen. Die echte in Barchent, die lockere Gobette in Reizwäsche. Im dritten Akt löst sich schließlich alles in Wohlgefallen auf, ohne daß der Zuschauer von der Wahr- scheinlichkell der Ereignisse überzeugt würde. Im Gegenteil, die handelnden Personen müßten minderbegabt bis zur Schwachsinnig- keit sein, wenn sie nicht bereits im zweiten Akt merkten, auf was für unsinnige Verwechselungen sie hineinfallen. Aber der Zuschauer kommt vor lauter Spaß nicht dazu, die Bühnenvorgänge kritisch zn betrachten. Der übermäßige Unsinn überkugelt sich so. daß er ent- waffnet, besonders da die falsche Frau Präsidentin von Erika G l ö ß n e r gespielt wird. Sic ist die personifizierte Koketterie. Sie kichert und gurrt und schnurrt. Sie ziert sich absichtlich in Sprache und Gebärde. Sie will um jeden Preis vornehm sein, und das paßt famos in ihre Rolle. Das Publikum quietscht vor Vergnügen. Zu übermütigem Spiel reißt sie auch die übrigen Darsteller mit, die Robcrt.Tirk in flotter Regie zusammenhält. Dgr. Eine Aüllfstädleoper wurde in Graz für Graz. Innsbruck. Klagensuit. Linz und Salzburg begründet. Line BundcSsubvcntion soll dafür geivummi werden. ES wurde eine Spielzeit von acht Monaten in Aussicht genommen Zwei ameritamsihe Gzeanflieger unterwegs. Auch ein deutsches Flugzeug startbereit. Die Ozeanslieger lassen sich nichi abschrecken. Wieder sind zwei Maschinen in Amerika geskarlet. Die eine, gesührt von Misz Ruth Alders rail dem Ziel Paris, die andere, geführt von dem Fliegerosslzicr W ilner Slulz mit dem Ziel Kopenhagen. 3n Begleitung Mist Alders besindet sich der amerikanische Flieger hol dem an. Das Flugzeug ist der gleiche Typ, mit dem die kanadischen Flieger Tully und Mctcolfc den Flug über den Atlantischen Ozean gewagt haben und dabei den Tod fanden. Die »American Girl" ist leuchtend rot gestrichen. Das Flugzeug hat venzin für einen Flug von 4400 Meilen mit sich. Unter günstigen Bedingungen rechnet man damit, doch Misz Alders morgen in den Vormittagsstunden in Baris eintrisst. Das zweite amerikanische Flugzeug„Dawn" ist gestern nach mittag aus Old Orchard im Staate Main nach Europa, und zwar nach Kopenhagen abgeflogen. Das Flugzeug, ein S i k o r s k l, wird vom Fliegerossizier wilner Stultz geführt. An Bord des Flugzeuges besindet sich der Mechaniker Goldsborought, als Passagier Mist Frances W. Grayson. die Mchle des PrSstdenten Wilson. Eine Zwischenlandung in England ist geplant. Itoch keine Nachricht von..The American Girl". New Park, 12. Oktober. Seit 2,30 Uhr früh(amerikanischer Zeit) liegen keine Nach- richten von dem Ozeanflugzeug.The American Girl" vor. Die Wetterberichte von der Küste lauten g ü n st i g. Ucber dem mitt- leren Ozean herrschen starke Gegenwinde. Der Start er- folgte bei schönstein Herbstwetter. Der mitgeführte Radio-Apparat soll nur im äußersten Notfall benutzt werden. Die Flieger führen Aummianzüge für eventuelle Notlandungen mit. V 1220 wartet in Warnemünde. Warnemünde, 12. Oktober. Entgegen anders lautenden Nachrichten, wonach die heinkel- Wossermafchin« D 122 0 heute vormittag von Warnemünde aus direkt nach den Azoren starten sollte, erfahren wir, daß zunächst nur ein Langstreckenflug mit dem Ziel Amsterdam vorgesehen ist. Der Eindecker wird vom Piloten Merz gesteuert, der von dem Monteur R o h d e und dem Funker Bock begleitet wird. Die Maschine hat ein Gesamtfluggewicht von 6200 Kilogramm. In Amsterdam soll dann erst die Entscheidung über den Weiterslug fallen, also darüber, ob die Heinkel-Maschine dem Beispiel des Junkers-Jlugzeuges folgend, auch zuerst nach Lissabon oder ob sie gleich nach den Azoren fliegen wird. Tatsächlich besteht zwischen beiden projektierten Ozeanslügen ein enger Zusammenhang, da sie beide von derselben Finanzgruppe unterstützt werden, auch wenn es sich um zwei verschiedene Flugzrugfabriken handelt. Die Führung in diesem Konsortium hat die hapag. Nach Meldung der Hamburger E c e w a r t c ist das Wetter über dem Atlantik auch auf der südlichen Linie Azoren-Bermudas noch immer außerordentlich schlecht, und zwar macht sich das Tief jetzt auch am westlichen Kanaleingang bemerkbar. Aus diesem Grunde erscheint der für heute angekündigte Start der Iunkers-Maschine D 1230 von Lissabon nach den Azoren noch sehr fraglich. Das Heinkel-Flugzeug, das gestern einen neuen Dauerweltrekord für Wasserflugzeuge ausstellte, ist ein n o r m a l e r Z w e i s ch w i m- mer-Tiefeindecker, der eine Fortentwicklung des bereits im Jahre 1927 von Heinkel konstruierten Cindecker-Seeslug- z e U g t y p s darstellt. Dieser Typ ist in jahrelanger Friedensarbeit so vervollkommnet worden, daß der jetzige Typ U.R. 6 als Ozean- flugzeug angesprochen werden kann. Der Rumpf besteht aus einer Stahlkonstruktion, die mit Leinewand bespannt ist. Vorn befindet sich der allerneueste BMW.-Motor, Type VI A, der bis zu 800 entwickeln kann. Hinter dem Motor liegt der Haupttank für tausend Liter. Es folgt dann die überdachte Kabine für den Flieger und den dahinter sitzenden Funker. Das Flugzeug besitzt Doppelsteuer und Telefunkenflugzeugstation. Die Tragdecken sind in Holz-Leine- wand-Konstniktion ausgeführt und tragen in sich je einen großen, 1500 Liter fassenden Tank. Das Schwimmergestell ist in Stahl- konstruktion ausgeführt. Die Schwimmer selbst sind aus Holz, aber widerstandefähig genug, um selbst starken Seegang auszuhalten. Warnemünde. 12. Oktober. Seit den frühen Morgenstunden herrscht auf dem hiesigen Flug- platz voller Betrieb. Die Maschin« v 1220 ist getankt, und Not- ausriistunj) und Proviant sind verstaut worden. Der Start, der ursprünglich für 11 Uhr angesetzt war, zögert sich noch«in wenig hinaus, da sich im letzten Augenblick noch einige for- inale Schwierigkeiten herausstellten. Die Nachricht eines Mittags- blattes, daß es sich nur um einen Flug rund um Europa handelt, wird von unterrichteter Seite als vollkommen falsch bezekchnet. Der französische vrafilienflug. Paris. 11. Oktober. Di« beiden französischen Flieger La C o st e und L e B r i x sind auf ihrem Etappenflug nach Buenos Aires um 11,10 Uhr auf dem Flugplatz von St. Louis(Senegal) gelandet. Sie haben die 4300 Meter lange Strecke Paris— St. Louis in 25 Stund«» 30 Mrnuten zurückgelegt. Heute abend beabsichtigen die beiden Flieger zu d«m 3200-Kilometer-Ozeanflug nach Natal in Brasilien zu starten. Die Pariser Presse feiert die Landung CosteS und Le Brix in St. Louis als eine besonder« Leistung. Internatiottales Arbeitsamt. Reaktionärer Kurs der englischen Regierung. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes setzte heute vonnittag seine Beratungen sort. Bei der Frage der Fest- setzung der Tagesordnung der nächsten internationalen Arbeitskonserenz, die im Bericht des Direktors behandelt ist, warf der englische Regierungsvertreter eine an sich geringfügige Frage auf, die eine lange Diskussion hervorrief. Es handelt sich um die Frage der Unfallverhütung, zu der auch das Verbot des Tragens von zu schweren Lasten gehört. Die englische Re- gierung möchte, daß die Frag« des Ladens und Entladens von Schiffen gesonderr behandelt wird, und daß die Frage des Tragens von schweren Lasten also auch einer besonderen Kommission überwiesen werde. Die englische Regierung schlug dabei vor, diese Frage der paritätischen Schiffahrtskommission zu überweisen, in der außer den Reedern und den Regierungsoertretem die Seeleute oer- treten sind, die aber mit der Frage selbst gar nichts zu tun haben. Nach einer langen Diskussion wurde schließlich entsprechend den Dorschlägen des Direktors des Internationalen Arbeitsamis be- schlössen und der Einwurf der englischen Regierung zurückgewiesen. So geringfügig diese Frage an sich auch sein mag, so ist die Diskussion doch sehr bezeichnend. Außer dem englischen Regieningsvertreter und dem englischen Unternehmer- Vertreter wandten sich sämtliche andere Delegierte, sowohl die Arhestervertreter als auch die Regieningsvertreter, darunter auch der Ministerialdirektor S i tz l e r für die deutsche Regierung, gegen das Verschleppungsmanöver der englischen Regierung. Wcm hat den Eindruck, daß der Kurs der gegen war Umn englischen Regierung in den' Fragen der Sozialpolitik nachgerade allen anderen Delegierten ans die Nerven fällt. Es wurde dann entsprechend dem Vorschlag des amerikanischen Gewerkfchafisbundes der Professor des Völkerrechis an der Columbia- Universität, Ehamberlain, als Mitglied des Ausschusses für E i n g e- borenenarbeit gewählt. Diese Ernenunng hgt ein« gewisse Bedeutung, denn sie ist ausdrücklich von der amerikanischen Regierung gebilligt, die bekanntlich weder dem Völkerbund noch der Internatio- nalen Arbeitsorganisation angehört. Zum Schluß entstand ein« etwas lebhafte, aber zugleich abschweifende Debatte, die von dem kanadischen Arbeitervertreter Tom Moor« hervorgerufen wurde und die di« Wand«rungsfrage betrifft. Der Präsident per- sucht« vergebens, di« Debatte abzuschneiden, da die Frage nicht auf der Tagesordnung stand. Es handelt sich im wesentlichen darum, daß die Bertreter dts Internationa l«n Gewerk- schastsbundes, die auf Grund der Beschlüsse des Londoner Wanderungskongresses als Sachverständige zu fungieren haben, auch Mitglieder von Einwandernngsländern in ihrer Mitte haben. Die Frage wäre wohl überhaupt nicht zur Diskussion gekommen, wenn der frühere Sekretär des JGB., B r o p, n, nicht auch hier etwas nachlässig gehandelt hätte. Man war schließlich im Ver- waltungsrat allgemein der Auffassung, daß es sel st verständlich sei, daß auch die Einwanderungeländer �zu hören seien, daß die Ernennung der betreffenden Sachverständigen aber eine Angelegenheit des JGB. ist. Der Verwallungsrat vertagt« sich auf morgen vormittag, da heute nachmittag ein« Besichtigung der Siemens-Werke stattfindet. wofür Geis 6> ist. Gesinnungsschniisfclei in den Betrieben. Ein Direktor eines industriellen Werkes erhielt dieser Tage folgenden Brief, der vom„B. T." vcröffenllicht wird: „Sehr geehrter Herr Direktor, wir haben in Erfahrung gebracht, daß sich inShrem D e- trieb«ine kommunlstische Zelle gebildel hat Der Zweck dieser Zellen ist Ihnen bekannt. Dieselben haben dafür zu "sorgen, daß Unfrieden in Ihren Betrieb kommt, daß die Arbeiterschaft ausgewiegelt wird, daß Streits ausbrechen usw. Wir wissen, wer von Ihren Betriebsangehörigen an dieser Zellenbildung beteiligt ist. wer ihr Führer ist usw. Geben Sie uns den Austrag, Ihren Betrieb zu beobachten, damit wir Ihnen die Namen der betreffenden Personen mit- teilen, die Sie so zur Entlassung bringen können. Ihrem geschätzten Auftrag... Hochachtungsvoll Pinkerton gesellschaft." Der Brief bietet einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise und Arbeitsziele der betonnten Spitzelgesellschaft. Dies famose Unter- nehmen beschäftigt sich mit der Ges�rnungsschnüsfelei unter Werks- angohörigen mit dem ausgesprochenen Zweck, pclitijch unbequeme Arbeiter zur Entlassung zu bringen. Gäbe es nicht noch viele Unter- nehmer, die ein« derartige auf Gesinnungslumperei auf- gebaute Tätigkeit bezahUen, so würde di« Pinkertongesellschaft bald«ntschlascn. Daß überhaupt diese Briefe versandt werden, daß man von ihnen eine Wirkung erwartet, daß mancher Unter- nchmer für derartige Praktiken Verständnis und— Geld übrig haben, das ist wirtlich beschämend genug. Im vorliegenden Falle hatten di« Pinkertonleute Pech. Der Adressat hat vor eineinhalb Jahren seine Stellung als Direktor auf- gegeben. Das Wert selber liegt seit einem Jahre still, Arbeiter werden in ihm überhaupt nicht mehr beschäftigt. Vielleicht hat die Spitzelgesellschaft unrer den unbewachten Haus- illrcn oder in den Spinngeweben kommunistische Zellen entdeckt.— Das wäre dann wirklich ein Beweis für ihre Spitzfindigkeit. Politisch freilich wäre sie von geringerem Belang. Wann endlich werden unsere Unternehmer aufhören, im Kampf gegen die Rechte der Arbeiter Mittel anzuwenden, die ebenso schäm- los wie dumm und nur geeignet'sind, die notwendige sachliche Aus- tragung der Klassengegensätze zu vergiften? Unüsn als Schieüsrichter. Im dcutsch-dänischen Vergleichsrak. Der mit Dänemark abgeschlossene deutsche Schiedsvertrag sieht, wie alle unsere Schied»- und Vergleichsvertröge,«inen st ä n- digen Vergleichsrat zur Erledigung politischer Konflikte vor. Dieser Vergleichsrat ist jetzt gebildet worden. Die Reichs- regierung hat den Hallenser Professor Fleischmann und den Berner Professor Waldkirch aus der Schweiz ausgewählt: die dänische den dänischen Richter Moller und Genossen Professor linden, Schwedens früheren Außenminister. Vorsitzender des Rates ist der Holländer Gras von Sandenburg. Oeutuanl a. D. Ernst Knill, der mutmaßliche Mörder Rosa Luremburgs, wurde durch endgültigen Beschluß des Landgerichts II außer Verfolgung gesetzt. Die Verbüßung von Strafen wegen anderer Vergehen sind ihm durch B.'gnadigung erlassen. Wegen Aktenbeseitigung beim Finanzamt Sachjen schwebt gegen Krull noch ei» Ermrttlungsversahreu. Ein neuer großer Spritschiebungsprozeß. IS Angeklagte, darunter 9 Beamte. Vor dem Erweiterken Schöffengericht Wedding begann heute früh ein neuer großer Spritschiebung«, und Veamien- bestechungsprozeß, dessen Dauer auf acht bi» zehn Wochen geschäht wird. Den Gegenstand dieser Anklage bilden die großen Spritlieferungen des Dr. S l a h n und des Simke- Konzerns an den Weber-Konzern. Es handelt sich hierbei um Wengen von mehr als einer Million Liter Sprit und um eine Schädigung der Finanzverwaliung um viele Millionen. Die beiden unter Anklage gestellten Konzerne hatten es ver- standen, sich unter falschen Vorspiegelungen für ihre Schein- betrieb« den Sprit zu ermäßigten Preisen zu ver- schaffen. Der auf diese Weise erschlichene, im Preis ermäßigte Sprit wurde aber nicht gewerblich verwendet, sondern sofort an Hermann Weber und seine Betriebe zur Verwendung für T r i n k- b r a n n t w e i n z w e ck e mit erheblichem Nutzen verschoben. Be- zeichnend ist es, daß man in eingeweihten Kreisen den Stahn- Konzern das„kleine M o n o p o la m t" nannte. Im ganzen sind 19 Personen angeklagt, darunter nicht weniger als neun Beamte wegen Bestechung. Unter den Beamten befinden sich der Oberzollsekretär Reinicke und der Oberzallinspektor v. Tilly, jetzt im Ruhestand, außerdem die Zollsekretäre und Zollassistenten Apelt, Erfurt. Kruhn, Oelrich. Jordan. Vom Stahn-Konzern sind angeklagt der Apotheker Tobolewski, der Ingenieur Herr und der- Ingenieur Dubais, vom Simke-Konzern sind unter Anklage gestellt die Brüder Robert und Leopold Slmke, die Geschäftsführer Ha- macher und Prunkt. Die Inhaber des Stahn-Konzerns, der Zahn- arzt Dr. Stahn. ist verstorben. Er war nach Aufdeckung der Sprit- schiebungen geflüchtet, aber in Konstantinopel ergrisfen und aus- geliefert worden. Bei der Einfahrt des Schiffes, das Dr. Stahn nach Deutschland bringen sollte, in den Hafen von Lissabon wurde Dr. Stahn mit einem Bauchschuß auf dem Schiff ausgefunden, an dem er bald darauf verstorben ist. Ob Selbstmord vorlag, ist nicht aufgeklärt worden. In das Strafverfahren war auch der flüchtige Apotheker Selten, der zum Simke-Konzern gehört«, mitverwickelt. Zu der heutigen Aerhandlung war auch der Apotheker Franz Tobo? lewski nicht erschienen. Sein Aufenthalt ist nicht zu ermitteln: wahr- scheinlich ist er auch ins Ausland geflüchtet. Die Finanzverwaliung ist an dem Strafversahren durch Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt als Nebenklägerin beteiligt. Di» Verhandlungen werden von Land- gerlchtsdirektör Krüger geführt. An der Verteidigung der Ange- klagten wirken nicht weniger als 12 Rechtsanwälte mit. Hermann Weber ist übrigens in diesem Fall? nicht mit- angeklagt, da durch Beschluß des Amtsgerichts das Straf- verfahren gegen ihn wegen Monopolsteuerhinterziehung und Mono- polbetruges bis zur endgültigen Regelung der AusNeferungsfrage ausgesetzt worden ist._ Nach vier Jahren. Der schlesische Selbstschutz als Mordkolonne. Wegen eines Doppelmordes, der viele Jahre zurückliegt, hatte sich heute vor dem Schwurgericht in Oppeln ein 28 Jahre alter berufsloser Alois Klein zu verantworten, der vor 2H Iahren don der Berliner Krim in all Polizei festgenommen und entlarvt wurde. An einem schönen MLrztage des Jahres 1925 wurde ein junger Mann in der Glienicker Forst von einem Schupo- beamlen als Spielhalter betroffen und festgenommen. Auf dem Wege �ur Woche entfloh er. Der Beamte ergriff ihn wieder, nachdem er mehrere Schüsse hinter ihn her abgegeben hatte. Der Ertappte suchte seine Person möglichst zu verhüllen. Er nannte sich einmal„Fritz Emler aus Bromberg", ein andermal„Gustav Thems". Alle sein« Angaben erwiesen sich als falsch. Die Kriminalpolizei entlarvte ihn endlich als den Alois Klein, der vom Landgericht Oppeln wegen Doppel mar des 4 Jahre lang ver- geblich gesucht worden war. Klein hatte, als er dem schlesischen Selbstschutz angehörte und. aus einem Gut ein- quartiert war, mit vier Kameraden zusammen zwei Stoff- Händler aus Königshüttc unter der Lorspiegelung, daß im Forst- Haus ein Geschäft zu machen sei, in den Wald gelockt. Dort wurde der eine qlelch durch einen Kopfschuß und der andere auf der Flucht erschossen. Die Leichen wurden ausgeraubt und im Walde vergraben. Die vier Kameraden Kleins wurden nach kurzer Zeit festgenommen. Er selbst entzog sich der Berhastung, indem er einem Toten seine Papiere zusteckte und deshalb für tot galt. An anderen Stellen spiegelte er eine Auswanderung vor. Einem Bekannten, der nach Amerika übersiedelt«, gab er einen von ihm selbst geschriebenen Brief an eine deutsche Adresse mit. Der Emp- sänger und in der Folge auch andere glaubten deshalb, daß es ihm gelungen sei, nach Amerika zu entkommen. Später bekannt« sich Klein zu dem Verbrechen und suchte es mit den Verhältnissen der Zeit zu erklären._ Wer war üer andere? Geheimnisvoller Tod eines ObersteuersekretärS. Am Dienstag nachmittag wurde die Mordkommission nach dem Hause Paul-Singer-Ctraße 34 gerufen. Hier wohnt im ersten Stock der 33 Jahr« alt« Obersteuersekretör Paul S. mit seiner Frau und seiner fünf Jahre alten Tochter. Vor 12 Tagen fuhr die Hausfrau mit dem Kind nach dem Harz, während der Mann allein in Berlin blieb. Am Freitag vormittag wurde S. auf seiner Dienststelle, dem Finanzamt Börse, von einem so heftigen Anfall seines Nierenleidens betroffen, daß er nach Haufe gehen mußte. Weil er Sonnabend und Montag nicht wieder zum Dienste erschien und auch nichts von sich hören ließ, wollten Kollegen sich am Montag nach chm umsehen. Da ihnen nicht geöffnet wurde, schoben sie einen Zettel in den Briefkasten. Am Dienstag wiederholten sie ihren Besuch und sahen ihren Zettel noch an der gleichen Stelle liegen. Jetzt benachrichtigten sie die Kriminolvolizei. Man fand S. im Herrenzimmer lang ausgestreckt auf dem Fußboden liegen, mit dem Kopf unter der Mittelöffnung des Schreibtisches. Er war tot. Im anstoßenden Speisezimmer war für zwei Personen zum Abendbrot gedeckt. Das verschobene Tischtuch und heruntergefallene Speisen beweisen, daß jemand plötzlich vom Tisch aufgesprungen ist. Durch die offenstehende Tür war er dann ins Herrenzimmer gelaufen und hatte hier von einem kleinen Tisch einige Gegenstände heruntexgeworse.r. Am Schreibtisch war er dann zu- sammengebrochen. Die vorläufige Besichtigung der Leiche durch den Gerichtsarzt Dr. Weimann ergab, daß der Körper keine äußeren Verletzungen aufweist. Auch Tod durch Vergiftung ist unwahrscheinlich. Es hat vielmehr den Anschein, als ob S. einem starken Anfall seines Leidens zum Opfeer gefallen ist. Geraubt ist in der Wohnung nichts. Um völlige Klarheit zu schaffen, wurde die Leiche zur Obduktion beeschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Wer bei S. am Freitag abend zu Besuch gewesen ist, hat sich bisher nicht feststellen lassen. Personen, die jemand im Dause oder vor der Wohnu.rgstür gesehen haben, werden gebeten, sich bei der Mordkommission im Zimmer 78 des Polizeipräsidiums zu melden. Neuer Raubüberfall auf einen Chauffeur. Der 45 Jahre alte Droschkenchauffeur Otto Seeger aus der Paul-Singer- Straße 2 5 wurde am Dienstag das Opfer eines Ueberfalles, den seine eigenen Fahrgäste auf ihn verübten. Seeger hielt an der Ecke der Landsberger und Kleinen Frankfurter Straße und wurde hier van zwei Männern im Alter von 25 bis 30 c n st veranlaßt wurden, waren nicht wenig er- staunt, als ihnen Ende November vorigen Jahres durch den Rechts- onwalt Hans Knoche-Berlin im Austrage des Kaufmanns Eduard Hocke mitgeteilt wurde, daß die nationale Gewerkschaft kein rechtsfähiger Berein ist und daß die Mitglieder für die von der Nationalen Gewerkschast deutscher Eisenbahner gemachten Schulden gemeinsam als Gesamtschuldner haften. Die übriggebliebene Leitung des famosen Aerbandes setzte nun olle Hebel in Bewegung, um die finanziellen Auswirkungen der „B ü t t e m e 1 e r- W i r t s ch a f t", die erst nach und nach in ihrem ganzen Ausmaß zurage traten und so den in allen Fugen krachen- den Verband am Leben zu erhalten. Neben der Herabsetzung der sozialen Leistungen auf 50 Proz. hat man sich am 11. Mai 1927 entschlosten, um flüssige Mittel hereinzubekommen, eine Bank zu gründen:„Die Mittelstands» und Kredit- dank". Man klopfte ferner eifrig die Türen„prominenter, nationaler P e rsönlichkeiten und Oraanisotlonen" ab, ober mit wenig Erfolg. Am 30. Juni fand sogar«ine Sitzung des geichäftsführenden Hauptoorftandes mit den erwähnten Kreisen itatt, in der einem später nerschickten Rundschreiben zufolg« zum Ausdruck kam, daß eine direkte Hilfe nicht möglich sei, daß ober „von den interessierten nationalen Kreisen" olles getan werden müßte, um einen finanziellen Zusammen- bruch„der an sich gesunden Gewerkschaft", wie man sich in seiner Einbildung.ausdruckte, zu verhindern. Die Schuld an der Schuldenlast, die inzwischen a u f 1 3 000 M. angewachsen ist und von penen bereits 8000 M. eingeklagt und leilweise schon gepfändet wurden, wird dem Vüttemeier zugeschoben, der nach der Ansicht seiner Freunde„weder »Mtionol« Gesinnung noch Ehrgefühl besitzt und dem es gelungen ist. nicht nur die Mitglieder, sondern auch andere Kreise zu be. trügen". Vorübergehend mußte das Erscheinen der Verbands- zcitung eingestellt werden, weil die Druckerei wegen ihrer Forderungen«inen Prozeß gegen die Gewerkschaft führt«. Ob die „großzügige Finanzicrungsattion", die man zur Ab- deckung der Schulden«ingeleitet hat, gelingt, bleibt abzuwarten, denn die Gläubiger, unter denen sich sogar Büttemeier befindet, der '. aa Sehalt oerlangt, sind sehr unge- duldig geworden. Di« Gläubiger sehen sich gezwungen, rück ficht s- los gegen diese national« Gew'e'r tschaft vorzugehen, und in eingeweihten Kreisen vermutet man sogar, daß sie dabei«in noch heute unter den Mitgliedern dieser„nabanalen" Gewerkschaft besindlicher Kollege, den man als Intriganten bezeichnet und der den ersten Vorsitz der Gewerklchoft aus dem Verbandstag. in Frankfurt an der Oder erobern wollte, tatkräftig unterstützt. Der geschäftssührende Hauptvorstand oerlangt nunmehr von den Orlsleitungen, nachdem die Bettelei bei den„prominenten nationalen Persönlichkeiten und Organisationen" vorerst fruchtlos war und scheinbar das Vertrauen zur„Mittelstands- und Kreditbank" nicht groß ist, alle eingehenden Beiträge ohne jeden Ab- zug sofort an den Hauptvorstand abzuliesern. Wieviele Mitglieder neuerdings noch Lust haben, einer solchen Gewerkschaft, deren verantwortliche Persönlichkeit mit dem Geld der Mitglieder derart haust«, daß innerhalb kurzer Zeit«ine Schuldsumme von 23 000 M. entstehen konnte, noch weiter Gelder zu be.zahlen, bleibt abzuwarten. Die Eisenbahner ober, die glaubten, noch Austritt von ollen Verpilichtungen frei zu feim sind sehr«nttäufckft, weil sie er- fahren müssen, daß sie für die Schulden, die während der Dauer ihrer Mitgliedschaft entstanden sind, auch jetzt noch hasten. So sieht es also in einer„nationalen" Gewerkschaft aus, die unter besonderer Betonung völkischer Grundsätze sich einbildete, freie Gewerkschaften vernichten zu können. Mit nationalen Sprüchen kann man das so wenig wie mit Hilf« von Gewerkschaften nach dem Muster dieser„Gewerkschaft nationaler Eisenbahner". Wahrheit unü— Dichtung. Im Lrauereiarbeiterstreik. Am Mittwoch, dem 5. Ottober 1927, brachte der„Vorwärts" in feiner Morgenausgabe einen Appell der Streikleitung in auffallender Schrist zum Abdruck. Der folgende Satz war besonders betont: „An die Gastwirte und Bierhändler richten wir das dringend« Ersuchen, den streikenden Lraueremrbeitern nicht in den Rücken zu fallen und das Abholen oder das Abholenlosien des Bieres zu unter- lassen." In der nächsten Morgenausgabe wurde dieser Appell wiederholt. Für jeden organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten ergab sich aus diesen Sätzen, zumal in ihrem Zusammenhang mit dem Appell der Streikleitung, die selbstverständlich« Schlußfolgerung, kein Bier zu trinken, das aus den Berliner Brauereien unter Streikbruch fertiggestellt und geholt wurde. Noch im gestrigen Abendblatt des„Vorwärts" wurde ausdrück- lich gesagt:„Trinkt k e in Streikbrecherbier." Trotzdem bringt es das Organ jener Partei, die von dem Ziel der Herbei» ftthrung der„Weltrevolution" auf die ausschließliche B e» lämpfungderSPD. undihresZentralorgans zurück- gekommen ist, fertig, folgendes Manöver zu machen. Sie schiebt einen„in der sozialdemokratischen Partei langjährig organisierten Kollegen" vor. der ihr u. a. folgende Sätze geschrieben haben soll, die sie heute, am 12. Oktober, veröffentlich�: „Die Rote Fahne" richtet in ihrer Montogsausgabe an die Ber» liner Arbeiterschaft die Mahnung, die kämpfenden Kollegen durch aktive Solidarität zu unterstützen und kein Streitbrecherbier zu trinken. Eine derartige Ausforderung hoffte ich auch in der Montagabendausgabe des„Vorwärts" zu finden, nachdem schon Sonnabend und auch Montag vormittag dem„Vorwärts" und auch dem B e zi r t s o o rst a n d der SPD. bekannt war. daß ein ganzer Teil(Ausgerechnet! Red. d.„V.") SPD.-Gastwirte den Streitenden in den Rücken fallen und Streikbier ausschenken..." Damit sticht dos der Parole der Verschweigung der Wahrheit folgende KPD.-Blott mehrere Gemeinheiten mit einem Schlage an seine Leser zu bringen, wobei es sich hinter seinen„SPD.-Kollegen" versteckt. Durch diesen„SPD.-Kollegen" der„Roten Fahne" sollen die sozialdemokratischen G a st w i r t e heruntergerissen werden, der „Vorwärts" mitsamt dem Bezirksvorstand der SPD. Mit einer Lugenklappe sollen drei Organe der SPD. mit einem Schlag« getroffen und damit die ganze SPD. verunglimpft werden. Die kommunistischen Schuftereien gegen die SPD. sind jedoch so alltäglich geworden, daß es genügt, sie gelegentlich an einem Beispiel aufzuzeigen. Der lai-iklohn,«Iis RoVieisenproduktion und die Ro�enpreise in DeutscKland 19 9 6u.l9Si7 16M„> i i I, Januar 19S6- 100 106., ToTT0 O106.» I I Streit im Oel-Gaswert Pinsch. Mit dieser Firma schweben seit April Verhandlungen über den Abschluß eine» Tarifvertroges. Da die Verhandlungen mit der Firma zu keinem Ziel führten, traten die im Gemeinde- und Staatsarbeiterverband organisierten Arbeiter heute früh in den Streik ein. kampfesweise üer Uateroehmer. Zm mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Eine ausdrücklich als von Arbeitgeberseite herrührend bezeichnete Wolfs-Meldung besagt, daß sich noch nicht die Hälfte der Arbeiter- schast für die Kündigung ausgefprochen habe. Die»ach gewerklchoft- lichen Bestimmungen für die Einleilunq und Durchführung eines Streits erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht worden. Die Herren werden sich am Montag wundern. Lanüarbeiterentlohnung. Die„Mecklenburgische Landwirtschaftliche Wochenschrist", das Amtsblatt der Landwirts chaftstammer für Mecklenburg-Schwerm» brockst« in Nr. 36 einen Aufsatz von dem Direktor des Albrecht-Thaer- Seminars in Cell«. Dr. Brei, über dos Thema: Die Aufwands- kosten in den landwirtschaftlichen Betrieben. In diesem Aufsatz steht über di« Lohnfrag« in der Landwirtschost zu lesen: „Hohe Löhne sind auch Im landwirtschaftlichen Betriebe nie zu betlag e n. Es braucht«in Betrieb mit absolut hohen Löhnen durchaus nicht ein höheres Lohntonto zu haben wie ein gleicher Betrieb mit abfulut niedrigen Löhnen. Dauernde Inän- fpruchnahme der menschlichen Arbeitskräfte während des ganzen Jahres und Fähigkeit des Betriebsleiters im Disponieren und im Umgang mst seinen Arbeitskrästen setzen ihn in den Stand. hohe Löhne zahlen zu können. Die an die Landarbeiter verabfolgten Lohnsummen sind erträglich, unerträglich sind die sozialen Lasten." Das ist ein wesentlich verrninftigeres Urteil, als es sonst in den Amtsblättern der Landwirtschostskommern über die Lohnfrage in der Landwirtschast zu finden ist. Sonst wird vielfach davon gesprochen, daß di« jetzigen Landarbeiterlöhne„unerträglich hoch" seien und eine Gesohr für den landwirtschaftlichen Betrieb bildeten. Auch wir sind der Meinung, daß die an die Landarbeiter verabfolgten Lohnsummen für die Arbeitgeber sehr wohl erträglich sind und höhere Löhne ohne Gesahr sür den landwirtschastlichen Betrieb gezahlt werden können. Lohnabkomme» für die rheinisch-weftfälische« Brauereien. Zwischen dem Verband der Nheinisch. Westfälischen Brauereien G. m. b. H., Dortmund, und den Gewerkschaften wurde das neue Lohnabkommen unterzeichnet, das eine durchschnittliche Lohn- erhöhung um 13,5 Prozent vorsieht. Das neue Lohn- abkommen gilt für ein Jahr, und zwar vom 1. Oktober 1927 ab und stets für ein weiteres Jahr, wenn nicht ein Monat vor Ablauf Kündigung erfolgt. Eine außerordentliche Kündigungsfrist von vierzehn Tagen zum Ende einer Lohnwoche ist dann vorgesehen, wenn die Indexziffer, die zuletzt nuf 147,1 stand, sich um 5 Prozent verändern sollte. Internationale Metallarbeiterkonferenz. Luxemburg. 12. Oktober. Auf der in Luxemburg abgehaltenen internationalen Metall- arbeiterkonserenz, welche die Arbeiterschaft der an dem Inter- nationalen Rohstahlkartell beteiligten Länder repräfen- tierte, wurde beschlosien, die Abwehrorgantsationen der Arbeiter gegen die Arbeitgeber der Rohstahlgemeinschait zu oerstärken und besonders in den französifch-lothringifch- belgischen Grenzbezirken die alten Gewerffchaften wieder aufzu- richten. Ein damit betrauter engerer Ausschuß wurde eingesetzt. Französische Interpellation überdie Arbeitszeitabkommen Pari». 12. Oktober. Der radikale Senator Mario Roustan wird beim Wieder- zusammentritt des Parlament» über die Verzögerung der Ratisi,zic- rung der seit 1919 der sronzösischen Regierung unterbreiteten internationalen Abmachungen über die Arbeitsbedingungen interpellieren. Proteststreik der Matrose« in Bordeaux. In Bordeaux haben die Matrosen der Handelsmarine als Protest einen 24 stündigen Streik beschlossen, weil die Pensionen für di« Matrosen der Handelsmarine weit hinter denjenigen zurückbleiben, die di« entsprechenden Kategorien der in der Marine beschästigten Arbeiter erhalten. Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug am Z. Ok- tober 1 075 900, also 25 783 mehr als in der vorhergehenden Woche und 496800 weniger als im entsprechenden Zeitrou», des vorigen Jahres. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten «..G„ Berlin, wallflr. SS. ist täglich mst Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von S— 1 Uhr geöffnet. Sport. ,voxmeifterfihaste« Sportliches Fiasko der gestrigen Boxkämpfe. Die neuen deutschen Aoxmeister brauchen wirtlich auf ihr« Titel nicht stolz zu sein. Was gestern abend im Sportpalast als Meister- schaftskämps« geboten wurde, war den Aufwand nicht wert. Nicht einer von den Titeln wurde erkämpft: Sahm wurde Weltergewichtsmeister infolge der Disquatisikation Grimms. Diener und W a g c n e r lieferten einen so schwachen Kamps, daß Diener statt des Meisterfchastsbeifalls ein Pfeij- konzert erhielt, und Kohler überließ dem bisherigen Fliegen- gewichtsmeister Stein den Titel durch Aufgabe, die«in Pro- iest gegen den Ringrichter war, ohne daß Stein bis zur fraglichen 12. Runde im Vorteil gewesen wäre. Ein mageres Er- gebnis. Diener wich im Schwergewichtsmeisterschafts- kämpf der mächtigen Rechten Wogeners mehr als vorsichtig aus. Die ersten Runden bringen ein vorsichtiges Abtasten, gelegentlicher, schneller, trockener Schlagwechsel, ober ohne Wirkung. Wagener geht ojfensidftlich darauf aus, seinen Gegner überraschend zu strecken. kommt aber durch Dieners Deckung nicht hindurch. In der Folge innner noch Abtosten, Treiben im Ring, seltener Schlagwechsel aus Gegenseitigkeit— Zuschauer und S a ch o e r st ä n d i g e sind unbefriedigt! Di« Kämpfer schinden offensichtlich Runden, Wagener erscheint durch einige Gesichlsschwinger benommen, Diener kommt frischer über die Runden: schließlich kommt er von der 10. Runde ab sichtlich auf, Wagener hat seinen Höhepunkt hinter sich. In der 13. Runde wird Wagener aufgefordert, mehr zu kampsen (Zwischenruf vom Olymp:„R u d i. w o i st d i e h a r t e R« ch t«?) —«in verzweifelter, kurzer Schlagwechsel, Wageners rechtes Auge schließt sich, die Lippe blutet stark. Aber dem matten Wagener kann mich Diener nichts mehr nachsehen, die Kämpfer kommen, ohne einen Meisterschafts kämpf geliefert zu haben, gerade über die Runden— ein Pfeiftonzert übertönt das Händeklatschen. D, e n« r wird zum Schwergewichtsmeister ausgeruseii. Di« We lt ergewicht stielst-r schat verteidigt« Ernst Grimm gegen Sahm. Sahm ist stets im Angriff. Der gute Taktiker (Brirnm weih mit dem harten oahm nichts on�ufanflen. on der 4 Runde erhält Sahm«inen T I e ff chl a g. Grlmm wird verwarnt. ist in der Folge mehrfach angeschlagen und kann seinen Gegner nicht«nffcheidend treffen. Di« nächsten Runden sehen Sahn, stets als Angreifer, Grimm ist zermürbt, aber der genauere Treffer. Di« 9. Rund« bringt die Enrscheidung: Sahm wird wieder tiefgeschlagen, stürzt zusammen. Grimm verliert den Titel durch Disqualifikation— zum zweiten Male in seiner Meisterschasts- laufbahn. Stein-Kohlers Kampf um die Fliegengewlchtsmeister- schast endete für den Titelverteidiger Stein überraschend, er blieb Sieger_ ooil K o h l e r zum Protest gegen Pippows Ringrichterei ausgab. Kurz«ntschlosien ging er i.i der 12. Runde in seine Ecke, schenkte dem Gegner zu dessen wenigen Punkten die eigenen und den Titel dazu und erhielt dafür den Beifall des Kämpfers. Das waren die„Meisterschaftskämpfe"! Wann wird wieder einmal geboxt im Sportpalast? »er»ntw»rtllöi für liomif: St. Cut» Wir, schast: J». Tcw-rtich-stabrw-'zuna:«r.»i,I»r»! ileialikion Dr. Z-Hn L-Ialc-: und Eonslig'«: jStt*««tfläkt: An, eigen: Stz. sämtlich w Berlin Serl»g: Varwäri�Veriag® m d H., Berlin Stuck: Vorwärts-Buchdruckere, und BcclauMnftalt Baut Einger ©loa«; lanunaj im �» «erlin Druck: V-rw-rt�Buchdruckere, u Cd. Berlin SD«8. Lindenftr-Ie 3 Teppiche 8 billige Dmzngsfage Boucle>00/300... Mk. M.- mech. Smjrm« ISO 390 Mk. 76.— JmyrDa-faiirilteppidi-ferkaQt Prledrlchiti alle 204 (nahe Leipziger Str.) Melallbetlen iom Sclilafcliaiselongues24.- Plüschso'as 30 M.. Ratenzahlung /lühr Bclin, Pappelallee Ii llUlll Pankow, Scnmidtstr.l frei Jeder UsImetatteB. Sie staunen aber dl« bllllgeB Preis« neiaar Armband- ulasdiennhren Großes Lager in allen Qualitäten U.Preislagen Harm Wiaca Berllo H, Artllleriestr. 30 ilCI III»(f IVO V, Mibe Orenlcnbarger Ter Garantie<«r(ecke bei mir«ekanficUhr w i r k«■ m»IM 41« KLEINEN ANZEISENuidef(�«M«Jtiufl«|» KüchenrMöbei nodi zum alten Preis na.«Met .£ifta~-IU». SSI 104. 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