ZK. 4S4 ♦ 44.?ahrgaag Ausgabe A Nr. 246 Bezugspreis: ÜSöcbentlich 70 Pfenniq. mamitS4 SUidiantttJ oormiä«b!Sai. Uni« Streifband in Zn. med Ausland dLO Zirilbsmarl vra Monat. f>tt JSeTtoäzis' mit der fflulhtiee. ten Lonutagabeilage.Soll und Seil* sowie den Beilagen.Unterdalwng und Wilsen*.Au» der Silmmelt*. »skrauenftimwe*.»Der Kinder. freund*�.Iugend-Borwär!»*�»Blick in die BUcherwell* und.Kultur. arbeit* erscheint wochentSglich«oei. Mal. Sonntags und Montags einmal. Telearanini-Adresse: «Sojioidernotrat SetUa" Morgen ausgäbe "M ZZerliner Volksvlakt Tentralorgan cler So�ialclemokratifcken Partei VeutfcblanÄs Groß-Berli« ZV Pfg« Auswärts lS Pfg. Anzeigenpreise: Sie«intvalttae Nonvarrille. »eile 80 Blenaia. ReNameieile Is- Reichgmori..kleine Anzeigen* da» tettaedruckie Wort lS Bkennio fanlSllia raci fettaedruckte Wortes. idie» weitere Wort 12 Btennia. Stellenoeluch» da» erste Wort Id Btennia iedes weitere Wort TO Pfennig. Worte über lö Buch. ftaben»äblea für»we! Worte. «rbeitennarkt keile 80 Psennig. ganilienan, eigen für Abonnenten Keile<0 Pfennia. Anzeigenannahme im Kauptgeschäss. Lindenstraße 3, wochentSglich von SV, bis IT Uhr. keüaktioa and Verlag: S erlin 6 SD. HS, Linden straße 3 Fernsprecher: Dönhoff 29»— 297. vorwärts-verlag G.m.b.H., Herlin EW. öS. Lindenstr.Z Poltscheckionto! Berlin Sl SS«- BaaNeNlto: Saat der Arbeiter,«ngeltelte» »ad Beamten, valstr. I»!«i»ko-to.«esellichalt. Depostteniasse iindenstr.». Kamps dem Sürgerblock! Sozialdemokratische Interpellation über die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung.— Herabsetzung der Lohnsteuer gefordert.— Bor der Abrechnung mit der Reaktion. Der Reichstag tritt am Dienstag zu einer kurzen Tagung zusammen. Nach dem Willen der Reichsregierung und der Bürgerblockparteien soll er sich nur mit dem Reichsschulgesetz und der Besoldungsverordnung beschäftigen. Die Sozial- demokratie oerlangt dagegen auch eine Erörterung der wirtschaftlichen und sozialen N o t st ä n d e. Sic hat daher die folgende Interpellation eingebracht: Die Zkusrechterhaltung der gegenwärtigen Konjunktur ist durch verschiedene Maßnahmen der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung bedroht. Zkeae Erschütterungen der Wirtschaft durch weitere Teuerung, Senkung der Reallöhne, Erschwerung der Lebenshaltung aller Konsumenten und Steigerung der Rot der Rentner find unausbleiblich. wenn nicht unverzüglich Maßnahmen getroffen werden, die ein weiteres Ansteigen der Preise verhindern und die Erhöhung der Einkommen fördern. 1. Welche Maßnahmen sind von der Reichsregierung geplant. um die Gefahren abzuwehren, die durch die hohen Zinssähe und die Kapitalaol in Deutschland entstanden sind, und um den«rsorder- lichen Kapitatzustrom aus dem Ausland zu gewährleisten? Ist die Reichvregierung bereit, dafür zu sargen. daß Anlethen öffent- lkcher Sörperschaflen(Länder und Gemeinden) nach d«n gleichen Gesichtspunkte» behandelt werden wie private ?IuslanI>sanleihen? Hat die Reichsregierung Sicherheiten dafür ge- schaffen, daß die Finanzierung des notwendigen Woh. nungsbaues nicht in' Frage gestellt wird durch eine Absperrung des ausländischen Kapitalmarktes für diesen in hohem Grade pro- duktiven Zweck? 2. Ist die Reichsregierung bereit, durch die LesÄeunigung und Erweiterung der in Aussicht gestellten Aktiv« zur Senkung der Zölle. durch den Abschluß von handelsnerkrägeu, insbesondere mit Polen, und durch Bekämpfung der Auswüchse der Karlelle ein weiteres Ansteigen der Preise, vor allem für Rahrungs- mittel, zu verhindern? Z. Ist die Reichsregierung bereit, mit allen geeigneten Mitteln (guch durch«in« vorbildliche Lohnpolllit in den Reichsbetrieben) darauf hinzuwirken, daß den Arbeitern und Angestellten der Privat- Wirtschaft sowohl ein Ausgleich für die gestiegenen Kosten der Lebenshaltung als auch ein Anteil an den Rationalisierungsgewinnen gesichert wird? 4. Ist die Reichsregierung bereit, die ihr von Unternehmerseite zugemuteten Maßnahmen abzulehnen, die«ine weitere Auf- wörtsentwicklung der Löhne abdrosseln sollen? 5. Ist die Reichsregierung bereit, zum Ausgleich der Teuerung eine Erhöhung der sozialen Rente« vorzunehmen and auch die übri- gen Fürsorgeempfänger vor weiterer Berschlechterung ihrer Lebens- Haltung zu bewahren? & Was gedenkt die Reichsregierimg zu tun. um die Krieg». tasten der Schwerindustrie zu bekämpfen, die nicht nur die Lohn- ansprllche der Arbeiter und Angestellten bekämpfen sollen, sondern auch dem Kamps gegen die Durchführung der am 1. Januar 1928 «intretenden gesetzlichen Neuregelung der Arbeitszeit dienen? M Senkung See Lohnsteuer. Außer dieser Interpellation hat die Sozialdemokratie noch einen Gesetzentwurf zur Ermäßigung der Lohnsteuer eingebracht. Er verlangt die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums von 100 M. monatlich auf 140 M. monatlich. Dadurch steigen die Freibeträoe filr Verheiratete auf ISO M., mit einem Kind auf 160 Mi, mit zwei Kindern auf 180 M., mit drei Kindern auf 220 M., mit vier Kindern auf 280 M., mit fünf Kindern auf 350 M. Der Gesetzentwurf soll mit dem 1. I a n u a r 1928 in Kraft treten. Das Verlangen der Sozialdemokratie nach Erhöhung der fteuerfreten Beträge gründet sich auf das Gesetz zur Beschrän- tung des Aufkommens aus der Lohnsteuer, das der Reichsta im Herbst 1S2S«instimmig beschlosten hat. Es sieht vor, da die Lohnsteuer ermäßigt werden muß, wenn ihr Ertrag in zwei aufeinanderfolgenden Vierteljahren den Betrag von je 300 Millionen überschritten hat. Diese Baraussetzung ist durch das Steigen der Erträge der Lohnsteuer erfüllt. Die Vorbereitung öer NeZchstagstaguug. Der Vorstand dersozialdemokratischenReichstogs- fra kti o n. der sich am Mittwoch mit der politischen Lage und der kommenden Tagungsperiode des Reichstags beschäsiigte, beschloß, wie bereits gemeldet, die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zu einer Sitzung am Dienstag, dem 18. Oktober, vormittags 19 Uhr, zu- fammenzuberufen. Gegenstand der Beratung wird die Stellung- nähme zur G e sa m t p o l i t i k der R e i ch s re g i e ru n g sein. Stoff genug ist vorhanden. Die Fraktion wird sich darüber schlüssig zu machen hoben, in welcher Art sie die zahlreichen Ge- schehnisie in der inneren und auswärtigen Politik, die zur Kritik Anlaß geben, zu behandeln gedenkt. Wahrscheinlich wird die bürgerlich« Mehrheit des Reichstags sich nicht dazu verstehen, die auf eine Woche befristete Tagungsdauer zu verlängern, so daß die Aussprach« über unser« Beschwerden nicht vor November erfolgen kann. Di« Abrechnung wird dann aber nicht weniges scharf sein. Die Arbeitslosigkeit finfang Oktober. Wette»«: Rückgang i« der zweiten Septemberhälfte. Zn der zweiten Seplemberhälfte ist die Zahl der männlichen hauplanlerstühungsempfänger von ZOZ 000 auf 286 000 zurückgegangen, die der weiblichen von 78 000 auf 69 000, .die Gesamtzahl von 361 000 aus 355 000. Der Gesomlrückgang be- trägt asto rund 26 000 gleich 6.S proz. Die Zahl der Zuschlag». empsäoger sunlerstühnngsberechtigle Familienaugehörige) hat sich im gleichen Zettraum von 426 000 aus 406 000 vermindert. Der Gesamlrückgang ln der Zahl der hauplunlerflühungs- empsänger im Monat September beträgt rund 49 000 gleich 12.1 Prozent. lieber die kriseufürsorg« llegl elae neuere Zahl nicht vor. Wechsel in Ser Reichswehr. v. Kreffenstein Wehrkreiskommandant in Kassel— v. Ruith Landeskommandant in Bayern. München, 12. Ottober.(Eigenbericht.) Der Wechsel im Kommando des Wehrkreises 7(Bayern) ist nun ersolgt. Der bisherige Landeskommandant in Bayern, General K r e ß v. K r e ss e n st e i n ist als Wehrkreiskommandant nach Kassel versetzt worden. An seine Stelle trttr Generals. Ruith, der seit Oktober 1V2g Infanteriesührer der 7. Diviston war. Der Name des General» Ruith weckt Erinnerungen an den Hitler- Putsch. Seinem Berholten im Zusammenwirken mtt dem Münchener Stadtkommandanten General Danner ist in erster Linie der in der Putschnacht ersolgt« sogenannte„Um fall Kahr— Lossow' zu danken, der in seinen Einzelheiten bis heute aller- dings noch nicht völlig aufgeklärt ist. Tatsache Ist jedoch, daß Ruith und D a n n e r, sobald sie Kenntnis von den Vorgängen im Bürger» bräukeller erhielten, selbständig die Reichswehrtom- mando stellen In Berlin verständigten, woraus noch in der gleichen Rächt Reichswehrtruppen in Marsch gegen Bayern ge» setzt wurden. Es ist zu erwarten, daß der Parlamentarische Unter- suchungsausschuß des Bayerischen Landtages auch diese Zusammenhäng« völlig aufklären wird. General Ruilh entstammt einer Bamberger Offiziersfamilie und steht im 56. Lebensjahr. Die Not Deutschösierreichs. Anerkennung durch Anleihegenehmignng. Londaa. 12. Oktober. Das Garantte-Kontrovkomitee des Bölterbundes für Oesterreich hat sich yn Grunde mit der Ausgabe der neuen Anleihe von 725 Mil- lionen österreichischen Schilling einverstanden erklärt. Dieser Erfolg ist dem Settionschef Schüller zuzuschreiben, der die Anleihe in einem glänzenden Expose begründete.(Und nicht minder dem Der- zweiflungsausbruch des 16. Juli, der ohne das furchtbare Dauer- elend starker Volksschichten des zur„Unabhängigkeit" verurteilten, lebensunfähigen Staates in Wien nicht geschehen wäre. Red. d.„V.") Sozialdemokratie gegen Zollwucher. Wien, 12 Oktober.(Eigenbericht.) Der Zollousschuß des Rationalrats hat am Witt- «och die zmette Lesung der Zolltarifvorlage genehmigt. Im Namen der Sozialdemokraten kündigte Dr. Bauer an, daß seine Fraktion ihre im Ausschuß abgelehnten Anträge jetzt dem Plenum vorlegen werde, d. h. daß der Kampf gegen den Zollwucher der bürgerlichen Parteien jetzt w das Plenum verlegt wird. Die nächste Sitzung des Nationalrats findet am Mittwoch statt. VeutschSsterreichifche und r elchsdeutsche verkehrsordnuag sollen vereinheitlicht werden: letzthin sprach der Letter der freigewer'lchast. lichen Ehausseurorganisation aus Berlin auf ihrer Wiener Berufs- tagung über d« Rechtsfchren(im ganzen altästerreichischen Gebiet wird nvch link, gefahren), und jetzt sind drei höher« Lertehrobeamt« aus Wien in Berlin zu vorbtfprechungen. öürgerzwiefpalt in Seigien. Tozialistenhast und Neuwahlangst. Brüssel, 12. Oktober. Die Gerüchte von einer bevorstehenden Regierungskrise haben sich wieder stark verdichtet. An sich ist es merkwürdig, daß die gegenwärtige Dreiparteienkoalition, die alle sonst einander befehdenden Parteien vereinigt und mit keinerlei organisierter Opposition zu rechnen hat, so lange weiterbestehen kann. Schließlich ist das einzige Ziel, das sie rechtfertigen konnte— die Stabilisierung des Franken— längst gegen jeden denkbaren An- stürm gesichert. Richtig ist, daß keine der drei Parteien sich in der Koalition besonders wohlfühlt, denn sie legt jeder Partei mancherlei Entsagungen auf. An positiven Leistungen läßt sich unter solchen Umständen nur etwas erreichen, wenn sich alle Parteien einigen können, und das ist sehr schwer. Es droht auch bei einem System, durch das alle Parteien in gleichem Maße für Fehler und Unterlassungen verant- wörtlich gemacht werden können, jeder wirkliche politische Kampf und vielleicht auch das politische Interesse zu er- lahmen. Es ist nicht leicht, zu entscheiden, welche der drei Parteien den größten Nachteil davon hat. Immerhin konnten wenigstens die Minister der drei Parteien leidlich miteinander auskommen. Don ihren An- hängern läßt sich das nur in viel begrenzterem Maße sagen. In der Sozialistischen Partei besteht seit jeher eine sehr ernste, wenn auch durchaus loyale und keineswegs un- versöhnliche Opposition gegen die Dreiparteipnregie- rung. In letzter Zeit aber ging die Offensive gegen die Regierung mehr von der bürgerlichen Presse, und zwar so- wohl der liberalen wie der katholischen aus. Die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung, und zwar in recht eiiifluß- reicher Stellung, dauert den Reaktionären schon viel zu lange. Sie wurden zu ihrer Gegnerichaft ermuntert durch die Verhältnisse in anderen europäischen Ländern, in denen fast durchweg«ine sozialistenfeindliche Reaktion zu beobachten ist. Die innerpolitische Tätigkeit der sozialistischen Minister bot den oppositionellen Elementen im Bürgertum keineswegs sehr„dankbare" Angriffsmöglichkeiten. Infolgedessen kamen sie auf den Gedanken, ihre Generaloffensive ge g'e'n die Außenpolitik Vanderveldes zu richten. Die Niederlage Belgiens bei der letzten Ratswahl in Genf kam ihnen dabei zustatten. Grobe außenpolitische Fehler Banderveldes sollten diese Niederlage verschuldet haben I An- geblich hatte er durch seine unabhängige Politik geaenüber China England stark verschnupft und durch die Angriffe gegen den Faschismus Italien erzürnt. Auch gegenüber Holland sollte Bandervelde versagt hoben und die Berbesse- rung der Beziehungen zu Deutschland hatte er angeblich durch seine Haltung in der Franktireurfrage aufs Spiel gesetzt. Während Deutschland im Bölkerbundsrate throne, sei Belgien von ihm ausgeschlossen. In den letzten Tagen haben diese Angriffe plötzlich auf- gehört. Es ist überhaupt ein völliger Umschwung zu verzeichnen. Wie auf ein geheimes Zeichen ist die Kritik gegen die Koalitionsregierung eingestellt worden und ganz allgemein wird jetzt als notwendig erklärt, daß die gegenwär- tige Regierung weiterbestehe, und zwar mit Beteiligung der Sozialisten. Der Grund für diesen Frontwechsel besteht darin, daß die in letzter Zeit geführten geheimen Per- Handlungen zwischen Nberalen und katholischen Füh- rern zur Bildung einer Rechtsregierung fehlgeschlagen sind. Man konnte sich bei aller Anstrengung nicht auf ein gemeinsames Regierungsprogramm einigen. Fortgesetzte An- griffe aus die Sozialisten hätten auf die Dauer unweigerlich zur Parlamentsauflösung geführt. Bor Neuwahlen aber haben beide bürgerliche Parteien gegenwärtig eine Heiden- angst, und das mit Recht. Die Forderung der Sozialisten auf Herabsetzung der Militärdienstzeit würde im Wahlkampf eine große Rolle spielen und den bürgerlichen Parteien viel Abbruch wn, da die große Masse mit Ungeduld auf diese Reform wartet. Ein zweites, sehr wichtiges Kamvfobjekt wäre der Pächterschutz. Auch hier haben die Sozialisten alle Trümpfe in der Hand. Der sozialistischen Fraktion ist es nach schweren Kämpfen vor einigen Monaten gelungen, eine Gesetzesvorlage in der Kammer zur Annahme zu bringen und den Kleinpächtern das bestehende Pachtver- hältnis auf eine Reihe von Iahren zu sichern. Der Entwurf wurde aber von der katholisch-lkberalen Mehrheit im Senat sabotiert, so daß er bis heute noch nicht Gesetzeskraft erlangen konnte. Käme es zu Neuwahlen, ehe diese Frage geklärt ist, dann dürsten die bürgerlichen Parteien mindestens auf dem Nachen Lande eine schwere Niederlage erleiden. Alles da« hat sie zu dem Entschluß gebracht,«ine Regie- rungskrise im Augenblick zu vermeiden und die Offen- sive gegen die Sozialisten abzublasen. Damit aber ist keineswegs gesagt, daß die Krise tatsächlich vermieden wird. Die Sozialisten b e st e h e n jetzt auf der Beschränkung der Mili- tärdienftzeit auf sechs Monate: sie denken nicht länger daran. sich auf sozialem Gebiete ohne wirkliche Leistungen abspeisen zu lassen und fordern vor allem die Denvirllichung einer Sozialversicherung. Der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei wird sich mit den Problemen in dieser Woche beschäftigen. Auch von seinem Beschluß dürfte es abhängen, ob die gegenwärtige Regierungskoalition noch während emer weiteren Parlamentssession aufrecht bleibt oder nicht. Keuüell als Vormund des Reichskanzlers. Crr übernimmt die Verantwortung— und wartet , auf die zweite Instanz. Herr v. K e u d e l l sendet uns mit der Bitte um Abdruck folgenden Brief, den er an die Redaktion des„Jungdeutschen" gerichtet hat: Auf die Angriffe gegen den Herrn Reichskanzler wegen seiner Erklärung im Reichstag über Herrn von Tresckow spreche ich die Bitte aus, nach Möglichkeit die Person des Herrn Reichskanzlers aus dem Kreis der Erörterungen herauszulassen. Der Herr Reichs- kanzler hat die betreffende Erklärung auf Grund von Unterrichtung durch mich und eine andere Stelle abgegeben. Ich stelle daher anheim, entsprechende Presseartikel gegen m i ch zu richten. Eine Aeußerung zur Sache muß ich im übrigen vor der Der- Handlung 2. Instanz ablehnen. Diese Erklärung wird weder Herrn Marx noch Herrn v. Keudell etwas nützen. Herr v. Keudell kostümiert sich als Moeros in Schillers Bürgschaft: „Mich, Henker." ruft er,«erwürget! Ich bin es, für den er gebürget." Daß Marx feine Erklärung abgegeben hat, um feinen schwer bedrängten Bürgerblockkollegen v. Keudell zu decken und daß er von diesem falsch unterrichtet worden war, ist uns nicht neu. Reu ist uns dagegen, daß ein Reichsminister dem Reichskanzler die Verantwortung für seine Aeußerungen abnehmen kann. Herr v. Keudell nimmt aber dem Reichskanzler nicht nur die Verantwortung ab, sondern auch die Entscheidung. Aum mindesten versucht er, die Ehrenerklärung, die der Reichskanzler dem zu Unrecht von ihm angegriffenen Herrn v. Tresckow längst schuldet, Durch den Hinweis auf die Ver- Handlung zweiter Instanz zu verhindern. Herr Marx, der sich auf einer Reise durch das besetzte Gebiet befindet, hat sich zu dieser Angelegenheit noch nicht geäußert: der Entschluß, Herrn v. Tresckow unter formaljlinstischen Vorwänden die Genugtuung zu verweigern, stammt nicht von ihm, sondern von Herrn v. Keudell, der damit in seiner eigenen Sache zu seinen eigenen Gunsten entschieden hat. * Der Schriftleiter der„Deutschen Zeitung", Hans v. S o d e n st e r n, der in die Affäre Tresckow verwickelt war, sendet uns zu unserem Aufsatz„Marx hat das Wort"(Nr. 48V des„Vorwärts") nachstehende Berichtigung: Es ist unwahr, daß von Sodenstern weg«n Beleidigung von Tresckow'? verurteilt wurde. Wahr ist vielmehr, daß der Prozeß von Tresckow— von Soden- stern durch einen Vergleich beendet wurde. An unserer sachlichen Kritik ändert die Berichtigung wenig. Der Vergleich, auf Grund dessen Tresckow die Klage gegen Sodenstern zurückzog, erfolgte, nachdem der letztere eine Erklärung nachstehenden Inhalts abgegeben hatte: Die„Deutsch« Zeitung" hat das Material für ihre Berwürs« des schweren Dertrauensbruchs gegen Herrn von Tresckow ledig- lich aus der Erklärung des R« i ch s k a n z l e r s Dr. Marx in der Sitzung des Reichstags vom 11. Februar 1927 entnommen. Das Material, das dem Herrn Reichskanzler zu seiner Erklärung zur Verfügung gestanden hat, entzieht stch der Kenntnis der„Deutschen Zeitung". Die„Deutsche Zeitung" hat seinerzeit die Mitteilung lediglich aus publizistischen Gründen gebrocht, ohne dadurch persönlich Herrn von Tresckow nähertreten zu wollen. Nach dieser Ehrenerklärung blieb Herrn o. Tresckow schließlich gar nichts mehr übrig, als seine Klage gegen Soden- stern zurückzuziehen. ».von roten Ketten macht euch frei../ Völkischer Bolschewistenschreck.. Die Wahlerfolge der Sozialdemokratie während der letzten Tage bereiten den Rechtsparteien begreifliche Unruhe. Wenige sprechen das offen aus. So schreibt O t t o v. S ch i l- l i n g in der„Deutschen Zeitung": Wir kommen nicht drum herum. Di« Wahlergebnisse in Hamburg und in Königsberg bedeuten schwer« Niederlogen der bürgerlichen Parteien oder, anders ausgedrückt, sehr beachtliche Erfolge der Sozialdemokraten und der Kommunisten. Da hilft kein Erklären, Beschwichtigen und Beschönigen, die Tatsache ist unbestreitbar, daß die rote Flut wieder in starkem A n- schwellen ist. Nächstes Jahr haben wir Reichstagswahlen, und mit ernster Sorge denken wir deshalb schon jetzt daran, was sie uns bringen werden. Was werden die Reaktionäre dagegen tun?— Die Parole der„Deutschen Zeitung" ist einfach und energisch: Immer feste druff. Anstatt in dem Reinfall der Bürgerlichen ein Snmptom des Stimmungsumschwunges bei den irregeführten Wählermassen zu sehen, malt man das Schreckgespenst des Bolschewismus an die Wand, um zu zeigen, daß nur die kraftmeierische Geste in der Außenpolitik und der rücksichtslose Kampf gegen den Sozialismus helfen kann. Das ist echt deutschnationale Mache. Nur daß sie etwas abgegriffen ist. Der Deutschen Bolkspartei, die früher mit dem Motto„VonrotenKettenmachteuch frei" den Wahltampf führte, hat diese Methode auch nichts genutzt. Sie wird den Deutschnationalen erst recht nichts nützen, nachdem gerade die Politik dieser Partei die Unfähig- keit der Reaktion in geradezu klassischer Weise erwiesen hat. Beratung üer Strafrechtsreform. Das Problem des„Versuchs". Der Strafgesetzausschuß des Reichstags beschäftigte sich in mehreren Sitzungen mit den Bestimmungen des Strafgesetz- entwürfe über den Begriff des Versuchs einer strafbaren Handlung. Nach§ 26 soll wegen Versuchs und deshalb milder als wegen einer vollendeten Straftat derjenige bestraft werden, der den Entschluß, eine mit Strafe bedrohte Tat zu begehen, durch Hand- lungen betätigt, die den Anfang der Ausführung bilden oder nach dem Sachverhall, den er sich vorstellt, bilden würden. Danach soll es ' In, allgemeinen nur darauf ankommen, ob der Täter annimmt, ein« Handlung zu begehen, die den Anfang der Ausführung einer Straftat darstellt. Nur wenn der Versuch schon wegen der Art des vom Täter ausersehenen Mittels oder Gegenstandes überhaupt nicht zur Vollendung kommen tonnte, soll nach dem Entwurf das Gericht die Strafe nach freiem Ermessen mildern und in besonders leichten Fällen von Strafe absehen können. Schon die Berichterstatter H a m p e(Wp.) und E m m i n g e r (Bayr. Bv.) hallen gegen diese Bestimmung Bedenken geäußert. Genosse Dr. Levi begrünbete die zu Z 26 gestellten sozial- demotratischenAbändcruiigeanträge.bie ähnlich den demokratischen und kommunistischon das Ziel verfolgten, völlige Straffreiheit eintreten zu lassen, wenn jemand einen Versuch mit absolut untauglichen Mitteln am absolut un« tauglichen Objekt gemacht hatte. Unser Genosse führt» aus, daß der langjährigen Rechtsprechung des Reichsgericht» ein End« gemacht werden müsse, nach weicher eine Frau schon strafbar sei, wenn sie stch irrigerweise für schwanger halte und harmlosen T«e als Abtreibungsmittel benutze. Gewiß zeigten absolut untaugliche Versuche manchmal eine sehr verwerflich« Gesinnung, z. B. wenn jemand bei beabsichtigtem Giftmord Gift kaufen wolle, aber vom Apotheker irrtümlich eine unschuldige Arznei erhalle und diese einem anderen ins Essen misch«. Gewiß verdien« solch ein Mann Straf«, es fei aber besser, wenn zehn frei herumliefen, von denen man sage, daß sie ins Zuchthaus gehörten, als daß einer ins Zuchthaus komme, von dem man nach dem Rechtsempfinden des Volkes sagen müsse, daß seine Bestrafung eine unerträgliche Härte darstelle. Abg. Schulte(Ztr.) bezeichnete es als unerträglich,«inen Verbrecher straffrei zu lassen, weil etwa der erbrochene Kassenschrant zufällig leer sei oder well der Angegriffene kein Geld bei sich habe. Die Entscheidung müsse dem freien richterlichen Ermessen überlassen bleiben. Abg. K o e n e n(Komm.) widersprach der Erweiterung des freien richterlichen Ermessens und verlangte beim untauglichen Ver- such völlige Straffreiheit. Winisterialdirektor B u m k e verteidigte den Gesetzentwurf mit dem Hinweis darauf, daß dieselben Bestim- mungen auch in den modern st en Gesetzen anderer Länder enthalten seien. Abg. Wunderlich(Lp.) bezeichnete die Einführung de« freien richterlichen Ermessens als ein Danaer- gescheut für die Richter. Genosse Landsberg stimmte ihm zu und hob hervor, daß eine klare Stellungnahme im Gesetz selbst erforderlich sei. Die Ver- Weisung auf das freie richterliche Ermessen sei die denk- bar unglücklich st« Lösung, sie sei auch des Gesetzgebers nicht würdig, da er entscheiden müsse und die Entscheidung nicht dem Richter überlassen dürfe. Der Gesetzgeber dürfe nicht vor der Konsequenz seiner eigenen Auffassung zurückscheuen. Bei der Abstimmung wurden die sozialdemokratischen, demo- kratischen und kommunistischen Anträge nur mtt geringer Mehrheit abgelehnt. Schließlich wurde nach Annahme eines Zentrums- antrag». der nur geringe Verbesserungen brachte, der Z 26 in der Gesamtabstimmung mit der knappen Mehrheit von 13 gegen 12 Stimmen angenommen, bei Stimmenchaltung eines Volks- parteilers und der beiden Vertreter der Wirtschaftspartei. tzinter verschloffenen Türen. Nichtöffentliche Sitzung des bayerischen Unter- fuchungsausschusseö. München, 12. Oktober.(Eigenbericht.) Der Untersuchungsausschuß des Landtages setzte am Mittwoch nachmittag seine Verhandlungen in nichtöffent- licher Sitzung fort. Der Zweck dieser Sitzung war. aus den Akten gewisse außenpolttische Fragen im Zusammenhang mit der Hitler-Bewegung, die im Frühjahr 1923 spielte, zu klären. Eingangs der Sitzung entspann sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte über die Frage der Zulassung von Landtagsmitgliedern als Zuhörer. Gegen drei Stimmen, darunter die sozialdemokratischen, wurde be- schlössen, auf Grund des der Geschäftsordnung neu eingefügten§ 27 die als Zuhörer anwesenden kommunistischen Abgeordne- ten auszuschließen. Dieser Paragraph, der durch den Be- schluß des Landtages am 29. Juli 1924 gegen die Sozialdemokratische Fraktion der Geschäftsordnung eingesügt wurde, hat folgenden Wort- laut:„Bei Ausschluß oder Beschränkung der Oeffentlichkett sind Land- tagsmitglieder nicht zuzulassen, die die Geheimhallung der Beratung nicht gewährleisten." Der erfolgte Ausschluß der Kommunisten aus dem Untersuchungsausschuß ist die erst« Anwendung der neu ge- schaffenen Geschäftsordnung. Nach dreistündiger Verhandlung ver- tagte sich der Ausschuß auf Donnerstag. Monarchistifthe Neickswehr-Kunügebung. Der„erhabene Regimentschef". , Hannover, 12. Oktober. Der Regimentstag der ehemaligen Königsulanen, der in Anwesenheit der Traditionseskadron de« Reichswehrregiments 13 und vieler Reichswehroffiziere stattfand, wurde zu einer provokato- tischen monarchistischen Demonstration mißbraucht. Oberleutnant a. D. o. Rotzmer bracht« ein Hoch auf da» Regiment und den„erhabenen Regimentsches"— den Flüchtling van Doorn— au». Dieser konnte natürlich es sich auch nicht ver- kneifen, einen Kranz beim Denkmal niederlegen zu lassen und in einem Begrüßungstelegramm die Gefallenen zu preisen, die ihr Leben„für König und Vaterland" hingegeben hätten. Ein Teil der Feierlichkeiten, die im Zeichen dieser Monorchistentundgebung standen, fand auf dem Hofe der Reichswehrkasern« statt. Die Teil- nähme der Reichswehrosfiziere steht in striktem Gegensatz zu dem Erlaß des Reichswehrministers, der sie an solchen Kundgebungen verbietet. Oder sollte die Defehlsgewall des Chef» der Wehrmacht an den Toren von Hannooer hall machen? Die republikanische Be- völkerung empfindet jedenfalls dies« Parteinahme der Reichswehr als eine Herausforderung. Ver große öeginn. Kenzertumschau von Kurt Singer. Das ist nun der Brauch von altersher: wenn der Leiter der großen Philhormonischen Konz er te zum erstenmal wieder den Stab erhebt, dann ist die Berliner Saison eröffnet. So war es bei Rikijch, so bei Furtwängler. Dieses Logen, und Parkettpublikum ist zwar sicher nicht das ideal-musikalische. Ein gut Teil sogenannter aesellschastlicher Verpflichtung zwingt die Leute zum Konzertbesuch. Wer die Feierlichkeit der Erwartung ist groß, und dieser Stimungoeindruck haftet lange. Furtwängler hat für dieses Publikum das entsprechende Programm zusammengestellt. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Der eine liebt„seinen" Strauß, der ander« Haydn und Beethoven, der letzte eine Rouveautö. Im ersten philharmonischen Konzert ist für alle und alles gesorgt, keiner kommt zu kurz. Furtwängler ist ein viel zu vornehmer, strl- kundiger, erlesener Musiker, als daß er solch« Buntheit anders denn als Einjührung gutheißt. Das Gesetz der Agentur und de» Publi- kums-Hungers zwingt ihm ja außerdem dl« Solisten aus. Mtt Elisabeth Rethberg kennt« man zufrieden sein: eine reine, glockenklare, jubelnde Stimme, ein wundervoller Ausgleich der Register, ein in der„ab pei'kicko"-Arie noch kühles, bei Richard Strauß ausblühendes Temperament! Stärker als Prokofiefss interessante, fröhliche Ballett-Suite„Chout", stärker auch als Straußens „Tod und Verklärung", bei dessen Interpretierung der Dirigent manche veraltete Staubigkett großartig wegblies— stärker fesselte dir Es-Dirr-Sinjonie Haydns. Das war wirklich eine Meisterleiswng Furtwängler?. So zart, so filigranartig, so aus dem Musikgeist des 18. Jahrhunderts herausgearbeitet, erklang dieses Stück noch selten. „Arbeit" ist das falsche Wort. Diese tänzerische Musik schwebte mit letzter Grazie dahin, die Einheitlichkeit der Streicher war nicht zu überbieten, und der tiefe, träumerische Atem des Andante wuchs sich zu einem Bekenntnis aus. Furtwängler verdiente für dieses Werk, für diese Leistung einer überlegenen Beherrschung, einer liebe» vollen Wärme, einer posenlosen Gestaltung den beherzten Beifall. der ihm zugetragen wurde. Bei Emil B o h n k e erklang die Ouvertüre.Donna Diana" von Reznicek sehr elegant und schmissig. Man war gespannt auf die beide» Uraufführungen, für die sick ja der strebsame, eifernde Kapellmeister unentwegt einsetzt. Leider zwei fürchterliche Rieten, zwei Ausgeburten steriler Phantasie und dilettantischer Richtkonnerei. Dos Publikum langweille sich trotz seiner Gutmütigkeit(und der Name des Komponisten sei wegen der Gutmütigkett des Kritikers in Ehren oerschwiegen). Frieda Siemens fehlt vielleicht jener Schwung im Klavicrspiel, der den großen Virtuosen kennzeichnet. Was sie aber im Schumannschen Klavierkonzert.A-Moll zeigte, war beachtliches Können, sichere Technik, gesanglicher Ton, rhythmische Präzision. Und das ist bei diesem schweren Werk schon recht viel. Das russische Domra- Quartett, unter Führung des Proscssors Ljubimow ließ sich, nach seinem Erfolg bei der Frankfurter Musikausstellung, auäi bei uns hören. Die Darbietungen haben vor- wiegend ethnographisches Interesse Die Zupfinstrumente tDomra, Surna, Kemantscha) werden virtuos gespielt, teils im Quartett russischer Volkslieder, teils als Begleitung zu Gesängen, die aus der Bühne vonstatten gehen. Eine Monotonie macht sich brett, auch wenn noch so echt und natürlich gesungen, getanzt wird. Großruß- land, Weißrußland, Krim sind im Hintergrund des Podiums beut- licher gemalt, als im Lied spezifisch gekennzeichnet. In der ersten Hälfte des überlangen, von den Landsleuten des Moskauer staot- sichen Ensemble? sehr beifällig aufgenommenen Programms inter- essierte am stärksten jener junge Mensch(Rowizkij), der mit unglaublicher Eleganz und Sicherheit die Zimbel schlug. Das zu sehen und zu hören war ein Genuß, der eben über das Maß Wissenschaft- licher Freude weit hinausging. Das Einführungsprogramm der„Doltsbühnen"-Konzerte bestritt Heinrich S ch l u s n u s, über dessen Qualität als Lieder- und Ariensänger erst vor acht Tagen an diese? Stelle berichtet wurde. Die Stimmung, die sein Gesang trägt, überträgt sich auf den Hörer. Eine bessere Sonntagmorgenfeier braucht nicht ersonnen zu werdest. Dennoch möge eine Lied-Matinee m den Konzerten der Volksbühne vereinzelt bleiben. Ueber ihre eigentlichen Ausgaben gibt dos Pro- grammheft vernünftige Auskunft. Aber zwischen die„großen" Konzerte muß wohl aus„Billigkettsaründen" einmal ein kleines eingeschoben werden. Di«„Iohonnes-Passion" folgt noch in diesem Monat. Es wäre zu empfehlen, daß zur Erleichterung des Ver- ständnisses regelmäßig Einsührungsworte gesprochen, nicht nur geschrieben werden. Die 15jährige Lily Dymont, früher Schülerin von Jenny Krause, jetzt von Georg Bertram, ist eine außerordentliche pianistische Begabung. Sie packte den selten gespiellen Krakowiak von Chopin mit großer Leidenschast an und wurde dennoch durch das Tempo nicht in die Enge getrieben. Ihre Fmgergeläufigkett ist vollendet, und in kleinen Ausviegungen, Rubaws, dynamischen Akzenten zeigt sich die kommende Muflkerin vielversprechend an. Leo Bl�ch war ihr Führer am Orchester der Philharmoniker. Der überfüllte Beethovensaal subelle dem Liebling der Städti- scheu Oper; Maria Ivogün, zu. Die leider halbleer« Philharmont« konnte beim Spiel Mischa Elmaus merken, daß er— noch vorübergehendem Schwanken— wieder auf einer seltenen Höhe der seelischen Bereitschaft, de« ausdrucksvollsten Bibrat«, der fulminan- testen Technik angekommen ist. Seine Bielsettigteit ist einzig, und er verdiente mehr, viel mebr Beachtung all derer, die von ihren Speziallieblingen nicht abzuoringen sind. Wandlung. „Bor zwanzig Jahren, als ich Sie kennen lernt«, ptotcgierten Sie einen Kreis von jungen Dichtern. Was ist aus denen ge- worden?" Sa fragt« ich beim zufälligen Wiedersehen«inen b«- kannten Schriftsteller. Er wiegt« melancholisch sein kahl gewordenes Haupn„Mos au« den jungen Dichtern geworden Ist?— Sie sind alt geworden." Das fiel mir«in, als ich jetzt in der„Frankfurter Zeitung" die begeisterten Verse eines lungen Dichters der Menichheitsliebe las. „Es ist für all«— nun«in« böse Zeit,— die sich zur Lehre— der Liebe bekennen,— der Menschen erlösenden,— wellum- lassenden,— ziikunft»gläubigen Liebe." So h«bt er an. der selbstverständlich d«n Mut bat, gegen seine Zeit da» Banner der Menschheitslieb« zu erheb«». Und er beklag! das heutige Geschlecht, das dem harten Metall gleicht, aus dem es welldeherrschend« Wunder, unmöglich scheinendes schafft: .„Aber es fehlt ihm— dennoch das Best«:— fehlet die Lieb« — die schlichte doch,— die herzentströmend— das All umfaßt— und jedes einzelnen— Geschick erwägt." Rur wenige sind es, so singt der Dichter weiter, die da» Danner der kämpfenden Liebe hochhalten, das dem Siegeswagen der Mensch- heit vorausflattert. Natürlich ist er selber«in«r der Wenigen. Er erträgt es. von der gedankenlosen Menge Tor und Träumer ge- nanm zu werden. Er rechnet sich zu denen*. di« nicht gelernt— der Jugend Schwärm«rtteid— startmütig obzulun,— die statt zu genießen,— was gegenwärtig und nah— den sreudebegehrenden Sinn reizt— aus künstige Zeiten hoffen— und auf das werdend« Gute. Erhabener Krokt bedarf es freilich und eisernen Mutes, um>n diesem Kamps nicht zu verzagen. Aber er, der Dichter, hat diese Kraft. Er ermattet nicht im heiligen Glauben, dem einzigen, der ihm blieb, im Glauben an di« Liebe: aewalliger ist als jede Gewalt— im Herzen des Menschen di« Liebe,— welche die Schwester des Lichtes ist,— Herrin der Welt ist di« Liebe. Und wer ist der junge Dichter, der nicht geleritt hat. der Jugend Schwärmerkleid abzulun? Er ist nicht,— er war! Er nämlich heißt Alfred Hugenberg, Rcichstagsabgeordncter der Deutschnationaien Partei, Besitzer und Dirigent der großen natio- nalen Derblödungsfabrik, de» gewaltigen Kriegshetzeapparates, be- stehend aus Zeitungstrust, Nachrichtendienst und Kinokonzern. Was er einstmals gedichtet— long lang ist's her— findet sich als Schluß- gedichl einer Anthologie, die Karl Henkell Mitte der achtziger Jahre herausgegeben hat, neben Versen von Orto Erich Harileben und anderen Stürmern und Drängern dieser Periode. Wie schön ist dock) jugendlicher Idealismus, wenn er den recht- zeitigen Anschluß an das zinstragend« Engrosgesckzäst mit geistiger Armutsware nicht verpaßt. Es ist nun wieder„eine böse Zeit für olle, die stch zur Lehre der Liebe bekennen", denn sie müssen sich durchsetzen gegen den seichten Spott und die vielfältig« Verleumdung des wohlorganisierten Hugenberg-Konzerns, sie müssen poienziert durchmachen, was der Schöpfer dieses Konzerns einst als Los des Idealisten beklagte. Dohrlich,„erhabenen Mut, und eiserner Kraft bedarf es" singt der Dichter Hugenberg. Denn er hat den Verleger und Konzernoerleger Hugenberg offenbar vorausgeahnt. _ Jonathan. krlegsbilderausstevung. Ernst Vollbehr zeigt im ehe- moligen Hotel Belleou« am Potsdamer Platz Knegsbilder. Die sachliche Ehrlichkeit der Ausstellung berührt sympathisch— wenn man diese« freundliche Wort angesichts eines so grausigen Odjekts gebrauchen darf. Nur zw«! Bilder in der ungeheuren Füll« der wirklichen Kriegedarstellungen geben etwas wie Schönjarbeiei. Nicht Im Sinne von Kitschi ober das Malerische hat hier so sehr über da» Menschliche in Vollbehr gesiegt, daß diese beiden„Lazarett- bildet aus Laon" im inneren Sinne kein« Lazaretibilscr mehr sind. Zum warmen Grün der Bettdecken, das in einer Flut von Licht aufleuchtet, bringt das Rot eines Blumenstraußes, das Rot- Konkoröatsfolgen. Die Kirche gegea die historische Wahrheit! Es ist bekannt, daß bis Kirche nicht nur das privat« Leben der Lehrer auf Grund der ihr im bayerischen Konkordat gegebenen Recht« auf Verstöße gegen die kirchlichen Anschauungen durchforscht, sondern vom Staat auch verlangt, daß«r sich zum blinden Vollstrecker de» kirchlichen Willen» macht Darüber hinaus aber maßt sich die katholische Kirche In Bayern an, auch die schriftstellerisch« Tätigkeit der Lehrer, die gar nicht» mit der Schule zu tun hat, zu.überwachen" und als Grundlage für Dersetzungssorderungen zu bcnützen. Dies wird belegt durch«inen im bayerischen Unterfranken spielenden Fall, der für die Beurteilung der kirchlichen Auffassung über die Rechte und die Aufgab« der Lehrer cm den Konfesiions- schulen besonders im Hinblick auf das Reichsschulgeseg von Bedeutung ist. Ter Hauptlehrer Englert in Oellingen(Bayerisch-Unter. franken) hatte im Jahre 1825 ein Buch verfaßt und im Buchhandel erscheinen lassen:.Der Bauernkrieg, die deutsche Revolution von 1S2S, dem Volt erzählt von K. Englert". Vorausgegangen war der Veröffentlichung in Buchform da» Erscheinen der Arbeit in der Würzburger Zeitung der Sozialdemokratie. Gegen dies« Schrift hat npn das Bischöfliche Ordinariat Würzburg Stellung genommen und von der bayerischen Regierung die Entfernung ihres Verfassers von seiner Schul st«lle und den Ausschluß von jeder anderen Schulstelle an einer katholischen Schule in der Diözese Würzburg verlangt. D«s weiteren oerlangte das Ordinariat, daß alle etwa in Schüler» und Lehrerbibliotheken(!) vorhandenen Exemplare der Schrift aus der Bibliothek entfernt würden. Als Grund für dieses kurios« Verlangen— da» aber eine un- mittelbar« Frucht des Konkordats darstelst— führt das Ordinariat an, daß das Buch Angriffe gegen die Geistlichen und die Kirche jener Zeit(1525)«nthaste. Die im Verlauf der Unter- suchung gegen den Versasier Englert gestellten Fragen des bischöf- lichen Ordinariat» sind zu bezeichnend für die Auffassung, die die Kirche von ihren Rechten gegenüber der Schul« und Lehrer hat, als daß wir sie nicht im Wortlaut wiedergeben fällten. Das bischösliche Ordinariat stellt unter Bezug auf Artikel 5 8 1 de» bayerischen Konkordat» vom 29. März 1925 folgende Gegenfragen: .1. Ob es etwa eine Heldenwt für einen katholischen Lehrer der Gegenwart ist, die Schäden seiner heiligen Mutter der K i r ch e vor 400 Jahren, die schon vor ihm von Freund und Feind entdeckt und hinreichend bekannt gemacht waren, noch einmal in einer Schmähschrift zusammenzutragen und dem Volk zur Irreführung vor Augen zu halten: 2. ob diese Tat eines Sohnes der katholischen Kirche, eines katholischen Lehrers in katholischer Schul« etwa als«ine Ehre und F r e u d e für die Kirche aufgenommen werden kann und als eine Verteidigung ihrer Lehre, wie sie di« Kindespflichr für jeden Katholiken ihr gegenüber verlangt: 3. ob es.zur Dienstpflicht eines katholischen Lehrers in der katholischen Schule der Gegenwart gehört, außer der Dienst- zeit und außerhalb der Schule sein« hellige Mutter, die Kirche, immer noch im Kot und Schmutz vor 400 Jahren herumzuzerren..." Der Verfasser der Schrift Höst dem entgegen, daß das Buch nur geschichtlich bekannt« und erwiesene Tatsachen bnnAe.'Da» bischösliche Ordinariat hat such� k»in� n B ei s uch gemacht, diese Behauptung zu widerlegen. Der Verfasser führt in seiner Verteidigung gegenüber der Regierung sogar an, daß er das ihm zur Verfügnug stehende Material,.das zuungunsten der Kirche gelautet hätte, nicht benutzt oder die Dar» stellung gemildert" habe. Den gestellten Fragen hält«r folgende entgegen: Ob ein katholischer Lehrer die Wahrheit über di« Schäden der Kirche vor 400 Jahren dem Volke gegenüber aufdecken darf: 2. ob diese Tatsache als ein Angriff auf die Kirch« der Gegen- wart und die Lehren derselben angenommen werden darf:- blau französischer Uniform«» einen fröhlichen Zusammenklang, der sich dcruhigend in d«m Feldgrau der an der Wand aufgehängten Uniforinftück« auflöst. Das gibt eine Stimmung absoluter Heiter» keit, in die die Soldaten ohne Kontrastwirkung hineingedettet sind. In dieser Ausstellung, die sicherlich weit mehr Wert auf völlige Echt» heit legt als auf künstlerisch« Vollkommenheit— aus vielen Bildern bat sich Dollbehr bestätigen lassen, daß sie in den vordersten Linien gemalt seien—, in dieser Ausstellung wirken solche Bilder, über die inan nur vom künstlerischen Standpunkt diskutieren könnt«, falsch. Alles andere, soweit es sich mit dem Kapit«!.Krieg" befaßt, will nichts als„Sachlichkeit". Es gibt kein« malerischen Schlachten» bilder mit Heldenposen. Es gibt überhaupt wenig Menschen aus diesen Bildern. D«nn dieser Krieg wurde hinter Schutzwäll««, in Gräben geführt: gegen unsichtbar« Gegner. Und so hat ihn Voll» l>ehr g.'malt. Man sieht Gräben. Gräben: zersetzte Bäume, zer- schossene Häuser.„W irkung unseres 42-cm-Geschosses." Nebenan sieht man an einem zerschossenen Haus, daß ein Geschoß von nur halb so großem Durchmesser auch schon ganz erfolgreich arbeitede. Dann ein Bild„Begräbnisstätte von Fran- z o s e n". Vielleicht von Franzosen im Stich gelassen. Vielleicht waren auch die Deutschen gerade dabei, die Toten zu begraben und Bvllbehr hat sie vorher gemalt.„Die Toten" kann man eigentlich nicht recht sagen. Denn was da auf einem Haufen fürchterlich zu» sammenliegt, scheinen Stücke von Menschen zu sein, in buntem Durch. einander mit Klci5erfetzen und anderen Resten lebloser Dinge. Doch im allgemeinen ist Vollbehr keine Kät« Kollwitz, kein Otto Dix: nicht ein Ankläger der Gesellschaft und nicht ihr Richter. Rur ihr Spiegel. Uninteressiert wi« dieser: aber auch oMe dieser begierig aus jedes Objekt— und ehrlich. Das genügt hier. Schade, daß die Aus- stellung«ine Mark Eintritt kostet. Viele sollten sie sich ansehen.— Neben den Kriegsbildern gibt es noch ein« Reihe von Typen» und Stimmungsbildern aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Airika und eine umsanoreiche, sehr schön« Sammlung von afrikanischer Eingeborencnkunst.__ Trübe E. Schulz. 7Nar Verl veranstaltet am Sonntag vormittag? 1l Ufir eine Führung durch die Ausstellung ötterreichtiter«ünftler im Berliner Kchlo». Die Zahl der Teiln-bmer ist beschrintt.«arten i R. 1.— durch die« er sich nach den Beschlüssen des Reichvrats gestaltet, befassen. Es ist wahrscheinlich, daß die Reichsregierung dem Reichstag ein« Doppelvorloge zu- gehen läßt, d. h. ihren eigenen Entwurf in unveränderter Fassung und den Entwurf in der Gestalt, wie er vom Reichsrat verabschiedet worden ist, einbringt. Das Attentat auf Alfons. Oder: die mysteriöse Geschichte einer merkwürdigen Ente. Eine Pressesehde, die zwischen den beiden größten deut- schen bürgerlichen Nachrichtenagenturen Wolsf und TU. ausgetragen wird, beleuchtet in außerordentlich interessanter Weise die Praxis der Sensationsmache gewisser bürgerlicher Organe. Attentate auf Könige sind bekanntlich ein begehrter Artikel: Nochrichten darüber nehmen sich mit Schlagzeilen und Fettdruck aus der ersten Seite der General- anzeigerpresse glänzend aus und machen dem lieben Mitbürger klar, was für schlechte Kerls doch eigenUich diese roten Republi- k a n e r sind. Dieser gefühlsmäßige Umstand mag wohl dafür de- stimmend gewesen sein, daß am 13. September die Tele» graphen-Union«ine Nachricht verbreitet«, die den Stempel der Tartarenmeldung weithin sichtbar trug. Ausgerechnet über Agram(SüdflawieNI) wurde nämlich gemeldet, daß noch Funk- sprüchen von Havas und Reuter, also von Paris und London, der König Alfons von Spanien in Madrid durch ein Attentat schwer verwundet und ins Hospital transportiert, sein Begleiter ge» tötet worden sei. Alfons sei daraus sofort operiert worden: man zweifle jedoch an seinem Aufkommen. Der Agramer Korrespondent der Telegraphen-Union muß wohl ein spiritistisch begabtes Funkmedium gewesen sein. Die Meldung wurde nämlich sofort von besser unterrichteten Stellen dementiert, und auch die genannten Telcgraphen-Agenturen Avala-Agram und Havas-Paris wußten nichts davon, ein solches Telegramm empfangen oder gegeben zu haben. Durch das Dementi geriet die Telegraphen- Union in große Berlegenheit. Sie wälzte die ganze Schuld auf das Agramer Bureau der Aoala ab, behauptete aber, sie hätte in Agram sich noch einmal vergewissert und wieder einen falschen Funkspruch der Havas-Agentur als Bestätigung erhallen. Ein« romantische Geschichte! Die Agence Haoas erklärte, daß die Telegraphen-Union an sie nach Paris jedenfalls keinerlei - Anfrage» über dem Ursprung der Depesche gerichtet hat— was doch am nächsten gelegen Halle. Frellich betont die TU. in ihrer neuesten Verteidigungsschrift, sie hätte nicht die Direktion, sondern die Redak- tion der Agence Havas in Paris um Auskunft ersucht. Merkwürdig bleibt, daß die Direktion sich nicht vor ihrem Dementi vergewissert hoben sollte, was am 13. März in der Redaktion für Anfragen eingegangen sind. Es ist also ganz offenkundig, daß die TU. einem leichtfertigen Korrespondenten oder einem unzuver- lässigen Gewährsmann aufgesessen ist. Das kann schließlich jedem einmal passieren, obwohl derartig« Alarnuneldungen von vornherein die größte Vorsicht erfordern. Es wäre gewiß nicht darauf ange» kommen, die Meldung so lange zurückzuhalten, bis die spanischen Auslandsbörsen zu ihr Stellung nehmen konnten. In jedem Falle durfte man nicht zögern, den Irrtum sofort zuzugeben, um seds unnötige Beunruhigung zu vermeiden. Stattdessen ver- tcidigte die Telegraphen-Union noch vier Tage später die mindestens sehr merkwürdige Entstehung der Meldung. Und noch jetzt befehden sich die Bureaus wegen der schönen Ente. Lehrreich für den Zeitungeleser ist der Fall besonder» darum, well er wieder einmal zeigt, wie leichtfertig man in oielen bürger» .ichen Blättern dem Scnsationsbedürsnis erliegt und wie notwendig es ist, sich an die A r b« i t e r p r e s s« zu halten, die jede der» artige Sensationsmache ablehnt und bemüht ist, von den politischen Tatsachen objektiv zu berichten. Die Spießerseele. die sich an der spanischen Attentatsnochricht begeistert hat, wird sich diesmal rasch wieder beruhigt haben. Welcher Schaden aber konnte entstehen, wenn«ine derartige Meldung in eine politisch er- regt« Zke i t hineingeraten wäre, in der ein politischer Zündstoff leicht von einem Land zum anderen hinüberfliegt und Unruhe herbeiführen kann.» Voltstrauer in Suüapest. Um Arrrcl Stromfeld» Budapest. 12. Oktober.(Eigenbericht.) Aurel Stromfeld, ein treuer Kämpfer der Sozial- demokratie früher Berufsoffizier und im Krieg Räte-Ungarns um die Slowakei Generalstabsches, ist in Budapest, nur 49 Jahre all, an Diphtheritis gestorben. Di« Arbeiter der Großbetriebe oerließen am Mittwoch um 2 Uhr geschlossen di« Arbeit, um am Begräbnis teilzunehmen. Rumaniscbe Raubadüste. Sie wollen den stebcubiirgisch-sächsischen llultnrfondei einsetzen» hermannstadl. lZ. Oktober. Ein Artikel de» Bukarester Blattes„Universul, an dessen Spitze der rumänische Kriegsminister Popescu al» Direktor steht, verrät die Absicht, das Vermögen der 700jähr!gen sächsischen Ge» meinschaft, der sogenannten sächsischen Universität, das ausschließlich für kulturelle Zwecke Verwendung findet und 100 Millionen Lei darstellt, in di« Hände der Rumänen zu spielen. Das Bermögen wurde bisher von einer aus 20 Mitgliedern bestehenden Vertretung der sächsischen Universität oerwaltet, die von den Städten Hermann- stadt, Kronstadt, Schoeßburg, Broos, Mühlbach, Mcdiafch und Bistritz sowie von elf Bezirken des sogenannten Königsbodens ge- wählt wurde.„Universul" fordert, daß das ganze Gebiet, wo die Sachsen sporadisch leben, zu einem einheitlichen Bezirk ver- einigt wird, und sämtliche Bewohner dieses Bezirks auf Grund des allgemeinen Stimmrechts die 20 Vertreter zur Verwaltung des Vermögens wählen, wodurch den Rumänen eine Zweidrittelmehrheit gesichert werden könnte. Leipzig macht Schule. Ein Hochverratsprozctz in Polen. Der Lemberger Mechaniker Jakob K a m p e l war Redakteur der jüdischen linksradikalen Zeitschrift„Das Wort": in vier Monaten er» schienen sechs Nummern dieser Zeitung, in jeder wurden einzelne Artikel wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe, ein- mag wegen Hochverrats, konfisziert. Nun wurde der Redakteur verhaftet und nach viereinhalbmonaliger Untersuchungshaft wegen Hochverrats und Störung der ösfenttichen Ruhe unter An- klage gestellt. Di«„Störung der öffentlichen Ruhe" sollte durch aus- zugsweise Wiedergabe einer Rede des kommunistischen Abg. Sochocki im Sejm begangen sein. Di« Staatsanwallschaft und das Kreis- gericht in Lemberg„vertreten" die„Ansicht", daß die Immunität nur einer vollständigen Rede, nicht aber einzelnen Teilen zu- komme! Die Anklage wegen Hochverrats stützte sich auf folgende drei Sätze eines Artikels: Wir dürfen nicht auf den Endsieg warten, sondern müssen ihn tätig vorbereiten: das heißt: wir müssen die Massen zum Kampf« gegen Faschismus und gegen di« kapitalistische Regierung, zum Kampfe um das alltägliche Brot mobilisieren. Wir müssen die jüdischen Arbcitermassen zum Kampfe gegen Faschismus, gegen die Exterminationspolitik und für di« unentgellliche, wellliche Schule in der Muttersprache des Kindes mobilisieren. Wir dürfen nicht Siir einen Moment vergessen, daß unsere Forderungen nur die lrbester- und Bauernregierun� restlos erfüllen wird. Obwohl in Polen dem Gesetz nach eine Vorzensur nicht existiert, hatte Kampel sie für seine Zeitschrist freiwillig eingeführt. Er ließ jode Nummer nur in sechs Exemplaren' drucken, die er drei Tag« vor dem Erscheinen des Blattes vorlegt«: nach der Zensur wurden die konfiszierten Stellen weggelassen, so daß sie nie an die Leser gelangten. Dies hinderte aber den Staatsanwall nicht, die Todesstrafe sür Kampes zu verlangen. und zwar mst der Begründung, daß die konfiszierten Artikel von d«m Schriftsetzer bestimmt, von dem Burschen aber, der di« Zeitung zur Zensur brachte, wahrscheinlich, und zuletzt von dem — Presse st aatsanwalt doch gelesen wurden und daher in die Oesfentlichkeit gelangten! Zur Beruhigung der Geschworenen aber oersicherte chnen der Ankläger, daß die Todesstrafe nicht voll- zogen, sondern im Gnadenwege in einer Freiheitsstrafe umgewandelt werden wird! Trotz dieser„Beruhigung" verneinten die Geschwor«- nen ein st immig den Hochverrat, mit sieben Stimmen die weitere Teilnahme an diesem Verbrechen, bejahten dagegen das Verbrechen der Störung der öffentlichen Ruhe, wofür der Gerichts- Hof den angeklagten Redakteur zu sechs Monaten schweren Kerkers, verschärft durch Fasten und hartes Lager, oerurteilt«: wegen der obigen Sätze, die überdies niemand zu Gesicht bekommen hat. Der Staatsanwalt hat wegen der„niederen" Strafe di« Be- rufung angemeldet. Ein ukraintfther fibgeoröneter verfthwunüen. ---7-;—--------— 7..... Warschau. 12- Offober. Die L«mb«rg«r ukrainischen Blätter melden, daß der Sejm» abgeordnete Paschtschut spurlos verschwunden sei. Er gehörte früher der kommunistischen Gruppe im Sejm an, ist aber später ausgetreten. Ukrainische Blätter Lembergs machen Andeu- tungen. daß Paschtschuk den Kommunisten unbequem geworden sei und daß sie vielleicht genauere» über dieses geheimnisvolle Der- schwinden wüßten. öopkottiert Smetona-Wolöemaras! Aufforderung der litauische« Flüchtlinge. Riga, 12. Oktober.(Eigenbericht.) Di« hier weilenden Litauer, natürlich mit Ausnahm« faschistischer Parteigänger des Smetona-Kreifes, haben folgende KunBhebung beschlossen: „Die Versammlung der litauischen Arbeiter und politischen Flüchtling« richtet angesichts der Schreckensherrschaft der faschistischen Regierung in Litauen, die ganz Litauen in ein Gefängnis für das Arbeitsvolk und die Intelligenz oerwandelt, an die Regierungen aller demokratischen Staaten, insbesondere aber die Außenminister der ballischen Staaten die dringende Ausforderung, die faschistisch« Regierung Woldemaro»-Sm«tona zu boykottieren. da jede Beziehung zu dieser Regierung den Faschismus in Litauen stärken und damit di« Hoffnungen des litauischen Volkes verringern muß, das einen schweren Kampf für ein zukünftiges, freies Litauen kämpft." Flüchtlingslager in Tilfit. Di« Stadt Tilsit errichtet eine Anzahl von Barackenbauten aus den 150 000 M.. die das preußische Innenministerium zur Der- fügung gestellt hat. als Vorbereitung für Grenzüberschreitung solcher Memelländer, die sür Deutschland optiert hoben und mm vielleicht oertrieben werden. vie putfthregierung beschwert sich beim vöikerbunül Woldemaras hat an den Völkerbund eine Beschwerde über die (bereits eingestellte) Sitauerunterdrückung im Wilnagebiet durch Polen gerichtet. Das sollte Deutschland den Anlaß geben, die Memelskandal« dem Völkerbund vorzulegen. Rus Sem v-Zug gestürzt. Auf der Strecke Berlin— Stettin. AI» gestern abend der D-Zug Nr. 14 auf dem Stettiuer Bahnhof einlief, fanden die Beamten di« Tür eines Wagens offenstehen. Nachdem sämtlich« Fahrgäste den Zug verlassen hatten. wurden zwei herrenlose Kosser ausgesunden. Die Strecke, di« der Zug durchfahren hatte, wurde abgesucht, und zwischen Bernau und Zepernick, in der Nähe des Kilometersteins Nr. 20, wurde eine männliche Leiche gefunden. Der Schädel war zertrümmert und beide Beine abgefahren. Aus vorgefundenen Papieren geht hervor, daß der Tote ein Kapitän Wodrich aus Deeling in der Uckermark ist. Die Polizei wurde sofort von diesem Vorgang in Kenntnis gesetzt. Ob es sich um ein Verbrechen oder«inen Unglücks- fall handelt, kann zurzeit noch nicht gesagt werden. Die Pariser Polizeirazzien haben wieder 11 Ausländer.ein» gebracht". Die Kampfe im Dergbau. Der Konflikt in Mitteldeutschland.— Die Ruhrkohlenbarone zugeknöpft. Die Unternehmer versuchen mit den schäbigsten Mitteln. in d i e R c i h e n der kampfentschlossenen Bergarbeiter Mittel- beutschlanbs«inen Keil /tu treiben. Wir teilten schon in unserer gestrigen Abendausgabe mit. daß sie durch Wolfs Telegraphenbureau die Meldung verbreiten ließen, daß noch nicht einmal die Hälfte der Bergarbeiter die Kündigungen ausgesprochen habe, und somit die für«inen Streik notwendige Zweidrittelmehrheit nicht vorhanden sei. Tatsache aber ist. daß die Bergleute aus die Unternehmer einen wahren Hagel von Kündigungsschreiben haben nieder- gehen lassen. Wie die Unternehmer aber den von ihnen heraufbeschwöre- nen Kampf zu hintertreiben suchen, erhellt ein Artikel, den ..Der Deutsche" in der Nummer'240 verö'sentlicht. Danach werden die Arbeiter einzeln in die Bureaus gerufen, wo ihnen Listen vor. gelegt werden, in denen sie sich durch Untarschrist zur Zurücknahme der Kündigungen berciterklären sollen Daß dabei auf die Ar- b e i t e r ein nicht gelinder Druck ausgeübt wird, der bei einigen besonders ängstlichen Arbeitern seine Wirkung auch nicht verfehlen dürfte, kann mit Bestimmtheit angenommen werden. Bei dein Gros der mitteldeutschen Bergarbeit-r werden die Unter- n e h m e r aber auf Granit beißen. Die Unternehmer werden am nächsten Montag feststellen mühen, daß sie ihre Leimruten umsonst ausgelegt haben und durch ihre schamlosen Verwirrungs- manooer die r o n t der Arbeiter nur noch fester ge- schweißt haben. * Zu dem drohenden Streik im mitteldeutschen Braunkohlenrevier erfäbrt die.Telegraphenunion": Bes einer Belegschaft in Stärke von 7? fWV) Mann im mitteldeutschen Braunkohlenrevier wurde die K L n- digung kollektiv für 52 700 Mann ausgesprochen. Aus einer Reihe von Werken besteh««intäaige Kündigungsfrist, so daß die Kündigung don nicht nötig war. Beide Parteien weigern sich, die Schlichtunasbehdrde anzurufen: die Unternebmer, da nach ihrer Auffassung Lohnerhöhungen nicht ohne Preiserhöhungen mög- lich find, die Gewerkschaften, da der im Juni gesällre Schiedsspruch, der eine Lohrnnchöhunn von 3K Proz. vorsah, nicht für verbindlich erklärt worden ist. Gcwerkschasten und Unternehmer sowohl wie Nnchswirtsch-aftsminisierium und Rcicbsarbeitsministeriuw beharren ouk ihrem Standpunkt. Zur Stunde sind Bemühungen im Gange, beide Parteien zu Einigungsverhandlungen zuiammen- zubringen. Es scheint nicht ausoeschlossen zu sein, daß diese Be- mühuugen in letzter Stunde von Erfolg gekrönt werden. Diese Mitteilung zeigt mit aller Deutlichkeit, was es mit den vorstehend skizzierten Behauptungen der Unternehmer auf sich hat. fluch Sie hejfischen Sraunkohleuarbeiter kampfbereit Im hessischen Braunkohlenrevier, das 16 Zechen umfaßt, nahm eine Konferenz der Bergarbeiter zu dem schwebenden Lohnkonflitt im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau Stellung. Die Konserenz gab eindeutig zu erkennen, daß die Berg- arbeiter zum Kampfe fest entschlossen sind. Rund 90 Proz. der Belegschaft haben die Kündigungszettel eingereicht. Die Werkleitungen versuchen mit allen Mitteln, Uneinig- k e i t in die Reihen der Arbesterschaft zu tragen. In Borken haben sie Arbeiter aus Braunschweig kommen lassen, um sie als Streik- b r e ch e r zu benutzen. Die Herangeholten zeigten aber, sobald sie den wahren Sachverhalt erfuhren, keine Neigung, Streitbrecherdienste zu tun. Die Konferenz beschloß, daß am 15. Otlober zur lehlen Schicht eingefahren wird. Danach beginnt der Streit, der bis zur Durchsetzung der in Holle festgelegten Forderungen durchgefochten werden solü verschärfuag an üer Ruhr. Das an den Zechenvcrband gerichtete Ersuchen der Bergarbeiter nach einer Erhöhung der Bergarbeiter- löhne veranlaßt die.Deutsche Bergwerkszeitung" pt der Erklärimg,«s sei ihr aus Anfrage beim Zechen verband mst- geteilt worden, daß.in den bergbauindustriellen Kreisen die Forde- rung der Bergarbeiter auf Lobnerhöhung angesichts der jetzt be- stehenden allgemeinen Berhältniss« im Ruhrbergbau und wegen des verschärften Konkurrenzkampfes auf den Wellmärkten als durch- aus undiskutabel bezeichnet wird". Eine ossizislle Antwort ähnlicher Art ist bei den Gewerkschaften noch nicht eingegangen. Man muß sie zunächst abwarten. Darüber darf allerdings der Zechen- oerband keinen Augenblick im Zweifel sein, daß mit e i n e r E r- k l ä r u u g, wie sie die„Berowerkszeituna" abgibt, die Lohn« frage nicht aus der Welt geschafft ist. In einigen Blättern wird die Lohnforderung der Bergarbester als eine notwendige Folge der Erhöhung der Beamtengehäster be- zeichnet. Dazu muß ausdrücklich festaestellt werden, daß die G«- werkschasten nicht an die Beamten und ihre Gebälter, sondern lediglich an die Bergorbeiter und ihre schlechten Löhne gedacht haben, als sie ihren berechtigten Borstoß unter- nahmen. vie örauereiarbeiter streiken weiter. Der Schiedsspruch mit großer Mehrheit opgelehut. Die Urabstimmung unter den streikenden vrauereiarbeitern, die gestern nachmittag durchgeführt worden ist. Hot mst großer Wrhrhest die Ablehnung de« am Dienstag gefällten Schiedsspruches ergeben. von den 5S51 organisierten Vrauereiarbeitern, die sich an der Ab- sttmmung beteiligten, haben S02i oder rund 85 proz. für die Weiter- führnng des Streikes und 796 für Arbeil gestimmt. 29 Stimmzettel waren vngültig. Die Lohnkommission wird heute vormittag zu- sammen treten und die weiteren Maßnahmen beschließen. Es ist nunmehr damit zu rechnen, das aus Grund dieses Abstimmungs- ergebnlsses eine Verschärfung de» Kampfe» eintritt. Oer Lohnkampf in der Holzindustrie. Die Unternehmer zeigen kein Vntgcgentommen. Gestern nachmittag waren unter Mitwirkung des Gewerbsrats Körner nochmals Derhandlungen zur Beilegung der Lohn- strettigkesten in der Berliner Holzindustrie. Trotzdem die Derhand- lungskommission der Arbeiter gegenüber ihrer ursprünglichen For- de rung erheblich zurückging, konnte keine Einigung erzielt werden. Die Derhandlungskommission erklärte sich schließlich bereit, bei ihren Mitgliedern für die Annahme folgenden B o r s cht a g s einzutreten:„Alle bestehenden Löhne der Facharbester erhöhen sich ab 1. Oktober um 10 Pf., jedoch soll ab 1. Dezember«ine weitere Zulage entspreche nd den aufgestellten Forderungen erfolgen. Die Akkordsätze sollen sich um die gleicheu Prozente erhöhen." Beipe Unternehm erverbände lehnten auch diesen Vorschlag ob und verlangten die Entscheidung des Schlichtungs- ausschusses durch einen Schiedsspruch. Wegen des hartnäckig ab- lehnenden Standpunktes der Unternehmer wurden die B« r h o n d- lungen ergebnislos abgebrochen. Gewerberat Körner stellte in Aussicht, daß er nunmehr eine Schlichtungskammer einsetzen werde. Intrige dieser Haltung der Holzindustriellen ist mst einer B«r- schärsung des Konflikts zu rechnen. Zur flussperrung im öerUaer varmhanöel. Der Schlichtungsaiisfchuß Berlin hatte am Montag, dem 10. Oktober, die Parteien zu einer unverbindlichen Aussprache ge- laden. Die D a r m h ä n d l e r beharrten hier auf ihrein bisherigen Standpunkt und verlangten Anerkennung von Stundenlöhnen und Lobnabbau. Nachmsttags nahmen die Ausgesperrten zu dem Borichlag der Arbeitgeber Stellung, den sie, wie vorauszusehen war. mit allen gegen e i n e St i m m e a b l« h n t e n, und damst das Ansinnen, eine Berschlechterung ihrer Lebensbedingungen hinzunehmen. Die Ausgesperrten sind entschlossen, den ausge- zwungenen Kamps durchzuführen und erwarten wester die Unterstützung durch die Berliner Fleischergesellen. Das personal der Serlmer Arbeitsämter. Seine Forderungen au die Reichsanstalt. In einer stark besuchten, von der Reichsgewerkschaft deutscher Kommunalbeamten einberufenen Versammlung der Beamten, Festangestellten und Angestellten des Landcsarbeits- amts und der Bezirksarbeitsämler Berlins referierte Genosse S o l- des über das Thema:„Was bringt die neue Dienstord- nung der Reichsanstall für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung?" In einem zweistündigen Referat gab er einen Bericht über die sechzehnstündigen Verhandlungen der Gewerkschaften mst den Vertretern der Reichsanstall am S. und 6. Oktober. Die Reichsanstoll beabsichtigt, die Dienstbezüge der Festangestellten und Angestellten und die Grundsätze für Anstellung, Dienstentlassung, Ruhestandsversorgung und Hinterblicbencnfürsorge in einer Dienst- ordnung zu regeln: für die Beamten soll eine besondere Dienstordnung ausgestclst werden. Don der Reichsgewerkschaft wurde in den Verhandlungen ge- fordert, daß die Fe st angestellten ebenfalls unter die Dienstordnung der Beamten gebracht werden, denen sie in den Kommunen bis auf geringe Abweichungen(Beanuenurkundc. Disziplinarrecht) rechtlich und gehalllich gleichgestellt sind. Bon den Vertretern der Reichsanstall wurde die Erklärung abgegeben, daß nach dem einmütigen Willen des Reichstages ein« llebcrfühnma der �eftangestelllen ins Beamten ocrhällnis o:chl mehr in Frage käme. Soweit es sich um die Sicherung ihrer bei den Gemeinden erworbe- nen Rechte Handell, so seien diese durch Z 225 des Gesetzes sicher- gestelll. Es wurde jedoch zugesagt, daß die Frage, ob die Fest- angestellten unter die Dienstordnung der Beamte» oder die Dienst- ordnung der Angestelsten fallen sollen, vom Vorstand der Reichs- anstalt noch einmal nachgeprüft werden wird. Hinsichtlich der Tarifangestellten wurde von allen Gewerkschaften gefordert, daß deren Dienstbezüge und sozialen Rechte nicht in einer Dienstordnung, sondern in einem Tarifver- trage geregelt werden sollen, da nur der Tarifvertrag die weitest- gehende Mitwirkung der Gewerkschaften an dem Zustandekommen her Lohn, und Arbestsbedingungen sür das Personal der Arbests- ämter garantiert. Der Redner behandelle die 45 Paragraphen des Entwurfs einer Dienstordnung und den Gehällertarif, um zusammensasiend fest- zustellen, daß der Entwurf den Angestellten sti sozialer und materieller Hinsicht nicht das bringt, was sie von einem sozialen Bersicherungskörper wie die Reichsanstoll erwartet haben. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die von den Gewerkschaften eingebrachten Anträge von der Reichsanstall Berück- sichtigung finden. Einstimmig fand folgende Entschließung Annahme: „Die am 11. Oktober versammellen festangestellten Arbestsnachweisangestellten und Berufsberater erheben Protest gegen die Bestrebungen der Reichsanstall. die Festangestellten in das Tarifverhältnis zu bringen. Die Festangestellten der Berliner Arbeitsämter fordern zur Sicherstellung chres Festangestelllenoerhällnisses Gleichstellung mit den Beamten und damst Einreihung in die Dienstordnung für die Beamten." Anschließend behandelte der Derbondsvorsitzende Genosse T h e e k die Frage der Organisierung des Personal» der Reichsanstall. Er schalle heraus, daß das Personal nurio densreieiiSewerk- ich a f t e n eine wirkliche Interessenvertretung findet. Um die Interessen der zur Reichsanstall übertretenden Beamten und Fest- angestellten erfolgreich vertreten zu können, hat die Reichsgewerk- schaft eine besondere Fachgruppe der Reichsanstalt gegründet._ flusgleichsquittungen für yausangestellte. Ei« Fehlurteil. Eine Hausangestellte klagte beim Arbeitsgericht, well sie ihrer Angabe nach ohne Kündigung entlassen wurde, als die „Herrschaft" eine Badereis« antrat. Der Beklagte,«in Kauf- mann, behauptete dagegen, er habe dem Mädchen ordnungsgemäß gekündigt und sie sei damst einverstanden gewesen, bis zur Abreise — einige Tage nach Ablauf der Kündigungsfrist— in der Stellung zu bleiben.— Welche von diese» Behauptungen der Parteien zu- trifft, wurde nicht untersucht, denn der Beklagte legte eine Aus» gleichsquittung vor. worin die Klägerin durch Uni er- f ch r i s t bescheinigt, daß sie ihren Lohn, ihr Zeugnis, ihre Invalidenkarte erhalten und kein« Forderungen mehr an den Beklagten habe. Solche Ausgleichsquittungen sind ja in der Industrie und un Gewerbe allgemein üblich. Trotzdem ereignet sich noch sehr oft der Fall, daß Arbeiter die Ausgleichsquillung unterschreiben in der Meinung, nur den Empfang des Lohnes und der Papiere zu bescheinigen, ohne sich der Bedeutung des schwer» wiegenden Schlußsatzes:„Ich erkläre, keine weiteren Forderungen zu haben", bewußt zu werden. Wenn das schon bei Industriearbeitern vorkommt, die� doch im allgemeinen besser über ihre Rechte informiert sind wie die Haus- angestellten, bei denen die Ausgleichsquittung noch keine olltägliche Erscheinung ist, dann darf man einem im Haushalt beschästigten Mädchen wohl glauben, daß es nicht wußte, was seine Unter- schrift in diesem Falle zu bedeuten hat und keineswegs daran dacht«, auf etwaige Forderungen au den Arbeit- g c b e t Z u o e r z i ch t e n. Das behauptet« auch die Bertreterin der nicht anwesenden Klägerin. Unseres Erachtens hätte das Gericht in einem späteren Termin die Klägerin selbst darüber hören müsien, unter welchen Umständen sie zur Leistung der Unterschrift ver- anlaßt wurde und ab sie nicht einer Täuschung zum Opfer gefallen ist. Dos Gericht Ichlug aber einen anderen Weg ein.' Es forderte von dem Beklagten folgenden Eid: „Die Klagen n hat die Quittung in meiner Gegenwan unter- schrieben, nachdem sie sie meiner Meinung nach durchgelesen hat. Ich bin überzeugt, daß die Klägerin genau wußte, welchen Inhall die Quittung hat." Der Beklagt« leistete den Eid. Dadurch hiell das Gericht für erwiesen, daß die Klägerin in vollem Bewußtsein erklärt hat, keine Forderung an den Beklagten zu haben. Die Klag« wurde deshalb abgewiesen. Wir müsien schon sagen, daß dieser Eid gar nichts beweist. Gewiß konnte der Beklagte mtt gutem Gewisien beschwören, daß seiner Meinung und seiner Ueberzeugung noch die Klägerin die Qusttung gelesen und ihren Inhalt gekannt hat. Aber subjektive Meinungen und Ueberzeugungen sind doch keine Be» weise, den» sie können objektw falsch sein.— Uebrigens behauptete die Bertreterin der Klägerin, dies« Hab« ihre Unterschrift nicht freiwillig, sondern unter einem gewissen Druck gegeben. Es wäre also nötig gewesen, die Klägerin selbst hierüber zu hören. Die Abweisung der Klage, die sich lediglich auf den nichts beweisenden Eid des Bellagte» stützt, ist also«in Fehlurteil. flugestellte Ü«r Serliner Metallinüuflrie! Der Schiedsspruch verbindlich erklärt. Entsprechend unserem Antrage hat der Schlichter für den Dezirk Groß-Berlin den Gehaltsschredsspruch vom 27. September 1927 für verbindlich erklärt. Die neuen Gehaltssätze gesten be- kannllich ab 1. Ottober und sind bei der Auszahlung Ullimo dieses Monats unter allen Umständen auszuzahlen. Sofern irgendwelche Differenzen in den BBMI.-Betrieben eintreten sollten, bitten wir um sosorttge Benachrichtigung, Wir hoben nunmehr die Allgemeinverbindlichkeitserklärung beantragt, damit auch die Angestelsten, die nicht in Mitgliedsbetrieben tätig find, ih«n Rechtsanipruch gellend machen können. AfA-Melall-kartell. Günther. Lange. Rothe. Schiedsspruch für die bccherische Fleischindustrie.. Durch«inen Schiedsspruch des Landesschlichters wurde» die Löhne in der bayerischen Fleischindustrie neu geregelt. Mst Wirkung ab 1. Oktober erhöht sich der Spitzenlohn sür Fach- arbeiter aus 1 M. pro Stunde. AjA-Zuformalioasabeud. Statgen. Freitag, ISVj Uhr, im große» Saal de» Semertzchattehaase», Sagel- »Irr 24— 25. Redner Sutane Stadtrat Lrädl,„Dar Stfea iibrr Arbeitroer. mittlaag»ad Arb«it»liile)u«rficheamg.* Sirrritt grgr» du andere» Zugr»dgr»»»e de, Zd«. Heut«, Donnerstag, 19>s Uhr: Bczirl Charlotte». bargt Jugendheim Ziolinlnstr, 4. Brettspietabend.— Bczirl Smöaederg: Zugendheim Hauptstr, 15 sHofgebäud«), l Tr.. Thltrinaenzimmer. Lortrog: „M.hltende im tautmiinnischcn Lehrlingsrael«»" lStchbach)._ Fabril»od«rmit-Zehleadorf: Schtuug, s»iu»st-ll-?abril»ad«rmit-Zehleadorf! SM Freitag, lt. Oltober, nach Arbeitzschluß, bei Meurer, Ziestaurant Eeehof, Walk, schlößchcn, wichtig« Zusammenkunft aller SPD.-Senoffen. Mitglieds- � bitcher sind als Ausweis mitzubringen. Der Zrattioasaorltaod. � Frrie Sewerkfchaitsjxgcr.d Sroß-Berli». Heute ISlü Uhr tagen die Srunpen: Ssidnefte«: Jugendheim Parckstr. 15, Fabrikgebiiude, Bortrag:»Wie entsteht ein Luch?"— Köpenick: Grupp'nheim Zugendheim Grünauer Etr. 5. Vortrag: .Sinfllhruna in die Lolkzwirtschaft"— Tempelhaf: Sruppenheim Lyzeum See- maniaslr. 1—«. Vortrag:.Marc und die Gemerkwaften."— Südostea: Sruppenheim Vrichcnbcrger Str. 66 lFeuerwedrhaus). Werbe, und Einfuhrung-. abend.— Sesnadbraanea: Gruppenheim Zioie Schule, Eotrnburger Straß«. Fortfcßung de, Zieihnivoruages:„Die Prelle".— Laabsbergcr Plag: Gruppe». beim Diestelme»«rstr. Z. L ortrag:„Der Arbeits», Waren, und Geldmarkt."— Humboldt: Jugendheim Graun-, Ecke Lorgingstraße. Liederabend.— Cha» lottenburg: Jugendheim Epreestr. iiO. Liederabend.— Zugendlurfe! Teil- nehmermcldungen sind bis Freitag, lt. Oktober, einzureichen.— Besucht Rathenow! Treffen Sounabend 16 Uhr Lehrter Bahnhof sowie Wh Uhr Lahn. hos Aletanterplag. Steiaarbeiter, Wcrksteioqruppe. Am Freitag, lt. Oktober. 17 Uhr, tu DSrina» Festsälen, Ziaunqnstr. 27, Bersammlun-z alle? in der Werksteingruppe beschästigten Sollegrn. LerantwortNch ksir Politik� Dr, Curt Ge»«! Wirtschast: G.«ltageldöter, Gemerklchasiübewezuna: Fr. Eglor»: Feiilllcton Dr. Zoha Schikawski: Lolaieo: und Sonstiges: Frlg starstädt: Anzeigen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin Berlag: Vorwärto-Lerlag GmbH., Berlin Druck: Lorwärto-Buchdruckerrt und Vertaasanftal» Paul Singer n Go Berlin SW 66 Lind-nftrast« i, Hier:» Z Beilagen.„Unterbaltuna und Will«»"»ab„Frauenstimme". 71 j Sophien■Säle* Sophienstr. 18 ♦ Norden 9296 u. 12643 g LFur Vereine und Versammlungen � in Jeder Größe IG? er« i > �. Qem Si-je bayerische Ämtuioj�onne au» den V/H W�ürnfionü �um ersten Mal hoch« ste lla�kvast und Hörsten Vohlgesclpna-k; Wamme unü Schenmilch. I»\ttem Ptasd fr IglelnuTjgrtee Jrltft Rar mtoac* au ereilt sa i i tmt fr RaHliwkOcfegnt: Vatnur fr V.M. W. NOrabar RaJ-AstMtw, Saite NOU Nmw Ktalznr.«. Tel.: UaUeusti ltei. IM Nr. 4M ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Donnerstag,?Z. Gktober 1427 Neuer Rekoröwahn öer GZeanftseger. Trotz schlechten Wetters wird geflogen. Das öeutstbe tzeknkel-Zlugzevg schon gelanöet. Das Helnkel-Wasserflugzeug O 1220, das unter Führung des Piloten Mortz gestern um 13,21 Uhr in Warnemünde zum Flug« nach Amsterdam ausgestiegen war, meldete nach etwa einstündigem Fluge funkent«legraphisch an die Warnemünder Werst, daß es, an- scheinend Infolge Kühlerdefektes, Kühlwasser verllere und daß das Flugzeug seinen Anker verloren habe. Nach mehrmaliger Funkoerständigung über den Umfang dieses Defektes funkten dann die Heinkel-Werke um 11,15 Uhr der Maschine, daß unter diesen Um- ständen eine Landung zweckmäßig sei. Das Flugzeug befand sich bei Empfang dieser Aufforderung nördlich von Hamburg in der Nähe des Kaiser-Wilhelm-Kanals und ging dann um 15 Uhr bei Bruns- büttel auf der Elbe nieder. Die Landung erfolgle glalt. Die Maschine wurde in den Kaiser-Wilhelm-Kanal geschleppt, damit hier im ruhigen Wasser die Reparatur des geringfügigen Schadens er- folgen konnte. Der Defekt dürste im Laufe der Nacht bereits behoben fein. Der Weiterflug nach Amsterdam soll am heutigen Donnerstag früh erfolgen. Entgegen anders lautenden Nachrichten muß betont werden, daß die Heinkel-Werke den Piloten angewiesen haben, unter allen Umstünden zunächst in Amsterdam eine Landung vorzunehmen, da hier erst über die weitere Route, die Voraussicht- lich nach Lissabon führen wird, beraten werden soll. Auch im Laufe des gestrigen Tages wurde vom Kanal, von der Blskaya und von der spanischen Küste schlechtes Weiter gemeldet. » Immer wieder haben wir darauf hingewiesen, daß es absolut sinnlos und dem Ansehen der Fliegerei abträglich ist, wenn Ozeanslüge gemacht werden, bei denen ein Gelingen zumindest in hohem Grade Zweifel ha st erscheint. Nungesser und Coli, die Toten des Honolulu-Fluges und die Opfer der letzten Versuche, die beiden Kontinente Amerika und Europa im Flugzeug zu überqueren, sollten«ine zu ernste Warnung sein. Erfreulicherweise machten verschiedene Regierungen, so Kanada und der sranzösische Kriegs- minister Painlevä, emsthafte Anfätze, schlecht fundierte Versuche zur Ueberflieyung des Ozeans überhaupt zu oerbieten. Leider scheinen die Mahnungen nicht gehört worden zu sein. Wieder sind von Amerika aus zwei Maschinen gestartet.(Der Start des „Dawn' ist, wie unten mitgeteilt, nicht bestätigt. Die Red.) Die eine führt eine Flugschülerin, die andere ein junger Fliegerofsizier. Und als wenn gerade die Frau nach dem tragischen Tod« der Prin- Zessin Löwenstein und der amerikanischen Honolulu-Fliegerin einen besonderen Ehrgeiz darauf legte, aus reiner Rekordsucht gleichfalls den Ozean zu überfliegen, befindet sich aus dem„Dcrmn' des Fliegerleutnants Stulz Miß Grayfon, Wilsons Nichte. Bollkommen rätselhaft muß es erscheinen, daß Miß E l d e r s, die Flugschülerin, mit einer einmotorigen Landmaschine ohne Funk- e i n r i ch t u n g gestartet ist. Heißt das nicht, mit dem Schicksal spielen? Heißt das nicht, was vielleicht noch wichtiger ist, in leicht- fertiger Weise das eigene Menschenleben aufs Spiel setzen und zu- gleich der Zukunft des Flugverkehrs schaden? Amerika ist dos Land sportlicher Ueberspannthcit und sportlicher Rekord« bis dort hinaus. Aber auch die deutschen Flieger haben Veranlassung, das zu überlegen, ob sie nicht gerade in der Frage der Ozeanüberquerung im Flugzeug in ihren Ankündigringen sehr viel vorsichtiger werden sollten. Gestern wurde verkiindct, daß V 1220 in Warnemünde startbereit wäre. O 1220 ist auf- g e st i e g e n, um nach noch nicht drei Stunden bei Brunsbüttel zu landen, weil sich gleich zu Beginn des Fluges«in Defekt am Kühler herausstellte. Zudem verlor die Maschine den Anker. Ein so schlecht vorbereiteter„Flug über den Ozean" schadet nicht nur der betreffenden Gesellschaft, sondem dem deutschen Flugwesen überhaupt. Der Pilot Loose Hot in Lissabon vernünftiger- weise seine Absicht angekündigt, nach Deutschland zurückzukehren, weil die Witterungsverhältnisse über dem Ozean denkbar un- g ü n st i g sind. Das sollten sich seine Kollegen und die Direktoren der verschiedenen Flugzeuggesellschaften zu Gemüt« führen und alle törichten und aussichtslosen Versuche unterlassen. Fragen des nationalen Prestiges dürfen in diesem Falle keine Roll« spielen! Die meisten dieser Flüge sind ja doch für die Verkehrsfliegerei ohne jede Bedeutung. Im Gegenteil, sie sind schäLKch. Schluß damit! Jeder Leichtsinn wäre verbrecherisch! « Parts, 12. Oktober. Der S t a r t� des Flugzeuges„D a w n' zum Fluge Amerika— Kopenhagen mit Frau Grayfon und zwei Begleitern an Bord ist n o ch n i ch t b e st ä t i g t. Nach einer Meldung und nach einer Auslassung aus amerikanischen Quellen mit Frau Grayson erst das Ergebnis des Fluges der Miß Elders abwarten. Serlins Außenbezirke ohne Licht. Ei» Kabeldefekt. Im Norden, sowie in den Außenbezirken Groß-Berlins erlosch gestern gegen IS Uhr plötzlich dag elektrische Licht. Ganze Straßen- züg« waren zum Teil eine Dreivierlelskunde lang in völliges Dunkel gehüllt. Die Straßenbahnleitungen wurden ebenfalls stromlos und die um diese Zeit stark besetzten wagen blieben mitte« auf der Strecke liegen. Auch die Nordsüdbahn erlitt dadurch Betriebs- störungen. Die Züge konnten nur mit Unterbrechungen fahren. Zahlreiche Laden Inhaber, soweit sie neben der elektrischen Leitung nicht noch über Gas verfügten, mußten ihre Zuflucht zu Notbeleuchtungen nehmen. Nach und nach flackerten in den Schau- fenstern alle Arten von Lampen und Lämpchen auf. Diese Störung, die etwa<0 Minuten andauerte, war eine andere Störung voraus- gegangen, die aber nur von kurzer Dauer war. Bon der.Bewag" wird uns mitgeteilt, daß die Störung durch eine« kabeldefekt hervorgerufen wurde. Um 17.15 Uhr traten in sämtlichen Kraft» und Umsormerwerten plötzlich groß« Spannung-- schwankungen in Erscheinung. Wie bald festgestellt werden konnte, war aus bisher noch ungeklärter Ursache dos 30 voa-Vollverbtn. dungstabel zwischen dem Kraftwerk Moabit und dem Umspannwerk Humboldt ln der Sonnenburger Siraße defekt geworden. Das Kabel inußte ausgeschaltet und die Belastung auf die paralellaufenden Kabel verteilt werden. Die notwendigen Umschaltungen brachten die Stromunterbrechung mit sich, von der besonders der Norden und die Außenbezirk« Tegel, Pankow, Charlottenburg, Neukölln, Käpentck usw. betroffen wurden. Die City blieb diesmal von der Kalamität verschont, da hier die Speisung des Kraft- und Licht- netzes durch Batterien erfolgt. Gegen SIO Uhr war der Schaden wieder behoben, Ueberall flammte dos Licht« wieder auf und die Straßenbahnen konnte ihren Betrieb aufnehmen. Um üen Alö'röer Söttcher. Bor der Entscheidung über die Hinrichtung. Entgegen anderen Meldungen ist, wie man von zuständiger Stelle erfährt, über das Gnadengesuch des vor«inigen Mo- natcn vom Schwurgericht III zweimal zum Tode verurteilten Mär- ders der Gräfin Lambsdorff und der Senta Eckert Karl Böttcher vom Staatsministerium noch nicht entschieden. Das Gnadengestich der Rechtsanwälte Dr. Arwr Brandt und Dr. M e n d e l ist gegenwärtig bei dem Gnadenbeauftragten im preußischen Justizministerium zur Bearbeitung. Nach Erstattung des Berichts an den Iuftizminister haben sich noch ver- schiedene G n a d« n st« l l e n zu äußern, so daß es noch einige Zeit dauern wird, bis die Entscheidung fällt, ob Karl Böttcher hin- gerichtet werden soll. Inzwischen haben auch die Verteidiger Dr. Brandt und Dr. Mendel die Vermittlung parlamentari- scher Kreise angerufen, um eine Hinrichtung zu verhindern, indem sie auf die schwebenden Verhandlungen im Reichstag über die Abschaffung der Todesstrafe verweisen. Die lieber- fllhrung Böttchers nach Plötzense« erfolgte, weil die sogenannten Mörderzellen dort eine besonders sichere Verwahrung der zum Tode Verurteilten gewährleisten. Sie sind außergewöhnlich stark gebaut und werden ständig beobachtet. Hierzu Ist zu bemerten: Das preußische Staatsministerium hat feit der Revolution bei Todesurteilen soft immer von seinem B e. gnadigungsrecht Gebrauch gemacht. Wir hoffen, daß dies auch im Falle Böttcher geschehen wird. Gewiß sind seine Taten besonders fürchterlich, und mancher möchte pefühls- mäßig versucht sein, gerade in diesem Falle nicht der Gnade das Wort zu rede». Aber man darf auch� bei feinen grauenvollen Ver- brechen nicht übersehen, aus welcher Saat sie hervorgingen. Schon bei der Besprechung des doppelten Todesurteils im Juli wiesen wir auf die traurig« Kindheit und Jugend des Mörders hin, auf die prügelnden Eltern, auf den Aufenthalt in der Fürsorge- anstatt von Strausberg, wo zuerst sein Sexualleben auf ungesund« Bahn geriet, um ihn nachher zu den unbegreislichsten Derirrungen, den grausigsten Verbrechen zu sühren. Heber die Person Böttchers hinaus aber muß mit allem Nachdruck gefordert werden, daß gerade in diesen Wochen, in denen im Reichstag über Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe entschieden wird, das preußtsche Staatsministerium keineTodes strafevollstrecken läßt und unter allen Umständen von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch macht.___ Der Mlbecker Moftrichfritze. „Dem Zustand mutz ein Ende gemacht werden." Gestern hatte sich wegen Vergehens gegen das Republik- s ch ii tz g e s e tz durch Herabwürdigung der R e i ch s f a r b e n der Kanfniann A l b« r t W. vor dem Erweiterten Schöffengericht Temvelhos zu verantworten. Der unter Anklage gestellte Bor- gang spielte sich am Pfingstmontag um die Mittagsstunde in der Seestraße des Ostseebades Ahlbeck ab. Der Angeklagte, der mit mehreren befreundeten Familien einen Pfingstausslug nach dort gemacht hatte, glaubte einem vorbeifahrenden Auto, das eine große Fahne mit den R e i ch s f a r b e n am Kühler hatte, das Wort „Mostrich" zurufen zu dürfen. Hierin wurde eine H e r a b w ii r d i- gung der Reichssarben erblickt. Die Aeußerung gab der Angeklagte wohl zu, bestritt aber, daß sie Bezug aus das vor- übersahrende Auto gehabt habe. Als guter Deutscher liege es ihm fern, die Reichsfarbe zu b es ch i m p f e n. Er Hab« eine groß« Vor. liebe für Mostrich und gebrauche das Wort täglich mehrmals. Unmittelbar vorher hätten sie in einem Lokal gefrühstückt und Würstchen gegessen, und eine der Damen seiner Begleitung Hobe dem Kellner zugerufen:„Aber mir re cht viel Mo strick)." Da sei ihm auf der Straße der Mostrich wieder in die Gedanken gekommen, und er habe davon gebrochen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte das Wort so laut genisen hatte, daß es weithin zu hören war. Die Autoinsasson hatten auch sofort halt gemacht und die Feststellung des Rufers veranlaßt. Der Staatsanwalt fand, daß die ver- tetdigungsweise des Angettagtcn geradezu lächerlich sei, und de- antragte gegen ihn an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnis- strafe von einer Woche 70 Mk. Geldstrafe. Das Schöffengericht unter Borsitz des Langerichtsdirektors Laschke ging über denAn- trag hinaus. Das Wort„Mostrich" könne lediglich auf die Reichs färben gemünzt gewesen sein. Es sei beschämend, daß Deutsche immer wieder die deutsche Fahne herab- würdigen. Diesem Zustande müsse zur Warnung sür andere end- lich ein Ende gemacht wordem Deshalb hat das Gericht, da dieser Ausdruck bei jeder Gelegenheit benutzt werde, um die Reichs- färben herabzuwürdigen, auf eine höhere Straf« als die bean- tragte erkannt. Da» Urteil lautete aus zwei Wochen Gefängnis, die aber mit Rücksicht darauf, daß die Handlungsweise des Angeklagten nicht vorbedacht, sondern impulsiv gewesen sei, in 150 M. Geld st ras« umgewandelt wurde. Achtung! StadlverordnclensrakUont Die Stadtverordneten werde» ersucht, sich in der heutigen Stadtverordnetenversammlung (lO'H Uhr) recht pünktlich einzufinden. 11] �Zement. SÜRotnon von Djodor©(abfouj. Er beobachtete Dascha. Sie schüttelte rasch und geschickt das Bett auf und türmte die Nachtsachen auf ihren Arm. ohne ihn anzusehen, und machte in der Ecke ein flaches, un- gemütliches Nest. Und als sie den Rock auszog, warf sie ihm ein Lächeln hin... so schien es Gljeb...... Man mußte die Frage lösen: liebte sie ihn wie früher. wie eine Frau, oder ist mit der verflossenen Liebe auch sie selber. Dascha. in die Bergangenheit versunken? Und man konnte nicht verstehen, was in ihr mehr war: Frauenfpicl oder feindliche Angst? Ein Rätsel: rief sie chn als Mann oder zerriß sie die letzten Fäden zwischen ihnen? Die Frau hat den Herd verlassen, ist aus dem Heim ge- gangen, und der warme Geruch des Frauenkörpers ist zu- fammen mit der Gemütlichkeit und der Küche verschwunden. Wen hat sie gewärmt, wen mit ihrem Körper gelieblost in diesen drei Jahren? Eine Frau, gesund, mit festen Knochen, kann nicht als taube Blüte leben, wenn sie Tag und Nacht mit Männern durch ihre Arbeit verflochten ist. Nicht für ihn hat sie chre Frauensehnsucht und Liebe behütet, sie hat sie verschwenderisch vergeudet, in zufälligen Begegnungen. Ist das vielleicht der Grund ihrer grausamen Entfremdung, ihres kalten Blutes? GlM dachte daran, und seine Seele zuckte schmerzlich, und seine Äugen wurden von einer tierischen Wut weit aufgerissen. „Ja, Bürgerin, das war einmal... Wir trennten uns, weinten, jetzt sind wir uns wieder begegnet— haben uns kein Wort zu sagen. Drei Jahre hindurch dachte ich: die Frau, die hier ist... Dascha wartet und so ähnliches... Ich komme her, verfluchter Fleck! Und es ist so, als ob ich nur im Traum verheiratet gewesen war. Es gab wohl schon Männer... aber nicht ich. Ist das nicht wahr?" Dascha drehte sich erstaunt zu ihm um, und wieder blitzten kalte Tropfen in ihren Augen. „Und du, hast du denn dort nicht auch andere Weiber gehabt, außer mir? Gestehe, Gljeb. Kannst sie kaum an den Fingern abzählen. Ich weiß auch noch gar nicht, ob du ge- sund bist oder faules Bltzt mitgebracht hasi> Gestehe..." Und löschte das Lächeln nicht aus, und das Lächeln spiegelte sich von der Wand wider in ihrem Gesicht, und das Gesicht flammte in trüber Glut zwischen den dunklen Flecken der Augenhöhlen. Und sagte es so zwischen den Zähnen, nachlässig, wie wenn es sie langweilte. Und auf diese Worte Daschas stieß Gljeb mit voller Wucht, wurde weich, wider- standslos. Das. was er als nächtliches Geheimnis gehütet hatte, wußte Dascha. kannte ihn besser als er sie kannte. Und weil sie, ohne mit ihm in Berührung gekommen zu sein, ihm bis ins Innerste hineinsah und seine Kräfte aus ihm wie aus einem Fetzen herauspreßte, wurde er, der Krieger, schwach, und glitt empfindlich aus. Er kam wieder zu sich und zerdrückte sein Herz. Er lächelte selber und verschluckte sich. „Nun gut, sogen wir: ich gestehe: es waren Streiche... an der Front trägt der Mann den Tod mit sich... die Weiber aber, die haben eine andere Rolle, die Frau hat ein anderes Los, andere Sorgen." Dascha zog sich aus, legte sich aber nicht, lehnte sich an die Wand, schämte sich nicht. Unter ihrem Hemd rundeten, sich elastisch und atmeten ihre Brüste und ihr Leib. Sie glitt von der Seite mit scharfem, schmerzhaftem, wissendem Blick über Gljebs Gestalt und antwortete wieder nachlässig, durch die Zähne:„Schöne Sache: ein Weib hat andere Sorgen. Ein schlechtes Los— Sklave sein und keinen eigenen Willen haben, nicht Leitpferd sein, sondern Beispann. Nach welchem Abc hast du denn den Kommunismus erlernt, Genosse Gljeb?" Und kaum hatte Dascha diese Worte gesagt, als Gljeb das Blut heftig in den Kopf stieg: seine Vermutungen sind nicht leeres Spiel. Sie, seine Dascha. seine Frau... Wer hat sich in den Nächten an ihr berauscht? Und sie. auch sie hat ihr Blut am trunkenen Blute eines anderen berauscht... Mit schwerem, angestrengtem Schritt trat er zu Dascha. Mit dunklem Blick, mit dem Blicke eines Tieres, schaute er ibr hart ins Gesicht, das ruhig war von einem breiten Lächeln. „Also, das Wort ist kein Wort, sag die Wahrheit? Ja?" Und vom Herzen aus riß ein heißes Zittern krampfhaft feine Muskeln. Sie, seine Frau. Dascha... Hinter dem Fenster schwüle Stille, Sterne. Grillen und abendliche Glocken. Dort hinter dem Werk das Meer im Phosphorglanze. Es singt, und sein Gesang klingt wie elek- irisches Summen, und es scheint, als ob nicht das Meer mit dem tiefen Klange einer Saite tönt, sondern die Luft und die Berge und die Schlote des Werkes. „Nun sag, mit wem hast du dich da in Netze verstrickt? Wen hast du mit diesen Armen umarmt?" „Ich frage dicht nicht, wer deine Weiber an der Front waren. Was gehen dich meine Liebsten an? Geh weg und komm zur Besinnung." „Dascha. merk dir, ich werde es schon erfahren... ich werde mich schon zu deinen Heimlichkeiten hindurchgraben... denk daran!" Sie entfernte sich von der Wand und blitzte ihn mit den Augen an. „Sieh mich nicht an, Gljeb. Ich kann mit den Augen- brauen nicht schlechter spielen als du. Geh auf deinen Platz und schreck mich nicht mit deiner Kraft." Feinde. Sie— mit funkelnden Augen, er— knochig, tapfer, mit so fest zusammengepreßten Kiefern, daß seine Wangen tief einfielen. Schaut Dascha ihn wie ein böses, unbesiegbares Weib an, oder hat er ihre wirtliche Seele früher nicht gekannt, ihre Seele, die in diesen drei Iahren eigensinnig und unbesiegbar geworden war. Woher hat Dascha diese Kraft in sich aufgesogen? Nicht im Krieg, nicht mit dem Hamstersack auf dem Buckel, nicht in Weibersorgen: diese Kraft erwachte und war durch den Geist der Gemeinschaft straff wie eine Saite ge- spannt, von der Qual der lodernden Jahre, von den schweren Versuchungen, der Last der Weiberfreiheit, die zu schwer war für ihre Kräfte. Sie hatte ihn durch die Kühnheit ihres Willens erdrückt, und er, der Regimentstommissar, wurde dadurch verwirrt und hatte sich ganz verloren. Es kam von selber: er packte sie und preßte sie zusammen, daß ihr das Rückgrat krachte. „So, jetzt bitte: Leben oder Tod?" „Laß deine Hände von mir, Gljeb. Mich kann man mit den Händen nicht nehmen. Du bist doch ein Mensch, Gljeb." Ihre Muskeln krümmten sich wie Schlangen unter Gljebs Händen, und sie war in verzweifelter Anspannung sprungbereit. „Nun sag, wo hast du deine Liebe vergeudet, ohne deinen Mann? Sag, sprich.. „Gljeb, ich bitte dick) zum letztenmal, laß das, sonst werde ich schlagen... ich werde schlagen, Gljeb.. (Fortsetzung folgt.) « �Ueberstbreitung öer Sannmekle/ Eine juvistische Streitfrage. Was gilt als Umzug innerhalb der Bannmeile? Zum Beispiel, ist es ein Umzug, wenn 25 Bismarckjünglinge mit ihrem Führer und ein bis zwei Trommlern im Militär- schritt und in Dreierreihen, bewaffnet mit Knüppeln und Schlagringen, sich innerhalb der Bannmeile zu einer Kundgebung iii den„Clou" begeben? Die Polizei sagt, es i st ein Umzug, schafft die jungen Leute ins Revier, nimnit ihnen dort zwei Gummiknüppel und sechs Schlagringe ab und erläßt gegen alle fünf- undzwanzig S t r a f b e f e h l.e. Eigentlich müßte damit die An- gelegeicheit erledigt scheinen. Könnte man sich z. B. ein Gericht deirfsn, das von der Polizei erlassene Strafbesehle aufgehoben hätte, wenn es sich um 23 Mitglieder des Kommuni st ischen Jung- st u r.m s gehandelt hätte, die selbst ohne Knüppel und Schlagringe sich a«f dem Wege zu irgendeiner Beranstaltung, sagen wir im Lust- garten�, innerhalb der Bannmeile gezeigt hätten? Das anzunehmen würde wohl niemand naiv genug sein. Anders aber im Falle der Bis marckjünglingel Als einer aus.der Zahl der fünfundzwanzig, der anscheinend einen guten Riecher für' die Justiz hat, das Gericht wegen Aufhebung des gegen ihn erlassenen Strafbefehls anging, konnte er der Polizei ein Schnippchen schlagen. Das Gericht hob wirklich den Strafbefehl auf und erklärte.'chaß hier von einem verbotenen Umzug keine Rede sein könne,>da die jungen Leute von vornherein einen politischen Umzug nicht Leplant hätten, sondern sich nur zusammengefunden hätten, um sich gemeinsam im„Clou" nach der Mauerstraße zu be- geben, wo eine Kundgebung zum Gedenken der im Kriege Ge- sallenen stattiindeH sollte. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Be- .chung ein, und das Landgericht II hob das Urteil auf mit der Begründung, daß es sich hier um eine Anzahl von Menschen gehandelt dabe, die sich zu einem bestimmten Zweck vereinigt hätten, daß sie alle in Uniform gewesen wären und daß sie durch ihren Marsch die Aufmerksamkeit der Oesfentlichteit erregt hätten. Dies Urteil wurde jedoch wieder aus dem Wege der Revision vom 3. Straf- senat des Kammergerichts aufgehoben. Der 3. Strafsenat fand, daß das Landgericht vergessen habe, daß ein derartiger Umzug nur dann verboten merden könne, wenn er geeignet sei, die öffentliche Ordnung oder den Verkehr zu stören. Dies sei jedoch in diesem Falle nicht festgestellt worden. Aus diesem Grunde sei die ganze An- gelegenheit an das Schöffengericht zurückzuverweisen. Und so hatte dieses wieder zu entscheiden. Der Polizeibeamte behauptete mit aller Entschiedenheit, die 25 Bismarckjünglinge seien in geschlosiener Gruppenkolonne, in Rotten, den Bürgersteig entlang- gegangen, allerdings sei der Verkehr nicht behindert worden. Der Angeklagte und dnei seiner Gesinnungsgenossen, von denen einer augenblicklich in einem Reiterregiment in Eberswalde Reichswehr- dienstc leistet, erklärtan, daß das Publikum durch ihre Reihen bequem durchgekommen sei. Der Staatsanwalt beantragte selbstver- ständlich angesichts dar Entscheidung des Kammergerichts die V e r- wersung der Berufung der Staatsanwaltschaft auf Kosten der Staatskasse und das Gericht beschloß auch demgemäß: das Merk- mal der Behinderung des Verkehrs oder der Störung der ösfent- lichen Ordnung habe diesem Umzug gefehlt. chätten sich aber Reichsbannerleute, die als harmlose Spazier- gänger dahergekommen wären, getraut, durch die Reihen der Bis- marckjünglinge zu schreiten, wären sie für diese dann nicht doch eine Verkehrsstörung gewesen? Jedenfalls: gleiches Recht für alle! Das Polizeipräsidium wird sich die Entscheidung des 3. Strafsenats näher anschauen müssen und seine Polizeibeamten auch dementsprechend i n st r u i e r e n. Der Schupowachtmeister im Gerichtssaal schien jedenfalls trotz dieser Emscheidung noch der Ansicht zu sein, zu Recht gehandelt zu haben. Der junge Bismärckler triumphierte aber ob seines Sieges jungenhaft:„Bin ich doch ein feiner Kerl: Umzug innerhalb der Bannmeile in Uniform und Gummiknüppel und trotz- dem Freispruch. Di« Polizei kann mir was!...' Die Irrfahrten eines Taugenichts. Als Räuber in Frankreich. Sonntagsjägerei auf üer l>ai>el. Ein gefährlicher Sport. Man schreibt uns: .Am vorigen Sonntag macht« ein mit drei Personen, darunter zwei Frauen, besetztes Motorboot am rechten Hav«lufer im Schilf am Wege nach Sakrow Station, als plötzlich ein Schuß ertönt«, k«m im nächsten Augenblick ein« Schroiladung folgte, die über die Köpfe der Bootsinsassen hinwegpfisf und einige Meter neben deni Boot ins Wass«r klaschte. Ein paar Sekunden daraus erfolgte eine zweite'Detonation, wieder sauste eine Schrotkugel daher, die einen kürzeren Weg nahm und dicht vor dem Boot ins Wasser fiel. Auf die heftigen Warnungsrufe der Ge- iährdeten hörten diese, wie sich ein chinter dem Schilf befindliches Motorboot eiligst ans dem Staube machte. Erst aus wiederholt«? und sehr energisches Zurredestellen pequemten sich die kühnen Jäger näherzukommen und ihr mehr als eigenartiges Gebaren dahin zu erklären, daß sie ins Schilf geschossen und den Weg der Kugel vor- hfr genauestens abgemessen Härten. Daß eine Kugel natürlich ab- irren kann, scheint in ihrer Iägergrammatik nicht enthalten zu sein. Schließlich hat aber der Csfekt der Schießerei mit alldem überhaupt nichts zu tun, sondern es ist natürlich ein ebenso frevelhaftes wie unsinniges Tun, auf stark befahrenen Wasserstraßen, noch dazu am Sonntag, Schießübungen zu veranstalten und die Wassersportler nicht nur zu beunruhigen, sondern auch gefährlich zu belästigen. Be- kanntlich ist ja die Wasserstraße Allgemeingebiet und nicht Spezial- parzelle für Jagdlustige. Frische Luft in den Berliner Fahrzeugen. Bis jetzt mußte man meist bei Ueberfüllung der Wagen der öffentlichen Verkehrsmittel unter der schlechten Luft leiden: augenblicklich werden bei allen Verkehrsgesellschaften Versuche an- gestellt, um die Wagen gut zu ventilieren. Es werden auf den Dächern der Fahrzeuge überdeckt« Schraubflügel nach Flettnerschem System eingebaut, die während der Fahrt durch den Luftzug bewegt werden und dadurch ständig frische Luft in das Innere des Wagens«inführen. Die Straßen- bahn hat seit einigen Monaten bereits Versuche mit diesen Flettnerschen Rotoren angestellt. Nunmehr sollen sämtliche neuen �Wagen— sowohl Vordcrwogen wie Anhänger— mit diesen Venlilatoren ausgerüstet werden. Auch die A b o a g hat seit einiger Zeit mit demselben System bei der Expreßlini« Versuche angestellt. Di« Erfahrungen sind günstig, so daß hier in Kürze sämtlich« Wagen damit aus- gerastet werden. Ebenso macht die Hoch- und Unter- p' o n b b ah n auf der Nordsüdlini« entsprechende Versuche. Im Falle der Bewähning werden in kürzester Zeit sämtliche Wagen mit Ventilatoren verschen werden. Motorboot— Flugzeug. Nicht nur drunten am festen Erdboden wachsen ständig mit der Ausdehnung des Verkehrs die verschiedenen Möglichkeiten der Be- sördcrung, auch zwischen Himmel und Wasser erprobt man neues, wenn auch nur zum Zweck sportlicher Betätigung. Ani Templiner See bei Potsdam veranstaltete die Opel-Film G. m. ni. H. zur Bereicherung ihrer filmischen Wochenschau ein interessantes Experiment des Ueberfteigens vom Motorboot ins Flugzeug �und wieder zurück. Das Rennboot„Opel II' des be- lannten Sportmanns Fritz von Opel jagte mit diesem und zwei Begleitpersonen mit 8Ü Kilometer Geschwindigkeit hinter einer Raab- Katzenstein-Flugzeugmaschine, Jnsasien die beiden Firmeninhaber und der Vorführer des Kunststücks, Pilot Schindler, einher. Nach einigen kurzen Rundflügen ließ sich das Flugzeug, versehen mit einer acht Meter langen Strickleiter, ungefähr ein Meter über dem Motor. boot nieder, der Pilot ergriff das Ende der Leiter und hantelte sich gewandt vom Motorboot nach dem Flugzeug hinauf. Das abenteuerreiche Schicksal eines Jugendlichen beschäftigte das Landgericht l. Ein Kriegsschicksal— Irrfahrten eines vom heimatlichen Boden Losgelösten und in einer sranzösisch-polnischen Mörder- und Räuberbande Gestrandeten. Der Tod des Opfers eines der Raubüberfälle steht am Ende dieser kurzen und unruhvollen „Verbrecher'laufbahn und war gestern zusammen mit einigen Diebstählen in der Nähe von Paris und Lille Gegen- stand der Anklage. Die Kumpane dieses Abgeirrten, denen in Paris etwa 9l> Raubüberfälle und neun Menschenleben zur Last gelegt worden waren, sind bereits in Frankreich abgeurteilt: Broda machte sich aber beizeiten aus dem Staube und kehrte nach Deutschland zurück. Als Arbeitsloser lernte er in einer Pariser Wirtschaft die Polen Casimir, Stomslans, Wladislaus, Johann und andere mehr kennen und wurde Teilnehmer ihrer Diebes- und Raubzüge. Schließlich— von Angst gejagt— flüchtete Broda über die Grenze nach Köln, ging von hier nach Belgien, um sich in A n t- w e r p e n nach Uebersee einzuschissen, wurde aber von Kriminal. beamten im Hotel, in dem er sich auf den Namen Chamovioc ein- getragen hatte, zwangsgestellt und als lästiger Ausländer nach Deutschland abgeschoben. Als er sich in Berlin aus� denselben Namen meldete, verhostete � man ihn auf Grund eines Steckbriefes der Pariser Polizei— seine Kumpane hatten ihn bereits verraten. Am nächsten Tag gab er seinen richtigen Namen an und behauptete, Deutscher zu sein. War er Deutscher oder war er es nicht? War er Pole/ so mußte er an Frankreich ausgeliefert werden: war er Reichsdeutscher, so konnte er auf Grund der deutschen Verfassung nur in Deutschland abgeurteilt werden. Am 29. Mai 1925 wurde er verhastet. Ein Jahr brauchte man. um festzustellen, daß er Reichs- deutscher sei und nicht ausgeliefert werden dürfe. Am 7. Juni 1926 erging gegen ihn der Haftvefehl des deutschen Richters, und erst gestern, erst noch zweieinhalb Jahren nach seiner Verhaftung, tonnte er abgeurteilt werden. War also Broda Deutscher oder war er es nicht? Die Entscheidung darüber liegt im Kriegsschicksal dieses deutsch-polnischen Jungen. Geboren in der Nähe von Posen, mußte er, f ü n f z e h n j ä hr l g, die Maurerlehre verlassen und Arbeits- bursche werden: sein Vater war gestorben, Mutter und Geschwister standen mittellos da. 1914 brach der Weltkrieg aus. Der fünfzehn- jährige Ludwig meldete sich zum H i l f s d i e n st. Ein halbes Jahr wurde er bei einem Hauptmann beschäftigt, dann ging er in eine Geschoßfabrik nach Spandau, von dort zu Krupp nach Essen. Ansang Januar wurde er zum Militär eingezogen und kam nach Belgien Nach dem Umsturz kehrte er nach Posen zurück, um dort seine Mutier zu besuchen. Ueber die Gestaltung der politischen Geschicke seines Heimotortes machte er sich keine Gedanken. Die Polen forderten ihn aber zum Militärdienst an. Er ließ fünf Ge- stellungsorders unbeantwortet, meldete sich jedoch freiwillig zur Deut- schen Wach- und Sicherheitskompagnie. Hier stahl er vier Paar Schuhe— um seiner Mutter zu Helsen, sagt er— und erhielt dasür sechs Monate Gefängnis. Dann wurde er in die polnische Kaserne gesteckt. Zwei Wochen später flüchtet« er. Ende 1919 ereilte ihn die Verhaftung: er bekam zehn Monate Gefängnis wegen Fahnen- flucht. Ende Juli 1920 schickte man ihn an die polnische Front gegen Rußland Nach vier Wochen war er wieder sahnen- flüchtig. Im April 1921 wurde er aufs neue bei seiner Mutter verhastet: diesmal lautete die Strafe auf zwei Jahre Gefängnis. Im November 1921 gelang es ihm, aus dem Fort 1 bei Posen zu flüchten. Bei dem Versuch, die deutsche Grenze zu überschreiten, wurde er verraten. Bald darauf glückte ihm aber eine zweite Flucht. Diesmal überschritt er die Grenze und kam nach Berlin zu seinem Bruder. Dieser verschaffte ihm Anstellung in Döberitz, wo er wohnte. Neun Monate später verließ er Döberik und ging nach Köln. Von hier führte ihn der Weg nach Frankreich. In der Nähe von Fleury war er fast ein Jahr lang mit Drahtverhauabreißen beschäftigt. Dann verlor er die Arbeit, mng nach Paris, arbeitete hier unter dem Name-r Urbanja in den Markthallen, wurde arbeitslos und geriet in die polnisch« Räuberbande. Der Staatsanwalt beantragte gestern gegen Broda eine Zucht- hausstraf« von 13 Jahren. Auch der Totschlag an der Frau Cnurty sei ihm auf Rechnung zu stellen. Rechtsanwall Dr. Landsberg, der vom Gericht als Osfizialverterdiger bestellt war, widersprach der Auf- fassung des Staatsanwalls. Das Gericht o e r u r t e i l t e den Achtundzwanzigjährigen zufünfIahrenZuchthau». F''«- den Totschlag wurde er nicht verantwortlich gemocht. Nach einiger Zeit wurde das umgekehrte Verfahren, vom Flugzeug zurück ins Motorboot, vorgeführt. Das Experiment gelang ohne jede Störung, begünstigt von blauem Himmel und völliger Wind- stille. Als man dem Piloten, gleich allen übrigen Teilnehmern, zum Zweck» der Sicherhe't die Schwimmweste anlegen wollte, erwiderte dieser mit stoischer Gelassenheit:„Nee. die nehme ich nicht. Erstens stört sie mich in der Bewegungsfreiheit, und zweitens hat sie ja toch keinen Zweck, denn, ich kann ja gar nicht schwimmen.' Im nächsten Wochenbericht des Opel-Films wird die Veranstaltung auf der Leinewand gezeigt werden. Rationelle postbeftellung. Die Frage der Hansbriefrästen. Trotz der sozialen Einstellung unserer Zeit macht sich kaum jemand Gedanken darüber, welche unglaublichen Klettereien einem Briefträger täglich zugemutet werden. Nach, zuverlässiger Statistik hat ein Briefträger im werktäglichen Durchschnitt in Berlin oder Hamburg xund IIOOMeterzu ersteigen, in einzelnen Charlottenbürger Wohnvierteln sogar täglich rund 1300 Meter! Zum Vergleiche vergegenwärtige man sich, daß der Brocken dem- gegenüber nur 1140"Meter über dem Meeresspiegel liegt, aber um vieles geringer der Brockengipfel über seinem üblichen Anmarschorte, etwa Schierke. Dabei geschieht der Aufstieg zum Berggipfel in immer- hin mäßiger Steigung und in herrlicher Luft, die Häusertreppen aber sind steil und liegen in direktem Großstadtdunst. Und zu dem Auf- stieg kommt für den Briefträger täglich noch die gleiche Meterzahl sür die Kniebeugen des Abstiegs hinzu! Wenn nun diese Ueber- anstrengung wenigstens zu einer guten Briefbestellung führen würde. Der begreifliche Mißerfolg ist aber, daß die erste Post erst in die Wohnung gelangt, wenn der Bewohner morgens längst fortgegangen ist, und daß daher die arbeitend« Bevölkerung erst abends erfährt, was sie morgens schon wissen sollte.— Personalvermchrung kann diesen Ucbelständen nicht abhelfen, weil eine Haupttätigkeit des Briefträger- im innren Postbetriebe liegt(Sortieren usw.). Und da sür den Innenbetrieb das bisherige Personal genügt, so würden Neueingestellle den größten Teil des Tages unbeschäftigt bleiben. Die be st e Abhilfe wären Hausbrieskästen, die, für jede Miet- parte! gesondert und gesichert, a u s K o st e n d e r P o st im Erd- geschoß anzubringen wären, und die in einigen Städten, wie Frank- fürt a. M., Stuttgart und neuerdings Nürnberg, mit bestem Erfolge eingeführt sind.— In vielen Teilen des Auslandes kennt man die veraltete deutsche Postbestellung überhaupt gar nicht. Unsere Behörde muß ebenso, wie die Post anderer Staaten, endlich den Mut zu modernen Methoden finden, die ja bei dem sortgesetzten Höherwachsen unserer Häuser schließlich doch nicht umgangen werden können. Schon als die Häuser von durchschnittlich zwei Stockwerken aus vier Stock- werke wuchsen, wäre eine Reform notwendig gewesen. Längst zeigen sich die Schäden der Versäumnis, denen jetzt dringend abgeholfen werden muß._ Kämmen im Gerichtssaal verboten. Die Sitte, daß in neuerer Zeit Damen unbekümmert um den Ort, an dem sie sich bejinden, auf der Straße ebenso wie in-Jffent- lichen Lokalen Toilette zu machen pflegen, hat jetzt zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen dem Vorsitzenden Amtsgerichtsrat Dr. Wesenbcrg und einer Zuhörerin geführt Die Dame hatte i m G e r i ch t s s a a l den Hut abgenommen und begann, nachdem sie den Lippenstift ausgiebig benutzt hatte, sich sorgfältig zu s r i- s i e r e n. Der Vorsitzeiche unterbrach sehr erregt d'e Verhand- lung und wies die Dame aus dem Saal mit der Erklärung, daß es keineswegs der Würde des Gerichts entspreche, wenn an Gerichlsstatt die. weiblichen Zuhörer ihre Toilette machten. Der Herr Porsitzende hatte zweifellos recht, aber mit einer Bitte an die Dame, es zu unterlassen, hätte er gewiß denselben Erfolg gehabt. Gefahren während der Heizperiode. Zu Beginn der kalten Jahreszeit erscheint es notwendig, auf ge- wisse Gefahren hinzuweisen, die der Gesundheit durch unzulänglich« und unzweckmäßige Heizung drohen in Wohnräumen, die nicht durch Zentral-, sondern durchOsenheizung erwärmt werden: 1. Vor Beginn des Heizens ist jeder Ofen innen und außen einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Die innere Reinigung lEntfernung von Asche,«chlacken usw.) ist notwendig, damit der Abzug frei wird und die der Gesundheit schädlichen Verbrennungs- gas« des Heizmaterials nicht ins Zimmer dringen können. Die gleiche Reinigung muß in Abständen von wenigen Tagen stets wiederholt werden. Die Außenwände sollen täglich durch nasses Abwischen von anhaftendem Staub befreit werden. Verbrannte Staubteilchen tragen wesentlich zur Verschlechterung der Lust im Zimmer bei. 2. �ver Osen darf erst dann geschlossen werden, wenn das Heiz- Material völlig in Glut steht. Zu frühes Schließen kann zu schweren Gesundheitsschädigungen führen. 3. Da die erwärmte, leichte Luft an die Decke fteigl und die kältere herabgedrückt wird, so wird sich in einem geheizten Raum, der über einem ungeheizten liegt, leicht Fuß- kälte beinerkbar machen und damit Gelegenheit zur Erkältung ge- geben sein In diesem Falle empfiehlt sich"das Legen von Teppichen und Fuhmallen. 4. Die Zimmerwärm« soll sür ein Kinder- zimmer ungefähr 17 bis 20 Grab Celsius, für«inen Wohnraum 17 bis 18 Grad Celsius und für den Schlafraum von gesunden erwachsenen Personen 10 bis 14 Grad Celsius betragen. Am ge- iündesten ist das Schlafen im gänzlich ungeheizten Räume. Die Wärme in Arbeitsräumen muh oer jeweiligen Beschäftigung ange- paß« werden. Wichtig ist ausreichende Lüftung jedes Raumes, wo- für am besten morgens und abends durch Oeffnen der Fenster für die Dauer von 5 bis 10 Minuten gesorgt werden kann. Veihnachtslotterie öer flrbeiterwohlfahrt. Die diesjährige'Arbeiterwoblsahrts-Weihnachts- lotterie wird in der Zeit von Anfang Oktober bis Ende Dezember durchgeführt. Sie soll der Arbeiterwohlsahrt die Mittel zur Durchführung ihrer Aufgaben, insbesondere zur Schaffung gemeinnütziger Anstalten bringen. Die im vorigen Jahr mit beispiellosem Erfolg durchgeführte erst« Lotterie hat gezeigt, welche Anerkennung und Unterstützung die Arbeiterwohlsahrt in Deutschland findet. Der Gewinnplan sieht folgend« Gewinne vor: 1 Hauptgewinn im werte von.. 30 000 M. » 1 Prämie.......... 20 000, 1 Hauptgewinn im Werte von.. 15 000, 1...... 10000. 1»»»«». d 000 m 5 Gewinne im Werte von je... 3 000, 5»»»»- 2 000» 10........ 1000. 10........ 500. usw. Insgesamt sind 145 984 Gewinne und«in« P r ä m i e im Gesamtwert« von 607 500 Mark ausgesetzt. Als Gewinne sind Landhäuser, Wochenendhäuser, Klaviere. Sprech- apparat«, komplette Küchen, Fahrräder, Nähmaschinen sowie Gut- scheine aus Waren und sür die Gewinn« von 3 und 2 Mark aus- schließlich Solinger Stahlwahlen vorgesehen. Durch ein« größer« Anzahl Gewinnausgabestellen in allen Teilen des Deutschen Reiches wird den Gewinnern die Einlösung der Gewinne erleichtert. Die Lose sind für 30 Pfennig durch alle Bezirks- und Ortsausschüsse sür Arbeiterwohlsahrt, durch die durch Plakate kennt- lich gemochten Warenhäuser und Geschäfte sowie den Loshandel zu haben._ Fehde zwischen Rot-Front und Sturmvogel. Wochenlang schon herrscht in dem Stammlokal der Roten Front- tämpfer in Neukölln. Prinz-Handjery-Straß« 67, heftige Fehde zwischen den Rot-Front-Genossen und dem abgesplitterten Teil, der sich jetzt Sttirmoogel nennt. Dauernd gibt es in dem Lokal Krach, bis es nun endlich am Abend des vergangenen Donnestag zur vollen Explosion kam. Eine wüst« Schlägerei entstand. Titulierungen wie Strolche, Lumven, Verräter. Spitzbuben. Renegaten riesen sich die Roten Frontkämpfer, die in voller Uniform waren, zu. Dann erschien das Ueberfalltommando, um in A.iwesetcheit von hundert Nsu- aierigen die sich heftig streitenden feindlichen Rot-Front-Brüder zur Ruhe zu bringen. Zum Schluß mußten 18 bis 20 Rot-Frontler in voller Uniform den Weg zum Polizeipräsidium Neukölln antreten. Dies« Menschen, die sich hier zum Gaudium der Zuschauer unflätig beschimpfen, sind dieselben, die bei anderer Gelegenheit nicht genug über Einheitsfront reden können. Erst aber sollten sie lernen oder sich darüber belehren lassen, wie sich«in klassenbewußter Proletarier in der Oeffentlichkeit benimmt. Eine Autofalle. Man schreibt uns: Eine gefährliche Ecke, an der sich fast jeden Tag mehr oder minder schwere Autounfälle ereignen, ist die Straßen- k r e u z u n g, die im Berliner Westen von der E u l m- und Gäben st raße gebildet wird. Durch die Göbenstraße fahren die Straßenbahnen der Linien 3 und 89 in ziemlichem jchnellcn Tempo, weil sie ihre Haltestellen erst an den nächsten Querstraßen, der Potsdamer- und Mansteinstraße, haben. Di« Culmstraße hat sich, als Verbindungsweg vom Stadtinnern zu den westlichen Bororten, zu einer erstklassigen Autosohr st raße ent- wickelt. Von den Unfällen, die sich in immer größerer Folge ereignen, werden zumeist die Automobil« betroffen, die, durch die Culmstraße jährend, die Gäbenstraße überqueren. Es ist ihnen unmöglich, die von rechts öder links herannahenden Straßenbahnen oder andere Wagen zu bemerken. Die gegebenen Signal« nützen nicht viel, well niemand heraushören kann, von welcher Seile sie kommen. Dazu versperren zwei in der Culmstraße stehende Lit- f a ß s ä u l e n den Blick nach der Göbenstraße. Abhilfe muß also dringend geschaffen werden. In der Culmstraße selbst befindet sich zwar ein Polizeirevier, doch beschäftigt man sich dort scheinbar lieber mit der Registrierung der Unfälle als mit ihrer Lorbeugung. Und darum sollen an dieser Stelle vier Vorschläge gemacht werden. ofifsr Das ideale ttt Abführ-Konfekt Ersten»: Man stell« einen Verkehrspolizisten an der iiberaus gefährlichen Stragenkreuzunq. Z w e i te n s: Man errichte in der Göbenftraße zwei Betriehshalte st eilen oder verriicke die bestehenden Haltestellen von der nicht weit ge- .'egenen Bülow- und Mansteinstraste hierher. Drittens: Man nersetze auch die beiden Litfaßsäulen. Viertens: Man stelle in beiden Straßen, nach allen vier Richtungen hin. ilLarnungstofeln auf, die die Fahrer auffordern, langsam > u fahren. Was man nun schließlich macht, ist gleich: die Hauptsache ist, daß endlich etwas getan wird, denn Abhilfe ist dringend erforderlich!_ fiites und neues Wien. Man schreibt uns aus Wien: Die echten alten Wiener, und auch alle, die während eines kurzen Wiener Aufenthaltes die verträumten dunklen Gaffen mit den malerisch baufälligen Häusern kennen und lieben gelernt haben, werden sicherlich schmerzlich seufzen über den Wandel der Zeit, dem wieder ein unverfälschtes Stück AU-Wien zum Opfer fällt: das ver- rufene„R a tz e» st a d t e l", ein kleiner Teil des sechsten Wiener Ge- meindedezirks, der wunderbaierweise inmitten der turmhohen Zins- kasernen seiner Umgebung sein mittelalterliches Aussehen unverändert bis in unsere Tage erhallen hatte, soll nun endgültig vom Erdboden verschwinden und einem der ungeheuren städtischen Wohnhausbauten Platz machen. Die schmalbrüstigen dunkelgrauen Häuser mit den spitzgegiebelten Dächern nahmen sich wunderlich genug aus, wenn man bei der Sta- »ion K«ttenbrückengosse der elektrischen Stadtbahn vom da- hinsausendcn �ug unversehens einen Blick nach jener anderen Well erhaschte, die im Donnern der Schnellbahnzüge und im Gekläff der AutoHupen ein seltsam verträumtes, geisterhaftes Dasein zu leben schien. Man wußte wenig von den Bewohnern des Ratzenstadtls. Es waren wohl kleine Leute, vielleicht auch Priesterinnen einer vorstädtisch billigen Liebe, die in dem dunklen Gemäuer hausten und kein Mensch hotte wohl Ursache, sie um ihr malerisches Heim zu beneiden. Denn das Ratzenstadtl machte seinem Namen selbst im zwanzigsten Jahrhundert olle Ehr«, und in den Kellern, Gängen und Treppen- Häusern der Jahrhunderte alten Häuser wimmelle es von lang- geschwänzten, spitzschnauzigen Nagern. Mit der Niederlegung dieses uralten, längst baufällig gewordenen Stadtteiles fügt die Wiener Gemeindeverwaltung ein neues Blatt in den reichen Kränz ihrer s o- zialen Großtaten, an deren Spitze die endgüllige Behebung der schon vor dem Kriege bestandenen, zuletzt geradezu katastrophal angestiegenen Wohnungsnot genannt werden muß. An Stelle der halb verfallenen Ruinen wachsen allerorts riesig«, nach den For- derungen der modernsten Hygiene gebaute Wohnhäuser aus dem Boden, deren sonnige Höfe, Gärten. Bäder und Kinderspielplätze einen neu heranwachsenden Großstadtjugend Luft und Licht in reicher Fülle schenken. Das Wohnbauprogramm der Gemeinde Wien— wohl eines der gewaltigsten Projekte der Welt— plant die Errichtung von sechzigtausend Wohnungen, von denen bereits die Hälfte vollendet dasteht. Allein die Wiener Architekten, vor allem das Stadtbauamt, gehen bei der Anlage dieser Riesenbauten mit dem größten Verständnis für städtebauliche Fragen und Stilgesühl vor. So wurden in den Vorstädten nur ausgesprochen baufällige Häuser niedergerissen und der Haupttcil der Bauten auf den bisher noch nicht verbauten Flächen der äußeren Bezirke errichtet, die durch Stadt- und Straßenbahnverbindungen möglichst nahe an das Stadtzentrum herangerückt wurden. Anders steht es aber mit dem Stadtzentrum selbst, der Inn«- r e n Stadt. Di« Wiener innere Stadt ist heute noch unendlich reich an kostbaren Bauwerken vergangener Jahrhunderte, die aus keinen Fall geopfert werden dürfen und unter gesetzlichem Denkmal- schütz stehen. Hier gibt es noch ganze Straß«nzüge, die Fassade an Fasiade gedrängt, die herrlichsten Barockpaläste ausweisen. Vor dunkelgewölbten Portalen halten mächtige Karyatiden Wache. Ein Hos tut sich auf, mit plätscherndem Marmorbrunnen und rauschenden Akazien. Ueber einem weit geschwungenen Treppenaufgang jubelt ein farbenfrohes, aller Erdenschwere befreites Fresko. Diese Paläste, die teils der Republik gehören, die ihre Aemter darin untergebracht hat oher im Besitze einzelner Adelssamilien sind, werden natürlich nicht niedergerisien werden. Die innere Stadt Wiens, das wirtliche alte Wien, wird pietätvoll gehütet und unverändert bleiben. Wien bekommt keine City nach amerikanischem Muster. Da- im bleibt Wien hinter Berlin zurück. Aber was dort Zivilisation ist, ist hier alte Kultur, und die vornehme Geste, mit der das neue Wien der Borftädte hinter dem alten Wien der Barockpaläste zurücktritt, .zeigt, daß eine edle Tradition in Wien von jedermann verstanden wird. Da» Opfer eine» Wüstling». Wegen Verbrechens an seiner Stieftochter ist ein 48 Jahre alter Maschinenbauer L. aus der Manteusfelstraße festgenommen worden. Seine Frau brachte ihm vor Iahren ein Töchterchen in die Ehe mit, das auf seine Ver- anlassung auch seinen Namen erhielt. L. war zugleich auch der Vormund des Kindes. Wie er jetzt zugibt, verging er sich an der Kleinen bereits, als sie erst 8 Jahre all war. Jetzt, 17 Jahr alt, wurde das Mädchen noch schwerer mißbraucht. Als sich Folgen zeigten, versuchte L. sie zu beseitigen. Er sah sich aber genötigt, das Mädchen wegen der Wirkungen ssiner Eingriffe in eine Frauenklinik zu bringen. Nach Ablegung eines Geständnisses wurde L. dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Neuerwerbungen des Berliner Aquariums. Der Bestand des Aquariums in Büsum in Holstein— das nur im Sommer in Betrieb ist und im Winter geschlossen wird— ist ziemlich vollzählig in das Berliner Aquarium üb«rgegangen. Durch Entgegen- kommen der Eisenbahnverwaltung Altona ging di« Beförderung der Tiere so rasch, daß alle ihren Berliner Bestimmungsort lebend erreichten. Dort sehen wir jetzt eine große An, zahl von Knurr- Hähnen, die mit ihren blaugesäumten Flossen eine prächtige Augenweide abgeben. Die Büsumer Knurrhähnc haben ein sehr menschenfreundliches Benehmen, sie fressen ihrem Pfleger nämlich ohne weiteres aus der Hand. Nun werden sie nach und nach an Berliner Wasier- und Aquariumverhältnisie gewöhnt. Ferner kamen Scholle und Steinbutt, darunter ein weißer, Seeskorpione, Dorsche, Taschenkrebs«, Einsiedlerkrebse, Seespinnen, Garnelen, die berühmt«, aus China in unsere Gewässer eingewanderte Wollhandkrabbe, ein paar alle Schifssplanken, die mit Seenelten übersät sind und Stör«. Die Nordseestöre sresien im allgemeinen in der Gefangenschaft schlecht. Man muß sie, die nebenbei bemerkt, Tag und Nacht schwimmen, oft und in kleineren Mengen füttern. Die Büsumer haben sich frellich noch nicht dazu bequemt, in Berlin zu fressen. Bon der i t a l i e n i- schen Zoologischen Station in Rooigno an der dalmatinischen Küste wurden prächtig«, rote, stachlige Drachenkopf» fische, ein Meeraal, seltene Seebrassen, Seesterne, Bärenkrebse, Dreieckkrabben, die merkwürdigen Meeroraugen und große Wachs- rosen geschickt. Auch diese Sendung ist ohne jeden Verlust eingetroffen. Die moderne haussrau. Es weht«in frischer Wind im Haus, der alle Kinkerlitzchen rauspustet und nur das Einfach-Pnaktische und darum Schöne stehen läßt. In ihren Räumen Am Karls- bad 12/13 zeigt die Zentrole der Hau-frauenvereinc in einer Sonderaus st ellung die neuzeitliche Umgestaltung des Klein- Haushaltes. Genormte Möbel, auf einem Gesamtraum von S7 Quadratmetern muh das gesamte Inventar Platz finden und trotz- dem einen freundlichen, wohnlichen Eindruck erwecken. Der Küchen- Herd ist von der Bildfläche verschwunden, an seiner Statt besorgen Gas und Elektrizität mit weniger Mühe und größerer Zeitersparnis die Bereitung der Mahlzeiten. Di« im Wohnraum gezeigten Möbel sind aus Einzelteilen zusammengesetzt, aus denen sich die verschie- densten Formen bauen lassen. Die modernen Gas- und Elektrizitäts- apparaturen sind in zwei gesonderten Abteilungen zu sehen. Die Sonderschau„Hausfrau, hilf dir selbst" enthält allerlei praktische und wertvolle Winke über richtiges und falsches Haushaltgerät. Die „Hausfrauenwissenschaft" im Sinn« beschaulichen Tuns und sorgsamen Waltens hat ja in unserer Zeit des gesteigerten Lebenskampfes längst ihren eigenen Lehrstuhl verloren und ist zu einem Nebenfach geworden. Neues Wissen auf dem Gebiete der Kraft- und Geldersparnis muß deshalb stets willkommen sein. „Berliner Seplember-Fesl-Woche." Der Titel ist vielver- sprechend. Eine„Bortragsbühne des Westens" glaubt dem allgemeinen Zeitgeschmack Rechnung zu tragen und veranstaltet in den Räumen des Zoo-Restaurants ein« Ausstellung.„Die Frau— Das Kind— Das gemütlich« Heim". Es war von vornherein vor- auszusehen, daß bei dem Geschäft nicht mtl herauskommen würde, ober die Abwehrmaßnahmen, die die Berliner„Osfiziösen" gegen die kleine Konkurrenz zu ergreifen für nötig hielten, waren un- nötig, man soll die Kleinen auch leben lassen. Was die Leute mit großer Mühe veranstaltet haben— einig« Male wurde die Er. Öffnung bereits verschoben, und auch am Eröffnungstage präsenttert sie sich im halbfertigen Zustande— daß macht ihnen durchaus Ehre, man könnte sogar sagen, in einer kleinen Stadt wäre es keine verlorene Arbeit gewesen. Vom schlichten Küchenstuhl bis zum modernen Klubsesse, ist tatsächlich vieles da, was man sich in einem gemütlichen Heim wünschen möchte. Sogar ein halbes Dutzend bekannter Firmen sind mit Erzeugnisien oertreten, so Näh- Maschinen, Möbel, Woschfabrikate, Küchenneuheiten u. a. Was aber den Hauptwert der Schau ausmacht, sind die vielen Stände von fleißigen Kunstgewerblerinnen, die ihre mühseligen Er- Zeugnisse an Spitzentechnik, Schmuckdingen, besserer Bijouterie, Re< form und Modebekleidung u. a. ausgebaut haben, und die zum Teil weit aus Deutschland herbeigekommen sind, um den Berlinern ihre hübschen Dinge zu zeigen. Um dieser Aussteller willen sollte man ein jvenig freundlicher gestimmt sein gegen die kleine Konkurrenz im Schatten der großen. Chorkonzerl der Schuhposizei. Das Kommando der Schutz- Polizei veranstaltet mit seinem gemischten Chor, besten Leitung im vorigen Jahre der bekannte Dirigent Ianot S. R o s k i n übernommen hat. am Ig Ottober 1927, 20 Uht, im großen Konzertsaal der Staatlichen Hochschule für Musik, Charlottenburg(Fasanenstr. 1). ein Chorkonzert, bei dem Chorgesänge von Mendelssohn, Beethoven, Schubert und Mozart zum Vortrag kommen Der Biolinsolist Andreas Weisgerber spielt die Romanze k'-Dur von Beethoven und die ungarischen Tänze Nr. 6 und 7 von Brahms. Der Reinertrag des Konzerts ist für W o h l s a h r t z e i n- richtungen der Schutzpolizei bestimmt Karlen sind bei Bote u. Bock und A. Wertheim erhältlich. Das Okloberprogramm der Scala steht im Zeichen der musikalischen Artistik. Mit Gesang und Tanz leiten die vier Kubaner den Abend würdig ein. Neuartige Dressuren in höchster Bollendung sührt Josef G o l e m a n n mit Hunden, Angorakatzen und Tauben vor. Sogar ein Fuchs zeigt, daß er etwas lernen tann. Die Biel- seitigkeit der Plottiers Brothers, der Geige spielenden Akrobatenclowns, wird stürmisch beklatscht Daß man auch aus einem Einrad Meister sein kann, wird uns in einem Melangeati gezeigt, den Hall, Herminie und Brie« vollführen. Mit � sabelhafter Geschicklichkeit lasten die drei Swifts ihre Keulen durch die Lüfte schwirren. Dann haben wir Gelegenheit, die Routine Bernard Ettäs zu bewundern, den wir mit feinem vergrößerten Orchester, daß«r in Amerika ergänzt Hot, begrüßen können. Russische Volkslieder bringt Prof. Kedroffs V o k a l q u a r t e t t in all ihrer Lieblichkeit und Schönheit zu Gehör. Vier P a t t a n s spa- zieren auf dem Reck herum wie zu ebener Erde, und die drei I o o e r s bringen durch ihre musikalische Clownerie das Publikum zum Lachen. Zwischen den einzelnen Nummern produzieren sich die graziösen Iackson-Girls, immer gern gesehen. Und noch eine Tanznummer hat großen Erfolg: Emmy Magliani und T e i- rence Kennedy. „Bolkonprämiierung 1927." Am Donnerstag, dem 13. und 20. Oktober, findet im Hörsaal 10 der Landwirtschaftlichen Hochschule. Jnvalidenstraße 42, 8 Uhr abends, die Preisverteilung für die diesjährige Dalkonprämiierung in Groß-Berlin statt. Die Deut- sche Gartenbaugefellschaft prämiiert in diesem Jahre unter Mitarbeit der Ortsgruppe Groß-Berli» des Verbandes Deutscher Blumen- geschäftsinhaber zirka 1000 Balkons, von denen zirka 200 mit dem ersten Preise ausgezeichnet werden konnten. Die olljährliche Prä- miierung soll die Blumenliebhaberei in der Großstadt aus rein ideellen und kulturellen Gründen fördern und weiterhin das Straßenbild der Großstadt oerschönen. Seineu 70. Geburlslaq begeht am heutigen 13. Oktober Genoste Robert Berger, Palisadenftraße 77. Berger trat 1887 in di« Pattei- kämpfe aktiv ein und kämpfte im alten 4. Berliner Wahlkreis Schulter an Schulter mit den Genossen Zubeil, Glocke und Wengels. Sein entschiedenes Eintreten für die sozialistische Idee brachte ihm unterm Sozialistengesetz anläßlich der Propaganda für den Kirchen- austritt eine Freiheitsstrafe ein. Seiner Verdienste als Sozialdemo- krat bei der Gründung der Volksbühne, bei seiner zehnjährigen Tätigkett in der Schulkommission seien besonders gedacht. Berger ist sich und der Partei treu geblieben Auch heut« ist er als Bezirks- Vorsteher und Genosse für die Partei stets werbend tätig. Die Znoalidendank-Annoncen-Expedilion. die seit über 60 Iahren besteht, bittet uns mitzuteilen, dost sie keinerlei Beziehungen Hot zu der in letzter Zeit in der Presse genannten gemeinnützigen Siedlungsgesellschast m. b. H. gleichen Namens. Arbelleiblldungssau'e. Der Kurlu-Z int 3. Kiels(Wedding).Die Derfastung der deutschen Republil", Lebrer: Gen. Bohm-Schuch, beginnt am D i e n S t a g. d e m 2Z. O k i o b e r, und nicht, wie irrliimlich angegeben, am 18. Oktober.— Der Kursus im 17. Krei« iLichtenbcrg).Die polililiben Parteien in Deutschland", Lehrer Genosse Georg Naible, findet jeden Donnerstag statt und beginnt am Donnerstag, den 20. O k t o b e r. Wieder Vulkanausbruch in Japan. Tokio, 12. Oktober. Der Vulkan Astayama lst ausgebrochen. Unter donnerndem Brüllen stieg ein« riesige Wolke dicken schwarzen Rauches aus dem Krater empor, die die ganze Umgegend im Umkreis von siebzig Meilen mit weißer Asche überschüttete. ßM ßTMark der gute rcinusoHene t�&Pakhflhff Kothu. Seeland Oerfraudlcnftr. 2Cy�J qeqenüb. Defriklrrfm r Ab 15. Oktober Erstes Original Münchener Oktoherfest in der Alten Aulohalle am Kaiserdamm Ver«nital»er; Philipp Klrdier, Mündten- Oberammergou Gaststätte: Gemütliches Dörferl Gr. Alpenpanoramen' Münchener Spezialitäten! Bier vom Faß Original Oberländler Watschen- und Figurentänze usw. Autorennen in der Luft Große Festwiese mit allen neuzeitlichen Original- Attraktionen und Fahrgeschäften eintritt SO Pf. Eintritt 50 Pf, Prima Speisequarg Prima Leberwurst Prima Fleischwurst Quadralkäse..... pw. 35 pfg. . 1»00 Mk. - 1,00 Mk 48p,g. bei Abnahme von insgesamt 9 Pfnnd frei Haus versendet gegen Nachnahme Molkerei Nenzaudic ä" hohe Ruf von ,3$Laubandlft unbeftritten und durch chre heroormgenden—' begründet.£affm(die /Ich feine andere Margarme als ebenfoQMt auföränaen, auch wenn fie yum—> gleichen preis mit fogenannten Lugaben obev&e- fdjenfen angeboten wivö�laubanö'ift Qualitätsware der niemand etwa$ nerfcfyenten dum. ämß* jMX Dieste elegant« Ottomao» Mantel ist heeonden fesch [durch da» reichen Formhieeexuehmuek im Rückeo. V«Urr ScL&lkrag«a mit Blend« au« Seal* Kanio, uaJ gaoa aof Daoaefce ■duck rerarkeitet t:dmonde(itiy. Ernest tan üüren Am 0 Mit geradezu elementarer ist diese Forderung zur Parole des Tages geworden- Dieser wunderbare, sekr baltbare. immer vornehm wirkende einfarbige Stoff bat es den Frauen angetan, und die Nachfrage nach ihm ist gewaltig. 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Bilder, echt« Circua- Sensationen, Autosturz, Löweniagd, eineLiebcsnachtim Löwenzwinger, unter den Krallen der Bären, das Präriepferd als Lebensretter. Daa arfistlsth-c rcensUche Programm im Rahmen d. einzelnen Bilder I Sonnab. 4 Uhr xu halben Preisen I Wiederholung der onder- Nach in LH.- VortleUang. QroSes Circusprogramm, Kinder- belustigungen.Qeschenkverteiiung, Ponny- und Eselreiten usw. „Ein MäddieB ans Wild-West." Neues Thcaier am Zoo Täglich SV. Uhr: DielDitigeD Planctarino an Zoe fnllm. kidiiaithilu Slrab Noll. 1578 DarStarnenhimmelant der Rai es von Berlin nick dem Aequetor Vorführungen. «"/fc 6. 7'/,. 9 Uhr. Eintritt t M. IflndM eil. Ii Jikm O.MR. Lustipleihau» Vii Uhr .FilDiroiiiantik" Ihailn-Theuer 8 Uhr Der rote Hahn ■ WegpeuiinaBi «m ndUils» Nur SroB-Berlin Alexaaderpiola zur Miete W O.Ansbncherstr.l iHMBIK Iii i■ ihn MB"' �BikW: Vüm&hsdü iiiiBiÄPiii w Brouetelatbeltei«w 8 Uhr: Gastspiel Prltzl Maaanry Eine Fraa von Format J. H. W. Dietz NadifU G.m.b.H. Llndcnstral�- 9 Memiibeilcn to» Schlafcliaiselonju8S24.- Piüschsofas 30 M., Rafenzahluir. jfKfll* Berlin, Pappelallee\2 WSvlIl Pankow, Schmidtstr.l frei feder Rahnatation. mmmmmmmmmaammm WM Dil Auszahlung her Sireil- unfrstühung stiz bie Rallegen findet am Freitag, dem 14. Vitober. vorm. Ii Uhr. im Parterrejeel des«erbendshauses (Schalter 1), SlnUnftr. 83,85, statt. fiwqi ffiamoeitfltbeUet Die für Donnerstag, de» 13. vttober, angefefife Soafezen, fällt aus und findet dafür am Mittwoch, den» 1». Oktober, abends 6'/, Uhr. im Verdandshanfe, Linienstr. 82 35, Zimmer 28, statt. «ditMil! BßaflüllOlfliet kcilwg! Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren. »immer. Suchen, Büfett».«lutchten. Bücherschränke, Schreibtische, runde Tische. Standuhren,«nklesheschränke oller Sedh-n, Sasao, Ruhebetten. Rufanie gahlungsmeii«. Besichtigung er beten. Moedef-Boebel, Morihplah, Fa- drikgebäude,„* Metall betten. Chalsesongues. Auflege- mafratzen, Sinderdctten, Sinbervagc». Laut Tariloeitrag nach der«nmcrtung Rr. 24 de« Benrage» iit der Aroeitgeder verpfitchtet, in der ftett vom 15. Vitoder bis I. April, den Ardrttsraum mit per- glatten Fenstern zu oerfehen Die Sollegen sind verpflichtet, die Unternehmer darauf hifizuwcijen. VI« Orfsoeriualtana. ltzen, Si ....„ndlung z .efchäii, Scho aufcrfor. Palentmatrahen,.Prtmifiima'-Metaü. Helten, Aafiegemattatzen. Shaifelongueo. Walter. Stargarderstrafi». achtzehn. Speeialgefchält_____* Zweiuadsiinfzig Änrichteküchen, Besen. schränke. Adwafchiische. Heradg-setzte i Preise. Zahfungeerieichlerung Samer- ''' aure s«.' WtMiOBilfleliigrttöiie Areilog. den 14. vlfober, nachm. S Ahr. in Döring» Jrffsölen, Naunyn- ftrafee 27, Versammiunz aller in der Aerrfieingruppe beichäiiigien Aollegen. Tagesordnung: Bericht von der Lohnperhondiung Das Erscheinen aller Aollegen ist not- «endig Die Orteoerwaliung.(ittstav Kitsch«. rüc Uns, Aastanienall , Musskinstrumcnle I CSue Anzahlung. 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Uhr: Jüfliy Reiaridi IT" Morgen 7 Uhr: Uraufführung Ifhln der Hannes Küthe Dorsch, Eugen Klöpler Residenz-Thealer Täglich 8h, Uhr: OerUülkntsiiieriles Frillericas Rh Sonnab. u. Stg. 4 Uhr tzdmeewclidaen and Rosenrot Kleine Eintritts pr. ivaiiuiiia- Theo) Täglich 8«/, Uhr; Am Rfldeshcimer SdiloS steht eine linde Parken statt 4 Mk tägi.auch Sonntags » nur«O PI. Sonmagnachm.4 U. Die Pop penfee Parkett von 30 Pf. an Rose-Theater 8", Uhr Die MaachineD- beatr v. Berlin Th. im Admiralspalas Täglich S>„ Uhr Die neue flALLER BEVÜE „Wann and war 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhru.S'/,Uhr iiadie. die gaeit V«- ittii«n n hS. freu. broun Dia neu« CHAR&LL- InBservlea-ang mt MaiPailenliera kl.» ütorg fiendow Jankuhn SzSke Szakall Werkmeister Westeimcier Jackson Soyj laasiiine Oirlt Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst zu halben Preisen vorverKanf »o a imr tlt. 4$4 ♦ 44. �oftrgcng 2» 0�0)i/OtrtOQ�0 do-a-r-i-z, 13.«Wöbet 1927 Skandale im Braunkohlenbergbau. Spekulationen mit Syndikatsgeldern.— Famose Selbftkostenrechnungen. Die Herrfcher der Kohlenreviere haben m neuerer Zeit ein bequemes Mittel erfunden, mit dem sie Lohnbewegungen der Arbeit- nehmer entgegenzutreten versuchen. Sie könnten, so sagen sie, die Löhne nur dann erhöhen, wenn ih en gleichzeitig ein« Steigerung der Kohlenpreise bewilligt wird. Do sie aber wissen, daß das Reichswirtschaftsministerium jetzt nur sehr schwer aus ein solches Verlangen eingeht, so glauben sie hiermit auch die Arbeiter von der llnersüllbarteit ihrer Lohnforderungen über- zeugen zu können. Das ist der jetzt übliche Kreislaus, der keinerlei Rücksicht darauf nimmt, daß die deutschen Kohlenpreise dank den Syndikaten schon weit über denen des Auslandes liegen. Preis- unterbietungen sind dabei wenig zu befürchten, weil einmal sämtlich« Kohlenwerke der einzelnen Reviere auf gesetzlicher Grundlag« in diesen Syndikaten mit seshen Preisen zusammengefaßt sind und im übrigen die Frachtenlag« ausländische Konkurrenz in bestimmtem Umfang« fernhält. So sind die Syndikat« heute auch ein Werkzeug, das der chvchhaltung der Preis« und dem Druck auf die Arbeiter- löhne dient. Die händlergewiane im osielbischen Draunkohlensyndikak. Daß unter solchen Verhältnissen im Braunkohlenbergbau große Gewinne für die Produzenten und die Zwischenhändler entstehen mußten, ist selbstverständlich. Di« Vorgänge beim Ostelbischea Vrounkohlensyndikat, dem in der Hauptsache die Ilse, die Braunkohlen- und Brikettindustri«(Bubiag), die Eintracht und die Niederlaufitzer Kohlen- werke angehören, liefern hierfür einen schlüssigen Leweis. Lei diesem Syndikat wurden bisher— im Gegensatz zum mitteldeutschen Braunkohlensyndikat— die KohUn und Briketts durch das Syndikat selbst vertrieben, so daß also auch die großen Händlerfirmen von den Syndikatshandelsgesellschaften beziehen mußten. Der auf diese Weise ersparte Zwischengewinn floß also dem Syn- d i k a t s e l b st und damit wieder den einzelnen Erzeugerfirmen zu, ohne daß freilich deswegen die Kohlenpreise niedriger als anderswo gewesen wären. Da nun das Ostelbische Syndikat im nächsten Jahre abläuft, so »ersuchte die Bubiag, die mit den ihr nahestehenden Neineren Ge- sellschaften über eine Syndikatquote von 24 Proz. versügt, die Ilse mit ihren 29 Proz. für sich zu gewinnen, um auf Grund der so hergestellten Mehrheit sämtliche Syndikatshandels- gesellschaften aufzulösen und den Kohlen- und Brikett- vertrieb lediglich auf die Ilse und die Bubiag zu übertragen. Als dies dem tschechischen Kohlenindustriellen Ignaz Petschek, der durch die Eintracht und die Niederlaufitzer Kohlen- werke mit 33 Proz. am Syndikat teilnimmt, zu Ohren kam, versucht« er an der Börse um jeden Preis Jlse-Aktien aufzukaufen, um nun seinerseits die Quote der Ilse Bergbau A.-G. in die Hand zu bekommen. Eine gewaltige Hausse in Jlse-Aktien war die Folge, da Petschek und im Kampf mit ihm auch die Bubiag, Kurse bis 420 Proz. anlegten. Wie hochmußten di« beiden Gegner als Keitner der Der-hältniffe die Sewinnmögkrch- feiten des Bergbaues und di« durch den Zwischenhandel zu erzielenden Gewinne«in- schätzen, wenn sie solche Preis« für die Aktien bezahlen konnten! Den Kamps gewann schließlich Petschek, da tue Verwaltung der Ilse und die ihr nahestehend« Mitteldeutsche Kreditbank— patriotisch wie diese Leute nun einmal sind— di« bei der Ilse zum Schutze gegen Ueberfremdung(I) geschaffenen Schutz, und Vorzugsaktien Herrn Petschek sozusagen zur Verfügung stellten. Die Bubiag fühlte sich kaltgestellt, ein« erbitterte Feindschaft zwischen ihr und der Ilse entwickelte sich, die heute noch in mehr- sachen Prozesien unter großem Aufgebot hervorragender und dem- entsprechend teurer Juristen ousgefochten wird. Millionensummen verspekuliert. Hinter verschlossenen Türen spielte sich unterdessen«in kaum glaublicher Skandal ab. Ais nämlich die Bubiag und die Ilse «och in trauter Freundschaft nebeneinander lebten, gründeten ihre beiden Generaldirektoren zusammen mit fünf anderen General- direkteren der dem Syndikat angeschlossenen Werk«, dem General- direktor des Syndikats und vier Syndikalsongestellten im Jahr« lS24 ein« privat« Holzhandelsgesellschaft, di« Kurt Ehrlich u. Co. Kommanditgesellschaft, die sie mit Geldern des Syndikats finanzierten. Durch umfangreiche Wechsel- Manipulationen wurden zeitweise nicht weniger als 2� Millionen Mark beim Syndikat bzw. bei der dem Synditat unterstellten „Lrikettverlrild Mark«. m. b. H."„entliehen". Den Generaldirektoren genügten offenbar ihre Mammutgehälter nicht, sie mußten noch dazu mit fremden Geldern, über die sie in dieser Form über- Haupt nicht verfügen durften, zweifelhafte Nebcngeschäfte machen. Die Sache ging aber schief, die Holzgeschäfte endigten im vergangenen Jahre mit einem Verlust von über 1 Million Mark. Um dies« Verluste nun nicht aus eigener Tasche decken zu müssen, verfielen die Beteiligten auf folgenden Ausweg: Man. wollte di« Kurt Ehrlich u. Co. einfach in Konkurs gehen lassen, da die gründenden Direktoren vorsichtshalber die Form der Kommanditgesellschaft gewählt hatten und formell außer ihren Einlagen von zusammen etwa 100 000 Mark nicht zu weiteren Zahlungen gezwungen werden tonnten. Da nun das Synditat fast der alleinig« Gläubiger war, so hätte es den Schaden zu trogen gehabt: aber das ließ sich ja oertuschen, da dieselben Persönlichkeiten, die diese zweifelhaften Privatgeschäfte aufgezogen hatten, ja auch im Syndikat tonangebend waren. Hier machte ober die Eifersucht unter den inzwischen in Streit geratenen Syndikatsgruppen einen Strich durch die Rechnung. Der Schwiegervater«ine« der Söhn« Petschets, Ge- heimrat Ricodem Coro,«rftattete in einer Druckschrift Bericht an das Relchewirtschaflsminlstertnm. da» den Skandal .mit Rücksicht auf die Arbeiterschaft" inoffiziell behandeln wollte und«in Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Reichskohlen. kommissors Stutz vorschlug. Daraufhin wurden der Generaldirektor des Syndikats und zwei weiter« Syndikatsdirektoren entlassen, die schuldigen Grubendtrektoren blieben ober nach wie vor an der Spitze der größten deutschen Braunkohlenunternehmungen. Dem entlasienen Gene- raldirektor des Syndikats warf man obendrein, obwohl er sich schwerer Pflichtverletzung«« schuldig gemacht hatte, noch«ine Ab- findungssumme von weit über 100 000 M. nach, da man sich wohl mit Ihm als einem Mitwisser der peinlichen Vorkommnisse nicht gern entzweien wollte. Nach endlosem Drängen wurde dann auch der Schaden von 1 Million Mark beglichen, wobei die General- direktoren der Ilse und der Bubiag als die Hauptoerantwortlichen mehr als die Hälfte dleser Summe aufbringen mußten. Daneben lies aber etwas weit Tolleres. Der Geschäfts- führer einer Syndikatsgefellschaft nahm für sich persönlich, als er sah, wie die Grubendirektoren mit den Geldern des Syndikats bei ihren Holzgeschäften wirtschafteten, ebenfalls den Wechselkredit des Syndikats in Anspruch, wobei er die unmöglichsten Privatgeschäfte finanzierte und woraus dem Syndikat«in neuer nicht ge- deckter Schaden von etwa VA Millionen Mark entstand. Auch dies kam nicht an di« Oeffentlichkeit. der schuldige Ge- schäftssührer mußt« verschwinden. Ualer de« Auge« der Minister.—„Selbstkost on"f Man muh sich, an den Kopf greifen über eine solche Mißwirt- schast. Da» find die Wirtschaftsführer Deutschlands! Und dies« Miß- Wirtschaft vollzieht sich unter den Augen des Reichswirt- schaftsministeriums, das die Dinge der Oesfentlichkett vor- enthält, die Skandal«.inoffiziell" behandelt mit Rücksicht auf di« Arbeiterschaft. Diese.Rücksicht" w ll etwas heißen, wenn man hört, daß unter den zur Abdeckung der Syndikatsverluste angehaltenen Generaldirektoren auch Herr Petschek sich befindet, der am 20. September seine Unterschrift unter das berühmte Ab- lehnungslchreiben des mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes setzte, das nur gegen Preiserhöhungen Lohnerhöhungen zugestehen wollte. Eine ä u ß e r st« r n st e Frage wird durch diese Skandale aber aufgeworfen Es sind Verluste entstanden von insgesamt rund S Millionen Mark, wenn man die gezahlten Abfindungen «inrechnet. Wer trägt diese Verluste, wo erscheinen sie? Ein großer Teil von ihnen erscheint selbstverständlich unter den famosen Selbst- kosten, mit denen bewiesen wird, daß man ohne Preiserhöhun- gen kein« Lohnerhöhungen zahlen kann. Was soll nach solchen Vorgängen noch von den Eelbstkostenrechnungen der Braunkohlen- industrie gehalten werden? Die Arbeit« schast weiß längst, was da- von zu halten ist. Hoffentlich nimmt jetzt auch die breiteste Oeffent- lichkeit Veranlassung, sich einmal darum zu kümmern. Sparkapital unü Gemeinwirtschast. Stärkt die eigenen Banken! Die letzten Tage und Wochen haben wieder gezeigt, daß dem Privatkopital dos Gesamtint eresse nichts, der Profit aber alles ist. Am deutlichsten kam das bei der letzten Kreditvertcuerung zum Ausdruck, di« die Reichsbank vornahm. Die privaten Banken haben sich dabei wieder einen Sondervorteil auf alle Kreditgeschäfte von einem halben Prozent gesichert, den die produktiv« Wirtschaft, d. h. aber letztlich die Masse der Konsumenten tragen muß Leider scheinen auch die öffentlichen Sparkassen Deutschlands ihren öffentlichen, d. h. gemcinwirtschastlichen Charakter nicht so zu verstehen, wie es im Interesse der großen Masse ihrer Einleger liegt, die in den allermeisten Fällen Lohn- und Gehalts- empfänger sind. Die Spartaffen sind verpflichtet, den größten Teil ihrer Einlagen langfristig und mündelsicher anzulegen. Früher geschah das zum großen Teil in Anleihen des Staates. Es mochte früher auch hingenommen werden, wenn durch die Gewährung von Bauhypotheken eigenllich mit den Sparmttteln der arbeitenden Moffen jene Mietstnechtschaft aufgerichtet wurde, die die Hausbesitzer über die Massen ausüben. Aber die Sparkassen scheinen unter der heutigen Leitung ihrer Zentrale jetzt ein größeres Interesse daran zu haben, sich mit den privaten Banken und anderen privaten Wirtschaftskreisen gut zu st ehe n. als ihrem gemeinwirtschastlichen Zweck nachhaltig zu dienen. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, wie der Kieler Sparkaffentag einem radikalen Vertreter des sozialreaktionären Mittelstandes das Wort gab, der sich mit aller Deutlichkeit und größter Schärfe gegen die Gemein Wirtschaft wandte und die Sparkassen in den Dienst dieser Ideen gestellt wissen wollte. Obendrein wurde auf jener Tagung die Bedeutung des Mittelstandes dahin unterstrichen, daß dieser zur Bekämpfung der Konsumvereine un- entbehrlich sei. Dazu sind die Eparkaffen, die unter der Kontrolle der Gemeinde- Verwaltung stehen, wahrlich nicht da. daß sie mit den Geldern der arbeitenden Massen deren genossenschaftliche Selbsthilfe sabotieren und durch loyal« Vereinbarungen mit dem privaten Bankenkapital mit dazu beitragen, daß der Nutz- efsekt in der Volkswirtschaft durch Verteuerung der Kredite herab- gemindert wird. Die Sporkaffen haben Im ganzen zwar die Ver- teuerung der Kredite durch die Privatbanken nicht mitgemacht, aber ihre Politik fördert die Herrschaft der Banken und auch bie Jntereffen von Parteien, die keineswegs inaffenfreundlich und Freunde, der Gemeinwirtschast sind. Unter diesen Umständen müssen die sparenden Arbeiter� An- gestellten- und Beamtcnmaffen sich wirklich überlegen, wie sie den öffentlichen Charakter der Sparkaffen auch dahin wirksam machen können, daß die Gelder im Sinne der wirtschaftlichen Demo- k r a t i e verwertet werden. Sie können das durch den Einfluß, den sie in den kommunalen Verwaltungen haben, die sicher in sehr vielen Fällen mit der Politik der Berliner Sparkassenzentrole nicht einverstanden sind. Sie können das aber auch— und dos mögen sich die Leiter der Sparkaffenbewegung sehr überlegen— durch die rücksichtslose Förderung der ja endlich vorhandenen großen S el b sthi ls« o r g a n i sat lo nen, auch aus dem Gebiet der Bankwirtschast. Die Verwendung von Spargeldern in den Konsum- vereinen, bei der Arbciterbank, den Baugenossenschosten und Bau-. Hütten, sichert den arbeitenden Moffen direkt alle Dorteile der eigenen Verwendung und macht den sozialen, gemeinwirtschast- lichen Ehqratter der Geldverwendung sofort zweifelsfrei. Unahseh- bar sind auf diesem Gebiet noch die Möglichkeiten der Sslbschilfe. Das mögen sich alle die Kreise sehr ernschast überlegen, die zu ver- geffen scheinen, daß dem demokratischen. und republikanischen Deuisch- sand auch ein« demokratisch« und soziale Wirtschast entsprechen muß. Einzelhandel unü Konsumvereine. Die Wirkfchaflsmlnlster Preußen» und de» Reichs auf der Eiazelhauoellagung. Am dritten Tage der Einzclhandeltagung sprachen u. o. der preußisch« Handelsminister Dr. Schreiber und der Reichswirt- Ichastsmmister Dr. C u r t i u s zu den allgemeinen Problemen des Einzelhandels. Beide Minister ließen es sich angelegen fein, den Bund in unzweideutiger Form aus die« i n n l o s i g t« i t der Preiserhöhung infolge der Beonitcnbejvldungsresorm und ihre Gefahren hinzuweisen,«»ehr beachtlich waren die Aussübrungen Dr. Schreibers in der Frage des gewerblichen Mielrechts. Er ver- stehe vollkommen, daß die Lockerung der Zwongswirt- jchastfür gewerblich benutzte Räum« in weiten Kreisen Moderne Winferhleidnng— Niedrigste Preise 30.- 40.- 40.- irSc��Tr tör inng« Herren, ans modernen engl, gemusterten Stoffen« mit Abseite, in verschiedenen Fertnen, je neck Onalilit.... 60—, 50.—. 40-, 36.-. 33.-. Hj»!«U Röckenfelte«ad Gurt ans |IC*I 1 cinlarbigca od. karierten Stoffen, mit Abseite, je nach Qualität. 80.-, 75.-. 65... 50.-. 45.-, wlnler-Paieiols��r���-r.!'; ExkinusU ie □. Qualität 10«.. SS... 75... 70.. SS... SS.-. Roffl-Palefofs sSCüS4".� Kunstseide, ie nach Qualität n. Art 100.-, 90.-, 80.-, 75.-, 70.-, a/iaatxsa* lllf«d>V* Rflckcn ohne Naht offen und(e- CT VfflliaCl lilaSO sehlosaen rn tragen, vollständiger w E— Madersatx. ans oenzeitlieken Stoffen 95.—. 90.—. 80.—, M e eleganter Oebpeli �ealcTektrikseitcnhatter.............. JIM Herren Sportpelz l|ia. kragen, and MurmeUlüekenfutter......... Cr s notier Sportpelz OpoaeumkrAgen, ilamstertattcr.. 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Er trete deshalb dafür ein. daß das allgemein« Metrecht schleunigst dahin geändert werden müsse, daß dem Mieter, der seine Pflichten gegen- über dem Vermieter erfüllt, nur dann gekündigt Verden darf, wenn «in wichtiger Grund für die Kündigung vorliegt. Eine derartige Abhängigkeit der gewerblichen Mieter, wie sie zurzeit bestünde, sei weder wirtschasllich notwendig noch mit dem sozialen Geist unserer Zeit vereinbar. Das von verschiedenen Kreisen des Einzelhandels geforderte Eingreifen des Staates zur Abwehr der Konkurrenz von Konsumvereinen erklärte der Minister für gänzlich unmöglich und fügt« hinzu, daß der Handel stet» betont habe, er führe die warcnierleilung in der zweckmäßigsten Weise durch. Sei dies über tatsächlich der Fall, dann erübrige sich ein Eingreifen de» Sioates von selbst. Denn es müsse dem Verbraucher die Eni- s che! d u n g allein überlassen bleiben, von welcher Seite er am besten und billigsten bedient wird. Auch der Reichswirtschaftsminister T u r t i u s erwähnte im Zusammenhang mit der bei den Warenhäusern und Großbetrieben besonders stark in Erscheinung tretenden Konzentrationsbewegung den Rußen eines genossenschaftlichen Worenein- k a u s s. Er ging in seiner Erklärung so weih zu betonen, daß der genosienschaflliche Zusammenschluß für den Zweck eines gemeinsamen Wareneinkauf» für einen großen Teil der Kleinbetriebe vielleicht der einzig mögliche Fortschritt und auch der wirksamste Schuh sei. �.. erfolgreiche zu lassen, so zeigt das Urteil dieser beiden Wirtschaftsminister immer- hin, welch« Bedeutung die Genossenschaften heute bereits mit Recht zu beanspruchen haben._ Vleöer MngbUSungen gegen Sie öffentliche Hanö. 3a keine verbilliguug. Ein gutes Beispiel dafür, wie die verbotenen Ringbildunyen gegen die öffentliche Hand dennoch praktisch gemacht werden, wird uns au» Westdeutschland berichtet. Die„Deutsche Kohlen» ze i t u n g"', das Organ des Zentraloerbandes der Kohlenhändler Deutschlands, hat einen Kohlenhandelsbrief aus Aachen gebracht, aus dem folgende Bemerkungen beachtlich sind. Es heißt darin: „Der Verein regell in der Hauptsach« die fuhrenweij? Abgabe von Kohlen, und zwar nur von hausbrandkohlen: durch Festsetzung von einheitlichen Verkaufspreisen trägt zur Gesundung des h a n d e l s bei.... Es ist fein Bestreben, dahin zu wirken, daß sich sämtliche Händler der Stadt zusammen- schließen und oorallen Dingen bei Behördenaus- schreibungen usw. geschlossen vorgehen, zum Schutz« von Lieferer und Abnehmer(!) gegen Ünzuträglichkeiten und Preisschleudereien.� Wie durch einheitliche Verkaufspreise zur Gesundung des Handels beigetragen wird, das weiß man. Wer Kohlen taufen muß, zahlt eben die höchsten Preise, die die Händler nur durchsetzen können. Daß man sich ober der ösfenilichcn Hand gegenüber zu Ringen zu- ------.._v— vornherein jede Konkurrenz bei den die öffentlich� Hand aus- die sich einmaldieBehörden kümmern sollten, heute schreit olles in Deutschland nach Sparsam- keit in der öffentlichen Verwaltung. Wo man diese aber zum Nutzen des privaten Prosits schröpfen kann, da ist das Privat- kapital jederzeit zur Hand._ Immer noch wachsenöer Hüterverkehr. In der Woche zum 1. Oktober hat die orbeitstägllche Wagen- gestelliing wieder zugenommen. Sie ist von 158 600 auf 160 000 gestiegen, wie folgend« Tabelle eitennen läßt: Tabellarische Uebersicht seit September(in 1000 Stück) Woche wöchentlich 1027 1026 1927 1926 23. 8.— 8. 9. 918,4 824 6 158,1 137,4 4. 9.-10. 9. 928,0 824,3 154,7 137,4 11. 9.— 17. 9. 947,8 842.2 168,0 140,4 18. 0.-24. 9. 951,8 848,1 158,6 141,4 25. 9— 1. 10. 960,0 859,3 160,0 143,2 Die Tendenz zur Verkehrssteigerung dauert also ungemindert fort. Die höchste V e r t e h r s zi f f e r der Reichsbahn, die in dem ganzen Jahr« 1927 erreicht worden ist(158 500 Wagen pro Arbeitstag in der Woche zum 28. Mai), ist damit übertrosfen worden._ polen bekommt seine Anleihe. Polens Kampf um die Beschaffung seiner Stabilisterungsanleihe scheint doch jetzt zu einem endgültigen Erfolg gesührt zu haben. Die Bedingungen, unter denen der polnisch« Staat die Anleihe erhält, sind vom Kabinettsrat geprüft und genehmigt worden. Der Finanz- minister wird zur Unterzeichnung des Anleihevertrages ermächtigt. Polen soll danach 62 Millionen Dollar und 2 Millionen Pfund Sterling erhalten. Den Erlös aus der Anleihe konnte es dadurch steigern, daß die Anleihe nicht mtt 90, sondern mit 92 Proz. aufgelegt wird bei siebenprozentiger Verzinsung, während der Rückkauf zu 108 Proz. erfolgen soll. Die Anleihe ist also auch jetzt noch ziemlich teuer. 45 Millionen Dollar werden in New Dork, die 2 Millionen Pfund Sterling in London ausgelegt, der Rest der Dollaranleihe soll auf europäischen Kapitalmärkten gezeichnet werden. Di« Anleihe dient ausschließlich zur Stabilisierung der polnischen Wähning und der polnischen Finanzen. Das Stabilisierungsdekret wird demnächst veröffentlicht._ Wer soll geangelt werden? Aus Westdeutschland wird gemeldet, daß die Kohlenfelder der Städte Frankfurt und Köln verkauft werden sollen. Die Gewerkschaft Norddeutschland, die als Käufer genannt wurde, läßt erklären, daß sie nichts davon wisse. Nach anderen Meldungen sollen die Felder wieder an das Kohlensyndikat zurückgehen. Die letzte Vermutung kft irrsinnig: denn das Kohlensyndikat hat nichts damit zu tun. Es wird sich auch im ganzen um ein Hirngespinst handeln, allerdings von Interessenten, die bestimmte Zwecke verfolgen. Verknüpft werden �ie Meldungen nämlich mtt Hinweisen über die günsrige Entwicklung der Gasfernversorgung, womit offenbar die Zechenpläne gefördert wer- den sollen. Die össenlliche Meinung zu beeinflussen und Dumme zu fangen, in einem Augenblick, wo von solchen Fortschritten der Ruhr nicht die Rede sein kann, wird auch jetzt ein vergebliches Bemühen bleiben. Dl« öfsentliche Stromerzeugung weiter gesttegen. Im Jahre 1926 haben die Mitglieder der Bereinigung der Elektrizitätswerke mtt 12,46 Milliarden Kilowallstunden 4 Proz. mehr Kraft erzeugt als 1925, wo ein Zuwachs von 29 Proz. gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war. Insgesamt stellt sich die Krafterzeugung der öffentlichen Elektrizitätswerke, von denen 95 Proz. in der Ver- zufc'..... stunden. Das bedeutet 204 Kilowattstunden aus den Kopf der Be- einigung zusammengeschlossen sind, auf 12,91 Milliarden Kilowatt- völteruna, die gleiche Menge wie in Frankreich und etwa 20 Kilo- Wattstunden mehr als in England. Als verwersliche Befürchkung bezeichnet ein Kölner Wii bericht über die linksrheinische Industrie die Meinung, daß sich die oespamue innerpolitische und sinanzielle Lage zu einer Wirt- ichastskrise oerdichte. Ohne Zweifel komme man zu der Feststellung, daß die Besserung im zweiten Vierteljahr bis Ende September nicht nur angehalten, sondern noch weiter zugenommen und sich auf eine Reihe von Wirtschaftszweigen ausgedehnt Hab«. Die Erntenot vor öem Lanötag. Die Agrarier für verstärkte Schmutzkoukurrenz ausländischer Wanderarbeiter. In der Mittwochsitzung des Landtags gab zunächst Präsident Bartels die Mandatsniederlegung des Abg. Arlt- Kreuzburg(D. Vp.) bekannt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt sodarm Abg. Blank(Z.) eine Erklärung ab in der er sich gegen einen im.Montag-Morgen' unter der Ueberschrift„Abgeordnete besorgen Buch- mach erst« llenr erschienenen Arttkel wendet. Die darin in bezug auf seine Person ausgestellten Behauptungen seien unwahr und für ihn in seiner Abgeordnetenehr« sehr beleidigend. Gegen den Artikel- schreiber habe er Strafantrag gestellt. hierauf beantragt Abg. Kers(Komm.) zur Geschäftsordnung. eine kommunistische Interpellation betreffend Stellung der preußi- schen Regierung zum Reichsschulgesetz und Konkordat als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. Falk(Dem.) widerspricht.. Da der Widerspruch eines Abgeordneten genügt, kann der kom- munistische Antrag nicht behandelt werden. Gegen einen weiteren Geschäftsordnungsontrag der Kommu- nisten, ihre Interpellation über den Berqarbeiterstreit In Mittel- deutschland auf die Tagesordnung zu setzen, erheben die Deutsch- nationalen Widerspruch Die Unwetterschäüen!a Preußen. Das Haus tritt nunmehr in die Tagesordnung ein und über- weist ohne Aussprache die von den Sozialdemokraten und Deutsch- nationalen gestellten Anträge betreffend den Ausbau des Stralsunder Hafens dem Hauptausschuh. Es folgt die gemeinsame Beratung von neunzehn Uranträgen und großen Anfragen, die von den einzelnen Parteien über die Unwetter- und Ernteschäden in den verschiedensten Teilen Preußens eingebracht sind. Nach der Begründung der Antröge durch die Antragsteller, in der namentlich die deutschnationalen Redner aus der Schädigung einzelner Landesteile eine allgemeine Notlage der Landwirtschaft zu konstruieren suchen, nimmt in der allgemeinen Aussprache das Wort: Abg. 3ürge«seu(Soz.); Nach dem Ergebnis der amtlichen Statistiken und nach agrari- scheu Presieäußerungen muß man die Klagen der Herren von rechts und des Landbundes über die Rot der Landwirtschaft als weit übertrieben bezeichnen. Selbstverständlich ist durch Unwetter großer Schaden angerichtet worden: in den einzelnen Landesteilen konnte durch die Nässe die Ernte nur mit großer Verspätung hereingebracht werde. Es versteht sich von selbst, daß die Sozialdemokratie alle» ton wird, um die so zu Schaden Gekommenen zu entschädigen. Aber es ist unberechtigt, aus der Notlage einzelner Gebielstetle Bück- fchlüsfe aus ein allgemeine Noklage der Landwirts chasl zu ziehen. Uns liegen Klagen vor von feiten kleinerer Landwirte über die Schädlichkeit derSchutzzölleauf Getreide und Futter- mittel auch für die Landwirtschaft selbst. Die deutschnationale For- derung auf Erhöhung des Kontingents der ausländischen Wander- arbeiter lehnen wir im Interesse der deutschen landwirtschaftlichen Arbeiter ganz entschieden ab.(Bravo! bei den Soz.) Die Deulschnalionaleo fordern ausländische Loyndrücker! Abg. Milberg(Dnot): Die Sozialdemokratie betrachtet die Lage der Landwirtschaft nur durch die Parteibrille. Di« Notlage der Landwirte, hervorgerufen durch Unwetter und Hochwasser, ist un- geheuer groß. Daß die Entteerträa« so gut sind, wie sie Herr Jür- gensen schildert«, bestreiten wir. Das Kontingent der ausländischen Wanderarbeiter muß erhöht werden, da es für die Landwirte sehr schwer ist, zum Tariflohn inländische Erwerbs- lose für die Ernteorbeit zu bekommen. Abg. Roeingh(Z.) ist der Ansicht, daß die Schäden auf dem Lande individuell festgestellt und behandelt werden müssen. Die Ernteerträge seien durchweg nicht so günstig, wie es der Abge- ordnete Iürgensen hinzustellen versuchte. Ein weiteres herabdrllcken des Kontingents der ausländischen Wanderarbeiter wäre für die Landwirtschaft katastrophal. Abg. Dr. Schiflan(D. Vp.) ist der Ansicht, daß die Hochwasser. schäden sich noch auf lange Zeil hinaus auswirken' werden. Die Ernteerträge seien durchweg schlecht und die Landwirtschaft ver- schuldet. Den Landwirten müsse mit ZinsoerbiUigung geholfen werden.„ Abg. hoffmann(Komm) tritt für die auf dem Land« gescha- digten kleinen Existenzen ein. Abg. Pekers-Hochdonn(Soz.): Wir sind bereit, die durch Unwetter und Wasser angerichteten Schäden, die wohl den Zusammenbruch einzelner landwirtschast- licher Unternehmungen herbeiführen können, so schnell al» möglich zu beheben. Aber es liegt durchaus keine Veranlassung vor, die Notlag« zu verallgemeinern, wie es die Deutschnationalen tun. Wenn es in einzelnen Fällen nicht gelungen ist. Erwerbslos« aus der Stadt zum Tariflohn auf dos Land.zu bringen, so liegt das daran, daß der landwirtschaftliche Tariflohn viel zu niedrig ist. wenn die Berkreter der agrarischen Interessen tzoa rechts sich endlich dazu aufrassen würden, in dieser Hinsicht meuschenwürdige Zustände zu schassen, könnte die Schmuhkonkurrenz der ausläadischen Wanderarbeiter für unsere deutsche Landarbeilerschaft schnell beseitigt werden.(Beisall bei den Soz.) Nach weiteren Ausführungen der Abgeordneten vermießel (Dnat.), Zacobi-Rafsaus W LIlcnhauer hcute, Donnerstag, IZ. Ottober, 20 Uhr, in der Festhalle des Schlosses au die Ausstellung spricht Erich �.-chlosses Jugendliche 30 Pf., Der Anteil der Frauen an der Parteiorganisation ist in Wien am größten— fast ein Drittel der Gesamtmitgliederzahl— (nämlich 103 013 von 330 184 Mitgliedern oder 31,20 Proz.), im Slaatsdurchschnitt 23,78 Proz. Ein Vergleich der Parteimitglieder- zahl mit derjenigen der Gewerkschaften ergibt, daß 78,72 Proz. der Gewerkschaftsmitglieder der Parteiorgan!- fation angehören. Von den 1 339 088 sozialdemokratischen Wählern des 24. Juni d. I. sind 595 417 oder 38,69 Proz. in der Sozialdemokratie organisiert, in Wien sogar 4 7,58 Proz. chier ist die Zahl der Parteimitglieder inzwischen auf 360 600 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 30000 Mitgliedern im Jahre 1927. Deutschösterreich hat 4 037 012 Einwohner im Alter von 20 bis 70 Jahren; da hiervon bei 595 417 organisierten Mitgliedern 14,74 Proz. Sozialdemokraten sind, ist jeder siebente er- Wachsens Mensch Mitglied der Sozialdemokra- t i s ch e'n P a r t e i. In Wien selbst ist das Verhältnis noch günstiger. chier ist jeder vierte Erwachsene organisierter Sozial- dcmokrat. Einsendungen für diese Rubril sind Verl,»«W 68. SinbcnCtrofee S. parteinachrichten für Hroß-Serlm Ret* an da» PtAirttfetretarial Z. Hol, i Treo. recht», zu richten 2. Ätci» Tlergarie». Achtung, Jyiinltionotc! Die(fintrittslacfen für den Reinitz.Nunstubeud, welcher am 28. Ok!ol>er in der Schulaula Zw'mgli- siraßc 2 stattfindet, intlssen sofort bei den Abteilungslassicrern abgeholt und unter Genossen und Genossinnen sowie Bekannten verteilt werden.— A-btnug. Bildungskommissionsmitglirder! Montag. 17. Oktober. 1S� Uhr, findet eine Sitzung der Bildungskommissionsmilglieder aller Abteilungen bei strvtzer, Putlitzstr. 10, statt. Erscheinen aller ist unbedingt erforderlich. I', Jtreis ltichtenberg. Arbeiterwohlfahrt: Die Pollvcrsamnilung am kommen. den Dienstag fällt aus. heute, Donnerstag. 13. Oktober. 3. Abt. iszh Uhr Funktionäriitzung bei Engel, Bartelftr. 7. Zungsozialisten. Gruppe Prenzlauer Berg: 20 Uhr im Jugendheim Danziger Stratzc 60. Politische Aussprache und Organisationsangelcgcnheiten. Morgen, Zreitag, 14. Oktober. •#. Abt. Britz- Buikow. Alle Genossen und Genossinnen besuchen die Werbe» frier der Sozialistischen Arbeiterjugend, Gruppe Britz, um ISsh Uhr in der Aula der 48. 4«. Gemeindeschule, E Haussee strasie. Abt. 124a Mahlsdors-Süb. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Dietz, Uhlandstr. IS. Frauenveranftaltungen, Freitag, 14. Oktober. 17. Kteia Lichtenberg. In der Bibliothek, Weichsclstr. 2«, Kursus über Kultur. kämpfe der Gegenwart." Referent Genosse Willige. 10. Abt. Frauenabend im Lokal„Zum Burgfrieden", Wichertstr.#9. Genosse Rachow spricht lldcr Arbciterwohlfahrt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Krri» Nrnkolln. Gruppe Hermanaplatz: Unsere Gruppennachmittage finden Montags und Freitags(nicht Donnerstag») von 16—19 Uhr in der Schul« Ztaisor-Friedrich.Str. 4 statt. »- ,. Elternbeiräte, Achtung! Alle Elternbeiräte besuchen am Sonntag, 16. Okto- der. II Uhr, die Protestkundgebung des Sozialistischen Kulturdundes gegen den Reichsschulgesetzentwurs im Bürgersaal des Rathaus«», Kiinizstrgsje.— Der Kursus der Arbeiterdildungsschule für Elternbeiräte beginnt am Dienstag, Zb. Oktober, 20 Uhr, Sophien. Schule, Weinmeisterstr. 16—17. Anmeldungen im Bureau, Lindenstr. 3, bei den Obleuten und bei Beginn des Kursus im Unterrichislokal. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Bezirk». gruppc Srosi-Derlin. Alle Mitglieder werden dringend gebeten, sich Sonn» tag. 16. Oktober, 11 Uhr im Bllrgrrsaal des Rathause» an der onentlichen Kundgebung des Sozialistischen Kulturbundes.Der Rcichsschulkampf" zu ra» teiligen. Referentc» sind die Genossen Prof. Radbruch, Toni Pfülf, Stadt. schulrat Rndahl, Pastor Franke, Ludwig Diederich und Vertreter der Organi. fationen. Bckannntc mitbringen.— Weitersagen! Der Vorstand: gez. Willi Äarsle, Ernst Schultz. Sterbetafel üer Groß-Oerliner partei-Grganisation 7. Abt. Am 10. Oktober verstarb im Alter von 39 Jahren unser Genosse Georg Ruscher. Wir werde» ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 13. Oktober, läVt Uhr, von der Kapelle des Sophien-Friedhofcs, Berg-, Ecke Invalidenstraße, statt. .........-.------""ZendtM" 28. Abt. Unser Genosse Hermann»W») P ist am II. Oktober verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet Sonnabend. lS. Ollober, 13>-., Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. stahlreiche Beteiligung wird erwartet. Sozialistiftbe flrbeiterjugenü Groß-öerttn. Anmeldnnge» zur Arb«!t»aem«i»schaft vber.Wirtschaftsichre'(Leiter Genosse Abraham) werden im Iugendsekretariat noch schriftlich und mündlich entgegengenommen. Die Vorbesprechung fllr die Teilnehmer findet Sonnabend, 22. Oktober, 19 Uhr, im Lindenheim statt. Achtung, Abteilungileiter! Die Berichtsbogcn für da» 3. Quartal(Juli bi» September) sowie Monatsprogramme für November müssen»bgeliesert werden. In ihrem Zyklus„Die moderne Frauenbewegung" ich Dr. Ilse R e i k e über„Die Frauenbewegung in Kunst und Zissenschaft". Dieses Kapitel schien der Bortragenden besonders am Herzen zu liegen. Sie gestaltete es mit Wärme und Lebendigkeit. Die Betätigung der Frau in Kunst und Wissenschaft nahm mit der Ve- sreiung der Frau von den Hemmungen veralteter Traditionen und Borurteile einen wesentlichen Ausschwung. Damit hat Frau Dr. Reil« unbestreitbar recht. Aber wenn auch der Wegfall dieser Hemmungen der Frauen begabung den Weg geöffnet hat, da« Genie— auch unter den Frauen— hat ihn zu allen Zeiten gesunden. In fast allen Jahrhunderten und Ländern gab es einzelne bedeutende ge- lehrte und künstlerisch produktive Frauen. Gute Massenleiswng der Frau ist das Produkt der Frauenemanzipation. Durch sie konnte auch aus künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet die Frau ihrer Be- gabung entsprechend vollwertiger Staatsbürger werden. Doch Frau >Dr. Reike zitierte als Parallelleistung der modernen Frauenbewe- gung vielfach Spitzenleistungen. Diese dürsten sich nicht so ohne weiteres einordnen lassen.— Prof. Dr. Hans Reichenbachs Aus- führungen über den„Ausbau der Materie" leiden an einem Fehler, in den viele wissenschaftliche Funtoorträge verjallen. Sie wollen zu- viel geben.— Von sachlicher Bedeutung war der Vortrag von San.-Rat Dr. W. Brock über„Rheumatismus", der sich bemühte, mit der Volksmeinung auszuräumen, daß Rheumatismus in fast ollen Fällen eine Erkältungskrankheit sei.— Für das abendliche Eendespiel, Schumanns„Genoveva", sei die Funkstunde beson der» bedankt. Diese Schumann-Oper, musikalisch weit eher Orato- rwm als Oper, ist kaum ein Bühnenwerk. Aber der Mangel an dramatischer musikalischer Spannung läßt den Funkhörcr gerade das Bühnenbild nicht oermissen, und verHilst ihm so zu einem vollen Genuß der musikalischen Feinheiten des Werkes. Selmar Meyro» witz war der Schumonnschen Musik ein liebevoller Mittler. Eine ausgezeichneten Beletzung der Gesangsrollen erleichtert« ihm die Auf. gäbe. te» Bellevuc übe:.Internationale sozialistische Jugendarbeit. Erwachsene l M. heute, Donnerstag, 13. Oktober, 19',2 Uhr. bin ich in der SAI.7"— ,»Das alte Rom und sein .PW. PPI W_____ Drlesener Str. 22.„Was wir wollen." Eltern und Gäste willkommen.— Köpenicker Viertel: Schule Wrangel- straße 128.„Warum gehört jedes Mädel und jeder Bursch in die SAJ.?"— Südwest: Heim Lindenstr 3„Klassenjustiz."— Friedenau: Schule Offen- bacher Str. Sa.„Humoristischer Abeud."— Schöneberg III; Heim Hauptftr. 15. „Sozialismus und Kommunismus."— Lichterlelde: Heim Lichierfclde-Gcst: Aibrechtstr. l4a.»Die russische Oklobezrepolution."— Steglitz II: Heim Albrechtstr. 47.„Tagespolitische Fragen."— Kollnischcr Pari: Heim Engel- ukcr 24—25. Vunlcr Abend."— Wittenau: Heim Rosenthalcr Str. 15. Dichter- abend.— Reukäll» II: Heim Vergstr. 29. Funktionärsitzung. Werbebczirk Westen: 20 Uhr Borstandssitzung im Heim Rosincnstr. 4. Werbebczirk Müggelsee: Heim Friedrichshagen, Zimmer 4(Rathaus). Kursus der Kassierer und Echrififührer. Wcrbebezirt Liisitenberg: Heim Friedrichsfelde, Verliner, Ecke Schloßstraße. Wichtige Werbehezirksvorstandssttzung. Erscheinen aller Abteilungsocrtreier ist naiwklidig. » Werteseier Britz: Morgen, Freitag, Se- meindefchule, Chausseestraße. Vortragsfolge: Singkrris der SAJ., Eprechchor, Rezitationen, Ansprache, Musik, Iugendspiel. Eintritt 30 Pf. Be,' Eltern und Parteigenossen, besucht unsere Feier! in der Aula der 47./48. F., Sprech.. eginn 20 Uhr. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Rot-Gold". efchäktsstrlle: Berlin S 14. Sedastianstr 37M. H»> 2 Tr T»n»er,t»g, 13. Oktober. Lichtenberg nebst Untergruppen: I9'4 Uhr in Kerns Festfälen, Türrfchm dtstraße. Vollversammlung. Vortrag des Kameraden Eenalsprästdeiilen Dr. Großmann. Alle Kamerad:» haocn zu «rfcheinc». Lickterfelde-Lankwitz: 20 Uhr Kameradschafisverfammlung in den Lichterfelder Festfälen, Zehlendorfer Strohe. Vortrag:„Deutschland und der Völkerbund", Studicnrai Marquardt. Interessierte Republikaner willkommen.— Freitag, 14. Oktober. Friedrichshain, Kameradschaft Stralau: 20 Uhr Sitzung bei Wertolla, Hohenlohcstr. 3. Sämtliche Kameraden haben zu erscheinen. Wichtige Tagesordnung. Kreuzberg: 20 Uhr Bollvcrsammluna mit Angehäriaen bei Rabe, Fichtestr. 29. I. Vortrag des Kameraden Dr. Mifchler über„Das republikanisch« Oesterreich." 2. Ocsterrcichischc Rezitationen, Fritz Richard. Tempekhos: 20 Uhr Vollversammlung im Blrkenwälbchen, Tempelhof, ZRa» tcuffcl straße. Vortrag des Kameraden Meier.(Ohne Mitgliedsausweis kei« Zutritt.) Pankow: 20 Uhr Turnhalle Wollankstr. 131 Besichtigung sämtlicher Kameradschaften. Alle Kameraden nehmen daran teil. Reinickendorf: 20 Uhr im Schlltzenhaus, Residenzstr. 1, Bollvcrfammiung. Erscheinen aller Kamera. den notwendig. Wichtige Tagesordnung.— Sonnabend, 15. vktiber. Schöne. berg.Friedenau: Herbstvergnügen in den Spichcrnfälen. Alle Kameraden mit Angehörigen und befreundete Republikaner sind herzlichst eingeladen. Ein, tritt 1 M. Tempelhof: 17' i Uhr Bhf. Tempelhof Schutzsport. Antreten zum Uebunasmarfch. Herinsdorf(Kameradschaft): 20 Uhr im Restaurant»Zur Hütte" bei Wilhelm Rünzel, Kaiserstr. 1—2, Fahnennagelung. Anschließend Konzert und Tanz.— AGtnpq. Skitrockcnkurlns! Anmeldungen zum dieslährigen Ski- trockcnkurfus für Anfänger find umgehend unter Zahlung her Kurfusgebühr von 4 M., für Jpaendlichc 2 M., zu richten an I. Breslauer, EW. 68, Mark. Freitag, 14. Oktober, 20 Uhr. Kameradschaftsverfammlung bei Rudolf. Her, marnistr. 156, Ecke Knefebeckstraßi. Erscheinen Pflicht. Arbeitcr-Samaritcr-Kolonae. Monaisversammlungen. Rcnlölln: Freitag, 14. Oltoder. I9zh Uhr, Schule Rvtlistraße, Zeichcnsaal.— Wedding: Dlenstag, Oktober, 191« Uhr, Lokal Bellin, Schulstr. 12. Arbeitsgemeinlck-alt für Forftsckutz und Ratnrknnde, e. V. Sonntag, 16. Oktober, forftkundliche Wanderung nach Schöneiche und Rahnsdorf, Thema: „Waldbau, Waldpflege und Waldästhetik. Treffpunkt 10 Uhr Bhf. Friedrichs- Hägen. Fkhrimg: Förster Heinp. Perband für Freidcniertum und Fcucrbestattung, Ortsgruppen Herm»dorf, Waidmannslust und Glienicke. Miiglicdervcrsammlung Donnerstag, 13. Okto. ber. 2V Uhr. Resta"ranl Ecke Berliner und Bahnhofstraßc. Bortrag über»Ru� land". Gäste w Nkommen. � � �. Bereinigung für Schul- und Erzlehuagsfraqen, Berlin-Trcptow. Bersiemm» liinq Freiiaa, 14. Oktober. 2« Uhr. 6. Treptower Gemeindeschule, Wildcnbruch. straße 53. Direktor H. Würz:„Seelische Entkrüpp«lung". wcllerbericht der Sffenklicheu Tvelletdlenstsselle kerssn vnd Umgegend (Nochdr. veib> Trocken und beiler bis wolkig. Temveraluren wenig oe- ändeit, lchwach» Winde aus östlicher Richlnnq.— Jiir veolschland: Im Osten stärker bewöllt, im Süden stark nebelig, sonst wollig und zeilweise heiter. Temperaluren nabczu unverändert. Der außerordentliche Erfolg bee Fcrien-Soubcrporstellung am Sonnabend- nachmittag tind das überrolle Haus der Conntagnachmillagvorstellung ver, anlaßt die Direktion des Zirkus Busch, für den kommenden Sonnabend, nach- mittags 4 Uhr, eine nochmalige Wiederholung der Exiravorstcllung anzusetzen. Es gelangt das Manegeschanstück„Das Mädchen au» WIld-Weft" zur Auf- fllhrung. Die Sonnabciidu.achmittagsvorstellung findet bei halben Preifen für Kinder und Erwachsene statt. HlRHÄMN T Lelpzlser Strasse/ Alexanderpiatz/ Frankfurter Allee/ Deüe• Altiance• Strasse/ Brunnen-- Strasse/ Kottbuser Damm/ Wilmersdorf er Strasse/ Chausseestrasse/ Andreasstrasse