�benöausgabe Nr. 485 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 240 »ejuBrttSInsmtfltn und«njttflntjittllt fuib in tu M-rzcnauszod« anfleatfe« ttetialilon: SIS. 68. Liodeostrahe i Fernsprecher: DSnhoss 292- 292 ?»I.-«drrsse: Sozloldemotr»! verNn Verlinev Volltslrlnkk �10 p?«nnis) Donnerstag 13. Oktober 1927 ?«rlag und Anzeigknadletlun,! ScschSftsz-it«M, dt» 5 Uhr Verleger: VorwSres-Verlag GmbH. verlta SV». 66, cladenstrai,» 3 Fernsprecher: VSnhoss 292-29: Zentralorgan der Sozi aldem ohrati feben parte» Deutfchlands Nöolf Mermuth. Der frühere Oberbürgermeister von Berlin ildolf Mermuth ist gestern, 7ZjShrig, nach viertägigem Krankenlager im Lichterselder Kreiskconkenhaus gestorben. Ein„Beamtenleben", das die letzten sieben Jahre in frei- willig-unfreiwilliger Muße verbringen mußte, ist zu Ende �gegangen. Ein Beamtenleben, desien größter Teil dem Dienst des Reiches galt und das feine Bedeutung doch erst durch die kommunale Betätigung an der Spitze der Reicbshauvtstadt erhielt. Im Juni 1912 wurde Adolf Mermuth zum Oberbürger- meister Berlins gewählt. Die Sozialdemokratie stand dieser Wahl abwartend gegenüber. Was Mermuth als Staats- fekretär im Reichsschatzamt geleistet hatte, gab keine Gewähr dafür, daß er die Geschäfte der Stadt im Sinne der immer stärker andrängenden sozialen Forderun- gen mit bewußtem Fortschrittswillen und mit Entschieden- beit würde zu leiten wissen. Er war gescheitert an der neuen cheeresoorlage des Jahres 1912, zu deren Deckung er die Erbanfallsteuer herangezogen wissen wollte. Als auf den Druck der Konservativen und des Zentrums hin die Finanz- minister sich gegen die Steuer wandten, zog er die Konse- quen�en und trat zurück. Schon bei der Einführung des neuen Oberbürgermeisters lüftete sich jedoch der Schleier ein wenig. Mit deutlicher Spitze betonte Mermuth in seiner Antrittsrede: ..Ich möchte nach den Grundsätzen, unter denen Berlin erblüht ist, tatenftoh und gut bürgerlich wie im Ma- gistrat, so mit Ihnen lden Stadtverordneten) wirken, mit Ihnen das Suchen und Streben und die Freude am Er- reichten teilen." Aus dem höfischen Berlin sollte das„bürgerliche" Berlin werden, und als äußerliches Zeirben dessen brach er mit dem langjährigen würdelosen Brauch, den Kaiser und fremde Fürstlichkeiten mit entblößtem flaupt am Brandenburger Tor zu empfangen, sondern beteiligte sich bei den Empfängen auf dem Bahnhof. Mit außergewöhnlicher Tatkraft und Ent- s ch i e d e n h e i t hat Mermuth in den folgenden Iahren die Geschicke Berlins in dem von ihm als richtig erkannten Sinne beeinflußt— unbekümmert um den sich immer mehr zu- spitzenden Gegensatz zu den Rechtsparteien, die nichts unversucht ließen, um die liberalen oder— wie es bald hieß—„sozialistischen" Tendenzen seiner Amtsführung zu durchkreuzen. Sein persönliches Verdienst ist es in erster Linie, daß die Ernährung der Reichsbauptstadt während des Krieges im Rahmsn des Möglichen sichergestellt werden konnte. Die Arbeit, die damals geleistet worden ist, ist eingehend in dem im November 1920 herausgegebenen ausführlichen Bericht..Berlin im Weltkriege. Fünf Jahre städtischer Kriegsarbeit" gewürdigt worden. Es ist möglich, daß Mermuth— wie von deutschnationaler Seite immer wieder behauptet worden ist— gerade durch diese Arbeit, die ja zwangsläufig gewisse gemeinwirt- schaftliche Formen annehmen mußte, immer mehr sich von der Richtigkeit sozial! st ischer Forderungen überzeugt hat.„Ehe er sich's versah," schreibt heute die ,.D. A. Z.".„befand sich der ehemals so unpolitische, keiner Partei zugeslbworene Beamte im Bann sozialistischer Ideen." Richtig ist, daß unmittelbar nach der Revolution der Bruch zwischen Mermuth und seinen einstigen Freunden innerhalb der bürgerlichen Barteien erfolgte. Zu den alten politischen Gegnern des Oberbürgermeisters gesellten sich nunmehr aucb die Demokraten, die den Wandel vom Kommunalfreisinn zur Demokratie zunächst nur im Nomen vollzogen batten. während die Arbeitsgemeinschaft der Ar- b e i t e r r ä t e ihn ausdrücklich ihres Vertrau-ns„in Er- Wartung weiterer ersprießlicher gemeinsamer Arbeit" ver- sicherte. Das Jahr 1920 brachte dem Oberbürgermeister dann die Ncrwirklichunq seiner lanajährigen Bestrebungen nach einer Zusammenfassung der zersplitterten Berliner Gemeinden zitz einem einheitlichen Groß-Berlin. Und bei der Mahl des neuen Magistrats der Einheitsgemeinde wurde er an die Spitze dieses Groß-Bersin berufen. Sämtliche s o z i a l i st i- s ch e n Parteien stimmten dafür— keine einzige bürgerliche Partei konnte sich dazu aufschwingen, dem Mann ibres einstigen Vertrauens, dem Mann der Kriegswirtschaft Ber- lins, dem Vorkämpfer für die Vereinheitlichung ihre Stimme zu geben. So hätte Mermuth noch lanae Jahre die Geschicke Berlins an der verantwortungsvollsten Stelle mit leiten können, ge- stlitzt aus die vogsewris�e Mollrbeit t>ez Roten chauses. Der Haß und die Mut der bürgerlichen Parteien über den„Ber- räter" hätten ihn nicht zu Fall bringen können. Aber was sie allein nicht verinocht hatten, das wurde ihnen ermöglicht durch die Uneinigkeit der Arbeiterparteien, durch die Ver- autwortungslosigkeit der Kommunisten. Als am Schluß des E'ektrizitätsstreiks im November 1920 die Linksmehrheit des Rathauses ein Vertrauensvotum über die Haltung des Ober- bürgermeisters in diesem Streik einbrachte, zogen die Kom- munisten unter Führung von Dörr die bereits ge- gebene Unterschrift in letzter Stunde zurück: die Mehrheit, die den Oberbürgermeister gewählt hatte und auf die er sich stützen konnte, war zerbrochen. Mermuth zog die Folgerung daraus und ließ sich zunächst beurlauben, um dann wegen seines„aufs äußerste angegriffenen Gesund- heitszustandes" endgültig auszuscheiden.„Die Deutsch- nationalen und sonstigen kapitalistischen Kreise haben Wer- muth zur Strecke gebracht. Die Kommunisten gaben ihm den Fangstoß. Beide sind jetzt zufrieden," schrieb damals der „Vorwärts". So endete frühzeitig und überraschend die Laufbahn des Mannes, auf den gerade die Sozialdemokratie glaubte noch viele Hoffnungen setzen zu dürfen. Die g e s ch i ch t- liche Leistung Mermuths wird dadurch nicht beeinträchtigt. Freund wie Gegner müssen sie heute schon anerkennen, wenn auch natürlich der Haß auf den Mann, der sich rechtzeitig aus der Enge bürgerlicher Ideologien löste, noch auf lange hinaus bestehen blei- den wird.„War es nicht selbstverständlich, wie im tiefften Sinne nützlich, daß wir in der Not die Arme regten ohne Rücksicht auf Ausgang und Urteil? Und war es nicht verdienst- lich, selbst nach dem Zusammenbruch mit letztem Kraftreste Ordnung und Festigkeit zusammenzuraffen und zu verstär- ken, wo sie zu finden waren? Ich unterfange mich, auch diese letzte Frage zu bejahen"— so urteilt Mermuth in seiner Autobiographie über sein eigenes Werk und insbe- sondere über sein Handeln nach der Revolution. Die G e- schichte wird ihm recht geben. » Oberbürgermeister Mermuth war im Jahre 1912 von den Bürgerlichen gewählt worden, die Sozialdemokraten hallen weiße Stimmzettel abgegeben. Der verstorbene Genosse Leo Arons halle jedoch schon in einer Sitzung der sogialdemokratischen Stadt- verordnetensraktion auf Grund genauerer Kenntnis der Person sich in höchst anerkennenswerter Weise über Mermuth ausgesprochen und dabei u. a. gesagt, wenn es zu einer zweiten Oberbürgermeister- wähl kommtc, würden die Sozialdemokvaten ganz gewiß geschlossen für ihn stimmen. Kurz nach seiner Wahl machte denn auch Mermuth gelegentlich die Bemerkung, er wolle ein Bürgermeister nicht für Berlin M-, sondern s ü r Berlin O. sein. Zum Zeichen dieser seiner Gesinnung richtete er sich auch zunächst in einer sehr be- schcidenen Wohnung in der Klosterstraße ein, die er erst später mit einer repräsentativeren vertauscht«. Während des Krieges interessierte er sich als Mitglied des Herrenhauses lebhast für die preußische Wahlreform. «chon damals sprach er sich zu führenden Sozialdemokraten über die UnHaltbarkeit des preußischen Dreiklassenwahlrechts in schärfsten Ausdrücken aus. Die Wahlrefarin kam allerdings trotz der Be- mühungen Mermuths erst mit dem Zusammenbruch. Wie sie kam. das hat er aus feinen eigenen Erlebnissen in seinem Erinnerung-- buch dramatisch geschildert. Während einer Sitzung der Wahlrechts- kommission des Herrenhauses am 1. Oktober 1918 wurden die Fraktionssührer eiligst zusammengerufen, und die Regierung machte ihnen die Eröffnung, daß nunmehr die Oberste Heeresleitung, die bis dahin das gleiche Wahlrecht entschieden bekämpft hatte, die schleunige Verabschiedung einer demokratischen Wahlreform verlange. Konflikt zwisthen Reich unö Ländern. Um die Kosten der Besoldungsreform.— Die Länder verlangen mehr Einnahmen. Die Auseinandersetzung über dieSostenderVefoldungs. r e f o r m haben sich in den letzten Togen zu einem schweren San. s l i k t zwischen dem Reich und den Ländern entwickelt, dessen Lösung noch nicht zu übersehen ist. Die meisten deutschen Freistaaten er- klären sich außerstande, die Kosten für die Durchführung der Ve- soldungsresorm der Beamten zu tragen. Preußen hätte zwar für die ersten Monat« die Mittel dazu ftel. kann ober ebenfalls aus die Dauer die neu entstandenen Mehrkosten nicht ausbringen. Eine große Rolle spiel» dabei, daß die Reichsregierung gleichzeitig mit der Aufbürdung neuer Lasten aus die Länder diesen die Möglichkeit genommen hat. die Realsteuern zu erhöhen. Das Stenerverein- heillichungsgeseh. dessen Schicksal noch ungewiß Ist. sieht darin noch stärkere Bindungen vor als bisher. Bnn hat Bayern vorgeschlagen, die Anteile der Länder an die Einkommen st euer de, Reiches von 75 auf S0 Prozent zu erhöhen. Diesem Antrag schließt sich mit den übrigen Freistaaten jetzt auch Preußen an. Die Reichsregierung aber hat bisher immer erNären lassen, daß an eine Aenderung des Finanzausgleichs wegen der Erhöhung der Beamtengehältcr nicht zu denken sei. Nachdem nun die Mehrheit der Länder heule nachmittag Im Reichsrat den Antrag anzunehmen entschlossen ist. werden sich daraus»»eiltragende Konsequenzen sür das Schicksal der Besoldungs- vorläge und dir Durchführung der übrigen Steuerpläne ergeben. Der Konflikt ha« sich also unmittelbar vor dem Zusammentreten des Reichstages zugespitzt. Zu seiner Leberbrückung werden langwierige Verhandlungen erforderlich sein. Das Reichskabinell wird sich heule nachmittag mit den durch die Besoldungsresorm und die Ansprüche der Länder entstandenen neuen Problemen befassen. Diese Zuspitzung in einem Augenblick, in dem man über eine Neugestaltung des staatsrechtlichen Ver- h ä l t n i s s e s zwischen Reich und Ländern diskutiert, ist ein neues Zeugnis der Unfähigkeit des Rechts- b l o ck s, den großen finanzpolitischen Fragen gerecht zu wer- den. Der größte Widerstand gegen die Pläne des Reichs- finanzminifteriums kommt aus Süddeutschland, inbesondere aus Bayern, also gerade den Ländern, deren Eigen- existenz der Reichsfinanzminister immer als besonders wert- voll ansieht, und die auch sonst aus Gründen der Regierungs- koalftion sich einer großen Wertschätzung der Kabinettsmit- glieder erfreuen. Jetzt sind es diese Staaten, die in die Finanzpläne der Regierung ein Loch gerissen haben. Preußen muß sich dem Antrag anschließen, weil es selbst genau so wie die anderen Länder nicht über die notwendigen Mittel und steuerlichen Freiheiten verfügt, um die Mehraus- gaben zu decken. Diesen Gang der Dinge hätte die Reichs- regierung, wenn sie gewollt hätte, voraussehen können. Sie hat es aber darauf ankommen lassen und befindet sich nun gegenüber den Ländern in einer Sackgasse, aus der einen Ausweg zu finden ihr sehr schwer fallen wird. Zur eine europäisthe LVirtschastsentente. Eine französische Stimme zum franko-amerikanischen Zollkrieg. Paris. 13. Oktober. In einer Betrachtung des französisch-amerikanischen Zolltarif st reits und der französisch-belgischen Wirtschastsver- Handlungen schreibt die linksgerichtete Tageszeitung„Bolontee": Die belgischen Unterhändler, die sowieso schon wegen der in Frankreich gegenüber Belgien verfolgten Politik wenig zugänglich sind, sahen sich zu Beginn der Aerhandlungen einer französischen These gegenüber, die mit den Interessen Belgiens unvereinbar ist. Die ersten Sitzungen sind daher äußerst heikel gewesen. Gegenwärtig zeigen die französischen Unterhändler mehr Entgegenkommen, sie scheinen in der Frag« der Einsuhr chemischer Produkte zu einer sür Belgien befriedigenden Regelung bereit zu sein. Die Atmosphäre hat sich also geklärt, und es ist zu wünschen, daß sie noch günstiger wird. Denn es wäre der größte Fehler, den Frankreich begehen könnte, wenn es den Erfolg der verschisdenen Handelsvertragsverhandlungen, die es gegenwärtig führt, gefährden würde So ent- gegenkommend im Ton auch die letzte amerikanisch« Rote ist, sie hleibt nichtsdestoweniger auf mit den französischen Jnteresien nicht zu ver- einbarenden Forderungen bestehen. Die beste Waffe aber, über die Frankreich gegenüber dem mächtigen Amerika versügk, ist eine enge Wirtschastsentente mit seineu kontinentalen Rachbarn. Ein derartiges Abkommen besteht bereits zwischen FrankreichundDeutsch- l a n d. Wenn es auch mit Belgien zu einem entsprechenden Ab- schluß käme, würde man darin den Grund st ock einer Art«uro- päischer Wirtschaftseinheit haben, mit der die Vereinigten Staaten rechnen müßten._ Neuer Schandprozeß in Nom. Gegen neunzig Arbeiter und Intellektuelle. Mille Oktober soll vor dem Sondergericht in Rom. einer Fa- schistenabteilung im Richtertalar, als Faschisten ans unbedingten G-- horsam gegen Musiolint vereidigt, der Prozeß gegen 90 Personen beginnen, denen all« möglichen Verbrechen gegen den Staat, will sagen gegen die Faschistenherrschaft, zur Last gelegt sind, so daß ihnen die T o d e» st r a f e in Aussicht steht. In Wahrheit ist es ihr Verbrechen, daß sie Gegner des Faschismus sind und diese Gegner- schaft zu äußern so mutig waren: aber man schreibt ihnen einfach das Attentat von Bologna aufs Konto. Unter den Angeklagten sind namhafte Gelehrte, darunter der schwerkranke Professor G r a m s c i und viele andere. Sie alle werden als gemeine Verbrecher behandelt, obschon Mussolim aus seiner sozialistischen Zeit her die schwache Gesundheit mancher der Verhafteten kennt und die Wirkung dieser Behandlung beurteilen kann. Angeklagt sind auch«ine ganze Anzahl kommunistischer Abgeordneter. Heute freilich sind sie es nicht mehr, da die Faschistenmehrlzeit am 8. November 192S nicht weniger als 162 oppositionelle A b g e o r d n« t e aus dem Parla- ment ausgestoßen hat. Zu der Zeit, wo diese Kommunisten die ihnen angedichteten Verbrechen begangen haben, waren sie— selbst nach faschistischem„Recht"— noch Abgeordnete: sie sind nicht zur Strafverfolgung ausgeliefert warben, dos Gesetz, auf Grund dessen man sie jetzt anklagt, bestand damals auch noch gar nicht— kurz, dieser Massenprozeß in Rom ist die frechste und schamloseste Rechtsoerhöhnung! Ratowfki geht. Rnstland beruft ihn ab. Paris. 13. Oktober.(Eigenbericht.) Die„Volonte" meldet aus Moskau, daß der Rat der Volks- kommiffare ein Memorandum als Antwort auf die französische Rakowski-Rote ausgearbeitet habe. Darin willige Rußland in die Abberufung Rakowskis ein. Als Nachfolger Rakowskis werde Beffedowsky, gegenwärtig Geschäftsträger in Tokio, vor- geschlagen._ Die Aebernahme der präsidenlenstandbilder im Reickzstag. Am Dienstag, den 18. d. M.. findet die Uebernahme der Standbilder des verstorbenen Reichspräsidenten E b e r t und des Reichspräsidenten von Hindenburg in der Großen Wandelhalle des Reichstages statt. bereits der bisherigen Tätigkeit der Sozialdemokratischen Partei. Sie sind also nur zu dem Lweck aufgestellt, um für die Kom- munisten alle etwaigen Erfolge der sozialdemokratischen Politik später in Anspruch nehmen zu können, wenn etwa die Sozialdemo- tratie auf das Programm eingehen sollte. So ist dieser Brief von dem alten kommunistischen Geist getragen, der darauf misgsht, in den Wählermossen Illusionen zu werken. Ersüllen sich diese Illusionen nicht, dann behält sich die Kommunistische Partei seder« zeit vor, im Bunde mit der bürgerlichen Reaktion die Regierung zu st ü r z« n. Ein solches„Bündnis" ist natürlich undenkbar. Daher stößt das kommunistische Programm bei der hamburgischen Sozialdemokratie, deren Landesorganisation sich heute damit be- fassen wird, bisher auf schärfften Widerspruch. Unser Parteiblatt, dos„C ch o", bezeichnet dos kommunistische Programm rundweg als, «in« Unfähigkeitscrkllärung der KPD. Es stellt jedoch dazu als bemerkenswert fest, daß in den wichtigen sozialpolitischen Fragen die Haltung der Kommunisten nunmehr programmatisch festliegt. Das wird für die Behandlung dieser Probleme in Zukunft von Wichtigkeit sein, besonders wenn das Bürgertum auf einen sozialreaktionären Kurs hindringen sollte im Bertrauen darauf, daß die Kommunisten sich jeder staatspolitischen Verantwortung ent- ziehen. Die Sozialdemokratie denkt gar nicht daran, sich zu Kuli- diensten für die kommunistische Demagogie herzugeben und dieser Roßtäuscherpolitik Vorschub zu leisten. Nacktem die KPD. In Hamburg«ine bei den jetzigen Mehrheitsoerhältnissen mögliche Arbeiterreglerung in aller Form abgelehnt hat, da sie sich nicht an ihr verantwortlich beteiligen will, hat die Sozialdemokratie in ihren Entschlüssen völlig freie Hand und wird daraus diejenigen Konsequenzen ziehen, die für ein« vernünftige Staatspolitik im Dienste der Arbeiterschaft geboten sind. verstänöm'slos. Der politisch« Instinkt der Kommunisten. Der„Koten Fahne" ist unsere Beschäftigung mit dem Falle Marx— Keudell— von Tresckow unverständlich. Um so verständlicher ist uns diese Bsgriffsstutzigkeit. Sie ist uns auch nicht neu. Als wir im Fall« Haas— Schröder fMagdeburg) gegen «inen der harrsträubenden Exzesse reaktionärer Tendenzjustiz an- kämpften, wurden wir von den Kommunisten beschimpft, weil wir uns für den.Kapitalisten Haas" einsetzten. Ebenso war es, als wir im Fall« Kußmann— Knoll die Verseuchung der Berliner Staatsanwaltschaft durch deutschnationale Spionage- zentralen aufdeckten. Damals stellte sich der Abendablegsr der „Roten Fahne", mit aller Kraft uns verdächtigend, vor die Beauftragten der Bacmeister, Leopold und Konsorten. Erst Monate später ändert« matt dann Im Vollgefühl der Blamage heimlich still und leise seine Haltung, wobei man auf die Vergeßlichkeit der kommu- nistischen Leser mit Erfolg spekulierte. Warum sollen wir uns da wundern, wenn da» Berliner Kommunistenblatt den politischen Sinn des Falles Keudell— Marx— Tresckow nicht begreift, wenn es nicht einzusehen vermag, baß die von Marx geforderte Ehrenerklärung für Tresckow notwendigerweise die Verurteilung seines Ministertollegen o. Keu» d e l l ist!(Weswegen Herr Marx sich auch so standhaft weigert, sie abzugeben.) Aber vom Ochsen oerlangt man vergeblich mehr als Rind- fleisch, Und wer unter Politik nichts als Schimpfen, Prügeln und Schreien versteht, der wird einen politischen Kampf niemals begreifen und zeitlebens der tölpelhaft« Handlanger und Bundesgenosse der Reaktion bleiben._ Lockerung üer Wohnungszwangswirtstbast. Vergünstigungen bei der Teilung groster Wohnungen. Der preußische Wohlfahrtsminister hat unter dem 4. Oktober eine Verordnung erlassen und jetzt dem preußischen Staatsrot zur Kenntnisnahme übersandt, die eine Teilung großer Woh» nungen zur Schaffung neuer Schlasräurne begünstigt. Die neuen Bestimmungen sehen vor, daß durch Teilung gewonnene Wohnräume, wenn die alte Wohnung fünf Zimmer oder mehr umfaßte, nicht der Beschlagnahme unterliegen sollen. Ale neue Wohnung gilt auch der Teil der bisherigen Wohnung, in dem«ine Küche vor, Händen war. Die Gemeinden haben damit die Möglichkeit erhalten, einen gewissen Druck auf die Besitzer großer Wohnungen aus- zuüben, um durch Teilung der alten und bauliche Hcrrichtung der neuen Wohnungen dem Wohnungsmongel entgegenzutreten. Viel Wirkung wird man von der Verordnung nicht erwarten können, da ja die M i e t e in den so hergestellten neuen Wohnungen der Zwangswirtschaft nicht unterliegt und aller Voraussicht nach sehr hoch sein wird. An der Notwendigkeit, durch möglichst umfassende Neubauten gegen das Wohnungselend anzukämpfen, ändert die Verordnung also nichts._ Ein spätes vementi. Pal4ologue bestreitet jetzt das Angebot an Ungarn. Bukarest. 13. Oktober. Die Presseobteilung des Außenministeriums teilt mit, daß der rumänische Gesandte in Paris, Consiantm D i a m a n d i, von Paleologue folgenden vom 11. Ottober dotierten Brief er- halten habe: Lieber Freund! Ich war sicher, daß Sie nicht einen Augen- blick lang der französischen Regierung die Verantwortung daiür aufbürden würden, daß st« im Jahre 1920 die seltsamen Per- Handlungen mit der ungarischen Regierung geführt hätte, die seit einigen Wochen soviel Aufregung unter den Madjaren hervor- rufen. Derartige Verhandlungen haben niemals stattgefunden. Was die amtliche von mir unterzeichnete Rote betrifft, von der die ungarische Presse soviel Aufhebens macht, so erklärte ich, daß sie vom ersten bis zum letzten Wort«ine Fälschung ist. Paleologue. Seit der Veröffentlichung des„Magyarsäg" sind gut zwei Wochen verstrichen. Bis jetzt hatte Paleologue jede Aeußerung abgelehnt.� Alle Welt glaubte fest an die Richtigkeit jener Veröffentlichung, daß nämlich dem verstümmelten Ungarn eine große Verstärkung seiner Armee und eine Verbesserung der Grenzziehung angeboten war, wenn es dem damals schwer bedrängten Polen gegen die Sowjet- arme« zu Hllfe eile. Da dieses Angebot eine Bestätigung dafür wäre, daß man in Paris damals schon die schweren Ungcrechtig- ketten der Grenzziehung mit ihrer Abreißung kernmadjarischcr Gebiete von Ungarn eingesehen Hab«, wirkte es als eine maßgebende Bestätigung der gleichlauscnden Behauptungen des Lord Rothennere, begeisterte darum die Madjaren und beunruhigte in starkem Maße die vermeintlichen Nutznießer dieser Grenzziehung, also die Re« gierenden in Prag. Bukarest und Belgrad. Paleologues Amts- Nachfolger als leitender Beamter des französischen Außenministeriums, Bert Helot, macht« mit dem tscheckstschen Gesandten in Paris, Osusky, einen Autoausflug, ausgerechnet aber natürlich ganz un- politisch, nach Prag und jetzt kommt endlich aus Bukarest— nicht aus Paris— und auf dem Umweg eines Briefes an Diamandi— nicht direkt und klar— das Dementi. Es dürfte das Ergebnis eines wahren Trommelfeuers ans Paleologue darstellen. Warten wir ab, was als Beweis für die Echtheit des Angebots noch zutage kommt— und ob schließlich nickt dieser von Bukarest hinaus- posaunte Brief noch einmal als Fälschung erklärt wird! Erzbistbof gegen woiwoöe. Mr die Freilassung der litauischen Pfarrer. Dilna. 13. Ottober. Wie die„Katholische Presteogentur" meldet. Hot sich der Erz- bischof von Wilita an den Wolwoden Raszkiewicz gewandt, um eins Freilassung der inhaftierten litauischen Pfarrer zu erreichen. Der Erzbischof habe darauf hingewiesen, daß durch die Verhaftung ganze Kirchensprengel ohne Pfarrer sind. Außerdem wies er darauf hin. daß die Verhaftungen sich mit den Bestimmungen des Konkordats nicht rechtfertigen ließen. Der Woiwode er- klärte, daß er selbst nichts unternehmen könne, aber die Intervention des Erzbischofs an die Zentralbehörden weiterleiten werde. Das einzige, was der Erzbischof erreichte, war die Erlaubnis, die elf Pfarrer im Gefängnis zu besuchen. Reichskanzler Dr. Marx ist nach Wschluß seiner Reise durch die besetzten Gebiete heute vormittag in Berlin eingetroffen. Um üen Kn'eöen Europas.> Wirth über das graste Wahljahr 1928. In der„Deutschen Republik" schreibt Wirth über den Aufmarsch zu dem große» Wohlsahr 1928. Er wendet sich lebhaft gegsn die zweideirtige Art, in der die Deutschnatio» nalen in der� Regierung Aölkerbundspolitik treiben, und be- merkt darüber u. a.: Die Aussühiixngen des Grafen Westarp auf dem Parteitag der Deutschnationalen zur Außenswlitik haben erneut Zweifel an dem ehrlichen Willen Deutschlands zur Mitarbeit am Frieden aufkommen lasten. Namentlich in Frankreich fragt man sich, ob aus den Aeußerungcn � Grafen Westarp nicht ge- ichlossen werden müssq, daß die deutsche Regierung dem Druck der Dcutjchnationalen, der bisher namentlich in der Innenpolitik spür- bar war, nicht auch in ihrer äußeren Politik nachgeben müsse. Frankreich sieht daher i» den deutschen Wahlen des nächsten Jahres die Antwort auf seine Frage, ans welche Bahn sich das neue Deutsch- land endgültig festlegen werde. Ohne Zweifel wird t«r Ausgong der nächsten Wahlen bei uns die Entscheidung bringen, ob �das deutsche Boll unter Wahrung des be- rechtigten deutschen Standpunktes, aber in Einordnung tn die allgemeineOrganisationdesFriedensonden großen europäischen Problemen itr der Zukunft weiter mitarbeiten wird, oder ob es den verhängnisvollen Eingebungen der Deutschnationalen, oie„für Schwarzweißrot" und„gegen die uns wesensfremde Ber- sassung von Weimar" in den Wahlkampf zu gehen beabsichtigen, Ge- hör leisten wird. Sicher ist, daß au» dem, was aus einer solchen Politik notwendig folgen würhe, ein Friede in Europa nicht möglich wäre. Ob es seiner eigenen Partei, dem Zentrum, überhaupt noch möglich sein wird, nach Ihrem Bündnis mit den Deutsch- nationalen einen Wahlkampf nach so großen Gesichtspunkten zu führen— darüber äußert sich Wirth nicht. Esser gegew Hergt. Recklinghausen. 12. Oktober. Auf der von der Zentrumspartei veranstalteten großen Mittel- standskundgebung sprach der Vizepräsident des Reichstages, Abg. Esser, über die Miltelstandspolitik des Zentrums und die gegen- wärtige politische Lage. Dabei betonte er, die Red«, die der Reichsjustizminister Dr. Hergt dieser Tage gehalten habe, schlage all« ehrlich gemeinten Bestrebungen, zir einer Verständigung mit den Deutschnationalen zu kommen, in Scherben. Angesichts dieses Verhaltens der deutschnationalen Führer werde die Frage, o b s i ch die Koalition mit den Deutschnationalen noch lange aufrechterhalten lasse,, immer dringender. Demagogie statt Staatspolitik. Wie die KPT. sich die Hamburger Regierung vorstellt. Hamburg. 13. Oktober.(Eigenbericht.) Di« KPD., Bezirksleitung Wasserkante, richtet« an die Vor- stände der Hamburger Sozialdemokrat« und Gewerkschaften«inen offenen Brief, der heute auch in der»Roten Fahne" ab- gedruckt wird und der vierzehn Forderungen zu der Regierungs- bildung in Hamburg ausstellt. Formuliert sind dies« Forderungen nach berühmtem kommunistischem Rezept.' Eine Beteiligung an der Regierung, eine verantwortlich« Mitwirkung an der Durch» führung der von ihr selbst ausgestellten Forderungen lehnt die KPD. ab. Sie erklärt sich lediglich bereit, einer sozialdemo- fratischen Regierung in Hamburg die Möglichkeit des Bestehens und Arbeitens zu geben, wenn diese die„Mindestscrderungen" auf- nimmt, und wenn die Programmpunkt« nicht plötzlich später auf Mostauer Befehl anders ausgelegt werden. Im übrigen kümmert sich das kommunistische Programm natürlich gar Nicht darum» ob die aufgestellten Programmpunkte im Rahmen der Politik eine» einzelnen Freistaates überhaupt durchzuführen sind oder ob die Entscheidung über die fragllchen Punkte nicht beim Reiche liegt. Der größte Teil der sozialpoltijchen Forderungen hingegen entspricht Das Lauschmikrophon. Boa En vre us. In der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist die Moschin« selbst- verständlich der Feind des Menschen. Jede Maschine verdrängt so- undsoviele Arbeitet: man setzt diese auf die Straß« und schreibt den so erzielten Gewinn zum übrigen. Ja. Und nun soll sogar der Spion durch die Technik ersetzt werden! Es gibt manchertei Spione. Solche, die sich in Feindes Land begeben, von dort unter mehr oder weniger Gefahren politisches und militärisches Material schicken, das meist schon bekannt ist und teuer bezahlt werden muß. Eine solche Tätigkeit ist ehrenvoll. Dann gibt es eine Reihe von Spionen, die militärische Geheim- niss«(?) der Reichswehr für Butterbrote verkaufen. Solch« Spione wirft man, falls man sie erwischt, auf Mehrere Jahre in den Kerker. Sie sind keine Helden. Die traurigsten Helden aber sind die Spione, die sich m Fabrik und Bureau mit freundlichem Lächeln an dich heranschleichen, Prolet, die dich zu einem Glas Bier«inladen— das dein Arbeitgeber bezahlt!— und dir dich bis auf Herz und Nieren ausfragen. Wehe, wenn dem Gehege deiner Zähne ein Wort entfährt, das«inen Geisteshauch von Marxismus verrät oder ein Rüchlein Sozialismus— morgen weih es dein Chef, über» morgen stehst du„wegen Betriebseinschränkung" mit deinem Arbeitsbuch auf dem Arbeitsnachweis. Und gerade diese gefährliche Sorte Spione will man ersetzen durch mechanische Gesinnungsschnüssler! Eine geschäftsttichrige Berliner Telephongesellschast stellt solche maschinellen Lauscherohren cn gros her. Sie bestehen aus Mikrophonen beliebiger Anzahl, die Gespräche und Geräsche in das Arbeitszimmer des Chefs oder Unter- liehmers leiten. Der braucht dann bloß den Kopfhörer aufzustülpen und sich einschalten, wo und wann«» ihm beliebt. Wenn er es sür nötig hält, kann er sich einen zweiten Mann als Zeugen nehmen! Und wenn es ihm paßt und wenn er sich zu sehr geärgert hat, kann er sofort die Entlassungen diktieren. Das ist«in gefährlicher Feind, der sich da in die Werk« und Fabriken«inschleicht. Denn die Mikrophon«, diese.Lauscherohren". sind so winzig, daß sie überall unauffällig untergebracht werden können. Früher soll es ja auch schon neugierige Leut» gegeben haben, die an Lüftungsklappen, Wasserrohren oder sogar an Tür» jchlössern lauschten— aber diese Methoden waren unvollkommen und führten leicht zu Entdeckungen. Jetzt ist die Sache viel gcfahr- loser. In xinem neuzeitlich organisierten Wert— alle großen Werke sind im Zeitalter des Rationalismus— nein, der Rationalisierung wollte ich sogen— technisch auf der.höhe— sieht dann die Sache so aus: Der Chef tritt um 1t) Uhr ein. Hat gut gefrühstückt, aber schlecht verdaut. Nimmt aus seinem Schreibtisch deu Kopfhörer. Tut eine Rolljalcusie beiseite, eine fünffache Reihe von je zwanzig Knöpfen wird sichtbar, Chef(zu sich):»Mollen doch mal Hören, ob dieser Kerl von Müller nich doch so'n verkappter Roter is".(Drückt den Knopf nieder, neben dem„Müller" steht.) Stimme im Mikrophon: .. man n bißchen fix. sonst komm' ick heil nich uff mein Pensum. Und denn fehlt et mir am Ende von de Woche wiföa zu de Miete. Bei die Hungerlehne.. Der Chef kriegt einen roten Kopf und notiert: Hungerlöhue. Er hat von Müller die Nase voll und nimmt sich mal den Krause vor. Den hat er erst vorgestern auf Empfehlung des nationalsozialistischen Arbeitsnachweises eingestellt. Also. Stimme im Mikrophon:„Verfluchter Mist! Einem solche Dreckarbeit zuzuweisen! Unser einer schuftet hier, und das vollgefressene Schwein da oben kommt so um zehn angeschlendert. Ich sah ihn gestern in der Leip- ziger Straße, da ging er mit solchem Flittchen in die Winzer- stuben..." Der Chef japst nach Lust. Das vollgefressene Schwein liegt ihm im Magen. Zvrnbebend notiert er:„Krause wird sofort entlassen". Dann schleudert er den Kopfhörer wütend von sich. Ja ja, jede Erfindung hat zwei Seiten. Manche Privatdetektivgesell- schast wird zu Massenentlassungen schreiten müssen, nachdem dl« Mohren ihr« Schuldigkeit in den großen Fabriken und Werken getan haben... Opfer des mechanischen Lauscherohres. Noch läßt sich nicht überblicken, welche ungeahnten Lerwendungs- Möglichkeiten der künstlich« Lauscher in sich schließt. Die Gattin geht damit zu Bett, um von den Fußtritten ihres spät heimkehrenden Gatten totsicher geweckt zu werden— Fußtritte selbstverständlich bildlich gemeint. Di«„Gnadige" kann sich mit Hilfe dieses feines Ohres vergewissern, daß Minna keinen unerwünschten Kostgänger in der Küche aufnimmt, daß sie mit anderen Dienstmädchen nicht über schlechte Behandlung diskutiert. Bedauerlich bleibt— vielleicht hat«s das Schicksal gut mit uns gemeint!— daß das Lauscherohr nicht drahtlos und aus größere Entfernungen arbeitet. Dann könnte mancher deutschnotional« Minister und Abgeordnete erfahren, was feine Wähler nach Hamburg und Königsberg jetzt von ihm denken... Man sieht eben auch hier, daß jede Erfindung unvollkommen ist wie der Mensch überhaupt. Die ällesle nordische Republik entdeckt. Ein neuer, bisher un- bekanmer Staat,«ine unabhängige Bauernrepublik urältesten Datum«, ist innerhalb der schwedischen Grenzen entdeckt worden— das ist die letzt« Neuheit auf dem Gebiet« der historifch-ärchäologi- schen Forschung in Skandinavien. Der Entdecker, ein norwegischer Historiker. Profesior Edward Bull, hat im letzten Heft der Osloer Zeitschrift„Freund des Altertums" seine These in einem aussckluß- reichen Artikel begründet. Bull hat die Geschichte der schwedischen Provinz Iemtland(Iemtland liegt in Nordschweden und grenzt an Norwegen) studiert. Schweden erhielt Iemtland nach dem Kriege mit Norwegen, der feinen Abschluß durch den Frieden von Bromse- bro im Jahre 164S fand. Iemtland hatte vorher Norwegen gehört. Professor Bull ist nun durch ein genaue« Studium alter, bisher unbekannter Urkunden zu der Uebcrzeugung gekommen, daß Jemt- land im frühesten Mittelalter eine selbständige republikanisch« Staats- form hatte, ehe es dem norwegischen Königreich einverleibt wurde. Der Staat hatte seine eigene Gesetzgebung und war von deq norwegischen Königen völlig unabhängig. Di« Staatsform dieses Landes entspricht vollständig der Verfassung der Freistaaten au? Island und Grönland. Die isländisch-grönländi schon Freistamcn wurden aber erst im 10. Jahrhundert gegründet. Das freie Jemt- land eristierte bereits in viel früherer Zeit. In Froson, seiner Hauptstadt, sammelte sich das Volk aus vielen nordischen Gebieten. um dem Gottesdienst zu Ehren Freyas beizuwohnen. Der Freya. Kult war die Staatereligion Iemtland». Die Bedeutung der Entdeckung Professor Bull» erstreckt sich noch weiter. Die nordische Geschichtsschreibung beschäftigte sich von jeher mit der Tlieone des urgermanischen Königtums, die durch die These Bulls revidiert werden muß. Man erfährt, daß, abgesehen von den Freistaaten ohne königliche Macht aus Island und Grün- land, in Skandinavien ein Staat ohne König regiert wurde. Diese Feststellung ist von allergrößter historischer Bedeutung. Wie Pro- sessor Bull behauptet, war das Königtum im Norden vor 900«her eine Ausnahme als eine Regel. Bargeld spielte, wie man aus alten Urkunden erfährt, im Freistaat Iemtland eine sehr große Rolle, was im Zeitalter des Tauschhandels verwunderlich erscheinen mag. Herrenhöfe und Landgüter werden nur gegen Bargeld ver- kauft, und zwar gegen klingende Silbermllnze. Die Handels- beziehungen Iemtlands waren sehr ausgedehnt. Der größte Umsatz geschah in Pelzen. Bon hier wurden Beize In alle Äile Europas »xportiert. Als im Mittelalter die Nachfrage nach Pelzen stark stieg, wuchs auch die wirtschaftlich« Bedeutung Iemtlands, was aber dem Freistaat zum Verhängnis wurde.. Groß« Warenposten wurden über den norwegischen Hafen Trondhjem verschifft, wodurch Iemtland In nahe Beziehungen zu Norwegen trat und zuletzt dem nor- wegischen Reiche«inoerleibt wurde. Der Film„Die Weber" in der Tschechoslowakei verboten. De Aufführung des Films„Die Weber", der nach dem Drama Gerhard Hauptmanns gedreht wurde, ist in der Tschechoslowakei von der Zensur verboten worden, da in dem Film ausreizende Streitig- leiten zwischen Arbeirgebern und Arbeitnehmern durch Gewalt ge- schlichtet und Akt«, die unter da» Strafgesetz und Terrorgesetz fallen, durch die Tendenz des Films verherrlicht würden. Es ist bezeichnend, daß die Tschechoslowakei diesen F'lm. der in Berlin und anderen Großstädten monatelang gelausen fft, verbieten zu müssen glaubt. Eine inlernalionale Sonserenz ,um Schuhe der Zugvögel wurde Mittwoch m London eröffnet. Das Ziel dieser Konserenz ist es, festzustellen, ob irgendeine größere Abnahme des wilden Geflügels eingetreten fft, um nötigenfalls den Regierungen entsprechend« Vorschläge zu machen. Der Alännerchor.Ost Lyranlo lMS- gwl am Sonntag, bcm tg LkwS-r, ein Hervlltonzert in der Ztadtballe(Klosterstr-che) unter Miiwirtung von Arnim Liebennann. L. V.Karp. Ellie Brandenburg Anfang 7, Einlau S Uhr. Eine Alfred Kerr-Maklnee wird Sonntaa, lt Ubr vorm. im Theater am Nouendoisviatz vom Verlag.Der U-bri blick' vrranflaliet. Mitwirkende: Ießntr. B-rgner, Deutfch, Durieux, Klöpser, Kortner, Lossen, Wcdetind, A. T. Wegner. Eine Gesellschaft sür prähistorische und elhnographische Srrns! wurde im Anschiuu an da» Jahrbuch für prähistorische und ethnographische üunil gegründet. Ihre Aufgabe wird die frorschung und Pflege der prähisuiijche« und ethnographischeu Kunst fem. Vorsitz end« ist Dr. Herbert Kühn. Keine Nachricht von öen Gzeanfiiegern. Das Heinkel- Flugzeug v I TÄO in Brunsbüttel und das Junkers- Flugzeug v 1Ä30 in Lissabon gestartet. Internationales Arbeitsamt. Tie Jnternationale der Agrarier verlangt eine Extrawurst. In der Fortsetzung der Debatte über den Bericht des Direktors brachte heute vormittag der deutsche Regierungsvcrtreter Dr. Feig in der Sitzung des Derwaltungsrats des Internatio- nolen Arbeitsamts den Wunsch vor, daß im Haushalt des Internationalen Arbcttsamtes mehr Mittel für Uebersetzungen der wissenschaftlichen Arbeiten des Amtes in dritte Sprache», insbesondere ins Deutsche, vorgesehen werden mögem l5s sei außerordentlich bedauerlich, daß wichtige Veröffentlichungen nicht ins Deutsche übertragen werden. Es gab dann erne interessante Debatte mit starkein politischen Hintergrund. In dem Bericht des Direktors ist ein Schreiben des internationalen landwirtschasttichen Instituts in Rom enthalten, in dem die Einsetzung einer Kommission für „Zusammenarbeit" angekündigt wird. Der Vorsitzende dieses Instituts ist der frühere Anarchist und jetzige italienisch« Regierungs- Vertreter im Berwattungsrat des Internationalen Arbeitsamtes d e M i ch e l i s. Es besteht bereits zwischen diesem Institut und dem Internationalen Arbeitsamt«ine gemeinsame Kommission, die solche Fragen zu behandeln hat, die in den Bereich beider Organisationen fallen. Der deutsche Arbeitervertreter,(Zenosse Hermann Müller, Vorsitzender des ADGB., wandte sich energisch gegen die Methoden des Internationalen Instituts in Rom, dos bemüht sei, alle l a n d- wirtschaftlichen Fragen an sich zu ziehen, und zwar selbst die rein sozialpolitischer Natur, die unzweiselhaft zur Kompetenz des Internationalen Arbeitsamtes gehören. Die bestehende Kommission habe große Schwierigkeiten zu überwinden, und es fei nicht abzusehen, welchen Zweck die Schaffung dieser neuen Kommission haben soll. Die Organisationen der landwirtschaft- lichen Arbeiter seien nicht geneigt, in dieser Frage in der Kom- Mission, dessen Einsetzung das Internationale Institut für Landwirt- schaft mitteilt, mitzuarbeiten. Jedenfalls müsse man erst Klarheit haben über die Aufgaben, die dieser neuen Kommission gesetzt werden sollen. Müller schlug deshalb vor, von jeder Stellungnahme abzu- sehen, solange die Statuten dieser neuen Kommission nicht bekannt seien. Dieser Ansicht traten außer Iouhaux auch die Regie- rungsoertreter von Kanada bei. Der italienische Regierungsoertrettr suchte«inesteils die Sache möglichst harmlos h-nzustellen, andernteils j«doch ziemlich brutal dem Derwaltungsrat klarzumachen, daß er, der Vorsitzend« des Internationalen Instituts in Rom, es ja gar nicht nötig habe, sich darüber mit dem Dermal- tungsrat des Iitternationalen Arbeitsamts zu unterhalten. Es sei «in reiner Höslichkeitsakt des Internationalen Instituts in Rom, zu dem dieses ja gar nicht verpjlichtet fei. Iouhaux erinnerte treffend daran, daß man die Kompetenz des Internationalen Arbeitsamts in Landarbeiterfragen seinerzeit überhaupt bestrttten habe und daß das Amt gezwungen gewesen ist, eine Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs im Haag herbei- zuführen, die zugunst«» de» Internationalen Arbeitsamts ausge- fallen ist. Man müsse den Eindruck gewinnen, daß diese Neu- gründung de» Internationalen Instisttuis in Rom nur eine Fort- fetzung der Bestrebungen sei, dem Internationalen Arbeits- amt H e m m ni f s« bei der L«handlung der Landarbeitersragen zu bereiten. Zum Schluß wurde auf Dorschlag von Thomas dahingehend entschieden, daß der Lerwalwngsrat dazu erst Stellung nehmen wird, wenn ihm das Statut der neuen Kommission in Rom bekannt sein wird. Dos bedeutet praktisch, daß man im Verwaltungsrat den Bestrebungen in Rom mit ausgesprochenem Miß- trauen gegenübersteht. Es kam dann zu der Abstimmung über den Antrag der eng- tischen Regierung, das Datum der Konferenz von 1928 auf den 19. Oktober festzusetzen. Der Antrag wurde abgelehnt und es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Konferenz zum 3 9. Mai einzuberufen. Es kam dann noch zu einer lebhasten Debatte über die Festsetzung der Tagesordnung der Internationalen Konferenz von 1928. Vorgesehen waren außer den Fragen der Mindest- löhne und der Unfallverhütung die Frage der Z w a n g-- arbeit der Eingeborenen. Auch hier widersprach der englische Regierungsoertreter. Die Frag« der Zwangsarbett der Eingeborenen sei noch nicht reif, man dürfe die Tagesordnung nicht überlasten vsw. Der deutsch« Regierungsvertreter Dr. Sitzler stimmte seinem englischen Kollegen b«i. Es wäre besser, möglichst wenige, ober inhaltsreiche Abkommen zur Ratifizierung abzufassen. Albert Thomas nneo in einer sehr lebhaften Erwiderung darauf hin» daß es sich nur um eine sittliche Frage handele, die längst reif fei und die die Konferenz nicht belasten würde. Ein Abkommen mehr könne die Regierungen nicht verhindern, die bis- herigen Abkommen zu ratifizieren. Gerade die englische Regierung habe sei drei Jahren im Völkerbund darauf gedrungen, daß man diese Frage behandele. Es wurde schließlich aber mit 11 gegen 7 Stimmen entsprechend dem Antrag des englischen Regierung?- Vertreters beschlossen. Dabet ist bemsrkebewerl. daß sowohl der englisch« wie der kanadische Arbettervertreter sich der Stimme enthielten. Die Hesatzungsverminüerung. Zum l. Aovember fällig. Paris. 13. Oktober.(Eigenbericht.) Da» linksstehend» Blatt„Er» Nouoelle" wendet sich gegen ge- wisse PresseSuherungcn, wonach dl« Alliierten das Deutschland ge- geben« Versprechen der Besatzungsverminderung nicht etnhielleri. Das Blatt führt aus, daß Im Ottod«r 1V2S in Genf die Alliier,«» dem Reichsaußenmimster oersprochen haben, diese Verminderung von 72 999 aus 69 999 Mann b i s zum I. November d. I. durch« zuführen, unter dem Vorbehalt, daß das Kröfteverhält- nis zwischen den emzelnen Besatzungsmächten erhalten bliebe. Frankreich hätte auf Grund dieses Versprechens feine Truppen um rund 9999 Mann herabzusetzen. Die französische Heeresleitung habe dagegen in Zlusführung dieser Zusage nur 4999 Mann zurückgezogen, es sind also bis�zum 1. November d. I. noch 5909 Mann zurückzuziehen- Die Zurückzichung dieser Truppen geht nur etappenweise vor sich, und es dürft«» keinerlei Mißdeutungen über die Ausführung der französischen und alliierten Versprechungen ent- stehen, solange nicht der l- November da set. Jedenfalls würden die Zllliierten und insbesondere Frankreich ihren Berpflichtungen nachkommen. Der deutsche Botschafter in Paris hat im Außenministerium am vuai d'Orsay die Auffassung der Reichsregierung ausgesprochen, daß alle bisher über die Ausführung einer Besatzungsverminderung ge» machten Mitteilungen nicht offiziellen Charakter tragen und der d:ut- lchen Regierung eine entsprechende Mitteilung sobald als möglich erwünscht sei._ Die griechisch« Regierung hak die Grenze gegen Bulgarien ge- sperrt, weil auch dort bulgarische Komitalschis ihr Unwesen treiben. Das heinkel. Flugzeug V 1220 ist heute früh 9.45 Uhr im Vninsbülleler Binnenhafen zum HZ e Ii e r f l u g in südwestlicher Richtung glatt gestartet. Ueber das nächste Ziel bewahrten die Piloten strengstes Stillschweigen. Brunsbütlelkoog. 13. Oktober. Das Heinkel- Wasserflugzeug v 1229, da, heute früh gegen Z-t-? Uhr von der alten Schleuse, in der es die Nacht über gelegen hatte, in den Nord-Ostsce-Kanal eingeschleust worden war, rollte, nachdem die letzten Startvorbereitungen getroffen waren, um 9,33 Uhr einige tausend Meter in den Kanal hinein, wendete dann zum Start gegen den Wind und erhob sich um 9,45 Uhr bei etwa» diesigem Wetter in die Lust. Das Flugzeug schlug die Richtung Cuxhaven— Norderney ein. Nach den letzten Erklärungen, die der Pilot Merz kurz vor dem Start dem Sonderberichterstatter des MTB. gab, bleibt es bei der ursprüng- lichen Absicht, Amsterdam anzusliegen. Lissabon. 13. Oktober. �1 Uhr früh. Das Junkers- Flugzeug D 1230 wird heute früh um �6 Uhr seinen Weiterflug nach Amerika antreten. »Mericaa 61er verschollen! New park. 13. Oktober. Außer von der„American Banker" ist von keinem der auf den großen Wasserstraßen befindlichen Dampfer eine Meldung über eine Sichtung der„American Girl" eingelaufen. Die„M a u r e t a n i a". die 899 Meilen von New Dort entfernt war. und die„Celtic" auf der Mitte des Ozeans drahteten der Associated Preß, daß das Flugzeug noch nicht gesichtet worden sei, obwohl beide Dampfer in der Richtung des Flugkurfes fahren. Ein zweites Rodiogramm der „American Banker" besagte, daß die Höhe, in der dos Flugzeug gestern gesichtet wurde, etwa 1999 Fuß betragen habe, und daß es beim Uebcrfliegen des Dampfers Lichtsignale gab. Allmählich tritt hier eine gewisse Beunruhigung über das Schicksal des Flugzeuges ein, da angenommen wird, daß es bei nur 1999 Fuß Flughöh« während des Tages von vielen Dampfern hätte gesehen werden müssen. pari». 12. Oktober. Di« Direktton des Flughafens Le Dourget hat, obwohl sie nicht offiziell von der zu erwartenden Ankunft der amerikanischen Fliegerin Ruth Elder in Kenntnis gesetzt worden ist, für die Nacht einen Teil des Personals zur Nachtwache berufen Selbftmorü eines Justizinfpektors. Kein Zusammenhang mit der Affäre Ruppolt. Der 49 Jahr« alte Sustizinspektor Max Schneider aus der Bornstroße 28 zu Steglitz, der bei der Nachlaßabteilung des Amts» gerichts Berlin-Schöneberg beschäftigt war, wurde in seiner Laube in der Kolonie Klein-Machnow erhängt aufgefunden. Schneider ging am Montag mittag von seiner Dienststell« weg unter dem Vorgeben, daß er«inen'Arzt aussuchen wolle und ließ settdem nichts mehr von sich hören. Während seine Frau«ine Der- mißtanzeig« macht«, erhielt fein Schwager«inen Brief von ihm, in dem er ihm die Absicht mitteilte, sich das Leben zu nehmen. Man begab sich nun nach der Laube der Familie in der Kolonie„Klein-Machnon)" und fand hier den Vermißten erhängt und tot auf. Schneider hatte Angehörigen gegenüber mehrmals erwähnt, daß auch er mit der Affäre Ruppolt zu tun habe. In einem Briese, der in der Laube lag, äußert« er sich ebenfalls hierüber. Die Ermittlungen der Aufsicht des Amtsgerichts Schöne- berq und der Kriminalpolizei haben jedoch bisher keinen Anhalt dafür ergeben, daß er in dieser Sache irgendwie belastet ist. Schneider war ein pflichttreuer Beamter, gegen den keine Beschwerde vorlag. Ruppolt erklärt, daß er ihn zwar kenne, belastet ihn ober nach keiner Richtung, wahrend er sonst mit Belastungen nicht gerade sporsam ist. D«r Iustizinspekior war schwer herzleidend und nervös. Nach den bisherigen Ermittlungen muß man an- nehmen, daß er in einer krankhaften Einbildung Hand an sich gelegt hat. Einen Arzt hatte er nicht mehr aufgesucht. Kesselexplosion in Wilmersdorf. An der Ecke Partner Straße und Kniserallee in Wilmersdorf in der Nähe des Ringbahnhofcs Wilmersdorf-Friedenau werden gegenwärtig an der Eisenbahnüberführung Arbeiten vorgenommen, die dem Unternehmer Ernst Pfeffer übertragen worden sind. Dabei findet ein P r eß l u f t i e ff el mit fünf Atmosphären Druck Ler- mendung. Heute früh kurz nach 9 Uhr gab es plötzlich einen furchtbaren Krach. Der Kessel war explodiert und der schwer« Deckel wurde etwa hundert Meter fort- geschleudert. Zahlreiche Schaufenster und Wohnungsfchciben in der Umgebung wurden durch den gewaltigen Luftdruck zer- trümmert. Wie durch ein Wunder blieben Arbeiter unverletzt. Vier Vorübergehend« dagegen, die im Augenblick der Explosion die Unsallstell« oassierten, erlitten Nervenschocks und mußten sich in ärztliche Beyandlung begeben. Die Ursachen der Explosion, dl? große Aufregung hervorgerusen hatte, sind noch ungeklärt. In der Notwehr auf den Vater geschossen. Eine ausregende Famittenfzene spielte sich am Mittwoch nach- mittaa In einem Hause der Antwerpener Straße ab. Der 59 Jahr« alte Hausverwolter M., der öfter trinkt, kam wieder angetrun« ken nach Hause und fing mitseiner Frau Streit an. Als er tätlich wurde, sprang der 23 Jahre alt« Sohn Otto seiner Mutter bei. Jetzt wandte sich M. gegen seinen Sdhn und griff auch ihn an. Durch die Räume der Wohnung verfolgt, versuchte der sunge Mann zunächst, mit Einrichtungsgegenständen den wütenden Vater abzu- wehren. Als er sich nicht mehr anders zu Helsen wußte, zog er einen Revolver, gab mehrere Schüsse aus den Vater ob, traf ihn am Kopse und oerletzte ihn so erheblich, daß er von der nächsten Rettungsstelle nach dem Virchow-Krankenhauie gebracht werden mußte. Der Sohn wurde auf der Wache des 44. Reviers von d�r Kriminalpolizei vernommen und wieder enttassen, nachdem die Beamten jeftgesteltt hatten, daß er in der Notwehr ge- handelt hat. LebpuSkundennierricht. In wenigen Tagen wird der Kampf um den Reichs- schulgesetzentwurf im Reichstag entbrennen. Die Stellung aller freidenkerischen Eltern dazu ist gegeben. Darüber hinaus ergeht aber der Appell an die Eltern, heute schon die Kinder zu künftigen Mitkämv'ern?u erziehen. Wer da will, daß die Kinder über Rechte de» Staatsbürgers und Pflichten gegenüber Mitmenschen unterwielen werden, der schicke sie in den Unterricht für Religionsgeschichte und Lebenskunde. Dieser Unter- richt wird ohne jegliche Derpslichtung unentgeltlich an folgenden und die Beobachtungsposten der Notlandungsplätzc närdlich von Paris alarmiert. Oos Vetter auf Sem Atlantik. Die in Angriff genommenen amerikanischen Ozeanflüg« und in der Dorbereitung befindlichen deutschen Projekte geben Veranlassung, der Wetterlage über dem Atlantischen Ozean erneute Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dabei muß von vornherein betont werden, daß die meteorologischen Voraussetzungen für die von den deutschen Flieger» in Aussicht genommene Südroute Lissabon— Azoren— Bermudas zurzeit durchaus nicht so ungünstig sind, wie Ende August und im Laufe des September auf der Nordroute Irland— Neusuadland. Diese letzte Route scheidet allerdings für dieses Jahr sür Attantik- flüge in. der Ostwestrichtung vollkommen ans, hauptsächlich wegen der starken Westwinde, die wiederum für Flüge von amerikanischer Seite durchaus günstig sind. Di« amerikanische Ozeanmoschine „American Girl" der Miß Elder, über deren Verbleib bis zur Stunde noch kein« weiteren Nochrichten vorlagen, hat nach den letzten Wettermeldungen auf der ersten Hälfte ihres Fluges ideales Wetter mit starkem Rückenwind angetroffen, während sich im östlichen Teil des Attantik die atmosphärischen Verhältnisse für die amerikanisch« Fliegerin etwas ungünstiger, wenn auch nicht gefährlicher gestalteten. Auf dem O st a t l a n t i k weht ein Südwind, der eine nicht unerhebliche Abtrist verursachen kann. Außerdem herrscht westlich von Irland Nebel. Die hauptsächlichste Störung liegt aber nicht mehr über dem Ozean, sondern im Augenblick im Golf von Biscaya und im Kanal, dürft« sich aber voraussichtlich auch hier nicht mehr lange hallen. Nach Spanien z» ist das Wetter bereits günstiger, und nach Ansicht meteorologischer Kreise wäre im Augenblick auch für die doutschcn Ozeanflieger, die in Lissabon startbereit sind, die Möglichkeit vor- handen, wenigstens bis zu den Azoren zu gelangen, wobei der Süd- wind auf dem Atlanttk als Seitenwind in Kauf genommen werden kann. Don den Azoren an wäre dagegen in westlicher Richtung nach den Bermudas und zur amerikanischen Ostküste im Augenblick kein günstiges Flugwetter zu erwarten, da hier ausgesprochener starker Gegenwind zu verzeichnen ist. Der französische Vrasilienflug verschoben. parls, 13. Oktober. Der sür gestern abend ongefchle Weiterflug von C o st e s und L e Brix von Dakar nach Brasilien mußte infolge des Regens und des aufgeweichten Gelände» ver» I schoben werden. Stellen von der Freireligiösen Gemeinde Berlin ab- gehalten: Weißenburger Straße 4s, Donnerstag VA bis 55� Uhr; Reichenberger Straße 44'45, Montag ZA bis SA Uhr; Koppenstraße 84, Freitag 3 bis 5 Uhr; Wiefenstraße 66, Donnerstag 3 bis 5 Uhr; Temvelbof, Friedrich-Wilhelm-Stroßc. Mittwoch 3 bis 5 Uhr; Niederschöneweide, Berliner Straße 31. Freitag 3 bis 5 Uhr; Köpenick, Grünauer Straße 5, Jugendheim, Mittwoch 4 bis 6 Uhr. Kutolotsen. Das Beispiel Magdeburgs, den fremden durch Magde. bürg fahrenden Automobilisten sogenannte Autolotsen zur Der- füguna zu stellen, hat auch in Kölner Automobilisten- kreisen einen starken Widerhall gefunden. Einige der Unter- nehmsr haben bereits den Antrag gestellt, das neue' Gewerbe auf den Kölner Zufahrtsstraßen zuzulassen. Demgegenüber steht die Verkehrsleitung des Kölner Polizeipräsidiums auf dem Standpunkt, daß der Gedanke an sich zwar gut fei, daß aber in dieser Beziehung noch nicht genügend Erfahrungen vorlägen, um schon jetzt eine der- artige Einrichtung für Köln zu schassen. Auch sei es zweifelhaft, ob eine solche der Allgemeinheit dienende Einrichtung der privaten Spekulation zu überlassen sei oder ob es nicht vorzuziehen wäre, die maßgebenden Verbände damit zu betrauen, die für die Tätig- keit der Autolotsen festbesoldcte Personen anzustellen hätten. Der Leicheufund ans der Siettiner Sirecke. Zu dem Leicheufund auf der Strecke Bernau und Zepernick wird mitgeteill, daß der Vorfall, über den wir in der Morgen- ausgab« berichteten, auch durch die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei und der Eisenbahnbeamten noch nicht näher aufgeklärt werden konnte. Es handelt sich um den Saß- n i tz e r v- Z u g, der um 19,34 Uhr auf dem Stettiner Bahnhof eintrifft. Die Koffer des toten Kapitäne Wodrich lagen in einem Abicil 3. Klasse. Sie wurden von der Eifenbohnoerwaltiinq be- fchlaanahmt und sichergestellt. Das Begleitpersonal des Zuges und die Reisenden wurden, soweit sie noch erreicht«erden konnten, im Laufe des gestrigen Abends vernommen, konnten ober über den Vorgang ckeine Auskunft geben. Niemand hat etwas Verdächtiges wahrgenommen. Wahrscheinlich aber liegt ein Unfall vor. War« ein Verbrechen verübt worden, so hätte-der Täter wohl auch die Koffer mitgenommen oder erbrochen und beraubt. Die Leiche des schwer verstümmelten Mannes wurde nach der Halle In Bernau gebracht. Zun« Kampf gegen das Strafporto. Da» Reichspostministerium teilt zu den Anregungen auf Wegfall der Nachgebühr, die für unzureichend freigemachte Briessendungen erhoben wird, mit: Die �rage der Nachgebühren ist durch den W e l t p o st o e r t r a g für sämtliche Länder de» Weltpostvereins bindend geregelt. Hiernach ist sür nicht oder unzureichend freigemachte Briefsendungen eine über den einfachen Fehlbetrag hinausgehend? Nachgebühr zu er- heben. Die Deutsche Reichspost ist daher rechtlich nlcht in der Lage. eine von dieser Bestimmung des Weltpostvertrags abweichende Regelung der Nachgebührcnfrage selbständig zu treffen. 2t. Abi. S(in 9. d. M. vecstaib plötzlich an Herz'chlag unser lanajöhrigeS Mitglied Hugo Rummel, Pcenzlaucr Allee ÄI. Aui dem Wege zur Ausübung seiner Funktion nI4 Ordner der Fielen Volksbühne ereilte ihn der Tod. Die Einüschcriuig ersolgl am Freitag, den 14., vocmiltagS 10 Ul.r iu Vaumichuleiuocg. lim rege Beteillgurg wird gebeten. Ehre leinern Andenken. Theo watet rezikierk am Sonnabend, 15. O.'lober, auf dem H« r b ft f e ft d e r 47. A b t. im„Drohen Saal" de! cSew-rlichallZhauleS.P o l i t i I ch e Satiren". Karten zum Preise von 60 Pfg. sind an der Abendkasse noch crhäUlich. RS Kinder bei einer Explosion verletzt. Sluttgarl, 13. Oktober. Bei der Reinigung eines Kanals kamen Revolver, Munition und' Handgranatensprengkapseln zum Vorschein, die vermutlich in der Revolutionszeit dort hineingeworfen worden waren. Schulkinder der Galsburger Schule beschäftigten sich während der Pause mit den dort gefundenen Handgranatenspreng- kapseln. Eine von diesen Sprengkapseln explodiert«. Dabei erlitte i 15 Kinder leichter« Verletzungen. � v veröienstsentung im Ruhrbergbau. Statt s,73 Mark nur 8,14 Mark. »Beraarbeiter.Zeitung" gibt«inen Bericht über die Lohn- .-ge im Ruhrbergbou im zweiten Vierteljahr 1927 wieder, wonach die Zahl der im Oberbergamtsbezirk Dortmund beschöttigten Bollarbeiter im zweiten Vierteljahr 1927 gegen das erste Vierteljahr um 869S aus 341 046 abgenommen hat und die Gesamtzahl der verfahrenen Schichten um 2 328 666 auf 25 736 981 zurückgegangen ist. Auch die Zahl der je Vollorbeiter verfahrenen Schichten ist zurückgegangen und die Anzahl der Ueberschichten. »Wahrend der Gesamtleistungslohn um rund 11 Millionen Mark auf rund 196 Millionen Mark zurückgegangen ist. stieg der Leistungslohn je Schicht um 24 Pf. auf 7,62 Mt. Dasselbe Verhältnis ergibt sich beim Vergleich des Gesamtverdienstes und des Verdien st es je verfahrene Schicht. Dagegen ist der B e r- rvon62.?'- 3 Mark im 1. Viertel- Vierteljahr, also um dienst je V o l l a r b« i t e jähr auf 602 Mark im 21 Mark zurückgegangen." Unter Verdienst ist der Leistungslohn zuzüglich aller Airschläge für U eberarbeiten sowie des Hausstands, und Kindergeldes zu verstehen. Unter Leistungslohn ist zu verstehen: Grundlohn zu- züglich Gedingeverdienst oder Schichtlohn ohne olle Zuschläge für Ueberarbeiten, sowie ohne Hausstandsgeld und Kindergeld, jedoch emschr-ehlich der Arbeiterbeiträge zur sozialen Versicherung und aller Aufschläge auf Grund des Verfahrens der normalen Schicht. Im Jahre 1913 betrug der Durchschnittslohn je Kopf der Bergarbeiterschaft einschliesslich Sonderbeiiräge im Oberbergomts- bezirk Dortmund 3,60 M., der Durchschnittslohn je Kopf der unter- irdisch und im lagebau beschäftigten Arbeiter im engeren Sinn« (.Heuer und Schlepper) 6,75 M. Di« Unternehmer fordern, daß die Leistung bezahlt werden soll. Die Leistung(der Schichtförderonteil) betrug zuletzt 119 Prozent gegen 100 Prozent im Frieden. Der Friedenslohn von 5,60 M. müßte also, wenn ein Ausgleich für die höhere Leistung erfolgen sollte, um 19 Proz. höher sein, also 6,66 Mark betragen. Diese 6,66 M. müßten zum Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten um mindestens 46 Proz. erhöht werden, also 9,73 M. betrogen. Statt dessen muß der Ruhrbergmann sich mit einem Durch. schnittsverdienst von 8,14 M. begnügen, während ihm zum Aus- gleich der Leistungssteigerung und der Teuerung 9,73 M. bezahlt werden müßten. Den Einwänden der Unternehmer, wie ungenügend gesteigerte Kohlenpreise, erhöht« Materialpreise, begegnet die»Bergarbeiter. Zeitung" von vornherein mit dem Hinweis auf die Riesen- gewinn«, die die großen Konzerne an der Ruhr gemacht haben. insbesondere auch aus der Nebenproduktion. Jedenfalls hat der Reallohn des Ruhrbergmanns noch nicht den Friedens st and erreicht. Der Bergbau mit seinen Maschinen ist ein« Hölle für den Bergmann geworden." Die Unternehmer melden sich. Essen, 13. November.(MTB.) Bon bergbouamtlich interessierter Seite wird mitgeteilt, daß die bisher geltend« Lohnregelung frühestens am 1. April 1928 gekündigt werden könne. Die Ruhrzechen brauchten die bisher stets abgelehnte Preiserhöhung für Kohle um 71- Prozent, um bei den bisherigen Bergarbeiterlöhnen ohne Verlust arbeiten zu können. Unter diesen Umständen könne von einer neuen Lohnerhöhung nicht die Rede sein. Neue Verhandlungen im örauereiarbeiterstreik. Verbindlichkeilserklärung de» Schiedsspruches beantragt. Die Brauereiunternehmer haben dem Schiedsspruch zugestimmt und nunmehr dessen Verbindlichteitserklärung beantragt. Der Schlichter hat daher die Parteien zu Verhandlungen zu morgen, Freitag, mittags 12 Uhr, geladen. Lohnelenü der Reichsarbeiter. Bs« den Verhandlungen im Reichssinanztninisterium über Ge- Währung einer außertariflichen Lohnzuloge für die Reichsarbeiter erklärte der Vertreter des Reichsfinanzministeriums, eine außer- tarifliche Zulage könne rein etatrechtlich nur dann gewährt werden, wenn in den Wirtschofts- und lohnpolitischen Verhallnisien außergewöhnliche Z u st ä n d e' eingetreten wären. Da» sei jedoch nicht der Fall, und deshalb tönne das Rsichsfinanz- lniuisterium höchstens örtliche Lohnausgleiche vornehmen. In seinem Rechtsertigungsoersuch verstieg sich der Regierungsoer- treter sogar zu der Behauptung, das Steigen der Inoex- z i f f e r fei aus di« anormale witierungslage und auf Saisoneinflüsse zurückzuführen. Ganz abgesehen davon, daß der Lebenshaltungsinder, mit Ausnahme des Monats August, sortgesetzt st e i g t, handelt es sich bei den Löhnen der Reichs- arbeiter in erster Linie darum, daß«in durch den Uebergang von der Inflation zur Stabilisierung geschossenes Unrecht wieder gut- gemacht werden soll. Bei der Stabilisierung wurden die Reichs, und Staatsarbeiter von wenigen Ausnahmen abgesehen— auf Hungerration gesetzt. Im östlichen Wirtschaftsgebiet wurden Löhne festgesetzt, die weit unter dem Stand der Borkriegszeit lagen und auch heut« noch vielfach die Löhne der Vorkriegszeit kaum über- schreiten. So werden zum Beispiel zurzeit für einen gelernten Ar- beiter pro Stunde in Küstrin 57 bis 61 Pf. gezahlt, in Frankfurt an der Oder 61 bis 65 Pf., in Königsberg HO bis 64 Pf.: dazu iommen allerdings noch Frauen- und Kinderzulagen ln Höhe von je 3 Pf. Aber es gibt«ine ganze Menge lediger Arbeiter ohne Frauen- und Kinderzulogen und ältere Arbeiter, die höchstens Frauen- zutage beziehen können, so daß, selbst wenn man 51 Wochenstunden zugrunde legt, im allgemeinen Löhne von 29 bis 32 7N. für gelernte Handwerker pro Woche gezahlt werden. Davon gehen dann noch Steuern. Krankenkassen- und Erwerbslosenfürsorgebeiträge ob. Noch übler sind die ungelernten Reichsarbeiter daran. Sie erhalten in Küstrin, in Frankfurt a. d. Oder und in Königsberg Wochenlöhne von 24 bis 26 M., nach Abzug der Beiträge von 22 bis 24 M.— Löhne, die in der Tat auch heut« noch die Friedenslöhne kaum erreichen. Wenn da» Reichsfinanzminifterium wenigsten» den Grundsatz gelten lasten würde, die Löhne der Reichsarbeiter an den Löhnen der vergleichbaren P r i o a t i n d u st r i e zu messen! Schon dann müßte es den Organisationen einigermaßen entgegenkommen. Aber das Reichssinanzministerium vertritt den Standpunkt, vorwiegend ver. gleichbar für die Löhne der Reichsorbeiter feien die Löhne der Metallarbeiter(Fabritbetrieb e), und zwar gleichviel, ob es sich bei den Reichsarbeitern um Schuhmacher, Schneider oder Buchdrucker handelt. Wenn wenigstens der Handwerks- betrieb in der Metallindustrie Berücksichtigung fände! Dann würde sich immer noch ein ganz anderes Bild ergeben, wie folgende Beispiele zeigen. Nach einer Aufstellung des ADGB. für August 1927 stellt sich das Verhältiii» der Metallarbeiterlöhne im Handwerksbetrieb(-») und der Reichsarbeiterlöhne (b) wie folgt: in Aachen a) 1,06 M.. b) 77 bis 81 Pf.: in Berlin a) 1,41 M.. b) 91 bis 95 Pf.: in Magdeburg a) 1,11 M.. b) 68 bis 72 Pf.: in München a) 1,32 M., b) 81 bis 85 Pf.; In Kiel a) 1,03 M., b) 72 bis 76 Pf. Und jo überall dasselbe Bild: die Löhn« der Reichsarbeiter sind, durchschnittlich der Privatindustrie wie an den Indexzohlei gemessen an den Löhnen xzahlen, um2 5bis30Proz. u n i e d r i g. Die Ausgleichung dieser Differenz ist die verdammte licht und Schuldigkeit des Reichsfinonzministeriums. Begangenes Unrecht muß wieder gutgemacht werden. Pf berliner Gewerkschaftsschule. In der nach st en Woche beginnen die Lehrgänge der Bersiner Gewerkschaftsschule. In mehreren Notizen haben wir bereits auf die Kurse des Wintersemesters dieser Schule hingewiesen und einige von ihnen bereits an dieser Stelle veröffentlicht. Wir weisen noch einmal auf einige bisher nicht genannte Kurse hin. So ist besonders wichtig ein Lehrgang für die gewerkschaftlich und politisch organisierten und tätigen Frauen. Es ist der Lehrgang SO. 4. Die Frau im Erwerb»- und Berufsleben. Er unfaßt 10 Abende. Leiterin ist die Genossin Gertrud Ellert. Der Lehrgang wird nach folgenden Gesichtspunkten durchgeführt: Erwerb und Beruf, ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlage.— Berufswahl und Arbeitsmartt(Berufsmöglichkeiten, Aufgaben und Grenzen der Berufsberatung).— Wirtschaftliche und rechtliche Stellung der weiblichen Arbeitnehmer(Entlohnungs- Problem, Schutzbeftimmungen).— Die Frau im Betriebsleben.— Mitarbeit der Frauen in den Gewerkschaften. Di« schaffende Frau beim Aufbau neuer Kultur.— Wirkungen der Frauenerwerbsarbeit auf das Familienleben: Hauswirtschaft, Chefllhnmg, Kiudererziehung.—„Bcrmännlichung" der Frau oder neues Frauentum? Zlußer diesem Kursus sei weiter auf den Kursus SO. 3 Mensch und Wirtschaft 10 Abende, Lehrer Hans Kraus, hingewiesen, der als Grundloge der menschlichen Gesellschaft, die Entwicklung der einzelnen Wirt- schoftsepochen, die Entwicklung der modernen Arbeiterorganisation, den Arbeiter als Objekt der Wirtschaft und den Arbeiter als Kon- trolleur der Wirtschaft behandeln wird. Außer diesen und den bereits früher veröffentlichten Lehrgängen veranstaltet die Schule eine Reihe von arbeitswisfenschaftlicheu Besprechungen über die weiteres nächstens noch bekanntgegeben wird. Lehrpläne sind in den Bureaus der Ortsverwaltungen und im Zimmer 13 des Gewerkschaftohauses zu haben. Lehrberatungssvrechstunden finden Montags und Freitags in der Zeit vom 4 bis 7 Uhr im Bureau der Gewerkschaftsschule, Engeluser 24/25, 1. Stock, Zimmer 6, statt. in- v er•«lue denen Städte* im. Aul-uet 19 Sil NaeK Angaben des internationalen. Arbntianti London3 100 ._ 163 D ublin Kopenbafen A&steriam StoekKolm B e rl i n Pari» Biß» ur-€ i Brüssel V/i en Rom WarscKau N ahnmfsmittdaiTsßaiken «Bier Biltflcren AAelteebaulle im Aufust 1927 NaeK Angaben. des mtrmaticndcD Arbeitsamt» L ondon- 100 Fbdaddpl KopenKafenl Sloekbolm Wien Rom Berlin Dublin Paris Amsterdam "WarseKa Praß Schiedsspruch für die ostsächsische Textilindustrie. Zitkou. 12. Oktober. Der vom Schlichwagsausschuß Dresden am 28. September 1927 für die Texttlindustne Ostsachsens gefällte Schiedsspruch ist vom Schlichter für dm Freistaat Sachsen für verbindlich erklärt worden. Kündigung von 5500 Textilarbeitern. Engelskirchen, 12. Oktober. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie des Oberbergischen hat im Anschluß an eine Kündigung der Arbeiter bei der Firma Ermen u. Engels wegen Lohnstteitigkeiten den gesamten Textilarbeitern des Oberbergischen zum 2 4. Ottober gekündigt. Von der Aussperrung werden insgesamt 5300 Textilarbeiter und -arbeiterinnen bctrosfen._ Der Zenkrolverband der Maschinisten und Hetzer teilt uns mit, daß für die Mitglieder seiner Organisation mit der Firma Julius Pintsch A.-G., Berlin, für deren Oelgasanstalten ein Reichstaris obgefchlosten ist. Die Mitglieder des Verbandes sind also an der in Berlin-Rummclsburg ausgebrochenen Bewegung nicht beteiligt. Wirtschast verbaute Gewinne beim Gschweiler Sergwerksveresn. Die Mittlerstellung des Eschweiler Bergwerksvereins im Aachener Revier zwischen rheinischer Kohle und belgisch-luxem- burgischem Eisen und seine Interessengemeinschaft mit dem luxem- burgifchen Arbed-Konzern heben dieses Unternehmen aus dem Rahmen der übrigen westdentfchen Schwerindustrie heraus. Aus der reichsten Kohlenbäsis in Westdeutschland süßend, war der Eschweiler Bergwertsvcrein bisher in erster Linie Lieferant für die Eisen- und Stahlwerke des Lrbed-Koixzerns. Das neu errichtete Kohlenlager im Mannheimer Industriehafen, sowie die im Geschäftsbericht vermerkte Erweiterung des Verkaufsradius deuten daraus hin. daß das Unternehmen trotz seiner ungünstigen Frachtbasiz auch auf dem süddeutschen Markt Fuß gefaßt hat. Obwohl der Bilanzbeurteilung durch die vertragsg-mäge Dividendengarantie von 14 Proz. und dem fehlenden Un- kostenausweis gewisse Grenzen gesetzt ssnd, bieten die einzelnen Posten genug Anhaltspunkte dafür, daß die Gesellschaft hohe Konjun- turgewinne erzielen konnte. Die Kohlenförderung übertraf mit 3,48 Millionen Tonnen zum erstenmal die Förder- Ziffern im letzten Friedensjahr und zwar mit 18.6 Prozent! Auch in den einzelnen Zweigen der Nebenprodukte übersteigen die Erged- nisse die des Vorjahres um 20 bis 30 Proz. Dementsprechend hat sich der Umsatz von 57,6 auf 73,7 Millionen Mark erhöht. In den einzelnen Bilanzposten ssnd gegenüber dem Vorjahr ganz erheb- liche Acnderungen eingetreten. Der Ausbau der Kokerei- anlagen, der vielleicht mit Gassernoersorgungspiänen der Gesell- schaft im Aachener Revier zusammenhängt, sowie Grundstücks- und Landereienerwcrb brachten einen Anlagezuwachs von insgesamt 8,5 Millionen Mark. Die Abschreibungen ssnd mir 3,4 Mil- lionen um 5 0 Proz. höher als im Vorjahr angesetzt. Die in den letzten beiden Iahren erforderlich gewesenen Zuschüsse de- Arbed- Konzern zu den Forderungen in Höhe von 3,7 und 2,1 Millionen sind fortgefallen und außerdem die F o r d e r u n g e n mit fast 23 Millionen Mark mehr als verdoppelt. Zieht man zur Beurteilung dieser Posten auch die neue Hollandanleihc mit einem Erlas von etwa 18 Millionen mit heran, so ergibt sich trotz- dem eine Bilanzoerbesserung von 4,7 Millionen, so daß also über die Hälfte der Neubauten und des Grundstückserwerbs aus laufenden Gewinnen finanziert werden konnte. Ob im Gegensatz zu den Arbed-Zuschüssen der letzten Jahre sogar lleberweisunqen von Eschweiler an die Arbed erfolgten, lößi sich aus der Bilanz nicht feststellen. Das Gesamtergebnis zeigt jedenfalls, daß auch dieses an sich ungünstiger als die Ruhrindustrie gelegene Unter- nehmen aus seinen Konjunkturgewinnen eine starke„innere Auswertung" seines Anlagevermögens vornehmen konnte. Die Belegschaften liegen mit 15 353 Köpfen noch um 5 0 0 M a n>, unter dem Friedens st and. woraus sich angesichts der die Friedensproduktion überschreitenden Förderzisfern eine Mehr- leistung je Mann und Schicht von 22 Proz. ergibt. Große Gewinne im klöckner-konzern. Die ersten Mitteilungen über den Jahresabschluß der Klöckncr-Werke A.-G. lassen sehr bc- deutende Gewinne erkennen. Bctriebsübcrschüsse sind von 24,5 auf 32,8, Abschreibungen von 7.1 aus 8.0, Reingewinne von 5,3 auf 7.2 Millionen gegen das Vorjahr gestiegen. Die Dividende wird um 2 Proz. auf 7 Proz. erhöht, also um 1 Proz. weniger als im Hoesch-Köln-Reuessener Konzern. Entscheidend ist auch bei Klöckncr der Zechenbetricb, was wiederum die gute Lag« der Ruhrzechen er- kennen läßt. In der Aussichtsratssttzung wurde die Kapital- erhöhung von 90 auf 110 Millionen beschlossen. Mit der 40 Mil- livnen-Goldanleihe verfügen die Klöckner-Werke damit über das große Kapital von 150 Millionen Mark. Lcrentwortlich NIr Politik: Dr.«mr»»«H": Wirtschaft:«.«tap«»»,«-! ......-—-------«chikowski: Lokal--: . sämtlich in Berlin ______ Lorwärts-Buchdruck-rei und Derlagsansialt Paul Ein»« u Co.. Berlin(£W 63, Lindeukrage 3 Am Sonntagabend verschied ganz plötzlich und»nerwariet me n Herzens- guier und trruiorgendrr Mann Hugo Rummel Die« zeigt tiefdetriid» an Maris Rummel, ged. Neumann. DieSInäicherung finde! Freitag, den R Ottober, vorm 10 Uhr im Rrema- tortum zu Baumfchulenweg flalt. 'Teppiche� 8 MUlge Dmzngslage Boucle ZOO/SOO... Mk. 2S.- medi. Smjmn 250»50 Mk, 70.- PriedrlcbatraBc 204 Str.) TOTAI_> AUSVERKAUF wegan vollstlniUgar Aufgab« das HerrangardarobamSpasialgaicbiHas darkraudlanslraB« 24. Das gesamte vorrätige Lager und die im Auftrag befindlichen Waren, Kldl mohrsre taut d LSck. müssen in ganz kurzer Zeit vollständig anaverkauft werden. Es gelangen zum Verkaul sulws TliUSOde Mrsls modernste fertige Herren-Anzüge, Mantel, Kosen Die Preise sind rücksichtslos herabgesetzt, zum Teil weit unter Einkaufspreis! Merran-WinlarsMIntel, blau« und farbig« Nerrcn-Jackett>Anxttg«i Tanz-, Smoking«. Frack-Änzi-a, gasireltt« Harran-Kammgarnhesan, Kenflrmandan-AniUg«, langlings« u. 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