Nr. 49$ ♦ 44 �ahrgaag Musgabe fk Nr. 24S Bezugspreis: Wöchentlich 70 Ptennia, monatlich P.- ÄeiifisnifltJ voraus johlloi. Unter Ltreitbaich im In. n»t> Ausland Z.dO Reichsmark pro Monat. ?er.Vorwärts' mit der Mustrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen»Unterbaltung und Wissen'.»Aus der ssilmwelt". .Frauenstimme",.Der Rinder. treund".„Iugend-Vorwärtz"..Blick tn die Bücherwelt' und.Äultur. arbeit" erscheint wochcntäglich zwei. Mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »SojlaIOemo«ral verlln' Morgenansgabe Derlinev VolKsvl�tt Groh-Berlm 10 Pfg. Auswärts 13 Psg. Anzeigenpreise: »« einspaltige Ronvareill-- »eile 80 Pfennig. Reklame, ei!« 5,— Reichsmark..Rleine Anzeigen' da» kettasdruckte Wort 25 iPfcnnM ltuILfssg zwei kettaed ruckte Wartet. icdes weitere Wort 12 Pfennia. Stellengesuche das erste Wo't 15 Pfennig, sedes weiter» Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» ssabcn»ählen für>wci Korie. «rbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. ssamllienan, eigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Angrigenannabme im Hauplgefchäit. Lindenftraßs wochcntäglich von 8'a bis 17 Ilhr. Zentralorgan der Soztaldemokrattfcben parte» Deutfchlandö Redaktion und Verlag: S erlin SM. S8, LinSenstrahe 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. 9er Hürgerblock will öas Schulgesetz! Cr bringt es vor den Reichstag trotz der Niederlage im Reichsrat.- Doppel- vorläge über die Besoldungsreform. Amtlich wird gemeldet: Das Reichskobinell befähle sich in seiner«feskrigen Sihung mit bot Beschissen des Reichsrats zur Besoldungsresorm. Cs wurde de- schloffen.In einigen Punkten, ln welchen der Reichsral van der Regierungsvorlage obwciöfende Beschlüsse gefaßt Holle, dem Reichstag eine Ovppelvorlagc zu unterbreiten. Insbesondere wird die Reichsregierung, entgegen dem Beschlüsse des Reichsrals. an der Aussaffung sefiholten. daß am Finanzausgleich im gegenwärtigen Zeitpunkt nichts geändert werden kann. Angesichts der Tatsache, daß der Reichsrat den S ch u l g e s e h- e n» w u r s in seiner gestrigen Sitzung abgelehnt Hot, beschloß das Reichskabinett, die Vorlage des Schulgesetzes an den Reichstag gemäß Artikel M der Reichsversassung in der unveränderten Form des R e g i e r u ng sentwurss vorzulegen. Besoldungsgeseh wie Schulgeseh gehen dem Reichstag unverändert zu. , Die Situation, die durch diesen Beschluß geschaffen ist. kann'man nur als grotesk bezeichnen. Es steht in der tsieschichte der deutschen Republik wohl einzig da, daß der Reichstag sich mit einer Vorlage befassen soll, die sachlich nach keiner Richtung hin vorbereitet ist. Der Gang der Verhandlungen im Reichsrat hat nämlich «rwisfen chaß das Innenministerium des Herrn v. Keudell mich nicht die gering sie Vorarbeit geleistet hat, um bei der Schulvorlage die Interessen der verschiedenen Par- leien aus einander abzustimmen und die Gegensätze zwischen Reich und. Ländern zu überbrücken. Mit den Beratungen im Kabinett begann es. Formell stimmten die Minister der Deutschen Volkspartei dem Entwurf zu. Gleichzeitig aber begann ihre Agitation im Lande gegen das Gesetz. Im Reichsrat stellte sich nun heraus, daß die meisten Länder- Vertreter aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus die Vorlage ganz oder teilweise ablehnten. Tatsache ist jedenfalls, daß kaum zwei deutsche Frei- staaten die Vorlage als Ganzes gebilligt haben. Tatsache ist, daß bei der Abstimmung über die einzelnen Teile der Vorlage die Mehrheiten fortgesetzt wechselten. Keudell und sein Kabinett waren über die Stimmung der Länder nicht unterrichtet. Er wollte vielleicht gar nicht unterrichtet sein, sonst hätte er die Behandlung des Schulgesetzes nicht derart überhastet. Wie dem auch fei: sein Ministerium hat die einfachste Amts- pflicht vernachlässigt, sich vor der Ausarbeitung der Vorlage über die Stimmung der Länder zu informieren. Eip Referent oder Geheimrat, dem man diesen Vorwurf politisches Attentat in Prag. Der albanische Gesandte in Belgrad von einem Mazedonier erschossen. Prag, H. Oktober. Die Polizeikorrespondenz meldet: Der kürzlich für Prag er- nannte albanische Gesandte C ena L c y. gleichzeitig albanischer Gesandter in Belgrad, wurde heute um 22 Ahr im «läse Passage am wenzetplah in Prag dap Opfer eines Attentats. Ein ungefähr lbjähriger Bursche, angeblich ein Mazedonier. stürzte sich in dem Augenblick, als der Gesandle in der Garderobe seine Oberkleider holen wollte, ans denselben und gab aus unmittelbarer Röhe einen Revolverschuß ans ihn ab. Der Gesandte brach zusammen. Das pubstkum. das sich aus den Täler gestürzt Halle, übergab ihn der Polizei. Cota Bey wurde von der Rettungsstation sofort in ein Krankenhaus übergeführt und ist aus dem Transport dorthin gestorben._ Die schwarzweißroten Reeder im Weltkriege. Sie wußten, daß Deutschland verlieren würde und wollten ihre Schiffe den Neutralen schenken. Kopenhagen. 14. Oktober.(Eigenbericht.) Das schwedisch« Blatt.HÄsmgborgposten" bringt einen längeren Bericht über einen deutschen Versuch im Weltkriege, die Handels- flotte des Norddeutschen Lloyd und der Roland- linie den Schweden zu übertragen. Im März lS17 bot ein.Vertreter der beiden deutschen Reedereien dem schwedischen ifteed«. General Hennin«, in Hetsingbor« die gesamten i m Ausland« liegenden Schisse dieser Linien als Geschenk an. Di« schwedische Regierung erklärt«, daß sie gegen die kostenlose ?1ab«rtragung der deutschen Schiff« an einen schwetnschen Privatmann machen müßte, würde wohl lange vergeblich aus die Fort- setzung seiner Karriere warten dürfen. Jetzt ist eigentlich vom Schulgesetz so ziemlich nichts mehr- derart, daß es überhaupt noch eine Beratung im Reichstag verdiente. Soll man sich über die K o st e n f r a g e unter- halten, obwohl niemand noch jetzt weiß, wie die Länder das Gesetz durchführen wollen? Soll man sich über die Rechte der Simultanschule unterhalten, obwohl auch hier im Reichsrat eine klare Stellungnahme nicht erfolgte und man die Kompromihabsichten der Regierung nicht einmal ahnen kann? Selbst in der entscheidenden Frage, ob das Gesetz als verfassungsändernd anzusehen ist, entbehrt der Entwurf der Vorbereitung. Nach unserer Meinung ist er verfassungsändernd. Der Gesetzgeber schweigt sich über die seit langem in der Oeffentlichkeit und im Reichsrat erörterte Frage aus. Er weiß es offenbar selbst nicht.oder will es nicht wissen. Es bedeutet jedenfalls eine starke Zumutung an das Parlament, wenn man von ihm verlangt. Beschlüsse über eine Vorlage zu fassen, deren vollkommen unzulängliche Vorbereitung so erwiesen ist wie beim Reichsschulgesetz. Die famosen deutschnattokkalen Fachminister haben sich bis auf die Knochen blamiert. Sicher ist es keineswegs, daß auch nur eine einfache Mehr- heit für das Schulgesetz in seiner vorliegenden Fassung zu- stände kommt. Der Weg zu einem Kompromiß, der wenig- stens die Länder befriedigt, ist durch die Reichsratsbeschlüsse erschwert, wenn nicht ganz verbarrikadiert. Hätte der Rechts- block eine Spur von Gefühl für parlamentarische Situationen, eine Spur von Willen zur Erforschung und Feststellung des Volkswillens— er würde. die Vorlage zurückziehen. Das tut er nicht. Er fordert das Parlament zu einer Machtprobe heraus in einer Frage, deren Lösung er selbst nicht sieht. Mit dem Zeugnis seiner Unfähigkeit tritt der Biirgerblock vor den Reichstag. -» Daß der Rechtsblock auch in der Besoldungsfrage nicht eine Verständigung mit den Ländern gefunden hat, zwingt ihn zur Einbringung einer Doppelvorlage. Be! der großen Bedeutung, die die Zuschüsse der Länder für CaV ganz Reihe von Freistaaten haben, an denen auch die Deutsch- nationalen und die Volkspartei interessiert sind, wird die Reichsregierung sich auf scharfe Auseinandersetzungen im Parlament gefaßt machen müssen. Das Werk der Besoldungs- reform darf jedoch unter keinen Umständen gefährdet werden? ' nichts«inzuwenden habe. Die Einrichtung einer neuen Reederei in Helsingborg war im besten Gange, als Amerika den Krieg er- klärte und sofort die deutschen Schisse beschlagnahmt«. Der deutsche Vertreter erNärle bei den Uebertragungsoer Handlungen wiederholt, daß der Rorddeutsche Lloyd sich darüber klar sei. daß Deutschland den Krieg verlieren würde und dann sämtliche Schiffe abgeben müßte. Es kam Deutschland darauf an, die Schiffe vor der Entente zu retten. tzetze schon gegen Rakowskis Nachfolger. Tic Pariser Reaktion hetzt jetzt zum Bruch. Paris, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Die reaktionäre Pariser Presse versucht in der französsschen össentlichen Meinung im voraus gegen den neuen russischen Botschafter Stimmung zu machen. Sic weist unter anderem darauf hin, daß auch er Kommunist sei und man über kurz oder lang auch gegen ihn wie gegen Rakowski vorgehen müsse. Demgegenüber geben die Linksblätter der Hoffnung'Ausdruck, daß Briand dem Druck der Reaktion widerstehen und aus seinem Entschluß, Frankreich auf keinen Fall in einen Bruch mit den Sowjets hineinziehen zu lassen, verharren möge. Oowgolewski erhält öas Agrement. pari». 14. Oktober. Die französische Regierung hat beschlossen, das Agrement für den von Moskau vorgeschlagenen neuen russischen Botschafter in Paris, Dowgalcwsti, zu erteilen. Rakowski hat dem Vorsitzenden der französischen Delegation bei der jranzösisch-russjschen Konserenz, de Monzie, seinen Ab- schiedebesuch gemach«. Vor dem russischen Botschaftsgebäude kv Pari» und dessen Seitenaupzängen herrscht lebhaste» Treibe». Gepückwagen und Automobile kommen und fahren ab. Rakowski bereitet sein« Abreise an» Pari» vor. vorwärts-verlag G.m.b.H., Sellin SM. H8, Ändenstr.? PoAcheckiout,! Berlin«7 53«— BanNnnt,! Baak der Ariel tee, Anaestelten nafe Beamten. Walke. K:»iakaatn-Selellchatt.»«»«lUenknste iiadenfte.». Vorstoß der Sozialdemokratie. Kapitalistische ober soziale Wirtschaftspolitik. Seit Anfang 1925 regiert im Reich der B ü r g e r b l v ck. Der Ausschluß der Arbeiterklasse von Mitregicrung und Mit- Verantwortung erfolgte, weil das Bürgertum ungehindert von sozialen Erwägungen die Neuordnung der deutschen Wirt- schaft vornehmen wollte. Wenn auch nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind, so hat die 2l l l e i n h e r r s ch a f t des Bürgertums ihm doch zweifellos r e i ch e F r ü ch t e gebracht. Die Lasten der Rationalisierung sind aus die Ar- beiterschaft abgewälzt worden. Ihre Vorteile aber sind allein dem Unternehmertum zugeflossen, das gleichzeitig seine Steuerlasten ermäßigt und seine Gewinne erhöht hat. Bis vor wenigen Monaten trugen zwei Millionen Er- werbslose die furchtbare Bürde einer monate- und jahrelangen Erwerbslosigkeit. Unter dem Druck dieser Massenarbeitslosigkeit sanken die Nominallöhne oder blieben auf ihrem alten niedrigen Stand. Da aber gleichzeitig die Preise stiegen und die Mieten mehrfach heraufgesetzt wurden, sank auch der Reallohn ununterbrochen. Es war deshalb selbst- verständlich, daß die Besserung der Konjunktur überall das Verlangen noch Erhöhung der Reallöhne zeitigte. Aber schon zeigen sich wiederum Wolke» am Hirn- me l der Konjunktur. Die K a p i t a l n o t, diese Kriegs- und Jnflationsfolge, dauert an. Der hohe Zinssatz ist das äußere Anzeichen dafür, seine Erhöhung durch die Reichsbank aber ist zugleich eine Mahnung zur Vorsicht. Soll die eben überwundene erzwungene Beschöftiguugslosigkeit wiederum das Schicksal von Millionen werden? Man braucht die Frage nur auszuwerfen, um die ungeheure Verantwortung zu erkennen, die auf der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung ruht. Durch den hohen Zolltarif, durch den Zollkrieg, insbe- sondere mit Polen, und durch die Duldung der Preistreiberei der Kartelle ist ohnedies die Wirtschaftsgesundung erschwert und verlangsamt worden. Daher gilt es rechtzeitig zu warnen vor wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die den Aufschwung der Konjunktur unterbinden oder gar zu einem Rückschlag führen können. Die sozialdemokralische Wirtschafts- interpellarion sticht diese Ausgabe zu erfüllen. Dem Wirtschaftsleben drobt durch die Erschwerung der Aufnahnie langfristiger Auslandsanleihen große Gefahr. Als kapiial- armes Land kann Deutschland Auslandsgeld nicht entbehren. Selbstverständlich müssen diese Gelder produktiv verwendet werden. Aber das kann bei den öffentlichen Körperschaften. ebenso gesichert werden wie bei den privaten Unternehmungen. Daher wird verlangt, daß Anleihen össenilicher Körperschaften nach den gleichen Gesichlspunkten behandelt werden wie pri- vate Ausländsanleihen. Für den Fortgang der Konjunktur aber ist insbesondere die Aufnahme v o H Auslands- anleihen für den Wohnungsbau unerläßlich. Der deutsche Kapitalmarkt hat bei der Finaiizieruug des Wohnungsbaues für 1927 völlig oersagt. Die Erträge der Haus- zinssteuer können nur einen Teil des Wohnungsbaues finan- zieren. Sollen etwa 259 WO Wohnungen jährlich gebaut werden— angesichts eines Fehlbedarfs von 1 Million Woh- nungen ist das die Mindestmenge—, so muß für etwa 1W 009 Wohnungen das-Kapital vom Auslande beschafft werden. Aber während das Reichsarbeitsministerilim inid eine Mehr- heit im Reichstage dafür eintraten, widersetzt sich der Reichs- bankpräsident Dr. Schacht. Er sieht den W o h n u n g s- bau nicht als produktiv an. Muß aber die Baulälig- keit infolge des Mangels an Kapital eingeschränkt werden, so sind überaus empfindliche Störungen der Konjunktur unaus- bleiblich. Eine weitere wichtige Ausgabe der Wirtschaftspolitik ist derAbschlußvonHandeisverträgen. Noch immer befindet sich Deutschland im Zollkrieg mit Polen, wodurch nicht nur der deutsche Osten, sondern die ganze deutsche Wirt- schaft geschädigt werden. Hunderttauseilde von Zlrbcitern könnten neue Beschäftigung erhalten, wenn endlich durch eineu Handelsvertrag mit Polen die deutschen Ilidlistrieerzeugnisse in früherem Maße in Polen abgesetzt werden. Ebenso ovichtig ist es, daß die gewaltig überhöhten Zollsätze abgebaut und der Hochhaltung der Preise durch die Kartelle entgegengewirkt wird. Beides find die wichtigsten Ursachen für' das dauernde Steigen der Preise für Nahrungsmittel und Bcdarfsgegen- stände, durch die nicht nur die Lebenshaltung des deutschen Volkes herabgedrückt, sondern auch die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt erschwert wird. Unter den hohen Preisen leiden alle Schichten des deutschen Volkes. Trotz besserer Be- schäftigung ist daher das Dasein von Millionen Menschen un- erträglich schwer. Die Löhne sind unzureichend, die Renten noch dürstiger, und selbst bei größter Sparsamkeit können die meisten Menschen nicht einmal die bescheidensten Ansprüche befriedigen. Die liefe Unzusriedenheii der Massen hat hierin ihre begründete Ursache. Daher geht es nicht länger an, Löhne und Renten tief unter dem sozialen Existenzniveau zu halten. Die Staatsgewalt muß in der Erfüllung berechtigter Lebens- ajssxrüche der Masse de« Volkes eine nichtigere Aufgabe sehen als in dem Schutz der Profitlnteressen kleiner Schichten. Sie muß mithelfen, damit die Arbeiter und Angestellten der Privatwirtschaft, die die Lasten der Rationattsierungskrisc jahrelang getragen haben, nun auch an ihren Gewinnen be- teiligt werden. Durch eine varbildliche Lohnpolitik in den öffentlichen Unternehmungen und durch Erhöhung der.sozialen Renten ist der Kamps der Arbeiter und Angestellten der Privatwirtschaft um die Erhöhung ihrer Bezüge zu erleichtern. Das ist um so notwendiger, da die Unternehmer freiwillig keine ausreichenden Lohnerhöhungen gewähren und durä) die ErrichtungvonKriegskassen bewußt aus eine Per- schärfung der sozialen Kämpfe hinwirken. Diese unsoziale Gesinnung, dieser Klassenkampf des Unternehmer- t u m s gegen Arbeiter und Angestellte ist schuld an den zahl- losen Lohnkämpfen, an der weiteren Vergiftung der Be- zichungen zwischen Unternehmern und Arbeitern. Wieweit die unsoziale Gesinnung und die Verachtung für den Willen der Staatsgewalt bei den Untcrnebmern bereits wieder geht, zeigt die Begründung für die Biloung der Kriegskassen der Schwerindustrie. Ihr Zweck ist auch der Kamps gegen die Durchführung einer gesetzlichen Anordnung, nämlich der Neuregelung der Arbeitszeit in der Schwerindustrie, die am 1. Januar 1928 in Kraft treten soll. Die sozialdemokratische Interpellation ist aber mehr als eine Mahnung an die Reichsregierung. Ihre einzelnen Vor- schlüge entspringen der Erkenntnis, daß bei der Wirt- schaftspolitik nicht wie bisher dos Interesse der kapi» talistischen Unternehmungen den Ausschlag geben darf, son- dern die Wohlfahrt des Volkes. Daher keine Wirt- schaftspolitik, die nur der Erhaltung und Förderung des Unternchmergewinnes dient, sondern'Maßnohmen, die' ollen Arbeitsfähigen Arbeitsmöglichkoiten gewähren, die ein weiteres Anziehen der Preise verhindern und d i e E i n k o m m e n e r h ö h c n. In der Vertretung dieser großen sozialen Gedanken weiß die Sozialdemokratie sich einig mit dem ganzen arbeitenden Volke und sie wird, gestützt aus diese Volksmassen, den Kamps für diese Forderungen bis zum Erfolge führen. yeil, Sieg unö Rache. Die Faust alet Argument.— Hitler will Hof erobern. Die chitker-Bewegung ist politisch tot, und ihr Tambour Hlller bemüht sich vergebens, sie zu galvanisieren. Als letztes Mittel, Sympathie zu gewinnen, soll nun die Faust sprechen. Am IS. Oktober will Hitler Hos erobern, dazu sind den Ortsgruppen der Hltler-Dewegung Zirkulare zugegangen, in denen es heißt: „Nachdem der Feind in Hos schon mehrmal» die er- biltertstcn Anstrengungen gemacht hat, da» verlorene Terrain wieder zurückzuerobern, so ergibt sich aus dieser Tatsache erneut die Pflicht, dem Marxismus als Todfeind unserer Weltanschnuung, wenn es fein niüsz, mit der Faust die rechte Meinung vom Rotionalsozialismus beizubringen Adolf Hitler legte dem Bezirksführer Schemm während seiner Unterredung in Bayreuth dringendst ans Herz, nicht» zu unterlassen, was de n Ta g s o gewaltig als möglich gestaltet. Tun Sie Ihre Wicht! Aus zum Kampf! Auf Wiedersehen in Hos. Für Unterkunft und Lerpslexung ist bestens gesorgt. Heil, Sieg und Pache!".......• Rache mit der Faust an der Arbeiterschaft, weil dt? Hitler-Bewegung Pleite ist! Wie tolle Hunde zusammen- schießen kann man die Arbeiter heute nicht mehr gut. Man wird sehen, wie sich die bayerischen Behörden zu dieser Aufforderung zu Gewalttätigkeiten verhalten werden. Der Keichslandbund dementiert, daß der amnestierte Putsch- fijhm Buchrucker eine leitend« Stellung in seiner Organisation erhalten soll. Deutstbnationaler presieöienft unö TU. E'ine Berichtigung der Telegraphcn-Union. Die Telegraphen-Union schickt uns die folgende Berichtigung: „1. Unwahr ist. daß„die Mitteilungen und Insormationen der Deutschnationalen Polkspartei künstig durch den der TU.-5?ugenberg angegliederten deutschnationalen Nachrichtendienst verbreitet werden". Wahr ist. daß die TU. als unparteiisches Nachrichtenbureau seit jeher Mitteilungen und Informationen aller Parteien unter Kenn- zeichnung der Quelle in ihren Dienst aufgenommen hat und dies auch in Zukunft tun wird, wie es sich für eine unparteiische Noch- richtenogentur von selbst versteht, die Zeitungen aller Partei- richtungen gleichmäßig bedient. Es bestehen keinerlei Dereinbarun- gen. die eine Verbreitung aller Mitteilungen und Informationen der Deutschnationalen Volkspartei durch die TU. vorsehen." Wir nehmen davon Akt, daß keine Vereinbarun- gen zwischen der Deutschnationalen Bolksparte» und der Telgraphen-Union bestehen. Soll man nun daraus schließen, daß sich die Deutschnationale Volkspartei auch ohne Ver- einbarung aus Herrn Hugenberg oerläßt, oder daß Herr Hugenberg, der zum intransigenten Flügel der Deutsch- nationalen gehört, nicht alle Mitteilungen seiner Partei veröffentlichen will, sondern nur die, die ihm genehm sind? Republikaner beleiüigt. Bestrafung nach Tarif B. Der nationalsozialistische Schneidermeister Theodor Beck hott« im öffentlichen Lokale den Nürnberger Oberbürger- meister Dr. Luppe auf das wüsteste beschlmpft, ihn einen Mein» e i d l u m p e n. einen meineidigen Hund, einen Mantel- d i e b und einen W o! l d l c b genannt, außerdem behauptet. Dr. Luppe sei nur zu dem Zweck nach Amerika gereist, um sich von den amerikanischen Juden Geld zu holen. Dafür stand er jetzt vor dem E i n z c l r i ch t c r des Amtsgerichts Nürnberg. Dieser er- kannte, obwohl der Staatsanwalt, der öffentliche Anklage erhoben. zwei Monate Gefängnis beantragt hatte, gegen den bereits vorbestraften Angeklagten auf ganze 20 0 Mark Geldstrafe. In der Praxi» der deutschen Justiz, namentlich aber der bayeri- schen, gibt es offensichtlich zwei Tarife: einen teuren Tarif A, nach dem Beleidigungen rechtsstehender Persönlichkeiten, ehe- maliger Ossiziere usw. geahndet, und einen billigen Tarif K. nach dem Beschimpfungen von Republikanern bestraft werden. Da Oberbürgermeister Dr. Luppe«in bekannter Aortämpser des repu- blikanischen Gedanken» in Deutschland ist, so gelangte gegen seinen Beleidiger der billige Tarif B zur Anwendung. Natürlich nicht au» bewußter Absicht de» Richters, aber aus jener Gesamtein- stellung heraus, die in solchen Fällen alle strasnuldernden Momente besonder» stark im Gefühl des Richters hervortreten läßt, in den umgekehrten Fällen ober die strafverschärfsnden. Die Reichsqelöer für Sapern. Eine notwendige Bereinigung des Haushalts. München, 14. Oktober.(Eigenbericht.) Die lleberweisung von Reichsgeldern an die bayerische Regierung hat schon wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigt, ünd"zwar insbkfänbere deshärbi weil dieft Gelder— es bandest sich um hohe Millioren betröge— nur zum geringen Teil durch den Etat der bayerischen Regierung und damit durch d'« Kontrolle de» Parlament« gelaufen sind. Man erinnert sich in diesem Zusammen. hang vor allem der schweren Angriffe, die der inzwischen tastgestellte Dr. Heim gegen den bayerischen Landwirtschoftsminister F eh r erhoben hat. weil dieser Reichsgelder selbständig für sein Ressort verwandt hat, ohne dem Finanzministerium oder dem Parlament Einblick in die Verwendung zu geben. Diese Verhältnisse kamen in derFreitogsitzung de« Finanzausschusses im Landtag zur Sprache. Der Finanz. minister gab. offenbar auf Betreiben seiner bauernbündlerifche» Koalitionssreunde, eine ausdrückliche Erklärung für den Land- wirtschaftsmimster Fehr ab, wonach der gegen diesen erhobene Bcr- dacht oer verschleierten Etatisierung ausdrücklich als u n b e- gründet bezeichnet wird. Ein Regieruitgsvertreter gab ferner auf Wunsch� der sozioldenwlrotijchen Fraktion einen. Ueberblick über die In ten Jahren 1024 bis 1926 orsolgten Zuweisungen des Reiches, die nicht im Hanshall geführt ymrden. Von 1929 an sollen die Zuweisungen restlos im Haushast nachgewiesen werden. Der Ausschuß beschloß noch, die Regierung zur baldigen Borlag« des Entwurfs einer neuen Haushaltsordnung zu beauftragen. die Anwälte gegen üie Todesstrafe. Ein einmütiger Beichluß. Die strafrechtliche Vereinigung der Berliner Anwälte hat eine Resolution gegen die Todesstrafe beschlossen, in der es heißt: „Die Todesstrafe, als einziger Rest einer rückständigen Kulturzeit, in der dos Strafrechl auf das alleinige System von Leibes- und Lebensftrofcn eingestellt war, hat mit deren Weg- fall und Ersatz durch Frciheits- und Geldstrafen jede Beziehung zum heutigen Strafensystem verloren. Ihre Beibehallung c r- schwert die Rechtsangleichung, die der deutsche Straf- entwurf an den österreichischen sucht, und setzt sich über alle kriminalpolitischcn Ersahrungen hinweg, nach denen dir Zahl der Morde jeden kausalen Zusammenhang mit der Todesstrase vermissen läßt und sie als Abschreckungsmittel entwertet. Sie ist überdies vor ihrer Bollstreckung eine in ihrer Wirkung auf den Delinquenten fortdauernd gesteigerte seelische Folterung und damit eine brutale Vergewaltigung am Menschentum, überdies nach ihrer Bollstreckung irreparabel, wenn sie ein Justizirrtum gewesen ist. Rur und allein in dem einzigen Fall, in dem es sich um Menschen- leben handelt, macht das Gesetz da» Wiederausnahmeversahren unmöglich. daß sonst jedem Delinquenten in jedem Falle freisteht. Der Dorschlag aber, dem Richter das sreie Ermesien einzuräumen, aus Todesstrase zu erkennen, ist nicht allein aus prinzipiellen Gründen zu verwerfen, sondern auch aus dem Grunde, weil damit das Odium vom Gesetzgeber auf den Richter übertragen und das Bevtrauen zur Rechtspflege erschüttert wird." Die Bersammlung beauftragte den Vorstand der Bereinigung. Maßnahmen zu ergreifen, um in den breiten Massen der Bevölkerung über die Notwendigkeit der Abschasstwg der Todesstrafe Ausklärung zu verbreiten. Lockspitzelzucht in üer Sowjetunion. Eine aufsehenerregende Mitteilung. Das Mitteilungsblatt der russischen Sozialdemokratie teilt mit: Burzew, ein russischer rechtsstehender Journalist, der sich vor zwei Jahrzehnten— damals als Revolutionär— durch die Eni- larvung zahlreicher Lockspitzel der zaristischen politischen Polizei, ins- desondere auch des berühmten A z e w«, groß« Verdienste erworben hatte, hat eben in einer Pariser Wochenschrist eine neue Lock- Ipitzelossäre ausgedeckt. Diesmal Handell es sich um eine weit- verzweigte angeblich monarchistische O r g a n z s a t i o n, die von der GP U(der Tscheka) seit dem Jahre 1921 geschaffen und aus- gebaut wurde, um die rechtsradikalen Elemente der russischen monarchistischen Emigration nach Rußland zu locken Aich ihnen dort den Garaus zu machen. Im Laufe von sechs Jahren sind zahlreich« monarchistische'..MrbelstrSmungen" in Rußland aufgedeckt und „exekutiert worden. Unzählige Todesurteile sind gesollt und vollstreckt worden. Jetzt erweisen sich die meisten, wenn nicht alle dieser „Berschwörunzen" als Früchte der planmäßigen pro.:. vokatorifchenTätigkeit der GPU. Die von der SPU geschaffen« Organisation zähst etwa 400 Mit gliodcr. meist Agenten der GPU. Die Organisation hat sich den Namen„Trust" beigelegt._ Die Nachricht von einet griechischen Grenzsperre gegen Sul- garlen wird von Athen aus als unwahr erklchrt. Die letzten zehn Minuten. »Was dachten Sie sich, als Sie dem Tode ins Auge sahen?" Don Karl Perttold. Diese Ausführungen sind keine Interviews mit okkultistisch wiedererweckten Toten oder beim lischrücken hervorgezauberten Unterweltsgestosten, sondern Unterredungen mit Menschen, die un- willkürlich einige Minuten vor dem drohenden Tode durch ein gütiges Schicksal gerettet wurden. „Was dachten Sie sich, als Si« dem Tode ins Auge sahen?" lautete die Frage, als man mich zu Tal beförderte. Und ich er- zählte mein Erlebnis. An einem wunderboren Sommertage unternahm ich eine Tour in die Berchtesgadener Berge. Dabei kam ich in ein« 70 Meter hohe Wand, die anfangs sehr griffig war, dann aber immer glotter wurde, so daß ich zuletzt vor einem großen Rätsel stand, was ich weiter tun sollte. Ich starrte in die Tiefe und sah urnen, 400 Meter unter mir, da» Duräzeinander von Felsen. Momentan bekam ich ein unangenehmes Gefühl, ein« gewisse Borahnung. Mit größter Willensanstrengung arbeitete ich mich Meter für Meter empor, aber bald mußte ich mich davon überzeugen, daß ich rettungslos verloren war. Ich tonnte mich nur mehr mit den Fingern sestkrallen, mit den Füßen fand ich keinen Stand mehr, höchstens, daß ich einen Fuß so weit ausstrecken tonnte, daß ich mit den Spitzen der Kletter- schuhe einen kleinen Dorsprung erreichen tonnte. Da» war natürlich auf die Dauer nicht zum Aushalten. Ich suchte die Wand ab, sah aber keinen Ausweg. Unter mir immer die mehrer« hundert Meter hohe Wand, an der einzelne Latschen frech aus dem Grau hinaus- ragten. Ich hatte zunächst nur den einen Wunsch, an den Latschen zu hangen. Zugleich jedoch spürte ich, daß meine Kräfte mich ver- ließen. Meine Hände begannen zu zittern. Meine Anstrengungen, mich auireck:tzi.-rhalten, wurden verzweifelter, und zum Schlusie überkam mich noch ein Schwindelgefühl, so daß die graue Wand bald grün, blau, rot und gelb vor weinen Augen sich färbte. Die Ge> danken waren wi« ausgeschaltet. Ich rief, schrie und brüllte. Nur ein Echo gab meinen Verzweiflungsschrei zurück- Meine Lag« wurde trostlos. Ich dachte daran, mich loszulassen. Dieses Gefühl ver- stehe ich heule nicht mehr, ober damals war es fast Wollust, mich in die Tiefe stürzen zu lasien. Noch einmal sah ich in das unan- genehm« Dunkel der Tief« hinunter, dann— merkte ich ein Loslassen der Finger, sekundengleich ein Weggleiten, ein augenblickliches Gehobensein und ich wußte von nichts mehr. Als ich durch einen heftigen Anprall erwachte, hing ich an den Latschen, die Ich einige Augenblicke vorher so«ohlgesälllg betrachtet hatte. Mein Rücken schmerzte, einige Glieder waren wie leblos, ober ich konnte kon- stotioren. daß ich heil und gesund war. Und es erwachte der Selbst, erhaltunsWieb. Mit zusammergeknikjenen Lippen überwand ich meinen Schmerz und glitt von hen Lallchm vorsichtig weg,(and einig« Meter darunter einen guten Halt, dann ein Band und zuletzt sogar den Einstieg. Als ich unten ankam, brach ich zusammen, Sin andere« Crkebni», da» heißt, das Erlebnis«ine« anderen, muß hier angeführt«erden. Sin ehemaliger Offizier wurde in Minsk wegen Hochvcrratsverdacht nach russischem Muster zum Tode verurteilt. Man teilte Ihm mit, daß er innerhalb drei Tagen hinge- richtet werden würde, und zwar in Verein mit sieben anderen Offizieren. Lassen wir diesen Offizier, der in letzter Minute vor dem Tode gerettet worden ist. erzählen: Mit einigermaßen sicherem Gefühl wartete ich auf die Urteilsoertündigung. Ich war deshalb so sicher, weil ich wußte, daß dos Urteil nur auf den Tod lauten konnte, was auch zutraf. Darauf war ich gefaßt, und ich wunderte mich keineswegs, daß ich«s so ruhlsi Hinnahm. Am ersten Tage aß ich noch einige Bissen und dachte über alle möglichen Kleinigkeiten nach, am zweiten Tage konnte ich nur mehr Zigaretten rauchen und am dritten Tage war ich völlig apathisch. Gegen Abend erhiest ich den Besuch meiner Mutter und meiner Schwester. Ich weinte mit ihnen, und als wir getrennt worden, kam«s mir erst recht zum Bewußtsein, daß nun für mich dos Lebep erledigt war. daß ich nun für immer Abschied nehmen mußte. Ich klappte zusammen. Wie oft halte ich während d«, Krieges dem Tod« ins Auge gesehen, mich aber nie vor ihm gefürchtet. Im Kriege brauchte man auf den Tod nicht zu warten, aber hier in dieser Zelle mußte man warten. Die beiden wachhabenden Soldaten versuchten mit mir einige Worte zu sprechen, aber was sollte ich noch sprechen, wenn jedes Wort unnütz war und ich in einigen Stunden den letzten Gang antreten mußte? Als man mich in der sechsten Mvrgenstunde aus der Zelle führte, hatte ich nur den einen Gedanken, ob ich mich mit der Augenbinde erschießen lassen sollte oder ohne sie. Dieser Gedanke beschäftigte mich angesichts des Todes. Als ich auf den Gefängnishof hinausgeführt wurde, beschlich mich ein gruselige« Gefühl. Vor mir standen sieben Personen. Komisch, welche Anzüge sie alle nun anhaben, dachte ich mir. Di« erste Salve knallte, der erste brach zusammen. Ob sie wohl sicher treffen, die dreizehn Soldaten, kreiste«» in meinem Hirne, Bier waren nun schon durch Kugeln zusammengesunken. Ich sehnte mich direkt, ebenfalls an die Reihe zu kommen. Nur mehr zwei warteten auf die Hinrichtung, ein älterer Herr und ich. Als man mir die Augenbinde umlegte, ertönte ein Kommando. Man nahm mir die Augenbinde wieder ad. Ein höherer Offizier der Sowjetarmee kam mir lächelnd entgegen und drückte mir die Hand, wobei er mich beglückwünschte. Aus Betreiben de» Kommisiar». der mir ja tatsächlich zu großem Dank verpflichtet war, wurde ich begnadigt und aus dem Gefängnis entlasten. Erst als ich di« Straße betrat, sank ich zusammen, Ein drittes Erlebnis. Bor kurzem wollte ein 17jähriger ober- bayerischer Bauernbursche Nachschau halten in einer fast 20 Meter tiefen Grube. Als der Junge am Boden des Schachtes war, stürzte die Grube zusammen und über 120 Zentner Erdmassen schauselten ein Grab für den jungen Menschen. Obwohl di« Aussicht, den Jungen lebend bergen zu können, nur ganz gering war. arbeitete man 80 Stunden Tag und Nacht daran, ihn auszugraben. Und wirklich, als man am Boden des Schachtes angelangt war, hörte. man ein Keuchen. Man mußte, daß der Iungc noch lebte Wäre man nur um einig« Augenblicke zu ipäi ans Ziel gelangt, dann wäre er erstickt gewesen. Dreißig Stunden hatte es der Sielzehnjähnge «m'Dunkel und säst ohn� Lust ausgehalten. Furchtbare Stunden hatte er durchlebt. Gerettet hatte den Burschen nur ein Zufall. Beim Einsturz der Grube kam ein Balken quer zu liegen, so daß die Erdmasien aufgehalten wurden. Auf die Frage,«a, er sich in diesem Dunkel und angesichts des Tode, gedacht hatte, antwortete er kurz: „Mir fielen oll« Knabenstreiche«in. und da, tröstete mich über meine Lage hinweg. Als ich ungefähr zehn Stunden schon ausharrte, hatte ich nur mehr Angst, der Balken könnte nochgeben. Nach 20 Stunden konnte ich mir überhaupt nicht» mehr denken. Als ich an das Tageslicht»am, brach ich zusammen!" Vousteine zum Tanzdrama.„Symphonie der Bewegung"— unter dieser Bezeichnung faßt da» russtlche Tänzerpaar Parts- Oginskq die zehn Nummern feines Programm» zusammen. Die Bezeichnung ist zu weit, zu allgemein. Symphonie der Bewegung ist jeder moderne Tanz, cder er sollte e» sein. Die Tänze aber, die wir im Schwechten-Saal(ehemals Klindworth-Scharwenka- Saal) sahen, haben eine eigene, lehr charakteristische Note: sie sind Bausteine und Architekturdetail», die der Errichtung des großen Zu- kunstswertes dienen sollen und können, da» man Tanzdrama nennt. Sie sprießen au» pantomimischer Wurzel und entfalten sich zu mehr oder weniger reinen abstrakten Ausdruckssormen. Ihr Lebens- element ist ein starker, stets deutlich betonter Rhythmus. Akroba- tische Elemente sind nicht ausgeschaltet, stehen aber immer im Dienst der Raumgestaltung, Der Charakter dieser RusientSnze erscheint in den Duetten am klarsten ausgeprägt. In den parallelen und kon- trastierenden Spannung.'» und Schwüngen, im Ranken. Durch- schlingen und Durchstoßen der aneinandergesesielten Körper. Hier entstehen originelle, neue Ausdruckssormen, die der deutsche Kunst- tanz bisher nicht kannte. Da, zeigte sich aber nur in den Zwei- tanzen, namentlich im»Russischen B e t tle r l i e d", bei dem allerding» die pantomimischen Elemente noch nicht rein ausgelost erscheinen, und vor allem im„L a st e r". einer im rhythmischen Spiel der bewegten Farbformen sehr eindrucksvollen, abstrakt drama- tischen Bühnenszene. Weniger erfreulich waren die Einzeltänze. Die Kompositionen ließen hier zuweilen die rechte Bindung der Be- wegunasrhythmen vermissen. Die Technik des weiblichen Partners, Frau Parts, steht nicht auf der bei uns gewohnten Höhe, Bei Oginsly störte das Varieteartige mancher Nummer. Im Rahmen eines umfangreicheren Bühnenwerks mag dergleichen hingehen. Von einem Solo erwarten wir mehr. Alles in allem: ein Abend, der keinen ungetrübten Kunstgenuß, wohl aber mannigfache Anregun- gen bot, die für die deutsche Kunst auf ihrem Wege zum Tanzdram, fruchtbar werden könnten.__ P «illlaor lerdi». Helga Itormann und ZI« Irlbell werken in der ersten Tanzmatinee der BoltSbühneom Sonutaq. dem 23. Ollober, im Theater am Bülowvlatz Solotänze zeigen. Eintrittskarten zum Preise von M. 1.30 erhältlich, Sonzerte der Ate flerfchnl« pfthner». Die unter Leitung von Han» Pfitzner siebend« Meisterlchuie für muftkalilche«omvosiiion bei der Prenhi» (che««llademie der Künste veranstaltet am J8. einen Kaininermustk.iben» ln der?tlademie der Künste. Pariser Plat, 1, und einen Orchesterabend am SO, 20 Uhr, in dem Konzerttaak der Siaailichen qkqdemiichen Hochtchule für P-nlit. Ebarlottenbiirg. Faianenstr. 1, Ecke Hardenbergftrahe. Beide Äonzerte finden nur vor geladenein Publikum statt, Die ilr egsbilderav» eltvna im ebemaligen Hotel Beklevu», am VotSdanier Platz. hat für Sonntag, ab 11 Uhr, den EinlriilSvreiS aui O.bO A. herab, ete»>, Arno» Bronnen* Luüfptel.kieporatteae»" ist von den varnowsti-vühnen zur Uraufführung erworben worden. Oernarö Shau Eine Kontroverse t Im Februar b, I. veröffentlichte hos Londoner liberale Blatt „Daily News" eine Zulchrift des berühmten englischen Dichters Bernarb Shaw, in der dieser, wenn auch mit starken Vorbehalten, Mussolini insofern in Schutz nahm, als er es für eine Torheit erklärt, ihn und den Faschismus immfort onzu- klagen. Shaw ist als ein Meister der Feder bekannt. Di« Pfeil« seiner Satire haben jahrzehntelang den herrschenden Schichten gegolten. Auch wenn er sich nicht ausdrücklich als einer der Gründer her Fabier-Gesellschast zum Sozialismus bekannt hätte, würde er von den oorwärtsstrebenden Geistern oller Länder und namentlich von den kontinentaleuropäischen Sozialdemokraten als«in wertvoller Bundesgenosse verehrt worden s�in. Un» so schmerzlicher»oar die Ueberraschung, die sein Brief an die „Daily News" gerade denen bereitete, die in»hm bisher einen Mit- streiter im Komps« für das Recht, die Freiheit und den Fortschritt erblickt hatten und die in-ihm plötzlich einen— wenn auch bedingten— Berteidiger des Faschismus entdecken mutzten. Der Brief Shaws rief sofort einen Sturm der Entrüstung, besonder» unter den unmittelbaren Opfern des Faschismus, hervor, die mit Recht befürchten mutzten, daß Mussolini Shaws Stellungnahme zur eigenen Rechtfertigung und Verherrlichung verwenden würde. Der greise FlüchUing, Genosse T u r a t i, sandte ihm«in empörtes Protesttelegramm. Auch Genosse Friedrich Adler,- als Sekretär der Sozialistischen Arbeiterinternational«, richtete Anfang März an Shaw einen Brief, in dem er seinen Ansichten entschieden entgegentrat. Volle sieben Monate ljetz Shaw nichts mehr von sich hören. Endlich und plötzlich sandte er am 2. Oktober an Adler«In ümges Antwortschreiben, datiert vom Regina Palac« Hotel in Etresa am Logo Maggiore. also von jenem Winkel Oberitalien», in dem von den politischen und wirtschastlichen Erscheinungen des Faschio« inu» am wenigsten zu spüren ist. weil da» ganz« Leben dort a»rf den Fremdenverkehr eingestellt ist. Wenn ein berühmter Dichter aus dem europäischen Festland« nach London fahren, im Carlton-Hotel absteigen, einige Autofahrten im Regierungsviertel und In der City machen und sich dann aus Grund seiner„Erfahrungen" erlauben würde, zu verkünden, botz ganz England in Wohlstand und Pracht lebe und daß es überhaupt keine Elendsquartiere in London und keine darbenden.Bergarbeiter in Schottland und Wales, kein« verlumpten Docker« in den Hafenstädten für Mussolini. lit Friedrich Adler. gebe, welch ein höhnisches Gelächter würde ihm entgegenschallen? Welche dankbare Arbeit würde ein solches Verhalten eines Sa-, tirikers bietenl Das wäre etwas für einen Bernhard Shaw: er würde' diesen oberflächlichen und vermessenen Kollegen in einer Weise. stäupen und lächerlich machen, dah ihm die Lust zu weiteren politi- schen und wirtschaftlichen„Reiseschilderungen" auf ewig abgehen würde. Sonderbarerweis« ist es aber gerade Shaw selber, der sich in diese unmögliche und lächerliche Situation begeben hat. Sei es aus Rechthaberei, sei es aus aller Neigung zum Paradox Hot er in dem Antwortbries an Adler seinen Fall bedeutend v e r s ch l i m-. inert. Nicht nur, dah er bei den Ansichten verbleibt, die er im Frühjahr in seinem Brief an die„Daily News" und in einem weiteren Brief an einen besorgten und peinlich berührten englischen Freund entwickelt hatte, er oersucht sogar seinen Standpunkt mit Ar- gumenten zu rechtsertigen, die so hahnebüchen sind, daß es einem schwer fällt, zu glauben, datz sie ernst gemeint sind. Da aber Shaw selber Wert daraus gelegt hat, daß der Briefwechsel der Oeffentlich- keit übergeben werde, mutz man schon onnehmen, datz ihm seine Berrantheit selber gefällt.''' Sein« Argument« sind z. B.: Warum richten die Kommunisten in Italien nicht selber eine Diktatur aus, denn sie verfügen ja' auch über Rizinusöl und Revolver?! Mussolini mag zwar Motteottis Ermordung verschuldet haben, aber auch Napoleon lieh den' Herzog von Eughien widerrechtlich auf fremden Boden verhasten und er- � schießen, und er war doch ein groher Mann, dem sein Volk zu»- jubelte, weil«r Ordnung schaffte.(Shaws schrankenlos« Bewuu- derung für Napoleon rührt wohl daher, datz er als Ire England' über alles haht, und somit im Franzosenkaiser den grötzten Feind Englands vergöttert.) Der Faschismus, so meint Shaw weiter, konn� nicht so schlimm sein, dem» die Lire ist AI Pfennig, wert, der Frayt� des demokratisch rtgierten Frankreichs nur 20 Pfennig- Er denke nicht daran, Mussolini zu belehren, wie es Kautsty gegenüber Lenin, Karl Marx gegenüber Thier», Victor Hugo gegenüber Napoleon III. gemacht hätten. Muflolini habe bewiesen, datz der Faschismus z u regiere nver st ehe, während die Sozialisten das Gegen- teil gezeigt hätten.» Man steht, an diesen Beispielen, auf welchem Niveau sich die „Beweisführung" von Bernard Shaw, bewegt. Man kann daher dem Genossen Adler nur recht geben, wenn er in einer neuen' Antwort erklärt, es erscheine ihm völlig hoffnungslos, sich mit Shaw über die Frage des Faschismus jemals verständigen zu können. Gewerkschaften unö Schulgesetz. Gegen Keudell. für Weimarer Verfaffung und Gemeinschaftsschule. In der„G e w e r k s ch a f t s z e i t u n g". dem Organ des ADGB., wird die Stellung der Gewerkschaften zu dem Keudellschen Reichsschulgesetzentwurf scharf umrissen. Die Gewerkschaften, so wird ausgeführt, sind an dem Geist, dem Lehrplan und den Lehrmethoden der Volksschule ebenso inter- essiert wie an der Ausbildung der Lehrer, denen die Arbeiter- linder anvertraut sind. Wie der Staat sich von der Vorherr- schaft der Kirche befreit hat, so haben auch die Gewerkschaften die Schranken weltanschaulicher Bindung überwunden, sie bekennen sich bewußt zu einem Gemeinschaftsideal, das die früher so unüdersteiglichen Grenzen einer vergange- nen Welt nicht kennt. Aus diesem Gesichtswinkel heraus betrachten die Gewert- schaften den Entwurf zum Reichsschulgesetz. Der Absatz der Weimarer Verfassung über die Reichsschulgesetz' gebuna ist zum Teil ein uneingelöstes Rechtsver- sprechen. Er erhebt die Weltlichkeit des Schulwesens zum Grundsatz. Die innere Verwaltung und die Aufsicht der Schule soll lediglich Sache des Staates sein: .Die Kirchen werden grundsätzlich von der Schulaus- ficht ausgeschlossen. Die oft geübte Praxis, Geistlichen die örtliche Schnlausficht zu übertragen, soll künftig unmöglich gemocht werden. Eine Abkapselung der volksschulpflichtigen Jugend In Standesschulen, Klassenschulen ist unter ollen Umständen verfastungs- widrig. Die Boltsschulen sollen soziale Gemein- schaft's schulen werden." Nach dem Recbtsversprechen der Weimarer Verfassung ist die gemeinsame Volksschule die Regel, Sonderschulen sind antragspflichtig. Auf diese Weise soll dem Staat als dem Herrn der Schule das Recht gegeben werden, a l l e Ä i n d e r des Volke» gemeinsam in bildungsfähigen Schulen zu unterweisen, nach dem Grundsatz: ein Volt,«in Staat, eine Volksschule unter der Aufsicht und der verantwortlichen Leitung des Staates. Die Gewerkschaften, so heißt es in der Betrach- tung der„Gewcrkschaftszeitung" weiter, sind mit diesen in der Lersofsung niedergelegten Gesichtspunkten einverstanden. Der Keudellsche �Gesetzentwurf hat aber mit dem Geist der Verfassung'kaum etwas gemein. Er gefährdet die Einheitlichkeit des deutschen Schulwesens. Er hebt die Vor- zugsstellung der Gemeinschaftsschule als Regelschule prak- tisch auf: .Der Entwurf verzichtet darauf, die Volksschule zu einer Pflanz- stätte deutschen Gemeinschastsgetstc» aus.zugestalten. er ist ängstlich bemüht, schon die Jugend voneinander abzusondern und. der eingewurzelten deutschen Zwietracht auf geistigem Gebiete das Recht ungehemmten Einflusses auf den Geist der Jugend- lichen zu gewähren." Die Gewerkschaften lehnen deshalb den Entwurf, der aus. Linons unfreien.Geist geboren wurde, klar und eindeutig mit einem entschiedenen Rein ab. Sie bestehen daraus, daß der Gemeinschaftswille, der aus den Worten der Verfassung spricht, nicht oerkümmert wird in einem Aus- fühkWgsgefsttz. das schon ip ftwer vertlaujulierten Sprache ncr$|f, daß hier mit klaren Absichten unwürdiger Schacher getnsbön"«in:. f"v? T. ..Die deutsch« Jugend gehört nicht nur den Erziehungsberech- ttgten, sie gehört z dem ganzen Aolke. Der Repräsentant de, ganzen Volke» ist der Staat. Der Staat vertritt keine Religion und keine Weltanschauung, sondern da» ganz« geschichtlich geworden« Volk. mit allem Reichtum seiner geistigen Gegensätze. Sein« Ausgabe ist, diese innere lebendige Gegensätzlichkeit den gemeinsamen Interessen de» Volkes unterzuordnen, in seinen Schulen die Kinder des Volkes zu Achtung und Verständni« für jede echte Ueberzcugung zu erziehen. Er kann diese Ausgabe am vollkommensten erfüllen in einer beut- schen Gemeinschastsschul«. Di« Gewerkschaften würden ihren eigenen Grundsätzen widersprechen, wenn sie sich nichl dafür einsetzten, dem Staat, selbst wider den irregeleiteten Willen seiner amtlichen Vertreter, das hohe und wichtige Recht zu sichern, über alle trennenden Gegensätze hinweg der Gemeinschaftserziehung zum Siege zu oerhelfen." Die Gewerkschaften haben damit gesprochen. War auch an ihrer Stellungnahme zum Keudellschen Entwurf nicht zu zweifeln, so wird doch die klare Sprache des Organs des ADGD. dazu beitragen, das Unrecht zu bekämpfen, das der Keudellsche Entwurf der Weimarer Verfassung und dem Reich zuzufügen beabsichtigt. Internationales Krbektsamt. Für paritätische Besetzung des Völkerbundbeirats. In der gestrigen Rachmittagssitzung wurden die Verhandlungen des Derwoltungsrates de» Internationalen Arbeltsamtes zum Ab- schlutz gebrocht. Namens der Arbeitergruppe teilte zunächst ZouHaux den Borschlag der Arbeitergrupp« mit, dem Völkerbundsrat in einem Schreiben den paritätischen Charakter der internationalen Arbeitsorganisation in Eilnnerung zu rufen, serner zu verlangen, daß die Anzahl der Arbeitervertreter erhöht werd« und datz den Regierungen anhcimgestellt werden möge, unter ihren Vertretern in den wirtschastlichen Beirat de» Völkerbundes auch Arbeitervertreter zu entsenden. Nachdem Albert Thomas die De- batte nochmals resümiert und die wesentlichen Punkt« hervorgehoben hatte, gab der italienische Regierungsvertreter die Erklärung ab, er sei mit dem Vorschlag« der Arbeitergruppe ein- verstanden, wonach diese selbst die drei Arbeitervertrcter zu ernennen und der Verwaltungsrat in seiner Gesamtheit davon nur Kenmni« zu nehmen habe. Auch der italienisch« Unternehmeroertreter Olloetti trat einen bemerkenswerten Rückzug an, indem er vorschlug, dem Völkerbundsrat die paritätische Zusammenwirkung de» Internatio- nalen Arbeitsamts und die vom Friedensvertrag festgelegten Kam- petenzen der internationalen Arbeitsorganisation in Erinnerung zu rufen. Die Arbeitergruppe schlug al» Arbeiteroertreter Hermann Müller vom ATTB., Iauljaux und Oudegeest vor. Diese Borschläge werden dem Bölkerbundsrat al» Vorschläge der Arbeite» grupp» de» Berwaltungsrat» übermittelt. S, blieb noch zu ent- scheiden, ob unj» inwieweit der Derwallungsrat in einem Schreiben darauf bestehen soll, datz nicht nur die Arbeitergrupp«, sondern die intornotlonal« Arbeitsorganisation in ihrer Gesamtheit im weltwirtschaitlichen Deirat des Dölkerbunde» vertreten sein und in welcher Form dieser Wunsch zum Ausdruck gebrocht werden joll. Es wurden die verschiedensten Dorschläg«. ge- macht. Da aber Bedenken erhoben wurden, beschloß endlich der Verwaltungsrot auf Antrag der Arbeitergrupp«. die weiter« Be- jchlutzfasiung bis zur Januartagung auszusetzen. l Man kann die gesamte Debatte, die ebenso ledhast wie undurch- sichtig war. dahin resümieren, datz die II n t'e r n« h m er g ru p p« wie immer von oornhsreiy.sich dagegen stemmte, den Einfluß und die Tätigkeit de» Internationalen Arbeitsamtes nach außen zur größeren Geltung zu bringen.- Die Unternehmer scheinen aber schließlich angesichts dex Tatsache, daß die meist«n Rexieningsocrtreter sich ihrem Standpunkt nicht, anschlietzen, wohl oder übel sich zu einer besseren Einsicht bekehrt zU haben. Di« Ent- scheidüng fällt aklerdittgs'ekst lrt ltör Iaituartagung: äbltr sie kann setzt.' schon nicht' HÄsM m' Ver'Vftag M frqnzösileM' Re- gierungsoertrelerx, der bem Bölkerbünbsrat im Sinne der Vor». schlage der Arbeitergrupp» d»« Notwendigkeil der paritätischen Vertretung de» Arbeitsamt«» als Vertretung der internationalen Ar- beiisorganisation m Erinnerung rufen wollt«, war dafür bezeichnend genug. Es ist kein Zweifel, datz die meisten Regienrngsvertreter für diesen Antrag gestimmt haben würden. In seinem Schlutzwort dankte der Präsident des Derwaltnngs- rat», Herr Artur Fontaine, der deutschen Regierung für die herzliche Aufnahm« und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß dadurch die Annäherung und die Zusammenarbeit der Völker ge». fördert worden sei. Ministerialdirektor Sitzler dankte im Namen der deutschen Regiening. Es fei für Deutschland eine besondere Ehre gewesen, den Verwaltungsrat in seiner Mitte zu sehen. Zweifellos würde diese Tagung das Interesse an den Arbeiten der internationalen Arbeitsorganisation in Deutschland steigern und die guten Beziehungen zwischen beiden Teilen stärken und festigen. die Kriegsopfer. Ergebnisse der III. Internationalen Konferenz der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer. Der Verlauf und die Ergebnisse der vom 29. September bis 2 Oktober in Wien abgehallenen III. Internationalen Kon- ferenz der Kriegsopfer waren sehr befriedigend. Dos Hauptgewicht lag natürlich in der Tätigkeit der Kommissionen. Die Leitung der Kommission für Beratung der Invalidenoersorgung hatte M a r o t e(Deutschland), als langjähriges Vorstandsmitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten eine besonders sachkundig« Persönlichkeit. Er wurde, trefflich unterstützt durch den französischen Vertreter, den früheren Feldgeistlichen Abb� Setret, durch Lazo r« witsch(Jugoslawien) und Le p pi n(Tscheche- slowakei). Besonders bemerkenswert war der Beschluß, beim Internationalen Arbeitsamt in Genf daraus hin- wirken zu lasten, datz«in« internationale Sachverständigen. k o n s e r e n z boldmöglichst einberufen werd«, die sich mit der Ler- scrgung der Kriegsopfer zu befassen habe. Die vorgelegten Statistiken belegen in der Tat. datz sehr erhebliche Unterschiede bestehen und datz Deutschland keinesfalls an der Spitze marschiert. Diese geplante Konferenz soll sich aus Vertretern der am Kriege beteiligt gewesenen Länder und aus solchen der Kriegsbeschädigtenorganisationen unter Leitung de» Internationalen Arbeitsamts zu- sommensetzen. Wir zweifeln nicht, dah da, Internattonale Arbeits- amt diesen Dorschlag gern ausgreisen und zu fruchtbarem Ergebnis führen wird. Je früher, um so bessert Man tonn nicht oft genug die früheren Gegner an«inen Verhandlungstisch zu- sommenbringen. Erstaunlich aber war welter die Feststellung, datz die Beschlüste der vorjährigen Internationalen Kriegsbeschädigten- und Kriegsteil- nehmerkonferenz zu Gens den verschiedenen Staaten zwar übermittelt, daß ober nicht«ine einzig« Regierung es der Müh.« wert gefunden hat. auch nur danken d zu quittieren Im Retch»tog werden die Minister Dr. Brauns und Dr. von Keudell wohl Veran- lossung nehmen müssen, sich hierüber zu rechtfertigen. Die II. Kommission(Allgemeine Angelegenheiten, Fxiedensrage usw.) leiteten Dr. Stein und S t o ch e c t i(Polen). In der Dis- kussion und Abfassung verschiedener aus international« Zusammen- arbeit und international« Ziel«(Frieden) bezüglicher Resolutionen i betelligle» sich R e n i Ca s s i n(Frankreich) und R-0 ßm a n n (Deutschland). Eine der Entschlietzungen lautet: >„Die III. Konferenz ist der Ansicht, daß die Organisationen der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer ihre Kxaitc mit denen anderer Organisationen, welche für. den Frieden arbeiten, in nationaler und internationaler Beziehung vereinigen sollten./ ilm_ ein« Grundlage für diese Zusammenarbeit zu- gewinnen, wird der.. Vorstand der„Ciamäc" beauftragt, imt den internationalen Br» einigungen, insbesondere mit dem Weltverband der Völkerbunds'-/. gesellschaften und mit dem Internationalen Friedensbureau in' Verbindung zu treten.".' Verschiede«., Beranstastungen sügten vsich- in. den Rahmen,.der öffentliche« und der' vertrauliche,» Sitzungen«in- Bei einer T obe-n- r gedächtnisfeier am stünMungSvolleN'�K�egerdenkmol'iMu Zentralfriedhof in Wien sprach autzer Vertretern ovderer Rationen' auch R. Eassi'n. neben Paul Boncour bekanntlich amtlicher Vertreter. Frankreichs beim Völkerbund. Cossiu ist. Vorstandsmitglied der grötzten Kriegsbeschädigtenorganisation Frankreichs(der unicn fcdörale des associations Fran�aises des rnutiles, blosses et an- ciens cornbattants de la prande guarre). Bemerkenswert war,. datz dieser(der Richtung Briand zugehörig«) Franzose dabei betont«. er Hab« seit acht Iahren noch nie an einem Kriegerdenkmal ge- sprachen, weil solche Feiern bisher immer dazu miß- braucht worden seien, den Rednern einen Hinter- grund zu geben. Mit größtem Beifall kam der frühere fron- zösische Feldgeistliche B. Secret in einer- vom Zentrolverbaiid veranstalteten grotzen öffentlichen Versammlung zu Wort. Auffällig war das Fernbleiben amerikanischer, und eng- l I s ch e r Vertreter.' Auch Harth y- Ungarn fehlte. Daß dagegen die faschistische Regierung nicht gewogt hatte, Vertretern ihrer grotzen„assoeiar one nationale farnlglfe dei caduti in guerra" die Zureife zu dem rein domotratisch-prole- tarisch gerichteten Kongreß zu verwehren, datz also mehrere italie- nisch« Vertreter auch anwesend waren, zeugt davon, welches Elend in diesen Kreisen in Italien herrscht und wie stark dort in dieser Organisation trotz ollen antisozialistischen Terrors der Zusammen- hall sein mutz. Regierungskrise in Lettlanü. Wege« des Handelsvertrages mit Rußlaad. Riga. 1«. Oktober.(TU.) Da» bisher zur Regicrungskoalltlon gehörende demokra- tische Zentrum hat heule unerwartet selneu Austritt aus der Regierung angemeldet. Der Vertreter de» demokratischen Zentrums. Znstizmlnlster Bit«, ist von feinem Posten zurückgetreten. Damit ist die bisher lalcnie Regierung', krise elngrtrelen. Die Stellungnahme de» Zentrum» zum russischen Handel, oer- trog hat, wie verlautet, bei dem vruch eine entscheidende Rolle gespielt. �uöenüorff enthüllt. Beweise von entwaffnender Wirkung. Obwohl Ludendorff die Freimaurer bereit» durch seine Broschüre vernichtet hat. sieht er sich gezwungen, sie noch vernichtender zu vor- Nichten. Er veröffentlicht die angekündigten Beweise für den j ü d i- schen Ursprung des Freimourertums, als da sind: Der., Freimaurerschurz. Nicht etwa das Schurzfell des mittelalterlichen Handwerksmeister», sondern die Befolgung einer Vorschrift des Pentateuch, die dem Juden verbietet, mit entblößter Scham vor dem Altar Gottes zu erscheinen. Ferner: die Weih« des Freimaurers, bei der der Meistxr den» Novizen den Zirkel auf die nackte Brust setzt und mit dem Hammer «inen Schlag, darauf vollführt. Dabei flieht Blut... genau wie bei der B« i ch n« i d u n g der Juden. Wir wollen Ludendorff noch einen weiteren Beweis liesern: der Name„Freimaurer" hat nichts mit Maurern zu tun, sondern leitet sich her von dr>n jüdischen Wort„Maure"(Furcht). Woraus sich ergibt, datz die Freimaurer schon von Ansang an vor den entsetzlichen Ludendorffschen Enthüllungen gezittert haben. Im übrigen schemt es uns gewitz, datz der Name Lydendorss -nun wieder bernsen-ist. eii� große- Rolle-zu- spielen: wenn, nicht in den Büchern der Geschichte, so doch in den Lehrbüchern der Gehirnpathologie. Die yolzarbeiter für den Schiedsspruch. Noch keine Erklärung der Arbeitgeber. Die Funktionäre der dem Montellarifvertrag der Berliner Hohindustric unterstellenden Betriebe nahmen gestern abend in einer stark besuchten Versammlung in den„Äammersälen" zu dem bereits in unserer gestrigen Abendausgabc mitgeteilten Schieds- ihruch Stellung. Der Bevollmächtigte Genosse Loesc schilderte noch einmal kurz den Gang der Verhandlungen vor dem Schlich- tungsausschuß und gab den materiellen Inhalt des Schiedsspruches bekannt. Ueber die Stellungnahme der erweiterten Ortsoerwaltung zu diesem Schiedsspruch lieft er vor der Debatte nichts verlauten, um nicht beschuldigt zu werden, die Funktionäre beeinsluftt zu haben. In der mit einigen Ausnahmen sonst äußerst sachlichen D i s- tu s s i o n war die Meinung der Funktionäre über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches natürlich geteilt. Begrüßt wurde von alten Rednern, daß es gelungen ist, die Zulage von neun P s c n n i g c n ab 1. Oktober und von weiteren drei Psen- nigen ab l. Januar aus alle bestehenden Löhne und Akkorde und nicht nur aus die bereits bestehenden Tariflöhne zu erwirken. Die Redner, die für die Ablehnung des Schiedsspruches eintraten, taten dies, weil durch den Schiedsspruch die Forderung auf 15 Pfennig Lohnerhöhung nicht voll erfüllt und die Lauszeit des Lohnobkom- mens zu langfristig festgesetzt worden sei. Es sehltc auch nicht an Rednern, die der Orgonisationslestung Berschleppungs- t a k t l k vorwarfen und die Auffassung vertraten, daß man schou bei Ablauf der Lohntarise am 3l>. September, als die VerHand- lungen noch nicht erledigt waren, den Streik proklamieren sollte. In seinem Schlußwort wies Genosse B o e s e die Angrist« gegen die Ortsverwaltung zurück und gab dann die Stellungnahme der. erweiterten Ortsverwaltung bekannt, die gegen die Stimmen von sieben kommunistischen Mit- gliedern beschlossen hat, den Funktionären die An- nähme des Schiedsspruches zu empfehlen. Die geheim« Abstimmung ergab mit Mb gegen 244 Stimmen bei einer ungültigen Stimme die Annahme des Schiedsspruches. Genosse Frei gang teilte zum Schluß mit, daß die Ar s beit in den be streikten Betrieben erst am Dienstag wieder aufgenommen wird, wenn die Unternehmer erst kurz vor Ablauf d.er Erklärungsfrist, Montag nachmittag 4 Uhr, sich für die An- nahm«- des Schiedsspruches aussprechen würden. Sollte die Zu- stimmung der Unternehmer früher erfolgen, dann wird die Orts- Verwaltung in der Presse den Beginn d«r Arbeits- aufnähme bekanntgeben. Lehnen die Unternehmer den Schieds. spruch ab, dann geht der Streit weiter. Die Streikleitung wird dann die weiteren Maßnahmen ergreifen. �ntscheiüenöe Wendung im Srauerftreik. Der Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Mie wir no-s In einem Teil unserer gestrigen Abendausgabe berichten konnten. Hot der Schlichter dem Antrage der Unternehmer »us Unbindlichkeltsrrklärvng des Schiedsspruches vom 11. Oktober stattgegeben, mit der Maßgabe, daß der Absah Z des Schiedsspruches in Z I s s c r 2 folgenden Wortlaut erhält: ..Das lorifmäßige Sündigungsrechk der Parteien wird hierdurch nichi berührt." . Zifter 2 des Schiedsspruches lautete:...... „Obgleich eine dauernde Beschästigungsimiglichkeit mit Rück- ' ficht auf die sörtgeschrittene Jahreszeit nicht gegebeiz ist, werden .sämtliche bei Ausbruch des Streits beschäftig- ren ständigen Arbeiter wieder eingestellt. Damit soll lediglich verhindert werden, daß der Ausschluß einzelner Arbeiter von der Wedereinstellung als Maßregelung ausgeiaßt werden komu Die einzelnen Firmen beHallen sich aber vor, diejenigen Ar- heiter, für die aus betriebstechnische» Notwendigkellen eine dnueriche Beschäftigung nicht möglich ist, zur gegebenen Zell zur Entlastung zu bringen." Der letztere Satz ist also gestrichen und durch die Fastung des Schlichters ersetzt. Vom£qge der Wiederaufnahme der Arbell werden die Löhne um drei. Mark in der Spitze erhöht und für die Zell vom 1. Januar ' bis zur Geltung des Lohnabkommens am 29. Februar 1928 um eine weitere Mark... Während noch im Laufe des gestrigen Tages die Lohnkommis- sion zu der durch die Verbiicktlichkeitserklärung veränderten Situation Stellung nahm, werden die Funktionäre heute in einer Versamm- lmig um 9 Uhr. im Gewcrkschaftshaus dazu Stellung nehmen. Der Kampf in Mittelüeutschlanü. Die Einigungsvcrhandlungcn gescheitert! Ans Veranlastung des Reichsarbeitsminisiers sanden gestern erneut Einigungsoerhandlungen für den mitteldeutschen Braun- kohlenbergbau statt. Do die Unternehmer absolut kein Entgegenkommen zeigten, sah sich der Schlichter, Herr Professor Dr. Drahn. nach zwölf st ündiger Dauer veranlaßt, die Verhandlongen zo schließen, ohne einen Schiedsspruch zo fällen. Damit ist der Kampf im milteldeulschca Braunkohlenbergbau unvermeidbar geworden, heute studet in Halle erneut eine B e v i e r k o n s e re n z statt, die die letzten Vorbereitungen für den Kampf zu treffen hat. Ein Erfolg der Berliner Dextilarbcitcr. Der Textitarbeiterverband hatte für die Arbeiterfchoii der Plüschsabrik Weiß u. Götz eine 2t>prozkMige Erhöhung der Zell» und Akkordlöhne gefordert. In der ersten Verhandlung lehnte die Firma eine Lohnerhöhung ab. Darauf beschloß die Arbeiterschaft in geheimer Abstimmung den Streik, dessen Beginn jedock» der Verband bestimmen sollte. In der darauf folgenden Derbondlung wurde folgende Einigung erzielt. Die S t u n d e n l ö h n e der' Arbeller werden um sechs Pf., die der Arbeiterinnen»m vier Pf. und die Akkordsätze um l9 Proz., erhöht. Im übrigen gelten die»ariilichen Bestimmungen. In der daraus folgenden Versammlung stimmte die Arbeiterschaft dieser Regelung zu, womit die Bewegung erledigt war. Leistung ües 5abrikarbeiterverbouües. Der Fabrikarbeiterverbond hat im ersten Halbjahr 1927 für ins- gesamt 8501100 Arbeiter und Arbeiterinnen die tariflichen Löhne um wöchentlich 17 00000 Mark erhöht und für 18000 Arbeiter und Arbeiterinnen eine wöchentliche Arbeitszeitverkürzung von sechs Stunden errungen. Der erreichte Erfolg wäre zweifellos well größer gewesen, wenn die Arbeller, für die diese Verbesserungen erkämpft wurden, g e- schlössen hinter der Fahne des Fabrikarbetterverbandes marschieren würden. Zur Abgrenzung der Landesarbcitsänrter. Wie die Telegraphenunion erfährt, sollen in der kommenden Woche noch Eingang der Lorschläge der Landesregierungen und der Borsitzenden der Landesorbeitsämter die Verhandlungen mit dem Lorstand der Reichsanstoll für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Neuabgrenzung der Bezirke auf- genommen werden. Die DerhanWungen werden am Montag be- ginnen und voraussichtlich bis zum Öjxbe der kommenden Woche dauern. Das Ergebnis der Verhandlungen, die die en.d gültige F e st l e g u n g der neuen Bezirke der Landesarbeitsämtcr nach den für die neue Reichsanstalk gesetzlich festgelegten wirtschaftlichen Gesichtspunkten zum Ziele haben, wird loum vor Ende dieses Monats vorliegen. Die Entlnijungen in den Neiclzsbnlinwcerstätten. Ucher die Perfönalvolitik der Reichsbahn gibt' ein Schrei- b e n der Deutschen Reichsbahngesollschaft an das thüringische W i r t s ch a f t s m i n i st e r i u m, das durch eine Anfrage der >s P D, über die Entlastungen in der Werkstätie in Meiningen veranlaßt worden ist, einige bemerkenswerte Anhallspimkte: Unter dem Drucke der schwierigen Wirtschaftsoerhällnisse sei, so heißt es in dem Schreiben, die Bahn gezwungen, die sparwirtschalt- liche Durchbildung des Werkstättendienstes weiterzuführen. Für die Ausbesternngswerke könne die Arbeit nur durch Zusammenfastung der Aufgaben erledigt werden. Deshalb müßten für den Arbells- anfall ungünstig liegende oder verallete W e r k st S t t e u still- gelegt oder eingeschränkt werden. Um den sozialen Organismus der betelligten Gemeinden zu schonen, erfolge der A b b a«»» r allmählich, und zwar anteilmäßig in den Bezirken. Die für die Arbeiter mit dem Wbau verbundenen Härten versuche man durch Uebersührung der Arbeiter in Rotten als Zeil- arbeller zu mildern. Weiter werde geprüft, inwiewell die Ueber- s ii h r ii n g von Bediensteten in benachbarte Betriebe der Bahn oder andere Betrieb« erfolgen kann. Soweit Arbeiter entlassen werden, erhielten sie ein erhöhtes Uebergangs- q e l d. wodurch ihnen über die erste Z.'it Hinweggeholsen werde. süchtigen Facharbeitern werde es mit Hilfe dieses nicht unerhcb- lichen Uebergangsgeldes möglich sein, sich als selbständige Hand- werter niederzulassen._ Auch die Ehristlichcn rühren sich! Kölu. 14. Ottober. lEigenbericht.) Die christlichen Gewerkschosten des Meinlandes sind zurzeit äußerst rege. In allen größeren Orten halten ihre Ortsausschufse Versammlungen ab, um Forderungen an die Reichsregierung und an die Zentrumsfrottion des Reichstags zu formulieren. Der Ort s- ousschuß Köln des Deutschen Gewerkichastsbundes hat an die R e i chs r« gi eru n g u.a. das Verlangen gerichtet, dafür zu sorgen, daß die Beamtenbesoldung nicht.zum Anlaß einer allgemeinen Preissteigerung benutzt wird. Weller erwartet der Orts- ausichuß, daß noch nor Ablauf des Kalenderjahres ein« Sen- kung dcrLohn st euer eintritt. Der Reichsfinanzmmister wiro gefragt, wie er über eine h e r a u f s« tz n n g d« r B c z ü g e der Sozial und Kleinrentner denkt, und jcyließlich wird gewünscht. Mittel bereitzustellen, um die Altersgrenze in der Invalidllätsnerjicherung von 85 auf 60 Jahre herabzusetzen, hin fichtlich der Beamienbesoldungsfrage betont der Ortsauejchich noch, daß er gegen die Erbähung der Beamtengehältcr nicht Stellung nimmt, obwohl gewiss« Vorschläge der Reichsregierung nicht uitbe dingt«ine staatliche Notwendigkeit darstellen- Es wird gleiches Recht jür alle oerlangt._ Böhmische Bergleute für sächsische Gruben Vrag. 14. Oktober. 0 0 Bergleute a u s Nordwe st Böhmen in das sächsische Revier abgewa>i- dert waren, haben neuerdings wieder vier sächsische Kohlenbergwerke im Zwickauer Lohngebiet das Prager Landesorbeitsamt um Bemittlung von 950 Bergleuten für Steinkohlenbau ersucht. Vorerst wurden 400 Arbeiter nach Sachsen vermittelt. Gegen eine wettere Anwerbung von Arbeitern hat jedoch das Ministerium Bedenken ausgesprochen. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund veranstallet in der Zeit vom 24. bis zum 29. Oktober in Hamburg seinen 4. Gewerk- schaflstursus. Die Vorlesungen behandeln durchweg Themata, die niil der Stellung des Beamten im neuen Statt zusamme,chängen. Als Vortragende sind gewonnen worden: Ministerialdirektor z. D. Brill, Minstteriolrat a. D. Falkenberg. Oberfinanzrot Dr. F l c i s ch m a n n, Bürgermeister Dr. Sari herz, Dr. Paul Hertz, M. d. R.. Th. K o tz u r, Staatssekretär Krüger. Dr. P ö l t e r, Dr. h. W e h b e r g und Regierunperat W o l d t. Während des Gewerkschaftskurses wird eine große öffentliche Kundgebung der freien Gewertjchasten zur Blldungsfrage. statt- finden. Frei» s«wertschaft»juge»d Sroß.Berll». Fahrt»ach Rathenow.? retten ZK Uhr Lehrter Vahnhok und.lgtj Uhr B-hnhot Alexanherplatz. Die Fahrt- t-iter trrisen sich ieweils«ine Biertelstunde früher. Bringt Decken, Wimpel, Mustlinstrumclltc. Sanitätstaschen mit! er; älesr Brrantw örtlich für Politik: Dr. cknrt»e,er; Wirtschast: S. Äingeftäfi Srwerklchastsbeweguna: Fr. fchlorn: Feuilleton St. Ioh» Schiiawoli: Lokal, und Sonstiges: Frist lstarsiädt; Anzeigen: Th.°-.".............. o~ Peine Wo�e................................." 1** e*»jC»©W-"® MAtniitirrt 75! ÄNlsisi ttisit l95 I45 Ejpjötbio ßbte octnuitw»■„erriet i-» «»sw»—•»—'ä'V5\ SSÄJSSSifr ZaNtMjvStN l�ut.t.°> Dame» �..... W i Tritt! 125 NavvaMZ?. 1 Tritt! i*® WmMrdtr�itVVkt�� 3 Schweden wk�r�rdist. 2 1 4 VM ,_u.-«w-............. 1* I 4" I I tMgSOäSSSSäSi�.V' SiewritMt»«».-!-;— KM A 4 Ä-ÄÄSÄ'rs:*• � Ltlm........................ Mgs 4 |96 �IHVt................... MSS ylllT.l______. «nne Nolle*** 1 �«asontti*« [ Trikot oder gestrtekt,{«big.- 1 YrlltOl ckoradgedon�gel���� «ÄSO Y«"« ��3.50 rrr""-"..... In unseren Häusern pzl«;er Strasse, 1. Stock, u. Alexander- ptatx, Z. Stock, veranstalten wir ab Montag, den X7> Oktober _ Karten sind ab heute. VorCübrungen: „Die Kleidung der Dame" soweit Vorrat an den Kassen unserer Damen-Wäsche- und Oamen-Konfelctions-Abteilunse 5(laC®a?anz gesteppt, 1 r 1 I05 S 6( | Allot i lÄ-o00 2" NaM'Mvvtt ivr°°"°°p'..... I Wdledttünopi...........■■■■■*........ A Pt, 1»ntokW- ,-ato haltbare QJ1 S SillürucUWnopl«;£ HERMAMM Sintrrtt nur SLr Oam�n. «•— tc Wir zeigen Damen-Wäsche, Hüfthalter, % der Dame -Wäsche- und Oamen-Konfelctions-Abtellunsen kostenlos erhältlich. Uiizigtl Str.» Alexoiiderplatz» Ff ankfurtei Alles» Belle-RUlante-Slr.« Bnuinenstt.» KotttusaDamin* UDoieBdotfetStr.* AitAeosstr.> Nr. 4S$ ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage des Vorwärts Sonnabend, 75. Oktober 1427 D 1230 auf öen /lzoren sicher gelandet. Kilometer in knapp 11 Stunden.— Jubelnder Empfang. Das dreimolorige Zunkers-Grohslugzeug N lZZ0, das unter Führung der Piloten Loose und Starke Freitag früh S.ZZ Uhr in Lissabon gestartet war. ist am gestrigen Freitag nachmittag bc- reits um 15.10 Uhr in horta(Azoren) glatt gelandet. Die deutsche Ozcanmaschine hat die erste Atlantiketappe Lissabon— Azoren b e- deutend schneller bewältigt, als allgemein— und wohl auch von den Fliegern selbst— vorher angenommen wurde. Die L u s t- linic Lissabon— horta beträgt sast genau 1800 Silometer. zu deren Bewältigung das Junkers-Flugzeug nur 10% Stunden benötigt hat. Rein rechnerisch würde sich demnach eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1S5 Stundenkilometern ergeben, doch ist anzunehmen, daß die Maschine natürlich nicht genau die Lust- linic innegehalten, sondern«inen Flugweg von annähernd 2000 Kilometern hinter sich gebrach« hat, so dag sie totsächlich eine Gc- schwindigkcit von etwa ISO Kilometer in der Stunde erreicht hoben würde. Die erste Nachricht über das Erreichen der am weitesten östlich gelegenen Azoreninsel Sao Miguel tras bereite gegen Uhr nachmittags in Deutschland ein, denn die Funsstation Norddeich erhielt solgendcn Funkspruch von hörta:„4 Uhr 6 Min. erhalten soeben Nachricht von Ponta Delgada, daß D 1230 Wellenbrecher von Ponta Delgoda passiert." Ponta Delgada liegt an der Südwcstecke von Sao Miguel, etwa 250 Kilometer südöstlich von horta, der Hauptstadt der Azoreninscl Fayol. Bereits gegen 5 Uhr wurde in horta bekannt, dah das deutsche Flugzeug an der Südküste der Azoreninsel Pico mit Kurs aus horta gesichtet worden sei. Aus diese Nachricht hin, die sich schnell verbreitete, strömte eine zahlreiche Menschenmenge zum Hasen von horta, wo man dann bald nach 5 Uhr das Funkcrs- Flugzeug an, südöstlichen Horizont sichtete. Die Maschine näherte sich schnell und landete unterun geh eurem Jubel der Be> nölkerung um 13,10 Uhr glatt und sicher. Die Insassen sowohl wie dos Flugzeug selbst befinden sich in bester Bersossung. Meldungen über die Absichten der Flieger hinsichtlich ibres Weiterfluges liegen zurzeit noch nicht vor. Die Wetterlage aus dem nunmehr in Frage kommenden Teil des Atlantischen Ozeans ist so, dast die meteorologischen Dorausjetzungen aus dem Kurs Azoren— Bermudas im Augenblick ungünstig, dagegen zwischen den Azoren und Neusundlond bzw. hal�sax (Neuschottland) ziemlich günstig sind. horta. 14. Oktober. Wie uns berichtet wird, wurde die Besatzung der„D 1230" bei der Landung nüt starkem Händeklatschen begrützt. Es waren auch Ausländer vertreten. Die Frau des englischen Konsuls und die Damen des amerikanischen Amtsvorstehers baten die Piloten, sie der Passagicrin vorzustellen. Alle Flieger sind jetzt in der beut- schon Kolonie untergebracht. Die in horta anwesenden Monteure sind an Bord gegangen, um die Maschine zu überholen. In den.Kreisen der hier stationierten F l u g l c i t.u n g ist..man der'.Ansicht, däh der Weiterjlwg der„D 1230" nach N e u f u-n d- kund, falls die Wetterlage es gestattet, bereits morgen erfolgt. Die Schauspielerin Fron Dillenz gedenkt aus jeden Fall weiter mit- znsliegen. Ankunft und Weiterflug des D 1220. Amsterdam, 14. Oktober. Das deutsche Flugzeug N 1220 tras heute 13.35 Uhr im hiesigen Flughasen schellinkmoudc ein und setzte kurz daraus im Gleitflug glatt aus das Wasser auf. 15 Minuten später log das Flugzeug bereits fest verankert. Zurzeit ist man damit beschäftigt, die Tanks des Flugzeugs mit Benzin auszufüllen. Insgesamt werden noch *00 Liter Benzin zu den, bereits vorhandenen Vorrot eingenommen werden. Wie der Pilot erklärte, beabsichtigen die Flieger morgen früh 5 Uhr, falls die Wettervcrhältnissc günstig find, erneut zu starten. Das Ziel des morgigen Etappenfluges steht noch nicht genau fest, da es entsprechend der Wetterlage erst morgen auf dein Fluge festgesetzt werden soll. Es steht jedoch iest, dah das Flugzeug in siid- westlicher Richtung abfliegen wird. Die Flieger wollen versuchen, den Hafen von Lissabon direkt zu erreichen,«ollte dies wegen der Wetterlage nicht möglich sein, so wird beabsichtigt, einen spanischen Hafen, Vigo oder Ferrol, anzufliegen. die Ursachen öes Schleizer Unglücks. Bei der Deutschen Bcrsuchsanstalt für Luftfahrt. Die„Deutsche Versuchsanstalt für Lnstsahrt" in Adlershos hatte zu gestern die Berliner Presse zu einer Besichtigung ihrer Werk- anlagen eingeladen. Im Verlauf der Besichtigungen kam es auch zu einer Aussprache über das Schleizer F l u g n n g l ü ck, dem, wie erinnerlich, aiich der deutsche Botschafter in den Vereinigten«taatcn Freiherr v. Maltzahn zum Opfer gefallen war. I» der Versuchsanstalt ist das Schleizer Flugzeugunglück genau untersucht worden. Die einzelnen Bruchstücke wurden von«chlciz nach Berlin transportiert und in den Loborotorien genau geprüft. Die Untersuchung zur Aufklärung des Unglückes hat er- geben, daß der Absturz des Flugzeuges aus den Bruch eines wichtigen Beschlages zur Befestigung des linken Tragflügels zurückzuführen ist. Der aus hochwertigem Stahl hergestellte Beschlag besitzt nach den oam Flugzeugwerk angestellten und von der DVL. geprüften Berechnungen genügende Festigkeit bei Annahme von ruhender Belastung. Das Flugzeug hat mit diesem Beschlag in regelmäßigcin Luftverkehr eine Strecke von mehreren zehn- lausend Kilometern ohne geringste Beanstandungen durch- flogen. Die Bruchkante des Beschloges zeigt in regelmäßigen Ab- ständen Schichtungen, die den Beweis dafür liefern, daß dieser Bruch ganz allmählich, vielleicht im Lonie von Monate» sich immer mehr erweitert hat und schließlich zum Abreißen des oberen Teiles des aus oieriachem Stahlblech bestehenden Beschlages geführt hat, mährend der Bolzen, der den Beschlag der Strebe mit der Schelle am Tragdeck oerbindet, unversehrt geblieben ist. Immerhin lasten Rillen an diesem vtahlbolzen deuilich erkennen, daß die Stahlbleche, durch die er führte,„gearbeitet", d. h. sich sortgesetzt infolge der Schwin- gungserscheinungen bewegt hoben. Aus der Tatsache, daß die An- iänge dieses Bruches bereits längere Zeit zurückliegen müssen, lassen sich jedoch keinerlei Vorwürfe gegen das mit der Beaufsichtigung der Maschine betraute Personal erheben. Im Rahmen der Besichtigung erläuterte der Direktor O.». De- witz die Stellung der Gesellichast innerhalb der Luftfahrt. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt Hot die Ausgabe, die Prüstiug des gesamten Lustsahrtmatcrials im Austroge des Reichs- verkehrsminifteriums vorzunehmen. Neben dieser eigentlichen?Ius- gäbe ist dieser Gesellschaft die Forschung auf sämtlichen mit der Luftfahrt zusammenhängenden Gebieten übertragen. Leider ist die Rechtsgrundlage der Gesellschaft immer noch nicht geklärt. Im Augenblick übt die DBL. ihre Tätigkeit ans Grund einer Verständigung der Industrie mit dein Rcichsverkchrsministerium aus. Ein Gang durch die Werkanlagen zeigte, wie vielseitig ein Betrieb ein- gerichtet sein, muß, der. soft alle Teile des Flugzeuges durchzuprüfen hat. Jedes,'n-e u e F l u g z c ü g m u st e r wird einer M u st e r- Prüfung unterzogen. In der Anstalt wird, soweit das durch den oberflöchlicken Rundgang sestgestellt werden konnte, wirklich praktischc Arbcit siir den Flugzeugbau geleistet. Doch scheint wie auf dem ganzen Gebiet der Flugtechnik auch diese Zlnstalt noch sehr in den.Kinderschuhen zu stecken. Die letzten Unglücksfälle werden auch den Laitern dieser Anstalt den Be- weis gegeben haben, daß die Prüfung der Flugzeuge in den wissenjchasilichep Abteilungen dieser Gesellschaft noch viel öfter und ums an g r e i ch e r erfolgen muß. Ferner wurde auch die Verlegung des Flugplatzes nach Britz be- sprochrn. Wenn auch zugegeben werden soll, daß es unbedingt not- wendig ist, daß die Anstalt iür Berlin erhalten bleibt, so sei doch gesagt, daß bei genügender Zusammenarbeit der städtischen Stellen mit den Herren der Bcrsuchsanstalt ein gleich günstiges Terrain wie Britz gefunden werden wird. Der Verlegung nach Britz stehen ge- wichtig- Gründe entgegen, das sollte auch die Versuchsanstalt er- kennen. Das B r i g e r Gelände i st zu S i e d l u n g s- zwecken vorgesehen und muß als solches unbedingt erhalle» bleiben. Rätselhafter Leichenfunü in einer �aube. Selbstmord oder Verbrechen? Der ungeklärte Tod einer Frau rief gestern die Mordkommission der Kriminalpolizei nach der Laubenkolonie„Sch-ller- höhe" an der Seestraße, wo in einer dem früheren Postboten Gustav Scewitz gehörenden Laube die Ehefrau des Secwitz tat auf- gefunden wurde. Gegen 11 Uhr vormittags war der frühere Postbote, der 44 Jahre alt« Gustav Secwitz, auf dem 4h. Polizeirevier erschienen und hatte dort mitgeteilt, daß er in der ihm gehörenden Laube Nr. 405 soeben seine Ehesran erhängt aufge- s u n d c n habe. Die Beamten begaben sich mit den. Manne nach dem Gelände. Frau Secwitz, die 40 Jahre zählte, lag in g e- krüm mt er Haltung aus dem Boden dicht an der Tür. Um ihren Hais hatte sie einen starken Strick und neben der Leiche lag ein Messer. Der ganze Befund erschien so zweifelhasi, daß man die Mordkommission alarmierte. Di« Kriminalkommissare Johonnes Müller und Rassow mit ihren Beamten sowie der Gerichtearzt Dr. Weimonn erschienen bald an dem Fundort. Die Besichtigung der Leiche durch den Gerichtsarzt ergab, dnh.Hautabschürfungen an den Händen und den Knien sich zeigten, die den Anschein haben, n l s ob die Leiche geschleift worden ist. Beim Eintreffen der Beamten war die Leichenstorre bereits eingetreten. Die Nachfor- fchungen ergaben nun. daß das Scewitzsch« Ehepaar, das seit 19l3 oerheiratet ist, keine glückliche Ehe geführt Hot. Von den vier Kindern, die dem Bunde entsprossen, sind noch zwei am Leben. Weiter wurde sestgestellt, daß Frau Seewitz vor zwei Tagen die Hilfe einer„weisen F r a u" in Anspruch genommen hnt und seitdem große Schmerzen litt. Wie der Ehemann angibt, ging er auf Verlangen der Frau am Donnerstag vormittag gegen lO Uhr zu einem Arzt, um schmerzstillende Tabletten für die Leidende zu holen. Bei seiner Rückkehr fand er die Laube ver- schlössen und nahm zunächst an, daß seine Frau ausgegangen sei. Nachdem er eine Weile bei Nachbarn gewartet lxitte, schloß er dach aus und fand nun, wie er behauptet, die Frau erhäiMt und tot ouf. Er gibt die Möglichkeit zu, daß er in der ersten Aufregunq den Strick durchschnitten habe. Die Verschiebung der Leichevrklört er damit, daß er die Lage des Körpers beim Oeffnen der Tür geändert habe. Da nach ärztlichem Gutachten sehr wohl ein Erhängen von fremder Hand in Frage kommen kann, so wurde S. bis zur nölligen Klärung in Host genommen. Er bestreitet jedes Ver- schulden. Besonders verdächtig ericheint, daß die Leichenstarre schon während semer cinstündigen Abwesenheit eingetreten sein soll. Di« Haulohschürsiingen mögen vielleicht von der letzten ehe- lichen Schlägerei herrühren. Ein raffinierter �uckerschwindler. Ein« neue Art Schwindel betreiht seit einiger Zeit ein nach un- bekannter Mann von etwa 25— 27 Jahren. Er sucht Bäcker- m e i st e r ans und gibt sich iür den Vertreter einer Würzburger Zuckerfabrik ans, die auch in Berlin ein« Niederlage nnterhnl». Dnr Meistern bietet er Zuckee zu einem Preiie an, der verhäOirnmäßig billig ist. Sa erholt er dann leicht Bestellungen, die er sich schriftlich geben läßt. Mit ihnen begibt er sich zu Großhandlungen, die Zucker vertreiben. Liese beziehen den Zucker von der Fabrik und liefern ihn zu der vorh r bestimmt vereinbarten Zeit an die Bäckereien. Dabei sucht sich der angebliche Vertreter stets die Zeit aus, in der der Meister ganz sicher nicht im Betriebe, sondern zu Hause ist. Wenn nun der Kutsche'' mit dem Zucker kommt, so ist der ongeb- liche Vertreter der Fabrik zur Stelle, läßt die Ware abtragen und schickt den Kutscher mir der Weisung nah der Wohnung des Meisters, dort den Betrag der Rechnung einzuziehen. Sobald er abgefahren ist, wendet sich dir„Vertreter" nüt eine, gcsälschften Rechnung an die im Betri.'K Anwesenden irnb läßt sich den Zucker noch dem früher vereinbarten Preise bezahlen. Unterdessen sucht der Kutscher nergeblich nach dem Meister, weil ihm eine salschc Wohnung angegeben wurde. Enttäuscht kommt er zurück und jetzt erfährt man, 13s �Zement. Roman von Fjodor Gladtom. Und reckts hinter den Gebäuden siedet in blendenden Funken dos Meer mit seiner dunklen Bläue. Und die Stadt und die bergigen Fernen sind deutlich und nah. Die feurige Luft klingt mit goldenen Saiten... surrt. Das sind Bienen, die wie Sterne herumfliegen, und Fliegen, die laut surren, als wenn sie mit Kinderklappern spielen wurden. Und ungewollt, von selber breiteten sich in Gljebs Seele Flügel in weitem Schwünge aus. Ja, das ist es— sßerge und Meer und das Werk und die Stadt und die Fernen, die weit in den Horizont fliehen... ganz Ruhland... wir.... All' diese Riesen, die Berge, das Werk, die Fernen. sie singen alle in ibrem Innern das Lied von der gewaltigen Arbeit.... Zittern denn unsere Hände nicht in der Vor- ohnung der hartnäckig-schweren Riesenarbeit? Bebt denn das Herz nicht unter dem Andränge des Blutes?..- Ja, das ist das Arbeiterrußland, das sind wir, das ist der neue Planet, von dem die ganze Menschheit seit Jahrhunderten träumt. Das ist der Anfang. Das ist der erste Seufzer vor dem ersten Schlag. Das ist. Das wird sein. Das erdröhnt vom Donner. Dascha stand auf der Treppe, die mit Vasen geschmückt war, wartete auf ihn und atmete in tiefen Zügen. „Was für eine gute Lust hier ist, Gljeb... wie das Meer ist sie... Rjurka wohnt im zweiten Stock." Und wieder ging sie ihm einige Stufen voran, bewegte sich so, als ob sie nach Hause ginge, und war hier wie zu Hause. Von der Veranda aus sab Gljeb unten zwischen den Sträuchern und abgezehrten Bäumen, die vom Frühling dampften, noch andere Kinder. Sie schlichen herum wie die Ziegen im Werke, zankten miteinander und weinten.... In kleinen Häufchen zusammengedrängt sahen sie da und wühlten in der Erde. �Gruben rasch und gierig, sich um- schauend, wie Diebe. Sie gruben, gruben und rissen dann einander die Beute aus den Händen. Der Stärkere und Geschicktere rannte dann mit seiner Beute zur Seite, nagte gierig, kaute und verschluckte sich mit seinem eigenen Speichel. Und dort, beim Zaun wühlten die Kinder im Dünger. Gljeb preßte die Zähne fest aufeinander und schlug mit der Hand aus das Treppengeländer. „Diese kleinen, armen Hündchen werden hier alle vor Hunaer krepieren, Daschka, erschießen sollte man euch alle für solch eine Arbeit." Dascha blitzte ihn verwundert mit ihren Augen an, sah herunter und lächelte. „Ach so, du meinst die Erdarbeiten?... Das ist nicht so schrecklich, es ist manchmal noch ärger. Wenn man'Nicht aufpassen würde, dann stürben sie alle wie die Fliegen. Kinderheime sind wohl da, aber wir haben nichts zum Esten. Und wenn man dem Personal seinen Willen ließe, so würde es den Kleinen die Kehle durchbeißen. Obwohl� einige unter ihnen auch sehr brav sind... unsere Schule." „Und Rjurka— ihr geht es auch so—... unserer Rjurka auch?..." Dascha erwiderte ruhig Gljebs Blick. „Womit ist denn Rjurka bester als die anderen? Es war auch mid Rjurka oft genug schwer. Wenn wir Frauen hier nicht wären, so hätten die Läuse und die ansteckenden Krankheiten die Kinder schon längst gufgefressen. Und der Hunger hätte sie ins Grab gebracht." „Willst wohl sagen, daß du mit dem Weibergetue und ähnlichen Sachen Rjurka gerettet hast?" „Ja, Genosse Gljeb, eben: durch ähnliche Sachen... nichts anderes...." Als sie den Berg hinauf gegangen waren, hatten sie die Kinder auf der Veranda gesehen l als sie ankamen, waren die Kinder und die Pflegerinnen verschwunden. Wahrschein- lich waren sie fortgelaufen, um zu melden, daß Gäste kommen. Im Saale ist Sonne, und die Luft ist dicht und heiß, und es riecht nach Schlaf Betten stehen in zwei Reihen. mit rosa und weißen, zerrissenen, geflickten Decken. Und die Kinder in grauen Kittelchen oder einfach in Fetzen. Welke Gesichter, die Augen in tiefen, blauen Höhlen. Pflegerinnen gehen im Zimmer ein und aus. An den Wänden kleine Bildchen: gemeinsame Arbeit der Kinder. Die Pflegerinnen gehen vorbei und bleiben ehrerbietig stehen. „Guten Tag, Genossin Tschumalowa! Die Verwalterin kommt gleich." Dascha ist hier nicht so in sich verschlossen wie sonst— hier ist sie ganz Hausfrau. „Rjurka. ich bin hier!..." Ein Mädchen in einem Kittelchen(klein, kleiner als alle anderen) stößt die Kinder und läuft mit Geschrei und Lachen ihnen entgegen. Und die Kinder quietschen und rennen alle barfuß hinter ihr her, und ihre Augen sind wie Häschen. „Tante Dascha ist gekommen!... Tante Dascha ist gekommen!..." „Rjurka! Da ist sie, der kleine Teufel, nicht zu erkennen ist sie. fremd, aber doch ist etwas Nahes, Verwandtes in ihr. Wie im Fluge ist sie hei der Mutter, schlägt wie ein Vögelchen um sich und schreit und lacht und tanzt. „Mutter, Mutter!... Mein Mütterchen!" Auch Dascha lacht, hebt sie auf ihre Hände, dreht sich mit ihr herum, küßt sie und schreit wie Rjurka:„Njurotschka! Mein Mädelchen!..." Wieder die alte Dascha. dieselbe, die sie einst mar. als sie ihn mit Rjurka erwartete, wenn er von der Schlosserei kam. Dieselbe Zärtlichkeit, dieselben Liebkosungen, dieselben Tränen in den Augen und die singende Stimme mit dem nervösen Zittern. „Das ist dein Vater. Njurotschka. Das ist er... er- innerst du dich an den Bater?..." Und Rjurka schlug die Augen auf. es schien, als ab sie plötzlich verwelke. Sie sah Gljeb mit scheuer Neugierde an. Er lachte, streckte ihr die Hand entgegen und fühlt, wie etwas seinen Hals zusammenschnürte, wie mit einem Strick. „Nun küsse mich, Njurotschka... wie groß du bist!.., Ganz wie die Mutter... so groß." Sie schrak zurück und ihr Blick bohrte sich wieder hart- näckig in die Mutter hinein. ,Das ist Ziater, Njurotschka." „Nein, das ist nicht Vater, das ist ein Rotarmist." „Ich bin dein Vater und bin auch Rotarmist." „Nein, dieser Vater ist nicht Vater. Vater sieht wie ein Vater und nicht wie ein Onkel...." Daschas Augen lachten durch Tränen und ein Lachen riß am Strick, der Gljebs Hals zusammengeschnürt hatte. „Also gut, fürs erstemal bin ich nicht dein Vater.... Aber du bist doch mein Töckterchen. Wollen wir Kameraden sein. Ich bringe dir nächstes Mal Zucker mit, und wenn ich ihn aus dem Berg ausgraben müßte, so werde ich ihn dir doch mitbringen. Womit ist denn dein Mütterchen besser als ich? Du bist hier— sie ist dort." „Mutter ist hier... am Tage ist sie hier und auch nicht am Tage ist sie hier.... Und Bater ist nicht da, ich weiß nicht, wo Vater ist. Vater schlägt sich mit den Bourgeois." „Ha, das hast du gut gedrechselt!... laß dich abküssen." Die Kinder schrien laut und zappelten, glotzten Gljeb an, lachten und warteten hungrig auf Daschas Hände und Daschas Worte. Mädchen, wie Knaben geschoren, streckten im wilden Durcheinander Dascha ihre Hände mit lockigen Veilchenbündeln entgegen, und jedes wollte unbedingt als erstes die Blümchen in ihre Hände legen. (Fortsetzung jolgt.) daß der angebliche Vertreter ein Schwindler i'� Cr ist mit dem erbeuteten Oelde inzwischen verschwunden. Es handelt sich um einen schlanken bartlosen Mar.n. der etwa 1,72— 1,75 Meter groß ist und gut gekleidet geht. Bisher trug er stets Lackschuhe m't Wildleder- einsah. Die Bäckermeister seien vor ihm gewrrnt und werden gebeten, sich bei seinem Auftauchen sofort an die Kriminal- Polizei zu wenden. Die Wafferfabrik. Ein»euer Betrieb der Städtischen Wasserwerke. Draußen im höchsten Norden liegt sie, wo ein Gürtel des in der Mark seltenen grünen Laubwaldes die Vororte von der Stadt trennt. Dicht bei Stolpe an der Havel, gegenüber von Heu- nigsdorf mit seinem bekannten AEO.-Werk, hat vor vielen Jahren eine Berliner Vorortgemeinde ein Wasserwerk errichtet, das in den Besitz der Städtischen Berliner Wasserwerke aufgegangen ist. Es war ein windiger Betrieb, gemessen an den großen Wasser versorgungzstätten, die die riesige Stadtgemeinde braucht, um ihre Bevölkerung mit Trink- und Waschwasser versehen zu können. Noch vor 14 Tagen war das kleine Unternehmen im Gang. Höchstens 10 000 Kubikmeter täglich konnte es liefern. Heute ist es bereits zum größten Teil niedergerissen und teils in zehnfach größcrem Aus- maß wieder aufgebaut. Fieberhaft arbeiten geschäftige Hände, um das neue Unternehmen bereits am 1. April 1928 in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und so zu verhindern, daß während der heißen Sommermonate ein Wassermangel eintritt, wie es im Jahre 1925 infolge des Versagens eines privaten Werks der Fall war. Die wenigsten, die täglich vom Zapfhahn das frische Naß nehmen, sind sich dessen bewußt, daß die moderne Wasserversorgung mit dem primitiven Schöpfen aus dem Brunnen nicht das geringste mehr zu tun hat. Ein regelrechter Fabrikationsprozeß, dem große wissenschaftliche Arbeiten vorausgehen und der durch die Technik vollendet wird, muß zur Gewinnung der riesigen Wassermengen beitragen, die die Weltstadt täglich sür Zwecke der Reinigung braucht, oft auch verschwendet. Gemessen an den Mengen, die täglich bezogen werden— es sind fast 200 Liter p r o K o p f der Bevölkerung!— spielt der Trinkwasserverbrauch eine minimale Rolle. Um so größere Ansprüche stellt der Großstädter an die Reinhaltung seines Heims, seiner Straßen, seiner Fabriken, an die Sprengung seiner Rasenflächen und Gärten, an die Säube- runa seines Körpers und der Wäsche usw. Trotzdem muß jedes Wasser, das durch den Wasserhahn läuft,, hygienisch ein- w a n d f r c i sein. Daher kommt das reichlich vorhandene See- und Flußwasser für die Versorgung überhaupt nicht in Betracht. Aus den G r n n d w a s s e r st r ö m e n, die sich in der Nähe der Flüsse und der Seen 15, 30, auch 50 Meter tief befinden, wird das Wasser heraufgepumpt. Um es vom Eisen zu reinigen, muß es über eine große Lllft�ingsanlage lausen, die das Eisen im Rohwasser zunächst zum Oxydieren bringt, damit eine große Filteranlage dann das Eis»ioxyd und die letzten Keime entfernen kann. Erst dann ist das Wasser t r i n t r e i s. Riesige Pumpen müssen es aus den bis zu 3 Kilometer im Umkreis entfernten einzelnen kleinen Brunnenanlagcn in den Sammelbrunncn und von da über die Reinigungsanlagen leiten; starke Druckpumpen pressen es nach seiner Säuberung in die Röhren, die es der Stadt und weiter den einzelnen Haushaltungen zuführen. Das im Bau befindliche Werk Stolpe läßt die Zurichtungen zu diesen Maschinen beut- lich erkennen. Baulich ist das Werk dadurch interessant, daß es mit großem Geschick nicht nur den technischen Erfahrungen der modernen Zeit angepaßt, sondern auch architektonisch reizvoll in die Landschaft eingefügt wurde. Wenigstens die erste fertige Lüftungsanlage und der Umriß des großen Maschinenhauses sind ein Beweis dafür. Das Wert wird vom 1. April des kommenden Jahres ab 1 00 000 Kubikmeter täglich, dem Berliner Verbrauch zur Verfügung stellen und damit etwa«in Achtel des Ber- liner Bedarfs decken. Anlage und Durchführung zeugen von dem regenr' Geist, der in den gemeinnützigen Berliner Betrieben herrscht utzd der vorausschauend die Selbsthilfe organisiert, wo sonst leicht privatkapitalistische Initiative versagt. Merzte und Kokainhanöler. Zu Gefängnis verurteilt. Es war ein hartes Wort, das Landgerichtsdirektor Stein- Haus in der Urteilsbegründung sprach:„Das Gericht hat in vielen Kokainprozessen festgestellt, daß es gewissenlose Aerzte und Apotheker gibt, die der Kokainseuche Borschub leisten. Gegen derartige Schädlinge muß mit aller Schärfe vorge- gangen werden...." Ein hartes Wort, aber ein gerechtes WortI Das bewies die Gerichtsverhandlung in Berlin-Mitte. Auf der Anklagebank saßen der gljährige Arzt B. und der 45jährige Arzt V. Der erst« wurde freigesprochen— mangels Beiveises, nicht etwa, weil das Gericht ihn für unschuldig erklärt hätte—, der andere z u einem Monat Gefängnis oerurteilt. Gegen B. schwebt aber schon ein neues Verfahren, und das Rauschgift- dezernat ist der Ansicht, daß auch er die Kokamhändler versorgt hat. Jedenfalls erklärten eines Tages Kokainhä.idler bei der Ver- Haftung, daß sie ihr Gift bei diesen beiden Aerzten er- hielten. Man forschte in den Apotheken nach und förderte einen ganzen Haufen von Rezepten zutage, die von diesen beiden Aerzten herrührten. Besonders toll hatte es Dr. V. getrieben. Er hatte sich ausgerechnet, damit seine Patienten es bequem hätten, ihn aufzusuchen, in der Kochstraße ein Zimmer gemietet. Ja selbst n n ch t s telephoniert« man ihn heraus. Da waren z. B. zwei Zeugen erschienen. Braut und Bräutigam. Sie erhielten täglich ein bis eineinhalb Gramm Kokain. Später wurde die Dosis sogar verdoppelt. Es kam so weit, daß die Rezept« dem„Patienten" «infach durch die Vermittlung der Wohnungswirtin ausge- liefert wurden. Für jedes Rezept wurde 1 M. bis 1,50 M. bezahlt. Die„Patienten" waren nicht selten drei- bis viermal vorbe- strafte Händler. Untersucht wurden sie zumeist überhaupt nicht! Geheimer Medizinalrat Dr. Stürmer erklärte als Sachverständiger. daß Aerzte nur zu medizinischen Zweck«n das Recht hätten, Kokain zu verschreiben, nicht aber zum Zwecke des Ge- Misses. So gelangt« das Gericht zu der Verurteilung des Dr. V. zu einem Monat Gefängnis, und auch die Aerzteschaft wird sich mit ihren Kollegen, die geg«n das Opiumgesetz verstoßen, noch näher beschäftigen müssen. Eine Tpionin. Wegen versuchten Landesverrats wurde gestern die Stütze Anna.F. vom Strafsenat des Kamnicrgerichts zu zwei Jahren G e f ä» g ni s verurteilt. Die Angeklagte hatte in B o n n die Bekanntschaft von Angehörigen des französischen Nach- richten dien st es gemacht und wurde veranlaßt, von ihrem bei der Marine in Kiel stehenden Bruder Material zu beschaffen. Der Bruder ließ sich darauf aber nicht ein. Die Angeklagte erhielt zur Belohnung ihrer Bemühungen eine Anstellung im französischen Ossi- zierskasino in Koblenz. Durch einen Zufall kam die Sache doch später heraus. Die Angeklagte war im vollen Umfang geständig und nahm die Strafe an. Volkshochschule Groß-Verlln. Das neue Arbeitsjahr beginnt am Montag, dem 17. Oktober. Ausführliche Lehrpläne sind an vielen, durch Plakate kenntlich gemachte Stellen zu haben, ferner beim Pförtner des Instituts für Meereskunde, Georaeystr� 34-30. Auf Wunsch Zusendung nach telephonischem Anruf: Köpenick 773. Der Lehrpla» enthält Angaben über die im Zentkum, Norden, Nordosten, in Treptow und Neukölln stattfindenden wissenschaftlichen Kurse, die in gemeinverständlicher Weise durchgeführt werden. Hörgebühr sür den Kurs 2, 2,50 oder 3 M. Erwerbslose gratis. Drei schwere Einbrüche aufgeklärt. Nach fünf Jahren.— Der Alkohol als Verführer. Unter Einbrüchen hatte längere Zeit wohl kein Geschäft schwerer zu leiden als die frühere Neuköllnische Großhandels- g e s e l l s ch a f t in der Kirchhofstraße 45. Die Räume wurden dann dauernd beobachtet, es gelang aber trotzdem nicht, die Spitzbuben zu fassen. Vorübergehend hörten jedoch die Einbrüche auf. Nach einer Weile wurde abermals einer verübt, und zwar mit großer Beute. Jetzt war vom Keller aus die Decke durchbrochen worden. Man be- festigte über dem Loch eine schwere Eisenplatte, aber auch das half nicht. Die Einbrecher suchten sich eine neue Stelle aus und kamen wieder in das Lager hinein. Auch dieser und ein weiterer Einbruch gleicher Art blieben unaufgeklärt. Von der Beute, große Mengen Lebensmittel aller Art wurde nichts wiedergefunden. In der letzten Zeit nun wurde ein 40 Jahre alter Zimmermann Friedrich Ger- »er. der in der Kirchhofstraße 45 wohnt, in einige Untersuchungen verwickelt. Da kam denn durch fortgesetzte Vernehmungen heraus, daß«r die letzten drei großen Einbrüche verübt hatte. Gerner war bei früheren Einbrüchen als Hausgenosse neugierig wiederholt dabeigewesen, wenn die Kriminalbeamten den Tatbestand ausnahmen. Dabei hatte er einmal auch eine Flasche Kognak erwischt, die die Verbrecher zurückgelassen hatten. Die„Herzstär- kung" bekam ihm so gut, daß er sich noch mehr sehnte, und so verfiel, er auf den Gedanken, die früheren Einbrecher„abzulösen". Mit seiner Frau lieh er sich im Keller einschließen und als gewandter Zimmermann setzte er zur Nachtzeit mit gutem Erfolg den Zentrumsbohrer an. Weil dieser dann der Eisenplatte nicht ge- wachsen war, suchte er noch zweimal andere Stellen aus, die keinen Widerstand leisteten. Die große Beute brachte das Ehepaar bequem in seine Wohnung. Was es nicht selbst verbrauchen konnte, ver- kaufte es unter der Hand, ohne daß man im Hause etwas merkte. So lebte es längere Zeit ohne Mühe einen guten Tag. Die Entlarv- t«n wurden jetzt beide festgenommen. Gerner wegen schweren Ein- bruchsdiebstahls, seine Frau wegen Hehlerei. Ein„netter" Sohn. „Das Gericht bedauert, daß«s statt der Gefängnisstrafe nicht auf eine Prügelstrafe erkennen kann; jede Woche 25 hinten rauf wäre die beste Erziehungsmethode für solch einen nichtsnutzigen Bengel." Mit diesen Worten leitete Landgerichtsdirektor Crohnc das Urteil ein, durch das das Erweiterte Schöffengericht CharloUenburg Robert Stockfisch, einen jungen Burschen von etwas über 20 Jahren, wegen schwerer Sachbeschädigung und Diebstahls zu acht Monaten Gefängnis oerurteilte. Der eigene Vater trat als Ankläger auf. Stockfisch hatte aus Wut seinem Vater die ganze Wohnungseinrichtung mit einem Hammer in Stücke geschlagen. Aus dem Kleider- und Wäscheschrank, den«r erbrach, stahl er d«n gesamten Inhalt und ver- kaufte ihn an einen Händler. Auf die Frage, warum er das getan hqbe, erwiderte der Bursche kaltblütig:„Aus Räch«." Wie der Voter bekundete, bekam der Junge von ihm wöchentlich 15 M. und muhte dafür die Wohnung und die Arbeitsstätte in Ordnung halten. Do er alles vernachlässigte, verweigerte ihm der Vater das Taschengeld. Dafür nahm der Bursche in der oben geschilderten Weise Rache. Dos Gericht lehnte es ab, Stockfisch aus der Haft zu entlassen. Der Vor- sitzend« gab ihm auf den Weg, daß das Gericht Ihn im Gefängnis im Auge behalten werde. Erst wenn er aufrichtige Reue über das seinem Vater angetane unerhörte Unrecht zeige, und wenn Aussicht bestehe. daß er ein anständiger Mensch werden wolle, will das Gericht ein« Begnadigung in Erwägung ziehen. Dem Angeklagten schienen die «indringlichen Ermahnungen des. Vorsitzenden wenig zu Gemüte zu gehen, denn in trotzigem Tone erwiderte er, daß er Berufung ein- legen werde. Ausfall des Riesengebirgs-Sonderzuks. Die Reichsbahndirekt ij)n Berlin teilt mit, daß der für den kommenden Sonnabend-Sonntag vorgesehene Sonderzug 4. Klasse nach Oberschreiberhau und Krummhllbel wegen unge- nügender Beteiligung nicht verkehren wird. Die bereits gelösten Fahrkarten werden von den Ausgabestellen, bei denen sie gelöst wurden, gegen Erstattung des Fahrgeldes zurück- genommen. Eine Schwindelfirma engros. � In mehrtägiger Verhandlung hatte sich das Erweiterte Schöffen- gericht Berlin-Mitte mit d.n Schwindelgeschäften des Kauf- manns Max E l s n e r zu beschäftigen, der in kurzer Zeit die deutsche Geschäftswelt um 73 500 Mark beschwindelt hatte. Elsner hatte schon früher ähnliche Geschäfte gemacht und war wegen Betruges zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Bewährungsfrist, die ihm gewährt worden war. diente ihm nicht zur Warnung. Gleich darauf verlegte er sich auf gleichartige Schwin- dcleien. Er erwarb eine Papicrverarbeitungssabrik in der Provinz, deren Einrichtung er aber gleich zu Geld machte. Den Namen der angesehenen Firma benutzte er, um Warenbestellungen in großem Ilmfange zu machen. Mit Hilfe falscher Auskünfte gelang es ihm auch, die Waren geliefert zu bekommen. Sie wurden sofort zur Hälfte des Einkaufspreises verschleudert. Keiner der Lie- seranten hat je einen Pfennig gesehen. Der Gerichtsvollzieher ging bei der„Firma", die sich zuletzt„Weißenseer Papieroerarbeitungs- werke" nannte, em und aus. In kurzer Zeit fanden nicht Am Abend hörte man ein Sendespiel, eine Macbeth-Bearbeitung von Bert Brecht und Alfred Braun. Bert Brechts Einführung war ein« Umdeutung Shakespeares, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Shakespeare ist— nach Brecht— in seinem Schaffen von Natur unklar; sein« Bühnenwerke sind ungeordnet wie das Leben, sind nur Stoff; sein Stil ist ethischer Bühnenstil. Das heißt das Werk Shakespeares auf den Kopf stellen. Von wenig Ausnahmen abgesehen gibt Shakespeare den dramatischsten Stil, das heißt die prägnantesten Dialoge, die überhaupt von Bühnendichtern ge- schrieben wurden. Seine Werke sind, trotz ablenkender und ver- breiterter Nebenszcncn, klar und zielbewußt aufgebaut, und die Teil- namlosigkeit seinen eigenen Bühnengestalten gegenüber, von der Bert Brecht sprach, dürste ebenfalls nur selten festzustellen sein. Die Bearbeitung von Macbeth hatte Brecht unter dem von ihm auf- gestellten Gesichtspunkt vorgenommen. Statt einer sehr gut möglichen Zusammenfassung gab er lauter abgerissene kurze Szenen. Eduard Meisels zum Teil blendend charakterisierende musikalische Illustration konnte dabei ihre beste Aufgab«, Verbindungen zu söhaffen, wenig erfüllen Die Aufführung, die ganz unverständliche Primitivität als Rahmen wählte—„dann werdet Ihr die Fortsetzung des Spiels hören"—> sucht ihren Stil auf den verschiedensten Wegen. Zu der modernen Musik Meisels, der das Werk Shakespeares durchaus nicht fremd gewesen wäre, gab es an diesem Abend im Grunde wenig Verwandtes. Ein komischer Naturalismus oerführte Macbeth und Lady Macbeth mehrfach zu laut schmatzenden Küssen. Auch sonst experimentierte» die künstlerisch zum Teil recht hochstehenden Sprecher ziemlich verlegen. Theodor Laos als König Duncan blieb erfreulich einheitlich. An sich wäre das Werk mit seiner stark akustischen Eestaltungsmöglichkeit gewiß ein glücklicher Stoff für die Sendebühne gewesen. Aber man hätte mehr auf seine lebendige Darstellung vor dem Mikrophon als auf Originalität bedacht sein sollen.— Professor Dr. W. Liepmanns Vortrag über„Weltanschau- una und Gesundheit" schilderte diesmal„Seelische Leiden in ihrer Wirkung auf den Körper", besonders bei der Frau. Prof. Liepmann wies Wege, vieler Leiden Herr zu werden; er betonte aber auch die Tatsache, daß erst das Leid dem Leben Gestalt gibt und es krucht- bar macht. Tes. weniger als 55 Pfändungen statt. Gelang es einmof, einen soeben eingetroffenen Warenposten zu beschlagnahmen, so wurde mit falschen eidesstattüchen Versicherungen, daß die Waren bereits im Besitze eines anderen seien, Einspruch erhoben. Das Schöffengericht verurteilte den gemeingefährlichen Schwindler zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis. die verwaltungskoften der Krankenkojfev» Widerlegung eines Märchens. Welcher Unsinn über die Krankenkassen verbreitet und van Unkundigen geglaubt wird, davon sei hier ein lehrreicher Fall mit- geteilt. Auf der Tagung der Gesellschaft deutscher Metallhütten»ndBergleute(im September 1927) äußert« das geschäftsführend« Vorstandsmitglied Geheimrot K a st l vom Reichsverband der deutschen Industrie, daß in der Krankcnversiche- runa nur 53 Proz. der Ausgaben auf Krankengelder einfielen. Das übrige, meinte er, gehe für die Verwaltung drauf. Wie der Hauptoerband deutscher Krankenkassen feststellt, ist Herr Kasil hier einem Irrtum zum Opfer gefallen. Die angegebenen Zahle» treffen zwar, erklärt der Hauptverband, auf die private Kranken- Versicherung zu, nicht ober auf die gesetzlichen Krankenkassen. Nach d«n Ergebnissen der amtlichen Reichsstatistit für 1925 wurden von den reichsgesetzlichcn Krankenkassen verwendet für Each- leistiingen 47,72 Proz der Ausgaben, für Barleistungen 40,7 Proz.. für Verwaltungskosten nur 0,5 Proz., für die gesetzlich vorgeschriebe- nen und besonders in Epidcmiezeiten die Leistungsfähigkeit der Krankenkassen sichernde Rücklage 5,1 Proz. Für Perwaltungs- t o st e n 6,5 Proz., dos ist knapp ein Sech zehntel der Ge- s a m to u s g a b e. Aus 1920 liegt eine amtliche Statistik noch nicht vor, ihr Ergebnis dürft« sich aber von dem für 1925 nicht erheblich unterscheiden. Solche Feststellungen werden allerdings auf die ein- geschworenen Gegner der gesetzlichen Krankenkassen wenig Eindruck machen. Sie erzählen von der„Krankenkassenbureaukrotie" und der angeblichen„Kostspieligkeit"— und die Unwissenden glauben es ihnen._ Gastod von Mutter und Kind. Am Freitag um 20 Uhr wurde die von ihrem Mann ge- trennt lebend« 30 Jahre alte ffrau Angela Gluska und ihr neunjähriges Töchterchen Erna in ihrer Wohnung» Wilmersdorfer Straße 20, von ihrer Untermieterin tot aufgesunden. Beide lagen entkleidet in ihren Betten. Alle Räum- waren m i t G a s angefüllt. Nahrungssorgcn hoben die Frau in den Tod getrieben. Der Tote auf den Schienen. Am Donnerstag abend wurde, wie wir ausführlich mittsiUen. auf der Stetriner Strecke zwischen den Stationen Bernau und Zepernick eine schwer vcrstüinmelle männliche Leiche auf de» Schienen aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß es sich um den Kapitän Wodrich handelte, der in der Waiz- ftraße 15 zu Eharlottcnburg wohnt. W. hatte den Saßnitzer Zug in Pasewolk bestiegen und brachte, wie durch den Eisenbahn- Überwachung s dien st festgestellt worden ist, vom Beginn der Fahrt an«in s o n d e r b a r e s W e s e n zur Schau. W. entfernte sah aus dem Abteil, vermutlich um den Abort aufzusuchen. Hierbei verfehlt« er die richtige Tür und stürzte aus dem fahrenden Zug. Ein Verbrechen ist demnach, wie es zuerst den Anschein hatte, ausgeschlossen. Achtung, Genossinnen? Der Vezirksfrauenlag am Sonnlag, dem IS. Oktober, muß lich um?U0 Uhr beginnen. Tagungsort: Leipziger Straße 3 püakt. Winlcrgarlen. Das amerikanische Variete ist auf die drei große» Tlzemen: Akrobatik, Exzentrik-Humor und Tanz eingestellt, und ei» solches Programm bietst diesmal auch d«r Wintergarten. Die Direktion hatte den guten Einfall, uns gerade von den Blüte» amerikanischen Exzentrit-Humors mehrere darzubieten. Das komischste und drolligste ist wohl die Ringkampsszene Vegas mit einer Puppe. Die technisch ganz unübertrefflich arbeitenden Einrad- fahrer Nicol und Martin lassen ihre halsbrecherische» Kunststücke wie einen lachenerregenden Ulk erscheinen. Leon und K u k i s Burleske auf Rollschuhen und die beiden S h o r p s als chinesische urkomische Exzentriks sind gute Klasse. Das Zebra der Brüder Baring arbeitet allerdings nach berühmtem Muster. hat aber eine Menge neuer lustiger Nuancen. In Enoch Lights New Horker Columbia Orchester ober jazzt, schrillt und lärmt in gewagtesten Synkopen unsere zappelig« nervöse Zeit. Und es paßt durchaus zu dem Dualismus dieser Zeit, wenn sich der Macstco plötzlich hinstellt und nach dem grotesken Lärm ein Geigen- solo hinstreicht, daß einem die Augen feucht werden. Mächtiger Besfoll zeigt, wie sehr diese Äünstl«r— denn das sind sie durchaus— die Menschen unserer Zeit packen.— Und dann sind E d m o n d a Guy und Ernst van Düren wieder da.'Auch diese beiden unnachahmlichen Tänzer zeigen, wie sehr-wir eigentlich zwischen den Zeiten leben. In dem Tanz„Märchen" steigt alte Kindersehnsucht lockend empor, ober im Tango in Rot sehen wir«ine Leidenschaft sich ausspielen und ihrem Ziel zueilen, die unsere Nerven schwingen läßt. Gerade in diesem Tango zeigen die beiden Tänzer denn auch, daß sie nicht nur Tänzer und Artisten sind, sondern leiden- schaftliche Menschen, und dos macht den Tanz zu einem seltenen Erlebnis. Weil aber Edmonde Guy und van Düren immer noch einzig sind, möchte man ihre Girltruppe und offen gestanden auch Djemil Anik gern entbehren.— Der ausgezeichnete Zauberer Vre- z i n, die prächtigen Handstandkünste der Dakotas und die hübschen Rcifenspiele der Clifford dürfen nicht unerwähnt bleiben. Die Ausstellung„Mode der Dame" neigt sich ihrem Ende zu. Am Donnerstag wurde sie von den: zu einer Tagung in Berlin oersammelten Reichsverband der deutschen Modenindustrie besichtigt und es war ein besonderes Vergnügen, mit Fachleuten und Sach- kundigen noch einmal die Schöpfungen der deutschen Samt-, Seiden- und Kunstseidenindustri« zu besichtigen, da ja im Grunde genommen die Schöpfungen von Hunderttausenden von fleißigen und geschickten Webern und Weberinnen sind. Man hat den Wunsch, es bei allen derartigen Ausstellungen mehr als bisher betont zu hören, daß der Schrei der deutschen Industriellen nach deutscher Oualitätsarbeil nur mit Oualitätsarbeitern erfüllt werden kann, die man wieder nur haben kann bei befriedigenden Löhnen und Arbeitszeiten und gerechten und vernünftigen sozialen Berhältnissen.— Im Anschluß an die Führung sah man noch einmal die Modcreoue Berlin i st M o d e, in der der unverwüstliche Siegsried Arno wieder den Bogil abschoß, aufs beste unterstützt von Molly Wessels, Iris Ä s l a n, Mario» Brenken und Charlie Brock. D'e Revue ist, wie man weiß, von Alfred Müller-Förster hübsch gemacht und von Dr. Zickel flott inszeniert. Man wünscht zum mindesten einige der nettesten Bilder wie das Schaufensteridyll und den höflichen Berliner auf andere Bühnen hinüberzurctten. Oberbürgermeister Vöß und Stadtverordnetenvorsteher Haß emp- fingen an der Spitze der städtischen Körperschaften am gestrigen Freitagabend im Foyer des Berliner Raihauses den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes anläßlich seiner Berliner Tagung. Oberbürgermeister Vöß hielt eine Ansprach« Anwesend waren Vor-, stand und die Vertreter des ADGB. und des AsA-Bundes. Die juristische Sprechstunde findek vom Monlag. dem 17. d. M. bis einschließlich Freilag, dem 21. d. AI. täglich nur von 4 bis S Uhr stakt. €& • Das ideale VCtft Abrühr-Konfekt r � Von . r9rcAAetn r" cVvic�30 von�\e�r',e�v!d" we��wLenP�� bäVUoW'�Sa� sVhaDt�n\9»mN� luap�W9 MAiRVt VO» 50 Die Hoteliers als Pazifisten. Für weitestgehenden Jnternntionalismus. Der Verband der internationalen Hoteliers hielt am lt. Oktober in Rom seine SZ. Generaloersammlung ab. Der Präsident betonte, daß die Mitglieder des Vereins, die sich aus Angehörigen von 35 Nationen zusaminensetzen, die nicht »ur die Ersüllung ihrer Vcrufspflichten als ihre Lebensaufgabe be- trachten. Sie wollen an der Erhaltung des Friedens Europas mitarbeiten. Aus dem voni Slindikus Dr. Bloemsrs erstatteten Geschäftsbericht ergibt sich, daß der im Hause des Vereins in Köln ausgeboute Facharbeitsnachwcis und die internationale Aus- tauschstelle eine überaus zahlreiche und erfolgreiche Arbeit in den Lahren nach dem.Kriege geleistet haben. Syndikus Dr. Bloemers sprach über die Arbeit des Internationalen Hotelbesißervcreins. Er wies auf die große Bedeutung des A u s t a u f ch s von Hotel, personal zwischen den einzelnen Ländern hin und begrüßte eine Resolution, in der die Regierungen ersucht werde,', die Ausstellung des Visums zu erteilen, ohne, erst eine besondere Genehmigung des Arbeitsministers oder einer anderen«stelle einzuholen, bei allen Austauschfällen das Visum wenigstens iür die Dauer eines Jahres o.uezustcllc». Bei der Behandlung der Bemühungen um die weitere Befreiung de? internationalen Reiseverkehrs führte der Referent aus, daß der Borschlag des Grafen Coudenhooc-Kalergi zur Schaf, fung eines Europapoffes keinerlei Vorteile enthalten, sondern die Gefahr in sich berge, den Paßzwang zu verewigen und immer neue Gebühren zu erheben. Der moderne Weltverkehr erfordert voll- kommene Freiheit des Reifens von einem Land zum anderen. Die zahlreichem Reiseburcous, die durch Neueinrich- tungen immer weiter wachsen, werden vom Hotelgewerbe nicht in jedem Fall als erwünschte Mitarbeiter betrachtet. Sehr oft verteuern diese Bureaus das Reifen und belasten damit den einzelnen Reisen- den überflüssig._ Ein Schrapnell als Spielzeug. Zwei Kinder bei seiner Explosion getötet. Brünn, 14. Oktober. Gestern nachmittag explodierte in Unterkauniß«in Schrapnell, das drei Kinder als Spielzeug diente. Einem siebenjährigen Jungen wurde die Hälfte des Kopses und die rechte Hand abgerissen, so daß er aus der S t e l le tot war. Der vierjährige Vetter dieses Knaben wurde durch Splitt-r, die ins Herz drangen, gleichfalls getötet. Ein sünsjährigcr Knabe erlitt nur leichte Verletzungen an der rechten Hand. Die Gendarmerie stellt gegenwärtig Untersuchungen darüber an, auf wrlchc Weise die Kinder in den Besitz des Schrapnells gelangt sind. Ruth Clders auf einem deutschen Dampfer. London. 14. Oktober. Wie aus Horta(Azoren) gemeldet wird, ist die Ozean- flieg er in Ruth Clders mit ihrem Begleiter von dem deutschen Dampser„Signal" übernommen worden, dessen Ankunft in Pontgdelgada(Azoren) für morgen erwartet wird. Die Flieger werden dann entweder auf einem amerikanischen Kriegsschiff naä) Amerika zurilcktehren oder sich nach Doris begeben. Wenn«In amerikanisches Kriegsschiff die Fliegerin heimbringt, so ist es das erstemal, daß einer Frau die Reise auf einem omerika- nischen Kriegsschisf erlaubt wurde.— Noch New-Porker Meldungen wollte Miß Grayson bei günstigem Wetter heute abend noch Kopenhagen starten. Ein verhängnisvoller Irrtum eines Försters. Schwerin, 14. Oktober. "-Durch einen folgenschweren Irrtum kam heute im mecklen- l'UHischen Forstrevier Z a ch 0 vi eine Arbetterwitwe aus Ball- miß Inns Leben. Die Frau pflückte an einer Hecke Schleebeeren. Ein Förster, der die schwarze Gestalt hinter der Hecke für sin Wildschwein hielt, feuerte und t ö t e te di e Frau ans der Stelle. Eine gerichtliche Untersuchung des Vorfalles ist eingeleitet. IOOOOO Morgen Land gewonnen. Die zwischen der hessischen Bergstraße und dem Rhein ge- legene R i c 0 e r 11 n g des„R i e d", ein etwa 60 Kilometer langes und durchschnittlich 12 Kilometer breites, von alten Rheinannen durchzogenes, versumpftes Marschland, wurde im hessischen Staat durch Entwässcrungsarbeiten für die Bodenkultur erschlossen. Der vor mehreren Jahrhunderten von dem Landgrasen von Hessen-Dannstadt gezogene große„Landgraben", der mit der . Feit verfiel, wurde nach eiiiein bereits vor 40 Jahren aufgestellten Projekt durch ein ausgedehntes Kanal- und Grobennetz nnt drei Pumpwerken ersetzt, die das Wasser in den Rhein führen. Dabei wurden Brücken nebst Schleusen und neue Wege in Gesamtlänge von 250 Kilometer angelegt. Etwa 100 000 Morgen Land werde» hier- durch der Bebauung neu erschlossen. Ein neuer Flugplatz im Jndustriegebiel. Die Städte Hamborn, Oberhaus«». Sterkrade. Dinslaken und Walsum beabsichtigen, mit Unterstützung verschiedener grvßer industrieller Werke, die ihren Beitritt bereits zugesagt haben, die Gründung einer Gesellschaft, die den«hemgligen Militärflugplatz in Holten vollkommen neuzeitlich aus- bauen und dort auch eine Fliegerschul« errichten will. Die vorbereitende Gründungsversammlung wird bereits in der nächsten Woche stattfinden.____ Das vierundzwanzigste Kind. In der oberschlesischen Industrie- stadt Hindenburg gebar die Frau eines Budenbesitzers das vier- undzwanzigsi« Kind. Einundzwanzig Kinder sind am Leben und bei bester Gesundheit. Arbeiter durch explodiereuden Kessel verletzt. In Hol, zweiler in einer Rübenkrautfobrik entzündete sich auf bis- her ungeklärte Weise ein mit Rüben gefüllter Kessel und flog in die Lust. Der Kessel, im Gewicht von etwa 60 Zentnern, durchschlug die massive Decke des Fabrikgebäudes und wurde in die Luft geschleudert. Cr siel aus einen Reisighaufen im Fabrikhof, wodärch der Ausschlag gemildert wurde. Fünf Arbeiter erlitten Brandwunden und Ber- letzungen durch Glassplilter. Bei zwei der Verletzten besteht Lebens- gefahr. Das Fabrikgebäude wurde vollständig zertrümmert. Der Kessel war nach den Sommermonaten zum erstenmal wieder in Bc- trieb genommen. /irbeitersport. Kunstturn-Vettkampf Oeutlchlanü-Tchweiz. 2lm Sonnlag im ZNercedespalast Neukölln. Die Arbeitcr-Turnvereine Deutschlands und der Schweiz schicken am Sonntag. 15. Oktober, ihre besten Aunstturner zu einem Wettkampf noch Berlin. Im Mercedes-Palast, Neukölln, vermannstraße, wird der friedliche Wettkampf stattfinden: die Teilnehmer werden das beste zeigen, was die Turnkunst bietet: Aus der Schweiz treffen die Genossen Schefer- Norsthad}. Moser-Schatthaufen. Mcner-Zürich, Simon-Gerlafingcn. Krätli-Baden, Waoner-Bascl(Ersatz) ein. Die deutschen Teilnehmer sind: Nödel-Grciz, Eopper- Äeidenheim. Wenderoth'Ochshausen, Friesc-Breslau, Gcrmattn--LudVigshafen, Teichert-Solingen. Echäfer.SoUngen(Ersatz). 6s ist das erstemal, daß der Acbeitcr-Turn- und Sportbund in Berlin einen Lcinderwettkampf im Kunstturnen veranstalten kann. Die Schweizer Arbsiterturner treffen bereit! am heutigen Eonnabend um 14 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof ein und begeben sich dann nach dem Gewerkschafts- Haus am Engelufer, wo sie einquartiert sind. Der Eintrittspreis für das Wett. turnen am Sonntag beträgt 1 M.: Kasseneroffnung ist um 9 Uhr, der Wett. kämpf beginnt pünktlich u�l 19 Uhr. Sport. Rennen zu Mariendorf am Freitag, dem 14. Oktober. 1. Rennen. 1.?UIa«(Belitzer), 2. Nippsache(Schröder). 3. Agitator CSdjleulcner). Solo: 29: 10. Platz: 13, 19, 82: 10. Ferner liefen: Black Villat. Ald'p'tzc, Li!- Vrinceton, Erps Brilex, Zierde, Leuchte, Dornzieher, Pctronia. Nellg Arnold,.lhalloie. 2. Rennen. 1. Kätzboch(J. MIHH. 2. Olled S.(Hecke: tl. 3. n e it. 1. Tnrandot(J. MillH, 2. Linoca(Lemzerl, 3. Deutscher sCzcr'on». Tolo: 11: 10 Platz: 13.-17. 23: 10. Ferner liejen: Oilma, f. Esfranco, Tie Letzlc, Nulbaga Ikon, lvlclltcriönger, Klosse jür sickt, Morgen- sonnc, Lcuchlfackcl, Paroli, Doorn, Min Halle. 4. R e u n« n 1. Niminerjatt PI. Fluni. 2. Britton(X MillS), 3. Alllenne (SIIaH. Toto: 143: 10. Platz: 36, LI, 28; 10. Ferner licsen: Pelrulchka, Ration, AuginS, Zaunkönig. 5. Rennen. 1. Jupelinde(Genetzky), 2. Lord Polo tHersorti), 3. Einsicht(Besitzer). Toto: 124:10. Platz: 26, 24, 25:10. Ferner liefen: AmanluZ, Erbprinz jun., Eriia, Heider. FriediichSdor, Kaiimtr, Ouinteilenz. Kornbhäe. Tina Watt«. LPaptain Leerberg, Diana Magowan, Draga Watt«, Minm Halle, Theodora, Ludwig R., Goudflerö Gloria. KüralNer, Selamlik. 6. Rennen 1. Baron Silveller(A tznm), 2. Kilttrlchor(Grohmann), 3. Dainöca(Heckert). Toto: 42:10. Platz: 17. 32. 21: 10. Feiner Uesen: Trottcur, Fels, Pechjackcl. Königsadler. Northern Polo. 7. Rennen. 1. Eail Eugen(Jnuh jun). 2. Luc!« Halle(Eberl). 3. Kohlenkönig» beiden Sälen der Hochschuibrauerci. Einlast i\i Uhr. Beginn 5!4 Uhr. Festrede: Dr. Julius Moses. Rez-iation: Mar Darthcl.(Der Dichter Nest aus eigene» Werken) Meinekelchcr Männerchar. Badfahrerverein„Solidarität". Freie Turnerschaft Wedding. Sportverein„Ali-Wedding". Tanz. 81. Abt. 10 Uhr bei Goldschmidt. Siospische Sir. 36, Porirag Uber die Rebe des Genossin Hilferding vom Parteitag. Referent Genosse Mar Krcnziger. Jeder Parteigenosse hat Fuirltt. Kahlreiches Erscheinen wird erwartet. Kleingärtner Blankenselde.Zkosenthal. 10 Uhr Zusammenkunft aller SPD.» Genossen im Lereinshaus. Sozkaliftifthe flrbekterfugenA Grofi-Serlin. Anmeldungen zur Arbeit-acmeinichaft Uber„Wirischeefiskehre"(Leiter Genosse Abraham) werden im Jugendsrkretariak nach schriftlich und mündlich entgegengenommen. Die Larbrsprechung sür die Teilnehmer sindei Sonnabend. 22. Okiader, 1!) Uhr, im Lmdenheim statt. Achtung, Abteklungsleiter! Die Berichtsbogen fü� das 3. Quartal(Zuli bis September) sowie Monaisprogramme für November müssen abgeliefert werden. „Das sung« Deutschland." Im Anschlust a» die Ausstellung spricht der Genosse Dr. Viktor Engelhardt über„Gemeinschaft in der Kulinr als Auf. "ade sazialistischer Jugend am Dienstag, i8. Okiober, 20 Uhr, in der Fest. ille des Schlosses Bellevne. Zugendliche 30 Pf., Erwachsene l M. Die Arbeitsgemeinschaft G rastmann findet ab heute jeden Sonnabend im sezimmcr des Lindenheims pünktlich 19 Uhr statt. Heule, Konnabend. 19fü Uhr: Köprnicker Viertel- Beieiligun« an der Veranstaltung der Parte! im Gewerkschastshaus.— Lichtcrfelde: �Iahri»ach Bernau- Uetzdorf. Trefspuntt I9>,z Uhr am Vaihau« Sieglitz bzw. 20 lw Uhr Steitinec Doraribhf. Spiel und Sporigcräie mitbringen.— Tempelhas-Marsendars: Fahrt Scharfheide. Treff. Punkt lbht Uhr Bhf. Tcmpelhof.— Nculölln II: Fahrt Oranienburg. Treff» punkt 19>h Uhr Bhf. Neukölln. Nachzügler Sonntag 8!,h Uhr Bhf. Oranien. bürg. Wcrbcbezlrl Osten: Heim Litauer Str. 18. Varstandssstznng. Werbebczlrk Reukilln: Alle älteren Venassen beteiligen sich am Vortrag iin Selm Äanncr, Ecke Böhmische Sirastr.„Die Kampfmittel der Gewerkschasle»." Margen, Sonntag, ebendori„Heiterer Abend". r&3--£-iz: 1 M m l! Reu-Lichtenberg! Aula des Iahu Realgomnastums, Mgrkistr. 2—3, W ir-i 5-Jahres»Fe!er. Gesang, Prolog, Rezitation. Festansprache, Hans-EachS» N Ißi Spiel, Volkstänze usw. Beginn 19 Uhr. Eintriit M Pf. Morgen, Sonnlag: Läse»Heide: Fahrt Erkner. Treffpunkt 6:(i Uhr Koiibnsfer Tor oder 7 Ubr Schlestscher Bhf.— Reukölln VI: Fahrt Dahlewitz, Rangsdoifei See, Krumme Lanke. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Kaiser-Friedrich-Siraste. Fahrgeld 40 Pf.— Schönhauser Barftadt: Fahrt durch d:» Krömrr. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Ge- sundbrunnen. Fahrgeld 60 Pf.— Reinickendars-vst: Werbeseicr 19 Uhr in der Aula des Realgomnassums Berner Straße. Eintritt 30 Pf. Vorträge, vereine unö Versammlungen» # Reichsbanner«Schwarz-Rot-Eold". Geschäft cstelie: Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38, Hot 2 Tr. Sonnabend. 15. Oktaber. Lichtenberg nebst Untergruppen: 20 Uha 3. Stiftungsfest der Ortsgruppe Fricdrichsfeldc im Geskllfchaftshaus, Wilhelmstr. 38. Eintritt l M. ölevublitaner sind herzlichst wiutamnien. Tempelhof: 18 Uhr Ardeiisdienst Neukölln, Schützen hau», Aaumourger Strastf. — Sonntag, 16. Oktober. Fricdrichsbain, Sporiabieiluug: ltzib Uhr Madai-, Ecke Fruchtsteastc. sämtliche Sporlier mit Sporizeug zur Fahrt nach Sadowa zum Training. Zriedrichshain 9 Uhr Warfäsiiuer Straße, Ecke Frau.kfuricr Allee, antreten zum Arbeitsdienst nach Friedrichsfelde. Keeuzberg: Alle Nadfahrer beteiligen steil in Bundeskleidung an der Wcrbcsahrt durch Berlin. Treffpunkt Illit Uhr Neukölln, Richardplatz.- Abi. 14:!6 Uhr Serbstfest im Rcichenberger Hof, Neichen» berger Sir. 147. Eintriit 75 Pf.— Von-9—12 Uhr KS.>Arbeitsdirnft im Neu. köllner Schsttzenhaus. Neuköllu-Britz: 131,4 Trrffpunti der Spielleuie sowie rad- fahrenden Kameraden am Richardplatz. Werbesahrt der Radsahrerabieilung. Anschließend Gründungsfest und Wimpelweihe in Echaneris Fcstsälen am Rummelsburger See. Eintritt 75 Pf. Anfang 17 Uhr. Lichtenberg nedfl: Untergruppen: lllö Uhr Radfahrer, ug, Epielmannszug und alle radfahrcnd'n Kameroden bei Zimmermann, Friedrichsfelde, Walderfeestr. 78, zur Werbefahr:. BnndesklciduNg, Fahrrad mit Wimpel. Anschlirsiend Gründungsftst isnb ksslmpelweihe bei Sckonert. Spartplatz Frirdrichsfelde: Ab 7 Uhr letzter öll- qemesne? Arbeitsdienst für Lichtenberg. Mitte. Treptow, Prenzlauer Berg IIN0 Frledrichahain. Kameraden mit Spaten,'Holzarbeiter mit Werkzeug, Rahr» leger und Maure« müssen zur Stelle sein. Alle restlichen Arbriten müssen er- ledigt werden. Lichterselhe.Laukwttz: Sämtliche Radfahrer IZV., Uhr antreten zur Werbefohrt in Ankwitz. Kaiscr-Wilhelin., Ecke BIkioriastraß«. Fahrrad mit Wimprs.— Moutag, 17. Oktober. Mitte: 19 Uhr erweitert- Borst-mdo. sitzung. Um 20 Ubr oiis.erordentlichc Geiieralversoininliing. Dahl der Dele. alerten zur Gaugenerainersammlung. Fricdrichshain: 19'» Uhr erwc terte Vor». flondssitzung bei Seifiert. Memelrr. Eck- Pillouer Straße, früher Rostin Samt. liche Kameradschaften müssen oertrelen sein. Kreuzhera. Iunamqnnschait I: Die Ber'amtnluna am Mo»lag, 17, Oktober, fällt aus. Dafür Hetterer Abend am Freitag, 21. Okiader, 30 Uhr, bei Seehak, WillibaIb.Alenis.Str, 6. Adfe»»- Hof, Kameradschaft, Sportgruln>r: 19 Uhr Zusammenkunft im Jugendheim Roanstraße.„ Teliam. Mittwoch. 19. Oktober. 20 Uhr, bei Kupsch, Hoher Strlnweg. findet ein neuer Kursus.für erste Hilfe statt. Die ärztliche. Leitung des Kursus hak freundkichsrnteisn Frau Dr. Alerandrr. Berlin: wsietrr übernommen. Alle Arbeiter nnd-Arbeitcrinnen,.tzi». dartzn. teilsiehwen wolleil: wenden sich an d'n Kollegan Otto Kerikr, Stahnsdorf. Haizpistr. 3. Das blasige Gewerkschastskartell ersucht olle Kollegen, die sich fllr diesen Kursus interessieren, die gute Sache zu unterstützen und an einer regen Propaganda sllr'die junge Gruppe miizuwm'n. Der Vottstaozkreis Frirdrichshaiu(Leitung Trvde Lteber-ngel) v-ranfialtet noch Abschluß des Anfängerkurfrs am Sannlag, 16. Okiader, 18 Uhr, i» Schmidis Gesellschaftshaus, Fruchistr 36i>,-ine Vaikstanzvorlührung. Der Kursus tiir Fartgcschriiiene tanzt jeden Montag non 20-22 Uhr. Der Kursus für An» jünger beginnt am Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, in Schmidts Gefcllfchafts» Haus, Fruchistr. 36a. Arbeiier-Schützenbunh. Ortsgruppe Berlin. Montag. 17. v.tober. A»t. FriWrichshaln i Alle Funktionäre bei Bochan. 1914 Uhr.— Dienstag, 18. Oktober. Abt. Friebrich.hain: Sport 20 Ubr bri M'ufchel. Rüdersdarfer Ktr 51. Abt. Wilmersbrrf: Eoort 20 Uhr bei Kroiß. Holsteinische Sir. 80. Abi. 4lcu- kölln: Sport t9'4 Uhr bei Wolfs. Prinz.Handjrrp.Sir. 67.- Rittmo», 1«. Otto- ber. AÄ. Friedrichshain: Sport 20 Uhr bei Menfchel und be! Inschkat. O oßler- straft- 1. Abt. Schöu-d-rg: Sport 20 Uhr de! Schramm, Lobnst- 84. an drr Siegsr'ebbrüch».— Donnerstag, 20. Oktober. Ortsarupue Werlin: Die Ge- fchäiteftrllc ist geöffnet pon 20-22 Ubr. Ausgabe der Ok'.oberzeituna. Abt. Kreuzberq: Suort A Uhr bei Nönnfpieß, RZasser'orstr. 71.— Freckag. 21. Ono- ber. Abt. Westen(2->): Suort 20 Uhr bri Menne, StcinmetzstN 45. Ab«. Weddinp: Suort 20 Uhr bei Schauer. Uirechler Sit. 24. Abt. Wilmerabm-f: Sport 20 Uhr bri Wiche,.HIldcaard.. Ecke Schrammstraßc. Abt. R-ukella- Srori 1944 Uhr bei Wolf'. Priuz.Handjcrn.Str. 67.— Sonuabrnb. 22. O.iaber. Abt. Pankow: Sport 20 Uhr bei Hubert, Damerow-, Ecke M:ndcsiraße. Srtefkasten öer Reüaktion. Die juristische Sprechstunde sindek vom TNonlag. dem 17. d. IN. bis einschließlich Freilag. dem 21. d. IN. täglich nur von 4 biS 6 Uhr(fatf. E. D. 42. Wenn Sir eine Regelung in der von Ihnen Ireabsichtigien Weise uornchmcn welle». so müssen Sie einen Eheoertrag schließen. Wanden Sie sich an einen Notar.— R. Z. 66. Bis 31. März 1928.— Schdstr. 15. Auf- Wertung kommt nicht mehr in Frage.— Köpenick Rr. 160. Der Witwe steht eine Rente in Höhe oan einem Fünftel des Iahreaaubeitsverdienstes des Mannes zu. Die WeitergewLhrung der Waisenrente erfolgt nur, wenn das Kind sich nach Vollendung des 15. Lebensjahres noch in ber Schul- oder Berufsausbildung deiindei.— A. 9t. Kommen Sie in unsere juristische Sprechstunde. Zunächst mllssen die Schritte des Hauswirt« abarroarirt werden.—®. S. 100. Wenden Sie sich an das Amtsgericht in Neukölln, Abteilung für Vormundschafislachen. — O. T. 23. Nicht üblich. Im übrigen ist es eine Sache des Geschmacks.— O. Panlstr. 76. Wenden Sie steil an. das Amisgericht und beantragen Sie Ihre Eintragung in die Liste. Unterbreiten Sie die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. fW-ii*•' Berliner Sewertschastsschule. Bctricbsräte.Jnformatiousabendc. Seit längerer Zeit Hot sich gezeigt, daß viele Betriebs- röte, die oftmals nicht nur diese eine Funktion ausüben, sondern auch nach niit einer Leihe von gewerkschaftlichen Aufgaben belastet sind, nicht immer Zeit und Energie genug aufbringen können, vm sich einer langandauernden, systematischen, kursus- möhipen Ausbildung zu untei ziehen. Weiter ist ein Teil der Betriebsräte in den in Frage kommenden Spezialfragen hinreichend genug ausgebildet, daß für sie ein solches jahrelanges Studium nicht niehr von unbedingter Notwendigkeit zu fein scheint. Aus diesem Orunde hat die Berliner Gewerkschaftsschule sich schon im vorigen Jahre entschlossen, in»regelmäßigem vierzehntäglichem Turnus Arbeilsrechtliche Ausspracheabende für Betriebsräte einzurichte». Diese Abende haben sich im vergangenen Jahre vor- züglich bewährt. Von vielen Kollegen wurde» sie als beste und gründlichste Infonnationsmöglichkeit bezeichnet, die den Betriebs- räten neben der arbeitsrechtlichen Literatur zur Verfügung steht. Mit Beginn des Wintersemesters sollen diese Ausspracheabende wieder fortgesetzt werden. Der erste Abend ist am Dienstag, dem lS. Oktober, lg Ahr. im Saal 11 des Gewerkschaftshauses(Arlieitslosensool der Bau- orbeiter), Engelufer 24/25, pt. Teilnahmeberechtigt sind olle frei- gewerkschaftlichen Betriebsrats niitglieder, d. h. Betriebsräte, Arbeiterräte, Angestetltenräte und Betriebsobleute. Aus der Bezeichnung der Abende geht hervor, daß d'e Jnfonnation nicht in einseitigen instniktiven Vorträgen durch einen Redner vor sich geht, sondern daß bestimmte arbeitsrechtliche Probleme von Wichtigkeit durch die Teilnehmer selbst aufgemorsen und unter sachkundiger Leitung zur Besprechung gestellt werden. Die Leitung dieser Abende werden für das Wintersemester die Kollegen E l e m e n s R ä r p e l und Dr. Bruno B r o ck e r vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gemerkschostsbundes übernehmen. Es märe zu wünschen, daß sich ein möglichst großer Kreis von Betriebs- ratsm'tgliedern an diesen Informotionsabenden beteiligt. Wir weisen außerdem noch einmal nachdrürklich aus dos Unter- rieht f. Verzeichnis der Berliner Gewerkschaftsschule hin, das bei sämtlichen Ortsnerwaltungen und im Bureau der Gewerkschasts- schule, Engelufer 24/25, in Empfang genommen werden kann. 5ür Sie Angestellten öer Nelchsanstalt. Neuregelung der Geholt»' und Arbeitsbedingungen. Die Funktionäre des Zentralverbondes der Angestellten, Sektion Arbeitsämter, wurden in einer Versammlung am II. Oktober über die am 5. und 6. Oktober mit der Reichsonstalt geführten Verhandlungen durch einen ausführlichen Bericht des Genossen Mar K o ch vom Reichsausschuß der Arbeitsnachweisangestellten unterrichtet. Die Reichsanstolt Hot den in Betrocht kommenden qewerk- schoftlichen Organisationen den Entwurf der neuen Ar- beitsbedingungen übermittelt, dabei ober die Frage offen gelassen, ob ein Torisvertrag oder eine Dienstord- n u n g abgeschlossen werden soll. Hi Unter Führung des Zentralverbandes der Angestellten forderten die Organisationen, daß ein Torisvertraq abzuschließen sei, in dem auch die bisherigen Rechte der Angestellten garantiert würden. Der Zentralverbond der Angestellten hat am 4. Oktober in einer Reichskonferenz des Reichsfachousschufses der Arbeitsnachweisangestellten die Abänderungsonträge �zu dem Entwurf aufgestellt. Bor ollen Dingen wurde gefordert, daß hie Mitwirkung der A n g e st e 1 l t e n v e r t r e t u n g bei Eingruppierungen und Ver- segunqen tarifnertroalich festgelegt wird. In dem Entmurs der Reichsanstalt war eine solche Mitwirkung nicht vorgesehen. Gefordert' wurde weiter, bah Angestellte mit einer ununterbrochenen Dienstzeit von zehn Iahren nur bei Vorhandensein eines wichtigen in ihrer Person liegenden Grunde» gekündigt werden dürfen. Die zahlreichen Kann- Bestimmungen des Entwurfes müssen umgewandelt werden in zwingende Bestimmungen. Zu lebhaften Auseinandersetzungen gab der Gruppenplan des Entwurfes Veranlassung. Der Begriff„Fachkräfte" muß genau festgelegt werden. Die Angleichung der Gruppen an die Reichs- besoldungsordnung wurde gefordert. Die Verhandlungen mit der Reichsanstalt werden in einigen Wochen fortgesetzt werden. In der Funktionärversammlung kam noch einmal zum Ausdruck, daß die berufene Interessenvertretung des Personals der neuen Reichsanstalt der Zentralverband der Angestellten ist und nicht etwa Beamtenorganisationen, die noch vor einigen Monaten die Angestellten aus den Arbeitsämtern entsernen wolltdn, um an deren Stelle Beamte zu beschäftigen: denn nichts anderes hätte die Aufhebung des Z 13 des Arbeitsnachweisgesetzes vom Juli 1922 bedeutet. lieber das Personalrecht der Angestellten der Reichsanstalt spricht Otto Hausherr vom Berbandsvorstand des Zentralverbandes der Angestellten am Mittwoch, dem 19. Oktober, abends 71- Uhr in den Sophiensälen, Sophienstr. 17'18. Das gesamte Personal de? Berliner Arbeitsämter einschließlich der Erwerbslosen-Fürsorgestellen muß an dieser Veranstaltung teilnehmen. Der koufmännisthe öeruf. Der kaufmännisch« Beruf Hot durch de» Eintritt vieler junger Menschen in das Berussleben einen nicht unbeträchtlichen Zustrom erhalten. Junge Menschen. Mädchen wie Burschen, erwarten von ihrer Tätigkeit als kausmännifchc Lehrlinge und jugendliche An- gestellte die Erfüllung allerlei Wünsche und Hoffnungen. Im beson- deren ersüllt auch die Eltern der Jugendlichen die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder. Sie alle erblicken bei den heutigen schwierigen Verhältnissen im kausmännischen Beruf dos für ihre Kinder Ge- gebene. Dabei verkennen sie meist die Bedeutung der gerode in diesem Berufe bestehenden Mißstände. Ungeheuer groß ist die Zahl der stellungslosen Hondlungsgehilsen und Bureauangestellten, und groß ist die Gefahr, daß die neu in dos Berufsleben Eintretenden ungenügend ausgebildet «ad so in ihrem späteren Fortkommen auf das schlimmste gefährdet werden. Es ist deshalb eine dringende Pflicht sowohl sür die Eltern als auch für di« kaufmännischen Lehrlinge und jugendlichen Angestellten selbst, sich über die Verhältnisse im Ange st«Ilten- beruf zu unterrichten und alle? zu tun, um eine zweckdienliche Ausbildung zu erniöglichen. Dabei ist in erster Linie der An- schluß der Lehrlinge an ein« große und stark« Gewerkschost nötig. Mehr denn j« machen heut« viele Unternehmer der Jugend die durch dos Eintreten der Gewerkschaften errungenen Derbesfe- rungen in den Lehr- und Arbeitsverhältnissen ver Jugendlichen streitig. Hier ist noch zu berücksichtigen, daß in vieler Hinsicht der Schutz der Jugend vor Ausbeutung noch ganz un- genügend ist. Der jährliche Urlaub, der in bescheidenem Maße gewährt wird, reicht bei weitem nieht aus, um dem jungen Menschen tatsächlich die Möglichkeit zu genügender Erholung zu geben. Ueber- zeitarbeit und eine Beschäftigung, die keinesfalls zum Berufe gehört, tun dos ihrig«, um die Gesundheit und die Arbeitsfreude der Lehrlinge zu beeinträchtigen. Hier hilft die Gewerkschaft, dek Zentralverband der Angestellten, und wer nicht lediglich billige und aus genutzte Arbeitskraft fein will, sondern Wert aus eine gründliche, iachgemäße Erlernung des Berufes bei gesunden Arbeitsbedingungen legt, schließt sich ihm unverzüglich an. Erst durch di« Zugehörig keit zur Gewerkschaft schützt sich der Jugendlich«. Doch nicht allein in bezug auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse ist die Gewerkschost den Jugendlichen unentbehrlich. Der Zentralverband der Angestellten hat auch di« Einrichtungen geschaffen, die nötig sind, um den tauimännischen Lehrlingen und jugendlichen Angestellten das� erforderlich« berusliche und ollgemein« Wissen-zu oerinüteln. Die Iugendgruppen des ZdA. führen die Lehrling« zu Vorträgen, Aussprachen über gewerkschaftlich« uno all. gemein interessierend« Fragen zusammen, bieten Gelegenheit zu ge- selliger Unterhaltung und sorgen durch die Veranstaltung b e- ruslicher Kurse und Vortragsabende fllr eine wesent- lich« Bereicherung des beruflichen Können«. Dem gleichen Zwecke dienen die eigens für die Jugend herausgegebenen„Jugend- blatte? des Zentralverbandes der Angestellten", die den fügend- lichen Mitgliedern monatlich kostenlos geliefert werden. Nähere Auskunft über alle Berufssragen unv im besnideren Ratschläge für den Abschluß von Lehrverträgen erteilt der Z e n t r a l- verband der Angestellten.(Hauptgeschäftsstelle Berlin SO 36, Oranienstraße 49/41.) Die Bergarbeilerivternationale wird am 29. d. M. in Warschau zu einer Sitzung zusammentreten. Auf der Tages- ordnung stehen internationale Regelungen des Kohlenbergbaues, Fragen der Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenunterstützung und Aus. nähme des Schwedischen Bergarbeiteroerbandes. Kewinnausjug 1. Klasse 30. Preuszisch-Suddeulsch« Klassen. Lstleri». Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jed» gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewi»»« gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rummer in den beidea Abteilungen l»ad II 1. Ziehungslag 14. Oktober 1927 teilung gesammelt. Die nunmehr durch die scharfe Kontingentierung gebotene sorgfältige Derteilung nach den Orten des wechselnden und jeweils dringendsten Bedarfes ist nur dem Großhändler in seinem oft viele hundert Kilometer reichenden Versorgungsgebiet möglich, im Gegensatz zu dem Großschlächter mit seinem rationell sehr be- grenzten Nersorgungsgebiet. Ein solcher über das ganze Reich jederzeit schnell mögliche Ausgleich innerhalb des kleinen Kontingents war ober ein« dringend« Notwendigkeit, um Versorgungsschwierigleiten zu vermeiden. Beseitigung von Mißständen. Gegen diese Derteilungsart wurde vorzugsweise vom Fleischer- gewerb« Sturm gelaufen, da« dem Großhandel übermäßigen Der» 'dienst und Handel mit Kontingentscheinen vorwarf und behauptete, es besser machen zu können, wenn ihm selbst die Einfuhr und Der- teilung übertragen würde. Die geräuschvollen Klagen wurden vom parlamentarischen Engueteausschuß in langen Derhandlungen ge- prüft. Es ergaben stch tatsächlich Mißstände, die eine Er- gänzung der früheren Ausführungsoerordnung erforderten. In dieser neuen Verordnung vom 2 6. September 1 92 7 ist bestimmt, daß der Inhaber eines Einfuhrberechtigungs- scheine» Gefrierfleisch, für das er auf Grund des Scheines die Zoll- Vergünstigung in Anspruch nehmen will, nur unmittelbar an die von den Gemeinden bestimmten und von diesen überwachten Bertaufs st ellen absetzen darf und auch an diese nicht zusammen mit verzoll- tem Cefriersleisch. Damit sind wichtig« Mißstände beseitigt. Es wird dadurch verhindert, daß das Fleisch erst durch mehrere Hände geht, also verteuert wird, bevor es an den Kleinhändler kommt. Ferner wird durch das Verbot der Vermischung zollfreien und verzollten Gefrierfleisches— die natürlich mit einem Preis- aufschlag verbunden ist— dem Willen des Gesetzgeber»(Z 5 des Reichsgesetzes vom 17. August 1925) entsprochen, wonach das Ge- sriersleisch zu einem möglichst billigen Preise den Kon- sumenten zugeführt werden soll. Darüber hinaus ist eine scharfe lleberwachuag der Preisbildung beim Großhandel sowie auch beim Kleinhandel �n Aussicht genommen. Das ist durchaus zu begrüßen. Beim Großhandel ist sie einfach, denn hier handelt es sich um Kreise, die eine geordnete Buchführung haben und die Ware unverändert weitergeben. Anders beim Kleinhandel, hier handelt es sich nicht nur um eine Ueberwachung der Kleinverkaufspreis«, was beiläufig auch nicht so ganz einfach ist. sondem vor ollem darum, daß kein Mißbrauch mit dem zollfreien Gefrier- fleisch getrieben wird.(Siehe§ 5 des Gesetzes vom 17. August 1925.) Anders ausgedrückt, daß nicht Gefrierfleisch in. irgendeiner Form zu Frischfleischpreisen an den Konsumen- ten kommt. Es gilt also zu oerhindern, daß nicht nur etwa un< oerkauft gebliebene kleine Stücke, sondern große Mengen Ge- frierfleisch mit anderem Fleisch zusammen verwurstet und ohne Deklaration zu Normalwurstpreisen verkauft werden, daß die besten Fleischstück«(Filet, Roastbeef usw.) in die Nestau- rant» wandern und daß gar Gefrierfleisch unmittelbar als Frischfleisch an den Mann gebracht wird. Verschärfung der Kontrolle.— Zugleich bessere Qualität. An alle diese Ding« ist in den bisherigen preußischen Aus- führungsverordnungen schon gedacht. An der praktischen Durch- sührung der scharfen Ueberwachung hat es aber weitgehend gefehlt. Leicht ist sie gewiß nicht. Sie könnte mit Aussicht auf Erfolg aber ermöglicht werden unter solgenden Voraussetzungen. 1. Die Zahl der zum Kleinhandel mit Gefrierfleisch zuge- lasienen Fleischer ist in den meisten Städten viel zu groß. Nur Geschäfte mit einem regelmäßigen Umsatz an Gefrierfleisch sollten zugelasien werden. Fleischer, die nur hier und da einmal geringe Mengen beziehen, kommen leicht in die Versuchung, bei schlechtem Wsatz Mißbrauch damit in den angedeuteten Richtungen zutreiben. Also Festsetzung eines Min de st Umsatzes nach den örtlichen Verhältnissen. Danach Z u- lassung oder eventuell« Entziehung der bisherigen Zulassung. 2. Da, wo sich Geschäfte bereit erklären, neben Gefrierfleisch kein frisches Rindfleisch, sondern nur anderes Frisch- fleisch zu führen, wären diese in erster Linie zuzulassen. Solche Geschäfte sind natürlich nur bei großem Umsatz, also in den Arbeiterzentren der Groß, und Industriestädte existenzfähig. Die Erfahrungen, die man damit beispielsweise in München, cham- bürg usw. gemacht hat, sind die allerbesten. Man frage einmal die Arbeiterftauen in solchen Bezirken und sehe sich die Einrichtungen und den außerordentlichen Betrieb in solchen Geschäften an. Dort bekommt der Käufer bei niedrigstem Preise beste, gut aufgetaute, haltbare Ware und nur dort sind regelmäßig auch die besten Fleisch- stücke(Filet usw.) zu haben, nach denen man anderswo meist ver- geblich fragt, und dort ist mißbräuchlich« Verwendung von Gefrier- fleisch schon durch die Kontrolle der übrigen Fleischer ausgeschlosien. Die mit diesen Maßnahmen selbsttätig verbunden« Beschränkung der Verkaufsstätte auf die eigentlichen Derbrauchsbezirke der Groß- städte und Industriegemeinden entspricht dem tatsächlichen Bedürfnis und somit dem Sinn« des Gesetzgebers. Das knappe Kontingent, das doch gewissermaßen als Notbedarf gedacht ist, müßte selbständig bewirtschaftet werden, sonst reicht es nicht. Allgemeines Anbielea des Gefrierfleisches fördert aber die Nachfrage auch da, wo kein eigentliches Bedürfnis besteht. Künstliche Steigerung des Bedarfs liegt aber auch weder im Interesse der Landwirtschaft und noch der bedürftigen Volksschichten, da sie schließlich geeignet ist, die Zulasiung des billigen Gefrier- fleisches selbst im Rahmen des Notbedarfs für spätere Zeiten zu gefährden. Daß die unter solchen Bedingungen zugelasienen Geschäfts- inhaber die Gewähr für Zuverlässigkeit bieten müssen und über die nötigen Kühleinrichtungen zum sorgfältigen Auftauen und Auf- bewahren des Geftierfleifches verfügen müssen, damit ee als voll- wertige Ware an den Konsumenten kommt, ist selbswerständlich. Wenn in dieser Weise vorgegangen würde, dann werden die Gemeindebehörden in der Lage sein, nicht nur das Geschäftsgebaren und die Preisentwicklung im Gefrierfleischgroßhandel zu kontrollieren, sondern auch die unendlich viel schwieriger« Ueber- wachung der Kleinverkaufs st ellen verhältnismäßig leicht und erfolgreich durchzuführen, also die ordnungsmäßige Prsisent- Wicklung zu verfolgen und mißbräuchlicher Verwendung von Gefrier- fleisch vorzubeugen. Diviüenüensegen des Sraukapitals. 10 und 20 Proz. Dividende. Die neue Dividendenernte dos Braukapitals hat begonnen. Bei der Beurteilung der Brauereiabschlüsse ist besondere Vorsicht ge- boten. Man muß sich nämlich bei dem Erscheinen der ersten Brauereibilanzen für 1926/27 das voriahnge Rundschreiben des Deutschen Brauerbundes über Dividendenpolitik tor Ein- zelunternehmen ins Gedächtnis zurückrufen. In diesem Schreiben wurde auf die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer v o r s i ch- tigen Dioidendenoerteilung hingewiesen, da hohe Dividenden den Anschein übermäßig hoher Gewinne e r w eckten und in mehrfacher Hinsicht h ö ch st unerwünschte Rückwirkungen zur Folge haben könnten. Im Interesse der Konsumenten wurde zweifellos eine Herabsetzung der Bierpreise und im Interesse der Arbeitnehmer eine Heraufsetzung der Lohne gefordert werden! Der Eifer, mit dem die Brauunternehmer sich bemül>en, die Konsumenten und die Brauereiarbeiter nicht zu beunruhigen, ist löblich, aber verdächtig. Die Brauindustrie weiß sehr gut, daß die Morpreiserhöhung von 4 M. je Hektoliter zu Anfang des Jahres bei einer Erhöhung der Steuer um nur 2 M. viel b ö s e s B l u t bei der Masse der Berbraucherschaft erregte, und noch besser weiß sie, daß eine Prcisheraufsetzung auch nur in der Höhe des Steuersatzes gänzlich unangebracht war, da man im Jahre vorher be- reits Unsummen zu den alten Preisen verdient hatte. Es wird die im Lohnkampf stehenden Brauereiarbeiter interessieren, daß trotz dieser Warnungssignale des Unternehfnerver- bandes die ersten Brauereiabschlüsje wieder Bombendividen- den aufweisen. So zahlt die Freiherrlich von Tuchersche Brauerei A.-G., Nürnberg trotz des auf die Preiserhöhung erfolgten Umsatz rückganges wieder 10 Proz. wie im Vorjahre. Rohstoffverbrauch, Unkosten und Steuern sind von insgesamt 6,2 auf 5,6 Mill. M. gesunken. In der Bilanz haben Grundstücke, Moschinen und Fuhrpark Zugänge von fast einer halben Million erfahren, die aus laufenden Gewinnen bezahlt wurden. Während die Gesamt s ch u l d e n mit 1,4 Mill. Mt. fast unverändert blieben, haben sich die Forderungen sogar noch um fast 200000 M. auf 2.3 Mill. M. erhöht. Di« Art. wie der Geschäfts- hericht den Reingewinn den dreimal höheren Steuern einschl. Bier- steuern gegenüberstellt, ist ein plumper Versuch, übermäßige Steuer- lasten vorzutäuschen. Als ob die Derbraucher nicht wüßten. daß sie es find, die den Brauherren die Bicrsteuer auf Heller undPfennig, die letzte Steuererhöhung sogar mit 100 Proz. Aufschlag zahlen müssen. Die R« i ch e l b r ä u A.- G. K u l m b a ch hat es bei 20 Proz. Dividende nicht nötig, für das abgelaufene Jahr einen wirklichen Bericht zu geben. Das, was der Vorstand in elf Zeilen zu sagen für gut befindet, ist gänzlich belanglos. Der gleichfalls zurück- gegangene Umsatz hat die Gewinne der Gefellschaft weiter nicht betroffen, die Betriebsjsewinne sind mit 2,0 Will. M. unverändert und der Reingewinn von 0,61 Mill. M. durch Senkung der Steuern und Abgaben sogar noch etwas gestiegen. Durch weitere Zuweisung aus dem Reingewinn sind die Reserven auf über 800 000 M. angewachsen und betragen jetzt ein Drittel des Aktien- kapitals. Außerdem find Bargeld und langfristige Forderungen mit 2,5 Mill. M. in vierfacher Höhe der Schulden vorhanden. Diese ersten Bilanzergebnisse zeigen bereits, daß die Gewinne der Brauereien nicht hinter dem Voriahre zurücksteben. Was ihnen durch verringerten Umsatz entgangen ist, den sie selost verschuldeten, haben sie durch erhöhte Preise wiedergeholt. Spnüikate kaufen fiußenseiterwerke. Es wird bekannt, daß die bisher im Besitz von Hugo Stinnes befindliche Rhein-Lenne G. m. b. H. in Anralh-Mülheim vom Stahlwerksverbnnd und vom Walz drahtverband g e k a u s t worden ist. Der Kauf geschah durch Strohmänner, damit man nicht merkt, daß die Syndikate die Käufer sind. Der Zweck ist, zu verhindern, daß das Wert an Außenseiter kommt. Die Abficht ist klar: die Preispolitik der Syndikate soll vor der Konkurrenz von Außenseitern bewahrt werden. Das Werk soll stillgelegt werden. Syndikate handeln öfters so. Man begegnet solcher Politik aus den verschiedensten Gebieten. Sie Ist verwerflich, weil sie monopo- listisch ist und Kapital vergeudet. Es ist aber zu fragen, wcktaus solche Aufkäufe be z a h l t werden. Die Gelder gehen in die Selbst- kostenrechnung der Produzenten ein. So werden notwendig die Preis« getrieben. Der Reichswittschaftsminister sollt« sich um derartige Quellen der Preissteigerung etwas mehr kümmem als bisher. Vachfenües Geschäft im Maschinenbau. Im Septemberbericht des Vereins Deutscher Ma- schinenbauan st alten wird«ine leichte Steigerung der In» landsaufträge gemeldet, bei gleichem Auftragseingang au» dem Ausland und merklichem Rückgang der ausländischen Anfragen. Es wurden neue Arbeitskräfte eingestellt. Die tat- sächlich geleisteten Arbeiterstunden betragen. 77 Proz. der Dolleistungs- fähigkeit der berichtenden Werke(nach 62,6 Proz. im Mörz 1927 und 54� Proz. im September 1926). Größere Beschäftigung herrscht für Textil- und Papierherstellungsmaschinen, geringere für Land-, Bergwerks-, Brauerei, und Mälzereimaschinen. Der Bericht warnt vor Lohnerhöhungen weil Preiserhöhungen folgen würden. Das ist umsonst, weil Lohnerhöhungen, die aus dem Gewinn gezahlt werden müssen, die Konkurrenz verschärfen, sind Preiserhöhungen aus diesem Grunde nicht zu erwarten. Der Reichsbankpräsident wird ange- griffen. Er hätte die Diskonterhöhung vermeiden können, wenn er den Zufluß von Anleihen nicht gebremst hätte. Daß dos private Bankenkartell die Zinsspanne erhöht hat, scheint den Maschinenbauern zu gefallen. Maschinen in üer deutschen Lanüwiriichafi. Große und erfreuliche Zunahme. In Heft 18 von«Wirtschaft und Statifttk* wird über d i« Maschinenverwendung in der deutschen Land- Wirtschaft berichtet, wie sie sich bei der landwirtschaftlichen Betriebszählung im Jahre 1925 gezeigt hat. Der Bericht ist sehr begrüßenswert, weil damit endlich eine zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Mechanisierung der deutschen Landwirtschaft gegeben ist. Die Tatsache, daß auch die im Jahre 1907 festgestellten Ziffern erwähnt werden, macht den Bericht besonders bedeutungsvoll. Landwirtschaftliche Betriebe mit Maschinenbenutzung wurden 1925 2 029 770 gezählt. Im Jahre 1907 waren es 1 332 850 Betriebe, so daß von einer Vermehrung um 696 920 gesprochen werden kann. Die Zahl sämtlicher im Jahre 1925 festgestellten Maschinen(betriebs- eigene als auch gemietete und genossenschaftlich gehaltene Maschinen) beläuft sich auf 5914054. Das Mehr gegenüber 1907 beträgt 3751155. Betriebseigene waren es 5 781 235(1907: 1 591 675). Eine weitere Tabelle des Berichts zeigt auf, wie sich die Maschinenverwendung in den Größenklassen von 10 bi» 20 Hektar, von 20 bis 100 Hektar und von mehr als 100 Hektar gegenüber 1907 entwickett hat. Nach- stehend einige Angaben aus dieser Tabelle: Zahl der betriebseigenen lg» überhaupt unter 20 Ks.. 20-100 sta.. 100 u. mebr ha mehr(+) oder weniger(—) gegenader 1907 Säemaschinen 317 357-f 232 038 152 903+ 66 765 38 914+ 5 296 a sch in en. 1925 im«er. hitilni» zu>907 1907~ 1 3,7 1.8 1,2 Zus. unter 20 ha.. 20-100 ha.. 100 u. mehr ha 609176+ 304 097 Hackmaschinen. 70128-r- 65 278 50451-- 44 940 25 059 4-->20 783 145 638 + 131 003 2,6 14.4 9.2 6 9 10,0 unter 20 ha 20—100 ha.. 100 u. mebr ha Mähmaschinen. 571 108 841 821 110 452 + 448 220 + 197 027 + 69 780 Zus. unter 20 ha.. 20-100 ha.. 100 u. mebr ha 1 023 381+ 715 927 Dreschmaschinen. 863 924+ 313 609 171 129 20 098 + + 4 587 4 183 Zus 1056 151 + 822 879 4,6 2.4 2,7 3.3 1,6 1,0 _u 1,4 Die Ergebnisse, die bei der letzten Maschinenzählung in der deutschen Landwirtschaft festgestellt wurden, sind außerordent- l i ch erfreulich. Sie zeigen, daß sich der Gedanke der Mechqni- sierung und Technisierung des landwirtschaftlichen Produktions- Prozesses in wirkungsvollster Weise durchgesetzt hat. Besonders bemerkenswert ist die Feststellung, daß es hauptsächlich die Klein- und Mittelbetriebe sind, auf die die Zunahme in der Verwendung von Arbcitsmaschinen entfällt. Das darf aber kein Grund sein, die Hände jetzt in den Schoß zu legen. Wer sich schon einmal für die Mechanisierung und Technisierung seines Betriebes entschieden hat, muß aus dem laufen. den bleiben, d. h. er muß auf alle Neuerungen und Bervollkomm- nungsbestrebungen achten. Bon der Landmaschinenindustrie ist zu verlangen, daß sie noch mehr als bisher auf die Wünsche der fand- wirtschaftlichen Maschinenhatter eingeht. So erscheint es beispiels- weise dringend notwendig, die Organisation zur Beschaffung von Ersatzteilen bzw. zur Ausführung von Reparaturen, die heute noch außerordentlich mangelhaft ist und den landwirtschaftlichen 9 Unternehmern immer wieder zu den lebhaftesten Klagen Beraniassung gibt, jn gründlichster Weise um- und n«ugestaltet wird. Immer noch steigende Tageserzeugung für Roheisen. Nach der Zeitschrift„Stahl und Eisen" betrug im September die Gesamtpro- duktion der deutschen Hochöfen 1 104 653 Tonnen gegen 1115 503 Tonnen im August. Der leichte Rückgang ist darauf zurückzuführen, daß der August 31 Arbeitstage gegen nur 30 im September auf- wies. Dagegen hat die a r b« i t s t ä g l i ch e Leistung im September mit 36 822 Tonnen die Ergebnisse des August noch um 838 Tonnen übertroflen. Für die Stärke der gegenwärtigen Eisenkonjunktur spricht die Tatsache, daß die Produktion des September 1926, in dem sich bereits ein kräftiger Aufschwung in der Eisenindustrie bemerkbar machte, um über 25 Proz. übertroffen wird. Gibt Düsseldorf nach? Wie es scheint, oerhandelt die Stndt Düsseldorf üb«r die Kasbeliefenmg der industriellen Groß- ab nehmer dnrch die A.-G.für Kohleverwertung in Essen. Wenn Düsseldorf den Finger reicht, wird die A.-G. für Kohleverwertung bald die ganze Hand haben. Dt« Großabnehmer der Ruhr über-- lassen, heißt die beslen Grundlagen der Wirtschaftlichkeit und der zukünftigen Absatzsteigerung preisgeben. Guke Kartoffelernte. Die preußische S'.atsstik stellt in einer Vor- schätzung fest, daß nian im Staaksdurchschnttt für 1927 einen Hektardurchschnitt von 13'9,6 Doppelzentnern Kartoffeln erwarten darf: ein außerordentlich viel günstigeres Er- gebnis als 1926, wo nur 120,4 Doppelzentner geschätzt waren. Die � Güte der Kartoffeln wird auf Mittel geschätzt. Der deutsche Arbeitsmartt Im ersten Okloberdriltel. Die Arbeits- Marktlage im ersten Oktoberdrittel hat sich, nach den einzelnen Be- richten der Landesarbeiteämter, weiter gün st ig entwickelt. Infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit machen sich frellich mehr und mehr Zeichen des Rückgangs bemerkbar, doch gehen die Zugänge noch langsam vor sich. Landwirtschost, Baumarkt und N«b«»- oewerbe sind noch gut beschäftigt, günstig berichten Eisen-, Metall-, Maschinen-, chemische und Textilindustrie, während allerdings im Bergbau Verschlechterungen eingetreten sind. Die preußische Amerikaanleihe hatte einen glänzenden Zeichnungserfolg. Die Zeichnungsbücher tonnten gleich nach der Auflegung geschlossen werden. �ugenöliche im Strafrecht. Reaktion gegen alle Verbessernngsanträge im Strafrechtsausschutz. In der fortgesetzten Bereitung des Strafgesetzausschusses über das Jugend st rasalter wandte sich Abg. Barth(Dnat.) gegen olle sozialdemokratischen Verbesserungsanträge. Die Androhung schwerer Strafe sei gerade gegenüber den Iugendl chen zwischen achtzehn und zwanzig Iahren besonders wirksam. Man sei schon milde genug gegenüber den Jugendlichen, zumal man ihnen�mil- dernde Umstände bewilligen könne. Die Hauptsache sei der Schutz der Allgemeinheit vor dem Verbrechertum, auch wenn Jugendliche die Verbrecher seien. Abg. Kahl(D. Lp.) erklärt sich ebenfalls gegen die sozialdemo- lratischen Anträge. Er jührt aus, daß er früher für die Herauf- sctzung des Strafmündigkeitsalters auf das vierzehnte Jahr eingc- treten sei, damit sei aber die richtige Grenze gefunden. Von dieser Altersstufe ab könnten die Jugendlichen zwischen Mein und Dein entscheiden, psychopaihische Kinder würden ja wegen ihrer Geistes- beschafsenheit straflos bleiben. Reichsjustizminister hergt gab eine, wie er selbst sagte, pro- grammatische Erklärung für die Regierung ab: Die Regierung hält unbedingt an der t4. Zahresgrenze fest. Diese sei erst lll??! festgelegt, inan könne sie nicht so schnell bereits wieder heraufsetzen. Der jetzige Rechtszustand müßte aufrecht er- halten bleiben. Die Regierung sei auch gegen die Heraus- setzung der vollen Strasmündigk cit von achtzehn auf zwanzig Jahre. Es lasse sich außerdem darüber sprechen, ob bei dem bevorstehenden Abänderungsgesetz zum Iugendstrasgesey besondere Bestimmungen getroffen werden könnten. Ministerialdirektor Vumke gab eine geschichtliche Entwicklung des Iugendstrufrechts. Er hob die großen Fortschritte hervor, die schon erzielt seien und die einen starken Rückgang von Bestrafung der Jiigendl'chen zeige. Frau Müllcr-Olsried(Dnat.) erklärt sich für den Regierung?- cntwurs. Mit vierzehn Jahren wisse man genau, was man tue. Abg. Emminger(Bayr. Vp.) wende, sich ebenfalls gegen die sozialdemokratische» Anträge. Die über Vierzehnjährigen wüßten genau was strafbar ist. Abg. Haas(Dem.) erklärt, daß seine Freunde noch nicht end- gültig Stellung genommen hätten. Es spreche gewiß manches da- sllr. Jugendlich« unter sechzehn Jahren für straffrei zu erklären. Frau Ministerialiat Dr. Läumer macht daraus aufmerksam, daß Fürsorgeerziehung für die Fälle, die strassre! bleiben würden, falls dos Strafmündigkeitsalier herausgesetzt würde, nicht in Frage käme. Abg. Dr. Rasenseld(Soz.) verteidigte die sozialdemokratischen Anträge, indem er sich besonders gegen den Iustizminister wendete, der mit seinen Ausführungen gezeigt habe, daß er den B e d ü r s- nisfon der Jugend nicht gerecht werde. Nachdem die Sachverständigen erklärt hätten, daß die R ü ck f ä l l> g k e i t der Jugendlichen sehr groß sei, könne man doch nicht mehr bestreiten, daß gon den Wirkungen einer Strafe nicht alles erwartet werden könne. Sonderbar fei, daß der Minister heute erkläre, die S a ch- verständigen seien im Kernproblem vorübergegangen. Dos hätte er oestern zum Ausdruck bringen müssen, als die Sachver ständigen noch da waren. Welchen Eindruck solle man von der Regierung haben, die so verfahre. Einen günstigen ganz gewiß nicht Die Regierung übersehe anscheinend, daß sämtliche Sachverständige für notwendig erklärt hätten, die Achtzehn- bis Zwanzigjährigen von der Bestrafung auszunehmen. Wenn man an der vollen Straf Mündigkeit der über achtzehn Jahre alten festhalte, werde es weiter vorkommen, daß junge Leute zwischen achtzehn und zwanzig Iahren, die einen Mord begangen lzatten, hingerichtet würden. Noch am Itz. Juni 1925 sei in Koburg ein neunzehn Jahre alter Porzellan arbeite? mit dem Beil hingerichtet worden, weil er sein« Geliebte ertränkt hatte. Es gehe nicht an, es von der Gnade der bayerischen Regierung abhängig zu machen, ob so unmenschlich« Strafe gegen Jugendliche vollstreckt wird. " Ministerialdirektor vumke sucht den Reichsjustizminister in Schutz zu nehmen. Abg. Genosse Saenger legt ober dar. daß die Erklärungen des Minister in der Tot völlig unverständlich gewesen seien. Wäre er konsequent, dann würde er von seinem Standpunkt sogar die Straf Unmündigkeit schon bei zwölf Iahren aushören lassen. Sonder bar sei. daß Abgeordneter Barth immer noch die Ausfassung habe, durch Androhung einer Strafe eine abschreckende Wirkung erzielen zu können. Die deutsche Krimiaolstatistik aus der Zeit des Kaiserreichs mit ihren aufsteigeadea Zahlen zeige doch deutlich, daß eine abschreckende Wirkung durch hohe Straf« nicht erzielt werden könne. Gewiß könne ein Jugendlicher über vierzehn Jahre zwischen Mein u n d D e i n unterscheiden. Das könne auch schon ein kleineres Kind. Es handle sich aber weniger um diesen Unterschied, als um die Erkenntnis der sozialen Schädlichkeit des Tuns. Das Urteil der Sächverständigen, daß die Jugendlichen im Gefängnis besser aufgehoben seien als in Fürsorgeerziehungsanstalten, de- deute den Bankrott der Fürsorgeanstalten. Wenn die Hauptintelligenz der Erziehenten sich darin ausdrücke, mit Roheit zu prügeln, dann sei allerdings nicht erstaunlich, daß die Erziehungsanstalten keine günstigeren Resultate ausweisen. In Bayern wurden auch heut« noch Todesurteile vollstreckt. Erst kürzlich wurde ein junger Mensch kurz noch Vollendung des acht- zehnten Jahres hingerichtet. Es habe sich um einen jungen Menschen gehandelt, der von einem Sachverständigen als Psychopath erklärt wurde. Er wurde von einem Arzt zum anderen geschleppt, bis ihn schließlich einer für gesund erklärte und dann wurde das Urteil vollstreckt. Die Annahme der sozialdemo- tratischen Anträge sei ein« Notwendigkeit. Die Weiterberatung wurde auf den nächsten Mittwoch vertagt. Parlament oöer pangalos! �luanznötc und RnhebedürfniS in Griechenland. Die Diktatur in Griechenland konnte es nicht schaffen, weil sie, von Natur unschöpferisch, auf Bajonetten saß, aber der Parlamentarismus vermag es, scheint's, auch nicht zu'schafsen, weil er sich, � durch inneren Zwist gelähmt, aus: Krücken dahinschleppt. Was dir Novemberwahlen. von 192b bei der Zersplitterung des Bolks in politische Gruppen und Grüppchen schlecht gemacht hallen, sollte die Zusammenrafsung der fünf stärksten Parteien zu dem „ökumenischen Kabinett" Z a i m i s wieder gut machen. Aber da sich Monarchisten und Republikaner in dieser Regierung fast gleich stark gegenüberstanden, war sie vyn vornherein mit be- trächtlichcn Hypotheken belastet, wenn sich auch hinter den Losungen: Hie Republik! Hie Monarchie! inehr persönliche als prinzipielle Ge- gensätze bergen. In den acht Monaten, die das„ökumenische Kabinett am Ruder war, brachte das Parlament tatsächlich nicht gerade viel hinter sich: aus den Fleiß des Athener Parlamentarismus läßt es merkwürdige Rückschlüsse zu, wenn unlängst der Führer der Konseroativlibcralen Michalakopulos die gegenwärtige Kam- mer lobte, weil sie gearbeitet habe wie wenige griechische Kammern. Immerhin muhte sie sich etwas eindringlicher mit der Finanz- frage befassen, denn aus diesem Punkt ist vorläufig das ganze Weh und Ach Griechenlands zu kurieren. Die Unterbringung der au» der Angoratürkei verdrängten Volksgenossen, die Belebung des Ackerbaues durch landwirtschaftliche Kredite, die Ankurbelung der Industrie, die Beseitigung der Arbeitslosig- k e i t. die Befriedigung der Festbesoldeten— alles hängt davon ab, daß die befruchtende Welle einer ausländischen Anleihe Über das Land hinspült. In rechter Erkenntnis dessen nahten sich hie Herren Kasandaris, Michalakopulos und Papa- nqstasiu im Juli nicht nur dem Völkerbund mit hingehaltenem Hut, sondern klopften auch in London, Paris und Rom um milde Gaben an. Aber die Gewährung der verlangten neun Miktionen Pfund Sterling knüpften die internationalen Geldgeber an die Be- dingung einer gründlichen Finanzreform. Daher kam das Gesetz über die Gründung einer Emissionsbank, gegen die sämttiche Parteien des„ökumenischen Kabinetts" anfangs nichts ein- zuwenden hatten, aber in einer Nebenfrage, der Golddeckung des neu zu schaffenden Instituts, hakte T s a l d a r i s ein und zog nach einigem Hin und Her mit seiner monarchistischen Volks- parte.!, insgesamt 65 Abgeordnete, aus dem Regierungslager ab. So brach die mit überschwenglichen Hoffnungen begrüßte Konzentra- tionsregierung auseinander, sei es, daß in dem Bankproblem die Interessen zweier Finonzgruppen zusammenprallten, sei es, daß der Führer der Voltsparte! die Zeit für einen politischen Vorstoß für günstig hielt. Aber obwohl das„ökumenische Kabinett" rasch durch eine„große K o a l i t i o n" ersetzt wurde, fühlt Zaimis, der Ministerpräsident geblieben ist, keinen festen Boden mehr unter den Füßen, nicht allein, weil er stall fünf nur mehr vier Parteien, n Füßen, nicht allein, weil er stall fünf nur Fitten Zie.üa« Sieai jedem Pfund Rest gratis eines unserer inttreiianten. Hausbücher iaiuhtkom ff WJ statt 247 nur mehr 182 Abgeordnete hinter sich hat, sondern mehr noch, weil jede innerpolitische Krise dem militärischen Pulschismu» neues Leben einfloßt. Kaum saß die Regierung im Sattel, sah sie sich von einer Verschwörung zugunsten des Exdiktators P a n- g a l o s bedroht. Mitte September sollte der Staatsstreich vor sich gehen und wäre wahrscheinlich gelungen, wenn Nicht iy letzter Stunde die Rechcbustg' zugegriffen' hätte."&6 würde Alle R�ihe von Verhaftungen beschlossen und-zum Teil vollzogen, und es waren nicht die ersten Besten, die auf der Liste standen: die Generale Spiridonös und Tserulis, die Obersten Vuccinas, Janucaco, Tsanetto, der Major Panagopulos, der Kapitän zur See Valasakkis,,„und dann die Herren Leutnants". Auch der Chef der öffent» lichcn Sicherheit Papanicolau und sein Vertreter Major Vagurius wurden Knall und Fall ihres Amtes enthoben, weil sie em- schlössen waren, den Pangalisten beim Einbruch in die Staatsgewalt die Leiter zu hallen. Mag P a n g a l o s noch wie vor in den alten türkischen Kasematten von Jzzedin auf Kreta des Gerichts harren, vor das er immer noch nicht gestellt wird, auch der Gefangene ist dank den Sympathien, die ihm die unruhigen und herrschsüchtigen Geister des Offizierkorps entgegenbringen, ein Stück politischer Macht. Was waren es doch für schöne Tage, als die Säbelrassler all�n oben auf und die„schlappen Zivilisten" an die Wand gedrückt waren! Diesmal ist es zwar mißlungen, diese Tage durch einen Gewallstreich wieder heraufzubeschwören, aber was heute scheiterte, schon morgen kann es glücken. In Griechenland genügen ein paar Panzerwagen und Maschinengewehre, über Nacht die Regierungsmacht in andere Hände zu spielen, da die V o l k s m a s s e. enttäuscht und entmutigt, dem Kamps der Cliquen um die Krippe mit tödlicher Gleichgültigkeit zusieht. Ueber- dies hatten sich die Pangalisten diesmal mit den R o y a l i ft e n unter eine Decke gesteckt, denen sie versprachen, daß der von Kreta im Triumph zurückgeführte Diktator, einst als der„Retter der Republik" gefeiert, dem„rechtmäßigen" König Georg II. auf den Thron verhelfen werde. In Griechenland gibt es niemanden, der nicht wüßte, daß d i e innere R u h e die Loraussetzung für die wirtschaftliche Wiederbelebung des Landes ist; denn die fremden Gelder, die jetzt von England stall vom Völkerbund kommen sollen, scheuen einen Staat, in dem der Umsturz in Permanenz erklärt ist; die Börse liebt bürgerlichen Handel und Wandel, bei dem die Zinsen kleckern und die Profite gedeihen. Die Regierungsparteien warnen denn ohne Unterlaß vor Abenteuern, weil Ruhe dem Land not- tlle. aber auch die monarchistische Opposition heischt eine Volks- abstimmung über die Form des Regimes, um dem Land die Ruhe wiederzugeben, und als Gipfel der Groteske war für den geplanten Septemberputsch eine Proklamation vorbereitet, die das Heer aufforderte, die Regierung zu stürzen,„um die Ruhe im Land wiederherzustellen"! Ruhe. Ruhe— jeder wünscht sie und jeder schafft die Unruhe. Armes Hellas! Hermann Wendel. öefolöungsvorlage im Landtag. Begründung durch den Finanzminister. Der Landtag stimmte in seiner heutigen Sitzung zunächst einem Antrage des Hauptausschusses zu, der Vorschläge für die Be- stellung der L a n dt agsmitglieder in den Aufsichtsrat der zu gründenden staatlichen Elektro- A.-G. enthält. Es folgt die erste Beratung des Besoldungsgesetzes. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff bringt die Vorlage ein. Seine mit leiser Stimme vorgetragenen Ausführungen sind in der anhaltenden Unruhe des Hauses auf den Tribünen nicht verständlich. Soweit aus den Darlegungen zu ent- nehmen ist, erklärt der Minister, daß die bisherige Beamtenbesoldung nicht ausreichend gewesen sei, und daß insbesondere die Ver- schuldung der Beamten gestiegen ist. Di« Staatsregierung habe diesem Zustande durchgreifend abhelfen wollen und deshalb eine Besoldungsreform dem Landtag unterbreitet, die man vom Standpunkt des Staates aus als sehr weitgehend bezeichnen könne. Aber auch nach der Besoldungsneuregelung, die Erhöhungen von teilweise 16 bis 17 Pro.,, bringe, würde einige Beamte relativ noch immer unter den Fciedensgehältern bleiben.� Der Reparationsagent habe anerkannt, daß die Veamtenbesol- dunq in Deutschland zu niedrig sei. Nach der Erhöhung der Bezüge würde ein Ministerialrat 75.8 Proz. des Friedensrealgehalts er- reichen, ein Regierungsrat 82,2 Proz., ein Oberfskretär 81,2 Proz,, Sekretäre 86,2 bis 95,8 Pro,., Amtsgehilfen 99,3 Pro.z. und die Gruppe 12 101,2 Proz. Die Gehaltserhöhung bedeutet für den Staat eine B e l a st u n g v o n 1 9 3 M i l l i o n e n. Die Erhöhung ist bei den einzelnen Gruppen verschieden. Die Gehälter der Mi- nisterialrüte erfahren eine Steigerung um 17,7 Proz., der Regie- rungsräte um 18,7 Pro.;., der Obersekretäre um 21,8 Proz., der Mi- nisterinlamtsgehilfen um 25,4 Proz., der Amt-g-hilfen um 29,6 Proz. und die untere Gruppe 12 erfährt ein- Steigerung um 33.1 Proz. Be! der D e ck u n g s f r a g e muß unterschieden werden zwischen der Deckung für das zweite Halbjahr 1927 und für das Etatsjahr 1928. Für 1927 stehen dem Staate 40 Millionen Mehreinnah- men bei den Steuern zur Verfügung. 10 Millionen werden die Be- triebsvcrwaltungen mehr bringen, Ersparnisse werden vor allem bei der Schutzpolizei gemacht werden. Der größte Teil des durch die Besoldungsordnung veranlaßten Mehraufwandes kann deshalb gedeckt werden. Die Hilfe des Reiches wird vor allem durch Inanspruchnahme der im Reich-etat vorhandenen Ga- r a n t i e s u m m e von 65 Millionen Mark herangezogen werden müssen. Das Jahr 1928 wird freilich erhebliche Mehrausgaben für die Volksschule und die Fürsorgeerziehung bringen. Immerhin ist aber auch mit Mehreinnahmen und Winderausgaben zu rechnen. Preußen wird voraussichtlich 85,5 Millionen Mehrüber- weisunqen vom Reich, 40 Millionen mehr aus Steuern und 23,3 Millionen mehr aus Betriebseinnahmen bekommen. Trotz- vcm wird die Hilfe des Reiches notwendig sein, die ober noch eine offene Frage ist. Preußen hat deshalb im Reichsrat den bayerischen Antrag auf Aenderung des� Finanzaus- gleiches unterstützt, den aber der Reichsfinanzmintster für ein« poli- tische Unmöglichkeit erklärt hat. Aus keinen Fall wird die Be- soldunqserhöhunq eine Sleuererhöhunq bringen. Damit fällt auch der wirtschaftliche Grund für Preissteigernngen. Der Landtag wird vielfache Wünsche in bezug auf Umgestal- tung der Besoldungsordnung haben, die nach Möglichkeit berück« sichtigt werden sollen. Auf keinen Fall aber darf der Gesamt- aufwwand von 193 Millionen Mark überschritten werden. Zulagen an einer Stelle müsien also durch Abstriche an anderen Stellen wieder eingebracht werden. Am Schlüsse seiyer Ausführungen polemisierte der Minister scharf, gegen die ungerechte Bevorzugung Bayern» durch das Reich in bezllg auf MerskeuerentschZdigung und Postabfindung. Es sei nur berechtigt, wenn Preußen gleichgeartet« Ansprüche an- melde, wie die Zahlung des Restkaufgeldes von 4,9 Milliatden aus der Uebertragung der Reichsbahnen und der vom Reich anerkannten Entschädigung für verloren gegon- genes Staatseigentum in Oberschlesien und im Saargebiet. Di« Beziehungen zwischen Reich und Preußen könnten nur auf dem Boden der Gleichberechtigung der Länder gefördert werden.(Beifall.) Abg. Kasper(Komnh): Die neue Besoldungsvorlage vermehrt die Ungerechtigkeiten. Die gemachten Versprechungen sind nicht ge- halten. Die Ministerialbureaukratie wird aus Kosten der kleinen und mittleren Beamten ungeheuer bevorzugt. Nur durch Arbeits- Verweigerung kann die Beamtenschaft eine bester« Besoldung erreichen. Nach einer kurzen Rede des Abg. Dr. Körner(Völk. Freiheits- parte!), der die vorgesehen« Vorauszahlung des Gehalts der Be- amten als altes wohlerworbenes Recht begrüßt und die angeblich« Bevorzugung von höheren Beamten, die aus der mittleren Lauf- bahn gekommen sind, als ungerechtfertigt bezeichnet, schließt die Aus- prach«. Alle übrigen Parteien haben auf das Wort verzichtet. da in der vierwöchigen Pause im Hauptausschuß die Vorlage in allen Einzelheiten durchgearbeitet werden soll. Der Entwurs wird dem Hauptausschuß überwiesen. Nach Erledigung einiger kleinerer Dorlagen oertagt sich das Haus auf Montag, den 14. November, 13 Uhr. Tagesordnung: Zweite Lesung der neuen preußischen Bcsoldungs'- o r d n u n g._ Wetterbericht der öffentlichen wetleedlenstttell« llertlv und Umgegend tNachdr. veib) Wechselnd molkig be! wenig geändcllen Temveraiuren ülnt Tage Regenichauer, frisch« Nordoilwinde.— Für veulschlan»: Im. Osten weitere Abküdlimg, sonst Temperaturen nahezu unverändert: überall Regen- oder Graupelschauer. HM SEE?««-« «> Unserem Genossen eö x Paul Pfeiffer nsfist Frau* die besten QSiatfraOnld)«„s 35 jnt Siiberhochz-N. q; tu Die Genossinnen und Genossen«, SIL der 13. Abt. SPD. Jg7 Ohne Anzahlung callSolirzelle» 5.'.° V.Ä.Ve qm OÜO-l.UO M., monatlich 20.— Adzapl. oectauft Hein. Berlin. Böxowstr. 38 Danksagung Fllr die herzliche Teilnahme bei der Einäscherung meines lieb n Mannes. unseres guten Baiers, Schwirger- und törohoaters Otto Utitlfier sagen wir allen Verwandten, Be- kannten. Freunden sowie den Kollegen der Firma Akt-Ges. für Reklame, den Herren Rednern vom Fabrikarbeiter- Verband. Sekt. Schildermaler und der SPD, 33 Abt, un eren herzl Dank Ww. Gertrud Ltndner G. Liuduer nebst Familie. - aig,. •<>4 oltn y �' Segen~ ßSrFß £*" odCL*»•p-Är'"»Ä«7"-.ch r Ta/ch. der näan, ruh,."ch Noch keine-u.""et."woe< i" vcrUnge man gratis den neuesten Band der Resi-flausbacliereli V 5 r€ Zu jedem Pfund der Tatetaargartae„Frische Resl" verlange man gratis den neuesten Band der Resl-Bausbacherci: Vertreter der V.Ä.W. Nürnberg; Rcsl-Ageatar, Berlin NO«, Neue Könlgstr. 37, Tel.: Königstadl 1865. 1866, 1867 SonnabenS 15. Oktober 1927 Unterhaltung unö �Vissen Seilage ües vorwärts Erlösung. ,, von Ctuno Eastellc. Diese Skizze, geschrieben vor li> Jahren, fand sich unter den Papiere» eines Artillerieleutnants, der kurz vor dem Wafsenstill- stand in Frankreich von einer Fliegerbombe zerrissen wurde. Man sagt, Rumänien sei ein schönes Land. Aber es ist damit dasselbe wie mit den Häusern, den schmucken weißen Häusern, die in der Ferne fröhlich und heiter in der Sonne blinken. Kommst du aber näher, so siehst du, daß es schmutzige Lehmhütten sind, wo die Farbe zum Teil abbröckelt, und das mit Maisstroh gedeckte Dach undicht ist und der Witterung nicht mehr standhält. Und wie sieht es drinnen aus! Ein paar klein« Swben mit einer großen baufälligen Pritsche, aus der die ganz« Familie schläft, und die Küche mit ausgerissenem Steinboden, mit der Feuerstelle, wo der eiserne Kessel hängt; ein paar kleine niedrige Sitze sind da und dann wieder— Schmutz und Dreck. Es ist dasselbe mit den Bauern, die du von weitem in die Kirche gehen siehst. Wie glänzt ihre blumenbestickt« Weste und wie rein und sauber erscheint das Schaffell, das sie auf den Schultern tragen! Aber komm ihnen nicht zu nahe, dann siehst du, wie ärmlich alles zusammengestückt ist und wie ihr Schuhwerk kaum mehr dem steinigen Boden wider- steht. Oder sieh, wie die Weiber mit den Kindern und dem Pelz- werk halb sitzen und halb liegen und das Ungezieser absuchen, ab- wechselnd einmal aus den Haaren des Kindes, dos wie besesien schreit, und dann aus dem Schaffell. Wenn man nur flüchtig in das Land hineinblickt, ja, dann ist es schön! Viel bester ist es hier als in der Heimat mit dem kümmer, lichen, sandigen Kartosfelboden und den verkrüppelten Fsthten. Hier gibt es Weizen, der meterhoch steht, hier gibt es auch Felder von gelbem Mais, soweit das Auge sehen kann, und grüne Wiesen mit großen Viehherden. Das sieht man, wenn man nur einen schnellen Blick um sich wirst und dann wieder auf die jammervolle Land- strahe blickt, vorwärts, vorwärts, als ob sich das Ziel herbei- zaubern läßt. Aber die schwarzen Flecke, die auf den Wiesen sind, und da, wo der Weizen zerstampft ist und die groben Maisstengel umgeknickt sind? Das ist wohl frische Erde, die man herausgeschaufelt hat, oder ist es Mist, den der Bauer herfuhr? Glaube das, beruhig« dich damit, sieh nicht weiter hin! Steig« nicht ab von deinem Pferd! Vorwärts! Aber vorn auf der Chaussee sind ja auch die Flecke! Und sie sind ja gar nicht schmalz, wie wir näherkommen. Sie sind blau und grau, und braun ist dqzwischen. Das Braune, das sind die Gesichter und die Hände der gefallenen Feinde, und dos Blaue und Graue, das ist ihre Uniform. Ja, nun muß man aufblicken, wenn man es bisher nicht getan hat, und nun sieht man das Elend. Run sieht man, daß Rumänien häßlich ist, häßlich schwarz wie die Nacht ohne Sterne. Da liegen sie, einzeln und paarweis«, zu Dutzenden und in Rudeln, wie tolle Hund«, die man abgeschossen hat. Ganz still liegen sie, sie bewegen sich nicht. Aber es sieht so aus, als wenn sie keinen Frieden hätten. Die Augen sind aufgerissen, und das Gesicht ist erstarrt in surchtbarem Schreck. Und ab und zu, da ragt eine Hand aus dem Haufen heraus, die ist geballt, und wieder eine, die scheint zu schwören, und eine dritte, die scheint zu beten. Aber noch schlimmer ist es, wenn eine Hand abseits liegt, drei, vier Meter von einem Verstümmelten. Di« schwört nicht, die betet nicht, die zeigt nur das Verderben, in das wir alle hineingehen. Weiter zieht die Kolonne. Ernste Gesichter, voller Anklage gegen den Führer. Der möchte sich umdrehen und halten lasten und beten für die taten Menschen und weinen. Aber er ist hier kein Mensch, er ist Soldat. Und er haut auf seinen Rappen ein. Im Trab geht es weiter. Da muß man aufpassen. Hier ein Graben, dort ein Granatloch, etwas weiter«in Toter, nun eine stehen- gelassene Kanone, auch«in zerschossener Wagen, wieber grundlos tiefe Löcher, viele Blindgänger. Da oergißt man an andere Sachen zu denken als an den Weg und an das Ziel, und man wird auch gar nicht erbittert, man wird nur müde. So fährt man eine halbe Stunde. Dann wieder im Schritt. Jetzt sind die Flecke verschwunden, die häßlichen Flecke. Jetzt ist alles dunkel. In das Dunkel hinein poltert die Ko'onne. Jetzt kommt ein Dorf. Aber es ist nicht das Ziel. Der Führer. der seine Leute ansieht, schaut in Gesichter, in denen Hoffnung auf- blitzt. Er möchte ihnen so gern eine Freude machen und sie aus- ruhen lasten, aber er darf es nicht. Und er befiehlt, heiser, rauh, gebieterisch, ohne jedes Erbarmen klingt es:„Weiter!" Der Bursche des Führers reitet auf ein Gehö't zu, abseits vom Dorfe. Ein Lichtstrahl dringt von dort auf den Weg. Seit langer Zeit hat er nichts gegessen. Er reitet zu dem Gebäude, bindet sein Pferd an einen Pflock und geht in das Haus hinein. Was macht er da drinnen? Di« Kolonne fährt weiter, hinein in das Dunkel, vor- wärts zum Ziel. Der Führer wird unruhig. Er hat es wohl ge- merkt, wie sich sein Bursche entfernte. Aber er hat es nicht sehen wollen. Cr zittert, daß ihm etwas passiert sein könnte. Aber er darf ja nickt zittern: Weiter! Schweißbedeckt und schäumend saust ein einzelnes Pferd durch die Nacht der Kolonne nach. Der es reitet, der Bursche, lächelt, als wenn er eine Vision gehabt hat. Er sieht nicht auf den Weg, er fürchtet nicht die noch herumstreifenden Nachzügler des Feindes. Aber das Pferd wittert Gefahr. Es findet den Weg allein. Der Bursche ist wieder bei seinem Herrn. Der schweigt. Lange. Als wenn er nichts zu sagen wüßte. Aber der Bursche wartet auf eine Frage. Er kennt ihn, seinen Herrn, er kennt ihn als Menschen. Und dann ist der Bursche auch gar nicht mehr so froh wie er war, als er der Kolonne nachritt. Er zittert. Schweiß tritt-ms sein« Stirn, er atmet schwer. Da wendet der Führer den Kopf:„Nun?" Hastig erzählt der Bursche. Ueberstürzend, plump. Aber der Hxrr versteht ihn. Ja. er hat sich entfernt. Man wird doch hungrig. Und von den anderen ha» es schon keiner gemerkt. Nur ein Stückchen Mai?- brot sür ihn, den Herrn. Aber— Der rumänische Bauer in der Hütte macht ein geheimnisvolles Zeichen. Er deutet aus das Zimmer neben der Küche. Der Bursche geht hinein. Im Zimmer ist es dunkel. Man sieht nichts. Aber man hört. Hört, wie es stöhnt und wimmert und jammert und klagt. Der Bauer kommt mit einer Kerze: Auf dem Bett, aus einem Soldatenmantel liegt ein Soldat. Ein Deutscher. Zerfallen ist das Gesicht, und die Augen blicken starr. Ober sie verdrehen sich im Schmerz. Neben dem Bett liegen bunte Lappen, die der Bauer mitleidsvoll gebracht hat. Der Todkranke kann sich nicht bedecken. Sein Rock ist aufgeknöpft, von seiner Hose sind nur noch Fetzen da. Mit den Händen hält er seinen Leib. Als ob er ihn zusammenpressen wollte. Durch seine Finger quillt Blut. Blut sickert aus den Rock, auf das Bett, auf den Boden. Und doch preßt er feine Hände härter und härter auf die Wunde, auf das große Loch, den klaffenden Spalt, den das Geschoß gerissen hat. Eingeweide quellen aus der Wunde. Grausig, entsetzlich. Und dazu Stöhnen und Jammern. Der Verwundete hat den Burschen bemerkt. Er will sprechen. Aber er kann es nicht. Ein einziger, flehender Blick. Der Bursche versteht diesen Blick. Er sieht, daß er nur so helfen kann: Seinen Revolver setzt er an die Schläfe des Leidenden, wendet sich, drückt ab. Und slieht entsetzt aus dem Gemach. Aber er kehrt noch ein- mal zurück und leuchtet mit der Kerze in das Gesicht des Toten und sieht, was darin steht: Erlösung und Ruhe und Frieden. Leise redet der Bursche. Stumm hört es der Führer. UnHeim- liche Stille vorn, hinten das Poltern der Wagen. Unheimlich wird's dem Burschen.„Tat ich unrecht?" Schweigen. Der Führer ist in Aweite Instanz. v. S e u d e l l: Da haben wir de« Salat! Marx: Den TresSow-Prozeh— da gehen wir an die zweite Instanz. v.& en d e l l: Aber nein, der Relchsrat hat die Schul- vorläge abgelehnt. Marx: Da gehen wir auch an die zweite Instanz. ..... sich zusammengesunken.„Tat ich unrecht?" Der Bursche spricht es hastig, aufgeregt. Sein Herr muß ihn verstehen. Cr muß es hören, daß seine Tat gut war. von ihm, dem Führer.„Tat ich unrecht?" Das war verzweifelt und beinahe heulend herausgeschrien. Der Führer blickt seinen Burschen lang« an; in diesem Blick liegt ein Urleil.„Nein," sagt er. Trotzdem er weih, daß es nicht recht war. Was soll man aber hier tun? Die Aerzte sind weit, die Feinde sind nah. Und immer noch besser durch Freundeshand... „Nein," sagt er nochmals, fest, bewußt. Er weih genau, der Führer, daß es nicht recht war. Aber er sagt:„Nein". Weswegen? Er kennt das Leiden, das harte Leiden, die Kämpfe der Seele, die ebenso schwer sind«wie die des Körpers, oder schlimmer. Er kennt die verzehrende Sehnsucht nach Erlösung, nach einem anderen, schmerzensreien Leben. Und er denkt im stillen: „Warum lag i ch nicht da?" Ein zweites Dorf. Dar Ziel. Fluchen, Befehle. Haß auf allen Gesichtern, die ihn anblicken.„Warum lag i ch nicht da?" Das Erdbeben in der Krim. Eindrücke eines Augenzeugen. Am Tage vor dem Erdbeben, am 12. September, bemerkten die Badenden am Strande von Ialta eine sehr ungewohnte Erscheinung: der dortige Strand besteht nämlich aus ziemlich großen Steinen, zwischen denen man nur schwer auch nur ein Sandtörnchen finden kann. An diesem Tage aber war der Strand ganz von seinem Sand bedeckt, der durch die nächtliche Brandung angespült worden war. Einige der Badenden entwickelten eine„Theorie" der Herkunst dieses Sandes. Ihrer Meinung nach hatten in den Meeres- tiefen Verschiebungen der Bergmasscn stattgefunden, wodurch neue Sandschichten bloßgelegt worden waren, die dann ans Ufer geworfen wurden. Diese hausbackenen Theoretiker behaupteten darum, daß als Folge dieser Verschiebungen ein Zunehmen der Erdrutsche und «in allmähliches Abrollen der Crdküste ins Meer eintreten würde. Andere wieder behaupteten, daß die Verlagerungen auf dem Meeres- grund in den Hohlräumen, die sich unter dem Bergrücken der Küste befinden, Einstürze hervorrufen würden, was unfehlbar zur Zer- ftörung der Südküste führen würde. Von der Möglichkeit einer Erschütterung des Erdbodens aber, von einem Erdbeben sprach man nur mit größter Vorsicht, als fürchtete man sich, die Natur heraus- zufordern. Der 12. September war ein warmer und sonniger Tag. Die Brandung war schwach Gegend Abend rückte von Nordosten«in Gewitter heran. Es setzte ein heftiger Regen«in, der von grellen Blitzen durchzuck» war Etwa gegen y> Uhr hörte der Regen aus. Die Lust war kühl und feucht geworden. Die Kurgäste verstreuten sich in die Häuser. Der laute Strand wurde leer. Kurz nach Mitternacht ertönte aus der Richtung des Meeres ein dumpfes Rollen Gleichzeitig erklirrten die Fensterscheiben. Das alles erinnerte an das dröhnende Geräusch, wie es von einem schwer- beladenen. durch die Straßen fahrenden Lastauto hervorgerufen wird. Ein Krachen und Dröhnen brach nun über die Häuser herein, drang durch die geöffneten Fenster und vermischte sich mit dem Poltern der umfallenden Möbel, der von den Wänden fallenden Bilder, dem Klirren zerbrechender Scheiben und dem Krachen des abbröckelnden Verputzes. Ein Erdbeben! Von unaufhaltsamer Panik getrieben, stürzten aus den Zimmern des 5?atels halbentkleidete Menschen, rannten ein- ander über den Hausen und rasten die Treppen zum Ausgang hin- unter. Das Hotel, das noch vor einigen Sekunden so still und friedlich war, hatte sich in eine Hölle verwandelt. Eine Sekunde nach dem ersten Stoß erfolgte ein zweiter, der 32 Sekunden dauerte. Die Wucht dieser Erschütterung war so groß, daß selbst Erwachsene, die durch das oberste Stockwerk liefen, wie Spielbälle von Wand zu Wand geschleudert wurden. Der daraus- folgende dritte Stoß war bedeutend schwächer. Die Straßen. Boulevards und Plätze füllten sich schnell mit halbentkleideten Menschen, die sich in einem fast unzurechnungs- fähigen Zustand befanden In der Panik hatten sie ganz unnötige Dinge mitgenommen. Vor dem Hotel stand auf der Straße«ine junge Frau, die ganz nackt war. Neben ihr ein älterer Herr, der ebenfalls fast nichts anhatte, doch die neuesten Zeitungen unter dem Arm« hielt. In der Menge befanden sich nicht wenige hysterische Schreier. Jene, die zum Meere eilten, um sich vor den Steinen, zu retten, die von den Häusern herabfielen,„warnten" diese Schreier, indem sie versicherten, daß das Meer au� den Ufern treten und die ganze Küste jortschwemmezi werde. Andere wieder warnten vor der Nähe der Berge, die jeden Augenblick auf sie herabstürzen könnten. So rannten die durch Nervenerschütterung erschöpften Menschen hilflos hin und her. Die große Geschwindigkeit, mit der die Ortsbehörden den Sicher- heits- und Rettungsdienst organisierten, begann die Menge allmählich etwas zu beruhigen. Binnen zehn Minuten wurden vor dem Ge- bäude der GPU. die Krim-Omnibuste, die Miliz und die Feuerwehr zusammengezogen, wodurch auch in den Massen die Selbstdisziplin geweckt wurde. Die Panik ließ schnell nach. Zwei Uhr nachts. Ein neues Krachen,«in neues Dröhnen aus der Rjchtunq des Meeres. Wieder das Klirren zerbrechender Fenster- scheiden, fallend« Stein«, einstürzend« Mauern. Die Zerstörungs- tättgkeit des Erdbebens dauert fort: im Hafen ist das Gebäude der Seeagentur und das Zollamt zerstört. Hie Mole ist geborsten und hat sich gesenkt. In der Altstadt sind ganze Häuser eingestürzt. Autos rasen durch die Straßen, transportieren Verletzte und Tote. Die Panik, die schon wieder zu beginnen droht«, läßt nadh. Aber die Erde beruhigt sich nicht. Sie bebt. Alle erwarten m nervöser Anspannung den nächsten Stoß. Es begfrint Tag zu werden. Das Bild der Zerstörung wird dadurch noch drückender. Fünf Uhr morgens. Ein neuer Stoß. Häuser, die schon vorher Äiss« bekommen hatten öder ins Wanken geraten waren, stürzen endgültig ein. Es ist kein Ende dieses Unglücks abzusehen. UnZer den Trümmern der Häuser lagen viele Tote begraben. Vor Entsetzen von Sinnen geraten, sprangen viele aus dem zweiten oder dritten Stock, um bestenfalls mit schweren Verletzungen davonzukommen.' Jedermann ist nur von dem einen Gedanken besessen— nur fort, fortfahren! Vor der Kaste der Sowjet-Handelsllotte stehen um sechs Uhr morgens die Menschen in endlos langer Reihe an. Von Mund zu Mund geht die freudige Nachricht:„Um 11 Uhr kommt der Lliitsch'l" Das ist der größte Dampfer des Schwarzen Meeres. Die Angestellten der Seeagentur suchen auf die Wartenden be< ruhigend einzureden Der.Lljitsch" werde ISOO Personen mitnehmen. Außerdem werde die„Feodofia" einlaufen, nach Rostow fahren und 300 Personen mitnehmen. Gegen Mittag würden noch zwei weitere Dampfer erwartet. Die grelle warm« Sonne stimmt die Fliehenden wiederum optimistisch. Viele beginnen unschlüssig zu werden. Aber die ÜN- unterbrochenen Erdstöße, das Zittern des Bodens erinnert sie an hie furchtbar«, grausame Wirklichkeit. ": Da ist'ja auch schon der.„Jlsitsch"., Im Hafen herrscht, eine' regelrechte babylonische Sprachenverwirrung.-.i-Won ollen,"Enden Jaltas und aus den anliegenden Kurorten Gursuf, Livadia, Mißchora. Dülber, Charakso, Alupka treffen auf Wagen und in Booten immer neue Leute ein, die mitfahren wollen. Die an der Küste entlangführende Straße Nach Sebastopol ist zerstört. Private Automobilgesellschäiten fordern sür die Fahrt nach Simferopol(etwa 50 Kilometer landeinwärts) tOO Rubel für den Platz, und sie werde» gezahlt, um nur möglichst schnell fortzukommen. Auf der Fahrt von Ialta nach Sebastopol sieht man vom Meer au» durch den Feldstecher eingestürzte Häuser und die zerstörten weltberühmten Schlösser Um S Uhr nachmittags beobachteten die Passagier« des„Jlsitsch", wie von zwei neuen Stößen in der Gegend von Baydar und des Berges Aija grandiose Felsblöcke sich losrissen und mit rasercher Geschwindigkeit ins Meer rollten. Diese zwei Erdstöße sind der Südküste teuer zu stehen gekommen. Auch hier aus dem Dampfer befinden sich nicht wenige hysterische Schreier, die unsinnige Gerüchte unter den Mitfahrenden verbreiten. Das Publikum wird nervös. Die meisten haben keine Fahrkarte Und jeder denkt darüber nach, wie er wohl von Sebastopol aus nach dem Norden Rußlands gelangen könne. Eine maßlose Angst be- herrscht die Passagiere, daß sie in Sebastopol oielletcht noch eine solche Nacht wie jene in Ialta erleben kannten... »' S p c c t a t o r. Weltrekord einer stillenden wulter. Ueber die Fähigkeiten der Frauen, ihre Kinder zu stillen, herrschen im allgemeinen unklare Vorstellungen. Es wird darum interessieren, einige wissenschaftliche Feststellungen kennenzulernen, die sogar einen Weltrekord verbuchen konnten. Im allgemeinen lassen sich naturgemäß feste Normen über die Stillsähigkeit dir Mütter nicht ausstellen, da diese von der ge- sundheitlichen und körperlichen Beschaffenheit der Mütter ebenso ob- hängig ist. wie von ihrer Ernährung. Es sind darum in vielen Ländern Maßnahmen getroffen- worden, um armen Müttern durch kräftige Speisung die Möglichkeit zu geben, ihre Säuglinge selbst zu nähren, da bekanntlich die Säuglingssterblichkeit sehr stark davon abhängig ist, ob die Säuglinge Brustkinder oder Flaschenkinder sind. Die Natur hat in den meisten Fällen dafür gesorgt, daß junge Mütter soviel Milch haben, wie der Säugling am Tag« braucht. Es kommen aher auch Fälle vor, in denen die Mütter Imstande sind, mehrere Säuglinge am Taae zu nähren. Nach dem„Archiv sür Kinderheilkunde" hat den Weltrekord«ine 23jährige deutsche Mutter inne, die am Tage nicht weniger als S8SV Gramm Milch halte und imstande war, an jedem Tage bis zu fünf Kinder zu stillen. Den Höchstweri der Stillsähigkeit hatte sie aw 62. Tage erlangt, und sie war imstande,?2 Wochen mehrere Kinder Zu er- nähren. Im Zusammenhang damit werden Erfahrungen inter- essieren, die in Dublim gemacht worden sind. Hier wurde von einem Verein der Kinderfreunde in der Nähe der Fabriken«in„Gasthaus für stillende Mülter" gegründet. In diesem Gasthaus erhalten Ar- beiterinnen, die ihre Kinder selbst nähren, unentgeltlich warmes Mittagbrot. Es wurde festgestellt, daß die Ernährungsmöglichkeit durch dies« kräftige Milch- und Flcischnahrung um 4t> Proz. bei den meisten Frauen gesteigert wurde. Frauen, die bis dahin nur einmal des Tones imstande waren, ihr Kind zu nähren, konnten nunmehr ihren Verpflichtungen vollauf nachkommen, da die Milchmenge durch die gute Nahrung fast verdoppelt war. llnterhallungslcklüre in U. S. A- weniger gefragt. Es ist eine sehr bezeichnende Erscheinung» daß in den Vereinigten Staaten, die Nachfrage nach Unterhaltungslektüre in ständiger Abnahme begriffen ist. Dies wurde jetzt auf der Internationalen Buchhändlertagung in Cambridge von verschiedenen Seiten festgestellt. Dagegen ist' die Nachtrage nach Reisebeschrcibungen und Biographien gestiegen. Sogar weltwirtschaftliche Bücher werden viel mehr als früher ge- kaust. Den größten Bedarf an- Unterholtungslektüre. Romanen, Novellen hat. England, an zweiter Stelle steht dann dicht dahinter Frankreich. | Sonnab., 15,10.27 Staats-Oper | Am Pl.d.Republ. Anf.8 Uhr ;taall. Sdiauspieln. Aa üendirmEnmarkl 7 Uhr Die Wupper Sonnab., 15.10. 27 Städtische Oper Bismarckstr. U.-Tin. III toU'/» Jenny spielt au! Staat!. Sdiillertti. Chariottenburp > Uhr FOn! m äsi WW DeotsdiesMer Mordffn 10334—17 s Uhr. Ende 11 Uhr IroilDtD.[re»iiia Volks büh ne ldaatai an Bllowplali DleRstae, 18. Okt., abends 7 Uhr Zum t Male: Dorothea üngerisanD v.Qerh. Hauptmann Max Reinhardt Kararaerspiele Norden 10334—37 ■',U. Ende 10'/, U Ihr Hann LUtnitl m Pia! Cuallr Die Komödie Bismarck 2414/7516 "l4 Uhr. Ende 10>, Zinsen Komödie von Bernard Shaw 8 Uhr Kabale u. Liebe TP. an Sdiifdiaganliniii 8 Uhr Geow Dasili. Da/u Der gemOilldie Kommissar 8«Koiiilsdie Oper 8�1 Die Welt applaudiert... I indem gewalligen neuartigen! Revue>StUck I Alles Nackt!| (Nach der gleichnamigen Pariser Revue„Tout nue) 200 Mitw rkendel Original-Pariser, Kostüme und Tricks Parkett 3,50 Mk. 1 Theaterkasse ununterbr, geölfn 1 Renaissance-Theahe Steinplatz 901.— 7", Uhr: Premiere Giovanni nnd Annabella iSchade, das sie eine Hure). Nollendorl 7360 Die Oktober- Varict�-Revae Sonnabends u. 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Tagesordnung: Punkt I: Geschäilsdericht. „ z Neuwahl de» Auffichtaeata. , 3: Sanungsänderung, . 4; Anträge. DaS Mitglledsdnch legitimiert. See Vorstand: Roack.«undlach. Krautzvaul. m Zoo '«lin. JuSimthela Sink Noll. 1578 Dar Starnenhimmaiaut ar Relta von Berlin nach dam Aequatcr Vorführungen t'/fc 6, 9 Uhr. Eintritt I M. HidB tri. Ib lihrei 0.5611 icronderi »liksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In der ü es a m t auflege de» „Vorwirts- und trorzdem n biiug n §■100 OaittnnPS-.RaliäU- B.Reklanemtrkei) tegen Nacbanmunr geaetzl esch ertigtseit45 Jahr. als Spezialität Conrad HQllcr eeipzig- Schkeuditz Frischejunge.zzrte Gänse 1.20 8-12 Pfund schwer. Werner. Berlin bO Mariannenstrafie34 Hagunzaer«äml Resideaz-Theater Täglich 8", Uhr gerlelbMeriiH Fridericniiei Sonnab. u.Stg.4 Uhr Mmeewelßch-n nnd Roaenrol Kleine Eintrittspr. Lustspielhaus Pi, Uhr .rilinfoinantik" Verkäufe DSrlopp-Rahmafchinrn gegen 3. Mark. Wochenraien. Wlosik. 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