lte.4� ♦ 44. Jahrgang Ausgabe H Nr. 244 Bezugspreis: SBBfienlliiS 70 Pfemiia, msttoilidj 8,- Zieich-mir? ootous»ahlbar Unter Streifband im Sit. und Busland 5.50 Reichsmark pro Monat. ®»r.Vorwärts' mit der illultrier- ten Sonntagsbeilage.Volk und fleif sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen'..Aus der ssiimwell'. „Frauenstimme'.»Der Kinder. freund".»Iugenh-Dorwärts'..Blick in die Bücherwelt' und.Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich»wei. Mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Bdresse: .Sozialdemokrat Berlin' Sonntagsansgabe _______..„ � RM Devlinev Volksvlatt Groß-Berli« l 6 Pfg. Auswärts SO Pfg. mit„Boll und Zeit" Anzeigenpreise: Die« i n f p a l t t a« Nonpareille. »eile 80 Pfennig. Reklamezeile 5/- Reichsmark..Kleine An, eigen' das» fettgedruckte Wort 25 Pkennia f,uISfstg ,wei feitqedruckie WorieX iedes weitere Wort 12 Pfennig. Siellenaefuche das erste Wori 15 Pfennig. Iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- staben»üblen für iwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 00 Pfennig. ssomilienanieigen für Abonnenten Seile 10 Pfennig. An,eigenannabme im Hauptgeschält. Lindenstraste 3, wochentäglich von 8'/. bis 17 Uhr. Zcntralorgan der Sozialdemohratifd�en partei Deutfchlands Reüaktion und Verlag: Serlin EW. HS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Morgen Streik in Mittelöeutsihlanö. Die Regierung versagt. Die Brauntohlsnbesitzer lassen es sich etwas kosten, um die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu sttmtnen. Mit Hochdruck wird die ihnen unterwürfige oder zugängliche Presse entweder direkt oder durch Korrespondenzen bearbeitet. Sie veröffentlichen ganzseitige Inserate, in denen sie die gewagtesten Behauptungen drucken lassen, ober nicht wagen, die Hunger- löhne der Braunkohlenorbeitcr und die v e r- steckten und offenen R i e s e n g e w i n n e der Hechen- k> e s i tz e r mitzuteilen. Sic erzählen wohl, wie oft fest der Schichtzeiten verkürzt, die Löhne erhöht wurden, sie wage» aber nicht, zu schreiben, wie lange auch heute noch der Broun- kohlenarbeitcr schuften muß. wie elend auch heute noch sein Lohn ist. Für ein« schwere und schmutzige Arbeit, deren Dauer min- destens neu« Stunden beträgt, bekommt der erwachsene Broun- kohlennrbeiter«inen Lohn van 5,50 M. Dabei muß man berück- sichtigen, daß es sich um Industriegebiete handelt, wo die Lebens- Verhältnisse nichts weniger als billig sind. Wenn die Zechenbcsitzer reden und ihre Angestellten schreiben lassen, so schweigt die Reichsregierung tun so gründlicher. Sie verhält sich nicht nur schweigjai», safchern auch untätig. Dabei muß man bedenken, daß der Widerstand der Unternehmer nicht nur die Braunkohlenarbeiter und ihr« Fa- Milien trifft, sondern daß vaii dem Kampf m Mitteldeutschland lebenswichtige wirtschaftliche Interessen direkt. in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieser- Kamps wird sich un- rr-sttelbar in allen Städten Mitteldeutschlands vnd in Berlin fühlbar machen. Trotz ihrer Riesengcwinne, die nicht mehr zu verbergen sind, wollen die Zechenbesitzer die Not der ausgebeuteten Bergarbester benutzen, um einen neuen Raubzug auf die Taschen der Konsumenten auszusühre», der, wie sie behaupten, jeden Haushall„nur" mit 3,50 M. jährlich belasten würde. Die Unverschämthest der Zechenbesitzer, dik: es für sich gewissermaßen als ein gottgewolltes Recht in Anspruch nehmen, nicht nur die Berg- arbcller, sondern auch die Konsumenten ousziibeuten, ist wirklich grotesk. was ober iul die Regierung? Selbst ein so regierungstreues Organ, wie der„Deutsche", das Organ des Herrn Stegerwald. sieht sich veranlaßt, folgendes zu schreiben: „Wir wünschten den Frieden: doch der Kampswille der Unternehmer vertrieb ihn. Und so haben sie nun einen Kampf zu verantworten, der unserem gesamten Wirffchoftsleben schwerste Schäden zufügen wird. Ob die Regierung ihrerseits olles getan hat, um den Kampf zu verhindern, soll in diesem Augen- blick nicht untersucht werde». Sicher ist aber, daß dos Reichs- >v i r t s ch a f t s m i n i sie r i u m es an der notwendigen Klarheit fehlen ließ. Warum sich dieses in einer Situation, wo größte Klar- heit notwendig ist, in Stillschweigen hülll, ist schwer zu verstehen. Ist vielleicht die Vermutung der Bergleute zutreffend, wonach das Reichswirtschaftsministerjum genau wüßte, daß die Unternehmer eine Lohnerhöhung ohne kohlenpreis. crhöhung tragen könnten, ohne es anderen zusagen?" Warum aber diese Schweigsamkeit und diese Untätigkeit der Reichsregierung angesichts des Unheils, das heraufzieht und vor das die Bergarbellerorganisationen laut und lange genug gewarnt haben? Offenbar glaubt man in der Reichsregierung den Behauptungen der Braunkohlenbesitzer, die auch heute noch davon reden, dckss nur eine Minderheit der Belegschaften die Kündigung eingereicht habe. Danach bestünde also gar keine ernsthafte Gefahr eines großen Wirt- schaftskampfes in Mitteldeutschland. Warum aber dann der Lärm der Zechenbesitzer? Warum er- klären sie selbst in ihrem Ricseninserat im„Berliner Tageblatt", daß in den nächsten Tagen sich eine Störung des Arbcitssriedens vollziehen würde, die die gesamte Wirtschafi schädigen müsse. Die Zechenbesitzer wisien nämlich ganz genau, daß die Kündi- Mngssristen In Mitteldeutschland sehr verschieden sind, daß es oierzeHntägige, achttägige und eintägige Kündigungsfrist«, gibt und Zechen wiederum, wo überhaupt keine Kündigungsfrist bestehr. Und da die Arbeitsniederlegung selbstverständlich einheitlich sich vollziehen muß, wird auch die Kündigung der Bergarbeiter so eingerichtet, daß die Arbellsmcderlegung einheitlich am Montag überall beginnen kann. Der Reichswirtschaftsminifter hat mit vollem Recht, eine Crhöhung der Preise abgelehnt. Seine Pflicht wäre es ober, in aller Oeffentlichkeil die Gründe der Ablehnung klar- zulegen. Das Rcichswirtschasssniinjsterium muß wissen, wie es mit den skandalösen Gewinnen der Braunkohlenbesitzer in Wirklichkeit sieht. Und was tut der Reichswirtschaftsminister, um die von den Bergarbeitern nachgewiesenen ungeheuren Gewinne des Zwischenhandels, der zum guten Teil auch wieder den Zechenbesitzcrn zuflieht, endlich auf«in normales Maß herabzudrücken? Wir stellen fest, daß die Reichsregicrnug auf der ganzen Linie versagt hckt. Den Braunkohlenarbeitern bleibt nichts anderes übrig, als zum letzten Mittel der Selbfterhaliung zu greifen. Sozialistische Zollkonferenz in Paris. Stellungnahme zum deutsch-franzöfischcn Handels- vertrag und sonstigen Zollsragcn. Paris, 13. Oktober.(Eigenbericht.) Am Schluß der heute abgehaltenen Sozialist ischen Bier- länder-K oufercnz über Z o l l f r a g e n wurde nachstehende offizielle Mitteilung herausgegeben: „Die Vertreter der sozialistischen Parteien Belgiens, Deutschlands, �Frankreichs und der Schweiz sind am Sitz der Sozialistischen Partei Frankreichs zusammengetreten, um über dos Problem, das durch die vorgeschlagenen Aenderungen im französischen Zolltarif aufgeworfen worden ist, sowie über die tariflichen Folgen des deutsch-iranzösischen Handelsvertroges zu beraten. Die einzelnen Parteien warien wie folgt vertreten: Belgien durch de Brouckere und Serruy; Deutschland durch H i l f e r d i n g und Robert Schmidt: Frankreich durch Leon Blum, Vincent Auriol, Couteaux, Cayrel. Grumbach uiü» Walter: �io Schweiz durch H u g l e r. Genosse Friedrich Adler wohnte als Sekretär der sozialistischen Arbeiterinternationale der Konserenz bei. Aus dem Meinungsaustausch über die Zollprobleme ergab sich, daß jede Sektion der Internationale bestrebt sein muß, eine Herab- setzung der protektionist ischen Zollsätze zu er- reichen. Die Konferenz begrüßte einmütig die Wiederaufnahme normaler wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, von denen sie die beste» wirtschaftlichen und politischen Folgen erhofft. Sie ist indessen der Ansicht, daß, wenn es auch unerläßlich ist, die Grundlagen dieses Handelsabkommens zu befestigen und auszubauen, es andererseits nicht die Rest Wirkung haben darf. Ichußzöllnerischc Tendenzen in anderen Ländern auszulösen. Die Konferenz hat ferner weitere internationale Prablenw besprochen und«mpflehll die Abhaltung neuer Kons«, renzen mit dem Ziele des gegenseitigen Austausches von Infor- wationen über gswisi« politische, finanzielle und w i r t- s ch o f t l i ch e Fragen." Solüatenwahlen in(defterreich. Tozialdemokratischc Verluste. Me». lS. Okiober.(Eigenbericht.) Bei den heuiigen Bertrauensmönnerwahken der Wehrmacht erhielt der der Sozialdemokratie nahestehende Wehrverband diesmal nur 120 Mandate gegen 202 im Vorjahr, mährend die christlich- soziale Mandatszahl um 54 auf 132, die deutschnationale von zwei auf sieben stieg. Der Erfolg der Gegner ist nur zum Teil auf einen Rückgang der sozialistischen Stimmen zurückzuführen. Diese blieben mit 9200(gegen 11000 im Vorjahr) die Drei fünftel- Mehrheit aller abgegebenen Stimmen. Die Gelben(Christlich sozialen) brachten es auf 6300, die Deutschnalionalen auf 600 Siim- men. Das Mißverhältnis zwischen Stimmen-.und Mondatszahl er- klärt sich daraus, daß jede Kompagnie ohne Rücksicht auf ihre Stärke(20 bis 100 Mann) je zwei Vertrauensmänner wählt. So gelang es, eine christlichsoziale„Mehrheit" zusammenzuschieben. Neuer Morü in Litauen. Hinrichtung eines(?inundzwanzigj«chrigen. kowno, 14. Oktober. In Mariampot wurde auf feldgcrichtliches Urteil der erst ein- undzwanzigjährige Sozialdemokrat Machelka e r s ch a s s e n. Er mar beschuldigt worden, an einer Verschwörung zum Sturz- der Regierung beteiligt gewesen zu sein. » Das Bezirksgericht in Dnjeprpetrowsk(Sowjetukraine) ver- urteilte einen gewissen 6 o j" o k i n, der während der Regierung des Hetmons Skoropabskt Strafexpedlliooe» geleitet hatte, zu« Tech«. Da« Urteil munde vollstreckt. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS, Lindenftr.Z Voftledecktente: Berlin 37 53«— BanNen«»: Bant der Arbeiter, Angestellte,, und Venmlen. wnllfte. 85;»Inloatn-Selellfchns». ScMÜtcntnfle Zindenstr. 3. Kontingentierter Reichstag. Scheu der Bürgerblockregicrung vor Parlamcn- tarischcr Verantwortung. Der Reichstag, der am 9. Juli, vor mehr als drei Monaten, in die Sommerferien ging, versammelt sich am Dienstag wieder, um sich spätestens am Sonnabend— wenn es nach den Wünschen der Regierung geht— wieder für einen Monat schlafen zu legen. Für die vier, fünf Tage, die man ihm das Beisammensein gestattet, ist ein strenges Arbeits- pragramm vorgesehen. Schulvorlage und B e s o l° dungsvorlage sollen die erste Lesung passieren, damit sie in den Ausschüssen weiterbearbeitet werden können. Dann soll sich der Reichstag wieder trollen. Fragen a l l g.e m e i n- politischer, wirtschaftspolitischer, außenpolitischer Natur soll er nicht erörtern dürfen. Interpellationen, die von großen Parteien eingebracht sind oder vorbereitet werden, sollen unbeantwortet und unbesprochen bleiben.„Ucber Thema darf nicht geredet werden." Es ist keine kaiserliche Regierung, die dem Reichstag diese Schnürstiefel anlegt, sondern sozusagen eine parlamcn- tarische� Die Regierung M a r x- K e u d e l l kann nur so lange im Amte bleiben, als ihr der Reichstag nicht sein Ver- trauen entzieht, und sie kann natürlich erst recht nicht dem Reichstag Vorschriften für seine Arbeitswelse machen, wenn er nicht bereit ist, sie anzunehmen. Soweit wäre also alles in Ordnung. Die Mehrheit hat das formale Recht die Der- Handlungen des Parlaments zu drosseln, sie verstößt aber, indem sie das tut, gegen den Keift des parlamcn- t a r i! ch e ii Systems. Das ist nicht verwunderlich bei einer Mehrheit, in der die Gegner der geltenden Verfassung. die Deutschnationalen, maßgebend sind. Die Opposition aber hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Charakter einer parlamentarischen Regierung ins rechte Licht zu stellen, die an hochgradiger Parlamentsscheu leidet und sich von der Verantwortung vor der Oeffentlichkeit drückt. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- t i o n hat eine Interpellation eingebracht, die das Wirken der Bürgerblockregierung nach einer für die Ärbeitermasfen be- sonders wichtigen Seite hin, nacb der mirtschastspolitilchen. hell beleuchtet. Sie wünscht eine Besprechung ihrer nositiven Vorschläge, die nach ihrer Ueberzeuguna geeignet sind, die drohende Gefahr eines Konjunktnrumschwungs zu bannen und das arbeitende Volk vor neuer Bedrängnis zu schützen. Sie wird sich in ihrer Dienstagsitzung mit der allgemein- politischen.Haltung der Bürgerblockregisrung beschäftigen und j sich über ihr weiteres Vorgehen schlüssig machen. Die Mehr- i heit kann, wenn sie will, sozialdemakratische Interpellationen � und Anträge, wie z. B. den über die S c n k u n g d e r L o h n- � st e u er von sich wegstoßen und ihre Beratung wochen-, monatelang verschleppen. Aber sie darf sich nicht wundern, wenn die sozialdemokratische Opposition gegen ein solches Verbalten vor der letzten Instanz unterer Verfassung vor dem Volke, Anklage erhebt. Mehrheit und"Regie- rung werden daher gut tun, sich noch einmal gründlich zu überlegen, ob es ihren eigenen Interessen dient, wenn sie sich einer notwendig gewordenen, durch den Gang der Entwick- lung gebotenen Äuseinandersetziing durch eine Flucht i>i neue Ferien entziehen. Die Bürgerblockregierung kann nun in dieser Woche ihre große Scherbenkiste in den Reichstag tragen. Weder über die Besoldungsvorlage noch über die Schulvorlage hat sie ein Einverständnis mit dem Reichsrat zu erzielen ver- mochr. In dem ersten Fall muß sie mit einer Doppelvorlage kommen, in dem zweiten ist sie dieser Mühe enthoben, weil bekanntlich im Reichsrat alles abgelehnt worden ist. Dieses an sich nicht beneidenswerte Schicksal trägt sie, äußer- lich wenigstens, mit heiterer Fassung, und insbesondere im Fall der Schulvorlage geberdet sie sich ganz wie der Hans im Glück, der sich freut, daß er nun endlich auch seinen Feldstein losgeworden ist. Es ist ergötzlich, zu beobachten, welche Sprünge die Rechtspresse vollbringt, um ihren Lesern zu beweisen, daß nicht die Reichsregierung, sondern die— preußische Regierung im Reichsrat eine Niederlage erlitten habe.„Die preußischen Anträge abgelehnt!" las man da in dicken Ueber- jchriften. Mit Verlaub, die preußischen Anträge sind nicht abgelehnt, sondern angenommen worden. Wenn dann— teils trotzdem, teils dieserhalb— die ganze abgeänderte Vor- läge fiel, so wurde durch diese Ablehnung nicht die Prenßenregierung betroffen, denn die Vorlage stammte nicht von ihr, sondern von Keudell. Wenn der Reichsrat das Ding besah, es zu reparieren versuchte und dann doch als irreparabel in die Ecke warf, so hat er damit dem Urheber des Entwurfs selbst das verdiente Zeugnis ausgestellt. Er hätte ja, wenn er anders gewollt hätte, die Regierungsvorlage unverändert annehmen können. « lieber feine Niederlag? im Reichsrot soll nun Herr V. Keudell Trost in Tränen gefunden habe«:«an schreibt ihm nämlich die Aeußerung zu, er sei mit dem Ausgang gar nicht 'so unzufrieden, denn er gönne den Erfolg lieber der Volkspartei als derpreußi scheu Regie- 'rung. Cr ist also bereit, der Volkspartei im Reichstag zu gewähren, was er der preußischen Regierung im Reichsrat verweigert hat. So etwas nennt man sachliche Politik I' Da es u n s witklich auf die Sache ankommt, würden wir nicht böse sein, wenn es der Volkspartei tatsächlich gelingen würde, entscheidende Verbssserungen dieser in ihrer Urform nun allgemein als ganz unmöglich erkannten Vorlage durch» zusetzen. Durchsetzen kann die Volkspartei in diesem Fall alles, was sie will, denn ohne sie gibt es ja nicht einmal eine einfache Mehrheit. Die Volkspartei trägt also die Verantwortung dafür, daß der Versuch unterlassen wird, ein in Wirklichkeit v e r f a s° sungänderndes Gesetz unter rabulistischen Vorwänden mit nur einfacher Mehrheit durchzuschmuggeln..Sie trägt die Verantwortung für die Anpassung der Vorlage an Wort- laut und Sinn der Verfassung, für ihre Gestaltung und ihr Geschick überhaupt. Wäre die Stimme der„Kölnisch e n Zeitung" die Stimme der oolksvarteilichen Reichstagsfcaktion, so wäre das Schicksal der Sclmlvorlaqe schon entschieden. Die Reichs- regierung. so liest man dort, befinde sich in der Schulfrage auf falschem Wege. Es gehe nicht an, einen Gesetz- entwurf, der die kulturelle Entwicklung der Nation auf Jahr- zehnte hinaus bestimmen soll, gegen den Willen weiter Volks- kreise durchsetzen zu wollen. Der Beschluß des Reichs- r a.t e s, heißt es weiter, werde den Wider st and gegen die Regierungsvorlage sehr erheblich verstärken, und vor- aussicbtlich werde im Reichstag die Entscheidung bei der De utschen Volkspartei liegen. Die Regierung müsse sich selbst sagen, daß diese liberale Partei keinesfalls von ihrem bisherigen Standpunkt abweichen könne und daß es ihr jetzt vollends u n m ö g l i cb ist, dem Entwurf gegen das Votum des Reichsrats doch noch zum Siege zu verhelfen. Schließlich rät das große volkspart-iliche Organ der Regierung, die Vorlage zurückzuziehen. Dieser Rat ist. wie man weiß, nicht beachtet worden. Der SÄulgesetzentwurf wird am Dienstag und Mittwoch im Reichstag die erste Lesung passieren, er wird dann an den Ausschuß gehen, und was weiter aus ihm wird, das liegt in der Hand der„lioe- ralen" Volkspartei. Der Opposition wird die Möglichkeit zu entscheidender Mitwirkung bei der allgemein geforderten Umformung des Keudellfchen Entwurfs—„der umgeformte Mißgsformts" heißt ein Drama von Byron— kaum gegeben fem. Sie wird das nicht zu bedauern haben, sie wird ihre gute Sache draußen vor dem Volke oertreten, vor dem der Bürgerblock nicht nur wegen seiner Absichten gegen die Schule unter Anklage steht. * Mit dem Wiederzusammentritt des Reichetags ist, trotz aller Einschränkungen, die man seinen Beratungen auferlegen will, der politische Großkampf eröffnet. Will man aus Furcht und Schwäch? die notwendig gewordene Auseinandersetzung über die Grundlagen des gegen- wärtigen Pegierungssystems aus dem Reichstag verbannen, so wird sie draußen im Volke desto kräftiger aufleben. Die Sozialdemokratie, die sich. wie.die Wahlen von Hamburg und .Königsberg zeigen, in neuem Auksrieg befindet. �wird in ihrer Werbe woche vom 6. bis 13. November Gzlegenheit nehmen, zu breitesten Massen zu sprechen. Je kläglicher sich der Bürgerblock im Reichstag benehmen wird, desto stärkeren Widerhall wird ihr Avpell bei den Massen finden. Mag er nun selbst entscheiden, ob er sich der sozialdemokratischen Opposition zur Aussprache stellen will oder nicht. ?«meau,sch«tz de» Reichstags ist zum nächsten Donnerstag, »en 20. Oktober,«inbcnifen wölben. Es soll eine Aussprache über den weiteren Tang der Verhandlungen stattfinden. Staatstheater. ..Die Wupper" von Else Lasker- Schüler. Nein, aller Wille der lieben Lasker-Schlller, Respekt zu bezeugen, reicht nicht au«, um dieses Theaterstück zu rechtfertizen. Else Lacker-Tchüler, die lieute im direkten Verkehr mit König Sa- lomo und der ganzen Prinzenfamilie von Theben und den Unglück- lichen Rabbiner» von Toledo steht, dre von den spanischen Jnquisi- toren verbrannt wurden, hat von diesen Familienbezishungen die fchönsten, die hellsten lyrischen Bericht« erstattet. Sie stammt aus ö«r Wupperstadt Barmen. Zäh und dreckig Ist das Wasser, das seit ewiger Zeit die Färbereien verunreinigt. Man streitet sich um den lulcherischen Tott und um den Papst. Man hat nicht viel zu essen vcvd singt die Internationale, wenn das Gebrumme des Magens tillzu laut wird. Trotzdem wird alljährlich Jahrmarkt abgeltalten, dem die Karussells herumfahren, auf den, die Riesendarncn und dk« stärksten Männer der Welt und die Wahrsagerinnen ihr Publikum beim Beutel nehmen. Es ist merkwürdig, das, was Frau Lasker-Schüler tagtäglich lebendig vor ihren Mädchenaugen sah,»er- schwamm in Nebel und Traum, sobald es sich dramatisch formen sollte. Nur, was die Dichterin mit dem inneren Auge sah, oer- wandelte sich in dichterische Wirklichkeit. Und so ist dieses Schauspiel langweilig, ungesormt, traditionell geblieben. Selten, daß«in Wort von Innigkeit und zündkräftiger Energie die Menschen aus der Bühne und die Zuschauer packt. Alles ist nur ein hohles Gerede von reichen Leuten und armen Leuten. Die gleichen Triebe sollen bei den Fabrikbesitzern und bei dem Straßengesindel vorhanden seln. Fabrikantenvilla und Arbeiter- wohnung, das ist nur ein äußerlich schäbiger Kontrast. Die Dinge und die Gehonten sitzen auch viel tiefer in Else Lasker-Schüler, als sie es sagen tartn. Alles ist nachgeahmt, die Handlung kaum vorhanden: Ein leichtsinniges Proletariermödel, doch nicht leichtsiniger als die Fabrikanlentochter, eine Fabrikantenfrau, die zwar ihrem proletari- schen.Lieblinzr das Pastorenstudium bezahlt, aber ihrem Fräulein Tochter die Verlobung mit dem begabten armen Kerl strengstens verbietet. Und der gute Junge dudelt sich einen an, und man weiß nicht, ob er nach dem ersten Suff noch weiter herunterkommen wird. Das wäre allerdings eine soziale Anklage gegen die Leute in der Villa. Klug ist au» dem Ganzen nicht zu werden. Man kann nicht von Else Lasker-Schüler«ine Antwort auf ein« soziale Frage er- warten, für Traumdeutungen ist sie zuständiger. Jürgen Fehling, der Regisseur, bringt«in drehende» Karussell aus die Bühne, damit Bewegung in die Ereignisse kommt. die stets auf dem nämlichen Flecken bleiben. Doch Bühnenmechmik und. auch hübsch: in der Farbtönung und Beleuchtung von ff ö s a r Klei n ni'fgecochte Bühnenbilder schaffen immer noch kein Theater- stück. Lucie Löslich, Lucie Mannheim, Herr M ü t h e l und Herr Ha dank reden, reden aneinander vorbei oder mit jener zujällig hingeworfenen Phrase, die Else Lasker-Schüler als Urwort au, dem Urquell de» Gemütes fühlt, die aber erkaltet«, eh« sie zum Ohr gelangte. Max Hochdors. ' deutschnationale Wahlangft. Vre..Krcuz-Zeitung" kündigt die Richtlinien! Angesichts der näherrückenden Reichstagswahlcn und des symptomatischen Hamburger Wahlresultats wird den Deutschnationalen bänglich zumute. Die„Kreuz-Zeitung" stimmt in ihrer Wochenschau ein Gejammer an, denn sie sieht voraus, daß mit der Länge des Wahlkampfes sich die Situation für die Sozialdemokratie immer günstiger gestalten wird. Besonders ist sie darüber empört, daß unsere Reichstagsfraktion Erhöhung der Löhne, Verkür- zung der Arbeitszeit und Herausjetzung des steuerfreien Existenzminimums fordert, was das Junker- blatt als schlechthin„verantwortungslos" empfindet. Nun, darüber lohnt es nicht, mit einem Blatt der Reaktion zu debattieren. Auf den Gipfel wird die Wahlangst der„Kreuz-Zeitung" getrieben» weil ihrer Ansicht noch die Deutschnationalen„in ihrer Wahlagitation durch K o o l i t i o n s r ü ck s i ch t e n st a r k gehindert" sind. Das muß anders werden! Des- halb kündet das Blatt des Grafen Westarp an: „Bleiben wir schüchtern A u» st e l l u n g mit einer«indrucksstarkea Red« von Geheimrat Wölsslin erössnet worden. Sie umfaßt etwa 190 Gemälde und 50 Zeichnungen und füllt das repräsentative Mittelgeschoß des Museums. Aichers als bei fforinth, Münch und Ihorna ist hier von Direktor Justi ein« bewußte Auslese getrosten worden, die immer noch sehr stattlich ist, manchöilei Hauptwerke oennoch vermissen läßt: man konnte nicht alles be- kommen, was man gewünscht hatte. Immerhin ist ,» erfreulich und erstaunlich zu bemerken, wieviele Museen und Prioatsam.nlungen sich von ihren Schätzen auf Monat« getrennt haben i wenigen mag es so schwer gefallen sein wie Frau v. Wedekind, die die(über orei Türen eingepaßleiis Wandbilder aus ihrem Speisesaal 1(1838 genialst hergeliehen hat. Sie sind sinngemäß im Vorraum eingelassen und besonders beleuchtet. Ueber unsere heutig« Stellung zu. Böcklin al« künstlerisches Phä- Nomen wird an anderer Stelle einiges gesagt. Es deckt sich in vielem mit dem, was Justi in seiner Einleitung zu dem Katalog schreibt: einem Meisterwerk klarer Dispositionen, in dem er seine Stellung zu Böcklin wie dessen kritiklosen Anhängern und Gegnern mit aus- gezeichneter Präzision darstellt und in dem knappen Umfang von 20 Seiten ein objektive» Bild setner Kunst und Kunstmittel und seiner historischen Stellung gibt. Justi zeigt sich hier aus der Höhe seiner dialektischen Kraft; die nie erschütterte Lieb« zu seinem Helden und dessen Ausnahmestellung unter Zeitgenossen und Bewertenden hat ihn beflügelt. Uiw mit vetselben Sicherheit des Urteils sind die maßgeblichen 190 Bilder ausgesucht und gehängt. Man wird kaum wieder eine so umfassend« und klare Ueberstcht über diele» einzig- artige Lebenswerk erhalten, von den kleinkalibrlgen Ansichtsbildchen des Achtzehnjährigen und den romantischen Landschaften der Düsseldorfer Lehrjahre bis zu den überdromatischen Bisionen von„Krieg" und„Pest" aus leinen letzten Grcissnjahren. Darum lohnt es sich. wie es sich bei jeder bedeutenden Unternehmung Justi» noch gelohnt hat, diese Schau zu besuchen: man wird«inen über alle» Tagesmaß zum Endgültigen steigenden Eindruck von einem schöpferischen Menschen erhalten.„Höchstes Glück der Erdenkinder ist nur die Persönlichkeit." Man darf zuletzt auch die mühsam« und umfangreiche Tätigkeit des Dr. Thormählen, Justis Assistenten, bei der Ausspürung und jzerbeiichaffung holbverschollener Meisterwerke, nicht übergehen. Ihm ist zu dopten, wenn selbst d.-r Kenner zahlreiche, ihm noch nicht bekannte Bilder mit Ueberraschung entdeckt. ' Dr. Paul F. Schmidt. GeSankenübertragung im Nunöfunt. Heute n.ichmsttag Punki'�4 bis K5 Uhr wird die Berliner Fun! stunde«in eigcuartiges M.ysenexpe:iment. i>'i Rund sunt ver- anstalten, an dem olle Rundfunkhörer sich aktiv beteiligen können. Es wird sich bei dem vom Grafen Georg o. Area und Dr. A. Herzberg vorgenommenen Versuch darum handeln, die groß« Streitfrage zu lösen, ob es echte Tekepathie gibt, d. h. Gedanken» Die bisherige Verschuldung soll nicht erweitert werden, ff» Wirt» aber auch gesordert, daß die Landwirtschast die Kredite nicht zurück zuzahlen braucht. Das gilt für die vom Reichsiinanzmimsterium und von den Ländern gewährten Sonddrkredite. Es gilt aber auch für die im November fälligen 293 Millionen R e n t e n b a n k- Wechsel. Er will nicht nur die Kredite prolongiert hoben, er will auch die Zinsen gesenkt haben, und zwar aus Kosten der Steuerzahler, und darüber hiimus soll das Reich für alle sälligen Schulden, die nicht eingetrieben werden sollen, mit seiner eigenen „Kasse einspringen. Ee wird sogar der hanebücheneVorschlag. gemacht, daß das Reich beim Reparationsagenten bei den Rentenbankwechscln für«ine Verlängerung der Fristen eintreten soll. Ein seiner Plan, der gute Absichten voranzustellen scheint,. der den Steuerzahler zu seiner Durchführung als Melkkuh benützt. und der schließlich zu gar nichts anderem führen kann, als daß eni- gegen der eben gewonnenen Einsicht die Verschuldung der Landwirt- schaft noch weiter vergrößert wird. Denn darüber kann es keine Illusionen geben, solche Stundungen, Niederschlagungen und Zins- Nachlässe, wie sie verlangt werden, sind absolut- ausgeschlossen. Dafür werden die Zinszahlungen verlängert und zugleich erhöht. Es zeigt sich auch hier, daß der Reichslandbund, da. wo er Helsen zu wollen scheint, wegen seiner großagrarischen Hintermänner die K a r r e nur so voll st än big verfährt, daß. selbst das Erreichbare noch unmöglich gemacht wird. Der Reichstag, der über diese Dinge zu beschließen haben wird, wird hoffentlich sehr bald die absolut« Plan- und Sinnlosigkeit solcher- übersteigerter Forde- rungen klar herausstellen._ Antwort öes Hamburger Sechs Fragen an die KPD. Hamburg, 13. Oktober,(ffigenbericht.) Auf den Offenen Brief der KPD. mit den„14 Tagesso. ve- rungen" an die SPD. und die Gewerkschaften erteilt der Orts- a u e s ch u ß Hamburg des A D G B.. der sich am Sonnabend nachmittag damit beschäftigte, eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Unter dem Hinweis auf die verleumderischen Methoden, die die KPD. während des Wahlkampfc-c gegen SPD. und ADGB. angevwndt hat. und des Zusammen- gehen, mit den Deutschnationalen bei Verfolgung gewerkschaftlicher Forderungen in sozialpolitischer, wirtschaftlicher und sürsorgerischer Hinsicht, wird kategorisch verlangt, der bei gveitem stärkeren und er- sahreneren SPD. d e Führung zu überlassen uni> folgende Fragen zu beantworten: a) Ist die KPD. bereit, ihr« gesamten, in z, l.t i m a t i v e r Form erhobenen M i n de st s o r d« r u n gF n zugunsten von Forderungen zurückzuziehen, die in gemevischasllicher Verhantlung ausgestellt werden?.«„ b) Ist sie bereit, sich auf ein so aufgestelltes Programm, das den st a a t s p o l i t i I ch e n Möglichkeiten des Hamburgi- schen Staates entspricht, mit der SPD. zu etnigen? r.) Ist sie bereit, bei Ausstellung von Gemeinschastsfordeniwgen auf Anträge zu verzichten, die nur durch die Reich»- regierung oder das Reichsparlament verwirlücht werden können? d) Ist sie bereit, bei Schaffung eines Semeinschastsprogramms auch für die sinanzielle Deckung zur Verwirklichung kam- mender Anträge mit der SPD. zu sorgen. c) Ist sie bereit, die pvlikiiche Macht der Arbeiterklasse in Hamburg auch dadurch mit zu sichern, daß sie für die zu treibende Politik«ins ichrer Starte entsprechende Verant- Wartung übernimmt? f) Ist sie bereit, hei der Währung ihres grundsätzlichen Stond- puakies sich während der Dauer einer solchen Gememschastsarbeit" sedes gehässigen Angriffes gegen GewcrNchosten und SPD. zu enthalt e-n und in den Gewerkschasten ihr« Zallenorbeit einzustellen? Durch die Beantwortung dieser Fragen werde erkennbar sein. öb die KPD. mit ihren, Vorschlag vom 12. Oktober nur«in neues» parteipolitische» Manöver beabsichtigt fjobe, oder ob sie nun tatsächlich zur positiven politischen Arbeit im Interesse aller Erwerbstätigen herangereift sei. Zum Schluß wird die KPD. gefragt, ob sie bereit sei, an einer gemeinschaftlichen S'tzung zynischen KPD. und SPD. unter dem Vorsitz des Ortsausschusses teilzunehmen Übertragung von Mensch zu Mensch, ohne sprachliche oder sonst durch die Sinnesorgane, wie Augen, Ohren oder.Tastsinn bedingte B«r- mittlung. Von alters her wird ja immer wieder berichtet, daß manche Personen, insbesondere Sterbend« oder Kranke aus„telepathischem Wege" ihren Angehörigen Kunde von sich zu geben vermochten. Seit mehr als 40 Jahren sucht man»ine experimentell« EMschei- dung über dies« Fragen herbeizuführen; man gelangte aber bisher noch zu keinen befriedigenden Re'ultaten, weil es sehr schwer ist, all« Fehlerquellen auszuschalten, die entweder iit bewußter Irre- führung durch die Derfuchspersonen. z. B. Verständigung durch ge- Heime Zeichengebung, oder auch in unbeabsichtigter Täuschung, etwa unwillkürlichem Flüstern, bestehen. Der heutige Versuch soll nun mit allen erdenklichen Kautelen auegesührt werden, so daß, die üblichen Fehlerquellen vermieden werden und man daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf irgendein Ergebnis dieses Experiments wird rechnen können. Dabei fall von vornherein vor einer Verwechslung gewarnt werden. Es handelt sich nicht darum, daß der Rundfunk als solcher, etwa aus dem Wege elektrischer Wellen, die Gedankenübertragung vornimmt. Der Rundfunk spielt bei dem geplanten Versuch lediglich die Rolle, daß er vielen tausenden Personen gleichzeitig die Teil- nahm« an demselben ermögliche. Besonders interessant wäre es. wenn alle diejenigen, die sich für„medial oeranlagt" halten, also Ahnungen oder Wahrträume haben, mit der Wünschelrute arbeiten können oder sich auf auto- inatische« Schreiben verstehen sich an den. Versuch heute nachmittag beteiligen würden._ was Verkehrsstockungen kosten. Nach einer Berechnung der „New Park Herald Tribüne" erleidet die New Boit ffity einen täglichen Verlust von einer Million Dollar durch den Aerkehrswlrr- warr in den Straßen. Die Verzögerung, die durch die Berkehre- stöckungen verursacht wird, hat bcsontere«ine wesentliche' Einbuße an leicht verderblichen Waten und demzufolge eine Preissteigerung zur Folge. Die Zeitung ist der Anficht, daß der Ausschuß, der von dem Bürgermeister Walker zur Besserung des Berkehr, eingesetzt ist, wenig Hoffnung aus Beseitigung der großen Schwierigkeiten erweckt. Di« bemerkenswertesten Zahlen liefert die'New.Porker Hafentehörd«. nach deren Schätzung jede« Lastauto, da». 100 Stunten im Dienst Ist,, nur 30 Stunden tatsächsich« produktive Arbeit leistet, Die anderen 64 Stunden werden durch die Vertehrsstöckungen verloren. vi««oler!« K» Usch et. Biklorlaflr. S.«rSlsn't am IS. eine»ollektiii- Ausstellung von neuen«Uder» de« Maler« Gert Wollheim, In den A«»stell«ng»r仫>«>> ran Zohonne» hiarlchsen, vellevuesk. 3. im Kanstlerbou«,.finden vom 22. Ollober bis 14 November eine Nachlas;. »iiSsteiiiriiq de« verstorbenen Maler« Nieolau« Vadae-z, Budapest. und Soi>sera»»stelw»gen von Nlemilden und.qelchnungeü voll Erlch Watte,«tihii, und von H von« r a n c a. UÜIlvchen, ftdit. „Der Gebiegsbou om I) oode rn d eui der Crdf laulist da« Tbemo. über das der bekannle Mondsorschcr Philipp Faulb iMünchen) rm Berliner Verein für koSmotechnische ,>orichung am lS,.-0 Uhr, im Vereinthauie de« verein» Deutscher Ingenieure, Friedrich« Ebert- Str. 27, sprechen wird. Sechzig?ahre i Das Parteijubiläum des Schön ist die Uebung vieler Partelorte. die Genossen festlich M ehren, die dreißig oder vierzig Jahre nnunlerbrochen für die Partei gewirkt haben. Fünfzigjährige Parteijubiläen sind schon eine große Seltenheit Ganz vereiNKilt ist aber der Fall, daß ein Mann, der vor sechz g Jahren der Partei beigetreten ist, heute noch in voller geistiger und körperlicher Frische in der Partei wirkt und als nachahmenswertes Beispiel vor uns steht. Die Thüringer Genossen haben allen Anlaß stolz zu sein, daß i,, ihrer Mitte der Parteijubilar unermüdlich wirkt als Agitator und Organisator wie als Vertreter der thüringischen Genossen im Reichs- tag. Wilhelm Bock ist der Jubilar, den wir heute kameradschaftlich grüßen alz den, der sechzig Jahre unter un» und mit uns gewirkt hat, und von dem man sagen kann, daß kein Tag der sechzig Jahre verstrichen ist, ohne Arbeit für die Partei des Proletariats. An einem Mittwoch im Oktober 1867 fand er den Anschluß an die Sozialdemokratie, von da ab begann in seinem Leben ein neuer Abschnitt. Er wurde durch die Vorträg« der Gemeinde des Allgemeinen deutschen Ar- beitervereins Hamburg wie durch dos eifrig« Studieren der sozial- demokratischen Literatur em begeisterter Anhänger der erst wenige Jahre vorher durch Ferdinand L a s s a l l e ins Leben gerufenen Partei. Jeden Abend las er bis 11 Uhr oder bis Mitternacht Schriften von Weitling und von Lassalle und der ganze Sonntag bis zum Abend war dem Streben gewidmet, sich mit der soziali- stischcn Literatur vertraut zu machen. Als Schuhmachergehllfe hatte er bei seinem Meister Kost und Logis und nur«inen Taler und zehn Groschen Geldlohn, den er fast vollständig zum Ankauf sozial- demokratischer Schriften verwandte. A Wilhelm Bock, der nun im 82. Lebensjahr« steht, hat eine über- aus harte Jugend durchlebt. Er stammt au, Groß-Beeitenbach in Thüringen, war ärmster Leute Kind, der Vater wurde infolge seiner Teilnahm« an der Revolution 1848 verfolgt, er mußte flüchten und blieb verschollen. Die Mutter, der Wilhelm Bock in seinen vorläufig noch ungedruckten Memoiren in Liebe und Dankbarkeit ein ehrendes Gedächtnis widmet, mußte die beiden Söhne aufziehen, ernähren und kleiden, in großer Geduld und Aus- dauer und Energie verrichtete sie Tagelohnarbeit, um die beiden Jungen großziehen zu können. Runkelrübenbrühe und Kartoffeln waren an allen Wochentagen die Nahrung für die ganze Familie und nur am Sonntag gab es ein Stückchen Fleisch oder einen Hering. Schon in früher Jugend muhte sich Wilhelm Bock in der Hausindustrie betätigen, Bleisoldaten, Schäfereien und andere Erzeugnisse der Thüringer Hausindustrie bemalen. Mit dre'zehn Jahren kam er in«ine Por- zellanfabrik als Dreherlehrling, in der sich sein älterer Bruder die Keime zur Tuberkulose zugezogen hat. Lange hielt Wilhelm Bock dort nicht.aus, er kam zu. einem S.chu hmache r in die Lehre und wurde ein ausgezeichneter Arbeiter, um den sich die Meister rissen, obgleich-er als Sozialdemokrat auf die schwarze Liste gekommen war. In Vocks HSmaT i gab es damals nur tiefgedrücktc und schweigend duldende," aüi dck �iluiapjsn.Acre�ndung yicht herchtswachsende Proletarier. DdrhIas man keine Zeitungen,, dorthib kam kein Hauch von der Bewegung, die von Lafsolle entzündet war. Utk dahinvege- tierenden Bevölkerung erzählte der Pfarrer, daß es Gottes Will« fei, daß es Ihnen nicht besser ginge. Di«-fromme Mutler ließ die Knaben vor Beginn der ärmlichen Mahlzeit beten: Komm Herr Jesus sei unser Gast und segne, was du bescheret host. Es war merkwürdig, daß die halbwüchsigen Jungen die Mutter dazu brachten, so schwer es ihr fiel, dies Gebet, das fast als Hohn emp- funden werden mußte, wegzulassen. In Arnstadt ging von 1868 bis 1864 der junge Wilhelm in die Lehre, in der er ein Jahr länger als die anderen Lehrlinge verbleiben sollte, weil die Mutter kein Lehr- gelb für Ihn aufbringen konnte. Bon �6 Uhr morgens ol�ne Pause bis 8 Uhr abends, im Winter bis 18 Uhr abends muht«' er hinter einer Lichtkugel arbeiten. Aber der arm« Lehrling brauchte', weil er so Tüchtiges geleistet hatte, nur Jahre in der Lehr» zu bleiben. Dort hört« er zuerst die Hamen von Lassalle und Schutze-Delißsch. denn setn Meister, ein Anhänger von Schulze-Delitzsch. stritt sich in Anwcfenheit des Lehrling« mit einem Schlossermeisier über die damals so lebhasten Fragen, die sich an die beiden Namen knüpften. Als Wanderbursche kam er nach Hamburg, wo sein Meister eifrigst bemüht war, ihn von den Verfechtern der Lassalleanifchen Lehren fernzuhalten. Doch das half nichts, der Zufall ließ ihn bei einem abendlichen Spaziergange auf einen Trupp Arbeiter stoßen, die dem im Gefängnis weilenden älteren Audorf ein Ständchen bringen wollten. Di« Polizei trieb die Arbeiter mit der flachen Klinge aus- einander, der ganz unbeteiligte Wilhelm Bock erhielt auch von der brutalen Polizei einen Hieb mit dem stachen Säbel. Im Anschluß Oozialöemokrat! Genossen Wrlhelm Bock. an dieses Abenteuer wurde er Mitglied der Parteiorganisation der Lassallcaner, des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, er ist noch heute Geib und Audorf dankbar für die Anregungen, die er in Der- sammlungen und in perfönl'cher Unterhaltung von ihnen erhielt. Als Arbeitsloser mußte er Hamburg verlassen, er wollte zu Fuß über Thüringen, Bayern, Schwaben nach der Schweiz wandern. Er kam aber nicht so weit, er fand in Gotha Arbeit und seit dem Frühjahr 18«? ist der Name Wilhelm Bock mit der Stadl Gotha, mit der dortigen Arbeiterbewegung und mit der in ganz Thüringen aus das Innigste verknllpft. In Gotha bestand ein kleiner Derein der Lasialleaner, d«r erst Leben bekam, seitdem Bock dort angekommen war. Bevor Bock nach der Heimat zurückgekehrt war, war in diesem industriellen Gebiet von Sozialismus ganz rveni�j zu spuren, er wurde der erste Apostel des Sozialismus für die thüringisch« Arbeiterbevölkerung. Unermüdlich und selbstlos, ohne einen Groschen Entschädigung, streute er die Keime der sozialistischen Ueberzeugung aus, er sprach in Weimar und Erfurt, in Apolda, Eisenach und Mühlhausen, in großen und kleinen thüringischen Orten. Er tnußt« sich herumschlagen mit den kapitalistischen Zeitungen, die den Sozialismus und Bock als seinen unermüdlichen Agitator ununterbrochen verleumdeten, er sorgte da- für, daß die Lassolleschen Schriften von den Arbeitern gqsesen wurden, er gründete auch eine klein« Zeitung, �di» vollständig von den begeisterten Genossen jener Zeit hergestellt wurde. Redaktion, der Sag, der Druck, alles wurde nach Feierabenk» in höchster Hingabe für die Sache des Sozial-smue ohne jede Eni- schädigung, als die Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht, aus- geführt. Der einzige Lohn bestand in Gefängnis st rasen und in Hohn und Verleumdungen. Der Bürgermeister von Gotha er- kannte, welche Bedeutung Wilhelm Bock für den Aufstieg des Sozialismus hatte. Er suchte ihn zu gewinnen, indem er ihm die Mittel zu einem selbständigen Geschäft versprach und ihm zusicherte, daß er ein« groß« Kundschaft erhalten werde. Aber das Zuckerbr«; wirkte auf ihn ebensowenig wie die Peitsche des Gefängnisses. T'k blieb unermüdlich tätig. In Stadt und Land galt er als der stklH hilfsbereite Kamerad aller Rat- und Hilfesuchenden. Viele Jahr« be- vor in Nürnberg Martin S e g i tz das erste Arbeitersekretari?t leitete, hat W'lhelm Bock in Gotha auf eigene Faust ohne jede Unter. stützung einer Organisation in selbstlosester Weise ganz regelmäßig Arbeiter, Handwerker und Bauern und ihren Frauen als Ratgebir gedient. Als die Einigung von Lassalleanern und Eijeriachern vorbereite! wurde, wandte sich August Bebel an Bock, damit er in Gotha ermögliche, unbemerkt und ungestört Konserenzen abzuhalten. Bock orgon'sierte das so vorzüglich, daß nicht bloß drei Borkonferenzen, sondern auch der Einigungekangreh 1875 in Gotha abgeholten werden kannte. Er führte auch zuerst den Borsch auf diesem heute noch denkwürdigen Parteitage. 187? kandidiere er zum ersten Male zum Reichstage und bekam vön allen Kandidatur die höchste Stimmenzahl. In der Stichwahl unterlag er. da sich alle bürgerlichen Parteien gegen ihn vereinigt hatten. Im Jahre 1884 wurde er von Gotha mit 18 734 Stimmen in den Ä eichetag entsandt. 1898 vertrat, er Magdeburg und später nur..wenig unterbrochen wieder Göiha: DÄN Reichstag gehöttie /et�BM dis$887, 1080 bis 1Ö06, 1912 bis 1918, dann der Nationaloersämmluug und.bis zum heutigen Tag« wieder dem Reichstag an. Als das Sozialistengesetz gegeck alle sozlaldemotrfftischen und gewerkschasUichen Organisationen wütete, verstand. Bock sofort den Zusammenhalt' unter den Schuhmachern, deren. gewerkschaftliche Organisation er leitete, wieder herzustellen und auch die sonstigen Parteigenossen zusammenzuhalten, was Bebel besonders ane'kunnt hat. Im Jahre 1893 wurde Bock für das Herzogtum Sachsen- Eoburg-Gocho in den Landtag gewählt, dessen Bizeprasident und als solcher Mitglich des Berwaltungsgerichtshofes er wurde. Nach dem Zusamlnenbruch wurde er zum Borsitzenden der Bolksbeaustragten für den Staat Gotha gewählt. Neben all den vielen Aemtern, neben seiner Tätigkeit für da� Gothaer Volksblatt, für die Gewerkschost und deren Verbändsorgan, das er bis vor wenigen Jahren geleitet hatte, widmet er alle Kraft und Zeit der Organisation und Agitation für die Partei. Haben ihm auch die Kommunisten in Gotha mit schnödem Undank gelohnt, so gehört doch sein« Liebe und Treue den Thüringer Arbeitern. die ihn auch als Spitzenkandidaten auf die Reichstagswohlliste gesetzt haben. Sein Interesse gehört aber ebenso der Gesamtpartei, deren Kontrolltommission er als zweiter Vorsitzender.angxhört. Die Arbeit für den Sozialismus hat ihn jung gehalten. Er ist der Senior, nicht nur der Reichstagsfraktion, sondern deg ganzen Reichstags, dessen Alterspräsident er nun ist. In der Reichstagsfraktion und tn der Partei gilt er als trefflicher Kamerad, als Vorbild für die Jungen! Möge er da« noch lange bleiben, der Partei zur Ehre, den Genossen zur Nachahmung!&> Sprengt Sapern öen SürgerbkockZ Oder knackt es nur mit dem Revolver? Alünchea, 15. Oktober.(Eigenbericht.) Auf der am Freitag abgehaltenen Sitzung der Landespar- teileitung der Bayerischen Bollspartei wurde mit besonderer Lebhaftigkeit auch die Frage erörtert, ob für den Fall, daß den bayerischen Anträgen zur Abänderung des Finanz- ausgleichs im Zusammenhang mit der Besoldungserhöhung von den übrigen-Koalitionsparteien im Reichstag nicht in befriedigender Weise Rechnung getragen werde, die Bayerische Lolkspartei aus der R-xi.chsregierungskoalition austreten müsse. Hierzu erklärt am Sonnabend dos offizielle Parteiorgan, die „Bayerische Bolkspartei-Komspondeirz" folgendes: „Es'kann nicht oerschwiegen werden, daß der Beschluß de» Reichskabinctts, trotz der Beschlüsse des Reichsrats auf dem ursprüng- lichcn Standpunkt des Reichsfinanzministeriums zu beharren, für Bayern und für die Bayerische Volkspartei eine sehr ernst« Lage geschaffen hat, die, wenn kein befriedigender Ausweg gefunden wird, möglich erryejsx g o lg e n s ü r d i e g a nz e n R e g i e r u n g s- Verhältnisse im Reich haben könnte." *-• Karlsruhe, 15. Oktober.(Eigenbericht.) Der Karlsruher„Dolksfreund" teill in seiner Sonnabendaus- gäbe mit, daß dem„Pfälzer Tageblatt", durch Bermittlung des bayerischen Ministerpräsidenten vom Auswärtigen Amt mehr als 2Z8 88.M. S u b-v e nt i o n zur Berfügung gestellt werden sollen. Dos„Pfälzer Tageblatt" ist stark republikfeindlich und rich- tet sich vor allem auch gegen die linksgerichteten Zentrumskreise. flngst vor üem Nekcksbanner? Arensdorf schreit nach einem Verbot. Das Reichsbanner beabsichtigt, am 23. Oktober in A r e n»- darf einen Reichsbannertag zu veranstalten. Dos veranlaßt die de u t sch n a t i v N a l« La n dt a g s f ra k t t v n zu einer dumm- dreisten Anfrage, in der es im Anschluß an die ebenso lächerliche wie durchfichtig« Behauptung, das Reichsbanner plane gegen bie Familie des Mordbuben Schnielzer Gewalttätigkeiten, heißt: „Es wird angefragt, ob das Siaatsministerium diese P r o- v o t a.t i o n billigt und was zum Schutze der bedrohten Familie Schmelzer gescheiten soll." Wir hoffen,, daß die Antwort der preußischen Regierung d e u t- lich ausfällt.-- Di« schwarzweißröten Helden von Arensdorf werden noch oft Gelegenheit haben,' sich an Schwarzrotgold zu gewöhnen, mögen-sie sich auch hinter den Rockschößen einer Regierung zu ver- stecken suchen, gegen die sie sonst nicht laut genug zetern können. die palaftöame. Wenn ein Reichskanzler Premieren besucht... Der' Kunstkritiker der..„Deutschen Zeitung", Herr Paul Z s ch o r l.l ch-, Vorkriegssreisinniger und derzeitiger völkischer Sitten« Wächter, liest in einem„Offenen Brief" dem Reichskanzler Marx die Leviten, weil dies» gewagt hat, die Erstausführung per Oper„Sonny spielt auf" mit sciüenv Besuch zu beehren. Furchtbare Anklagen lassen uns das Seelenheil dcs.Reichekanzlers erzittern: Erstens- stammt, der Verfasser. jK Oper yiW..tj chMi j ch en äwctte�sxiett-ein Ncgep. darin die Haupirgll«, dritten, benimmt sich, dieser Neger sehr ungesitdst. vierten�', fünften«, sechsten« überhaupt und so. Aber Zschorlich weiß auch mit historischen Reminiszenzen zu operieren: Dielleicht darf ich Ihnen, Herr Reichskanzler, zur Bcranschaii» lichung dieser Äufsassttng einen Fall in« Gedächtnis rufen, dem als einen markanten Gegenbeispiel Bedeutung zukommt. Als im Jahr« 1982'die„F e u c r s n o t" von. Richard Strauß, also «in künstlerisch h o ch st e h e n d e s Werk, an der damals Königlichen Oper in Berlin gegeben wurde, hotte sich»in« P a l a st- d a m e ir« r Kaiserin gegenüber empört über den Inhalt dieser Oper ausgesprochen. Der Kaiser, dem die Sache mitgeteilt worden war; ließ sich den Intendanten Grafen Hochberg kommen und verlangte die sofortig« Absetzung der Oper vom Spielplan, weil sie Anstoß errege. Hochberg stand gerade für Richard Strauß und die Folge war. daß er in Ungnade siel und au» seinem Amt entlassen wurde. Damit Ist allerdings die geistige Ueberlegenheit der„guten alten Zeit" über die sittenlose republikanische Gegenwart sonnenklar bewiesen. Wir empfehlen die sosortige Anstellung von Palostdamen in ollen Reichsministerien und bringen al» erst« Herrn Paul Zschor- lich in Dorschlag._ Em preßprozeß im Elsaß. Tos Autonomistcnblatt verurteilt. Straßburg. 15. Oktober. Die autonomistische Zeitung„V o l l» st i m m e" ist zu 880 Franken. Geldstrafe verurteilt worden, well sie. eine Geldsamm- lung aufgelogt hatte, zu der vor allem auch die Freunde der Zeitung in Deutschland eingeladen worden waren. Die Zeichnung sollte eine Geldstrafe decken, zu dir die Zeitung vor kurzem verurteilt worden war. Dieser Appell an da» Ausland wurde als„An- griff auf die Sicherheit des Landes" gedeutet. jlucht vor üem Zafckismus. .... Tic Knechtung SildtivolA. Innsbruck. 15. Oktober.(WTB.) Einem Vertreter einer Jnnebrucker Zeitung erklärte der in Innsbruck eingetroffene Rechtsanwalt Dr. R e u t- N i c o l u s s i über seine Flucht folgendes: Ich bin aus Italien geflohen. weil ich jeden Tag die Z w a n g s v e r s ch i cku n g zu gewärtigen hatte. Sie, Präsektur hatte mich aus der AnwaUsllste gestrichen und meine wirtschaftliche Existenz dadurch vernichtet. Ich wurde ständig überwacht.'. Alle Briefe, die ich empfing oder schrieb, gingen hyrch die Zensur. Ich nahin lieber die Gefahren einer Flucht auf mich, als die unaufhörlichen Schikonen zu ertragen. Das Der- brechen, Lgs ich beging, war. daß ich vor einem Bozener Gerichts- tribunal eiste junge deutsche Lehrerin als Rechtsanwalt verteidigt habe, als sie wegen unerlaubten Unterricht» in deutscher Sprache gn Schulkindern—»■ angeklagt war. Das Wohlprüfungsgericht beim Reichstag«af am Sonnabend die Schlußseststellungen über die Reichstagswahlen vom 7. Dezember 1924. Es wurde iestgestellt. daß die auf die Reichswahlvorfchläqe entfallenden Reftstlmmen richtig verwertet worden sind. Di« Mkalich- feit, daß sich aus Grund einer nochmaligen Nachprüfung da» Man- datsergebniv ändern könnte, liegt nicht vor. Der Antrag des Br- richterstatters. wonach die Verteilung der Abgeordnetensitze auf die Reichswahlvorfchiäge ordnungsmäßig erfolgt ist. fand einstimmige Annahme. Schwindel über Wien. Falsche Berichterstattung des Hugenberg-Blattes. In seinem gestrigen Abendblatt„meldet" der„Lokal-Anzelger" au« Wien, daß im Gemeinderat die Redner der Opposition„u n- erhörte Korruptionsfäll« bei den städtischen Wohnungsbauten und eine Schädigung der Stadt um Riesensummen nachgewiesen" hätten; der. sozialistische Stadtrat Jser, ein ehemaliger Lokomotiosührer— durch diesen Hinweis will der.Lokal-Anzeiger" wohl sagen: Seht her, was daraus wird, wenn Arbeiter Stadträte werden!— habe zugeben" müssen, daß er einer Baufirma große Austräge zu- geschanzt hätte, worauf er ist den Verband ebendicser Firma auf- genommen worden wäre. Dazu erhalten wir aus Wien folgenden Bericht: Einen Stadt- rat Jser giebt es nicht, sondern nur einen Gemeinderat(Stqdt- verordneten) dieses Namen». Er gehört im Gemeinderat dem Bau- ausschuß an und hatte eine Stellung bei einer Firma, die auch Gemeindelieferungen ausführte, wie sä viele andere Wiener Firmen auch: hält doch die sozialistische StadtverwaUung durch ihre gewaltige Wohnbautätigkeit und ihre sonstigen Ardeiteiwergebung die Arbeitslosigkeit i'n Wien dauernd unter dem Stand in den Bundeslände-rnI Jser hat aber, obwohl er al» Gemeinde r a t aus iü« Vergebung städtischer Arbeltsn durchaus nicht entscheidenden Einfluß hat. die Stellung bei dieser Firma auf- gegeben. In der gestrigen Gemeinderotssitzung übten zwei Ehristlichsoziale, die sonst kaum iemal« sprechen und alles eher als prominente Führer der Opposition sind, eine durchaus ir-äßip« Kritik an der städtischen Bauoerwaltung. Sie wiedekhollen dabei Angaben, die das Berleumderblatt de» rechtskräftig wegen Erpressung oerurteilten Alexander Weiß in seiner Verleumdungeseri« gegen die Sozialdemokratie fast täglich in die Welt jetzt, und wegen dem längst gegen den Verleumder Strafantrog gestellt worden ist. Die Beschuldigung gegen Gemeinderat Jser reduziert sich aus Die tatsächliche Behauptung, daß Fußbodenbretter. von der Firma geliefert, bei der Jser srüh«r in Stellung war, wegen Fäulnis nach kurzer Zeit hätten erneuert werden müssen. Es ist also weder von einer Korruption, noch gar von einer größeren Schädigung der Stadt Wien die Rede. Wie wenig die Opposition von ihrer Offensive erwartete, geht daraus hervor, daß sie in durchaus gemäßigter Form geführt und von zipei fast unbekannten Gcmeinderöten rednerisch vertreten worden ist. Die Kirche verjuüet! General Ludcndorff sagt es. In der völkisrhen Presse nimmt der Landtagsabg�ordnete Wull« zum Klrchenaustritt Lud'endorsss Stellung. Dabei erfährt man endlich den Grund dieses Schrittes, nämlich daß sich(nach Ansicht Ludendorssv. D- Red.) auch in dar evan- gelischcn Kirche jüdische Einflüsse bemerkbar machen, die dem Geist des wahren Christentums widersprechen. Der Urenkel des Seidenhändler, /A b r ah a m W« y l a N d muß es ja wissen. Aber diesmal bedauert selbst Wull«,' seinem G«nerol nicht folgen zu können, wenngleich auch er die Kirch« für.verbess«- rungsbedürftig" hält und Ludendorff die„achtbarsten Beweggründe" attestiert. Wir jedoch sehen trübe in Wullss Zukunft. Denn Ludendorff wird nicht zöger», noch dieser Erklärung auch d«n blauäugigen, blondhaarigen, kriegsfreiwillig daheimgebliebcncn Rcinhold Walle für v c rj u d« t zu erklären! Kampf auch in Sorau. 18000 Textilarbeiter in Kündigung. Schl!chtungcmisschuh Sarau fö'ltc am 4. Oktober einen T6,l«dsipruch, ber den derzeitigen Verhältnissen der Textilarbeiter unier keinen Umständen Rechnung trägt. Die Arbeiterschaft hat infolgodessen den Spruch einmütig abgelehnt und in nier Be- tlieban mit 18000 Beschäftigten beschlossen, am Sonnabend, dem lr Oktober, geschlossen die Kündigung einzureichen. Diesem Beschluß haben sich alle unter den Tarifvertrag fallenden M a n g l e r angeschlossen� so daß auch von diesen am Sonnabend Kündigung eingereicht worden ist. Rechteabmarsth ües DSS! Republikaner werben abgebaut. Wie wir erfahren, ist der bisherige Presseleiter des DBB. „krankheitshalber" beurlaubt. Seine Vertretung hat der den Deutsch- nationalen sehr nahestehende Dr. Fey übernommen. Auch der bis- Der yolZarbeiterkampf beenöet. Arbeitsaufnahme am Montag. Die vcilragschliehenden Unternehmerverbände der Berliner hol;. industrie. dir vereinigten verbände und die„vabeho" haben in ihren Versammlungen de» Schiedsspruch ebenfalls angenommen. Damil ist der Streik tn der Berliner Holzindustrie beendet, so deß die ArbcÜsausnahme am Montag, dem U. Oktober, erfolgt. Bei den mit den Betcicbssnhabern nunmehr vorzunehmenden Verhandlungen über die Arbeitsaufnahme hoben die Innk- tiouäre darauf zu acht-n, daß Bestimmungen getroffen werden. wonach der Streik nicht als Unlerbrechnng des Arbeits- Verhältnisses onzufehea ist. Tm übrigen werden die vertraglichen Vereinbarungen in Druck gelegt und stehen den Mitgliedern des Deutschen Holzorbeiterverbandes im Laufe der nächsten Woche zur versügung. Riefenkampf in München-Glaübacb. 00 000 Arbeiter gekündigt. München- Gladbach, 15. Oktober. fEigenberichl.) Cin der München-Gladbach er Textilindustrie konnte eine Einigung in der strittigen Lohnsrage zwischen der Arbeiterschdst und den Unternehmern nicht erzielt werden. Darauf- hin kündigten am Sonnabend im Einverständnis mit dem Deutschen Textilarbeifcrvcrbond und dem Verband Christlicher Textilarbeiter oeln Betriebe mit rund 4000 Beschäftigten ordnungsgemäß ihr Arbeiisverhälinis auf. Auf Grund dieser Kündigung sprachen dann die Unternehmer in allen Betrieben des strittigen Bezirks rund 40 000 Arbeiiern die Kündigung aus. Da auch etwa t8 000 Konfek- tioiisarbeltern gekündigt worden ist, umsaßt der Lahnkampf im Bezirk München-Gladbach rund 60 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. herig« Seit er der Organisatlonsabtevung, Genosse Locken»iß, dürste noch ietnem jetzigen Urlaub nicht mehr auf seinen bisherigen Posten zurückkehren, sondern als Direktor in die Bank für Wehr- machtongehörige und Beamte kaltgestellt werden soll. Die Roth, Gutschc uitd Konsorten scheinen also nunmehr aus ihrer bisher.beobachteten Reserve herauszugehen. Es steht allerdings zu erwarten, daß diese Schwenkung im DBB. sich keinesfalls wider standslos vollziehen wird. Jouhaux in Serlin. Bor den Firnktiottaren der Metallarbcrkcr. Der Führer des französischen Gewerkschaftsbuitdes, der zur Teil- nähme an den Sitzungen des Berwoltungsroles des Internationalen Arbeitsamtes in Berlin weilte, folgte einer Einladung der Ortsoer- Wallung des Metallarbeiterverbandes, am Freitag vor den Funktio- nären der Organisation zu sprechen. In der gut besuchten Versammlung in den Sophiensälen be- handelte Iaiihoux dos Thema:„Ergebnisse der Welt- wirtschastskansercnz." Der Reserent, der, wie bekannt, ein hervorragender Redner ist, sprach französisch, und seine Aus- sührungen, die er leider infolge einer anderweitigen Ber�flichtung stark abkürzen mußte, wurden ins Deutsche übertragen. Dies fei, so sagte er, bei seinem diesm'oligen Aufenthalt, die einzige Gelegenheit, im Kreise non Kollegen sprechen zu können. Der Weltwirtschasts- konscrenz komme sowohl eine soziale wie eine allgemeine Friedens- ausgäbe zu. Die moralische Annäherung zwischen den Völkern, die ja alücktichetweise in den acht Jahre» nach Friedensschluß manchen Fortschritt gemacht habe, genüge trotzdem zur«icherung des Friedens nicht, vielmehr müssen auch alle Methoden wlnschastlichrr Kricgs- führung verschwinden, aus denen die imperialistischen militärischen Kriege als die schließliche Explosion entstehen. Der Internationale G e w c r k s ch a s t? b u n d dürfe für sich da? BerdienÜ in Anspruch nehmen, von seiner Gründung an aus die Schaining einer Internationalen Wirtschaftsorganisation durch Einslußnohme auf den Völkerbund hin- gewirkt zu haben. In London, Rom»nd Wien haben dessen Kon- gresse sich mit der Frage einer Wirtschastskonferenz beschäftigt und schließlich 1024 dem Völkerbund einen diesbezüglichen Vorschlag gemacht. Die Äonserenz Hot numnöhr stattgesunden. Die Wünsche der Arbeiter hat sie gewiß nicht in allen Beziehungen befriedigt, aber sie Hot zum mindesten den Erfolg gebracht, daß Vertreter und Führer der Wirtschaft zu der ofjer«eii Erklärung veranlaßt wurden, daß Protektionismus und wirrschartliche Krieg» sührung Ursache militärischer Kriege werden können und daher bekämpft werden müssen. Solche Konferenzen können als Endergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen erfahrenen und zuständigen Persönlichkeiten Erkenntnisse herausarbeiten und Ziele formu- l> e r e n. Aber an den Regierungen der einzelnen Länder, die ja trotz allen Konferenzen, souverän bleiben, liegt es. eine diesen Er- teniunisse» gemäße Politik zu treiben, und Ausgabe der Ar- beiterschast ist es, durch ihren Einfluß und ihre Macht die Regierungen zu einer solchen Politik zu zwingen und die Reaktion der Gegner abzuwehren. Dazu aber gehört wiederum, daß die Arbeiter eines Landes selbst geeinigt sind und zusammenholten, denn wie wollten wir von Nationen und Staatsmännern Einigung vor- langen und non den Wirtflliaftssührern der verschiedenen Länder die Schaffung eines Ausgleiches der wirtschaftlichen Interessen fordern. wenn die Arbeiterschäst selbst nicht einig- wäre. Nur eine ge- schlosfene Macht der Arbeiter wird in der Lage fem, eine Politik der Verständigung, des wirtschosilichen wie des-politischen Friedens durchzusetzen. Von der Rationalisierung sprechend zeigte Iouhaux mit scharfe» Worten den Widerspruch aus, der darin liegt, unicr dem Namen einer Rationalisierung, die, wenn richtig durchgesührt, für die Wirtschast ein Vorteil wäre, nichtsondereszu verstehen, als Lohnkürzungen und damit eine Lähmung f�er Kauskrast der großen Volksmasse"» in der europäischen Volkswirtschaft. Lohn- kür, zungen und Unterproduktion können niemals Belebung iier Wirtschaft bedeuten. Auch die Zollschranken, welche die Staaten nizch dem Kriege nur höher gebaut haben, werden dem Arbeiter als eine Maßnahme gepriesen, die ibm Beschäsiiaung sichern soll. In Wirklichkeit drücken auch sie auf die Kamkrost dar Massen: Vorteil bringen sie bloß kleinen kapitalistischen Interessengruppen in jedem Lande. In der gleichen Weise, wie die von den Unternehmern beliebt!*! Lohnkürzungen, wirkt eine Jiiflorion, wie sie das deutsche Volk bis zu Ende auskostete und das sron,zösische Volk zurzeit bitter sülfeu muß. Solche Inflationen, bei denen der Arbeiter seinen wohl- verdienten Lohn gemindert in entwertetem Gelde erhält, sind�weiter nichts, als ein dauernder Lohndruck großen Stils Wenn die Arbeitervertreter henke im Internationalen Arbeitsamt sitzen, an Welhvirtschaitskonferenzen teilnehmen und auf den Völker- bund Einfluß zu gewinnen suchen, so tun sie dies in der Erkenntnis, daß das Ziel der Arbeiterklasse ein gemeinsames und in jedem Lande dasselbe ist. Notwendig ist, daß sie bei solchen Reprösen- tationen stets in der Lage seien, aus den Rückhalt�und die Macht- zu verweisen, die in ihrer.steimat in der Form eine? starken und geeinten Arbeiterbewegung hinter ihnen steht. Nur mit einer lolchen kann die internationale Wirtschaftspolitik zum Nutz:» der großen Massen beeinflußt werden und mir eine starke Arbeiter- bewegung in allen Landern ist in der Lage, der Kriegsgefahr z» begegnen.__ »Der kanfmännischc Beruf" war ein'Artikel in unserer gestrigen Morgenausgabe verösfentlicht, worin den Lehrstellen suckienden Eltern empfohlen wurde, sich an den Zentralvex�iand der Ange- stellten zu wenden Für Berlin erteil, jedoch nicht die choupt- geschäftsstelle Auskunft, sondern die Berliner Ortsverwal-� tung des Zentralverbandes der Angestellte», SW6l, Belle-Alliance-Straße 7— 10. 3m Amsterdamer Hasenarbeiterstreik hat sich der Zentraloorband der Transportnrbe'ter mit einem Schreiben an die Schifsahrtsvcr- einigimg Oiord gewandt, worin er die Behauptung der Arbeitgeber, daß der Streik während laufender Unstrlmndlungen ausgebrochen sei, zurückweist. Der Streik sei kein wilder Konflikt, sondern ein von der Organisalirn beschlossener Streik, da die Arbeitgeber am 3. d M. erklärt hätten, daß die strittigen Fragen völlig durchge- sprachen seien.— Der Dampfer„Sumatra" konnte infolge des Streiks nicht gelöscht werden und mußte sich zur Löschung nach Rotterdam begeben. DerarUwortllch filr Politik: Dr. tturt®ei)Ct; WirtsKafl:®. tUtiuielbitcr: Suverkschaltodrwezuna: Zr. kttko:»: ffenilleton Dr. Iol>» Schitowsli: Lotairs: und Sonftiacs: Fri«,»arstiidt; Sinzrigr»: Zl». Stocke; sanUlich iir Setiin: Serloa; Vorwärts-Scrlag®. m. b H.. Berlin. Druck: VorwSrts-Suchdruckerrt und Verloasanlial» Paul Einarr v Co Berlin SW 68. LindenftraS» 3. Sterin 5 Beilagen..Unteihaltuna»nd Wilsen- und„Au» der tzitonuelt-, iideratbl man nur dem Nackiweto de, Deutschen Mugkerverbandee. Berlin, gou» mandanteaftr. 6Z,St. Dönhoff 3277—78. Oeschitftzze» 0— ü, Sonntag« 10—2 Uhr. Auf Wunsch: Bertreterbcsuch. B E RUIN CS"SPANDAUER IST«? A-S S• K ö N I Q- S J R A S S E• Q E<3 R Ü N D E TIBI S U A M E ST WAS CHE MOHCE AJKEEIHEXG » Einksehe T a g h e m d Trägcrform, mit Stickerei T a g h e m d Achselscnluß mit Stickerei- Einsatr und-Ansatz Hemdhose iMadapolani m. Stick.-Ans. Nachthemd Bübiforra m. Stlck.-Ansatz Nacht he m d Bubff orm, weiß Batist mit farbigem Aufschl. 1.90 2.73 3.75 3.90 4.00 Elegante g h e m d i T a g n e m ok-- »Mako, Handhohls., hdgest. 4 ff Nachthemd« weis Batist mit Spitze C•d'l H e m d h o s e ß farbig Batist mit Spitze OaOU Hemdhoseo-- frb.Cr8pc de Chine m. Spitze O* 4 O Nachthemd farbig Crtpe de Chine"f Q � T mit Spitze XO. Schlafanzug« KA farb.Batlstm.wciß.Aufscm. f»Ol/ Schlafanz u�; q Ranell m..weiß. Aufschlag. Schlafanzugs« B emb er g- Kunstseide md 4 Morgenrock« Rauschstoffm. färb. Blende O«00 M orgenrockß Flauschstoff, reich besticht"• I O M orgenrock-g j g.WoIlflausch, bunt. Bes. Hr.OU H a u s k 1 e i d einfarbig oder gestreift 6D AA Zephir mit Blenden Servierkleid vorzügl. 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In sehr genauen Quellen- sorschungen weist der Direktor der Berliner Magistratsbibliothek, Arendt, in den Orgonisationsformen der Iünste auch das erste Auftauchen der Klempner, der Klampserer, Spengler, Klipper und tlatcrnenmacher, nach, eines Gewerbes, das sich aus der immer viel- faltigeren Spezialisierung und Arbeitsteilung des Schiniedehond- inerks herausbildete. In die große Familie der Kleinschmieds zählten serner die d»n Klempnern verwandten Berufe: jFlaschner. Plannen- lind Lösselschmiede,»schellenmacher, Beckenschläger, Drahtzieher, Aagler, Rödler, Fingerhuter, Bortenmacher, Fcilenhaner, Säge- schmiede, Gürtler und Zirkelschmiede. Di« Entwicklungsgeschichie der Klempnerzunft hängt eng mit der B e r li n e r S t aj) t g r ih, d u n g zusammen, und sie zeigt nnt dem Wachsen der Stadt auch ihren immtr stärkeren Zusammenschluß, so daß die Innung beuits im Iohre 1617 ein eigenes Siegel und ci�sne Statuten besaß. Dokument and den, Jahre 1687 gibt zum erstenmal genaueren Bericht über die-strengen Zunstsatzungen, aus denen wir nur u. a. anführen wallen, daß die Zuirst bestrebt war, die Zahl der Innung?- iivtglieder in Berlin nicht hoch anwachsen zu lassen und den Eintritt in die Zunft eher zu erschweren als zu erleichtern. Bon der Ausnahme als Lehrling in die Zunft wurden oll« u n- ehelichen und von nichtdeutschen swendischen) Eltern stammen- den Kinder ausgeschlossen, ebenso die, deren Väter Berufen ange- borten, die als unehrlich und unsauber galten, wie chenker, Schinder, Totengräber, Spielleute, Schäfer, Vögte, Stadtd'ener und Wächter. Es niiissen eben rechte Krauter gewesen sein! Eben- falls wurden die strengen Bestimmungen zur Gesellen- und M eist e r zu l a s s u n g stets innsgehallen. Der Eintritt und das Läsen vor der Innungslade— dies geschah unter wichtigen Zermonien und daraus'mit lustigen Schmäusen— war immer eine recht kost- fpiel'ge Sache, die Fremde und U n b e n> i t t c l t e fernhielt: dagegen bot die Zunft den eigenen Meistersöhnen und Angehörigen berliner Dlech. jede erdenkliche Erleichterung. Man war eben bestrebt, die Vor- Machtstellung der Zünfte nur als Privileg für die eigenen Familien zu erholten! Aus dieser Geschichte der Klempner, die gleichze'tig die ganz« Berliner Stadtgeschichte und die Geschichte der Zünfte im b«sonderen widerspiegelt, wird bereits aus dem 17. Jahrhundert berichtet, daß zwischen den engherzigen Zunftmeistern und den in großen Verbünden organisierten Gesellschaften erbitterte Streitigkeiten wegen der einschränkenden Bc- stimmungen entbrannt waren. Die neuzeitliche Entwicklung konnte sich durck) diese rückständigen und einseitigen Zunftrechte nicht in ihrem gewaltsamen Zuge jiach vorwärts aushalten lassen, meist waren es Kommune und Staat, die von den Satzungen eine nach der anderen aushoben und das Handwerk freimachten. Es würde zu weit führen, diese Entwicklung bis in die Jetztzeit hinein zu verfolgen, die Zimstresarm cn sich bis zur Stein-Hardenbergschen Rcsormgcsctzgcbung, die Innung in der Zrft der Gemerbesreiheit und ihre Entwicklung nach dem Kriege zu behandeln. D:r historisch« Anlaß bot d'e Gelegenheit, einen kleinen Zeitausschnitt mit jenen Zuständen hier wiederzugeben, die weder M ei st er noch Ge- seilen von heute zurückwünschen werden. « Die Berliner Klempner- und Installateur. innung feierte ihr ZVOjähriges Bestehen durch eine Reihe von Veranstaltungen. Im ehemaligen Herrenhaus wurde am Freitag vormittag das Jubiläum durch einen.F e st a k t eingeleitet, bei dem Regierüng, Reichswinschaftsrat, die Handwerkerkammer, der Magistrat und andere Behörden durch ihre Vertreter ihre Glück- wünsche darbrachten. Der Obermeister der Innung. Kunitz, gab in seiner Festrede ein« Rückschau über die Entwicklung des Ge- werbes im letzten Jahrhundert und behandelte besonders die Ver- hältnissc nach dem Kriege. Er bezeichnete die Lage des Handwerks als nicht günstig, das Handwerk würde von steuerlichen und behördlichen Mohnahmen sehr bedrückt. Der Vertreter des Ober- Präsidenten wußte dagegen das unpolitische Verhalten der �Zement. C�orrlarx von Fjodor Gladkorv. „Tante Dascha!... Tante Dascha!..." Irgendwo in der Ferne, in den Zimmern troinmelte jemand auf einem Piano und sang laut und falsch die Internationale der Kinder: Steht auf, ihr Kinder der Erneu'rung, Du Jugendschar der ganzen Welt. Dascha lachte, kraute den Kindern die Köpfe, und man merkte, daß die Kleinen an diese Liebkosungen gewöhnt waren, daß sie sie erwarteten, wie die übliche Portion ihres Essens. „Nun, Kinderchen, was habt ihr gegessen, was getrunken. wer hat ein volles Bäuchlein, wer ein leeres?... Redet!... Und sie antworteten alle durcheinander, schrien aus vollem Halse. Sie kratzten ihre Köpfe, kratzten sich unter den Achseln. Und dort zieht ein schmieriges, kleines Kind laut Mit seiner Nase, reißt seine Augen weit auf, stöhnt und kratzt seine schmutzige Brust unter dem Hemd. „Ta— ta— ta ta! Schaut nur diesen grausamen Helden an! Der marschiert geradeaus auf die Barrikaden." Und der Kleine und Dascha und die Kinder lachten olle laut auf. Und auch die Sonne spielte mit chrem Lachen auf den offenen Fenstern, die so groß waren wie Türen. Dascha ging, Njurka an der Hand, voran und sah Gljeb nicht ein einzigesmol an. Und Gljeb war voller Kränkung darüber: Dascha und Njurka zusammen— und er, fremd und fern. Dascha ist hier, Njurka an der Hand haltend, ganz Mutter, mehr Mutter als zu Hause. Und er ist hier, ist zu Hause einsam.-- kinderlos. Ja, man muß auch hier das Leben erobern. Sie g'ngen durch olle Stockwerke, kamen in das Eß- zimT'-. wo das Geschirr stand und Kinder herumsaßen, in die Küche, wo es nach Graupen roch und auch Kinder sich zu schaffen machten, und in den Klub, wo es ganz leer war, die Wände voller Schimmel und kleiner Bilder. Und dort neben einem kurzgeschorenen Mädchen, mit einem braunen Mutteb- inal über die ganze Wange, standen eng zusammengepfercht e-n Häufchen Kinder und sangen falsch und betäubend laut die Internationale: Steht auf, ihr Kinder der Erneu'rung, Die Zukunft wird durch euch erhellt. Domacha und Lisaweta, ihre Nachbarinnen, waren auch dort. Und auch in ihnen bemerkte Gljeb etwas Neues, nie Gesehenes. Auch sie sind hier wie zu Hause. Domacha war in der Küche und half kochen. Erhitzt, mit aufgekrempelten Aermeln, arbeitete sie geschäftig, wie in ihrer eigenen Kammer. Und empfing Dascha mit Küssen. „Schau mal her, unsere Generalin ist gekommen. Schimpf einmal ordentlich unser verfluchtes Kommissariat für Volksbildung aus: man muß eine Arbeit leisten und sich nicht nur ins Taschentuch schneuzen. Und die Ernährungs- kommission, die kannst du auch mit dem Schädel an die Wand hauen! Wo ist das vorgekommen, daß man Kinder mit Würmern und Mäusedreck füttert?... Hat sich dir dein Gemahl wieder aufgedrängt? Jag ihn fort, wozu brauchst du ihn?... Meiner ist nicht zurückgekommen, auch gut, hol ihn der Teufel! Hengste sind ohne Zahl zu finden. sind zur Auswahl da.... Ja! Nun, nun, glotz mich nicht mit deinen Augen an, ich gehöre nicht zu den Aengstlichen. ... Jagst mir keinen Schrecken mit deiner Schlafmütze ein. ... Ins Ernährungskommissariat werde ich selber hingehen. auch ins Kommissariat für Volksbildung.... Mit dem Stiefel werde ich ihnen dort über die Fresse hauen...." Dascha schlug sie auf ihre breiten Schultern und lachte. „Schnatterst schon wieder, du Gans.... Bist ein oerpslixtes Weib. Domacha!"' „Allen müßte man dort über die Fresse geben.. solche verfluchten Teufel. Achten nur aus ihren eigenen Bauch. Ich werde ihnen dort allen die�)osen herunterlassen." Das Lachen blieb in Gljebs Hals stecken. „Ein verfluchtes Frauenzimmer! Wie sie ohne Atem- pause drauflos geht...." Lisaweta trafen sie in der Speisekammer bei der Wirt- schastcrin. Beide, Lisaweta und die Wirtschafterin waren groß. stolz: beide waren sauher angezogen und sahen wie Kranken- schwestern aus. Die Wirtschafterm sckwarz, mit armenischem Schnurrbärtchen, Lisaweta semmelblond, gepolstertcß-Berlin habe durch Pbüfuvg festgrstcllt, daß Reinhardt aus dem Deutschen Theater und aus den Kammerspielen weder durch Mie-te noch durch Gehalt irgendwelche Vor- teile habe, sondern sogar aus seinem Privateinkommen b e» r o ch!- Ii che Zuschüsse gebe. Das Nachrichtenamt meldet, Prafestar Reinhardt habe dem Minister erklärt, daß er sogar aus die 60 006 M. Iahresgehalt verzichten würde, aber nach wie vor seien ihm mönat- lich 2000 M. gezahlt worden.__ Die Stadtverordnetenversammlung hat in der kommenden W--�- zwei Sitzungen, eine außerordentliche am Dienstag um 18 Uhr und die ordentliche am Donnerstag um lO'l* Uhr. Für Dienstag steht auf der Tagesordnung nur die Wohnungsdouvorlage, deren Beratung sortgesetzt werden soll und hossentlich zu Ende kommen wird. Für Donnerstag steht auf der Tagesordnung an erster Stelle die Fortsetzung der Besprechung des R e i ch s i ch u l q« s e tz e n t- m u r s c s und der gegen ihn sich richtenden drei Protestanträge. stration veranstalten, die nackten Kinder vorführen.... Wem soll man da die Schädel einHauen? Die Kinder gehn in die Berge, um Holz zu suchen, aber die Arbeiter haben schon die Abfälle zusammengesucht. Wir haben nichts, womit die Graupen zu kochen... wem sollen wir da die Schädel einhauen?..." Dascha schrieb Domachas und Lisawetas Worte auf, lind kleine Falten schnitten die Nasenwurzel von den Augen- brauen ab. „Genossin Lisaweta, du wirst kommandiert, alles hier im Hause zu untersuchen und dann der Frauengruppe dar- über zu berichten...." Lisaweta stieß nur einmal mit ihrem Blick auf Gljeb, dann bemerkte sie ihn nicht mehr. Und dann sah er noch andere Frauen, in weißen Kopf- tüchern und ohne Tücher, und alle lächelten Dascha ehr- erbiecig und schmeichlerisch zu. Gljeb schielten sie vorsichtig und furchtsam von der Seite an. Wer ist er? Vielleicht einer von den langweiligen Revisoren, die man gut beob- achten muß, um ihre Schwächen kennen zu lernen. Gljeb wollte immer wieder Njurkas Händchen nehmen und sagte ihr:„Njurotschka, nun gib mir dein Händchen... der Mutter gibst du es, warum nicht mir?" Aber sie wandte sich weg und versteckte ihr Händchen. Und als er sie wie unabsichllich küßte und sie in seine Arme nahm, wurde sie plötzlich ruhig, ergab sich und sah ihm zum ersten Male aufmerksam und nachdenklich ins Gesicht. „Ihre Rjurotschka ist ein prachtvolles kleines Mädchen." Die Verwalterin sagte es. Sie war flink wie ein Mäuschen, bunt und flimmernd, mit goldenen Zähnen. Dascha schaute über sie hinweg auf die Wände und Fenster, und ihr Gesicht wurde wieder streng und scharf. „Ach lassen Sie das nur, lassen Sie Njurotschka... hier siird alle gleich und alle sollten prachtvoll sein." „Ja. gewiß, gewiß'... Wir tun doch alle-- für die Proletarierkinder... die Proletarierkmder müssen jetzt der Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit sein. Die Sowjet macht sorgt doch so viel...." Gljeb knirschte mit den Zähnen. Lügen! Man müßte mal untersuchen, was das hier für Elemente sind. Und dann.Pagen, Klagen, Klagen.... Und auf die Klagen schlug Dascha der Verwalterin mit harten Worten ins Gesicht.(So eine Stimme hotte Gljeb nie früher gehört.)(Forljetzung joigt.) der seltsame„Kaufmann' Kauffmann. Kassiber und erdichtete Gerichtsbeschlüsse! Konkursvergehen und Aktienbeseitigung, das wirft man, wie wir seinerzeit schon kurz berichteten, dem Inhaber der sogenannten Lebensmittelgroßhandlung und Schokoladenfabrik F. P. A. Kouff- mann G. m. b. S)., therrn Kaufmann Kau ff mann vor. Sein Geschäft lag in der W a l l st r a ß e. Ende August kam er in Untersuchungshaft. Damals wurde gegen ihn die Zwangsräumung durchgeführt, weil er jahrlang keine Miete bezahlt hatte. Dabei fand der Gerichtsvollzieher in den Geschäfts- und Lagerräumen ein wüstes Durcheinander von v e r- dorbcnen Nahrungsmitteln, zum gröhten Teil„Ersatz" aus der Kriegs zeit, allerlei Schriftstücke u. a. m. Diese Schriftstücke wurden als Akten aus Z i v i l p r o z e s s« n. gefälschte und ganz erdichtet« Gerichtsbeschlüsse usw. erkannt. Gegen den Verhafteten ist bereits die Voruntersuchung eröffnet worden. Aber auch die Kriminalpolizei beschäfligt sich noch immer mit ihm. Kaufsmann berief sich ihr gegenüber bei seiner flestnahm« auf Zeugen, die seine Unschuld beweisen könnten, mußte aber, wie er damals sagte, keinen namhaft zu machen. Es fiel nun auf, daß er sich trotz erdrückenden Veweismaterials immer sicherer zu fühlen schien. Das gab Veranlassung zu besonderen Beobachtun- gen, die dann die Erklärung für sein Verhalten brachten. Kausfmon», dem man in der Untersuchungshast eine Schreib- inasch in« zur Verfügung gestellt hatte, hat die ihm gewährte Sprecherlaubnis auf das schwerste mißbraucht. Zu seinen Be- suchern in der Sprechzeit gehörte«in 19 Jahre altes Mädchen, das, wie sich jetzt ergeben hat, ganz unter seinem Einfluß stand. Kriminal- beamte beobachteten diese» Mädchen mehrere Tage lang, hielten es noch einem erneuten Besuche auf der Straß« an und sagten ihm aus den Kopf zu, daß es zugunsten des Verhafteten tätig fei. Das Mädchen gab auch alsbald vier mit der Maschine ge- schrieben« Briefe und einen Zettel heraus, die ihm Kaust- nwnn während der Unterhaltung z u g e st e ck t hatte. Wie er das fertig gebracht hat, will das Mädchen nicht wissen. Die vier Briefe waren an Leute gerichtet, die Kaufsmann früher als E n t l a st u N g?- zeugen im Auge hatte, deren Namen und Wohnung ihm aber angeblich entfallen waren. In den Schreiben teilt« er den Empfängern mit, was er selbst aussagen werde, und wies sie an, was sie demenstprechend bekunden sollten. Der mit der Hand geschriebene Zettel enthielt Verhaltungsmaßregeln für dos Mädchen. Es ist nun nicht ausgeschlossen, sondern sogar wahrschein- lich, daß sich Kaustmann auf dem gleichen Wege auch mit anderen Leuten in Verbindung gesetzt hat, um sie als E n t- lastungszeugen zu gewinnen und zu beeinflussen Diese Leute, die der Kriminalpolizei noch nicht bekannt sind, werden in ihrem eigenen Interesse gut tun, sich unverzüglich bei Kriminal- kommissor Äanthclck im Polizeipräsidium zu m e l d e n. Sic machen sich sonst der Begünstigung schuldig. Bei den bekannt ge- wordenen„Zeugen" wird noch weiter untersucht, in wichen Verbindungen sie mit Kaustmann gestanden haben. 8 RassehundauSstellling im Lnnapark. Im Lunapark findet zurzeit«ine Hundeausstellung stait. an der jeder jfreund gutgezogener Hunde feine hell« Freude beben kann: denn sRassehunde und nur jolch« stehen zur Schau. Unter den Stöber- und Vorstehhunden sieht man u. o. Jagdspaniels. deutsches Kurzhaar, deutsches Drahthaar, Dachshunde, Foxterrier und schottische Terrier, unter den Hetzhungen gewahrt man die bekannten Arten Greyhoundo, Whippets und die austolligen Barsoy», denen der Voltsmund Falschheit und Dummheit nachfagt. Das größte Interesse l eanfpruchcn wohl die Diensthunde, als da sind die gerade beim lieinen Mann so beliebten deutschen Schäferhunde, die Dobberman- nnjcher, die Arcdaletcrricr, die man in den Berliner Straßen des öfteren als Blindensührer ahtrifst, die Nottweiler, die man in Nord- »rutschiand früher Schlächtcrhund« nannte, die Boxer lxnd die Riesen- lchnquzer. die oft mit guten Polizeihundleistungen aufwarten. Unter den Nutz- und Wachhunden findet man Bernhardiner, Neufundländer, Doggen, alles Tiere, die der gewöhnliche Sterbliche in einer Großstadt wie Berlin weder ernähren noch aus einer Etagenwohnung halten kann. Viel schaulustig« Liebhaber finden immer die Pudel, deren Haltung aber eine ganz besondere Pflege und viel Zeit erfordert. Ebenso sind die französischen Bulldoggen, die kokett häßlich sind, in letzter Zeit sehr beliebt geworden. Natürlich findet man auch manches seltene Rasseexcmplar und Zwerghündchen, die nur noch als Spiel- zeug gelten können. <$in Mazdaznan-Vortrast. Es hat unserer Zeit noch eine neu« Lehre gefehlt. Mr. Dr. O. Z. A. Hgnish(Los Angele», Kalisornien) ltzn das scharfsinnig erkannt. Ueberhaupt dieser Man» muß«in guter Psycholog« sein, was«r mehr ist, ist nicht allgemein bekannt, es hat sich halt noch nicht rum- gesprochen. Er hat jedenfalls eine ganz beträchtliche Anzahl Anhänger gefunden, was nicht unbedingt für ihn zu sprechen brauchk. Professar Ätt«n sprach im Schubert-Saal über das Thema„Was ist Maz- daznan?". Der Vortrag war nicht so sehr Werbevortrag, er sollte vielmehr über die Ziele der Gesellschaft aufklären. Er setzt voraus, daß man über die verschiedenen Lebensäußerungen im Sinne Maz- daznans unterrichtet sei. Um ein würdiges Mitglied dieser Gcsellschajt (man lese nur nicht Sekte) zu sein, muß man eine bestimmte Diät < Rohkost und vegetarisches Essen bevorzugt) befolgen, muß man fleißig Atemübungen und alle möglichen Waschungen machen, sich inusikatisch betätigen und sich keinen erotischen Ausschweifungen hin- geben. Nach Befolgung dieser.Hauptregeln kann man dann der inneren Ausgeglichenheit auf Erden teilhaftig werde». Professor Jtten bemühte sich nun, diese einzelnen Aktionen wissenschaftlich zu erklären. Er berief sich dabei gern und oft aus die Lehren von Zarathustra und auf das Urchristentum. Die Ernährung soll«inen Einfluß auf die inneren Drüsen haben und die wiederum auf das Nervensystem, so daß dadurch eine Wiedergeburt aus eigenen Kräften erfolgen kann. Um Einfluß auf seine Gedanken zu bekommen, muß der Mensch erst einmal lauter gute Gedanken haben. Das Singen von eintönigen Melodien und das Atmen soll dabei behilslich sein, und auch sonst heilsam wirken. Di« Anwesenden waren wohl zu !>y Proz. Anhänger dieser Lehren. Sie folgten den Ausführungen des Professors Jtten mit Interesse. Sje legten aber nicht gerade ein beredtes Zeugnis für die Endziele der Mazdaznan-Wissenschaft ah. Die gefährlichen Hahnübergänge Konferenze»t im Reichsverkehrsministerium. Die ungeahnte Entwicklung des Kraftsahrzeugvertehrs in Deutschland hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit aller maßgebenden Stellen wieder auf eine unleugbare Gefahrenquelle gelenkt, nämlich auf die Kreuzungen der Straßen und der Eisenbahnübergänge, be- sonders der nicht gesicherten Ueberwege. Im Monat September haben sich an solchen Kreuzungsstellen zehn schwere Unfälle ereignet, und säst immer waren mehrere Personen schwer verletzt oder gar getötet worden. Durcssaus nicht immer lag bei diesen Kota- strophen die Schuld bei den Lenkern der'Kraftfahrzeuge, sondern. wie einwandfrei nachgewiesen werden konnte, haben auch Beamte der Reichsbahn ihre Pflichten verabsäumt, indem sie die Schranken zu spät oder gar nicht schlössen. Die Reichsbohngesellschaft beschäftigt sich augenblicklich sehr ernsthast mit der Frage, wie man die Unsallsmöglichkeiten in Zukunft beseitigen vder wenigsten» herabmindern kann. Man hat durch die zuständigen Dezernenten im Ausland die von anderen Bahnen getroste»«» Sicherheitsmaßnahmen prüfen lassen, so in Amerika, in der Schweiz und in Schweden. In Am«- rika ist man zum großen Teil dazu übergegangen, an den fast überall unbewachten Bahnübergängen automatische Leucht- zeichen anzubringen, nachdem im versiossenen Jahr über 3500 Personen bei Zusammenstößen mit den Zügen qetöcet worden sind. Dieses System der automatischen Lichisichcrung hat jedoch tech- nisch sich noch nicht so bewährt, daß man es in Deutschland ohne meiteres übernehmen könnte. Auch in Schweden, wo man dazu übergeht, an die Stelle von Schrank�, Blinklicht zu setzen, befriedigen die Ergebnisse nicht, da dort ebenso wi« in der Schweiz die Neuregelung des Warnungsdienstcs die Zahl der Unfälle nicht wesentlich oermindert lzat. Die Reichsbahn erwögt, auch in Deutschland Blinkfeuer an den Uebergängen ein.zurkchten, wenigstens will man zu- nächst Persuche machen. Allerdings sin» die Kosten, die hier auf. ffewendet werden müssen, ganz enorm. Allein dt« Reichsboyn— oia privaten Klein- und Nebenbahnen sind hbr nicht berücksichtigt- hat in Deutschland rund 7ü 000 Uebergänge über Straßen und Land- straßen. Davon sind 40 000 nicht durch Schranken gesichert. Dm Blinkseueranlagen, die man ausstellen müßt«, kosten rund 800(1 bis 10 000 Mark, so daß ein Schutz aller Uebergänge etwa 560 Millw- nen Mark atr Kosten erfordern würde. Man will sich zunächst daraus beschränken, Warnungsschilder auszustellen, die ein- sprechend den internationalen Vereinbarungen in einem großeic Dreieck ein Gotter bei bewachten und ein« Lokomotive bei unbe- wachten Uebergänge» zeigen. Die Anregung, an den unbewachten Kreuzungen besondere reflektierende Warn ungszeichen, etwa in Form eines Ausrufungszeichens n größeren Dimensionen aufzustellen, die vom Lichte der Scheinwerfer, besonders des Abends, aus große Entfernungen beleuchtet werden können, wird noch ge- prüft. Man steht bei der Reichsbahn diesem von mehreren Tech- nikern gemachten Vorschlage nicht unsympathisch gegenüber, da bei geringen Eigenkosten die Aufgabe, schnelliahrende Wagen zu warnen, durchaus erfüllen dürste. Danebcn werden noch andere Vorschläge bearbeitet, die man erst praktisch erproben will. Vor allen Dingen will die Reichsbahn dafür Sorge tragen, daß in Zu- kunst die aufgestellten Wornungszeichen ständig überwacht und auf Sichtbarkeit geprüft werten, damst nicht, wi« das früher vielfach geschah. Bäume und Sträucher mit der Zeit die Warnungs- tafeln verdecken oder schwer erkenntlich machen. Anfang November wird im Reichsverkehrsministerium eine Konferenz von Verkehrstechni kern zusammentreten, an der auch die Delegierten der großen Automobilklubs, der Hau- delekammern, der Jugenieurvereine usw. teilnehmen. Hier soll die Frage der Sicherung der Bahnübergänge sehr ausführlich be- sprachen werden, und die Reichsbahn ist entschlossen, obnp Rücksicht auf die ÄSsten. Verbesserungen durchzuführen, soweit sie von den maßgebenden Stellen als erforderlich betrachtet werden. Die Drohung mit üem Revolver. „Du hast das letzte Wort gesprochen." Er gehörte zu den Männern, die, wenn sie einmal an einer Frau Feuer gefangen haben, unrettbar verloren sind. Sie halten krampfhaft an ihrem Besitz fest, da sie missen, wie schwer e» war, ihn zu erreichen. Gerade deshalb fallen sie ober auf Froue» herein, die das direkte Gegenteil von ihnen darstellen, gewöhnlich sind es leichtfertige Dinger, die ebenso leicht anderen die Aufmunterung zu- kommcn lassen, die jenen ihre Schüchternheit überwinden ließ. Der Vahnschaflner K. lernte die ILjährige S. kennen, Der- käuferin in einem Berliner Warenhaus. Die jungen Leute v e r- lobten sich, die Heirat war eine ausgemachte Sache, die Familien verkchrten sreundjchaftlich miteinander. Dann begann aber der Bahnschafsne« plötzlich zu trinken— wa» in ihn gefahren war, konnte nicht sestgestellt werden. Den Eltern der Braut mißfiel dies. sie verboten dem Mädel den Umgang mit K. Die Achtzehnjährig« tröstete sich nur allzu schnell und fand bald einen anderen Freund. K. war untröstlich. Cr begann die S. förmlich zu ver- folgen, lauerte sie immer wieder bei ihrer Ruckkehr vom Warenhaus an der Stelle auk. wo sie miteinander so schöne Stunden verlebt hatten, ließ sie nicht in Ruhe. Sie wollte von ihm nichts mehr wissen: als er aber um eine letzte Unterredung bat, ging sie darauf ein. Ob sie istcht doch zu ihm zurückkehren wolle.„Nein." Ob sie einen anderen Freund habe?„Ja." Ob sie ihm nicht einen Kuß zum Abschied geben wolle?„Nein!— Nein!"„Du hast dos letzte Wort gesprochen, wirst Dich im Jenseits mit Deinem Liebsten unter- halten!"— und ein Schuß krachte. Die Verwandten des Mädchens kamen herbeigestürzt— ihre Laube befand sich ganz in der Nähe— und stellten fest, daß K. in den Zaun geschossen hatte. Er habe da» Mädchen nur einschüchtern wollen, erklärte er auf dem Polizeirevier. Nur«inschüchtern, mit einem Schuß aus dem Revolver? K. fand eigen verständigen Staatsanwalt und auch einen nicht weniger verständigen Richter. Der Staatsanwalt erhob Anklage nicht etwa wegen versuchten Totschlag» oder gar wegen versuchten Mordes, sondern allein wegen gefährlicher Drohung. Und das Gericht verurteilte ihn wegen eben dieses Delikts zu einen» M o- not Gefängnis. Selbst eine Bewährungsfrist erhielt er. Don dem Mädchen kann er selbst heut« nach nicht lasseck. Immer wieder wanderten seine Augen zur Zeugenbank hinüber, wo sie saß. die Spaltpilze im ZreiüenkerbunS. Wie uns aus Freidenkcnkreifen geschrieben wird, gibt sich a»ch dort und das ist für uns ja nichts Neues— die K o m- m u n i st i s itz e Parte! alle Mühe, die große Organisation des Verbandes für Froidenkerlum und Feuerbestattung für Ihr« Partei- zwecke zu erobern. Natürlich arbeitet sie auch hier mit drr alten ab- geleierten Parate der„Schaffung einer proletarischen E i n h e i t s s r n n t". Dos gehört nun mal zu d«m sattsam be- kannten Sprachschatz. Es gilt da die Abwandlung eines alten Wortes aus dem.Kladderadatsch": „Für Einheitsfront stets absolut, Wenn man unser» Willen tut." Die Mehrheit de» Freidenkeroerbande» hat allerdings nicht die Absicht, sich eine derartige Opposition gefallen zy lassen. Das iperken auch die Kommunisten, und deswegen lassen sie jetzt die Parole der Einheitsfront fallen, um dafür die Parole der Spaltung ganz offen auszugeben. Man lese die„Rote Fahne vom Mittwoch. Es handelt sich da um die H a u s k o s s i c r u n g, die gerade von der Opposition früher beantragt wurde. Ein angebliches Mitglied des Freidenkerverbandcs tut in der„Roten Fahne" diesen Au»- spruch: „Was kann nun das einzelne Mitglied dagegen tun? Ich glaube sehr viel. In den Statuten steht, daß»in Mitglied seine Recht« gegen den Verband verliert, wenn es mit den Beiträgen länger als drei Monate im Rückstand ist, ohne Stundung be- antragt zu haben. Wenn jedes Mitglied also zunächst ein Viertel- jähr keinen Beitrog bezahlte und kurz vor Ablauf des Vierteljahres Stundung beantragte, so bleiben seine Ansprüche ganz unge- schmälert. Der Vorstand hätte aber Zeit, sein unüberlegte» Vor- gehen noch einmal zu überlegen. Ich glaube, dos Mittel wird helfen, ich werde es jedensalls mal probieren und hoste, daß sich recht viele Mitglieder anschließen werden." Die„Rote Fahne" stellt sich in einer Schlußnotiz vorbehaltlos auf den Boden dieser Parole, die ja nichts anderes be- tagt, als daß die Mitglieder ein« B e i t ro g sf pe r r« verhänqen sollen, um hiermit den Äoden für eine Spaltu ng vorzubereiten. Den gleichen Zweck verfolgt auch die Absicht der KPD.-Zentrale, jetzt für die„Bearbeitung" des Freidenkeroerbande? eine besonder« besoldete Kraft für das Gebiet Rheinland-Westfalen anzustellen! Die pfennig'Nechnerei beo'mnt. Die Schrippe kostet von jetzt ab ZPf.— Dem Bäcker blieb e? vorbehalten, die Psennig-Berechnung„restlos" einzutühren. Leider dadurch, daß er den Preis der War« erhöht— ist schon jemals, so tange Menschen denken'tönnen, etwas billiger geworden? Eine schöne Illustration zu d»n lockende» Worten �unserer Bürgervlvck Regterung, die I Ia Wilhelm nie müde geworhxn ist. dem Volke ew- zureven, paß st» es..schönerrn Tagen" entqegensübren tpi-rde. An und für sich ist eine Pfennig-Rechming etwas durchaus Be reell-- tigtes, da bekanntlich eine„Abrundung" stets nach oben und äst in ziemlich starker Weise(so z. B. statt 34 Pf. aus 40 Pf.) erfolgt. Im moderne» Geschästsleben hat die heutig« starke Konkurrenz schon syr viele Ding««inen Preis hergestellt, der mit Pfennigen rechne«. aber dies waren doch nur meist Zachen, die drr Mensch in geringein Ausmaß gebraucht, etwa Schreibmaterial, Zutaien für Schneideret usw. Die Mehrzahl aller sonstigen Gegenstände hatte einen Preis, der eine Null oder eine Fünf im Einer der Pfennig« hatte. Man „schützte" so den Käufer- vor der schweren Belästigung, Pfennige m't sich herumzutragen. Jetzt fällt diese Belästigung sört: man wird froh sein, Pfennige zu haben, um sie beim Bezahlen bereit zu holten. In anderen Ländern, nprdischen wie romanischen, war der Pfennig stets geehrt— in dem Deutschland, das die Wilhelminische Scheinblüte sah, kannte m)in ihn nicht. Klassische Schülervorstellung. Aus Anlaß des in die nächsten Tage fallenden 150. Geburtstages Heinrichvon Kleist» wählte die Deputation für Schulwesen des Dichter« historisches Ritterschau- spiel.Käthchen von Heilbronn" jzur Aufsührung im Theater d e:s Westens. Immer noch übt die bewegte Walt einer schöpferischen Dichterphantasie aus die jungen Gemüter starte Wirkung aus. Durch geschickte Streichung ward olles Ueberschwcngliche, Zeitfremde ver- mieden, gute Bühnenbilder Voten ein wirksames Relief. Tony van Eich verlieh der lührend-lieblichen Gestalt des schwärmerischen KSthchens durch schlicht« Innerlichkeit die ganze Lebenswahrheit des Losgelöstsein« der Krentur. Auch alle übrigen Darsteller boten gute Leistungen. Dos jugendliche Publikum war ganz bei der»achc: anfänglich wohl ein wenig eingeschüchtert durch die düster« Tragik der Feme, ober dann tapfer oll die Leidensstationen der Verklärten mit dieser durcheilend. Die Welt des märchenhasten Geschickes, die Welt der Kinder. L«j>rk»btldvng»o«»sch»h Groß-verlin. Nächste Theatervorstellung ar.i Sonntag, dem 6. Roveinbcr, nachmittags 3 Uhr, im Staatlichen Schiller- Thealer. Ehorloiteudurg. B>«marck-, Eck- Okolmaiistr. 6. Zur(iliU'ührung gelangt ein Lustspiel vö» Heinrich von Kleist„Ämphitruo-l". Brei« der Karte l.20 M. Karten sind ,u haben In der Sachhandlung vorwärts. Lindenstr. L. Zigaircngcichäst Horsch. Engclnscr 2t-2ö. Tabasverlrieb (LEG., Jnselstr. g. Verband der graphischen Hllssarbeiter, ZiUlerilr. I, iit de» Borwärltipedttlonen, bei den Bildungsoblcuten der Kreil«»nd Ab- teilungcn und lm Bureau des vczirkSbildungSausschusteS. Lindenstr T Hof II. Zimmer 8, sowie Dienstags und Freitags von>/zS—'/,8 Uhr abend« in der Bibilothek. Lindenstr 3, L. ß. II.— Sternwarte Ireplow. Karten ,um vorzugspreiie von 60 Pf.(flflftlg tür olle Plätze) sind im Bureau de» Bezirlsbildungsausschusses zu haben. Die Lteberquerung öes Süöat'antik. Tie Landung Costcs und Lc Brix' in Brasilien. Zloial(Brasilien), IS. Oktober. Zu der Landung der französischen Flieger C oft es und L e Brix sind noch folgende Einzelheiten mitzuteilen: Die Flieger landeten mit bewundernswerter Sicherheit auf dem Flugplatze. der eigens für sie zwölf Meilen vor der Stadt angelegt worden war. Costes und fein Begleiter wurden, umringt von einer begeisterten Menge, durch den Gouverneur und hohe Militärs offiziell empfangen. — Der Flug Costes bedeutet die erste U s b e r f l i e g u n g der Südatlantik ohne Zwischenlandung. Er dauerte 21 X Stunden. Der Jlugbericht der Besatzung der V 1230. In dem ausführlichen Bericht der Besatzung der D 1230 über den Flug Lissabon— Azoren heiht es u. a.: Der Start ging bei 8300 Kilogramm Gesamtgewicht glatt vonstattcn. Es wurde eine Proberunde geflogen. Auch wurden Radioversuchc gemacht, die ober unklare Ergebnisse hatten. Beim atart herrschte Südwest- wind von vier Sekundenmctern Stärk«. Es gab einzelne Regen- Ichauer. Nachdem der Generator ausgewechselt war, war der Radio- apparat notdürftig zu gebrauchen. Um 7.10 Uhr riefen wir per- geblich einen Dampfer der chamburg-Süd an. 8.08 Uhr nahmen wir ein« eigene Peilung mit Lissabon vor. Der dortige Radiodienst ar- beitet gut. Um 8.30 Uhr war unser Standort 30 Grad Nord, 13 Grad West bei Südwestwind von drei Sekundeninetern und guter Sicht, einzelnen tiefen Tumuluswolten und einzelnen Regenschauern. Unser« Flughöhe betrug 400 Meter. Um 10.30 Uhr waren wir auf 30 Grad Nord und 1k Grad 40 Minuten West. Der Wind wehte aus Nordnordost mit vier Sckundemnetcrn Stärke. Die Sicht verschlechterte sich. Die Bewölkung war dieselbe. Mittags- standpunkt 30 Grad Nord, 19 Grad 5 Minuten West bei Nordwind von zehn Sekundenmetern und Seegang fünf. Die Sicht war schlecht. Es herrschten starker Dunst und Niederschläge. Einzelne Wolken de- tästigten un». Um zwei Uhr nachmittags flogen wir über 38 Grad 30 Minuten Nord, 23 Grad 20 Minute» West. Der Wind war dort Nordwest zwölf Sekundenmeter. Nach kurzer Ausklärung trat bald starke Verschlechterung der Sicht«in. Uin 3 Uhr sichteten wir Ostkap Miguel. 3.1ü Uhr Delgado. Der Wind drehte nach Osten und frischte auf. Um 4 Uhr kamen die Dico-Jnseln in Sicht. Der Pico-Berg war in Dunst und niedrige Wolken gehüllt. Wir flogen zwischen Pico und San Jorge durch. Der Wind war Südost acht Sekundcnmeter. in den Böen bis 14 Sekundenmeter. Es herrschten Fallwinde, der Seegang war fünf. Bei starker Dünung und Regen- böen erfolgte Ziellandung im Hasen um 4.20 Uhr. In Lowes Hand lagen die Navigation und die astronomischen Berechnungen, die sich vollauf bewährten. Das portugiesische Kanonenboot ..Beira" gab verabredungsgemäh regelmäßig Peilzeichen. Sie waren trotz zuverlässiger Navigierung sehr wertvoll, da die Sicht bei den Azoren nur fünf Meilen betrug. Um 12 Uhr mittags gaben wir eine blind« Standortmeldnng, di« um 1 Uhr durch den englischen Dampfer„Ilbaldo" und rodiotel«graphisch um 1.3S Uhr durch den Dampfer„Miztilos' Bestätigung fanden. Um 4 Uhr versagte der Radiosender. Dann ging es zur Landung abwärts. Die Maschine und die Motoren arbeiten einwandfrei. Das Wetter siir einen Weiterflug ist schlecht.__ Seen in Pommern. Die allgemeine Kenntnis vom Pommernland kommt eigentlich über Rügen und sein« Küste, Stralsund und Stettin nicht weit hinaus. Die Bekanntschaft des Pommerfchen Höhenzuges mit seinen woldigen, aussichtsreichen Höhen, den einsamem Forsten und stillen Heiden und feinen blauen Seen werden wohl die wenigsten gemacht l?ab«n. Dem überaus reizvollen WechseDde� lolidschsslnchcii Szcnerlc verdankt die ..Ponnnersch« Schweiz* ihren Ruf, im weitesten Sinne das Land um die Städte Polzin, Tempclburg, Falkenburg und Dramburg. Ueber ein« höchst reizvolle Herbstwanderung durch Pommern plaudert u. a. Martin Reepel im Nachrichtendienst der Reichszentrale für Deutsche Aerkehrswcrbuna unMeine Schilderung läßt uns Einblick tun in ein «tück Land und seine Schönheiten, das, obwohl nur ein paar knappe Vahnstunden entfernt, so gar nicht im Mittelpunkt des Reiseinterejfes liegt. südlich der Hauptbahnstreckc Stettin-Danzia. von der Bahn Ruhnow-Neustettin durchschnitten, streckt sich der Pommerlche Höhen- zug gegen hie märkische und westpreuhijche Grenze vor. Mit regellos angeordneten und an Findlingen reichen Kuppen steigt er über 200 Meter on. Zu ausgedehnt ist er,»m ihn init einem Male kenne»- zulernen. Darum sei hier nur ein Hinweis auf einige seiner Teil- gebiete gegeben. Das Moorbad Polzin ist niit seine» ausgedehnten Kuranlagen in einen prächtigen lolkestel gebettet. Südwärts ver- bindet die Straße Polzin mit Tempelburg und passiert das I a l v o n F ü n s s e«. In schmaler, den Höhenzug schneidender Senke reihen sich am weihen Band de? Straße s ü n s blaue Seen, von der Drage durchslosfen, von Waldkulisse» umrahmt und von fcldbedeckten Höhen überragt. Den bedeutsamen Austakt geben sie für die scen- Ii Ofiainal englische Anzijg<3||50 stöfffe........... Mir. flö Moderne Ulster- und Paletotstoffe..... m*. Tuchiager Feuer& Lew OanraudtanglraBe 18.19 i: Ccke GrUnstrafte Mir. AMM 50 reiche Umwelt besonders des Städtchens Tempclburg. Liegt es doch selbst auf schmalem Rücken zwischen Zepplin und Dratzigfee. Der D ratz ig kann den Ruhni beanspruchen, der tiefste See Nord- deutschlands zu fei». An steinigen Ufern branden feine Wellen. Mit langen, schmalen, einfam-schönen Buchten greift er tief ins wellige Land. Auf hohen Ufer» rauscht der Buchenwald und auf der Enge zwischen D r a tz i g- und Sareben see träumt die Ruine Draheim von deutschen Templern, die hier einst siedelten, von Polenwillkür, die später der Feste Herr ward und von der endlichen Erlösung unter 51urbrandenburgs Fahnen... Und so See um See zwischen Waid und Feld, zwischen steilen Hängen und steinigen Halden, bald weit gebreitet wie der Z e tz i»- see bei Falkenburg, wie der Große Lllbbcsec bei Drainburg, bald BexirkS'Frauentag Sonntag, 16. Oktober, 9.45 Uhr pünktlich. Im Sihnngsfaal de» preußischen Staatsrats, Leipziger Straße 3. Tagesordnung: 1..Die Äc'onn de» Strafre»t».* Referent: Genosse Aiwin Soenger. 2. Diskussion. Z. Nächste Aufgaben der Frauenagitation. -» Uffffentliche Frauenver$ammlung 14. flrei» 1t e n k ö l I n. am Diensfag. 18. Oklober, 19>, Uhr. im SiäMischen Licht pielhous Neukölln, Bergsir. 147. Dorlrog(mit Ltch'bildchmj de» Stadtverordneten Gutschmidt über:.Wohnungsnot und Wohnungsreform.* stromortig schmal ins hohe Land gesenkt wie der Dolgen- und der Kömmersee bei Teinpeiburg und die Zapelseen westlich von Dram- bürg. Die Höhen auf und ab ziehen sich die erst spät in kuppig- steinigem Lande gegründeten K o l o n i st e n d ö r s e r, ineist aus sriderizionischer Zeit: die Höfe, von einigen schützenden Tonnen und Obstbäumen umstellt, hier auf freier Höhe mit dem Blicks aus das Wrllengswoge des Endmoranengebietes, dort in einer Senke bei Wiese und Teich. Vom Hochuser der Zetzin schont Schloß Rosen- höhe weit ins Land. Da» sumpfige Tal der Drage schirmt««inst die alle Feste F a l k e n b u r g. Mit seinen weiße» Mauern aus saftig grünen Rasenflächen leuchtet Schloß C a r w i tz auf die stillen, waldumschotteten Buchten des Großen Lübbejees hinab. Einen anderen Charakter hat das in seiner Art nicht minder reizvolle Dcrglond von Pollnow und Sydow. Als Aus» gangspunlt kann die an der Hauotbahnstrecke Stettin— Danzig ge- legen« Stadt K ö s l i n gelten. Nahe Köslin, wie die Stadt nur 12 Kilometer vom Meere entsernt, erhebt sich der Gallen, der Demantberg des Grimmsche» Märchens, eine heilige Stätte jeglichem Volk, dos feit Urzeit hier wohnte. Und in der Tat vermittelt der Gallen eine wundervolle Rundsicht, landein in ein wellige» Hügelland und nordwärts über die reich besiedelte, überaus fruchtbare Küsten- ebene mit ihren Strandseen und Dünenehrungen und hinaus guss blaue Meer. Dann fährt die Kleinbahn in längerer Fahrt und fast unmerklich ansteigend dem Höhenzug zu, biegt bei Iatzingen steil in» weite Tal von Pollnow binob und... eiuJIdyll zweighost kleinstädtischer Unberührtheit: dahinter und in die Straßen hinobgrüßend, der Talrand, die steilen �und mit Mischwald bedeckten Aorbelower Berge: das ist Pollnow! Das rundliche, 2— 3 Kilometer im Durchmesser hottende Pollnower Urstromtal wird ring? von einsamen und Aussicht bietenden Randhöhen umkränzt und von der sarellenreichen Vrahvw durchflössen. Wer ober die Grabow auswärts zieht, den leitet sie in dos aus 234 Meter ansteigende Endmoränengebiet von Sydow und Breitenberg mit seinen prächtigen Seen, seinen von stelnersüllten Regenrinnen gesurchten Holden, rauschenden Quellen und vorgeschichtlichen Gräoerseldcrn. Weiler ostwärls führt der pomniersck?« Höhenzug dorthin, wo die Stolpe in tiefen Schluchten den Landrücken schneidet. /lrbeiter-VilSuAzs''chile. Im Saifft dieser Wexd» beginnen folgende Kurse: Montag, 17. vktober: , Iltli— ZlVi Uhr.— Dicnatag. 1«. Oktober: ffioiolf« Marquardt: .Sozialdemokratie und flusitnpMitU", im 5. ftttiä ffriedrichshaiu. Schule Tilsiter Straße. JO'/i— 21% Uhr. Senoss« Rie:: stock:..Armrdbcarisfc der iikauomischen Lehren", im b. Urei» Nrcuzbcrg, Hezirkoamt, Porckstr. II, Zimmer 29, inu bi» lilH Uhr. Genosse Marichack:.Die heutige Wirtschaltopolitik de» Soitalis» muo", in Rcukölln, Miidchrnmittelsidule, Donaustr. e>>, ISK— Uhr. Genosie Bloch:.Prgktische Wirttck)aft»sragen", in Weiftensee, Schulgedäudc Wilhelm» straßc 42, ISsj— 21V4 Uhr. Genosse Dr. Henntgsen:„Staat und Pertassung", im I. Kreis Mitte, Sophien-Schule, Weiilmeisterstr. 10—17. 19Vi— 21-- Uhr. Genosse Raible:„Die politischen Parteien in Denischland". 20. Krei» Sieinicken. Hprs-Ost. im Zeichensoal der 1. Gcmeindcschule. Lindauer Strafte. It>'4 bio 21% Uhr.— Donnerstag. 20. Oktober: Genosse Horlift:..Geschichte der Arbeiter- hewegiina", in Britz, Lehrerzimmer der iS.lM. Gemeindeschulc, Shausseeslrafte, Uhr. Genosse Marguardt:„Die Kulturpolitik der Sozialdemokrotie", ttz. Krei» Dempelhof. im Siobelocbcitsj'uimcr der Mittelschule. Moriendoef, Kiirsllrstcnstrafte, Uhr. Genosse Siaible:„Die politischen Parteien in Deutschland, 17. Krei» Lichtenbera. in der Bibliothek. Weichsrlftr. 2», UVj—ZV/i Uhr. Genosse Pionstock:„Prodleme der Weltpositik", lt. Kreta Wedding, in der.Bor:narIz".Sl>cditi«n Utrcchter, Scke Miillcrslrafte. l»>,b di» 2lM: Uhr. Genosse Wolsaang Schwarz:„tkuropitische Probleme der Weltpolitik und Völkerbund", im IS. Kret« Treptow.Baumlchulcnweg, in der Schule Siieder- schöneweidc.Iohanniothal, passelwerder Strafte.— Areitag, 2t. Dltobeit Ge. nosse Bienstock:.Probleme der Weltwirtlöiatt",«. Kreis Prenzlancr Berg, im Bezirksamt Donziger Str. et. Los Nl. Zimmer Kit. 1»�— Ädd Uhr. Genosse Dr. Sturm:.tkuropöischc Probleme und Weltxolilik", 1«. Krei» Köpenick, in der Schloftstr. 27 k, IS'.b— A'i Uhr. Genosse Abraham:.Staat»,»nd Ber. fassungolehrr*. l2. Krei» Steglitz, in der Lesehalle der Stadtbibliothek, Grüne- maidstraft«. Uids— 2l!4 Uhr Genosse Marauardt:„Die Kulturpolitik der Sozialdemokratie". 9. Kreis Wilmrredorf, in der Üindenburg-Oderrealschule, Seeparl, ISltz— 2t!b Uhr.— Die Hörgebsihr beiriigt 3 M. * Der Kursus der Genossin Vohm-Echuch ijbcr„Die Verfassung der dtuischen Bcpudlik" beginnt nicht, wie lrrtllmlich bekanntgegeben, am 18. Oktober, sondern erst am Zb. Oktober im 3. Kreis Wedtzing, in der.Boru>är«s"-epedition Rsiller-, Ecke Utrechtrr Strafte. Sladtverordnetensraktion. Morgen, Montag, nachmittags 17� Uhr(pünktlich), wichtige Frattionssitzung an bekannter Stelle. Die juristische Sprechstunde sind«! vom Rlonlag, dem 17. d. w.. bis einschliehlich Freilag. dem 21. d. M., täglich nur von 4 bis « Uhr statt. Zm Zirkus Busch gibt«s jetzt kein Zirkusprogramm im alten Sinn« mehr. Pferdedressuren und Manegeelowns sind verschwunden. Direktorin Paula Busch, die nicht nur ihre eigene Heldendarstellerin, sondern auch ihr eigener Hausdichtcr sein möchte, so.zusagen ein weib- sicher Ferdinand Bonn der Manege, kommt»ns diesmal ganz aine- rikanisch, d. h. vxis Frau Busch so unter an.er-kanisch versteht. Es ist in ihrer Zirkusrevue„Bicki wettet um die Welt* nämlich von einem amerikanischen Excentriktlub die Red«, dessen Losungswort heißt: Meschugge ist Trumpf. Wenn das nicht amerikanisch ist! Frau Busch ha, nämlich wohl etwas vcn Revue läuten hören, und nun schmeißt sie dje ganze zirzensische Tradition in die Ecke und mächt in Revue, vchade, daß in diesem kunterbunten Sammel- surium, das durch kindlich« und teilweise kindische Texl« zusammen- gehalten werden soll, di« guten Zirkysnummern untergehen. Eine Szene in Spanien gibt Anlaß, Pserdedressuren und ein spanisches .Ballett zu zeigen. In einer aufregenden afrikanische» Löwenjagd brilliert der Dompteur Warck und seine Gntt'n. Ein Auto stürzt in eine Löwcnschliicht. Man sieht tatarische Wassentän.ze und Reiterspiele. Ein großartiger 2lkt ist der der japanischen Zlkrobatcn Takahashi. Es wird sich nun zeigen müssen, ob Frau Busch die Retterin ihres Zirkus' ist. Wenn man ihr Unternehmen mit Harra- sani, Krone»sw. vergleicht, dann hat man das Empfinden, daß am Zirkus Busch nicht mehr viel zu retten ist. Mit Frau Busch on der Spitze bestimmt nicht. ver Hauptausschaß für Itrbeiterwohlfahcl«. V. veranstaet auch in diesem Iabr einen Rachschulungstehrgang für männliche WoblsabrtSbcamie Zum Bcsulb des NachschuIunsiZtehrgangS find tzerechtiqt: männliche Wadi- sabrtsbcamte, die drei Jahre bauhlberuflich iu der Wohlsahrtsvflegr tätig waren. Die Bewerbungen sind iimzehend an den Hauptausschuft lür Ar- beiterwohtsabrt e.V.. Berlin SWssl. Bellc-Allianee-Piatz 8, z» richten Der Kursus findet voraussichtlich am Seminar für Jugendwohisahrt an der Hochschule sür Politik, Schinkelplatz 4, statt. Beginn elwa am tv. Nov. d. J. sind voevflichtet, zv erscheinen. Prenzl« Kameradschaft Snm-ich Wurr bei?c Wörthcr Platz bei Treuer. Kastanienall, Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz- Rot-Gold". SeschSttsstell»! Berlin E 14. Sebastianstr 87'18, Pol 2 Tr. Lichterfelde-L-nkwitz: Sonntaq. 16. Oklober, sämtlich« Radfahrer antreten zur Werbciadrt INN ilsr: Uhr in Lankwitz, Kaiscr.Wiihelm., Scke Viktoriast-afte. Fahrrad mit Wimpcl.— Manta», 17. VUader. Prenz. lau«» Berg: Mitglieder von Republik 2« Uhr im Altersheim, Danziger Strafte, Vollpersammlung. Porstandswahl. Schönrbcrg.�rlede»»u, Kamerahschast Rai- Iiau»: 20 Uhr Kameradsckiastsvcrsammluna bei Dehn, Mithsenstr. 9. Neukölln- Britz.!. Kamerahschast: 191.- Uhr bei Thormölen, Hcrtzbergstr. 22, Kamerad- schatlsversammlung. 1. Vortrag. 2. Unser Serbstfcst. Erscheinen aller aktiven Kameraden Pflicht. 4. Kameradschaft: pünktlich 20 Uhr Kameradlchaftsversamm- lung im Linhenpark, Ebausseestr. 18. Wichtig« Tagesordnung. Erscheinen aller aktiven und passiven Kameraden Pflicht.— Dienstag, 73. vltabcr. Mitte? Isis, Uhr 3..Kameradschalt aufteroidcntliche Kamcradschaftsversammlung, Äener- beerstr. 7. Wahl des KameradschastssitHrer». Schöneberg-z; riebe»,», Jung bavner: Lichtbildervortrag:„Die Geschichte der Tarben Lchwarzrotiold." Köpenick: 20 Ubr. erweiterte Varstandsfitzung. Schloftstr. 27 t.— Miti»»». t». Oktabcr. Diergartr»: Dclegiertenversammlung des Ortsverein«. 20 Udr pünktlich bei Berger, Iagow-, Ecke Levetzowstrafte. Alle gewählten Delegierten r Prenzlauer B«rg: Versammlungen um 20 Uhr. I bei Daroniki, Pasirurstr. tz. Kameradschast Kastanienalle« 23.— Preuzlaucr Berg: Jeden gr::- tag 20 Uhr Vadeobend im Stadtdad Odrrderger Straftr. gedrr Kamerad ist verpflichtet, teilzunehmen.— Reukölla-Britz: Freitag. 21. Oklobcr, Ifl'-j Ubr. Generalversammlung de» Ortsvercin» t» den Passage.ssestlitsen, Bergstrafte. Wohl der Delegierten zur Gaugenerolpersammlung. Da« Wusikkorp, übt jeden Donnerstag 20—22 Uhr im Vereinslokal von Köhnow, Emser, Ecke Kirchho«. straft«. Musiker einzelner Znftrumentc werden noch anlgenommrn. Meldung beim Kameraden Varsanti. Riebert»r»i«.Npe»: Sonntag. 23. Oktober, Kreispflichtvcranstoltung. Werbroufmarlth an der Rordbah». Sllmtliche Ortr» oruppen boltrn den Tag frei. Elutreslen di» 73 Uhr an de» bestimmten Sammelplätzen.— Aibtugg, Slitrockenlnrs«»! Anmeldungen zum diesjährigen Skitrockenkurlu» für Anfänger sind umgehend uvter Zahlung der Knrsvsgebttiir vau 4 M., für Jugendlich« 2 M.. zu richten an?. Breslauer, Markgrafen« strafte 22. Uebuiigsikier fo|tnIn?. Imteressevvertretnvg Setbtthils« de» geschädigten Ausland«.. Kolsnisl- u»>» Gr«»zland,dr>ltsch«n> r. B. Moutag. Ii. Oktober, 197, Uhr, im Deutschen Bereknvhauo, Landsberger Str. 89, Ecke Kleine frankfurter Strafte. Monats- Versammlung. Reichstagsabgeordneter Künstler spricht über d:n Stand und di« Aussichten der Entschädigung. Gäste herzlich willkommen. SPD.-Verein der Stadtb»»i un» Sparkasse. Am 18. Oktober, ö Uhr, Per. sammlung im Restaurant„Zur Schleuse", Mühlen Hamm. Vortrag des Genvsse» Dr. Ottv Friedländerl �Zeningrad, Sommer'1927". Gäste willkomaien. Bnod Eatschiedener Schulresormre. Oesfentlichc MonatsversammluNg Dienstag, 18. Oktober, 19�1 Uhr, Aula Werner-Siemens-RealgyMnasium. Äohcnstaufenstr. 47—48. Thema:.Psnchoanalhle und Erziehung'. Redncr: Dr. Siegfried Bernsrld. Frau Dr. Karcn Dornen, Dr. Karl Müller-Brau»- schweig: Dr. Ernst Simmcl. Freie Aussprache. Unkostenbeilrag am Saal- cingong erbeten. Die Gesa»g»ge»uiglchast Rosebcrg b'Arguto übt jeden Dienstag, 20 Uhr, in der Schulaula Tempclbofrr User 20: Donnerstag» übt dortsclbft di« Sing- und Musskschulaemeinschast Doseber» d'Arguto. Beides unter persönlicher Leitung ihre» Legründerr.. SangesnOilig» Männer, Frauen und Zugendliche sowie Gitarren-, Lauten», Geigen-, lösten, und Mandolinenspieler sind stet» willkommen. Reick'sbupd jüdischer Frsnisoldate». e. B..»ezirk Moabit. Donnerstag. 20. Oktober, 20>h Uhr, Bortragsabrnd im„Ulap", Alt.Moabit F-fO. Referent Äelmuth von Gerlach:.Völkerbund, Rassenfraae und Antilemitiomus."-- Bezirk Stabtpsrk: Donnerstag, 20. Oktober, Äll Uhr, Bczlrksversammlunz mit Damen im alten Schönebcrgcr Ralhgus. am Kaiser, Wilhclm-Platz. Vortrag Professor Dr. H. Loewc:„Aus der iüdischen Volkskunde." Gäste willkommen. Deutlche«esrllschast sllr ethische Kultur, e.«. Freitag, 21. Oktober. 20 Uhr, im Vürgersaal des Berliner Rathauses.„Dos Rcichsschulgcsetz eine Sesahr für die Volkseinheit." Redner: Prot. Dr. Paul Hildebrandt, Johannes Tew», Dr. Rudolph Pcnzig. Freie Aussprache. . Bitte, ansen SeAan/enttf *a itadittn/ Rnundt � v* ed. 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Rheinweing läser 50 p/ Portweinglaser.. 40 p/ Roiweingläser.. 45 p/ Bierbecher.... cOp/. Küchenwunder bratet, siedet, dünstet bei offener Gasflamme Emaille Schmortöpfe 60 Pf. b. 1 50 Kasserollen 40 b. 95 pl Wasserkessel 1 45 b, 3 10 Garnitur'"�nf. 145 T olletfenelmer bugci 4 25 Wassereimer qc weiß, 28 cm Durclimesscp Wasserkonsol««. mit Ma». weih»U Pt Waschgarnituren S Teile, dO-. m. klein. C dekoriert• v/ Fehlern � M Brotkästen 7,, Hill kleinen Fehlem O /b/£3 Holzwaren P,a"brÄ 290 U, 375 Waschbrett..... 1 20 Wäscheleinen 1... Hanl 4«.b 675 Wandkaffeemühlen mit gewhm. Werk 2 50 u. 3 25 Kaffeemühlen 1 10 b. 2 so Servierbretter 1 40 u. 275 Likörtabletts... 95 Pt Messerkasten 1 40 b. 250 Handtuchhalter. 85 Pf. Fleischbretter 95 225 Hackbretter o** mit Rand Z 90 ba 4 65 Kellen Ahorn 10 bis 20pt Borsienwaren Roßhaarbesen 225 b. 325 Härtdfcgev-.. 1i5b.l89 Teppichbesen•. 90 pt ""ÄS 40. 75 pi. Blankbürsten.. 45 Pt Auftragbürsten. 1 2 pi. Haarbürsten 50 t'; 3 SC Kleiderbürsten Q(- mll Brett»6 Pf Scheuertücher qc-, gute Quallilf,-4 Stüde yO-Pf. Möbelbürste... 50 Pf. Rohrklopfer 45 b. 75pi. Bohnerbesen 525 7 25 Nickelwaren Kaffeeservice Q« «ei-wg vernickelt» /b I U /5 Tortenplatten div.Dekore.28u. 30cm> 70u-'-0 Isolierflaschen räsi'iSS pi. Siaikgl 60 Ur.' � Schmortöpfem Deckel I Saiz«*8 Stüde. 16-24 cm, 45 ca mit isolierten Griffen.. O 30 Derselbe Satz unbordiert 1 0 75 Schaumlöffel«c und SchöyllOtret Sind«"3 p'- Eisenwaren Tellerwagen 1 so b. 3 SO Tafelwagen q in„ 8 u 10 Kilo o«"• lUbO Flelchhackmaschlnen emailliert 390 075 Brotschneidemaschln, mit 071 mit q BUnel d.'b Rundmesser« M Reibemaschinen Blech 1 65 emailliert 2 25 Messerputzmoschtne 675 Wringmaschine..8m FlurgarderobeMts«. 1 025 Petroleumkocher 5 75 2 Gasplätten Är 675 Efektr. Plätte uu�i 675 Blechwaren Wärmflaschen 1 25 1 50 Leibwärmer 75, 3 5 Pf Springformen v. 75 Pf.•" Suppensiebe 30 b. 50 Pt Gemüsehobel.. 10". Kartoffelpresse 90" Schneeschlagmaschine 1 10 Merktafeln qq- IUr die Küche 90 Pf 1 25 Keksdosen 25 hi, 50 Ff. Leuchter 15 Pf. bi» 30 p'. Napfkuchenform 50 7n Brotbüchse o-r 9Qn lackiert, mod. Muster 4»-3 �90 Siahlwaren Tischmesser 20 Pt Scheren stim 75pf bi,1 25 Küchenmesser 1 5, 25 rt Salatbestecke 60, 75 Pt A Ipakabes/edce glatt und gemustert Kaffeelöffel... 20 Pt Eßlöffel....... 40 pl Eßbestecke... P»«r 1 35 l'trsi/brr/ Kl Gr. 90 Gr. Kaffeelöffel 45 Pf. 95pt Eßlöffel... 85 Pt 1 95 Eßbestecke. 1 95 425 Beleuchtung für rlekiriscts licht Kfubfampe Messing �« braun, mit Seidensthlrm M Herrenzimmerkrone 8 u. I Flamme. Messing 4iQ-Ä braun, gcscW. MUfelschal«**050 Speisezimmerkrone 6 u. 2 flamm., Messing braun 4 l?„ mit Seidenschirm 65 cm" Klcinmöbel u. Korbwaren Schlüssellelsfe Kr. weiB lackiert OUPt Fußbank Hartholt, traun 230 Handtuchhalter Hinholt, welB lackiert Z 10 Vogelkäfig vei rinn*, eingefaßte Sche'ben, c Sockel wc 0 lackieit,... 025 Vogelkäfig» echt Metsing, tiochglini pol, O 50 Wandspiegel modeiae Form, m. fsrb'gen 4 Rahmen.......... 90 Rauchtisch Eiche g«.- p„ beizt, m. echt MessL-gplatte' O 3® Waschkorb w'c'SiÄ 260 325 425 Einholekorb hoiignd. � Fonr., mil Malerei z 03 Emaille-». Aluminlumsaschirr mit kleinen Fehlern, darunter: Kochgeschirre, Kafffeekannen usw., besonders preiswert Nr. 4�0 �44.?ahrgaag 2. Heilage öes vorwärts Sonntag, 16. Oktober 1627 Arbeitsrecht. I» der Berliner Gewerkschaftsschnle. In Ken vergangenen Monaten sind zwei bedeutende und ein- schneidende arbeitsrechtliche Gesetze in Kraft getreten. Das Arbeitsgerichtsgesetz und das Gesetz über die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Beide bringen für die rechtliche Stellung der Arbeitnehmer eine Reihe von Aende- r u n g e n mit sich, deren Kenntnis nicht nur für den Gewerkschasts- funktionär, sondern für jeden gewerkschaftlich interessierten Arbeiter von sehr weittragender Bedeutung ist. So verändert das A r- bcitsgerichtsgesetz das ganze Prozeßverfahren auf Grund des Detriebsrätegefetzes. Es stellt also die Betriebsräte vor die Notwendigkeit, sich mit der neuen Rechtsmaterie vertraut zu machen, wenn sie bei der Vertretung der Interessen ihrer Kollegen nicht ins Hintertreffen geraten wollen. Ein Betriebsrat, der sich der Pflicht entzieht, dies« neuen rechtlichen Bestimmungen sich zu eigen zu machen, begeht ein schweres Unrecht an seiner Belegschaft. Von ganz allgemeiner Bedeutung für die gesamte Arbeitnehmerschaft ist das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Es trifft nicht nur einen be- stimmten Kreis von Funktionären, sondern jeden A r b e i t e r. Es regelt das Arbeitsnachweiswesen und die damit in Zusammenhang stehenden arbeitsrechtlichen Berwaltungsbehörden. Es ist zugleich die Gnmdlage für die v ö l l t g e Umgestaltung der Erwerbs- losenunterstützung, die bisher eine Fürsorge darstellte und nun zu einer Versicherung geworden ist, die von den Selbstverwal- tungskörperschasten der Versicherten getragen wird. ' Beide Gesetze sollten für weite Kreise unserer Kollegen das Signal sein, sich mit ihnen so genau vertraut zu machen, als sie es seinerzeit bei der Einführung des Betriebsrätegesetzes tun muhten. Die Berliner Gewerkschaftsschule hat in ihren, Wlnterlehrplan 1927/28 dem Arbeitsrecht wie immer einen sehr breiten Raum eingeräumt. Sie hat dabei selbstverständlich die neuen Gesetze in hervorragendem Maße berücksichtigt. Kein Funktionär und kein Gewerkschaftsmitglied wird in Zukunft be- haupten können, keine Möglichkeit besessen zu haben, sich mit den genannten Neuregelungen vertraut zu machen. Es ist unbedingt notwendig, daß die Gewerkschaftsgenossen sich Unterrichtsvcrzeichnis'e von der Berliner Gewerkschaftsschule, Engelufer 24/2S, oder von ihren Ortsoerwaltungen einfordern und die entsprechenden Lehr- gänge belegen. Ueber das arbeitsrechtliche Gebiet hinaus sind in dem Unter- richtsverzeichnis auch eine Anzahl anderer Kurse enthalten. Seholtssteeit in den öerliner Häfen. Der Zentralverband der Angestellten teilt uns mit: Die„D e- h a I a" hat den Tarifvertrag für ihre Angestellten, der seit 1923 be- stand, aufgekündigt. Der Tarifvertrag sah vor neben einer Anzahl sogialer Bestimmungen die Bezahlung einer besonderen Hafcnzulage sür alle Angestellten, die 1923 bei der Behala tätig waren. Durch einen besonderen Vertrag vom Oktober 1924 war festgelegt, daß diese Zulage für die Zeit des Dienstver- h ä l t n i f s e s der in Frage kommenden Angestellten zu ge- währen sei. Die..Behala' fordert setzt den Fortfall einer ver- traglich festgelegten Zulage. Die Angestellten stellten dieser Forderung ihre Forderung nach einem selbständigen Tarif- vertrag für die Behala entgegen, auch bezüglich der Angestellten, die später eingestellt wurden und die zurzeit nach dem Tarifvertrag für die Spedition bezahlt werden. Die Tarisverhandlungen zwischen dem ZdA. und der Behala führten zu keinem Ergebnis. Daraufhin hoben beide Parteien den S ch l ich t u n g sa u s f ch u ß angerufen. In einer Dolloersammlung der Angestellten der Behala wurde mit überwältigender Stimmenzahl beschlossen, den ZdA. zu autorisieren, die Forderung der Angestellten aus Schaffung eines besonderen Tarifvertrages und Festlegung der Hafenzulage für sämtliche Angestellten mit allen gewerkschaft- lichen Mitteln durchzusetzen. Der Schlichtungsausschuß wird nunmehr voraussichtlich am Mittwoch tätig werden und von der dort zu er- wartenden Entscheidung wird es abhängen, ob auch in den Berliner Häfen ernste Arbeitskämpfe entstehen. von öer Reichsbahn. Auch die Frauen fordern ihr Recht. Am Freitag war in Schmidts Gesellschaftshaus eine stark be- suchte öffentliche Versammlung für die in den Berliner Reichsbahn- betrieben beschäftigten Reinemache- und Dienstfrauen. Als Refereatin war die Landtagsabgeordnete Genossin Gertrud Hanna vom ADGB. erschienen. In ihrem Bortrage„Dile Frau und die Arbeiterschutzgesetzgebung' zeigte die Rednerin die schweren und zähen Kämpfe auf, die von der Sozialdemokratischen Partei und insbesondere von den freien Gewerkschaften geführt werden mußten, damit die in den industriellen und behördlichen Betrieben beschäftigten Frauen genau wie die männliche» Arbeiter in die Arbeiterschutzgesetzgebung eingereiht wurden. Vielzuwenig werde die schwere, schmutzige und gesundheitsschädigende Arbeit der Reine- machefrauen von dem Arbeitgeber und leider auch von den männ- lichen Berufskollegen gcwertet. Auch der heutige Wöcherinnenschutz ist völlig unzureichend. Aus der kurzen Diskussion ging hervor, daß die Reine- machefrauen der Reichsbahnbetrieb« noch mehr ausgebeutet werden wie die männlichen Arbeiter, aber mit einem Wochenlohn von 24 M. ihr Leben fristen müssen. Auch die Sonntagsarbeit, die vielfach völlig überflüssig ist, wird nicht genügend gewertet. Die Behandlung durch die Dienstvorsteher, Inspektoren usw. läßt sehr zu wünschen übrig. Insbesondere sollten die Doppeloerdiener nicht in Offfentl. Kundgebung am Mittwoch, dem lg. Oktober 1927. lg �/z Uhr. im Lehrervereinshaus. Alexauderstrahe 4l, gegen die ZaratyoliflK des BOrderbiodis Referent: Reichslagsabg. Karl Schreck- Bielefeld Männer und Frauen, beweist durch Masienbesoch euren willen zum Kampf gegen kulturreoktlon— sür dl« Freiheit der Schule die Reichsbahnbetriebe aufgenommen werden, um zu verhindern, daß die Witwen bei Entlassungen auf die Straße fliegen. Mit dem Hinweis, bei den vorstehenden Betriebstranken- wählen den notwendigen Einfluß zu gewinnen und daß es ohne Organisation keinen anständigen Lohn und keinen Achtstundentag gibt, wurde die imposante Versammlung geschlossen. Eine ganze An- zahl Frauen erklärten ihren Beitritt zum E-inheits- verband._ Die Cfha-Verke und öer Nrbeitsfneüe. Trotzdem der Direktion der Fleischwarenfabrit Efha-Werke be- kannt ist, daß in den Berliner Wurstsabriken noch jetzt helle Empörung unter den Arbeitnehmern herrscht, weil der verbindlich erklärte Schiedsspruch eine vollkommene ungenügende Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde vorsah, antwortet die Direktion aus die For- derung der Belegschaft, für die seit Februar(letzter Lohnabschluß) eingetretene Verteuerung aller Bedarfsgegenstänoe IS Pf. pro Stunde Lohnerhöhung zu gewähren, unter anderem folgendermaßen: „Obwohl eine Steigerung der Löhne in den VerhälMtsien keine Begründung findet, machen wir, um oen Arbeitsfrieden zu wahren, nachfolgende Erhöhungsoorschlöge: Fleischergesellen pro Stunde 3 Pf„ der übrige Teil der Belegschaft, also Chauffeure, Mitfahrer, Arbeiter und Arbeiterinnen bekommt nichts! Mitfahrer unter 18 Jahre erhalten einen Lohnabbau von 1Z Mk„ Arbeiter unter 18 Iahren von g.S0 M„ Arbeiterinnen unter 18 Iahren von 8,16 M. pro Woche. Die Antwort auf die„Crhöhungsvorschläge" hat die Direktion von der Belegschaft schon erhalten. Wie uns gemeldet wird, blieb die Belegschaft am Sonnabend, von so viel Entgegenkommen überrascht, als Protest in den Kantinen des Wertes sitzen. Ob der Direktion wirklich der Arbeitsfrieden so sehr am Herzen liegt, werden die weiteren Verhandlungen beweisen. ver Streik im Oelgaswerk P misch geht weiter, da die gestrigen Verhandlungen zum Abschluß eines Tarifvertrages gescheitert sind. Zuzug ist fernzuhalten! Die Spartasse der Baak der Arbeiler, Angestellten und Veamkea A.-G„ Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Achtung SpD.-Letriebsfunkttonärei Di«»«rtreter der Mittel-»»d Slciii betrieb« werde» ersucht, unser« «erbelchrist.Dr««äm»Ier- im«orrau,«iudrustr. 3, i»«mpfana zu uehmeu. Parteiau-wei» Ist»itzutriugen. Da» Betrieb», uut Bramteusetretariat. Uchtung, SPD.. Sattler,.Tapezierer»sm.I Am Dienstag, 18. Otto- bei, IS Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 5, Engeluser 2«— 25, Der, sammlung oller Parteigenossen. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generaloersammlung. Jeder Genosse Muh erscheinen, Der Fraktioasvorstand. Achtung, Siemen». Schlickert,»leiniauwerkl Am Dienstag, 18. Okto- ber, nach Arbeitsschluß L-rsammluna aller SPD.-Scnosse» bel Gor, lchalski, Siemens-, Eck« Reisstroße. Jeder muß erscheinen. Der Fraltisusuarstaad. Iugeudgruppe de, iZd«. Morgen, Montag, Wi Uhr. finden folgende Der. anstaltunge» statt: Südost- Treptow: Jugendheim Reichen bergcr Str.««.„Ar. beitcrsport— bürgerlicher Sport" lLau).— Ter. pell, es: Jugendheim der Schule Germaniastr. 4—5. Liederabend. Liederbücher mitbringen.— Ziardeu: Jugend- heim Danziaer Str. 52, Baracke 7. Bunter Abend. Arbeitsrichtee uad Landesarbeitsrichter an» Af?!. Gewerkschaften! Die Fu» sammenkunft am Montag, 17. Oktober, im ssugendheim des Bcrkehrsbundes, Gcwcrkschaftshaus, Engciufrr, beginnt nicht IDil- Uhr, sondern erst 20 Uhr. Sport. Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, dem 15. Okkober. t. Rennen, 1. Abteilung. 1. Bubi lKlosr), S. Gewurah(Krause), 3. Heidrastein> Weißt. Toto: 15:10. Vlatz: 1l, LH, 14: 10. Ferner liefen: Jogull. Ardorftin. Mohn, Twostep, TulliuS.— 2. Abteilung. 1. Nom- reile(Jokiel), S. Marc Anton(Broda), 3. Laurln(Ludors). Toto: 26: 10. Platz: 13, 19, 14: 10. Ferner liefen: Antin, Marketenderin, Ouilon, Karrara. Perlenfilcher, VenuS IV. 2. R e n n e n. 1. Magier(v, Borcke), 2. Oderjäaer(Quast), 3. Thalyfia (Leutn. d. Horn). Toto: 47:10. Platz: 21. 40. b7: 10. Ferner Besen: Fuchste. Erosa, Stromer, Prinzeg Frohsinn, Rache. Möros. Z. R c n n e n. 1. Octava(Huguenln), 2. Der Nord(Varga), S. Raule (Kurzawa). Toto: 26: 10. Platz: 13. 24. 19: 10. Ferner liefen: Alster- lust, Ruwcnzori, Efeu, Cchwäibchen, Hugin, Prätendent, Die Afrtkunerin. 4. Rennen. 1. Mutatis rnutandis(Hauser), 2. Prospers(Moritz). 3. Lei«»(Oertel). Toto: 47: 10. Platz: 13. 13, 14: 10. Ferner Ilescn: ManneStreue, Grand Mousjeux. SzenteS, Chsrt. Merkur II. S. Renne»i. 1. Greis(Kohoulel), 2. Goldener Frieden(Franzle), 3. TaimuS(Wölfs). Toto: 82: 10. Platz: 26, 21, 93: 10. Ferner Uesen: Gezireh, Schlehblstte, lkaroia, Ragusa, Ancllla, Medlna, Sepp, Hohenfels, Otsiied. 6. R e n n e n. 1. Rücksicht!(v. Borcke), 2. Brandmeister(v. EckartSberg), S. Rose Marie(Schnitzer). Toto: 20: 10. Platz: 13. 13, 14: 10. Feiner liefen: PbylliS, Siames«, Samos, Ahasver. Frusta, Genius, Girant. 7. R e n n« n. 1. Malkasten(Derlchug), 2. Honnef(Häuser), 3. Ritornell (BiSmark). Toto: 80: 10. Platz: 13, 11, 11: 10. Ferner liefen: Durst, Jliade, Severa, Lapaz.___ Kehraus auf der 0lympla-7iadrennbahn. Die Direktion der Olympia- Radrennbahn hat trotz der vorgerückten Jahreszeit noch einmal alle» aus- geboten, um den Radsportfreunden den Abschied nicht leicht zu machen. Die besten Dauerfahrer der Reichshauptstadt L-aivall und Lewanotv treffen in ewem Länderkampl hinter Motoren auf die beiden tüchtigsten Lang- streckensahrer Holland», Leddy und Snoek. Die vier LS-Kilometer-Renneu find dem Andenken einiger der bekanntesten Dauerfahrer aus der großen Zeit des Radrennsporl» vor 27 Jahren gewidmet und tragen die Be- Zeichnungen: Alfred-Kbcher-, Tom-Linton-, Harrtz-ElleS- und Joseph- Filcher-PreiS. Verbeißen somit einerseil» die vier Stehertreffeu fesselnde Kämple, so kann man die» andererseits auch von den Begegnungen der vier Flieger Lorenz, Graue, Hahn und Schräge mit den beiden beliebten Mannjchaftssahrern Kroll und Miclhe erwarten. Sie bestreiten ein Mal- fahren über 3 Runden, ein Punklfahren üder 12 Runden und ein Handicap über 500 Meter. Mit Rückficht aus die Jahreszeit beginnen die Rennen bereit» um 2'/. Ahr. Freie Sewerkschaftssugend Grotz. Berti». Morgen, Montag, lOVi Uhr, Sitzung der Agitationskommission im Zimmer 7a des Glwerkschaftshausez, Engel- Ufer 24—25. Tage-ortnung:„Unser Werben." neuen IWellAllas geogrtphlscb genau, mit IS(»rblgeu Ktrtcu verschenken wir an jedes Kind t. Clasond.«. Ii irol. ML 24 kl. EHktttei murer Utkr-Btlet Ii 41» Deutsche Ubbv Ges. in. b. II., Reklame-Depot Berlin-Grunewald, Pidner Str. 1 Die Zusendung erfolgt gratis und franko Urieilen Sie s elbsi! Alle wissen: das. ist ein Massarywort. XJLDer Volksmund hat es sich zueigen gemacht. „Da habe ich eine I dee. sagt man und fügt, während man sie entwickelt, hinzu:„Urteilen Sieselbstl" Alles Gute und Wertvolle, was man mitteilt oder darreicht, begleitet diese schlichte Aufforderung. Und das ist auch der tiefere Sinn des Massaryworts: Sie selber sollen entscheiden, was Sie von den Massary-Zigaretten zu halten haben. Urieilen Sic also sclbsi! /fjM Massarys Perle 4 4 Massary�Delft 5.? Massary« Ritter 64. IKeMiocIe Isi lienflick! Kaehdruck»on Wort und Dlld werboreat Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Montag zur Verfügung!- Schriftl. Bestellungen können nicht berücksichtigt werdenl Und damit wird aucli der Pelz-Mantel— dieses heil�umwortene KJeidungsstuck— nickt mekr das Vorreckt einiger weniger, sondern fast allen zugänglick. Unser System, das unsere spnckwört- lick niedrigen Preise ermöglickt, feiert Jj kl er— in den an und für Sick kökeren I Preislagen- wakre X numpke. Was kier erreickt worden ist, um 1k- nen den denkbar größten Wert für Ikr Geld zu schaffen, grenzt an s Wunderkare. Natürlick stekt Iknen kei uns m kerr- licken Pelzmänteln jeder A.rt eine pkan- tastiscke Auswakl zur Verfügung. Was immer Sie Sick in dieser Beziekung ge- wünsckt oder gedackt kaken, kier finden Sie s. und unsere Preise sorgen dafür. daß- wovon Sie kisker vielleickt nur zu träumen gewagt kaken— jetzt sckone W akrkeit wird. Zob«I- und Sltunks- Kanin-Jacken. 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Um auf diesem Gebiet zu den national- ökonomischen„Sachwerten" zurückzukehren, ist das Studium des zweiten Bandes des„Kapitals" das geeignete Mittel, Karl Marx als Erzieher. Genosse Karl Kautsky meint in feinem Vorwort, die Volksaus gäbe des zweiten und dritten Bandes fei heute nötig, weil es not- wendig geworden fei,„einer Elite von Arbeiterlesern das Studium des zweiten und dritten Bandes zu cxleichtern". Wir stmmicn ihm darin zu, gkaybim aber, daß die Vokfsnusgabe des zweiten Bandes auch für die füngere Genseation von Rattonalökondmey und namentlich für unsere sozialistischen Akademiker, die sich mit ökonomischen Fragen beschäftigen, ebenso, notwendig ist. Diese Generation lernt den Kapitalismus in seiner organisier- t e n Form kennen und macht sick) die Tradition der liberalen Opposition gegen die finanzkapitalistische Bormacht zu eigen, d. h. sie predigt im Grunde genommen nichts anderes als Rückkehr zum Kapitalismus der freien Konturrenz. Durch diesen neu- belebten ökonomischen Liberalismus sind auch manche gefühlsmäßig sozialistischen Akademiker stark beeinflußt. Möglich, daß andere die progressive Bedeutung der Wirtschaft- lichen Organisation in einzelnen Fällen überschätzen: entscheidend bleibt aber, daß wir jede Form des Kapitalismus zu bekämpfen hoben, den Kapitalismus der freien Konkurrenz sowohl wie den organisierten, den letzteren aber, nicht weil er organisiert, sondern weil er Kapitalismus ist. Es ist weiter unverkennbar, daß die liberale Ideologie mit ihren Vorstellungen von der wirtschaftlichen„Freiheit" und wirtschaftlichen„Vernunft" not- wendigerweise gewisse vom Standpunkt der Arbeiterschaft sozial sehr bedenkliche Tendenzen fördert. Es war kein Zufall, wenn in den letzten Wochen einige arbeitersreundlich gesinnte Publizisten in der Frage der Lohnerhöhungen einen arbcitcrfeind- lichen Standpunkt einnahmen, wobei sie allerdings auch Opfer ihrer eigenen theoretischen Hilflosigkeit waren. Die strenge Schule des zweiten Bandes des.Kapitals" wäre in allen solchen Fällen die beste Kur.... In ihm zeigt Marx, wie das kapitalistische. System unter der Herrschaft der freien Konkurrenz funktionier!, wie weit es dabei von wirtschaftlicher„Vernunft", entfernt ist, wie unvermeidlich die Störungen des Produktionsprozesses sind und„wie die Produktions- Potenzen nie völlig angewandt werden können", wenn„der Vertauf der Waren, die Realisation des Warentapitals, also auch des Mehr- wcrts" begrenzt ist,„nicht durch die konsumtiven Bedürfnisse der Gesellschaft überhaupt, sondern durch die konsumtiven Bedürfnisse einer Getellschaft, wovon die große Mehrheit stets a r m ist und stet? arm bleiben muh". Dieser Gesellschaft mit ihrer Armut gilt unser Kampf, und die Analyse dieser Gesellschaft- im zweiten Bande des.Kapitals" gehört heute mehr als je ins Arsenal unserer Kampfmittel. G. D. durch das Ausland, die durch die Stellungnahme d?ß Reichs- dank behindert ist, mitsprechen. Daß noch kein Umschlag in der Besserlings t e n d e n z vorzuliegen braucht, darauf läßt die noch im ersten Oktoberdrittel sortdayernde Besserung des Arbeitsmarktes i m Reiche schließen. Auch das L a n d e s ar b« i t s a m l B e r l in ist dieser Meinung. Es schreibt: In der Entwicklung dgs Berliner Arbeitsmarktes ist in der Berichtswoche zahlenmäßig ein Rückschlag zu verzeichnen. Die Ar- bcitslosigkeit hat gegen die Vorwoche um annähernd 2500 Personen zugenommen, so daß der Stand derselben gegenwärtig 158082 betrögt.. Die Zunahme verteilt sick verhältnismäßig gleichmäßig auf männliche und weibliche Personen. Bemerkenswert- ist jedoch, daß sich in der Zahl der Unter st ützungsempsängek die bis- herige Entwicklungslinie fortgesetzt hat und von der ungünstigen Wendung bisher noch nicht ersaßt ist. Od diese un- günstige Erscheinung als der Beginn einer Verschlechterung des Ar- beitsmai ktes anzusehen ist, bleibt abzuwarten. Nicht uniyesent- lich dürften sich nämlich gerade in dieser Woche die Spannungen auf dem Atbeitsmartt auswirken, die durch drohende oder bestehend« Wirtschoftskompfe hervorgerufen sind. Wenn auch zum Teil zur Anwendung äußerster Kampfmittel nicht gekommen ist. so'ist doch erfahrungsgemäß während dieser Zeit auf dem Arbeits- markt eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten, die jetzt um s» stärker in Erscheinung tritt, als diese Bewegung einen recht ausgc- dehnten Urnjang angenommen hat und maßgebende IndustriSl! an ihr beteiligt sind. Es erscheint jedoch nicht ausgeschlossen. daß nach Eintritt des Wirtjchastsfriedens der Arb(itstnarkt wieder eine andere Wendung erfahren wird. Es waren 138 082 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 135 612 der Vorwoche. Darunter besande.v sW 93162(91 863) männliche und 11621»(13 779) weibliche Personen. Arbeitslosenunter st ützung bezogen 35 910(39 312) mann- liche und 13112(11913) weibliche, insgesamt 19 082(Z12si5>, Krisenunterstützung 15 933(17 699) Personen. Außerdem wurden noch 23 582(22 527) Personen durch die Erwerbslosenhilie der Stadtgemeinde Berlin unterstützt. Bei N o t st a n d s a r b e i- t e n wurden 6118(50.3S) Personen beschäftigt. Das Urteil der Techniker. Der Ferngaspkäne der Ruhr wieder als unWirt, schaftlich verwerte«. Der Deutsche Verein von Gas- und-Wasserfachmännern Hot nach langen und sehr«ingehenden Voruntersuchungen die von den Ruhr- zechen betriebene Großversorgung Deutschlands mit Gas neuerdings und in Uebereinstimmung mit der Stellungnahme auf der Kasseler Iahrestagung entschieden abgelehnt. Er hat sich eindeutig auf den auch vom„Vorwärts" vertretenen Standpunkt der' tammünoisn Gruppenversorgung gestellt. Das Votum der deutschen Gastcchnikcr, das in einer ausführlichen Denkschrift niedergelegt ist, kann für den Kenner der Verhällnisse nicht überraschen. Allzu sehr stehen die Ab-- sichten und unwirtschaftlichen Folgen der Ruhrplane mit den wirt-- schaftlichcri Notwendigkeiten und Möglichkeiten in Widerspruch. Die Denkschrift stellt jest, daß die E r z eit g ungst oft e n der Ruhrzechen für Kokereigas bei richtiger Berechnuilg höher sind als die von großen und leistungsfähigen öffentlichen Werken. Wird ein« hundertprozentige Absatzsteigerung im Lause der nächsten dreißig Jahre angenommen, so ist bei der Produktion van lormmmalem Cigengos am Werksausgang ein Delbstkofienfotz von 1,62 Pf., bei Kakereiferngas van 6,21 Vi- anzunehmen. Aus den Schlußfotgsrun- gen der Donkschrift, die auch an der letzten Rllhrdenkjchriit in Einzelheiten eine vernichtende Kritik übt und ayf d>« wir später in anderen Zusammenhängen nach zurückkommen müssen, Zitiere» wir heute nur die letzten entscheidenden Sätze: „Gegen die zentrale Gasversorgung vom Ruhrgebiet aus bei gleichzeitiger völliger Stillegung vorhandener Gaswerke desiehen die schwersten Bedenken, weil die nötige Sicherheit der Belieferung nicht geboten werden kann und die G e s o h r e i n c r ZNonopolisicrung der DSrmewirtfchast enkstehk. Diese BeBedenken sind noch höher einzuschähen als Vorteile in der Gas- preis gefkoltnng, die zudem nicht zu erwarten sind. 21«- zustreben i sk Grvppengasverforgung. Sie vietel die nötige Sicherheit und die Gewähr dafür, daß der gefachte wirf. fchaftliche Nutzen der Sl I l g e m e i n h«i k� zugute kommt." Der Großhandelsindex.. Die aui denvS berechnete.Großhtzydel§in!jexzifier des trog iy« 13..Oktost-r ' en Reichsonzi.'s be. .«rätzt iör Ayxarftofk- 138,.1; für indWmeAe. Rohstoffe gnb Hchb- waren 131, z und für. iiGustriekke Ftrftgwären 152.1,. Der Gesami- Gesnntinderziffer war demnach gegenüber weröadert. Bau den Häuptgruppen weisen index betrögt 139,9. Die der Vcstweche nahezu unverändert. die Jirdexziffern für Agrarstoffe und für industriell« Rohstoffe und Halbwarcn keine Veränderung aus. Die Indexziffer für Kolonial- waren hat um 0.5 Proz. angezogen: diefcnige der Gruppe indu- strielle Fertigwaren hat sich gegenüber d«r Vorwoche um 0,4 Proz. erhöht. Die Einnahmen der Reichsbahn steigen. Gegenüber dem Monat Juli find die Gesamteinnahmen der Reichsbahn weiter inm 453,12 Millionen auf 461,35 Millionen gestiegen.(Personen- und Gepackverkehr 153,94 Millionen gegen 149,7 Millionen, Güterverkehr 275,44 Millionen gegen 260,38 Millionen, sonstige(Ein- ' nahmen 31,97 Millionen gegen 37,04 Milli meri.) Die Gesamtausgaben betrugen 423,23 Mrllienen im'August gegen 421,82 Millionen im Juli. Di« Einnahmeüberschüsie det Reichsdahn sind allmählich so groß geworden, daß die regulören?lusgai'en für Betrieb uizd llrrterhallung und für die Ernennung der Asslagen er- heblich hinter>rcm Monat Juli zurückstehen konnten. So wurden die allgemeinen R ü ck st eltu n gen wieder n i ch t u n- erheblich erhöht. Der Personalstand ist im August weiter auf 727 732 Köpfe gestiegen. Neuer bedeutender Zusammenschluß m der kollemaschrnen- induslrle. Wir meldeten kürzlich das Zissanrinengehen des Maunee- manii-Konzerns und der Borfigwerke für den gemeinsam«» Verkauf ihrer Kältemaschinen. Jetzt ha! die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen A.- G., bekanntlich der größte Kältcmaschinenkonzern Europas, mit der Maschinenfabrik Augsburg-Nurnberg und der Maschinenfabrik E h l i n g t n ein ähnliches Borgehen beschlossen. Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen übernimmt für alle drei Firmen, sowohl für Groß- als für KUintältewaschineir, den G e- f a m t v e r t r'i e b. Die drei Gesellschaft«» gehen aber noch. einen Schrill weiter. Die gesamte Herstellung von Grohkälteanlooen wird in der Maschinenfabrik Eßlingen vereinigt. Rur die Herstellung von Klein kältemaschinen und-anlagen erfolgt nach getrennten Syl>e- inen wester in der Maschinenfabrik Eßlingen und in den Werkest des Linde-Eismaschinenkon zerns. Auch Schwartzkopff verkeilt wieder Dividend«. Nach vier Jahren zum Teil beoblichtigter Dividendenlosigkeit nimmt auch di« B«r- l i n e r Maschinenfabrik A.- G. vor rn. L. S ch lp a r tz- k o p f.s die Auszahlung von Gewinnen an die Aktionäre wieder aus. Aus einem Reingewinn von l,3 Millionen Mark(einschließlich Ge- winnvortrag aus dem Vorjahre von 595 000 M.l weiden auf das Aktienkapital von 18,4 Millionen 6 Proz. gezahlt. Die Werkstätten sind so gut beschäftigt, daß die Bclegichasten im letzten Jahre u m 80 P r o z. v e r m e h r t werden konnten. Eine merkwürdige Liefersperre. Heber das Vorgehen der dem Deutschen Cheniiellust angehörenden A k t i e>' g e s c t l s chw s! f ü r A n i l i n s a b r i l a l i o» in B e r l> n(Agfa) beim Verkauf ihrer photographischen Artikel wird uns folgender sehr merkwürdiger Fall bekannt: Ein seit acht Jahren selbständiger, in Kundschnsts- und Fachkreisen anerkannter Pholohändlcr, der auch photographische Zlr- beiten macht, steht seit langer Zeit unter einer Liefersperre durch die Agfa. Von sämtlichen großen Firmen Denstchlouds wird er be- liefert, nur von der Agfa nicht, obwohl er scmen Verpslichtungeu immer pünktlich nachgekomchen ist. Der beltefsende Händler hat oder ein Derbrechen begangen. Bei der Ausführung von photo- graphischen Arbette» für seine Kundschaft Höst er sich nämlich nicht in allen Fällen an die vom Photohändlerverbond fest- gelegten Richtpreise. Außerdem gehört er dem Verband nicht an. Die billigere Versorgung der Kundschaft wird dieftm Händler alsy mit einer durch niclps zu rechtfertigenden l�'ejcrspoir« ongekreid«». Man muß sich fragey. was die Pgfa dazu veranlclssen kann, und vor ollem, ob es sich hier um M vrinzipfekle»'Vorgehen' des Chemietrusts handelt. Wäre das der Fäll, to hatte der Ehemie- ttwft fofott zu«iklijrest.'wssyakb'er'dsss tttt.-- r.i Sonnig, 16. 10�7 Stots-Opei- AmPl.d-ltepijbl. An<;7'/,Uhr Sfntl. Sdiauspielh. '(■ OmiiromBjrkl 8 Uhr Die Wapper Sonntg., 16. t(L27 Städtlstüe Oper Bismarckstr. «(.-Tora. III Aul, IV, Staatl. SdiiUertti. Chariottenburg ü Uhi Volksbühne ttintu im Bllowplili Z Uhr; Ein ZWMIlM- iraooi. JPPhr T1 im MsdnenlimN •3 und 8 Uhr: Da/U: Der gematlldie KammUaSr �KomlMbeOperS*) I D>» Welt applaudier« l lin dem gewaltigen. neuartigen! Revue-StUck I Alles Nacktil (Nach der gleichnamigen Pariser Revue„Tout nue") 200 Mitwirkende! 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Hauptmann 'tili«: Mar Reinhardt Kamnerspiele Norden 10334—37 !>-. U. Ende lO'/j U Ihr Mann LushtW mit Pill Ginldr ■ Konz.-Dlr. Hermann Wolff u. Jule« Sachs■ Phllharmonl«.' FrWtag, 31. Oktobor, S UHn Konzert und Vortrag — L. THEREMIN »THERWELLEN MUSIK Das Splalan erfolgt durch frei« Bowogung dar Htf ndo Iii» Raum WW Karten bei Bote& Bock, Wertheim u. Abendkasse Kose-Tbeater 4fllir;8liisiiiLM SV, Uhr Dfe Mascfainen- bancr v. Berlin Philharmonie V/, Uhr KONZERT des Philharm. Orch. Hirij. Prof. J. Prflaer Die Komüdie Bismarck 2414/7516 /'/« Uhr. Ende 10>-z| Zinsen Komödie von Bernard Shaw I PiscatorbOhne! flnat. l HilliMltiWiti{ KurfOrst 2001/93 ■ 8 Uhr ioppla. wir leben von Ernst Toller Ina. Erwin Plscator| Heule U'h Uhr vorm. Alfred• Herr-Matiiröe I veranst vom Verlag 1 Der Ueberblick" Mitwirkende- Pnf. M'-a. Itmnt, üttiht, Dsrlin, fiiäpfcr. 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Und dieser geniale Schauspieler steht unter einer Regie, die fern von jedem dekorativen Pomp ganz allein das Einfache, das Innerliche der Handlung detont. Rupert Julian, ein Schüler de Milles, ist der Regisseur. Die Handlung beschränkt er auf wenige Personen. Daß sich diese manchmal in Sentimentalität schlimmsten Stils ge- fallen, ist auf dos Konto des amerikanifcheu Geschmacks zu setze». Aber die Handlung wird durchaus konzentriert. Die Deutschen hätten, wie schon bemerkt, nur eine psychologische Studie gegeben und bestimmt das spannende Moment übersehen, aus das die Ameri- kaner immer den Hauptakzent legen. Und dann ist alles restlos filmisch empfunden, der Text erübrigt sich. Ein Beispiel: In ihrer Verzw«iflu»g hat sich die von der Gesellschaft Perstoßen« in einem Nebenzimmer erhängt. Der kleine Sohn öffnet die Tür und bleibt erstarrt stehen, tastet sich rückwärts zurück, und dann erscheint der Arzt, die Finger spielen noch mit der scher«. Kein Text dazu, doch der Ziischarier weiß, was vorgefallen ist. Alles wird ins Bildhafte übertragen. Unaufdringlich, mit feinsten Details zeichnet Rupert Julian eine Situaiion. Män vergißt manches Störende, Befrem- dend«, denn man sieht einen Film von stiller Kultur, von wirklich filmischem Empfinden, einen Film, in dem Darsteller, Regisseur und Textverfasser von gleich großem Format sind. F. S. ' öes Weibes.*- (vebapalast Jlkcium;)-— Man liest unter den Manuskriptverfassern den Rainen Dr. T h o m a l l a und erwartet einen Aufklärungsfilm. Aber die Mitverfasser Wassermann und Sauer haben die Linie zu einem richtigen Spielfilm«ingeschlagen. Das Thema ist geblieben. aber es wird in rund« pralle Handlung umgesetzt, und es ersolgt keine andere Aufklärung als durch das Leben. Ein ganzes Berliner Miethaus mit seinen vielfachen Parteien wird vom Keller bis zum Dach vor uns ausgebreitet. Die beiden Mädel des Portiers, der zu- gleich ein Ladengeschäft hat, sind im heranwachsenden Alter. Di« Aeltere, keß und unternehmend, hat schon ihre Abenteuer, aber sie weiß, wie weit sie zu gehen hat. Die Jüngere, verlränmt und sehn- süchtig, ein wenig Aschenputtel, verliebt sich in den Svhn des Haus- besttzer», der es ihr mit seiner Musik und seinem freundlichen Wesen angetan hat. Sie treffen sich auf dem Dachboden, wo sie die Tauben besorgt und er die Antenne repariert. So ist längst ein stilles Ein» vernehmen zwischen ihnen, und eines Tages wird daraus das Er- lebnis, dos alles umstürzt und das ganze Haus auf den Kopf stellt. Di« kleine Frieda, der keine Aufklärung geworden und der niemand zur Seite stand, soll Mutter werden. Di« im gleichen Hause wvh- nende Aerztin, zu der man die ohnmächtig Gewordene trug, hat es festgestellt, und dank der Klatschsucht der überall spionierenden tinver- Seilage öes vorwärts losen Frau Kraatz weiß es bald das ganze Haus. Ein Donnerwetter nach dein andere» schlägt ein: der Portier' will seine Tochter er- schlagen, und der Hausbesitzer will die ganze Blase zum Tempel h'naüsjagen Aber da tritt etwas ein, das den norinalen Ablauf der Dinge unterbricht. Ein schon etwas älteres Fräulein stürzt sich in den Hos. weil der schöne Theodor, ein leichtlebiger Mann aus der Konfektion, der mit allen Frauen des Hauses poussiert, sein Ehe- l'ersprechen nicht einlösen will. Ihr Tod bringt die anderen zur Besinnung, und der Hausbesitzersohn darf die Portiertochter heiraten. Män sieht: dem guten Ausgang zuliebe ist die Wirklichkeit stark verbogen worden. Mit kleinbürgerlicher Sentimentalität werden Klassengegensätze überbrückt, die Frage wird nicht zu Ende gedacht. Das Erwachen der Jugend, das im Drama einstmals in Halbes „Jugend*»nd Wedekinds„Frühlingserwachen" Epoche gemacht hotte, wird im Film nochmals ausgewertet. Fred Sauer hat dafür gesorgt, daß die Handlung ssch filmgerecht gestaltete und kein Mangel war an starken dramatisch zugespitzten Situationen. Der Ersolg wurde im vollsten Maße erreicht dank der ausgezeichneten Besetzung, die«inen Hermann B o l l e n t i n als Portier, Harry L a n> b e r tz- Paulsen als lebensechten Don Juan der Mietkaserne, ferner Hermann Picha als pensionierten Beamten und Margarete Kupfer als seinen Hausdrachen ins Spiel fetzt«. Aber die Krone gebührt Grete Mosheim und Wolsgang Zilzer, die die beiden jungen Leute verkörperten. Grete Mosheim ist hiermit ein- für alle- mal als die Darstellerin d?s jungen unberührten Mädchens hervorgetreten. Wie sie das etwas ungelenke, spröde, dann mit einemmal anstauend« und später in feiner seelischen Not ganz verzweifelnde Geschöpf gestaltete, das war eine echte große Leistung, die zu Herzen ging. Wolsgang Zilzer hatte gleichfalls die echte jugendliche Note. Unter den weiblichen Darstellern sind noch Hilde Maroff als die ältere Tochter des Portiers und Sybille Morel als die unglücklich Liebende hervorzuheben._ r. .Nätsel einer Nacht" lEmelkapalast.) Harry ist der Rekordmayn, aber er ist der Rekord» satt, er hat zu viele Rekorde gebrochen, darum geht er in ein Sanatorium. Und der Leiter der Nervenheilanstalt verschreibt folgendes Rezept, man gebe dem Leben Inhalt durch Natnrgcnnß und Heirat. Dann setzt ein furchtbares Unwetter ein,»nd während es blitzt und in Strömen gießt, geben ausgebrochene Irre und ein Spuk im Schloß Harry Gelegenheit, seinen Mannesynit zu beweisen und die Schloßherrin zu heiraten. An der Kamera standen Georg M u s ch n- r und Gotthaid Wolf. Der Film ist ein Rekord der Auinahmetechnik. Sitzt Harry Biel aus einem Pferd, so wird dessen Sprung um ein paar Meter verlängert. Harry Piel ist sei» eigener Regisseur. Als Regisseur hat er ganz gute Einfälle, doch nutzt er sie nicht genügend aus, da er sich selbst immer zu sehr in den Vordergrund schieben muß. Selbst die Zentralsoyne sein, das ist die sich stets gleichbleibende Berpflich- tung, die Harry Biel, nach jestier Aussasiung, sich und dein Film gegenüber hat. Die lichtblonde Dary Holm war auch diesnwl wieder seine Partnerin. Das Publikum geriet bei der Uraufführung nicht so vor Beifall außer sich, wie man es sonst gewohnt ist.$0 Harry Piel wohl bald mit einem Stimniungsumjchwung.ssi rechnen haben wird?_ e: Ii. sbb�-ii»die va«» mildem Tigerfell.*' —(Mozortsaal.) Es handelt sich ganz bestimmt nicht um eine Spitzenleistung, ober es entstand auch kein schlechter Film. Im Manuskript lerrien wir> nicht nur allerlei Gauner kenneit, die einander betrügen und sich Schnippchen schlagen, wir' werden auch mit ein paar edlen Herren bekannt, die„hochersreulicherweise" vom Filmadel sind. Zum Schluß gibt's zwei glückliche Liebespaare, mehr kann das Publikum für sein Geld doch nicht verlangen. Alles Geschehen spielt sich ln Nizza in den Eesellschastskreisen ab. in denen man sich nicht langweilt, sondern sich toll amüsiert. Und während das Publikum mit Spannung der Verwirrung und Entwirrung der Handlung folgt, hat es Ruhe genug, nebenbei präästige Landschaften und prunk- voll« Karnevalsaufzüge zu genießen. Dr. Willi Wolfs bringt über- Haupt sehr gute Massenszenen. Ohne daß seine Regie auch nur einen neuen Einfall verwendet, folgt inan seiner Arbeit doch mit daner- hafter Aufmerksamkeit. Von oen Schauspielern bekam ein jeder ,die Rolle, die ihm besonders liegt. So hatte Ellen Richter es nicht nötig, großes schauspielerisches Können zu entfalten,"sondern sie brauchte nur die elegant«, rassige Frau zu sein. Bruno K a st n« r war ihr ebenso eleganter Partner und Georg Alexander durfte als englischer Lord und'Liebhaberdetektio mit seinem Sissn und seiner Begabung sür Komik glänzen."«• l>. Win�eraiHniel aus Ottomane mtt Pelz! Zmammeoixestellt m einer Riesen- Serie hocheleganter Mäntel in prima reinwollener Quolität. oämt- liche Mäntel sind ganz gefüttert, �«■>nOU' Crepe de Chine, z. T. auf Duchasae. Sämtliche Mäntel streng modem in Linie utfd Schnitt, z. 1. schräglinig, z. T. gerade, Die vornehme»Pirkung dieser Mäntel beruht z. T, auf der ganz glatten, tonnfließenden Verarbeitung, z. T. auf dem dezent vornehmen Schmuck durch eingelegte Stoif-Omamente. Sämtliche Mäntel mit großem Pelzschalkragen, z. T. bis zum Saum herunterreichend, Sämtliche Mäntel mit großen Pelzmanschetten. Verwendet wurden hochwertig ouf R in gtail-Oppossum, Zobel, Nutria und Schakal, veredelte Kanine und Cerrale bester Qualität. Blau, schwarz und farbig, auch in den grüßten Weiten. 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Der Leutnant verliebt stch in die Rabbiner- tochter. die Gutsherrschast steckt, mit den Russen unter einer Decke. die Soldaten benehmen sich so. wie man sich in Manöoersilmen be. nimmt, eine Pseudosalome versucht sich in Aerführungskünsten, und SMuh gibt es einen männermordenden Kampf. Dazu preußische Osfiziere. Reyimenismusit und Feldgrane. Es ist einfach schaurig. welch« Lust, Soldat zu sein, wenn der Soldat sich mit hübschen Dienstmädchen küssen darf und nebenbei noch harmlesen Krieg macht. Das Ganze bleibt widerlich, lind abgesehen von der Grundidee hat der Film außerdem noch schwere Fehler. Das Milieu ist nicht getroffen, ist absichtlich verfälscht. Man denkt wehmütig an„Das alte(Besetz*, auch dieser Film brachte eine Judenstadt, doch hier war alles echt"empfunden. Wie ist es möglich, daß der Rabbi, der streng orthodox ist, plötzlich den gröilichen Goi als zukünftigen Schwieger- söhn anerkennt? Warum läuft der russische Gras, um zu. spionieren, aus seinem Gut als Landarbeiter herum? Spione benehmen sich in der Regel vollkommen unaussällig. Warum greifen die'Russen in kompakter Masse an, in die ohne Schwierigkeiten hincinzuschiehen geht? Diese wenigen Beispiele für viele. Versajser und Regisseur rechnen nicht mit der Wirtlichkeit, sondern bauen sich ein Wolken- kuckucksheim. Der Film ist durchlas billig. Die Nachtszenen bringen zu aufdringliche Schcinwerferbeleuchtunq, das Landvolk wird wie ein Operettenchor ausgestellt, und die Juden stammen aus chalevys „Jüdin*, llnd dann hat der Regisseur Rolf Rnndolf wenig Swn für die filmische Ausbeutung einer Situation. Hergebrachtes wird unerträglich ausgewalzt, während wirklich witzige Situationen nur so kurz gezeigt werden, daß der Zuschauer sie kaum aufnehmen kann. Ferner oersucht Randols nicht einmal, den Schauspielern Gesicht zu geben. F r y l a n d und M a t 0 n i sind ungeschickt und eckig in der Bewegungen wie lyrische Tenöre im Ansängersiadium, K a m p e r s ist einem Witzblatt entsprungen, Bivian G i b s 0 n und Elizzn l a Porta bleiben schablonenhaft, und nur S t e i n r ü ck als Rabbi ist überragend, erinnert nianchmal an den prachtvolle» Jorgonschauspieler Morawski. Aber gerade bei diesem starren und rachsüchtigen Mann merkt man den Bruch des Films. Siegfried Arno als Kriegsfreiwilliger? Nein, unmöglich, daß das kluge Köpfchen ein Opfer der Kriegsphras« wird. Der Persasjer der Texte jedoch sollte sofort aus Urlaub gehen. F. S. t, II asagat.� Wollstoff, mit langea Xermeln, Blase mit Seatickten»Bs Mtowollen. Rips ('r.'pe de Chlns-Eln- mit CrSpo de ObiBe- satz.Rockror- Osrnleruag dorteil m. me-W ff] 13 ondspteter demer Falten- 1 WU Biesen nep- -teliunn..... J Sä perel T«nz- aUrte) ■ ans I gefloch- � lerem Eips- bomi, m. EOarhen- gamtul.sebr KSO eleyant ■astsnbaRer.MOS daza p.-.ss. 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Oktober: 9: Morgenfeier. 11.30; Stunde der Lebenden(Musikvorträge), 14.,*): Stunde des Briefmarkensammlers. 18: Die Kultivierung von Moor und Heide. 13.30: Finc Stunde Telepathie im Randfunk. 16.30: Unterhaltungsmusik. 19.05; Berlin im Urteil Fremder. 19.30; Arnold Böcklin r.u seinem 100. Geburtstag. 20: Im Lande Thüle. 20.30: Chftre, gesungen von den Wiener Sängerknaben. 21; Pcpulärcs Orcheslci konzert. 22.30; Tanzmusik. Montag, 17. Oktober: 15.30: Mütter berühmter Männer. 16: An den Grenzen der Erde. 16.30: Novelle«. 17: Unterhaltungsmusik. 18.30: Technische Woc�enplaudcrei. 19.03: Was sammelt man und was könnte man sammeln? 19.30: Erziehung zum volkswirtschaftlichen Denken. 19.55: Berlin und seine Literatur. 20.30; Berliner Schauspicltheater. 22.30; Nachtmusik. Dienst-.?. 18. Oktober: 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 16; Stunde mit Büchern. 16.30: Unterhaltungsmusik. 19: Erscheinungen und Theorien des Okkultismus. 19.43: Sendespiele:„Käthchen von Hcilbronn 4 von Heinr. Kleist, Musik von Quiseppc Bccce. Mittwoch, 19. Oktober; 13.45: Glockenspiel der Parochialkirchc. 15.30: Die moderne Frauenbewegung. 16; Eine Fahrt auf der Wolga von Twcr bis Astrachan. 16.30: Jugcndbühr.c. 18.20: Die Entstehung der Nahrung. 18.45: Der Aufbau der Materie. 19.30: Ucbcrtragung Städt. Oper Charlottenburg„Jonny spielt auf, Oper von Ernst Krenck. Danach: Lieder, Musikvorträge. Donnerstag, 20. Oktober: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Romantische Figuren der Weltgeschichte.. 16.30 Amerikanischer Humor. 17; Unterhaltungsmusik. 18.30; Die Farbstoffe im Dienst der Menschheit. 19.05: Ein Besuch bei Prof. Bruno Paul und Prof. Herrn. Pölzig. 19.30: Die zivilrechtlichen Folgen bei Aoto- mobilunfällen. 19.55; Deutschland, das Herr Europas. 20.30; Symphonie- Konzert. 22.30: Funktanzstunde. Freitag. 21. Oktober: 15.30: Die Frau und der Spiegel. 16.30: Unterhaltungsmusik. 19.05: italienisch. 19.30: Politik als Kunst und Wissenschaft. 20: Die Entwicklungslehre der Seele. 20.30: Vortrag. 21: Rezitationen, Lieder. 22.30: Unterhaltungsmusik. Sonnabend, 22. Oktober: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Gang und Haltung verraten deinen Charakter. 16.30: Unterhaltungsmusik. 18.20; Eisen und Metalle. 18.45: Die- neueren Bestimmungen in der Unfallversicherung. 19.10: Politik und Kulturpolitik. 19.35: Neues vom Himmel und von der Erde. 20.10: Sende» spiele:„Wiener Blut*', Operette von Job. Strauß. 22.30: Funk-Tanzstunde, Königswusterhausen. Sonntag, 16. Oktober: Ab 9: Ucbcrtragung aus Berlin. 18: Walter Flcx zum lOjährigcn Todestag. 18.25: Vorlesung aus fiühmittelalterlichen religiösen Dichtungen. 19.10: Frauen um Goethe. 19.35: Frauenbriefe an Goethe. Ab 20: Ucbcrtragung aus Berlin., Montag. 17. Oktober: 16: Probleme der pädagogischen Menschenkunde. 17: Die Kunst des frühen Mittelalters. 18; Das Wartburgfest der Burschenschaft. 18.30; Englisch für Anfänger 18.55: Rationälisierung des landwirtschaftlichen Betriebes. 19.20: Wirtschaftlichkeit im Betriebe. Ab 20.30: Ucbcrtragung aus Berlin. Dienstag, 18. Oktober: 16: Jugendpflege. 16.30: Spr echte chnik. 17: Die. Kunst des frühen Mittelalters. 18: ICK) Jahre Schiedsmann oMnung. IS�Oj Spanisch für AnUcger. 18.55: Hermann Boßdorf, ein niederdeutscher Dramatiker. Ab 19.45: Ucbcrtragung aus Berlin. Mittwoch. 19. Oktober: 16: Schulkundlichc Fragen in Dialogform. 16.30: Französisch(kulturkund- lich-litcrarischc Stunde). 17; Einführung in die Geologie: das Eis. 17.30: Adolf Paul. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Konstrnktionselemente. 18.30; Französisch für Anfänger. 18.55: Gemeinnütziger Kleinwohnungsbau im Kampf gegen die Wohnungsnot. Ab 19.30: Ucbcrtragung aus Berlin. Donnerstag. 20. Oktober: 16; Lichtbild und Film in der Schule. 16.30; Erziehungsberatung. 17: Ucbcrtragung aus Berlin. 18; Bei den Deutschen in Australien. 18.30; Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55; Die Holzbringung im Hochgebirge. 19.20: Der Einfluß der Dichtung auf das Kunstlied. Ab 20.15: Ucbcrtragung aus Langenberg. Ab 22: Ucbcrtragung aus Berlin. Freitag, 21. Oktober; 16: Das blasse Kind. 16.30: Pädagogik. 17: Die Anfänge des alten deutschen Kaisertums. 18: Wisscnschaftjiche Grundlagen der Luftfahrt. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Deutsche und englische Großbanken. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Acrztc. Ab 20.30: Ucbcrtragung aus Berlin. Sönnabend, 22. Oktober: 16: Lichtbild und Film in der Schule. 16.30; Bildwochc. 17: Krankenfürsorge der öffentlichen Beamten. 17.30: Fronwirtschaft und Baucrnwirtschaft im Mittelalter. 18; Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Konstruktions- elcmcntc. 18.30. Französisch für Fortgeschrittene. 18.55: Englisch für Fortgeschrittene. 19.20: Heinrich v. Kleist, �cr Novellist. Ab 20.10: Ucbcrtragung aus Berlin. „Vom Gassenhauer bis zum Schlage r", dos ist ein Kapitel Kulturgeschichte und Weltgeschichte. Denn es liegt hier nicht ein langsames Uebergleilen von einem zum anderen vor, sondern ein klarer Bnich trennt zwei versch-edene Welten: Ein„Einst" und ein „Jetzt". �Eugen Tonn zeigte das sehr hübsch in seinem Vortrag, der anfangs zwar etwas trocken oussiel, dann aber recht unterhaltend und witzig wurde. Vielleicht wäre es noch netter gewesen, wenn man diese amüsante Abendveranstaltung weniger wissenschnftlich ernst ausgeniacht und die sachlichen Erläuterungen in die sia.m emer lustigen Conference gelleidet hätte. Im zweiten Teil seiner Aus- sührungen näherte sich Eugen Tann übrigens diesem Stil. Was man an Darbietungen zu hören bekam, war äutzerst ergötzlich, besonders in der Auswahl antiker, d. h. um die Wende des neunzehnten Jahr- Hunderts populärer Gassenhauer. Da gab es„Die Sänger von Finsterwalde",„Immer an der Wand lang", den Walzer aus „Aosparone" mit dem schönen unterlegten Text..Mutter, der Manu .mit depi Koks ist da"— ein so vergnüglicher Somiabendobend, wie wir ihn im Rundfunk lange nicht erlebt haben. Die Vorträge waren, wie fast stets an den Sonnabenden, nicht sehr ergiebig, chierin soll die Wwtersaison eine Aenderung bringen. Die arbeitende Ve- völkcrung wird sich bei dem vielfach üblichen zeitigen Sonnabend- schlich ln der späteren Jahreszeit an diesem T�g besonders dem Rundsiwk widmen. Es wäre daher wünschenswert, wenn nach Mög- lichkeit auf Kic Sopirahertde und Sonntagj! stsrgjqitig ausgensöhlie pvpularsUKortitäae werden,' u' �>- r>>■■» Te». --- 1— Sozialiftische firbeiterjugenö Grost- Verlin. «itmelbiicgfn»et«rtfitsflcweirlttaft über„Wirtschaflslehr«"(Eflln (Brnoffc Abraham) werden im Iugendlekretoriat noch schriftlich und mlindlidi entgegengenommen. Die Vorbesprechung fllr die Teilnehmer findet Sonnabend. 22. Oktober, tg Uhr, im Lindenheim siatt. Achtung, Abteiluug»le>tee! Tie Berichtsbogen sjir da? 2. Quartalä Uhr Rosen. khaler Ptgtz, Normaluhr. 18 Uhr EinfilhrunqsfeierMM Seim Tieckslr. l8.— llöllnischer Park:. Trefspunki anc Parteiarbeit» Uhr bei ÄrÜjcr, Engtluser 23. Cs ist erforderlich, dag sich jeder zur Verfilguitg stelli.— Reinickenba rs. Ost: Werbefeier ll> Uhr in der Aula des Rrolgvinnosiums, Berner Strohe. Ein- tritt 30 Pf.— Reiaickendors-Weft: Heim Seidelsirohe. Bunter Abend.- Rauladors: Besuch des Planetariums. Abfahrt lö'b Uhr Bhf. Agulsdarf. Uli- kosten S0 Pf. «erbebe, irk Rreuzberg: ZO Uhr Lindenhcim. Bunter Abend. Werbebezirk Renkölln: Heim Kanncr Str. 20. Heiterer Abend. Morgen, Montag, 17. Oktober. 1S� Uhr. Singkrei«: Ucbungsabend pünktlich Igh, Uhr im Lindenheim. Raabit I: Schule Waldenserftr. 20. Einführungsabend.— Rambit 1t; Heim Lehrter Str. 18- II. Einstihrungsabend.— Friedenau: Schule Offen. bacher Str. So.„Reliqionslragcn.- Westen I; Helm Houptstr. IS.„Was ist Demokratie?"— Paukow-Süd: Schule.staiser-Friedrich-Etraße. Uebungs- abend. Werbedezirk Renkölln: Turnhalle der Anabenmittelschule, Donaustrahe, Turnen. Betiiligt euch zahlreich.. Bei der Firma Zeppich-Bursch, Berlin ck. 2, Spanbauer Str. 3t, wird eint Ausstellung der neuzeitlichen Gardinen und Dekorationen eröffnet, die sich zur Aufgabe gestellt hat zu zeigen, wie dir moderne Richtung auf dir Gardinen wir aueli auf die Dekorationen befruchtend gewirkt hat. Die Ausstellung bringt Entwürfe, die in ihrer modernen Art auch in Räumen verwendet«erden können, die älteren Ursprungs stnd. Die ssaffode des Hause, Tepvich-Bnvsch zeigt in origineller Form eine Sarowane. die den Tronspori echter Teppickr an die Bersandplähe Prrstens veranschauIiMt. Sleichzeiiia beansprucht ein Sanderverkauf vvn echten Perser-Teopichen zu ungewöhnlich dilligen Preisen die Aufmerksamkeit des kaufenden Publikums. Die Aiiche Hai für jeden Houshalt eine große Bedeutung. Die Hausfrau bedarf vieler Hilssmiitcl—. selbst der»orlitops bat seine Mannigfaltigkeit�— und unerschöpflich sind die. Diugr, die. erforderlich sind, um eine gut« Aüche zu sübrrn. Biel Neues ist geschaffen, um das Kochen zu einer Freude, zu mache»-Unermüdlich stnd kindige Kopfe dabei, der Haussrau dir. Arbeit im Haushalt zu erleichtern. 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Eine Zeit- lang war sie ab und zu in der Woche ausgegangen und mit gesünderer Farbe nach Haus« gekommen. Damals brachte sie auch das Paar Ohrringe mit, daß sie noch jetzt an den zierlichen silbernen Kettchen trug. Außer diesem Schmuck trug sie keinen: s!« war— sagte die Alte ost— für ein junges Mädchen viel zu einfach gekleidet.—„Das ist ein Paar kostbarer Ohrringe," hatte die Alte damals gesagt.— . Ja."—„Wer hat sie Ihnen denn verehrt, wenn man sragen darf, Fräulein?"— Schweigen. Die blaffe, blonde Näherin ging in ihr Zimmer saß an der Maschine und nähte. Der Alten siel bald darauf .aus, daß das Fräulein, wie früher, nur immer zu Haufe war, und daß ihre Backen, wie früher, hohl waren und bleich. Nur ganz fetten besuchte sie«ntsernte Verwandte. Die Alte aber fragte nicht mehr. Die blosse, blonde Näherin behiell recht. An einem Januar- morgen, als auf den Fenstersimsen und Laternenhauben und auf den Dächern gegenüber der dicke Schnee log, ruhte ihr schmaler Körper friedlich gestorben im Bett. Für die Alt«, die sie so am Dormittag fand, gab es da nichts zu janunern, denn—„ihr ist wohler so, als im Leben," konnte sie sagen. Und damit hatte sie wahrscheinlich recht. Daß es einem Gestorbenen schlechter ginge als den Lebendigen, das ist, wie ihr alle wißt, nur ein Borurteil. Aber wiewohl seit Monaten schon erwartet, war er nun doch, nach seinem langen Zögern, so still und hurtig gekommen, der Tod,— daß die blast e, blonde Näherin entweder im Dunkeln keine Zeit oder leinen Gedanken mehr daran hatte haben können, ihr« Ohrring« aus den Ohren zu nehmen. Die Alte, die dos sogleich bemerkte, hatte zwar für de» laufenden Monat die Miete erhalten: aber es war um die Mitte des Monats gor keine Kündigung erfolgt, wie das recht- mäßig hätte geschehen müsten. Nun ist freilich der Tod«In Aus- nahmefall, sein Besuch in jedermamiz Leben ist ja sein erster Besuch,— daher auch die große Achtung herrührt, mit der man ihm begegnet: aber die Alte fand diese Sache trotzdem nicht in Ordnung, und fand sich geschädigt, jawohl, geschädigt, durch die blast«, blond« Näherin. Wenn aber die Verwandten kämen, zu erben? So braucht man nur einfach zu sagen, die Ohrringe wären als letztes Geschenk, für treu« Pflege, der Wirtin vermacht. Oder— wenn die Ansprüche erst n a ch der Bestattung erhoben würden— so tönist« man che» behaupten, sie hätte die Ohrringe mit in die Grube genommen. Ja, alles wäre sehr einfach gewesen,— hätte die blaste, blonde Näherin die Ohrringe nicht eben in den Ohren gehabt. ,Ö, Gott, o, Gott!" gackerte die Alte und lief wie eine richtige Henne hin und her und kam am Ende immer wieder ans Bett. Denn sie halte weder den Mut, an die kalte Gestalt der Toten zu rühren, noch die Kraft zum Verzicht auf das, was ihr kostbar erschien. Sic war mit der blasten, blonden Näherin seit dem frühen Morgen allein in der Wohnung gewesen, sie war noch immer allein mit ihr. Sie hätte gern ihren Wunsch befriedigt, ehe sie mit irgendeiner Seele ihr Geheimnis hätte teilen muffen. Aber sie brachte die Kaltblütig- keit zu der Tat nicht auf, und nach Verlaus einiger Stunden kam der Alt« zurück. Sic suchte ihn zu bereden. Cr weigerte sich.—„Bist du ein Mann?" schiinpft« sie mit ihtst:„o, Gott, o, Gott, ein Mann will das fein!" Sie ließ ihn allein in der Stube am Bett; er betrachtete das stille Gesicht, setzte sich hin und dachte... dachte über das Leben... den Tod.... Aber die Ohrringe ließ er da wo sie waren. Die Polizei muhte benachrichtigt werden, über den Tag kamen verschiedene Amtspersonen. Sie fragten nach einem Testament, nach Verwandten: sie schrieben in ihre Bücher, und gingen. Der Sarg- macher kam und besah sich i>«n Schaden. Dann ging auch er. Es war dunkel geworden. Langsam wurde es Nacht. Die Ohrringe hingen immer mxh In den Ohren. ,O, Gott, o, Gott!" gackerte die Alte,„ich sehe die Brillant»» schon mit in die Grube fahren!"—„Brillanten.. sagte der Atte.„pa, ha. ha Brillanten..." Er legte sich schlafen. Aber die Alte ging noch nicht zu Bett, sie war noch längst nicht so weit. Ihre Lage war nun schlechter geworden. Denn soundsooielc Menschenaugen, Beamtenaugen, hatten die Ohrringe in den Ohren gesehen und hatten sich darüber etwas notiert. Wer weiß, was Beamte sich alle, notieren! Solche Leute zeigemja nie was sie denken — aber mit einem Male wird erweislich, sie haben sehr viel gedacht. — Was zu tun? Man könnte die Ohrringe— zur Probe einmal — aus den Ohren nehmen, und abwarten, ob etwas geschähe. Wenn ja, so wäre noch Zeit zum Rückzug: wenn nicht, so wäre ja alles gut... Sie ging also hinein, schlich sich durchs Dunkel bis an den Tisch, und unternahm es, das Gas anzuzünden. Dreimal starb das Streich- holz vor Auslegung hin. Als es dann hell in der Stube war, ging sie. ohne recht hinzusehen, zum Bett. Aber als sie wenige Schritte entfernt stehen blieb, schrie sie auf. Ihr schien, die Augen, die vorher geschlossen gewesen, hätten sich inzwischen ein wenig geöffnet, und nun glänzte es wie das Leben durch einen Spalt. Sie stand still und horchte. Nein... kein Atemgeräusch... Sic streckte die runzel- durchkreuzte Hand langsam vor—«s nützte ihr aber nichts— sie zog sie wieder zurück. Die blauen Ohrringe an silbernen Kcttchen logen still auf dem rotkarierten Kissenbezug. Das blonde Haar schien dunkler im Gaslicht. Die Atte zog an der Lampenkette, es wurde finster, sie ging hinaus. Sie legte sich schlafen, schlief aber nicht ein. Di« unruhigen Bewegungen ihres Alten verrieten ihr, daß auch er noch nicht schlief. Der Schlafstubenofen war nicht geheizt: aber nach seinen pustenden Lauten zu schließen, schien der Alte zu schwitzen. Auch der Alten war heiß, sie lag ober still. Mitternacht schlug, und die Wanduhr tickt« durchs Haus. Di« Stund« schlich weiter, es schlug ein», und zwei. Endlich hörte die Alte das gleichmäßige Geräusch seines Schnarchens, das sie nun seit Jahrzehnten kannte, es hatte ihr immer beruhigend den guten Schlaf ihres Alten bezeugt. Sie wartete noch eine halbe Stunde, dann entschloß sie sich: kein« Feder knockte, mit der Kerze oerließ sie darfuß das Zimmer. Auf dem Korridor erst entzündete sie das Problem. Es geht, üaß sich v. keuöell hinter Marx versteckt... Es geht auch, Saß sich Marx hinter v. steuöell versteckt... stber wie bekommen sie es im Zalie v. Tresckow fertig, sich beiöe gleichzeitig hintereinander zu verstecken! l Flämmchen und so schlich sie, kaum daß ihr« Sohlen schlurften, im Nachthemd, mit hängendem, zottelndem Weißhaar, an das Bett— wo die Ohrringe immer noch auf dem rottarierten Kissenbezug lagen. Sie hatte sich auf jedweden«ntjetzlichen Anblick gefaßt gemacht, aber wie sie nun hinsah, schien ihr das stille Gesicht zu lächeln. Bei Gott!— Sie hob die Kerze und führte sie näher heran, aber das Lächeln wollte nicht weichen.— Sie lebt noch! durchfuhr es die Atte — dies Lächeln bringt keine Tote fertig— überhaupt, wer weiß d!« Wahrheit über den Tod, es hat noch keiner von ihm erzählt, vielleicht ist das Leben noch lange im Körper und nimmt alles wahr, was im Zimmer geschieht, nur äußert es sich nicht mehr in Worten. Die blasse, blonde Näherin lächelt. O, du Räuberin, lächelt das tote Fräulein... Zum Teufel! sagte die Alte energisch, das sind Kindereien, ich werde dir zeigen... Sie stellte die Kerze auf die Nähmaschine dicht neben dem Bett, und als sich das Flackern der Flamme beruhigt hatte, griff ihre runzlichte Hand an das Ohr, an das linke— die Enden. von Daumen und Zeigefinger hielten richtig dos Läppchen— aber dann schrie sie, als ob kalt oder heiß«in Strahl ihren Arm durchschossen, und sie flog wie von einer innerlichen Ge- wali geschleudert, rückwärts bis gegen die Tür. Sie zittert«, ächzt«. In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Ehe sie hätte hinsehen können, wer käme— siel die Alte bewußtlos zu Boden. Uebrigrns war es nur der Alte, der von der Nähmaschine neben dem Bett nun die Kerze holte und die bewußtlose Alte ins Schlafzimmer trug. Als sie, lallend atmend im Bett lag, ging er noch einmal zurück an die Stube, um die Tür, hinter welcher die Tote lag, zu verschließen. Am nächsten Tage, nachmittags um drei, kamen verschiedene Männer. Sie nahmen die blosse, blonde Näherin, die immer noch lächelle, und legten sie in den Sarg hinein. Der Alte sah zu: die Alte war ausgegangen: Verwandte oder Bekannte des Fräuleins waren nicht da. Die Sonne schien hell durch die Scheiben herein. Die Eisblumen waren nun gättzlich zerschmolzen. Don den Fenster- simsen und Dächern troff Wasser. Die blasse, blonde Näherin existierte nicht mehr, st« war unter Deckel und schwarzem Tuch. Aber der Alte, der sie bis hinaus vor die Türe an das Automobil begleitete. sah durch Tuch und Deckel gleichsam hindurch— jene zwei blall«n Steinlein, die sie nicht hergeben wollte. Ueber Sie Möamsbrücke. von Andreas Oatzko. Poetisch angehauchte Gcogrophieprofessoren nennen die Insel Ceylon gern die„Perle Indien s", weil sie an einer Reih« winziger Inselchen unter der Spitze Vorderindien» hängt, wie ein kostbares Juwel an goldener Chatelaine. Dieses Inseltettchen, dessen einzelne Glieder kaum über de» Meeresspiegel ragen, zum Teil sogar unter Wasser liegen, führte eigentlich den Namen„Adamsbrllcke", eben weil der vielfach zemsscne Damm keine Verbindung zwischen Ceylon und dem Festlande war. Ueber diese schmale Landzunge sollte nämlich das erste Menschcnpaar vor dem flammenden Pallasch des Erzengels geflohen fein, aus dem Edcngarten hinüber in die verwunschene, ausgedörrte Sandwüstc Südindiens. Zischend fuhr hin- ter den Vertriebenen das glühende Schwert ins Meer, zerstückelte den Steg, damit die Sehnsucht der Sünder sich nicht zurückfinde unter das hochgewölbte Dach aus Brotbäumen und Kokospalmen, wo Mangoustinen, Iockfrücht«, turmhohe Bonanenstauden ein un- erschöpfliches Arsenal stellen gegen die Hungersnot die jenseits des schmalen Golfes, in Sichtweite solchen crsttckcnden Ueberflusses, den sieberzerrissenen Boden Südindiens verheert. Seit rund zwölf Jahren usurpiert die„Adamsinsel" zu Unrecht ihren Namen, denn ein Flechtwerk aus englischem Stahl und Eisen spottet der Schwertstreiche des Erzengel», schwingt sich von Insel zu Insel, leitet über Caissons und Pfeiler das Gleisband Ceylons in das indische Schiencnnetz über, wodurch den Postsäcken von Colombo die Seereise bis in die Höhe von Bombay erspart bleibt, und der Europaurlaub der englischen Beamten um ein« halbe Woche länger ausfällt, wenn sie Indien im Expreß durchqueren, statt seiner Küste entlang durch den Monsun zu stampfen. Ueberraschenderweisc hat die Technik in diesem Ausnahmesalle der Sage keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Bis 1915 hatte die stürmische Nachtfahrt in dem rasend hüpfenden Küstendampser das leuchtende Bild Colombos immer fchtm ein wenig verwischt, wenn man am Margen durch das staubgraue Land rattert«. Der Wechicl war nicht gar so plötzlich wie jetzt, da nur einige Kilomeier den ziutt- roten, palmenbeschatteten Boden der seligen Insel von dem ersten, fluchbeladenen Pariadorf des Hinduoolkes trennen. Nicht inehr ver- trnuensvoll offen« Laubhütten, mürrische, geborstene Häuser ans gelbem Lehm deuten die Dörfer an, wie ein böses Tier faucht dos verödete Land seinen glühenden Staub dem Zuge nach, und seind- selig rerschmitzt, wie das Antlitz der ganzen Landschaft, sind auch die gelben Gesichter der Eingeborenen, die, kriegerisch und gehässig zugleich mit unheimlich lüsternem Leuchten in den faylen Augen an den Sahib heranschleichen, als wäre man viele Tagereisen weit von den frohe» singlmlesischen Kindern, und dem Blitze» ihrer lachende» Zähne. Wie soll!te, ohne den Zorn Gottes, ein Damm mit einer Brücke aus dem Paradies so� kurzerhand in die Hölle einer Armut hineinführen, die alles in Schatten stellt, was der Europäer am Eiterrande seiner Großstädte fürchten lernt?-- Und wahrhaftig, hier herrscht der Zorn der Götter, gleich in der ersten größeren Station auf indischem Boden grüßt das mächtige Monument ihrer Ungnade: der groß« Tempel, den zu Ehren des „Alleszerstörers", des Gottes S ch i w a, König Tirumala in der Stadt Madura erbaute. Jenseits der Adamsbrticke herrschte Buddha ohne geistliche Vermittlung, ohne einen hunderttausend- köpsigen, habsüchtige» Instanzenweg verkehrten die Gläubigen mit ihrem Gotte, dessen Milde für einige Lotosblüten und ein Räucherkerzchen ein leichtes, ruhig gleitendes Leben schenkte. Hier aber leiden die Opfer des Sündenfalles, die Vertriebenen aus dem Pora- diese, der Hungertod ist, nicht anders als ein« Art Gripp«, in jeder Hütte bekannt, alle Strafen des Himmels: Dürre, Not, Unterdrückung striemen Leib und Seele; hart wie das Dasein und die Erde müssen hier auch die Götter sein! Alles während der kurzen Wagenfahrt verstimnit— weckt droheiche Erwartung: die Knochenleiber der bettelnden Kinder, das staubgraue Gesicht- des Kutschers, die hündische Demut des Führers, von Stimmung und Buchwissen präpariert, nähert man sich den, ersten Hoshalt der Bramahncnherrschast—7- und schreit doch auf, wenn bei einer Biegung der Straße ein Turm des Schiwa-Tempels um die Ecke springt. Zwanzig Meter hoch ist die Umsassungsmauer, die, mit blutroten Streifen bemalt, den ganzen Tempel von der Außenwelt abschließt. Ueber jedes der neun Tore, die Einlaß ge- währen, ragt eine„G o p u r a" auf, ein pyramidenförmiger Turm, zwanzig und mehr Stockwerke hoch, jedes Stockwerk eine ringsum- laufend« Reihe von zahllosen Schiwa-Figuren in verwirrender Häufung. Sechsormig, Mordwerbzeuge vieltausendfach wiederholt in allen Händen, über- und nebeneinander immer die gleiche drohende Göttersratze, steinernes Gekröse spitz in den Himmel stoßend. Hinter der Mauer gerät man zunächst in einen Jahrmarkt und begreift zum erstennml, was die Vertreibung der„Händler" zu Christi Zeiten bedeutet hatte. Nicht nur Opsergabcn etwa, wie in den stillen Höfen der Vuddhatempel, auch Schuhwerk, Kleidung, Nahrungsmittel, alles ist innerhalb der Umfriedung, im äußersten Tempelhofe zum Kaufe ausgestellt. Wüster Lärm ebbt hier nie ob, ein ewiges Feilschen, Streiten, Drängen, bunte Stoffe lausen durch surrende, amerikanische Nähmaschine»— nur wo die Wohnung«» der allmächtigen BroMahne» wie winzige Einfamilienhäuser an die Mauer lehnen, dort herrscht feierliche Stille. Hochmütig stelzen die Gefürchteten vor ihren Türen auf und ab, unnahbar, weiter abge- rückt von dem Gedränge ihrer Gläubigen, als der König von Eng- land vom letzten Trunkenbold In White Chapel. Denn hier herrscht die Kastel Wer die würgende, vernichtende Wirkung dieses Fluches annähernd sich vergegenwärtigen will, muß erfahren, daß z. B. der Sohn eines Fischers, dessen' Finger das Netz von rechts nach links knüpfen, mit allen Nachkommen aus seiner Kost« ausge- jrtchen, zum Paria degradiert wird, wenn er die Tochter eines izischers sreit, dem heilige Tradition das Metz von link» nach rechts zu knüpfen befiehlt! Fliehen werden ihn all« Gerechten, weit außer- halb oller nienschliche» Niederlassungen darf er sich nur seine Hütte bauen, keinen Tempel darf er mit seinen Gebeten entweihen, und wer ihm die Hand reichen, ihm helfen, mit dem geringsten Almosen sein namenloses Elend mildern würde, verfiele sofort dem gleiche» hoffnungslosen Verderben,— Dieser Seelenmord, die Höllenstrafe des Hinduismus, den Glaubenssätzen entsprechend in dos Diesseits verlegt, ist gleichsam das Fundament des ganzen, mächtigen Tempelbaues, bis zum First aus Drohungen, Strafen, Heimsuchungen aufgeschichtet, und von den wafsenstarrenden Armen des grausam feixenden'Götzen über- ragt. Liebe und Hoffnung haben hier nichts zu suchen, auf A n g st ganz allein ist dieser Glaube gestellt! Angst hat die.zahllosen Gra- nitblöcke herbeigeschleppt, Angst den unwahrscheinlichen Wert des Tempelschatzes gehäuft, eine Angst, die auch mit dem Lebe» nicht er- lischt, im Gegenteil, hinter dem Tode den schlimmsten Schrecken ihrer eigenen Erfüllung birgt und niemals den Griff uin den Hals ihrer Opfer lockern darf, weil sie ja eine P r i e st e r k a st e von mehr als hunderttausend Köpfen fürstlich erhalten mutz. Wie eine riesenhafte, unsichtbare Nagaika schwingen die hundert- tausend Bromahnen die Fuchtel der Scelcnwondcrung über zweihundert Millionen Hindurücken! Keine unverdiente Gnade gibt es urch kein unverdientes Unglück— wer mit eiternden Beulen bedeckt seinen wunden Rücken unter übermenschlichen Lasten beugt und dennoch ohnmächtig zusehen muß, wie seine Angehörigen hin- sterben in Hungerkrämpsen, mag die Verzweiflung noch so sehr seinen Verstand verwirren, das eine vergißt er nie: daß er all dies Unhell sich selbst zugezogen hat mit Sünden, die er in seinen früheren Lebensläusen beging. Hätte er vor seiner letzten Geburt jeden er- sparten Groschen den Bramahnen für fromme Zwecke ausgeliefert, mit Inbrunst sich bemüht, keine der mehr als dreißigtausend Gott- lzeiten zu erzürnen und allen heiligen Affen, heiligen Kühen, heiligen Elesanten u. s. f. die schuldige Achtung zu erweisen-- statt ein räudiger Lastträger zu sei», dessen Kinder der Hunger mordet, wäre er als mächtiger Maharadschah in das Leben zurückgekehrt. Keine andere Rettung gibt es also aus der blutigen Umarmung des Elends, als das lückenlose Streben, so viel Oual, Entbehrung und Eniiedri- gung wie nur irgend möglich innerhalb des ohnehin schon dem Unheil geweihten Dasein abzuleben, durch Mitteilung der Bramah- nen die Götter zu versöhnen, damit für die nächste Inkarnation möglichst wenig mehr zu tragen bleibe.--- Vergebens sucht der Führer die Aufmerksamkeit des weißen Gastes auf die obszönen Skulpturen.zu lenken, die Meisterhände aus lem Granit der Säulen schlugen, vergebens läßt der Bramahne sich herab, die Edelsteingehänge der heiligen Elesanten, den ganzen Ju- welenladen der Prozessionsutcnsilien vor dem profanen Auge aus- zubreiten, die steinernen Fabeltiere in der„Holle der tausend «äulcn", das phantastische Gewirr der Assen, Kühe, träge.zottelnden Elefonte», die überfüttert und selbstbewußt wie wirkliche Macht- daher initten in das Gedränge der Menschen hineinschreiten, ge- langweilt von allen Ehrenbezeugungen— kein Anblick, noch so mo- numental oder bizarr, nichts vermag dl« Aufmerksamkeit des Euro- päers zu fesseln. Betäubt, mit knickenden Knien, als wäre die ganze Trostlosigkeit der Stätte auf seine Schultern geladen, strebt er an ollem Sehenswerten vorbei deni Ausgange zu, nur fort aus dieser Schreckenswclt ohne Gegenwart! Da stockt plötzlich der Fuß, die Augen starren entsetzt auf ein grausiges Etwas, das mitten in der Badeallec der Elesanten im Staube zuckt!... Eine Leiche?... Das Grün der Haut, die gekrümmten Änochenhände, die scharfen Kanten des zerfetzten Gewandes— nur ein entseelter Leib�kann so eckig in sich zusammensinken. Aber diese Leiche lebt, wie wenige Schritte seitwärts eine zweite, die, gelben Schaum vor den grauen Lippen, die Zähne in den Straßcnsand schlägt. Welcher Unterhaltungsstoff für den Führer und seinen Freundes- kreis, wenn der weiße Sahib aus Europa, in seiner unbegreiflichen Einfalt, den Sterbenden zu Hilfe eilen möchte und davon faselt, ihre» Hungertod durch eine Geldgabe zu hindern!... Alles Geld könnte doch nicht das geringste daran ändern, daß die beide», in ihr altes Dasein zurückgerufen, derselben niedrigen, getretenen Kaste ange- hören würdep» aus der hinouszusterben sie im Begriffe sind. Dar- um liegen sie ja mitten im Wege, den die heiligen Elefanten gehen, damit die Gunst der Götter mit einem Tritt die Oual abkürzen könne! Welche törichte, überflüssige Grausamkeit wäre'es, Menschen znrückzuzerren in ihre Strafe, da qualvoll« Buße ihnen schon die Tür ausstieß in eine neue, bessere Existenz!... Mitten fn dem gleichgültigen Gewimmel der Tempelstraße krümmen sich die Sterbenden, die Menge eilt herbei, steigt über sie hinweg, mancher, dem zu hart ausgeladen wurde, betrachtet neidisch ihr Berzucken.— Ueber den Köpfen, die besinnungslos im Staube rollen, ragt, die bewaffneten Arme zu Schlangcngekröse verschlungen, Schiwa, der Zerstörer. Die Abendsonne rinnt blutig über die ncr- steinerte Tollwut der neun Türme, die wie zu Hause» geworfen scheinen aus dem unübersehbar sich wiederholenden Götzen. Es ist das grauenvoll verzerrte, im Staube schleisende Antlitz der unten Sterbenden, das von oben in Stein gehauen auf sein Werk hinab- grinst, Hohn und Drohung und Grabstein zugleich. Seit vier- tausend Iahren erdrosselt diese Götterfratze die Seele eines Zwei Hundertmillionenvolkes, zcr- inalmt die Lebensfreude zahlloser Geschlechter unter dem Gewirr der steinernen Gliedmaßen, die das Wort der Bromahnen wie Kinder- schreck bewegt.— Wer in einem der neun Türme die zwanzig Stockwerke einpor- steigt, sieht in der Ferne den blauen Strich von Ceylons Palmen- küste. Wenige Bahnstunden, die„Adamsbrücke" nur trennt ihn von den sorglosen, nackten Kindern, die um diese Stunde chr schlichtes Blumenopser vor Buddhas gekreuzte Füße hinlegen und dann lautlos davonhuschen über die rotgekiesten Gartenwege ihrer ge- segneten Insel. Vergebens hat die Zauberhand des weißen Mannes mit dickem Eisen die Schluchten überslochten, die Gottes Schwert hinter den flüchtenden Sünder» schlug. Keine Brücke und kein Gleis kann das verlorene Paradies näher heranrücken an die Vcr- dämmten, die auf der Flucht vor der glühenden Klinge in ihrer Todesangst hineingelausen sind in das nie verlöschende Höllenfeuer menschlicher Gewinnsucht._ Mrnolö Sockiin. Von Dr. Paul A. Schmidt. In dieses an Künstlerjubiläen reiche Jahr fällt auch Böcklins kW. Geburtstag: am 16. Oktober 1827 ist er als Sohn eines Pro- kuriftcn und Tuchhändlers in Basel geboren. Der Parteien Gunst und Haß hat sich seiner bemächtigt und seine Kunst bald zum Panier nationaler Ekstasen erhoben, bald in den Abgrund veiwerslichsten Kitsches verwiesen. Es fragt sich, was diese ungewöhnliche Malerei uns heute bedeutet— in einer Zeit, die sich so außerordentlich gewandelt hat gegenüber der zweiten Hälfte des IL. Jahrhunderts, in dem Böcklin lebte und schuf. Besteht Arnold Böcklin die Feuerprobe e'ner strengen Gegenwart? Es gibt gelehrte Forscher, in deren dicken und schwer leser- lieben Wälzern er uns als ein künstlerischer Hauvtvertreter der „Gründerzeit" nach 1876 mies gemacht wird: als ein Dekorateur, der gleich Makart und Grützner auf die Instinkte des Spekulanten- bourgeois, von Strausberg bis St'nnes, eingestellt war, dessen prunkvolle, sarbengfitzernde Gemälde nur in imitierten Renaissance- salons schwerreicher Börsianer auf Seidcntapeten denkbor sind. Das Gegenstück zu dieser Karikatur war die uferlose Begeiste- rung des alldeutschen Snobs und der Dichter, die nur den groben Stoff sahen, und der Kleinbürger, d'e Böcklin, Klinger und Thoma unterschiedslos als patriotische Götzen vorgesetzt bekamen zum An- beten. Dem ollen gegenüber wird man in Böcklin einen großen Künstler sehen, der durchaus im normalen Zusammenhang deutscher Kunstentwicklung steht, den mit Grünewald und Holbein ebensoviel verbindet wie mit den Romantikern von 1826 und der„sachlichen" Gegenwort, und der lediglich durch das ungewöhnliche Ausmaß feiner Borstellunoskraft über seine Zeit hinausragt und weit in die Zukunft wirkt. Kurzum, als einen wahrhaft schöpferischen Menschen. Seme Phantasie umspannte die Welt der Abenteuer und des Ungewöhnlichen: er war ein Romantiker, der mit Shakespeare, Ariost und Stevenson zu vergleichen ist, nicht aber mit Manet und Cezanne. Darf man Abenteuer nicht malen? Man darf es— vorausgesetzt, daß man sie künstlerisch glaubhaft macht. Es ist eint Unsinn, die Form allein als maßgebend in der Kunst zu betrachten- genau so, wie es Unsinn ist, nur das Dargestellte als wichtig zir empfinden. Böcklins Erfindungen' wirken darum so erregend und werden immer erregend wirken, iveil sie erlebt und anschaulich miedergegeben sind, so daß der Betrachter sie mit der Intensität der Schöpiungsstnnde wiedererleben kann Niemals wird sich der deutsch« Geist seine Freude am Erlebnis nehmen lassen. Ob Böcklins Fabel- wcsen den Franzosen nichts zu sagen haben, geht uns nicht im mindesten an. Der Deutsche hat dos Bedürfnis nach Auherordent- lichem und es scheint, daß er dies sobald nicht aufzugeben gedenkt. Die oft erstaunlichen und erschreckenden Erfindungen Böcklins werden. diesem Bedürfn's in einer vollkommenen Weise gerecht: mit groß- artigen Ideen heldischer und grotesker Art, mit Gebärden und einem wilden Humor, der nicht nur in der Dichtung Daseinsberechtigung hat, imt Kühnheiten der Farbe und Bewegung. Beispiele zu nennen ist beinahe überflüssig: der Abenteurer, das Spiel der Wellen, See- räuberüberfäll«, Krieg und Pestilenz, Kentaurenkämpfe, Drachen- schlucht, Prometheus und Römerfeste, Seetingeltongel und Pan im wchilf: welch ein Getümmel souveräner Phantasie! Wird dergleichen— und sein Werk ist gedrängt vosk solcher otemraubendcr Geschichten— naiven Gemütern zu allen Zeiten Anlaß sein zu kinomäßig erregtem Erleben, so kann dem feineren und liefer greifenden Empfinden die künstlerische Gestaltung dks großen Bastlers sehr wohl genügen. Hat sie sich durchgesetzt in einer grundsätzlich feindselig eingestellten Zeit impressionistischer Natur- abkonterie'ung, die nichts wollte, alz ein Bund Spargel oder einen blöden Bauerntrampel malerisch bewältigen, so ist ihr Gegenwart und Zukunft sicher durch ihre außerordentliche Kraft der Bergegen- ständlichung. Es ist nicht gleichgültig, ob man«inen Pferdeknecht oder einen Gott zu versinnlichen weiß. Die Bestimmtheit der Böcklinschen Darstellungsweise gibt einen Maßstab für seine Schätzung, der gerade in unserer Gegenwart äußerst aktuell ist. Was wir heute„Sachlichkeit" nennen, die klare Addition der Dinge im Raum, die unerbittliche Schärfe ihrer Stossbezeichnung nach der Seite der Zeichnung wie der Farbe, ist immer Böcklins Eigentum gewesen. Was er voraus hat, ist die Leuchtkraft und dekorative Pracht der Farben, in denen er seinesgleichen sucht. Ja, in seinem Werk lebt auch das Beste und Dauernde der „Ausdruckskunst", deren Prinzip Erbteil aller naiv empfindenden Schöpfer, sich über den Weltkrieg und die Gegenwart in eine bessere Zukunft hinüberrettcn wird: die Kraft, das Wesenhafte und Inner- liche von Charokteren und Handlungen zu verkörpern. Wie stark und unmittelbar wirkt in allen Bildern Böcklins der Ausdruck der Handelnden, wie überzeugend sind die Triebkräfte seiner Geschöpfe! Dies ist das Merkmal des schöpferischen Künstlers: daß er uns überzeugt. Wie ägyptische Reliefs und gotische Märtyrerge- stbickten, wie Erünewnld und Rembrondt und Carstens, so wirken Böcklins Geschöpfe wahr auf uns. Heute und wahrscheinlich morgen auch und übermorgen.__ Die Jlrnnen der Ozeane. Bor der Entdeckung Amerikas kannte man weder einen Allantischen nocb einen Stillen Ozean. Man glaubte, beide Ozeane seien«in Meer und bezeichnete sie als Okeanos. Erst nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus und nach der Erdumsegelung von Magolhaes erkannte man. daß beide Meere verschiedene Ozeane sind. Die Benennung des Großen Ozeans stammt erst aus dem Jahre 1752, und zwar mar es der Franzose Ruache, der dem Ozean diesen Namen gab. Die Bezeichnung „Atlantischer Ozean" stamint von dem Geographen Mercawr. der damit eine starke Berallgemeinerung vornahm: denn vor ihm de- zeichnete man nur den Küstenstrich westlich von Gibraltar als Atlantischen Ozxan, Mcrcator aber bezeichnete hiernach di« ganze Rordhälste dieses Meeres. Die Bezeichnung für den ganzen Ozean stammt aus dem 17. Jahrhundert. Daneben waren aber noch andere Bezeichnungen für die einzelnen Ozeane gebräuchlich. Die endgültige Fesllegung der Benennung für den Atlantischen, Indischen und Stillen Ozean erfclgte erst im Jahre 1845 durch di« Londoner Geographische Gesellschaft. fotfic Damen- Spangen--f aöiuhe. Ladt M. Moderne Damen-Spangen- sduihe, adnvan NubuK mit-f�SO Ladtvertierung...... Wahrheit in der nektome ist unser Gesch äfisprinzip. Was wir in unseren Anzeigen anbieten, was wir in unseren Schaufenstern mit Preisen ausstellen, ist am Lager. Die Preise der angebotenen Waren sind keine Ausnahmepreise, sondern unsere üblichen Ladenpreise. Bei uns findet der Kaufer eine Auawahl, wie sie nur wenige Berliner Geschäfte zeigen können. Zu unseren billigen Kassepreisen ohne Aufsdilag verkaufen wir mit lUJInztthlnnguJMottBlmlen, bei Käufen über"100 Mark 1/4 tinzaMm a. 5 Monaist alen. 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Referent Genosse Stadtrat sireisdelegierlcnoersommlung findet r erst Freitag, 2l. Oktober, in den Musikers ülea statt. 2. Krei» Tiergortea. Achtung! Bildungskommisfion. Montag, 17. Oktober, ISlj Uhr, wichtige Sitzung der Bildungstommission bei Krüger, Putlitz. stratz« ld. Die Funktionäre werden gebeten, den Absatz der Eintritts. karten für den ZS. Oktober möglichst gut iurchzuführrn. 3. Krei, Wcdding. Dienstag, 18. Oktober, I9Vi Uhr, Mitgliederversammlung, Patzenhofer-Ausschank, Shausseestr. f>4. Tagesordnung: 1. Politischer Rück. blick und Ausblick. Referent Genosse Hugo Heimann, M. d. R. 2. Di« Reichswerbewoch«. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wird recht zahlreicher Besuch erbeten. 4. Krei» Prenzlauer Berg. Freie Echulgetneinde. Montag, 17. Oktober, 19Vi Uhr, Luisen städtische« Realgnmnasium, Gleimsir. 48. öffentliche Der. sammlung. Thema: Das Reichsschulgesetz.— Die weltliche Schule.— Der Arbeiter und sein Kind.— Alle Erziehungsberechtigten müssen«r- scheinen. ». Krei» Kreuzberg. Dienstag, 18. Okiober. 19lh Uhr, beginnt der Kursus bes Genossen Dr. Bienssock im Zimmer 29 de» Bezirksamtes, Porckstr. 11. Daselbst 19Vi Uhr Sitzung des Bildttngsausschusses. Ausgabe wichtigen Materials. Alle Abteilungsobleut« müssen pünktlich erscheinen. 7. Krei, Sharlottenbnrg. Montag, 17. Oktober. I9U. Uhr. Fraktionssitzung mit allen Bürgerdeputierien im Zimmer I de« Rathauses. Vortrag von Herr» Direktor Erdmann über„Etolstechnii".— Dienstag, lS. Oktober, 19M Uhr, Mitgliederversammlung in der Schulaula � des Schtsser-Real. gymnasium«, Schillerstr. 26. Genosse Dr. Rudols Breitscheid, M, d. R„ spricht über die«usenpolittk. Recht reger Besuch wird erwartet. Mit. gltedsbuch ist am Eingang vorzuweisen, da nur den Mitaliedern der Zu. tritt gestattet ist.— Freie Schulgemeinde. Montag, 17. Ottober, 19Ü, Uhr, im Lehrerzimmer der weltlichen Schule, Pestalozztstr. 40, Bortraasabcnd mit anschließender kreier Aussprache»Unsere Schulpolitik im Rahmen der freien schulgesellschoften Deutschlands". Referent Genosse Rektor B. Echmücker. Austausch der Bibliolhet-dücher. 9. Krei»«>lme»d»rs.»7. aa» TS. Abt. Die Partetganossen Vierden aus. gefordert, sich möglichst»ahlreich an der Veranstalwna der SAI. am Donnerstag, den 20. Oktober, 20 Uhr. ia der Treitschke-Tchule, Prinz. Regenten-Str. 331-330, zu detriltgen. 1». Krei» gehlendoes. Montag, 17. Oktober, 20 Uhr, Kreisdelegiertrnoer. sammlung in Wannsee, Reichsadler. Tage»ordnung:„Stillungnahm« zu dem neuen Gesetz Groß-Berlin". 13. Krei» Tempelhof. Dienstag, 18. Oktober, 20 Uhr, Fraktionssstzung, Dorf. straß« 4ä, parterre. 13. Krei» rempelhof. Mittwoch, 19. Oktober, UM Uhr, Sitzung de, Krei», bitbungsansschusses im Gasthaus Riendors, Mariendorf, Ehausseestr. 19. Um bestimmtes und pünktliches Erscheinen wirb dringend gebeten. 17. Krei» Wchteabeeg. Montag, 17. Oktober, 18 Uhr. im Rathaus. Zimmer 36, Sitzung der Bezirksverordnetenfraktion mit Bürgerdeputierten. Mittwoch, 13. Oktober, Bezirrsversammlung. Karten beim Genoss«» Schubart, Rltter. gutstraße 24. und beim Genossen Richter. Borhagener Str. 62, zu haben. Mittwoch, 19. Oktober, 19>h Uhr. Bersammlung der sozialdemolratischen Lehrer und Elternbeiräte im Lehrerzimmer der 37. Volksschule. Markt. straße 12(Schule neben der Feuerwache). Alle Lehrer, Elternbeiräte und Ersatzleute müsseu erscheinen. 18. Krei? Weißense«. Eitzuna der Bezirisverordnetenfraktion Montag. 17. Oktober, lst-4 Uhr, Rathau». Zimmer 21. Dienstag, 18. Oktober. 23 Uhr, im katholischen Schulgebäude. Wilhelmsteaß«,»«g'nn de, Kursu» »Die Wirtschaftspolitik der Sozialdemokratie". Lehrer Genosse Dr. Bloch. Sticht nur die Funktionäre, sonder» auch alle anderen Genossen werden dringend gebeten, angesichts der nächstjährlgen Bahlen sich zahlreich zu betmigeit. 1,. Kreis Pankow. Montag. 17. Oktober. KM Uhr. Fraktionsfitzun, mit Bürgerdeputierten im Rathaus Pankow, Zimmer 17. 29. Keeio Rclnlckendoes. Die Kursusteilnehmer werden gebeten, am Dien». tag. dem 18. Oktober. 19 Uhr pünktlich, zweck,«lner notwendigen Bor. bekprechung im Zetchensaal der 1. S-mernd-schul« in R.inickendorf, Lin- dauer Straß«, zu erscheinen. Der Kursu- beginnt pünktlich 20 Uhr. Teil. nehmer können sich noch melden. «eüeo oeo»elM§l>ivlSeze» Mitglied der Miltieren Berwalwng, der er längere Zeit angc- körte, war er stet» derett sein« ganze »rast für seine Kollegen und für die Organisation einzutetzen. Wir«erde» ihm ein ehrende» Aa- deaien bewahre,. vl» fetavcnoaltaat, Die Bestattung erfolg« am Montag. dem 17. Ott., in irommerteld, miilog« 124, Uhr. Abfahrt de» Zuge- 10 Uhr «5 Min. vom Gtitkner Bahnhof. Am 13. Oktober entlchlte! noch langem Siechtum meine lieb« Frau und Mutter hHsrtks?revsr »ev. Vtlbe m Alter von 39 Jahren. gn Trauer Stall aad Herta Irever lothringer Straß« 12. Einäscherung Dienstag. 19. Oktober. lor.ntiiag, ,,1 1 Uhr ün Kreaiatormm Sertchlstraß, 37�8._ Für die nii ien Beweise der Ammerktarf keit und di, Gratulationen, welch» mir«u meinem 70 Geburtstag zuteil wurden, sage ich aus diesem Wege metnen ttesgelühsten Dant Auch dante ich der Reichsbanner, iapelle für die Musik, sowie dem großen Gesangverein Friedrichshain für da« Schön«, wa» mir geboten wurde. Kabar« Sargte, Drrchtlermeister, DaUsadeustraße 77. der 3�«t. der SP» Die ßeimaf des Kaffees Ist der sagenumwobene Orient. Derwische benu(jten den braunen ürank zur üurchwachung der gebet» ertönten Ilddite. Langsam erst fand der Katfee seinen V9eg von seiner Urheimat, dem ßodiland Kafka In Bbesslnlen, zu den lauschigen Winkeln der mörchenerzahler des Morgenlandes. Das Bbendland mit seinem kälteren Klima(ernte bald den Wert des helfjcn, aromatischen Getränkes er» kennen. Die Liebhaberei fflr Kaffee stieg dann so sehr, datz die flrzte auf die der Volksgesundheit drohende Gefahr aufmerksam wurden. Man wandelt eben nicht ungestraft unter Palmen! Was fQr die üropen gut ist, paht nicht unbedingt fflr uns. Deshalb muh der Kaffee so hergerichtet werden, dah er sich fflr unser Klima eignet. Dies besorgt. die Kaffee Bag durch Entziehung des schädlichen Coffeins t Der coffelnfrele Kaffee Bag Ist das Ergebnis hochwertiger Plantagenzudit und die Köstlichkeit seines Aromas ist unflbertroffen. Kaffee Bag schont Berz und Nerven 1 Grads Hriedr. Gerstäckers Meister-Werke 5ö Bande, ca.&300 Seifen Ertie gcndilosn. GroQ-Aotgabe Gerstäcker schrieb die ap&anend- stell Abenteuerromane, die in t eres• sanlesten Erzählungen and köstlichsten Humoresken. Für jeden Leser ist dieser geniale Dichter ein trtlikommener Genuß. Ferner cofort lieferbar; Gottfried Keller Der große Schweiz eriseire Meister-Dichter 24 Hände, ea. 4300 Seiten Zur Reklame und Propaganda erhält jeder Einsender des anhängenden Kupons, welcher innerhalb 10 Tagen einzusenden Ist, gratis alle 30 baw. 60 DBnde. 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