�benöausgabe Nr. 491 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe L Nr. 243 »«»Uü-bedinauns«» und«n�igrnvrels, knd in der Morgenau�ad« an««««»«? «i«dal»ioa: Zw. SS, Cinftcofftafi* 2 Zernsprecher; VSohoss 292- 292 »»«..»drefle: SojlnIScmolral Berlin Devlinev VolkslklAkt (lO Pfennig J Montag 17. Oktober 1 �27 verlas und Snietse»adt,No»S! Geschäftszeit bi« d Uhr Verleger: vorwärts- Vertag Vmby, Berlin SV». SS, eiadenftratz« 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 Zentralorgan der Sozialdcmobratirchen Partei Deutfchlands Streikbegmn in MttelöeutWanü. Die Arbeitsniederlegung allgemein.— Die Richtlinien der Streikleitung. halle, 16. Ottober.(Eigenbericht.) Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau sind die Würfel gefallen. Das Unternehmertum hat den Arbeitern den Kampf aufgezwungen. Die Empörung in der Bergarbeiterfchoft über die Haltung des Unter- nehmertums und der Reichsregierung ist in den Revieren, fei es in G-.ifelthal oder im Bezirk Bitterfeld, im Anhaltischen, in Zeitz, Weihensels oder in der Lausitz, groß und allgemein. Die Kohlen- barone müssen sich darüber klar werden, daß mit der von ihnen abge- lehnten Lohnerhöhung«in Ringen anhebt, daß an Erbitterung seinesgleichen suchen wird. Die nicht direkt am Kamps beteiligte Bevölkerung kann den Widerstand der Unternehmer gegenüber der ganz allgemein als äußerst bescheiden bezeichneten Lohnforderung nicht verstehen. Die mitteldeutsche Bergarbeiterschaft hat in ihrem Kampf die Sympathie der Oeffenllichkeit auf ihrer Seite. Nachdem sich am Sonnabend die Funktionäre der am Tarif- vertrag beteiligten Verbände— Bergarbeiteroerband, Gewerkschasts- verein christlicher Bergarbeiter, Eewerkschaftsverein der Fabrik- und 5)andarbeiter, der Deutsche Metallarbeiterverband, der Zentralver- band der Maschinisten und Heizer und der Fabrikarbeiterverband— m einer Versammlung in Hall« über den Streit schlüssig geworden sind, nahmen die einzelnen Belegschaften am Sonntag zu der neu- geschaffenen Lage Stellung. Insgesamt dürften im Gebiet des mittel- deutschen Braunkohlenbergbaues über 70 Versammlungen stattge- fundcn haben. Sie waren alle sehr gut besucht. Die Gewerkschasts- führer wiesen in ihren Ausführungen nochmals auf den Ernst der Lage bzw. auf die Schwere des bevorstehenden Kampfes hin und teilten die von den Funktionären beschlossenen Richtlinien mit. Einmütig betonten die Versammelten, daß ihnen der Streik als letztes Mittel zur Durchsetzung ihrer gerechten Forderung gelte und gelobten Soli- darität und Durchhalten im Kampf. Auch nicht in einer einzigen Versammlung gab es Widerspruch gegen die Streikproklamation der Verbände, obwohl die Arbeiter hier den Terror der Zechengewaltigen zu fürchten haben und wisseff, daß viele von ihnen brutal nach dem Kampf aufs Pflaster geworfen werden. Nach den Richtlinien der beteiligten Organisationen beginnt der Streik Montag früh 6 Uhr. Ruhig und besonnen haben die Belegschaften die Kampfvorbereitungen getroffen. Ueberall sind Streikleitungen gebildet worden. Am Montag früh werden die Arbeiter nochmals ihre Arbeitsstellen aufsuchen, um sie dann ge- schlossenzu verlas jen. Für 8 Uhr morgens sind überall die ersten Streikoersammlungen angesetzt. Die Richtlinien der Organi- sationen sehen u. a. folgendes vor: 1. veffentliche poNtifche Veranstaltungen jeder Art sind während der Streitdauer zu meiden. ?. Notwendige Notstandsarbeiten sind nur nach den Richtlinien der zentralen SlreiNeitung zu verrichten. Mannschaften zur Ver- richtung von Notstandiarbeiten werden vou der Streitleitung be- stimmt. 3. Die Streitenden haben die ihnen von der Streitleitung zuge- wiesenen Aufgaben zur Durchsührung de, Streiks gewissenhaft und korritt zu erledigen. Betont werden muß, daß die N o t st a n d s a r b e i t e n durch die zentral« Streikleitung und auch durch die örtlichen streik- leitungen überall sichergestellt sind. Sie werden im einzelnen am Montag zwischen den Belegschaften und der Werkverwaltung geregelt. Wie wir erfahren, haben sich die Unternehmer bereits um die EinfetzungderTechnifchenNothilf« bemüht. Es kann nur davor gewarnt werden, diesem Verlangen Folge zu leisten. Die NolhUf« ist im Streikgebiet völlig überflüssig. Di« Streikenden übernehmen jede Garantie für eine korrekte Ausführung der Notstandsorbeiten. Wird die Nothilf« trotzdem eingesetzt, so be- deutet das größte Beunruhigung der Bevölkerung, die durch die Ereignisse der letzten Woche an sich stark erregt worden ist. der erste Streiktag. 85 biS 95 Proz. der Belegschaften im Nnsstand. Halle, 17. Oktober.(Eigenbericht.) Entsprechend der Zusicherung der in Frage komnienden amt- lichen Stellen wird Teno nicht eingesetzt werden. Die K o m m u n i st e n. die noch am Freitag die Dergarbeiterleitung in der ordinärsten Form beschimpft hatten, verhalten sich angesichts des Willens der' Arbeiter, einmütig zusammenzustehen, vollkommen passiv. Die Kampfstimmung ist ausgezeichnct. Die Reviere Helm- stedt. Egelner Mulde und das Revier Magdeburg streiken v o l l st ä n d i g. Ziemlich allgemein ist der Streit auch im Senftenberger Revier. Die vom WTB. verbreitete Mel- düng, daß 40 Proz. der Belegschaften sich in Streik befinden, ist irre- führend. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, ist die Arbeitsniederlegung allgemein. Das gilt vorzugsweise für die Revier« Altenburg, Zeitz- Weißenfel», Egel, Aschersleben, die anhalti» nischen Gruben und die Zechen östlich der Elbe. Die Zahl der Streikenden ist wider Erwarten groß und übertrifft die Zahl der Kündigungen ganz beträchtlich. Besonders günstig ist das Er« gebnis im Bezirk Oberröblingen, wo die Gelben ihren Sitz haben. Hier ist die Zahl der Streikenden außergewöhnlich groß. Die Gelben haben im letzten Augenblick nicht den Mut zum Streikbruch gehabt und haben sich der Sache der Arbeiter angeschlossen. Ebenso liegen die Dinge in G e i s e l t h a l. Hier kommt eine nicht boden- ständige Arbeiterschaft in Frage, die ganz besonders unter dem Terro- rismus der Unternehmer steht. Hier wurden die Streikaussichten äußerst skeptisch beurteilt. Es zeigte sich am Montag morgen aber, daß diese Beurteilung falsch war. Don einer Belegschaft von 7800 Mann sind 7800 sofort in den Streik getreten. Damit ruhen die wichtigen Leuna-Gruben. auf denen die Produktion des Leunawerkes fußt. In Golpa, das das Kraftwerk Zschornewitz versorgt, streiken 900 von 930 Mann der Belegschaft. Auch in den o st e l b i s ch e n Braunkohlenreviercn hat der Streik heute früh verhältnismäßig kräftig eingesetzt. Trotzdem die Bubiag- Betriebe im Senftenberger Bezirk keine einzige Kün- digung eingereicht hatten, haben heute früh dort über 50 Proz. aller Beschäftigten die Arbeit niedergelegt. Drei der größten Werke sind vollständig stillgelegt. Ben den bekannteren Gruben ist bemerkens- wert, daß die Grube Ferdinand 240, die Brikettfabrik Lauchhammcr 130, die Grube Friedländer 350 Streikende haben. Im mitteldeutschen Revier Borna sind 90 Proz. im Ausstand. Der Durchschnitt der Ausständigen beträgt im mitteldeutschen Revier heute vormittag 85 bis 95 Proz. Die Streikleitung in Halle rechnet damit, daß morgen früh alles aus den Betrieben restlos heraus sein wird.» ßalschmelöungen. Keine Zwischenfälle im Streikgebiet. Wolfs verbreitet eine Reihe von Tendenzmeldungeu von Streik- terror und angeblichen Schlägereien, ans Groben, deren Namen nicht einmal genannt werden. Diese Meldungen sind, wie uns von der Streikleitung versichert wird, falsch. Selbst XIL muß schließlich melden: Nach den bei den einzelnen Landralsämtern sowie bei der Regierung in Merseburg eingeholten Auskünften ist es bisher im ganzen mitteldeutschen Braunkohlenrevier zu ernsteren Zwischenfällen im Verlauf der Streikbewegung nicht gekommen. Die Lage wird von der Regierung al« durchaus ruhig bezeichnet. festen im Wahltampf. Parteitage— Aufstellung der Kandidatenlisten. varmstadl, 17. Oktober.(Eigenbericht.) Die Parteien sind nun zum hessischen Landtagswahl- kämpf aufmarschiert. Gestern fanden die Parteitage der Deutschen Bolkspartei, der Demotraten und der Sozialdemokraten statt. Mit den Parteitagen der beiden ersteren waren öffentliche Versammlun- gen verbunden, in denen die Reichstagsabgeordneten Runkel, Becker- Hessen, v. Richthosen und Korrel sprachen. Die Sozialdemo- k r a t e n hiellen nur einen geschlosienen Parteitag in Frankfurt a. M. ab. Nach einem Bericht über die Tätigkeit der Landtagsfrattion wurde die vom Landesvorstand vorgelegte Kandidatenliste angenommen. Mit dem Gelöbnis, Königsberg und Hamburg nachzueifern, gingen die sozialdemokratischen Parteifunktionäre auseinander. Aller Voraussicht nach wird in Hessen ein erbitterter Kampf um das Bestehen des Kabinetts Ullrich geführt werden. Alle Parteien bieten ihre ganze Kraft auf, um die Wählermassen zu mobilisiern. Die Sozialdemokratie geht in diesen Kamps mit größter Ruhe, zumal bei den Kommunisten große Uneinigkeit besteht. Zwei der kommunistischen Abgeordneten werden nicht mehr kandidieren und voraussichtlich eine Gruppe Ruth Fischer in Hessen bilden. Rakowsti fährt ohne flbschieü öavon. Ans dem Wege nach Berlin. Paris, 17. Oktober.(Eigenbericht.) Zu der plötzliche» Abreise des russischen Botschafters R a k o w s k i weiß der„Petit Parisien" zu melden, daß der russische Botschafter versuchte, am Sonnabend im Zug Paris zu verlassen, daß aber sämtliche Schlafwagen besetzt waren. Daraufhin verlieh er di« russische Botschaft, verbrachte die Nacht inkognito in einem Pariser Hotel und verließ die Hauptstadt am Sonntag vormittag um 6 Uhr in einem A u t o m o b I l. Er hat die französische Gienze nachnnttags um 2 Uhr im Saargebiet überschritten. Er war nur von einer Dame und seinem Sekretär begleitet. Das Blatt weist daraufhin, daß die Tatsache, daß Rakowski sein Abberufungsschreiben vor seiner Abreise nicht vorlegte, nichts Außergewöhn- l i ch e s habe angesichts der Umstände, unter welche» seine Abbe- rufung erfolgt sei. Aller Voraussicht nach werde sein Nachfolger das Äbberufungsfchoeiben Rakowskis gleichzeitig mtt seinem eigenen Beglaubigungsschreiben der sranzösischen Regierung vorlegen. Senkung öer Lohnsteuer. Der Antrag der Sozialdemokraten im Reichstag. Von Paul Hertz. Seit dem 1. Januar I______... Lohnsteuer nicht mehr verändert worden. Damals ist unter 1 9 2 6 sind die Steuersätze der wen. Damals ist dem Druck der Sozialdemokratie das steuerfreie Existenzminimum für einen ledigen Steuerpflichtigen auf Ivv M. monatlich, für einen verheirateten auf 110 M., für einen Verheirateten mit einem Kind auf 120 M., mit zwei Kindern auf 140 M., mit drei Kindern auf 180 M., mit vier Kindern auf 240 und für jedes weitere Kind auf 80 M. mehr festgesetzt worden. Diese Regelung bedeutete, daß weite Schichten der ge- ring bezahlten Arbeiter und Angestellten steuerfrei wurden. Inzwischen aber sind als Folge der Teuerung die Nominal- löhne gestiegen. Viele Arbeiter und Angestellte, die im Januar 1926 steuer frei waren, sind dadurch steuer- p f l i ch t i g geworden. Für die übrigen Lohn- und Gehalts- empfänger bedeuteten die steigenden Nominallöhne, obwohl sie teilweise sinkende Reallöhne waren, absolut und relativ höhere Lohnsteuerbelastung. Das ist an Hand der Reichsstatistik über die Tariflöhne eindeutig zu beweisen. In der chemischen Industrie zum Beispiel stieg die Steuerleistung eines gelernten Arbeiters(verheiratet mit zwei Kindern) von 70 Pf. die Woche auf 1,05 M., also von 1,8 Proz. des Lohnes auf 2,4 Proz. Der ungelernte Arbeiter, der im Januar 1926 steuerfrei war, hatte im September 1927 85 Pf. Steuer gleich 1 Proz. seines Lohnes zu entrichten. Bei den Buchdruckern stieg die Belastung von 1,20 M. auf 1,55 M., also von 2,7 auf 3,2 Proz. Mit dieser Entwicklung hat der Gesetzgeber gerechnet. Es liegt im Wesen der Lohnsteuer, daß steigende Löhne eine steigende Belastung zur Folge haben. Gleichwohl blieb der Ertrag der Lohnsteuer iin Jahre 1926 hinter dem Ertrag des Vorjahres zurück, und zwar in einem stärkeren Ausmaß, als dies durch die Erhöhung des Existenzminimums bedingt war. Die entscheidende Ursache hierfür war die umfangreiche Erwerbslosigkeit und Kurz- arbeit. Mit der Besserung des Arbeitsmarktes im Frühjahr 1927 trat automatisch eine von Monat zu Monat stärkere Steigerung des Lohnsteueraufkommens ein. Der Bruttoertrag der Lohnsteuer(das ist die ausgewiesene Einnahme zuzüglich der Erstattungen) betrug: April 102,4, Mai 105,8, Juni 109,6, Juli 114,9, August 111,6, September 115,2 Millionen. Insgesamt sind in diesen sechs Monaten 639,5 Millionen aufgebracht worden. Der Nettoertrag der Lohnsteuer betrug in der gleichen Zeit 640,8 Millionen. Durch das Reichsgesetz vom 3. September 1925 über die Beschränkung der Einnahmen aus der Lohn- steuer wurde bestimmt, daß eine weitere Ermäßigung der Steuer vorzunehmen ist, wenn das Aufkommen in einem halben Jahre 600 Millionen überschreitet. Für die Bedeu- tung dieses einstimmig angenommenen Gesetzes ist seine Vorgeschichte bedeutsam. Die Sozialdemokratie ver- langte im Sommer 1925 eine sofortige Ermäßigung der Lohnsteuer. Reichsregierung und bürgerliche Parteien aber lehnten das ab, weil sie davon einen starken Ausfall für die Reichskasse befürchteten. Unter dem Druck der sozialdemokra- tischen Forderung aber erklärte die Regierung, die Lohnsteuer solle nur einen Ertrag von 1200 Millionen jährlich bringen. Diese von der Regierung zugestandene Beschränkung der Einnahmen aus der Lohnsteuer auf 1200 Millionen Mark wurde dann durch einen Gesetzentwurf fest- gelegt. Die Voraussetzungen des Gesetzes find nun durch das Aufkommen in den Monaten April bis September d. I. erfüllt. Das Aufkommen in diesem Halbjahr hat statt 600 rund 660 Millionen betragen. Von dem Mehrertrag von 60 Millionen entfallen auf die letzten drei Monate 42, auf die ersten drei nur 18 Millionen. Es ist mit Sicherheit an- zunehmen, daß die nächsten Monate einen noch größeren Mehrertrag bringen werden. Aus diesem Grunde muß das gesetzliche Versprechen, das den Lohnsteuerpflichtigen im Jahre 1925 einstimmig gegeben wurde, jetzt eingelöst werden. Dieser Absicht dient der Gesetzentwurf der sozialdemokrati- scheu Reichstagsfrattion. Er verlangt eins Erhöhung des Existenzminimums von 100 M. auf 140 M. monatlich, wodurch auch die Freibeträge für die Verheirateten um je 40 M. monatlich erhöht werden. Der sozialdemokratische Vorschlag baut auf dem Gesetz vom 3. September 1925 auf. Er will die Mehr- ertrüge der Lohnsteuer über 100 Millionen monatlich b e- s e i t i g e n, die den Lohn- und Gehaltsempfänger� unrecht- mäßig abgenommen werden, ohne jedoch den Ertrag der Lohnsteuer unter 100 Millionen monatlich zu senken. Des- halb liegt dem sozialdemokratischen Antrag eine Berechnung über das Aufkommen der Lohnsteuer zugrunde, wie es sich bei seiner Annahme gestalten würde. Diese Berechnung knüpft an die Aufkommensschätzung an, die die Reichsregie- rung dem Gesetzentwurf über die Senkung der Lohnsteuer vom 19. Dezember 1925 beigefügt hatte. Sie berücksichtigt die Tatsache, daß die durchschnittliche Lohnhöhe seit Ende 1925 um rund 10 Proz. gestiegen ist und geht außerdem von der Annahme aus, daß als Folge der schwe- benden Lohnkämpfe bis zum Ende dieses Jahres eine w e i- tere Stetgerung um 10 Proz. erfolgen wird. Auf dieser Grundlage ergibt die Berechnung bei einen« steuerfreien Lohnbetrag von 140 M. monatlich ein Aus- kommen von 1100 Millianen jährlich. Danach mürde der sozialdemokratische Antrag scheinbar das Lohnsteuerauf- kommen um 100 Millionen unter die gesetzlich festgelegte Grenze senken. Aber dieser Ausfall wird tatsächlich nicht eintreten, weil die Lohnentwicklung auch im Jahre 1928 weiter fortschreiten und zu erneuter Steigerung des Lohnsteuerertrages führen wird. Auch kann man hoffen, daß der durchschnittliche Beschäftigungsgrad im Jahrs 1928 besser sein wir!» als im Jahre 1927. Zugleich schließt das Gesetz über die Beschränkung der Einnahmen aus der Lohnsteuer die Verpflichtung �in, daß die Mehrerträg- nisse des Jahres 1927 für eine hinreichende Senkung der Be- lastung verwendet werden. Schließlich muß dafür gesorgt werden, daß die Ermäßigung auch groß genug ist, damit nicht schon nach wenigen Monaten eine weitere Heraufsetzung der Freibeträge notwendig wird. Die sachliche Berechtigung und die finanzielle Erfüllbarkeit der sozialdemokratischen Forderung läßt sich danach kaum bestreiten. Trotzdem wird man auf harte Kämpfe gefaßt sein müssen. Das Gesetz über die Beschrän- kung des Ertrages der Lohnsteuer ist der Reichsregierung und den bürgerlichen Parteien abgezwungen worden. Es hat dort kaum Freunde, dagegen viele offene und noch mehr versteckte Gegner. Die Länder, die unter Bayerns Füh- rung jeden sozialen Fortschritt bekämpfen, verlangen, daß die Reichsregierung die gesetzliche Verpflichtung zur Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Senkung der Lohnsteuer nicht erfüllt. Aber auch die Unternehmer find Gegner einer Ermäßigung der Lohnsteuer. Sie wollen nicht Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums, sie erstreben im Gegenteil seine völlige Aufhebung, mindestens bei der Gemeindebe- steuerung. Ihr Ziel ist die Entlastung der Besitzenden. Daher wollen sie die Realsteuern abbauen und vor allem die Be- steuerung der hohen Einkommensempfänger wesentlich mildern. So sind auch in der Steuerpolitik die sozialen Gegensätze mit einem Schlage in den Mittelpunkt des Kampfes gerückt. Die Sozialdemokratie als die Partei des Volkes tritt für den Schutz der Schwachen ein. Der Bürgerblock sucht auch hier den kapitalistischen Interessen den Borrang zu sichern. Stehen die Massen des Volkes hinter der Sozialdemokratie, so wird der Erfolg auf ihrer Seite sein. �ÜLalift Westarp. Oder die deutfchnationale Politik der reinen Idee. Graf W e st a r p hat auf dem Landesparteitag der Dcutschnationalen in Württemberg die Parole für die kom- inende Reichstagswahl ausgegeben. Es ist eine ganz neue Parole: Gegen den Marxismus! Also sprach W e st a r p: „Wenn bei den nächsten Wahlen die Sozialdemokratie einen maßgebenden Einfluß gewinnen würde, so wäre es mit einer nationalen Wirtschaftspolitik vor» bei. Deshalb gelte es, einen unerbittlichen Kampf um die Macht mit der Sozialdemokratie im Interesse einer gesunden Wirtschast zu fuhren. Die Wahlen von 19Z8 würden durch das Ringen um die Wacht mit der Sozialdemokratie gekennzeichnet sein. Ein Erfolg werde aber nur möglich sein, wenn die materialistische Irrlehre als solche gekennzeichnet und von den weitesten Kreisen de» deutschen Volkes erkannt werde." Nationale Wirtschaftspolitik— das ist die Politik des Bürgerblocks. Sie bedeutet: Preiserhöhung durch Zoll- erhöhung, Nationalisierung auf Kosten der Arbeiterschaft, Lohndruck. Mit einem Wort: Klassenkampf in schärf- ster Form gegen die Arbeiterschaft zugunsten von Großunter- nehmern und Großagrariern. Aber es ist eine Irrlehre, den Willen des Grafen W e st a r p zur Fortsetzung dieser Politik auf die Interessen seiner Freunde zurückzuführen. Die wollen nicht Profit, sondern nur den Sieg der reinen„nationalen" Idee. Idealist Westarp zieht in den Wahlkampf Arm in Arm mit Großunternehmern und Großagrariern gegen die materialistische Irrlehre der Arbeiterschaft! Schwache Meinung für üas Schulgesetz. Tie„Kölnische Boltszeitung" zur Reichsratsablehnung. Köln. 17. Oktober. Zu dem Ergebnis der Reichsratsabstimmung über den Entwurf eines Reichsschulgesetzes schreibt die„Kölnische Volkszeitung" u. a.: Das Bild dieser Verhandlung im Reichsrat war nicht weniger als erhebend und kann nur die ohnehin schon schwach« M e i- n u n g für«in Schulgesetz, das uns einen wirklichen Schulfrieden bringen könnte, weiter herabdrücken, und nur ein solches Gesetz kann uns helfen. Wir verwahren uns ausdrücklich dagegen, daß wir etwa zufrieden wären mit einem Schulgesetz, das nur mit wenig Stimmenmehrheit der Bekenntnisschul« einen Lebensraum und das gleiche Recht gibt, das wir verlangen müssen. Genau so würden wir natürlich«in Gesetz, das unter Majorität der Anhänger der Be- kcnntnisschule zustandekäme, niemals als eine Lösung anerkennen und jeden derartigen Versuch aufs schärffte bekämpfen. Soll man deswegen der Entscheidung ausweichen und, wie eine übrigens bisher vereinzelt« ooikspartetlich« Stimm« wünscht, die Zurückziehung de» Entwurfes durch die Reichsregierung wünschen? Mit Nichten! Der Reichstag, die politische Vertretung des Volkes, darf nicht aus- geschaltet werden, umso weniger, nachdem der Reichsrat in dieser Weis« Stellung genommen, d. h. ein bedauerliches politisches Un- vermögen bewiesen hat. * Wir haben für die Einrichtung de» Reichsrats zumal in seiner gegenwärtigen Form wirtlich nicht viel übrig, müssen ihn aber im vorliegenden Falle doch in Schutz nehmen. Bei der Einbringung des Schulgesetzes im Reichstag macht der Reichsinnenminister o K e u d e l l davon Mitteilung, daß ims Gesetz im Länderporlament durchgefallen ist, und erklärt: „Eine einheitliche Auffassung des Reichsrats hat sich hierbei nicht ergeben, da die Gründe der einzelnen Reichs- rotsmitglieder für ihre Ablehnung verschiedener Art waren." Das stimmt. Das beweist aber auch, daß die Reichsregierung wie wir bereits betonten, auf das Gröblichst« ihr« Pflicht verletzt hat, bei der Vorbereitung des Gesetzes die Auffassung der Länder zu klären und— wenn man schon nicht ihre Zustimmung erreicht— wenigstens eine Arbeitsbasis für den Reichstag zu schaffen. Die Stümperei des Rechtsblocks auf gesetzgeberischem Gebiet kann sich gar nicht besser kennzeichnen als dadurch, daß es ihm nicht gelungen ist, diese Vorbedingung einer sachlichen parlamentarischen Beratung des Entwurfs zu finden. Die viel gerühmte Kunst der deutschnationalen„Fach"-Minister hat tatsächlich einmal ordentlich Schiffbruch erlitten. Die Rechtsblockregierung, nicht der Reichsrat trägt dafür die Verantwortung, wenn«in s» gänzlich unvorbereitetes Gesetz im Reichsrat die Kritik findet, die es verdient. Auch wir hoffen, daß die Volksvertretung nur geringe Neigung für das Schulgesetz zeigen wird. Jedenfalls ist die Ablehnung der Vor« läge durch den Reichsrat eine Niederlage, üb«r di« keine noch ö schönen Worttünste der Regierungsfreunde hinwegtäuschen können. die Aufrechten. Sie kommen nicht darum herum. Die hohenzollernschen Familienangelegenheiten nahmen seit der heldenhaften Flucht des Familienhauptes auch sonst eine für monarchistische Herzen wenig erfreuliche Entwicklung. Jedenfalls dürfte es kaum die Herzen der Legitimisten mit Genugtuung erfüllen, daß Wilhelm jetzt durch die Heirat seiner zweiundsechzig- jährigen Schwester Victoria zum Schwager des d r e i u n d- zwanzigjährigen russifch'en Tänzers Z o u b k o f f wird. Diese komisch anmutende Mesalliance einer alten Dame mit einem jugendlichen Abenteurer muß um so mehr Verwirrung in Gustav Hartungs vebut. Eröffnungsabend im Renaissance-Theater. Wochenlang hat Gustav Härtung die Presse mit Notizen versorgt, er wolle dies Theater pachten oder jen«s, Verhandlungen feien gescheitert, neue begonnen. Endlich ist es soweit: er führt Direktion im schmucken Renaissance-Theater, inszeniert selbst das erste Stück, sieht ein illustres Publikum am Eröffnungs- abend. Man erwartet ein Thcaterereignis. Härtung startet mit einem Trauerspiel eines Zeitgenossen Shakespeares John Ford. „Giovanni und Anabella." Tragödie der Leidenschaft. Kampf des Blutes gegen Gesetz und Sitte. Der Bruder liebt die Schwester. Priesterliche Warnung hat keine Macht über den Sinnen- trieb. Anabclla wird schwanger und nimmt in ihrer Not den jungen Soranzo zum Mann. Der erfährt von der Blutschande, schilt Anabella rasend eine Hure, schleift sie an den Haaren aus dem Bett und sinnt fürchterliche Rache. Aber Giovanni kommt ihm zuvor, ersticht seine Schwester und reißt ihr das Herz aus der Brust. Am Schluß liegen alle Hauptfiguren erdolcht auf der Bühne. Der Amme Putana werden die Augen ausgestochen. Das äußere Geschehen ist grauenhaft. Aber aus den Versen, die Erwin Kaiser in ein feierliches Deutsch gebracht hat, sprechen Gewalt und Empfindung cin«g Dichters. In welch wundersamer Zeit ist das Stück entstanden! Das Drama, eben geboren, entfaltet sich zu ungeahnter Blüte. Ein Theateriaumel hat alle gepackt. Eine Dichterschar wetteiferte mit dem Genius Shakespeare. Kyd, Greene Marlowe, Ben Ionson, Chapman, Massinger, Detter. Webster, Heywood, Shirley, Ford sind nur einige überkommene Namen. Bei dieser unbändigen Kraft, von dieser Theaterbegeisterung spürt bei Gustav Hortung keinen Hauch. Im Zeitlupentempo kriecht griesgrämig und lähmend die Handlung dahin. Sie spielt an der damaligen Zeit und an der hutigen vorbei. G i l l i s von R a p p a r d ist ein mürrischer Giovanni ohne Leidenschaft, A ch a z ein junger Soranio ohne jugendliches F«ucr, ja, selbst die dankbare Rolle des schurkischen Dieners Vasquez erstarrt bei Paul Graetz in Manier. Er springt geduckt auf die Bühne, steht, das linke Bein nach hinten geknickt, lauernd da, wie wir ihn hundertmal gesehen haben, ein üblicher Theaterintrigant. Di« Oede des Abends überbrücken Hans Hermann- Schaufuß in einer Trottel. roll« und die weiblichen Darsteller. Hedwig Mangel zeichnet prachtvoll eine kriechende und lüstern-kreischende, tupplerische Amm« PieLons, Elisabeth Lennartz ist eine Anabella von zartem 1 l und Franziska K>nz spielt zugleich aufgewühlt und vcr- halten c< betrogenes Weib mit zitternd-erregter Stimm«. T. C. P i l a r tz hat einen aug«n«rfreucnden Vühnenbau in zwei Stockwerken mit breiter, gewundener Treppe geschaffen. Gase- bespannte Wandschirme deuten Wechsel der Szenerie an: leider nur kümmerlich und geschäftsmäßig. So, Herr Härtung, werden Sie Berlin nicht erobern. Ernst Degner. Herbstkonzert öes Männerchors„Gst-tyronta". Die Männerchöre haben es nicht mehr leicht. Wollen sie nicht in Liedertafelei verfallen, so müssen sie sich für ihren gehaltvolleren Teil immer mehr ein Programm zusammensuchen, das die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bedenklich streift. So auch der hochstr«b«nde, rührige L. W. Karg mit seiner„O st- L y r a n> a", der in seinem Konzert in der S t a d t h a l l c den hundertjährigen Bernhard Klein, den Zeitgenossen Mendelssohns, heranholte, außerdem Peter Gast. Nietzsches Freund, den der in Musiklachen sehr kurios« und wandel- bare Philosoph in seiner Wagner-Feindfchaft als den ersten Kampa- nisten der Zeit bezeichnete, dann Schumann, von den Neueren Wil- Helm Sturm und eine eigene Arbeit. Das köstliche Ritornell Schu- manns ausgenommen, überragte ater alle Vater Bruch mit seinem „Vom Rhein" um Haupteslänge. Das andere hätte nur ein Chor mit ganz erstklassigem Material zum Erklingen bringen können. So unterstrich manche Intonatianstrllbung, harmonische Ungenauigkeit und rhythmische Schwerfälligkeit in den schwereren Partien die teil- weise Verbloßtheit der Kompositionen.„Mutter Nacht" von Karg ist«in gehaltvoller Chor, dem nur die beweglich« Gestaltung fehlt, und sein.„Klosterknecht" zeigt eine sehr bemerkbare humoristisch« Begabung und Erfindung. Das neu-„Freiheitslied" von Arensberg, dessen Text nicht sehr tief greift, gibt sich allzu bequem und rhyth- misch simpel, wobei die Marseillaise-Ankläng« seine eigene Mattigkeit noch mehr hervorheben. Die„Hymne" von ejnem Ungenannten hat wenig Feuer, brachte es aber durch den ernsteren, tieferen Unterton zu einem verdienten da capo. Von dem, erlösen Teil war nur Bruchs Meisterlied, der Schluß der„Mutter Nacht" und namentlich das Ritornell mak«llos, wobei das fein« piano die stärlste Seite der gesanglichen Kultur darstellte. An dem lustigen, weitaus dank- bareren Teil konnte man restlos fein« Freude haben. Armin Liebermann entzückte feine Zuhörer wieder mit einer großen Anzahl von Cellostücken, die zum Teil L. W. Karg auf der Harfe seinsinnig begleitete, zum Teil Fräulein E. Brandenburg am Flügel._____ Heinrich Maurer. Kammer-Oper. Die Gemeinnützige Vereinigung zur Pflege deutscher Kunst brachte im Renaissancetheater ein anmutiges Spiel heraus.„Der gefangene Vogel", ein melanchalisch-tief- sinniges chinesisches Märchen, kluge Verse von Karla Höcker, gut charakterisierende, zarte, melodische Musik von Hans Chemin- Petit, der auch dirigiert. Sehr apart die marionettenhaft auf- geputzte Nyenonie. Um Spiel und Gesang machten sich Maria R u b i n st e i n, Hans H o l t o r f, Richard K le w i tz sehr verdient. Damit das allzu zarte, duftige Stückchen nicht trübsinnig mache, folgt gleich hinterher der Pergolesische„verliebte Gesangs- meister". nach der Originalpartitur von Erich Anders frei und flott bearbeitet. Hier ist Lustigkeit und Eleganz mit süßester und sauberster Musik umfangen, Perlen von geschmackvollen, aparten Tänzen und Arien des 18. Jahrhundert Hier trat auch Fritz patriotischen Herzen anrichten, als Wilhelms Spätheirat mit der auch nicht ganz ebenbürtigen und bedeutend jüngeren Hermine kaum verwunden ist. Um so höher ist es zu bewerten, daß sich noch immer eine Schar von„Aufrechten" findet, die unentwegt alle monarchistischen Geburts- und Sterbetage begeht. Sie hat am 15. Oktober an der Singakademie eine Kaiseringedächtni-s- f e i e r für die verstorbene Auguste Viktoria veranstallet, bei der allerdings über ihre derzeitige Plotzhalterin mit Schweigen hinweg- gegangen wurde. Dem Bericht des„Reichsboten" entnehmen wir, daß der Oberdomprediger O- Conrad im Namen der Zeitschrift „Der Aufrechte" eine Begrüßungsansprache hielt und unter anderem sagte: Aber wir gehen nicht vorbei als Aufrechte an dem Be» kenntnis zu dem, der in weiter Ferne weilt: wir gedenken unseres Kaisers, derunserKaiseristundbleibtl Wir begrüßen Seine Königliche Hoheit, den Prinzen Oskar von Preußen, und bitten ihn, dem Kaiser zu melden, daß wir nach wie vor treu zu ihm stehen.— wir kommen nicht darum herum, am 22. Oktober, dem Geburtstage der Kaiserin, auch des 2. Ottobers zu gedenken, des Geburtstages unseres Feld- Marschalls von Htndenburg, der treu und edel in schwierigster Zeit im Sinne der Kaiserin am Vaterlande gearbeitet hat und keine Mühe scheute, auch unter den jetzigen Verhältnissen seine Pflicht zu tun." Die Aufrechten„kommen also nicht darum herum", an Hinden- bürg zu denken, auf deutsch: er ist ihnen im Grunde als Präsident der Republik abscheulich. Es ist eigentlich nicht sehr„aufrecht", sich um seine wahren Gefühle mit einer verlegenen Redewendung „darum herum" zu drücken. Dem Heüenken wermuths. Genosse Kurt Rosenfeld schreibt uns: Der Tod des früheren Oberbürgermeister Mermuth ver- anlaßt mich, um das Bild dieses bedeutenden Mannes der Nachwelt im richtigen Licht erscheinen zu lassen, an sein Verhalten zur Zeit der Revolution zu erinnern. Es war einige Tage nach dem 9. November 1918, als die Genossen Bruns, Heimann, Dr. Weyl und ich als Beauftragte des Arbeiter- und Soldatenrats die Verwaltung der Stadt Berlin zu übernehmen hatten. Wir suchten Mermuth auf, um mit ihm über die Durchführung der Wünsche der Arbeiter zu verhandeln. Dabei waren wir alle vier von der Notwendigkeit überzeugt, den in der Kriegszeit bewährten Oberbürgermeister, den wir nicht entbehen tonnten, der Leitung der Stadtverwaltung zu erhalten. Wir fürchteten aber, daß die Forderungen, die wir sofort stellen und durchsetzen mußten, vor ollem das Verlangen der Durch- führung des Achtstundentages für die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Stadt, ihm, der von aller Voreingenommenheit frei war, dem Sozialismus aber doch ablehnend gegenüberstand, ver- anlassen würde, sein Amt niederzulegen. Als wir das Arbeitszimmer des Oberbürgermeisters betraten, kam er uns tief bewegt entgegen. Er versicherte uns sofort, seine Kräfte gern den neuen Gewalten zur Verfügung stellen und auch Helsen zu wollen, den im Magistrat gegen den Arbeiter- und Soldatenrat sich regenden Widerstand zu beseitigen. Zugleich fragte er uns, welche Wünsche wir hätten. Als ihm die Antwort wurde, daß zunächst der Achtstundentag durchgeführt werden müsse, er- widerte er ohne Zögern:„Diese Forderung habe ich natürlich erwartet, es ist selbstverständlich, daß sie sofort erfüllt werden muß." Und er setzte sich hin und dekretierte mit unserer Gegenzeichnung den Achtstundentag für Berlin.- � Dasselbe Verständnis wie am Tage des Uebergangs der Stadt- Verwaltung auf die Volksbeauftragten der Stadt Berlin zeigte Wermuch während der ganzen Revolutionszeit. Er hatte längst das Brüchige der vorrevolutionären Gewalten erkannt. Er, der Mann, der aus dem konservativen Lager gekommen war. stellte sich sofort aus voller Ueberzeugung auf den Boden der Revolution, und das sollte ihm die Arbeiterschaft niemals vergessen. Der steirische Slinnes natürlich enthastet. Der Großindustrielle Dr. W u t t e in Graz ist gegen Hinterlegung einer Kaution von 199 999 Schilling und gegen Gelöbnis enthaftet worden. Göllnitz witzig zum kleinen Ensemble. Das Orchesterchen auf- mersam und delikat. Diese Kammer-Oper wird unseren Landsleuten in Ost und West, die nicht so glücklich sind. Opernhäuser am Platz zu haben, Freude machen. Wir wünschen Glück auf den Weg nach den 399 Flecken, Städtchen und Städten! K. S. Alfred Kerr wird gefeiert. Der Verlag„Der Ueberblick" eröffnete mit einer Kerr-Matinee am Sonntag im Theater am Nollendorfplatz di« Reihe seiner diesjährigen Mittags- Veranstaltungen. Kerr saß in der Loge, und aus der Bühne lasen Prominente aus feinen Werken. Leopold I e f f n« r und Armin T. W e g n e r zogen die Bilanz aus dem Schaffen des Kritikers. Warum soll ein Theaterleiter nicht auch einmal in der Oeffentlichkeit den Kritiker kritisieren? Allerdings gestaltet« sich diese Kritik zu einer begeisterte» Kundgebung für Kerr, dessen kritisch« Arbeit für das Theater in Iessners Interpretation von aufbauendem Wert ist. Ieffner legte d«n Hauptakzent auf die Feststellung, daß der Kritiker Kerr durch sein Schaffen Börnes Wort, die Kritik leiste für die Kunst nichts Positives, widerlegt habe. Behandelte Leisner den Kritiker Kerr, so Armin T. Wegner den Dichter Kerr, den enthusiastischen Lebensbejaher. Tilla Durieux, Lina Lossen, Elisabeth Bergner. Paula Wedekind, Deutsch, Kortner und Klöpfer vermittelten Kritiken und Dichtungen. Kerr selbst sagt an irgendeiner Stelle Grund- legendes über den Unterschied zwischen gesprochenem und geschri«- benem Wort. Auch sein« Werte wirken faszinierender bei der Lek- türe, besonder- da manche der Sprecher den Nvrtragstisch mit der Bühne verwechselten. Das Publikum benahm sich außerordentlich begeistert.— t. Festspiele de» Welttheaters. Der leitende Ausschuh des franzZ- fischen Verbandes des WelUheaters hat in den großen Linien das Programm der internationalen Festspiele, die im Mai und Juni in Paris stattfinden werden, festgelegt. Der Direktor des Odeon- theaters Gemier�hat während seines letzten Berliner Aufenthalts die Zusagen der Teilnehmer, Bruno Walters als Leiter der mufika- tischen Veranstaltungen und Max Reinhardts gemeinsam mit Gömier selbst, zur Leitung der Inszenierung erhalten. Die französische Ver- «inigunq des Welttheaters steht gegenwärtig in Besprechungen mit einer Truppe in New Port sowie mit einer großen Bühne in Moskau und verschiedenen europäischen Künstlern, die an den Fest- spielen teilzunehmen wünschen. DI«.EuropSische Tribüne- veranstaltet am IS.. 20 U6r, im Herrenhaufe, Leipziger Strave 3, einen ZIbend. Gg sprechen: Heinrich Mann über „Die Ausgaben der Geistigen im neuen Europa". Arnold Zweig über„Die Formung der Leidenschaften in der Politik", Gustav Har- t u n g über„DaS Theater im Dienste der europäischen Verständigung». Humboldt-Hochschule Dr. Johanne» Günther hält am St., 20 Uhr, in der Aula de« Mommten.Ghmnasinm», Wormier Str. lt sNäbe Witten- bergplad). einen Vortrag über da» Thema: Lebendige Ursprünge de» Tbealer» tmit Lichtbildern). Eintritlkarten zu Mark 1._ und Mark 0.75 ort der Abendkasse und in den Geschästsilellen. Die Kolerle Z. Mandat«. Die KVD. bekam 2381 Stimmen und 4(gegen früher 2) Mandate. Die Beteiligung blieb mit 56 Proz. der Wahlberechtigten gering. In verschiedenen Bezirken kamen Unregelmäßigkeiten vor, die noch zu Auseinander- setzungen führen werden. Die Ermordung Petljuros In Paris durch den ukrainisch.jüdisckKN Uhrmacher Schwor zbarth wird ab Dienstag das Schwurgericht Paris beschäftigen. Die Verteidigung wird den läwst weltkundlaen Beweis wiederholen, daß Pettjura als antiboischewistischcr Diktator der Ukraine ein Hauptschuldiger an den grauenhaften Iudenpcgromcn der ersten Nachkriegsjahre gewesen ist. Leningrad, 16. Ottober. Auf der Festsitzung des Zentralexekutivkomitees schilderte Ry- kow in einer zweistündigen Red« die äußere und innere Lage der S o w j e t u n i o n und verlas das Manifest, das immer neuen Veitall in dem dichtgefülltcn Saale des Taurischen Polais auslöste. Rykow führte u. a. aus: Die Oktoberrevolution bedeutet den Be- ginn einer neuen Aera der Menschheitsgeschichte. Noch nie da- . gewesene Zusammenstöße mit den Klassen, deren Trogweite weder Raum noch Zeit begrenzt, zeichnen sich in der Oktoberrevolution ab. Das zehnjährige Bestehen der Sowjetunion trotz der unerhört schwie- rigen Verhältnisse, trotz der inneren technischen und kulturellen Rück- ständigkeit, trotz der Einkreisung durch das feindliche Ausland be- kräftigt der ganzen Welt gegenüber die Reife der proletari- schen Revolutton. Der ausschlaggebende qualitative Unterschied der Sawjctdemokralie und der bürgerlichen Demokratie besteht in der u n m i t 1 e l- baren führenden Beteiligung der werktätigen Mas- s e n im ganzen Staat und in der Wirtschaftsverwaltung durch das System der Sowjets, die gegenwärtig l'A Millionen Mitglieder ayf- weisen, wenn man die Genossenschaften, Gewerkschaften sowie uer- schiedene andere Körperschaften— wie z. B. die Dolksbeisitzer in den Gerichten, deren Zahl mehr als 2000 beträgt, einrechnet. Die Sowjetunion ist das sozialistische Baterland der Ar- beiterklass« der gesamten Welt, ein treuer Verbündeter oller unterdrückten Dölkcr, die um ihre Befreiung kämpfen. Wie noch nie ist in der gegenwärtigen Epoche das National- interesse der Arbeiterklasse auss engste mit den Interessen des in- ternationalen Kampfes der gesamten Arbeiterschaft oer- flochten. Eine der hauptsächlichsten Boraussetzungen für die Festi- gung der internationalen proletarischen Revolution ist die Bekämp- fung der Gefahr eines Krieges gegen die Sowjetunion und die Sich«. rung der Möglichkeil der friedlichen Entwicklung der Sowjetunion. Die zehn Jahre nach der Oktoberrevolution zeichnen sich durch einen natürlichen Antagonismus, durch die kapitalistisch« Einkreisung des ersten proletarischen Staates in verschiedenen Formen, wie offene Interoentio», Blockade, geheime diplomatische Intrigen, Dorbcrei- tung eines neuen Krieges aus. Um sich die Möglichkeit eines fried- lichen Aufbaus zu sichern, schlug die Sowjetunion in Genua und im Haag den imperialistischen Staaten vor, sie wolle sich sozusagen auslösen. In der Hoffnung auf eine innere Krise der Sowjetmacht wollten die imperialistischen Länder das Wesen des Sowjetstaates selbst vernichten. Heute sind wir erstarkt und beabsichtigen nicht inehr, das zu zahlen, was wir in Genua und Haag anboten. Je stärker wir werden, je weniger wir von den kapitalistischen Ländern abhängig sind, um so weniger werden wir ihnen zahlen. Die Haupt- ausgab« der Sowjetrepublik in den letzten Iahren und auch heute ist die Sicherung der Möglichkeii eines friedlichen Aufbau». Zum Unterschied von den bürgerlichen Staaten strebt die Sowjet- union keine Erweirerung ihres Gebietes auf Kosten anderer Böl- kcr an. Sie ist in keinem Maße an einem Kriege interessiert und daher bilden Friede und Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen in der Weltwirtschaft die Grundlage der äußeren Politik der Sowjet- union. Eine sechsjährige Ruhepause macht trotz der großen äußeren und inneren Hindernisse die Sowjetunion zu einem hervorragenden Faktor in der Wellpolitik. Sie wurde weltpolitisch vom Objekt zum Subjekt. Die innere sowie die internationale Erstartung des Kapitalismus führte zu neuer aktiver Feindseligkeit gegen die Sowjetunion. Das gegenwärtige interstatiönale Kräfteverhältnis macht ein Nebeneinanderbestehen des sozialistische« und kapitalistischen System» geschichtlich unvermeidlich. Unter den Bedingungen einer friedlichen Rivalität ist der Sieg des sozialistischen Systems gesichert. Gerade deswegen werden die Regierungen einiger kapitalistischer Länder danach trachten, den geschichtlichen Entwicklungsprozeß zu vergewaltigen und Versuche eines bewaffneten Kampfes gegen die Sowjetunion unternehmen. Bedeutende Aussichten für einen erfolg- reichen Ausgang des Kampfes der Sowjetunion um eine friedliche Ruhepause bestehen insofern, als nicht alle kapitalistischen Länder aus einem Kriege mit der Sowjetunion Nutzen ziehen würden. Mehrere von ihnen würden vielmehr im Falle einer bürgerlichen Restauration verlieren. Ein Krieg gegen die Sowjetunion würde zudem den Kapitalismus selbst gesährden, da der Beginn der sozialistischen Revolution dadurch in anderen Ländern beschleunigt werden tönne. Die Interesien mehrerer Länder führen diele vielmehr aus den Weg des Ausbaues der wirtschaftlichen Verbindung mit der Sowjetunion als den einzigen Weg, der sie vor einer Verschärfung bzw. Wiederholung wirtschaftlicher und politischer Krisen sichern känii. Wenn es heute auch nicht möglich ist, den Zeitpunkt des Ueberfalls auf die Sowjetunion vorauszusehen. so kann man doch als festgestellt gelten lassen, daß die D o r b e- reitung eines solchen Uebersalls im Gang« ist. Die letzten Monate können als der Beginn einer Zeit der Tendenz des Abbruchs der politischen Beziehungen zur Sowjetunion betrachtet werden; dieser Abbruch wirkt in gewisiem Umfange auch aus die Wirt- schaftsbeziehungeii zurück. Der auswärtige Handel der Sowjetunion zeigt leiste genügende Entwicklung. Die Komplizierung der mternationalen Lage macht die Arbeit auf dem Gebiete des auswärtigen Handels noch schwieriger und verantwort- licher, während zugleich die Industrialisierung der Sowjetunion einen größtmöglichen Ausbau der Beziehungen zum Auslaade erfordert. Di« Sowjetwirtschaft hat dank ihrer Organisierung der gesellschaftlichen Arbeit den Vorkriegsstand überschritten und im allgemeinen das Tempo des Wiederaufbaues der kopita- listischen Länder überholt. Der Index des Reallohnes ist im Jahr« 1927 in der Sowjetunion um 8, in England um 4, in den Vereinigten Staaten um 3,4 Punkte gestiegen. Der relative Anteil der Arbeiterschaft e.n dem Nationaleinkommen betrug 29,4 Proz. gegen 24 Proz. im Jahre 1925 bei gleichzeitigem Sinken diese? Anteils in den kapitalistischen Ländern. Die Sowietregierung hat ihre positive Wirtschaftsarbeit nicht auf der Grundlage der Vor- kriegswirtschaft begonnen, sondern ein zerrüttetes, industriell zurückgebliebenes Land übernommen, welches im Kriege die ehemaligen Wirtschaftsveibindungen verlor und außerdem den Um- bau in sozialwirtschastlicher Hinsicht durchmachte. Der sechs- jährigeKrieg von 1914 bis 1920 kostete der Bolkswirtschast nach einer noch zu ergänzenden Berechnung 90 Milliarden Goldrubel. Hiervon entfallen über 50 Milliarden aus den Bürgerkrieg, die Blockade und die Interventionen. Der Wiederaufban vollzog sich ohne jede Hilfe von außen, die vor dem Kriege durch Investie- rungen ausländischen Kapitals im Betrage von Hunderten von Millionen zum Ausdruck kam. Die Bilanz des Wiederaufbau» lautet' Die Landwirtschaft, die Im Jahre 1922 fast um die Hälfte zurückgegangen war, hat heute ihr Borkriegsniveau wieder erreicht Die Industrie, die sich in den Iahren des Verfalls um das' Fiinfeinhalbfache verkleinerte, ist heute weit über ihren Vor- kriegsstand hinaus. Die Aufgabe ist heute nicht mehr der Wieder- ausba». sondern der Umbau der ganzen Volkswirtjchasi auf einer höheren technischen Grundlage. Ein Haupthindernis besteht heute in dem Mißverhältnis zwischen Industrie und Landwirtschast; für letztere reicht die vom Zarismus überkommene Industriebasi» nicht aus. Nur die Industrialisierung wird die Sowjetunion vor der Gefahr schützen, ein Anhängsel der kapitalistischen Weltwirtschast zu werden Unrichtig ist die Meinung, Mittel zur Industrialisierung durch einen verstärkten Druck auf die privatkapitalisti- schen Elemente in der Mirlfchaft der Sowjetunion herbeizuführen, da ihre Wirtschastskraft zu unbedeutend ist, um zur In- dustrialisieruug erheblich beizutragen. Die Sowjctregierung führt unverändert«ine Politik des Kampfes gegen die Reste der privattapilalistischen Wirlschaftsformen; sie führt diesen Kampf jedoch nicht auf dem Wege administrativer Verdrängung, sondern aus dem ökonomischer Ileberwin« dung. Ein Druck auf die Landwirtschaft zwecks Herbeischasfung der erforderlichen Industrialisierungsmittel würde die Kauftraft der Bauern vermindern und damit der ganzen Volkswirtschaft schaden. Die Mittel zur Industrialisierung werden vielmehr so beschafft wer- den, daß nicht die Entwicklung aller Zweige der Sowjetwirtschaft ver- langsamt wird. Im Gegenteil, sie sollen gefördert werden. Die Be- kämpsung der A r b e i r s l o s i g k e i t, die von der Uebervölkerung des Dorfes herrührt, wird um so erfolgreicher sein, je mehr die Land- Wirtschaft industrialisiert wird. Ein relativer Ucberstuß an Arbeits- kraft macht es schon jetzt möglich, dieArbeMszeitzu kürzen und die Arbeitsschichten zu vermehren. Eine der größten Errungen- schaften des ersten Jahrzehntes der Sowjetunion besteht in der Mög- lichkeit, auf der Grundlage einer Rationalisierung der Industrie zum Siebenstundentage überzugehen. der zum Unterschiede von den kapitalistischen Ländern nicht zur Ausbeutung, sondern ausschließlich zur Hebung des Wohlstandes der Arbeiterschaft eingeführt wird Aber die ersten Ausgaben der Oktoberrevolution sind nach nicht restlos erfüllt. Noch nicht alle Ueberbleibsel der Vergangenheit sind beseitigt: Die rechtliche Gleich- heit und die Freiheit der Völker der Sowjetunion sind verwirklicht, einige Nationalitäten sind jedoch noch stark kulturell und wirtschaftlich zurückgeblieben. Die weitestgehende Gleich st ellung der Frau ist in der Sowjetunion verwirklicht, aber der Alltag kennt noch viele Elemente der Unterdrückung der Frau. Die Revo- lution hat alle Vorrechte des alten Beamtentums vernichtet, aber die neue Berwaltung weist noch viele alle Gepslogenheilen auf. Die Religion genießt keine staatliche Unterstützung, ober«in gewisser Teif der Bevölkerung steht noch unter ihrem Einfluß. Das vergangene Jahrzehnt war dos heldenzeilalker der Revolution. deren Hauptergebnis die Festigung der wirtschaftlichen und politischen Macht der Sowjetunion als eines sozialistifchen Staates ist. Im zweiten Jahrzehnt wird die Sowjetunion gestützt auf die Errungen- schaften vergangener Jahre noch viel schwierigere Aufgaben des wirt- fchaftlichen und kulturellen Aufbaues zu lösen haben, um das Endziel der Oktoberrevolution, nämlich die Organisierung einer neuen sozialistischen Gesellschaft zu erreichen. Das Zentralexekutivkomitee beschloß einstimmig, von eine? Debatte über die Rede Rykows Abstand zu nehmen. Moskaus �ubiläumsgaben. Wo bleibt die Politische Nmnestie? Die Festlichkeiten aus Anlaß des zehnjährigen Jubiläums der bolschewistischen Revolution haben gestern zugleich mit der Tagung des Zentralexetutivkomitees ter KPD. in Leningrad eingesetzt, und das dort geschlossene Manifest zählt eine ganze Reihe von Festgaben auf. die dem russischen Volke zuteil werden sollen. Ueber die Bedeutung dieser Ankündigungen kann man verschiedener Ansichten sein. Denn was bedeuten 50 Millionen Rubel mehr für den Wohnungsbau und 15 Millionen mehr für den Schul- bau auf den Dörfern und den Arbeitersiedlungen in diesem riesigen Reich, das vom baltischen Meerbusen bis Wladiwostok von von Besiarabien fast bis Indien reicht? Auch der ver- sprochene Ueberaang vom Achtstundentag zum Sieben- st u n d e n t a g für Industriearbeiter wird nur diejenigen täuschen, die nicht aus den zahllosen Berieten der russischen Gewerkschaftsverbände wissen, daß in Sowjetrußland der Achtstundentag nur auf dem Papier besteht und daß in jedem von der Konjunktur nur einigermaßen begünstigten Zweig unzählige Ueber stunden den Arbeitern von Staats wegen aufgezwungen werden. In den weniger be- günstigten Industrien wären die Arbeiter froh, wenn sie auä) nur fünf Stunden beschäftigt wären. Die Ankündigung der Abschaffung der Todesstrafe erfolgt mit der Einschränkung, daß Staats- und Militärverbrecher, sowie bewaffnete Banditen, weiter dem Henker oerfallen sollen. Demnach bleibt in dieser Hinsicht so ziemlich alles beim alten. Damit oerwirldn die Bolschewiki das Recht, sich in gleicher Front mit der inter- nationalen Sozialdemokratie und dem fortgeschrittenen Bürgertum im Kampfe für die generelle Abschaffung der Todesstrafe zu stellen, an der sie festhalten. Endlich ist eine Verkürzung der gegenwärtig zu verbüßenden Strafen in Aussicht genommen,„außer den Strafen a k t i v c r �M i t g l i e d e r politischer Par- t e i e n, welche den Sturz der Sowjetordnung anstreben, und böswilliger Defraudantcn und Bestochener". Diese systcma- tische Berkoppelung politischer Kämpfer mit gemeinen Be- trügern hat die Sowjetregieruna den schmutzigen Regierung?- Methoden des italienischen Faschismus entnommen. Einst- weilen ergibt sich aus dieser Mitteilung, daß die eingekerkerten oder verbannten oder deportierten sozialdemokra- tischen oder sozialrevolutionären Arbeiter von der Amnestie ausgeschlossen bleiben sollen. Darüber wird noch manch ernstes Wort zu reden sein. Schon jetzt sei die Unehrlichkeit des Rufes nach Amnestie festgestellt, die die Kommunisten außerhalb Sowjetrußlands für ihre Leute verlangen, während sie sie innerhalb Sowjetniß» lands ihren politischen Gegnern verweigern. Die Außenpolitik ües öürgerblocks. „Tie Zügel schleifen am Boden." Wir lesen: Die Außenpolitik Deutschlands war vor drei Iahren aktiv und kühn. Jetzt ist sie gänzlich passiv und mutlos. Wer damals Etrejemann angetrieben hat oder ob er aus eigenem Entschluß gehandelt, mag dahingestellt bleiben. Das heute . nichts aefchiekt, daß nichts vorwärts geht, daß die Zügel nm Boden schleifen, ist jedenfalls das eigene Wert und Berdienst der Rclchsregicrung. Dieses vernichtende licteil über die Außenpolitik des Aürgerblocks fällt die„Deutsche Bergwerks-Zeitung", ein zwischen Deutschnotionalen und Bolkspartei stehendes Unterkehmerblatt. Mfmarsth der Ruhrbergarbeiter. Für zwifchentarifliche Lohnregelung. Lochum, 17 Ottober.(Eigenbericht.) Sonntag, dem 18. Oktober, fanden im gesamten Ruhrberg- .ugebiet zahlreiche, vom Verband der Bergarbeiter Deutschland- einberufene Mitgliederversammlungen statt, in denen zur Lage im Bergbau Stellung genommen wurde. In allen Versammlungen wurdq die Forderung nach einer Erhöhung der Bergarbciterlöhne erhoben. Es gelangte eine Entschließung zur Annahme, in der es heißt: „Infolge der in letzter Zeit unverantwortlicherweise erfolgten Preissteigerung für einen Teil der im Arbeiterhaushalt benötigten Waren ist die Lebenshaltung der Bergarbeiter schlechter gewor- den. Kartoffeln werden zurzeit zu unerschwinglichen Preisen ver- kauft chinzu kommt der Lohnausfall der von den Werten«inge- legten Feierschichten. Die Löhne der Bergarbeiter sind unzu- reichend und stehen hinter den Löhnen anderer Berufe weit zurück. Di« zurzeit geltende Lohnordnung läuft vertraglich bis Ende April nächsten Jahres. Bei den oben gekennzeichneten Verhältnissen kann den Bergarbeitern nicht zugemutet werden, sich mit den jetzigen Löhnen bis Ende April abzufinden. Die Funktionäre halten es für notwendig, daß der Forderung der vier Bergarbeiterverbände auf Erhöhung der Löhne Rechnung getragen wird. Sollten die Unternehmer die Notwendigkeit einer zwischentariflichen Lohner- hähung nicht anerkennen, so muß die nächste Möglichkeit zur Ver- tragslösung ins Auge gefaßt und mit verstärktem Nachdruck erneut die Forderung erhoben werden. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist jedoch die Stärkung d e r O r g a n i s a t i o n. An die unorganisierten Bergarbeiter richten deshalb die Funktionäre aas dringende Ersuchen, sich unverzüglich dem Bergarbeiterverband an zu- schließen. Die Unternehmer rüsten für kommende Kämpfe und von den Vorbereitungen der Bergarbeiter für diese Kämpfe und von der Stärke ihrer Organisationen wird es abhängen, auf welcher Seite der Erfolg fei» wird." Oer Unterschied. Arbeitersolidarität und Geldsaikrevolte. Wir haben seinerzeit den Beschluß der Unternehmer des west- deutschen Industriegebiets mitgeteilt, fünf Mark pro Kopf der Beleg- fchaft in einen Kriegsfonds abzuliefern, um g e g c n d i e Durchführung des Achtstundentags bzw. der Derord- nung des Reichsarbeitsministcrs den Kampf aufzunehmen. Die „Deutsche Bcrgwerks-Zeitung", das Organ der Schwerindustrie, schwingt sich in ihrer Sonnabendnummer zu folgender lahmen Er- widerung auf: Die Eewerlschaitspresse konnte sich vor ewiger Zeit nicht genug darüber aufregen, daß von der rhcinisch-westjälischen In- dustrie ein Abwehrfonds für die von der Industrie befürchteten sozialpolitischen Auseinandersetzungen gesammelt wird. Dieselben Kewerkschaftsblätter finden aber nichts darin, daß nach eineni Aufruf in der freigewerkschaktlichen„Bergarbeiter-Zeitung" Nr. 41 eine Sammlung für einen Streikfonds für einen Streik in der mitteldeutschen Braunkohlenindustrie durch- geführt werden soll. Das Essener Ilnternehmerorgan stellt sich so dumm, daß die Ver- stellung direkt anstößig wirkt. Der Kriegsfonds der Unternehmer richtet sich gegen die Durchführung des Gesetzes. Es Handell sich um die Verhinderung des Dreischichtcn- s y st e m s in der Schwerindustrie, angeordnet vom Reichsorbeits- minister auf Grund des§ 7 der Arbeitszcilverordnnung, nach einem einst i lft>n i g befürworteten Gutachten des Reichswirtschaftsrates. Dagegen rüsten die Unternehmer. Sie können heute nicht mehr zum � General Degoutte laufen. Statt der feindlichen Besatzungsarmec mobilisieren die Schwerindustriellen die Geldsäcke. Die Gewerkschaften aber, ganz besonders die Bergarbeiter, m o- bilifieren die Arbeiters olidaritäl, um sich gegen die Verelendung durch die Unternehmer zur Wehr zu setzen. Die Ar- beiter sparen sich diese Groschen buchstäblich vom Munde ab, während die Unternehmer diese Beiträge einfach unter die Rubrik„U n> k o st e n k o n t o" auf die Preise schlagen. Mit solchen und ähnlichen Ausgaben werden dann die„S e l b st k o st e n" in die Höhe getrieben und Preissteigerungen begründet. Der Kriegsfonds der westdeutschen Unternehmer gilt dem Kampf gegen das Gesetz und geht auf Kosten der Verbraucher. Der Solidaritätsfonds der Bergarbeiter gill dem Kampf gegen das Elend und wird von den Bergarbeitern selbst aufgebracht. Das ist der Unterschied. Die Metallhilfsarbeiter zur Lohnbewegung. Am Donnerstag, dem 13. Oktober, fand eine Branchenver- sammlung der im DMA. organisierten Hilfsarbeiter stall. Sie besprach eingehend die durch die Teuerung entwerteten Tariflöhne. Die Hilfsarbeiter sind diejenige Schicht innerhalb der Arbeiterklasie, die die Folgen von Wirtschaftskrisen und Teuerung am tiefsten und längsten zu spüren bekommt. Der Branchenleiter teilte mit, daß Genosse Urich dem VBMI. die Forderung aus eine zwischen- tarifliche Lohnerhöhung überreicht habe. Eine Antwort stehe noch aus. In einer e i n st> m m i g angenommenen Entschließung nahmen die Versammelten mit Empörung Kenntnis von dem Angebot des VBMI., die Löhne der Hilfsarbeiter in einem allgemeinen Lohn- tarif auf 63 Pf. festzusetzen. Sie verlangen eine zwischentarifliche Erhöhung ihrer Löhne. Alle Metallhilfsarbeiter werden schon jetzt auf den Ablauf des Tarifes im Dezember aufmerksam gemacht und die Unorganisierten aufgefordert, endlich durch ihren Beitritt zum DMV. an der Schaffung menschenwürdiger Löhne mitzuwirken. Anläßlich der Verschmelzung der vier Lebensmittelarbeiter- verbände macht die Entschließung auf die unhaltbaren organi- satorischen Verhältnisse unter den Metallhilfsarbeitern Berlins auf- merksam. Während in ganz Deutschland die Hilfsarbeiter der Metallindustrie einheitlich im DMV. organisiert find, erschwert hier die Zerrissenheit im Verkehrsbund, DMV.. Fabrikarbeiter- verband und andere Verbände außerordentlich die Schaffung besserer Lohnverhältnisse und die Agitation. Alle Kollegen werden aufgefordert, miteinander in einen kollegialen Meinungsaustausch über diese Frage einzutreten. Zur Sperre bei GebrüSer Jriesecke. Vom Zentraloerbond der Steinarbeiter Deutschlands wird uns berichtet: Di« gesperrte Firma hatte durch den Syndikus des Arbeitgeber- Verbandes beim hiesigen Arbeitsgericht eine einstweilige Ver» fügung beantragt, dem Verband« der Steinarbeiter bei einer Strafe von 1006 M. für den Einzelfall die Durchführung d«r Sperr- maßnahmen zu untersagen. Es wurde also versucht, mit Hilfe der Gerichte den von der Firma oerübten Tarifbruch zu st ü tz e n und der Arbeiterschaft das Mittel der Gegenwehr aus der Hand zu schlagen. Diese Rechnung hatte aber ein Loch insofern, weil sich das Arbellsgericht nicht fo ohne weiteres als Vorspann für Unter- nehmerinteressen gebrauchen ließ, sondern einen Verhandlungs termin festsetzte. Da in dem Tarifvertrag eine Bestimmung eM- hallen ist, wonach vor Ergreifung von Kampfmaßnahmen der Schlichtungsausschuß anzurufen sei, wirkte der Vorsitzende des Ar- beitsgerichts dahin, daß ein Vergleich zustande kam, noch dem beide Parteien sofort den Schlichtungsausschuß anrufen sollten und bis zur Entscheidung desselben die von der Firma aus- zuführenden Arbellen nicht behindern werden. Auf Antrag der Organisation fand bereits am folgenden Tage eine Sitzung beim Schlichtungsausschuß statt, wo sich der Herr Syndikus von dem Vorsitzenden in aller Freundlichkell dahin be- lehren lasten mußte, daß die von ihm und der Firma beliebte Art der Auslegung von Tarifverträgen mit den allgemein geltenden Regeln von Treu und Glauben nicht recht in Einklang zu bringen fei. Letzten Endes mußte sich aber der Schlichtungsausschuß als u n z u st ä n- d i g erklären. Damll hatte der Zentralyerband der Steinarbeiter wieder volle Handlungsfreiheit erlangt und wird jetzt die Sperre in verfchärfter Form durchgeführt werden. Zu diesem Zweck wird hiermit die ge- samte Dauarbeiterschaft nochmals daraus hingewiesen, alle Fälle, wo ihr bekannt wird daß für die gesperrte Firma Steinmetzarbeitcn ausgeführt werden, sofort dem Ortsbureau der Steinarbeiter, Engel- ufer 25, zu melden. Telephon Moritzplatz 11 500. Besonders wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Firma von bei ihr beschäftigten Putzern auf verschiedenen Baustellen Kun st st einputz herstellen läßt und die steinmetzmäßige Bearbeitung an Zwischenunternehmer oergibt. Dies« Arbeiten sind als S t r e i k a r b e i t zu betrachten. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnlag, dem 16. Okkober. l. Rennen. 1. Die Linde(Tafdit), 2. Maraviola, 3. Sturm!» aut. Toto: 335: 10. Platz: 66, 106, 74: 10. Feiner licien: Liiienicc H), Skalde, Silo, Nrmbrulter, Grisetlchen, Nordmark, Julvua, Opalka, FriedrichSyajen, Fervlda, Ananas. 2. Rennen. 1. Tanihns kGrabsch), 2. Stadleck, 3. Poliklct. Toto: 33:10. Platz: 18, 51. 44:10. Ferner liefen:?llida(41. Helios, Oberon II. Dämmerstunde. Orgel, Princeh, Roland, Pagode, Da» Lied, Chriiiinchen, Aoldalma, Portland. 3. Rennen. 1. Black Bridge(O. Schmidt), 2. Malakesta, 3. Pistole. Toto: 107 i 10. Platz: 24, 18, 18:10. Ferner liefert; Moloch(4). Orlandu», MailleboiS, Licht-AIderitb, Mhdrar, Alexander der Grog«, Faisitm, Storm, Cloud, Pan Robert, Gourmet, Ad boc. 4. R e n n e n. 1. Peiopea(O. Schmidt), 2. Majesta, 3. Woglinde. Toto: 12: 10. 5. R e n n e n. 1. Oleander tBarga), 2. Serapl», 3. Impressionist. Toto: 23:10. Platz: lg, 18, 42:10. Ferner liefen: Paia(4), Lampos(5). Avec Ditur(6). Hödur, Limanova, Eiscnkanzlcr, Moh-Jong, Marcellus, Patrizier, Rbeinwein, Fürsleubrauch. Borgia. 6. Rennen. 1. Ptcugcnstoi, kGrabsch), 2. Empfehlung, 3. Rolcn- Herzog, Toto: 22:10. Plötz: Ix, 15, 24:10. Ferner liesen: Eis braut(4), Mumm. Grimm, Stubico, Edvresse II. 7. Rennen. 1. Abteilung. 1. Mondnacht(Hugucnin), 2. Sandeval, 3. Prlmula. Toto: 81: 10. Platz: 20, 1�, 25: 10. Ferner liefen: Pharisäer, Herzog Ehrisloph, Orihos. Eichkatze, Sllberkatze, Heliotrop, Nutria.— 2. Abieilnug. 1. Munin(N. Torte), 2, Aase, 3. SIegelgayela. Toto: 65:10. Platz: 30, 68, 24: 10. Ferner liefen: Isländer, Pedro, Rinaldo, Osiris, Mansbach, Kasbek, Sanktion, Streilsrage. LcrantivorMch tile Politik: Dr. E»rt Geqerj Wirischeft: etwa 40 Personen beteiligten, stürzte plöh» lich der zentralgelegcne Sckiloßtnrm, der zugleich als Hauptkamin diente, ein. Um 6 Uhr abends wurde auch das erste Stockwerk von den Flammen ergriffen. Um 10 Uhr abends, als mau die Rettungsarbeiten für mehrere noch In dem brennenden Schloß befindliche Personen fast vollendet hatte, stürzte die Decke des ersten Stock tverkes ein, so daß man die Rcttungsarbeilen aufgeben und die Unglücklichen ihrem Schicksal über- lassen mußte. Insgesamt fanden fünf Personen bei dem Brande den Tod, während zehn Personen schwer v e r l e ß l wurden. Eine Reihe Personen erlitt Rervenzusammen- bräche. Gegen Mitternach wütete das Feuer mit unverminderter Kraft fort und hatte bereits das ganze Schloß in Flammen gehüllt. Es besteht die Gefahr, daß das Feuer auch auf die Wirtschaftsgebäude übergreift. Aus Auasburg und Umgebung sind die Feuerwehren zur Löscharbeit herbeigeeilt. Erschütternd sind die furchtbares familienürama in LVerbig. Untergang einer ganzen Familie. Ein grauenhasies verbrechen wurde mu Sonnabend in dem Ackerbürgerstädtchen werbig a. Ost bahn entdeckt. In dem Häuschen des Arbeiters Oskar Wilde wurde seine Frau, deren Töchlerchen Agnes aus erster Ehe und die Schwiegermutter Wilde» mit enlschlichen Wunden ermordet aufgesunden. Wilde halte die drei mit einer Art erschlagen. Daraus hat sich der Täter erhängt und schoß sich gleichzeitig eine Kugel in den Kops, lieber die Einzelheiten dieses grausigen Familirndramas wird folgendes bekamst: Etwas abseits von den anderen Häusern des Ortes Wcrbig a. Ostbahn liegt an einem Bergabhang das Anwesen des 28 Jahre alten Arbeiters Oskar Wilde. Bor zwei Jahren heiratete Wilde in die kleine Wirtschaft hinein. Seine Frau, die zwei Jahre älter niar, hatte aus erster Ehe ein jetzt 6 Jahre altes taubstummes Ttichtcrchen Agnes, das den Namen des ersten Vaters Fleiicher führte. Als Altfltzerin wohnte außerdein die 74 Jahre alte Schwiegermutter, die Witwe Auguste Fleischer, auf dem Gehöft. Die betagte Frau galt für sehr genau und harte mit dem Ehepaar des öfteren heftigen Streit. Slm vergangenen Freitag waren beide Frauen mit dem Einkoche,,„o,, Pflaumenmus bis gegen 1l> Uhr abends beschäftigt, wobei btachbarsleut« ihnen Gesellschaft leisteten. Nachdem! diese sich entsernt hatten, mutz es wieder zu einem erregten Stroit gekommen sein. Am Sonnabend siel es den Ortsbewohnern auf. daß sich niemand von der Familie sehen ließ. Sie benachrichtigte, von ihren Befürchtungen den Amtsvorsteh'er Erdmann, der sosmh auch die Landjägerei hinzuzog. Beim Betreten des Hauses bot isich den Beamten ein entsetzlicher Anblick. A u f deni� hausfl/ur lag mit zertrümmertem Schädel die Schwieaennl-tter Fleischer. Durch einen wuchtigen Axthieb war ihr s a st tz e r Kopf vom Rumpfe getrennt. Im Wohnzimmer zeigten sich neue Bilder des«chrecksns. Auf einem Einzelheiten der Katastrophe. So mußte ein Feuerwehrmann, der bis zur Brust zwischen den Trümmern des eingestürzten Turmes eingeklemmt war, b e i lebendigem Leibe verbrennen. Vier Kameraden konnten den Bedauernswerten, der um hilf« flehte und bis zum letzten Augen- blick bei vollem Bewußtsein war, nicht aus seiner entsetzlichen Lage befreien. Ein anderer Feuerwehrmann, der einen an einem Mauer- vorsprung des Dachgeschosses hängenden Knaben retten wollte, stürzte drei Stockwerk tief hinab und erlitt schwere innere Verletzungen. Unter den fünf Todesopfern, die die Brandkatastrophe im Schloß Affing forderte, befinden sich zwei Feuerwehr- l e u t e. Auch unter den Verletzten sind mehrere WcHrmönner. Die übrigen Opfer sind Zivilpersonen, die sich an den Rettungsarbeiten beteiligten. Die Feuerwehren von Augsburg und Affing sowie die Sanitätskolonne Augsburg haben bei dem Brande mit äußerster hingab« und Opferwilligkeit gearbeitet. Ein« Anzahl Schwerverletzter ist in das Augsburger Krankenhaus eingeliefert worden Augsburg, 17. Oktober.(Eigenbericht.) Der Brand war auch heute, Montag früh, noch nicht g e- löscht. Im Augsburger Krankenhaus ringen noch drei Verletzte mit dem Tod«. Der Schlohbesiher und seine Galtin leglen während der Rellungsaktion ein sehr unschönes Verhalten an den Tag. Sie forderten die Feuerwehrleute immer wieder zum hineinstürmen in das Gebäude auf, obwohl bei dieser Arbeit größte Lebensgefahr bestand. Ruhesofa lag Frau Wilde, der ebenfalls der Schädel eingeschlagen war. Der Mörder hatte die Tote sorglich gc- bettet, ihre Hände auf der Brust gefallet und einen Blumenstrauß zwischen die erkalteten Finger geschoben. Das dritte Opfer war die kleine Agnes, die erschlagen in ihrem Kinderbettchcn in demselben Raum lag. Beim weiteren Absuchen des Gebäudes eist- deckt«, man schließlich die Leiche Wildes. Er hatte sich auf dem Boden an einem Dachsparren erhängt und sich gleichzeitig eine Kugel in den Kopf gejagt. Auf dem Tisch- im Wohnzimmer fand man drei Briese Wildes, die trotz des ziemlich wirren Inhalts erkennen lassen, daß der Mann durch die st ä n- digcn häuslichen Reibereien zur Verzweislung getrieben worden war und ohne Zweifel In einem Anfall von Geistes- Verwirrung seine Familie und sich umgebracht hat. Nach Aufnahme des Tatbestandes durch die Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. d- Oder wurden die Leichen zur Beerdigung freigegeben. Ein Einbrecher auf der Flucht erschossen. Nach einem mißlungenen und einem vollendeten Einbruch wurde in der vergangenen Nacht«in 2Z Jahre alter Otto W a ß m u n d, der sich ohne Wohnung in Berlin aufhielt, von einem Polizeiober- Wachtmeister erschossen. Gegen IX Uhr wurde eine aus zwei Be- amten bestehende Streife des Reviers 5V auf dem Wedding darauf aufmerksam gemacht, daß sich Zwei unbekannte Männer an der Tür einer Fahrradhandlung in der Badstraß« verdächtig zu schaffen machten. Die Beamten näherten sich vorsichtig und sahen die beiden auch noch an der Tür. Als diese jedoch die Streife heran- kommen sahen, ergriffen sie die Flucht und entkamen zu. nächst. Später sahen die Beamten aus dem Haufe Grünthjiler Straße 9 zwei Manner herauskommen und erkannten in ihnen die Verdächtigen aus der Badstraße wieder. Sie geboten ihnen hall und es gelang ihnen, den«inen, einen Ig Jahre alten Arbeiter Franz T. aus der Boyenstraße sofort festzunehmen. Der zweit« ergriff die Flucht, wandte sich plötzlich um und gob aus einer Selb! ladepistole einen Schuß aus die Beamten ab, um sie si vom Leibe zu halten. Diese ließen sich aber nicht abschrecken ui setzten die Bersoloung fort. Bald daraus siel ein zweite Schuß, der ebenfalls fcblging. Jetzt zog auch der Nolizeioberwsch! meister P. feine Dienstpistole und erwiderte das Feuer mit einen Schuß. Der Verfolgte stürzte zu Boden und blieb liegen. Dtz Beamten brachten ihn nach der Rettungswache Iv, wo der Arzt feststellte, daß er einen tödlichen fterzschuß erhalten hatte. Die Person wurde bald als die des Waßmund festgestellt. Er und T. hatten nach dem mißglückten Versuch in der Badstraße und nach der gelungenen ersten Flucht in der Grünthalcr Straße 9 das Seifenqeschäft von Rösler erbrochen und daraus die Ladenkasse, Parfüms und Seife gestohlen._ der schwere �iutodusunfall in Schöneberg. Wer ist der Schuldige? Chauffeur oder Radfahrer. Wie erinnerlich, ereignete sich am Nachmittag des 16. Juni d. I. in der Hauptstraße in Schöneberg ein schwerer Autobus- Unfall, bei dem lieben Perjonen schwer und vicrund- zwanzig leicht verletzt wurden. Ein Wagen der Linie ä, und zwar war es bezeichnenderweise wiederum einer der alten Wagen, die schon mehrfach in der gleichen Weise verunglückt sind, war zum Kippen gekommen. Der Omnibus hatte sich glücklicherweise so langsam gesenkt, daß die Fahrgäste, die auf dem Derdeck saßen, wie auf einer Rutschbahn auf den Bürgersteig hinunterkamen. Bon ihnen wurde niemand verletzt. Schwerer erging es den Fahrgästen im Innern des Wagens, von denen eine große Zahl durch Verstauchungen und Glassplitter teil- weise übel zugerichtet wurde. Der verhängnisvolle Vorgang hat heut« iein gerichtliches Nachspiel vor dem Erweiterten Schöffengericht Schöneberg. Das Gericht wird zu prüfen haben, wer der eigentliche Schuldige an dem Vorsall ist, denn die Anklage richtete sich wegen sahrlüssiger Körperverletzung in gleicher Weise gegen den Kraflwagensllhrer des Autobusscs. Paul Otto und den Radfahrer Alfred B o st e l m a» n, der vor dem Auto- bus fuhr und unvorschriftsmäßig diesem in den Weg gekommen sein soll. Dem Krastwagensllhrer wird vorgeworfen, daß er durch zu schnelles Fahren in eine so gefährliche Situation gekommen ist, und daß er seinen Wagen, um ein Unglück zu verhüten, ganz scharf herumwerfen mußte. Otto ist bis zum Unfallstage zehn Monate im Dienst gewesen. Er bestritt ein Verschulden. Der Wagen kam von Stegl'tz in der Richtung Berlin, hinter dem Kaiser- Wilhelm-Platz sei das Gelände abschüssig. Deshalb sei er schon von der dortigen Haltestelle aus mit Bremse gefahren. Das geschehe auch schon deshalb, weil aus der in die Hauptstraße einmündenden Helm- strahe häusig Autos kamen, hinter der Helmstraße habe er ganz plötztich vor sich rechts aus oder neben dem in der Milte liegenden Strcßenbahngleise euren Radfahrer vor sich gesehen. Er habe stark gehupt und in demselben Augenblick sei der Fahrer dicht vor seinem Wagen gewesen. Offenbar habe der Radfahrer unvarschristsmäßig mitten auf der Fahrstraße die Strahe ohne Signal überqueien wollen. Um den Mann nicht zu Übersahren, sei er gezwungen ge- sresen, das Steuer scharf linksherum zu werfen, denn bei dem Gefälle sei trotz der abgebremsten Fahrt eur halten nicht möglich gewesen. Wie er nachher gehört Hab«, sei der Autobus auf den rechten Rädern liegend über den ganzen Fahrdamsn ge- rutscht und init dem rechten Vorderrad aus die Bordschwelle ge- stoßen, wodurch das Umkippen verursacht worden sei. Auf die Frage des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Lcmpke,� ob er nicht wieder versucht habe, das Steuer nach rechts zu reißen, kenn der Angeklagt« ke ne Auskunft geben. Er nehme aber an. daß er das mechanisch getan habe, daß d-r Wagen aber nicht mehr zu halten war.__ ,, Trauerfeier für Gberbürxermeister Dr. Wermutk. In der alten Kirche der früheren Kadetkenanstalt in Groß- Lichterfelde fand gestern mittag die Trauerseier für den ver- storbenen Staatssekretär und Oberbürgermeister a. D. Dr. Adolf Mermuth statt. Als Vertreter der Reichsregiernng war Reichs- sinanzminister Dr. Köhler erschienen, vom Wagistrat Berlin Ober- bllrgermeiftcr B ö ß und Stadtverordnetenoorstehzr h a ß. Nach dem Pfarrer ergriff Reichsfinanzministcr Dr. Köhler das Wort und dankte deni Verblichenen im Namen des Vaterlandes sür seine 25 Jahre hindurch geleisteten Dienste. Sein energisches und ziel- bewußtes Wirken und sein hohes Können, besonders als Staats- sekrctär des Neichsschotzamtes in der Zeit des machtvollen Wirt- schaftsaufstieges des deutschen Reiches, seien grundlegend gewesen. Oberbürgermeister Dr. B ä ß schilderte in längerer Ansprache die Verdienste des Verstorbenen um die Stadt Berlin. Im Laufe des Montags wird die Leiche Dr. Werniuths noch Buch übergeführt, wo am Nachmittag die Beisetzung im Schloßgarten zu Buch stattsindet.____ Wieder Raubüberfall im Ticrstartc. Auf dem Heimwege wurde gestern um 19� Uhr der 18 Jahr« alte Tischlerlehrling Walter Thomalla aus der Chaussee- straße 105 überfallen. Als er ahnungslos durch den Tiergarten ging, fielen in der Nähe des Großen Sterns zwei unbekannte Männer, die sich!sn Gebüsch versteckt gehalten haben müssen, über ihn her. schlugen ihn zu Boden und mißhandelten ihn schwer. Sie zogen lhm dann den Mantel vom Leibe, rnubten ihm seine Habseligkeiten, ergriffen mit der Beute die Flucht und ent- kamen. Der Ueberfallene erlitt durch schwere hiebe Verletzungen am Gesicht und an den Händen, auch scheint ihm ein Hüftgelenk ausgekugelt zu sein. Ein Droschkenchaufseur, den er anrief, brachte ihn mit seinem Wagen nach seiner Wohnung, wo er in ärztliiber Be- Handlung daniederliegt. Die Räuber kann er wegen der Dunkelheit heit nicht beschreiben. Selbstmordversuch eines Schupowachtmeifters. Auf dein Hof der Schloßkaserne spielte sich gestern nacht gegen �1 Uhr ein aufregender Vorfall ab. Ein Oberwacht- meister der Schutzpolizei, der zusammen mit einem Käme- raden den Kasernenhos betreten hatte, zog plötzlich aus dem Leder- futteral seine Dienstpistole hervor und richtete die Waffe gegen die S ch l ä s e. In dem Augenblick, als er losdrücken wollte, schlug der Begleiter geistesgegenwärtig den Revolver zur Seite, so daß der Schuß sehlging. Der Selbstmordkandidat wurde vorläujig in Schutzhast genommen. Schwermut soll das Motiv zu dem Selbstmordversuch sein._ t> 1220 in Portugal gelandet. Weitcrflug der französischen �zeanfliegcr. Das Heinkel-Flugzeug V 1220, das am Sonnlag gegen S Uhr vormittags Amsterdam verlieh, ist um 0 Uhr abends in Portugal gelandet. Die Landung erfolgte in der Küstenstadt Big». Es ist vorläufig noch unbestimmt, wann das Junkers» Flugzeug O 12Z0 die Azoren zum Weiterfluz nach Amerika o e r l ä ß t. Die französischen Südamerikaflieger Co sie und Le Brie sind am Sonntag vormittag um 7.10 Uhr von Port Natal nach Rio de Janeiro gestartet. Sie mußten jedoch unterwegs au? bisher noch unbekannten Gründen eine Notlandung v? nehmen. Naffeuproteft gegen Reichssthulgefetzentwurf. Kundgebung im Berliner Rathaus. D!« gestrige Kundgebung des Sozialistischen Kulturbundes im Bürgersaal des Rathauses gegen den Keudellschen Neichsschulgesetzentwurf erhielt ihre Bedeutung durch die Teilnahme zahlreicher Vertreter der freien Gewerkschaften und Anzestelltenoerbnnd«, der Beamtenbünd« und der verschiedenen Kultur» und Jugendorganisationen. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal und die von großem Ernst und tiefer Sachlichkeit ge- lragenen Aussühningen der Referenten, die oft durch spontane Zu- stimmuugskundgebungen unterbrochen wurden, werden den Schul. reaktionären aller Schattierungen gezeigt haben, daß der Kampf um die Seele des Kindes auf der ganzen Linie entbrannt ist und daß d'e Verfechter einer freien Volksschule gewillt sind, diesen Kampf bis zum äußersten zu führen. Ein Gesangsvortrag des Mädchenchors der weltlichen R ü t l i- Schule eröffnete die Versammlung, die vom Genossen Arthur C r l s p i e n begrüßt und geleitet wurde. Darauf nahm Landtags- abgcoronete Genossin Dr. Weg scheider das Wort zu ihrem Referat. Sie wies auf den Versuch der Reaktion hin, die Einheit der arbeitenden Messen, deren attioe Teilnahme an der Gestaltung des Staates heute Wirklichkeit geworden ist, durch konfessionelle Fragen zu zersplittern. Mit Genugtuung durste man nach der Re- volution auf die Tatsache hinweisen, daß der Gedanke der Einheits- schule überall Wurzeln geschlagen hatte. Man betrachtete diese Schule, die die Freiheit der Entfaltung aller menschlichen Anlagen gewährt, als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Aufbau des neuen Staates. Die Bestimmung des ersten Absatzes des Artikels 146 der Reichsverfassung, daß die Ausnahme eines Kindes in die Grundschule nicht von der wirtsck)aftlichen Lage oder der Kon- fession der Eltern abhängig zu machen ist, deckt sich auch mit den Gesetzprinzipien der meisten Völker Europas. Der K e u d e l l s ch e Entwurf sabotiert aber den klaren Wortlaut der B e r f a s s u n q. Gegen ihn haben auch die Lehrer selbst in ein. deutigster Weife Stellung genommen. Es gibt etwa 25 000 bis 30 000 arbeitslos« Junglehrer, von denen diejenigen, die keiner Kirche angehören, Schaden für ihre Anstellung befürchten müssen. Das cr-� zeugt eine Gesinnungslumperei, die die Erziehungsarbeit auf das ungünstigste beeinflußt. Hierauf nahm Studiendirektor Kawerau das Wort. Er gab. unterstutzt durch reiches Zahlenmaterial, ein anschauliches Bild von der Zersplitterung und Zerklüftung aus dem Gebiete der Schulorgonisation. die der reakttonäre Entwulf, wenn er Annahme fände, nach sich ziehen muß. Weitere Folgen wären die Wiedercin- fiihrung der geistigen Schulaufsicht und der Einzug der Vertreter der rel'ig'ösen Gesellschaften in die Schuldeputattonen. In den notwendigerweise zu errichtenden Zweigschulen ist eine fruchtbar« Erziehungsarbeit unmöglich. Dcn Kommunen erwachsen ferner un- tragbare finanzielle Lasten. Für Berlin käme die Errichtung von 37 neuen Schulen in Betracht, die einen Kostenaufwand von über 40 Millionen Mark verursachen. Der Schulgesetzentwurf muh auch darum abgelehnt werden, weil er geeignet ist, den Willen der Wühler- schaft zu verfälschen: ebenso verbaut er den Weg zur Ge- meinschaftsschule. Auch diese Ausführungen fanden den stürmischen Beifall der Versammlung, die darauf mit großer Aufmerksamkeit dem Vortrage des Reichstagsabgcordneten Genosse Alwin S a e n ge r. München folgte, der den Entwurf vom verfassungsrechtlichen Sland- Punkt aus einer vernichtenden Kritik unterzog. An zahlreichen Bei- sp'elen konnte der Redner den klaren Beweis dasür erbringen, daß der jetzige Reichsschulgesetzentwurs in wesentlichen Teilen dein Sinn der Reichsversassung direkt ins Gesicht schlägt. Der Entwurf ist un- bedingt verfassungsändernd! Dem Kampfe der Linksparteien im Reichstag ist dadurch die Richtung gegeben. Nachdem R ü ck e r t für das Ortskartell der freien Gerverk- schaston, Eschbach für die Angestelltenoerbände, R o s i n sür den Deutschen Beamtenbünd, Zacher sür den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund, Diederich für die Arbeiterjugend, Frau Katzen- stein für die Kinderfreunde und Vertreter der weltlichen Schulen und des Bundes der entschiedenen Schulreformer die Erklärung abgegeben hatten, daß auch sie den Bürgerblockentwurf e n t s ch! e. den ablehnen und mit allen Mitteln bekämpfen werden, nahm die Versammlung einstimmig die folgende Resolukion an:»Trotz ihrer Niederlage im Reichsrat hat die Reichsregiernng ihren reaktionären, verfassnngsfeindlichen Schulgesetzentwurf dem Reichstag vorgelegt. Das ist eine doppelte Herausforderung der arbeitenden Massen. Der Keudellsche Reicheschulgesetzentwurf ist cin Attentat auf dle Republik. Er will versassung-widria die Ein- heit und den staatlichen Lharakter des Schulwesens vernichten und Schule und Lehrer der Kirche aiisliesern. Er will durch Entfachung religiöser Gegensäg« die Werktätigen gegeneinanderhetzen, um die Herrschaft des Besitzbürgerblocks aufrecht zu erhalten. Die Organi- fassonen der Albeiter, Angestellten und Beamten sind entschlossen, alle Kräfte einzusetzen, um das Keudellsche Reichsschulgesetz zu Fall zu bringen. Der Kampf um die Schul« ist ein Stück des großen sozialen Befreiungskampfes der Arbeiterklasse. Die Arbeiter, 2lngestellten und Beamten werden nicht dulden, daß dieser Kampf durch sozmlreaktionäre Zwecke verfälscht wird. Sie sind zum entschiedensten Widerstand entschlossen gegen jedes Schul- gcfetz. das den Weg zur �allgemeinen weltlichen Ein- h e i t f ch l, be versperrt. Sie fordern die Schaffung und Be- wahrung leistungsfähiger Schulkörper unter unbedingter Aufrecht- crhattung der staatlichen Schulfreiheit und unter Aus- scholtung aller kennenden religiöo-weltanschaulichen Gegensätze." f Unser Oezirksfrauentag. Genosse Alwin Saenger spricht über die Strasrechtsreform. „.a Plsnarsitzungssaol des ehemaligen Herrenhauses tagte .�ern rmrinittag die grauenkonserenz des Bezirksverbandes Berlin <.sr Sozialdemokratischen Partei. Genosse Zllwin Saenger, M. d. R, sprach über die Reform des Strafrechts, während die weitere Tagesordnung der Aussprache über die Möglichkeiten der Agitation unter den Frauen anläßlich der bevorstehenden Partei- werbcwoefie dtrfe Nach der Eröffnung des Frauentages durch die Genossin Wurm brachten Mitglieder des Männerchors Fichte-Georginia der Äonfe- rsnz einen musikalischen Willkommengruß dar. Im Namen des Bezirksvorstandes begrüßte Genosse K ü n st l e r die Teilnehme- rinnen mit einem Hinweis auf die bevorstehenden wirtschaftlichen und politischen Kämpfe. Die Untsrneomer seien drauf und dran, zum politischen Druck der Rechtsregierung den wirtschaftlichen zu segen. Sie verweigern den Arbeitern die durch die Teuerung not- wendig gewordenen Lohnerhöhungen. Erbitterte Streiks und Riesen- wahtkämpfc seien das Zeichen der Zeit. Nur in gemeinsamer Kampf- Handlung kann die Reaktion niedergerungen werden. Die kommende Werbewoche wird zeigen, daß die Sozialdemokratie Berlins die Wsrbekraft aufbringen kann, die nötig ist. Zehntausende neuer Mitglieder zu gewinnen. Genasse Künstler begrüßte dann unter dem Beifall der Konferenz die englischen Genossen Noel Auxton, ehemals Landwirtschaftsminister im Kabinett Macdonald, und Ben R i l e y, die er bat, herzliche Grüße in der Heimat auszurichten. In seinem Referat über die Reform des Skrafrechts zeigte Genosse Saenger die grundsätzliche und soziale Bedeutung des Strafrechts. Er zeigte besonders, wie die soziale Not als Quelle alles Derbechens anzusehen ist. Jedes Strasrecht hat deshalb immer Interesse erweckt, weil es stets das Spiegelbild des jeweiligen Kultur- lebens war. Das jetzt gellende Strafgesetzbuch ist fast 8!) Jahre alt und seit Jahrzehnten bemühen mir uns, ein neues Strasrecht zu schaffen. Keine Äesetzesmaterie hat eine so durchgreifende Umwand- lung in der Theorie wie in der allgemeinen Anschauung erlebt wie eben das Strafrecht. In fast ollen Staaten der Erde wird das Strasrecht von dem Ge'danken der Vergeltung beherrscht. Aber die Wissenschaft gab wertvolle Zlusklärunaen über die Ur- sachen des Verbrechens. Der Italiener L o m b r o s o schuf in seinen wissenschaftlichen Untersuchungen den Typ des geborenen Verbrechers, den Veranlagung und Vererbung werden ließen. Der deutsch« Ver- treter dieler Theorie war der große Strasrechtslehrer Professor von L i s z t. Die in den achtziger Jahren aufgenommene Krimnalstatistik zeigte denn auch eine riesenhafte Zunahme der Bcrussverbrecher. Dann kam im Jahre 1923 das Iugendgerichtsgesetz, das trotz aller Mängel und Fehler eine revolutionäre Tat bedeutete, weil in ihm zum ersten Male entgegen dem Vergeltungs- und Rachegedanken das Erziehungsprinzip ausgestellt war. Zwischen den beiden grundlegenden Strafrcchtsauffassungen aber licqt der Kamps um eine durchgreifende Strasrechtsreform, zu dem die Grund- lagen lieferten die wissenschaftlichen Erkenntnisse, daß ohne persön- liche Schuld die Täter zwangsläufig zum Verbrecher werden muß- ten, weil sse in der Not der Arbeiterklasse zum Verbrechen getrieben wurden. Professor K o h l r a u s ch wies seinerzeit den Zusammen- hang zwischen Getreidepreis und Kriminalität nach, er zeigte auch, wie bemerkenswerterweise die Bauarbeiter im Sommer nur ein- Prozent der Wanderbettler stellten, im Winter dagegen bis herauf zu 9 Prozent. Die wirtschaftlichen Verhällnisse, die elenden Woh- nungsgelegenheiten, der Zusammenhang zwischen Tat und Alkohol- konsum schufen Gelegenheits- und Schwerverbrecher. Eine weitere tieftraurige Ursache für Verbrechen aller Art konnte in den elenden Familienoerhäitnissen erkannt werden. Genosse Saenger ging dann im einzelnen auf das Verhältnis der Verbrechen und Vergehen verübenden Männer und Frauen ein. Vergeltung und Rache haben nicht verhindern können, daß die Kriminalität immer mehr stieg, daß die Gesellschaft keinen Scbutz vor dem Verbrecher, daß aber auch der Verbrecher keinen Schutz in Gestalt von Besserung durch den Strafvollzug empfing. Die als richtig erkannten geforderten Reformen ergaben sich also zwangsläufig aus der Enahrung, daß die soziale Lage der unteren Bevölkerungsschichten gebessert werden muß. Der neue, jetzt im Reichstag zur Behandlung stehende Straf- rechisentwurf sieht unter anderem die Jnternierung in Heilanstalten für solche Verbrecher vor. bei denen Rückfälligkeit zu befürchten ist. Es ist dos ein großer Fonschritt gegenüber dem Geist des alten Strafrechtes, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß in dem neuen Entwurf genügend Bestimmungen enthalten sind, die als rudimentäre Anhängsel anzusehen sind. Dahin gehört ganz be- sonders die Beibehaltung der Todesstrafe. Wir Sozialdemokraten sind Gegner dieiex schweren Strafe und meinen, daß jeder Anhänger der Todesstrafe logischerweise bereit sein müßre, jeden Tag das Amt des Scharfrichters zu übernehmen. Noch im Jahre 1923 wurde jeden zweiten Tag in Deutschland«in Todes- urteil gefällt. 1924 jeden dritten Tag. Wenn auch der dritte Teil aller Kulturstaaten die Todesstrafe bereits abgeschafft 1)01, wenn auch ein weiteres Drittel sie nicht mehr vollstreckt, so bringt dennoch Deutschland in seinem neuen Strafrcchtsentwurf die Todesstrafe wieder heraus, obwohl jede Statistik beweist, daß die Androhung und die Vollstreckung der Todesstrafe nich: verhindern konnten, daß Verbrecher Morde begingen. In Oesterreich hat die Abschaffung der Todesstrafe keine Steigerung der Morde zur Folge gehabt, wohl aber ist die Zahl der Sittlichkeitsverbrcchen ganz außerordentlich ge- stiegen, obwohl die Strafbestimmungen dafür so hoch geblieben sind wie früher. Zur Kriminalität der Jugendlichen beider Ge- schlechter erklärte Genosse Saenger. daß ein Redner der Deutsch- nationalen Partei erst kürzlich im Reichstagsrnisschuß unseren Antrag auf Heraufsetzung des straffreien Alters für Jugendliche von 14 auf 16 Jahre mit der Begründung abgelehnt habe, daß gerade in diesem Alter das Prinzip der Vergeltung das wirk- samste fei. Dabei beweist d'e Statistik das genaue Gegenteil. Neben jeden jugendlichen'Angeklagten gehört die Gesellschaft auf die Anklagebank. Kinder in der' schwierigsten Zeit ihres Lebens, in der Pubertät, gehören nicht aufs Gericht oder gar in das Gefängnis. Wir Sozialdemokraten stellen an die Spitze unserer Forderungen das Wort unseres alten Strafrechtslehrers: Die kriminelle Bestrafung darf nur bei voll entwickelten Menschen aus- geübt werden, nicht aber bei jugendlichen Unentwickelten. Wir wollen den Vierzehn, und Fünfzehnjährigen nicht vor dem Richter sehen, weil er noch nicht die sittliche Reise hat, noch nicht den er» stärkten, entwickellen Willen besitzt und auch die rechtliche Schutz- bedürftigkeit des Gutes, gegenüber dem er sich verging, noch nicht erkennen konnte. Zu unserem großen Bedauern lassen die bisherigen Verhand- lungen über den Strafgesetzentwurf erkennen, daß es fast unmöglich erscheint, den Fortschritt im neuen Entwurf zum Durchbruch zu verhelfen. Sorgen wir, daß wir in Zukunft mit sozialer, gerechter und kluger Menschlichkeit dem Verbrecher gegenüberstehen. Schutz dem Menschen, Schutz seinem Leben und seiner Arbeitskraft, Schutz der Ehre von Frau und Kind— das sind unsere Grundgedanken bei einer Reform des Strafrechtes. Sie ist nicht nur eine Sache des Verstandes und der Juristen, sie ist besonders auch eine Sache des Gemütes. Von einer Diskussion wurde mit Rücksicht auf die erschöpfenden Ausführungen des Genossen Saenger Abstand genommen. Die folgenden Resolutionen wurden«instimmig gutgeheißen: Entschließung. Der Bezirkstag der sozialdemokratischen Frauen Berlins vom Sonntag, dem 16. Oktober 1927, protestiert gegen die Beibehaltung der Todesstrafe, die in dem Entwurf des neuen Strafgesetzbuches vorgesehen ist. Der Bezirkstag verweist auf das Beispiel Oesterreichs, das die Todesstrafe abgeschafft hat. Die Entwicklung drängt immer stärker zum Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Beide Völker wollen nicht nur eine wirtschafls-, sondern eine Kultureinheit werden. Dieser Wille muß in der Rechtspflege seinen Riederschlag finden. Zn der kullurwell der Reuzeit überwiegt die lleberzeugung, daß die Todes- strafe zu verwerfen ist. Sie hat die Zahl der durch diese Strafe zu ahnenden Straftaten nicht herabzusehen vermocht, dafür aber die Staatsautoritäl mit der Vergeltung durch denselben Talinhalt be- lastet. Die Demokratie macht alle Bürger für die Exekutivgewalt des Staates verantwortlich. Die Todesstrafe ist für das Gewissen der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes nicht tragbar. Der Bczirkssrauentag stellt sich hinter die Forderung der sozialdemokratischen Reichslogssraktion. welche die Abschassung der Todes- strafe im Rahmen der Strofrechtsresorm verlangt. Er erwartet vom gesamten Reichstag die gleiche Stellungnahme. -» Die 400 Teilnehmerinnen des sozialdemokratischen Bezirksfrauen- tage» fordern auf Grund ihrer Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit als freiwillige Helfer in der Zugendfürforge und Zugendgerichtshilfe ein- dringlich die herausfehung des Slrasmündigkeitsalievs. wir erfahren täglich die Rol der durch ihre soziale Lage körperlich und seelisch leidenden Zuoend. wir wollen der Zugend Helsen und fordern dabei die Mitarbeit der Staatsgewalt durch gesetzliche Schutzmaßnahmen wirtschaftlicher und pädagogischer Art. Im Anschluß an das Referat trat die Genossin Epstein aus München unter dem lebhasten Beifall der Bersammlung ganz be- sonders für die Abschaffung der Todesurte'le ein. Die Genossin Todenhagen gab dann Anweisungen, Rat- schlage und Richtlinien für die Arbeit während der Werbewochc. Sie wurden ohne Diskussion gutgeheißen. Nachdem noch Genissin Hanna auf die bevorstehenden Wahlen zur Kranken- und Angestelltenversicherung hingewiesen hatte, schloß die Genossin Wurm den Bszirtsfrauentag mit einem Hoch auf die Sozialdemokratische Partei. Mit dem Gesang der Jntermrtionale fand die Konserenz ihren Abschluß. Vv>k s dttk ne Uciin an SQIowplat) S Uhr Haüalc u. Liebe Iii. an Sdiiffbagardinn 8 Uhr George Dandin Daru Der �emÜ;licfae Kommissär iltenjorq-Bühnfn Öls. Künstlcr-Th * Uhr Justiz -essine-Tfieiter 8 Uhf MliMiM GeülsüiesMei Norden 10334—87 8 Uhr. Ende 11 Uhr TroilinD.Wa Süliostlil vtn:hatesii:ira Dlensla?, 18 Okt, abends 7 Uhr Zum l Male: Dorothea merrnann v.Gerh. Hauptmann Regia: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—37 «■'.U. Ende 10". U Ihr Mann Inhaiel nn Piti Otreld? Die Komödie Bismarck 2414/7516 8'/, Uhr, Ende>0", Zinsen Komödie von Beinard Shaw PiscatorbQime Thest. a. liolleiuloitplili Kurfürsi 2091/93 8 Uhr Eoüiiia. wir leiien von Ernst Toller Inz. Erwin Pltcator diniiW)ti-i,«hKD rh.Koniggratz. St. Hasenh. 2110. 8U. ISMüI Komödienhans N'orden 6304.»»/< Hokuspokus Berliner Thealer Dönhoff 170. 8 U. LOonie Uistsplelhaus 8V, Uhr .filraaDtlk" Di« neu* CHARBLL» Iniiscnie-. ans ManPaMerg Rita eeoi« Bendo» 3ankuhn Szöko Szakall Werkmeister Westermeier JadfsoD Boys Mine Oiris Stg. nachm. 3 Uhr uneekürztc Vorst zu halben Preisen varvemani m-e nur .tamaua• Tneai Täglich 8", Uhr: ilm RDiissbeircer SdiloB steht eise limle Parkett statt 4 Mk lägt auch Sonntags nur so Pi. Rose-Theater 8V, Uhr- Dte Maidtlnen- bauer v. Berlin Planetam an Zoa ftrlini. Jcidrnithaln StnEi Noll. 1578 Dar Sternenhimmel aul der Reise von Berlin nach dam äequator Vorführungen: t'/j, 6, 7Vz. 9 Uhr. Eintritt 1 M. Riader uel. 15 Jahren 0.531.1 Trianon-Th. Täglich 8", Uhr Srika Qlässcer FraoPräsiteü» Rerilil-Them Täglich 8'/, Uhr IMMMsM Ffiaräs Rex Thalia-Mer 8 Uhr Der rote Halm CASINO-THEATER» um Die Paula vom Metropol. Antschneiden i Gutschein I— t Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1.60 M. 8s Nollendorf 7360 Die Okiober- Varictf-Revae Sonnabende u. Sonntage 2 Voratall. 3" u. 8 Uhr— 3 1° zu ermäSigten Fraisen das ganze Programm. IRuhebe ten m. verzinkt. Befema-Fed. | ohne Bindfad. Für schwersie Beiast | Kein Einliegen. 21» Jahre Garantie Ueberau erhältlich. f> Berliner Fedcr-Malratzen-Fabrik B Berlin 0. 27, KrautstraSe 4-5 �„ Renaissance-Theater SteinplaU 901.— Täglich 8 Uhr: C-Iovannl nnd Annabella (Schade, daß sie eine Hure). IEdmonde Guy, Ernest van Büren Enoch Light': Columbia-Orchester Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 U- u. Sonntagnehm. 3 U. 4 Elite-Sänger in großer Form In iiirem TiffJ' Qombcnprogramm I gm Volkspreise von 50 Pf. bis 2,50 M. ■.II Sonmacnachmittac: ~ Große Fanaflien-Vorslellund Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M. Reichshallen-Iheater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt in der Müllerstraße Nachmittags- Hnlbo � Preise, volles Programm. Sfü Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz mmuamm VerlaRgen Sie stets' Garantieschein Patent- mit Stempel( s- Es lohnt sich zwei Etagen zu steiften! Durch Ersparnis hoher Ladenmlcte Qualitätsware äußerst billig: Gardinen, Stores. Bett-, Tisch- nnd Divandecken Ciardinenhaus Alfrad Walter NeukölEn,SelchowerSt.S II. Etage, kein Ladenl Telefon: F 2 2529 direkt Untergrundbahn Boddinstraflc Bettfcdern anerkannt billig nnd reell. Pf» arau 60 Pf..geschl.S0Pi. Rups 1 75. Halbdaune 2.76. 4 weib nalldaunioe b. Daune 4. 7. weiß 9—10. Schlcifjdanne 8.50—5, Obcrbett la dichlk» Inlett 8 Vfd fchw. 12. 18, Hilfen 3 Pfd. 3,50 5.59 au a>. gegen Nach». Muitcr.VrcisI.frci. fein Risifo. Nichfpasfenb zurück. Böhm. Bettfedcrnseezlalliaus Sachsel& Stadler, Berlin C 12. Landsberger Sir. 43. Hygienische Dainpsreinlgüng-> r a t t» /--v 500 LandparzdUen 1 v. 60 PI. bis M. 1.75 pro Qm direkt am Bahnhof Ahrensfelde II. Verkauf täglich im Bahnhofsrestaurant Büttner. Nur nodi wenige Parzellen ca. 20 Min. v. Bhf. Fredersdorf 40 Pf. p. äm an. Verk. Sonnt, Dienst. u. Sonn- endsi.Restaur.nZu den dreiLinden" Rieger, Berlin C.25, PrenzlauerSir.32,1 Eisu-tan-Betlen, Kinderbelten, Stahlmatr., grünst, an Priv. KaL2049fr.Elsenniöbelfab.t>u ul(Thür.) NetaiilieKen!Oso Sclila!ctialselüiips24.- Plüschsofas 30 M., Ratenzahlun Berlin, Pappelallee 12 UVIII Pankow, Schmidtstr.l frei feder Ralinatation. 1 PatW" Rl J. H. W. Dietz Nadisi., G.m.b.H. Lindenstraße 2 Verkäufe iinamHÄi San Kavalieren wenig getragene so- wie neue Herrenanzüge, Ulster. Pale- tat-, jede Figur passend. Eportpelze, Gehpelze, Damenpelzmäntel, Pelzjacken, Pclzfraaen verkauil spottbillig Leihhaus, szriebridistrahe 2.------ Belle» Alltanec. Mag. steine Laut Hardware. Möbel Mciallbettrn, Chaiselongues, Auflege» mairatzen, Kinderbetten, Kinderwagen. Teilzahlung zu stastapreifen. Spezial- -efdiaft, wchiinhauscr Allre 5, Schon- ausertar. Paten tmatratzen,.,Primifsima".Metall. betten. Auflegematratzen. Chaiselongues, Waller, Stargarderstratze aditzehn. Spezialgefchäft.' üi.'V'jnr' Linlpianoa, überaus preiswert. Piano- fabtit Link. Brunnenstrotze 85.' . Fahrräder Fahrräder, rrstllassige Markenräder. Tetizahlung. Fahrrabhaus Ccntrum, Linienstraße neunzehn.• Kaufgesuche Zahngebifle. Sild-rsochen stinn, Siel Quecksilber Goldfchmelze Christlonot Käpenickerstrahe 39 lAdalb.rtstrohil* "NJatüiiich immer Obst! Morgens, mittags, abends! Ver- gessen Sie nicht, daß die übliche Speisebereitung mit ihren gar und übergar gekochten Gerichten die Nahrung entwertet Sie mangelt derVitamine und der Mineralstoffe, jener Leben enthaltenden Bestandteile in ursprünglicher Form. Die frische Frucht macht die Sünde der Tafel wieder gut. Die Frucht ist die Verzeihung. Denken Sie auch an den langen, trüben Winter? Die Frucht ist Sonne, sie ist kraftspendend. undJhrbleibtgesund!' läglicher Genuß frischer Früchte ist kein Luxus, sondei.i Notwendigkeit. Frische Früchte gibt es zu jeder Jahreszeit! BEB Bergmann über 70 Filialen in Grobberlin färbt wäscht reinigt ihre Herbst- u. Wintergarderobe schon jetzt erbeten