ITr. 492 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe fk Nr. 250 Morgenausgabe Groft-Berlin 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfenniq. monatlich S,- Reichsmort voraus whlbot. Unter Streifband im In. und Ausland S.öO Reichsmark pro Monat. ll'er.Vorwärts' mit der illustrier. tcn Sonntagsbeilage.Volk und Seit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen"..Aus der l?ilmwelt". .lsrauenstimme"..Der Rindet- freund"..Iugend-Borwärts"..Blick in die Biicherwelt" und.Rultur. arbeit" erscheint wochentäglich»wei. Mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat verlin" f. Nerltner Vollrslilakt Anzeigenpreise: Die einivaltige RonvorelSe. »eile M Plennia. Rellameteile b,— Reichsmark.»Rleine Anieigea" das fetlaedruckte Wort?2 Bfennia tluISlssa»wei fettgedruckte Wortrl. iedes weitere Wort lZ Dkennia. Stellenaeluche das erste Wart is Pfennig, iedes weitere WlNt 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben»LKIen für Iwei Worte. Arbeitsmarkt steile w Pfennig. ffamilienan, eigen kür Abonnenten steile Traditionslosigteit und Schlamperei und sieht sich interessiert den Berg voll Blumen mit den dazu gehör, ig«» Zetteln an. Es ist wie am Heine-Grab in Per« Qachaif«. Es steht, zwar keine Tafel da wie In Paris:„Photvgraphieren und Beschreiben der Grabstätte verboten." Es gibt zwar kernen Kasten für Vssitenkarten, in den der literarisch legitimierte Deutsch«„seine Karte" abgibt. Was da sonst aber an„Zetteln" über den Blumen und Kränzen wuchert, ist schauervoll!„Unserem lieben Kleist!"„Dem Dichter des zerbrochenen Kruges!"„Dem Sänger der Hermannfchlacht!" Eine Unterschrift für viele:„Ein Liebespaar aus dem Maschinen- Zeitalter." Die Familie Kleist hat einen Kranz mit rotweißer Schleif« niedergelegt: „Ihrem Heinrich— Die Familie von Kleist." .Lhrem Heinrich!" Nach 120 Jahren kommt ihnen die Er- kenntnis, was dieser schlechte Leutnant, mißraten« Junker und Feder- suchser eigentlich war! Die beiden Worte reißen die„Tragödie vom Wannsee" plötzlich wieder auf: Die Seelennot des Dichtere, der das Pech hatte, Leutnant zu fein und„Sproß einer altpreußischen Adelsfamilie"! Der Reigen der Tanten und Cousinen, der Vettern und Basen, der aus einem Dutzend Lorgnons„Ihren Heinrich" begaffen, der Derf« schrieb, statt Rcmonten zu reiten, Dramen baute, statt ein Gut zu beackern! Und der Erfolg? Wo sind die Verleger, die seine„Werke" drucken? Wo die Theater, die seine Dramen spielen? Ein Lachen voll Galle und Gift trifft den„mißratenen" Sohn! Als Heinrich von Kleist aber seinen„Prinzen von Homburg" zum Intendanten brachte und ohne jede Nachricht blieb, nahm er ein bürgerliches Mädchen, die nicht recht wußte, wie sie zu der Ehre kam, drei Pullen Wein und drei Pistolen unter den Arm, setzt« sich mit Henriette Vogel am nächsten Morgen längs des Wannsee» in Marsch, kauerte sich mit ihr zusammen in ein Loch, zog die Pistole Nr. 1 und knallte die Vogel über den Haufen, zog die Pistole Nr. 2 und feuert« in die eigene Brust. Schließlich kam ein Gendarm dahergerannt und schoß die Pistole Nr. 3 über das tote Liebespaar hinweg, wie eine EhrensÄoe, damit„nichts weiter passiert". Ein„Zlußenjeiter" stiehlt sich m«t seinem Mädel au» der Welt hinweg, was ist da weiter dabei? Di« Tanten schimpfen, und die Vettern grienen. 120 Jahr« später aber setzen sie„Ihrem Heinrich" den Lorbeer aufs Grab. Drüben am„Kaifer-Pavillon Schirltheih-Patzenhofer" stehen Liebespärchen aus dem„Maschinenzeiwlter" unter der Tür« und freuen sich auf den nächsten Tanz. Frauenbeine. Ruderregatten, Autokolonnen schließen ihren Reigen um das Grab Heinrich v. Kleists. Eine internationale Konferenz zum Schuh der Zugvögel. Eine internationale Konferenz zum Schutz der Zugvögel wurde ln. den letzten Tagen in London abgehalten. Vertreten waren die Regle- rungen von Groß-Britannien, Deutschland, Belgien, Holland, Däne- mark, Schweden und Finulcnd Es handelte sich vor allem um die Erörterung der Frage, ob und in welcher Farm internationale Rege- lungen zum Schutze der Zugvögel getroffen werden könnten. In der Eröffnungsansprache wies der Lorsitzende Mr. Gladstone darauf hin, daß dies bereits die dritte Konferenz wäre und daß darin sich aus- drücke, wie sehr die Völker der nordlichen Gebiete Europas den Wunsch hätten, Schutzmohregeln für bestimmte Vögel zu treffen. Es wäre eine Pflicht der heutigen Generation, die noch vorhandene Fauna künftigen Geschlechtern zu erha'ten. Einige Arten hätten durch Vernachlässigung oder sogar durch Gewinnsucht bereits schwe" gelitten, andere wären ganz verschwunden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Tatsache festgestellt wird, daß in allen Län- dern Europas eine allgemeine Abnahme der Zugvögel stattgefunden hat und daß im Interesse der Landwirtschast, der Wissenschast, des Sports und der Beschaffung von Nahrungsmitteln sowie wegen de- wünschenswerten Erhaltung schöner und interessanter Bogelarten unbedingt Maßnahmen getrosten werden müßten, dieser Verminde- rung Einhalt zu tun. Von solchen Einzelmahnahmen wurde besonders das Verbot von Maschinengewehren und großen Kalibern bei der Jagd und von Netzen aller Art, auch die Anwendung von künstlichem Licht für den Vogelfang erörtert. Eine Kleist-Ausstellung. In der preußischen Staatsbiblio- t h e t wurde Montag mittag im Bei ein zahlreicher Persönlichkeiten aus den Kreisen der Wissenschast und der Literatur die Kleist-Aus- stellung eröffnet. Sie soll dazu dienen, ein besseres Verständnis der Persönlichkeit und Problematik Kleists zu vermitteln. Wilhelm von Scholz und Professor Dr. Georg Minde-Pouet würdigten in ihren Reden Kleist als Menschen und Dichter Die Ausstellung enthält den größten Teil dessen, was von oder über Kleist auf unsere Zeit ge- kommen ist. so Handschristen, Briese usw Bemerkenswert sind de- sonder» zwei Bilder Kleists, die einzigen, deren Echtheit wirklich be- gloubigt ist. Die Bibliothek de» Deutschen Museums. In rund drei Iahren wurde in gleichem Ausmaß wie das Museum selbst eine große tech- nische Bibliothek in München erbaut und wird nach innen und außen organisch mit ihm verbunden sein. Außer der Bibliothek wird das neue Gebäude vor allem eine universelle Plänesammlung der modernsten technischen Maschinen und Anlagen aus oller Well enthalten, ferner auch eine Anzahl von Sälen zur Vornahme von Experimenten auf allen Erbieten der Technik und Naturwissenschaften. An dem Weit- vernerd siir den Bauplan beteiligte» sich 12t deutsche Architekten. Bon der Zuertennung eines ersten Preises wurde abgesehen, weil keiner der Entwürfe sich al» volltornmen baureif erwiesen hat. Da- gegen wurden jlwei zweite Preise mit j« 7000 M., ein dritter und drei vierte Preise zuerkannt. Au» der Synthese der preisgekrönten Pläne und einiger noch hinzugekaufter Entwürfe wird der end- giiltiae Bauplan für den Neubau erstellt werden. Der sertlq? Bau mit Inneneinrichtung wird von Oskar von Miller, dem Schöpfer des Deutschen Museums, aus 7 Millionen Mark oeranschlagt. Da» Reich, da» Land Bayern und die deutsche Industrie werden je 2 Millionen und die Stadt München 1 Million beisteuern. Die MederöffaitSg der Berliner Skaaksop« lädt sich noch nicht penan jelileqen. Man rechnet jedoch mit einei Wiedererissnung Snde Februar lOlH Auch die Frcw». wie tat für dieses Hau« bestimmt« Ememb!« inzwischen beichzsligl werden joll, ist im«lugen Mick noch nicht endgültig getlän. Friedrich tloyhl« bat sich dem Deutschen Theater lür die in der fjlenrr Uraufsühlung Bereits oesvielle Rolle de« Hubert Plannschmidt in Hauet- mann«„Dorothea Angermann" und für die de» Gamatiel in VerjetS„Paulus unter de» Juden" verpflichtet. der �vorwärts" vor Gericht. 200 Marl Geldstrafe wegen Beleidigung eines Oberstaatsanwalts. Am 26. März 1926 hatte der„Vorwärts" der bekannten Vcr> folgung des Schulmannes S t ö l z e l durch die Braunschweiger Rechtsblockregierung, ihr Verhalten gegen den Oberstaatsanwalt Du R o i gegenübergestellt, der— nach dem Braunschweiger „Volksfreund"— als Leiter der Strafanstalt Wolfenbüttel zur Zeit der Inflation allerhand Lebensmittel der Anstalt oder ihres Gutes Ahlum zum Teil unter dem Tagespreis gekauft, sie erst später mit entwertetem Geld bezahlt oder auch ihm nahestehenden Beamten billig verschafft habet der Prozeß Du Roi werde jedoch oerschleppt. Wegen dieser Notiz klagte die Staatsanwaltschaft unseren damaligen Verantwortlichen, Genossen Richard Bernstein, der Be- leidigung und üblen Nachrede an und ein Berliner, gemischtes Gericht— zwei Richter, zwei Schöffen, Vorsitzender Amtsgerichtsrat Walten berger— beschäftigt« sich gestern viele Stunden damit und erzielte das obenftshende Resultat. Seit dem Erscheinen jener Notiz im„Vorwärts" hat Herr Du Roi die Einstellung des von ihm beantragten' Dienststrafverfahrens mit der Begründung, daß fein Verhalten einwandfrei gewesen sei, ferner die Verurteilung des Braunschweiger„Volksfreund" zu bOO Mark, Ehrenerklärungen anderer Blätter erlangt— ober dessenungeachtet lehnt« er gestern den vom Vorsitzenden angebotenen Vergleich ab: angeblich weil er nicht wisse, ob der Braunschweiger Generalstaats- anwalt damit einverstonden sein werde Vor Eintritt in die Beweisaufnahme erklärt« der Angeklagte, daß er einer Berichiigung Du Rais oder seiner Mitteilung, daß die Beschuldigungen gericht- lich als unbewiesen erklärt seien, gewiß Raum gegeben haben würde. Darauf meinte der Vorsitzend«, hiernach könnte der An- geklagte doch die Angriffe zurücknehmen. Das geschah aber nicht, weil der Strafantrag aufrechterhalten blieb. Der Vorsitzende kündigte schon jetzt an. daß die Strafe höher werde, wenn erst der Beweis versucht und mißglückt sei. Herr Du Roi war zugleich Nebenkläger und. vereidigter Zeuge. Er stellte alles als durchaus ordnungsgemäß hin: Der Warenbezug ist vorschriftsmäßig, ebenso die Bezahlung durch Gehaltsabzug— mochte das Geld inzwischen noch so sehr entwertet sein, und haben auch die anderen Kunden des Gutes Ahlum sofort bar bezahlen müssen. (Aussage des Gutsverwälters Ernst.) Nur«ine einzige Verfehlung wird zugegeben—, und die auch erst, als ein lchwerbeftrafter Straf- gefangener sie anklagend vorgebracht hat: Ein halbes Pfund Butler von einer 1919 unrechtmäßig für die Anstalt bezogenen und daher nicht den Gefangenen, sondern— den Beamten gegegebenen Menge hat man dem Anbietenden abgenommen. Die Anklagen gegen Du Roi stützen sich aus eine Lonvtagsrede des damaligen Iustszministerg, Rcichstagcobgerrdneten Genossen Grotewohs, der auf Grund der Verlch:? des Du Raifchcn Amtsnachfolgers, Oberregierungsrot Dr. W e iß. sprach. Gestern hielten. sowohl Grotewohl als auch weiß Ihre Angaben als Zeugen unser Eid vollkommen aufrecht, aber das Gericht hat den StrofanstaUsbeomten als Zeugen mehr geglaubt, die keinerlei Anklagen— bis auf das Buttsrpaket— bestätigten. Staatsanwalt Kirsch n« r' beantragte 566 M. Geldstrafe-und 1 1 rtei lspübli kät ihn, fürchte Rebekikkäger DA' Roi'. Oberflaatsanwatt «es Freistaates Braunschweig, neben„Borwärts" und'»roün. schweizer„Volksfreund", bezeichnenderweise den„Lokal-An- z e i g e r" wählte. Ins rechte Licht gefetzt wurde die Angelegenheit durch die Verteidigungsrede des Rechtsanrnalte Reichstags- abgeordneten Otto Oandsberg: Ich bin der letzte, der nicht für kleine menschliche Schwächen Verständnis hat. Sa Hobe ich Verständnis dafür, daß Oberstaats- anwalt du Rai während einer Zeit, da es sehr schwer war, Butter zu erhatten, selbst zuungunsten feiner Untergebenen und unter Ver- stoß gegen die Butterverordnung, ein halbes Pfund Butter in Emp- fang nahm. Ich Hab« auch Verständnis dafür, daß die Tochter des Herrn du Roi ohne fein Wissen in der Anstaltsküche weißes Brot buk. Auch für größere Schwachen habe ich Ver- ständnis, z. B. dafür, daß der Oberstaatsanwalt du Roi als Leiter der Strafanstalt Wolfenbüttel seinen Leutengewisse Der- gü nst i g u n g et, zukommen ließ, die durch die Inflationszeit be- dingt waren. ITCeiv Verständnis hört aber auf. wenn ei« hoher Beamter selbst Vorteile aus fetner Stellung zieh«. Oberster Grundsatz ist: Vermeng« deine Kasse nicht mit der Kasse des Staates, ziehe keine Vorteile auf Kosten des Staaiesl Wer gegen diese Grundsätze verstößt, begeht schwerste PfUchtoerletzung, gröbste Ordnungswidrigkeit. Daß aber bei dem Gebaren des Ober- ftaatsanwalts der Staat Schaden erleiden mußte, hat ja selbst das Disziplinargericht anerkannt. Herr du Roi hat 1200 M. für den Zentner Gerste gezahlt, bei einem lagesprelse von 0000 AI. Er hat mit' anderen Worten dabei ein gutes Geschäft ge- macht, und zwar auf Kosten des Staate». Herr du Roi beruft sich zu Unrecht auf ei« Gewohnheitsrecht bei den Strafanstalten in be- zug aus die Warenentnahme für Anstaltsbeamte. Für«inen an- ständigen Menschen genügt nicht allein das geschriebene Recht. Herr du Roi hatte es nicht nötig, Waren aus den Beständen der An- ftalt zu kaufen. Er tat es aber, weil hier die Zahlungsbedingungen fy leicht warerk, weil er teilweise mit entwertetem Gelde zahlen konnte, und so«in gutes Geschält mochte. Er hätte ja bar zahlen können. Zum mindesten hätte er dahin wirken können, daß seine Rechnung sobald als möglich beglichen werde Das Diszipli- nargericht hat aber ein großes Maß von Unkenntnis bewiesen, als es glaubte feststellen zu müssen, daß dos Gebaren des Staats- amralts du Roi nicht ordnungswidrig gewesen sei. Das Gegenteil ist richtig: Da» Reichsgericht bat in riner Rribc Entscheidungen s ststgelcgt, daß Aerträge hinfällig sind, sobald der Verkäufer durch die Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Der- pslichlungen nicht nachkommen kann. Zusammenfassend fage ich: Diese Gerichtsvorhandlung hat festgestellt, daß Herr du Rot in einer Reihe von Fällen empfangene Waren in einer Weif« bezahlt hat, daß dies eine schwere Schädigung für den Staat bedeutete. Mehr al» da« hat aber auch der„Vorwärts" nicht be- hauptet. Darum ist Freisprechung am Platze: im anderen Falle ist. in Betracht zu ziehen, daß die„Vorwärts"-Notiz erst er- schienen ist, als die Landtagsrede des Ministers Grotcwohl längst bekannt war. Der„Borwärts" hatte keinen Grund, an der Richtig- teil der Angaben in dieser Mimstemde zu zweifeln. Die Länge der Urteilsberatung erschien nicht recht begreiflich, als der Vorsitzende den Antrag der Ankläger so gut wie unvor- ändert als Urteil oertiindete. Mündliche Begründung: An ein« Aufwertüngepflicht hat damals fast kein Mensch gedacht, von ihr war keine Rede, du Rais Verhalten einwandfrei.— Strafoerfchär- jend für den Angeklagten die Richtzurücknahme der Angriffe. 9er mi Scharfmacherhetze. Der Deutsche Braunkohlenindustrieverein hat durch die Telegraphen-Union der Presse eine Mitteilung zugehen lassen, die den Geist des Unternehmertums in der mittel- deutschen Braunkohle kennzeichnet. Diese Mittellung— verlogen vom ersten bis zum letzten Wort— lautet: „Die Streiklog« im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau ist zu- nächst noch wenig durchsichtig. Es ist festzustellen, daß eine Reihe von Gruben voll oder nahezu voll arbeitet, andere dagegen de» Betrieb mehr oder weniger haben einstellen müssen. Aus den gesamten bestreikten Gebieten wird mitgeteilt, daß die Streikende» eine» j e h r st a r k e n T e r r o r ausüben. Die Straßen werde» von Streiktrupps bewacht,.so daß es den Arbeitswilligen schwer ist. an die Arbeitsstellen zu kommen. Es ist bekanntgeworden, daß die Streikenden die Arbeitswilligen mit Gewalt au» den Gruben hereusgeholt haben. Ein starker und wirksonter Schutz der Arbeit?- willigen ist deshalb im Augenblick als dringendstes Erfordernis zu bezeichnen." Erstens: Die Strsiklage ist durchsichtig genug. Selbst die Gelben streiten,?" tJisxl ,, Zweitens: Nicht ein einziger Terrorfall ist oorae- kommen. Die Streikenden halten musterhaft Disziplin. Die Behauptungen des Industrievereins sind schamlos erlogen. Beweis: das Zeugnis der Behörden. Drittens: Die Herren vergessen, daß wir nicht mehr im Kaiserreich leben, wo das Militär zur Niedertnüppelung von Streiks befohlen werden konnte. Sie wollen durch den Anblick von Uniformen Die Streikenden reizen. Das kenn- zeichnet ihre Gewissenlosigkeit und Einsichtslosigkest. Die Scharfmacherpressc hat die Hetze aufgenommen, voran die szugenberg-Presse. Die Terrorlüge geht um. der Haß des Besitzbürgertums gegen die Ardeiterschaft bricht hervor, und die Front wird klär: aus der einen Seite die Gewerkschaften aller Richtungen, hinter ihnen die Solidari- tat aller Arbeiter— auf der anderen Seite die Scharfmacher mil ihrer Presse. Das Blatt der christlichen Gewert- s ch a f t e n, der„Deutsche", hat die Scharfmacherhetze vorausgeahnt. Er schrieb gestern abend: „D:r Streit im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau kann nicht ernst genug genommen werden. Wer ihn ein«„kommunistische Treiberei" nennt und nach der üblichen Manier der Satten ihn als das Ergebnis einer Hetze darstellt, der spllt« bedenken, daß auch die ch r i st l I ch« Organisation mit ganzer Kraft daran beteiligt ist. Di« Oesfentlichkeit muß jetzt ruhig und»n- voreingenommen prüfen. Sie darf nicht gedankenlos auf die Seite derer fallen, die kraft ihrer Wirtschastsmacht om l a u t e st e n lärmen können. Es geht in diesem großen Arbettskamps, der, im Herzen Deutsch- lands ausslommend, die Reichshauptstadt in seinen Bann.zu ziehen droht, nicht nur um ein bloßes Rechenexempel mit den Faktoren Preise» Löhne, Handelsgewinn. Es geht auch um Machtf ragen. Viele Arbeitgeber scheine» sie mit der s ch r o j f e n Entschieden- h e i t lösen zu wollen, die mehrfach im jenseitigen Lager als Parole ausgegeben wurde." Das trifft den Geist des mitteldeutschen Unternehmer- tums! Sie wollen den Arbeitern den Herren st and- punkt ins Aüge drücken, sie schreien nach Bolizci gegen eine gewerkschaftliche Bewegung, sie haben Streik- vrechergarden angeworben, die nun die Arbeit verweigern. Der Arbeiter soll tuschen. Ihr Geist hat ein Echo in der Scharfmacherpresse ge- funden. Huaenborg und.Kamerad Leopold" sind einig in der Hetze. Boll Entrüstung ruft der„T a g" Hugenbergs: mehr Lohn wollen sie, und dabei bauen sie in Zwickau ein großes Bolkshaus! Ja. mehr Lohn wollen sie, und noch viel mehr Volkshäuser, menschenwürdiges Dasein und kulturellen Aufstieg. Deshalb die Hetze„nach der bekannten Manier der Satten". Deshalb offenbart sich in der Presie der Schwerindustrie der Klassenhatz gegen die gesamte Arbeiter- schaft. viszkplkn See StreltenSen. halle. 17. Oktober. Das Lcndrateomt in Weißensels bestätigt dem Vertreter der Telegrophen-Union, daß ein Schutzpolizeikommondo aus Weißtn'elo nach Groß-Keyna entsandt wurde. Es wird aber aus- drücktich l'ctovt, daß es sich hierbei lediglich um e'ne v o r b e u- g e n d e Maßnahme handelt. Zu irgent welchen Zusammen- stößen oder Ruhestörungen sei es, abgesehen von den üb- lichen Streitigkeiten, nicht gekommen. Auch die Zusammenziehung ik. von Landjägereibeamten haben lediglich den Zweck, ctwa'gen Ruhe- störungen vorzubeugen und zur allgemeinen Beruhigung beizutragen. Notsianösarbeiten weröen verrichtet. halle. 17. Oktober.(Eigenberlcht.) Mit der Stillegung im mitteldeutschen Braunkohlengebiet ist die Frage der Notstandsorbeiten brennend geworden. Di« Zentral- sireikleitiing hat. was selbstverständlich ist,- für die Krankenhäuser. Wasserwerke und ähnliche Betriebe den Bezug von Licht und Kraft sichergestellt. Die Nolsiondsarbeiter versorgen auch die Wasser- haltungsmaschiuen der Gruben, damit ein Ersaufen der Gruben ver- bindert wird. Die Zentrolstreilleilung geht in der Bewilligung van Notstandsarbeiten auch keineswegs j chemo tisch vor, Sie prüft jeden Fall einzeln. und handelt nach Läge der gebotenen ivirtschasl- lichen Notwendigkeit. �- Die Zentralstreikleitung wird am. Dienstag zusammentreten, um sich über den Umsang der in den nächsten Tagen zu leistenden Nat� standsarbeiten' schlüssig zu werden. Streikbruch verweigert! Zuvr Streikbrueh angeworben« Arbeiter werde rr •'ii u« bequem:»ow-l-r'»•■•'■: ♦ ""'•" Halle. 17. Oktober.(Eigenbericht:)"' Di« mittetdeulschen Braunkohlenunternehwer haben vor einigen llagen zahlreiche A r b« i t s w i l I i g e aus' den d e u i f ch e n Großstädten, unter anderem ans Homhiirg, Breslau. Kgsjel usw.. herangezogen, um sie als Streiki-recher zu benutzen. Als die herangezogenen Arbeiter merkten, was ihnen zugemutet wurde. widersetzten sie sich und verweigerten die Arbeit. Darauf haben die Unlernehmer die Gendarmerie aufgeboten. Um die fremden Arbeiter, die in Wertsbaracken untergebracht sind, aus d-ieseii Barocken zu entsern?». D'e Stimmung unter diese» Leuten ist sehr gereizt. Die Zentralstreikleiiung hat sich mjt den Behörden in Berbindung gesetzt. Es besteht die Möglichkeit, daß die Leute schon ain Dienstag in ihre Heimat zurückbcsördert werden. Der tschechoslowakische Wahltag. Die neue Präger Stadtvertretnng. Prag. 17. Oktober. Gewählte Stadwerordnete: Tsch. Nationalsoztal. 2A, Kommunisten 17. Unpolitische WirOhastsgruppe Z, Tsch. Gewerbepartei 6, Tsch. Sozialdemokraten 12, Republikaner(agrarisch) 2, Arbeitspartei 3, Slawische Nationalsozial.(Stribrnpartei)"2, tschechische Dolkspartei(christlich-soz.) 6,„Bürgerblock" 2(!), Haus- besttzer 2, Tsch. Nationaldemokraten 17, Deutsche Demokraten 3, Deutschnat. 1, Jüdische Partei 2.'.> Sozialistisch-kommunistischer ölock! Prag. 17. Oktober.(WTB.-Privattelegramm.) Wie gemeldet wird, haben sich die beiden tschechischen sozio- listischen Parteien(sozialhemolratische Partei und Nationolsoziäl.) mit den Kommunisten auf Bildung eines Arbeitsblocks im neuen Gemeinderat geeinigt. Diese drei Part'eieü per- fügen über 52 Mandate. Außerdem dürften dem so gesormsen Linksblock auch die drei Gemeinderatsmitglieder der nationaien Arbeitspartei(Dr. Stransky) sowie die zwei Vertreter der slawischen Nationalsozial, beitreten. E« würden dann dem 57 Sliminen zählenden Linksblock in der Prager Ratsstube 43 Stimmen der Rechten, die 4 deutschen Mandate mit eingerechnet,' gegenüber- stehen. Mgertriumph und Zliegertoö. Drei Tote in Rio. Rio de 3anelro,17. Oktober. 3m Augenblick der Landung der französischen Flieger Eostes und Ce Brix Ist ein brasilionisches Milttärsiugzeug brennend ab- gestürzt. Die drei Znsassen kamen um» Lebe«. Personaländerung in der„Germania"-Redakiion. Wie der .Reichsdienst der deutschen Presse" aus sicherer Quelle hört, ist der bisherige Chesredatteur, der bei der Telegraphen-Union erscheinende» Zentrumskorrespondenz Dr. E s s e t in die Redaktion der„Germania" zurückberufen worden. Dr. Esser soll nicht nur an die Stelle des ausgeschiedenen geistlichen Redakteurs Dr. Gottfried Brunner trete» sondern auch den politischen Teil mitverwalten. Er ist dem Ehe» redakteur Hermann Orth koordiniert worden. Polnischer Finanzberaler wird der amerikanische Unterstaäv: setretör für Finanzen Charles Dewey. dtKLIN Gdrdelegen Brandenburg ® Fürstenwj/de „Burg\& Q Frankfurt © Magdeburg K �© Fürst enberg / t �> oLubben\ _\'$ Wittenberg, �ZtSrt � Dessau— � S�mer(eld k �\a Finsterwalde -0 Meben" �itterfeld'° Spremberg��j ö Hgj/p 0 M'tzsch"Torgau~ eSenftenberg 0__ �Fuhland Hoyerswerda ■<' LE'ipz'9 o"Weissenfels 0 �"Naumburg\ o Borna,"i feit}****1 �ORESOEkU Gere �«CHEMNITZ � MWanöe bei üer Reichsbahn. Wieder die Berliner Güterabfertigung. Mus Eisenbahncrkrcisen wird uns geschrieben: Im vorigen Jahre wurden im„Vorwärts" verschiedene?lb- Handlungen gebracht Über die sinnwidrige Durchfühning der Ge- dingcarbeil auf den Berliner Güterabfertigungen und Ilinladeballen der Reichsbahn. Der Zweck"war, die Güterboden- orbcitcr vor dem frühzeitigen Verfall ihrer Kräfte zu schützen, die Arbeiterschaft selbst aber zu warnen. Diese Einweise waren nur zeit- lich von Erfolg gekrönt, da die verschiedenen Gruppen der mittleren Reichsbahnbeamten sich nur zwangsläufig umstellen. Im Interesse der Arbeiter- und unteren Beamtenschaft sind wir daher gezwungen, erneut an die Oeffentlichkeit zu treten. Daß der Güterverkehr und der damit in Verbindung stehend« Güter- a n s a l l auf den Güterabfertigungen und Umladehallen laufend steigt, bedarf keiner besonderen Erörterung. Die eingestellten Arbeitskräfte reichen bei weitem nicht aus. die wertvollen Güter f a ch g c m ö ß zu ver- und entladen. Obendrein werden Arbcltskräftc aus Pommern oder Ostelbien geholt, die mit den örtlichen Verhältnissen und Arbeitsmethoden auf -absehbare Zeit nicht vertraut werden. Der Zweck ist, die Berliner Arbeiters chast'sernzu- halten und willenloses Mcnschenmaterial hcranzuzüchten. Achnlich verfahrt man auch auf den Dienststellen der Bahnbetriebswagenwerke beim Einstellen weiblicher Aushilfskräfte. Ilm nun das anfallende Gut bewältigen zu könne» und hohe t-Leiftungen zu erzielen, bedient man sich solcher Mittel, die manchem Wertleiter der Privatindustrie die Stellung kosten würden. Die Verdien st gemeinschaften, bestehend in der Regel aus einem Vorarbeiter und drei Mann, werden wahllos a u s e i n- a n de r g c r i s s e n Nun hat man, wenn auch nicht überall, das E i n m a n n g e d i n g e. Inspektoren und Lademeistcr kommandieren wie zu Wilhelms II. Zeiten das Beladen der Karren. Durch dieses System werden die Arbeiter zur gröhten Arbeits! ntensi- t ä» gegeneinander ausgejpielt. Die Verkehrsämter spielen dann die im Bereich liegenden Dienststellen gegeneinander aus und ein Amt das andere. Arnttnänner, Inspektoren usw. können nun schalten und walten wie sie wollen.„Das freie Spiel der Kräfte" i st d a. Dieses antreibende Spiel wird noch weiter ausgedehnt, indem Beamte, Hilfsbeamte, Rollkuischer und Arbeiter der Güter anrollen- den und abrollenden Firmen eifrig Hand anlegen. Diese erarbeiteten Donnen werden bei der Spitzenrcchnung mit in Rechnung gestellt, um bei der Berichterstattung ein möglichst günstiges Bild zu be- kommen. Die Geschädigten sind die im Einzel- oder Gxuppcngedingc tätigen Gütcrbodenarbeiter, weil sie an der nun hohen Durchschnittslelstunjs nur bis zu einem bestimmten Grade teilnehmen. Die Folge davon ist, Neufestsetzung der Stückzeiten, was gleichbedeutend ist mit E r h ö b u n g d e s L e i st u n g s s o ll s. So kommt es, daß Arbeiter pro Kopf und Schicht bis 14 t bewegen müssen. Diese Schinderei ist soweit fortgeschritten, daß Im Monat 26 Uebertagewerke pro Kopf«rzieK wurden. Bei Kartoffelverlad» ngen ist man sehr entgegenkam- mend, indem die Karren mit Rechen so ausgebaut werden, daß jede Eiuzelfuhre 1000 Kilogramm Gewicht hat. Ab 1. Oktober haben ver- schiedenc Abfertigungen das Leistungssoll um 800 Kilogramm pro Kops und Schicht erhöht. Daß bei einer derartigen Methode von Verantwortlichkeit ein- schließlich vorschristmäßiger Erledigung bei der Verfrachtung nichts übrig bleibt, beweist folgendes. Auf einer Anzahl Abfertigungen werden die Güter ohne Frachtbriefe herausgegeben. Auch die Fischwagen werden ohne Papiere entladen. Dadurch wird erreicht, daß das nicht zu bewältigende Gut schließlich doch bewältigt wird, aber die aus den Frachtbriefen eingetragenen Gewichtsmengen können nicht verrechnet werden. Die Gcwichtsmenge wird nur noch geschätzt. Wie bei diesem Versahren, das mit einer geordneten Arbeitstellung nichts mehr gemein hat, die Reichsbahn zu ihrem Gelde kommt, bleibt den verantwortlichen und unkehlbaren Inspektoren überlassen. Wohl sieht die Ziffer 10 der Gedingerichtlinien vor, daß Ar b e i t e r, die durch falsche Gewichksangobe unerlaubte Vorteile �u erlangen suchen, des Ueberverdienftes während des Löhnungszeitraumes verlustig gehen. Ist das Vergehen bc- sonders groß, so tritt die Entlassung ein. Vielleicht prüfen die zu- ständigen Stellen gemcinsoni mit den Betriebsräten dieses vor- jchriftswidrige Verfahren nach. Nimmt man nun noch Bezug auf die sich häufenden Derkarrungeo und Fehlfcadungen einschließlich der Beschädigungen an wertvollen Gütern, so ist diese Anarchie aus dos rücksichtslose Ausbeutungssystem �vrückzu- führen. Ebenso schuldig, ja noch mehr, sind diejenigen, die dieses System infolge ihrer Engstirnigkeit rücksichtslos gutheißen, um in den Genuß möglich st hoher Leistungszulagen, genannt Korruptionszulogen, zu kommen. Um dos Maß voll zu machen, mutet man nun Arbeitern and Arbeiterinnen zu, auch noch die siebente Schicht(S o n n t a g s a r b e i t) zu leisten. Von den Gütcrbodenarbeitern wird erwartet, daß sie sich endlich so organisieren, daß sie als geschlossenes Ganges diesen Auswüchsen die Spitz« bieten. Aber auch die Roll- k u t s ch e r sollten mehr Solidarität zeigen und das- Bewegen des Gutes auf den Böden ablehnen. Kann die Reichsbahn ihren Verpflichtungen zur Bewältigung dop Güterverkehrs nicht nachkommen, dann mag sie ihre Anlogen den Zeitverhältnissen entsprechend aus- bauen und genügend Personal einstellen. Auf� olle Fälle aber: Fort mit der Schinderei, der siebenten Schicht und Sonn- tagsarbeit. Letztere nur dort, wo sie t a t s ä ch l i ch notwendig ist und nicht deswegen, damit sich einige Herren die Zeit vertreiben. .her mit einer ollgemeinen Lohnerhöhung und dem Achtstundentag für Schichtarbeiter! 25 Jahre Gauleiter im verkehrsbunü. Am 18. Oktober kann der Genosse August Gebert auf eine Sssjohrige Tätigkeit als angestellter Gauleiter beim Deutschen Ver- kehrsbund zurückblicken. Schon in frühester Jugend stellte Gebert in Hamburg seine ganze Perjon in den Dienst der Arbeiterbewegung, bis ihn der Bundesvorstand seiner Organisotoin nach Berlin berief. hier kaum festen Fuß gefaßt, mußte er den Posten eines- Gaulefiers für. die P r o v i n z Braridcnb ur g üb-srnehnieti. Nicht allein- in seiner Gewerkschaft, sondern in ollen mit dieser verbundenen Institutionen hat Gebert als Pionier seinen Mann gestanden. Auch am Porteileben nimmt der Jubilar noch heute regen Anteil. Seine engeren Parteigenossen haben ihni dos Amt eines Bezirks-»nd Stadtverordneten aufgetragen, welche Aufgaben er neben seiner ge- werkschastlichen Tätigkeit im Sinne seiner Wähler löst. Möge dem alten Kämpfer noch mancher Sieg im gewerkschaft- lichen und politischen Leben beschieden sein. Eine versanöete öeweguna. Nach der Funktionärkonferenz der VBMI.-Botricbe. Von einem Funktionär des Deutschen Metallorbeiterverbandes wird uns geschrieben: Di« Berliner Metallarbeiter und ihre Funktionäre haben jedes- mal, wenn sie bei Abstimmungen der parteipolitischen Demagogie der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbondes, die gleich- zeitig Mitglieder oder Mitläufer der KPD. sind, solaien, nach ganz kurzer Zeit erkennen müssen, daß sie sich selbst dadurch den größten Schaden zufügten. Die Abstimmung bei der letzten Funktionärkonferenz wird nach ganz kurzer Zeit wieder den Nach- weis liefern, daß die Arbeiter der VBWI.-Betriebe persönlich und wirischaftlich die Nachteile zu spüren bekommen. Es ist um so mehr ocrivundcrlich, daß die Funktionäre den wohlgemeinten Rat der Beauftragten des Metallkartells nicht folgten, trotzdem den Argumenten des Metallkartells für die Anrufung des Schlichtungs- ausschusses irgend etwas an sachlichen Gegenqründen nicht entgegen- gesetzt worden ist. Zur Erklärung dieses Vorganges müßten allgemeine Gründe maßgebend sein, die sich die Kommunisten aus der Funktionärkon- serenz bemüht haben, mit möglichster Entstellung darzulegen. Bor allen Dingen wurden als Beweismittel für die unbedingte Schädlich- keit der Anrufung des Schlichtungsausschusses von den Kommunisten die Vorgänge geschildert, die sich bei der Straßenbahner- und hochbahncrbewegung durch den Schlichtungsausschuß abgespielt haben. Die Gerechtigkeit erfordert anzuerkennen, daß der Schlichtungs- ausfchuß bei diesen beiden Streitfällen über Arbeitsverträge mitzu- wirken und zu entscheiden hatte, die für die in den DBMI.-Betrieben stehende Arbeiterschaft jedenfalls noch für eine sehr lange Zeit als ein erstrebenswertes Ideal betrachtet werden muß! Aber auch der neugefällte Schiedsspruch für die holz- Industrie zeigt, daß der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin im Interesse der Arbeiterschaft durchaus tätig werden kann, wenn in dem sich im Streit befindlichen Wirtschaftszweige eine starke Arbeiterorganisation vorhanden ist. Es soll hier nicht der Ort sein zu untersuchen, wie die orgoni- satorischen Voraussetzungen in den BBMI-Betrieben liegen, ober es sollte im Lause der Zeit zur unverrückbaren EekennMis eines jeden Funktionärs geworden sein, daß hauptsächlich das unheilvolle, die Arbeiterschaft oerwirrend« und abstoßende Auftreten der Kom- munisten in den wirtschaftlichen Versammlungen der Arbeiterschaft diesen organisatorischen Zustand geschaffen hat. Diese für die Arbeiterschaft lo verderbliche Methode war auch hauptsächlich maß- gebend hasür, daß 1924 das- Metallkartell den Funktionären den Rat gab, den damals vorliegenden Schiedsspruch abzulehnen und den tariflosen Zustand in Kauf zu nehmen. Die tariflose Zeit hat nun einem sehr großen Teil der in den BBMJ.-Brtrieben beschästigten Arbeiterschaft die Augen geöffnet, was ein solcher Zustand für sie bedeutet! Nämlich Ausschaltung jedes Mitwirkungs-.und Bestimmungsrechtes bei der Regelung der Lohn- und Akkordverhältniffe. Wenn auf Grund des Vorhergesogten die Schaffung eines Lohn- tarifes eine wesenllich verstärkte Einsluhrkahme und Mitbestimmung bedeutet und vorläufig kein anderer Weg zur Erreichung des Tarif- zustandes gegeben ist, müßte das Metallkartell aus tiefster Ueber- zeugung der Funktionärkonferenz die Anrufung des Schlichtung?- ausschusses empfehlen./ Nachdem die Funktionäre dem gutgemeinten Rot des Kartells nicht gefolgt sind, hat der BBMI. dos von ihm während der Der- Handlung nur mühsam verschleierte Strehen. den Lohntarif nicht zur Tat werden zu lassen, und damit die vollkommene Freiheit sür die Gestaltung der Löhne und Berechnung der Akkordpreisc für seine Mitglieder zu erhalten, bedingungslos erreicht. Der Verband Berliner Mctallindustrieller wird den Kommunisten auch diesmal wieder für die glänzende Unterstützung den besten und tief- gesühltesten Donk wissen. Zur wleöereinstellung üer SrauereZarbeiter. Roch den Bestimmungen des für verbindlich erklärten Schieds- spruches Absatz 3 erfolgt die Einstellung entsprechend den tech- nischen Notwendigkeiten der Betriebe und den Anforderungen der Betriebsleitung. Sie beginnt nach Ahbruch des Streiks und soll spätestens in einer Woche durchgeführt sein. Die Arbeiter werden als ständige Arbeiter eingestellt. Wie wir erfahren, sind aus der Brauerei Löwen- Böhmisch sämtliche während des Streiks eingestellten Arbeits- willigen, 40 an der Zahl, am Tage der Wiederaufnahme der Arbeit durch die Streikenden, sofort entlassen worden. Am heutigen Dienstog werden die F lasche nbiersahrer ihren Dienst wieder antreten. Damit sind hier alle Streikenden restlos wieder eingestellt. Anders sieht es in den Schultheiß- Betrieben ans. Die Wiodereinstellung der Streikenden wird erst am nächsten Montag erfolgt sein. Den wieder eingestellten Streikenden wird hier von den Vorgesetzten„empfohlen, die noch im Betriebe stehenden Arbeitswilligen nicht zu„belästigen" und in Eintracht mit ihnen zusammenzuarbeiten.(!) Trotzdem muß den wieder eingestellten Streikenden dringend empfohlen werden, sich von jenen Leuten nicht provozieren zu lassen, um nicht der Brauerei Gelegen- heil zu geben, aus anderen Gründen gegen sie vorzugehen— nicht deshalb, weil sie gestreikt haben. Einen eigentümlichen �Standpunkt nimmt die Schloßt brauerei Schöneberg ein. Ohne genügend Streikende am Montag einzustellen, verlangte sie, daß am Abend drei Ueber- st u n d e n von den inneren Betriebsarbeitern gemacht werden. Warum verlangt man Uebcrstunden, obwohl der größte Teil der inneren Betriebsarbeiter noch nicht wieder eingestellt worden ist? Würde man sofort genügend Leute eingestellt haben, wäre eine derartige Maßnahme doch überflüssig. Solange nicht wieder ein Betriebsrat gewählt sst, haben die Arbeiter keine Gelegenheit, der- artige llnftimmigkeiten durch Verhandlung mit der Direktion abzv- stellen. Die betreffenden Arbeiter haben sich nun an ihre Organi- sation gewandt und sie gebeten, mit der Direktion zu verhandeln, und sie zu öeranlassen, solange sie noch nicht alle inneren Betricbsarbeitcr wieder eingestellt hat, keine Ueberstundcn zu fordern. Ueber den weiteren Verlaus der Wiedcreinstellungen werden wir fortlaufend berichten._ , Berliner Gewerkschaftsschule. Heute beginnen folgende Kurse der Berliner Gewerkschaftsschule: Im Leibniz-Gymnasium, Mariannenplatz: SO. 4. Die Frau im Erwerbs- und Berufsleben. Lehrer: Gertrud E l l e r t. Anfang: IS Uhr. SO. 13 Arbeitsgruppe Soziolpolilik für Anfänger. Lehrer: Dr. Solomon Schwarz. Ansang: 19 Uhr. Im Unter- richtsraum der Berliner Gewerkschaftsschule, Engeluser 24'25. 2. Hof, 1 Trevpe rechts: Gew. 9. Betrieb-wirt- fchaflliche Arbeifsgruvve für Forlaefchrillene III. Lehrer: Fritz Fricke. Anfang: 19 Uhr. Im Sophien-Lyzeum. Wein- meisterftraße 16.17: S. I. Arbeitsrechtliches Seminar. Lehrer: Finanzrot Fritz Schönbeck. Anfang: 17% Uhr. Verhandlungen mit den Rcichsarbcitcrn. Der Reichsfinanzminister hat am Montag an die Toriskontrahenten der Reichsarbeiter E'nladungen zu einer Besprechung am Mittwoch, dem 19. Oktober, vormittags 10 Uhr, ergehen lassen._, Abschluß km rheknischen Sraunkoklenbergbau. Der für den rheinischen Braunkohlenbergbau ge- fällte S ch i e d s s p r uch zur Neuregelung der Arbeitszest ist vom Reichsarbeitsminister verbindlich erklärt worden. Die Verbind- lichkcitserklärung war von den Arbeitern beantrogk worden. Abkommen für die Hüttenindustrie üer Gberpfalz. Für die oberpfälzische Hiittenindlistrie wurde vor dem bayerischen Landesschlichier ein neues Lohn- und Arbeitsobkommen abgeschlossen. Der Schlichter hatte die Parteien wegen eines Mehr- ariicitszeitabkommens geladen: bei dieser Gelegenheit wurde gleich- zeitig zwischen den Parteien über die strittige Lohnfrage verhandelt und nach achtstündigen Verhandlungen eine Einigung erzielt. Das Ergebnis ist: ob 1. Oktober wird eine Lohnerhöhung von 5 P f. pro Stunde für Arbeiter über 23 Jahre bei einer Laufdaucr der Lohntafel bis zum 31. August 1928 gezahll. Di« Arbeits- zeit wird ab 1. Januar 1928 um zwei Stunden pro Woche g e k ü r z t. Die Akkorde und Lehrlingssätzc werden in gleichem Ausmaß wie die Löhne erhöht. Mit dieser Vereinbarung wurve ein Streik in der ober- pfälzsschen Hüttenindustrie, der bereits vor der Tür stand, ver» mieden. Tympathicsstreik der Warschauer Bankbeamten. Di« Bankbeamten Warschaus treten heute Dienstag in einen eintögiaen Sympathiestreik zur Unterstützung der Forderungen der Warschauer Diskontbank, die sich schon seit ungefähr drei Wochen in einem scharfen Lohnkompf befinden. Der Exekutioausschuß der Bergarbeiter-Iniernalionole wird am 20. Oktober in Warschau zusammentreten, um zu der S t r« i kl a g e im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau Stellung zu nehmen. Als Vertreter des Deutschen Bergarbeiteroerbandes nimmt Dr. Derger an den Verhandlungen teil. Funktionäre der Holzindustrie! Seilt«. Diemt-P, 1« Uli«, ist im(ScmcttfifafUtaiM. Sani 4, eine aHqemcinc Fuaktioiiörvcrsammlong. Zeder Zii»lti«»»r ist I>er»slichtet ftn erscheinen. i Achtunq, SPD.. Fraktion des Bezirksamt« Lichtenberg! Am Mitt- woch, 19. Oktober, IS Uhr, bei Wegener, Frankfurter Allee wich- F4 tigss Bersammlunq aller SPD.-Arbeiter,.Anpellrllten und-Beamten. r? Tagesordnung:„Die ArbeLtnehmerpoNtlk der Stadt Berlin." Neferent Rf Genosse Otto AI ose. Regen Besuch erwartet Der Fraktionsvsrstand. sp ssrei»®tBCrt((?«tt»iiiflerd Srng-Berli,. Heule, Igenstoji, Uhr, lagen d!» Sirupucn: Krautfiirte» Allee: Kruvpenheim stadlisches Jugendheim Litauer Ctrage>8, Zimmer 3. Dorlraq:„Berufsschule und Schliierrätc/— Landsberger Plag: Kruppenhcim Dieslelmeuerstr, n. Glaßbrenner-Abend.— Lichtenberg: Srupnenheim Jugendheim?ssscst-, 22. Bortrog:„Die Stufen der Zivi- lisation,"— Treptow: Gruppenheim Schule Wildsudruchstr, SZ•'><(Sortjiinmcr). Bortrag:„Bon dem Ziougreg des IG?, in Paris,"- Brih: Druppeiihcim Chaussee- iilke S-anncmannstrahe, Diskussion:„Die Gcwcrtslliaftrn— unser Schirm und Schild,"— Huwbaldt: Jugendheim Lorhing- Cckc Eraunstraße, LIlt.Berliner Humor.— Schönevn-ide: Zugeudhe'm Laufener Str. 2(Boter Saal). Borlesung aus„Bub und Mädel",— Siardlr«!»: Ab 20 Uhr im Zuaend- h-im Älcimftr. 35 Kursus„Sewerlschaktliche Jugendarbeit— Sewerkschaftliche Jugendbewegung." Zugerbprupv« de» ZdA. Heute, Dienstag, Tnrnabend von 20—22 Uhr in der Turnhalle der Schule Baruther Str. 20 lLeiwng Lehrer Schran). Turn- fachen mitbringen. Berantwortlich für Politik: Dr, Curt Gcger: Wirtschaft:®. filinrertöfc"; Eeroc rkschastadeweguna: irr. fthlvt«; Zevillelon Dr. Zahn Schiiowski: Lokales: und Sonstiges: steisi Karstadt: Anzeigen: Th. Sloile: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwäris-Bcrlag S m d H,. Berlin Druck: Vorwiirts.Buchdrnckeret und BerlagsanNal' Paul Singer v Co Berlin SB 88 Lindenftrzge 3. Hierin 2 Beilagen und..Uoterdalwna und Willen' | Sophien- Säle] ( Sophiensir. 18* Korden 9296 u. 12643 � LFttr Vereine und Versammlungen ♦ In jeder Größe Das Grünfeld-Hcmd ist das führende Herrenhemd. Es zu tragen, gilt als Zeichen guten Geschmacks und gediegener Vornehmheit Die Ursache der allgemeinen Zufriedenheit: der bequeme Sitz, die reichlichere Länge und Ärmel- und Rumpfweite; an Stoff ist nicht gespart Der überwiegende Teil aller Grünfeld- Hemden ist mit Ersatzstulpen versehen.— Sie werden immer hören, daß der Herr im Grünfeld- Hemd gut angezogen ist— Kommen Sie zu mir! Es wird mir ein Vergnügen sein, Sie davon zu überzeugen. Landeshuter Leinen- TT\/ TD II MCTCT Fl BERLIN W8 I KÖLN a-RH und Gebildweberei*• V• lA. w IM 1 L-< 1—< Ls Leipziger Str. 20-22 1 Krebsgasse 11-17 flr. 492» 44>?l>hrg»ng 3 ♦ OC0 �0PÖ?O?t0 Dienstag, 1». tdktobee 1927 D00 billige Kleidchen. In der Werkstatt der Schneiderinnen. Die Kunstseide als ein Späizeborenes der Damenmod« tritt uns steitte als erwachsen, stark und eigenwillig entgegen und will in der Schar ihrer älteren schöne» Geschwister gewiß nicht aus dem letzten Platz stehen. Niemand sieht dem hüdschen Geschöpf, das l'an vielen Liebhabern umschwärmt wird, die mickerigen �inderjohre mehr an. Sie hat van ihren Erzeugern, der lech- nischen und chemischen Industrie, zu viel gesunde Anlagen, zu viel praktische Gegenwartswerte und zuletzt ein«, ziemlich reiche Mitgift i nlbekommen, was sie in den Stand setzt, sich für die etwas st i e f- inütterlichc Behandlung während ihrer Kinderjohre zu rächen. r�ie Kunstseide war bereits ein sehr kräftiges Kind, als sie gebaren »vuirde, und für technische Textilien wurde sie sofort gebraucht, »'der ihre rechte Mutter, die Mode, genierte sich dach, den seltsamen trprnß, dessen Stoff aus dem cholz der deutschen Wälder gewonnen >>rd. als ihr Kind anzuerkennen, was bei der koketten Dame nicht •tiunber nehmen kann. Dafür beeilt sich, seit man die Vorteile der / unstseide erkannt hat, alles, ihr seine Reverenz zu machen, ganz k esonder? ist sie auf dem besten Wege, der älteren Schwester, der «- ch t e n Seide, den Rarg abzulausen. Schönheit und Oilligteit. Dach lasten wir die elwas dunklen Fainilienverhältnisse im /muse der Made beiseite und feben lieber, wie sich die Kunstseide als veve Niadeschöpfilirg präfentiert Sie tritt uns hier als vollständig f'lbständiges und ailsgereiftes Produkt entgegen, dem wesentliche �Verbesserungen kaum mehr zugesügt werden löiinen. da? «wer durch die Beränderulig seiner Berarbeltungsinnglichieiten zu täglich neuen ll e b e r r a s ch u n g e n führt. Als Ersatz sür die teure Naturseide ursprüngliel, gedall>l. mit ihr verwandt im chemischen Er- xengungsvOrgang, von ähnlichem Aussehen und ebensolchem Glanz, i bertrissl sie die Seide doch ostnmls a» Schönheit und immer an Billigkeit. Bon Billigkeit kann man ia bei Naturseide nicht sprechen, dach die Kunstseide verschenkt sich gleichsam an alle Menschen, die Kleidung tragen Sie ist das Material, das das kultivierte Schönheitsverlangen breiter Masten befriedigt. Ihr sladen läßt sich mehr noch wie der der seid« zu den mannigfachsten < lewehen verspinnen, zu T r i k o! st o s s e n ebenso wie zu olalten oder in Muslern gewirkten, sie läßt sich mil Wolle und anderen Materialien zusammen verweben, wobei die andere» Stosfarlen meist auch an Haltbarkeit und Billigkeit gewinnen. Ja, es ist ei» offenes Geheimnis, daß die eleganten seidenen Gesrilschosts. toben bis zu 90 Prozent aus Kunstseide beslehen. Denn genau so wie Seide befitzt sie das Weiche und Anschmiegsame, das„Griffige" im Stoff, das die„schlanke" Linie der heutigen Mode besonders bei gewirkten Stoffen betont. Es wird ihr naehgerühmt, daß die Farben, die sie annimmt, leuchtender und freudiger heraus- kommen als wie bei anderen Stoffen, z. B. naturseidenen. Die Industrie wollte ihr längst schon einen anderen Namen geben, man nannte sie„S i v a" seide und anders, doch allen Behelfen zum Trotz bewährt sich der Name„Kunstseide", mit dem sie an- spruchslvs und doch dos Nichtige treffend vor den Käufer tritt, der von ihrer Brauchbarkeit f e ft überzeugt ist. 3ßemi es auch Jahre bedurfte, ehe das Vorurteil gegen den Stoff Kunstseide schwand. Es war größtenteils ein Berschulden des konkurrierenden Marktes, der das billige neue Produkt schlecht verarbeitete. Die Kunstseide wäre beinahe an Unterer Währung, d. st. an einem zu dünnen Faden und zu losem Gewebe gestorben. Das in der Sloffkunde bereits geschulte Publikum mußte longsam wieder an bessere Qualitäten gewöhnt werden, an die Feinheit und Dichtigkeit des Gewebes. Die deutschen webslossobriken liefern heule durchweg nur noch gute Qvolitälen: es lohnt sich nicht mehr. bei dem billige» Bohprodukl zn schleudern und das Publikum weiß Bescheid! Verbesserungen im Web- und Wirkverfahreu, die Technik Mit ihren Farben und Mustern, erschließen täglich der Kunstseide neue Verwendungsmöglichkeiten. England verarbeitet bereits Kunstj.eidenejsekte seine berühmten H er r e n st o f i e hinein, besonders in den modernen Stoiielt, J.n Amerika wird die Unterwäsche der. Herren auch au? Kunstseide hergestellt, well sie die angenehme Eigenschaft besitzt, im Sommer nicht wie die Seide zu Hitzen. In Deutschland stoben diesen Vorteil bisher nur die Damen erkannt. Sie schwelgen dafür um so mehr in seidenen Dessous, seidenen Strümpsen. Hüten ttiist seidenen Qberkleidern. alles auf dem „Baum der Kunstseide" gewachsen, wo? wörtlich angewendet werden kann. So trifft es vollständig z», wo? in einer neuen Moderenue doppelsinnig gesungen wird:„Akil kunslsride hat bei uns schon mancher Seide gesponnen!" Oer gro�e Siegeszug. Die Voraussetzung für die Lebenssähigkeil dieser großen Industrie, die Tatisende nog Menschen in ihren Dienst spannt, tst natürlicherweise dos Eindringen der Ware in die Tkkosse der Käufer, wazu sie wegen ihrer Billigkeit auch berufen ist. Die Fabrikanten der„Großen Konfektion" haben dem Umstand Rechnung getragen und. um vielleicht das Risiko der täglich sich abläsenden Neuheitenjagd zu oermindern, hoben einig« schon ihren Wirkereien Konsektions- schneidereien angegliedert, in denen sie nicht nur wie bisher Damen- wüsche, sondern auch Domenobcrkteidung. wie Jumpers. Blusen und Kleider und dergl. selbst herstellen. Auf S p! n d e l m a s ch i n e» wird das Rohprodukt, das wie seidige weiße Wolle in Zöpfen aus- gereiht ist. aufgespult. Di« Spulen mit den verschiedenen Färb- säden oder Stoffmatcrialien gelangen aus Rundwirkmajchinen. die de» Arbeitsprozeß ungemein vereinfachen, läßt sich doch die Be- dienung von süns bis sechs Maschinen durch«ine Person bemerk- stclligen. Das Gewebe guter Qualität benützt zwei Faden, wobei der eine etwaige Knoten und Enden des anderen überwirkt, so daß«in Reißen oder Verändern des Stoffes gar nicht möglich ist. In eigenen Aleliers wird an lebenden Modellen von ersten Künstlern auf ihrem Gebiete der Modelyp geschossen, er wird aus größeren Vorlagen und Entwürfen dem Modegeschmack angepaßt. Es wird auch gerechnet und mit der Schere kalkuliert, d. h. es wird an weniger sichtbarer Stelle eine Falte oder Besatz weniger ange- bracht und an sichtbarer Stelle ein Tupfen mehr, der die Wir?,:»i An der Wirkmaschine. erhöht. Zuletzt Ist da?„billige Wadekleid" fertig, das feinen Siegeszug durch d>e Konfektions, und Warenhäuser antreten kann, vartävsig jedoch erst als kNusterkle'd, das in großen Schneider ftuden, in denen junge geschickte Hände an elektrisch betriebenen Nähmaschinen arbeiten, gefertigt wird. Je nach Wohl macht ein Kunde nun aus den Mustervorlaoen Bestellunaen bis zn ölly Stückt man kann daraus ermessen, wie dieser Massen k o n s>i m der Kunstseidenkleider den ganzen Markt beherrscht. Bedeutet dieser Zuschnitt auf die große Masse auch im gewissen Sinne eine U n i f o r in i c r u n g der Frauenkleidung, so tritt di»|e doch kaum in Erscheinung, denn die zahlreichen Barieläten schassen genug Abwechslung, so daß auch verwöhnteste persön- lichc Gösch mnck befrie.digt werden kann. Nur in den 9\cman von Fjodor Glndkoro. „Bitto jammern Sic nicht, Genossin!... Zoigen Sic, mas Sie können, aber jammern Sic nicht. Zammcrn pt nicht das Wsfentlicho... ..Gewiß, gewiß. Genossin Tschumaloma!... Es ist so gut, so angenehm, init Ihnen zusammen zu arbeiten.... Gljeb knirschte mit den Zähnen. Dascha ging in alle Ecken, sah überall hinein, murde ungeduldig, ging in die Zimmer des Personals. „Ach soooo!... Warum sind die lotuhle, Fauteuils, Sofas in diesen Kammern? Ach, und hier sind auch Vln- inen, Bilder, Statncn... und so weiter.... Ich habe doch gesagt: man darf den Kindern nichts wegnehmen. Das ist unerhört!... Glauben Sie, es wäre den Kindern i nangenehtn, sich auch manchmal ans Sofas oder Teppichen berumzuwälzen? Und Bilder haben sie auch ganz zfern.... So etwas darf�mcht vorkommen!..." „Ia, wissen Sie, Genossin Tschumalowo, gefbiß, Sie haben recht... aber die pädagogische Praxis... die Ideologie.... Das ist schädlich... das züchtet nur Faul- heit... Staub und Ansteckungsgefahr...." In den Augen der Verwalterin zitterten dünne Nadeln, und Dascha sprach ohne sie anzusehen, mit derselben harten Stimme, und auf ihren Backenknochen brannten rote Flecke. „Ich spucke auf eure Praxis! Unsere Kinder haben bis jetzt wie die Schweine in Höhlen gelebt. Gebt ihnen nur Bilder und Licht und weiche Möbel.... Alles muß man ihnen geben, alles, was wir nur können.... Den Klub schön einrichten, schmücken.... Sie sollen essen, spielen und stich viel mit der Natur beschäftigen.... Für uns— nichts, für sie— olles Und wenn mir uns in Stücke schneiden »nützten, sterben»ruhten, aber ihnen müssen wir alles geben. Und damit das Personal nicht faul ist, müßte man es in schäbige Löcher pferchen.... Streuen Sie mir nicht Sand in die Augen, Genossin: ich verstehe auch manches andere ... außer ihrer Praxis...." Und die flinke, bunte Maus glänzte mit ihren goldenen Zähnen und lachte entzück! luitd in ihren Augen spielten Jcharf0 Nadeln) „Nun, wer zweifelt denn daran» Genossin Tschumaloma? ... Sie sind eine seltene Frau, rücksichtsvoll und feinfühlig. Unter ihrer Leitung wird alles gut, alles vorzüglich sein." Und als Dascha fortging, umarmte sie wieder Njurka, liebkoste sie, mid wieder klebten die Kinder, mit ihren Vogel- stimmchen zwitschernd, an ihr. Und wieder sah Njurka Gljeb nachdenklich an. „Willst du nach.Hause, Njurotschka. Wirst dort spielen, wie früher.... Und Voter und Mutter.. „Wo ist zu.Hause? Mein Bettchen ist hier. Wir haben jetzt gerade Milch getrunken und werden marschieren, mit llNusik." Und zum ersten Male umarmte sie Gljeb schüchtern und weich und in ihren Aeugelein(Mutters Augen) glimmten Funken einer unbeantworteten Frage. Und vom Heim bis zur Landstroße schwieg Dascha, und in ihrem Gesichte spiegelte sich die noch nicht erkaltete Zärt- lichkeit. Auf der Straß? sagte sie, es klang aber so, als ob sie zu sich selber, nicht zu Gljeb sprach: „Die Frauengruppe hat viel zu arbeiten. Nicht Kinder zu bearbeiten... ach, wir müssen diese verfluchten Weiber bearbeiten... Wenn wir nicht Augen und Hände hätten, i würden sie alles, bis zur letzten Krume, ausplündern.... Selber sind sie... wie Knechte!... Ach!... überall sind Feinde, ach, wieviel Feinde!.... Die mit den Goldzähnen, die müssen schon so sein... aber unsere... unsere... Gljeb, wie Knechte!... Was denkst du über eine Requisition, Gljeb?" Das Parteikomitee. 1. Genosse S ch u k, der alles aufdeckt. Der Palast der Arbeit stand als zweistöckige Ziegel- kaserne an dem User neben den schwarzen Pfählen, die längs der Bucht lieben. Eine Vetonmauer zog sich wie ein ge- wundenes Band von beiden Seiten der Fassade und schnitt das Ufer vom Eijenbahngelände ab. Durch die Löcher und Risse der'Mauer sah man. wie die eisernen Sehnen der rostigen und abgefahrenen Schienen sich wie Saiten weiterzogen, sich ineinanderflochlen und verzweigten. Mehl- mägazine breiteten sich schwer und wuchtig bis zum Bahnhofe aus, und in der Ferne, von den Abhängen des Vor- gebirges, schauten streng die alten Türme und die mit Moos bewachsenen Spitzen des Elevators herunter, und dieser, feurig und glühend, schien unter den Bergen selber ein Berg, ein unzugänglicher Tempel. Aus dem Pflaster, die Mauer entlang, dröhnten die Wagen, und die grauen Massen der Häfen mit den zytlo- pischen Ringen zum Festmachen der Ozeandampfer»nd der im Schutthaufen der zerbrocheneu Waggons klingende Glanz der Schienenstränge schnitt die Bucht in steinerne Quadrate entzwei. Und in der Ferne, im Dunste des Frühlingsnebels spielt der Hafen mit rcgenbogenforbenen Schleiern, und weiße Segelboote der Fischer blitzen wie Möwen auf. Delphine schinnnern mit ihren Sticrrücken und die Meer- äschc glänzt wie Silber in der Sonne. Trauernde Londungsbrücken, hungriges Meer. ... In welchen Gewässern und Ländern irren die ver- schleppten Schiffe herum?... Reben dem Palast der Arbeit, vor dem Portal mit der hohen Pyramide der Stufen, ist ein Blumengarten mit Kastanien. Aber es gibt keine Blumen mehr, die Kastanien sind verkrüppelt, und der Zaun ist auseinandergerisscn zum Heizen. Statt Zierblumcn— Sonnenblumen, und die Schatten der Bäume sehen wie braune geknickte Pilze aus. Aber man sieht deutlich, wie hoch über dem Dache, aus den roten Schwin- gen der Fahne sich wie weiße Kamillenblüten die Zeiche« j„RSFSR" anzünden und wieder verlöschen. Kreuzartig schneiden sich zwei Korridore: einer führt geradeaus in den Sitzungssaal(rote Fahnen bluten durch die offenen Türen), der andere mündet rechts und links in zwei dunklen Löchern. Rechts ist das Partelkomitee— links der Facharbeiterrat. Bon dem überhitzten Dunst war die tabakdurchtränkte Luft schwer und schmutzig. Und die Wände sind schmutzig, mit Spülwasser bespritzt, fleckig, die Stukkatur aufgerissen. Plakate, Menschen in schwarzem und gelbem Leder gekleidet, mit Aktentaschen, und Menschen... einfach Menschen, zer- fetzt, in Bauernstiefeln oder barfuß(der März lief gerade die Berge hinunter, ober es war warmj. In der Ferne und in der Nähe, in den Korridoren, in den Zimmern singende Stimmen. Stiefelgetrampel. Klatschen von nackten Füßen und dos Knacken der Gewehrverschlüsse in der Abteilung der Tscheka. Gljeb ging durch den Korridor noch rechts. Bor der Glastür des Parteikomitees standen zwei Männer. Beide schnitten sich deutlich mit ihren flachen Profilen in die matten Vierecke der Scheiben hinein. Eines war kahl mit türkischer Nase. Die Oberlippe kurz, der Mund in einem Lächeln halb geöffnet Das andere stumpfnasig, mit niedriger Stirn, die in der Mitte scharf geteilt war, und dickem Kinn, das wie eine Faust herausstach. (Fortsetzung folgt.) großen Anzeigen der Z e! t u n g e n zeigt sich eine Uniformierung in den Preisen, besonders bei den beliebten Sonderangeboten und Saisonverkäufen. Um 50 Pf. Ersparnis beim Einkauf laufen sich da die Frauen die chacken ab. Es ist schließlich auch das Verdienst der Kunstseide mit, die wenig disferierenden Preise der Modeartikel beeinflußt zu haben, wodurch sich der Bekleidungsetat einer Familie besser ausbalancieren läßt. Ohne den Mossenobsatz wäre die Kunstseideninduftri« nicht zu denken, die— eine dichterische Schöpfung der Technik— im Dienst« des praktischen Bedarfs, der Schönheit und des Frohsinns das neue Zeitbild mit zu gestalten Hilst. Oer neue Droschkentarif. Nachdem der Magistrat dem Entwurf einer Bekanntmachung betresscnd die Fahrpreise der Kraft, und Pferdedroschkcn zugestimmt hat, ist ihre Veiösfentlichunq gestern vom Polizeipräsidenten an- geordnet morden. Die Berechnung der Fahrpreise erfolgt daher künftig nach einem K l e i n t a r i f oder einem G r o ß t a r i f, der dem bisherigen Mitteltarif entspricht. Zum Klcintarif müssen alle Kleindroschken fahren, zum Kleintaris können ferner alle Mittel- droschkcn fahren, zum Großtoris müssen alle Droschken fahren, für die der Kleintarif nicht zur Anwendung kommt. Die zum Kleintarif fahrenden Kraftdroschken dürfen nicht mehr als zwei erwachse!, e Fahrgäste befördern. Nach der in diesen Tagen erscheinenden Bc- sanntmachung über Art, Beschaffenheit und Ausrüstung der Krast- droschkcn darf serner das Eigengewicht der Kleindroschken 1000 Kilogramm, der Mitteldroschken 1300 Kilogramm nicht übersteigen, doch wird für die bereits zugelassenen und bis zun, 1. April 1928 noch zur Zulassung kommenden Kraftdroschken ein Mehrgewicht von 150 Kilogramm erlaubt. Der Magistrat hat zwar die Auffassung vertreten, daß das Eigengewicht der Kraftdroschken bei der Tarif- einteilung auszuschalten sei. Diesem Wunsche konnte jedoch nicht entsprochen werden, da dies die Grundsätze des Ministeriums, die für das Droschkenwesen vor einiger Zeit aufgestellt sind, iricht zu- lassen, und da auch— insbesondere aus Grund der Feststellungen der Tarifkommission— der Nachweis erbracht ist, daß die An- wsndung des Kleintorifs für Großdroschken unwirtschaitlich ist. Es muß nach Lage der Verhältnisse befürchtet werden, daß sich bei Wegsall einer Gewichtsgrenze so viele mehrsitzige Droschken auf den Kleintarif umstellen, daß die Nachfrage des Publikums noch mehr- sitzigcn Droschken künftig nicht mehr befriedigt werden kann. Für den Kleintarif gelten nunmehr folgende drei Taxen: Taxe 1 sür die Beförderung von einer erwachsenen Person am Tage. Tax« 2 für di« Beförderung von zwei erwachsenen Personen am Tage. T a x e 3 für die Beförderung von ein bis zwei erwach- s e n c n P c r s o n e n zur Nachtzeit. Im übrigen tritt keine Verändern,� der geltenden Bestimmungen ein. Auch eine Aenderung der Taxameteruhren ist nicht erforderlich. Diejenigen Kraftdroschken, dix zu einem Tarif fahren, der mit der neuen Regelung in Wldevsvvuch steht, müsien die Aenderungen bis zum l. Dezember 1927 durchgeführt haben. Ein Totschlag in üer Silvesternacht. Zwei Zsalirr: für den Mann, der seine Braut ertränkte. Bor dem Schwurgericht ll hatte sich gestern der 25jöhrige Buchhalter Rudolf Greiling aus Köpenick wegen vorsätzlicher Tötung seiner Gelwbtcn, der 25jährigen Frieda Thonke, zu verantworten. Es handelt sich um jenen aufsehenerregenden Borfall in der Silvester- „allst. Greiling hatte das junge Mädchen auf der D a in>„ b r ü ck e in Köpenick plötzlich unter die Arme g'faßt, über das Geländer gehoben und in die Spree geworfen. Er war dann selbst in voller Bekleidung nachgesprungen. Sein Opfer war jedoch schon in den Fluten versunke», Di< Leiche wurde erst am 21. Februar angeschwemmt. Der Angeklagte selbst hatte sill, im Wasser an einen Balten geklammert und konnte gerettet werden. Die Anklage nimmt an, daß Greiling die Tat aus Eifersucht oerübt Hot. Das seit VA Jahren bestehende 'Verhältnis der beiden war in letzter Zeit stark getrübt gewesen. Frieda Th. soll sich aus ihm zuletzt nicht mehr viel gemacht haben. und es kam daher oft zu Eifersuchtsszenen. Etnmal hatte er im Dezember in Zeugongegenwart gedroht, es passiert etwas. Auch in der Siloestcriiachl war es zu Zwistiqkcite» gekommen. Auf der Brücke hatte Greiling sie festgehalten und zehn Minuten auf st? eingesprochen. Während die Begleitgesellschaft dabeistand, hatte er sie plötzlich ins Wasser geworfen. Der Angeklagte erklärte bei seiner Vernehmung, daß er infolge des starken Alkohol» gen ussessich aus dieVorgänge nicht besinne. Erst im Wasser sei er zur Besinnung gekommen. Die Aeußerung habe er einmal gemacht, aber sich nichts dabei gedacht. Medizinalrat Dr. Stürmer verneinte, daß der Angeklagte sich in einem pathologischen Alkoholrausch befunden habe. Er sei sür die Tat verantwortlich. Staatsanwalt Dr. Steinhirt machte dem Angeklagten zum Vorwurf, daß er mutwillig ein blühen- des Menschenleben zerstört habe. Ein Mensch, der weiß, wie der 'Alkohol bei ihn, wirkt, müsie sich besonders in acht nehmen. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre 0 Monate Gefängnis. Justizrat Dr. Löwenstein und Rechtsanwalt Dr. Fritz Cohn besiritten, daß ein Borsatz vorgelegen habe. Man könne nur mit einem Unglücks- fall rechnen. Das Schwurgericht stellte sich aus den«tandpunki des ctoatsanwalts und verurteilte Greiling wegen Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Jahren Gefäng- n i s bei Anrechnung von sieben Wochen Untersuchungshaft. Raubüberfall i« Charlottenburg. Ein frecher Roubllberfall wurde gestern nachmittag auf die Filialleiteriii einer Vi eyer-Verkaufs stelle in der Wilmersdorfer Straße 172 zu Eharlottenburg verübt. Ein ctwa Löjähriger Mann betrot gegen 14 Uhr den Laden und forderte zwei Flafchcn�Litör. Die Verkäuferin, eine Frau Anna Schulze, hattedie Flaschen bereits verpackt, als der Käufer fragle, ob sie aus einen chundert», artschein auch herausgeben könne. Sie entnahm darauf einer kleinen Kasse mehrere Geldscheine. In diesem Augenblick ver- Das /lutobusunglück in Schöneberg. Ter schuldige Radfahrer zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In, Verlauf des Prozesses wegen des schweren Autobusunglücks in der Hauptstraße wurden nach Beendigung der O r t s b e s i ch t i- g u n g die Verhandlungen vor dem Erweiterten �Schösfengericht Schöneberg in Moabit fortgesetzt. Der gerichtliche Sachverständig« Ingenieur Dr. Heller erstattete solgendss Gutachten: Es handele sich bei dem Unglücksivagen um ei»«» der alten Konstruktion, der sich von den neueren Wagen durch einen höheren Kasten unter- scheide, und einen tieferen Schwerpunkt hat. Dieser linterschied ist jedoch nicht so ungeheuerlich, daß man die alten Wagen mit dem niedrigeren Schwerpunkt als direkt verkehrsfeindlich bezeichnen kann. Allerdiitz�s muß zugegeben werden, daß die oll« Bauart zu dem Umkippen mit beigetrogen hat. Es handele sich hier aber um «inen außergewöhnlichen Borfall im Autobus- verkehr, nieil alle möglichen Umstände zu dem Unfall beigetragen hoben. Der Autobus tzV bei dem Versuch des Führers, einem in bedrohliche Gefahr gekommenen Hindernis auszuwe-chen, in eine Kipplage gekommen. In dieser Stellung kennte der Wogen von dem Führer nicht mehr beherrsch, werden, so Gaß der Wagen geradezu führerlos über die Straße rast« und gegen die Bord- setzte der Täter der Ahnungslosen einen heftigen Stoß vor die Brust und schüttete ihr eine Tüte Pfcsser in die Augen. 2lls die Uebcrsallene sich von den, ersten Schreck erholt hatte, war der Täter unter Mitnahme des Geldes bereits geflüchtet. Frau Sch. erhielt auf der nächsten Rettungsstelle die erste Hilfe. Nach ärztlicher Behandlung konnte sie in ihre Wohnung cnUassen werden. Ein vierteljahrhunüert segensreicher Arbeit Jubelfeier der Heilanstalten Hohenlychen. Für die Hohenlychener Heilanstalten des Bolksheil- stättenvereins vom Roten Kreuz vollendet sich jetzt das erste Viertel- johrhundert ihrer Arbeit. Aus bescheidenem Anfang entstanden, ist dieses Friedens werk des Roten Kreuzes zu eincr Größe und Bedeutung cmporgewachscn, die den Namen Hohenliichcn weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Am Sonn- tag fand in Hohenlychen eine Jubelfeier statt, an der mit dem Bereinsvorftand, den Acrzten und den Schwestern viele Gäste teil- nahmen. Reichs- und Staatsbehörden, Provinziolverwaltung und Stadt Berlin, Versicherungsanstaltei, und Krankenkassen, Acrzte- Vereinigungen, öffentliche und freie Wohlfahrtspflege waren ver- treten. Wieniel im Kampf gegen die Tuberkulose das fünf- undzwanzigjährige Wirken der im Flachland errichteten Heilanstalten Hohenlycyen zur Eindämmung dieser Bolksseu che beigetragen hat. wurde gewürdigt in Reden des früheren Prä- sidenten Prof. Dr. Bumm.vom Reichsgefimdheitsamt, der im Volks- heilftättei, verein Vorsitzender ist, des jetzigen Präsidenten Dr. Hamel vom Reichsgesundhcitsomt, der für die Reichsbehördcn sprach, des Präsidenten von Winterfeldt vom Deutschen Raten Kreuz, des Ministerialdirektors Krone als Vertreter der preußischen wtaats- regierung, des Abteilungsdirektors Prof. Dr. Hossmann als Ber- tretcr der Stadt Berlin und ihres Haiiptgesundhcitsamts, des Medizinalrots Prof. Dr. Lcnnhoff für die Aerztefchaft. Vorträge des Chefarztes Dr. Koch und des Prof. Dr. Kisch berichteten über die Heilerfolge der Hohenluchener Anstallen, über de,, in Lust und Sonne geführten Kampf gegen Lungen- und Knochen- tuberkulöse. Mehrsach wurde des Gründers dieser Anstalten gc- dacht, des verstorbenen Prof. Dr. Gotthold P o n n w i tz. der vor fünfundzwanzig Jahren die Arbeit da draußen begann und sie bis zu feinem Tode unermüdlich gefördert hat. Nach der Feier besichtigten die Gäste die auf dem hundert Morgen großen Waldgclände in vielen Einzelbauten untergebrachten Anstalten, die Heilstätten für k>, o ch e n t u b e r k u l ö f c Kinder und für lungentuberkulöfc Frauen. Der Dolksheil- ftättenoerein, dessen Arbeit in den Jahren des Krieges und der Geldentwertung sehr eingeschränkt werden mußte, ist im Wieder- aufstieg begrifsen und hofft auf weitere Ausdehnung seines segens- reichen Wirkens._ Ein telepathischer Tonntagnachmittag. Am Sonntag nachmittag um'Ai Uhr begann das mit Spannung erwartete telepathische M a s s e n e x p e r i n, e n t im Berliner R„ n d s U n k, das dazu beitragen soll, die violumstriUeiie Frage der Telepathie, die Frage, ob es eine Gedankenübertragung durch uns. bisher unbekannte Mittel gibt, ihrer Lösung näherzubringen. Es wurden im ganzen 12 Einzelversuche von 4 Gruppen zu sc 3 Versuchen vorgenommen, wobei jedesmal eine Ziffer von 0 bis 9, eine der 10 Farben weiß, rot, orange, gelb, grün, blau, violett, braun, grau, schwarz und das Bild eines berühmten Mannes über- tragen wurde. Die Uebertragung ging in der Weise vor sich, daß einer der beiden Versuchsleiter sich in einem Raum, der entfernt von, Aufnahmeopparat liegt und mikrophonsrei ist, sich jedesmal 21-- Mi- nute auf die vor ihm liegende Ziffer, Farbe oder Reproduktion kon- zentrierte, die er selbst erst mittels eines Auslosungsvcrsahrens kurz vor jedem Versuch erinittelte, nicht willkürlich wählte. Die Rundfunkhörer wurden gebeten, sich ihrerseits völlig passiv zu verhalten und sich auf die Ziffer rcsp. Farbe oder Reproduttioi, zu konzentrieren, die ihnen einfallen würde. Dieselbe sollte dann auf eine schon vorher bereitgehaltene Karte eingetragen werden. Das Entscheidende an diesem Versuch war, daß die Versuchsleiter selber sich in verschiedenen Räumen ohne jeden Kontakt miteinander be- fanden, so daß selbst ein unwillkürliches Flüstern einer der Herren von dem anderen nicht gehört werden konnte. Am Schluß wurden die Teilnehmer dieser eigcnariige» Sitzung gebeten, ihre ausgefüllten Protokollbogen mit ihrer Adresse oersehen an die„Funtitunde" zu sende», wo sie der wisseiischastlichen Auswertung durch Graf Arco und Dr. Herzberg harren. Die sich hierbei ergebenden Resultate werden hoffentlich interessant genug sein, um die Rundsunkhörer für ihre Mitarbeit zu belohnen. schwelle stieß. Der Omnibussahrer habe in dieser Situation getan, was er konnte. Dem Mitangeklagten Radfahrer müsse zur Last gelegt werden, daß er nach den Aussagen mehrerer Zeugen dem Omnibus direkt in die Parade gefahren ist. Die Straße ist übersichtlich, und er mußte den herankommenden Omnibus sehen. Für den Autofahrer wäre die Sache aber dennoch erledigt gewesen, wenn der Radfahrer auf das Signal vorfchnfts- mäßig nach rechts ousgcbogen wäre. Polizeihauptmann Fiedler schloß sich im wesentlichen dem ersten Gutachter an. Nach mehr als zehnstündiger Verhandlung venirteilte das Gericht in vorgerückter Abendstundc den Radfahrer Boftelmann als den Alleinfchulöigen an dem Antobusunfall in der Haupt- straße wegen fohrlöfstgcr Körperverletzung zu einem Monat Gefängnis, gab dcni Angeklagten aber, weil er aus Leichtsinn und Unbesonnenheit gehandelt Hai, zweijährige Bewährung?- f r i st. Der Autobusführcr Otto wurde auf Kosten der Siaatstasse freigesprochen. Eröffnung öer preußischen Polizeiwoche. Im großen Auditorium der Berliner Universität eröffnete gestern vormittag der preußische Minister des Innern Genosse G r z« s i n s k i die von der Verwaltungsakademie Berlin in Ver- bindung mit der Freien Vereinigung für Polizei- und Kriminalwissen- schoft veranstaltete S. preußische Polizeiwoche. In seiner Begrüßungsansprache bemerkte der Minister, daß die große Zahl der Teilnehmer fübcr 400» Zeugnis für den Bildungsdrang der preußischen Polizeibeomten. f cd a s t ablege. Die Polizeibeamten müßten fortgesetzt an sich selbst arbeiten, wollen sie den Anforderungen der Zeit genügen. Der demokratische Staat habe die Bevölkerung zu steigendem Selbst- bcwußisein erzogen: sie lasse sich nicht mehr bevormunden und kommandieren, wie es im alten Staat der Fall war. Infolgedessen weiß heute der Polizeibeamt«. daß er Freund und Helfer, nicht Vorgesetzter des Publikums sei. Dieses geändertg Verhältnis in der Einstellung von der Polizei zum Volk und um- gekehrt käme nicht nur in dem DerhaUcn der beiden gegeneinander zum Ausdruck, sondeni sonde auch seine Aiierkenmiiig durch Fachmänner des Auslandes. Der heutige Polizeibeamte sei der s i ch t- bar« Vertreter des Staates nach außen hin. Er habe daher die doppelt« Pflicht, sich stets als Repräsentant des Staates zu betrachten und niemals zu vergessen, daß nach seinem Austrete,, zu einem wesentlichen Teil der heutige Staat beurteilt wird. Noch der Erösfnungsrede des Innenministers sprach Staatsminister a. D. Dr. D r c w- über die grundlegenden Aufgaben der Polizei im modernen Staat. Die Grundbcgrifsc der Ausgaben der Polizei, die in der Abwendung von Gefahren bestehen, wurde» klar gezeichnet und dabei zwischen dem öffentlichen und dem privaten Recht scharf unterschieden. Ministerialdirektor Dr. Klausner gab einen Ueberblick über die Organisation der preußischen Polizei, ihren gegenwärtigen Stand und«inen Ausblick in dio Zukunft. Als überaus wichtig für die vorbeugende Arbeit der heu- tigki, Polizei bezeichnete er die Tüchtigkeit der cinfatzföhigcn Bereit- ichaften. Durch Polizcifchulung müsse der Beamtenschaft der Auf- stieg erleichtert werden. Bon großer Bedeutung sür das Wohl und Wehe der Polizei und ihres Geistes fei die gute Lösung der F r o g o des Innendienstes und des guten Verhältnisses zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. Dom, sprach Ministeriäfrat van den Bcrgh über die Polizei als Volks, funktion._ die Sranükataftrophe in Schloß Effing. ScchS Tote.— Zwölf«chwerverlepte. Augsburg. 17. Oktober. Dom Brand in Schloß Assing wird noch mitgeteilt, daß dis Feuerwehr in Augsburg zum dritten Mal- gerufen werde» mußte. da das Feuer bedenkliche Ausmaße annahm. Der Brand dürfte nach einige Tage fortdauern, bis er völlig gelöscht ist und die unter dm Trümmern liegenden Toten herausgeholt werden können. Bei dem Brande ist auch die sehr wertvolle Bibliothek mit mehreren tausend Bänden vennchtet worden. Die Zahl der Opfer steht nunmehr fest. Es sind sechs Tote, zehn bis zwölf Schweri�rletzte und ungefähr 20 Leichtverletzte zu beklagen. Zwei Schwerverletzte ringen noch im Krankenhaus mit de», Tode. wieöereine�merikanerinaufüemGzeanftug Notlandung wegen Motordefekt. Old Orchard(Main«), l7. vktober. Frau(9 r a y s o n ist zum Fluge nach Kopenhagen auf. gestiegen. New Zork. 17. Oktober. Wie aus Old Orchard gemeldet wird, ist das Flugzeug der Miß G r a y s o ii. das heute früh 9!� Uhr amerikanischer Zeit<15'/- Uhr mitteleuropäischer Zeit) zum Fluge über den Ozean aufgestiegen war, eine Biertelstunde später wieder zurückgekehrt. Als Gründe der Rückkehr wird Motordefett und zu große B e- lastung angegeben._ Betrug eincr Äanalschwimmerin. Frau Dr. Logan, die unter dem Namen Miß Mac Lennan behauptet hatte, in der Nacht vom 10. zum 11. Oktober den Kanal durchschwömmen zu haben, machl jetzt die Mitteilung, daß sie eine Täuschung begangen habe. Sie erklärte, niemals den Kanal�urchschwommen zu haben, sondern nur gestortet zu sein und ihr Vorhaben im Wasser abgebrochen zu haben. Sie be- S hauptet, daß sie diese Täuschung beabsichtigt habe, um zu zeigen, daß«in« genaue Kontrolle aller Kanolschwimincr notwendig sei. Das Blatt„News of World", das der Mifj Logon einen Preis von Pfund Sterling für die vermeintliche lieberbietung des von Mih Ederle im vergangenen Jahre aufgestell- ten Nekordes für amerikanische Kanalschwimmerinnen ausgezahlt hatte, schreibt, daß sowohl beim Sport wie beim Geschäst Ehrlichkeit der Stempel Englands sei. Durch eine so unbesonnene Tat habe Miß Loga» die Bemühungen aller ihrer Borgängerinnen verdächtigt. Miß Logan hat den Preis zurückerstattet. Spandau im Dunkeln. In einer Umformer st ation der Spandauer Alt- ftodt entstand gestern grgen MVi Uhr ein D e fe t t, der sich außerordentlich störend auswirkte. Ganze Straßenzüge lagen Plötz- lich in tiefem Dunkel. Einen eigenartigen Anblick boten die Hauptverkehrsstraßen mit ihrem starken Verkehr in diesen Stunden. Einzelne Straßenpassanten bahnten sich mit Taschenlampen den Weg durch die Menge und geradezu gefährlich war es, die Straßen mit dem starken Wagenverkehr zu kreuzen. Die Fuhrwerke konnten sich nur langsam vorwärts bewegen. Besonders unangenehm traf die Störung die großen Geschäftshäuser im Asntruin des Spandauer Bezirks. Der Straßeirbahnvcrkehr erlitt keine Unterbrechung. Da die Auffindung der Ursache sehr schwierig war, konnte die Störung erst gegen 20V: Uhr zum Teil beseitigt werdcn. Beisetzung des Oberbürgermeisters Wermulh. Auf dem Fried- bof in Buch wurden gestern nachmittag 3 Uhr die sterblichen Uebcrrcsto des verstorbenen Berliner Oberbürgermeisters Dr. Wer- muth an der Seite seiner im Jahre 1923 im Tod vorangegangenen Gattin zur letzten Ruhe bestattet. Selbstmordversuch in einem Wassengeschäsk. In einem Wassengeschäst in der Prinz-Albrecht-Straße er- schien gestern gegen 14 Uhr der 27iährige Kaufmann Otto Sch. aus der Roseggsrstraße und gab vor. eine M e h r l o d e- Pistole kaufen zu wollen. Der Geschäftsmann legte dem Käufer mehrere Pistolen vor, der sich für einen kleinen handlichen Browning entschied. In dem Augenblick, als sich der Geschäfts- inhaber umwandte, um die dazugehörigen Patronen zu holen, krachte plötzlichein Schuß. Sch. hatte blitzschnell eine mit- gebrachte Kugel in den Browninglauf geschoben und die Waffe gegen die H c r z g e g e n d gerichtet. Schwer getroffen brach er zusammen. Man fchofste den Selbstmordkandidaten in die Eharite. wo er hoffnungslos daniederliegt. Dos Motiv zu dem Verzweiflungsschritt ist noch ungeklärt,. Werbesest für Partei und Arbeitersport. Di« Genossen auf dem A e d t i n g leiteten die Werbeaktion für die Partei mit einer groß- < i!geleqten Veranstaltung in den Räumen der chochschulbrauerei in der Seesiraße«in. Die 21. Abteilung hat eigens zu diesem .'strecke ein wirksames Blatt„Alarm, Kompsblatt gegen den Bürger- block" herausgegeben, das wirksam für Partei und Arbeitersport ein- tritt. Bürgermeister Genosse Leid führte in einem Beitrag aus, was an Kulturarbeit unsere Partei im Bezirk Wedding bereits ge- leistet hat. In seiner Festrede hob der Genosse Mose? die Be- dsutunz des Arbeitersports für das Proletariat und die Partei hervor und legte an Hand seines reichen medizinischen Wissens die Erfolge des Arbeitersports dar. In fesselnder, tcmvera�ienwoller Weise wies Genosse Moses die Unterschiede Mischen Arbeiter- und bürgerlichen Sport nach. Der Dichter Max Barth«! las Gedicht« aus seinem dem- nächst im..Bücherlreis" erscheinenden Roman eines zum Sozialismus neigenden katholischen Pfarrers„Der Mensch am Kreuz" vor. Die Arbeiiersporivereinc des Bezirks und der Meinekesche Männerchnr 1900 trugen zum Gelingen des Festes nach Kräften bei. Gemeinsam w�xdz das Schlußlied„Brüder zur Sonne, zur Frecheitl" gesungen. Billig« Fischloge. Vom Ausland« werden größere Fischsendungen «zemcldet. Es kommen zum Berkauf vom Dienstag, dem 18. Oktober, rmd folgende Taget Iutländer Schellfisch pro Pfund 45 Pf., Norweger Schellfisch pro Pfund 50—70 Pf., je noch Größe, Fischfilet von kleinen Fischen sehr billig. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht und besinden sich in den Ladengeschäften, in den Markt- ballen und auf den Wochenmärkten. Obcrbayern am Kaiserdamm. Da, wo sonst Automobile, Mode- crzeugnisse, Wochenendutensilien und Küchenrohmatenalien zur Schau gestellt werde», hat sich jetzt Oberbayern aufgetan. Vier Wochen lang höil Herr Ä i r ch e r aus München O k t o b c r f c st ab inmitten von Alxenlandschastcn, Bergabhängcn, Sennhütte,, und eingeschneiten Bergspitzei,— alles im zentralgeheizten Riescirraum der Alten Auloholle. Bayern in Berlin— zum Glück nur die lustige Seite! Unter einer im Herbstschmuck prangenden Riclenlind« hat sich ei» Pariser Tanzboden aufgetan, der allerdings besser für Charleston und Biack-Bottom, denn für Schuhplattler taugt. Bayerische Madeln und Buom zeigten sich jedoch auch auf»hin sicher. B r a t w ü r st e l n werden nicht nur auf dem Rost gebraten, sondern on Ort und Stelle erst dazu oerarbeitet, Spanferkel müssen ihr junges Leben zur höheren Ehre der Feftteilnehmsr opfern und Backhenderln kann man am Spieß schön braun werden sehen. Eine Anzahl bayerischer Madeln kredenzt dazu bei herrlichem Alpen- glühen Bier in hohen Maßkrügen. Selbstverständlich fehlt nicht die Schau st ellcrwicse mit Riescndamen, Sundakrokodilen und Glücksbuden aller Arten. Albeiter-Lildungsschute. Der Kursus des Genossen Marquardt über.Sozialdemokratie und Außenpolitik" im ö KreiZ fgriedrichshaint findet n i ch t in der Schule Tilsitcr Straße statt, sondern in der Schule pekersdurger Str. 4 und beginnt heute, Dienstag, abends '/-» Uhr._ Sport. Schluß auch auf üer GlpmpZabahn l Holland gewinnt den Landerkampf. Zwei Tage vor Beginn der kurzen Wintcr-Rodspartfoison hat nun auch die Olympiabahn ihre Pforten geschlossen. Zum Abschied gab es einen Länderkamps D e u t s chl a n d- H o l l a n d, der vier Läufe zu je 25 Kilometer vorsah. Die deutschen Farben vertraten S a w a l l und L e w a n o w und die holländischen L e d d y und Snoek. Leddy war der stärkste Mann im Felde und vermochte allein drei Läufe zu gewinnen, nur im vierten Lauf tonnten die deutschen Farben mit Sawall einen Sieg erringen. Das Gesamtergebnis sah Holland mit 23 P. van Deutschland mit 21 P. als Siege r. Mehrere Flieger- Wettbewerbe, die das Programm umrahmten, brachten folgende Ergebnisse, Punktefahren über 12 Runden: 1. Schräge vor Lorenz, Kroll und Hohn. Hauptsohren über 1200 Meter: 1. Lo- renz vor Graue, Hohn und Miethe. Vorgabesohrcn über 500 Meter: 1. Schräge(10) vor Hahn(20), Graue(30) und Kroll Die Darbietungen am Sonntag abend waren erfreulich glücklich gewählt. Die stimmliche Lieblichkeit des'Ehors der Wie wer Sängerknaben bereitete eine genußreiche halbe Stunde. Die oft recht anspruchsvollen Kompositionen wurden mit musikalischer Kultur und lebendiger und doch echt kindlicher Empfindung vorgetragen. Anschließend gab es ein populäres Orchester- k o n z e r t mit nicht sehr zartfühlend, ab�r fraglos publikumswirksam zusammengestelltem Programm. veidlsr-Winkler bot in Bruchstücken aus Wagneropern ausgezeichnetes. Rur der Ouvertüre zu Rossinis„Barbier von Sevilla" hätte ein Mehr an heiterer Leichtigkeit nicht schaden können.— Lothar Brieger gab in einem lebendig gestalteten, im besten Sinne populären Bortrage eine Schilderung des Künstlers Arnold Böckli». Dr. M. Polloczck zeigte„Berlin im' Urteil Fremder", d. h. im Urteil von Nicht-Ber- linern. Goethe, Schiller, Heine und andere kamen zu Wort. Sehr viel Schönes war es nicht, was sie im allgemeinen zu unserer Bater- stadt zu sagen hatten. Der Nicht-Berliner empfand sie meist als zu hart, zu ungeschliffen.— Die schöne Landschaft Telemarkens mit ihrer freien und freiheitsliebenden Bevölkerung schilderte Dr. P. G r a ß m a n n- Stockholm. Der Montagabeich versuchte wieder, ein Stück vom Berliner Schauspi-ltheater aus vergangenen Tagen z» zeigen. Der ver- funken« Stern Otto B r a h m bewies, daß seine Leuchtkraft noch immer nicht erloschen ist. Schauspieler, die einst on seiner Bühne ihre erste Größe erlebten, riefen die stouicrung wach an jene Aus- führungen, die damals der Berliner Theaterwelt zum Ereignis wurden. Doch diese knappen, aus dem Zusammenhang heraus- gerissenen Szenen wirkten auch heute nicht farblos und verblichen, nur als Ueberbleibjel einer längst vergangenen Zeit, sondern sie wurden wieder starkes, echtes Erlebnis. Denn der Geist, der Otto Brahm und seine Künstler erfüllte, war stark und echt. Alfred K e r r zeichnete den Mann und seine Theaterzeit. Was unsere Bühne, In ihrer besten Form, heute ist, verdankt sie Otto Brahm. Kerr nannte ihn, mit einem sehr schönen Wort, den„Grundlcger neuer Möglich- keilen".— Dr. A. Bock schloß seinen Zyklus„Erziehung zum Volks- wirtjchaftsdenken" mit dem Vortrog„Armut als Massenerscheinung". Armut alz Einzclerschcim, np, führte der Boriragendc aus, ist un- ausrottbar. Armut als Massenerscheinung läßt sich vertilge», wenn man die geistige Armut ausrottet, wenn man an Stelle van toter Zivilisation lebendige Kultur der Menschheit setzt.— Prof. Dr. S. Behrendt sprach sachlich und aufschlußreich über die Lite- raturbewegung Berlins zur Zeit der Aujklarung und Romantik. tes. (.50 Meter Vorgabe). Im Mannschafts-Verfolgungsrennen gewann die Mannschaft Hahn, Kroll und Miethe gegen die Mann- schaft Schräge, Lorenz und Graue.„ Die Heuligen Eröffnungsrennen im Sportpalast! In tcr liaisische» Winicr-Rad'peilflälte in der Potsdamer Straße pcben beute abend die Eröisnnngs-Nadrenncn vor sich. Die Wellbeweibe sind folgende:.Großer Preis der Nalioiien". -Großer Preis des Sportpaiaites" und ein üO-KU omeker- Mannschaftsrennen nach Scchstageart. Tie Starterliste weist solgende Namen ans: Weitmeiiler Michard(Frankreich). Pouiain(Frankreich), Spears(Auslralien), Pict van Kempen(Holland), Denols iBeigien), Tonani(Italien), Jensen(Dänemark), Kalles(Holland), Frille. Lszmellg, Oskar Riitt. Buschenbagcn. Ebmer, Halm. Kühl, Koch. Erxlcben, Krüger, Häusler und Schwemmler.(Alle Deutschland). Beginn s Ahr! Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 17. Oktober. t. Rennen, t. Leonardo(Cb. Mills), 2. Agitator kSchleusencr). 3. Edzard(I. Mills). Toto: 17: 10. Platze 14, 15, 57:10. Ferner liefen: Olan. Hallore. Herzog, Champagner. ll. R c n n en. I. Einsicht(Lewzer). 2. IdaPgloS(Heckerl), 3. Turiddu (Lantenbergcr). Totoll 68: 10. Piab: 18, 13, 19: 10. Ferner liefen i Diana Magowan. Erster Sceboicr, Iiegrim, Daneing Girl, Hlppologe, O'Eapinin Leerbcrg, Baron Gabler. Sultan S. Regenbagen. 3. Renne» 1. Nnchlsalter(Cb. Mills). 2. Ratler(31. Firm), 8. Cbaradc (I. MillS). Toto: 30: 10 Platz: 33, 37, 66: 10. Ferner liesen: Manza- narcs. Möglich, Radiola. Zlrnsiied, Dainsca. Königsadler. Biaue Sldria. 4. R e n n c n. 1. Pyramide(Besitzer), 2. Lucretia(Cd. MillS). 3. Rebcl- kappe(Heller». Toto:«8: 10. Platz: 15, 12, 18:10. Ferner liesen: Primel. Ladbihip, Barcarolc, 31rofa. 5. Rennen. I. Morgentau(Röll), 2. Ingrid Halle(Heller», 3. Petronella 31.(Lcmzcr). Toto: 16: 10. Platz: 15. 38, 20: 10. Ferner liefen: Unheil, O.nitte B., LinSeott jun.. Natal, Goudsters Gloria, Arnuls, Nolküppchcn. IosianniSseucr. Weinminze. Kinollern, Lusllchisicr. 6. Rennen. 1. Franlet(A. Finn), 2. Colone! BoSworth(Ch. Mills), 3. Pechsackel(Knöpnadcl jun.). Toto: 29: 10. Platz: 14. 12: 10. Ferner liefen: Altgold. Fels. 7. R e n n c n. 1. Barmaid(Höhne), 2. Heideprinz I< Barnewitz), 3. Dawson WattS(». Seiko». Toto: 120: 10. Platz: 40, 112. 29: 10. Ferner liefen: Ludwig 31., Prinzeß Fortuna, Susi Leyburn, Ltzisko, Ballon- Ivnlgin, Prinz Kucknll, Baron Trcgantlc, Rotuta, Erster Dolsersomer Barometer. Friedrich Rex. 8. Rennen, l. Sttcibiadcs(F. Schmidt), 2. Fricdrichsdor(Sinoratzki) 3. Heidcblume�Hulb). Toto: 38: tO. Platz: 17,33,16:14. Ferner liefen: Kroschel, Ostmark, Lord Polo, Doorn, Frank, Wichtelmann, Esfi, Quintessenz. Propeller, Lux. 9. Rennen. 1. CZuizi quasi(Lcmzcr), 2. Frida Magowan (Ch. Mills,. 3. Rubin(Eberl). Toto: 123: 10.' Platz: 15. 12. 12: 10. Ferner liesen: Denkmünze, MrS. BoSworth, Ollch B., Monarch 1. Wetterbericht der össeattlchen weilerdienststelle Berlin und Umgegend (Rachdr. vcrb.) Etwas milder und grönicntcils wolkig mit einzelnen Regen- sällen, frische Winde nnS westlicher Richtung.— Für Deutschland: Im Nordwesten etwas?lbkühlung mit Regenschauern. Im Süden keine wesent« liche 3lendcrung, sonst im ganzen etwas wilder mit einzelnen leichten Regenstaiiern. 4Ä -MMS MM SM. ivMiiS S'nne�rys?0o n"'*>3k 'U�n' yermmänte! fiausch. grüner imprägnierter Strich- yfff 33.-, 30.—, 37.-, 21.—#«r»" Henetunänlel ssääs?: a?. graa od. grün, Form offen od. hochgeschlossen 55___ 48.— wtm» SßittßtttttQttißl graugrüner imprägnierter 46 Strichflausch..••••••••• 33»—» 27,~~9 2�.— Samnmtttlel a?. oder hochgeschlossene Form....... 55.—, 48.— llaabea- a. MBiiheiimMel en imprägnierter grüner Sirichfiausch, Cr. 0/3. von#«/•«/ tr an BaerSohnS nur Chausseestrasse 29-30 >»»» Unterflruntf bahn Slettincr Bahnhof Berlin. Bilanz zun 30. Janl 1937. Aktiva. l, Kasse, fremde Oeldsorten Und Cuthabcn bei Noten- und Abrechnungsbanken... 5546 457,09 2. Quthahen bei Banken und Bankiers... 418 758 400,03 3. Effekten............... 670 623.69 4. Wechsel............... 6 626 873,75 5. Inventar............... 20 ODO.— 6. Schuldner, gedeckte..... 28803 391,06 ungedeckte.... 12316354,25« 11974581 7. Grundstöcke............. 90 000,— 472 832 094,87 Paaalva. I. Aktienkapital............. 4000 000,— 2. Ordentliche Rücklage......... 1 400 000,— 3. Delkredere-Rücklage fflr frachtstundungen 1000000,— 4. Beamten-Unterstützungsfonds...... 200 000,— 5. Gläubiger.............. 457 634)11,01 6. Uebcrgangspostcn u. noch cinzulös. Schecks 7 206 307,86 7. Gewinn- und Verlustrechnung...•■■) 39) 676,— 472 832 094,87 Gewinn- und Verlndtredmnng. Debet. f. Handlungsunkosten-Konto....... 2 434 573,86 2. Reingewinn.............. 1 391 676,— I. Vortrag 1925/26 2. Frachtslundungs-Konto 3. Zinsen-Konto.... 4. Provisions-Konto... Kredit. 3 826 249,86 154 100,63 958 657,43 2 339 949,56 373542�4 3826 249,86 Die Generalversammlung vom 15. Oktober 1927 genehmigte vorstehende Bilanz sowie die Gewinn- und Verlust- rtchrung und beschloß, für das Geschäftsjahr 1926 27 eine Dividende von 12"o auszuschütten. Die fälligen Gewinnanteile gelangen auf Oewinoantellscheine Nr. 4 außer an der Kasse unserer Hauptniederlassung in Berlin und an den Kassen unserer sämtlichen Zweigniederlassungen noch bei folgenden Banken ab heute zur Einlösung: 8. Bleichröder, Berlin, Baverlscbe Hypotheken- und Wecfaselbank, Müncben, Bayerlache Verefnsbaok, München, Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Berlin,_ Darmstädter- n. Nationalbank Kommnndltzea. a Akt., Berlin, Deutsche Bank. Berlin, Dlrcctlon der Oisconto.OeaellschaH, Berlin, Dresdner Baak, Berlin. Mendelssobn» Co., Berlin, Relcha.Kredit.Gcaellacbalt AktiengeselUcbaft, Berlin. Berlin, den 15. Oktober 1927. Oeotscbe �Iietirs-Kreilit-Bask IktiiDguellsüialt Dar VoraUsdt Premier, T.Schaewen, Schlesinger. Reine||Hn4e wollen Sie bestatten, auch wenn Sie Sdiuhe putzen. Dann dürfen Sie nur Erda! verwenden. Die Erdal-Dose öffnet sich durch einfache Hebel-Drehung spielend: Ihre Hände bleiben ccin. Erdal Marke Rotfirosch war nicht zu verbessern, deshalb schufen wir eine bessere Packung. Mderwettkampf SeuWand- Schweiz. Im Kunstturnen. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund veranstaltete am Sonntag einen cSnderwettkampf Im Kunstturnen, wie er innerhalb der Ar- beiterturnbewegung kaum je zu sehen war. Besonderer Dank ge- bührt den Veranstaltern, dah dieser Wettkamps in Berlin vor sich ging. Welch' großes Interesse diesem Zusammentressen mit den Schweizer Gästen entgegengebracht wurde, geht aus der Tatsache hervor, daß Besucher aus allen Teilen Deutschlands nach Berlin kamen. Sckon lange vor Eröffnung stauten sich die Besuchermassen vor den Eingängen des M e r c e d e s- P a l a st e s in Neukölln, und als Genosse Bühren- Leipzig die Anwesenden begrüßte, waren alle Plätze dicht besetzt, so daß unzählige Nachzügler mit Stehplätzen vorlieb nehmen mußten. In der kurzen Ansprache betonte Genosse Bühren, daß es bei der Veranstaltung nicht auf bloße Essetthaschere� ankommt. Es soll vielmehr bewiesen werden, daß bei entsprechen- der Veranlagung durch planmäßig« Schulung und Steige- rung ein Maß von Körperbeherrschung, Mut und Krast erreicht iverden kann, das seinesgleichen sucht.— Im Namen der Schweizer Mannschaft sprach Genosse N ä g e l i- Schweiz Worte der Begrüßung und des Dantes. Er betonte besonders, daß dem heutigen friedlichen Wettstreit der Gedanke der Kameradschaft und der Freundschaft zugrunde gelegt ist. Der rauschende Beisoll bewies, daß hier der Freund zu Freunde n sprach. Bei der schwieri- gen Tätigkeit der Kampf- und Schiedsrichter ist zu bedenken, daß die Mannschaften die Eigenart ihres Landes mitbrachten und sich davon nicht immer freimachen konnten. Das gilt besonders sür die Turnkleidung und für die Freiübungen. Die Schweizer Bruderorganisation entsandte: Schefer- ' Rorschach, Moser-Schasfhausen, Mcyer-Zürich, Henzi-Zllrich, Simon- Gerlasingen, Krättli- Baden, und als Ersatz Wagner-Basel-Stadt.— Die deutsche Mannschaft bestand aus: Rödel-Greiz, Sapper- cheidenhcin, Wenderolh-Ochshauscn, Friese-Breslau, G»rmann-Lud- migslzafen, Teichert-Solingen, und als Ersatz Schäfer-Solingen. Jeder Turner turnte je zwei Wohlübungen anr Barren, Pferd und Neck und außerdem eine Freiübung. Bon den Hebungen, die nach den Bundesbestimmungen gewertet wurden(höchst erreichbare Punktzahl pro Uebung 20 Punkte), wurden die jeweils besseren zum Mannschostsresultat vereinigt. Bei den Barrenübungen fehlte den Deutschen anfangs die nötige Ruhe und Sicherheit. Das scheinbar vorhandene Lampenfieber ließ leider trotz aller Anstren- gungen hohe Wertungen nicht zu. Die Schweizer legten eine bc- mundersmertc Ruhe selbst bei den kompliziertesten llcbunge» an den Tag und erreichten auch gleich im ersten Gang einen Vorsprung von 15 Punkten. Beim zweiten Gang am Barren konnten die Gäste ihre Gesamtzisser nicht viel verbessern, während es den Deut- scheu gelang, ganz erheblich auszuholen, so daß die Schweizer bei 105 Punkten nur noch drgi Punkte voraus waren. Die Ersatzleute beider Mannschaften konnten durch ganz besonders exakte Aussühruug schwieriger Hebungen hohe Wertungen (allerdings außer Konkurrenz) erzielen. Das Turnen am Vferd seitwärts stellte hohe Anforderungen an die Ausführenden. Der winzigste Fehlgriff, das allergeringste Straucheln, können gerade an diesem Gerat die beste Uebung in der Wertung herabdrücken. Die einzelnen Hebungen waren prächtig im Aufbau. Beide Mannschaften bewiesen durch flüssige Ausführung, daß sie ihren Körper voll beherrschen. Den Schweizer Gästen gelang es im zweiten Gang, trotz schärfster Anspannung des Partners, den Vorsprung wieder zu vergrößern: sie standen mit 207: 102 an erster Stelle. Die solgenden Freiübungen, die der heutigen modernen Gymnastik entlehnt waren, bewiesen aus das deutlichste, daß gerade diese Art der Körperdurchbildung eine gute Schule sür den Geräteturner ist. Wer die herrlichen Gestalten bei den Uebungen beobachtete, muß zugeben, daß jede Faser ihres Körpers zur Mitarbeit herangezogen wurde. Das scheinbare cher- aufholen einer schweren Last, dieses Sichstrecken, Aufbäumen und Herausheben des ganzen Körvers, dies alles in fliehender Form dargestellt, war ein unvergeßlicher Anblick. Bei den ohne ein Hilfsgerät ausgeführte» Uebungen erzielt« jeder einzelne die h ö ch- st e n Wertung« n.— Eigenartig berührte die Kleidung der Schweizer Freunde bei de» Freiübungen. Ganz abgesehen vom Hemd, den Hosen(die bis über das Knie reichte») und den langen Strümpfen, fiel besonders die Fußbekleidung auf. Schnür- st i e f c l wirken bei solchen Uebungen einmal zu schwerfällig und erleichtern zun> anderen Teil bei schwierigen Stellungen wesentlich die sichere Ausführung. Trotzdem erzielte die deutsche Mann- s ch a f t, die diese Uebungen teilweise selbst ohne Fußbekleidung turnte, III Punkte, während die Schweizer Genossen mit zwei Punkten Abstand folgten. Am Gesannresultot änderte die kleine deutsche Ausbesserung fast nichts. Die Gäste führten init 316: 303 Punkten. Am Hochreck konnte man Uebungen sehen, die in solch' vollendeter Ausführung beinahe ans Artistische grenzen. Wie zum Abschluß, gab jeder sein Letztes her. Verschiedene Abgänge zeug- tcn von tadelloser.Körperbeherrschung und großem Mut. Schon im ersten Gang wurden ausgezeichnete Wertungen bekanntgegeben. Die Tausende van Zuschauern verfolgten trotz der bereits seit zwei Stunden dauernden Vorführungen mit unverminderten! Interesse die einzelnen Uebungen und jubelten den Schweizer und unseren Genossen immer wieder von neuem zu. Die letzte Wertung ergab als Gesamtzahl der Schweizer Mannschaft 423 Bunkte. Die deutsche Mannschaft folgte mit nur 10 Punkten Abstand. In den Schlußworten wurde mit Recht- der Ueberzeugiing Ausdruck gegeben, daß solche Veranstaltungen wehr als vieles an- dere geeignet sind, die Völker zur friedlichen Per st an- d i g u n g zu bringen. Mit dem gemeinsamen Gesang der Inter- nationale fand der Wettkompf seinen Abschluß. Saalmeisterschasten bei„Solifamtät". Ein grostcr Erfolg der Arheiterradfahrcr. Der Arbeiter-Radsahrerbund„Solidarität" veranstaltete am Scmndbend in den Gesamkränme« des Saalbauds Friedrichs- bain sein diesjähriges Gnu Sckalsp ortfest. Im Rahmen des-Abends fand in Verbindung mit dem 23. Stijlungsfest die Fahnenweihe der Orisgruppe Berlin stoit. Man konnte am Sonnabend wieder einmal die erfreuliche Fest- ftellung machen, daß„Solidarität" über eine sehr große Anhängerschaft nersügt. Der saal, mit roten Fahnen reich geschmücki, war übersüllk. Niemand wollle sich das radjportliche Ereignis, bei dem es immer etwas ganz„Besonderes" zn sehen gibt, entgehen lassen. Wieder ging es uni die M e i st c r s ch a j t e n im K ii n st- und Reigen fahren, im Rodball- und R a d p o l o s p i e l. Nohl- zu 80 Meldungen lagen zn den ausgeschriebenen Wettbewerbe» vor. Radsportler aus Iiitcrbag, Pritzerbc, Luckenwalde, Eaputh, Rathenaw, Dahme, Ratschen(R.-L.), Brandenburg usw., Jugend ältere Mannschosten und Einzelsnhrer lagen gegeneinander in scharfem Wettbewerb nm die Puntie. Mit einem Achter-Begrüßungssarbe ureigen (Berlin) wurde der Abend eingeleitet, wchulreigen, K u n st r e i g e n, Knnstfohren reihten sich an und fanden reichen, oft stürmischen Beisoll. Die Leistungen einiger Fahrer, die das„Blanke Rohr aus Rädern" beispiellos meisterten, von Artistik durch eine Grenze kaum mehr getrennt, verblüsstc» und riefen Erstaunen hervor, da es sich„nur um Amateure" handelte, die am Tage an der Werk- bank stehen und die srcie Zeit dem ihnen liebgemordenen Kunstrade widmen. Dann fand noch eine 2Iussahrt sämtlicher Saalmoimschasten und Bannergruppen statt. Nach einer Festansprache des Gauleiters wurde die Weihe der Fahne durch den Bezirksleiter vollzogen. - In bunter Folge wurde auf der blanken Saolflächc dos übrige Programm abgewickelt. Besonders erwähnt sei noch die ganz vor- zügliche Kapelle des Deutschen Musikerverbandes, die unter dem Taktstock des Kapellmeisters Schulze reichen Applaus erntete. Rc'ultatc: Her tzarbcnrcigcn: 1. Rkinickcndorf 67,.VI Pktk., Gaunitistk?: 2. Li-ck.-nwaldc 6f),50 Pkt. 8er Schulrrigrn Tarnen; Luckenwa'dr«2 Pkt.,®on- Mtister. 8ct Schulreigon Jugend; Neukölln 48,80 Pkt. 6er Schulreigen Tarnen: Neinickenbarf 53 Pkt., ffiaumeislet. 6er Schnlreigen Jugend; i. Iiiterbog 47 Ptt„©mimclficr; 2. Pritzerbe 45,50 Pkt, 6er gunstrelgen SU. Tl; 1. Ifrieti. richshain 67,86 Pkt., ffianmeifter; 2 Pritzerbe 43,63 Pkt, 4er Stenerrahrreigen: Beelitz 38,86 Pkt..(Samneister, Oer Stenerrahrreigen; Neiniäendorf 49,57 Pkt. 6er Kunftreigen SU. A; 1. Friedrichs Hain 84,14 Pkt., Caumeister: 2. Reinieken, darf 80.80 Pkt. 8er flunftteigen SU. A: Luckenwalde 88.42 Pkt., cha»meistee. ker StunstfaHren; i. Paul Woltee, Luckenwalde, I6,Z0 Pkt., Gaumeistee; 2. Burdack, Stöpenick, 14.85 Pkt. 2er Stunstfahren; 1. Wolter und Ärndt, Luckenwalde, 16,82 Pkt., Gaumeiftrr: 2. Mnlack und Burdack, Köpenick, 16,80 Pkt. Gruppenkunftfahre»: Gratzräschen 16,63 Pkt.. Gaumeister 2et Radballspiel; Finsterwalde gegen Rathenow 2; 3 für Rathenow, Ganmeister. Set Radball. spiel; SZinfterroalde gegen Grotzeäschen 3:1 für Finsterwa'de, Ganmeistee. 2et Radrolaspiel: Berlin, Abt. 8, gegen Marienfelde 4; 3 siir Marien selbe, Gaume-stee. Set Radpololpiel: Bctlin, Abt. 3, gegen Oberschöneweide 2:3 lilt Oberschöncweide, ffiaumeislet. Gauwettkampf im Schach. Am Sonntag trafen sich in Görlitz die Kreismeistermann- sckaften vom ersten und siebenten Kreis des A r b c i t« r- S ch a ch- b ii n d e e, um die Goumeisterschaft auszutragen. Erst nach ach'- stündiger Spielzeit wurden die Spiele beendet. Die Breslauer zeigten ein gutes Können, konnten aber dem bedeutend besseren Endspiel der Berliner nicht standhaltcn. Di? Berliner ge- wannen den Kampf mit 7:3. Die Berliner Mannschaft wird nunmehr um die Bundesmeisterschaft mitkämpfen. ZiuOiüsu in Brandenburg. Die Iiu-Ii'su. Mannschaft der Sportliche» Vereinigung N o r d- O st konnte am Freitag in Brandenburg a. d. H. gegen de» S. C. S a x o n crfolarcich abschneiden. Die Kämpfe fanden im vollkomnl«» überfülllen Saoie des Brandenburger Volks- hause» statt und waren für die Arbeiter-Iiu-Jilsu-Bewegung ein über- rafchend hoher Erfolg. Von den Gästen mußte Appler(Nord-Ost) im Leichtgewicht von dem Brandenburger Ortsmalador S ch u- mann nach überaus beweglichem Kampfe im 8:37 durch Arm- Hebel eine Niederlage hinnehmen. Interessante, nielseitige Momente bot auch die Bezcgnuug im Halbschwergewicht, wo- sich Flick(Nord- Ost) und Schreib,«?(Br.l unearschieden-rennten. Im Bantam- gewicht gewann Wolf(Nord-Ost) gegen H a 1 l e r(Br.) in Z: 21 durch Armdurchzug, auch Busse(Nord-Ost) konnte im Mittel- »»wicht gegen Mölter(Br.) in 8: 14 durch Würgetrick erfolgreich sein. Zu den«inleitenden Iiu.Illsu-Borführunqen des Mittel- gewichllers W. Bortet mit seinem 200 Pfund schweren Partner Steinke gab der dänische Iiu-Iiksu-Kämpfer Harald May eingehende Erläuterungen. � 25 Jahre Lurich 02. Der Sportssub L u r i ch 0 2' vereinte am Sonntag seine große 'Anhängerschar anläßlich seiner 2-5. Gründungsfeier in den „Prochisälen um Märchenbrunnen Er moriete mit einem sehr auien und reichbaliige» Programm auf. das all« Sportarten, die in dem großen Arbeitersportoerein aepflegt iverden, zur Schau brachte. Die Jiu-Jitsu- Demonstration joinie das Training« i n e s Boxers janden starken Zinkiang, auch die Hebergrupp«.zeigte gute Leistungen. Mit einer völlig neuartigen G y ni n o st i k-A u f- führung waltete die Franenaliteiiiinq aui, die auch als Be- wegungschor stark ivor. D>e Weihe e-nes neuen Banners und ein« Festrede, in der ein?lbriß der Geschichte des Vereins gegeben wurde, leitete» über zu dem sporliichen Teil des Abends. Bei de» R i n g k ä ni p s e n blieb der einleitende Iugendkamps ohne Resuliat. Ii» Fliegengewicht reichten sich Franke(Roter Stern) und Hötke die Hände, beide kamen aber über ein Unentschieden nicht heraus. H« i d c u r e i ch(Lib. 06) erlag Stern- bcrg(Lurich) nach 0 Minute» durch schnellen Armzug. Dos Federgewicht paarte Ncic(Nauen) und Erkner(Lurich), die es ober trotz aller Anstrengung nur zu einem Unentschieden brachten. Im Leichtgewicht halte Mietzncr(Lunch» über Eckert(Alt-Wedd.) die Führung inne, doch blieben auch diese 10 Minuten über er- gebnislos. Das Leichtmittelgewichtiingen sah D ü r s ch(Adler) über Engel(Lurich) nach 5,27 Muniten durch Armzag siegreich. Sel«»bin der(Berolina) mußte leider in dem Kamps gegen Jakob(Lurich) nach 2 Minuten wegen einer Sehnenzerrung auf- geben. Die leichten Schwergewichte B I e s s i n(Köpenick) und Busch (Lurich) iminten sich auch unentschieden. Die Gegner der Lurich- Maunschast bestanden aus d.ui zur.ze't besten Berliner Athleten: die Kämpfe zeichneten sich wieder durch flotte Zlrbcit, die technisch gute Leistungen bot, aus. Turnerinnentressen der Freien Turnerschast Groß-Bertin am, Sonntag, 23. Oktober, in Bohnsdorf(Grünau). Alle Turne- rinnen und Sportlerinnen treffen sich bis 13 Uhr aus dem Städtischen Spielplatz. Nach Veranstaltungen verschiedenster Art gemeinsamer Abmarsch um 15.30 Uhr nack) dem Lokal von Schulz in Bohnsdorf. Parkrestaurant. Dorfplatz.— Altersturner der FTGB. Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, in der Lesstnghalle, Pankstr. 18, gemeinsames Turnen. Der neue Bezirk Lichtenberg turnt in der Halle Holteistr. Schüler: Dienstags von 18—20 Uhr. Männer und Jugend: Freitags von 20—22 Uhr. Turnhalle Morktstr. 2—3(Jahn- Gymnasium), Schülerinnen: Dienstags von 18—20 Uhr. Frauen und Jungmädchen: Freitags von 20—22 Uhr. Fuhballergebmsfe vom Sonntag. Ueberraschnnye» gab es auch am vers-losseneir Sonntag wieber reichlich. Auffallend ist die Zahl der Spiele, in-heuen Vertreter her zweiten SUasfc erstklassige stbsuge». So mutzte Lichtenbeeg I von der eitrigen Maunschast gichte«Sesunddrunnen eine 4; l R>ehe>iage hinnehmen. Gin roeiietev Ah. ieiiungsersier her 1. 5 lasse, Spandau 23, muehe oo» Va varia mit gleichem Gegebniz»iedeegerungen. Union sching Weitzentee 2; 1. Pankow 08 mntzie sich anstrenge», um gegen Sparta WeddlnaS; 2 zu spiele». Mit 6;0 gewann Spaeta gegen Lankwitz. Tempelhof und Berolina trennten sich nach Inannen. dem Spielverauf 2; 2. Amateur tonnte gegen Teutonia 10 erst in den letzte» Minuten einen 3; 2 ffirsolg erringen. Hennigshorf kanieete he» TBE. 4; 3 nieder, tzichte Nord gewann mit gleichem Resultat gegen Alemannia. Lichten. b-rg II war(iher 9135(1. mit 5:1, Minerva Ober Adler 12 mit 3: 2 erfolgreich. Luckenwalde V verlor gegen Frisch Aus i; 5. ATB. Pankow weilte in » Leipzig»nd mutzte sich gegen Vorwiirto eine 6; 1 Niederlage gekallen lassen. 9!cukölln schlug Schöuhol, 8:0. Handballbericht vom Sonntag. Wieder ist ein Sonntag mit hohen Resultaten vergangen. Tegel mutzte von seinem schwersten Gegner nach elnrm scharfen Spiel ein l: 12(0:8) Hrn. nehmen. Fichte 7. Abt. konnte bis zur Pause in regelmätzigen Abständen sieben Tore schirtzen. Tie Lichienberger Sportler mutzten sich mit dem ffind- eesultat von 10; 1(7:0) einverstanden erklären. Fichte 3. Abt. und Reukölln 1. Abt. trennten sich bei einem ossenen Feldspiel mit 4:0(1:0). Fichte 22 Abt. gegen Moabit 7:0(6:0). Bohnedorf gegen Neukölln 2. Abt. !; 46 lll; 9). Lichtenberg 2. Abt. gegen Schmorgendorf 2: 4(1: 1). Frauen: Fichte-Nord konnte dir Anfangermanuschast Fichte 22. Abt. mit 12: t)(8:0) leicht abfertiarn. Da die SiiirmrrreiHrn von Fichte 9 B und Adlrrshos kein« Schutzsreudigkeii hatten, verlies da» Spiel torla«. Fichte 9 A und Tegel mußten sich bei einem sür Frauen harten Spiel mit 2:1(1:0) dt« Punkte teilen. Hockeyresultake vom 16. Oktober. ATB. Pankow und ASB. �ichte-West lieferten sich ein Treffen, wie n'ait es selten zu sehen bekommt. Im schnellsten Tempo und in gutem Ausammen- spiel wanderte der Boll von Tor zu Tor. Fichte-West legt ein Tor vor, Pankow zieht gleich und bald noch einmal. 2: 2 geht es in die Pause. Kurz nach Halbzeit i»: 3. Jetzt gelingt es den Westlern, zwei Tore vorzulegen. Alles glauvt an einen sicheren Sieg. Da, 10 Minuten vor Schluß und Pankow zieht mit zwei Treffern gleichauf. Fichte. West war die technisch bessere Mann. schaft, auch die Läuferreihe war der Pankows Uberlegen. Ihre Schwäche hatieir sie in der Berteidigung. Immerhin haben die Westler durch Reuein- und-um- Nellung ihre alte Stärke bald wieder erreicht. Bei Pankow konnte der.Sturm insbesondere der linke Flügel und der Inncnfturm gefallen. Die Läuferreihe ist noch wie vor die schwächste Stelle, während die Verteidigung einen Glanz- tag hatte, einjchlietzlich der Torwächter.,„,_ Freie Turnerschaft Charlottenburg 1 siegte nach schwerem Kampf gegen Lichtenberg 21= 3:2. Man hatre etwas mehr von den Charlottenburgern erwartet. Lichtenberg wuchs mit großem Ciser an den besseren Gegner heran. — Sachsen- Würzen mutzte sich 2:4 von ASC. 2 geschlagen auf den Heimweg machen. Immerhin überraschte ihr Eifer und bedeutend verbesserte Spielform. Tic anderen auswärtigen Gäste Leipzig-Dst spielten mit zwer Mannschaften gegen Fichte l» l. u. iL Mannschaft. Im«p'el der ersten Mannschaften siegte ASB. Fichte 10*= 4: 1, und die zwctlc Mannschaft 2: 1 über Leipzig. Ost._ Lettlands /lrbeiter-Schutzbunü. Ei» sozialdemokratischer Bund von Arbeitersportlern. Auf der Tagung der Luzerner Sportinternationale in Heising- fors trat neben dem Oesterreicher Genossen Julius Deutsch d�r leitische Abgeordnete Genosse Bruno Katnin mit einem Res«- rat über den Wehrsport hervor. Neben Deutschland, Oesterreich und Belgien ist die kleine baltisch- Republik Lettland das einzige Land, in dem die Arbeiterbewegung zu einer besonderen Form der Abwehr gegen ihre Feinde gekommen ist. Der litauische Staatsstreich vom Dezember 1026 hat an Lettlands Grenze sein Ende gesunde», weil der Regierung, in der die Sozialdemokra'.en v-r- treten sind, eine in Waffen geübte Arbeiterschaft zur iveite stand und dem Faschismus Halt bot. Ein Mitarbeiter des Sozialdeniokratiichen Pressedienstes halle Gelegenheit, mit dem Genossen K o l n i n über die Verhältnisse der lettischen Arbeitersport- und Schutz bewegung zu sprechen. Dem Deutschen fällt zunächst die stark militärische Tiszi- plin der Anhänger des l-ttiichen Arbeitersport- und Schutzbundes auf. Der Bund wurde 1021 als eine rein sportliche Organtja- tion der Arbeiter gegründet, 1022 kamen die Schutzleute hinzu. An- laß dazu bot der gleichzeitig mit dem ialienischen Faschismus i-hr akiv austretende lettische Raiianalismus..Di« Aklivitäi der Rechte- radikalen steigerte sich bis zu einem offenen Angriss gegen die De- monstration der lettischen sreigemerkschaftlichen Arbeiter am 1. Mai 1023. Es kam dabei auf der berühmlsn Ricaer Esplanade zu regel- rechten, mehrere Stunden währenden Kämpfen. Die Polizei schum ohnmächtig oder stand zum Teil sogar afsen auf der Seite der Fa» schisten. Das gab den unmittelbaren?lnlaß, den Sportbund zu eiucm Sport, und Schuhbund auszubauen, i Als co bei den Rigaer Stodtnerardneienwahlkn Zwischen den Fa- schiften und der neuen Organisation zu ncucn Znsamin mstößen kam. löste die Regierung den Natinnalistenklub und den Sport- und Schutzbund auf.'Als Antwort traten sämtliche Zl r- bcitersportler in die Sa zialdem akratische Partei ein. Im Juni 192.5 gelang es jedoch, den-spart- und Schutzbunk, wieder ins Leben zu rufen. Der Bund ist wie salqt aufgebaut: In einer Orgamsaiion find Spartler, OrdmingsWannschaiten»nd Jugendlich» oereinigt. D:? lettischen Sportler widmen ihr Interesse besonders der Jugend. Di« Iugendgruppen, Pioniere genannt, betätigen sich als Pfad- sinder auf Ausflügen und in galitifcher Schulung. Im Lagerleben leisten sie kamerodiitzastliche Erziehungsarbeit. Di« Pioniere zer- fallen in zwei?llter?griif>pen»an 6—13 und 14— 18 Iahren In den Gruppen sind P r ü s u n g e n vargeseben, bei denen K c n n t n i f s c über den Sozi a l i s m u s und sein« Geichicht« und lib'r d>« Organ, iotion verlangt«erden. Die Pioniere besitzen bereit- Stimmrecht in den Orisnereineu des Bundes. Di«.'S p. o r t l er zerfallen in Gruppen sür Leicht und Schwerathletik. Die letzte Hauptabteilung des Bundes bilden die Arbeiferordner. Sie sind militärisch gegliedert, zerfallen in G' Uppen"on 5 Manu, drei Gruppen bilden einen Zug, drei Züge schließen sich zu einer Kompagnie, drei Kompagnien z» einem Bataillon zusammen. Die Leitung dieser Arbeiterordner untersteht dem Bunftesoorstand. Militärische Disziplin ist sehr durchgesübrt. Die Ordner üben zwei- mal in der Woche. Sie treiben Schießübungen mit Kleinkaliberge- webren und Leichiotbletik, wobei Mettkämpie zwischen den Gruppen. Zügen und Kompagnien veranstaltet werden. Die in d:n llebungcn und Wettkämpsen gewonnene körperliche Tüchtigkeit beiähigt die Ordner, der Arbeiterklasse und ihrcuEinr i�ch t u n g e n ii n d V e r a n st a l i u n g c n den notwendigen Schutz zu- kämmen zu lassen. Sie schützen die Versammlungen der Ar- bester, ibrc Druckereien und Redaktionen und das Arbeiter eigen tum, ein? Rattvendigkeit, die bei den in Lettland'mmer nach nicht besiagien nationalistischen Borstöhen nicht außer acht gelassen werden darf. Wir glauben, erklärte Genosse K o> n i n, in der Verbindung von Juxend, Sport und Schutzorganisation die beste Form für die Betätigung der Sportler und der Jugendlichen gesunden zu haben. Vor allem können wir durch den starken Erfolg bei den Jugendlichen auf eine große Zukunft unserer Bewegung rechnen. Zeder Sporlsunktionür hat die Verpflichtung, der Partei und seiner Gewerlschast anzugehören. Für das lettisch« Heer, dos sich auf dem Milizsystem ausboui, werden jedes Jahr etwa 300 junge Leute aus dem Schutzbund ausgemustert. Der Schutzbund verlang», daß sie es mindestens bis zum Unterosfi- zier bringen. Bis zu 60 Proz. der Unterossiziere der Armee werden bereits von Mitgliedern des Schutzbundes gestellt, das bedeutet ein starkes Gegengewicht gegen die reaktionären Offiziere. In dem lettischen Sport- und Schutzbund ist rein Kommu- n i st. er ist eine Organisation von Sozialisten.„Wir unter- scheiden streng zwischen den Kommunisten und den Arbeitersporllern in Rußland. Zu sportlichen Wckttkämpsen sind wir mehrmals in Rußland gewesen und russische Arbeiterjportler bei uns. Angesichts unserer festen Organisation verzichten die Russen von vorn- herein daraus, aus solchen Reisen politisch Kapital sür sich zu schlagen," schloß Genosse Kalnin seine interessanten Aus- führungen.____ Tonrlften-erein„Sie JUhttfrcnnde", Zentrale Bien. Berlin: Mittmockn 19. Cftoict, 20 Uhr. Auia de» Sopliien-Lmeums, Weinmeister. Nrasie 16/17, Monatsversammlung. Parirag Friedrich Wendel;„Steeisjiige durch die Märchen» und Sagenmell nach klassengeschichtlich-n ffiruudsair»* Gäste willkammen.— Att. Friedrich-b-iu: Tien-Iog, 18. Oktober, 20 Uhr, Gbertyssr. 12.— Abt. Friedenau: Tiensiag, 18. O'ioder, 20 Udr, im Se rn Oifenbachee Sir. 5».— Abt. Noeben! Tienstan. 18. Oktober, 20 Uhr. im Heim Sonnendurger Sir. 20,— Abt. Wedding: Dienstag, 18. Oktob-r, 20 Uhr, Tnrinee Gcke Seeftraße. Literarischer Abend— Abt. Zreptaro: Dienstag, 18. Oktober, 20 Uhr, im Heim E'senttr. 8.— Abt. Pankow: Dienstaa, 18. 2k. toder. 20 Uhr. GötseMIr. 14 Diskussion:„Berklossene„nd zuksi-tflige Abteilungsarbeit."— Abt. Pror, lauer Berg; Donnerstag,'20. Oktober, 20 Uhr, Altersheim Tg», iget Sie. 62.- Abt. Neinickendoes: Donneertag. 20. Dftooer. 30 Uhr, Neinickendorf-Aeft, Seibelslr. 1. Portrag- Abt. Tiergarten: Tannerstag,'20. Oktober. 20 Uhr. in: k>eim Lehrter Sir. 1819.— Abt. Licktep. berg: Tonnerstag, 20 Oktober. 20 Uiir. Parkaue 10..A.phrllckeil."— Abt. Renkölln: Dannerstaa. 20. Oftober. 20 Ubr. Sieinmetzsir. 114. Partrag.— Abt. Südwest: Tonnerstag.'20. Oktober, 20 Uhr, im Deim Porckstr. 11... Naturmlssenschaktlick'e Abi.: Donnerstag. 20. Oktober. 20 Uhr. Iohannisstr. 15. .. Abt. MahUdors; Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, im Heim Sla.il-dorb Adolkste. 25. Ri'derurrei»«orwärt, t». Porstandesitzung Dienstag, 18. Of.oort, 200j Uhr. Mitgliederversammlung Donnerstag, 20. Oktober, 2l Uhr. Mitglieder können sich zur Aufnahme melden. Sportverein Moabit. Dienstag, 19 Uhr, sportärztliche Untersuchung der Waldläufer. Gesundheitsamt Durmstr. 21. Mittwoch. 19 Uhr, Waiblaufabend See» fficke Afrikanische Strafte. 20 Uhr ffinrnnafsifabend Turnhalle Quitzow» strafte 103. Rnberuerein ckellegig E B. Sonntag. 33. Oktober. Abrndern. S ehrten, nnfeftniig zur gemeinsamen Abfahrt der Haneignjppen Freitag, 21. Oktober» ffihctlottenburg, Wielandstr. 4. Skauutechniker und Fabrwarte I. Strei«. Sitzung Dienstag. 18. Oktober, hei Wolter. Rungeftr. 17, 20 Uhr. Tagesordnung: Lehrgang der Sparte. Rennboot» krage. Pootsvermessung. Berschiedeneo. Nr. 492 ♦ 44. �ahrgaag 2. Seilage ües vorwärts Dienstag, IS. Oktober 1927 Der franAöflfth-ameritanisthe Zollbreit Seine Bedeutung für Europa. Der franzöflsch-amerikanische Zollkonslikt nahm bekanntlich seinen Ausgang vom deutsch-französischen Handelsvertrag. Dessen Bedeu- tung liegt nicht nur in dem Umstand, daß die zwei industrie- und finanzkräftigsten Länder des europäischen Kontinents eine feste Basis für den wirtschaftlichen Berkehr untereinander gewannen. Sie lag vor allem darin, daß Frankreich seine Handelspolitik auf der ganzen Linie neu orientieren zu wollen schien. Die Aenderung der französischen Politik. Frankreich hat seit einer Generation das System des sogenannten Doppeltarifs angenommen, das den Zweck haben sollte, die Frei- heit d?r Entschließung des Parlaments zu gewähr- leisten. Obwohl dieses heute schon von fast allen Staaten des euro- pöischen Kontinents erlassene System Minimal- und Maximalzölle besitzt, Hot Frankreich in seiner Handelsvertragspolitik nie die M e i st- begünftigung grundsätzlich bewilligt. Deutschland stand allerdings mit Frankreich bis zum Kriege im Meistbegünstigungsoer- biiltnis, aber nicht auf Grund eines Handelsvertrages, sondern auf Grund der im Frankfurter Frieden festgelegtem „ewigen Meistbegünstigung". Da diese beiden Länder von allen zoll- und handelspolitischen Vorteilen, die sie dritten Staaten gewährten, teilhaben mußten, wurde das System der all- gemeinen Meistbegünstigung geschaffen, das zur Grundlage der durch den Krieg zerstörten weltwirtschaftlichen Verflechtung geworden ist. Diese Verhältnisse haben in der Nachkriegszeit eine grund- sätzliche Aenderung dadurch erfahren, daß Frankreich von der Verpflichtung, Deutschland die Meistbegünstigung zu gewähren, frei wurde, wodurch natürlich die handelspolitischen Verhältnisse ungünstig beeinflußt wurden. Da die handelspolitische Gesetzgebung Frankreichs die allgemein« gegenseitige Meistbegünstigung nicht kennt und nur Verträge zuläßt, die einzelne Zollsätze zwischen Generaltaris und Minimaltarif vertragsmäßig binden, wurden diese Verträge für den Vertragspartner, soweit er nicht den Minimaltarif erhielt, in dem Augenblick wertlos, in dem ein anderes Land einen niedrigeren Zoll- satz vereinbarte, demgegnüber er dann„differenziert" war. Wenn Frankreich nunmehr seine Handelspolitik geändert hat, indem es Deutschland die teilweise Meistbegünstigung einräumte, so dürfte es sich der Konsequenzen bewußt gewesen sein, die daraus für die mit anderen Staaten geschlossenen Handelsverträge zu ziehen waren. Wie aus den mit anderen Bertragsstaaten geführten Ver- Handlungen hervorgeht, ist Frankreich auch durchaus bereit, den bis- herigen Standpunkt gegenüber der Meistbegünstigungsklausel zu ver- lassen. Die Wirkung aber, die der Abschluß des deutsch-französischen .Handelsabkommens auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgeübt hat. dürften die für die französische Handelspolitik verantwortlichen Männer nicht vorausgesehen haben. Zwischen Frankreich und den Vereinigken Staaken besteht kein Handelsvertrag. Als Frankreich im Jahre 1S10 seine letzte große Tarisreform durchführte, räumte es den Dereinigten Staaten von sich aus eine Sonderbehandlung ein und unterwarf die amerikanischen Waren drei verschiedenen Tarisen: erstens eine kleine Anzahl wichtiger Lebensmittel und Rohstoffe, die in einer Liste A aufgeführt sind, dem Minimaltarif: zweitens die zahlreicheren Waren der Liste B dem vor 1910 geltenden niedrigeren Generaltarif. Alle übrigen, keiner der beiden Listen angehöri- gen Waren wurden dem im Jahre 1910 oeränderten neuen General- tarif unterworfen. Auch im Jahre 1921, als oer französische General- oder Maximaltarif zum Schutze gegen die deutsche In- slationseinfuhr auf das Vierfache der Sätze des Minimaltarifs er- höht wurde, hat Frankreich gegenüber Amerika den bisherigen Zu- stand bis zum 3. September, dem Inkrafttreten des deutsch-franzö- fischen Handelsabkommens, beibehalten: für die Liste A galt der Mini maltarif, für die Liste B der Generaltarif vor 1910, und für den Rest der im Jahre 1910 neu festgesetzte Generaltarif. Frankreich hat diese Vergünstigungen ohne jede Gegenleistung van amerikanischer Seite gewährt, da in den Vereinigten Staaten— abgesehen von dem Fordneyschen Ausnahmetarif— nur ein Tarif besteht, der auf die Waren aller Länder Anwendung findet, ohne Rücksicht darauf, ob sie den Vereinigten Staaten die Meistbegünstigung gewähren oder nicht. Infolge des deuksch-französischen Handelsvertrags ändert sich die Situation für die Vereinigten Staaten folgende» maßen: Die amerikanischen Waren der oben erwähnten Liste A genießen wie bisher den Minimaltarif, der aber für eine Anzahl von Waren, die in der Liste B des deutsch-französischen Abkommens auf- geführt sind, erhöht worden ist, da Frankreich das Abkommen dazu benutzte, um die längst geplante Refonn seines Zolltarifs wenigstens auf einem Teilgebiete durchzuführen. Diese erhöhten Sätze gelten also mit Wirkung vom 3. September ab als der neue französische Minimaltarif, der nicht nur auf die Vereinigten Staaten, sondern auf alle Länder ohne Ausnahm« angewandt wird. Für die bisher dem französischen Generaltarif vor 1910 unterliegenden amerikanischen Waren bleiben die bisherigen Sätze bestehen, sofern sie höher sind als die neuen Minimalsätz«: sind sie niedriger, so treten diese neuen Minimalsätze in Kraft, da das französische Zollgesetz eine Ertnäßi- gung von Minimalsätzen ausschließt. Bedeutende Veränderungen ergeben sich für diejenigen amerikanischen Waren, die bisher nicht besonders begünstigt waren, sondern dem 1910 erhöhten Generaltarif unterlagen. Da für alle Artikel, die in List« B des deutsch-französischen Abkommens aufgeführt sind, der Generaltarif— alter Uebung entsprechend— auf das Vierfache der Säße des neuen Mini- maltarifs erhöht worden ist, so gelten auch für die erwähnten ameri- konischen Exportwaren nunmehr die neuen Maximalsätze, deren E r- Mäßigung nach dem französischen Zollgesetz von 1919 den Ver- einigten Staaten nur nach vorausgegangenen Verhandlungen und gegen gleichwertige Konzessionen gewährt werden kann. Als Gegenleistung für eine Ermäßigung verlangt Frank- reich von den Vereinigten Staaten die in einem endgültigen Handels- oertrage festzusetzende Ermäßigung bestimmter amerikanischer Zoll- sätze, die durch ihre enorm« Höhe besonders französische Exportartikel belasten. Demgegenüber berufen sich die vereinigten Skaakea auf die für alle Staaken geltende Unantastbarkeit ihres Tarifs und lehnen es allgemein ab, ihre Zollsätze für einen längeren Zeit- räum festzuhalten oder gar vertraglich zu binden. Da auf dies« Weise ein« graste Unsicherheit in die Handelsbeziehungen getragen wird, fG handelt es sich bei dem fron- zösisch-amerikanischen Zollkonslikt nicht um den Kampf zweier Export- länder ollein, sondern um einen Kampf von grundsätzlicher Bedeutung für ganz Europa! Amerika hat noch immer Zölle, die 80 bis 300 Proz. des Wertes betragen, Frankreich dagegen wie jedes andere europäische Land heute niedrigere Vertrags- z ö l l e, die nach der Annahme des Meistbegünstigungssystems durch Frankreich als allgemeines Zollnivcau anzusehen sind. In den Ge° nuß dieser ermäßigten Zölle gelangen die Vereinigten Staaten ohne irgendwelche Gegenleistung im Wege von Meistbegünstigungsver- trägen, die die übrigen Staaten der Erde«inander handelsvertraglich einräumen. Nachdem die Genfer Weltwirtschaftskonferenz diese Fragen in Fluß gebracht und eine allgemeine Herabsetzung der Zölle sich zum Ziel gesetzt hat, würden die Vereinigten Staaten mit dem Festhalten an ihrer, nur von innerpolitischen und innerwirt- schaftlichen Grstnden bestimmten Handelspolitik den Abbau der hohen Zollschranken erschweren. Z— w. Günstiges Urteil über üie Konjunktur. In ihrem Monatsbericht führt die Direktion der Diskonto- g e s e l l s ch a f t aus, daß weiterhin Einmütigkeit in der Erwar- tung einer günstigen Konjunkturentwicklung herrsche. Di« anhaltend gute Lage In den Schlüsselindustrien und der hohe Beschäftigung-- grad in der Wirtschaft rechtfertigen dieses Urteil, wenn man auch den Eindruck gewinne, daß die Auswirkung der Konjunktur auf den Arbeitsmartt mehr oder weniger auf ihrem Gipfel» punkt angelangt sei. Nach der Meinung der Diskontogesellschast würde das zugleich bedeuten, daß rund 300 000 Menschen auch unter günstigen Konjunkturbedingungen bei der heutigen Wirtschafts- struktur in den Produktionsprozeß nicht eingefügt werden könnten. Di« industrielle Gesamtlage rund« sich zu dem Bilde eines gewissen Bcharrungszustandes, der allerdings durchaus nicht frei von Span- nungeirssi._ Die Kohlenfunöe in Dranüenburg. Preußische Erklärungen gegen eine sinnlose Hetze. Die seinerzeitigen Mitteilungen über ausgefundene Kohlenschätz» vor den Toren Berlins sind sehr aufgebauscht worden. Einmal war das Vorhandensein von Kohlenvorkommen in Brandenburg nichts Neues, zum anderen waren die jetzt entdeckten Flötze von Verhältnis- mäßig so geringer Mächtigkeit, daß an einen Abbau wohl kaum gedacht werden wird. Daß der preußische Staat aber durch einen Landtagsbeschluß das Mutungsrecht verstaatlicht hat. das ist von der schwerkapitalistischen Presse zu einem neuen Feldzug gegen die öffentliche Hand ausgemünzt worden. Alle Rechtsblätter waren voll davon, daß durch den Beschluß des Preußischen Landtages der Beginn mit der Sozialisierung der Bodenschätze gemacht sei. Nun ivärc es wirklich lächerlich, acht Jahre nach den Sozialifierungs- deboiten daraus eine Sensation zu machen. Aber eine Erklärung des preußischen Handels mini st eriums zeigt, dost es sich wirklich nur um eine Hetze mit durchsichtigen Zielen handelt. Die Verordnung über den erweiterten Staatsvorbehalt zur Aufsuchung und Gewinnung von Steinkohle und Erdölen bedeutet daxiach für die Steinkohle nichts Neues. Es wird lediglich eine Lücke ausgefüllt, die das Gesetz vom 18. Juni 1907 gelassen hatte. Schon 1907 wurde stach einem freikonservativen Antrag die Bergbau- freiheit zugunsten des Staates aufgehoben, wobei neben anderen östlichen Provinzen die Provinz Brandenburg zunächst ausgeschlossen wurde. Darüber hinaus hat der preußische Staat selbst mit seinem wissenschaftlichen Institut und seinen finanziellen Mitteln die neuen Lager entdeckt. Soweit die Erweiterung des Staatsoorbehaltes für Erdöl etwas Neues ist, ergibt sie sich als wirtschaftliche Notwendigkeit. Gerade das Privateigentum in dem einzigen preußischen Erdölgebiet Hannover hat dazu geführt, daß nur mit Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse außerhalb der technischen Zweckmäßigkeit Bohrungen vorgenommen worden sind, wodurch das vorhandene Oel verdrängt wurde und auf Dauer der Nutzung ver- loren ging. Das Handelsministerium fügt hinzu, daß für die Behaup- tung, die neue Verordnung sei im Interesse der Preußag erlassen, jeder Beweis fehle. Uebrigens werde es noch weiterer Untersuchungen bedürfen, bevor ein Urteil über die Verwertungs- Möglichkeit der neu entdeckten Bodenschätze möglich sein wird. Die neue Ernte. Die vom Statistischen Reichsamt soeben veröffentlichten An- gaben über Deutschlands Ernte im Jahre 1927 lassen erkennen, daß dieselbe einen etwa 15 Proz. h ö h« r e n E r t r a g als im vorigen Jahre liefert. Beim Weizen beträgt die Steigerung 18,8 Proz., beim Roggen 13,4 Proz. DeutscKlands Ei�inte IQ 1Vi3,1996«.1997 95.9 72.? In Milli oneti dz llQ"/« 01996 Ii 997 16.« Ro�en Weizen G enste Hafer Gegenüber der Ernte für 1911— 1913 macht die Weizenernte 82 Proz. und die Roggencrnte 75,8 Proz. aus. Ohne größeren Zu- schuß' an Brotgetreide wird also Deutschland auch im kommenden Jahre nicht auskommen. Eine genaue Zuschußmenge schon jetzt an- zugeben, ist natürlich unmöglich, aber selbst den eifrigsten Bemühun- gen der deutschen Agrarier wird es nicht gelingen, zu oerhindern, daß im Wirtschaftsjahr 1927/28 Deutschland mindestens ebensoviel Brotgetreide einführt, wie im Wirtschaftsjahr 1925/26, obwohl die Ernte damals etwa 8 Proz. größer war, als die diesjährige. Somit muß Deutschland in diesem Wirtschaftsjahr allein für das Brot- getreide mindestens 400 Millionen Mark an das Ausland abführen. I: 2090 neue Mitglieöer und Absatzsteigerung öer KGö. Das Warenhaus Oranienstraße. Wiederum haben im September annähernd 2000, genauer 1921 Personen den Anschluß an die Konsum-Genossensck>aft Berlin und Umgegend vollzogen. Der Mitgliederbestand erhöhte sich auf 134 322. Das erste Bierteljahr des 29. Geschäftsjahres. Abt. 10 Vi Uhr bei Schmidt, Wiclefstr. 17, wichtige Funktionärsitzung. ZZ. Abt. Die Bezirkssllhrer holen vom Genossen Ben, Goßlcrstr. 1, Material ab. Gleichzeitig sind sämtliche rcsticrenden Beiträge vom Bücherkreis !I. Quartal abzurechnen. Z». Ab». Konferenz der Funktionäre und Elternbeiräte pünktlich 20 Uhr bei Otto, Rigaer Str. 8b. Tagesordnung u. a.:„Die Frage der Gründung weiterer weltlicher Schulen im Bezirk Fricdrichshain. Restloses Erscheinen Pflicht. Ab 10 Uhr rechne» die Bezirksfühber mit dem Kassierer ab. 42. und 43. Abt. 17V-, Uhr Lichtbildervortrag:„Aus der Waffenschmiede der SPD."(Referent Genosse Paul Fellcr) bei Raabc, ssichtestr. 20. Eintritt frei. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich recht zahlreich zu beteilige». 4». Abt.(Schwerhörige). I0Vi Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3 Mitglieder- Versammlung. Vortrag Genosse Willi Wolfs:„Schul- und Erziehungs- fragen." Eharlottenburg. 3t. Abt. 18H Uhr Funktionärverfammlung bei Liersch, Kantstr. 62. Die Gruppen, und Bczirkskassierer müsse» mit ihren Büchern erscheinen.— 37. Abt. 2. Gruppe: 10V-, Uhr Funktionärversammlung bei Thnnack, Wiclandstr. 4. Erscheinen sämtlicher Funktionäre erforderlich. 74. Abt. Fehlcndorf. 20 Uhr im Kaiserhof, Potsdamer Str. 50, Mitgliederversammlung.„Berkehrsproblcmc Groß-Berlins, unter Berücksichtigung der Zehlendorfer Bcrkehrsverhältnisse." Referent Stadtrat Ernst Reuter. 82. Abt. Steglitz. 20 Uhr Lokal des Genossen Schcllhase. Ahornstr. 15, Mit- gliederverfammlung.„Das pazifistischc Frankreich und Europa." Referent Genosse Dr. Leibbrond. 137. Abt. Reinickenborf-West. Mitgliederversammlung im Bolkshaus Scharn- weberstr. 114. Thema:„Sozialdemokratie und Wirtschaftspolitik." Refe» rcnt Genossc Kurt Heimg. 130. Abt. Tegel. Seiligcnsee, Reuheiligenfee, Echnlzendork, Siedlung am Bahnhof Heihgeusee. 20 Uhr im Restaurant Hühnert Mitgliederversammlung. Besprechung und Organisation zur Werbcwoche. -» 0. Abt. Sitzung sämtlicher Bezirkssührer Freitag, 20 Uhr, bei Hübner, Wils» nacker Str. 34. Empfangnahme von Material zur Werbewoche. Ohne Ent. schuldiguna darf niemand fehlen. gung darf Achtung! Die Gruppenführer sowie die Weihnachtskommission treffen sich nicht, wie beabsichtigt, am Donnerstag, 20. Oktober, beim Genossen Altermann, sondern beftlmmt am Freitag, 21. Oktober, 10Vb Uhr, im Lokal von Winzer, Thristburger Ecke Winsstraße. Niemand darf fehlen. Frauenveranstalkungen heute, Dienstag, 19� Uhr: 4. Kreis. Heute Kursusabend im Bezirksamt Danziger Str. 64, Zimmer 311.„Einführung in die Sozialpolitik." Referentin Genossin Luise Schröder. 13. Kreis Tempelhof, Marienbzrs, Lichtenrade, Narienfeldc. Kreis- frauenabend in Kellers ssestsälen, vormals Grassel, Mariendorf, Ehausseestr. 306. Vortrag der Genossin Dr. Wegscheider-Ziegler über: „Staat und Kirche"(Konkordatsfrage). I I I I I I I It-i 45. Abt. Achtung, Genossinnen! Unser Frauenabend findet bei Prüschke, Reichenberger Str. 08, Ecke Ratiborst ratze, statt. NI. Abt. Bohnsdors. Bei Heimann, Waltcrsdorfcr Str. 100, Paradiesgartcn, Bortrag des Genossen Dr. Ecliamann über:„Die Frau im Eherecht." Filmvorführung: RWA.-Booistauic in Grünau. Frauenveranstaltungen am Mittwoch. 19. Oktober, 19i4 Uhr: 7. Kreis Eharlottcnburg. 5im Jugendheim Rossnenstr. 4 Kursusabend:„Ein- sührung in die Wirtschaftspolitik." Referent Genosse Jaduezynski. 25. Abt. Bei Heiles, Prenzlauer Allee 230, Beginn des Kursus über:„Die deutsche Reichsverfassung." Referentin Genossin Beidler. Schöneberg. 7t. und 78. Abt. Bei Knopf, Mühlcnstr. 0, Bortrag des Genossen Landgerlchtsrat Rube» über:„Die Reform des Strafrcchts."— 79. Abt. Bei Groß, Sedanstr. 17, Vortrag der Genossin Marie Kunert, M. b. L., Unser Frauenabend am Mitt- beteiligen uns vollzählig am Kreis» sraucnabcnd am Dienstag, 18. Oktober, in Kellers Fcstsalen, Mariendorf, Ehausseeftr. 306. 110. Abt. Grünau. Bei Werner, Köpenicker Str. 125, Vortrag der Genossin Schcibenhuber über:„Die Frau im Wandel der Jahrhundert«." 136. Abt. Kermsbors. In der Konditorei Dewald, Cchloßstr. 5, Vortrag der Genossin Michaelis über:„Kameradschaft in der Erziehung." über:„Die Geschichte der Frauenbewegung." 85. Abt. Mariendorf. Achtung, Genossinnen! wach, 18. Oktober, fällt aus. Wir betcilil Seseii die SlflO« des MeMM. Dienstag, 18. Okt.. 19 Vs Uhr. in Lichtenberg. Marktstr. 12/13. Aula der Mittelschule. Ref.: Stadlverordn. Dr.itawerau. Mittwoch, 19. Oktober. 19'/? Uhr. im Lehrervereinshaus. Alexanderft. 41. Ref.: Carl Schreck'Bielefeld, M.d.R. Männern Frauen! Beweist durchMafseubesuchEurenwilleuzumkampf gegen inlfnneatflon- ffii Ute Sieileit(et SM. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. � Morgen, Mittwoch, 10 VA Uhr, im Spandauer Kimmer de, Ratskellers, Königstraße(U..Bahnhof Klosterstraß«), Kusammenkunst der sozialistischen Für. sorger(innen), Kindergärtnerinnen. Hortnerinnen. Genossin Toni Psülf. M. b. R., spricht über:„Der Kampf um die Schule, eine politische und kulturelle Eriftenzsrage." Danach Aussprache über den Bortrag und über unser Winterprogramm. Spielgemeinschaft der Zungsozialisien. Prob« am Donnerstag, 20. Oktober, 20>4 Uhr, im Jugendheim Schöneberg, Hauvtstr. 15. Erscheinen unbedingt erforderlich. Lichtenberg: Dienstag, 18. Oktober, 20 Uhr, Aus» � 28. vauviirr. is. sriqeinen unveoinar eriorverum. Zungiozialisten. Gruppe Lichtenberg: Dien- sprachcabcnd im Dibliothckszimmer Weichsclstr. Sozialistische firbeiterjugenö Groß-Serlin. Aameldungca zur Arbeitsaemeiuschast über.Wirtfchaftslehre"(Leiter Ge. nosse Abraham) werden im Jugcndsckretariat»och schriftlich und mündlich entgegengenommen. Die Vorbesprechung für die Teilnehmer findet Sonnabend, 22. Oktober, 10 Uhr, im Lindenheim statt.. „Da, junge Dcutichlanb." Im Anschluß an die Ausstellung spricht der Genosse Dr. Viktor Engelhardt über„Gemeinschaft in der Kultur al» Auf. gäbe sozialistischer Jugend" heute, Dienstag. 18. Oktober, 20 Uhr, in bei Fest. Halle des Schlosses Bcllcvue. Jugendliche 30 Pf., Erwachsene 1 M. Wanderausschuß-Sitzung heute, Dienstag, pünktlich 18 Uhr, im Lesezimmer des Lindenhcimcs. heute, Dienstag, IS. Oktober, 19�4 Uhr: Brunvenplatz: Schule Wiesen- Ecke Panistraße.„Geschichte der Arbeiter. fugend."— Falkplatz: Schule Sberswalder Str. 10.„Soziales Wandern."— Nordost I: Heim Danziger Str. 62. Kchn-Minuten-Rescrate.— Schönhauser Borstadt: Heim Driesener Str. 22. Dortragsabend..' UuterricM Techuilche Privatschul« Dr. Werner. Regicrungs-Baumeister, Berlin. Zican- derstraße 3. Maschinenbau, EIckirolech. nik. Hochbau. Abendlchrgäng«. Tages- lehrgänge_• Prioatzirkcl, Einzelunterricht, Kurz- schritt. Maschinttchreiben. Buchiührung. Bücherrevisor Aulich, Seydelstraß« 1, Epittelmarkt.• Verschiedenes Gewissenhafte Untersuchung. Heb- ammc Luther, Müllerstraße 121._* Detektivburea» Staschel. Chaussecstraße 77 Fernsprecher Raidea 7886. Beobachtungen. Ermittelunaen Au». 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Kleist steht heute an seinem ISO. Geburtstage noch so einsam wie an jenem Novembertage, da er„sich aus der Welt schoß wie einen überflüssigen Sperling". Freilich, Bewunderung, Würdigung, die ihm die Mitwelt versagte, hat er in vollem Maße gefunden: er ist als unser größter Dramatiker anerkannt, und die Bücher, die sich mil ihm beschästigen, umfasien das Tausendfache seines wenig umsang- »eichen Lebenswerkes. Aber Nachfolge ist ihm nicht geworden. Unter allen Späteren hat vielleicht nur einer in seinem Geiste fort- 'geschaffen, und das war ein Maler und Zeichner, war Alfred Nethel, ein wahloerwandtsr Genius, dessen Wege auch zu fernen choch- gebirgen der Form führten, auf die unsere heutige Kunst nicht nach- steigen kann. Keiner der Dichter hat bisher den Bogen des großen Dramatikers zu spannen vermocht, den Kleist ermüdet in die Ecke stellte, so viele sich auch, wie die Freier in der Odyssee, daran ab- mühten. Hebbel und Otto Ludwig mußten sich andere Pfad« suchen, als er gegangen, und die begeistert sich ihm anschlvsien, wie etwa Wildenbruch. blieben auf halber Höhe erschöpft stehen. Und doch wird das deutsche Drama der Zukunft, auf das wir harren, nirgends anknüpfen können als an Kleist, denn er hat einen dramatischen Stil geschaffen aus der Tiefe germanischer Weltanschauung heraus, den rein menschlichen Konflikt des modernen Menschen in den Tiefen des Gefühls aufgespürt, den Zwiespalt zwischen Kops und Herz zum Angelpunkt der Handlung gemacht und alle Mächte des Ideals zum wilden Vernichtungskampf gegen die Wirklichkeit aufgerufen. Er hat dem Kunstwerk der Bühne die psychologische Motivierung ver- liehen, die dem Drama Schillers noch fehlt«, und alles Geschehen allein aus dem Charakter herauswachsen lassen. Um Kleist unter uns so heimisch zu machen, wie er es als die zu- kunstsreichste, am stärksten vorwärtsweisende Macht unserer Dichtung verdient, mußte erst die Wissenschaft sein Leben und Schaffen von all dem Verwirrenden und Entstellenden befreien, das uns so lange dies teure Bild verdunkelt. Notwendigerweise ist der Mittelpunkt der modernen Kleist-Forfchung stets der Mensch Kleist gewesen. denn aus seiner Persönlichkeit allein kann man die Rätsel lösen, die sein Werk aufgibt, und wer das wundersam« Individuum Kleist im Innersten oerstanden hat, wird die Sonderbarkeiten und Schrullen, die.Hypochondrie" und Gewaltsamkeit, an denen Mitwell und Nach- well, Goethe voran, so argen Anstoß nahmen, als«in nicht fort- zudenkendes Grundelement seiner Kunst verstehen. Im allorphischen Mythos von Dionysos, das in Stücke zerrissen sein göttliches Wesen im eigenen Fleisch und Blut durch die Lande tragen läßt, kann man das Symbol dieses Dichterdaseins finden: Seine Werke riß Kleist gleichsam körperlich von sich los, und so stehen sie heute vor uns, starrend von machtvollem Leben, mit„geschwollenen Adern", prall von sinnlicher Anschauung, in ihrer stahlharten Muskulatur, der leidenschaftlichen Anspannung und der Wucht des stets bereiten Stoßes an die Statuen antiker Ringer und Fausttämpser gemahnend. lind diese Urbilder der Kraft sollten von einem Kranken herrühren, einem jener unglücklichen Geister aus dem„Zwilchenreich", die zwischen den Dämmerungen der Phantasie und des Wahnsinns hin- und herfchwanken? Diese Frage umschloß das große Problem der Kleist-Forschung. Nicht nur Kleists Familie, sondern auch fast alle Zeitgenossen hotten in dem„Selbstmörder" eine gescheiterte Existenz gesehen, die den Keim des Untergangs in einer krankhaften Anlage in sich trug. Tieck, der den Toten zum Leben in der Literatur er- weckte, erNärte so manches Rätselvolle aus anormalen Ziigen, und Wilbrandt, der die erste und verständnisvoll nachlebende Biographie schrieb, wob um die Gestall des Helden ein romantisch ungewisses Licht, das doch mehr poetisch als wahrheitsgetreu war. Die Patho- logie fand dann in den Briefen ein weites Feld für gewogteste Der- mutungen. Eingehendes Studium seiner Umgebung und seiner Zeit brachte endlich wichtige Aufschlüsse. Reinhold Steig wies noch, daß die Zeit der„Berliner Kämpfe" in den von ihn, begründeten„Abend- blättern" einen Höhepunkt seines Schaffens darstellt, aus dem er mit geradezu übermenschlicher Energie für seine Ideen gestritten und sich als chn lebenstüchtiger Mensch erwiesen habe. Morris untersuchte Kleists Psyche mit den Augen des Arzte« und erklärte ihn für geistig ganz gesund. Am weitesten aber ging Rahmer, der Kleist als einen oernllnftig tüchtigen Durchschnittsmenschen charakterisierte. Sucht man zwischen solchen Extremen den rechten Mittelweg, dann offenbart sich in des Dichters Leben und Schaffen eine Tragödie von erschütternder Geschlossenheit, wohl würdig des großen Dra- matikers, der er war. Wie ein harter Fels ist seine starre und große Natur; nur langsam und mit zäher Kraft vermag der Baum seines Genies Wurzeln zu schlagen; aber dann graben sie sich immer tiefer, umklammern den Stein und zersprengen ihn schließlich. Wie spät und dann wie maßlos heftig setzt seine Entwicklung ein! Der Nenn- zehnjährige ist noch fast ein Kind. Mit 22 Iahren gibt er in dumpfem Drängen die militärische Laufbahn auf und stürzt sich mit über- triebenem Eifer aus'die Wissenschaften. Seine Lerngier, sein dilcttan- »'scher Lebensplan, feine pädagogischen Prinzipien, die zu Zwangs- Vorstellungen ausarten, die wilde Arbeit am.Ldeen-Magazin"— all das sind Anzeichen des ersten Hervorbrechens eines ungeheuren Willens- und Schaffensdranges. Das zurückgedäinmte Gefühl rächt sich an dem übersättigten Berstand; in einer gewaltsamen Krise, bei der das Studium Kants ein« entscheidende Rolle spielt, bricht sich das Grundclement feines Wesens, die Phantasie, endlich Bahn, und in schmerzhaften Wehen leiner bis ins Mark erschütterten Natur wird so der Dichter in ihm geboren, wird er sich endlich klar darüber, was für eine Welt aus dem Chaos seines Innern entstehen soll. Nicht wie die Lieblinge Apolls wird er von der Muse sanft auf die Stirn geküßt, sondern im gewaltigen Ringen mtt seinem Dämon erzwingt er sich den Segen des Gottes, und nicht unverletzt schreitet er vorwärts, sondern wie einst Jakob nach dem Kampf mit dem Engel mit verrenkter Hüfte. Kleists ganzes Leben vollzieht sich nun in-einer fortgesetzten Folge von Krisen und Ueberwindungen, von geistigen Ekstasen, in denen er sich zu immer höheren Kunstwerken emporschwingt, und schweren Ermattung-zuftSnden, in de ren der Gedanke an Selbstmord immer zwingender an ihn herantritt. Je triuinphierender der Wille siegt in diesem„Kampf um den Trolden in Herz und Hirn", se reiner er das„Schlachtfeld seiner Seele" zum Kunstwerk gestaltet, desto unheimlicher und verderblicher wird der Einfluß dieser Krisen auf die unterwühlte Persönlichkeit, desto mehr wird sein Handeln zu einem Kampf auf Leben und Tod. Die Sehn- sucht nach Liebe und stillem Glück, der Ehrgeiz nach Ruhm, der Durst nach Rache, die Begeisterung fürs Daterland— all diese Triebräder seines Dichtens treten zurück hinter dem stillen Musageten Tod, dessen Schrecken der Prinz von Homburg überwindet, und so geht er nach einem letzten vergeblichen Zusammenraffen aller Kräfte aus dieser Well, wie„wir aus einem Zimmer ins andere gehen". Kleists Werke zeigen wohl olle Wundenmale dieser Helden- mütigen Passion, doch zur unvergänglichen Schönhett erhoben. Sie alle, auch die von Handlung und Leben fast zersprengten Novellen, die ungeduldig hinstürmenden Gedichte, sind die Schöpfungen eines dramatischen Charakters, der sich in gewaltigen Ausbrüchen seines Temperaments entlädt. Die leidenschaftliche Aktivität, die Kleist immer von neuem zu übermäßiger Anspannung, zum stolzen Sich- «mporbäumen gegen widrige Gewalten antreibt, reißt auch seine Dichtung zu einem unaufhaltsamen Rhythmus hin, und aus ihr lodert empor die„rote Flamme des Bluts", der leuchtende Enthusias- Westarps Herausforöerung. «Die Wahlen von 1928 werden ein Hingen nm die wacht mit der Sozialdemokratie fein." Graf Westarp in Stuttgart. ,w:ll üer Herr Graf ein Tänzlein wagen!" MUS, der dionysische Rausch, der die schöpferischen Perioden im Leben des Dichters so völlig beherrscht. Und von diesem ungeheuren Willensmoment wird auch die Phantasie Kleists bestimmt. Sie ist ausgezeichnet durch eine ganz einzigartige Schärfe der Erinnerungs- bilder, vermag aus einer Fülle von Details stets die charakteristischen, die anschaulich klarsten Merkniale einer Vorstellung auszuwählen. So erholten feine Gestalten etwas Scharfes, Stählernes, wirken wie edle Medaillen oder erzene Reliefs. Mit der Plastik des Sehens aber ist ein tiefer Sinn für das Musikalische verschmolzen, ein akustisches Grundgefühl seiner Psyche, das in dem Linearen seines Stils das Melodische erklingen läßt. Es war Kleists höchstes Ziel, seine große „Entdeckung im Gebiet der Kunst", die er als notwendiges Glied in der Reihe der menschlichen Geistestaten ansieht: aus der antiken und modernen Kunst eine Einheit zu schassen, den Stil des Sophokles und Shakespeares in seiner Dichtung zu verbinden. Das herrliche Frogincnt des„Robert Guiscard" gibt ein: Ahnung dieses stolzen Ideals, die Pcnthesilea stellt die Hellenenwelt ins scharfe Licht ewig- menschlicher Leidenschaft, gibt antikes Wesen in einer modernen Form. Und noch vollkommener gelingt es seinen späteren Werken, im psychologischen Charakterdramo stets dos Allgemeingültige, Ewige, Typische hervorzuheben, seine individuellen Gestalten aus deni rein menschlichen Urgrund des Gefühls herauswachsen zu lassen. So er- halten seine Werke die reale Monumentalität und die melodische Stimmungsfülle: so vollzieht sich in feiner gottbegnadeten Phantasie die Geburt des Kunstwerks aus dem Geiste der Musik und der Plastik zugleich. In diesem Sinne ist Kleist ein Vollender, dessen Kunst auch heute noch erst im Beginn ihres fruchtbringenden Lebens steht. Zeitgenossen über Kleist. Von Alfred Hein. Es ist ja allzu bekannt, daß es Kleist nicht vergönnt war, den Ruhm seiner unsterblichen Werke zu Lebzeiten zu erlangen. In seinem Abschiedsbries an seinem Todestage, dem 21. November, den er an seine Schwester Ulrike richtet, erkennt der große Tragödien- schreiber die Tragödie seines jämmerlichen Daseins:„Die Wahrheit ist, daß mir aus Erden nicht zu helfen war." Verlassen, fast ver- lacht, stirbt der Sohn eines großen Adelsgeschlechts. der die Staats- Wissenschaften studiert hat, der um die letzte Leutnantsstelle in der Armee bettelt, ohne sie zu erhalten, der unzählige Gesuche an den König und seine Minister einreicht, ihn durch Anstellung irgend- welcher Art oder Bewilligung einer Entschädigungssumme für die durch die Schuld der Staatskanzlei eingegangenen„Berliner Abend- blätter" zu unterstützen. Nichts! Nichts! Nichts! ist immer wieder die Antwort. Um die Anerkennung seiner Dichtung ringt er längst nicht mehr. All« gehen über ihn als einem Sonderling zur Tages- ordnung über. So verurteilt Goethe den jungen Dichter:„Sein Hypochonder ist gar zu arg... eine schwere Verirrung der Natur, die den Grund ihrer Entschuldigung allein in einer zu großen Reizbarkeit der Nerven oder in einer Krankheit finden kann." Ein andermal:„Mir erregt dieser Dichter immer Schaudern und Abscheu wie ein von der Natur schön intentionierter Körper, der von einer unheilbaren Krankheit ergriffen ist." Arnim, der viel kleinere„Romantiker", wie herablassend schreibt er noch Kleists Tod über diese sehr„eigentümliche, ein wenig ver- drehte Dichternatur":„Der arme Kerl, so wenig Freude mir seine störrische Eigentümlichkeit gemacht hat, er tut mir doch leid, e: meinte es mit seinen Arbeiten so ehrlich." Brentano sieht auch in der geringen Anerkennung von Kleists Dichtungen ein gerechtes Urteil des Schicksals über Kleists eben an- scheinend zu geringe Begabung:„Der arme gute Kerl, seine poetische Decke war ihm zu kurz..." Wenige Wochen vor seinem Tode mußte Kleist noch erleben. daß ihn nicht einmal seine Lieblingsschwester und Freundin Ulrike mehr verstand. Auch sie macht chm schließlich Vorwürfe über sein nutzloses Leben, als er nach Frankfurt a. d. O. kommt, um bei ihr Mittag zu essen. Wie böse die Vorwürfe gewesen sein müssen, kenn- zeichnet sein Verzweiflungsausruf:„Lieber zehnmal den Tod er- leiden, als noch einmal erleben, was ich das letztemal in Frankfurt an der Mittagstafel zwischen meinen beiden Schwestern empfunden habe." Der grausamste und kälteste Ausdruck des Nichtvcrstehens von Kleists wilder eigenmächtiger Seele und seiner Größe dokumentiert aber Hardenbergs Randbemerkung an ein Gesuch um einen Dar- schuß von 20 Louisdor zur Equipierung(Kleist will wieder in den Heeresdienst eintreten). Der Staatskanzler ließ das Gesuch ohne Antwort so lange liegen, bis er eines Tages kurzerhand schreiben konnte:„Zu den Akten, da der p. v. Kleist nicht mehr lebt." Vielleicht sollte dies alles aber an Kleist geschehen wie Golgatha an Christus geschah, um uns zu zeigen, daß ein�so reichbegabter Genius verkannt und zermartert an Leib und Seele mit einem trotzigen Dennoch dem Tode die Seligkeit des ewigen Triumphes abringt, die ihn an seine geliebte Kusine Marie die Worte schreiben läßt: „Meine liebste Marie, wenn du wüßtest, wie der Tod und die Liebe sich abwechseln, um diese letzten Augenblicke meines Lebens mit Blumen, himmlischen und irdischen, zu bekränzen, gewiß. Du würdest mich gern sterben lassen. Ach, ich versichere Dich, ich bin ganz selig. Morgens und abends kniee ich nieder, was ich nie gc- könnt habe, und bete zu Gott: ich kann ihm mein Leben, das aller- qualvollste, das je ein Mensch geführt hat, jetzo danken, weil er es mir durch einen wollüstigsten aller Tode vergütigt." Keists Tod im Lichte dieses Briefes ist die übermenschlichste Tragödie, die je einfach und groß mit Herzblut geschrieben war- den ist. Sie ist der würdige nnt geradezu mathematischer Schlußfolgerung gesetzte Punkt an das Ende seines zeitigen Lebens und den Anfang seiner Unsterblichkeit. Ms der vorgesthichte öer Mark. In der Mark Brandenburg werden seit einigen Monaten Aus- grabungen vorgenommen, die geradezu sensationelle Ergebnisse zeitigten und ganz neues Licht auf die Urbevölkerung der Mark Brandenburg werfen. Sicher ist schon jetzt, daß diefe Urbevölkerung weder aus Germanen, noch aus Slavcn bestand, sondern allem Anscheine nach aus dem uralten Stamm der Thraker oder Illyrer, von denen der Geschichtsschreiber Herodot viel zu berichten weiß. Die Ausgrabungen, die in der Nähe von Frankfurt a. d. Oder vor- genommen werden, haben eine Siedlung offenbart, die mehr als dreitausend Jahre alt ist und ungefähr aus der jüngeren Bronzezeit Europas stammt. Höchst bedeutsam sind die Ergebnisse der Aus- grabungen für die Kennzeichnung des Kulturzustandes jenes Volkes, das hier festen Fuß gefaßt hatte. Insbesondere ist ein Burgwall höchst bemerkenswert, der offenbar eine der ältesten Festungen Deutschlands darstellt. Dieser Burgwall fällt durch die Bauweise auf, die ihm eine ungewöhnliche Festigkeit gab. Es handelt sich um den Burgwall von Lossow, der aus übereinandergetürmten Kisten hergestellt wurde. Diese Kisten wurden von der Urbevölkerung mit Sand oder mit Steinen gefüllt, so daß sie als vorzügliches und undurchdringliches Baumaterial wirkten. Außerdem wurde der Wall noch durch Bretter gestützt, die an der Böschung angebracht waren. Außer von den Kisten, die aus Holzbrettern angefertigt wurden, sind auch noch Uebcrreste von geflochtenen Körben gefunden wor- den, die gleichfalls der Festigkeit des Baues galten. Das ganze Ge> biet, das hier besiedelt und vom Burgwall eingezäunt war, beträgt ungefähr 200 Quadratmeter. Die Ueberraschungen bei der Ausgrabung wurden noch größer, als man mehrere Gruben entdeckte, in denen sich sehr viele Knochen von Rindern, aber auch von Menschen befanden. Diese Knochen deuten durch ihre ganze Art darauf hin, daß es sich nicht um Be- gräbnisstätten handelt, sondern um alte Opserstätten, denn die ein- zelnen Teile der menschlichen Skelette sind völlig gesondert für sich bestattet. Wenn es sich um Begräbnisstätten handeln würde, dann wären die vollständigen Skelette in den Gruben gesunden worden. Nach dem Befunde aber muß festgestellt werden, daß diese Urbeoöl- kerung ihren Göttern Menschenopfer darbrachte. Es wurde unter anderem hier die vorzüglich abgelöste Schädeldecke eines Menschen gefunden, ein Zeichen dafür, daß tatsächlich hier Feste mit Menschen- opfern veranstaltet wurden. Die Ausgrabungen, die unter der Leitung des Abteilungsvorstehcrs des staatlichen Museums für Völ- kerkunde und prähistorische Forschung, Professors Götze, statt- finden, führen demgemäß zu ganz neuen Einblicken in die Beoölke- rungsgestaltung Deutschlands. Durch die Gunst der Verhällnisse ist diese uralte Siedlung so gut erhalten worden, daß man noch heute die Grundrisse der Häuser erkennen kann, in denen die Leut� gewohnt habey.____ Warum Frauen Verbrecher befreien. In Manchester ha' dieser Tage eine Frau zwei Verbrechern geholfen, aus dem Stadtgefängnis zu entfliehen; sie kannte die beiden nicht, wußte nichts von ihnen. und doch unternahm sie die gefährliche Aufgabe, ihnen zur Freihei: zu verhelfen. In einem Londoner Blatt fragt ein Psychologe, was wohl Frauen öfters dazu veranlaßt, Verbrecher bdim Ausbrechen zu unterstützen. Ist es Abenteurerlust? Ist es der Wunsch, etwas Spannendes zu erleben? Nicht sensationslüsterne Mädchen unter- nehmen solche Ding«, sondern meist reifere Frauen, denen sonst jede Extravaganz fernliegt.„Es sind die Mütter der Weit, deren ganzes Glück darin liegt, Unglücklichen zu helfen." sagt der Verfasser.„In jeder Frau liegt die Sehnsucht, die Unterdrückten und Unglücklichen zu unterstützen, mag es sich nun um einen Bettler handeln, einen Verbrecher oder— den eigenen Mann. Sie will helfen aus ver- schiedenen Gründen; dem Bettler, weil sie so mitleidig ist, dem Ver- brecher, weil sie damit etwas Heldenhaftes zu tun glaubt, und dem Gatten, weil alle Männer immer etwas vom Kind« behaiten und den Mutterinstinkt ausrufen. Die Frau jubelt dem Sieger im Lebenskampf, zu und schwärmt für ihn, aber ihre Liebe, ihre Tot- kraft gehört dem Unterlegenen, denn er bedarf ihrer, und indem sie ihm hilft, erfüllt sie ihren Beruf. Mag man daher auch in der B«> freiung von Gefangenen einen irregeleiteten Trieb dieser großen Liebe sehen, so ist doch auch er ein Zeichen der Macht der Mütter lichkeit, die Berge versetzen kann." Beleuchtungskörper | Auch bis zu Monats• WM MM Norden 10334—37 7 Uhr: Zum I. Male; Dorotliea Angennann v. Gerh. Hauptmann Rijit; Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—37 Z>/. U. Ende IOV4 U Ihr Mann Inbgi«! na Pul HanUr iateriicIitspieleDsw. Die Komödie Bismarck 2414/7516 4'/« Uhr. Ende 10«/. Zinsen Komädie von Bernard Shaw Piscatorbfihne fhiat. l Nolltndoiipliti Kurfürst 2001/93 8 Uhr 1, wir von Emst Toller Volksbühne Ideslif am BSIowplati 8 Uhr: llSÄM Q. Liebe TP. in SthlffbinerPamn 8 Uhr; Dazu; Der gemailidte Kommissär Grosses Sdisa Dieliians Seiie zois SO. Täelleb 8 Uhr 1 Ende 11 Uhr: niü.Chare I- Inszenierung mit Kai Pa Ifi-iaerö Rita Georg Ber.dow �ankuhn Szäke Szakalt Werkm: ster Westermeyer "aekson-Beys Sunshlne Qlrls. Aaset. Pro! Stern/ Dirlg. Dr. ROmer Sonntag nachmittag 3 Dhr nnge- kürzte Vor�teilnng za halb. Preisen V«rietl Uhr SüiioiieriianDes Neue* Theater am Zoo Täglich 8'/. Uhr Die lnjtigjD Tlioma-tioniöiilefl. Theater des Westens 8 Uhr: Gastspiel Prltzl Msssary Eine Frau von Format Vaitutiia-incai Täglich 8'/, Uhr; Am ÜDdesheiner SdiloB steht eine Linde Parkett statt« Mk ägl. auch Sonmags nur 00 PL Planetarinm am Zoo Volisi. Judiiinltilu Stnli Noll. 1578 Oer Stsrnenhimnieleul der Reise von Berlin nach dem Aequator Vorführungen; 4'/,. 6, 7'/k 9 Uhr. Eintritt I M. KMir onl. IS Jahna OAOII. Oircus Busch Tägl. 8 Uhr: Paula Busch Ficki wettet am die Welt h. im Admiralspalas Täglich 8'/, Uhr' Die neue DALLER- BEVDE „Wann DDdwor «u> ,v'trma aril��� Uerrnaril>>trnhnisn«!el. Berlin 814, -tBaUitraBr 7z. linicrgr.«ah» Jnielhrücke) Wlcinü"tBetlftrOen, SJnHefltntatrnke«, fert. Heuen, iScttfehcm u. Bettwäsche sfounenh billig. ftillalen: SplUdmarft. Sing, nur«ckeSeyhelftr. UUoUftrofee 21—21 zwischen Roß u. Jnlelstratzs W,»if ol« burger Bio« 2,»cfe iraulenauftraßc, «nb'ailaaßcnftraSe 20, am Noüenborfplatz « Rroaral ieb AN—.TUufir(CreiSfatatoa oratlS cm ©Lungenkranke! Täuscht Euch nicht!& OU ermchmt: Saßen, �achtsam«». Stechen nf». tan bin ftin« Ctibihlnfduino.•Reiiticitiqtr Kompf Pogeqen Ist reiltttti Sils«..NYMPHOSAN- bringt Weit fulf,.«enle, Ut IIa»erorbnen, bejengen»IM horch aMfii»rlii»t«ab «cht-u. Uehirrclchen» Ist die Erteichlemn«,»i» IZoet ein. IN«, prei«»er zl°fch- X. 3 SO, Peruhonbon« Ä.-so. Oitäitiich>n ein ttpolhsfc« bestimmt prlnzeS-ViNorla-ApoIHefe, Berlin N, Doltostrcße 26, TUlffart\17 CT TN r, e f c i— CWw— II. SfflefntitrfUlIer; Zi»mphPlan-äl..S, MOnchc» X/C. JUIeinüSe Jfezsteller: Bose-7heater s>/, Uhr Die Matdilnen- bauer v. Berlin pnunarmoiue 8 Uhl Vagner-Abend des Philharm. Orch. Dlri|. 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Kgst. 3861 J rVnrieizter Tag!- Angenehm durchwärmt und zugfrei. 100- Löwen- Circus HagllBn Alfred Miselder Kaiser ellee, geg. Stadtp, Pfaizb. 2950 TgLSUhr. Sonnt., Mittw.. Sonnabend auch 3 Uhr. Nachm. Kinder halbe Pr. Tgl. ab 10 U. vorm. Proben, Tierschau. — RapbHeifQ'ierungen. Theater am Kottbusser Tor Kuttbusser SlraBo 6. Täglich 8 U- u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger In«roher Form In ihrem Bombenprogramm I Volkspreise von 50 Pf. bis 2J0 M. Sonntagnachmiltag: «rode Fonuiien-Vorsieuiwä Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1.75 M. Reichshallen-Theater Anlang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Ubr Stettiner Sänger Zum Schlußt Eine Hochzell In der MüllerstiaBe sN Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff-Brett'i: Variete, Konzert, Tanz Sn In der GesomtAuflage de*.Vorwärt*" sind besonder* wirk««» and trotzdem sehr billig) tjV. Kervil'unjiktirk 11(Udthuboz) irne. � SPD. w s€€e«ee»«sssssst, Unserem berbienten Genossen und Sladlberordneten Ernst Arndt zum SO. Gbcbnrlslogc und "1 /, Uhr, im«rcmatorium Sertchtftrasie stgil. Um rege Veteiiigung ersucht Der Vorstand der 245. Abtld. der SPD. gür erwiesen« Teilnahme an der Trauerfeier meines Mannes allen «erwandicn und Veiannten, iowie der SPD., 4t. Abt, unseren herz- lichsten Dank. krau Marie Schmidt nebst Kinder. Oas Besle ist MI gel M it meiae Koofiscftai!! Pßfcjter herfcar Aple'iwcla,.»« Oovi«. Ut. 0.90 Fotoilw ifii« Aplelweln,<*. tz°/.. ur. 0,73 Fiisst lütz. Dsueri Obsttrein, c«. 14»/. Li». 0.93 s'nr sät jßdullliboRvßw.«. u'k Ltr. 1.03 FSrKeiH!BT:Sfi|) SptzL-vbllvel?. es.t4'/..Ltr. T.09 LrMzuIDsr SlkideciTfilst. c». U%, SÜD, Lir. 1.<5 üstklus�cr Wcrma!wsüi..... Ltr. T.09 Etäi!« Tarrajona, Sßß...... Ltr. 1.35 Ecfiser firledi. Cesiertweln,«äs. Ltr. T.40 EUTer fBlntr Halaja, ,üü.... Ltr.i.OC sdilar Jasa:#„«adi ib1c!i{r5Uldi"Ltr. T.90 EiWer Insol Sames, tue..... Ltr.l.»0 fcii'Dr Bonro-Por1*eiDt-aa... Ltr. 2.90 Edllw PUijillffete, für Kisoke's, Ltr. 1.30 Liköre— Weinbrand- Jamaiks-Kum jFsinsIerTafeMqaavit... reinster ffeinSraiil-fDndm., .... Ltr. 2.95 -Storn Ltr. 3.20 | FslHisr eittor Wo'üraad,•-sie™. Ltr. 4.20 Eiellüöre. du Fsiosta, its sa%... Ltr. 4,45 i Prima Itm.-RBii-encäJi., ssv,. Ltr. 3.95 i Piüaa lam-Pam-VersiiiiL,«•/,.. Ltr. 4.45 la laa.-Ema-T., 5!«sc, Teerom., Ltr. 5.20 1 Ia AmcTersiuitf, 33°/,..... Ltr. 4.45 KilRbeer-, Kirsch-, Ziiron.nsafS m. feinster Raffinade e ngekocht, Ltr. 2.— WdSwClRe, beste Qualitäten pro Rasche ohne Glas von 1.15 an ! Rot- II. Bordeaux-Wdfne...... pro Flasche ohne Glas von 0.95 an Größtes Spezis&eschSft se!ner Art in Dsuischiand Verkau? direkt vom Faß— Kostproben kostenlos i Srtuc&rd SiissRInci Welngroßliandlung— LiKörlabrlk; Ksup'.geschSfii BrunnenstreSe 42 Steglitz: Seh!oB«lraC© 121; Obersehönewelde t fVilHe�mlsenbolstr. 40; Moabit: U'ilsnnrker Slrafic 25; CbanasveBtraSa 76; UtlllcrctraAa 144; Nenköiln: Berliner Str. IS; Charlottenbarg: Wllmei adorfer Straß« 157; Berlin: Grünaner Straße 15; Petersburger Straße 60; Koppenatraße 87; Pankow: Wollankstraße 98; Spandau: Potadcuner Straße 23. Kruken, Plaacbea usw. worden gollobon!|