Abendausgabe Nr. 493* 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 244 vezusrdtdlnsiing«» mit«n,«!genm»ks« lind in dir Morgenansgab««ns««ebi»i Aedatlloa: STD. M, Cinttcnflrabc i Zrrn>prech«r> VSohoft 292— 29T XeL-Vtceffc Se}lal«(m«rtai Seen« Devlinev Volksvlakt flO Pfennig) v-> Dienstag 1 S. Oktober 1 927 Verlas and Nnzelsenabteilaagi idelldiftezett SÜ bi» S Uhr Cetlrgrr: Bormdrls-Ottlag«mbH. Berlin STD. 08, Llndeastrah« 9 Zernsprecheri VSnhoss 292- 28; Zentralorgan der Sozialdemokrat! fcken parte! Deutfchlands Mbeiternot vor Schulgesetz! Die Sozialdemokratie fordert die sofortige Beratung ihrer Interpellationen. Neben der So2!aldemokratie hat auch das Zentrum im Reichstage eine Interpellation über den mitteldeutschen Streik eingebracht. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- tion— die heute vormittag getagt hat— vertritt mit Entschiedenheit den Standpunkt, daß den Interpellationen über den mitteldeutschen Streik der Vorrang vor allen anderen Beratungsgegenständen gebührt. Sie verlangt, daß die Streikinterpellationen wie auch die sozialdemo- kratische Wirtschaftsinterpellation sofort beraten werden, noch vor dem Schulgesetz. Das Zentrum jedoch will seine eigene Streikinterpellation hinter Schulgesetz und Besoldungsvorlage zurückstellen. Tie Zentrumsinterpellation. Die Abgeordneten I m b u s ch und Stegerwald haben mit der gesamten Fraktion des Zentrums im Reichstag salzende Interpellation eingebracht: Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau brach ein großer Streit aus. weil in der Lohnfrage keine Einigung zu erzielen war. Der Streik muß bei längerer Dauer außerordentlich ungünstig auf die deutsche Wirtschaft und die Lage vieler Bolkskreise wirken. Ist die Reichsregierung bereit, auf eine Beendigung des Kompies hinzuwirken, und«ine befriedigende Regelung der Lohnfrage herbeizuführen? Streitlage in Alittelöeutsthlanö. Uneinigkeit der Unternehmer.- Oppofition gegen die Scharfmacher. halle, Ii. Oktober.(Eigenberichl.) Der in sellener Einmütigkeil durchgeführte Streik hat auf die Unternehmer großen Eindruck gemacht, von unterrichteter Seite erfahren wir. daß zahlreiche Unternehmer die Haltung ihrer ver- lreter gelegentlich der Schiedsfpruchverhondlungen am Areitag voriger Woche in verlin nicht billigen. Zn den llnternehmerverbän- den der mitteldeutschen vraunkohlenindustrie gibt es heute eine sehr starke Oppofition, die mit der Politik der LeiKng der Unternchmerverbönde nicht einverstanden ist. Sie beton«, daß auch ste der Auffassung sind, daß der Streik durch rechtzeitiges Einlenken der Leitung der llnlernehmerverbände zu verhindern gewesen wäre. Dem entspricht, daß bereit» am Sonnabend zahlreiche Unternehmer von sich au» eine Lohnerhöhung von 40 bi» 50 Pf. durchgeführt haben. U. a. ist da» aus der Grub« 3. G. Jarbcn- induftric(Jarbentrust) der Fall. Das Märchen vom Streikterror. Landjäger verbieten das Streitpostenstehen. Halle, ls. Oktober.(Eigeuberichl.) Die Unternehmer lancieren in die bürgerliche Presse sorlgeseßl Nachrichten von angeblichen Terrorakten der Streikenden. Demoegenüber erNären sämtliche Behörden, sowohl der Regie- rungspräsident von Merseburg wie sämtliche Landralsämter. über- einstimmend, daß dl- Ruhe und Ordnung nirgends ge- stört worden Ist. Die angeblichen Terrorakte.linksradikaler Ele- wenle" bestehen nur in der Phantasie der Unternehmer oder der verichterstalter der bürgerlichen Presse. Die Kommunisten haben überhaupt nicht» zu sagen. Der Streik wird von den Gewerkschaften geführt, die die Arbeiterschaft völlig in den Händen haben. Vagegen ist ein bedauerlicher Mlßgrifs der Gen- darmerie festzustellen. Während die Schnpo Im ollgemeinen sich musterhaft verhält, haben die Landjäger den Streikenden das Streikpostenstehen bei der Zeche Alwine verboten. Trotz dieser onzulässigen Parteinahme ist es nirgends zu Unruhen gekommen. Kommunisten! halle, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Eine unrühmliche Ausnahme im Streikgebiet macht die Grube Alwine in der Nähe von Halle. Es kommt eine Belegschaft von etwa 2 Mann in Frage. Die Belegschaft war schon vor Jahren äußerst radikal und gebärdet« sich immer k o m- munistisch. Auch gehören noch heute viele von ihnen dem Roten Fr�uttämpferbund an. Sie haben es aber nicht für notwendig gehalten, sich mit ihren Kameraden solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Selbstverständlich gehören diese famosen„Rlassenkämpfer" auch nicht den Gewerk- schaften an. Die Notstanüsarbeiten auf Grube Golpa. vllterfeld. IS. Oktober.(Eigenbericht.) Die zentrale StreMeitung ist am Dienstag um 11 Uhr zu- s ammengetreten. Erörtert wird vor allen Dingen der Umfang der zu leistenden Rotarbeiten. Auf der Tagesordnung steh« auch die Rotstandsarbeil der Grube Golpa. von der aus auch Lerlin mit Licht und Kraft beliefert wird. E» ist damit zu rechnen, daß der Umfang der von der örtlichen Streikleitung be- willigten Rotflandsarbeiten auf der Grube Golpa durch die zentrale Streikleitung wesentlich eingeschränkt wird. Keine technische Nothilfe l Die In einem Teil der heutigen Morgenpresse bekanntgegebene Meldung, wonach die Technische Nothilfe im Kraftwerk Finkenheerd bereits eingesetzt sei, entspricht nach Mitteilung der Pressestelle der Technischen Nothilse nicht den Tatsachen. Die Unternehmer suchen Streikbrecher. h a l l e. 18. Oktober.(Eigenbericht.) Die Zahl der Streikenden hat am Dienstag weiter zugenommen. Arbeiter, die am Montag der Slreikparole noch nicht gefolgt waren. schlosten sich am Dlenstagmorgen der Bewegung an. Die Werke. die heute noch arbellen, halten den vetrleb fast ausschließlich mit Hilfe der von den Gewerkschaften gestellten Rot- standsarbeiten aufrecht. Streikbrecher find nur in einzelnen und kleineren vetrieben tälig. Die mit Streikbrechern geleistete Arbeit ist für die Gesamtproduktion ohne jede vedeutung. hier und da versuchen die Unternehmer nochmals, durch Lockungen finanzieller Art die Front der streikenden deutschen Berg- arbeiterschast zu durchbrechen. Verschiedene Werke haben durch Anschläge verkündet, pro Mann und pro Schicht»Treuprämien" (Streikbruchprämlea) in höhe von 5 M. zu zahlen. Gerade das hat die Arbeiterschaft weiter erbittert und das Gegenteil des beabsichtigten Erfolges ausgelöst. Die Arbeiter sagen sich: in Verlin erklärten die Unternehmer sich außerstande, den kärglichen Lohn pro Schicht und pro Kops um 80 Pf. zu erhöhen, heute bietet man das Sechsfache an. Linksruck in Norwegen. Sehr starke Zunahme der Sozialdemokratie. Kopenhagen. 1«. Oktober.(Eigenbericht.) Die Reuwahlen in Rorwegen haben der Rechten eine starke Niederlage gebracht. Das konservative Kabinett hat frine Mehrheit verloren. Die vereinigte Arbeiterpartei und die Dauernpartei haben fchoo bei den einstweilen vorliegenden Ergebnissen vom Ilachen Lande mehr Stimmen erhalten als bei der vorigen Wahl im ganzen. Die Kommunisten bleiben bisher hinlep ihrer vorigen Stimmenzahl zurück. Es fehlen noch die Wahlsrgebnisie au» den größeren Städten, namentlich steht auch noch das Ergebnis der Hauptstadt Oslo au». Die Stimmen- zahl der Arbeiterpartei wird sich daher noch wesentlich vermehren. Die bisherigen Zahlen, die ungefähr zwei Drittel des Gesamtergebnisse» umfassen, sind die folgenden! Recht» Z0 4Z4(bei der letzten Wahl 34 575). Bauernpartei 54 530(46 689), Liberale 42 739(49 678), Sozialdemokratische Arbeiterpartei 49 644(32192), Kommunisten 2790(4668). Deutfch-polmsthe Annäherung. Ein Versuch des Verständigungkomitees.— Bereit- Willigkeit für den Handelsvertrag. Warschau, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Der voltsparteilich« Reichstagsabgeordnete Generaldirektor Schmidt- Hirschberg und der Berliner Natioualökonom Professor Julius Wolfs find in Darschau eingetroffen, um hier im Auftrage des deutsch-polnifchen Derständigungskomitees Berlin die Stimmung über den Handelsvertrag zu sondieren. Beide Herren erklärten nach Aussprache mit polnischen Politikern und Wirtschaftsführern aller Richtungen, daß sie über die polnische Bereitwilligkeit zum Vertrage die besten Eindrücke mitnähmen. Während am letzten Besuch das entsprechende polnische Komitee nur zwei Linkspolitiker, der Genosi« Abgeordnete Pragier und der Kleinbauernabgeordnete Lypacewicz, teilnahmen, begrüßte heut« auch der auf der äußer- ften Rechten stehende chrisllich-nationale Abgeordnete Professor S t r o n s t l den deutschen Besuch in Warschau mit einem sehr freund. lichen Artikel. Der Handelsvertrog sei für beide Länder nötig und darüber hinaus geistige Annäherung. An Bewunderung für deutsch« Leistungen habe es in Polen neben anderen histcrisch erNärlichen Gefühlen gegen Deutschland nie gefehlt. Die Grenzen müßten bestehen bleiben, könnten aber in ihrer Wirtschaft- lichen Bedeutung abgebaut werden. Der Ueber-Nieüner in Rom. Jahrzehntelange Gefängnisstrafen gegen Kommunisten. Rom. 18. Oktober. Das außerordentliche Gericht zum Schutze des Staates hat gegen die zehn römischen Kommuni st«n das Urteil gefallt. Der flüchtige Exabgeordnete Grieco wurde zu 17� Jahren Gefängnis und 112 000 Lire Geldstrafe, sowie drei Jahre Spezial- Überwachung verurteilt. Der frühere Abgeordnete N o l l i n c l l a und der Parteisekretär I n n a m o r a t i zu je 14 Jahren 4 Monaten Gefängnis und die übrigen Angeklagten zu 2Vs bis 8 Jahren Ge- jängnis und hohen Geldstrafen. j Schlesien- Grenzlanö! Volk ohne Raum und Raum ohne Volk. Don Max Simon» Neusalz, Mitglied des Preußischen Landtages. Der Gemeindeausschuß, der Siedlungsausschuß für Wohn- und cheimstättenwesen, der Ostausschuß u. a. waren in den letzten Jahren in den Gegenden größter Bevölkerungsdichte Schlesiens, in den großen Städten, im Oberschlesischen, im Langenbielauer und Waldenburger Jndustriebezirk. Sie haben von der Uebervölkerung dieser Bezirke, von ihrer Raumnot, ihrem Wohnungselend, den sozialen Miß- ständen, die sich nach der Weltkriegskatastrophe ins Ungeheure verschärft haben, ein lebendiges Bild erhalten. Eine weniger lebendige Anschauung haben die Parlamentarier dieser Aus- schösse sicherlich von anderen weiten Gebieten Schlesiens, die man als„Raum ohne Volk" charakterisieren kann und die am 9. und 10. September von den Mitgliedern des Preußischen Landtagsausschusses für ländliches Liedlungs- wefen und vom 12. bis 17. September vom Siedlungsaus- schuß des Reichstages in Augenschein genommen wurden. Schlesien mit seinen 600 Kilometern Auslandsgrenzen zeigt ein Bild des Deutschen Reiches im Kleinen. Im Reiche Uebervölkerung im Westen und in den Industriegebieten— und ungeheure menschenarme Flächen in Ostelbien. In Schlesien weit über 250 Einwohner auf einen Quadratkilometer in den Industriegebieten— und anderseits weite menschenarme Flächen, besonders rechtsderOder, in Grenznähe Polens, wo der deutsche Reichsdurchschnitt(132 Einwohner auf einen Quadratkilo- meter) lange nicht erreicht wird, ja, wo die Bevölkerung seit mehr als fünfzig Iahren stark zurückgegangen ist, teilweise bis auf S1 Menschen auf den Quadrat- k i l o m e t e r gesunken ist. Unter Berücksichtigung des Ein- wohner- und Flächenverlustes an Polen ist— nach amtlichen Zahlen der Reichsstatistik— die Bevölkerungszahl allein in sieben Landkreisen des Regierungsbezirkes Breslau rechts der Oder von 348 078 im Jahre 1871 auf 314 15ö im Jahre 1925 zurückgegangen(Verlust an Polen 26 248 Einwohner, Slf.Z Quadratkilometer), 1871 wohnten auf 1 Quadratkilometer im Durchschnitt 63, im Jahre 1925 nur noch 62 Einwohner, während im gleichen Zeitraum in Gesamtschlesien die Be- völkerungsdichte von 92 auf 124 und im Deutschen Reich von 76 auf 132 auf ein Quadratkilometer anstieg. Ein ä h n- licher Rückgang, vor allem der Landbevölkerung, ist in den Grenzkreisen des Regierungsbezirks Liegnitz rechts der Oder zu verzeichnen. Katastrophal wirkt sich diese Abwanderung vom Lande auch für die Eni- wicklung der Städte aus. In den sieben Grenzkreisen des Regierungsbezirkes Breslau betrug die Beoölkerungs- dichte in den Städten 1871 auf den Quadratkilometer noch 419,5 Einwohner, 1925 nur noch 364 Einwohner, in den Landgemeinden dieser Kreise sank die Bevölkerungsdichte von 111,6 auf 87,9 Einwohner pro Quadratkilometer, nur in den immer fast menschenleeren Gutsbezirken stieg sie von 16,1 auf 21,9 Einwohner auf einen Quadrat- kilometer. Die Ursachen zu dieser, trotz aller Neu- und Anliegersiedlungsmaßnahmen zu verzeichnenden Verminderung der Bevölkerung im schlesischen Grenzland liegen in der Vorherrschaft der selbständigen Gutsbezirke und in dem auch in Schlesien außerordentlich zahlreichen Latifundien- besitz. Die obigen sieben Grenzkreise des Regierungsbezirks Breslau rechts der Oder zählen allein 33 Privatbesitzer von je weit über tausend Hektar Land und Forst in einer Privat- Hand, im Kreise Militsch z. B. 8 Privatbesitzer mit 46 454 Hektar Gesamtfläche— 49,9 Proz. der gesamten Kreisfläche. Im Kreise Freystadt(Bez. Liegnitz) besitzen rechts und links der Oder 43 Besitzer von 74 Rittergütern rund 120C)00 Morgen Acker und Wiesen, auf die übrigen 56 000 Menschen des Kreises kommen zusammen nur 80 000 Morgen landwirt- schaftlich genutzter Besitz. Der Regierungsbezirk Liegnitz allein zählt 40 Latifundien, die zumeist wie die Tausende der einzelnen Rittergüter in Schlesien und ganz Ostelbien den jetzigen Umfang als„Familienbesitz" am Anfang des neun- zehnten Jahrhunderts erreichten und durch damalige Be- schlagnahme von Vauernland zu dem jetzigen riesigen „Herreneigentum" erwachsen sind. Jenseits der Grenzen Schlesiens wohnt sowohl in der Tschechoslowakei wie in Polen ein fruchtbareres Geschlecht, das heute schon die gleiche Dichte in seinen Grenz- bezirken erreicht, wie sie der deutsche Reichsdurchschnitt(auf 1 Quadratkilometer 132 Einwohner) aufweist. Diese Länder gewinnen aber durch ihre weitausschauenden A g r a r- reformgesetze, durch eine viel intensivere Bodenbesitz- Verteilung zugunsten der Landhungrigen täglich neuen Raum für neue Bauerngeschlechter. Fast alle Oststaaten und Südost- staaten haben jetzt H ö ch st b e s i tz g r e n z e n. die den Groß- grundbesitz auf wenige hundert Hektar beschränken zugunsten des Kleinbauerntums und einer in den nächsten Jahrzehnten noch zu erwartenden größeren Bevölkerungsvermehrung. Das Deutsche Reich allein weist von Oberschlesien bis zur Ostsee noch den im Durchschnitt gleichgebliebenen riesigen Latifundienbesitz auf, dessen menschenleere Räume alle wachsenden Ost- und Grenzvölker zur Ueberflutung reizen müssen, wenn das Reich nicht selbst diese Gebiete mit seinem Menschenüberfluß aus eigenen übervölkerten Gegenden füllt. Bis 1923 hat Polen 363 000 Hektar früheren Groß- grundbesitzes aufgeteill. Das Agrargesetz vom 28. Dezember 1925 sieht vor, in den nächsten zehn Jahren weiterezwei MillionenHektar- und zwar jährlich 200 000 Hektar — aufzuteilen und zu besiedeln/ Polen w»rd zu diesen Maß- nahmen— die sich im wesentlichen mit gegen den deutschen Besitzstand in den früher preußischen Provinzen Posen und Westpreußen richten— durch seine Uebervölkerung ge- zwunaen. Man vergleiche: Galizien 104, Kongreßpolen durchschnittlich 150, Posen, Westpreußen aber in den zu Preußisch-Schlesien noch gehörenden Landesteilen auf der rechten Oderseite nur 50 bis 60 Menschen auf den Quadrat- kilometer. Auch in der Tschechoslowakei waren riesige Lati- fundien entstanden. Auf der anderen Seite auch hier Ueber- völkerung in Jndustriegegenden und auf dem tschechischen Lande wie in Deutschland Zehntaussnde landwirtschaftlicher Zwergbetriebe, in den Städten ein landhungriges Proletariat. Gewiß ist auch die tschechische Agrarreform vornehmlich eine Enteignung deutscher Großgrundbesitzer dieses Landes, aber die innere Kolonisation wird dort doch einheitlich und groß- zügig durchgeführt. Der Stadt beschlagnahmte am 28. Mo- vember 1918 den gesamten Großgrundbesitz, d. h. alle Güter über 250 Hektar Gesamtfläche bzw. über 150 Hektar land- wirtschaftlich genutzter Fläche. Das Staatliche Bodenamt, am 11. Juni 1919 errichtet, hat als oberste Siedlungshehörde fast unumschränkte Vollmachten: Es wählte die Siedler aus. es ließ nur Restgüter vqn 250 Hektar bestehen, es setzte 94 000 landlose Tschechen neu an und betrieb zu Nutzen der land- wirtschaftlichen Kleinbetriebe aus benachbarten Flächen be- schlagnahmten Großgrundbesitzes eine intensive Anlieger- siedlung. Schon 1925 war die Bodenreform in der Tschecho- slowakei fast durchgeführt, Man wird sich bei uns kritisch einstellen gegen den natio- nalen und politischen Zweck der Enteignung dort drüben, kann kritisch die mehr als notwendigen AbHolzungen der neuen Staatswaldungsn betrachten(der gewaltige Militärapparat große Summen), muß aber die umfassende und erfolgreiche kolonisatorische Tätigkeit auch dieses Grenzstaates der Provinz Schlesien rückhaltlos anerkennen. Auch die Tschechoslowakei zählte schon vor dieser inneren Kolonisation 128 Einwohner auf den Quadratkilometer. Der Menschenüberfluß dieses Staates drängte schon ein Menschenalter vor dem Weltkriege über die Sudeten, obgleich die schlesischen Gebirgskreise stark bevölkert sind. Mindestens 30 000 gebürtige Böhmen wohnen und arbeiten seit Jahrzehnten als Glasmacher, Schleifer usw. in Preußisch-Schlesien. Die slawische Siedlung ist durchgeführt, Schlesien ist ein- geschnürt durch beide Länder, nach dem Reichssiedlungsgesetz sollten 10 Proz. des Großgrundbesitzes über 400 Morgen im Deutschen Reich für Anlieger- und Neusiedlung abgegeben werden, zu etwa 3 Proz. ist das acht Jahr« nach der Revo» lution geschehen, für Anlizgersiedlung ist z. B. in d«r Provinz Schlesien in den Jahren 1919 bis 1923 nur 1,4 Proz. der Gesamtfläche verwendet. Skeptiker urteilen, daß, wenn im Tempo der letzten Jahre weitergearbeitet wird, die Ziele des Reichsfiedlungsgesetzes in den nächsten 120 Jahren endlich erreicht werden, Optimisten berechnen die Zeit der Verwirklichung der im Vergleich zu den slawischen Maß- nahmen befchiedenen Ziele der Reichssiedlungsgesetzgebung auf 5 8 Jahre. Gewiß, acht Jahre nach der Staatsumwälzung,"hat da« Reich am 1. Juli 1926 für Siedlungszwecke 250 Millionen Mark bewilligt, jährlich 50 Millionen Mark sollen den Ländern überwiesen werden, um jährlich dreitausend Siedler ai den Ostmarken anzusetzen. 1 5 000 Siedler in den .igchsten fünf Jahren, man vergleiche damit die Zahl von 9 6 0 0 0 in der kleinen Tschechoslowakei angesetzten Siedlern. Auch Preußen hat im Herbst 1926 für Zwlschenkredite 40 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Richtig ist auch, daß besonders in der Provinz Niederschlesien auf dem freien Gütermarkte Land in großen» Umfange gekauft werden konnte. Die dafür vom Staate an den verkaufenden Groß- oder Latisundienbesitzer gezahlten Preise zwischen 250 bis der Pascha. Don Stefan elpinski. Es war„«un Uhr vormittags. Aula macht« das, was sie seit sechs Jahren immer um dies« Zeit tat. sie räumt« die Zimmer de» Herrn Oberinspektor, aus. Sa—. jetzt nnr noch das Belt zurecht machen, in einer halben Stunde kam der Oberinspektor, der Paniczek*), von seinem Morgenrttt zurück, und dann---—• Zwei Kinder hatte sie schon von ihm und das dritte«vor unt«r- weg* Anka war mit ihrem Lose sehr zufrieden. Sie konnte sich nicht, Besseres wünschen. Sie braucht« nicht die schwere Scharwertsarbelt zu machen wie die anderen uno«rh»irotetcn und»«rheirateten Weiber. Sie ward, von dem Paniczek nicht geschlagen wie dt»se und deren Männer, Brüder und Väter. Sie bekam heimlich da» Jahr drei Scheffel(Berste, einen Scheffel Erbs»n und zehn Schifsel Kartosseln mehr ol» die anderen an Deputat, und ihr Vater hatte den Nachtwächterpostrn erhalten. Auch ihrem Bruder hatte sie einen bevorzugten Posten erwirkt. Der jnhr jeden Morgen die Milch zur Stadt, von wo er dann nach» mittags regelmäßig betrunken zurückkehrte, denn er hatte bald für diesen, bald für jenen etwas mitzimehmen oder mitznbrjngm, wobei uotürlich für ihn immer ein Trinkgeld abfiel. O ja— sie hatte es gut. Sie wurde auch von den meisten beneidet und trug ihren Kops recht hoch. Es war bekannt, daß sie des dein Paniczek manches durchsetzen konnte, und deswegen wagte es keiner, es mit ihr zu perderben, sondern alle redeten ihr gut zum Munde. Und dennoch hatte auch Auto ihre Sorgen. Dieselben Sorgen, die wohl all» di« gchobi haben, die sich in derselbe» Stellung befanden wie sie. Sie wurde hätzlich und all. (Berum so häßlich und alt. wie all« übrigen Weiher de» Ritter- giite» nach der Geburt ihre, zweiten Kindes. Wie hatte der Ponlczek es mit ihrer Vorgängerin, d-r Josefa gemacht, die auch zwei Kinder von ihm Halle? Zuerst hotte er mit Hilfe einiger Gläser Schnaps, ein paar guter Wsrte und etwas Geld«inen der Pferdeknechte dazu gebracht, , dt« Jojeja zu heiraten, und dann war er eines Tage», gerade als die Josefa dabei war. das Bett für den Paniczek und— für sich zurecht zu machen, lu das Zimmer getceien. An der Hand hatte er sie, die Anka, geführt und mit barschen Worten schickte er die Josefa aus dem Zimmer.' Und wie stand es heute? *) Herrch«», 300 Mark für den Morgen sind meiner Ueberzeugung nach aber immer noch eine zu starke Borbelastung für kaufende Neusiedler, die mst Gebäude, Inventar usw. dann immerhin 500 bis 600 Mark pro Morgen zu verzinsen haben. Auch die deutsche Republik wird, wenn sie Greg�lande wie Ostpreußen und Schlesien einer rein friedlichen Ueberflutung durch slawische Völker in den nächsten Jahrzehnten nicht preisgeben will, zur zwangsweisen und billigeren In- anspruchnahme von Groß- und Latifundien- besitz schreiten müssen. Die Forderung des sozialdemokratischen Agrarpro- gramms: i „beiß die landwirtschaftlichen Geoßbesißungen. welche eine nach den örtlichen Verhältnissen zu bemesscnde, optimale, dos heißt die volkswiitschaftlich angemessene Betriebsgröße überschreiten— für de» deutschen Osten etwa 15$ Hektar— den überschießenden Teil an das Reich gegen ein« Entschädigung abzutreten haben, welche nach dem Steuerwert der Grundstücke zu berechnen ist", muß Wahlparole für die nächsten Reichstags- und Preußen- wählen werden, muß durch namentliche Abstimmung im Reichstag Gesetz werden. Der Staat' muh billigeres Bodenvorratsland im Osten, auch in Schlesien, abgeben können, um auch L a n d-■ arbeiter und Minderbemittelte de? landwirtwirtschaftlichen Bevölkerung als Siedler lebensfähig ansetzen zu können, denn über das heute notwendige Eigenkapital von 6000 bis 10 003 Mark verfügen die allerwenigsten Sied- lungsinteressenten und wenn sie noch so sehr das Zeug zu tüchtigen Landwirten in sich tragen. „Gegen den Latifundienbesitz! Für vermehrte Anlieger- und Neusiedlung! Für die Aufhebung der selbständigen Gutsbezirke!" Darum geht es bei asten kommenden Wahlen in Ostelhien.___ Zrieürich Ebert und yinüenburg. Tlufstellung der Büsten der beiden Reichspräsidenten im Reichstag. Die Wandelhalle des Reichstags hat einen neuen Schmuck er- halten. In den beiden Nischen rechts und links vom Hauptportal, das zur großen Freitreppe führt, stehen die weißmarmornen Büsten des ersten Reichepräsidenten Friedrich Ebert, ausgeführt von Bleeker-München, und des zweiten Reichspräsidenten v. Hinden- bürg, ausgeführt von Scharff-Berlin. Die Enthüllung der beiden Skulpturen wurde um 12 Uhr vorgenommen und der Reichstags- präsid-nt Genosse Löhe hiett dabei eine kurze Ansprache, in der er u. a. solgendes ausführte: Bold noch dem Tod« des ersten Reichspräsidenten wurde di« Anregung gegeben, den Verstorbenen durch Ausstellung seiner Büste in diesem Hause zu ehren. Wöhrend noch über diesen Plan beraten wurde, wurde die Anregung dahin erweitert, auch dem Zwesten Reichspräsidenten di« gleiche Ehrung zu erweisen. Diese Absicht ist nun verwirklicht worden. Ebert war ein Mann aus dem Volte. der diesem Haus« lange als Mitglied und als Vorsitzender des Haupt- Ausschusses ongkhörte. Der Zusammenbruch stellte ihn yor neue Ausgaben, die er nicht ahnen konnte, dje«r ober mit staatsmännischer Begabung löste. Auch ein Plann von der anderen Seite, der Abg. v. Kardorfs, hat e? ausgesprochen, daß die Mstwelt diesem Präst- oenun nicht gerecht geworden sei, doß ober die G-fchlchte ihm sein Recht angedelhen lassen werde. Nebzn dem ersten Reichspräsidenten ist auch der zweite, o. HIndenburg, in gleicher Welse geehrt worden. Er hat die Aussicht auf einen ruhigen Lebensabend auf- gegeben, als er durch frei« Volkswahl dazu bestimmt wurde, das Erbe Friedrich Eberts anzutreten. Als Repräsentant des ganzen Volkes, nicht einer einzelnen Partei, wirkt er für den Ausgleich der Gegensätze innerhalb des Aoltsganzen und für sachlich« Aus- tragung notwendiger Kämpf«. Welches Maß von Achtung ihm entgegengebracht wird, hat eben erst die Feier seine» 80. Geburt»- tages bewiesen. Die beiden Standbilder sollen un» daran erinnern. daß das deutsche Volk nicht schlecht fährt, wenn es seine oberste Repräsentation nicht dem Zufall der Geburt überläßt, sondern sie durch frei« Vokkswohi bestimmt. Sie sollen uns aber auch 1'i.11!1"11"!■ W IM IM.1'..1.1" J......'.!» Schon hatte ihr der Panlezsk einen jungen dummen Knecht besorgt, der, mehr durch di« ungewohnten freundlichen Worte be- rauscht, als durch den Schnaps— den er bester vertragen kann—, dem Paniczek versprochen hatte, sie zu heiraten. Anka schauderte. Dann hieß es wieder, Scharwerk Schläge, Schläge— Schar» werk. Tag für Tag. Jahrein, jahraus. Anka beeilt« sich, um mit dem Bettenmachen fertig zu«»erden.— Wer weift, wieviel Mal noch. Sie seufzte. Da ßfinete sich die Tür und herein kam der Paniezek, an der Hand die Veronika, die Tochter de? Arbeiterin Komorowska und de, früheren Oberinspektors, Ein siebzehnjähriges blühendes Mädchen mit etwas einfältigem Gesicht. Mit barschen Worten wurde Anka hinauegewiesen und«einend gehorchte sie. Denn: was soll man machen? «leist. Gedächtnisfeier. Im Pleno rsaol des ehemaligen errenhaule» veranstaltete die Kl e ist- G es e l ls ch a s t und die esellschast der Freund« der Staatsbibliothek aus Anlaß des löv. Geburtstag», des Dichter» Heinrich von Kleist einen Vortrogsabend. Es sollte, wie Professor Petersen von der Berliner Universität einleitend ausführte, ein Ueberdlick über da» Schaffen Kleists gtgeben werden, ein Ueberdlick üb-r da» Geiamtwerk des Dichters, der Dramatiker, Novellist. Lyriker und Essayist war. Professor Ferdinand Gregor! sprach zuerst die Heide,, Estay? über das Marionettentheater und üb-r die Entstehung der Gedanken beim Sprechen, die allerdings eher Nooelleticn als wissenschaftliche Abhandlungen sind. Gundolf erklärt in seinem Kleist-Buch, daß der Dichter, der vor Kants Kritizismus zusammen- brach, kein Denker gewesen ist, und der Kleistjche Essai, ist auch durchaus intuitiv empfunden und kaum da, Resultat ein«« konie- quenten, philosophischen Denkens. Immerhin dürfen dies« Arbesten nicht übersehen werden. Sie charakterisieren Kleist genau so wU der „Nobert Guiscard" oder„Das Erdbeben pcw GbiU"« fcU nicii als dramatische und novellistische Proben gewählt hatte. Gregor! ivrach das Guiscard-Fragment, diese herrliche und größte Dichtung Kleists, während Otto Bernstein- Dresden die vrägiianteste und drama- tische und sprachlich pollendete Npvellc des Dichters mit starkem Aus- druck auswendig rezitierte. Es folgten dann Oden und Apcldisteiz. Im ganzen ein Programm, da, da, Geiamtwerk und die Pcrsönlich. keit des Dichters in knappen Zügett umreißt, das sei» G.-nie und seine Schwächen offenbart, ynd man bedauert, daß es nur einem geladenen Publikum zugänglich gemacht wurde.— t. Daleska Gert, körperlich und seelisch der Groteske oerhaftet, durch bisherige Leistungen unbestritten erste Mclslerin greller Sotir«. erweitert ihr G-bjet, Produziert im? a ch- Sa a l nicht nur ser öse Tänz«(was sie schon früher tatst sondern entschwebt in lyrisch« Blütengärten und Himmrlsiphäre. Erinnert zuweilen an biblische Gemälde Emst Roldea. lliw zeigt doch, wie gering im Grund» ihr« daran erinnern, was Hingabe an die Gemeinschaft by» deutet. Friedrich Ebert ist aus seinem hohen Amt ebenso vermögen,» los, so arm geschieden, wie er es angetreten hatte, und auch fein Nachfolger hat au» dem Opfer, das er durch die Ucbernahme des Imtes gebracht hat, keinen anderen Gewinn als die Ehre. Der Reichstagspräsident dankte schließlich den beiden Künstlern und übernahm ihre Werke in die Obhut der Reichstagsvenvaltung. Damit hatte die schlichte Feier, der die Mitglieder der Reichs reg ir kung, die Angehörigen des verstorbenen Genossen Ebert und zahl- reiche Abgeordnete beigewohnt hatten, ihr Ende erreicht. wir kämpfen- irnü Dul Ein treudeutscher Abend. Was ist ein d e u ff ch« r Abend? Ein deutscher Wend ist, wenn im Konzerthaus Clou der Armeemarsch Rr 7, Pieske» Preußens Gloria, Erinnerungen aus dem Militärleben und der unvermeidNche große Zapfenstreich musiziert werden, wenn ein hiirkJstpei Rezitatpr schlecht und recht Patriotismus vorträgt, wenn einige schwarzweißrote Fahnen einmarschieren. und dabei ein junger Schnösel von Stahlhelm-Tombourmajor Kommiß markiert, wenn Graf Westarp. Ilse Neu mann und Stadtrat Steinhofs Reden reden und alle diese Geräusche in rücksichtslos geführten Unterhaltungen und im Geklirre immer neu gefüllter Biergläser untergehe�.' k Immerhin: ging man ganz nahe an das Nednerputt heran. konnte man die Rede des Grafen«estaep Wer das Thema: W i r kämpf« n.— und Du? verstehen. Sie war in hohem Maße ehrenvoll— für Hit S o z j o l h« m o t r o t i e. Denn Graf Westarp sagte wiederholt klipp und klar, daß die einzigen gefährlichen Gegner der Deutschnationoten wir Sozigldemokratcn sxicn und daß deshalb der große Wahlkampf 1928 in der Hauptsach« zwischen den Deutschnationalen und der Sozialdemokratie ausgefochten«erden würde. Seine gelegentlichen tommuni st Ischen Bunde»» getzvssen erwähnte der Graf mit keiner Silbe, auch über die bürgerlichen Mittelparteien schwieg er sich au». Aber auch noch über ander« Dinge schwieg er. Ein kleiner Better des großen Grafen, ein Leutnant Graf Westarp, sagt« vor acht Jahren im Ledebour-Prozeß, daß man sozialistische Zeitungen nicht mit der Feuerzange anfasse. Der alte Graf behandelte gestern einige heikle Fragen der deutschnationalen Politik genau I o. Mst keinem Worte envöhnte er ,chi« heiligen Farbe» schwarzweißrvt", mit keinem Worte berührte er den mönarch ifchen Gedanken! Ja, diese Richtlinien! Zum Schluß wurde„deutsch getanzt". die Rache an einem Massenmöröer. Ter Prozeß gegen Schwartzbnrd. Heut« beginnt i» Pari« der Prozeß gegen Samuel Schwartzbard,«inen ukrainischen Juden. Gr hat im Mai vorigen Jahre» in Paris den Hetman P« t l j u r a erschossen. P-tkjura war Jahre vorher der Massenmörder seines Volkes gewesen Sein Untergebener Semassento.«ine Bursche von zwanzig Jahren, hatte im Februar 1919 sein« Kosaken aus die Juden der Stadt Proskurow gehetzt. Er hatte seine Kosaken feierlich schwören lassen, nichts zu rauben, kein Schmuckstück, keinen Wertgegenstand an sich zu nehmen. Sie sollten nur morden. Um zwei Uhr nachmittags, am Sabbat, dem 16. Februar, be» gönn da» Pogrom. Um fünf Uhr nachmittqgs lies endlich der Befehl ein, die.Repressalie" zu beenden. 1600 Tote lagen in ihre» Blut». In der Ukraine wurden 1917 bis 1929 mehr als 100 000 Juden gemordet und zu Tode gequält. Di« Periode von Petljura war die fürchterllchsie. Petljura lebt« seitdem in Paris. Er nahm seine Mahlzelten in einem kleinen Restaurant des Boulevard Saint Michael«in. Am 26. Mai 192S sprach Ihn«in junger Mann auf der Straße an:„Herr Petljura?"„Jawohl, ich selbst!" Der jung« Mann schoß seinen Revolver ab. Er hieß Samuel Schwartzbard. Er steht heut« vor den Pariser Geschworenen. Aerwandlunasföhigkeit, wie klein de? Umfang ihre? tänzerischen Ausdrucksmittel Ist. Es sind die gleichen rbychmlfchen Bewegung»- formen, di« den gotisierenden„Erzengel" und di« genialen Karito- turen schaffen. Man erwartet, fürchtet jeden Augenblick, der Götter- böte könnte Kanaille werden, sein keusches Gewand heben und ian- kanicrend die Beine gen Himmel schleudern. Er tut? nicht, aber man kann nicht umhin,«» Ihm zuzutrauen. Liegt«s allein am Aeufteren der Tänzerin? Ich glaube nicht. Di« inner« Struktur, die aststige Einstellung ist«s vor allem, die überzeugendes Schassen in öieser Spbäre verwehrt. Di« Vision erscheint klar, aber die Formung bleibt trübe. Unglückliche Lieb« einer von itn Musen Vielgeliebten. Bleib in deinen Grenzen, Aaleska. Wer die„Amme" und„Ast'Pari?" gestalten kann, hat es nicht nötig, der Barn Kon- kurrenz zu machen.?. S. Streit um die diesjährige Alünchener kuustowssteilung. Prof. Bahn verösfentlicht eine Erkläruna, au» der herrorgeht. daß iniolgo der Dijserenzen wegen der diesjährigen Knnstaucstcllung im Glas- palast Behn als Präsident sowie der gejamte Vorstand der Münchener Künstlerqenossenschaft von Ihrem Amt zurücktreten und außer- dem ihren Austritt au? der Münden«? Kunstlergcnossemchast erklären. Eine Anzahl Mitglieder erklärt sich mit dem bisherigen Prä- sidcnren und dem Vorstand solidarisch und tritt ebenfalls aus. Derjüngungeoperalto». Im Sanatorium Hera In W i c n wurde in Anwesenheit deutscher, englischer, tschechischer, ungarischer und amerikanischer Aerzte sowie zahlreicher Pressevertreter«ine Ver» jüngnngsoperatlon nach dem Versohren Dr. W o r o n o s f s vorgenommen. Verjüngen ließen sich Zwei Kreise im Alter von 66 upd 70 Jnhreii. Die Operation, für die Dr. Woronosi einen Poviqn ap? seinem Tierbestgnde zur Versügung gestellt hatte, be- sorgte der Wiener Chirurg Dr. S ch w e y e r, ein Schüler Woro- noff». In drei Monaten muß es sich zeigen, ob die Aerjüngnng der beiden Greis« gelungen ist � Sttinor Toedi» swievst 31» Tribell und Helga Aanvcmv(Berlin) sind d!« Wllwirsenden der ersten Tanzmatlne e der VolkZstübne EP, in Meier Spiel, eü..?!« TimmnUm« finde» am Zonntaa, dem'JX Oktober, ranntita«, 1 1•/, Uhr. im tbeater am lb li l-> w p i a tz»all. Mitgliedee da» illailablibne«im!>eu fiavlni IN teil bc.'anwen Noipciiauj, stellen-im« Istf ü« po" 1�0 71, JIM tir.ilnlfrter Wim Plesse von 3 2»!. lind A. i„ der(»»»chüstssteve der Bolrtbädne, t/i,i»cnt,r. 227, sowie an den Tdealer« kassen der Firmen Tietz und wertdeim. .S r» szllg« durck, d« kNörcheu- nnb»agenwel» nach Nassengeschlchlfichen Lefliriappnkieil- lanlet da« lkew», öter da» Oen. Friedriiti Wendel in der iiSldsten G>ir.?»liim Znienimtiilntill des Tauristenverein» .D> e N a l n r» r e u n d r" sstci liäle ZS!en>»Prlchi. Die Veranktalliing findet om 19.. 20 Uhr, in der« ch wUl via. D e 1 11 m e i lt e r st r. 16, 17, statt. Gäste find herzlich willkommen Der Eiiitiitt ist Ire i. Di«©olulc Jlt: mann.Jijfie-totj. Lützowstr.?2. erössnet am 23. eine ZluZ'.cllüng der»dolzlkiilpturrn. ttguarelle und geichniinnen van Ehriiloph Voll, der damit zum erstenmal an die Oeljentlichlest tritt. Pro», cadwig vaen stSdlee. bekannt als Heranigeber eine».Handbuch« am(Scichiitc der Talurwlssenlchasten und der Technil-, iorvie ai, E-munler von Slmo.üapfcrn und Voizellanen>» im Nltcr von 80 Jahren a e il 0 r b i N. Seine wertvolle AutvW»t>hentMMlu»a. deren etwa 200000 Nummern sich aus dt- Geschichte der Naturwtsseuichastcn dezoaeru hatte er 1967 der p.euzfich«««taatSdtdliathel geschenkt. � � ij.i. fi„jj•..- �**i'""• peinliche Kragen. Die Bayerische Volkspartei gegen Justizmiuister Gärtner. Der parlamentarische Untersuchungsaueschuß des Bayerischen Landtags hat in seiner letzten Sitzung einstimmig folgende Fest- jtellung getroffen: „Der Untersuchungsaueschuß beschließt auf Grund der bis- herigen Erhebungen festzustellen, daß das Gerücht, als ob der bayerische Iustizmimster die Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Berfahrens gegen Eitler und Genossen angewiesen habe, sich als unwahr erwiesen hat." Die deutschnationale Presse beeilte ssch darauf, diese Feststellung alz«ine völlige„Rechtfertigung" des deutschnationalen Justiz- Ministers Dr G ll r t n e r in die Welt zu posaunen. Dieser etwas voreilige Rehabilitierungsversuch rief nun die Koalitionsbrüder Dr. Gärtners, die Bayerische Volkspartei, auf den Plan, die in ihrem 5)auptorgan. dem„Bayerischen Kurier", ihre bisherige Zurückhaltung ausgibt und sich mit überraschender Schärf« gegen die deutschnational« Auslegung der vom Untersuchungsausschuß ge- trofsenen„Feststellung" weichet. In seinem sehr ausführlichen Leit- artikel M Nr. 288 schreibt der„B a y e r t s ch e Kurier": .Di« negative Feststellung, daß«in« bestimmte Form des Eingreifens in ein schwebendes Verfahren nicht erfolgt ist, läßt ein» ganz« Reihe von anderen Fragen yfs«n, über die der Untersuchungsausschuß noch keine Entscheidung gesSM hat." Es folgt dann ein« Aufzähtung der bisherigen Ergebnisse des Untersuchungsausschusses, wobei u. a. festgestellt wird, daß die daye- rische Justizverwaltung in das Strafverfahren gegen HtUer und Genossen„an verschiedenen Zeitpunkten mit der Wirkung ein- g e g i i f f e n hat» daß in der Strajvcrsolgung ein S t i l l st a n d eintrat". Recht peinlich sind dl« Frag««, die im Anschluß daran vom „Bayerischen Kurier" ausgeworfen werden. Vor allem seien zwei davon hervorgehoben, weil sie verfossungsrechUicher Art sind und unsere Behauptung stützen, daß der bayarische Justizminister die Verfassung oerletzt habe und vor den Staatsgerichtshof gehöre. Das Blatt wirft die Frage aus, ob die Anweisung de» Justizministeriums, die das wegen der Vorgänge vom 1. Ptai 1923 anhängige Verfahren zur„Ruhe" oder zum Stillstand gebracht haben,«in«„Hemmung" eines Verfahrens im Sinne des Z€9 der bayerischen Verfassungsurkund« sei, und w«it«r wird ge- fragt:„Ist die Entscheidung darüber, ob die Durchführung de» Pro- zcsscs mit Rücksicht aus die„Sicherheit" des Lande, zurzeit möglich oder immöglich war. im Einklang mit Satz 1 des g(U der bayerischen v« r fa s s u n g s u r k u nde und im Einver- nehmen mit dem für die Sicherheitsfrage zunächst zuständigen Polizeiministerium erfolgt?"(Der Innenminister wurde bekanntlich gar nicht gehört. D. R»d.) Nach§ 89 der bayerischen Verfassung können anhängige Streit- fachen und strafrechtliche Untersuchungen weder durch den Landtag noch durch die Ministerlen oder sonstige Berwaltungsbe- Hörden glhsmmt werden. Und im ß 84 der bayerischen Per. fassung wird bestimmt:„Das Tesamtministerium wacht über dt« Sicherheit de, Staates." Der devtschnstional« Justizminister Gärtner hielt sich ober für befugt, aus eigener Machtvollkommen- hell Entscheidungen zu treffen, die sich aus die„Sicherheit" des Staates beziehen und hat mit Rücksicht auf diese angeblich durch einen Hitler, Prozeß gesährdet« Staatssicherheit das Strofverfahren zur „Ruhe" verurteilt. Nicht weniger unangenehm dürfte Herrn Gürtner die Frag» de»„Bayerischen Kurier" sein, ob die verzögernd« Sochbehand- lung, die die Justizverwaltung dem Verfahren gegen Hitler ange- delhen ließ, mit dem Charakter diese» Verfahren» als yolksge- richtll ches Persahven vereinbar gewsen sei. Artikel S des Dolks- gencht-gesetzes bestimmte nömlich, daß da» Verfahren vor dem .Volksgeriltst die rascheste Wurteilung der Beschuldigten bezwecke. Der Jiistlzmlnister hatte die Nichtanberaumung eine« Sitzung»- termlns gegen Hitler und Genossen auch damit zu rechtfertigen»ersucht. daß Hitler mit landesverräterischer Verteidigung ge- droht halle. Dazu weist der„Bayerische Kurier" darauf hin. daß das Dollsgerichtsgesetz genügend« Sicherungen(Schweigegebot, Aus- schluh der Oessentlichkeit) bot, um gefährttche außenpolittsch« Räch- Wirkungen zu vermeiden, Im übrigen,„konnte dieser Gesichtspunkt der auhenpokittschen Rückwirkungen von entscheidender Bedeutung sein, nachdem di, öffentlich» bewaffnete Ansammlung vom l. Mai als solche schon landesverrältrischen Charakter trug?" Bisher hat man immer nur Personen wegen„Landesver- rat»" oernrteilt, di« solche illegal» Vorgänge öffentlich kritisierten. Hier wird zum erstenmal von einem Blatte der Richten darauf hingewiesen, daß dies» illegalen Vorgänge In sich schon das Delikt des Landesverrats darstellenl Sine erfreuliche Wendung, die wir gerne registrieren. Noch«in« ganz« Anzahl anderer, für den bayerischen Justiz- minister»cht unbequemer Fragen werben ausgeworfen und zum Schluß wird bemerkt, daß der Untersuchungsausschuß zu keinent der genannten Gesichtspunkt« irgendwie Stellung genommen habe Es könne also unmöglich davon die Rede sein, daß die letzte Feststellung de» Untersuchungsausschusses eine Tlechifnflgvng de» Znstlzminister, in sich schließe. Au» diesem sehr deutlichen Hinweis darf aber keinevweg» ge« schlössen werden, daß»twa die Bayerische Bolkeportes ihrer Koalition mit den Deutschnationalen müde sei. Allenfalls will man Dr. Gürtner persönlich loswerden. Im Hintergrund aber steht die Angst vor den kommenden bayerischen Landtagswahlen. DI« Bayerische volksportet hat da» begreifliche Bedürfnis, ihren Wahl- kämpf nicht mit den Sünden Dr. Gärtners zu belasten, Es wird ihr aber nichts helfen, denn der damalige Ministerpräsident Dr. v. Knilling gehörte ebenso wie Gürtner zu denen, die die Hillerbewegung tolerierten und Knilling ist Mitglied der Bayerischen Bolkspartei. RatowstWTachfpld. Di« Link« beengt um den Frieden Wik Rußland. Paris. 18. Oktober.(Eigenbericht.) Amtlich«ord« mitgeteilt, daß di» letzte Moskauer Not«. welch« di« Abberufung Rokowstls begleiiete, keiner Antwort wert sei. da sie augenscheinlich in einem.Llugenbllck schlechter Laune" verfaßt wurde. Liese Aeußerung wird in der L i n k s p r e s s c scharf kritisiert. „Bolontö" betont, di» Wahrheit sei, daß der Ouai dDrsqy des- halb nicht antworte, weil diese Argumente Tschitscherins UN« widerlegbar seien?»» stelle sich mehr und mehr heraus, welch« schweren Folgen dl« Abberufung Rakowski» für die französisch-russi- schen Beziehungen haben werde, möglicherweise ihren Abbruch Der lozialistische..Svtr" ist der Ansicht, daß dank der Mlnisterschast Briand» dies» letzte Möglichkeit vorläustg ausgeschalte« sei, ober wenn in l>«n nächsten Wahlen der Rationale Alock siegt, würde der Frieden zwischen Frankreich und Rußland schwer bedroht sein. wenn es im Schlosse brennt. Spiel mit dem Leben anderer.- Der Schlohherr sieht zu und befiehlt. Zu der großen Brandtatastrophe auf Schloß Afsing bei Augsburg erfahren wir folgende Einzelheiten aus Augsburg, die noch näher das bereits kritisierte Verhalten des Schloßherrn Freiherrn von Grayenreuth beleuchten: Im Innern de» brennenden Gebäudes arbeiteten di« Feuer- wehrleute mit Heroismus an der Rettung verunglück- ter Kameraden. Angstersüllt und um ihre Angehörigen besorgt, stand die Bevölkerung des Ortes im Schloßgraben und vor den gegenüberliegenden Oetonomiegebäuden. De? Schloßherr. ein echter Junkertyp, sein Bruder mit einem Monokel bewaffnet und seine Gattin standen aus der zur Hauptfront des Gebäudes führenden kleinen Grabenbrücke. Di« Freifrau rauchte, ebenso wie ihr Gatte, Zigarren, während von dem niederbrennenden Ge- bäude Dachbalken, Mauerstein« und Ziegel auf die hingebungsvoll arbeitenden Feuerwehrleute herabprasselten. D i e Freifrau zeigte sich sehr befriedigt, als di« Ahnenbilder, ein großer Stapel von verstaubten Gemälden aus dem brennenden Gebäude getrogen wurden. Auch für die Pelze, die im Jagd- zimmer untergebracht waren, ebenso für eine große Kiste mit Silbergeräten interessierte sie sich lebhaft, während über die Unglücklichen, die bei lebendigem Leib« eingeklemmt jämmer- lich verbrannten, kein Wort de, Bedauern» laut wurde. Der Freiherr hielt es sogar für richtig, die Feuerwehrleute folgender- maßen anzukommandieren: „Feuerwehrleute, antreten! Zhr seid doch da. daß ihr löscht, nicht ober zum herumstehen!" Die edle Frelsrau Äekrästlgte das Kommando ihres Galle« noch mst de« Worte«:»Die Leute sind wirklich saudumm!" Dabei waren dt« Feuerwehrleute ohneLbsLsyngsett dem Aus- bruch des Feuers um die Mittagsstunde herum hks gegen 19 Uhr ständig aus der Brandstelle tätig. Di« Bevölkerung bringt den Hinterbliebenen der unglücklichen sechs Opfer ttefes Mitleid entgegen? ledenfalls ersetzt sie in weit- gehendstem Maße dos, was man von den freiherrlichen Leuten, um deren Eigentum es bei den Löscharbeiten ging, vermißte. Arbeiter und Handwerker haben sich mit bewundernswertem Mut für das freiherrliche Gut eingesetzt. Sie kannten nur ihre Pslicht als Feuerwehrmänner. Im Hinblick auf das Verhalten des Schloßherrn und seiner gelassen am Brücken- geländer lehnenden Zigarren rauchenden Gattin ist wohl die Frage nicht unberechtigt: Wären diese Herrschaften zu solcher aufopfernden Hilssbereitschast angetreten, wenn die amselige Wohnung eines Arbeiters gebrannt hätte? Wissen diese Leute, was es z. B. für die Familie Bergmeicr bedeutet, zwei Söhne im brennenden Schloß zu ver- l i e r e n und den dritten Sohn rauchvergistet nach Haufe zu bekommen? Ahnt die die geretteten Gemälde und Petze in Emp- fang nehmende Schloßherrin die furchtbare Oiuil, die ein schwan- geres Weib, schon Mutter von zwei kleinen Kindern, erfaßt, wenn ihr die Verschüttung des Ernährers gemeldet wird? Es ist kaum anzunehmen, daß die Herrschaften sich auch nur eine Minute lang mit diesen Gedanken beschgstigten. Die tödlich Verunglückten. meist junge Leute, waren gesunde, kräftig« Gestallen, die un- mittelbar von ihrer bescheidenen Kirchweihfreude hinweg an die Rettung des freiherrlichen Schlosses und— in denTod gingen. Der Glasermeisterssohn A sa m aus Lechhausen war sogar mit seinem Motorrad on die Brandstelle geeilt und hatte sofort an den Rettungsarbeiten teilgenommen. Seine Leiche liegt noch unter den Trümmern begraben. Der ungeheure Schaden, den der Brand anrichtete, ist mit einer Million Mark wohl nicht zu hoch geschätzt. Er wird ober weniger den Schloßherrn als sein« Versicherungsgesellschaft treffen..Das Schloß gleicht einer Ruine. Die oberen Stockwerke sind vollkommen ausgebrannt. Ein trostloses Bild der Verwüstung bietet sich dem Beschauer. Kranznieüerlegung am Kleift-Hrab. Tausend Schulkinder kamen. Das Grab Heinrich v. Kleists am Kleinen Wannsee bildete heute den Wallfahrtsort vieler Tausender von Schulkindern. di« au» Berlin. Potsdam und aus anderen Städten der Mark ge- kommen waren, um den deutschen Dichter Heinrich v Kleist zu ehren. Man hatte von jeder»sflzlillen F«t«r on Kleists letzter Ruhestött« abgesehen, und selbst der Platz, aus dem die sterblichen Ueberreste Kleists ruhen, hatte nur einen recht bescheidenen Schmuck erhallen, denn das Bezirksamt Zehiendvrf war der Meinung, daß man den„landschaftlichen Cha- rakter" des kleinen Friedhofs stören würde, wenn man einige frische Blumen auf dem Grab« de» Dichter» niedergelegt hätte. So b«- gnügt« man sich mll«inigen Erikapilanzen, ohne dadurch den verwilderten Charakter der Grabstätte abzuschwächen. Um 9 Uhr morgens legte der Zehlendorfer Bürgermeister Schumacher einen Lorbeerkranz mit den Farben Berlins am Grahhügel nieder. Die Mitglieder de» Berliner Magistrats waren ohne Aus- nahm« dienstlich verhindert und hatten deshalb den Zehlendorfer Gartenbaudirektor beauftragt, einen Kranz für die Stadt Berlin zu überbringen. Luch sonst sah man neben dem»ranz der Familie von Kleist nur wenige Blumen, die von Verehrern j Kleists niedergelegt worden waren. Dafür aber erschienen Tausende, von Schulkindern aus Berlin, Potsdam Brandenburg usw., di« von den Lehrern an dos Grab am Kleinen Wannfe« geführt wurden. Die Prozession der Knaben und Mädchen dauert« bis in die späten Mittagsstunden an. Jugendwelche Ansprachen fanden an Kleists Grab« nicht statt...... Der Leichenfunü in üer Laube. Postbote Seewitz gesteht de« Mord an feiner Frau. Zu dem Tod« der Postbotenfrau S««wltz. über die wir am Sonnabend morgen berichteten, erfahren wir, daß der ver- hastete Ehemann gestern in später Nachtstund» den Kriminalkom- missaren Müller und Rflssvw«üblich ein Geständnis abgelegt hat. Durch die Feststellungen am Tatort und die Ermittlungen hatte dle Kriminalpolizei soviel Belastungsmaterial zusammenge- tragen, daß an der Schuld de» Verhafteten gar nicht mehr zu zweifeln war. Schon die Lage der Leiche ließ«kennen, daß dl« Frau nicht selbst Hand on sich gelegt hatte. Di« von der Klinke herab- hängende Schnur, die Seewitz durchschnitten halle, reicht« bis auf 30 Zentimeter an den Fußboden heran. Dieser Befund lieh einen Selbstmord nicht ganz unmöglich erscheinen. Dazu kam die Au». sag« einer Zeugin, die zu Frau S-iwitz einmal geäußert hatte, wenn sie eine solch« Ehe führen sollt», so würde sie sich lieber aufhängen. Diesen Gedanken hatte aber Frau Seewitz weit von sich gewiesen. Ihr Selbstmord könnte ihrem Mann« nur sehr erwünscht sein. Er könnte dann sein« Geliebt» heiraten, aber die Kinder würden ver- kommen. Trotz des erdrückenden Materials leugnete der Mann auch gestern noch stundenlang. Im Lauf« de» späten Abend» wurden noch mehr Zeugen herangeholt, di» die bereit, erwähnten, mit einer Freundin besprochenen Pläne, die Frau zu beseltlgen, noch weiter bestätigten. Dazu kam der von der Freundw und Ge- liebten de- Aerhastete« angestistete Ueberfall auf«inen Zeugen, einen alten Mann, der zu Ungunsten de» Verdächtigen ausgesagt hatte. Auch dieser llederfnll wurde von weiteren Zeugen noch be- ftätigt. Die Gegenüberstellung mit allen diesen Zeugen brachte See- Witz endlich in» Wanken. Als er dann sah, daß es kein«« Ausweg mehr gab. brach er völlig zusammen. Wie er sagt, war er in der verhängnisvollen Nacht mit seiner Familie nicht nach Haus« ge- gangen, sondern hatte fle in der Laube gelassen. Cr selbst durchs zechte die Rocht, zunächst mit seiner Geliebten und dann allein und kam erst frühmorgens in die Laubs zurück. Als fein« Frau ihm Vorhaltungen macht«, g«iet er in Wut, packte und würgt« sie. bi» sie tot war. Dann knüpfte er sie an der Türklinke auf. um«Inen Selbstmord vorzutäuschen. Um diesen noch wahr- scheinlicher zu machen, schnitt er die Leiche ab, bevor er zur Polizei ging. Seewitz wird heute wegen Totschlage, dem Untersuchungs- richter vorgeführt. „Der jüdische Yauer auf beutscher Scholle." Unter diesem Titel hott« d« Reichshvnd jOdtschcr Frontsoldaten zu einer öffentlichen Kundgebung im eh»mallg«n Herrenhause eingeladen. Sämtlich« jüdische Organisationen der ver- schiedensten Richtung waren vertreten. Nur der Berhand national- deutscher Juden glänzte durch Abwesenheit. Dr. Franz Oppen- h e i m« r. Mitglied des Siedlungsaueschusses, sortiert« in einem großangelegten Referat die Rückfiedelung deutscher Juden aus» Land Der Gedonk« dieser Sieölung sei au» dem besten Geist des Juden- tum» geboren. Es gälte heute» den Juden auf eigenem Grund und Loden wieder seßhast zu machen. Da» deutsch« Judentum sei heut« nicht' mehr mll dem Boden, der Nährmutter ledes Volkstums, verknüpft. Es bestände die Gefahr, daß die Juden als Dolt von„Luft- menschen" sterben müßten. Interessant war im Zusammenhang mll diesen Ausführungen der Hinweis, daß manche jüdisch« Großgrund- besitzer d-ie Anstellung von jüdischen Arbeitern und Angestellten ver- weigerten und auf diese Weise das Siedlungswert schädigten. Oppenheimer bekannte sich in seinem Vortrage auch sonst als scharfer Gegner des Großgrundbesitzes, dem gegenüber er die Schaffung eines unabhängigen Bauerntums forderte. Leider vermißte man genaue Angaben und Ziffern über den tatsächlichen Stand de» jüdischen Siedlungswertes in Deutschland, so daß eine objektiv« Einschätzung dieses Programms auf sein« praktischen Konsequenzen nicht möglich war. Unter den anderen Vorträgen waren besonders bemerkenswert die Ausführungen des Domänendirektors Dyk. der üb« die praktische Arbeit der schon bestehenden jüdischen Siedlungsgesell- schaften in Deutschland einen sehr günstigen Bericht geben tonnte. Es wurde auch noch mitgeteilt, daß der Reichsbund jüdischer Front- soldaten eine Siedlungsgesellschaft für ganz Deutschland gründen will, die alle Organisationen ähnlicher Art umfassen soll. Schwerer Unfall beim U-öahnbau. Bier Arbeiter durch Oase betäubt. In dem Tunnel der im Bau befindlichen U- Schnellbahn Gesund. brunnea— Reukölln, in unmittelbarer Rähe de» Moritz. platze»,«eignete sich heute mittag gegen 12 Ahr ein folgen. ichw«er Unfall, vier Arbeiter wurden durch ausströmende Gase betäubi. Der Feuerwehr gelang es, die vewutzilosen noch langwierigen Bemühungen mit Sauer st off ins Leben zu. rück zurufen. Uebcr den linsall wird uns im einzelnen berichtet: In einem Tunnelabschnill waren vier Arbeiter mit dem V e x, legen von Gasrähren beschäftigt. Aus bisher noch unge- Härter Ursache entströmten größere Gasmengen. Von Arbeitern einer anberen Gruppe wurden alle vier bewußtlos am Boden liegend vorgefunden. Di« Feuerwehr wurde alarmiert, dl« auf den Alarm„Menschenleben in Gefahr" mit mehre- ren Rettungswagen und Sauerstoffapparaten herbeieilt«. Während es gelang, zwei der Verunglückten nach kurzer Zeit ins Leben zurück- zurufen, waren die Wiederbelebungsversuche bei den anderen von längerer Dauer. Ihr Zustand war so bedenklich, daß sie in das Urbankrqnkenhaus übergeführt werden mußten, t�ine polizeilich« Untersuchung ist eingeleitet worden. /Ins dem fahrenden Aug gestürzt. Unfälle auf den Gleisen. Als heute früh der au, Oberschiesien kommende Personen. zug 226 um 5.37 Uhr aus dem Schlesischen Bahnhos fahrplanmäßig eintraf, wurde dem Bahnhofsvorstand von Reisenden die Mitteilung gemacht, daß zwischen den Stationen Sadowa und Karlshorst «ine ältere Frau aus dem fahrenden Zug gestürzt s e t. Die Gleise wurden daraufhin abgesucht und etwa 800 Meter hinter Sadowa die Leiche der Verunglückten, die ein« schwere Schädelverletzung aufwies, gefunden. Nach de» bisherigen Feststellungen hattdell es sich bei der Toten um die kvlöhrig« Elise H i r s ch s« l d ou, der H o ch st r a ß e 38 in Berlin N. Die Frau befand sich auf der Rückfahrt von Breslau nach Berlin und reist« in einem Frauenabteil 4. Klasse. Sie soll sich mit dem Rücken gegen di« Abteiltür gelehnt haben, di» plötzlich aufging, so daß grau H. den Hast verlor und rück- ling, auf die Gleise stürzte. DI« Verletzung mvß a u s der Ste l> e tödlich gewesen sein. c> Vor»inigen Tagen berichtete der„Vorwärts" über eine Kessel- ezploflon auf der Bahnüberführung der sogenannten Gleisallcebrücke in der Kaiserallee zu Wilmersdorf. Heute früh um 8.47 Uhr ereignete sich an derselben Stelle abermals ein eigenartiger Unfall. Durch das Fenster eines Abteile» 3. Klasse des letzte» Wagens eines gerade vorüberfahrendeu Personenzuges flog vlötzlich eine eiserne Schlcnenklemmplotte nick» verletzte den Schleifer Max W. au» der Samoastraße 23 am Kopf erheblich. Eine Arbeiterin Emma B. erlitt einen Nervenschock. Beide wurden von«Inem Dahnarzt behandelt und konnten später in ihr« Woh- rn-ngen entlassen«erden. Die Ursache des Unfalles bedarf noch der Klärung. � Ein weiterer schwerer Unfall auf den Gleisen trug sich In der Nähe des Bahnhofes G r u n« w a l d zu. Hier wurde der Arbeiter Karl Meier aus der B i r t« n st r a ß e 52, der auf einer Leit« stand, di« von einer vorbeifahrenden Lokomo- tiv« gestreift und umgerissen wurde, aufdieStromschienege- schleudert. Er erlitt«ine schwere Schädel Verletzung und mußte In das Westender Krankenhaus übemssü'-f werden. Raubüberfol! in öer Lneörichftadt. Ein verwegen« Raubüberfall wurde heule mltlog gegen H12 Uhr auf da» im dritten Stockwerk gelegene Vnreau der Firma Klausner In d« Kraufenstraße 84 veräbt. Rtit vorgehaltener Pistole drang plötzlich ein Mann ein und hlell die Angestellten«il der Wusse in Schach. Dem Täter sielen 5000 M. bar«« Geld tu die HS, he. Um sein« Flucht zu sichern schnitt er die Telephondräht« durch und entkam nnnkannL wirtsihastliche Reichsglieöerung. Kurzsichtige Widerstände. Genosse Nowak. Vczirkssekretör des ADGD. für Obcrfchlesicn, I.-yreibt uns: Der oberfchlefifchc Zenttumsführer und Reichstagsabgeordnet» U l i tz k a veröfferulichtc in der„Germania" einen vom„Vorwärts" t>crcits besprochenen Artikel, in dem er die Notwendigkeit eines eigenen Landesarbeitsamtes Oberschlesien zu be- gründen versuchte und die Stellungnahme der freien Gewerkschaften kritisierte. Unzweiselhaft bedeutet ein sowohl in seinem Flächeninhalt als auch in der Zahl der Versicherten kleiner Landesorbeitsbezirk wie Obsrschlesieii eine Zersplitterung, die im Gegensag zu unserer grund- säglichen Aussassung steht. Schon die Tatsache, daß in einem Landes- arbeitsomt Oberschlesien die Bearbeitung mehrerer Ressorts durch ein und dieselbe Person vorgesehen ist, gibt unserer grundsäglichen Siellungnichme für eine schärfere Zentralisation recht. Entgegen den ausschließlich politischen Gründen, die zur Er- richtung des Londesarbeitsamles Oberschlcsien geführt hoben, wurde an die Vertreter der freien Gewerkschaften im Verwaltungsausschuh des Candesorbeitsamtes Oberschlcsien das Ansinnen gestellt, einer Entschließung zuzustimmen,, die in ihrer Begründung sich auf wirt- schaitiiche und sozialpolitische Beweggründe stützt, die von ihnen nie anerkannt wurden. Es trifft z. B. nicht zu. daß Oberschlesicn ein in sich obge- lchlossenes Wirtschoftsgebilde ist, denn außer der in den Kreisen Gleiwitz, chindenburg und Beuthen, also im südöstlichsten Zipfel der Provinz, gelagerten Schwerindustrie gibt es in Oberschlesien auch noch namhafte andere Industrien, wie die chemische Industrie, die Industrie der Steine und Erden, die Süßwaren-, Tabak-, Metall- und Tertilinduftrie. Während die Berg- und Hüttenindustrie als in sich abgeschlossen gelten kann, find die anderen genannten Industrien mit Niederschlesten außerordentlich stark ver- b u n d e n. Lolm- und Arbeitsverhältnisie in diesen Industrien wer- den tariflich für ganz Schlesien geregelt. Dasselbe trifft ebenfalls für die Landwirtschaft zu. Gerade die Tat- fache, daß gegenüber der Ist den Städten vorhandenen Dauer- orbeitslofigkeit das vorhandene flache Land nicht aus- reicht, um eine wirksame ilcberleitung Erwerbsloser in die Land- Wirtschaft zu gewährleisten, spricht gegen ein oberschlesisches Landesarbeitsamt. Der Mangel an nennenswerten arbeitsmarki- politischen Beziehungen zwischen Ober- und Niederschlesien ist unseres Dakürbaltens weniger ein Grund für ein eigenes oberschlesisches Landesarbeitsamt, als vielmehr für eine Zusammenlegung der beiden Landssarbeiisümter. Die in verschiedenen P'asen recht scharfe Auseinandersetzung zwischen den beiden Provinzen hat übrigens dazu beigetragen, daß auch auf arv.-i-sma-ktpolitifchem Gebiet die Zusammenarbeit nicht immer den Notwendigkeiten entsprach. Wenn die Begründung serner darauf hinweist, daß durch die eigenartigen Grcnzverhältnisse in Oberschlefien wirtschaftliche Verhältnisse zutage treten, die einer besonderen Bcob- achtung bedürfen, so muh dem entgegengehalten werden, daß Oberschlcsien durchaus keine durchweg eigentümlichen Grenzoerhältniffc MÄÄt- Niederfchlesien und Obcrfchlesicn grenzen gemeinsam im Osten an Polen, im Westen an die Tschechoslowakei. Lediglich die durch Oberschlefien gezogene Grenze zwischen Ost- und Westober- schlesie» bedingt eine besondere Beobachtung, die. aber zweckmäßiger« weise durch die an vieler Grenze gelegenen gut auszubauenden Bezirksarbeitsnochweisämter zu erfolgen Hot. Es kann nicht bestritten werden, daß der Genfer Vertrag, nach welchem den Inhabern von Berkehrskarten bis zum Jahre lS38 das Arbeitsuchen jenseits der Grenze nicht verwehrt werden kann, eigenartige Auswirkungen zeitigt. Die niedrige polnische Valuta bewirkt serner, daß der Drang der astoberschlesischen Arbeiter noch Beschästl- gung in Wejtoberschlesien stark gesördcrt wird. Diesen Tatsachen ober steht ein eigenes Landesarbeitsamt Oberschlesien genau so machtlos gegenüber, wie«in gemeinsames Landesarbeitsamt Schlesien. Wenn wir durch unsere ablehnende Haltung zu erreichen ver- suchen, daß d« Schwergewicht der Arbeitsvermittlung in die Bezirtsarbeitsnachweisämter. also dorthin gelegt wird, mo die genaue Kenntnis der Verhältnisse im engeren Bezirk gewähr- leistet ist, so haben wir den Arbeiten nteressen am besten gedient. Durch eine Zusammenlegung der beiden Landesarbeitsämter wird die Basis st'ir den zwischenbezirklich.en Ausgleich außerordentlich erweitert und dartiit eine weit größere Gewähr dafür gc- fchofien, daß die Erwerbslosen in ihren erlernten Berufen wieder V-schäftigung finden. Dabei haben wir nicht zu allerletzt die dem Induftricrevier Oberschlesien ähnlichen Verhöltnifle des W a l d e n- b u r g e r Reviers im Auge gehabt, die unseres Wissens nach noch nie Leranlassung gegeben haben, für dos Waldenburger Revier ein eigenes Landesarbeitsamt zu fordern. Ein eigenes Landesarbeitsamt Oberschlefien würde auch einen erheblichen Aufwand an Mitteln für die Verwaltung in Anspruch nehmen. Wenn wir nun durch eine Zusammenlegung der beiden Landesarbcitsämtcr eine'Verringerung der Ver- waltungsunkosten erstreben, so haben wir dies ausschließlich im Interesse der Arbeiterschaft getan, denn jeder Mehraufwand an Verwastungsunkosten verringert die Möglichkeit, die Erwerbslosen- sürsorgc in den Unterstützlingssätzen entsprechend den gestellten For- derungen auszubauen. In Einhaltung des im Abftimmungskompf gegebenen Ver- fprcchens haben sich die freien Gewerkschaften jür die selbständige Provinz Oberschlefien eingesetzt. Wenn wir unsere Bc- denken gegen ein eigenes Landesarbeitsamt damals deswegen nicht in den Vordergrund stellten, weil ihre absolute Geltendmachung die volle Einlösung des gegebenen politischen Versprechens behindert hätte, fo wäre des den freien Gewerkschaften trotzdem nie einge- fallen, aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen heraus ein eigenes Landesarbeitsamt für Oberschlesien zu fordern. War damals dos Landesarbeitsamt ein Teil der provinziellen Selb st ver- w a l t u n g, so hat das Gesetz vom 16. Juli 1327 vollkommen ver- änderte Verhältnisse geschaffen. Die Landcsarbeitsämtcr find Reichsan st alten geworden. Ihre Abgrenzung hat nach§ 2 des Gesetzes nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erfolgen. Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte jedoch sprechen gegen ein eigenes Landesarbeitsamt Oberschlefien. und deswegen haben wir im Interesse der Arbeiter für eine Zufammenlcgung der beide» Landcsarbeitsämtcr gestimmt. Die Stellung üec berliner Gewerkschaften. Heber„Die Neuordnung auf dem Gebiet« der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenoerfichcrung" sprach in der gestrigen Plenarver- fammlung des Ortsousschnffes Berlin im Gewerkschoftshaus der Ge- uoffc Siegle. Er gab zunächst einen Ueberblick über den wesentlichsten Inhalt de? Gesetzes und kam dann auf die in der letzten Zeit heftig um- stritten« Frage der Neuorganisation der Landesar. beitsämtcr zu sprechen. Wie bekannt, sollen an Stelle der be- stehenden zweiundzwanzig Landesarbeitsämter dreizehn Landes arbeitsamter entstehen, ebenso sollen an Stelle der etwa S00 Arbeitsnachweise nur noch höchsten 400 kommen. In Berlin-Ara«Idenburg hat man sich lange Zeit um die Zweckniäß gkeü der Zusammenlegung der beiden Landesarbeits- ämter Berkin und Brandenburg gestritten. Der Borstond des Ortsausschusses Berlin hat bis vor kurzen« der Zusammenlegung beider Lande-ordeitsömter heftig widersprochen. Nachdem der Plan der Rcichconstolt jedoch bekannt und aus ihm zu ersehen war, daß er nach großen wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf- gestellt war. mußte der Borstand seine Aussassung ändern. Er kam zu der Usberzeugung, daß er bei der Beibehaltung seines bis- hcrigen Standpunktes die portikularistischea Bestrebungen, wie sie z� D. Bayern verfolgt, unterstützen würde. In der Richtigkeit seiner Auflassung wurde der Vorstand des Ortsausschusics noch bestärkt durch die widersprechende Stellungnahm« der Verwaltungsausschüsse der Landesarbeitsämter Berlin und Brandenburg. Während der Verwaltungsausschuß des Londesorbeitsamts Berlin den Plan der Reichsanftalt einstimmig gebilligt hat. hoben im Verwaltungsaus- Ichuß des Landesorbeitsamts Brandenburg nur die sechs Arbeiter- Vertreter und ein Vertreter der Errichtungsgemeind« dafür, sämtliche anderen Vertreten, darunter die Unternehmer, dagegen gestimmt. Interessant ist auch, daß sich in Berlin die Vertreter der Metall- i n d li st r i« für die Zusammenlegung ausgesprochen haben, die Vertreter' der Zlletallindustcie der Provinz aber dagegen. Es ist klar, daß die Unternehmer der Provinz nur aus lohnpoliti- scheu Gründen die Zusammenlegung der beiden Landesarbeits- ämter ablehn«. Diese Stellungnahme der Unternehmer gerade ist es, die die Gewerkschaften davon überzeugt hat, daß ihre Aufsasiung die richtige war. In der kurzen Diskussion vertraten olle Redner die Ausfassung des Ressrenten, nur einige kommunistische Delegierte versuchten das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung zu kritisieren und waren der Aussassung, daß man das ganze Gesetz schon im Reichstag hätte zu Fall bringen müssen. Womit wohl eine besiere Organisation der Arbeitsvermittlung erreicht worden wäre? die koholpt und ihre Arbeiterschaft. Me man die Tarife umgeht. Das deutsche Unternehmertum ist bekannt sür seine Schäbigkcit, mit der es Akkordlöhne herabdrückt. Wenn die Arbeiterschaft, ge- trieben durch die wirtsckiastliche Not, angepeitscht durch rasfinierte Antreibersysteme ihr« Leistungen steigert, um ihren Hungerlohn um einige Pfennige zu erhöhen, dann kommt das profitgierig« Unternehmertum und setzt die Akkordlöhne herab. Dann kann das grausame Spiel, das Wettrennen der Not des Arbeiters »nd seinem Willen zum Leben aufs neue beginne». Daß sich das natürliche Gerechtigkeitsgefühl der Arbeiterschaft dagegen, empört, ist erklärlich. Es wäre traurig, wenn es anders wäre. Diese schäbigen Ausbeutermethoden hat sich auch der englische Harrison-Konzern. der Besitzer der K o h o l y t A.-Ä. zu eigen gemacht. In der ihm gehörigen Papierfabrik Hille- ao sse» be! Diekekekd war eine Beteiebsoereindarung zwischen Betriebsrat und Finna getroffen, daß zu den bestehenden Tariflöhnen eine Prämie gezahlt werden soll«, die sich nach der Höhe der Produktion richtet. Diese Vereinbarung sollte bis zum Ablauf des Lohntariss Gellung haben. Den Zweck des Prämicnzuschlogs er- reichte die Firma in ausgiebigem Maße. Bei einer V e r m i n d e- rung der Belegschaft um 100 Mann(zirka 20 Proz. der Ge- samtbelegschast) stieg die P r o d u k t i o n s l c i st u n g um elf Prozent gegenüber den» Vorjahre. Am 1. August 1927 trat eine tariflich« Lohnsteigerung von 5 Pf. pro Stunde ein. Die Firma zahlte bis zum 2S. August die erhöhten Tariflöhne plus Prämie. Am 26. August kürzte die Firma dikta- torisch die Prämie um den Betrag der tariflichen Lohnstelgerung, so daß die Arbeiter der Papierfabrik Hillegossen nur den gleichen Lohn bezogen w'e vor der Tariferhöhung, d. h. sie zog ihnen die tarifltch« Lohnerhöhung durch Herabsetzung derPrämien wieder ab. Dabei hat die Koholyt A.-G. für das Geschäftsjahr 1926/27 den ungeheuren Rohgswinn von 9,04 Millionen und nach 860 000 M. Abschreibungen 2,99 Millionen Reingewinn erzielt. 14 Proz. Divi- dend« werden an die englischen und deutschen Aktionäre verteilt. Nach ihrem eigenen Geschäftsbericht konnte die Gesellschaft ihre Er- Zeugnisse zu zufriedenstellenden Preisen absetzen. Der Harrisan- Konzern muß in seinen englischen Papierfabriken die d o p p c l- ten Arbeitslöhne zahlen für Leistungen, die schwerlich die der deutschen Arbeiter übertreffen. Die Arbeiterschaft, vertreten durch den Verband der Fabrik- arbeiter Deutschlands, hat die betreffenden Schlichtungsstellen ange- rufen. Hoffentlich gelingt es ihnen, diese hinterhältige und empörende Lohnherabsetzung rückgängig zu machen. Die Arbeiterschaft ist nicht gewillt, sie sich gefallen zu lasten. Demonstrationsstreik in Polen. Warschau. 18. Oktober.(Eigenbericht.) In ganz Polen findet morgen ein eintägiger Bankbeamten- streik zur Unterstützung eines bereits fast einmonatigen Streikkampfes in der größten Warschauer Aktienbank, der Bank der Dyskontowy, statt. Wirtschaft Neue Zufton in der chemischen Industrie. Die S o ch t l e b« n A.- G. für Bergbau, und chemische Industrie in Köln beabsichtigt, die Harkortsch-n Bergwerke und ehemische Fabriken A.-G. in Haspe und Gotha auf dem Wege der Vcrschnielzung ihrem Unternehmen einzugliedern. Die Sacht- leben A.-G., die zum Frankfurter Metallbankkonzern g-hSrt und erst im Oktober 1926 nach ZvsammenMllß der Gewerkschaften Sochtleben und Silicia mit 12 Millionen Aktienkapital in Aktion trat, treib: seit Anfang des Jahres«in« starteLusdehnungs- Politik. Mit dem Farbentrust durch Rohstasflieserungen aus ihren Schwerspatgruben und sabrikatorisch« Zusanrmenarbell verbunden, hat die Sachtleben A.-G. gemeinsam mit ihm sich maßgebenden Einfluß bei der A.-G. für chemische Industrie� Gelsen. k i r ch« n, gesichert und damit ihre Stellung in dem für die Bau- Wirtschaft wichtigen L i t h o p o n e(Malerfarb«)�yndikat sehr ver- stärkt. Ferner hat die Gesellschaft im Sommer durch Aufkauf der Chemischen Fabrik Marienhütt« in Braunschweig ihr Tätigteitsseld auch nach Mitteldeutschland verlegt. Das Intereste der Sachtleben A.-G. an den Harkortschen Werten liegt nicht in den chemischen Betrieben, sondern den Schweselkiesberg- werken dieser Gesellschaft, die an die Gruben von Sachtleben grenzen. Im übrigen ging es der Harkort A.-G. nach dem Verlust ihrer siebenbürgischen Bergwerke und durch die ständig sinkende Kon- kurrcnzfähigkeit auf dam Chemiemarkt seit längerer Zeit schlecht. Ein hoher Buchverlust, der aus dem Verkauf der Heinrichshaller Betriebe entstand, machte neben den anderen Schwierigkeiten ein« Kapitalzusommenlegung notwendig, so daß die Verwaltung unter diesen Umständen in einer Fusion das kleinere Uebel erblickte. Ob die Sochtleben A.-G. ihr Kapital für die Durchführung der Fusion erhöhen wird, steht noch nicht fest. Die Harkortschen chemi- scheu Betriebe in Haspe sollen stillgelegt werden, da die Sachtleben A.-G. für eine Weitersührung des dortigen Werkes kein Intereste hat.__ Günstige Handelsbilanz der Tschechei. Wenn gute Handelsbilanzen ein Zeichen für den Wohlstand eines Volkes sind, so muß es ber Tschechoslowakei sehr gut gehen. Der Ausfuhrüberschuß dieses Landes hat sich im September 1927 gegenüber dem September vorigen Jahre? von 116 ans 415 Millionen Tschechenkronen erhöht. Die Fertigwarenaussuhr ist dabei von 968 auf 1420 Millionen Kronen gestiegen, also in einem Jahr um rund 5 0 Proz. Ebenso günstig ist die Entwicklung in den drei Vierteljahren von Januar bis September 1927. Der Ausfuhrüberschuß hat sich in dieser Zeit gegenüber dem Vorjahr von 1125 auf 1729 Millionen Tschechcnkronen erhöht, also ebenfalls außer- ordentlich stark. Sicher ist auch Deutschland an dieser Mehraussuhr der Tschechoslowakei in erheblichem Umfang beteiligt. Veraniwortlicki für Politik.- Kr. llurt Wir!sfl: Vcwcrkl'chi>»lsbew.--iunllrlon Dr. M und Eonsligr»: Fritz---- Petlai und Zirischaft: S. ftltiiftrihüsirz WWWWWW....... W....». J. z-d»«chu»»»li: Colalci; d Lonsiiar«: Fritz Rarsteid»! iinzriarn: Ttz.©lurtr; sämtlich in Berlin g: Lormärto-Verlag®. ra. d K.. Berlin Druck: Vorwärta-Buchdruckerr« Lcrlaaaanllal» Paul Singer v So. Berlin SD 68, Lindcnstrakr 3. Uranio-�erbe-Wettbewerb 1000 Hark in Bar- und BuchprSmien sind für die besten..UranU"- Werber aasae- worlcn. Jeder kann sich betetliqen. auch der kleinste Erfolq wird belohnt Die..Uranta** beginnt soeben ihren 4. Jahrgang. Sie ist reich Illustriert, anschaulich, beiehrend, aoiklirend und unterhaltend zugleich. Alte freiqeislUj und fortschrittlich einqesleliten Menschen, euch d e bildungshunqnga, nalurilebaade reifere Juqead raQÖ:« sie lesen. Helft alle mit. neue Abon- nenfan zu gewinnen. Der best 3 Werber erhält RM.ioo bar „ zweitbest#„. ► 70» . drittbeste„, 63. „ eiertbeste...■»0- „ fOnftbest».- 20„ . seebstbeste... 10„ We'tere 270 Werber erhalten Bnch- oräm'.en In Gesamtwerte von RM. 300 Am 31. Okt. 1927 ist Schluß des Wettbewerbes. Probtlielte anil MeuMlil koilraloil Haoptexpedition des„Vorwärts" Berlin SW68, UndenstraBe 3 Bevor Sielapeten kaufen! mflssen Sie die Ausstellung der Tapcfca-Spexlalflnn« Tapeten-Stahlke Lindower StraBo 5 im Rlngbahnboeen am Ausgang Bahnhof Wedding, Untergrundbahn-Station Wedding gesehen haben. Mi 4 Schau'erufer lichtbett&ndige Tapeten mm mit billigen Enj;roei> überzeugen. tag pnrm waödon weisen tnsrosöcrnö 40 BW »» Erspar als»- Per weuesie Weö loJmf fc»