Nr. 494 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe tk Nr. 251 Bezugspreis: WSchknM-b 70 Pknniq, moaaWch S- Seidismotf voraus«abwar. Unter Streifband im In» und Ausland SM Reichsmark vro Monat. Vit.LormSrt»' mit der illnlirier- ten Eonnwgsdeilage.Volk und Ieif fomie de» Beilagen.llnterb-ltnng vnb Wissen"..Aus der Mlnuvelt". »grauen gimme",.Der Kinder» freund"..Iugend-Borwärts".»Blick in die Bilchermelt" und Jtultur» •tbeit* erscheint wochentiiglich«Ott» mal. Sonntag» und Montag- einmal. Telegramm-Adrefle: »sozialdemolral Bettln" Morgenausgabe Btvilmt VolKsvlakt Groß-Berlia 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: ®t« eiBloaltttc Zionpareille» teile 80 Vlennia. ReNameirile 5/- Reichsmark.»Kleine A»«eigen" das fettaednickte Wort 25 Pfenni» («ulärn«»roei fettoedruckie Woriel. ledes weitere Wort 12 Pfennig. Siellenaesuche da« erste Wort lö Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Ober 15 Buch- Raben«stillen fiir«toci Worte. «rbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. ifmnilienonteigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. Stnjeigenannnbme im Hauptgefchaki. rindenstraste 8, wochentäglich von 8t4 bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokrat! fchen Partei Deutfchlands Neüaktion unö Verlag: Serlin SV). HS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Mittwoch, den 19. Oktober 1927 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV). öS, Linöenstr.Z B-stlchecklonto-«erlin Vi SM-«anNonto: Bank»er«rbeiie». Angeftelte, nnd Beamten«allltr. 65-«iskonto-Selelfchnft. Denofttenkafte binden ftr.». Keine Zeit für Arbeiterfragen! Der Reichstag berät das Schulgesetz!- Keine Zeit für Arbeiter! Keine Zeit für Rentner! Das erste Siegesbulletin des Bürgerblods wurde schon gestern abend durch Herrn hugenbergs„Nachtausgabe" aus- gegeben. Ein Vorstoß der Opposition ist glanzvoll abge- schlagen, der sozialdemokratische Antrag, die Not und den L>.ampf der mitteldeutschen Bergleute zu be- sprechen, statt dieses elenden Schulgesetzes, ist abgelehnt. Unter der geistigen Führung der K e u d e l l und Mumm und der unübertrefflichen Geschäftsführung des deutschnationalen Vizepräsidenten Graes feiert der Bürgerblock Triumphe. Es war wirklich ein schöner Anfang, und da man stch auf der Rechten über ihn so freut, so sei gleich dazu ver- sprachen.' Die Sozialdemokratie wird das Ihre dazu tun, daß es auch so weitergeht. Dem Bürgerblock soll, so oft chm lieb ist— und möglicherweise noch öfter— Gelegenheit gegeben werden, so zu„siegen", wie er gestern gesiegt hat. Ernstlich gesprochen: Niemand hat geglaubt, daß der Bürgerblock gleich bei den ersten Geschäftsordnungsobstim- inungcn nach den Ferien auseinanderfallen würde. Wohl hat auch das Zentrum eine Interpellation über Mittel- demschland eingebracht, aber es ist ihm damit gar nickt so eilig. Am Sonnabend, wenn alles schon wieder nach Hause fahren will, kann vielleicht auch das noch nebenbei erledigt werden— Zunächst aber muß das Schulgesetz in den Ausschuß. Was wird dort sein Schicksal sein? Der Demokrat Haas hat auf feine Frage, ob auch die v o l k s p a r t e i l i ch e n Minister den Entwurf decken— die nationalliberale Agitation im Lande behauptet das Gegenteil—, keine Antwort erhalten. Seins Hilflosigkeit, der Herr Reichsinnenminister, schwingt ein Blatt nach dem anderen, um den Entwurf zu verteidigen, und läßt eins nach dem anderen auf das Pult fallen. Außer diesem Manuskript hat er eine ausgezeichnet gebundene Krawatte und eine melancholische Stinllocke zur Ausübung seines Berufs mitgebracht, sonst aber nichts, gar nichts. In seiner Rede gibt es nur einen Höhepunkt:„Es ist nicht meine Aufgabe..." liest er'von einem Blatt und stockt, um zum nächsten zu greifen.„Sehr richtig!" dröhnt von links ein Maffenchor des 5?ohns. Nach diesem ermunternden Zwischenfall schlief jedoch der Reichstag so fest ein, daß der Redner der Sozialdemokratie, Genosse Schreck, Mühe hatte, ihn wieder zu wecken. Das aelang chm zunächst, indem er sich bei Herrn o. Keudell nach dem Stand des Falles v. T r c s ck o w erkundigte. Herr n. Keudell sah erstaunt mif. und die melancholische Stirnlocke rutschte etwas tiefer. Sonst gab er natürlich keine Antwort. Sehr geschickt und unter allgemeinem Beifall der Fraktion entwickelte Schreck den sozialdemokratischen Standpunkt: Grundsätzlich im Ziel für die wellliche Schule, in diesem Kampf aber vor allem für die Verfassung und für den Schutz der Gemeinschaftsschule gegen den Versuch einer ver- fassungswidrigen Gesetzgebung. Daß dem deutichnationolen Lizentiaten Mumm bei dem Gedanken, die Schule in die Hand der schwarzweißroten Landeskirche zu bekommen, schon das Wasser im Munde zu- sammenläuft, ist menschlich verständlich. Aber ist es schon so weit? Die Rede des Zentrumsmannes Rheinländer klingt nicht sehr zuversichtlich. Und heute spricht für die Partei, von der alles weitere abhängt, für die V o l t s- p a r r e i, Herr Runkel— und alles weitere ist dunkel. Zum Schluß spielte man zu Ehren Heinrich von Kleists eine kleine Uebertragnna des„Zerbrochenen Krugs" ins Parlamentarische. Mit der gleichen Meisterschaft wie der Dorfrichter Adam die Prozeßordnung, handhabte der deutsch- nationale Vizepräsident. Landgerichtsdirektor und Betnahe- Justizminister Graes die Geschäftsordnung des Reichstags. Man lachte Tränen, und erst nach und nach überwog der Ge- danke, ob es denn nicht eine Schande fei, den Tribünen einen so geführten Reichstag zu zeigen. Der politische Sinn der Komödie bestand darin, daß Herr Graes seinen Partei- genossen die Entscheidung darüber ersparen wollte, ob ein demokratischer Antrag für ein Rentneroersorgungs- gesetz auf die Tagesordnung gesetzt werden solle oder nicht. Das mißlang jedoch, und die Deutschnationalen mußten durch ihr Sitzenbleiben zeigen, daß sie für Notleidende keine Zeit haben, möge es sich nun um streikende Arbeiter oder um Rentner handeln.. � Der Bürgerblock ist mit diesem Tag zufrieden? Wir sind es doppelt! Nur so weiter! Heute Uhr Protefiversammluug im Lehrervercinshaus. Alexanderplatz.— Refereui: Genosse Schreck- Bielefeld. Die erste Sitzung des Reichstags wurde gestern um 15 Uhr vom Präsidenten Lobe eröffnet. Dos Haus ist gut besucht, die Tribünen find überfüllt. Abg. Müller-Franken(Soz.): Ich beantrage im Auftrage der sozioldlmtotratischen Frattion die e r st e Lesung des Reichsschulgefetzes, die als erster Punkt auf der Tigesordnung steht, wieder abzusetzen. Dieser Antrag meiner Fraktion ist sehr verständlich nach dem Schicksal, das die Regierungsvorlage im R e i ch s r a t gehabt hat. Ich glaube nicht, daß seit dem Bestehen des Deutschen Reiches etwas Derartiges schon dagewesen ist. Die Vorlage ist im Reichsrat abgelehnt worden. Was tut die Regierung? Sie bringt ihren alten Gesetzentwurf unverändert wieder ein, der z weiset- los verfassungsändernden Charakter hat.(Sehr wahr bei den Soz.) Der Reichsregierung ist es nicht gelungen, zu einer Verständigung mit den Ländern zu kommen. Es ist doch wenig wahrscheinlich, daß sich im Reichstag eine Mehrheit dafür finden wird.(Zuruf rechte: Dafür lassen Sie uns sorgen.) Es liegt also keine Veranlassung vor, jetzt In die Beratung dieses Gesetzentwurse» einzutreten uod die Zell nutzlos zu vertrödeln. (Zustimmung bei den Soz.— Lachen bei den Regierungsparteien.) Meine Fraktion schlägt vor. an Stelle des Reichsschulgesetzentwurfes die sozialdemokratische Interpellation über die Wirt- s ch a s t s l a g e als ersten Punkt auf die heutige Tagesordnung zu setzen. Außerdem ist es notwendig, die von uns jetzt eingebrachte Interpellation über den Streik im mitteldeutschen Braunkohleureoier sosort zu beraten. Ich mache noch be- sonders darauf aufmerksam, daß in diesem Streik die Gewerkschaften aller drei Richtungen Seite an Seite kämpfen. Ich weiß, daß die Frist für die Beratung dieser Interpellation noch nicht oerstrichen ist, aber ich halt« es für ausgeschlossen, daß die Regierung sich in diesem Falle hinter Formalitäten zurückziehen kann.(Sehr wahr be! den Soz.) Wir müssen noch in dieser Woche über diese wichtige Frage sprechen, um die Gefahren abzuwenden, die dem Wirt- schastsleben ans diesem Kampfe drohen; der Reichstag hat die Pflicht, der Regierung die Marschroute vorzuschreiben, die sie im Intekesss der Bevölkerung einzuschlagen Hot.(Lebhafter Beisall bei den Soz.) Abg. Fcick(Nat.-Soz.) wünscht Beratung der Novelle zun, Reichsve reinsge setz. Abg. S locker(Komm.) beantragt gleichfalls die Absetzung des Schulgesetzenlrourfs von der Tagesordnung. Er begründet einige Anträge der kommunistischen Fraktion zur sozialen Fürsorge und beantragt zum Schluß die Auflösung des Reichstags. Zur Forlsetzung des Einigungs. und Schlichtungsverfahrens im LoHnslreik im INiileldeukschea Braunkohlenbergbau hat der Schlich- ker die Parteien aus Donnerstag, den 20. Oktober, nach Berlin ge- laden. Aufruf üer Streikleitung. halle, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Die Zentral st reikleitung w Holle hat am Dienstag- abend folgenden Aufruf erlassen: „Die mitteldeutsche» Braunkohlenbergarbeiter stehen seit Montag im Streik zur Erzielung besserer Löhne. Dieser Kamps ist rein wirt- schastlicher Natur; er hat mit anderen Bestrebungen nichts zu tun. Der Lohnkamps wird nur von den Gewerkschaften gesühtt. Obwohl nicht der mindeste Anlaß zu besonderen politischen Maß- nahmen vorliegt, haben eine Anzahl Behörden, insbesondere in den Revieren Halle, Kastel, Helnistedt und Senstenbevg, Polizei- Verstärkungen durchgesührt. Teilweise haben Landjäger und Schupo eine ein- seitige Haltung gegen die Streikenden eingenommen, sogar Flugblätter beschlagnah nit und das Streik- posten stehen zu verhindern gesucht. Bei vielen Werken sind Polizeiksmmandos stationiert worden. Gegen diese Maßnahmen sind bei de» zuständigen Regierungsstelle« Beschwer- den erhoben worden. Es hat den Ansck)-in, als ab einige Behörden völlig unter dem Einfluß der Grubendirektionen stehen. Wir halten diese Palizeimaßnahme für völlig unberechtigt und für nicht notwendig. Streikleitungen und Streitende werden ohne Mit- hilf« der Polizei alles tun. was notwendig zur Anfrechterhalfamg der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit stt. Die Streikleitung for- dert aber dennoch die Belegschaft der mitteldeutschen Braunkohlen- Reichsarbeitsminister Brauns erklärt zu der soziaidemokrastschcn Interpellation, daß das Reichsarbeitsministerium tn ständiger Fühlung mit beiden Parteien im Bergarbeiterstreik stehe.. Es sei begründete Hoffnung vorhanden, daß die Verhandlungen in den nächsten Tagen wieder ausgenommen und zu einer Be- friedigung führen würden. Aus sachlichen Gründen sei es nicht zweckmäßig, jetzt schon in die Beratung der sozialdemokratischen Interpellation einzutreten, aber vor Ablauf dieser Woche sei die Regierung zu ihrer Beantwortung bereit. Gros Westarp(Dnat.) wendet sich gegen die Absetzung der Schulvorloge, da deren Beratung den Dispositionen des Hanfes entspreche. Abg. Haas(Dem.) weist darauf hin, daß draußen im Lande gesagt wurde, die volksporteilichen Mitglieder der Regierung hätten sich mit der Einbringung der Vorlag« nicht «inverstanden erklärt.(HörtI hört! links.) Der Redner wünscht eine Erklärung der Regierung, ob das der Fall sei oder ob darüber Einstimmigkeit im Kabinett herrsche. Abg. Zadasch(Komm.) bringt einen Mißtraue nsantrog gegen den Reichsarbeitsminister Brauns ein und verweist dabei auf die Angriste, die im„8-Uhr-Abenblati" gegen den Minister wegen seines Verhaltens im mitteldeutschen Bergbaukonslikt erhoben worden seien. Reichsarbeitsminister Brauns weist diese Angrisse als durchaus falsch zurück. Abg. v. GuSrard(Z.) bestreitet, daß die S ch u l v o r l a g e verfassungsändernden Charakter habe. Die Reichs- regierung sei befugt gewesen, die Vorlage auch nach der Ablehnung im Rcichsrat hier einzubringen, ohne daß sie sagen müfje, wie der Beschluß darüber zustande gekommen sei. Das Zentrum war schon an sehr vielen Regierungen beteiligt.(Heiterkeit.) Wenn Sie das noch nicht bemerkt haben, so tut es mir leid.(Erneute Heiterkeit.) Abg. Haas(Dem.) wiederholtesein Verlangen, daß die Regierung ein« Erklärung darüber abgeben solle, wie die volksporteilichen Minister zu der Schulvorlage stehen. Tu« sie dos nicht, so werde man im Lande wissen, wie das Verholten der Volkspartei einzu- schätzen sei.— Damit ist die Geschäftsordnungsdebatte beendet. Der sozialdemokratische Antrag auf Absehung des Schulgesetz- cnkwurss und aus die Besprechung der sozialdemokratischen ünlerpellallouen wird von den Regierungsparteien abgelehnt, ebenso die weiteren Anträge zur Tagesordnung. Das Haus beginnt dann die erste Beratung des Entwurfs eines Reichsschulgesetzes. Sie wird begründet vom Reichsinnenmtnister Keudell. Ueber die Veratungen berichten wir in der Beilage. industrie dringend auf, Ordnung undDisziplin zu wahren und den Anordnungen der Gewerkschaften Folge zu leisten." Die Polizei soll helfen! Terrorismitsliigen der Scharfmacher. Halle, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Der Braunkohlen-Industrieoerein Halle setzte am Dienstag seine Bersnche fort, die Polizei gegen die Streikenden mo- b i l z u m a ch e n. Zu diesem Zwecke greift der Verband zu der übelsten Hetzarbeit. Am Dienstag abend gab er ein Kom- muniquä über die Streiklage heraus, in dem es wörtlich heißt:„Der Terror macht stch in sämtlichen Revieren nach wie vor in aller Schärfe bemerkbar. Er wird von Werkfremden ausgeübt, di« eigens zu diesem Zwecke herangezogen worden sind.(I) Stellen- weise sind die Frauen der arbeitswilligen Belegschaftsmitglieder an die Werksdirektoren herangetreten mit der Bitte, einen größeren Schutz der Männer zu erwirken.(Rührend?) Es werden auf den Revieren sehr viele Fälle von tätlichen Angriffen auf Ar- beitswillige bekannt. Im Lausitzer Revier waren am ersten Tage bereits 25 protokollarisch festgelegte Fälle zu verzeichnen. Ob- wohl diese Fälle dem zuständigen Landrat gemeldet wurden, wurde bis zur Stund« für keine» ausreichenden Schutz der Ar- beitswilligen gesorgt. Besonders werden viele Klagen über den Mangel an Schutz der Arbeitswilligen aus Thüringen und An- halt gemeldet. Wo sich der Terror nicht in dem Umfang« auswirken kann, ist«in Abflauen der Streiklage festzustellen." Wir können nach Erkundigung an zuständiger Stelle mit- teilen, daß die Darstellung des halleschen Arbeitgeberverbandes nicht zutrifft und auf Erfindung beruht; sie ist vim A bis Z er- logen. Die ganze Streiklage erscheint offenbar den Arbestgebern Vermittlung im Hergarbeiterstreik. Morge« Verhandlungen in Berlin.— Der Streik wächst— die Reaktion tobt. heute selbst derart schlecht, daß sie vi dem letzten Mittel greifen, durch Mißbrauch der Polizei den Streik zu erdrosseln. Die Verantwortung für dieses Vorgehen tragen die Unternehmer. Die Regierungsstellen dürfen nicht ohne Prüfung der wirklichen Lage auf die Wünsche der Unternehmer eingehen. Wer hat die Handgranaten geliefert? Senftenberg. 18. Oktober.(23158.) Wie die Ilse Bergwerk A.-G. mitteill. ist heute nach- mittag ein Sabotageakt vermittels Handgranaten auf ihre Grubenanschlußbahn nach Groß-Räschen oersucht worden. Da der Anschlag rechtzeitig entdeckt wurde, ist keinerlei Schaden angerichtet worden. Die Ilse Bergwerk A.-G. hat heute nachmittag dem Reichs- ministerium des Innern, dem Regierungspräsidenten und dem Land- rat den Anschlag zur Kenntnis gebracht. Wie die Verwalwng der Ilse weiter mitteilt, häufen sich die Terrorakte Streikender gegen Arbeitswillige. Stahlhelmer überfallen Streikposten. Forst, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Auf der Grube P l e f s a in der Riederlausttz wurden zwei Streikposten von Stahlhelmern überfallen, die mit Revolvern und mit Stahlruten bewaffnet waren. Die Streikposten ergriffen vor den Stahll)elmern die Flucht. Daraus zog einer der Stahlhcliner, ein Steiger der bestreikten Grube Plefsa, den Revolver und feuerte nach einem Streikposten. Die Kugel pfiff dem'Mann am Kopf vorbei. Es ist nur dem Zufall zu verdanken, daß diese abscheuliche Tat ohne blutiges Opfer blieb. Regelung öer Notstanüsarbeiten. halle, 18. Oktober.(Eigenbericht.» Die zentrale Streikleitung ist am Dienstag um 12 Uhr zusammengetreten. In der Sitzung wurde die Natur der zu leistenden Notstandsarbeiten näher festgelegt. Als Notstandsarbelten gelten Arbeiten, um die Kaiben vor dem Ersaufen zu sichern. Weiter müssen die notwendigen Arbeiten in den Kessel- und Maschinenhäusern und Schwelereien geleistet werden. Sicherzustellen ist auch die V e r- sorgung von Krankenhäusern mit Licht und Kraft. Jede Produktion, die nicht den Zwecken der Notstandsarbeiten dient, muß unterbunden werden. Die Ausführung von Notstandsarbeiten liegt in der Hand der am Streik beteiligten Organisationen. Die dafür erforderlichen Zlrbeiter werden von den örtlichen Streikleitungen bestimmt. Ueber die Regelung der Notstondsarbeiten hat die Zentralstreikleihmg am Dienstagabend folgenden Beschluß ver- offentlicht: „Die Zentralstreiklettung hat zu Beginn des Kampfes Richt- l i n i e n für die örtlichen Streikleitungen herausgegeben über die Regelung von Notstandsarbeiten. Trotz allem ist bereits in einem Fall die Technische Nothilfe eingesetzt worden. Die Zentralstreikleitung erklärt nochmals, daß dringende Notstands- arbeiten von den Streikenden verrichtet werden. Die Entscheidung über die Notwendigkeit und den Umfang der Notstandsorbeiten obliegt zunächst den örtlichen Streikleitungen mit den örtlichen Organisationen. In Streitfällen ist die Zentralstreikleitung schnellstens zur Vermittlung anzunisen. Sollte dennoch ohne Vor- aufgehen solcher Verhandlungen die Technische Nothilfe in einem Betrieb« eingesetzt werden, so wird die Zentralstreikleitung als Gegenmaßnahme die Zurücknahme sämtlicher Not- standsarbeiter sofort anordnen." Der Aufruf ist unterzeichnet von dem Deutschen Bergarbeiterver- band, von dem Gewerkvcrein christlicher Bergarbeiter, den Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften, von dem Deutschen Metallarberter- verband, dem Verband der Maschinisten und Heizer und dem Fabrik- orbeite-rverband. Vas Leipziger Rathaus als Streikbrecherquartier. Leipzig, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Eine ungeheuerliche Anmaßung und eine offensichtlich« Partei, nahm« für die Bergbarone erlaubt sich der illat der Stadt Leipzig. Er hat nicht nur im Rathau» die Technische lllot- Hilfe untergebracht, um den streikenden Bergarbeitern im Braun- kohlcnwerk in Böhlen in den Rücken zu fallen, sondern er stationiert auch noch Polizei im Rathaus zum Schutz der Hechmschcn Nothilfe Auch wurden am Dienstag zwei staatliche Vie Musterfamilie. Einst hing ihr Bild in der Guten Stube" des Normalbürgers (vielleicht hängt es noch da): das edle Familienoberhaupt als Zentralgestirn der Gruppe in den Sessel gelehnt, mit selbst. zufriedenem Blick die Seinen überschauend, bescheiden mütterlich die Gattin neben ihm. secho Söhne— die Berheirateten ihr« Frauen am Arm— etwas nichtssagend im Halbkreis gruppiert, das halb- wüchsige Töchterlein— Papas Liebling— diesem einen Blumen- strauß überreichend. Irgendwo noch ein lässig hingestreckt«» Wind- spiel— kurz und gut: vornehmste wie anheimelndste Familien- otmosphäre.„Unser Kaiserhaus" stand darunter zu lesen. Es war ja damals so leicht, ein« Mustersamilie. die Ideal- samilie aller Schulzen» und Krausen» zu sein. Brachte doch die geringste Anzweiflung des Jdealzustandes unweigerlich langdauernde Bekann rschaft mit dem Gefängnis ein. Das ist just zwanzig Jahre her. Da hatte«in sozialdemakrotisches Blatt— es sollte einmal wieder die Zioilliste erhöht werden— diskret angedeutet, daß doch auch die erwachsenen Prinzen, wie das von jedem anderen verlangt werde, durch Arbeit Geld verdienen könnten. Dafür setzt« es prompt sechs Monate Gefängnis wegen Prinzenbeleidi- gung, wobei die Urteilsbegründung patriotisch entrüstet aussprach, daß in den Prinzen„der Stolz und die Freude der Nation" ge- troffen sei.(Solche kleinen Aufmerksamkeiten pflegten einen Kronen- orden vierter einzubringen.) Ach, wie sieht es um„Stolz und Freude der Nation" aus, seitdem kein Majestätsbeleidigungsparagraph mehr die Familie hohenzollern schützt! Wie ist der Familiennimbus zerstoben! Höchst unbürgerlich hat der eine sich scheiden lassen, der ander« durch Selbstmord geendet, und was man über die erotischen Taten eines gewissen Dritten in Charlevllle erfahren hat, paßt auch nicht gerade in ein Töchteralbum. Und Wichelm selbst? Er, der öffentlich redend seine Gattin in gewohnter Bescheidenheit als„Musterbild der deutschen Frau" verherrlicht hatte, er konnte nach dem Tode der angeblich Unvergeßlichen kaum abwarten, mit einer bedeutend Jüngeren in das frischgemachte Ehebett zu schlüpfen. Aber seine Sehnsucht nach Jugend sieht sich übertrumpft. Die K2jährige Schwester stellt den Bruder in den Schatten. Schien ihm bei seinen Fähigkeiten ein Altersunterschied von 2ö Jahren nicht unüberbrückbar, so tut st« es nicht unter 40 Iahren Altersunterschied. Ein 2Sjähriger Fant, ein jugendlicher Eintänzer muß es sein, der ihrem Greijenherzen letzte Äebesfreuden verschafft. Wo ist der Operettenkomponist, der diesen Stoff bewältigt?! Aber leugne noch einer, daߣ):« Demokrat!« des Zeitalters nicht auf unsere Allerhöchsten abgefärbt hat! Mit Standesunterschieden hält sich keiner mehr aus. Ein Anhaltiner beirntet mitten ins Theater hin- ein, eine hohenzallernsche in die Tanzdiele Eigentlich sollten die Herrschaften der Reoalution dankbar sein. Sie gestattet ihnen— was vordem unmöglich gewesen wäre—, Kraftwagen mit Leuten der Technischen Nothilfe, begleitet von zwei Ueberscilkommandos der Polizei, die mit Karabinern aus- gerüstet sind, nach Böhlen geschickt. Die streikenden Bergarbeiter werden sich durch dies« Maßnahmen nicht provozieren lasten. sondern den ihnen aufgezwungenen wlreik trotz aller Schikanen zu führen wissen. Es sind sofort Schritte unternommen worden, um den Rot der Stadt Leipzig zu bestimmen, daß das Rathaus als Hauptquartier der Streikbrecher nicht mehr zur Verfügung gestellt wird. Streikwurst unü Streikbrecher. halle, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Der Streit tut seine Wirkung. Vielfach haben Unternehmer sich bereit erklärt, die geforderte Lohnzahlung zu bewilligen. So lief bei der zentralen Streikleitung folgende» Schreiben der G ru b e Otto in Reußen bei Theißen ein: „hierdurch verpflichten wir uns, für die Dauer de» Streiks die geforderten 80 Pf. Zulage pro Schicht unserer Gewerkschast zu zahlen, jedoch unter der Bedingung, daß nach Beendigung des Streiks die tariflichen Löhne auch von uns bezahlt werden. Grub« Otto." Weniger vernünftig als die Berwaltung der Grube Otto sind andere Werke. Mit den unmöglichsten Mitteln versucht man, Streikbrecher zu bekommen. Ganz genial geht die Grub« Julius im Revier Forst vor. Jeder Streikbrecher bekommt dort zum Mittagessen und zum Frühstück ein halbes Psund Wurst. Der Direktor der Zeche Julius scheint ein großzügig veranlagter Mensch zu sein. Er hat erklärt, mit der Streikwurst halte er es durch, mag es tosten, wo» es will. Mit solchen und ähnlichen Bauernfängereien haben die Werke aber nur in vereinzelten Fällen Glück. Es versteht sich von selbst, daß unter 70 000 Menschen hier und da auf der Grube irgendein geistig hoffnungslos zurückgebliebener Heuer steckt, der den Sinn des Kampfes nicht begreift und auf die S t r e i k w u r st reinfällt. Der örtlichen Streikleitung in Halle liegt z. B. ein Schreiben vor, in dem ein Streikbrecher den Verrat an leinen Klastengenosten begründet. Das schreiben hat folgenden Wortlaut: „Werte Kollegen! Ich will höher steigen und der Streik bringt mich runter. Deshalb kann ich de» Streik nicht mitmachen." Dieser Brief ist von dem kommunistischen Vertrauensmann Rietz m Rietleben geschrieben. Noch ein« andere Episode soll hier erwohnt werden, die unter den Streikenden sehr viel belacht wird. Ein Streikbrecher hat nicht den Mut, sich vor seinen Kollegen auf der Straße zu zeigen. Er bleibt deshalb Tag und Nacht auf der Grubt. Seiner Frau, die keineswegs mit dem Verhalten ihres Mannes elnverstanden ist, schrieb er einen Brief, in dem er sein Ausbleiben entschuldigt. Der Brief schließt mit den folgenden, geradezu klassischen Worten:„Du mußt mein Ausbleiben in den nächsten Tagen begreifen. Bleib« mir während des treu. Dein Emil." Vie Rolle üer kommunistischen presse. Bochum. 18. Oktober.(Eigenbericht.) Die„Rote Fahne", der„Klassenkomps" in Halle, die„Rheinisch- WestfAische Zeitung" in Esten und andere den genannten Zeitungen geistig nahestehende Organe teilen mit, daß die mit den VerHand- lungen Beauftragten von der ursprünglichen Forde- rung, die Löhne der Brannkohlenbergarbeiter um 80 Pf. pro Schicht zu erhöhen, abgewichen sind. Da» ist. wie der iverbond der Bergarbeiter Deutschland« mitteilt, nicht w a b r. Die Meldung wird lediglich verbreitet, um Beriairrung zu stiften und da» 2Z«rtrauen zu den Gewerkschaften zu erschüttern. �uch das Sraunsthweiger Revier im Streik. Vraunschweig. 18, Oktober.(TU.) In den ZZergarbeiterversoiumlungen in Helmstedt. Sommer». darf, Harbke und Baareberg ist jetzt ebenfall» im Anschluß an den mitteldeutschen Bergarbeiterstreik der Ausstand beschlossen worden. Einstimmig wurde die vom Schlichter de» Reichsarbeltsministeriums vorgeschlagen« Lohnerhöhung von vier bis sechs Prozent abgelehnt. Damit ist der Ausstand auch m Lraumchweig zur Tatsache ge- worden. Der Jktrieb der braunschweigiscyen Kohlenbergwerke ruht vollkommen. Streikfolgen für den Freistaat Sachsen. Im Freistaat Sachsen besteht die Gefahr, daß die Energieversorgung infolge Kvhlenmange!» völlig zum Erliegen kommt. Bor ollem hat die wichtige Sächsische Werke A.�L. nur ganz gering« Kohlenoorrät«. Da» sächsische Wfttschast»- als die Menschen zu leben, die sie sind. Sie büßen freilich dieses Recht mit dem Verlust de» besonderen Nimbn», der sie einst umgab. Sie dürfen wohl Menschen fem, sind'» auch,— aber daß sie sich als fo kleine und lächerliche Menschlein entpuppen, das liegt an ihrer eigenen Qualität. Nicht etwa, daß wir in dem späten Liebesrausch der alten hohenzollernschachtel abgrund- tiefe Verworfenheit sehen. Es Ist nur Durchschnittliches, allzu Durch- schnittliches! In jedem Animierlokal, das Vergnügungsstätte nichts- tuerischer Luxusmenschen ist, kann man ähnliches beobachten; wie Greisinnen Knaben umschwärmen und kahlköpfige Lustknaben just die jüngsten Nutten aus den Knien wiegen. Aber niemand wird diese Spezies als Musterexemplare der menschlichen Gattung oder gar als Erhabenheiten betrachten, sondern eher als dankbare Vor- würfe für Lustspiele und ätzende Zeitsatir«. Ganz ähnlich steht's mit der„Mustersamilie" hohenzollern. Sie sieht, ganz erklärlich, in vmura anders aus als im bengalischen Schcinwerferlicht des Byzantinismus. Sieht sehr mäßig, sehr un- königlich, sieht im Grunde so aus, wie etwa die reich gewordene Familie«Raffte im Sittenroman geschildert wird. Au, den Muster- knallen sind Muster ohne Wert geworden, aus den steinernen Er- habenbeiten entsetzlich menschliche Menschlein. Als Verlobte empfehlen sich: Ihre Kgl. Hoheit Prinzessin Viktoria von hohenzollern— Eintänzer Zoubkoff... Das Ende einer Mustersamlliel Jonathan. Kleists Antwort. Das freundliche Städtchen an der Oder, das beinahe wie ein vorgeschobener Posten der Reichshauptstadt anmutet, Frankfurt, bot den äußeren Schauplatz für einen„Fall Kleist", während die eiqcnt- liche Kampfstätte die feierliche Versammlung war, die am 10. Ot- tober seinen Erinnerungstag gefeiert hat. Man muß schon von einer Kampsstätte sprechen. Denn hier stießen aufeinander: der„Spießer" auf den Menschen ohne seelische Verkrüppelungen. der aufgeschlossene. die Wirklichkeit nicht umlügende Mensch auf den Menschenschlag, für den die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Wilhelm von Scholz, der Präsident der Dichterakademie, rühmte die Vaterlandsidee bei Kleist, feierte das Gefühl Kleists von dem größeren Vaterlande und Kleists Gemeinschastswillen, der auch mit Selbstverständlichkeit das„Menschheitsoaterland" nicht missen wollte. Darob groß« Erschütterung bei einem Teil der Feiernden. Was, Kleist und Menschheitsgefühl, Kleist, der ein Preuße war, ja, von einigen sogar als ausgesprochener Brandenburger deklariert wird? und das jetzt gesagt, wo alles darauf ankommt, oerstaubte Embleme wieder aufzufrischen und den Kampf gegen die bessere Er- kenntnis einer neuen Zeit mit größter Slnspanming zu führen? Das war zuviel, die Spießerseele lochte. Fragen wir Kleist selbst, was er von einer deutschen Gemein- schaft dachte und ob sein Ideal das derer ist, die ihn heute nur für ein Land oder gar für eine Provinz als geistigen Heros reservieren möchten Im Jahre 1809 schrieb er einen Aufsatz,„Was gilts in diesem Kriege" und darin sagt er folgendes:„Eine Gemeinschaft gilt es, deren Wurzeln tauscndästig, einer Eiche gleich, in den Boden der Ministerium und die Zentralstreikleihmg werden am Mittwoch morgen über die Lage in Sachsen beratschlage». Ort der Zusammenkunst ist Dresden. Verhandlungen mit der„Teno". Die Lorstandsmitglieder des Deutschen Bergarbeiterverllandes und die Leitung der Technischen Nothilfe werden am Mill- woch morgen m Berlin über die Lage im Streikreoier verhandeln. Im Streitrevier ist ohne alle Ursache hier und da die Technische Nol- Hilfe eingeletzt worden. Dieses unnötige vorgehen der Technischen Nothilfe hat die Erregung de rBevölkerung stark gesteigert. Achtzig Pfennige Lohnerhöhung pro Schicht! Zur Lohnforderung der streikenden Bergarbeiter meldet der Sonderberichterstatter des christlichen„Deutschen" am Mittwoch aus Halle, aus vielen Gesprächen mit den Streikenden gehe hervor, daß sie n i ch t g e w i l l t sind, von ihrer Forderung von 80 Pi. Lohnerhöhung pro Schicht abzugehen. Diese Forderung müiie in Anbetrocht des niedrigen Lohnes als sehr bescheiden an- gesehen werden. Di« Gewerkschaften könnten die Leute nicht wieder in die Betriebe bringen, wenn die ursprüngliche Forderung nicht erfüllt wird. Wenn die Gewerkschaften jetzt zurückgehen wollten, so würde die Bewegung bestimmt ins kommunistische izahrwoüer geraten. Bei etwaigen Einigungsperhandlungen müsse d i e i c r Umstand unbedingt berücksichtigt werden. Nur fem Kompromiß, das sei der Wille der Bergarbeiter. Eine verdiente Antwort. Auf kommunistische EinheitSfrontmanover. Die Kommuni st en haben der sozialdemokran,chen Reichstagsfraktion den Vorschlag gemacht, gemeinsame Maßnahmen gegen die Politik der Bürgerblockregierung durchzuführen. Insbesondere wird vorgelchlagen ein gemein- sames Vorgehen für die Sicherung der Streiksreiheit, für die Erhöhung der Bezüge der Rentner, gegen den Reichsschul- gesetzentwurf und für die sofortige Tluflösung des Reichstags. Die sozialdemokratische Reichstagsfrok- t r o n hat auf dieses Anerbieten folgende Antwort erteilt: „Auf Ihr Schreiben vom 18. Oktober 1927 teilen wir Ihnen mit: Solange die Kommunistische Partei und die kommunistische Reichs- tagsfraktion ihre Hauptaufgabe in der verleumderischen und gehässigen Bekämpfung der Sozialdemokratie erblicken und damit den Zwiespalt in der Arbeiterklasse unausgesetzt oerschärfen, halten wir die Aufforderung zu gemeinsamem Vor gehen nicht für ehrlich gemeint." Die Kommunisten werden keine andere Antwort erwartet haben. Die Sozialdemokratie weih, was sie zur Wahrung der Arbeiterinteressen zu tun hat. Würden die Kommunisten mittun, statt zu schimpfen und Ranke zu spinnen, wäre die„Einheitsfront" schon dal Wer wirü Botschafter in Washington! Neuester Kandidat: Staust, in Firma Dcutsrchc Bank. Noch immer ist die Stelle des deutschen Botschafters in den Vereinigten Staaten unbesetzt. Seit dem tragischen Tod« des Frei- Herrn v. Maltzan hat der Rechtsblock keine Persönlichkeit ans- findig machen können, die zur Uebernahme dieses außerordentlich Wichtigen Zilmtes geeignet und gewillt wäre. Als neuester Kandidat wird uns jetzt von zuverlässiger Seite der Direktor der Deutschen Bank, v. Stauß, genannt. Emil v. Stauß bringt außer den bekannten Privatwirtschaft- llchen Interessen seines jetzigen Arbeitgebers kein« irgendwie her- vorstechende Eignung für das Amt mit, das die Pflege d.-r Bs- Ziehungen zwischen Deutschland und seinem mächtigsten Gläubiger zu betreuen hat. Weder sein« vielfach kritisierte Tätigkeit als Bank- letter noch die Petroleuminteressen der Deutschen Pank in den Per- einigten Staaten sind«ine ausreichende Legitimation für eine der artige Kandidatur. Man kann also hoffen, daß auch seine Bc- nennung durch ein amtliches Dementi widerlegt werden wird wie schon viele vorher. Oder sollte der Besitzbürgerblock die Aui- frischung seines Beamtenstabes mit Führern der Hochfinanz so dringend notig haben? Zeit eingreifen, deren Wipfel. Tugend und Sittlichkeit überschattend an den silbernen Saum der Wolken rührt, deren Dasein durch das Drittel eines Erdaltcrs geheiligt worden ist: eine Geineinsckast, die unbekannt mit dem Geist der Herrschsucht und Eroberung, des Da- seins und der Duldung so würdig ist, wie irgendeines: die ihren Ruhm nicht einmal denken kann, sie müßte denn den Ruhm zugleich und da» heil aller übrigen denken, die den Erdkreis bewohnen..." Das ist die Antwort Kleists auf die Bemühungen aller derer, die in engstirnigem Nationalismus, Partei- und Standesegoismus ihn als ein willfähriges Werkzeug däZU mißbrauchen möchten, dem Spieher ein Idol zu schaffen, aus daß er weiterhin Spießer bleibe. 1 Lindberghs Bericht. Als Lindbercch der Flug über den Ozean gelungen war. wurde einem'Berussschnststell-r ein Buch über Werden und Taten des Fliegers in Auftrag gegebech denn dieser scheute sich davor, selbst über sich zu schreiben. Als ihm aber die Korrekturen vorgelegt wurden, empört« sich fein bescheidener Sinn gegen dl« marktschreierisch« Schreibweise de» Literaten und er ver- sagt« die Druckerlaubnis. Zlmenka war bestürzt: Tausende von Telegrammen und Briefen gingen täglich ein und flehten ihn an. seine» Entschluß umzustoßen. Da setzte Lindbergh sich h,,, und schrieb das Buch„Wir zwei. Im Flugzeug über den Atlantik", das demnächst bei F. A. Brockyaus in Leipzig erscheint und ein getreuer Spiegel seines sympachischen Wesens ist. Es beweist auch. daß Lindbergh durchaus nicht der unüberlegte Wagehals ist. für den man ihn oft hält. Er begann schon im herbst 1926 den Flug zu erwägen: all« Möglichkeiten des Unternehmens wurden in Be- tracht gezogen. Einen Begriff von seinen unrsassenden Aorbereltun- gen gibt z. B. die interessante Aufstellung der Gegenstände, die er bei seinem Flug mit sich führt«. Es befinden sich darunter w a. neben zwei Behältern mit zusammen 4', Litern Trinkwasser ein „2lrmbrustllecher", eine Einrichtung, um die Feuchtigkeit des mensch- lichen Atems als Trinkwasser niederzuschlagen. Bären al» Frühstücksgäsle. Fünf Bären statteten kürzlich einem Sanatorium bei Serajewo einen Besuch ab,»im panischen Schrecken der Patienten, die gerade im Garten ihr Frühstück einnahmen. Plötz- ltch trat au, dem an den Gqrten grenzenden Wäldchen ein« große Bärin mit ihren vier Sprößlinoen heraus und kurz entschlolken in den Garten hinein, unbekümmert um das Geschrei der Patienten und Krankenschwestern. Di« Büren beschnüsfelten und kosteten von den guten Dingen aui der Fnihstück-tasel und trotteten dann aemüt- sich wieder davon. Die herbeigerufenen Polizisten dursten jedoch die Bären nicht erschießen, da diese i» Anbetracht ihrer Seltenheit unter dem Schutz der Gesetz« stehen- Man entsandte daher eine Patrouille in den Wald, die die Bären in die benachbarten Verge zurücktrieb. Aber Ferdinand! Die Piscator-Bühne wollte in Ihrer nächsten Premiere„Rasputin" auch Wilhelm II- auftreten und diese Rolle durch Ferdinand Bonn besetzen lassen. Ferdinand will aber nicht, da er schon einmal als Film-Wilhelm„Mihdeutiingen Hervorgenisen Hab«". Schade, F. B. hätte einen prachtvollen Wilhelm auf die Beine gestellt. In seinen Zlnsorachen an da» deutsch« Volk bewies er«I» Direktor des Berliner Theaters einen durchaus ebenbürtigen Geist. Er war das auf der Bühne, was Wilhelm aiis dem Thron« war. Der öergbau kann zahlen! Tas Recht der Bergarbeiter. In dem Kampf der mitteldeutschen Bergarbeiter um einen gerechten Lohn sind die Gründe, mir denen die Bergherren die Erhöhung des Schichtlohnes ablehnen, wohl das a r m s e l i g st e K a p i t a l. Die Bergherren geben zu, daß die Erhöhung der Löhne vollauf gerechtfertigt ist. Sie erkennen damit die Gründe der Bergarbeiter als richtig an. Aber sie sagen, daß sie die höheren Löhne nicht zahlen können, wenn die Preise für Briketts nicht erhöht werden. Sie setzen' sich über die Notwendigkeit hinweg, daß die Gesamt- Wirtschaft gerade heute am allerwenigsten Preiserhöhungen vertragen kann, wahrend kein Zweifel darüber besteht, daß die mindestens 22 Millionen Mark Gewinne, die bei den großen Werken Mitteldeutschlands im vorigen Jahre gemacht wurden, in diesem Jahre noch übertrofffen werden. Hinter der Behauptung der Braunkohlenherren, daß die Braunkohlenindustrie die Erhöhung der Löhne nicht tragen könne, steckt eine ungeheuerliche Demagogie. In den letzten Iahren haben wir immer wieder darauf hingewiesen, daß die deutschen Braunkohlengesellschaften. das Aktien- kapital, für das sie Dividende verlangen, gegenüber der Vorkriegszeit viel höher angesetzt haben, als sie seit- dem Geld in ihre Werke gesteckt haben. Die Braunkohlen- Herren übersehen wissentlich, daß alle Selbstkostenrechnungen, die von ihnen aufgestellt werden, eine Wenge von G e- winnguellen nicht berücksichtigen, aus denen Lohnerhöhungen getragen werden könnten. Die ganze Braunkohlenindustrie, einschließlich der Syndikate und des Handels, ist es, die für die Durchführung der von keiner Seite in ihrer Notwendigkeit bestrittenen Lohnerhöhung zu haften hat. Die Braunkohlenherren haben sich daran gewöhnt, daß die öffentliche Preiskontrolle, die vom Reich ausgeübt wird, ihnen eine Dividende für ih� Kapital bringen muß; der UnWirtschaftlichkeit bei der Führung der Betriebe ist damit Tor und Tür geöffnet. Sie haben sich entwöhnt, selbst noch das Risiko für das investierte Ka- pital zu tragen und machen die den Preis kontrollierenden Stellen für das Unternehmerrisiko haftbar, das sie selbst zu tragen haben. Das kann und darf die Allgemeinheit nicht dulden: würden doch sonst die gesetzlich überwachten In- dustrien zu einem Ballast der Gesamtwirtschaft, werden. der diese gefährdet, statt sie zu fördern. Daß in den Syndikaten den Handelsgesellschaf- t e n der Braunkohlenindustrie Geld verschleudert wird, das hat die Enthüllung der Skandale im ostelbifchen Brauntohlensynditat gezeigt. Dort wurde in wenigen Iahren 5 Millionen Mark vergeude�dcren Hereinbringung selbstverständlich unter den Selbstkosten der Braun- kohlengruben erscheint, nicht aber in der Gewinnrechnung, aus der sich die Braunkohlenherren nichts streichen lassen. Jetzt werden uns aus demselben Kreis von Skandalen Tat- lachen bekannt, die geradezu zum Himmel schreien. Das Schiedsgericht, das zur Beseitigung der Skandal- affären tätig war. hat nach den Buchungen im ostelbifchen Braunkohlensyndikat die runde Summe von 186 000 M. gekostet. Zwar erhob sich gegen diese Festsetzung einiger Widerstand, aber man hat es schließlich doch für gut ge-� basten, derartig hohe Beträge auszuwerfen. Man hat die Generaldirektoren des Syndikats entlasten und neue einge- stellt. Der neue Generaldirektor Staatssekretär a."D. W a l t h e r bezieht neben einer sehr hohen Pension ein Nettogehalt von 68 6Osi M. Die Wohnräume für die beiden Generaldirektaren wurden um den Preis von 3S 000 M. neu hergerichtet. Das alles geht auf Kosten des ostelbifchen Braunkohlensyndikats, das durch die Spekulationen der ent- lasicnsn Direktoren eben erst die schwersten Verluste hatte. Alle diese Kosten gelten als„Selbstkosten" und müssen dann beweisen, daß ohne eine Preiserhöhung unmöglich die Lohn- erhöbungen getragen werden können. Freilich; im Syndikat wird rationalisiert, weil die zwei Generaldirektoren neu eingestellt worden, den Ent- lasst'nen große Abfindungssummen bezahlt wurden, wird 20 Angestellten gekündigt, und um das ganze Syndikat umzustellen, wird vorsorglich sämtlichen Ange- stellten zum 31. Dezember d. I. gekündigt. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Unterschied zwischen dem Preis, den die Werke für Briketts erhalten, und dem Preis» zu dem die Briketts an den Handel kommen, so unglaublich groß ist. Gewiß sind die Braunkohlenherren für die Preise, die der Briketthandel vom letzten Käufer nimint, imjzanzen nicht verantwortlich, wenn man von dem Preis ab Syndikat ab- sieht. Zlber es ist Tatsache, daß gerade die Braunkohlen- syndikate sehr scharf auf die Einhaltung der H ö ch st p r e i s e, zum Beispiel im Berliner Einzelhandel, drücken, weil sie sich für ihren für später erstrebten Direkthandel von den Außen- scitern die Preise nicht verderben lassen wollen. Uns wird mitgeteilt, daß alte, große, solide Berliner Firmen die Bri- ketts billiger verkaufen wollen, daß aber die organi- sierten Kohlenhändler Berlins mit schweren Strafen gegen ue vorgehen. Deutlicher kann der Beweis nicht geliefert werden, daß die Handelsspanne im Kleinhandel trotz aller Beteuerungen erheblich kleiner sein könnte. D;e Braunkohlenherren verschweigen aber auch ihre sehr großen Vorteile aus der Gewinnung von Braunkohlen- teerundBraunkohlenkoks. Der Brikettpreis. auf dem herumgeritten wird, hat für große Teile der Braun- kohlenindustrie gar keine Bedeutung. Die ganze chemische Jndii'Ws, ttlle Kraftwerke, die Braunkohle r'onzr'beiten, ver- brauchen Rohbraunkohle. Von den 57 Millionen Tonnen Rohbraunkohlen Mitteldeutschlands werden nur 315 Mtl- lionen zu Briketts verarbeitet. Rund 3 Millionen Tonnen gehen in die Schwerbetrtebe und in den S-lbstverbrauch. Rnnd 13 Millionen Tonnen werden in der chemischen In- dustrie und in Kraftwerken sofort verarbeitet. Hier ist die Braunkohle Rohstoff und erzeugt viel höhere Werte, als sie bei der Regelung der Brikettpreifs erfaßt werden. Am deutlichsten tritt das bei den Leunawerken in Erscheinung, wo Stickstoff erzeugt wird. So ist es im höchsten Maße wahrscheinlich, daß die Frage der BrKettpreise nur vorgeschoben ist, lind keineswegs die Dinge wirklich trifft, um die in Mitteldeutschland ge- kämpft wird. Hinter der Frage der Erhöhung der Brikett- preise liegt trotz aller Erklärungen, daß man die Löhne er- höhen möchte, in Wahrheit die Tatsache, daß man die Löhne nicht erhöhen will, obwohl man es könnte. Die Braunkohlenherren haben den Mut nicht aufgebracht zu erklären, daß sie nicht wollen. Der Sinn des Kampfes und die Pflicht aller öffentlichen Stellen ist es, dafür zu sorgen, daß sie es müssen. tzochscbulproteft gegen KeuöeU. Ucbcr lövv deutsche Hochschullehrer gegen den Rcichsschulgeseüentwurf. Heidelberg. lS. Oktober. Von hervorragenden Hochschullehrern der verschiedensten Rich- tungen wurde eine Entschließung in hochschulkreiseu in Umlauf gesetzt, die gegen den 8 ou de tischen Reichsschulgesetz entwurs Stellung nimmt. Der Kundgebung, die von Heidelberg ausging, haben sich in wenigen Wochen über 1500 Hochschullehrer vorbehaltlos angeschlossen, darunter GSS ordentliche Professoren. 417 außerordentliche Professoren, 109 honorar-prosessoren, 320 Privatdozenten und 34 sonstige Mitglieder der Lehrkörper. Die Unlerschristenliste, die am 12. Oktober abgeschlossen ist, wurde dem Reichsbig übersandt. Der Gipfel öer Heuchelei. Dcutschnationale am Grabe eines zu Tode Gehetzten. Noch ist das trogische Ende des Junglehrers Willi R i ß m a n n, der sich in der Stellung des Gekreuzigten in Kortshorst erhängte, in frischer Erinnerung. Auch die grauenhaften Begleitumstände, die den Unglücklichen zur Verzweiflung trieben, haften noch in weiten Kreisen der Oesfentlichkeit fest. Es zeugt daher von einer durch nichts zu überbietenden Heuchelei, wenn jetzt der deutschnationale Abgeordnete Hackenberg im Preußischen Landtag eine An- frage an das Staatsministerium richtet und Auskunft über das „beklagenswerte" End« des Junglehrers Rißmann fordert. Warum fragt Herr Hackenberg nicht bei dem Probst von Do- m a n s k i, dem Superintendenten L o h wa s se r und dem deutsch- nationalen Regierungsrat M e s k e in Schneidemühl an? Diese Herren wären wohl am ehesten in der Lage, ihm die nötige Aus- kunft über das„beklagenswerte" End« des Willi Rißmann zu geben. Und während Herr Hackenberg mit der Miene eines Biedermannes seine Anfrage im Landtag einreicht, legt sein Parteifreund Herr von Keudell dem Reichstag das neue Schulgesetz vor, das den Domanskis aller Konfessionen freie Bahn für ihre dunklen Umtriebe gibt und unzählige charakterfeste Lehrer den gleichen Kreuzesweg schicken wird. Angesichts einer derart niedrigen Demagogie fragt man sich, was größer ist, der Zynismus der deutsch- nationalen Führer oder die Dummheit der Wählermassen, die diesen Rattenfängern ins Ungewiste nachläuft. Fentrumsreaktion in öer»Germania�. Die Treibereien des Herrn v. Pape«. In der Redaktion und der Geschäftsleitung der«Germania" sind in der letzten Zeit stark« Veränderungen eingetreten. Wie das„B. T." mitteilt, sind diese eine Folge der Treibereien des Herrn v. Papen, eines Zsntrumsmannes, der auf dem äußersten rechten Flügel seiner Partei steht und Großaktionär der«Germania" ist. Ihm gelang es, die beiden Republikaner Geheimrat K u e n z« r und Dr. Katzenberger aus dem Vorstand des Unternehmen» hinauszudrängen. Ferner wurde fünf Redakteuren aus Sparsamkeitsgründen gekündigt oder der Rücktritt nahegelegt, so unter anderen dem zweiten politischen Redakteur Seil. Hinzu kommt, daß, wie wir bereits meldeten, der rechtsgerichtete Dr. Wil- Helm Esser dem bisherigen Chefredakteur Orch als gleichlierech- tigter Hauptschriftleiter an die Seite gesetzt werden soll. Alles in allem läuft diese Reaktion darauf hinaus, den Einfttitz des Zentrums- flügcls in dem Zentralorgan der Partei wesentlich zu stärken. Man versteht, daß der bisherige Chefredakteur Orth öffentlich erklärt, er werde die geplante Umbesetzung nicht mitmachen. Das Bezeichnende aß der ganzen Umgruppierung ist aber, daß sie auf das Betreiben des kapitalkräftigsten Aktionärs zurückgeht. In Berliner Zenlrumskrelfen hat die einseitige Beeinflussung des Hauptorgans bereits früher starken Widerspruch gefunden, be- sonders in der letzten Generaloersammlung. Es zeigt sich jetzt, daß es damals nicht gelungen ist, die Bestrebungen des reaktionären Teiles des Zentrums zu durchkreuzen, die darauf hinausgehen, das Zcntralorgan unter feine Botmäßigkeit zu bringen. Die Borgänge find jedenfalls ein Zeichen für die geistige Krise, die das Zen- trum durchmacht, fett es seine Interessen mit denen des deutsch- nationalen Bürgertums oerkoppelt hat. Zentrum unö Reichsbanner. Gigenartigcs Vorgehen des württembergischen Zcntrnms. Stuttgart, 18. Oktober.(Eigenbericht.) Zur gleichen Zeit, in der Reichskanzler a. D. Dr. Wirth im Auftrage des Reichsbanners eine erfolgreich« Bortragsreise durch Württemberg unternommen hat, wendet sich die offizielle Parteileitung de, württembergisckzen Zentrums entschic- den gegen die weitere Ausdehnimg des Reichsbanners in den von ihr beherrschten Landesteilen. Auf einer Tagung In Eßlingen ließ die Zentrumspartei durch ihren Sekretär Reuter eine Er- klärung abgeben, die„außerstaatlich« Organisationen zum Schutz der Ordnung" für mehr oder weniger überflüssig erklärt. Außer. dem erfülle die über den Rahmen einer überparteilichen Organisation hinausgehend« Betätigung des Reichsbonners auf den verschieden- sten Gebieten die Zentrumspartei mit schwerer Sorg«. Dem Reichs- banner wird nicht nur sein Verhältnis zum österreichische» Schutz- bund, sondern sogar die Teilnahme von Reichsbonnergruppen bei der Propaganda gegen die Fürstenabfindung zum Vorwurf gemacht. Auch die Teilnahme von Reichsbannergruppen bei sozial- demokratischen Maidemonstrationen und Parteiversammlungen hat es dem württembergischcn Zentrum angetan. DI« Partei sehe daher nicht ein, daß in jedem Dorf weitere Gruppen gegründet werden sollen. In der Erklärung selbst wird Dr. Wirth zwar nicht erwähnt. Aber die ganze Erklärung hätte keinen Sinn, wenn nicht durch sie die erfolgreiche Agitation Dr. W i r t h» für da» Reichsbanner durchkreuzt werden sollte. Um üie Neualieüeeung. Auf der Berliner Konferenz für die Neugliederung der L a n d e s a r b e i t s ä m t e r hat ein scharfes Ringen um die end- gültige Abgrenzung der Landesarbeitsbezirke eingesetzt. Wie wir hören, stand zunächst im Vordergrund der Beratungen die Frage, ob ein besonderes Landesarbeitsamt Ruhrgebiet ge» schaffen werden soll oder nicht. Der Plan über die Neugliederung der Landesarbeitsämter, der vor einiger Zeit von den maßgebenden Stellen der Oesfentlichkeit vorgelegt wurde, sieht kein besonderes Landesarbcitsamt Ruhrgebiet vor. Seit mehreren Wochen laufen jedoch durch die Presse des Industriegebietes fortwährend Nachrichten über die Bestrebungen, das Landesarbeitsamt sür Westfalen und Lipp« aufzulösen, die Teile des Gebietes, die nicht unmittelbar von der Schwerindustrie beherrscht werden, abzustoßen und den v»r- bleibenden Rest mit den rheinischen Bergbaubetrieben zu einem Landesarbeit-amt zu vereinigen. Bei den Berliner Besprechungen wurde dem Rejchsarbeitsmiiüslcr gegenüber die A u s f a s j u'n g der freien Gewerkschaft e» mit allem Nachdruck ver- treten, das Landesarbcitsaint für Westfalen und Lipp: nicht aus- zuteilen. Wie wir hören, wird die Auffassung der freien Gewerk- jchasten auch von dem größten Teil der christlichen Ge- w e r k s ch a s t e n und ebenso von den maßgebenden Kreisen der Arbeitgeber Westfalens geteilt. Der Hauptgrund, warum die Gewerkschaften ein Landcsarbeitsamt Ruhrgebiet ablehnen, liegt im Schutz der Interessen der notleidenden Arbeiterschaft im Randgebiete. Diese dürfen der an sich schon geringen Unter- stützung des Ruhrreviers nicht beraubt werden. Bei der Aufteilung der Lohngebiete ist bisher fast stets entsprechend den Grenzen der Landesarbeitsämter vorgegangen worden. An diesem Zustand auch nur das geringste zu ändern, hat die Arbeiterschaft Westsalens kein Interesse/ Der Prozeß Schwarzbarth. Der Angeklagte mit der Kriegsauszeichnung. Paris. 1». Oktober.(Eigenbericht.) Heute hat vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen den ukrainisch-jüdijchen Uhrmacher Schwarzbarth begonnen, der im vorigen Jahre zu Paris den früheren ukrainischen Staatsprösi- deuten P e t t j u r o auf offener Straße durch mehrere Revolverschllsse getötet hat, weit er an Petlsura, dem Anstifter der blutigen Juden- pogrome in der Ukraine 1919 und 1929, diese Greuel rächen wollte. Der Prozeß erregt außergewöhnliches Interesse. Aus allen Teilen der Welt sind Journalisten, besonders Vertreter jüdischer Blätter. eingetroffen. Eine Unmenge lzeroorragender Politiker sind als Zeugen geladen. Die erste Sitzung wurde mit der Verlesung der sehr langen Anklageschrift und dem Verhör des Angeklagten aus- gefüllt. Um den Justizpalast ist strenger Polizeidienst eingerichtet worden. Der Angeklagte trägt ein blasses und niüdes, aber energisches Gesicht zur Schau. Er ist ärmlich gekleidet, trägt jedoch mit sichl- lichem Stolz dos sranzösifcheKriegskreuz. Der Präsident erklärte gleich zu Beginn, daß er keinerlei Kundgebungen des Publikums dulden werde. Unter den Zeugen sind Maxim G o r k i, der jedoch wegen Krankheit seine Aussagen schriftlich machen wird, Viktor Margueritte. Ein st ein usw. Aus dem Verhör des Angeklagten geht hervor, daß Schwarzbarth seit 1919 mit wenig Unterbrechungen in Frankreich lebt und sich 1925 o>» Franzose naturalisieren liesi. Zu Beginn des Krieges trat er in die französische Fremdenlegion«in, wurde kurz daraus schwer ver- letzt und bekam da, /iriegekreuz. Der Duüapefter Kommunistenprozeß. Tzanto widerruft das erpreßte Geständnis. Budapest, 18. Oktober. In der heutigen Sitzung des großen Kommunistenprozesses widerrief der Hauptangekiogte Szanto seine vor der Polizei gemochten Angaben, die lediglich durch polizeilichen Terror von Ihm erpreßt worden seien. Er wurde, so erklärt« er, vor die Wahl gestellt, entweder den gräßlichsten Folterungen seiner Mitbeschuldiglen zuzusehen, oder zu gestehen. Unter diesem Zwang habe er die Protokolle unterzeickmet. die man ihm vorgelegt hat. Als er über die Möglichkeit eines bewaffneten Ausstondes der kommunistischen Elemente gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu sprechen begann, unterbrach ihn der Vor- sitzende mit der Drohung, dag er die k o m m u n i st i s ch c P r o p a- ganda im Gerichtssaal zum Gegen st an�d einer b e- sonderen Anklage machen werde, worauf Szanto erklärte, «r sei bereit, auch weitere Verurteilungen auf sich zu nehmen. Der Vorsitzende entzog ihm schließlich das Wort und begann mit dem Verhör der Nebenangeklagten. Litauens Schachzug gegen Warschau. Anrufung des Rates zum Schutte der Wilnaer Polen. Genf, 18. Ottober.(Eigenbericht.) Die taktische Wendung der litauischen Regierung, die Vermittlung des Völkerbundes auf Grund von Artikel 11 de» Völkerbundspaktes(Gefährdung des Friedens) anzurufen, an Stell« der zuerst angekündigten Klagesührung wegen Verletzung des litauisch-polnischen Mtnderheitenabkommens, ist wohl darauf zu- rückzuführen, daß Ministerpräsident Woldemaras zu inner- politischen Zwecken etwas Aufsehen machen will. Die BeHand- lung der Klage auf Grund des Minderheitenabkommens wäre in einem verschwiegenen Minderheitenausschuß des Völkerbundsrates erfolgt, während bei Anrufung auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundspaktes die Streitfrage in voller Ratssitzung und unter Teilnahme eines litauischen Vertreters zur Beratung gelangen muß. Der Inhalt des litauischen Jnterventionsgesuchs wird am Milt- woch abend nach seiner Bekanntgabe an die Mitglieder des Völker- bundsrats veröffentlicht und in der Dezembersession des Rates zur Behandlung gelangen. » Wir begrüßen es, daß sich die litauische Regierung ent- schlössen hat, mit ihren Klagen vor das Forum des Völkerbundsrntes zu treten, denn je mehr das Problem des Schutze, der nationalen Minderheiten in aller Ocffenilichkeit behandelt wird, desto mehr werden die Regierungen, denen solch« Minderheiten anvertraut sind, darauf bedacht sein, Anlaß zu derartigen Klagen und Debatten zu vermeiden. Vielleicht wird im Septembek Litauen zugleich als Angeklagter im Bölkerbundrat erscheinen, denn die Behandlung der Memelländer ist ein Kapitel, das mindesten» ebensosehr der Klärung bedarf, wie die Behandlung der Polen im Gebiete von Wtlna. Ueberhaupt wird es einmal nötig sein, in Genf die Frage aufzu- werfen, ob es länger erträglich ist, daß gewisse Minderheiten— namentlich im Osten � auf den Schutz des Völkerbundes rechnen dürfen, während andere Minderheiten wir denken dabei vor allem an die S ü d t i r o l« r— völlig schutzlos der Willkür von Regie- rungen preisgegeben sind, die keineswegs„zivilisierter" sind, als die der Randfstiaten. Einstellung eines Landesverralsverfahrens. Das gegen den Heidelberger Prioatdozenten Dr. G u m b e l schwebende Landes- verratsverfahren ist eingestellt worden, da Gumbel nachweisen konnte, daß die von ihm gemachten Angaben über die Schwarze Reichswehr bereits bekannt waren. Das ist von prinzipieller Be- deutung, da bisher der Oberreichsanwalt auch die Weitergabe von bereits bekannten Tatsachen als Landesverrat aufzufassen versuchte. Tschechische Staatspolizei wird den sudetendeutschen Städten aufgezwungen, so auch jetzt der zu vier Fünfteln deutschen Glas- und Gürtlerstadl G a b l o n z a. d. Neiße. Infolgedessen passiert es dorn daß Polizisten auf Auetunftöbitten antworten, sie kennten sich in Gablonz nicht aus oder auch kürzer:„Xe rosumim"(„Ich ver- stehe nicht"). Die Arbeikerregierung von Reusüdwales(Australien) ist infolg« einer Wahlniederlage zurückgetrsie». Eine nationalistische Regierung ist gebildet worden, Bovin ist Ministerpräsident. Die Reichsbahn will nicht! Nefultatlofe Lohnverhandlungen. Die Verhandlungen zwischen d« Reichsbahngesellschaft und den LertrsZern der Eisenbahnarbeiter, die am Dienstag bei der Houi't- Verwaltung stattfanden, haben kein Resultat gebracht. Alke Argu- niente und Hinweise der Arbcitcrvertrcter zur Begründung der so notwendigen Lohnerhöhung prallten am Generaldirektor, Herrn Dorpmüller, wirkungslos ab. Er erklärte, eine allgemeine Lohnerhöhung sei untragbar. Die Finanzlage grslaile keine allgemeine Lohnerhöhung, weil die Lohn- und Gehaltserhöhung vom April dieses Jahres und die Reparotionslast sich im nächsten Jahre erst voll auswirken würden. Dazu komme, daß die Reichsbahn noch eine Reihe von Ren- anschatsungen, die in diesem Jahre zurückgestellt worden seien, vornehmen müsse. Sie könne deshalb durch eine allgemein« Lohn- erhöhung den Etat des nächsten Jahres nicht noch mehr belosten. Do eine Ungleichung der Löhne an die vergleichbaren Löhne der Priootindustrie notwendig sei, wcrde das geschehen. Zu einem Ausgleich mit Hilse von Ortslohn zulagen sei die Reichsbahn bereit. Der Generoldircrtor stellte den Organisatimisvcrtrctern an- heim, sofort mit der Ortslohnzulagenregelung zu beginnen. Dies« verzichteten jedoch darauf und erklärten, daß sie das Ergebnis der Verhandlungen zunächst den Orgonisalionsvorstönden unterbreiten werden. Noch im Lause dieser Woche nehmen die Organisatio- nen zu dem negativen Ausgong der Verhandlungen Stellung: ihre Antwort an die Hauptverwaltung wird am kommen- den Montag erstattet werden. Sin geradezu klägliches Resvllat! Ob sich die Reichsbohnhouptverwaltung auch über die Wirkung, die dieses Jammerresultat aus die Eiscnbahnarbciter ausüben muß, im klaren ist? Die Reichsbahnhauptverwaltung ist nicht gut beraten. Ein exakter, überzeugender Beweis, daß GeHalls- und Lohnbeloshmz vom April und Reparotionslast eine Aufbestenmg der Löhne w i r k- lich unmöglich machen, ist bis jetzt nicht gelührt worden. Mit dem Hinweis auf die Reparotionslast wacht sich die Reichsbahngesellschatt Ilzre Ausgabe etwas zu leicht. Mehr L e i st u n g aus der einen Seite, wie die Rcichsbohnhauptverwaltung offen zugibt, und Kür- zung des Reallohns infolge der Teuerung auf der anderen Seite— so macht man keine Lohnpolitik. Der ErfoZg öer Holzarbeiter. Tie Wiefung ei»rer ftarLcn Lrgamsittion. Bon einigen Ausnahmen abgesehen, ist gestern und heute früh in ollen bestreikten Betrieben der Berliner Holzindustrie die Arbeit wieder aufgenommen worden. Der Ausgang dieser Lohnbewegung wird natürlich nicht nur in den Kreisen der Holzorbeiter selbst, sondern ooi, vielen Arbeitern anderer Berufe lebhast diskutiert. lleberwiegend wird die Meinung vertreten, daß dieser über- rasch« nd schnell« und durchschlagende Erfolg nur einer»rgonisaiorifch so geschlossenen Arbeiterschast möglich war, wie e» eben die Holzarbeiter sind. Diese Meinung ist auch berechtigt. Man ist aber verpsiichtet, im Ausammenhang mit dieser Lohnbewegung auch einmal die Stellungnahme des S ch l i ch t u n g s o u s s ch u s s e s zu betrachten. Trotzdem die Holzarbeiter der bei dieser Lohnbewegung in Frag« kommenden Gruppe zu etwa fiö Proz. organisiert sind, hat die Organisation den Konflikt bei Ablaut der Lohntarise am 3l>. Sep- tember nicht einfach übers Knie gebrochen. Sie hat alle V e r- handlungs Möglichkeiten gründlich erschöpft, ohne dabei ober z» vergesien, den Kamps vorzubereiten. Dieses zielbewußte Vorgehen der Organisationsleitung ist von den Unternehmern mit wachsamem Auge verfolgt worden. Ihre anfangs ablehnende Stellungnahme bei den Verhandlungen ging allmählich in ein langlames Zurückweichen gegenüber der Verhandlungskommission über. Sie sahen dem offene» Konflikt nur scheinbor ruhig entgegen und wußten nur zu gut, daß bei einem Streik die Existenz einer Anzahl ihrer Leute aus dem Spiel stand. Der kampferprobten und kampscntjchlossenen Holzarbeiterschair gegenüber sah such auch der Schlichlungsausschuh genötigt, weit- gehendes Entgegenkommen zu zeigen. Als sich dos Schiedsgericht zusammensetzte, wußte es im voraus, daß ein unzulänglicher Schiedsspruch von den Berliner Holzarbeitern mit dem Streik auf der ganzen Linie beantwortet werden würde, und daß dieser Kampf mit einer Zähigkeit und Geschlossenheit geführt werden würde, wie es leider nicht jeder Arbeiceraruppc möglich ist. Der Schiedsspruch trug dann auch dem organisotorilchen Kräfte- Verhältnis der Berliner Holzorbeiter Rechnung. Er hat die Forde- nrngrn der Arbeiter zwar nicht restlos erfüllt, bleibt aber, vor allem im Endest'ekt, nicht weit hinter Ihnen zurück. Die Berliner Holzarbeiter können auf ihren Erfolg stolz sein, den sie nur infolge ihres guten Organisationsverhölinistes kompklos errungen haben. Der übrigen Arbeiterschaft muß der Ausgang dieier Lohnbewegung ober ein neuer Beweis dafür sein, daß auch die Schlichtungsinstanzen eine gut organisierte Arbeiterschast respck- tieren müssen. Diese Lohnbewegung hat wieder einmal gezeigt, daß Organisationsbeiträge nicht immer in Form von Sireikuntcr- st ü tz u n g an die Mitglieder zurückfließen mühen, sondern auch in kampflos erworbenen und ansehnlichen Lohnerhöhungen. 2S Jahre Sauleiter im �abrikardeiter-verbanü. Heute, am tll. Oktober, werden es 2S Jahre, daß der Genofle Emil Bennewitz von einer ZohlsteNenkonferenz zum Gauleiter des damaligen Verbandes, der Fabrik-, Land- und Hilfsoi beitcr und -arbeiterinnen Deuifchlauds für die Provinz Brandenburg gewählt wurde. Wir gratulieren dein Genossen zu diesem Jubiläum und wünschen ihm. daß er noch lange Zeit im Dienste der Arbeiterschalt und seines Verbandes tätig sein möge. Kundgebung seiner Forderungen nach längerer Freizeit und nach vermehrtem Iugendfchutz und Jugendrecht lebhaft Ausdruck zu geben. Gesang leitete die Feier ein. Wirkungsvoll wies der Redner, der Kollege Lehmann, Vorsitzender de« Orlsousschuffes Rathenow, auf die Forderungen der Jugendlichen hin. Ein Jugendjpiel, „Das Lich t*. aufgeführt von der Rolhenowcr Jugend, beschloß die erhebende Feier. In einer Morgenfeier am Sonntag schilderte der Kollege S c i l l a t in einem kurzen und gehalloollen Vortrog die w i r t- s ch a s t l i ch e und soziale Loge der Stadt Rathenow und ihrer Einwohner. Besonders erfreulich waren feine Mitteilungen über den Sipnd der gewerkschaftlichen Organisation, ist doch in Rothe- now s«d«r sechste Einwohner gewerkschaftlich organisiert. Es folgten dann eine Reihe von Besichtigungen. Gezeigt wurden die oprischen Betriebe„Nitsche u. Günther A.-G.", „Busch", sowie die Chemische Fabrik„Permutitwerk". Der Sonntag nachmittag vereinte die Gewerkschaftsjugend und die erwachsene Arbeiterschast zu einem srohen Beisammen- sein Im Gewerkschostshaus Mit heiteren Rezitationen. Liedern zur Laut«, Dolkeiänzen, sowie einer Aufführung des Schmökeripiels „Am Morterpfoh! der Sicnx" von Osterrvih, gab die Berliner Ge- werkfchaftsjugeird ihrem Streben nach Freizeitgestaltung Ausdruck. Die froh verlebten Stunden, die alt und jung gemeinsam verbrachten, zeigten, daß die Solidarität der gewerkschaftlich organi- sterten Arbeiterschast lebendige Wirklichkeit ist. Dem Ortsaus- schliß Rathenow, der auch für eine große Zahl von Privat- quartieren gesorgt hatte, sei sür sein Mühen auch an dieser Stelle noch recht herzlicher Dank._ Nechtsabmarsch ües döv.! Eiac Berichtigung. Zu unserer Notiz über Personalveränderungen im Bundesvor- stand des Deutschen Beamtenbundes. die au! eine Rechts- schwenkung schließen ließen, wird uns von der Presieabteilung des DBB. mitgeteilt, daß das Ausscheiden des Genossen Lockenoitz ein freiwilliges war und daß Herr Dr. F e y nicht den Preise- l e i t e r, sondern den Hauptschristleiter(nach unserer Kenntnis ein und dieselbe Person) vorläufig vertritt, und zwar in- solge der Erkrankung des zweiten Redakteurs. Daß mit der Lsrtrcwng Leute betraut werden, dexen republi- konische Gesinnungstreu« selbst den«ingewethtesten Kreisen ein unergründliches Geheimnis ist, mag vielleicht nur ein Zufall sein. Aus solchen Zufällen ziehen aber andere Leute ihre Schlüsse. Einigung iu üer bcrgifthen Textilindustrie. Barme«», 18. Oktober. Der Lohnstreit in der o b erb er gi sch e n Textilindustrie ist durch einen Dorschlog des Schlichters, den beide Parteien ange nomine» hoben, beigelegt worden. ein gewerksthastiiches Jugendtreffen. Gewerkschaftlich« Jugendtreffen in den Orten der Provinz Brandenburg sollen dazu dienen, auch hier den Gedanken gewer.'- schustlicher Jugendgewinnung und Jugendarbeit lebendiger werden zu lassen. Solche» Zielen diente auch das Jugendtressen am Sonn- abend und Sonntag in Rathenow, dos vom Ortsausschuß des ADGB. Rathenow und der Jugendzentral« de» Ortsousschusies Berlin veranstaltet wurde. In Rathenow wurde den Berliner jungen Gewerkschaftern«in derzlicher Empfang zuteil. Im langen Demonstrationszug, mit roten Fahnen und Wimpeln marschierten sie zum G e w« r k° s ch o s t S h a u s. Hier kand sich dann die Raihenower Gewerkschafts- jungend und die erwachsene Kollegenschast ein und in einem inrpo- santen Fackelzuge, mit Musik und Gesang, marschierten vereint der Rathenower und Berliner Gewerkschoftsnachwuchs nach dem Weinberg, um hier in einer außerordentlich eindrucksvollen verhöhauag üer Zigarrenmacher. Ein Teuerungsausgleich abgelehut. Stark« Unruhe hat sich seit einiger Zeit der Tobak- arbeiterschast bemächiim. da die Zigarrensabri. kanten die Forderung der Arbeiter, schon vor Ablauf der Gel- tung-dauer des jetzigen R«chstarisvertroges höhere Löhne zu bekommen, schroff abgelehnt hoben. Auf das Ersuchen um «ine Zwilchenlösung hoben die Zigarrensabrikantcn geantwortet, daß mit der Lohnerhöhung vom April in Höhe von Proz. bereits die Mietssteigerung vom 1. Oktober abgegolten werden sollte: der RDZ. sei der Meinung, daß die Erhöhung' des Reallohnes um mehr als « Proz. zusammen mit der erfreulichen Tatsache, daß die Lebens- hallungskosten beinahe stabil geblieben feien, dazu führen würde, der Industrie auf dem Lohnqebiet auch über dem Ablauf- termin des Tarifvertrages hinaus Ruhe zu laflen. Di« Antwort der Zigarrenfabrikonten ist eine glatte Per- böhnung der notleidenden Tabakorbeiter fchafi. iic Löhne, die das Reichsarbestsmlnifterium im Frühjahr den Zigorrenorbeitern auf Antrag des RDZ. aufgezwungen hat, sind so niedrig, daß sie'koum sür das Notwendigste ausreichen. Dos ist auch die Auffassung bürgerlicher Blätter, wie z B. der„F r a n t f u r t e r Z« i t u n o". Da- Schönste aber ist. daß die Z i g a r r e n s o b rt k a n t e n, die mit ihrer Unnachgiebig- keil die Tabakarbciterschait zur Verzweiflung treiben, mit Pharisäer- mienc sich darüber entrüsten, wenn irgendwo gegen die tariflichen Bestimmungen gesündigt und die Arbeit niedergelegt wird. Billigen kann man diese Verstöße nicht, aber man kann sie v e r "'' J Z. a... -ranlassung. in Entrüstung zu machen. Was hat der RDZ. denn im allerwenigsten stehen. Jedenfalls Hot der RD Veranlassung, ln Entrüstung zu mache..___,___ getan, um bei seinen Mitgliedern in Oberboden und in Orsoy den Bestimmungen des Tarifvertroges Geltung zu verschaffen? In Oberbaden Hot ein Teil der Mitglieder des RDZ. heute noch nicht die V�prozentige Lohnerhöhung vom I. April gezahlt. Zurchtet stch Pole» vor Cook! Es will Ihn nicht nach Warschau lassen. London, 18. Oktober. sEigenbericht.) Der politische Generalkonsul in London hat, Grund von Instruktionen aus Warschau handelnd, dem Generassekretär der britischen Bergarbeiter, Cook, die Ausstellung eines Visums zum Besuch der Sitzung der Bergarbeit er-hinter- nationale in Warschau, die am Miiiwoch beginnt, jer- weigert. Dos Visum sür den zweiten britischen Delegierten. den Kassierer der Bergarbeiter, R i ch a r d s o n, wurde anstandslos gewährt. Ein Schritt des Generalrats der britischen Gewerk- fehasten, dessen Mitglied Cook seii dem jüngsten Gewerkschasts- kongreß ist, beim polnischen Generalkonsul blieb erfolglos. Die in London befindlichen Miglieder der Bcrgarbeiterexekutwe be- schlössen hierauf, unter diesen Umständen von der Entsendung einer britischen Delegation zur Warschauer Sitzung der Berg, arbciter-Jnternotionale überhaupt Abstand zu nehmen. In einem Presseinterview teilte Cook mit. es handle sich hier um den ersten Fall ln der Geschichte de? britischen Bergarbeiterverbandes, daß einem britischen Bergarbeitervertreter, der zu einer internalimtalen Sitzung zu reisen wünsch-, das Mstim verweigert wurde. Cook macht« hierbei die interessante Miteilung, daß er gewissen Paßschwierigkeiten auch bei seinen Reisen nach Deutschland begegne, da das deutsche Generalkonsulat in London die Erteilung des Visums für Cook nach Deutschland von einer Erklärung Cook- abhängig zu wachen pfleg«, daß er in Deutschland in keiner öfientlichen Versammlung auftrete, Wenn die Polizei Vorsehung spielt, kommt nichts Vernünftiges dabei heraus.___ ©rofec Arbeitslosigkeit in Bulgarien. Große Arbeitslosigkeit herilcht zurzeit in Bulgarien. Am höchsten snrd die Arbeitslosenzisicr» im südbulgorischen Tabak- zcntrum. besonders in Philippopel, wo Tausend« von Arbeitern aus den Tabaklogern entlassen wurden. Die Gewerk- lchastspress« bezeichnet die Entwicklung aui dem Arbeitsmarkt als äußerst kritisch und glaubt, daß sie sich im Winter k a t a- strophal zuspitzen werde. Dos Arbeiterortzan„Narod" betont, daß die offiziellen Ziffern über die Arbettslosigkeit nicht annähernd der Wirklichkeit entsprechen: es schätzt die Zahl der Arbeits- losen auf über 100000—«ine für ein ausgesprochenes, nur fünf Millionen Bewohner zählendes Agrarland erschreckend hohe Ziffer. Die reaktionäre Regierung steht der Entwicklung dieser Dinge tatenlos gegenüber. Bergarbcilerstreik in Spanien. Madrid, 18. Ottober. Primo de River« machte bekannt, daß die Arbeitsniederlegung in, Bergwertsbezirk von A st u r i« n allgemein und vollständig sti. ZdA.- Mitglieder der Berliner Metallindustrie. Der neue Momeltarifvertrag iür die Angestellten der Groß-Bcrliner Metall- industrie ist nunmehr— jedoch ohne Gc Haltsabkommen— fertiggestellt und steht den Mitgliedern unserer Organisation zum Preise von 10 Ps. zur Verfügung. Wir bitten, die Bestellungen möglichst gesammelt durch di- Betriebs- bzw. Angestelltenräte aufzugeben, wo- ei wir ausdrücklich darauf hinweisen, daß das Gehaltsabkommen nach Verständigung mit den, VBMJ. als Nachtrag in den nächsten Togen gedruckt wird und unseren Mitgliedern soweit sie im Besitz des Tarifvertrages sind, gratis zur Verfügung steht. Bezirksamt Neukölln. Sorgen. Sintutag, HS Uhr. im Lokal»o» Xstzln. bttmann- Eck« Leinest«» z«, Derlammlorq»1«« d«i der HanptoerroaUi-.no deichai- tiaten SZtD.-Sraossan. 9Ufu«i päd wichtig« Berichte,«tl» ZPD„ chrooflea miifiea erscheinen. De« FrotUoaaaarftaad. Deutscher Holzarbeiterverbond. Brauch« der StrUwach«« und starasteriearbriter. Sffle diejenigim Kollegen. »«lche Mitglied«« der Innungolrantcniasse der Karo'seriebauer und Wogne» Innung find, werden«rtucht, deute, Mittwoch. IS Uhr, im Lokal Hummel, Sophienslr.!i, zu erscheinen. Aufstellung der Kandidaten zum Sranlenkassen. au-schufi. Lorschlag« find mitzudringen. Klstrnmao-ee. Di» Brnnchenversammsung findet heute, Mittwoch, Id. Lk- todrr, im Lokal Heinrich-- ge ltfiile, idrvfie frankfurter Str.?<>. statt. Einleger. Die Lersammluna am Donueretag, 20. Oktooer, findet nicht Rungestraße, fondern Wrberftr. 17 bei Büket statt. Beginn 17 Uhr. Allgemeiner Deutscher Bramtrubirnd fOrtoaueschuß Berlin). Donneratag. abend» b Uhr. itt de» KainmersSlen. Teliowcc Straße Qkffeniliche Beamten- kundgebung anläßlich der Brso!dung»r«iorm. Rescrent: Kolleg« Dr. Bülte« vom Bundtsv-rlianü. freie Bewerkfchaftajugend Sroß-BerN». Heute. Mittwoch, Idzz llhr, lag» die Gruppen: Reulblla: Grupp.'ubeim Zugendyeim Bevgst:. 2l>, Hoi. Vortrag: ____ zum___________ Lickliu'deroortrag:„Aus dem Land« frig Siiuiec»."— Zlardr ug: Gruppen. beim Iugcnddeiin Sbcromalder Sir. ll>. Vortrag:„Da» Dinta al» Kampf. mittel de« Kapital»."— Baumschulenweg: Iug-nddk.m BaMlischuIriiweg. Ernst. straße 16. Tortrag:„Der Lchrverrrag."— ZSeißrufrel Zugenbheim Parlstr, 85. Alle» Durcheinander.— grntriu»: Jugendheim Zehdenicker Str. I-icJS. Vor- trag:�,Iu�'ndrecht und Augendfchufi.— Edarlotterburq: Jugendheim Deutsches uri rz, jju ut-nuinniii.—«chcwuugsmrirno OK? musikabteifunq im Jugendheim fSchuir) Riederfchüneweidc, Berliner Str Zt. — Oftkrcl«: Kursus ob 20 Uhr in der Diefielmenerftr. i«Klassen, immer:-' Au» der Geichichte der ArbeiteroeiregunK. unier befonderer Berllchfichtiguna" der iöewerkich,f<»dewegi:rg."— Kulturobirllnng de» TSRS.; ja Uhr Tcoimmm- Moana. Sohn der Sittfec. De« Elektroofen. Immer norfichtig. Beitrag 10 Pü Zngr-dgruppe de« gd«. Heute. Miiiwoch. ld'.Z Ahr, finden folgenbc Ber� anstaltungen statt: Oft«»: Jugendheim m der Schule Litauer Str I» Au»- fprocheal end Über..Kavitolmmus"ate>: Renlölln: Iua»nbb«>w'Ziogat. straße£■. Vortrag„EUbrer in Staat und«irtfchaft" lMichaeii«): Eb-rkotten. dnm-Iiigendbei- Rofinenstraße ch Vortrag.Larl Mar«"<°ewinsti):«eddin»- Gesundb- nune»! Iug«ndhe!m Schünstedlstr. Vortrgq..WoSlfahrlspstear" sBa-lww,i Er«»d»-i Jugendheim L'.ndenvfer 1, Bunter Abend- Lieder- bljche« mitbringen: Rardwrst, Zugendheim im Zieolgnmnafium Schseswiger Ufer Ich Spiefabend.» u und erlagsanstat' Boul Singer v Eo Berlin SS 58 Llndenstraße i. flrt« J Beilage»»nd.Unierdaltuno»ad«issen" SeiOsikblsi W/bSQb-lsi«ST stceitzck Zul�s-ik?. SIS BEI UNS SCHNELL UNO DEN VORSCHRIFTEN DER HYGIENE ENTSPRECHEND GEWASCHEN WIRD. DIE PREISE SIND ERHEBLICH HERUNTERGESETZT. IN GLEICH GUTCR AUSFÜHRUNG HAUSHALTUNGSWÄSCHE ALLEP ART. PLÄTTWÄSCHE ROLLWÄSCHE LtCFERZKIT IN B TAOKN ABHOLEN UNO ZUSTELLEN FREI HAUS. SUHDUBSfOO bei COCEMCK-BEeUM fXßBT* ß EINIGT• WÄSCHT MsijMW uckMil Nr. 494 ♦ 44.?ahrgaag I. Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 19. Oktober 1927 Um öen wohnun Endkampf in der Stadtverordnetenversammlung.— Ablehnung des Bewoag- Projektes.— Die Linksmehrheit fordert mehr Kleinwohnungsbauten Das vom Magistrat im September den Stadtverordneten vorgelegt« Wohnungsbauprojekt der Bewoag kam gestern aus dem Ausschuß zurück. In langen Beratungen hatte der Ausschuß manche Aenderungen zustande gebracht, aber die Be> denken der Linksparteien konnten dadurch nicht entkräftet werden. Oberbürgermeister Boß selber nahm gestern das Wort, um die Vorlag« zur Annahme zu empfehlen. Warum die s o z i a l d e m o- kra l i s che Fraktion diesen Plänen nicht zustimmen konnte, wurde von unserem Genossen Wendt dargelegt. Ausschlaggebend mußte schon sein, daß in dem Projekt der Bewoag auf die u n b e- mittelte Bevölkerung zu wenig Rücksicht genommen ist. Unser Redner begründete einen von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Antrag, der eine nochmalig« Ausschreibung von Wohnungsbauprojekten fordert mit der Bedingung, daß 10000 Kleinwohnungen gebaut werden müssen. Mit Wohnungen, die eine für die Minderbemittelten unerschwingliche Miete kosten, wie bei dem Bewoag-Projekt, kann die Wohnungsnot nicht bekämpft werden. Die Kommunisten schlössen sich diesen Er- wögungen an. und unser Antrag wurde dann von den beiden Links- Parteien mit S9 Stimmen(gegen 87) angenommen. Mit diesem Beschluß ist das Bewoag-Projekt gefallen. In der gestern abgehaltenen außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten kam nur das Projekt des Magistrats wegen des Baues öer$000 Wohnungen zur Beratung. Als Berichterstatter des vorbereitenden Ausschusses sprach Stadtv. Fedlcr(Dnat.). Unsere Leser sind aus den fortlaufend erfolgten Mitteilungen im„Vorwärts" über das Projekt unterrichtet. Oberbürgermeister Böß erläuterte kurz ein dieser Tage neu eingegangenes Angebot einer anderen Gesellschaft, bezeich- nete es als unannehmbar und bat am Schluß seiner Aus- führungen um Verabschiedung der ursprünglichen Vorlage, d. h. des Vertrages mit der„Bewoag". Nach dieser Erklärung des Ober- bürgermeisters wurde auf Antrag des Stadtv. Alerten(Dem.) d i e Sitzung auf eine halb« Stunde vertagt, um den Frak- tionen Gelegenheit zu geben, erneut Stellung zu nehmen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen sprach von der kommunistschen Fraktion Stadtv. Schwenk, der sich gegen das Bewoag-Projekt wandte, und zeigte, wie das Angebot und der Vertrag für die� Gefell- fchaft wohl finanziell günstig, für die Stadt und besonders für die Mieter aber sehr ungünstig sei. Di« Mieten selbst für die kleinsten Wohnungen seien in der heutigen schweren Zeit für die große Mehrzahl der wohnungsuchenden Arbeiter, Angestellten und Beamten untragbar. Er trat dafür«in, daß die Stadtverordneten- Versammlung das Bewoag-Projekt ablehne. Die Behauptung des Stadtv. Schwenk, von den 100 000 Mark, die sich seinerzeit die Cbopmann-Gruppe als Abstand ousbedungen hatte, hätte e i n Magistratsmitglied 2S 000 Mark abbekommen. veranlaßt« Oberbürgermeister Böß, gegen dies« Behauptung des Stadtv. Schwenk zu protestieren und ihn zu bitten, f« i n Material sofort dem Magistrat zur Verfügung zu stellen. Die D e uts ch n a t i on a le n und die W irisch afts- p a r t e i l e r ließen durch den Stadw. Steiniger erklären, daß sie der Meinung feien, der Worte über das Projekt feien genug gewechselt; sie bäten um die sofortig« Annahme der Vorlage und beantrag« daher den Schluß der Debatte. Gegen diesen Debatteschluß wandte stch Stadw. Genosse Mendt, der forderte, daß man die größte Fraktion des chauses, die Sozial- demokratie, nicht von der Debatte ausschließ«. Der Antrag wurde denn auch abgelehnt, so daß zunächst Stadtv. Kunze(Dtsch-sozial) das Wort nehmen konnte. Für die sozialdemokratische Fraktion begründet« Genosse Wendt die Stellungnahme. Cr druck'« seine Verwunderung darüber aus, daß seinerzeit die Firma Richter u. Schädel als die Abgeberin des billigsten Angebotes aus der Konkurrenz ausschied, um schließ- lich später im Konzern der chaberlandgruppe wieder aufzutauchen. Man gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Haberlandkonzern den lästigen Konkurrenten aufge- saugt hat. Genosse Wendt wandte sich dann mit besonderer Schärfe gegen die hohen Alieken, die das Angebot der Bewoag zur Folge haben müßte und die kein Arbeiter bezahlen könne. Wenn in der Debatte gejagt worden ist, daß die minderbemittelten Wohnungssuchenden schließlich in die freiwerdenden Altwohnungen einziehen könnten, so sei dem entgegengehalten, daß die Arbeiter nicht dazu da seien, die Rolle des Aschenbrödels zu übernehmen, nur damit die zahlungsfähigen Wohnungsuchenden in neue Wohnungen ziehen können. Bei den neugebauten Wohnungen am W e d d i n g hat es sich oft heraus- gestellt, daß trotz der bedeutend billigeren Mieten die Eingezogenen nach kurzer Zeit die Miete, zahtung einstellten, well sie einfach nicht in der Lage waren, den Mietzins ertragen zu können. Gegenüber den Baukosten, die die Bewoag bei ihrem Projekt verlangt, ist fest- zustellen, daß andere Gesellschaften, die auch mit städtischem Gelde arbeiten, den Kubikmeter umbauten Raumes bei bedeutend kleineren Bauvorhaben mit 27 M. herstellen, während die Bewoag 28,50 M. berechnet. Die Annahme des vorliegenden Projektes muh unzweifelhaft eine Einwirkung auf die Mieten der anderen Woh- nungen zur Folge haben. Vielleicht ist es den hinter den Haus- befitzern stehenden bürgerlichen Parteien nur lieb, wenn durch ein so großes Bauvorhaben gewisse Staudardmieten gcschaffea werden, die sich dann auf die Altwohnungen übertragen lassen. Weil eben die Auswirkungen so groß und so unübersehbar sind, warnen die Sozialdemokraten vor der Annahme des Bewoag- Projektes und lehnen es daher ab. Wir verlangen vielmehr die sofortige Ausarbeitung eines neuen städtischen Projektes, das linwr allen Umständen günstiger für die Wohnungssuchende min- derbemittelte Bevölkerung ist. Genosse Wendt brachte dann folgenden Antrag unserer Fraktion ein: Unter Ablehnung der IRagisiralsvor- läge beschließt die Stadtverordnetenversammlung: 1* Der Magistrat wird ersucht, mit größter De- schleunlgung eine Neuansschrelbung für die Ec> stellung von etwa 10 000 Kleinwohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung vorzu- nehmen. 2. Der Magistrat wird ferner ersucht, beschleunigt die Genehmigung einer städtischen llulelhe für deu Wohnungsbau bei der Deratungsfielle nachzusuchen. Stadtverordneter Trcfferl(Z.) bezeichnet« die Auswirkung des Antrages der Sozialdemokraten als sin«„Konnrnnrallsterung des Wohnungsbaues", die nicht ausführbar fei. Als der Redner be- hauptet, das zuerst eingegangene Shapmann-Angebotsei von den Sozialdemokraten in Gemeinschaft mit den Kommunisten kaputt geschlagen worden, erinnerten unsere Genossen den Redner durch Zwischenrufe daran, daß es der M i n i st e r H i r t s i e f« r war, der dasAngebotzuFall gebracht hat. Im übrigen trat der Redner für das Bewoag-Angebot ein. Der Deutschnationale Skeiniger erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zu dem Bewoag-Projekt deswegen, weil das Privat- kapital und private Unternehmer wieder am Wohnungsbau maßgebend beteiligt werden und weil seine Fraktion hoffe, daß dieser erste Versuch zu einer weiteren ständigen Beteiligung des Privat- kapitals beim Wohnungsbau führe. Auch Stadtver- ordneter Michaelis von den Demokraten trat für das Bewoag- Angebot ein. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde zur Abstimmung geschritten. Der Ankrag der Sozialdemokraten wurde mit SS Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten gegen 87 Stimmen sämt- licher bürgerlicher Parteien angenommen. Damit war das Bewoag- Projekt abgelehnt. Erneuerung öer Verwaltung. Die Gemischte Deputation zur Borberatung von Organisationsentwürfen nahm gestern die Beratung über die Vor- schlüge des Magistrats zur Umgestaltung des Gesetzes Groß-Berlin und zur Verminderung der Vermal- tungsbezirke auf. Die Ansichten gingen, wie nicht anders zu erwarten war. so weit auseinander, daß an eine Einigung oder auch nur Verständigung auf absehbare Zeit hinaus nicht zu denken ist. Während die D e u t s ch n a t i o n a l e n auf völliger Dezentralisation der gesamten Verwaltung und Verfassung bestanden, kündigten die K o m m u n i st e n gänzlich neue Vorschläge an, die augenscheinlich die Eowjewerfassung zur Grundlage haben sollen. Die Mittelparteien erklärten stch zur unverbindlichen Beratung der vorliegenden Entwürfe bereit, obgleich auch sie nach den Worten des Vertreters des Zentrums„keine Möglichkeit einer Einigung" sehen. Die Sozialdemokraten betonten, daß sie den Zeitpunkt für eine Umgestaltung der Berliner Verwaltung noch nicht für gekommen erachten und daß sie daher eine Be- ratung der Entwürfe augenblicklich für unnötig hielten. Sie ver- langten eine Ausstellung über die Kosten der Berliner Verwaltung im Verhältnis zu den Vsrwaltungskosten anderer Großstädte und stellten in Aussicht, daß sie gegebenenfalls den Magistrat zunächst um eine Vorlage über die Verbilligung und Vereinfachung der Berliner Verwaltung im Rahmen des bestehenden Gesetzes ersuchen würden. Die Beratungen wurden schließlich vertagt, um den Fraktionen noch einmal Gelegenheit zur Stellung- nähme zu geben. Ein Sieülungsskanöa! in Karlshorft. Die billigen Wohnungen des Architekten Wiechert. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft beschäftigen sich äugen- blicklich mit einem Siedlungsskandal, der beweist, daß von den zuständigen Behörden die Verwendung der für den Wohnungs- bau bestimmten Hauszins st euer nicht immer genügend ton- trolliert wird. Der Architekt Karl Wiechert aus Oderberg hatte im Jahre 1S2S die Erlaubnis bekommen, in Karlshorst in der Stolzenfels-, Loreley- und Ehrenfclsftraße 22 Mietshäuser mit 160 Wohnungen zu errichten. Er suchte Mieter aus dem Wege der Anzeige, und diese meldeten sich sehr zahlreich, mußten sich aber schon in einem sogenannten Vorvertrag verpflichten, für ledes Zimmer 1000 M. Bau-kostenzufchuß zu bezahlen. Diese 1000 M. sollten als Grundschuld eingetragen, mit 5 Proz. p. a. verzinst und nach zwölf Iahren zurückerstattet werden. Miete für zwei Zimmer 60 M., für drei Zinnner 75 M., für vier Zimmer 125 bis 130 M., sofortig« Anzahlung einer größeren Summe, für den Rest gute Wechsel, das waren die Bedingungen! Roch Zahlung von fünf Monatswechfeln wurden die Mieter zu einem Notar zur Unter- zeichnung des Hauptvertroges bestellt und ersuhren dort zu ihrer Bestürzung, daß die Mieten plötzlich 80 bzw. 110 und 150 M. betrogen sollten. Als die Mieter protestierten und zum Teil von dem Vertrag zurücktreten wollten, erklärte der Vertreter der Wiechert- schen Gesellschaft, daß dann eben die gezahlten Baugeldzu- schüsse verloren seien, und nach dem Vorvertrag bestände kein Anspruch auf Rückzahlung. Außerdem seien noch die A n m a l t s k o st e n von rund 100 M. pro Mieter zu übernehmen. Nach weiteren drei Wochen kam ein Brief der Gesellschaft, daß leider durch Erhöhung der Kosten die Mieten erneut heraufgesetzt werden müßten, und zwar auf SS bis 110 bzw. 145 und 180 M. Trotz alledem sahen sich viele der so Geprellten veranlaßt, in die Wohnungen einzuziehen, weil sie sonst ihr Kapital ganz verloren hätten. m Dement. von Fsodor©labkoto. Schmach „Schmach und Schande, liebe Genossen!. und Schande Das sprach der Stumpfnasige, er sprach aber nicht, sondern bellte.„_ „Das Beamtentum hat uns aufgefressen... der Bureau- kratismus.... Man hat noch nicht einmal die Leichen der Genossen begraben,.. das Blut ist noch nicht getrocknet..>. Ja!.. Und wir— in die Bureaus, in die Klubsessel... und die Füße nach Eeneralsart... in Reithosen..• und Formalitäten... und die Papiere numeriert... und ohne Anmeldung wird man nicht vorgelassen.... Bald werden wir wieder zu„Seiner Exzellenz" gelangen.... Es waren Genossen... wo sind sie?... Ich fühle es, wieder ist die arme arbeitende Klasse im Joch, im Leiden... „Sie irren. Genosse Schuk. Das ist nicht so. Ihr Stand- punkt ist von Grund aus falsch. So kann man nicht urteilen. Nicht das ist wichtig.... Feinde gibt es. viele. Genosse Schuk...- Man braucht einen erbarmungslosen Terror, sonst ist die Republik zwischen Leben und Tod.... Das ist es, worüber man zu denken hat. Ich verstehe Sie, Genosse Schuk, aber die Sowjetmacht braucht einen festen, deutlichen, ausprobierten Apparat... und wenn es auch ein bureau- kratiscber Apparat ist... er muß nur verläßlich arbeiten. „Du auch..- immer dasselbe.... Alle sagen immer dasselbe... und was ist mit der arbeitenden Klasse?... Ach, Genosse Serjoscha, die Seele tut einem weh... es ist keiner da, mit dem man ein Wort sprechen könnte... „Jetzt gibt es nur eines, Genosse Schuk: die Arbeit unter den Massen... Arbeit, Arbeit.... Die Massen müssen sofort den ganzen Arbeitsapparat der Republik bis zur höchsten Spitze durchtränken.... Das geflügelte Wort des Genossen Lenin von der Köchin muh eine feste, volkstümliche Tatsache werden.... Darin liegt eben alles.... Und Sie irren... Sie rennen offene Türen ein... „Ach du, Serjoscha! Das heißt eben ein ergebener Kommunist sein— aber ein blinder.... Die Arbeiterklasse braucht mehr Herz, und wegen der Feinde— hol sie der Teufel. Wir haben bis jetzt uns irgendwie durchgewunden und werden es auch weiterhin tun können.... Aber was sollen wir über die Parteiangestellten und Parteiarbeiter sagen?... Sie sind zu hohen Posten gekommen und sind aus Freunden und Genossen Schufte geworden.... Darin liegt eben das Unglück. Serjoscha... das sind eben die Feinde, lieber Genosse." Und in dieser bellenden Anklage und in diesem eckigen Profil erkannte Gljeb seinen alten Freund, den Drechsler Schuk aus der Fabrik„Sudostag". Er hatte sich nicht ver- ändert und schrie und schimpfte genau wie vor drei Iahren. Gljeb trat auf ihn zu, packte ihn an der Schulter. „Guten Tag, Freund.... Schreist? Deckst auf?... Wann wirst du endlich aufhören aufzudecken? Man muß kommandieren, seinen Buckel bewegen, aber du fletschst nur die Zähne, du Stumpfnase, du... Schuk riß erstaunt die Augen weit auf, pfeifend atmete er die Luft ein und wieder aus. ..Genosse, lieber!... Gljeb!... Krtegerl... Mütterchen, geliebtes!..." Er umarmte ihn und überflutete ihn mit seiner Hitze und seinem dampfenden Schweiß. „Bist du das?... Freund!... Ja. wir werden schon mit dir alle kleinkriegen.... Alle auf ihre Posten stellen. ... Von welchem Planet... was? Serjoscha, schau her, das ist mein Freund... durch Leid und Blut... „Trommle nicht eine leere Trommel, Schuk... für uns ist Klagen kein Sieg...." „Sooo... stehst du, Serjoscha? Der wird schon seinen Mann stehen, der Kerl!... Siehst du. Serjoscha, solche brauchen wir! Mit ihm werden wir dreiunddreißig Berge umwälzen... Gljeb und Sergeij gaben einander die Hände, flochten die Finger für einen Moment ineinander, vorsichtig und fremd. Und in den Fingern Sergeijs spürte Gljeb mädchen- hafte Schüchternheit und Weichheit. „Intellektueller... Hände wie Löffel... ein Vor- nehmer...." Er sah ihm ins Gesicht. Locken, rötlichbraun, wie Bernstein, in seinen bräunlichen Augen ein Lächeln, und dasselbe Lächeln in«den heraufgezogenen Mundwinkeln. Ein Lächeln, das etwas spöttisch schien und in dem eine unerfaß- bare Milde und Frage lag. „Ich kenne Sie schon, Genosse Tschumalow. Ich sah Sie voriges Mal bei der Registrierung. Man sprach über Sie im Komiteepräsidium. Sie sind zur rechten Zeit ge- kommen." „Siehst du, lieber Freund? Unsere Generale spüren einen Karpfen. Du mußt mit ihnen militärisch umgehen, sonst werden sie dich nicht leben lassen. Sie wollten auch mich in ihre Netze einfangen, aber ich bin schlauer, ich kenne meine Sache.... Ich werde sie schon alle ins richtige Fahrwasser bringen." „Sag mal, Schuk, warum bist du denn eigentlich so wütend? „Ich glaube ihnen nichts— gar nichts. Immer nur große Worte: alles für die Arbeiterklasse... und in Wirk- lichkeit denken sie nur an ihren eigenen Bauch.... Haut- fchinder!... eingebildete Kerle, Zirkusreiter!.. „Komm nur, ich will mir auch mal deine Generale ansehen. Führe mich zu ihnen, Schuk!..." „Gehen Sie zum Sekretär, Genosse Tschumalow, dort ist Sitzung. Der Sekretär hat veranlaßt, daß man Sie sofort durch ein Telephonogramm rufen soll. Gehen Sie hin... er heißt Schidkij." „Rein, führ du ihn, Serjoscha, dir ist's leichter. Und ich werde als Kiebitz mitgehen, werde zuschauen, wie man ihn anpacken wird...." „Ich bin beschäftigt. Genosse Schuk. Jetzt ist eine Be- ratung im Agitprop und dann eine Sitzung der Sektion für Volksbildung... und dann muß ich sprechen." „Ach, Serjoscha!... Bist ein gebildeter Mensch und bist ärger als ein Mönch in deiner großen Demut und deinem Gehorsam." » Ins Zimmer trat zuerst Gljeb, nicht Sergeij. Und weil das Zimmer klein war, oder weil nur Frauen drin sahen, kam es Gljeb vor. als ob er es ganz ausfülle und keinen Platz mehr habe, sich umzudrehen. Es schien ihm, daß sein Helm die Decke berühre und die Stukkatur kratze. Neben dem Fenster, vor einem Tisch, saß, einen Blei- stift in der Hand, in einer blauen Russenbluse, Genossin Mjechowa, die Leiterin der Frauengruppe. Ihre Haare lockten sich wie Holzspänchen unter einem roten Kopftuch und ringelten sich und glitzerten in der Sonne. Ueber der Ober- lippe ein leiser Flaum, wie bei einem Knaben, und die Augenbrauen zuckten und spielten wie Funken. Sie sah Gljeb mit einem raschen Aufschlag ihrer runden langbewim- perten Augen an, und die Augenbrauen zuckten wie Heu- schreckenflüglein. Die Wangen, rund und rot wie bei einem Backfisch, und auf den Wangen Grübchen. (Fortsetzung folgt.) 0 Für die Untersuchungsbehörden ist dies« Frage de- sonders wichtig: Sind die eingezahlten Baukostenzuschüsse oer- tnagsgemäß sichergestellt worden? Der Eigentümer hat nämlich hinter den beiden Hypotheken zunächst sür sich ein« Eigen- tümergrundschuld, weiterhin Sicherheitshypotheten für Straßen- regulierungen, und erst dann die Grundschuld der Mieter eintragen lassen. Die Grundstücke waren also schon vorher bis über den Schornstein hinaus belastet. Die W o h n u n g s s ü r- sorgegesellschast griff jetzt ein und setzte zunächst den Wert der Häuser herab. Weiter sollte Wiechert die Grundschuld seiner Mieter gleich hinter den Baukosten vor den Hypotheken eintragen lassen. Ein ganzes Jahr lang klagte Wiechert, um dann schließ- lich den Mietern mitzuteilen, ihre Grundschuld sei auf einen Treu- h ä n d e r eingetragen. Dieser Treuhänder war jedoch— Wiecherts eigener Rechtsanwalt und Notar. Als dann die Mieter die v e r- einbarten Zinsen haben wollten, erklärte die„Gesellschaft" des Besitzers, die Zinsen seien durch Umlagen für die Häuser oer- rechnet Inzwischen haben sich die 16 0 Mieter an die Staats- a n w a l t s ch a s t und die Kriminalpolizei gewandt, weil sie sich von Wiechert betrogen fühlen. Hoffentlich wird schleunigst durchgegriffen, um zunächst einmal die Wohnungsgeldzu- schüsse zu sichern. Auch die Mieten müssen neu geregelt werden, denn nach dem Urteil von Sachverständigen unterliegt es kaum einem Zweifel, daß Wiecherts Vorgehen gegen die guten Si t t e n verstößt._ Doktor Ulrichs perle. Eine üble Freundschaft vom Tanzboden. Ein Badeurlaub ist nicht immer ein Vergnügen! So wurde vor etwa drei Woche» eine Familie aus der Martin-Luther- Straße während de? Ferienreise von der Hausangestellten Klara A o l s k i, einem Matchen von 20 Jahren, die sich in dreijähriger Dienstzeit nichts hatte zuschulden kommen lassen, schwer bestohlen. Als die Familie von der Reise zurückkehrte, fand sie die Wohnung a u sg e r ä u m t. Das ganze Silberzeug, Wert- und Schmucksachen, und die gesamte Wintergarderobe des Hausherrn und der Hausfrau, Pelze und dergleichen, waren fort! In der Wohnung herrschte die größte Unordnung. Einige Behältnisse waren sogar mit einem Hackebeil erbrochen worden. Der Schaden belief sich auf nicht weniger als 1 5000 M. Klara Volski, die anfangs August in Urlaub in ihre Heimat hätte fahren sollen, war und blieb verschwunden. Kriminalkommissar Dr. B e r n d o r f f und die Beamten der Dienststelle C 1 ermittelten, daß sie in einem Tanzlokal in der Landsberger Straße mit einem jungen Mann zusammengekommen war, der sich sür einen„Doktor der Chemie Ulrich" aus- gegeben hatte. Die Vermutung, daß dieser bei dem großen Dieb- stahl seine Hand mit im Spiel gehabt habe, hat sich jetzt b e st ä t i g t. Die Beamten beobachteten die Wohnung einer Freundin der Klara in Moabit, und so gelang es, die Gesuchte jetzt festzunehmen. Die Freundin wollte zwar, als die Beamten ihr einen überraschen- den Besuch machten, von nichts wissen, und bestritt, daß die „Perle" in ihrer Wohnung sei. Ddan fand diese aber bald unter dem Bett, wo sie sich o e r st e ck t hatte. Nach ihr wurde dann auch der angebliche Doktor Ulrich am Schlesischen Bahnhof, wo er sich mittellos umhertrieb, ausfindig gemacht und verhaftet. Beide waren stark heruntergekommen. Die Tanzbodenbekannt- schaft war Klara Volski, einer leidenschaftlichen Tänzerin, zum Verhängnis geworden. Der junge„Doktor" hatte ihr allerlei erzählt, von seiner Verbindung, deren Zirkel er ihr zeigte, usw. Er hatte das Mädchen so bestrickt, daß sie ihn gleich am ersten Abend in der Wohnung aufnahm. Seitdem lebte das Pärchen dort herrlich und in Freuden. Was Vorratskammer und Keller bargen, wurde verzehrt, Man beschaffte sich Geld, indem man binnen fünf Tagen olles, was nicht niet> und nagelfest war, ver- packte und an 36 Stellen versetzte oder verkaufte. Der Erlös entsprach allerdings lange nicht den Erwartungen. Man er- hielt kaun, 5 Proz. des wirtlichen Wertes. Immerhin reichte das Geld, um für ein Weilchen in Hotels zu wohnen, nachdem man sich in der Wohnung nicht mehr sicher gefühlt hatte. Das Hotelleben war aber auch teurer, als man sich vorgestellt hatte. Es kam soweit, daß die„Perle" ihren eigenen Mantel oer- lausen mußte, um ein« Schuld zu decken. Endlich wohnte das Pärchen, trotz der herbstlichen Witterung, im Walde bei F i n k e n k r u g, bis es doch zu kalt wurde. Da fand Klara bei der Freundin einen Unterschlupf, und der„Doktor", in Wirtlichkeit ein 24 Jahre alter„Kaufmann" Hans Ulrich, trieb sich unterkunfts- los am S ch�l e s i s ch e n B a h n h o s umher. Einige Sachen wurden auf verschiedenen Bahnhöfen wieder- gefunden. Das Pärchen hatte sie hier in Verwahrung gegeben, sich aber nicht mehr getraut, sie wieder abzuholen, nachdem die Zeitungen über den Diebstahl berichtet hatten. wem geHort üas Settzeua? Tas Rätsel der Mordsache„Frieda Ahrendt". Der Mord an der Hausangestellten Frieda Ahrendt be- fthästigt die Kriminalpolizei noch immer. Sie hofft bei einer er- meuten Fahndung auf Unterstützung durch das Publikum. Als der Seifenhändler Paul G u t o w s k i aus der Kurfürsten- straße 145 im August d. I. festgenommen wurde, traten auch die Ermittlungen in der Sache Ahrendt in ein neues Stadium. Gutowski konnte überführt werden, die Elfe Arndt in einem Hotel in der Rosenthaler Straße getötet zu haben. Er hat das auch eingestanden. Außerdem wurde in seiner Wohnung die Hausangestellte Hedwig Oesterreich unter eigenartigen Umständen tot aufgefunden. So besteht der dringende Verdacht, daß Gutowski auch die Frieda Ahrendt umgebracht hat. deren Leiche zerstückell an verschiedenen Stellen aufgefunden wurde. Zunächst landete man den Rumpf ohne Kopf und Extremitäten bei Schildhorn aus der Havel. Dann fand man andere Körperteile in der Nähe der Gutowskischen Wohnung, so die Arme vor dem Hause Scböneberger Ufer 13 und die Füße und Schenkel vor den Häusern Winterfeldtstrahe 30 und Grunewaldstraße 93. Der Kopf ist auch bis jetzt noch nicht gefunden. Als wichtigstes Beweismaterial kommt ein Sack mit blutigem B e t t z«» g in Betracht, der im Flur des Hauses Bahnstraße32 lag. Er enthielt«inen weißen und einen farbig gestreiften Kopf- kissenbezug,«in rotgestreiftes Kopfkisseninlett, ein rotgestreiftes Unter- bett und als besonders charakteristisches Stück ein hellgrau und lila gestreiftes Barchentlaken, das In der Mitte in der Längsrichtung zusammengenäht ist. Der Verdacht, daß Gutowski auch dieses Ver- brechen verübt habe, ergab sich um so eher, als Frieda Ahrendt zuletzt in jener Gegend gesehen worden ist. Die Kriminalpolizei nimmt an. daß Mitteilungen über die Herkunkt dieses Bettzeuges eine Klärung des an dem Mädchen ver- übten Verbrechens ermöglichen kann. Um dem Publikum die Mög- lichteit einer Besichtigung des Bettzeuges zu geben, ist dieses in einem besonderen Zimmer des Leichenschauhauses in der Hannoverschen Straße 6 ausgestellt. Sachdienliche Mitteilungen werden unter Hinweis auf die ausqelobte Belohnung von 1000 Mk. an die Kriminalkommissare Dr. Wächter und Pippo im Zimmer 92 de» Polizeipräsidiums erbeten. Weder Knochenfunde im Ulap. Bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände des„Ulap" in Alt-Moabit wurden gestern um 14 Ubr wieder Menschen- k n ochen zutage gefördert. In etwa 1!4 Meter Tiefe stießen Arbeiter auf mehrere Schädel- und Skeletteile. Das Po- lizeirevier 28 in der Paulstraße wurde von dem neuerlichen Fund in Kenntnis gesetzt und entsandte zwei Kriminalbeamte nach dem Ulap. Ueber das Untersuchungsergebnis ist bisher Näheres noch Martyrium öes Dreijährigen. Eine entmenschte Mutter. Wieder steht das Ehepaar Kubsch vor dem Landgericht II. Am 26. September mußte der Prozeß auf Antrag des Staats- anwalts vertagt werden. Nun ist Professor Fraenkel, der seinerzeit die Obduktion der Leiche vorgenommen hatte, zur Stelle. Di« Sachverständigen werden zu entscheiden haben, ob der Tod des Kindes durch die Mißhandlungen der Muttsr oder durch den Sturz des Kindes während eines epileptischen Anfalles erfolgt ist. In der Verhandlung kamen wieder Ding« zur Sprache, daß man fassungslos vor Entsetzen ist. Die Ehefrau Kubschi st diesmalnochaufgeregter als in der ersten Gerichtsverhandlung. Sie bestreitet ebenso entschieden wie damals, den dreijährigen Günther lieblos behandelt zu haben. Wenn er von ihr hin und wieder geschlagen worden sei, so habe das Kind sie dazu durch seinen hartnäckigen Charakter gezwungen. Es sei ausgeschlossen, daß sie seinen Tod durch Mißhandlungen verursacht hätte. Das Kind lei im epileptischen Anfall gestürzt und auf diese Weis« zu Schaden gekommen.„Aber die Zeugen sagen doch ganz was anderes aus," hält der Vorstgende ihr entgegen.„Die Zügen lügen, alles Schwindel, Gehässigkeit." Das ruit sie immer wieder den Zeugen ins Gesicht, die größtenteils Hausgenossinnen sind, alt« und junge, von denen viele vollkommen gelassen ihr« Aussagen machen. Um so erschütternder wirken aber ihre Be- kundungen. Es scheint schier unbegreiflich, daß in einem so großen Hause ein Kind mehr als zwei Jahre hindurch in einer so unglaub- lichen Weise seelisch und physisch gesottert werden konnte Man fragt sich, wo blieb da das Jugendamt? Und man will nicht glauben, daß das Jugendamt gesagt habe, wie dies eine Zeugin aussagt«, es liege kein Grund vor, einzuschreiten. Erst heute wird man aber von dem Vorsteher des Jugendamts und von dessen Mitarbetter hören, ob und inwieweit das Jugendamt in diesem grausigen Fall, gefehlt hat. Und nun erst die Zeugenaussagen! Da waren z. B. einig« Fttn-en, die bei Frau Kubsch gewohnt hatten und Tag für Tag das Martyrium des Kleinen beohochten konnten. Das kranke Kind will keinen Spinat esien: es erhält einen Schlag mit dem Zinnlöffel über den Mund, daß die Lippe platzt und das Blut aus Mund und Nase läuft. Es macht ein« Gardine schmutzig,— der Kochlöffel wird auf seinem Kopf zerschlagen: es wird auf die Kohlen geworfen und mit Füßen getreten. Wenn es das Bettchen verunreinigt hat, faltet es beim Nahen der Mutter flehentlich die Hände, denn es weiß slbon was nun kommt— es wird aus dem Bettchen genommen und mit dem Klopferstiel auf Kopf, Rücken, Beinen bearbeitet. Das rachttische Kind hält sich schwer aus den Füßen.„Du Aas, wirft noch gehen lernen." Stundenlang muß er im Kellervorraum stehen. In seinem Bedürf- nis nach Zärtlichkeit faßt es liebevoll sein zweijähriges Schwest-rchen um: die Mutter stößt es mit der Faust fort.„Schämen Sie sich nicht, das Kind ständig auf den Kopf zu lchlagen," ruft man ihr zu.„Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten." So hieß es immer. Beklagten sich die Nachbarn beim Mann über die grausame Behandlung seines Kindes, dann erhielten sie zur Antwort:„Es geht Sic einen Dreck an, und wenn Sie sich noch einmal einmischen, so gibt es was." Immer wieder redeten die Nachbarn auf Frau Kubsch ein, st« möge doch das trank« Kind mit Liebe zu erziehen versuchen: nichts fruchtete. Und der Ehemann und Vater? Der größte Teil der Zeugen behauptet, daß er dem Kinde Liebe entgegengebracht habe und daß es ihm freudig entgegerrliet, wenn er abends von der Arbeit heimkam. Er soll auch der Frau gesagt haben:„Else, schlag' doch den Jungen nicht, er ist doch trank, es hat so keinen Zweck." Dann ließ er sich aber selbst dazu hinreißen, dos Kind mtt einem Pantoffel zu bearbeiten. Die Angeklagte Kubich ist diesmal schlecht auf ihren Ehemann zu sprechen. Nach der ersten Gerichtsverhnnd- lung schrieb sie dem Manne, der sie bei der Begrüßung geküßt batte:„Mir brennt Dein Judaskuß noch heilte auf der Wange." Und nun behauptet sie, ihr Mann sei an allem schuld, er habe sie selbst unbarmherzig geschlagen und sie zur kranken Frau gemocht. Krank mag sie sein. In welchem Maße, darüber werden die psychiatrischen Sachverständigen ihr Urteil abgeben. Daß aber eine so schwer hysterische Frau monatelang ihr Kind ungestraft mißhandeln durfte, dos gibt zu denken. nicht bekannt geworden, doch handell es sich, wie bei den vor län- gerer Zeit an anderer Stelle gemachten Knochenfunden, vermutlich auch hier um Knochenteile, die viele Jahre im Erdreich gelagert haben.___ Ein halbes Jahr berliner Einheitsfahrschein Rekordbcfördcrungsziffer im September. I2I-prozcntlgc Zunahme gegen 1926. 200 Tage ist am 1. Oktober der Einheitsfahrschein bei den drei Berliner Verkehrsgesellschaften in Benutzung. Es stellt sich immer mehr heraus, daß das Experiment des Einheitsfahrschttns als geglückt angesehen werden kann, obgleich vorläufig noch ein eingeschränkter Umsteigeverkehr herrscht und am I. Januar erst die letzten Beschrän- kungen fallen. Sämkliche drei Gesellschaften können dauernd steigende Verkehrszunahme melden. Der September weist die höchste Gesamt- zisfer für beförderte Fahrgäste auf, die bisher überhaupt im Ber- liner Verkehr zu verzeichnen war. Im Z. vierkeljahr find insgesamt 304,6 Millionen Personen von der Straßenbahn. Hoch- und Untergrundbahn sowie von der Aboag befördert worden. Hierbei sind nur die zweiten Fahrten berückstchtigt, die durch Umsteigen zu einem anderen Verkehrsmittel gemacht worden sind; auch Abonnements und Schülerkarten sind einkalkuliert. Gegenüber dem 2. Vierteljahr ist eine Gesamtzunahme von fast Millionen zu verzeichnen, nachdem bereits im 2. Vierteljahr 14 Millionen mehr Per- jonen befördert waren als im ersten. Im Vorjahr belief sich der Gesamtverkehr im 3. Vierteljahr auf nur 270 Millionen, das bedeutet eine 12Miprozentig« Steigerung in diesem Jahr. Den höchsten Verkehr erreichte der Monat September mit 104,7 MUlionen Auch die Entwicklung der Besörderungsziffer der einzelnen Gesellschaften ist sehr interessant. Zunächst wurde erwartet, daß die Straßenbahn an die beiden anderen Gesellschaften Fahr- gast« abgeben würde. Das Ist auch im 2. Vierteljahr geschehen: seit Juli weist die Straßenbahn jedoch wieder eine Zunahme auf, und im September b-esörderte sie 71 Millionen Personen: damit ist die höchste Ziffer des Jahres vom März wieder erreicht. Im Vormonat betrug die Besörderungsziffer 70,1 Millionen, im Juli 67,1 Millionen. Ins- gesamt wurden von der Straßenbahn im 3. Vierteljahr 208 Millio- nen Fahrgäste befördert gegenüber 202 Millionen im zweiten und 204 Millionen im 1. Vierteljahr. Auch die Hoch- und Untergrundbahn weist sür Sep- tember eine bisher noch nicht erreichte Beförderungszjfser auf; aller- dings hängt dieses mit der Erweiterung des Streckennetzes zusammen. Sie beförderte im September 19,7 Millionen gegen 18,1 Millionen im August und 16,9 Millionen im Juli. Die Untergrundbahn hat bisher stets im Sommer wegen der drückenden Luft Abwanderungen zu verzeichnen. Infolgedessen ist die Gesamtbesörderungsziffer des 3. Vierteliahres von 54,8 Millionen hinter der des 2. Vierteljahres mit 56,1 Millionen zurückgeblieben. Im 1. Vierteljahr wurden nur 48,2 Millionen befördert. Bei der Aboag hat gegenüber dem August kein« Steigerung stattgefunden. 13,9 Millionen lauten für August und September die Zahlen. Insgesamt wurden von der Aboag im 3. Vierteljahr 41,6 Millionen Fahrgäste gegenüber 41,2 Millionen Im 2. Viertel- jähr befördert: im 1. Vierteljahr dagegen nur 32,8 Millionen. Insgesamt benutzten die Fahrzeuge der drei Berliner Verkehrs- aesellschaften im Jahre 1927 bisher 888,9 Millionen Personen. Den Hauptanteil sichert« sich die Straßenbahn mit 614,2 Millionen, dann folgt die Untergrundbahn mit 159 Millionen. Den kleinsten Antell hat die Aboag mit 115.6 Millionen. Sämtliche Dertehrsziffern liegen mindestens 10 bis 15 Proz. über denen des Vorjahres._ Kundgebung der Kriegsopfer. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerstknterbliebenen, Berlin, versammelte Sonntag vormittag die Berliner Krieasopfer im Walholla-Theater zu einer Kundgebung. Der mächtige Zuschauerraum de, Theaters war überfüllt. Besonders zahlreich beteiligten sich die Kriegerwitwen cm der Versammlung. Anlaß zu dieser Kundgebung war der gegenwärtig dem Reichstage vorliegende Regierunqsentwuks einer 5 Novelle zum Reichs- Versorgungsgesetz. �Die Referenten. Bundesvorsitzender Christoph P f ä n d n« r und Gauvorsttzende, Frau Döring, wiesen besonders darauf hin, daß über die gesamte Aufwendung für die Versorgung im aligemeinen kein klares Bild in der Oefsentlichkeit bestehe. So würde auch jetzt wieder angenommen, daß der vom Reichsfinanzminister auf der Beamtentagunq in Magdeburg genannte Betrag von 170 Millionen Mark noch für dieses Rechnungsjahr mehr ausgegeben würde. Das tristt aber nicht zu: der Betrag kommt viel- mehr nur für ein ganzes Haushattsjahr in Betracht. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß im Jahre 1925 über 50 Millionen und im Jahre 1926 fast 100 Millionen Mark im Vcrsorgungsetat einzejpart worden sind, ohne daß diese den Kriegsopfern zugute kamen. Der Entwurf der Reichsrcgierung spielt einen Test der Versorgungsbe- rechtigten gegen den anderen aus. Die Versammlung nahm von einer Diskussion Abstand und nahm gegen eine Stimme eine Eni- schließung an. in der folgendes gesagt wird: Die Versammelten stellen an den Reichstag folgende Forde- rungen: 1. Allgemein« gleich« Erhöhung der Verforgungsgebührnisie nach dem aus der Neuregelung der Veamtsnbesoldung sich ergeben- den Hundertsatz entsprechend der klaren Vorschrift des 8 87 des Neichsversorgungsgefetzcs.— 2. Einbau der Zusatzrente in die allge- meine Rente.— 3. Abwendung der von der Reichsregierung beab- sichtigten schweren Schädigung der Hinterbliebenen durch Aenderung des Begriffes Dollrent«.— 4. Anerkennung eines Rechtsanspruches auf Heilbehandlung für die Hinterbliebenen.— 5. Allgemeine Verbesserung des Besoldungsdienstallers der schwerkriegsbefchädigten Beamten. Neben diesen Forderungen unterstützen die Versammelten nach- drücklich die von den großen Organisationen der Kriegsopfer unter dem 8. Oktober 1927 an den Reichtstag gerichtete Eingabe. Zum Raubüberfall im„Klausner". Zu dem verwegenen Raubübe soll, den«in noch unbekannter Täter in dem bekannten Restaurant„Zum Klausner" in der Krausenstraße am hellen Vormittag verübte, erfahren wir noch folgende Einzelheit'n. Als der Räuber den Vorraum zu dem Kassenraum betrat, war gerade ein Bote anwesend, der Geld ab- holte. Nachdem dieser sich entfernt hatte, öffnete der Unbekannte plötzlich die Tür und sagte, daß er Geld einkassieren wolle. Eine der Damen fragte ihn. in wessen Auftrag er komme und wo seine Ouittmcg sei. Bis dahin hatte der Mann seine Sportmütze in der linken Hand gehalten und mit ihr die recht« verdeckt. Jetzt setzte er die Mütze auf und nun erblickte man in seiner Rechten die Pistole. Er trat an die Schreibtische heran und forderte die erschrockenen Anwesenden auf, ihm das Geld herauszugeben. Vom Tische nahm er eine große Papierschere und durchschnitt die Zuleitung zum Fernsprecher. Dann durchwühlt« er mehrere Schreib- tischkästen mit der Linken, während die Rechte unverändert die Waffe hiett. Wahllos griff der Räuber aus den Geldscheinen einig« heraus, steckte sie in die Tasche und erbeutete so, wie jetzt feststeht, 1770 M. Auf die Ergreistcng des Räubers ist eine Belohnung von 300 M. ausgesetzt. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Di« Uebungsstund« muß in dieser Woche ausnahmsweise am Mittwoch, dem 19. Oktober. abends 1914 Uhr, stattfinden. Es wird erwartet, daß olle pünktlich erscheinen. hörstng spricht beim Reichsbanner in Spandau. Freitag. 21. Oktober, 20.30 Uhr, veranstaltet der Kreisverein Spandau des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold eine große öffentliche Werbekundgebung in den„B i s m a r ck f ö l« n" am Bismorckplotz. Thema: Zweck und Ziel des Reichsbanners. Redner: Bundes- Präsident Otto Hörsing. Freie Zoziolistische Hochschule. Die Ivisienschafllicken vorttige, die im Rahmen der.Freien Eozmlislischen Hochschule" im Sitzungtlaal bei ehe- maligen HerrcnbauseS. Leipziger Straxe 3, gehalten wurden, werden auch in dieiem Winterhalbjahr sorlgesetzt. AIS erster Iprtcht am Sonnabend, dem 22. Oktober, 19'l, Uhr. Pros. Dr. Erik Nörting über.Die Demokratie als st a a t i r ch e S und soziologisches Pro- b l e m". Ihm folgt am Sonnabend, dem 12. November, Nationalrat Ernst Reinhardt, Bern, mit einem Vortrag tlber.Psycho- logische Probleme der Arbeiterbewegung". Karlen zum Preise von 50 Ps. sind u. a. in der Buchbandlnng I. H W. Dietz, Lmdenstr. 2 und am Eingang zu erhalten. Di« Seminare der .Freien Soziali st ischen Hochschule", die von Heinrich Cünow, Karl Mlerendorss, Fritz Napbtall, Karl Schröder und Alexander Stein abgehalten werden, beginnen am'.Wontag. dem Zt. Oktober. Annreidungen sind an den ReichZauSschng jsir sozialistische BiidungSarbeit. SA 68, Lindenstr. 8, zu richten, wo auch auSsührliche Prolpekle angesordert werden können. Ueber Niederdeutsche voltelunde stricht Prolessor vrunner am Sonn- lau. dem 23. Oltober. vormittags 10 Ubr, in der Sammlung für deutsch« NollSkunde, Ktosterstr. 36. Tcilnchmertarten SO Pf. vor Seginn am Ein- gang._ Eine ganze Familie verbrannt. London, 18. Oktober. In Wateringbury Holl in der Nähe von Maidston« brach heute nacht im Hause eines englischen Ofiziers«in Feuer aus, das so schnell um sich griff, daß die ganze vierköpfige Familie in den Flammen umkam. Drei Dienstboten konnten sich rechtzeitig retten. Nene Erbftöste in Oesterreich. Wien. 18. Oktober. Heute früh wurden in Schwadorf neuerlich zwei leichte Erdstöße verspürt. Der erst« war stärker und dauerte etwa 2 Sekunden. Größerer Schaden wurde nicht angerichtet. welirrberlchl der Sssentllchen Wetter dien slstelle Berlin und Umgegend (Nachdr. vecb.) Nach vorübergebender Auibcilerung wieder erneule Trübung, später auch elw-« Regen. Nach lübler Nacht am Tage wieder milder— Iflr oeutichlan»: Im Osten und Süden wolkig bis heiter, im Osten auch Regen- ichauer, sonst nach vorübergehender Aushelterunz erneute Trübung mit Regenneigunz. eßf • Das ideale QCttt Abführ-Konfek! Die Beratung öes Schulgesetzes. Keudell begründet die Vorlage.- Die Kampfansage der Sozialdemokratie. Nach der Geschäftsordnungsdebatte, über deren Verlauf wir im HauptblaU berichten, tritt der Reichstag in die Beratung der Schulvorlage ein. Zur Begründung ergreift namens der Re- gierung das Wort Reichsinnenministsr v. Keudell: Der Entwurf entspreche der Sehnsucht weiter Kreise der christ- lichen Elternschaft nach einem christlichen Schulgesetz und trage auch dem Verlangen nach einer gedeihlichen Entwicklung der weltlichen Schule Rechnung. Die Reichsoersassung, so fährt der Minister fort,' schreibt keinen einheitlichen Typ für die Volksschule vor. Unerläßlich ist es aber. Winde st grundsätze reichsgesetzlich aufzustellen, um die einheitliche Volksschule in den verschiedenen Landesteilen zu sichern und zu fördern. Bei dem Widerstreit der juristischen Meinungen lönne die jetzige Regierungsvorlage nicht als verfassungs- ändernd angesehen werden. Diese Vorlage vermeidet es, den Ländern eine ganz bestimmt« Schulform aufzuzwingen. Sie läßt vielmehr den verschiedenen Schulsystemen Raum zum friedlichen Wettbewerb. Sie sichert mit dem Antragsrecht auch den Eltern einen Einfluß, der der Verfassung nicht widerspricht. Aus den bestehenden Verhältnissen in den meisten Ländern ergebe sich.zwangsläufig, daß den Kirchen ein gewisser Einfluß auf den Betrieb der Schulen ihres Bekenntnisses e i n g«- räumt werden muß. Ueber die Kosten frag« kann sich die Regierung erst äußern, wenn die endgültig« Gestaltung des Schulgesetzes feststeht. Die Frage des Abg. Dr. Haas kann ich dahin beantworten, daß der Entwurf einmütig vom Reichskabinett eingebracht und die Stellungnahme der beiden o o l k s p a r t« i l i ch en Minister schon damals in der Presse veröffentlicht worden ist. Der Reichskanzler hat schon in seiner Regierungserklärung darauf hingewiesen, daß unsere Kultur auf christlicher Grundlage beruht und daß dem auch das neue Schulgesetz Rechnung tragen soll. Wir wollen mit dem vorliegenden Entwurf dieses Versprechen der Regierungserklärung erfüllen. In unserer Zeit der Zügellosigkeit und Schamlosigkeit müssen wir unserer Jugend die Möglichkeit geben, sich zu wahrhaften innerlich freien Männern heranzu- bilden. Wahr« Freiheit besteht aber nur dort, wo der Mensch gebunden ist an Gott. In einer Zeit der Autoritätslosigkeit kann Hilf« nur geschaffen werden durch die letzte, höchste Autorität. So dient derjenige, der im Einklang mit dem Willen der Eltern die chrfftlich« Schul« fördert, der Charakterbildung der Jugend und so wird diese Schulsrage zur Bolkssrage.(Beifall rechts. Zischen links.) Abg. Schreck(Soz.): Di« Gestaltung des Schulwesens hat für die ganz« Nation eine außerordentlich große Bedeutung. Gerade deshalb, um eine sachliche Erörterung dieser Frage zu ermöglichen, wäre es geboten gewesen, wenn wir den breiten Schichten des Volkes, die gegenwärtig den Kampf um des Lebens Notdurft führen, beigesprungen wären, durch eine Umänderung der heutigen Tagesordnung. Das hat die Mehrheit des Hauses ver- hindert. Nachdem der Minister des Innern die Vorlage begrün- det hat, kann man mit ihm mir noch Mitleid empfinden. Der Minister hat heute viel von der chrifllichen Auffassung gesprochen. Wie können Sie es aber mit dieser christlichen Auffassung, wie können Sie es mit Ihrer Ehre vereinbaren, daß Sie nicht hier in der Oeffentlichkeit bei der ersten Gelegenheit das furchtbar« Unrecht, das Sie zusammen mit dem Reichskanzler gegenüber dem Vertreter des Iungdeutschen Ordens begangen haben, wieder gutmachen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Bewegung im Haufe.) vi« Schule solle der Charakterbildung dienen, sagt der Minister. wenn da» richtig ist, dann sollte er selbst zuerst danach handeln. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Deutschnationale. Nationalliberale und Zentrümler haben sich bei diesem Gesetzentwurf vereinigt. Man braucht sich deshalb nicht dar- über wundern, daß derart Mangelhaftes zustand« gekommen ist. Es ist gesagt, daß die Einwände gegen die Borlage oberflächlich gewesen leien. Aber warum hat man denn die Vorlag« nicht noch vor der Vertagung des Reichstags eingebracht, damit rechtzeitig die Möglichkeit bestand, sich mit seinem Inhalt zu befassen? Mit vollem Recht hat der- Abg. Haas danach gefragt, ob die Mehrheit des Kabinetts hinter der Vorlage steht. Nachdem das Kabinett den Eni- wurf herausgebracht hatte, wurde doch in der Presse mitgeteilt, daß die volksparieilichen Minister erklärt hätten, sie behielten sich ihre volle Handlungsfreiheit vor. Diese Erklärung der volks- parteilichen Minister schien«in Beweis dafür gewesen.zu sein, daß sie ihre früheren liberalen Grundsätze noch nicht vollständig abgetan hatten. Ich hoffe noch immer, daß in der� Deutschen Volkspartei die Tendenz zum Siege kommt, die die„Kölnische Zeitung" zum Ausdruck brachte, als sie darauf hinwies, daß es von der Deutschen Volkspartei selbst abhänge, ob sie sich in der jetzigen Regierungskoalition durchsetz«, ob noch über die Verbesserungs- anttäge Preußens hinaus«in Schulgesetz zustande komme, das sich sehen lassen kann. Inzwischen ist aber der Wechselbalg der Regie- rung kaum drei Monate all geworden, und schon hat er überall un- freundliche und nach meiner Meinung ganz berechtigte Abweisungen erhallen. Zu diesem Bürgerblock wird so oft von der Volksgemeinschaft gesprochen und die Notwendigkeit der deutschen Einheit betont. Mit diesem Entwurf stellt er aber selbst die konfessionellen Interessen über die Volkseinheit. Dabei trauen die Regierungsparteien sich selbst nicht einmal über den Weg. Die Deutschnationalen sagen, letzten Endes werde das Zentrum und die katholische Kirche dabei das beste Geschäft machen; das Zentrum wieder sagt den Deutschnationalen, ihr seid nicht zu- verlässig genug, ihr habt selbst noch Kreise bei euch, die von der konfessionellen Schule nichts wissen wollen. Um das Bild zu ver- vollständigen, wird die Deutsche Volkspartei aus den Reihen des Zentrums noch bezichtigt, daß sie in bezug auf das Schulwesen ebenso schlecht sei, wie die böse Sozialdemokratie. Wie herrlich präsentiert sich uns doch die Einheit dieser Rechtskoalition Nun kommen auch noch aus Bayern Stimmen, die sich gegen Volks- parte! und Deutschnationole und sogar gegen das Zentrum richten. Ich ziehe daraus die Schlußsolgerung, daß es in der Regierungs- koalition bedenklich kriselt. Wir hoffen, daß es gelingen wird, ein Schulgesetz zu gestalten, das der gesamten nationalen Entw.ick- lung würdig ist. Ich betone dabei ausdrücklich, daß es sich bei der Schule um eine Sache handelt, die das gesamte Volk angeht, nicht um eine Sache der Eltern, der Konsessionen oder oer Welt- anschauungen. Der Staat ist der ober st e Erziehungs- berechtigte, er trägt dafür die Verantwortung, daß in den Schulen Staatsbürger herangezogen werden. Da, Zentrum aber will die Kirche über den Staat stellen. Das wird von Jhnen auch gar nicht mehr bestritten, das hat ja auch Herr Dr. Marx zugegeben. Es wird vom Zentrum ganz eindeutig erklärt, dc.ß nicht der Staat, sondern die Kirche die Entscheidung über die Erziebung haben müsse. Damit wird aber der Boden der Verfassung verlassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nach der Verfassung ist es Aufgabe des Staates, nicht nur Schulen zu er- richten, sondern ihr inneres Wesen so zu gestalten, daß alle kultu- rellen und nationalen Kräfte lzeranzuwachsen vermögen. Wenn das Zentrum und die Deuffchnationalen haben wollen, daß die Kirch« über die Schulen bestimmen soll, dann sollten sie doch den Schritt weitergehen und dafür sorgen, daß eine saubere und rein- liche Trennung zwischen Staat und Kirche vor- genommen wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wer an die Kraft und an die Sendung der Kirche glaubt, der hat doch nicht nötig, vom Staat in irgendeiner Form Unterstützung zu verlangen. wer an die Religion glaubt, der braucht nicht die hilse des Staates. Nach der Begründung des Entwurfs soll das Ellernrecht sicher- gestellt werden. In Wirklichkeit sollen aber nicht die EUern, sondern die Kirch« soll bestimmen, wie die Schule auszusehen hat. W o bleibt denn da noch das Elternrecht? Sie(nach rechts) reden zwar vom Elternrecht, in Wahrheit denken Sie aber gar nicht daran, den Eltern ein Recht zu geben. Dl« Sozialdemokratie fordert der S ndsätzlich die wellllchkell weil wir der Auffassung sind, daß nur die weltliche Schule die beste Garantie dafür bietet, alle kulturellen und nationalen Kräfte zusammenzufassen. Erst In der weltlichen Schule ist die Möglichkeit geboten, eine Erziehung zu wirklicher Duldsamkeit durchzuführen. Die weltliche Schule läßt den Wellanschauungen, den Religionen die volle Betätigungsmöglichkeit. In diesem Jahre hat man Pestalozzi gefeiert, der ausdrücklich ein« Ausbildung forderte, die unabhängig vom Religionsunterricht durchgeführt werden müsse. Dieser bedeutende Pädagoge hat das gefordert, was die Sozialdemokratie durchsetzen will. Die Recht« spricht bei jeder Gelegenheit von der Nation. Jetzt aber will sie die Konfession, über die Nation Will man einen Dichter feiern, dann wählt man gewöhnlich ein Werk, das für ihn am charakteristischsten ist. Leider vergißt dies der Rundfunk. Er überträgt zum ISO. Geburtstag von Heinrich v. Kleist das„Kätchen von Heilbronn". Kleist schrieb dieses Drama für die zeitgenöfUsche Bühne. Es ist trotz seiner Schönheiten dos unpersönlichste W«rt des Dichters. Kleist wollte damit seine An- erkennung als Dramatiker von dem Publikum erzwingen, er machte Konzessionen, die er sonst nicht kannte. Er bediente sich des ganzen Apparates des beliebten Ritterdramas: Feme, Raubritter, Schloß- brand, Cherubim« waren die notwendigen Requisiten. Jede Szene ist bühnenwirksam, braucht aber das Bühnenbild notwendig zu ihrer Vollendung. Das„Kätchen von Heilbronn" eignet sich von allen Kleistschen Dramen deshalb am wenigsten für eine Uebertraaung. Warum wähll der Rundfunk also ausgerechnet dieses Schauspiel? Vielleicht weil es am populärsten ist? Doch hier liegt ein Rechen- sehler vor. Wer die Aufsührung im Staatstheater oder qus den Reinhardt-Bühnen gesehen hat, wird sich kaum die Uebertragung, die immer nur einen schwachen Ersatz für das Theater bedeutet, anhören. Schließlich aber kann man verlangen, daß der Rundfunk seine Grenzen kennt. Warum sendet man nicht„Penthesilea", warum nicht die„Familie Schroffenstein", die heute zu Unrecht vergessen ist? Die Aufführung unter Brauns Regie bleibt durchschnittlich. Man spricht mit biederem Pathos, man klappert mit den Jamben, man ruht aus den Worten aus, macht zwischen den Sätzen lange Pausen und übersieht, daß man ohne Bühnenbild spielt und des- halb das Tempo beschleunigen muß. Nur Müthel als Wetter von Strahl ist ein gestras fter Sprecher, während Lucie Mannheim dies- mal farblos bleibt. Becce schreibt eine hübsche, ja romantisierende Begleitmusik, doch Psitzners Komposition des„Kätchen von Heil- brönn" kommt dem Dichter näher. R. 8. stellen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Trotz unsere grundsätzlichen Stellungnahme für die weltliche Schule treten wir aber auf den Boden der Weimarer Verfassung, die die Gemeinschaftsschule als R e g e l f ch u l e hinstellt und daneben der weltlichen Schule und der konfessionellen Schule Lebensmöglichkeiten gibt.(Zuruf des Abg. Rheinländer(Z.): Wo steht das in der Ver- sassung?) Wenn für Sie die Verfassung noch nicht ausreicht, so können wir uns doch auf das R e i ch s g e r i ch t berufen, das gleich. falls die Gemeinschaftsschule als Regelschule bezeichnet. Der Minister hat leider nichts davon gesagt, daß in der Verfassung auch die Er- Ziehung zur Völkerversöhnung zur Pflicht gemacht ist. Ich bedaure, daß das Zentruni nicht auf eine Erwähnung dieses Grundsatzes in dem Entwurf Wert gelegt hat.(Zuruf beim Zen- trum: Das kommt noch.) Der Entwurf beseitigt die Vorzugs- stellung der Gemeinschaftsschule und macht zwangsweise die Bekenntnisschule zur Regelschule. Er bedeutet eine Zerschlagung des Volksschulwesens und verhindert jeden geordneten Schulbetrieu. Der Minister ist sich über die Auswirkung dieses Gesetzes noch gar nicht klar. Bei Ihnen(nach rechts) wird doch immer soviel von »zachministern geredet. Wenn eine solche schlechte Arbest von einer Minderheitsgruppe geleistet worden wäre, dann hätten Sie gesagt, sie habe leichtfertig gehandelt. Wie kann aber jemand einen Entwurf vorlegen, ohne sich die Mühe genommen zu haben, ein einfaches Rechenexempel über die Kosten auszumachen? Durch die Einfügung der geistlichen Schulaufsicht in den Entwurf soll nicht nur ein« Bevormundung, sondern auch ein« Bedrückung der Lehrer herbeigeführt werden. Es ist also durchaus verständlich, wenn die großen Schichten der deutschen Lehrer mit der größten Bekümmernis diesen Verhandlungen ihr« Aufmerksamkeit schenken. Die Lehrer wissen, daß nicht nur die Schul« in Gefahr ist, sondern daß auch ihre Rechte, die in der Verfassung festgelegt sind, unterminiert werden sollen. Das Zentrum sollte doch jetzt nicht so hochmütig sein. Es weiß doch aus seiner eigenen Vergangenheit,, daß sich Gewatt und Unterdrückung immer gegen den Unterdrücker selbst richten. Sie wollen den Lehrern ihr verbrieftes Recht nehmen, den Unterricht nur nach ihrem eigenen Gewissen zu erteilen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir werden trotzdem an der Vorlage sachlich mitarbeiten, weil wir aus Erfahrung wissen, daß sachliche Arbeit stets ihre Früchte trägt. Die Sozialdemokratie wird mit der größten Energie den Kampf gegen die Kulturreaktion weiterführen, und hinter uns stehen auch weite Kreise des Volkes, die sonst mit unseren sozialen und wirtschasttichen Forderungen nicht einverstanden sind. Wir führen den Kampf aus dem Boden der Verfassung um den Inhalt der Verfassung, und bis weit in das Bürgertum hinein werden sich die Geister in diesem Kampfe um uns sammeln, mit dem Ziele, dem deutschen Volke die nationale Einheitsschule zu geben.(Leb- haster Beifall bei den Soz.) Abg. Mumm(Dnat.) bezeichnet es als das eigentliche Ziel der Sozialdemokraten, den Religionsunterricht völlig aus der Schule zu entfernen. Bei einem Scheitern des vorliegenden Entwurfs, bei einer weiteren Entchristlichung der Schule, würde auch in Deutschland, wie in Belgien und Frankreich, die A b w a n- d e r u n g von den Staatsschulen in die Prioatschulen immer stärker werden. Abg. Rheinländer(Z.) erklärt, das Zentrum betrachte die Vor- lag« als eine brauchbare Grundlage für weitere Verhandlungen. Er beantragt die Ueberweisung an den Bildungsausschuß. Das Zentrum müsse jede Bevorzugung einer bestimmten Regelschule ab- lehnen. Dem Staat soll keineswegs das Recht genommen werden, in seinen Schulen den Unterricht zu regeln und Schulen einzu- richten. Wir be st reiten nur die Schul-Omnipotenz des Staates. Wir wollen auch den Religionsunterricht nicht der Kirche entziehen lassen, hie dazu berufen ist. Wir werden urts bemühen, den vorliegenden Entwurf gerade in der Richtung zu ver- bessern, daß das alte R«cht der Kirche auf den Religionsuttter- richt besser gewahrt wird als bisher, wir hallen die Bekenntnisschule für die beste. Die Kostenfroge ist jetzt noch nicht klar zu übersehen, aber zu ihrer Lösung wird sich schon ein Weg sinden lassen, wenn das Reich die Uebergangskosten übernimmt. Um 18 Vj Uhr wird die Beratung des Schulgesetzes auf Witt- woch, 13 Uhr. oertagt. Das Verlangen der Kommunisten, am Mittwoch ihre Anträge .zum Bcrgarbeiterstreik und zur Amnestiefrage zu beraten, wird a b- gelehnt, ebenso der Antrag der Demokraten auf Beratung des von ihnen eingebrachten Rentnerversorgungsgesetzes. Als Vizepräsident Gräs-Thüringen daraufhin feststellen will, daß sein Vorschlag angenommen sei, am Mittwoch das Reichsschulgesetz weiter zu beraten, erhebt sich auf der Linken lebhafter Wider- I p r u ch. Abg. Ditlmann(Soz.) erklärt, man könne die kommunistischen Anträge abgelehnt haben und trotzdem auch gegen den Vorschlag des Präsidenten sein. Abg. Koch-Wes«r(Dem.) schließt sich dieser Ausfassung an und oerlangt Abstimmung über die Tagesordnung. Abg. Leicht(Bayr. Vp.) erklärt unter dem Widerspruch der Linken, man könne verschiedener Meinung darüber sein» ob das Haus durch die Ablehnung der anderen Anträge den Vorschlag des Präsidenten gebilligt habe, und macht den Vorschlag zur Güte, man solle über die Tagesordnung abstimmen. Als Vizepräsident Gräs, diesem Vorschlage folgend, darüber ab- stimmen läßt, ob am Mittwoch das Reichsschulgesetz weiter beraten werden soll, erhebt die Linke wiederum lebhaften Widerspruch, die die Abstimmung in der Form verlangt, daß über die Absetzung des Schulgesetzes von der Tagesordnung entschieden werde. Vizepräsident Gräs wiederhott darauf die Abstimmung über den demokrattschen Antrag, die wiederum die Ablehnung ergibt, und die Abstimmung über seinen Vorschlag, die wiederum die Annahm« der Tagesordnung mit dem Reichsschulgefetz mit den Sttm- men der Regierungsparteien zur Folge hat. Nächste Sitzung Mittwoch, 13 Uhr: Weiterberatung des Reichs» lchulgesetzes. Schluß nach 19 Uhr. 3t\\\e9en Von pad�n�en c aT�erv «5P*oo**** VOH 50 ein®" L?-»«' ''.v.H ti&ß' Partemachrichten Clnftnbnneen fät diese Rubrik fiud virli» SWS». Liudeoitrutz« i, für Groß-Serlin stet»*n da»«ejlttasehctotlat i. Kol.» Treu, recht». ,» richte» öezirksausfthuß für firbeiterwohlfahrt. heule. Mlllwoch. 1914 Uhr. Im Spandauer Zimmer de, Rals- k Stiers, könlgslratze(Untergrundbahnhos Aloslerslrahe) Zusammenkunft der sozialistischen Zürsorgersiunen) Wohlfahrtsschülerlinnen). Kindergärtnerinnen, hortne- rinnen. 2. Srei, Tiergarten. Heute, Mittwoch, IS. Oktober, lS Uhr, in der Schulaula Bochuiner Str. 8d wichtig- Bezirksvcrfammlung. 18. Kerl, Weißens««. Die sozialistischen SlternbeirSte sämtlicher Arbeitcr-SIternbund oeranstalten heute, WM."'gnm Protestkundgebung' gegen den Reichsschulgesetzentwurf. sessor Paul Oestreiis sozialistischer Schulen und der Mittwoch, im Uhr,'' M| in der Aula des Realgymnasium» eine»sfentliche Referent Pro» heule. ZNillwoch, 19. Oktober: mmm 3. Abt. im Uhr im Eewerkschaftshau», Engelufer 24/25, großer "'......~ Stelling, im Kampfe und Frauen, erscheint all- ,u dieser fllr eure wirtschaftlichen und politischen Inter. esse» hochwichtigen Kundgebung!_ 91. Abt. Neniiilln. Ocfscntliche Werbeversammlung lSsi Uhr Im Lokal Bergschloßhöhe, Karlogartenstr. S/11. Referent Emil Barth. 10». Abt. Köpenick. 20 Uhr im großen Saal de» Etadtthcaters, Wilhelmplatz, Eltern, und Wcrbcabcnd, veranstaltet von der Sozialistischen Arbeiter- jugeud. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich rege daran zu beteiligen. Morgen. Donnerstag. 20. Oktober: M I I M U-U-U-1-- 39., 40., 41., 42. Abt. Kommunale Kommissionen: im Uhr im Sitzungssaal des Pezirksamts Kreuzberg, Dordstr. 10/11. Vortrag: „Sozialpolitische Grundsätze in der Wohlfahrtspflege.' Dr. Fritz Schloß. Referent «2. Abt. Siemensstadt. 20 Uhr im Lokal Heidekrug, Ronnendamm-Allee, Mit. gli-d-rv-rsammlung. Vortrag:„Der Reichsschulges�entwurf.' Reserent Rektor Gustav Hädicke. Alle Genossinnen und Genossen mllssen erscheinen. Räutgental-Zepernlck. 20 Uhr im Lolal Basener Zahlabend. Erscheinen aller Genossen und Genossinnen ist Pflicht. » 48. Abt. Die Abteilung veranstaltet am Sonntag, LZ. Oktober, ein Herbst. vcrgnllgen im„Alerandrincr", Alerandrinenstraße. Mitwirkende: Arbeiter» aesangverein„Solidarität", artistische Aufführungen. Eintrittskarten sind bei allen BezirksfUhrern zu haben.____ 4 Uhr in der Baracke LIndowcr Straße Frauenabend. Frauenveranstaltungen am Freitag. 21. Oktober: 7.«dt. 1914 Uhr in Eorni» Festssien, Gartenstr. 9,„Die Weber." Bsr» tragender Heinz Barthcl. 82. Abt. Steglitz. Die llcberreichung der von den Frauen gestifteten Reichs» bannerschleiie findet 20 Uhr im„Albrcchtshof" statt. 198. Abt. Köpenick. 1914 Uhr im kleinen Saal des Stadttheater», Am alte« Markt, Heiterer Abend. Vortragender Genosse Hoscmann. Achtung, Elternbeiräket Alle Elternbeiräte der Liste„Schulaufbau" beteiligen sich heute, Mittwoch, im Lehrrrvereinsban» au der Kundgebung gegen die Schulpolstil de» Biirgee. block» um t9>4 Uhr.— Der Kursus für Elternbeiräte beginnt am Dienstag, 25. Oktober, 29 Uhr, im Sophien-Lyzeum, Wcinmeisterstr. 19/17. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Krei, Friedrichshaiu! Donnerstag. 20. Oktober, 20 Uhr, Kreishelfersttzung im Jugendheim Tilsiter Str. 4/5. Erscheinen aller Helfer ist Pflicht. Jungsozialisten. Spiclgemeinschaft der Zungsozialisten und«rbeitcrsugend: Probe am Don» nerstag, 20. Oktober, 2014 Uhr, im Jugendheim Schöncbcrg, Hauptstr. 15. Erscheinen unbedingt erforderlich.— Gruppe Reuköln I: Heute, Mittwoch. 19. Oktober, 20 Uhr pünktlich fda Haus sonst geschlossen), Beteiligung an der Arbeitsgcmeinslfmft des Volksbildungsamtes Neukölln über:„Ctaatsauffassung des 19. und 20. Jahrhunderts." Referent Stud.'cnrat Erwin Marquardt. Vcrgstr. 15.— Gruppe Reukölln 11: Heute, Mittwoch, pünktlich 20 Uhr, spricht Georg Decher über:„Das deutsche Partciwcsen vor dem Kriege und Beginn der Vortragsreihe über„Die politischen Bewegungen unserer Gäste willkommen. Heim Bergstr. 29, Zimmer 10. Sport. Boxkampfabend des Polizeisportvereius. Vor ausverkauftem Hause fanden am Montag abend im Krieger- vereinshaus Boxkämpfe zwischen dem Polizeisportverein (PSD.) und dem VfB.„Teutonia" statt. Auf der ganzen Linie in der Schlußrunde um die Brandenburgischen Mannschaftsmeister- sckaften, gab es harte und schwere Kämpfe. Teutonia ging mit Ii: 3 Punkten als überlegener Gegner aus dem Treffen hervor. Pfitzner(T.) brachte Schmidt(PSV.) sdion in der ersten Runde durch einen rechten Aufwärtshaken über die Zeit zu Boden. Loufchker(T.) gegen Dommer(PSV.)> Stahlberg(T.) gegen Thörey (PSV.) und Habermann(T.) gegen Daniel(PSV.) boxten unent- schieden. Kräker(T) muhte gegen Onderka I(PSV.) in der dritten Runde wegen Sturzes aufgeben. Glätzer(I.) konnte nach hartem Kampf Ludwig(PSV.) auspunkten. Bennien und Panne(T.) ge» wannen gegen Schiewa und Pautz(PSB.) klar nach Punkten. Di« Kapelle der Polizei sorgte für ausgezeichnete musikalische Unter- Haltung. Reitturnier der Polizei Verlin. Auf dem Gelände in der Nordschleifc der„A o u s" hielt die berittene Polizei Berlins ein Reitturnier ab, das einen Massen- besuch aufzuweisen hatte. Ein abwechslungsreiches Programm und sehr gute Leistungen sorgten für die allerbeste Stimmung der Teil- nchmer sowohl wie der Zuschauer. Den Poli,zeistreisenritt übe»' 15 Kilometer im Gelände brachte der Polizei-Prov.-Restlehrgong Potsdam unter der Führung von Polizeioberleutnant Källner an sich. Die leichte Klasse des Jagdspringens gewann Polizeiwacht- meister Rieck von der Ber. Bereitschaft Berlin mit der tOjährigen Stute.„Hanna" vor Polizeiwachtmeister Härder von der 3. Ber. Bereitschaft Berlin mit dem 8jährigen„Künstler". Da beide Pferde fehlerfrei die Bahn absolvierten, entschied die bessere Zeit. Das Jagdspringen Klasse sah Polizeioberleutnant Weikinn von der 3. Per. Bereitschaft Berlin mit dem lOjährigen„Hans" als Sieger. Wenn man bedenkt, daß an diesem Jagdspringen 24jährlge, 19jährige, 18jährige, 17jährige Pferde usw. teilnahmen, so wird man nicht nur Achtung vor der Treue und Ausdauer dieser Tiere bekommen, sondern auch volles Lob für ihre Pfleger und Reiter finden. Ebenso boten die Material-, Reit- und Eignungsprüfungen für Dienstpferde ein sehr erfreuliches Bild. Die Chargenhindernisstaffel für Berittene brachten die Berliner an sich. Nach Schluß des sportlichen Pro- gramms gab es so etwas wie eine Zirkusvorstellung. Junge Be- amte ritten Voltige, produzierten sich als Stehendreiter, stellten Pyramiden in Gruppen und sprangen über mehrere Pferde. Auch diese an und für sich sehr beachtlichen Leistungen fanden ein beifalls- frohes Publikum. Rennen zu Grunewald am Dienskag. dem IS. Oktober. 1. R- n n e n. 1. Bubi(Klose). 2 Harzreise(Hassner), 3. Schaumichläaer (Bastei). Toto: 22: 10. Platz: 10. LS, 4t: 10. Ferner liefen: Iilderim, Rache, Treuherz, Diamant, Anika, Donnerwetter, Trianon, Lichtenstein. L.Rennen, t. Rücksscht(o. Borcke), 2. Enzian(Leutn. v. Götz), st. Magnolie(Staudinger). Toto: 17: 10. Platz: 12, Ist, 18: 10. Ferner liefen: Tasso II, Fritjof, Herzog, Trompeter, Vezna. Enkel. 3. R e n n e n. 1. Marabou(O. Schmidt), 2. Maskerade(Paraa), 3. Steineibe(Korb). Toto: Ist: 10. P'atz: 12. 10, f>2:10. Ferner liefen: Immortelle, Wellgunde, Horeb, Marcion, Allerwellsmädel, Sonnenlicht, Karwendel, Fähnrich, Pedrillo. 4. Rennen. I. Coeur d'Alm�e(Stys), 2. Dorn II(Oertcl). 3. Lavaletta(PiSmark). Toto: 145: 10. Platz: 29. 23, 29: 10. Ferner liefen: Ondina, Firn II, Otavi. Stummer Teusel, Culworth, Cupido, Wunderbär, Mundschenk. I'er mal». 5. R e n n e n. 1. Greif an(Schnitzer). 2. TaunnS(Wolfs), 3. Erusu (Kohoutek). Toto: 55: 10. Platz: 19. 14, 13: 10. Ferner Uesen: Aacilla, Tip, Qrator, Norge, Feierabend, Mataja. 0. R e n n e n. l. Heliade(Leutn. Stleff), 2. Mohn(Hauler), 3. Senow (Oertel). Toto: 490: 10. Platz: 92. 32. 29: 10. Ferner lieien: Chalzit, Alarid, Di« Königin, Trtst. EScorlaI, Fippa, Amandus, VoitSrache. 7. Zlennen. I.Abteilung. 1. Finsternis /Klotz), 2. Fegefeuer (H. Schmidt), 3. Mhdear(Goebl). Toto: 27: 10. Platz: 16. 15. 34: 10. Ferner lieien: Zta,(Dia. Kriegsgewinnler, VaSko, Kion, Silberbatzen.— 2. V b t e i l u n g. 1. Tannkönig(O. Schmidt), 2. Dorette II(Sajdik), 8. Märchen(Wenzel). Toto: 20: 10. Platz: 12, 23, 20: 10. Die VRU. Im 5porspatast Tie Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer« Union hält während der kurzen diesjährigen Radrenn» Periode im Berliner Sportpalast ihren Renntag am 2l. Oktober ab. Neben der Meisterschast von Berlin über 1000 Meter, zu der bisher 32 Mel- düngen abgegeben sind, und einem gutbesctzten Punktefahren gelangt als Hauptnummer de? Tage? ein Drei-Stundeu-MannschastSrennen nach Sechs- Tage-Art zum«uSlrag, zu dem 14 Mannschaften zugelassen werden. WS Mamifchaste» sind bisher zufaminengefiellt: Busse— M. Franke. Arndt— Mroczoczek, Stäche— Poefchke, Schimming— Käber, Ewert— Urban und Dobrowolili— v. Daglelsti. Zu diesem Rennen haben u. a. auch Kasper, Kloß, Risch, ElSholz, Sieronsli, Merkan, Seeseid. Gebr. Brauer und(Börne. Dresden, gemeldet, so daß ein ganz ausgezeichnete» Feld am Ablauf er- cheinen wird. aitdewädrt bei Magen- und Oarm- erkrankungen (UebarsBuerungen, Sodbrennen, HyperazidiUt) und D a r m k a t a r r h e n Facbinger Tersandsteile, Berlin SV II Scbäneberger Str. 16 a. TcL Llltzow 8260-61 Mlttw., 10.10. 27 Staats-Oper Am PI.d.Republ. Anf. V/2 Uhr Maelit des Sctiieksals Mittw., 19. 10. 27 Städtische Oper Bismarckstr. »li.-TaiB.1V«bUV« Jonny spielt auf Sinti, Sdiaosplelti. Im CeDdanBEiBnU 8 Uhr kW U Staat). Sdiillerth. Charlottenburg 8 Uhr Finf von M JanU Volksbühne Tn. ii Sdiiflbioinlniini s Uhr lime Dani. ldttw am asitwplali 8 Uhr Kabale n. Liebe DaTU; Der gemüilfefae Kommissur S�KomlsdieOperS� ] Dl» Welt applaadlert... I in- dem gewaltigen neuartigen S Revue-SlUck I Alles Nackt!| (Nach der gleichnamigen Pariser Revue„Tout nu") 200 Mitwirkende! Original-Pariser KoatQme und Tricks Parkelt 3,80 Mk. [Theaterkasse ununterbr.geöffn 1 Renaissance- Theater Steinplatz 90).— Täglich 8 Uhr: Giovanni und Annabella (Schade, daß sie eine Hure). Nollendort 7360 Die Oklobcr- Varl est;- Revue Norden 10334— 37 8 Uhr: Zum I. Male; v. Gerh. Hauptmann lezie: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334—37 IV, U- Ende 10'/, U. Ihr Hann UshDiel von Paal Geraldy Die Komödie Bismarck 2414(7516 Uhr. Ende 10V, Zinsen Komödie von Bernard Shaw Piscatorbühne rteit. l Hollendorfplali Kurfürst 2091/93 8 Uhn Boppla, wir\M von Ernst Toller Inz. Erwin PUcalor Die neu* CHARCLL- ineacnlerang mit Mlleniierg (Uta Georg Bendow lankuhn S:6ke Szakall Werkmeister Westermeler Msoo Boys luDsbioe Girls 5 ig. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst. zu halben Preisen Vorverkanf 10-0 Diu- Ca4iacht uh4t, fäfäftoaAeMe (kM4%4 4it 4wmfi f-vwde/ ZIGARETTE, cfa de/i 1/o�ichicMetu. Y(yiAMic� frühem kßjhn ftieaier des Westens 8 Uhr: Gastspiel Frltzl Matsary Eine f ran von Format Residenz-Theater Täglich 8'/, Uhr: lloriMMorPes FrideritosRox Sonnab. u.Stg,4Uhr Sdrneeweitzrfaen und Rotenrol Kleine Eintrittspr. Ab Sonnab. 22. Okt. 8 Uhr Oeaamtgastsplelde» Herrnfeld- Theaters Lustspielhaus 3-/. Uhr JilmroinaDtik" Trianon-Th. Täglich 8'/, Uhr Eriks Glässtier iranPÄtotin Rose-Theater 8'/. Uhn D(e Maschinenbauer v. Berlin Saremki-SllliDri Th. KAnlggrätz. St. Hasenh. 21)0. 8U. Die SM» Komödienheui Norden 6304. S1/, flckuspohus Berliner Theater Dönhoff 170. 8 U. L6onie "A'aiha'ia- Tncai. Täglich 8V, Uhr: Am RQdesheiiner SthloB steht eine linde Parkett statt 4 Mk tägi.auch Sonntags nnr«o PI. Heute nachm. 4 Uhr Hintel und Gretel Parkett von 30 Pf. an iiitigban-BUi« Jts. künsner-Tb. 8 Uhr Justiz cessing-Theater 8 Uhr idiiEdetliannes Netropol- Theat Ab Freitag 21. Okt. tägl. 8', Uhr dersensaton. Erfolg Die Togendprictessinl Oper. v. KurtZorlig. Bereits über200Am- führungcnl Deila Sirlj, Edith Kzrlii, Ctirt Ulwig. Hadia bttur, Arttir teil. ScyKr■. i, n. Planetarium am Zoo Virlitg. Jicdilanttieier Stfäh Noll 1573 Der Himmel der Heimai Halbe Kassenpreise Eintritt 0,50 M. Siate nal. IS Jahn WS<• Nene* Theater am Zoo Täglich SV. Uhr Dieiostiseo Th. in Adniralspalast I Täglich 8V. Uhr Die neue Mim- BEVÜE CASINO-THEATER 8 um Die Panla vom Metropol. AiiMdinclden I Gutschein I— 4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1,60 M. Rolchshallen»Theater Anlang 8 l'hr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt in der MullcratroBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff»Bratl'l: Viriati, Konzert, Tanz Theater am Kottbüsser lor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. Eilte- Sänger in großer Form in Ihrem Dombenprogramm t Volkspreise von 50 Pf. bis 1�50 M. Sonntasnaclirnfttag: Qrofte i'a malen•Vorstellond Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1.75 M. Erfinder die neue. wirMch gute Erfindungen zu per- taufen haben, bitten wir zunächst nur um Adressenengade unu s. 2 an die Haupt» expedtttoil des..Vor- wärt»". Lindenllr. 3. Srotrian- Sloinvooz.SasI Bellevuesfr. 14. Dooneniag, 20. Oktober, S Ltbr Rala MenfitiBoSfn Lichtbildervortrag: Der Mensch In der Handsuirlft 5. 3. 2. !tt.444*M.7«toaiig 2» Alttwoch, I». ch gesunde und leistungssähige öffentliche Einrich- t u n g e n, wie sie sich für ein zivilisiertes Land gehören, darf sich Deutschland nicht durch eine„Armutspolitik- mit schlechten Argumenten nehmen lasien. Wir wollen uns nicht um falscher theoretischer Gedankengänge willen in eine neue Krise und neu« Arbeitslosigkeit hineintreiben lasien, und wir wollen uns auch nicht den Lohndruck aufzwingen lassen, der als letztes Ziel all denen vor- schwebt, die heute dem deutschen Volke, d. h. vor allem der deutschen Arbeiterschaft eine übermäßige Lebensbalwng vom grünen Tisch aus vorwerfen. »«. HSchstgewinn aul 1 Doppelios Höttetgewinn aul 1 Ehuellos RH. RM. US2 iu 1 RMn Doppellßse 2 RM.„fSlä, 25 PL •optiebU«n4 T#n«n4ot»och neirnr H»eha*bai» H.£.Kr88erB„{.ä,,,BerilnW8.f;ÄSÄ wpr. Merlrnr mi. iiifi Dtscl. Ketallariieiter-ferbaDil Verwaltnnesstell« verlin. Todes-Anieis®. Dm SRiiaUrbrrn jni»achrtcht. daß unser Zlollegr, gig-Maschinrniuhrer «tutott Krause Gharloltenbura. Fritschestraße 15, am 18 Oftobtt gcTtctbtn ift Ehre seinem Andenken! DieEtnRcherimg findet amDonneri-- tag. dem Ä1 Ott, nachm.!!>/, Uhr. im itremataiwm WUmersdars statt Reae Beteiltgung erwartet vi»£)rt»r>ern>aH»»a. KhrcnerklArnns Die'jtiui OtofiaW anKfiaae ve-eu-i. lutig nehme ich hiermit jurllct und ntlart Jrau Grafin Ick a>» eine sehr aedeniltchk und fleifitge grau Pnni Äahlver,. ,. o mii crnerHörl niedrigen Preisen Orcn!entfr.40 Qiaimeetir.113 Könfgtfrate 33 Aa. Otsniahpiai* ici« Stettlstr ftaMItdl AmSahnhofAiekarnterpiau denZeitungenunrlchtlgseinsollte. eine unverzügliche Richtigstellung vor der gleichen Körperschaft und in öffentlicher Form. Slm gleichen Tage noch ist eine Erklärung des Breslauer Ober- bürgermeifters bekannt geworden, wonach der Bericht, auf den sich die Reichsbank stützt, dre Rede in der Stadtverordnetenversammlung unrichtig wiedergegeben habe. Es sei einwandfrei fest- gestellt worden, daß die betreffende Aeußerung in der von der Reichsbank vermuteten Form nicht gefallen sei. Dr. Wagner er- klärt weiter, daß er zu dem„Offenen Brief" der Reichsbank noch in längeren Ausführungen Stellung nehmen werde. Zu dem Borgehen der Reichsbank ist folgendes zu sagen: Es würde durchaus zweckmäßig gewesen sein, wenn der Herr Reichsbankpräsidcnt selb st den Brief gezeichnet hätte und nicht das Reichsbankdirektorium. Darüber hinaus aber ist es eine ini höchsten Maße ungewöhnliche Form, daß die Reichsbank auch dann von dem Breslauer Oberbürgermeister in ultimativer Form eine öffentliche Erklärung vor dem gleichen Gremium sordert, wenn die Wiedergabe in den Zeitungen unrichtig sein sollte. Es spricht keineswegs für starke Nerven der Reichsbankleitung, wmn sie in der zweisellos wichtigen, aber doch immer noch nicht völlig geklärten Frage, wie Parker Gilbert zu seinem Schritt kam, eine solch unhöfliche Form der Dementierung fordert. Gehaltserhöhung und Ginzelhanüel. Die Stellung der Hauptgemeinschaft zu Lohnfragen. Di« Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, die Spitzen- organifation sämtlicher deutschen Einzclhandelsverbände, hat auf ihrer kürzlichen Ichrestagung in Berlin durch ihre Redner mehr- fach auch die Frage der Lohn- und Gehaltserhöhung streifen lassen. Da in den Berichten über die Tagung die Stellungnahme des E'nzel- Handels, insbesondere zur Frage der Gehaltserhöhung, nur undeut- lich zum Ausdruck kam, übergibt die Hauptgemeinschaft der Oeffent- lichkeit folgende ergänzende Notiz: „In der Kundgebung des Deutschen Einzelhandels am 12. Ok- tober 1927 erklärte der Vorsitzende der Hauptgemeinschaft, Herr Heinrich Grün selb, der Emzelhandel begrüße die von der Gehaltserhöhung der Beamten zu erwar- tende Umsatz st eigerung. Die hierdurch bedingte besser« Ausnutzung des Verteilungsapparates würde durch Unkosten- senkung unzweifelhaft auch zu einer Verbilligung der Warenpreise führen, wenn nicht durch die Steigerung der Roh- ftosf- und Lieferantenpreise diese Vorteile mehr als"wettgemacht würden. Herr Minister C u r t i u s begrüßte in seiner Rede dies« Ausführungen und betonte, daß das wohlverstandene Interesse des Einzelhandels nicht auf eine Preis st eigerung. sondern auf eine Förderung des Umsatzes und damit eine Festigung der Konjunktur hinziele. Uni so wichtiger sei es. von oer Wirtschaft und besonders vom Einzelhandel alle Hem- mungen und Latten fernzuhalten, die das allgemeine Preisniveau im ungünstigen Sinne beeinflussen könnten." Wir begrüßen diese Klarstellung der in der Hauptgemeinschaft herrschenden Auffassungen ganz besonders, nachdem auch der„Vor- wärts" besonder» aus den Ausführungen des Herrn Adametz zunächst einen gegenteiligen Schluß gezogen hat. Was für die Gehaltserhö- Hungen gilt, sofern diese zu einer Umsatzsteigerung, zu einer stärkeren Ausnutzung des Slpparates und auf diese Weise eventuell zu einer Senkung des Preisniveaus führen, das gilt selbstverständlich auch für Lohnerhöhungen. Zwar treffen die Lohnerhöhungen, wie wir schon festgestellt haben, in einem gewissen Ausmaß auch den pri- voten Einzelhandel. Doch ändert das nichts an der v o r t e i l- haften Wirkung von Lohnerhöhungen auf den Einzel- Handel, da diesem die gesamte Kaufkraststeigerung in einer Er- höhung des Umsatzes zugute kommt, der gegenüber die Vermehrung der Kosten für höhere Löhne stark zurücktritt. Deutschlanö für üie Freiheit öes tzanöels. Trcndclenburg gibt in Genf eindeutige Erklärungen. In einer Sitzung der in Genf tagenden Internationalen Konferenz zur Schaffung eine» Abkommens der Lölker über die Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote und der Ein- und Ausfuhr- befchränkungen gab der deutsche Delegierte, Staatssekretär Dr. Trendelenburg, eine wichtige Erklärung ab. Er sagte, daß die deutsche Delegation auf der Konserenz alle Bestimmungen eines Ent- wurfes unterstützen werde, die den möglichst freien und unge- Hinderlen Warenaustausch sicher st cllen, und daß sie alle die- jenigen Klauseln bekämpfen werde, die aus irgendeinem Grunde danach streben, den gegenwärtigen Zustand beizubehalten. Der Inhalt dieser Erklärung durch den Vertreter der deutschen Regierung ist an sich nichts Neues, so ersteulich auch ihre Schärfe ist. Anlaß besteht aber, die deutsche Negierung wieder einmal zu fragen, ob sie diese ihre grundsätzliche Haltung auch für sich in allen aktuellen Handelsoertragsoerhandlungen gelten lassen will, die noch schweben und die durch die Sabotage einiger Kobi- nettsmitglieder nicht vom Fleck kommen. Auch die von Trcndclenburg in Genf abgegebene Erklärung hätte in der Tat nur praktischen Wert, weyn daraus die Konsequenzen für die brennenden Fragen der deutschen Tagespolitik gezogen werden würden. Deutschlanö Erster im rustischen flußenhanöel. Nach sowjetamtlichen Angaben stellte sich Rußlands Warenans- tausch mit den wichtigsten Ländern in den ersten 11 Monaten 19£C/27(Oktober 1926 bis August 1927) im Verkehr über die euro- päische Grenze wie folgt(in Millionen Rubel): Was den Gesamtumsatz anbetrifft, so steht Deutschland in der Berichtszeit an erster Stelle. Es folgen England an zweiter und die Vereinigten Staaten an dritter Stelle, während in den ersten neun Monaten 1926/27 England den ersten Platz einnahm. Eng- land ist zwar trotz des Konflikts mit Rußland in der Berichtszeit nach wie vor der weitaus größte Abnehmer russischer Waren, der englische Import nach Rußland jedoch bleibt hinter demjenigen Deutschlands und der Bereinigten Staaten sehr erheblich zurück. Deutschlands Ein- und Ausfuhr aus Rußland gleichen sich annähernd aus. In der russischen Einfuhr steht Deutschland ebenfalls an erster Stelle und auch die Vereinigten Staaten spielen im Import der Sowjetunion eine immer größere Roll«.__ Aus die Zusammenschlüsse in der deutschen Kälteindustrie, die sich unverkennbar gegen die starke Expansion der amerikanischen Frigidaire-Gesellschast richtet, hat die General Motors Corporation, die hinter den Frigidaire-Gesellschokten steht, jetzt zum Angriff ckeblajen. Der Präsident der Frigidaire Corporation sagt, daß der Absatz der europäischen Vertretungen im Jahre 1927 etwa öffenti. Kundgebung heute, Mittwoch, den 19. Oktober 1927, 19�/- Uhr, im Lehrervereinshaus. Alexanderstrahe 11, gegen die SAHipoiUik des BOrgerblodis Referent: Reichstagsabg. Karl Schreck-Bielefeld Männer uud Frauen, beweist durch Massenbesuch euren Millen zum Kampf gegen Kulkurreektion— für die Freiheit der Schule! doppelt so groß war als im Jahr« 1926, Infolge dieser starken Nachfrage nach amerikamschen Kältemaschinen(besonders Kühlschränke für den Hausgebrauch und Anlagen für Hotels und andere gewerbliche Zwecke) beabsichtigte die Frigidaire Corporation, ihr europäische» Geschäft weiter stark auszubauen. Der Präsident der Gesellschaft befindet sich zurzeit auf einer Reise nach Europa und wird in den nächsten Tagen in Berlin erwartet. Flieharbeit in der Schuhindustrie. Werden Stiesel teurer? Die Erfurter Mechanische Schuhfabrik A.-G., die Anfang 1926 zahlungsunfähig wurde und unter Geschäftsaufsicht kam, Hai sich nach dem jetzt veröffentlichten Abschluß für 1926/27 anscheinend sehr schnell erholt. Di« Umstellung der Betriebe auf Fließarbeit, die im vergangenen Sommer eine fünfwöchige Arbcitsunterbrechung erforderlich machte, hat sich bewährt, da bei Verwendung geringerer Betriebsmittel erhebliche Lei st ungs st eigerung erzielt werden konnte. Dementsprechend hat sich auch das Gcschäftsergebnis überaschend verbessert. Während der Abschluß 1926/26 einen V er- l u st in Höhe von 50 Proz. des 0,56 Mill. Mark betragenden Aktien- tapitals auswies, ergibt sich jetzt ein Reingewinn von rund 86 600 M. Da der vorjährige Verlust durch Auslösung des Reserve- fonds auf IM 800 M. ermäßigt war, so verbleibt nach Abzug des Gewinnes noch ein Verlustrest von nur 16 000 M. Obwohl die Um- stcllung der Werkstätten bedeutende Mittel beanspruchte— allein der Wert der Maschinen hat sich fast vervierfacht, während die An- lagen insgesamt für etwa 120 000 M neue Zugänge aufweisen— sind Forderungen und Barmittel mit 0,66 Mill. Mark gegen das Vor- jähr nicht zurückgegangen, und auch die Schulden halien sich nur unwesentlich um 10 000 M. aus 0,77 Mill. Mark erhöht. Die Um- stellung konnte also trotz der Krise mit eigenen Mitteln durchgeführt werden. Auf dcr Generalversammlung äußerte sich der Vorstand ziemlich optimistisch. Der Geschäftsgang im laufenden Jahre sei bisher gut gewesen und weise Anzeichen einer weiteren Verbesserung aus. Außerdem wurde die Oeffent- lichkeit darauf vorbereitet, daß die gestiegenen Lederpreise früher oder später in Betracht gezogen werden müßten, d. h. auf deutsch, daß die Stiesel teurer werden, obwohl das Unternehmen zurzeit noch reichlich mit Rohstoffen versehen ist. Die Schuhindustrie scheint also aus den bitteren Erfahrungen der letzten Krise nichts ge- lernt zu haben, sonst würde sie nicht schon wieder mit dem Ge- danken einer Preiserhöhung spielen. Die Möbelindustrie hat stark zu tun. Die märkische und die Berliner Industrie für Möbel- und Einrichtungsbedarf ist in der letzten Zeit derart stark beschäftigt, daß sie Lieserfristen bis zu fünf und sieben Wochen einführen mußte. Im Gegensatz zu Nachrichten aus anderen Industrien hat sich auch der Zahlungseingang wesentlich gebessert, besonders beim letzten Käufer. Man führt die Belebung auf die Fertigstellung eines großen Teiles der Wohnungsneubauten zurück, die sich in diesem Jahr« auf den Herbst zusammengedrängt hat. Wahrscheinlich dürfte auch der Neubedars der in die Wirtschaft wieder aufgenommenen früheren Erwerbslosen«ine nicht geringe Rolle spielen. Auch aus Sachsen, Thüringen und den meisten süddeutschen Bezirken wird von einer erheblichen Besserung des Auftrageinganges berichtet. Der Zinnpreis soll für die Welk stabilisierl werden. Di« Welt- Produktion von Zinn wird im wesentlichen schon von England und Holland voll beheischt. Das hat zur Folge, daß die Zinnpreije immer außerordentlich hoch find und eine viel günstigere Ent- wicklung ausweisen als die anderen für den Weltmarkt wichtigen Metalle. Das scheint den Zinnmvnopolisten aber noch nicht zu genügen. Seit einigen Tagen schweben zwischen den Zinnprodu- zerrten Englands, Hollands und auch Amerikas Verhand- l u n g e n. um den Weltmarktpreis für Zinn zu stabilisieren. Der jeweilige Weltmarktpreis soll den Einflüssen des Handels entzogen, der Zinnpreis auf mindestens ein Jahr fe st gesetzt werden. Angestrebt ist ein„angemessenes Preisniveau", das heißt natürlich«in durchschnittlich höheres Preisniveau als bisher. Alles andere, was zur Begründung gesagt wird— auch die englischen Zinnmonopolisten sind um Worte nicht oerlegen—, sind natürlich nur Ausstüchte. Neues Füller für den Oelimperialismus., Das Mosiulgebiet ist seit langem der wichtigst« Streitgegenstand zwischen den großen internationalen Oelmächten. Di« Vorherrschaft der Kc>>al Dutch Shell und der Anglo Persian Company im Mossulgebiet ist stark umstritten. Jetzt wird gemeldet, daß die von diesen beiden Gesell- schuften beherrschte Turkish Petroleum Company in der Näh« von Kerkuk groß« und ergiebige Petroleumquellen entdeckt hat, deren tägliche Ausbeute mit 6000 Tonnen beziffert wird. Der Wettkampf der internationalen Oelimperialistcn hat also neue Nahrung ge- funden. *105X0 slxcxi der Bär? vw BERLIN DIE SINFONIE DER GROSSTADT » rcii)»ungcn»Nee Art heute, Mittwoch, zwischen 17 und IS Uhr heu'e, Mittwoch, 19. Oktober 19« Uhr: acdbing: Heim Lee- Ecke Turiner Strohe.„Tagespolitische Fragen."— Suwounplag: Heim Sbrrswaider Str. IIJ. ftiloftdrcnncr-Absnd.— Hshenschön- Hause»: Seim Frricnwalder Str. ö.P.„Unser Kampf für Zagendschuh und .'.rlul»sic. v/v.».Vilich- juuiivi iui-£uw-nu}u)u-$«uv Iugendrrwt."— Thartottenl-urg-Rord: Heim Oldersstraüc. ,�uiturreasj>onürc besetze", li. Teil.— Spandau: Heim Lindcnufcr 1.„Wilhelm Liebknecht."— Temxclhof! Lyzeum Äermoniastr. 4/>i.„Jugend und Kirche."— Wauulee' Schule Charlotienstrahe. Meist-Bbcnd.—.Uaulsdors: Schule Adolfstrasie.„Da- tgolkolird."— Nern Lichtenberg: Priiiz-Albert�Ztrahe. Lichtbildervortrag:„0'r schichte der Arbeiterjugend."— Lichtenberg-Rord:.. arbeitende Jugend."— Lichteuberg-West: Heim Scharnwcberstraße. Heim Dossestr.—.„Die WWWWMWWW Politisch. 'alirischcr Äoeiid. Werbebezlrl Rcutölln: Die Bibliothek ist crdsfnet. Biicherausgadc oon 19- 21 Uhr>m Heim Bergstr. 29, Zimmer Ili. Werbebezirk Müggelsee: Beteiligung am Elternabend in Köpenick. J Mi r ilöpenick: Stadttheater, Wilhelmplatz. Elternabend. Vortrags- solge: Musik, Aufführungen, Lieder zur Laute, Bolkstiinzc. Beginn Ul Uhr. Unkostenbcitrag 30 Pj. I I J.{ Hbll Werbebezirk Prenzlauer Berg: Der Funktionärkursus findet erst am b. b. November statt. Beginn des Kursus„Einführung in die Soziologie" 12. November. und am ' vortrage, vereine unö Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Selchlktsftell«: Berlin E 14. Etbastianstr. S7,ZS. Hot 2 Tr Mittwoch, IS. Oktober. Mitte: 3., 4. und d. Kameratschaft Goal» schütz Gewcr!saftsha!lS. Sicrfontraluna der SPD. Friedrich». Hain: Kameradschaft Büsching ISUz Uhr äugerst wichtige Versammlung filmt. licher Iungkamcradcn bis 21 Iabr bei Bänich, Weberstr. Ib. Erscheinen Pflicht. Eharlottenburg: 2b Uhr Bollversammlung des Ortsvcreins im Edenpalast, Kaiser-Frirdrich-Ctr. 24. Jeden Donnerstag ab 20 Uhr Turnen in der Tur». haste Schillerstr. 26.— Douuersjag, 20. Oktober. Lichtenberg nebst Unter- gruppen: 20 Uhr bei Reumann, Emanuel- Eetr Lcopoldftratze, letzte /fug-, Gruppen- und Ortsgrupoenführrrsitzung. Bcschlutzfallung über die Einteilung in Kameradschasteu. Nieiaaud darf schien. Pantow: 20 Uhr Lichtbildervortrag Jugendheim Gürschstraße. Sämtliche Zugcudkamcradcn. Rcpublitancr als Gäste willkommen. Ädlershof: 2b Uhr Mitgliederversammlung bei Lehngut, Srdan. stratze 3, Bortrag Kamerad Zabel:„Bon der Erwerbslvsenfürsorge zur Arbeits- loseiiversicherung." Erscheinen aller aktiven und passiven Kameraden Pflicht.— Freitag, 21. Ölt» der. Tiergarten: Kundgebung der Kameradschaft Armlnius 20 Uhr Arminiushasten, Bremer Strotze Neferat Kamerad Ott» Meier, M. d. L. Kameradschaft Arminius, Westen I und II Antreten zum Platzkonzert Kleiucr Tiergarten 18V-i Uhr. Kamcradscliask Stephan und Hansa 19% Uhr Saalschutz Arminlushasten. Prcnzlovcr Berg: Kameradschaft Arnswaldcr Platz 20 Übe Versammlung!m Werneuchencr Echlotz. Steglitz(Ortsverein): 26 Uhr im Albrechtshof. Steglitz, Nathansplatz, arotze Kundgebung. Es sprechen: Kamerad Stampfer le-PD.), Dr. Noucker(DDP.), Dr. Teipel(T�eiltr.j. Erotz- Berliner Kameraden und Republikaner berzlich willkommen.— Niederbaruim- Roed: Sonntag, b. 23., Kreispflichtveranstaltung an der Nordbahn. Eintreffen der Ortsgruppen des Bezirks Bernau 13 Uhr Bahnhof Hohcnneuendorf, des Bezirks Liebeuwalde 13 Uhr Bahnhof Schildow, des Bezirks Oranienburg 13 Uhr Bahnhof Borgsdorf. Bereiuiquug der Frau?» und Rütter von Srpß.Berll». Der Beratung-- abend für die Frauen und Mütter von Dro�-Berliu findet Montag, 24. Oi» ___________________|________,.___________| Uhr. Zutri Deuifchcr Efperautöbund, Örtsgruvpc Berlin. Freitag, 21. Oktober, 30 Uhr, Konditorei Dobrin, Hackescher Mar.t, Uebungsabend. Gäste willkommen. Berliuer«efcllschast für össenUich««esundheitspslege«. B. Sitzung am Menstag, 26. Oktober, 26 Uhr. im Snaienifchen Institut der Universttät, Boro, theenstr. 233.!. Wahl eines Ehrenmitgliedes. 2. Resolution betr. Bedrohuiig von Grünflächen bes Tiergartens. 3. Herr Bros. Dr. F. Schütz:„Die Trink. wasier-Ehirrierung»iid ihre Äonkrollc." Gäste willkommen. Berliner Handwerkerscrei». Mittwoch, 13. Oktober, 26 Uhr, Sophitiistr. lb. Lichtbildervortrag Dr. Wegner:„Da- Berliner Planetarium und eine Rene durch das Weltall."... Arbeiter-Sam-riterlolonue. Abt. Prenzlaner Berg: Mitgliederversammlung Mittwoch, IS. Ollober, Lokal Bllttlier, Cchwedtcr Strotze. Arbeiter-Abstiuenteubnud. Bezirk Rordeu: Zusammenkunft Donnerstag. 26. Oktober. 20 Uhr. Vortrag über„Gärungslofe Fruchtsaftbereitung" mit vraktisiber Vorführung.__ Mictcrbuud de» Lcrwaltuugsdezirls Steglitz E. D. Donnerstag, 20. Od, «ober, 20 Uhr,„Zum Hindendurg", Lichterseide, Hind?nbiirr,d-mm No mscnt. lich« Bersanimlung. Tagesordnung: l. Deutsche und aus'ändisZe Rohnungs. rvirtsälaft. 2. Ueber Instandlrtzungsarbeiten, unter bcsondcrer Berückt, oitigiing der Schäiiheitsreparaturcn. 3. Aussprache. Beantwortung von Antragen durch drn Syndikus.. Einheitsvcrbaub sozialifti scher Handel- und Gewerbetreibender nud sonstiger Berus«. Monatsversammlung Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, Gewerkschaüs- haus, Enzelufer 24i,2ä, Konferenzsaal(Eingang vom Restaurant). Gäste und Sympathisierende willkommen. Reichsbund der Kinderreichen. Oefsentliche Versammlung Mittwoch, 26. Oktober, 20 Uhr,„Zum Alten Askanicr", Anhaltstr. 11. Vortrag:„Reichs» Verfassung und Schutz der Familie." iiinäor-üul lllr gröSitor« Il-ii! chtn be sotiJ Ifi"ids»ni. mit breit. Fiprban- garnitnr, gut.»»SOaos schwer. XEC Antüopensloff J1 Pill-eil....•♦ tzlnder-liui, guter Antl- lopenstofl. Band ganr durclisteppt,vielcP,25 Karben.......... 5 Xindir- Kleid ans warn em Flanell, mit langen noo Aermcln,farca.2Jahre£■ Jede weit. OrCsscSO PI mehr Strumpfwaren Hanäs£hy?ie c 95pt KincSe**- BotelöidluaijCf p ilkttilltW gr.: Gchwaru u. larüig, Or. I JvPI,; oder gestrickt, tarbig W Jed.wcltereGrössc 10 Pf. mehr' ? Dnlnnmll iiriKDI 165 M KcinWOilai'�gestrickt 125 durchgehend gefüttert... 1 p t-cUwarr und larbig. Gr. I J echwarr und larbig. 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Bekanntmachung. Für den Kre:- Riederbaruim ist tllr die Zeit noni 12. dis 15. November 1927(Sonn- abend. Sonniaa, Montag und Dienstag. und zwar in der Zeit von 4 Uhr noch- mittags(16 Uhr) des ersten Tages dis um 4 Uhr nachmittags(tk Uhr) des letzten Tages) eine allgemeine Raltcnvertilgung angeordnet. Berpstichtet sind u a. auch alle Besitzer von im Kreil« defindlichen Wohnlauben usw Die näheren Anordnungen lind>a Rr 243 des Riedrrbarnimer Kreis» blatte- vom 10. Otiober 1927(Redattwn tu Oranienburg) verösientlicht.. Wer dm von„nr grtrosicnen Anord- nnngen zuwiderhandelt, wird nach den gellcndrn dic-»rziigtid>en Boischririen mit Setdbutze d,s zu 150 Marl oder mit ent- sprechender tjatt bestralr. Berlin, den>0. Ottober lg27. I 3 3617. Der Landrat: Schlemmtnger. iKRmEuWEPÄBRIKi Pn'n2önstr.33s I GEL L LS BERLIN� Oeotsdißr�aüarüMerDaDil Freitag, den 21. orkober, abends 7 Ahr. im Cokai oon S n m m el, Sophienstr. 5 Gruppenversammlung allec Scharf- u. werfzeugschidfer. Tagesordnung: 1. Unsere Löhne im letzten Halden Jahr. 2. Gruppen angrlcgrnhetten 3. Verschieden--. Bolljähliges Erscheinen ist Pflicht. Sie Orlsoermalkang. Verkaufe Beachtenswertl Deutsches Teppichhau» Emil Lefdvre seit 1982 nur Oranien ltratze 153. Keinerlei Beziehungen zur Firma aleichen Namens Potsdamer, ärak»' URS«. Blm't mit 70 cm gc- «dticrtom scvCeusctüna M. 39.- E3 KoIantoraHunesbedlnsuagm GräBtesMusterlaaerBerlin»! Gaskrone billig perkäuflich. Pouche, stratze 13 l�igarrengeschäft). . �okleUifitzSsIvek�' NÄ rk?/Aw'fl Leihhaus Spiegel, Ehausseestratz«<. Gelegenheitskäufe wenig Betragener, auch neuer Hcrrrngardcroben, Pelz, waren. Keine Lombardware.' Boa Kavaliere» wenig getragene so. wie neue Herrenanzüge, Ulster, Pale, tot-, jede Figur passend, Svortpelze, Gehpelze. Damenpeltmäntel. Prlziackrn Pelzkragen vrrkauit spottbillig Lechhaus. Friedrichstraße 2. Delle-AUmare-PIon Ke>ne Lombardwarr.> Weula- aetraaeue»avalieraarber-b« oon Millionären Aerzien. Anwälten. Fabeldait billig« Preis«. 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