ffe. 49* ♦ 44. �ohrgaag flusgabe gk Nr. 2SÄ Morgenausgabe Groß-Berlin 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Bezugspreis: SBöitnlUd) 70 Piellllill, monatlich f.,- Zieichsmari notouo wirbfli. Unter Streifband im Zn. ond Ausland S.SO Reichsmark pro Monat. »er.B-moSrts' mit der illnftrier. ten Sonntagsbeilage»Volk and Zeil" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wilsen"..Zu- der ffilmwelt". »Frauenstimme",.Der Rinder. freund", �Zugend-Vorwarto",.Blick in die Bilcherwelt" und.Kultur. arbeit" erscheint wochcntäglich ,wei» mal, Sonntags und Montags einmal. Telegnnnm-Adrefse: �Sozialdemokrat Berlin- ... Derlinev Volksblatt A»zeige npreije: Di« einlvaltta« Ronvarellle. »eil« SO Blennia, ReNamereil« 5,— Reichsmark,»Kleine Atutigek* da« kettaedruckte Wort 2b Bkennia f»uILssta Zwei kettaedruckte Bortel, ledes weiter« Wort 12 Dlennia. Stellenaeluch« das erst« Wort Ib Bkennia, ledes weitere Wort ll> Blennia. Worte Uder 15 Buchstaben»iiblcn für«Tuet Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Bfcnnig. Familienanzeiaen für Abonnenten Seile 40 Blennia. Anzeigenannahme Im KauptgelchLfl, Lindrnstraße 8, wochentiiglich»an SV. bis 17 Uhr. Zentralorgan der Soztaldemokratifchen parte» Deutfcblands Neöaktion und Verlag: ö erlin SW. HS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff SSS— SV7. Donnerstag, den AO. Oktober 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin SW. bS, Lindenstr.Z Boftlcheckkonto: Berlin 87 586- BaaNoatoi Bank der Arbeite», Angeftelte» NN» Beamten. Wallte. 15; Biodonto-Selelllchalt. Deoofttenkaft« iindeaftr. 8. Mit der stpd? Klare Antwort der Hamburger Sozialdemokratcu. Der Parteiausschuß der Hamburgischen Landes- organifation der SPD. hat am Dienstag abend seine Bereitwilligkeit erklärt, unter dem Borsitz des Ortsaus-! schusses des ADGB. mit der Kommunistischen Partei zu Per- � Handlungen zusammenzukommen. Gleichzeitig hat der! Parteiausschuß auf den offenen Brief der KPD., Bezirk Wasserkante, seine Antwort erteilt. Sie ist ebenso nüchtern wie logisch. Der Landesverband der SPD. sieht in den Wahlen vom S. Oktober ein Vertrauensvotum der Wähler- s ch a f t. Es bedeutet einerseits eine Anerkennung der von den Hamburger Sozialdemokraten geleisteten Regierung?- und Gesetzgebungsarbeit, auf der anderen Seite den Auf- trag zur Regierungsbildung. Diele Regierung wird sich auf eine feste parlamen- tarische Mehrheit stützen müssen, wenn sie in den nächsten drei Iahren fruchtbare Arbeit in einer Richtung leisten will, die den Interessen der werktätigen Bevölkerung entspricht und die anstrebt, das Gesamtschicksal Hamburgs immer mehr im sozialistischen, freiheitlichen und fortschrittlich- kulturellen Sinne zu gestalten. Die Richtlinien der zu be- treibenden Politik anzugeben, ist nach dem Wahlergebnis und dem Stärkeverhältnis Sache der Sozialdemokratie. Ihr Programm hat deshalb als Verhandlungsgrund- läge zu gelten. Als Borbedingung einer Zusammenarbeit stellt sie neun Forderungen: „1. Großzügige Förderung des Wohnungsbaues unter Beteiligung des Staates und unter Bevorzugung wirklich gemeinnütziger BaugefMchasten. 2. Ausschließliche Verwendung der dem homburgischen Staat für Hausbau zufälligen Hauszinssteuer für den Wohnungsbau. Z. Unbedingte Erhaltung vorhandener staatlicher und kenn- munaler Wirtschaft und zielbewußt« Begründung st o a t l i ch e r Wirtschaft, wo das Allgemeininteresse es erfordert. 4. Erhaltung des Achtstundentages in allen Staats- betrieben und Forderung des Achtstundentages überall, wo der Staat neben den Gewerkschaften der Einführung des Achtstuich>en- tages dienlich sein kann. 5. Ausbau und Sicherung des Arbeitsrechts, des Arbeiter- schütz es, des Angestellten- und Beainenrechts, soweit der hamburgisch« Staat dies im Rahmen der Reichsgesetze vermag. «. Fortführung der Sozial- und Fürsorgepolitik bis zur Höchst- grenze der Leistungsfähigkeit des Staates. 7. Freieste, fortschrittlichste, gleiche und einheitliche Schul- pf l c g« für alle Milder der Bevölkerung. 8. Schutz der parlamentarischen Arbeit vor Sabo- tage und Herabwürdigung durch Gegner des Parlamentarismus. S.Anerkennung der demokratischen Republik als geeignete Staatsform.zu dem Befreiungskampf der werktätigen Bevölkerung und als sicherster Schutz gegen faschistische und monarchistisch« Unterdrückungsgelüste. Weiter erklärt der Parteiausschuß, die Sozialdemokratie muffe darauf bestehen, daß sich die KPD. in künftigen Per- Handlungen ganz klar und unmißverständlich darüber äußert, was sie unter„Mobilisierung der Maffen" verstehe Wilde Generalstreiks, Putschversuche oder Demon- strationen, wie die am 24. August d. I.. wobei jedesmal das Blut van Unschuldigen stoß, werde die Sozialdemokratie nie- mals mitmachen, sondern stets bekämpfen. Eine nüsstichc Zusammenarbeit mit den Kommunisten hält die Hamburger Sozialdemokratie für unmöglich, wenn sich die KPD. nicht von der Illusion freimacht, daß sich die SPD. je unter das Kommando der KPD. begeben könnte. Mit einer bloßen Willenserklärung zur Mitarbeit läßt sie sich nicht abspeisen, es müssen reale Garantien für ein Vertrauensverhältnis gegeben werden, ohne das eine Zu- sammenarbeit nicht denkbar ist. Alles in allem: Will die KPD., mit der SPD. zusammen- arbeiten, dann muß sie sich der Politik nähern, die die So- zialdemokratische Partei Hamburgs vorher geübt und durch die sie bei der Wahl am 9. Oktober das Vertrauen der ham- burgischen Bevölkerung erhalten hat. Eine ähnliche Llntwört hat' die Sozialdemokratie A l t o n a s den dortigen Kommunisten erteilt. Sie stellt dem kommunistischen„Kampfprogramm der Ausnutzung der pro- letarischen Mehrheit" ein„kommunales Arbeitsprogramm" entgegen. Aber bevor an die Einleitung von Verhandlungen zu denken ist, hat die KPD. Altonas drei Punkte zu unter- schreiben. l. Verzicht auf die willkürliche Aufstellung von Forderungen zur Erweiterung eines etwa zu vereinbarenden Gemeinschastsprogramm». 2. Erklärung der Bereitwilligkeit, es nicht wir bei den mit starker Steigerung der Ausgäben verknüpften Forderungen be. wenden zu laflen, sondern gleichzeitig auch Di« zur Durchführung notwendigen finanziell«« Mittel in einer der Stadt nach de« gesetzliche« vestimmuugeu mögliche« weis« mitzuschafsen. 3. Als Voraussetzung und Sicherung für die Durchführung der etwa aufzustellenden Forderungen wird die bindende Er- k l ä r u n g verlangt, ob die KPD. bereit sei. den städtischen Haus- halisplan mll seinen die Reichs- und Lande sgesehe erfüllenden und den Auslagen der Aussichtsbehörden nachkommenden Verpflichtungen mit zur Annahm« zu bringen. Sollte eine unzweideutige Erklärung der KPD. ausbleiben, so wird die Altonaer SPD. darin das Eingeständnis sehen, daß die KPD. nicht ehrlich kommunale Arbeit, sondern nur Agitation für Parteiintcreffen leisten will. Die Antworten der Hamburger und der Altonaer So- zialdemokraten laffen keine Hintertüre offen. Sie verzichten auf Phrasen und demagogisches Geschwätz und bekennen sich zu einer sachlichen Arbeit im Interesse der werktätigen Bevölkerung. Die Kommunisten werden einer klaren Eni- scheidung nicht ausweichen können. Aus ihr wird man er- sehen, ob die KPD. Hamburgs und Altonas bereit ist, Arbeiterpolitik zu betreiben oder ob auch sie nur eines jener Manöver beliebt, das die Kommunisten andernorts' häufig genug zum Schaden der Arbeiter betrieben hat. vor öem Schlichtungsversuch. Günstiger Stand des Brannkohlenarbeiterstreiks.— Zuversichtliche Stinnnung. Lügen der Unternehmer. vor Beginn der Schlichtungsaktion, die heule morgen im Reichsarbeilsminifiermm beginne« soll. Ist die Lage des Streiks im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau für die Arbeiterfchoft geradezu glänzend. Die Stimmung der Bevölkerung ist zuversichtlich. Das muß insbesondere gegenüber den Tendsozmclduugen der Anleruehmcrprefie und der ihr nahestehenden Agenturen betont werden. Eine ganze Reihe von Berichten der Regierungsbehörden besagen, daß von einem Terror nirgend die Rede sein kann. Begreiflicherweise ist die Erbitterung dort groß, wo gänzlich unnötig Schutzpolizei und Technische Zlothilse eingeschl werden und auf die im Kampf stehenden Arbeiter provozierend wirken. 3m Gegensatz zu den Meldungen der Unternehmer sind die Ztolstandsarbeiten überall sichergestellt, wo nicht der Einsah der Teno die Beteiligung der Arbeiter von vornherein unmöglich wacht. vi« lendenstöse Berichterstattung der Zechen Herren geht auch daraus hervor, daß die Unternehmer in demselben Atem über die Mchlverrichtrmg von Not slaud sarbeilen klagen und zugleich erkläre«, daß ihre Betriebe voll lausen. Mit einer der- artigen Tendenzmach« geben die Unternehmer ihre eigene Sache der Lächerlichkeit preis. Bemerkenswert ist, daß trotz der Verstärkung des Streiks auch weiter die Arbeiterschaft vollkommen ruhig ist und gar nicht daran denkt, sich zu polltischen Zwecken mißbrauchen zu lasten. Fuhrunternehmer lehnen Lohnverhauölungen ab. Der glänzende Verlauf des mitleldeulfchen Streiks hält die Sohlenherren an der Ruhr nicht ab, ebenfall» mit dem Feuer zu spielen. Aus die Forderungen nach einer Lohnerhöhung haben sie dem Deukschen Bergarbeileroer band geaulwortei, daß im gegenwärtigen Moment eher eine Lohuherabsehung in Betracht kämet Die Arbeiterschaft ist an der Ruhr wie anderwärts zum Kampfe gerüstet, weigern sich die Unternehmer, den gerechten Forderungen der Gewcrkfchaslen Folge zu leisten, so tragen sie die Verantworl'""" e alle Soufequeuzea. (Weitere Meldungen auf der 4. Seile.) Antwort an die Schulreaktion. Genosse Dr. Löwenstein zum Schulgesetz. Dem zweiten Tage der Reichstagsdebatte war es vor- beHallen, den Schulkamps zu seiner vollen geistigen Höhe emporzuführen. Tief in den Niederungen blieb die Rede o. Keudells zurück: weit im Hintergrund verschwamm die Erinnerung an die enge Aengstlichkeit des Deutschnationalen Mumm und des Zentrumsmannes Rheinländer vor der Rede des Sozialdemokraten Dr. L ö w e n st e i n. Wie wenige in den bürgerlichen Fraktionen werden im raschen Aufblitzen dieser an tiefen Gedanken überreichen und im edelsten geistigen Sinne marxistischen Rede ihre volle Bedeutung be- griffen haben! Zu fremd ist der Schulweisheit unserer Tage noch immer unsere aus dem Durchleuchten des geschichtlichen Erllwicklungsprozesses entstehende Betrachtung und Lösung der Kulturfragen. Jeder im Saal aber, auch der durch Dogmen Gebundene, auch der rasende Antisemit bei den Völkischen, auch der politische Eiferer bei den Kommunisten, fühlte in den funkelnden rednerischen Formulierungen Löwensteins die Klarheit und Kraft marxistischen Erkennens, die Glut sozialistischer Sittlichkeit. In sprachlich vornehmen Wendungen unterschied Löwenstein das religiöse Erlebnis, die religiöse Glaubens- und Phantasiewelt von ihrem Miß- brauch zu sozialer Reaktion. Meisterhaft arbeitete er diese Gegensätze an dem Beispiel des Sozialreaktionärs Seipel heraus. Vor Löwenstein hatte Frau Zetkin gesprochen. Die Sozialdemokratie vergißt nicht, was diese noch immer tem- peramentvolle Greisin in vergangenen Jahren für das sozia- listische Bildungswesen geleistet hat. Ihr die gehässigen Aus- fälle gegen unsere Schulpolitik ebenso zurückzugeben, fällt uns nicht ein. Löwensteins Rede war die beste Antwort. Eine Rede von starkem geistigen Charakter hielt auch die demokratische Abgeordnete Dr. G e r t r u d B ä u m e r. Sie führte den deutschen Humanitätsgedanken in den Kampf. Was sie über die VUdungsideale sagte, die nicht dogmenhast gebunden sein dürsten, wie sie die Versteifung der well- anschaulichen Gegensätze bei den zarten Kindern beklagte, die diese Frag? unmöglich begreifen können, fand eigentlich mehr Zustimmung bei den Sozialdemokraten als in ihrer eigenen Fraktion. In der gestrigen Reichstagsdebatte zum Reichsschulgesetz warf Abg. Frau Dr. Bäumer(Dem.) den Regierungsparteien nvr, daß sie sich bisher mit den Problemen überhaupt nicht ernsthaft aus- einondergesetzt hätten. Es bestehe ktin Zweifel darüber, daß der Entwurf verfassungswidrig sei, auch da» Reichs- gericht hob« in zwei Entscheidung»« unzweideutig ausgesprochen, daß die Gemeinschaftsschule als Regel zu betrachten sei. Di« Vorlage sei zur Ausführung der Bestimmungen der Verfassung ganz un- geeignet. Bei der höheren Schule habe sich die weltanschauliche Einstellung als Gemeinschaftsschule mit getrenntem Religionsunter- richt zwangslos ergeben, die Volksschule dagegen wolle man zu einer Schule der Trennung und Isolierung machen. Di« Demokraten seien al>er auch gegen die weliliche Schule, rveil sie breit« Volks- schichten geistig isoliere und von Jugend aus eine Kluft im Volk« schaffe. Indem man der Elternschaft das Recht gebe, durch Mehr- heitsabstimmung auch über die Kinder anderer zu entscheiden, werde neben der Demokratie der bürgerlichen Gemeinde eine zweite Demokratie der Erziehungsberechtigten eingebaut. Der Kampf um die Schulform muffe dauernden Unfrieden schaffen. Abg. Frau Zetkin(Komm.) fordert die Umwandlung der jetzigen Drill- und Prügelschule in eine Erziehungsschule aus der Grundlage des produktiven Arbeitsunterrichts. Die Tendenz des vorliegenden Gesegentwurfs Ziele ab auf die Förderung des neudeurfchen Imperialismus. Völkerversöhnung im Sinne des Völker- bundes fei nur eine Form der Kriegsoorbereitung gegen Rußland. Warum spreche der Entwurf nur von den Erziehung?- berechtigten und nicht von den Erziehungsfähigen? Die Rednerin verlangt zum Schluß die volle Weltlichkeit für olle Schulen. Ein dreifaches Psui gebühre denjenigen, die die Erziehung der Kinder zum Handelsobjekt für ihre politische Machtposition machen wollen. Abg. Dr. vredl �(Wirtfchoftl. Dgg.) zieht aus den bisher ge- haltenen Reden den Schluß, daß in der Schulfrage allgemeine Ver- wirrung unter den Parteien herrsche. Der vorliegende Entwurf sei «ine brauchbare Grundlage, mit seiner Tendenz erklärt der Redner sich einverstanden. Abg. Frau Lang-Brnmann(Vayr. Vp.) bezeichnet gleichfalls den Entwurrf als eine geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen. wenn es noch einfacher gestaltet werden könne. Abg. Schalem(Linke Komm.) nennt den Schulgefegentwurf einen Versuch des Zentrums, die Herrschaft Roms über das Volk zu sichern. Abg. Meyer-Franken(Rat.-Soz.) behauptet, daß der Staat in seiner heuttgen Verfassung die Ausgabe, die Hoheit über die auszuüben, gar nicht lösen könne. fibg. Dr. Löwenstein sSoz.s sagt den Kommunisten, daß sein Optimismus nicht soweit gehe, daß er von Herrn o. Keudell die Verweltlichung der Schule erhoste. Die Sozialdemokratie, die größte Partei in Deutschland, hat die weit- liche Schule als ihr Ideal und mit dieser Forderung besigt sie das Vertrauen immer größerer Maffen, wie die legten Wahlen es wieder gezeigt haben Die weltliche Schule als die groß« öffentliche Schul« ist die eigentliche Staotsschule, sie ist die Aufbauschule für das heranwachsende Geschlecht. Die Schule für die künftigen Kämpfer für«ine neue, bester« Gesevschastiordnung. Wir wehren uns mit aller Energie dagegen, daß etwa die weltlich« Schule als«ine Sekten- schult detrachtet wird. Hinter ihr steht der Mll« de» Boll»«, das dafür-fämpft. Die wettliche Schule ist keine Weltanschauunqsschule und die Sozialdemokratie wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen den Versuch, weltlich« Fragen in dogmatische Formeln umwandeln zu lassen. tSehr richtig! bei den Soz.) Wenn die Anhänger der Kon- fessionsschulen mit ihren großen Zahlen prunken, so dürfe man nicht die Papiersoldaten vergessen, man müsse die unzähligen Menschen abrechnen, die nur noch durch das Steuerzahlen gebunden sind. Fijr uns ist die Auseinandersetzung mit kirchlichen Ein- r i ch t u n g e n«in« gesellschaftliche Angelegenheit und wir haben volles Verständnis für die armen Menschen, die in ihrer Not in der Religion ihre Zuflucht suchen. Wir sagen den Arbeitern' Auch die religiösen Formen sind die Folgen einer bestimmten gesell- schastiich-wirtschastlichen Entwicklung. Wir wollen in ihnen das Be- wußtsein ihrer Kraft steigern und die Erkenntnis, daß sie als Klasse dazu berufen sind, ein« neue Ordnung der Gesellschaft zu schaffen. (Sehr wahr! bei den Soz.) In diesem Sinn« werden wir allerdings schärfste Gegner jeder Umwandlung religiöser Einrichtungen in soziale Reaktion sein. Aus diesem Grunde lehnen wir auch ganz entschieden u. ch die Bestrebungen des Herrn S e i p e l ab, der die Religion zum Vorwand sozialreaktionärer Bestrebungen machen will. Wir Sozialisten sind nicht vermessen genug, für alle Zukunft zu behaupten, daß die religiösen Bindungen abgetan seien. Aber wir zeigen die Linie der Entwicklung des großen Werdens der Gessllfchafl. und wir geben darin allen geistigen Bestrebungen volle Freiheit. Wir pflegen uns nicht an irgendwelche Formen weltlicher Anschau- ungen gebunden zu fühlen, sondern versuchen olle Erscheinungen aus der gesellschaftlichen Entwicklung zu erklären. Alle Lebendigkeit hört dort auf, wo man sie in die Formen und Normen der Vergangenheit zu pressen versucht.(Sehr wahr! bei den Soz.) Für uns ist der Staat nichts anderes als die politische Organisation der Bevölkerung, wir können ihm deswegen nicht die Allmacht geben, wie die Demokraten es wollen. Und das Staatsrecht ist der Ausdruck dieser Dinge, das Ergebnis der politischen Energien und des Kampfes der Klaffen, die in ihm ringen. Früher haben weder die Satholiken noch die Protestanten von einem unbeschränkten Erziehungsrecht der Eltern gesprochen, man hat dort im Gegenteil eine Erziehung im einheitlichen Sinne und die Ausübung vom Zwang aus die Ellern zur religiösen Erziehung gefordert. Wo ist da das absolute Erziehungsrecht der Eltern? Hat man nicht früher ganz allgemein die Kinoer von Dissidenten zum Besuche des Religion?- Unterrichts gezwungen? Wo war da das unbeschränkte Erziehungs- recht der Eltern, von dem jetzt soviel die Rede ist? Die Berufung auf die Verfassung in dieser Frage ist ganz falsch. von einem unbeschränkten Elternrecht ist dort nirgends die Rede. dagegen wird ausdrücklich anerkannt, daß der Staatswille über dem Elternrecht flehen müsie. Es steht dort auch nichts von dem Willen der Kirch«, sondern nur von dem Antrogsrecht der Erziehungsberechtigten. Wir wollen gewiß nicht die Rechte der Eltern einschränken, aber die Wer- Mtnisse haben sich doch gegen die früheren Zustände, wo die Familie die Grundlag« der Gesellschaft bildete, wesentlich geändert und wir wollen den neuen Formen der gesellschaftlichen Entwicklung den ihnen gebührenden Einfluß auf das Erziehungswesen geben. Aber wo besitzt denn noch dre Familie politisch« Rechte? Ist es nicht der Staatsbürger, der seine politischen Rechte ausübt? Wir sehen in der Verfassung ein Bollwerk gegen sozial« und kulturelle Reaktion, sie befriedigt uns noch nicht, wir wollen sie erweitern, aber auch schützen gegen alle Angriffe. Leider können wir nach der Verfassung die weltliche Schule nichl fordern, aber wir er- warten, daß bald die Zeit kommt, in der die weltliche Schule als ein« Rotwendigkest allgemein anerkannt wird. Jetzt verlangen wir. daß die Gemeinschaslsschule so durchge-. • führt wird, wie die Verfassung es vorschreibt. Daher ist für rms die entscheidende Frage: Skeht dieser Entwurf im Einklang mit der Verfassung? Wir sagen: er steht im strikten Gegensatz zur Verfassung.(Sehr richtig! bei den Soz.) Wir haben aus der Verfassung nachgewiesen, daß die Gemein- schastsschüle als Regelschule eine Vorzugsstellung genießt. Es ist ja auch von hervorragenden Vertretern der Deutschen Bolls- partes, anerkannt worden, daß jede andere Schulart nur die Aus- nahm« von dieser Regel fein kann. Die Vorlage der Re- gieruug aber will die Gemeinschaftsschutz aus dieser Vorzugs- stellung als.Regelschule, in«ine Ausnahmestellung bringen. Ja, j.etzt sollen sogar neun Zehntel, aller Schulen zu Streikendes Dorf. ' Von Hans Bauer. Böhlen bei Leipzig, den 18. Oktober 1927. Der Schaffner ruft ab: Böhlen! Ich steige aus. O, ich als alter Leipziger kenn« Boehlen. Im Sommer ist es Operationsbasis unternehmungslustiger Sonntagsausflügler. Im Herbst ist es ein einsames, graues, nichtssagendes Dörfchen. Jetzt, im Streik, ist es Kampffront der organisierten Arbeit: eine von vielen! Am Bahnhofsausgang zwei Schupos mit umgehängtem Gewehr. Hundert Schritt weiter die ersten Gruppen müßiger Arbeiter. Dann immer neue Gruppen. Am Dorfausgang, dort, wo die Landstraße noch dem Braunkohlenwerk führt, sind Plakate an die Bäume ge- heftet. Eines bittet, jawohl, dieser höfliche Ausdruck ist gewählt, zureisende Kameraden, der gerechten Sache nicht in den Rücken zu fallen. Ein anderes ist ironisch.„Nur für Streikbrecher!" ver- kündet es und will damit sagen, daß«in anständiger Arbeiter bis auf weiteres diesen Verbindungsweg nicht in Anspruch zu nehmen braucht. Ein junger Genosse führt mich im Kampfgelände herum. Wir begegnen einem mit Matratzen beladenen Wagen.„Die stammen aus unseren Baracken." klärt mich mein Begleiter auf,„die sind für die Unterkunstsräume der Schupo bestimmt." Die Werkleitung ist hart. Wer nicht arbeitet, soll nicht nur nicht essen, er soll auch nicht wohnen. Wer den Werkvertrag kündigt, kündigt gleichzeitig die wenn auch enge und provisorische Wohnstätt«. Aber es hilft der Werkleitung nichts. Die glücklicheren Kollegen, die auf die Baracken nicht angewiesen sind, wissen, was sie den Kampfgefährten schuldig sind Und stellen ihnen in echtem Solidaritätsgefühl zur Not entbehr- liche Kammern und Sofas zur Verfügung. Es nimmt mich wunder, daß verhältnismäßig viel Schornsteine rauchen, Mein Führer lächelt. Ich solle mir einmal die Farben der Rauchsahnen ansehen. Es fällt mir auf, daß nur aus einer der Essen schmutziggrauer Rauch aufsteigt, und daß der der anderen Essen vom Weiß leuchtender Unschuld ist. Nur der graue Rauch ist wirklicher Arbeitsrauch, wirklicher Kohlenrauch. Er stammt aus dem Mahlwerk, das noch in Betrieb ist. Aber die anderen Rauchfahnen bestehen aus Schwindelrauch, aus Atrappenrauch. Es sind Ab- dämpfe aus den Gegendruckturbinen: Wosserdämpfc, die nichts zu besagen haben und nur durch die Esse gejagt werden, um vorzu- täuschen, was nicht mehr vorhanden ist: Betrieb. Wir sind an die Zeche herangekommen. Wir blicken über eine Brüstung hinweg in einen tief unter uns sich dehnenden Arbeits- bereich. Ein paar zwerghafte Kleckse/ drei oder vier, krabbeln weit von uns entfernt beruni:.Sireikbrecher. Es ist nicht ersichtlich, was sie treiben. Es. ist nur sicher, daß sie, so ganz allein aus diesem gigayiijchen Komplex, den Eindruck iamrnsrnaller Hililosiakeit»nd Verlassenhest«rwecken. Der Riesenleib des Werkes läßt sich durch sie in feinem Schlafe nicht stören. Er ruht. K o n s e s s i o n s s ch u l e n gemacht werden, ohne daß man sich um das Recht der Eltern kümmert.(Hört. hört! bei den Soz.) Die bisherigen Schulen sollen verwandest wer« den in Schulen mit stärkster kirchlicher Bindung. Wo bleibt da das Antragsrecht der Eltern? Die von der Regierung in der Vorlage angestrebte Form der Schule bedeutet eine ganz eklatante Vorschlech- terüng des heutigen Schulwesens. Welche A u f s i ch t s i n st a n z en soll der arme Lehrer nach dem Entwurf über sich dulden? Da sind nicht nur die weltlichen Behörden, jetzt soll noch die Kirche dazukommen. Ja. selbst den außerdcutschen und außereuropäischen Reli- gionsgesellschaften soll das Aufsichtsrecht über den Lehrer gegeben werden! In der Verfassung steht aber nur. daß der Religlonsunkerrichl nach den Grundsätzen der Religlonsgesellschaslen erteilt werden solle. Jede Aufsicht, die darüber hinausgeh«, ist versassungs- widrig. Das haben auch die Lehrerorganisationen erkannt, die vielfach den Beschluß gefaßt haben, den Religionsunterricht nieder- zulegen, wenn dieser Entwurf Gesetz wird. Und wir stehen hinter diesen Lehrern, die gegen den Gesinnungszwang kämpfen. der auf sie ausgeübt werden soll. Wir wollen ein Gesetz, das der Berfassung entspricht, wir wollen ein Schulgesetz, das die Frecheit der Entwicklung sichert, daher lehnen wir den Keudelflchen Entwurf ab.(Aürmischer Beifall bei den Soz.) Um 19 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag, 13 Uhr. Bei der Festsetzung der Tagesordnung beantragt der Abg. K o e n e n (Komm.) unter wütenden Ausfällen auf die Sozialdemokratie, daß die sozialdemokratische Interpellation zum Braunkohlenstreik mit aus die Tagesordnung gesetzt werde, so einige von den Kommunisten dazu gestellte Anträge. Abg. Wüller-Franken(Soz.) erklart dazu, daß die sozialdemo- krqtische Fraktion dafür stimmen werde, die Interpellation aus die Tagesordnung zu setzen, schon um morgen Gelegenheit zu haben, die unwahren Angriffe des Abg. Koenen auf die Sozialdemokratie ab- wehren. Der kommunistische Antrag wird abgelehnt. Aus der Tages- ordnung steht die Fortsetzung der Schuldebatte, erste Lesung der Besoldungsreform, mehrere Handels- und Grenzabkommen mit anderen Staaten. Michaelis gesteht... und sucht sich herauszureden. Reichskanzler a. D. Michaelis erklärt. Man hat bei ihm angefragt, also antwortet er. Nicht gerade auf das, was man ihn gefragt hat, oder vielmehr: auf dos Gefragte kurz und undeutlich, auf das Nichtgefragte dafür um so weit- schweifiger. Die Sache ist folgende: Der vierte Unterausschuß des Reichstagsunterfuchungsausschuffes über die Kriegsfragen hatte von dem ehemaligen Reichskanzler eine Erklärung darüber erbeten, ob er die Echtheit des seinerzeit veröffent- lichten Briefwechsels zwischen ihm und dem Kronprinzen anerkenne. Gemeint war in der Haupt- fache jener Brief, in dem sich der Reichskanzler Michaelis über die Friedensresolution und den Reichstag lustig macht. (Vgl. Nr. 455 d.„SB."). Hierauf erwidert der Befragte zunächst in«cht Michaelisscher Manier mit einem Dreiviertel„Ja" und einem Viertel„Ich weiß nicht". Es heißt in feinem Schreiben an den Ausschlißvorsitzenden Dr. Philipp:....... Ich besitze persönlich weder den Brief des Kronprinzen, noch -meine Antwort an ihn. Ich erinnere mich an den Wortlaut des- kronprinzlichen Schreibens und meiner Antwort jetzt noch Ist Iahren nicht mehr genau, doch glaub« ich, daß das, was in der Presse, ins- besondere in der„West am Montag" publiziert ist, den Briefen entsprechen mag. Der kronprinzliche Brief müßt« ja in der Reichs- kanzloi zu finden sein. Zum Glück haben sich die beiden Schriftstücke inzwischen tatsächlich angefunden, damit steht die Echtheit des Michaelisfchen Schreibens fest.— Michaelis wäre aber nicht Zwei Uhr mittags. Aus einer der Verarbeiwngssabriken kommt ein Auto herausgefahren. Ein großer, verdeckter Wagen. Er ist, wertwürdiger Zufall!, gelb, tanarienoogelgelb angestrichen. Es muß ein wichtiger Wagen fein, denn er begegnet einer vielfältigen Auf- mertsamtett. Nicht nur, daß er von einer Schupopatrouille per Rad flankiert ist, auch die Streikenden, die allenthalben auf der Straße herumstehen, bilden Spasier. Das Streikbrecherauw kommt! Die Streitbrecher wechseln die Schicht! O, die da drinnen haben ein schlechtes Gewissen. Sie meiden den Blick durch die Scheiben. Sie blicken emsig vor sich hin. Manch« haben einen geradezu verstörten Gesichtsausdruck. Ihre Angst ist unberechtigt. Es ist die Parole ausgegeben, auf leinen Fall Gewall anzuwenden, aber da« bedeutet freilich nicht den Verzicht auf jene moralisch« Stäupung, die nicht einmal in verächtlichen Zurufen zu bestehen braucht, sondern die schon in einem höhnischen oder aber in einem trauernden Blick liegen kann. Ich gehe nach dem Bahnhof zurück. Ich höre herum, was so gesprochen wird. Nichts Pathetisches. Aber auch nirgendwo etwas Mutloses. Wie vieles auf der Welt ist ja auch so«in Streik so ganz anders, als er meist im Kino dargestellt wird. SerufuogsfkanSal an öer Universität Jena. Prof. L. Plate, Jena, sendet uns folgende Berichtigung: „Unter der Ueberschrist„Berufungsskandal an der Universität Jena" ist in der Nummer vom 19. August 1927, Abendausgabe, eine Mitteilung des Frl. Prof. M. B a« r t i n g von der Universität Jena erschienen, deren Angaben bezüglich einer Be- rufung von A bis Z unwahr sind. Unwahr ist, daß der dort ge- nannte Eduard Uhlmann„Kustos des phyletsschen Museums" ist, er ist vielmehr Konservator desselben. Unwahr ist, daß er in eine„außerordentliche Professur"„berufen" ist: er hat vielinehr einen Lehrauftrag für angewandte Entomologie und den Titel eines außerordentlichen Professors erhalten. Daher war selbstverständlich auch eine Habilitation nicht nötig. Weiter ist unwahr, daß„keine einzige wissenschaftliche Leistung" vorliegt, er hat vielmehr ein« Reihe anerkannter Schriften geschrieben. Unwahr ist die Behaup- tung des Fräulein Vaerting, daß ein Artikel in der Jenaer Zeit- schrift für Naturwissenschaft„nur zusammengeschriebene Ansichten anderer Leute" enthält. Wahr ist, daß dieser Aufsatz über„Eni- Wicklungsgedanke und Artbegrifs" manche neue Angaben und kritische Gedanken enthält und daher in der Fachpresse sehr gunstig beurteilt worden ist. Da eine Berufung überhaupt nicht erfolgt ist, kann auch ein„Bcrufungsskandal" nicht vorliegen." « Zu dieser Berichtigung schreibt uns Prof. M. Vaerting: „Prof., Plate von der Universität Jena, der seit Jahren die frühere saziolistische Regierung in Thüringen wegen angeblich leichi- fcrligcr Berufungen angreift, hatte sich nicht gescheut, seinen Freund viid Mitarbeiter Uhlmann ohne Habilitation und ohne entsprechende lailieiüchastliche Leistungen als Professor an die Uiiioersität Jena zu lancieren. In seiner Berichtigung entkräftet er den erhobenen Bor- wurf nicht, sondern bestätigt ihn in vollem Umfange. Herr Plate er selber, wäre nicht der Mann der kleinen Psiffe und Kniffe, wenn er nicht sein Schreiben noch gleich zu einigen Ausflüchten Michaelisscher Art benutzte. Obwohl ihn der Ausschuß' nur um die Echtheit des Briefes und nicht um feine Ansicht befragt hat, fährt Michaelis fort: Mir ist nicht erfindlich, warum zu meiner Aeußerung über die Iuli-Resolution des Jahres 1917 in dem Brief an den Kronprinzen jetzt mtt ganz besonderer Lebhaftigkeit und Anfeindung Stellung genommen wird, als wenn es sich um ein ganz neues„G e- ftändnis"(vgl. den Artikel des„Vorwärts" vom 1. Oktober) meinerseits handelt. Ich habe in meinem Buch„Für«taat und Volk" auf Seite 324 ff. inhaltlich dasselbe gesagt, und habe dies auch mit den damaligen Vertretern der Parteien in wgelangen Ver- bandlungen oft zum Ausdruck gebracht.(Es folgt ein Zitat aus dem Michaelisschem Buche. Red. d.„Vorwärts".) Hieraus dürfte sich ergeben, daß meinerseits eine Täuschung nicht beabsichtigt oder gar durchgeführt worden ist, stmde>'n daß ea sich um offene Verhandlungen über die mir bedenklich erscheinende Friedcnsresolution gehandelt hat. Michaelis spekuliert wohl doch etwas zu stark auf die Vergeßlichkeit der Welt. In den Verhandlungen jener Zeit kam es in allererster Linie darauf an, daß die Regierung in öffentlicher Sitzung sich gleichzeitig mit der Mehrheit des Parlaments auf den Boden der Resolution stellte. Das war Ziel und Zweck der Verhandlungen, und das hatte Michaelis nach Hin und Her schließlich z u g e s a g t. Er gab dann auch, wie ausgemacht war, die Erklärung ab, daß die Regierung der Friedensresolution des Reichstags zu- stimme, aber er entwertete diese Erklärung, ja verkehrte ihre Wirkung für das Ausland ins Gegenteil durch den berühm- ten Zusatz„wie i ch sie auffasse". Liest man nun, daß gleich nach dieser Tat Herr Michaelis an den Kronprinzen die Sätze schrieb:„Die berüchtigte Resolution ist... angenommen. Durch meine Interpretation derselben habe ich ihr die größte Gefährlichkeit geraubt. Man kann schließlich mit der Resolution jeden Frieden machen"— so ist hier für jeden Denkenden der Beweis der Hinterhältigkeit klar gegeben. Wir glauben Herrn Michaelis, daß er das nicht begreift. Er vermag es nicht einzusehen, weil solches Handeln durch- aus der geistigen Atmosphäre des Muckertums entspricht, in der Herr Michaelis lebt und von der einmal witzig gesagt worden ist: Im Pietismus betrügen die kleinen Leute den lieben Gott und glauben, er merkt's nicht.— Erst üeutschnational, dann Kpd. Aus dem Werdegang eines kommunistischen Spaltpilzes. Die Sozialdemokratisch« Partei hielt in Strasburg/ U. kürzlich «in« öffentliche Versammlung ab, in der der Gen. K r ü H e r-Branden- bürg über den Bürgerblock im Reich und die deutsche Arbeiterklasse sprach. Als Diskussionsredner war der kommunistische Landtags- abgeordnete Sasper-Berlin erschienen, der die Aufgabe hott«, die Tätigkeit der Sozialdemokratie einer.zernichtenden"-Kritik zu unterziehen. Schon während der ersten Ausführungen des sozialdemokroti- schen Redner« wurde Kasper gesagt, daß er als ehemaliger deutschnationaler Handlungsgehilfe am oller- wenigsten geeignet ist, Kritik an der Arbeit der Sozialdemokratie zu üben, die schon in der Lorkriegszett Jahrzehnte hindurch'für die minderbemittelten Bevölkerungsschichten wirkt«. Auf diese Ausführungen müßte Kasper in seiner Diskussionsrede antworten uird erklärte, daß er von 1907 bis 1914— voll« sieben Jahre lang— dem deutschnationalenHandlungsgehilfen- verband angehörte, 1916 Mitglied der SPD. geworden sein will. dann Mitgliedder USPD. wurde, um nach der Spaltung der USPD. in Halle durch den damaligen Allbeherrscher, jetzt abgesägten Führer der Kommunistischen Internationole, Sinowjew. zur APD. überzutreten. Daher das Bemühen dieses„Arbeitervertreters",-durch Spaltarbeit den Deuffchnationalen zu helfen. gibt, genau wie es hier dargestellt war. zu. daß Uhlmann ohne vorherige Habilitation zum außerordentlichen Professor er- nannt ist. Eine grobe Unwahrheit ist es aber, daß— wie Plate behauptet— zu dieser Ernennung«ine vorherige Habilitation als Privatdozent nicht nötig sein soll. Nach der Hauptsatzung der Uni- vcrsität Jena können mir Privatdozenten und zwar in der Regel nach sechsjähriger Bewährung in Lehre und Forschung zu nicht- beamteten außerordentlichen'Professoren ernannt werden. Keine dieser Voraussetzungen trifft bei Uhlmann zu. insbesondere hat er sich— wie Plate selbst zugibt— nicht habilitiert, war also nicht Privatdozent. Seine Ernennung� ist also, abgesehen von allem an- deren, auch in der Hinsicht ein Skandal, daß sie gegen die Haupt- satzung oerstößt, und Herr Uhlmann tonnte nach den Statuten der Universität allerhöchstens einen Lehrauftrag erhasten. Herr Plate sucht schließlich noch die wissenschaftlichen Verdienste seines Freundes Uhlmann zu retten. Er schreibt, daß Uhlmann' eine „Reihe anerkannter Schriften" verfaßt hat. Es ist bezeichnend für Plates Kampfesweise, daß er kein« dieser Schriften nennt. Uhl- mann selbst hat offiziell als seine„Werke" nur seine Dissertatio». und den von mir erwähnten Aufsatz in der Jenaer Zeitschrift für Naturwissenschaft angegeben, der sich für jeden Leser selbst chorak- terisiert. Wenn Plate derartig« Leistungen als ausreichend für eine Ernennung zum außerordentlichen Professor verteidigen will, dann ergeben sich ungeahnte Perspektiven für die akademisch« Laufbahn. Schließlich schreibt Herr Plate. Uhlmann sei nicht Kustos, son- dern Konservator des Museums. Um so schlimmer, denn da der Konservator im amtl'chen Verzeichnis hinter dem Kustos rongiert. so wird die Basis für die Ernennung Nhlmanns noch gerinasügigor. als sie ohnehin schon ist. Noch ein Kleist- Skandal. Zum 15». Geburtstag von Heinrich v. Kleist hatte die Kleist-Stiftung einen Aufruf an die deutschen Bühnen erlassen, das Dichterhonorar für ein am 18. Oktober aus- geführtes Kleist-Werk in dem Umfange, wie heute die Dichter es zu empfangen pflegen, der Kleist-Tliftung für ihre Aufgaben zu Ipen- den. Dannt sollten die Buhnen daran mitwirken, weniq bemittelte Dichter deutscher«spräche, insbesondere Dramatiker, die noch um Anerkennung ringen, jährlich so zu fördern daß ihnen das Meist- Schicksal erspart bleibt. Außerdem hat die Kleist-Sttftung sich an 140 deutsche Großindustrielle und Grohfinan- ziers gewandt, mit der Bitte, zum Gedenktag des Dichters zu einer Stärkung des Stiftungsfonds beizutragen. Das Ergebnis bei- der Aufrufe, wenigstens son-eit es jetzt vorliegt, ist beklagensw.-rt geringfügig. Obwohl der Aufruf an die Bühnen vom Bühnenoer'ein geprüft' und unterstützt worden ist, sind Zusagen von dieser Seite bis jetzt überhaupt nicht eingegangen. Wenn auch die Kleist-Stis- tung mit der Möglichkeit rechnet, daß noch einzeln« Beträge über- wiesen werden, schätzt sie doch das Ausmaß eines solchen Erfolges sehr gering ein. Von den Wirtschastssührern, die man um ihre Unterstützung gebeten hat. haben überhaupt nur vier geantwortet. obwohl mit reiflicher Ueberlegung nur solche Persönlichkeiten auf die Liste gesetzt morden waren, von denen man mit einiger Wahr- jcheinlichkcit eine zustimmende Antwort erwarten konnte. So ehren die Hilgenberg und Konsorten den großen deutschen Dichter, den sie durch ihrc Literaturb-slissenen für ihr« nationalen Belange in Anspruch zu nehmen die Frechheit haben. 400 Millionen Massensteuer mehr! Die Reichsfinanzen April— September 1927. Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht soeben die Heber- ficht über die Einnahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben in der Zeit vom j. April bis zum 30. September 1927. Damit läßt sich die Entwicklung der Reichssteuereinnahmen im ersten Halbjahr des laufenden Rechnungsjahres verfolgen. In der nachstehenden Uebersicht werden die Gesamteinnahinen und die wichtigsten Massen- und Vesitzsteuern mit dem Voranschlag für sechs Monate und dem Aufkommen der entsprechenden Zeit der Jahre 1926 und 1926 gegenübergestellt. April, Sept. 1927 Auskomm. Boranschl. 1926 1925 in Millionen Mark Gesamt...... 4115,4 3875 3359 6 3584,1 Maisenbelastung. 2650,0 2385 2236,1 2659,7 davon Lohnsteuer.... 640,7 550 530,5 749,7 Umsatzsteuer.... 871.8 450 430.5 799,3 Beiömrungisteuer. 181,1 162,5 159,8 174.0 Zölle...... 628,0 445 414.1 259,6 Verbrauchssteuern. 825,3 777,5 710,0 720,9 Besitzbelastung.. 1464,5 1490 1123,5 924.4 davon Eintommensteuer.. 610,9 710 507,3 380,9 Korperschaslssteuer. 239,6 200 197,8 93,8 Vermögenssteuer.. 200.0 235 116.3 83,7 Erbschaftssteuer.. 33,1 50 12,0 14,8 Aus der Uebersicht ergibt sich zunächst, daß die gesamten Reichs st euereinnahmen im letzten Halbjahr vier Milliarden übersteigen. Davon entfallen 2660 Millionen auf die Massenbelastung und 1 464 Millionen auf die Besitzbelastung. Die M a s s e n st« u e r n haben also wi« in den Vorjahren wiederum rund zwei Drittel der Gesamteinnahmen aufgebracht. Die größte Massensteuer ist die Lohnsteuer mit 649 Millionen, jedoch wird ihr Ertrag von den Zöllen fast erreicht, aus denen 628 Millionen aufgekommen sind. Bei der Besitzbelastung stehen die veranlagte Einkommensteuer mit 610 Millionen, die Körper- schaftssteuer mit 240 und die Vermögenssteuer mit 200 Millionen an der Spitze. Vergleicht man das tatsächliche Aufkommen mit dem Vor- anschlag für" sechs Monate, so ergibt sich«in Ueberfchuß von rund 240 Millionen. Dieser Ueberschuh stammt allein aus den Massensteuern, die den Voranschlag um 260 Millionen über- schritten haben, während die Besitzsteuern um 26 Millionen da- hinter zurückbleiben. Vergleicht man bei der Massenbelastung Voranschlag und Aufkommen im einzelnen, so zeigt sich, daß Zölle und Verbrauchssteuern einen Ueberfchuß von 235 Millionen geliefert haben, von dem allein 180 Millionen auf die Zölle ent- fallen. Die amtliche Erläuterung führt das Mehraufkommen an Zöllen zum wesentlichen Teil auf die außergewähnlich hohe Getreideeinfuhr zurück, die infolge der ungünstigen Ernte des Vorjahres und teilweis« wegen der unzulänglichen Qualität des Getreides aus der diesjährigen Ernte erforderlich gewesen ist. Di« Mchreinnahmen des Reichs aus den Zöllen sind also zum großen Teil tatsächlich Mehreinnahmen au» der vrolsteuer. Die Lohnsteuer hat den Voranschlag um 90 Millionen überschritten, da ihr Aufkommen für das laufende Rechnungsjahr nur- auf 1100 Millionen geschätzt worden ist. Gegenüber dem gesetz- fichcn Höchstauftommen von 1200 Millionen betrügt die Ueber- schreitung 40 Millionen und, wenn man die Erstattungen ein- rechnet, 60 Millionen. Nur die Umsatzsteuer bleibt um 80 Mil- lionen hinter dem Boranschlag zurück, aber nach der Ansicht des Reichsfinanzministeriums wird das Auskommen im Winterhalbjahr steigen. Bei der Besitzbelastung weist die Einkommen st euer einen Fehlbetrag von rund 100 Millionen aus. für den das Reichs- sttionzministerium kein« Erklärung gibt. Dagegen erklärt das Reichs- finanzminifterium den Minderertrag bei der Vermögens- st euer in Höh« von 35 Millionen mit dem Rückstände der Ver- anlagung unb den FehSbetrag bei der Erbschaftssteuer von t? Millionen mit umfangreichen Stundungen. Einen teilweisen Ausgleich bringt das Mehrauskommen de? Körperschasts- steuer mit 40 Millionen und das der Kapitalertrags- st eu er mit 27 Millionen. Ein Vergleich der Ergebnisse des ersten Halbjahres 1927 mit dem gleichen Zeitraum der Rechnungsjahre 1926 und 1926 zeigt, daß das Gesamtauskommen in diesem Jahre um 750 Millionen höher war als 1926 und um 630 Mil- lionen höher als 1926. von diesen Mehreinnahmen brachte die Massenbelastung allein 400 Millionen im Vergleich mit 1926. und zwar sind die Einnahnum aus der Lohn st euer um mehr als 100 Millionen, die aus Zöllen um mehr als 200 Millionen gestiegen. Im Vergleich zu 1925 hat die Massenbelastung nahezu den gleichen Ertrag gebracht. Sic ist also nach Ueberwindung der Wirtschaftskrise trotz der wiederholten Ermäßigung der Umsatzsteuer nicht gesunken, weil andere Massensteuern, insbesondere Zölle und Verbrauchssteuern, gestiegen sind. Di« Verbrauchssteuerneinnahmen sind gegenüber den beiden Vorjahren um 100 Millionen gestiegen, die Zollerträge haben sich im Vergleich mit 1926 um 214 Millionen, mtt 1926 sogar um 368 Millionen erhöht. Auch die Besitzbelastung weist gegenüber den beiden Vorjph"" beträchtliche Steigerungen aus, aber diese Mehrerträge besagen einstweilen nur, daß in diesem Jahre die Veranlagung schneller vorangekommen ist. Sie berechtigt noch nicht zu der An- nähme, daß im ganzen Rechnungsjahr ähnlich« höhere Einnahmen erzielt werden. Di« Ueberschreitung des Voranschlags durch die Massenbelastung um 250 Millionen, die Zunahm« ihrer Ertröge gegenüber dem Vorjahre um mehr als 400 Millionen und insbesondere das un- geheure Anwachsen der Zollbelastung machen eine Ermäßigung der Mossenbelastung dringend notwendig. Diese Ermäßigung kann wirksam nur durch eine beträchtliche Senkung der Lohnsteuer erreicht werden. Die Herabsetzung der Lohnsteuer muß erfolgen, weil sie den gesetzlichen Halbjahres- ertrag von 600 Mllionen überschritten hat, und sie muß außer- dem einen.Ausgleich für die Steigerung der anderen Masten- steuern bringen. Deshalb verlangt der sozialdemokratische Gesetz» entwurf über die Senkung der Lohnsteuer die Heraufsetzung des steuerfreien Existenzminimum» von 100 auf 140 Mk. monatlich. Rur wenn dieser Gesetzentwurf vom Reichstag angenommen wird, ist die Senkung der gcfawken Masteabeiastuog auf ein erträgliches Maß möglich._ D r. Erich Reimer. 3m vetliuro-vrozeß wurden die ersten Zeugen verhört, ins. besondere die Polizisten, die den Mörder aus der Straße festnahmen. Sie wissen nicht viel Neue» mitzuteilen. Hürtners Schuld am Schweyer sagt aus. Schwere Anklagen gegen Giirtner und Knilling. München, 19. Oktober.(Eigener Bericht.) Der Parlamentarische Untersuchungsausschuß des Bayerischen Landtages nahm am Mittwoch seine Sitzungen wieder auf. Das steigende Jritereste an den Verhandlungen war durch die Anwesen- heit zahlreicher Mitglieder des Landtages und die große Beteiligung der Presse gekennzeichnet. Der Äusschußvorsitzende Abg. S t a n g teilte zunächst«in Schreiben des Ministerpräsidenten mit, wonach der zu vernehmende Zeuge Dr. Schweyer von der Verpflichtung zur Wahrung des Amtsgeheimnisses entbunden ist. Es folgte nun die Vernehmung des ehemaligen Polizeiministers Dr. Schweyer. Ihm wurden folasnde zwei Fragen vor- gelegt: 1. Welche staatspolitischen Gründe sprachen für die Durch- fühning des Strafverfahrens gegen Hitler und Genossen? 2. Hätten die Sicherheitsverhältnisse im August 1923 die Durchführung dieses Verfahrens gestattet? Schwerer packt aus. Dr. Schweyer schildert die Entwicklung der innerpolittschen Ver- Hältnisse vor dem Jahr« 1923. Nach Niederwerfung der Räterepu- blik— so führte er aus— trat die kommunistische Gefahr in Bayern nur mehr wenig in Erscheinung: mit den Kommu- nisten konnte die Polizei ziemlich leicht fertig werden. Dazu kam, daß sich die Regierung im Kampf gegen den Kommunismus auf«in« durchaus zuverlässige polizeiliche Macht stützen tonnt«. Es war nicht schwer, ein« geschlossene Einheitsfront gegen links herzustellen. Anders war es bei Angriffen von Rechtsradikalen, hier handelte es sich mehr und mehr um den herankommenden Kampf um die Macht im Staate überhaupt. Es liegt ein« gewisse Tragik darin, daß die durchaus nationale Regierung Knilling ihre«igent- lichen politischen Schwierigkeiten zum großen Teil bei Anhängern von Parteien fand, die in der Koalition vertreten waren. Das kam daher, dag die Hitlerbewegung als nationale vaterländische Bewe- gung viel länger galt, als sie es in Wirklichkeit war. Es war nun schwer für eine nationale Regierung, gegen etwas anzukämpfen, was in weitesten Kreisen als etwas Nationales gat. Der vollzeimlnister halle die beste Gelegenheik. Kenntnis von der Gefahr dieser ver. kannten nationalen Bewegung zu erhalten. Dadurch trat schon eine Differenzierung der Auffassung im Kabinett zutage. Die Miß- liebigteit des Polizeiminister» steigerte sich allmählich zum grimmigen Haß der Hitlerleute. E» kam zur Isolierung des Vollzeimiuiflers gegenüber den valerländlschen verbänden und sogar gegenüber einigen seiner Kollegen. Der Unterschied in der Auffastung des Kabinetts war der: Knilling und Gürtner vertraten die Politik der Versöhnung und Wiedergewinnung, während ich die Politik des starken Zu- greifen« und der restlosen Androhung der staatlichen Machtmittel gegen alle Uebergrlffe vertrat. Knilling glaubte, die Vaterländischen und die Radikalen unter einen Hut zu bringen, ich aber hielt das für unmöglich. Auch Kohr hatte bekanntlich diese Versöhnungs- polittk betrieben, auch er war ohne Erfolg geblieben. Durchaus unklar waren auch di« Verhältnisse zwischen Reich». wehr und Landespolizcl. Es hat Zeiten gegeben, wo der Vo. lizeiminlster nicht sicher sein konnte, ob dtese beiden wirkliche Machlinsirumente waren, wenn es galt, rechtsradikalen Ele. menien entgegenzutreten. Der Chef der L a n d e s p o l i z e i machte aus feiner Einstellung kein Hehl, so dost man sich nicht zu wundern braucht, wenn die Landespolizei vom gleichen Geist« erfüllt war. Er hatte sich ü b e r- Haupt viel zu viel mit Politik befaßt. Zu den Vorgängen des 1. Mai erklärt« der Zeuge, daß aller. dings ein« erhöhte kommunistische Propaganda festzustellen war, von irgendwelchen Uebergriffen von links aber keine Rede sein konnte. Dagegen standen von rechtsradikaler Seije solche Ueber- grifse in Aussicht, besonders nachdem der politische Berater der Kompfverbände, der frühere hustizminister Dr. Roth, am 30. April von der Regierung den Ausnahmezustand und Aus- ruf der Notpolizei(Vaterländische Verbände) verlangt hatte. Mit wenigen Worten schilderte dann Dr. Schweyer die bereits be- kannten Tatsachen des 1. Mai. Dabei betonte«r ausdrücklich, daß man ihn als den zuständigen Polizeiminister in keiner Weife von dem bevorstehenden bewofsnelen Auflrelen der Sampfoerbör.�e ver- ständigl halte. Er fei direkt ausgeschaltet worden, was um so merk- würdiger berühre, als der Chef der Landcspolizei, Oberst vou Seiner. Sennmis von dem Aufmarsch Halle, und seinen vorgesehlen Minister psllchlgemäß hätte ins vild sehen müssen. Schwere finkiagen gegen Gürtner.— Cin Sries kahrs. Am 3. Mai hat der Innenminister die Anzeige gegen Hitler und Genossen wegen Vergehens gegen§ 127 des Stras- gesetzbuches erstattet und im Bcrlauf der Monate wiederholt beim Justizministerium über den Stand des Verfahrens nachfragen lasten, zuletzt Ansang September 1923. Immer aber hat er die Auskunst erhalten: Die Vernehmung ist noch nicht abgeschlossen, das Verfahren ist noch nicht gereift. Zustizminisler Gürtner Hot die Frage der ver- togung de» Versahrens auch niemals im Ministerral angeschnitten. Es fällt mir schwer, zu glauben, so erklärte Schweyer. daß diese Unterlassung n u r Z u f a l l sein soll. Das Sensqtionellste der Darlegungen Schweyers bestand nun in der Verlesung eines Briefes, den der General st aats- kommissar von K a h r am 30. Mai 1924, also nach dem Hnlcr- Prozeß, dem Zeugen geschrieben hat und dessen Inhalt das Verhalten Gürtners in besonders scharfem Licht zeigt. Der Brief hat folgenden Wortlaut: „Man macht mir im Ministerkollegium hauptsächlich den vor. wurs, daß die Hiller-Bewegung nicht früher unterdrückt wurde. Wenn die Staatsregierung das wollte, so war der Zeitpunkt für ein solches handeln nach dem innen- und auhenpolitijch unheilvollen Austreten hillers am 1. Mai 1923 gegeben. Das damals einzuleitende Strafverfahren hätte sich angesichts der großen Erbitterung in diesen Kreisen ohne erhebliche verwick- lungen, ohne besonders schwere Slrassolgen für die Belettigien und ohne politischen Skandal abwickeln lassen. Bayern hätte dann Ende September keinen General slaats- kommissar gebraucht und mir. der bayerischen Re- gierung, dem bayerischen Staate und dem Reich wäre die Katastrophe vom November 1923 und die noch größere Katastrophe des h i t l e r. V r o z es s e s erspart geblieben. Es war ober nicht meines Amtes als Reglerungspräsident von Oberbayern, Im Frühjahr 1923 einzugreisen. Euer hochwohlgeboren haben vielmehr bei unserer jüngsten Unterredung vom 23. Mai ohne weiteres erklärt, daß Sie dieses vorgehen für notwendig gehalten hätten, daß hier ein Versäumnis der Staalsreglerung vorliege und daß bei einer solchen rechtzeitigen Bereinigung späteres Unheil vermieden worden wäre." Bei der Erörterung der Gründe, die für die Durch- sührung des Versahrens gesprochen haben, erklärte der Zeuge Dr. Schweyer, daß es sich für ihn darum gehandelt habe, die Staats- autoritüt zu wahren und gegen die rechtsradikale Bewegung ein Exempcl zu statuieren. Die Nichtdurch sührung des Verfahrens war ein förmlicher Anreiz für Hitler. Die Verurteilung und Vollstreckung der Strafe hätte zweifellos eine günstige Wirkung bei breiten Valksmasten in ihrer Einstellung zu Hitler gehabt. Die Verurteilung Hitlers war für mich vollständig glatt, und wenn Zustizminisler Gürtner daran rweiselt. so stellt er m. E. der Zustizverwai- tung ein schlechtes Zeugnis aus. Wenn man aber nicht sofort das Ver- fahren hätte durchführen wollen, so hätte man mindestens die Bewährungsfrist für Hitler betreffend seiner drei Monate Gefängnis wegen Landfriedensbruchs sofort prüfen müssen. Auch das ist bekanntlich nicht geschehen. Es kann auch gar keine Rede davon sein, daß zwischen mir und dem Kabiysttschef Knilling so tiefgehende Konflikte bestanden hätten, daß unsere Aussage in einem Prozeh gegen Hitler eine Katastrophe süp die bayerische Regiernng bedeutet hätte. Im Lbrigest hätte die Polizei den Schutz der Prozeßführung zweifellos gewährleiiren können. Und gegen eventuelle lanoesverräterisch« Betätigung Hitlers in diesem Prozeß hätte man mit einer Reihe von Mitteln vorbeugen können. ?ln die Darlegungen Schweyers knüpfte sich eine lange Fragestellung, die aber im wesentlichen keine neuen Gesichtspunkte ergab. Die Bcweisanträge des Mitberichterstatters Dr. H o s g n e r wurden mit Ausnahme des Antrages über die Beziehungen der Kampfper- bände zur R e i ch s r e g i e r u n g vorerst zurückgestellt. Der Aus- fchuß will über diesen Beweisantrag noch Beschluß jassen und dann über den Komplex vom 1. Mai 1923 Feststellungen treffen., Nächste Sitzung Donnerotag nachmittag. Das kommt davon! Der Nackttanzschwindel kehrt sich gegen seine Urheber. Man erinnert sich noch der wüsten Hetze, die bei den letzten Stadtverordnetenwahlen von den Deutschnationalen in Presse und Versammlungen wegen angeblicher„Nackt- tanze" in Berliner Volksschulen getrieben wurde. Auf die Berliner Wähler, die den Schwindel leicht durchschauten, hat die verlogene Giftmischerei wenig Eindruck gemacht. Dafür kann sich aber jetzt die Deutschnationale Partei rühmen, dem deutschfeindlichen Ausland einen neuen„Beweis" für das deutsche Barbarentum geliefert zu haben. Ohne Parteiunterschied hat jüngst die gesamte deutsche Presse gegen die völlige Unterdrückung des deutschen Schul- wesens in Südtirol durch den Faschismus protestiert. Jetzt antwortet darauf die in Rom erscheinende Mussolinische „Trchuna"— mit den deutschnationalen Hetz; lügen aus dem letzten Berliner Wahltampf! Die italienische Schule Südtirols, so schreibt die„Tribuna", sei frei von jedem Makel, in ihr führe man keine Nackt- t ä n z e auf wie in Berliner Gemeindeschulen, ihre Schüler und Schülerinnen seien nicht zu 40 Prozent g e s ch l e ch t s- krank, wie das in Berlin der Fall fei.— Mit diesen Ausführungen erregt natürlich die„Tribuna" den Zorn der deutschen Patrioten. In großer Erregung erwidert die „Deutsche Tageszeitung": Das saschistische Regime ist, wie bekannt, selbst äußerst empfind- lich gegenüber der Bcrbreitung von Nachrichten, die es in eine un- günstige Beleuchttmg rücken könnten, auch wenn es sich nur um eine wohlbegründcte Kritik handelt. Was würde man in Italien sagen, wenn ausländische Korrespondenten ähnliche beleidigende Behauptungen hinsichtlich italienischer Zustände oerbreiten wollten? Beleidigende Behauptungen? Ach. siehe da! Niemand anders als die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei hat der „Tribuna" den Stoff zu ihren beleidigenden Behauptungen gegen Deutschland geliefert! Und nun, wo das Zlusland ihre Lugen für bare Münze nimmt, beschwert sie sich im Tone des gekränkten Biedermannes. Patrioten! Jugenüfeknüliches Sürgertum. In der fortgesetzten Beratung über die Grenzen des Straf- mündigkcstsalters führte Genossin Pfüls im Strafgesetzausschuß aus' Schon die Tatsache, daß sovieleIugendlicherücksällig würden, nötige zu einer Aenderuno der bestehenden gesetzlichen Be- 1 stimmungen. Man müsse die hoy« Jugendkriminalität nicht mtt Strafen bekämpfen, sondern müsse dies mit Erziehungsmaßnahmen tun. Man setze die Jugendlichen in normale Lebensbedingüngen. und sie werden kaum noch mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wenn so viele Bestrafungen von Jugendlichen zu verzeichnen seien, so liege das an den ungünstigen sozialen Verhält- nissen, in denen sich die Aktivität, die in der Jugend stecke, dahin auswirke, daß strafbare Handlungen begangen würden. Mit Straf- maßnahmen, wie sie nach den Sachverständigen zu geben seien, weil die Jugendlichen erst im Gefängnis zur Ruhe kämen, schaffe man das große Verbrechertum nicht ab. Brutale Gesetze bruta- li s fe r e n das Volk e r st. Die Heraussetzung des Strafmündig- keitsalters werde zur Besserung der Lerhällnistc führen. Abg. Schetler(Z.) widersprach den sozialdemokratischen An- trägen. Die Gutachten der Sachverständigen könnten wohl bei der Beurteilung eines einzelnen Falles zur Straffreiheit oder Straf- Milderung führen. Auf Grund dieser Gutachten könnte man aber nicht so weh gehe», generell die Straffreiheit aller noch nicht Sech- zehnjährigen einzuführen. Auch der katholische Charitas- verband, der sich besonders auf Kenner der Jugend stütze, wünsche keine Abänderung der geltenden Bestimmungen. Wenn diese Sachverständigen der Ansicht seien, daß es bei dem jetzigen Strafmündigkeitsalter von 14 Jahren verbleiben solle, so sei dies ganz gewiß richtig. Abg. Sloecker(Komm.) verlangte Heraufsetzung des Straf- mündigkeitsaltecs auf 16 Jahre. Genossin Stegmann unterstützte als A e rz t i n die sozialdemo- kratischen Anträge. Strafen in Gefängnissen, wie sie meistens heule aussehen, bessern nicht, da viele Gefängnisse noch immer Schulen des Verbrechertums feien. Erster Erziehungs- grundsatz sei Schaffung einer guten Umgebung. Die praktische Erfahrung in guten Erziehungsanstalten beweise, wie stark die Atmosphäre besiornd wirke. Genosse Socnger stellt gegenüber einer Bemerkung des kommu- nistischen Redners fest, daß das russische Stras recht zwar aus vielen Gebieten große Fortschritte gebracht habe, im Jugend- st ras recht aber bourgeois geblieben sei. Zn Rußland höre die Slrasunmündigkeil auch schon'mil 14 Zahren auf, die volle Strafmündigkeit beginne ober schon mil 16 Jahren. Er wünsche, daß die Kommunisten chren russischen Freunden die Bitte noch Heraufsetzung des Jugendstrafalters überbrächten. Bei der dann folgenden Abstimmung wurden die sozio l, demokratischen Anträge auf Verlängerung des Stro'- Unmündigkeitsalters bis zum 16. Lebensjahre und Heraujsctzung der vollen Strafmündigkctt aus 20 Jahre abgelehnt. Rur Sozialdemokraten und Kommunisten stimmten für diese Anträge, alle bürgerlichen Parteien, auch die Demokraten, lehnt?» sie ab. Da» Disziplinargericht der Regierung in Oppeln erkannte gegen einen Lehrer aus dem Kreise Rosenberg als Strafe ans Entlassung aus dem Dienst, weil er am Verjassungsioge 1976 in einer Gastwirtschoit in Rosenberg eine schwere Verhöhnung der rep-udlikanischen Farben oerübt hat. /- I Der Streik steht glanzenö! Die Werksluge« blühen.- Die Unternehmer schreien nach„Schuh". Golpa-Zschornenilh. 19. Oktober.(Eigenbericht.) Oer Ztrbeitgeberverband serviert alltäglich der Bevölke- rurtg seinen Situationsbericht. Nach diesem Bericht ist im Streit- revier„alles in Butter". Die Zahl der Streikenden, so wird be- richtet, nimmt ob, die Gruben arbeiten, und wo sie nicht voll arbeiten, verhindert angeblich der Terror der Streikenden die Arbeitswilligen, zur Arbeit zu gehen. Einen Haken haben diese Berichte der Unter- nehmcr. Wo man gerade ist, sieht man, daß der Streik mustergültig durchgeführt wird. Es gibt so gut wie gar keine Streikbrecher. Die öfscntliche Ruhe wird nirgends gestört. So kommt man auf den natürlichen Gedanken, ob es vielleicht anderswo anders ist. Roch dem Unternehmerbericht soll es im Bitterselder Bezirk ganz toll zu- gehen. Fahren wir also nach Bitterseld. Der Weg geht durch eine Landschaft, die nicht ohne Reiz ist. Interessanter ist das industrielle Bild. Da ist das Kraftwerk B u l t e n st e i n der Reichsbahn, weit herum die noch unverritzten Kohlenfelder, deren sich die Reichsbahn oersichert hat. Bor Gräfenhainichen liegt das chemische Werk Stolzen- bürg, wo man dereinst Sowjet-Giftgase fabrizierte: dann kommt das mächtige Zschornewitz, mit einer Riesenleistung von 140 000 Kilowatt pro Tag, und nicht weit davon dehnt sich die Grube Golpa aus. 9500 Tonnen Braunkohle liefert diese Grube pro Tag. um den unersälllichen Riesen Zschornewitz zu sättigen. Nach Weisung der Z e n t r o l st r e i k l e i t u n g, die in Zschornewitz genau durch- geführt wird, fördern die von den Gewerkschaften gestellten Not- standsarbeiter seht täglich 4000 Tonnen. Mit Hilfe der vorrätigen Bunkerkohle kann Zschornewitz den Betrieb mit diesen 4000 Tonnen noch aufrechterhalten. Bitterfeld, unweit von Zschornewitz gelegen, ist eine Sache für sich. Seit 1904 hat sich die Bevölkerung vervierfacht. Es ist eine amerikanische Entwicklung, die sich hier dem Besucher darbietet. Hier liegen die Betriebe der JG. Farbenindustrie. Themie ist hier Trumpf. Gemeines Tonzeug, auch Steingut und Porzellan werden hier fabriziert. 40 000. Menschen zieht die Industrie hier in in ihren Werkstätten zusammen. Die Industrie stützt sich durchweg auf die Braunkohle. Links und rechts der wenigen Straßen in Bitterfeld befinden sich die Vergarbciterwohnungeo. Hier haust der Bergmann, der jetzt im Streit steht, wenig bezahlt. Man muß sich wundern, daß diese Leute mit dem spärlichen Lohn auskommen. Demzufolge ist auch in zahlreichen Familien bei dem Nachmuchs Unterernährung festzustellen. Wir tun uns um und fragen, wie es mit dem Streik steht und ob es zu Ruhe- stärungen gekommen ist. Der L a n d r a t von Bitterfeld gibt uns freundlicherweise Auf- klärung über den Stand des Streiks nach den Polizeiberichten und den angeblichen Terror. Jeder Meldung über Terror durch die Streikenden ist vom Landratsamt genau nachgegangen worden. Sie laufen mosienweise durch die Werksverwaltungen ein. Di« Prüfung ergab In allen Fällen ihre Unrichtigkeit. Aehnlich steht es mit den Meldungen des Unternehmertums über die von Streikbrechern geleistete Arbeit. Bon der Zeche H e r m i n e im Bitterfelder Bezirk behauptet ein....... Sommuuigo« des Uukernehmertums. daß die Zech«„voll in Betrieb" ist. Wir tonnten feststeUe», daß von HZ Mann Belagschaft nur sieben Manu zur Arbeit erschienen sind. Bon der Zeche Leopold wird durch den Arbettgeberoerband behauptet, daß sie„zum Teil" ruht. In Wirklichkeit sind von den 700 Mann nur 20 erschienen, und diese 20 Mann find Notstandsarbeiter, um die abhängigen Bezirke mtt Licht und Kraft zu versorgen. Auf der Zeche Theodor soll nach dem Kommunique der Unternehmer angeblich die Seil- bahn noch laufen. Wir stellten fest, daß die Seilbahn wohl läuft, aber mit leeren Wagen. Die Greppwer Werke sollen angeblich noch zu 50 Prozent chror Leistungsfähigkeit be- fchäftigt sei». In Wirklichkeit sind aus dem Werk von 250 Mann Belegschaft nur 25 erschienen. Bon den elf Gruben im Bitter- selber Dezirk mtt einer Belegschaft von 3680 Mann streiken 3363 Mann. Wie man hier davon reden kann, daß die Stteikparole nicht befolgt«urde. wird ewig ein Räiscl bleiben. Zuversichtliche Stimmung der öevölkerung. halle, 19. Otto der.(Eigenbericht.) Di- Lage im Streikgebist hat sich im Laufe des Mittwochs weiter zugunsten der Streikenden gebessert. So wurde z. B. die Zeche Roßbach in Geiseltal, wo bis jetzt gearbettet worden ist, stillgelegt. Auch auf der Zeche Klara III im ostelbischen Braunkohlcngcbiet ist der Betrieb eingestellt worden. Am Mtttwoch traten auch die Angestelltenverbändc zusammen. Sie be- schlössen, daß die Slreikarbeit durch Angestellte zu unterbleiben hat. Auf einzelnen Werken hat man nämlich die Angestellten dazu benutzt, Förderarbeiten durchzuführen. Am Donnerstag dürste damit Schluß gemacht werden. So steht das ganze Gebiet in seltener Einmütigkeit im Kampf. Was am Sonntag noch bezweifell wurde, ist Tot- fache! Streikarbett wird nur in minimalem Umfange verrichtet. Sie m "o©no/Äsc/iÄA" Herren ffoft I ist für den Ausgang des Kampfes nicht von WIchtigkett und von Bedeutung. Der Kampf wurde auch am Mittwoch mustergültig durchgeführt. Ruhestörungen sind nicht zu verzeichnen. Die Stimmung der Bevölkerung ist zuversichtlich. 4- Die Zeche Fernando, die nichr zum Arbettgeberoerband gehört, hat sich am Mtttwoch nachmittag bereit erklärt, mtt den Gewerkschaften ein Lohnabkommen auf der Grund- läge der Streitforderungen abzuschließen. Der Wahrheit öle Ehre. Leipzig, 19. Oktober.(MTB.) Die Lag« im Streifgebiet der Aintshauptmannschasten Borna, Leipzig und Grimma hat sich nicht wesentlich verändert. allerdings ist auch weiter eine Zunahme der Streikenden zu verzeichnen: z. B- find die Belegschaften der beiden Werke Braunsdorf und W i tz n i tz noch d-m heutigen Schichtwechfel ebenfalls stark zurückgegangen, so daß dort nur noch eine gewisse Aufarbeitung stattfindet. Die Ruhe und Ordnung ist in keiner Weife gestört worden. Eine eventuell notwendig werdende Kohlenoersorgung der Leipziger Krankenhäuser, Kliniken und sonstigen sozialen Institute ist von der Zentrolstreilleitung in Halle als selbstverständlich zugesagt. Ebenso wird voraussichtlich der Einsatz der Technischen Noihilse im Landkrastwerk Kulkwitz sich dadurch erübrigen, daß die Notstandsarbeiten von den Streitenden übernommen werden. Nach dem bisherigen Dcrlaus des Streiks isi�auch bis zu feinem Abschluß mtt einer ordnungsmäßigen Führung durch die Gewerkschaften zu rechnen. die ,Teao' und die Schupo in Sachsen. Dresden. 19. Oktober.(Eigenbericht.) In Dresden fanden am Mittwoch Verhandlungen zwischen dem sächsischen Wirtschaftsmini st erium und der Zentral-. streikleitung über die Regelung der Notstandsarbeiten in den Betriebe» der Aktiengesellschaft Sächsische Werke statt. Obwohl die streikenden Bergarbeiter die notwendigen Notstands- arbeiten leisteten, hat bekanntlich das sächsische Wirtschaftsminists- rium in Hirschfelde und Böhlen die Technische Not- Hilfe eingesetzt. Die Vertreter des Wirtschoftsministeriums sorver- ten, daß die Bergarbeiter die volle Stromversorgung ge- währleisten sollen. Dieses Ansinnen wurde von der Streikleitung abgelehnt. Darauf wurden die B«rhandlungen ergeb- nislos abgebrochen. In Hirschfelde wurde das Kraftwerk von einer Hundertschaft Sipo besetzt. Eine weitere Hundertschaft liegt i n Zittau in Bereitschaft. Im Werk befindet sich eine Truppe Technisch« Nothilfe in Stärke von 35 Mann. Zu Zlusschosttungen ist es bis setzt nicht gekommen. Auch im Kraftwerk Böhlen befindet sich eine Huudertschoft Polizei. Auch in das Bornoer Streikgebiet wmde Polizei entsandt, obwohl es nirgends zu Ausschreitungen kam. Di« Schutzpolizei ist nnt Ge- wehren bewaffnet und hält die Straßen besetzt. Lanüiäger und Schupo gegen die Streikeaden. Werseburg. 19. Oktober.(Eigenbericht.) Das Berhalten der Sandsäger und der Schupo ist nicht in allen Testen de» Streikeeoiers einwandfrei. Es zeigt sich immer mehr, daß gerade die Landjäger nicht hinreichend über ihr« �Obliegenheiten unterrichtet sind. So hoben Landjäger u. a. das Streit- Posten st ehe» verbaten. Besonders wird auf der Zeche Elise II über das Vorgehen der wchupo und der Landjäger ge- klagt. Obwohl hier die Streikposten die Arbeitswilligen nicht be- lästigen, benahmen sich die Landjäger gegenüber den Streikenden äußerst provozierend. Auch aus dem Senftenberzer Bezirk ist«in« unnötige Ansammlung von Schupo zu melden, die gerade nicht zur Beruhigung der Bevölkerung beiträgt. Erwähnenswert ist u. a. auch noch«in Vorfall in Lauch- Hammer, über de» wohl noch in Zukunft zu sprechen sein wird. Hier wurde ein Reichspostauto benutzt, um Streik- breche? zur Arbeit zu befördern. Wir sind der Auffassung, daß die Post etwas anderes zu tun hat, als zugunsten des Unter- nehmertums in den Streik einzugreifen. Wozu die Polizei mistbraucht wird! Die übermäßige Berwendung von Polizei im mitteldeutschen Streikgebiet kann nur von Leuten begrüßt werden, die an Zu- sammenstößen zwischen der Polizei und den Streikenden e i n Interesse haben. Daß ein massenhaftes Auftreten schwer be- woffneter Schutzpolizisten nicht gerade beruhigend auf die Stim- mimg der Streikenden wirkt, liegt aus der Hand. Aber allem An- schein nach wollen gewisse Leute im Unternehmerlager im Schutze der Polizei sich allerhand Herausforderungen erlauben. So brachte«s z. B. ein Direktor der Zeche Viktoria II fertig, in Begleitung von P o l i z i st e n die Wohnungen der Streikenden aufzusuchen und sie zur Arbeit oufzu- fordern. Was mtt derartigen Manövern bezweckt werden soll, braucht nicht erst noch besonders hervorgehoben zu werden. Jeden- falls kann nicht geduldet werden, daß die Polizei dazu mißbraucht wird, aufreizende Gesten der Unter- yehmer zu decken. Berliwer Gewcrkschaftsschnle. Heute beginnen folgend« Kurse der Berliner Gewerkschaftsschule: Im Sophien-Lyzeum, Weinmeisterstr. 16/17: C 1. Staat und Recht. Lehrer: Dr. Theodor T ich au er. Beginn 19)4 Uhr. C 6. volkswirtschaftliche Arbeitsgruppe für Fortgeschrittene. Lehrer: Dr. Oskar Stillich. Beginn: 19 Uhr. Im Leibniz-Gymnosium. Mariannenplatz: 80. 12. Gewerkschaftliche Zelt- und Streitfragen. Lehrer: H. Schlimme. Beginn 19 Uhr. SO. 14. kulturpolitische Arbeitsgruppe für An- fänger. Lehrer: Maria Hodann. Beginn: 19 Uhr. Im Hygienischen Institut der Universität, Dorotheen- straße 28. 5. IV. Sozialpolttisches Seminar. Lehrer: Dr. Norbert Marx. Beginn: 19)4 Uhr. verhanölungen im Ruhrbergbau abgelehnt. Die Unternehmer find für Lohnkürzungen. Die Ztuhrbergarbeiter beschlossen am letzten Sonntag, in allen Revieren eine zwischentorifliche Lohnregelung zu fordern. Wohl als erste Antwort aus diese Forderung können die Kündigungen getten. Bereits zum 15. Oklvber wurden 200 Bergarbeiter bei der zum Mannesmann-Konzern ge- hörigen Schachtanlage„Königin Elisabeth" gekündigt, und auf den Rheinboben-Schächten in Bottrop wurden 500 Bergarbeiter enstaffen. Jetzt wird aus Herne gemeldet, daß sich die Harpener Bergbau A.-G. genötigt sieht, auf der zu ihr gehörigen Schacht- anlag«„Julia" in Herne 320 Arbeiter zum 1. Ro- vemb er zu entlassen. Als Grund für die Kündigung wird der augenblicklich schlechte Absatz bezeichnet. Di« Zech« will dem- nächst zwei Reviere unter Tage stillegen. Der Zechenverband hat nunmehr den Bergarbeiter- verbänden folgendes Antwortschreiben zugehen lassen: „Ihrem im Schreiben vom 11. Ottober d. I. geäußerten Wunsch, beretts sechs Monate vor Ablauf des bis zum 30. Aprst 1928 gülligen, mit Ihren Stimmen geiällten und auf Ihren Alttrag für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 26. April d. I. in ein« Erörterung über Abänderuna einzutreten, bedauern wir, nicht entsprechen zu können, da wir die von Ihnen vorausgesetzte grundlegende Aenderung der Dcrhöllnisse nicht anzuerkennen vermögen. Im übrigen verweisen wir darauf, daß sich die Wirtschaft- liche Lage des Ruhrbcrgbaues in den letzten Monaten derart ver- lchlechtert hat, daß sie unseres Erachtens viel eher Verhandlungen über eine Lohnherabsetzung, als über eine Lohnerhöhung be- dingen würde." Zu diesem Schreiben wird noch der folgende Kommentar gratis geliefert: „Wenn im Aprst die Löhne für ein volles Jahr durch Schiedsspruch festgelegt worden sind, so kam es dabei dem Schlichter dormif an, durch eine möglichst lange Gültigkeitsdauer eine langfristige Beruhigung der Verhältnisse zu schössen- Vor allem sollten auch mit der für«in volles Jahr unkündbar festg-letzten Lohnerböbung gleichzeitig die am 1. April und 1. Ottober eingetretenen Mietpreiserhöhungsn ab» ge galten werden." Wenn durch die inzwischen erfolgt» Verteuerung der Lebensmittelpreis« die Verhällnisse ein« Beunruhigung er- fahren haben, so sind die Bergleute daran ebensowenig schuld wie der Schlichter. In den Kreisen des Zechenverbandes mag man die Aenderung der Berhöltnisse nicht als grundlegend be- trachten. Deutlicher wirtt sich die Verteuerung für die Arbeiter aus. Ob die wirtschaftliche Lage des Ruhrbergbaues je einmal von den Zechenherren als günstig dargestellt wird, wenn die Berg- orbeiter mtt Forderungen kommen? Das werden wir wohl nicht mehr erleben Deshalb können wir auch den Hinweis auf die jetzt wieder so schlimme wirtschaftliche Lage der Unternehmer nicht tta- gisch nehmen. Im übrig«» haben die DergarbeiterverbSnde das Wort zur Antwort. Die Lohnverhcrndsungen der Keichsarbetter vertagt. vi« für den gestrigen Mittwoch angesetzte Besprechung des Reichsfinanz Ministers mtt den Tariforganisationen der Reichsarbetter«ur Neuregelung der Löhne konnte nichr statt- finden, weil der Minister im letzten Augenblick zu einer Kabinett- sitzung gerufen wurde. Der Finanzminister sagte jedoch den Organisationen zu, daß die Belprcchuna in den nächsten Tagen, wrttn irgend möglich noch im Lauf« dieser Woche, stattfinden werde. Es siege— so ließ der Minister ausdrücklich mitteilen— keine Ber- schleppungsabsicht vor._ Lohnbewegung ttt der Nschcner Textilindustrie. Di« Gewerkschaften in der hiesigen Textilindustrie haben den Lohntarif für Ende Oktober gekündigt. Es wird eine zehn- bis zwonzigprozentige Lohnerhöhung verlangt. Im hiesigen Tertilqebict sind etwa 10000 bis 12 000 Arbeiter beschäftigt. Bergarbeiterforderunge» iu Pole«. In dem polnischen Bergwerksbezirk von Dombrowa wollen die Gewerkschaften— wie uns aus Warschau gemeldet wird— ab Montag«inen Streik in allen Berg- und Hüttenbe- trieben durchführen, falls bis dahin ihre Lohnforderungen nicht bewilligt sind. fttit®n>§-S»rlin. Surfe. Donnerstag, IftV)'Ahr, tagtii btt Gruppen: Südwesten: Iugendhei» Yor-kstr. 11, Fabrttgcbaude. Ss tanjt dos Volk trn greis«.— RBpcnirf: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Strage S. Bunter Abend.- Tempelhos: Gruppenheim i-meum. Germania. sirnpf 4/8. ,,ahrten und Abenteuer.— Südosten: Gruppenheim Rcichrnbcrgrr �.trage 88 sziucrwehrhou»). Bortrag:„Lehr, und Tarifverträge."— Gesund- brunnea: Gruppenheim g�oi« Schule, Gotcnburgcr Straße. Bei uns wird alles>n den Schatten gestellt. sSchaUenspicle.)— Landsberger Blaß: Jugend- heim Diestelmeyerstr. n. Borirog:„Das Ronlorimt." Jugcndgruppc de,?Ml. Scutc, Donnerstag, 1914 Uhr, int Bezirk schöae- beegi Jugendheim Souplstr. 15 sHofgebaude 1 Tr., Thüringcnzimmer) Humo- riftischer Adenh, politische Satire. Sattler, Tapezleeee und Portrseuiler. Morgen, Freitag, 1» Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Sugelufer 24/25, Generalversammlung. Auf der Tagesordnung steht die Schofsung eines neuen Ortsstatuts. Jutriit haben nur Mitglieder gegen Bcrbaiidsausweis. Der Vorstand. Deutscher Solzarbeiteruerband. Slßung der erweiterten Ortsverwaliuug morgen, Freitag, 19 Uhr, im Dcwcrkschasishaus, Saal Z. Sit Vrtsverwaltuug. Verantwortlich für Politik: Dr. Gurt Geperj Wirtschaft: S. RliugelhZsrrz Dewerkschattsbewrgung: Fr. tchloru: Feuilleton Dr. John Schitowsli; Lokales: bierzu 2 Veilaae» uud..Unterhalt»»» UN» Wissen'. Sophien-Säle] I Sophienetr. 18* Norden 9296 u. 12643| LFflr Vereine und Versammlungen 2 in Jeder Größe raS r-s .>ur«iib(in w ii�HIIH Za i»4«a Find 4V TtMmaiiarbM.FrUclMRMrwlus«■•» erat» 4« MM«n taM««r BMHUnsbacfeoni Vortr«* d«r V.*. W. NBniborf; Itoi-Agoiitnr, Borilo N04a, Nm* KSalptr.tf. T»L: Ktotgiudt Ut& iMi, 1467 flc. 406 ♦ 44. Jahrgang � v»imerötag, z».as Opfer eines Autorasers geworden sei. Die weiteren Nachforschungen höben den Todesfall aber in ein anderes Licht ge- rückt. Verschiedene Anzeichen erregten den Verdacht der Staats- onwaltschaft Potsdam, die deshalb die Landeskriminalpolizei, die Mordinspektion des Berliner Polizeipräsidiums hinzuzog. Ein Kriminalkommissar, der sich nach Friesack begab, hielt im Beisein von Aerzten und Fahrsachverständigen mehrere Lokaltermin« ab. Ihr Ergebnis war die Feststellung, daß von Zengen allem Anschein« er in üer Notwehr. r Hebbelftratze aufgeklärt. nach nicht infolge Ueberfahrens den Tod gefunden Hot, sondern vielmehr auf der Chaussee überfallen und zu Boden geschlagen worden ist Erst dann, als der Mann be- täubt oder gor tot bereits auf der Chaussee lag, fuhr das Auto über ihn hinweg. Den Führer des Autos kann kein Vsr- schulden treffen, da die an der Stelle gelegene Kurve einen Uebcrblick über die Strecke besonders in dunkler Herbstnacht nicht gestattet und ein auf der Erde liegender Körper nicht ohne weiteres sichtbar war. Spuren auf der Chaussee beweisen, daß der Chauffeur scharf ge- b r e m st haben muß, ein Zeichen, daß er das Hindernis unter dem Wagen spürte. Das Auto scheint in der Richtung aus Berlin ge- kommen und nach Hamburg zu gefahren zu sein. Merkwürdigerweise hat man in der Stadt Friesack in jener Nacht kein Auto- mobil gesehen, das in der bezeichneten Richtung fuhr. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß der erschrockene Führer den Wagen gewendet und nach Berlin zurückgekehrt ist. Es ist bisher nicht ge- lungcn, festzustellen, wer von Zengen überfallen hat. Im Interesse der Ausklärung wäre es nun erwünscht, wenn sich der Chausfenr bei der Inspektion A im Berliner Polizeipräsidium meldet. Die knochenfunüe im Ulap. Wie wir gestern berichteten, wurden bei den Ausschach- tungsarbeiten auf dem Gelände des Ulap abermals Menschenknochen zutage gefördert. Jnsgesanit wurden sieben Schäd«! und eine große Zahl von Bein-, Becken- und Schulterknochen gefunden, die in etwa 114 Meter Tiefe im Erdreich lagerten. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit im Stadtbahn- bogen 3k5 im Ulap ein ähnlicher, aber größerer Knochenfund ge- macht, der von der kommunistischen Presse zu einer beispiellosen Hetze gegen den„Vorwärts" ausartete. Der neue Fund wurde im Stadtbahn bogen 3k6 gemacht. Damit findet die Annahme, daß es sich um eine alte Begräbnis st ätte handelt, erneut ih'�e Bestätigung. Sechs Schädel waren noch gut erholten, während der siebente schon stark bröckelte. Die Körperknochen befanden sich bereits im Zustand starken Zerfalls und sind von Pflanzen- sc.ser» durchzogen. Prof. Dr. Strauch, dem die beschlagnahmten Knochen zur Begutachtung vorgelegt wurden, ist nach«ingehender Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß die Skelette min- bestens 100 bis 150 Jahre in der Erde gelegen haben. Interessant ist die neue Feststellung des kommunistischen Abend- blattes, das in seiner gestrigen Ausgabe plätzlich entdeckt(was für ander« schon lang« mit Sicherheit feststand):„daß es durchaus nicht von der Hand zu weisen sei, daß sich auf dem Gelände des heutigen Ulap früher einmal«in Friedhof befunden habe". Neue Austreibung für Wohnungsbauten. Der Magistrat ho» In seiner gestrigen Sitzung beschlossen, die Mohouvgs- und Siedlungsdeputation zu beaustragen, die Unter- lagen für ein« neue Ausschreibung zusätzlicher lvoh- nungsbauten schleunigst ouszuarbeiten und in Verbindung mit dem Stadttämmerer auch die Ausnahme einer Wohnungsbau- a nlei h e zu prüfen. * Mit dankenswerter Beschleunigung geht der Magistrot an die Ausführung des Beschlusses, den die Links- Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung am Dienstag gefaßt hat. Ein« Enttäuschung bereitet er hiermit der bürgerlichen Presse, in der sofort angedeutet worden ist, doß der Magistrat dwn Beschluß nielleicht nicht beitreten werde. Jetzt bleibt den bürgerlichen Blättern für die agitatorische A u s s ch l a ch t u n g, durch die sie die Linksmehrheit bloßstellen zu können bofsen, nur noch die Wiederholung ihres Unkcnristcs, doß es nun wieder Monate dauern werde, bis nwn zu einem neuen Beschluß über«in neues Angebot kommen werde. Auch rechtsstehende Blätter, die sonst gewnhnheits- mäßig die Berliner Bevölkerung nerunglimpien, haben jetzt plötzlich ihr„warmes Herz" für sie entdeckt. Sic möchten sich bei den Wohmmgfuchendin anbiedern, indem sie gegen den Beschluß der Linksmehrheit Hetzen. Worum die Linksmehrheit das von der Hoberland-Gruppe gestützte Bewoog Projekt abgelehnt hat, wird in den Betrachtungen der bürgerlichen Presse zu dem Stadtverordneten- beschluß möglichst mit Stillschweige» übergangen. Im„Vorwärts" ist bereits in der Miitwoch-Morgeuausgobe betont worden, doß in dem Bewoaq-Projekt die Minderbemittelten sehr zu kurz l ommen. An Wohnungen, die der„kleine Man n" b e- zahlen kann, fehlt es. Und d i e fordert der van der sozial- demokratischen Fraktion eingehrochie Antrag, den die Link?- Mehrheit der Siodiverordnctcnversammiung am Dienstag zum Be- schluß erhaben hat. Der Toö des Dreijährigen. Frau Kupsch zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Roch längerer Beratung verkündete Landgerichtsdkrektor Duste das Urteil in der Sache des Ehepaares Kupsch: Die Ehefrau Kupsch wird unt«r Anrechnung von vier Monaten drei Wochen Unker- suchungshast zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, dcr Ehemann Kupsch wird freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus: Das Gericht Hobe sich fragen müssen, wodurch der Tod des dreijährigen Günter verursacht worden sei. Es Habs wohl starker Berdacht vorgelegen, doß die Züchtigungen die Schuld daran tragen könnten. Das Gutachten des Sachverständigen Prof. Frankel habe jedoch nicht mit voller Bestimmtheit darauf schließen lassen, daß die Züchtigungen noch am Todestage ftottgefiindc» hätten. Deshalb mußte angenommen werden, daß die Gehirnerschütterung bei dem kleinen Kinde durch irgendein Ereignis, z. B. durch einen Fall, zustattdegekommen ist. Die Züchtigungen seien ober o b j e k- tiv gransam gewesen und Frau Kupsch habe sich auch der Grau- samkeit bewußt sein müssen. Deshalb war sie wegen gesährlichcr Körperverletzung zu bestrafen. Bei der Strafzumessung seien der Angeklagten entsprechend den Anträgen des Staatsanwalts und ihres Verteidigers RÄ. Dr. Loewental mildernd« Umstände zu- zubilligen gewesen: einerseits sprach für sie ihr krank ho st er Zustand, andererseits der Umstand, daß sie das Kind sauber gchalten und gut ernährt Hobe-- So dos Urteil. Letzten Endes interessiert ober die Oefscnt- lichkeit nicht so sehr die Frau Kupsch, als der Fall Kupsch als solcher. Wie der psychiatrische Sachoerständige Medi-inalrat Dr. Dyren- surth, ausführte, ist die Angeklagte eine schwer hysterische Person. Die Schwierigkeiten bei der Erziehung des idiotischen Kindes mußten sie zermürben: sie waren überdies geeignet, die ohne- hin zu Affekten Neigende in einen Zustand des Daucrofsekts zu versetzen. Wie schwer erziehbar aber solche Jdiotenkinder sind, darüber berichtete der andere Sachoerständige, der Direktor des potho- logischen Instituts Prosefsor Steinbiß: selbst in einer speziellen Pslegeanstalt � bereiten solche Kinder der Erziehung die größten Hindernisse: daher sei es da immer nötig, das Personal zu wechseln, um Mißhandlungen der Kinder zu vermeiden. Es wäre völlig verfehlt, anzunehmen, meinte Dr. Dyrenfurth, doß Frau Kupsch etwa aus sadistischen Gefühlen ihr Kind mißhandelt oder es auf ihre Weife nicht lieb gel>abt habe. Sa beklagt« sie sich z. B. bitter darüber, daß die anderen Kinder ihren Jungen„doas" nennen: sie weigerte sich auch, das Kind in eine Anstalt zu geben, weil sie sich nicht von ihm trennen walle. Dann aber nüßhandelt sie es wieder in der grausamsten Weise. Da gab es natürlich nur eine Möglichkeit, das Kind von dieser kranken und so wenig be- herrschten Mutter zu retten— es ihr zu nehmen. Uird hier kommt man zur Frage, die auch der Verteidiger des Ehemanns Kupsch, Rechtsanwalt Dr. Mendel, mit Recht auswarf: Hat dasJugend- o m t in diesem Fall« s« i n e Pflicht erfüllt? Die Ge- richtsvorhondlung war geeignet, in dieser Beziehung äußerst nach- denklich zu stimmen. Als im Jugendann Ende Juni die Anzeige gegen Frau Kupsch einlief, wurde die Säuglingsfürjorgerin, Schwester Lotte, �um ihre Meinung"gefragt. Die Schwester hotte die Kinder der Frau Kupsch mehrere Male sowohl in der häuslichen Umgebung als auch in der Sprechstunde gesehen. Sie hotte aber non den Beziehungen der Mutter zu den Kindern inn besten Eindruck erhalten. Ilm einen Bericht zu erstatten, fragte sie auch bei der Untermieterin der Frau Kupsch nach, ob sie etwas Nachteiliges über ihre Vermieterin sagen könne. Und dieselbe Zeugin, die in der Gerichtsverhandlung über die Angeklagte ner- nichkeude Aussagen gemocht hat, verneinte der Schwester Lotte gegenüber jede Mißhandlung: es sei alles Quatsch, sagte sie. So lautete der schriftliche Bericht über Frau Kupsch günstig. Das gleich- Nesultat zeitigte die Nachsraae einer zweiten Pflegerin bei den Hausgenossinnen der Frau Kupsch. Nichts anderes ergaben die wiederholten Besuche der oerontmortlichen Fürsorgerin bei der Angeklagten selbst. Alfa weder die Säuglingssürsorgerin, die dauernd den kleinen Günter zu beobachten Gelegenheit hotte, noch der Arzt, dem der Kleine norgestellt wurde, nach sonst jemand hat!« sich dorübcr Gedanken gemocht, ob das idiotische Kind nicht einer besonderen Erziehung bedurfte� Und obgleich das ganze Haus von den Mißhandlungen sprach,»?ar niemand non den NacküorschenVn in der Loge, die erforderlich-'n Feststellungen zu treffen. Mit anderen �Zement. vornan von Fjodor Tladkow. An der Seite, neben dem Tisch, stand Dascha und sprach lebhaft und laut. Sie warf Gljeb nur einen kurzen, aus- flammenden Blick zu. aber ihr Gesicht blieb fremd, sachlich. unzugänglich. Neben ihr und längs den Wanden saßen Frauen. Alle in Tüchern, die wie Hauben um den Kopf geschlungen waren. Sie hörten alle Daschas Bericht zu. Und die Genossin Miechowa sab an allen vorbei und es schien, als ob sie nicht zuhöre und sich wie ein Kätzchen in der Sonne wärme. Schuk lachte, packte Gljeb am Aermel. „Ein gefährlicher Vorsprung, Freund Gljeb! Diese Weiberfront. Sie werden uns totbeißen, zerhacken, uns mit ihrem Gezeter überfluten.... Nimm dich in acht!.. Scrgeij lächelte verlegen. Gljeb schlug mit der Hand über den Helm. Und die Frauen rissen sich plötzlich olle wie von einer Kette los, brüllten Schuk an, und man konnte aus diesem Geschrei nicht klug werden: ist es Berschwörung oder Weiberspiel. „Ha. schau nur... der Teufelsrat.... Keine wird jetzt mehr in ihrem ganzen Leben Kinder kriegen wollen ... diese Verfluchten werden uns mit Boykott strafen... Gesindel!" Dascha warf ihren Kopf zurück, hörte auf zu sprechen und kreuzte die Hände über der Brust. Wartete, ob die Männer weggingen- Und wieder blitzte sie Gljeb mit kurzem Blick an. Und in diesem Aufblitzen sah Gljeb nichts anderes als grausame Entfremdung. Genossin Miechowa schlug mit der Hand auf den Tisch: „Genug!... Setzt euch wieder auf eure Plätze, Delegierte. Zur Ordnung? Und Ihr. Genossen Männer, geht nur, stört uns nicht. Dascha. sprich weiter. Kaum hatte aber Dascha zu sprechen begonnen, als sie sie unterbrach:„Genosse Tschumalow, kommen Sie auf dem Rückweg zu mir. Ich will mit Ihnen sprechen... „Zu Befehl!" Wie Fünkchen zuckten ihre Augenbrauen in der Sonne und die Augen sind rund, durchsichtig, kindlich, aber in den Pupillen zittern kleine, trügerische Tröpfchen in unerhalch- barem Schmerze. „Nichts Geschäftliches.... Ich möchte Sie kennen lernen." „Zu Befehl!" Dascha berichtete über die Kinderhorte in der Stadt. 2. E i n konkreter Vorschlag. Als die Tür in Schidkijs Zimmer geöffnet wurde, strömten Schweißgeruch, Schwüle und Tabaksgualm heraus. Die Sonne glitzerte dort nicht in goldenen Holzspönen wie bei der Mjechowa, sie lief in grünen Fäden vom Fenster über den Tisch. Feurige Spirale flammten auf, und der Staub flimmerte in dem Rauch wie Funken. Das Zimmer war auch klein. Die Menschen um den Tisch herum dampften in den dunstigen Wellen der rauchigen Sonne. Die Lederjacken Schidkijs und Tfchibis', des Vor- sitzenden der Tscheka, standen weit offen. Schidti� ist glattrasiert, Tschibis auch. Tfchibis' Gesicht hat einen staubigen Anflug, hinter den weißen Wimpern glänzen Stahlnadeln. Er sitzt am Tisch, gegenüber Schidkis und scheint sich auszu- ruhen. Schidkijs Wangen sind von vertikalen Falten durch- schnitten, er bat eine asiatische Rase mit zuckenden Rasen- flügeln. Schlägt er die Augen auf, so scheint es. als ob er einen anpacken würde. Und zusammen mit den Augen schnappen die Nasenflügel nach Luft und zucken und beben. Auf dem Fensterbrett, sich mit den Füßen an dem Fenstenpfosten stützend, saß ein Iünaling. knochig, wie ein Pfeil gespannt, ganz schwarz(das Hemd und das kaffee- braune Gesicht und die buschigen Haare), mit einer fieber- haften Besessenheit in den Augen. Luchawa, Vorsitzender des Facharbeiterrates. Er schwieg und hörte zu. Hörte zu und bohrte sein Kinn in die Knie. Gljeb legte mit ausladender Bewegung seine Hand an den Helm, aber Schidkij bemerkte ihn nicht. Es kamen genügend Mitglieder der Partei zu ihm, und es ist viel zu wenig Zeit da, um sie all« begrüßen zu können. Er rollte nur verwundert seine Augen und fing die Lust mit seinen Nasenflügeln. „Nun gut, es gibt Holzfäller. Es gibt eine Holzzentral- stelle. Man trifft Borbereitungen." Jeden Satz betonte er mit einem Faustschlag. „Nun, was dann weiter?... Die Hauptsache ist eben. das Holz zuzustellen. Es liegt hinter den Bergen und an dem Ufer. Die Holzabgaben sind ein Fehlschlag. Man muß ein richtiges und ralches Verfahren finden, um das Brenn- Material bis zum Winter zustellen zu können. Zum Teufel! mit diesem Kleinkram und dielen Palliativen: man muß den Stier an den.stiörnern packen— im großen Maßstäbe. Hier müssen olle Kräfte aufgeboten werden, dazu gehört eine ungeheure Anspannung.' Die Holzzentrale hat die ihr auf- erlegten Pflichten nicht erfüllt, dort macht sich alles mögliche Gesindel breit, Hautschinder und Luder, die man erschießen sollte. Die Arbeiter werden dort sehr bald revoltieren, da sie schon vor Hunaer krepieren. Wir brauchen Holz, denn sonst werden wir Kinder und Arbeiter in kürzester Zeit in einem Grab begraben können. In einer Woche ist Sitzung der Wirtschaftskonserenz. und wir müssen vorbereitet sein. Sprich Luchawa. Spuckst sonst immer Feuer wie ein Teufel, hast dich wohl heute an einem Ziaarettenstummel verschluckt. Der Jüngling auf dein Fenster hörte Schidkijs Worte nicht, ein Fieber brannte in ihm. Tschibis schaute niemand an und durch das Stvubnetz. das sein Gesicht bedeckte, konnte man nicht erkennen, ob er nachdenkt oder sich in Langeweile ausruht. Schidkij schlug mit der Faust auf den Tisch. ,Lum Teufel noch einmal!... Man sollte uns alle ohne zu zögern an die Wand stellen als Idioten und Des- organisatoren!... Das ist eine Sackgasse. Kinder..." Luchawa schraubte mit seinen knochigen Händen seine Knie an die Brust, und durch diese krampfartige Bewegung drehte er sich um sich selber und barst vor knäbenhastem Lochen, das er ruckweise und sich verschluckend hervorstieß: „Bist du toll aewordcn, Schidkij?... Von mos für einer Sackgasse svrichst du? Hol' dich der Teufel, wenn du dich in einer Sackgasse befindest, so mußt du sie mit deinem eigenen Schädel durchstoßen. Sonst müßte man dich tatsäch- lich erschießen, und Tschibis wird das wohl ohne Schwierig- leiten erledigen. Es ist keine Sackgasse und es gibt keine Sackgasse... Es gibt nur Aufgaben. Ich habe deine Auf- gäbe aeläst." „Also! Dein konkreter Borschlag?" Die Nasenflügel Schidkijs zitterten und schnappten nach Luft. Es schielt, als ob er auch lachte und fein Entzücken nicht zurückhalten könnte. „Man muß die mechanische Kraft des Werkes aus- nützen... Sergeij hob seine Hand und bat ums Wort. „Ich wollte übrigens... wegen des Antrages von Luchawa..." Die Falten auf Schidkijs Wangen teilten sich durch ein Lächeln in dünne Zweige, und Gljeb sah in diesem Lächeln einen liebenswürdigen und herablassenden Spott. lFortsetzung solgt.) Worten: Die GerichtsoerhanÄlnng fyti festgestellt. daß etwas in der Tätigkeit dieses Bezirksjugend- amtes nicht gestimmt haben muh. Wer weiß, ob es nicht mehr solcher kleiner Märtyrer gibt, wenn sie auch nicht olle unter so tragischen Verhältnissen wie dies beim kleinen Günter der Fall mar, ihr Leben aushauchen._ Zlucht ües Hochstaplers Cgloffstem- Gerte!. Ab um die Ecke! Am Mittwoch kurz nach IS Uhr slüchtete der Schulleiter Ludwig Oertel, Freiherr von und zu Eglossstein, als er nach Beendigung eines Haftprüfungstennins in das Unter- suchungsgeföngnis Moabit zurückgebracht werden sollt«. Oertel, der früher schon durch seine Hochstapeleien von sich reden gemacht hatte, wurde wegen Attenbeseitigung und anderer Straftaten seit End« Oktober 1926 wieder von der Kriminalpolizei gesucht und End« Juli 1927 endlich in einem Luxuslokal in Köln a. Rh. fest- genommen und nach Berlin gebracht. Obwohl er der ihm zur Last gelegten Berfehlungen so gut wie überführt war, leugnete er hart- nackig jedes Vergehen. Vor einigen Tagen hatte Oertel einen neuen Antrag zur Prüfung der Haftzuläsfigkeit eingereicht. und dementsprechend war für Mittwoch um 13 Uhr der Vrüfungstermin angesetzt. Der Gerichtsbeschluß ging dahin, doh Oertel auch weiterhin in Hast bleiben sollte. Mit diesem Beschluß scheint Oertel nicht einverstanden gewesen zu sein. Als ihn ein Justizwachtmeister in das Untersuchungsgefängnis zurückführte, be- nutzte er einen unbewachten Augenblick, um durch eine Tür zu entschlüpfen, die zu den Heizungsanlagen führt. Di« Flucht muß die Eingebung eines Augenblickes gewesen sein, denn Oertel hat keinen Pfennig Geld bei sich und trug weder Hut noch Mairtel. Ueber die näheren Umstände wird noch folgendes bekannt. Nachdem die Vernehmung beendet war, sollte Cgloffftein in seine Zell« zurückgeführt werden. Unterwegs erklärte der g«ri«b«ne Gauner dem ihm begleitenden Beamten, daß er für einige Minuten dieToilette aufsuchen müsi«. Der Beamte postiert« sich davor, wurde jedoch von einem Kollegen angerufen und sprach mit diesem einig« Wort«. Egloffftein, der Himer der Tür d!«ses Gespräch offenbar mitangehört hatte, erkannte sein« große Chance und öffnete leise die Tür. M:t wenigen Schritten war er um die Ecke verschwunden, eilte die Stufen hinab und um keinen Verdacht zu erregen, unterhielt«r sich mit dem Pförtner und fragt«, ob ein ihm bekannter Beamter das Gericht verlassen habe. Dieser Schachzuq de, Hochstaplers war außerordentlich geschickt, denn e? kommt in Moabit täglich Dutzende von Mal« vor, daß Justiz- beamt« ohn« Kopfbedeckung da» Gericht verlassen, um in der Näh« zu«ffen oder etwas zu besorgen. Der Pförtner schöpft« auch gor keinen Verdacht und ließ Eglossstein-Oertel ruhig passieren. Wenige Sekunden später wurde dem Pförtner allerdings klar, mit wem er gesprochen hatte, denn der Gefängniswärter mitsamt dem Staats- onwalt und dem Vorsitzenden erschienen am Portal, um zu hören, ob der Flüchtling etwa schon das Gericht verlassen habe. Man konnte nichts weiter tun. als die Polizei benachrichtigen, die«ruf die Mel- dnng von dem Verschwinden Egloffsteinz sofort die notwendigen Maßnahmen traf, um einig« Adressen zu beobachten, bei denen Egloff- stein zweifellos versuchen wird. Mittel für seine Flucht oder zunächst einen Unterfchupf zu erhalten. Selbstvermittlungsftelle öaerwalü. Sie umfaßt die Teilnehmer der Aemter Hasenheide und Südring. Die Umstellung de» Berliner Fernsprech-Handbetrieb«, auf den Selbstanschlußbetrieb schreitet fort. Zu den bereits bestehenden Der- mittlungsstellen mit Selbstanfchlußbetrieb Breitenbach, Lichterfeld«. Neukölln. Spandau, Wannse« und Zehlendorf tritt in der Nacht vom 22. zum 23. d. M. die B e rm i ttl un g est ell« Baerwald. der Teilnehmer von Hafenheidc und Süd- r i n g zugeteilt werden. Die Baerwald-Teilnehmrr werden dann in der Lage sein, im Selbstanschlußwego, nämlich durch Drehen der an ihrem Apparat besindlichen Nummernscheibe, einander sowie die Teil- nchmer der oorhergenannten Vermittlungsstellen mit Selbcmschluß- betrieb, ferner die Dermittlunqsstellen für den Handbetrieb u n» mittelbar zu wählen. Di« näheren Bestimmungen hierüber sind In den Aorbemerkungen zum Fernsprechbuch und in der An- Weisung enthalten, die sämtlichen Teilnehmern von Baerwald zuge- gangen ist. Boin gleichen Zeitpunkt ab sigd auch die Teilnehmer der Selbst- nnschlußämtcr Breitenbach, Lichterfelde, Neukölln, Spandau, Wannsee und Zehlendorf in der Lage, durch Wählen des Rufzeichens für Baerwald(F 6) und der An- schlußnmnmer Verbindungen mit Teilnehmern von Baerwald selbst berzustellen. Für die übrigen an Handämter angeschlossenen Teilnehmer tritt im Verkehr mit Baerwold-Teilnehmern«ine Aenderung in der bisherigen Betriebsweise nicht ein. Es wird daran erinnert, daß vom 23. Ottober ab die Hcmdver- mittlungsstelle Hafenheide in Bergmann umbenannt wird. Der Name Hasenheide fällt künftig fort(vergleiche rotes Merkblatt im Amtlichen Fernsprechbuch Punkt III). Cine Greisiu tödlich verunglückt. Vor dem Hause PrenzlauerAll«e18 6 ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Unfall. Beim Ueberschreiten des Fahr- dammes uberhorte die 81iährige Witwe Mathilde F i ck die Signale eines herankommenden Geschäftsautos und wurde Über- fahren. Man schaffte die Greisin, die einen schweren Schädel- b r u ch erlitten hatte, in dos Hnseland-Hospital in der Prenzlauer Allee 63, wo«in hinzugerufener Arzt nur noch den inzwischen«in- getretenen Tod feststellen konnte. Der Ortsverein Tiergarten de» Reichsbanner» Schwarz-Rol- Gold veranstaltet am Freitag, 2l. Oktober, 20 Uhr, in den Arminius- hallen. Bremer Straße, eine große öffentliche Kundgebung, in der Landtagsabgeordneter Otto Meier über dos Thema„Die Republik und ihre Gegner" spricht. Vorher findet ein Platz- k o n z e r t unter Mitwirkung des Republikanischen Tonkünstler- vrchestcrs im Kleinen Tiergarten statt. Die republikanische Bevölte- rung ist herzlichst eingeladen. prolestoersammlung der Polizeisekretäre. Au» Kreisen der Polizeisekretäre wird uns geschrieben: In der neuen Besoldungs- ordnung waren ursprünglich die Polizeisetretäre, die eine in hohem Maß« verantwortungsvoll« Arbeit zu leisten haben, so eingegliedert. daß ihrer sachlichen Ausbildung und Bollprüfung sowie ihrer dienstlichen Tätigkeit Rechnung getrogen wurde und die Beamten zufriedengestellt waren. Aus bisher unbekannten Gründen ist nach Abschluß der Verhandlungen dies Ergebnis monatslanger Berotun- gen kurzerhand derart geändert worden, daß die Poltzeisekre- läxe nunmehr in eine Assistentenklosse eingruppiert wer- den sollen. In einer am kommenden Freitag stallfindenden Pro, lest Versammlung wollen die Polizeisetretäre hiergegen Stellung nehmen. Eine Geslügelstube. Seit einige» Wochen ist Berlin um ein« Einrichtung reicher, die volkswirtschaftlich einmal von höchster Be- deuwng sein kann. Es Handell sich um die Verwertung«- stell e I in der Kommandantenstr. 76. die von der landwirtschostlichen Hühnerzucht- und Eiersarm-Genoisenschost zum Vertrieb ihre Produkt« in» Leben gerufen wordeil ist. Als Der» kausestelle für Schlachtgeflügel und vor allem für den Ver- kauf von frischen Farmeiern gedacht, besteht diese Verwertungs- stell« in der Hauptsach« au» einem Restauratiansbetrieb. In dem ausschließlich Geflügel verabreicht wird, und zwar zu einem über Erwarten billigen Preise. Die Derwertungsstell« zeigt i» den ersten Monate» ihres Bestehens«in sehr gesundes Gedeihe». Die Aufmachung des Lokals ist einfach und steht im Einklang mit den Richtlinien, die sich die Genossenschaft gezogen hat. Eine Sällgermorgenseicr häll am Sonntag, dem 23. Oktober, 10 Uhr, der 9. Bezirk des Deutschen Arbeitersängerbundes im S a a l- bau Friedrichshain ab. Es beteiligen sich eine große Anzahl der ini Süden Berlins beheimatete» Männerchöre daran. Eintritt einschließlich Liedertext« 40 Pfennige. Quartiere werden gesucht! In der Zeit vom 30. Oktober bis 3. November d. I. findet für die Prcvinz Brandenburg in Berlin eine Frouenkonferenz und ein Frauenturfus der Partei statt. Für die Teilnehmerinnen werden Quartiere möglichst in der Nähe der Lindenstraße gesucht. Angebote nimmt entgegen der Bezirk Brandend urg-Grenzmark der SPD., SW. 68, Linden- stroße 3. SeneraNvIendant fjeliiz liehen, der lein neues Amt bei den staatlichen Opern bereit» im Oktober übernommen bat, wurde Miitwoch im Rittersaal der StaatSoper am Platz der Republik vom Kultusminister eingeführt. Wettflug Fieseler— Doret. Kassel, lS. Ottober.(Eigenbericht.) Der französische Meger Doret, Sieger des Weit- tampfes um die europäische Meisterschaft der Luft in Zürich, ist am Mittwoch mittag, von Straßburg kommend, auf deni Flugplatz in Kassel gelandet. Doret, der am Sonntag in Berlin mit Fieseler, dem deutschen Kunstflugmeister, zusammentreffen soll, wird in Kassel einen Trainingslug auf der Maschine Fieselers absolvieren. Umgekehrt wird Fieseler die französische Maschine fliegen. Fieseler. der in Zürich zweiter wurde, wird einen schweren Stand gegen Dortt haben, dessen Maschine die dreifach« Motorenstärk« besitzt. Da- gegen ist Fieselers Rückenflug über lange Strecken bis heute noch unerreicht, auch sein Looping nach vorn ist eine seiner Spezialitäten. Die Flieger werden am Sonnabend morgen Kassel verlassen und gegen Mittag in Berlin- Tempelhof eintreffen. 32 Personen an giftiger Nußtorte erkrankt. Hage». 19. Oktober. Auf einer Silbernen Hochzeit erkrankte an dem Genuß selbst» gemachter Nußtorte der größte Teil der Festteilnehmer unter Der- giftungserscheinungen. In das Marien-Hospital wurden 19 Personen, in das Städtische Krankenhaus 13 Personen eingeliefert. Die Unter- suchung ist noch im Gange. Bis zur Stunde liegt ein abschließendes ärztliches Gutachten noch nicht vor. Sport. Der zweite groß« Renntag im Verliver Sportpalast gebt bereit» am kommenden Eonntag abend vor sich und bringt wiederum ein ganz bervor» ragende» Programm. Die Sauvlnummer itt ein l00-K!lomeler-Mann- ichattSrennen, dos eine erftktaisig« internationale Besetzung aujwellen wird. Bisher sind die Gebrüder Piet und Jan van Kempen, sowie der auSg«. zeichnete Italiener Tonani und der Belgler Dewol! verpflichtet Wirde», die mit deutschen Fabrern gepaart werden. So startet der lange Belgier mit dem Treptower Sab» und Tonant mit Bauer. Tie Berbandlungen mit einer wetteren ersttlassigen belgiichen Mannichait. iomie mit einer Anzahl sehr guter dcuischer Fahrer, stehen dicht vor dem Slbschluki. Dem 1(X)-KUom«tcr- MonnschastSrennen geht ein Omnium Deullchland gegen Ausland voraus, doS auf jeder Seite drei eniklafsige Sprmler am Start sieht, die neben FliegertSmpsen noch ein Zeitsahren über eine Runde bestreiten. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Rol-Gold". DeichSit.Nell«: Berlin£ Ii, Ledastlanstr tTSS.(«• J Te Tin»ce»iag, 2«, V leider. Peenzlane» Berg: Aarneradschast Rordkav: *** 30 Übe Bersammluug hej toiiczli. Schlvesbeincr. ötr. 10. Bortrag pe» Äameradcn RiKard Meier:.Ist daa Reittadäimer üdcrfliiisig?" Nrulöllu- Brig: 5, Kameradschaft iIungbanner): 1�-20 Uhr U Lxwrtadcnd in der Zsurn- halle der Walter-Balhcnau.Eckule.: stwdbinstraste. tzoder mutz erscheinen. Weißeusee! 20 Uhr Mitgliederversammlung im.Grünen Baum". Sehr wich- tige Togeaardnung. Slllive und passiv« Mitglieder mllsscn erscheinen.— Freitag, 2t. Ottater. Friedrichehaiar Spvriabt.: 19Vs Uhr Turnhalle Memeier Straße. Samtliche Sxortler müssen erscheinen. Krenzberg! 20 Uhr Bersomm» lung der Abt. w bei Wentler, Dieffenbachstr. dt. äljarlortenbnrg: Der Ocls- verein beteiligt sich an der um 18� Uhr stattfindenden Kundgebung de« Ort«- Vereins Spandau, in der Bundespräsident Hörsing spricht. Abfahrt ISSt Uhr ad Wilhelmplatz. Nachzügler 20V1' Uhr an der Markthalle Spandau. Neukslla. »rltzl Igztz Uhr Oencrcloctfommlung des Vrtsverein» in den Passage, Fest. säten, Bergstraße, Wohl der Delegierten zur Daugeneralversammlung.— Sonnsbend, 22. Oktober. Prenzlauer Berg: Delrgicrtrnkonferenz der Orts. Veranstaltung nach Lohenneucndvrl ad Bhf. Bernau U,iS Uhr, Nachzllgler 12 Uhr. Fohrpreis hin und zurück 1,40 M. Rückfahrt nach Belieben. Teil- nähme aller Kameraden Bedingung. Landsmannschaft der Schleswig, Holsteiner>» Berlin l«»2. Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, im.Dresdener(Batten", Dresdener Str. 45, General, Versammlung. Landslente willkommen, Drei Jahre Arbeite r-Radiobund Rcutöl», Zwei öfientlich« Ausstellilnqs. und Boctragstagc: Sonnabend, 22. Oktober, 16—22 Uhr, und Sonntag, 23- Oktober, 10— iß Uhr. Eintritt hierzu frei. Jedermann willkommen. In der Ausstellung werden nur von drn Mitgliedern selbstgrbaute Apvarate gezeigt. Die Ausstellung findet statt in den Passoge.Festlälen, Bergstr. lil/tSll. Bereinigung der Freunde»on Religio» und Bölkerfrieden. Genosse Pfarrer Bleicr spricht im Rahmen einer besonderen rcllgidsen Feierstunde(ohne kirch- "che Formen) am kommenden Sonntag. 22. Oktober, 30 Uhr, in der Trinitati»- . rche, Chorlottenburg, Karl-August-Platz(nahe UnIirar-ndbahnhalteNellc Bio- marckstraße) Uber da» Thema:.Dürfen wir noch glauoenk" Musikalische Um. rahmung. Eonntag, 30. Oktober, 10 Uhr, findet in derselben Kirche eine Feier- stunde statt. Pfarrer Bleier spricht über da» Thema:.Der Protestantismus, »in Weg zu Gott." Bund drr Freibenkerjugend. Gruppe Osten: Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr. Jugendheim Litauer Str. IS. Einführungeabend.— Gruppe Norden: Freitag, 21. Oktober, 20 Uhr, Ledigenheim Pappelallee 15. Aussprache über .Konnersreuth". Im Rahmen der Jnstendbühne sendet die Fnntstunte Klsist» .Zerbrochenen Kruq". Bedeutet die Uebertragung des.Käthchen van Heilbronn"' ein verunglücktes Experiment, so eignet sich das Lustspiel unbedingt zum Hörbild. Es kommt hier, wie bei den meisten Kleistschen Dramen, weniger auf das Bühnenbild, auf Geste und Haltung der Schauspieler an, als vor allem auf die BeHerr- schung und Modellierung der Worte. Die Situationen werden durch das Wort erklärt. Man vermag die Vorgänge auch ohn« Bühnen- darstellung zu oerstehen. Der Witz liegt im Wort und nlcht in den Bewegungen der Darsteller. Wären Regie und Sprecher besser, dann könnte man diese Uebertragung als die eigentlich« Zkleist. Ehrung werten. Doch der Regisseur und die Schaufpieler versagen stellenweise. Alfred Braun liebt es neuerdings wieder, den Ablauf der Handlung durch Kunstpausen aufzuhalten. Er konzentriert nicht genügend. Ding« wie Schnauben oder Stöhnen beispielsweise sind als Soloarie» in einem Hörspiel unbrauchbar. Das Tempo allein entscheidet. Georg John übertreibt als Dorfrichisr Adam, der durch« au» keine Possenfigur ist.— Abend» wird aus der Städtischen Oper Kreneks„Ionny spielt auf übertragen. Es ist schwer, sich beim bloßen Hören ein Bild von den Vorgängen zu formen oder die Musik dieser Iazzaper völlig zu verstehen, die wiederum durch die Handlung bedingt ist, sogar mehr als in anderen Opern. Am besten kommen die rein orchestralen Teile zur Wirkung.— A. I. Blaschik schildert eine Reise auf der Wolga von Twer bis Astrachan. Es geht bei diesem Vortrag recht longsam zu. Blaschik hätte eingehender die Industrien und da« Volk behandeln sollen, dl« er nur in Rehen- sätzen erwähnt.— In der zweiten Folge ihre» Zyklus„Die madern« Frauenbewegung" spricht Ilse Reicke eingehend über die Frauen- Vereinigungen, die in Deutschland wie auch in Frankreich, England und den Dereinigten Staaten für den Weltfrieden und für die Ver- ständigung der Völker eintreten. F. S. Linsendungen für diese Rubrik siud verliu SW 68. Liudeustr-ß» 3, partemachrkchten für Hroß-Serlin Net» an da» Bezirksfekretoriol, 2. Hot, 2 Zrep. rechts, zu richte«. Sezirksvorflanö. Sonnabend, de» 22. Oktober, pünktlich 1» Ahr. Sitzung des er- wetterten Bezirksoarstandes im Zugendheim. Lindcnsiraße Z.—- Die Kreisvorsitzenden oder deren Stellvertreter müssen vollzählig anwesend sein. «, 2. Kreis Mitte. Freitan, 21. Oktober, W/s Uhr, Kreisdeleaiertentag in dtir Musikersälen,»oifer.Wilhelm.Str. 21. Es ist Pflicht eine, jeden Dele- gierten, destimmt zu erscheinen. 13. Keei, Tcmpeshos. Heute, Donnerstag, 20. Oktober, pllnkUich Igz» Uhr, im Radelardeitsranm der Mittelschule Mariendoif, Kursürstenstraße. Beginn de» Kursos:„Die Kulturpolitik der Sozialdemokratie." Lehrer Studicnrac Erwin Marquardt. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, recht sahireich zu erscheinen. 14. Kreis RcutSllu. Die Abteilungsleiter werden ersucht, zu veranlassen, daß die Arbeitgeber, welche unserer Partei angehären, heute, Donnerstag, uns morgen, Freitag, von 17— l» Uhr, in unser Parteiburcau. Rcckarstr. 2, zur Untcrschrlstsleistung für die Krankcnkassenwahl komme». 15. Srei» Treptow.Banmfchuleawea. Der Kursus des Genossen Schwarz über „Europäische Probleme oder Weltpolitik und BSlkcrbund" beginnt heute, Donnerstag, 19>ch Uhr. in Riebcrschöneweide-J-hannisthal, Schule Hassel- wcrder Straße.___ II. Keei» Köpenick. Bildnngsausfchuß: Freitag, 2l. Oktober, 20 Uhr, Eros:» nung des Wlnteriursus:„Luroväische Prodieme und Wcitpokitik." Letter Studicnrot Dr. Sturm. Die Mitglieder des Bildungsausschusses werden gebeten, möglichst vollzählig am Kursus teilzunehme». Kursuslokal: Köpe- nick, Schloßstr. 27, 1 Tr. Am Dien-laa. 25. Sklober. 20 Uhr, in der Aula der KSrncr�chule. Lindenstraßc. Bela.Reinitz.Abend. Eintritt 50 Pf.»arten sind bei allen Funktionären und an der Kasse zu haben. 17.«rei» Lichtenberg. Freitag. 21 Oktober, 20 Uhr. Fortsetzung de- Kursus des Genossen Willige in der Bibliothek Weichselstr. 28. Heute, Donnerstag. 20. Oktober: SPD.-Fraktlon der«»gestellten bei de, Hauptverwaltung de, Be- zteksamts Neukölln. Heute isze Uhr Fraktionssitzun, bei«utzki. Her, mannstr. 7ä. Ecke Leincstraße. Tagesordnung: 1. Referat. 2. Wichtige Froktionsangelegenheite». 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wich» tigen Togtsordnung ist es Pflicht einer jeden Genossin und eines jeden Genossen, pünktlich dort zu erscheinen. Parteimitglirdsbuch als Aus- weis nicht vergrsscn! Der Zrattlousu-rstand. 39., 40., 41., 48. Abt. Kommunale Kommissionen; 10(4 Uhr im Sitzungssaal des Bezirksamts Krcuzbera, Porckstr. U, Bortrag:„Sozialpolitische Grund- flitz« in der Wohlfahrtspflege." Referent Dr. Fritz Schloß. 87, bi, 78. Abt. Die Genossinnen und'Genossen werden oufgefordert, sich an der um 20 Uhr in der Treitfchke.Schule. Prinzregentenstr. Zz?4, statt. finbendcu Feierstunde der, Sozialistischen Arbeiterjugend zahlreich zu de- leiligen. Festredner: Dr. Rosenfeld, Sprechchor. Rezitationen. Au,- sührunq.— Achtung, Abteilungsleiter: Die Sandzettel und Elnladungs- karten zum R-publikanisch-n Ab-ud am 36. Oktober liegen der«roiß. Hol. stoinifche Sie. 60, zur Abholung bereit. Morgen, Ire! tag. 2t. Oktober: 2t. Abt. 17 Uhr Besichtiguna der modernsten Brotfabrik. Treffpunkt 1644 Uhr beim Genossen Hoppe, Marstr. 1. 107. Abt. Alt-Glleuicke. F-lleuberg. Oeffenlllch' B-rfanm-lung M 20 Uhr In der Lchulaula Alt-Glirntck«. Bortrag:„Gegen d«n Re:chs. H ichulgefetzeniwurf" Reierenten Lehrer Faust und Werlemann. Ein- fI mohner, erscheint in M-ssenI Schafft euren Kindern eine gute Schule! Abt. 124s Mahlsdorf-Tüd. 20 Uhr bei Dlktz, Uhfandstr. 18, Mitgliedeeoerlamii. lung. Vortrag?„Der Reuvau der K00Q Wohnungen der Stadt Berlin. Referent Etabtverordneter Arndt. Kein Mitglied darf fehlen. Sonnabend, 22. Oktober: 122. Abt. Biesdorf. 20 Uhr bei Porath. Marzahner Str. LI, Mitglieder. Versammlung. Bortrag:„Meine Nette nach Palästina. Bortra-ende Irma Fechenbach. Snmvaihisser-nde und„«orwZrt-'.Lefer find freunblirl st S Abt. 123a Kaulsdori SS». Oeffentliche Kundgebung 20 Uhr im Lokal ra„Zägerbelm". Bor'rag:„Der Reichsschulgeletzentwurf." R-ser-nt Lehrer-Z. Hans Wonwod. Mlinncr und Frauen, erscheint In Massen I Der Kahl,. abend stillt aus. dafür beteiligen sich sämtliche Mitglicdrr an der Ssient- n- Mß lichcn Versammlung. 1 36. Abt. Die Besichtigung der Konsumger.ossenschait ssir d:e Ab-abestev-n unserer Abteilung findet am Sonntag. 22. Oktober, statt. Trettpun t 9 Uhr vor dem Hauptgebäude des Konsum- in Lichtenberg, Rittergut. straß« 16-20. 93. Abt. Neukölln. Sonntag. 23. Oktober, Treffpunkt zur Lanbagllotion 7 Ufte früh an der Haltestelle Hertzdergplatz. Abfahrt 7,43 Uhr ab Görlitzer Bhf. Frauenveranskattungen. 14.«rei» Rculölln. Achtung, Genossinnen! Der Kursus findet nicht bri Stahmann, sondern-m Ideal-Kasins, Weichselstr. S, statt. � � 2«.«bt. Achtung, Genossinnen! Der Frauenadend findet umslattdel>a!brr erst am Dienstag, 2.5. Oklpber, bei Pose, Liolonlestr. 15, statt. 3Bir er, warten dann zahlreiche Beteiligung. Jungsozialisien. Berliner Arbeiterausschnßmitglieber! Wir treffen uns aw Sonnabend, 22. Oktetet, am Anhalter Bahnhps pünkUi» m? Uhr zum Empsan.,»er Luckenwalder Genossen.— Sonntag. 23. Oktober, früh 9 Uhr, Zreftpnnn»or dem G-wertsch-st-ha«. Eugtluser 2425, u>- Besichtigung d-r»roßficdlung Brh. Gruppe Prenzlauer Berg: Heule. Donnerstag, X. Oktober. A Uhr, ,m Jugendheim Danzlger Str. 62 Bortrag„Sozialismu, und kapltallsttiche Plan. Wirtschaft. Referent Genosse Mitnitzli). Arbeiksgemeinschafl der Hinderfreunde. Groß-Berlin: Achtung. Hclserschulel Heute, Donnerstag, 20 Oklaber. be. ginnt der sozialpädagogische Kursus des Genossen Ulrich um 20 Uhr rm Jugend- heim Tieckltr. 18(an der Ehausseestraße, Nähe Oranienburger Tor). Sterbetafel der Groß-öerliner partei-Grganifatton 9. Abt. Am Montag, 17. Oktober, verstarb unser ältestes Mitglied. Gr. nosse Karl Leinung, im Alter van 80 Jahren. Trotz seines hohen Alters und feiner Gebrechlichkeit wirkte er noch aktto für die Partei. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Freitag, 21. Oktober, Ibltz Uhr, im Krematorium Gerichtstraßk. Wir erwarten rege Beteiligung. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-öerlin. heuke, Donnerstag. 20. Oktober: Norden: Weltliche Schute Putbusser Etr. 2.„Einführung in den Sozialis. mus."— Fallplatz: Jugendheim Eberswalder Str. 1«, Zimmer II.„Darw!- nismuo."— Südost. Köpeuicker viertel: Wrangelstr. 128. Lichtbildervortrag: „Wilhelm Busch."— Sch-ueberg III: Hauptstr. lS. Aktuelle Fragen.— Steglitz II: Albrechtstr. 47. Werbeadend.— Baumschulcaweg: Ernstste. 16. Schul. rntlassungsirter.— Pankow. Sab: Gcmei„beschule IN,«aiser.Friedrich.Str. 57/58. „Was kann man von einem Funktionär verlangen?�— Kellnische« Park: Engel- ufcr 24/25.„Geschichte der Sozialistischen Arbeiterjugend." W W jsl Wilmersdorf: 20 Uhr in der Aula Treitschke. Schul», Prinzregenten.-( U! straße 88/24, Feierstunde. Festrede, Sprechchor, Rezitation u. a. «erbetezirk«rcnzberg: Freitag 1SZ4 Uhr im Llndenheim Sprcchchorprobe. Jede Gruppe muß vertreten fein. welierbericht her«jsentllchen wette, hleaflsselle Berssn und Umgestteb (Rachdr. verb.) Sechseind bewoikt mit»inz«Ii,en Regenichnuern. etwa« Zern- peraturabnahme.— Jiir veutlchian»: Im Süden ziemlich jlark bewöilt, aber noch trocken, sonst neblig mit etwa« Abkühlung. Die Aufnahmen»e, Deutsche» Arbeiter. Sängerbund»» erscheinen nur auf Homarorb.Musikschallvlatten. Da» bekannte„Bettle" gegen Hnaranafatl ist allein echt mit dem Namen F. A. Funke, Leipzig. Diese» Haarwuchsmittel ist bereit» seit 1905 mit größtem Eriolg angewandt Worten. Der Erfolg von„Nettle" beruht aus seiner Her. stellung ganz brspnderer Art.„Nettle" wird in allen Volksschichten verwandt. Ein Versuch überzeugt! c& • Oas ideale 9Cttt Abführ-Konfekt Nr. 496 ♦ 44. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Donnerstag. 26. Gktsber 1927 Riesige Zunahme öes Stromabsahes. Ein Rekordxahr für den Berliner Elektrizitätsverbrauch. Das Jahr 1927 oerspricht für die Berliner Städtischen Elektrizi- >äts werke ein Rekordjahr zu werden, wie es bisher noch nicht dagewesen ist. Sowohl die Stromerzeugung wie die Anschlußbewe- rung sind auf Zahlen gestiegen, die die Entwicklung der Bewag früher nicht aufzuweisen hatte. Das Schaubild zeigt die Ergebnisse der bisher abgelaufenen drei Vierteljahr« 1. Januar bis 39. Sep- tsmber 1927 im Vergleich zu dem entsprechenden Zeitraum des Vor- jahres. Bei der Betrachtung des S ch a u b i l d e s ist zu beachten, daß die drei Säulen für 192K die gleiche Höhe aufweisen, so daß die Säulen für 1927 auch einen Vergleich untereinander ermöglichen. Dies soll dartun, daß die Anzahl der Zähler in einem stärkeren f'Raße gestiegen ist, als die höchste Beanspruchung der Kraftwerke, rnd daß die gesamte Stromerzeugung der Werke wiederum stärker -ugenommen hat, als die Zahl der Zähler und die Höchstleistung der Kraftwerke. Mit anderen Worten, die Werke sind nicht nur quanti- iativ gewachsen, sondern es hat sich auch ihre innere Oekono- >n ie verbessert. Im einzelnen ist zu bemerken, daß die Stromerzeugung in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf 7 3S.2 Millionen Kilowattstunden gestiegen ist, gegenüber 5 77,3 Millionen Kilowattstunden im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Unter Stromerzeugung ist hier die gesamte Produktion, bestehend aus Energieerzeugung in den eigenen Kraftwerken plus Fremdstrombezug verstanden. Der Zuwachs in diesem Jahre gegen- über dem Vorjahr« beträgt 2 7,3 Proz., während das Jahr 1926 gegenüber 1923 nur ein Wachstum von 8,1 Proz. aufwies. Die erhebliche Vermehrung des Stromabsatzes ist eine Folge der im Vergleich zum Vorjahre gebesserten Wirtschaftslage. Di« Anzahl der Zähler ist von 441 147 Ende September 1926 auf 338 348 Ende September 1927 gestiegen. Das bedeutet einen Zuwachs von 21,2 Proz. Insgesamt sind in den ersten »eun Monaten dieses Jahres 39 624 Zähler neu hinzugetreten gegen- über 33 744 Zählern im gleichen Zeitraum 1926. Schließt man von den ersten drei Vierteln des Jahres auf das Gesamtjahr, so würde das bedeuten, daß im Laufe dieses Jahres mit einem Gesamtzugang von etwa rund 12t) 699 Zählern zu rechnen sein wird gegen- über einem Zuwachs von 74 999 Zählern im Vorjahre. Diese Zahlen lehren, daß die Anschlußbewegung im lausenden Jahre viel lebhafter ist als im Vorjahre. Die Beanspruchung der krafkwerkc ist, wie bei der Vergrößerung der Stromerzeugung und der Zu- nähme der Anschlüsse nichts anderes zu erwarten ist, in diesem Jahre bedeutend stärker als im Vorjahre. Die Höchstleistung der Kraftwerke ist für Ende September 1926 mit 293 699 Kilowatt verzeichnet, !i« betrug 243 399 Kilowatt am Ende September dieses Vahles. Die Vermehrung beläüft sich auf 19,3 Proz. Mit einem Zuwachs an Leistung, der nur 19,3 Proz. betrug, ist demnach eine Energien, enge erzeugt worden, die ihrerseits um 27,3 Proz. gewachsen i st. Das Nebeneinander dieser beiden Zahlen lehrt, inwieweit sich die inner« Oekonomi« der Stromerzeugung gehoben hat. Freilich sind diese, dem Ende September entnommenen Zahlen mehr als ein Symptom, denn als ein endgültiges Ergebnis zu bewerten, weil die absolut höchste Kraftwerksleistung des Jahres in Berlin er- fahrungsgemäß erst in der Woche vor Weihnachten einzutreten pflegt. Erst wenn diese letztere Höchstleistung bekannt ist, wird man fest- stellen können, inwieweit das letzte Viertel des Jahres gehalten hat, was die ersten drei Viertel zu versprechen scheinen. Richtige Skrompreispolilik. Die riesige Entwicklung der Stromerzeugung beweist, daß die Bewag bisher mit ihrer T a r i f p o l i t i k auf dem richtigen Weg« war. Zugleich lehren die gewaltigen Zahlen der Neu- anschlüsse, ein wie tiefes Bedürfnis nach Elektrizität bei den großen Massen der Bevölkerung vorhanden ist. Die Berliner Städtischen Elektrizitätswerke. Jhre Entwicklung vom 1.1.-50. 9. 1926 und vom 1.1:10.9.1927. Gesamte Stromerzeugung 735,2 Hill. KHowattstd 577,5 Hill KHowattstd i I P i 26 27 Anzahl der Zähler Ende September. 5585 1-8 tttl'r? 27 Höchstleistung der Kraftwerke Ende September 27-5 500 Kilowatt 205600 Kilowatt 1 P w ü 26 27 129 999 neue Zähler in einem Jahre bedeuten die neu« Strom Versorgung von schätzungsweise 499 999 Menschen. Das ist die Be völkerung einer Großstadt, wie es nicht viele in Deutschland gibt. Was wir jetzt in Berlin auf dem Elektrizitätsgebiet« erleben, das ist in seiner Art eine Revolution. Die Elektrizität, noch vor wenigen Jahren ein Luxus, ein Privilegium der wohlhabenden Schichten, strömt jetzt in immer gewaltigeren Ausmaßen in die Arbeiter quartiere der Großstadt ein. Dr.-Jng. W. M a j e r e z i k. Eine Abfuhr für Schacht. Die Antwort des Breslaner Oberbürgermeisters. Auf den„Offenen Brief" des Reichsbankdirektoriums, über dcn wir gestern berichteten und der, entgegen unserer Annahme, auch vom Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht unterzeichnet war, hat der Oberbürgermeister von Breslau Dr. Wagner nun ebenfalls ösfent- Hch geantwortet. Die Antwort von Dr. Wagner spricht für sich selbst. Das Schreiben Schachts hat in Breslau die berechtigte Em- pckrung erweckt, die auch wir empfanden. Dr. Wagner schreibt an Dr. Schacht: Auf Ihren Brief vom 17. Oktober 1927 erwidere ich folgendes: Wie das amtliche Stenogramm der Breslauer Stadtverordneten- Versammlung beweist, habe ich nicht gesagt, daß in der Auslands- anleihefrage die Reichsbank auch den Reparationsagenten Parker Gilbert mobil gemacht habe. Ich habe auch nichts Aehnliches gesagt. 3m übrigen habe ich Ihr Schreiben mit dem größten Be- fremden gelesen. Ich hätte von Ihrer Loyalität erwarten dürfen, daß Sie mich, bevor Sie mir einen solchen Brief schrieben, persön- lich um Aufklärung des Sachoerhalls ersucht hätten. Ich weis- aus das Entschiedenste die Vorhaltungen und Unterstellungen zurück, die Sie sich mir gegenüber erlaubt haben. Sie haben kein Recht, mir gegenüber wie eine vorgesetzte Behörde auszutreten. Da Sie, ohne auch nur meine Stellungnahme zur Sache ab- zuwarten, Ihren Brief der Presse übergeben haben,.bin ich ge- zwungen, das gleiche mit dieser Antwort zu tuN. Ich lehne es nunmehr auch ab, noch eine weitere Richtigstellung vor der Stadt- verordnetenvcrsammlung vorzunehmen, überlasse vielmehr getrost das Urteil über Ihr Verhalten der Lesfcntlichkeit. Der Herr Reichsbankpräsident hat hier in der Tat nur die Antwort erhalten, die er auf sein Vorgehen verdient hat. Es kann für ihn keine Entschuldigung sein, wenn er darauf hinweist, daß Dr. Wogner die Presseberichte über die von ihm gehaltene Rede noch am dritten Tage nach der Rede nicht korrigiert hatte. Der Reichsbankpräsident wird den Brief von Dr. Wagner nicht hinter den Spiegel stecken. Die Reichsbank Mitte Oktober. Die zweite Oktoberwoche hat für die Reichsbank einen Rück- gang der Kapitalanlage in Wechsel- und Lombarddarlehen von 149,4 auf 2619,1 Millionen gebracht. Der Bestand an Wechseln ging um 171,1 auf 2432,2 Millionen zurück. Der Lombardbestand ist um 39.8 auf 94,9 Millionen gestiegen. Diese Erleichterungen in der zweiten Woche nach der Diskonterhöhung sind als recht n.äßig anzusprechen, insbesondere dann, wenn man die Vermehrung der Lombardbestände von der an sich keineswegs ausreichenden Em- lastung der Wechselbestände abzieht. Die Wechselbestände von 2,4 Milliarden sind das Höchste, was seit der Stabilisierung der Währung bisher zu verzeichnen war, und daß bei dem hohen Lombardsatz von 8 Proz. die Summe der Lombarddarlehen so er- beblich und für jbie Monatsmitte auf eine außergewöhnliche Höhe anstieg, beweist die Dringlichkeit, mit der auf dem Geldmarkt Geld verlangt wird. Dabei muß man annehmen, daß die Reichsbank in der Hereinnahme von Wechseln sich bewußt einige B e s ch r ä n k u n g e n auferlegt. Die Gelder auf Girokonto sind allerdings um 78,9 auf 689,7 Millionen gestiegen. Der Umlauf von Reichs- banknoten ging im Zusammenhang mit diesen Veränderungen um 211,4 auf 3792,6 und der an Rentenbankscheinen um 19,8 aus 934,3 Millionen zurück. Gold- und Devisenbestände sind mit 2913,3 Millionen um 5,6 Milliopen erhöht. Die deckungssähigen Devisen nahmen um 5,8 auf 161,7 Millionen zu, während sich die Goldbe- stände um 9,24 aus 1831,6 Milliionen verringert haben. Die Notendeckung durch Gold besserte sich gegenüber der Vorwoche von 46,2 aus 48,8, diejenige durch Gold und Devisen von 39,1 auf 53,1 Prozent._ Amerika an Europa. Julius Barnes, der amerikanische Vizepräsident der Jnternatio nolen Handelskammer erklärte in einer Ansprache vor einer Kon- serenz der Direktoren der Handelskammer der Vereinigten Staaten: Die amerikanische Wirtschaftstheorie, daß der Standard der Lebenshaltung für alle Volksklassen erhöht wer- den müsse, um die Konsumkraft zu erhöhen, wird allmählich von der europäischen Wirtschaftspolitik als Basis angenommen. Die Niederreißung der Tariffchranken zwischen den wirt- schastlich voneinander abhängenden Ländern, wie es die europäischen Länder sind, ist die Grundvoraussetzung für die Erweiterung der Konsumkraft ganzer Nationen. Die europäischen Geschäftsleute er- kennen, daß solche Handelsschranken zwischen den Nationen von verhältnismäßig gleicher Lebenshaltung durchbrochen werden müssen. Die amerikanische Geschäftswelt hat ein wirkliches In- teresie an der Stabilisierung der Geschäftslage der ganzen Welt, weil wir wissen, daß eine Depression, die irgendwo in der Welt auftritt, überall ihre Wirkung ausübt. Es liegt in unserem direkten Interesse, die Kaufkraft Europas, das noch immer unser größtes Absatzgebiet ist, weiterzuentwickeln, um dadurch unsere eigen« Fähigkeit zur Aufnahme der benötigten Waren aus dem Ausland zu erhöhen. Diese Tatsachen zwingen uns, die Probleme zu studieren, die scheinbar nur Europa angehen und nach Möglichkeit an einer gröhe- ren Weltsiabilisierung mitzuwirken. Die amerikanische industrielle Führerschaft beabsichtigt eine entscheidende Rolle in dem neuen Fort- schritt im Ausland zu spielen, nicht dadurch, daß sie Europa sagt, was es zu seiner Rettung tun sollte, sondern dadurch, daß sie ihre möglichste Mitarbeit gewährt und Europa ihre industrielle Erfahrung zur Verfügung stellt, damit es davon oerwertet, was es für vorteil- Haft hält. Hier ist klar einiges ausgesprochen, worauf Europa hören soll. Es wird auch in Amerika viel Unsinn geredet. Aber die hier aus- gesprochenen Wünsch« für die Entwicklung in Europa dürften den Ansichten und Interessen der Amerikaner guten Ausdruck geben. Allerdings ist Barnes über das Wollen der europäischen Machthaber sehr optimistisch. Mag die Arbeiterklasse durch ihren zielbewußten Kampf dazu beitragen, daß der Optimismus der Amerikaner im Recht bleibt. Oer Güterverkehr steigt weiter. In der Woche zum 8. Oktober ist die aufwärtsweisende Kurve d«r Güterwagengestcllung der Reichsbahn auch noch nicht zum Still- stand gekommen. Die arbcitstägliche Wagengestellung hat sich von 169 999 auf 169 399 erhöht. Tabellarische Ueberficht seit September(in 1999 Stück) W°ch° wöchentlich Ä« 1927 1926 1927 1926 23. 8.— 3. 9. 918,4 824.6 153,1 137,4 4. 9.-19. 9. 928,9 824,3 154,7 137,4 11. 9.— 17. 9. 947,8 842,2 158,9 149,4 18. 9.-24. 9. 951,8 848,1 158,6 141,4 25. 9— 1. 19. 060,0 859,3 160,9 143,2 2. 10— 8 10. 962,8 880,3 160,5 146,7 Die Wagengestellungszifsern der Reichsbahn nähern sich all- mählich dem Höchstpunkt, der im vorigen Jahre für eine einzig« Woche während der höchsten Anspannung des englischen Bergarbeiter- streiks und des gleichzeitig sehr starken deutschen Weihnachtsgeschäfts zu verzeichnen war._ Um die Aollsenkung in Oeutschlanö. Der Reichswirlschaflsrol bei der Arbeit. Die Vorbereitungen der einzelnen Kommissionen des Reichs- wirtfchaftsrates zur Aufstellung eines Gutachtens über die Senkung des deutschen Zolltarifs unter Berücksichtigung von 390 wichtigsten Einzelpositionen, sind mit Ausnahme der Agrarzölle beendet. Die Behandlung der Ergebnisse im Zolltarifausschuß wird nunmehr voraussichtlich am 2 November beginnen. Der Zolltarif- ausschuß wird zu diesen Untersuchungen Sachverständige aus der erzeugenden, der verarbeitenden Industrie, dem Handel und der Arbeitnehmerschaft heranziehen. Auch die Fachreferenten des Handelspolitischen Ausschusses werden zu den wichtigeren Beratungen hinzugezogen werden. Man rechnet damit, daß Ende November diese Verhandlungen beendet sein werden, so daß dann das Gut- achten des Reichswirtschaftsrates der Reichsregierung oorgc- legt werden kann und die Grundlage für die beabsichtigte Zollsenkung bildet,_ Die Renlenbankkredite müssch» gezahlt werden. Der Reichs» l and b und hat neben anderen übertriebenen Forderungen von der Reichsregierung auch verlangt, daß sie eventuell durch eine Aktion beim Reparätionsagenten verhindert, daß die im November fälligen Renienbankwcchsel bezahlt werden müssen. Damit ist es jetzt nichts, und Reichsernährungsminister Schiele selbst— es wird ihm schwer gefallen sein— muh das feststellen. Die amtliche Er- klärung darüber besagt zusammenfassend, daß die Abwicklung der Rentenbankkredite a u f jeden Fall durchgeführt werden soll. Die landwirtschaftlichen Spitzenverbände sollen darauf hin- wirken, daß jeder Landwirt, der irgend dazu imstande ist, seiner. Verpflichtungen nachkommt. Falls dies geschieht, werden die Kreditinstitute in der Lage sein, durch sorgsame Prüfung des Einzel» falles eine Existenzgefähvdung der Betriebe zu vermeiden.— Es ist zu begrüßen, daß den Kreditinstituten beim Inkasso der Wechsel freie Hand gegeben wird. In ihrer Hand ist auch die Prüfung der Ausnahmen am zweckmäßigsten ausgehoben. Die Bergbau läge im Sepiember war im ganzen genommen nicht weniger günstig als die im August. Im Ruhr gebier ergab sich für 26 Arbeitstag« eins Steinkohlenförderung von 9,69 gegen 9,93 Millionen Tonnen. Kokserzeugung und Brikettherftellung gingen ebenfalls etwas zurück. Die Gesamtzahl der b e s ch ä f t i g>. "ten Arbeiter betrug 492 563 gegen 494 966. Die Kohlen- bestände find nicht nennenswert'oermehrt.(Bestand 1,96 Millionen Tonnen.) Der Aachener Bezirk hat seine Förderung im September gegenüber dem August noch vermehrt. Das gilt auch für die Erzeugung von Briketts. Auch die Zahl der Beschäftigten ist mit 23 762 um 196 Mann höher. W e st o b e r s ch l e s i e n meldet eine nur geringfügig auf 1,79 Millionen Tonnen aescnkte Förderung, einen um rund 38 999 auf 245 999 Tonnen gestiegenen Haldcnbestand. In Niederschlesien haben sich bei ziemlich unveränderter Förderung die H a l d e n b e st ä n d e durch die verbesserte Absatzlage für Jndustrickohle verringert und auch die Lage des Koksmarktes ist besser. Im sächsischen Steinkohlen- rovier konnte die um rund 7999 aus 398 999 Tonnen gesenkte Förde- rung glatt abgesetzt werden. Für Braunkohle ergibt sich für Mitteldeutschland eine neuerdings auf 8,69 gegen 8,62 Mil- lionen gestiegene Rohkohlenförderung, während die Brikett- Herstellung leicht zurückgegangen ist. Im rheinischen Braun- kahlenreoier wurden 3,77 gegen 3,85 Millionen Tonnen im August gsförderi und mit 0,90 Millionen Tonnen auch etwas weniger Briketts hergestellt. Die Gesamtlage des deutfckien Kohlenbergbaus stellt sich danach im Monat September weiterhin als günstig dar. Ein europäisches Eleklromaschinenkartcll? Der englische„Eve- ning Standard" meldet, daß demnäckst zwischen den deutschen, eng- lifelzen, französischen und spanischen Erzeugern elektrischer Maschinen und Apparate in Beriin eine Konferenz stattfinden soll. Die Kon- serenz habe das Ziel, eine Preiskonvention zu errichten. Wir verzeichnen diese Mitteilung, weil sie uns ßicht unwahr- scheinlich erscheint. Mit der amerikanischen General Electric Com- pany hat der deutsche A E G.- K o n z e r n den Elektrizitätsmarkt ich' Europa weitgehend aufgeteilt, und wenn sich neben England die übrigen deutschen Erzeuger von Elektroinaschinen zur Karte'- lierung bereit finden, so wäre tatsächlich das Zustandekommen eines derartigen Kartells möglich. Ein großes Bauproqramm will die DeutjchcReichsbahn- Gesellichait im rheinisch-westsäliscbe» Industriegebiet durch- führen. Die Strecke Köln— Dortmund soll ricrgleisig ausgebaut werden und die Nord-Slld-Verbindung im Kohlengebiet soll so ein- gerichtet werden, daß die Bergarbeiter stillgelegter Südze-ben im nördlichen Gebiet befchästiqt werden können, ohne ihren Wohnsitz in der südlichen Ruhr aufgeben zu müssen. Die Durchführung des Gesamtplanes erfordert etwa 399 Millionen Mark, deren Aus- bringung sich aus die nächsten sechs Jahre verteilen soll. Wie man Verdauungsbeschwerd�n auf leichte Weise beseitigen kann Auf leichte, schnelle und prompte Weise werden Verdauungs- beschwerden beseitigt, wenn man den Ursprung der Störung durch Anwendung des richtigen Mittels behebt. Fast alle Berdauüngs- beschwerden und Magenleiden sind aus einen Ueberschuß van Säure zurückzuführen, der die Gärung im Magen bis zum Uebelwerden steigern kann. Beseitigen Sie diesen Zustand und Schmerz und Unbehagen verschwinden dann sofort. Man nimmt am besten einen halben Koffeelösfel des harmlosen Mittels: Biserirte Magnesta. Dieses Mittel neutralisiert die Säure, mindert die Gasbildung und bewirkt eine schmerzlose normale Verdauung. Kaufen Sie noch heute eine Flasche in der Apotheke, nehmen Sic sie nach dem Essen oder jedesmal, wenn Sie Unbehagen verspüren, und Sic werden van der guten Wirkung überrascht sein: Schmerzen, Beschwerden und das unbehagliche Gefühl eincs überfüllten Magens sind rasch ver- schwunden. Es gibt wohl kaum ein anderes Mittel, das so schnell und prompt Erleichterung verschafft wie Biserirte Magnesia. Ler- suchen Sie es noch heute! Wichtig? Hüten Sie sich vor Nachahmungen u»d bestehen Sie doranf, nur die echte Biserirte Magnesia zu erhalten, die den Naw Vismag Ltd. London trägt. 8 Uhr Kabale n. Liebe 8MMI Nollendon 7360 Die Oktober- Varie�-Rcvne Renaissance-Theater Steinplatz 901.— Täglich 8 Uhr Giovanni and Annabell» (Schade, daB sie eine Hure). CAS1NO-THEATER" Uhr Die Paala vom Metropol. AatMboeldeB I Cutschein I— 4 Pers. Pauteuil nur 1,10 M„ Sessel nur 1,60 M. Edmonde Ouj, Erne»!»an Düren 1 Enoch Light'» ColnmhlB-Orchester| Hennen mKarlshorsI Donnerstag, den 20. Oktober nnclnn. 1 Uhr Jagdrennen d.Drellghrlgen -«otgsiD DitosiutOOUwED-i Uaplian Allrctf Sdinelder Mopqmcptaler HoUdrcnsben mil ZcutrAlbcixun�"TWE Prioiesallee. Edte ioldioer MM Telephon: Moabit»821 T-zls-KröttavvÄs Vor» eUR. friitjj, 21 Oklcbet. I Ufcr-Til. I. diu).'»tibi. a. lleckliiezüiM Norden 10334— 37 8 Chr. Doralhea Asiensana v. Oerh. Hauptmann W,: Max Reinhardt Kammerspieie Norden 10334-�7 Zt/. U EndelO'/.U Ihr Mann lostspis! von Fani Gsraldr Die Komödie Bismarck 2414/7316 i'U Uhr. Ende 10V» Zinsen Komödie von Bernard Shaw Piscaiorbühne riut,i-r .iitiomh-tötar rh.KoQigvraiz. St. Elasenh. 2119. 8U. OiiSMtl KomSdlenhan» Morden 6304. 8'/, Berliner Theater Dönhoff 170. 8U. L�onie Hose-Theater 8»/, Uhr Dl« Maschinen' daner v. Berlin Manuskript; Dr. J. Brandt u. Alfred Halm Texte; L. W Jacobs Regle: Franx Osten In dsn Hauptrollen: Mary Johnson/ Nina Vanna Ernst Verebes/ Andrö Matfoni Elisabeth Plnaieff/ Olga Limburg/ Erich Kaiser-Titz Rudolf Lettinger/ Jacob Tiedtke/ Carl Walther Meyer Peter Ostmayr- Produktion der Matador-Fllm-Verleih G. m. b.H, Uraufführung: Freitag 1 5 1 7 1 9» I Uhr g UfA-THEATEß w MOZARTSAAL Kottbusser£lraSe ö. Täglich 8 u. u. Sonntagnehm, i U Elite- Sänger la Broker Form In Ihrem Uombcnorogramm t Volkspreise von 50 Pf. bis?d>0 M. SonniainachmiilaK! «retz« vamtuen Voütetlnn Volles Progr. Kl. Preise v. 40 PI. b. 1.7J M. R -Tbeatn Täglich«*/, Uhr OerleilikDtsciierdes FridericcsGei Sonnab. u.Stg.4Uhr Schneewet�dieo and Rosenrot Kleine Eintrittspr. Ab Sonntb. 22. Okt. 8 Uhr GestmtKistspieldes Hcrrnteld-Theaters vamana• Ibeai Täglich 8>. Uhr- Arn RDiJesbeinur SdiliiBstsbt eint Liefe Parken statt« Mk ■ägt. auch Sonntags nur 00 Pt. Sonntagiiachm.4 U DornröMhen Parkett von 30 PI. an a«lcli*hali«n>l(hea.er Anlang 4 Uhr u. Sonntag naenm 3 Uhr jgt Stettiner Sänger jm Zum SehluO: Eine itochzctt 27 n der MüIlerstiaBe O Nachmittag» Hulbe OV#5(W Preise,»olle» Programm. im OBnhoH-Brait'l: Variati, Konxart, Tanz iitatsn-Ues«« >ts. Künstler- Tb ' Uhr Justiz -essing-Tbeaier 8 Uhr '44iS/i?�5;• TT Tel Ab Freitag 21. Okt tägl. B-, Uhr der Sensation. Erlolg Dl* InginidpriDzgisIg Operette v. Zorlig. Bereits über 200 Aufführungen I Seils Hrr,«Iii«uls.lhrl. litwii, k ii Iis Ssiiar. trtw ill, im'ri. s n. Planttarina in Zoo fstUsj. issdlissAilir Sinti Noll. 1578 Oer Stomeahininislaol der Rslst von Berlin eub den Aoguntor Vorführungen: »•'Ii 6. 7'/fc 9 Uhr. Eintritt I M. KIsfr ml(4-lfm S.Stt das altbewährte SaureichmiHel 1 zur Niete W. O.Ansbaekersir.t ■ Woapatsi maaq Mi cLbUsiitr Nur QroS-Berlin Alexenderplels [. H.W. Dfetz Nadij)., O.m.b.! LindsMtTdi�e t berliner j||lk-YriO Moukölln. w ukoatr- 74/71 i Nettle feden Haaraaslall und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigte _______ nksehreiben. 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Gin barfüßiges semmelblondes Bürfchlcin kam atemlos zur �iütte des Potap Logutkin gestürzt und blickte geschäftig ins Fenster. Unter der Hängelampe an einem Tisch voll Flaschen und' Imbis- schusseln saßen ein Aller mit spärlichem Grauhaar, in gelbem Hemde— der Wirt des Hauses— und ein Mann mit rotem Schnauz- bart—, er trug ein grünes Samtwams, und sein Kopf war glatt- rasiert. Der Knabe preßte seine Stupsnase gegen die Glasscheibe, klopft« ans Fenster und rief: „Onkel Potap, die Leute sind schon alle im Klub versammelt? Der Vorsteher läßt den Zauberkünstler rufen!" Der rote Schnauzbart warf einen Blick aufs Fenster und fragte— seine Stimme war erkältet und heiser: „Was ist los. Wirt?" „Oa, man schickt wohl aus dem Klub herüber," erläuterte Potap dienstwillig, indem er seinem Gast ein mit Schnaps gefülltes Teeglas hinschob.„Sie sind wohl ungeduldig geworden. Der Klubvorsteher bittet dich, mit der Vorstellung zu beginnen." Der Rothaarige goß sich sein Glas Schnaps hinter die Binde. strich sich mit der Zunge über den Schnurrbart, rülpste laut und knirschte: „Der Klubvorsteher? Man denk« bloß— welch ein großes Tier! Hab' genug von der Sorte gesehen. Weißt du, Bruder, ich habe vor dem Vorsteher der Ischuwaschcnrepublik Vorstellungen gegeben, besitze ein Belobigungsschreiben vom Bildungskommissar der kaukasischen Bergrepublit! Und hier— Spaßl— irgend so ein Dorf-Vor- sitzender!� ,�Hast recht! Spuck* aus ihn. Genosse Mogierl" murmelte der Wirt unterwürfig.„Acht' nicht auf ihn! Die verstehen ja doch nichts von der Sache! Sie mögen warten— tut nichts!" „Selbst der Vorsitzende der Bergrepublik hat auf mich warten müssen!" brüllt« der Gast los und schlug mit der Faust schmetternd aus den Tisch.„Sämtliche Dolkekommissare der Tschuwaschenrepublik haben gewortet! Ich habe in ganz Europa internationale Kultur. aufklärungs-vorstellungen de.- schwarzen und weißen Magie veran- staltet!" Der Mte rückt« näher an den Sprecher heran und forschte mit listigem Augenzwinkern: „Sag' mir mal, lieber Freund, ehrlich und aufrichtig: Diese Maggi—, in welcher Weis« kommt das nun eigentlich zustande?" „Du glaubst wohl, es sei Teufelssput?" lächelte der Gast über. legen.„Aber ich sage dir: die Sache vollzieht sich ganz ohne Opium. allein durch Geschwindigkeit und Geschicklichkeit der Hände.. „Was du sagst I" wandte Potap mit leisem Mißtrauen ein.„Du kennst gewiß ein Zauberwort, Genosle Magier. Ohne da? geht's auf keinsn Fall!" Der Magier streckte die Hand noch dem Trinkglas« aus und brummt« nachdenklich: .Rrrrrichtig... natürlich tenne ich auchaewisse Zauberslstche.. Hast du Lust? Ich mach« dir gleich irgendeine Hypnose vor!" „Nein, laß ab! Lieber nicht! Sei schon so gut... wart' noch ein bißchen," bot der Wirt und rückte ängstlich von ihm ob. ,Lol' dich der Kuckuck! Wirst mich noch in wer weiß was verwandeln! Führ' das schon lieber im Klub vor!" „Im Klub?" grinst« der Magier verschmitzt.„Aber vielleicht zieh« ich«» vor, auf euren Klub zu spucken? Was habt ihr über- Haupt für ein Publikum— blöd und ohne das geringste Verständnis für uns Künstler! Do bin ich nun in eurem gottverlassenen Dorf gestrandet, um eine Kulturoufklänings-Dorstellung der schwarzen und weißen Magie zu geben, Hab' ein Plakat ausgehängt, selber die Ein- trittstarten verkauft— alles, wie sich's gehört... aber was meinst du wohl—, wie groß ist der Erlös? R Rubel! Für diesen Dreck rühre ich keinen Finger— von Glasschlucken schon gar nicht zu reden! Vielleicht ist meine Seele heute überhaupt nicht in Stimmung. Glas und Feuer zu fressen! Fiix 25 Rubel— Bin ich nicht zu hoben!" Der alte Potap musterte seinen Gast ausmerksam und flüsterte ihm kichernd zu: ., Genosse Magier, ich verstehe dich! Wir haben zusammen ge- soffen.. Aber wenn man uns ertappt?" „Dann rücke ich aus, quer durch die Gemüsegärten... auf die große Landstraße... Ich kenne hier die Wege gut... Und die Nacht ist stockfinster." entgegnete der Magier gleichfalls im Flüsterton. „Na, dann mach ober schnell! Trödle nicht länger! Sonst schickt man wieder vom Klub herüber. Das Sotansoolk hat ja keine Geduld..." Der Magier sprang auf, warf seinen zerschlissenen Mantel über die Schultern, grisf nach einem schmalen Leineniöfserchen, drückte seinem Gastgeber slugs die Hand und flitzte in die Nacht hinaus. Nach fünf Minuten kam der Borsitzende de« Dorssowjets, ein rotbärtiger Bauer in neuem Sonntagsrock, verstört in die Hütte gelaufen und blickte verblüsft um sich: „Onkel Potap, wo steckt denn der Magier? Die Leute sind längst versammelt und verlangen sein Auftreten." „Na endlich kommt ihr!" sagt« Potap lächelnd.„Dieser Magier ist längst auf und davon." „Worum hast du ihn nicht am Schlafittchen gepackt?" „Am Schlafittchen? Versuch', mal selber! Du host gut reden. Er hätte dic'l in einen Höllendreck verwandelt! Da wärst du deines Leben, nicht mehr froh. Oder unser Dorf in Brand gesteckt, oder sonst was! Kamist noch von Glück sagen, daß der Satan Ihn geholt hat. Kurz und gut, man sieht',—«in richtiger Magier—, Geschwin- bigkeit der 5?änd« und Füße und dergleichen. So einer kriegt alles fertig.. Der Borsitzend« stand long« schweigend mit offenem Munde da: dann spuckte er grimmig au» und sprang mit einem Satz aus der Hütte. Entwicklung und Vererbung. von Dr. v. vorchardl. Nach vor IkD Jahren sah man die Formen aller Lebewesen, Pflanzen und Tiere, als feste unverändert« Akten an. di« so, wie sie einmal geschossen worden sind, dauernd weiter bestehen, ihren Kin- dorn und weiteren Nachkommen ihre Formen und sonstigen cho- rakteristlschen Eigenschaften unverändert vererben, entsprechend dem biblischen Wort, daß Gott sie olle geschoisen hat,„ein jegliche« nach seiner Art". Zwar gab es auch zu End« de« ltz. und Anfang des 19. Jahrhundert» Forscher, die von einer Entwicklung sprachen, aber sie tonnte» sich gegenüber den, allgemeinen Glauben von der Un- Veränderlichkeit der Arten keine Geltung verschaffen. Erst seitdem das Liebespaar. Viktoria, die StjShrig« Schwell« de» ExlaM«, heiratet den ZZjSH- rigen russischen Einlänz« Zovbtoss. Starr vorSchrcckenfind Verwandle wenn die scchzigsährlge Tonte. Ob fie zwar schon angegreift. Sich al» liebcstoll«rweist. Einen sastig.jungen Knaben will die alte Schachtel hoben. Er ist Tänzer, sie Prinzeß. Einfach fürchterlich!— Zndeß Bruder Wilhelm hoheozollern Kann hier nicht dazwischenkollrr«, weil auch sein Zohanniilrieb Keineswegs piolonisch blieb. Vorurleile alter Zelten weichen lchllchlenMeuichlichkeltea. hier Viktoria— dort Zoubtoff: Menschen siudvongleichemStoff. Rur— um dlese» zu kapieren. Mußt' ein Amsturz eist paisierea. Leider scheint: für Majestät Kam die Sache etwas spät! M. v. c. Charles Darwin mit einer Fülle wisienschastlich gesammelten Materials die Entwicklung der verschiedenen Arten aus einander dartat und die Lehre von der Abstammung aller verwickelten pflanz- lichen und tierischen Lebensformen aus einfachen aufstellte, ist dies« als rcligions- und glaubensseindlich verketzerte Auffassung allmählich zum Gemeingut der wisienschastlichen Welt geworden. An der Tat- lache der Deszendenz oder Abstammung in Darwinschem Sinne zweifelt heute wohl kein wisienschaftlich ernst zu nehmender Forscher. Darwin versuchte auch, in die Mechanik der Entwicklung einzu- dringen; er meinte, daß im Kampf ums Dasein nur diejenigen In- dioiduen bestehen, die am besten den Lebensbedingungen angepaßt sind und auch oeränderten Lebensbedingungen sich anzupassen ver- mögen. Diese vererben ihre Eigenschaften an ihre Nachkommen, und so kommen durch ein Ausleseprinzip der Nawr, sog. natürliche Zucht- wohl, im Lause von Jahrtausenden und Iahrmillioncn gänzNch veränderte vererbbore Eigenschasteii und neue Arten zustande. Dieser erste großartige Versuch, in den Mechanismus der Nawr bei der Bildung neuer Arten einzudringen, die sog.„Selektionslehre" oder der Darwinismus im engeren Sinne, hat später anderen An- schauungen weichen müssen, er Ist als nicht auereichend zur Er- tläning ober zum Begreifen der Tatsachen erkannt worden. Zu Anfang unseres Jahrhunderts entdeckte der heute noch im Alter von 77 Jahren lebende holländische Forscher Hugo de V r i e s bei gewissen Pflanzen sehr aufsallende Abweichungen, durch welche sich die Nachkommen von den Eltern unterscheiden, und diese Acnderungen oder„Mutationen", wie man sie mit einem Fremdwort nannte, vererbten sich weiter, so daß in ganz kurzen Zeiträumen unter un- leren Auge» ganz neu« Formen entstehen, zu deren Erklärung die Selektionslehre schier upgemessene Zelträume voraussetzen mußte. Gleichzeitig entdeckte de Arie» von neuem die schon vor sechzig Jahren von dem Augustinermönch Gregor Mendel zuerst aufge- fvndenen, aber unbeachtet gebliebenen Regeln der Vererbung bei Kreuzungen verschiedener Arten. Diese Mendelschen Regeln, wie sie seitdem heißen, die übrigens zur selben Zeit auch von dem beut- schen Forscher Karl E o r r e n s und dem österreichischen Botaniker Erich v. T s ch e r in a k wieder gesunden wurden, bilden seitdem die Grundlage der Wisienschost von der Vererbung, die sich in den seit- her oerslossenen 25 Jahren sehr kräftig en�oickelt und die verschiedenen Zweige der Biologie(Wissenschost vom Leben) ganz außer- ordentlich befruchtet l>at. Freilich hat. wie der Wiener Biologe Richard v. W e t t st e i n In einem bedeutungsvollen Vortrag auf dem kürzlich abgehaltenen internationalen Kongreß für Vererbung»- «isfenschast hervorhob, gerade die Deszendenztheorie oder Entwick- lungslehre die erhofft« Befruchtung von der Bererbungssorschung trotz deren großer Erfolge nicht erfahren. Dieses auf den ersten An- blick überraschende Ergebnis wird oder verständlich, wenn man be- denkt, daß zwar die Vererbung eine Voraussetzung der Entwicklung ist. ebenso aber auch die Durchbrechung der Vererbung, ohne welche e» sa überhaupt keine Veränderung, also auch kein« Entwicklung geben kann. Die Bererbungsforscher haben aber naturgemäß Haupt- sächlich die Erscheinungen der Vererbung und nicht die ihrer Durch- brechung zum Gegenstand ihrer Untersuchungen gemacht. Für di» Vererbung wurden als In erster Reihe inaßgebend gewiss« Bestandteil« der Keim- oder Geschlechtszellen erkannt, die sog. Chromosomen oder fadensönnigen KernWeifen. Ein« Zelle, die Grundeinheit, aus der seder Organismus aufgebaut ist, besteht stets aus einem Kern und dem eigentlich«« Zellkörpe? oder Pla»« m a. Di« fadenförmigen Chromosomen sind durchaus an den Zell- kern gebunden und sie wurden als Träger der Erbeinhelten erkannt, von denen jedes einzeln« Chromosom sehr viel« enthalten tonn. Freilich ist die Frage auszuwerfen, ab wirklich die sog. Genc, wie man die an den Zellkern gebundenen Erbeinheiten nennt, die einzigen Träger der Vererbung sind, oder ob nicht neben ihnen der eigentliche Zellkörper, das Plasma, der Sitz von Vererbuiigsslemcn- ten ist, wofür nach Wettsteins Zlusführungen manche Ergebnisse neuerer Untersuchungen zu sprechen scheinen. Dies« und eine Reihe anderer Fragen harren noch der Aufklärung. Darwin nahm an. daß auch solche Veränderungen, die ein Or- ganismus im Lauf seines Lebens erwirbt, vererbbar sind. Doch ist dies« Ansicht heute wohl allgemein solle» gelassen. Erhaltene Verletzungen, die ein Körper erhält, scheinen mit Sicherheit nicht erblich zu sein: aber auch bei vielen anderen Deränderungeii ist es nicht dec Fall. Organe kräftigen sich durch Gebrauch und verkümmern bei Nichtgebrauch, ein Schmied z. B. bekommt insolg« seiner Täligkeit ganz ander» ausgebildete Muskeln als ein vornehmlich mit Schreib- orheit in der stillen Stube beschäftigter Gelehrter. Aber vererbt werden diese Eigenschaften nicht, der Sohn des Schmiedes ist von oornherein keineswegs mit kräftigerer Muskulatur ausgerüstet als der Sohn des schwächlichen Gelehrten. Rur wenn die Gene, die Erbeinheiten, beeinflußt und verändert sind, tritt di« Veränderung, die an irgendwelchen Stellen des Körpers erkennbar werden tonn, auch bei den Nachkommen hervor. Die Einsicht in die Faktoren, welche eine Veränderung der Gene oder Erbeinheiten hervorrufen, ist freilich noch sehr gering, aber vielversprechende Anfänge sind doch gemacht. Namentlich in Amerika, wo für derartige Forschungen weit reicher« Mittel zur Versügung stehen als bei uns in Deutschland, herrscht auf diesem Gebiete eine rege Forschertätigkeit. Aus dem schon erwähnten internationalen Kongreß berichtete Prof. H. I. M u l l e r von der Universität Texas in den Vereinigten Staaten über solche Versuche, die an mehreren Tausenden von Exemplaren einer winzigen Fliegenart, der sag. Essig- oder Taufliege angestellt wurden. Eine gering« Ahnung von der Schwierigkeit und Feinheit derartiger Versuche bekommt man, wenn man hört, daß in einem einzigen Chromosom dieser Fliege gegen 100 Gene vorhanden sind und daß es trotz ihrer Winzigkeit gelungen ist, sie auf die photographische Platte zu bannen. Muller konnte den Einfluß verschiedener äußerer Umstände, der Temperatur, der Röntgenstrahlen, des ultravioletten Lichtes, auf die Veränderung der Gene studieren, und auf Grund seiner Ergebnisse kam er zu dem bedeutsamen Ausspruch:„Mutationen können willkürlich ausgelöst werden." Freilich mußte er die Einschränkung machen, daß der Ort und die Richtung der Mutation in keinem einzelnen Falle vorher bestimmt und vorausgesagt werden kann, wenigstens vorläufig noch nicht. Aber es ist doch ein Ansang mit der Einsicht in den Mechanismus und die Bedingungen der Mutationen gemacht, und es ist zu hoffen, daß diese Arbeiten in ihrem weiteren Verfolg auch dazu führen werden, bestimmt« Mutationen für praktische Zuchtzwecke her- vorzubringen. Dann steht auch mit Sicherheit zu erwarten, daß die Abstammungs- Und Entwicklungslehre von der vererbungsforschung starke Befruchtungen erfahren wird. Rheumatismus— eine Volksseuche. Während man schon seit vielen Jahren erkannt hatte, daß dia Tuberkukoie und die Gcschlechtskronkheiien um ihrer Häufigkeit und um ihrer Folg« willen mit Recht di« Bezeichnung„Vvlkzstuche" zu führe» haben, ist man erst in der letzten Zeit zu der Erkenntnis gelangt, daß auch der Rhrumatismus zu den verbreitetsten und gc- sährlichste'i Volkskronkheiten, also zu den„Volksseuchen" gehört. Wie Professor W> n ck l e r, Bad Nenndorf, jüngst>n einer medi- zinischen Fachzeitschrist mitteiU«, hat soeben eine internationale Ge- fellschaft zum Studium und zur Bekämpfung des Rheumatismus eine Flugschrift erscheinen lassen, die ungemein lehrreiche, aber auch erschreckend« Zahlen enthält. So werden in Schweden mehr als 9 Prozent der Beoölte- rung durch rheumatische Leiden dauernd invalide. Zum Vergleich wird angeführt, daß die Lungentuberkulose nur 3,8 Prozent bleibende Invalid'tät hinterläßt. Es werden in Schweden alljährlich an etwa 1509 Personen lebenslänglich« Renten wegen Rheumatismus bewilligt. Während bei der Tuberkulose gewöhnlich die Rent« nur sür einige Jahre gezahlt werden muß, da innerhalb dieser Zeit diese Krankheit ausheilt oder zum Tod« führt, können die rheu- mat'schen Invaliden noch 2 bis 3 Jahrzehnte mit ihrer Krankheit am Leben bleiben— demgemäß bedeutet die Vernachlässigung rheumatischer Leiden für den Staat einen außerordentlichen großen Schaden. In Dänemark wurde festgestellt, daß 12 Prozent oller Krankheitsfälle der Männer auf Rheumatismus zurückzuführen sind. Die Krankenhäuser dieses kleinen Landes haben im Jahre 1923 über 3909 Rheumatiker ausgenommen, selbstverständlich ist das Nur ein Bruchteil der dänischen Rheumatismuskranken gewesen. In Oe st erreich hat Prosessor Wenckebach nachgewiesen, daß über die Hälfte der Kriegsinvalidität im Gefolg« chronischer Rheumatis- mueerkrankungen entstand«» war. In Deutschland hat Dr. Zimmer aus den Listen der tyü* gemeinen Oristrankenkasse der Stadt Berlin berechnet, daß auf einen Tag Arbeitsverlust infolg« Tuberkulose 3,41 Tage Arbeits- Verlust durch Erkrankungen an Muskel- und Gelenkrheumatismus, „Gicht" usw. kamen, also das Dreieinhalbfache. Auf 24 099 Inoa- liditätsfälle durch rheumatische Erkrankungen der Bewegungsorgane entfielen noch Berichten der Landesversicherimgsanstalten 23 376 durch Tuberkulose aller Organe bedingt« JnvaliditSten- In England, dem klassischen Land des Rheumatismus, stirbt jeder achte Mensch an Herzleiden, und davon ist ungesähr die Hälfte rheumatischen Ursprung». Das Bedauernswürdigste an dieser Krank- heit ist die Tatsache, daß zwei Drittel dieser Erkrankungen innerhalb der Zeit voin 5. bis 15. Lebensjahre austreten. England verliert demgemäß sährlich 12999 bis 15 999 Kinder in de» Schuljahren durch Herzleiden noch Gelenkrheiimotismu». Ein Sechstel der in- valid gewordenen englischen Arbeiter wsnen Opscr des Rheumatismus. Die Unkosten für Behandlung der rheumatisch erkrankten englischen Arbeiter belaufen sich auf zirka 49 Millionen Mark, ynd 3 Millionen Arbeitswochen gehen verloren. Fast die Hälfte der an akutem Gelenkrheumatismus Erkrankten wies ein Herzleiden «Nif. Nach Ansicht einer vom englischen Minister für Bolksgesund- heit eingelösten Kommission waren schadhast« Zähne und feuchte Wohnungen di« häusigste Ursach« der Erkrankungen. Zusammenfasiend kann man sogen, daß der Rheumatismus in unseren Bre'ten häusiger und der Volkswohlsahrt weit gefährlicher ist als di« Tuberkulose. Während für di« Tuberkulösen in Höhqn- turortcn und Lungenheilstätten gesorqj wird, geschiebt für die Rheumatiker verhältnicmäßig wenig. Es wird die Aufgab« d«r maß- gebenden Sozialhygieniker sein, den Kampf gegen die Bolksseuche Rheumatismus sobald als möglich mit allen Kräften aufzunehmen. Blausäure gegen de« hausschwamm. Dem Hausschwamm, diesem gefährlichsten Holzzerstörer, der sährlich Millionenwert« v«r- nicht, t, ist sehr schwer«izukomm«». Man muß entweder große Hitze von 69 Grad Celsius anwenden oder sämtliche befallenen Holz- teil« entsernen. Das ist schwierig und kostspielig und manchmal nicht durchführbar. Prof. Besson ist es nun. wie er in der„Umschau" mitteilt, gelungen, den Hausschwomm samt Sporen durch Anwendung von Blausäure abzutöten, und damit ist endlich«in leicht venqend- bare» Mittel gegen dlese schlimme Hausplage gefunden. Haben Sie vielleicht auch schon Schwierigkeiten gehabt, um die Auswahl an blauen oder schwarzen Mänteln zu finden. die nötig ist, um den Mantel zu wählen, der Ihnen am besten gefällt und Sie am besten kleidet? Wenn Sie einmal sehen wollen, was wi-Äiebe Auswahl— wirkliche Leistungsfähigkeit bedeutet, dann sollten �sA Sie gerade jetzt zu uns kommen. �Die grandiose Auswahl in diesen so stark begehrten schwarzen und blauen Mänteln, unter der Sie bei uns wählen können, wird Sie gleichermaßen überraschen wie begeistern. Und daizts diese verblüffend niedrigen C<ßt> A-Prelse? � OrfflBfemMö OiauReertr.m KSnQRraBe 33 a» o»H»,«»»„,» HM, SMMo» iicsrr wr■ is f Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfügung!— Schriftl. 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