Mbendausgabe Nr. 4�7* 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 244 BesajfSfWttguafl«» sab«njelatawK« linb ta der äRntütnaataobt anatattw Rcbatttea: SS. M, Clnbcaftcab** y«o(pt*d)et: SSaftoff 2S2-»I SM.'Vbvcffc: Se]ial«ea*fcal Seena VomM Derlinev VolksblÄkt sio Pfennig) Donnerstag 2H. Oktober 1<>27 Verlag stitd«nzeigenadtellung! Sischäft-zett 8� dt» 5 Uhr Verleger: Vorn» llr«». Verlag GarbH. verlin Sw. 0«, ctndeastrobe H Zernlprecher> OSnhoft 282— 22? Z�entralorgan cler Sozialdetnobratircben Partei Dcutfcblands Heginn öer Verhandlungen. Glänzender Fortgang des Streiks im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Heute vormittag 11 Uhr begannen im Reichsarbeits- Ministerium unter Vorsitz des Schlichters Profesior B r a h n die Verhandlungen zur Beilegung des mitteldeutschen Berg- orbeiterstreiks. Die Unternehmer hatten zu den VerHand- langen aus allen bestreikten Revieren ihre Vertreter nach Berlin beordert. Von den Prominenten der Zechenbesitzer waren u. a. erschienen: Generaldirektor Bühren von der Bubiag, der zugleich Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes ist, ferner Generaldirektor P i a t s ch e k, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete und Bergwerksdirettor Rade- macher als Vertreter des Bornaer Gebietes, ein Vertreter der Ilse-A.-G. Die Derhandlungskommission der Berg- arbeiier besteht aus dem Vorsitzenden des Dergarbeiterver- bandes Husemann, dem Vorstandsmitglied Schmidt- Bochum, den Bezirksleitern Reddigau-Halle, B r i e w i g- Senftenberg, W e i ck e r t- Zeitz und Vertretern der anderen Tariforganisationen. Die Vertreter der Bergarbeiter schilderten dem Schlichter noch einmal eingehend den Werdegang des Konfliktes sowie die augenblickliche Streiklage und betonten mit allem Nach- druck, daß eine Beilegung des Konilikres nur durch die re st lose Erfüllung der aufgestellten und sehr mini- malen Forderungen möglich sei. Die Unternehmer zeigten sichzukeinemEntgegen- kommen bereit und begründeten Ihre ablehnende Stellungnahme mit der Ablehnung der von ihnen beantragten Kohlenpreiserhöhung durch das Reichswirtschafts- Ministerium. Auf Vorschlag des Schlichters wurde schließlich gegen 13 Uhr ein Ausschuß gebildet, der aus je sechs Arbeiter- und Unternehmervertretern besteht und der die Verhandlungen im stetigen Kontakt mit den Parteien fübri soll. Nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen zu urtelle aren soll. Nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen zu urteilen. dürsten sie sich bis in die späten Abendstunden hinziehen. Es hat nicht den Anschein, als ob in direkten Verhandlungen mit den Unternehmern eine Einigung erzielt werden kann. halle. 20. Oktober.((Eigenbericht.) Oeftlich wie westlich der(Elbe befinden sich heute rund 35 Prozent der Bergarbeiter des mitteldeutschen Braun. kohlengeiiiets im Streit. Aus der Grube Alwine, wo gestern noch gearbeitet wurde, ruht heute die Arbeil vollständig. Die Behauptung der.Roten 5ahne". daß ihr von der Streik- lcltung der Grube Alwine eine Erklärung zugegangen sei. wonach die Mitteilung des.vorwärts', daß auf der Grube Alwine Kommunisten und Rote Frontkämpfer Streikbrecherarbelt verrichten, un- Der rationierte Reichstag. Reichstagsschluft am Sonnabend.- Die Sozialdemokratie protestiert. Der Aeltestenrat des Reichstags hat heute den Arbeit-plan für den Rest dieser Wache festgelegt. Danach soll am heuti- gen Donnerstag die'erste Lesung des Schulgesehes beendet werden. Für Freitag ist die erste Beratung des Besoldungsgesetzes in Aussicht genommen, für Sonnabend die Beratung über die Er- höhung der K r i e g s b e> chä dl g t« n b�e z ü g e. Außerdem sollen noch einige kleinere Borlagen auf die Tagesordnung kommen, die ohne Aussprache den Ausschüssen überwiesen werden können, dar- unter auch das von den Demotraten beantragte Rentnerversor- gungegesetz. Für Sonnabend ist ferner die Besprechung der Interpellation und Anträge zum Bergarbeiter st reik in Aussicht genommen. Die Erledigung der sozialdemokratischen Interpellation zur Wirt- schasislage wurde vom Adlestenral abgelehnt, weil sie bei der Fülle des übrigen Stofis nicht mehr in dieser Woche behandelt werden könnte und der Aeltestenrat daran festhält, am Sonnabend eine Pause in den Verhandlungen des Reichstags eintreten zu lassen. Die Sozialdemokratie wird sich jedoch damit nicht zufrieden geben, sondern im Plenum noch einmal die Be- ratung ihrer?nterpellation beantragen. Knilling plötzlich gestorben. An den folgen einer Operation. München. 20. Oktober. Der frühere Ministerpräsident Dr. von Snilling ist heute vormittag 9 Uhr in der Klinik von Dr. Lindl an den Folgen einer Herzlähmung gestorben. Dr. v. Snilling muhte sich einer ?armop«ration unterziehen, die einen günstigen Vedaus ge- n-men hatte. Der srühere bayerisch« Ministerpräsident v K n i l l i n g ist eines unerwarteten Todes gestorben. Seine Persönlichkeit stand gerade in den letzten Wochen im Vordergrunde politischer Diskussionen.'Der zur Austlärung der bayerischen Staats- und Rechtsverhältnisse im Jahr« 1S2Z im Bayerischen Landtag eingesetzte Untersuchungsous- schuh war berufen, auch die Rolle endgültig zu klären, die Herr n. KnMng in der bayerischen Epoche der.Befreiung der deutschen Seele' gespielt hatte. Der Verstorbene galt in den Anfängen seiner Beamtenlaufbohn wahr sei. k r i s s t nicht zu. wie uns von der Zentralstreitleitung erklärt wird, haben bis gestern aus der Grube Alwine Rote Frontkämpfer und Kommunisten als Streik- brecher gearbeitet. Gestern war der kommunistische Land- lagsabgeordnete Lademann dort und hat sich von dieser Tatsache selbst überzeugt. Die Behauptungen der Unternehmer, die in der bürgerlichen presie verbreitet werden, wonach von den Streikenden Terror- a k t e ausgeübt würden, sind erlogen. Sle sind auch so gehalten. daß eine Nachprüfung gar nicht möglich ist. Angeblich soll u. a..im Senftenberger Revier vor einer Bubiog-Grube", die aber nicht genannt wird, eine Truppe von 700 Roten Frontkämpfern,„seldmarfch- mähig ausgerüstet', lagern und die Bevölkerung in Angst und Schrecken versehen. In Senftenberg selbst weih weder die Streikleitung noch sonst eine verantwortliche Behörde etwas von dieser sagenhaften Roten Armee. Die anderen Behauptungen der Zechen- besiher sind noch unbestimmter gehalten. Der Regierungspräsident für Halle-Merseburg hak gestern das Geiseltal. aus dem viele Klagen der Unternehmer über Streik- lerror kamen, abgefahren und festgestellt, dah nichtdcrmindeste Anlaß vorliegt, polizeilich einzuschreiten. Diese Erklärung hat der Regierungspräsident ausdrücklich den Gewerk- fchaftsoertretern gegenüber abgegeben. Alle Nachrichten, die bei der Zenlralslreikleitnng einlausen, lauten übereinstimmend dahin, dah die Streiklage eine ausgezeichnete und durchweg ruhige ist. Mustergültiges verhalten üer Streikenüen. halle. 20. Oktober.(MTB.) Der Regierungspräsident hat heute früh die Gruben des Geisel- tals zur Feststellung der polizeilichen Sichcrheitsverhältnisie besich- tigt. Da» Verhalten der Streikenden ist geradezu mustergültig. Auch von den Bcrgwerksdirektorcn wurde dieses Urteil für den heutigen Tag bestätigt. Der Schichtwechsel vollzog sich mit der denkbar größten Ruhe und Ordnung. Leipzig. 20. Oktober.(MTB.) Die Lage im Streikgebiet der Amtshauptmannschaften in Borna, Leipzig und Grimma hat sich bis heute fast nicht rerändert. Es herrscht überall noch völlige Ruhe, wie auch A u s s ch r e i- tungen weiterhin nicht vorgekommen sind. Die heute beginnenden Derhandlungen im Reichsarbeitsministerium in Berlin haben eine sichtlich« Entspannung der Lage gebracht, da allerseits die Hoffnung besteht, daß dieselben zu einem baldigen und guten Abschluß der Bewegung führen. al» liberal orientiert. Als letzter bayerischer Kultusminister des Königreichs hatte er sich wiederholt weitgehenden Mochtansprüchen des Klcrikalismus gegenüber feinem Ressort entgegengestellt. Mit der parlamentarischen Machtstellung der Bayerischen Volkspartei nach der Staatsumwälzung wandelte sich fein politischer Sinn mehr und mehr in der Richtung der Grundsätze der Bayerischen Volks- Partei, ohne allerdings in seinem zunehmenden extrem nationa- listischen Gebaren immer die Zustimmung seiner politischen Freunde zu finden Als verantwortlicher Staatsmann hat wohl noch niemals ein deutscher Minister einen so kläglichen Zusammenbruch nach jeder Richtung hin erlebt, wie Herr v. Knilling. Mangelnde Charakterstärke und politische Einsichtslosigkeit vereinigten sich bei ihm im seltenen Maß«. Er ist der Hauptschuldige, daß unter vollkommenster Mißachtung von Recht und Verfassung Bayern an den Rand des Abgrundes geführt und dem allgemeinen Gespött der deutschen und internationalen Welt preisgegeben wurde. Je mehr die Geschichte in Kritik und Aufklärung fortschreitet, um so härter wird das Urteil über jene Episode des bayerischen Landes werden, in der Herr v. Knilling der verantwortliche Ministerpräsident Bayerns war. Die im„Vorwärts" bereits wiedergegebene Aussage Dr. Schwcyers, der Innenminister im Kabinett Knilling war, vor dem Untersuchungsausschuh des Bayerischen Landtages zeigt, wie berechtigt eine vernichtende Kritik an dem staatspolitischen Wirken Knilling? ist. Dah er aus dem Bürgerbräusaale dere Münchenc» Weltrevolution als Gefangener Ludendorfss und hir- lers und deren Horden herausgeführt wurde, wird für immer das Symbol seiner Ministerpräsidentschaft bleiben. Für die bayerischen Verhältnisse war es selbstverständlich, di'z er nach seiner schweren Schuld an dem bayerischen Zusammeno-mch zum Präsidenten der bayerischen Staatsschuldenverwaliung---annt wurde. pilfuüfki lernt von Mussolini. Das Parlament heimgeschickt.— Der Reichstag gestimmt. Dieser Standpunkt wurde eingenommen, nachdem sich die Provinzialvertreter untereinander in Abwesenheit der preußischen Regierungevertreter darüber versiändigt hatten. Sie gaben davon der preußischen Regierung nicht einmal Kenntnis. Dies« hatte vielmehr nach den vorausgegangenen gemeinsamen Be- ratungen allen Anlaß, anzunehmen, daß die Stimmabgabe ein- h e i t l i ch«folgen würde. Unter diesen Umstanden lehnt setzt die Preußenregierung gemeinsame Vorbesprechungen mit den Prooinzialvertretern ab. und man wird ihr darin Recht geben müssen. Zu wünschen wäre es, daß durch diese entschiedene Stellungnahme endlich einmal die Frage neu ge- klärt wird, welche Rechte und Pflichten die Vertreter der Provinzen im Reichsrat haben. In keinem Fall« geht es so weiter wie bisher, daß die Provinzen sich Regierungsreäst« gegen die Staatsregierung anmaßen. Reichsbanner, Pazifismus, R§S. Zwei Anordnungen de» Bundesvorstandes. Der Bundesvorstand des Reichsbonners gibt in der letzten Ausgabe der„JReichsbanner-Zeitung* folgendes bekannt: I. Verschiedene Anfragen aus dem Reiche veranlassen uns, nach einmal auf unser« Stellungnahme zum Pazifismus und zur Kriegs- disnstverweigerung hinzuweisen: Laut Beschluß unserer Bunde»- generaloersommlung vom IS. Mai ll>2ß(abgedruckt im.Wegweiser"' Seitc 31) gehört der Pazifismus nicht in den Aufgaben- kreis des Reichsbanners. Damit ist klar gesagt, daß auch die Frage dar Kriegsdienstverweigerung, die einen Programmpunkt des extremen Pazifismus darstellt, aus der Diskussion innerhalb de» Reichsbanners auszuscheiden hat. Gegenwärtig geht die Friedensgesellschast dazu über, eine Volksabstimmung für Kriegsdienstverweigerung vorzubereiten. Wir weijeu mit aller Schärfe darauf hin, daß unsere Ortsvereine dabei unk« keinen Umständen aktiv mitwirken dürfen. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold kämpft entsprechend Artikel 148 der Reichs- Verfassung für Völkerverständigung und Frieden. Es wird dem unverantwortlichen Treiben der Kriegshetzer auch für die Zukunft genau so wirksam entgegenarbeiten wie bisher; das Reichsbanner kann sich aber unmöglich von der pazifistischen Bewegung, die innerlich zerrissen und in ihren Zielen unklar ist und deren Mit- glieder ganz oerschieden« Auffassungen über die Taktik vertreten, vor den Wagen spannen lassen. II. Gin Rundschreiben des RFB., das wir unseren Gauvorstondcn abschriftlich übermitteln, beweist wieder auf das schlagendste, was die Kommunisten unter der von ihnen propagierten.Einheitsfront" verstehen und wie sehr ihr ganzes Streben darauf gerichtet ist, da» Reichsbonner zu zerschlagen; es zeigt ander«- seits, daß lhi« Bemühungen erfolglos sind. Also nochmals: Jede gemeinsame Arbeil mit den Kommunisten ist abzulehnen? Um petljuras Schuld. Zeugenaussagen über die ukrainischen Pogrome. Pari». 20. Ottober. In dem Prozeh gegen Schwarzbarth wurde in die Zeugen»«- nehmung eingetreten. Auf die Frage des Nebenklägers an den An- geklagten, ob er glücklich gewesen sei zu erfahren, daß sein Ops« gestorben sei. antwortete Schworzbarth.Vollkommen!" Auf die Vernehmung von Frau Schwarzbarth wurde verzichtet. Das ehe- malig« Mitglied der ukrainischen Regierung, Fürst Dotahry er- klärte, Petljura habe niemals die Pogrom« gebilligt, worauf der Verteidiger Schwarzbarths auf Petljuras Rolle als Obersten Chef des Heere« und auf die Viöglichkeit der Unterdrückung der Pogrome durch ihn hinwies. Ein ehemalig« Vizepräsident eines ukrainischen Kriegsgerichts behauptete bei seiner Vernehmung sogar. Petljura sei ein Freund d« Juden gewesen. Der Verteidiger fragte: Welche Strafen wurden gegen die Urheber der Judenpogrome verhängt? Der Zeuge schwieg daraus. Ein« Proklaniotion Petljuras gegen die Judenpogrome wurde dein Gerichtshof vorgelegt. der politische Kampf in Riga. Um den Handelsvertrag mit Rußland.— Znncr- politische Obstruktion. Riga, 20. Oktober.(Eigenbericht.) Der Kernpunkt der Außenpolitik Lettlands, wie sie von den, sozialdemokratischen Außenminister Zielens in energischer und zielsicherer Weise geführt wird, ist die Verständigung mit dem großen russischen Nachbarreiche. Politisch wurde das durch den Nicht- angriffs- und Neutraliiätsvertrag angestrebt, dessen wichtigste Punkte Im Frühjahr paraphiert werden konnten. Wichtiger aber noch als der politische Vertrag ist der wirtschaftlich« Ausgleich. Lett- land will seiner natürlichen Aufgabe, Brücke zwischen West und Ost zu sein, gerecht werden, und in Erfüllung dieser Ausgab« nicht durch die politischen Interessen irgendwelcher Mächtegruppen geschmäl«c werden. Darum hat der Handelsvertrag zwischen Lettland und Ruß- land eine große, grundsätzliche Bedeutung, und daraus erklärr sich auch die erbitterte Gegnerschaft, die dieser Vertrag gefunden hat. Es ist zweifellos, daß die parteipolitischen Gegensätze in diesem Falle bedeutend durch die weltpolitischen Hintergründe verschärjt worden sind. Der engllsch-russische Konflikt und olle seine Begleit- erschrinungen auf dem Kontinent spielen in die innere Gruppierung der lettischen Parteien mit hinein. Aber die sozialistisch-demokratische Koalitionsregierung ist infolge der Sympathien, die sie bis weit ins bürgerliche Lager hinein besitzt.(nicht zuletzt bei den Minder- heiten) stark genug, um den eingeschlagenen Weg ohne Kam- p r o M i ss e ZU Ende zu gehen. Der Rußlandvertrag log in diesen Tagen den wichtigsten Kommissionen des Parlaments vor, der für Handel und Finanz und der auswärtigen Kommission. In beiden Kommissionen kam es zu stürmischen Debatten, die ober in beiden Fällen miteinem vollen Sieg der Regierung endeten. Di« Ratisizierungsklausel für den Rußlandvertrag sowie auch die Dringlichkeit wurden in beiden Fällen mit bedeutender Stimmenmehrheit angenommen, so daß die Ratifi- zierung de» Vertrages im Plenum als wahrscheinlich betrachtet werden kann. Freilich stehen noch einige ernste Interpellationen d« Opposition bevor, es sieht sogar nach einer planmäßigen Obstruktion au», die aber ohne Zweifel ebenso zusammenbrechen wird, wie ähn» liche Versuche in der vergangenen Frühjahrssession. Grenzbeamte lm dienfie desttachbarstaates. Sowjetspionage in Lettland aufgedeckt. Durch einen günstigen Zufall gelang es d« lettischen Re- gierung, einen großangelegten Spionageapparat der Sowjetunion aufzudecken. Bor einigen Tagen flüchtete ein jüngerer Mann in der Unisonn GPU. über die Grenze. Er war Beamter d« politischen Sowjetpolizei und machte nur einzelne geheime Angaben über den Aufbau des russischen Spionagedienstes in Lettland. Seine Angaben et- wiesen sich als richtig. Di« Polizei nahm 33 Personen fest, von denen die meisten ihre V«bindung mit der russischen GPU. borest» ein- gestanden haben. Unter ihnen sind drei lettisch« Eisenbahnbeamte und zwölf Beamte der lettischen Grenzpolizei. Der Zemenntersuchuugsansschuß des Reichstag« trat am Donneretag vormittag nach längerer Pause wieder zusammen zu einer geschäftlichen Sitzung und beschloß, daß der Borsitzende zu- sammen mit den beiden Berichterstattern mst dem zuständigen Dezernenten des preußischen Innenministeriums eine Besprechung über die Einsichtnahme in die Akten über die„Schwarze Reichs- wehr" vereinbare. Wenn der Bericht darüber vorliegt, soll der Aus- schuß dann beschließen, welch« Zeugen noch vernommen werden sollen. Die Finanzmlnlfl« der deutschen Land« haben gestern abend und heute vormittag die neuen Richtlinien für die sogenannte Be- ratung«-, richtiger Genehmigungsstelle für Auslands- a n l e i h e n erörtert. Kleinbergs„Deutsche Dichtung". Eine Oileralurges6)ichtc auf ökonomischer Grundlage. Die sozialistisä?« Literatur wies bisher eins Nässend« Lücke auf: ein die deutsche Dichtung zusammenfassendes Werk, in dem die ge- schichtsphilosophischen Gedanken von Marx und Engels selbstän- d i g e n Ausdruck erlangten. Dieses Werk liegt jetzt in der wegweisenden Arbeit Prof. Alfred Kleinbergs vor: Die deutsche Dichtung in ihren sozialen Zeit- und geistesgeschichtlichen Be- dingungen kDcrlag I. H. W. Dietz, Berlin). Prof. Kleinberg nennt sein« grundlegend« Geschichte der deutschen Dichtung bescheiden „eine Skizze", also einen gleichsam schnell der Hand entgleitenden Entwurf. Sie Ist nicht ein Entwurf, sondern ein großer, voll- wertiger Wurf, denn sie„wirft" glänzend das groß« Problem: die fast zwei Jahrtausende umsvannende deutsche Dichtung als«inen sozialgeschichtlich bedingten Prozeß, und zwar tn einem Bande darzustellen. Die dicksten, vielbändigen Wälzer deutscher Literatur- geschichte wurden uns bisher in den Schoß geworfen, ober diese zirflatterten immer m zahllose einzelne Biographien und ihnen fehlte leider immer das.jjeistige Band": die Einheit der foztalkulturellen Entwicklung. Ein großes Wagnis, fürwahr, unternahm Pros. Kleinberg, und es gelang ihm. Dramatisch wälzt sich In seiner Geschichte der deutschen Dichtung der ungeheure zweikausendjährtge sozialwirlschaftlich« und sozialkulturell« Eni- wlcklungsprozeß des deutschen Volkes ab und in dleser gewaltigen geschichtlichen Revolution geht uns bei Kleinberg die Persönllchkest dtr einzelnen Dichter und ihrer Werke nicht verloren. Nicht in blassen allgemeinen Umrissen verschwimmen die einzelnen sührenden Dichtergestaiten. Jeder wirklich« literarische Bahnbrecher ist indivi« duell ersaßt und geschildert, und diesen Schilderungen entströmt ein« starke überzeugend« Kraft. Friedrich Nietzsche z. B. ist nicht etwa als der Philosoph de» imperialistischen Zeitaller»,— als solcher ist er von schablonenhaft konstruierenden, mit Unrecht sich auf die ökono- mische Geschichtsauffassung berusenden Parteischriftstellern borge- stellt worden— fondern als der größte geistige Geburtshelfer unserer deutschen Gegenwart neben Marx, denn das zornig« Pathos der Prosahymnen und Aphorismen Nietzsches„erschütterten die kapitalistische Seele nverfassung durch Haß und Hohn und riefen zu Taten auf in einer erneuten, erhöhten Welt". Die Geschichte der deutschen Dichtung Kleinbergs wächst aus der sozialen Geschichte der Stände und Klassen des deutschen Volkes empor. Die Gesichtszüge der deutschen Stände- und Klassen« kustur prägen sich bei Kleinberg scharf und unauslöschlich in den dichterischen Schöpfungen Deutschlands aus. Sein« Literatur- geschichte bereichert im hohen Maße die deutsche Sozialgeschichte, sie gibt dieser gleichsam Farbe und Klang. Durch sie wird die Re- formationsgeschichte zu einer urlebendigen Geschichte der ersten beut- schen Revolution. Wir blicken eben tief in die Flugschristen, Predigten, Echwänke, Fabeln, Satiren dieser heißbewegten Epochen Deutschlands. Aus diesen Zeiten des hereinbrechenden Kapitalismus springt uns deutlich das werdend« neue Weltbill» entgegen, da» au» dem Trümmerfeld gestürzter göttlicher und namentlicher Autoritäten emporsteigt. Mst der gleichen lcbenatmenden Anschaulichkeit hat Kleinberg die gewalligen Auswirkungen der großen französischen Revolution auf die Struktur der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft gezeichnet. Theoretisch stürmt die„Revolution" des deutschen intellektuellen Bürgertums, ,ch«s materiellen Rückhalts entbehrend", auf das Ziel der„Souveränität im Geistigen" los. Männer wie Forster und Seum« stehen mst ihrer hellen Erkenntnis der Rot- wendigkeit einer durchgreifenden politischen Freiheit vereinsamt da. Aus dem Strombett dieser wildwogenden Zeit heben sich bei Klein- berg klar der Klassizismus und die Romanlik heraus. Wie matt und schwächlich klingt der Wellenschlag der bürger- lichen deutschen Revolution von 1848 gegenüber dem ungeheuren Donner des Orkans der nachfolgenden industriellen Umwälzung. Dieser gigonttsche Sturm fegt das Kleinbürgertum fort und wirbelt aus der Tiefe der Gesellschaft die neue Klasse des Proletariats auf. Hier läßt Kleinberg die fast aufrei.zend wirkenden Ziffern der indu- striellen Revolution reden, hier stellt er in diesen ungeheuren wirt- schaftlichen Wirbeltanz Männer wie Marx, Schopenhauer, Darwin, Hebbel, Wagner hinein. Und schließlich bricht der Imperialismus zerstörend und neubildend in die bürgerliche Gefellschaft und löst überall ererbte Bindungen auf. Der Nationalismus dringt sozial- krittsch sieghaft vor, und mit der erdbebenartigen Erschütterung der bürgerlichen Kultur greift der Expressionismus über eine Nassen- bedingte Gesellschaft hinaus zum Menschen, zum inneren Menschen. Mit gespannter Aufmerksamkeit solgen wir der meisterhaften Darstellungskunst Kleinbergs, wenn sie uns durch alle Phasen der sich im großen Rahmen der deutschen Wirtschafts- und Sdzia.'ge- schichte entfallenden deutschen Dichtung führt. Mögen sich groß» Massen der aufstrebenden Arbeiterschaft der westsichtigen, sachkun- diaen Führung Kleinbergs durch die deutsche Literatur anvertrouen. Paul Kampfsmeyer. Der zweite Abend der„Europäischen Tribüne" brachte eine deutliche Beleuchtung des Arbeitsgebietes dieser Vereinigung. Und wenn — wie es den Anschein hat und wie auch die Namen, die sich dafür einsetzen, es verbürgen— dieses Gebiet fruchtbringend bestellt wird, so dürfen wir eine reiche Ernte erhoffen. Heinrich Mann schilderte„Die Aufgabe der Gel st igen in Europa", schilderte sie an dem Beispiel Deutschlond-Rußlani» und Deuischland- Frankreich. Ein einiges Paneuropa braucht auch den Anschluß Rußlands. Deutschland ist durch Lag« und Veranlagung der ge- borene Vermittler zwischen den beiden Staaten, denn es hält auch in geistiger Beziehung zwischen beiden die Mitte. Ein geistiges Locarno erst wäre aber die Erfüllung der Versprechungen, die die Minister sich gaben. Es wäre so viel größer als ein politsschcs Locarno. Für dieses geistige Locarno müssen die Geistigen aller Länder arbesten. In fast allen Ländern ist das Kapital noch«ngsichtig national eingestellt; aber In fast allen Ländern ist die überwiegende geistige Macht nach links orienttert. Sie w'll Frieden und Freundschaft mit allen. Diese Ideenwelt fest zu begründen ist in erster Linie die Schule berufen. Die Lehrer müssen alle für sie gewonnen sein. Heinrich Mann prägte das schöne und stolze Wort, daß eine Republik, die sich ihrer Sendung bewußt ist, auch solche Lehrer er- zieht.— Roch diesem weiten Ueberblick ging Arnold Zweig auf ein Einzellhema«In:„Die Beherrschung der politischen Leidenschaften". Man darf der Menschhest als Masse heute noch nicht die gleiche Vernunft zurechnen wie dem Menschen als Individuum. Die Mass« ist noch unerzogen und ist daher, wenn sie von politischen Leidenschasten erfaßt wird, oft nicht« als ein Spiel- ball unkontrollierbarer Gesühle. Vernünftiges Denken scheint dann ausgeschaltet. Zweig wies darauf hin, daß z. B. die Dolchstoßlegende gefühlsmäßige Massenreaktion auf einen verlorenen Krieg sei. Sie taucht« Nach' 1871 in Frankreich ebenso auf, wie nach dem Wellkrieg in Deutschland, und wurde von einzelnen Gruppen hier wie dort sanatisch geglaubt und fanatisch kolportiert. Wenn man die Menschen so der„politischen Leidenschaft sich hingeben sieht, so könnte man an ihr verzweifeln. Aber die Menschheit ist erziehbar, ebenso wie der Mensch erziehbar war. Und hier wartet der Dichter und Schrift- steller eine wichtige Ausgabe: ungeklärte Probleme zu klären. Arnold Zweig glaubt nicht an ein« wesentliche Wirkung direkt politischer Literatur. Cr sieht in chr eine Derwechslung der notwendigen Wir- kung einer Sache mst ihrer Zielsetzung. Aber der Dichter muß dos Wesen der politischen Leidenschaften so stark nacherleben können, daß er ihre Problem« an dichterischen Fabeln entwickeln kann. So, durch die Analyse der Leidenschaften— Zweig vermied dieses Wort, meinte es aber offenbar— muß die Kraft, die sie erregt, aufgedeckt und geklärt werden.> Tes.' Da» Urteil gegen den früheren Direklor der Düsseldorfer Kunst- Halle. Der frühere Direktor der Düsseldorfer Kunsthall«, Martin Hackenbroich, wurde nach zweitägiger Verhandlung wegen sortgesetzter Untreue und gewinnsüchtiger Prioaturkundenfälschung in zwei Fällen zu neun Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Da« Gericht bezeichnet« die Unterschlagungen des Hackenbroich als eine infame Tat, die die notleidenden Künsller während des Ruhrkampfes ihrer kargen Unter- stützung beraubt habe. Nur weil Hackenbroich nicht vorbestraft war, wurde von einer Zuchthausstrafe abgesehen. Zur ersten Xflnjmall«« 1927/28 der volksbähn« tt. v.. in der die Wienerin Elltnor TordiS sowie die beiden Beilineiinnen Helga Rorniann und Isa Tribcll in verlin noch nicht gelcbene Tön;- zeigen und die am Sonntag, dem 22. Lltober. vormittag» 11'/» Ubr. im Tbeater am Btilowplab llatlfindei. sind Karlen noch in beschrZnti« ?lnzadl eedällllcfi. Mitglieder der Bolkzbüdne zahlen einsldl. Programm 1.30 M.. Riibtmitglieder 2,- und 8.— M. voroertaus für Sttchtmitglieder an den Theaterkassen der Firmen Tietz und Werlbeiin. Ca» verstner Slafanle-Orchester bringt am 23. den Dritten Lieber?: ei» NgncS Miegel op, 20 für Mezzosopran und Orchester und da» Vorspiel zum III. Akt der Musiktragidte.ftKland Saga" op. 18 im Bach. Saal zur Eistauiiflhrung. Tie GesakizSstimme hat Frau Meto Glah-Villaret übernoinmc». «ipem Schusterdorn oder einem ähnlichen Werkzeug mehr oder weniger schwerverletzt hat. Zuletzt bediente er sich eines Messers und stach«in Mädchen in der Stuttgarter Straß« am Hertzbergplatz so schwer in das Gefäß, daß sie noch dem Krantenhause gebracht werden mußte. Der Unhold durchfährt mit seinem Rad die Straßen. Sobald er ein Opfer aus- findig gemacht hat, lenkt er das Rad dicht an die Bordschwelle heran, sticht zu und jagt gleich wieder davon. Trotz aller Nachforschungen ist es nicht gelungen, seiner habhaft zu werden. Das Polizei- Präsidium hat deshalb jetzt auf seine Ergreifung«ine Belohnung von 1 0 0 M a r l ausgesetzt, die ausschließlich für das Publikum bestimmt ist. Es handelt sich um einen Mann von etwa 30 bis 40 Jahren. Er ist mittelgroß und trägt meistens einen Manchesteranzug mit Gamaschen, auch Windjacke. Einige vorletzte Mädchen bekunden, daß er einen Schmzrrbart h?b«, andere sagen, er sei bartlos. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er falsche Barte benutzt, um sich unkenntlich zu machen. Zweckdienliche Mitteilungen nehmen Kriminalkommissar Strew« im Zimmer 330� des Polizeipröstdiums, Hausanruf 452, und alle Reviere entgegen.__ Unfall beim U-Bahnbau« Im Tunnelschacht der im Bau befindlichen 11 n i e r- grundbahn vor dem Grundstück König st raß« 33 ereignete sich gestern nacht ein folgenschwerer Unfall. Eine mit Sand be- ladene Kipplor« stürzte au» noch unbekannter Ursache plötz- lich um Hill» begrub den 28jShrig«n Arbeiter Otto K l i n k m o n n aus der Herthaftraße 1 in Weißens«» unter sich. Ein anderer Arbeiter kam dabei ebenfalls zu Schaden und zog sich am Kopf ein« stark blUtendeWundezu. Die Verunglückt«» wurden von Arbeitskollegen nach der Rettungsstelle 5 gebracht, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. K. der Knöchelbrüche an beiden Füßen und inner« Verletzungen davongetragen hatte, mußt« in die ik n i v e r s i t ä t s kl i n I k in der Ziegelstraße über- geführt werden. Der andere Verunglückte konnte nach Anlegung eines Notverbandes wieder entlassen werden. Der„Kampfbund gegen Kulturreattion." Mit welchen Mitteln die KPD. kämpft, da» zeigt auch der so- genannte„ÄompfbundgegenKulturreaition", von deni die„Rote Fahne" in der letzten Zeit so viel Redensarten machte. Man verkündete eine kulturpolitisch« Einheitsfront gegen das Reichsschulgesetz, und wenn man dem kommunistischen Organ glauben würde, so treten täglich neue Organisationen diesem Bunde bei. Aber in Wirklichkeit liegt hier nur«n« versteckte Gründung der KPD vor. Denken wir doch an den„Kampf- bund für G e i st e s f r e i h e i t". d«r vor einem Jahr« gegründet wurde, inzwischen aber wegen Mangel an Beteiligung saust ent- schlummerte. Aehnlich ging es vor einigen Monaten dem a r t- l l gegendasKonkordat". Jetzt wählte man die Firma:„Kampf- bund gegen Kulturreaktion'. Die Reichsarbeitsgemeinschaft frei- geistiger Verbände und die dieser Arbeitsgemeinschaft angehörende größte Organisation, der„Berband für Freidcnkertum und Feuer- bestattung E. 93.", stehen diesem Verbände scharf ablehnend gegenüber. Wohl war für kurze Zeit dadurch Verwirrung geschasfen, daß in Unkenntnis der Sachlage die Berliner Ortsgruppe der Arbeitsgemeinschaft sich diesem.Lampfbunde" anschloß, und die „Rote Fahne" hat hiermit genugsam opertertl Inzwischen aber ist eine endgültige Loslösung erfolgt. Denn die freigeistigen Verbände sind der Ueberzeugung, daß sie die Maßnahmen, die gegen den v. Kcudellschen Schulgesetzentwurf getrossen werden müssen, selbst durchzusühren in der Lage sind. Der Kamps gegen das Schulgesetz ist im ganzen Reiche im besten Gange! Die Freidenker- verbände aber müssen es ablehnen, sich durch irgendwelche Manöver der Kommunisten in ihrem Kamps» beirren zu lassen. Chorkonzert der Schupo. Reben wirklich guten künstlerischen Leistungen zeichnen sich die Schupokonzert« auch durch abwechslungsreiche Gestaltung der Pro- gramme aus. Der gestrig« Abend war in der Hauptsach« dem Chorgesang mit und ohne Orchester gewidmet. Di« s-cspella- Chöre brachten liebe, alte Volkslieder wie„Heimliche Liebe",„Sattd- Männchen",„Der Wächterrus" und einige Mendelssohnsch« Gesänge, während die Chöre mit Orchestermufit klassischen Inhalts waren. Schlicht, anmutig und natürlich brachte der stattliche, gut difzipli- nierte Chor unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Ianot S. Rostin das Bolkslied zu Gehör, das nicht nur durch die Tradi- tion seiner Jahre, sondern vor allem durch die köstliche, erdhafte Frisch« immer nüeder die Herzen gewinnt Es ist schon etwas um die deutsch« Volksseele und ihr tiefes Wurzeln im heimischen Boden. Und je dröhnender und schrtller die Musik von„draußen" wird, desto tiefer und voller tönt es von„Innen". Sehr schön klang auch der Hirtenchor aus Schuberts„Rostmurndc", prächtig, mit dem Feuer der Bcgeisteruna Handels Choraefang„Seht, er kommt" aus„Judas Maccnbäus". Der Solist des Abends, Andreas Weißgerber(Bio- lin«) spielte die Roman« R-Dur von Beethoven mit zarter Innig- keit und großem technischen Können. Brahms feurig» Ungarweisen lagen ik»m wenlaer, während er bei Mozart wieder gam in seinem Element war. Das vollbesetzte Haus, in dem man Minister Ge- nassen Severinq, Staatssekretär Abeag, Reichstaaspräsident Genossen Lobe, Polizeipräsident Genossen Zörgiebel, Vizepräsident Dr. Weih und Kommandeur Heimaimsbcrg bemerkte, spendete reichen Beifall. Die polizeibeamteu zur öesolöungsreform. Protest gegen uagerechle Behandlung. Der Gau Groß-Berlin des Verbandes Preußischer Polizei- beamten hatte seine Mitglieder gestern abend zu drei P-rotest» Versammlungen«inberufen. Vor den uniformierten Beamten reserieri« der Verbandsvorsitzende Schräder über das Thema: „Die Auswirkung der neuen preußischen Besoldungsregelung auf die preußische Polizeibeamtenschaft." Die stürmische Zustimmung. welche die Ausführungen des Referenten begleiteten, steigerte sich zum Orkan, als der Redner erklärt«, daß die Verbandsleitung dem Finanznrinister nicht nur Forderungen unterbreitet, sondern auch den Weg gezeigt habe, auf welchem die nötigen Ersparungen gemocht werden können, um die berechtigten Forderungen der Beamten mit d.'n jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln zu erfüllen. Nach kurzer, sachlicher Diskusston wurde ein« ausführliche Entschließung einstimmig angenommen, welche in ihrem Kernstück folgendes besagt: „Die am 10. Oktober 1027 vom Verband Preußischer Polizei- beamten, Gau Groß-Berlin, in den Kam nersälen«inberufene und von mehr als 2000 Polizeibeamten besuchte Bersammlung nimmt mit lebhaftem Bedauern und tiefster Entrüstung Kenntnis von der ungerechten Behandlung, die der Polizeibeamtenschaft in der Be- soldungsvorlag« der preußischen Regierung zuteil werden soll. Sie stellt einmütig fest, daß die fest Jahren von höchster Regierungs- stelle und durch Beschlüsse des Preußischen Landtages den Polizei- beamten gegebenen Dersprschungen und erweckten Hokfnungen nicht erfüllt werden sollen: insonderheit sind die Zusagen, die der Reichs- finanzminister den Beamten der unteren Besoldungsgruppen auf Erhöhung� ihres Einkommens um 33 Proz. gegeben hat, in keinem Eelle erfüllt. Die Polizeibeamtenschaft erwartet vom Preußischen andtag, daß die bei der Beratung des Polizeibeamtcngefetzes den Polizeibeamten versprochene Abgeltung jür die schlechte'Rechts- stellung in diesen, Gesetz In der Besoldung nunmehr eingelöst wird. Die Polizeibeamtenschaft hat sich in jeder Zeit als die stärkst- und treueste Stütze des Start."- erwiesen. Sie verlangt deshalb in der Besoldung Anerkennung für treue Pflichterfüllung. Sie ruft der Bvlksvertrehmg zu: Landtag, tue deine Pflicht, lasse es nicht zu. daß die Polizeibermten zu Stiefkindern der Republik gestempelt werden." In den Musikersälen fand eine Versammlung der Kriminal- beamten statt. Der Referent des Abends«rinnerte an die Der- sprechen, die den Kriminalbeamten in den letzten Iahren gemacht worden seien und zeigte demgegenüber ouf, wie man trotzdem wieder den berechtigten Forderungen dieser Beamkengruppe gar nicht entgegengekommen ist. So sind besonders die untersten Gruppen der Ärtminalpolizei im Verhältnis zu dem bisherigen Zustand be- deutend schlechter eingruppiert worden. In einer einstimmig ange- nomrnen«» Entschließung wird u. a. die Zusammenlegung der Gruppen 5 und 6 einschließlich der Kriminalassistentenanwärter zu einer Einhsitsgruppe mit einem Anfangzgehalt von 2400 M. und einem Cndgehall von 4000 M. gefordert. Fern«? wird oerlangt die Verdoppelung der Stellen der Kriminalbezirkssekretär« und die Ein- stufung dieser Beamten in die Schaltsätze von 3000 bis 4600 M. Gleichfalls wird die Angleichung der Gehäll-r der höheren Kriminalbeamten an die vergleichbaren Gehälter der Schu!;poliz«ioffizicr« gefordert. Der Referent hielt diese Veranstaltung für geeignet, gegen die freien Gewerkschaften vom Leder zu ziehen. Er ver- trat die merkwürdig« Auffassung, daß die freien Gewerkschaften ihre Mitglieder solange nicht in Lohnbewegungen hatten führen sollen, bis die Besoldungsreform erledigt sei, ohne zu bedenken, daß gerade die Lohnbewegungen der Gewerkschaften den Beamten den Rücken stärken Einen tragischen Tod fand heute mittag die sechsjährige Irmgard W e st p h a l aus der M a r t i n- O p i tz- S t r a ß e 3. Die Kleine befand sich nach Schulschluh auf dem Nachhauseweg und wollte an der Ecke Marttn-Opltz- und Gottfchedstraße, dicht bei der elter- lichen Wohnung, den Fahrdamm Überschreiten. In diesem Augenblick nahte ein Prion tau to heran und das Kind geriet unter die Räder des Wagen». Mit einem schweren Schädelbruch wurde es zur Rettungsstelle 10 in der Badstraße gebracht. Der Arzt konnte Indes nur noch den inzwischen eingetrcte- nen Tod seststellen. Eisenbahubanditen in Mexiko. Wie aus Laredo in Texas berichtet wird, ist südlich von San L o u i» P o t�o s i«in Eisenbabnzug von mexikanischen Banditen überfallen und ausgeplündert worden. Die Banditen brachten zwei Bomben zur Exvlosion, wodurch der Zug zum Halten gebracht wurde. Aon den Passagieren wurden acht getötet und zahlreiche andere verletzt. Den Räubern fielen etwa 50 000 Dollar in die Hände. In dem Zug befanden sich auch mehrere Verwandte des mexikanischen Prä- sidenten Calles, die jedoch nicht belästigt wurden. Den Banditen gelang es, vnbebelligt zu entkommen. Nach einer weiteren Mel- dung ans Mexiko wurde im G'-nbenbezirk von Nayarti ein von einer Militörsskort« begleiteter Geldtransport vuv Banditen überfallen. Die Berbrerber töteten vier Soldaten und raubten«inen Voststck und etnm?000 Dollar. Auch hier konnten die Banditen flüchten. Notlandunq der französischen Stidamerikaffieqer. Costes und l« Brir, die am 10 Oktober Ihren Flug nach Buenos Aires zu beenden gedachten, mußten infolge ungünstiger atmosphärischer Bedingungen auf halbem Wege in Sant- Catarma in Brasilien niedergehen. Die öeutfthen Sergarbeiter Im Kampf um ihre Existenz. Di« Knappschaftsberufsgenossenschaft Hai ihren Rechenschosts bricht sür dos Jahr 1S26 herausgegeben. Noch dem Bericht waren im Jahrs 1926 insgesamt 1397 Betriebe gegen 1K0S im Borjahre versichert. Die Zahl der oersicherten Betriebe hat sich also um 268 verringert. Die Berminderung der Betriebe wird mit den vielen Stillegungen erklärt. Die höchste Zahl des Wckganyes der Betriebe weist der Braunkohlenbergbau mit 66 aus; dann folgt der Erzgrubenbergbau und Metollhütten mit 36; dann folgten andere Mineralgewinnungen mit t6 und der Steinkohlenbergbau mit 37. In den 1397 Betrieben waren im Jahre 1926 insgesamt 748 596 Personen versichert. Die Zahl der versicherten Personen ist gegen 1923 um 63 936 z u r ü ck g e g o n g e n. Die Lohnsumme betrug im Berichtsjahr bei der Knappschaftsberufs- genossenschast 1366 811 767 M. oder durchschnittlich sür«in« Person 2693,62 M. gleich nrnd gerechnet pro llrbeilsschichi 6,97 PL Die Knappschaftsberufsgenosfenschaft ist über das Reich in acht Sektionen gegliedert. Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Bergmannes betrug im Berichtsjahr bei der Sektion I4 Stunden in der Woche. Für Ueberarbeit. die nur in ganz dringenden Fällen oerlangt wer- den kann, soll ein Zuschlag gezahlt werden, und zw« für die erste Ueberstunde von 15 Proz. und sür die zweite Ueberstund« von 25 Proz. Alle anderen Bestimmungen des Manteltarifvertrags find im wesentlichen den Bestimmungen des Vertrags angepaßt, der bis zum 1. Januar 1925 bestanden hat. Der Manteltaris soll ab 1. Ok- tober bis zum 31. September 1928 gelten. Das Lohnabkommen sieht für sämtliche männlichen Ar- beitcr eine Lohnzulage von 6 Pf. pro Stunde und sür die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sowie für die Frauen von 4 P f. vor. Die bestehenden Akkorde sollen um 5 Proz. aufge- bessert werden. Das wichtigste an diesem Schiedsspruch ist, daß die Zulage auf alle bestehenden Löhne gezahlt werden soll und daß für all« Arbeiter und Arbeiterinnen feste E i n st e l l u n g s l ö h n e vorgesehen sind. Nach dem Schiedsspruch müßten alle Löhne min- bestens bis auf die Höhe der Einstellungslöhne aufgebesiert werden, auch wenn in diesen Fällen eine höhere Zulage gezahlt werden müßte als 6 bzw. 4 Pf. Die M i n d e st e i n st e l l u n g s l ö h n e betragen laut Schiedsspruch sür gelernte Facharbeiter 1,63 M., für angelernte Arbeiter 96 Pf., für Hilssarbeiter 75 Pf., für Hand- poliererinnen 65 Pf., für gelernte Arbeiterinnen 66 Pf., für son- stige Arbeiterinnen 55 Pf. und für jugendliche Arbeiter und Ar- beiterinnen von 14 bis 18 Jahren 36 bis 46 Pf. Ausgelernte sollen bis zu einem halben Jahre nach beendeter Lehrzeit 36 Proz. und bis zu einem Jahre 25 Proz., bis zu 114 Jahren 20 Proz. und bis zu zwei Jahren 16 Proz. weniger als der Vollarbeiter er- halten. Angelernte und Hilssarbeiter von 18 bis 26 Jahren sollen 76 Proz. des tariflichen Mindestlohncs der betreffenden Gruppe erhalten. Die Akkordpreis« müssen so festgesetzt sein, daß ein Ar- bester mst durchschnittlicher Leiswngssähigkeit mindestens 13 Proz. über dem Tariflohn verdienen kann. Das Lohnabkommen soll von der laufenden Lohnwochc ab bis zum 31. März 1928 gellen. Die Erklärungsfrist ist auf den 26. Oktober festgesetzt worden. Die Versammlung erklärte sich nach kurzer Zell damit einver- standen, daß über diesen Schiedsspruch heute alle in der Silber- Warenbranche Beschäftigten in einer Urabstimmung entscheiden sollen._ Die Lichtenberger Bäckermeister lieben Militärmufik. Uns wird geschrieben: Am Sonntag veranstaltete der Gesangverein der Lichtenberg er Bäckcrm ei st er eine Festlichkeit in den Räumen des Saalbau Friedrichshain, bei der die Musik von der Kapelle des III. Barl. Reichswehr In f.- Regt s. 9 aus- geführt wurde. Die Herren Bäckermeister aus Lichtenberg scheinen ihr« Sym- pathie für die Slrbesterschaft dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß sie Beamten, die bereits ein festes Einkommen haben, noch zu . weiteren Einnahmsguelken verhelfen. Den Herren scheint die unge- heure Arbeitslosigkeit w.-iter Bevölkerungskreise und auch die Not der erwerbslosen Musiker noch gor nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein, trotzdem es sich in dem vorliegenden Falls um Bäckermeister handelt, die in der dichtbevölkertsten Arbeitergogcnd Berlins wohnen und die ausschließlich von den Groschen der Ar- beiterklasse, zum großen Teil sogur von den Groschen der Arbeits- lesen existieren. Im Saalbau Friedrichshain ist eine Kapelle von organisierten Berufsmusikern von Fall zu Fall beschäftigt, deren Mitglieder ohne Erivcrb waren, weil die Bäckermeister aus Lichtenberg für chre Fest- lichtest ausgerechnet eine Militärkapelle haben mutzten. Bemerkt weiden muß noch, daß sich der Kapellmeister des Orchesters bei dem Verein vergeblich um die Musikaussührung beworben hat. Sonnabend Konferenz der öergarbeiterüelegkerten. halle. 19. Oktober.(TU.) Die Zentralstreikleiwng hat für Sonnabend eine Delegierten- konfcrenz der Bergarbeiter nach Halle einberusen, die zu dem Ergeb- nis der heistigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium Stellung nehmen wird. Lohnbewegung in der Köln-Beueler Textilindustrie. Köln. 20. Oktober.(MTB.) In der rechtsrheinischen Köln-Beueler Textilindustrie ist von den Gewerkschaften dem Arbeitgeberoerband die Kündigung des Lohnvertrages ab 1. November mit neuen Forderungen zu- gegangen. Neben einer Reche grundsätzlicher Forderungen der weib- lichen Arbeiter wird eine wesentliche Steigerung der Löhne gefordert. Es kommen etwa 76 666 Arbeiter in Frage. Beilegung des Kopenhagener Hafenarbeiterstreiks. Kopenhagen. 26. Oktober.(Mtb.) Der Hafenarb«sterstreik in Kopenhagen ist gestern durch einen Vergleich vor dem Schiedsgericht beendet worden, nachdem die Streikenden die Gesetzwidrigkeit chrer Handlung eingeräumt haben. Die Arbeit wird morgen wieder aufgenommen. Entlassungen wer- den nicht vorgenommen. Virantwortlicki für Politik D:. a»rt Wirilchaft:®. XlimxeiUftt; -----~ llWon®t. Zoh» Schit»w»ki! fiotalea; Glocke: sämtlich in Berlin und Berlagzansiatt Paul Singer _____ Bruck: Borwärto-Buchdruckerei d Co. Berlin SW KL, Lindenftru�e S. Frischejunge, zarte Gänse 1.20 9 bis 14 Pfd. schwer. Wepner.öerllnSO Mariannenstraße34 Uanngmintr adijenl Schaufenster-Tapete! Alle Eigenmuster ohne Zwischenhandel. SSdisisdic Tapeten'indmtrfe, Berlin W„ Wilbelmstr. 44, zwischen Leipziger n. Zimtnerztr Total-Ausverkauf wegen vollständiger Aufgabe des Geschäfts. Hier einige Beispiele: noch nie dagewesene Kaufgelegcnheit! Wir müssen in ganz kurzer Zeit bis auf das letzte Stück räumen. 'Deshalb wirkliche feinste fertige Hcrrcn-Wlnfer MMel' u.-flnzflge Serie i Serie II Kräftige Stoffe, gute Verarbeitung Sonst M. 48.— jetzt M. Gute Stoffe, beste Zutaten Sonst M. 86.— jetzt M. m Serie III Beste reinwollene Stoffe, tadellose Verarbeitung K* 0*. - Sonst M. 108.- jetzt M. 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