flr. 500 ♦ 44.?ahrgaag Masgabe A Nr. 254 Bezugspreis: SiArntliA 70 Bkniiia, mamfliA 5. Zieichsmarl voraus»ab!bar. Unter Streifband im In. und Ausland 5M Zieichsmarl oto Monat. Set»Lorwiirts' mit der klluftrier. teu Sonntag-detiag».Soll und Seif fomi« den Beilagen.llnierbaltung und Wissen'.Äu, der ssilmwelt". Frauenstimme'..Der Rinder- freund'.Iugrnd-BorwSrts'.Blick in die Bstcherwelt' und.Kultur. arbeit' erscheint wochentäglich rwei» Mai, Sonntags und Montags einmal. Telegramm.Adresse: .Sazialdrmotral SrrNa' Morgen ansgalre Derltner Volksvlakt Groß-Berlw 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: Bit rinivalttae Nonvareille- seil» SO Piennio Reklomereiie 5,— Reichsmark..Kleine Bniejgen' da« kettaedruckte Wort 2Z Pfennig ftulSfsta twei fettgedruckte Wartet. ied«» weitere Gort 12 Pfennig. Etcllenaesuche das erste Wort IS Pfennig iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buch- staben täblen fstr»wei Worte. «rbeitsmarkt steile 00 Pfennig. ssamillcnan, eigen fstr Abonneniru steile<0 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft. Lindcnstraße 3, wochcntäglich von 8', 4 bis 17 Uhr. Zcntralorgan der Sozialdemohratirchen Partei Deutfchlands Neüaktion und Verlag: S erlin SV. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Sonnabend, den 22. Oktober 1927 vonvärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Lindenstr.3 PoNIchecktoat»! Berlin 37 53«- B-nNonto: Banl der Arbeite«. Angestelte» »»» Beamten walstr.«Si Diskonto-Selelllchoft. Depssttent-sse«indcnftr. 3. Schiedsspruch im Srauntohlenstreik. Lohnerhöhung NN Pfennige pro Schicht.- Moralische Verurteilung der Unternehmer durch deu Schlichter. Der vom Reichsarbeiksminister bestellte Schlich. ter hat am Freitag abend für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau folgenden Schiedsspruch gefällt: t. Die Lohnorduuug wird mit der ZIlahgabe wieder iu Kraft gesetzt, daß vom Tage der Arbeitsaufnahme ab der Tarifdurchschniltslohn in deu Kernrevieren von 5,2ll M. auf 5,80 2R. erhöht wird. 2. In den anderen Revieren ist der Lohn im gleichen Verhältnis zu erhöhen. Z. Die Verteilung der Lohnerhöhung innerhalb der ein- zelnen Gruppen findet innerhalb der Parteien flott. 4. Die Regelung gilt bis zum Zt. August 1928. 5. Die Parteien haben sich bis zum 22. Oktober, nachmittags 4 Uhr. zu erklären. vie Segründung des Schlichters eine Rechtfertigung des Streiks. In der Begründung des Schiedsspruchs hat der Schlichter aus- Mfichrt, daß die To r i f l ö h n e im mitteldeutschen Braunkahlen- bergdau seit dem 1. November 19 28 unverändert ge- blieben seien, während sie in anderen Bergbaurevieren in der Zwischenzeit«ine Steigerung ersahren hätten, daß ferner die Tarif- lohne anderer Berussgruppcn im mitteldeutschen Bezirk zum Teil nicht unerheblich über dem bisherigen Tariflohn der Bergarbeiter lägen., Vereinbarungen der Tarifparteien. Keine Mahregelungen.— Das Arbeitsverhältnis gilt nicht als unterbrochen. Die larisparleien selbst haben folgende Vereinbarung abge- schloflen: l. vie Gewerkschaften verpflichten sich, dahin zn wirken, daß die gelegentlich der von ihnen eingeleiteten kündigungsatkion ausgesprocheneu Kündigungen zurückgenommen werden. Die Anmeldung zur Arbeil gUl als Zurücknahme der Kündigung. 2. Maßregelungen aus Anlaß dieser Bewilligungen finden nicht statt. 3. Der Arbeltgeberoerband verpflichtet sich, bei seinen Mit- gliedern dahin zu wirken, daß die Arbeiter, die gelegentlich der Kündigungsattion ordnungsgemäß kündigten oder die Arbeil ohne Kündigung niedergelegt haben, wieder eingestellt werden, soweit sich diese Arbeiter spätestens am Dienstag, dem 25. Oktober dieses Jahre» wieder zur Arbeit melden. Das gleiche gilt für diejenigen Arbeiter, die gelegentlich der Kündigungsaktton entlassen wurden. 4. Dle Wiedereinstelluug der Arbeiker bewirkt, daß das Ar- beilsverhältnts als nicht unterbrochen im Sinne des Tarifvertrages gilt. Abzüge für Sontrattbruch dürfen nicht gemacht werden. Soweit den Arbeitern Wohnungen gekündigt sind, werden diese Kündigungen aufgehoben. Die Parteien werden die Neuwahlen von Betriebsräten nicht fordern. Die Bestimmung bezüglich der Wiedereinstellung der Arbeiter bezieht sich auch aus die abgereisten Arbeiter, soweit sie sich bis zum 25. Oktober melden. Heute Sesthluß der Funktionäre. Die Funktionäre der am Streit beteiligten Gewerkschaften wer- deu am Sonnabend mittag 1 Uhr in Halle Stellung zum Schieds- sprach nehmen. Die Unternehmer wollen abwäizenl Die Unternehmer lasten durch die Telegraphenagentur ihre Forderungen anmelden: Don Bergbauseite wird erklärt, daß dieser Schiedsspruch eine so außergewöhnliche Lohnerhöhung vorsieht, daß er die Notwendig- kelt einer Preiserhöhung unabwendbar mache. Entsprechende Anträge hierauf würden in Kürze an die Organe der Kohlenwirtschaft gelangen." Die Unternehmer sind durchaus in der Lage, die Lohn- erhöhung unter den heutigen Preisen zu trogen. Der Gegen- beweis ist ihnen völlig mißlungen. Reichswirtschastsministerium und KohZenpreise. Zu der Meldung, daß sich der Reichswirlschaslsminisler zu einer Erhöhung der Braunkohlcnpreise enlschlossen habe, erfährt die Tele- graphkn-llnioa von gut unterrichteter Seite, daß das R e l ch s w I r t- schastsministerium nach wie vor einer Erhöhung der kohlen- preise ganz allgemein ablehnend gegenübersteht. Die Festsehnng der kohlenpreise obliegt bekanntlich dem Reichskohlenrat, der Reichs- wirkschastsminister hat lediglich ein Vetorecht. Doch ein Schritt Parker Hilberts� Gin Bericht über Deutschlands Finanzlage. Der„S o z. Pressedienst"' meldet: 2o unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Reporationsageut neuerdings einen Bericht für die Reparatianskom- Mission fertiggestellt hat. der sich eingehend mit den deutschen Finanz- und Budgetverhältnissen. mit den sinanzlelle» Beziehungen zwischen Reich und Ländern und mit deu Fragen der deutschen Aus- tandsan leihen beschäftigl. Dieser Bericht soll eine noch viel schärfere Kritik der deutschen F i a a n z g e b a r u n g enkhalten wie der Vorhergeheilde und bestimmte Befürchtungen im Interesse der Reparatioosgläubiger mit starken Worten zum Ausdruck bringen. Die wichtigsten Beschwerdepunkle des Berichts find der Reparattonskommissioa schon bekannt. Der Bericht beschästigt sich im übrigen auch eingehend mit dem Finanzausgleich zwischen Reich und Länder und nimmt entschieden dagegen Stellung, daß die Einnahmen des Reiches weiter zugunsten der Länder verkürzt werden. Nach der„Vossischen Zeitung" ist der Bericht bereits in den chanden der Reichsregierung. Er hat den Umfang einer Denkschrift und befaßt sich sehr eingehend mit der wirtschaftlichen Situation des Deutschen Reiches und mit den finanziellen Auswirtun- gen der letzten von der Rcichsregierung eingebrachten Vor- lagen. Zu diesen Vorlagen gehören bekanntlich das Beamten- besoldungsgeietz, das Reichsschulgesetz und das Liquidationsschädengesetz. Parker Gilbert gelangt zu der Schlußfolgerung, der Stand der Reichsfinanzen vertrage die�durch d»e genannten Gesetze sich ergebende Daucrbelastung nicht: er würde so erheblich verschlechtert werden, daß die Einführung neuer Steucrn und dadurch eventuell das Gefährden von Sicherheiten notwendig wäre, die nach dem Dawes-Gesetz für die Reparationsleistungen gegeben worden sind. Der Brief ist im Reichsfinanzministerium erst am Mittwoch- abend abgegeben worden, so daß die Mitglieder des Reichskabinetts erst gestern vormittag in großen Zügen informiert werden tonnten. Die„New Port Times' aber kannte die Meldung von dem Schreiben Gilberts und auch dos Wichtigste von dem. was es ent- hielt, am Mittwoch zu derselben Stunde verössentlichen, da der Brief im Reichsfinanzministerium abgegeben wurde. Die Reichsregterung hat bisher zu den Gerüchten, die bereits im Reichstag umliefen, hartnäckig geschwiegen. Die Dinge, die in dem bisher noch nicht veröffentlichten Bericht de« Reparationsagenten angeschnitten werden, find jedoch von so tiefgreifender Bedeutung für die gesamte Finanz-, Wirtschasts- und Sozialpolitik, daß schleunigste Auf- k l ä r u n g dringend erforderlich ist. Statt dessen entzieht sich die Rechtsblockmehrheit sogar der Pflicht, die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reiches zu beraten und will den Reichstag in die Ferien schicken. Wir verlangen, daß die Reichsregierung über die Kritik Parker Gilberts in ihrer Finanzgebarung klaren Wein ein- schenkt. Die Kritik mag ihr unangenehm sein. Aber die Rechtsblockregierung tragt gegenüber dem ganzen Volk die volle Verantwortung für die Folgen ihrer Gesetz- gebung auf die Reparationen und für die Rückwirkung, die eine derartige Stellungnahme des Reparationsagenten auf die Innen- und Außenpolitik haben muß. Von dieser Ver- antwortung wird die Regierung nicht frei, wenn sie auch weiterhin das Dokument verschweigt, dessen Inhalt erst über die Auslandspresse und auch nur in unzureichenden Bruch- stücken hier bekannt wird._ Der Musbau üer Mngeftelltenversicherung. Ein sozialdemokratischer Antrag. Die sozialdemokratische Reichslagssraktion fordert in einem Antrag eine Vorlage zum Ausbau des Angestellten- Versicherungsgesetzes. Äm einzelnen wird die Ausdehnung der An- gestelltenoersicherung auf die Angestellten aller Berufe ohne Rücksicht aus die Höhe ihres Einkommens gefordert. Weiter werden Erhöhung der Renten ohne Beitragserhöhung, Herabsetzung der Wartezeit und der Altersgrenze auf das 69. Lebensjahr, Reform des Bertrauensmännersystems und billige Darlehen an die An- gestellten verlangt. der Wahlsieg in Norwegen. 27 Arbciterparteilcr mehr. Oslo, 2t. Oktober. Nach dem endgültigen Ergebnis der Storthlngwahlen erhallen konservative und Liberale Z2 Sitze(Verlust 22s, Bauernpartei 2V(Gewinn 4), Radikale 29(Verlust 5). Arbeitcrdemo- kraien 1(Verlust 1). Arbeiterpartei 59(Gewinn 27). Kommunisten 3(Verlust 3 Sitze). Konservatives Kommando! Hilflose Ableugnungsversuche der Deutschnationalen. Die Erklärung der deutschkonservatioen Partei ist gestern abend auch von der„K r e u z- Z e i t u n g" ver- öffentlicht worden, während die übrige deutschnationale Presse sie verschweigt. Dafür redet die deutschnationate Presse- stelle im Reichstag. Sie will es nicht wahr haben, daß die Deutschnationalen unter dem Kommando der Kon- servativen stehen. Sie verbreitet folgende Erklärung: „In einer Mitteilung des Hauptvereins der Deutsch-Konser- oatiocn ist daran erinnert worden, daß im Jahre 1918 bei Grün- dung der Deutschnationalen Volkspartei dem Hauptverein der Deutsch-Konservatioen das Recht zugestanden sei, von den 29 Mitgliedern des Parteivorstandes 19 zu benennen und den Vorsitzenden zu bestimmen. Dieses Recht ist schon bei der ersten Bildung des Parteivorstandes im Jahre 1919 im gegen- fettigen Einvernehmen weder hinsichtlich des Vorsitzenden, noch hinsichtlich des Parteivorstandes ausgeübt worden und seitdem bei allen Neuwahlen niemals beansprucht oder zur An- Wendung gelangt. Insbesondere ist der Hauptoerein der Deutsch-Konservatioen bei der Wahl des Grasen W e st a r p zum Parteivorsitzenden überhaupt nicht beteiligt gewesen. Im übrigen geht aus der jetzigen Veröffentlichung klar hervor, daß es sich nur um eine historische Erinnerung handelt, auf Grund deren der Hauptverein der Deutsch-Konservatioen eine stärkere Berücksichtigung bei den Wahllisten verlangt. Die unter sensationellen Ileberschtiften aufgestellten Behauptungen des„Vorwärts", daß die Deutschnational« Volkspartei unter dem Kommando der Konservativen stehe, entspricht also nicht den Tatsachen." Es ist verständlich, daß die konservative Mitteilung der Deutfchnationalen Volkspartei als Regierungspartei sehr peinlich ist. Nur historische Erinnerung? Die deutschkonser- oative Partei beruft sich auf dies Recht, und die Deutschnationalen wagen dies Recht nicht zu bestreiten. Sie ziehen sich hinter die Erklärung zurück, daß es nie ausgeübt worden sei. Warum? Der erste Vorsitzende der Deutschnationalen bei der Paneigründung war Herr H e r g t, ehemals k o n f e r v a- t i v e r preußischer Finanzminister. Man versteht, daß„im gegenseitigen Einvernehmen" im Jahre 1918 nicht ein extremer Konservativer herausgestellt wurde. Herr H e r g t wurde nach der Dawes-Abstimmung un- beliebt. Die Konservativen meldeten sich. H e r g t wurde abgesägt, provisorisch trat an seine Stelle §rühe Sorgen! Der Landbuud rüstet schon jetzt zur Reichstagswahl. Der M e i h n e r Landbund. d«r bereits durch seine Propaganda für das Keudellsche Reichsschulgesetz von sich reden machte, hat in diesen Tagen ein streng vertrauliches Rund- schreiben folgenden Wortlauts herausgegeben: „Rundschreiben 34/27. Meißen, 27. September 1927. Für die Ortsgruppennersammlung! Flugblatt: Den„Meißner Mitteilungen" der„Bauern- zeitung wird künftighin oftmals ein buntes Flugblatt beiliegen „W i r Arbeiter vom Land e", welches der Wahlvorbe- reitung dienen soll. Wir bitten, es selbst zu lesen, und dann jedes- mal indieGesindestubenzulegen. Die Sozis arbeiten heute schon zielbewußt und emsig auf die Reichstagswahl. Den Sieg erringen wir nur, wenn wir noch mehr Arbeiter zu unseren Gedankengängen bekehren. Welcher Landbündler also hierbei nicht mitwirkt und aufklärt, sondern der Organisation und den Wahlwochen alles überläßt, wird seine „andere" Stellungnahme, besser nicht mitzuarbeiten, später nach- prüfen können, wenn alsdann die rot« Reichstagsmehrheit i h m an Steuern und Zwangsmaßnahmen die notwendig« aber zu späte Aufklärung gibtl" Dieses Rundschreiben offenbart die Sorg«, mit der die Land- bündler den kommenden Reichstagswahlen entgegensehen. Die Ge» finnungsgenossen werden scharfgemacht, schon jetzt mit einer systematischen und geschickten Wahlbeeinflufsung der Landarbeiter zu beginnen. Diese freilich werden für die„Röte" der reaktionären Groß- grundbesitzer wenig Verständnis aufbringen. Dafür wird die Sozialdemokratie schon sorgen. Protest aus Spanien. Keine Möglichkeit der Veröffentlichung im Lande. Die Sozialistische Partei Spaniens übersendet uns zwei Reso- lutionen der führenden Körperschaften der spanischen Arbeiterbewegung. Zn Spanien selbst gibt es jetzt keine Möglichkeit, diese Le- schlösse der spanischen Arbeiterschaft zur Kenntnis zu bringen! Die Resolution des Allgemeinen Gewerkschasts- b u n d e s besagt, daß seine Angehörigen die ihnen angebotenen Sitze in der„Ralionalversammlung" nicht annehmen. Der Ge- werkschastskongreß bedauert gleichzeitig, daß der Mangel an jener Freiheit, die notwendig wäre, um in wirksamer Meise vor der öffentlichen Meinung diesen Beschluß zu begründen, ihm eine solche Darstellung nicht gestaltet. Diese Resolution wurde ebenso einstimmig angenommen wie nachstehender Beschluß der Soziali st ischen Partei: Die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens protestiert energisch und vorbehaltlos gegen das seit vier Jahren ausgerichtete Diklaturregin??: sie protestiert ebenfalls gegen die Schassung einer„Rationalversammlung", kein Mitglied der Sozialistischen par- lei wird dieser Versammlung angehören: die Partei begrüßt lebhaft den gleichlautenden Beschluß des Allgemeinen Gewcrkschastsbundes. Endlich betont die Partei die dringende Rolwendigkeit für das Land, nach aufrichtigen und weilherzigen Freiheilsgrundsäheu regiert zu werden, die die Verbreitung der sozialistischen Ideen ermöglichen. Sie fordert, daß die Regierung Spaniens wirklich den oft vorgeschobenen, aber niemals befragten Willen der Ration widersvlegcle, der allein durch demokratische Methoden zum Ausdruck gebracht und respektiert werden kann. Der pariser Pogromprozeß. Lebhafte Berhanblnng. Parts. 21. Oktober. Die heutige Verhandlung im Schwortzbarth-Prozeß eröffnet der Präsident mit einer M a h n u n g an die Advokaten, die Zeugen nicht ständig zu unterbr«hen, da man sonst nie zu End« komme. Trotzdem gab es sofort eine lebhafte Kontroverse zwischen den Rechtsanwälten. als der Vertreter der Zivilpartei, Campinchi, die bisherigen Zeugenaussagen dahin zusammenfassen wölkte, daß der ermordete Petljura in keiner Weise die Pogrome organisiert oder verschulde!. habe. Das rief den Widerspruch des Verteidigers Torres hervor. der behauptete, es fei erwiesen, daß die Pogrome durch Unter- gebene Pelljuras organisiert worden seien, der deshalb die rechtliche Verantwortung dafür trage.— Der erste heute vernommene Zeuge- war der Professor an der ukrainischen Universität und ehemaliger Außenminister Petljuras, Alexander S 6) u l g i n. der Petljura als seinen Freund und Schwartzbarth nicht als einen Rächer seiner Rasse. sondern als einen Agenten der T s ch e k a bezeichnete. Die Pogrome seien das Werk der Roten Armee. 1920 seien ganze Dörfer auz Befehl Rakowskis vernichtet worden. Pelljura sei mit Pro- tlamationen, Befehlen und Taten gegen die Pogrom« vorgegangen. vom chinestscben Sürgerkrieg. Der Süden uneinig... Die Nanking-Regierung beschuldigte in einem Tagesbefehl General Tangsengschi, den Kommandanten von chankau, der Empörung gegen die Revolution und enthob ihn als einen Koni- muniften aller seiner Aemter. Nankinger Truppen haben den Truppen Tangs bei Wuhu eine Niederlage beigebracht. ... und Tfehangtsolin greift an. Die Psking-Regierung verbreitet die Meldung, daß Marschall Tschangsolin zu einer Offensive rüste, die am Sonnabend oder Sonn- tag beginnen solle. Gegenwärtig werde der Vormarsch in der Provinz Schonst durch Bombengeschwader vorbereitet. Auch der Artilleriekampf werde fortgesetzt. Auf Anordnung Tschangsolins seien in der Mandschurei bei den Gewerkschaften zahl- reiche chaussuchungen vorgenommen worden, die in vielen Fällen zu ihrer Auflösung geführt hätten. Die Dergarbeiter-Internationale. Warschau, 21. Oktober.(Eigenbericht.) Der Hier tagende Vorstand der Bergarbeiter-Jnternationale hat einen Protest gegen die Verweigerung des polnischen Einreisevisums durch den Generalkonsul in London für den Vertreter des britischen Bergarbeiterverbandes, Cook, beschlossen. Nach Erledigung des Tagesprogramms hatten die Delegierten eine Zusammenkunft mit den Führern der sozialistischen und frei- gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung Polens. was ist hinüenburg? Durch Kaiser Wilhelm II. Heros des deutschen Volks. Der Nationalverband Deutscher Offiziere erläßt eine Erklärung gegen den General Gcöner, der in seiner Rundsunkrede am 2. Oktober gesagt haben soll, Hipdenburg sei durch das Ber- trauen des Volkes zur Obersten Heeresleitung berufen wor- den. Dagegen erklärt der NDO.: „Den Oberbefehl über die gesamten deutschen Streitkräfte hatte damals v e r f a s s u n g s g e m ä ß Gott, sei Dank noch der deutsche Kaiser. Der Aller- höchsten Entscheidung Seiner Majestät ist es daher zu danken. daß der einstige General der Infanterie z. D. o. Beneckendorff und o. Hindenburg zunächst 1914 mit der Führung der 8. Armee in, Osten beauftragt und der General Ludendorff zu seinem General- stabschef ernannt, und diese beiden Heerführer dann im August 19lii durch das Vertrauen des Obersten Kriegsherrn an die Spitze der Obersten Heeresleitung berufen wurden- Dafür ist das �deutsche Volk heute noch dem Kaiser Dank schuldig! — Generalleutnant a. D. Gröner kann für sich vielleicht in Anspruch nehmen, daß er auf den Druck der Linksparteien hin kurz vor Aus- bruch der Revolution der Nachfolger eines Generals Ludendorff werden tonnte. Die im NDO. vereinigten Ofiziere der einstigen Kaiserlichen Wehrmacht sind aber st alz darauf, daß der Generalfeldmarschall o. Hindenburg noch dur6> Kaiser Wilhelm II. zu dem wurde, was er ist, nämlich zum Heros des deutschen Volkes." Dr. Winckler, ein alter eingefleischter Konservativer, Fraktionsvorsitzender aber wurde Graf Westarp, damals Vorsitzender der deutsch-konseroatioen Partei. Am 24. März 1926 wurde W e st a r p Parteivorsitzender. Westarp: während des Krieges Führer der t o n.s e r- vativen Fraktion im Reichstag, Vertreter der alt- konservativen Richtung in der deutschnationalen Reichstagsfraktion, führendes Mitglied der deutfch-konferva- tiven Partei. Er erhielt seinerzeit vom deutschnationalen Parteitag diktatorische Vollmacht:„der Graf hat es be- fohlen". Aber, sagt die deutschnationale Pressestelle, es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Deutschnationale Volkspartei unter dem Kommando der Konservativen steht... Tatsache ist, daß die Konservativen Rechte gegenüber den Deutschnationalen haben, und nicht umgekehrt. Tatsache ist, daß die Konservativen heute auf dies Recht pochen. Es besteht und ist nicht nur historische Erinnerung. Tatfache ist, daß die Konservativen mit Befriedigung konstatieren, daß Graf Westarp ihren Wünschen ent- spricht. Tatsache ist, daß die Konservativen die Deutschnationale Volkspartei in der Hand halten— es sei denn, ein Test der Deutschnationalen wollte sich von ihnen durch Spaltung befreien. Tatsache ist, daß die Vorherrschaft von Adel und Groß- besitz in der Deutschnationalen Partei durch Vorzugsrechte gesichert ist. Der Ableugnungsversuch ist echt deutschnational. Warum erklärt Graf Westarp nicht: 1. ich gehöre der deutsch- konservativen Partei nicht an; 2. ich teile ihre Anschauungen nicht; 3- ich mißbillige die Frankfurter Resolution gegen die Verfassung? Er kann es nicht, weil er a l s K o ns e r v a t i v e r die Deutschnationale Partei kommandiert! Spotten ihrer selbst. Deutschnationale in» Reich und in Preußen. Die deutsch nationale Landtags fraktion hat folgende Große Anfrage eingebracht: Die Deckungsfrage der von uns als notwendig aner- kannten Beamtenbesoldungsvorlage erscheint für 1928 und weitere Jahre bisher nicht hinreichend geklärt. Fest steht, daß die Wirtschaft Steuererhöhungen oder neue Steuern zu tragen außerstande ist, weshalb für den Fall, daß die Besoldungs- mchrlasten aus den laufenden Einnahmen der nächsten Jahre nicht bestritten werden können, die erforderlichen Mittel nur durch Cr- s p a r n i s s e im Staatshaushalt oder durch stärkere U e b e r- Weisungen von Reichs steuern gewonnen werden können. Wir richten an das Staatsministerium die Anfrage, ob es diese unsere Auffassung teilt? Diese Anfrage ist wieder einmal ein Muster deutschnatio- naler Demagogie. In Preußen ist ihnen die Deckungs- frage nicht genügend geklärt, im Reiche zeichnen sie als Mitglieder des Rechtsblocks für die Vorlage verantwortlich, die diese unklare Rechtslage schafft. In Preußen salbadern sie über Sparsamkeit, im Reiche beschließen sie Gesetze, wie die Schulvorlage, die die Ausgaben der Länder erhöhen. In Preußen reden sie von größeren Steuerüberweisungen des Reiches— im Reichstag lehnen sie diese ab. Es gibt eben Leute, die es als Politik ansehen, wenn sie sich vor aller Oeffentlichkeit selber schallende Ohr- feigen versetzen. Deutschnationale Regierungspolitik! wegen Aulimilitarismus und entsprechenden Schriften hat die Polizei in R e i m s bei Kommunisten gehaussucht, beschlagnahmt und auch Verhaftungen vorgenommen. Der Hase. Von Erich Grisar. Mit mäßigem Tempo, doch unverkennbarem Bestreben, den Wagen auf höchste Tourenzahl zu bringen, rasten wir durch die Nacht. Aus süßer Zweisamkeit empvrgescheucht, starrten dann und wann zwei Menschen erstaunt in das Licht unserer Scheinwerfer. Verspätete Radfahrer. Arbeiter, die von Schicht nach Hause eilen, sind auf dem Weg. Mit lautem Hupengebrüll, das unseren Ohren wehe tut. das ober notwendig scheint im Labyrinth krummer Gassen, durchfahren wir einen Ort. Trunkene torkeln, aus dumpfen Wirtsstuben kom- mend, vor uns her. Dann wieder, glatt gefegt van den Lichtkegeln unserer Scheinwerfer, streckt sich die Straße vor uns. Gleichmäßig scharrt der Motor. Geruch dampfenden Oeles steigt auf. Weiße Kilometersteine springen uns an und sinken zurück. Unbewegliche Wächter, stehen die Stämme hoher Bäume am Rande der Straße und wehren der Nacht, die von den Feldern, auf denen sie lastet, hereinbrechen möchte auf unseren Weg. Dunkler, lastender Keil, schiebt sie sich dann durch die Decke dichter Laubkronen nach unten. Mit tausend Nadeln sticht der Wind. Pfeifend umfährt er die vom Nebel verhauchte Glasscheibe vor dem Führersitz, um hinter uns an der eigenen Kraft zu zerbrechen. Ein Hase hoppelt über die Straße. Einen Augenblick stutzt er, dam, verschwindet er im Dunkel. Ein zweiter Hake ist hinter ihin her. Nicht soviel Zeit vergeht, als er braucht, um die Straße zu queren, da sind wir heran. Ein kurzer Blick in die Augen des erstaunten Tieres. Ein Sprung. Ein kleiner Ruck. Mehr gefühlt als gehört, ein dumpfes Klatschen. Ein Leben ist ausgelöscht. Ich drehe mich kurz um, aber die Nacht ist hinter uns her und streut Dunkelheit aus, die unser Scheinwerfer für Augenblicke hin- wegfegt. Unruhe faßt mich um das Schicksal des Tieres, doch un- beirrt hält der Führer des Wagens das Tempo. Wir hätten mal einen Augenblick halten können, sage ich zu ihm. Und wie um mich zu entschuldigen vor der Lächerlichkeit meiner Frage, füge ich hinzu: Vielleicht fft es«in guter Braten, den wir mitnehmen könnten. Ausgeschlossen, sagt der Mann neben mir. wirft seinen Körper gegen das Lenkrad und bringt den Wagen durch eine Kurve. Dann spricht er weiter. Das Tier ist ein Brei. Hab sowas schon öfter gesehen. Nicht mehr zu genießen, sage ich Ihnen. Und übrigens, wir haben keine Minute zu verlieren, wenn wir den Zug noch haben wollen. Ja. richtig, der Zug... Aber ich konnte das Schicksal des Hasen nicht vergessen. Ich konnte keinen--inn darin sehen, daß dieses Tier hatte sterben müssen, nur weil drei Menschen nicht einmal für ein paar Stunden auf ihren Schlaf verzichten wollten: denn das mußten wir, wenn wir den Zug nicht mehr erreichten. Grausam erschien mir dieses Schicksal, das ein Wesen vernichtete, in dessen Auge sich den Geist der Schöpfung erkannt hatte, den gleichen Geist, der auch im Menschen wirkt und ihn erkennen läßt die Sinn- lostgkeit eines Schicksals, das immer die Kleinen zu Opfern der Großen macht und das auch sein eigenes Schicksal ist, an dem er leidet und zum Empörer wird. Da hielt der Wagen. Wir standen vor dem Bahnhofsgebäude. Erst in zehn Minuten ging unser Zug. Der Besitzer des Wagens. der so freundlich gewesen war, uns herzufahren. Machte uns darauf aufmerksam. Erstklassige Maschine, lobte er seinen Wagen und wischte etwas von den Kotflügeln, das wie Blut aussah. Gibt das letzte für mich her, ohne zu bocken. Und mit den anderen, die sich beeilten, der Maschin« ein Kompliment zu machen, sagte auch ich: Ein fabelhafter Wagen! und dachte schon nicht mehr an das Tier, das an seiner Geschwindigkeit hatte sterben müssen. Roch ein ärzlliches Gutachten über konnersreukh. Dr. med. Eduard Aigner veröffentlicht nach viertägiger Beobachtung der Kranken ein ärztliches Gutachten in den Münchener„Medizi- Nischen Wochenschrift". Der Umstand, so schreibt er, daß bisher kein Amtsarzt zur Begutachtung beauftragt wurde, charakterisiert wohl am besten die geradezu mittelalterlichen Zustände. Die Wundmale bestehen einwandfrei. Ihre psychogene Entstehung kann bei«in- maliger Beobachtung nicht eindeutig festgestellt werden. Di- geistig« Verfassung des Mädchens läßt jede mögliche autosuggestive Leein- flussung des Organismus erwarten. Eine ärztliche Untersuchung der bei einer Beobachtung bestehenden angeblichen Augcnblutungen war infolge des Widerstandes des Ortspfarrers trotz dringenden Ersuchens unmöglich. Der Pfarrer verwies auf die vorliegenden Protokolle, die unter ärztlicher Aufsicht für das Ordina- riat fertiggestellt wurden. Sanitätsrat Dr. Seidel-Waldsassen, der bisher die ärztliche Behandlung hatte, gestattete ein« Einsicht in die Akten. Nach diesen Berichten ist jede ärztliche Vorsicht bei der Ent- nahm« des Sekrets gewahrt worden. Die Untersuchung erfolgte durch ein Universttätsinstitut und ergab normales Blut. Danach muß angenommen werden, daß es sich im Falle Neumann um eine Persönlichkeit handelt, die in der Lage ist, durch Willen und Vor- stellung(Psychogen) außergewöhnliche körperliche Veränderungen hervorzurufen. Diese Veränderungen äußern sich in der Durch- lässigkeit der Blutgefäß« an den von der Kranken gewollten Stellen zu der von der Kranken gewollten Zeit. Dieser Vorgang liegt voll- ständig im Vereich wissenschaftlicher medizinischer Erörterung. Er ist experimentell nie erzeugt und einer klinischen Behandlung in der Gegenwart nie zugänglich gewesen. Das erhöht nur das medizinisch« Interesse und legt vor allem der Aerzteschaft die Pflicht auf für die Kranke einzutreten und st« vor MiKieutungen zu schützen. Möge, so schließt Aigner, dem Gebote der Menschlichkeit und der Wissen- schaft folgend, die zuständige bayerische Medizinal- bchördc die die Macht und die Möglichkeit hat. sofortige Aufklärung zu schaffen, auch den Mut dazu finden. Möge dies geschehen bevor der Tod, eine geistige Umnachtung oder ein« Verschleppung die Krank« einer solchen Fest- stellung entzieht. Das Vexierspiel einer auf- und untertauchenden Insel. Wie der britische Agent und Konsul der polynesischen Gruppe der Tonga- oder Freundschastsinseln durch Funktelegramm mitteilte, hat er unter dem 8. Oktober eine Meldung des britischen Kriegsschiffes„ßaburnam" erhalten, die besagt, daß die Falcon-Insel wieder aus dem Meere aufgetaucht ist und sich in voller vulkamsdzer Tätigkeit befindet. Die genannte Insel erfreut sich bei den Kartographen wegen ihres häufi- gen Austauchens und Verschwinde»? ganz besonderen Rufes. Sie wurde zum erstenmal im Jahre 18S5 gesichtet. Nach den Berichten der Zeitgenossen erreichten ihre Klippen damals eine Höhe von rund 59 Metern. Auf Grund dieser Angaben wurde dann die Insel auf den Seekarten eingezeichnet. Bald aber oerschwand sie wieder in den Wogen. Mehrere Jahre blieb sie dann unsichtbar: im Jahre 1898 erfolgte dann eine erneute Eruption, und die Insel stieg mit chreni rotglühenden Krater aus der See empor, um nach kurzer Zell ober- mals zu oerschwinden. Im Jahre 1999 wurde sie vom britischen Ma- rineamt erneut in einer den Wasserspiegel etwa 2 Meter überragenden Höhe entdeckt. Die Falconinsel hat seither ihr Bexierspiel sortgesetzt. scheint sich aber jetzt endlich dazu entschieden zu hoben, der Beobachtung ein zuverlässiges Objekt zu bieten, denn wie berichtet wird, befindet sie sich heute in korrekter Lage, 45 Meilen nördlich von Nukualofa in der Tongagruppe. „Arbeiter. Sprachzeitung". In den nächsten Tagen erscheint die erste Nummer dieser sozialistischen Sprochzeitschrift, herausgegeben von H. Fuchs, dem Leiter der Sprachenschule der Arbeiter und Angestellten Groß-Bcrlins. Die Zeitschrift will dem jungen Arbeiter auf einem Gebiete, dos heute noch ganz von bürgerlichen Tendenzen beherrscht wird, ein Führer und Berater sein. Neben Artikeln sprachwissenschaftlicher Natur enthält das erst« Heft die Rubrik„Eng- lisch für Anfänger" und„Englisch für Vorgeschrittene". Texte aus englische Partei- und Gewerkschafts.zeitungen dienen zur Belehrung und Unterhaltung. Ein besonderer Abschnitt Hondell von den Haupt- schwieriake ten der deutschen Sprache. Der Preis der 24 Seiten starken Zeitschrist beträgt für das Vierteljahresabonnement(3 Num- mern) 1 Mark. Bestellungen sind zu richten an die Parteibuch- bandluugen oder an die„Arbeiter-Sprachzeituna", Berlin W. 57, Zietenstr. 6s. Prof. Georg von Bclow ist im Alter von 79 Jahren in Frei- bürg i. Br. gestorben. Er hat sich besonders mst mlltelalterlicher und neuerer deutscher Geschichte befaßt. Hervorzuheben sind seine Spe.zialarbeiten über die Geschichte des deutschen Städtewesens und den Charakter des mittelalterlichen Siaotes. Below, der einem preußischen Adelsgeschleckte entstammte, war seiner Gesinnung nach konservativ. Aber er hat als Historiker doch Sinn für des Win- schaslliche und Soziale in der Geschichte gehabt. Als temperament- voller Kopf �war er in zahlreiche Polemiken verwickelt» so mit Lamprecht(über die Prinzipien der Geschichtswissenschaft), mit Delbrück u. a. Der Historiker des Duells schien zuwellen nicht abgeneigt, den Meinungskampf mit der Pistole fortzusetzen. volt-bühne. Im Tbealer am Schissbauerdamur liaben dic Proben der qom»>ie„Patrioten" non Pagnol und?two'r unter der Ziegic von Heim Hitperl begonnen.— A!» nächste RevatissqbrNno.e i werden am Bülowplatz„Hinlemann" unter der Regie Csntit Toller und int Theater am Schifibauerdamm Brechts»Mann ist Manuln der Lnljenierung von Erich Engel gegeben. llorö �ecil gegen Englanös Rüstungen. Mtranationatist Mac Neill als sein Kabinetts- Nachfolger. London. 21. Oktober.(Eigenbericht.) Das mit großer Spannung erwartete erste öffentliche Auftreten Lord Robert Cecils feit seinem Rücktritt als Minister der Regierung Baldwin erfolgte am Freitag im Rahmen einer Versamm- lung der britischen ZZöltcrbundsligen. Cecil betonte ein- leitend, einer der Gründe für feinen Rücktritt als Minister sei der Wunsch genxsen, seinen Landsleuten mit größerer Rachdrücklichteit die Wichtigkeit des Problems der Abrüstung vor Augen zu führen. Ohne Entwaffnung, dos ist Verminderung der Rüstung und Einschränkung der bestehenden Armeen, könne es keine choffnung auf einen dauernden europäischen Frieden geben. Seiner Meinung nach könne sich Großbritannien nicht von den kontinentalen europäischen politischen Fragen fernhalten. Die Luftwaffe Hab« Großbritannien Angriffen von außen zu- gänglicher gemacht, als dies vordem der Fall gewesen sei. Das Interesse Großbritanniens am europäischen Frieden sei deshalb ent- sprechend größer geworden. Lord Cecil betonte in diesem Zusammen- hang, daß Großbritannien henke für Rüstungen mehr ausgebe als im Jahre 1314 — was eine unerträgliche steuerliche Belastung bedeute. Wie sehr die Rüstungen auch den englischen Steuerzahler be- lasten, beweise die Tatsache, daß von jedem Pfund Sterling des eng- Ufchen Steuerzahlers 14 Schilling(also sieben Zehntel der Steuer- einnahmen! Red. d.„R.") aus Verpflichtungen aus vergangenen Kriegen oder auf die Vorbereitung künftiger Kriege entfallen. Wenn man von Rußland absehe, so s«i England das einzige Land, dessen Rüstungsausgaben die des Jahres 1313 übertreffen. Dabei fei in den europäischen Gewässern keine Flotte mehr vor- Händen, die mit einer Flotte verglichen werden tonn«, wie sie das Jahr 1914 gesehen hätte. Die Methoden zum Zwecke der Herbeiführung einer internatio- nalen Entwaffnung erörternd, unterbreitete Lord Cecil der A«r- sammlung eine Resolution, in welcher die Regierung auf- gefordert wird, die Arbeit der Vorbereitenden Entwafsnungskom- inisiion und die neue Unterkommission für Schieds- Gerichtsbarkeit und Sicherheit beim Völkerbund nach- drücklichst zu unterstützen. Im Mittelpunkt der Friedens- Hoffnung stände das Prinzip des kollektiven Einschreitens des Völker- Hundes, ohne dessen Verwirklichung eine Abschaffung der Angriffs- kriege selbst in Europa unmöglich sei. Der Außenminister Chamber- lain habe kürzlich darauf hingewiesen, daß die jüngsten Entschließun- gen des Völkerbundes eine günstige Perspektive auf einen Fortschritt in der Frage der Sicherheit und der Entwaffnung eröffnet habe. Würde sich diese Hoffnung nicht bewahrheiten, so sei mit tief- gehender Verstimmung in Großbritannien zu rechnen. Es sei die Aufgabe der Völkerbundsligen, der Regierung zu zeigen, daß sie bei jedem Schritte in die Richtung auf Entwaffnung und Schieds- gerichtsbarkeit mit der begeisterten Zustimmung und Unterstützung der britischen Nation rechnen könne. Cecil schloß mit«iner Mahnung an die Regierung, der Bureaukratie daheim und im Ausland nicht zu erlauben, die Maschinerie des Völkerbundes zu unterminieren und an Stelle des Völkerbundes wieder die weniger wünschenswerten Praktiken der alten Diplomatie zu setzm. Lord Robert Cecil ist bekanntlich Ende August kurz vor der Völterbundstagung demonstrativ zurückgetreten, um gegen die Abrüftungspolitik der tonseroatwen Regierung zu pro- testieren, die er als britischer Vertreter in Genf nicht länger mitmachen wollte, well sie in Wirklichkeit auf die Verhinderung einer wirklichen Abrüstung hinausläuft. Sein Schritt erregte nicht nur in England, sondern in der ganzen Welt, und besonders in Genf, großes Auffehen, well er zu den ältesten Vorkämpfern des Völkeh- buudsgedankens gehörte, und weil er in der konservativen Regie- rung Englands als der Mann galt, der am weitesten links stand und die Abrüstungsziele am aufrichtigsten förderte. Voll« zwei Monate lang hat das britische Kabinett den Posten, den er in» Kabinett bekleidete,.zu besetzen. Er war„Konzler des Herzogtums Lancaster", was in Wirklichkeit nur die traditionelle Umschreibung für den in anderen Ländern bestehenden Begriff eines „Ministers ohne Portefeuille" ist. In Wirklichkeit war er ausschließ- lich für Völkerbundsfragen zuständig. Nun ist jetzt sein Nachfolger endlich ernannt worden, und zwar in der Person des Sir Ronald Mac Neill, des bisherig«« Untcrftaatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten. Diese Beförderung aus den bis- herigen Posten von Cecil muß geradezu als eine bewußte Pro- o o k a t i o n wirken. Denn Mac Neill ist als ein typischer Diehard. als ein ultrareaktionäter Nationalist bekannt, dessen Deutschfeindlichkeit besonders in der Zeit der Ruhrbesetzung und auch bei anderen Gelegenheiten in die Erscheinung getreten ist. Mit Recht schreiben die liberalen„Daily News", daß dlase Er- nennung wohl die„zynischste G e st e" sei. die sich Ministerpräsi- dent Baldwin in den letzten drei Iahren geleistet Hab«. Es steht zwar noch nicht fest, ob der neu«„Kanzler des Herzogtums La»- caster" ebenfalls als Vertreter Englands in Genf und als Spezialist für Abrüstungsfrogen in Aussicht genommen ist. Das wäre wohl der Kipfel des außenpolitischen Zynismus. Mac Neills Ernennung zeigt jedenfalls deutlicher als alles andere, daß der jetzige Kurs in England aus die Dauer eine Gefahr für den Frieden, und daß die Niederlage der Konservativen bei den nächsten Wahlen eine europäische Notwendigkeit ist. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags nahm gestern vormittag die Berichte des Mlnisters Dr. S t r e f e m a n n und des Abg. Grasen Bernstorff über die Genfer Verhandlungen entgegen. In der Diskussion sprachen die Abgg. U l i tz k a(Z.). S t o e ck e r(Komm.). v. Gucrard- nrbeiter sich mit einem Durchschnittsverdienst von 900 Mark im Jahre oder 19 Mark in der Woche bisher ab- speisen lassen mußten. Diese Schandlöhne müssen erhöht werden. Darüber hinaus muß vor allem das Lohnniveau in den unteren Bezirken gehoben werden: außerdem ist es notwendig, die Ferien- dauer wieder auf den früheren Stand zu bringen und den Ueber- stundenzufchlag den Bestimmungen der Verordnungen über die Arbeitszeit onzupasien. Nur ein starker Deutscher Tabak- arbeiterverbond wird diese Forderung durchsetzen. Di« Tobak- arbeiter müssen sich jetzt darüber klar sein, wieviel es geschlagen hat. Einigung im spanischen Bergarbeiterstrcik. Pari». 21. Oktober.(Eigenbericht.) Der Grubenstreik in den spanischen Grul>«n in Asturien ist am Donnerstag beigelegt worden. Die Arbeit wird in den nächsten Tagen wieder aufgenommen. Einer ossiziellen Auslassung zufolge ist die Beilegung auf Grund eines Vorschlags der Arbeiter- schaft erfolgt/ der den Interessen beider Teile gerecht wird. Berantwortlich fttr Politik: D". Cart«tittt; Wirtschaft:®. 81ias?liiÖ!Ct; Vewerkschaktsbowoguiiy: Fr. ftgtora; Fcuillclon Dr. John Schilowsli:!:o!aies: und Sonstiges: Frig«arstädt! Anzeigen: ZI,. Sloite: sämtlich in Berlin ZZeriaa: Borwärts-Beriag E m d H.. Berlin. Drull: Lorwärts-BuchdruScret und Bcrlagsanstal' Paul Singer v Co Berlin EW KS. Lind, nstrns!» 3. Sterin 2 Beilaae» und..llnterdaltnao und Tiste»'. M i«ch a 90 Frauert! 1*75 �ckt, pross« welren.Km)8t8eid.-Samt,�y gesteppt, mit EipbbAndgamiiur, enauevsÄ.... m.lOecdvellEeüierstieleii alle ilodetardeu........ ! Donien-liöleÄÄ�S75! fln$!ecSibluinßn�h�45rf i««i Cflpelinß grosse Sortierung. 2°° g und Farbenaoswälü........ 3,90 b| frtn|.y5nn ans der modernen i EiUhiUn eZKK: lg � Sonliabcuö, 22. Oktober 1227 Aufstieg öer Kinöersreunöebewegung. Ueber 1000 Arbeitsgruppen.— Kinderrepublik.— Die Roten Falken. Dk Kinderfreundebewegung ist der jüngste Teil der Arbeiter- bcwegung in Deutschland. Sie besteht vier Jahre und hat sich in dieser Zeit erfreulich gut entwickelt. Am Sonntag, dem 16. Ottober 1927. fand die vierte Reichskonserenz der Kinderfreunde in Dresden statt, der am Vorabend eine Begrüßungsfeier voran- ging. Ueber hundert Delegierte und mehrer« Gäste waren anwesend. Der Sprechchor der Dresdner Arbeiterjugend und der Arbeiter- fängerbund gaben dieser Feier mit ihren Gesang- und Sprech- darbietungen einen würdigen und ernsten Charakter. Vegrüßungs- reden wurden vom Vorsitzenden der Reichsarbeitsgemeinschast der Kinderfreunde Deutschlands, Genossen Kurt L ö w e n st e i n, dem Vertreter der proletarischen Erziehungsinternarionale und der öster- reichischen Kinderfreundeorganisation, Genossen Winter- Wien, dem Vertreter der tschechoslowakischen Kinderfreundeorganisation, Genossen Schweizer- Brünn, dem Landesoorsitzenden der sächsi- schen Kinderfreunde, Genossen Wecket, und vielen anderen Ver- tretern von Organisationen der sozialistischen Bewegung und Ver- tretern von Körperschaften gehalten. Dieser Vegrüßilngsfeier schloß sich ein Fackelzug an, den die Kinderfreunde zu Ehren der Gäste aus dem Reich veranstalteten. Am frühen Vormittag des Sonntags begann im Plenarsaal des Sächsischen Landtages die Reichskonserenz. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Reichsarbeits- gemeinschaft der Kinderfreund« Deutschlands, Genossen Löwen- st e i n- Berlin, und des Vorsitzenden der Proletarischen Erziehung?- internationale. Genossen Winter- Wien, wurde die Konferenz er- öfmet. Vertreter waren u. a. anwesend vom Parteworstand der SPD., vom ADGB., vom Hauptvorstand der Arbeiterjugend, die Arbeiterwohlsahrt und der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Als erster Redner erstattet Genosse W e i- mann- Berlin den Geschäftsbericht. Aus ihm geht hervor, daß im letzten Geschäftsjahr die Bcwegung einen starken Ausstieg genommen hat. Die Zahl der Ortsgruppen ist von 229 am Ende des letzten Geschäftsjahres auf Z50 gestiegen. Diese 3S0 Ortsgruppen umfassen aber weit über 1000 Arbeitsgruppen. In den größeren Städten besteht eine Ortsgruppe aus 20 und mehr Arbeitsgruppen. Im vorigen Winterhalbjahr berichteten S2 Gruppen über 5345 Veranstaltungen, die von insgesamt 220 459 Kindern besucht waren. Eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, daß es sich nur um einen Bruchteil der Gruppen handelt, die oerläßlich berichtet lxrben. Die Zahl der Bezirksleitungen ist aus 14 gestiegen. Es ist zu erwarten, daß im kommenden Geschäftsjahr in allen Bezirken Deutschlands Bezirksleitungen gebildet werden, da bereits auch dort, wo noch keine Bezirksleitungen bestehen, Ortsgruppen vorhanden find. Der„Kiiiderfreund" erscheint in einer Auslage von 300 000. Einer Reihe sozialdemokratischer Partefzeitungen liegt der„Kinder- freund� als Kinderbeilag« bei. Täglich nehmen Taufende von Kindern an den Veranstaltungen der Kinderfreunde teil. In drei Bezirken werden Mitteilungsblätter herausgegeben. Der Material- verkauf hat im letzten Jahr ebenfalls an Umfang zugenommen. Di« finanziellen Schwierigkeiten sind in der Bewegung noch immer die größten. Die Eltern müssen mehr zur Beitrogsleiftung für die Kinder herangezogen werden, ebenso sollten Staat und Gemeinde mehr für die Kinderfreunde tun. Schwierig sind auch die Lokal- Verhältnisse. Es gibt Kindergruppen, die sich sogar in Kellerräumen aufhalten müssen. Vielfach werden uns immer noch Schulräume verweigert. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Erziehung der Helfer gewidmet. Im letzten drewiertel Jahr wurden tS helserkurse durchgeführt. Den Höhepunkt der Kinderfreundearbeit aber bildete die Kinderrepublit Seekamp bei Kiel, in der über 2300 Kinder vier Wochen lang untergebracht waren.(Der„Vorwärts" hatte seinerzeit über Seckamp wiederholt ausführlich berichtet. D. Rod.) Diese Kinder haben ihre verwalwngs- arbeit selbst durchgeführt. So wurde das Geineinschafts- und Verantwortungsgefühl bei den Kindern ungeheuer gestärkt. Lichtbilder- serien wurden hergestellt. Von der Kinderrcpublik wurde auch ein Film angefertigr, der den Konferenzteilnehmern am Nachmittag das erstemal vorgeführt wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Zentralen in Berlin ist eine recht gute. Seit dem Partei- tag in Köln ist das Interesse der Partei für die Kinderfreunde viel stärker geworden, so daß damit gerechnet werden kann, daß im kommenden Jahr die Bewegung weitere Fortschritte macht. Diesem Bericht folgte der Bericht des Genosien Kurt Löwen- stein. Der Redner führt« aus, daß die klndersreundebcwegung die erste pädagogische Bewegung der Arbeiterschafi sei. Unsere Erziehungsarbeit ist eine grundsätzlich andere als die des Bürgertums. Wir müssen unsere Kinder sähig machen, die jetzige Gesellschaft umzugestalten. Die Differenzierung unserer Arbeit muß in den Kindergruppen durchgeführt werden. Diese Aufgaben müsien die Falken-Gruppen erfüllen. Wer etwas kann, muß seine Leistungen in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Wir wollen auch keine früh- reisen Menschen. Die FaUen-Gruppen müssen in Altersstufen ge- teilt werden. Die Zusammenarbeit der Roten Falken in der Kinder- sreundebewegung und der zu gründenden Roten-Falken-Gruppen der Arbeiterjugendbewegung muß erzielt werden. Der Hauprnor- stand der Arbeiterjugend hat bereits in diesem Sinne seine Zusage gegeben. Die große Tat im letzten Jahre war das Zeltlager See- kamp. Der Zeligedanke und die Kinderrepublik sind Aufbauarbeit und Sozialismus. Die Kinderrepublik hat mehr an staatsbllrger- licher Erziehung geleistet, als es je staatsbürgerlicher Unterricht ver- mag. Die differenzierte Arbeit in unserer Bewegung ist Aufbau- arbeit für die zukünftige Gesellschaft. Es folgt dann der Bericht der S i n g e k o m m i s s i o n, den Gen. Marxen- Nürnberg erstattet. Es wird beschlossen, eine Anzahl ausgewählter Lieder für die Kinder- freunde in Form von Liederblättern herauszugeben. In der Mittagspause wurde dann der Film von der Kinder- republik Seekamp vorgeführt und mit großem Beifall ausgenommen. Der Film ist über 1200 Meter lang und gibt ein anschauliches Bild von dem Leben in der Kinderrepublik. Er eignet sich vortrefflich als Agitationsmittel für die Kinderfreunde und steht allen Organisationen zur Verfügung. Den Verleih hat der Reichsausschuß für sozialistische BUdungsarbeit, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, übernommen. Danach sprach Genosse W e i n b« rg e r- Nürnberg über das Thema: „Eltern und Kinderfreunde". Der Referent führt« aus, daß heute noch yroß« Teile der Elternschaft, auch solche aus der Partei, der K i nd e r f r« u nd« b« w egu n g ab- lehnend gegenüberstehen. Die Eltern müsien mit unseren Er- ziehungsidealen vertraut gemacht werden. Der junge heiser ist jetzt der Träger der Bewegung. Das ist ein erfreuliches Zeichen. Das Ziel unserer Erziehungsarbeit ist der aktive Mensch. Sodann wurden eine Reihe van Anträgen angenommen, die fordern, daß Führeraussprachen veranstaltet werden sollen, ein« Arbeitszeitung für die Helfer und eine Kinderzeitung herausgegeben werden soll usw. Ferner wurde ein« Entschließung angenommen, die eine Erklärung des Genossen Schulz« vom ADGB. begrüßt. In dieser Erklärung stellt Genosie Schulze mit Genugtuung fest, daß die Gewerkschaften schon bisher die Kinderfreunde- bewegung in manchen Orten finanziell unterstützt haben und spricht den Wunsch aus, daß dies noch mehr als bisher geschehen möge. Bei der Neuwahl des Vorstandes wird der bisherige Vorstand ein st immig wiedergewählt. Unter Verschiedenes wurde eine Entschließung einstimmig an- genommen, wonach die Reichskonferenz der Kinder- freunde den kämpfenden Bergarbeitern in Mittel- dcutschland bei ihrem Kampfe tatkräftige Unter st ützung verspricht. Nach einem kurzen Schlußwort des Genosien Löwen- st e i n, in dem dieser nochmals alle Anwesenden zum Kampfe gegen den reaktionären Reichs schulgesetzentwurf auffordert, wurde die Konferenz mit dem Gesang der Internationale geschlossen. verhängnisvoller Autounfall. Ein zweiter Räuber vom Ueberfall im„Mausner". Einen doppelt verhängnisvollen Autounfall erlebten gestern drei Personen, ein Mann und zwei Frauen, in Schöne- b c ck a. E l b e. In den Vormittagsstunden kam dort ein Kraft- wagen zu Schaden, wobei der Mann so erheblich verletzt wurde, daß man ihn sofort in das Krankenhaus bringen und operieren mußte. Er hatte eine von der Schulter bis zur Brust herunterreichende Wund« davongetragen. Landjägerbeamte erkannten auf Gnmd der Ausschreibungen des Berliner Polizeipräsidiums alsbald in dem Venmglückten den flüchtigen Maurer Peter Schlaeger, der vor einigen Tagen den verwegenen Raubübersall im Restaurant„Zum Klausner" verübt« und dabei 1770 M. erbeutete. Der Bruder Peters, der frühere Koch Wilhelm Schlaeger, wurde, wie schon berichtet, in der Berliner Wohnung in der Wilhelmstraße festgenommen. Die Ermittlungen des Raubdezernats hatten ergeben, daß Peter Schlaeger am Belle-Alliance-Platz eine Autodroschke bestiegen hatte und in der Richtung nach Potsdam davongefahren war. Da nicht anzunehmen war, daß der Flüchtige die Reise nach seiner Heimatstadt Köln a. Rhein ohne Unterbrechungen unternehmen würde, so wurden durch umfangreiche Fahndungsausschreibungen sämtlich« Zwischenstationen und Landzägerpasten benachrichtigt. Es ist minmehr festgestellt, daß Schlaeger die Autofahrt zunächst bis nach Potsdam fortgesetzt hat und dort zwei Mädchen zum Mit- fahren einlud. Während der Weiterreise erlitt der Kraftwagen bei Schönebeck den erwähnten Unfall. Die beiden Begleiterinnen, die nicht verletzt waren, machten sich alsbald aus dem Staube. Da an«inen Transport des verletzten Schlaeger in absehbarer Zeit nicht zu denken ist, so wird Kriminalkommissar Werneburg sich heute nach Schönebeck begeben, um den Mann, der als Polizei- gefangener im Krankenhause liegt, dort zu vernehmen. Fortgesetzt wird die Fahndung auf den dritten Mann„Alfre d". Wie schon mitgeteilt, sollte auch er festgenommen werden, doch hatte seine Mutter ihtz kurz zuvor aus Berlin abgeholt, angeblich. um ihn nach der Heimat, Plauen, zurückzubringen. Auch seine Festnahme ist wohl nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Belohnung für Aufklärung von Ueberfällen. Die Häufung von räuberischen Ueberfällen hat den Polizei- Präsidenten veranlaßt, für die Aufklärung der beiden letzten Anschläge eine Belohnung von 1000 Mark auszusetzen. Sie ist bc- stimmt für Angaben aus dem Publikum, die zur Er- mittlung der Urheber und Täter der beiden Uebcrsälle führen. In der letzten Zeit sind schon wiederholt für Unterstützungen bei der Aufklärung von Raubllberfällen namhafte Summen an Privatper- sonen ausgezahlt worden. Sie können demnach auch in anderen Fällen, sei es, daß es sich um tatsächlich ausgeführte Ueberfälle oder um fingierte, die leider häufig vorkommen, handelt, auf eine gute Be- lohnung rechnen. Der Ueberfall im Theater des Westens wurde verübt, während die Nachmittagsvorstellung noch im Gange war. Eine Kasse war geschlossen, an der anderen befand sich noch die Kartenoerkäuferin. Außer dieser war rein zufällig ein Herr an- wesend, der in der Telephonzelle ein Gespräch mit einer auswärtigen Stelle führte. Dieser wurde durch den Ruf der Kassiererin„Was denn los sei!" aufmerlsam und rief seinerseits in der Zell«, was es gäbe. Da merkte der Räuber, daß die Verkäuferin doch nicht, wie er erwartet hatte, allein war und ergriff sofort die Flucht. In beiden Fällen ist bisher trotz umfangreicher Nachforschungen noch keine Spur gesunden. Mitteilungen an das Raubdezernat im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums.— Der Ueberfall auf die drei alten Damen im G e r t r a u d e n st i f t in der Wartburgstraße, bei dem dem Räuber 15 Mark in die Hände fielen, konnte bis zur Stunde auch noch nicht geklärt werden. Der Räuber ist etwa 25— 30 Jahr« alt, 1,70 Meter groß und kräftig gebaut, hat einen dunklen, gestutzten Schnurrbart und trug«inen Schlapphitt und einen schwarzen Winterpaletot. Ein Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag im Vorderhaus des Grundstückes Blumen st raß« 31 zum Ausbruch Mehrere Löschzüge der Feuerwehr waren längere Zeit mit der Bekämpfung des Feuers, das auf seinen Herd beschränkt werden konnte, bc- schästigt. Der gesamte Verkehr mußt« umgeleitet werden. Di« Eni- stehungsursachc des Feuers konnte noch nicht ermittelt werden. 19] �Zement. IXoman von Fjodor Gladkow. Schidkij schnitt mit den Falten seines Lächelns die Wangen entzwei, schrieb nicht, sondern zeichnete schiefe und krumme Striche auf das Papier. Und weil sein Gesicht ruhig und alltäglich wurde, erschien er plötzlich gealtert und ver- falIC"';Du wolltest, glaube ich. darüber sprechen, Luchawa." Luchawa sprang elastisch vom Fenster, ging an Gljeb vorbei und ging wieder zum Fenster.„, „Ich hatte eine ähnliche Idee wie Genosse Tschumalow. Er hat sie besser formuliert als ich. Sein Vorschlag ist ohne Diskussion anzunehmen, und er muß zur Sitzung der Wirt- schaftskonferenz eingeladen werden, um dort zu berichten. Schidkij warf den Bleistift auf den Tisch, er prallte vom Papier ab, sprang zu Gljeb und fiel vor seine Füße. „Eine Utopie, Genosse Tschumalow. Hör auf über das Werk zu schwatzen: das Werk ist ein steinernes Grab. Nicht das Werk brauchen wir, wir brauchen Holz. Es gibt kein Werk mehr— es ist nur mehr ein leerer Steinbruch. Für uns ist das Vergangenheit oder Zuuknft. Wollen wir nur über die Holzzustellung sprechen." „Ich weiß nicht, was Sie Utopie nennen, Genosse Schidkij, wenn Sie nicht das erste Wort sagen werden, dann werden es eben die Arbeiter tun. Was erzählen Sie da: das Werk ist Vergangenheit und Zukunft.... Wenn die Arbeiter immer wieder mit ihren Schädeln an das Werk stoßen— dann ist eben das Werk da, und dann wartet es auf Arbeiter- Hände. Was ist denn das eigentlich, Genossen, macht Ihr Spaß? Wart Ihr im Werk? Habt Ihr die Dieselmotore und Arbeiter gesehen? Das Wert ist eine ganze Stadt, und ?le Maschinen stehen bereit, um losgelassen zu werden. Warum rauben denn die Arbeiter das Werk aus? Warum nagen denn Wind und Wetter am Beton und Eisen? Warum geht die Zerstörung weiter? Warum ist der Arbeiter gezwungen, sich mit Dummheiten zu befassen und auf all dem Reichtum zweck- und ziellos herumzusitzen? Er ist keine Glucke, der 2lrbeiter: soll er etwa auf Eiern sitzen und Küchlein ausbrüten? Und hier faselt Ihr, daß das Werk kein Werk fei, sondern ein verlassener Steinbruch. Er spuckt auf euch und schreit dagegen mit allen Leibeskräften. Was soll er denn sonst mit euch anfangen? Und er tut gut, wenn er das Werk bestiehlt und alles Mögliche zu sich verschleppt, es wird ja sowieso dem Teufel in den Rachen fallen.... Ihr predigt ihm da alle möglichen schönen Dinge vor, aber was habt Ihr eigentlich getan, um es ihm einzuhämmern, daß er kein Hautschinder, sondern ein klasienbewußter Prole- tarier ist? So muß man die Frage stellen, liebe Genossen." Der Schmerz, der Gljeb würgte, zu Hause und im Werke — denselben Schmerz empfand er auch hier. Und er konnte nicht schweigen, und dieser Schmerz vergiftete sein gesundes Blut. Schidkij fuhr zusammen und riß seine Augen auf. „Du machst das Werk zu deinem Götzen, Genosse Tschu- malow. Wozu, zum Teufel, brauchen wir das Werk, wenn rundherum Banditentum und Hunger herrschen, und die Sowjetbehörden von Verrätern und Verschwörern wimmeln? Wer brauch jetzt euren Zement, wozu alle eure Werkstätten? Zum Ausheben von Massengräbern? Ihr agitiert für die Besitzergreifung der Produktion, und der Bauer drängt wie eine Tatarenhorde gegen die Stadt... „Ich verstehe die Sache nicht schlechter als Sie, Genosse Schidkij, man kann nicht an die Arbeit unvorbereitet treten und sie auf nackten Menschen aufbauen. Zum Teufel mit euren Flohknackereien! Unsere Waffe ist der Aufbau und der Kampf für die Erneuerung der Wirtschaft. So muß man die Frage stellen.... Sonst mühte man alles stehen und liegen lassen und sich der Wut der Bauern auf Gnade und Ungnade ergeben...." Tschibis erhob sich und ging zur Tür. Man konnte seine Gedanken durch das staubige Netz auf seinem Gesichte nicht erkennen. Vor der Tür blieb er stehen und sagte eintönig, jeden Satz betonend:„Unsere Abteilung zur besonderen Ver- wendung ist schlecht. Wenn man über das Werk spricht, warum nicht auch über den Alarmzustand, über die Nieder- Haltung der Bourgeoisie? Schöne Worte, aber ich habe keine Zeit, mich bei ihnen aufzuhalten. Später vielleicht." Er öffnete die Tür und ging ohne sich umzuwenden fort. Schidkij schaute auf die Tür und lächelte mit verstehenden Augen. „Wollen wir uns nicht streiten. Genosse Tschumalow. Die Hauptsache ist nicht, das Werk in Gang zu bringen, sondern die Masien zu organisieren, so ist es!" Schidkij lachte mit den Nasenflügeln und drückte fest Gljebs Hand. „Dressiere auch Schuk ein wenig, Genosie Tschumalow, sonst sieht er einer hungrigen Ratte ähnlich... Gljeb nahm Schuk unter den Arm und ging mit ihm zur Tür, und Schuk versuchte, Gljebs Rücken zu umfassen, und es gelang ihm nicht. „Lieber Genosse!... Gljeb.. l. Ja, wir werden doch mit dir alle Berge in Bewegung bringen... alle Löcher stopfen...." Von rückwärts ertönte Schidkijs Stimme:„Genosse Tschumalow, es würde nicht schaden, wenn du Badjin, den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, sprechen würdest. Und mit Luchawa zank dich nur fest. Ihr müßt hart aneinander- geraten, um Freunde zu werden." Vor der Tür preßte Luchawa Gljebs Ellbogen. In seinen Augen und Worten war Fieber. „Ich habe von Dascha über Sie gehört. Ihren Plan werden wir gemeinsam beraten und werden ihn zur Grund- aufgäbe unserer Arbeit machen. Man muß handeln und nicht Worte machen.... Die Zukunft ist im Hirn— in den Muskeln wird sie zur Gegenwart." Sie sahen einander scharf, Aug in Aug, an, und Gljeb fühlte wieder, daß die Augen und Worte Luchawas ihn ans Herz gepackt hatten. Dascha... Luchawa.... Warum sollte Luchawa nicht ein Knötchen in dieser verwickelten Schlinge sein? 3. Die Frau mit den Locken. Gljeb trat zu Mjechowa. Unabsichtlich stieß er an den Tisch, der Tisch heulte wie eine Mefsingt�mpete auf. Die Mjechowa sah ihn streng, erstaunt, ihr Lau)en zurückhaltend, an. „Mäßigen Sie Ihren Angriff, Genosse Tschumalow, das ist keine Kanone. Wir arbeiten hier in friedlicher Umgebung." „Verzeihung! Ich bin an einen Anlauf gewöhnt und hier ist ein Hühnerkäfig." „Gewöhnen Sie sich einen anderen Schritt an. Hier wird man Sie bald in ein Loch einsperren, Ihnen Sowjet- arbeit zuteilen, und Sie werden, wie alle, die langweilig schwere Arbeit eines Administrators verrichten. Sie werden rasch den Pulvergeruch und die Romantik der Kriegsaben- teuer und Heldentaten vergessen. Sie werden verwelken und vertrocknen, Genosse. Ich glaube, Sie sind zum Sekretär der Werkzelle ernannt? Nun, wir werden sehen, wie Sie mit Ihrer Horde fertig werden. Euren Weibern kann man sich gar nicht nähern, sie sind alle von Schweine-, Ziegen- und Düngergeruch durchtränkt. In jedem Hause ist ein Lager und ein Laden von gestohlenen Sachen. In einem halben Jahr ist das Werk bis auf die Scherben ausgeraubt. Und so ein Werks..'(Fortsetzung folgt.) der Zusammenbruch üer öeomtenbank. (�inc Folge verfehlter Börsenspekulationen. In mehrtägiger Verhandlung beschäftigte sich eine Sonder- nbteilung des Erweiterten Schöffengerichts Mitte unter Vorsitz von Amtsgcrichtsrat Liebegott mit den Versehlungen, die bei dem Au- fammenbruch der Beamtenbank Aktiengesellschaft, in der Potsdamer Straße zutage gefördert worden waren. Nach der von Staatsanwaltschaftsrat Dr. Seidenspinner ver- tretenen Anklage wurden die beiden Vorstandsmitglieder der Bank, Bankdirektor Schwarz und Geh. Rechnungsrat und Rechnungs- revisor bei der Oberrechnungskammer in Potsdam(im Ruhestand), Richter, der Depotunter schlagung, der Bilanz ver- schleierung, der unübersichtlichen Buchführung und des Betruges beschuldigt. Mitongeklagt waren noch der Vorsitzende des Aussichtsrats wegen Mittätersciivft und der Bank- kossierer wegen Beihilfe. Die Beamtenbank A.-G. war hervor- gegangen aus der 1893 gegründeten Spar- und Durlebenskasse für deutsche Beamte. Im September 1923 wurde das Unternehmen in die Beamtenbank A.-G. umgewandelt. Zweck des Bankbetriebes sollte die Wahrnehmung der geldwirtschastlichen Interessen der ..deutschen Beamten" sei». Di« Beanitenbank A-G. war schon seit langem in Zahlungsschwierigkeiten. Infolge einer verfehlten Börsenspekulation war schon 1924 eine Verschuldung vor- banden. Der A e r l u st p o st e n von 7 6 l) ll 9 Mark wurde aber in der Bilanz verschleiert und durch geschickte Umbuchungen und Aufrechnungen mit als Aktiouin eingesetzten Aufwertungs iorderungen ausgeglichen. Diese unrichtigen Buchungen konnien jedoch nicht dauernd den Börsenverlust verdecken. Es mußten daher stärkere Mittel angewendet werden. Um das notwendig« Geld für die weiteren Geschäfte und Zahlungsverpflichtungen herbeizuschaffen wurde über die Depots der Kunden, die sich meist aus Beamtenkreisen zusammensetzten, und über Effektenbestände der Kunden verfügt. Es ist dadurch für die Kunden ein Ver lust von 199909 Mark entstanden. Trotz Ueberschuldung der Bank wurde das Unternehmen weiter fortgeführt und es wurden noch bis zum Tag« der Zahlungseinstellung Gelder für Ankauf von Esfekten angenommen. Dos Schöffengericht hielt die beiden Vorstandsmitglieder für überführt der fortgesetzten Depot Unterschlagungen in Tateinheit mit Bilanzverschleierung, unüber- sichtlicher Blulsührung und Vergehen» gegen die Konkurzordnung, iowie wegen Betrüge». Der Angeklagte Schwarz wurde zu einem Jahr Gefängnis mit voller Bewährungsfrist, der Angeklagte Richter zu acht Monaten Gefängnis mit dreijähriger Bewährungsfrist verurteilt. Bei der Strafbemessung bat das Gericht beiden Au geklagten mildernde Umstände zugebilligt, weil die Derböltnisse in dem Inflation»- und Deslotionstaumel sie mitgerissen hätten. der schleppende Wohnungsbau. Wo bleibt»die Hauszinssteuer? Bon einer nichtamtlichen Stelle wurde kürzlich mitgeteilt, daß Berlin den zweifelhaften Ruhm habe, in der Wohnungsfrage von allen deutschen Großstädten am wenig st en erreicht.zu haben, denn von 244 227 Wohnungen, die 34 Großstädte seit 1919 gebaut hoben, entfielen auf Berlin nur 47281. An diesem geringen Ergebnis trägt die Hauptschuld der Umstand, daß Berlin bei der Verteilung der H a u s z i n s st e u« r für Wohnbauzwecke so schlecht berücksichtigt wird, und daß es über 162 Mil- l i o n e n Mark von dem hiesigen Auskommen an Hauszinssteuer in den letzten vier Iahren an andere Gemeinden hat abgeben müssen. Würden dies« 162 Millionen Mark hier in Berlin zu Wohn- bauzwecken Verwendung gefunden haben, so hätten daraus minde- stens 13699 bis 14899 Zweizimmerwohnungen mehr gebaut werden können. die Seamten zur Sesolüungsreform. Die soziale Arbeitsgemeinschost der Beomtenvcrbände(zirka 499 999 Mitglieder) protestierte in einer überfüllten Versammlung in den Sophiensälen gegen die ganz unsoziale Regelung der Be- soldungsordnung. Vertreten waren die Zentrums-, Demokratische, Sozialdemokratische und Kommunistische Partei. Alle Ministerien hatten sich wegen Zlrbeitsüberlastung e n t s ch u l- d i g« n lassen.(Starke Protestrufe.) Frenz von den Post- und Telegraphcnbeamten besprach die Reichsbesoldungsordnung und lehnte hauptsächlich die kornimpieren- den Stellenzulagen ab. Er forderte Verwerfung des neu einzuführenden Klassensystems und Beibehaltung des G r u p- pensystems. Kap(Justiz) forderte Einebnung der breiten Be- sotdungsgräben zwischen ehemaligen Volksschülern und den Absol- venten höherer Lehranstalten. Herr mann protestierte gegen die Fortnahme des Orts.zu- schlags der Beamten, die Dienstwohnung haben, weil Dienstwoh- imngen fast immer stark minderwertig sind. Will« protestiert« gegen die Taktik des Reichs- t> n a n z m i n i st e r», der in Magdeburg dm Ruheständlern versprach, daß sie automatisch mit der Besoldung der Beamtm mit- gehen würden, jetzt aber diese Zusage gebrochen hat. Eine entsprechend« Entschließung wurde einstimmig ange- nommen. Der Abg. Torgeler machte Ausführungen, die den Eindruck er- weckten, als ob er Sozialdemokrat geworden sei. „Vom Weltmeer bis zum Rollmops." Es ist merkwürdig, wie schwer es in Deutschland hält, weitere Beoölkerungskreise fstr neue zettgemoßere Ernährungs- formen zu gewinnen. Als vor bereits 49 bis S9 Iahren die da- maligen Vegetarier ansingen, auf die lebenswichtige B e- deutung des Obstgenusses öffentlich hinzuweisen, da wur- den sie ausgelacht. Heute hat die V i t a m i n e n l c h r e die Lehren dieser Ernährungsresormer bestätigt. Die modernen Frauen und Mädchen, die sich die schlanke Linie bewahren wollen, verzichten auf Medikamente und leben von Frischobst. Ist es auf diesem Gebiet wesentlich anders geworden, so ist vieles noch sehr beim alten in bezug auf die F i s ch n a h r u n g. Dadurch, daß z. B. die katholische Kirche deck Fisch als Fastenspeise erklärt, ihm gewislermoßen den Fleischcharakter nimmt, ist im Volk der Glaube entstanden, der Fisch sei ein minderwertiges Nahrungsmittel. Dabei ist das Fisch- fleisch et» es der besten Nahrungsmittel, denn sein Eiweißgehalt ist außerordentlich hoch. Es ist aber besonders für die Niere viel besser als die dunklen harnsäurehaltigen Fleisch- sarten. Man kann also jede Propaganda, die aus die Erhöhung des Fischkonsuirfls in Deutschland zielt, nur begrüßen. Dieser Auf- gäbe unterzieht sich jetzt auch die Deutsche Dampffischerei-Gesellschast Nordsee in Bremen und Nordenham, die durch Dr. Adrian Mohr einen dreiaktigen Film herausgebracht hat, der in außerordentlich interessanter und unterrichtender Form unter dem drolligen Titel „Bom Weltmeer bis zum Rollmops" Bilder vom Hochseefischsang. dem Fischverkauf und der Fischkonservenindustrie gibt. Die Gesell- schaft fischt mit 33 eigenen Fahrzeugen in den Fischgründen Haupt- sächlich bei Island und den Lofoten. Wenn der Verfasser des Films be, einer Pressevorsührung von dem unerschöpflichen Fischreichtum des Meeres sprach, so ist da» allerdings ein Optimismus, der viel zu weit greift. Er wird selber wissen, daß die Zeiten vorüber sind. wo man, wie vor 49 Iahren auf dem Stettiner Bollwerk, die frischen Heringe nahezu geschenkt bekam. Die Heringe haben sich inzwischen seltener gemacht. Und wenn die konsequente Ausbeutung de» Meere» so weiter geht, wie sie jetzt begonnen hat, dann werden die heutigen Fischgründe i» zehn, zwanzig Jahre» auch nicht mehr so ergiebig sein wie heute. Noch aber ist umgekehrt die Tatsache zu verzsichnen, daß derdeutschc Markt im Gegensatz zu dem in England, Holland. Norwegen und Portugal die deutsche Aus beute an Fischen gar nicht v e r k o n s u m i« r t, so daß leider ein großer Teil des hochwertigen Nahrungsmittels zu Biehsutter verarbeitet werden muß. Und törichte Mütter reichen ihren Kindern lieber minderwertige Wurst und be reiten ihnen Gerichte von den minderwertigen Fleischteilcn Leber. Niere, Lunge usw., ehe sie sich entschließen können, ihnen das be kömmliche gesunde Fischsleisch zu bereiten. Hier kann und muß noch vieles anders werden. Statistisch ist nachgewiesen, daß sich der englische oder norwegische Fischverbrouch zu dem deutschen verhält wie ein Riesenhecht zu einem kleinen Hering. Freie Sozialistisie Hodisdmle. Sonnabend, den 22. Okiober, 7 V, Uhr abends im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Vortrag des Gen. Prof. Dr. Erik NftUlng, Frankfort/ Main „Die Demokratie als staatliches und soziologisches Problem.4* Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse sowie an folgenden Stellen: Bureau des Bczirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3 2. Hof,"l. Zimmer?.- Buchhandlung J. H.W. Dietz, LindenstraSe 2.- Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer.— Zigarrer.geschäft Horsch, Engelufer 24-25, Qcwerkschaftshaus.— Tabakvertneb, InseUtr. 6.— Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Drcibundstr. 5.— „Werkfreude44 Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission, Engelufer 24-25(Gewerkschaftshaus), sowie in allen Vorwärts- Speditionen.— Qroß-Sicdlung Britz: Linlngstraßc 57. Vorbesichtigung üer tverksiofffchau. Die Poradc der technischen Wunder. Ans Anlaß der heute vormittag stattfindenden Eröffnung der Werkstosfschau in der Neuen AutoHalle war die Presse zu einer Dorbesichtigung eingeladen. Bei dem Empfang der Presse, zu dem auch zahlreiche Vertreter des Mogistrats, des Stadtparlaments und der Regierungsstellen des Reiches und Staates erschienen waren und dem hervorragende Ver- treter der deutschen Wirtsd)aft beiwohnten, würdigte Dr. Adolf Schick, der Direktor des Ausstellungsamkvs. die Bedeutung dieser Schau unter dem Gesichtspunkte des Zusammenwirkens der Industrie des deutschen Westens mit Berlin und gab der Hofs nung Ausdruck, daß die Erfolge dieser Schau, die mit Recht an dos Interesse der ganzen Welt appelliere, dem ungeheuren Einsatz an Menschenenergie und Materialopfern entsprechen möchten. Nachdem ergriff im Namen sämtlicher technisch-wissenschaftlicher und wirt schaftlicher Vereine und Verbände Professor Dr.-Ing. C. Mai schoß, der Direktor des Vereins Deutscher Ingenicure, das Wort, um den Mitarbeitern an dem Werke, dessen Fertigstellung nicht mir in den letzten Wochen, sondern Monate zuvor unermeßliche Anstren gungen verlangt hat, zu danken. Dann traten die Gäste den Rund gang durch die Ausstellung an. Die Schau, der aus allen Teilen der Welt Besuchsanmcldungen zugegangen sind, dürfte die groß artigste und eindrucksvollste Slusstellung sein, die je am Kaiserdamm eröffnet wurde. Sie bietet ein Überwältigendes Bild von der Wunderwelt der Technik. Reichsbanner zum kommenden Wahlkampf. Otto Hörfing und Dr. Joses Wirth sprechen. In einer außerordentlich gut besuchten Rcichal'annerversammlung in den Bürgersälcn in Spandau referierte gestern der Bundesvor. sitzende Otto Hörsing. Unter lebhaftem Beifall der Per- sammlungsteilnehmer zeichnete Genosse Hörsing ein Bild, wie die Reichsbannerbewegung entstanden ist und welche Kämpfe sie durch- zuführen halte. Das Reichsbanner hat seine diesjährige Wmler- arbeit aufgenommen mit der Parole, die Mitgliedschaften zu mobilisieren und sie ans den kommenden W a h l- f a in p f vorzubereiten. Die Wahlen zum Deutschen Reichstag im nächsten Jahre bringen die Entscheidung im Kampf um die Ctaatssorm. Der Kamps kann nicht durch Kompromisse beendet werden, er wird und muß durchgefachten werden. In den letzten Iahren hat die Reichsbannerbewegung eine große Tat vollbracht. Sie hat die Unpolitischen aufgehalten, den Rechtparteicn nach- zurennen. Dieser Stillstand, den das Reichsbanner in der Rechts- bcwegung erreicht hat, wirkte sich schon in den Wahlen zum letzten Reichstag aus. Das Reichsbanner ist die SÄutztruppe der politischen Parteien, sie ist die physische Krast der Republikaner, die wohl politisch organisiert, aber politisch nicht selbständig sind. Wir wollen in unseren Reihen keine Mitglieder, die sid) nicht auch politisch und gewerkschaftlich organisiert haben. Zwischen den republi- kaniscken Parteien, den Gewerkschaften und dem Reichsbanner muß Personalunion bestehen. Wir ver- langen aber auch van den palilischsn Parteien, daß sie ihre Männer zu»ns schickt. Nur dann können wir die großen Ausgaben, die uns der kommende Wahltainpf bringt, bewältigen. Der Wahlkampf 1928 bringt die Entscheidung um die Staatsfoiin. Daß wir in diesem Kamps Sieger bleiben, wissen wir. Mit dieser Zuversicht nehmen wir unsere Winterarbeit auf. Als zweiter Redner sprach Kamerad Dr. Josef Wirth. Seine temperamentvollen Ausführungen wurden oft durch Beifalls- stürm« unterbrochen. Er führt« aus: In Braunschwcig und Hessen haben wir in kurzer Zeit schon Wahlen. Als stärkste Kampstruppc für die Republik steht das Reid)sba»ner in Front. Es kommt darauf an, alle politischen Kräfte die die soziale Republik wollen, zu sammeln. Ich begrüße es, daß Hörsing eben gesagt hat, zum Mitgliedsbuch des Reichsbanners gehört das der politischen Partei. Unsere Kräfte müssen palitisd, organisiert sein, um sich für die Wahlschlacht vorzubereiten. Unsere Winterarbeit Ist darauf ein- gestellt. Im nächsten Wahlkampf müssen die republikanischen Parteien 49 oder 69 Mandate mehr gewinnen. jWenn diese Zu- nähme kommt, dann hört auch das Schwanken der Mitte auf. Jede Schwäche links stärtt die Rechte. Jedes Zaudern der Demokraten und Zentrum bringt der Rechten neue Hoffnung. Die Arbeiterschaft muß den Kampf um die Republik führen, um sie sozial auszugestalten. Sie muß ver- hindern, daß die Republik eine klassenmäßig« Schichtung, wie es heute der Fall ist, behält. Nur mit den großen Massen der Arbeiters d>a st kann der sozial« Ausbau er- reicht werden. Ich stebe zur Reichsregierung in konsequenter Opposition. Ich kann nicht einer Regierung, die den sozialen Aus- bau der Republik hindert, mein Vertrauen geben. Ich hotfe und wünsche, daß die Winterarbeit, die wir jetzt aufgenommen haben, un« den Erfolg bringt, an der Spitze der Republik auch«ine republikanische Regierung zu sehen. Mit den Klängen der alten Kampflieder des Reichsbonners, die stehend von der Versammlung mitgesungen wurden, schloß diese Kundgebung._ Weitere BerfehsunKen Bierecks. Bei dem gestern nochmittoq unter Vorsitz des Amtsgerichts- rates Dr. Modert stattgefundenen Nachlaßtermin wurde festgestellt, daß der ungetreue Nachlaßpflegor, der 62sährige Kaufmann Niereck. der bekanntlich inzwischen Selbstmord verübt hat, allein!n diesem Falle SS99 Mark veruntreut hat Bei einem anderen Nachlaßtermin, der vor etwa sieben Tagen stattfand, wurde bei einer vorhergehenden Revision ein Fehlbetrag von etwa 3999 Mark festgestellt. Viereck, der zweimal aufaesordert worden ist, innerhalb fünf Tagen Aufschluß über die Unstimmig- testen zu geben, zog es dann vor, als die Affäre brenzlkch zu werde» begann, zu oerschwinden. Erst am Dienstag erhielt Dr. Modert die Nachricht von seinem Ableben. Da wiederholt unverhofft vorgenommen« Revisionen ohne Be- anstandungen Verliesen, erfreute sich V eines gewissen Vertrauens. Man nimmt jetzt an, daß er die Feibeträge, die wahrscheinlich schon seit langer Zeit bestanden, durch Gelder aus privaten Vermaltungen. die er noch nebenbei führte, von Fall zu Fall ersetzt� Aus seinem Bank- bzw. Postscheckkonto befanden sich noch einige hundert Mark, die beschlaanabmt wurden. Noch zu Ansang Oktober hat Viereck von dem Vankkonto etwa 1299 M. abgehoben. Sein« Frau, d>e ihren Mann als sehr verschlossen schildert, hatte von seinen dunklen. Geschäften nicht die geringste Ahnung Die Untersuchung beim Amtsgericht Charlottenburg ist jetzt abgeschlossen. Dl- Ver- untreuungen sollen sich nur auf die beiden angeführten Foue erstrecken. �_ Inzwischen hat sich eine Frau G. aus der Kantstraße zu Eharlottenburg bei der Kriminalpolizei gemeldet, die Viereck cm- Verwaltung übertragen hatte und mitteilte, daß V. 18 9 0 Mark aus ihm an vertraute ir Geldern unterschlagen habe. Es besteht der dringend« Verdacht, da der ungetreue Pfleger mehrere private Verwaltungen neben den amtlichen hatte, daß er noch weitere Veruntreuungen begangen hat. Nummer hundertachtundneunzlg. In der Großsiedlung Fischtal- grund in Berlin-Zehlendorf Hot die K o n s u m g e n o s s e n s ch a s t Berlin und Umgegend die Lebensmittel-Abgabestelle 198 eröffnet, die lange und' sehnlichst erwartet, sich sofort des stärksten Zu- spruchs der Hausfrauen zu erfreuen hatte. Die KGB. besitzt zurzeit 228 Lebensmittel-Abgabcstellcn, 17 Fleischabgabeltellen, 4 Waren- hänser, 4 Manufakturworen-Abaabsstellen: sie besitzt außerdem drei große Bäckereien. Konditorei, Vsefserkuchen- und Keksfabrik. Wurst» fobrik, Mincralwasscriobrik, Kasfeerösterei. In ihren Betrieben be- schästigt sie über 2 5 9 9 A r b e> t e r und A n g c st e l l t e. Die Sparkasse der Konsumgenossenschaft verfügt über 18 Millionen Mark Sporgeldcr. Die Genossenschaft umfaßt zurzeit 1 4 9 0 9 9 Mitglieder, jeden Monat werden über 2990 Neuauinahmen vollzogen. Im vorigen Geschäftsjahr konnten VA Millionen Ma r k den Mitglieder» als Rückvergütung auf ihren Umsatz gutgeschrieben werden. Die Zuristisdie Sprechstunde findet heule nur von 4—5 Uhr stall, vom Montag, dem 24.. bis einschließlich Freilag. dem 2S. d. Iii.. von 4—6 Uhr._ Vier Kinüer lebenöig verbrannt. Das Spiel mit dem Spirituskocher. Dresden. 21. Oktober. Zn einer Daube beim Duslbad Dölzschen wurden heule mittag vier Kinder im Alter von etwa 6—10 Zohren, die bis zur Unkeuntlichkeit verbrannt waren, tot a u f g e- s u n d e n. Nach den bisherigen Ermittelungen ist anzunehmen, daß die Kinder, die an dem heutigen sehr warmen vormittag im Garten- gelände gespielt holten, durch ein Fenster in die Laube geklettert waren. Dort hat vermutlich ein Spirituskocher gestanden. den die Kinder anzündeten. Ossenbor ist dabei Vrenospirilus vorbeigcgossen worden, der sich entzündete und in kurzer Zeit die ganze Laube in Brand gesetzt ha«. Die polizeilichen Er- Mittelungen sind noch im Gange. Die Namen der Sinder sind noch nicht ermittelt. Ein Verbrechen kommt jedenfalls nicht in Frage. Seeräuberüberfall bei Hongkong. Englisches U-Boot feuert«ruf die Räuber. Hongkong. 21. Oktober. Bor der Bias-Bucht wurde der Dampfer„Irene" der chwesischen Handele-Dampsichifsahrtsgesellschast überfallen. Die ch-inesischen Seeräuber überwältigten die Offiziere' der„Irene" und b e, raubten die Fahrgäste. Als die„Irene" unter Führung der Seeräuber abends in die Bias-Bucht einlief, mochte sie sich dadurch verdächtig, daß sie ohne Lichter fuhr und den Befehl eines dort liegenden englischen Unterseebootes, sie solle stoppen, nicht beachtete. Das U-Boot feuerte zunädist einige blinde Schüsse und dann eins Granate ob, die im Maschinenra u m der„Irene" e x p l o- dicrte und den Dampfer in Brand setzte. Das U-Boot rettete die Mehrzahl der Fahrgäste und Mannschaft. Behausungen von See- räubern wurden entgegen der früheren Meldung nicht eingeäschert. Die„Irene", die noch sticht gesunken ist, hatte 258 Fahrgäste, sömt- lid) Chinesen, an Bord, von denen 24 vermißt werden. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold".» EischSktesl«!,»: Berlin£ l«. Eebastianftr. S7/S8, Lot t 5«. Prenzlauer Berg: So., d. 22., 20 Uhr, im Altersheim Delegierten» m»» konferen, de« Ortsvereins.-- Sonntag, Zt. Oktober. Friedrich». dam: U' j Uhr Antreten mit Musik und Fahnen auf den SamwelplaKe» den Kameradschaften zur Einmeihung d-a Fricdrichsseldcr Eporiplatzea.(Pflicht. veranstallung) Schiine.berg.F rieben»« iIunqbanncr): 0 Uhr ttaiscr, Wilhelm. Platz. Besichtigung der Ponsumgenvffcnschaft in Lichtenberg. Lichtende« nebst Untergruppen! IZZd Ubr Antreten mit Spielmannszug und Fahnen am Bahnhof nrantsurter Allee, Mittclpromcnad». Ausmarfch zur Eporlplatzeinwcihung des Sportplatzes in Friedrichefelde. Hermsdorf- l0,zZ Uhr Abfahrt nach RaCenIhal. H Uhr Antreten Bhf. Slosenthal zum Propagandamarsch. Pflichtvcranstaltung, Bernan.Darnmc.Ladebnrg: Abfahrt zur Preidpflichtneranstaltung nach Hohen- neuendorf ab Bhf. Bernau tl.z« Uhr. Rachziigl-r>2,0« Uhr. Fahrpreis hin und zurück 1,40 M. Rückfahrt nach Belieben. Teilnahme aller Kameraden Bedingung. Adlershof sKamerabfchaft. Sportgruppe): 9 Uhr auf dem Platz gegenüber dem MTV..Platz an der Birkenallee Handballtraining. Saffersport- »bleililng: Die Stadtfahrt fallt infolge vorzeitigen Schlüsse« der Schleusen aus. tz'v Uhr: Die Abicilunh beiciligt sich mit ihren Booten on dem Äbrudcrn der VVK. nach Ficgeiihais sSportresiaurant).— Montag. 24. vitober. Kreuz. drrg! 20 Uhr Bersammlung oller Iungmannsckioft'n somie der Iuugschar bei Rabe. Ftchicllr. 29. Bortraa des Kameraden Tansekretitr Kllter:„Die»ugeno im Reichsbanner/' Adler-Hof sKameradschaft, Sportgruppr): 10 Uhr Zusammen- fünft im Zugendheim Roonslrotzc._ «matenr-Artisle« Wettstreit. Der Kreis Srosi-Berlin des Arbeiter-Athleten» bunde, hitlt am Sonntag, 23. Oktober, ab 14 Uhr, feinen diesijlhrigen Artist-n» Wettstreit im Lokal..Marchenbrunnen" am Fricdrichshain ab. S- wird«in reichhaltige» Programm gcdoien. Arbeiter. Sckützenbnitd. Montag, 24. Oktober: Westen I2i): Sport 29 Uhr bci Menne, Steinmctzstr, 4ä. Friedrickwhain: 19". Uhr alle Funktionäre bei Bochan.— Dienstag, 2». Oktober! Friedrichshoin: Sport 29 Uhr bei Menfchel, Rüdersdorfcr Str. bl. Wilmersdorf: Sport 20 Uhr bei Kro'fi, Lolfteinifche Str.«0. ReukSlln: Sport 19'f, Uhr bei Wolfs, Prlnz-Handirrn-Str. 67.— Mittn-och, 2«. Oltaber: Friedrichshoin: Sport 20 Uhr hei Meutchcl und Iufchkat, Saßlersir. f. Schifnederg: Sport 20 Uhr bei Eckiramm, Bahnftr. S4. — Donnerstag, 27. Oklobe-: Friedrickfsbait!: Montag, Zt. Oktober, freihalte». Mitglirderoersammlung. Ortsgruppe Berlin: Die C-esch-ift-stelle ist geöffnet 20-22 Uhr.— Frrltag, 26. Ottobrr: Weddinq: Mitaliederverfammlung 29 Uhr bei Schoner, Utrechter Str. 21. Wilmersdorf: Sport 20 Uhr bei Piche, Hi'dc. aard. Scke Schrammftrofte. Neukölln: Sport lO'.Z Uhr bei Wo'ff. Prinz. Sand. iern-Sir. 87.— Sonnabend. 29. Oltaber: Pankow: Spa-t 20 Uhr bei Hubert. Daitz-rowsir. bch Friedrichshain: Baranzeige: Montag, ZI. Oktabcr. Mitglieder. oarsammluna bei Boman. Freier«örnerlultprkr»', f r-»>berg. Sonntag. 29. Oktober. Herbllwande. riing«ach tlhorin. Treffpunkt 7 Uhr Stettiner«ahnhos lHaupieingang). Sannfagrllckfahrkarte bi« Sborinchen 2.80 M Ort,»»r»in Berlin im Verband Balksgrfnnddelt. Sonntag, 2Z. Oktober. 7 Uhr, Schlesifcher Bayfihof Treffpunkt zur Ecländebesichtigung und Fahrt durch da» alte Spreeial. Republlkanifchc Rcdneerer-inigung. Sitzunasabende jed-n Montag 8 Uhr Alter Askanier, BerNn, Anbaltstr. U Interessenten als Gast« willkommen. Arbeitcrnerei» fSr Biochemie und Leben«reforin. Bezirksvertamm l ungen in der Woche vom 24. hi» 29. Oktober: FriedB-s'-ba«» Dirnotag bei Dabms, Kapncnstr 62. Sallefche« Tor Mittwoch bei Kroll. Sollmann. Scke Alte Jakob. strasie. Fepernick Dienstag bei Rah. am Bahnhof. Deginn 20 Uhr. Zutritt für ied-rmann frei. v-sterreichisch.Dentfcher BoN-bnnd«. B. Montag. 81. Ok-ober, 29 Uhr, spricht Dr. Erich Gebert, Svndikus der Salzburger Handel-kammer. dessen fp. eben erschi-nene» Werk.Flamm- nzejcheg" berecht'ate» Aufsehen in deutschen Wirtschaftekreisen hervorgerufen bat, im Reichsw'rtschaftsrat, Bellenuestr. lö, über d'e rfterre'chtschen llollerbdhung'n sowie über den Gedank-n eine» tschechisch.öfterreichischen stoMnstems. Eintritizkorten bis zum 25 Oktober In der Geschäftsstelle(Berlin RD 40, Kronprinzenufer 19) anzusprechen. • Das ideale iSCtn Ab führ- Kon fek!- Vke �rbeitsnachweisangestellten. Die Angestell!?!! der Oeffentlichen Arbeitsnachweise Berlin waren am Mittwoch abend in den Sophicn-Solen zu einer vom Zentral- verband der Ange st eilten einbcrusencn öffentlichen Lersammlung zahlreich erschienen. Der Reserent Kollegs choußhcrr sprach über„Das Personalrecht in der neuen Reich son st alt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung". Der Referent schilderte die Entwicklung des Ar- bcitsoermittlungswesens und bezeichnete das neue Gelep über Ar- bcitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom lk. Juli 1927 als einen Erfolg im Sinne der freigewerkschostlichen Arbeitnehmer- bewegung. Wenn auch die Selb st Verwaltung noch nicht er- reicht sei, so bedeute doch die Neuregelung ob 1. Ottober 1927 einen weiteren Schritt zu diesem Ziele. An Hand der gesetzlichen Bestim- mungen wies der Redner nach, daß auch das Personalrecht bei der Rcichsanstalt fortschrittlicher ausgestaltet worden sei. Dem gesamten Personal der Arbeitsämter bleiben beim Uebertritt zur Rcichsanstalt alle wohlerworbenen Rechte und Ansprüche unbe- dingt gewahrt. Der Grundsatz des Gesetzes, neben wenigen Bs- amten in der Hauptsache nur Angestellte zu beschäftigen, liege nicht zuletzt im Interesse des Personals selbst. Diese Borschrist hindere nicht, die Dien st Verhältnisse zeitgemäß aus- zug«stalten, die Existenz der Angestellten weitestgeheick, zu sichern und namentlich Alters- und Hintcrbliebenenversorgung einzurichten. Haußherr schilderte dann die Verhandlungen mit dem 7° o r st a n d der R e i ch s a n st a l t am 5. und 6. Oktober 1927 im Reichsarbeitöministerium. bei denen der ZdA. die Führung hatte und als einzigste Oraanisation umfangreiches Material zur Verbesserung der Vorschläge der Reichsanstalt beibringen konnte. Die Derhand- hingen mit der Reichsanstalt hoben allerdings»och keine Entscheidung earüber gebracht, ob die Dienstverhältnisse des Personals In Form Tner Dienstordnung oder durch einen Kollektivarbcitsoer- trag geregelt werden sollen. Der ZdA. vertritt unbedingt den Standpunkt, daß der Abschluß eines Kollcktivarbeits- Vertrages vorzuziehen sei, weil dadurch allein die Möglichkeit besteht, eine für beide Teile verbindliche Vereinbarung zu tresieii und auf die künftige Ausgestaltung des Dienstrechts jederzeit Einfluß auszuüben. Di« Dienstordnung dagegen fei ein«inseitiger Akt der Verwaltungsorgane. Die Dienstordnung für die Beamten bürfe nach dem ß 39 des Gesetzes nur die D i e» stb e z ü g c enthalten. das Dienstrecht der Angestellten lalso aller, oync Unter- schcidung!) müsse noch dein§ 39 a. a. O. einheitlich geregelt werden und auch Bestimmungen über Alters- und Hinterbliebenen- Versorgung enthalten. Die Behauptung des Kambo, wonach nur die Dienstordnung unabdingbares Recht brächte, wies der Reserent ent- schieden zurück. Die Bestimmungen des Kollektivarbeitsvertrages gehen in den Einzelarbeitsvcrtrag über und sind ebenfalls unab- dingbar. Der Redner setzte sich weiter mit den gegnerischen Orooni- sationen, namentlich mit dem Komba auseinander, dessen Tätigkeit bisher fast nur zum Schaden der Angestellten des öffentlichen Ar- bcitsnachweiswesens gewesen sei. Räch ausführlicher Aussprache und einem Schlußwort des Rcse- renten wurde die von etwa 599 Personen besuchte Versammlung von dem Kollegen W o l a a st mit der Auffordening geschlossen, sich der Orgaiiisotion des aesomten Personals der öfsentlichen Arbeitsnachweise(Beamten und Angestellten) anziischließen, die schon seit I a hr e n mit bestem Erfolge die.Interessen des Arbeitsnachweis- Personals vertreten Hot. Das sei ollein der Zentralverband dcrAnge st eilten!.... (Nebenbei sei erwähnt, daß der.Gewerkschastsbund der Ange- stellten(GdA.) es für richtig befunden hatte, zum gleichen Zeitpunkt und in demselben Lokal eine„öffentliche" Versammlung des Berliner Arbeitsnachweispersonals zu veranstalten, die von sage und schreibe 25 Personen besucht war._ Kunögebung See Sankangeftellten. „Tit'x if und Teuerung" war das Theina, da» Genosse Marx in der gutbesuchten öffentlichen Bersammlung der gewerb- lichen Bankangestellten behandelt«, di« die Berliner Ortsgrup»»« des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten zu Donnerstag abend nach den Sophiensälen einberufen hatte. Er gab einen eingehenden lleberblick über die Tarifentwicklung im Bantgewerbe vom Jahre 1924 an bis jetzt und kennzeichnete die Politik des Reichsorbeitsministeriums, das bei allen Entscheidungen den Bankgewaltigen die größten Konzessionen gemacht, auf die Not- läge der Bankangestellten aber nur sehr wenig Rücksicht genom- men hat. Die Erfahning der letzten Jahre müßt« den Bankange- stellten die Augen darüber geöffnet haben, daß sie durch die Toris- politik des Deutschen Bankbeamtcnoereins und seines Anhängsels, des Frankfurter Kassenboten Verbandes, immer wieder ins Elend herabgezogen worden find. Nur ein« guk sreigewerlschaftlich organisierte Bankbcamlenschast wird den Zustanden, wie sie jetzt Herr- schen, schnell ein Ende machen können. Nach einem Vortrag des Genossen Göring vom AsA-Bund über die Bedeutung der Wahlen zur Angestclltenoersiche- r u n g und der anschließenden Debatte wurde ein« Enffchließung «instimmig angenommen, in der es heißt: „Die am 29. Ottober 1927 in den«ophiensälen oersamitzplten gewerblichen Angestellten der Berliner Banken erheben gegen die Tarikpolltlt des Deutschen Bontbeamtenvereins und des Frankfurter Kossenbotennerbandes schärfften Protest. Die Versammelten sehen ihre Interessenvertretung nur durch den Slllgemelnen Verband der Deutschen Bankangestellten garantiert und beaustrogen diesen, olle geeignet erscheinenden Maßnahmen zu ergreisen, um ein« der Not- sage der Angestellten gerecht werdende Tarisregelung zu erreichen. Insbesondere sieht die Bersammlung ihre Ausgab« und ihre Pflicht darin, alles daran zu setzen, bei der am 13. November dieses Jahres stotisindenoen Wahl der Vertrauensmänner sür die Angestelltenocrsicherung der Liste des Allgemeinen Verbandes zum Siege zu verhelfen, damit der Einsluß der freien Gewerkschaften in der Sozialversicherung richtunggebend, das Wnhlprogramm der AfA- Gewerkschaften verwirklicht und die Versicherung zu einer wirklich brauchbaren Sozialeinrichtung ausgebaut wird." 5 PD.- Schuhmacher Verlins!„Wie können und wollen wir in der Wcrbewochc für Partei und Presse wirken?" Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere Zusammenkunft am Montag, dem 24. Oktober, um 17 uhr bei Blawert, Weberstr. 24!>. Es wird erwartet, daß alle in Frage kommenden Genoffen dort erscheinen und bereit sind, an- läßlich der Wcrbewoche unseren Einsluß In der Berliner Zahlstelle zu starken. Die letzten Wahlen beweisen die Werbekrast unserer Partei, wir dürfen nicht zurückbleiben und uns auf ewig dem Diktat der Kommunisten unterwerfen. Gleichzeitig weisen wir auf die Generalversammlung der Zahlstelle am kommenden Mittwoch um 18 Uhr bei Böker, Weberstr. 17, hin. Der Werbeausschutz der SPD.- Schuhmacher. Deutscher hulorbeilerverbond. Anläßlich des kibjöhrigen Be- stehen« der Zahlstelle Berlin wurde eine Sammlung veranstaltet. Alle männlichen und weiblichen Arbeitslofen, wie Invaliden, die zumindest ein Jahr Mitglied des Verbandes und am 22. Oktober arbeitslos sind, erhalten«ine einmalige Sonderunter» stütz ung. Die Auszahlung erfolgt Im Bureau, Engelufer 24/25, Aufgang C/IV, in den Vormittagsstunden von 9— l Uhr, ob Sonnabend, dem 22. Oktober, und endet am Sonnabend, dem 12. November. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Frei« s«i»«rklch«st»j»gkad iSrotz.&erli». Heute, gottr.cbenb, foigende Der» anstattungen:«-»wschulenw«»: IugenMieim ffirnftite.!S. BrelisolelabrnS~ SoMniii Set erst« Abschnitt unsere» Zugcndkursus beginnt heule pllnktsich 20 Übt im Iuaentcheim flotelftt. U, 1. Lu-rgeb. 1 It., Zimmer 1. Thema: »Wltischail, werden— Wirischastswesen."— Sprech, und Beweg-nnecher: Unsere nächste Probe sinbet morgen. Sonnlag. 10 Uhr, im Zugendheim de? Pettehr». bundcz, Sngclufet? die Bezirk« der Jugend- grupp« sowie durch da» Iugendsekretariat vermittelt. Di« Schulentlassenen stnd zu der Iugendfeler besoilbers eingeladen. Der(Jiniritt Ist frei. Dr. Emil Leimdörfer beschließt seinen Zyklus„Politik als Kunst und Wiffenschaft" mit«iner Betrachiung über Staatsromone, d. h. über Werk«, die in künstlerischer Form irgendein stoatspolitische, Ideal aufstellen, und es ist dabei oleickigühia, von welcher Art diele» Ideal ist. ob monarchistisch, republikanisch, kommunistisch oder völlig anarchisch. In dieser Revue, die mit Thomas Mores„Ulopio" und Campanellos„Sonnenstoot" einsetzt und bis zur Geaenwort fort. gesührt wird, sind olle Ansichten vertreten. Kurz und eindringlich charakterisiert Leimdörfer die einzelnen Werke und entwickelt ihre Gedanken. Längst vergessene Autoren werden zitiert, aber man ist erstaunt, daß Leimdörfer Wells übersteht, feine„Zeltmaschine" ot-r „Wenn der Schläfer erwacht" und vor allem seinen neuesten Roman „Menschen, Gottern gleich. Auch dies« Romane entwersen. wenn auch manchmal in kritischer Einstellung, das Bild eines zutünstigen Staates, sind also im eiaenllichen Sinne des Wortes Staatsromone und dürsten nicht vergessen werden, da Leinidörser Bellamy zitiert. Der Rundsunk kennt seine aktuelle Bedeutung, deshalb oerpslichtcte er den Reichsminister o. D. Rudolf Wissell zu einem Vortrag über die Tätigkeit der Schlichtungsbchördcn, die jetzt wieder im Bergarbeiter- streik hervorgetreten sind. Wissell schilderte in völlig objektiver Weis« den Aufbau und das Aktionsgebiet der Behörde und rühmte besonders, daß durch ihre vermittelnd« Tätigkeit Streiks vermieden oder min- bestens abgekürzt worden sind. Jeder Hörer weiß, daß öfter innerhalb des Themas Frauenfragen und Frauenloraen Schlimmes geschieht. Aber Anna Kappstein weiß in ihrem Vortrag„Die Frau und der Spiegel" nun wirklich nichts zu sagen, ober absolut nichie, trotz prächtiger Pbrasen, Redeblumen und mehr oder minder daneben geglückter Verse. In künstlerischer Beziehung ist dos Programm wenig ergiebig, doch wenigstens ist die Abenoveranstaltung mit Angela wachs und Schwannecke unterhaltsam... F. S. klnseadunge» für diese Rubrik smd Verls»»« 88» Lindeustrafte i. partemachrkchten für Groß-Serlin stet, an da» Bezirkisekretars»«. t Hat. 2 Step, recht», zu richten, Vezirksvorstanö. heute pünktlich IS Uhr Sitzung de» Erweiterten Bezirks. Vorstandes im Jugendheim Llndcnstraße 3. Technischer Ausbildungskursus für Funktionäre. Di« Lichtbildabteiluna de» Reich, atuschiisse« für laztalistlich« fflilbungjotlc t r« ranstaltet nom 24. vi, 28. vu-ber iw Berliner Filmseminar, üüt. ticher Strafte,«taen ftursu» zur Au»bildung»au Interefsierte» Kenoffen au Lichtbildapparate», Spidiaskoven und Btldbandapvaratcn. All« wesentlichen Frauen werden dort lawohl throretisch wie auch praktisch behaudelt. Da in immer stalle rem Maftr da» Lichtbild sür Partei- und Iugendaeraustaltuuacn uerwcnbrt wird, ist die Beteillannq an diesem stursu, driuqen» zu empschlcn. — Der stursu» findet in den Abendstunden in der Zeit»an 18 Uhr bzw.>8 Uhr bi, 22 Uhr statt. Die Teilnehmergebühr beträgt 20 Z»., zahlbar in Stuten. Da nur noch einige Teilnehmer»naenamme» werden können, muß di» Aä- Meldung sofort, evtl. telephanisch sDinhafs 8448), ersalgen. « 11. strei» Schön-derg.Ftiedenan. Montag, 24. vkwber, 19'; Uhr pünktlich, bei Rirndarf, Marirndors, Ghausserstr. 19, Eiftung de« strriavorstandea. 18. strei» Trmpelhas. Di« Genosse» werde» aebrten, die Plakate der Partei air den Autchlaasäulrn zu brachten und Nahestehende ausmerktam zu wachen. 2«. stret, Reinttkcndars. Di« Mitgliederversammlung am 28. Vktaber fällt au». Dieselbe findet dafür am Mittwoch, Z. November, statt. Die Gr- nassinnen und Genossen brteiltoen stch am Mittwoch, 28. Oktober, an dem Liederabenb in den Hubertussälen. Pravinzstraft«. Mitwirkende: Besä. Reinitz-Gnsemble. Eintritt 50 Pf. starten sind bei den Funliionoren erhältlich. Alle Freunde, Bekannte und„Vorwärts". Leser sind eingeladen, heute. Sonnabend. 22. Oktober: 21. Abt. Achtung, Dezirkofllhrer! Da» Mateeial ist um 19 Uhr vom Genossen «roll, Utrecht»?®lt. 21, abzuholen. 24.«bt. Die Bezirkssllhrer werden ersucht, sofort Fragebogen und Tamn-ci, listen für die Weihnochtabescherung von ihren Gruppenführern in Empfang zu nehmen. Gleichzeitig werden die Brzirksführer gebeten, zur nächsten Mitgliederversammlung durch Handzettel einzuladen. 38. Abt. Die Be»irk»führer werde» gebeten, d!» starten für die Bufttags- Veranstaltung der Abteilung vom stassierer abzuholen. Morgen, Sonntag. 23. Oktober: 27.«bt. Treffpunkt zur stonfumbesschtigung S Uhr Bahnhof Schönhauser Aller. 81.«bt. 10 Uhr hfl Goldschtniht, Etolpische Str. 88, Vortrag de» Senosteu Mar streuziger über:„Die Rebe h«. Genoffen Hilf-rbina auf dem stiele: Parteitag. Ieba Genossin, feber Senass« ist dazu eingeladen. 88.«bt Treffpunkt zur stonlumhestchtigung 9 Uhr vor dem Hauptgebäude in Lichtenberg. Rittrrgutstr. 16—30. 93.«dt. Nenkölla. Treffpunkt zur Landagitation 7 Uhr an der Haltestelle tberftbcrgpla». Abfahrt 7,42 Uhr Görlifter Bahnhof. 141.«bt. Rasrvthal und»iederichSnbausen-Wrst. Bestchtsgung her stonsulv- anlagen in Lichtenberg. Treffpunkt 715 Uhr Bahnhof Ziosenthal. Zrauenveranstaltungen. 131.«bt. Rieberschaahausen. Sonntag, 23. Oktober, Besichtigung der stonsum- anlagen in Lichtenberg. Treffpunkt 9 Uhr Friedensplatz in Niederschönhausen. Zungsozialisten. Achtung! Zur Regeln»» der Beranftaktnngen in unserer Werbewach« vom 20. bi» 27. November werben bt« Gruppenleiter aebeten, uuverzLglich ihre Divposittaue» übe« Tag und Thema dem Genoffru stur« giogelm«»», Berlin- Schäuebeeg, Frift-Reutcr-Str. 3. eiuzuiendeo, damit eiu, rechtzeitig« Berstäudi. guag mit dem Referenten, der tu der Wrrbewache sprechen wird, erfolgen kann. Arbeitsgemeinschaft der Sindersreunde. Werbebezirk streuzberg. Gruppe Südosten: Sonntag, 23. Oktober, Ausflug. Treffpunkt 8 Uhr Görlifter Bahnhof. E» ist nur Essen uützudringrn. Sterbetafel Ser Sroß»Serliner Partel-Grganifation 92.«bt. Rruköll»(nicht, wie irrtümlich angegeben, 01. Abt. Neukölln). Unsere langjährige Genossin und Wohlfahrtspslegerin Marie st- m p e, Weserstr. 143, Ist am 1». Oktober nach schwerem Leiden verstorben. Einäscherung beute, Sonnabend, 22. Oktober, 18 Uhr. Im Krematorium Daunlschulenweg. Rege Beteiligung wird erwariet. Sport. ZSe das Ii" st-lometer-AIanvIchoflsrennen l« Lecllner Sportpalast«m kommenden Zd-.iiIagobettl» Ist noch-in« iveUere sehr gute Marnischatt verpflichtet Word«», di« aus dem ausgezeichnete» lieinen Ttettiuer Carpit» und dem starken Kölner Schorn besteht. Eine wettere Bereicherung der Siirtn liste bildet die bekannte gut eingefahren« Berliner Berbindunq Nült-Wette, die zwar ebenfalls erst tu diesem Sommer zu den Ben,'.?- fahiern übergetreten sind, aber auch bereits auf der Ziütt-Arena mehirie 'chwcre MannschastSrennen mit groftem Erfolg bestritten dabei:. T'« deutschen Farben in dem vorausgehenden Länderomnium Deutfchland gegen Ausland werden der kleine Ehmer, der Sieger de».Grossen Breite» der Nationen', Hahn, und der schnelle Er-Aniaieur Hehne, der hiermit lern eisteS Berusssahrerrennen in seiner Vaterstadt beftleliet. vertreten. Ii"« Gegner sind van Kempen. Dewoif und Tonani. Besonders gelvaiint.>t man natürlich auf da» abermalige Zusammentreffen van Kempens mit seinem Bezwinger Ehmer. gsÖphi�Säiel I | Sophiensir. 18 ♦ Norden 9296 u. 12648 S Für Vereine und Versammlungen£ in jeder Gröfie laturfei�e im Die Bäche folgen dem Gesetz deio Schwere und rinnen zum Tal, sie vereinigen sich zum Strom und bilden eine NaturKrafl von ungeheurer Gewalt. Es gibt auch geschäftliche Vorgänge, die wie eine Naturkraft wirken. Wenn Millionen von Verbrauchern sich in ihren Wünschen zusammenfinden und alle das gleiche Erzeugnis verlangen, so wirkt diese Nachfrage wie ein gewaltiger Strom,der das Räderwerk des Geschäfts vorwärts treibt und es mit seinem Anwachsen zu immer höheren� Leistungen befähigt. So ist OVERSTOLZi, die weitaus meist gerauchte Zigarette Deutschlands, bereits über das Qualitätsniveau der 5 Pfg- Preislage hinausgewachsen und wird immer noch. besser werden, je mehr Raucher ihre Vorzüge entdecken und diese- Zigarette verlangen. • O• H• Q• Mliegerbeiträge und Wohnungsbau. Der Kleinhäuferbau kommt zu kurz. Seit Monaten füllt die Diskussion über den Wohnungsbau in Verlin die Spalten der Presse. Leider haben die großen Bauvorhaben die öffen.liche Anteilnahme ganz absorbiert und das Interesse für die anderen offenen Fragen des Wohnungsbaues abgestumpft. Denn der Weg der Großhsrstellung ist zwar in günstig liegenden Fällen der gangbarste und vorteilhafteste, stellt aber keineswegs ein Allheilmittel für den gesamten Wohnungsbau der Groß- ftädte dar. In Berlin sind nämlich nur 35,5 Proz. des Baulandes in Bau- klaffen, welche bedingungslos geschlossene dreigeschossige Bauweise (die Boraussetzung für Bauherstellung vorbezeichneter Art) zulassen. Gerade in den Teilen, welche niedriger gezont sind, regt sich aber die Baulust besonders, einmal, weil hier das Bauland an sich billig ist, besonders aber well keine Bauten nicht die Kapitalanspannung und das Risiko größerer Bauvorhaben mit sich bringen. Nach dem Geschäftsbericht der Wohnungsfürsorgegesellschaft sind z. B. 1323 27,3 Proz. aller beliehencn Wohnungen in zwei- und eingeschossigen Bauten errichtet, also fast ein Drittel der Gesamtzahl. Diese kleinen Bauten werden unverhältnismäßig hoch durch die Nebenkosten be- lastet. Allein für Anlieger- und Kanalbeiträge müssen 8 Proz. der Gesamtkosten des Baues ausgegeben werden. Die Frage der Anliegerbeiträge tritt zurzeit nicht mit voller Stärke in Erscheinung, weil sich die Bezirksämter, falls die betreffende Straße noch unfertig ist, in der Regel mit einem Teil der Kosten als Barzahlung begnügen und den Rest hypothekarisch eintragen lassen. Wenn ober einmal der Bau der Straß« ausgeführt wird und die Anlieger keine Rücklagen für die fälligen Zahlungen gemacht haben, steht das schlimmste für die Eigentümer und schließlich auch für den Stadtsöckel zu befürchten. Hierdurch werden eine große Anzahl Baulustiger, sobald sie die Gefahr erkennen, vom Bauen zurück- gehalten. Die Frage ist nun, ob sich die Last der Anlieger- beitrüge erleichtern läßt, und sie würde ihre Lösung durch Acmderung der jetzigen Verteilungsbestimmungen finden. Diese gehen auf das Fluchtlinien gesetz von 1875 zurück, dessen§ 15 den Anliegern die Kosten der Straße mit Nebenanlagen im Verhältnis fyrer Frontlänge auferlegt. Man versteht diese Bestimmung aus dem damaligen Zeitch«ratt«r heraus. Es war noch nicht die heutige Differenzierung in Verkehrs-, Geschäfts- und Wohnstraßen, die Ab- stufung der Bauhöhe und Baudichte bekannt. In Berlin galt z. B. die Bauordnung vom 21. Aprll 1863, welche im wesentlichen ge- stattete, das ganze Weichbild einheitlich mit Mietkasernen zu bebauen. Ebenso gleichmäßig, wenn auch im Maßstabs kleiner, gestaltete sich die Bebauung der anderen Städte und Ortschaften. Die gleich großen Grundstücke an gleichartigen Straßen, die so entstanden, konnten auch gleichmäßig die Wegelast tragen. Bei zu großen Brellen(über 26 Meier) oder einfachem Ausbau der be- treffenden Straßen traten automatisch Differenzierungen ein. Nun haben sich aber die tatsächlichen Verhältnisse seither von Grund auf geändert, indem man die städtebaulichen Grundsätze, die oben in Kürze erwähnt sind, in die Praxis umgesetzt hat. Die alten Anliegerbe st im münzen aber sind geblieben. Es liegt auf der Hand, daß sie ohne Rücksicht auf die tatsächliche Be- bauung, lediglich an der Frontlänge klebend, die k l e i n e n Bauten viel stärker belasten als die großen. Von der Möglichkeit, einen anderen Maßstab zu wählen, die das Kommunal- aögaberigesetz von 1893 gab, ist kein Gebrauch gemacht worden. Solange das Fluchtliniengesetz in Kraft bleibt, ist es aber auch nicht anders möglich, weil es, wie schon gesogt, unter ganz anderen Voraussetzungen, als sie heute vorliegen, entstanden sst. Man hätte nun erwarten sollen, daß der Entwurf des Städtebau- g e s e tz e s, dos doch im übrigen versucht, den jetzigen Anschauungen und Tatsachen Rechnung zu tragen, auch auf dem Gebiet der An- liegerleistungen wesentliche Reformen einführen würde. Dies ist leider nicht der Fall. In der Begründung zum Entwurf wird sogar direkt gesagt, daß die alten Vorschriften des Fluchtliniengesetzes und Kommunalabgabengesetzes vereinfacht und einheitlich zusammenzefaßt sind. Zwar werden alle Anlieger dadurch etwas besser gestellt, daß sie für höchstens 10 Meter Straßenbreite und dabei 2,50 Meter Dammbreite herangezogen werden dürfen. Die beabsichtigten Zuschläge für tiefe Grundstücke sowie für Bau- dichte über'/,»> und Bauhöhe über drei Geschosse(letztere nur Kann- Vorschrift) treffen aber den Kern der Sache nicht. Endlich stellt die Bestimmung, daß die Kosten für Wohnstraßen der Minder- bemittelten ganz oder teilweise erlassen werden können, abgesehen von ihrer unklaren Formulierung, nur die Möglichkell eines Almosens in Aussicht, anstatt klare Rechtsverhältnisse zu schaffen. Man sieht, daß die betreffenden Paragraphen des Städtebau- gefetzes nicht geeignet sind, die dargestellten Uebelstände zu beheben und auch von ihren Verfassern gar nicht dazu bestimint sind. Ein anderes Heilmittel, das die Terraininteressenten empfehlen, um die Anliegerlastxzu erleichtern, nämlich sie durch Bergrößerung der Bauhöhe und Baudicht« in den Außenbezirken, leichter tragbar zu machen, hieße gleichzeitig auf die Fortschritte, welche der Städte- bou sell 50 Iahren genzacht hat, wieder verzichten, also den Teufel mll Belzebub austreiben. Aus den obigen Erwägungen erscheint es dringend wünfchens- wert, daß bei der weiteren Durchberatung des Städtebaugesetzes an Stelle der überlieferten starren Verteilungsmaßstäbe für die An- liegerlasten neue gefordert werden, die, sei es vom Rauminhalt der Bauten, sei es von der Wohnfläche ausgehend, geeignet sind, das Bauen durch individuelle Behandlung der einzelnen Bauvorhaben zu erleichtern. Oberbaurat Rosenberg. Teure Sriketts. Der Kohlenhandel verteidigt sich.— Die Kleinhändler als Schuhtrnppe des Großhandels. Der große Streik in der Braunkohlenindustrie hat auch die deutschen Kohlenhändler aufgescheucht. Nicht weil sie in Sorge find, daß sie die Konsumenten nicht beliefern könnten, sondern sie haben Angst um ihre Gewinne. Mit Recht wird nämlich die Frage bis- kutiert, ob die Handelsspanne, die zwischen den Syndikats- preisen und den Lieferpreisen für die letzten Verbraucher von Braun- kohlenbriketts liegt, nicht verringert werden kann. Man kann Selbsttostenrechnungen im Groß- und Kleinkohlen- Handel anstellen soviel man will. Und diese Rechnungen mögen von noch soviel offiziellen Stellen überprüft sein. Es ist toll, daß der Zentner Braunkohlenbriketts ab Syndikat 7 7 Pfennig kostet, und in diesem Winter für 1,80 Mark an den letzten Konsumenten kommt. Wir wollen die Frage nicht im einzelnen prüfen, wie diese Spanne zustande kommt. Das Vorhandensein einer solchen Spanne ist, volkswirtschaftlich gesehen, ein Skandal. Mögen die Kohlen- 'Händler, die großen und die kleinen, für diese riesenhafte Preis- spanne auch nicht allein verantwortlich sein, eine so teure Organi- saklon der Kohlenverteilung kann sich keine Volkswirtschaft leisten. 3000 Kleinhändler in Berlin, wenige Großfirmen und dazu das mlltel- und ostdeutsche Syndikat bilden diese Organisation. Zweifel- los haben viele Kleinsthändler eine Notexistenz. Ebenso zweifellos machen die Syndikatsgesellschaften und die Großhändler große Ge- winne. Rationalisierung, d. h. Zusammenfassung der letzten Verteilung, Beschneidung der Rabatte bei den Werksgesellschaften und den Großhändlern, Herabdrückung der S y n d i k a t s k o st e n für die Zwischenschaltung der Syndikate zwischen Werte und Großhandel müssen durchgeführt werden, auch unabhängig vom gegenwärtigen Kamps und seiner Lösung. Demgegenüber bedeutet es wenig, wenn der Zentralver- band der Kohlenhändler Deutschlands vor den Per- tretern der großen Berliner Presse Rechnungen aufmacht und mit ihnen seine„Notlage" darlegt. Detaillierte Gewinnrechnungen. wo sämtliche Ausgaben detailliert und anteilsmäßig klargelegt wer- den, hat der Zentraloerband verschwiegen. Kein Großhändler und kein Kleinhändler handelt nur Braunkohlenbriketts. Sie handeln alles außerdem, was zur großen und kleinen Wärmewirtschast in den Fabriken und in den Haushaltungen gehört. Rechnungen, die nur von den Britettpreifen ausgehen, beweisen daher nichts. Natürlich wurde die D i s k u s f i o n zur Verteidigung des Kohlenhandels nur von Großhändlern geführt. Sie cnt- deckten dabei ihr warmes Herz für den kleinen Handel und möchten der Oeffentlichkeit weismachen, daß es das G e s a m t w o h l ist, das sie für einen gesunden Kleinhandel eintreten läßt. Daß es ein in lukrattven Gewinnen sich ausprägendes nacktes Geschäftsinteresse ist, wenn die Existenzsicherung von mehreren tausend Kleinhändlern den Preis für den letzten Konsumenten hochhäll, das verschweigen sie. Sie verschweigen die D i s s e r e n z i a l g e w i n n e, die dadurch möglich sind, daß wie in jedem Kartell die Kleinsten mit den größten Kosten über Wasser gehalten werden müssen. Sie verschweigen aber auch, daß sie mit ihrem warmen Herzen für die Kleinhändler letzt- lich mit diesen polttischen Mißbrauch treiben. Aber nicht nur die Raballe der Großfirmen, die nicht weniger als 1,20 M. pro Tonne bei einem Syndikatspreis von 15,40 M. be- tragen, sondern auch die Syndikatskosten können ver- r i n g e r t werden. Es ist unerhört, daß im ostelbischen Braun- kohlensyndikal bei jährlichen Unkosten von 800 000 bis 900 000 TN. zwei Generaldirektoren je 68 000 TN. und außerdem jeder noch 30 000 bis 40 000 IN. jährliche Tanttemen erhalten. Dazu kommen allein etwa 40 000 M. jährlich für die Automobile der Geschäslssührnng, so daß mehr als 25 proz. sämtlicher Unkosten des Syndikats auf die Generaldirektoren entfallen, die weiß Gott bei der gesetzlichen Bewirtschaftung der Kohle keine ausgesuchten Oualitätskräste sind. Aber es kommt ja immer darauf an, daß man die guten Ver- bindungen mitbezahlen muß, die ehemalige Staatssekretäre zu den regierenden Stellen haben. Daß Millionen vom oft- elbischen Syndikat verschleudert worden sind, haben wir schon dargetan, und daß die 186 000 M. für die an''er Skandal- schlichtung im ostelbischen Syndikat beteiligten Herren in solcher Höhe nicht ausschließlich für die reine Mühewaltung gewährt wer- den, das braucht man nicht nur zu vermuten. So liegen tatsächlich auf der ganzen Linie zwischen dem Brikett- preis, den der Konsument zahlt, und dem Verrechnungspreis, der vom Syndikat den Werken gutgeschrieben wird, große Summen, die in überflüssiger Weise verteuernd wirken. Unrationelle Wirt- schaft auch im Kohlenhandel ist es nicht zuletzt, die das Hungerleben der mitteldeutschen Braunkohlenarbeiter mitverschuldet hat. Solcher unrationellen Wirtschaft zu Leibe zu gehen, ist auch die Aufgabe der Behörden. Daß unendlich viel wirtschaftlicher gearbeitet werden kann, daß bei vernünftiger Organisation mit einer viel geringeren Preisspanne hausgehalten werden kann, dafür find die Beweise gerade in Berlin nicht nur von privaten Firmen oft genug angeboten, sondern auch von öffentlichen Firmen praktisch geführt worden. das Recht auf fiuslanüsanleihen. Eine Denkschrift des Deutschen Städtetages. Kürzlich haben die Vertreter des Städtetages, der Reichsfinanz- minister und der Reichsbankpräsident über die Finanzwirtschaft der Städte und über die öffentlichen Auslandsanleihen miteinander ver- handelt. Die Städte kamen nicht zu ihrem Recht. Die letzten Ver- Handlungen der Länder, in denen auch Verschärfungen der Richtlinien der Beratungsstelle diskutiert wurden, scheinen ebenfalls die Loge der Städte nicht zu verbessern. Jetzt hat der Deutsche S t ä d t e t a g. um seinen Standpunkt zu wahren, dem Reichsfinanzminister eine Denkschrift zugehen lassen. Obwohl die Städte die Bedeutung der währungs. und wirb schaftspolittschen Gesichtspunkte durchaus zu würdigen wissen, so heißt es darin, müssen sie eine gerechte und ausreichende Berücksichtigung auch ihrer kommunalen Lebeusinteressen auf finanziellem Gebiete erwarten. Ihrer Bedeutung für das Staatsganze entsprechend, ver- langt die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden z u m m i n- besten eine gleiche Rücksicht wie die Tätigkeit der Privatwirtschaft. Die Einsetzung der Beratungsstelle, befon- ders die Stellungnahme des Reichsbankpräsidenten, hat aber zu einer schweren Benachteiligung der kommunalwirtschaftlichen Talig- keil und zu einer«inseitigen Bevorzugung der Privar- Wirtschaft geführt. Auf die Dauer sei es unmöglich, so heißt es weiter, aus der gesamtwirtschaftlichen Versorgung mit ausreichenden Krediten die Städte allein unter eine Zwangsbewirtschaftung zu stellen. Die Zwangsvorschriften der Beratungsstelle müssen volks- wirtschaftlich störend, d. h. auch verteuernd wirken und können ihr Ziel auch nicht erreichen, weil der Geldverkehr andere, leider aber teurere Wege suchen muß. Die Gesichtspunkte sprechen mit großer Eindringlichkeit für die W i e d e r b e s e i t i g u n g der Beratungsstelle, zum mindesten für eine möglichst vorsichtige und den legalen Bedürfnissen entgegenkommende praktische Hand- habung. Die Unterscheidung zwischen produktiven und nicht- produktiven Krediten ist rein formal und wird den tatsäch- lichen Verbältnissen nicht gerecht. Die Städte brauchen in erheb- lichem Maße den Auslandsmarkt, eine weitere Verschärfung der Richtlinien der Beratungsstelle wäre absolut v e r f e h l t. Die vollständige Verfehltheit der Stellungnahme des Rsichsbank- Präsidenten und der Beratungsstelle, auch für den Wohnungs- bau keine Auslandsanleihen zu bewilligen, ist der einleitende Satz auch eines einstimmig beschlossenen Antrags im Kölner Stadt- Parlament. Schon um den laufenden Wohnungsbedarf zu befriedigen, reichen die den Gemeinden aus der Hauszinssteuer und Inlandehnpo- theken zufließenden Mittel nicht aus. Die unterschiedliche BeHand- lung der privaten und öffentlichen Wirtschast wird als unverständlich und unberechtigt erklärt. Der Standpunkt der Beratungsstelle zu den Wohnungsbaukrediten müsse eine schleunige Acnderung erfahren. Scharfe Resolution des Kölner Stadtparlamcnts. Die Kölner Stadtverordnetenversammlung beschloß, die städti- schen Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerk« bedeutend zu erweitern. Die erforderlichen rund 42 Millionen Mark sollen aus An- leihen genommen werden._ vom üeutsthen braukapital. Herrschaft der Großen. Nach den neuesten Zahlen von„Wirtschaft und Statistik" gab es 1925 in Deutschland 13 062 Brauereien und Gemeinschaftsbrauer, zu denen noch 13 387 Hausbrauer hinzu- kommen. Die Herrschaft, die heute das Großkapital im Brau, gewerbe ausübt, wird daraus ersichttich, daß 81,6 Proz. der Gesamt- zahl aller Betriebe mit nur 0,6 Proz. am Jahresabsatz beteiligt sind. während auf 88 Großbetriebe oder 0,3 Proz. der Gesamtzahl mit je über 100 000 Hektoliter Iahresabsatz 51 Proz. des Ge- famtabsatzes entfällt. In den letzten drei Iahren entwickelte sich der B i e r a b j a tz wie folgt: 1024 1925 1926 Jan.-März 1927 86.4 Millionen Hektoliter 47.5 48.3 10.0 Während also die Verbrauchskurve 1025 gegenüber dem Vor- jähr bei einem Mehrverbrauch von 25 Proz. scharf anstieg, ist die Steigerung 1926 mit einem knapp 2prozentigen Mehrverbrauch nur noch sehr gering. Im ersten Vierteljahr 1927 ist im Vergleich zu der entsprechenden Zeit des Vorjahres ein Stagnieren des Absatzes festzustellen. Eine Erklärung hierfür sst in der Preis- Politik der Brauereiunternehmer leicht zu finden. Gegenüber einem Bierverbrauch von 102,1 Liter je Kopf der Bevölkerung im Jahre 1913 betrug der Kopfoerbrauch 1926 mit 76,3 Liter nur drei Viertel des Friedensstandes.(Verdient wurde aber nicht weniger.) Die Ausfuhr deutschen Bieres ist im Verhältnis zum ein- heimischen Konsum sehr gering, sie beträgt nur etwas über 1 Proz. Die Hauptbezug slönder sind merkwürdigerweise nicht curo- päische oder südamerikanische Staaten, sondern Niederländisch- und Britisch-Indicn und' Westafrika. Die Einfuhr ausländischen Bieres, für die fast ausschließlich die T s ch e ch o s l o w a k e i in Be- tracht kommt, spielt mit rund 180 000 Hektolitern mengenmäßig keine groß« Rolle._ Schuhfabrikanken unter sich. Wie wir kürzlich berichteten, spielen die Unternehmer aus der Schuhindustrie mit einer Erhöhung der Schuhpreise, obwohl die Rohstofslager noch gefüllt sind. Daß in dieser Frage die Ansichten der Schuhindustriellen auseiu- andergehen, beweisen die Erklärungen des Vorsitzenden auf der Ge- neralversammlung der E. Linzel Schuhfabrik A.-G. in Er- furt., Danach scheint der Vorstand aus der Absatzkrise 1925/26 die richtigen Folgerungen gezogen zu haben, indem er heute das Haupt- gewicht auf großen Umsatz, nicht aus hohe Preise legt. Natürlich bleibt auch die Direktion von Lintzel soweit in dem Gc- dankenkreis der Unternehmer gefangen, daß sie Lohnerhöhungen für den Massenkonsum als schädlich ansiebt. Im übrigen wurde von dem Vorsitzenden noch die bemerkenswerte Erklärung abgegeben, daß allgemein gar kein ersichtlicher Grund für eine Verteuerung der Schuhe vorliege, da die Schuhindustrie noch ausreichend mit Roh- stoffen zu den alten Preisen versehen sei.— Der Abschluß der Ge- sellschaft, die vor zwei Iahren durch grobe Fehler eines Direktors schwere Verluste erlitten hatte, zeigt, daß das Unternehmen rasch gesundet ist. Während vor zwei Jahren ein Verlust von drei- viertel Millionen Mark und im vorigen Jahr nur ein kleiner Gewinn von 24 000 M. ausgewiesen wurde, verbleibt für 1926/27 ein R e i n- gewinn von 190 000 M., von dem nach Jahren zum erstenmal wieder eine Dividende in Höhe von 4 Proz. verteilt wird Die B c- l e g s ch a f t. die im Frühjahr 1926 auf wenige Hundert' Mann zu- rückgegangen war, konnte allmählich wieder auf 1000 Mann er- höht werden, deren Beschäftigung für die nächste Zeit gesichert ist. Neun Monate französischer Außenhandel. Einer Statistik der französischen Zollverwaltung zufolge betrug die französische Ausfuhr in den ersten neun Monaten dieses Jahres 28 Millionen Tonnen(40 283 000 000 Franken) und die Einfuhr 37 Millionen Tonnen<38 530 000 000 Franken). Im Vergleich zu 1926 lassen diese Zahlen eine Verminderung des Wertes der Ein- f u hr um 6 Milliarden erkennen. Trotz der Wirtschaftskrise . französische Ausfuhr die Einfuhr noch um rund Milliarden. Zu jeden Pfaud der Tafclaurgariae ,F rieche Reer* rerleuge man gratis den neuesten Band der Resi-Bausbüctierel. Vertreter der V. M. W. Nürnberg: Resl-Agentar, Berlin NO 43, Neue KMgstr. 37. TeL: Cdaigstadt isbi, isw, 1867 Nr. SSV ♦ 44. �ahrgaag 2. Heilage öes vorwärts Sonnabenü, 22. Oktober 1�27 Wärme unö Licht im Haushalt. Elektrischer Strom war früher«in Luxus. Heute ist das anders. Die Entnahme von Kraft und vor allem von Licht aus den Leitungs- netzen der Großkraftwerke ist zu einer Selbstverständlichkeit ge- worden. Weiteste Kreise der Bevölkerung sind so bis zu einem ge- wissen Grade an dem Segen beteiligt, den die Elektrizität zu geben vermag. Trotzdem aber ist das Anwendungsgebiet der Elektrizität in Deutschland im Verhältnis zu anderen Ländern, die auf ähnlicher Kulturstufe stehen, vor allem aber zu Amerika, noch außerordentlich beschränkt. An amerikanischen Stromoerbrauchsziffern gemessen stecken wir in Deutschland noch geradezu in den Kinderschuhen. Der Grund liegt selbstverständlich in der geringen Kaufkraft der großen Massen des Volkes und den im Verhältnis dazu viel zu hohen Elektrizitätstarisen. Selbst der Berliner Strompreis, der in Deutsch- land noch zu den billigsten gehört, könnte vom Standpunkt der ar- bettenden Bevölkerung aus noch wesentlich verbilligt werden. Gerade hier zeigt sich, wie durch Erhöhung der Kaufkraft, d. h. durch Er- höhung der Löhne bei gleichzeitiger Herabsetzung der Preise für industrielle technische Produkte ein schier unerschöpflicher Inlands- markt geschaffen werden kann. Moderne Methoden der Krafterzeu- gung und der Herstellung von Jndustrieerzeugnissen machen solche V?rbilligungen in vielen Fällen möglich. Sie vermindern die Krisen und erhöhen die Stabilität des Markte». Gerade jetzt bei dem Einsetzen der källeren Jahreszeit könnte die Elektrizitätsindustrie zahlreiche Gerät« auf den Markt werfen und dabei auf eine große Zahl von Käufern rechnen, wenn die oben erwähnten Bedingungen erfüllt wären. Taufend« und aber Tausende würden in ihren Wohnungen elektrische Heizgeräte aufstellen. Rein technisch gesehen sind diese Geräte mit einem Wirkungsgrad von fast 100 Prozent die vollkommensten Wärmespender, die bisher von der Industrie erzeugt wurden. Jede ander« Wärmequelle, vom Kachelofen bis zur Zentralheizung ist mit zahlreichen Berlustquellen behastet. Rur zu oft wird durch den Schornstein hinaus an Stelle der Wohnung das Weltall geheizt. Dazu kommen die zahlreichen Unannehmlichkeiten, die das Beschaffen der Brennstoffe, ihre Lage- rung, das Beschicken der Oefen und deren Reinigung mit ihrer un- angenehmen Beseitigung von Asche und Schlacke mit sich bringen. Im Verhältnis zu diesem Aufwand an Arbeit und Kapital ist der Nutzeffekt aller dieser Anlagen niemals gleich der aufgewandten Energie. Nach dieser Richtung hin sind die elektrischen Heizgeräte, von den Heizsonnen bis zu den großen Zimmeröfen geradezu ideal. Hier kommt die ausgestrahlte Wärme ausschließlich dem Zimmer zugute, die Heizung ist ohne jeden Kraftaufwand durch ein- fache? Einschalten des Stromes zu bewerkstelligen. In hygienischer Beziehung aber ist sie unerreichbar, da sie ohne jeglichen Ver- brennungsprozeh arbeitet. Rauchentwicklung, Kohlenoxydgasver- giftunaen und Lustverschlechterung ist durch elektrische Heizung un- möglich. Könnten wir alle unsere Wohnungen nur ausschließlich durch Elektrizität beheizen, so könnten die Schornsteine wegfallen. insbesondere dann, wenn auch die Küche aus Herdseuerung verzichtet. Bei der heutigen wirtschaftlichen Lage ist es in Deutschland un- möglich, zu einem so uneingeschränkten Gebrauch der Elektrizität zu gelangen. Wir könnten höchstens während der Uebergangszeit, ohne unseren Geldbeutel allzu sehr zu erleichtern, elektrische Heizgeräte, vor allem die sogenannten Heizsonnen als Uebergongs- Heizung verwenden. Der Stromverbrauch solcher Sonnen be- trägt% Kilowattstunde. Man muß in Berlin also dafür 8 Pfennig in der Stunde ausgeben. Diese Strahlöfen bestehen im wesentlichen' aus einem Glllhkörper, der von einem vernickelten auf Hochglanz polierten Reflektor umgeben ist. Dieser Reflektor sammell die von dem Glühkörper ausgehenden Wärmestrahlen und strahlt sie dann in den Raum hinaus. Der Glühkörper, der die Form einer Draht- spirale hat, erwärmt sich nach dem Einschalten des Stromes bis zur Rotglut. Der Reflektor selbst ist in einem Bügel verstellbar ge- lagert, so daß man dadurch die Möglichkeit gewinnt, die Wärmestrahlen auf jeden gewünschten Platz im Zimmer zu konzentrieren. Diese Heizsonnen kann man an jede Lichtleitung anschließen, sie bedingen keinen höheren Zähler, der seinerseits wieder eine höhere Grundtaxe erfordern wurde. Diese elektrischen Heizsonnen beheizen eine Fläche von etwa 1 bis 2 Quadratmetern aus einer Entfernung von etwa zwei Metern so stark, daß jeder, der sich im Bereich der Strahlung befindet, die Annehmlichkeit der Erwärmung spürt., Bei elektrischen Zimmeröfen, Elektrokaminen, G r o ß z i m m e r- und W a n d ö f e n kommen leider größere Zähler in Frage, so daß der Verbrauch im allgemeinen schon größere Kosten verursacht. Der billigste, zweifach regelbare Zimmerofen für 53 Watt kostet ungefähr 33 Mark. Großzimmeröfen ungefähr 135 Mark. Für die Großzimmeröfen sind fest verlegte Leitungen notwendig, man kann sie also nicht von irgendeiner Steckdose aus bedienen. Ihre Verwendung ist mit größeren Kosten verbunden. Sie nähme aber zweifellos zu, wenn der Elektrizitätstaris für diese Zwecke ermäßigt würde. Mit billigem Nachtstrom kann man da- gegen Wärmespeicheröfen betreiben, die etwa acht Stunden lang während der Nacht aufgeladen werden und dann für die gleiche Zeit einen Raum von etwa dreißig bis virzig Kubikmeter Inhalt ausreichend erwärmen können. Die Anschaffungskosten sind aller- Vings sehr hoch, so daß diese zum Verbrauch recht günstige Wärme- quelle nur für begüterte Kreise in Frage kommt. Diese Wärme- speicherofen sind vor allem als dauernder Ersatz der Zentral-, Gas- oder Kachelosenheizung gedacht. Sie bestehen im wesentlichen aus dem Speichcrkern mit den Heizwiderständen, der Isolationsschicht, den Luftkanälen und der Bekleidung. Man hat diese Oefen äußer- lich wie Kachelöfen gestaltet, sie können mit Rollen oersehen und so an jede beliebige Stelle des Zimmers gebracht werden. Man hat außerdem die Möglichkeit, die Wärmeabgabe nach Belieben zu regu- lieren, so daß man die Erwärmung des Zimmers den jeweiligen Zwecken entsprechend gestalten kann. Für öffentliche Gebäude wurden Heizkörper geschaffen, die aus Rohren bestehen, die man unter dem Fußboden verlegen kann, so daß eine unsichtbare, aber sehr wirksame Heizanlage entsteht. Für Operationssäle, Sanatorien usw. hat man Warmwasser- Radiatoren gebaut, bei denen Staubverbrennung mit ihren unangenehmen Begleiterscheinungen unter allen Umständen ver- mieden wird. Großzimmeröfen, Kamine, die durch elektrischen Strom yeheizt werden, können vielleicht in einer späteren Zeit zum Allgemeingut der Bevölkerung werden. Heizsonnen dagegen, viel- leicht auch kleinere Zimmeröfcn, dann aber auch die kleinen, mit elektrischem Strom beheizten Gebrauchsgeräte, wie Heizkissen, Heißluftduschen, Bügeleisen, Tauchsieder usw., können schon heute auf einen größeren Verbraucherkreis rechnen. Es ist nicht einzusehen, aus welchem Grunde nicht jeder in die Lage versetzt werden sollte, elektrische Geräte in seinem Haushalt in weitestem Umfange zu verwenden. Die Annehmlichkeiten sind so groß, daß sich diese Geräte wahrscheinlich mit großer Schnelligkeit einführen würden, wenn die Strompreise es gestatteten. Der elek- trische Haushalt ist zweifellos das Ideal der Zukunft. W. M. Danksagung. FUr die vielen Beweise kerzlicher eilnahm« bei der Mnilcherung Teilnahm« bei der meiner litbra Frau Martha Freyer sage allen«erwandten und Belannten. sowie der ZK. Ut meinen besten Dank Enul Freyer. ÜMMWMM'WW Btoniöe der ßlfen-, Revolver dreher onv-DreOetinnen fotvle RMWelser. IM» Wir weisen nochmal» darauf hin. daß heute, Eouuadend, de» 22. Lktoder. abend» 8 Uhr, im Saaldan Friedrich»- Hain unser SM" Kunstabeud sialtfindet.— Tinlaßlorten sind noch bei den Lertrqurn«Ieulen und Kommission». Mitgliedern zu haben. Utonti «Ahr, Saal loa. da» 24. SNadae. adend» r. Im„mafmhaUt Hof-(mether >-).»osenlhalar Straf»» 11/12 Vollversammlung der Autoreparawrschlosser Groß- Berlin». Tagesordnung: Bericht von den Berhandlungen über Abschluß eine» Siahmenvcrlrage« und Lohnadlommen». Der Wichtigkeit wegen, ist e» Pflicht jedes einzelnen Kollegen, an dieser sammlung teilzunehmen vi« Ort» Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin. Licht* Oberg. Der in der Kallenauilchuß-Sizung r 17. August 1927 beschlossene I» Nachtrag zur«assensazung betr. die Abänderung der§§ 1. 6, 19 und 29 ist vom Sdei »ersicherungoamt genehmigt worden Die Aenderung ist mit dem L Oktober 1927 in Kraft getreten DcnctftUtft sind in einigen Tage» im Kaffenlokal erhältlich O. Seilei. Bors.<2. Budde, Schrists. ✓ artra angcdoic! cppidie ElDeinnUTeitpidlC Dwin- mt nsMiita mit Fehlern DeoisöiES Teppldiliafls Emil efevre «. m. b. lt. Berlins Seit 1882 nOT Oranlciislr. 158 Wir laben keine FlliUen! «v F reffe g 6en 21. OKh)b«r Sonnabend den 22. QKl'Obgf Während dieser zweilaäe VÖnnen wir icdem Kundarr «ur-JfcO Margarine Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. .Wirtsch-»t,lth«"(Leiter ,>»»».•imix, Eonnabcni, 22. Oktober, 19 Uhr, im Linden. heim statt. Ziitcrcssicrtc Eenossen können sich dort noch anmelden. Die voriclprechnng zur Arbeitegemeinichast über «enosse Abral>am) findet heute, heute. Sonnabend, 22. Oktober: Sesuudbrnnnen! Die Tenosien, die heute zur Hcrbstfahrt nach Rönigental fahren, treffen sich 18 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen sLackgassc).— Tempelhol» Maricndorsi Besuch des Kunstadends der Partei, Aula«aiserin-Augufta» StraKc. Eintritt 2S Pf. Beginn 18i.i! Uhr.— Kriebrichafcld«: Heim Berliner Ecke Echloßstrahe. Einfsthrungsabend.— Humanuplasi: Treffpunkt der Teil- nchmer a» der Arbeitsgemeinschaft Abraham sVorbesprechung) und Besucher der freien Sozialistischen Hochschule 8 Uhr am Helmholtzplatz.— Paakow-Rord und-Süd! Musiktlbungsabend im Jugendheim Dörschstr. 11. Werbcbezirk Tcltowkanal: Uebungsabend zur Nevolutionsseier pilnltlich l» Uhr im Heim Steglitz, Aibrcchtstr. 17. Alle Genossen des 19. und 12. Äreiscs müssen erscheinen. Morgen, Sonntag, 2Z. Oktober: Schönhauser Berstadt � Besichtigung der Konsumgcnosscnschast. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Schönhauser' Allee. 29 Uhr Heimabend Schönflietzer Str. 7.— uud VT: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Neukölln. Gäste willkommen.— Tempelhof-Mariendors: 1» Uhr Heimabend.— Wedding: Besichtigung der Konsumgenossenschaft. Treffpunkt Sdl Uhr Bahnhof Wedding.— Panlow-Rorb und-Sud: Werbcsonntog. 9 Uhr sämtliche Radfahrer und Flugblattvcrteilcr Marktplatz. 11 Uhr Treffpunkt Andrcas.Hofcr.PIatz zum Werbetanz. Werbcbezirk«rcuzberg: 19 Uhr„Das Wandern in der Dichtung', Lenden. heim. Werbcbezirk Zimmer 2. Alle Werbe bezirk____________________ 0.__,___.._ Werbebczirk Lichtenberg: 9 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Möllcndorf» straße Delegiertenkonferenz. Wichtige Tagesordnung. Mitglieder als Gäste willkommen. Schöneberg: 9 Uhr Funktionärkursus im Heim Bülowstr. 88, > Funktionär« müssen erscheinen. Rcukölln: Heimabend Wanzlickstr. 7. t~i i je. i___<.___ a o r r. � �: i... � Ä � r � � t v � �11) nTf � it S Ar e, Technische, A-»biIdnng»k«rs-» fit Funktionär«. Die Lichtbildabteilung des Reichsausschusses für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet in der Zeit vom 21. bis 29. d. M. im Berliner ssilmseminar. Littticher Straße, einen Kursus zur Ausbildung von interessierten Genossen an Lichtbildapparaten, Epidi» askopen und Bildbandapparaten. Der Kursus findet von 16 bzw. 18 Uhr bis 22 Uhr statt. Sie Teisnehmergsbühr hetrigl 29 91.,»ahlbar in Raten. Da nur noch einige Teilnehmer angenommen werben können, muß die Anmeldung sofort, evtl, telephonisch sDönhosf 8113). erfolgen. Sriefkasten der Redaktion. Die Zuriskische Sprechstunde findet heute nur von 4— 5 Uhr statt, vom Montag, dem 24.. bis einschliesslich Areiiag, dem 26. d. M.. von 4— 6 Uhr. K. 9L 1. Auf 20 Liter Waffer Ts Kg. Schmierseife und sh Liter Petroleum. Dieser Flüssigkeit kann zur radikaleren Vernichtung»och Tabaklaugc hinzu- gesetzt werden 1199 Gramm Tabak vorher in 2 Liter Wasser abgekocht und durchgeseiht). Auch Obstbaumkariolincum 1: 19. 2. Jauche, nicht zu scharf und nicht zu viel.— C.»., Reucnhagcn. Zum Professor.— K. 32. Köpenickcr Straße._____ wettrrberichl der Ssfentlichen welterdiensistell« Berlin und Umgegend sNachdr. vcrb.) Zunehmende Bewöllung und elwas milder, ohne rrbedliche Niederschläge, aussrischende Südwestwmdc.— Aue veulschlano: Im Seilen regnerilch, im Osten noch ziemlich beständig, überall leichter Temperaturaniliez. T-O" tk ii i O-sr Herbst ist da mit seiner Höhle und Hasse; unbehaglich sind oft Jhre Räume- Aber warum wollen Sie unnötig, frieren? 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Aber von dem Augenblicke an, da ich Besitzer des verheimlichten Sechserl war. bemächtigte sich meiner eine immer größere und größere Aufregung. Ich wußte nicht, worüber der Lehrer in der Schule sprach. Ich tastete den Zipfel meines Rockes ob. ob sich dos Geldstück noch unter dem Futter befände. Ich kämpfte einen harten Kamps mit mir aus, besten Grausamkeit ich erst später zu beurteilen vermochte. Soll ich es der Mutter dennoch geben? Oder soll ich mir dafür etwas kaufen? Und schon meldete sich in mir dos Gewisten. Niemand fragte mich danach, aber indem ich es verheimlichte, gab ich mich einer Lüge hin. Durch die bloße Tatsache log ich. Ich bummelte zögernd unter diesem Gewissenskampfe von der Schule heimwärts. Ich verlängerte meinen Weg durch einen Um- weg, um mehr Zeit zum Ueberlegcn zu gewinnen. Aber endlich betrat ich mit gesenkten Augen das Zimmer und— sagte nichts. Es war entschieden. Ich werde es für mich behalten! Die Abenddämmerung senkte sich hernieder, der Bater war noch nicht daheim, als mich die Mutter, wie sonst, mit dem Kruge um Wasser sandte. Ich ergriff den Krug und rannte von zu Hause weg. wo es von mir wie eine Last herunterfiel. In der Tasche trug ich ein Stück Brot von der Jause. Ich aß es nicht, denn mein Ent- schluß war gereift. Ich schlug nicht den geraden Weg unterhalb des Städtchens ein, wo ich das Wasser gewöhnlich schöpfte, weil es dort am besten war. Ich lenkte meine Schritte unter die Lauben, zum Laden des Selcher- meisters Illner, und wieder verzehrte ich mit den Augen die Knacker — Zeroelate— wie alle Burschen zu sagen pflegten. Sie lagen dort auf einer Schüssel, glänzend, dampfend, zum Bersten. In die Höhe geschichtet. Mein innerer Kamps erreichte den Gipfelpunkt. Noch dachte ich an meinen kleinen Druder, der daheim lernte. Sollte ich ihn teil- nehmen lassen? Aber ich wies diesen Gedanken von mir. Gerade heute nachmittag hatte er mir beim Spielen ein Leid zugefügt und mit Gewalt rief ich in mir gegen ihn den Zorn neuerlich wach. Nichts bekommt er! Dienstmägde und Soldaten traten in den Laden ein, kamen wieder heraus, der Haufen Knacker verringerte sich. Schon war der ganze Berg verschwunden, ich sah nur noch die Schüssel, aber nicht in sie hinein, weil sie zu hoch war. Ich fischte mein Geldstück aus dem Futter heraus und— endlich trat ich ein. Und im Augenblicke war ich wieder draußen zwei heiße Knacker in Papier eingewickelt, in meiner Tasche verbergend Ich blickte mich um, ob mich niemand sähe. Und jetzt aber rannte ich schnell um das Wasser in die Stadt herunter. In der Nähe der Pumpe, in einer dunklen Ecke, nahm ich das Stück Brot heraus, »nd wie ein Raubtier grub ich meine Zähne in die Knacker ein und verschlang sie gierig. Ach, was für eine Wonne war es! Was für ein Wohlgeschmack! Noch nie halte ich einen ganzen verzehrt, gar nicht zu denken an zwei. Und siehe da. jetzt habe ich sie. Ich verschlang den letzten Bissen, wischte mir die Finger ab. dann wusch ich mir sie bei der Pumpe ab, auch den Mund, um nicht zu riechen. Wie ein Verbrecher die Spuren seiner Tat auslöscht. Ich schöpfte das Wasser voll und machte mich auf den Heimweg. Doch jetzt traten die Folgen der nicht wiedergutzumachenden. „nsühnbaren. bösen Tat ein. Es befiel mich eine schwere Bangig- kcit. Die Leidenschaft war befriedigt, jetzt trat die Ernüchtening, die Abkühlung ein. Ach, wenn ich doch nicht nach Hauje gehen müßte! Wie lang wurde mir dieser Weg! Wie quälte mich mein Gewissen! Eben vor mir war der Vater zurückgekehrt und zog sich aus. Es war schon dunkle Nacht. Auf dem Tische flackerte ein kleines Lämpchen, bei dem sich die Schwester schon seit Jahren mit Stickerei- arbeiten die Augen ruinierte. Die andere Schwester räumte aus. Es war kühl im Zimmer, man ging mit dem Heizmaterial auf das sparsamste um. „Brrrl" sagte der Vater..Fzeut' ist's aber draußen naßkalt!" Und er setzte sich zu Tische, um zu nachtmahlen. Die Mutter legte Brot auf den Tisch, dani, stellte sie vor den Vater ein Tüpfelchen mit einem schmierigen, stinkenden Käse auf den Tisch hin. Ich saß still in der Ecke, mich scheinbar mit irgend einer Auf- gäbe für die Schule beschäftigend, aber es entging mir kein Wort Alle meine Sinne waren angespannt. Jedes Wort rief in mir neue Angst hervor, daß ich verraten werden würde. Der Bater strich den Käse aus das harte Kommißbrot, das am billigsten war, und ich hörte, wie es zwischen seinen Zähnen knirschte. Man erzählte sich bei uns, daß man den Soldaten Sand ins Brot menge, damit sie besser verdauen sollten. Ich weiß nicht, ob Sand darin war, aber das Kommißbrot knirschte tatsächlich zwischen den Zähnen. Da sagte der Vater: „Heute hätte ich so Lust aus einen warmen Bissen! Ich bin bei Illner vorübergegangen— er schnitt gerade so ein schönes Stück Bauchsleisch an— dos Wasser lief mir im Munde zusammen— ich konnte mich gar nicht losreißen.. „Und warum hast du dir's nicht gekauft?" fragte die Mutter. Der Vater strich sich wieder einen neuen Bissen, sah die Mutter an, als ob es überflüssig wäre, dies zu erklären, weshalb er es nicht gekauft habe, dann aber sagte er in deutscher Sprache: „Ja— keinen Kreuzer!' Damit wir Kleinen es nicht verstehen sollten, aber ich verstand es schon. Die Mutter schwieg. Di« Wort« des Vaters hatten eine Wirkung auf mich, als ob mir jemand den Hals zuziehen würde. So verschloß sich mir der Schlund, daß ich kaum atmen konnte. Ich blickt« rasch weg, indem ich mich über mein Heft beugte, und trotzdem konnte ich mich nicht enthalten, auf den Vater zu schauen. Ich spürte, was für einen lnUeren Geschmack die Bissen hatten, die er verzehrte. Und plötzlich hotte ich selbst mit dieser Bitterkeit den ganzen Mund voll. Auch für mich legte die Mutter eine mit Käse bestrichene Schnitte hin, aber ich tot so, als ob ich es nicht sehen würde. Wie abscheulich stank mir, dem bis zur Uebersättigung Angogessenen, dieser Käse. Der Vater aß sein Brot auf— das Tüpfelchen war rein aus- gewischt. Das Essen war wohl zu Ende, nicht aber sein Hunger. „Das war aber wenig!" sagte der Dater. Schon sah ich die Schnitte nicht mehr vor mir. Schon wurde es mir trüb« vor den Augen, aus welchen mir vereinzelte Tränen hervorftürzten, und niein ganzer Körper wurde wie vom Fieber geschüttelt. Armer Vater! Und ich Hab unten bei der Pumpe Knacker gefressen— gab mich diesem Genüsse lüstern wie ein wildes Tier hin. das ein Schaf erhascht hat, und da fitzt mein Vater, schüttelt sich vor Kälte, stopft diesen tollen Schmierbrei in seinen Magen, und nicht einmal genug ist davon vorhanden. „Weshalb ißt du nicht?" fragt jetzt die Mutter, mir plötzlich ihre Aufmerksamkeit zuwendend. „Ich— Hab— keinen Hunger— antwortete ich, und im selben Augenblick sti«g mir die Hitze des ganzen Körpers in den Kopf, der über und über brannte. Ich griff nach der Schnitte, biß ein Stück ab. aber ich oermochte es nicht anzuschauen. Ach, ich angegessener Lump! Der Mutter entging es nicht, wie ich mit mir rang, und sie fragte:„Ist dir nicht gut?"— „Er soll sich ins Bett lagen",, jagte der Vater kurz uNd widmet« der Sache nicht allzu große Beachtung. Für mich ober gab es keinen ongenehmeren Befehl. Ich werde ihren Blicken entrinnen! Wohl entrann ich diesen, aber nicht den Vorwürfen des Gewissens. Ich sah noch— wi« ich mich auszog—. wie der Vater nach meiner Schnitte griff und diese mit Appetit ver- zehrte. Ich kroch ins Bett, zog die Decke über den Kopf und--- Es war die höcksste Zeit gewesen. Schon konnte ich mich nicht mehr überwinden. Als einziger von allen hatte ich mich sattgcgessen, aber auf eine verstohlene, nichtswürdige, schändliche Art. Ich er- innert« mich aller Augenblicke, da uns der Vater und die Mutter biisenweise von allem gaben, was sie Besseres hatten; ich begriff plötzlich, wie sie sich's selbst vom Munde absparten, um uns— und auch mich— zu sättigen. Und ich hatte mich so schmählich benommen! Meinen ganzen Körper packte ein Krainpf, in«»einer Brust arbeitete es heftig, aus meinen Auge» stürzte eine heiße Nässe— ich schluchzte verzweifelt, mich unter dem heißen Federbett aufsetzend und die Zieche benagend. Wie häßlich erschien mir meine Tat, wie ekelhaft wurde mir der Leckerbissen, in den ich vor einer Stunde so gierig meine Zähne eingegraben hatte. Es entging den Eltern nicht, daß ich unter der Decke stöhnte Die Mutter trat heran, schlug das Oberbett zurück und fragte mich, indem sie meinen Kopf befühlte: „Was ist dir?" „Was ist dir?" wiederholte der Vater. „Er hat einen heißen Kopf", wandte sich die Mutter an ihn. „Gib ihm einen Umschlag", riet der Vater. Und ich erhielt einen Umschlag. Als ihn die Mutter umband, ergriff ich ihre Hand und küßte sie leidenschaftlich, mich unter Schluchzen windend, aber Worte fand ich keine. Wenn sie mich auf die Gasse getrieben, mich für immer verstoßen hätten, wäre ich nicht genug bestraft gewesen— dieses Gefühl hatte ich—, und sie pflegten mich noch! Und als die Mutter wegtrat, verbarg ich mich wieder ganz unter der Decke und stöhnte dort— und es ähnelte beinahe einem Schluchzen. * Viele Jahrzehnte find seither vergangen— aber oftmals tritt vor mich mit quälender Lebendigkeit meine erste Sünde. Und wenn ich so bei der vollen Schüssel ohne jenen Kinderhunger sitze, wird mir der Bissen im Munde bitter, daß sich mein guter Vater nicht neben mich setzen kann. Wie wollte ich ihn mit dem Besten bewirten, wovon ihm einstmals träumte— wie wollte ich Ihm freigebig die feinsten Getränke kredenzen! Es war ihm nicht vergönnt, es zu erleben, und mir war es nicht vergönnt, diese Sünde wenigstens teilweise gutzumachen. tAuwcifierte Urterseftung an« ktm Tschechischen von I. R e i o m a n n.) Erleuchtete Zensier. Von Frank Crane, New Park. Ich lebte einst im Sammer in einem kleinen Alpendorfhotel, das einem gewalligcn Berge gegenüberstand. Von meinem Fenster tonnte ich einen großen Gletscher sehen, und aus ihm stürzte rauschend ein Wasserfall, das weiße Blut des Erdriesen, das ewig dahinfloß. Dos großartige Bsrgmajsio drohte düster und erhaben herüber. Den ganze» Tag ragte es trotzig in der Sonne und zeigte seine braunen Schultern, seine Fclszähne und seine sichtenbärtigen Backen, ein schlafender Riese, ein tater Demiurg. Am Morg--» badeten die Feen der Dämmerung es im rosigen Nebel. Am Mittag flammte gleißend dos Himmelslicht darüber, und es glänzte wie Krieger- schild«. Im Zwielicht des Abends türmte es sich dunkel, gedankenvoll und schwermütig empor, der Wohnplatz des Geheimnisses und der Heerscharen der Furcht. Nach Sonnenuntergang es zu betrachten, wenn es langsam dem Blick sich entzog und in die Gewänder der Schatten sich hüllte, war mein melancholisches Vergnügen. Wie viele Gedanken sandte ich ihm zu! Wie viele Erinnerungen weckte es mir! Und jeden Abend, wenn das Dunlel siegte und das Düster sich vollends niedcrsenktc, sah ich ein kleines Licht hoch oben am Berg- hang. Es war ein Fenster, das von einer Lampe erleuchtet wurde. Ich wußte nicht, wer dort wohnte, und fragte auch niemals danach. Ich hatte auch gar keinen Wunsch, es zu wissen. Denn wer immer jenes Fenster erleuchtete, es war mir«in Priester des Lebens. Denn wenn er auch nichts von mir wußte, leuchtete seine Lampe doch für mich. Hinter dem Licht war eine Seele, und diese sandte eine Botschaft an meine Seele. Mein ganzes Leben lang habe ich in der Dämmerung erleuchtete Fenster gesehen. Ich ging entmutigt durch die Straßen einer Stadt, und eine Frau lächelte mich an. Vielleicht war es eine Frau mit einem bösen Herzen. Aber die Liebe meiner Trauer reinigte ihre Botschaft, und sie fiel klar wie ein Stern aus mein Gemüt. Ich nahm von ungefähr ein Buch in die Hand, als ich unnchvoll und feige war. Und sand eine Sclle darin, die strahlte. Und wurde erquickt und ausgerichtet. '' Ich öffnete� meine Briefschaften, während die Wolken kalten Seelenwetters dicht über mir lagerten, und fand einen Brief von einem Menschen, den ich niemals gekannt hatte. Und es stand ein hilfreiches menschliches Wort darin, und seine Wärme durchdrang mich und veränderte ineinen Tag. Ich sah ein glückliches Kind, ein hübsches Mädchen, eine liebens- würdige Frau, einen beherzten Mann, einen abenteuerlustigen Jungen, einen fröhlichen Graubort— und sie ivaren mir wie erleuch- tete Fenster, die mir Zeichen der Bruderschaft zuwinkten. Ich hörte das Pfeifen eines Jungen, das Lachen eines Mädchens, das Lied eines heiteren Arbeiters, ein paar Takte einer gesungenen Melodie, die in mich drangen wie Lichtstrahlen aus einem Fenster inmitten dämmeriger Hügel. Und wenn es sein sollte, daß auch nur ein einziger Satz, den ich je schrieb, auf die Seele eines einzigen Lesers fiele wie das Licht eines erleuchteten Fensters, dann wären nicht alle mein« Worte ver- schwendet. Denn sind wir nicht, er und ich, für alle Ewigkeit Brüder des Mysteriums, unbekannte Gefährten, die Seite an Seite wanden», clnen dritten vielleicht bei uns, rvöhrend„unsere Herzen in uns brennen" wie die Herzen jener gebrannt haben, die einst den Weg nach Emmaus gegangen sind?(Deutsch von Max Hayek.) Giftiger Honig. In Klcinasien kennt man seit dem Altertum Honig, der auf die Menschen eine höchst unangenehme Wirkung ausübt. Tenophon, der bekannte griechische Feldherr und Schriftsteller, berichtet, daß seine Soldaten nach dem Geiruß von Honig über Unwohlfein, Uebel- kett und Erbrechen klagten, und daß sie zum Teil nne betäubt her- umliefen. Genau dasselbe kann man jetzt noch in jene» Gegenden beobachten; ia, es kommt sogar vor, daß nach dem Honiggenuß kurze Ohnmächten eintraten. Der Berliner Botaniker Dr. K. Krause hat sich auf einer Forschungsreise nach Kleinasien unter anderem init diesem merk- würdigen Tollhonig beschäftigt, und versuchte die Ursachen der Giftigkeit sestzustellen, worüber er kürzlich in den„Naturwissen- schaften" berichtete. Die Bewohner der Gegenden, in denen der giftige Honig vorkommt, führten die Giftigkeit zum Teil aus den Blütennektar der Tobakpslanzen oder der echten Kastanie zurück. Auch viele Gelehrte und Schriftsteller haben fett de», Altertum sich iu Vermutungen über die Ursachen der Honiggiftigkeit ergangen; so hat z. B. der berühmte Viktor Hehn, dein wir das klassische Buch „Kulturpflanzen und Haustiere" verdanke», geglaubt, es s« der Nek- tar der Olcanderblüten, der den Giftstoff enthielte. Auch die Gefäße aus Buchsbaumholz, i» denen der Honig gesammelt und ausbewahrt wird, sind schon verantwortlich gemacht worden für die Giftigkeit des Honigs. Aber alle diese Vermutungen hoben sich nun als irr- tümlich herausgestellt. Nur diejenigen, die behauptet haben, der Nektar der Alpenrosen sei die wnhrc Ursache, habe» recht behalte». Krause konnte nun zeigen, daß das Berbreittingsgebiet des Toll- honigs vollständig mit dem der beiden potttischen Alpenrosen, Übe» dockenckrcm flavura und Rhododendron ponticum übereinstimmt, und damtt dürste der Beweis erbracht sein, daß einzig und allein diese beiden Alpenrosen schuld an der Gifttgkett des Hünigs find. Ueber die chemische Natur des in dem Blütennektar der Alpen- rasen vorhandenen Giftes wissen wir leider noch gar nichts. Auf den Menschen wirkt schon der Geruch der Blüten betäubend, wenn man zur Blütezeit durch die über und über mtt Blumen bedeckten, ganze Hänge überziehenden Gebüsche hindurch geht, wie Kraus« be- richtet. Es handelt sich also usahrscheinlich um einen flüchtigen Gift- stofs, wodurch sich auch erklären würde, daß man in manchen Gegen- den durch Erhitzen des Honigs diesen genießbar machen zu sucht. Den Bienen schadet das Gift offenbar nichts, denn sonst würden sie selbstverständlich die Alpenrosen nicht besuchen. Tiere wissen immer, was ihnen bekommt. Unsere deutschen Wpenrosen und auch die bei uns kultivierte» fremden Rhododendren scheinen frei von dem Gsst zu sein; jeden- falls hat man bei uns noch nichts von einen» Gift- oder Tollhonig gehört, und wir brauchen also nichts zu fürchten. Dr. W. iMriiwlein.' Sonnab..22.IÜ�7 Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Anf. 7i/2 Uhr Roffioanns Erzähionseo )taatl. Sdiausplelh. >» Cendinrnnnurki 8 Uhr Die Wnpper V o i k s ltieM am BQlovplat? 8 Uhr Kalsale u. Liehe Sonnab..2M0 27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Anf. 7i/f Uhr: Orpiieasn. Earydike Staat!. Sdiillerth. Charlottenburg 8 Uhr M VOD dfl JanSasil bii h ne TP. an SAitRiaainiiir.m 8 Uhr Oaoige Daoiin. Daru Oer gema liche KommluAr Nollendon 736U Die Oktober« Varic�-Rcvue Sonnabends u. Sonntags Je 2 VorsleUnn�en J30 u. 8 Uhr— 3» iu ermäßigten Preisen das ganze Programm. 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Sorntagnscbm.4 U Do 1 nrösdiea Parkett von 30 PI. an Piscalorbühnc Ihsat. j. lOilenacripiiti Kurfürst 2091/93 8 Ubr km. wir lelies von Ernst Tollet Inz Erwin Piscaior ütosses (&2iis!)leibaDi. fäül!1 tnd. iU. JLeÄ.>1 U 0»« n uo AR2LL» l:,»,'' e ung Residenz-Tlieater Täglich s Uhr Oesamtzast spiel de- Berrbfeid-Tiieaten m.d.3-Akt-SchIager Wer ist der Kater? Sonnab. u.Stg.4Uhr Sdineewelbd>-n und Rosenrot Kleine Eintrlttspr. £lia äeoifl aer.acw lankuhn ätö!aibbaune27ä.< weift nollhaunipe 6, Daune 4. 7. weift 0- 10. Zdiieiftbatine 8.60—6, Oberbelt Ia dithles Zniett 8 Plb(dim 12, IS. K.Nen 8 Plh. 3 50 '60 au ro gegen Nathn Muster. Veelsi. frei '.ein Ristfa Nitblpasfeitb zurück. Böhm. Betifedernsnezlalhaus Sachsel& Stadler Berlin S 12, üonbsbetaer Sit 43. Syafeuische Dompfceiniqum- t o 1 1 s Melau&clicn 105C Schlafcliaiseloiipes24.- Piüschsofas 30 M., Ratenzahlune Berlin, Pappelallee 12 llVltl Pankow, Schmldlstr.l frei jeder Bahnntation. 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