?lbenötuisgabe Nr. 503 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 244 efjuasS'Mnffunäe« aai 9CiiHi»«n»r«lft ftni) in fctt agotaenauagaBe Bnatflttül ■•»«Mob: SS. M, Ciaft«afitabc 3 Stafpttd)tc: VSmhoft 292— 201 L»l.-»»reff«S»ziOl»«W»IrBlv«r»U Derlinev VollrSlrlerkk (lO Pfennig) Montag 24. Oktober I 427 Bttlcfl unk Snzilaenadt«!!«,,: «eschSft-zktt 8H bl» 5 Uhr 13*r leger: Sotnarla-Ocdaa(BmfeO. Seclla SS. 6<. Ciadenfftaft« S Zernsprecher, VSnhoft 292— 3t. Zentralorgan der Sozialdemokratifd�en Partei Dcutfchlands Linksruck in Hamburg-Lanö. Tieg der Sozialdemokratie bei den Wahlen zum LandesauSschuh. Hamburg. 24. Oktober.(Eigenbericht.) Die Wahlen zum Landesausschuh des Hamburger Oandgebiels haben nach dem voriiegeuden Ergebnis den Ruck nach links bei den Lürgerschastswahlen bestätigt. Die Sozial. demokraleu haben mit l< 797 Stimmen(candesausschuhwahlen lg24— 10 847 Stimmen) nicht nur ihren letzten Stimmenzuwachs gehalten, sondern sogar ihre Stimmen gegenüber dem 9. Oktober mit 14 715 Stimmen noch etwa» erhöht. Aehnlich wie bei der letzte» Wahl gestaltete» sich die Stimmveihältnisse der übrigen Parteien. Der Bürger- b» n d(Deutsche Nolkspartei � und Deutschnational«) ging von 16 1 Stimmen am 9. Oktober ans 15 318 Stimmen (1924= 15 013 Stimmen) zurück, die Kommunisten von 3412 m» 9. Oktober auf 3357(1924— 3436). Die Demokraten hingegen konnten ihre Verluste etwas wettmachen und mit 3657 am 9. Oktober auf 4373(1924— 4818) aufholen. Mit diesem Ergebnis gewinnen die Sozialdemokraten zu den bisherigen vier Sitzen im Stiisschutz des Land- gebiets 2. der Bürgerbund verliert 2 und hat ebenfalls 6 Sitze, wahrend die Demokraten ihre 2 Sitze und die Kommunistcn ihren einen Sitz halten. Da« gleiche Bild wie bei den Wahlen zum Landesausschutz zeigen die gleichzeitigen Gem«in!>e- und Stadtvertretungswahlen. In alle Vertretungen kehrte die Sozialdemokratie gestärkt zurück. vor neuen verhanülungen mit Polen. Das Reichskabinett will neue Beschlüsse fassen. Dos Reichskabinett wird in den nächsten Tagen über die Frage der Wiederousnohme der Handelsvertragsverhandluu- gen mit Polen Befchlutz sasse». Man erinnert sich wohl, daß schon vor ziemlich langer Zelt eine besriedigend« Verständigung mit Polen über dos Niederlojsungsrecht erreich! worden ist. Damäls war offiziös angekündigt worden und«s soll auch de,, Polen zugesagt worden sein, datz die Reichsregiernng im September wegen der WlederaUfiwhmc der übrigen Verhandlimgen Bescheid gel>en würde. Das ist bis jetzt nicht geschehen, und es ist ziemlich l'«- kmint,>datz die' deutschnotionalen Agrarier mit Herrn Schiele an der Spitze ersolgreiche» Widerstand dagegen geleistet haben. Nun aber hat Stresemann am Sonnabend in seiner Red« ziemlich be- stimmt für die W i« d e r a us n a h m e dieser Verhandlungen gc- syrochen. Man wird also erwarten können, datz das Kabinett in den nächsten Tagen entsprechend beschlieht. . Zu verschiedenen Pressemeldungen über einen W e ch s« l i n d e r Leitung der deutschen und vielleicht auch der polnischen Abord- nung für diese Verhandlung wird halbamtlich erklärt, datz noch keinerlei Erwäguizgen über die leitende Persönlichkeit der deut- schen Abordnung angestellt worden sind Wir möchten aber glauben, datz Herr Dr. Lewa ld sich in den jahrelangen ergebnislosen Dauer- Verhandlungen mit Polen nicht gerade als der berufene Mann für diese Stellung erwiesen hat._ wen tzorthp begnaüigt. Der Wahrheitsbeweis erbracht! Zn dem Pretzprozetz, den der ungarische Weißgardist Karl Km e t ty wegen Ehrenbeleidigung gegen den Redakteur Franz F a l u s angestrengt hat, ist der Angeklagte freigesprochen worden. Folus hatte die Greueltaten Kmettys im„Est- Kurir" er- zählt, worauf Kmetty klagte. In der ersten Verhandlung wies Faluc Photographien vor, auf denen Kmetty abgebildet ist, wie er mit weißen Handschuhen einen Menschen aus- hängt. Falus verlangte die Einforderung der Prozeßakten gegen Kmetty von den verschiedenen Gerichten. Für die meisten Verbrechen ist Kmetly von dem Reichsoerweser Horthy amnestiert worden, ober auch die gegen ihn noch anhängigen Strassachen genügten, um den Freispruch Falus' herbeizuführen, der diesen„besten 5)orihy- Osfizier" einen Mörder, Räuber, Erpresser und Fälscher genannt hat. Negeraufruhr gegen Steuerüruck. In Britisch-Nigeria. London. 24. Oktober. In der englischen Kolonie Nigeria, Provinz Warn, hielt der dortige Gouveneur ein« Ansprache in einer Versammlung von Häuptlingen über die Erhebung von Einkommen st euern. Im Anschluß daran kam e» zu Unruhen und zur Befreiung' verhafteter Rebellenführer. Die Menge übermannte fast die Polizeitruppen, so daß diese sich gezwungen sahen, die Feuerwaffe in Anspruch zu nehmen. Ein Mann wurde ge- tötet und mehrere Personen verwundet. bvv chinelische Arbeiter ertrunken? Ein Dampfer untergegangen. Tokio. 24. Oktober. Roch einer noch unbestäkigten Meldung aus Schisu Ist infolge eines starken Taifuns der japanische Dampfer.Saka- ZN a r u mit einer Vesahang von 600 chinesischen Arbei- kern untergegangen. E, soll niemand gerettet worden sein,__ Arbeitsaufnahme in Mittelüeutfthlanö Matzregeluttgsgelüfte bei de»t Unternehmern.— Wie fie Verträge halten! halle, 24. Oktober. Nach Mitteilung der Zeutralstreikleitung ist die Arbeit im mitleldeulschen Braunkohlenbergbau heute früh überall wieder aufgenommen worden. Der Vereinbarung, sämtliche Leute wiedereinzustellen, istnichldurchwegnachgekommen worden. Zwischen den Vertragsparteien sind jedoch Verhandlungen im Gange, um diese Unsttmmigkeilen— es handelt sich um einige Fälle im Senftenberger und Halleschen Revier— zu beseitigen. Die gestrigen Streikversammlungcn haben sich trotz heftiger kommunistischer Gegenpropaganda mit überwältigender Mehrheil für die Miederaus- nähme der Arbeil ausgesprochen. In den meisten Betrieben ist die Arbeil heute früh wieder ausgenommen worden, zum Teil wird heute nachmittag mit der Arbeit be- gönnen werden. Unternehmer-fiusreöen. Halle, 24. Oktober. wie von Arbeilgeberseile zu den Unstimmigkeiten über die Wiedereinstellung von Bergleuten mitgeteilt wird, hat der Arbeilgeberverband sich nur dazu verpflichtet und sich nur dazu verpflichten können, auf seine Mitglieder e i n z u- wirken, alle Leute wiedereinzustellen. Diesem Wunsche steht aber das Versprechen gegenüber, das die Werke den während des S lreiks neu eingestellten Arbeitern gegeben haben, fie bei Beendigung des Streiks nicht zu entlassen. Es ist aber zu hoffen, datz diese Unstimmigkeiten beigelegt werden. * Die Bergarbeiterorganisationen haben ihr« Ber- pslichtuug erfüllt. Die Arbeit ist heute morgen in vollem Umfang aufgenommen worden. Ein Teil der Unternehmer sucht sich von der Erfüllung der im Abkommen festgelegten Berpflichtungen zu drücken. In etwa einem Dutzend Betriebe sind etwa 60 Funktionäre und Betriebsräte nicht wiedereingestellt worden. Es handelt sich vor ollem um Betriebe im Senftenberger Gebiet und um die Sächsischen Werke in Böhlen. Di« Mitteilung der Unternehmer versucht die Absicht der Maßregelung hinter einer von ihnen selbst nicht ernst genommenen Treueverpflich- tung gegenüber Streikbrechern zu verbergen. In einem Teil der Fälle hat die Organisation bereits die Wieder- einstellung durchgesetzt, sie hofft auch die letzten Unternehmer zur Einhaltung der Verpflichtung zu bringen. Es fehlte noch, daß hals- starrige Unternehmer die Wut über den verlorene» Kamps an einigen Funktionären austoben! Cm künstlicher Schatten. Das Schreckgespenst des Reparationsagenten als Kulisse für Vürgerblocktaten. Einst war der Dawes-Plan für die ganze deutschnatio- nale Reichstagsfraktion das zweite Versailles, die Versklavung Deutschlands, der man sich bis zum letzten widersetzen müsse. Seitdem hat sich manches geändert. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat vier ihrer Mitglieder in die Regie- rung gesandt, sie hat Rechtsgültigkeit und Verfassungsmäßig- kcit der Dawes-Gesetze anerkannt, sie treibt als Regierungs- partei Erjüllungspolitik. Trotzdem benutzt die deutschnationale Demagogie den D a w e s- P l a 11 als Schreckgespenst für ihre unverantwort- liche nationalistische Agitation. Der„L 0 k a l- A n z e i g e r" macht sich das Memorandum des Reparationsagenten zu- nutze, um Parker Gilbert als„großen dunklen Schatten, drohend im Vor überschreite n" zu zeigen, als den Mann, der es in der Hand habe, die Ver- besserung der Beamtenbesoldung zu unterbinden, den Aus- bau der sozialen Fürsorge zu verhindern, das karge Brot von Arbeitern, Angestellten und Beamten zu beschneiden. Diesen„großen dunklen Schatten" läßt man über die Taten der Reichsregierung von heute fallen. Nicht der B ü r g e r b l 0 ck i st schuldig, sondern der Rcparations- agent, nicht die Reichsregierung, sondern jene Parteien, die einst dem Dawes-Plan ihre Zustimmung gaben— das ist der Dreh deutschnationaler Demagogie. Damit er glaubwürdiger wird, polemisiert der„Lokal- Anzeiger" ein Weniges gegen die deutschnationale Reichs- tagsfraktion: „Seit zwei Jahren wurde es in diesen Blättern wieder und wieder vorausgesagt: seit zwei Jahren sind wir dafür aufs Hern- mungslosestc beschimpft worden von jenen, die einst in i t uns aus voller Lunge gegen die Einsetzung des Fron- vogtes des Dawes- Abkommens zum Herrn über Deutschland eiferten, die aber seit ihrem zwischen abends sechs und morgens sieben Uhr vollzogenen U m f a l l vom fettgedruckten „Nein!" zum vorbehaltlosen fettgedruckten„Ja!" es uns zum ehren- rührigen Verbrechen anrechnen, daß wir auch weiterhin bei unserer und ihrer Ueberzeugung blieben, und die mit wachsender Glut hysterischen Hossee es für unsere persönliche Niedertracht ausgeben, daß seither unser Widerspruch gegen das Dawes-Abkommen van einer Stufe der Entwicklung zur anderen grausamer gerechtfertigt wird." Man versteht die Leute von Hugcnberg, die eifrigsten Sekundanten voltsfeindlicher Bürgerblockpolitik: mit der einen Hand reißt man dem Volke das Brot weg, mit der anderen zeigt man auf den Reparationsagentcn und schreit: Das Reichsbanner in Rrensüorf. Arensdorf, das zu so traurigem Ruhm gelangte Vörfchea im Kreise Lebus(Frankfurt a. d. 0.). die politische vomäue des berüchtigten Herrn v. Alvensleben, war am Sonntag die Stätte einer großen republikanischen De- monstration des Reichsbanners„Schwarz-Rol- Gold". Im Mittelpunkt der Feier stand die temperamentvolle Ansprache des Regierungspräsidenten Genossen Bartels. der ausdrücklich als preußischer Staatsbeamter ein Bekennt- nis zum Reichsbanner ablegte. Die machtvolle Kundgebung verlies ohne Zwischenfall. Näheres darüber finden unsere Leser aus der 3. Seite._______ der ist schuld! Der„große dunkle Schatten, drohend im Vorüberschreiten", soll den Bürgerblock vor verdienter Ab- rechnung retten. Diese Demagogie ist so unverantwortlich wie die deutsch- nationale Politk überhaupt. Von der deutschen Arbeiter- fchaft wird sie durchschaut und mit Hohnlachen beiseite ge- schoben. Aber wie muß sie auf den Reparationsagenten selbst, wie muß sie nach außen wirken? Sie macht den Mann zum Schreckgespenst, der mit den besten und loyalsten Absichten nach Deutschland gekommen ist. Sie schreibt ihm diktatorisches Eingreisen in die deutsche Gesetzgebung zu, während er nicht daran gedacht hat, sondern lediglich auf Wunsch der deutschen Regierung seine Anschauungen in einer Denkschrift niedergelegt hat, in der er B e d c n k e n und eine Kritik aussprach, die auch in Deutschland selbst an der deutschen Finanzpolitik ge- übt wird. Sie gibt ausländischen Hetzblättern vom selben Schlage wie die Hugenbergpresse Gelegenheit, eine Deutsch- land abträgliche Hetze mit dem Stichwort„Revision des Dawes-Planes" fortzusetzen. Aber das ist es gerade: die Leute vom Bürgerblock brauchen das Geschrei der ausländischen Hetzpresse, damit der Bürgerblock hinter dieser akustischen Kulisse seine Deutschland wie dem deutschen Volke schädliche Politik fortsetzen kann! Reichstagsausschüste. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat am Montag vormittag wieder zusammen, um die Aussprache über die Genfer Verhandlungen zu Ende zu sühren. Der H a u s H a l t s a n« s ch u ß beginnt am Mittwoch seine Beratungen über die Besoldungsvorloge, wobei Finanzminister Köhler voraussichtlich eine ausführliche Darstellung der Finanz- läge des Reiches geben wird. Preußen unü Sie öesolüungsrefoem. Erklärungen d«S preußischen ZyinanzministerS. Der preußische Finonzminister ging am Sonntag im Ükrlauß einer demokratischen Veranstaltung in Berlin u. o. auch auf die B e s o l d u n g s r e s o r m ein und bemertte dazu, daß auch sie nur den wenigsten Beamten das Friedensrealgehalt bringe. Di« Mittel, die diese Reform ersvrdere, könne Preußen— im Gegensatz zu Bayern— immerhin infolge einer guten Wirtschaft aus eigener Kraft decken, ja, es hätte ohne die Resorm in diesem Jahre sogar«inen Ueberschuh erzielt. Auch die Gemeinden könnten die Mehrkosten insolge höherer Ueberweisungen in Höh« von 30 Millionen selbst bestreiten. Allerdings hält der Minister die vom Re-äz geforderte Senkimg der Steuern jetzt für unmöglich. Die Knechtung Süötirols. Rücksichtsloseste Entdeutschuug. Wien. 24. Ottober. Di« italienischen Bürgermeister der Gemeinden Morgreid, Kurtinig und Tennberg in Tüdtirol ordneten die Entfernung oller Kriegsdenkmäler an. Selbst deutsche Inschriften auf Grab st einen müssen entfernt werden. In den Kirchen darf nun- mehr nur noch italienisch gepredigt werden. Im Pasfeier Tal haben durchweg italienische Lehrerinnen den Unterricht übernommen. In St. Leonhard wurde der Lehrer Stephan Wurzer, der dreißig Dienstjahrc hat und 17 lebende Kinder, ohne Angabe von Gründen entlassen, Ein ösutsthnat'onales LVerbeflugblatt. ti»egcn die verblendeten dentschnationalen Minister. In früh erwachter Wahlangst gibt die Deutsäinationale Volkspartei ein Flugblatt heraus mit dem Titel„Wer gehört in die Deutschnationale Volkspartei?"(Nr. 411 der deutsch- nationalen Schriftenoertricbsstelle). Die Westarpschen Parteigänger, die dieses Flugblatt in die Hand bekommen, werden aber stark enttäuscht, denn gleich zu Anfang stoßen sie auf das stärk st e Verdammungsurteil der jetzigen deutschnationalen Regierungsmethoden. Das Flugblatt hebt nämlich an: Tatbcreit und opferbereit(!) ist die Deutschnationale Bolkspartei noch während der Revolutionskämpfe daran gegangen, die Kriinde unseres Zusammenbruches zu erforschen und die Wege zum Wiederaufstieg zu suchen... Seither sind Jahre harter Arbeit und schwerer Kämpfe über die NBP. hinweggegangen. Noch immer ist das Ziel das Be freiung von äußerer Knechtschaft, das Ziel innerer Einigung und Reinigung des deutschen Volkes nicht erreicht. Viele haben sich müde und enttäuscht dem Kampf um ideale Werte ab- und rein materiellen Bestrebungen zugewandt. In kurzsichtiger Verblendung glauben sie, ihr eigenes Wohlergehen auch in einem geknechteten, zu immer weiteren Niedergang verurteilten Vaterlandes pflegen und fördern zu können und zu dürfen. Mit den so Gescholtenen kann niemand anders gemeint sein als die d c u t s ch n a t i o n a l e n R e i ch s m i n i st e r H e r g t, K e u d e l l. Schiele und K o ch, die für ihre vier Ministersitze der Locarno-Politi? zugestimmt haben, in der die Deutschnationalen bekanntlich die Knechtung und Versklavung Deutschlands sehen. Es kann ferner nur ge- ineint sein die d e u t s ch n a t i o n a l e Reichstags- f r a k t i o n, die für das„rein materielle" Ziel der L e b e n s- mittelzölle die Annahme des Dawes-Ler- träges ermöglicht hat! Vollkommen zutreffend(vom deutschnationalen Standpunkt ans) sagt das Flugblatt über deutschnationale Minister und Reichstagsfraktion sowie die zollhungrige agrarische Gefolgschaft, daß sie„sich dem Kampf um ideale Werte ab- und rein materiellen Desire- bungen zugewandt haben", daß sie„ihr eigenes Wohlergehen auch in einem geknechteten Vaterlande pflegen zu dürfen glauben". Das ist gewiß sehr richtig, aber wie es für die Deutschnationalen propagandistisch wirken soll, bleibt einigermaßen rätselhaft. Im weiteren wendet sich das Flugblatt an die Alten (die von den Deutschnationalen mit der Aufwertung be- schwindelt worden sind) und an die Jungen(denen man ein Schmutz- und Schundgesctz beschert hat), an die M ä n n e r, denen gesagt wird, daß sie— welch herrliche Aussicht auf neuen Krieg!—„die Scharte von 1918 auszuwetzen haben", an die Frauen, die wahrscheinlich die Aussicht auf neuen Kohlrübenwinter bei dieser Gelegenheit locken soll. In schöner Parität heißt es dann weiter:„Wir rufen die Besitzen- den— wir rufen die Armen, wir ruken die Arbeiter." Wobei dann auseinandergesetzt wird, daß genügende Für- sorge für die Reichen den Armen auch zugute kommt, wie wir ja hinlänglich wissen! Am Schluß des Flugblattes aber prangt die Verheißung: Haben wir erst wieder ein freies, mächtiges, im Innern einiges und geordnetes Vaterland, dann werden sich die Schmerzen des einzelnen und ganzer Bolkslreise von selbst erledigen, wird man über Dinge, die Aufwertung, Steuerlast, Rentnernor, Londwirtschafts- bcfchwerdsn, Arbeitslofenclend schnell einig werden. Ohne die Wiederaüfrichtiing dits Deutschen Reiche- bleibt alle andere Arbeit für unsere nctleidenden Volksgenossen Stückwerk. In, künftigen nationalen Deutschland lösen sich also alle Probleme„von selbst". Run wissen wir endlich, warum die Deutschnationalen bei den Wahlen von 1924 ihren Wählern die größten Versprechungen gemacht und dann durch ihre Minister— Locarno-Politik getrieben haben. Offen-! bar, damit es nicht„von selbst" ging, sondern damit nian 1 recht ungestört den schnödesten Aufweriungsßetrug, den krassesten Z o l l w u ch e r, die ungeheuerlichste Massen- belastunng durch Steuern und die Rationalisierung auf Kosten der Arbeiter, auf Kosten der zwei Millionen arbeits- los Gewordenen als„Stückwerk" betreiben konnte! So geht es wenigstens aus dem Flugblatt hervor. das Wehrministerium voran ... bei den austerplanmäftigen Reichsausgaben. Bei der Beratung des Haushaltsplans für 1927 gelang es der Sozialdemokratie, trotz des Widerspruchs des Reichssinanzministe- riums. in da» Etatgesetz eine Bestimmung einzufügen, die den Reichs- finanzminister verpflichtet, über- und außerplanmäßige Ausgaben im Betrage von 19 000 M. und darüber, die er den einzelnen Verwaltungen genehmigt, unverzüglich dem Ausschuh für den Reichshaushalt mitzuteilen. Als �überplanmäßige Aus- gaben" werden die Ueberschreitungen von im Reichshaushaltsplan bewilligten Beträgen bezeichnet.„Außerplanmäßige Aus- gaben" find solche Ausgaben, für die im Reichshausholtsplan Be- träge nicht vorgesehen sind. Vor wenigen Tagen nun hat der Reichsfinanzminister erstmalig dem Ausschuß für den Reichshaushalt eine solche Uebersicht, und zwar über die vom 1. April bis 39. Juni 1927 bereitgestellten über- und außerplanmäßigen Beträge von 19999 M. und darüber mit- geteilt. Es geht au» ihr hervor, daß der Reichssinanzminister in diesen drei Monaten bei den fortdauernden und einmaligen Aus- gaben über- und außerplanmäßig im ganzen 7,3 Millionen Mark genehmigt hat. An dieser Summe sind all« Reichsver- waltungcn beteiligt. Ziffernmäßig steht an erster Stelle das Reichs- Ministerium des Innern mit 2,4 Mill., an zweiter die Reichsschuld mit 1,4 Mill., an dritter das Reichswehrministerium mit 1,1 Mill. In den vom Reichsministerium des Innern verausgabten 2.4 Mill. befindet sich indessen zur Finanzierung der Sicherung«- arbeiten am Mainzer Dom ein verzinsliches Darlehn von 1,6 Mill. an das Land Hessen, deren Bereitstellung dringlich war, da der Einsturz des Domes drohte. Im Haushall der R e! ch s s ch u l d entstanden überplanmäßige Ausgaben von fast 1 Million wegen de« Umtausches der Markanleihen. Tatsächlich also marschiert, wie stets, wenn Ausgaben in Betracht kommen, das W e h r m i n i st e- r i u m an der Spitze aller Verwaltungen. Der Ausschuß für den Neichshaushalt wird die einzelnen Posten dieser Uebersicht recht ge- nau nachzuprüfen haben. Oos einheitliche Strafgesetz. Wiener Parlamentarier im Reichstag. Gestern traten in Berlin die Vertreter der beiden zur Beratung des Strafgesetzentwurfs eingesetzten Sonderausschüsse der reichsdeuischen und der deuischösterrcichischen Volksvertretung zu- sammen, um sich über die Schaffung des einheitlichen Strafgesetzes für beide Länder und die Methode der Gemeinschaftsarbeit zu ver- ständigen. An diesen Beratungen nahmen teil aus Wien Vizepräfi- dent des Nationolrots Dr. W o b e r. Generalberichierstotter für den Strafgesetzentwurf Prof. Dr. Rintelen und unser Genosse Dr. Eisler: für Deulschland die Abgg. Prof. Kahl, Emminger und Geiwsse Dr. Rosenfeld. Die Vertreter beider Länder ver- ständigen sich nach eingehender Beratung über alle auftauchenden Fragen. Sie werden den Strafgesetz- ausschüssen der beiden Parlamente Bericht erstatten. Darauf werden dies« Ausschüsse über die Zusammenarbeit weiter zu beschließen haben. finfthlußkunögebung in Köln. Eine eindrucksvolle Kundgebung für die Wiedervereinigung Deutsch-Oesterreichs mit dem Reich« veranstaltete am gestrigen Sonntag der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund(Ortsgruppe Köln) im großen Gürzenichsaal. In Anwesenheit von Vertretern der staat- lichen und städtischen Behörden erklärte Reichstagspräsident Lobe u. a., der Tag der Wiedervereinigung könne vorbereitet werden, indem man heute bereits die Gemeinschaft praktisch pflege, was kein Friedenvertrag verbisien könne. Man könni eine möglichst große Angleichung des Schul- und Verkehrswesens durchführen. Dem Redner wurde durch den begeisterten Beifall der Versammlung gedankt. Nach dem deutschnationalen Reichstagsobg. v. Kemnitz sprach Generaldirektor Dr. N e u b a ch er- Wien in fesselnder Weise über die Gemeinsamkeit des deutschen Kulturgutes. Gegen Nußlanüüelegationen. Ein Beschlust der französischen Sozialisten. Der Parteioorstond der Sozialistischen Partei Frankreichs hat sich am 19. Oktober mit der Teilnahme von Pareitmitgliedcrn an Rußlanddelegationen beschästiat. Es wurde folgende Resolution gefaßt: Der Parteivorstand billig� den Beschluß des Seine-Bcrbandes, wonach diejenigen, dt« die Teilnahme an diesen Delegationen annehmen, durch diese Tatsache selbst als außerhalb der Partei gestellt angesehen wiirden. Der Parteivorstand erinnert bei dieser Gelegenheit daran, daß die Partei stets bereit ist, an seder Untersuchung in Rußland teilzunehmen, die unter den von der Sozioliftischen Arbeiier-Internatio- n a l e festgelegten G a r o n t i e n und Bedingmigen erfolgen würde. Sulgarischer �ubiläumsparteitag. Kampfrede« gegen den Faschismus. Sofia, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Unter starker Anteilnahme ist der 39. Jahrcskongreß der Sozialistischen Arbeiterpartei eröffnet worden. Die Parteiveteranen Boswelief und Sakasof legten die schwierigen Partei- stituationen seit dem Gründungstogs dar, aus welchen die Genossen stets mit ungeschwächtem Kampfesmut hervorgegangen wären Der Fraktionsführer P a st u ch o f referierte über die innerpolitische Lage und sagte der dem offenen Faschismus zutreibenden Diktatur der regierenden Professoren und Offiziere den schärfsten Kampf an. Der Redner gab die Parole aus:.Heran ans Volk, Kampf gegen Terror und Korruption, für Konstitution und soziale Demokratie". Pflichtbewußte Richter müssen flüchten. Der sozialdemokratische„Narod" in Sofia berichtet über einen besonders frechen Streich der bulgarischen Faschisten. Vor einiger Zeit wurde in der Stadt Tran der Volksschullehrcr Georgr P. I s a e w verhaftet, und er sollte nach Sofia in das Gefängnis eingeliefert werden. Auf dem Transport„unternahm er einen Fluchtversuch" und gab damit den ihn eskortierenden Faschisten die Gelegenheit, ihn zu erschießen. Als der eigentliche Mörder wurde ein gewisser N i k o l o f, ein Mitglied der faschistischen Organisation Kubrat, festgestellt. Der Vater des unglücklichen Lehrers strengt gegen den Mörder seines Sohnes einen Privatprozeß an, die Staatsanwaltschaft denkt nicht daran, d!« Verantwortlichen zu verfolgen. Di« Prozeßakten verschwinden rätselhafter- weise, bevor es zur Verhandlung bei dem Kreisgericht Tran kommt. Der Vater läßt sich nicht entmutigen, er besitzt die beglaubigten Ab- schriften der Akten und strengt einen zweiten Prozeß an. Am 23. September kommt ein Kraftwagen aus Sofia in Tran an, dem unter Führung eines Offiziers acht schwerbewaffnete so- genannte„unverantwortliche Elemente" entsteigen. Das Auto hält beim Gebäude des Kreisgerichts: die Iustizwoche und die Gerichtswache flüchten, nachdem sie die Tor« geschlossen haben. Die Bande sprengt die Tor«, durchstöbert das ganze Gebäude nach den Gerichtsalten. Der Vorsitzende des Gerichtes ruft die Polizei, aber die kommt nicht. Daraus erklärt er: Die Unverantwortlichen könnten chn töten, ober er werde die Verhand- lung nicht absagen. Das Gerücht von dem mutigen Auftreten des Vorsitzenden dringt in die Stadt, es wird sofort eine Bürgerwehr gebildet, die die Bewachung des Gerichtsgebäudss übernimmt. Die Richter, auch der Vorsitzende, wagen seit dieser Zeit ihre Wohnungen nicht aufzusuchen, sie hallen sich versteckt, denn man erwartet einen Ueberfall sowohl aus das Gericht als auch auf die Wohnungen der unbotmäßigen Richter. Glucks„Grphcus unö Gurpöike" Erstaufführung in der Städtischen Oper. Bor einigen Jahre» begann man von einer Gluck-Reiwtssance aus den deutschen Bühnen zu sprechen. Doch im Grunde handelte es sich hier nur um den frommen Wlliisch einiger Musikfreund« und die tapferen Versuche einiger Dirigenten, die Werte dieses Opern- ieformators wieder aufleben zu lassen. Durchgesetzt haben sie sich laum. Fast immer gab es begeisterten Applaus der Premieren- besucher. Aber das Interesse des eigentlichen Opcrnpublikums an den Werken blieb gering und flaute nach einigen Aufführungen ganz ab. Der Grund dafür? Zwar(eitet von der klassischen Klarheit der Gluck-Oper ein direkter Weg zu der barocken Fülle des Wagner. ichen Musikdramas. Aber es ist nicht ganz einfach, diesen Weg zurückzugehen. Es gehören Geduld und Glauben an die musikalische Erziehungsarbeit des Publikums dazu, um den Gluck-Opern wieder wirklich die Vühn« zu erobern. Und es gehören dazu der Wille und das Können aller Auestihrende», Bestes zu geben. Es wäre ein uiischützbarer Gewinn, wenn die Meisterwerke Glucks ini R-pertoire unserer Opernbühnen wieder ihren Platz sände». Ist dies« Zeit schon da? Wird die Städtische Oper ihren neu- einstudierten„Orpheus" erfolgreich auf dem Spielplan behaupten tonnen? Es ist zu wünschen. Verdient hat es das Werk und dir Aufführung, in der es geboten wurde, gewiß. Der Beifall, dem man Bruno Walter an diesem Abend spendete, war wie nur je gerecht ausgeteilt. Walters sicheres Gefühl für die Atmosphäre einer Musik bewährte sich besonders auch in einem nicht ungewagten Experimenk. Die von Gluck mehrfach bearbeitete Oper endet ihre unerhört persönlichkeitsstarke Musik in einem ziemlich konventio- nellen, dem Geschmack der dumallgen Zeit angepaßten Schluß. Der wurde von Walter gestrichen und durch das schöne innige Finale ans Glucks letztem Werk„Echo und Narziß" ersetzt. Die szenisch immer- hin flach wirkend« Pantomime des dazu gestellten Bildes war woh! nur eine Konzession an das Publikum. Eindringlicher hätte das Werk auf der Bühne mit dem Aufstieg der wieder vereinten Liebenden zur Oberwelt abgeschlossen. Der nachklingend« Hymnus auf die tedbesiegende Liebe wäre als Zlusklang am wirksamsten bei herabgelassenem Vorhang gewesen. Aber wahrscheinlich hätte die Sehn- sucht einzelner Theaterbesucher nach ihrer Garderobe dann zu pein- lichen Störungen geführt. So wurde als Notbehelf die musikalische Ausdeutung eines Gefühls in«in Bild übersetzt, dessen stumme Be- wegthell im Zusammenhang mit der Oper nicht als ergriffenes Schweigen, sondern fast als überraschende plötzliche Stummheit der Beteiligten wirkte. Doch von diesem nicht ganz vollwertigen Bühnen- schluß abgesehen, war die Oper darstellerisch wie musikalisch eine wundervolle Einheit. Die Kraft, die sie zusammenfaßte, war die Größe von Walters musikalischer Auffassung, die Orchester und Sänger nütrtß und emporriß und die im Grunde doch nichts anderes war als vollkommenste Bescheidenheit, bedingungsloses Zurücktreten hinter die Bedeutsamkeit des Werkes. Sigrid Onegin»vor ein Orpheus von stimmlicher Sckchn- l>eit und Eindringlichkeii. Die erschütternde Totenllage de» ersten Slktes, das Ringen mit den Geisten, der Unterwelt, da, fast den eigentlichen musikdromatischen Höhepuilki der Oper darstellt, die Ver- zweiflung um den Verlust der eben wiedergewonnenen Gattin wur- den Gipselleistungon der Sängerin. Ihr galt neben Walter der .Hauptvcisall. Als Eurydike brachte Maria Müller die Fülle und den wunderbar warmen Klang ihres Organs zur Geltung. Den Slmor sang Marguerite Perras mit Hellem metallischen Sopran, der aber nicht immer ganz sicher sitzt. Außerordentlich« Freude bereitete der Chor, der seine schwierigen Partien durchaus frei vom Dirigenteustab fang. Bühnenbilder von düsterer Wucht und rnärchenhafkr Zartheit wurden von E c s a r Klein geschaffen. Hart Heinz Mariin hatte dos Wert inszeniert. Ihnen beiden wird es mit zu danken sein, wenn die Oper auch weiterhin beim Publikum die ihin gebührende Aufnahine findet. Die Tänze und Bcwegungschöre, die sich im allgemeinen recht sinnvoll der Musit anpassen, würden noch gewinnen, wenn L i z z i e M a u d r i k, die Leiterin der Tanzgruppe. ihre unverständliche Vorliebe für starr verkrampft« Armstellungen der Tänzerschar ablegen würde. Auch sollten sich in der Trauer- Pantomime des ersten Aktes tiefere, verinnerlichte Gesten Glucks schmerzlich-edler Musik anpassen. T r u d e C. Schulz. .,3m Namen des Volkes." Merkwürdig« Dinge geschehen im W a l l n e r t h e a t e r. Abends wallen arische Rauschebärte über die Bühne, während nachmittags gegen die reaktionäre Justiz ge- donnert wird, die selbst»ach dem Umsturz nicht das geringste Morgenlüftchen gewittert hat. Paul Reinus nennt sein« Revue „Im Namen des Volkes" einen Spiegel der Zeit, zum mindesten ist sie aber ei» Hohlspiegel, der die Bilder verzerrt. Es ist genug über Beamteneide zu sagen, es ist noch mehr über das Verhalten von Nichtern und Staatsanwälten in politischen Prozessen zu sagen, aber niemand wird ernsthaft behouvten wollen, daß das Gericht unentwegt falsche Urteile über Mörder fällt und sich nicht die Müh« gibt, den wahren Schuldigen zu fassen. Wenn Reinus die Unzulänglichkeit des Indizienbeweises demonstrieren will, dann geht er falsch vor. Der Musiker Rudolf Schröder kommt in den Verdacht, feine Frau er- mordet zu haben, wird zum Tode verurteilt und nachher zu lebens- länglichem Zuchthaus begnadigt. Cr und feine Geliebte, Frau eine» Staatssekretär» haben das Alibi, aber beide schweigen. Nur«in Satz, und Schröders Unschuld wäre bewiesen. Kein Mensch tonn oerlangen, daß allein auf die schönen Augen des Angeklagten hin ein Freispruch erfolgt. Das Verhalten der Staatsanwälte macht dazu den Fall zu einem Unikum. Will der Verfasser die Hinfällig- keit des Indizienbeweises zeigen, dann hätte er einen Fall konstruie- ren müssen, bei dem sich die Veweiskette lückenlos schließt. Mit Gesinnung ollein ist kein Theaterstück aufzubauen, und Talent besitzt Paul Reinus weniger als Gesinnung. Das Stück ist Dilettanten- arbeit, mit viel Sentimentalität und einem großen Phrasenrcichtum behaftet, nur im Karikaturistischen ist Reinus begabt, aber er kann sich nicht konzentrieren, der Ablauf der fünfzehn Bilder wirkt er- inüdend. Di« Aufführung ist dazu undiskutierbor, selbst Lau- b i n g e r vom Siaatstheater als das unschuldige Opfer bleibt völlig farblos. Di« Direktion des Wallner-Thcaters teilt mit. daß das Theater für Sonntagnachmittag an Dr. Paul Thieme, den Autor des Stückes, verpachtet mar(sie also mit der Aufführung nichts zu tun hat). Warum hat sie das aber nicht vorher zu wissen gegeben.— t. Heinrich Mann verlang» Amnestie. Den Höhepunkt einer Kund- gcbung, die gestern der Klub 1 926, Gesellschaft sür Politik, Wissenschasi und Kunst, vormittags 11 Uhr in der Piscator-Vühne am Nollendorfplatz unter dem Motto„A m n o st i e! Amnestie veranstaltete, bildete ohne Zweifel«ine Rede Heinrich Manns, der von hoher geistiger Warte aus eine?lmncstie der politische» Gefangenen verlangt«. Ohne unnütze radikale Phrasen, klug und doch erfüllt von Leidenschaft, stellt« er seine Forderungen. Ohne jede Beschönigung geißelt« er Willkür und Klassencharakter der heutigen Justiz, und er sprach offen aus, daß dies« Justiz dos Ver- trauen des Volkes schon lang« verloren habe. Die meisten Urteile seien vollkommen unhaltbar. Aber die Richter haben Angst, ihr Ansehen könnt« leide», wenn eine zu weitgehende Amnestie ver- kündet wurde. Mann verlangte einen Gesetzentwurf, nach dun alle politischen Prozesse nach einer gewissen Zeit erneut aufgerollt werden sollen. Deshalb sind alle Verurteilten, die aus politischen Gründen gehandelt haben, in weitestgehendem Maße zu amnestieren. Poltti- sche Gefangene aus früheren Zeiten, ans den Iahren der Unruhen und Leidenschaft von 1919 bis 1923, müssen aus den Gefängnissen und Zuchthäusern entlassen werden.„Wir fordern Gerechtigkeit von den deutschen Richtern!", so schloß Heinrich Mann. Außer Mann sprachen Justizrat Fraenkel, Dr. Gumbel und Erich Mühsam. Gertrud E y s o l d t, Ernst Deutsch, Alexander G r a n a ch und Oskar S i m a brachten künstlerisch außer- ordentlich wirkungsvoll Zuchthaus- und Gesängnisbriefe politischer Gesangener zum Vortrag. Auch Erich Mühsam scheint sich sür die Befreiung der russifchtN Gefangenen eingesetzt zu haben, wenigstens wird er von der„Roten Fahne am Montag" gehörig gerüffelt und an den Pranger gestellt als ein Schädling an der Sache der Amnestie. • Die Veranstalter der Kundgebung scheinen eine seltsam« Aus- fassung von dem Begriffe Amnestie gehabt zu haben. Als eine russische Geno'sin sich bei ihnen meldet«, um über die in Rußland geplant« Amnestie und über die Lage der gefangenen Sozialdemo» raten«nigc kurz? Mitteilungen zu machen, wurde sie nicht zum Wart zugelasien. Sie fragt mit Recht, was man von solchen angeblich öffentlichen Kundgebungen denken soll, wo die Rollen wie im Theater von vornherein verteilt sind. H. D. l>l« Leethelasseler»!» Varl». Sonntag abend haben bi« gleitllchkeiteii zur Feier deis 100. GeburtZtaaeZ de» LhemikecS Macceti» Bertbelot durch einen Empfang der ausländischen Delegierten, darunter auch der deutschen, in der Sorbonne degomieu. Schwarzrotgolü in /lrensöorf. Fahnenweihe des Reichsbanners. Feiner Regen rieselte vom Himmel, ols gestern die Reichs- banncrleute des Kreises Frankfurt o. d. Oder mit klingendem Spiel und wehenden Reichssohncn in dos Dorf Udos von Alvens- leben, in Arensdorf,«inzogen. Was viel« nicht geglaubt hatten, war zur Wirklichkeit geworden: Aus verschiedenen Häusern wehte das schwarzrotgolden« Tuch... Die Reaktionäre hatten alles in Bewegung gesetzt, um ein Kommen der Reickisbannerleute zu verhindern. Aber selbst die Interpellation im Preuhischen Landtag, die verblümt ein Verbot der Kundgebung forderte, vermochte zum größten Leidwesen der junkerlichen Kaste die Kundgebung nicht zu unterbinden. Die Stahl- Helm- und Werwolfleute hatten zwar für Sonntag die Parole aus» gegeben, sich nicht im Dorfe zu zeigen, um aber im gleichen Atem- zuge mitzuteilen, daß für den Schutz eines jeden einzelnen gesorgt wäre. Von dem„Auj-der-Straße-sich-zeioen machten die Leutchen ausgiebig Gebrauch, aber die straffe Disziplin des Reichsbanners verhinderte trotz aller Provokation jeden Zusammenstoß. Vor dem Hause des August Schmelzer, dem Dater des Mörders, war ein starkes Schutzpolizei- und Landjägeraufgebot postiert. Gegen K3 Uhr marschierten die Reichsbannerkame- roden unter Leitung von Kamerad Oberst Lange auf dem Dorf- platz auf. Herr Udo i). Alvcnsleben hatte sich bei dem benach- borten Hofbesitzer Frig Schlange rechtzeitig einen guten Fensterplatz reserviert, um Zeug« des historischen Vorganges zu sein. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Kameraden N e ß l e r- Franjurt an der Oder betrat Regierungspräsident Genosse Bartels- Frank- surt o. d. Oder die schwarzrotgold drapierte Rednertribüne..Nach dem Mord von Arensdorf/ so rief der Redner aus,„habe ich demon- ftrativ meinen Beitritt zum Reichsbanner erklärt. Das Reichsbanner ist die Organisation der durchdisziplinierten st arten Schutztruppe der Republik. Und wenn einmal die Republik in Gefahr ist und sie ruft das Reichsbanner, dann wird es aufstehen bis zum letzten Mann und das Höchste hergeben für diesen Staat."(Stürmische Jurufe.) Als zweiter Redner sprach Ministerialrat Genosse K n ö n e r vom Reichspostministerium. Nach einer kurzen Feststellung, daß das Reichsbanner nun doch in Arens- darf einmarschiert sei, kennzeichnet« er die Demagogie der Rechts- kreise. Diese Leute scheinen mit ihrer Politik hinter dem Mond« zu leb«n. sonst würden sie nie«ine so unverschämte Interpellation im Preußischen Landtag eingebracht haben. Wir misten, was wir zu tun und zu lasten haben. Der Redner kam dann auf den feigen Mord von Arcnsdori zu sprechen und betonte, daß dos Reichsbanner trotz aller Gewaltakte von der Gegenfeite nie sein« Ruhe verlieren werde. Wir senken unsere Fahne» vor den beiden Opfern, die hier auf deutschem Boden von deutscher Hand gemor- d e t wurden. Das Reichsbanner wird mit verfassungsmäßigen Mitteln zu kämpfen misten und überall bis in das kleinste Dorf die Fahnen der Republik zeigen. Dann nahm Kamerad Ncßler die Weihe der Fahne der Kaineradschoft Arensdorf vor. 37 aktiv« Mitglieder zählt jetzt die junge Kameradschaft, alles Leute, die das Herz auf dem rechten Fleck haben und gewillt sind, dem junkerlichen Treiben in Arenedorf ein energiches Halt zu gebieten. Damit hatte die Kundgebung, der der Landrot Brauer- Lebus, Bürgermeister Genosse Stall-Fürstenwaldo und Bürgermeister D o h s«- Münche- berg beiwohnten, ihr Ende erreicht. Udo v. Aloensleben erhob sich von einem Horchposten und verschwand... An Denkmal der Kriegsgesallenen legte ein Aren?- dorfer Kamerad zum erstenmal einen Kranz mit schwarzrot- goldener Schleife nieder. Ein« große Menschenmenge hörte entblößten Hauptes das Lied vom„guten Kameraden". In Hei- n e r s d o r f vereinigten sich die Kameraden später zu cineni kurzen geselligen Beisammensein, wobei Bürgermeister Gcnoste Stall noch einmal mahnte, die harte Aufbauarbeit für die Republik auf dem Lande fortzusetzen. Dann erst wird es möglich sein, den Wahlterror reaktionärer Ämtsoorsteher zu unterbinden. Auch Denkmalsschänder in Arensdorf. Wie bereits oben mitgeteilt, hatte ein Arensdorser Kamerad im Austrage des Reichsbanners bei einer Gedenkfeier am Krieger- denkmal«inen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niedergelegt. Um Mitternacht schlichen drei Burschen zum Denkmal und stahlen Schleife und Kranz. Einer von ihnen ist bereits erkannt: es ist der Ajährige landwirtschaftliche Arbeiter K r ll g e r, der notür- lich auf dem Gute des Herrn v. Aloensleben beschäftigt ist. Der Vater dieses sauberen Burschen ist ebenfalls auf dem Gute als Jjosmeier tätig. Republikanischer Tag in Trebbin. Am Sonntag veranstaltete das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold in Trebbin einen republikanischen Tag. Der Der- lauf der Kundgebung war trotz der infolge des schlechten Wetters schwachen Beteiligung auswärtiger Kameraden sehr gut. Noch einem Umzug durch die Stadt nahmen die Kameradschaften mit ihren Fahnen am Marktplatz Aufstellung. Landtagsabgeordneter Genost« K l o t h wies in seiner Ansprache besonders darauf hin, daß in Deutschland mit dem Geist der Zwiespältigteij aufgeräumt werde» müsse. Die Republik dürfe nicht länger von'Monarchisten regiert werden Dorum müsse olles daran gesetzt werden, um bei den nächsten Wahlen einen Sieg der republikanischen Parteien zu er- ringen. Der Kreielelter des Reichsbanners, Genosse F r ä n k e l. gedachte ehrend des verstorbenen ersten Reichspräsidenten Friedrich Eberl und aller derjenigen, die ihr Leben für die Republik eingesetzt haben. Die Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei ließ durch ihren Vorsitzenden eine rot« Schleif« mit Widmung überreichen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf dt« Republik schloß die Kundgebung. Doret, üer»König üer Lüste". Spitzenleistungen der Flicgerakrobatc». Wieder häkle Tempelhos seinen großen Tag, und wieder ström- len Fehnlaufende trotz des unsicheren Wetters hinaus nach dem Flugplatz, um Zeugen des größten Ereignisses dieser Saison, des Lustkampfes um den Tikel des„Königs der Lüste", zwischen dem deutschen Flieger Fieseler und dem Franzosen Marecl Doret zu sein. (Sie waren beide noch zur rechten Zeit eingetroffen.) Der nicht abgezäunte Teil des Flugplatzes war bald schwarz von Wenschen. Um 14.30 Uhr ertönte der erste Böllerschuß als Zeichen des Beginns der Veranstaltung. Die Iungfliegcr B o e h m und Voehnke von der Jungfliegerstassel des Deutschen Lustsahri- verbandes stiegen zu Kunstslügen auf Beide verrieten gutes Können. Boehm, der exakter und sicherer flog, erhielt von dem aus den Fliegern Udet, Loerzer und dem Kunstflieger Posz Zusammengesetz- ten Schiedsgericht den Sieg zugesprochen. Dann verkündete der Lautsprecher den Beginn der Kunstflugmeisterschaft zwischen Gerhard F i c s e l c r, dem zweiten Preisträger des Internationalen Flug- Meetings Zürich, und dem„König der Lüfte", Doret. Fieseler hatte einen Doppeldecker„Schwalbe" der Raab-Ä'atzenstein-Werke mit einem 112-PL-Siem«nz-Motor. Doret startet« mit seinem Deooitine-Hochdecker, der mit einem SOO-PS-TOotor ausgerüstet ist. Ein je zehn Minuten dauerndes Wahl- und Pflichtprogramm wurde zuerst in der eigenen und dann in der Maschine des Gegners vor- geführt. In Kastel hatten sich Fieseler wie auch Doret mit den gegnerischen Maschinen durch längere Uebungsflüge vertraut ge- macht. Nach dem Pslichtprogramm. das aus Rollings, Loopings, Abtrudeln, Spiralen, Sturzflügen, Retournements links und rechts usw usw. bestand, starteten die Konkurenten mit ihren eigenen Maschinen zum freien Kunst flu g. Hier zeigte sich der französische Gast seinem deutschen Kollegen knapp über- legen. Während Fieseler für seine Vorführungen mehr Zeit be- nötigte, die Kurven, Loopings, Rollings usw. in ruhigen Formen vollführte, verblüffte Doret durch seine Waghalsigkeit, die zuweilen ans Tollkühne grenzte. Atemraubende Augenblicke, wenn Doret aus 200 Metern Höhe im Sturzflug zur Erde niedergeht und seinen Apparat nur wenige Meter vom Erdboden entfernt, wieder hoch- reißt und dieses Schauspiel mehrmals wiederholt. Aber auch hoch oben in der Lust schien es, daß Doret Fieseler überlegen war. Das international zusammengesetzte Schiedsgericht gab mit 362,5 Punkten Marcel Doret, trotz der glänzenden Rückenflüac Fieseler?(Fahrgestell nach oben), d c n S i e g. Nur knapp lag Fiese- ler mit 359,5 Punkten zurück. Den Beschluß der Veranstaltung bildeten weitere Kunstslüge und ein Höhenfeucrwerk. Bleibt noch übrig zu berichten, daß auf die U.-Bahn, auf die Straßenbahn und die Sonderwagen der Aboag ein Mastenansturm einsetzte. Wohl der letzte in dieser Saison._ Hochstapler Cgloffsteln-Gertel verhaftet. Tie AbschiedsauSsprache auf Bahnhof Friedrichstraste. Die Iagk» nach dem entsprungenen Egloffstein-Oertel, die in den letzten Tagen ein« ganze Schar von Kriminalbeamten in Be- wcgung hielt, ist in der vergangenen Nacht durch die F e st n a h m e des Verfolgten beendet worden. Da die Kriminalpolizei festgestellt hatte, daß sich Oertel noch in Berlin aufhalten müsse, wurde ein ausgedehnter Ucber- wochungsdienst, namentlich in der Friedrich st adt. ein- gerichtet. Als nun abermals ein telephonischer Anruf von Oertel kam, in der der Gesuchte mitteilt«, daß er sich stellen werde, wartete man nicht erst ab, ob Oertel sein Versprechen halten werde, sondern setzte sofort alle Patrouillen von diesem neuen Anruf in Kenntnis. Angenommen wurde, dah Oertel alles daran setzen werde, mit seiner Braut Anna B. in Verbindung zu kommen. In den Anrufen hieß es sa, Egloffstcin sei nur dieser Braut wegen aus dem Untersuchung?- gesängnis entflohen. Sie habe ihm längere Zeit keine Zlachricht gegeben und auch keine Sprecherlaubnis nachgesucht. Das habe ihn beunruhigt. Die Kriminalbeamten saben nun in der vergangenen Nacht auf ihren Streifen durch die Friedrichstadt einen früheren Artisten M. Sie wußten, daß dieser der Vermittler zwischen dem Flüchtigen und seiner Braut war und nahikten an, daß er auch jetzt wieder versuchen werde, die beiden zusammenzu- bringen. Weil nun M. in der Friedrichstraße war, konnten auch E g l o f f st e i n und seine Braut nicht weit sein. M. wurde zunächst sestgenommen und abgeführt. Die Beamten sarschten dann in den Lokalen der Friedrichstraße und aus dem Bahnhof weiter nach. Hier fanden sie endlich Eglofs- st e i n mit seiner Braut und brachten beide nach dem Polizei- Präsidium. Frau B. wurde wieder entlassen. Eglossstein bleibt auch jetzt dabei, daß er sich Hab« freiwillig stellen wollen. Wie er sagt, war ihm zu Ohren gekommen, daß Frau B. wieder mit ihrem Manne zusammen sei. Er habe gefürchtet, dah ihr von dieser Seite Gefahr drohe, und um sie abzuwenden, Hobe er unbedingt mit ihr sprechen müssen. Nichts weiter als ihren Schutz Hobe er bei seiner Flucht im Auge gehabt. Er Hab« sie dann auch schon einmal ge- sprochen, und zu einer Abschiedsoussprache hätten sie in der ver- cangencn Nacht ein Stelldichein verabredet. Als der geeignete Ort hierzu sei ihnen der Bahnhos Friedrichstraße erschienen. Woher Eglossstein das Geld stir seinen Lebensunterhalt erhalten hat. ver- schweigt er, ebenso wie seinen Aufenthalt im einzelnen. Der Raubüberfall im»Klausner" aufgeklärt. Ter dritte Mann in Leipzig festgenommen. Wie erinnerlich, erregte vor etwa einer Woche«in Raubllber- fall in dem Restaurant„Zum Klausner", der am hellen Tage mit großer Dreistigkeit ausgeführt wurde, großes Aussehen. Der Täter. der mit vorgehaltener Waste die Angestellten ini Kaisenro.um ein- schüchterte, raubt« aus einer Schublade 1770 Mark und entkam niit der Beute. Die Nachforschungen des Raubdezernats der Berliner Kriminalvoli-ei lenkten bald den Verdacht auf zwei Brüder W> l- Helm und Peter Schlaeger und einen dritten Mann, der zu- nächst nur dem Vornamen„Alfred" nach bekannt war. Wilhelm Schlaeger wurde in der Berliner Wohnung der Brüder in der Wilhelmstraße ermittelt und sestgeiianimon Den Btaurer.Peter er- kannten Landjägerbeamte, als er nach einem Autounsast>n das Krankenhaus in Schönebeck a. d. Elbe eingeliefert wvrdeu war. Kriminalkommissar Werneburg, der Leiter des Raubdezernats, be- gab sich nach Schönebeck, um den Verunglückten zu vernehmen. Peter Schlaeger, dessen Zustand einen Transport nach Berlin nicht gestattet, legt« dem Kommissar denn auch«in u m s a s s e n- de? Geständnis ab. Von„Alfred" wußte man, daß er aus Berlin verschwunden war. Angeblich sollie ihn seine Mutier nach seiner Heimatstadt Plauen abgeholt haben. Run wurde aber in Berlin eine an Peier und Wilhelm Schlaeger gerichtete P o st- karte des„Alfred" ausgesantzen. die aus Leipzig kam. Ihr Inhalt besagte, daß„Alfred" die Brüder sehnlich erwartete und sie aufforderte, bald nach Leipzig zu kommen, daß er dort„eine schöne Sache" vorhabe.„Ich sitz« wie auf Kohlen",� heißt es weiter, wo- mit wohl ausgedrückt werden soll, daß„Alfred" das Geld aus- gegongen war. In der vergangenen Nacht ermittelten Leipziger Kriminalbeamte den Gesuchten in seinem Unterschlupf und nahmen ihn au, dem Bett heraus fest. Auch Alfred Hecker wird von Krlnnnalkommistar Lissigteit nach Berlin geholt werden, um hi»r eingehend vernommen zu werden von einem Aulo gerädert. An der nördlichen Seite des Witten- bergplatzcs geriet am Sonntag nachmittag auf dem schlüpfrigen Asphalt infolge zu scharfen Bremsens cin.Privatauto auf den Burger- steig und fuhr in eine M e n s ch e n g r u p p e hinein, die an der Haltestelle stand. Drez Perlo nen gerieten unter die Räder des Auto? und inußten in dos Eliiabech-Krankenhaus gebracht werden. Während zwei von ihnen nach Anlegung von Not- verbänden entlassen werden konnten, mußte die 47jährige Frau Frieda Christoph aus der G u e r i ck« st r. 20 zu Eharlotten- bürg, die schwere Verletzungen davongetragen hotte, im Krankenhaus oerbleiben.__ Schwerer Straßenbahnzufammenftoß. Eine Person schwer, fünfzehn leicht verletzt. Große Aufregung rief in der Sonntagnacht«iir. s ch w« r« r S t r a ß c n b a h n z u f a m m e n st o ß an der Ecke Greifs» w a l d e r und Clbinger Straße, im Nordosten Berlins, her- vor. 16 Personen zogen sich zum Glück nur leichtere Verletzungen zu. Gegen 1 Uhr hielt an der Haltestelle in der Clbinger Straß«, vor dem Hause Nr 59, ein Straßenbahnwagen mit Anhänger der Li n i e 4 Di« einsteigenden Fahrgäste hatten bereits ihr« Plätze eingenommen, als sich der Haltestelle ein Straßenbahnzug der Linie 5 näherte. Aue bisher noch uiigeklärier Ursache tonnt« der Führer nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr mit großer Wucht aus den Anhänger der Linie 4 aus. Durch die Gewalt des Zusammenstoßes wurden sämmtliche Scheiben zertümmcrt und die Fohrgaste der stark besetzten Wagen von ihren Sitzen geschleudert. Die lauten Angst- und Hilseruse, die aus dem Wageninnern erschollen, liähen zuerst das Schlimmste befürchten. Nach wenigen Minuten traf die alarmierte Feuerwehr an der Unfallstelle ein. Sechs zahn Personen, die Schnittwunden, Quetschungen, lltervenschocks usw. erlitten hotten, wurden durch die Wehr nach der Rettungsstelle m der Winsstraß« ge- bracht. Die Verletzungen stellten sich sämtlich als leicht heraus und fünfzehn Personen konnten nach ärztlicher Behandlung und An- legung von Notverbänden entlasten werden. Lediglich ein« 32jährige Frau Charlotte Tocpper aus der Istlandstr. 17 mußte mit einein Beinbruch und inneren Verletzungen in das Friedrichs- hain-Krankenhaus übergcjührt werden. Di« Ausräumungsar beiten dauerten fast eine Stunde lang Während dieser Zeit war der v« r k e h r in beiden Richtungen lahmgelegt. Die schwerbeschädigten Wagen mußten aus dem Verkehr gezogen werden. Musrufer-weltbewerb. Die Rüti-Arena Hot auch in diesem Herbst wieder einen Wettbewerb der Stroßenhändler veranstaltet und Preise bis 40 M. ausgesetzt. Natürlich können die Strahcnhändler nur im Anpreisen Ihrer Waren konkurrieren, und so trat einer noch dem andern aus die Bühne mitten in der Arena und ließ seinen Specck vom Stapel. Di« Beteiligung war freilich schwächer als im Vorjahr: im ganzen wurde auch nicht besondere Kunstfertigkeit, will sogen Rcdegandtheit geboten. Immerhin waren einige Leistungen schauspielerisch begabter Stute recht amüsant. So vor allem die Rede eines Zigaretten- fritzen, zugewanderten Rheinländers, die mit„Hohes Haue, geliebte Gemeinde!" beginnt, durch die tollsten Verwicklungen zum Thema führt und mit sieigcbigcr Sprndung— leerer Schachteln endet. Recht drastisch sprach ein Schuhoerschlußhändler, unverkennbar bayerischer Hcrkuiist, der allerhand Berliner Volkssprüche verwod. Diese beiden erhielten die höchsten Preise— der Bayer quittierte mit den Wollen, daß er das Geld als Polizeistrase einzahlen müsse. Den Ratschlag aus dem Publikum, doch lieber gratis zu brummen, lehnte er dankend ab. Natürlich kam auch Berlin zu seinem Recht, so in einer sehr gewandten Red«, die Eukalyptustee und italienisch« Wacholderbeeren anpreist. Merkwürdig ist der starke Anteil der Nichtberliner und Nichtmärker am Berliner Straßenhöndlertum; auch Frauen traten preiswerbend mit viel schönen Reden aus. Di« Böllerschüsse vom Flugplatz herüber störten den Betrieb nicht: einer der Redner rief nur mittenmang die zur Sache, die da auf den Flieger rüberschielten. Immerbin zeigte das Berhalten des Piibli- kums, das fast nur aus Straßenhändlern und ihren Angehörigen bestand, daß sie selbst recht kritisch gegen Unkollegiolität und vor allem gegen— Langweiligkeit sein können.# Prolelarisch« Feierstunden. Die erste Feierstunde in diesem Winter findet am Sonntag, dem 20. N v o e in b e r, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus statt. Sie ist dem Gedenken an die Revolution und den für die Freiheit gefallenen Opfern gewidmet. Kinokatastrophe in Zinnlanö. Neunzehn Personen verbrannt, zwei totgetreten. Kopenhagen, 24. Oktober. In einem Kino in Tramln erborg in Finnland brach gestern abend während der Vorführung ein Feuer im Ope- ratio nsraum ans, das sich auch auf den Zuschauerraum aus- breitete. Im Saal entstand eine Panik. Die Besucher auf heiii Balkon konnten sich nur durch 5)erunterspringen in den Saal ins Freie retten. 19 Personen sind verbrannt. Im Saal wurden sieben Menschen schwer verletzt und zwei tot- getreten. Eine ganze Reihe weiterer Kinogäste mußte mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus gebracht werden. Ozeanfliegerin Miß Grayso» wieder umgekehrt. London, 24. Ottober. Die amerikanisch« Fliegerin Fräulein Grayson, eine Nicht« des früheren amerikanischen Staatspräsidenten Wilson, ist auch b e i ihrem dritten Start für den Antlantikflng von Orchard nach Kopenhagen von Mißgeschick verfolgt gewesen. Sie stiest gestern vormittag bei Tagesanbruch aus, kehrte aber kurz nach vier Uhr noch- mittag nach Orchard zurück, da ein Motordefekt und schwerer Nebel «inen erfolgversprechenden Weiterflug verboten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Achtunal DieriSlag. 25. CliaSer, 19", UBr. 6ci Klug, Danziger Str. 7t, Sitzung de?«rweiterlrn SretSnarslnnbe#. Ei- ichemen unbedingt erforderlich.— 3J. tibi. T!« Sitzung der llnterluchungS- tommiffion tonn heute, Montag klbend, nicht sielljindcn Ncuer Sitzung?- teunin wird bekanntgegeben.__ Sport. Jußballänüerspiel Deutjchlanü— Nsrwegea. Deulschland gewinnt 6: 2. Altona, 23. Oktober.(Eigenbericht.) Im Stadion der Stadt Altona wurde gestern das L ä n d« r. spiel Deutschland- Norwegen ausgetragen. Das Stadion war reich mit schwarzrotgoldenen Flaggen ge- schmückt. Das Spiel sah zunächst die Norweger in Führung. Di« deutsche Dcckungsreihe ließ in der ersten Halbzeit zwei Tor« durch denen kein Ersolgtor entgegengesetzt werden konnte. Die zweite Halbzeit gehört« ganz den Deutschen, während dem starken Tempo die Norweger erlagen. Sechs Tore für die Deutschen waren das Ergebnis der zweiten Halbzeit, womit dann das Spiel 6: 2 s ü r Deulschland gewonnen wurde. Rennen zu hoppegarten am Sonntag, dem 23. Oktober. l. Renne n. l. Majesta. Male Gaotav IU von Stiindberg. ff:* Himiw-Jr KumSdienha« Vörden 4.104. B1', Montg z. 25. Male üokuspokus Berliner Tbcaier Dönhod 170. 8U Löonie in Vorbereitung: Der öeisterznsl Daru j Der gemütlidie Kommissär Urom JöaDiüieitiaos. fagJ. II End« 8 ü. Cf—X MU neu« CMARCLL- Inszcnfeianc MWerg Rita Georg Benckow Jankuhn SzBke Sxakall Werkmeister Westermeler JaduooBom SöDJlise Oifls Stg. nachm. 1 Uhr ungekilizte Vorst. zu halben Preisen Vervcrkaaf 10-« cur lillnbart-ISIna Dts. KDnallcr- ffc 8 Uhi Justiz Lcssing-Ttaeater 8 Uhr Ptscatorbflfme theit. a.(iollenilorlpUli Kurfürst 2091/93 8 Uhr. Hoppla, wir von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator Rose-Theater 8V« Uhr: CharleysTanle Plaastarimii am Zoe faliaj. Juihintkiln Strah Noll. 1378 Ost SterneahlfflmeUut der Halte ran Berlin nteh dem ätgnatsr Vortührungen: ♦'/»<>, T'> 9 Uhr. Eintritt 1 M. Kmäer nl. 15 Jaknn Q jok. Neues Theater am Zoo Täglich 8V, Uhr: Trianon-Th. Täjl.»>/. Uhr: Erika Glässner FraDPiiilMiB Inlerieren brlnrt ERPOI.G! Nollendort 7300 Die Okiober- Variett-Rcviic Sonnabends n. Sonntags je 2 VorsteUunäen S® u. 0 Uhr— zu ermifligten Preisen das ganze Programm. CASINO-THEATER sum Die Paula vom Metropol. Aussdmcideo 1 Gutschein 1—4 Pcrs. Fautcuil nur 1.10 Sessel nur 1.60 M. Ttieater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Taglich 8 U- u. Sonntagnchni. 3 U. Elite- Sänger in itro�er Form in Ihrem Dombenprogramm I Volkspreise von 30 Pf. bis 2,50 M. SonmagnachmittaR: Grofie Fnnulieii•VorslclionÄ Nolles Progr. Kl. Preise v.40 Pf. b. 1.75 M. Reif hstiallen•Theater Aniang 8 Uhr u. Sonntag nienm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeil in der MüllerstralSe Nachmittags: Halbe Preise, rolle» Programm. Dönhoff■Brett'i: Variett, Konzert, Tanz Renaissance-Theater Steinplatz 901.— Täglich 8 Uhr: Giovanni u. Annabcisa �■BBZu noch eie RW»� dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen, Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten für g.90, 7.3«. 8.90 M. Halbsleres in allen Webearten 1.75, 4. SO, S.SO M. Gardinen-Reste Einä-seiii i. EiinHnitu zum halben Preis. — Einzelverkauf von 9—7 Uhr.— Spezial-Oardinefl-Werisfälten NeaKSiin.Berdsfr.67 2. Stock, am Kingoahnhof IBBHBB Kein Laden!| MMWIl gibt bis auf weiteres Aszage, Ulster, Paletot» zu Fabrikpreisen ab. Bitte, überzeugen Sic sich. Kalser-Wllhelm-Straße 24. 1 Tr. Zuverlässige billige und gfbis bei H. Bahr Serlhs, Spittelmorkt 7 Edmonde Guy, Em est van Düren 1 Ensch Llght's Columbia-Orchester Verkäufe Bckleiiluiigssiüclit. Wasche usw Lriddau« Spiegel. Cbaustrrstratz« 7. 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