Ur. S46. Erscheint täglich außer Moutagg. Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,3o Mark, monatlich >,10 Mk., wöchentlich SS Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nuimuer S Pfg. Sonntags-Nummer mit iilnstr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" ig Pfg. Post-Abonnement: 3,30 MI pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn s M., für das übrige Zlusland 3 MI. pr. Monat. Ting tr. in der Poll- Zeitung?- Preisliste für isss unter Nr. tiss. 13. Jichrn. Jnseitions-Webühr beträgt für die funfgespaliene Petitzeile oder d-ren Raum io Pf., für Vereins- und Veriammlungs- Anzeige» so Psg. Inserate für die nächne Nummer müssen bis i Übt nachmtltaas in der Erpedtllon abaegeben werden. Die Erpediiion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und F-fitag-n bis 9 Uhr vormittags geöffnet. F»r»l'vi'rcher:Amt I, Nr. 1808. Telearnmm-Adreff«: „Kozialdemolirat Herliii". Verliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. HtedaKtion: 8V. 19, Weuih-Straße 2.! Sonntag, den 30. Oktober 1893. Spedition: 8V. 19, Weuth-Straße 3; Die sächilschen UAndkAgstvahIen. Das Königreich Sachsen ist das Versuchsfeld der deutschen Reaktionäre. Alles, was Unternehmerhochmuth und Polizeispitzfindigkeit ausdenken kann, wurde an sächsischen Arbeitern erprobt. Ein Vereiilsgesetz, das den Hohenlohe, Schönstedt und Köster als Muster für die Russifizirnng des preußischen Vereins- und Versammlungsrechtes, als bestes Ausrottnngsmittel gegen die Sozialdemokratie erscheint, wurde von den sächsischen Behörden in einer Weise zu Un- gunsteu der sozialdemokratischen Arbeiter ausgelegt, die die Reaktionäre, die es erdacht, für unmöglich gehalten haben. Die sozialdemokratischen Blätter sind seit mehr als Jahres- srist mit Notizen gefüstt, die unter der Spitz- marke„Sächsisches" von Fällen berichten, die selbst uns im Lande der Putlkamer und Köster ganz abnorm vorkommen. Wenn wir vom Lande des Ochsenkopfes im Wappen und des Diktaturparagraphen absehen, so besitzt die Arbeiterschaft nirgends im Deutschen Reiche so wenig Bewegungsfreiheit wie gerade im Königreiche Sachsen. Sachsen hat außerdem den„Vorzug", die tüchtigsten Juristen des Deutschen Reiches zu besitzen. Was sich aus unseren Gesetzen— wir erinnern nur an die Geschichte des groben Unfugsparagraphen— gegen die um ihre Befreiung känlpfcnde Arbeiterklasse Heransinterpretiren ließ, haben sächsische Richter fertig gebracht. So haben ivir nun in Sachsen einen„Rechtsznstand", der vorbildlich für alle amtlichen Bekämpfer unserer Partei geworden ist. Sachsen ist der Jdealstaat der Stumm und Köster, der Schönstedt und Brausewetter. Nicht blas Gerichte und Polizei treten dort mit aller Thatkraft gegen die Sozialdemokratie auf, auch die Bourgeoisie läßt es an nichts fehlen, was ihr zur Be- kämpfung derselben irgend ersprießlich erscheint. Dies spiegelt sich auch in der Parteibildung, wo aste bürgerlichen Elemente fest zusammenstehen gegen die Sozialdemokratie, und wo die wenigen, welche bei der Bekämpfung der Sozial- demokratie nicht den genau gleichen Weg gehen wollen wie die Ackerniann, Frege, Viehnert, Friesen, einfach zerrieben werden. So stehen der Sozialdemokratie in Sachsen kämpf- gernstet die Organe des Klasseustaates und die besitzende» Klassen gegenüber. Niemals schien ihnen die Lage zu einem Hauplschlage gegen die verhaßte Sozialdemokratie günstiger als in diesen Wochen. Die ablehnende Haltung der Sozial- demoki alie und ihrer Vertreter gegen die Kriegserinnerungs» feiern, die Ansprachen des Kaisers, die zahlreichen Anklagen und Verurtheilungen unserer Genossen, sie schienen den richtigen Zeilpunkt für einen Hauptschlag gegen die Sozialdemokratie zu bestimmen. Die Presse unserer Gegner schürte das Feuer, sie übertraf sich selbst in rückhaltloser, vor keiner Verleumdung, vor keiner Hinterlist zurück- 4 Ein Vevrückkov. lN°chdr. v-rb°i-n. Kanipf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. In der Unterhaltung mit ihr hatte sich der Förster wieder gesammelt und schrie dabei absichtlich immer lauter. Auf- merksam betrachtete er den Lehrer, der kleine Kugeln aus der Mull seiner Semmel drehte und den Kopf in den rechten Arm gestützt hatte. Er schien für alles theilnahmslos zu sein, und als der Förster anzügliche Bemerkungen machte, die von der Wirthin mit frechem Gek.cher begleitet wurden, da überhörte er auch das, bis ihn plötzlich ein Name, der jäh an sein Ohr geklungen war, aus den Träumereien weckte. Er senkte den Arm zum Tische hernieder, schaute den Förster mit weit aufgerissenen Augen an und fragte scharf und kurz: „Was haben Sie da gesagt?" „Geht Sie vielleicht das'was an?" gab patzig der Ge- fragte zurück, der so that, als benierke er jetzt erst den un- geladenen Gast am Tische. „Wenn Sie über die Anna und über niich reden, dann geht's mich wohl'was an!" fuhr Gattl heftig heraus. „Möcht' wissen," lachte gereizt sein Gegenüber,„i red, was i mag." „So laug Sie allein sind, können Sie das thun, wenn ich aber am Tisch bin, verbitt' ich mir solche Be- Merklingen." „Hab' bis jetzt net g'nierkt, daß sich jemand her- g'setzt tiäll'." „Tann wissen Sie's jetzt," schrie der Lehrer und schlug mit der Hand auf den Tisch, daß die Krüge z» tanzen be- gauuen,„so, uud jetzt verbitt' ich mir jedes weitere Wort über uns, Herr Förster Göpfert." schreckender Verurtheilung unserer Partei, ihrer Vertreter, ihrer Absichten und Ziele. So wurden die Ergänzungswahlen zum sächsischen Landtage bedeutungsvoller als je. Sie sollten zum Prüf- stein für die Wirkung der Aufrufe des Kaisers, für die Politik des neuesten Kurses werden. Freund und Feind warteten deshalb aufs gespannteste auf die Entscheidung der Wähler. Sie ist gefallen, so wie wir es wünschten. Die Sozial- demokratie wird ebenso stark vertreten sein wie in der letzten Sitzungsperiode des Landtags. Die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen hat in erfreulicher Weise zu- genommen. Gegen 30 000 Stimmen gegenüber 20 721 im Jahre 1889 wurden für die Kandidaten der Sozial- demokratie abgegeben, was einem Stimmenzuwachs von 45 pCt. entspricht. In Dresden II stieg unsere Stimmen- zahl von 1301 auf 3027, in Dresden III von 1284 ans 1995, in Leipzig II und Leipzig IV verloren wir 556 Stimmen, doch ist dies kaum ein thatsächlicher Verlust, da infolge von wahlkreisgeometrischen Kunststücken die Wahlkreise gegen- über den letzten Wahlen ganz erheblich geändert wurden. In Chemnitz II stieg unsere Stimmenzadl von 3682 auf 3913, in Zittau von 90 auf 254, in Bischofs- wcrda von 349 auf 391 Stimmen. In Dohna, Ivo bei den letzten Wahlen von sozialdemo- kratischen Kandidaturen ganz abgesehen wurde, er- hielten wir 407 Stimnien. Gegenüber den letzten Wahlen gewannen wir ferner im Kreise Döbeln 290, in Froh- bürg 206, in Krinimitschau 154, in Eibenstock 505 Stimmen. Auch in den ländlichen Kreisen haben wir große Er- folge zu verzeichnen. Wir führen vorerst die Bezirke an, in denen wir im Jahre 1889 von Kandidaturen ganz absahen: So erhielten wir in Zittau 338, in Bautzen 121, in Radcbnrg 531, in Pirna 1132, in Frankenberg 491 Stimmen. Die Resultate aus den Kreisen Schwarzenberg und Sayda liegen noch nicht vor. In Großschönau stieg unsere Stimmenzahl von 295 aus 794, in Löban von 18 auf 57, in Neusalza von 3 auf 173, in Freiberg von 17 auf 521, in Cbenniitz-Land von 1569 auf 1817, in Stvllberg von 2235 auf 2392, in Neichen- dach von 627 auf 848, in Plauen von 137 ans 208 Sliiumcn. Dieser große Slimmei-zuwachs bei einem uns sehr ungünstigen Wahlrecht, ist der beste Beweis, daß alle Angriffe unserer Gegner wirkunaslos geblieben sind und bleiben werden. Deshalb sind diese Wahlen ebenso lehrreich für unsere Gegner als ehrend für das sächsische Proletariat. Wohl haben wir den 16. städtischen Wahlkreis, der bisher vom Genossen Colditz vertreten wurde, verloren; aber es handelt sich hier blas um den Verlust eines Mandats, das durch die Eroberung des dritten Dresdner Wahlkreises wett gemacht wurde, aber um keinen Rückgang unserer Partei, denn die Zahl unserer Stimmen ist auch im Wahl- kreise Krimmitschau gestiegen. Ja, selbst über den einzigen „Aber, Herr Lehrer, Herr Lehrer!" mischte sich die Wirthin hinein,„ich bitt'Jhna! Was fallt Jhna denn ein." An den Nebentischcn waren die Bauern wieder auf- merksam geworden. Sie blickten mit ihren gerölheten Gc- sichtcrn durch den blauen Zigarrenranch neugierig ans den Förster, der niit weit aufgerissenem Munde den Lehrer an- starrte und erst nach uud nach seine Fassung gewann. Als er zu sprechen anfing, zitterte seine Stimme, aber statt des von allen Anwesenden erwarteten Heftigkeitsausbruchcs kam es fast schüchtern heraus, als er, noch ganz überwältigt von Staunen, die Antwort stotterte: „Sie... Sie, gelt? Reden S' Jhna net so leicht... i bin a königlicher Beamter." „Ach, was! Königlich hin, königlich her, ich verlang von Ihnen a anständiges Betragen!" Diese Worte klangen sehr fest uud bestimmt uud schienen jede Erwiderung abzuschneiden. Ter Förster be- fand sich auch in sichtlicher Verlegenheit und begann heiter zu lachen: „I werd' mi streiten, könnt' nier einfall'n," brachte er endlich hervor uud grinste zur Wirthin hin, die nicht wußte, was sie sagen sollte.„Könnt' mir einfall'n," wiederholte er, „niit lo ani Menschen streit i mi net." Brummig knurrte er weiter, wie ein bissiger Hofhund, und je mehr er vor sich hinredete, um so trotziger wurde er. Bei einem zweiten Anprall ließe er sich nicht wieder so überrumpeln, das nahm er sich fest vor, und als er nun mit einem Gesichte, auf dem der Aerger über die erlittene Niederlage dentlich geschrieben stand, höhnisch zum Lehrer hinüber nickte, da war er willens, mit äußerster Brutalität vorzugeben. Seine Stimme wurde wieder lauter und nun, wo Gattl auf eine neue Bemerkung wüthend vom Sinhle empor- sprang, um ihn zur Rede zu stellen, da antwortete er heraus- fordernd und beleidigend. Er durfte sich doch vor den Bauern nichts vergeben! scheinbaren Rückgang unserer Partei im 2. und 4. Leipziger Wahlkreise können unsere mit allen Hoffnungen in den Kampf gezogenen Gegner keine Freude empfinden, steht doch unserem scheinbaren Verluste von 3�/s pCt. bei den Gegnern Verlust von 18Vs pCt. gegenüber! Der größte Theil unserer Gegner war unter der im übrigen Deutschland längst zerschlissenen Fahne des Kartells oder der Ordnungspartei aufmarschirt. Bios die als Kartell- kandidaten Aufgestellten wurden neben Sozialdemokraten gewählt; von diesen sind 15 Konservative(bisher 14), 5 Nationalliberale(bisher 3), 2Kammerfortschritller(früher3). Von den anderen Parteien, und dies macht auch die Wahlen so bedeutungsvoll, wurde kein Kandidat gewählt. Von den 12 Kandidaten der Antisemiten siegte keiner uud die beiden Fortschrittler Nichter'scber Observanz, die sich zur Wiederwahl stellten, wurden auch nicht wiedergewählt. So giebt auch hierin das Königreich Sachsen ein Zukunftsbild der Parteientwicklung Deutsch- lands. Alles wird zerrieben zwischen der einigen reaktiv- nären Masse und der Sozialdemokratie. Zu schweren Schlägen rüstet sich unsere gesammte Gegnerschaft, schweren Tagen geht die deutsche Sozial- deniokratie entgegen. Aber eines ist sicher, und dies beweisen die Ergebnisse der sächsischen Ergänzungswahlen: die An- schlüge unserer Gegner werden wirkungslos bleiben wie das Sozialistengesetz und die Praktikten des neuen und neuesten Kurses. Gestärkt wird die Sozialdemokratie aus dem Feuer der Verfolgungen hervorgehen und obsiegen wird sie über ihre Gegner, wenn diese auch vor nichts zurückschrecken werden. Für diese Antwort an die Gegner, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig läßt, ist die deutsche Sozial» demokratie den sächsischen Brüdern wärmsten Dank schuldig. polikifche Mebe�cht. Berlin, 19. Oktober. Die„Thüringer Tribüne" theilt mit, daß die am Dienstag wegen angeblicher Majestätsbeleidignng erfolgte staatsanwaltliche Beschlagnahme des Blattes von dem Amtsrichter Meyer b e st ä t i g t wurde. Zum Verständniß der Situation in Erfurt wollen wir erwähne», daß der Redakteur der„Thüringer Tribüne", Genosse Hülle es war, der soeben eine Verurtheilung des dortigen Staatsanwalts Lorenz wegen Beleidigung vor Gericht erstritten hat.— Genosse Horn hat, wie wir aus Dresden ersahreu, gegen seine Verurtheilung zu zehn Monaten Gefäuguiß Berufung eingelegt. Unser Genosse ist übrigens nicht, wie wir gestern irrthümlich berichteten, wegen Majestäts- bcleidigung verurthcilt, sondern es handelte sich in dem Prozeß nur um eine einfache Privatbeleidigung.— Erst blieb ihm der Lehrer nichts schuldig, er entgegnete mit großer Heftigkeit, aber der Förster gerieth in immer stärkere Wuth, uud sein fester Vorsatz, sich nicht mehr über- trumpfen zu lasse», riß ihn noch weiter hin. Schalleudes Gelächter von den Tischen der Bauern folgte seinen Aeußernngen. Die Anwesenden bogen sich nach allen Seiten, schlugen niit den Fäusten auf die Tischplatten. Da kamen sie aber beim Förster schön an. Bleich vor Wuth war er ausgesprungen und schrie mit bebender Stimme in die Stube:„Bauernluder, verfluchte!" Todtenstille folgte diesem Ausbruch. Die Männer steckten die Köpfe zusammen uud wiesen einen jungen Burschen eilig zurecht, der hinter dem Rücken der anderen noch weiter kichern wollte. Befriedigt wandte sich Göpfert wieder zu dem Lehrer und sah verächtlich auf ihn herab: „Eh' man andre beleidigt, oder sich drüber lustig machen möcht',»maß man selber was sein. Versteh'» Sie mich? Uebrigens können Sie niich gar net verletz'», denn was san Sie denn? A Hilfslehrer, der scho dreißig Jahr alt is, der nix war, nix is und nix werd!" Wuchtig ließ er sich ans die Bank fallen und blies krampfhaft einigen Staub von seiner ausgegangenen Pfeife empor. Der Lehrer sagte nichts mehr. Er warf den Rest der aufgerissenen Semmel beiseite, zog seine Börse und legte einige Münzen auf den Tisch. Dann trank er aus uud rüstete sich zum Fortgehen, indem er den Gehrock zu- knöpfte und nach seinem Hut griff. Als er aber die Klinke der Thüre in der Hand hatte, drehte er sich um und wollte dem Förster, auf den er mit zwinkernden Augen hinblickte, eben noch etwas zurufen. Da wurde die Thüre sanft gegen ihn geschoben und der Wirth schlich mir verdutztem Gesicbte au ihm vorüber ins Zimmer, wo er sich mit fragenden Blicken neben dem Förster niederließ. Der Staatsanwalt gegen die Sozialdemokratie. ÄuZ R o st o ck erhalten wir vom Sonnabend folgende Mit- theilung: Auf gerichtliche Anordnung wurden heute die in der Expedition und Druckerei der„Mecklenvurger Volks- Zeitung" vorhcindene» 21 Exemplare der Nr. 123 genannter Zeitung vom Freitag, den 17. d. M., beschlagnahmt, weil die Staatsanwaltschaft in dem Leitartikel„Beileidstelegramme des Kaisers" eine Majestäls- beleidigung erblickte.— Also auch in Mecklenburg weht der Wind scharf.— Beleidtzutng ' meldet �us st e x- Htenaal, cht' we»ew-Ve- rf\ii jßO M. Abermals ein Staats« vcrurtheilt! Die„Kölnische Ivo Bochum:„Der erste Stamsanwalt�R früher in Bochum, wurde\Am Echo leidigung des Kaufmanns lö�rlen- Eissel G e l d st r a f e verurtheil So lange das Unkraut de�Mleidigung�rozefse über- Haupt unser ganzes öffentliches Leben überwmbert, ist es allerdings wünschenswerth, daß es den staatsnwvaltschaft- lichen Beamten zum Bewußtsein gebracht wird, da� sie selber mit einem ähnlichen Maße gemessen werden können, mit dem sie andere Leute zu messen gewohnt sind.— Ueber die Rubrizirung von Strafsachen spricht sich anläßlich der Umnenmmg der Sache Pfund und Ge- Nossen die„Kölnische Zeitung" folgendermaßen aus: „Bekanntlich bestimmt das Gerichtsverfassungs-Gesctz in Z 62, baß durch die Präsidien der Gerichte für die Dauer eines Ge- schäflsjahres die Geschäfte unter die Kammern vertheilt werden; auf grund dieser Vorschrift erlassen alljährlich die Präsidien der größeren Landgerichte, bei welchen mehrere Strafkammern vor- Händen sind, Geschästsanweisungen darüber, daß jede Straf- kammer für die Adurtheilung derjenigen Angeklagten zujtändig ist, deren Namen mit einem bestimmten Buchstaben des Alphabets beginnt. Diese Geschäfts- Anweisungen sind zwar keine gesetzlichen Vorschriflen, aber sie beruhen auf diesen, und es kann unter Umstände» auf ihre Verletzung die Revision gestützt werden. Wenn es nun der Staatsanwaltschaft freistehen sollte, die Namen mehrerer An geklagter nach Erhebung der Anklage einfach unizustellen, sodaß die Slrafsache vor einer anderen Kanuner als der ursprünglich zuständigen zu verhandeln wäre, so würde das im Grunde be- deuten, daß der Geschäftsplan der Gerichte sllr die Staats« anwaltscdasten nicht vorhanden ist. Allerdings steht es zunächst in dem Belieben der Staatsanwaltschaft, eine Sache, bei welcher mehrere Personen als Mitthäter betheiligt sind, nach dem Namen des einen oder anderen zu benennen; hat sie aber einmal sich für eine Benennung entschieden und diese endlich auch in Anwendung gebracht, so muß sie auch an ihr festhalten, und es kann ihr nun und nimmer mehr gestaltet werden, eine nachträgliche Acnderung vorzunehmen, die mit einer Aenderung des erkennenden Gerichts und der erkennenden Richter gleichbedeutend ist. Es handelt sich eben hierbei nicht nur um die inner» geschäftliche» Verhältnisse der Staatsanwaltschaften, sondern um Maßnahmen, welche für den Angeklagten unter Umständen von größter Be- deutung sind. Man vergegenwärtige sich die praktischen Folgen einer beliebigen Umstellung durch die Staatsanwaltschaft; sie würden vor allem darin bestehe», daß die Älnklagebehörde sich vielfach die Straskainmer wählen könnte, deren Mitglieder ihr für ihre Auffassung und Anschauung besonders günstig gestimmt zu sein scheinen. Damit wäre aber der Zweck, den man seinerzeit durch die Auf. nahine des§ 62 in das Gerichtsverfassungsgesetz erreichen wollte, zum theil wenigstens vereitelt. Ein solches Verfahren wäre nicht geeignet, das Vertrauen in die Rechtspflege zu erhöhen. Es dürfte nicht ausbleiben, daß das Reichsgericht Gelegenheit erhält, sich darüber auszusprechen, wie es über diese Maßnahme denkt und ob sie ihm mit den bestehenden Vorschristen in Einklang zu stehen scheint. Nebrigens ist dringend zu wünschen, daß der Jnstizminister der Sache Aufmerksamkeit schenkt, wenn er auch an dem Einzelsalle nichts mehr ändern kann." Ein Preisausschreiben für das beste Hmstnrzgesel? zu erlassen, räth die„Rheinisch Westfälische Zeitung" als letztes Mittel in der Roth den Valerlandsrettern an. Das ist dem Fabrikantenblatte des Kohlenreviers heiliger Ernst. Bringt der Reichstag nichts zu stände, dann soll's auf einem nicht mehr un« gewöhnlichen Wege versucht werden. Bringt man so Denkmäler, Kirche» und Reichsgebäude zu stände, weshalb nicht auch einmal Umsturzgesetze? Sicherem Vernehmen nach soll Herr v. S tu in m bereits zum Vorsitzenden der Jury, die über die Pläne zu befinden hat, designirt sein.— Schivartz heißt auf französisch nicht Noir, wie der Quartaner Karlchen Mießnick meint, sondern Ressöguier. Der Mülhausener Schwartz nennt sich in Frankreich der Carniaux'er Resseguier. Wer's nicht glaubt, der lese die srauzösischen Bonrgeoisblätter. Ressöguier vertritt die Ordnung, die ganze bürgerliche Gesellschaft— das Fester packte der Lehrer die Klinke. „Herr Göpfert!" sagte er laut,„daß ich a elender Hilfslehrer bin und net mehr, des verdank i nur meiner Ueberzeugung, mit der ich nie hinterm Berg g'halten Hab und die ich jedermann offen ins G'sicht sag, wie grad Ihnen. Wär ich a Kerl, wie andre, ging ich der Geist- lichkeit hübsch brav um'n Bart und kröch den ganzen Tag um die schwarzen Brüder herum als elender Heuchler, der allen hinterher a lange Nasen dreht, so könnt' ich scko lang im Trockenen sitzen. Aber dann müßt' ich auch vor mir selber ausspucken, und bis dahin laß ich's net kommen, drum gieb i net nach, net nms Verrecken!" Er hatte sich gewaltig in Aufreg, ing geredet und manche Worte mit krachendem Fußstampfen begleitet. Jetzt ließ er die Klinke wieder los und schritt den freien Gang zwischen den Stühlen auf und nieder. „Tann wird eben des g'scheh'n, was i scho g'sagt Hab", rief der Förster ihm.nach,„Sie werd'n nix, Ihr Leb- tag net." „I will nix werd'n, was i mit meiner Ueberzeugung erkaufen muß." „A was, Ueberzeugung! I gieb Jhna keine zehn Pfenning für die sogenannte Ueberzeugung! A Vernunft muaß nia hab'n, vertrag'n und brav dnck'n muaß ma sich im Leben, mit seine Vorg'sehten muaß ma aus- kommen— sonst— no ja, Sie wissen scho, waS sonst g'schieht!" Verächtlich lachte der Lehrer zu diesen Worten und setzte seine Wanderung durch das Zimmer fort. Sein ganzes Wesen zeugte von starker Erregung, die Augendcckel flogen auf und nieder und die Hände betasteten zitternd den starken Leib. Nun erlaubte sich der Wirth, der aufmerksam den Streit verfolgte und dabei fortwährend an seinem ver- kümmerten, dürftigen Backenbart zupfte, eine schüchterne Bemerkung: „Der Herr Förster hat scho recht, Herr Lehrer," sagte er in weisem Tone.„Wer sich gut vertragt, der kommt immer durch's Leben, und wenn der Herr Lehrer sich nur a bissel besser zum Herrn Benefiziaten stellen wollt, dann... Attentat auf ihn war ein Attentat auf die Ordnung, auf die ganze bürgerliche Gesellschaft, und das Attentat auf den Carmanx'er Schwartz, Bev zeihung Resseguier, ist ein moralisches Erzengniß der Sozialdemokratie. Kurz, ganz wie bei uns— Schivartz- Resseguier, gehüpft wie gesprungen— dieselbe Konleur in aschgrau. Dieselbe monotone Geistesöde, dieselbe intellektuelle Selbstschändung, dieselbe Leiermclodie des sittlich bankrotten Mammonismus. Ganz wie bei uns. Nur daß bei uns Schwartz, dort Resseguier steht. Apropos, daß bei Resseguier der Attentäter durch eine Arbeiternlenge entschlüpfte, die ihn sehr wohl hätte sangen können, gilt als ein Beweis sozialdemokratischer Verhetzung. Dummes Zeug! Es ist das blos ein Beweis für die Verhaßlheit dieses Resssguier. Und wenn die gedanken- und gewissenlosen Soldschreiber des Kapitals sich einmal die Mühe nehmen wollen, die Geschichte der agrarischen— von sozialistischen Ideen gewiß freien— Verbrechen in Irland zu studiren, so werden sie in Hunderten von Fällen finden, daß die gesammte Be� völkerung den Attentätern Sympathie entgegenbringt und Vorschub leistet. Was es übrigens mit dem sogenannten Mordanschläge auf Herrn Resseguier auf sich hat, geht aus folgenden Be� trachtungen des, wie wir nebenbei bemerken wollen, ent- schieden sozialistenfeindlichen Korrespondenten der„Vossischen Zeitung" in Paris hervor: „Der Mortanschtag hat unleugbar einige seltsame Züge. Man braucht nicht gleich den ganzen Ueberfall für eine reine Erfindung oder eine ungeschickt gespielte Posse zu halten und wird doch verwundert den Kopf schütteln, wenn man liest, daß die Polizei die Sache in der folgenden Weise darstellt: Herr Resssguier geht niit seinem Schwiegersohn Herrn Mofsre in der Hauptstraße von Carmaux spaziere», plötzlich tritt ein Arbeiter von hinten auf ihn zu, siiitzt de» Kolben emer Pistole auf seine Schulter(!), drückt die Waffe ab, verletzt Herrn Resssguier nicht, und läuft davon, ohne daß ihn von etwa 200 Umstehenden einer aufhält, obivohl Herr Mossre ihm unter Haltrufen nach- setzt; eine rasch vorgenommene Untersuchung ergiebl, daß der Ueberzieher des Herrn Resssguier an der Stelle, wo die Pistole auf- gesetzt wurde(!), zerrissen ist; der 9tiß ist anscheinend durch den Drücker(!) verursacht.(Die Pistolen, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe, haben alle den Drücker durch einen Bügel gedeckt und so lange dieser Bügel nicht etiva weggebrochen ist, würde es ganz unmöglich sein, eine Pistole derart gegen einen Rock zu drücken, daß der Drücker mit seinem freien Ende den Stoff berühren oder gar zerreißen könnte.) Eine ärztliche Besichlignng führt zur Enldecknng von zwei blauen� Flecke», die Herr Resseguier am Rücken(?!?) aufweist, an der Stelle, die dem Riß im Rock entspricht. Er klagt zugleich über etwas Schmerz an dieser Stelle.— So weit die Polizeiangabe, deren Ungereimtheit ins Auge springt. Es wäre gewiß ein seltsamer Einfall von einem Verbrecher, die Pistole, mit der er jemand erschießen will, mit dem Kolben auf dessen Schulter zu stützen. Das Opfer wurde die Gutmüthigkeit schwerlich so weit treiben, still zu halten, bei seiner geringsten Bewegung aber würde der Schuß aus einer in dieser Stellung abgefeuerten Pistole in die Luft gehen. Daß eine Pistole beim Losdrücken eine» Rock mit dem Drücker nicht zerreißen kann, habe ich eben gezeigt. Und wie das bloße Anlegen eines Pistolenkolbens auf der Schulter zwei blaue Flecke auf dem Rücken verursache» soll, ist auch nicht verständlich, wenn auch das„Anlegen" mit einer ganz merk- würdigen Kraft geschehen wäre. Die Sozialisten schließen aus alle diesen Unwahrscheinlichkeilen, daß die Geschichte von Anfang bis Ende erfunden ist und nur den Zweck hat, Gewaltthaien der Regierung gegen die Ausständig m zu rechtfertigen. So weit wird ma» nicht gehen müssen.'Dagegen ist es allerdings recht wohl möglich, daß Herr Resseguier von einein erbitterten Arbeiter einen derben Faustschlag, vielleicht auch einen Stockhieb, in den Rücken erhalten hat. So würde sich der Hergang un- gezwungen erklären. Auch eine Ausschreitung dieser Art gegen einen fast 76jährigen Greis ist natürlich eine abscheuliche Roheit, aber zwischen ihr und einem Mordversuch besteht denn doch noch ein weiter Abstand." Unter den Qrdnniigsstiiizen, die das Verbot des „Offenburger Volksfreundes" zum Vorwaud nehmen, um an der Sozialdemokratie ihr winziges Müthchen zu kühlen, begegnen wir mit einigem Erstannen auch der„Frankfurter Zeitung". Es überrascht uns das nicht wenig, well die „Frankfurter Zeitung" bisher eines der wenigen bürger- lichen Blätter in Teutschland war, die gegen Zeitungs- Unterdrückungen entschieden Front zu machen pflegten, besonders aber sich den Kamvf gegen die Diktatur in Elsaß-Lothringen angelegen sein ließen. Die Furcht vor dem Wachsthum der „Kreittmayer! Schwatzen S' kein' solchen Mist daher!" sagte heftig der Lehrer. Der Wirth nahm eine beleidigte Miene an. „Ich bin ein einfacher Mann," bemerkte er spitzig,„ich sag' meine Meinung auch offen heraus, grad so wie der Herr Lehrer, weil ich mich frag, wohin das alles noch führen soll. Schön ist's nicht, wie's jetzt bei uns is, und ich meine im allgemeinen Interesse zu handeln, wenn ich dem Herrn Lehrer rathe, er soll der Kirche geben, was der Kirche ist, es geht halt a mal net anders, net wahr, Herr Förster?" Lebhaft stimmte der Gefragte bei, indem er mit lautem Schlage den Krug zum Tische niedersetzte und sich mit dem Aermel den nassen Mund wischte. „Natürli," sagte er breit,„der Mensch muß a Re- ligion hab'n, glauben»miß er was. Wo kam er denn sonst hin?" „Ja, des möcht' ich auch wissen," wisperte noch immer sehr gereizt der angefahrene Kreittmayer. „Ans solche Redensarten," sagte Gattl,„da geb ich keine Antwort. Jeder Mensch wird selber wissen, wie er's mit der wahren Religion z'halten hat. Jeder muß sich auch amal im Jenseits selber dafür verantworten, und deswegen braucht man mir net zu sagen, wie viel Pfund Heiligkeit ich für drüben nothivendig Hab! Das eine aber dürst'S mir glauben, daß weder Sie," er deutete auf den Förster,„noch Sie, 5kreiltmayer, eine Ahnung haben, was ein Mensch durchmachen muß, der das Unglück hat, a Hilfslehrer z'sein, der net mit jedem Athemzug ins Horn von der Geistlich« keit stoßt." „O mein," lachte der Förster,„so schlimm is a net!" „O, g'wiß net," bestätigte der Wirth. „Ja, ja, Ihr müßl's ja wissen! Halt's einer nur zehn Jahr aus, wie ich, dann kann er a Lied davon singa." „Warum geben S' denn dann net nach, wenu's wirkli gar so schlimm is?" lachte Göpfert höhnisch. „Das bab ich Ihnen ja g'sagt, weil ich dann vor mir selber kei' Achtung mehr hab'n könnt!" „All's recht schön," sagte der Förster wieder.„Jeder kann thun und treiben, was er will, bal er allein steht und aus neamd Rücksicht z'nehmcn braucht, aber i moan halt Sozialdemokratie scheint dem Frankfurter Demokratenblatt so sehr die Besinnung geraubt zu haben, daß es unversehens sich in den bekannten Reptilienton hineingeredet hat. Ihren Lohn haben Sonnemann und Genossen aber bereits weg. Der freisinnige Eugen nimmt ihre Melodie auf und Pindter II. drückt die neuen Bundesgenossen an seinen zottigen Mannesbusen.— Keine Währungskonferenz. Die„M. P. Correfp." schreibt:„Da in absehbarer Zeit»icht daran zu denken ist, daß England sich bereit finden werde, an einer internationalen Dis- kusston über die Frage der Aenderung der Währung theilzu- nehmen, versteht es sich auch von selbst, daß einstweilen den, be- kannten bimetallistischen Antrage auf Berufung einer neuen Konferenz zum Zwecke der Berathung der Münzsrage keine Folge wird gegeben werden."— In England verfolgt man die neueste deutsche S o z i a l i st e n h a tz mit größtem Interesse. Welchen Ein- druck die Engländer davon gewonnen haben, schildert unser Londoner Korrespondent folgendermaßen: Der neue Kreuzzug gegen die Sozialdemokratie wird selbst in Toryblätiern mit Artikeln kommenlirt, deren Abdruck dein „Vorwärts" einen Schauer von Anklagen zuziehen würde, von den Auslastungen der radikalen Blätter gar nicht zu reden. Und noch drastischer lauten die Urtheile, die man in Pnvatgesprächen zu hören bekommt, immer sind die Gegner der Sozialdemokratie Semeint. Es ist merkwürdig, welcher Wandel sich in dieser Hin- cht in England vollzogen. Bis vor etwa drei Jahren genoß das Oberhaupt des Deutschen Reiches in weite» Schichten des englischen Volkes unleugbar eine gewisse Popularität. Wie es jetzt damit steht, läßt sich vielleicht an, beste» dadurch charakteri- siien, daß noch nie die Presse sich so sympathisch über die Sozial- demokratie ausgedrückt hat, als gerade in diesen Tagen. Unter unseren englischen Gesinnungsgettosfen selbst herrscht natürlich die größte Sympathie. Als am vorigen Montag, wo y n d m a n in der Meniorial- Hall den Wnitersetdzug der ozialdemokratischen Föderation eröffnete, Bill Thorne eine Re- solution beantragte, welche den in Breslau versammelten deutschen Genossen die Solidarität der englischen Sozialdemokratie aus- drückte, beantwortete die gedrängt besetzte Berfa,»mlung dies mit dem siürmischsten Beifall. Und ebenso stürmisch begrüßte sie den Genossen Leßner, als derselbe zur Unterstützung der Resolution das Wort ergriff.— Herr Stöcker beklagt sich in dem neuesten TIbschnitte seines Selbstverherrlichungsromanes darüber, daß ihm von den Gegnern beständig die bekannte irrthümliche Aussage in der Ewald-An- gelegenheit als Falscheid vorgeworfen würde. Run sind wir allerdings auch der Ansicht, daß diejenigen zu weit gehen, die ihm jene Aussage als eine wissentlich wahrheitswidrige auslege». Deshalb hätten wir auch keinen Grund, uns mit seinem Erguß zu befassen. In einem Athem mit seiner Ver- theidigung erlaubt Herr Stöcker sich aber weiterhin zu schreiben: „Man macht es mit Recht dem Umsturz zum schwersten Vorwurf, daß er den Eid geringschätzt und meineidige Ge- noffen entschuldigt." Trotz der vagen Beziehung„Umsturz" und der Allgemeinheit dieses Ausfalls bezweckt Herr Siöcker damit augenscheinlich, die unschuldigen Opfer des Essener Meineidsprozesses zu ver» dächtigen, um sich selbst als Eidesachter bei allen Ordnungs- stützen in eine» angenehmen Geruch zu bringen. Ein solcher Fechterstreich diskredilirt Herrn Stöcker allerdings weit mehr als jene irrthümliche Aussage vor Gericht. «« Deutsches Reich. --- Nachwahl zllm Reichstage. Dr. HaaS, der Ab- geordnete von Metz, hat fei» Mandat niedergelegt, er wurde mit 9SSS gegen 3458 sozialdemokratische und 3407 antisemitische Stimmen gewählt. Als er vor einiger Zeit einem Berichterstaiier des Pariser„Malin" miltheilte, daß er sich vom parlamentarischen Leben zurückziehen wolle, sprach er die Vermulhung aus, daß bei der Nachwahl die sozialistische Eiimmenzahl erheblich wachsen werde.— — Das neue bürgerliche Gesetzbuch. Nach einer Berliner Zuschrift des«Hann. Kur." sind die Berothungen über das bürgerliche Gesetzbuch im Ausschuß des Bundesraths und in der Kominission so weit vorgeschritlen, daß man den Entwurf im Bundesrathsausschuß bereits Milte Dezember zu vollenden hofft. Der Ueberweisung an das Plenum des Bundesraihs für etiva Mitte Januar, nachdem die Regierungen der Einzelstanten zu dem ans dem Ausschuß hervorgegangenen Entwurf Stellung genommen habe, stände dann nichts im Wege, vorausgesetzt, daß die Kommisston für das Einsührungsgesetz in ihren Arbeiten gleichen Schritt hält mit dem Bundesrathsausschuß. De» dem Reichslag vorzulegenden Entwurf soll eine ausführliche Denk- schrist begleiten.— Der Maximal- Arbeitstag für Bäckereien. Von den Arbeiten der Reichskommission für Ardeiterstalistik hat bis jetzt do, daß für oan, der... no ja..., der gern Bräutigam sein und also wohl amal Heirathen möcht, solche Ideen net die richtigen san." Hastlg kehrte der Lehrer zum Tische zurück. Mit beiden Händen stützte er sich fest auf die eichene Platte und faßte den Förster energisch ins Auge. „Was geht Sie das an? Sie mischen sich da in Dinge, über die Ihnen zuletzt ein Urtheil zusteht." „Oho, oho! ma wird wohl no red'n derfen, wenn Sie da laut'nlmschimpfen." „Und wenn Sie in meinem Hans, wo man glücklicher- weis unfern Herrgott noch verehrt, auf die Geistlichkeit schinipfen," rief der Wirth. „Was i hier g'sagt Hab, kann i aufrecht halten! Aber des hat alles nix mit der Anna zu thun und darum verbilt ich nur Ihre Anspielungen, Herr Göpfert, die sich so wie so in Ihrem Mund sonderbar g'nug aus« nehmen." „Wieso?" fragte der Angeredete, jedoch klang seine Stimme etwas unsicher. „Wieso? Weil Sie der Fuchs sind, dem die Tranben zu hoch hängen, weil Sie n»r ans Gift und Wuth so daber reden, denn Sie können's der Anna net vergessen, daß Sie bei ihr elend abg'fahrn sind, als Sie ihr den beruhmten Heirathsantrag g'macht hab'n. Ha, ha, ha." Alle Farbe war aus dem Gesichte deS Försters gewichen. „G'log'n, nix wie gflog'n," schrie er wüthend. Der Wirth war zur Thür geeilt, wo Gattl stand, der mit rollenden Augen auf seinen Gegner blickte. „Herr Lehrer! Jetzt muß ich Sie aber.. Gattl stieß ihn von sich. „Natürlich," rief er zu dem Förster hin,„jetzt möchten Sie Ihre damalige Blamage vor den Leute» hier wegleugnen." Endlich kam Kreittmayer zu Worte: „Herr Lehrer, ich bitt' Sie! So an Skandal, und noch dazu heut' am Begräbnißtag von der Frau Försterin!" (Fortsetzung folgt.) mir eine Eihkbnng zu einem Antrag an den NeickiSkanzter ge- führt: die Backerenquete. Der oft zu offiziösen Miltheilungen gedrauchre„Hamb. Cour." schreibt:„Die Kommission, in der bekanntlich Vertreter der Reichs- und Landesbehörden mit Am gehörigen des Reickstags sitzen, hat auf grund umfassender und sorgfältiger Feststellungen den Beschlust gesastt, dem Reichskanzler die Einführung eines Maximal-Arbeitstages sttr Bäcker und Kon> ditoren zu empfehlen, und zwar find hier ebensowohl Motive des Arbeilerschutzes maßgebend gewesen, als auch geradezu das Jnter esse des Konsumenten an reinlicher und tadelsrerer Herstellung der Backwaare in Frage kommt. Nach der Novelle zur Reichs- Gewerbe-Ordnuug vom!. Juni 1891 hat der Bundesralh in Z 120 e Abf. 8 dre Befugnist erhalten, durch Beschluß für solche Gewerbe, in denen durch übermäßige Dauer der tägliche» Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, die Marnnal-Arbeitszeit sestzusetzen. Bei der Bedeutung der viel angefochtenen Maßnahme, die in Teutschland zum ersten Male für eiwachsene männliche Arbeiter eingeführt werden soll, besteht indessen, dem Vernehmen nach, in Regierungskreisen nicht die Absicht, durch Verordnung die Sache zu regeln, sondern man will den Weg der Gesetzgebung wählen. Wie wir hören, ist im preußischen Ministerium für Handel und Gewerb« bereits nach den Vorschlägen der Kommission ein hieraus bezüglicher Eut- wurf ausgearbeitet, der natürlich zuuäckst dem Bundesralh zur Beschlustfassung zugehen müßte. Judeß fehlt es nicht an abweichenden Meinungen bereits im Schooße der preußischen Regierung und auch in Bundesrathskreisen, sodaß möglicherweise die Vorschläge schon in diesem Stadium aus ernste Hindernisse stoßen. Wir würden das um so mehr beklagen, als das Schicksal dieser sozialpolitischen Maßnahme, die übrigens ohne die berech tiglen Interessen der Bäckerei und des Publikums zu schädigen in verschiede»?» europäischen Staaten in krait ist, vielleicht auch Konsequenzen für eine Entscheidung von Personalsragen Hülben wird, die von großer Bedeutung für die Fortführung von sd politischen{Reformen wäre."— — Wie's Hammer st ein in feinen Glanz zelten trieb, wird trefflich beleuchtet durch.folgende kleine, aber wie wir bestätigen können, vollkommen wahre Geschichte, die die„Nation" aus seinen letzten Tagen zu erzählen weiß „Es war im Jahre 1694 am 24. April, da war in der Abendausgabe der„K r e u z- Z e i t u n g" das Folgende in schön gesperrtem Druck zu lesen: Danksagung.„Mit einer aus meine politische Thäligkeit bezug nehmenden Widmung sind mir „als ein kleines Zeiche» dankbarer Verehrung von deutsche» Frauen" vor einigen Tagen prächtige, von Damenhand kunstvoll ge arbeitete Gaben übersandt worden. Da es mir trotz des Post ftempels Stettin bisher nicht gelimgen ist. eine Spur auf- zufinden, welche eS mir möglich machen könnte, meinen innigste» Dank den Absenderinnen persönlich auszusprechen, so muß ich mich zu meinem lebhasten Bedauern darauf beschränken, es an dieser Stelle zu thun." Berlin, den 24. April 1894. Frei Herr von Hammer st ein. Es möchte grausam erscheinen, daß wir jetzt nach den großen Enthüllungen den deutschen Frauen den Schmerz bereiten, sie au ihren Jrrthum vom Frühling 1394 zu erinnern. So grausam sind nur jedoch nicht. Vor uns liegt einer jener Briefbogen in Oklavformat, gutes, weißes Papier, wie nian es im Parlament hat, und oben am Kops, mit dem Stempel des deutschen Reichs Wappens und der Umschrift„Deutscher Reichstag" versehen. Mit einer schönen, kräftigen Handschrift steht auf der einen Seile dieses Bogens das Folgende in Blei geschrieben:„Ab Berlin gehen die Züge um diese Zeit, sie sind in Stettin um jene Zeit, und ab Stellin gehen die Züge um jene Zeit, die sind wiederum in Berlin um diese Zeit." Jemand, der vorsorglich war, hatte also im Reichstag die Zeit, welche er den politischen Interessen des Vaterlandes ab gewinnen kounte, benutzt, um die Fahrten von Berlin nach Stettin und zurück zu verzeichnen. An den Zügen der Sckrifl erkennt man, daß dieser vorsorgliche Herr Freiherr von Hammerstein gewesen ist. Und die Reisende war seine Freundin Flora Gaß. Flora war auch fleißig und sticke» konnte sie auch. Sie verfertigte aus Veranlassung des Herrn von Hammerstein schöne Handarbeilen mit dem Monogrumin und dem Wappen deflelben, und für diese Gabe» Flora's erfand Herr von Hammerstein eine schöne Widmung. Diese Widmung befindet sich auf der anderen Seile des Briesbogens, ans welchem die Züge nach Stettin verzeichnet sind, ebeusalls von der Hand des Herrn von Hammerstein geschrieben; schwungvoll, wie sie ist, lautet sie:„Dem mulhigen Voikämpfer, dem kühnen Bannerträger der konservativen Partei als ein kleines Zeichen dankbarer Verehrung von deutschen Frauen." Die Widmung, die Herr von Hammerstein niedergeschrieben hatte, nachdem er in der Seele deutscher Frauen sich als „nrulhiger Vorkämpfer und kühner Bannerträger der konservativen Partei' selbst erkannt hatte, schrieb Flora mit kunstvoller Hand aus schönem Bogen ab. Flora und die Gaben und die Widmung wanderten darauf am 20. April morgens nach Stettin, und am 29. April abends wanderten die Gaben und die Widmung nach Berlin an Herrn v. Hammerstein zurück und Flora im Koupee. Vier Tage später konnte darauf Herr v. Hammerstei» in der„Kreuz-Zeitung" seinen„innigsten Dank' den deutschen Frauen abstatten, von denen er zu„seinem leb- haften Bedauern" keine Spur hatte finden können. Flora Gaß als Repräsentantin deutscher Frauen huldigend vor dem Herr» v. Hammerstein, dem kühnen Bannerträger der konservativen Partei. So wird es gemacht und so sieht es aus." Trefflich! Aber ist das nicht im Kleinen ein Spiegelbild der Manier, wie patriotische Huldigungen aller Art im allgemeinen präparirt werden? — Die Christlich-Sozialen Schlesiens hatten sich am Tonnerstag in Breslau ein Stelldichein gegeben. Ver treter der Slöcker'sche» Richtung trafen dort mit solchen der „jungen Schule", u. a. Pastor Wittenberg aus Licgnitz. zusammen. Den Hauptvortrag hielt Herr S l ö ck e r, welcher, der„Schlef. Zlg." zufolge, in seiner Rede entschieden betonte, was ihn von der Rtchlung Naumann, Rauh, Göhre u. s. w. trenne. In der Diskussion wurde die Gründung einer christlich sozialen Partei in Breslau verworfen, vielmehr nur eine zwang- loie Vereinigung christlich-fozialer Männer ans der ganzen Provinz beschloflen, die alle Richtungen der Christlich-Sozialen. auch die„junge Schule", umfassen soll.— So lange die „junge Schule" überhaupt noch mit Herrn Siöcker zusammen- gehen kann, der seinrrfeils krainpshaft an der konseivativen Parle« festhält, bleibt sie selbst eine Freischaar in« Dienste des Junkeiheeres, so viel sie auch gegen einzelne junkerliche Praktiken sich ereijern mag.— - Seßhaft>n ach ring von Landarbeitern. Der Ost- ,«i'd Westpreußische Bauernverein, der hauptsächlich den Besttzerstand des Eriiilandes in sich begreift, hat in einer Ver- saiumliing die Erklärung abgegeben, er sehe in der Seßhaft- machung und Ansiedelung der Arbeiter auf kleinen Grund- stücken in geschli ssenen! orfartigen A>istetelunge» das beste, wie die„Reichs- Heimstätten- Korrespondeiiz" berichtet, Mittel zur Abstellung des Arbeitermangels. Allerdings mußte die Versaiumlung die jetzige läntliche Arbeiterbevölkerung als noch nickt reis zur Durchführung dieser Maßregel bezeichnen; er empfahl daher die Errichtung von Pächtergrimdstücken von zw«, bis dre» und mebr Morgen, aus denen die fleißigen Arbeiter zu einiger Selbständigkeit gelangen könnten. Im Anschlüsse an diese Ansiedelung sei für die dortigen Verhältnisse ein Ans- blühen einer Hausindustrie in Verbindung mit dem Flachsbau wohl denkbar. — Die Landtags wählen in Baden. In Rastatt «rurde der Demokrat Telisle, in Lahr Heimburger(Den,.), in Konstanz Venedey(Dem.), in Bruchsal der Nationalliberale Keller, in Korlsruhe-Land der Konservative v. Stockhorner, in treiburg der Zeutrumsmann Kopf, i» Breisach Scküler(Z.), in t. Blasien Birkenmarier(Z.) gewählt. Am Montag, den 21. Oktober, wird gewählt in: Oberkirch, Pforzheim, Mann heim; am 23. d. M. in Ederbach, Ettlingen und Tauberbischojs heim.— — Aus dem 7. württembergischen Reichs tags-Wahlkreis. Die Wahlbewegnng ist jetzt überall im »ollen Gange, von Seiten der Sozialdemokraten werden an allen Orten'Versammlungen abgehalten, Agitationsmaterial wird «in die ländliche Bevölkerung verthcilt und die Genossen scheuen keine Mühe, um Aufklärung in diesen im allgemeinen noch dunkeln Bezirk zu bringen. Die vereinigten Nationalliberalen und Konservativen werden sich jetzt auch mehr ins Zeug legen, um den Bezirk noch einmal zu behaupten und fast hat es den Aiv schein, als ob ihnen dies gelingen wird, denn die Volksparlei. welche den Kreis sicher erobern könnte, hat sich bis jetzt noch jeder Thätigkeit enthalten, ja sie hat noch nicht einmal einen Kandidaten aufgestellt; die einst so stolze Demokratie stellt sich dadurch ein sehr schlechtes Zengniß aus.— Italien. — Aus der afrikanischen Kolonie. AuSMassauah werden große Erfolge der Italiener telegraphisch gemeldet. Be- stätigung von unparteiischer Seile bleibt abzuwarten.— Frankreich. Paris, 13. Oktober.(Eigener Bericht.) Manifest der sozialistischen Abgeordneten und Pariser Ge- meinderäthe. Angesichts der ungeheuerlichen Vorgänge in Carmanx, die die Jnsaniien des Kaiserreiches, das nie geivagt hat, seine Hand auf die für Streikende bestimmten Subskriptions gelder zu legen, tief in den Schatten stellen, haben die sozialistische» Abgeordneten und Pariser Gemeinderäthe sich gestern Abend im daltionslolal der„Petile Rspnblique" versammelt und ein nifest„An das republikanische Frankreich redigirt, in ivelchem sie all die Infamien auszählen, die seit Beginn des von Resssguier ge- inolltenSlreiks inCarmaux begangen wurden. Sie erinnern namentlich an Nessoguiers Attentat auf das allgemeine Stimmrecht, seine Verweigerung eines Schiedsgerichts, an die Intervention des Präscklen und des Polizeitommissars, an die ungeheure Eni saltung der Polizei und Gendarmerie, an die Drohungen und Versprechungen, um die Arbeiter in die Fabrik zu bringen, an die Hausdurchsuchungen und Verurtheilungen sowie an das un- erhörte Verhalten des Staatsanwaltes von Aldi, der auf Jauräs zeigend, zu den Richtern sagte:«Machen Sie den Arbeitern durch die Strenge Ihrer Urtheile begreiflich, daß sie härter bestraft »verden, so lange die durch diesen unheilbringenden Menschen geschaffene Situation währt." Nachdem sie sodann noch auf die Beschlagnahme der Streikgelder und die von der Kavallerie vorgenommenen, durch nichts gerechtfertigten Slraßensäuberungen hinweisen, bei»velchen Frauen, Kinder und Greise niedergetreten wurden, stellen sie dem gegenüber die ruhige Haltung der Arbeiter entgegen und überliefern die Vorgänge dem Urlheil des republikanischen Frankreich, damit es dem Recht zum Sieg über die Geivalt verhelfe. Das Manifest ist von den Abgeordnelen Argeliäs, Avez, Basly, Baudin, Bonmd, Boyer, Cal- vinhac.Carnaud.Thierry.Cazes.Charpcnlier.Chaffaing.Chauviäre, Chauvin, Conipayrö, Coutant, Couturier, Dejeante, Desfarges, Desfontaine, Faberot, Franconie, Gendre. Gärault- Richard, Girodet, Goujat, Pasckal Grouffet, Groussier, Jules Guesde. Clovis Hngues. Alphonse Humbert, Jauräs, Jourde, Labussisre. Lavy, Masson, Paulin Mery, Millerand, Mirman, Pälrot, Prudent-Dervillers, P. Richard, Ernest Roche, Rouanet, Salis, Sauvanet, Sembal, Toussaint, Turigny, Vaillant, P. Vanx. Viguä. d'Oclen, Viviani und Walter, soivie von 22 Pariser Gemeinde räthen gezeichnet.— — Zur internationalen Spionage. Der„Voss. Zeitung" wird aus Paris depeschirt:„Der angebliche Spion Slubeurauch scheint nach weiteren Mittheilungen der Blätter ein österreichischer Finanzschwindler oder Erpresser zu sein." — Madagascar. Nach einer Meldung aus Majunga sollen die weißen Truppen des Expeditionsko«ps Anfang Dezember in die Heimalh znrückbefördert werden. Da die Verbindungen zwischen Tananarivo, Majunga und Tamatave sicher geworden sind, so bevölkern sich die an der Etappenstraße belegenen Ort schaflen wieder; die Bewohner kehren zurück. Belgien. — Eine bedeutungsvolle Anerkennung wurde den sozialdemokratischen Abgeordneten seitens der Regierung zn theil. Seit dem großen Wahlsiege unserer Partei und der energischen Vertretung der'llrbeiterinteressen durch die sozialdeinokratische Parlamenisfraltion hat der Antheil der Arbeiter an den parlameniarischen Verhandlungen sehr zugenommen,»vnS auch in der Vermehrung der Abnehmerzahl der bisher zu sehr billigem Preise herausgegebenen amtlichen Parlamentsderichle zum Ausdrucke kani. Das reaktionäre Kabinet sucht nun die Arbeiter von der Lektüre der Pnrlamentsberichte abzuhalten, in dem sie den Preis derselben«»ehr als verdreifachte. Darin drückt sich die Furcht vor den Sozialisten in deutlichster Weise aus. Die„Vossische Zeitung", die Verfechterin des Parlamentarismus, bemerkt schmunzelnd, daß das Vorgehen der belgische» Regierung ein nicht ungeschickter Sckachzug sei. Tie Sozialistensurcht ver- dirbl den Charakter auch der„Vossische» Zeitung".— Täncitiark. — DaSFinanzgesetz, das augenblicklich dem dänischen Parlament vorliegt,»veist eine jährliche Staatseinnahme von 87 Millionen Kronen auf. Hiervon werden die indirekten Steuern Anno 49�/« Millionen bringe», also auch dort»nich der größte Theil durch die breiten Volksschichten ausgebracht werden. Bekanntlich sollte nun dieses Finanzgesetz nach den vor herigen Verheißungen des Ministeriums allerhand Reformei» bringen, aber wenn man es daraufhin prüft, wird man ivenig von Reformen gewahr: 12 999 Kronen für Verbesserung des Moorlandes, 194 999 Kronen für Dämme und Teiche an Jüiland's Westinste. Tagegen wächst, wie immer, das Militär- Budget, namentlich werden 159999 Kronen für zwei neue Befestigungen verlangt, und dieser Wunsch so motivirt, daß man merkt, daß dies nur der erste Schritt des großen Plnnes der Durchführung„einer Verbindung zrviscken den einzelnen Landeslhcilen" ist. Ferner»verde» vier neue Tampf- barkoffen verlangt. Für das Kriegs- und Marinewesen»verde» im ganzen über 29 Millionen Kronen gefordert— bei einem Budget von 87 Millionen!— während man im Vorjahr nur I83/-» Millionen verlangte und dabei war auch tiefes schon um 1« 4 Miltioiie» höher, als sein Vorgänger. Das ist die Er- jüllung des Versprechens,»velches bei Abschluß des Veigleiches gegeben wurde, daß die Mililäransgaben abnehiuen würden.— England. London, 19. Oktober. Nach einer Meldung der„St. James Gazelle" richtete Salisbury ein Ultimnliin» a» den Präsidenten von V e n e z>i e l a, in welche»« eine Entschädigung für die Ver- Haftung und Deportation englischer Unlerthane» gefordert wird n»d genaue Vedingungen über die Regelung der Grenzsrage zivischen England und Venezuela festgesetzt»verden. Nustland. — Maßregelung der Presse. Vor kurzem brachte die russische Provinzzeiluug„Saratmvsky Dnewuil" eine Korrespondenz aus Nischny Noivgorod, in»velcher die Vorbereitungen jeschildert»varen,»velche dort zu der in» nächsten Jahre bevor- lebenden Ankunft des Kaiserpaares getroffen werden. Unter anderem wurde beschriebe», wie Sicherheitsbeamte angeworben werden, um das Leben deS Kaiser? gegen Attentat« zu schützen. Die Zensur(welcher die gesammte Provinzpreffe unterworfen ist) hatte die Korrespondenz nickt beanstandet, trotzdem ist wegen des Abdrucks derselben das Erscheinen des„Saratowsky Dnewnik" auf vier Monate verboten worden.— Kuba. — Die Konstitution(Verfassung) der kubanischen Republik veröffentlicht der Madrider„Jmparcial". Dieselbe enthält im ganzen 23 Artikel. Der elfte derselben sagt, daß die Insurgenten deshalb nicht wegen Abschluß eines Friedens mit Spanien unterhandeln können,»veil es absolut nöthig sei, daß die Befreiung Kuba's durch sie vollendet werde. In einem andern Artikel wird bestimmt, daß der kuba- uische Besitz solcher auswärtiger Regierungen, welche die Jnsur» aenlen als kriegssührende Macht anerkennen, von Steuern befreit sein soll. Im weiteren übernimmt die Republik die Bezahlung aller durch den Krieg verursachten Schulden und Ansprüche.— — Die Bekämpfung des Auf stände? hat Spanien bis jetzt ca. 189 Millionen Mark gekostet.— Herr Dr. Kropatschcck giebt aus meine an die Re» daktion der„Kreuz-Zeitung" gerichtete Anfrage die folgende: A n t»v o r t. Der Abg. Singer richtet in der Beilage des„Vorwärts" ein Schreiben �A n die Adresse der„Kreuz-Zeitung". Ihm ist in seiner Klage gegen den Frhrn. v. Hanimerstcin wegen Verleumdung und Beleidigung die A»t»vort geivorden, daß die Einstellung des Verfahrens beschlossen sei, weil der Angeklagte abwesend und nicht auffindbar ist. Herr Singer schließt den Abdruck seiner im Herbst 1894 mit der„Kreuz-Zeitung" gepflogenen Polemik mit folgenden Sätzen: „Ich richte nunmehr an die gegenwärtige Redaktion des Blattes die Frage, ob sie der Wahrheit die Ehre geben und die in der „Kreuz-Ztg." ain 18. November vorigen Jahres gegen mich ge- brachte Verleumdung rückhaltlos widerrufen will. Geschieht dies nicht, so niöae die gegenivärtige Redaktion der„Kreuz-Ztg." den moralischen Muth haben, jenen Artikel neuerdings abzudrucken und damit die Verantivorlung für denselben übernehmen." Schon im vorigen Herbst beliebte des dem Abg. Singer, meine Person in den Streit hineinzuziehen, obwohl dazu für ihn nicht die geringste Veraulassuug vorlag. Ich war weder juristisch »och moralisch für den gegen ihn gerichteten Angriff ver- antivortlich. Aus dem gleichen Grunde muß ich es ablehnen, seine obigen Wünsche zu erfüllen. Mir ist es völlig unbekannt, auf»velcheS Material gestützt der damalige verantwortliche Redakteur der „Kreuz-Ztg." Herrn Singer angegriffen hat. Ich selbst aber bin es nicht gewohnt, jemand, und sei es ein Sozialdemokrat, öffent- lich zu beschuldigen, ohne sicheres Material zu besitzen. Ich kann Vorwürfe nicht„widerrufen", die ich nicht erhoben habe; ich kann ebenso wenig durch Wiederabdruck mich zum Mitschuldigen eines Angriffs machen, dessen Begründung ich nicht kenne, und den ich, wenn er einer solchen entbehrte, niemals billigen könnte. Berlin, 19. Oktober. Dr. Kr o patsch eck. Da die Redaktion der„Kreuz- Zeitung" die Hammer- stein'schen Verleumdungen nicht aufrecht erhält, persönliche Aenßerungen des früheren verantwortlichen Redakteurs für mich aber absolut bedeutungslos find, halte ich die Sache für erledigt. Berlin, 19. Oktober 1895. Paul Singer. Korket-Ulmszvichten» Da? Vermachtuiß von Friedrich Engels an die deutsche Sozialdemokratie. Wie unseren Lesern bekannt ist, hat Friedrich Engels seine Bibliothek sowie einen namhaften Geldbetrag der Partei letztwillig verinacht. Den als Erben ein- gesetzten Genossen Bebel und Singer sii»d von den Testamentsexekutoren die beide» Vermächtnisse übergeben worden. Die reichhaltige Bibliothek ist iin Auftrage der Erben an das Parteibureau adresstrt worden und vor einigen Tagen, in 27 Kisten verpackt, auf dem hiesigen Zollamt angelangt. Hier »vurden einige Kisten geöffnet— auf grund welchen Rechts man eine Sendung ohne Zuziehung des Zldressaten öffnen darf, ist uns unbekannt; eine Ausrage ist an die Zoll- behörde gerichtet— und infolge einer Meldung an die Kriminal- polizei von dieser die Auslieferung zunächst sistirt. Ain nächsten Tage hatte die Behörde sich wohl klar gemacht, daß die Beschlag» nähme nicht ausgesprochen werden könne und hat die Sendung freigegeben. Friedrich Engels muß übrigens et>vas Aehnliches vorausgesehen haben, denn in seinem Nachlaß fand sich folgender Brief: An August Bebel und Paul Einger. Die tausend Pfund, die ich Euch„zu Wahlzwecken" vermacht habe— wovon die Erbschaftssteuern abgehen— mnßle ich in dieser Form vermachen, weil ich das Geld in keiner anderen Form der Partei derart vermachen konnte, daß das Legat hier- zulande gesetzlich giltig war. DieL ist der einzige Grund, weshalb diese Beschränkung ge- macht wurde. Sorgt also vor allem, daß Ihr das Geld bekomint, und wenn Ihr es habt, daß es nicht den Preußen in die Finger fällt. Und»venn Ihr über diese Punkte Beschluß faßt, so trinkt eine Flasche guten Wein dazu. Solches thut zu meinem Ge- dächtuiß! London, 14. November 1894. Friedrich Engels. Parteil'teratur. Da? Protokoll des BrcSlauer Partei- tagcs gelangt ain Donnerstag, 24. Oktober, zur Ans- gäbe. Die für die Partei hochivichligen V-rhandlmige» über die Agrarfrage sind in ausführlichster Weise wiedergegeben, li'eshalb das Protokoll um ein Viertel stärker geworden ist als das vorjährige, also ca. 15 Bogen umfassen wird. Dem- entsprechend mußte der Preis auf 39 Pf. fcstgesetzt»verden. Bei dem allgemeinen Interesse, das die diesmaligen Parteitags- Verhandlungen erregt haben, wird das Protokoll die»veilesle Verbreltuug finden. Die Genosse» werde» gebeten, ihre Be- 'tellungen sofort an die Buchhandlung des V o r>v ä r t s" g e l a n g e n zu lassen, da bei der großen Auflage die Zusendung nur in der Reihenfolge der Bestellung geschehen kann. Der PerwaltungSbericht der Dresdener Polizei- direktiou, der de» üuiigeu Dresdener Zeilnuge» anstandslos gegebe» wird, scheinl die sezialdcmokraiiscke Kritik nicht verlragen zu könne». Tie„Sächsiichc A»b«iler- Zeitung" schreibt hierzu Bereits am 1. Oktober schickien wir zur Polizeidirektion, um uns den Bericht zu eitmie». Nuseren» Beauftragten wurde gesagt, der beizcessenbe Beamte sei nicht anwesend, er solle wiederkoinnien. Am 2. Oktober»rurde uns dann der Bescheid, »vir sollten ein schriftliches Gesuch»nachen. Das ist geschrhcn, eine schriftliche Antwort ist aber nicht erfolpt Seitdem haben nie viermal nachfragen lassen. Das eiste Mal hieß es, das Gesuch müsse dem Herrn Präsidenten vorgelegt werden, das zweite Mal:„Es liegt dem Herrn Präsidenten noch vor", das dritte Mal: Der Bericht würde uns zugeschickt werden, und das vierte Mal:„Der Bericht ist-- vergriffen!" Das ist in der That höchst merkwürdig, warum erklärt man uns nicht von vornherein, daß man uns den Bericht nicht geben wolle, weil wir ein sozialdemokratisches Blatt sind? Bezeichnend für unsere Ver» Hältnisse ist es aber sehr, wenn man uns amtliche, sttr die Oeffent- lichkeil bestimmte Berichte von Behörden, die allen anderen Zeitungen gegeben werden, vorenthält. In Amerika wird jetzt neben dem„People" ein zweites sozialdemokratisches Blatt in englischer Sprache herausgegeben, nämlich„The Socialist", der in Syracnse im Staate Vteiv-Iork monatlich einmal hermisgegeben wird. Polizeiliches, Gerichtliche? er. — Die Anmerkung zur gestrigen Notiz über den Genoffen Bau müller aus Magdeburg ist durch eine Auslassung außer Zusammenhang geralhen. Tie Stelle lautet richtig so:„Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Sunime der seit dem Er- löschen des Sozialistengesetzes bis zum Herbst l39S von deutschen Gerichten gegen Angehörige unserer Partei und gegen so- genannte Anarchisten ausgesprochenen Strafen 416 Jahre 6 Mo- uate uud 14 Tage Gefängniß, 18 Jahre 6 Monate Zuchthaus (Schröder uud Genossen) und 148 SI9 M. Geldstrafe beträgt."— Weiter ist die Notiz aus Würzburg dahin richtig zu stellen, daß Genosse G a l m die betreffende Gefängnißstrafe wegen Be- sprechung von Reli qien zu verbüßen halte. — Mit je einem Strafmandat in Höhe von 96 M. wurden die Genossen Feldmann und Kühn-Langenbielau bedacht, weil in Nr. 73 des„Proletariers" Unterstütznngsbelräge für die Porzellanarbeiter in Allioasser und für die Familien der Essener Berurtheilten quittirt waren uud dabei gesagt war, daß die Expedition bereit sei, weitere Beiträge entgegenzunehmen und abzusenden. Darin soll die Veranstaltung einer Kollekte liegen, die ohne Genehmigung des Oberpräsideuten vorgenommen worden. Es ist gerichtliche Entscheidung beantragt. Dem Ge- Nossen B ö l k e steht als verantwortlichem Redakteur für die Nummer 80 des„Proletariers" ein Strafmandat wegen des gleichen Vergehens in Aussicht. — Die„Mitteldeutsche Sonntagszeitung" in Gießen, in deren Lokalitäten kürzlich eine Haussuchung nach Exemplaren der„Lichtstrahlen" vorgenommen wurde, theilt jetzt mit, daß ihr von der Breslauer Staatsanwaltschaft I diese Exemplare wieder zurückgesandt worden sind. Soziale Zur Klarstellung der Lage der weibliche» Arbeit in Belgien ist, nach einer Meldung der„Vossischen Zeitung", vom neuen Arbeitsminister N y s s e n s beschlossen worden, in die statistische Abiheilung des Ministeriums eine Frau zu berufen. Wie lange werden wohl in Teutschland die Arbeiterinnen noch warten müssen, ehe hier eine Regierung in ähnlicher Weise auf ihre Interessen öiückficht nimmt! GeioevKfÄiÄlfklijfzcs* SämnUltche MUthellungen von Organisationen, vor allem solche über Ausstände oder Aussperrungen, müssen stets den Stempel der belressenden Organisation tragen. Aufruf zu einer allgemeine» Konferenz der Schneider und Näherinnen aller Branchen der Konseltions- Industrie am Sonntag, 24. und Montag, 25. November 1895 zu Erfurt. Am 13. Januar d. I. traten Delegirte der Kon- fektions-Jndustrie in Berlin zu einer Konferenz zusammen. In dieser Konferenz wurden die grundlegenden Forderungen zur Au- bahnung besserer Zustände in der Konfektion festgesetzt. Seitdem ist durch eine rege Agitation unter den Berufsgenossen das Interesse für jene Forderungen eriveckt. Aber auch weit über den Nahmen unserer Industrie hinaus bat man sich lebhaft mit unserer Bewegung beschäftigt. Am 1. Februar 1896 läuft der Termin unserer einheitlich an die Unternehmer gerichteten orderung nach Errichtung von Betriebswerkstätten ab. Feste arife sind von der eingesetzten Fünferkommission dem Auftrage gemäß formulirt und vorgeschlagen. Es handelt sich nun darum, wie die Kollegen und Kolleginnen Deutschlands über die Durch- führung der gestellten Forderungen entscheiden. Anläßlich dieser Situation benutzten die Unterzeichneten, die auf dem Parteitage in Breslau anwesenden Kollegen und Kolleginnen, die Gelegenheit zu einer Besprechung über den Stand der gegenwärtigen Bewegung. Unter Zustimmung des Vorstandes unserer Zentralorganisation, sowie der eingesetzten Füuferkoinmission, schlagen wir vor, am Sonntag, den 24., und Montag, den 25, November, in Erfurt eine Konserenz stattfinden zu lassen, in welcher die weiter einzuleitenden Schritte berathe» und beschlossen, verden sollen. Kollegen, Kolleginnen! Wir halten es für überflüssig, die Roth- wendigkeit einer einheitlichen Verständigung noch besonders zu begründen. Die Thalsachen sprechen für sich. Wir fordern daher auf, Delegirte zu entsenden, welche Eure Sache vertreten. Besonders nothwendig ist es aber, daß alle Orte, in welchen vorwiegend Konfektion angefertigt wird, aus der Konferenz vertreten find. Die Unkosten der Delegation tragen die einzelnen Orte. Die Verhandlungen werden Sonntag, nachmittags 2 Uhr beginnen und am Montag Vormittag be- endet sein. Paul Reißhaus- Erfurt. Fr. Knoop- Frankfurt a. M. Adolf Albrecht-HaUe. Frau Kähler-Wandsbek. Paul Euders-Chemnitz. August Kühn-Langenbielau. V. Liepelt-Breslau. Frau Stein- bach-Hamburg. Göbel-Mainz. C. Beck-Lüneburg. Die Fünferkommission. I. A.: I. T i ni m. Berlin. Kollegen und Kolleginnen! Anschließend an obigen Aufruf sprechen wir die Erwartung aus. da der Vorstand von der Nothwendigkeit der Abhaltung der Konferenz überzeugt und sein Einverständniß dazu erlheilt hat, daß überall, wo die Konfektion vorherrschend ist, Stellung dazu genommen wird, um auf der Konferenz ein vollständiges Bild über den Willen und die Meinung über das fernere Vorgehen zu erhalten, und die Ansichten zum Austrag gebracht werden können. Den einzelnen Orten, welche jedoch glauben, nicht selbständig vertreten sein zu können, würde zu empfehlen sein, daß die Agitationsbezirke sich über die Vertretung verständigen. Der Vorstand des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. I. A.: Fr. Holzhäußer, Flensburg. Aufruf an die Arbeiter und Arbeiterinnen der Textil- industrie in der Provinz Brandenburg! Laut Beschluß der Provizinalkonferenz vom 16. Juni d. I. hat sich in Berlin das unterzeichnete Agitationskomilee für die Provinz Brandenburg konstituirt. Wir ersuchen nun die Kollegen in der Provinz und sonstige Freunde der Arbeiterbewegung, uns Adressen zu überweisen, speziell aus der Niederlausitz, damit in eine energische Agitation eingetreten werden kann. Das Komitee. K o tz k e, Marienburgeritr. 3/4, 2. Hof 2 Tr. S t a h n, Memelerstr. 7, 2. H. 4 Tr. Lehmann, Koppenstr. 32, v. 3 Tr. Briefe sind zu richten an Gustav Lehmann, Koppen» straße 32, v. 3 Tr. Alle arbeiterfreundlichen Blätter der Provinz Brandenburg werden um Abdruck gebeten. An die Putzer Berlins nnd Umgegend k Kollegen! Die revidirten Lohn- resp. Akkordlartfe find im Laufe vergangener Woche sämmtlichen Arbeitgebern Berlins und Umgegend zu- gegangen. Die Kollegen können sie heute Sonntag bei Gabriel u. Jäger und Montag, den 23. d. M. in der öffentlichen Versammlung in Empfang nehmen. Wir fordern Euch nun hiermit auf, die gefaßten Beschlüsse vom 16. und 23. September d. I. strikte zur Durch- iübrnng zu bringen, sowie auch dem Tarif volle Geltung zu ver- schaffen. Er ist. glauben wir, in allen seinen Theilen derartig abgernßt, daß kein nur einigermaßen billig denkender Arbeitgeber sich sträuben wird, ihn anzuerkennen. 2ln Euch selbst, Kollegen, lag es, wenn unsere Arbeitsbedingungen immer schlechter wurden. Darum ermannt Euch und fordert Zahlung nach den von Euch selbst ausgestellte» Tarifsätzen. Sollte es auf einigen Bauten zur Arbeitsniederlegung kommen, so bitten wir, sofort, wenn möglich persönlich, Bericht an H. Neumann, Grunewaldstr. 113, oder an August Vogel, Weidenweg 35, gelangen zu lassen; auch kann abends von 8—9 Uhr bei Röllig, Neue Friedrickstr. 44, Bericht erstattet werden. Die Sammellisten werden Sonntag Vormittag von 19—12 Uhr bei Gabriel u. Jäger voi�ffler- trauensmann entgegengenommen. Die Kommission. In der LnxnSpapierwaaren- Fabrik von SchallerN� Sryfert in Glaucha» sind, wie uns mitgetheilt wird. doH ernstere Differenzen vorgekommen, als es nach der in der Freitag- nummer des„Vorwärts" veröffentlichten Berichtigung den An- schein hatte. Seit der vor ca. 3/4 Jahren erfolgten Gründung des Geschäfts sollen einige Glauchaucher Textilsabrikanten aus die Inhaber der Firma Schaller u. Seyfert sorigefetzt einen Druck nach der Richtung hin ausgeübt haben, daß diese die niedrigen Löhne und die lange Arbeitszeit der Glanchauer Textilindustrie auch in ihrem Geschäft eiuführlen, damit die Glauchauer Textilarbeiter nicht zur Begehrlichkeit gereizt würden. Tagegen hätten sich sowohl der Werkführer wie die übrigen ersten Kräfte— sämmt« lich von auswärts— mit aller Macht gewehrt. Herr Schaller. der längere Zeit die Fabrik allein leitete, habe bei verschiedenen Gelegenheiten offen zugegeben, daß er wohl wisse, daß im Buch- bindergewerbe andere Verhältnisse maßgebend sind, als in der Texlilindustrie, jedoch bemerkt, er werde auf die Dauer dem Drucke von außen nicht widerstehen können. Und so sei es gekommen. Nachdem der Geldma»», Herr Seifert, seinen 22— 24jährigen Sohn, einen Neservelieutenaut, als Theilhaber ins Geschäft aufgenommen habe, sei den Arbeitern die Verlängerung der Arbeitszeit zngemulhet worden und als diese nichts davon wisse» wollten, habe man schweres Geschütz aufgefahren. Der Leiter der Kartonnagen- abtheilung, der sich gegen längere Arbeitszeit stets gewehrt habe, sei von dem jungen Herrn wegen einer kleinen Angelegenheit derart angefahren worden, daß er seine Stelle� gekündigt hätte. Daraus habe der junge Herr, wie er ganz offen zu- gegeben hätte, nur gewartet und angekündigt, wenn der neue Werksührer komme, werde morgens um 6 Uhr angefangen und gearbeitet wie in den Glauchauer Textilwaaren- Fabriken. Bei einer Unterredung mit den übrigen wider- spensligen Arbeitern habe der junge Herr in einem Tone geredet, wie er elwa aus dem Kaserncnhofe üblich sei. Das Ende sei ge- wesen, daß die anf vierwöchentliche Kündigung eingestellten Arbeiter gekündigt hätten. Die auf 14 tägige Kündigung ein- gestellten u-ürden folgen, so daß am 1. November fast sämmtliche männlichen Arbeiter und mehrere weibliche das Geschäft verlassen würden. Es würden nun von einem Agenten der Firma in Berlin, Dresden uud Tetschcn in Böhmen Werkführer, Schnitlmacher, Presser, Kartonnagenarbeiter, Präger u. s. w. zu cngagiren gesucht. Gelänge das der Firma nicht, so sei es leicht, die in der Fabrik bestehenden Verhältnisse aufrecht zu er- halten und sie vielleicht noch zu verbessern; außerdem würde da- durch den Glauchauer Arbeitern ein Beispiel dalür gegeben, daß die Arbeiter durch gute» Zusammenhalt ibre Lage sehr wohl günstiger gestalten können. Mit dieser Angelegenheit wird sich nun eine öffentliche Versammlung der Berliner Arbeiter der Luxuspapier-Branche befassen, die am Mittwoch, den 23. Oktober, abends 8�/2 Uhr, im großen Saale bei Boltz, Alte Jakobstr. 75, abgehalten werden wird. Es ist nöthig, daß sämmllicbe Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Luxuspapierwaaren-Branche in dieser Versammlung erscheinen, um zu der so wichtigen Angelegeicheit Stellung zu nehmen. Zwecks Stellnugnahme zum Streik der Wiener Stockarbeiter ersuchen wir die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche, durch Erscheinen in der öffentlichen Ver- s a m m l u n g der Stocknrbeiter Berlins, am nächsten Montag, abends 8>/2Uhr. bei Keller, Koppenstr. 29, ihr Einverständniß mit der Lohnbewegung der Wiener Kollegen auszudrücken. Ge- winnen diese, so ist das auch ein Sieg für uns, verlieren sie, so haben auch wir Verlust zu gewärtigen. Darum eifere ein jeder und lrage ein jeder zum Gewinnen des Streiks bei. Wer nicht in die Versammlung kommt oder die Bedrängten nicht unter- stützt, Hilst de» Gegnern und entzieht seinen Kindern das Brot. Die Agitationskommission. Der Sattlerstreik bei Scholz Nachf. in Schöne- berg-Berlin dauert fort. Außerdem mögen die auswärtigen Kollegen beachten, daß sämmtliche Militärefsekten» Fabrikanten beschlossen haben sollen, so lange der Streik bei Scholz Nachf. währt, in ihren Fabriken keine Arbeiter einzustellen, damit die Zureisenden gezwungen sind, bei Scbolz Nachf. in Arbeit zu trete», ivodurch natürlich der Streik ins Wasser fallen würde. Die A g i t a t i o Ii s- K o m nii s s i o n. I. A.: Bruno Pörsch, Rixdorf, Steinmetzstr. 24. In Halberstadt haben die Weiß gerb er der Weiß- gerbereien von Berneburg uud S t e l z e r die Arbeit ein- gestellt, weil ihnen der Zehnstundentag nicht bewilligt wurde. Die Arbeitszeil ist jetzt elfstündig. Die Lokomotivführer der StaatSbahuen Oesterreichs hielten in Wien eine D e l e g i r l e n- V e r s a m m l u n g ab, die von ca. 499 Lokomotivfübrern, darunter 119 aus der Provinz, besucht war. Zweck der Versammlung war Einleitung einer Aktion zur Hebung der Lage der Lokomotivführer und Schaffung einer Organisation. Beschlossen wurden folgende Forderungen: achtstündige Arbeitszeit bei Schnellzügen, zehnstündige bei alle» anderen; Anfangsgehalt 699 fl., Ouartiergeld 199 fl., böchsters Gehalt 1299 fl.; Venvandlung der akkordarligen Kilometer- gelber und Prämien in feste Pauschalsummen; Schaffung einer Dienstpragmatik; Revision der bestehenden Dienst- Vorschriften und Instruktionen; Reorganisation des Dis- ziplinarverfahrens in dem Sinne, daß gebeim gewählte Lokomotivfübrer als Richter zu fungiren baben. Alle Forderungen werden in Form eines Memoranounis der Direktion der Staats- bahnen nnd dem Reichsrathe vorgelegt werden. In Beziehung auf die Organisation wurde beschlossen, diese nach Heizhäusern vorzunehmen, in Wien eine Zentralstelle zu schaffen und Anschluß 'owohl an die Fachorganisation der Eilendahnbediensteteii wie auch an den Verband der Beamte», Hilfsbeamten nnd linier- beamten zu suchen. Zum Fachorgan wurde fast einstimmig„Der Eisenbahner" bestimmt. Den Verhandlungen wohnte das Parla- ments- Mitglied Pernerstorffer bei. Er forderte die Ver- am in eilen in zündenden Worten zur Organisation auf. Nur im Anschluß an das Heer der internalional organisirlen, kämpien- den Arbeiterschaft könnten sie ihr Heil finden, nur im Verein mit den übrigen Kategorien von Bediensteten sei für die Lokomotiv- uhrer etwas zu erreichen. Am Streik der Wiener Meerschaum» Pfeifenschneider betheiligeu sich nicht nur alle Werkstalt-arbeiler nnd -Arbeiterinnen dieser Branche, an Zahl gegen 699, sondern auch alle Hausmeister und Hausgefellen, d. h. alle für Rechnung der Fabrikanten daheim arveitendeu Meister nnd Gesellen. Gefordert wird der Achtstundentag und entsprechende Lohnerhöhung. Die Forderungen der Harburger Bäckergekekken sind nun von fast sämmtlichen Meistern beivilligt. Nur zwei haben noch nicht nachgegeben. Ter Schweizerische Dypographenbnnd hat als neuen Redakteur für das Verbandsorgan, die„Helv. Typographia", den Parteigenossen Arnold in Basel gewählt. In Ensival in Belgien sind sämmtliche Weber der Tuchfabrik von H a u z e u r u. C o. ausständig, weil die Webstühle belgischer Konstruktion dem System der englischen Doppelkraftftühle angepaßt werden sollten. Ein solcher Doppel- stuhl bedarf nur einer Person als Bedienung. Dem Personal wird also die bei Einführung technischer Vervesserungen inner- halb der Heuligen Gesellschaft übliche Verringerung der Arbeiter- zahl oder eine entsprechende Verminderung des Lohnes in Aus- sickt stehen. Durch den Streik wollen die Weber nun die Fiuna zwingen, von der Neuerung abzustehen, was schwerlich gelingen wird. So bliebe ihnen nur der Trost, daß d i e Gesellschafts- ordnung, in der neue Erfindungen die Lage des Arbeiters ver- schlechlern, leinen dauernden Bestand haben kann. GrriifzkS�BeMmig.> Der Bt ansewetter- Kammer ans der Haft vor- geführt wuide am Sonnabend wiederum unser Genosse «ierl(Roland), um sich wegen Beleidigung der Kieler Molizeibehörde zu verantworten. Es handelte sich um eine Notiz unseres Blattes über die Kieler Häuser, in denen Mädchen ihren Körper gegen Bezahlung preisgeben. Ter Genosse Dierl lehnte vor Eintritt in die Verhandlung den Vorsitzenten Landgerichls- Tirekior Brause weiter und einen Beisitzer, Landgerichls Rath Grandtke, wegen Befangenheit ab. Als der Angeklagte seinen Antrag begründen wollte, schnitt ihm der Vorsitzende das Wort ab, indem er erklärte, er wolle die Begründung nicht anhören. Er weigerte sich gleichfalls, den schriftlich gestellten Antrag vom Angeklagten e n t z e g e n z u n e h ni e n. Bei dieser Gelegenheit sprach der Herr Vorsitzende sein Befremden darüber aus, daß der Angeklagte Roland mit„solchen" Anträgen komine. Er sprach von einer „Verschleppungsmauie" und Mißbrauch des„Ablehnungsrechts". Gleichzeitig kündigte er dem Angeklagten an, daß am 29. d. M. schon wieder gegen ihn verhandelt wird. Es wurde schließlich vertagt und dem Angeklagten aufgegeben, seinen Ablehnungs- antrag aufs neue schriftlich bei der Gerichtsschreiberei eiuzu- bringen. Ter Angeklagte wurde hierauf in die Untersuchungshaft zurück- geführt. Das Verfahren des Herrn Brauseweller findet in den Bestimniuiigen der Srrasprozeßordnung keine Begründung, die Eulscheidnng der Sache, i» der Genosse Dierl zweifellos freigesprochen werden niiißte und die zu verschleppen ihm schon deshalb außer- ordentlich fern liegt, erleidet jetzt eine Verzögerung. Nach der Siraf- prozeßoidnung hat der Angeklagte das zweifellose Recht, seinen Ablehnungsaiitrag mündlich bis zur Eröffnung der Hauptverhandlung vorzubringen und zu begründen. Ter Vorsitzende hat kein Recht, die schriftliche Fixiriing der Ablehnniigsgründe zu hindern und sie dadurch der Oeffent- licbkeit zu entziehen. Wäre gestern das Ablehnungsgesuch mündlich vorgetragen, so hätten über dasselbe sofort die übrig gebliebenen nicht abgelehnten drei Richter Beschluß fassen können. Dieser Beschluß uud damit die Entscheidung in der Sache selbst ist durch die Zliiordnuiig des Vorsitzeudeu hinausgeschoben. Welche Gründe jeden Redakteur des„Vorwärts", insbesondere aber Genosse» Roland veranlasse», Mißtrauen gegen Herrn Brausewetter's Unparteilichkeit in einem zu' seiner Ablehunng rechlfertigendem Maße zu hegen, hätte die Oeffentlichkeil durch Dierl's Mund abermals erfahren, wenn die Anordnung des Vorsitzenden nicht ergangen wäre. Wie deutsche Richter richten. Ein Privatsörster sollte sich gegen das Gesetz betreffend die Schonzeit des Wildes vom 26. Februar 1379 dadurch vergangen haben, daß er einen Kitzbock zur Schonzeit schoß, der sich in einer Falle gefangen, erheblich ver- letzt und ei» Bei» gebrochen hatte. Die Strafkammer sprach den angeklagten Förster frei, da letzterer dem Kitzbock offenbar nur deshalb einen Fa> gschuß gegebe» habe, um das Thier von seinen Qualen zu erlösen. Gegen diese Entscheidung hatte die Staats- anivaltschast erfolgreich Revision eingelegt. Das Kammergericht erklärte am 17. d. M. die Revision für begründet und führte aus, daß auch die Tödtnng des Wildes ans Mitleid zur Schonzeit strafbar sei. Ziemlich allgemein wird wohl(wie die„Kölnische Zeitung" mit recht bemerkl) die Auffassung vorherrsche», daß es besser bei der Enlscheidung der Strafkainmer gebtieben wäre. Ein Priigelpädagoge, der Schullehrer Schön von Hart- hausen, stand wegen Körperverletzung mit nach- g e f o l g t e m Tod vor dem Schwurgericht H e ch i n g e n (Hohenzollern). Als Züchtigungsmitiel bediente er sich gern eines Schlüssels und schlug damit den Schullindern Beulen an den Kopf. Ein Schüler, welchen er ebenfalls auf diese Weise mißhandelt halte, wurde krank und starb darauf. Die Geschivorenen sprachen de» Angeklagten als der Mißhandlung des Verstorbenen schuldig, unier Annahme mildernder Umstände und daraus verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten zu drei Wochen Gesüngniß.— Depefchen und letzte LlAcheichke»:. Trieft, 19. Oktober.(B. H.) An der italienischen Küste des adrialischeu Meeres wüthel seil gestern ein orkanartiger Sturm von furchlbarer Gewalt. Aus allen Gegenden laufen Nachrichten über große Unfälle ein. Bei Sondrio ging infolge Wolke» bruchs eine Steinlawine nieder, welche die Hanpistraße vollständig zer- störle. Bei Ginlia Nowa scheiterte ein italienisches Schiff. Man befürchtet, daß noch zahlreiche andere Schiffe verunglückt find. In Oberitalien ist die Temperatur beträchtlich gesunken. In den Abbruzzen schneit es und in Rom wüthet ein eisiger Siurm. Lemberg, 19. Okiober.(B. H.) Beim Gymnasiminbau in Drohobzicz stürzte ein Gerüst infolge fehlerhafter Konstruklio» ein. Mehrere Arbeiter wurden verletz', zwei getödlet. Krakau, 19. Oktober.(B. H.) Fünf Personen wurden von der Polizei hier verhaftet. Die Verhafteten wurden auf frischer That dabei erwischt, als sie nach Rußland Militärpläne befördern wollten. Paris, 19. Oktober.(B. H.) Senator Magnier wurde heute zu einem Jahr Gefängniß verurlheilt. London, 19. Oktober.(B. H.) In der Nähe der Stadt Kairo stieße» zwei Dampfer zusammen. 69 Personen ertranken. Loudou, 19. Oktober.(W. T. B.) Von gut unterrichteter Seite wird die Nachricht der„St. James Gazette" von dem Ultimatum an die Republik Venezuela bestätigt. Das Ultimalnm wurve dem veneznelischen Generalkonsul in London übergeben. Lissabon, 19. Oktober.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Depesche aus Goa machen die dortigen Truppen gemein- same Sache mit den Aufrührern und geben sich der Plüude- rung hin. Konstautinopel, 19. Oktober.(B. H.) Eine große Auf- regung hal sich der Armenier bemächtigt, da hier verlautet, daß der aruieuische Patriarch von der Pforte seines Amtes entsetzt werden soll, weil er augeblich an den blutigen Vorgängen in Konstantinopel die Hauptichuld trage. Shanghai, 19. Oktober.(W. T. B.) Nur der dritte In- genieur und elf Ehinesen von der Besatzung des Trausportschiffcs Zkilugpai wurden gerettet. Die Zahl der an Bord befindlichen Mannschaft betrug 499. Zanzibar, l'3. Oktober.(W. T. B.) Haiiptmaun Laivrenca, welcher eine Abtkeilnng der Eingeborenen Truppen kotnmanoirte, wurde in einem Gefecht mit de» Anhänger» Mbarusis durch einen Schuß geiödtel; sein Leichnam blieb in den Händen der Feinde. Die Kriegsschiffe„Phoebe" und„Swalloiv" haben sich an Ort Stelle begeben. Verstärkungen der indischen Truppen gehen in kurzer Zeit nach Mombassa. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knuert, Echöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Zh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag vcn Niox Bndiog in Berlin. Hirrz», 3 Peilage»' 1. Beilage zum„Vorwärts" Bcrliuer Volks t. ?tr. S46. N rl»eisvv �Serttiksiksstottrmif�tott Drei Jahre sind es her, seitdem in der Berliner C t a d t v e r o r d n e t e n- B e r s a m m l u n g der Antrag, ein si ä d! i s ch e s G e s n n d h e i t s a in t nach dem Muster anderer Giißstiidte für Berlin zu begründen und Gesundheits- n u f s e h e r mit dein Schutz der Besitzlosen vor der Aiisbemui g durch die städtischen Agrarier zu betrauen, von den Sozial- demokralen gestelli und von der kompakten Majorität von Hans- besitzern ohne Berathung zurückgewiesen wurde, Drei Jahre sind eS her, seitdem infolge dieser Vorgänge im Stadthaus die Berliner Arbeiter zur Selbsthilse schritten und eine Arbeiler-Sanitätskoniinission begnindeten, mit der Aus. gäbe, jene Lücke in der jiomnmne, so gut es ging, auszufüllen, dem in seinem einzigen Besitz, in seiner Gesundheit bediohlen P> oletarier ein Schutz zu sein und unnachsichtlich das Elend in Wohnungen und Werkstätten der Oeffentlichkeil zu übergeben. In diesen drei Jahren ist der Koinniission der Sioff nie ausgegangen, iinmer wieder> nd wieder liefen ans Arbeiter- kreisen Beschwerden ein, die sie mit wenigen Ausnahmen als berechtigt anerkennen niubte und die beweisen, wie sehr eine solche Einrichtung ein Bedürsniß sür die arme Bevölkerung ist. Auch heute beschäftigen uns wieder grauenhafte und gesund- heitsschädliche Zustände in Wohnungen und Werkstätten: Brunnen str. 189 ist der Schlächlerkeller feucht, an den Wänden Schimmel und Schwamm im Holz. Die Möbel ver- derben, die Friu ist leidend. Die neben dem Gejchäflsranm gelegene Räucherkammer hat nicht ordentlichen Abzug, sodaß der Ranch in die Zimmer schlägt und die Hausbewohner sich über den Qualm beschweren. Die durch die Küche gehenden Kloset- röhre verbreiten mitunter ekelerregenden Gestank. Die Kellertreppe ist schadhaft. Waldemarstr. 13, vorn im Keller. Verkaufs- und Wohnräume gänzlich unbeivohnbar. Der Schwamm sttzt im Fu ßboden, so daß man im Laden überall durchbricht, man»-- kopigroße und faustdicke Schiminelwucherungeii an Boden und Wänden. Die Wände sind naß und dumpfer Geruch erfüllt die Räume. Mann, Frau und Kinder klagten über Mattigkeit, kalte Füße und Kopfschmerzen. Die Biktnalien im Geschäft, besonders das Mehl, verderben, riechen und schmecken dumpfig und werden von den Kunden zurückgebracht; Salz vergeht zu Wasser. Trotz alledem Beschwerden bei Polizei und Wirth fruchtlos. Die Aus- besserung des Bodens, zu welcher sich der Wirth verstehen will, ist, ganz abgesehen von der dadurch nolhwendigen Schließung des Geschäfts, nicht ausreichend. F e h r b e l l i n e r st r. 39 befindet sich auf dem Hofe ein dem Wirth(Dlilchhänbler) gehöriger Schweinestall, so daß es nauicnilich im Sommer vor Geuank im ganzen Hause und Neben hause nicht ausznh'lten und an Lüfli ng nicht zu denken war. Im Sominer soll auch die Waschküche von den Mielhern nicht benutzbar gewesen sein, da in derselben das Schweinesutter gekocht wird und das scheuklich viel Maden im Gesolge haben soll. Gr. F r a n k f u r t e r st r. 123. Auf dem Hofe eine Dung- grübe, in welcher alle Btüll- und Absallstoffe monatelang an gesamnielt werden. Da sie nach den gemachten Angaben nur 2—3 Mal im Jahr geleert wird, verbreitet sie einen nnerträg lichen Gestank und hindert die Hosbewvhner am Oeffnen der Fenster. Alte Jakobst r. 131. In der den Hofiieferanten A lisch u. Co. gehöiigen Schmiede, die auf dem Hofe 2>,e Meier tief unter der Erde gelegen ist, herrscht eine sehr schleck te Lust. Kein Sonnenstrahl dringt hier hinab, den ganzen Tag muß der dunkle Raum durch Gas erhellt werden, die Fenster sind schmal und niedrig und theilweise garnicht zu Öffnen. Wenn gar Reifen aus die Räder gelegt werden oder wenn an den drei Essen auch Kupfer gelöthet wird, ist es vor Rauch und giftigen Gasen garnicht auszuhalten, dann müssen die Schmiede rasch die 13 Stufen hinaus zum Hof, um freie Luft zu athmen. W o bleibt der Fadrikinspeklor? P r i n z e n st r. 64. Nur zwei Klosets, obendrein mit Löchern in der Zwischenwand, existiren für die Arbeiter(beiderlei Ge- schlechts) einer Atbumsabrik, Metallivaaren-Fabrik, Sattlerei, Malerei, Schlosserei, eines Weinkellers, eines Seifengeschästs und für die Hausreinigungsleute. Zahl und Beschaffenheit sind u» genügend. D r e s d en e r st r. 97. Im Fabrikgebäude find die Klosets theilweise in wider, ärtiger Weise verwahrlost; die Schuld daran trägt die Methode, dem Lehrburschen die Reinigung zu über- lassen. »>* Für die Arbeiter-Sanitätskommission gingen ferner ein: Von dem sozialdemokralischen Wahlverein Brandenburg a. H. 10 M., von der Vereinigung der Graveure und Ziseleure V M. v Sonntag, den 20. Gütoder 1893. »—— « daranU 12. Jahrg. Lokales. Die streikenden Glöckner. Am Montag wird aberm ein„Gotteshaus" in der sündigen Reick shaiiplstadt eingeweiht werden. Das neiie Gebäude, welckes im Thiergarten ansgesührt ist. heißt Kaiser Friedrich-Gedächtnißkirche. Es ist ein eigenartiges Zeichen unserer Zeit, baß eines der erste» Merk- niale rn der Geschichte dieser nei.en Kirche eine Art Streik bildet, zu dem einige Handarbeiter im Weinberge des Herrn sich veranlaßt gesehen haben. Die Sache verhält sich so. Ende September wurden vom Küster der Kirche, Timm, sieben Mann, wie verlautet, provisorisch engagirt, welche als Glöckner in dem heiligen Bau wirken sollte». Eine feste Ewstelliliig dieser Arbeiter scheiterte an dem Geld- punkt. Den sieden Leuten zusammen wurde nämlich für die Zeit vom I. Okiober dieses bis zum 30. September nächsten Jahres die Summe von 200 M. im Namen der Gemeinde angeboten. Dies schien den Arbeitern eine ungemein niedrige E»lloh»»ng; es hieß aber, daß die Gemeinde nicht sehr reich sei und daher sparsam mit den Gebältern umgehen müsse. Bei allem gaien Willen schienen den neuen Glöcknern die ziveihunderl Mark aber doch gar zu ungenügend; sie rechneten «»s, daß sie im Jahre mindestens 184 mal läuten müßten und daß daher ans das jede-inalige Verrickilen dieser Arbeit pro Mann gerade 15 Pfennige kämen. Hierin seien außeroidentlicke Beichätligungen, wie Koiisirmationsläuten jc., gar nicht einbegriffen; auch kam auf die Glöckner noch die Ver- pflichlung, die Uhr aufzuziehen und am Sonntag die Betglocke anzuschlagen. Es sei bemerkt, daß das Glocken- läuten eine sehr anstrengende Arbeit ist; nach deni Pioveläuten, welches in der Kirche sünsmal veranstaltet wurde, ivnren die Arbeiter am ganzen Körper in Schweiß ge- badet. Elnmüthig bekundete sich unter ihnen daher die Ansicht, daß sür den gebotenen Lohn die Arbeit unmöglich geleistet werden könne und daß die erforderlichen Sck'rilte zur Erzieluug besserer Lohn- und Arbeitsdedingungen zu unternehmen seien. Im Austrage der übrigen gingen am Mittwoch voriger Woche vier Glöckner nach der Wohnung des Predigers Hagenau, Händelstr. 14. Drei von ibiien warteten im Flur, während der Oberglöckner ins Anilszimnier trat. Die linlerhandlung dauerte nur wenige Mimiteu; die drei Draußen- siebenden vernahmen plötzlich, daß eine starke Faust mehrere Male auf»ine Tischplatte schlug, und hörten dann den Gottes mit lauter Stimme rufen:„Nein, nein, wird nichts, wenn Sie nicht läuten wollen, kündigen Sie am 1. Jannar, sonst wird überhaupt nickt geläutet! Gleich darauf kam der Oberglöckner zu seinen Kollegen zurück, und draußen vernahmen diese dann, daß der Prediger es gewesen sei, der so stark auf den Tisch geschlagen habe. Diese Kraft- äußerung sei vor sich gegangen, als der Geistliche vernommen habe, daß die Glöckner pro Mann 2 Mark für den Sonntag und 50 Pfennig sür den Wochentag zu fordern gedächten, auf eigene Verantwortung hin hätte er, der Oberglöckner, diese Forderung dann aus 1 M. 50 Pf. für den Sonntag ermäßigt. Aber auch daraus habe der Prediger nickt eingehen wollen; die Rücksprache sei sofort von ihm in barschem Tone abgebrochen worden. Wie wir noch erfahren, sind aus Veranlassung des Geistlichen am Mittwoch Abend die Verhandlungen fortgesetzt worlen, doch ohne Erfolg; aus das Gebot von 52 M. sür jeden Glöckner, welches der Gotie-nrann schließlich stellte, erklärten die Arbeiter nicht eingehen zu können. Die Glöckner, die wie gesagt, das Engagement nicht als ein bindendes betrachten, sollen fest ent- schlössen sein, ihre Arbeit einzustellen, und wenn es der Kirchen- Verwaltung nicht gelingt, von anderswo Ersatzkräfle herbei- ziischaffen, wird am Einweibungstage das Glockenläulen in der Kaiser Friedrich- Gedäcblnißkiiche seine Schwierigkeilen haben. Es sei noch bemerkt, daß der Lohn der Glöckner in anderen Kirchen ein bedeutend höherer ist. als in der Kaiser Friedrich- Gcdächtnißkirche; so sollen diese Arbeiter in der Heilandskirche jeder 2 M. bekomme»; in der Daickeskirche delrägt, wie u�s versichert wird, das Jahresgehalt eines jeden 120 M. Ter„Berliner Lokal-Zlnzeiger" nnd die Polizei. In geradezu kläglicher Positur zeigt sich das bekaunte unparteiische Lokalblatt bezeichnenderiveise gelegentlich der Affäre Räthke. Während selbst der Gerichtsbericht der„Norddeutschen Allgem. Zeituiig" offen die eigeuthun. lichen Fälle herzählt, in denen der Kriminalbeamte die„G a st fr e u n d s ch a f t" von Wirthen in Anspruch nahm. unterschlägt der„Lokal- Anzeiger" alle belastenden Zeugenaussagen. Das Blatt meldet weder die Bekundung des Hauswirlhs über die Unregelmäßigkeit, noch die eidliche Aussage des Gastwirths Hahn tc. Tie ganze folgende Stelle im Gerichtsbericht ist für das unparteiische Blatt Lust: „Hahn bekundete, daß der Zeuge Räthke ihn eines Tages um ein Darleh» von zweihundert Mark gebeten habe mit dem Bemerken, daß er einen Fehlbetrag in seiner Miethekasse habe. Hahn habe es abgelehnt. Er habe nur eine beschränkte Konzession gehabt und durste keinen Schnaps schänken. Vor der Abweisung habe Räthke ihm gesagt, er sollc nur ri.hig Schnaps verkausen. von seiner Seile würde eine An zeige nicht eriolgen; Räthke habe denn auch selbst manchen Kognak bei ihm getrunken— ohne Zahlung. Von dem Augen- blick der Abiveisimg ab habe Räthke ihn aber fortgesetzt angezeigt Es traten»och zwei andere Scbankwirthe auf, welche beki'ndeten. daß Räthke bei ibneii ohne Zahlung gegessen und gelrunke» habe Der Zeuge Räthke bestritt dies entschieden." Der Gerichisbericht des„Lokal-Anzeigers" beginnt erst wieder mit dem Piaidoyer des Staatsanwalts. Erhofft das Vlail im Ernst etivelche V o r t b e i l e davon, daß es die für das Ver- ständniß der ganzen Affäre bezeichiiendslen Stellen unter- schlägt? Stärker als die StaatSgelvalt erwies sich wieder einmal die Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen. In aller Ge- dächtniß wird noch das Vorgehen des Buchbinder-Verbandcs vom vorigen Winter gegen die Kartonfabrik Cohn u. Friedländer. Stralauerstr. 53, sein. Der Geldmanu Cohn wurde grober Unsittlichkeiten beschuldigt, die er gegen einige bei ihm beschäftigt Arbeiterinnen begangen hatte. Die Anschnldigungen wurden als wahr erwiesen, aber infolge sormaler Fragen ging Cohn vor Gericht straffrei aus. Einer weiteren Anklage wurde nicht statt gegeben, weil inzwischen Verjährung eingetreten war. Aber die be- lheiligte» Arbeilerkreise hielten zähe an der verhängten Sperre fest; die öffentliche Meinling stand auf ihrer Seite nnd das Resultat ist, daß die Firma die Segel streichen muß: Der Konkurs wurde über das Ver niögen derselben verhängt. Das hat der ernste und feste Wille organisirter Arbeiter»nd Arbeiterinnen erreicht! Nnd doch gab es eine große Zahl Klein gläubige, die verzagten, weil nicht dem ersten Aulauf der Sieg zufiel. Mögen sie daraus die Ledre entnehmen, daß, wenn man nur ernstlich will, vi.l größere Erfolge erstritten werden können! Krüppel laufen in der Weltstadt mehr wie zuviel herum; Leute, die nicht nur vcm Arbtiterrisiko, sondern auch von der tiirsorg« ihrer Mitmensche» ein Lied singe» könne». Denn wenn taat und Koinmnne, wie es ihnen zukommt, sür diese bedauerns- werihen Menschen angemessen sorgen würde, wäre es dann möglich. daß man allenthalben aus Äinppel stößt, die zu keiner anderen Arbeil sähig sind als zu der, aus der Straße sich ihr B>ot zu erbetteln? Da wälzt sich beispielsweise eine runde Blasse über den Bürger- ' eig, bei der man wirklich erst genau hinsehen muß, ob es ein nsch oder sonst etwas ist. Bon den Beinen iehlt auch der lcßf�Stnmps, der Rücken ist gekrümmt, daß das Gesicht fast de» Erdboden berührt, nnd die Arme versehen die Stelle der Beine. Dieser Krüppel stützt sich ans die Hände und bewegt dann den Obeikörper nach vorn. Ein Kästchen mit Streichhölzern zeigt an, daß der Mann auf mildihätige Gaben— deiiii die Waare ist nur Mittel zum Zweck nnd Sicherheit gegen Ein- sverrungsgelüste— angewiesen ist. Ein anderer Fall."Heber die Straße kommt eine Art Stuhl gewackelt. Aus diesem hockt ein Mensch, der derart gelähmt ist, daß er nickt aufrecht gehen kann. Ter Stuhl muß Stütze sein, daniii das ganze menschliche Wesen nicht zusammenklappt. Ai ch hier fehlt der Slrcichholzlasten nickt. Und ein drilier Fall, der nicht vereinzelt dasteht. Vtcl'ach treffen mir an ihres Augenlichts beraubte Leine. Musik inachend oder ebenfalls die unvermeidlichen Streichhölzer feilbielend und geführt von dem eigenen Kinde, dessen Seele von dem, was es durchmachen miiß, schon in früheüer Jugend vergiftet wird. Und so lassen sich noch unzählige von Fällen anführen. Ist es nicht genug, daß der Krü,pel unter dem Bewußtsein eines ver- fehileu Lebens leidet? Muß er auch noch gezivungen sein, sich se>n Slücklein Brot in Wind und Wetter auf der Straße zu er- uetteln? linier der heutigen sogenannten gölllichen Meltocdiiung ist es nicht anders. Tie Sozialdemolralen wollen sie in eine menschliche umwandeln. Zur Tarisfrage auf der Stadt- und Ringbas)» wird berichtet: Die Aendmmg de? Slnd>bah»-Taii,s auf gnind der ständige» Vermehrung der Stadt- lind Riiigbahnstaiionen beschäftigt seit längerer Zeit die Stadlbahn-Verwallung. Die von den Anwohner» der Gegend des Zoologischen Gartens und Cbarloltendnrgs gestellte Fordeiung, durch Ausnahme- Be- stimmungen einen 5— L Stationen- Tarif zu errichten, würde nach Ansicht der Verwaltung zu erbeblrchen Schwierigkeiten iübren; ein Kilometer- Tarif aber ist aus lectiimcheii Gründen unmöglich. Ein Embeitstarif für die Stadt- und Ringbahn wäre nur dun» zu schaffen, wenn der Preis für die dritte Waacnklasse auf 10. für die zweite Wagen- klaffe auf 20 Pf. festgesetzt würde. Wenngleich diese Prelsteit« setz,»g eine bedeutende Znnahine des Personenverkehrs und hier- durch naturgemäß eine Erhoyting der Betriebskosten verursache» würde, so hat doch dieser Plan des Eiuheitstarifs nach der An- ficht eines gut orieniiren Fachmannes die meiste Aussicht aus Durchführung. Diese Mittheilung dürfte mit großer Vorsicht aus- zunehme» sein. Gegen den»iilalitere» Wettbewerb. Der Zwang zme Nennung des Geschnflsinhabers auf Ladeuschilderu war bekanntlich vom Polizeipräsidium beim hwsigen Magistrat im vorigen Jahre beantragt worden. Dieser Anlrag wurde, trotzdem eine ganze Anzahl von Städten diese Einrichtung einführle, vom Berliner Magistrat abgelehnt. Ter Berband deutscher Schirm- fabrikanten Halle sich infolge desse» mit einer vertiaulichen An- frage an den Magistrat geivandt, welche Gründe für die Ab- lehliung einer in der ganzen Geschäftswelt ersehnten Einrichtung maßgebend gewesen wären. Der Bescheid, welcher hierauf er- gange» ist, lautet, daß der Magistrat kein prinzipieller Gegner dieser Maßregel sei. daß er jedoch zimnchst das angekündigte Gesetz zur Bekämpsimg des unlauteren Wettbewerbes abwarten wolle, ehe eine desinilive Entschließung erfolge. Als ob durch derartige Maßregeln überhaupt der in der Natur des lliamsch- Handels liegende Trieb zum Beschummeln ausgerottet werden könnte! Zum Nnchsokger des verstorbenen Chefs der politischen Exekutive, Pvlizeira'rh Mauderode, soll, wie wir veinehliien, der beiauute Protege des Herrn v. Köller, Polizeidirektor E ck a r d t ausersehen sein. Tie GenossenschaftS-Bäckerek für Verlin und Umgegend, üllersir. 34, veröffentlicht heute im Jnseratenlheil ihren Rechen» tsdericht für das abgelaufene Geschäftsjahr. Wie der Be» rich�ergiebt, steht das Institut, welches seinerzeit gegründet wurde, um der Arbeiterschaft Berlins ein gutes und nahrhaftes Bröl zu liefern, auf günstiger Grundlage. I» der Urania wird Herr Dr. Naß von der technischen Hochschule in Charloltenburg am Freitag zum ersten Male einen Experimcntalvorlrag über moderne Gasbeleuchiung hallen nnd darin im besonderen auch das so viel besprochene Gasglühlicht und das neue Acelylen behandeln. Herr Dr. Naß steht gegen- ivärtig der auch im Hinblick aus die Erweiterung durch eine Stadt-Filiale neubegründeteit Abtheilung der Urania für chemische uitd Blaschineu-Technologie vor. Ter ZirknS Busch wird, wie man uns mitlheilt, a. nächsten Donnerstag Abend eröffnet werden. Vom Herrn Stiperhitendeiite» Hensel in Spandau er- hallen wir folgende Zuschrift: Der ,, Vorwärts" bringt i» seiner Nr. 240 vom 13. Oktober dieses Jahres, Beilage 2, einen Bericht über eine Spandau er Zladtverorbiteten»Versammlung vom 10. Oktober. welcher meine Person und mein angebliches Beihalten gegen meine Mutler betrifft; ebenso einen Bericht in Nr. 243 vom l? Okiober d. I., Beilage 1, welcher dieselbe Augelegeuheit be- lührt, unier Abdruckung eines Artikels der„Volks-Zeitung" vom l4. oder 15.(?) Oktober. In diesen Artikeln wird die Verdächtigung gegen mich ansgespiochen, ich hätte, obgleich pekuniär dazu wohl im stände, meine Kindespfiicht gegen meine Mutter nicht erfüllt, so daß letzlere um„Armenunterstützung" habe einkommen inüssen. Gcgeiiüber dieser unwahren Darstelliuig, die geeignet ist, meine persönliche Ehre zu verletzen und meine aintliche Wirk- samkeit zu untergraben, stelle ich folgendes fest und ersuche Sie unter Berufung ans§ 11 des Gesetzes über die Presse um Auf» nähme folgender Berichtigung an gehöriger Stelle: „I. Weder meine verstorbene Mutter, noch mein eriverbs- unfähiger, kranker(jetzt auch verstorbener) Bruder haben jemals„Armenuiiteistütztlng" aus öffentlichen Mitteln beantragt oder erhallen. Die von meiner Mutter kurz vor ihrem Tode eingereichte Beiverbung, von der ich nichts wußte, richtete sich a» eine Privatstislung für Lehrer witt wen zReichenheim'sche Stistung.) Zeugen: Der Magistrat von Berlin und der Borsiand erwähnter Stistung. 2. Ich habe meine Mutter und meinen Bruder bei ihren Lebzeiten stets nach Kräften unterstützt. Zeugen: Privatpersonen und amtliche Quittungen. 3. Die Angaben der Artikel in der„Volks-Zeitung" und im „Vorwärts" über meine GeHalls- und Familieuverhältnisfe sind gleichfalls falsch. Ich beziehe nicht, wie dort angegeben, 8u00 M. Amlseinkommen, sondern nur ei» steuerpflichtiges Amts- eiukoiumen von iusgesammt 5500 M., einschließlich des WoHmings- werthes. Auch ist von meinen 5 Kindern nur eine Tochter als Lehrerin angestellt und als solche im stände, sich selbständig zu erhalten." Zeuge: Der Magistrat in Spandau. Hensel, Superintendent in Spandau. Es wird uns in der Angelegenheit auch von anderer Seite vcr- sichert, daß der Superintendent H. seinen Sohneepflichlen vollauf und nach besten Kräften genügt und daß er gleichfalls den kianken Bruder ausreichend unterstützt hat. Es thul uns bci dieser Sach- tage selbstverständlich leid, daß der Spandauer Geistliche zu unrecht einer iiiiichöne» Handlungsweise geziehen worden ist, doch will uns fcheiiiei,, daß die ganze Angelegenheit nicht das un- liebsame Aufsehen erregt hätte, wenn der Spaudauer Magistrat gleich in der Sladtverordneleu-Sitzung sich zu einer befriedigenden Auslläriiiig herbeigelassen hätte. Die Fernsprechthcilnehmer von Ripdorf hielten eine Versainmluug ab, in welcher beschlossen wurde, an die Obei-Post- direkrion eine Petition um Herabsetzung der Fernsprechgebühien von 200 aus 150 M. zu richten. Neber eine erfolgreiche BluttranSfnsiou wird berichtet: Geradezu lebeusreltend wirlte eine Bluttiausiufion(d. h. eine Eingießnng von Blut in die Adern eines Menschen) bei einem kürzlich aus Amerika zugereisten 32jühngeii Mann, welchen Professor Ewald, dirigirender Arzt am hiesigen Augusta-Hospital. in der Miitwochssitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft vorstellte. Der Palient, welcher an hochgradigster Blutarinnth litt, war unmittelbar nach seiner Ankunft in einen so bedrohlichen Kiaukheilszisstand geralhen, daß seine sofortige Unterbiiiignng in eine hienge Privalklinik geboten erschien. Hier verschlinunerte sich der Zustand inimer mehr und die Aerzle eiiischlossen sich deshalb, da alle anderen Miitel nichts fruchleten und der Kranke nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab, z» einer BI»t- lraiisfusion. Man entnahm mittels eines Aderlasses der Gatiin des Kranken etiva 90 Gramm Blut und goß es. besonders präparirt, in die Armader des Bedrohte». Der Eisolg war glänz nd. Ter Patient kam wieder zu sich, und schon nach zwei bis drei Tagen schien jede Lebensgefahr beseitigt. In neuerer Zeit benutzt man übngens in derartigen Fällen statt des von einem lebenden Wesen entnommenen Blickes! zur Ein- pießung meistens eine schwache Kochsalzlösung von genau be« stmuniem Geyall. Eine Laterne ist den Vriesträgern in Berlin bcscheert worden, damit st« ans ihre» Botengängen nicht zu Schoden kommen. Ueber ihre eigene Lage ist den meiste» Postuuleiveaiuten bekanntlich schon lange ein Licht aiifgegangen. Vo» der Kriminalpolizei wird jetzt sehr scharf gegen die Spieler und Händler von auswärtigen Loller>e>oosen vorgegangen. Unterstützt wird die Behörde dabei durch Personen; denen denunziren LedenSbedürsniß zu sein scheint. So erschien bei dem Möbelhäiidler fl. in der Linienstraße am Freitag in Abwesenheit des Hausherrn ein fremder Man» und richtete ganz unvermittelt an die im Lade» befindliche Frau die Frage,„Ihr Mann spielt doch in der sächsischen Lotterie?" Auf eine verneinende Aeußerung der Frau meinte der Unbekannte:„Sagen Sie es nur, das schadet nichts, ich möchte nur wissen, ob er wirklich spielt." Erst als Frau K. erklärte, daß ihr Gatte seden Augen- blick zurückkehren werde und daß dann die Neugier des aufdring- lichen Fragers befriedigt werden könne, zog der Unbekannte es vor, zu verduften. Ein kleiner Amerikarelsender traf am Freitag nachmittag von Dresden kommend auf dem Anhalter Bahnhof ein. An seinem Hut war ein Zettel befestigt, mit dem Inhalt:„Es wird gebeten, sich des Knaben anzunehmen, er will zu seinen Ber- wandten nach San Francisco reisen. Der siebenjährige Knabe, der übrigens kein Wort deutsch verstand, ist ein kleiner Czeche und kam aus Prag. Die Zugführer hatten sich des jugendlichen Auswanderers angenommen und ihn bis hierher gebracht. Ein Beamter des Anhalter Bahnhofes schaffte den Jungen, nachdem er Speise und Trank in einer nahen Gastwirthschast erkalten, nach dem Lehrter Bahnhof und übergab ihn wiederum dem Zug- führer des nach Hamburg bestimmten Personenzuges. Der Kleine hatte zwar Bahnbillet und Schlffskarte bei sich, doch war er ohne jeden Pfennig Geld, so daß er auf die Mildlhätigkeit anderer angewiesen war. Beschlagnahmt hatte die Staatsanwaltschaft die Leiche des 42 jährigen Schlächtermeisters August Göben aus der Georgen- kirchstraße Nr. 16, der vor acht Tagen auf eine entsetzliche Art zu Tode gekommen ist. Da die Untersuchung ergeben hat, daß einen anderen kein Verschulden trifft, so ist die Leiche gestern freigegeben worden und wird morgen, Sonntag, Nachmittag auf dem Georgenkirchhofe an der Landsberger Allee beerdigt werden. Göben, der als Hausschlächter lhälig war, hatte in der Nacht vom Sonntag zum Montag den Auftrag, für den Schankwirlh Faustmann in der Greisswalderstr. 43/44 frische Wurst zu machen. Gegen Mitternacht war er damit fertig, und es sollte nun die Wurstbrühe, die in einem großen Kessel auf dem Heerdfeuer stand, zur Abkühlung in eine hölzerne Wanne gegossen werden, weil sich in dem Kessel leicht Grünspan ansetzen kann. Die Wanne stand mitten in der Küche. Faustmann und Göben trugen gemeinsam de» Kessel vom Heerde bis zur Wanne, dann begab sich der Wirth wieder in das Gastzimmer und überließ das Umgießen der Brühe dem Schlächter allein, wie es bisher immer geschehen war. Faustmann hatte kaum das Gastzinimer betreten, als er von der Küche her einen lauten Aufschrei vernahm. Er eilte in die Küche zurück und sah, wie hier der Schlächter, am Boden liegend sich in den gräßlichsten Schmerzen wand. Bei dem Versuche, die Wurstsuppe vom Kessel in die hölzerne Wanne umzugießen, war Göben aus geglitten. Der Kessel sowohl wie die Wanne waren umgekippt, und Göben war mit der Brust und dem Leib in die siedend heiße Brühe gefallen. Der Verunglückte, der namentlich an der Brust und an den Armen schwer verbrannt war, wurde von Faustmann sofort mit einer Droschke in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Hier erlöste ihn in der Nacht vom Montag zuin Dienstag der Tod von unsäglichen Qualen. Von 118 HauSbesitjer» aus der Umgegend des Anhalter Bahnhofs ist nunmehr formell Einspruch gegen die Anlage der vo n Eisenbahn- Fiskus dort geplanten Fettgas- Anstalt erhoben worden. A«S dem Gefiingniff Plöhensee sind zwei gewiegte Verbrecher entsprungen: der zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilte Strafgefangene Böning, aus dem Kreise Zauch-Belzig gebürtig, und der Strafgefangene Jcditzki, der wegen räuberischer Er- Pressung und Uebersalls eine Gefängnißstrafe von zehn Jahren zu verbüßen hat. Beide Gefangene waren im Maskenflügel oder Zellengefängniß untergebracht. Der letztgenannte, aus Ost- preußen stammend, hat es Donnerstag zum dritten Male und wiederum mit Erfolg versucht, auszubrechen. Das erste Mal wurde er noch innerhalb des Gefängnißhoses gefaßt, als er eben im Begriff war, über die Maner zu klettern. Als I. darauf die gesetzlichen drei Jabre strenge Jsolirhaft verbüßt hatte, kam er in die gemeinsame Hast, von wo es ihm gelang, zu entkomme». Im Mecklenburgischen fiel der Ausreißer der Polizei wieder in die Hände und wurde nach Plötzensee zurückgeliefert. Da er durch die Flucht seine Strafe unterbrochen hatte, so kam er wieder in das dritte Gesängniß in strenge Jsolirhaft, von wo aus er nun abermals entflohen ist. Jedenfalls haben sich die Ausbrecher. welche die eisernen Stäbe vor den Fenster» zersägten, auf irgend eine Weise vorher verständigt, was um so schwerer ist, als diese Leute nie zusammenkommen, sondern immer in einem gewissen Abstand von einander gehen, wobei sie sogar noch eine Maske vor dem Gesicht tragen. Als dritter im Bunde befand sich mit Jeditzki und Böning einer der gefährlichsten Strafgefangenen. nämlich Neukamm, der draußen in Plötzensee eine löjährige Gefängnißstrafe abzusitzen hat. Neukamm war vor etwa 4 Jahren der Anstifter zu dein Morde der Frau Manzel in der Gericht- straße; ihm gelang es nicht zu entweichen, er wurde noch zur rechten Zeit abgefaßt. NohheitSvei gehen. Von großer Rohheit zeugt ein Vorfall. welcher die Polizeibehörde lebhaft beschäftigt. Ter Arbeiter Kraatz hatte sich in einem Lokal in der Gollnowstraße aufgehalten und war mit anderen Gästen in Streit gerathen. K. verließ gleich. zeitig mit seinen Gegnern das Lokal und wurde von den letzteren auf der Straße zu Boden geworfen und derartig zugerichtet, daß er die Besinnung verlor. Dann warfen die Unholde den Blut- überströmten hinter die Thür eines Haufes, wo er verblutet wäre. wenn ihn nicht zufällig, ein Schutzmann aufgefunden hätte. Der arg Verletzte erhielt auf der Polizeiwache die erste Hilfe und wurde dann nach seiner Wohnung geschafft. Selbstmord. Ein ehemaliger Hausdiener der Habel'schen Weinhandlung in Berlin hat sich auf einer Kegelbahn in Spandau aus Nahrungssorgen erhängt. Er hinterläßt in Berlin eine Wiltwe mit 5 Kindern. WitternngSliberstcht vom 19. Oktober 1895. Wetter-Prognose für Sonntag, den 29. Oktober 1895. Etivas wärmeres, vielfach heileres, zeilweise wolkiges Wetter mit schwachen südwestliche» Winden, leine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Polizeibericht. Am 18. d. M. vormittags sprang eine Frau vom Dache eines Hauses in der Solmsftraße auf den Hof hinab und fand auf der Stelle den Tod.— In derselben Weis- machte ein Mädchen seinem Leben«in Ende, indem es sich aus dem Fenster seiner im vierten Stock in der Philippstraße be- legenen Wohnung aus den Hof hwabstürzte.— In senier Woh- nung in der Katzdachstraße versuchte ein Schankwirth, sich durch den Genuß einer größeren Menge reinen Spiritus zu tödten und erkrankte infolge dessen schwer.— Nachmittags vergiflete sich ein Maurer in seiner Wohnung in der Pappelallee in einem Anfall von Säuferwahn. Er wurde nach demKrankenhause gebracht.— In einem Hanse an der Spandauerbrücke fiel ein aller Mann von einer Kellertreppe und erlitt so schwere Verletzungen am Kopfe, daß er bewußtlos liegen blieb.— In der Adolsstraße wurde eine alte Frau durch einen Reiter üderritten und am Unterschenkel sehr schwer verletzt.— Abends stürzte an der Ecke der Elbingerstraße und der Straße am Friedrichshain ein Schutz- mann mit seinem Pferde und zog sich einen schweren Bruch des Unterschenkels zu.— An der Siralauer Brücke wurde ein Roll- knlscher beim Entladen seines Wagens durch ein derabfallendes Faß am Fuße erheblich verletzt.— Im Laufe des Tages fanden iünf Brände statt. Bei dem einen, der abends in einer Möbel- Polier-Anstalt in der Prenzlauerstraße ausbrach, zog stch ein Ar- bester beim Löschen bedeutende Brandwunden an der Hand und an den Füßen zu. Nnnlt und Misten schaff. Im Nntional-Theater wurde am Freitag„Die Braut von Messina" gegeben. Es ist für ein„vornehmes" Theater nichts Leichtes, sich an dieses eigenartigste Drama unseres Schiller heranzuwagen; um so größer sind die Schwierigkeiten, die sich einer solchen Aufführung im Theater des Ostens entgegenstellen Niemand wird erwarten, daß die Direktion Samst mit der Auf- sührung ihr Publikum blende; aber hinwieder muß gestanden werden, daß die in der Braut von Messina hervortretende Pathetik am Freitag nieinals ins Lächerliche verfiel»nd das ist immerhin schon ein Erfolg. Schlicht und recht wurden die beiden seindlichen Brüder gegeben, schlicht und recht sprach die ehr- würdige Mutter. Auch Fräulein Aren als Beatrice hütete stch, in Ueberschwenglichkeit zu verfallen und wirkte auf die andächtigen Zuschauer ergreifend durch die Natürlichkeit ihres Sviels. Eine tüchtige Leistung bot ein Gast, Herr Siegfried Bruck als Kajetan. Der Künstler spielte mit Leidenschaftlichkeit, ohne die Grenzen des durch die Kunst gebotenen Maßes zu überschreiten. Die Ausstattung ließ allerdings sehr viel zu wünschen übrig; aber geht man von dem in der heuligen Gesellschaft leider auch in der Kunst geltenden Grundsatz ans, wie das Geld so die Waare, so muß gestanden werden, daß das Publikum bei de» erstaunlich billigen Ei-ilrittspreisen auch in diesem Punkte beinahe auf die Rechnung gekommen ist. Theater-Wocheuchronik. O p e r n h a u s(Kroll). Sonn- tag, 20.: Lucia von Lanunermoor. Lucia: Fräul. Mary Howe, aus New-Aork; Sir Edgar: Herr Emil Götze als Gäste. t Hantasien im Bremer Raihskeller. Wontag. 21.: Tjamileh. avalleria Rusticana. Phantasien im Bremer Rathskeller. Dienstag, 22: Der Freischütz. Mittwoch, 23.: Im Opernhanse. Fidelio. Anfang ö Uhr. Donnerstag, 24.: Orpheus und Eurydike. Prometheus. Freitag, 2b.: Oberon. Sonnabend, 26.: Die Zauberflöle. Sonntag, 27.: Im Krollschen Theater, nachmittags 3 Uhr. Hansel n»d Grete!. Die Pnppenfee. Im Opernhause, abends 7 Uhr. Der Prophet. Montag, 28.: Tristan und Isolde. Anfang 6% Uhr.— Schauspielhaus. Sonntag, 20.: Wie die Alten sungen.(Annalise: Fra» Klara Meyer.) Montag, 21.: 1312. Dienstag, 22: Die Quitzows. Mittwoch, 23.: Torquato- Tusso. Donnerstag, 24.: Uriel Acosta. Freitag, 25.: Halali. Die stille Wache. Sonnabend, 26.: Zum 1. Male: Niemand weiß es. Zum 1. Male: Frauenlob. Sonn'ag, 27.: Niennnd weiß es. Franenlob. Montag, den 23. Oktober: Die Braut vo» Meistna.— Im Lessing- Theater wird Freitag nächster Woche Felix Philippus Schauspiel: Der Dornenweg zum ersten Male auf- geführt und am nächsten Sonntag zum ersten Male wiederholt. Oskar Blnmenihal's Lustspiel Gräsin Fritzi wird am Sonntag, am Montag, Mittwoch, Donnerstag u-d Sonnabend gegeben, während am Dienstag Madame Saris Gevo mit Frl. Groß in der Titelrolle zur Aufführung gelangt. Als Nacksinittags-Vorstellung gelangt am Sonntag Suderiiiann's Schauspiel Die Ehre, am nächsten Sonnlag Der Herr Senator zur Anssühruug.— Das Berliner Theater bringt heute Sonntag(»achuiillags) um'/eZUhr den Pfarrer von Kirchfeld, abends um'/e3 Uhr Die Grille zur Aufführung. Für Montag sind Die Jonrnalistei» angesetzt Donnerstag wiid die neue Komödie von Robert Misch Der Nachruhm zum ersten Male aufgeführt m-d Freitag uiid Sonntag wiederholt. Diei stag und Sonnabend wird Götz von Berlichingen, Mittwoch Der Pfarrer von Kirchseld aufgeführt. Sonntag, am 27. Oktober(nachmittags) geht Die G-ille in Szene.— Neues Theater: Sonntag, 20. Oktober, nachmittags 3 Uhr, zu halben Preisen: Francillon. Abeicks 71/s Uhr: Der Militärstaat. Montag, 21. Ok>obcr: Der Mililärstant. Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Der Militärstaat. Sonntag: nachmittags 3 Uhr, zu halben Preisen: Francillon. Abends 71/2 Uhr: Zum ersten Male: Der tapfere Cardnnois. Schwank in drei Akten von Alexander Biffon. Borher: Zun, ersten Male: Zehntaiisend Fuß hoch. Plauderei in einem Akt von Fritz Wangenheim.— Im Schiller-Theater kommt heute Sonntag Nachmittag, für die Neue freie Volksbühne Kabale und Liebe zur öffentliche» Aufführung, abends 8 Uhr: Der Meineid- bauer. Im Bürgcrsaale des Nalhhauses findet morgen Conrad Ferdinand Mcyer-Abend statt. Wilhelm Tell wird nächsten Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wiederholt, Mitt- woch Das Glas Wasser, Sonnabend Die Maler, Sonnabend Nachmittag Minna von Barnhelm. Sonntag, den 27. d. Mls., Nachmittag, Götz von Berlichingen, abends Der zer- brochene Krug und Tie zärtliche» Verwandten.— Im Theater Unter den Linden bleibt die Noth'sche Operette Der goldne Kamerad auch in nächster Woche auf dem Spielplan. Znr Operette wird das Phantastische Ballet- divertissement gegeben. An Novitäten hat Direktor Fritzsche Weinberger's Operelte Die Karlsschülerin, Taunechk's Operette Die Lacktaube und die Ausstattungs Operette Chilperic erworben. — Im Adolf Er»st-Theater gehen die Paradebummler am Dienstag zum 60. Male in Szene.— Im National- Theater wird morgen Schiller's Braut von Messina wieder- holt, nachmittags 3 Uhr geht Mcdea mit Fräulein Sobjeska vom National-Theater zu Agram als Gastin Szene.— Im Alexander- platz-Theater finden morgen die letzten Borstellnnaen unter der Direktion Max Samst statt. Abends 7�,2 Ubr ist eine große Toppelvorstelliing Durchgegangene Weiber und Ein kleines Miß- verständniß. Tie Operelten» Vorstellungen sollen am Mittwock nächster Woche beginnen.— Im Central-Theater wird die Posse Eine tolle Nacht am Mittwoch zum d0. Male gegeben. lieber daS Dirialren. Im Oktobcrhest der„Neuen Deutschen Rundschau"(S. Fischer's Verlag in Berlin) ve,öffr»t- licht Felix Weingartner einen Aufsatz über das Dirigiren. der mit seinen sachlichen Ausführungen wie nicht minder wegen seiner polemischen Spitzen in ivlunkerkreisen sehr interessiren wird. Zum Schluß des Artikels stellt Weingarlner folgcnbe „für jeden Dirigenten geltende Forderungen" auf:„Der Dirigent sei vor allein wahrhastig gegen das Werk, welches er aufführen will, gegen sich selbst und das Publikum.— Er denke nicht, sowie er eine Partitur zur Hand nimmt:„Was kann ich aus diesem Werke machen?" sondern:„Was hat der Schöpfer damit sagen wollen?" Er studire dasselbe so gründlich, daß ihm die Partitur während der Aufführung nur mehr eine Stütze seines Gedächtnisses, aber keine Fessel seiner Gedanken ist. Hat er durch das Studium eines Werkes ein Bild desselben gewonnen, so gebe er dieses Bild einheitlich, nicht zerstückelt wieder. Er halte sich stets gegen- wärtig, daß er die wichtigste, verantwortnngsreichste Persönlich- keit im Musikleben ist. Durch gute, stilvolle Aufführungen kann er das Publikum bilden und eine allgemeine Läuterung de? künstlerischen Empfindens herbeiführen, durch schlechte, nur seiner Eitelkeit fröhnende, aber den Boden für echte Knnstausübiing uiiiailglich mache». Ein schönes Werk schön aufgeführt zu haben, sei sein größler Triumph, der berechtigte Erfolg des Komponisten sein eigener.— Weingarlner schließt:„Wagners unvergleichliche Schrifl„Ueber das Dirigiren" und mein Versuch eines Nach- träges zu derselben werden begabten Tirigenlen sicherlich An- regung biete». Die Begabung selbst kann ihm jreilich keine Schrijt geben, die muß anderswoher kommen." Gevitlzf s In dem Beleidigungsprozeß FrieS-Pöysch, der bekannt- lich zur Folge hatte, daß unser Kollege kürzlich aus Plötzensee entlassen wurde, hat am Freitag das Reichsgericht als Nevisionsinstanz entschieden. Die Revision des Angeklagten Fries wurde verworfen. Pöysch hat also demnächst wieder Aus- ficht, in die Redaklenrheimställe Plötzensee hineinzuivandern, denn die Alien, die seine Gefängmßexistenz bedingen, werden nunmehr wohl zur Stelle geschafft werden. Wahrscheinlich feiert unser Kollege sein WeihnachlSsest fern von der Familie im Gesängniß. „Sie sind ja schlimmer als ein Sklavenhalter", äußert- gestern der Borsiyende der vierten Slraikanimer, Landgerichlsralh Braun, zu dem auf der Anklagedank befindliäen sogenannten „Arbeiter" Gustav Krautwedel, der der Nöihigung und der Körperverletzung in einer das Leben gefährdenden Weise be- schuldigt war. Es war ein grausiges Bild, welches im Laufe der Verhandlung vor Augen geführt wurde. Der erst 22 Jahre alte Angeklagte ist schon vielfach vorbestraft. Er soll einer der be- rüchtigstcn Zuhälter Berlins sein. In diesem Frühjahre war der unverehelichten Emma N a ch l w e i d e(?) das traurige Loos zu- gefallen, sür den Unterhalt des Angeklagten sorgen zu niüsscn. In einer Märznacht war das Mädchen so lange in den Siraßen»mhergewandelt, daß sie sich in der Adolphstraße auf eine Bordschwelle niederlassen mußte. Der Angeklagte war ihr in einiger Entsernung gefolgt. Wilthend darüber, daß sie idm kein Geld geben konnte, versetzte er ihr mehrere Ohrfeigen und trieb sie weiter. Das Mädchen wollte sich von ihrem Peiniger befreien, es machte gegen ihn Anzeige. Nachdem der Angeklagte die erste polizeiliche Ver- nehmung zu bestehen gehabt halte, kam es zwischen ihm und der Nachtweide zu einem wüsten Auftritt. Krautivedel wollte der Versicherung des Mädchens, daß es bei der Absasiung der schriftlichen Anzeige keine Hilfe gehabt hatte, nicht glauben, mit einer Hand packle er es an der Gurgel, während er in der anderen ein geöffnetes Messer hielt, dessen Spitze er auf die Brust des Mädchens setzte. Er ließ aber von seinem Opfer ab, da er einen anderen Plan gefaßt hatte, seine Rachsucht zu kühlen. Am folgenden Sonntag-Abend nahm der Angeklagte die Nachtweide mit in ein Tanzlokal, welches be» sonders von ihresgleichen besucht wird. Der Saal war gefüllt. Der Angeklagte führte seine Begleiterin nach der Mitte des Saales, ließ sich einen Stuhl bringen und zwang die Nachtweide, darauf Platz zu nehmen.„Unterstehe Dich nicht, auszustehen!" raunte er ihr zu. Sodann rief er mit lauter Stimme: „Hier, meine Herrschasien, zeige ich Ihnen die Person, die wich denunzirt hat." Dabei verfehle er dem Mädchen fortgesetzt Ohrfeigen. Letzteres wagte nicht auszustehen. Der Angeklagte dehnte die Exekution so lange ans, bis einige der Zuschauer von Mitleid ergriffen wurden und ihm Vorwürfe machten. Dies reizte den Angeklagten bis zur Raserei, er packte sein Opfer, warf es zu Boden und trat es so lange mit Füßen, bis es bewußtlos ivar.— Der Angeklagte wußte, daß ihm eine harte Strafe in Aussicht stand, er hat im Untersuchungsgesängniß einen Selbstmordversuch gemacht, indem er versucht hat, sich vo» der Rotunde im dritten Stockwerk in die Tiefe hinabzustiirzen. Es gelang einem Ausseher, ihn noch im letzte» Augenblick zu packen. Bei der maßlosen Rohheit des Angeklagten hielt der Ge, richtshof eine Gefängnißstrafe von drei Jahren sür an» gemessen. Unser Genosse Tischler Gustav Ostermann in Rixdorf hatte sich am Freitag vor dein dorligen Schöffengeiicht zu ver- aniworten. Ostermann ist Vorsitzender der örliichen Verwaltung der Hamburger Tischler- Krankenkasse und hatte als solcher am 7. Juli d. I. einem verstorbenen langjährigen Kaffenmiiglied daS lehre Ehrengeleit gegeben. Die Beerdigung fand aus dem Britzer Gemeinde- Kirchhos statt und Ostermann legte dem tobten Freunde einen Kranz auf das Grab, wobei er einige Widinmigs- worle sprach. Ein in der Rahe stehender Gendarm brachte daraus unseren Genossen zur Anzeige, weil er auf dem Kirchhose ohne polizeiliche Genehmiguiig eine—„Rede" gehalten habe, was nach einer Polizeiverordnung ans dem Jahre 1865 verboten ist. Genosse Ostermann gab zu, bei der Niederlegung des Kranzes einige Worte gesprochen zu haben, daß dies aber als eine„Rede" anzusehen sei. sei ihm unbewußt gewesen. Der Gerichtshof erachtete eine Uebertretung jener Polizeiverordnung für vorliegend und erkannte auf 3 M. Geldbuße. Gin interessanter Konflikt beschäftigte am 18. Oktober den 1. Senat des Ober-Verwaltungsgerichts. Dem OdeUehrer M. zu Geiienheim und seiner Gattin, einer geborenen v. Z., war das Glück beschieden, bereits nach viermonatlichem Ehestand Elternsrenden zu erleben, was natürlich in dem kleinen Städtchen großes Aufsehen erregte. Es wurde M. aus diesem Grunde nahegelegl, sich anderwärts nach einer Slellung umzuihun. M. hatte nun schon vor seiner Verehelichung den Provinzial-Schnl- rath Kannegießer darum gebeten, ihn zu versetzen, wobei er als Grund gellend gemacht hatte, daß seine Verbindung mit einem Adelssprößling ihm in Geisenheim Verpflichtungen gesellschasilicher Natur auserlegen würde, die er nicht erfüllen, anderswo aber umgehen könne. Das Gesuch war abgelehnt worden, die Begründung desselben scheint aber den Schulrath verschnupft zu haben, denn gelegentlich eines Schulbesuchs am 2. Februar 1804 machte derselbe in Gegenwart des Direklors Koch dem Oberlehrer M. heitige Vorwürfe über das zu früh eingetreteneFainilienglück und gedachte dabei anch in sehr absprechender Weise der aristokratische» Beziehungen des Mannes. Er soll u. a. geäußert haben, nicht in eine hocharistokratischeFamilie, sondern in eine miserable Gesellschaft sei M. gerathen. Das nahm sich besonders Hans von Z., der Bruder der Frau Marlin, zu Herzen, so daß er die ihm widerfahrene Beleidigung durch einen Privatbcleidigungsprozeß glaubte rächen zu müsse». Er klagte beim Schöffengericht in Rüdesheim. Provinzial-Schulraih Kannegießer nahm den Schutz des§ 193 des Slrasgesetzbnct es für sich in Anspruch, erklä'.te de» Piivatkläger gnrnichl zw kennen und bestritt, jene Aeußerung gethan zu baben. M. behauptete dem gegenüber mit großer Bestiminlheil, daß der Beklagte die erivähnten Worte gesprochen hatte, n'ähreud Direktor Koch, der sich nicht genau erinnerte, wenigstens die Möglichkeit zugab, daß sie gebraucht worden seien. Der Kultus- minister erhob nun zu gllnsten des angeklagten Schulraihs den Konflikt. Dieser Hai seiner Meinung nach seine Amis» befugnisse nicht überschritten. Ter Staatsanwalt erklärte den Konflikt für begründet, die in Frage kommenden Gerichte bis zimr Ober- Landesgericht in Frankfurt a. M. waren aber der gegen- theiligen Meinung. Das Oder- LandeSgericht führte a»S, der Schulrath wäre nicht berechtigt gewesen, sein Miß- fallen über eine ganze Familie in so verletzender Weise „>m Ausdruck zu bringen. In der jetzt nothwendig gewordenen Verhandlung vor dem Ober-Verwaltungsgericht verlrat Rechts- anwalt Munckel den Kläger Hans v. Z. In seinen Ans« sührungen sür die Verwerfung des Konflikts hob er hervor, daß ja der Kläger garnicht in amtlichen Beziehungen zu dem Provinzial- Schulrath Kannegießer stehe. Der Senat hielt nicht für erwiesen, daß der Schulrath jene ehrenlränkende Aeußerung nicht gethan Ha5e, und verwarf den Nonflikt, so daß das Prozeß. verjnhren gegen Kannegießer seinen Fortgang zu nehmen hat. Zlndachtsiibnngen bilden eine Erörterung öffentlicher Zlngelegcuheite». Wenigstens werden sie als eine solche von den Gerichten betrachtet, wie folgender Fall beweist In der ostpreußischen Stadt Ortelsburg giebt es sogenannte Brüder- gemeinden, die, wie auch sonst noch dort bestehende religiöse Selten, ein äußerst lebhaftes Versanimlungsleben entfalten. Eine solche Gemeinschaft wollte sich eines Tages wieder einmal versammeln, jedoch gelang es dem Leiter der. selben nicht, die gewohnte Anmeldung an die Polizei z» bringen. Der Herr Amtsvorsteher war nicht zu sprechen, und so mußte der Beauftragte der frommen Gemeinde ohne die erforderliche schriftliche Bescheinigung nach Hause ?ehen. Dort traf er eine Reihe von Brüdern, denen er ein Mißgeschick unterbreitete, wobei er ihnen zu verstehen gab, daß man nun von der Versammlung absehen müsse. Er lud sie indessen ein, als seine Gäste etwas bei ihm zu verweilen. Das thaten dieselben auch. Natürlich saß man nicht stillschweigend da, sondern unterhielt sich, wie es die Neigungen der Leute mit sich brachten i man sang und ließ auch einige Gebete vom Stapel. Da trat plötzlich in ihre Mitte der Herr Gendarm, löste die„Vcr- sanimlung" auf und verlangte, daß die Theilnehmer sich schleunigst entfernten. Aufgefordert, polnisch zu sprechen, entfernte sich der Hüter des Gesetzes wieder, um sogleich mit einem Dolmetscher zurückzukommen und die Ausforderung übersetzen zu lassen. Schließlich gingen die Leute auch, nachdem ihnen mit dem Säbel gedroht worden war. Einer der Theilnehmer jener Zusammen- kunfl, Leißner, welcher deutsch spricht, sollte dafür, daß auch er sich nickt gleich nach der ersten Ausfordernng entfernt halte, eine Geldbuße zahlen. Er sollte den£5 15 des Brreins- geietzes verletzt haben, welcher bekanntlich bei Androhung einer Strafe sür den Fall der Zuwiderhandlung bestimmt, daß sich jeder Versainnilungstheili.ehmer sofort entsernen muß, nachdem der Abgeordnete der Ortspolizeibehörde die Versammlung für aufgelöst erklärt hat. Das Schöffengericht sprach L. frei, die Siraikammer in Allenstein verurtheilte ihn aber auf die Be- rufung der Staatsauwallschaft zu einer Geldstrafe von 15 M. Das Berufungsgericht war der Meinung, daß die frag- liche Zusaninienkunft als eine Versammlung anzusehen sei, die sich niit öffentliche» Angelegenheiten beschäftigte. 11»- zweifelhaft seien dort, Hecht es in der Urtheils- begründrng. gemeinsame Andachtsübungen veranstaltet worden, die als eine Beschäftigung mit öffentlichen Angelegenheiten zu gelten hätten, da ja die Religion zu den Gr»»Magen der st a a t I i ch e n Einrichtungen gehöre. Wege» seines Verweilens nach der Auslösung sei L. zu bestrafen gewesen, weil er infolge seiner Keriutniß der deutsche» Sprache den Gendarm sosori verstände» haben müsse. Ter Verurtheilte meldete gegen dies Urtheil beim Kaiumergericht die Revision an, indem er geltend machte, es handele sich erstens hier überhaupt um keine Ber- sammlnvg uitd deshalb fei der Gendarm garnicht zum Einschreilen berechtigt gewesen; zweitens liege auch im Singen und Beten keine Beschäfligitng mit öffentlichen Angelegenheiten. Der Straf. senat des Kammergerichts verwarf die Revision; er schloß sich dem Urlheil des Landgerichts an, in welchem er einen Rechts- irrlhum nicht zu erkennen vermochte. RcichS-Bersicherungsamt. Unfall infolge einer Spielerei oder Betriebsunfall? Ter Anstreicher- Lehrling Kamper hatte bei der Ausstellung eines Gerüstes zu helfen. Er und ein anderer Lehrling griffen denn auch tüchtig zu; als aber plötzlich llnter dem Geräth her- vor ein Mäuslein sprang, hatten sie nichts eiligeres zu thun, als dem Thierchen nach dem Leben zu trachte». Bei dem daraus verwandten übergroße» Eifer ließ der eine der jungen Leute jede Vorsicht bei seile und schlug unversehens dem Kamper mit einer Stange ein Auge aus. Tie Hessen nassauische Bau- gewerks» Berussgenossenschasl wies den Rentenanspruch des Arbeiters niit der Begründung zurück, daß hier kein Be- triebsunfall vorliege, sondern ein infolge einer Spielerei entstandener Unfall, den sie also nicht zu entschädigen habe. Das Schiedsgericht erkannte im selben Sinne, während vom Reichs-Versicherungsamt der Rekurs des Klägers für be- gründet erachtet wurde. Die Gründe dafür waren: Durch die Ilnfallversicherungs-Gesetze hätten die Arbeiter auch gegen Gefahren sicher gestellt werden sollen, die der Verkehr zahlreicher Per- fönen an einer Betriebsstätte in Verbindung mit inuth- willigem oder fahrlässigem Handeln einzelner Mitarbeiter im Gefolge hat. Hierhin feien namentlich die Fälle zu rechne». in denen ein Arbeiter dem anderen anläßlich einer Spielerei, Neckerei oder auch von Schlägereien Verletzungen zufügt, deren Entstehung oder doch deren Schwere durch Einrichtungen des Betriebes wesentlich mit bedingt sind. Der Unfall habe sich nun örtlich und zeitlich im Betriebe ereignet. Für erheblich wurde auch die Tyatsache angesehen, daß der verhängnißvolle Schlag mit einer Stange ausgeführt worden sei, welche als Betrieds- instrument angesehen wurde. Verfanttttluttgen. Fn der Versammlung der Vauarbeiter VerlinS, die am 13. Oktober bei Wilke. Andreasstr. 26. tagte, wurde die?lb- rechnung vom 3. Quartal 1895 gegeben, die einen Bestand von 139,45 M. aufwies. Der Kussirer erhielt Decharge. Die nächste Versammlung wird am 11. November bei Wilke, Andreasstr. 26, abgehalten. Zu gnnsten der Arbeiter- Vildnngöschnle wurde am 17. Oktober wieder eine Volksversammlung, und zwar im Vereins- Haus Südost abgehalten, in ber der Schriftsteller Heinrich Schulz über das Thema sprach: Was will die Arbeiter. Bildnng-schule in Zukunft für das arbeitende Volk leisten? Der Redner gab einen Abriß des Entwickelungsganges der Schule und slizzirte dann den schon aus den Verhandlungen der ersten Volks- Versammlung bekannten neuen Unterrichtsplnn der Schule, zum Schluß an die Unterstützung der Arbeiter Berlins appellirend, die sich hoffentlich so viel Idealismus bewahrt haben würden, dafür zu wirken, daß die Schule ein kräftiger Faktor werde im Kampfe um die Erringnng einer bessere» Ge- sellschnftsordnung.(Lebhafter Beifall.) Fn der Diskussion äußerte sich Klnvierarbeiter Robert Blum in zusninmendem Smne. Der Lchrplan für das Winterhalbjahr wird in den nächsten Tage» im„Vorwärts" veröffentlicht werden. In der Versammlung wurden acht neue Mitglieder aufgenommen. OrtS- Kraukeukasseu- Versammlungen. Die Delegirten- Ergänzungsivahlen der O r t s- K r a n k e n k a s s e für den Gewerbebetrieb der Kaufleute:c. fanden am Freitag Abend in der Berliner Ressource statt. Gewählt wurden aus schließlich die Kandidaten der Berliner Kasjenbolen. welche aus gesprochene Gegner des„Vereins der freigewählten Kassen ärzle" sind.— Tie Generalversammlung derOrts-Kranken lasse und C i f e l e u r e hat Dienstag, den 8. Oktober d. I beschlossen, den Kontrakt mit dem„Verein der Berliner Kassenärzte mit freier Arztwahl" sür 1896 zu erneuern — Die Orts-Krankenkafse der Gürtler hat in ihrer Generalversammlung vom 13. d. M. mit sehr großer Majorität beschlossen, sür das Jahr 1896 mit dem„Verein der Berliner Kassenärzte mit freier Arztwahl" Vertrag zu schließen. Bisher gehörte die genannte Kasse dem Gewerks Krankenverein an. Vei den Tapezirern referirte Genosse Wagner über das Thema:„Tie Nolhstände der Arbeiterschaft, speziell im Tapezirer- gewerbe" und besprach dabei eingehend die gedrückte Lage des Berufes, die durch das Umsichgreifen der Cchmntzkonkurrenz mehr und mehr verschlechtert werde. Von den ca. 2700 Tape zirern Berlins ist weniger als der vierte Theil in sogenannter fester Stellung; die übrigen sind auf die Saisonarbeiten an- gewiesen. Redner ermahnte die Zuhörerschaft, den Organi saiionsstreil beifeite zu lassen und sich zusammenznsinden zu ge meinsa» ein Kampf gegen den Kapitalismus. Die Debatte erhielt ein gewisses dramatisches Gepräge durch das Eingreifen des frühere» Tapezirers, jetzigen Jnnungsmeisters Feder. Dieser, der sich früher wer weiß wie radikal gederdete, hat in kurzer Zeil die Metamorphose zum Jnnungsmitplied und Lehrlings aus— bilduer durchgemacht und kam in die Versammlung, seinen Schritt vor seinen früheren Kollegen mit allerlei fadenscheinigen Gründen zu rcchlsertigen. Eine große That„im Interesse des Gewerbes" hat er in seiner Innung schon vollbracht. Auf seinen Antrag hin hat die Tapezirer- Innung zur Vekämpsung der Schmutzkonkurrenz der großen Möbelgeschäfte durch Inserate 599 M bewilligt. Tie folgenden Redner, A u b e r t, H ö n i ck e und der Referent wiesen in treffender Weise auf die wider spruchsvolle Haltung des„revolutionären" Jnnungsmeisters hin und fertigten ihn unter dem Beifall der Anwesenden gründlich ab. Man gab ihm den Rath, wenn er in„Arbeitersrenndlich keit" machen wolle, solle er zunächst den Antrag auf Auslösung des Jnnuugsschiedsgcrichts stellen.— Friedmeier regte an, die Streiks der Vergolder und Lederzurichter nach Kräften zu unterstützen. Für die Arbeitsnachweis» Kommission erstattete R atz ke Bericht. Man wünschte detaillirtere Abrechnung und verpflichtete die Komnnssion, in der nächsten öffentlichen Ver sammlung eine solche zu geben. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Zink gießer und Stürrer Berlins und Umgegend wählte in einer außerordentlichen Generalversammlung den Kollegen E. Schwanke zum 1. Vorsitzenden. Die nächste Mitgliedcr-Versammlung wird am 22. d. M., Pücklerstr. 49, abgehalten. Im Franc«- und Mädchen-BildnngSverein Eintracht von Reinickendorf und Umgegend hielt in der anßerordenl- lichen Generalversammlung Frau Noack(nicht Frau Göbel, wie in der Mitlwochsnnmmer berichtet war) den Vortrag über die Organisation der Arbeiterinnen Deutschlands. Frau Göbel betheiligte sich an der Diskussion. Hierauf wurde Frau N 0 a ck wieder zur ersten Vorsitzenden, Frau Göbel zur Schriftführerin und Fraulein Beiße zur Kassirerin gewählt. Frsle virrlnio«»« stlt>stä»>ia>r«arbirrr, Frtstar» rtr. Montag, den ei. Oliober, abends Iv Uhr, bet Bnile,»reiiadiersir. 53: Seneral- Versammlung. pergniignua» Ue>«l»„Italla". Sonntag, den so. Oktober, abends 6 Uhr, Im Restaurant Roland, Elsafserstraste so(großer Saal): sttdelttas. prrg»ül»>»gov»r»i», Eintracht". Somitag, den so. Oktober, nachm. 6 Uhr, bei Wilke, Andreasstr. so: S hung mit Damen. Kranken Zlnterstiihnng»- und s»»rädnihvrreiii der Schnrtedc und veri». Geiverb» Deutschland». Zahtst-ll- 5 Schönhauser Voritadt. Sonntag, den so. Okiober, vorm. o." Uhr, bei Lehmann, Schönhauser Allee isr: Ber- sammlung. Zentral Kranken- uud Kterdekass« der deutsche» Wagenbauer Berti»». Bezirk 4. Sonntag, den»0. Oliober, vormluags lv Uhr, bet Lieivald, Manteusk lftr. 4«: veisninnilung. Fachuerei» der Kots, und Krettertriiger Kerlin« und zlmgegrnd. Sonntag, den 20. Oktober, vormittags toK Uhr, Schönleinstr.«: Mit- glteder-Verfammlung. Derrin fiir modern» Aiteratnr. Sonntag, von 0 Uhr ab, bet Rölltg, Reue Friedrtchstr. 14:„Die Komödie der Liebe"(Bortrag). verein deutscher Schuhmacher. Filiale Berlin Ii. Montag, den St. Oktober, bei Eriindel, Brunnenstr. ISS: Versammlung. Zentral Kranken- und Kterbekasse der deutschen Wagenbauer. 9. H. Nr. 8. Berlin. Bezirk 3. Sonntag, den 20. Oktober, vornitttagS »ü Uhr, tn Kemna»»'» Tonhalle, Paseivallerstr. 3: Mitaltedsi-Berlammlung. Stenographischer Derein(Stolle) IU Kerli». VeretnSiokal: Patzen- hoser BterauSschank, Luisenstr. so. Montag, den 2t. Oktober, abend» 6% Uhr: Sitzung. Privat Kh»at-r-««s»llschaft„Erika". Sitzung jeden Montag, abend« 0 Uhr, bei Nowack, Manteuffelstr. o. Knhnenverband Preriosa. Sonntag, den 20. Oktober, nachmittag« o Uhr, Martannen-Ufer 2„Zum Luxhof": S'tzung verein der Waschinisten, Keiler und Kerusagenossen Keriin» und '-----\ C"'''-............ den 20. Oliober, nachm.& Uhr, in der Orauien- straste M: Versammlung. Kchmöchniitz und itmgegend. Sonntag, den 20. Oktober, nachm. ill Uhr: Grobe öffentliche VolkS-Bersamnilung für Frauen und Männer im Lolaie dc« Herrn Schoiandt, Eingang vom Gatten au«. Tagebo dnung: l. Bortrag Zc« NeichtlagS-Abgeordneten F. g u b e t l. 2. Diskusston. 3. Peiition an den Herrn Eifenbahn-Mintster betreff« der Eisendahn-Arbeiterwochen- sahrtkarten. verein deutscher Schuhmacher. Versammlungen am Montag, den 2l. Oliober, abend«»!j Uhr: Zahlstelle 1 bei Feind, Weinsir. 11; Zahlstelle 2 bei Gründet, Brunnenstr.>88; Zahlstelle 3 bet Werner, Bülowstr. 09 Schön, berg. Arbeiter- KildungSveretn. Morgen, Montag, abend« 8 Uhr, bet Obst, Grunewaldstr. lio: Versammlung. Bortrag des Genossen Dr. Joel über: Kampf um« Taseln. Heute Flugblatt-Berthetlung. Saniariter-Kiirsn» der Arbeiter und Arbeiterinnen am Montag, den 2>. Oltober, abend« 8X Uhr, det Cohn, Beuthstr. 20. Vortrag de« Herrn Dr. Friedeberg:„Ueder den Körperbau de« Menschen". Aus- gäbe der Bibliothek. Aufnahme neuer Th-ilnehmer. Gäste haben Zutritt. Vcrmifchke-s» Eine WahnsiunSthnt. Ein vierfacher KindeSmord, von der eigenen Riuller wahrscheinlich in einem Anfalle von Wahn- sinn begangen, wird aus S l e n d a l gemeldet. In dem von der genannten Stadt eine halbe Stunde entfernte» Warburg ivohnl ver an der Bahn als Rangirer angestellte Beamte Seiler mit seiner ans Gattin»nd vier Kindern bestehenden Familie. Der Mann, welcher sich des besten Leumundes ersreut, befindet sich in geregelten Verhältnissen. Er stand im Begriff, sich ein eigenes Hans zu kaufen, die Auflaffnuy desselben sollte heute erfolgen. Ander Kanfsnmme fehlte» jedoch ca. 396 M., welche Seiler anscheinend nicht auszubringen im stände war. Dieser Umstand scheint seine Frau derartig ergriffen zu hab.n. daß eine Geistesstörung ein- trat. In diesem Znstande ging sie am Donnerstag, während ihr Gatte sich djcnstltch in Stendal befand, mit ihren vier Kindern im Alter von zivei bis sieben Jahre» nach der sogenannten, auf dem Wege zwischen Warburg und Stendal ge egenen P erdeschwemme und tauchte dort die vier armen Geschöpfe so lange unier Wasser, bis sie todt waren. Einem Handwerksbnrschen, der des Weges entlang ging»nd, aus das Geschrei der Kinder aufmerksam geworden, an die Stelle des entsetzlichen Verbrechens eilte, rief die Wahnsinnige, die sich bis an die Brust im Wasser befand, zu:„Ich habe sie alle ertränkt, sehen Sie, es kommt keins mehr hoch. Nnn tomme ich an die Reihe." Nur mit Mühe konnte der Hinzutretende die Unglückliche von ihrem Vorsatze abhalten. Mit aller Zlnstrengnng packte er die ivüthend um sich schlagende Frau und brachte sie ans Land. Sie wurde vor- läufig im Stendaler Gesängniß untergebracht. Eine unangenehme Ueberraschnng ist den Rentamts- dienern in Nürnberg widerfahren. Denselben war vor mehreren Jahren eine spärliche Gehaltsaufbesfernng geivährt worden und es hat sich jetzt herausgestellt, daß sich seinerzeit bei der Anweisung ein„Rechensehlcr" eingeschlichen hat, so daß nun jeder 164 M. zurückzuzahlen hat, welcher Betrag in Monatsraten von 29 M.(waruni nicht gleich 199?) vom Gehalt abgezogen wird. Daß man diesem„Rechenfehler" erst jetzt auf die Spur gekommen ist, charakterisirt den Bnreaukratisinus als das, was er ist. An der Kiiste deS mitteNändlschen MeereS hat in diesen Tagen ein furchtbarer Sturm geivülhet. Folgende Depeschen geben davon Kunde: Paris, 19. Oktober. Aus Ajaccio kommt die Meldung, daß über der Stadl Bocognano ein furchtbarer Cyclon ausbrach und furchtbare Verheerungen anrichtete. Eine Eisenbahnstrecke ist sür längere Zeit unbrauchbar geworden und die Kastanienernte gänzlich zerstört. F i u m e, 19. Oktover. Der Segler„Collicita" mit voller Weinlndung ver Firma Franke Spitzer in Fiume verlor infolge Orkans Segel, Anker und Boote. Um die Mannschast zu retten, mußte die ganze Weinladung über Bord geworfen werden.— Fermo, 19. Oktober. Der bereits gsineldete Orkan richtete auch be- deutenden Schaden im diesseitigen Distrikt an. Die Blitze schlugen mehrfach in die Kirchen und Glockenthürme ein; so auch in den Thurm der Kirche von San Zenone, welche ein hervorragendes Bauwerk ist. Die Trümmer des einstürzenden Thurmes zer» störten die Kirche uud die benachbarten Häuser. Aus Kairo wird über einen bedeutenden Unglücksfall be- richtet: Ein Fährboot mit 69 Personen kollidirte mit eineminder Nähe von hier vor Slnker liegenden Dampfer. Das Fährboot kenterte. Fünfzig Personen sind ertrunken. Eingelanfcne Truckschriften. Bon»er„Zlenen Zeit"(Slultaart, I. H. W. D t e tz' Berlag) ist soeben da« 3 Heft de« 14. Jaln gange« erichtenen. Au« dem Inhalt heben wir hervor: Ein ige« über den jungen Engel«.— Die Befreiung der Kunst, von Erich Echlaikjer.— Enalische Parlei-Snlwiltlungen. von Ed Bernstein.— Thouia« Henry Hnxley. der Freund und Erltärer Darwins, von Edward Aveling. — Noiizen: Etwa« über die gesundheitsschädlichen(Sinffüsse der Zündholz- Eabrikation. Entwtrttiing dc« Berkehrtwcsen«. Berkupferung elserner chiffe.— Feuilleton;«tndeSrecht. von Elise Langer.(Fortsetzung.) Bon der 01lr>ch>>»it, Zeilschrisl für die Interessen der Arbeilertnncn(Stutt- gart, I. H. W. D i e tz' Berlag) ist UN« soeben die Nr. 21 des 6. Jahrgang« zugegangen. An« dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die gewerklchasilich orgainstrten Arbeiterinnen in Deutschland.— Ter StaaiSanwatt im ktainpfe gegen die proletarische Frauenbewegung.— Au« der Bewegung.— Der Einfluß der Frauen auf die englischen Wahlen.— Zur Lage der Wiener Arbeiterinnen der Wüschebranche.— Die Eleltrizität im Dtensie der Slickerei-Jndukrie.— Heilgymnaliit in Krankenhäufern. Bon einer Aerztin.— Da« Lied der Hacke(Gedicht), von Ada Negrt.— Feuilleton: Ei» Philanthrop.— Kleine Nachrichten. Tie„Gleichheit" erscheint alle 14 Tag« einmal. Pret« der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eiugeiragen tn der Relchspoft-Zeitungilift« für 1888 unter Nr. 2730) beträgt der AbonnimenISprei« vtcrteliährlich ohne Bestell- geld 65 Pf.; unter Kreuzband 86 Pf. Jnseralenpret« die zweigefpaltene Prtilzetle 20 Pf „Sockale prn»i», Zentralblatt für Soztalpolttil", enthält tn ihrer neuesten Nr. 3 folgenden lctlenden Aufsatz: Die AlimentationSpflichl der Ber- wandle» tm Bürgerlichen Gesetzbuch. Bau Aui'saerichlSrath Herin. Jastrow. — Au« dem Notizenlheil heben wir hervor: Retsednefe au» dem Gouvernement Chartofs. Zweiter Brief. Bon Prof. Dr. G. v. Schulze-Gaevernttz.— Erhebungen über Kinderarbeit tn Hanau.— Arbeitszeit der Angestellten in der Konf.klionSbranche in Berlin.— Benutzung der Bollszählung für lom- munale Sialistll.— Statist« der gewerblichen Genossenschaften tn Oester- reich.— Kongreß der standinavrschen Bäckergesellen.— Oefterreichische Sireik-Staiistil.— Die Marimal-Arbeil«nacht sür Bäckergesell»». Bon Privatdozent Dr. K. Oldcnderg.— Zusatz de« Heransgever«.— Elber- selber System für Mainz.— Sinken der Armenlaft tu Eharlotten- bürg.— Frauen al« Leiierinnen der Armenpstege tn England.— Lehr- Mtltel-Gewährung und Armenunterstützung tn Baden.— HauSwtrthschaft» licher Unterricht in Chemnitz.— Balksvorträge tn Kassel. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bet jeder Anfrage eine Chiffre(gwet Buchstaben oder eine Zahl) anziigeden, unter der die Antwort ertheill werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. Schouert. Ihre Person ist ja von uns gar nicht genannt worden; wir haben daher auch keine Veranlassung, uns mit Ihrem Verlangen zu befasse». H. Koch. Der Bericht eignet sich nicht zur Aufnahme. M. GehlSdorf. Diese Beilage erhalten nur die Berliner Abonnenten; auf Wunsch senden wir Ihnen die Listen nach Schluß der Ziehung per Post zu. — W. lOIM». Die Bestimmungen für Berlin und für den Regierungsbezirk Potsdam über die Hebamnien Prüfungen u. s. w. können Sie in der juristischen Sprechstunde aus der Redaktion einsehen. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener Meineidsprozeß Vernriheilten gingen ferner ein: Amerikanische Auktion vom Rauchklub„Frisch gewagt" 2.19. Gesammelt bei einer Geburtstagsfeier Adiniralstraße 33 2,—. F. Kürassierstraße 3,—. Geburtslagsseier des Formers von Sch. u. Oehlers, Chausseestraße 49 2,65. Rother Klempner— ,59. Stuttgarter Parteigenosse» 1. Rate 499,—. Von Roihin bei der Geburtstagsfeier meiner Frau gesammelt von Völz, Breslaner- iraße 9 4,—. Von rothen Weißgerbern St. Ilgens d. Ginipel 19,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Kartonsabrik von Ed. acovson 2. Rate 15,99. Berlin VI, Rosenthaler Borstadt und lesunvbrunnen 132,84. Summa 572,99 M. Bereits quittirt 13 483,32 M.; in Summa 14 956.81 M. Zur Beachtung. Den Parteigenossen zur Mittheilung� daß wir am 25. Oktober die Sammlung für die Angehörigen der Essener Verurtheilte» schließen. Wir bitten deshalb für obigen Zweck gesammelte Gelder bis zu diesem Tage an unsere Expedition einznliefer». M. St. S. Wir empfehlen Ihnen die Schlosser'sche Welt- gekchichte, von der eine Volksausgabe erschienen ist, die 19 Bände umfaßt und 38 Mark kostet. Sie können dieselbe durch unsere Buchdandlilng besseben. 86| Alte Jakobftraße|86 ■» ft Saunnt. 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Montag: Gräfin Fritzi. Friedrich-WUHelmstädt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Nachmittags 3 Uhr: Dieselbe Vor- stellung. Dcne» Theater. Der Militärstaat. Nachmittags: Francillon. Montag: Der Militärstaat. Schiller-Theater. Der Meineidbauer. Montag: Wilhelm Tell. Ztrstdenz Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Parade- bummler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Eentral-Sheater. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Aleranderplab!- Theater. Durch- gegangene Weiber. Nachmittags: Othello. Dational-Theater. Die Braut von Mesfina, oder: Die feindlichen Brüder. Nachmittags: Medea. Montag: Dieselve Voruellung. Theater Unter den Linden. Der goldene Kamerad. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ameriean-Theater. Die Millionenerbin von Rixdorf. Montag: Dieselbe Vorstellung. Keichvhallrn-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Schiller-Theater. (Wallner-Theater.) Sonntag, nachmittags: Vorstellung der Neuen freien Volksbühne: Aabale und Liebe. Abends: Der Meineidbaner. Montag: Wilhelm Test._ National-Theater. Große Lranbfurterltraße 138. Direktion: Max Sarnst. VolkSTorstellnng zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn 8. Bruck vom Stadttheater in Mainz: Die Bnutt von Messina oder: Die feindliclien Brüder. Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Regie: Max S a m st. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Medea. töütrsl-lliegter. Alte Jakobstr. 30. Cmil Thomas a. G. llovttät! Zum 47. Male: Novität I Eine tolle UM. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in S Bildern von Villi. Manustädt und Jnlins Freund. Musik von Julius Elnödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Biolrard ScduItx. Anfang 7>/s Uhr. Morgen: Zum 48. Male: Eine tolle Nacht._ Fritdrilh WhtlmM. Thcater 85/86 Chaustrestraße 25 86. Nur noch 2 Wochen Gastspiel der I.i> iputaner. Hellte 2 Bttsiellllllgen. Nachmittags 3 Uhr I Abends 7Vs Uhr zum SS. Male: l zum S0. Male: Tie Reise llllch deiil Mllrs. Kinder nachmittags balde Preise. Adolph Ernst-Theater. Zum 47. Male: Umdeillllllniltr. Besetzung der Hauptrollen: Anna BäckerS, Joiefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben. Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Wortitzsch. Ansang 7Vs Uär. fjSF- Kein Aufgeld."•Q Morgen: Dieselbe Vorstellung. U I» S N B S Anstalt für volksthürnlichG Naturkunde. Am Landes-Aiisstcllungspark (Lehrter Bahnhoi). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torsteilnng im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Louis Roller s Fcsisäle Koppenstraße 29. Größtes». schönstes EtabliEement der Uestdenz. Heute Sonntag: Gr. Dopptl-ConM der hier so beliebten Hlllllilmg. Siillger v fferrvn, sowie des Verlilltt Collttrt-Wtsitrs unter Leitung des Herrn Musikdirektors 6. Grass. Anfang 5 Uhr. Entre» 30 pf. Nach dem Concert: Grosses* Ball ausgeführt von 2 Mnstkchören. Jeden Dienstag: Große TM Soiree ü.NMelltsld.Siillgtt. Alexanderplatz-Theater. Alexanderstraße 40. Mittwoch, den 83. Gktober: Eröffnungs-Vorstellung unter der Direktion Albert Faulet. Ansang 8 Uhr. Ansang 8 Uhr. Zum 1. Male: Mit vollständig neuer Ausstattung: Die Kleine» Kammer. Operette in 2 Akten von Louis Varncy. Vorverkauf beginnt Montag. Parquct 1,50 M., nummerirler Sitz 50 Pf. Ipoüo-Theater. Friedrichstr. 218. Direktion: J. Glück. Srnsationrllrr Erfolg des hololfalrn Oktober- Programms. Hliss Bella Rosa, Kaleidoskop u. Serpentintänzerin auf rollender Kugel. The 7 Troubadours, englisches Schönheils-Septett und 80 hervorragende Künstler. Kasseneröffnung 7 Uhr.— Anfang der Vorstellung 8 Uhr. llas sensationelle neue Programm. Kaufmanns Variete-Theater.| Das Mannweib Mlie. Arniotis ist dank einer Kantion von 1500 I wieder auf freiem Fuss. BDer ßlilzdichter Samson. B| Gymnastik des Geistes. Ferner 22 Nummern. STÜHull kommtürgl Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Dienstag, den 88. Oktober f895, abend» pnnkt 8>/2 Uhr: 3. ibonnefflents-Konzert (3. Gesellschafts-Abend) der Freien Vereinigung der Zivil-B ernfsmnsiker Berlins. Lchester: 50 vorzügl. Muslker. Dirigent: G. Grass. Zur Aufführung gelangen u. a.: Ouvertüren z» oen Opern„Die diebische Elster" von Rossini;„Oberon" von Weber; Traumbilder- Fantasie von Lumbye;„'s kommt ein Vogel geflogen", Volkslied im Stile der Komponisten Bach, Haydn, Mozart, I. Strauß, Verdi, Gounod, R. Wagner, Beelhoven, Mendelssohn. Schumann, Brahms, Meyerbeer, 1. Violin-Konzert von Rohde (Solist: Herr ftunke.) Auf wiederholten Wunsch: Ouvertüre zum Trauerspiel„Uobrspirrre" von Litolff. Abonnementskarten a 1 Mark in allen mit Plakaten belegten Handlungen und an der Kasse. Elnsel-Konserte ä 25 Ff. pro Person(Nichtahonnenten).— Zettel ä 5 Ff. Anmerkung für Laien in der Musikkunst: Säinintliche in unsere» Konzerten zu Gehör kommenden Musikstücke sind Original-Rrrangements und erfordern zu einer klangvollen und de» Ideen ihrer Komponisten entsprechenden Aufführung ei» so zahlreiches Orchester, wie das unsere. Bei einem Studium der Programme zu den„Meydcr- Konzerten" im„KonzerlhanS" wird man finden, daß dort die nämlichen Stücke gespielt werden, wie bei uns. Heule, wo immer größere Slniorderungen in bezug aus Leistungssähigkeit an den Musiker herantreten, werden selbst die Tonwelke unserer Heroen von 12 und weniger Mann starken Kapellen gespielt; da ist selbst ein R. Wagner u. a. nicht auegesciiiossen. Die Werke jener großen Meister werden eben, und das oft recht stümperhaft, für kleine Kapellen um- gearbeitet und das nennt der Musikverständige Verstümmelung. Wir wissen Lokale, wo selbst die„Tannhanser-Oaverture von R. Wagner" von einer 4(!) Mann starken Kapelle gespielt wird. Für genügsame Menschen lhnt's aber schon ein— Klavierspieler! Wer aber den Nntersd>ied de» Klangwirkung zwischen einem 12 und SO Mann starken Orchester zu beuriheile» weiß, dem werden Ausdrücke wie„Verschwendung technischer Kräfte", deren sich in Nr. 243 d.„V." ein„Kritiker" zu bedienen beliebte, höchstens ein Lächeln ablocken. SO 14 Der Vorstand. Gegründet 1845. Circus Renz. Gegründet Karlstrasse. 1845. Konntag, den 80. Glifober: iSST 2 Vorstellungen."LSG Uachmltfay» 4 Uhr: Grosse Vorstellung mit besonders zur Belustigung de» Jugend gewähltem Programm. Der ostpreußische Hengst Blondel(Original-Dressur). Hierauf Idonstre-Tablean von 70 der edelsten Freiheitspferde, dressirt und vorgeführt vom Direktor Fr. Renn. Auftreten der Schulreiterin Miß Blanche Goohe. Zum Schluß: Tjo Ni En mit dem beliebten Schellenspiel(I.es grelots vivants) arrangirt und inszenirl vom Direktor Er. Ken». SfOT I» dieser Uach uiiltags-NorsteUuns hat jeder Kesnchrr da» Hecht, auf da» von ihm gelöste Killet 1 Kind unter 10 Aahren frei mit einzuführen. Abends 7l/z Uhr: Eest-VorsteHung. Festliche Kegriistung«nd Willkommens-Knldignng, derUrichs» ganptstadt und ihre» Kewohnrrn dargebracht vom gesain», ten Herren- und Tamenpersonal, in einer besonderen Art arrangirt vom Direktor Er. Ken., endigend mit einer Polonaise. Auftreten des hervorragendsten Schnlreilers der Neuzeit Herrn Ritter von Renroff mit feinein Schulpferde Skobeleff. Besonders erwähuens- werlh: Original! Der phänomenale Kaguetfesprnng. Original! wie solcher bisher von keinem Reiler mit Pserd in gleicher Weise ausgeführt ivurde. Povero, 4jähr. Vollblut-Ravphengst, in allen Gangarten der hohen Schule dressirt und geritten von dem anerkannt besten Schul- reiter der Welt Mr. dames FUli». Donner und Daiins, Rapphengste, in einer neuen originelle» Art dressirt und in Freiheit vorgeführt vom Direktor Fr. Ren?. Doppel- donglerie auf 2 Pferden, ausgesührt von Mr. James und Mr. Charles Jee. Die vier Jahreszeiten, Schule geritten von 4 Damen. Auflreien des renominirten Origliiat-Ctowns Mr. Gohert Delling. Alles Nähere aus Plakaten und Ailslragezelleln ersichtlich. Montag, den 21. Oktober, abends 7'/- Uhr: Exlra-Vorstellung. Franz Renz, Direktor, König!. Kommissionsrath. Passage- Panoptlcii. 48 vom andern Ende der Welt (Samoa)._ xm-MM Burgstraße Nr. 22.! Täglich stürmischer Beilall des seusat. Oktober-Programms 1 1 Stephan& Olivier Weih. Frohe! Rappos, Plötz, Peronl, Schefflers,| Bonos, Barbara, Aranka, Görs etc. i Anfang: Wochentags T/z Uhr, Sonntags 6 Ubr. Eutree 30 Pf. Ab 1. November: Durchweg neues Urogramm. E a st an'sTa n o p t icum. Friedrichstr. 165. alambo? Kaiser-Panorama (Passage). Nur diese Woche: 8üd-Akrika, St. Helena, Rennion. V. Reise durch Tirol. Ber!. Bockbrauerei Tempelhofer Berg, Igy Im großen Konzertsaal SKST heute, sowie jeden Sanntag 900h] und Mittwoch Anfang 6V2 Uhr. StettinerSSnger Herren Hippel,« Vagner, Ludwig, Küster, Little- Bobby, Chlebns und Blank. Urkomifcheo neues U.ogramm. Entree 50 Vf u Neuer Circus! Circns Busch] (Bahnhof Börse.) Den hochgeehrten Bewohnern der I deutschen Reichshauplstadt beehre! ich mich hierdurch anzuzeigen, daß s ich am Donnerstag, den 84. Oktober,! abend» 7'/s Uhr, »leinen uenerbauten CircnS am j Bahnhof Börse mit einer k'ai'aUe» Oala-Vorstellung eröffnen werte. Wie es nie n Bestreben gewesen. I ein Circ»sg> bände zu schaffe»,! welches nickt alle n allen An- 1 forderungen der Neuzeit Rechnung I trägt, sondcrn auch im wahren I Sinne des Wortes sich als Circus I repräsentirt, so werde ich auch un- 1 ausgesetzt taraus bedacht fein, in! meine» Vorstellungen alles das zu I vermeiden, waS nicht mehr als »citgemäst, interessant und neu gilt. Durch die vorzüglichsten Leistun- 1 gen auf allen Gebiete» der moderne» circensiichen Künste,! sowie durch die sorgsamste Ustegr I der Freiheitsdrrssur»nd der! Schulrritkunst mit ausschließlich I rdelltem Ulaterial hoffe ich mir das Wohlwollen des hochverehrten! Publikums zu erringen und mich! der Gunst desselben würdig zu er-s weisen. Nicht minder werde ich durch! Aufführung glänzend aus I gestatteter Schaustücke darzu- thun suchen, daß ich auch darin I den gesteigertsten Anforderunge» zu entsprechen vermag. Indem icd daher bitte, mein neues Unter- 1 nehmen durch geneigte Beachtung I uiilerstüyen und es mir dadurch er- 1 möglichen zu wollen, meine Auf- gäbe zu erfüllen, verharre ich mit vorzüglichster Hochachtung P. Busch, Direkt or Ureife der Utähe: Logensitz I ! ö M., Parquetsitz 3 M. Balkon 2 M., 1. Play 1.50 M.. 2. Platz s 1 M.. Gallene 0.5" M. BilletS sind ab Dienstag vor- mittags 11 Uhr an der Oirrno» I Kasse sowie im InvalidrndanK. Unter den Linden 84, z» haben.| Walhalla-Theater. 52 Oranien- Straße 52. Morihplatz. Allabendlich «ngehenre Heiterkeit beim Lach-Programm! Singspiel— Posse— Spezialitäten. Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. bis 2 M. Dorzngs- Sillette gratis. Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a Heute, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: SMiiier Siingkr (Meysel, Pletro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Entree 50 Pf. Anfang präz. 7 Chr. Heute: Graffes Uovitäten-Dro- gramm 1„Ueglments-Krfrhl", urkomisches Ensemble.„Das vrr- flirte Telephon"(Herr Steidl). „Josephine von der Seils- Armee"(Herr Britton)...Ulnst Kalische Genüsse"(Hr. Meysel). Montag: Victoria• Brauerei. Dienstag: Böhmisches Brauhaus. Aktien-Brauerei Friedrichshain (Königsthor). Heute Sonntag: Grosses Militär- Konzert Przywarski. Eintritt 20 Pf. Programm unentgeltlich. UScsaBap. Varidtd- u. Speztalitäten-Theater i Dresdenerstr.52,53, Annenstr. 42�43 f (City-Passage). Täglich: Gr. Spezialitäten-Torsteilnng. Ueberttstet. Poffe mit Gesang u. Tanz in 1 Akt Ans. Wochent. 8. Sonntags 6 Uhr. Entree„ 10 Pf.,„ 30 Pf. R. Winkler. I CösSinep Hof. Coolinersteaffe 8. Uedding. Jeden Sonntag: Großer Kall mit großer Grchrster-Mnstk. Anfang 4 Uhr. Ende 1 Uhr. Am Sonntag, den 87. Oktober: Gratis- Präsent- fiBäT* Vertheilung."VE Zür Herren: Stoff zum ganzen Ancug oder 20 Mark haar. Für Domen: Sin Winter-Jaquct mit Muff oder 20 Mark haar. NB. Die Sachen liegen im Lokal heute zur gefl. Ansicht aus. 31022' Achtungsvoll Die Direktion. Mthl-KilMW L. Brachdogtl, Mliiitkllffti>lrlißt75. zivischenOranien. u.Reichendelgerstraße. Exlrasein gebrannter Kaffee a Pfd. 140 und 160 Pf. Vorzüglicher Rohkaffee& Pfd. iio, 120 und 130 Pf. Prima Malzkaffee ü Psd. 20„ Gebr. Gerste und Roggen 13„ Deutscher Kakao, V* Pfd. 60 Pf.. 1 Psd. 230 Vi. Kakao I, Vi Pfd. 60 Pf.. 1 Pfd. 190„ Deutsche Schokolade ä Pfd. 160„ Vanilleblocksckokolade„ 100„ Gewürzblockschokolade„ 80„ Albert-Eakes, feinst«„ 90„ BiSquil, Mixed I„ 120 Bisquit, Mixed U„ 100„ Iuppeniuakronen„ 140„ Echt Potsdamer Zwieback„ 95„ Suchong-Thee 1„ 375„ Suchong'Thee II„ 290„ Feinster Theegrus„ 190„ Ketten, schöner Stand. 22 M., sof. zu verk. Reichenbergerst. 6, v. 1 Trpp. 1. vokn's Festsäle Benthstrasse 21. Sonnabend, der v. Uovember, ist noch f« vergebe». Außerdem empfehle ich ineine Säle zu Versammlungen. 953b Vereinszimmer vo» 25—100 Personen. Für dir hiestgen Leser liegt der heutigen Zlummrr unseres L!>atte» die geNriye Gewinnliste der preust. Lotterie bei. Verantwortlich« Redakteur: Fritz ftunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseralentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Verlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 346. Sonntag, den 36. Oktober 1893. 13. Jahrg. Sozwls Vertzkspftege. Gewerbegericht. Unbefugtes Verlassen der Arbeit. Der Brauer t., welckier in der Brauerei Gregory beschäftigt war, hatte eines ages einen gerichtlichen Termin wahr;unehu>en, was ihm auf sein Ersuchen auch ausdrücklich gestattet wurde. Der Termin war auf SV, Uhr vormittags angesetzt, H. fand sich aber erst um 7 Uhr abends wieder in der Brauerei ein. Diese etwas lange Dauer der Termin- Wahrnehmung veranlaßte den Arbeitgeber, H. sofort zu entlassen. Eine Entschädiaungsklage desselben vor dem Gewerbegericht war erfolglos. Tasselbe hatte festgestellt, daß Kläger bereits in de» Mittagsstunden ein Restaurant besucht hatte. Es erblickte in dem damit erwiesenen Ueberschreiten der Erlaubniß, den fraglichen Termin wahrznnehmen, ein unbefugtes Verlassen der Arbeit, d. h. einen Entlassnngsgrund nach ß 123 der Gewerbe- Ordnung. „Lassen seid Ihr, keine Tischler." In diese» Warten, welche der Tlschlcrmeister Kienow seinen Gesellen zu rief, als sie sich weigerten, wie bisber für eine Weiße und einen Schnaps Holz zu tragen, sah die Kammer keine grobe Be leidigung. Der Vorsitzende Assessor Brasch erklärte deshalb die sechs Tischler, welche einen Prozeß gegen Kienow angestreng hatten, für njcht berechtigt, die Arbeit obne vorherige Kündigung niederzulegen.— Ob auch in der Bezeichnung eines Arbeitgebers als„Laötm" keine grobe Beleidigung desselben erblickt werden roiivifer von der ostdeutschen Binue«-Lchifffnhrts- Berufs eiiosseuschaft. Einen in mehrfacher Beziehung interessanten 'Rechlestreit beendete dieser Tage der erste Senat des Reknrsgerichtes in Unfallsachen unter dem Vorsitz de- Geheimen Regierungs- Rathes Dr. Sarrazin. De> Schleusenknecht Timm war am Morgen des 16. Oktober v. I in einer Schleusenkammer des Brombcrger Cchisffahrts Kanals todt ausgefunden worden. Seine Hinterbliebenen erhober darauf bei der ostdeutschen Binnenschistsnhrls> Bernssgcnossei> schalt Rentenansprüche, die von dieser nicht anerkannt wurden. Anck die Ortsknsie für Schifsfahrt, Flößerei und verwandte Gewerbe wurde mit ihrem Anspruch aus Erstattung der von ihr gezahlter Beerdigungskosten von der Genosienschaft zurückgewiesen. Letzter� bestritt, daß überhaupt eine Versichernngspflrcht für Schleuser■ knechte besiehe, und hob hervor, daß eventuell der Wasserbau-Fisk»� als Nnlernehrner des Schleuscnbelriebes anzusehe» sei, in dessc, Dienste» ihrer Meinung nach der Verunglückte gestanden habe Tas Schiedsgericht, bei welchem die Abgewiesenen Verusung einlegten, veranstaltete eine ausgedehnte Beweiserhebinig Als sicher ging aus derselben hervor, daß Tim» nicht bei seiner gewöhnlichen Beschäftigung, dein Durchs schleusen von Flößen oder Kähnen»nis Leben kam, sondern das der von niemandem beobachtete Unfall passirte, als T.„Wache' hielt. Mit„Wache" bezeichnen die Schlensenknechte das Wärter auf die Gelegenheit, in Aktion treten zu können. Das Schicds gericht nahnr nun an.'daß Timm während der Wach« in niemandes Diensten gestanden habe, daß also auch»ichi von einem entschädigungepflichligen Betriebsunfälle die Red> sei» könne. Aus diesem Grunde wurde die Berufung a b gewiesen. Gegen diese Entscheidung legten die Kläger Reknr- ein, de» sie damit begründete», daß der Verunglückte nicht frei willig bei der Schleuse geblieben sei. Er Habe am 15. Oktober einem Sonntage, dableiben müssen, um etrva noch anko»iniend> Schiffe durchzuschleusen, damit am anderen Tage die Flöße der SchleppschifsfaHrt-Genossenschaft ungehindert durchgeschleust SonntÄgsplsuldevei. Der Geist läßt sich mcht dämpfen. Dies Apostelivor! wiederholte Herr von Stephan, der Postgewaltige, als an jüngsten Freitag die mächtige nei� Hauptpost zu Frankfnrl am Alain feierlich eingeweiht wrirde. Auch der Geist des Generalpostnieisters ließ sich ans der festlichen Stätte»ich dämpfen. Wo jetzt das stolze Häusergeviert zrvischen der Frankfurter Zeile und der Eschenheimergasse sich erhebt da ragen unweit noch die alten Bäume im Park des vor maligen Bundespalastes vor; und Herr von Stephan, der so manchmal schon heimliche, freilich gerade nicht bedeut- saine Zwiesprache mit den Musen hielt, sann nach über vergangene romantische Zeiten. Er beschwor das An denken Goethe's herauf lind der Festjubel übermannte den Redner. Was würde Goethe zu seiner Vaterstadt ani Main sagen, wenn er statt der Idylle von einst das dramatisch bewegte Dasein von heute erschauen könnte. Und was würde der negirende Metaphysiker, wie Stephan'! Weisheit den Philosophen Schopenhauer nennt, der i> Frankfurt sein Leben beschloß, empfinden, wenn er dir Lebe�rsentwickelung einer Kultur erblicken dürfte, die von der Weltflncht und dem Nirwana nichts wissen will? Darum, jauchzte es in der Seele des Herrn v. Stephan alif, keine Schivanenlieder zu Ehren der hingeschwundenen Romantik, darum keine Jeremiaden über den zunehmendei Materialismus! Ter Geist unserer Tage läßt sich nicht dämpfen. Wohl waren Stephan's Jubelausbrüche einem Herzen entsprungen, das voll war von patriotischem Enthusiasmus; lind wenn der Generalpostmeister von seiner Höhe mitleidig auf Schopenhauer herabblickt, den„grämlichen Pessi- misten", den„Philosophen der Verneinung", soZ freut er sich zugleich als robuster, neudeutscher Bürger der glor reichen Herrlichkeiten, die uns seit einem Vierteljahrhunderl beschieden waren. Fröhlich mit den Fröhliche», zufrieden mit den Zufriedenen, erscheinen ihm die unruhigen Schwärm- und Quälgeister wie verdammenswerthe Thoren. Was >t oll n sie denn noch, die Raisonneure? Und wie erdreisten sie sich, mißvergnügte Gesichter aufzustecken? Allein in die unzweifelhaft gute Gesinnung des Herrn v. Stephau mengt sich dennoch ein Stückcheir Ketzerei. Wie darf er so einseitig gegen die Romantik sich kehren und fast burschikos ani zunehmenden Materialismus sich ergötzen? Ob ihm das die Kreise nicht übel nehinen werden, die helitzutage in- brünstig Umkehr predigen, Umkehr vom Geist des ver- giftenden Materialismus? Die in Entrüstung gerathen über die Lehren der Kathedersozialisten und vor Adolf Wagner sich bekreuzten, weil der junge Rektor der Berliner Universität Marx und Engels nicht als wüste Volksverderber, als materialistisch gesinnte, von gelbem Neid geschwollene Naturen schildert, vor denen ein frommes dnitsches Gemüth gewarnt sei. Statt dessen vermißt sich der Kathedersozialist, Engels und Marx Denker ersten Ranges zu nennen, als hätten die teiden jemals auf deutschen wohlapprobirten Lehrstühlen werden konnten. Im Falle er nicht dafür sorgte, hätte diese Aktiengesellschast ihn aus seiner Stellung ver- treibe» können. Das Reichs- Versicherungsamt nahm sowohl das Vorliege» eines Betriebsunfalles an, wie auch, daß die ostdeutsche Binnenschifffahrts-Bernfsgenossenschast die Rente zu zahlen habe. Aus den Gründen des Gerichts ist her- vorznheben: Durch Polizeiverorbnungen seien Schiffer und Flößer, ivelche die hier in betracht kommenden Schleusen zu passiren haben, verpflichtet, nach den Anweisungen der Schleusen- meister die zur Bedienung der Schleusen»öihigen Arbeilen, so das Oeffnen und Schließen der Schützen- ihüren, selbst zu verrichten. Ferner sei durch die Verordnungen bestimmt, daß die lebhafterem Flößereibetriebe sich jeder Schiffer und Flößer der Schleusenknechte zu bedienen habe, welche der Schlenfenmeister dazu einübte, und bestimmte, jene Arbeiten vorzunehmen. Diese Schleusenknechte seien nun Lohnarbeiter der Flößer und Schiffer, und ständen nicht deshalb etwa im Dienste des Schleusenmeisters, weil sie dieser einübe und beaufsichtige. Denn was die Schiffer und Flößer für das Turchschlensen entrichtete», komme lediglich ihnen zu gute. Flößerei betreibe nun die Brombcrger Schleppschifffahrt-- Genossenschaft(Aktiengesellschast) fast allein aus dem Brombcrger Kanal. Sie nehme die Schleusen am häufig ste» in Anspruch, wie aus statistischen Feststellungen erhelle. Gegen 91 pCt. aller Durchschleusungen kämen aus sie In ihrem eigenen Interesse, das ihr einen möglichst glatte» Zchleusenverkedr wünschenswerth erscheinen ließ, habe die Aktien gesellschaft selbst dafür gesorgt, daß an den Schleusen des Bromberger Kanals nur ganz bewährte Leute Beschäftigung ianden. Wie die Anstellung anderer Schleusenarbeiter, habe sie auch diejenige Timm's bewirkt. Jeder der Arbeiter erhalte von ihr für jede Durchschleusung ihrer Flöße 19 Pf. So bestehe zwischen den Arbeitern und der Gesellschaft ein Akkordlohn-Ver- hältniß, ein Arbeitsverhällniß, das als solches um so klarer sei, als die Schleppschiffsahrt Sirafgewalt über die Leute ausübe. Sie habe, wie iestgestellt sei, sich vertraglich das Recht au-bednnge», Nachlässigkeiten der Leute mit Geldstrafen zu ahnde» und eventuell sie von der Schleusenbedienung auszuschließen. Also sei die Gesellschaft ganz sicher Arbeilgeberin des Verunglückten gewesen. Ob sieh diese ihre Arbeitgeberschaft auch auf die Zeit erstreckte, in welcher Timm ihr nicht gehörige Kähne durchschleuste, könne im vor- igende» Falle unberücksichtigt bleibe». Denn wenn die Frage wirklich verneint würde, müsse angenommen werden, daß der Schleusenknecht sich zur Zeit in den Diensten eines Schifferei Unternehmers befand, dessen Betrieb ebenso der Versicherungspflicht in Banne der beklagten Berufsgenossenschaft unterlag, wie der Flößereibctrieb der Schleppschifsfahrts-Geiiossenschaft. Daß ein Betriebsunfall vorlag, schloß vaS Reichs-Versicherungsamt Daraus, daß sich beim Auffinden der Leiche Timm's noch die turbeln an de» Tborschützen der Schleuse befanden, und daß die Besichtigung der Schleuseneinrichtnug durch das Schiedsgericht ils sehr wahrscheinlich die Annahme ergab, Timm sei abgestürzt und in das Wasser gefallen, als er die Kurbeln abnehmen wollte. Das Gericht führte hierauf bezüglich aus, eine dem ieweiligen ArbeitsverHältniß des Schlensenarbeiters ent- pringende Pflicht desselben sei, die Kurbeln abzunehmen nid in die Schleusenbude zu schaffen. Solange dies nicht geschehen, ei die bei der Beklagten versich-rungspflichlige Betriebslhätigkeil es Verunglückten noch nicht beendet gewesen und deshalb sei der llnfall als Betriebs Unfall anzusehen.— Der Vorsitzende, Dr. Sarrazin, rügte in der öffentlichen Verhandlung, daß die oeklagte Berufsgenossenschaft während der langen Daner dieses so komplizirten Rechtsstreites der Wiltwe Timm keinerlei Vorschüsse zahlte, es vielmehr der ehemaligen gesessen und der erstaunten akademischen Jugend, der Blüthe ''cutscher Kultur, dem hoffnungsreichen Nachwuchs unserer .zeistigen Führer, unserer Lehrer und Beamten, ihre Philosophien nach Recht und Gesetz vorgetragen! Adolf Wagner zuckt auf die gerechtesten Vorwürfe, die gegen ihn ind seines Gleichen erhoben werden, mit den Achseln. Was nützte es, erwidert er, wenn man die studircnde Jugend, soweit sie im Ernst bildungsdurstig ist,jvon Marx ind Engels fernhalten wollte? Sie fände von selber die Quellen, an denen ihre volkswirthschaftliche Erkenntniß sich bereicherte. Ter Geist läßt sich nicht dämpfen, so sagt eben der Apostel in dem Brief an die Zihessalonicher. Und er muß gedänipft werden können, schallt es auf oer anderen Seite grinimer als je denen entgegen, die nicht mit den Romantikern über Ruinen trauern mögen, die der menschlichen Gemeinschaft Lust am Erdendasein und Lust ini Aufbauen gönnen ivollen. Schließt euch eng zusammen, rmannt euch zu gemeinsamer Abwehr, und der Geist des fortschreitenden Materialismus wird eingedämmt werden und an seiner gefährlichen werbenden Kraft verlieren! Ja, wer heute noch den Ritt ins alte romantische Land voll- führen könnte, iver Hüons Zauberhorn noch einmal gc- wänne! Er brauchle nur in dies Horn zu blasen, »ud nach seinem Willen und nach seiner Melodie würden sich verzauberte Menschen im Kreise drehen. Aber verflogen ist der Zauber uud vor den E n t z a u b e r t e n hätten selbst die Klänge aus Htton's Horn die Macht ver- loren. Uud was den romantischen Lockungen nicht gelang, das sollte dem kleinlichen Regiment der Verfolgung gelingen? Wie es romantische Phantasten giebt, die in dem Glauben leben, Hüou's Horn zu besitzen, so giebt es egoistische Ver- treter der alten Welt und der Privilegien, die in dieser alten Welt zu recht bestanden. Die versuchen es auf anderem Wege, die Welt von ihren materialistischen Leiden zu kuriren. Sie bemühen sich, den Kämpfern der Gegenwart Furcht zu suggeriren. Sie wollen den Geist ertödten, wenn sie ein paar Dutzend Menscheuleiber knebeln. Das abschreckende Beispiel ist wieder zu hohen Ehren gebracht, das abschreckende Beispiel soll warnen, soll belehren; und die Wortführer derer, die nach höherer Entwicklung drängen, sollen durch Furcht zum Schweigen gebracht oder wenigstens sollen ihre Stimmen zu leisem Ge- flüster herabsinken. Tas ist die Heilswahrheit der Leute um Stumm, der rückständigen politischen Elemente, die sich und den anderen nnt Feuereifer vorreden: Jetzt und jetzt gälte es, Furcht zu verbreiten, vor dem sozialistischen Feind sich nach Art der homerischen Helden im überspannten Kraftbewußtsein zu rekeln, um zu imponiren und vor allen Dingen, sämmtliche Polizeimittcl, deren man in der Eile habhaft werden kann, gegen den Feind loszulassen. So meint man, bei Sturm und Viktoriarnfen nach alter Kriegslist die geschlossenen Reihen der Kämpfer für eine reichere, fruchtbarere soziale Ent- Wickelung durchbrechen und sie in Verwirrung bringen zu können. Mit dem kopflosen Gegner wird man schon fertig, j Arbeitgeberin des Verstorbenen überließ, Frau Timm regelmäßig zu unterstützen. Neuester Versuch, die Invalidenrente z» schmälern. Häufig kommt es leider vor, daß Ansprüche auf Invaliden- und auf Altersrente zurückgewiesen werden, weil wenige Wochen an der gesetzlichen Wartezeit fehlen. In vielen Fällen halte der Arbeit- geber zu kleben unterlassen, der Arbeiter achtete hierauf nicht und hat nun nachträglich den Schaden hiervon. Nach einigen Kämpfen hat mit recht das Reichs-Versicherungsamt es für zulässig erachtet, daß der Arbeiter selbst die seblenden Marken behufs Erlangung der A I t e rs reute nachklebe, falls er beweist oder doch sehr glaubhas l macht, daß thaisächlich nur durch Bummelei des Arbeitgebers das recht- zeilige Kleben unterlassen ist. Dem entsprechend hat auch der Vorstand der Jnvaliditäts- und Altersversichernngs- Anstalt Berlin es für zulässig erachtet, daß auch bei Invaliden- renten-Ansprüchen der Arbeiter selbst nachträglich Klebemarken verwenden darf, wenn er beweist, oder sehr glaubhaft niacht, daß durch Schuld eines seiner früheren Arbeitgeber die rechtzeitige Kleberei unterlassen ist. Damit ist aber der Staatskommissar nicht zufrieden. Er legte in einer Reihe von Fällen Berufung gegen die Festsetzung der schmalen Invalidenrente ein, weil nach seiner Ansicht ein nachträgliches Kleben unzulässig sei. Der Staats- kommissar befindet sich hierbei mit dem aus§ 125 des Jnvaliditäts« gesetzes ergebenden Grundsatz, daß der Arbeiter ein Recht auf gesetz- mäßiges Kleben hat, und mit der Grundidee des Gesetzes im Widerspruch; Demgemäß entschied das Schiedsgsricht für den Stadtkreis Berlin wiederholt, daß die Berufung des Staats- kommissars zu verwerfen und den invaliden Arbeitern ihre schmale Stellte zu belassen sei. Das Schiedsgericht führte zu- treffend aus, daß den Arbeiter an der Stichtverwendung der Marken keine Schuld treffe, er habe nur das Recht, den Arbeitgeber, der klebepflichtig ist, zu kontrolliren.„Aus einer Schuld des Arbeit g e b e r s könne aber nimmermehr dem Arbeit- n e h m e r ein derartiger Vorwurf gemacht werden, daß i h m nun die Wohlthaten des Gesetzes vorenthalten werden." Der Staatskommissar hat trotz der offensichtlichen Richtigkeit der Be- gründnng in den S..,...sgcrichlsurtheilen gegen alle diese dem Arbeiter günstige Urtheile Revision beim Reichs-Versicherungsamt eingelegt. Er greift in den Revisionen auch die freie Beweis- Würdigung des Schiedsgerichts an. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß das Reichs-Versicherungsamt. nach der Anschauung des Schiedsgerichts, die dem Recht und der Billigkeit entspricht, entscheiden wird. Ist aber der Staatskommissar wirklich dazu da, um in solchen Fällen Rechtsmittel einzulegen? Uns sind allein drei derartige Fälle bekannt, in denen der Staatskommissar an seinem formellen Recht der Berufungs- und Revisionseinlegung in solchen Fällen Gebrauch gemacht hat. Vielleicht wird die Reichsregierung im Reichstag veranlaßt, sich über die Frage zu äußern, ob der sogenannte Staatskommissar nicht ei» für das Arbeiterinteresse mindestens überflüssiges Organ ist. dessen Gehalt besser für andere Zwecke verwendet wird. Briefkasten der Redaktion. Wir bltlen bei jeder Ansrag« eine llhifsre(Zwei Buchtiaben oder eine Zahl) rnizugebe», unter der die Annvort erlhetlt werden soll- A. Z. 10v. Im Sühnetermin braucht der Beklagte nicht zu erscheine», muß aber sein Nichterscheinen vorher entschuldigen.— flt. L. klllk. I. Nein. 2. Spätestens am l5. zum I.— I. ßi. Kl». Beschweren Sie sich bei der Schnldeputation.— W.. R. 26. 1. Wenden Sie sich an einen Arzt. 2. Uns nicht bekannt.— Allein der materialistische Geist hat zugleich die Sinne geschärft. Selbst die Kriegslisten und Kniffe ans heroischromantischer Periode verfangen nicht niehr. Was nützt es. sich heldenhaft aufzublähen? Wenn ein Kreuzzeitnugs-Jnnler heutzutage in stählerner Rnstimg und in feierlich ab- gemessenen Schritten hin- und herwandelt vor der Oeffent- lichkeit, soll uns darum ein Schauer fasse«, wie er den jungen Hamlet erfaßt,»venu der Geist seines Vaters über die Bühne schreitet? Wenn ein Gold- und Jndiistriegewaltiger Polizeimittelchen spielen läßt, soll da irgend jemand gleich angsterfüllt in die Ecke kriechen,»vie ein gezüchtigter Hund? Wer sich gespensterhast vermnnnnt, mag bei Kindern wohl- feile Erfolge erzielen. Aber die patriarchalischen Zeiten sind vorüber. Man glaubt an keine Schreckgespenster mehr und erkennt deutlich, iver unter der Bermunuming steckt. Gewiß, die Schreck- und Zncht»nittel, die den sozial- denwkratischen Starrsinn beugen sollen, die täglichen Konfiskationen und Verhaftungen und Prozesse wegen der angeblich beleidigten Majestät, können den einzelnen tüchtig anfassen. Wo aber findet sich auf dem ganzeil weiten Gebiet, auf dein der befehdete Sozialismus zu geistigein Aus- drnck gelangt, nur eine Spur, die auf innerliches Angst- gefühl, auf Beunruhigung, auf Verwirrung schließen ließe? Man hat erneuerte Erbitterung gesät, den Geist der Ee- saninitheit hat man aber nicht zu dämpfen vermocht. Als nilser Generalpostineister am Freitag zu Frankfurt in seiner poetischen Anivandlnng Goethe's Andenken beschivor, da meinte er auch, den Geist des dichterischen Genies in die Gegenwart versetzen zu nittssen; und Herr von Stephan sagte pathetisch: Wenn Goethe mit seinem universellen Blick unsere Zeit in ihren bewegten Tiefen hätte erfassen können, dann hätte er gewiß den B e r- kehr als eine ihrer konstituirenden Mächte, als ihren natürlichen Rückschlag gegen die Roniantik erkannt. Allen Respekt vor diesem Ausspruch. Allein Herr v. Stephan meint doch wohl nicht rein äußerlich die' erweiterte Ent- faltnng des Verkehrs, den schonen Laildpostdienst, der den Briefboten heutzutage selbst auf verschneite, entlegene Almen führt, das köstliche Telophon, mittels dessen man heute so bequem zwischen Wien und Berlin etwa sich unterhalten kann, und die lustigen Blitz- züge der Eisenbahn. Tie Form will doch Ausdruck eines bestimmten Lebensinhalts sein; und der wieder heißt: Es giebt heute keine Weltabgeschiedenheit mehr. Blitzschnell werden die Gedanken umgetauscht. Tie Lichtwellen, die von neuen Knlturbcivcguugen ausgehen, kann nian nicht willkürlich einfangen und man kann sie nicht in ihrem Fluß unterbrechen, wenn mau sie etwa mit einem Säbel von Holz zu durchhauen wähnt. Man kann einem Prcßorgan an>cn Grenzen eines bestimmten Ländergebicts aufiancrn, daß eS nicht als Kontrebande ans der Eisenbahn dilrchscklüpfe; mit keiner Mauer aber kann man dies Land- gebiet so lückenlos umschließen, daß nicht der Geist, der in den verbotenen Lettern lebt, doch noch Weg und Ziel dah in fände. Der Geist läßt sieh nun einmal nicht dämpfen. Mpha Grandung der Fabrik 1764. Jacob Doussin& Co. Zur Abwehr! Tabak-«. Cigarrcn-Fabrik Berlin C., Heiligegeiststrasse 21 Gründung der Fabrik » 1764. Als die älteste Firm- der Tad-kSbr-mSe am Plahe ballen w!r uns für berettlg». gegenüber elner immer dreister b'erroriretendeii, weil bisher ohne �wid'wng gebliamen die Zbatfache festzustellen, daß bierortS eine ganze«uzabl, mit D-tail-G-lchästen verbundene Cigarren-Sabriken besteben. welche unter den bedeutendsten DeutichlandS rangirem i- t�e Memirrn ihre Tbätigkcil auS'chließlich dem Tabak, und Cigarrcu-Fach- zuwenden, und bei denen das Publikum st-tS in reellster und billigster Weile bedien, w>ed. � Wenn""" allerjüngsten Zeit angehörigen Nrma neben vielen andern Reclamen auch sogenannte FabrikationS-Geheimnisse bezüglich des Inhalts der einzelnen Cigarrensorten wichtigthuerisch mitgethcilt werden, so laßt sich dies leim aii-»„balt zurückführen durch den Hinweis auf fedeS beliebige CigarrenfabrikationS-Buch. in welchem diese großen Geheimnisse sSmmtlich enthalten sind. UeberdieS wird jeder reelle Fabrttant und Händler willig dem Käufer am i l.,. � eiver Ctgarre offenlegen. DaK einzige vorhandene Geheimniß dieser marktschreierischen Firmen besteht darin, dem Publikum eine möglichst elegante Verpackung vor Augen zu führen, hierdurch aber für g�nngwertvige 1 b zu erzielen. DaS Renommee unserer altehrwürdigen Firma verbietet unS eine etwaige Reelame; auch treten wir mit unserer heutigen Erklärung keineswegs nur für uns selbst, sondern z g m � M t j b Jnr erefse der zahlreichen unS befreundeten Fabrikanten und Händler hervor. Doch, um jenem Gebahren gegenüber den Beweis zu liefern, daß gerade an erster Quelle das Publikum m reellster ulld bungn � �' habeit wir die Einrichtung gstroffen, daß fortan in unserem Detail-Geschäfte je Iv Cigarren zum Kisten-Engros-Preise abgelassen werden. Hierdurch kann sich das geehrte Publikum auf s Leichteste überführen, st«„**?♦,,:& berrfcbt Preise von 3-4 Pfcnnbg pro Stück känflichen Cigarren völlig ebenbürtig sind den Sorten, welche in den erwähnten marktschreierischen Handlungen zu 5 und 6 Pf» verkanst werden.-®, nualltat ibre» bis zu den höchsten Preislagen. So werden unsere unter unserer Aufsicht in unserem Hause auS den feinsten Vuvlta Sadauna-Tabaken angekettigten Savanna Cigarren zu 80--150 Mark pro Mille wegen ib er 5 3 schneew'eißen BrandeS und feinsten Geruchs von vielen Kennern den theuersten ächten Lavauna Cigarren vorgezogen. Wir ersuchen hiernach daS verehrte Publikum, daS Gute zu prüfen und das*ocn a 1 Fertige Kleider zu seh�r billigen Preisen. Fertig«» Kleid aus reinwolle- nem englischen Stoff, IS M., IS M. Crepon-Kleid, elegantes, sehr beliebtes Promenadc>>kleid,30M Zchwnrze Kleider in Crepe u. a. neue» Phantastestoffen 20 M., 2S M., 80 M. Kchwarze seidene Kleider 40 und so M. 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Kreis: Hrochnom's Festsäle, SebHlinstrllhe 39. 4» Kreis: Gtablistement Fievig, Crche FraHirterft. �6. 6. Kreis: zis/s Kösliner Hof, Kösliuerstrilve 8. Tagesordnnng in allen Versamminngen: 1. Bericht und Abrechmmg der Vertranens-Persotte». S. Neuwahl der Vertraueus-Persouett, sowie der Preß-, Lokal- und Zlgitations-Kommissiousmitglieder. S. Bericht der Delegirteu vom Parteitag in Breslau. Außerdem in der Versammlung des 4. Wa>)lkreisrs: Neuwahl der Zeitnngs-Kommissiou. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersllchen um pünktliches und zahlreiches Erscheinen Die VevtrÄuens-Dersonen. 2. Wahlkreis. Aonntag, de» SV. Oktober, abends S Uhr. bei Zubeil, Lindenstraße 10S: Oessenti. Uerfamminng. Vortrag der Genossin Ottilie Bsslivi», .Wandlung der Sitten" Entree 10 Pf. Nach dem Vortrag: Gemiithliche» Keisammensein. Slv/S 4» Zozialdemokrati scher Waliloerein für den 6. Kerl. Ueichotags-Wahlkrew. Gettevsl-Veosttmntlulrg am Dienstag, 22. Oktober, abends 8'� Ilhr, in Beruh. R a a b e's Salon, Kolbergerftraße 2». Tages-Ordnung: l. Eingegangene Anträge von Mitgliedern. 2. Bericht des Vorstandes, Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 3. Wahl des Gesammtvorstandes und der Abtheilungsführer sowie der Revisoren. 4. Vcreinsangelegenheiten. S. Antrag des Vorstandes. 6. Fragekasten. 246/18 klv. Mitgliedsbuch lcgitimirt._ Der Vorstand. SoMkMrllWer M u. Disknlirklab Johanir Jarobg. Sonntag, den Sv. Oktober, abend» 5 Uhr, in Mörschel'» Salon, Schönhanser Allee Ar. S8: velntl. Vemillmiling liil' männer lillll fraeen. TaaeS-Ordnung: Vortrag über:„Die häusliche Erziehung im heutigen Klassenstaat." Referent: Schriftsteller Heinrich Schulz. Nachdem: Geselliges Heisammrnsein und Tanz.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 3, M. Ludwig. Gauverem Berliner Bildhauer. ViN'tkIMrliellk General-Versammlung Dienslag, de» SS. d. M.> abends S Uhr, Anneustr. 16. Tages-Ordnnng: 1. Geschäftliches.— 2. Vorstands-Ersahwahl.— 3. Rechenschaftsbericht.— 4. Streik der Steinbildhauer.— 5. Verschiedenes. 20/7 Verwalter ist vom Montag, den 21. d. M. an Kollege K o s w i g, Manteuffelstr. 28. v. 4 Tr. �'......... 7-8 Uhr. Sprechstunde: Mittags von 12—1, abends von Der Vorstand. Gr. iWtliche Berslliiiiiilililli der in der Damen- und Kinder- Konfektion beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen BerliiG und Umgegend am Montag, d?» 31. Oktober, abends 8>/z Uhr: im Verein shau«„SUd»Dst", Maldemarstraße 75. . Tagesordnung: 1. Forlsetzung der bei Keller am 23. vorigen Monats von 3000 Personen besuchte» aufgehobenen Versammlung. Die verschiedene Lohnzählnng der Firma Warschauer an die Zwischenmeistcr, und welche Nach- theile entstehen den Mäntelnäherinnen dadurch? Sieferenlin: Frau Gnbela. Diskussion. 2. Die Nichtbezahlung der jüdischen Feiertage und welche Nach- theile haben die Zuschneider, Bügler, Stepper und Stepperinnen durch die überhandnehmende Nachtarbeit seitens der Mäntelnäherinnen? 3. Die Zustände und Lohnverhältnisse der Betriebs-Werkstelle von Hartmann und die Maß- regelung der Stepperin Fräulein Gubela. 4. Abrechnung vom Sommernachts- Ball. S. Ergänzungswahl der AgitationS-Kommisston. 6. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. 58/l Di« Agitationskommissio» der in der Damen- und Kinder- Konfektion»» Kranch« beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. ZeM-KWken-ll.SterbeW iier Tischler v. s. id. Oertl. Verwaltung Berlin H. Montag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn lToiksdort, Görlitzerstr. 58; MitMer-VersaMUg. Tagesordnung: I. Abrechnung vom 3. Quartal 1835. 2. Bericht über den Besuch der Heil- stätten Rahnsdorf und Gütergotz. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 134/5 Die Drtsverwaltung. Verband der in Holzbearbeitungs- Fabrikeu nnd auf Holzplätzen besch. Arbeiter n. Arbeiterinnen Deutschlands. 83/5 Derlen Filiale II Nord. Dienstag, den 22. Oktober, abends 8l/2 Uhr, bei Rehlitz, Bergsir. 12: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hcppinauu. 2. Abrechnimg vom Iii. Quartal. 3, Wahl eines Ausschuß- und eines Rechlsschutzkommissions- Mitgliedes. 4. Geiverkschaftliches und Verschiedenes. Der Vorstand. HL. Die Werkstalt-Vertrauensmänner werden ersucht, die Fragebogen in Empfang zu nehmen. Verbllilij deiltscher Korbmiilher (Filiale Kerlin). Montag, den 21. d. M., abends SVs Uhr, Oranienstr. 51: Versammlung. 98/6 LeßenWe Vtrsliiimliiilg der Stockarbeiter und Zlrbeitcrinucn am Montag, den 21. Okt., abds. 8>/s Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29. Tagesordnnng: I. Der Wiener Slockarbeiter-Streik. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 175/5 Samariterkursus fiirArbeiter«. Arbeiterin neu. Montag, den 21. Oktober, abends SVä Uhr, bei Cohn, Beuthstr. 20: Vortrag des Herrn Dr. Friedcberg über den Körperbau des Menschen. Aufnahme neuer Theilnehmer. Aus- gäbe der Bibliothek. Diese Lehrstunden nnd Vorträge finde» alle 14 Tage statt. Gäste haben freien Zutritt. 155/2 I. A.: Gustav Dietrich, Schöneberg, Bahnstr. 43. Herren, die willens sind, einem 22 Jahre bestehenden Gesangvereine beizutreten, belieben sich zu melden Dienstags abends 9 Uhr bei Wolfs, Brunnenstr. 34. 8I4b Krlliikeil-UüteOhjlilgs-BW!! ßtr Schueider. Sonntag, den 27. Oktober, in der Herl. Rszsourcs, Kommandantenstr. 57: Stiftungsfest bestehend aus Konzert u. Vorträgen. Eröffnung um 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Billets 25 Pf. Nach den: Konzert: Tanz. Um zahlreiche» Besuch ersucht 166!5 Di« Fokalverwaltnng. Möbel-Gelegenlieitsilaiif Zum Umzug OranUn-»traft« 78, f)af 1., günstigste Gelegenheit für Brautleute, Hotels, Wiedcrverlüufer. In meinem s Etagen großen Möbelfpetcher, alles hell und überstchilich, lein Laden, sollen sofort ca. 200 neue ganze Wohnungs- Einrichtungen von 100—1000 Marl und darüber verlaust werde». Speziell empfehle ich die großen Vorrälhe verliehen gewesener zum Theil sehr wenig benutzter Möbel für jeden annehinbaren Preis. 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Kommnnalmahl-Kezirk =a Stadtbezirke 202 bis 209= Dienstag, den 22. Oktober 1895, abends 8v- Uhr im Saale des Herrn Buske, Grenadierstraße 33, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kandidaten R. Millarg über: Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen.— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. 270/10 Das Komitee. Arbeiter-Slingerbnnd in der 16/8 Berlins und Umgegend. Zonntag, den Ä7. Oktober, vormiltags präzise 10 Uhr, Kerliner Aestource, Kommandantenstraße 57: SM" Aasschnß-Schnng. Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Das diesjährige Stiftungsfest. 3. Interne Bundesangelegenheit. 4. Verschiedenes. Sämmtliche Delegirte sind verpflichtet, pünktlich zu erscheinen. Bundes- Mitgliedskarte legitimirt. Der Vorstand. NB. Zu Punkt 4 der Tagesordnung werden u. a. diejenigen Vereine namhaft gemacht, welche mit der Abrechnung vom Sängerfest noch im Rück- stände sind._ D. O. Ethische Gesellschaft. Konntag, den SO. Oktober, abends öVs Uhr: Zwei ¥ersammlungens 1. in Cohn's Festlalc», Beuthstraße 20. Vortrag des Frl. Ida Altmann über:„Patriolismus und Erziehung"; 2. im Englischen Garte». Alexanderstraße 27c. Vortrag der Genossin Frau Aniia Mefch über:„Die Gleichstellung der Geschlechter". Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Nach dem Vortrag er- halten nur noch Mitglieder Zutritt. 55/17_ Der Vorstand. Achtung! TöpfeBS Achtung! * Oeffentliche yersammSung allev C ä f e u und VevufsZenossen Berlins nnd Umgegend am Montag, den 21. Oktober 1893, abends 6 Uhr im Lokale des Herrn F e y, Brunnenstr. 184. Tages-Ordnung: Inwieweit sind die Nollegen Berlins und Umgegend dem Beschluß der letzten öffentlichen Versammlung nachgekommen? Die Kollegen werden ersucht, vor Eröffnung der Uerfammlnng Kericht z« erstatten, inwieweit die Fensterfrage anf den einzelnen Vantr» geregelt ist. vor Vertrauellsmaull 4 er Töpfer Berlins und der Umgeyend. 193/7 Eugen Borkowski._ Allg. Arlleitkr- u. ArbeiteriNkn- Umm Berlins und Umgegend, Montag, den Sl. Oktober 189S, abend» 8'/- Uhr bei Uöllig, Neue Friedrichstrahe 44: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag.— 2, Diskussion.— 3. Kassenbericht vom dritten Quartal.— 4 Vereinssachen. 18/12 Im Interesse des Vereins haben die Mitglieder zu erscheinen.— Mit- glieder, welche noch im Besitz von Büchern aus der Bibliothek sind, werden aufgefordert, dieselben betreffs Regelung dem Vorstande zurückzugeben. De,- Vorstand« Verein deutscher Schuhmacher. VerslliiüillllUtll Montag, den LI. d. M., abends 8I2 Ilhr: Ladlstelle I bei Feindi, Weinstraße 11, Vortrag des Genossen Schulz über Darwinismus, „ II bei l-inundel, Brunnenstr. 188. „ III bei Wennen, Bülowftraße 59. Um zahlreiche Belheiligung bitten 167/11 Die Bevollmäolitigten. Steglitz. Achtung. Friedenau. Am Montag, den S1. Oktober, abends 8 Ulfr, im Schwarzen Adler (Tieke), Atbrechtstraste 1Äö in Steglitz: Sozialdemokrat. Volksoersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Breslauer Parteitag. Referent Reichstags-Abgeordneter F r i tz Z u b e i l. 2. Diskussion. 3. Bericht der Vertrauensleute und Neuwahl derselben. 4. Bericht der Lokalkonimission und Neuwahl derselben. 203/10 Uin zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Den Vertrauensmann, Ttutschcr Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 21. Oktober 1895, abends 8 � Ilhr, » in Brochnow's Festsälen, Sebastianstr. 39: Ausserordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere bisherige Thätigkeit im Verband und. unsere nächsten Aufgaben. 2. Event. Beschlußfassung auf Erhebung einer Extrasteuer für den lokalen Streikfonds. Pflicht der Mitglieder ist es, zahlreich zu erscheinen. Sßf Mitgliedsbuch legitimirt. 78/7__ Die Ortsverwaltung. Achtung! Nchtung! Lederarbeiter, Porteseailler. Montag, den 21. Oktober: Große Vereins- Versammlung bei Noll» Adalbertstraße 21. Tagesordnung: Vortrag: Biographie der Genossin Agnes Wabnitz. Referent: Kollege Friedrich Braun. Die Kollege» der Fabriken von I. M- L. und M. und Leopold Rosenthal werden zu dieser Versamnilung speziell eingeladen. 103/1 Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knnert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badinz in Berlin. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt Nr. 346. Sonntag, den 36. Oktober 1893. 13. Jährg. Die truvlimfigen Evorbnisse d evVeeu�s- nnd GeHveebezÄhlung in DveuHen. Aus den vom köinglicheu statinischen Bureau bekannt ge- gebeuen vorläufigem Ergebuissen der Beruss- und Gewcrbezählung vom 14. Juni 18f5 bebt die„Statistische Korrespondenz" ver- gleichend eine Anzahl von Thatsachen hervor. Das Mitgetheilte bischränkt sich auf die Provinzen. Für diese geben mir eine Tabelle, welche Vergleichnngen zwischen 1895 und 1890 bez. 1832 enthält, und eine zweite, welche die vorläufigen Ergebnisse der Berufs- und Gewerbezählung von 1895 für die Größenklassen der Gemeinden innerhalb der Provinzen nachweist. Die Zahl der Haushaltungen in Preußen wurde am 1. De- zember 189t)-auf 6 384 736, am 14. Juni 1895 auf 6 644 098 und deren Zunahme auf 259 362 ermittelt. Letztere betrug also 4,06 vom Hundert und erscheint' somit etwas geringer, als zu erwarten war, was wohi auf den Zeitpunkt der Zählung zurück- zuführen ist. I. Vergleichung der vorläufigen Ergebnisse der Beruss mit denen Die Bevölkerung Preußens wurde bei der Volkszählung von 1890 auf 29 957 367, bei der Berusszählung von 1895 auf 31491 209 und die Zunahme auf 1533 842 oder 5,12 v. H. ermittelt. Die Zahl der 1882 und 1895 in Preußen ermittelten Land- wirthschafts-Betriebe mar 3 040196 bezw. 3 331659; die Zunahme betrug also 291 463 oder über 9l/s v. H. Es muß indessen bemerkt werden, daß die etwas schärfer ge- f a ß t e n E r h e b u n g s v o r s ch r i f t e n v o n 1395 a u f d i e Zahl der in die'sem Jahre eingereichten Land- mirthschasts-Karten merklich eingewirkt zu haben scheinen; insbesondere sind die reinen Forstmirth- schafls-Betriebe und die Molkereibelriebe 1882 nicht, 1395 dagegen miterhoben. An Gewerbebetriebe», und zwar an solchen, die mit inehreren Inhabern, mit Gehilfen oder mit Motoren arbeiten— die so- genannten Alleinbelriebe sind in nachstehenden Zahlen nirgends mit einbegriffen— sind in Preußen 1882 666 873 und 1395 vor- läufig 742 119 ermittelt worden. und Geiverbezählung vom 14. Inns 1895 in Preüßen er Volkszählung von 1890 bezw. der Berufszählung von 1882.____ (Tab. I.) Staat. Provinzen. I Staat.. Ostpreußen.. Wefipreußen. Stadtkr Berlin Brandenburg. Pommern... Posen..... Schlesien... Sachsen.... Schlesw.- Hol- stein..... Hannover... Westfalen... Hessen- Nassau Rheinland... Hohenzollern. Haushaltungen 1890 6 384 407 287 369 569 316 347 983 576 267 479 458 352 953 15 736 460 933 027 425 655 481 333 116 986 599 135 356 903 267 1895 5 i 00+ w *"* w£ 12 J&.S5 S o;=» 6 644 098 399 122 287 963, 899 518 623 296 322 968 849 548 l 010 392 593 316 277 887! 496 086i 493 952, 362 3541 1012 916 14 780! + 259 362 8 338 30 30 491 53 871 6 303 2 067 27 009 17 200 9 901 16 487 35 817 9 998 59 013 487 Anwesende Personen 1890 1895 29 957 367 I 958 663 1 433 681 1 578 794 2 541 783 1 520 889 1 751 642 4 224 458 2 580 010 1219 523 2 278 361 2 428 661 1 664 426 4 710 391 66 085 31 491 209 1 979 387 1 469 932 1615 082 2 795 747 1 574 951 1 773 036 4 357 555 2 704 539 1 298 192 2 406 546 2 669 415 1 736 961 5 043 979 65 888 Die obige Tabelle 1 kann unter Vorbehalten für einige Ver» gleichungen Anhalte bieten. « 2 -f-1 533 842 -1- 20 724 -t- 36 251 +■ 36 288 -+- 253 964 -h 54 061 21 394 4- 133 097 4- 124 529 78 669 128 185 240 754 72 535 333 583 197 Landwirthschaftsbetriebe 1882 8 3 040 196 188 179 134 026 1789 261 101 169 275 165 785 866 616 285 681 137 133 328 739 305 009 199 369 485 332 12 212 1895 9 3 331 228 160 3 284 182 207 377 310 659 134 187 321 113| 751 871 77b 755 136 19b 347 8(5 343 832 213 91« 522 683 12 321 /z Millionen Mark kostet,»ahm vier Jahre in Anspruch; er hat bei einer Höhe von 8,30 Meter und einer Breite von 6,70 Meter eine Lauge von 2233 Meter. Ter gesammte Verkehr dnich den Tunnel soll auf elektrischem Wege geschehen, wobei 100 Züge täglich in jede« Richtung befördert werden sollen; die ganze elektrisch betriebene Strecke beträft 4'/s Kilometer, wobei außer dem genannten noch ein kleinerer Tunnel von 80 Meter Länge durchfahren wird. Die Stromzuführung ist eine oberirdische, wobei die Leitung-- schiene im Tunnel nicht aus besonderei» Trägern. sondern am Gewölbe befistigt ist. Für den Personen- verkehr»'erden die elektrischen Maschinen vor den aus mehreren Wagen bestehenden Zug gekuppelt, die Güterzüge dagegen sind mit einer Dampfmaschine versehen, und die elektrische Maschine ist hinler de» Zug gekuppelt; sie stößt somit den Zug durch die ganze Strecke, während die Dainpfniaschine keine Arbeit leistet. Nur beim Ausgang aus dein Tunnel, wo die Steigung eine sehr erbebliche wird, tritt sie zur Unterstützung der elektrischen Maschine ein.— Der genannte Versuch ist unseres Wissens der erste, die Benutzung der Eleltriziiät auf einer Bahnlinie mit großen» Waarenverkehr einzuführen. Arbeiter-Bildungs-Schule. Zehrplan für das Winterhalbjahr � 189S!96. Nord-Schule, »ilvttvi'sti'ssse»o. I7ga« Montag: Deutsch(wie in der Südost-Schule). Herr A. Witz. Südost-Schule, Waldemarstrasse No> 14. Montag: ©»fltntltche Grstttldhritspfiegr. (Boden. Trinkwasser- Versorgung, Städtereinigung, Wohnungshygiene, Volksbäder, Nahrungsmittel zc.) Herr Dr. Heymann. Dienstag: Kein Unterricht. Mittwoch: Deutsch,(Lektüre: Dühring's Um- wälzung der Wissenschaft. Anfertigung von Aussätzen. Herr h, Witz. Donnerstag: Geschichte.(Mittelalrer. Die alte» Deutschen. Völkerwanderung. Kirche und Staat. Mohamedanisch-arabische Kulturperiode. Feudalismus und Zunftwesen. Herr Dr. Pinn. Freitag: Dede-Uebuua. Herr Heinrieb Scbnlz. Sonnabend: Rntiounl-Gekouomi».(Die Marx- Engel'schen Lehren. Werth, Mehr- werth, Kapital.) Herr Dr. A. Bernstein. Der Unterricht beginnt pünktlich um 9 Zlhv abends und endet pünktlich um 10 V2 Uhr. r i Die Schulräume find täglich von 8 Uhr abends an geöffnet(Sonntags Ut— 12 Uhr), um den Mitgliedern Gelegenheit zur Benutzung des Zeitung?-, Zeitschriften- und Büchermaterials zu geben. Es liegen in beiden Schulen fast sämmtliche proletarischen, sowie die wichtigsten bürgerlichen Tageszeitungen, außerdem eine große Anzahl von wissenschaftlichen Revuen, Fachschriften, Ge- Werkschafts- und Witzblättern aus. In größeren Lokalitäten werden in bestimmten Zwischenräumen Ver- sammklingen abgehalten, in denen wichtige Fragen allgemeinen Interesses in populärwissenschaftlicher Weise erörtert werden. Unter sachkundiger Leitung werden ferner wissenschaftliche, künstlerische und gemeinnützige Institute be- sichtrgt, um neben der speziellen Ausbildung unserer Mitglieder auch für ihre allgemeine Bildung zu sorgen. Der Mitgliedsbeitrag, sowie das UnterrichtSgeld für jedes Unterrichts- fach beträgt monatlich je 25 Pf. Aufnahme neuer Mitglieder(am besten bei Beginn jedes Semesters) sowie die Zahlung der Beiträge erfolgt in beiden Schulen und in den nachstehend verzeichneten Zahlstellen Dienstag: Kein Unterricht. Mittwoch: Nationalökonomie(wie in der Südost- Schule). Herr Dr. A. Bernstein. Donnerstag; GcffentiicheGefn»dkcitspfiege(wie in der Südost-Schule). Herr vr. Weyl, Freitag: Grschicht»(wie in der Südost-Schule). Herr vr. Pinn. Sonnabend: Uede-Uednng. Herr Heinrieb Scbnlz. Kericht der GrnMslWs-Mml für Derlt« und Umgegeni» (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) pro I894|95. Activis. Kilanz Konto. Passivis. Es haften 788 Genossen mit 1106 Antheilen für einen Betrag von 5S2S Mark. Freiwillig ausgeschieden sind 23 Genossen mit 33 Antheilen; ausgeschlossen wurde 1 Genosse mit 1 Autheil; neu eingetreten find 5 Geuossen init 6 Antheilen. das Geschästsguthaben der Genossen hat sich um 276.63 Mark erhöht, die Hastsumme um 145 Mark vermindert. Der Kassenumsatz hat im Geschäftsjahr 1894/95 in Einnahme 191 085,89 M., in Ausgabe 189335,73 M. betragen. Berlin, den 30. Juni 1895. Der Vorstand. L, Freitag, A, Schweizer, 38/6 Geschäftsführer. Kasfirer. .Märkischer Hos",! s. SobBnlng, Stallschreiberstt. 29. SO. Sttdostscbnle, Waldemarstr. 14. Scbnlz, Admiralstr. 40 a. SW. Grube, Mariendorferstr. 5. Windborst, Junkersir. 1. O. Owczarek, Langestr. 65. NB. Alle Briefe, Anfragen und N. Nordschnle, Müllerstr. 179a. Gnadt, Putbuscrstr. 32. Gleinert, Müllerstr. 7a. Wernau, Rosenthalerstr. 57. NO. Hamlok, Barnimstr. 42. LSfiler, Stendalerstr. 12, Ws Werner, Bülowstr. 59. Der Vorstand. Zusendungen:c. sind an den Vor- sitzenden, Schriftsteller«einrich Schulz, Berlin SO. 16, Kaiser-Franz� Grenadierplatz 7, zu richten. 4|15 VN" Ananas Votnle ausgezeichnet, k Fl. 60 Pf.. 10 Fl. 5,50 M. inkl. Johannisbeerwein, herb k Fl. 60 Pf., Dessertwein, süß 75 Pf. Mimbeer-, Kirsch-, Joliannisbeer-Saft, vorzügl., Liter 1, SO M Alter Portwein u. Malaga, k Fl. 1,50 M., 10 Fl. 13 50 M. inkl. Medicin. Ungarwein, beste Qualität, k Literflasche 8,10 M. empsehlen und senden einzelne Flaschen frei Haus Berlin Lugvi, Neumann& COs9 6a Bellealliance-Platz 6 a. 81 Nene Friedrichstrasse 81. B Oranlenstr. 8. 29 Gentbinerstr. 29. Potsdam, Waisenstr. 27. Franke's Volkskaffee und Speisehaus, Gr. Frankfnrtrrstr. 73, an der Kaiserstraße. KiUigir Wittags» und Abrndtifch. Größte Aus- wähl äußerst schmackhaft bereiteter Speisen; täglich 8—10 verschiedene Gerichte von 10—30 Ps. Kirr, 4/io 10 Pf, 2/io 5 Pf. aus der Branerei Relchenkron. Wolksketssee u. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß am 17. d. M. unser Mitglied Thecdnr Hiller im Alter von 29 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute. Sonn- tag, Nachmittag 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Begräbnißplatzes in Wilhelms- berg ans statt. 93/5 Um zahlreiche Belheilignng ersucht Oer Versfand. T ödes- Anzeige. Am 18, d. Mts., vormittags 10 Uhr, verschied nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Restaurateur 333b Hennann Müller im 48. Lebensjahr. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Dt.-Wilmersdors, Berlinerftr. 124, aus statt. Um stilles Beileid bitten vis trauernden Hinterbliebenen. Achtung, Maler! Zur Nachricht, daß unser Kollege Max Löwe am 17. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. M., nachmittags 2t/2 Uhr. von der Leichenhalle des Moabiter Krankenhauses aus statt. Um rege Betheiliaung ersticht 342b Der Vorstand. Danksagung. Für die zahlreiche Theilnahme am Grabe meines geliebt en Mannes, unseres guten Vaters Alberf Büch sagen wir allen Verwandten. Freunden und Kollegen unseren ausrichiigsteu Dank. Die trauernde Wittwe 318b nebst Kinder. U pitpü- Stoffreste. 11 v/litt Ii Eleg. Ncnheiten, zu Hosen, Anzügen, Paletots etc. Ge- legenheitskäufe spottbillig Dnchlager Hoher Steinweg 4(n. Rathhaus). Möbl. Schläfst. f. 2Herren Manteuffel- straße 65a, v. 2 Tr. r., Wittwe Guichard. Gut möbl. Schläfst., sep., zu verm. bei Heinsdorff, Oranienstr. 35,- 4 Tr. Höchstestr. 18 Schläfst, b. Bergmann. Prinzenstr. 105 v. 4 Tr. b. Emde freundl. möbl. Schläfst,(sep. Eiug.) für Herren. 857b Schläfst, für 2 Herren zu vermiethen. Naunynstr. 90 H. 3 Tr. links. 855b Frdl. möbl. Schläfst, zu vermiethen. Manteuffelstr. 51 v. 3 Tr. rechts 8ö4b Schläfst, z. verm. Forsterstr. 2 3Tr. bei Frau W i t t i g._ 853b Frdl. Schläfst, s. Herren od. Mädchen Katzorke, Kirchbachstr. 8 Querg. 3 Tr. r Schläfst, z. verm. Wwe. 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