Nr. 564 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 257 Morgenansgabe Groß-Berlin tv Pfg« Auswärts RS Pfg. Bezugspreis: SNdratliid W Pknniq, numfM 8- UtiAemntl orrant»nbUct. Unter Streifband un In» und Ausland 5.58 Reichsmark uro Monat. Der»Vorwärts� mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Volt und Zeit� sowie den Beilag.Unterhaltung und Wissen�.Aus der ffilmmelf, .Frauenstimme'..Der Kinder- treu nd'..Jugend- Vorwärts'.Blick in die Bllcherwelt' und»Kultur. arbeit' erscheint wochentäglich«wei- mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreste: .Sozialdemotrot Berlin- Derlinev VolKsblskt Llnzeigenprcije: Di« eintvaltta« Ronvareillr- »eil« 80 Pfennig. Reklame, eile 5/— Reichsmart.. Kleine An, eigen- das fettaedrnckte Wort 25 Pfennio s,ulSsstg ,w«i fettacdruckle Worlel, iebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- staben»äblen Hit ,wei Worte. 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Der..Daily Herald�, das Blatt der Arbeiterpartei, spricht die Auffassung der Mehrheit der Partei aus. indem er sich gegen Äcyd George als Kämpfer für den Gedanken der Entwaffnung und Schiedsgerichtsbarkeit wendet. Das Blatt zitiert aus der Rede Lloyd Georges zunächst die Feststellung von der Unvermeidlichkeit eines neuen Krieges, falls die Nationen nicht das Recht an Stell« der Gewalt setzten und betont, daß die Welt heute ein friedlicheres Gesicht hätte, wenn Lloyd George in diesem Sinne inBerfailles gehandell hätte. Lloyd George habe große Besorgnis über die britische Politik gegenüber Rußland aus- gesprochen. Hierin habe Lloyd George selbst keineswegs reine Hände. Die moralische und materielle Unterstützung Lloyd Georges als Ministerpräsident für die Weißen in ihrem Kampf gegen die russische Revolution hätte mehr zur Verschlechterung der englisch- russischen Beziehungen beigetragen ols irgendein Ereignis fest dem Fall der russischen Dynastie. Lloyd George als Ankläger einer Politik zu sehen, die zum großen Teil sein eigenes Werk sei. gleiche Satan in der Rolle des Anklägers der Sünde. Fried« werde lediglich durch Staatsmänner herbeigeführt werden können, die Vertrauen genießen. England und die Welt werde Entwaffnung und internationalen Frieden nur durch die internatio- nale Arbeiterbewegung erzielen. Die Einsetzung sozia- listischer Regierungen in den Hauptländern Europas würde zu einer derartigen Umformung des Völkerbundes führen, daß er zum ersten Male die Funktionen erfüllen werde, um derentwillen er errichtet worden ist. dürfnissen der Stadtstaaten keine Rechnung. Auch Hamburg verlangt die Einreihung unter die Simultanschulländer und die absolute Anerkennung der Gemeinschaftsschule als Regelschule. Ain Schlüsse der Sitzung kam es noch einmal zu einer Geschüsts- ordnungsdebatte. Ein Antrag, innerhalb drei Wochen vom Reichs- fmanzminlster eine Denkschrift über die Kostenfrage zu verlangen, wurde abgelehnt. Auf die Frag« des Abg. Schreck (Soz.), ob überhaupt ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums an den Verhandlungen teilnehme, beantwortet der Vorsitzende Mumm unter schallender Heiterkeit mit der Erklärung, es sei ein Vertreter der Reichskanzlei anwesend. Die Sitzung wurde schließlich auf Mittwoch vertagt. Opposition im eigenen Lager. Katholische Lehrer gegen das Reichsschnlgesetz. Hägen i. lv� 25. Oktober.(Mtb.) In einer am Sonnabend in Hagen abgehaltenen Versammlung der W e st f ä l i s ch« n katholischen Lehrervereinigung, an der etwa 400 katholisch« Lehrer teilnahmen, wurde das Reichs- schulgesetz einer eingehenden Erörterung unterzogen. Nach einer sehr lebhaften Aussprache wurde einstimmig eine Eni- s ch l i e ß u n g angenommen, die den Reichsschulgesetzentwurf ent- schieden ablehnt. Besonders wurde auf die Zustände zur Zeit der geistlichen Schulaufsicht warnend hingewiesen, deren Wiederkehr»n- möglich sei. Sine lehrreiche Umfrage. Bon 333 dem Lchrerverein Kiel angehörenden Volksschullehrern haben— wie die.Kieler Volkszeitung' meldet— bei einer Urabstimmung, betreffend Erteilung des Religionsunterrichts mit dem Einsichtsrecht der Kirchenbehörde, 271 erklärt, den Religionsunterricht niederzulegen, 19 haben sich bereit erklärt, ihn zu erteilen, 14 lehnen die Erteilung des konfessionell gebundenen Religionsunierrichts überhaupt ab, 29 enthielten sich der Abstimmung. Diese Abstiinmung im Lehreroerein Kiel ist charakteristisch. Sie zeigt, daß die im Deutschen Lehrerverein organisierte Lehrerschaft einmütig entschlossen ist, nicht auf die ihr von der Bürgerblock- regierung zugedachte Art, d. h. mit dem Einsichtsrecht der Kirche nbehörde, zu unterrichten: denn darüber muß man sich von vornherein im klaren sein, daß bei allen Abstim- mungen innerhalb der deutschen Lehrerschaft ein ähnliches prozentuales Ergebnis erzielt werden dürfte wie in' Kiel. Grüonnanzen-Nevision. Im Vorstadium der Besprechungen. In den letzten Tagen hat zwischen der Interalliierten Rheinland- kommission und dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete ein Gedankenaustausch begonnen, der einen Abbau bzw. eine Verein- fachung der Rheinlandordonnanzen zum Ziele hat. Es wird«in« Zurücknahme gewisser Ordonnanzen erstrebt, die trotz Locarno noch zu Recht bestehen und von der Bevölkerung als besonders drückend empfunden werden. Dazu gehört beispielsweise, daß deutsche Staatsbürger ihre Pferde und Automobile vorführen müssen, damit sie für militärische Zwecke der Besatzungstruppen ver- sügbar sind! Auch in diesem Jahr« ist diese Kontrolle noch streng durchgeführt worden. Ferner verhandelt man über weitere B«- schränkungen der militärischen Uebungen und hofft, künftig eine gerechtere Entschädigung für Manöverschäden zu erreichen. Die Besprechungen sollen schließlich dazu führen, daß die gesamten nock gültigen Ordonnanzen in wenige zusammengefaßt werden, die ein« vollständige Uebersicht über den Rechtszustand in den besetzten Gebieten geben. Lustfahrt-Europas Untergang! Ei« Warnruf. Von Flugzeugführer Walther Binder. Es ist immer wieder überraschend, wie schnell auch hie sensationellsten, umwälzendsten Erfindungen des Menschen- geeistes als selbstverständlich hingenommen werden, wie lange es dagegen dauert, bis sich die Menschheit aller geistigen und politischen Konsequenzen solcher Umwälzungen bewußt wird. So kommt es, daß auch den wenigsten erst aufzudämmern beginnt, was eigentlich die Tatsache bedeutet: der Mensch kann fliegen! Man vergegenwärtige sich die unglaubliche Schnelligkeit "der Luftfahrtenwicklung: kaum mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem es zum ersten Male gelungen ist, mittels motorischer Kraft einen Flugapparat vom Boden zu heben. Heute sind Höhen von zehntausend Metern erreicht, Dauerflüge von mehr als fünfzig Stunden sind vollbracht, Ozeane überquert, der Erdball mehrfach umflogen und Geschwindig- leiten von mehr als 460 Kilometern in der Stunde erreicht worden. Schon können Flugzeuge zwanzig und mehr Per- sonen befördern, größere für fünfzig bis hundert Personen sind im Bau. Das Kleinflugzeug des Privatmannes, das „Lustauto', ist bereits so weit entwickelt, daß man zahlreiche Luftausflüge von Europa nach Indien und Südafrika mit kloinen öv-pS.-Motoren ohne Zwischenfälle durchgeführt hat. Was wird in abermals zwanzig Jahren aus diesem jüngsten Kind der Technik sich entwickelt haben?— Diese Fyage— hoffnungsvoll und sorgenschwer zugleich— umschließt vielleicht das Schicksal unserer ganzen Zivilisation. Schon bei der Geburt der Fliegerei hat das Militär, hat deir Dämon der Zerstörung Pate gestanden. Kaum dem pr(mitivsten Anfangsstadium entwachsen, wurde das Flugzeug bald zurgefährlichstenWaffedesWeltkrieges, zu m Diener der Gewehre und Kanonen, mit Bomben, Gift unf> Feuer hat es schrecklichen Tod bis in Kirchen und Kinder- ftupen getragen. Und heute? Wir hören und lesen von schyvindelerregenden Millionensummen, die von der Kriegs- lufffahrt aller Länder verschlungen werden. Viele Tausende vop Militärflugzeugen, viele Zehntausende von Piloten. Ingenieuren und Technikern sind täglich in Europa im Dienst und trainieren für das grauenhafteste Geschehen einer nahen Zuikunft. Ein paar Revolverschüsse auf den richtigen Mann zu't bestellten Stunde, eine gut geleitete Pressehetze— Muster 1914— und über der überraschten Großstadt, über allen Industriezentren. Bergwerken und Verkehrsknotenpunkten senkt sich über Nacht ein Massensterben aus den L ästen, demgegenüber die verlustreichsten Weltkriegstage nuir wie ein harmloses Vorspiel anmuten. Wer da sagt, das sei phantastische Uebertreibung, der lebt in der gefährlichsten aller Illusionen Ueber London haben jüngst Luftmanöver statt- gefunden, bei denen mit den modernsten kriegsmäßigen Datteln die Frage untersucht worden ist, inwieweit London bei Ausbruch eines Krieges gegen die drohende Vernichtung aus der Lust geschützt werden könne. Die Uebungen haben das entsetzliche Resultat ergeben, daß mit den heutigen Mitteln eine wirksame Abwehr des Gastodes von den Großstädten nützt möglich ist. Schon wenige Stunden nach Kriegsbeginn wären Zehntausende der modernsten Giftvergaser abgeworfen wurden, gegen die keine Gasmaske Schutz gewähren kann. Die Londoner Militärsachverständigen geben an, daß sechs- hu ndert dieser relativ leichten Vergaser von einem modernen Verkehrsflugzeug mitgeführt werden können, und daß bereits tausend ausreichten, um die Fläche Londons in wenigen Stunden in ein Leichenfeld zu verwandeln.— Auch wenn mom annimmt, daß dies stark übertrieben ist, so bleibt doch die Gewißheit, daß eine relativ geringe Zahl von Piloten und Flmgzeugen im Bunde mit der modernen Chemie im Falle eines europäischen Krieges aus den Haupt- und Industrie- stätzten beider Gegner in wenigen Tagen verpestete Letchenhaufen machen würden. Damit ist der ganze Militärapparat von gestern zum größten Teile altes Eisen geworden: die„Siege' uniformier- tev Truppen werden belanglos, dem Hinterland, der Heimat, der Industrie und Wirtschaft gilt der Todesstoß aus den Lüften! Wo bleiben die Begriffe„Sieger' und„Besiegte', wenn man hier nüchtern zu Ende denkt? Was bedeuten diese Tatsachen insbesondere für das Herz Europas, für das industrialisierte großstadtreiche Deutsch- l a n d, dessen Städte von zwanzig Ländern aus über Nacht bombardiert werden könnten?— Sie bedeuten rund heraus gesagt, daß für uns jeder Krieg selbst mit einem relativ schwachen Gegner die sichere Vernichtung der Großstadt- bevölkerung und damit unserer gesamten Wirtschaft zur Folge hat, daß alle„Verteidigungsrüstung" nur die gefährliche Illusion einer Abwehrmöglichkeit erzeugt und Milliardenwerte für«in Phantom verschlinat. Denn, wenn das mit modernsten Luft- und Abwehrwaffen versehene London seine völlige Ohnmacht gegenüber einer gut gerüsteten kleinen Luftpiratenbande feststellen muß, was geschähe mit Berlin, mit Köln, mit Hamburg? Zentrum, Köhler unö Seamtenbesolöung. Das Schweigen der Bestätigung. Der„Sozialdemokratische Pressedienst' schreibt: Auf die an uns gerichtete, gestern morgen im„Vorwärts' ver- öffentlicht« Zuschrift aus parlamentarischen Kreisen des Zentrums ist bisher weder aus den Reihen des Zentrums noch der sonst so dementierlustigen Deutschnationalen Bolksparlei eine Antwort erfolgt. Das ist die beste Bestätigung dafür, daß die Angaben stimmen. Auch die Feststellungen, daß die Regierungsvorlage über die Beamtenbesolduug infolge der mangelhaften Voraussicht des Reichs- finanzministers wahrscheinlich noch eine Veränderung erfährt und die Beamten nicht einmal die in der Vorlage vorgesehenen Erhöhungen erhalten, find offiziell nicht wiberrufen worden. Die Regierung hat dazu lediglich erklären lassen, s i e habe nicht die Absicht, die Vorlag« so zu verändern, daß die Ausgaben geringer würden. Dieser Verlautbarung ließ sie hinzufügen, daß die Parteien des Reichstags allerdings die Möglichkeit einer Revision hätten. Das ist köstlich. Die Regierung wird gestützt von den hinter ihr stehenden Parteien, und wie diese Parteien für die Reg'erungs- Politik verantwortlich sind, so fällt schließlich die Politik der Regie- rungsparteien auf die Regierung zurück. Letzten Endes ist es jeden- falls das gleiche, ob die Regierung von sich ans die jetzige Be- soldungsresorm verschlechtert oder durch die hinter ihr stehenden Parteien verschlechtern läßt! Länder unö Neichsschulgefetz. Erklärungen im Bildungsausschuß des Reichstags. Bayern für, Sachsen und Hamburg gegen die Konfesfionsschule. Bei der Behandlung des Schulgesetzes im Bildlingsausschuß des Reichstags, über die wir berests in unserer gestrigen Abendausgabe teilweise berichteten, gab der Vertreter B a y e r n s, M i n i st e r i a l- rat Freiherr v. Imhoff für seine Regierung eine länger« Erklärung ab, in der er die religiöse Erziehung als ein natür- liches Recht der Menschen bezeichnet: dieses Recht dürfe nicht beein- trächtigt werden. Die Reichsverfassung lasse auch nicht zu, daß Kinder im Gegensatz zu dein Willen der Erziehungsberechtigten einer Schule ohne Bekenntnisgepräge zugewiesen werden. Die bayerische Regierung erhebe deshalb gegen jeden Versuch Wideljpruch. ohne Rücksicht aus den Willen der Erzlehungsberechliglen. die Gemelnschasls- schule einzurichten. Die bestehenden Bekenntnis- und Simultanschulen müßten ohne weiteres als solche übergeleitet und daneben müsse das Recht, einer entsprechenden Zahl von Erziehungsberechtigten aner- kannt werden. Schulen ihrer Anschauung zu beantragen. Die Zahl von 49 schulpslichtigen Kindern als Antragsvoraussetzung erscheine gerechtfertigt. Endlich verlangt die bayerische Regierung, daß un- beschadet des Aufsschtsrechts des Staates die sachliche Regelung und die Ueberwachung des Religionsunterrichts den Kirchen zuerkannt werde. Der sächsische Ministerialdirektor Dr. poehsch lehnt den Entwurf ob. Sachsen müsse als Simultonschulland anerkannt werden. Es besitze ein besonderes Inleresse an der Erhol- tung der Gemeinschaftsschule. Die jetzt dort erreichte Schulorgani- sation dürfe nicht gestört werden. Sachsen habe bisher schon seinen Lehrern eine höhere Ausbildung zuteil werden lassen, die dadurch dem Staate erwachsenden höheren Kosten dürften nicht noch weiter vergrößert werden. Auch der hamburgische Regierungsdirektor Demming wendet sich gegen den Entwurf, nicht zuletzt deswegen, well er zu weit in die Recht« der Länder eingreife. Di« Hamburgische Regierung steh« durchaus auf dem Standpunkt der nationalen deutscheu Volksschule. Die Vorlage trage aber den besonderen Ve- Wo ist hier noch ein Ausweg?— Das Flugzeug,?>azu bestimmt, solidarisch wirtschaftende und brüderlich empfin- dende Völker einander näher zu bringen, den Warenaustausch zu fördern, die fernsten Erdteile in wenigen Tagen erreichbar zu machen und damit die Menschheit in vieler Hinsicht zu bereichern, es ist heute die entsetzlichste Vernichtungsdrohung über unseren Köpfen. Jedes moderne Verkehrsflugzeug ist in wenigen Stunden in einen bewaffneten Bomben- und Giftgasträger verwandelt. Wer das Gegenteil behauptet, der weiß entweder nichts von der Luftfahrt oder er sagt bewußt die Unwahrheit.„A br ü st u n g" hat darum keine Realität und keine Ueberzeugungskraft mehr, wenn sie nicht begleitet ist von einem radikalen Gesinnungswandel, von einer A b- kehr von Revanche- und Kriegsgedanken überhaupt. Darin aber sollte die besondere deutsche Misston und speziell die der sozialistischen Arbeiterschaft liegen: der übrigen W?lt vorqnzugehen durch radikalste Bekämpfung aller Kriegs- spielerei in 5) aus und Schule, in Versammlung und Parka- ment. Der schärfste Trennungsstrich ist zu ziehen zwischen dem schwarzweißroten Deutschland von gestern und der deutschen Republik der Arbeit von morgen. Roch radikalere Rüstungsbeschränkung Hand in Hand mit moralischer Ab- rüstung'— darauf muß unsere Aktion gerichtet sein. „Der Krieg i st ein Verbreche n," so sprachen unsere Staatsmänner in Genf. Kein Wort ist wahrer als dieses, aber wenn es wahr ist, dann ist jeder Hetzartikel, jede leichtfertige Kriegsrede, wie sie in Deutschland und anderswo täglich dutzendweise gehalten werden, eine strafwürdige An- stiftung zum Verbrechen. Dann muß der chauvinistische Lehrer mit seinen Haßgedanken als Iugendvergifter gebrand- markt und entlasten werden und der Gottesdiener, der den Krieg verherrlicht, gehört mit Schanden aus seinem Tempel gejagt. Nicht minder schuldig aber ist, wer schweigend und gedankenlos dies Treiben duldet. ,sVerlin— das Luftkreüz Europas!"— so wurde es unlängst genannt. Das kann bedeuten: der wichtigste Kreu- zungspunkt eines kommenden friedlichen Weltluftverkehrs, den wir alle wollen und der große Dpfer wert ist, oder— das Todeskreuz über dem Millionengrab der euro- päischen Zivilisation. Arbeiter aller Länder, wachet über der Luftfahrt! Ihr seid gewarnt! Unternehmer-Nachrichten. Die Telegraphen-Union„berichtigt". Während des Braunkohlenstrelks haben die Unternehmer die Oeffentlichkelt mit Lllgenberlchten zu bearbeiten gesucht. Die „Meldungen" der Unternehmer über angebliche Terrorakte und Zwischenfälle wurden von der Telegraphen-Union verbreitet — van keinem anderen großen Nachrichtenburean. Am 17. Oktober meldete die Telegraphen-Union aus Halle: „Auf einer onhaltintschen Grube, deren Name bis- her noch nicht f e st st e h t. soll es zu einem Zwischen- soll gekommen sein. Dort seien 60 Arbeitswillige durch ein Nollkommando aus der Grube geholt imb verprügelt worden." Dieser sreierfundenen Nachricht sah man die Tendenz. mache von weitem an: der Terrorakt war beschriebe«, nur ivußtc man noch nicht, mo man ihn stattfinden lasten sollte. Di« Redaktion de«„Borwärte" teille der Streikleitung dihse Falschmeldung mit und erhiell darauf au» Hall« die folgend« Mit- teilung: „Die von der Telegraphen-Union verbreite:« Meldung, daß es zu„blutigen Schlägereien in Anhalt" gekommen sei, ist freie Erfindung. Gerade im Anhaltinischen, wo die Arbeiter restlos im Streik stehen, wird der Ausstand mit vor- bildlicher Disziplin durchgesllhrl" Die Meldung der Telegraphen-Union war falsch, und u ns e t« Meldung war richtig. Aber die Telegraphen-Union schickt uns eins „Berichtigung", wobei sie den ß 11 des Pressegesetzes mkß- braucht. In dleser Berichtigimg heißt es. es sei unwahr, daß die Telegraphen-Union eine Meldung oerbreitet habe, daß es während des Streiks zu blutigen Schlägereien in Anhalt gekommen sei, wahr sei vielmehr, daß sie die von uns oben wiedergegebene Meldung verbreitet habe. Ferner sei wahr, daß die Telegraphen-Union hinter- her das energische Dementi der Streikleitung veröstentlicht Hobe. Da» geschah in der Form, daß die TeUgrapheN-Umon mitteilte, die Streikleitung behaupte, daß es sich lediglich um eine private Schlägerei zwischen zwei Arbeitern gehandelt Hab«... Was wird also„berichtigt"? Daß wir die gatschmeldung der Telegkophen-Union bei der Entlarvung nicht im vollen Wortlaut wiedergegeben haben. Wir haben nichts anderes erwartet, als daß die Telegraphen- Union, die zum Hugenberg-Konzern gehört, die Nachrichten- Politik der Unternehmer unterstützen würde. Mit Falsch- Meldungen sollte die Bevölkerung in Erregung versitzt, die Polizei auf die Streikenden gehetzt werde». Der Lügenfeld, zug der Unlcr- nehmcr ist kläglich zusammengebrochen. Daß aber ein Nachkichtenbureaü, dos tendenziSseFaksch- Meldungen zum Zwecke der Stimmungsmache in die Welt setzt, nachträglich dl« Stirn besitzt, durch eine„Berichtigung" unter Anrufung des Paragraphen 11 des Prestegesetzes seine längst als Falschmeldungen festgestellten Mitteilungen zu beschönigen—, das hatten wir selbst von der Hugenbergschen Telegraphen-Union nicht erwartet. Aber es paßt in das Bild der Unternehmer-Nachrichtenpolitik. flagge, Titel und Gröen in öer Republik. Ein Ausspracheabend im Republikanischen Reichsbund. Die Ortsgruppe Berlin des Deutschen RepublikU- nischen Retchsbunde» hatte Montag abend In die Räume des Demokratischen Klubhauses in der Biktoriastraße zu elner Aussprache eingeladen, in der das Thema:„Flagge, Titel und Orden in der Republik" behandelt wurde. Der Redner des Abends war der Reichsmimster a. D. Genosse Dr. David. In klaren historischen Ausführungen legte er die Geschichte von Schwarzrotgold und Schwarzweißrat dar. In der Aussprache führte Ministerialdirektor Dr. F a l ck ver- sihiedens Beispiele aus der Kaiserzelt an, aus denen erhellt, daß da- mäls tätsächlich mit Orden und Titeln ein schwunghafter Handel getrieben wurde. Die Namen v. Mirbach und v. Lindenau sagen da ja genüg. Süidienrat Dr. Michaelis aus Riga berichtete, daß erfteutlcherweise oüch im Auslande die Republik und damit die neuen Reichsfarben sich trotz aller reaktionären Widerstände durch- setzen. Deutlich und klar legte Genossin Regierungzrat Wachen- heim dar, daß Orden und Titel der inneren Würde der Republik nicht entsprechen. Aehnlich äußerte sich der Vorsitzende der Berliner Zentrumspartei. Dr. Ernst Feder begründete in eindrucksvollen Sätzen die Fordeningsn des Vereins Republikanische Presse in der Flaggenfrage, die mir in unserem heutigen Morgenblatt veröffent- lichten. Oberregieniügsrat Bandmonn von der preußischen Staatsregicrung führte aus, daß Preußen in dem Kamps« um Republik und Reich«farben immer das treueste Kind des Reiches gewesen sei und bleiben werde. Noch einmal schilderte er den Kampf zwischen dem Magistrat Potsdam und der preußischen Regierung bis zur unfaßbaren Entscheidung des preußischen Oberverwaltungsgerichts und der Notverordnung vom Sonrm« dieses Jahres. Diese Not- Verordnung habe aber noch verschiedene Lücken. E» sei Aufgabe des Landtages, bei der endgültigen Erledi- gung' dieser Frage auch hierauf stin Augenmerk zu lenken. Die preußische Regierung, dessen könne man versichert sein, werde in ihrem Kampf« für die Durchsetzung der Reichsfarben nicht müde werden, und da arbeit« die Zeit für uns. Seüenken eines Aentrumswöihlers. Aus dem„Westdeutschen Volksblatt": „Die Zentrumsrepublikaner haben eben ein« strafbare Lammesgeduld Wir gewöhnlichen Parteiproletarier stellen uns ja die hohe Poltlik immer ganz verkehrt vor, weil wir nichts davon verstehen. Als damals die Richtlinien aufgestellt und beschworen wurden, meinten wir wNürkich, daß dies« Richiflnieie nun verpflichtend wären und daß di« Regierung zusammen. stürzen müßt«, wenn es auch nur einer Partei einfiele, auf dis Richtlinien zu pfeifen. Das war natürlich ein großer Irrtum unsererseits. Wenn dis Richtlinien nicht wären, könnten die Deutsch- nationalen wahrhaftig es im Lande nicht schlimmer treiben mit ihrer Verachtung dieser Verfassung und Ihrer Sym- böte, als sie«s jetzt mit den Richtlinien tun. Die Richtlinien sind also doch nur ein Trittbrett gewesen für gewisse Leute, um auf die Machtsessel zu gelangen. Müssen wir denn alles schlucken und hinnehmen? Kann man schlimmer eine politische Partei zum Narren holten, als es di« deutschnationalen Herren draußen im Lande mit dem Zentrum tun?"_ Gute Nachbarn. Deutschnationales Urteil über Streseenarrn. Nachrichtenblatt der Deutschnationalen Volks- partei B e r li n- S ch ö n e b e r g: „Es ist klar, daß Stresemann der ungeeignetste Mann für nachdrückliche Vertretung der deutschen Be- lange lst. Wie kann man es auch von einem Mann verlangen. der das Bestehen seiner Partei und damit seine Ministerstellung nur der Freigebigkeit eines Ostjuden verdankt, nicht etwa der mutigen Verteidigung des deutschen Volkes gegenüber seinen rachgierigen Feinden." „Nationalliberale Corresondenz": „Dieser tiefbedauerliche Ausfall einer parteiosiiziellen deutschnationalen Stelle steht nicht vereinzelt da." Ein Franzose übet»üas neue deutschlanü�. Optimistische Ergebnisse einer Studienreise. In dem bekannten Deutsch-Schweizer Verlag Orell-Fügli (Zürich und Leipzig) ist die deutsche ilebersetzung eines Buches über„Das neue Deutschland erschienen, das der französische Schriftsteller Jacques Mortane auf Grund einer Studien- reise verfaßt hat. Mortane ist früher nur Sportjournalist gewesen und scheint sich mit Politik wenig befaßt zu haben. Das merkt man auch seinem Buche an. Aber gerade die Tatsache, daß der Verfasser seine Untersuchung ohne jede vorherige Kenntitis der deutschen Verhältnisse, zugleich aber ohne jedes Vorurteil unternommen hat, verleiht feiieem Bericht einen gewissen Reiz und sogar eitlen ge- wissen Wert. An Unrichtigkeiten fehlt es natürlich nicht, da Mor» tane in der Hauptsache auf das angewiesen war, was ihm dieser oder jener erzählle, aber der Gesamteindruck, den das Buch hinter- läßt, ist der einer gewissenhasten und unparteiischen Enquete. Das Ergebnis seiner Reise Ist jedenfalls die erfreuliche Feststellung, daß das neue Deutschland ganz anders aussieht, als es die meisten Franzosen ahnen. Zum Teil hat der Verfasser sein« Eindruck« selbst niedergeschrieben, zum anderen Teil hat er über verschie- dene Fragen der Wirtschaft, der Kunst usw. deutsche Persönlichkeiten zum Worte kommen lassen. Als Vorwort zu seinem Buche dient die Wiedergabe eines Gesprächs mit Briand, der idn nach seiner Rückkehr zu der Art seiner Untersuchung ebenio be- glückwünschte wie zu ihrem erfreulichen Ergebnis. An einer Stelle dieses Vorwortes sagt Briand: „Ein republikanisches Deutschland unter Führung ernsthafter Männer, dessen politische und sozial« Entwicklung weder nach innen noch nach außen gehemmt sein würde, kann sein Interesse nur darin sehen, mit Veit Alliierten, zumal mit Frankreich in gutem Einvernehmen zu leben.... Ohne eine wirtlich große deutsch-franZSsische Verständi- gungspolittk kann Europa nie gesunden. Davon ist Herr Stresemann ebenso fest überzeugt wie ich." Das Buch Mortanes w'rd hoffentlich in Frankreich weit« Verbreitung finden. Seine Uebersstzung ins Deutsche war indessel» keine unbedingt« Notwendigkeit. Urtte Geschmacksoerirrung. Reichsgerichtspräsident Simone hat sich in B u d a p« st von dem offiziellen Ungarn seiern und von H o r t h y empfangen lassen! Unö es wirö am öeutsthen Wesen... Boa deutschen Dingen. Und es wird am deutschen Wesen... Sie wissen schon. Wir alle wissen es, denn wir haben es in der Schule gelernt. Und die meisten glauben es sogar, unerschütterlich und durch nichts von allem in den letzten fünfzig Jahren Geschehenen erschüttert. Bloß darüber, was das deutsche Wesen eigentlich ist. sind sich viele nicht im klaren. Doch kann und soll ihnen geholfen werden: das deutsche Wesen zerfällt, wie unsere Sprache so schön und bildhaft sagt, in die deutschen Dinge. Einige von diesen wollen wir durch Zeitungsn�ldungen upd Sonstiges aus den letzten Tagen illustrieren. Das deutsche Herz, Hort und Inbegriff des deutschen Familienlebens, ist wenn... also, wenn ein junges Mädchen auf der Straße ein Kind(samt Wagen) maust, sich Ins Bett legt, die Heb- amme ruft und Ihr erzählt, sie habe soeben besagtes Kind(ohne Wagen) mit Schmerzen geboren. Grund: den zögernden verlobten zur Heirat zu animieren.(So geschehen in Plauen.) Der deutsch« Humor ist, wenn drei Studenten aus nächtlicher Fahrt durch einen Eisenbahntunnel einen Totenschädel vor das Fenster des Nebenabteils halten. Was können die drei, die sich einen„harmlosen Spaß" machen wollten, dafür, daß eine Frau so humorlos ist, Schreikrämpfe zu bekommen und höchstwahrscheinlich irrsinnig zu bleiben.(So geschehen, ich glaube bei Kassel.) Das deutsche Gemllt Ist nicht nur. wenn dt« zehnjährigen Kinder das ergreifende Lied von der Rüdesheimer Linde singen, die von einem Sommertag der Sünde und überdies sogar weiß, was noch geschehen ist..., sondern das deutsche Gemüt ist erst recht, wenn einer monatelang seinem bösen Nachbar mit einem Pusterohr Wanzen durchs Schlüsselloch in die Wohnung bläst.(So geschehen in Zwickau.) Die deutsche Harmlosigkrit fft, wenn eine alle Schule (von der Art der im ersten Abschnitt erwähnten) neu gebaut wird. und die ihrer Obhut glücklich Entronnenen werden höflichst»ttd herzlichst gebeten, unter Benutzung einer ihnen übersandten Zahlkarte was dazuzugeben.(So geschehen in Chemnitz.) Die deutsche Treue Ist nicht nur, wenn hohe und sehr hohe Stellen dem Harry Domela auf den Leim gehen..., sondern die deutsche Treue ist noch hundertmal mehr, wenn die Fillngewottigen stch und uns um den Spaß bringen, den begabten jungen Mann auf der Leinwand in einer bereits angekündigten und wohl sogar vor- bereiteten, seine ergötzlichen Thüringer Abenteuer rekapitulierenden Rolle zu sehen. Dies? ÄNSWabl rn'i vielem, was f-äsi noch Über die dentscheii Dinge und Ihre Gesamtheit, das deutsche Wesen, gesagt werden könnte, möge für heute genügt». Und sie kann wohl auch genügen. um die Minderheit, die noch immer on der Richtigkeit der eingangs zitterten Schulweisheit zweifelt, gründlich und dauerhast zu bekehren. lind auch„die Welt", um die es geht, wird hoffentlich baldigst einsehen, wo munter di« Heil- und Heilsquellen plätschern, an denen einzig und allein sie genesen kann. Wenn nicht, dann ist lhr beim besten Willen überhaupt nicht zu helfen. lt. Die Nacht öer Geschichte. Tagung des Internationalen Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit. Prinz Rohan tn Wien, der Herausgeber der„Europäischen Revue" hat von drei Jahren«inen, Internationalen Verband für kulturell« Zusammenarbeit" ins Leben gerufen. Er will die geistigen Führer der Völker wieder zusammenführen auf dem Gemeinschafts- boden des Geistigen unter Bejahung der Idee der Nation, also mit übernationaler Einstellung. Di« Sicherung der Idee Europa ist da» aktuelle Problem der Tätigkeit des Verbandes. Di« 4. Jahresversammlung de« Verbandes, dessen deutsche Gruppe, der„Deutsche Kulturbund", unter Leitung des Heideiberger Unioerfitätsprofessors L. Curtius steht, wurde am 20. und 21. Oktober in Heidelberg abgehalten. Vertreter aus fast allen europäischen Staaten waren gekommen, um sich über das Problem der„Rolle der Geschichte im Bewußtsein der Völker" auszusprechen. Die Eröffnung der Tagung ging in der Aula der Universität durch einen«inleitenden Dortrag von Prof. Mendelssohn-Bartholby vor sich, der sich al» Völker- rechtslehrer mit der Geschichte als Begriff auseinandersetzte. Zeit» geschichtlich interessant war ein« klein« Episode aus der Zeit seiner Bearbeitung der Akten des Auswärtigen Amtes der Vorkriegszeit, al? sich ein„Professor der Geschichte, sehr verdient durch die Re- daktion politischer Memoiren' darüber erregt«, daß man einen Mann des allgemeinen bürgerlichen Rechts an diese Arbeit heranlasse, der vielleicht nicht genügend„machtpolitischen Sinn" besitze, um unan- genehm« Aktenstücke zu unterdrück«». Der erste Redner zur Sache war dann der englische Professor A l l i s o n P h i l i p o s, der sich mit den Zusammenhängen zwischen Tradition und Fortschritt besaßte und als Engländer di« Verbunden- hell beider betonte. Kein Engländer leugne dl? Mißstände im Bergbau und die Notwendigkeit wirtschaftlicher Verbesserungen, aber jeder lieb« den Fortschritt als Konservativer. Di« stille Revolution höre in England zwar nie aus. gehe aber unter Wahrung der historischen Kontinuität vor sich. Nach dem Engländer, der kühl und sachlich in englisch« Sprach« vortrug, kam der polnische Prof. H a l« ck i zu Wort, der die Geschichte als Lebensgrundlage und die historische Tradition al» Lebensquell des polnischen Volkes bezeichnete. Das polnische Volk habe bewies«», daß das nationale Leben auch ohne Staat Möglich sei und Rechte liabe vor der internationalen Moral. In dlZem Zeitraum habe der rrligiöie Glaube gegen die Aerzweifliing geholfen. Die leitende Idee de» neuen Staates sei die Herbeifübrung der Demokratie für da» gesamte Volk und Zusammenarbeit mit den anderen europäischen Nationen für Friede und Recht. Der Schluß seiner Anssührungen, die sich mit der Lösung neuzeitlicher sozial« Probleme befaßte, artet« in eine romantische Schwärmerei aus. Durch„bete und arbeite" will er die soziale Frag« in Polen„lösen" und den Klassen- kämpf abschaffen. Am zweiten Tage sprach als erster Redner d« italienische Professor und UniversItSlssekretär B od r er o, der den Faschismus als Erfüll« der italienischen historischen Tradition seierte. Di« Zuhörer suchten vergebens nach der europäischen Idee, als Pros. Alfred Weber di« Frage auswarf:„Was heißt Tradition gegenüber der Massenbevölkerung einer Industriestadt?" Es handelt sich darum, ob man hier ein« Salonunterhaltunq pslegen wolle oder eine solche, die imstande sei, die Masse d-r Bevölkerung einzufügen in die geistige Idee, di» wir erstreben. Ahnenkult sei keine Regel des täglichen Handels, die Idee brauch« keine Mythologie zu sein. Er- fteullch starker Beifall unlersirlch dl« Darlegungen Webers, der Kongreß fand wieder Fühlung mit der Wirklichkeit. Den Schlußvortrag hielt der Königsberger Historiker Prof. R o t h f e l s über„Geschichte als Schicksal", womit er nicht die Anerkennung der Geschichte schlechthin, sondern des besonderen Schicksals der Nation verstanden haben wollt«. Die Vesonderheit des deutschen Schicksals beruhe in dem Vorherrschen partikularer Einflüsse, der geographischen Lage in Mitteleuropa und der religiösen Spaltung. Immerhin habe der Staat sich als Eigenkraft und führendes Einigungselement der Nation erwiesen, wenn auch die Bismorcksche Reichsgründung mehr Ausgabe als Erfüllung geblieben and die wilhelminisch« Epoche das deutsche Schicksal nicht habe meistern können. Damit hatten die Vertreter der größeren Staaten Europas ihr« Gedanken vorgetragen. Hätte Alfred Weber nicht versucht, etwas frisch« Lust der Gegenwart in den Saal zu lassen und damit eine Verbindung mit der Zeitgeschichte herzustellen, die Heidelberger Tagung war« geistreiches Theoretisieren gebliebem Gründung eines üulturausschusses für dos deutsche Ausstellung». wesen? Um im deutschen Ausstellungswesen den kulturellen Sc- sichtspunkten di« ihnen zukommende Bedeutung zu sichern und ein Gegengewicht gegen die bisher vorherrschende rein wirtschaftliche und industriell- Behandlung der Auestellungsfragen zu schaffen, sind gegenwärtig in Berlin Verhandlungen im Gange, die die Gründung eines Kulturausschusses für das deutsch« Ausstellungswesen zum Ziel haben. Es ist an ein Gremium von etwa 20 bis 30 fuhrenden Männern aus allen Lagern der Architektur und Werkkunst gedacht: an den vorbereitenden Arbeiten nehmen u. a. die Professoren Bruno Paul. Hans Poelzig und Jobst Siedler teil. Falls die geplant« Gründung zustande kommt, soll sie speziell auch an der Vorbereitung d« Berliner Dauerbauousstellunq 1920 mitwirken. »Do« Zuan-Ahasver" nennt sich ein umsangreichs», von Sieg- fried von der Trenck verfaßtes Epos, das dos hohe Lied des Meitsckseins singt. Don Juan, der von der Liebe, und Ahasver, der vom Haß ratlos limhergetriebene verschmelzen in ein« Gestalt: denn Liebe und Haß sind nur die Endpole einer Kraft. Aus der Dichtung spricht ein tiefes und starkes Ethos, das sich an der Den- tung des Lebentkampfes versucht«Nd sein Ende in der verstehenden Liebe voraussieht. Die großen Liebenden und Hassenden an» Soge und Weltgeschichte werden in der Erscheinung des Don Juan-Ahasver der Reparationsbrief auf Oestellung. Wie das Schreiben Parker Gilberts entstand. Gegenüber der Forderung, nun endlich den Inhalt des viel erörterten Schreibens des Reparationsagenten an die Reichsregierung bekanntzugeben, verhölt sich die Reichsregie- rung nach wie vor hartnäckig ablehnend. Dagegen ist es möglich. noch den Erklärungen des Reichsfinanzministere vor den Partei- führern und nach weiteren halbanitlichen Auskünften sich ein Aild von der Entstehungsgeschichte und der Tendenz des Briefes zu machen. Bereits seit Monaten befand sich das Reichssinanzmlnisterium in mündlichen Verhandlungen über die Wirkung der deutschen Finanzpolitik auf die ReparationSsrage. Aufgeworfen waren dies« Probleme vor allem durch die Kritik, die der Dawes-Kommissar in seinem Bericht vom t l>. Juni erstattet hat und in der er die deutsche Finan.zwirtschast, insbesondere aber auch den Finanzaus- gleich warnend behandelte. Auf diesen Bericht baut sich auch die Denkschrift aus, die natürlich auch auf die neueren Gesetze Bezug nimmt. Der Forderung nach einer durchsichtigeren Gestal- tung des choushalts will dos Reichssinanzministerium be- reits bei der Aufstellung des nächsten Reichshaushalts für lS28 Rech- nung tragen, der in den nächsten Monaten dem Reichstag vorgelegt wird. Die Besprechungen gerieten schließlich bis auf den Punkt, wo es dem Reichsfinanzminister ratsam erschien, den Reparationsagenten um eine schriftliche Fixierung seiner Aufsassungen zu bitten. Der Bericht ist also vom Finanzminister bestellt worden. Desto unbegreiflicher ist es, daß man ihn noch abzuleugnen suchte, als er bereits der Reichsregierung vorlag. Der Brief des Reparationsagenten nimmt denn auch in seiner Einleitung auf die zwischen ihm und dem Finanzminister getroffenen Vereinbarungen Bezug. Der Bericht ist als» kein Vor- st o ß oder Protest, noch eine unzulässig« Einmischung in inner- politische Angelegenheiten, sondern lediglich eine kritische Darstellung der deutschen Finanzpolitik und ihrer neuesten Blaßnahmen unter dem Gesichtspunkt der Reparationsersordernisse. Die Reichsregierung selbst ist über die Angriffe, die besonders in der deutschnationalen Presse gegen den Reparationsagenten gerichtet werden, keineswegs erbaut. Sind doch sämtliche Mitglieder des Kabi- nette einschließlich der Deutschnationalcn der Meinung, daß ein« Diskussion über die Revision des Dawes-Ploncs im gegenwärtigen Augenblick unier ollen Umständen verfehlt wäre. Daß der Brief gerade jetzt notwendig war, da» erklärt sich aus dem Verlauf der Aussprachen und auch aus dein Umstände, daß in diesem Jahre die Zahl der Gesetzesvorlagen mit finanziellen Nebenwirkungen sich ganz besonders gehäuft hat. Offenkundig sind dadurch Meinungsverschiedenheiten entstanden, die auf dem Wege weiterer mündlicher Aussprachen nicht ohne weiteres zu klären waren. Die mündlichen Besprechungen mit dem Reparationsogenten hat Reichsfinanzminister Dr. Köhler bereit» am Sonnabend aufge- nommen; sie sollen möglichst noch In dieser Woche fortgesetzt werden. Ihr Ziel ist es, die Bedenken zu zerstreuen, die der Reparalions- agent gegen die Finanzpolitik des Reiches erhoben Hot, und so weiteren Beanstandungen vorzubeugen. Man glaubt, den Beweis erbringen zu können, daß Deutschland nicht die Absicht habe, den Dawes-Plan irgendwie zu sabotieren. Bei diesem Sachverhalt ist die Haltung der devtschnationalen Presse geradezu unverständlich. Entgegen der von ihren Ministern im Kabinett anerkannten Meinung redet die Scherl-Presse noch immer von einem„tiefen Eingriff in die staatlich« Selbstbestimmung" des deutschen Dolkce. Dabei ist dieser„Eingriff", wie sich jetzt zeigt, vom Reichssinanzminister selbst b e st e l l t worden, um«ine VerHand- lungsgkundlc.ge für die weiteren Aussprachen mit dem Reparations- agente,: zu schaffen. Aber die Massen, die hier angewandt iverden, gehören ja zum Arsenal deutschnotionoler Demagogie. Die neuen Gesetze, nämlich die Besoldunggvorläge und da; Schulgesetz, werden in den Reichstagsausschllssen weiter beraten. Die Regierung zieht ihre Vorlagen nicht zurück. Bei dem Kriegeschäden- schlußgesetz wird sie sich bartiber schlüssig werden müssen, wie sie anstatt der Veräußerung von Reichsbahn-Vorzugsaktien aus andere Weise die Mittel zur Deckung der Ausgaben besthafst. Dieser Hergang des Reparationsbriefes ändert natürlich an unserer Kritik der Finanzwirtschaft des Rechtsblocks nicht das gc- ringste. Die schriftlichen Vorstellungen wären sicherlich überflüssig gewesen, wenn die Reichsregierung von vornherein bei ihren finan- ziellen Gesetzen aüf die vorauszusehende Kritik des Dawes-Kom- misiars Rücksicht genommen oder im Laufe der Lorberatungen die st rittigen Fragen geklärt hätte. Das ist nicht geschehen, und zwar aus begreiflichen Gründen. Die vom Reparationsagenten aufgeworfenen Probleme spielen ja nicht Nur für die Rcparalions- Politik eine Rolle, sie sind auch Brennpunkte besinnen- politischen Streites. Mit einem vernünftigen Flnanzaus- gleich läßt sich die Liebesgabenwirtschaft gegenüber Bayern nicht ver- einigen: mit einer vernünftigen Finanzpolitik hat ein Schulgesetz nichts zu tun, das zwar neue Lasten bringt, das aber über die Höhe der neuen Lasten nichts sagt. Gegen die Bcsoldungsreform hat die deutsche Industrie, gegen die Aulcihewirtschast hat der Reichsbank- Präsident längst vor dem Rcparationsbrlef Stellung genommen Dieser enthält also kaum noch Wesentliches, was Nicht gerade von rechtsstehenden deutsche» Wirtschastsführern und Politikern wiederholt gesagt worden wäre! Der Umstand, daß innerhalb des Rechtsblockkabinetta die verschiedenen Interessen sehr scharf auf- elnandcrprallen würden, wenn man die angeschnittenen Probleme erst einmal ernsthaft aufwirft, ist es wohl auch, der die Reaierung veranlaßt, von einer V e r ö f f e n t l i ch n n g der Kritik des Repara- tionsagenten abzusehen. Deswegen wird ihr aber die Kritik im Parlament nicht erspart bleiben. Louis Cohn gestorben. In der Nacht zum Sonntag ist der frühere Geschäftsführer der .Münchner Post", Louis Cohn, im Alter von 75 Jahren in München gestorben. Mit ihm ist das letzt« Mitglied der ersten Internationale dahingegangen. Der frühere Geschäftsführer der.Münchner Post*— dos umschreibt nicht, was Louis Cohn der Partei war. Als begeisterter Jüngling wandte er sich zur Zeit der LoSlösung der proletarischen von der bürgerlichen Demokratie der Arbeiterbewegung zu. In Eng- laick» beriet ihn Karl Marx, in Amerika Sorge<— so kam er zum Sozialismus. Von der Heroenzeit der Partei an bis in die letzten Jahre seines Lebens hinein lyü«r sein Bestes der Partei gegeben. Im Jahre 1892 übernahm er die geschäftliche Leitung der .Münchner Post". Er hat sie bis zum Jahre 1918 innegehabt. Sein« Geschäftsführung war richtunggebend und vorbildlich für die Partei- presse. Sein Rat war wertvoll und geschätzt. Cr entwickelte die .Münchner Post" zu einem modernen Zeitungebetrieb und führte den Verlag B i r k u. E o. auf eine beachtlich« Höhe. Die sozialistische Literatur dankt ihm vieles. Er selbst war ein nimmermüder Geist, ein Journalist und Wirtschastspolitiker ersten Ranges, ein wahrhaft vornehmer Mensch. Sein Tod schließt ein reiches, dein sozialistischen Ideal gewid- metes Leben ab. Sein Name steht auf den Plättern der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie oerzeichnet. Die Knechtung Süütirols. Reichstagsinterpellation der Demokraten. Wegen der unausgesetzten und ständig verschärften Drongsalie- rung des Südtiroler Deutschtums hat die demokratische Reichstags- fraktion eine Interpellation an die Reichsreglerung eingebracht: sie wird nach Aufzählung einer Reihe faschistischer Schandtaten gefragt, was sie zun, Schutz des Deutschtums im Aus- land zu tun und welche Schritte sie zu unternehmen gedenke, um die kulturellen Rechte deutscher Volksgenossen gegen maß- lose Terrorakte ihrer Regierungen zu schützen. Aus Bozen wilt» lt. a. gemeldet, daß dort zwei Gasthöf« behördlich geschlossen wurden, weil Gäste deutsche Lieder gesungen hatten. Den Schülern wurde das Deutschsprechen in den Unterrichtspausen und auf der Straße verboten. Jasihismus onS Solfchewismus wesensgleich. Pari». 25 Oktober.(Eigenbericht.) Ein LrtikÄ des.T e m p s* zum fünfjährigen Jubiläum des Faschismus kommt zu dem Schluß, daß Faschismus und Bolschewismus auf Grund derselben Prinzipien vorgehen und die gleichen Mittel anwenden, um ihr« Herrschaft auf- zuzwingen. Beide stellen durch Gewaltmethoden improvisierte Partei- regime» dar. VeS*« gehen durch Gewalt und systematische Unter. dvückung aller moralischen urö> politischen Kräft« vor, die ihnen nicht direkt dienen.„Zwischen dem italienischen Experiment und dem russischen macht die Demokratie— so schließt das Blatt— auf der ganzen Welt eine schwere Krise durch. Aber sie kann weder von dckr foschlstischeu noch von der kommunistischen Well« verschlungen werden, weil in dem Stadium der Entwicklung, m dem die Mensch- helt angelangt Ist. keine modern« Gesellschaft sich bilden, leben od« sich rntmickrt» kann außerhalb der Freiheit.* Ausgestaltung ües„Populafce'. pari«.«. Oktober.(Sigenbericht.) Da» Part swrgan der französischen Sozialisten, der.Popu- lair e*. kündigt an; daß er vom 1. Dezember ab in einem bedeutend »«rgrößerten Format und mit einer völlig reorganl- st«rtea Redaktion erscheinen wird. nochgezeichnet und zu deuten verflicht. In einer Nachmittag sveran- staitung lasen der Verfasser abwechselnd mit seiner Frau vor ge- ladenem Publikum aus dem dichterisch nicht immer gleichwertigen, bi»w«ilen allzu sehr ins Breite zerfließenden Epos.— le. von den Pilgern, die nicht olle werden. Die Besucherzahl des Wallfahrtsortes Lourdes hat dieses Jahr«ine außerordentlich« Höh« erreicht. Nach dem Bericht der Eisenbahnstation wurden von Januar bi» Ottober 626 882 Fahrkarten von ankommenden Pilgern obgc- geben. Damit ist jedoch nur«in Teil des Fremdenzustromes erfaßt. da die sehr zahlreichen Gesellschaftsressen in dieser Statistik nicht ent- halten sind, ebensowenig die Zahl derjenigen Pilger, die im Auto kommen. Man schätzt den Gesamtbesuch in dieser Saison auf 1% Millionen. Vielleicht wird dl« deutsche Reichsbahn demnächst auch«ine Statistik über den Besuch von Konnersreuth herausgeben. Die Ritter vom Goldenen Hammelfell. Nach einer Meldung aus Madrid beabsichtigt der König von Spanien, zum Jahre 1929 das Ordenskapitel vom Goldenen Vließ zusammenzuberufe». Di« Historiker streiten sich darüber, wann diese Illustre Körperschast zum letzten Male tagt«, einige meinen, zurzeit Karls V. Zu den schwierigen Etlkettefragen,. Vir Berliner Tan,- und«ymnaslisschnle Bercha Aeist, HaieMee. Gm«,- Wilhelm-Ttr. S— II. neranstaltet am 29.. 20'/, Uhr. in den Räumiii der Schul« eine AuSsleUimg von Kradbik Plastik,«ildwerken nsw.. die im guiammenbllNg mit der tänzerischen Ärbei« der Schule ent- standen sind. Vorsghrung von Tanz- und Geröuschmusttlolnposltlontn de« Arbeitsgemeinschaft der Schul«. Eintritt srel. Die ßoröerungen öer Seamtenscbost. PrevMsche Beamtenbesoldung und Spitzen- ovganisationcn. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtage hörte am Diens- tag vormittag die Ansicht der Spitzenorganisationen der Beamtenschaft. Zunächst legte der Geschäftsführer des Preußischen Beamtenbundes, Franke, in längeren Ausführungen im «inzelnsn dar, daß die jetzige Vorlage gegenüber der von 1920 einen großen Rückschritt bedeute, insbesondere durch die Erhöhung der Zahl der Klassen. Stadtrat E h t m a n n von der„Komba" forderte, daß unter allen Umständen der im Gesetze von l92l) gewährt« Schutz gleich hoher Besoldung auch für die Kommunalbeainten gewährleistet werden müsse. In den kleinen Gemeinden müsse kein« Organisation Helsen, sondern nur der Staat. Schräder vom Schutzpolizei- Beamtenbund wandte sich gegen die schlechte EinstusuNg und Kürzung der wohlerworbenen Recht« der Schupobeamten. Am meisten zurück- gesetzt seien diejenigen, die unter Lebensgefahr den Straßendienst ZU versorgen hätten. Hierauf sprach der Vertreter des illlgemetntn Deutschen Be- amtenbundes, B e n t e. Er bedauerte, daß der Iinanzminister die Wünsche des ADV. nicht berücksichtigt habe, vi« soziale Tendenz sei im Entwurf nicht erkennbar. Statt des Wohnungsgeldes sei ein Teuerungszuschlag zu fordern, der auch die Teueruugsver- haltnisse in den Großstädten berücksichtige. Zwar feien prozentual die Zuschläge bei den Unterbeamten höher, aber absolut genommen, bedeute die Vorlage eine Bevorzugung der höheren Beamten. Be- sonders bedauerlich sei die klassenmäßig« Scheidung der Beamten. Das hätte der ADA. von der demokrallsch-republtkanischen Regierung, für die er immer treu eintrete, nicht erwartet. In der Aussprache wünscht« Abg. Paumhoff(Z.) nicht, daß die Besoldungserhöhung durch Steuererhöhung ermöglicht werde. Abg. Meyer(D. Vp.) erklärt, daß die Teuerungsoerhältnlsse in der Deämtenschaft eine große Erregung hervorgerufen hade. Die Vorlage habe keine Bruhigung geschaffen. Abg. Dr. kähler(Dnatl.) verlangt, daß di« Besoldung so ge- staltet werde, daß dem Staat nicht di» besten Kräfte durch di« Mrt- schast entzogen werden. Abg. lladendorss(Wirtsch.-P.) erkennt die Notwendigkeit einer Besoldungsreform an, verlangt aber zunächst di« Lösung der Deckungsfrage. Abg. Porteld-Hannover(Dem.) erklärt, daß di« Aussührungen des Vorredner» auf den Ton abgestimmt seien, daß man di« Beamten ruhig wrtler hungern lassen könne. Namhafte Führer der Wirtschaft, besonders aus Niedersachsen, hätten erklärt, daß sie durch- aus die Notwendigkeit einer Erhöhung der Beamtenbeziige onell- kennen. Wenn man nach dem Rezept des Vorredners versahren wollte, so müsse man damit rechnen, daß die Gefahr einer starken Korrumpi«rung der Beamtenschost bestehe. Darauf vertagte ssch der Ausschuß auf Mittwoch vonnlttag. Es sollen zunächst die Spitzenverbänd« veiter gehört werden. auf üie Sozialversicherung. In der Dschechoslowakei. Prag, 25. Oktober.(Eigendericht.) Die Regierung hat die seit langem angekündigte Sozialversiche- rungsnovelle dem Paklamsnt vorgelegt. All« Befürchtungen, die man über die Absichten der Bürgerregierung haben mußte, werden durch die Vorlage gerechtfertigt, die einen Generalangriff auf die Sozialversicherung bedeutet. Das Gesetz, das mit der Autonomie der Sozialversicherung vollkommen auf- räumt, unterwirft auch di« Zentralsoziolverficherungsanstali einer schärferen Kontrolle des Ministeriums für Sozialfürsorge und des Finanzministeriums, ja sogar die politischen Behörden zweiter Instanz erhalten weitgehende Kontrollrechte über die Krankenver- sicherui'gsanstalten und können in ihrem Wirkungskreis störend ein- greifen. Die Vorstände der Krankenoersichcrungsanstalten sollen paritätisch zusammengesetzt und damit die Verwaltung den Versicherten entzogen werden. Alle Personen unter 16 Jahren, die Heimarbeiter und die Saisonarbeiter werden oa» der Alters- und Inoaliditätsversicherung ausgeschlossen! Das GaNzd kommt drei Tage vor dem Staatsfeicrtag, der Errichtung dieser ur- sprünglich sozial gedachten Republik. Moskauer Todesurteile. Kin Hauptproditktionszweig Dowjctrusilands.... Moskau, 25. Oktober. In dem Prozeß gegen die fünf der Spionage zugunsten Eng- l a n d s Angeklagten wurden die beiden Hauptangeklaglen, die Brüder Wladimir und Kyrtll Pro»« sowie deren Permandtsr Korepanosf. ehemals juristischer Berater der revolutionären Kriegsrats, zum Tode verurteilt. Die Mitangeklagten Militär- beamten Podreskofs und Nanon erhielten zwei Jahre Gejängnis. Staatsgefährlicbe Sriefe. Wie die rumänische Regierung mit dem Ex-Kronprinzen umgeht. vukoresi, 25. Oktober. Bestem tagte der Ministerrat ununterbrochen durch zwölf Stunden. Es stand die Vewegung zugunsten des Ex-Kronprinzen zur Debatte. Dieser hatte neuerdings die rumänischen Parteisuhrer, 'darunter den Mlnlsterpräsldenten, gebeten, zu ver- anlassen, daß da» rumänische Volk sich über seine Rückberusung auf den Thron ausschelh«.„Da ein« solche Aktion ein direkter Angriff auf die yerfasjiiiigsmähige Sicherheit und Ordnung des Staates ist", wie es atntllch heißt, wurde der mit der Usbermittlung betraute Agent M a n o i l e s t u, ein früherer Staatssekretär, verhaftet und vor Gericht gestellt. Bei Manollescu wurden außer Briefen an die Parteiführer auch einer an dle Königin Maria ge- sundein Die Oppositionsparteien beabsichtigen, am Donnerstag bei der Wiedereröffnung der Kammer wegen de» Verbots an die Presse, Mitteilungen über die beschlagnahmten Briese zu veröffentlichen, Einspruch zu erheben. Die nächste Tagung der Ständigen Mandakekommlssian de» Völkerbund«», an der auch das neue deutsche Mitglied Geheimrot Kastl teilnehmen soll, wird möglicherweise in Londün stattsinden, weil das englische Mitglied L u g a r d aus persönlichen Grünten London nicht verlassen kann. Da jedoch u. a. der Bericht über das Irak-Mandat auf der Tagesordnung sieht, hat man au« Gens telegraphlsch bei Lugard angesragt, ob er an einer Tagung teil- nehmen könnte, di« in London stattfinden würde. Der östertdchlsche Dichter Karl Schönherr hat— wie schon ge- meldet— das Ehreilzeichen der Republik Oesterreich erhalten. Als er im Februar 60 Jahre alt wurde, dachte die klerikale Regierung Selpsl nicht daran, den antlklerikaleu Tlroler ausztz- zeichnen. Da aber jetzt der klerikal« Dichter K r a l i t zum 70. Gt- burtstag da» Ehrenzeichen bekam, mußte man es schandenhalber auch Schönherr geben! Die in Marokko verschleppten Franzosen sind in Gesohr, wenn der sanatischc Stammführer Sibu-Temga, der„Scheich der Berge", eingreift. Es verlnutet, daß die gesang»>e» Europäer i n Ketten gelegt worden seien und stre»g bewacht würden, lieber das Schicksal der entsührten Frauen ist nichts bekannt. Gegen die an der Entführung beteiligten Beni Mellal ist eine Straf ex p", d it i o n im Gange. Nach dem Streik. Verhandlungen über die letzten Wiedereinstellnnge». Stärkung des Bcrgarbcitcrverbandeö. halle, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Am Dienstag fanden zwischen den Vertretern des Arbeit- geberverbandes für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau und seinem Unteroerband für das Senftenberger Revier, wo infolge von Maßregelungen noch etwa lOl)0 Braunkohlenarbeiter sich im A u s ft a n d befinden, Verhandlungen statt. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist zwar noch nicht bekannt, doch darf man annehmen, daß es dem Arbsitgebcrvcrband für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau gelingen wird, seine Mitgliever im Senften- berger Revier von der Notwendigkeit der Wiederein- st e l l u n g aller Streikenden zu überzeugen. Auch in F o r st(Lausitz) bestehen auf vier Werken noch Schwierigkeiten: dort sind insgesamt lÜ) Braunkohlenarbeiter nicht wieder eingestellt worden. Die G e- wertschaften sind nicht gewillt, ein Abweichen von den Vereinbarungen zuzulassen. Im übrigen ist die Stimmung unter den Bergarbeitern glänzend. Der erfolgreiche Streik hat das Selbst- bewußtsein der Arbeiter außerordentlich gestärkt. Im Streik haben auch die Unorganisierten begriffen, daß der Anschluß an die Ge- werkschaft notwendig ist. Zu den letzten Tagen erfolgen die Anmeldungen Zur Ausnahme in den Lergarbeileroerband In Massen. Die Versuche der Kommuni st en. aus der Bewegung Nutzen zu ziehen, sind kläglich gescheitert. Die IAH. versuchte gleich von Ansang an, sich in die Bewegung hineinzuklemmen. Die Berg- orbeiter sind jedoch auf ihren Köder nicht hereing-fallen. Die Meldungen der kommunistischen Presie, wonach in zahl- reichen Belegschaftsoersammlungcn die Wiederaufnahme der Arbeit abgelehnt worden sei, sind wahrheitswidrig. In keiner einzigen Berfammlung ist ein solcher Beschluß gefaßt worden. Wohl haben in einigen Versammlungen kommu- nistische Redner ihre demagogischen Argumente vorzubringen oer- sucht, ohne sich jedoch dazu aufzuschwingen,«inen Antrag auf Fort- setzung des Streiks zu stellen. Die Erfahrungen, die die Bergarbeiter mit den Kommunisten gemacht l>aben, sind gerade in Mitteldeutsch- land derart, daß jeder Versuch her KPD., die Massen wieder unter ihre Botmäßigkeit zu bringen, von vornherein zur Aussichtslosigkeit verurteilt ist. die Reichsbahn versteift fich. Nur Nachprüfung der Ortslohnzulageu. Die vertragschließenden Eisenbahnerorganisationen waren nach der ablehnenden Haltung der Hauptverwaltung der Reichsbahn, die Löhne Im allgemeinen zu erhöhen, noch einmal zusammengetreten und haben zu der hierdurch geschaffenen Lage Stellung genommen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, noch einmal an die Hauptver- waltung der Deutschen Reichsbahn heranzutreten und dieser zu erklären, daß sie keinesfalls auf eine allgemein? Lohnerhöhung verzichten, sondern grundsätzlich an ihrer Forderung festhalten. Da jedoch aus der klaren Aeußerung der Hauptverwaltung zu entnehmen sei, daß zurzeit eine allgemeine Lohnerhöhung nicht erzielt werden kann, forderten sie die Ein- führung der Dienstalterszulage in der Weise, wie sie bei der R e i ch s p o st schon seit Jahren besteht. Darüber hinaus perlangtcn sie die Hedirng des Wirtschaftsgebietes k in das Wirtschaftsgebiet IL Auch diese Forderungen wurden noch kurzen und scharfen Verhandlungen von der Hauptverwaltung rundweg abgelehnt. Nunmehr nahmen die vertragschließen- den Eisenbahnerorgonisationen noch einmal unter sich Stellung und haben im Anschluß hieran den Vertretern der haupwerroaltung folgende Erklärung abgegeben: „Die Gewerkschaften nehmen zur Kenntnis, daß die Haupt- Verwaltung nach ihrer klaren Erklärung nur bereit ist, über die Ortslohnzulagen zu oerhandelir Sie sehen sich vcr- anlaßt, ihr tiefstes Bedauern auszusprechen über die ' Hartnäckigkeit der Verwaltung. Den Gewerkschaften ist höhe und Ilmfang der Ortslohnzulagcn zurzeit völlig unbekannt. Fest steht hingegen, daß ihre Einführung nur einem kleinen Teil der Lohnempfänger der Reichsbahn nur eine kleine Hilfe bringt. Die Ortslohnzulage allein ist keine umfassende, sondern nur eine sehr unzulängliche Maßnahm« zur Behebung des Notstandes." Trotz schwerster Bedenken sind die Gewerkschaften bereit, daran mitzuarbeiten, unter Heranziehung der Bezirksleiter der Organifa- tionen. Damit haben die Gewerkschaften keineswegs auf die absolut notwendige ollgemeine Aufbesserung aus dem Wege einer zwischen- tariflichen Regelung verzichtet. Sie halten grundsätzlich daran fest. Sie sind von ihrer Notwendigkeit durchdrungen und müssen die Forderung aufrecht erhalten. Die gedrückte Lage der Lohn- empfänger der Reichsbahn oerlangt unbedingt nach Abhilfe._ Erfolgreicber Streik öer Jabrstuhlmonteure. 10 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde. Am Montag wurde zw'schen dem Metollarbeiterverband und dem Verband Berliner Metallindustrieller sowie den bestreikten Berliner Fahistuhl- und Aufzuasfirmen über die Beilegung des Streiks der Monteure und Helfer verhandelt. Die Unternehmer versuchten zunächst wieder, betriebs- weise zu vcrbandeln und dadurch Abmachungen zu treffen, die für die einzelnen Betriebe grundverschieden sind. Das wurde von der Verhandllmgskomnnjsion der Streikenden ganz entschieden a b g e- lehnt, worauf sich die Unternehmer zu zentralen Verhandlungen bereit fanden. Nach mehrstündigen Verhandlungen machten die Unternehmer schließlich das Angebot, in allen Firmen die Lohnsätze der Arbeiter der früheren Lohnklassen I, II und III um 10 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Sie verpflichteten ssch weiter, alle vor dem Streik beschäftigten Arbeiter mit ihren alten Rechten wieder einzustellen. Das Lohnabkommen soll bis zum ZI. März 192S gelten. Mit diesem Angebot beschästiaten sich gestern nachmittag die streikenden Fahrstuhlmonteure und Helfer in einer gut besuchten Ver- sammlung im Rosenthaler Hos. Genosse Fuchs, der den Bericht über die Verhandlungen gab, teilte mit, daß die Verhandlungskom- misston und die Vertrauensleute beschlossen haben, den Streikenden die Annahme dieses Verhandlung-ergebnisses zu empfehlen, da es, wenn auch die Forderungen der Streikenden n'cht r e st l o s er- füllt worden find, doch einen ganz ansehnlichen Erfolg darstellt. Nach längerer Debatte wurde schließlich das Angebot der Unter- nefymer gegen eine starke Minderheit angenommen, so daß heute, Mittwoch früh, nach über dreiwöchiger Kampfdauer die Arbeit in ollen bestreikten Berliner Fahrstuhl- und Aufzugsbetrieben wieder geschlossen aufgenommen wird. Streik öer Schilöeranmacker und ffelfer. Strcikbcginn heute morgen. Für die Schilderanmacher und Helfer der Betrieb«, die im Berein Berliner Schilderfabrikanten(DBF.) zusammengeschlossen sind, be- stand bis zum April 1924 sowohl ein Rahmenvertrag wie ein Lohn- tarif, die beide bei ihrem Ablauf infolge der Hartnäckigkeit der Unter- nehmcr nicht mehr erneuert werden konnten. Es wurden bei Ein-- tritt der tariflosen Zeit mit den Jwischenmeistcrn, die für die Ver- «insfirmen arbeiten, und sich bisher an den Vereinstarif geHallen hatten, haustarife abgeschlossen, in denen die Lohn- und Ar- beitsdedlngungcn geregelt waren. Der Mindestlohn betrug seit dem Jahre 1924 bis jetzt sür alle Berliner Schilderanmacher 1,39 M. Dieser Lohn steht aber praktisch nur auf dem Papier, da er tatsächlich se't dem Jahre 1924 bis auf 1,75 M. erhöht worden ist. Der Deutsche Verkehrsbund hatte die Haustarife zum 1. Oktober ge- kündigt und im Austrage der Branche den Bcrsuch unternommen, wieder ein Bertragsoerhültnis für die gesamte Branche zu schaffen. Es wurde der Abschluß eines Lohnab- kommen» gefordert, das den tatsachlichen gezahlren Löhnen von 1,75 M. pro Siüiide eulspricht. Der VBF. lehnte es ab, sich in freier Vereinbarung mit dem Verkehrsbund zu oerständ'gen, so daß der Schlichtungsausschuß angerufen werden mußte. Auch hier formte eine Einigung nicht erzielt werden, da die Unternehmer nur zu einem Tonfabjchlliß bereit waren, der einen Stundenlohn von 1,49 M. vorsah. Nachdem die Schilderanmacher und Helfer am Freitag voriger Woche das Angebot abgelehnt und den Streik beschlossen hatten, ist gestern nachmittag mit dem DBF. nochmals verhandelt worden. Die Unternehmer gingen jedoch in diesen Verhandtungen noch unter dos vor dem Schlichtungsausschuß gemachte Angebot herunter, so daß die Verhandlungen e r g« b n i s- los abgebrochen weiden mußten. Die zu gestern abend einberufene vranchenoersammlung der Schilderanmacher und heiser beschloß daraufhin einstimmig, heute, ZstUtwoch, in allen Berliner Betrieben die Arbeit einzustellen. Venn man sein Necht nicht ausübt. Ein gekündigter Angestellter der Firma A. W e r t h e i m klagte vor dem Arbeitsgericht. Er forderte Schadenersatz von der Firma mit der Begründung: Die Firma habe keinen Wahlvorstand er- nannt, deshalb habe kein A n g e st e l l t e irr a t gewählt werdm können, er, der Kläger, habe also gegen seine Kündigung keinen Einspruch erheben und die>elbe nicht auf Grund von § 84 BRG. anfechten können. Den Schaden, der dem Kläger hier- durch erstanden sei, müsse ihm die Firma ersetzen. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß ein Angestelltenrat bei der Firma A. Wertheim seit Oktober o. I. nicht mehr besteht. Das ist aber nicht die Schuld der Firma, sondern der An- gestellten selbst. Die Firma hatte den Wahlvorstand nicht zu ernennen, sondern der damalige Betriebsrat. Das hat er auch getan und der Wahlvorstand hat die Wahl ausgeschrieben. Die Ar- beiter haben gewählt, aber die Angestellten haben sich um die Wahl gar nicht gekümmert. Daher kommt es. daß bei der Firma ein Arbeiterrat, aber kein Angestelltenrat besteht. Unter diesen Umständen war die Klage natürlich aussichtslos. Es war aber sehr schwer, dem Kläger— der übrigens.auch keiner Gewerkschaft angehört— das begreiflich zu machen. Als er es endlich begriffen hatte, zog er die Klage zurück. Da sieht man wieder einmal, welch nachteilige Folgen es hat, wenn Arbeitnehmer von den Rechten, die ihnen das Gesetz gewährt, keinen Gebrauch machen. So lange alles gut geht, glauben solche indissercnten Angestellten, daß sie weder die Gewerkschaft, noch eine Betriebsvertretung nötig haben. Tritt dann der Fall ein, daß man diese Einrichtungen braucht, dann ist man nicht in der Lage, sich ihrer zu bedienen und muß den Säiaden tragen, den man andererseits hätte abwenden können. Gewerk- schaftlich organisierte Ange st eilte scheint es bei Wert- heim nicht zu geben, denn Gewerkschaftsmitglieder würden gewiß dafür gesorgt habe», daß ein Angeftelltenrat gewählt worden wäre. Hoffentlich beiinnen sich die Angestellten der Firma Wcrtheim jetzt auf ihre Pflicht und holen das Bersäumte bei der nächsten Geleg-n- hell nach. �_ Arbeitslose Schaufensterdekorateure. Die Firma Grund mann u. Schulz, Berlin, Grünstr. 9, unterhält ein Werbeatelier, das für sogenannte Markenfirmen Schau- fensterdekorationen ausführt. Die Firma zieht arbeitslose Deko- rateure vom Arbeitsnachweis heran, die für ein Fenster 1,59 M. und für den Schaukasten 39 Pf. erhalten. Das Material müssen die Dekorateure selber mllschleppcn. Einige Dekorateure klagen nun darüber, daß ihr Sohnein- komm e n bei dieser Firma noch unter de r Erwerbs- losenuntcrstügung zurückblieb und daß sie bei der ersten Löhnung, die für drei Mann insgesamt 52 M. betrug, nach langem Warten nur je einen Vorschuß von 5 M., den Rest erst nach drei Tagen erhalten konnten. Auch in der zweiten Woche klappte es mit der Lohnzablimg nicht. Arbeitslose Dekorateure müssen sich also der- artigen Arbeitsängeboten gegenüber etwas vorsehen. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellken und Beamke» A.-G„ Berlin. EZallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. S Achtvng, TPD.-BkNeidi»i>g«>rb«itlr! 9!m Freitag. 28. Oltobrr. -■ 20 IIIjc, im Restaurant Braadenburg, Stralaurr Str. 8(Ecke Waisen» fei firajjc). wichtige Bersammlung aller Parteigenossen. Tage-ordnung: fe!„Die gegenwärtige politische Lage." Referent Senisse Fränlel. Ver» S schieden es. Bcrbands- und Parteibuch mitbringen. Der Fraktionoxrstaad. Deutscher Kolzarteitcrverband. Lehrlinge und Jugendliche in Vergolderclcn »nd Rahmenbctricben um 17 Uhr im Sitzungssaal de» Perbantsbanses, Runge- srrajjc 3«, Lo! lin!» vart., Iugcndversammlung. Bortrag:»Warum müssen wir uns organisieren?" Freie Gemerlsckmfieiugeii» Sroß Berll». Leute, Mittwoch, V'H Uhr, tagen die Gruppen: Aculolln!«Lruppcnheim Jugendheim Bcrgstr. 28. Hof. Gemein» sckaft-äbend.— Südwest«!!! Gruppenhe>m Ltädt. Jugendheim Porckstr. 11 (Fabrikgebäude). Vortrag:„Die Gewerkschaften anderer Richtung."— Moabit: Fugendhei» Lehrter Str. 1�—18. Bortragsreih«!„Einführung in die Poir». Wirtschaft."— Nord ring: Gruppcnheim Jugendheim Gderswalder Str. 10. Vorträa:„Arbeitsrecht— Arbeitsgericht."— Banmschuleuweg: Zug'ndheim Baumschulcnweg, Ernststr. 18. Vortrag:„Der Larikvertrog.— Bcißeusre: Iugendbeim Parkstr. 80. Vortrag:„Was ist Wirtschaft."— geutruw: Jugend- heiin �ehdcnickcr Str. 24—25. Vortrag:..Mas ist der ZGB. und feine Aui- gaben?"— vstkreislursus: Beginn pünktlich 20 Uhr in der Schule Dieste!» inencrstr. 5, kiassenziinmcr.— Uebunc,-abend der Sreionniiil-bteilung im Jugendheim(Schule) Niederschiineweide, Berliner Str. 81.— Ztultnrabteilnng de» DMV. um 18 Uhr. Programm: Wüst« am Meer— Blaur Adria— Du— Kleider machen Leute. Kulturbeitrag 10 Pf. Angendgrnppe de» KdA. Heut«, Mittwoch, 18% Uhr. finden folgend« Ver- anstalwngcn statt: Bezirl Osten: Jugendheim in der Schule. Litauer Str. 18. Reuter. Abend(Rackow).— Bezirt Spandau: Jugendheim Linde nufer 1.„Aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit"(Schutte).— Bezirk Nordwift: Jugendheim im Realgnmnosium Schleswiger Ufer 14. Bortrag:»Rund um den Schund"(Efchbach). Verantwortlich für Politik: Dr.«nrt Ge,«: Wirtschaft: KUngelhäler; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Etzkorn: Feuilleton Dr. John Schikowsti: Lokales: und Sonstiges: Fritz»orftädt: Anzeigen: Zh.»lock«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwürts-Veriag S m d L.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckcret und VerlagsanNal« Paul Singer u Go. Berlin SW 68. Lindenstratze S. flicrw 2«eilaaen und..ll-terd-ltnna»nd Willen". Versandabteilung! Leipnlger Strasee Schnftl. UtsttUangtnwtr- _ den prompt erledigt Bei fhi Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. So Pf- die nur für Porto txw. Verpackung in An* rechnung gebracht werden Leipziger Strasse. Alei&iräenüafz, Fraolüiirter Alise, WüiHenilorierStrasse. Breoaensirasse, Cbaasseestrasse Postscheckkonto Berlin Nr. 2382 VtßtgeVuäjet Modernes Antiquariat- Bestauflagen- Neuausgaben Unter den Dolomiten, i Hocfcgfibircrsrotran von Konrad Telmonn. Un�ekftrstc H neue billige Ausgabe. 4<.O SHten. Blcjant GanzJcinonbaml � 65 r MflX tl Od, Boroane. Das grosse Wagnis. 338 Seiten. Jüdinnen. 338 Seiten. Jeder Baoa in elegant.< 90 Leincnband. Früher 5, CO..jetzt* Anders Zorn alsRadierer. Heraussegeben von Asell Romdahl, mit 100 Abbilt ungen. Halb- Yg leinenband. Früher 12,Ory Jetzt* Anatole France, Boman« nmi Novellen. Beter Boziere— Der Brunnen von Santa Clara— Die Perl- muticrdote— Clio. historische Miniaturen— Die Bratküche— Die Öehn- sacht des Jobann Servien. Jeder Band '-W bis 800 Beilen. Elecranter<00 Ganzlei nerhand. Früh. 5*00« letzt* Max Uebcrmanns grnpbiscb« Kanst. ifeisusungk-uen von Aiax J.rrledUnfler. 1922. 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EraSblung tür die leitete min n liehe J ugend von P.v. S r e p a n e Irl. 306 Seiten, illnstrlerter Leinen-<6S oand. Früher 4,20........ jetzt* Populäre Astronomie von New- eomn bis Engelmann, In Gsmein- sebaft mit Prot. Eberhard, Freundlich n. a. herausgegeben von Pioteseor Lndendorlt. 1921. 890 Sellin etarker t/einenband mit 340 Abbildungen, K5C Früher 15,00............... Jetzt«» CSf VcsHstSSp Ausgehöhlte Werke. Heraus epeben und ein cleitet von Max Krell. 1926. a»or- neüm« I.einenbinde In Lerlkoefcrrmat mit aue. 2134 Seiten F/liber 21,00.................................. jetzt 50 Gusfav Frcytzgs Bilder oib der deutschen llertonsenheit WWW» Voüfltändigo Ausgab«. 5 Teile in 2 Bänden mit zusammen 1794 Seiten. Mit einem Geleitwort von Direktor Bei mann vom Oriucn Kloster. Blütenweisses, holeireiea Papier. 3 Ganzlclnen- b&nde................................................ susammen Dasselbe in 2 eleganten Halb- �50 Dasselbe in 2 eleganten Ganzlederbänden. lederbänden. Aegypten. Tagebuch von Gustav Flauoert. 18i9/1850. 268 Selten mit 16 Abbildungen. Pappband. 4 9ü Früher 3,0tl............... jctxt* Auerbachs Deutscher Kinder- ka'cnaer. Bekanntes Unierhalt"ngs- buch lür Knabtn und Mädchen. Jahrgang 19.6, 1927. Gebunden. AK Joder Band früher 2,00, jetzt*ÖPf. 25 3ahre Ceyion. Eri-bnisse und Abenteuer im Tropenparadiea von Jon n Hagcnbeck, bearbeitet und herausgegeben von Victor Ott mann. 228 S. mit 32 Bildtafeln. Eleganter 085 Leinenband. Fiflher 7,50, jetzt Das verlorene Parad.es. Roman v. Edward Stligebaucr. 192. 318 c*. Eleg.Lein.-B(LFr.B,€0.jetzt* Romane der Weltliteratur<|20 in ve leUndigen Ausgaben. Klarer Hrr.ck. Gesrhmackvollo Ganz- leineitb&iids.(Seltesttaiii In Klammein.] Früh.;eder Hand 4,00, letzt Acbleitecr, In Trene fest.(320) Anzeaäruter. Der SchanJtieck.(338) — Di r btcrnPielnlior.(284) BrachToiel, Frledemann Back.(512) Bnlwer, Utaart.(büO) Dickens, OHver TwUt.(512) Dostojewski, Der lebensiangileb« Ehemann.(384) — Netotschka KJewanowa.(360) - Ds» Gut Htepsntsablkow.(318) Eckstcia, Pia.(288) Erik, Mftnch und Danäaknetkt.(184) OcrstS ek»r,Da»»enderb*reDj«li.(fJ6) Aus dem Matrofcnlebes.<578, - In der WJidnls.(498) — VeriAngniss«.(588) — Die Kegulatoren In Arkansas.(512) — Die FlDsejiiiat«B des Mississippi.(584) Gott Hell, Dil der Knecht.(420) — Uli der PAcbter.(474) Meiler, Der grüne Heinrich.(864) — Die Heute von Seidwyia.(848) — Martin Baiander.(852> — Das Flnnpedicht(320) — Züricher Novellen.(404) Ludwig, Zwischen Himmel und Erde.(t84) Nitoeltmienlled und Gudrun.(592) ScHeliel," Bk.eüarJ(4G4) Scherr, Michel.(628) Spin«Her, Ufr desolt.(W) SttitoT, btrrihiacgeii.(420) Storni, Der tclmnme. teuer s.a.(884) Vincher, Aneh Einer.(578) Waltoce, Ben Hut,(600) Wilde, Das Bildnis d. Denan Graf.(8(0) Zola, Ein Blkltehen Liebe.(432) Kuliur- und liitengesctmhte Berlins. Von Hans Ostwald. Ein kullurgescluchtl. Dokument eret.n Ranges mit Reproduktionen neuerer Meister von Menzel bis Zille nnd Baluschck. 610 Selten starker Halble nrnband mit &45Äbhiidnrgen und I21arblgen Beilagen. FrüherlS, 00, Jetzt z3 Renaissance. Zeiten nnd Künstler. dargestellt von G. Hu nold. 240 Seiten ntarier, reich lllnstr. Leinenband. OSO Groesquartlorm. Früh 15,00, Jetzt Hebbel, S 1 m t U ch e W e r k e. Heraus- gegeaen von Adolt Stern. 4 Binde mit zus. 2823 Selten Gebunden. ESO Früher 12, t O...............Jetzt w Hein?. Heine, Sämtliche Werke. mit Einleitungen von Adolt Kohul. 4 Bande m. zus. 2722 Seit. Gebund. gSc Früher 12, ÜO..... • jetzt< Der Sirendvost von Sasmund. Geicbioiitl.Lehensb.a.d. Okkupationszeit d.Inse Bügen dsrh dieFranzo en 1807-13 von Philipp Qaltn. 2 Ganz!. OZO B., zus. 732 S. Früher 7,00, letzt® Kapitän IVulff. Vom Schiffsjungen bis zumKapitin. Des alten Seebären Fahrten n. Abentcner erzählt von Gust W. Eberl ein. 34 f.trb, Biid.'c74Seit. 035 Eleg.Ganzl.-Bd. Früh. 8,00, letzt» Quer durch SlldameriKa. von Willi üle. 1925. 854 Seiten mit 83 Btldertafeln. Mit dem Segelschiff nach Südamerika, Reise in Brasilien, durch Argentinien n. Chile. Lelnenbd. gBD Früher 12,50. ....fetzt 1 Der Heldeicönis. Roman von Max Geissler. 11.21. SöSSfitcn. Bieg. 4a» Leinen hand. Krüh r 4,00. i-'z-.* Das Leben Tolstois von Romain Rolland, Herausgegeben von Wilh. Herzog. 220 3.. m. 13 Ab ild. 1922.4 65 Halbieine.bd. Früher 5,00 Jetzt* Hasenbeck. Kreuz und quoi durch die indische Welt. Heraus- ge.-eben von VI ct. Ottmann. 232 Seit. m, 30 BildlaieJn o. 2 Karlen. E leg. OBS Leinenhand, h iüher 7,50, etzt 4e Die Welt des fernen Os:ens. e lebn'sse in den asiatiacheu Landern . es Stillen Ozeans. Von Dr. M. Pfeilfer, llluitrle-.t. Herausgrgeb. von Dr. Gisser. 126 Selten. Eleg. Ganzleinenbd.»SS Früher 7.50............... 1«�* SUdasla tische Fahrten nnd Aben teuer Erlebnisse In Brl isch- und Hollindisch-Indien, im Himul.jaund In Slam 232S.roii31Btldtafeln. Bieg YS Ganzleinenband, b rüh. 7,v O, Jetzt» KOChbUCh tür den einfachen und feineren Hanshalt mit Krankenkost und vegetarischer Küche. Heransge- g.ben von Clara Hoth. 420 S. 4 90 startLclnenbd. Früh. 2,50, Jetzt A Der es In Wils, Humor u. Anekdote. Ton Haas o»twaid. 820 Seiten mit 16 Seiten Abbildungen. Eleganter Ganzleinenhand Nr. 506 ♦ 44. Jahrgang 1. Beilage öes Vorwärts Mittwoch, 26. Oktober 7027 Unsere überlasteten Gerichte. Prozesse, die überflüssig flnd. Unsere Gerichte klagen ständig über Arbeitsüberlastung. Aber immer wieder muß man Prozesse erleben, die zeigen, �nit welchen überflüssigen Dingen sie sich beschäftigen müssen. Aus der großen Zahl solcher Prozesse, die unnötig Zeit, Kosten und Nerven fordern, seien im folgenden zwei mitgeteilt, die man geradezu als Muster- beispiele betrachten kann. Der Arbeitslose und öer Iahrsthein. Einen Betrugsfall, der erst mit der Einführung der Umsteige- fahrschein« möglich geworden ist, beschäftigte die Berufungskammer des Landgerichts l. Der arbeitslose Handlungsgehilfe K. war vom Amtsgericht wegen Betruges zu drei Tagen Gefängnis ver- urteilt worden, weil er von der Straße einen Fahr- schein aufgelesen hatte und ihn zur Weiterfahrt benutzte. Di« Verhandlung entrollte ein soziales Bild von Arbeits- losenelend. Der junge Mann hatte als Arbeiter, Hausdiener, Laufbursche. nachdem er seine kaufmännische Stellung wegen Abbaus verloren hatte, gearbeitet, bis er im Dezember v. I. keine Arbeit mehr fand. Seitdem lebte er von der wöchenllichen Unterstützung von 12�0 Mark. Am 10. Mai war er in der Gormannstraße zum Stempln gewesen und wollte nach Tempelhof, um sich wegen einer Arbeitsgelegenheit zu bemühen. Er hatte nur noch 20 Pf. in der Tasche und konnte erst nach vier Togen mit dem neuen Unterstützungsgeld rechnen. Seine letzten Pfennig« wollte er behalten. Wäre er die zwei Stunden zu Fuß gelaufen, dann war es ihm sicher, daß ihm schon ein anderer die Stelle weggeschnappt hätte. Dor einem Warenhaus am Alexanderplatz sah er ein« Menge weggeworfener Fahrscheine auf der Straße liegen. Er bückte sich, um einen Schein herauszu- suchen, der noch nicht zur Weiterfahrt benutzt worden war. Ein uniformierter Aufsichtsbeamter der Straßenbahn rief ihm zu:„Laß die Toten ruhen." Der junge Mann erwidert« ihm darauf: „Man kann die Toten ja auch lebendig machen." Da der Beamte mit einer Straßenbahn weiterfuhr, benutzte der Angeklagte, sicher geworden, einen Schein ohne abgerissen« Ecke, um nach Tempelhof zu kommen. Er war aber noch nicht weit, als derselbe Beamte zu seinem Schrecken auf seinen Wagen aufsprang und die Ungültigkeit des Fahrscheins feststellte. Der Missetäter wäre glimpflich davongekommen, wenn« die eine Mark Straf« hätte gleich zokssen können. Di« hatte er ober nicht, und so wurde er wegen Betruges angeklagt. Auf den Hinweis von Landgerichtsrat Cloar, daß er doch einen Betrug verübt habe und Strafe bekommen müsse, antwortete der Angeklagte, daß er das wohl einseh«, daß es aber doch nicht bei seiner ersten Strafe gleich Gefängnis sein brauche. Der Staatsanwalt hielt drei Tage Gefängnis für durchaus angemessen und beantragte die Der- wersung der Berufung. Die Strafkammer hatte jedoch Einsicht für die sozial« Notlage des Angeklagten und verurteilt« ihn ju drei Mark Geldstrafe oder einem Tage Gefängnis. Ein mildtätiger Herr, der der Derhandlung beigewohnt hatte, überreichte dem Angeklagten mit Genehmigung des Vorsitzenden den Taler, damit er nicht ins Gefängnis gehen brauch«. Buch eine ,kinöesentführung�. Ein Ehemann, angesehener Arzt und vielbeachteter Künstler. lebt in unglücklicher Ehe und läßt sich von seiner Frau scheiden. Ueber die drei Kinder ist ein nach der Ansicht des Borsitzenden in der gestrigen Verhandlung„geradezu furchtbarer Ver- trag" geschlossen worden. Die Kinder sollen abwechselnd dem Vater und der Mutter zur Erziehung übergeben werden, und der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Krahne, ruft aus: ,Lch ver- stehe nicht, wie der gegnerische Anwalt zu einem derartigen Ver- trage, die Kinder auseinanderzureißen, die Hand bieten tonnte." Hinzu kommt, daß die geschiedene Ehefrau inzwischen einen lungen- kranken Mann heiratete, und der Vater befürchtet Ansteckung. Deshalb stellt der unglückliche Vater beim Gericht den Antrag, der Mutter die Kinder wegen Unwllrdigteit zu entziehen. Dieser Antrag hat Erfolg: Der Vormundschaftsrichter ordnet an, daß die Kinder vorläufig beim Vater verbleiben. Dann aber betreten eines Tages ein Gerichtsvollzieher und ein Schupowachtmeister die Wohnung des Vaters. Eine vor kaum fünf Stunden gefällte Entscheidung des Landgerichts wird verlesen, nach der die Kinder der Mutter zu übergeben sind. Der Gerichtsvollzieher verlangt sofortige Auslieferung der Kinder. Den Vater bestürzt vor allem das Erscheinen des uniformierten und be- waffneten Schupomannes, und er vermag sich nicht auszumalen, daß «in Gerichtsvollzieher unter polizeilichem Schutz ein« Entscheidung im selben Augenblick verkünden und vollstrecken will. Er bittet um eine kurze Frist, um mit seinem Anwalt zu telephvnieren, und im Nebenzimmer trifft er sein« Kinder und die Erzieherin. In dieser Aufregung sagt er:„Gehen Sie so rasch wie möglich mit den Kindern spazieren!" Am Telephon bestätigt ihm dann sein Anwall, das Vorgehen des Gerichtsvollziehers sei gesetzlich nicht zulässig. Darauf lehnt der Vater die Herausgabe der Kinder dem Gerichtsvollzieher gegenüber ab. Gestern stand dieser Fall vor dem erweiterten Schöffengericht Charlottenburg zur Verhandlung. Es handelt sich um den stelloec- tretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Städtischen Oper in Charlottenburg, den hochangesehenen Musikkritiker des„Vorwärts", Dr. S i n g e r, und die Erzieherin Charlotte P l ö g e, die aus Z 235 St. G. B. wegen Kindesentführung angeklagt sind. Wir erfahren, was damals mit den Kindern weiter geschah. Draußen saß im Auto die Mutter, von einem Privatdetektiv war die Hintertür bewacht. Trotzdem war die Erzieherin mit den Kindern unbemerkt aus dem Haufe herausgekommen. Als dann aber in den Spätabendstunden die Kinder zum Vater zurückkamen, erschienen Kriminalpolizisten. störten die Kinder aus dem Schlafe,— das älteste Mädchen sst neun Jahre alt!— brachten sie auf die Wache und leiteten sie der Mutter zu. Seitdem hat der Vater seine Kinder nicht gesehen. Auf der Anklagebank sitzt der Vater, trotzdem nach dem allge- meinen Empfinden die Mutter dorthin gehört hätte. Auch das Gericht ist der Ansicht, daß der Vater unschuldig ist. Würden selbst aus der Tatsache, daß er die Kinder während der Anwesenheit des Gerichtsvollziehers spazieren führen ließ, die Voraussetzungen des Gesetzesparagraphen erfüllt sein, so ist doch soviel sicher, daß aus § 59 Freispruch erfolgen muß, da nach der Anfrage des Vaters bei dem Anwalt von einem äolas, einer Absicht, unter«rr keinen Umständen die Rede sein kann. Deshalb hat sogar der Staat»- anwaltFreisprechungbeantragt, und das Gericht schloß sich an. Wir fragen: Ist so etwa» nötig? Muß aus einem Tat- bestände heraus gegen einen angesehenen Mann Anklage erhoben werden, wenn alle Beteiligten der Rechtsprechung, Gericht, Staats- anwalt und Verteidigung, der einmütigen Ueberzeugung sind, daß auf Freispruch zu erkennen ist? Raubüberfall in öer Landsberger flllee. Die Täter entkomme». Gestern nachmittag wurde die 60jährige Produktenhändlenn Anna S ch u n k« auf dem Grundstück Landsberger Allee 100 überfallen und beraubt. Die Bude der Händlerin steht dicht am Ein- gang des ausgedehnten Grundstücks. Nachmittags erschienen bei Frau Sch. ein Mann und eine Frau, die der Händlerin beide unbekannt waren. Sie wollten Lumpen verkaufen und verlangten dafür 30 Pf. Frau Sch. wollte jedoch mir 20 Pf. geben und zog nach längerem Handeln ihre Geldtasche heraus, in der sich etwa 3 0 0 M a r k befanden. Plötzlich packte der Mann sie am halse, zog sie über den Ladenlisch und würgte sie. Dann raubte er etwa 200 M.; die ihn begleitende Frau raffte schnell die Lumpen wieder zusammen und beide flüchteten aus dem Geschäft. Der Mann schloß die Tür von außen zu, um eine Verfolgung zu verzögern. Als Frau Schunke wieder zu sich kam, schlug sie die Scheibe der Tür ein, schob den Riegel auf und konnte nun erst Lärm schlagen. Von dem Räuber und seiner Begleiterin war natürlich nichts mehr zu sehen. Merkwürdigerweise hat der große und scharfe Hund, der an einer langen Kette im Geschäft lag, sich nicht gerührt und die Fremden bei dem Ueberfall nicht gebissen. Sein« Kette ist lang genug, daß er die Tür hätte erreichen können. Mitteilungen von Personen, die vielleicht die flüchtenden Räuber gesehen haben, erbittet Kriminalkommissar Werneburg. Raubdezernat im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums. * Zu dem Vorfall in der kleinen Frankfurler Str. 7, über den wir gestern berichteten, erfahren wir noch, daß nach den Ermiit- lungen, die Kriminalkommissar Dr. Wächter mit seinen Beamten anstellte, das Mädchen den Mann an der Ecke der Kaiser- und Kleinen Frankfurter Straße traf und mit ihm zusammen das Quartier aufsuchte. Die Verletzungen, die sie erlitten hat, sind glück- licherweise nicht so schwer, wie es zunächst schien. Der Ätten- täter muß mit dem abgebrochenen Messer stumpf zuge- stoßen haben, da die weitaus meisten Wunden Rißwunden sind. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß es sich n i ch t u m e i n S e x u a l- verbrechen handelt, sondern daß der Mann mit dem Mädchen wegen einer Geldfrage in Streit geriet und nun wütend auf sie eindrang. Sie ist, obwohl die Verletzungen nicht lebensgefährlich find, ziemlich arg zugerichtet. Der Mann, von dem bisher noch keine Spur gesunden wurde, ist etwa 30 bis 35 Jahre alt, von kleiner unter- fetzter Gestalt und trug eine blaue Seglermütze und ein« Windjacke. Mitteilungen zu seiner Ergreifung an Kriminalkommissar Dr. Wächter im Polizeipräsidium._ kein Bnlaß zur Beunruhigung. Bei dem Fall von spinaler Kinderlähmung, der aus der Wilmersdorfer Goetheschule gemeldet wurde, hat jetzt die genauere ärztliche Untersuchung ergeben, daß es sich um eine l e i ch t e Erkrankung handelt. Eine sichere Feststellung darüber, ob wirklich spinale Kinderlähmung vorliegt, fehlt noch. Di« Klasse, zu der das erkrankte Kind gehört, wird am heutigen Mittwoch den Unterricht wiederaufnehmen. Zu einer Beunruhigung ist kein Anlaß, da alle Maßregeln getroffen sind, eine Weiterverbrci- tung der Krankheit(falls es sich überhaupt um spinale Kinder- lähmung handelt) zu verhüten. Einzelfälle von Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung werden in Berlin öfter gemeldet. In der Regel geht die Gesamtzahl der Meldungen aus einem ganzen Jahr nicht über ein paar Dutzend hinaus. Im Jahre 1923 wurde die ungewöhnlich hohe Zahl von 64 gemeldeten Fällen beobachtet. Da- gegen wurden aus 1924 nur 27 und aus 1925 nur 28 Fälle gemeldet. Eine seltsame Schießerei. Mit der Aufklärung einer seltsamen Schießaffär« ist die Kriminalpolizei zurzeit beschäftigt. Vor der Rettungsstelle 11 in der Kaiferallee zu Wilmersdorf hielt gestern gegen 20 Uhr ein Droschkenauto, dem zwei junge Leute entstiegen. Einer von beiden, ein 17iähriger Sattler Kurt P. aus der Holsteini- scheu Straße konnte sich nicht selbst fortbewegen und mußte von seinem Begleiter in die Rettungswache getragen werden. Der Arzt stellte eine schwereSchußverletzungamrechtenUnter- schenket fest und ordnete die sofortige Uebersührung in das Schöneberger Krankenhaus an. Di« jungen Leute gaben, nach der Herkunst der Schußverletzung gefragt, so wirre Ant- warten, daß die Polizei von dem Dorfall in Kenntnis gesetzt wurde, die sofort die Ermittelunge» aufgenommen hat. Feuer i« Marzahn. Mit der Bekämpfung eines gefährlichen Brandes war die freiwillige Feuerwehr von Marzahn und ein Zug der Berliner Berufswehr gestern abend in der Schloß st raße 30 zu Mar- zahn mehrere Stunden lang beschäftigt. Das Feuer war gegen 18 Uhr in der Dachkonstruktion eines etwa 20 Meter langen Stallgebäudes entstanden und breitete sich rnit großer Schnelligkeit aus. Zum Glück gelang es, mehrere Pferd« und Kleinvieh rechtzeitig zu retten. Der heftige Wind trieb große Flammenbündel nach allen Seiten auseinander, so daß eine Zeit- lang die Nachbargebäude stark gefährdet waren. Durch starkes Wassergeben aus vier Schlauchleitungen konnte das Feuer nach über einstündiger Tätigkeit niedergekämpft werden. Die A u s- räumungsarbeiten dauerten bis in die späten Abendstunden hinein. Die Entstehungsursoche ist noch unbekannt. Reichsbanner in Arensdorf. Zu unserer Mitteilung, daß in Arensdorf der vom Reichsbanner niedergelegte Kranz gestohlen wurde, erfahren wir, daß diese Meldung nicht den Tatsachen entspricht. 22s �Zement. �Kornau von Fjodor©ladfoto. Einige schüttelten ihm fest die Hand, verzogen ange- strengt ihr Gesicht zu einem Lächeln und wußten nicht, was sie ihm sagen sollten, räusperten sich und schrien in unartiku- lierten Lauten. „Nun?... Was. Bruder?... Wie ist es?.-- Was?... Und gingen auf ihren Platz, ohne sich umzuschauen. Und als sie sich niedersetzten, schauten sie ihn wieder an, mit einem Lächeln, das sie nicht unterdrücken konnten. Gromada kam, lachte und es pfiff in seiner tuberku- lösen Brust. „Ist doch aus ganz anderem Stoff, der Genosse Tschu- malow! Wirtlich... Nun, leg los!... Wie wir Kommu- nisten uns wegen der Ziegen und Feuerzeuge desorganisiert haben, aber erlaube nicht zu diskutieren... Deck alles auf und dulde keine Widerrede!..." Er drehte sich zu den Arbeitern um und erstickte fast in seinem Entzücken. „Da habt Ihr's, Ihr Teufel, Ihr Nichtstuer!... Durch den Tod ist er gegangen und so und weiter... Und ich er- kläre: ich verlange nicht das Wort, ich sag im vorhinein, daß ich mit Genossen Tschumalow gehe... so wie Ihr mich hier seht, bin ich auch durch ihn in die Reihen der RKP. einge- treten.. Man hörte Gromada zu und lachte. Zu Gromada paßten diese Worte nicht. Und auch Tschumalow lächette. Und die Arbeiter wälzten sich im dichten Tabaksqualm vor Lachen, das im Husten erstickte. „Sprich, Gromada!... Dreh die Berge wie einen Kreisel, treib alle mit der Peitsche an, Genosse... Wir wer- den siegen!.. Loschak saß in einem fernen Winkel. Schwarz und bucklig, machte er sich wie ein Stück Anchrazit zwischen den staubigen, zementfarbenen Flocken der Arbeiter breit. Er saß schweigsam, war kleiner als alle, hatte aber etwas Er- drückendes an sich, und es war unmöglich, ihn nicht zu be- merken, wie er so da saß, mit einer finsteren wortlosen Frage in den Augen. Loschat schaute über alle Ding« hinweg, aber man hatte das Gefühl, als ob er plötzlich«in Wort all den Mensche» an den Schädel schmeißen wollte, ein Wort, das ebenso von Rauch und Metallstaub durchtränkt sein würde, wie er selber, wie sein Gesicht, und das alle verstummen lassen und alle niederschmettern würde durch seine Schwere. Die Weiber saßen unruhig da, zupften an ihren Kleidern, lachten über den ganzen Mund, lärmten wie die Spatzen. Und als ihre Führerin stand, nicht neben ihnen, aber so, daß man sie sehen konnte, neben der Wand— Sascha. Ihr rotes Tuch brannte in ruhigen Flammen in Erwartung der Er- eignisie. Manchmal trat sie zu den Weibern, und sie drängten sich eng um sie, stießen mit den Köpfen aneinander, flüsterten alle zusammen und erstickten fast in ihrem Lachen. Man erwartete, daß Luchawa jeden Augenblick kommen würde, um seinen Bericht über den Kampf gegen den Zerfall und über die Holzkrise zu beginnen. Die Tür öffnete sich, und es erschien— nicht Luchawa, sondern Sawtschut, in Fetzen gekleidet, mit blutroten Augen. Aufgeschwemmt, mit einer Riesenkraft, die in seinen Muskeln stecken geblieben war, ließ er sich, mit dem Rücken an der Wand herunterrutschend, wie ein Klotz auf den Fuß- boden vor der Tür fallen und streckte seine knochigen, zer- schundenen, blutunterlaufenen Knie aus. Tief unter der Stirn, im dunstigen Dunkel seiner gezähmten Augen, ergoß sich in vergifteter Trübe ein großer Schmerz. Dascha ging zum Fenster, öffnete beide Flügel, die schwer waren.wie Türen. „Verfluchte Kerle in dieser Zelle, die ganze Arbeit räuchern sie mit ihren Pfeifen aus. Für ein müßiges Hirn — ist das Rauchen eine Arbeit..." Und kaum waren die Fenster geöffnet, als das ganze Zimmer wie ein Faß erdröhnte: auf der Veranda, einen Stock höher, brüllten die Trompeten wie Stiere, und die Trommeln donnerten ohrenbetäubend. ... In ihre häuslichen Nester zerstreut, das Werk, das Dröhnen, den Rauch, den Staub und Geruch der Maschinen ganz vergessend, mit anderem Staube bedeckt, dem Staube der Bergwinde— krochen die Werkarbeiter, die Arbeiter der verschiedenen Werkstätten, mit Säcken auf dem Rücken, hordenweise auf die Berge. Ueber Berg- und Steppenwege und Pfade gingen sie nach den Gehöften und Kosakensied- lungen, wie in den Zeiten der Naturalwirtschaft, vom Hunger getrieben und einer Gier, wie sie nur in Urzeiten oorge- kommen sein mag. Die Männer der Llrbeit, die in der Frühe nicht das Krähen der Hähne, sondern das metallische Heulen der Sirenen geweckt hatte, lernten in diesen Iahreu die Gemütlichkeit der Ziegen- und Schweineställe, den scharfen Geruch des Viehdüngers und die Freude der warmen Hühnernester kennen, und diese Maschinenmenschen aus den dumpfen Fabriken lernten es, mit den Schweinen. Ziegen und Hühnern zu schreien, lernten es, wegen der Hühner und Ziegen, wegen eines Löffels Graupen in der Volksernäh- rungsküche, den aus Unachtsamkeit ein fremdes Ferkelchen gefressen hatte, ein wüstes Geschrei zu erheben. Das elek- trische Licht erlosch im Werk und in den Arbeiterkasernen. die Sirenen erstickten im Staub, Schweigen und Müßiggang. Es krähte und grunzte nach Dorfidylle. Düster versteckte sich der sorgsam-fleißige Mann und die sparsam-geschäftige Frau in ihren häuslichen Käfigen. Und hier im Klub„Komintern", in der Zelle, reißen die Kommunisten ihre Augen auf, ihre ungewaschenen Hände und Kleider riechen nach Hühnerschmutz und nach dem Salmiakgeruch der Schweine- und Ziegennester. Sie sitzen eng aneinandergepreßt, und das Heulen der Trompeten und die ungewohnten Worte rufen ein anderes, vergessenes Leben aus der Vergangenheit in ihre Erinnerung. Auch Gljeb ge- hört zur Vergangenheit(als ob er erst gestern hier war), und er riecht nach Oel und glühendem Eisen und dem Schwefeldunst der kaltgewordenen Schlacken... Und wieder— ... Das Werk... Produktion... Bremsberge... Werkstätten... Kaum war Dascha vom Fenster weggegangen, als Ser- giej mit seiner schüchternen Glatze, die bis zu den Schultern herabhängende Locken umrahmten, eintrat. Er näherte sich Gljeb, bückte sich über seine Schulter und flüsterte ihm in geschäftlichem Ton etwas zu. Gljeb stand auf, riß den Helm vom Kopf und warf ihn mit geschickter Wendung auf das Fensterbrett. „Genossen, hier ist Genosse Iwagin statt Luchawa. Ge- nosse Luchawa ist bei den Verladern, die revoftieren, in drei Teufels Namen... wegen der Rationen... Wir eröffnen die Versammlung... Schweigt also doch endlich, ihr Himmelhunde. Und noch etwas will ich euch sagen: ich habe gehört, so mit halbem Ohr, und das erzählt auch das Radio... das Ausland, die Entente, kommt zu uns wegen Handel... schickt Schiffe... Ich glaube, wir werden darüber nicht sehr beleidigt sein... Bitte sehr! Wir freuen uns!... Wir können uns auch was einbilden..." Er machte diesen Scherz und lachte selber. (Fortsetzung folgt.) die Nulattin. Wer kann hier helfen? der Mutter, einer Hillen Blondine, sitzt auf der Zeugen- dank die Tochter, eine Mulattin. Th, unglücklicher Zufall war es, dem da» Kind fein« Existenz verdankte: weder der Vater, ein Neger, seine» Zeichens Kellner, noch dessen angetraute Ehefrau, die Mutter, hatten es als Weltbürger gewünscht. Eine Mulatiin— auf dem Hose einer Mietskaserne im Nord- ästen und auf dessen Straßen Zielscheibe grausamer Kirrderspüße, (segenstand unzähliger Demütigungen in der Volksschule und in der Wäscherei, wo sie lernt« und später arbeitete. Ein Unglück kommt aber selten allein: das Berliner Mulattcntind erblindete auf einem Auge, eine Mittelohrentzündung führt« zur Lähmung der linken Gesichtshälfte, und dann erkrankte«s an der Schwindsucht. Das gab der Mulattin den Rest, schleuderte sie aus dem Geleise, warf si« aus die Straße, machte sie zum Gemeinbesitz. Bis zuletzt hatte sie gearixitet, jetzt war sie aber arbeitsunsähig, mußte monate- lang im Krankenhaus liegen und verlor die Erwerbslosenunter- stützung. Sollte sie ihrer Mutter, der ehemaligen Friseuse und jetzigen Wursthändlerin zur Last fallen? Ihr und dessen Freunde, cbensolch einem Würstchenhändler? Der Bater des Mädchens war s�on seit langem tot. Zu einer Art Broterwerb, zu einem Berus war sie noch sähig, und den übte sie aus. Ein Jahr lang. Die Polizei grifs sie wohl auf: die Fraucnhilsestelle beschäftigt« sich mohl mit ihr. Sollt« man aber die Schwindsüchtige etwa unter Kontrolle stellen oder ins Arbeitshaus stecken? Dann siel sie aber einem gewissenlosen Menschen in die Hände, einem Landstreicher, emem Bettler, einem Vorbestraften. Liebte er vielleicht die Schwind- süchtige. Halbblinde mit dem schissen, gelähmten Munde? Nein, aber ihr Geld brauchte er. Und er erhielt es. Si« gab es ihm, weil sie >bn liebte: denn eines Menschen bedurste sie doch. Alles gab sie ihm Tag für Tag, und er mißhandelt« sie. Mit blaugeschlagenen Augen kam sie zur Mutter heim, bei der sie immer noch wohnte. „Er schlägt mich, weil ich kein Geld gebracht habe/ klagte sie. Und ihr« Kolleginnen, die Mädel von der Straße, kamen nachts zum Wurststand der Mutter und sagten thr:„Weißt du, daß sie mit dem„langen Herrn" verkehrt und daß er sie schlägt? Selbst in den Kneipen brüstet es siist damit." Die Mutter sucht den„langen ,ende Neuregelung d«s Strafrechts und Strafvollzuges besonders aktuell. Das neue Heft.bringt ferner einen Aufsatz von Ge- nossin Louis« Schräder über„Die Arbeitsvermittlung". von Genossin Regierungsrot Wachenheim über die Zl u s st e l l u n g „Das junge Deutschland" und weiter Berichte über die Wohlfahrtspflege auf dem Städtetag und den Allgemeinen Fllrsorgeerzieh'.üvgstag. Unter der Rubrik„Aus der Ar- beiterwahlsahrt" berichtet Genost« Dolleschel-München über das Lehrlingsheim der Münchener Arbeiterwohl- fahrt. Mitteilungen über die Organisation und eine reichhaltige Bücherschau folgen. Das Sludenlenwerk bittet um Zimmer jür Studenten. Viele Studenten konnten für das Wintersemester noch nicht untergebracht werden, und die Berliner Bürgerschaft wird gebeten, gute brauchbare heizbare Zimmer zu angemessene» Preisen, nicht über 35 und 4 0, Mark, zu überlasten. Auch Zimmer mit Gegenleistung, wie Beaufsichtigung der Schularbeiten, Nachhilfeunterricht usw., werden dringend benötigt. Angebote nehmen dankbar entgegen: Akademisches Wohnungsamt des Studentenwerks Berlin e. V., Universität, West- slügel, Eingang von der Unioersitätsstraße, Fernsprecher: Norden 2920— 22, und Wohiilingssürsovge der Technischen Hochschule, Char- loltenbura, Berliner Straße, Zimmer 157, Fernsprecher: Steinplatz 9000. Sprcchchor für Proletarische Feierstunden. Di« Uebungsstund« findet in dieser Woche am Freitag, dem 28. Oktober, abends 7�i Uhr, in der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17. statt. Sonsum-ivei osteaichost Lerli» und Umgegend. Dienstag, t. November, lg'/, Uhr: I i l m v o r t r a g in der Aula Ziealgyiniiasium MiUenwaldet Eirahe 34. Eintriktstarten 20 Pf.(Slinbec 10 Pf.) in den ÜlbgabesteHen Arndlstr. 23,. Dreibundslratze S, Planuser 14. Die Volkstümlichkeit von Handels Werken macht sie besonders funkgeeignet. In seiner Einführung zu dem nachfolgenden Oratorium „Samson" wie» Dr. Kurt Singer auf diese Tatsache hin. Bei Händel ist der Ehor nicht Begleiter, sondern eigentlicher Träger der Haitd'ung. In wuchtig aufgebauten, doch fast inimer volkstümlichen Melodien spricht er zu den Hörern. Eine wertvolle Borbereitung aus das Werk gab Dr. Singer, indem e-r die Partitur an musikalischen Beispielen erläutertc Die Aufführung unter Friedrich Jung wurde von Ehor und Orchester der Funkstunoe und den Solisten Elisabeth Ohlhoff, Lilly Dreyfuß, Louis von de Sande, Bernhard Köhler glänzend getragen. Statt des verhinderten Jacques Urlus sang Karl Jahn den Samson. Leider sang er sehr unfrei, abgesehen davon, daß seiner Stimme Wucht und Fülle für dies« Partie fehlt.— Professor Dr. phil. et med. Max Dessoir behandelte in seiner Vortrags- reihe über den Okkultismus die Erscheinungen des„räumlichen und zeittichen Helljehens". Es gibt mannigfache Erklärungsmöglichkeiten für diese Erscheinungen. Prof. Dessoir nannte ungewöhnlich ge- steigert«? Tastempfinden, das Geschriebenes sogar durch Hüllen wahr. zunehmen vermag, Telepathie und schließlich im Unterbewußtsein aufgetauchte Sinneswohrnehmungen, die aus scheinbar völlig gleich- artigen Dingen noch Unterschiede erkennen und so das Derlangte herausfinden lasten. Wirkliches Hellsehen von unbekannten Gegen- ständen unter undurchlässigem Verschluß hat jedenfalls noch nie wissenschaftlicher Untersuchung standgeholten.— Am Nachmittag las der 60jährige Arthur Rehbein, bekannter unter seinem Pseudonym Atz vom Royn, Unterhaltendes aus seinen Werken. Tes. SerNn- Peking. Verhandlungen über den Flugverkehr n»ch he« Fernen Osten. «Cach einer Mitteilung der Deutschen Lufthansa sind die Verhandlungen über die Derlängerimg der Luftverkehrslinie Berli.n— Moskau nach de m Fernen Osten noch nicht zum Lästt'luß gekommen. Die Verhandlungen gestalteten sich nawr- gemäß rei�'t schwierig, da ein außerordentlich umfangreicher Komplex von Fragchi politischer, technischer und finanzieller Natur z» de- handeln sei. Wenn auch die beteiligten Kreise zuversichtlich er- warteten, dost ein alle Teile befriedigendes Ergebnis zustande komm«, so sei ein Absmluß bisher nicht zu verzeichnen. Insofern dürste«ine aus Moskau ftq'mmende Drahtmeldung, die über den bevorstehenden Abschluß eines Vorvertrages innerhalb der nächsten fünf Wochen zu berichten wußtze, zeitlich verfrüht sein. Eröffnung�, üer Stettiner IunkaussteUung. Gestern vormitta« g«gen 12 Uhr wurde die in Stettin vom 25. bis 27. Ottober ftt�tfindende Funtaus st ellung in Gegen- wart von Vertretern der»Reichs-, Staats- und kommunalen Behörden mit einem gestakt ist Konzerthaus eröffnet. In kurzen Ansprachen wurden Sinn.und Zweck der Ausstellung, auf der mehr alz 70 Firmen vertreten sind, und der kulturelle Wert des Rundfunks gewürdigt. Die Ausstellung, die systematisch den Rund- funkempsang von der Sendung ob anschaulich darstellt, will durch belehrende Vorführungen und Veranstaltungen in das Mxsen des Rundfunks einführen und für ihn werben. Am Mittwoch kommt Ludwig Thomas„Erster Klasse" als Sende spiel unter Leitung von Alfred Braun zur Aus- sührung. Ein aroßer Funk ball, bei dem eine stattlich« Reihe Berliner und Stettiner Künstler mitwirken«erden, wird am Donnerstag die Msstellung beschließen. Den Mann im Streit erstochen. Magdeburg, 25. Oktober. Auf der Polizeiwache in Diesdorf lies gestern abend die Meldung ein, daß in einem Hause der Dreibrückenstraße ein Selbst- m o r d verübt worden sei. Polizeibeamte und ein Arzt stellten fest. daß ein 26jähriger Schlosser mit einem tödlichen Stich in der Herzgrube in der Wohnung lag. Seine Ehefrau behauptete, ihr Mann habe sich nach vorausgegangenem Streit mit einem Messer selbst getötet. Die Ermittlungen haben aber ergeben, daß die Frau ihren Mann im Stckeit erstochen hat. Sie hat daraufhin ern Geständnis abgelegt. Wo war das Erdbeben? Seattle. 251 Oktober. Hier wird angenommen, daß der Herd der überall in Amerika verzeichneten Erdstöße sich in Alaska oder einem Gebiet nahe bei Zllaska befindet. In verschiedenen Teilen Alaskas wurden heftige Erdbeben verspürt. Bis jetzt wurde jedoch kein er- heblicher Sachschaden gemeldet. In Iuneau wurden zahlreiche Ein- wohner durch 30 Sekunden währende Erdstöße morgens um 7 Uhr aufgeweckt. Auch in Sitka waren zwei heftige Erdstöße zu verzeichnen. In Iuneau liefen zahlreiche Einwohner aus ihren Wohnungen auf die Straße hinaus. Hülel eure Kinder vor Glsl! In Dötlingen bei Elperwerda tranken die Söhne eines Arbeiters in einem unbewachten Augen- blick aus einer Flasche, in der sie Lebertran vermuteten. Die Flasche enthielt ledoch ein schweres Gift. Ein 1� jährige? Knabe ist bereits gestorben, während sein acht Jahr« alter Bruder schwer vergiftet daniederliegt. Arbeitersport. Handballbericht vom 23. Oktober. Di» beiden Brandenburger Abteilungen mußten ohne Lieg nach Hause fahren. Die 1. Abi. verlor argen Neukölln 2. Abt. mit W: 0(4: 0), die 2. Abt. gegen Fichte 2. Abt. mit 5:0(2: 0). Neukölln 1. Abt. hielt dem scharsen Tempo von Fichte 1. Abt. nicht stand und mußte eine Niederlage von 1:2 <0: 1) hinnehmen. Trotz guter Leistungen des Torwächters und großem Eisen konnte Fichte 0. Abt. es nicht verhindern, daß Wroß-Berlin-Wedding ihnen mit 11: 0(4:0) das Nachsehe» gab. Fichte-Nord setzte seinen Siegeslauf fort, indem fie Schönow mit 12; 2(7:0) abfertigten. Die Moabiter würben nach der Pause nervös, so daß Echöneberg-Svortler ein Resultat von»:0(1: 0> buchen konnte».— Frauen: Fichte 3. Abt. entschied durch besseres Siel» iungsspiel gegen Neukölln 1. Abt. mit 2: 0(1: 0). Brandenburg 2. Abt. gegen Fichte 0 0 0:4(0:2). Fichte 0 n hatte die größere Spielerfahrung, während Brandenburg die genauen Torschllsse oermissen ließ.— InBörsenspie l e n standen sich Schöneberg.Turner und N uberverein Freiheit gegenüber. Die Turner konnten mit 0:0(4:0) gewinnen. Nowawes-Franen hatten Wilmers» dort als(bat! und schickten sie mit 3:2(1:1) nach Hause. vortrage, vereine und Versammlungen» Reiclisdanner> S ckwarz Not-Gold" «eschäktsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr 37/38, Ho» 2 Tr. Mitte: Mittwoch, 20. Oktober, Turnabend, Dartenstraße. Sämtliche Radfahrer haben sich zu einer Besprechung einzufinden.— Tempeldos: Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, Schutzsportsitzung bei Primus, Werder-, Ecke Friedrich.Karl. Straße.— Friedrichshaini Sonnabend, 20. Oktober, Antreten zum Fackelzug 10 Uhr Warschauer. Ecke Nevaler Straße(Nähe Bhf. Warschauer Straße). Die Kameradschaften marschieren geschlossen aust Die benachbarten Ortsvereine werden um Unterstützung gebeten.— Friedrlchzhalei, Kameradschaft Andreas: Mittwoch, 20. Oktober, 18 Uhr. Antreten in Bannerkleidung Lange, Ecke stransenstraße. bei Heinrich. Erscheinen Pflicht. Rameradschait Petersburg: Donnerstag, 27. Oktober, 19)4 Uhr, bei Busch, Tsisiter Str. 27, anßerorbentlidie Bersammluna. Erscheinen Pflicht.— Wilmersdorf, ilamerad- fdxift West: Mittwoch, 20. Oktober, 20 Uhr, Saalschutz beim Republikanischen Abend der SPD. in den Fsorasäle», Haiensee, St.-Eeorg-Straße. Die übrigen Kameraden werden gleichfalls um Besuch dieser Beranstaltung gebeten.— Neukölln-Britz, 5. Ramerodschaft: Donnerstag, 27. Oktober, 20—22 Uhr, Sport- abend in der Walter-Rathenau-Schule, Boddinstraße. Bund der Freidenkerjugend. Osten: Donnerstag. 27. Oktober, 20 Uhr, Jugendheim Litauer Str. 18.— Norden: Freitag, 28. Oktober, Iksb Uhr, Ledigen. heim Pappelallee 15. Berliner Arbriter-Schachklnb, Werbebeziri West. Abt. Moabit: Mittwoch. 20. Oktober, 20 Uhr, Siemensstr. 12. Ab 0. November wird jeden Donnerstag Emdener Str. 23 bei Wendland gespielt. Abt. Weft-nd: Donnerstag, 27. Oklo- der, 20 Uhr, Sophie-Charsotte-Str. 88.— S�iilerabt. Moabit: Montag, 31. Oktober. 17—10 Uhr, Waldenierstr. 20(Wellliche Sdmle). Dentschee Elperanio.Bnnd, Or'sarnppe Berlin. Freitag, 28. Oktober, 20 Uhr, Konditorei Dcbrin, Hackeschee Markt, Uebungsabeno. Eäste willkommen. Rhyfiognomiscke Studiengeselllo aft. Tonnabend. 2«. Oktober, 20 Uhr, im Guttmann-Saal, Bülowstr. 104. Hol 1 Dr. r.. Bortran:„Phnssoanomik und Eheberatung." Diskussion. Mitglieder mit Mitgliedskarte frei: Gäste l M. laboristai tön njonn in rrnsciana, tir. stv lierlin Uaboristal tdistil Atencez! Markurdio ye 26-ma okfobro evenios ch» kdo M Karzek. Stall- schreiberstr. 8a, tre importanta funciotier-kunveno. Knuportez funcioner-p'.uvi. welkcrberichl der öffentlich«» wellerdienststell« Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Milder, aber grötzlenteils woiktig, leine Niederschläge von Bedeutung.— Für veuüchian»: Lm Ollen noch trübe und regncriich, ipäter Temperaturzunabnie. Im?IIpei, Vorland vielfach heiter und z:em- Iich mild. Im übrigen Reiche wollig und mild, keine wesentlichen Nieder- ichläge., AltbawShrt bei Nieren-, Blasen-, Harnleiden Faehinaer Tersandslelle. Berlin 51 11 SchOneberger Str. 16a. Tel. LQtzov 8260-61. Hr. 506 ♦ 44. Jahrgang � 4�01�(001��9 Mittwoch. 26. Oktober 1427 Keramifthe Woche in Serlin. Die Umstellung in der Porzellanindustrie. Me Deutsche Keramische Gesellschaft, der etwa em Drittel der keramischen Unternehmungen in Deutschland ange. schlössen ist. hält vom 25. bis 2i). Oktober eine„Keramische W o ch e� in Verlin ob. Das umfangreiche Programm dieser Tagung enthält neben einer Anzahl Besichtigungen eine Reihe von Vor- trägen, die sich mit den noch keineswegs als einheitlich anerkannten betriebstechnischen und wissenschaftlichen Fragen dieses technisch- chemischen Industriezweiges befassen. DieKonzentrationsbewegungindcrPorzellan- i n d u st r i e, dem wichtigsten Fabrikationszweig in der Keramik, weist darauf hin. daß auch diese Industrie die Schwierigkeiten, die sich aus den veränderten Produktions- und Absatzoerhültnisien der Nachkriegszeit ergeben haben, durch organisatorischen und sabrikato- rischen Zusammenschluh aus der Welt schaffen will. Vor dem Kriege konnte die deutsche Porzellanindustrie, die in der Welt die erste Stelle einnahm, etwa die Hälfte ihrer gesamten Produktion ausführen. Durch umfangreiche Neugründungen in der Kriegs- und Inflationszeit hat sich jedoch die Leistungsfähigkeit der Porzellanindustrie von etwa(52 000 auf 100 000 Tonnen erhöht, die überwiegend auf dem Inlandsmarkt abgesetzt werden mußten, da das Ausland sich inzwischen vielfach eigene Industrien aufgebaut hatte. Die verringerte Inlandskaufkrast konnte natürlich nicht annähernd die übersetzt« Produktion ausnehmen, so daß die Porzellanindustrie in den letzten Iahren bestenfalls 60 Proz. ihrer Fabrikat« absetzte. Da die groß« Zahl kleiner Unternehmungen eine Kartellierung sehr erschwert«, entstand ein sehr scharfer P r e i s k a m p f, der dann im Sommer 1927 zwangsläufig zu großen Zusammenschlüssen führte. So wurden die in der Geschirr- wie Elektroporzellonindustrie gleich- gerichteten Betriebe der Kahla-Schomburg-Schönwald ii n d E. A. Müller A.- G. zu einem Konzern verschmolzen. Ein« zweite groß« Gruppe bildet« sich durch die Fusion H u t s ch e n- reuther-Tirschenreuth-Weiden A.-G., die über beson- ders hochwertige Rohstoff lager verfügt. Neben diesen Konzern, zusommenschlüsien, di« durch Vereinigung der kaufmännischen und technischen Verwaltungen und durch Ver- teilung des Produktionsprogramms auf die leistungsfähigsten Be- trieb« zunächst einer Senkung der Gcstehuugskosten dienen sollten, ging der Zusammenschluß der Porzellansabriken zu einem Syndikat, das eine Kontingentierung der Produktion fest- setzte. Nach den Beschlüssen des Syndikats dürfen die angeschlossenen Fabriken ein« Erweiterung ihres Ofenraunies nickst mehr ohne G«- nchmigung des Verbandes vornehmen, so daß eine Beschränkung auf die bisherige Produktionsfähigkeit, nicht eine Herabsetzung der Produktion stattgefunden hat, Trotz des Verlustes wichtiger Auslandsmärkte bildet die Por- zellanausfuhr noch einen der w i ch t i g st e n A k t i v p o st e n in der deutschen Handelsbilanz. Der Ausfuhrwert betrug im Jahre 192ö noch fast 50 Millionen Mark, wovon allein auf Geschirr- Porzellan etwa 50 Millionen Mark entfallen. Bemerkenswert ist, daß trotz der Bestrebungen der Vereinigten Staaten von Amerika, sich eine eigene Kunstporzellanindustrie auszubauen, diese noch die größten Kunden Deutschlands sind. Der zweitgrößte ausländische Ab- nehmer der deutschen Porzellanindustrie ist England, das heute noch gleichviel wie in der Vorkriegszeit aus Deutschland einführt. Gute Konjunktur- schlechte Sörsen. In den letzten Tagen haben die deutschen Börsen wieder größere Einbußen am Kursniveau zu verzeichnen. Nachdem der Reichs- finanzminister jetzt erklärt hat, daß der Brief des Repara- t i o n s a g e n t e» an ihn über die deutsch« Finanzpolitik einer Der- abredung entsprungen ist, wird sich die Börse wohl wieder etwas beruhigen. Die Konjunktur fft nach wie vor sehr günstig, was auch der letzte Monatsbericht der Deutschen Bank ausdrücklich her- vorhebt. Gute Konjunkturen machen immer das Geld knapp, und wo wenig Geld vorhanden ist, bleibt zu Spekulationen wenig Raum; darüber hinaus werden Papiere oerkauft, was auf die Kurs« drückt. So dürste es sich auch erklären, daß feit dem Monat Juli der Durchschnittskurs oller an der Berliner Börse gehan- delten Aktien, gemesien am Aktienkapital, ununterbrochen von 178,5 bis zum 19. Oktober auf 159,6 Proz. zurückgegangen ist. Zweifellos hat auch die Politik der Reichsbank, gegen di« aus den Ausländsanleihen hereinkommenden Devisen keine neuen Noten auszugeben, die Geldknappheit noch verschärft. Diese Momente reichen aber aus, um die immerhin erheblichen Kursrückgänge der letzten Monate zu erklären, ohne daß man aus dem Rückgang der Kurse irgendwie auf«ine Gefährdung der Konjunktur zu schließen braucht. Neue Zorüerungen von Stahl und Eisen. Jahrelange Schonzeit.— Steuerliche Diktatur des Schwerkapitals. Nach dem verein der Eisenhütt enleut« hat unter Führung von Herrn Paul Reusch, Oberhausen, der Verein Deutscher Eisen- und Stahl! ndu st rieller seine Forderungen ange- ineldet Sie übertreffen bei weitem noch das, was Herr Vögler zu sagen für gut befand. Für Hochofen-, Stahl- und Walzwerke ist di« Konjunktur noch gut, so wurde festgestellt; die Gewinn« seien aber ausgeblieben. da die Konjunktur nur eine Mengen konjunktur, keine Preis konjunktur sei. Dabei ist die Preistonjunktur natürlich so gut, wie sie sein kann, angesichts der internationalen Konkurrenz- bindung auf einem großen Teil des Weltmarkts. Unerhörtes aber wurde im letzten Jahre in der Ausnutzung der Werke und der Senkung der Selbstkosten durch die Inlandskonjunktur erreicht Dennoch sind der Eisen, und Stahlindustrie die Löhne zu hoch. Für sie gefährden Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhungen nicht nur den weiteren technischen Ausbau(wie lauge sollen die Be> legscheften dafür denn die Lasten allem trafen?). Sie finden auch, obwohl gerade die Industrie die Rentnereinkommen in der In- flation größtenteils zerstört hat, daß der AnteildesLohnein- komniens am Volkseinkommen Deutschlands größer als in der Fried«nszeit geword«n ist. Wenn das kein« Banalität sein soll, kann es sich hier nur um einen neuen Ausdruck des Willens handeln, d°e Löhne zu drücken. Von hier aus wird dann für„die Wirtschaft" auf Jahre hinaus eine Schonzeit oerlangt vor finanziellen Belastungen. Auf alle Fälle müsse es bei dem Versprechen des Reichsfinanz- Ministers bleiben, daß die Beamtenbesoldungserhöhung keinen Pfennig neue Steuern kosten dürfe. Ein gefährliches Spiel treibt man in der Frag« d«r A u s l a n d s a n l e i h e n. Anleihen der Privatindustrte müssen ihrem Zweck restlos zugeführt und dürfen weder durch Steuern noch durch den Reparationstransfer erfaßt werden. Dagegen sei die Verschärfung der Richtlinien der Beratungsstelle für öffentliche Anleihen dringend erforde r- l i ch. Daß man hier reparationspolitischen Interessen und Ent- scheiduugen in unvorsichtiger Weise vorgreift und andererseits die öffentlichen Körper geradezu zu Steuererhöhungen zwingt, das scheinen die Herren von Stahl und Eisen nicht zu begreifen. Sie haben allerdings probate Mittel gegen die Nöte des Staates. Der Industrielle und Reichstagsabgeordnete Klönne, Dort- mund, macht den tollen Dorschlag, daß Parlamentsbe- schlüss« an ein« Zweidrittelmehrheit gebunden werden sollen, wenn sie neue Finanzlasten zur Folge haben könnten! Darm soll die gesamte Steuerbe- lastung durch Reich, Länder und Kommunen durch einen bestimmten Ertragssatz der Wirtschaftsbetriebe gebunden werden. Die Dorschläge sind lächerlich und niedriger zu hängen, aber sie offenbaren di« Kurzsichtigkeit und den brutalen Herrscherwillen, der in diesen Kreisen lebt. Allmählicher StillstanS auf üem fobeitsmarkt. Die bisher günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes geht, nach den Berichten der einzelnen Landesarbeitsämter für die dritte Oktoberwoche, der vorgerückten Jahreszeit ent- sprechend allmählich in fast allen Bezirken ihrem Stillstand entgegen. Mit Ausnahm« einer geringen Zahl Entlassener aus dem Meiallgewerbe waren die Zugänge an Arbeit- suchenden durchweg s o i s o n m ä ß i g e r Natur. In der Land- Wirtschaft ist die Hauptbeschäftigungszeit vorüber, im Baugewerbe war der Stand noch verhältnismäßig günstig. Bon einzelnen Zweigen der Metallindustrie— Berlin— wird ein Stillstand der Aufwärtsbewcgung berichtet. Unverändert günstig lauten die Lagenberichte der Eisen- und Stahlverarbeitung, der chemischen und Tcxtilindstrie und auch des Zellstoffgewerbes. Die Lage im Bergbau ist meist unverändert.>>' F rb-i B die Jät VERKAUFSPREIS: FORMAT-'rund und flach, AHT-aiu gesprochen mild, blumig Eine neue Zigarette?/ Ja und nein!/ Massary- Privat wird seit Jahren im eigenen Haus« und Familiengebrauch als Freundes« und Gästezigarette mit besonderer Liebe gepflegt./ Nun will sie ans Licht der Öffentlichkeit./ Es gibt Tabakmischungen, die ihre mühe? voll erreichte Eigenart einbüßen würden, wollte man sie zu Mundstück- Zigaretten verarbeiten./ So ist es auch mit Massary-Privat; ohne Mundstück kommt ihre Besonderheit reicher zur Geltung. Der Zigarettenhandel führt eine Reihe von»Privat«= Zigaretten. Um das Neueste auf dem Gebiet der mundstücklosen 4»Pf.® Zigarette kennen zu lernen, müssen Sie den Ton auf Massary-Privat legen 1 Dm btlabaK! Urteilen Sie telbä! Neue Wege im Schrotthanüel. -Sie Schrottvcreinigung auf drei Jahre Derlaugert. 5n der deutschen Schwerindustne unterließen nicht nur die Er- -eugung und die Preise der strengen Kontrolle der Werke, sondern Einkaus von allem Eisen wird schärssten? kontrolliert. Da die Schrottmisfuhr gesperri ist, tonnte die Schwerindustrie zunächst großen Nußen ziehen. Der freie Handel wurde nach und nach an die Wand gedruckt oder er mußte sich dazu hergeben, als Werkshändler gegen Zahlung einer Provision sür die Eisen- barone zu arbeiten. Vor etwa IZ-J Iahren hatten die führenden Eisen- und Stahl- merke im rheinisch-westfälischen Gebiet, in Sachsen, in Berlin und in Schlesien die S ch r o t t e i n k a u f s g e s e l l s ch a f t mit dem Titz in Berlin und hje Sächsische Schrotthandelsge- s s l l s ch a f t mit dem Sitz in Dresden gegründet. Diese beiden Gesellschaften hatten den Bedarf des größten Teils der deutschen Schwerindustrie an Schrott sicherzustellen und beauftragten zur Durchführung der Geschäfte andere Firmen. Diese Unteragenten kauften den Schrott nach festen Preisen auf, die von den beiden Einkaussorganisationen f e st g e s e tz t waren, und führten ihn direkt der Schwerindustrie durch die Schrotteinkcmssgesellschast bzw. die Sächsische Schrotthandelsgesellschaft zu. Die Verträge zwischen der Schwerindustrie und den beiden Schrotteinkaufsorganisationen wurden probeweise bis zum 30. Juni 1927 abgeschlossen und dann provisorisch bis zum 10. Oktober dieses Jahres verlängert. Im großen und ganzen haben sich selbst nach Ansicht der In- dustrie die Einkaufzgesellschasten nicht bewährt, was einer- seits auf die drosselnde Preispolitik und andererseits auf die allge- meine Warenknappheit zurückzuführen war. Fest steht sedenfalls, daß sehr oft die Schrotteinkaufsgesellsckiast und die Schrotthandele- gesellschaft den Bedarf der zu beliefernden Werke nicht hinreichend decken kannten. Man mußte häusig zu hohen Preisen im Aus- land, insbesondere in Holland taufen. Angebote des freien Handels blieben meistens unberücksichtigt. Es ist daher nicht zu verwundern, daß diese Schrotteinkaufsgesellschaften ausgelöst werden sollen. Praktische Arbeit leisten sie ja im Moment so- wieso nicht, da jeßt der Schrotteinkauf für die Deutsche Schrottvereinigung vorgenommen wird. Diese Schrotwereinigung soll bis zum 10. Oktober 1930 be- stehen und es qebören ihr die maßgebenden Stahl, und Eisenwerke in Rheinland-Westsalen, in Mitteldeutschland und in Ostdeutschland an. Auch das Gußstahlwerk Döhlen, das vorübergehend aus dem Ring ausgetreten war, ist jeßt wieder Mitglied der Deutschen Schrottoeretnigung geworden. Den Einkauf für diese Schrott- vereingung besorgen bekannte Firmen des Eiscngroßhandels. und zwar in Berlin u. a. die bekannte Schweißer u. Oppler A.-G., in Frankfurt I. Adler jun. und in Breslau die Schlesische Montan- Gesellschaft.' Für Sachsen sind dann noch die Firmen Joachims- thal und Lippmann in Chemnitz zu nennen. Es schweben zurzeit mit der Firma Paul Oppler, die eine führende Stellung Im Han- delsverband einninunt, Berhandlnngen. um auch den freien Handel an dem Schrottauskauf für die Schwerindustrie zu be- teiligen._ HroZbanken machen den Sparkossen Konkurrenz. Herausforderung sialt Verständigung; Der Deutsche Sparkassen, und Giroverband hat fest über einem Jahre sich mit den privaten Banken zu verständi» gen gesucht. Wir haben diese Berftändigung mc gut geheißen, weil der Konkurrenzkampf der öfsentlichen Banken gegen das private Bantenkartell aus iwlkswinschvftl'chen Gründen vorläufig zweckmäßiger ist cils der Friede zwischen den beiden Baickgruppen. Jetzt geben die Großbanken den Sparkassen eine ebenso unerwartete als unerfreuliche Antwort. Die Mitglieder der Berliner Stempelvsreini- gung werde» ab 1. November Sparkonten errichten und genau w'« die Sparkassen auch Sparbücher ausgeben. Sie machen also den Sparkassen bis denkbar schärfst« Konkurrenz. So sieht die Antwort aus, die die private Bankwelt den Sparkassen sür deren Aerständigungsbereitschast gibt. partemachrlchten für Groß-Serlia Ciaftalraagn jät diele Stutetl sind Oeclia et» 6«. einteaftraftc 1 litt« an«*•»ejltt»1«ir«£arlal U H»t> 2 Trep. recht».»» richte» z. Jitei. Tlerg-rtcn. Heut«, Mittwoch. 19% Uhr, jtaeiMBttglMe». »erlammlung der 9., 10., 11., 12., 13. Abt in den Armlnwshallen, SPremct Etr. 73. iPotfran;.Die Aufgaben der Eoz-aldemokratle zum Wohnungsbau und Siedlungswesen.- Slefcrent Landgerichtsrat Ernst Rüben. Alle Mitglieder des greise« mllil-n unbcdwgt«rscheinea Der«ela-Rcinid-stonN-beod findet om ffreitag. 2« Ottoder, 19 Uhr, in der Aula der«irainer-Oi-errealschuIe, Zwinglistr. 2, statt. Es wird so Rorzllgliches geboten, daß es niemand versäumen sollte, an diesem Kunstabend teilzunebmen. inuaocilo leilzuneytnc-i. � Voranzeige! Am Dienstag. 1. November, beginnt der Kursus.«in. fllhrung in den Eoaialismus." Lehrer: Otto M-ier. M. t. L. Der Kursus findet im Bezirksamt, Klopstockstr. 24, 19% Uhr, statt 9. ftreL Wilmersdorf. Die geplante Sreismltgliederoersammlung am 91. St- tober findet nicht statt.. �.....n»«u 11. sttti« Sch-aederg.irtied'n-u. Mittwoch. 28. Oktober, n Uhr, llroktisn». sthung mit den BUrgerdeputierten im Reuen Rathau», Zimmer 144. 13. st reis Trmpelhol. Donnerstag, 27. Oltober, 20% �dr, Ei»ung der gei- tungskommisston bei Primus,„Zur Linde», Werder., Ecke Friedrich-starl- 14. st rr?s �Neukölln. Delvrechung des engeren streisvorswnde, mit den Ab. teilungsleitern am Do'.'nerstag, 27. Oktober, 19% Uhr, tm Parteidureau, Reckarftr. 3.?ede Abteilung imiß vertreten fein.. 20. strei» Reinickeudors. Donnerotag, 27 Oktober, 19% Uhr. Im Wirtslmus „Dreffpunkt», Reinickendorf-Ost. Restdenzstraße, DL« Echonbolzer Weg. Sitzung dos erweiterten Kre'svorstandes.— Aents, Mlttlvocy, 26. Dttovet« V�la-Reinitz.Abend In ben Huderws-Sälen, CchSnholz. Heule, Mittwoch. 26. Oktober: 0.«tt. Zahlabend in den bekannten Lokalen.-,... 38. Abt. 19'» Ubr W-rdeoerlammlunq in Echmcht» Sesellschastsbau», Frucht- straße 30a. Alle Mitglieder mstilen erscheinen. Sumvatmsterende und Gäste find eingeladen 1. F'lmoorätheung! der P�fsenichmiededer SPD 2. Bortrag:„Durch Organisation zur politischen Macht. Referent «ictor Schiit. Di« Beurkossthrcr laden ei».. � 92. Abt. Reukölln. Die Mitglieder des Festausschusses zur Bon'ieeweih- am ,9. November treffen ssch bei»lein, Wildenbruckstr. 13, Ecke Källnifche» Ufer,% Stunde vor Beginn der Abteilungsversammlung zur Begut. achiung'der oorzuleveichen Bannerski»,«.—- 130.«dt.«eiotcke-does-dst. Achwng! Die Irrtümlich sür heute, Mittwach, angekündigte Adteilunosversammlung sollt au» m-d findet am Mittwoch, Z. November, statt. Nähere Bekanntmachungen erfolgen noch. Morgen. Donnerslag. 27. Oktober: 43. Abt. 19% 81. stßung. schi' Uhr bei Robe, Ficht-str. 29, Mitgliederversammlung. - und BoNtik.» Referent Erich Kuttner, M. d. L. Ehaelottendv'g. 20 Uhr he! Lehmann, stonigowea 8, Funkt!» ng. geiwngstommisstonsiintglicder müssen edenfall» bestimmt Bor- alle. er» einen. 191. Abt. Treptow. 19% Uhr im Zeichensaal der Schule Wildenbruchstr. 83— 34 Mitgliederversammlung. Bortraa:„Der stampf um die politisch« Macht Rekerrnt: Dr. Karl Miererdorfs. Di« Bersommlung beginnt pünktlich. Alle Ge»«sssnncn und Genossen müssen erscheinen...... 108. Abt.»äpeuick. 19% Uhr Vorsiandssißung Mit den Dezirksführern an De- kanntet Stelle.__ _ �— üO—i 139 Abt. stemvodorf. 20 Uhr Im Lokal Lauk, Sermsdors. BerNner k-i Straße 133, össentlich« Bersammlnua. Dhcma:„Wir und der Bürger. f:-\ block? Referent Wilhelm Landa. Alle Senofstnnen und Genossen au» A st-rmsdorf, Wgidmannswst und FrohngU'DIienick« find«ingeladen. Männer und Frauen, erscheint in Massen! IL tot«fetlotteafct»!. Fremeaeckwnd bei stasper. Suersckrstr. l. Be*# der Genossin Erna stresse über„«rbeiterwohlfahrt�. 10, Abt. Halens«. Frauenabend bei Sandmann, Westfälisch« Str. 42. Bor» trag de» Genossen Dechen über„Religion und Eozialismu». Abt. 140» Wittenau. Der Frauenabend findet erst am Donnerstag, 3. Nooem» 141. Abt. �Roienthal. Flauen abend bei Schmehstng, Balderserstr. 3. Aorten Z| der Genosstn Toteuhagen über„Arbeiterbewegung als stulturbewegung. Frauenveranfialkungen am Freilag. 28. Oktober. llhr: 14. st«i» Neukölln. Kursusabcnd„Einführung in den Sozialismus" im Zdeol- stastno, Weichselstr. 8. R-ferentin Genosnn Minna Todeiihagen. 19.««i, T«ptow.«ursusabend„Einführung in die W>rt�)aftapollt>I" i- der Semeindeschul« Riederschäneweide, Hasselwerder, Ecke Berliner Straße. 20. st«i» Reiatteadars.«ursuo-bend.Sinführuag in die Wtrtschaf%polit!I° im Rathaus Reinickendorf, Hauptswaße. ReferentiN G-nosstn Mathilde Gruppe Renköll» l: Heut« �Mit�-�. Arbeitsgemeinschaft Uber„Die Staat». Verfassung de« 19. und M. Zahrhunderts in Beziehung zu: prakNschen Politik in der Bost-bllcherei,«anghof-rstraße, 20 Uhr— Gruppe»eBkfBa II: Heute, Mittwoch, pünktlich 20 Uhr. spricht Dr. Mar,chak lwi, der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik über„Fafchtsmus" im Heim Bergstr. 29, Zimmer 10. ................ Der Film der Kinder" läuft am 18. November um 20 Uhr im ..... Neukälln, Bergstr. 147.«arten ,u 20 Pf. find heut«, Mittwoch, 20. Oktober, i» der Sprechstunde der«tndersreunde beim Genossen Gerhard von 17—18 Uhr in den Baracken Sanghofer. straße zu haben. Arbeltogeweiaschaft der stinderftetind«. K«i»«eaUIn. „Die Zeltrepublik der Kinder" läuft am städtischen Saalbau, stioberl«runde kunst am Freitag, itlotterbara. Gruppe eeiwStt». 1..... Oktober, bei Ha»» Silber. Riebuhrstr. 82. Schundliteratur und gute Bücher gesprochen. -14sährig«: gusammen. »- Ez wird über Sozkattstikde Krbeiterjugenü Groß-Serlin. Achtung, Warderleiter aa» Ph»t»gr«pben! Heu�. Mittwoch, 19% llhr, Wanberleiterkonfereiz im Lindenheml. Lichtbilderoortrag: .Etwa» vom Photographieren." Erscheint alle. Die Bicherstnbe ist heute. Mittwoch, von 17-19 llhr geöffnet. Heule, Mltwöch, WA Uhr: Humannplot: Das Heim bleibt geschlossen.— Nosevthaler Vorftabt: Mädidenabend fällt aus, dafür Uebungsabcnd In der Rchule Dipsstr. 23. „.-v.....-•-■---------'» Ehlnestscher Marchenabent Hohenschöndans«»: — Peterobarge, Blei Mädel» im heutigen Straße 80. Lichtbild»' Straße bueg-Nreb, Der der Schül« Sipsstr. 23».— II.„Die Sleichberechtiauna i Staat."— Reichcnberger Viertel: Heim Reupenb« de» iget Helm vlbersj Heim Freienwalder Str. Hertel: Heim Edertvstr Staat."— Reicheal.....------- rvortrag:„Sie Entwicklung des Embrws."— Eharlotte». Deutsch» Reichove-'-""--"— Hche und Mädel i 7.„Die Entw>ckl tr. 87. Lichtbild Selm Pesta'ozzi-Liizeum, ctrag!.7...---------._._ straße..Die Deutsch« Reichoverfassung."- Tewpel. c. 4-8. Bursche und Mädel in der Bewegung."— ' 117.„Die Entwicklung de, Tanz«"— ichtbildervortraa:„Mlhelm _____......nzeum. Prin�Albert�Straße. „Jugend und Gewrrklchast."- Pankow.Rord nnd.««»> Generolprob. für �ben zKeicheabent in der Aula de» Lnzeum» Görschstr. 42. Bolkztonzkursu» fällt heute au». »4. Abt.«horlotterlntg. Eafpar. Suerickcstr. X. scheinen Freitag, 28. Oktober. 20 Uhr, Funktionär,.,.. Sämtlich« Bezirkofllhrer müssen unbetingt er. Die vrounkohlenprelse sollen erhöht werde«. Die mitteldeui- scheu Braunkohlenherren sind sich min klar darüber steworden, daß sie die Folgen des Streiks, die sie jelbst oerschuldet haben, auf die K'ohlenverbraucher abwälzen wollen. Am 31. Oktober findet eine Sitzung des Reichskohlenverbandes und des Reichs- kohlcnrats statt, in der die Preiserhöhungswünsch« der Braun- kohlenwerke diskutiert werden sollen. Es wird von einer Preis- erhöhung von 10 Proz. gesprochen, die über die bisherigen Wünsche noch hinausgeht. Auch wenn die Körperschaften der ge- setzlichen Kohlebewirtschaftung diesen Wünschen nachgeben sollten. wird die Entscheidung beim Reichswirtschaftsmi- n i st e r liegen. Dieser wird sich sehr gründlich zu überlegen haben, daß ein Abgehen von seinem bisherigen Standpunkt automatisch auch für andere Bezirke Preiserhöhungswünsche auslösen wird. daß insbesondere die Gesamtlage für Steinkohle nur verschlechtert werden könnte und die Konjunktur durch die Verteuerung der Kraft- stofse aus das empfindlichste geschädigt werden kann. Di« Lösung der Schwierigkeiten, wenn solche vorhanden sind, kann und darf nur in der Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Berg- baus liegen, die in einer Zusamenfossung der Produktion und der Senkung der Bertoilungskosten zu erblicken ist. Lindcor Fahrradwerke erhöhen ihr Kapital. Die LIndcar Fahr- radwerke A.-G. in Berlin» die bekanntlich der organisierten Ar» beiterschaft gehören und im vorigen Jahre ihre erfolgreiche Ge- schästsführung mit einer Dividende von 10 Proz. auch nach außen nachwies, wird ihr Kapital von 103 000 auf 400 000 Vi. erhöhen. Schon im Juli hatte das Wert die ganz« vorjährige Produktion übertrosfen. Auch jetzt, wo die Saison abslaut, sind Auftragseingang und Beschäftigung gut. Die Kapitalerhöhung soll neue Gelder zur Ausdehnung der Werkt zur Derfügunz stellen. Die Gründung der neuen österreichischen Girozentrale steht bevor. Sie wird erfolgen, sobald die Genehmigung der Statuten durch die Landesbehörden vorliegen wird. Erfreulich an dieser Gründung ist. daß sie durch die Mitarbeit des deutschen Sparkassen- und Girooerbandes, der sich eventuell auch mit einer Million Schilling an dem jetzt fünf und später zehn Millionen betragenden Eigenkapital der österreichischen Girozentral« b«teil igen wird. nachdrücklich gefördert wurde. Die Deutsch« Girozentrale hat offen» bar mehr Berständnls sür den Wiederaufbaii der österreich!. schen Wirtschaft, als die österreichischen und deutschen Industriekreife aufbringen, deren Zusammenwirken durch Konturrenzfurcht immer noch behindert wird. Zvr Miel- und Wohnungsfrage hat auch der Deutsche Gewerk- schaftsbund eine scharfe Resolution gefaßt, die die Politik der Rechts. blockregierung verurteilt. 770 000 Familien feien in Deutschland noch ohne eigene Wohnung. Solange nicht Angebot und Nachfrag« auf dem Wohllungsmarkt sich ausgleichen, dürfe von einer Auf» Hebung der Wohnung» und M i e t« nz« o ng s w irt» schaft keine Red« sein. Di« om 31. Dezember d. 2. ob- laufenden Gesetze seien ohne wesenttiche Aenderungen auf zwei Jahr« zu verlängern. Die Neubautätigkeit müsse in wett stärkerem Maß« gefördert werden. Sicherung der für den Wohnungsbau beftlnimten Forderur ketten WW ldige D des Wohnheimstä tiengef etz«, und die Angleichunq der Neumieten durch die Herabsetzung der letzteren, das sind die dl« der Deutsche Gewerkschostsbmu» als Notwendig- vezirksauoschuh für Slrbeikerwohlfahrk und Sinderschuh: 1. strei» Ritte. Freitag. 28. Oltober, 19% Uhr.«ckmln»g»l»riK« Im Be. »Irkiamt, st'osterstr. 0«. Thema:„stinöerversHickung und Erholung«. l-eime." Rescrentin Genossin Stadträtin Klara Weiss._ 7. strei» Edarlottenbnrg. Freitag, 28. Okioder, 19% Uhr, Im Rathaus, Aee» liner Straße, Slstmia aller in der Wohlfahrtspslege tStigen Gen-sslnnen und Genossen. Bortrag:„Iuqeudger'chtohssfe und Iugendgcrichtsgisetz. Referenttn Genosstn Tenge-. Interessierte«ad«ineeTaben. '0 strei» Reinickendors. Donnerstag, 27. Oktober, BcßGtigunq de» Srzie- dunasheimes Lindenhof. Drelfpnnkt Bahnhot Lichtrnberg.Friedriihsteld- pünktlich 10 Uhr. Inleressserte Genossinnen und Genossen sind eingeladen. Arauenveranstalkunge« am vounerskag. 27. Oktober, IS** Uhr -----"'-■"-- ng in die Gedankenwelt her ' rentin Genossin Mori« stunert. Deutschen Reiche," bei Binzer, Genossin Hedwig«achenheun. «. strei» strenzdrrg. stnrs'.isabend:„Einführung IN die Gedankenwelt de» Sozialismu»" bei Krüger, Grimmste. X. Rescrentin Genossin Morl« stunert. M. Abi.«ursusabend Uber„Die D-rsossung be»---- ' Ehrlstburger. Eck« Winostraße. Rescrentin Werbe bezirj«enMI»: Begrüßung«bend für die nkugewannenea Mit- gNeder tn der Aula der«nabenmtttelschule Donaustraße. Besondere» Programm. Erscheint zahlreich. R!tglied«duch dient al» Ausweis. 1 k i*rirHi i i t.:N ,4 J lyt.-rTTrrUlT «ertebezlrl«Göoeberg: Mitgliederversammlung in der S«nl« am«art. burgplaß.„Was ist«in»«lasse, stlassenbewußtsein, stlassenkampf? Sport. Der Auftakt zum Sechskagerenuea. Am Sonntag findet im Sportpalast, der.tluftalt" zum 12. WerSnrr TeckZtagerennen statt, und zwar das traditionelle S-Stunden-MannfchaftS- rennen, das wieder eine ganz vorzügliche Besetzung am Start iehea wird. So wird die aukge,-Ichnet« delgifch« Mannichasi Henih tlertg— Dnvivier ihr Tebnt vor den Berliner Radsportfreunden geben. AIS weiteres starke» au«- lZndiiches Tram kommen die beiden besseblen Franzoien Letonrveur nnd Rauher an den Start, die ja in diesem Sommer bereits vorzüglich« Rennen I, eierten. Natürlich ist auch Tonani wieder mit von der Parti«. Den.Clou" de» Manzen bildet der Start nnlerer besten deutichen Mannscha't Kroll— Mkthe. Du kleine Bauer wird ebenfalls mit von der Parti» sei». MX «och— Buichenbogrn nimmt eine weiter« aussichtsreiche Sechstagemmmschast an den ,S Stunden' teil. lALOYD BREMEN (•/«ziVck deutsche Linie, mit regelmäßigen direkten dAb fahrten für Reisende und Auswanderer von Bremen nach CANADA Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u. Abfahrten erteilt Berlin; Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin O. m. b. H., Unter den Linden I(Hotel Adlon) P. Monunus, Generalvertretung de* Norddeutschen Lloyd. Invalidenstr. 9J(rv/ischen Lehrter u. Stettiner Bahnhof) nWllltllillilillllllllslllRiilUllllllliHIIIIIllllllilliülülüllillllllJllIBDffltliUii: *>»99999»a Cr Unserem altbewährten w Parteigenossen und Funktionär»v Lml! Sauvrzrapt« i» die st-rz»ck)s»ea»iS-kipaasch«« zu seinem ro. tvodartotag». w u» VI« Genoislnne» an««Zenouen V/ «4 leg e � f f*: Georg Jüttncr 5» felaoa» SO. Oobnctcfag« 61« S derzlichste»»lückmSasch«. � « Der ID. Kreis Pankow g i fMWölRIttllllSMiIllMIIl!. Jetzt: F. 6. Baervald 4754 Zahnarzt Dti Leo Landau Bsppsir. 10, Ecke Ko tbussei Damm und Hohenstaufen-Platz nicht vergessen! Geben Sie ein halbes Ghket dieses vollkommen unfehäd liehen Gil eich mittels der hatten oder fchwachwarmen Xbuge bei- Sie werden erstaunt sein aber' das schone Weiß, das Jhre Wasche zeigt! Sil zum Bieichen« ohneglgicheri! Ohne Qh/on! i oeoee«« meee Unserem langiZbiiaen Partei genoffen und Frakitonovorsttzendea eiSU-ÄnSSttAN, ffladerdenoo. Stehlmelr,. KatZ049lr.Bt»eDiB6bellit w»t. anPriv- uiil(rhflr.< Am Montag, de« Z«. Oktober, früd >/,4 Udr. vrrichied nach langem, kchwe» rem Leiden mein geliebter Mann, unser lieber, guter Papa FMclisrd Reuter 3m Ramcn der Hinterdliedenen zeigen die» tlefbetrüdt an Lutte kteuter, geb. Hertlm nebst»tnder. Die Beerdigung findet Donners» tag. den 27 Ottober, nachm 2 Uhr. oufdemThomao-Friedhol inNeukülln, Herniannstraße, statt. Nach langem, schwerem«ranken. lager»erstord unser lieber Mitarbeiter und Kolleg« Richard Reuter im blühenden Aller von 38 3-hren. In ihm verlieren wir einen Pflicht- treuen Menschen, der sich während seiner mehrjährigen Tätigkeit tn unserm Betriebe die Freundichast und Verehrung aller feiner Kollegen er- warb Sein Anden en werden wir stet» In Ehren halte». CesehgflsIclliniK ord Pcnonal der Vorwürt»- Buchdrackcrci. Beerdigung: Donnerotag. den 27.. 14 Uhr. ans dem Thoma»- Friedhof. Reukälln, Hermonnltraße bebten ideal« billigste Schuhsohlen Bei Aogen, Sohnes und Frost •tot« trockene, Marme Füße S»W»paraam uno Klug jno Kauft danor nur die auf dar"'antagn talbat'artig nargai-taiitan und achten ORIGINAL- CREPE-SOHLEN QDaraii arnftltlicfe. '?• l Vn�l* I C"""'"","""■[In-- I I---II. niy■■' Unterhaltung unö AAssen-W- Kindliches Spiel. Zm Zeolrum ist man wieder einmal über die ZNchl- elnhallong der»Nlchillalen» durch die Denischnalionalen sehr vageholt«». Der tzunö. Von Stefan Lipinski. Es war unerträglich warm. Die Sonn« hatte sich in einen leichten Schleier von graublauen Schwaden gehüllt. Die Bremsen und Schmeihfliegen, die sich zwischen der großen Kuhherde tum- melten, waren heute besonders angrissslustig und beutegierig. Unbekümmert um das wütend« Schlagen und Wedeln der Tiere bissen sie sich an ihnen fest und sogen sich voll Blut bis zum Platzen. Dabei kein Strauch, kein Baum, der Schatten spenden oder an dem sich die geplagten Tiere die Insekten hätten abstreifen können. Un- ruhig, mit schmerzlichem Brüllen bewegten sich die Kühe auf dem weiten Plane, und Hektar, der Hund, hatte alle vier Beine voll zu tun, um zu v-rhüten, daß sie nicht ausbrachen und, heidi, den Schwanz in die Höhe, querfeldein davonrasten. Fast ununterbrochen war er unterwegs und umkreiste im Trab oder in vollem Galopp die Herde, und die Zunge hing ihm weit aus dem Jjals. Ganz heiser hatte er sich schon geschimpft und gewettert, und wo er heute den Kühen in die Hocken griff, da wuchs kein Gras mehr. Das heißt, er wußte als erfahrener Hirten- Hund ganz genau, wie weit er gehen tonnte und daß dabei kein Blut fließen durfte, weil es sonst mit seinem Herrn, deni Kuhhirten, sofort unangenehme Auseinandersetzungen geben würde. » Der faß auf der einen Satte des Feldes auf einem Stein und beobachtete besorgten Blickes die aufgeregten Tiere. Don hier au» konnte er olles am besten übersehen und kannte den Hund dorthin dirigieren, wo es notwendig war. Wenn es doch bloß erst Abend wäre. Er wußte es, wenn erst eine der Kühe daoonlausen würde, dann gab es kein Halten mehr. Besonders behielt er den Bullen im Auge, der sehr gereizt schien. Schon heute früh beim Austrieb >vor ihm das aufgefallen. Neben dem Kuhhirten stand«in niedriger, selbstgemachter Holz- wagen, in dem dos halbjährige Enkelkind schlief. Vater und Mutter mußten zur Arbeit. Wo sollten sie dos Kind lassen? Erst vor einigen Wochen war auf demselben Gute ein Unglücksfall passiert. Dort hatten ältere Geschwister«in jüngeres zu verwarten, das sie dabei zu Boden fallen ließen. Nu» war ein Krüppel in der Familie. Dadurch wird man aber ängstlich, und deswegen wurde das Jüngst« zum Großvater aufs Feld gebracht, der als Kuhhirt noch am allenneisten auf das Kind achtgeben konnte. Aus vier Stöcke» und seinem Wetterumhang hatte Großvater über dem Wagen einen Schutz gegen die Sonne hergestellt, so daß wenigstens das Klein« im Schalten schlummern konnte. * Dieses Schutzdach ärgert« Bslko, den Bullen. Er war über- Haupt heute wütend. Gleich früh hatte ihn Hektor, dieses qnver- jchämtc Lieh mit dem großen Maul, in die Beine gebissen, und nun legte der sich jedesmal, wenn er die Herde mit seinem großen Ge- schrei umkreist hatte, neben den Wagen. Wahrscheinlich hatte der HeNor seinen Spatz an dem Karren. Na warte, das Vergnügen wird dir gleich zerstört werden. Und wie der Zipfel des Daches sich jetzt bei dem kleinen Lüftchen hin und her bewegte. War dos nicht zum rasend werden? Schon einige Male, wenn Hektor auf der anderen Seite der Herde war, wollte Bolko sich auf den Wagen stürzen, aber jedesmal kam Hektar angesaust und schrie ihm in seiner frechen Hundesprache zu, die Bolko nur zu gut verstand:.Du alter Ochse, denkst du, ich weiß nicht was du willst? Komm nur heran, dann sollst du meine scharfen Zähne noch ganz anders spüren als heute früh, du Heu- fresser, du dummer, du Gras- und W:eseilsresser Wehe, wenn es dir einfallen sollte, an de» Wagen heranzugehen, du tief unter mir stehendes Hornvieh." Und Bolko, der brummte darauf zornig„Du armseliger Wicht, du Lakaienseel«, und wenn hundert deines erbärmlichen Geschlechts hier wären, so sind sie doch nicht imstande, mich davon abzuhalten, was ich tun will." Worauf Hektor in fröhliches Bellen ausbrach.„Also bitte schön, bitte schön, Versuchs nur, aber dann sollst du sehen, was mir der Herr für Befehle geben wird und wie ich dich dann anfassen werde." Immer brenzlicher wurde die Situation, immer schwüler die Lust, immer frecher die Schmeißfliegen. Hektor war eben von einem langandauernden Galopp zurückgekehrt und hatte sich erschöpft neben da? Wägelchen niedergeworfen. Der alte Hirte war auf den Stein gestiegen und ließ das Auge nicht von der Herde. Der Bulle brüllte:„Jetzt komme ich." Hektor hob die Schnauze und spitzte die Ohren. Der Bulle brüllte noch wütender. „Hektor!" rief da der Kuhhirt« und zeigte mit dem Arm in der Richtung.„Hektor, kehr sie ein, linksherum. Di« rotbunte Jungkuh will wieder ausbrechen." Der Bulle brüllte:„Ich komme." Hektor stand auf und sah seinen Herrn unschlüssig an. Dieser stutzte. Was war denn das? Warum lief denn der Hund nicht schon? So etwas war doch seit Jahren nicht vorgekommen. Darum hob er den Stock und rief nochmals mit strenger Stimme: „Hektor, sofort kehrein linksherum, die Rotbunte!" Der Bull« brüllte ganz heiser vor Wut, denn eben hatten ssch unter seinem Bauch zwei Schmeißfliegen festgesogen:„Jetzt komme ich." Hektor sah seinen.Herrn vorraurfsvoll an und bellte: „Hörst du denn nicht, was der brüllt? Warum soll ick) denn setzt hier fort? Bolko wird das Kind zerstampfen." Da traf ihn der Knüppel seines Herrn in die Settc, und zornig wiederholte dieser nachmals seinen Befehl. Do sauste Hektor los, wie er vielleicht noch nie in seinem Leben gelaufen war „Dielleicht," so dachte er in seinem dummen Hundegehirn,„viel- leicht komme ich noch rechtzeitig zurück." Diesen Augenblick benutzte Bolko. Er senkte den massigen Kopf mit den breiten Hörnern. Der Schwanz ging in tne Höhe und dann setzte er sich in der Richtung auf das Wägelchen in Trab. Rechts und links wichen ihm die Kühe aus und sahen ihm be- wundernd nach. Das war ein Starker was mochte der wohl vor- haben? Neugierig hoben einige die Köpfe Nun befand er sich schon außerhalb der Herd«, und Hektor bellte weit hinten auf der anderen Seite. Erschrocken trat der Hirt vor und faßte den Knüppel fester. Bolko kam näher und näher nnd lief mit rotunterlaufenen Augen geradezu auf den Waaen mit dem schlafenden Kinde. Nun hatte der Hirt begriffen. Er lief dem Bullen entgegen, um Knabe Marx:„Und hier. Cunochen» zieh« ich eine Linie am meine Aahne. da mußt du mir versprechen, nicht rüberzugehu." Knabe Westarp:„Ganz gewiß versprech ich's. Willichen.... ihn womöglich beim Nasenring zu fassen. Das gelang ihm aber nicht, denn der Butte hotte den Kopf tief gesenkt und die Hörner weit vorgestreckt. Er nahm vielmehr den Alten auf die Hörner und warf ihn in weitem Bogen zur Erde. Daraus blieb er ein« Weile stehen und brüllte: ,Aab' ich das nicht fein gemacht, bin ich nicht der stärkst« und gewaltigste Bull«, den es jemals gegeben hat?" Und als die Ant- wort der Kühe zu seiner Zufriedenheit ausfiel, setzte er sich zu neuen Taten ermuntert wieder in Trab. Immer näher und näher kam er dem Kinde. Jetzt fünfzig Schritt, setzt dreißig, jetzt zwanzig, zehn. fünf, drei, und nun würde er alles auf den Hörnern haben und die umher- fliegenden Teile zu Brei zerstampfen. Da hörte er plötzlich«in leichtes Keuchen neben sich, und ehe er den Kopf heben konnte, hatte sich Hektor In seiner Nase verbissen. Umsonst oersuchte er ihn abzuschütteln und wendete den Kopf unter schmerzlichem Gebrüll hierhin und dorthin. Ein« ganze Weile dauert« das Ringen, dann kehrte sich Bolko langsam um und machte einige Schritte auf die Herde zu, zum Zeichen, daß er der Klügere geworden sei und nachgeben wollte. Sogleich ließ Hektor los und ließ seinen besiegien und bluten- den Gegner daoontrabcn. * Als nach«inigen Stunden der Hirt, dem eine Rippe gebrochen war, vom hungrigen Kiiiberschrei geweckt, wieder zur Besinnung kam. fiel sein erster Blick auf das unversehrt« Wägelchen und der zweit« auf lzektor, der jetzt an Stelle seines Herrn auf dem Steine saß und mit gespitzten Ohren die friedlich weidende Herde bewachte. Der alte Pohl. Ein Charakterbild aus dem Lraunkohlenrevier. Bon Max Barthel. Wir entnehmen diese Schilderung dem im Verlag der VllchergildcSntenberg erschienenen Werk„Deutsch- land, Lichtbilder UN» Schattenrisse einer R e i s e� von Mar Darthel. Sommerschuh wand-rte durch die schwarz« Landschaft des Ge- bietes, besuchte das sterbende Dorf Rauno, sah die unzähligen Schornsteine der viele» Fabriken und die blauen Berg« der Ober- lausttz Er sah auch die strengen, gleichmäßig ausgerichteten Masten der elekttischen Hochleitung. d,e den Strom in hunderttausend Volt- stößen nach Berlin schickt und ihre Kerzenstärkc aus den Braun- kohlen und ihren Sonnenstärten hebt, die vor vielen tausend Jahren dort aufgespeichert worden sind Am Rande der Stadt verkümmerten die Ueberreste einiger Weinberge. In dieser Landschaft kann kein Wein wachsen. Nur Kohle wächst hier und Ziegelsteine und ein wenig Glas. Ms die Sirenen den Tag zersetzten, und als sich i�ie schwarzen Straßen mit den Arbeitern füllten, ging der Journalist in die Stadt zurück und besuchte den Borgmann Großhahn. Der Bergmann Großhahn bewohnte eines der kleinen netten Häuser der gemeinnützigen Siedlung, die sich von den Kasernen der Werkhäuser unterschieden wie der Tag von der Nacht. Er war einer von den namenlosen Helden der Arbeiterklasse, die im Verband und in der Partei ihre Pslicht tun, die immer unten bleiben und stolz sind, wenn sie einmal zu Lohnverhandlungen nach Berlin oder aus den Berbandstaq delegiert werden. Großhahn war einer der un- zerbrechlichen Träger der Organisation in der Provinz, trotzdem ihn laden Tag zehn Stunden schwerer Arbeit in der Brikettfabrit er- schlltterten. Kurz vor dem Krieg trat er aktiv in der Bewegung hervor, wurde von einer Arbeitsstelle zur anderen gehetzt und war lange auf der Straße. Jetzt ist er Betriebsrat und kämpft mit der schwarzweißroten Direktion für die Ziele seiner Klosse. Wenn er einmal ausgekämpft hat und stirbt, wird er in der Arbeiterzeitung und im Derbondsorgan zehn oder zwanzig Zeilen Nachruftert be- kommen. Mit diesem Bergmann wanderte Sommerschuh an jenem Abend über flaches Land, um den alten Pohl zu besuchen. Der alt« j Pohl war der Gründer des Bergarbeiteroerbandes in Senftenberg. Er war 78 Jahre alt und lag schon im Bett. Er blieb auch im Bett liegen und erzählte aus der Bewegung. Ab und zu hob er seinen Oberkörper empor und zeigte das tcharfgeschnittene Dogelqesicht eines allen Mannes. Manchmal unterstrich er seine Erinnerungen lebhaft mit der linken Hand. Als der späte Gast nach der rechten Hand suchte, fand er nur einen Handballen mit dem Daumen.� Bon diesem Unfall erzählte Pohl auch, aber er blieb kühl und sachlich dabei, wie es die Arbeiter sind, die jeden Tag mit der mörderischen Maschine zu kämpfen haben und immer eine 5)and oder einige Finger als Risiko einkalkulieren. Die Hand war auch sehr gut oerheiltt Pohl hat ein kleines Häuschen und kam mtt der Alters- rente und der Unfallrente schon aus. Alte Leute haben wenig Be- ... m»r hallen werd lch's nlchlk dürfniss«. Sie leben in der Vergangenheit und Zukunft: in der Erinnerung der jungen Jahre und in der stillen Erwartung des Todes. Emil Pohl war Weber und trat im Jahre 1868 in den Deutschen Arbeiterverein ein. Zu Hause kämpfte er mit seinen Eltern, denn der Sozialismus war auch in ihren Augen mtt dem Verbrechertum gleichstehend. In« Jahre 1874 beteiligte sich Pohl, der mit de» Eltern auch den Webstuhl verlassen mußt«, an der Reichstagswahl und agitierte für deu Arbeiterkandidaten. Dabei kam es mtt dem Wahlvorsteher zu einem heftigen Zusammenstoß. Der Mann will in seinem Dorf den lästigen Beobachter Pohl so heftig entfernen. daß er ssch dabei die Hände an der Tür des Wahlraums blutig schlägt. Neun Stimmen wurden für die Partei gezählt. Die Wahl selbst wurde wegen Terrors erfolgreich angefochten. Nach vier Wochen brachte die Neuwahl in dem Dorf der Partei siebenund- zwanzig Stimmen. Pohl war Bergarbeiter geworden. Zehn Jahre lang verfolgt« ihn der Wahlvorsteher mit wütendem Haß. Endlich gelang es ihm. den heftigen Agitator auf die Straße zu wersen. Pohl kam auf die schwarze Liste und fand keine Arbeit. Da ging er zum Webstuhl zurück. Aber das Weberbrot machte nickst satt. Als die Senftenberger Gruben erschlossen und Arbeiter gebraucht wurden, verließ der jung« Weber seinen Stuhl und seine Frau und kam herüber. 1888 gründete er hier, die Partei war durch das Sozialisten- gesetz unterirdisch geworden, einen Arbeiterbildungsverein Die Arbeitsverhältnisse im Senftenberger Bezirk waren berüch- tigt. Um die Arbeiter zu hatten, wurde eine Lohnzulage von wöchentlich 15 Pfennig versprochen für jedermann, der länger als 26 Wochen auf einem Platz arbeitet. Acht Mitglieder des Arbeiter- bildungsoereins fordern nach 26 Wochen die versprochenen 16 Mark. Pohl wird als Gründer des Vereins gemaßregcit. Er findet bald Arbeit in einer wideren Grube. Er ist sehr geschickt und kennt den Schachtbau und alle Arbeiten, aber das hilft nicht lang«. Die Grubenherren können keine Hetzer gebrauchen. Sie wollen den Berg- mann Pohl kaufen. Er soll Steiger werden und weigert sich. Darum fliegt er aus die Straße und findet jahrelang keine Arbeit. Pohl war erst Weber und dann Bergmann, und jetzt wird er Händler, und das heißt: Agitator für die Bewegung. Haussuchungen kommen wie Gewitter in der Nacht. Pohl gibt nicht noch und findet endlich doch Arbeit. Im Jahre 1889 gründet er in Senftenberg mit einigen Freunden den Bergarbeiteroerband. Nebenbei vertreibt er auch illegal den„Sozialdemokraten". Bier Bergleute findet Pohl als erste Mitglieder des Verbandes Vier lange Jahre dauert es. bis die Zahlstelle auf festen Füßen steht, die Keimzelle der Organisation, die jetzt 88 Zahlstellen im Niederlausitzer Revier zählen kann. Arbeitslosigkeit vertreibt ihn auf ein Jahr aus Senftenberg. Der Bergmann Pohl kommt wieder zurück. Als dann für ihn immer noch kein« Arbeit da ist, wird er noch einmal Händler. Vorher war er als Delegierter auf dem Berqarbeiterkongreß in Berlin. Jetzt bemüht sich sogar der Landrat des Kreises, ein richtiggehender Graf, um den einfachen Bergmann. Er lieh ein Schreiben los, der Pohl müsse fort, sein Handel sei doch nur Vorwand, und sein Ziel weiter nichts als Aufwiegelung der Bevölkerung. Mit Hilfe guter Freunde kann sich Pohl ein kleines Haus kaufen und«in richtiges Geschäft aufmachen. Er hat einen Bierausschank und verkauft Lebensmittel. Die Arbeiter haben ihr erstes Verkehrslokal, das nicht nur Trink- halle, sondern auch Klub ist. Große Streits erschüttern das Gebiet. Pohl der Weber, Pohl der Bergmann, Pohl der Kaufmann und Genosse unterstützt die Streikenden und borgt ihnen. Er borgt weiter, trotzdem er oieie hundert Mark dabei verliert. Kurz vor dem Kriege, Pohl ist schon der alte Pohl, bekommt er durch Zufall doch noch einmal Arbeit auf der Grube„Konstanzia". Dreizehn lange Jahre rackert er sich ab, bis im Jahre 1922 das verdammte Seil dem Vierundsiobzigjährigen die Finger der rechten Hand abquetscht. Pohl erzählte das alles dem Sommerschuh. Seine Stimme kam weither aus der Vergangenheit. Es war eine harte, fröhliche Stimme trotz der Vcrfolgunqen und Nackenschläge. Es war«ine Stimme, in deren Melodie der Gesang und der Kampf namenloser Kameraden mitsang, die als erste den Verband gründeten und den Kampf gegen die Grubenbesitzer ausnahmen. E« war eine Stimme am Rande des Grabes, eine Stimme, die noch im Angesicht des Tode» sagte:„Wenn wir zusammenhalten, werden wir siegen." Die Erdumdrehung wird langsamer. In einer Sitzung des Britischen Hmologischen Instituts wurde mitgeteilt, daß zum Astronomen in Cambridge durch Ozeanmessungen zu der Ueber- zeugung gelangt sind, daß es Kräfte gibt, die die Umdrehung der Erde allmählich verlangsamen. Es ist auch versucht worden, die Ver- längerung des astronomischen Tages, die dadurch eintritt, zu be- rechnen: dos Resultat beträgt vorläufig etwa den tausendsten Teil einer Sekunde im Lause eines Jahrhunderts. Das größte Rathaus der Welt. Der Londoner Baumeister Harris erhielt emen Preis von 36 606 Mark für den Entwurf eines Rathauses in Manchester. Das Gebäude soll rund 36 Millionen Mark kosten, und mehr als 3666 Beamte sollen darin ihre Tätigkeit aus- üben. Es wird das größte Raihaus der Well werden. UMlMlM.. Mittw., 26.10. 27 Staats-Oper AmPl.d.Republ. Anf. 8 Uhr Waffenschmied Staitl. Sdiauspielh. An CendamEiwarki 8 Uhr Maß für Maß Mittw., 26. 10 27 Städtisdie Oper Bismarckstr tt-tan.!. Aul. 7'/j Staat!. Sdiiiiertli. Charlottenburg 8 Uhr Volks büh ne Ibeatei am Bülowplali 8 Uhr Kabale u. liebe Tb. am SdiiffbaaeidaiiiDi 8 Uhr Dazu; Der gcmatlfdie Kommissar DeDtsdiesHieatOT Norden 10334—37 U Ende 11 U v.Gerh. Hauptmann lejie: Max Reinhardt Kammerspiele Norden 10334— 37 "4U. 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