!It. 54$ ♦ 44. �ahrgaag Ausgabe A Kr. 258 Bezugspreis: BMxntUi 10«mto,«8itetH4 I.- ÄtidinMT' Bcrant«hlbct. Uder Streifbant t» Zn, unb Susland 5.30 Reichsmark otü Monat. Set JtemStt** mit Ott Ouftrier. tes Soantaasdeilaae.Salk»nd?eit� sowie de» Betla«e».Unteebaltun, und Sisied.Aus der i¥irm»elt*. .Frauenstimme�.Der«Inder» freund' Luaend-LormSr««'.BN<< in die Bücherwelt' and Kultur. arbeit' erscheint wochentialtch zwei. mal, Sonntaz» und Montags eininal. Morgenausgabe Eeleennrm-Id refl f. .SejtolOcmBtral Vera» Rerlinev Volksvlsitt �entralorgan Äer 8o2ialclemokrati fcken Partei veutf�lanäs Groß-Berlin W Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: Die ainspaltiae Nonpareille. »eile 80 Mennig. Reklame, eile 0/— Reichsmark,.«leine«»»eigen' da« settaedruekte Wort 23 Psennia Owlfinia»wei settaedruekte Wort«). lebe« weitere Wort 12 Dkenniit. Stellenaesuche da» erste Wort IS Biennia. iede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte übet 15 Buchstaben»Sblen für»wei Worte. Oirbeit-markt«eile 00 Blennig. Familienan»eigen für Abonnenten �eile 10 Pfennig. Anzeigenannobme im Hauptgeschätt, Lindenstroße 0. wochentijglich non Sl, bis 17 Ilhr. Neöaktion uaü Verlag: öerlin Sw. öS. Linüenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Ohne öie KPD! Die Koalitionsverhandlungen in Hamburg gescheitert. Hamburg, 26. Ottober.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zwischen Vertretern der SPD. und der KPD. sowie des Ortsausschusses der Gewerkschaften fanden gestern nachmittag im Hamburger Gewerkschaftshaus statt. Zu Beginn der Verhandlungen stellte der Vorsitzend« des Ortsausschusses der Gewerkschaften fest, daß Gewerkschaften und Sazlaldenwkratische Partei den en-sten Willen zu einer gemeinsamen Arbeit im Interesse der werktätigen Beoölkerung hätten. Die Kam- munistrsche Partei müsse aber erklären, daß sie mit ihren Forde- rungen in den Grenzen des Wirklichen bleiben wolle. Thälmann erwiderte darauf, daß es unmöglich sein werde, solche Grenzen festzusetzen.(!) Für die kommunistische Parke! komme eine Anerkennung des gegenwärtigen Etats nicht in Betracht, sie werde verlangen, daß ein proletarischer Etat ausgestellt werde. Auf die Frage, was die KPD. unter einem proletarischen Etat verstehe, erwiderte Thälmann, die SPD. fordere Streichung der Aus- gabentilel für Polizei, Oefängniswefen und„andere arbeiterfeind» liche Einrichtungen"! 'Die.Vertreter der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei begnügten sich zunächst damit, Thälmanns kühne Erklärung zur Kenntnis zu nehmen. Sie gingen zum zweiten Punkt der Tngcsardnuug über: Was. wenn eine Einigung der oerhandelnden Parleien zustande tonunt? Zst die SPP. bereit, die-»..l nortung für die Durchsührung des Programms mit zu übernchnien, indem sie in den Senat .«Intrist? Der Ortsausschuß der Gewerkschaften, so fügt der Derhand- lungsleiter Genosse Ehrenlcit hinzu, schlage für diesen. Fall, vor, den Sozialdemokroten 9 und den K o in m u n i st e n 6 Senats- fitze zuzusprechen. Man sei sogar bereit, den Kommunisten den Justizsenator zu überlassen. Ein Angebot also, bei dem die Kommunisten außerordentlich gut abschneiden und nach Herzenslust pasttlne Arbest für das Proletariat leisten könnten. Die Antwort aus dieses großzügige Angebot mußte der Prüfstein für den Ernst der kommunistischen Einigungsaktion sein. Aber man wartete vergeblich aus ein« Antwort des kommunifti- schen Verhaikhlling-führcrs Thälmann. Cr blieb stumm. An ssiner Stelle rafft sich endlich der zweite Wortführer der Kommunisten, Norden, zu einer Entgegnung auf: „Die SPD. muß die Beteiligung an jeder Regierung ablehnen. die nichts au den bestehenden gesetzlichen Zuständen ändern kann." Begründung? Die KPD. sei mit M a i x der Meinung, daß in der kapitalistischen Gesellschaft jede Regierung nur die Gesäzästc der besitzenden Klasse besorgen köime und darum müsse sie grundsätz- lich die Beteiligung an einer solchen Regierung ablehnen! Eine andere Sache wäre es, wenn der Hamburger Senat keine Landes- regierung wäre und nur jene Funktionen zu erfüllen hätte wie ein Ma- gistrat in einer preußischen Stadt.(Siehe Berlin!!) Also erst dann, so schloß dieser Bürger des„Landes" Hamburg sein« Abhandlung, wenn die soziale Reoolulion so weit vorgeschritten sein werde, daß das Proletariat allein von der Macht Besitz ergreifen könne, werde die Kommunistische Partei bereit sein, in die Regierung einzutreten. Aber sie sei trotz- dem bereit, eifter sozialdemokratischen Regierung die Möglichkeit zu geben, im heutigen Staat Arbeiterfordc- rungen durchzusetzen. Der Sinn dieser kuriosen Liebeserklärung: Die KPD. wird auch weiter jene Politik belieben, die mit den„gesetzlichen Zuständen" nicht vereinbar ist und die SPD. darf als Prügelknabe für ihre aussichtslosen Forderungen den Buckel hinhalten. Der Vertreter der SPD., Leuterlh und der Vertreter der Ge- wertschaften Ehrentest winkten ab: in dieser Art von.Koalition" könne ein vernünftiger Mensch keine ausreichende Sichechett für eine sozialistische Regierung sehen. Wünsche die SPD. eine Soalitionspolitit zwischen SPD. und SPD„ dann müsse sie auch die volle Verantwortung für die Staatspalltlk dieser Koalition übernehmen. Alles andere komme auf Sabotage hinaus. Da wich Thälmann wieder munter. Er leiert noch einmal das Sprüchlein herunter, das ihm sein Mitstreiter vorgesprochen hat: wir sind keine staatserhaltende Partei uzie die SPD., sondern eine staats- vernichtend« Partei. Wir können nicht anders. Gefangene Moskaus? Die Gegenseite war höflich genug, diese Frage nicht anzuschneiden. Sie versuchte dem Verhandlungsgegner golden« Brücken zu bauen: 3st die Kommunistische Partei wenigstens bereit, die ueugewählte Bürgerschaft arbeiten zu lassen? Ist sie bereit. ihre bisher geübt« Sabotage In der Parlamenlstätigkeit auszugeben? Positiv ausgedrückt: Ist die KPD. bereit, das Amt eines Vize- Präsidenten zu besetzen und diesen zu verpflichten, die Geschäfts- ordnung anzuerkennen und durchzuführen? Derlegenhest auf der Gegenfeste. Ausflüchte. Kein Ja und kein Rein. Man könne doch die Geschäftsordnung nur insofern an- erkennen, als sie sich nicht gegen die eigen« Partei richte! Die Vertreter der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften machten dem kläglichen Schauspiel ein End«. Vier Stunden hat man verhandelt. Man ist den Kommunisten weiter entgegengekom- inen, als es bei Parteien, die eine Koalition einzugehen beabsichtigen, im allgemeinen üblich ist. Die Angst vor Moskau, die Angst, ein Zinkchen aus ihrer revolutionären Scheinheiligenkrone zu verlieren, verhindert diese Leute, die vorgeben, für das Proletariat praktische Arbeit leisten zu wollen, auch nur ein Titelchen ihrer Forderungen selbst als Männer von Verantwortung durchzufechten und durch- zusetzen. Die ganze Arbeit soll der Sozialdemo- kratie aufgehuckelt werden. Was hat das Wort Koalition, das Gerede van der proletarischen Einheitsfront da noch für einen Sinn? Also Schluß. Der Vertreter der Sozial- demokratie erklärt: Das verhalten der Kommunisten zwingt die Sozialdemokratie, eine Koalition mit anderen Parteien zu bilden. Aber selbst in dieser aussichtslosen Situation noch der Versuch, die Kommunisten nicht ganz auszuschalt.en und ihnen die praktische Mitarbeit an � der Arbeit für das werktätige Volk, soweit es Moskau und Mostaus Doktrinen erlauben, zu ermöglichen. Unser Vertreter erklärt: Auch wenn die bisherige Koalition mit den Demokraten und der Voltspartei fortgesetzt werden sollte, besteht noch die Möglichkeit, bestimmte Arbeiter- forderungen durch die sozialistisch-kommunistische parlamealsmehr- heit durchzusehen. Seid ihr bereit, auf dieser Bast» mit der Sozial- demokralle zusammenzuarbeiten? Und der Gewerkschastsoertreter fügt hinzu:.wollt Ihr während der Dauer dieser Zusammenarbeit eure organisalionszerstärende Tätigkeit in den Gewerkschaften ausgeben? Nicht einmal dieses„Opfer" wollen die Kom- m u n i st e n dem Proletariat bringen. Sie blieben das Ja schuldig! Danach sind die Verhandlungen endgültig gescheitert und der Vor- sitzende Ehrenleil stellt fest, daß die Bemühungen des Orlsaus- schusses der Gewerkschaften, eine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit in der neuen Bürgerschaft zu finden, bei der Sozialdemokratischen Partei unbedingtes Entgegenkommen gefunden hätten, während die Kommunistische Partei keinerlei positive Grundlage für solche Zusammenarbeit gegeben hat. Nach diesem Tatbestand hatten weitere Verhandlungen keinen Zweck mehr und die Sitzung wurde abgebrochen. Schwarzbarth freigesprochen. Ter Rächer der Pogrome geht frei aus. Pari», 26. Oktober.(Eigenbericht.) Im Pelljura- Prozeh haben die Geschworenen am vliilwoch abend das Urteil gefällt. Sämtliche Schuldfragen wurden verneint. Der Angenagte Schwarzborth wurde f r e i g e» sprachen. Paris, 26. Oktober. In Erwartung des Urteilsspruchs im Petljura-Prozeß hatte sich heute eine außerordentlich zahlreiche Menschenmenge vor dem Justizpalast angesammelt. Die ausgestellten Posten konnten des ungeheuren Andranges nicht Herr werden. Durch die Korridore, die zu dem Verhandlungssaal führen, drängte sich eine kompakte Men- schenmenge gewaltsam bis zu den Eingängen vor. Sie wurde durch die Wache mit Faust schlagen zurückgetrieben. Auch im Gerichssaal selbst herrschte eine erstaunliche Disziplinlosigkeit. Rur mit Mühe gelang es den Zeugen und Anwälten, ihre Plätze zu er- reichen. Bei Eröffnung der Verhandlung erklärte der Vorsitzende Fiory, daß er im Falle der geringsten Unruhe den Saal räumen lassen werde. Daraus verlas er die fünf Fragen an die Geschworenen: 1. Ist Schwarzbarth schuldig, auf Simon Petljura geschossen zu haben? 2. Haben die Schüsse den T o d Petljuras verursacht? 3. Hatte Schwarzbarth die Absicht, Petljura zu töten? 4. Hatte Schwarzbarth mit Vorbedacht gehandelt? 5. Hatte er Petljura in einen Hinterhalt gelackt? Die Anwälte der Hinterbliebenen Petljuras beschuldigten den Angeklagten, im Einverständnis mit den Sowjets ge- handelt zu haben. Sie bestritten, daß Petljura die Judenpogrome angeordnet habe, wenn er sie auch vielleicht hätte dulden müssen. Der Stoatsanwalt plädiert« ebenfalls auf schuldig. Der Verteidiger schilderte die Derbrechen der Soldaten und Kosaken unter Petljura. Der Redner schloß sein Plädoyer mit den Worten:„Wenn ihr den Angeklagten nicht freisprecht, so weichet ihr den tieferen Sinn diese« Prozesse» fälschen und ihr werdet auch die Gesinnung Frank- reich? fälschen. Jetzt ist der Augenblick gekommen, wo sich dl« Stimme Frankreichs erheben soll. Sie wird nicht geschmälert au» dieser Der- Handlung hervorgehen." vorwärts-verleg S.m.b.h», Lerlin SW. bL, Kinüenltr.Z »»M«e(H»vt»» Berlin 87 53«-«a-N°nt-: Bank der«rdeiter.«naestelten a.d«eameen«aüftr.«5:«i»kout».SeieIIibast. Denasited-Ue«indenfte. 3. Die Raöikalsoziaiisten. Zu ihrcm Pariser Parteitag. Paris. 25. Oktober.(Eigenbericht.) Am Donnerstag, dem 27. Oktober, tritt der ordentliche Jahreskongreß der französischen Radikaksozialistischen Partei in Paris zusammen, um über die bei den kommenden Wahlen einzuschlagende Taktik und das Programm zu beraten. Da es sich um d i e st ä r k st e aller französischen Parteien handelt, ohne deren Beteiligung seit bald drei Jahrzehnten (die rein blocknationalistische Periode von 1922 bis 1924 ausgenommen) keine Regierung gebildet werden konnte, werden die Debatten in ganz Frankreich da denkbar höchste Interesse erwecken. Für die Radikalsozialistische Partei haben die kommenden Wahlen eine noch größere Bedeutung, als die von 1919 und 1924. Da zum erstenmal seit dem Kriegsende wieder aus Grund des traditionellen Einzelwahlkreissysteins gewählt wird, das vor dem Kriege der Radikalsozialistischen Partei die Allmacht gegeben hatte, kann sie im ersten Gang allein vorgehen: zum erstenmal seit dem Krieg wird sie seststellen können, ob sich die Armee ihrer Wähler vergrößert oder ver- ringert hat. Eines steht fest: die von der Rechten wild gehaßte und schon zahllose Male totgesagte Partei braucht nicht zu be- fürchten, daß ihr die bäuerlichen Massen des Südens, die ihre Hauptstütze bilden, untreu geworden wären, und auch jene Teile des Kleinbürgertums, der Beamten und der Lehrer- schaft, die ihre aktivsten Elemente bilden, werden ihr den Rücken nicht kehren. So daß man heute schon sagen kann, daß die Radikalsaziallstische Partei eine der stärksten, wenn nicht die mächtigste aller bürgerlichen Grup- pierungen bleiben wird. Darüber ist man sich im Lage des Lim: mitiunul so klar geworden, daß, je näher die Wahlen herankommen, desto stürmischer die Liebeswerbungen der Rechten ihr gegenüber werden. Vor einem Jahr, als das zweite Kabinett Herriot durch die von den Banken geschickt organisierte Finanzpanik zur Strecke gebracht worden war und Herr P o i n e a r ä ans Ruder kam, konnte man in sämtlichen Organen des Lim: national lesen, daß es nun auf immer mit der Radikalsozia- listischen Partei aus fei und ihr nichts übrig bleiben würde, als Anschluß nach rechts zu suchen oder ihrem Zerfall ent- gegenzugehen Wäre die Radikalsozialistische Partei eine straffe Organisation wie die Sozialistische Partei, so hätte die Rechte mit ihren Voraussagungen recht behalten können. Aber in Wirklichkeit haben nur die Komitees in der Radikal- sozialistischen Partei ernsthaften Bestand: die millionenstarke Masse der„Mitglieder" und der Wähler steht, vom rein organisatorischen Standpunkt aus gesehen, in ziemlich losem � Zusammenhang mit der eigentlichen Führung der Partei. Das hindert nicht, daß die Kongresse der Radikalsozialistischen Partei, der oft gegen tausend Delegierte beiwohnen, den Eindruck einer starken Organisation machen, und das hindert vor allem nicht, daß der tatsächliche Einfluß der Partei im ganzen Land sehr groß ist. Von der Orientierung der Politik hängt in allererster Linie die Gesamtrichtung der inneren und äußeren Politik Frankreichs ab. Allerdings— und das ist eine Tat- fache von ausschlaggebender Wichtigkeit— hat sich ihr Traum, allein die absolute Mehrheit zu erringen, nicht verwirklicht. Ein gewisser Prozentsatz ihrer Wähler ist nach dem Krieg zu den Sozialisten, ein anderer zu den gemäßigten Rationalisten übergegangen. Bei den ersten Nachkriegswahl«!. im Jahre 1919, hatte sich ihr Exekutivkomitee und ihr damaliger Präsi- dent Herriot dazu hinreißen lassen, mit dem Line national zu marschieren. Bei den Wahlen im Jahre 1924 ist sie wieder zu ihrer traditionellen Linksorientierung zurückgekehrt, was ihr dadurch erleichtert wurde, daß die französische S o z i a l i st i s ch e Partei, die im Jahre 1919 jedwede Wahlverständigung mit irgendeiner anderen Partei von vornherein abgelehnt hatte, bei den letzten Wahlen ihre Taktik änderte und ihre Beteiligung an einem Linkskartell beschloß, um die Rechtsmehrheit zu Fall zu bringen. Das neue Wahlgesetz macht- das Zusammengehen im ersten Gang nicht mehr erforderlich. Dagegen bleibt die Verständkgung für den zweiten Gang notwendig. Daß sich eine erdrückende Mehrheit auf dem raditalsozia- listischen Kongreß für das Zusammengehen mit den Sozialisten im zweiten Gang aussprechen wird, darf als feststehend be- trachtet werden. Der Versuch des Abgeordneten Frantlin-Bouil- l o n. die Radikalsozialistische Partei zu einer Verständigung mit dem sogenannten„linken Flügel" des Bloc national zu bewegen, um die„Mehrheit der nationalen Einheit", die dem gegenwärtigen Kabinett Poincars-Herriot das Dasein er- moglicht, Dauer über die Wahlen hinaus zu verschaffen, hat nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Herr Franklin-Bguillon glaubt, geschickt zu handeln, wenn er eine„Mehrheit von L&m Blum bis Louis Marin" vorMSgt: aber gerade diese allzu„überparteiliche� Kombi- nation wirkt so grotesk, daß sie von Niemand ernst genommen werden kann. Größeren Eindruck, als dieser konkrete Vorschlag des Herrn Franklin-Bouillon, werden seine Angriffe gegen die Sozialisten machen, soweit sie sich auf deren Weigerung, an einer Linksregierung teilzunehmen, beziehen. Für seinen zweiten Antrag, ein Zusammengehen mit den Sozialisten bei den Wahlen von ihrer formellen Bereitsch'aftserklärung ab- hängig zu machen, in der nächsten Legislaturperiode an der Regierung teilzunehmen, wird er vielleicht mehr Stimmen finden, als für die„nationale Einheit". Aber auch in dieser Frage wird er w der Minderheit bleiben, weil es die Parteileitung wohl nicht für klug hält, der Sozialistischen Partei Bedingungen aufzuerlegen, die um so weniger Aussicht haben, angenommen zu werden, als sie einen obligatorischen Charakter haben. Von der R e ch t e n werden am Vorabend des Kongresies noch intensive Anstrengungen gemacht, die Propaganda des Herrn Franklin-Bouillon möglichst fruchtbar zu gestalten. Die Rede, die der ehemalige Finanzminister des Bloc national, der millerandistische Senator F r a n? o i s- M a r s a l am Sonntag in Besancon hielt und in der er einen äußerst dringenden Appell an die Radikalsozialisten richtete, sich mit den„Ordnungselementen" zu verständigen, ist in dieser Hinsicht bezeichnend. Aber die Stimmung, die inner- halb der radikalsozialistischen Wählermasien und in den Prooinzkomitees herrscht, läßt es von vornherein als aus- geschlossen erscheinen, daß derartige Sirenenrufe auf dem Pariser Kongreß Gehör finden könnten. Die Radikalsozialistische Partei weiß, daß die Sozialistische Partei auf ihrem Weihnachtskongreß beschliehen wird, im zweiten Wahlgang überall dort, wo dadurch der Sieg eines Reaktionär verhindert werden kann, den radikalsozialistischen Kandidaten, wenn er an erster Stelle kommt, zu unterstützen. Der Kongreß der Radikalsozialistischen Partei wird sich hüten, Vorschlägen zuzustimmen, die diese Taktik durchkreuzen könnten. politische Rätselecke. Zentrum und Deutschnationale. Die Ausführungen aus parlamentarischen Zentrums- kreisen, die wir vor einigen Tagen veröffentlichten und die interessante Einblicke in das Familienleben der gegenwärti- gen Regierungskoalition ermöglichten, haben beim Zen- t ru m nicht ganz unverständliche Beklemmungen erweckt. Die„Germania" sieht sich deshalb veranlaßt, unter der Ueber- fchrift„Das Rätsel rechts" wieder einmal den Deutsch- nationalen einige Fragen vorzulegen, die, kurz gesagt, darauf hinauslaufen, wer eigentlich bei den Koalitionsbrüdern Koch oder Kellner sei, wessen Worten man glauben dürfe und wessen Taten als die für die Koalitionsgenossen allein gültigen anzusprechen seien. Besonders die Bemerkung Keu- dells, die deutschnationalen Minister handelten so, daß die Nachwelt von ihnen sage:„sie waren mehr, als sie schienen!" hat den Verdacht des Zentrums noch unterstrichen. Wir registrieren diese Aeußerung, um einer Chronisten- Pflicht zu genügen. Aber daß die Fragen eine ernsthaste Wirkung auszulösen vermöchten, glauben wir nicht. Die poli- tischen„Rätsel" dieses Bürgerblocks sind nicht nur rechts zu suchen, sondern mitten im Zentrum selb st. Eine Partei, die sich durch Frattions- und Parteitagsbeschlüsse auf die republikanische Staatsform festgelegt hat— wenn sie auch sehr viele laue Anhänger der Republik umschließt—, dürfte bei dem Verhalten der Deutschnationalen kaum noch im Zweifel sein, wohin die Politik der Blockgenosien um Keudell und Westarp steuert. Wenn sie diesen Kurs nicht rechtzeitig und energisch abbricht, so kommt sie mit ihm in die gleiche Verdammnis, trotz des Reichsschulgesetzes. Die bisherigen Wahlen im Reiche dürften auch für die Politik des Reichs- Zentrums ein warnendes Menetekel sein. Der siriminal-Gotha. . Don Jonathan. Nach Wedekind ist Sunde nur ein mythologischer Ausdruck für schlechte Geschäft«. Diese Erkenntnis hat sich allmählich die fihri- unnalpsychologie zu eigen gemacht. Seitdem die Statistlk erwiesen lmt, daß mit den, Steigen und Fallen der Getreidepreis« auch die Kriminalität steigt und fällt, kann man den Zusamnvenhang zwischen Verbrechen und Armut nicht gut mehr ableugnen. Die Zweifelsfrage ist, ob Armut die Verbrechernatur erst her- vorruft, oder ob sie die bereits vorhandene Derbrechernatur lediglich enthüllt. Das letztere scheint wahrscheinlicher. Es leuchtet ein, daß «in kriminell veranlagter Mensch, der von Natur zu Eigentums. delitten neigt, keine Ursache hat, Diebstahl, Unterschlagung und Be- trügereien zu Hegehen, solang« ihn Ueberflutz umgibt. Erst mit dem Fortfall der schützenden Hülle wird sich sein« Ra, btiereigenschast offenbaren. Einen Beweis von geradezu klassischer Eindringlichkeit liefert unser hoher Adel. Seit Revolutionen im halben Europa ihn aus seiner gesicherten Position herausgeworfen haben, geht es mit feiner Wohlanständigkeit reißend bergab. Die Kriminal- und Skandalfälle häufen sich. Es fehlt der schützende Schild der Mon- archie, die vormals auch den entartetsten Adelssprosfen mit«in- kömmlichen Pöstchen und hohen Revenuen versorgte. Die Besitz- tümer sind zw«r von einem Teil des Adels gerettet, ober die Ein- nahmen erheblich zusammengeschrumpft Es ist also eine Situation geschaffen, in der sich zeigen müßte, ob Adel gleichbedeutend ist mit einem besonderen Vorrat anständiger Gesinnung, oder- ob der Nimbus des Adels nur der Widerschein einer gesellschaftlich und mate- riell bombenfest gesicherten Position gewesen ist. Das Ergebnis ist eindeutig. Neben dem Gothaer Almanoch, der die Angehörigen sämtlicher Adelsgeschlechter auszählt, würde sich heute bereits die Herausgabe eines Kriminal-Gotha lohnen, der nichts zu enthalten hätte, als ein Verzeichnis- der feit 1918 straffällig gewordenen Sprossen hoher und höchster Ge- schlechter nebst eingehender Beschreibung ihrer Taten. Was würde man daraus ersehen?— Man würde ersehen, daß einem großen Teil dieses Adels eine verschwenderische, leichtsinnige Lebensführung unentbehrliche Grundlage jeglichen Daseins ist. So- lange die Mittel da waren, hielt es nicht schwer, als Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle das Geld auszugeben. Ebenso wenig wie in der Operette, in einem Roman der Courths-Mahler oder in emem jener fügen Gesellschaftsfilme wurde danach gefragt, woher eigentlich das viele Geld stammte, mit dem die Helden und Heldinnen in Frack und Dekollete um sich warfen. Nun aber war das Geld auf einmal verschwunden Ja, was nun? Sich mit— schreck licher Gedanke!— Sechsz immerwohnung und nur zwei Dienstboten begmigyi? Dos Leben eines gesättigten Privatiers spielen, aber aus den alltäglillKn Champagner, auf die Tausend-Mark-Weikcr. auf Rennpferde, Schmuck und Toiletten glatt verzichten? Leoer duad us Slav! Lieber Verbrecher als Bürger! Und sie gingen hin und... Und der Graf K«udell wurde das Haupt einer Einbrecher- band«. Und der Fürst Windischgrätz fälschte Million« nweis Immer langsam voran! Phoebus-Bericht erst im November! Auf ein Schreiben, das der Genosse Hermann M ü l l e r am 20. Oktober 1927 an den Reichskanzler gerichtet hat, hat dieser am 23. Oktober folgendes geantwortet: „Von Herrn Staatsminister a. D. S a e m i s ch wird die Unter- suchung der Phoebus-Angelegenheil mit größtmöglicher Beschleunigung durchgeführt. Herr Minister Saemisch war der Ansicht gewesen, daß er noch im Laufe der nächsten Woche mir einen vorläufigen Bericht würde vorlegen können, auf Grund dessen ich dann mit den Herren Führern der Reichstagsfraktionen halle Fühlung nehmen können. Durch die notwendig geworden« Ver- nehmung neuer Zeugen wird sich dieser Zeitpunkt noch um einige Tag« hinausschieben. Herr Staatsminister Saemisch hat mir soeben mitgeteilt, daß er mst Bestimmthell darauf rechnen zu können glaube, daß der erste Bericht über das Ergebnis seiner Unter- suchungen in der ersten Hälfte des nach st en Monats vor- liegen wird. Ich werde nicht verfehlev, Ihnen dann sogleich Mll- teilung über das Ergebnis zu machen." Hoffentlich kommt nach dieser oertröstenden Ankündigung der Bericht noch rechtzeitig, um die aus ihm zu gewinnenden Erfahrungen bei den kommenden Etatsberatungen verwerten zu können. Jedenfalls hat das Reichswehrministe- rium bisher nichts getan, um den peinlichen Anschein zu vermeiden, daß es an einer Verschleppung der Behand- lung seiner Flimmergeschäfte das größte Interesse habe. Deswegen wird man nach dem bisherigen Verlauf der Dinge noch mit einiger Skepsis warten, ob sich das Versprechen des Reichskanzlers, noch im November den Bericht vorzulegen, auch wirklich erfüllt._ Demokratische Vanülungen. Der Hansabund fordert Finanzdiktatur. Seltsam sind doch die Wege mancher bürgerlicher Demokraten. Schacht ließ sich vom Vertrauen seiner Partei zum Reichsbank- Präsidenten emportragen und stellte sein Mitgliedsbuch zur Ver» fiigung, weil die Demokratische Partei den 24 Landes- fürst« n und den ungezählten Standesherren nicht genug Treue bewies. Heute spielt er sich als Diktator der Gemeindeanleihen, als Primadonna der Finanzpolitik aus, deren wechselvolle Launen selbst von seinen einstigen Freunden heute nicht mehr verstanden werden. Immer noch verstanden von seinen Parteifreunden wird das führende Mitglied der Demokratischen Partei und vieldutzendsnch« Auf- sichtsratsmitglied industrieellr Gesellschaften, Herr Hermann Fischer. Dieser hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des sonst sehr sanft ruhenden Hansabundes einen Vorschlag ausgearbeitet, wonach Deutschland ein regelrechter, dem Parlament nicht verantwortlicher Finanzdiktator beschert werden soll. Dieser Mann soll das Recht erhalten, Gesetzentwürfe vorzulegen, die den Gesamtaufwand des Reiches, der Länder und der Gemeinden auf 19(zehn) Mil- liarden beschränken. Warum gerade 19, das weiß kein Mensch. wird auch niemand begründen können(außer man meint, hinter jede 1 gehört.eine 9). Der Hansabund setzt sich fast ausschließlich oder doch vorwie- gend aus Demokraten zusammen. Demokratische Blätter spenden Herrn Fischer sogar gedämpften Beisoll und merken nicht, wessen Dienst sie eigentlich versehen. Wenn die Demokratische Partei ihren letzten Anhang an Arbeitern und denkenden Bürgern verlieren will— bei uns ist noch Platz. Dennoch bleibt es bedauerlich, zu sehen, wie eine Partei, die mll der Sozialdemokralle den Kamps um die Republik gemeinsam führt. sich bis auf die Knochen blamiert, indem sie Führer solchen Schlages auf ihren Schild erhebt. Saüt- Keuüell. Die zuständigen Ausschüsse des R e i ch s r a t« beschäftigten sich heute mit der Angelegenheit v. Keudell— Badt. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen wird Stillschweigen gewahrt. Wie DDZ. au» französische Franken. Und der Graf Pallavieiui wurde Falschspieler. Im feudalen Potsdam hat der Sturz der Hohenzollern- Dynastie«ine kriminelle Massenseuche hervorgerufen. Der berühmte »Geist von Potsdam" zeigt wachsende Annäherung an den Geist von Plötzensee. Die Gräfin Ellinor o. Bothmer half sich in Geldverlegenheiten mit kleinen Betrügereien, die geboren« v. L e i n i n g e n, oerehelichte Professor Schnabel, ging schon, grö- ßere Ziele erstrebend(womit wir nicht den Gärtnerburschen Max meinen), zur Teftamentsfälschung Über, der Baron Hermann o. O t t c n suchte sich durch Betrug und Wechselsälschung die Grund- lagen eines standesgemäßen Daseins zu oerschaffen. Der amüsante Hochstapler Freiherr v. Eglofs st ein. der trotz Adelsoblegung seines Vaters doch als Adelssprossc zu rechnen ist. wirkt fast versöhnlich in diesem Bild«. Der jüngste Fall ist der F ü r st v. S ch w a r z e n b e r g, Sproß eines der höchsten österreichischen Adelsgeschlechter, der den Sieger der Völkerschlacht von Leipzig zu seinen Ahnen zählt. Hier ist freilich die böse Verwandtschaft an allem schuld. Denn sie hatte sein Erbteil von 6 Millionen Tschechcnkronen(rund 609 999 M.) so festgelegt, daß der arm« Fürst nur die Zinsen erhielt. Zwar hob er sie gleich für zwei Jahre im voraus ab, aber es sst klar. daß von so winzigen Geldern ein Fürst Schwarzenberg nicht leben kann. So geriet er erst in die Schulden, 39 999 Kronen hier, 19 999 Kronen dort. Doch es langte immer noch nicht. Da wurde denn die National-Register-Cash durch«ine fingierte Bestellung auf zehn Registerkassen, die der Fürst umwendend nach Erhall ver- schleuderte, tn höchst adliger Weise geprellt. Und als die Polizei den Fürsten festnahm— wir leben halt in einem ruchlos demokratischen Zeitalter—, da gestand dieser, daß er mit«inigen Spieß- gesellen gerade einen Einbruch in die Kossenräum« der Gesell- schast geplant hatte. Die Lorbeeren de« Grasen Keudell hatten es ihm angetan. Es geht reißend abwärts. Einige Fürstenhäuser— die Hohenzollern voran— beHelsen sich vor der Hand mit Familien- s k a n d a l e n. Durch die Gutmütigkeit des deutschen Volkes sind sie einstweilen materiell gedeckt. Aber wie— wie wird es werden, wenn einmal die deutsche Republik ein weniger schlafmütziges Aussehen zeigt? Der hohe Adel hat die Probe nicht bestanden. Verlust des Reichtums hat hier eine erschreckend hohe latente Kriminalität enthüllt. Roch befinden sich die Fürsten ein- gehüllt in das schützende Medium des lleberflusjes. Aber wenn es einmal wegfällt—, wer weiß... wer weiß? Der Architekt Hermann Aluthesius ist gestern mittag das Opfer eines Straßenunfalls geworden. Er wurde beim Ueberfchreiten eine» Fahrdamme» in Steglitz von einem Straßenbahnwagen angefahren »nd erlitt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus verstarb. Muthesius war 186j in Groß-Neuhonsen geboren, hatte an der Berliner Technischen Hochschule studiert, war vier Jahre als Architekt in Japan, dann sieben Jahre bei der deutschen Botschaft in London tätig, wo er sich mit der englischen Wohnkultur vertraut machte. Danach wurde er nach Berlin ins Ministerium für Handel und Gewerb« berufen und hat sich hier in fünfundzwanzig» jähriger Tätigkell um die Reform der staatlichen Gewerbe-, Hand- vorkam entarffchen Kressen hört, hofft man, daß tn der morgigen«okl- sitzung des Reichsrats die Angelegenhell durch Austausch von Erklärungen aus der Welt geschafft werden wird. Staat Preußen unü Staüt Verlw. Der Genehmigungszwang für Fluchtlinienpläne aufgehoben. Im Städtebauousschuß des Landtags wurde«nsoztaldemn. kratischer Antrag nach ausführlicher Begründung durch die Genossen Leid und Lüdemann angenommen. Danach wird ein noch aus der wilhelminischen Zell bestehendes Sonderrecht des Staates gegen die Stadt Berlin beseitigt, das di« Genehmigung der Fluchtltnienpläne vorsah. Reben den Vertretern unserer Partei stimmten für diesen Antrag die Demokraten, die Kommunisten und einige Zentrumsvertreter. Zentrum unü Hesolüungsorünung. Preisabbau, nicht Gehaltserhöhung!— Erklärung?« im HauptauSschuß des Landtags. Bei Beratung der gestrigen Besoldungsdebatte im Haupt» ausschuß des Landtags verkündete der Vorsitzende Abg. Hirsch, daß nach einem Gutachten des Vorsitzenden des Geschäfts» ordnungsausschusses Abg. Leinert die Sitzungen der Unter- ausschüsse nicht vertraulich, d. h. jedem anderen Abge- ordneten zugänglich sind. Damit hat sich die von dem Abg. Hirsch (Soz.), Simon(Soz.) und Kasper(Komm.) vertretene Ansicht als richtig erwiesen. Dagegen wird eine Drucklegung der Verhandlungen im Unterousschuß um der Kosten willen abgelehnt. Es soll nur ein Protokoll zu den Akten genommen werden. Nach Eintritt in di« Tagesordnung kritisiert Abg. Kasper (Komm.) den Besoldungsgesetzentwurf aufs schärfste. Die Berichterstatter Abg. Baumhos(Z.), Müller(Soz.), Meyer. Herford(Dl Vp.) und Hermann(Dem.) verzichten aus Berichiev- stattung im Hauptausschuß, einmal um die Beschlüsse des Re chs- tags abzuwarten und weil eine eingehende Berichterstattung im Unterausschuß notwendig ist.,.. �, Abg. Oclze(Dnot.) kritisiert die Verschiedenheiten bei Zulagen und die unterschiedliche Behandlung von Philologen und Juristen. Abg. Diehl(Z.): Mussolini hat es fettig gebracht, einen Preisabbau von 19 Proz. darchzusühren. Man mag zu dein Mann als Politiker gegensätzlich eingestellt sein, als Wirtschaftler hat er für Italien eine Hänbelsdilanz erreicht, die bedeutend besser ist als die deutsche. Einen solchen Preisabbau wühlen wir in Deulsch- land ebenfalls erzwingen, und das im Interesse der Beamtenschaft. Deutschland ist. abgesehen von Reparationsleistungen, mit 2� Mit- liarden in Unterbilanz. Man spricht heute schon von weiterer Er- höhung des Diskonts: durch Besoldungserhöhungeii kommen wir zu weiteren Preissteigerungen. Im Ausland ist es umgskehrt. Der Absatz wird schwerer, der Kurs in Besoldung-» fragen muß in letzter Stunde vielleicht gewendet werden. Auf dem Wege des Preisabbaus muß den Beamten geholfen werden. Der preußische Finanzminister sieht die Deckungssrage zu rosig an. Abstriche könnten nur durch Ersparnisse bei sächlichen Ausgaben ge- macht werden. Und das Notwendige soll nur durch neue Steuern aufgebracht werden. Mir lehnen es ab, die schon zu hohen Real- steuern noch zu erhöhen. Ich bin mit meinem Kollegen Baumhöf nicht«inverstanden, wenn er einen gewissen staatlichen Zwang wünscht, daß di« Gemeinden ähnlich ihre Kommunalbeamtcn be- solden. wie es die Besoldungsgesetze des Reiches und der Länder vorsehen._ Wahlen im Saargebiet. Wahlrechtsfordernngen der Sozialdemokratie. Saarbrücken, 26. Ottober. Die Sozialdemokratische Partei de» Saargebietes hat die Regierungskommission um baldige Ausschreibung der Landesratswahlen ersucht. Sie fordert gebundene Wahllisten, amtliche Stimmzettel und das passive Wahlrecht auch für die in, Saargebiet nicht geborenen, aber im Saargebiet wohnenden Personen. werker- und Baugewerkschule oerdient gemocht. Die von ihm angestrebte Reform des Architektenstudiums blieb unausgeführt. Roch Erreichung der Altersgrenze trat er 1926 in den Ruhestand, behielt aber seine Aemter als Dozent an der Handelshochschule und als Mit- alied der Akademie des Bauwesens bei. Sowohl als ausübend:,' Architekt wie als Schriftsteller ist Muthesius vorwiegend auf den, Gebiet des Landhausbaues hervorgetreten. Als er zu Anfang des Jahrhunderts die Idee des Landhausgedankens zu propagieren be- gann, fand er in Deutschland kein« Traditionen vor, auf denen er hätte weiterbauen können. Er war einer der ersten, die bei uns siir die Schaffung gesunder Wohnungen in Verbindung mll Natur und Gartenkunst eintraten. Seine Ideen und Erfahrungen hat er in zahlreichen literarischen Werken niedergelegt:.Architektonische Zeit- betrachtnngen",„Landhaus und Garten",»Das englisch« Haus", „Wie baue ich mein Haus?",„Die schöne Wohnung" u. o. Die Gemeinnützigkeit der Deutschen Thealer-G. m. b. h. sst vom Berliner Magistrat nicht anerkannt worden. Der Magistrot sieht nach wie vor in der Form der Umwandlung eines einem Privat- mann gehöriqen Privatunternehmens in eine gemeinnützige Gesell- schast einen Versuch zur Umgehung der Vergnügungssteuer, den die Stadt wegen der Rückwirkung auf andere Theaterunternehmungen grundsätzlich nicht mitmachen kann. Der erste Schneepalast. Eispaläste kennt man schon seit vielen Jahren in allen Haupsstädten, jetzt will man nun in Wien«inen Schneepalast errichten, in der Halle der irüheren Nordwest-Station. der der erste seiner Art sein wird. Das ganze Jahr hindurch sollen künstlicher Schneesall und Eisbahnen jede Art winterlichen Sport hier möglich machen. Eharlsen, ein bekannter Skiläufer, hat die Initiative hierzu ergriffen. wa» der Milttarismu» für gefährlich hält. In der letzten Sitzung des sranzösischen Militärpolizeiberufungsgerichts in Mainz wurde gegen ein junges Mädchen aus Happersheim a. M. ver- handelt, das von seinem Vater eine Anzahl altchinesischer Waffen von hohem Kunstwett geerbt hatte. Sie wurde wegen Besitzes»gefährlicher Waffen" zu einer Geldstrafe und zur Beschlag- nahm« der Waffen verurteilt. Die Vorinstanz hatte auf Freisprechung erkannt und di« Rückgabe der hsstorischen Massen ange- ordnet. gvonn« Seorgi wird unter Mitwirkung der Tänzer und Tänzerinnen der Städtischen Bühnen Hannover in der 2. Tanzmatine« der Volksbühne EB. am Sonntag, dem 13. November, im Theater am Bülowplatz gastieren. Borkäge in den Iliuseen. Sonntag, den 30., 19 Uhr, sprechen im «llten Museum Pros. Neugebauer über.Antike Tterplaftik-, im Kaiser- Friedrich. Museum Direktor Demmler über..Da« Bildnis in der Deutschen Kunst" und im Museum svr Völkerkunde Prof. Eichhorn über.Kunst der Südsee- Insulaner".' TeUncbmerkarten 50 Pf. vor Beginn am Eingang. trdodrnnß einer M vernlqueve. In Szegedin flieg man bei der Bali. ninq emc«»iriesischen Brunnen« in eine, Tieie von SZg Ketirn a»i Wasser mit einer Temperatur von 58«rad S-lsiu«. Aus»er Wagelflä�« de» Brunnenrande» zeigten sich«aSbläSchen, die sich anzünden lieben. Eine chemische Untersuchnn, er, ab.»ad da«»»1« anch»warnisalz« Jork mit öer Toöesftraft! Scharfe Kritik der Sozialdemokratie im Strafrechtsaitsfchutz. In der gestrigen Sitzung des Strafrechtsausschusses des Reichs- tags, über die wir im letzten Abendblatt teilweise berichteten, kündigte Genosse Kurt Rosenseld den schärf st en Wider st and der Sozialdemokratie gegen die Aufrechterhaltung der Todes- straf« an. In seiner groß angelegten Rede führte er noch aus: Der wahr« Grund für die Beibehaltung der Todesstrafe ist das primitive Bedürfnis nach Vergeltung. Die Durchführung diese» Gedanken» führt zur Lynchjustiz. Erfährt man von einem schweren ruchlosen Verbrechen, so mag für einen Augenblick die Empfindung auftauchen, daß Rache geübt werden müsse. Der Gesetzgeber mutz sich aber davon freimachen. Von der abschreckenden Wirkung der Todesstrafe sollt« man nicht mehr sprechen. Der Eni- wurf halt es für zweifellos, daß der Todesstrafe dies« Wirkung innewohnt. Dabei steht er mit sich selbst im Widerspruch, denn er gibt zu, daß unter der Herrschaft der Todesstrafe die Zahl der Morde von 40 im Jahre 1912 auf 177 im Jahre 1920 ge- stiegen ist. In keinem Lande, das die Todesstrafe abgeschafft hat, ist eine Zunahme der Mordtaten festzustellen. Wie sollte auch psychologisch die Todesstrafe abschrecken, da doch jeder Mörder natur- gemäß sich dem Glauben hingibt, er werde nicht entdeckt, eventuell nicht verurteilt und schlimmstenfalls nicht hingerichtet werden. In Sowjetruhland, wo sogar gewiss« Unterschlagungen mit dem Tode bestrast werden, hören die Unter- schleife gleichwohl nicht auf. Am wenigsten kann von einer ab- schreckenden Wirkung der Todesstrafe bei politischen De- litten die Rede sein, denn der leidenschaftliche Parteimann hält sich ohne jede Rücksicht auf die Folge dieser Tat aus Grund feiner Ueberzeugung für verpflichtet zu handeln. Bei diesem Gebiete er» weist sich die Todesstrafe als da» schärfste Mittel der«lassen, und Parleijustiz. Auch die Vollstreckung der Todesstrafe schreckt nicht ab, sonst würde man sie östentlich vornehmen. Im Jahre 180S hat allerdings der König von Preußen in einer Kabinettsorder angeordnet, die Todes- strafe, die damals öffentlich vollstreckt wurde, solle so vollzogen werden, daß auch die entfernter Stehenden den Vorgang verfolgen könnten Diese Zeiten sind ober vorüber, heule schämt man sich der össenklichen Hinrichtung. Wenn man aber schon so weit ist, dann sollte man erkennen, daß man sich der Todesstrafe überhaupt schämen muß. Die Todesstrafe könne In der heutigen Zeit weder unter dem Gesichtspunkt der Vergeltung noch unter dem der Bestrafung auf- rechterhalten werden. Die Todesstrafe ist ein U e b e r b l e i b s e l aus den Zeiten des Mittelalters, aus der Zeit des Faustrechts und der Barbarei, sie sei mit dem allgemeinen Abbau des Strafsystems unvereinbar. Die Anhänger der Todesstrafe be- riefen sich auf die angeblich im Volk« herrschend« Rechtsüber- z e u g u n g, daß auf einen Mord die Hinrichtung folgen müsi«. Das sei der Gedanke der Blutrache, dem der Gesetzgeber er.t- gegenzutreten habe. Die weitesten Kreise des Volkes empsänden die Barbarei der Todesstrafe, daher auch die allgemeine Abscheu gegen den Henker Der Gesetzgeber müsse dem Volke vorangehen und«r werde es hinter sich haben. Di« Sozialdemokratische Partei, die doch einen sehr erheblichen Teil des Voltes vertrete, habe immer schon die Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Zahlreiche Fälle von Justizmorden und Justizirrtümern, die der Redner im einzelnen vor- trägt, bewiesen, daß oft genug Unschuldige zum Tode verurleill worden seien.„Ein Wort nimmt sich, ein Leben nie zurück." Die Hinrichtung selbst sei etwas Furchtbare», so furchtbar, daß man diesem legalisierten Morden ein End« machen müsse. Eine unglaubliche Roheit. Als Genosie Rosenseld«inen Magdeburger Zeitungsbericht über zwei Hinrichtungen vorliest und dabei davon Mitteilung macht, daß der eine der beiden Mörder sich die letzte Henkersmahlzeit habe gut schmecken lassen, ruft der Abg. hampe lWp.)„Ra also!* und entfesselte damit große Empörung. Genosse Rosenseld nagelt diese Roheit gebührend fest und fordert, daß mit solchen nur die Äutgier fördernden Hinrichtungen ein End« gemacht werde. Auch wegen der Einheitlichkeit de» deutschen und österreichischen Strafgesetzes fei die Todesstrafe zu beseitigen, da sie in Oesterreich durch die Versassung abgeschafft sei und nicht wieder eingeführt werden könne. Dies« Verankerung in der Versassung sei der öfter- reichischen Arbeiterschaft zu verdanken. Es fei unerträglich weiterhin.dabei auch Frauen und Menschen unter 21 Zahren hinzu- richten. Genosse Rosenseld schließt seine dreistündigen Ausführungen mit einem warmen Appell an die Mitglieder des Ausschusses, die Todesstrafe abzuschaffen. Prof. Kahl Hobe einmal ge- sagt, die Gegner der Todesstrafe kämpften unter dem Sonnen- strahl der Kultur und Humanität. Unter diesem Zeichen -oerden wir siegen. Abg. Zapf. liarden geschätzt wird, erreicht worden ist. Die Einnahmen betrogen 42,675 Milliarden, die Ausgaben 42,160 Milliarden, somit Ueber- schuh der Einnahmen rund 500 Millionen. Davon müsien aber 800 Millionen für die Erhöhung der Gehälter der Post- und Telegrophenbeamten zurückgestellt werden. In der Einleitung findet zwar der Berichterstatter einige anerkennend« Worte für das Finanzwerk Poincares. unterstreicht ober dann, daß die Wirt- schastskrisc in Frankreich außerordentlich stark a n g e w a chs e n fei und die Einnahmen der Post, und Telegraphen. Verwaltung, der Eis-nbahngesellschasten und der Zölle seit Monaten im Rückgang seien: die Sammer töte gut daran, sich mit diesen Rückwirkungen der Steuerpolitik Poincares zu beschäftigen. Der sozialistische„Populaire* schreibt zu diesem Budget, daß alle Voraussagen der Sozialistischen Partei der Politik Poincares gegenüber gerechtfertigt sind:„Wir wären keineswegs über die Zukunft in Sorge,* schließt das Blatt,„und würden den bürgerlichen Parteien es gern überlassen, die Karre au« dem Dreck zu ziehen, wenn wir nicht wüßten, daß letzten Ende» doch die Arbeiter- klaff« die Kosten dieses Abenteuers trägt. Der Stillstand des Geschäftsganges ist das Anzeichen für kommende Ar- beitslostgkett und Herabsetzung der Löhne. Wie Wilhelm II. wird Poincarä sagen: Ich habe es nicht gewollt. Die Ausslucht ist schwach. Sie hat den Kaiser nicht gerettet.* Zreigelasien- Erschossen. Ekelhafte Militärjastiz Litauen. Warschau, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Der litauische sozialdemokratische Abgeordnete P o p l a w s k i schilden in einem hiesigen Blatt« die grauenvoll« Boll- streckung des Todesurteils an acht litauischen Verurteilten in Touroggen. Demnach wurden die Leute von litauischen Soldaten auf eine Brücke geführt, wo ihnen erklärt wurde, sie seien frei und könnten in den unweit gelegenen Wald fliehen. Kaum hatten sie jedoch zu lausen begonnen, als eine hinter Ströuchern verborgen« Soldatenkompagnie mehrere Salven auf sie abgab. Di« acht Männer ßürzten zu Tode getroffen zu Boden. Dieser Borgang spielte sich in Anwesenheit zahlreichen Publikums ab. Darunter befanden sich auch Angehörige der Ermordeten. Studenten noch reaktionärer als Sethlen. Budapester Demonstrationen für den„numerus clausus". Budapest. 26. Oktober. An den Hochschulen herrschte heute Ruh«, doch wurden südifch« Studenten, die die Lehrsäle besuchen wollten, aufgefordert, die Ge- bände zu verlasfen. An den Einlaßpforten wurde ihnen bedeutet. daß man ihnen so lange den Zutritt zu den Gebäuden verwehren werde, bis die ungarische Regierung ihre Absicht aufgegeben habe, das Gesetz über den„numerus clausus*(beschränkte Anzaht von zuge- lassenen jündischen Studenten abzuändern. Die übergangenen Länüer. Lättderklagen im Bildnngsausschuß.— Keudell weift fie höhnisch zurück. Im weiteren Verlaus der gestrigen Sitzung des B i l d u n g s- ausschuffes des Reichstags entstand ein« neu« Geschästsord- nungsdebatt«. Aus den Aeußerungen des deutschnationalen Abge- ordneten Dhilipp hätte man schließen müssen, daß die Schul- kinder in Sachsen, nachdem sie lieben Jahre lang die Schule besucht hotten, später nochmals zum Schulbesuch gezwungen wer- den. Abgeordneter Löwenstein(Soz.) perlangt nun, daß die Unter- lagen über die Rechtsverhältnlsi« im Schulwesen der einzelnen Länder herbeigeschasst werden. Abg. Fron Bäumet(Dem.) weist mit Nachdruck darauf hin, daß nach dem Weimarer Kompromiß die Gemeinschaftsschule Vir Regelschule sei. Sie wendet sich entschieden gegen den Versuch, durch die Borlag« den Artikel 149 der Reichsversassung neu zu regeln. Abc. Rheinländer(Z) erklärt, daß leine Partei sich auf den Boden de» Entwurfs stell«. Der Entwurf sei nicht, wie man höhnisch behaupte, ein Keudellscher, sondern ein Eni- wurf der Reicher« gierung, wenn er auch von»inigen Reichsministern mit Borbehalt unterschrieben worden sei. Ministerialdirektor Saestner bedauert, daß sich die Reichsregie- nmg zu den preußischen Vorschlägen, soweit sie sich mit der Auslegung des Artikels l46 befassen, noch nicht geäußert habe. Herr tv keudell schweigt. Abg. Erisplen lSoz.): Maßgebend für die Auslegung der Bestimmungen der Berfasiung ist die von dem damaligen Staats- fekretär Heinrich Schulz im Austrage der drei Regie- rungsparteie» und der Rei chsregiernug ab»«, geben« Erklärung. All« Auslegungskünsts müssen an dicfer Erklärung scheitern. Den Deutschnattonaien werde mit Recht der Vorwurf gemocht, daß sie die mit dem Zentrum vereinbarten JRicht- liniert gebrochen haben. Beim Schulgesetz verbinde sich aber dos Zentrum mit denselben Deutschnationalen, um die Berfasiung zu verletzen. Wik der bei den Deukschnationalen gewohnten Gewtfsenlosigkeil werde die kostensraqe behandelt. Die Zersplitterung der Schule werde Unsummen kosten. Die Entwicklung in Holland müsse uns al» warnendes Beispiel dienen. Für Berlin steht fest, daß allein für dl« katholischen Kinder 199 neue Schulen gebildet werden müssen. Am Ende der Sitzung erklärt sich der Minister u. Keudell dazu bereit, beim Schlußporagraphen Auskunft über die Rechtsver- Hältnisse im Schulwesen in den einzelnen Ländern zu geben. Zu den preußischen Borsch'ägen. höbe er sich aus Hol- lichkeitsgründen nicht geäußert. Der Minister gibt zu. seilte ab- fälligen Aeußerungen über das sächsische Schulwesen gemacht zu haben. Daß die Länder zu den Vorarbeiten nicht heran- gezogen worden seien, habe sich au- den früheren Ichlech- t e n Erfahrungen bei ähnlichen Gelegenheiten ergeben. Ministerialdirektor Kaestner gibt auf diese Ausführungen«ine ausführliche Antwort. Er weist insbesondere darauf hin, daß der Wunsch Preußens, rechtzeitig gehört zu werden, nicht beachtet worden fei. Auch der bestehende Reichsschulousfchuh ist zur Vorarbeit nicht herangezogen worden, trotzdem Inden Satzungen verpflichtende Bestimmungen darüber ent- hatten sind. Abg. Schreiber(Z.) vertritt die eigenartige Aussassung, daß d>« Länder ihr« Ausführungen im Reichsrat, also nicht im Reichstags- ausfchuß, machen sollten. Abg. Löwenstein(Soz.) weist dieses Ansinnen entschieden zurück. Nach dieser Debatte oertagt sich der Ausschuh auf Donnerstag vormittag._ flm üeutschea Wesen... Die Tragödie einest Leichtgläubige«. Aus Kassel wird uns geschrieben: Wie in vielen anderen Städten Deutschlands sollte auch in Kasiel 1924 der„Deutsche T a g* Anbruch einer neuen Zelt, Beginn des wiedererwachenden Reiches sein. Alles was sich„voter- ländisch* bewegt fühlt«, sollte mit von der Partie sein. In Kasiel bildete sich ein Ausschuß zur Vorbereitung diese» Deutschen Tage». Ausrufe wurden erlassen, von alten Generalen. Exzellenzen ganz kriegerischen Nomens, hohen Beamten. Landbunb- leuten, deutschnationalen Parteisekretären, Haßgesangsfabrikanten, Privatleuten und— natürlich— auch einem Geheimen Konfistoriol- rat unterzeichnet: Bei den Beratungen des Ausschusses wurde selbstverständlich die Frag« erörtert, was zu tun sei, um die finanziell« Basi» des Deutschen Tages zu schaffen. Aber keiner wollte zunächst das Risiko übernehmen, obwohl alle große Töne von dem Erfolg des Tages redeten. Schließlich fand sich ein Dummer i» der Person eines O b e r p o st s e k r e t ä r s, der«s zu etwas Bermögen gebracht hatte und seine Pension verzehrt«. Diesem Manne war es geradezu «in Vergnügen, als sich die Exzellenzen um sein Geld bemühten. Mit Freuden gab er es also hin. Der Deutsche Tag kam. Wegen Verbots für Beronstoltungen im Freien ging der ganze Schwindel in geschlossenen Räumen vor sich. Das Ergebnis: Pleite. Nun sollte der Oberpostsekretär sein Geld herausrücken, das Geld, das ihn und seine Kinder ernähren sollte. Es gab Prozesse bis zum Reichsgericht, alle Instanzen entschieden gegen den armen Mann, für den die Unterzeichner der Aufruf« und Mitglieder des Ausschusses nichts mehr übrig hatten. So kam es, daß sich der Mann, der sich von„teutschen Männern* verlassen und oerraten sah. in seiner Berzwelflung erhängte. Die reaktionären Kreise Kassels widmeten dem Taten keine Zeile, nur der Kriegeroerein gedachte seiner in einer kleinen Todesanzeige. Die Herren aber, deren Glanz und gute Worte den Mann zur Bürgschaft oerleiteten, fühlen sich weiter als„treudeuisc'* und reden davon, wir Deutschland„wieder ehrlich wird*. Sie haben es nöttgl /lusöehnung des J66« Jüan der europäischen zur Weltinternatiouale. Dem Internationalen Gewertlchastsbund waren bis zum Jahre !9Z6 außerhalb Europas nur die Gewerkschaften von Kanada und Palästina angeschlossen. Nominell zählte auch die„weiße" gewerk- schaftliche Landeszentrale Südafrikas zu den Mitgliedern des 3GB. Sie mußte jedoch wieder von der Liste der Mitglieder gestrichen werden. Auf dem Pariser Kongreß des STD waren aber dereit» Vertreter der„farbigen" Gewerkschaftszentrale Südafrikas sowie Vertreter Argentinien» als ordentliche Kongreßdelegiert» und Vertreter Indiens und Mexikos als Gasü>el«gierte zugegen. Mit ihnen, sowie besonders mit den südafrikanischen „farbigen" Arbeitern, die durch einen Lollblutneger vertreten waren. tritt der IGB. zum ersten Male über den Rahmen des« u r o p ä i- schen Kulturkreises hinaus. Weniger bekannt ist, daß die internationalen gewerkschaftlichen Berufssekretariote. d. h. die beruslichen Gewerkschafts- internationalen, die alle— 26 an der Zahl— dem IGB. angeschlossen sind, bereits weit über den Rahmen de» IGB. außerhalb Europas ihre Mitglieder werben. Nach den Angaben des neuesten Jahrbuches des IGB. hatten die internationalen Berufssekretariate ihre Mitglieder in folgenden außereuropäischen Ländern, deren ge- werkschaftliche Landeszentralen dem IGB. noch nicht an- geschlossen sind: A u st r a l i e n: Bergarbeiter, Seeleute(Transportarbeiter- internationale), Postangestellt«. Indien(Niederländisch-Indien): Postangestellte, Eisenbahner(Transp.). Vereinigte Staaten von Amerika: Bergarbeiter(400 000), Maler und Tapezierer (115 000), Bekleidungsarbeiter(105 000), Hutarbeiter. Schuhmacher (Lederorbeiterinternotionale)/ Bäcker und Konditoren(Nahrung»- nnttclarbeiterinternationale), Hafenarbeiter(Transp.), Postange- stellte, Diamantenarbeiter. Brasilien: Hutarbetter, Kutscher usw.(Transp.). Kanarische Inseln: Transportarbeiter. In der letzten Zeit(nach dem 1. Januar 1026) haben sich ferner den internationalen Bemsssckrctariaten zwei Seeleuteverbände (Transp.-Arb.-Int.) Indiens mit wsgesamt 50 000 Mitgliedern, die Holzarbeiter(352000) und Metallarbeiter der Bereinigten Staaten die Holzarbeiter Kubas u. a. angeschlossen. Diese bei weitem noch nicht genügend beachtete Werbetätigkeit der internat'o- nalen Berusssekretoriate ebnet den Weg für den Anschluß neuer außereuropäischer Gewerkschastszentralen an den IGB. und er- leichtert eine» allmählichen Ausbau der Amsterdamer Internatio- nole zu einer Weltintcr nationale der Gewerkschaftern Englitcke Hewerkschastsprobleme. Beschlüsse deS vlencralrats. London, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Dem Generalrct der britischen Gewerkschaften, der nm Mittwoch in London zusammengetreten ist, lag u. a. der Bericht eines Sonderausschusses über den Streit zwischen der britsschen Seemann su nion und dem Bergarbciterverband vor. Dieser Streit, der sowohl auf dem Gewerkschaftskongreß als auf dem Parteitag der Arbeiterpartei zur Sprache gekommen war, ist darauf zurückzuführen, daß die nach dem Zusammenbruch des Berg- aideiteistreiks ins Leben gerufenen gelben, sogenannten„nicht- volitischen" Bergarbeitergewerkschasten die materielle Unter- stützuilg durch die Seemannsunion, die unter der auioiratischen Führung Havelock Wilsons steht, gefunden halten. Wie verlautet, hat sich der Generalrat der Auffassulig"des Bergarbeiterverbairdes angeschlossen und gegen die�Seemannsunian, die bisher noch dem Gewerkschaftsbund angehörte, Suf. dem jüngsten Gewerkschafts- kongreß jedoch nicht mehr vertreten war," entschieden. Falls sich diese Information bewahrheitet, ist mit dem Ausschluß der See- monnsunion aus den: Verband der britischen Gewerkschaften zu rechnen.(Was tein Bcrlust wäre? Red. d.„V.") Der Gencralrat beschäftigte sich ferner mit dem sogenannten „M arsch arbeitsloser Bergarbeiter aus London". Er stellte dazu fest, daß seine ursprüngliche Unterstützung dieses Demonstrationszuges auf«ine I r r e s ü h ru n g über den Charakter der Unternehmung zurückzuführen gewesen sei. Es Hab« sich nun herausgestellt, daß der Marsch der Zlrbeitslosen die Unterstützung der lokalen Bergarbeiterorganisationen nicht gesunden Hobe und das Londoner Empfangskomitce mir Ausnahme van Cook und Vei- tretern des Londoner Gewerkschastskanells durchweg aus K o m- m u n i ste n bestehe. Dem ltzenerolrat lag schließlich noch eine Mitieilung der Ge- werkschast der P o st a n g e st e l l t c n vor, in der diese den General- rat dahin unterrichtet, daß sie durch das Inkrafttreten tcs Gewerk- sthoftsgesetzes der Regierung gezwungen sei, ihre Verbindung mit dem Gewerkschaftskongreß— das ist mit den: Verband der britischen Gewerkschaften— zu lösen. Außerdem beschloß der Gencralrat zum erstenmal zum allmdischen Kongreß, der im November zu- sammentritt,«ine Delegation zu entsenden. Die Delegation, die aus Titlet und Pu reell besteht, erhielt den Auftrag, eine Unter- suchung des Standes der gewerkschaitlichen Organisation in Indien vorzunehmen. Die Abwesenheit Purcells dürft« eine Lösung der Krise im Internationalen Gcwerkschoftsbund erleichtern und die Uebentahme des Borsitzes durch Georg Hicks gemäß dem Wunsch der kontinentalen Gewerkschaften erleichtern. Die stäötisihen Arbeiter werüen ungeöutüig. Wie der„Vorwärts" in Nr. 504 berichtete, hat der Magistrat nach seiner Weigerung am 5. Oktober, dem Beschlüsse der Stodtver- ordnetenoersommlung beizutreten, der eine zwischcntarisliche Lohn- Zulage von 10 Pf. pro Stunde vorsah, nunmehr einen besonderen Ausschuß zur Prüfung der zwischentarislichcn Lohnregelung ein- gesetzt. Bei dieser Gelegenheit hatten die Vcrbandsvcrtreter um schnellste Erledigung der Angelegenheit ersucist. Ganz abgesehen davon, daß die Angelegenheit au sich lange genug schwebt, bringen auch die Arbeiter in den städtischen Betrieben zum Ausdruck, daß sie auf ihre schliehsiche Regulierung weniger lange warten können, als die an der Sache nickst unmittelbar Beteiligte,'.. So hat eine Obleutekonferenz der Städtischen Gaswerke am 25. Oktober eine Entschließung gesaßt, worin die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und Stoatsarbeiter usyssrdfrt usttt, sofort die groß- Tarlskom m Isslo««Wz». berufen, w der über da» letzt, Derhandlungsergebm» bezüglich der zwisthentarislichen Lohnregelung berichtet werden soll; weiter aber. «ine große Funktionärversammlung einzuberufen, die die nächsten Sompfmoßnahmen beschließen soll. Au» diesem Beispiel ergibt sich wohl noch deutlicher die Not- wendigkeit einer möglichst raschen Regelung des Lohn- ausgleichs. wenn Komplikationen vermieden werden sollen. Zvm LoKnftreit öer Maßschuhmacher. vergleich vor dem Schlichtungsausschuh. Der Echlichtungsausschuh hatte die Parteien im Lohnstreit der Maßschuhmacher gestern zu einer neuen Verhandlung geladen. In dieser Verhandlung kam folgender Vergleich zustande: Der Mindest st undenlohn für männliche Arbeiter und ak» Akkordbasis für neue Arbeiten erhöht sich ab laufender Lohnwoche um Z Pf auf 1,09 M. und mit Wirkung ab 1. Dezember 1027 um weitere Z Pf. auf 1,12 M. Hinsichtlich der übrigen Tarifsätze ver- bleibt es bei der bisherigen prozentualen Staffelung. Das Abkommen gilt bis zum 31. März 1028 und ist zu diesem Zeitpunkt mit einer vierzehntägigen Frist kündbar. Einigung in üer Sorauer TextilinSustrie. Lohnerhöhung von 7 bis 30 Prozent. In Verhandlungen vor dem Schlichter in Berlin ist durch ver- kindlichen Schiedsspruch eine Beilegung der Differenzen in der Sorauer Textilindustrie erzielt worden. Die Zeit- löhne des Lohntarifs für die Sorauer Leinenindustri« wurden um 10 bis 30 Proz. erhöht. Der Grundlohn des Einstuhl- webers wurde bei den männlichen Arbeitern von 43,7 auf 50 Pf., bei den weidlichen von 34,3 auf 40 Pf. erhöht. Das bedeutet eine Steigerung von 14,4 bzw. 16,0 Proz. Der Zeitlohn der männlichen Zweistuhlweber beträgt 56 Pf., der weiblichen 45 Pf. Soweit der neue Akkordrichtsatz bereits überschritten ist, werden die Akkord st ücklöhn« um 7 Proz. erhöht Die Löhne der Tuchindustrie sind wie bisher um 5 Proz. höher als in der Leinen- industne., Der neue Tarif hat Gültfgkelt ob 3. Oktober und kann erstmals zum 30. September 1028 mit zwei Monaten Frist gekündigt werden. Die gegenseitigen Kündigungen werden zurückgenommen: Maßregelungen finden nicht statt. Das Neichsarbeitsgericht tagt. Die erste Sitzung. Leipzig, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Das Reichsarbeitsgericht in Leipzig trat am Mitt- woch zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. Ständiger Vorsitzender ist Senatspräsidcnt O c g g. Als Beisitzer fungieren neben zwei Reichsgerichtsräten zwei Laienrichter als Vertreter der Arbeiter und Unternehmer: N ö r p e l vom ADGB. und Dr. Fromm für die Unternehmer. Vor Beginn der sachlichen Verhandlung hielt Senatspräiident O e g g eine lönoere Ansprache, in der er darauf h'nwies, daß das Gesetz durch Hinzuziehung von Beisitzern aus den Kreisen der Umeruehiver und Arbeiter auch in der Revilionsinstanz der be« sonderen Bedeutung Rechnvug iraee, die das Arbeitsleben für die gesapste Wirtschaft hat: außerdem sei es von den.' Wunsche beseelü dem Reichcarbeitsgericht die u n m i t t o l b a r c"F ü hl u n g mit d c ni L e b e n und seine«' Bedürfnissen zu erhalten. Taelf für Portiers unü hausreiaiyerinnen. . Infolge der Entscheidung des Reichsgerichts vom 6. Juli d.?. durch die die Tariffähigkeit des Bunde? Berliner Haus- und Grundbesitzer festgestellt wurde, haben nunmehr neue Verhandlungen zwischen dem Deutschen Portiernerband. Sektion des Deutschen Ver- kehrsbnndes, und dem Buied Berliner Haus- und Grundbesitzer über den M a n t e l t a r i f sowie'über die Neuregelung der Löhne stattgefunden. Eine Erhöhung der Löhne mußte erfolgen, weil die in.dem Vertrage von 1024 enthaltenen Lohnsätze bereits überhalt waren. Ab l, Oktober d. I. gilt somit nun für alle Portiers, Haus- reiniger(Generalreiniger) und Hausreinigerinnen ein e i n h e i t- l i ch e r A r b e i t s v e.r t r o g und eine nach Art und Umfang der Arbeitsleistung festgesetzte und zu errechnende Entlohnung. Die Lohnsätze verstehen sich für nur tatsächlich geleistete Dienste pro Aus- gang nnd Kesselbedicmmq usw. Die Säuberung der Ausgänge hat bei der im Vertrage ieftgesctztcn Entlohnung so zu erfolgen, daß Mittwoch �gefegt und«onnabcnd gcieg: und gewischt wird sowie tägliches Fegen des Hauseingonges. Darüber hinaus verlangte und zu leistende Reiniguugsarbeite» sind mit der Hälfte oder des dappel- ten Satze? zu bezahlen. Allgemein gilt noch dem Vertrage für vollbeschäiligte Portiers die achtstündige Arbeitszeit. Dienstleistungen, die über die Rcini- gunqspflicht sowie der Besorgung der Kesielonlogeu hinausgehen, gelten als Dcrwaltertötigkeit, im besonderen, wenn kein Verwalter im Hause wohnt, z. B. An- unhAbmelden der Mieter, Eintragungen und Verteilen der'Hauslisten, Schlüsselbedienung der Absperrhähne, Miete kassieren usw. und müssen extra nach Vereinbarung bezahlt werden. In den Fällen, wo höhere Löhne, als in dem Vertrage vorge- sehen, gezahlt werden, dürfe» diese nicht gekürzt werden. Reinigungsmaterialien und-gerätc, dazu gehör: auch die.Kohlen- belieferung für die Wannwasserbereitung zum Wischen im Winter, hat der HckUswirt zu beschassen und zu ergänzen. Großreinemachen, einschließlich des Klopfens der Läufer, ist be- sonders z» entschädigen. Urlaub ist den Vollportiers je nach der Dauer der Beschäftigung von 3— 18 Tagen, für Portiers im Nebenberuf und Hausrcinige- rinnen nach gegenseitiger Vereinbarung zu gewähren. Während der Urlaubszeit ist der Lohn weiterzuzahlen. Die Wohnung als Dien st wohnung wird abzüglich des mit Licht und Heizung freizugebenden Dienstraums(Portierloge) nach dem gesetzlichen Höchstmietwcrt berechnet. Die Instandhaltung der Dienstwohnung liegt dem Hausbesitzer ob. Als Kündigung gilt illr Portiers und Hausreiniqerinnen ohne Wohnung ein« zum 1. oder 15. jeden Monats zulässige, m i t Woh- nung eine zum Monatsschluß zu erfolgende vierwöchige Kün- digungsfrist. Dadurch ist«m, ein für allemal etne dvrchgrestend« Aenbemg und Regelung in dem Lohn- und Arbeitsverhältnis der in der Woh» nungswirtfchast tätigen Portiers und Hausreinigerinnen geschassen. die sicher dazu beitragen wird, das Verhältnis zwischen Hauseigen» tümern. Portiers und Mietern besser zu gestalten, als es vordem der Fall war. Eine überwiegende Bedeutung Ist dieser Arbeits- und Lohn» regelung insofern beizumessen, weil die größte Unternehmer- und Arbeiterorganisation dies« abgeschlossen haben und die Regelung von der Vereinigung der freien Hausbesitzer anerkannt wurde. Tarifverträge sind in der Geschäftsstelle, Berlin W. 30, Bay- reuther Str. 31. zu haben._ der Solinger Streik nicht beeaüet. Wir hatten m der Abendausgabe vom 22. Oktober ein« Wolfs- Depesche gebracht, des Inhalts, daß der Lohnkamps im Bergischen Land durch eine vor dem Schlichter in Radevormwald ge- troffene Vereinbarung beendet worden sei. Dazu schreibt uns das Kartell der Arbeitgeberverbände im Kreise Lennep: „Das Radevormwalder Tarifgebiet ist vollkommen selbständig, gehört nicht zum Solinger Bezirk, hat wegen der letzten Lohnstreitig. keit keinen Lohnkampf gehabt und hatmitdemSolinger Streik nichts zu tun. Die Lohnvereinbarung ist ohne Streit auf Grund eines friedlichen Uebereinkommens getrofsen worden. Di« Erhöhung beträgt im Höchstfalle bei Stundenlöhnen 10 Proz., nicht 20 Proz. Die übertariflich gezahlten Stundenlöhne werden in gleicher Weise wie die Akkordverdienste um 5 Proz. erhöht. Di« Zuschläge für Mehrarbeit sind vom 1. November ab auf 15 bzw. 25 Proz. vom tariflichen Stundenlohn festgesetzt worden." Wir nehmen von dieser Berichtigung Kenntnis, empfehlen den Einsendern aber, diese Berichtigung dem Urheber der Meldung zu schicken. Einigung in der Seeschiffahrt. Hamburg. 26. Oktober. Nach einer Mitteilung des Verbandes Deutscher Reeder sind die nach längeren Verhandlungen in fre-er Vereinbarung zustande gekommenen Tarifverträge über die Arbeitsbedingungen und Heuersätze in der Seeschiffahrt von ollen Verhanblungsparteien angenommen und unterzeichnet worden. Die neuen Verein. barungen treten mit dem 1. November 1027 in Kraft. Die Mantel- torife sind auf zwei Jahre und die Heuertarife auf ein Jahr ge- schlössen._ Spannung im Saarbergbau. Saarbrücken. 26. Oktober.(MTB) In der heutigen Knappschaftsoorftandssitzung kam es wegen der Frage der Sonderrmterftützung für die Knappschaftsrentner zu scharfen Zusammenstößen zwischen Arbeiter- und Unternehmer. Vertretern. Die französischen Unternehmer lehnten die Gewährung von Sonderzulagen an die Knappschaftsrentner ab. Zum Protest gegen diese Haltung verließen die Arbeitervertreter geschlossen die Sitzung unter Hinweis darauf, daß die Unternehmer für die in- folge der Not steigende Erregung in den Knappschaslsrentnerkreisen des Saargebiets allein die Verantwortung tränen. Bei der Firma W. Rosenstein, Beleuchlungswerke, Blücherstr. 31, befinden sich die Arbeiter wegen Nichtbewilligung ihrer Forderung ieit vier Wochen im Streit. Leider ist ein Teil der unorgani- sie r ten Hilfsarbeiter nach einigen Tagen Streik den Ver- lockungen und Versprechungen des Betriebsleiters gefolgt und hat die Arbeit gegen den Willen ihrer Kollegen wieder ausgenommen. Die gelernien Kollegen stehen nach wie vor geschlossen im Streik, um k'e minimalen Forderungen durchzudrücken. Die Firma versucht, Gürtlerarbcitcn in anderen Betkie- den unterzubringen,- speziell.Kupserbossius und Vergaser. Kollegen,'unterstützt die Streikenden! Aufgehobene Sperre. Wie-uns der ZeiUraJnorbcmd der Hotel-, Restaurant- und Coscongestellten Mikteist, sind die Differenzen mit dem Gastwirt Paul Günther, Landsberger Allee 123, bei- gelegt. Die unier Torisbruch Eingestelsten werden entlassen. Die Sperre ist somit ausgehoben. E? 1 � EäSi 3 Achlu»5, acaiclseml �ricdrich-hain! Heute 16H Ufr findet eine ffunftiDiiortmifcrenj im Cafol von Treidler, Stralaucr'Plich 5, slalt. W Tagrsorduuug: t. Bericht von einer.gonferen* im Be'irtsvorstond der 2. Etellungnahm» zur Ncuwai,! de- ssraltionsvorstandes. 3. Ver- ichiedsneg.— Genossen, meiche noch nicht die roten Werocmarken ad. — gerechnet baden, bitten wir. dirseo in abiger zuiammentunit zu er» W ledigen. Erscheinen aller Genosse» diingend erforderlich. De« Zrattiouooorftaod. Ü Achtung AES. Tiirbine! ssreitag. lö lldr. de- OehlschlSger, Bcr. ja liching-nstr. 5. wichtige Versammlung oller Varl eigen ossen. Es wird W vollzüduger V-evch erwarl.u. De» Zr»lti»i«»»oess«»», ssrcie Eewerilchastsivgend et. rojj. Berlin. Seu'c. Donnerstag. 10'.' Udr, ta�en die Gruppe».' Südwesten: Iugenddeim Borckstr. ll. Fabrikgcdaud'...?et gU'.ctlchvainicitc Berlin'Adolf Glagbrcuncrs."— Nöpcnick.- Grupp.-nl-.eil» gugenddeim Grünauer£tr. 3. Vortrag:„Grossstatss und Gesunddeilspflege.-'— Teeipelhos: Grupvenhciin Unzeum Gerinaniaslr. 1—6. Gebnrtotagsseier unserer Gruppe.— Südosten' Grusvenheim Sieichcndrrgcr Är. Ii« iKeuerwel>r!>aus). Vortrag:„Unsere Stellung zum Werk-iporl."- Gestindbrunnen: Gruppcnheim Bote Schule, Gorendurgrr Straße. Vortrag:„Aus Bebels Leben."— Hu-nboldt: Iugendlieim Graun., Elte Lortzingstraße. Mußt und Tanz beschließ: das Monatsende.— Laadsberger Blaß: Jugendheim des Ostens, Große Frantfurtcr Straße tb, Zimmer 2. Spiel» und Tanzobcnd. Bebel und Liebknecht" tLcwintki). Der Allgemeine Verband der Deutscher Ban'aogestelllen, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet heule Iii'., Uhr in den Germania-Vrachlsäleu, Ghaussecstr. IUI. eine öffentliche B a n f a» g e st e l> t e n v e r s a m m l» n g. In dieser Versammlung werden die Referenten Mar« und Gmonls über das Thema „Gtg.nwarlstordcrunge» und Zukimftsautgaben" sprechen. Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geyer: Wirtschaft: G. Nlingtihöscr: Gcwerkichaitsocweg'..na: ss r. Ggtorn: ,re»ille:on Dr. Iohu Schitowsli: Lolalcs: und Sonstiges: ffrl»»arstiidt: Anzeigen: Th. Gloite! sänittich in Berlin Verlag: Vorwiirts-Verlag G m. b H., Berlin, vtruck: Borwärts-Buchdruckeret und VerlagsanstnU Pan' Sinae?» Eo Berlin SW SS. Lindenstraste S. Hierzu 2 Beilagen.„Unterhaltung und Wissru" und„Zraucnstimmc". . Sophien-Sälej | Sophienstr. 13* Norden 9236 u. 12643| ♦ Für Vereine und Versammlungen � in jeder Größe � /C MS»» fc ai Ulackain»biwll« ctpp ym iurjcncpprin X«(«n iiad Mm nüM mdr alt Itnö auf's Üfrot lach Nr Schlacht fährt Stn labrtfen Zon fda M-dtot M efftt Zu ledern nnd der Talelnurserine„Frische RecT Terleace mtl grert» den Bcocstca Baad der Resl-Butsbücherei: Vertreter der V,*. W. Nürnberg;: Rcsi-Aceatur, Berlin NO 43, Neue KÜBicstr. 37. TeL: KöaijSUdt 1863, 1866,1367 St»» u»»«! Hb»»adtt Äb»M■« Mf Sftf ib(ftn. Nr. 50$ ♦ 44. Jahrgang 1. Heitage öes Vorwärts Donnerstag, 27. Oktober 7427 350 Opfer öer Schiffskatastrophe. Die„Mafalda" auf ein Riff gelaufen.— Möglichkeit einer Keffelexploston. Der größte Teil der Paffagiere gerettet. Ein Funkspruch de« Sapikäns der«Formosa" von l0.ZS Uhr morgens erklärt: Seit 9 Uhr abends sind wir mit „TR o s e l l a" und anderen Dampfern mit dem Rettung«. werk beschäftigt, da« gute Fortschritte macht. Wir warten da« Tageslicht ab. Unsere Ankunft in Rio de Janeiro wird sich um 24 Stunden verzögern. Wir bringen die Geretteten dorthin.— Die„Alosella" ist ebenfalls ein französisches Schiff. Rom. 2S. Oktober. Die„Agenzia Stephani" veröffentlicht die letzten hierher gelangten Rachrichten über die Bergung der Schiffbrüchigen der„Mafalda". Danach erhöht sich die Zahl der Geretteten auf ltS0 Personen. Rio de Janeiro, 26. Oktober. Räch einem hier eingetroffenen Funkspruch der Tele- graphenftallon Amarlina werden 350 Passagiere der «Mafalda" vermijzt. Stranöong bei öahka. Die in Rio de Laueiro eingetroffenen Rachrichten scheinen die zuerst geäußerte Vermutung zu bestätigen, daß der Dampfer „Mafalda" au einem Riff gescheitert ist. In den Küsten- gewäsiern südöstlich von vahia. wo sich das Unglück ereignete, bilden die unmarkierten bis dicht an die Oberfläche des Wasser» reichenden Felsen eine Gefahr für die Schiffahrt. Im vergangenen Frühjahr stieß der amerikanische Dampfer„Western World" auf der Fahrt von Buenos Aires nach Rem Park auf einen dieser Felsen und konnte nur mit Mühe geborgen werden. Räch Meldungen, die beim brasilianischen Marinemlnisterium eingelaufen sind, liegt der Schauplatz de» Unglücks bei dem unweit der Küste gelegenen Abrolhosarchipel. einer Gruppe niedriger Felsen- eilande in der Rühe von Porto Alegre, halbwegs zwischen Bahia und Rio de Janeiro. Das Bureau der Ravigazione Generale Jtaliana gibt bekannt. daß sich an Bord de» untergegangenen Dampfers„Principessa Mafalda" 905 Passagiere befunden hätten. Die früher genannte Zahl von 1600 Passagieren beruht auf einer Angabe des Maritime Register, das ouch verzeichnet, daß olle Passagiere mit Ausnahme von 110 Auswanderer gewesen seien. Räch einer Meldung des amtlichen britischen Funkdienstes hatte der Dampfer„Principesia Mafalda" eine Besatzung von 2Z0 Mann. Derselben Quelle zufolge find auch der britische Dampfer �Avalon" und der brasilianische Dampfer„plahy" au den Rettungsarbeilen beteiligt. Der llebcrlebendea sollen nach Rio de Zanairo gebracht werden. Der Dampfer„Prlncipessa Mafalda" wurde gestern in Rio de Janeiro und am Sonnabend in Buenos Aires erwartet. Cr stand unter dem Befehl des Kapitäns Simon Gull. Unter den Passagieren befand sich der Direktor des Statistischen I n st i t u t» in Rom. Prokesior G t g l i.(Die Meldung, daß sich der Tenor Giglt unter den Passagieren besand, scheint demnach aus einem Irrtum zu beruhen. D. Red.) Einzelheiten vom Untergang öer.Mafalda�. lieber den Untergang des italienischen Dampfers„Prindpessa Mafalda" werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Kala- ftrophe ereignete sich gegen sieben Ahr abends, als die paffagiere beim Abendeflen versammelt waren. Das Schiff ist anscheinend sehr schnell untergegangen, so daß ein Teil der von Panik ergriffenen Paffagiere nicht mehr in der Lage war, die Rettungsboote zu erreichen, um die sich zwischen den übrigen Paffagieren ein wilder Kampf entspann. Eine ganze Anzahl Passagiere sprang mit Schwimmgürteln versehen über Bord. Der Bordfunker versah seinen Dienst bis zum letzten Augenblick und sandte hilseruse nach allen Seilen, die auch von zahlreichen Schissen aufgefangen wurden. Alle Geretteten, bekanntlich 720 an der Zahl, sind nach Rio de Janeiro gebracht worden. Von den S68 Passagieren benutzten 52 die erste und 89 die zweit« Klasse. 827 waren Zwischendeckpaffagiere, vor- wiegend Auswanderer nach Argentinien: gleichwohl kann die „Prindpessa Mafalda" nicht als Auswandererschiff angesprochen werden. Von dem Londoner Bureau der„Ravigazione Generale Jtaliana" wird erklärt, daß auf dem Schiff alle modernen Sicherhettsvortehrungen getroffen waren und daß es nur durch Zusammentreffen einer Reih« außerordentlich unglücklicher Umstände möglich war, daß eine so große Anzahl von Personen bei dem Untergang des Schiffes das Leben verlor. Eine Mitteilung aus Bahia besagt, daß das Unglück stch oberhalb von Abrolhos im Staate Bahia ereignete, in beträchtlicher Entfernung von der Küste. Nach einer weiteren Meldung soll sich an Bord des Dampfers die Schwester des argentinischen Botschafters in Frankreich befunden haben. Vle Rettung öer paffagiere. Bremen, 26. Oktober. An der Rettungsaktton für die Schiffbrüchigen des Dampfers „Prindpessa Mafalda" hat stch nicht, wie anfangs verlautete, der deutsche Dampfer„Athenas" beteiligt, sondern wahrschein- l i ch der holländische Dampfer ,.A l e n a", der stch auf der Fahrt nach Bahia befindet. Wie der Norddeutsche Lloyd mitteilt, ist der Dampfer„Athenas" augenblicklich auf der Fahrt nach Alexandrien. Der verunglückte Dampfer„P r i n c i p e s s a Mafalda" der Ravigazione Generale Jtaliana war eines der schönsten und modernsten Schiffe im Italienischen Passagier- verkehr. Er versah den Dienst auf der Luxuseillinie von Genua und Barcelona nach Rio de Janeiro und anderen südamerikanischen Hauptstädten. Der Dampfer war iöv Meter lang, 17 Meter breit. Er umfaßte 12 000 Tonnen und hatte eine Fahr- geschwindigkeit von 18 Meilen in der Stunde. Gerade angesichts der Katastrophe ist von Interesse, daß das Schiff In zehn wasser- dichte Abteilungen geteilt und in seiner ganzen Länge mit doppeltem Boden versehen war. Der Prospekt der italienischen Gesellschaft zeigt in seinen Abbildungen die außerordentlich luxuriöse und elegante Ausstattung der Säle und Kabinen. Wenn gemeldet wurde, daß die„Prindpessa Mafalda" bereits vor sieben Jahren Gegenstand einer Unglücksnachricht gewesen sei, so hat es sich damals offenbar um die Namensvorgängerin des Schiffes gehandelt, das jetzt das Opfer der furchtbaren Katastrophe geworden ist. Ein Serliner unter öen Geretteten. Hamburg, 26. Oktober. Auf dem unkergogcmgenen Dampfer befand stch auch der Per- waltungsdireiwr des Zirkus Hagenbeck, Vollrath.(Es handelt stch um den Sohn des verstorbenen Chefredakteurs der„Ber- liner Dolkszeitung", Karl Lollrath, der eine Zeitlang als Pressechef den Zirkus Scrrrasani in Südamerika begleitete. Wie wir hören, ist Karl Vollrath unter den Geretteten. Ein Kabettelegromm ans Rio meldet seinen Angehörigen in Bertin, daß er sich w Sicherheit befindet.— D. Red.) Tierbändiger S a w a d e von Karl Hagenbecks Tierpark ist wie durch ein Wunder der Kata- stroph« entronnen. Lorenz Hagenbeck, der stch ebenfalls mit einem größeren Tiertransport auf dem Wege nach Südamerika an Bord des Dampfers„Cap Rorte" befindet, veranlaßte ihn im letzten Augenblick, die bereits gelöste Schifftskarte nicht zu benutzen und ihn auf dem„Cap Rorte" zu begleiten. Noch mehr Schiffsunfälle. Hamburg. 26. Oktober. Das deutscheMotor schiff„Rebekka" ist auf der Reise von Hamburg nach Rästved gestern nacht gestrandet. Das Schiff wurde leck. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Stockholm, 26. Ottober. Der schwedische Dampfer„Birgerjarl" ist gestern morgen auf der Reise von Stockholm nach Abo in der Nähe von Mariehamn(Wandsinseln) auf Grund gestoßen. Die Passa- giere konnten gerettet werden, und auch die Post ist geborgen. Die Lag« des Schiffes ist tritt sch Eine hartnäckige Selbstmörderin. Auf offener Straße versuchte gestern eine 2öjähnge Hasts- angestellteCharlott« H. aus der Reuen Friedrichstraße, ver- mutlich in einem Anfall von G e i st« s g e st ö r t h e i t, auf entsetz- lich« Art ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie begoß sich aus dem Koppenplatz mit einer brennbaren Flüssigkeit, die sie in einer Spiritusslajche mit sich führte, und zündete ihr« Klei- der an. Passanten, die das seltsame Gebaren des Mädchens de- obachtet hatten, eilten hinzu und es gelang chnen, die Flammen bald zu ersticken. Noch bevor Polizeibeamte herangerufen werden konnten, riß sich die H. plötzlich los und lief in den Hausjlur des Grundstückes Linienstraße 196 hinein. Hier goß sie den Rest der Flasche über ihre Kleider und zündete diese abermals an. Sie erlitt schwere Brandwunden, konnte jedoch durch das Eingreifen von Passanten vor dem Feucr- tode bewahrt werden. Die Geistesgestörte wurde in das Nirchomc Krankenhaus übergeführt. LSj Zement. !?�oraau von Djodor©labfoto. Gromada fuchtelte mit den Händen und seine Augen ��.Smoffen, wir sind zwar Arbeiter eines herrlichen Wertes, haben uns aber mit Schweinen und Ziegen voll ge- laden... und so und weiter... Kriecht aus euren Höhlen. Genossen!... Ich schlage vor, alles Ueberflüffige zum Nutzen der Kinderheime zu liquidieren... und da wir, die Arbeiter- klaffe..." Wie eine Trommel erdröhnte eine Flut von Worten im Staub und Rauch. „... diese Schweine... für fremdes Gut gibt es schon viele Freunde... wer kroch von den Dörfern und Sied- lungen?... Er ist viel zu eingebildet!... Alle kann man nicht betrügen... Gromadas Weib selber hat all ihre Röcke in den Dörfern zerfetzt..." „Liquidieren!... Zum Teufel... Setz es durch die Zelle durch, Tschumalow!.. „Ha, Brüder!... Es ist doch nichts zum Fressen da! Ha!... Wozu zerrt Ihr die Teufel in den Streit hinein?... Brüder!..•" Glied läutete scharf mit der Glocke und kommandierte „Ruhe. „Schweigt- Genossen! Vorläufig haben wir noch kein Verbot gegen hweine und Ziegen. Wenn Ihr Lust habt, so spielt mit ihnen weiter herum. Wenn die Zeit kommen wird, werden wir ihnen schon nach Proletarierart einen Stoß versetzen— wie der Bourgeoisie..." Und wieder beruhigte er alle und brachte sie mit einem Scherz und einem Lachen dazu, sich zu setzen. „Genossen, ich schlage euch vor, einen Vorsitzenden zu wählen." Und er hatte noch nicht das letzte Wort ausgesprochen, als die Frauen aus ihrer Ecke heraus(an der Spitze Domacha und Lisaweta) aufstanden, mit den Händen herum- schlugen und durcheinander und miteinander einen Namen schrien:„Dascha! Dascha Tschumalowa!... Dascha!.. Und die Männer brüllten auch, konnten aber zuerst das Weibergeschrei nicht übertönen. „Gromada!... Tschumalow!... Sawtschut!.. Und der Name Sawtschuk zerbarst im Gelächter. Gromada sprang zum Tisch und fuchteste wieder mit den Händen, zeigte auf die Weiber und schrie mit Weiber- stimme den Männern zu:„Genossen!... Von wegen den Weibern ist mir kein Aerger, sind ja sozusagen gleichberech- tigte Geschöpfe, wie sie sind... und so und weiter... aber die jungen zum Führen...die sollen mal erst auswachsen... hier muß ein Bart Vorsitzen.. „Wo ist denn der Bart von Tschumalow?... Und deine Haare hat auch die Katze glatt geleckt.. Und die Weiber schrien wie besessen und übertönten olles mit ihrem Geschrei. „Dascha Tschumalowa!... Dascha!... Gromada kann ihr nicht das Wasser reichen.... Sawtschuks Bart ist ein Misthaufen für Kellerwürmer, und seine Fäuste sind für Motjka gut. „Sawtschuk! Tschumalow! Loschat! Eljeb läutete wieder scharf mit der Glocke. „Ich lasse abstimmen, Genossen. Dascha Tschumalowa wird als erste eingetragen. Trotzdem sie meine Frau ist, aber ich widerspreche dem Weiberkommando nicht. Wer ist Äafür...." Und kaum hatte er Daschas Namen genannt, als die Weiber wieder losschrien:„Dascha... warum gönnt Ihr den Weibern nicht die Arbeit, Ihr Bösewichte?..." Gljeb erhob als erster seine Hand, mit ihm die Weiber und Sergejs. Die Arbeiter erhoben einer nach dem anderen, unwillig, hustend und keuchend ihre Hände. Es war, als ob sie nicht ihre, sondern fremde Hände langsam empor- streckten. Sawtschuk brüllte ohne die Hand zu heben aus der Ecke heraus:„Jag sie fort, diese Weiber, jag sie nach Haufe, diese Klatschbasen!..- Scht— seht! Das kann ich nicht mst ansehen!..." Gljeb klingelte wieder schrill und unterbrach das Ge- schrei:„Gromada kommt zur Abstimmung... zu wenig... Loschak wird abgestimmt... zu wenig.... Nimm deinen Platz ein. Genossin Tschumalowa." Die Weiber schlugen in die Hände, wie Hühner mit ihren Flügeln. „Bravo, Weiber!... Wir haben gesiegt!... Zeig's ihnen nur, den bärtigen und rasierten Ziegenböcken, Dascha." Dascha trat mit festen Schritten zum Tisch, stellte sich neben Gljeb. „Genossen, ich verlange Ruhe und proletarischen Geist. Gib die Tagesordnung, Genosse Tschumalow. Das Wort erhält jetzt Genosse Jwagw zum Beruht. Sie können fünf- zehn Minuten hintereinander sprechen, nicht mehr." Sergejs lachte und machte eine erstaunte Handbewegung. „Eine zu strenge Regie, Genossin Tschumalowa...." „Schwätzen Sie nicht, Genosse Iwagin. Wenn Sie reden wollen, so tun Sie es gleich. Sonst gehen wir zur Tagesordnung über."' „Sie ist nicht schlecht eingebildet!.., Ich habe gleich. gesagt: keine Weiber...." „Jagt sie nach Hause, die Weiber, die Klatschbasen!: Ich werde sie alle am Rock packen und aus dem Fenster.», scht— scht!" „Genosse Sawtschuk, schweig. Ich werde dich wegen � deiner Anarchie wegschicken.... Ihr seid doch Kommunisten, Genossen?" Dascha hat recht. Man braucht nicht viel: was kann man einem Arbeiter in einem Bericht sagen? Sein Kops ist zu sehr mit Worten oerschlagen. Er weiß es am aller- besten selber, was er im gegebenen Augenblick braucht. Und die kalten Bücherphrasen sind ihm fremd, unverständlich, fern und blutleer, ebenso wie für sie auch Sergejs unver- ständlich und fremd ist— mit seinen Worten und seiner Seele. „Genossen!... Ein ungeheuerlicher Verfall... schwere Prüfungen der Arbeiterklasse... eine noch nicht dagewesene Krise... Liquidation der Kriegsfront... alle unsere Kräfte der wirtschaftlichen Front.... Der X. Kongreß gibt neue Richtlinien für die ökonomische Politik... nur das Prole- tariat... die einzige Kraft.... Das Aufleben der Produk- tion der Republik... Konzessionen und Weltmärkte.... (uff, diese dummen Intellektuellen!...) Den proletarischen Staat beschützen... seine Kräfte verzehnfachen und mit eisernen Reihen.... Wir haben die Blockade durchbrochen ... die Arbeiterklasse und die Kommunistische Partei... (machen Sie Schluß, Genosse Iwagin!...) Die Zustellung des Brennholzes.... Die mechanische Kraft des Werkes. ... Darüber können Sie besser berichten, Genosse Tschu- malow...." „Genossen, wir nehmen den Bericht zur Kenntnis. Sitz doch ruhig, Genosse Gromada!..." „Ja, ich will wegen dem... was der Genosse Referent erklärt hat... aber sein Vater gehört nicht dem arbeitenden Elemente an... Genosse Luchawa ist strenger. Dieser Genosse ist zwar sympathisch, er diskutiert aber ganz ver- gebens.... Man hat die Arbeiter bis zum Ueberdruß mit Worten überschwemmt.... Was sagt die RKP.?..." (Fortsetzung folgt.) Serlln braucht Gelb. t2V.Millione«-Auslandsanleihe geplant? Der Magistrat beschäftigt sich nach einer Mitteilung des Nach- richtenamles in seiner gestrigen Sihung mit der D e ck u n g der notwendigen Ausgaben. Er will zu diesem Zwecke eine Auslandsanleihe von 120 Millionen Reichsmart in Vorschlag bringen. Es find nicht etwa neue Ausgaben irgend- welcher Art in dieser höhe beschlossen worden, vielmehr handelt es sich nur um die Deckung von Ausgaben, die bereits bei der Verab- schiedung des Haushallsplans für 1327 bestanden, für die also Ve- schlüsse der städtischen Körperschaften schon seit Monaten vorliegen. Es besteht nunmehr sür den Magistrat die Frage, in welcher höhe im gegenwärtigen Augenblick die Aufnahme einer Anleihe zweckmäßig ist und ob nunmehr zur Deckung eine Inlandsanleihe herangezogen werden soll, oder ob man an den ausländischen Geldmarkt herangehen muh. Angesichts der gegenwärtigen Geldlage auf dem Inlandsmarkt entschied sich der Magistrat sür den lehleren Weg. Die Ausgaben betreffen ausschliehlich produktive Zwecke, insbesondere Schnellbahnen, Straßenbahnen. Elektrizitätswerke usw. Der Stadtverordnetenversammlung wird eine enl- sprechende Vorlage unterbreitet werden, nach deren Verabschiedung die Angelegenheit umgehend den Aussichtsbehörden und der ve- ratungsstelle vorgelegt werden wird. Für den Fall, daß die Ge- nehmigung für eine neue Auslandsanleihe nicht erteilt wird, käme die Stadt in eine sehr prekäre Lage, da es sich um schon beschlossene und sicherlich schon zum Teil ausgeführte Arbeiten handelt. Drei tödliche Straßenunfälle. Im U.-Bahnschacht durch Starkstrom getötet. Der bekannte Köjährige Architekt Hermann Muthe- s i u s, der in Nikolassee, Potsdamer Chaussee 49 wohnte, wurde gestern nachmittag das Opfer eines Straßenunsalls. M., der sich auf dem Heimweg befand, entstieg vor dem Hause Schlößstraße 32 zu Steglitz seinem Auto, um noch eine Besorgung zu machen. Beim U eberschreiten des Fahrdammes übersah er eine herannahende Straßenbahn der Linie 174 und wurde über- fahren. Der Verunglückte wurde in das Lichterselder Kranken- Haus übergeführt, doch trat bereits auf dem Wege dorthin der T o d ein.— Vor dem Hause Gitschiner Str. 99/100 wurde beim Ueberqueren des Strahendammes der 60jährige Geheime Re- gierungsrat Otto Romermann aus der Ladenbergstr. 7 zu Dahlem von einem P r i v a t a u t o erfaßt und zu Boden ge- schleudert. R. trug eine schwere Schädelfraktur und innere Verletzungen davon, die sein« Uebersührung in das Urbankrankenhaus notwendig machten. Aerztliche Hilfe war bereits vergebens, R. ft a r b einige Zeit nach seiner Aufnahme. Die Schuld- frage ist noch ungettürt.— Ein weiterer schwerer Unfall trug sich gestern gegen 19 Uhr am Kaiser-Wilhelm-Platz in S ch ö n e b e r g zu. Die Ibjährige Anna Engelmann aus der Hauptstraße 21 wollte zusamnien mit ihrer vierjährigen Schwester Irmgard die Straße überqueren. In diesem Augenblick nahte ein L a st k r a s t w a g e n mit Anhänger heran. Aus noch unge- klärter Ursache wollte das Geschwisterpaar plötzlich zurücklaufen, geriet hierbei aber unter den Anhänger des La st kraft- z u g e s. Beide wurden inschwerverletztem Zu st and nach der Rettungsstelle in der Vorbergstraße gebracht, wo Anna E. kurz nach der Einlieferung— das Vorderrad war ihr über den Ober- körper hinweggegangen— starb. Die jüngere Schwester wurde mit einer schweren Beinoerletzung dem Schöneberger Krankenhaus zugeführt. Der Unglücksfall hatte selbstverständlich eine groß« Menschenansammlung zur Folge.— Im Tunnelschacht der im Bau befindlichen U,-Bahn Gesundbrunnen— Neukölln ereignete sich gestern nachmittag in der Näh« der Sebastian- st ra ß e wieder ein schwerer Unfall. Der 27jährige Arbetter Ludwig Liebling aus Buch kam der Stark st romleitung zu nahe und sank mit schweren Brandwunden bewußtlos zu Boden. Ein hinzugerufener Arzt stellte noch schwache Lebens.zeichen fest und ordnete die Uebersührung in das Bethanienkrankenhaus an. L. erlag im Laiise der Abendswnden seinen schweren Verletzungen. Nachtverkehr bei Aboag und Straßenbahn. Die Aboag führt jetzt auf folgenden neun Linien einen Nacht- betrieb durch. Linie 1 Unter den Linden— Halensee: letzter Wagen ab Unter den Linden 4.40 Uhr(Sonntags 4.50 Uhr), ab Holense« 4.50 Uhr. Linie 4 Nettelbeckplatz— hermannplatz: letzter Wagen ab Nettelbeckplatz 3.05 Uhr(Sonntags 3.10 Uhr), ab hermonnplatz 3.05 Uhr. Linie 5 Stettiner Bahnhof—Steglitz Rathaus: letzter Wagen ab Stetttner Bahnhof 4.15, von Steglitz 5 Uhr. Sonnabends und Sonntags ist durchgehender Betrieb. Linie 8 Weißenfee— Wilmersdorf Kaiserplatz: letzter Wagen ab Weißcnse« 3.05 Uhr(Sonntags 3.15 Uhr), ab Wilmersdorf 3.55 Uhr (Sonntags 4.10 Uhr). Linie 9 Pankow Berliner Straße— Sophie- Charlotte-Platz 3.55 Uhr(Sonntags 3.50 Uhr). Linie 11 Turmstraße— Neukölln hermannplatz: letzter Wagen in beiden Richtungen 3.15 Uhr. Linie 19 Lichtenberg— Friedrichsfelde Stephanplatz: letzter Wagen in beiden Richtungen ab 3.45 Uhr (Sonntags 3.49 Uhr). Linie 2 0 Westend— Zehlendorf: letzter Wagen ab Westend 3 Uhr, ab Zehlendorf 4 Uhr(Sonntags 3.56 Uhr) und Linie 29 Pankow Brette Straße— Neukölln hermannplatz: letzter Wagen in beiden Richtungen 3.35 Uhr(Sonntags 3 Uhr), Sonnabends und Sonntags durchgehender Betrieb. Für die Nacht- fahrten beträgt der Fahrpreis ab 1 Uhr 40 Pfennig. Während die Aboag ihren Betrieb allnächtlich durchführt, führt die Straßenbahn den Nochwerkehr nur in der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag durch. Durchgehenden Nachtverkehr haben die Linien 1 S t a d t r i n g auf der ganzen Strecke, 1 5 auf der Streck« Bahnhof Neukölln— Potsdamer Platz, 4 4 auf der Strecke Kaiserplatz— Görlitzer Bahnhof, 55 auf der Strecke Spandau— Pichelsdorfer Str.— Anhalter Bahnhof, 6 9 auf der Strecke Gudrun st raße— Leipziger Platz, 74 auf der ganzen Strecke, 7 6 auf der Strecke Halensee(Lunapark)— König st raße(Kathans), 177 aus der Strecke Zoologischer Garten— Lichter» f e ld e- S üd und Zoo— Händelplatz und 99 auf der Strecke Ufer st raße— T e mp e l h os Friedrich-Karl-Straße. Daneben wird aus folgenden Linien Sonnabends ein S p ä t v e r- kehr durchgeführt: Linie 13 zwischen Gotzkowskystraße— Rathaus: letzter Wagen ab Gotzkowskystraße 2.45 Uhr, ab Rathaus 5.22 Uhr. Linie 32 zwischen Behrenfttaße— Gcrmaniapromenade: letzter Wagen ab Behrenstraße 3.20 Uhr, ab Germaniapromenade 2.34 Uhr. Linie 48 zwischen Dönhosfplatz— Nordend: letzter Wagen ab Dönhofsplatz 3 Uhr, ob Nordend 2.16 Uhr. Linie 187 wegen Raubes angeklagt. ftnmn eine Woche vergeht, in der nicht von einem oder mehreren Raubüberfällen berichtet würde. Raubüberfälle und»Raubüberfälle"' find zweierlei Davon konnte man sich wieder einmal in Moabit überzeugen. Die erste Gerichtssache war ein Raubüberfall, der keiner war. Am 23. August meldeten die Berliner Zeitungen unter Schlag- zeilen»Raubübersall auf einen Postboten". Und nun hatte sich der.Räuber" zu verantworten. Der rabiate Hofsänger. Die Sache war aber mehr humoristisch als gruselig.„I wo," sagte lachend der Angeklagte,»ich habe ja nicht im Traum daran gedacht, den Postboten zu überfallen. Ich hatte mich nur geärgert, daß er sich über mich wegen meines Singens lustig gemacht hatte." Und es war wirklich so. Der Fünfzigjährige, der in seinem Wesen etwas von einem heruntergekommenen Bohemien hat, ist etwa siebenundzwangzigmal vorbestraft, allerdings wegen harmloser Sachen. Sein« Höchststrafe betrug neun Monate Gefängnis: fünf- zehnmal war es Bettelei, viermal Widerstand gegen die Staatsge- walt, siebenmal wegen Diebstahl, die ihn seine Freiheit kosteten. Den Widerstand wird er wohl im Anschluß an seine Bettelei begangen haben. Ein etwas rabiater Mann, besonders unter dem Einfluß von Alkohol. Und rabiat war er auch diesmal. Zum Frühstück hatte er einige Schnäpse und einige Klos Bier getrunken: dann begann er auf einem Hof zu singen, um wieder etwas zu»verdienen". Der Ge- sang gefiel aber nicht, die Hausbewohner öffneten nicht ihre Taschen und belustigten sich sogar über den Sänger. Unter dem belusttgten Publikum befand sich auch der Aushilfepostbote mit seiner roten Telegrammposttasche. Empört über die ebensowenig freigebige wie „musikunkundige" Zuhörerschaft, machte der Hofsänger seinem Un- mut im Schimpfen Luft.„Ihr Bande, ich werde mich schon schadlos hallen, werde mir schon holen, was ich brauche." Und als er dann zu gleicher Zeit mit dem Postboten durch den Hausflur kam, fchleu- derte er ihm ins Gesicht:»Hund, verfluchter, dir werde ich schon an- streichen, du kommst mir gerade richtig," versetzte ihm einen Stoß, daß er gegen die Wand flog und packte ihn an der Tasche. Der Post- bot« hielt sie aber fest, der Uebeltäter flüchtete, Passanten und Wächter ihm hinterher. Als er gefaßt werden sollte, nahm ein Trupp Arbeitsloser Partei für ihn, die Parkwächter konnten seiner nicht Herr werden, und erst mit Hilfe der Polizei konnte er gestellt werden. »Ein R a u b ü b e r f a l l auf den Postboten" verkündeten die Zeiiun» gen.»Ach," sagte der Postbote,„keine Idee, es sah gar nicht so aus. Eine tätliche Beleidigung, nichts mehr als das." Das behauptete nun auch der Staatsanwalt, so urteilte auch das Gericht: zwei Monat« Gefängnis für tätliche Beleidigung. Der Hofsänger war damit zufrieden. Das nächste Mal wird ihm aber in Moabit vorgehalten, daß er„wegen Raubes" angeklagt war. Schlechte Gesellschaft. Ein anderer Raubüberfall war schlimmer. Als der Verteidiger die traurige Jugend des Täters erzählt, wischt sich der stämmige 21jährige Bursche die Tränen. Er wurde in Bayern als uneheliches Kind geboren Früh hatte er die Mutter verloren. Fremde Leute „erzogen" ihn. Dann kam er in die Landwirtschast, hier gestel es ihm nicht, er ging nach Essen, arbeitele hier als Fabrikarbeiter. Später war er in einer Ziegelei beschäftigt und landete schließlich 1924 in Berlin, hier arbeitete er gelegentlich in den Markthallen, wurde einmal wegen Diebstahls, ein andermal wegen Betruges bestraft und wird sich am nächsten Freitag wegen eines schweren Einbruchs zu verantworten haben. Er war in schlechte Gesellschaft geraten Durch sie kam er zu seinem Raubüberfall. Ort der Hand- jung war eine Bedürfnisanstalt am Schlesischsn Bahnhof.. Er und zwei seiner Gesinnungsgenossen lMten einen Mann ausgelauert, von dem sie wußten, daß er bei Kasse sein mußte. E r stand draußen „Schmiere", seine Freunde begaben sich in die Bedürfnisanstalt: einer von beiden hielt dem Mann von hinten die Augen zu, der andere ergriff seine Brieftasche und fort ging es. Der 21jährigc wurde aber gefaßt, die Brieftasche befand sich in seinem Besitz. »Fünf Jahre Zuchthaus" lautet die Mindeststrafe für Raub auf öffentlichen Wegen Der Staatsanwalt meint«, das sei zu viel für einen jungen Burschen: 2H Jahre Gefängnis wären bei Zu- billigung mildernder Umstände gerade gemig für feine verwerfliche Tat: außerdem noch Slberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Auf ein Jahr zehn Monate erkannte das Gericht: man müsse dem jungen Menschen Gelegenhett geben, im Gefängnis ein Handwerk zu erlernen und an der Festigung seines Charakters zu arbeiten. im modernen Strafvollzug könne das wohl erreicht werden. Im Interesse des Angeklagten möchte man es hoffen. Gelänge es, so wäre dieser Ueberfall sür den jungen Menschen immerhin noch recht glimpflich abgelaufen. zwischen Köpenick— Behrenstraße: letzter Wagen ab Köpenick 2.27 Uhr, ab Behrenstroß« 3.46 Uhr und Linie 98 zwischen Anhalter Bahnhof— Köllnifche Heide: letzter Wagen ab Anhalter Bahnhof 3.33 Uhr, ab Köllnische Heide 2.46 Uhr. Der Tote im D-Zug. Unfall oder Verbreche«? Ein noch ungeklärter Leichenfund beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. In dem v-Zuge Paris— Berlin— Warschau wurde gestern zwischen den Stationen Dortmund und Hamm der 49 Jahre alte aus Paris gebürtige Professor Victor Constant tot aufgefunden. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Der D-Zug verlieh am Dienstag abend um 18% Uhr Paris. Zwei mitreisenden Herren erzählte Profesior Constant später, daß er im Austrage der französischen Regierung� sür sechs Monate nach Litauen reise und daß ihm die Trennung von seinen Angehörigen sehr schwer falle. Näheres über die Gründe teilt« er jedoch nicht mit. Nachdem des Zyg gestern vormittag um 11% Uhr die Station Dort- mund passiert hatte, ftel ts der Wartefrau auf, daß die Herrentoilette an der Stirnwand des dritten Wagens von der Maschine aus seit langer Zeit besetzt war. Da auf Klopfen und Rufen sich niemand meldete, so entschloß sich die Frau mit ihrem Schlüssel zu öffnen. Sie fand einen Herrn, in dem später Professor Constant erkannt wurde, besinnungslos auf dem Boden liegen. Da sich im Zuge der Obermedizinalrat Born aus Düsseldorf befand, der aus dem Wege nach Berlin war, so bat man ihn, dem Verunglückten die erst« Hilfe zuteil werden zu lasten. Leider waren alle Be- mühungen vergeblich, der Arzt kpnnte nur noch den Tod des Pro- festors feststellen. Aeußere Verletzungen waren an dem Toten nicht zu finden, nur aus Mund und Nase war ein wenig Blut geflössen. Allem Anscheine nach hat Professor Constant die Toilette aufgesucht, um sich zu waschen. Er hatte sein Rasierzeug bereitgelegt und sein künstliches Gebiß schon herausgenommen. Die Todesursache ließ sich ohne weiteres nicht feststellen. Man benachrichtigte sofort die Ber- liner Mordinspektion, die den D-Zug bei seiner Ankunft auf dem Schlesischen Bahnhos um 18 Uhr 29 erwartete. Der Chef der Krimi- nalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Hagemann, der Leiter der Mord- infpektion Kriminalrat Gennat mit dem Gerichtsarzt Professor Strauch und mehrere Beamte waren zur Stelle. Roch dem Ergebnis der Besichtigung liegt höchstwahrscheinlich kein Verbrechen, sondern ein Unglücksfall vor. Sinnlose Behauptung. Vor dem Amtsgericht In Potsdam stand heute der Generaldirektor Weber von der Bekleidungsgesellschaft sür deutsche Beamte in Berlin. Weber wurde beschuldigt, durch ein in 2000 Exemplaren verbreitetes Rundschreiben an Potsdamer und Berliner Beamte den Vorstand des Potsdamer Be- amtenkartells schwer beleidigt zu haben. Er hatte dem Vorstand in diesem Rundschreiben den Vorwurf gemacht, daß er sür die Empfehlung der Bckleidungsgesellschaft Provisionen beansprucht habe. Als diese nicht hoch genug ausgefallen sei, habe der Borstand des Potsdamer Beamtenkartells eine feindliche Stellung gegen seine Gesellschaft eingenommen und die Beamten vor ihr gewarnt. Die Verhandlung ergab die.Haltlosigkeit dieser Verleumdungen. Generaldirektor Weber wurde zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Das Gericht erkannte dem beleidigten Vorstand Publikation des Urteils in zwei Zeitungen zu. Das Jugendamt als Filmoperateur. Die städtische Iugendbühne Lichtenberg stellt ihre Werbefilme in letzter Zeit in eigener Regie her. Stadtoberinspektor Griepe steht am Kurbelkasten und dreht, für einen Laien sehr sauber und geschickt, alle wichtigen und sehenswerten Neuerscheinun- gen des Bezirks auf dem Gebiete der Jugendpflege, der baulichen Erweiterung usw. Neben der unterhaltsamen Seite wird den Zu- schauern auch Kenntnis von den städtischen Neueinrichtungen ge- geben. In einer Sondervorführung der städtischen Jugend- bühne Lichtenberg, holtcistraße 7—9, führte der neue Kurbelmann den Bezirksvertretern und anderen geladenen Gästen feine ersten Aufnahmen vor. Es gab drunten im Parkett ein mächtiges hallo, als sich alle die anwesenden Lichtenberger Stadträte bei der Vor- führung der Cinweihungsfeier des städtifchen Flußbades auf der Leinewand wiedersahen. Sehr hübsch wirkten auch die Aufnahmen des Schwimm- und Sportfestes der Lichtenberger Schuten: da dies im holden, aber noch etwas kühlen Monat Mai stattgefunden hatte, ließ der Operateur, der sogar— ganz wie ein„Großer"— schon mit Trickaufnahmen arbeitet, die kühnen Wasserspringer ä tempc» wieder in die gemäßigteren Zonen zurückspringen. Ferner sah man das neue Großkraftwert Klingenberg und Stadtoberinspektor Griepe hielt zu diesen Aufnahmen einen kurzen, insttuktiven Vortrag. Aus dem Gebiete der Jugendpflege wurden die Kinderheime in Müritz, Mahlsdorf und Ravenstein gezeigt und ein Autoausflug zur Jugend- Herberge Gamenfee. Die gut und abwechslungsreich zusammenge- stellten Programm«, die abends im Rahmen einer Filmvorstellung den Erwachsenen und vormittags den Schulen gezeigt werden, bieten viel Lehrreiches und Unterhabendes und geben gleichzeitig einen interesionten Ueberblick über das Schaffen des Bezirksamtes. ....r...»iiSt-wTa* chiUb&b)'. vsf Die Entsprungenen. Ausbrüche aus Strafanstalte« werbe« MoLe. In ganz kurzer Zeit sind drei Schwerverbrecher aus» gebrochen und geflüchtet. Vor einigen Tagen gelang es, wie berichtet, dem Hochstapler Eglofs st ein-Oertel zu entfliehen und jetz� liegen zwei weitere Meldungen aus T o r g a u und Frankfurt a. d. Oder vor, die von ähnlichen Fällen berichten. Gleich nach der Flucht Eglofffteins wird ein ähnlicher Fall be» kannt. Der 29 Jahre alte Gottlieb P a n g f y verübte im vergon- genen Jahre zahlreiche Diebstähle auf der Insel Rügen, wandte sich dann dem Festlande zu und sammelte eine Bande um sich, mit der er die Laichsitze und Städte in der Altmark schwer heimsuchte. Pangsy wurde wegen dieser bandenmäßig ausgeführten Diebstähle zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Torgau verbüßen sollte. Cr wurde vor einigen Tagen nach Stendal zu einem Verhör gebracht. Auf dem Rücktransport nach T o r g a u ist es dem Schwerverbrecher auf noch ungeklärte Weise gelungen, zu entspringen. Zur selben Zeit ist der dritte Schwerverbrecher entsprungen. Aus dem Gerichtsgefängnis zu F r a n k f u r t a. d. O d e r entwich gestern abend der 31 Jahre alte aus Retteln im Kreise Diedenhosen gebür- tige Rittergutsbesitzer und Kaufmann Hans Schneider. Ihm ge- hört das Gut Stenzig, auf dem Ende 1926 eine Scheune und ein Schuppen abbrannnten. Er geriet in den Verdacht der Brand- ft i f t u n g und die polizeilichen Ermittlungen hatten ein so be- lastendes Ergebnis, daß die«taotsanwaltschaft von Frankfurt o. d. O. Haftbefehl gegen ihn erließ. Im Dezember wurde er festgenommen und in llntersuchungshaft gesetzt. Auf dem Rücktransport von einer Vernehmung nach Frankfurt.gelang es ihm. zu entweichen. Er entkam nach Luxemburg, Kriminalkommissar T r e t ti n nahm die >opur abend furt a. d. O/zum zweitenmal zu entschlüpfen. ir aus und oerhaftete Schneider in Perl an der Riosel. Gestern ad gelang es Schneider aus dem Gerichtsgefängnis in Frank- a. d. O. zum zweitenmal zu entschlüpfen. vezirt»bttdung»au»sch«ß Groß-verlln. Die Proletarische Feier' st u n d e findet am Sonnlag, dem 29. November sTolensonntag)- vormittags 11 Ubr, im Großen Schauspielhaus statt. Sie ist dem An- denken der Revolution gewidmet. Es wirken mit �der Sprechchor unter Leitung von Albert Floratb nnd das Berliner Sinsonieorchcfter unter Leitung von Emil Bohnke. Karten zum Preise von 1 äst. in allen betannten Vcikaussslellen. sowie im Bureau des DezirksbildungausichusseS, Lindenslr. 3, 2. Hos II, stimmer 8.— Nächste Theatervorstellung am Sonntag, dem 6. November, nachmittags 3 Ubr, im Staatlichen Schiller-Tbcater Charloltenburg. Karten ä 1,29 M. sind in den bekannten Verkaufsstellen zu baben. • Das ideale Abführ-Konfek! geWeg z Drücken Sie einen Sträng Chlorodont-Zahnpaste auf die trockene Chlorodont- Zahnbürste(Spezialbürste mit gezahntem Dorstenschnitt), bürsten Sie Ihr Gebiß nun nach allen Seiten, audi von unten nach oben, taudien Sie erst jetzt die Bürste in Wasser oder besser in Chlorodont-Mundspülwasser und spülen Sie damit unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen. Der mißfarbene Zahnbelag, der sich besonders bei Rauchern unangenehm bemerkbar madit, verschwindet und die Zähne erhalten einen wundervollen Elfenbeinglanz. 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Wenn auch die durch die Re- novierung der Belle-Alliance-Brücke eingeführte gerade Kreuzung der Straßenbahnlinien schon zu einer gewissen Erleichterung geführt hat. so ist es doch erforderlich, daß der gesamt Blücherplatz und das Ha.llefche Tor umgebaut wird. Ueber die Rotwerrdig- keit dieser Umgestaltung sind sich sämtliche Straßenbau- und Ber- kchrsfachleute eimg, nicht jedoch über die Wege, die zu diesem Z'ele führen sollen. Die Tiefbaudeputation des Magistrats hat einen Plan ausgearbeitet, der Hallesches Tor und Blücherplatz zu einem großen Rondell gestalten soll, dos im Prinzip des Kreisver kehrs, wie am Belle-Allianre-Plotz, von sämtlichen Verkehrsmitteln umfahren werden soll. Dieses Projekt fordert auch ein« Beseitigung der beiden Torgebäude des Halleschen Tores,«ine erhebliche Verbreiterung der Belle-Alliance-Brücke und schließlich einen erheblichen Grunderwerb, um die Rundung des Platzes zu ermöglichen. Zur Aus führung dieses Vorschlags müßte die Stadt einen Teil des Waren- Hauses von Tietz sowie ein großes Stück des der Dresdener Bank ge- hörigen Bauplatzes am Blücherplatz erwerben, was große Kosten hervorrufen würde. Auf Veranlassung des Polizeipräsidiums ist dieser Plan bereits wieder einer Korrektur umerzogen worden, und zwar plant man für die Straßenbahn ein zweites Gleis um den neu zu erbauenden Rundplatz anzulegen, um etwa eintretende Verkehrs- stockungen, die bei dem Rundverkehr sehr leicht eintreten können, nach Möglichkeit zu beheben. Diese Lösung würde zur Folge hoben, daß der Kreis, da die Straßenbahn eigenen Gleiskörper habe» soll, auf Kosten der Bürgerfteige und des neu zu erwerbenden Geländes noch größer werden müßte. Das Bezirksamt Kreuzberg sieht in diesen beiden Plänen nicht die pratischste Lösung des Problems und hat seinerseits durch das Bezirksbauamt einen Vorschlag für die Umgestaltung ausarbeiten lassen. Das Prinzip dieses Planes bezweckt die Erhaltung des Torgebäudes und würde kostspieligen Grunderwerb zunächst nicht erforderlich machen. Dieses Projekt verzichtet auf die Schaffung eines großen Rundplatzes, und behält die bisherige rechtwinklige Kreuzung der Straßenbahn bei. Im übrigen läßt dieser Plan An- Passungen an die zukünftige Gestaltung der Verkchrsvcrhältnisse offen, da er drei Ausvauelappen vorsieht. Auch hierbei ist eine V e r- breiter ung der Belle-Alliairce- Brücke in Aussicht gc- nommen, und die Königgrätzer Straße soll auch, wie die übrigen Pläne dos vorsehen, über den Blücherplatz hinweggeführl werde». Die Gitschiner Straße und das Planufer werden voraussichtlich als Einbahnstraßen erklärt werden. Die zweite Etappe des Ausbaues würde dann, falls es notwendig ist, eine Verbreiterung der Belle- Alliance-Stroße, sowie eigene Bahnkörper für die Straßenbahn in der Blücher- und Belle-Alliance-Stroße vorsehen. Die notwend'ge Verbreiterung des Fahrdammes am Hallescheu Tor würde dadurch erreicht werden, daß der Fußgängerverkehr durch die Kolonaden gelenkt würde, und zwar derart, daß unter Beseitigung der jetzt dort befindlichen Läden und Umbau des Torhäuschens mehr Platz ge- schaffen würde. Die dritte Etappe des Ausbaues hat die Schaffung von zwei Durchbrüchen zum Ziele, die in Gestalt von Tor- durchfahrten durch die Häuser neben dein Torgebäude van der Gitschiner bzw. Königgrätzer Straße nach dem Belle-Alliance-Platz führen und lediglich dem Auto- und Fuhrwerksverkehr reserviert bleiben sollen, während der Straßenbahnverkehr sich durch das Hallesch« Tor hindurch vollzieht. Welche» Projekt schließlich zur Durchführung gelangt, und wann weiteren Behandlung Magistrats und der C geschritten weichen kann, er Angelegenhest und der Entscheidung des ,adtverordnetenversammlung ab. von de? 20 �ahre Serliner Staütbibl�othek. Am 15. Oktober waren 20 Jahre seit der Eröffnung der Berliner Stadtbibliothek verflossen, deren Bedeutung für das geistige Leben der Reichshauptftadt in stetigem Wachsen begriffen ist. Orga- nisiert auf Grund einer vom Magistrat gutgeheißenen Denkschrift ihres ersten Leiters Dr. Arend Buchholtz, an deren Stelle 1323 Prof. Dr. G. Fritz als Direktor trat, war die Stadtbibliothck von 1307 bis 1320 im Gebäude Zimmerftraßc 30/31 unter sehr be- scheidenen äußeren Verhältnissen untergebracht, bis sie im«ep- tember 1320 im Marstallgebäud«, Breite Straße 37, eine ihrer Ausgabe würdige Unterkunft fand. In den ersten beiden Jahrzehnten ihres Bestehens ist der Bücherbestand der Bibliothek von 83 030 auf rund 25 0 00 0 Bände gewachsen. Wesentlich unter- stützt wurde ihre Entwicklung durch eine Reihe von Bücherstistun- gen, die zum Teil von sehr hohem wissenschaitlichen Werte sind, vor allem durch die 35 000 Bände umfassende Göritz- Lübeck-Bibliothek, die, ebenso wie die Bibliothek von Ernst von Wildenbruch und Julius Rodenberg, in besonderen Räumen untergebracht ist� Eine besondere Erwähnung verdient daneben die Friedländersche-Sammlung zur Geschichte des liberalen Reformgeistcs in Deutschland, besonders der Jahr« 1848/43, und die aus dem Nachlaß des Stadt- verordneten Basner stammende Bibliothek zur Geschichte des Sozialismus. Der für die nächsten Jahre geplante weitere Aus- bau, der sich beionders auf die Abteilungen beziehen soll, die bis jetzt aus finanziellen Gründen vernachlässigt werden mußten, gibt die Gewohr dafür, daß die Stodtbibliothek als Zentrale des ge- samten städtischen öffentlichen Büchereiwefens ihre Aufgab«, den geistigen Interesien der Berliner Einwohnerschaft zu dienen, immer mehr zu erfüllen in der Lage sein wird. Ein Prozeß gegen Berlin. In dem bekannten Prozeß der Zweckverbondsan leihe- Gläubiger gegen die otadt Berlin aus angemessene Aufwertung der Zweckverbandsanleihe, die 1313 den Aktionüren der Großen Berliner Straßenbahn für die Hingabe ihrer Aktien gegeben wor- den war, fand gestern ein Termin statt, in dem der Kiäger durch Rechtsanwalt Adolf vom Berg, die Beklagt« durch die Rechts- anwälte Dr. Fabian und Dr. Moser vertreten waren. Di« Zweckverbandsanleihc-Besitzer bekommen noch der bisher in Aus- ficht genommenen Regelung für ihre Anleihestücke etwa 1 Million Mark, während der Wert der Berliner Straßenbahn schätzungs- weise 500 Millionen Mark•.e-rägt und für das Jahr 1327 einen Reingewinn von etwa 36 Millionen Mark abwerfen wird. Der juristische Kernpunkt des Prozesses ist der, ob die früheren Aktionäre der Straßenbahn durch die Ausgabe der Schuldverschreibungen im Jahre 1313 endgültig abgefunden sind, oder ob sie auf Grund des Kaufvertrages über die Sachwerte der Straßenbahn, der der Aue- gab« zugrunde lag. noch freie aufwertbare Forderungen haben. Die Stadt Berlin stellt sich auf de» Standpunlt, die Zweck- verbandsanleihestücke seien gemäß Anleiheablösungsgesetz§ 30, Absatz 3, juristisch und wirtschaftlich als echte An- leihen zu behandeln, während die Straßenbahnaktionär« be- Haupte»,«in Anleihebedürfnie habe im Jahre 1313 gar nicht vor- gelegen, vielmehr handele es sich um eine reguläre Forderung aus einem Kaufverträge, die unbeschränkt aufzuwerten sei. Die Stadt Berlin könne auch nicht einwenden, daß dies« Aufwertung den Umständen nach wirtschaftlich untragbar sei. da es allgemein bekannt sei, daß die Stadt selbst in der Generalversammlung vom 0. April 1327 das Unternehmen„als das beste Unternehmen dieser Art, nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt" bezeichnet habe. Es wurde neuer Termin auf den 18. Dezember 1927 anberaumt, da die ganze Sachlage noch nicht genügend geklärt erschien. Ein Reisebureau des Touristenvereins„Die Raturfreunde'(Zen- lrale Wien) ist in der I o h a n n i s st r. 14/15(Nähe Bahnhof Fricdrichstraße, Untergrundbahnhaltestelle Stadtbahn, am Oranien- burger Tor) eröffnet worden. Dienstags und Freitags wer- den von 18 bis 20 Uhr Auskünfte in Wander- und Reifeange- legenheiten erteilt. Die Teilnehmer der Wochenendfahrten der Naturfreunde werden gebeten, ihre Adresse an das Reisebureau zu senden. Es ist eine gemeinsam« W i n t e r w a n d e r u n g mit an- schließendem geselligen Beisammensein geplant. Zugzusammenstoß. Der Schnellzug B e r l i n— S t u t t g o r t fuhr am Mittwochmorgen bei Tagesgrauen in der Nähe von Fürth (Bayern) bei der Einfahrt in den Bahnhof Vach einem Güterzug in die Flanke. Der Schlußbremser des Güterzugs wurde getötet, von de» Reisenden ist jedoch niemand zu Scha- den gekommen. Der Unfall ist darauf zurückzusühren, daß der Güterzug auf einer Weiche stehengeblieben war, angeblich wegen Bremsdefekts. Der Lokomotivführer erkannte im letzten Augenblick die Gefahr und bremste mit oller Gewalt. Der Betrieb war mehrere Stunden unterbrochen. Ansöngerlurse in Englisch, Zranzösisch, Spanisch nnd Russisch. Ansang November beginnen die neuen Antängerkurse lAbenduntcrrichts in den obigen Sprachen sür Genoifimten und Genossen o b n e jcglicheVor- tenntnisse. Teilnehmer mit guten Borkenntnissen können jederzeit entsprechende» Mittel- bzw. Oberkursen beitreten. Anmeldungen zu allen Sprachkursen bis zum 5. November lschrisllich oder persönlich) beim Ge- nofsen th. Fuchs. Berlin W 57, Zietenltr. Kg, t. Etage snabe Nollendors- Platz) Sprach cnschule der Arbeiter und Angestellten Groß-Berlins. AerzIIiche Vorträge sür Taubstumme finden an vier Sonntagen, nach- mittags 5 Uhr, im großen BortragSsaal bei Deutschen Metallarbeiter. Verbandes. Li ni en str. 83/85. am Roscnthalcr Platz, statt. Redner itt der Aisistenzarzt des L>»rrn Sänilatsrats und GerlchtsaizteS Dr. Magnus Hirsibseld, Herr Dr. Besser vom Institut sür Scxualwisscnschast in Berlin. Die Ucbcrletzung der ärztlichen Vorträge geschieht durch den GewertschastS- und Gerichtsdolmetscher sür Taubstumme. Herrn E. Otto, in der Gebärden- und Zeichensprache. Die Vorträge finden statt: Sonntag, den 3 0.£! t a b e r, nachmittags 5 Uhr. Thema: Die Geschlechtsorgane(mit Zeichnungen; Sonntag, den 6. November, nachmittags 5 Uhr. Thema: Tie Geschlcchtstrankheiten /mit Lichtbildcrns! Sonntag, den 13. November, nachmittags 5 Uhr. Thema: Hygiene der Ehe: Sonntag, den 2 0. November, nachmittags 5 Uhr. Thema: Seelische Geschlechtsleiden(mit Lichtbildern). Eintritt 30 Ps. Kinder haben leinen Zutritt._ Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend (Nochdr. verb.) Bewölkt bis trüb« und mild, einzelne Regensälle. irische westliche Winde.— Für veuischian»: Im Süden trocken, zeitweise bettcr und nachts sehr kühl; im Norden ubd Osten frische, an der Küste stürmische Winde, mild, einzelne Niederschläge. •fjdSLltotl die Tat! VERKAUFSPREIS: FORMATrand und Aach, ART'-oiugejprochm mild.blumig Eine neue Zigarette?/ Ja und neinl/ Massary» Privat wird seit Jahren im eigenen Haus- und Familiengebrauch als Freundes» und Gästezigarette mit besonderer Liebe gepflegt./ Nun will sie ans Licht der Öffentlichkeit./ Es gibt Tabakmischungen, die ihre muhevoll erreichte Eigenart einbüßen würden, wollte man sie zu Mundstück- Zigaretten verarbeiten./ So ist es auch mit Massary-Privat: ohne Mundstück kommt ihre Besonderheit reicher zur Geltung. Der Zigarettenhandel führt eine Reihe von»Privat«= Zigaretten. Um das Neueste auf dem Gebiet der mundstücklosen 4»Pf.» Zigarette kennen zu lernen, müssen Sie den Ton auf Massary�Privat legen 1 Daj btTäbaK! Urteilen Sie telbM! Protektionismus in England. man ans ihm malht.— Was er ist.— Was wir dazn tu» können. Di« Genfer Beschlüsse haben unverkennbar die Stellung der ifachschutzzoltner in allen Ländern etwas erschüttert. Au einer wirklich durchgreifenden Aenderung hat sich jedoch bisher kein Land entschließen wollen. Man verschanzt sich einfach so hinter dem Protektionismus der anderen. Man verweist dabei auch auf die englischen Zölle und prophezeit mit Vorliebe ein weiteres Vordringen der protettionistischen Strömungen in England. In Sleußerungen der deutschen Industrie wird es oft so dürgestellt, als ob England überhaupt kein Areihandelsland mehr, sondern ein ausgesvrochcnes Schußzolland mit prohibitiven Zollsätzen sei, und man v.'rsucht durch Rechenexemvel zu beweisen, daß das englische Zollnioeau Mindestens ebensochoch, wenn nicht bereits höher als dos deutsche sei. Man macht dabei folgende Rechnung: die englische Einsuhr betrug in den Iahreu 19LS/2Ü im Durchschnitt etwa 26 Milliarden Mark, die Zolleinnahmen etwa 2 Milliarden Mark, in Deutschland betrug im vergangenen Jahre die Einfuhr 16,6 Milliarden Mark, die Zolleinnahmen etwa 866 Millionen Mark. Danach ergibt sich ein prozentualer Anteil der Zölle am Ge- samtimport in England von rund 8 Proz., in Deutschland von nur 7,5 Proz. Diese Berechnung besagt nichts. Zunächst ist festzustellen, daß von den gesamten Solleinnahmen in England rund neun Zehntel auf die F i n o n z z ö l l e für Tabak, Alkohol, Kaffee, Tee, Kakao usw. entfallen, für die in den meisten kontinentalen Ländern, zum Teil auch in Deutschland, zwar niedrigere Zölle, aber dafür außerdem hohe Verbrauchsabgaben er- hoben werden. Ferner sind die I m p o r t s u in m e n als Vergleichs- grundlage völlig unbrauchbar, weil die Schutz zolle mit ihren Preis- vorteilen für die inländische Produktion die W a r e n e t n f u h r teilweise völlig verhindern. Erst um 1900 herum hat die Geschichte des englischen Protektionismus begonnen. Von 1846 bis 1968 waren in England im Gegensatz zum Kontinent Zoll- känipie nicht lvkannt. Etwa 1993 setzt« unter Führung von Chamber- latn die große Propaganda für einen Zolltarif und koloniale Vor- zugszölle ein, der sich die englischen Konservativen zum großen Teil anschlössen. Das englische Volk entschied sich in den Wahlen jedoch immer wieder für die Aufrechterhaltung des Frei- Handels. Die erste Bresche in den Freihandel wird durch das Koa- litionskabiiKtt erst 1915 geschlagen. Die Mac-Kenna-Zölle, so genannt nach dem Schatzkanzler dieses Kabinetts, belegten Automo- bile, Motorräoer, Uhren, Musikinstrument« und Filme mit einem 33prozentigen Wertzoll. Man begründete die Zölle mit der not- wendigen Einschränkung des Luxuskonsums(im Kriege!) sowie der Freihaltung des knapp«n Schiffsraumes für unerläßliche Rohstoff- und L«bensmittelimporte. Man versprach, sie nach Kriegsende wieder aufzuheben. Das zweite Koalittonskabinett unter Lloyd Georg« behielt jedoch die Zölle weiter bei und ermäßigt« sie nur für die Kolonien auf ein Drittel. Aber es folgten das Farbeneinfuhrverbot zun, Schutze d.-r im Kriege aufgebouten«nglilchcn Farbenindustrie und darauf im Jahre 1921 die Industrieschutzgesetze. Zunächst wurden für die sogenannten»Schlüssel industrien* Zölle eingeführt. Nicht nur die Farbenindustri« sowie die Her- stellung von Drogen und Chemikalien, sondern auch die optische In- dustrie, die Fabrikation von wissenschaftlichen Instrumenten u. a. wurden vom Standpunkt der nationalen Sicherheit als »Schlüsselindustrien" bezeichnet und durch hohe Zölle von zunächst fünfjähriger Geltungsdauer, die 1926 um weitere zehn Jahre ver< längert wurde, geschützt. Ferner wurden zum Schutze gegen dos Valutadumping Zollmöglichkeiten geschaffen, von denen man jedoch nur für zwei Zweige, Handschuhe und Glühstrümpse, Gebrauch machte. Eine eigenkliche starke protekliomsiische Bewegung setzte erst Ende 1923 unter dem Druck der auf der englischen Wirtschaft lastenden Krise ein. Zwar räumte das Labour- Kabinett von 1924, dos das erste Baldwin-Kabinett ablöste, noch einmal entschieden mit dem Protektionismus auf, indem es die Mac-Kenna-Zölle außer Kraft setzte. Das jetzige reaktionäre zweite Baldwin-Kabinett führte aber trotz seines Wahlversprechens, keine neuen Zölle zu schaffen, die Mac-Kenna-Zölle wieder ein und belegte außerdem auch noch Seide und Kunst�ide, Spitzen»nd Stickereien mit Zöllen. Waren die bisherigen Zvllgefetze wenigstens fest um- schrieben, so öffnete man durch das neue Industrieschutzgesetz von 1925 der Begünstigung von Spezialinteressen Tür und Tor. Jede Industrie kann nunmehr an das englische Handelsamt Schutz, zoll- antröge stellen, das durch ein Komitee in Berhandlungen prüfen läßt, ob ein Schutzzoll notwendig ist oder nicht. Empfiehlt das Komitee die Einführung von Zöllen, so kann das Unterhaus diese gesetzlich festlegen. Aus Grund dieses Verfahrens sind im Jahre 19Ä5 Zölle auf Messerwaren, serner erneut für Handschuhe und Glühstrümpfe, 1926 für Packpapier und im Frühjahre 1927 für Tafelporzellan und Gummireifen cingesührl worden. Jedenfalls zeigt die namentliche Aufzählung der englischen Zölle, daß der fireis der geschuhlea Waren sehr klein ist, verglichen mit dem lückenlosen Zollsystem der kontinentalen Länder. Agrarzölle kennt England überhaupt nicht, auch der Hauptstrom der industriellen Importwaren kann noch immer unbehindert durch Zölle nach England gelangen. Die deutschen Cxportinteressen sind freilich auch durch die wenigen eng- tischen Zölle empfindlich getroffen worden, einzelne Aus- fuhrindustrien. wie zum Beispiel der Klavier bau, haben durch die unüberwindbare 33prozentige Zollbelastung ihren Hauptmarkt verloren. Der gesamte Erportaussall infolge der Mac-Kenna- Zölle und der von 1926 bis 1927 eingeführten neuen Zölle wird viel- leicht 156 Millionen belragen. Der deutsche Export nach Eng- land hat sich freilich insgesamt viel stärker reduziert: von 1,438 Millionen im Jahre 1913 auf 1,169 Millionen im Vorjahre. Der Export- rückgang ist also nur zu einem Teil auf die englischen Zölle zurück- zuführen. Run meinen die deutschen Schutzzöllner zu Unrecht, daß die bisherigen englischen Zölle nur«in Austakt waren und in Zukunft weiter beträchtlich vermehrt werden dürften. Von 42 durch die Industrien eingereichten Gesuchen hat das englische Handel? amt bisher nur 7 bewilligt. Zollfchutzanträge für Eise» und Stahl, Wall- waren, Lelnenwaren ujw. sind durchweg abgelehnt worden, weil die Regierung sich bei der verarbeitenden Industrie, dem Groß- Handel und bei den breiten Massen nicht noch unpopulärer machen will, als sie es bereits ist. Zweifelhaste Wirkungen. Freilich veidamken nicht alle neuen Zölle ihr« Entstehung wirt- schaftlichen Notwendigkeiten. Nach den Richtlinien des Weißbuches über daz Verfahren und die Unterfuchungsgrundfätze für Zollanträge sollen nur Industriezweige von„besonderer Bedeutung", die unter„unfairer Konkurrenz"(Valuta- oder soziales Dumping, Subventionen) oder auch nur unter„außergewöhnlicher Konkurrenz" und Arbeitslosigkeit leiden, Berücksichtigung finden, sofern der Schutz- .zoll nicht weiterverarbeitende Industrien schädigt. Die Gesamt- arbeiterzahl aller aeschützten Industrien dürfte weniger als ein Sechstel der gesamten englische» Industriearbeiterschaft betragen. Zur Entlastung des englischen Arbeitsmarktes haben die eng- lisch«« Zölle nur wenig beigetragen, und auch ein weiterer Ausbau würde ein völlig untaugliches Mittel zur Bekämpfung der englischen Massenarbeitslosigkeit sein. Di? Lage der englischen Industricwirtschaft. die etwa ein Viertel ihrer Produktion— hiervon zu 75 Proz. Fertigwaren— aus ausländischen Märkten absetzt, würde sich bei weiteren Industriezöllen mit der unausbleiblichen Folge steigender Vroduktionskosien vermutlich nur ver'chlechtern und die Arbeitslosigkeit sich noch vergrößern. Vom fiskalischen Standpunkt sind die Industriezölle bisher ziemlich belanglos; die Gesamteinnahmen aus Industriezöllen belaufen sich nur auf etwa 16 Millionen Pfund Sterling, d. h. rund 266 Millionen Mark. So bleibt als letztes Argument für die englischen Schutz- zolle, speziell für die Preferentialzölle, der Ausbau und die Vor- stellung einer mittels Vorzugszöllen geschützten, geschlossenen C in p i r e wi r t s cha s t. Die Handclszahlen zeigen aber deutlich, daß diese ein Wunschbild geblieben ist. Während Indien in der Vorkriegszeit zwei Drittel seines Imports aus England be- zog, kauft es heute nur noch die Hälfte der Importwaren tn Eng- land ein; auch in den anderen großen Empircländern ist der Anteil Englands am Gesamtwarenbezug stark rückgängig. Das englische Mutterland ist trotz der politischen Festigung und Ausdehnung seine» Imperiums heute wirtschaftlich ebenso stark auf den Absatz in srem- den Ländern angewiesen wie in der Vorkriegszeit Der engsifche' Protektionismus läßt sich aus allgemeinwirtschaft- lichen Erwägungen nicht rechtfertigen. Schon jetzt macht sich in England ein starker Unwille gegen die bestehenden Zölle gellend. Einen wirklichen Uebergana zum geschlossenen kontinentalen Industrieschutzsystem auch für Eisen, Maschinen, Textilien wird auch die konservative Regierung nichr durchführen. Englaad und der deutsche Zollabbau. Die ciiglijche Regierung hat sich Zwar zu den Genfer Beschlüssen nur sehr vorsichtig geäußert. Aber gerade diejenigen deutschen Industriekreift, die unter Hinweis auf die englischen protektionist!- scheu Strömungen den deutschen Zollabbau hintertreiben, sollten sich vor Augen litten, daß die Engländer aus der dcut- s ch c n Zollpolitik ihre besten Waffen bezogen, und daß durch ehr- lichen Zollabbau der englische Protektionismus am besten«nt- wassnen wird. Die offiziöse„Industrie- und Handels- Zeitung", die gewiß kein Freihandelsblatt darstellt, sagt« kürz- lich ganz offen, daß der Kampf d;r englischen Interessen- 1 e n zurzeit auf Grund der deutschen Zollpolitik ausgesochtcn wirb, die wiedenim entscheide, ob in England weitere Zölle not- wcndig sind oder nidjl. Der geplante Zollabbau in Deutschland wird bei durchgreifenden Maßnahm«>i die schutzzollfeindlichen Tendenzen in England und in den anderen Ländern sicher weiter v e r- stärken, er kann den Vorwurf der englischen Presse,»Deutsch- land habe keine ernsten Absichten, eine zollermäßigende Politik zu treiben, da es die Zölle auf wichtige Lebensmittel ganz erheblich heraufsetzte", entkräften und wird dann gar der deutschen Ge. samtwirts6)aft nur handelspolitische Vorteile bringen. R. M— n. was geht im R.W.E. vor! Entscheidende Gefährdung des öffentliche» Einflusses. Aus Essen wird gemeldet, daß der Aufsichtsrat des Rheinisch- westfälischen Elektrizitätswerks beschlossen hat. der Generalversammlung die Erhöhung des Grundkapitals von 146 aus 155 Millionen und die Erhöhung der Vorjahrsdividende von S auf S Proz. vorzu- schlagen, weiter wird gemeldet, daß aus der Tagesordnung der zum 30. November einzuberufenden Generalversammlung eln Antrag stehen wird auf veschtußsassung über die Aus- Hebung der Sonderrechte und Sonderbestimmun- gen für die Namensaktien. Der schwere, in seinen Konsequenzen noch nicht abzusehende Nachdruck dleser Meldung liegt tn dem an sich unscheinbaren Antrag aus Beseitigung der Borrechke der Namensaktien. Aus deren größerem Stimmrecht beruht in entscheiden- der weis« der Einfloß der össentlichen Hand, der bisher außer Zweisel stand, werden die Vorzugsrechte beseitigt, so lstdieGesahrderMajorisierung durch die privaten Aktien. besiher In allerhöchstem Maße akut. Das größte Elektrizitätswerk Deutschlands droht von der Privatwirtschaft beherrscht zu werden. Darüber hinaus drohen de« öffenlNcheu verbänden, die die Vorzugsaktien besitzen, kolossale materlelle Verluste, da der lolsächliche Werl der Vorzugsaktieu,«eil von der Verschiebung der Slimmenmacht die Herrschaft über das Werk abhängt, unab- schätzbar ist. Wir wissen, was Herr vögler mit diesem neuen Schachzng will, wlr stellt sich Preußen daz»? Starkes Anwachsen ües Güterverkehrs. Rekorde der Wagengcstcllung. In der Woche zum 15. Oktober ist die arbeitstäqliche Wager gestellung der Reichsbahn, die als Merkmal für die Konjunkturen! Wicklung von ganz besonderer Bedeutung ist, sprunghaft an gestiegen. Sie hat sich gegenüber der Vorwoche von 166 566 ar rund 168 666 erhöht. Daniit ist in der Wagengcstcllung der Reichsbahn ein Rekord aufgestellt. Eine derartig Hohe Zifser der arbeitstäglichen Wagengestellung ist selbst im Slooember 1926, während die Wirkungen des englischen Bergarbeiterstreiks aus ihrem Höhepunkt waren, nicht erreicht worben. Selbst wenn Saisonmomente berück- sichtigt werden, die eine erheblich« Roll« spielen, bleibt für die K o n- junktur das Bild einer erstaunlichen Stärke. Seit dem Monat Juni, wo der arbeilstägliche Durchschnitt 148 666 Wagen betrug, ist bis zum Oktober eine Steigerung auf 164 366 Wagen im Durchschnitt der beiden Oktobcrwochen zu verzsichnen. Damit wird der Durchschnitt vom November 19 26, wo die Hochblüte der englischen Strcikwirkungen und«in starkes Inlandsgeschäst zu- sammentrafen, noch um rund 7666 Wagen übertrosfen Gegenüber der Höchstzifser der nrbeitstäglichen Wogengestellung im Monats- durchschnill des Jahres 192S mit 137 666 Wagen pro Tag (Oktober 1925) liegt rin« Steigerung um rund 27 666 Wagen vor, Die neuen Richtlinien der Beratungstelle. Beschlüsse sind geheimzuhalten! Wie gemeldet wird, hat die kürzlich abgehallenc Länderkoirfe- renz die bisherigen Richtlinien der Beratungsstelle noch in einigen wichtigen Punkten abgeändert. Die wichtigste Aenderung lieg,. darin, daß in der Berufungsinstanz auch das Land vertreten sein soll, für das die Genehmigung einer Anleihe zweiselhast ge- worden ist. Die Berusungsinstanz, die nach den bisherigen Ab- sichten den Reichsfinanzminister. den Reichswirtschaftsimnister und den Reichsbankpräsidenten persönlich mitwirken ließ, wird also um den Vertreter des betreffenden Landes erweitert. Ferner wurde festgelegt, daß die M i t g l i e d e r d e r B e r a t u n g s st- l l e über die Verhandlungen selbst keine Mitteilungen nach außen geben dur- fcn, und daß auch das Stimmenverhältnis bei den Beschlußsassun- gen sowie die die Berusungsinstanz anrufende Stelle geheim» gehalten werden müssen. Die völlige Geheimhaltung sämtlicher Verhandlungen und Ab- stimmungen scheint uns ein sehr zweischneidiges Schwert. Es kann und darf der Oeffentsichkeit nicht verschwiegen werden, was in der Beratungsstelle vorgeht und wie die Benifungsinstanz entscheidet. Unabhängig von unserer sonstigen Stellungnahme zu den noch nicht offiziell bekanntgegebenen Richtlinien muß für die Oeffentsichkeit«in« Möglichkeit gefordert w-rden, nicht nur zu er- fahren, was in den Gremien der Beratungsstelle vorgeht, sondern auch eine Kontrolle über diese Borgänge auszuüben. Tolle Noggenpreife. Roggen ist teurer als Weizen. An der Berliner Getreidebörse hat sich am 24. Oktober die merk- würdige Situation ergeben, daß der Preis für eine Tonne märk-.- scheu Weszen nur 245 bis 248 M. betrug, während«ine Tonne märkischer Roggen mit 249 bis 257 M. gehandelt wurde Diese an sich fast unglaubliche Tatsache mag sich zu einem gewissen Test daraus erklären, daß durch die späte deutsche Ernte, auch durch die teilweise ungünstige Ernte in vornehmlich roggen- bauenden Bezirken, noch wenig Roggen zum Verkauf gekommen ist. Soweit das aber nicht der Fall ist, muß die enorme Roggenteuerung einmal als Beweis dafür angesehen werden, wie sehr die Aufforderung, mit den R o g g« n v« r k ä u f e n zurückzu- halten, gewirkt hat. Zum anderen aber als Beweis dafür, daß von der Notlage der Landwirtschaft, mit der die Großagrarier politische Geschäfte machen, keine Rede sein kann. Denn sonst müßte der Vertaufsdruck sich auch in den Preisen auf der Produkten- börs« auswirken. Sicher handelt es sich teilweise um eine vor- übergehende Erscheinung. Aber sie ist beängstigend, und sie erfordert die größte Aufmerksamkeit der Oefsentlichkcit, der amtlichen Stellen und auch des Reichstags. D!e Reichsbank weiter sehr stark beansprucht. Dcr Wochenaus- weis dcr Relchsbant vom 22. Oktober ist der dritte seit der letzten Diskonterhöhung. Die Abnahme der Inanspruchnahme der Reichs- bank, die in der dritte» Monatswoche gewöhnlich besonders stark zu sein pflegt, ist trotz der Diskonterhöhung erstaunlich gering. Die Kapitalanlage in Wechseln und Lombarddarlehen ist im ganzen um nur 66,7 auf 2558,4 Millionen zurückgegangen. Dabei fällt die ganze Entlastung nur auf den Rückgang dcr Lombarddor- l e h e n, die um 63,3 auf 31,6 Millionen abgenommen haben. Die Wechselbe stände haben sogar um 2,6 auf 2434,8 Millionen zugenommen. Da die Zunahnie der fremden Gelder um 142,2 auf 831,9 Millionen w der Hauptsache wohl auf Einzahlungen öffentlicher Stellen zurückzuführen sein wird, ergibt sich kür die dritte Woche nach dcr Diskonterhöhung wieder die T a t- fache einer sehr starken Anspannung der Reichsbank. die nur zum geringen Teil aus der Vorsorge der Banken für den Monatsschluß erklärt werden kann Im Zusanimenhong mit der Zunahme der fremden Gelder ergab sich ein Rückfluß von Reichs- banknoten und Rentenbontschemen im Betrage von 198,9 Millionen Mark in die Kassen der Bank. Der Umlauj an Reichsbank- nofen hat um 160,9 aus 3631,8, derjenige an Remenbankscheinen um 38,6 auf 896»? Millionen abgenommen. Die Gold- und De- v i s e n b e st ä n d e sind nur genng verändert: die Goldbestände sind lim 6,11 auf 1851,5 und die Bestände an deckungssähigen Devisen um 6,87 auf 166,8 Millionen verringert. Die N o t e n d c ck u n g durch Gold hat sich gegen die Vorwoche von 48,8 auf 5l,6. die Deckung durch Gold und deckungsfähige Devisen von 53,1 aus 55,4 Proz, verbessert. Die Kapitalerhöhung der Lindcar-Fohrradwcrke. Wir meldeten bereits, daß die Lindcar-Fahrradwerke A.-G., Berlin, ihr Kapital von 166 666 um 466 666 Ä, auf eine halbe Million erhöhen werdc. Wie wir dazu erfahren, ist die Erhöhung des Kapitals erforderlich geworden, um der sehr stark gestiegenen Produktion die notwendigen größeren Anlagen zur Verfügung zu stellen. Es sollen eine neue Werkshallc und ein Kesselhaus errichtet werden, außer- dem ein W o h l f a h r t s g« b ä u de. in dem in besonderer Weise für die Belegschaft vorgesorgt werden soll. Der größte Teil dcr neuen Aktien wird, da nur ein geringer Teil sich im freien Verkehr befindet, von den beteiligten Verbänden übernommen werden. Die Produktion hat im Jahre 1927 die des Borjahres ganz erheblich übertrossen; auch dcr Gesamtumsatz dürfte sich gegenüber dem Vorjahr fast v e r d o p p e l n. Unsinnige Preiserhöhung.— Alumimumsabrikate um 10 proz. teurer. Während der A l u m> n i u m w a l w e r k v e r b a n d die Preise für-Halbfabrikate zweimal im August erhöhte, und zwar von 253 auf 265 M., also immerhin nur um 2,7 Proz., setzt jetzt die fertigarbeitendeAluminiumindustrie ihre Preise mit einem Ruck um 16 Proz. herouf. Diese Maßnahme ist um so ungerechtfertigter, alz der R o h st o s f p r e i s feit Januar 1927 st a b i l geblieben ist und auch die Preise für Halbfabrikate keine erheblich« Stelgerung erfuhren, so daß von erhöhten Selbst- kosten nur in geringem Maß die Rede sein kann. Wem, die Unternehmer die Preiserhöhung mit Verlusten begründen, die sich aus der U e b e r p r o d u k t i o n ergeben hätten, so werden sie sehr schnell die Erfahrung machen können, daß sich durch die Preiserhöhung die Spanne zwischen Produktion und Absatz mir noch verschärft. Aluminiumfabrikatc, insbesondere Geschirre, sind typische Massenkonsumartikel, die auf Preiser- höhungen sehr empfindlich reagieren. Gegen karlellierung In der Dachpappenindustrie. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung der Dachpappenindustrie nahmen Ver- treter der von den Großkonzernen unabhängigen Werke in schärfster Form Stellung gegen die Bestrebungen, die gesamte Teerdachpappzn- industrie durch Kartellabkommen zu binden und die Produktion und den Absatz zu kontingentieren. Es wurde hierbei betont, daß die Produktionsbedingungen in dieser Industrie derart gelagert seien, daß die Dachpappenfabrikation überhaupt nicht für eine Syndikats- und Monopolpolitit ge- schaffen sei. Die Erkenntnis der Unmöglichkeit und Schädlichkeit einer allgemeinen Bindung der Dachpappenfabrikation zwinge die freien Werke, für ihre Unabhängigkeit in der Produktion und dem Absatz bis zum letzten zu kämpfen. Diese Stellungnahme der noch nicht in Großkonzernen aufgegangenen Werke richtet sich offensichtlich gegen die G r o ß t e e r i n d u st r i e, die durch den R ü t g c r s- und Oberkoks-Konzcrn bereits maßgebenden Einfluß in der Dachpappenindustrie besitzt. Bekanntlich hat Anfang des Jahres die Rlltgers A,-G. mit der Oberkoks-Gruppe die gesamten schlesischen und norddeutschen Dachpappeninteressen der beiden Umernehmen in der „Vereinigte Dachpappenindustrie A,-G. in Berlin zu- sammengefaßt, die bei einem Kapital von 16 Millionen Mark nicht weniger als 26 Gesellschaften in sich vereinigt«. Hr. 50$»44. Jahrgang 2. Seitage öes Vorwärts Vonnerstag, 47. Oktober 1427 Um öie höheren Schulen Berlins. Eine amtliche Denkschrift. Der Magistrat hat der» Mitgliedern der zuständigen Deputationen eine von dem kürzlich gewählten Magistratsoberschulrat ch e y n ausgearbeitete Denkschrift über die höheren Schulen Berlins übcrsandt. Darin»vcrdcn Vorschläge zum teilweisen Abbau und zun» Ausbau bestehender Schulen und zur Errichtung neuer Schulen gen'acht. Nachdem iin Jahre IgOO die Rcalanstalten dieselbe Berechtigung wie die Gymnasien erlangt haben, ist die Schülerzahl der G y m- n a s i e n immer mehr zurückgegangen. Zur Berhmfcerung des Abbaus sind mit verschiedenen Gymnasien in den letzten Jahren Realgymnasien oder Realschulen verbunden worden. Diese Versuche sind meist mijjlin gen und haben zur Entstehung von Blasien mit 10— 15 Schülern geführt. Heyn steht mit Recht aus dem Standpunkt, solche Zwergklassen hätten aus finanziellen Gründen keine Berechtigung, da jede Klasse 10 000 M. im Jahre und mancher Schüler daher 1000 M. koste. Er schlägt daher ihren Abbau vor. Die Eltern bevorzugen setzt ober nicht nur die neueren Sprachen vor den alten, sondern auch unter diesen immer mehr die englische vor der sranzösischen. Daher haben viele Schulen in der untersten Klasse nicht wie bisher mit dem Französischen, sondern mit dem Englischen den Sprachunterricht begonnen. Manche Schulen haben in den» einen Zweige mit der englischen und in dein anderen mit der französischen Sprache angefangen.� Heyn fordert nun, daß jede Schule mit derselben Sprache in Sexta beginne. Ob Heyn aber nicht zu weit geht, wenn er verlangt, daß in 00— 95 Proz. aller Schulen die englische Sprache die erste fremde Sprache sein solle, muß geprüft werden. Dafür spricht sicherlich, daß das Englische, abgesehen von der Aussprache, leichter zu erlernen ist und daher für Zehnjährige geeigneter ist, und daß es als Hondelssprache für viele Schüler wichtiger als das Französische ist. Bei der Verwirklichung dieser beiden Dorschläge spart die Stadt Geld. Dies soll zum Teil sür den Ausbau von Realschulen zu Oberrealschulen verwairdt werden. Heyn faßt sür Ostern 1028 bereits zehn ins Auge. Der Ausbau ist zum Teil deswegen gerechtfertigt, weil für viele Berufe, für die früher die Reife sür Obersekunda genügt hat, jesit das Abiturientenexamen verlangt wird. Der Andrang zur Ob�rrealschule ist aber auch auf den schwächeren Besuch der RealPhulen zurückzuführen. Iin Widerspruch zur gesamten Balksschullehrrrschast hat nämlich der Magistrai auf Antrag des vollsparteitichen Stadtvais Sc necke vor zn*! Jahren die von der Sozialdemokratie bis zum letzten Augenblick bekämpfte Verlegung des fremdsprachlichen Anfangsunterrichts von der 4. in die 6. K lasse in den 16 Realschulen von Alt- Berlin durchgeiührt. Nun können die Elten» ihre Söhne nicht mehr bis zum 12 Lebensjahre irr der Volksschule lassen. Wenn sie sie mit 10 Jahren für Sexta anmPlden, bevorzugen sie die Oberrealschule vor der Realschule. Sie fiiychten, zum Teil mit Unrecht, der Junge werde nach erfolgreichem Besuch.der Realschule in keine der überfüllten Obelsekunden der Obyrrealschule mehr aufgeiwmmen werden. Gegen den Ausbau ewiger Realschulen zu Oberrealschulen läßt sich nichts einwenden. Ganz abwegig ist jedenfalls die Ansicht Heyns, daß„die Realschulen im Lpufe der Zeit völlig verschwinden sollen". Viel einheitlicher als die höheren Knabenschulen sind die höheren Mädchenschulen ausgebaut. Auch für diese schlägt Heyn den Beginn des fremdsprachlichen Anfangsunterrichts mit dem Englischen vor, ferner Ausbau von Lyzeen zu Oberlyzeen, Errichtung von Frauenschulen und Errichtung von neuen Lyzeen. Der letzte Vorschlag ist besonders zw begrüßen. Die Stadt Berlin hat 99 höhere Knabenschulen, aber nur 51 höhere Mädchenschulen. » Eine Lücke hat die Den�chrift. In ihr wird nicht dem Uebel- stand Rechnimg getragen, daß>.s in den Bezirken mit är- m er er Bevölkerung wieit weniger höhere Schulen als in denen mit wohlchabenderBevölkerung gibt. Nach dem neuesten Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin besuchten von 100 Schülern und Schülerinnen eine höhere Schule in Wilmers- darf 17,7, in Zehlendorf sogar S'4.4, in Wedding aber 9,5, in Fried- richshoin sogar nur 4,9. Werden etwa in Zehlendorf Ilmal so viel intelligente Kinder als in Friedrichshain geboren? Stadtverordneter Dr. E r i ch W i t t e. Vorträge, vereine unö Versammlungen, # Reichsbanner„Schtrari-Rok-Gold". (SefftäftBUtlle; Berlin£ 14. Ecballianltr. S7/J8, bot 2 St. Reinickendorf! Zur£BD..Bkrsammlung am Donnerstag,?7. Otto. der, A Uhr, im Lindengarten, Hcrmsdorf, Berliner Straß», An- treten der Kameradschaften Reinickendors-Ost, Rosenthol, Wittenau und Hcrmsdorf.— greitaa, 28. Ottober. Friedrich, tzain(Tportadt.): 1»M, Uhr Turnhalle Menleler Straße. Alle Sportler milsscn erscheine», ftraudtca; Ad 19 Uhr Abrechnung aller Unterkassierer bei Krepp, Planufer 78. Schinebero-Frledenau, itameradschatt Rollcndors: Sonnabend, 29. Oktober, 30 Uhr, findet in dem elesellschaftshau, des Westens. Hauptftr. 30, ein« wichtig» Mitgliederoersamm- lung statt, wem all« Kameraden eingeladen sind. Referent Herr Wang, Redat- teur der chinesischen Rnchrichtcnogentur:„Sunnatsen und die heutigen poliii- sehen Berhiiltnisie in China."— onntag. 30. Vitoder. ffriedrichshain: Große kr Plag<3 Min. vom republitan.ilche Kundgebung. Antreten 13% Uhr Nüstriner Schief. Bhf.I. Eiimtliche Ortsvcreine werde» um Unterstützung gebeten, soweit sie nicht schon zugesagt haben. Sieglitz sOrtsvereini: 1214 Uhr Antreten Düppelplatz zur Teilnahm« am rrpubulainschen Tag des Ortsvereins Fried- richshai». PfNchtveranstalwng. Krens berg: Nüchste Funktion!! rsitzung mit«. weitertem Borstand«m Montag- 31. Ottober. Lokal wird noch belonntgrgeben. viochemifchrr Berel» Groß. Berlin. LI. Oktober: Tegel: Restaurant Hamu» seck, Hauptstr. 6; Krcuzberg: Bockbrauerei, Fiticinstraße! Reimckendors-West: Restaurant Freiheit, früher Mußt«, Berliner, Ecke Sumboldistraße! Gesund. brunnen: Cchmidls Fcstsäle, Prinzmallee 33.— 31. Ottober: Obrrschijncweide: Imbergs Gesellschaftshaus, BilhelmSncnhofftr. 34. ~' gröeetnsch«' W>" ____________________ Belle________________ 27. Ottober, 20 Uhr, Im Ledigenheim am Brunnenplatz» Lichtbildervortrag: .Alkohol und Geschlechtskrankheit." Arbeiter-Radio-Bund, Ort-grnpp« Friedrichshain. 27. Oktober, 30 Uhr. im Lokal Friedenstr.«1, Bortrag über.Akkumulatoren". Verein junger Kanfleute nn Berlin. Donnerstag, ZI. Oklobrr, Wz, Uhr, im Brüdervereinshaus, Kurfltrstcnstr. IIb— HS. Rechtsanwalt Dr. Alsberg: .Das neu- Strafgesetzbuch und die Laufmannschaft." Schlesi« roerein.Rübezahl", Ebarlotienburg. Eonnabend. 20. Oktober, Herbst� und Stiftungsfest st» Schillcr-Theatrr-Restaurant, Bismarckstr. 110. Giist« willkommen. Gegen de» Adba» de» Mieterschutzes veranstaltet der Mictervrrein Thor. lottenburg im Reichsbuich Deutscher Mieter, c. B, Freitag. 28. Oktover, "■"" WMM, Berliner 20 Uhr, m den ohcnzollcrn-Srilcn in Tharlottcyburg..............�WW. Bsfeninche Protcsiversammlung, in welcher der Buudesvorlitzende, Volkswirt Fritz Dziepk und Rechtsanwalt Dr. Georg Kunkel sprechen werden. erliner Str. 103, eine So�alistiscke Nrbeiterjugenü Groß-SerUn. B.-V.-Sitzung füllt heute an». heule, Donnerstag, Uhr: Falkplatz: Schule Eberswalder Str. 10.„Einführung in die sozialistische Gedankenwelt.— Kölluischer Park: Heim im Deutschen Zlcrkehrsbund) Engel» ufer 2g- 25.„Alkohol und Nikotin"— Südwest: Liudenheim.„Das Berufs- atlsbcldungsgefctz."— Schiincberg III: Keim Hauptstr. 13.„Schundlilcratur."— Reukolla 1: Wcrheauslchußsitzung 20 Uhr im Heim Aogaistraßc. Zniercjsicrte SAI?" in der Aula der 3. Gemeindefchule. Kaiser-Frirdrich-Straßc.— Aclteren- g'upv« Osten: Heim Tilfitcr Str. 4,.Wirtschaft««!,» Zeiisragen." Wcrbebczirk Müggelsee: Die Werbcbezirksvorstandssitzung fällt umstände, halber aus. Reue Einladung erfolgt schriftlich. 8i>cku« Busch. Allabendlich 8 Uhr die von der gesamten Groß-Brrlincr Preise glänzend beurteilte neue pompös«"'*"■" wettet, um die Welt", sechzehn spannende und«ffettvolle Bilder aus der ganzen Welt mrt den fabelhoftrn Raubticrdressurleistungen. AO Mitwirkende, 3000 farbenprächtige Kostüme; große Balletts, Parodeoufzlige, Gaukler, Kunstreiter, Clowns; llbcrwältizcnbc� Zirtuseffekte und Beleuchtungswunder. Die die»- molige Sonnadeudnachmiltagvorstellung fällt aus, wegen Bprbereitung einer jttoßcn Märchenrevue. Sonntag, 30. Oktober, da» hervorragend artistisch» cirecnsische Programm, dazu, unwidcrru'lich zum allerletzten Mole, das ameti- kanische Abcuteuerstück„Das Mädchen au» Wild.Weft" de, ganz kleinen Preisen. Für die Jugend außerdem allerlei Ueberroschungen, Bonbonregen, Geschenk. Verseilung und Pony, und Efelrciten. 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IM EMELKA- KONZERN Donnst..27.1(>i7 Staats-Oper Am PI.d.Republ. Anf. 7 Uhr Df. itaitl. Sdinnpiilli. In ütiUmunauti 8 Uhr Die Wupper Donnet, 27. 10 27 Stätedie Oper Bismarckstr. «.-Tin.! toi. 7"/, Jonny spielt anf StaatL Sthillerth. Charlottenburg ( Uhr Flni M U JazM Volk s bü h ne tiilitu ib Uloirplitt 7 Uhr Zum 1. Male: Tt. an SdiffbaotrilHini « Uhr Daru Oer gcmetUdie Keinmiselr au Neidhardt vGneisenau von 1%'. Goeis. Premiere: Sennabend d 29. nachmHiaiS S Uhr 1 Jeden inttwooh,eöiiB'\ 3 Uhr 1 abend und SwoatttS/ naenmittej KLEIHK PBEISE QBOSSCS SCHAUSPIELHAUS] ör�sses Sdnosptelbans riiglleb s Cbr/ End« 11 Uhr n«*« Charell Intasnlernng mit iKai fallet Tfir f FlUteoro Bendow ' Isnkuhn BzOkeSii- Kall i Werkmtlelnr Wettermeier itskson Bert _ tfunthlnt«Irla laset. Prot. Stern/ Dlrt» Dr. Umer Mittwoch, Bonnabend Und BonuiaK D&chm.SU.: Heldhardt van Sneleeneu mit Werner Krauet Zu kleinen Freie. Vnrverknnl 10 O Clir. 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Bretel Lusttpfeltaans St/, Uhr .filDimaiitr CircusBuscti ■ Tägl. 8 Uhr: Ein bnnlca Welt-" Kaleidoskop # Tiere all Scfaantpieler Bä ren, Löwen ua. 0 farbtniir. Billetts. Hose-Theater 8«/, Uhr CharieysTante Oeh. WiRteitnl 100-Löweo- Circus Kapit Schneidet Prinzenaiice E. Soldiner Str. Tel Ibit. MI. Iii. t. St».. Riv. Md Snuk. ndndia.ll. Planetariina am Zoe Tnllw. Jwdt.atftole Sink Noll. 1578 Der Sterannhlnmalaul dar Rsiia ran Bnrlin nach dam Aaquatsr Vorführungen: *•/„ 6, Vit, 9 Uhr Eintritt 1 M. Dato aal. IS Uun».Sil. Wasche | soll+nctn nicht | l�unstlich bleichen W Man läuft sonst Gefahr, H daß die Farbe verliert. 1 Suma reinigt vollkom- = men, ohne zu bleichen und D ohne Stoff und Farben an- H zugreifen. 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Rejcrent Etadtoerordneter Genosse Arnberg:»Die SPD. und dir Aufgaben im neuen Berlin.* Gaste sind herzlich willkommen I Der Zraktiononorftand. Erscheint:! Ehrenpflicht! 2. Brei« Ziergarte». Am Frei lag, 28. Oktober, lg Uhr, findet im Roten Saal der Arminhallcn, Boinmandantenftr. 58— 5g, eine Versammlung aller geitunGiknmmisllonsmitqliedrr de» Bezirk» Sroh-Berlin mit einem Vor» Irag des Genossen Otto Meier, M. d. L., statt. Unser« Aeitungskommission» Mitglieder werden dringend oufglsordeet, bestimmt an dieser allgemeinen Versammlung teilzunehmen. 3. Brei» Wedding. Freitag, 28. Oktober. 19 Uhr, Siisung bes erweiterten Breisvorstandes an bekannter, Stelle. i i- l t t-l!-'! ,: e t- i i i i L-i~ i: 4. Brei» Prenzlauer Berg. Frritag, 28. Oktober, 19ü Uhr, Brei«. sunktionärnerfammlung im Ledigenheim, Paopelalle« 15. Vortrag:»Die Sogialdemokrati«, ihr Wirken und Wollen.* Rcf«r«nt Fritz EchrSder. Alle Funktionäre des Kreises werden um ihr bestimmtes Erscheinen ge» beten. Ebenfalls müssen die Helfer zur Werbewoch« anwesend sein. «. Brei» Brenzdcrg. Freitag, 28. Okiober, 20 Uhr, im Bezirksamt Breuzderg, Vorckstr. 11, Zimmer 29, Sitzung de, erweiterten Krciovorstandes mit der Vezirksverordnetenfraklion H. Brei,«eukölln. Freitag, 28. Oktober, 19\i Uhr, im Partriburea», Neckar» straft c 3, Sitzung des Vildung-ausschusse«. 13. Brei» Sempelhos. Nachdem am Donnerstag, 20. Oktober, der Bursa» de« ibenossen Vlarguardt»Dir Bulturpolitik der Sozialdemokratie* wegen schlechten Besuches ausfallen mutzte, beginnt der Burfu» nnnmehr heut«, Donnerstag, 23. Oktober, pünktlich 19'»� Uhr, im Nadelarbeitsroum der Mittelschule, Kurfllrstenstratze. Um zahlreichen Besuch wird dringend gcdeten, Freie Schul gemeirde Schänederg. Heut», Donnerstag. 23. Oktober, 18 Uhr, findet in der Aula der 11. Eemeindeschule, Feurigstr. Dl, eine Mitglieder- Versammlung der Freien Schulgemeinde Echoneberg statt. Liidtbiloerpor» trag:„Aus dem Leben der weltlichen Schule.* Bortr-g-ndcr Genosse Mücke. Gäste sind herzlichst willkommen. Ei Kr«i».Rieteraussch»ß. An olle in der Mieterbewegung oder Woh» nungspfleg« tätigen Mitglieder der SPD.» der Arbeitemoohlfahrt»der Frauengruppcn, Stadträte, Stadt» und Bezirksverordnetr und Bürger» deputierte des 8. Kreises! Znsrrmationsadcnd am Donnerstag, 27. Oktober, I9U Uhr, im Hochzeitssaal der KammersSIe, Teltower Str. 1— L Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Otto Most über»Wohnungs» Wohnungskultur.* 2. Disiusston. Z. Besprechung der Werbe» pilrge und tätigkeit während der Werbewock». Der Kreisaneternuischnt de? Kreise» g. Z. A. 1. Abt. IS-.- Tagesordnung. Morgen, Zreüog 28. Okiober. Uhr ht}_ Zschiestng, Ackerstr.� 1» Funktioatksttz»«!. Erscheinen unbedingt erforderlich. Wiehtige IS. Abt. Die Arbeiisaemeinschost der Kinderfreunbc veranstaltet gemeinsam mit der Sozialistischen Arbeiterjugend um lg Uhr in der Schulaula Ehren» bergstratzc einen Unterhalt«ng»abc»d mit Lichtbildervortrag. Um rege Beteiligung wird gebeten. Eintrittspreis 25 Ps. 38. Abt. 19',i Uhr bei Bartusch. Friedenstr. 88, Funktionärsttzung zur Dar» bereituug der Werbewochc. Kein Bezirk darf fehlen. Anschlietzeud Sitzung des Abteilungsvorstandes mi! der Weihnachtskommisiion. 74. Abt. gehleukorf. 19}i Uhr bei Micklev, Potsdamer Str. 25, Funktionär. sttzung zur Pordercitung der Werbewochc. Erscheinen wegen der wichtigen Tagesordnung unbedingt erforderlich. 85. Abt. Dempelhof. 20 Uhr im Lokal Primus,„Zur Linde.*, Werder», Eck' Friedrich-Karl-Stratze, wichtige Funktionärsitzung. Neukölln. 88. Abt. ISsh Uhr bei Grommeck. Sondeestr. 10, wichtig« Vorstands» und Funktionärsstzung. Jeder Bezirk mutz unbedingt vertreten sein.— m. Abt. 19 Vi Uhr in der Aula der Knabenmittelschul«, Donaustr. 120, Adtrisunasversammlung. Vortrag:„Unsere nächsten Aufgaben." Referent Robert Breuer. Alle Genossinnen und Genossen werden um vollzähliges Erscheinen gebeten.— 88. Abt. Igsh Uhr bei Lohann, Wipperstr. 18—19, Funktionärsitzung. 118. Abt. Lichteilbeev. Achtung! 20 Uhr bei Hartmann, Irenen», Ecke Rosen. selber Etratze. Funktionärsitzung. Erschcii Erscheinen unbedingt erforderlich. Wich» tigc Tagesordnung. 124. Abt. MahUoors. 20 Uhr bei Andreas. Bahnhofsiratze, Sutzerst wichtig« Funktionärsitzung. Erscheinen aller Funktionäre und der Zeitungskom- missionsmitglieder unbedingt erforderlich. 128. /1 30. Abi. Pankow. IgVH Uhr in der Aula de, Lvzeums GSrschstratze Werbe- abend der Sozialistischen Arbeiterjugend. Uebergabc der von der Partei .............. rju(. gestifteten Fahne an die Arbeiterjugend. Z. Krei« Wedding. Refercntin Klara Frauenveronstallungen. Kursus über die Reichsverfassung Bohm-Schuch. M. d. R. an bekannter Stelle. 38. Abt. Di« Genossinnen treffen stell Freitag, 28. Oktober, 18 Uhr, Königs» berget S trotze, Ecke Frankfurter Allee, zur Besichtigung der Modenschau der Konsumgenossenschaft im Gewerkschastshau». Dr. Kurt T h o m a l l a sprach über„Körperliche Neber- empfindlichkeitskrankheiten", die als Heuschnupfen, Asthma, Nesselsucht und ähnliches auftreten. Bei ihnen werden Reizstoffe zu� Krankheitserregern, die von der Mehrzahl der Men- schen ohne Schädigung vertragen werden. Dabei wies der Vor- trageiche auf die ForsitPingen von Dr. Funk- Köln hin, der auch .die Arteriosklerose als ein« Krankheit erklärt, die ihre Ursache in den Reizwirkungen hat, die sremd« Stofse im Orgairismus hervorrufen. Mit diesen Feststellungen Dr. Funks scheint ein Weg gesunden, um wirksame Heilmittel gegen dies« Alterskrankheit zu schaffen. Bor- beugend gegen sie wirkt gemischte, reichlich Pflanzenreiche Kost.— Eine Vortragsreihe„Weltgeschichte in Anekdoten" begann Dr. Max H o ch d o r f mit dem Kapitel„Adam und Eva". Was er bot, waren nicht im wörtlichen Sinne„Anekdoten", sondern vielmehr ein Ueberblick über die Ausdeutungen, die dieser Stoff in der christ- lichen. jüdischen und mohammedanischen Religicmslehr« erfahren hat. — Dr. Ilse Reick« schloß ihren Zyklus„Die modern« Frauenbewegung" mit„Folgerungen und Forderungen für die Entwicklung der Zukunft". Nicht Konkurrenz mit dem Mann, sondern Ergänzung seiner Leistungen durch die der Frauen erstrebe die moderne Frauenbewegung, friedliche Weltgestaltung durch den Einfluß der Frau.— Eine sympathische Funkprinzessin war Arno Si m o n, die zwei Kapitel aus dem Kinderbuch der Lagerlöf.Wim» dersame Reise des kleinen Rils Holgerson mit den Wildgänsen" las. »-» Am Abend wurde Ludwig Thomas Einakter„/Erster Klasse" aus der Stettiner Funkausstellunq übertragen. Das Wert wirkte trotz giiter Besetzung langweilig. Man muß zu dem an sich recht bescheidenen Dialog die Typen sehen, wenn man sich an ihnen ver- gnügen soll. Tes. 29. Abt. Evniiabend. 29. Okivber. 19'» Uhr, im Aitersh'im. Darziger Str. 82, Frauenwerb«ab«nd. Rezi Lotionen, Lieder zur Laute, anschließend oemüt- liches Beisammensein. Alle Genassinnen und Genossen sind herzlichst ein.» geladen. Gäste willkommen. Vezirksausschuh für Arbeitcrwohlsahrt und Kinderschutz. i. Brei» Mitte. Freitag. 28. Oktober, 19'.; Ahr, Schnl»ng»kurin- im Bezirk-» amt, Klostcrsir. 88. Thema:„Kinderverschickuna und Erholungshcune/ Rcsirrwtin Genossin Etadträtw Klara Wevl. Interessierte Genossinnen und Genossen sind«ingcladen. Teilnehmer können sich noch melden� trag:„Dos Zugcndqcricht-gesctz und die Iugendgerichtshilse. Referent:». Genossin G-yger. Interessierte Genossinnen und Genossen sin»-enqeladen. 17. Breis Lichtenberg,«olloertawmlnng heute. Donnerstag, 27. Oktober. 20 Uhr pünktlich, im Rathaus Lichtenherz, Vortrag:„Das WebeUstosen- versicherungsgeietz." Rcsercnt Genosse Franz Epliedt. E» ist Pflicht aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen und Genossen, unbcd:ngt zu erscheinen. Jungsozialisten. Gruppe Prenzlaner Berg: Heute, Donnerstag. 27. Oktober. 29 Ahr, inr Jugendheim Danzige? Str. 62, Vortrag: �Die Stellung der Frau 7« der kam» tali st i scheu Gesellschaft." Referentin Anna Hartoch.�_ Sterbetafel der Sroß-Oerliner partei-Grganisation 91. Abt. R-uköll». Unser Genosse Richard Reuter. Wanzlcksiiaßc. ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung heute, Donnerstag, 27. Okto- der, 14 Ahr, auf dem Thomas-Friedhof, Hcrmannstratze. Wer betten um rege Beteiligung.__ Sport. Rennen zu Grunewald am Rliilwoch, dem 26. Oktober. 1. Rennen. 1. Original(Red er), 2. Himulaha___________ R::ftha dreiteilig, mit Spiegel und Wäscheeinriditung, 95,—. Trumeaus 35,-. Rutzh-uÄdstfet» 25#/-. Schlaf. zimmer. Eich«, 550,—. 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