Menöausgabe Nr. 511 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 255 Bkzugsbtdinzung«!« tmt Änz«Iz«n»r«!k kind in btt 3)!oijenatt9flo&e«nfltuti« Sctoniou: 50. es, Cinkcnfltage S Fernsprecher> VSnhosf 292— 292 r-l..«dress«: SozI»ldea>«Ir»I verN» sw Derlinev Volksvlskt (�10 Pfennig) Zreitag 2S. Oktober 1�27 Serlag und Snzetsinabteiluug» SeschSftszeit SVi bis 8 Uhr Verleger: VorwSrls-Verlagef und eindrucksvoll die einzelnen Szenen auch sind, so wirkt die Gesamtaufsührung doch allmädlich lähmend. So- lange bleibt der Graßstabtmensch nicht mehr aufnahmeföhiij. Aber es ist gelungen, Bilder von ungeheurer Wucht zu gestallen. Die Irrenhausizene ist mit den Augen des erleb msstarken Künstlers ge- Die falfthe Geheimöruckerei. Zollinspektor Plaumann und seine Spitzel. Der Fall des Zollinspektors Plaumann beschöstigte heute das Erweiterte Schöfsengericht Mitte. Mit Plaumann find angeklagt seine mehrfach vorbestraften Agenten, der Bankbeamte Johann Silberstein aus Hamburg und der Artist Aron Cohn aus Berlin, die von den Rechtsanwälten Dr. Puppe, Dr. Beerwald und Dr. Rotler verteidigt werden. Plaumann wird des Betrugs in inehreren Fällen, vorwiegend zum Nachteil des Fiskus, beschuldigt und außerdem in mehreren Fällen der Bestechung, da er mit seinen Agenten, sowohl den beiden Mitangeklagten als auch mit einem anderen Spitzel bei der Auszahlung von Belohnungen gemeinsanre Sache gemacht haben soll. Den Hauptanklagepunkt bildet die Geschichte einer„e n t d e ck- t e n" G c h e i m d r u ck e r e i, die aber nach der vom Staatsanwalt- jchastsrat Berliner vertretenen Anklage und dem Geständnis der Mitangeklagten bestellte Arbeit gewesen sein soll. Dieser Anklage- fall hatte schon vor einem Jahre zur Verhandlung angestanden. Zwecks weiterer Ermittlungen crsolgle jedoch«ine Vertagung, und inzwischen ist gegen Plaumann eine Nachtrogsanklagc wegen mehre- rer weiterer Bestechungen erhoben worden. Zollinspektor Plan- mann gehörte der Zollfahndungsstcl� des Grenzzollkommissariats an und hatte in der Hauptsache Banderole nfälschungcn zu ermitteln. Er l>atte seinen Agenten bereits Vorschüsse aus die ihnen zustehenden Belohnungen und reichlich Bewegungsgelder aus- gezahlt. Auch hatte er entgegen den Vorschriften die ihm zur Ber- sügung gestellten Gelder nicht nur zum Vorzeigen für Scheiirankäuse verwendet, sondern zu wirtlichen Ankäufen verwenden lassen. Wahr- schcinlich hatten seine Agenten sich dabei einen kleinen Neben- verdienst verschafft. Um nun die Fehlbeträge zu decken, soll Plau- mann mit Cohn und Silberstein zusammen den Plan ausgeheckt haben, eine Schwarzdruckerei einzurichten, und diese auszuheben. In einem Hause der Linienstroße wurde die„Geheimdruckrni" eingerichtet. Cohn und Silberstein beschafften die Einrichtungen mit Hilse eines„schwarzen Willi" und„e i s e r n e n H a r r y". Es wurde der Stein und das Klischee in die Druckerei hingeschafft. I» der Nacht vom 2. zum 3. Juli INA sollte die„Aushebung" der „Geheimdruckerei" erfolgen. Inzwischen hatten aber die Lieferanten der Maschinen Verdacht geschöpft und die Kriminalpolizei be- nnchrichtigt. Als Plaumann mit seinen Zollbeamten zur Aus- Hebung der Eeheimdruckerei auf der Vildfläche erschien, fand er bereits die Kriininakpolize! an Ort und Stelle, die die beiden Spitzel Plaumanns, Cohn und Silberstein, als die vermeintlichen Banderolensälscher verhastet hatte. Plaumann hat dann in seinen Berichten an die Behörde es so dargestellt, als ob seine Spitzel die Geheimdruckerei, von der er ver- schwieg, daß sie von ihm selbst künstlich in Szene gesetzt worden war, entdeckt hätten. Er forderte für sie vom Landesimanzamt eine Belohnung von:12000 M. an. Die ausfälligen Vorgänge waren jedoch inzwischen nicht unbemerkt geblieben, so daß es zu der ! Auszahlung des Geldes nicht kam. Um daher die entstandenen Fehlbeträge auf andere Weise zu decken, soll Plaumann mit seinen Agenten nach der Anklage noch weitere recht zweifelhaste Manlsper ähnlicher Art unternommen haben. Zu der Hauptoerhandlung sind etwa 3 0 Zeugen geladen, darunter der Präsident Patt von der Zollfohndungsstelle, der Abteilungspräsidcnt be! dem Landesfinanzcmt, Pochhammer. und der aus den Spritprozessen als Gutachter bekannte Zollinspektor R a h i e r. Als Sachverständiger ist von dem Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Keßner, der frühere Direktor der Zollfahndungs- stelle, Zollrat Schiffer zugezogen worden. Di« schwierigen Ver- Handlungen werden das Gericht voraussichtlich mehrere Tage in An- lpruch nehmen. das Weimarer Schulkompromiß. Eine Erklärung des Genossen Heinrich Schulz. In der gestrigen Sitzung des Bildungsaussthusses des Reichstags erklärt: Abg. Heinrich Schulz(Soz), et fühle sich zu einer Darlegung von Tatsachen verpflichtet, weil er als Verhandlungs- sichrer der einzige gewesen sei, der an allen Veratungen bei der Schaffung des Weimarer Schulkompromisses teil- oenonimen habe: die Hauptbeteiligisn Führer des Zentrums seien; inzwischen gestorben. Die Kernsrage sei: Ist die S i m u l t a n- s schule mit einer Vorzugsstellung bedacht morden? Soll sie nach dem Wortlaut der Berfassuug und dem Willen ihrer Ur- Heber die Regel schule sein? Die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei haben hier freie Ausleguugsmöglichkeit, da sie am Bau der Verfassung positiv nicht mitgewirkt haben. Unver- ständlich ist aber die Haltung des Zentrums. Dle Tatsache der Vorzugsstellung der Simultanschule slehl scsk. Für die Haltung des Zentrums gibt es nur ein« Erklärung: Das Weimarer Kam- promiß ist dem Zentrum unbequem. Es will herunter van der Weimarer Vereinbarung. Dazu müsse es sich aber die notwendige Zweidrittelmehrheit verschaffen. Es ist zu bedauern, daß von den an den Weimarer Kompromißberatungen beteiligten Zentrumsobpeordncten fast alle gestorben sind. Die abfälligen Be- merkungen Dr. Schreibers über die mangelhaste Reduktion der Verfafsungsbestimmungen muß ich zurückweisen unter Berufung auf die Mitarbeit der Abgeordneten Gröber, Burlog« und Hitze." Schulz schildert dann in allen Einzelheiten die Entstehung des Weimarer �Kompronüsses. Nach dem erste n Kompromiß zwischen Sozialdemokraten und Zentrum waren alle drei Schularten levangelisch, katholisch und weltlich) gleich- berechtigt. Aber dieses Kompromiß wurde nicht rechts- kräftig. Bei der Hinzuziehung der Demokraten wurde das erste Kompromiß geändert. Di« Demokraten verlangten die Bor- zugsftellung für die Simultanschule. Dieses Zugeständnis zu machen, fiel dem Zentrum außerordentlich fchwer. Aber die Einigung erfolgte und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die kvei. warer Verfassung bewußt und gewollt nach worllaul und Sinn die öimullanschule als Regelsckule erklärt. Ein Verschleiern dieser Selbstverständlichkeit ist nicht möglich. Im ersten Entwurf des Reichsschulgesetzes von tS21 steht an der Spitze:„Alle Volksschulen sind Gemelnschastsschulen." Dieser Fassung liaben alle Länder, auch Bayern, zugestimmt, obwohl in Bayern damals schon der ilmschwung eingetreten und ei» Katholik Kultusminister war, während in der Reichsregicrung keine Sozialdemokraten saßen. In bezug auf die Koste»frage stellte Schulz fest, daß bei der Beratung des Entwurfs von 1S21 im Reichetagsausschuh Reichsfinauzminister Luther erklärte, er decke die Kosten nicht. An der u n b e f r! e d i g e n B e a n w o r t u n g der Frage, was die Sache koste und wer sie br.zahle, sei die Schulpolitik bisher gescheitert. Ilm die Bebandlung der Koste» komme der Aue- schuh deshalb nicht herum. Auch der Hinweis auf die Auswirkung der Kosten erst in zwei bis drei Jahren oerfang« nicht. Der �anüelsvertrags-'tzanAel. Tie Reichsregicrung bestreitet VerschlcppnngSabsichten. Zu unserer Besprechung der antlichen Mitteilung über d'« gestrig« Kabinettssigung beeilt sich die Reichsregierung zu versichern, daß es nur m, der vorgerückten Zeit gelegen habe, wenn der Tages. ordnungepunlt der Handelsbeziehungen mit Polen in der gestrigen Kabinettssitziing nicht erledigt worden sei; eine Verschleppung sei nicht bcabslchtigt. Der ReichstaAzler reise heut« für mehrere Tage ins Rheinland, aber iwch seiner Rückkehr in der ko m in e n d e ii Woche werde dos Kabinett bestimmt zu einem Bs- schluß in der deutsch-polnischen Angelegenheit kommen. Das Volk darf also weiier in Geduld warten, ob die Reichs- regierung sich endlich trotz drohender Haltung des Herrn Schiel« da- zu aufraffen wkrd, nit zweimonatiger Verspätung dem dcutichen Gesandten in Warschau den Auftrag zu— vorberel« tenden Borvcrhandlungen zu erteilen! Der albanische Konsul in Wien, S a r a t s ch!, erklärt, daß er den Mörder Zeno Begs nie gesehen babe. Ebenso unwahr sei, daß er mit der Absicht, in die Taschen Zena Begs Dokumente einzu- schmuggeln, noch Prag gefahren wäre. fehen. Phantastisch, grausig, trostlos und nachdenklich. Auch der Schiiisunterqang ist be! Holl von dramatifcher Kraft. In der ge- spenstischen Trvllizene entsteht vor unseren Augen ein lebendiges und gespenstüches Märchen. Echte Märchenstimmung weht auch über den zarten Solveigbildern. Bei Holl wird der„Peer Gynt" zu einem hohen Lied der Liebe. Als Peer Gynt war kein aeringerer als Heinrich George gewählt. Er bleibt im zweiten Teil des Spiels seiner Rolle nichts schuldig. Er mildert die Brutalität seines Egoismiis mit der Sonne seines natürlichen Humors. Man glaubt ihm, daß die Fehlichlnge des Lebens seinem phantastischen Temperament nichts anhaben können. Er versöhnt in seiner Menschlichkeit mit den Schlacken des bösen Charaktere. Peer Gynt ist kein Schauspieler, er ist ein Mensch. Und doch ist er kein Ibsenscher Peer Gynt. Ihm fehlt die Jugend, die Leichtigkeit, das Behende, der natürliche Uebermut für die ersten Akte des Spiels. Heinrich George ist zu robust, clti keuchender. Mit der Springlebendigkeit des Jugendstarken müdioni kämpfender Peer. Aanes Straub steht hier eimiial am richtigen Platz. Sie keift überzeugend über die Streiche ihres Jungen und ergreist, wenn sie sich nach ihrem fernen Sohne sehnt. Liselotte D e n e r a ist eine Solveig von unendlicher Innigkeit. Sie bringt die zarte Märchen- stimmung in die Tragödie und läßt die verworrene Lebensphilosophi« des Stücks vergessen.___ Ernst D e g n c r. „Frische vlilch." Der letzte Bericht des Londoner Rahrungs- mittelamtes enthält erbauliche Mitteilungen über die Milchproben, die das Amt durchgeführt hat. Der Rekord ist einer Firma zuzusprechen, in deren Erzeugnis überhaupt nicht das geringste enthalten ivar, was mit einer Kuh zu tun hätte, es bestand vielmehr aus pulverisierten Soyabohncn. Rohrzucker, cheniisch gewonnenem Milch- zucker und einem pilanzlichen Oel. Gegenüber solcher Kunst versagt naturgemäß auch die vereinfachte Prüsungsmctbpde, die ein Spaß- vogel dem Amt vorpeschlagcn hat: in jede Milchprobc eine Forelle zu setzen, stirbt das Tier, so Ist die Milch gut. Nobelpreise für Mediziner. Das Lehrerkollegium des Coro- linska-Instituts beschloß, dem Professor Johannes' Fibiger an der Universität Kopenhagen als dem Entdecker des Spiroptera-Karcinoms den Nobelpreis in Phnsiologie und Medizin für das Jahr 1326 und dem Professor Julius Wagner von Iaurcgg an der Universität Wien als dem Entdecker der Bedeutung der Malanoimpsung bei dementia yaralytic« den Nobelpreis in Physiologie und Medizin für das Jahr 1S27 zu erteilen.__ "otlefang. Boiler Franck und Maria von.labcr du Faur lesen auf der Zlveiten Morgenieier der Jugend des Verbandes deutscher Erzäbler Lonntag.>1,12 Ubr, im Oerrenbause aus neuen Dichtungen von Frltz Balter Bilchost und Friedrich Griese. verband l>»»sicher Erzähler. Jakob Echafiner lvricht aus ber Morgen« feler am 30.,»/.12 Ubr, lm Eerrenhaule einsvbrende Worte über Arid Walter Bischoff und Friedrich Griel«. Walter Franck und Maria von Fnbcr du Faur lesen auS Ibrcn Dichtungen. Georg Engel spricht über: Tie Rot der Jugend Innerbalb de» gegenwärtigen Echrtsttums. las Große kchausptelbou» vcronltaltet in dieser Sbiclzeit eine Reibe von Schauspiel- und Klaisiter-Vorstelliingen an Wochcnlag- und Eon»- sag-Rachmillagen. Zuerst wird Wolfgang Goetz'„Neidbnrdt von <5 n e ts e n au' mit Werner Krautz m der Titelrolle Sonnabend, 3 Uhr. aufgeführt. Raubüberfall auf eine Rentnerin. Ter Täter verhaftet. Ein frecher Raubüberfoll wurde heut« mittag gegen 12 Uhr auf die böjäbrige Witwe und Rentnerin K.> die in dem Haufe Wollincr Straße 56 wohnt, verübt. Frau K. halle sich von der Fürsorg« ihre Rente abgeholt, die sie in einen Beutel steckt«, den sie am Arm trug. Als die alte Frau die Treppen des Hinterhauses zu ihrer Wohnung betreten hatte, trat ilzr plötzlich ein Mann entgegen und fragte nach einem Namen Im nächsten Augenblick packte er die Ahnungslose am Hals« und würgte sie. Dann entriß er ihr den Beutel und suchte zu entkommen. Die Frau konnte aber noch um Hilfe rusen, so daß Hausbewohner aufmerksam wurden, die im Verein mit Straßen- Passanten die Verfolgung des Flüchtigen aufnahmen. Es entspann sich eine wild« Jagd'durch die Straßen. Schließlich gelang es, den Toter zu stellen. Er wurde der Kriminalpolizei vorgeführt, die bei Schluß des Blattes noch mit seiner Vernehmung beschäftigt ist. Ueberfall auf einen Polizeibeamten. An der Ecke der Prinzen- und Ritterstratze wurde in der vergangenen Vacht Hi lil)r anläßlich einer Zwangögestellnng ein Polizeibeamter von dem Schinied Karl M. aus der tzogelberger- stiaßc und noch ondereii Personen angegriffen und wiederholt mißhandelt. Einer der Angreifer, Karl B. aus der Waßertor. straße, versuchte dem Beamlen das Seitengewehr zu entreißen, während M. ihn am Halse würgte. Hinzuko»inen- den anderen Beamten gelang es, den Bedrängten aus seiner gefähr- lichen Lage zu befreien. Wöhrend sich M. seiner Festnahme zunachf. durch die Flucht entzog, später aber in einem Lokal i» der Stall- schreiberstraße sestgenommen werden konnte, gelang es, drei der An- greiser sofort dem Polizeirevier zuzuführen. Der angegriffene Be- mmc hat mehrere Verletzungen am Kopf davongetragen und mußt« sich in ärztliche Behandlung begebe». Auf der Hochzeitsreise bestohlen. Eiae arg- Enttäufchnng erlebte ein jilnges Paar aus der Hoch- zei tsreise mit einem neuen Rcisegenosscu. Das Paar july:»an Frankfurt o. M. über Halle und Berlin noch Katlvwitz. In Yalle flieg zu ihm ein Mann zu, der sich als e i n f e h r u n t e r h a l t- f a m e r Gesellschafter erwies. Kurz vor Berlin Mannte er. daß es ihm schlecht gehe, und daß er nicht enrmol soviel besitze, um etwas esse» zu können. Von tiefem Miileid ergriffen, lud ihn das junge Paar ein, im Wartesaal aus dem Anhaltev Bahnhose gemein- sam mit ihm etwas zu genießen. Der Reijegcfichrle nahm dankbar an Und ließ es sich gut schmecken. Da« Paar, dos von der Reife schon etwas ermüdet war und bis zur Wcilcrscüirt noch viel Zeit hotte, machte es sich-möglichst bequem und nickte bald ein. Als es nach etwa 20 Minuten wieber erwachte, war der Gast verschwunden und mit ihm die Brieftasche des jungen Ehemannes, die 800 M a r k enthielt, und e i n 5) a n d k o ff c r mit Klcidungsslücken und Wäsche der Reisenden. Die B-stohlenen wandten sich alsbald an die Polizei, aber die Dieb war nicht mehr zu finden. Das Wohlfahrtsamt mußte die Mittel vorstrecken zur Beendigung der Reise nach Kattowitz. Leider haben sich die Lestohlenen den Mann trotz längereii�Beisammcnscins gar nicht genauer aiiaefehen: sie meinen nur, daß er etwa 30 bis 35 Jahre alt und 1,80 Meter groß sei. (*i« D Zug Dieb erwischt. Ein v-Zug-Dieb, der auf den hiesigen großen Bahnhöfen sein Unwesen trieb und schon lange vergeblich gesucht wurde, wurde end- lich gefaßt. Den Beamlen der Eisenbahnüberwachungsabteilung siel «in junger Mann auf, der sich bald hier, bald da auf einem Bahnhof mnhertiieb. Gestern sahen sie ihn wieder ans dein Bahnhof Friedrich straße, aus dein wieder einmal ein wertvoller Handkosfer aus dem v-Zug gestohlen worden war. Als er den Bahnhof verließ, folgten sie ihm heimlich, nachdem fic früher schon seine Wohnung in der Bernburger Straße festgestellt hatten. Die Wohnung wurde durchsucht, und man fand den Inhaber gerade dobei, den gestohlenen Köster auf seinen Inhalt zu unter- suchen. Der Ertappte, ein 21 Jahre alter Paul Ludwig, besaß auch noch«ine Brieftasche mit Papieren, die er bei einem Taschen- diebstahl auf dem Potsdamer Platz erbeutet halte. Das proletarische Lied. ttiiter diesen Titel veranstaltete der Bildun>gsau»schuß Groß- Berlin in Köpenick in der Aula der Kömerschule, Linde nstraße, einen Liederabend des ungarstehen Koponisten Bela Reinitz. Bäla Reinitz ist Revolutionär aus innerster Ueberzeugung. Seine Kompositionen der chinesischen Dichtungen von Li-tai-pe und aus der uraUen Gedichtsammlung, dem„Schi-king"(nach den Uebcr- setzungcn von Klabund), sowie der revolutionären Dchtungen eines Clemens, Pottiet, Dehmel, Luitpold. Mühsam, Klabund und Tiger tragen gerade wegen der teilweis« seichten musikalischen Unterstrei- chung außerordentlich zur Volkstümlichkeit seiner Gesänge bei.»Die Sängern des Abends. Genossin Olga H a s« g g(Sopran),«rr eicht« den Höhepunkt der Veranstalwng nit der Wiedergabe des von Böla Reinitz vertonten Herweghschen Gedichtes„Die kranke Liefe", sowp in dein Lied„Mein Mami" von Clement, einer Erinnerung au» de» Maitagen der Poriser Kommune von 1871. Genosse Fritz L u h z e r(Bariton) gewann in der prachtvollen Wiedergabe des Dehmelschen„Wiegenlied für ineinen Jungen" die Herzen oller Zuhörer. Alles in allem war der erste Bcla- Reinitz-Abeod in Berlin eine großartig gelungene Beranstaltung. Es ist dringend zu wünschen, daß die Berliner Bildungsorgonisationen eine derartige künstlerisch hochwertige Mnsikiunst öfter zu Gehör bringen.__ Das Opfer eines Stratzenunsalles ist der Geheime Regierungsrat Otto Römernann vom Reichspatentamt geworden. Römennann geriet on> vergangenen Dienstag, als er eben das Ge- bäude des Amtes verlassen hatte, beim Ileberschreiten des Fahr- dainnes in der Gitjchiner Straß« unter die Räder eines Privatautos und wurde so schwer verleizt, daß er im Urban- Kraukcilhaus aeftorbe» ist. Der Chauffeur des Wagens wurde ermittelt und bestreitet jede Schuld. Zur vollftöndigen Klärung wäre es erwünschr, daß sich Zeugen des Vorganges, der sich um 15 Uhr 20 Minuten nachmittags abspielte, besonders aber der Kutscher des Planwagens, der von dem Auto überholt wurde, unverzüglich beim 3. Kriininalbezirk des Polizeiamts Kreuzberg nelden. wieviel Gpfer üer Mafalüa"- Katastrophe. vßi oder 348 Ertrunkene? Die Meldungen über die Zahl der Opfer bei dem Untergang der „Mafalda" gehen Immer noch bedeutend auseinander und s ch w a n» ten zwischen 68 und 348. Die südaincrikanischen Nieder- lassungen der ilalienisckien Dampsschissahrlsgesellschast bezisfern die Zahl der Toten übereinstimmend mtl 68, während die italienische Lot- fchast in Rio de Zaneiro in ihrem iehten Kommunique an die Presse von S00 Geretteten spricht, die sich wie folgt verteilen: an Lord des Dampfers„Formoja" 353. an Lord de» Dampfers „Athens" 530, und an Lord des Dampfers„Mojella" 22. Nach dieser Berechnung und der ollgemeinen Annahme, daß sich an Lord der „Mafalda" 1256 Köpfe befanden, würde die Zahl der Opfer 348 betragen. Dabei ist jedoch unberücksichtigl, daß sich neben den für Rio de Zaneiro bestimmten drei Schissen noch verschiedene andere Dampfer an dem Rettungswerk beteiligten. Neben den berejls in Dahia aelanöelcn 22 Schiff- brüchigen hat der britisch« Dampfer„Rosetti" einem tisydlelegramm zufolge noch 27 Personen an Lord. Der Sericht eines Ueberledenöcti. Niw Park. 28. Oftaber. Die„Assccioted Preß" berichtet weiter aus Bahia über die Erzählungen von Ueberlebenden der„Mafalda". In dieser Darstellung heißt es: Es war am Abend des 25. Oktober. Wir hatten gute Fahrt. Die Decks waren von den Passagieren gefüllt, die den tropische» Sonnenuntergang und die kühlen Brisen genießen wollten. Als die Dinerzcit herannahlc, oernahm man plötzlich aus I*n> Schistsinnern ein Krachen und das Rauschen einströmenden Masters. Gleich daraus folgte eine furchtbar« Explosion, welch« die Solons Msd die Kabinen der 1. Klasse zertrümmerte. Schmerze»«. schreie �yollen. Das Stöhnen der verletzten und Sterbenden war furchtbar. Frauen beteten weinend vor einem Madonnenbild, andere rissen ihre tlenie» Kinder an sich. Es brach eine Panik aus, und einig« Passagiere sprangen über Bord. Schließlich gelang es dem Kapitän Gugli, dessen heroische Haltung von allen gepriesen wird. die Passagiere zu beruhigen. Die„Mafalda" schwonn dann noch ziveieinhatb Stunden und ging um 8.40 Uhr unter. Das elektrische Licht versagte sofort nach der Erplosion. Die Dunkelheit erhöhte den Schrecken der Passagiere. Als die Rettungsdampfer angekoininen waren, richteten sie die Scheinwerfer ans das Wasser, so daß die Besatzung der Rettungsboote die nin Hilfe rufenden Ertrinkenden sehen und bergen konnten. Ein Rettungsschist machte unmittelbar neben der„Rtasalda" fest, um die Ilebernahme der Passagiere zu beschleunigen. Di« Neigung der sinkenden,.Mafalda" war aber bald so, daß die Haltetaue schnell durchschnitten werden mußten, um zu verhindern, daß das Rettungsschiff mit in die Tief« gezogen würde. Der Kapitän wurde zuletzt auf der Kommandobrücke gesehen. Als die„Mafalda" umschlug, rief er: E s l e b e I t a l i« n! Nach einer anderen Meldung der„Associated Preß" aus Bahia neigen einige Passagiere der„Mostlle" dazu, die Führung der „Mofälda" zu kritisieren. Sie behaupten, daß die Rettungsboote mit einer zweistündigen Verzögerung auegesetzt war- den seien, und zwar erst, als die„Mafalda" bereit» in raschem Sinken begriffen war. (Schluß des redaktionellen Teils.) Wir macken uns»« Leser auf den weltbekanntenp«raiL«l aufmerksam, der auch in den Berkaussstellen der Aansumgen offen schalt zu haden ist. Er ist wohlbckömmlich und befördert außerordentlich die Verdauung. ZLr de» Winter»rtnat das dekannte Spezialhaus S. Ioleph Berlin. Zchöncbcrg, Kauulstr. h Ecke chrunemoldstraße,»an, besonder« orei«r'-rte An- »ctot« In Winterulstern, Vaketots sow-e Volknaletvt». Viele Mänt�* d der neuesten Mode entsprechend verarbeitet und aus nur guten und tragffihigen Qualitäten gefertigt. Die Preil- stnd vcrhllltiiismiißig sehr niedrig. E» Ist jedem Gelegenheit gegeben, fllr wenig Seid Qualitätsware zu kaufen. 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Der Begriff des Eigenbetriebs zum Unterschied vom privatkapitalistischen Betrieb beschränkt sich heute nicht mehr auf die genossenschaftliche Warenverteilung und Warenher- stellung und auf unsere Parteiunternehmungen. Zeitungs- und Buchverlage, Buchhandlungen, Buchdruckereien und Buchbindereien, sondern er umfaßt notwendigerweise auch die kommunalen Eigenbetriebe. Um so mehr als die städtischen Eigenbetriebe fast ausnahmslos nur dort zu finden sind, wo unsere Parteigenossen in der Verwaltung einen gewisien Einfluß erlangt haben und die Schaffung oder doch die Weiter- entwicklung der Kommunalbetriebe vielfach ihr eigenes Werk ist. Und obschon für die kommunalen Betriebe hinsichtlich der Sonderstellung der Arbeiter im großen und ganzen dasselbe gilt wie für die Arbeiter in unseren Genossenschafts- und Parteibetrieben, soll sich die folgende Betrachtung lediglich auf letztere, unsere eigenen Betriebe erstrecken. So bedeutend auch die Rolle der Konsumgenossenschaft im Lebensmittel- Handel bereits ist, so zahlreich und umfangreich die genossen- schaftlichen Brotbäckereien auch sind, ganz abgesehen von den sonstigen Eigenbetrieben der Konsumvereine und insbesondere denen der GroßeintaufsgesellsGaft detttsrfjer Konsumvereine, so ist doch die Entwicklung unserer Genossenschaften noch längst nicht abgeschlossen. Sie ist im vollen Fluß, und je größer ihre Ausdehnung, um so dringlicher wird die Frage, welche Stellung die Arbeiter und Angestellten in diesen unseren eigenen Betrieben einnehmen. Geht man von der Tatsache aus, daß unsere Genossen- schaften zwar nicht ideell, aber doch faktisch auf dem Boden der kapitalistischen Wirtschaftsweise stehen, dann ergibt sich, daß auch das reine Arbeitsverhältnis ihrer Arbeiter und Angestellten in der Hauptsache kein anderes ist und sein kann als in den'apitalistifchen Unternehmungen. Bei Kon- flikten über die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Ge- noffenschaftsbetrieben legen denn auch die Gewerkschaften bei der Interessenvertretung ihrer Mitglieder keinen anderen Maßstab an als bei solchen in der Prioatindustrie. Ist eine schiedlich-friedliche Verständigung nicht möglich, kommt es zum Streik. Lohnstreitigkeiten in Genossenschaftsbetrieben werden in der Regel nicht milder, sondern sogar schärfer beurteilt, weil von den Genossenschaftsbetrieben ein größeres Entgegenkommen erwartet wird als von Privatbetrieben. Aber auch dann, wenn irgendein Streitpunkt zwischen Ge- nossenschaftsleitung und Arbeitern lediglich zu einer Presse- Polemik führt, ist das nicht erhebend und dem Ansehen unserer Genossenschaften und Gewerkschaften nicht förderlich. Des- halb müßte von beiden Seiten dahin gewirkt werden, Diffe- renzen möglichst zu vermeiden, im Bewußtsein ihrer Ver- antwortung der Allgemeinheit gegenüber. Die Genossenschaften beschäftigen nur gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, und zwar entweder zu den allgemein geltenden oder zu besonderen tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Erubrigungen der Genossenschaften fließen nicht in die Taschen weniger Profitmacher, werden vielmehr dazu ver- wendet, die bestehenden Betriebe mehr und mehr auszubauen und neue Betriebe ins Leben zu rufen. Die in Genoffenschasts- betrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten können nicht beanspruchen, mit ihren Arbeitsbedingungen aus dem allgemeinen Niveau besonders herausgehoben zu werden, sie können nicht fordern, daß die materiellen Vorteile des genos- senschaftlichen Betriebes in erster Linie zur Hebung ihrer Lebenslage dienen sollen. Allein sie können mit einem gewissen Recht fordern, besser als irr Privabbetriebeu behandelt zu werden. Das geschieht denn auch in mancher Beziehung, doch es ist die Frage, ob nicht leicht ein übriges dazu getan werden könnte. Die Genossenschaften bieten durch ihre Pen- sionseinrichtungen den bei ihnen beschäftigten Arbeitern und Angestellten eine gewisse Sicherung für die Zukunft. Das gewährt wohl den älteren Arbeitern eine gewisse Befriedi- gung Allein das Alltagsleben der jüngeren Arbeiter und Angestellten gewinnt dabei für den Augenblick nichts. Die Genossenschaften haben bei ihren Eigenbetrieben meist den "euere Betriebsstätten zu besitzen, die modern ein- gerichtet sind. Wer z. B. die GEG-Betriebe in Gröba-Riesa sieht oder gar die herrlich gelegene Bürstenfabrik in Stützen- grün, wird unwillkürlich erfreut sein über die schönen, hellen Arbeit sraume. die auch im übrigen allen modernen hygieni» können genügen und als mustergültig gelten ,.. dennoch vermißt man die eine oder andere Kleinig- keit, sei es auch""e etwa ein Bildschmuck in den Speisesälen. Das Leben aber fetzt sich aus lauter Kleinigkeiten zusammen. Wenn d.e Genossenschasten bzw. ihre GeschVeitungen dar- üb"'lagen, daß das VerhaÜnis der Arbester zum Betriebe f0 büßten sie doch einmal nachprüfen, ob nicht etwa ein Test der Schuld auch auf ihrer Seite liegt, ob nicht strenge nüchterne Sachlichkest in dilsem oder ienem Falle etwas ubertrieben wird, die Rahbarkeits. grenze mcht etwa bis zur Unnahbarkeit ausgedehnt ist. Es find K l e i n i g k e l t e n. nichts als Kleinigkeiten die auch bej unabsichtlichem, standigem Uebersehen. sich zü Scheid? wanden formen, die d,e notwendige Verbundenheit mst dem mckt aufkommen lassen. Die Psyche des Arbeiters nr e-npfindlich auf alle diese Kleinigkeiten, die unbeachtet frostig und verbitternd wirken. Dabei ist selbst- verstandlich, daß von einer eigentlichen Schuld bei den leiten- den Personen die Rede nicht sein kann. Sie setzen ihren ganzen Ehrgeiz daran, den Betrieb vorwärts zu bringen und ihn rentabel gestalten, sind oft überlastet, überlasten sich mitunter selbst zu sehr, um auf alle die Kleinigkeiten bei der Behandlung der Arbeiter und Angestellten achten zu können. Die schließliche Enttäuschung darüber, die sich bei irgendeiner Freier �Weg für den Tüchtigen? �Wie sie in �Wirklichkeit aussieht. Von Zeit zu Zeit krepierten einige Granaten zwischen den Gräben... Leichtes Postenseuer knatterte... Dann war es wieder für Stunden still... Gewöhnlich lebt« die Feuertätigkeit nur am Abend auf, wenn die Essenholer und Munitionstransporte unter- wegs waren. Der Abschnitt Roye-Noyon bedeutete in diesen Monaten: ruhige Stellung. Vor einem Stolleneingang saß der junge Schütze Fritz Stein- hart. Sein« lehmverkrusteten Finger hielten eine alte Nummer des„Vorworts". Mit Interesse versolgte er die Reichstagsrede Bethmann-Hollwegs. Lange hasteten seine Augen an den Worten: Freie Bahn dem Tüchtigen. Er ließ die Zeitung sinken... Sind es nur leere Phrasen? Oder soll es wirklich Totsache werden, daß auch wir Proleten aussteigen können? Gibt man uns jetzt den bekannten Marschollstab in den Tornister? Dem Arbeiter an der Schmiedeesse, dem Mann am Schraubstock und an der Hobel- dank sollte der Weg offen sein zu allen Posten im Staat und in der Wirtschaft? Gedankenvoll starrte er vor sich hin. Sein Gesicht, in dos das grausige Erlebnis Krieg schon erkennbare Spuren ge- schrieben hatte, hellte sich auf. Gut, er wollte lernen und vorwärts streben, wenn der Krieg vorbei war, und die„freie Bahn" beschreiten. „Verdammte Kerls..." schnorrte, hinter der nächsten Schulter- wehr, der junge Grabenoffizier. Fritz Steinhart dachte, es ist bester, du verduftest, hier scheint wieder mal„dicke Luft" zu sein. Hastig faltet« er die Zeitung zu- sammen und mit polternden Schritten verschwand er in der Tiefe des Stollens. Jahre später. Im neuen Staat entstanden Bildungsanstalten. Volkshochschulen wurden geschaffen, und zusammen mit den Gewerkschaften gründete das Kultusministerium sogar eine Ar- beiterakademi«.» Fritz Steinhart war unter vielen Wistensdurstigen einer der fleißigsten Hörer in den freien Volksbildungskursen. Bis tief in die Nacht hinein sah er über Büchern. Tagsüber arbeitete er in dem großen Betrieb eines führenden deutschen Industriellen. Von der Belegschaft in den Betriebsrat gewählt, saß Steinhart als jüngster zwischen alten, bewährten Gewerkschaftlern: man achtet« feine Kenntnisse, sein Wissen und schätzte ihn als Funktionär des Ver- bandes und der Partei. Noch acht Iahren harten autodidaktischen Studiums erwarb er sich ein Stipendium an der Arbeiterakademie. Freudestrahlend setzte er sich hin und schrieb an die Gcschäftsleltung seines Betriebes ein Urlaubsgesuch, um an dem Lehrgang der Akademie teilnehmen zu können. Jedoch— die hohe Direktion des Werkes hatte kein Ver- ständni» für fein Streben und lehnte ab. SolJtfe«r u» Betrieb bleiben oder das Studium antreten? Er entschied sich für das letztere und mochte der Geschäftsleitung davon Mitteilung. Antwort: fristlose Entlassung.„Freie Bahn dem Tüchtigen," lachten ironisch die Direktoren. Neun Monate saß der junge Arbeiter in dem Hörsaal der Universität Frankfurt, wo die Arbeiterakademie untergebracht ist. Neun Monat« hörte er über die Lehren und Beziehungen von Staat, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft. Seine geistige Welt weitete sich. Als der Lehrgang zu Ende war, drückte ihm der Profestor die Hand und sagt«:„Um Ihre Zukunft ist mir nicht bange... Sie werden es schaffen..." Die Tore der Akademie hatten sich hinter Fritz Steinhort ge- schlössen. Frei war die Bahn— zum Arbeitsamt, denn arbeitslos stand er nun auf der Straße. Tag für Tag ließ er seine Karte stempeln. Er wollte wieder in einen Großbetrieb, um sein Wissen und Können als Betriebsrat in den Dienst der Arbesterschost und der Wirtschast zu stellen. Aber Monat um Monat. verging und, w'.e er auch hoffte, er fand keine Arbeit. Jeden Tag sah er hinter dem Schaltersenster des Arbeitsamtes dos mürrisch« Gesicht eines Bureoukraten. Der hotte stein Interesse für sein Vorwärts- streben. Für ihn war er Nr. 408. So konnte es nicht ewig weiter gehen und Fritz Steinhart nahm sich vor, die Soziolbeamtcnlaufbahn einzuschlagen. Er bewarb sich bei der Stadt. Aus sein Gesuch erhielt er die lakoniiche Antwort: zu alt. Er saßt« sich an den Kops.. Mit dreißig Iahren zu alt..? Aber da stand es schwarz aus weiß. „Ihrem Gesuch bedaure ich nicht entsprechen zu können, da Sie das hierfür vorgeschriebene Höchstannahmeolter{25 Jahr«) bereits überschritten haben..." Zu„alt", um ein tüchtiger Beamter zu werden! Der jung« Arbeiter stempelte weiter... Kein Staats- und Gemeindebetrieb, kein Großbetrieb der Industrie öffnet ihm die Pforten. Und wie eine Seifenblase zerplatzte sein Traum von der „freien Bahn" für den Tüchtigen. Fritz Steinhart ist keine imaginäre Person. Er lebt in Wirklich- keit und trögt nur einen anderen Namen. So wie ihm geht es manchem ehemaligen Schüler der Arbeiterakademie. Dies« Bildung-- anstalt schult die jungen Arbeiter, damit sie als mitverantwortliche und schöpferische Faktoren in Staat und Wirtschast fungieren können. Aber die Schulung verfehlt ihren Zweck, wenn der abgehende Schüler kein entsprechendes Tätigkeitsfeld finden kann. Es ist sinnlos, Menschen, die von der Arbeiterschaft für die Arbeiterschaft ausgebildet wurden, in kleine Krauterbuden unterzu- bringen, wo die erworbenen Kenntnisse brach liegen bleiben. Die Staats- und Gemeindebetriebe, die industriellen Großbetriebe müssen osten sein. Sie bilden die Grundlag« zur Entfaltung der besonderen geistigen Kräfte. Wirtschaftsdemokratie? Es liegt im Wesen des Kapitalismus begründet, daß die Unternehmer an der Erreichung dieses Zieles nicht das geringste Interesse haben, denn Wirtschaftsdemokratie be- deutet die Mitgestaltung und Mitverantwortung des Wirtschosts- Prozesses durch die Arbeiterschaft. Welcher Unternehmer sollte zur Schmälerung seiner Machtbefugnisse freiwillig die Hand reichen? Was bleibt für uns zu tun? Es gilt fleißig zu arbeiten bis zur nächsten Reichstagswahl. Wir wüsten unsere Machtposüionen verstärken, denn Wirtschaftsdemokratie werden wir erst hoben, wenn unser Einfluß in den Regierungen großer ist. Nichts wird uns ge- schenkt. Alles muß erkämpft werden. Nur eine starke, einige Ar- beiterschaft kann den jungen, strebsamen Arbcitsbrüdern Plätze sichern, auf denen sie sich weiter entwickeln können. Es ist ein hohes Ziel, denn das Bedürfnis unserer Jungen, im Leben den Platz ein- zunehmen, wo sich ihre natürlichen Fähigkeiten und die erworbenen Kenntnisse am vollkommensten auswirken können, steht im Einklang mit dem sozialen Empfinden, das aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen„den richtigen Mann an den richtigen Platz" zu stellen oersucht. Rudi E i m s. Differenz zeigt, daß ihre Autorität sich weniger auf die Achtung und die Anerkennung ihres Wirkens als'auf das reine Vorgesetztenverhältnis stützt, oerleitet dann leicht zu besonderer Betonung desselben. Wir sehen die verschiedensten und verzweifeltsten An- strengungen in den privatkapitalistischen Betrieben, die Arbefter an das Werk zu fesseln, wobei nicht immer nur die direkte lohnpolitische Abficht ausschlaggebend sein mag. Auch in unseren Eigenbetrieben kommen wir auf die Däuer nicht darum herum, den Arbeiter mehr als Persimlirfyteit, nicht nur als Lohnarbeiter zu werten, weil er sonst nur Lohnarbeiter sein und bleiben wird. Da die spekulative lohn- politische Absicht bei uns keine Rolle spielt, und wir zu diesem Zweck nicht erst tiefgründige psychologische Untersuchungen anstellen und allerlei oerzweifelte Experimente machen müssen, um den Arbeiter zu verstehen und ihn zu gewinnen, muß es uns umsomehr gelingen, die Arbeiter und An- gestellten in unseren Eigenbetrieben mehr als bisher mit in den Dienst unserer Ideen zu stellen. Auf diesem Gebiete läßt sich manches tun, und es sollte alles geschehen, was dazu beitragen kann, das Arbeitsver- hältnis in unseren Eigenbetrieben freudiger zu gestalten. Der Arbeiter muß sehen, daß man sich nicht nur um den Betrieb, sondern auch um ihn selber kümmert, ohne erst darauf zu warten, bis er einmal als Fordernder kommt. Es kostet meist nicht mehr als der gute Wille und selbst da, wo einige Auf- Wendungen damit verbunden sind, dürfen sie nicht gescheut werden. Das gilt schließlich auch für die kommunalen Betriebe. Wollen wir unsere Eigenbatriebe fördern, muß es auch im inneren Getriebe geschehen, so daß die darin beschäftigten Arbeiter mitgehen und der Unterschied zwischen dem Arbeits- Verhältnis im kapitalistischen und im gemeinnützigen Betriebe ihnen auch als Genossenschaftsarbeiter fühlbar wird, zum Borteil für die Gesamtbewegung. löbliche Beispiele. Wenn ein Pastor hingeht und zeigt«inen Redakteur liegen Berächtlichinachung der Kirche an und bringt ihn ins Gefängnis.. oder wenn ein Pastor bei einer Hinrichtung mitwirkt und dabei von der Religion der Liebe redet.. oder wenn ein Pastor heftig nach Gehaltsaufbesserung schreit... Wenn also Pastoren dies olles tun, so paßt es ganz gewiß nicht out zu der Vorstellung, die man von ihnen haben müßte, und insbesondere verlieren ihre schönsten Wort« von dann an das meiste der Ueberzeugungskraft. Oder wenn ein deutsch»ölkijcher Gutsbesitzer mit Vorliebe Polen beschäftigt und dafür seine Landsleute erwerbslos liegen läßt... dann ist das entschieden eine faule Werbung für das Deutschtum. Oder wenn«in Professor der M o r a l. sich gegen geringere Leute herablassend betrögt, und im übrigen seinen Vorteil überall nimmt, wo er ihn kriegen kann, dann macht sein dickstes Buch über Moral keinen Eindruck mehr. Und wenn ein strammer Parteigenosse sich über jede Bevormundung durch die Werksleitung erbost und wütend seine Menschenrechte verlangt, zu Hause aber droht er seiner zwanzig- jährigen Tochter mit Hinauswersen, wenn sie es wagen sollte, sich einen Bubikopf schneiden zu lassen... dann steht es faul um die Menschenrechte. Denn was sind das für Kämpfer, die die Freiheit nur für sich selbst erringen, aber für andere Menschen die Botmäßig- keit ganz gerne bestehen lassen wollen?! Da kenne ich einen, der verlangt nichts weiter als'„Gerrchtig- keit". Es soll nicht sein dürfen, daß der Starke sich olles erlauben darf und der Schwache nichts. Dieser Mensch zerbrach kürzlich ein Glas in seiner Küche und sprach dabei:„Ich kann nichts dafür: es ist mir aus der Hand gemtschtl" Aber als ein paar Tage danach sein Kind einen Teller hinfallen ließ, gab er dem Kinde eine gelinde Ohrfeige und ranzte es an:„Paß aus, alter Tolpatsch!" Alle diese Kleinigkeiten schreibe ich nieder, weil es mir Spaß macht, im äußeren Leben und im inneren Herzen spazieren zu gehen und jedesmal Bekanntes und Verwandtes unterwegs zu treffen. Vielleicht, lieber Leser, fühlst auch du in diesen kleinen Niederträchtigkeiten etwas heraus, was mit dir verwandt oder be- könnt ist. Vielleicht erinnerst du dich des Spruches, daß am Dorn- strauch keine Feige wachsen kann. Und zum Allerletzten möchte ich dir die Anregung mitgeben, zu überlegen, wie dir der P a st o r vorkommt, oder oer Gutsbesitzer oder der Professor am Anfang dieser Plaicherei. Gewiß wirst du. mir beistimmen, wenn ich sage:„Sehr werbekräftig für die von ihnen vertretenen A>ecn wirken sie just nicht!" Siehst du nun, du Töchtervater und T�llerschmeißer, wie werbe» kräftig du wirkst für deine Ideale der G-rechtigkeit und der Menschen- würde? Sag mal, was denkt dein Lehrling von dir? Oder andere Leute, die mit dir zusammenkommen? Schreckst du sie ob, ober ziehst du sie an? Lebst du so, sprichst, denkst, und handelst du so wie«in Sozialist, und gibst damit im- verhullbores Beispiel und erweckst du damit Sehnsucht bet den anderen, deinen Glauben zu teilen? Oder paßt du etwa genau hinein tn dies« Welt, auf die du so sehr schimpft?_ Felix Riemkastcn. .«tche»>-'tc- mit«ftlcg«„Arbeiler-Bildmig" ist' zum Preis. v-!l M. da- NirrMiuhr durch dir P-si. dir ,.Poimiirtz�.«prdI«°neh odcr Buch. nandlung»u deziehrn. S.nz.lnvmmrrn kästen 75 Pf. Der Reich«,.-schuk für fos-aUsHsch« SitbunjMcbcU, Brrliü<5®. 68, Lindrnstr. 3, stellt Proüenummer» Zern zur Bersllgunz. Einigung in Nünchen-Hlaübach. Die Kündigungen zurückgenommen. München- Gladbach, 28. Oktober. ,>n den Verhandlungen vor dem staatlichen Schlichlongsausschus, hoben gester« abend die Vertreter de» llrbcilgeberverbandes und der Gewerkschasten der Textilindustrie von München-Gladbach und Rheydt den Vergteichsvorschlag endgültig angenommen. Der Lohn sür die Hilfsarbeiter wird demnach um l2� proz. erhöht. Auch der Lohnkamps in der Bekleidungsindustrie ist durch eine freie ver- einbarung beendet worden, die gestern abend nach mehrstündigen Verhandlungen vor dem ständigen Schlichter sür das Rheinland erzielt wurde. Damit sind der drohende Streit und die drohende Aussperrung im lehlen Augenblick vermieden und die ausgesproche- nen Kündigungen sür 60 000 Arbeiter und Arbeiterinnen hinfäüig geworden. Hierzu wird uns ergänzend noch aus München-Gladbach berichtet: Heber die zwei noch strittigen Vonkte betr. den Zuschlag bei Schichtwechsel und die Zuschläge sür Reben- arbeiten in den Seidenwebereien finden abschliehende Vcrhand- lungen am Donnerstag, dem Z. Rovember. statt. Oer Faschismus in Litauen. ixin Aufruf an die Arbeiter der aanzen Welt. Aus einer Konferenz in Riga haben die litauischen Ar- beiter und Flüchtlinge über die Lage ihres von den Fa- schiften terrorisierten Landes beratschlagt und beschlossen, an die Arbeiter, Bauern und alle Rechtschaffenen, die gegen Mord und Unterdrückung sind, solgenden Ausruf zu richten: „Die faschistische Diktatur in Litauen ist ein Regime des Adels und des Bürgertums gegen die litauische Arbeiter- bcwegung und ihre sozialen Reformen, gegen die Agrarreform, die Sozialversicherung, die Krankenkassen, die Bildungseinrichtungen usw. An der Spitze dieses Regimes steht ein Komitee von Osfi- zieren, dos der blutigen Regierung der Streber S m e t o n a und AZ o l d e m a r a s als Aushängeschild dient. Dies« Usurpatoren haben die Regierung mit Gewalt ergriffen, die Staatsgesetze mit Füßen getreten, den Landtag vertrieben und eine Kriegsdiktatur eingeführt, die die berufliche, soziale, kulturelle und politisch« Bewegung des litauischen Arbeiterstandes unterdrückt, alle Gewerkschaften und sogar die rein kulturellen Ein- richtungen des arbeitenden Volkes zerstört und die Presse terrorisiert. Um zu zeigen, wie weit die Reaktion auf dem Wege geht, sei mitgeteilt, daß Mitglieder von Gewerkschaften wegen ihrer Be- sprechungen mit dem � Vertreter des Internationalen Arbeitsamts Albert Thomas in das Konzentrationslager ver- sandt, ins Gefängnis geworfen oder zur Flucht gezwungen wurden. Seit 10 Monaten arbeiten in Litauen die Standgerichte, die die rührigsten Führer des Arbeiterstandes auf die Seite schaffen und morden. Friedliche Staatsangehörige werden von Kriegskomman- danken in größter Willkür nach Konzentrationslagern oerschickt, aus ihren Wohnungen oertrieben, ins Gefängnis geworfen, den Stand- gsUchtsn überwiesen. Die Bevölkerung ist deshalb wehrlos und ver- mag nicht, den Despoten einen organisierten Widerstand entgegen- zusetzen. Auf diese Weise kam es zu den vereinzelten, von der Re- gierung im Blute erstickten Aufftänden in Tauroggen, Skoud- w i l, E r s ch w i l k und I u r b a r k. Das von der Regierung ver- sprachen« Referendum ist eine bloße Zsroni« und ein Betrug, weshalb dos ganze Land für den Boykott dieses Manövers ist. Wir fordern die Arbeiter und alle rechtlich denkenden Menschen auf, gegen die Arbeitermörder Litauens zu protestieren und sich da- für einzusetzen, daß die Gesandtschaften Litauens ausgewiesen und von den Regierungen aller Länder die Beziehungen mit der Regierung Litauens abgebrochen werden. Die Arbeiter Litauens for- dcrn ihre Kameraden der ganzen Welt auf, ihnen im Kampfe gegen den Faschismus, der die ganze Welt bedroht, moralische und mate- riclle Hilfe zu leisten!"_ Graues Elend in den Ganken. Bei den Angestellten. Die Berliner Ortsgruppe des Allgemeinen Verbandes der deut- scheu Bankangestellten halte zu gestern abend nach den Germania- sälen eine öffentliche Versammlung der Bankangestellten einberufen, die einen äußerst starken Besuch aufwies. Der Verbandsvorsitzende Genosse Marx zeigte in seinem einleitenden Referat auf, wie die Gehälter der Bankangestellten seit der Stabilisierung zunächst ganz gewaltig abgebaut und dann nur ganz unzureichend der fortschreiten- den Teuerung entsprechend erhöht wurden. Genosse Marx übt« eine scharfe Kritik cm der Schlichtungspraxis des Reichsarbeitsmini- steriums und der Politik der Reichsregierung. Die Preisentwicklung im letzten halben Jahre hat gezeigt, wie falsch auch die Tarifpolitit des Deutschen Bankbeamtenoereins gewesen ist, durch die den Bankangestellten im Frühjahr dieses Jahres «in Tarif aufgezwungen wurde, der mit seiner VZ�prozentigen Ge- haltserhöhung nichts weiter bedeutete als einen Ausgleich für die seit dem Tarifabschluß im Jahre 1926 eingetretene Teuerung. Diese Gehaltserhöhung war schon einen Monat nach dem Tarif- a b s ch l u h durch die Preissteigerungen überholt. Der größte Fehler aber war es, diesen Tarif bis zum 31. März 1928 abzu- schließen. Die Banken haben im Vorjahre solch« Riesengewinne ge- scheffelt, daß sie gar nicht mußten, wie sie diese Gewinne vor der Oefsentiichkcit verstecken sollten. Die Leitung der Deutschen Bank hat auch offen zugegeben, daß das Jahr 1926 ein Rekordjahr war, wie sie es seit ihrem Bestehen noch nie gehabt hat. Trotz dieser Riesengewinne sind die Banken aber wieder dazu übergegangen, ihre älteren Angestellten zu entlasten und sie durch geringer bezahlte junge Mädchen und Lehrlinge zu ersetzen. Wenn heute die gewerb- lichen Bankangestellten Monatsgehälter von 118 bis 190 Mark und die übrigen Bankangestellten solche von 123 bis 3 45 Mark erholten, so hoben sie das lediglich der Tarifpolitik des Deutschen Bankbeamtenveveins zu danken. Bei diesen Gehaltssätzen ist zu beachten, daß Gehälter von 343 Mark nur an ganz wenige hochquallftzierte Angestellte gezahlt werden, das Gros der Bankangestellten jedoch ni cht niehrals200 Mark erhält. Aus diesem Elend werden die Bankangestellten nicht eher heraus- kommen, ehe sie nicht erkannt haben, daß nicht sogenannte Standes- organisation«n, sondern nur die sreigewerlschaftliche Organisation ihre einzige Interessenvertretung ist. Im Anschluß an dieses Referat entrollte Genosse E m o n t s noch in einem packenden Vortrag des ganze Elend der Bankangestellten und ermahnte sie, mehr die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik zu beobachten und durch ihre r i ch- tigeStimmabgabebei politischen Wahlen an der Befestigung dieser Herrschaft des Kapitals mitzuhelfen. Er gab dann bekannt, daß die Organisation beschlossen habe, von den Bankleitungen«ine sofort auszahlbare einmalige Wirtschaftsbei- Hilfe von 150 Mark sür die jugendlichen Angestellten, 200 Mark für die Angestellten bis zu 23 Jahren und 300 Mark für die Merni Angestellten zu fordern. Er betonte ober auch, daß die Forderungen nur dann Aussicht aus Bcrwirklfchung haben, wenn auch in den Bc- trieben ein Druck auf die Bankleitnngcn entsacht wird und vor allem die Nicht- und Falschorganisierten aufgerüttelt werden. Zum Schluß der eindrucksvollen Kundgebung wurde einstimmig eine im Sinng der Referate abgefaßte Entschließung angenommen. Gegen die Arbcitcrkasernicrung in Japan. Der Kampf der japanischen Arbeiter gegen die Einschränkung der persönlichen Freiheit durch die A r b e i t e r h ä u s e r wird immer erbitterter. Im Jahre 1924 zählte man in Japan beispielsweise 610 000 Arbeiter oder 41 Proz. der Gesamtzahl der Fabrik- arbeiter, die in F a b r i k k a s e r n c n wohnten. Vor allem sind es die Arbeiter der Textilindustrie, der Hauptindustrie des Landes, die In Fabrikkasernen untergebracht sind. Nicht weniger als 560 000 Textilarbeiter wohnen in den Fabrikkasernen. Die Wohnverhältnisse in den Arbeiterhäusern sind äußerst schlecht. Was das Leben in diesen Kaserne» besonders schwer macht, ist die nahezu gefängnisartige Abgeschlossen. h e i t der Fabrikkasernen von der Außenwelt. Den Arbeitern, vor allem den Arbeiterinnen, ist das Verlassen der Kaserne in der Regel verboten. Nur in einem gewissen Turnus dürfen sie in der Freizeit ausgehen, eine Arbeiterin nicht selten nur einmal im Monat. Neuerdings sucht man in Japan das Arbeiterwohnwejen in Orb» nung zu bringen. Seit dem 1. Juli ist ein Reglement über die' Fabrikkasernen in Krast�das verschiedene sanitäre Min» destmaßnahmcn vorsieht. In der Frage der persönlichen Freiheit der Kaserneninsassen bestimmt das Reglement jedoch nur, daß die einschränkenden Bedingungen der Hausordnung den Behörden mit» geteilt werden sollen. Die Behörden können dann je nachdem, wie sie es für zweckmäßig holten, eine Milderung der Befchränkun, gen empfehlen.___ Lohnbewegung in der rheinischen Chemieindnstrie. Köln, 28. Oktober.(Mtb.)' Die Tariftomimssion des Fabrikorbeiterverbandcs in der chemischen Industrie hat bei den Unternehmern Vorstellungen er» hoben,«ine anderweitige Lohnregelung herbeizuführen. Der Fabrikarbeiterverband hat sein« Forderungen dem Arbeitgeber, verband der chemischen Industrie am 19. Oktober überreicht, der Anfang Novcniber(!) dazu Stellung nehmen will. Demgegenüber verlangen die Arbeiter, daß sofort in die Besprechungen eiir, getreten wird. Aufgehobene Sperren. Durch Vermittlung der Stadtncrordnctent Genossen Arndt und A. Ho ff mann fanden am 25. Oktober Verhandlungen mit dem Gastwirt Wollenberg statt. Es wurde festgestellt, daß die Umgehung des öffentlichen Arbeitsnoch- weises durch das Verhalten einer untergeordneten Stelle geschehen ist und von Herrn Wollenberg nicht gebilligt wird. Die unter Vertragsbruch Eingestellten werden entlasten. Der Tarifvertrag für dos Gastwirtsgewerbe und der paritätisch« Arbeitsna-chweis werde» bedingungslos anerkannt. Die Einleitung der Betriebsrats. wohl wird umgehend im Sinne des Betriebsrätegesctzes in Angriff genommen. Die Differenzen sind somit beigelegt, die Sperre wird hiermit aufgehoben. Die seil Zahresfrlsk bestehenden vlfserenzen tm„Deutschen hos", Luckauer Straße, sind ebenfalle durch Verhandlungen mit dem Inhaber, Herrn K r o m r e y, im Sinne des Tarisoertrages erledigt. Auch für diesen Betrieb wird die Sperre ausgehoben. Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Case-Angestellten. "'S. November Eine Schachfe! Creme Pralinen BEI EINKAUF FÜR 5 MARK ZUCkTEH AUSQESCHlOSS&l 1 Tafel Vollmilch-Sehokolade BEI EINKAUF FÜR 2 MARK ZUCKED AUSeeSCHLOSS&V 1 Riege! Vallmikh Sch BEI EINKAUF FÜR 1 MARK lUCKEO AUSee SCHLOSSE M nii««« In Or*a.a«rllni C. UtiMMnittra n» Btlitril« II BrsmHfnMTl UumnwtntotS o, ktril- 20 CrtlftwiHir Sir. I bilinfonllM Mi .ttUMB* Um kl KCHwttnh in IslsWiMltrfirStr.II tcUrtwMrlllMtll TnuktnirUt II O. Frwfchrltr NIMH Cr.FmlrtwtirSlr.TI CotaMr SltiM KI fal-UiwMInto 41 HHtfilkuittnli II Knititral« Mt PgtotilirMr ttr tl ttntaMf litn S» SO. lrM<«Mr Unit III nuMntrilt 37 Orulintrslo 1 WUNMnor Stria Wru|limii 23 trltelrrfi 3 nttMmli 31 BW. FrMrirtitnl« 227 Mtanlnl«! twtllMr Strrt« 3 BWItielitrali 45 lütn-iit'««-, K NW. Ut-HMtH IIS IIS Baiuililrtt« 3 Nliutnli! 43 44 SMuiitnli 42 Tirwtnk 47« WIDnckir Str. M lirlinr Stnil TU DucUlouraitnl« H IrMntutriS« 14 IUnzM<4rIfitriC« 4 kalltr fMskr Sir. U Siintrik 9« KWititnl« II KuM>4«rffltnll t lurwtnli II THrmMir Stnli 12 VklHWrtl* 12 Älnenlartir Sir. 71 l»nri4or1er Str. 13 WlatrMirfir Str. 14t 4J(klMktrf ■»ktguor Str. 42 ImMnitnl« n CkarlktlMkan hikamir ItrH Utttowr taBk I tuRtarfir Stnlt M Fräünrtkr IM Frukfiittr lim 224 •lltehnitrrt« II Mtlkillll hrplrili 140 limiHitnle 41 Hermwniitrilfl III Silier FrMr.-StrJ42 nn«*ntr«b11 kMnibtri fluraHnr Stralt M komniitnitriSe 46 TuipIMer Str. 21 Steollfr MelKtrH« 42 Scklilitrilt#5 UMt« mm Sauikan «50141 >»karg«r Stral« 3 IlgerstnS« 1 Inuierltr Str. I Ftttlmer Str. 1« StklawiMer ttr M Wnaierak«rt lirllker StraSe 131 Mitnlitnl« 17 II' Hniäriar Str. 33,14 #lt»Mr Fiat: 2 Prattr Plitz 1 onanüitr. 112-113 USIanäitr, 141 Wewlr. U Wk4t«r« FIHkitk Hl UlmM. Uunirck- stralt 3 Irltz, CMiueitr.47 CluiHtk, toklthtr 1 Frfair, Ft!ei!rltliatr.l1 FrtMrfekittMt, BirüMt S tl« 41 FrMrtctiiluua. Frinmiitnl« M FOrilctwiMii.4. Sarai, Jurkerilr.8 Ntmlirf. ItMafiUT IMwkIUimmh Icrtimr ttr. IIS Raikkgrie. teitcaatr.M L.'ckterftHiW, HinmiburBluix SS Mirtnltrl, fituitu- Itrth 34 Mwtwei. Frlelil»!- ttraS« a OltncMieweile, Uimitnlt M .. WllkUilttiklftlr 41 Fukoir, StMuktlnr Uralt 1 Fitilia, Braaltttargtr Sink 3 » Itütaer Slrtla 31 ■cti ektkirf. Bttlluzatrik M Beiutlal, Na al trik 1| Slkite, Stejntzar Strik 3 SeanarttUort, Sr«ttt Sink 22« Stwik-l firoittlr.tt T«g«l. Itrllaer Stralt t Temptlkol, Bartlaar Strak« ku luiaallitl, Hakenzillerakiru I Trtattw, BawnickileatlraBa 3/3 Trtpti»,(raetzslrate 61 Weikuttt, Berliner lila« 242 Wtrlar(Hanl), Uttir ki Ulk« i Zpiim, lertlipr Strak 12 KAISER- KAFFEE-fiESQIAFT V v Ausserdem ständig auf alle Waren, 2ua«, gedeckten Farben... IMcitif 1 Spielhose% QR aus Waschsamt.... gJaWV 1 KünstL-Garnit.* ftC dreiteilig, aus gutem ge-« Uhi webten Tüll od. Etamine Ü4VU 1 Oberhemd? 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