Abendausgabe Nr. S?Z ck 44. Iahegaag Ausgabe B Nr. 254 «eausrf*binsnnfl»n Mb«njcigntntMi Und in b«r gtoietncinaat» wettbw Rebatlion: SV. M. CiRbcnflratl*» Setn\ptt4tt- SSaftefl 292— 29« XaL-tUrtif»: S ej lalbcn•(taf BctOa � W> Verlinev Volksvlskt (l0 Pfennig) Sonnabenü 29.» Uhr Verleger: vorwar»». Verlag GmbH. verllo»w. M, Clnbenflcofce» Zerasprecher» vbahoft 292— 297 Zcntralorcfan der Sozialdemokrattfcben partei Dcutfcb lande Ein Panthersprung nach Tanger. Italienische Flottendemonftration am Jahrestag des Marsches ans Rom. langer, 29. Oktober. Unter dem Kommando de, Prinzen von lldine ist eine italienische Schifssdivision. bestehend au« Kreuzern und Torpedo- booten, im Hafen von Tanger vor Anker gegangen. Um ihr Älcht- cinoerständnis mit dem gegenlvärtigen Zustand zum Ausdruck zu bringen, haben die Italiener nicht die europäischen, sondern nur das marokkanlsche INitglied der Tanger-Regierungskommlssion besuch« und zu sich eingeladen. die iialieaijchea Zoröerungen. langer. 2S. Oktober. Den Vertretern der Weltpresse ist ein« offiziöse Erklärung über Flottenbesuch übergeben worden. Es heifjt darin: Italien ist mehr als jede andere Großmacht ein« Mitlelmeor- macht, und der Umstand, daß die Bevölkerung Italiens um eine halbe MilUon jährlich zunimmt, legt der italienischen Regierung die'Verpflichtung auf, jede Aendening des stutu» quo, die die Küste des Mlttelliindisthen Meeres beeinflußt, mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen, besonders wenn es stch, wie im Falle Tangers, um das Eingangstor zum Mittel mecr handelt. Als Ergebnis dsr Pariser Konferenz von ISA wurde der Status von Tanger in weitgehendem Maße geändert- ohne daß die italienische Regierung dabei mstgewlrkt und die Einführung dieser Modifikation genehmigt hätte., Aus diesem Grunde hat die italienische Regierung den internationalen Status Tangers n i e a n e r k a n n t. Der Be- such des italienischen Geschwaders unter dem Kominattbo des Prinzen von Udine ist ein Hinweis darauf, daß die italienisch« Regierung auf ihrer Politik der Richtanerkennung des gegenwärtigen Status besteht und jede Regelung der Tangersrage ablehnt, dle ohne ihre Mit- Wirkung zustande kommt. Dieser Hinweis erscheint der italienischen Regierung angebracht in dem Augenblick, in dem die B e r h a n d l u n g« n über Tanger zwischen der französischen und der spanischen Regierung in Paris wieder aufgenommen»»erden. Die italienische Regierung ist durchaus bereit, die Bemühungen der anderen Mächte uin eine endgültige Regelung der Tangersrage zu unterstützen, aber sie legt Wert auf die Feststellung, daß ihre Mitwirkung nur unter der Bedingung möglich ist, daß sie auf der zu diesem Zwecke stattfinden- den Konferenz aus der Basis voller Gleichberechtigung mit den anderen Mächten vertreten ist. * Die italienische Regierung sucht sich harmlos zu stellen. Sie erklärt, die Flottendemonstration im Tanger erfolgte in dem Augenblick, wo in Paris neue Verhandlungen zwischen Spanien und Frankreich über die Tangerfrage begännen. Aber von dieser Behauptung wird die Weltöffentlichkeit nicht weniger überrascht sein, als von dem Flottenbesuch selbst. N i ch t s ist in den letzten Monaten davon bekannt geworden, daß dle monate-, ja jahrelangen Besprechungen zwischen den Regierungen von Paris und Madrid gerade jetzt in ein neues Stadium getreten seien. Diese Behauptung ist nur ein billiger Vorwand. In Wahrheit handelt es sich für Mussolini darum, den 5. Jahrestag des Marsches der Faschisten auf Rom durch eine außenpolitische Demonstration zu feiern und die Unzufriedenen unter seinen Anhängern mit einer demonstrativen Geste zu befriedigen. Die Art der italienischen Demonstration, die Plötzlichkeit ihrer Ausführung und die harmlose Deutung, die man ihr zu geben versucht, erinnern an«in ähnliches wilhelminisches Unternehmen. Es war im Sommer löll, als die deutsche kaiserliche Regierung plötzlich den kleinen Kreuzer „P a n t h e r" nach A g a d i r, jener Hafenstadt an der West- küste Marokkos, sandte, um demonstrativ Einspruch gegen da» Vordringen Frankeichs in Marokko zu erheben und Frankreich zu Verhandlungen zu zwingen. Die Rote, die damals<3. Juli)„an die Mächte" geschickt wurde, war eben falls von gemachter Harmlosigkeit: sie wies darauf hin,„da' die kaiserlich« Regierung beschlossen yobe,«in Kriegsschis nach Agadir zu entsenden, um nötigenfalls den deutschen Untertanen und Schutzgenossen wie auch den beträcht- lichen deutschen Interessen in jenen Gegen- den Hllfe und Schutz zu gewähren". Dieser„Panthersprung" Wilhelms nach Agadir hatte schwere diplomatische Verwicklungen und eine ernste Störung des Friedens zur Folge. Es hätte nicht viel gefehlt, daß schon in den nächsten Monaten wegen des Ringens um den Ein- fluß in Marokko der Krieg zwischen Deutschland und Frank- reich und damit der Weltkrieg ausbrach. Wilhelm II. Aktion endete mit einer diplomatischen Niederlage Deutschlands und verschärfte die Spannungen unter den europäischen Mächten. Der„Panthersprung" Mussolinis richtet sich gegen Frankreich, England und Spanten, die seit 1923 Tanger ge- meinschaftlich unter Ausschluß der Italiener verwalten. Diese Handlung Mussolinis kann leicht zu einer Einheits- front dieser drei Mächte gegen ihn führen. Die p o l i- tischen Konsequenzen, die aus diesem Vorstoß ent- stehen können, sind um so ernster, als die italienische Crklä- rung kein Wort davon sagt, daß die italienschen Kriegs- schiffe Tanger alsbald wieder zu verlassen gedenken. Die italienische Flottendivtsion in Tanger scheint auf die Dauer den imperialistischen Anspruch Italiens auf Mitherr- schaft in dieser Stadt aufrechterhalten zu sollen, bis Italien seinen Anspruch durchsetzt oder mit einer diploma- tischen Niederlage sich aus Tanger wieder zurückziehen muß. Die englische presse ist ratlos. London, 29. Oktober. Die italienischen Feierlichkeiten in Tanger hatten in Verbindung mit dem fünften Jahrestag des Marsches auf Rom einen ausgesprochen faschistischen Charakter. Die englische Presse stimmt darin überein, daß der Besuch des Herzogs von lldine unbedingt politisch« Bedeutung(!) habe. Paris beunruhigt. Paris, 29. Oktober. Di« Antunst eines italienischen Geschwaders in Tanger beun» ru h i gt die französische Oeffentlichkeit. Man müsse Mussolini daran erinnern, daß er kein Recht Hab«, sich in die Angelegenheit von Tanger und Tunis einzumischen. Gute Behren nach rechts. Aber keine Entschlüsse. Zu der im heutigen Morgenblatt wiedergegebenen deutsch nationalen Erklärung über die Richt- linien-Verhandlungen äußert sich heute die„Germania" derb und deutlich: Ganz so harmonisch, wie e» hier dargestellt wird, sind die Ver- Handlungen dann doch nicht ausgelaufen. Zwar haben die Deutsch- nationalen hinsichtlich der Flaggensrage erneute Versprechungen im Sinne der Richtlinien abgegeben, und gewisse Erfolge kann man ja auch insofern schon feststellen, als deutschnationale Blätter, die bisher nur von der fchwarzrotgelben Flagge redeten, jetzt die richtige Bezeichnung für die Reichssahne finden. Deih die Deutsch- nationalen aber auch in diesem Punkte noch viel zu lernen haben, zeigt eine Aeußcrung des deutschnationalen Stadtverordneten von I e ck l i n, der nach dem Bericht des„Vorwärts" in der letzten Berliner Stodtoerordnetenoerfammlungen fchwarzrotgold als die Fahne der Deserteure bezeichnet hat... Immerhin: In der Flaggensrage wurde eine Verständigung gefunden, aber es ist irreführend, wenn die deutschnationale Pressestelle. es als übereinstimmende Meinung hinstellt,„baß die Deutfchnatio- j nalsn das Recht hätten, auch öfsentlich für ihre Gesinnung einzu- treten". Gewiß wollen die Richtlinien keine Gesinnung totschlagen. Die Meinungsfreiheit in allen Ehren, aber toct In eine republikanische Reichsregierung«inkrikt. übernimmt auch nach dieser Richkung Verpflichtungen und kann nicht gleichzeitig Agitator für die Rlonorchie sein. Da» sind Dinge, die einander au«- schließen. In diesem Punkt« ist keine Einigung erzielt worden und es bedeutet weiter eine Gefährdung des Zusammenhalts der Koalition, wenn die Deutschnationalen offiziell in ihrer man- orchistischen Propaganda fortfahren. Ob und inwieweit die„Germania" hier als Sprachrohr der Zentrumsfraktion auftreten darf, ist nicht ersichtlich. Zweifellos ist aber dem Zentrum nicht ganz behaglich ob der Halslchrrigkest der als„Deutschnationale" firmierenden Konservativen..Einstweilen bleibt es dabei» daß diese ihre Monarch Wische Propaganda weiter treiben und daß da» Zentrum angesichts der Unzusriedenheit seiner Arbeiterwähler zwar sanfte Entlohnungen an den konser» vativen Weggenossen richtet, ober um des reaktionären Schul- gesetzes willen die Gemeinschaft mit den blaublütigen Koalittonsbrüdern einstweilen nicht aufzugeben beabsichtigt. Gin jüllhorn reaktionärer Vorschläge. TaS Ztaatsprogramm der polnischen Monarchisten. Warschau, 89. Oktober.(Eigenbericht.) Die drei konservativen Parteien Polens haben ihre g e- meinsamen Richtlinien festgelegt. Sie erklären sich bereit, die b e st e h e n d« Regierung zu unterstützen, wenn diese die exekutive Genzalt, die Machtbefugnisse des Staatspräsidenten durch dos Vetorecht auch gegen Gesetze und den Senat gegen- über der Kammer stärkt und das allgemeine Wahlrocht ab- schafft. Die Vorherrschast der katholischen Kirche in Polen soll anerkannt werden. Gegenüber fremdsprachlichen Elementen soll eine gewisse Toleranz geübt werden, jedoch dürfen nur national- polnische Kreise Einfluß auf die Führung de» Staates haben. Di« Regierung darf den Besitz nicht bekämpfen und daher auch die Agrarreform nicht durchführen. Gefäognisssrafe ohne Nechtsboden. Der Chefredakieur Kuk der deutschen sozialistischen „Bolkszeitung" in Lodz ist wegen eines Artikel» über die Uebergriffe der polnischen Polizei gegenüber deutschen Schulkindern in Oberschlesten zu öW) Zloty Geldstrafe oder einem Monat Haft verurteilt w.'rden. Das ist schon das zweitemal. daß die„Bolkszeitung" auf Grund der berüchtigten Presseverordnung verurteilt wird, obwohl sie vom Parlament einstimmig abgelehnt wurde und von Rechts wegen überhaupt nicht besteht. der Lügengeist in Schulbüchern. Zu Dr. Kaweraus Denkschrift. Von Hermann Wendel. Der Kampf um die Schule, in dem augenblicklich die Späne fliegen, dreht sich um die Frage, ob der Staat, ungehindert durch andere Mächte, über die Erziehung des Nachwuchses befinden darf oder nicht. Daß ober auch dann, wenn diese Fragr zugunsten des Staates entschieden ist, allerhand an politischer Schulproblematik übrig bleibt, zeigt Dr. Siegfried Kaweraus soeben erschienene.„D e n k- schrift über die deutschen Geschichts- und Lesebücher"(Verlag Hensel u. Co., Berlin), die mutig den Finger in eine offene Wunde legt. Nach der Umwälzung von 1918 war es' das ernste Bestreben der neuen Verantwort- lichen, dem neuen Geist im Unterricht eine breite Bresche zu brechen; unser Konrad H a e n i s ch verbot denn durch Erlasse vom 18. September 1919, 6. Dezember 1919 und 11. Oktober 1929 für Preußen die Verwendung der abgeklapperten alten Geschichtsbücher und der Lesebücher mit ihren läppischen Hohenzollern-Anekdoten, aber immer wieder häuften sich die Klagen, daß die überkommenen Schmöker, aus denen das ganze Trara der verlogenen wilhelminischen Herrlichkeit schmetterte, weiter in Uebung seien. Noch am 25. Januar 1926 mußte das preußische Unterrichtsministerium verfügen, daß von Ostern des gleichen Jahres ab nur aus- drücklich genehmigte Bücher in den Schulen gebraucht werden dürften. Mit diesen amtlich abgestempelten Büchern hauptsächlich für höhere Lehranstalten befaßt sich K a w e x a u s„Denkschrift", und ihr Ergebnis ist recht kümmerlich. Wohl fehlt es nicht an Ansätzen zu objektiver Betrachtung der Geschichte; hier und da findet sich sogar, während unter dem Kaiserreich alles in blinder und blöder Hohenzollern-Verhimmelung ertrank, eine erfrischend deutliche Kennzeichnung W t l- Helms II., des Mannes„mit der umfassendsten Halb- bildung seiner Zeit". Aber wenn K a w e r a u bei seiner Untersuchung mit Recht als Maßstab den Artikel 148 der Reichsverfassung anlegt, der von den Schulen Erziehung zu staatsbürgerlicher Gesinnung und im Geist der Völkerversöhnung verlangt, bleiben die meisten der von ihm durchgesehenen Bücher weit hinter dieser Forderung zurück. Selbst wo äußerlich Zugeständnisse an eine gründlich ge- wandelte Zeit gemacht werden, nistet wie Ungeziefer in den Ritzen der alte, muffige Ungeist des:„Uns kann keiner!"» „Deutschland in der Welt voran!"»„Immer feste druff!" Die schwachsinnige Vorstellung, daß ausgerechnet am deutschen Wesen die Welt genesen müsse, ist keineswegs in den Winkel gescheucht.„Der Grundzug des deutschen Wesens," behauptet im Zeitalter der Amerikanisierung und Mechanisierung ein in mehr als 199 999 Exemplaren ver- breitstes Buch,„ist das Gemütsleben." Die Franzosen hin- gegen kranken an einer„oberflächlichen Geisteskultur", einer „materialistischen Lebensanschauung", an„Eitelkeit", und es geht von. Rechts wegen bergab mit ihnen. Diesen schablonen- hast starren Werturteilen, die gleichermaßen über Engländer, Russen und Italiener gefällt werden, entspricht eine durchaus parteiische Färbung der historischen Vergangenheit. Daß Ludwig XIV. Strahburg besetzte, gibt zu lebhafter Entrüstung über den„frechen Raub" Anlaß, aber daß Friedrich II. genau so widerrechtlich nach Schlesien griff, ja, Bauer, das ist etwas anderes und gehört zur„Selbsterhaltungspflicht gesunder Staatswesen". Welches Weltbild aber wird erst den deutschen Sckün- danern und Primanern entrollt, wenn sie sich im Unterricht der Gegenwart nähern! Sie erfahren, daß Frankreichs Revancheschnsucht, Englands Hanvelsneid und Rußlands panslawistijche Bestrebungen den Weltkrieg heraus- deschworen haben; die Schuld der deutschen Slaatslenter habe nur darin bestanden, daß„ihre Illusion, Weltpolitik lasse sich mit ausschließlich friedlichen Mitteln treiben,- ihre Abneigung gegen den Krieg und ausreichende� des Krieges luft der Feinde zun» Losschlagen reizten"— Erziehung„im Geist der Völkeroersöhnung"! Aber bei Darstellung des Weltkrieges mischen sich auch andere innerpolitisch bedeutsame Töne ein. Die Niederlage in der Marneschlacht von 1914 führt ein Geschichtsbuch darauf zurück, daß sich der Reichstag in den letzten Jahren vor dem Kriege gegen eine Vermehrung des Heeres allzu lange gesperrt habe und darum die Massen zur genügenden Verstärkung des rechten Flügels gefehlt hätten! Natürlich taucht auch"die Dolch st ohlüge in voller Pracht auf.„Der linke Flügel der Sozialdemokratie, die Unabhängigen, hatten mit russischem Gelde eine Revolution vorbereitet' und d'as Waffenstillstandsangebot entsprang auch der Unzuverlässigkeit der Fronttruppen und der Stimmung in der Heimat, aber natürlich hätte man weiterkämpfen können, nur: Gegen Ende Oktober erhielt Ludendorsf, der für tat- kräftige Fortsetzung dos Kampfes war. den Abschied. Von der blauen Brille steht nichts in den Schulbüchern, dagegen heißt es: Der Wafsenstillstond vom 11. November(Erzbcrger) machte Deutschland wehrlos. Kein Wort davon, daß die Hasardeurpolitik der Obersten Heeresleitung es dahin gebracht, daß Htndenburg selbst in den Schädel vernehmen, daß Monarchie am am korruptesten den Abschluß des Wafsenstillstandes u m s e d e n P r e i s an- geraten hatte, statt dessen die Klammerbemerkung(Erzberger) wie ein Schuß aus dem Hinterhalt, und folgerichtig wird in einem ähnlichen Machwerk mit kaurn verhohlener Ge- nugtuung vermerkt, daß„der aus Galizien stammende(!I) E i s n e r" durch die Kugel eines Leutnants seinen Tod gefunden habe. Die Jugend, der solche Auffassungen getrichtert werden, braucht gar nicht erst zu das Beamtentum in der konstitutionellen zuverlässigsten, in den großen Demokratien gewesen sei, oder daß die Sozialdemokratie, die auch die Attentäter gegen Wilhelm l. an die Rockschöße gehängt werden, aus einer„rein materialistischen, höhere geistige Einflüsse ausschließenden Geschichtsauffassung" fuße, es genügt schon, was sie über den Weltkrieg zu hören bekommt, um sie in„jene Stimmung namenloser Gehässig- k e i t gegenüber der neuen Ordnung der Dinge" hinein- zutreiben, die nach K a w e r a u namentlich in der Provinz auf den höheren Schulen anzutreffen ist. Diese tägliche iln terminierung der Republik durch das Schulbuch ist schon zahlenmäßig eine weit bedenk- lichere Erscheinung, als sich mancher träumen läßt, denn von zehn Millionen Schülern in Deutschland entfallen nicht weniger als 1 112 869 auf Mittelschulen und höhere Lehr- onstalten. Und es sind die Richter und Verwalter der Republik von übermorgen, die in dieser republikfeindlichen und antipazifistischen Gesinnung heranwachsen! Hier liegt wirklich eins der ernstesten Probleme für das Dasein unserer Staatsform. Auch die französische Republik stand nach 1870 ans schwachen Füßen. Erst Jules F e r r n s Unterrichts- gesctzgebung, die, die Schulstuben rücksichtslos auslüftend,� Sorge trug, daß fortan republikanische Lehrer die Kinder zu Republikanern erzogen, gründete die Republik so fest, daß sie später allen Stürmen standhielt. Wollen wir nicht die Folgerungen ziehen? »Tortur�. Was man bei Hugenberg darunter versteht. Im alten Deutschland hat man unter dem Sozialisten- geseß Hunderte von Familienvätern ausgewiesen, von Frau und Kind gerissen, von Ort zu Ort gehetzt. Das betrachtete der alte Staat als sein gutes Recht. Daß ober beim Vor- liegen höchst dunkler Diktaturpläne— und daß solche Pläne von Claß und den Seinen im Jahre 1926 ausgeheckt wurden. steht außer Zweifel— die Polizei Haussuchungen veranstaltet, das schreien die Anhänger jenes alten Staates als den Gipfel von Terror und Bedrückung aus! Man lese folgenden giftigen Ausfall des Hugenbergschen„Tag" gegen das repu- blikanische Preußen: Und je mehr diese Leute, weil sie als Erbschleicher des gemeuchelten alten- Staates sich noch ganz unsicher fühlen, zu rohen Gewaltmitteln greisen, um entweder versassungs- widrig auch allen Andersdenkenden ihre Formeln und Embleme aufzuzwingen oder die Andersdenkenden durch Polizei- s ch i k a n e n und gerichtliche Tortur unterzukriegen, desto mehr muß sich in der Welt die Ueberzeuguvg festsetzen, daß der neue Staat aus schwachen Füßen steht. Tortur— wie sein besaitet doch die Leute sind! Sie selbst tragen zwar die Notverordnung des Oberlandes- gexichtsrats von der Pfordten ip der Tasche, die in 25 Artikeln für den Fall des Staatsstreichs jedem Gegner den Tod durch Erschießung androht, wenn er auch nur sein staatliches oder parlamentärisches Amt weiter für die rechtmäßige Re- gierung ausübt, aber eine Haussuchung in höflichsten Formen gegen sie selber, das ist Tortur! Wenn sie weiter dem neuen Staat„Schwäche" vorwerfen, wie schwach mußte sich dann wohl der alte Staat vorkommen, der zwölf Jahre lang nicht ohne Soziali st engesetz auskommen konnte und noch bis in seine letzte Zeit dauernde Polizeiver- folguna der Soziakvemokrati« zum System gemacht hatte. Aber freilich— Hugenbergs Leute haben eine neue Ent- deckung gemacht. Der„Tag" schreibt nämlich über die Be- Ziehungen zwischen Claß und dem ehemaligen Kaiser: Der Alldeutsche Verband hat vor dem Kriege dem Kaiser gegen- über sich scharf kritisch verhalten, aber jetzt anscheinend erkannt, wie- viel mehr nationalen Fortschritt wir dessen kleinem Finger verdanken als allen regierenden.Köpfen" nach dem November. Das hat der nationale Schmock so schön gesagt, daß es einem schwer fällt, vor Lachen noch antworten zu können. Der Hugenberg-Tag ist freilich nur dem Prinzip der byzanti- nischen Verhimmelung treu geblieben, die im alten Staate Hauptberuf der„Loral-Anzeiger"-Presse war. Wir anderen freilich, wir denken an das, was die Männer der nächsten Umgebung des. Kaisers über diesen veröffentlicht haben: Bismarck im dritten Bande seiner„Gedanken und Er- innerungen", der Feldmarschall Graf Waldersee, der Hofmarschall von Z e d l i tz- T r ü t s ch l e r. der Graf von Hoensbroech und all die anderen. Und bei dem „kleinen Finger", da ist wohl eine Verwechslung mit der„ge- panzerten Faust" unterlaufen, die sich außenpolitisch so außer- ordentlich segensreich ausgewirkt hat.— Am Schluß seines Artikels phantasiert dann der Verfasser: Und wenn wir dank dieser gloriosen Führung unserer inneren Politik eines schönen Morgens'wirNich wieder mit der Monarchie als Gottesgeschenk auf der Bettdecke aufwachten, dann würde sich niemand wundern. Warum auch? Die L a k a i e n für den Empfana Seiner Majestät sind zum mindesten schon zahlreich da. Und die sind doch für den Bestand der Monarchie dos wichtigste. Die verfajsungswiürigkeit öes Schulgesetzes Sozialdemokratische Fcststettimgen.— Kevdells Ausflüchte. In der fortgesetzten Beratung des Reichsschulgesetzes im BiltningsausschuH des Reichstags am Freitag führte Abg. Löwen- stein(Soz.) aus: NickN nur mit dem Entwurf, sondern auch mit seiner Begrün- dun« hat sich Herr v. Keudell außerhalb der Verfassung gestellt. Er will eine ch r i st l iK c Volksschule schaffen, also ein« Schul«, fiir die in der Verfassung keine Bestimmungen vorhanden sind. Die Bekennwieschulf kann niemals die allgemeine Schule werden. Sie mutz die Ileberzeugung anderer immer oerletzen. Sie kann nicht tolerant sein. Wir sind deshalb für die weltliche Kckmle, weil sie allein in der Lage ist. allen Ansprüchen der Toleranz gerecht zu werden. Die Welffichteff des öffentlichen Lebens, des Staates verlangt auch «ine dementsprechende Schule. Eingehend setzt sich Löwenstein dann mit dem statistischen Material des Ministerialdirektors K ä st n e r auseinander. Die' Schulen in Preußen sind wohl format bis zu 95 Proz. Bekenntnisschulen, aber Bekenntnisschulen im Sinne der Verfassung und des Entwurfs sind heute kaum noch an dos Bekenntnis gebunden. Wir sind gegen eine Gemeinschaftsschule, die christlich gebunden ist. Da der Religionsunterricht durch die Reli- gionsgesellschoften erteilt bzw. in seinem Charakter bestimmt wer- den soll, ist es unmöglich, ihn gesetzlich festzulegen Ministerialdirektor Kästner oerlangt die Lösung der Grund- frage der Schulfonn des Artikels 146. Er warnt davor, die Lösung von den Ländern vornehmen zu lasten. Man kann der Aus- fastung sein, daß man auf den Artikel 146 überhaupt nicht bauen kann, dann soll« man warten. Die Lehrer' sind nicht, wie Beamte, die Gesetze auszuführen haben, sondern sie sind Lehrer pef s ö n- lich leiten. Bei aller Notwendigkeit, den Elternwillen zu berück- sichtigen, müsse er feststellen, daß die Fortschritte und Verbesserungen durchweg gegen den Elternwillen durchgesetzt werden. In den Sammelklassen, also den weltlichen Schulen, sehe es darin viel bester aus. Es sei bewunderungswürdig, wie an diesen Schulen die Ellern unter den schwierigsten Verhältnissen sür und mit der der Schule und dem Lehrkörper arbeiten. Das verdien« alle An- erkennung. Abg. Diester tSoz.) behandelt die Bedeuttinq des Kindes in der Vesevschaft. Gr weift auf Mt Forderung«, hm v««tsche» Lehrerveret«» hin und lehnt nachdrücklichst die Einführung der Bekenntnisschule als Regest chul« ab. Das Schulgesetz entspricht der Verfassung— sagt keudell. Reichsnrinister des Innern v. keudell erklärt: Der Reichsjustiz- minister billigt die Vorlage in jedem einzelnen Punkt«. Er glaubt, daß sie vollständig der Verjassung entspreche. Allerdings lasten die versastungsbestimmungen die Möglichkeil der vieideulig- keil zu� Infolgedessen habe auch die preußische Regierung wiederholt ihren«Standpunkt gewechselt. Auf jeden Fall sind Auslegungen mög- lich. Wir wollen ein Gesetz zustande bringen, das von keinem Lande und kemem Teil des Volkes als Vergewattigung empsunden wird. Der Entwurf läßt mit Absicht die Frage offen, ob der Gemeinschaftsschule eine Vorzugsstellung einzuräumen ist. Der Minister betont, für die Reichsregierung bestehe an der Versa sfungs Mäßigkeit des Entwurfs kein Zweifel. In der heutigen Sitzung beanstandete der Vertreter O l d e n- burgs einig« Teile des Schulgesetzentwurfes, stimmte diesem aber im ganzen zu. Nachdem die Ab«. Bäum er(Dem.) den Aus- führungen des Ministers entgegengetreten fft, gab der Vertreter Preußens eine länger« ErNärung ab, die u. a. sagt, daß der vorliegende Schulgesetzentwurf ein« Umgehung der Ver- fassungsbestimmungen sei. Preußens Vorschläge trügen der Verfassung besser Rechnung, die Kosten würden bei ihrer Durch- führung die denkbar niedrigsten sein. Genosse Löwen st ein be- tonte dam> nochmals mit Nachdruck: Die Auffastung der Sozialdemo- krati« über den Inhalt der Gemeinschaftsschulen gehe dahin, daß der Unterricht alles enthalten soll, was olle Kinder wissen und können müssen: das gemeinschaftliche Gu! oller. Jede Bindung an irgendeine Konfestion sei daher abzulehnen. Die welt- Nche Schule wolle eine objektive, allumfassend« Betrachtung des ge- sellschastsichen Werdens und Lebens. Eine vollkommene Befreiung der Schule von allen im Gesetzentwurf enthaltenen Bindungen sei deshalb das Streben der Partei. � Reichspolitik und Stäöte. Material zur Frage der Vereinheitlichung des Reiches. Der deutfch« Städtetag hat soeben ein Sonderheft seiner Ver- bondszeitschrift mit dem Titel»Reichspolitik und Städte" der Oeffentlichkeit übergeben. Wie erinnerlich, waren die Beratun- gen des Städtetages auf feiner letzten Hauptversammlung in Magde- bürg beherrscht von der Frage, wie angesichts der wachsenden Finanz not und der Einengung der kommunalen Selbstverwaltung durch die Gesetzgebung des Reiches dos Verhältnis zwischen Reich und Städten besser gestaltet werden kann. Dadurch wurde ganz von selbst da» Problem des Einhettsstaates aufgeworfen, zu dem die meisten Ber- treter der deutschen Kommunalpolitik in zustimmender Weise Stellung genommen haben. Auch in der Resolution, die vom Städte- tag mit großer Mehrheit angenommen wurde, kommt die Forderung nach einem engeren Verhältnis zwischen Gemeinden und Reich deutlich zum Ausdruck. In dem Sonderheft wurde nun das Protokoll der Magdeburger Tagung zusammengefaßt mit gutachtlichen Stimmen deutscher Hochschullehrer, die durchweg den vom Städtetog erhobenen Forderungen beipflichten und sie staatsrechtlich begründen. Eine Uebersicht über die wichtigsten in Zettschriften und Zeitungen tt- schienenen Artikel über die in Magdeburg ausgeworfenen Fragen schließt- das Heft und zeigt zugleich, welchen lebhaften Wider- hall die Stellungnahm« der großen Kommunen in der ganzen Oeffentlichkeit gefunden haben. Anläßlich eines Empfanges, der am Fvettag adend im Städte- hau� stattfand, betonte der Präsident de« Städtetoges, Dr. M ulert« daß Kommunalpolitik, Wissenschaft und Presse für eine organisch« Berwalwngsreform zusammenwirken müßten. Oberbürgermeister Scharnagl- München legte an Hand eines Vergleichs zwischen den deutschen und amerikanischen Gemeinden dar, wie heute die deutschen Gemeinden weit mehr als die amerikanifchne und weit mehr als vor dem Kriege darauf angewiesen sind, Aufgaben zu übernehmen, die in glücklicheren und reicheren Ländern von der Privatwirt- s ch a f t erfüllt werden. Insbesondere betonte er dabei, daß die deutschen Städte infolgedessen auf ausländische Anleihen angewiesen sind, deren Ausnahme ihnen heute durch die Beratungsstelle bekannt- lich sehr erschwert wird. Gantillons Dirnentragööie. Der Kritiker steht hier vor der traurigen Aufgabe, von einem literarischen Unglücksfall zu berichten, dessen Enfftehungsurjochen vorläufig in Dunkel gehüllt sind. Die Kammerspiele holen sich eigens den berühmten Regisseur Gaston B a t y aus Paris, um Simon Ganttllons„M a y a" einzustudieren, ein Schauspiel, das in der Seinestadt mehrere hundert Aufführungen erlebt hat.„Maya" besteht aus einem Prolog, neun Bildern und einem Epilog und ge- bürdet sich überhaupt' literarisch höchst anspruchsvoll. Die Bilder spielen im Bordellviertel einer Hafenstadt, wo natürlich allerhand Schauriges passiert. Den bürgerlichen Zeitgenosten überläuft schon ein kalter Schauer, wenn man ihnen die für ein Bordellmädchen natürlich alltäglichen Ereignisse einer beruflichen Betätigung vor Augen führt. Bella, die sür ein paar Franken Liebe verkauft, ist für den«inen ein Stück Fleisch, für den anderen Geliebte, für einen Dritten das Laster schlechtweg, sür andere Bertraute geheimster Ge- danken. Die Hure als Beichtvater. Der französische Autor versucht, uns Verständnis für die Dirnentmgik beizubringen. Schade nur, daß wir mit dem Problem besser fertig werden als er. Ausgerech- net jetzt packen die Kammerspiel« diesen abgetakelten Stoff aus, wo wir von Reglementierung der Prostituierten nichts mehr wissen wollen. Für uns ist die Dirne kaum noch ein soziales, sie ist ein hygienisches Problem. Schlimm ist auch die Rührseligkeit des Ganzen. Indem der Autor dem Stück verworrene Symbole auspfropst, glaubt er den Einzelfall ins allgemein Menschliche zu erheben- Die zeitlich gebundene Bella soll die zeitlose mythische Maya sein. Das ist noch schlimmer. Theatralik von vorgestern. Im übrigen lebt in den Bildern eine gruselige Romantik. Ein Schiffsheizer, der sich mit seinem schweren Beruf nicht abfinden kann, schenkt der Dirne einen Diamanten, bevor er ins Wasser springt. Ein von den Furien der Hirnkrankheit besessener Inder explodiert in ekstatischem Aufschrei unter Harmonikabegleitung. Lttdenpfisfe schrillen, Revolver knallen, Polizeikommissare lauern. Eine Fteudenstunde bei der Dirne als letzte Gnade für den zum Tode Verurteilten fehlt auch nicht. Kurz und gut. die Bilder sind die Phantasien eines Spießers über das Dirnenlos. Daran ändern auch nichts zwei dichterisch empfundene Szenen.. In die legt Hans R e h m a n n wundervolle kindliche Meoschtichkeit. Für dieses Stück haben die Kammerspiele nicht nur die promi- nentesten Spieler verpflichtet. Sie haben auch das Ensemble der .Dorothea Angermann" geplündert. Ida Wüst, Blondine Ebinger, Frieda Richard, Toni van Eyck, Oskar Karl weiß, Theodor Laos, Fritz K a m p e r s. Jakob T i c d t l e, Karl Ball- Haus verleihen den papiernen Rollen pulsierendes Leben. Die Hure spiett Else Eckersberg mit müden Gesten und müder Stimm«. Für ihre Rolle hat sie sich einen gezogenen Tonfall zu- gelegt, der igte groziöj« Eigenart sag ganz verdeckt, Erwin A ab er hat die aussichtslose Ausgabe, bis in die Wolken weisende Symbolik zu verkörpern. Seine Leistung ist virtuos, streift aber hart am Lächerlichen vorbei. Das Publikum bewahrt diesem Schmarren gegenüber eine bewunderungswürdige ruhige Haltung. Ernst Degner. #Jüt Gemüt und Geist." Um es gleich zu sagen, es handelt sich um den von Friedrich Lienhard herausgegebenen„T ü rm e r",„Monatsschrist sür Ge- müt und Geist". Die letzte Nummer beginnt mit einem Aufsatz „Die Stillen im Lande" vom Herausgeber selbst. Also die Stillen sind ein«„Edelrasse großer Seelen",„wandelnden Flammen ver- gleichbar",„ein Sternhimmel, der durch Strahlung miteinander ver- bunden ist". Sie sind die echten Christen,„gute und große Herzen, die mit ihrer weniger sichtbaren und doch spürbaren Flamme an der Wärmeoerbreitung aus diesem Erdball mitwirken". Sie ver- treten das Gottesreich im Gegensatz zum Reiche desisSatans; deren Mitglieder erhatten die entscheidenden Antriebe tiermenschlich von der Schlauheit(Eigennutz), jene dagegen geistmenschlich von der lieben- den Weisheit. Sie haben«ine kosmische Aufgabe. Welch«, werden wir gleich sehen. Blättern wir nämlich weiter in dem Heft, so finden wir eine Zuschrift zu einer Rundfrage„Wie steht's um unsere Jugend?" im Februarheft der Zeitschrist. Dazu schreibt ein junger Elsäfler u. a.: „Das Blut bleibt mir vor Erregung in den Adern stehen, wenn ich lese, daß man so etwas(den Krieg) hat �niterleben dürfen". Dürfen? Ein merkwürdiges Bild trttt nnr dabei vor die Augen, wie ich's habe sehen„dürfen" auf den Craonner Höhen im Januar 1915, als Eingeweide und Gehirne unserer Kameraden, mit denen wir zuerst gescherzt und gelacht hatten, vor uns im Drahtverhau bau- melten!" Sie nehmen nun wohl an, lieber Leser, daß der Edelmensch Fritz, dieser„echte" Christ, geisttnenschlich seine Flamme spüren läßt und die Entrüstung des jungen Einsenders über das Reich des Satans teilt. O nein, diese Art von verzwickten Christen sind der Ansicht, daß„die rein menschlichen Beziehungen ein« Sache für sich sind, die nationalen Ueberzeugungen nicht zu stören brauchen", und so bekommt der Einsender zu der obigen Erinnerung die Antwort: „Das ist ein Einzeleindruck, der in Ihren? Sehbild haftet, hat aber doch mit dem Ganzen dieses Heldenkampfes nichts zu tun." Und weiter:„Man predige den Pazifismus den anderen! Wir hobelt diese Predigt wahrlich nicht nötig." Es ist wirNich schwer, sich in die Geistesoerfassung derartiger Menschen hineinzudenken. Auf der einen Seite dieses geschwollene Phrasenchristentum, und andererseits diese Brutalität und Stumps- heit, die die große Schlächterei zu einem optischen Eindruck verkleinern will, der mit dem Ganzen nichts zu tun haben soll. Bestand denn nicht fast der ganze„Heldenkampf" aus solchen Scheußlichkeiten, oder meint Herr Lienhard mit dem Ganzen, das damit nichts zu tun hat, die Welt der Kriegsgewinnler, Schieber oder Tintenkulis, die ihre Landsleute belogen und verdummten? Wie stellt er sich zu dem Wort von Grillparzer: Von der Humanität durch die Nationalität zur Brutalität? Rein menschlich-' Beziehungen brauchen die nalio- nalen Ueberzeugungen nicht zu stören, jagt er dein Einsender, der der Ansicht ist. daß die menschlichen Ziel« eines jeden den nationalen anrmgttpn nuisie». Latte nüc Sisnhart» jcheiye» i» der Tat nur am Schreibtisch in Humanität zu machen, und es ist in Hinsicht auf die obige Antwort eine beabsichtigte Ironie, wenn er dem Einsender herablassend und— väterlich— aus die Schulter klopft:„Sehen Sie in ähnlicher Richtung— Beseelung Deutschlands— wirkt der Türmer fett langem!" Das merkt man! Sch. „Schön sehn wir aus." Sie könnte ebenso gut 35 andere Tttel haben— die neue Revue, mit der Henry Bender in das Theater in der Kommandanten st raße einzieht. Sie zehrt von seinen und unseren Erinnerungen an die klassische Zeit des Metropoltheaters. Victor Holländer erneuert seine alten Melodien(wozu Ossenbach und Strauß krästig beisteuern müssen), und S. Ehrlich gibt modernen Schmiß dazu. Henry Bendev kommt als abgesetzter Jupiter(die olympische Revolle, frei nach Offenbach, gibt sehr gelungene Seitenhiebc an Wilhelm von Doorn) nach Berlin und erlebt nun, bald als Droschkenkutscher a. P., bald als Schupomann, das neue Berlin mit seinem Modehausbetrieb. Fremdenbesuch und bringt dabei seine Reminiscenzen an das alte Berlin an. Ergötzlich ist besonders die Szene, in der er mit seinem Apfelschimmel austritt. Daneben gibt es natürlich ein tolles Durch- einander von Tänzen, Couplets. Girl». Samt und Seide wird auch(mit deutlicher Reklame für ein Seidenhaus) ausgebreitet. Aber statt Ausstattungsrevue dominiert sonst die Einzelleistung. Man notiert: Ernst V e r e b e s als fabelhaften Tanzmenschen, Louis K a l i g e r als wirklichen Komiker, die entzückende kleine Chansonette C l a i r y, Annemarie H a s e)>ls echtberlinische Kino- jähre, Werner G i l l e, Else R e v a l und die schöne Antje van L a e r. Man war guter Laune und konnte, noch nicht zu Tode ermüdet, rechtzeitig nach Hause gehen. Also eine kurzweilige Revue. r. Eine Expedikion in 560 Fuß Weeresliese. Der New Porker G. M. Williamson, der bereits den Film„29 000 Meilen unter dcr See" hergestellt hat, beabsichtigt mit zwei anderen Gelehrten eine Expedition zu unternehmen, um das Leben der Tiefsee 509 Fuß unter der Oberfläche des Stillen Ozeans zu studieren. Er will seine Beobachtungen in einem stählernen, kugelförmigen Raum anstellcii, der mit Fenstern aus schwerem Glas ausgerüstet ist. Zahlreiche Ab- stiege in die Tiefe sollen an den verschiedensten Stellen vorgenommen werden. Ein besonders gebauter Schoner wird mit den Gelehrten demnächst von San Francisco nach der Westküste von Mexiko ob- fahren, wo die ersten Beobachtungen gemacht werden sollen. Trstaufführuiigen der Woche, vleaslag: Tb am Kurslirsienvamm: „Di- Hose".— Tb. i. d. Klosterllrahe:„WaS Ihr wollt'!— W«llner-Tb:„Die Kinder". .Der verliner Sancierdior" Mitql. d. D. A.£.? veranstallet am Montag. dem itt. Okt.. abends'8 Utir, im Saalbau sieiedrichsbai» ein Koncert. de- titelt:„siremdländischi! Volksweisen", italienöche und russische Volkslieder sür Soli Cbor»nd Orchester. Mitwirkende: Ta» gesamte BeUincr Sinsonie- Orchester(60 Künstler). Carl Iöken— Staalsoper(Tenor). Biuno E. Walter(Rezitationen'. Erhard Meincrt— Mitglied de? Vereius(Bariton). l�reii Mandoliiiisten-Vereinigung Neukölln 1S08. Leitung: Knpcllm. Philipp Heid.— Eintrittskarten M. 1.50 inkl. Ter« buch an der Abendkasse. Da» Kommando der Schitzpolffei veranstaltet mit seinem Simonie- Orchester, unter Leitung von Camilla Hildebrandt am i Nov.. 20 Ubr,. im großen Saal der Staatliche« Hochschule s 0 r M u s i!, Charlottenburg. Fasanenftr. t, sein zwettes diesjähriges Siiiionie- K« uze rt.«arten sind ö«»ote».*»xl mU»«. Wertheim erhältttch. / I Todesstrafe und Rechtsemheit. Die Vollftreckuug eine politische Frage; nur Beseitigung schasft Rechtseinheit. Al» einer der bedeutsamsten Gründe für die grundsätzlich« Bei- beHaltung der Todesstrafe wird selbst von denen, die sich den zahl- reichen schweren Bedenken gegen die Todesstrafe nicht verschliehkn können, vor allem geltend gemacht: In dem größten Land« unsere» Reiches, in Preußen, werde durch sein« entschiedene republika- nische Regierung die Begnadigung hinsichtlich der Todesurteil« und zwar deren Umwandlung in Zuchthausstrafen seit 1919«in» wand frei in der Weise geübt, daß nur in besonder» schweren Fällen wie Haarmann, Angerstem und ähnliche die Todesurteile zur Boll- streckung gelangen: auch einigt ander« Länder de» Reiche» beob- achten die gleiche Gnadenpraxis und in einzelnen kleineren deutschen Freistaaten wie in Hessen mit sein«? dauernd entschiedenen re» publikanischen R«gi«rung sei seit 1S19 die Todesstrafe überhaupt nicht mehr vollstreckt worden. Dazu komme, daß§ 7Z de» Eni» wurfs des Reichsstrasgesetzbuchs die Todesstrafe nicht mehr als alleinige Strafe für den Mord kenn«, fondern in minder schweren Fällen durch Urteilsspruch lebenslange« Zuchthaus oder zeitliche Zuchthausstrafe bis herab zu drei Iahren Zuchthaus zu- lassen. dl» teiae Saas» kenvea... Dt» grundsätzlichen Bedenke« gegen die TadessUus« werden durch diesen Hinweis auf die verhältnismäßig klein« Zahl der Bollstreckung«» von Todesurteile« und die vegnadigungspraxt» in einem Teil der deutschen Länder nicht entkräftet, da ihnen ein« ander««Inder human« Begnadigungspraxi» in Bayer« und andere« Ländern de» Reich» gegenübersteht, auch nicht durch dt« gesetzliche Einschränkung der Tödespros« für die schweren Fäll« de» Morde». Darüber hinaus muh mit Nachdruck auf die sehr ernst« Bedenk« hingewiesen werden, die gegen die Lufrecht er Haltung de» gegenwärtigen Zustande», der in den«inzetnen Ländern de» Reichs sehr»erschied«artig«n und wechselnden Praxi, in der Bollstreckung von Todesurteilen spricht, und auch bei der in Aussicht genommen« künftig« Regelung besteh« bleiben würde. dl» eutftheiüeaüea Jaftaaz»a. Vi« Todesstrafe ist die einzig« Kinase, die nicht al» unmittelbar» Folge de» auf Tod lautend« rechtskräftig« Urteil» eintritt: dt« Vollstreckung jede, Todesurteils im Reich hat vielmehr noch außer der Rechtskrast die«eitere Voraussetzung, daß ein« Ent« schließ ung der zur Ausübung de» Gnadenrechts zuständig« Stelle de» Lande», unter dessen Gerichtshoheit da» gerichtliche Urteil ergang« ist, dahin gefaßt wird, daß von dem Legnadb gungsrecht kein Gebrauch gemacht werde. Diese zustgp- big« Stell« sind die Staatsministerien der Länder und die Senate der drei Stadtstaat« de» Reich».; Wie sich nun die verhältntsi« bei un» entwickelt haben, ist in weitem Umfang« die Frage der Todesstrafe zu einer politischen Frag« geworden, so daß mit einem Wechsel de» politischen Regimes nicht selten auch ein Wechsel in der stärkeren oder geringeren Anwen- dung der Todesstrafe verbunden ist und auch künftig verbunden bleiben wird. Da« Schicksal der zum Tode verurteilten hängt deshalb zu einem Teil von der jeweiligen politischen Zusammen- s e tz u n g der Länderparlamente und zugleich der Staatsministerien und Senate ab. Dies ist ein mit den Begriffen von Recht und Gesetzlichkeit und nicht minder mit dem Begriff der deutschen Rechtseinheit unvereinbarer Zustand. Der unitarischc Gedanke im Rechts» und Versassungeleben Deutschlands verträgt es nicht, daß für absehbare Zeit hinaus bei Entscheidungen von solcher Bedeutung� wie es die Vollstreckung von Todesurteilen ist, der mehr oder minder zufällige Zeitpunkt von Neunahlen oder des damit verbundenen Wechsel» de» politischen Regimes ausschlaggebend ist. E» gibt keinen größer« Gegensatz al» Tod und Leben— und sei es da» Leb« im Zuchthaus«. Unhaltbar» Konsequenzen. Der gegenwärtige wie auch nach dem Entwurf gewollt« künftige Rechtszustand kann in jedem Augenblick zu unhaltbaren Konsequenzen führ«. Dmkbar ist z. B. folgende«: Wenn ein rechtskräftig von einem bayerischen Gericht zum Tod« verurteilter entweich« und auf der Flucht kurz nach Ueberschreitung der Grenze auf p r e u ß i» schem Boden ein« zweit« Mord begehen würde, d« alsdann ein preußische» Gericht abzuurteilen hat, könnte ein unlösbarer Konstitt daraus entsteh«, daß die preußische Gnadeninstanz ein« Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe beschließt, während Boye« auf d« Kops de» verurteilt« besteht. Vi» Kechtseiahdt verlangt Seseitigung! Schon in d« Motiv« zum Entwurf de» Strafgesetzbuch» zum Rordd««tsche» Bund ist gesagt, daß nur dann«ine Recht»- «inheit wirtlich erreicht wird, wenn die nach ein- und demselben Strafgesetz erkannte Strafe im ganz« Bundesgebiet unter denselben Bedingungen und Form« zur Vollstreckung gelangt. Darauf beruht auch der jetzt von dem Reichsrat beratene Entwurf des Strafvollzugs- ges«V-. Alledem gegenüber gibt es nur«in« befriedigend«, im Einklang mit der deutschen Rechtseinheit stehende Forderung: Beseitigung der Todesstrafe. Dr. Siegfried Rosens« ld, M. d L. wieder ein Gattenmord vor Gericht. Das Verbrechen des Schulheizers Buchholz. Am». Februar diese» Jahr«, erschien der Heizer Buchhol, j von der Grundschule am Herthaplatz in der Der- mißtenzentrale. Er teilte mit. daß seine Frau am Abend vorher fortgegangen und nicht wieder zurügekehrt sei. Auch eine Tasche und das Portemonnaie habe ste bei sich gehabt. Zwei Tag« später, am 7. Februar, erschien er jedoch in Begleitung seiner Schwester im zuständigen Polizeirevier und gestand, seine Frau am Freitag, dem 4. Februar, getötet zu haben: die Leiche lieg« im Keller neben dem Heizramn der Schul«. Tatsächlich fand die Polizei hier die Leiche der Frau w einem gräßlich zugerichtet« Zustand«. Im Mund steckt« ein Knebel, der Hals wies Würgespuren auf, der Kops war mit einem Ziegelstein zerschmettert. Einer der Kessel war völlig ausgeräumt: es lag der verdacht nahe, daß Buchholz seine Frau habe verbrntnen wall«. Die Motive zur Tat schien« aus der Hand zu liegen. Buchholz unterhielt seit ein» einholb Jahr««in Berhältm« mit einer Badefrau S. Er hatte ihr versprach«, stch von der Frau scheid« zu lost« und st« zu Heirat«. Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb geg« Buchholz Anklage weg« Mordes. Erst später wurde diese Anklage auf Totschlag eingeschränkt. H«t« morgen steht der Schulheizer vor dem Land- gericht lll. Er wird von d« Rechtsanwalt« Dr. M«del und Dr. Reiwald verteidigt, als Sachverständige sind Prvfestor Strauch, Professor Frankel und Dr. Bürger anwesend. Der 4SjShrige AugeNagte, ein hogerer M«sch mit einer Brille, macht einen viel Skier« Ein- druck. Schon au> die erst« Fragen des Borsitzenden, de» Land- gerichtsdirektors Bombe, kann er vor Weinen kaum ant- warten. Rur mit großer Mühe gelingt es, ihn zu veranlassen, seinen Entwicklungsgang und sein Eheleben zu schildern. Als junger Mensch hatte er in einer Zigarrenfabrik gearbeitet: kaum zwanzig- jährig, wurde er mit seiner zukünftigen Frau bekannt, heiratete ste und begann einen Zignrettenhandel. Die Ehe gestaltet« sich von vornherein unglücklich. Di« Frau hielt ihren Mann sehr knapp. Alles verdient« Geld nahm st« an flch, es war unmöglich, den Ziga- rettenhandel weiterzuführen, vuchholz wurde desKalb zuerst Heiser in einer G«>erbeschule, dann in der Schule in der Gothenburger Straße, blieb hier IS Jahr«, bi» er zur Schule am Herthaplatz straf- versetzt wurde. Da» Verhältnis zur Frau gestaltete sich immer unglücklicher. Obgleich er neben feiner«igent- lichen Arbeit noch für ein Schneidergeschäft Kleider bügelte, muhte er alles Geld der Frau abliefe«, die selbst die Zigaretten für sich kaufte. Hinzu kam noch der Umstand, daß seine Frau krank war. Mehr als einmal soll die Frau gesagt haben:.Du kannst geh«. wohin du willst." Dann lernt« Buchbolz die Bcrdesmu S. kennen, der er mehr als einmal versprach, stch scheid« zu lassen.„Zu deinem Geburtstag bin ich frei, soll er zu ihr gesagt haben. Hebet die Tat selbst hat Buchholz vor der Polizei zwei verschiedene Schilderungen gegeben. Beide Male hat er behauptet, daß er mit der Frau i n Streit geraten sei. Während er aber im erst« Falle erklärt hatte, sich der Einzelheit« der Tat nicht«tstnnen zu können, hat er im zweit« Falle sie ganz ausführlich geschildert. Zuerst behauptet« er. er habe geglaubt, seine Frau sei noch am Leben und sie Hab« nach dem Streit mit ihm den Keller verlassen. Deshalb habe er am nächsten Margen die Bermißtcnanzeige gemacht und sei auch mit sein« Kinde« im Leich«schauka»is gewesen. Dann aber erzählte er den Polizeibeamten. wie�r die schreckliche Tat »erübte, wie er hinterher bei Inn: 6. gewesen war, und wie er stich mit dem Gedanken getragen habe, die Leiche in der Laubmkalonic beiseite zu schaffen. Schließlich, von Gewissenbissen gepeinigt, ge- stand er die Tat seinem Vater. Heute erklärt der Angeklagte, stch auf die Einzelheit« nicht mehr besinnen zu können, er begreise auch nicht, wie er damals alles aus- führlich schilde« konnte.(Er habe seine Frau getötet, und er müsse nun büß«. Wie sich das Familienleben des Angeklagten in Wirklichkeit gestattet hat und ob seine Frau durch ihr Verhalten ihn gewissermaßen in die Tat hineingetrieben hat, wird die Beweis- aufnähme ergeben. �anüessthulrat Dr. Stoelzel verzichtet! Ter Erfolg einer reaktionären Hetze! Seit mehr al» Jahresfrist liegt dem Ministerium für Wissen- schaft, Kunst und Volksbildung ein Antrag des Bezirksamtes Prenz- lauer Berg vor, die Wahl des Landesschulrats Dr. Stoelzel zum Oberstudiendirektor des Sophien-Gymnasiums zu bestätigen. Gleich nach der Wahl setzt« natürlich, wie immer. w«n einem Opfer politischer Verhetzung und Rechtsprechung Genugtuung zu- gedacht ist, die bekannten üblen und heuchlerischen Quertreiberei« aus dem Lager der Rechtskreise ein. Daß inzwisch« Dr. Stoelzel durch Spruch der oberst« Disziplinarinstanz von all« Borwürf« ehrenrühriger Nawr befreit und als Londesschulrot von �Braunschweig wieder di«stfähig erklärt wordm ist, davon haben die sonst von Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit überfließenden Hüter bürgerlicher Zucht urd Sitte keine Notiz genommen. Sie benutzen vielmehr, wie stich das aus Nottzen der deutschnationalen Presse ergibt, die sür den Minister nunmehr vorliegende zwing«d« Notwendigkeit, zu dem Bestätigungsantrag abschließend Stellung zu nehmen, zu einer emeuten und nicht minder unwahrhastigen Hetze gegen Genossen Stoelzel, in der stillen Hoffnung, das Ministerium zuungunsten Stoelzels zu beeinfiust«. Das wider- wärtige Treiben hat nun schließlich, wie das menschlich begreiflich ist, auch in diesem Falle dazu geführt, daß der unablässig Dersolgte, von Ekel ersaßt, auf eine Weiterfuhrung des Kampfes im Interesse der Sache verzichtet. Wir sind in der Lage, die an da» Bezirksamt zu Händen des Bürgermeisters Genosten Dr. Ostrowski gerichtete Verzichterklärung Dr. Stoelzel» nachfolg«d zur Kenntms zu bring«. Genosse Stoelzel schreibt: „Seit über einem Jahre steht die Bestätigung meiner Wahl zum Direktor des Sophien-Gymnastums aus. Die jetzt plötzlich auf» neu« wieder einsetz«d« heftig« Hetzkarnpazn« geg« mein» Bestitiguna bi der Berliner deutschnotionai« Presse zeigt mir. daß der polittsche Gegner in der Zwischenzeit nicht müßig gewesm sst, um mit ollen ihm zu Gebot« stehend« Mitteln meine Bestätigung zu hintertreiben und mir jedenfalls ein ruhiges und segensreich«, Arbelten unmöglich zu machen. Ich glaube daher nur im Interesse der Schule, die nun schon fast zwei Jahre ohne Direktor ist, zu handeln. w«n ich unter diesen Umständen meine Bewerbung um das Direktorat des Sophien-Gymnasiums zurückziehe. Daß dieser Schritt mir nicht leicht geworden ist, da ich mich auch den Instanzen, die mich gewählt haben und sich so warm für mich eingesetzt Hab«, verpflichtet fühle, bedarf wohl keiner besonder« Versicherung. Indem ich Ihnen noch vielmals für Ihr freundliches und unermüdliches Eintreten für meine Kandidatur von Herz« danke, bitte ich diesen meinen Verzicht auch dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft. Kunst und Volks- bildung zur Kenntnis zu bring«." Der Verzicht ist, wie wir ersahrni, inzwisch« auch schon dem Ministerium zugeleitet ward«. Der Herr Minister wird recht ftoh sein, auf so billig« Welse aus der Verpflichtung herauszukommen, den anerkannt« Landesschulrat eine» deutschen Freistaate« und einen aufs heftigst« befehdeten sozialdemokratischen Beamten al» Direktor eines Berliner Gymnasium» zu bestätigen. Es bleibt nur zu de- dmiern, daß politische Hetze, so oder so, wieder einmal ihr unsauberes Ziel erreicht hat. Dos eine aber steht fest, daß damit nicht auch ganz allgemein die Ausschaltung sozialdemokratischer Schuldirektoren aus dem Berliner Echulleben erreicht werd« kann. Di« Berliner Sozialdemokratie wird es sich niemals nehm« lassen, tüchtig« Schul- manne«, die in Ihr« Reihen steh«, die Leitung höherer Berliner Schulen anzuvertrauen._ Unfall eines öerttaer Geschästsantos. Ter Führer schwer verletzt. halle a. d. 29. Oktober. » Die Pressestelle der Reichsbohndlrettion Halle(Saale) teilt mit: Am 28. Oktober um 18, 4S Uhr fuhr auf dem schrankenlos« Ueberwege der Straße Ruhland— Senftenberg bei Kilometer 1,510 der Bahnstrecke Ruhland— Lauchhammer ein Retlamewagen der Firma Hortaxinwerke. Berlin. Greisswalder Straße 143, mitt« in die Lokomotive de« d« Ueberweg passierenden Zuges 2328 hinein. Dabei wurde die Lokomotive beschädigt, der Kraftwagen zertrümmert. Der 5krastwag«führer Jakob Seitz aus Berlin erlitt schwere Verletzungen und ist nach Anlegung von Notverbänden durch Krankenauto in da« Knappschastskrankmhau» in Senftenberg übergeführt worden. Der Begleiter Otto Glaubild aus Berlin wurde nur leicht an der Nase verletzt. Der Führersttz des in Form eines Walfischs konstruiert« Autos war so gebaut, daß die Aussicht ein» geschränkt war. Der hell erleuchtete Personenzug wäre auf 809 Meter Entfernung zu seh« gewesen. Der Begleiter gab bei seiner sofortig« Vernehmung zu. da» Zeich« der Lokomotive gehört .zu Hab«. Die Schuld trog« der 5kraftwag«sührer und die Bauart des Führersitzes.__ tVieüer ein Raubüberfoll. Ein« Filialleiterin niedergeschlagen nnd beranbt. Beamte der Kriminalpolizei wiird« heut» mittag nach der Hohenstaufenstr. 13 alarmiert. In dem Hause befindet fich eine Filiale der Wäscherei von Engelhardt, die von einer Frau Elfride Wendorf geleitet wird. Geg«>412 Uhr erschien in der Filiale, wie die Frau angab, ein jimger Mann, der eine Au»- kunft Hab« wollte. Plötzlich sprang«r auf die Filialleiterin zu. würgte sie am Halse und versetzte ihr einige Schläge über den Kopf, so daß sie bewußtlos zusammenbrach. Dann raubte der Tüter die Kaste, die etwa 200Markbar«eGeld enthielt, und flüchtete. Er entkam ungehindert und unerkannt. Die Kri- minalpolizei ist bei Redaktionsschluß noch am Totort mit notwendigen Erhebungen beschäftigt. Die Anstände bei der Zollfahndungsstelle. Der Betrugs, und Bestechungsprozeß gegen dm Zollinspettor P l a u m a n n und feine Agenten Jolzann S i l b e r st e i n und Siran Cohn wurde, nachdem die Verhandlungen gestern nacht um 11% Uhr abgebrochen worden waren, heute früh sortgesetzt. Ein Kriminalbeamter machte Aussagen über das Verholten Plaumanns a>' der Polizeiwache, nachdem die Druckerei ausgehoben worden rorr. Piaumann habe mit den zunächst als Fälscher festgenommenen Cohn und Silberstein lange geflüstert, und der Peamte hatte den Eindruck, daß Plaumann den beiden einflüsterte, was sie aussagen solllrii. Weiterhin wurde von Zollbeamten ausgesagt. daß auf Grund eines Ertasses des Reich-sinanzministers die Zoll- fahndungsftelle sich mit allen„Schluten" in Verbindung setzten mußte. um nur'irgendetwas herauszubekommen. Dabei sollte man sich um die persönlichen Qualitäten der„Gewährsmänner" nicht kümmern. Es durften Vorschüsse aus dem sogenannten„schwarzen Fonds" ge- macht werden, ohne daß die vorgesetzte Dienststell« danach zu fragen hatte und ohne daß Abrechnung zu legen war. Der ftühere Zoll- direktor Patt sagte aus, daß Plaumann über die Gelder verfugen konnte, wie er wollte. Es war ausdrücklich von oben onge- ordnet worden, daß man sich in Geldfragen n i cht ke i n- l i ch zeigen sollte. Gegen Patt hat wegen seiner Duldunq dieser Zustande ein Disziplmarversahren geschwebt. Er ist mit 300 Mark bestraft und pensioniert worden. Patt war zu jener Zeit, als die „Gehcimdnickcrei" entdeckt wurde, der stellvertretend« Präsident der Zollfahndungsstelle._ Die Müllkästen der Residenzstadl. Endlich können wir einmal dem Oberbürgermeister von Potsdam, Herrn Rauscher, zu- stimmen: Noch heute läßt er aus die Müllkästen seiner Kam- mun« die Bezeichnung:„R c s i d e n z st a d t P o t S d a m" ein- prägen. Bravo! Aus die Müllkäft« gehört siel Spiel der Jugend. Di« Schüler desFriedenauerGymnasiums wogen sich nach einer längeren Paus« wieder mit einem dramatischen Werk: „Lobgesang", einem Hymnus mit Sprechchören von Bruno Götz, an die Oesienttichteit. Es wurde gestern abend in der stir diese Zwecke besonders geeigneten Aula des Friedenauer(Gymnasiums urausgeführt- Wie der Titel richtig vermuten läßt, ist es zwar ein religiöses Werk, aber im Grunde genommen ein im best« Sinn« freireligiöses. Das Uebersmniich« wird in Göttergestalten symbo- lisiert. Den aiten Symbolen Feuer und Erde werden die neuen des Wissens der Technik und des Tanzes gegenübergestellt. Das Ganze mündet dann in«ine Art panthejstischen Festes. Wenn der Dichter auch zweifellos nicht des Stoffes Herr geworden ist. wenn feine Worte vielfach zu schweren Pathos ausquell«, so daß man nur mit Mühe folgen kann, so ertön« doch zum Schluß die glückverheißenden Worte Heimat, Volk und Menschheit. Die Hauptsache aber ist, wo« diese Schar begeisterter junger Menschen aus dem Werk de« Dichters gemacht bat, und da kann man nur mit Respekt vor einer theotroli- schen Leistung stehen, die weit entfernt ist von der früher üblichen Theaterspielerei der Schulen. Au; ihr spricht unverkennbar der be- wußte starke Bekenntnisdrang einer neu« Jugend. Diese jungen Menschen— es sind in der Hauptsache Jünglinge— leb« im Spiel ein Stück ihres eig«en verborgenen Seins aus. Sie steigern sich über sich hinaus werden, wie man deutlich feststellen konnte, vom Spiel lo gebannt, daß sie zu ekstatischen Kündcrn werden. Und'o ist man, irotz vieler Unklarheiten der Dichtung, doch ergriffen»nd läßt sich willig mitzichea, weit wau auch in diesen jungen Menschen — trotzdem au» der Saalccke unter der Gefallenentofei viele sckyvarz- weißrote Schleifen leuchten— dos Wehen der neuqn, der kommenden Zeit spürt. Man ist ergriffen, weil man sieht, wie ernst es ihnen ist. Der Hanptsprecher, ein junger Student, bot eine unge- wöhnkich fesselnde, darstellerische und sprecherische Leistung. Die Meister der Sprcchchöre haben von ihren Vorbildern gut gelernt. Man sah einzelne Mastenszenen von eindringlicher Wirkung. Wenn nun diese jungen Mensch« es einmal über sich gewinnen könnten. zu unseren proletarischen Feierstunden und zu den gleichiall« dramoti- ichen Ausführungen unserer Arbeiterjugend zu gehen, dann müßten sie dekennen, daß das Ethos, das sie beschwingt, auch in den Seelen der jungen Proletarier lebendig ist nnd noch Ausdruck ringt. Die Veranstaltung vrolewrischer Liederabend in Tempelhos findet nicht, wie angegeb«, in der Kursürstenstraß«. sondern heute abend im Festsaal des Realgymnasiums in Tempel- Hof, Kaiserin-Augusta-Stroße. statt. Di« Einttittspreis« einschl. Vrogramm und Textbuch beträgt 1 M. Für Arbeitslose und deren Familien ist der Eintritt frei. Tu„Volk und Zeil" bringen wir u. a.«in ganzseitiges Bild, das dos an der südamerikanischen Küste untergegangene Schisf „Principeffa Mafalda" zeigt: das Schiff sank an der b r o- s i l i a n i s ch e n(nicht argentinischen) Küste bei Bahia: es hatte Auswanderer nach Argentinien an Bord. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreund" liefen der heutigen �oftauflage bei. Sie Jeme üer Kaffeehausbesitzer. Das hinterhältige System der Schwarzen Listen. Der Verein der Kaffeehauebesitzer versendet von �eit zu Zeit Rundschreiben an ioine Mitglieder, worin die Namen von Angestellten, die sich in irgendeiner Weise bei de» Arbeitgebern unbeliebt gemacht haben, angesührt werdem Ein derartiges Rundschreiben lag einer Verhandlung vor dem Arbeits- gericht zugrunde. Das Schriftstück beginnt mit den Worten:„Die namhaft ge- machten Angestellten haben bei ihrem Abgang dem Arbeitgeber Schaden mannigfacher Art zugefügt/ Hierauf folgt eine Reihe von Namen, und dann werden die Kaffcehausbejitzer ersucht, falls sich einer der Angegebenen bei ihnen um Arbeit melden sollte, beim Verein der Kasfeehausbesiher anzufragen. „Die Angestellten haben bei ihrem Abgang dem Arbeitgeber Schaden mannigfacher Art zugefügt'— Wer das liest, der muh doch annehmen, das; die betreffenden Angestellten den Arbeitgeber durch Rache- und Sabotagehandlungen geschädigt haben. Aber davon kann gar keine Rede sein. Die Verhandlung zeigte oielmehr, daß schon der Gebrauch der Redefreiheit im Kreise von Kollegen genügt, um einen Angestellten auf die schwarze Liste zu setzen und ihn als einen Menschen.zu kennzeichnen, der seinem Arbeitgeber„Schaden mannigfacher Art zugefügt habe. Der Kläger, ein anerkannt tüchtiger KasfeehiUskellner in vor- gerückten Jahren, steht als erster auf der schwarzen Liste. Er fordert vom Verein der Kasfeehausbesitzer Schadenersatz, weil es ihm wegen dieser Kennzeichnung nicht mehr möglich sei, dauernde Arbeit zu finden. Aushilfssiellen von kurzer Dauer wechseln mit langer Ar- beitslosigkeit.— Vor Gericht wurde nun sestgestellt, warum der Kläger aus die schwarze Liste gekommen ist. Als er vor Jahres- frlst im Kaffee„W! l h e l m s h a l l e n" arbeitete, hat er in einer von etwa 20 Kollegen besuchten Betrlebsbesprechung an- gedliche Mißstände tm Betriebe In temperamentvollen Worten tri- tisiert,«inen Streik als Abhilfsmatznahme empfohlen und sich er- boten, als Streikposten tätig zu sein. Zwei Angestellt« haben das dem Unternehmer hinterbracht. Der Erfolg dieser erbärmlichen An- geberei war die Derfemung des Klägers. durch den Verein der Kaffeehausbesitzer. Das Gericht kmn zu der Ausfassung, daß der Schadenersatz- anspruch dSs Klägers an sich berechtigt wäre, denn die in dem Rundschreiben behauptet« Tatsache, der Kläger habe bei seinem Ab- gang dem Arbeitgeber Schaden inannigfacher Art zugefügt, sei nicht erwiesen und könne auch nicht bewiesen werden. Da aber der Kläger schon vor Erlaß des Rundschreibens keine dauernd« Arbeit mehr fand und da er nicht nachweisen könne, daß er nach der Versendung und infolge des Rundschreibens keine Arbeit fand, könne ihm ein Schadenersatz nicht zugesprochen werden. Auf Anraten des Gerichts kam ein Vergleich zustande, wo- nach der Kläger seine Schadenersatzforderung zurückzog und der Berein der Kasfeehausbesitzer sich verpflichtet, seinen Mitgliedern bekanntzugeben, daß der Name des Klägers von der schwarzen Liste zu streichen sei und, falls das nicht innerhalb von vier Wochen geschieht, dem Kläger 300 M. Schadenersatz zu zahlen. Ob dem Kläger die Streichung seines Namens von der schwarzen Liste etwas helfen wird, ist zweisclhaft. Wer einmal in solcher Weise gekennzeichnet ist, dem wird die n a ch t r ä ,, l i ch e Streichung wohl nicht viel nützen: denn inan kann ja durch telephonische Auskünfte dasselbe erreichen wie durch schriftliche Mitteilungen, und solche Auskunfterteilung soll, wie der Kläger versicherte, beim Verein der Kasfeehausbesitzer üblich sein. Diese Praktiken der Kaffee- Hausbesitzer können nicht scharf genug gebrandmartt werden. Generalaussperrung üer Zigarrenarbeiter. Tarifbruch auch in Brandenburg, Pommern«nd Ost- und Westprensten. Die bekannte Finna Loestr u. Wolfs, welche ihre Betrieb« in Elbing, Braunsberg und Marienburg besitzt und in Berlin sehr viele Detailgeschäfte betreibt, hat ihren Ardeitern und Arbeiterinnen ebenfalls die Aussperrung angekündigt, ebenso Adams Zigar- renfabriken in Elbing, die Deiaklgeschäfte auch in Berlin be- sitzen. Weiter haben die Firmen E. C l tz e- D a h m e-i. d. M. und A. Will Sohne in Schönlante, beides Vorstandsmitglieder der Bezirksgruppe Brandenburg-Pommern des Reichsverbandes deutscher Zigarrenharstelltt, ihren Arbeitern und Arbriterinnen die Aussperrung angedroht. Allen Tabakarbeitern und-arbeiterinnen in Braiidenburg-Pom- niern, Ost- und WesipreUßen möge dieses Vorgehen der Unternehmer ein Ansporn sein, noch weit mehr als bisher die Organisation zu stärken, damit sie die Angriss« der Unternehmer mit vollem Erfolg für sich abschlagen können. Letten der ostpreußischen Lanöarbeiter. Entschließung des Deutschen Oandarbcilecverbandes. Die Schilderung, die der Derbandsvorstand des Deulschen Land- arbeiterverbondes kürzlich über die Mißhandlung tzstpreußllcher Landarbeiter veröffentlichte, wird von ihm durch weiteres, ebenfalls aus Ostpreußen stammendes Materiol ergänzt. In einer Werkwohnuna des Gutes R o st k e n. Kreis L ö tz e n, wohnte der Deputant Fr. D. Im Juli wurde D. plötzlich entlassen. Ob die Entlassung gerechtfertigt ist oder nicht, wird von den Arbeits- gerlchtsbehörden nachgeprüft. Der Gutsbesitzer Ehlers wollte D. aber nicht nur nicht weiter beschäftige», sondern ihn auch aus der Werkwohnung heraushaben. Anstatt Räumungsklage zu erheben und «in Räumungsurteil zu erwirken, um dann niit H'lfe des Gerichtsvollziehers die Räumung durchzuführen, zog E. es vor, aus eigen« Faust vorzugehen. Er drang am 17. September 1« Abwesenheit des D. in feine Wohnung ein, stieß die Ehefrau, dle ihm den Eintritt verwehren wollt«, nu t den un erwachsenen Kindern aus der Wohnun g hinaus und ließ durch zwei Arbeiter die Möbel und den sonstigen Hausrat des D. entfernen. Die Entsernung der Möbel geschah derartig unvorsichtig, daß mehrere Stücke schwer beschädigt wurden. Um ganz sicher zu gehen und die Wiedeninterbringung des D. in der Wohnung zu verhindern, ließ er den Fußboden ausreißen und die Fenster entfernen. Vor einigen Wochen war die Hvfgängerin des Deputanten Sch. gemeinsam mit anderen Arbeitern und Arbeiterinnen aus dem Felde des Besitzers S ch m l d t- K l e e h o f bei Ludwigswalde mit Ernle- arbciten beschäsligt. Dabei scherzten die jungen Leute unter sich, wie es so üblich ist. Als dies der Besitzer Schmidt sah, lies er auf die Hofgängcrin Sch. zu und schlug ihr mit der Hand derart ins Gesicht, daß sie zu Boden fiel und bewußtlos liegen blieb. Es wurde außerdem festgestellt, daß sich einige Zähne gel ö st hatten. Nicht genug der rohen Behandlung, ergriff er sie am Arm, um sie hochzureißen, und bemerkte dabei, sie solle sich an die Arbelt scheren. Es tonnte wohl der Arbeiterin nicht zu- gemutet werden, ob dieses Vorsalls noch länger be! dem Besitzer zu arbeite». In Rodmannshösen wurde ein Hofgänger von dem dort tätigen Inspektor mtt einem Schlagring mißhandelt, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Und weshalb? Angeblich aus dem Grunde, weil er Mitglied des Roten Frontkämpfer- buOde» ist. Der Reichskanzler Dr. Marx trägt sich mit dem Gedanken, ein besonderes Ostpreußen-Dezernat ins Leben zu rusen. Wie wäre es, Herr Reichskanzler, wenn Sie mit der Verwtrtlichuna dieses Gedankens noch etwas warten, dafür aber unverzüglich an. die Cr- richtung einer Stelle herangehen würden, die sich den wlrkungs- vollen Schutz der oft preußischen Landarbeiter gegen die unmenschlichen Allüren der ostpreußischen Krautstmter zum Ziel setzt? Die ostpreußische Landarßeiterschast wird es Ihnen zu danken wissen. » Die Mißhandlung von Landarbeitern, die nach dem von uns gebrachten Material immer mehr um sich greift, hat eine Konfe- renz des Verbandsvorstandes und der Gauleiter des Deutschen Landarbeiterverbandes veranlaßt, ein« Entschließung folgenden Wortlauts anzunehmen: „Die Konferenz des'Berbandsvorstandes und der Äoillelter de» Deutschen Landarbeiterverbande» nimmt mit tiefster Entrüstung davon Kenntnis, daß Beleidigungen, Bedrohungen und Tätlichkeiten der Landbesitzer gegen ihre Arbeiter in erschreckendem Riaße zu- nehmen. Allwöchentlich bringen die Zeitungen Bericht« über Miß- hNidlunge» der Landarbeiter. Die Konferenz ist der U eb erzeug, in a, daß In erster Linie die in einer starken gewerkschaftlichen Organisation vereinigten Landarbeiter sich selbst gegen die llebergrisfe rabiater Landbesitzer zu wehren haben. Di« Konserenz ist aber weiter der Meinung, daß die Oeffent- lichkeii, die Parlamente und die Regierungen ebenfalls verpflichtet sind, diesen Mißständen nachzugehen und die gepeinigten Land« arbeiter in Schutz zu nehmen." Zu den Differenzen im Oelgaswerk. Zu unserer Notiz im heutigen Morgenblatt teilt uns der B e r- band der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Groß-Dcrl!n, berichtigend mit, daß die Differenzen im Oelgaswerk Pintjch mit Grenz st reitigkeiten zwi!ch«n dem Verband der .Heizer und Maschinisten und dem Verbände der Gemeinde- und Slaalsarbeiter absolut nichts zu tun haben. „Der Verband der Maschinisten und Heizer, Hauptoorstand und auch Ortsverwallung, ist seit Ausbruch des Streiks über die Wirkungen der Besetzung des Betriebes durch Mitglieder des Aer- bandes der Maschinisten und Heizer Im Bilde. Wir bedauern außerordentlich, daß Genosse Stadtrat Schlichting, als 2. Vorsitzender de» Verbandes der Maschinisten und Heizer, bis heut« keine Gelegenheit gehabt hat, sich persönlich mit dieser An- gelegenhcit zu besaßen: wir sind überzeugt, daß er bei Kenntnis dieser Dinge sicherlich das Notwendige veranlaßt hätte, um diese, die Gewerkschaftsbewegung außerordentlich schädigenden Zustände zu beseitigen."___ VesolüungsorSnung uttt Arbeitsgerichte. Man schreibt uns: Nach 8 18 Absatz 4 des Arbeitsgerichtsgesetzes werden die Vorsitzenden der Arbeitsgericht» auf Zeit bis zur H ö ch st- dauer von neun Jahren bestellt. Sind hiernach auf Lebens- zeit angestellte Beamte des Reiches oder der Länder auf. Zeit zu hauptamtlichen Borsitzendeii bestellt, so sollen sie zwar nach Ab- lauf dieser Zelt in eine ihrer früheren dienstlichen Stellung gleich- wertige Stellung iU>«rnoinmen werden. Da aber kaum damit zu rechnen ist, daß dann in dem Orte, wo sie bisher ihren Wohnsitz hallen, eine offene Stelle für.sie zur Verfügung stehen wird, er- wachst ihnen aus ihrer Bereitcrklärung zur Uebernahme des Amtes die Gefahr, nach Ablauf der Bestellungszeit von dem Orte, In dem sie sich eingelebt und vielleicht«in eigenes Heim erworben hatten, in eine entfernt gelegene, ihnen nicht zusagende Gegend o e r- ziehen zu müssen. Man hatte bestimmt erwartet, daß den Vorsitzenden, wenn sie ein solches Risiko eingehen Und dazu die schwierige und mühsame Tätigkeit beim Arbeitsgericht übernehmen sollen, durch das neue Besoldungsgesetz«in Ausgleich, sei es auch nur in der Form einer bescheidenen Zulage, gewährt werden würde. Finanziell würde das be! der nur geringen Zahl Haupt- amtlicher Vorsitzender kaum ins Gewicht fallen. Während aber der Entwurf des Besoldungsgesetzes silr die Borsttzenden der in die ordentlichen Gerichte eingegliederten Landesarbeits- geeichte eine besondere Gruppe mit einer Gehaltserhöhung bis zu 2290 M. jährlich vorsieht, soll den Borsitzenden der sondergerichtlichen Arbeitsgericht« k«in«rl»l Vergünstigung zuteil werden. Bleibt es dabei, so wird sich unter den öfteren, im Arbeitsrecht erfahrenen Richtern kaum jemand dazu bereitsinden das Amt eines hauptamtlichen Vorsitzenden zu übernehmen, mit dem gegenüber seiner bisherigen Stellung für ihn nur Nachteile verknüpft sind. Die Folge wird sein, daß die Justtzverwaltui.g sich genötigt steht, die Stellen mtt jungen, weniger geeigneten Assessoren zu besetzen, denen daran gelegen ist, möglichst bald eine seste Anstellung zu er- halten. Wenn daher der Entwurf des Besoldungsgesetzes hierin nicht noch eine Aenderung ersöhrt, kann es nicht ausbleiben, daß die Arbeitsgerichte gegenüber den ordentlichen Gerichten zu solchen min- derer Güte oerkümmern. Es gilt hier, auf der Hut zu sein, damit nicht der Nutzen, den man von der mühsam erkämpften gesetzlichen Regelung für die Rechtsprechung der Arbeitsgerichte erwarten darf, aus diesem Wege völlig vereitelt wird. Schikanen in üer schlesischen Nlühleninüustrie. Die Löhne der schl esi sch e n M ü h l« n a r b e i t e r und deren Arbeitsbedingungen stehen gegenüber anderen Gebieten des Reiches weit zurück. Die Unternehmer der Mühlechndustri« be- gründen diesen. Zustand damit, daß durch den Friedens- vertrag in Schlesien weite Msatzgebiete verlorengegangen seien und der deutsch-polnische Zollkrieg hemmend auf das Geschäft einwirkt. Auch würde durch das System der Ausfuhr- pritmi« der beste Roggen den schlesischen Mühlen entzogen. Hier- bei wird wohlweislich über die Tatsache hinweggogangen, daß auch die schlesischen Mühlenbesitzer Anhänger der Hoch schütz- Zollpolitik sind und durch ihr Verhalten dazu beigetragen haben, daß die Preis« der Rohstosfe sllr dle Mühlen in unverant- wortlicher Weise hinnufgetrieben worden sind. Gegen die Arbeiterschaft gehen die Mühlenbesitzer in einer unglaublichen Welse vor. Fortgesetzt« Ent- l a s s u n g e n wegen„Betriebseinschriinknngen" sind an der Tages- ordnung, wobei es immer ein„Zufall" ist, daß organisierte Ar- bettet betroffen werden. So sind zurzeit wegen der verkappten Maßregelungen eine Unmenge Klagen bei den'Arbeits- �richten anhängig gemocht worden: in Löwenberg 3S, in ätzdorf 3, in Bernstadt'7. in Oels 13 und in Breslau 39. Di? Mühlenunternehmer glauben jedenfalls, durch diese Massen- klagen einen Beweis ihres besonderen sozialen Derstöndnisses er- bringen zu können._ Lohnforderungen der Aachener Bergarbeiter. Aachen, 29. Oktober. Die Bezirksverbände der Bergarbeiter des Aachener Steiukohlen- bergbaue» haben beim Arbeilgeberverband unter Hinweis auf die erhöhten Lebenshaltungskosten eine zwischentarisliche Lohnerhöhung beantragt. Der Tarisvertrag läuht bi» zum 31. Mai 1928. Gegen Lohnkürzung im englischen- Bergbau. Di« zur Erörterung der kritischen Lage im englischen Kohlen- distrikt Dur ha in nach Ldndon einberuscne Delegierte,,- lonserenz der britischen Bergarbeiter nahm— wie uns oäs London gemeldet wird— einstimmig ein« Entschließung an. in der schärfster Einspruch siegen den Versuch der Bergbauuniernehmer erheben wird, die bereits letzt völlig un- genügenden Lohne der Bergarbeiter noch weiter herabzusetzen. Der Distriktsoerband D u r h a m wurde er- mächtigtz die Verhandlungen lediglich aus der Grundlag« der seit dem Abbruch des Kampfes im englischen Bergbau geltenden Tarrse fortzusetzen._ Achtung,. Töpfer! Hiermit wird über die Firma Schmidt, B a u m s ch ul e n w e g, Kiefholzstraße 234, wegen Nichterfüllung der Bestimmungen des Ferienvertrages, die Sperre verhangt. Deutscher Baugewertsbund, Fachgruppe der Töpfer. Theater üer Woche. Vom»o.cktober bis 7. November 1927. BeltibStzae. am Biilowplad! 30. bi- 2. und 4. bis 7. Peer«Sunt. S. Kabale und Liebe. Theater am Schiisbau-rdammi George Tandin: Den gemütliche Kommissilr. Thalla-Theater- Der tote Kahn.- Oper am Platz »er Republit! 90., 2., 6. Toltor ffanst. 81. Carmen. 1. Tose«. 3. iZweites KI«in?erer.«0!>iert. 4., 3. geschlosse». 7. Ter fliegend« Holländer.»tddtilche Oe», Sharlollendurg: 30, Jijoolctlo. 31., 3. üonny spielt aus. 1. Fee Troubadour. 2� Erslaufsührung! Entführung aus dem Serail. 4. Alba. 3. Das �...»„....___—..«? er>i.. r.. r* i am.* otImIT. mm**«%...Tri- a f n Mariamne.'3. Peer Gynt.— Deutsche» Theater: Dorothea Äng-rmann— Nammersplele, Maya.— Die ftoniodi«: 8',i Uhr: Zinsen. 20t. Uhr: Nelson-Renuc: Die Lichter von Verlin.— Pi-cator-Duhac, Theater am Rollendorsplah: Hoppla, wir leben.— Theater i» der KönlggriNier Straße: El'stao III.—«amödienhaus: Hokuspokus.—«rohes Scha»sp:clhau«: De? Mitada.— Theater des Wcpens: Eine grau von Format,—«-milch« Oper: Alles na-III— Deutlürs k.AnNlcr-Thratctl tzc.ltl».—«uslsvl-lhallZ: Film- romantik.— Lefling�dcatcr: Schinderbannes.— Theater am Kursürsleudamm: 30.. 31. Hohensonne. Ab 1. Di« Hof». 5., 22% Uhr, S-acht- Vorstellung: Das vis! d».- Resdem-Theater: Wer ist der Baler� � Theater in der Itammandanicnstrahe: mchö»-'sehn wir ouo.— Mltr-pal lh-ale«: Vis 2.' Die Tugendprinzelli». Ab 3 Pagomn:. - Berliner Theater: Der Geister!,:«.- Rcuea Theater am gva: Dl« Hotel. ratle.- Die Tribüne: Svlel im Schloß.- xlrna.ganre.Theater: evlovan»: und «»nabella.- Walhalla. Thraler: An, Midesheimer Schloncheit eine Linde- Theater>»»dmiealspalast: Wann»nd wo. »Ä1?* 3"* 4 Ä.b?.' George Danbin: Der gcmlllllche Kommissilr. Thalia-Tdcater: 90.. 0. Der atutig« Eeckthrer.— Theater am Kursürslenbamm: 20., 80.,„., 6., 6. Hans IM Glück. — Relldenr.Theater: 30, 0. SchnecweißcheN»nd o.ofenro!.— Theater inr der Kommandantenstraße: 30., 0. Die Javanische Pvppe.— Reue» Theater am Zoo: Ä L�ft°n°nm'l» 3.. 3. Der Dornenweg.- Walh-lla-The-t..- SO 2. AsZen. brödel— Rale-Tbeater: 5., 0. Dornröschen.— Theater In der Klosterslraße: Og 30' 2 3,0 Roiläppä'en.— Schloßpark-Thcater Steglitz: 29. Rotkäppchen. 30!' Anneliese von Dessau.— Di« Kombdie, 0.: Relson-Revue: Die Lichter von Berlin Beranlworllich für Politik: Dr. Euet Grn--; Winscha«:».«lingeidöscr: Gewerkickaiioorwegung: Fr.«Nlarn! Feuillelon Gr. John«chikowsli: Lokales, und Sonstige»:?r>!> Karstadt! Anzeigen: Th. GtoSe; sümllich in Berlin. Pftlofl* Vorworls-Berlag® m b H., SJctlln. Druck: Borwärto-Buchdrucker-t und«erlagsanftalt Paul Singer» So. Berlin£48 68, Lindenstraß» 3. MASS- Anzüge, Paletots, Mäntel aus la deutschen u. engl, Stoffen von 125.- an, unter Garantie für tadellosen Sitz und Verarbeitung Auf Wunsch Zalvun-serleichterung MODENHAUS MÜLLER STR. 141 U-Bahn Seestraße MM» Tu noch nieBBM dagewesenen Preisen bringen wir Stores, Gardinen, Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten für 5.90. 7.50,».»0 M. Halbstores in allen Webearten 1.7S, 4.S0, S.SO 8.- M. Gardlnon.Rosio civei Mwhc. liinl-fmstir zum halban Preis. — Elnielverkaui von 9—7 Uhr.— WiZl'WiM'MMei! NeaköUn, Bentstr.63 2. Stock, am Rüogbababof Kein Ladcnl Holzhäuser ÄS WadiaaendhCoser- Proapckic gratis l Wald- n. WasacrparzeUen-Naditreta. Jladdatx i B er;/ in. Leioziaer Str. 122- 125, Küchen nodi zum alten Preis no x 'nridlrSüdi:„'cna" UritSia-Xäilia„tirja" tirldh-Sldun„liier 'lildintfioki. 19 cn SS« 125 M . 38* BlllllV 70 91. tlOI» tiü i 110». 48 7 (iiitellumi feiner Rhelnisier «NeZlenmSdel-Ssa, Lasersfein. Ute SiiaU S Ecke Oranienstr., nahe Moritzpiaiz Melailäctien 10" Sc!i!a{cli3iselontues24.- Pius hsoias 39 M.. RatenzaMung tfÄhl» Berlin. Pappelallee 12 dSVill Pankow, SchmHtstrl frei jeder Bohnstotton. ---- Verla gao Slr«tets Uaraolicachein der geräuschlose Patent-Hetten- Matratze jj inh Stcmpwl Original«., Bcfcma� sov/ie j Ohne Anzahlung bei fosorliaer Mitnahme der Ware. Wochen- rate I.— Marl an, erhallen Ste Etriäiacken mit Ztrimmerdesatz Iß.30 Mark. Pullover 7.50 Mark. Slrickwesten 12.30 Marl. Kinder. fullooer»nd Westen Ausweis mitbringen. ahrtvergütung beim tzauf oon l.— Mark Hugo Zalh Blumenstraßc US, o. i Tr. Ruhebe ten m. verzinkt. Befema-Fed. 1 ohne Bindfad. Für schwerste Belasl f Kein BlnlUiren. 2u Jahre Garantie Uehcrall erhältlich. | Berliner Feder-Mairatren-Fabrlk| Uerlin 0.27, Kraulstraße 4-3,