Nr. S16 4 44. �ahrgaag Ausgabe A Nr. 242 Bezugspreis: «SA-ntlich 70 Vknni«. momlMÄ 8,— äUidunwr) dotoui»oblbat, Hat et Streifbant tm In, irtib Susland 5,50 Reichsmari vro Monat. »er.ZZorwSrt� mit der wustrier» te» Sonntagsbeilage„Boa und Rri{* sowie den Beilage»„Unterbaltung und Dissen'„Aus der isilmwelt', .Frauenstimme'.Der Kinder. freund'„Iugend-VorwSrts'„Blick in die Bitchermelt' und Kultur. arbeit' erscheint wochentSglich zwei» mal. Sonntag« und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sazialtomotrat Berlin" Morgenansgabe Verliner Volksblatt Groß-BerNn 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. »uzetgeupretse: wie einsvaltta« Sionpareille. »eil« w Vfenaia. Reklame,«II« ts— R«ich«mart..M«l««»»eis«»' da» fettaedrnckt« Wort 25 Bfennfq f»uMfsta»wei iettaedruckte Wortes. Ilde» weiter« Dort 12 Bfenniq. Etellenaeiuch« das erst« Wort 15 Bfenni«, ledes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» staben»iiblen für»wei Worte. Arbeitsmarkt Keile 00 Pfennig. ssaw>llcnan»elgen für Abonnenten Keil« 40 Pfennig Aincig.uaunahm« im Hauplgeschiift. Lindniitraß» Z. wochcntäglich von S'd bis 17 Uhr. �entralorgan der Sozialdcmokratifcbcti parte» Deutfchlands Reüaktton and Verlag: öerltn EW. HS, Linüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Dienstag, den 1. November 1927 vorwärts-verlag H.m.b. h., Serltn SW. öS» Änüenftr.Z PoNIch-a-nto- Berli» 37 5»-«-»kko»-- Bank»er«rbeiter.«»«estelte» und Beamten. Walstr.»5!»istoato.Seselllchaft.»«»ositentasse Lindenftr. 3. Ungarifthe TenSenzjustiA. Ein sensationelles Berliner Protokoll: Der Kronzeuge widerrnst. Budapest. ZI. Oklober. Zu der Budapesier verhaudtung haben die verleidiger dem Straf» gerichl eine eidesstattliche Aussage des Edlmrd Rubin vorgelegt, die er lo Berlia am 17. Oklober vor einem Rolar gemacht hat, und die der Präsident des Landgerichts I Berlin beglaubigt hat. Diese Aussage muhte verlesen werden. Rubin bekundet, dah er— ein schwächlicher Schneidergeselle— durch die entsetz» lichflen tagelangen Alihhandlungen vollkommen ge» krochen wurde, so daß er schliehlich alle Bekundungen machte, die Ihm die Polizei vorschrieb. Er erklärt weiter, dah alle diese Be» kundungen falsch seien, da er lauter Dinge angeben muhte, von denen er gar nicht» gemuht hat. Die Polizisten schrieben ihm aus. was er aussagen müsse, er muhte das auswendig lernen und den anderen Angeklagten nachher ins Gesicht sagen; leugneten diese, so wurden sie so lange mihhandelt, bis auch sie die Lügenprolokolle unterfertigten. Schliehlich schickte man ihn mit einem falschen Pah aus den Namen R ö s l e r. mit 360 Pengö und mit einer Empfehlung an die ungarische Gesandtschaft in Berlin nach Deutschland. Hier hat er vom ungarischen Konsulat Unterstützungen erhalten und sollte ungarische Alüchllinge bespitzeln. Die Der» leidiger stellten den Antrag, dah gegen den verantwortlichen Polizei- rat Schweiniher wegen Mihbrauchs der Amtsgewalt. Verleitung zur falschen Zeugenaussage und Meineids vor Gericht das Strafrersahren eingeleitet we�de. Der Staatsanwalt erhob Ein» spruch gegen die Beifügung der Aussöge Rubins zu den Akten. Da» Gericht wird über all« diese Anträge am Wtfmod) entscheiden. von den angeblichen Sowseldokumenten, deren Photographien AnNagematerlal sind, ist noch zu melden, dah darin auch ein Budget der vagi-parkei eolhalten ist. dos in— Rubeln ausgestellt sein soll. (Diese llnkssozialistische Partei ist für die Anklage die Decksorm der KpU.) Die Verteidiger verweisen darauf, das).man in Moskau in Tscherwonetz oder Dollar rechne, nicht aber in Rubel und dah schon daraus die Fälschung klar hervorgehe. Es heiht in dem Bericht. dah die Vagi-Partei eine Million Flugschriften und 80 000 Plakate drucken und verleilen lieh: auch diese hohe Zahl verrät den lleber» eiser des Spitzels. Aus eine Frage des Verteidigers stellte der Vorsitzende fest, dah die Akten weder eine Unterschrist noch ein Datum tragen. Als die Angeklogten Fragen über die Fälschungen stellen wollten, entzog ihnen der Vorsitzende das Wort. Sie Universität als Kasihemme. Obwohl die Führer der Studentenschaft in Debrecztn dem Rektor ein schriftliches Versprechen gegeben hatten, daß die Ordnung nicht weiter gestört werden würde, haben sie jüdischen Studenten den Weg zu den Borlesungssälen versperrt. Ein jüdischer Student hotte lm Biologischen Institut einen Platz belegt, worauf ihm die Studenten mit Schmähungen die Tür wiesen. Cr kehrte mit dem Rektor zurück, der das gesetzliche Recht des Studenten, bei den Bor- lesungen zu erscheinen, zitierte und den Dozenten ersuchte, die Bor- lesungcn zu beginnen. Die Studentenschaft verlieh daraufhin lärmend den Saal, so daß nur der Dozent und der jüdische Hörer zurückdlieben. Letzterer mußte vom Pedell durch die Untertunne- l u n g der Universität in Sicherheit gebracht werden. Der 75. Juli uns sie Parteitaktik. Wiener Pnrteitagsdcbatte. Wien, 31. Oktober.(Eigenbericht.) In der fortgesetzten Partcitagsdebatte über die politische Lage sprach zunächst der Chefredakteur des Zentralorgans, Abg. 21 u st e r- litz. Er führte in einer Betrachtung über das Wesen der Koalition aus: Für die Sozialdemokratie kann die Koalition mit anderen Parteien ein erstrebenswerter Zustand nicht sein. Eine Koalition kommt für uns nur in Betracht, wenn die politische Notwendig- k e i t sie gebietet. Man muß sich darüber klar sein, daß Koalitionen immer eine mißliche Sache sind. Viel wichtiger als diele Frage ist für den Parteitag die Frage nach der Haltung der Arbeiter- schaft zu den politischen Ereignissen. Das Wichtigste für die Partei ist Mut, der s e l b st v e r st ä n d l i ch mit B e- sonnenheit gepaart sein muß. Wir müssen erkennen, daß der 16. ZuN nicht eine Niederlage der Partei war und daß die Partei mit ihrer Taktik seit 1920(wo sie aus der Regierung ausschied) von Sieg zu Sieg geschritten ist: man kann also dieser Taktik nicht vorwerfen, daß sie für die Arbeiterschaft schlecht gewesen wäre. Der 16. Juli war nicht ein Mißerfolg dieser Taktik, sondern ein Mißerfolg deshalb, weil man diese Taktik zum erstenmal nicht angewendet hat. Austerlist appelliert zum Schluß an die Partei, dem Bürgertum stolz, mutig und selbstbewußt ent- gegenzutreten, denn nur mit dieser Haltung werde die Partei die Massen an' sich fesseln, dem Bürgertum imponieren und überall geachtet, ja selbst bewundert sein. Die folgenden 23 Redner sprechen gegen Koalition, nur ein st e i r i s ch e r Delegierter bezeichnet als wünschenswert, daß der Bund die Proporzregierung obligatorisch einführe, was für die Landesregierungen gesetzlich vor- geschrieben ist.(D. h. Zusammensetzung der Regierung wie der Parlamentsausschüsse im zahlenmäßigen Verhältnis der verschiede- nen Fraktionen. Red. d.„B.".) In seinem Schlußwort sagte Renner: Der Zweck der De- batte war, darzulegen, daß die Arbeiterklasse einen Bürgerkrieg nicht will. Sie will einen Rechtsstaat, sie will die Abrüstung. sie will den Frieden. Wir werden sehen, welche Stellungnahme das Bürgertum und die Bürgerblockregierung dazu einnehmen wird. Bauer wandte sich im Schlußwort gegen die Proporzregiening. Ein dauernde» Proporzregieren wäre nicht nur eine Gefahr sür den Staat, der ständig eine Opposition braucht, die kontrolliert, sondern auch— und das ist für uns das Wichtigste— eine Gefahr für die Arbeiterbewegung- Die Proporzregierung nerschleiert die politischen Kämpfe, da sie sich dann nur noch am grünen Tisch abspielen, und dadurch verlieren die Massen das Jnter- esse an den politischen Vorgängen. Bauer sagt zum Schluß: Nicht, wäre falscher, als einen Gegensatz zwischen Reform und revolusionSrem Schwung zu konstruieren. All die großen Reformen, die wir durchgesetzt haben, vor allem auch die Leistungen der Gemeinde Wien, wären unmöglich gewesen ohne den revolutionären Schwung der Zlrbeiterschaft: was die Arbeiterschaft begeistert, ist ebenso wie, daß das rote Wien Häuser baut, dah diese Bolkswohnungshäuser gebaut werden durch den Willen der Arbeiterschaft. Wien, 31. Oktober.(Eigenbericht.) Eine Kommisston soll nun bis Dienstag eine Entschließung über die Politik und Taktik der Partei ausarbeiten. * Die Arbeiterbewegung und die Stadtverwaltung haben einen schweren Verlust erlitten durch den Tod des Bauarbeiterfllhrers, zu- letzt amtsführenden Stadtrats und Leiter des Bauwesens der Stadt Wien, Genossen August S i e g l, der seinem Krebsleiden erlegen ist. Sürgermeisterwahl in Harburg. Der Sozialdemokrat mit kommunistischer Hilfe gewählt. harburg-wilhclmsburg, 31. Oktober.(Eigenbericht.) Die Stadtverordnetenversammlung wählt« mit 36 gegen 13 Stimmen den Sozialdemokraten Dr. D u d e ck wieder zum Oberbürgermeister. Die KPD. stimmte trotz vorheriger ablehnender Erklärung für den Sozialdemokraten. Der Magistrat hat mit acht Sozialdemokraten und einem Demokraten ein« gesicherte republikanische Mehrheit. Nach üem radikalen Parteitag. Die Rechte macht in Katastrophenstimmung. Paris, 31. Oktober.(Eigenbericht.) Di« scharfe Linksorientierung der Radikalen Partei wird von der hiesigen Rechtspresie dazu mißbraucht, dem Ministerium Poincare den schnellen Tod und darüber hinaus den französischen Finanzen ein« baldige Katestrophe zu prophezeien. Diese Auslegung der Beschlüsse des radikalen Parte:- tages ist ein grobes Wahlmanöver und sollen die öfsent- liche Me�ung Frankreichs in einem den„Ordnungsparteien" günstigen Sinne beeinflussen. In hiesigen Linkskreisen hält man demgegenüber die Beschlüsse des radikale» Parteitages keineswegs für eine brutale Kriegserklärung an das Kabinett, wen» man auch nicht leugnet, daß das Prestige des Kabinetts und besonders der dem Kabinett angehörenden radikalen Minister eine starke Ein- büße erlitten hat. Di« Radikale Partei hat— so versichert man— durch ihr« Beschlüsse unzweideutig zu erkennen gegeben, dah sie das pvlitische Experiment der„nationalen Einheit", das bisher nur der Reaktion diente, nicht über die nächsten Wahlen hinaus zu verlängern gedenkt und auf eine feste L I n t s m c h r h« i t in engem Anschluß an die Sozialisten hinarbeitet Eine bürgerlich-demokratische Internationale. Paris. 31. Oktober.(Eigenbericht.) Im Anschluß an den Radikal-Sozialistifchen Kongreß ist am Montag in Paris ein internationaler Kongreß der radikalen Parteien und der ihnen nahestehenden demokrati- schen P a r t e t e n Europas eröffnet worden. Etwa 60 Delegierte waren anwesend. Bon deutscher Seite waren u. a. erschienen die Abgeordneten Haas, Erkelenz, Frau Lüders und Bergsträßer. Konjunktur und Reichsfinanzen. Kritische Bemerkungen zur Wirtschaftsdebatte. Der Haushaitsausschuß des Reichstages hat sich in einer dreitägigen Debatte mit der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftslage beschäftigt. Selbst wenn man von dem Ergebnis der Debatte absieht, so mutz man sie als erfreulich anerkennen. Sie diente der Klärung der Aus- Wirkung der Besoldungsreform, über deren System und Aus- gabenhöhe bislang keine Uebereinstimmung besteht. Damit hat der Reichstag zum erstenmal in der neueren Zeit an- erkannt, datz große Gesetzesreformen nicht für sich allein betrachtet werden dürfen, daß ein innerer Zusammenhang zwischen Ausgaben und Einnahmen besteht, und daß infolge- dessen vor der Entscheidung über eine Einzelmoßnahme ihre gesamtpolitische Wirkung ernsthaft geklärt sein muß. Das gilt in erster Linie von den finanzpolitischen Auswirkungen. Der Reichsfinanzminister Dr. K ä h l e r hat in seiner großen Rede eine überaus optimistische Dan stellung der Finanzlage des Jahres 1927 und des Jahres 1928 gegeben. Er folgerte daraus, das Reich habe die Mittel zur Besoldungserhöhung, es liege deshalb kein Anlaß zu Ab- strichen an der Regierungsvorlage vor. Man kann Verstand- nis für diese Auffassung haben, wenn man nur daran denkt, daß der Reichsfinanzminister damit sein jüngstes Kind ver- teidigen will. Aber dieser Standpunkt ist kurzsichtig und wird von denen nicht geteilt werden können, die auch an die Zu- kunft denken und die die Stabilisierung des Reichsetats unter allen Umständen gesichert wissen wollen. Denn schließlich gibt es für das deutsche Volk kein größeres Unglück als eine Defizitwirtschaft, wie sie Krieg und Inflation beschert haben. Nach den Angaben Dr. Köhlers wird der Etat 1927 mit einem Ueberfchuß von etwa ZOO Millionen Mark ab- schließen. Selbst, wenn man diese Angabe für richtig hält, so darf man in ihr doch nicht den Beweis für eine gute Finanzpolitik erblicken, wie das Dr. Köhler getan hat. Dieser Ueberfchuß wird nicht nur durch die un- verhoffte Erhöhung der Steuereinnahmen erzielt, sondern ebensosehr durch die Heranziehung der letzten Reserven vergangener Jahre. Scheidet man diese Reser- ven(Ueberfchuß des Jahres 1926, Betriebsmittelfonds, Münz- gewinn) mit mehr als<669 Millionen aus, so kommt man zu der Feststellung, dah selbst im Ordentlichen Etat des Jahres 1927 dieAusgabennichtvolldurchordentliche. dauernd wiederkehrende Einnahmen ge- deckt find. Die Ursachen dafür bestehen in der unvoll- kommenen Regelung des provisorischen Fmanzausgleichs, die für das Reich sehr kostspielig wurde, weil man sowohl Liebes- gaben an Bayern austeilte(Biersteuer) als auch Liebesgaben an die Unternehmer(Senkung der Realsteuern), so daß das Reich überaus stark belastet wurde. Noch ungünstiger sehen wir die Entwicklung des Etats f ü r 1 9 2 8. Dr. Köhler rechnet mit einem Mehrertrag der Reichssteuern von 3l)l) Millionen. Bei günstiger Wirtschafts- läge kann diese Annahme in Erfüllung gehen. Aber auch dann hängt alles von der Entwicklung der Ausgaben ab. In welchem Umfang die von Dr. Köhler angekündigte Senkung der Ausgaben eintreten wird, läßt sich nicht nachprüfen, da Einzelheiten darüber erst beim Etat festgestellt werden können. Es fehlen aber in der Rechnung Köhlers jegliche Ausgaben für die L i q u i d a t i o n s g e s ch ä d i g t e n, für Kleinrentner und sonstige Nachkriegsfolgen. Es fehlt ferner jede Ausgabe für die Ausführung des R e i ch s s ch u l- g e s e tz c s. Daß es Mehrkosten verursachen wird, kann kein ernsthafter Politiker bestreiten. Daher ist es ganz gleichgültig, welche Höhe sie erreichen werden und es ist für einen Finanz- minister völlig abwegig, einfach die Augen vor dieser Tatsache zu verschließen. Mit billigen Witzen läßt sich dieses ernste Bedenken nicht beseitigen. Zu alledem tritt hinzu, daß der Außerordentliche Etat selbst bei vorsichtigster Schätzung einen Fehlbedarf von 490 bis 599 Millionen auf- weist, für den keine Deckung vorhanden ist. Denn Herr Dr. Köhler will genau, wie im Etat 1927, so auch im Jahre 1928 einen etwaigen Ueberfchuß des Ordentlichen Etats nicht zur Deckung des Fehlbetrages des Außerordentlichen Etats verwenden, wie das die Reichshaushaltsordnung vorschreibt, sondern in den neuen Etat einstellen. Wenn wir diese kritischen Ausstellungen machen, so wollen wir damit nicht zum Ausdruck bringen, daß wir die Lage für hoffnungslos hallen. Im Gegenteil. Wir sind immer davon überzeugt gewesen, daß die deutsche Wirt- schaft leistungsfähiger ist als die deutschen Unternehmer sie aus antisozialer Gesinnung heraus geschildert haben. Aber wir sehen eine Gefahr darin, daß wir uns die Heber- gangsjahre 1927/28 leichter zu machen s u ch e n, als sie in Wirtlichkeit sind, und'dadurch für das Jahr 1929 und die späteren Jahre Schwierigkeiten hervor- rufen, denen wir bei anderer Politik hätten ausweichen können. Dr. Köhler hat als einmütige Meinung der Reichs- regierung verkündet,„es gelte, da« londoner Abkommen mit allen Kräften loyal auch unter Opfern zu erfüllen". Es ist erfreulich, das zu hören, da es die deutschnationale Agitation gegen den Dawes-Plan als demagogisch enthüllt. Aber es muß auch in der praktischen Politik nach diesem Grundsatz gehandelt werden. Der Optimismus von Dr. Köhler wird durch den des Reichswirtschaftsministers Dr. C u r t i u s noch übertroffen. Er glaubt, daß die innere K a u f t r a f t sich auch in der nächsten Zeit noch steigern wiird und er trat nachdrücklchst dafür ein, daß wir die ausländische Kapitalzufuhr erleichtern. Im Gegensatz zu maßgebenden Führern der deutschen In- dustrie hält er die Auslandsverschuldung der Privat- Wirtschaft weder für groß noch bedenklich. Sie betrage etwa zwei Milliarden und sei gegenüber dem Eigen- vermögen der deutschen Industrie in chöhc von 34.2 Mil- lfarden verhältnismäßig sehr gering. Auch die öffentliche Verschuldung sei nicht übermäßig groß und vollkommen durch die Steuerkraft der deutschen Bevölkerung gedeckt. Curtius sprach sich deshalb für die Aufnahme weiterer Auslandsanleihen für produktive Zwecke aus und beseitigte damit ein Bedenken gegenüber der Wirtschafts- Politik der Reichsregierung. Weniger befriedigend waren die Darlegungen von Dr. Curtius über die Preisentwicklung, die er nicht für übersteigert hält. Ueber die Zoll- und Kartellpolitik sowie über die Lohnpolitik schwieg er sich vollkommen aus. Das aber ist bedenklich. So wichtig es auch ist, daß durch eine gute Konjunktur die Masse des deutschen Volkes Arbeit und Einkommen hat, so wenig darf man die Sorge um ein ausreichendes Einkommen hintanstellen. Trotz aller Lohnerhöhungen der letzten Zeit aber bleibt die Tatsache bestehen, daß die reale Kaufkraft nur wenig g e st i e g e n ist und die Masse des Volkes nach wie vor unter unzulänglichen Extstenzverhältnissen lebt. Die dauernde Blüte der deutschen Wirtschaft setzt eine wirksame Steigerung der Lebenshaltung des gesamten Volkes voraus. Die Darlegungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht suchten mit großer Geschicklichkeit den Gegensatz zu vertuschen, der zwischen ihm und dem Reichswirtschafts- minister bisher bestanden hgt, insbesondere bezüglich der Frage der Auslandsanleihen. Herr Dr. Schacht beherrscht die Kunst, Worte immer mehr zum Verbergen als zur Kkar- legung sener Gedanken zu benutzen. Daher sehen wir trotz alledem keine Sicherheit, daß die einseitige Benachteiligung von produktiven Anleihen der öffentlichen Körperschaften, insbesondere der Gemeinden, aufgegeben wird. Vor allem ober ist in der ganzen Debatte kein Wort über die F i n a n- zierung des WohnungsbausdurchAuslands- a n l e i h e n gesagt worden. Von der Förderung des Woh- nungsbaus aber hängt die Aufrechterhaltung der gegen- wärtigen Konjunktur in hohem Matze ab. Ohne Auslands- geld muß der Wohnungsbau aber eingeschränkt werden und zu den Gefahren für die Konjunktur treten dann die sozialen Gefahren, die mit der Aufrechterhaltung des heutigen Woh- nungselends verbunden sind. Es wäre unverantwortlich, wenn man solche Gefahren nur aus einer gemeindefetndlichen Auffassung heraus be- schwören würde. Daß diese Feindlichkeit vorhanden ist, daran kann man nicht zweifeln. Herr Dr. Schacht hat nach dem Finanzkontrolleur gegenüber den Selbstoerwal- tungskürperschaften gerufen. Und wenn gleichzeitig vom Hanfabund derselbe Ruf ausgestoßen wird, so darf man darin mehr als ein Symptom erblicken. Es drohen ernste Gefahren. Daher begrüßen wir es, daß Herr Dr. K ö h- l e r sich gegen„faschistische" Finanzmethoden gewandt hat, da auch mit demokratischen Methoden eine gesunde Finanz- poltik zu erreichen sein. Wir sind der gleichen Meinung und werden alles bekämpfen, was das Budgetrecht der parlamen- tarischen Körperschaften einzuschränken versucht. Dieser unterirdische Kampf gegen die Auswirkungen des Napoleon an seine lieben Serliner Von Hermann Hieber. Diesmal war Er nicht wie Anno 1806 zu Pferde gekommen und an der Spitze wilder Krieger, sondern aus der Luft. Nur die Berliner scheinen sich gleich geblieben zu sein. Hatten sie Ihn damals unterwürfig empfangen, so kannte ihre Begeisterung diesmal bei der Wiederkunft— es gibt doch wohl so etwas wie Seelen- Wanderung?— überhaupt keine Grenzen mehr. Und— o schöner Tag!— seinen bewunderten Fridericus konnte er diesmal nicht nur in» Sarge besuchen, sondern lebendig und höchst„gebührlich". Diese Monarchenbegegnung soll geradezu erschütternd gewesen sein. Ein kleiner Lichtblick für alle, die die herrlichen alten Zeiten nicht ver- schmerzen können, in denen die Domelas noch legitim waren. Die Worte, mit denen der Erhabene sich von seinen Berlinern verabschiedet hat, dürfen der Nachwell nicht verloren gehen. Die „Ufa", an deren Vertreter sie gerichtet waren, hat sie in ihrem „Pressedienst" sestgehallen. „Die Premiere eines Films, eines französischen Films," so begann Er,„ist ein grußes Ereignis." Zweifellos— ansonsten hätte sich Gustav Stresemann, dessen Zeit so ungeheuer kostbor ist, nicht dazu eingefunden. „Kurz hinter Hannooer war ich eingeschlasen." Das soll selbst Göttern zuweilen passieren.„Ein Lärm weckte Mich. War es ein Traum, ein ganz wunderbarer Traum, der begann?" Ms wennste träumst!„1000 Meter unter uns breitete sich eine Riesenstadt aus. Ich erkannte die Spree, die ich aus den Liedern unserer Dichter kannte." Es gibt bekanntlich keinen französischen Lyriker, der nicht begeisterte Lobgesänge auf diese Spree angestimmt hätte.„Berlin. ungeheuer groß, herrlich und großartig!" Da habt ihrs nu;„Berlin sehen und sterben! Ich kam, sah und siegte:„Trog der hereinbrechenden Nacht... begriff Ich, daß die Sympathie einer ganzen Stadt mir entgegenkam. Nicht zu mir. Albert Dieudonn«. sondern zu dem Franzosen, der ich bin, und der in Ihren Kinos unseren größten Nationalhelden verkörpern sollte: Napoleon." Die„Deutsche Zeitung" wird sich freuen, wenn sie das mll der„Sympathie für den französischen Nationalhelden" liest. Das eröffnet Perspektiven: jedes Bolk wird uns im Film seinen„Nationalhelden" vorreiten, von den Eskimos bis zu den Botokudcn! Und für jeden werden wir dieselbe„Sym- pathie" aufbringen wie für den französischen, ja für unseren könig- lich preußischen, den Alten Fritzen— nämlich gar keine! Welche Folgerungen zieht denn nun unser Filmnapoleon aus der angeblichen deutschen„Sympathie" für Nationalhelden?„Ich will es den Skeptikern sagen, und Ungläubigen, die es als ihre Profession betrachten oder Interesse daran haben, uns zu t r e n n e n, Ich sage Ihnen, daß"— jetzt wird er's ihnen aber geben, den All- deutschen, den Boches—„daß während 2 Stunden 20 Minuten 2000 Deutsche ihre» Beifall einem Film, her Rappleons Schicksal allgemeinen und gleichen Wahlrechts findet in der Sozialdemo- kratie den entschlossensten Widerstand. Von den Kommuni st en wird die Haltung der Sozialdemokraten im Haushaltsausschuß des Reichstages als eine..Solidarisierung mit der Wirtschaftspolitik des Bürger- blocks" bezeichnet. Oh, diese kleinen Geister! In Wirklichkeit hat die Sozialdemokratie mit ihrer ganzen Kraft eine künst- liche Erschütterung der Konjunktur bekämpft. Und das ist an dieser Stelle das Entscheidende. Eine günstige Konjunktur verschafft nicht nur Millionen Menschen Beschäftigung, sie stärkt gleichzeitig ihre Kraft in dem sozialen Kampf der Klassen. Dieser Kampf aber, daß sollten doch auch jetzt end- lich Kommunisten begriffen haben, wird nicht allein im Parla- ment ausgefochten. Bei den Kämpfen draußen aber ist eine günstige Konjunktur nicht nur ein guter Bundesgenosse, sondern die Voraussetzung für erfolgreiche Kämpfe um Erhöhung des Lohnes und Ber- kürzung der Arbeitszeit. Preußen und die ffohenzollern. Sic wollen nur schlucken, nicht zahlen.— Ein neuer Konflikt. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" erfährt, haben sich zwischen dem preußischen Staat und dem ehemaligen Königshaus bei der Abwicklung des Auseinandersetzungs- Vertrages Differenzen ergeben, die wahrscheinlich nur schiebzgericht- lich gelöst werden können, nachdem schriftliche Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis geführt haben. Im Jahre 1918 wurde das zum preußischen Kronfideikommiß gehörige Vermögen mit Beschlag belegt und die Verwaltung dem preußischen Finanzmini st erium übertragen. Zu den Kosten der Berwaltung gehörten einmal die Steuern, die an das Reich abgeführt wurden. Ferner wurden bekanntlich laufende Zuschüsse für den Unterhalt des Königshauses ob- geführt, die sich auf 1 650 000 M. belaufen haben. Dazu kamen noch einmalig« Zuschüsse aus besonder« Aufforderung von rund 43 000 M. Mehrfach sah sich die Hoskammer, um«in Defizit in ihrem Haushalt zu decken, genötigt, Kredit« auszunehmen, die das Hofkammergut mit 750 000 M. belasteten. Bon dem der Generalstabsoerwaltung Überwieseiren Gesamtbetrage von 1 650 000 Mark wurden mithin nur 900 000 M. durch reale Einkünfte der Hofoerwaltung gedeckt. Dem Rest von 750 000 M. standen Passiva derselben Höhe gegenüber. Nach dem Auseinandersetzungsvertrag von 1925/26 verblieb dem Staat etwa die Hälfte des Hofkammergutes, dem vormaligen Königshaus ebenfalls die Hälfte. Infolgedessen konnte der preußische Staat geltend machen, daß die Steuern von den Liegenschaften, welche nach dem Auseinandersetzungsvertrag von jeher als dem Staate gehörig erklärt worden sind, ohne recht- lichen Grund gezahlt worden seien und daher zurück- gefordert werden könnten. Ferner: die zum Unteihalt der Mit- glieder der ehemals königlichen Familie gezahlten Zuschüsse seien, wenn davon ausgegangen werde, daß ungefähr die Hälft« des Hofkammerbesitzes von jeher dem Staat gehört habe, zur Hälfte gleichfalls ohne rechtlichen Grund gewährt worden und daher zur Hälfte vom ehemaligen Königshaus« dem Staat zu erstatten. Dabei blieb denn die Frag« offen, ob der Staat— ohne Anerkennung einer rechtlichen Verpflichtung— auch an den Schulden der Hofkammer zur Halste beteiligt wovden wäre. Der Staat hat im Laufe der Verhandlungen dem ehemaligen Königshaus die Möglichkeit eröffnet, daß 1. von der Rückzahlung der Zuschüsse ganz abzusehen sei, 2. die Schulden in voller Höhe vom vormastgeu Sönigshause allein zu tragen seien. Z. eine Rückforderung van Steuern vom Reiche nicht in Frage komme. Di« Generalverwallung des ehemaligen Königshauses hat trotz- dem auf die Rückforderung von Steuern bei dem zuständigen und Leben verkündet, gespendet haben.. Weiter'"rst Du, großer Held, den„Skeptikern" nichts zu verkünden?! O doch:„Dieser Film, den Sie die Kühnheit hatten, jetzt vor- zuführen, wird den Handelsinteressen unserer beiden Län- der dienen." Das durfte nicht kommen, das nicht! Ein National- Held spricht nicht von„Handelsinteressen", für den gibt es nur „Heiligste Güter der Nation". Es ist ja schließlich dasselbe, nur— man sagt es nicht! Weiter:„Die Geschichte, deren winzige In- strumente wir sind(warum denn so bescheiden?), fordert, daß in jedem Jahrhundert unsere Rassen sich gegenübertreten und dem er- staunten Universum einen Anblick von Schrecken und Ruhm bieten. denn unser unsterbliches Schicksal will es, daß wir im Kriege Feinde sind. Beweisen wir ihm, daß wir im Frieden Alliierte sein können." Sprachs und verschwand in den Wolken wie der Prophet Elias. Im Frieden machen wir ganz gern Geschäste miteinander. Das schließt aber gar nicht aus, daß wir bei der nächsten Gelegenheit getreu den„Forderungen der Geschichte" wieder übereinander her- fallen und„dem erstaunten Universum einen Anblick von Schrecken und Ruhm bieten". Sie, Herr Dieudonne, dessen Name schon eine Fälschung ist— Gott hat sie uns bestimmt nicht gegeben—, bieten uns mit Ihren abgedroschenen Kapitalistenphrasen höchstens„einen Anblick des Ekels". Der Deutsche Hugo Sttnnes, der Ihren französischen Nationalfilm finanziert hat— so erzfranzösisch ist dieser Film—. hätte wortwörtlich dasselbe sagen können. Gleiche Brüder, gleiche Kappen... Professor Leonard Relson. Der Professor der Philosophie an der Universität Göttingeu Leonard Nelson, ist fünfundoierzig- jährig gestorben. Er gehörte zur Friesschen Schule der Käntischen Philosophie Mit dem Versuch, die lebendige politische Demokratie und das Führerproblem mit philosophischen Kategorien zu erfassen, geriet er auf absonderliche Irrwege. Als er seinen„Internationalen Iugendbund" gründete, der auf diesen Anschauungen fußte, nöttgte er die Sozialdemokratische Partei, ihre Stellung ihm und seiner Gründung gegenüber scharf zu präzisieren. Nelson war abstrakter Philosoph, wesentlich ethssch und psychologisch orientiert. Es ist verständlich, daß er gerade als Cthikcr den Weg zur Politik suchte. Aber sein wie immer gearteter Sozialismus hotte kein Verständnis für Marx, so wen'g wie sein Vorbild Fries für Hegel, und das Unterfangen, quasi mit einem philosophischen Seminar praktische Uebungen in der Politik zu veranstalten, mußte notgedrungen fehl- schlagen. Nelsons philosophische Bedeutung bestand darin, daß er die mehr psychologische Richtung Fries innerhalb des Kantianis- mus wieder betonte und entwickelte. Seine eigenen Beitröge zum Erkenntnispreblem und zur Kritik der praktischen Vernunft sichern ihm fortwirkende Bedeutung. Das große Schauspielhaus gibt jetzt auch Nachmittagsvorstel- lungen. Die erste bot„N e i d t h a r d t' o o n G n e i s e n a u" von Wolsgang Götz. Der große Ersolg, den das Stück im„Deutschen Theater" erzielte, blieb ihm auch an der neuen Ställe, die für Finanzamt nicht verzichtet, obwohl die Steuern höchstens an den preußischen Staat zurückgestellt werden können, nie aber an das vor- malige Königshaus. Infolgedessen wird der Staat jetzt an seiner. grundsätzlichen Forderung festhalten müssen, Vermögenssteuer in höhe von etwa Z40 000 VI. und Zuschüsse in Höhe von 471 500 M. zurückzufordern._ Mißtrauen im Zentrum. Die Wähler dürfe» nichts erfahre«. Köln. 31. Oktober.(Eigenbericht.) Di«.Rheinische Zeitung" vom Montag meldet:„Die Tatsache, daß der„Soz. Pressedienst" einen Bericht aus der Reichstagsfraktion des Zentrums veröffenttichen tonnte, hat in der Zentrumsfraktion große Bestürzung hervorgerufen. Man hat die Reichstagsabgeordneten, soweit sie erreichbar waren, durch Unterschrift stchehrenwörtlichverpslichtenlasscn, daß keiner von ihnen den„Soz. Pressedienst" informiert habe. Es waren jedoch nur etwa 40 Abgeordnete für die Unterschrift verfügbar. Ob man auch die restlichen 30 Abgeordneten zwingen wird, ein solches Schriftstück zu unterzeichnen, steht noch dahin. Gilt dieses Ehrenwort übrigens— so fragt die„Rheinische Zeitung"— nur für die vergangenen Sitzungen oder auch für alle kommenden? Wie tief muß das Mißtraum gegeneinander in der Zentrumsfroktton schon eingerissm sein, wmn man zu solchen Mitteln greift." Sewersdorff. In einer Kleinen Anfrage im Landtag wurde auf schwere Bor- würfe Bezug genommen, die in der Zettschrist„Die Justiz", Heft 2. vom Dezember 1925 unter der Ueberschrift„Der Rothard- Prozeß"(Prozeß wegen Beleidigung des Reichspräsidenten E b e r t) gegen den Landgerichtsdirektor Bewersdorff er- hoben warm. Es wurde gefragt, mit welchem Ergebnis diese Bor- würfe in dem Disziplinarverfahren gegen ihn nachgeprüft worden sind, und ob noch Belechigungsprozesse aus dem Rothard-Prozeß schweben. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Iustizministers entnimmt, sind die in der genannten Zeitschrift er- hobenen Vorwürfe in dem Disziplinarverfahren gegen Bewersdorff nachgeprüft worden. Das rechtskräftige Urtell des Diszipiinargerichts kommt nach Erörterung der einzelnen, Bswer«- dorff zur Last gelegtm Punkte zu dem Ergebnis,„es lieg« auch nicht der geringste Anlaß dafür vor", daß Bewersdorjj als Richter in dem Rothard-Zrozeß durch politische Voreingenommenheit gegen den Reichspräsidenten E b e r t auch nur irgendwie beeinflußt gewesen wäre". Nach den Urteilssestftellungen sind ine dem Landgerichts- direktor Bewersdorff zum Beweise serner Voreingenommenheit gegen den Reichspräsidenten Ebert gemachten Einzeloorwürfe tatsächlich unbegründet. Bewersdorff ist lediglich wegen einer Aeußerung aus dem Jahre 1921, von der das Disziplinarurteil fest- stellt, daß sie mit dem erst 1924 verhandellen Rothard-Prozeß„in keinem Zusammenhang" stehe, zu einer Warnung ver- urteilt. Im übrigen ist er freigesprochen. Die aus dem Rothard-Prozeß erwachsenden Deleidigungs- Prozesse haben durch gütliche Verständigung zwischen den Be- teiligten ohne Hauptverfahren ihre Erledigung gefunden. 3m Westen Deutschlands werden in allernächster Zeit ein« Reihe von Eingemeindungen vollzogen werden. Die sich mit dieser Frage beschäftigenden und insbesondere Dortmund und Gel s e n k i r ch e n betreffenden Gesetzentwürfe stehen kurz vor ihrer Fertiggstellung. Sie werden berests in kürzester Frist vom preu ßischen Innenminister dem Staatsrat und dem Preußischen Land tag zugelettet werden. f Die Ernennung de» neuen finnischen Gesandten, unseres Ge- nossen W u o l i j o k i(für Berlin und Wien) ist erfolgt. manche Szenen noch den geeigneteren größeren Rahmen hat. Vor ollem prägte sich wieder Werner K r a u ß als Gneisenau mächtig ein. Er weiß diesen zwiespältigen Charakter mit Rembrandtschem Helldunkel zu umgeben. Aber auch neue Mitwirkende, vor allem Heinrich Marlow als fcharfumrifsener Scharnhorst(Todesszene!) Hermann peelwars als Blücher, Paul Günther als Friedrick rhelm IV. gaben gut« Charakterisierungen. Enthüllung des List-Denkmals. In Leipzig ist ein F r i e d r i ch- L i st- Denkmal feierlich enthüllt worden. Das Denk- mal ist kombiniert mit dem für Friedrich Hartort, dem Begründer der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt und ersten Direktor der von List propagierten und nach seinen Ülnregungen erbauten ersten großen deutschen Eisenbahnlinie Leipzig— Dresden � Seine künstlerische Gestaltung erhielt das Denkmal durch den Bildhauer Prof. Lehnert in Leipzig. Es zeigt links auf hohem Sockel die Büste Friedrich Lifts, rechts die Büste Harkorts und in einem gegen den Boden erhöht angelegten Bogengang in Bronzerelief ein Bild, wie Friedrich List im Kreise der Leipziger Kaufleute seine sächsischen und deutschen Eisenbahnpläne vorträgt, und auf der anderen Seite den Empfang der sächsischen Königssamilie bei der Eröffnung der Eisenbahn Leipzig— Dresden am 8. April 1839 in Leipzig. Das Denkmal steht in den Promenadenanlagen mit der Front nach der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Dschingis Ehans Grab. Nachrichten aus London bringen die sensationelle Nachricht, daß der russische Archäologe Professor Kos- low mit Hilfe eines mongolischen Häuptlings die Grabstätte des sagenhaften großen mongolischen Eroberers Dschingis Chan auf- gefunden habe. Das Grab soll in der Nähe der Ruinen der Stadt Karahoto, der„Toten Stadt", gefunden worden sein, die in den letzten Iahren schon mehrfach von sich reden machte. E» soll sich im Inneren eines Berges befinden, in de»«in mousoleumartiqer Raum von 12 Kubikmeter Größe eingehauen ist. der den von einer großen gelben seidenen Fahne umhüllten silbernen Sarg enthält. Weiter soll der Mausoleumsraum eine Büste Dschingis Ehans ent- halten, ferner seinen vom Eroberungszug aus Indien mitgebrach- ten Thronsessel und in einem Vorraum sollen ein Tiger, ein Löwe und ein Pserd in natürlicher Größe, aus Jade geschnitten, als Wächter aufgestellt sein. So phantastisch diese Darstellung an sich klingt, so hätte man doch nicht ohne weiteres dos Recht, sie als un- glaubwürdig abzulebnen, wenn man etwa bedenkt, welch fabelbalte Schätze aus dem Grabe Tutenkammons ans Licht befördert iind. Was diese Nachrichten aber ohne weiteres Lügen straft, ist die Tat- fache, daß der Bericht außerdem noch davon spricht, daß sieben Priester das Grab bewachen, daß alle sieben Stunden eine über dem Sarkophag aufgehängte Totenglocke geläutet wird, an dem alle diejenigen Mongolenbäuptlinge teilzunehmen pfleaen, die Nach- kommen der Vasallen des Eroberers find. Dies« Ausschmückung de» Berichtes verrät, daß sein Urheber ein mit den in Frage kam- menden Verhältnissen auch nicht im geringsten oertrauter Sen- sationsmacher ist, und daß man ernsthaft zweifeln muß. ob hinter der ganzen Angelegenheit auch nur eine Spur von Tatsachen steht. Ali» hmden» Rachlaß. Tas ledte Buch Maximilian Haidens, betitelt . Von VeriatlleS nach Versailles" Ist bereits im Druck und wird noch im November im Avalun-Vertag. Hellerau. erscheinen. Der btS zuletzt emsige Haiden hatte übrigen» beabsichtigt,»Die Zutuns!' aus» nau herauszugeben. 9er Äberalismus gegen Todesstrafe. Im Norddeutschen Reichstag 1870.— Glänzende Argümente der Liberalen für die Abschaffung. So erbittert wie in diesen Tagen um die Todesstrafe gerungen wird, so erbittert kämpften Reaktion und Fortschritt im Reichstag des Norddeutschen Bundes, als er über das heute noch geltende Strafgesetzbuch beriet. Damals, im Fe- bruar und März 1870, war die Mehrheit der Volts- Vertretung gegen die Todesstrafe. Ihr aber standen die „Verbündeten Regierungen" gegenüber, die die ganze Vor- läge zum Scheitern zu bringen drohten, wenn die Todes- strafe fiele. Der Bundeskanzler Graf von Bismarck- Schönhausen hielt an ihr fest; wer sie abschaffen wollte, der schien ihm von der„kränklichen Sentimentalität der Zeit" be- fallen. Am 28. Februar, in der 2. Beratung fand die entschei- dende Abstimmung statt. Nur 81 Stimmen waren für, da- gegen 118 Stimmen gegen die Todesstrafe. Unter den Gegnern der Todesstrafe finden wir nicht nur die Sozialisten chasenclever und v. Schweitzer, die glänzendsten Namen des liberalen Bürgertums waren sich in der Gegnerschaft gegen die Todesstrafe einig: Bennigsen und L a s k e r, die Gründer und Führer der National- liberalen, haben gegen sie gestimmt: Eduard S i m s o n war ihr Gegner so gut wie E u g e n R i ch t e r, der National- ökonom v. T h ü n e n wie der Historiker v. S y b e l und der Staatsrechtler H ä n e l. Die Debatte brachte viele Argumente, mit denen heute noch gerungen wird. Sie stand auf einem hohen Niveau und die glänzendsten Namen der damaligen Kriminalistik und Politik des Bürgertums eiferten, die Barbarei des staat- lich legalisierten Mordens zu beseitigen. Wir können nur aus zwei der Reden der 2. Lesung einige Stellen anführen: Abg. Dr. Schwarze(Mitglied der Deutschen Reichspartei. Jurist, Vorkampfer gegen die Todesstrafe in Sachsen): Allein, meine Herren, es ist tatsächlich erwiesen, daß diese Furcht der Verbrecher vor der Todesstrafe gar nicht besieht. Ein sehr gefeierter französischer Jurist, Faustin H ä l I e, hat sehr richtig gesagt: wer ein Verbrechen begeht, glaubt, daß ernichtentdeckt wird: wer entdeckt worden ist und in Untersuchung gezogen wird, der glaubt nicht, daß er verurteilt wird, und der Verurteilt« hofft, daß er begnadigt wird; daß mithin die Strafandrohung in keinem dieser Stadien eine vow kommene Wirksamkeit auszuüben vermocht hat. Glauben Sie denn, daß z. B. jemand einen anderen, den er beerben will, vergiften würde, wenn ihm die Gewißheit entgegenstünde, daß er zeillebens im Zuchthaus detiniert werden würde? Glauben Sie denn, daß jemand einen anderen berauben.und ermorden würde, wenn er sich nicht einbildete, eine Gewißheit dafür zu haben, daß er die Früchte seines Raubes auch genießen könnte? Sagen Sie ihm doch, daß es gewiß ist, daß er zeitlebens im Zuchthause ein- gesperrt wird, und ich bin fest überzeugt: er wird die Tat nicht verüben. Di« Todesstrafe ist es überhaupt nicht, ich möchte sagen: überhaupt die Strafe ist es nicht, die dos Ansehen der Justiz und damit auch des Staates aufrechterhält und beziehungsweise durch dos Nichteintreffen der Strafe schädigt. Es liegt nach meiner Erfahrung her Schwerpunkt ganz wo anders: er liegt darin, daß der Urheber eine» schweren verbreche«, nicht entdeckt wird. Wenn ein schweres Verbrechen verübt worden, wenn es auch gerade nicht«in Mord ist, nehmen Sie einen schweren Raub, so wird die ganze Umgegend des Orts, woselbst das Verbrechen verübt worden ist, in ihrer Rechtsficherheitgestört und beunruhigt werden. und die Ruhe und der Frieden werden nicht eher in die Gemüter wieder zurückkehren, als bis es den Anstrengungen der Polizei und den übrigen Behörden gelungen ist, den Täter zu ermittaln und den Gerichten zur Verantwortung zu überliefern. Das ist das, was das Zlnsehen der Behörden und des Gesetzes unterstützt und auf- rechterhält, und deshalb, glaub« ich, liegt der Schwerpunkt der Frage ganz wo anders, als wohin er in der Regel hingelegt wird. Nehmen Sie aber solche Fälle, in denen jemand von blindem Haß oder von blinder Rachgier so getrieben wird, daß er alles opfert, um nur den Gegenstand seiner Leidenschast zu vernichten, dem selbst das eigene Leben feil ist, wenn er nur den Gegner vernichtet, ja, meine Herren, den schrecken Sie auch mli der Todesstrafe nicht. ebensowenig wie mit einer anderen Strafe. Ich möchte statt vieler Falle Ihnen nur einen aus meiner eigenen Erfahrung vorführen, wo mir ein Mörder, als ich ihm den Vorhalt machte, daß erst vor ganz kurzem ein Mörder entdeckt und hingerichtet worden war, und ich ihm vorhielt, daß es doch ein warnendes Beispiel für ihn hätte sein müssen, die Antwort gab:„Ich glaubte doch nicht, daß ich es so dumm machen würde wie jener."(Hört, hört!« Abg. Lasker: Als ich vor wenigen Iahren die Abschaffung der Schuld- Haft zuerst angeregt habe, entschied sich eine große Mehrheit da- gegen, und es wurde von vielen Seiten vorgeschützt, daß das Dolksbewußtsein dafür nicht gewonnen sei. Als wir mit großer Mehrheit in diesem Hause die Abschaffung der Schuldhaft votiert haben, da kann ich Zeugnis dafür ablegen, daß das, was man oberslächlicherweije Volksbewußtsein nennt, gegen uns gewesen ist, und man warf uns ziemlich allgemein vor: ihr habt jetzt dem bös- willigen Schuldner das Nichtzahlen erleichtert. Aber einige Wochen oder einige Monate war die Schuldhast abgeschafft, und bei der überwiegenden Mehrzahl des Voltes war kein Gedanke mehr an die Schuldhaft. Man denkt nicht mehr daran, daß die persönliche Freiheit soll ausgehoben werden dürfen für eine Geldschuld. Schaffen Sie die Todesstrafe ab, ich lebe der festen lloberzeugung, daß dann dq? Volksbewußtsein in gleicher Schnell« sich läutern wird. Wir eben stehen dafür ein. daß bald nach der Abschaffung der Todes- strafe das geläuterte Volksbewußtsein zum Vorschein kommen wird, aber muten Sie nicht zu, daß die Menge de» Volkes, während die Zastitntion noch besieht. während diese Strafe seil Jahrhunderten herkömmlich ist. an» eigenen freien Siücken. gewissermaßen in sich selbst, abstimme und das Volum abgebe, sie sei nun plötzlich gewandelt und wolle die Todesstrafe nicht mehr. Wenn Sit die Frage so stellen, dann können wir«ine richtige Antwort nicht erwarten. Die Gesetzgeber sollen sich immer in Verbindung halten mit dem, was wirkliches Volksbewußtsein ist, aber sie sollen nicht nachhinken, nicht das Gesetz erst geben, wenn es die Spatzen von den Dächern verkünden, denn so, mein» Herren, müßte das Dolksbewußtsein ausgedrückt sein, in dem Sinn«, wie der Herr Abgeordnete Aegidi und der Herr Justizminister es definiert haben: wie sollte es denn sonst zu unserer Kenntnis kommen? Wenn die Gesetzgebung e r st wartet, bis das ganze Volt so ein- genommen ist gegen ein« bestehende Institution, daß es diese als eine Schmach nnd ein Unrecht erkennt, dann gehören wir nicht nickst zu den Besten, sondern zu den Schlechtesten des Voltes. Das sind die Gründe, die vor zwei Generationen die überwiegende Mehrheit der deutschen Volksvertretung yeaen die Todesstrafe bestimmt haben. Sozialisten, Fortschntller, Nationalliberale, Reichsparteiler waren die Bannerträger des strafrechtlichen Fortschritts. Heute sind diejenigen, die sich sonst mit Stolz als ihre Erben bezeichnen, wankelmütig ge- worden oder sie sind dabei, die Tradition ihrer Bor- fahren preiszugeben. Rußlands Zusage. Ein begrüßenswerter Beschluß. Wie wir bereits im größten Teil unserer gestrigen Abendausgabe melden konnten, hat Tschitscherin dem Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drum- mond, die Teilnahme Sowjetrußlands an den weiteren Arbeiten der Vorbereitenden Abrüstungskom- Mission telegraphisch angekündigt. Dieser Beschluß wird mit der Beilegung des schweizerisch-russischen Worowski- Konflikts begründet, ebenso wie seinerzeit die Ablehnung der Teilnahme mit der Nicht beilegung dieses Konflikts begrün- det worden war. Scheinbar ist also die Motivierung dieser aufsehenerregenden Mitteilung durchaus logisch. In Wirklichkeit wird die Worowski-Affäre heute ebenso wie da- mals nur vorgeschoben. Die Wahrheit ist, daß die Sowjetregierung im März 1S26 noch nicht so weit war, daß sie an einer Abrüstungskonferenz des Völkerbundes teilnehmen konnte. Damals hatte der Ausrottungskampf gegen die Trotzki-Gruppe erst begonnen: außerdem hoffte man noch auf ein Wiederaufflammen der Weltrevolution im Zusam- menhang mit den Chinawirren. Inzwischen ist auch diese Hoffnung zerronnen, während andererseits die Opposition immer mehr zurückgedrängt werden konnte. Jetzt wo S t a- lin sich stark genug fühlt, um die Oppositionsführer Trotzki, Sinowjew und Genosien endgültig aus den letzten leitenden Stellungen, die sie noch innehatten, hinauszuwerfen, kann die russische Regierung es auch wagen, einen bedeutenden Schritt weiter auf dem Wege zur Angleichung Sowjet- rußlands an die übrige Welt zu gehen. Die Entsendung von Delegierten im vorigen Sommer war ein erster Schritt: die Beteiligung Sowjetrußlands an der Genfer Abrüstungs- konferenz des Völkerbundes bedeutet eine weitere Etappe in jener Entwicklung, die bereits unter Lenin mit der Ber- kündung der„Nep" begonnen hat. Mögen die Kommunisten es heute noch so laut bestreiten, es führt ein direkter und logischer Weg von der„neuen ökonomischen Politik" über die Konzessionen an das ausländische Kapital, über die Teil- nähme an der Weltwirtschaftskonferenz, über die Mitarbeit an den Abrüstungsarbeiten zum Völkerbund selbst. Es ist der Weg vom Putsch zum Parlamentarismus, von den blutrünstigen Aufrufen der Kommunistischen Internationale zum Ausschluß Sinowjews und Trotzkis, von dem intransi- genten Doktrinarismus der bolschewistischen Sturm- und Drangjahre zum nüchternen Anpassungsrealismus des konso- lidierten, sein zehnjähriges Jubiläum feiernden Sowjetstaates. Vor uns liegt die„Rote Fahne" vom 14. April 1926, in der die Note T s ch i t f ch e r i n s an Sir Eric Drummond obgedruckt wurde, durch die Sowjetrußland seine Teilnahme an der Vorbereitenden Abrüstungskommission schroff ablehnte. In riesigen, dreispaltigen Lettern verkündete die Ueberschrift: „Die Sowjetregierung zerstört den Schwin- del der Abrüstungskonferenz". Die Note selbst mar in herausforderndem Ton gehalten. Sie wies mehrmals auf die Tatsache hin, daß die Konferenz in Genf, also auf schweizerischem Boden stattfinden solle, und daß diese Tatsache allein„beweise", daß man die Teilnahme Rußlands nicht wünsche, und daß überhaupt .cher Völkerbund oder die, die ihn leiten, keines ja ll�s daran interessiert sind,"daß die Konferenz zup o si t i v cn Ergebnissen kommt." Weiter hieß es, die Sowjetregierung würde „den Tag erwarten, an dem«in« Initiative von einer für diesen Zweck speziell gebildeten Kommission ergrifsen werden wird, der die Atmosphäre der Tradition und der Intrigen von Genf fremd ist. und die bessere Garantie des Erfolges bieten können als der Völkerbund". Ist ei etwa der bisherige Verlauf der W- rüstungsarbeiten, über dessen unbefriedigenden Charakter wir keinen Zweifel gelassen haben, der die Moskauer Regierung eines Besseren belehrt hat? Dann müßten wir mit Befriedigung feststellen, daß sie in bezug aus den Völkerbund optimistischer urteilt als wir... Aber schließ- lich ist es nicht unsere Sorge, uns die Köpfe darüber zu zer- brechen, wie die kommunistischen Redakteure den neuen Frontwechsel ihrer Brotherren den kommunistischen Lesern plausibel machen wollen. Dos ist Sache der russischen Bot- schaften, die schon die nötigen journalistischen Instruktionen erteilen werden. Für uns kommt es in erster Linie darauf an, die politische Wichtigkeit dieses Entschlusses zu würdigen, und wir haben bereits kurz darauf hingewiesen, wie bedeutungsvoll und begrüßenswert die Tat- fache ist, daß Rußland durch seine Beteiligung den Gegnern der Abrüstung ihren zugkräftig st en Borwand aus d e r H a n d s ch l ä g t. Es kann nicht schaden, wenn ein frischer Luftzug in das Genfer Verhandlungszimmer einzieht und wenn die russischen Delegierten als Hechte im Karpfenteich die Vertreter der westeuropäischen Mächte und der Randstaaten z w i n g e n, mit der Abrüstung Ernst zu machen. Voraussetzung ist natürlich, daß die russischen Dar- legungen und Anträge sachlich bleiben und daß Moskau nicht planmäßig darauf ausgeht, durch rein agitatorische Forderungen, deren vorläufige Unerfüllbarkeit auf der Hand läge, die Konferenz zu sprengen. Denn ein solches Verhalten würde Moskau noch mehr ins Unrecht setzen, als wenn es überhaupt der vorbereitenden Kommission ferngeblieben wäre, und Rußland würde sich damit nur schaden. Wenn es da- gegen in Genf scharf aber sachlich auftritt, dann wird es auf stärksten Beistand bei vielen kleinen und sogar bei manchen großen Staaten rechnen können. Auch die internationale Sozialdemokratie würde, trotz aller Gegensätze, die die Agitation der kommunistischen Internationale erzeugt hat, einer aufrichtig für die Abrüstung kämpfenden russischen Delegation ihre moralische Unterstützung nicht versagen. MlleranSs KückkeKf. Endlich zum Senator gewählt. Der im Jahre 1924 zum Rücktritt gezwungen« ehemalige Präsident der Republik, Millerand, hatte seitdem wiederholt versucht, wieder in die politische Arena zurückzukehren, bisher jedoch stets erfolglos. Es ist ihm endlich am Sonntag gelungen, sich in einem reaktionären Depanement Zum Senator wählen zu lassen, während er vor einigen Monaten bei den Senatswahlen in Pari» durchgefallen war. Dieser Erfolg beweist natürlich nichts, obwohl die Rechtspresse sich bemüht, ihn politisch auszuschlachten. tzeute Gemeinüewahlen in Englanü. Einheitsfront des Bürgertums gegen die Arbeiter» Partei. London. 31. Oktober.(Eigenbericht.) In G r o tz b r i t a n n i e n, mit Ausnahme der l n n e r e n Stadt London, finden am 1. November kommunal« Neuwahlen statt, bei denen jeweils ein Drittel der Gemeinde- und Stadträte neugewählt wird. Die bürgerlichen Parteien haben in Erkenntnis der Wichtigkeit der Entscheidung seit Wochen einen ausgedehnten Feldzug gegen die Gemeindepolittt der Arbeiter- Partei geführt. Beinohe überall besinden sich die Arbeitervertreter in der Offensive gegen eine geschlossen« bürgerliche Front. Di« bürgerlichen Parteien haben, mit Ausnahme von einigen unbedeuten- den Städten, wo die Arbeiterpartei im kommunalen Parlament nur geringfügig oertreten ist, jeden Kampf untereinander eingestellt und überall dort wechselseitig Kandidaten zurück- gezogen, wo si« einen Sieg eines Kandidaten der Arbeiterpart« infolge der Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen befürchten. Die Arbesterpartei hofft, ihre bisherige kommunal« Mehrheit aufrechtzuerhalten, in anderen Städten, Leeds und Bradford, zum erstenmal eine Mehrheit zu erzielen und im übrigen auf der ganzen Linie gestärkt aus der Wahl her- vorzugehen. Den Wahlen kommt als Stimmungsmesser weit über ihren kommunalen Zweck politisch« Bedeutung zu. Zielens' Sieg. Räch dem lettisch-ruffischen Handelsvertrag ein baltisches Locarno? Riga, 31 Oktober.(Eigenbericht.) Mit der knappen Mehchett von 52 gegen 48 Stimmen hat das lettländifche Parlament vor wenigen Tagen den Handelsvertrag mit der Sowjetunion angenommen. vis zuin Schluß ist vor und hinter den Kulissen um die Annahme des Vertrages lebhast gekämpft worden. Das Zünglein an der Wag« bildeten die De u t f ch e n, die in ihrer Mehrheit für den Bertrag stimmten. Zweifellos war diese Haltung der Mehrheit der deutschen Abgeordneten richtig. Der wesentliche Inhalt des Vertrages sst bekannt. Bedeutsam daran ist, daß auf der einen Seite zwar das Außenhandels. Monopol der Sopjetllnion und die exterritoriale Stellung der Sowjethandelsvertreiung in Riga von Lettland anerkannt wird, daß aber Lettland andererseits ein festes Kontingent am russischen Außenhandel gesichert wird. Damit wird es Moskau un- möglich gemacht, Lettland gegenüber da» Staatsmonopol de» Außenhandels im gegebenen Falle durch die Entziehung der Be- stellungen als politische Waffe zu verwenden. Wichtig'sst aber vor allem die politische Bedeutung der so heiß umstrittenen Rati- fizierung. Sie bedeutet einen bemerkenswerten Erfolg der pollllk de» sozialistischen Außenministers Zielen», dessen erstes Ziel ist, eine wirklich unabhängig lettländfch« Politik zu treiben. Es sst eine zum mindesten einseitige Darstellung, wenn be- hauptet wird, Zielens führ» eine rußlondfreundlich« oder eine deutschfreundliche Außenpolitik. Zielens mußt« die Politik Lett- lands zunächst von gewissen Beeinflussungen durch andere Mächte. das heißt durch Polen und England, befreien. England hat durch seinen Gesandten Vaughan in jeder Weise gegen den lettländisch-russischen Handelsvertrag gearbeitet und damit eine Niederlage erlitten, die die englische Press« bereits zu der unverhüllten Drohung veranlaßt hat. England werde Lettland fetzt keine Kredite mehr geben. Polen arbeitete andererseits stet» daran, einen baltischen Bund von Warschau bis hclsingsors zustandezubringen, in dem es natürlich die führende Rolle spielen würde. Ein« Einstellung Lettlands im Sinne dieser polnischen und englischen Bestrebungen lag sicher weder im deutschen Interesse noch in dem der Sowjetunion. Insofern ist die Politik von Zielens sowohl von Berlin als von Moskau aus zu begrüßen. Es sst aber eine falsche, oft wohl auch tendenziöse Darstellung, als bezwecke Zielens nun mit seiner Politik ein« ausgesprochene An- lehnung an diese beiden Mächte. Gewiß sst es für solche Zwergstaaten wie Lettland schwer. politisch und wirischaftlich allein zu stehen. Zielens hat daher da, Projekt aufgestellt, einmal ein System von Grenzgarantien in Osteuropa zu schaffen, die sich aber auf die deutsch. polnische Grenze nicht erstrecken würden, andererseits eine engere Verbindung der kleiaea ballischen Staaken. Litauen, Lettland, Estland anzu- streben, die sicher in deren gemeinsamem Interesse liegen würde. ohne jedoch— wie etwa eine Bindung an Polen— die Gefahr eines übermächtigen fremden Einflusses zu bsten. Mit der lett- ländisch-e st nischcn Zollunion ist ein praktischer Schritt im Sinn« dieser Politik bereits getan. Frestich stößt ihre Weiter- führung zunächst auf Schwierigkeiten. Litauen mit seinen ver- worrenen inneren Verhältnissen ist zurzeit kein normal ver- handlungsfähiger Staat,»nd in Estland zeigen sich die Wirtungen sehr intensiver englisch-volnischer Gegenarbeil. Der Gedanke des kleinen Baltenbundes dürfte aber trotzdem im Kern« gesund sein. Ein solcher Bund wäre die erste erfolgreicbe Mast- »ahme gegen die Balkamflerung in Osteuropa. Der Terror üer Aigarrenfabrikanten. Die Aussperrungsfront wankt bereits. Der Neichsverbant, deutscher Zigarrenhersteller versucht seinem Rriegsptan gegen die gesamte deutsche Zigarrenarbeiterschaft den ihm erforderlich erscheinenden Nachdruck zu geben. In einem Rundschreiben an seine Mitglieder machen— nach dem „Deutschen"— Vorstand und Tarifkommisston „nachdrücklichst darauf aufmerksam, daß der Vorstand durch Be- schluß verpflichtet wurde, von seiner ihm im§ 17 der Satzung ge- gcbenen Befugnis, Strafen bis zum Hundertfachen des Jahres- beitrage» zu oerhängen, in vollem Umfange gegenüber denjenigen Firmen Gebrauch zu machen, die den Beschluß(ihre Arbeiterschaft auszusperren. Red.) nicht durchführen. SelbswerstSndlich würden diese Firmen in den gedruckten Derbandsmitteilungen namentlich bekanntgegeben werden." Damit nicht genug, appellieren die Reichsverbändler an die gesamten Arbeitgeberorganisationen, ihnen bei der Aushunge- rung und Knebelung ihrer Arbeiterschaft zu helfen. Das Rundschreiben besagt hierüber: „Es wird auf dem Wege über die anderen Arbeitgeberver- bände oeranlaßt, daß von Firmen anderer Branchen die streiten- den resp. zum Zwecke der Aussperrung gekündigten Arbeiter nicht e i n g e st e l l t werden." Wir zweiseln nicht daran: die Scharfmacher im Reichsoerband der Zigarrenfabrikanten lasten nichts unversucht, um ihren Aus- sperrungsplan durchzuführen, und zu oerhüten, daß ein Teil der Zigarrenarbeiterschaft den Fleischtöpfen ihrer Unternehmer bei dieser Gelegenheit für immer den Rücken kehren. Die Arbeiter, die das irgend möglich machen könnten, hätten dazu alle Veranlastung. Es wird ihnen bei der guten Funktion des Schwarzelistensystems freilich nicht gelingen. Können die Herrschaften sich also auch auf die Unterstützung der übrigen Arbeitgeberverbände verlosten, so doch weniger sicher, trotz der angedrohten Strafen, aus ihren Reichsver- band selber. Ihr Generalaussperrungsbeschluß kann zum Sprengpulver für ihren Reichsoerband werden. Das ergibt sich aus dem folgenden, dem.Deutschen" zugegangenen Drohtbericht: „Die Bezirksgruppe Oberbaden des Reichsoerbandes Deut- scher Zigarrenhersteller hat beschlossen. dieAussperrung nicht mitzumachen. In den Betrieben, wo der Aushang der gesamten Kündigung bereits erfolgt war, ist dieser wieder zurückgezogen worden. Der Unternehmer einer großen Firma In Oberbaden hat erklärt, er sehe nicht«in, weshalb er die Arbeiter kündigen solle. Es bestände zwischen ihm und seinen Ar» beitern doch das beste Arbeitsverhältnis." Allerdings werden die Zigarrenarbeiter gut daran tun, sich weniger auf solche Schwächen im Unternehmerloger zu oerlasten als auf ihre eigene Kraft. Im Tarifgebiet. der Freistaaten Sachsen und Groß- Thüringen und der Provinz Sachsen ist die Aussperrung am Montag zur Tatsache geworden. Die Zigarrenindustriellen im Reichs- verband haben alle organisierten und Nichtorganisierten Zigarren- arbeiter brutal auf die Straße gefetzt. Well in zwei Betrieben in Leipzig eine kleine Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen es gewagt hat, eine Lohnforderung zu erheben und nach mehrfachen ergebnis- losen Verhandlungen die Arbeit einzustellen. Man beschuldigt diese Arbeiter, Tarifbruch begangen zu haben und oerlangt die b e- dingungslose Wiederausnahm« der Arbeit. Man will die Arbeiter zwingen, auf jede Verbesserung ihrer oerzweifelten Lage zu verzichten. Auch in einer von der Kreishauptmannschast in Leipzig«in- gekeiteten Einigungsverhandlung stellten die Vertreter der Bezirksgruppe Sachsen de» Reichsverbandes der Zigarrenfabrikanten hartnäckig die gleich« Forderung und vereitelten so eine mögliche Einigung der Arbeiter mit den Unternehmern. Die streikenden Arbeiter lehnen es ab. die Arbeit bedingungslos wieder- aufzunehmen, und zwar um so mehr, als feststeht, daß z. B. eine der bestreikten Firmen die übrigen beschäftigten Arbeiter schon auf- kündigte, noch eh« der Streik begonnen wurde. In der Zigarrenherstellung wird überwiegend zu Akkord- löhnen gearbeitet. Die dabei erzielten Verdienste sind gering und reichen keineswegs zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten. So beträgt der Durchschnittsoerdienst eines Dollorbeiters bei 300 Arbeitstagen zu 8 Stunden im zweiten Bezirk der Tabakberufs- genostenschast(Freistaat Sachsen, Thüringen, Anhalt und Provinz Sachsen) noch nicht einmal 962 Mark im Jahr oder 18,50 Mark In der Woche oder knapp 38 Ps. in der Stunde. Angesichts dieser unzulänglichen Entlohnung ist das Verhalten der Arbeiter vollauf begreiflich. Ginge es nach dem Willen des Reichsverbandes, dann würden weit über 100 000 Arbeiter und Arbeiterinnen in Deutsch- land ausgesperrt werden. In Schlesien läuft die Kündigung be- reits am S. November ab. In den meisten übrigen Teilen des Reiche», besonders auch im wichtigen westfälischen Tabak» gebiet, sind die Kündigungen durch die Unternehmer am Sonnabend erfolgt • Bei dieser Gelegenheit sei auf die Z i g a r r e n f a b r i k« n der GEG. in Hamburg, Hockenheim und Freiderg aufmerksam gemacht, unser« genossenschaftlichen Eigenbetriebe. Sie sperren natürlich n i ch t a u s. Um so mehr sollten die gewerk- schostlich organisierten Arbeiter und Ange st eilten in erster Linie es sich angelegen sein lasten, auf die Fabrikate der General- aussperrer— vorab während des Kampfes— zu verzichten und dafür ihre Zigarren von der GEG. beziehen, die in unseren Konsum- vereinsläden zu beziehen sind. Wenn der der Zigarrenarbeiterschaft aufgezwungene Kampf dazu führte, den GEG.-Zigarren einen weit größeren Absatz zu verschaffen, so bedeutete dies nicht nur eine wesentliche Stärkung der Position der Ausgesperrten, sondern eine dauernde Stärkung und schließliche Erweiterung unserer Eigen- betriebe, deren Dorteil auch einem Teil der Zigarrenarbeiterschaft zugute kommen müßten. Seltsame Seelengemeinschaft' ..Rote FaHuc" und„DAZ."...._ Die Unternehmer haben im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau ein« empfindliche Niederlag« erlitten. Der infolge d«» Streiks gefällte und verbindlich erklärt» Schiedsspruch spricht den Braunkohlenacbeiteru eine Lahnerhöhung von 11 H Prozent zu. Wenn man vom Rathaus kommt, ist man bskannllich klüger als vorher. Und s« redet die„Deutsche Allgemeine Zeitung" Klugheiten über das. was die Unternehmer eigentlich hätten tun sollen und was die„DAZ." vorher auch nicht gesogt hat. Wir haben keinen Anlaß, uns die Köpf« für die Unternehmer zu zerbrechen. Di«.Jiote Fahne" aber gibt sich tiefsinnigen Be- trachtungen auf Grund des Artikels der„DAZ." über die Wünsch« dar Unternehmer hin. Die Unternehmer wünschen dies und jenes. Daraus schließt die„Jftoie Fahne", daß für die Gewerkschaften«ine „ungeheure Gefahr" besteht. Wir sind nicht so furchtsam. Wenn die„DAZ." bei dieser Gelegenheit ein der„Roten Fahne" bisher unbekanntes Dokument ausgräbt, ein Dokument über ein« Vereinbarung, die vor bald vier Jahren in der Zentral- arbeitsgemeinschast getroffen wurde, und den dort angegebenen Weg heute als wünscheswertes Ziel ausstellt, so beweist das eben nur. daß sich die Situation zugunsten der Gewerkschaften durch die Gewerkschaften geändert hat. In diefer Vereinbarung der Zentralarbeitsgemeinschoft war die Ausschaltung der behördlichen Schlichtungs- Instanzen vorgesehen, an deren Stelle tarifliche. Schlich- tungsin stanzen treten sollten. Eine Rechtsvcrbind- l i ch t« i l der Schiedssprüche sollte nur«intreten bei einer qualifizierten Mehrheit, d. h. wenn außer dem Vor- sitzenden und den Beisitzern einer Partei ein Vertreter der anderen Partei zustimmt. Die Unternehmer pfiffen damals auf diese Vereinbarung. Sie haben sich der stoptlichen Schlichtungsinstanzen bedient und durch Aussprechung der Aerbindlichkeitscrtlärung ganz besonders den Acht- stundentag beseitigt. Diese Politik war es, die die Gewerkschaften veranloßte, aus der Zentralarbeitsgemeinschoft auszutreten. Worüber sich die.Mote Fahne" heute aufregt, ist nicht recht klar ersichtlich Regt sie sich darüber aus, daß de» Unternehmern offenbar nicht mehr wohl zumute ist? In jener Vereinbarung, die praktisch niemals ins Leben trat, weil die Unternehmer glaubten, sie könnten den Arbeitern den Daumen auf» Auge setzen, steht die„Rote Fahne" eine„ungeheure Gefahr" und„neue Schlichtungsketten"--------------- Wie sich die Strategen in der KPD. den Abschluß von Tarif- vertragen und die Uebevwochung ihrer Einhaltung praktisch vor- stellen, ist etwa« schleierhaft. Heut« ist e» im allgemeinen Usbung, daß bei einem Konflikt die Parteien schließlich miteinander ein Ab- kommen treffen, lieber die Durchführung habe» natürlich die Betriebsräte bzw. die Gewerkschaften zu wachen. Entsteht eine Meinungsdifserenz über die Handhabung«ine» Wkommens, dann wird heute da» Arbeitsgericht bemüht, sofern nicht ein taris- liche» Schiedsgericht dafür vorgesehen ist. Jenes Abkommen hatte gerade den Zweck, und zwar aus Rück- ficht auf die üble Spruchpraxi» der Schlichtungsinstanzen, die omt- lichen Schlichtungsinstanzen möglichst auszuschalten, an deren Stelle freie, von den Parteien selbst gebildete Schiedsgerichte treten zu losten. Es sollte auch oermieden werden, daß trotz Ablehnung des Scksiedsspruche» durch die Arbeiter«ine Derbindlichkeitserklärung ausgesprochen werden kann. Deswegen die Forderung der quatifizierten Mehrheit. Seit Wochen schon läßt die KPD. ihre Sprachrohre in all« Well die Parole hinausjchreien:„Fort mit dem sozialdemokratischen Schlichtungsschwindel!" Nun entdeckt die„Rote Fahne" mit Hilf« der„DAZ.". was alle längst wußten, daß die Sozialdemokraten sehr D/e Verbrauchssteuern in Deutschland 1913 und 1926. In Mark aaf den Kopf der Btvölkerang iiminn 0.__ Tabaksteuer Zuckersteuer B i ersteuer Braimtwems teuer •y- i, mO-v) Zundwarensteuer iro.ts. Leuditmittüsteuerffa«1 iimniiiimiiiiiiiiiuiiiiiiw iiiiiimniimiiitmniiiiiinmiumini 4.5* liiimimmmiiimiiiiimiinii 2.8» 3.81 I alzs teuer roTöl 0.« 8. N9 Il926 wenig erbaut sind von diese«„Schlichtungsfchwindel"«id schon vae Jahren sich ernsthaft bemühten, ihn abzubauen. Es ist damals nicht gelungen. Damals, im Januar 1924, kurz nach dem Zusammenbruch der Mark, inmitten der fürchterlichsten Arbeitslosigkeit, die die. deutsche Arbeiterklaff« jemals erlebt hat. blühte der Weizen der kommunistischen Spaltungsarbeit. In ganz Deutschland wurden von der KPD. kommunistische Gewertschasts» organisationen aufgezogen..Maus aus den Gewerkschaften" war damals die Parole der KPD. Diese äußerst schwierige Situation der durch die Inflation ausgepumpten Gewerkschaften nutzten die Unter. nehmer weidlich aus. Di« Gewerkschaften haben natürlich heute, wo die Situation in demselben Maße für sie günstiger, wie sie für die Unternehmer und die KPD. ungünstiger ist. keine Ursache, den Unternehmern goldene Brücken zu bauen. Wenn die„Rote Fahne" in lieber, einstimmung mit der„DAZ." sich aufregt, und allerlei Gefahren herannahen steht, so ist das für uns ein weiterer Grund, uns nicht aufzuregen._ die Tariffrage in öer berliner Metalliaöustrie. Entscheidung über weitere Verhandlungen am Donnerstag. Wie im gestrigen Abendblatt des.Vorwärts" bereits mit, geteilt, hatte der Vorsitzende de» Schlichtung«msschustes. Gewerbe- rat Körner, dos Metallkartell und die Vertreter des Verbandes Berliner Metallindustrieller zu einer unverbindlichen Aus- sprach« geladen, um zu prüfen, ab nicht doch noch eine Möglich- keit besteht, zu einem Tarifabschluh für die Fach- arbeiter in den VBMI.-Betri«ben zu kommen. Während das Metalltartell vollzählig erschienen war, hat,« der VBMI. nur die beiden Syitö-izis Oppenheimer und Kantorowicz entsandt. Der Vorsitzende des Schlichtungsausfchustez betonte einleitet«». daß er nicht gewillt sei, auf die Parteien irgendwelchen Druck aus» zuüben. Zu der Einladung der Parteien sei er jedoch deshalb ge- kommen, well er es einmal für zweckdienlicher halte, daß für die Facharbeiter der Berliner Metallindustrie wieder ein Lohntarif geschaffen wird, zum anderen er trog der nicht zu bestreitenden Schwierigkeiten die Schaffung eines Lohntarifes für möglich halte. Der Vertreter des VBMI., Rechtsanwalt Oppcnheimer, erklärt« wiederum, wie in den letzten Parteiverhondlungen, der VBMI. sei zwar kein Gegner des Tarife», allein er halte den Abschluß eines Lohntarifes für die Facharbeiter nicht für zweckdienlich. Nach seiner Auffassung sei es richtiger, wenn die Löhne der Facki- arbeiter sich stets der gegebenen Konjunktur an- paßten und nicht schematisiert würden. Tariflich festgelegte Mindestlöhn« würden unwergerliilb eine Senkung der höheren Löhne der qualifizierten Arbeiter noch sich ziehen und damit auch zugleich zu einer Herabminderung des Leistungswillens und der Leistung der Arbeiter führen. Von den Dertretern des Metallkartells, insbesondere vom Ge- nosten Z i» k a, wurde diesen Ausführungen«ntgeaenoehalten, daß der VBMI. zwar imrn«? formell seine Toriswill'gkeit bekunde, seine bisherig« Verhandüingstaktik jedoch darauf schließen lasse, daß er es zu einem Tarifabschluß nicht kommen lasten will. Gewerberat Körner machte schließlich den Vorschlag, daß betde Partelen«Ine s e ch» g l i e dr i g e Kommission benennen sollen, die dann brauchbare Vorschläge für«inen Taris- vertrag ausarbeiten solle. Das Metnllkartell, das wie bisher'auch in dieser Besprechung seine Vereitwilligkeit zu weiteren Verhandlungen erkennen ließ, war auch gewillt, diesem Dorschlag zuzustimmen. Rsckt-onwalt Oppenheimer jedoch erklärte, dem Dorschlag des Gewerberats Körner nicht ohne weiteres bei- treten zu können, da er dazu kein« Vollmachten habe. Es wurde dann vereinbart, daß sich beide Parteien bis zum Donneretag erklären sollen, ob sie zur Bildung einer solchen kleinen Kommission bereit seien, die unter dem Vorsitz des Gewerberats Körner weitere Verhandlungen führen soll. AchblSg, Bergm«»» Senniartorftt»nd Serftralre! Heute 16 Uhr bei ÄtoH Utreckter Eck» Hennigsdorfer Straße. Dcrfammlung aller Partei. Z genossen. Sehr wichtige Tagesordnung. Alle Genossinnen und Genossen m müssen bestimmt anoxsenh sein. Der Zoattiouooorstaud. Kreie Sewerkschaftsjugen»(Srob-Beelm. Heute, Dienstag, 191h Uhr, tagen die Gruppen: Zrantfnrter Allee: Gruppenheim Stiidtitches Jugendheim Litauer Strasse 16, Zimmer Z. Seimhespreessung. Buckikontrolle.— Landsberger Plass: Kruppenheim Diestclmeperstr. 5. Stegreiffpieladend.— Lichtcnkxrg: Gruppen- heim Jugendheim Dossestr. 22. Heimdesprcchung. Zutritt nur mit Heimausweis und Verdandsbuch.— Treptow: Grnppenheim Sedule Wildenbruchstr. lillt-U (Hortzimmer). Seimbcsprechung, Berdandsduedkontrolle.— Humboldt: Jugend- heim Lorssing- Ecke Kraunstrasse. Heimbesprechung, Ruül bcschliesst den Abend. — SchSnewe'd«: Jugendheim 9i!«deiichoncw-:de. Berliner Etr. 31. Unter- baltungoatend.—?t«rdlrei»kurl«,: Um 20 Uhr im Jugendheim Sleimstr. 36 (Arbeitsnachweis). Deutfcker HokarSelteeoerdand.*«lrf Südwesten und S»Sn«berq: Die Bertrauensmänneroerfammlung am Mittwoch, 2. Siovemdcr, findet niebt, wie im Mitteilungsblatt bekanntgewacht. Lindensir. 3. sondern in den Blllchcrsälcn, Blstckerftr. 61, Vereinszimmer?lr. 1, um IB'.H Uhr statt. Verantwortlich für Politik Dr. ckort Scqcr! Wirtlebaft:». Sltngelhöferj Gewerllchaltsl'ewegung:!?». Ssstor»! Feuilleton Dr. John Schilowoti: Lokales: und Sonstiges: Ariss jlarstodt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Verlin Verlag: Vorwärts-Bcrlag K m b H.. Berlin Druck: Vorwärts.Bmi'driickcrel und Verlagsanstalt Vau! Singer n Co Verlin EW 66 Lindenstrasse 3. Hier,» 3»eilaoen und..Unterhaltung und Bisseu". rmc+vmc+msm+zsxoaaBC+ZBBK+zaütsc+iasE*! Sophien-Säle j [ Sophienstr. 18 ♦ Norden 9296 u. 12643| 2 Für Vereine und Versammlungen � L in jeder Größe RS 18 ►asadl WERTHEIM VMeres Mcher-Allgebok I:___«D—:__».__ /y �__— ü__ i__ � Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Morftznlnt* /-*> cj r, r., � Nest auflagen soweit Vorrat ""12 ÄiS« Romane u. Werke der WeUnteraUi ir (u Ganzleinen gebunden, mit Goldtitel, auf holzfreiem Papier. Vorzügliche Geschenkwerke. Mals, Die Hosen des H-mi v. Bredow. Solz«. Drollig« Geschichten. Saum- Zinchtstück«. Hvsswan», Elixier« de, Teufel,. Znunermann. Der Oberhof. Bisheriger tiaß), Truagvld. Soccaccir, Decame one. Lrao-vogel, Fricdemann Bach. Stsier. Martin Salander. Kleist, Michael Kohlhaas. Kilgelgen, Zugend-. Sg Llptver, Tie letzten T-m« rou Pompeji. Cafamva, Mcmoirrn. Cervantes, Do» erinncrnngen. ZlleiNhvld, Di« Bernstcinhcxe. Mrtte. Maler Nolten. Ladenpreis q.,— � r* Cuirote. VoSofitrsii. Der Sviclcr. Zl-udnl. Talanib». Laudert. Frau Zsiurg«.'» Bohöme. pnvosi, Manoii Lescao� Scheste!. Ekkebard. t Bovarn. ZrachM» Die ReckiNvurotlin. Sclllicau, Die Renaissance. Sotthe, Llelldha'.."Mltcni'chc Novellen. Tolstoi, Die Kreuher-Sonate. Zurgenjel», jeZt jeder Band W M HM Fsnst l u. II. Saust, Itchicnftcin. Kein«, Duch der Lieder, voffmanu. Lälcr und Söhne. DaUace, Ben Hur. Mde» Märchen und Erzählungen. Nr. 516 ♦ 44.?tchrgaag "i* heiligt d�0 dieastag, 1. November 1927 Herlins Entwicklung zur Weltstadt. Ei« Vortrag des Oberbürgermeisters Dr. Bötz. Auf Einladung des„Vereins Berliner Kaufleuts und Jn- buftrirfler" und weiterer dem City-Ausschuß angeschlossener Verbände hielt gestern nachmittag Oberbürgermeister Dr. Böß im Großen Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses einen Vortrag über �Lebensuotwendigketten Berlins und ihre staatspolttische und weltwirtschaftliche Bedeutung"'. Der Oberbürgermeister begann seine Ausführungen, die er vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Hause macht«, mit einem Rückblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Reichs Hauptstadt, die gegenwärtig über 4 Millionen Einwohner zahltt Berlins Wirtschaft beruht auf dem Zusammenstrom von qualifizierten und unqualifizierten Arbeitern, ein Umstand, der für die Wirtschaft günstig ist. Berlin, das auf wirtichaftkiche Unternehmungen im Reiche in steigendem Maße Anziehungskraft ausübt, dessen Bedeu- t-mg darum nicht von lokalpolittschen Gesichtspunkten aus zu be- werten fei, unterscheidet sich in seinen Ausgaben von denen anderer Städte wesentlich Aus diesem Grund sind die Wirtschaft- lichen Vorgänge, die sich in Berlin abspielen, wichtig für das ganze Reich und im Ausammenhang stehend mit dem internationalen Handel. Zur erfolgreichen Arbeit ist es darum ein dringendes Gebot, daß die Menschen der Großstadt leistungsfähig gemacht werden. Die ersten Bor- aussetzungen hierfür sind gesunde Wohnverhältnisse. Es muß schneller als bisher gebaut und die Hauszinssteuer einer anderen Regelung unterworfen werden. Die bisher«msgeführlen Siedlungsbaulen habe« sich als vorlest- hast erwiesen und sind darum richtunggebend für die Zukunft. Ein schwieriges Problem bildet dabei die Beteiligung der Privatwirtschaft: es fei aber zweifelhvst, ob für sie die Zeit reif ist. Auf dem Gebiet des Spiel-, Sport- und Park- wefens find bisher Bauten im Gesamtwert von zehn Millionen Mark geschaffen worden. Auch das Schul- wesen, insbefonder« das Fachschulwesen, hat durch die Stadt stets eine besondere Förderung erfahren. Die Eingemeindung hat hierbei segensreich gewirkt. Bezüglich des Bertehrsproblems, meinte der Oberbürgermeister, ist Berlin um mindestens 3k> Jahre zurück. Insbesondere ist das Schnellbahnnetz sehr vernachlässigt worden. Der Schnellverkehr muß im engsten Kontakt mit dem der Reichsbahn gebracht werden. Ehe dieses nicht erreicht ist, kann auch die Straßenbahn nicht aus dem Stadttnnern genommen werden. Sehr zu begrüßen ist es, daß die Reichsbahn d,e Stadt- und Ringbahn dem Berliner Verkehr tariflich eingegliedert hat: die Bestimmungen darüber treten bekanntlich am 1. Januar 1928 in Kraft. Der Oberbürgermeister betonte sodarm die Notwendigkeit von großen Strvßendnrchbrüchen in der City und von wetteren Autostraßen, von denen es bisher nur«ine hat. Geradezu brennend ist aber das Problem der Verlegung des Anhalter und Pots- damer Bahnhofs, beide Bahnhöfe sind vertehrshemmend. Hier stehe die Reichsbahn vor großen Aufgaben. Mit Dank muß für den Baueifer der Post quittiert werden. Gute Derkehrsver- hältnisi« liegen im Interesse der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer. Der Berliner Wasserverkehr ist noch zahlenmäßig gering, wenn auch die erfreuliche Tatsache oerzeichnet werden kann, daß die bestehenden Hafenanlaqen ohne Zuschuß arbeiten. Die schlechte Ausnutzung des Wasserverkehrs hat feine Ursach« in den noch unvollendeten Kanalanlagen. Besonders drin- gend notwendig sei ein nördlicher Umgehungs- kanal;«in südlich«« ist im Teltowkanal vorhanden. Der in An- griff genommene Umbau der Spandauer Schleus« beweist, daß der Lau de» AUltestaudkanals in absehbarer Zeit Wirklichkeit wird. Durch ihn wird der Schiffsverkehr in Berlin hineingeführt werden. Eine Modernisierung verschiedener Hasenanlagen biß« aber hierzu die Borauesetzung. Der Luftverkehr entwickelt sich befriedigend: er wild für die Mrt- schaff von steigender Bedeutung sein. Mit einem Hinweis auf die Einfuhr von Blumen auf dem Lustwege verband der Oberbürger- meister die Mitteilung, daß Gärtnereidetrieden große Kve- dite zu niedrigen Zinssätzen zur Verfügung gestellt worden sind zur Erbauung von Warmhäusern für die Zucht von Blumen und Gemüsen. Das GutGroßziethen wurde seinerzeit zu diesem Zweck« von der Stadt«mfgekauft und an einen großen Gärtnerei- betrieb verpachtet. Durch diese Unternehmungen werden neue Arbeits- gelegenheiten geboten. Berlin muß auch«ine yruchtgroß- Markthalle erhalten, denn die Zustände in der Zentralmarkt- Halle am Alexanderplatz sind nicht länger«rtrogbar. Im Vorder» gründe des öffentlichen Interesses steht weiter die Fernkraft- Versorgung. Der Bedarf an elektrischer Kraft steigt in Berlin von Tag zu Tag. Aus diesem Grunde ist ein weiterer Aus b alt auch der Berliner Ciettrizitätewerk« notwendig. Es darf unter keine» Umständen zur RatwnÄisiernng der elektrischen Kraft kommen, was einer Drvsselrmg der Wirts chast gleich käme. Noch nicht spruchreif ist die Ferngasvefforglmg. Hervorzuheben sind schließlich noch die Bemühungen der Stadt, große Strecken Brach- landes in der Umgebung Berlin» durch Kulttvierung zu erschließen. Berlin stcht somit vor gewaltigen Aufgaben, nach deren Erfüllung es seine Position als Weltstadt wieder zurückerobert dat. Der Bortrag des Oberbürgermeisters, der die brennendsten Probleme einmal zusammenfaßte, wurde mit großem Beifall aufgenommen. die Heheimüruckerei üer Spitzel. Die Zollfahndmrgsstellc verurteilt. Gestern nachmittag begründete Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner die Anklage in dem Betrugs- und Bestechungspro, z«ß gegen Zollfstretär Plaumonn und feine Agenten Cohn und Silberstein. Er beantragt« gegen Plaumann für«inen Fall des Betruges und zwei Fälle der Bestechung insgesamt 1 Jahr Gefängnis und Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemtcr, gegen Silber- steig 9 Monate und gegen Cohn 7 Monate Gefängnis. Gegen im Uhr oerkündete Amtsgerichtsrot Keßner folgendes Urteil: Der Zollinfpetlor Plaumann wird wegen versuchten Betruges zu .lOOfl Mark Geldstrafe verurteilt, oder für je 39 Mark 1 Tag Gefängnis. Die Angeklogten Cohn und Silber st ein werden wegen Betruges zu 6 bzw. 4 Monaten Gefängnis vernrteilt. Der Angesagte Plaumann wird von der Anklage des Betruges in drei weiteren Fällen, der Amtsunterschlagung. Untreue und Bestechung freigesprochen. Bei Eohn und Eilberftein wird die Strafe durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Das Gericht hat nur in dem Falle der „Gc Heimdruckerei" einen Betrug bei Cohn und Eilberftein, und«inen Betrugsversuch bei Plaumann für vorliegend«achtet. In der Urt eilsbegründung hieß es n. a.: vir Verhandlung hat Gelegenheit geboten» in das Milieu der Zollfahndungsstelt« hinein- zuleuchteu. Das Bild ist«in äußerst düsteres. Wenn da» System hier auf der Anklagebank säße, würden die Strafen ganz anders ausfallen, als bei der Beurteilung der Täter. Es ist mißverständlich hier gegen dos Spitzelfystem gesprochen worden. Ohm« Agenten kommen die Behörden nicht aus. Diel läßt sich aber darüber sagen, wie das Agententum in der Zollfahndungsstelle gehondhabt worden ist. Es ist tief beklagenswert, daß ei» Beamter»on den Fähigkeiten und guten Zeugnissen Plaumanns derart in den Sumpf Hinabgegogen worden ist. Die Agenten sind nicht mit Glacehandschuhen anzufassen, aber es muß eine gewiss« Grenze geschaffen werben. Es handelt sich hier nicht ollein um den Verkehr zwischen diesen Angeklagten, sondern auch um einen ähnlichen bei vielen anderen auf der Zollfahndungs- stelle. Bei Plaumann war nicht zu widerlegen, daß er an die Existenz vom Harry und Willi geglaubt hat. Lllerdings liegt bei der Hingabe des Borlagabogens von Eechspfrnmgbandervlen der Der- dacht nahe, daß aus den Agenten axents provoaataors(Lockspitzel) gemacht«erden sollten. Bon der Nacht an, als 04« Pottzei eingegriffen hatte, konnte da» Gericht Plaumann den guten Glauben an Harry und Willi als Drucker nicht mehr zubilligen. Durch den Am- trag auf«ine Belohnung von 12 OOO Mark hat er sich somit des Betrugsoerfuchs schufiüg gemacht. Lästerer üer Republik. Ei« jugendliches Opfer der Verhetzuug. Vor Moabiter Richtern steht ein Werwolfmann in voller Uniform. Er ist 25 Jahre alt, auf seinem noch jungenhaften regelmäßig geschnittenen Gesicht spielt ein« Mischung von Trotz und frühem Leid: seine Augen blicken groß und starr ins Ungewisse: seine sympathische Stimme klingt militärisch scharf, fanatisch und herausfordernd. Was sind Sie, fingt ihn der Dorsitzenbe.— Zctwngshändier.— Was haben Sie gelernt.— Soldat.— Wann waren Sie Soldat?— Freiwillig, vom Jahre 1919 bis 1924.— Was haben Sie früher getan?— Granaten gedreht.— Was ist Ihr Vater?— Er ist tot.— Was war er?— Bergmann in Westfalen.— Sie haben also nichts Bestimmtes gelernt?— Nein.— Wo haben Sie Granaten gedreht?— In Dortmund.— Es wird Ihnen zur Last gelegt, daß Sie die Republik lleschimpft haben.— Ich erkläre den Gerichtshof für besangen.— Weshalb?— Ich will von einem christlichen Gerichtshof abgeurteilt werden.— Wer ist denn hier nicht Christ? Nennen Sie den Herren!— Ich bin Anti- semit.— Wollen Sie von einem antisemitischen Gerichtshof abgeurteilt werden?— Nein, aber von einem christlichen. Ich nehme an, die anderen Herren sind Christen, nicht ober der Herr rechts von Ihnen.— Das Gericht entfernt sich zur Beschlußfassung. Der Vorsitzende erklärt nach der Rückkehr in den Gerichtsfaol, daß die Ablehnung des Gerichts nach Verlesung des Er- öffnungsbeschlusfes unzulässig sei. Dann lege ich Beschwerde ein.— Das können Sie. Wir treten aber in die Der- Handlung ein.— Ich verweigere jede weitere Aussöge.— Dann werden wir eben die Zeugen befragen.— Der erste Zeuge, ein Hitssmechaniker, hatam Leipziger Platz einen Menschen- auflauf gesehen und gehört, wie der Angeklagte geschimpft Hot: Judenrevublrk, Saurepublik, dreckig« Judenrepubliken. Auch der zweite Zeuge, ein Gärtner, hat thn schimpfen hören: Moder die Iudenrepublik, hoch die Monarchie.— Er soll auch gesagt hoben: Sieh zu, daß du keine blaue Bohne in den Hutten: kriegst, und sogar dabei eine Bewegung zur Gesäßtasche gemacht hoben.— Im Revier ist ihm ein Schlagring abgenommen worden. Der Angeklagte, der während der Vernehmung der Zeugen dem Gerichtshof halb den Rücken zugekehrt hat und nun völlig abgewandt trotzend dasteht, wind vom Vorsitzenden ge- fragt, ob er etwa böse sei, daß verhandelt werde.— Ja, sagte er.— Der Vorsitzende erklärt ihm nun väterlich, daß das Gericht taut Gesetz verhandeln muß und daß er seine Beschwerde zusammen mit dcr Berufung einlegen könne: es wäre doch besser für ihn, wenn er sich verteidigen würde. Nun tat er das: Er habe an feinem Storch Zeitungen verkauft, als ein jüdischer Herr hin- zugekommen sei und sich demonstrativ die Zeitungen angesehen und dorm gesagt habe, er könne den Juden..... Dann habe ein Wort das andere gegeben, mch da habe er schließlich die Juden- repubtik erwähnt. Im übrigen sei das keine Beschimpfung, das habe selbst das Reichsgericht entschiede»: die Republik sei von Juden errichtet, man möge ihm das Gegentell beweisen. Das alle» bringt der Angeklagte fanatisch, in größter Erregung vor. Ein weiterer Zeuge, ein jüdischer Herr, der während des Streites hinzugekommen war. bestätigt die Aussagen der ersten beiden Zeugen. Der Angeklagte will m ihm denjenigen erkennen, dcr ihn gereizt haben soll. In Wirklichkeit war es aber der vierte Zeuge, der zugibt, ihm die unanständigen Worte wiederholt gesagt zu haben. Es fei dies aber als Antwort auf feine Ausfälle gegen die Juden geschehen. Der Angeklagte wird gegen diesen Zeuge» fast handgreiflich. Der Staatsanwalt beantragt vier Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilt ihn zu zwei Monaten Gefängnis und stellt ihm Bewährungsfrist in Aussicht. Der Angeklagte sitzt wie geistesabwesend da, blickt mit starren Augen vor sich hin und verharrt in dieser Stellung auch, nachdem die Sitzung aufgehoben ist. Dann springt auf und stürzt zum Richtertifch. Er will noch was sagen. Sein Gesinnungsgenosse er hatte ihn als nervenkrank bezeichnet— will ihn zürückreißen. Der Borsitzende spricht auf ihn beschwichtigend ein. Ihm ober rollen große Tränen über die Wangen, er ruft erregt:„Meine Mutter begeht Selbstmord, wenn sie erfährt, daß ich ins Gefängnis gekommen bin, mein Ettef- vater.... Wegen meines Stiefvaters bin ich ja so geworden." Ein unglücklicher Jung« trotz seiner 25 Jahre, der nur ein« Walze keimt und in dessen Hirn nicht alles in Ordnung ist. Ein Opfer der Verhetzung! 27s Zement. ÜIKornan von Asodor©labkoro. Und Motia drang wieder in die Tiefe seiner Augen und wieder sah Gljeb, daß Motja auch diesmal seine heimliche Schlauheit verstanden hatte. „Ach. Gljeb I... Schämst du buh nicht,«lseb Mich auszuforschen? Geh, Gljeb, nach Hause und leg dich schlafen. Wetz nicht vergebens deine Zunge.... Aber warum nur hat Dascha— ich liebe deine Dascha sehr— warum nur laßt Dascha Njurka im Kinderheim? Njurta war bei mir... warum ließ sie sie nicht bei mir?... Wie kann ein« Frau ohne Mann und Kind leben? Ach, was für dumme Männer ihr alle seid..- Ihr seht das alles in den Weibern nicht---- Und im Vorraum, als Motja Gljeb beglellete, drückte sie seine Hand im Finstern und lachte wie ein schamhaftes kleines Mädchen.. �, „Ach, Gljeb k... Du bist unser Freund, du weißt doch gar nicht, was das für eine Freude sein wird... du weißt es gar nicht... Ich werde eine reiche Mutter sein, eine reiche Mutter. Gljeb."' Und dann, in der geöffneten Türe, seufzte sie vor Mitteid mit Gljeb. „Ach, Gljeb... ein böses Los!... Du und Dascha, ihr werdet nicht einig werden.... Geschieht euch Hunden schon recht; überlaßt eure Weiber nicht einem Hundelos... Gljeb fand Dascha so, wie er sie zurückgelassen hatte, über dem uche, den Kopf auf die Hand gestützt, das Gesicht streng, besorgt, und mühevoll während des Lesens flüsternd. Und als er hereinkam, riß sie sich vom Buche los und sah Gljeb forschend an. „Nun, was hast du von Sawtschuks erfahren?" Gljeb trat ganz nah an sie heran, und sein Gesicht zuckte vor Schmerz. Er umarmte sie und sprach— nicht so wie er gewöhnlich sprach, das war nicht der Gljeb, der durch Kriegsstürme gegangen war: das war ein von Liebe und Grübeln müde gewordener Gljeb. „Dascha! Erzähl' mir doch, mein Täubchen, erzähle mir von deiner Seele.... Sei doch wie früher lieb und sanft. ... Mir ist so schwer, Dascha... du bist zu mir wie eine Fremde... so als ob du ein Messer am Busen oersteckt hieltest. Dascha sagte kein Wort, aber Gljeb fühlte, wie sie inner- lich erbebte und Weib wurde. Er fühlle, daß sie ihren Kopf an seine Schuller preßte und wieder die alte wurde: ein schwaches, liebes Weib. Und es schien ihm, daß ihm wie früher ein Milchgeruch und der Dust ihrer süßen Ausdünstung entgegenwehte. Schüchtern drückte sie sich an ihn, kämpfte mit sich und konnte sich nicht beherrschen. „Und wenn auch etwas war, so ist es nichts Wesentliches ... in einer bösen Stunde kann allen etwa» passieren... Sie riß sich von ihm los und seufzte. Dann sah sie ihm scharf in die Augen, ganz wie Motja, und sagte leise, voller Schmerz, mit zitternder Stimme:„Ja... es war... es war... Gljeb... und nicht nur einmal.. Als hätte eine Riesenhand Gljeb von Dascha weggestoßen, als wäre eine Blase in seiner Brust geplatzt. Und eine tierische Kraft trieb sein Blut und eine schäumende Wut in seine Fäuste, in sein Gesicht. „Also, es ist wahr?... Es war.... Hast dich mll geilen Kötern herumgetrieben, du unreines Frauenzimmer, du? Verfluchte Hündin!.. Toll geworden, blind, mll hervorquellenden Augen, mll einem Herzen, das riesengroß wurde, mll fallenden Schrillen stürzte er sich wie ein Stier auf Dascha und hob seine Faust. Sie erhob sich rasch, stellte sich fest auf ihre Beine und wurde dadurch um einen Koos größer, wurde stärker. Und zerriß. nicht mit dem Klang ihrer Weiberstimme, sondern mit einer unerhörten Bewegung ihres ganzen Körpers die tierische Wut Gljebs. „Komm zu dir, Gljeb!... Schäm dich!.. Und es wurde still, und nur ihre Augen und Augen- brauen traten in scharfen, schwarzen Strichen hervor. Und als er durch ihren Schrei wegaeschleudert, wie angewurzelt, mit bebenden Lippen stehengeblieben war, sagte sie ruhig, mit etwas heiserer, tiefer Stimme:„Ich habe dich prüfen wollen. Gljeb. Du bist noch kein Mensch. Du kannst mir nicht, so wie es sein sollte, zuhören.... Was ich dir jetzt gesagt habe, war nur, damit ich klarer sehe. Du hast bei Motja spioniert, glaubst du, ich weiß es nicht. Ich weiß genau, was du willst... du bist ein Kommunist... aber du bist ein tierischer Mensch und du brauchst eine Frau, die dir Sklavin wäre, zum Sichdrauflegen.... Du bist ein guter Krieger, aber im Leben bist du— ein schlechter Kommunist." Und sie ging zum Bett, um es für die Nacht herzurichten. Der Emigraul im Kellerloch. 1. Das versteckte Zimmer. Die Fenster mit den massiven Elchenrahmen öffneten sich nicht, und der Staub aus den Steinbrüchen legte sich vor- sichtig und samten durch die Spallen auf das Fensterbrett, zwischen den Rahmen. Und am Morgen, wenn die Berge von innen heraus in violettem Glänze brannten und dte Sonnentropfen von der Seite hinüberglitten, flogen regen- bogenfarbene Kristalle zwischen den Scheiben herum. Und der Techniker, Ingenieur Kleist, stand stundenlang vor dem Fenster und sah auf diese fliegenden Welten und fühlle deutlich die greifbar-verdichtete Stille des Zimmers. Und wenn auch das Zimmer weit enllegen sich in der Tiefe des Ganges befand, dort, wo der Tag im abendlichen Schlummer und die Nacht in schwarzen Leeren und zottigen Schatten schweigen, so schien doch dieses Zimmer dem Inge- nieur Kleist fern und erfreulich unzugänglich, wie jene Stein- bräche, die dort oben in den Abgründen von Gesträuch über- wuchert waren. Wenn das Werk zerstört ist und die grauen Löcher der herausgerissenen Türen und Fenster mit einer unergründ- lichen Frage auf die vulkanischen Formationen der Berge und die Steinschutthausen in den Terrassen der Steinbrüche blicken, mit den zerstörten und verrosteten Bremsbergen,— dann bleibt das Leben stehen und zerfällt in die Grund- elemente: Chaos und Ruhe. Warum also nicht Techniker in einem toten Werke sein, wenn das zu gar nichts verpflichtet und ein festes Gleichgewicht der Zeit gibt. Die Hauptsache ist, die Eichenrahmen im Zimmer nicht öffnen und den ungeheuren Sinn der großen Aufbauarbeit der Spinnen zwischen den Fenstern ergründen. Auf einer gewissen Grenze zwischen der Vergangenheit und der Gegen- wart empfand Ingenieur Kleist plötzlich die tiefe Schönheit und Bedeuung des architektonischen Aufbaues in dem lufigen Räume zwischen den Fensterrahmen. Er stand stundenlang am Fenster, langbeinig, gebückt, mit sllbernen, widerspen- stigen Haaren und schaute auf das perlmuttartige Gewebe, auf die vielen durchsichtigen Flächen in verschiedenen Lagen und Verzweigungen, auf die unzähligen Stufen. Durchkreu- zungen, die durchdrungen waren mit der Kraft einer un- geheuren Anstrengung. (Fortsetzung folgt.) Feuerwache Nauerftraße. Ein Miets-.rrnd Leistnngswucherprozeft. Die Sdigclegenheit btr Verpachtung, des Ausbaues und der ■aidtcmermSetung des pä!Nkjchen Grundstückes Mauer st r. ISs, Ccke der Kronenstraßs, der a lten Feuermache, bildete den Gegenstand cincr Anklage wegen Le�tungs- und Roumwuchers gegen die Kauf- lcute Euge» B rasch uiqd Siegfried Fleischer vor der Wucher- abteilung dgs Schöffeng erÜchts Wedding unter Vorsitz von Land- gerichtsdirektc� Böhmeirt. Der Fall der stüdtischjsn Fesuerwach« Mauerstraße hatte in der Oefscntlichkeit viel Staub aufgewirbelt. Wie erinnerlich, wurde durch Vertrag vom 7. April 1823 van der Stadt durch Vermittlung des zuständigen Bezirksamts A!*tte das Feuerwachengrundstück an Brasch und Fleischer auf 30 Jahr« vermietet. Die Pächter über- nahmen die Verpflichtung, einen vollständigen Ausbau vorzunehmen, X ei Stockwerke aufzusetzen und hatten das Recht derWeiter- Vermietung. Der Pach.tpreis betrug 4000 Gold- m cv r f. Das Etzdgeschoß und das erste und zweite Stockwerk wurde von O�r Bankfirnita Deutscher Kreditoerein 2l.-G. gemietet. Es wurde «in f»ihrlicher Mietszins von 39 600 Mark für diese Räume vereinbart. Außerdem mußten die Mieter einen Bau- k o st e n.Z u s ch u ß von 1 9 8 0.0 0 G o l d m a r k leisten, und sie sollten nach fünv Jahrenz falls sie von ihrem Optionsrecht Gebrauch Machen, dieselbe(siumme als Baukostenzu- f ch u ß nochmals Leisten. Vis Anfang 1926 wurde der Miets- preis regelmäßig gezahtch auch der: erste Baukostenzuschuß war abge- führt worden. Dann mzcht« aber die Bankfirma den Einwand des Wuchers, da ihre Le.stungen im außergewöhnlichen Mißver- hältnis zu den Gegenleistungen dir Angeklagten ständen. Noch den Berechnungen des gerichtlichen Würtschaftsfachverständigen Küster be- läuft sich unter Einrechnung das ersten Baukostenzuschusses der jährliche Mietspreis ai�f 79 2 00 Mark, und nach Einberechnung das nach fünf J-lhr>n zu leistenden zweiten Baukosten- Zuschusses sogar auf 118 0�0 25lark, während der Sachverständig« insgesamt 41000 Mark für angemessen und ortsüblich hält. Es hat auch bereits ein Zioilprozeß die Gerichte be- schäftigt. Die erste Instpnz des Landgerichts hatte zu- g u n st e n der Angeklagten entschieden, das Kainmergericht fand den Preis jedoch übermöfstg. Es ist dann auf Grund dieser Entscheidung ein Abkommen zwischen Mieter und II n t e r m> e t c r znstandegekor.nmen. Der Angeklagte Brasch berief sich auf die katastrophale Markentwicklimg nach Abschluß des Vertrages und schilderte dann, w ie der Vertrag zustande kam. Dieser mar sehr schwierig. Den Pächtern wurden sehr drückende Bedingun- gen auferlegt. Die Stadt verpflichtete sie, einen vollständigen Reu- bau aus eigenen Mitteln ohne jede Unterstützung der Stadt aufzu- führen. Damals konnte man mit einer Besserung der Mark rechnen. Es trat aber das Gegenteil ein. Eine neuzugründende Zementbant aus dem Rheinland beabsichtigte zu mieten und hatte besondere Wünsch«. Bei dem Ausbau hieß es, daß die Kostenfrage keine Rolle. spiele. Später zepschlug sich die Gründung der Zementbank und als neuer Mieter trat der Deutsch« Kreditoerein 21.=®., eine Gründung einer Bankfirma in Miiustcg, als neuer Mieter auf. Entsprechend den Wünschen dieses Mieters mußten wiederum sehr kostspielige Unibauten vorgenommen wenden. Die Stadt selbst halte drückende Bedingungen über die Bauausführung gefielst. Von der Stadt hätten sie keinerlei Rücksicht erW»arten können. Die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. ist in dar richteten an Brasch die Frage, od diesgr Bau nicht eine besonder« Note gehabt habe, und ob die Abnahm'« des Neubaues nicht in besonders feierlichen Formen, wie eine Denkmalsenthüllung, vor sich gegangen sei, indem der Feier der Oberbürgermeister Böß, Geheimrat chofs- mann, viele Stadträte und die Vorstände der Stadtverordnelen- fraktioneii beiwohnten. Die Verteidigung will darauf hinaus, daß es sich um einen L u r u s b a u und demnach nicht mn einen Gegen- stand des täglichen Bedarfs hantelte. Der Ancsellagi« Brasch be- stätigte diese'Fiage. Vors.- War die Einwsihurigsseier von der Stadt peranstalt« worden? Angekt. Brasch: Nein, von Herrn F l t i s ch e r, aber auf Veranlassung der Stadt.. Die Beweisaufnahme nahm einen ganz u n e r w a r t e- t e n Verlauf. Bankdircktor Würk vom Deutschen Kreditverein 2l.-A., der ursprünglich die Strafanzeige erstattet hatte, erklärte nun, daß er auf Grund späterer Verhandlungeil mit den Angeklagten sich davon überzeugt hal>e. daß st e nie die Absicht gehabt hatten, die Bank zu übervorteilen. Der gerichtliche Sochoerftändige Küster kam jetzt auf Grund der vom Reichsgericht nuigestellten Gestebnngskostentheorie zu der Ansicht, daß der M i e t- preis angemessen gewesen sei, und dar Baurat Duerdoth meinte, daß man in der Inflation nicht einmal von Stunde zu Stunde kalkulieren konnte, und daß es deshalb u n in ö glich sei. augenblick- lich anzugeben, welche Kosten dieser Bau verursacht haben müsse. Mit Rücksicht aus die Baukosten halt« er aber einen Mietpreis von 8? 0 0 0 M a r k s ü r d a s m i n d e st e. So blieb dem Staatsanwalt nichts anderes übrig, als F r e i s p r u ch zu beantragen. Stach kurzer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Böhmert, daß das Schöffcilgericht beide Angeklagten aufKostcnderStaatskassc freigesproche n habe. Eine Frage zum Schluß: Hätte unter solchen Umständen die Er- Hebung der kostspieligen 2lnklage nicht überhaupt vermieden werden können? schwerverletzt im Chausseegraben? lieber einen. fast unglaublichen Dorfall wird uns aus Lübben im Spreewald berichtet. Bei der wenige Kilometer von Lübben ent- fernten Station Börnichcn- Schleinitz der Lübben- Bccskower Kleinbahn geriet ein Motorradfahrer unter den nach Lübben fahrenden Zug, der ihn beide Beine abfuhr. Der Zug hielt und der Verunglückte wurde von dem Lokomotivführer und dessen Kollegen in den Chaussegraben gelegt. Das Krankenhaus in Lübben wurde telephonisch durch den zuständigen Stationsbeamten benachrichtigt, aber er st nach reichlich 114 Stunden erschien e in Krankenauto, um den Ver- letzten, der in Gefahr war, zu verbluten, abzuholen. Wie unserem Gewährsmann von dem zuständigen Eisenbahnbeomtcn mitgeteilt wurde, hat dieser unverzüglich an das Krankenhaus Lübben telephoniert. Es habe aber eine geraume Zeit ge- dauert, ehe festgestellt werden konnte, an wen er sich zu wenden habe und wer in diesem Falle zuständig sei. Di« Streck« vom Krairkenhau» Lübben bi» zur llnfaklstelle wird gemeinhin im Auto in zehn Minuten zurückgelegt, so daß man erwarten konnte, daß zum allermindestcn in einer halben Stunde ein Krankenauto zur Stelle war. Der Zustand des Kranken ist sehr bedenklich. Uns erscheint dieser Fall so unbegreislich, daß wir von den zuständigen Stellen eine rasche und genaue 2lusklärung verlangen. Wir er- warten, daß die Llufsichtsbehörde des Lübbener Krankenhauses sich schleunigst mit der Nachprüfung dieses Vorkommnisses befaßt. Serliner Schnitterfürforge. Wozu die Großstadt den Landwirten gut genug ist! Die alljährlich mit Wintersanfang sich wiederholende A b s ch i e- b u n g arbeitslos gewordener Schnitter und ihrer Familien vom Lande in die Städte hat besonders für Berlin schlimme Zustände gebracht.?n Berlin gibt es zwar keine freien Arbeitsstellen und keine lee-ren Wohnungen, aber Scharen der von den Landwirten auf die Straße gesetzten Schnitterfamilien strömen nach Berlin, um hicr zu überwintern. Die S t a d t B c r l i n hat dann die„Pflicht", die von den Landwirten aus- genutzten Schnitterfamilien die Winter monate hindurch mit Obdach und Nahrung zu versorgen, bis die Leute im Frühjahr wieder davonziehen können und sich mit ihrer Arbestskrast den Landwirten aufs neue zur Verfügung stellen. Immer mehr hat sich im Lause der Jahre gezeigt, daß für diese Familien das ollgemeine Obdach nicht die geeignet« Unterbringungs- stötte ist. Sie sind dort auch oft eine schwere Gefahr für die Volks- gcsundhest gewesen, weil sie ansteckende Krankheiten(Masern, Scharloch, Diphtherie usw.) einschleppten. Im Februar dieses Jahres faßte daher die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluß, durch den sie den Magistrot ersuchte, für eine hygienisch ein- wandfreie Unterbringung der Schnitterfamilien zu sorgen. Zugleich erhob sie aber auch scharsen Einspruch gegen die Wirtschaft- liche und gesundheitgesährdende Belastung Ber- lins durch die alljährlich vom Lande hierher abgeschobenen Schnitterfamilien. Sie ersuchte den Magistrat, darauf hinzuwirke». daß die preußische Regierung die Landkreise und Provin- z e n anweist. Unterkunftsmöglichkeiten für die er- werbslosen Schnitter z u schaffen. Der Magistrat hat das inzwischen getan, aber das preußische Volkswohlsohrts- Ministerium hat alle seine Anträge abgelehnt. Es hat ihm erwidert, Zuschüsse aus Reichs- oder Staatsmitteln könnten nicht gewährt werden, da die in Berlin überwinternden Schnitter zum Teil Erwerbslosenuiilerstützung erhalten und daher die für Berlin entstehenden Kosten nicht so sehr ins Gewicht fallen. Polizeilich könne der Zuzug erwerbsloser Schnitter nach Berlin nicht verhindert wer- den, doch seien.zur möglichsten Einschränkung des Zuzugs«rwerbs- loser Landarbeiter nach den Großstädten vom Reich und vom Staat dauernd erhebliche Mittel aufgewendet worden, einen festen Stamm von Landarbeitern seßimst zu machen. Staatliche toammellager iür Familien arbeitsloser Schnitter gebe es nicht. Ein hinreichendes Be- dürfuis, durch Gesetzesänderung die Fürsorgelast den Landes- oder Bezirksfürsorgeverbänden auf. zuerlegen, in deren Bereich die Schnitter gearbeitet haben, scheint dem Wohlfahrtsminister nicht vorzuliegen. Es soll also dabei bleiben, daß im Sommer die länd- lichen Bezirke ihren Nutzen von den arbeitenden Schnittern haben und im Winter die Stadt Berlin die Last der Bor- psleaung von Familien arbeitsloser Schnitter tragen muß. Emst- weiten hat Berlin für die Frauen und Kinder dieser Wintergäste zur besseren Unterbringung massive Baracken in Buch bereitgestellt, um künstig eine Verbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern. Die Landwirte werden sich ins Fäustchen lachen und die„Rechtslage" preisen, durch die der Stadt Berlin eine„Pflicht" ausgepackt wird, die billigerweise ihnen zugewiesen werden müßte. Schwere Straheuunfälle. Vor dem Hause Eislebener Straße 4 ereignete sich gestern ein schwerer Straßen unsall. Der öVZährige Julius Lorenz aus der Eislebener Straße 17 siel beim Spielen von der Bordschwelle und stürzte auf den Fahrdamm. Zum Unglück nahte in diesem Augenblick ein L a st k r a s t w a g e n heran, dessen Räder über das Kind hinweggingen. Die 2Z«rletzuiqen waren so schwer, daß der Bernnglückte kurz noch seiner Aufnahme im Achenboch-Krankenhaus starb.'— Ein weiterer Straßenunfall ereignete sich an der Ecke Kaifer-Wil hei in-Straße und Münzstroße. Hier wurde beim Ueberqueren des Fahrdomms die 60jährige Arbeiterin Mathilde B o r n o w s k i aus der August- st r a ß e 7 von einem Autobus der Linie 13 erfaßt und zu Boden geschleudert. Sie kam so unglücklich zu Fall, daß ein Hinterrad über das rechte Bein hinwegging und das Glied abquetscht«. Die Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt. Die letzte Verkehrszähluug. Bei der letzten Verkehrszählung auf den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen am 28. Oktober wurden— wie die Reichsbohndirek- tion Berlin mitteilt— insgesamt 1108678 abfahrende Reisende gezählt. Gegenüber der letzten Zählung vom April dieses Jahres ist eine Steigerung von 6,7 Proz. und gegen die vor- jährige Herbstzählung(29. Oktober 1926) eine Steigerung von 9:S Proz. zu verzeichnen. A ll e Strecken weisen eine Zu- wachs auf. Den größten die Strecke Königswustor- Hausen mit 28,7 Proz.; dann folgen die Nordstrecken mit 23,4 PrpZ-: Nauen— Wustermark mit 18,9 Proz.: Strausberg und Nordring mit IIA bzw. 10 Pro.z. Von den Bahnhöfen erreichten die größten Zahlen: Friedrich st rahe mit 42 700, Zllexan- d e rpla tz mit 42 000, S ch l e s i s ch e r Bahnhof mit 39 700, Potsdamer Ringbahn hos mit 32 600, Gesund- b r u n» e n mit 3l 800. Di« drei letzten Zählungen fanden sämllich am gleichen Werktage(Freitag) und bezuglich des Wetters unter sast gleichen Voraussetzungen statt. Die Zahlen vom 28. April 1927 und 29. Oktober 1926 waren gute Monatsmittel- w e r t«. Sollte dies bei der letzten Zählung ebenfalls zutreffeiz so würden die obengenannten Prozentzahlen totsächlichen Bertciiis- Zuwachs bedeuten. der Gattenmoröprozeß von �epöebranü. Hat er seine Frau erschoLsen? Vor dem Breslauer Schwurgericht beginnt morgen früh der Mordprozeß gegen den Rcgierungsrat von H e y d c- brand und der Losa. Er wird beschuldigt, am 14. Oktober 1926 seine Frau ermordet zu haben. 1923 hatte sich Regierungsrat von Heydebrand mit einer ver- witwsten Frau von Zobeltitz, geb. v Lekow, verheiratet. Seine Frau war die Erbin eines 3000 Morgen großen Rittergutes in Schlesien. Die Ehe war sehr unglücklich. Die. Frau zog sich auf ihr Gut zurück. Ihr Mann, bei der Breslauer Regierung in der Ab- teilung für Domänen und Forsten beschäftigt, bewohnte eine Miet- villa in K n i e g n i tz. Am 13. Oktober 1926 hatte sich das Ehe- paar auf dem Gute der Frau ausgesprochen, woraus die Gattin in das Haus ihres Mannes zurückkehrte. Aber bald müssen sich neue Streitigkeiten erhoben haben. Der Tatbestand ist dieser: In der Nacht zum 13. Oktober lief der Ehemann zum Bahn- hos und weckte telephonisch einen Arzt mit der Nachricht, seine Frau habe sich, während er selbst geschlafen habe, eine Kugel in den Kopf geschossen. Der Arzt fand die völlig unbekleidete Leiche aus dem Bett vor. Die rechte Hand hielt eine V i st o l e. Der Schuß ging von der rechten Schläfe zum linken Hintertopf. Nachdem zuerst Selbstmord angenommen war, erwachte, an- geregt durch Anzeigen der Verwandten von Frau v. Heydebrand, der Verdacht des Mordes. Die S chi« ß s a ch v e rst ö nd i- gen äußerten schwere Bedenken, die Staatsanwalt- s ch a f t sah sich veranlaßt, eine Boruntersuchung einzuleiten, die jetzt zur Eröffnung des Haupwerfahrens geführt hat. Sonderbar ist vor allen Dingen auch, daß Heydebrand an der Beerdigung Nicht teilnahm, dafür aber wenige Tage später bei der Testa- mentseröffnung zur Stelle war. Ganz außerordentlich seltsam muß die überaus r ü ck I i ch t s- volle Behandlung des Angeklagten durch die Staatsanwaltschajt wirken. Heydebrand ist, trotzdem die Vorverhandlung die E r ö f f n u n g_d e s H au p t o er f a h r e n s wegen Mordes veranlaßt«, bis zur Stunde nicht eine Minute in Host gewesen. Di« Staotsanwaltichost hat dies damit er- klären wollen, daß keine Verdunkelungsgefahr vorläge. Die Toten der Mafalda". Endlich volle Aufklärung cines beispiellosen Ver- brechend. Tagelang haben die italienischen Nachrichten- b u r e a u s und die Generaldirettion der„Navigotione General« Jtaliana" die Welt mit verlogenen Nachrichten überschwemmt, daß die furchtbare Katastrophe der„P r i n c i p e s s a Mafalda" an der brasilianischen Küste bei weitem nicht so schlimm sei, daß fast alle Passagiere gerettet wären und im ganzen nur ungefähr 2 0 Per- sonen vermißt würden. Heute muß auch die italienische Ge- sellschaft auf Grund der amtlichen Erhebungen der brasiliani- s ch e n Hafenbehörden zugeben, daß nicht weniger als 2 9 6 Todes- o p f e r zu beklagen sind. Inzwischen ist aber noch etwas anderes bekannt geworden: Die„Principesia Mafalda" befand sich schon bei der 2lussahrt aus dem Hafen von Genua in einem so skandalösen Zu st and e. daß es als ein Verbrechen angesehen werden muß, auf dieses halb- oerrostete und oerfaulte Schiff etwa 1000 Nienschen, zum großen Teil arme Auswanderer, zu„verfrachten". Schon in Barcelona soll ein Wellenbruch an der Maschine sestgestellt worden sein, aber m«n kümmerte sich nicht darum: der Ruf der �Gesellschaft und das Ansehen des faschistischen Italien konnten ja leiden! Auch als dle Gefahr bereits dringlich war, wur- den keine Rettungsgürtel verteilt, keine Rettun gs-<- boote klargemacht: immer hoffte man noch, Rio de Janeiro mit knapper Rot zu erreichen. Als dann die Katastrophe da war. sah der Kapitän keinen anderen Ausweg, als aus seinem schlechten Gewissen heraus S e l b st m o r d zu begehen. Wie toll der Zustand der„Mafalda" gewesen sein muß, erhellt ja auch aus der zugegebenen Tatsache, daß dies die letzte Fahrt des Schiffes vor seiner Außerbetriebstellung sein sollte. Nach dem Unglück bemühten sich olle zuständigen italienischen Stellen, die furchtbaren und für sie außerordentlich unangenehmen Nachrichten zu unterdrücken. Man log die Welt an, um unter allen Umständen zu verheimlichen, daß man in Italien Passagiere, vor allem, wenn es sich nur um Auswanderer handelt, in morsche und v c r s a u l t c Kähne lädt, die d c in Untergang geweiht sind. Dos Italien Mussolinis hat wohl auch nicht die Zeit, die zu- ständigen Hafenbehörden zu veranlassen, daß Schiffe vor der Aus- fahrt gewissenhast zu untersuchen und daß Fahrten. wenn es notwendig erscheint, zu oerbieten sind. Die Folge dieser Schluderwirtschast ist das Verbrechen, das an den taufend Posiogieren der..Mafalda" begangen wurde, ist das entsetzliche Un- glück, dem 296 Menschen zum Öpser gejallen sind. Sie könnten noch heut« am Leben sein._ Elektrizitats Katastrophe in Spanien. Salamanca(Spanien), 31. Oktober. Im Dorfe Arcediano entstand infolge Kurzschlusses in einer Hochspannungsleitung eine Feuersbrunst, die auf fast alle Häuser des Dorfes übergriff. Mehrere Personen wurden beim Versuch, die Leitung zu durchschneiden, vom Strom getötet. Nach den bisherigen Feststellungen wurden zehn Personen getötet und etwa dreißig verletzt._ ver französisch« Flieger Max knipping ist am Sonntag nach- mittag um 16 Uhr 3 Minuten im Flughafen von Königsberg i. Pr. gelandet, nachdem er um 3 Uhr 43 Minuten in Le Bourget gestar- tct war. Knipping hat die 1400 Kilometer lange Streck« Le Bourget— Königsberg in etwas mehr als 11 Stunden zurüchgelegt und damit einen neuen Weltrekord sür Kleinflugzeuge auf- gestellt. Herren- Kleidung Sakko-Anzus 7* «ernust, CheT., gut« Verarb.• blau, bestar A« O10* Kammgarn j._ reinwoll. Kamm- 4 A Q 0,l0*garn>st8Verarb. drei Mannschaften an den Start brachten, die alle drei Leipzig aus den letzten Platz verwiesen. Die neue Gruppe des Bereins in Lichtenberg konnte in der Mädchen-Bruststaffel den zweiten Platz belegen, und die Lagenstaffel für Männer über 3S Jahre gewinnen. Der Frauenreigen fand viel Anklang, doch haben wir ihn !>hon besser gesehen. Im Springen der Männer siegte Ä r a- b et- Neukölln überlegen: er zeigte sehr gut« Sprünge. Auch die Leipziger Genossen zeigten gute Leistungen, doch konnten sie sich mit dem Sprungbrett nicht recht vertraut machen. Drei Wasser- b a l l s p i e l e am Schluß des Festes sind zuviel. Bei der I u g e n d zeigte sich Neukölln überlegen, während�bei de» Männern die zweite Mannschaft sich noch der größeren Spielerfahrung von Leipzig und Union beugen mußte. Die erste Mannschaft der Freien Schwimmer Neukölln konnte am Sonnabend gegen Union nur ein 4:3- Ergebnis herausholen. Am Sonntag dagegen war dieselbe Mannschaft nicht wiederzuerkennen. Sie schien mit dem Gegner gewochsen.zr. sein. Leipzig trat in stärkster Ausstellung an. und es entwickelte sich ein Spiel, wie man es selten in der letzten P.eit zu'sehen Gelegenheit hatte. Reich an spannenden Momenten, standen sich hier zwei gleichwertige Mannschasten gegenüber, die über gute Technik, Ballbehandlung und reichliche Finessen verfügen. Dos Torverhältnis von i: 4 entspricht dem� Störkeoerhältnis. * Ein Schwimmfest Im Bercinsmaßstabe veranstaltete der ,.S ch w i m m v e rei n Welle" am Sonntag im Bad an der Schillingsbrücke. Das Fest war gut besucht. Hunderte hielten in der feuchtwarmen Lust bis zum Schluß der Vorführungen aus: ein gutes Zeichen für die Beliebtheit des Vereins und für die Güte des gebotenen Sports. Die Schwimmer zeigten ein gutes Können und erzielten durchweg gute Leistungen. Eiiren sehr guten Eindruck hinterließ das Reigenschwimmen der Iungmädchen und der Lampionreigen mit dem Bewegungschor: Befreiung der Arbeit vom Kapital. Mit den, Gesang der Internationale schloß das gut ge- lungene Fest. Ein Wort der Kritik sei gestattet: Bei Konkurren- zen in beliebiger Schwimmart sorge man dafür, daß nicht alle Teilnehmer die gleiche Schwimmart wählen, da sonst der Zweck der Uebung verfehlt wird. Im ersten Laus der „lOO Meter beliebig für Männer" war dos der Fall, es schwamm alles Hand über Hand. viertölter demonstriert seinen Stil. Im Wellenbad Lunapark sprach am Sonntag abend�der Trainer Vierkötters, Barrenscher, über die Erfolge, den Etil und die Absichten seines Schützlings. Soweit diese Mitteilungen unsere Wassersportler interessiere», sollen sie hier wiedergegeben werden. Barrenscher betonte, daß Vierkötter vor großen Unternehmun- gen lange Zeit weder Alkohol noch Tabak nimmt. Neben seinem Training im Wasser betreibt er Ergänzungssport, beides je- doch in genau festgelegten Dosen. Seinen letzten großen Sieg er- sacht Vierkötter bekanntlich in Toronto(Kanada), wo er gegen schärfste internationale Konkurrenz eine„Weltmeisterschaft" ge- wonnen, die ober— zum Leidwesen der aktiv Beteiligten— nicht als solche anerkannt werden kann, da noch keine Organisation der Berussschwimmer besteht. Vierkötter ist von seinen Trainern syste- matisch auf lange Strecken trainiert worden. Er schwimmt, wie er im Verlaus des Vortrages denn auch zeigte, außerordentlich ruhig. Sein Stil ist dos sogenannte Hand-über-Hand-Schwim- m« n, bei dem die Beine einen Bier-, Sechs- oder Achttakt schlagen. Bei normalem Tempo schwimmt Vierkötter den Viertakt, das heißt, er macht bei einem vollkommen ausgeführten Anntempo mit jedem Bein zwei Schlag«. Muh er die Geschwindigkeit steigern, so steigert er auch das Tempo der Beinschläge. Selbstverständlich kann er das Sechser- oder Achtertempo nicht lange durchführen: bisher gelang es ihm aber immer solange, wie er braucht«, um seinen Gegner ab zufertigen. Den Viererschlag hält er noch Angab« seines Trainers 12 bis 15 Stunden aus und mit ihm hat er seine Schwimmen all« gewonnen. Im Jahre 1!Z28 will Vierkötter zunächst die dann besser organisierte Weltmeisterschaft im Langstreckenschwimmen ge- Winnen, um dann— den Kanal Hirt und zurück z u be- zwingen. Vierkötter und seine Getreuen haben sich augenscheinlich damit abgefunden, daß ihn sein Verband zum Professional erklärte: am Sonntag fiel davon kein Wort. Jedenfalls hat er feinen Sport zur Artistik entwickelt, durch die er sein Gell» verdient. Spartentag üer Leichtathleten. Herbstlauf in der Jungfcrnheide. Die schon Tradition gewordene Uebung der Leichtathleten, mit der I a h r e s t a g u n g der Sparte einen Propagandalaus zu verbinden, wurde auch in diesem Jahr beibehalten. Diese Ber- onstaltungcn zusammenzulegen, hat sich als praktisch erwiese«: durch die Einbeziehung des Laufs wird die Bedeutung der Tagung umeritrichen und die Werbewirkung um«in wesentliches erhöht. Tagung und Lauf fanden am Wassersportplatz in P l ö tz e n s e e statt. Die Organisation und Ausgestaltung war dem„Sportverein Moabit' übertragen, der seine Aufgabe mit vielem Geschick löste. Reicher Flaggenschmuck, Werbeplakate u. a. (eu'.len schon von weitem die Aufmerksamkeit auf die Veranstaltung. Die Sparlenlagung. Von öl) teilnahmebe: echtigten Vereinen hatten 40 Vereine ins- gesamt 7? Vertreter entsandt. Eine Statistik ergab, daß 79 von ihnen Arbeiterzeitungen lesen, 63 gewerkschaftlich, ober nur 26 volitisch organisiert sind. Der Vorsitzende Sänger gab den Bericht: Erfreulicherweise ist eine Steigerung der Mitgliederzahl eingetreten. Die Sparte umsaßt ZllS Mitglieder, 1523 Männer, 762 Frauen, 831 Jugendliche. Einer stärkeren Entwicklung steht der unleidige Spartenkamps entgegen, d. h. der Zwiespalt zwischen Turnen und Leichtathletik.— Das ursprüngliche Funktionär- l iatt ist zum Mitteilungsblatt ausgebaut, das wöchenttich in acht Seiten Umfang zum Preise von lO Pf. erscheint. Vezugs- ivang für die angeschlossenen Verein« ist eingeführt.— Mit dem kreisjest können die Leichtathleten zufrieden sein. De» Bericht des Kreissportwartes erstattete L i p p e r t. In den Konferenzen der Kreisjportwarte koinnrt allmählich die moderner« Aussaistmg über die Leichtochletik zur Geltung. Die Leichtathletik wächst in allen Kreisen. Die Bundesmeifterschasten in Hannooer find Beweis dafür. Die Fachschristen wurden neu bearbeitet.— Die Idee der zwei Großveranstaltungen: Gruppe«. teste im Frühjahr und Maldlaus im Herbst hat sich bewährt. Di« Organisierung der Spartenveranstaltungen sollte in Zukunft den Vereinen übertrogen werden. An Stelle des Kassierers Frick gab Sänger den Kassenbericht. Trotz behördlichen Zuschusses ist der Bestand unbefriedigend. Es sind viele Außenstände, d-e Derein« zahlen schlecht. Ueber die Jugendarbeit reserierte A ergmann. Besondere Spartenarbeit bei der Jugend gebt es nicht, die Bilduirgsarbeit ist zentral geregelt. Es wird erfolgreiche Arbeit geleistet, fast 59 Proz. der Jugend ist erfaßt. In der Diskussion sprachen: D ü h r i n g- Brandenburg über Boykottienmg von Bezirksvereinen und Kostenverteilung des Städtewettkampfes: S ch u l e r- Moabit und H o f f m a n n- Köpenick über Klasseneinteilung: Leben- NO. über Verlegung des Straßenlaufs: Bergmann- Schöneberg über Boykott und Fraktionsbildung: B l e cke r t- Fichte-Moabit üt>er Kurs des Bundesvorstandes: Sänger über Iugendstimmrocht, über die Be- schlüsse von Helsingsors und den Kuvs des Bundesvorstandes: M ö l l m e r- ASC. über Klasseneinteilung, Bekenntnis zum Weit- kampfgedanken und L. Lange über Zeitungsrestanten. Ein Antrag, der die Einberufung eines außerordentlichen Kreistages bis März 1928 fordert, wurde angenommen. Eine Resolution von Nordost, die dem Bundesvorstand schär s st e s Mißtrauen ausspricht, wurde mit 61 zu 19 bei sieben Stimm- ciühaltunge» angenommen. Zu den Statuten wurden noch Zusätze angenommen, die sich auf Uebertritte von Verein zu Verein; auf Startverbote und Startgelder beziehen. Die Wahlen ergaben zumeist die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. Erster Vorsitzender: Sänger: Männersportwart: Lippert: Frauensportwart: Rau: Kassierer: Schippte: Schriftführer: Frenzel. Für da- Jahr 1928 sind eine Reihe großer Veranstaltungen geplant. Bis jeizt sind festgelegt: 29. Januar: Wevbeturnen der Kreisschule: 25. März: Waldlauf der Gruppen: 29. Mai: Straßen- laus: 19. Juni: Städtewetlkämpf: 17. Juni: 5 9-Iahr-Feier Brandenburgs; 15. Juli: Frauensportfest: 26. August: Ver- einsinehrkämpse der Frauen: 9. September: Dereinsmehrtämpfe der Männer: 28. Oktober: Waldlauf. Uebrigens: Es wäre dem Togungsoeriauf durchaus nicht abträglich gewesen, wenn die Sänger und Bergmann ihre wiederholten Versuche, SPD.-Sportler herabzusetzen bzw. ihre eigenen kommunistischen Anschauungen herauszustellen, unterlassen hätten. Der Waldlauf. In großen Plakaten verkündet« der Arbeite r-Turn- und Sport- bund:„1999 Arbeitersportler treten an zum H e r b st w o l d l a u f.' Es war nicht übertrieben. Als sich die Freunde und Anhänger des Arbeitersports an der Storsstelle«in- fanden, winnnelte es von Arbeüersportleru— jungen und alten Mädeln und Iilngen, alles durcheinander. Da und dort einige, um ihren Vereinsoorsttzeirden versammelt, der letzte Anordnungen, letzte Mahnungen erteilt. Pünktlich zur festgesetzten Zeit treten die Sportler, nach Vereinen gegliedert, an. Kurze Zeit danach werden auch schon die ersten Lauser auf die Reise geschickt. Am Wasserspvetpiatz Plötzensee ist Start und Ziel. Die Rennstrecke führt durch die Iungjernheide. 55 Vereine schicken ihre Vertreter zum Start. Bei säst allen Strecken kämpfen über 199 Sportler um den Sieg. Sehr eindrucksvoll war das I S t i l l o u s e n, an dem sich über 599 Sportler beteiligten. Seine Bestimmung, in erster Linie ein Werbelauf zu sein, hat der Wald- lauf voll erfüllt. Resultate: 280» Meter Frauen 8» uui> älter: Iankowsti, Lichtenbcrq, 7: 40,0: Weidlich, Moabit. 1080 Meter Schüler: Lewecke, Fichte 10, u>: 10,2: Wachlialz. Moabit. 2808 Meter Jugend Idtt/U: Ersurth, Moabit: Dinse. Moa- bit. 18 888 Meter Männer(offen): Laverenz. Schönow, 35:10,4; Blanlen- bürg I, Moabit. 5808 Meter Männer(offen): Andrö, Lichtenberg, 10:51; Romenat, Schöneberg. Manufchaftawertung: Fichtk-Nord 6 Vunfte. 2000 Reter Jugend, Jahrgang 1811/13: Mannfchaftswcrtung 2. 6.: Moabit 15 Punkte; Lichtenberg 17 Punkte. 2000 Meter Jugend, Iahrqana ISN 13: Mannfcbafts. wertnng anderer Sparten: Sportverein Tegel 0 Punkte. 3888 Meter ältere Sportler, 1802/90: O Domes, Sparta, 9:51; W. Blankenburg, Moabit. 3088 Meter ältere Sportler, Zahrgang 1887 91: Wächter, Srarta, 19:10; Richter, Berolina. 3088 Meter ältere Sportler,(lahrgana 1880 und älter: Scknrmer, Fichte-Süd; Richter, Schöncbera. 3888 Meter Männer lSpieler): Köhler, Fichtc-Rord; H Boldt, Fichte-Süd. 3888 Meter Tugend(Sportler): Jung, Fichtc-West, 19:23,7: Sonn, Fichte. Südost. Mannschaftawertnng: Sparta 8 Punkte; Moabit 13 Punkte. 3888 Meter Mänuer(Spieler): Neukölln 22 Punkte; Fichte-Nord 23 Punkte. „Die Spd. zerschlägt den Arbeitersport." Und die Kommunisten sind Unschuldslämmer! Dos ist zwar keine neue Ueberfchrist im Sportteil der„Roten Fahne", wer aber die- Dinge nicht kennt, wird aufmerksam. Di« A b w e h r b e w e g u n g, von den sozialdemokratischen Sportlern gegen den kommunistischen Unfug im Berliner Arbeiter- sport endlich einmal organisiert, Hot es den Leuten in der Berliner „Prawda" angetan. Sie glauben, einen ganz großen Wurf getaü zu haben, indem sie einen„Drganisatinnsplan einer sozialdemokratischen Sportfraktion" abdrucken und verraten dabei nur, wie weit sie hinter den Ereignissen hinterherhinken. Es ist bisher noch niemandem' eingefallen zu leugnen, daß im Bezirksverband unserer Partei auch die SPD.-Sportler Sitz und stimme haben. Sie benutzen das ihnen bereitwilligst eingeräumte Mandat allerdings im Gegensatz zu den Kommunisten, die in ihrer Parin, zentrale ein- und ausgehen. da,zu, positive Arbeit für den Arbeitersport zu leisten, unsere Parteigenossenschoft über das Wirten uni> die Absichten der Sportvereine auf dem Laufenden zu halten und die Werbung für den Arbeitersport unter hervorragender Mithilfe der führenden Parteigenossen bis in die ent- legendsten Bezirke der Arbeiterschaft zu trogen. Wenn die Koni- munisten diese positiv« Arbeit als„Spaltung" bezeichnen wollen, so mögen sie es tun: die Tätigkeit des Spaitens ist bei ihnen Beruf und deshalb sehen sie überoll nichts anderes als Spalter. Daß sich die sozialdemokratischen Sportler gegen das schädigende Auftreten der Kommunisten wehren müssen, ist ein Gebot der Selbster Haltung, das bei den gegenwärtigen Berhältnisse» im Berliner Arbeitersport zur N o t w e h r wird. Daß die Kommunisten bei dieser Abwehr jetzt Heulmeiern, wollen wir ihnen nicht verargen. müssen bei der Gelegenheit allerdings sagen, was zu sogen ist und dabei fessstellen, daß es vielleicht besser gewesen wäre, wenn von Anfang an olle Arbeitersportorganisationen die Taktik des Arbeitersamariterbundes und der Naturfreunde befolgt hätten, die einfach jeden an die frische Luft fetzten, der ihre liest, grenzt geradezu ans ungeheuerliche und verdient eine organi- fiertc Abwehr. Beschimpfungen der Sozialdemo- kraten und ihrer Partei, der Republik und ihrer Farben, des Reichsbanners, sind dort an der Tagesordnung, fo daß es höchst« Zeit wird, daß sich der Bundesvorstand in Leipzig die Zustände einmal näher besteht. Auch in der.„Freien Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelde" haben die nichtkommunistifchen Mitglieder in den letzten Wochen zur Selbsthilf« gegriffen und haben sich zu einem erheblichen Teil der Freien Turnerfchast Groß-Berlin angeschlossen. Der Kampf, der dort von den Friedmann und Genossen selbst gegen den bisherigen Namen des Vereins, der ihnen nicht revolutionär genug klang, geführt wurde, hat den anderen endlich die Augen geöffnet und hat ihnen gezeigt, wohin der Weg führt. An sich sind solche Donquichoterien gegen Bereinsnamcn und Vereinsfahnen ja nicht neu. Wir haben sie vor Jahr und Tag bei den Freien Schwimmern in Charlottenburg auch erlebt und können fessstellen. daß in Chorlottenburg von den Oberrevolutionären nichts mehr zu sehen und zu hören ist. So wird es auch in anderen Vereinen mit all den Leuten gehen, die das Maul voll revolutionärer Phrasen haben, ober dabei immer nur erreichen, daß die ruhige Vorwärts- entwicklung der Vereine«uf das Empfindlichste g e st ö r t wird. Indes werden die anderen dafür sorgen, daß der Arbeitersport zu einem vollwertigen Zweig der Arbeiterbewegung wird! Resultatc der Serieuringkämpse in der Woche vom 2Z. Oktober bis zum 30. Oktober. S-Klasse. Liberias 96 II gegen Hennigs- darf: 9)4:181- Punkte. 1. Runde 9:5, 2. Runde 914:4)4 für Hennigsdorf. Spandau II gegen Eoncordia: 13: 5. 1 Runde 9: 5 für Eoncordia, 2. Runde 8: 6 für Spandau. Sondow Friedrichs- Hägen gegen Kraft Heil: 6: 22. Beide Runden 3:11 für Kraft Heil. -K l a s s e. Eiche 1999 gegen Alt-Wedding: 23; 5 für Alt-Wedding. Wir wiederholen' Hervorgegangen aus den Beobachtungen und Erfahrungen des engeren Haus» und Familiengebrauchs istMassary»Privat OHNE MUNDSTÜCK eine besonders feine 4= Pfg.» Zigarette, an der die Raucher viel Freude haben werden. VERKAUFSPREIS: ftücJl 4 � FO R M AT 1 rund und fLnch ART: ausgesprochen mild, blumig Dm uilkbaU! ( Urteilen Sic aclböt!) Luckenwalde gegen Norden SZ: 16:12. Seid« 3hmb« 8:6 für LucksnMlilde. Spanben gegen Cöpenick: 11: 17 für Köpenick J. Runde 7:7. 2. Runde 10:4. Termine für die Serienkämpfe in der Woche vom 30. Oktober bis zum 6. November. �-Klaffe. 4. November 1927. Norden 93 gegen Alt-Wedding. Turnhalle Pank- Ecke Wiefenstrake. 29 Uhr.— Nvrd-West gegen Eiche 1900, Turn Holl« Zwinglistr. 37, 19,30 Uhr. 5. November 1927. Liberias 96 gegen Luckenwalde, Turnhalle Charlottenburg, Spreeftrahe 29, 20 Uhr. fc-Klafse. 1. November 1 927: Berolina II gegen Tegel. Turnhalle Neukölln. Thomasstraße. 20 Uhr. 2. November 1 927: Kraft Heil gegen Einigkeit, Turnhalle Strausberger Str. 9. 20 Uhr. 4. November 1927: Sandow Friedrichshagen gegen Tegel, Turnhalle Fricdrichshagen, Bruno-Wille- Ecke Rahnsdorf er Straße, 20 Uhr. C-Klaffe. 3. Nooemberl927: Liberias III gegen Einigkeit II, Turnhalle Schöneberg, Tempelhofer Weg, 20 Uhr. 6. November 1927: Nauen gegen Berolina III in Nauen. Touristen»»rcin„DI« Naturfreunde", Zentrale Nie». Abt. Zriedrichabaiu: Dienstag. 1. November, 20 Uhr, Im Seim Sdertystr. 12.— Abt. aritbeuBiii Dienstag, 1. November, 20 Uhr, im Heim Offcnbacher Etr. Z».— Ab«. Starben! Dienstag, I. November, 20 Uhr, im Seim Sonne, tburger Str. 20.— AM. Treptow! Dienstag,). November, 20 Uhr, im Heim Elsenstr. Z. Heimabend. — Abt. Paniow, Dienstag, l. November, 20 Uhr, im Heim Sörschstr. 14.— Abt. Wcdbing: Dienstag, 1. November, 20 Uhr, im Heim Turiner Ecke isee» ftraßc.—«ewenungschor: Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, Schule Tempelhofer Weg iSchiineberg).— Abt. Steglitz! Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, im H-lm Albrechtstc. 12.— Abt. Siib-st, Zugendgrupp«: Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, im Seim Reichcnberger Sir B*i.— Abt. Prrnzlanrr»evtz! Donnerstag, L. November, 20 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 02. tSeschtiftlichc».•— Abt. Neinickendorft Donnerstag, L. November, 20 Uhr, im Heim Reinickendorf- West, Seideistr. l.— Abt. Tiergarten: Donnerstag,». Ziovember, 20 Uhr, im Seim Lehrter Str. 18/10.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, Z, November, 20 Uhr, in: Seim Parkaue>0.— Abt. Reuliilln: Donnerstag, z. November, 20 Uhr, Abt. Südwest: Donnerstag, tz. November, Porck- „WWW.(WWW...»Eine Alpenwanterung: In lliinig Laurentius Noitngarten,"— Natnrwiflenschaftltchr Abt.: Donnerstag, 8. November, 20 Uhr, Iohannisstr.]■'>.— Zaltbaotabt.: Donnerstag, tz. Rooemb«!� 20 Uhr, im Heim im Heim Steinmetzstr, 144. � iioe ftragc U, Lichtbildervortrag: ..»,.«7- u~llUVOlUn.: wDnnCCUHlQ, O.«w IM,*x. Landsberger Sit. 50.„Äanuparodise."— Abt. Rahibars: Donneritag, z. Ro» vember. 20 Uhr, In tlaulsdorf, Lbolfstr. 25. M Zilmaben». rincn großen___________________________________» Eislaufs" und„Der' Skiläufer im Selilnde." Mittwoch, 10. November iBußt 18 Uhr, im Städtischen Lichtspielhaus Ncukblln, Bergstr. 147. Eintritt 50 Pf. Nordgruppe, 4. Bczirl. Sonnabend, 12, November, Turnhalle Drakestratze, Lichterfeld«, Vorturnerstund«: anschließend Sruppensitzung. l. Preis ATSB, Sonnabend, 5., und Sonntag, 0. November, finden in Nerlin die tlreislehrswndcn für ltindcr-, ffrauen- und Männerturnwart« statt. Dazu werden Quartiere gebraucht. Wer einem Kinderturnwart Nachtquartier geben will, meide umgehend an Alfred Scholz, SO 38, Oppelner Str. IZ;«er einen Männerturnwart oder eine Turnein behebergen will, schreibe an Zciliuger, Echöneberg, Ebersstr. 50.— Die Lchrfiunden beginnen Sonnabend 17 Uhr. Für RInderwriien Pouch« straße in Treptow, für Frauenturnen Stein- straße, für Männer, und Iugendturncu Sormannstraße. Sonntag früh 8 Uhr siortsctzung. 14 Uhr in der Kulturstätte des Metallarbeiterverbande» Film- uorfilhruna und gemeinsame TechnikersitzunP. �""■ Bcrtreter senden, der mit Ausweis versehe S>«r»Iina bi>;t. Freilag, 4. November,_____________ HV■ lina Sicuiälln in der Turnhalle Thomasstraße Einladungsbortämvie. Eingeladen find Gegner aus den Vereinen Siegfried 00, Spandau und Liderta«. tiuaiie oe» wieiauaroeiirroeroanor»„inu- nitersttzung. Jede Abteilung kann einen versehen fein muß. Der streisturnausschuß. >ember, 20 Uhr, veranstaltet der SE. Bcro. Die Sonfutn-Iverbescha« im Beickiner(RewrffiHiiffrffetts«feb 6:rciiS am Eröffnungstage(Freitag) die überaus starke Besucherzahl von 2 0 00 Personen aus: am Sonntag, dem 30. Oktober, besichtigten rund 6000 Personen die Ausstellung, eine Ziffer, die bisher bei ähnlichen Veranstaltungen auch mcht annähernd erreicht wurde. Für die vier ersten Tag« der Werbeschau ist die Besucherzahl auf 13 000 Personen zu schätzen,«in Erfolg, der offenkundig zeigt, wie sehr die Konsum-Genvssenschaft Berlm mit ihrer Werbeveranstaliung in allen Bevölkerungstrelsen Berllns Anerkennung findet. Um eine Ueberfüllung der Ausstellungsraum« am nächsten Sonntag zu vermeiden, erscheint es ratsam, daß für dl« Besichtigung der Ausstellung den Wochentagen der Borzug««geben wird. Auch wochentags finden täglich bis Montag, den 7. November, von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends, mohrmaligs Wteder» holungen der Modevorführungen statt. „Eine Strauß- Revue". Am Sonntag ließ Johann Strauß aus W i e n.«in Nesse des großen Walzerkonigs, mit einem Konzert- orchester des Deutschen Musikeroerbandes die Kompo- sitionen seiner Vorfahren in dem ausverkauften Riesensaal der „Neuen Welt" neu erstehen. Cr zeigte sich dabei als ein glänzend« Interpret der unvergänglichen Werke seiner Vorgänger, d>« trotz oder gerade wegen der modernen Jazzmusik immer noch begerstern können. Der Zigeunerbaron, die Fledermaus, die blau« Donau, d»e Rosen aus dem Süden— all die alten, herrlichen Lieder und Walzer und Potpourris wurden wieder lobendig und zeigten mindestens so» viel Rhythmus als Foxtrott, Charleston und wie die modsriMN» alten Negertänze alle heißen mögen. Das große Orchester, gut be- setzt und zusammengestellt, folgte den Jntensionen de« Dingenten willig und akkurat.'Reicher Beifall erzwang manche Zugabe. Der Giskgaskrieg der. Zukunft. Die Deutsche Liga für Menschenrechte E. B. veranstaltet am Freitag, dem 4. Rovem- der 1927, 20 Uhr in den„Spichernsälen", Spichernstr. 3(Untergrund- bahnhos Nürnberger Platz), ein« Groß« Versammlung. ,n der(Sc- nemlmajor a. D. Dr. h. c. Freiherr von Scho enaich Und der Profesior der Chemie Mehner über dos obig< The na sprechen werden. Den Vorsitz hat Dr. E. I. Gumbel übernommen. vezlrksbUtzuagsausschuß Sroß-Serlia. Nächste Thealervorftellung«n Sonntag, dem 6. November, nachmittags 3 Uhr im Staatliche» Schiller- Theater, Charlottenburg, Bismarck-, Ecke Grolmanstraßc«. Zur Sosiilhrunz gelangt ein Lustspiel von Heinrich von kielst.Ampbhtrion". Preis der Karte tLd M. Karten find zu haben in der Buchhandlung BonvartS, Lindenftr. 2, Zigarrengeschäst Harsch, Engelufer 24—25. Tabakorrtrieb GSS.. Jnsclstr. 6, Verband der Graphischen Hill den Vm GS«.. Jnsclstr. 6, Verband der Graphischen HUfSarbeiter, Ritl-rftr. 1. t» orwartSspeditionen, bei den BlldnngSobleuten der kreise und Ab- tellunacn und im Bureau deS BeziriSbUdungSauSschusiet. Lwdenftr. 3, 2. Hos II. Zimmer 8, sowie DienStagS und strettag» von V«6—'/«S Uhr abend« in der«ibiiothrk. Lindenftr, 3. 2, H. II.—««»«ari« Treptow Karten zum Vorzugspreise von 60 Pf. Bureau de» BezirlSblldungsauSschusses zu ig für alle Plitz«) find im oben. ZMkch-nfchan M rtich. Siiiit rückt sie wieder heran, die Wunschzeit der Kleinen. Und ircnn's auch oft bei der ungestillten Sehnsucht bleivt, sehen und be- Mündern dürfen ist auch schon was wert. Vater Tietz hat in seinen oarschiedenen Filialen allerlei nette Ueberraschungen für seine kleinen Besucher. Im verdunkelten Raum in kleinen Kojen untergebracht ziehen lustig« Märchenfiguren an den entzückten Zuschauern vorbei. In der Leipziger Straße präsentiert sich der kleine„Daumes- dick", der auf srohe Wanderschaft zieht und nach seinen verschiedenen Freuden, und Leidensstationen wohlbehalten wieder bei den Seinen anlangt. Am B ell«. Allio n c e- P l a tz ist der„Sestieselte Kater" zu sehen, in der Frankfurter Allee„Frau Holle": in jedem der verfchiedenen Stadtbezirke wird ein andere» hübsches Märchen gezeigt, und in großen Scharen pilgert das klein« Publikum zu der ebenso hübschen wie billigen Märchenausstellung. Daneben gibt es allerlei interessante Neuheiten auf dem Hpielwarenmarkte zu sehen, u. a. eine sich mechanisch bewegende Hundesamilie, wovon ein vierbeiniger Vertreter zum Gaudium der Anwesenden„Männeken piß" spielt. Zauberer führen allerhand Kunststücke vor und zeigen sogar, wie's gemocht wird: kurzum, es riecht nach Weihnachten und die Wunschliste wird bereits eingehend in Betracht gezogen,„Bato. kiek, Mutta, sieh mal," tönt es aus all den kleinen Mündern, und die kindliche Begeisterung schwelgt hoch über allem Erdenjammer. Weinkeller im Nordosten. Zur Besichtigung ihrer Kellereien in der Saarbrücke? Straße hotte die Firma C. E. Gerold Sohn eingeladen. Die Kellereien befinden sich in den Räumen der ehemaligen König- städtischen Brauerei, Ecke Saarbrücker. Straße und Schön- hauser Allee. Die hohen Gewölbe, in denen immer eine gleichmäßige kühle Temperatur herrscht, eignen sich ausgezeichnet für die Lagerung von Weinen. Di« Gesamtfläche beträgt annähernd 4000 Quadrat- meter. Hier lagern in Fässern% Millionen Liier, daneben ver- fügt die Firma über«inen ständigen Vorrat von>4 Million Flaschen- wein. In einem kurzen Ueberblick skizzierte Dr. Erich Rossen- deck, der kommandittstisch an der Firma beteiligt ist, die Entwicklung von„C. S. Gerold Sohn". Das Gründungsjahr ist 1804. Damals eröffnete Gerold die Weinhandlung unter dem Titel„IwLenerwaren- Handlung". Dos seit 1900 ausgebaute Filialsystem, übrigen» dos erste Unternehmen dieser Art in Berlin, umsaßt heute, eingerechnet die neue Filiale am Kaiserdamm in der Röhe der Messehallen. zweiundzwanzig Weinstuben. Die alleren wie die neuesten Gerold- stuben zeigen in ihrer Lage das Prinzip der Firma, immer an den belebtesten Plätzen der Stadt vertreten zu sein. D»«ch die»aaatlich wiederkehrende» hrende» Sztraangedote: Zeven 7.«, 4. bei Adam di» Freitaz, 4. November, wieder weitesten ist va» Die»»tag. 1. November, di« Freitag, 4, November, wieder Kreise»»eleaenheit oegeben, die bekannt gvie Adamsch« Kleidung ffl: Damen, Knabe»(mbu Wäsche, und Modeartikel zu niedrige» Preis« zu känne». l u Herren. rsen kaufen WfiWlÄ tr—, r-enev<■»'»«»-» � | tllenstg., 1. 11.27 Staats-Oper ! Arn Pl.d.Repudl. Ant 7Vj Uhr Tosca Stufl. Sdunsiiiclh. (n Gendirmniiartt 8 Uhr Maß für Maß Dienstg.. I.II 27 Stidtisdie Oper B isrnarckstr. ih.-Trj.ir M.V/, Troubadour Staat). Sthillertfi. Charlottenburg 8 Uhr HenM tenii Norden 10334—37 U. Endel! U. Donfbea lopraanfl v.Oerh. Hauptmann Rijit: Max Reinhardt Karamerspieie Norden 10334— 37 73/4 Uhr; Ende nach 10 Uhr. ffHaya(( Unsjüel«• Si™ Enttlta Regie: Gaston Baty �/oBks büh ne Itieitir 3qi Bölowplali V/t Uhr Tb. in Sdiilflunrilinm 8 Uhr Daru: Der gemattldie Kommiealr Is�KomlsdieOpcrsH Neuartiges R«vue*StUck lAISes Nackt! I (Nach der gleichnamigen Pariser Revue„Tout NU") 200 Mitwirkende! Original-Pariser KoatOma Parkett 3,80 Mtz. [Theaterkasse ununterbr.geflftn, Nollendon 7360 Heute PREMIERE CROCK und welteran 9 Internat. VarleUatara Heute: Premiere I Dayelma-Ballelf Beüy campson Ciaire Waldau leo Penkerl „Boxkampf" PliETTO- ein deolstfierRaslelH 9 sowie Internniionale Variete Reu Nettau Die Komödie Bismarck 2414/7516 VI, Uhr, Ende I0>,. Zinsen Komödie von Bernard Shaw Piscatorbflbne ibeat. l ItilHbirfpliti Kurf Urs» 209I/M 8 Uhr: fioppla, wir lebeo von Ernst Toller Inx. Erwin PUctlor lincnN-SUhn» Th. K&nieträts. 81. Bergm. 2110. 8U. Gustav III von Strlndberg. Bejit; liciwBanmkr KomAdlenhaos Norden 6304. 8'/, Hokuspokus Berliner Theater Dönhoff 170. 6*1, Der Octtterzug Trianon-Th. Tigl. Vi, Uhr: Erika Glisaner in Soontbcnd 4 Uhr: Künstler-KasperletlL darauf Häntel u. Qratal !all8Dl)d. und Sonntag: Zum 1. Male 5.Nov.nachm.4U. Marion dl en- Kladerrot stetig. Lesslnt-Theater 8 Uhr SdiindorliaiinEJ Täglich 8 Uhr: Gesamtgasttpieldet Herroteld-Tlieaters Wer ist der Vater? HnreWt. Ortader. Mittwoch 4 Uhr: Häned nnd Grete! Kleine Elntrittspr. Jedes Kind crh. ein schönes Geschenk. Theater des Westens 8 Uhr: Gastspiel Prltzl Massary Eine Frau von Forma Luslsplclhaus 8>/, Uhr: .Filinronaiitik" idiaupielbaiR. rial. II Coda VI» neu» CHAR1LL' InaienleraBg! ir<' Mai PalleDbeni SU» Georg Be-Odow 3«nkuhn SzSkeSukaH Werkmeister Wcstermeler MM Girl: Mlttw,Sonnab.o. Stg. nachm. 3 Uhr Keidnardt von mit Werner KrauS zu kleinen Pr. Ververknnl fftft uur STOPP■ SCMAV TUeei Täglich 8'/, Uhr: An mdesbeiiner SdilofistehteiRe linde Parkett statt 4 Mk. lägt, auch Sonntags mir so PL 'MIttw. nachm. 4 U Aadteabrödd Parkett v. 30 Pf. an. bleue» Theater am Zoo Täglich 8 Uhr Die Hoteiratte Operette v. Bromme tlü» Kdr. Paii Heidin nn Theater in der bamidaiitnutr, 8 Uhr; Per große Erfolg! IdiOu setm wir ans! m. Henry Bender Dönhoff SO-S Hose-Theater 8'/, Uhr: CharleysTante Circus Busch 8 Uhr: Das gr. Circusprogramm im Ranmen der Manegeschau Vicki wettet um die Welt Sonntag Z>/. Uhr halbe Preise Premiere Berlins größtes Die Fahrt ins Märebeolaoil. äossteuükigshallen am kaiserdamm 22.0MT0BER wsläNCMMBER (weSffhet: Tftglich von 9 I hr vormittaes bis lO L'hr abda. Eintrittakarten zum Preise yon 1.50 M. sind «n den Ansstellnnpskassen sowie an den Schalter n der Stadt- und Ringbahn, der Hoch- und Dntergrrnnd- bahn und bei denScbaffnern der Straßenbahnlinien: _ 63. 72, 75 und 03 zn haben. Theater Plantarisoi am Zoo Vwliq. imtdiaiNuierstni, Noll. 1578 Dar ttornanlüB nal nf der Helsa ran SarUa Back dem Aequator VorfOhrungcn; 6. Vi,, 9 L'hr. Eintritt 1 M. fmilef int. Ii Jalim O.SO»■ ■elropde-Tlieat. Tägl.S'hUhr Der gr. Operetten erfolg!— Die Ueber 200 Aufführ Martin Kcttacr Rürtj.liUwig.islI, Biylern.a Philharmonie 8 Uhn Beettioven-fllieoii des Philharm.Orch. Dirig. Prof. Dr. Felix M. Oatz Bruckner-Chor IX. Sinfonie 1l im Mniralspalast Täglich 8% Uhr Die neue HAUER REVUE maua-meaier 8 Uhr Der rote Hahn esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwärt»" und trotzdan NdtMSN CASINO-THEATER dunr Die Paula vom Metropol. Aiuaduciden 1 Gutschein I— 4 Pcrs. Fauteuii nur 1,10 Sessel nur>,60 M. B Renaissance Steinplate 901.— Täglich 8 Uhr; Giovanni itAnnaliella Metropol 'arietd Kabare tr* 1 Maßgebende Stätte der guten I UnterbaltungiBioFrledrlcDSladl| Dir. Alex Braune 1 Behrenstr. 53 54 Tel. Ztr. 7956| 81» Eis Mualosa hnimlla fll Eliteprogramm O WILLI PRÄGER , mit neuen Schlagern |SxAke S z a k a I 1 inl „Schon wieder Sauerkohl...rl und weitere 10 Attraktionen 1 >2 Kapeilen 2Kapellen| Jl /slllir Metropol-D lele 1 1 1 /, Ihr Nachtkabarett Theater am Kotthasser Tor Kottbosser StraBe 6. Täglich SV. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger im sroOen Novembcrprorr Volkspreise von 50 Pf. bis 2�0 M. Sonntag nachmittag; flreste EuaUUeu-VorstelUiBst Voiles Progr. Kl. Preise v. 40 PI. b. 1.75 M Jlire Küchengeräte werden, wenn mit YIM geputzt, ebenso wie Ihr Koch- und Tischgeschirr, stets sauber und appetitlich aussehen. VIM putzt Holz, Porzellan und Metall; prächtig reinigt es auch Ihre Hände. VertessstrtePackung ZVpsg. Kein Verstopfen des Blechstreuers Rcichahallen•Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzell in der MfilleratraBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff» Bretl'li Variote, Konzart, Tanz Dienstag, den I.November nachm. 1 Uhr Ab heute wewer Spielplan! lOO'LOwen-Circas 1 Kapiian Schneider! Priaxen» Allee Fernruf Moabit 4«» Ooawacsfaa. da» 3 Jtcoember, abenö» t Ahr. in Boefrr« Jeff(dien (Zuh. Milte), IDcbocftt. 1 Z Branchenversammlung aller Schmiede aus den Znuuug»-. Groß«, Jnhrmorf»-. Karosserie«. Brauerei-, Schrauben« n. Riefen« betrieben. Tageavrduuntz: l. Bortraa de» Kol!. stach II Ii den.Ardeitsvermittelung und Ardeitalosenverstcherung". 2. Branchen- angelegenhciten und Berschiedtne«. gahireicher Besuch wird erwartet. Dia OrtonrrwoffvwU. Venn Sie den �-- Kapitan- Kopenbaoener-Kantabak �... einkaufen, fordern Sie nicht einfach nur Dänischen Kautabak, Kapitän« Kopenhagener Dieser wird nur in Papier verpackt geliefert; un- ,, verpackte Ware ist gefälscht, meist wertlos. Verkaufsstellen durch C. Röckar, Berlin NO, �LjcMenberger Str. 22.— Telephon; KOnigsfadt 3861 � Amt Firma adjtewt«rar. 1891. 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Die Mißgunst des Privat- kapitals begleitete den preußischen Staat, als er im Jahre 1923 die Großkraftwerke Hannover und Oberwefer und im Jahre 1928 die Beteiligungen am Rheinisch-Westfölischen Elektrizitätswerk, an den Nordwestdeulfchen Kraftwerken und an der Brauntohleninduftrie A.-G. Zukunft" erwarb, die heute die Hauptstücke der neuen Ge- fellschaft darstellen. Dem preußischen Staat wurde insbesondere von kapitalistischer Seite der Vorwurf gemacht, daß er die Hoheiksrechte des Staates zur Förderung feiner Unternehmerinteressen benütze, und der preußische Staat hat denn auch das Zugeständnis gemacht, daß die Enteignungsangelegenheiten einer anderen Abtellung übergeben wurden, nachdem sie bisher von der Abteilung wahrgenommen wurden, die die preußischen Werks- und Beieiligungslnteressen ver- waltet. Das zweit« Zugeständnis�, von dem aber zu hoffen ist, daß es der öffentlichen Wirtschaft nur Nutzen bringt, ist die Gründung der neuen Gesellschwst. Die Zusammensassung der elektrowirtschaft- tichen Interessen Preußens begegnete aber auch parlamentarischen Schwierigkeiten. Obwohl über den Willen des Preußischen Land- tag» kein Zweisel bestand— mit überwältigender Majorität hatte der Landtag das Gesetz angenommen—> opponierte der preußische Staalsrot. Geschäftige Leute, die wohl in de- Hauptsache dem Zentrum nahestanden. verlangten für die Veräußerung von Aktien eln besonderes Gesetz, statt der einfachen Zustimmung des Landtags, den Sitz der Gesellschaft nicht in Berlin, sondern in der Provinz, und vor allem die Vertretung des Staatsrates durch zwei Mitglieder im Auf- sichtsrat. Dieser Widerspruch hatte den einzigen Erfolg, daß die Gründung überflüsiigerweise oerzögert und das Gesetz dennoch ohne Abänderung am 24. Oktober verabschiedet wurde. Die wirtschaftliche Dedeutuag der Gründung ergibt sich aus folgenden Daient rein gebletlich handelt es sich bei der Preußischen Elektrizitäts-Aktiengesellschaft um das größte Unternehmen seiner Art; über 50 000 Quadratkilometer, im Norden begrenzt von der Linie Emden— Wismar, im Süden reichend bis Frankfurt a. M. und sich an den beiden Weserusern entlang ziehend, mit 8 350 000 Einwohnern, umsaßt das Gebiet, das zu den Elektrounternehmungen Preußens gehört. Fusioniert werde a drei Werke, die Preußen hundertprozentig besitzt: die Großkraftwerk Hannover A.- G. mit S Millionen Mark Kapital, 42 350 Kilowattleistung und einer Jahreserzeugung von 88 Millionen Kilowattstunden, die Preußische Kraftwerk« Oberweser A«G. mit 10 Millionen Mark Kapital, 73 040 Kilowattleistung und 185 Millio- nen Kilowattstunden, die Gewerkschaft GroßkraftwerkMain- W e f e r mit 5 Millionen Mark Kapital, 32 800 Kilowattieiswng und 73 Millionen Kilowattstunden Jahreserzeugung. Dazu treten alle VeteiNgungea eleklrowirtschaftlicher Art. die der preußisch« Staat außerdem besitzt. Es sind das in der Haupt- jache: Ostpreußenwerk A.-G. in Königsberg 7,42 Millionen oder 41 Proz., Ueberlan'dwerk Oberschlefien A.-G. 1,78 Millionen oder 37 Proz., Rhein-Main-Donau A.>G. 0.3 Millionen oder rund 11 Proz, Nordwe st deutsche Kraft- werke A.-G. 8,44 Millionen oder rund 75 Proz., Rheinisch- Westfälisches Elektrizitätswerk 12 Millionen oder 8,8 Proz, Braunkvhlenindustrie A.- G.„Zukunft� 8,9 Millionen Stammaktien(55 Proz.) und 0,98 Millionen Vorzugsaktien(98 Proz.), Lahnkrastwert« A.-G. 0,85 Millionen oder 38 Proz., Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen 2,0 Millionen oder 4L Proz., Großkraftwerk Erfurt 0,31 Millionen oder 8 Proz., und Ueberlandwerke und Straßen- bahnen Hannover A.-G. 8,0 Millionen oder rund 50 Proz. Dazu treten noch zwei kleinere Beteiligungen am Kommunalen Elektrizitätsverbond Westfolen-Rheinlond und der Hessen-Nasiauischen Uebcrlandzentrale mit 7,1 bzw. 28 Proz. Insgesamt weiden Itomiaalbeteiligungen im Betrage von 46,77 Millionen Mark neben den drei Großkraftwerken Hannover, Oberweser und Main- Weser eingebracht. Das Gesamtkapital der Preußischen Elettrizitäts- A..G. beträgt 80 Millionen Mark. Das vom preußischen Staat den drei Großkraftwerken überlaffene Gesamtbaudor- lehen wird den drei Werken als Eigenkapital überlassen, wogegen die Preußische Elektrizitäts-A.-G. im gleichen Betrage dem preußischen Staat Aktien zum Nennwert übergibt. Dasselbe gilt für Darlshensfordmmgen des Staates gegenüber jenen Gesellschaften, deren Staatsbeteiligung auf die neu gegründete Aktiengesellschaft übertragen wird. Di« Gesamtsumme der Darlehen beträgt rund 42 Millionen. Deiriebsgesellschast und Holdinggesellschaft. Die neue Preußische Elcktrizitäts-2l.-G. ist einmal B e- t r i e b sg e s« l l s ch a f t für die drei Großkraftwerke Hannooer, Oberweser und Matn-Weser, sodann Holdinggesellschaft für die zwölf aufgeführten Beteiligungen. Dabei handelt es sich r e ch t- l i ch nicht eigentlich um eine neue Gesellschaft. Bielmehr werden zwei Kraftwerke mit dem größten Werk Oberwefer susio- niert, deren Aktienkapital wird von 10 aus 80 Millionen erhöht. Dl« Gründung erfolgt durch drei Verträge, einen Fusionsoertrag zwischen Hannooer und Oberweser, einen zweiten Fuswnsvertrag zwischen Main-Weser und Oberweser zur Einbrin- gung des Werksbesitzes, und einen dritten Vertrag zwischen dem preußischen Staat und Oberweser zur Einbringung der Beteiligungen und Darlehensforderungen. Der Sitz der Gesellschaft ist Berlin W 10, Motthäikirchstraße 31. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Nach den vom Landtag genehmigten Statuten ist ein Bor- st a n d von wenigstens zwei Personen zu bestellen. Der jetzt vier- löpfige Vorstand besteht aus Generaldirektor Frank, dem Ministeriol- direktor Jacques vom Handelsministerium und den Ministeriol- röten Heyden und Roemer. Nach den Beschlüssen der Gencraloer- sammlung besteht der A u f s i ch t s r a t zunächst aus 26 Mitgliedern, darunter 11 Landtagsabgeordnete, 8 Vertretern Preußens, 3 Der- tretern des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks sowie von Der- tretern der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen, der Bayern- werk A.-G.» des Elettrozweckverbondes Mitteldeutschlands, der Ver- einigung kommunaler Elektrizitätswerke, endlich Oderbürgermeister Dr. Londmann, Frankfurt a. M.. und Genosse Or. in?. Majerczik. Bei den Kraftwerken Hannover und Oberweser werden Beiräte mit begutachtender Stellimg gebildet. Die Vertreter des Staates und des Landtags müssen mindestens die Hälfte des Aus- s i ch t s r a t s bilden. Den Vorsitz im Aufsichtsrot führt Ministerialdirektor Dr. Staudinger vom preußischen Handels- Ministerium. Die sozialdemokratische Fraktion des Preußischen Landtags hat die Genossen Waentig, Leinert und Haes« in den Auftichtsrat entsandt. Die bei der Gründung verfolgten wirtschaftlichen Ziel« sind die Verhinderung weiterer Zersplitternng in der Elektrowirtschaft. die Sicherung der wirtschaftlichen s�rafterzeugung und Krastoertei- lung und«ine gesunde Strompreispoiitik. Straffere und Wirtschaft- lichere Verwaltung, bessere Ausnutzung von Konjunkwrschroankungen, größere Finonzierungsmöglichkeiten und Ersparnisse In der Verwal- tung sind weitere Vorteile. Eine Absicht, an den Kapitalmarkt heran- zutreten, um neue Anleihen aufzunehmen, besteht zunächst noch nicht. Im Interesse der Rationalisierung der deutschen Elektrowirtschaft ist die neue Gründung in seder Hinsicht zu begrüßen. Sie ermöglicht einen einheitlichen Betrieb großer staatlicher Elektrizitätswerke und die einheillich« unv vom Instanzen- zug der Verwaltung unabhängige Wahrnehmung aller sonstigen elektrowirtschastlichen Jnteresien des preußischen Staates. Die V o r- aussetzungen zu größeren Erfolgen, als sie bisher erreicht wurden, sind jetzt gegeben. Die Leitung der neuen Gesellschaft hat zu beweisen, daß sie zu diesen größeren Leistungen sähig ist. Bisher war es ein Krebsschaden der öffentlichen Kraftwirtschaft in Deutschland, daß die verschiedenen öffentlichen Unternehmer viel weniger mit- al» gegeneinander arbeiteten, nicht zum Nutzen der össentllchen Wirtschast, meist zum Vorteil der Privat- Wirtschaft. Die neu« Gesellschaft wird deshalb auch den Nachweis zu erbringen haben, daß sie nicht nur als Unternehmung überhaupt, sondern als Glied der öffentlichen Wirtschaft die Gesamtinteressen der deutschen Kraftwirtschaft zu fördern vermag. Dabei kommt es keineswegs immer darauf an. den Clektrvsrleden um I e d e n Preis anzustreben. Aber an Stelle der bisherigen Kon- kurrenz, di« die einzelnen Glieder der öffentlichen Hand sich g e g e n- fettig bereiteten, muß ein Zusammenwirken treten, das in seinem Verhältnis zur Privatwirtschaft die öffentlichen Interessen in erster Linie fördert. vis obigen Angebote stehen Ihnen ab lungen können nicht berücksichtigt wcntenl Htm Zahlabend in allen Bezirken StSS." Deutsthöfterreichs Wirtstbostsstbickfal. Ein Vortrag vor Berliner Wirtschaftspolititern. Auf Einladung des Oesterreichisch-Deutschen Volksbundes und unter dem Vorsitz des Reichstagspräsidenten Genossen Lö b e oersammelten sich gestern abend im ehemaligen Herrenhaus zahlreiche Anschlußsreunde und wirtschaftlich interessierte Persönlichkeiten, dar- unter auch Vertreter der freigewertschaftlichen Arbeiter- und An- gestelltenverbände. Sie hörten gespannt den Vortrag des Salz- burger Handelskammersyndikus Dr. Gebert, der ausführte: Der Kampf um den Anschlußgedanken in Deutschösterreich ist vielfach in Parallele getreten zur Frage nach der Lebensfähig- k e i t Oesterreichs. Wenn auch jeder Kenner der Dinge weiß, daß der Zusammenschluß mit dem deutschen Mutterlande weit mehr be- deutet als eine Förderung der Wirtschaft, daß vor allem Momente sitilich-tultureller Art. Nationalfragen stark mit hineinspielcn, so hat sich doch ein Gutteil der Oeffentlichkeit daran gewöhnt, die Anschluß- srag« immer ausschließlich unter dem Gesichtswinkel zu betrachten: wird der Zusommeirschluß eine Besserung unserer wirt- schaftlichen Situation bringen können oder nicht? Etwas anders liegen die Ursachen für den Wechsel in der Hal- tung der österreichischen Regierung gegenüber der Anschlußfrage: hier ist deutlich zu merken, daß in Zeiten besonders drängen- der Wirtschaftsnot fallweise größere Geneig-t- h« i t zu bestehen scheint, dem Drängen der Wirtschaftsgruppen Rechnung zu tragen und dem Anschluszproblem und seiner Durchführung größere Beachtung zu schenken; wenn die Regierung in solcher"Situation meist auch versuchen mag, sich einen Ausweg in besonderen außenpolitischen und handelspolitischen Ver- Handlungen ossenzuhalten, wenn sie im Frühjahr 1926 nach den Bölkerundsgelehrten rief, wenn sie sich im Frühiohr 1927 neuerdings mit dem Plan einer engeren Wirtschaftsverbindung mit der Tschechoslowakei zu befreunden schien, so zeigte sich die ofizielle Stellung zur Anschlußsorderung in solchen Zeiträumen doch immer wohlwollender und freundlicher, namentlich wenn da- neben auch politisch erstarkende Gruppen, wie etwa der Land- b u n d die Anschlußsorderung besonders nachdrücklich betonten. Rasch aber scheint wiederum ein Umschwung eingesetzt zu haben: der besonders günstige Verlauf der F r e in d e n s a i s o n. eine überdurchschnittlich« Ernte, ein schwaches Ucbergreisen der von Deutschland ausgehenden Konjunkturbelebung in Mittel- curopa überhaupt auf Oesterreich, hat mit einem Schlag die un- cntwegten Vertreter eines selbständigen Oesterreichs ermutigt; schon hört man wenig mehr Offizielles von wohlvollender Haltung gegen- über der Anschlußsorderung, man betont mit um so größeren Nach- druck die.glänzende" Wirtschaftsentwicklung Oesterreichs, die«ine engere Verbindung mit anderen Wirtschaftsgebieten nicht unerläß- lich erscheinen lasse, die vor allen, nicht durch den Hinweis auf die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses mit Deutsch- land gestört werden dürsel Dazu kommt das Hochgefühl des Sieges über die Sicherung der Voraussetzungen für eine neue Invtstitionsanleihe, deren politische Konsequenzen kaum ernsthafter überlegt zu sein scheinen, mögen sie auch nicht in para- graphierten Verträgen festgelegt sein, kurz: man lebt, ist froh und munter! Wer aber Oesterreichs Wirtschaftslage kennt und sich nicht im Hochschwung momentaner Sicherungsgesühle blind vor die Wahr- heit stellt, der weiß, daß die gewiß erfreuliche Besserung der öfter- reichischen Wirtschaft während der Sommermonate zwar dazu bei- tragen kan» und wird, die Situation Oesterreichs für eine Zeitlang wirtschaftlich zu sichern und ernsthafte Erschütterungen in der nächsten Zeit zu verhüten, er weiß aber ebenso bestimmt, daß damit noch lange nicht alle Sicherungen für eine dauernde Erhaltung der wirtschaftlichen Existenz bei gleichzeitiger Sicherung eines der historischen Entwicklung und Bedeuwng Oesterreichs angemessenen Kulturniveous gegeben sind, daß dafür nur der Zusammen- schluß mit dem deutschen Wirtschaftsgebiet ehrliche und dauernd« Sicherungen gibt. Deshalb bleibt die Forderung des Zusammenschlusies mit dem deutschen Wirtschastsgebiet nach wie vor die ernsteste und dringlichste Forderung der Wirtschaft in Deutschösterreich und des ganz überwiegenden Teiles seines Volkes. Oer Nuhrtrust baut Stahlhäufer. Die Vereinigte Stahlwerke A.-G. macht einen neuen Geschäfts- zweig auf. Sie hat die Vorbereitungen beendet, um in großem Maß- stab« die Produktion von Stahlhäusern aufzunehmen. Nach dem bisherigen vorläufigen Produktionsprogramm sollen jährlich etwa 1500 St a h l h ä u s e r verschiedener Typen hergestellt werden, und zwar find Einfamilienhäuser aus Stahl nack) drei Arien vorgesehen: Dreizimmerhäuser zu je 6969 Mark, Vierzimmerhäuser zu je 8999 Mark und Fimfzimmerhäuser zu je 19 999 Mark. An der Produktion sollen auch andere Firmen beteiligt werden: genannt werden die Berliner Firma Bamag-Meguin und die Berlinische Bau- gcsellschast für den Osten, während die Firma Gebrüder Achenbach- Weidenau für den Westen arbeitet. Die Interessen der beteiligten Firmen sollen in einer besonderen Stahlhaus-Baugescllschaft vereinigt werden, die in Duisburg ihren Sitz hat. Die Reichslndexzlffer für die cebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung. Bekleidung und„sonstiger Bedarf) beläust sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Oktober auf 159,2 gegen 147,1 im Vormonat. Sie ist sonach um 2,1 Proz. gestiegen. Für diese Steigerung hat die infolge der Heraussetzung der gesetz- l i ch e n M i e t e erfolgte Erhöhung der Wohnungsausgaben den Aus- schlag gegeben: die anderen Bedarfsgruppen haben Steigeningen geringeren Umfangs aufzuweisen. Die Indexziffern für die ein- zclnen Gruppen betragen(1913/14— 199): für Ernährung 151,6, für Wohnung 125,4, für Heizung und Beleuchtung 146,1, für Be- klridung 162,3, für den„sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 185,3. Die Bedeutung der Rationalisierung für das deutsche Wirt- schaftsleben ist das Thema einer Vortragsreihe, die zwischen dem 5 November und dem 5. Dezember in der Handelshochschule, Berlin, Spandauer Straße 1, 29 Uhr, stattfinden wird. Veranstalter ist die Industrie- und Handelskammer zu Berlin, die aus den verschiedenen Wirtschaftsgebieten bedeutende Sachverständig« verpflichten wird. Es werden u. a. sprechen: Generaldirektor Dorpmüller von der Rcichsvahn-Gesellschaft, Direktor Karl Lange vom Verein Deutscher Maschinenbauanstalten, Karl Köttgen von den Siemen«- Schuckert- Werken, Staatsnunister Doows vom Preußischen Oberverwaltungs- gericht sowie die Pofessoren Dr. Julius Hirsch, Dr. Moritz Bonn und Dr. Nicklisch. Für den Einzelvortrag kostet die Teilnehmerkarte 2 Mark, die Gebühr für die ganze Serie von 16 Vorträgen beträgt 15 Mark. Man kann nicht sagen, daß die Gebühren für die Vortrags- reihe billig wären: für die Arbeiter, und Angestelltenschast dürsten Beträge in solcher Höhe m einem Monat kaum zu erübrigen sein. Dle westdeutsche Papierindustrie kann ihre Auftröge nicht be- wältig», n. Der Reisholz- Konzern in Düsseldorf, dek� in seinen vier bedeutenden Werken über 1999 Mann beschäftigt, gehört mit zu den leistungsfähigsten Unternehmen der deutschen Pap:erindustrie. Die H o ch k o n j u n t t u r in diesem Industriezweig wird in dem Ge- schästsbericht der Reisholz-A.-G. dadurch gekennzeichnet, daß ihre in jeder Hinsicht modern'sierten und leistungsfähigen Betriebe nicht in der Loge waren, mit dem Bedarf Schritt zu halten. In- folgedcssen sah sich die Gesellschaft zur Aufstellung einer neuen Zeitungsdruckpapiermaschin« genötigt, durch die eine etwa d r e t ß i g- prozentig« Pro.duktionssteigerung erzielt wird� Bei der Beurteilung des Jahresabschlusses für 1926/27 ist zu berücksich- tigen. daß die letzten beiden Jahre für die Gesellschast bereits sehr ertragreich waren und eine zwölfprozentig« Rente ergaben. Daß trotz der bedeutend gestiegenen Umsätze«in mit 9,83 Millionen Mark fast gleichgebliebener Reingewinn ausgewiesen und eine Dividende in der Höhe des Vorjahrs gezahlt wird, ist in diesem Fall nicht entscheidend, da sehr große Mittel für Neu- investionen beansprucht wurden. So wird die neue Zeitungs- druckpapiermaschine, deren Wert sich auf 2,9 Millionen Mark be- läuft, aus lausenden Eingängen bezahlt. Da diese Summe den Reingewinn um mehr als dos Doppelte übersteigt, ist leicht zu ersehen, wie wenig entscheidend der ausgewiesene Reingewinn sür die tatsächlichen Gewinne sein kann. In dem neuen Geschäfts- jähr hat die volle Beschäftigung der Werke bisher angehalten. Eigenheime für Landarbeiter aus der produktiven Erwerbslosen- sürsorge. Die auf Grund des Heimstättengesetzes als Heimstätten zu Eigentum ausgegebenen Einfamilienhäuser werden in den Kreis der aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge zu fördernden Bauvorhaben eingezogen. Das ist das Ergebnis einer Verständi- g u n g des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt mit den, Reichs- arbeitsminister zur Belebung des Baues von Landarbeitereigen- Heimen. Voraussetzung ist, daß die Häuser den Bedingungen« n t- sprechen, unter denen Landarbeiterwohnungen aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge gesördert werden können. Das in dielen Fällen zu gewährend« Tilgungsdarlehen beläust sich auf 79 Mark je Quadratmeter Grundfläche, auf 45 Mark je Quadratmeter Stallsläch« und auf 29 Mark je Quadratmeter Scheunenfläche. Das Reich in der Margarineindustrie. Unter Beteiligung d e r V i a g, der Reichstrcditgesellschaft, Berlin,»nd anderer Firmen ist eine neue Margcrinesabrik(Margarinewerk Ostfriesland A.-G.) mit einem Grundkapital von zunächst 499 999 Mark errichtet worden. Die Margarinewerk Ostfriesland G. in. b. H. bringt das von ihr betriebene Geschäft in die neue Gesellschaft ein, während die Deutschen Margarine- und Speisefettfabriken in L i q u. in Berlin ihr in Bremen gelegenes Grundstück in die Gesellschaft einbringt. Bei der letzteren Gesellschaft handelt es sich offenbar um die Haselhorster Fabrik, ehemals Deutsche Werke, die seit langer Zeit stilliegt. Deutsch-polnischer Zollkrieg und osteuropäischer Frieden. In einem Artikel des„Temps" wird von den Folgen gesprochen, die sich aus der Beendigung des deutsch-polnischen Zollkrieges ergeben würden. Die Aussichten sür die Lösung des deutsch-polnischen Wirt- schastsproblems hatten sich nach der von Stresemann abgegebenen Erklärung, daß d«r deutsch-polnische Zollkrieg behoben werden müsic. erheblich gebessert. Das sei um so bedeutungsvoller, als die Lösung aller auf Osteuropa lastenden Fragen, die eine ständige Gefahr sür den Frieden bildeten, ohne eine Entspannung zwischen Berlin und Warschau nicht möglich sei. "'S. November Eine Schachte! Creme Pra/inen BEI EINKAUF FÜR 5 MAQK ZUCKER. AUSGESCHLOSSEN 7 Tafel Vollmilch-Schokolade BEI EINKAUF FW 2 HAFK ZUCKER AUSGESCHLOSSEN 1 Riege! Vollmilchschokolade & DP! PIMI/AI IP Pf'ID MADl/ BEI EINKAUF FW 1 MAPK Zucker ausgeschlossen In QroA-Bnrllni C. in«Uhtai.nrji Mtnli II Irnnuitnia 71 ns-ittwitrali U Bw.ljtr Itrili« trüCirjMir Str. I lutiRlcollw Hl B»" laWckiHirfirttr.1l ScMaHneriniini ..... ,11 O. Fruklirler Uln» tr.Fruktnrteftlr.n Miwr Stnli 6t Pnl-thHnr-ttnlt M bccnlkiitatrilt II Inotitmi Hl Fitinlnrgar Itr M Stralaier lllu 261 SO. Inidirw Strali III lauilintnle 37 Oraaliaatrala 1 IHalialiriir Str.tS Wnngitilrati 23 lirfniiutral« 63 btttaiur Diu I Wfntral« S Frlareiitnl« 31 FrMrtOttraie 227 W. Catantrala 1 Iiatllair Strali 21 Didltielltrila 41 Utrnntrali Q Alt Hiallt 112 113 Icnialttrale 29 (JlMcitrili«3,44 RiglaMtrali«2 Tarwlrala 47i Witaackir Str. 3> CkarlsttHlari AiliMriv Sinti H tirilier Strali Iii CaiKkalnaautriSa 61 ItilBinatrala 14 bltnadirttitrala 4 Aaliir-frledr Str. 61 batitrala» klelititrale 13 krikeliderftitrale 3 Soareritrali 16 Tairouieer Strali 12 OhlanditraD« 32 Nlwandirlar Sir 71 WliMrilarlir Str. 123 WIlMndirter Str. 141 UMinlira lnla|«cir Str. 42 laakaiiaar Str M Frukfalir Um IH Fnattirtw tdaa 224 WIIMnilral« 11 bnatnbl« lanaanaatnli 41 ■imaaislrili 11t IUIaerFt1Hr.4tr.242 ftltjarstrali 11 ScktMkcr« rwiMdiir Strala M XalMieaitnla 66 TmfllHIir Str. 21 UMtUr IHliitrate 42 ScIUlatrid«<6 Inn:*« InM Strali 43 lulerger Strali 36 Jl|intrali 1 Aemdirter Str. i Patalanir Str. 1 1 ScIlawaMtr Str. N WttnirHart totllnr»nie 131 itatnlitrati 17 11 HriHrMr StrOjId Ollvaar PUti i Pnr» PtaU 1 üalaHitr. 112-113 nuMtr.>41 Wautr. a Htclten ntitia l« Idiamat, Blanank- itrali 26 IrtU. CAanaaictr«! raperiek, ScMelatr.l Erkinr, Fried rlclatr.tl frledrltltilelda, Birlloer Strala H Frledrlrtihajai, Fnadrickatrile N Flnliiwaldi ad. Sprn, JMkvatr.S Iimadarl, MuMat 17 BolHBtüMlhMttlt. larllaer Itr. 113 lalklarae, lediialr 4t UHterlalda-W, Dialesnrpdau 66 Harlindart, Clmilt. itrali 34 "SnSV Otanelluwldi, Edlieaatrali« m WlHulitaialufitr 41 Piaknr, Sekiobtlrcr Strala 1 Pitadan, Braadealurjer Strala 21 » üaaaaar Strali 33 Sdi cteHirt.••aldeazitnli 117 Risntttt, 3a pt Irala II SIdtPdi. Stairuzar Stile 23 ScHuriendarl, Breite Strala 22l Straasta g Br l-.itr 69 Tegil, larifaer Strale 9 Fanpalkil, Barlirwr Strali K ■ea-TnipeUat, ttaheeriilirakeni I Trepta«, laanselnleutnla 19,23 Treilaar. Iraetiatnla N Weilauaa, Berliner Altai 242 Werder(Haid i, Unter du UHm I Zwaai, BarUaar Strala 13 KAISER- KAFFEE-SESOIAFT Ausserdem ständig auf alle Waren. ZUCKER AUSOESCHIOSSEH Rab'M IN M A R K E N. IN UNSEREN FILIALEN ERHAUEN SIE EIN SPARBUCH. QBEB 1 0 0 0 FULIALEN! dkenstag 7. November 7927 Unterhaltung unö �Vissen Vellage öes vorwärts Der Wolkenkratzer. Von Ossip D y m o w. Zum erstenmal las Petrusta von Wolkenkratzern in einer russischen Zeitung, als er noch ein kleiner Jung« war. Damals lebte fein Vater noch, der Schneider Michails Zygan. Sie lebten in einem kleinen Städtchen des Gouvernements I und fürchteten sich vor allem: vor dem Pristav von der Polizei, vor der Cholera, vor dem Steuereinnehmer, vor der Volkszählung und vor dem neuen Ingenieur. Und sie litten oft argen Hunger. Petrusias Schwester Marmschka starb jung, noch nicht zwanzig Jahre alt. Der Kreisarzt Zitrowitsch, ein lieber, guter, ober sehr zerfahrener Mensch, behauptete, an der Schwindsucht. Seitdem ging Michails Zygan noch gebückter umher, und die Mutter seufzte noch mehr als früher. Doch muß man sagen, für die zweite Schwester, Oluschka, war es ein Vorteil: sie hotte jetzt mehr Platz beim Schlafen..... Petrusia wuchs auf und träumt« von Amerika. Denn im Städtchen wurde es immer enger. Die Leute erstickten fast. Sie konnten einfach nicht mehr leben. Es gab«ine solche Unzahl von Schneidern, daß sie sämtlich in zerrissenen Hosen herumliefen. Schuster, Weber, Krämer nahmen sich gegenseitig den Verdienst weg und aßen nur einmal im Monat Fleisch. Petrusia dachte immer wieder an die Wolkenkratzer in dem freien, reichen Amerika. Das Bild eines dreißigstöckigen Hause» hatte sich fest in sein kindliches Hirn eingegraben. Allmählich kam er soweit, daß er sich einbildete, er habe diese» riesige Haus wirklich gesehen, habe sogar mal in ihm gewohnt— er tonnte sich nur nicht entsinnen, wann eigentlich. Die gesamte Bevölkerung seines Heimatstädtchens hätte bequem in den Zimmern diese» Hause» untergebracht werden können, dachte der junge Petrusia, und e» wären immer noch ein paar Wohnungen in den oberen Stockwerken freigeblieben. Der Vater starb. Doktor Zitrowitsch sagte nicht, woran. Er wußte es tatsächlich nicht, obwohl er doch aus der Universität sw- diert hotte. An was ein Mensch stirbt, der Frau und Kinder hat und einen Hungerberuf und den Kopf voll Sorgen, an was in un- zähligen Flecken und Städtchen solch' armer Schlucker stirbt, da» kann eben kein Mensch sagen. Es ist so, al» wäre er eigentlich gar nicht krank, man operiert ihn nicht, man zieht keine Professoren zu Rate, aber mit einem Mal«, hast du nicht gesehen, stirbt er doch weg. „Er war ein guter Mensch, der Michailo Zygan," sagte der Krämer auf dem Hennwege von der Beerdigung. „Ja, wirklich, er war ein guter Mensch." bestätigte der Schuster. �Ja. ja, ein richtiger guter Mensch," pflichtet ein anderer Schuster bei. , Petrusia. der Sohn diese« guten Menschen, überlegt« sich seine «Lage ein paar Tage läng, dann entschied er: er müsse noch Amerika gehen, dahin, wo die Wolkenkratzer sind.' Einen Monat spater besuchte Petrusia den Dokwr Zitrowitsch, der nicht wußte, woran arm« Schlucker sterben, obwohl er auf der Universität studiert hatte. Er legt« einen Silberrubel aus den Tisch und sagt«: ..Da» ist für den Vater. Entschuldigen Sie schon! Ich fahre Nämlich jetzt nach Amerika!" „Da» ist doch aber zuviel." meinte Doktor Zitrowstsch, und wollte Petrusia auf seinen Silberrubel etwas herausgeben. „Da» ist gar nicht zuviel," entgegnete Petrusia,„e» soll auch für die Schwester sein." � „Was für ein« Schwester?" wunderte sich der Doktor. „Für die Mariuschka! Die vor vier Jahren gestorben ist," er- klärt« Petrusta. „Ach, habe ich die auch behandelt?" fragte der Doktor. '„Wer sonst? Natürlich Sie...." Der Doktor gab ihm recht, daß für zwei von ihm kuriert« Menschen— Vater und Tochter— ein Rubel nicht zuviel sei und tat da» Geld fort. „Ich fahr« jetzt mit meiner anderen Schwester, der Oluschka. nach Amerika. Denn hierzubleiben, entschuldigen Sie schon, ist ganz ausgeschlossen. Das Leben ist zu übel hier. Da drüben kann man ein richtiger Mensch werden. Da gibt es Wolkenkratzer." „Was gibt'» da?" fragte der Doktor erstaunt. „Wolkenkratzer. Ja. Ganz hohe Häuser. Dreißig Stockwerk«! Sogar noch höher!" erläutert« Petrusia ganz begeistert.„Ich Hab' in der Zeitung davon gelesen und habe sogar ein Bild gesehen." Na, na." brummelte der Doktor und schüttelte den Kopf,„wie- viel Stockwerke sogst du?" „Dreißig!" wiederholt« Petrusta wie verzückt. „Uch—, ist da» aber hoch!" II. Drei Monat« später waren Petrusia und Oluschka schon In New Bork, und wieder einen Monat später merkten sie, daß e» doch nicht ganz so leicht war. ein richtiger Mensch zu werden in Amerika. Oh, wo» sie alle» zu ertragen hatten! Und vor allem— immer mußten sie den Mund halten. Die Zähne zusammenbeißen, ein kaltes Gesicht machen und schweigen. Früh aufstehen, von einem Ende der Stadt nach dem anderen rennen, immer wieder Absagen anhören— und still sein dazu! Die Wolkenkratzer von zwanzig und dreißig Stockwerten waren zwar ganz nahe, sogar gleich nebenan, aber trotzdem so fern,«igent- lich genau so sern, wie sie ihm in Rußland gewesen waren. Al» ob eine eiserne Wand da» Viertel der Armen von der Gegend trennte, wo elegant« Automobil« heulten, wo schön« Frauen sorgen- frei und unbekümmert lebten, und sauber rasiert« Herren mit kalten egoistischen Augen. E, wow« stch innner noch tein« rechte Arbeit sinden. Mst Sorge und Mitleid schaut« Piotr auf seine Schwester Olla. Ein böse» Leuchten glomm in ihren schönen Augen. Sein Herz krampst« sich schmerzhaft, wenn er ihr hartes Lachen hörte. „Worüber lachst du, Oluschka. fragte er. „0b das noch lange so weiter gehen soll, möchte ich misten! Du hast doch heute wieder nichts gegessen." „Ich habe ja Kaffee getrunken." �Jch bin achtzehn Jahr« alt. Mir tut der Rücken weh,«eil ich den ganzen Tag krumm fitze und nähe. Nächsten Dienstag verliere Marx in Essen. Marx: ,vas Zentrum geht in Sie nächsten Wahlen ohne jeöe öiitüuitg/ es stnü nicht alle frei, Sie ihrer ketten spotten! ich meine Stelle. Was fall ich denn anfangen? Ich bin jung, ich will leben!" Sie lachte böf« und zuckte die Achseln. Es wurde Herbst, es wurde kalt. Piotr lief immer noch in seinem dünnen Paletot herum, den er aus dem fernen Ruhland mit- gebracht hatte. Hin und wieder fand sich«ine schlechtbezahlte Gelegenheitsarbeit. Dann aber kamen wieder freudlose, kalte und einsame Tage und Wochen. Oluschka war dem Bruder gram und sprach kein Wort mit ihm, als fei«r schuld daran, daß Amerika sie so unfreundlich ausnahm. Einmal kehrte sie nicht heim zur Nacht und blieb zwei volle Tage verschwunden. Als st« dann wieder erschien, erklärte sie, sie sei bei einer Freundin gewesen. Dann blieb sie häufiger aus. Sie lernt« tanzen, gewöhnte sich«in« herausfordernde, dreist« Redeweise an. Petrusia erkonnte sie nicht wieder. Manchmal ging er spät abends noch In den vornehmen Straßen inmitten der geräuschvoll zufriedenen Menge spazieren. Wieviel Reichtum lag hier überall zur Schau! Hunderte von Läden zogen sich in langer Reihe dahin, mit riesigen Schaufenstern, breit wie die Mauern. Elegant« Automobile sausten vorbei; riesige bewegliche Lichtreklamen blendeten die Augen. Aus den Portalen der Theater traten mit kostbaren Steinen beladen, in Pelz und Seid« gekleidet, schön« Frauen heraus— es war, als harre jeder einzelnen von ihnen ein Königreich... Aber am meisten und nachhaltigsten imponierten dem armen russischen Auswanderer doch die gigantischen Hau»bouten von zwanzig, dreißig Stockwerken, diese fabelhasten Wolkenkratzer, von denen er schon als Kind geträumt hatte. Run stand er nur wenig« Schritte von ihnen entfernt, tonnte den Kopf heben und versuchen, ihre Höhe mit dem Blick zu«rmesten. Jetzt, da das Herbstdunkel sie einhüllte, wirkten sie besonders hoch. Zwei Wochen später geschah es, daß der bleiche, halbverhungerte ruffstch« Auswanderer, der schon als Kind von WÄkentratzern phantasiert hatte, zum erstenmal einen von ihnen betreten durfte. Es war ein 24stöckiges Hotel, in dem fast unaufhörlich die Musik spielte. Di« weichen Klänge der Weisen Chopins und Schumanns halfen den reichen Leuten die üppige Nahrung verdauen, die acht Köche tief unten unter der Erde für sie zubereiteten. Doch von dieser Musik hört« Petrusia nichts. Man führt« ihn durch den Hintereingang hinaus in das 21. Stockwerk und befahl ihm, die Fenster von außen und innen zu putzen. Zuerst war es ihm ängstlich, in einer Höhe von 21 Stock- werten zu stehen, mit einer Hand sich am Fensterrahmen haltend und mit der anderen aldeitend. Aber er fand sich rasch in seine Lag« und gab sich Müh«, nicht nach unten zu sehen, aus den Hof, wo ein kleiner Garten im englischen Geschmack angelegt war, mit einem Springbrunnen in der Mitte. Er dachte an seine Schwester Olla, während er arbeitete. Sie war so feltsam letzthin. Für ganze Tage verfchwond sie und hatte fo eigentümlich« Bekanntschaften gemacht. Wie leicht kann ein junges Mädel zu Schaden konunen. Der verflucht« Hunger, die verfluchte Arbeitslosigkeit morden ihre Jugend. Plötzlich kam e« ihm vor, als erblickte er durch ein Fenster seine Schwester. Wo» tut sie hier, in einem Zimmer dieses teuren Hotel»? Reben ihr sitzt ein Herr mit dichten Augenbrauen und lacht vergnügt. Petrusia» Herz setzte au», er biß die Zähne zusammen in bitterem Argwohn. Oluschka stand halb abgewendet; er konnte sie nicht genau sehen. Ist sie es wirtlich, oder ist da» ein anderes leichtsinniges achtzehnjähriges Ding? Piotr beugte sich weit vor, um ihr ine Gesicht zu spähen. Da stürzte er hinab in das englisch« Gärtchen... In wenigen Sekunden durchmaß er die ganze Höhe des Wolken- trotzer», nur nicht von unten noch oben, sondern von oben nach unten. Al» er unten anlangt«, war er schon tot, erstickt in der Luft. Di« reichen Leute, die im Restaurant de» Hotels an kleinen Tischchen saßen, bemerkten, daß etwas Schwarzes am Fenster vorbei- flog. Dann hörten sie«in lautes Aufschlagen, fast einen Knall, wie von einer in der Fern« abgefeuerten Kanone: Petrusia, der immer von Wolkenkratzern geträumt halle, war eben auf dem Erbboden aufgeschlagen. Rasch wurden Wandschirm« in den Hof hinausgeschafft, um den zerschmetterten Körper den Blicken zu entziehen. Di« süßen Klänge«in«» Walzer» von Chopin brachen deswegen nicht ab.., Zehn Minuten später stand hoch oben an Petrusias Stelle ein anderer Mensch, hielt sich mit einer Hand am Fensterrahmen und putzt« mit der anderen dos von Petrusia begonnen« Fenster weiter. In dem Zimmer des 21. Stocks wurden die Borhänge herunter- gelösten. Da» junge Mädchen in diesem Zimmer weiß noch nicht, was draußen vorgefallen ist. Sie wird es»rft später erfahren— wenn sie nach Hache kommt. Wenn sie überhaupt jemals nach Hache kehrt....(Diutslh von Erich B»« h«-.) Gefährliche Hausweinbereitung! In den letzten Iahren ist es, dank leicht beschaffbarer, gär- kräftiger und haltbarer Edelhefen, vielfach Mode geworden, sich seinen Hauswein aus Obstsorlen aller Art selbst zu bereiten. Da- gegen wäre nichts zu jagen, solange man eben sich damit begnügen würde, die reinen Fruchtsäste zu vergären und den so er- zielten Obstweinen, da sie wohl durchweg allzu sauer werden würden, nach beendeter Gärung und Abziehen von der Hefe, also beim Einfüllen in Flaschen, einen eiitjprechenden Zuckerzusatz hin- zuzufügen. Aber solche Naturwein« würden verhältnismäßig schwach in ihrem Alkoholgehalt werden, weil die Früchte ja mir einen genngen Gehalt an gährsähigem Zucker ausweisen, der bc- tanntlich insolge der Heferoirkung zur Hälste in Kohlensäure, zur anderen Hälfte in Altohol übergeht. Man bekäme also nur sehr leichte Weine, die auch dazu neigen, leicht in Eisig überzugehen. Gerade aber bei Obstweinen geht die Geschmacksnchtung jetzt dahin, recht schwere, alkoholreiche„Südw-ine" zu erzielen. Dies erreicht man dadurch, daß man dem ausgepreßten Fruchtsaft ge- wöhnlichen Zucker in ungeheuren Mengen zusetzt, der von solchen Südweinhesen fast restlos mit oergoren, d. h. gleichfalls in Alkohol übergeführt wird. Diese Methode, die unvernünftiger- weise sogar noch ausdrücklich von solchen Hefefabrikanten empfohlen wird, ist aber derart ge sü n d wei t»schäd-li ch, daß sie gesetzlich verboten werden müßte. Es besteht nämlich gäningswistenschasllich ein gewalliger Unterschied zwischen Zucker und Zucker. Der Frucht- zucker der Früchte(also auch der echten Weintrauben) ist chemisch ganz etwas anderes, als jener der Zuckerrübe, aus der unser Speise- zucker fabriziert wird. Dementsprechend setzt sich auch der daraus. gegorene Alkohol chemisch erheblich anders zusammen. Wichtig sind hier die sogenannten„Fuselöle", die gerade beim Rüben- zucker von eminent giftiger, betäubender und schwer gesundheit-- schädigender Wirkung sind. Währed bei der Spritraffinierunq alle Fuselöle sorgfältig und restlos abgesondert werden müssen, bleiben sie im Wein erhalten. Beim echten Traubenwein sowohl, wie auch bei Obstweinen, die keinen Rübenzucker, zusag zur Vergärung erholten haben, sind sie jedoch wenig schädlich, da sie eben chemisch anderer Art sind; man bezeichnet sie sogar als„Edelfufel", im Gegensatz zu jenem Gift- f u f e l der Zuckerrübe und der Kartoffel. Wenn nun ein Obstwein zu nahezu neun Zehnteln seines Alkoholgehaltes aus Rübenalkcchol besteht, wie gerade diese.schweren„Südweinlinge", so kann man sich vorstellen, wie sie auf den Organismus wirken!„Der ist gut! Der geht gehörig in den Kopf!" Ja, aber er bleibt auch im Kopf. Er erzeugt einen Kater, der nur noch als schwere V e r- g I f t u n g zu bezeichnen ist. Bei dauerndem Genuß sind seine Schädigungen gar nicht abzusehen! Es ist unverantwortlich und unverständlich, wie gärungsgewerb- lich Hochersahrene Leute solche Methoden in Büchlein mit Hundert- lausenden von Auflagen noch ausdrücklich verbreiten können. Es wird Zeit, daß amtlich dagegen eingeschritten wird. Obstwein ist relativ unschädlich. Aber nur, wenn man seiner Gärung keinen Zucker hinzugefügt hat. Nach der Gärung kann matt ihn süßen, wie es einem beliebt!___ Dr. K. V. Mendel. Reue Einblicke in den Aufbau der Materie. Nachdem die Eni- deckung der radioaktiven Erscheinungen gezeigt hatte, daß das Atom kein« letzte unteilbare Einheit der Materie ist, daß es zerfallen kann und daß als Zerfallsprodukte andersartige Atome auftreten, daß also«in chemischer Grundstoff sich in einen anderen verwandeln kann, hat man versucht, auch künstlich solche Atomumwandlungen herbei- zuführen. Bekanntlich gelang es schon vor Jahren dem englischen Forscher Ruthenford durch Beschießen mit Alphastrahlen— das sind positiv geladen«, mit großer Wucht aus radioaktiven Stoffen heraus- geschleudert« Materieteilchen—«in« Anzahl von Atomen, z. B. solche von Stickstoff, Bor, Fluor, Phosphor und Natrium zu zertrümmern, wobei al» Spaltprodukt Wasserstoff festgestellt werdcn konnte. Man hat sich dann bald auch in anderen Laboratorien mit diesem inter- estanten Problem befaßt und besonders intensiv im Wiener Institut für Rodiumforschung und yn zweiten physikalischen Institut der Universität Wien. Im neuesten Heft der Zeitschrfft für Physik berichten die Wiener Gelehrten zusammenfastend über ihre Forschungen. Es gelang ihnen im Lauf« der letzten Jahre«in« große Anzahl weiierer Element« zu zertrümmern, so z. B. Beryllium, Silicium, Kohlenstoff, Kupfer, Nickel und viel« ander«. Auch sie verwandten dazu Alphastrahlen. Ei scheint demnach die Zertrümmerbarkeit durch Alphastrahlen ein« ziemlich allgemeine Eigenschaft der Materie zu sein, und die Tatsache, daß stets al» Atomtrümmer Wasferstoffterne auftreten, deutet daraus hin, daß der Kern aller Atome Wasserstoffkerne enthält, während man bisher annahm, daß manche Atomkerne lediglich aus Heliumternen bestehen, die ihrerseits wieder«ine— allerdings feste— Berbindung von vier Wasterstoffkernen, sogen. Protonen darstellen. Bemerkenswert ist es übrigens, daß beim freiwilligen Zerfall der Materie beim radioaktiven Zerfall niemals Wasserstoff- kerne ausgetreten sind, sondern nur immer Heliumkerne, aus denen die zum erzwungenen Zerfall, zur Atomzerlrümmerung benutzten Alphastrahlen bestehen. Der erzwungen« Zerfall der Maiene bietet also wesentlich andere Erscheinungen als der freiwillige, und ist gerade deshalb«in vorzügliches Mittel, neu« Einblicke in den Aufbau der Materie zu eröffnen. Morgenröcke ku PUatobetoff, mit lugan Schal ud Tuch*..... 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November, 20 Uhr, Sitzung der Ordnerobleute bei Krepp, Planufer 76.— Freie tzSchulgemeinde. Heute, Dienstag, l. November, 26 Uhr,, bei Krepp, Planufsr 76, Ecke Am Urban, Mitglicberversammlnng. Tagesordnung: I. Bericht reom Buudestog. 2. Die schulpolitische Lage. Sozialbemolratische Elternbeiräte, sowie Partei. genösiische Res netenfraktia»! Fraktiousbesprechung, Zimmer 2S, Porckstr. lv/11. 88. Abt. Unser Exirazahlabenb findet nicht am Mittwoch. 2., sondern am Montag, 7. November, statt. 48. Abt. ISsh Uhr Mitgliederversammlung. Da» Lokal wird noch rechtzeitig bekanntgegeben. Alle Mitglieder müssen erscheinen. 41. Abt. 2V Uhr Zohladend«: l., 2. Gruppe: Beinhoff, Belle-Akliance�tr. 74. »ebner werben um rege Teilnahm- gedchrn.— Bezirlsoerorb. Mittwoch, 2. Zlooentbcr. pünktlich 17'i Uhr, wchitige 6.»reis Kreuzberg. Arbeiterwohlfahrt«ab»amvmnale Kommission. Donnerstag, 3. November, 19% Uhr, in Rabes Festi/ilen, Fichtestr. 29, /fhafy/tr'/ytiiiyiy ilttN Stttbtlttt gebeten. z-'-j viiiic o.«HU_ u... Lichtbildervortrag:„Eheberatung und Bererbunz". Ii Dr. Georg Lowcnstcin. Um zahlreichen Besuch wirb W. 7. Krei» Eharlottenbvrg. Die vom»rei« beschlossenen Flugblätter kSnnen he»««. Dienstag, in der Sitzung in Empianq genommen werden.—«il- dnngsavsschnß. Sitzung erst am Freitag, 4. November. 20 Uhr. im Jugend. heim. Rossnenstr. 4. Vollzählig erscheine». 11.»rei, Schbuebcrg.Friebeua». Die SoziaiZstisch« Arbeiderjugend vere staltet am Freitag. 4. November. 20 Uhr. in der Schulaula Feurigstrah«, einen ösfeatliche»«erteabeu». Gesang, Nezitationcu, Musck. Eintritt frei. Bringt-ä« Jugendlichen mit. 17.»rei, Lichtenberg. Sonnabend, 6. November, großer Werbeumzug. Treff. punkt Sonntagstrahenstr. 9, Siedentopf, Muskauer Str. 33, Gesche, Wranaelftr. 21, Ecke PUcklerstroßi. In allen gahladenden Borlräge über die Werbewoche. Ahaelottenbarg. 25. Abt. 20 Uhr, Zahlahe, ld. 8. Gruppe: Groth, Walliie. 90. 10. Gruppe: Bohne. Schloßstr. 45. Achtung! Dovverstaa. 3. Rooembe», 20 Uhr. 9. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorscr Str. 21.— 58. Abt. 20 Uhr, Gemeinsamer Eitrazahlabend bei Ioskowiack. Holtzendorffftr. 20. für die 1.— 3. Gruppe. Die Bezirkssührer laden ein 58. Abt. Spandan.Altstadt. 20 Uhr, im Türkischen Zelt,»ismarckste. 11. Abteilungsversammlung, Bortrag»Der Kampf um die politische Macht". Referent: Erich Fracnkel. 49. Abt. Spoud»». 2V Uhr W«rb«»erta»»l»»a im Restaurant ß Markthalle, Pichelsdorfrr Straße. Bortrag„Bitrgerbwck und Sozial ....._.--.... n.- demokralie". Referent: Eugen Brückner, M. .Norwörtslefer. M Sumpathifierende sind eingeladen. Männer und Frauen, erfcheint in Massen!! Wilmersdorf.«8. Abt.. 20 Uhr. gahlabend bei Andreas, Pfalzdurger Str. 55, Vortrag:„Die Arbeit der Sozialdemokraten im Stodtvarlament". R«. ferent Stadtverordneter Hermann Lemvert. Alle Mitglieder werden um ihr Erscheinen dringend gebeten.— 78. Abt. 20 Uhr bei Kraiß, Holsteinisch» Straße 60. gahlabend.„Unsere Werbearbeit". Erscheinen unbedingt er- sorterlt»— auch der Frauen und der SAI.— 71. Abt.. 20 Uhr. bei Jonas, Durlacher Eck- Bruchsaler Str. Sämtliche Bezirkssührer und Mit- glieder müssen erscheinen. Besprechung der Werebearbcit.— 72. Abt., 20 Uhr, bei Schäfer, Augustastr. 81. Bortrag:„Unsere Werbewoche und die „ tommenden Wahlen". 73. Abt. Schmaraendorf. 20 Uhr, im Lokal„Forthaus". Bornemünder Str. Wichtige Tagesordnung.—(Werbewoche)— Die BezirksKhrer laden schriftlich«in.— Achtung! Borftanb und Funktionär« tagen ab 18 Udr ebendort. Schöueberg. 77. Abt. 19% Uhr. gablabende. Tagesordnung: Unsere Werbt- woche. 1 Bezirk: Milde, Rollenborfstr. l«. 3. Bezirk: geugner. Grüne- walbstr. 38. 2. Bezirk: Schmidt. Grunewald str. 16. 4. Bezirk: Grund. Meintnger Str. 8.— 78.«dt. 29 Uhr. Iahlabenbe. 1. Bezir«: W-ndtte. Bahnslr. 23. 2. Bezirk:»llllmer, Souptstr. 8. 3. Bezirk: König. Feurig- straße 51. 4. Bezirk: Rosenthal, Edersstr. 60. Thema:„Unlcre Wirte» woche".»ein Mitgsted darf sehien. Besonders find die Jugend» und Rcichsdannergenossen sowie parteigenösfische Sportler eingeladen.-> 78. Abt. 30 Uhr Zahlabende. 1., 8., 3. Bezirk: Grunow, G-ßlerstr. 13. 4.. 3.. 6. Bezirk und Bezirk Sachsendamm: Groß. Sedanstr. 17. 8. Bezirk: Siedlung Lindenhos bei Achtcnhagen, Räblingstr. I» allen Zahlabenden Aussprache über die Werbcwockie: de»«eiteren noch wichtig» Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. «3. Abt. Lichterseide. Alle Genossinnen und Senossen treffen sich zum Zahl. abend um 20 Uhr. Westen: Schmidt. Sindenburgdoim» Ecke Roonstr. Osten:«rafft, Scincrsdorfrr Str. 17. Stide»! Brettschneider. Berliner Straße ÜB d. Der Somüagakxnd behandelte in dem Zyklus„Berliner Schouspieltheoter" Max Reinhardt historisch. Die Der- anstaltung, interessant durch die lebendigen Fäden, die hier von der Verganqsnheit ins Heute führen, erinnert« an seine Regietaten aus dein Kleinen Theater, aus den Ansängen des Deutschen Theater» und der Kainmerspiele. Man erkannt« rückschauend, was Rein- Hardt einmal für die deutsche Bühne bedeutet hat. Felix Hol- l ander, Freund und Gefährte in den Anfängen Reinhardts. schilderte in warmen Worten die Zeit seines Werdens und seines Aufstiegs. In einzelnen Szenen aus Bühnenwerten machte Luc!« 5) ö f l i ch. Hedwig Mangel, Eduard v. W i n t e r st« i n, Fried- rich K a y ß l e r sie lebendig.— An interessant plaudernden Bor- trägen des Sonntag wären die Ausführungen von Helmuth Jaro Iaretzki„Sefuche bei der Bildhauerin Rene Sintenis und dem Zeichner Rudolf Großmann� und von Josef Delmont „Des wilden und des zahmen Tieres Gefühlsleben" zu nennen. Dos Wesentlichst« des Tages aber war die Uebertragung aus dem Plenarsaal des Herrenhauses, die eine Matinee der Jugend, veranstaltet vom Derband deutscher Erzähler, vermittelt«. Für den jungen dichterischen Nachwuchs fand Jakob Schaffner warm« Worte. Dann kamen, vermittelt durch Wolter F r a n ck und Maria F o b e r d u F a u r> Fritz Walter B i f ch o f f und Friedrich Gries« zu Wort. Daß hier der Rundfunk das Mittel wurde, verheißungs- volle Talente vor dem Unbekanntbleiben zu bewahren, mutz dankbar anerkannt werden. Der Montag brachte in seiner Novellenstunde einen anderen jungen, allerdings recht bekannten Autor zu Gehör: Karl Zuck- mayer, dessen„Geschichte einer Entenjagd" von Ferdi- nand Hart gelesen wurde. Die Novelle war in der starken, ge« sunden Klarheit ihrer Sprache und ihres Inhalts für das Schaffen Zucknwyers recht charakteristisch.„Berlin und seine Literatur nach 1848" schilderte Prof. Fritz B ehrend. Der Eindruck, den bereits vorausgegangene Kapitel dieses Zyklus wecke», bestätigt sich an diesem Abend besonders stark: daß hier wieder einmal ein besonders geeigneter Funksprecher gefunden ist. Prof. Behrend gestaltet« seinen Stoff prachtvoll lebendist!—„Dom Handel mit Krokodilen, Riesenschlangen und anderen Reptilien" sprach unterhallend Walter Bern- haro Sachs. Sein« Aussührungen, die durch Experimente mit lebenden Tieren am Mikrophon besonders anschaulich wurden, schilderten den Fang der Reptile und den Kreis ihrer Liebhaber.— Stadtrat W. Ahrens behandelte„Di« Bedeutung der Kranken- Versicherung für die Dolksgesundheit". Der Vortragende zeichnete in lebendiger Darstellung die vielgesivitigen Wirtungskreise der Ortskrantenkassen. Tes. 84, Abt. Lankwitz. 20 Uhr bei Lehmen».»ailer-WilHelm-Str. 29—31. Vortrag:„Der»ampf um die polinilh» Macht". Referent Franz Künstler. M. d. R. Sämtliche Mitglieder mUsfe» erscheinen. Sympathiflerende und „Vorwärt»"lescr sind eiuzulad-n. 85. Abt. Teinpclhal. 20 Uhr. gahlabende. 1. Bezirk: Lokal Mendt. Borussia- Etraxe 70. 2. und 3. Bezirk: Bule. Äaiser-Wilhelm. Ecke Werbersir. 8. und 4. Bezirk: Primus,„gut Linde", Werder- Eck- Friebrich.Sarl.Etr. 8. Bezirk: Schäfer. Ringbadnstr. 12. 7. Bezirk: Savpelbt. Gattlirb-Dunkel- Straße Ecke Germaniaflr. Da, Erscheinen aller Mitalicbcr ist Pflicht. Reuköll». 89. Abt. 19% Uhr, Zahladenbc. 1.--4. Bezirk: Grammeck, Sander- straße 10. 5., 7., 8. Bezirk: Wilke. Reuterstr. 47. 6.. 11.. 12. Bezirk: Such, Pannierstr. 33. 9., 10, 18., 19. Bezirk: Fischer, Hobrcchtstr. 64.— 94. Abt. 19% Uhr. Zahlabenbc. 31., 52,. 68.. 76. Bezirk: Schröber. Steinmetz[kr. 52. 64. Bezirk: Rikis». giethenstr. 40. 63.. 68.. 6k.. 7?,. 78. Bezirk: Günther. Schill-rprom-nabe 11.— 96. Abt. 19% Uhr. Zahl. adenbe. 80.. 87., 88. Bezirk: Sinfch. Iona»str. 1. Referent Dr. ANerb Freund. 86. und 100. Bezirk: Müller. Thüringer Str. 5. Rekerenl Martin Stein. 93. und 94. Bezirk: Frenlel. Schierke. Ecke Bodeftr.— 87. Abt. 19% Uhr, Zahlabenbc. 79.. 89., 92. Bezirk: Kutzki. Leineftr. 1. 90. und 91. Bezirk: Helmke, Wartheltr. 48. 104.. 103. 100. Bezirk: Krüger. Emler Straße 86-87 Ecke Reißeftr.— 88. Abt. 19% Uhr. bei Teich. Knesebeck. straße 133. Bortrag:„Der 9. November". Referent Hanna Kamm. Alle Mitglieder mllssen erfcheinen. 88. Abt. Britz-Buckaw. 19% Uhr. Zahlabend für den 1. Bezirk: Lokal Linden» park. Chausseestr. 18. In allen übrigen Bezirke» der Abteilung fällt der Zahlabend an diesem Tage aus. 199. Abt. Rudow. 19% Uhr im Lokal Palm, köpenicker Etr. 81, Zahlabend. Alle Mitglirter müssen unbedingt erscheinen. 198. Abt. Oberschäneweibe. Achtung! Der Zahlabend findet erst am Freitag. 4. November, 19% Uhr, bei Imberg. Wilhelmincnbofstr. 34. statt. 194. Abt. Rtederschöneweide. 19% Uhr. bei Thiele. Berliner Str. 38. Sitzuna sämtlich:? Funktionäre, Beamten und Betriebsvertrauensleute. 188. Abt.»äpevick. 19% Uhr. Zahlabcnbe. Dammvorstabt: Oskar Schulze, Bahnhofftr. 34. Alt- und Kietzvorftadt: Lietfche, Dorvtheenstr. 1. Eöllnifche Vorstadt: Stwpekodl. Schönerliirder Str. 3. In allen Bezirken Vortrag über die Werbewoche. 119. Abt. Grünau. 20 Uhr, Ertrazahlahenb bei Werner, Kövenicker Str. 123. Erfcheintn aller Mitglieder dringend erforderlicki. Lichtenberg. 114. Abt. 19% Uhr. gahlabende. 1. und 9. Bezirk: Willing, Ninderbarnimftr. 3. 2. Bezirk: Schwarzer. Sabriel.Mor.Str. 17. 4. Bc. zirk: Echcerbaum. Crossener Ecke Scumeftr. Achtung! Donncrstaa, 3. Zlo, »ewber, 19% Uhr, wichtige Funkitoniirliäung bei Schwarzer. Gabriel-Mar- Straße 17.— HZ. Abt. 19% Uhr. gahlabende. 3. und 4. Gruppe: Radtke. Wllggel. Ecke Echarnweberstr.. 1. und 2. Gruppe: Achtnna! Zahlabend am Donneratag, 3. Ravembcr, bei Radtke, MUggel- Ecke Scharnweberstr. — 116. Abt. 19% Uhr, bei Blbrccht. Boxhagener Str. 62. außerordentliche straße 60. Wichtige Tagesordnung.— 118. Abt. 19% Uhr, Zahlabend für den 3. und 4. Bezirk bei Tempel. Gudrunstr. 7. 128. Abt. Friedeichaselb«. 19% Uhr. bei Schwarz. Cavriviallee 104. erweiterte Funltionärsitzung. Dazu sind auck alle anderen Genollinnen und Genossen eingeladen, hie sich aktiv an der Werbearbeit beteiligen wollen. Di« Funktionär« müssen unbedingt erscheinen. 122. Abt. Bieadarf. 20 Uhr. bei Porath, Marzahner Etr. 31, Mtlaliederrier, sammlung. Wegen der wichtigen Tagesordnung müssen sämtliche Mit. glieder erscheinen. Die Funltionärc treffen sich bereits um 19 Ubr ebendart. 128. Abt. Panlaw. 20 Uhr. 1.-3. Bezirk bei Müller. Brauerei Willner. Berliner Str. 80, Bortrag„Die Stellungnahme der Sozialdemokratie bei schwierigen Entscheidungen". Referent Franz von Puttkamer. 04. Abt. Buch. l»% Uhr. gahlabend im Lokal Gövkert. Am Bahnhof. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen ist Pslicht. 133. Abt.«nrvva. 19% Uhr bei Kl ix, P-nkgrofenstr. 9, Extrazahlabend. Tagesordnung:„Unsere Werbcwoche." Alle Mitglieder müssen erfcheinen. 138. Adt. Reiuickeudors-Vst. 19% Uhr Abtcilungsvcrlammluna im Schützen. haus, Rcsidenzstr. 1. Bortrag:„Demokratie und Diktatur." Referent Stadtrat Alfred Lwnke. Diskussion. Verschiedene, und Abteilung-. angelcgenheiten. Mitgliedsbuch ist vorzulegen. 138. Abt. Tegel. 20 Uhr im Lokal Otto Schade. Berliner Str. 17. Ecke Beith. Iiraßr. Mitgliederversammlung. Thema:„Unsere Werbcwoche." Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 141. Abt. Rvfenthal»üb Riede rfcköahauien. West. 20 Uhr Extrazahlabend bei "*' Thema:„Unsere Werbcwoche." Pünktliches Er- Hübel. Scrmancnstraße scheinen aller Mitglieder wird erwartet. Donnerstag. 3. November: 25. cw. 19% Uhr außerordentlich« gohlabende bei Baronfki, Pastaurste. 5: Gott. Kniprodestr. 6, und Werneuchen«! Schloß, Elbinaer Eck- Werneuchcner Straße. Kein Mitglied darf fehlen. sterend» sind willkommen. „Borwärt,".L«ser und Eqmpothi. «7.«bt. Grunewald. 20 Uhr Extrazahlabend im Bahnhasrestaurant Grüne- Mitglieder werde» um bestimmte, Erfcheinen gebeten. WdmW. 182. Abt. Baumfchulenweg. 18% Uhr allgemeine FluablattverbreituW für die So nntdgkunbgebung. Anschließend um 20 Uhr außerordentliche Mitglieder. Versammlung zur Borbereitung der Arbeit in der Mrrbewoche. Beide Veranstaltungen finden im Lokal von Haß. Baumschulenstraße, statt. Die Bczirlsführer laden hierzu restlos ein. 187. Abt. Falteuberg.Altolienick«. 20 Uhr im Lokal Meyer, Straße am Falke». berg, außerordentlicher Zahlabend. Niemand darf fehlein���� 188. Abt. Hernudorf._ Tagesordnung:„Unsere Werbcwoche." 20 Uhr im Lokal Okrent, Berliner Ecke Bahnhofstraße. '" Alle Mitglieder müssen erscheinen. 9n,(maWcA, So�f ... UMMtSü iä�ck- Huffqua Und oJfouuU"je& ftofte JoMeu, KcMJieüteJU Wakfaiffeß, ihMtkUi, So ßfitotku SCg gjßtwud und- cfii SpCMUsj duuu 20 Jahre Chlorodont .vs ich schon mehrere]ahre zum Putzen meiner Zähne 1■ Chlorodont benutze, gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich, seit ich Chlorodont verwende, schneeweiße Zähne bekommen habe. Ich hatte früher Zahnbelag und versuchte mit allen möglichen Mitteln denselben zu _______ was mir mißlang, bis ich Ihre vorzüoliche Zahnpaste Chlorodont kaufte und auch probierte Chlorodont allein führte midi zum Ziel. Idi werde heute oft beneidet und gefraot. womit pflegen und putzen Sie Ihre Zähne? Ich kann dann Ihre Zahnpaste Chlorodont weiter empfehlen, daß auch unsere Mitmenschen zu einem guten Resultat kommen, wie.dt Anbei ein Bild woraus Sie ersehen wollen, daß meine Zahne auch wirklich schneeweiß sind, trotz des Raudiens. Wenn das Bildnidit mehr benotigt wird, bitte idi um Ruck- 2W BeÄn-Teogelbst Q�,».«SS"**1?.*!'iTTlüS.Ü'SÜkT.tl!?uSI'e2S>brt«a�Näal,z Uhr,«ursnsabend: �Die Verfassung des Deutschen Meiches" bei Winzer, Ebristburger eck- Winsstraße. Rese. r�ntin Genossin Hedwig Wsck�enheim. 97. Abt. Neukölln. Die Genossin, vn besichtigen am Mittwoch. 2. November. die Konsumausstellung. Treffpunkt llhr Sngelufer, Eingang Gcwerk. schoftshaus. Bezirksausschuß für Zlrbeikerwohlfahrt und Kinderschuh: 13. Steif Tempethof. Donnerstag, 9. November, pünktlich 20 Uhr, im Bezirksamt Dorfflr, 42 Schulungskursu», Thema: Kinderarbeit und Jugend- schuß." Rcferentin Luis« Morgenstern. Interessierte Genossinnen und Genossen sind«ingelaben. Achtung! ff» wird gebeten, die Lose der Arbeiterwoblfabrt baldigst bei der Genossin Lohrengel, Ningbahnstr. SS, abzuholen, am besten in der Zeit von lK bis 19 Uhr, 14. Krei» Neuköln. Achtung, Genossinnen! Wegen de, Frauen kursn, der Genossin Todenhagen muß der Surfu, der Arbeiterwoblsahrt»erschoben werden. Die nächst« Zusammenkunft der«rdeiterwohlfahrt findet»ach Mitte Nooember statt: der Tag wird»och bekanntgegeben. 7. Abt. Mittwoch, 2, November, ijfsentlich« Werbekundgebung ss? ISVe Uhr, in Cornis Festsälen, Dartenstr. 6. Bortrag:.Was will die Sozialdemokratie?" Referent Robert Breuer. Freunde,.Vorwärts". H Leser und Snmpathisiercnde sind herzlichst«ingeladen. Männer und Frauen, erscheint in Massen! Sport. Nennen zu NIarlendorf am Monkag. dem ZI. Offober. 1. Rennen, 1. Lindowgold sKnöPnadel jun), 2. Ladysb-P (ächlcufencr), 3. Sind Pillot sLautenbergrr). Toto:«7:1». Platz: 21. 44, 2.!: 10, Ferner Uesen: Olan. Leuchte, Planet, Roseinarie, AiigcUIa, Alp. spitze, Lila Prineeton, Nebellappe, Naturbursche. Fahrenheit, Nchpsache. 2. Rennen, 1, Frida Magowan