Mbenöausgabe Nr. 517 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 254 «tius-btdinsunze» und Znieigetmte* fitti ia ixt Morgenausgab« onfiwüa ScöatHon: STD. 68. Cinbeaftrafte 6 S«rasprechsr: VS-hoss 292- 292 ScL-llbccff«: Sojlalbcmefcal Seena Derliner VolksMÄkt (lOPffeimisj dienstag 1. November 1927 Verlag und Anzetsenadtetlnng; SefiftSftäittt Std dt» 5 Uhr Verleger: vorwürl». Verlagy. Verl!» svl. 68, cladeaslrahe 8 Zerasprecher> VSahosI 292— 29? �entralorgan cler SoÄaläemoKratifcKen Partei Veurfcdlanäs Klassenkampf in öer Demokratie. Wiener Parteitags-Entschliehung. Wien. 1. November.(Eigenbericht.) Die Kommission, die gestern vom Parteitag eingesetzt wurde, hat noch am Abend eine Entschließung fertiggestellt, die heute dem Parteitag vorgelegt wird. In ihr heißt es u. a.: Die Sozialdemo- tratie hat in der Zeit des Umsturzes und auch in späteren Zeiten, als in anderen Staaten immer wieder Blut in Strömen floß, Deutschösterreich vordem Bürgerkrieg bewahrt. Die Partei der Bourgeoisie treibt unter der Führung des Prälaten Seipel eine Politik, welche die Gegensätze in solchem Maße verschärft. daß der notwendige wirtschaftliche und politische Kampf schließlich im Bürgerkrieg zu enden droht. Die Sozialdemokratie hat im Linzer Programm anerkannt, daß unter bestimmten geschichtlichen Boraus- setzungen die Kooperation der Klassen, sei es in der Form einer Koalitionsregierung oder in anderer Form, vorübergehend fein kann. Aber solange die bürgerlichen Parteien dabei bleiben, die Sozialdemokratie zu nullifizieren, ist keine Koalition möglich. Der Parteitag stellt fest, daß das Regierungssystem Seipel nicht nur unvereinbar ist mit den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeiterklasse, sondern auch die ungestörte d e m o- kratische Entwicklung der Republik gefährdet. Alle, die den Bürgerkrieg verhüten und die Sicherheit herstellen wollen, daß die in der kopitaNstischen Gefellschaft unvermeidlichen Klassenkämpfe nicht in Katastrophen enden, sondern als geistige Kämpfe auf dem Boden der Demokratie geführt wer- den, fordert die Partei auf, gemeinsam mit der Arbeiterklasse das Regierungssystem des Bürgerblocks zu bekämpfen. Richter verkaufen ihr Wahlrecht. Verzicht gegen Steuerbefreiung: Prag, 1. November. Die Regierungspresie meldet, daß Richter und Staatsanwälte für den Verzicht auf das aktive und pasiive Wahlrecht sind. Die Regierung habe verlauten lassen, daß, falls den Richtern das Wahl- recht entzogen würde, diele von der Einkommen ft.e u e r befreit würden. Die Regierung teilt mit. daß sie den Richtern sofort entgegenkommen würde, wenn sie die Initiative zur Abschaffung des Wahlrechts ergriffen. Aus den Meldungen der Re° gierungspresse ist jedoch deutlich herauszulesen, daß sie der Richter- Vereinigung einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben hat. Sollte er mißverstanden werden, so wird zweifellos die Regierung selbst in der Sache die Initiative ergreifen. Moskau hebt eine Geheimöruckerei aus. Nur zwei Personen ausgeschlofleu? Moskau, 1. November. Die Presse veröffentlicht eine Mitteilung der Zentralkommission über die Entdeckung einer von Trotzkistcn organisierten Geheim- druckerei in einem eigens hierzu gemieteten Landhaus, das etwa M Kilometer von Moskau entfernt liegt. In dieser Druckerei wur- den„parteifeindliche" Dokumente gedruckt, die noch zum Teil dort gefunden wurden. Die unmittelbaren Organisatoren der Druckerei, G r ü n st e I n und Katarina Fedorowa, wurden auf Beschluß der Zentralkommission aus der Partei ausgeschlossen. Räubernüe Rebellen. Reste der mexikanischen Aufständischen treiben sich umher» Mexiko-Eily, 1. November.(Eigenbericht.) In den letzten Tagen sind über die Lage in Mexiko von inter- essierter Seile eine ganze Reihe von Meldungen verbreitet worden, die falsch sind. Vor allem wurde behauptet, daß der seit mehreren Wochen niedergeschlagene Aufstand wieder aufflackere. Richtig ist, daß— was von der Regierung auch nie bestritten wurde— sich in einzelnen Teilen des Landes die Rebellen noch plündernd umhertreiben. Eine Gefahr für die Regierung bilden sie jedoch nicht. Der ncuernonnte amerikanische Botschafter hat sein Beglaubi- gungsschreiben dem Präsidenten überreicht. Dabei wurden sehr freundliche Reden gewechselt. Die Regierung hat eine Verord- nung aufgehoben, die den Staatsbehörden oerbot, aus den Ber- einigten Staaten Waren anzukaufen. Auch eine Maßnahme gegen amerikanische Versicherungsgesellschaften, die weniger als 70 Proz. ihrer Einnahmen in Mexiko anlegten, ist als ein Zeichen guten Willens ausgehoben worden. Mussolini üampst wieöer öavon. Die Demonstrations-j�lottille zieht aus Tanger ab. Tanger, 1. November. Die soit mehreren Togen hier liegende italienische, aus einem Kreuzer und zwei Zerstörern bestehende Flottille hat den Hafen wieder verlassen. Rom. 1. November. Die italienische Presse hat auf strenge Weisung des Minister- Präsidenten keinerlei Kommentar zu der Demonstration in Tanger gebracht. London, I. November. Hiesige„diplomatische Kreise" betrachten den Tangerbesuch als ein„wichtiges Ereignis, dessen Bedeutung man sedoch nicht übertreiben dürfe". Bor der Beendigung der spanisch-französischen Verhandlungen könne jedoch von Beratungen zu vieren keine Red» fein. Die polheihölle von Duöapest. In der Folterkammer zum Spitzel gepreßt.— Ein Berliner Protokoll gegen die Horthy-Polizei. Es liegt uns die eidesstattlich« Aussage des Eduard Rubin vor, die im Budapestcr Prozeß gegen Szanto und Genossen verlesen wurde. Die Angaben dieser eidesstattlichen Aussage enthüllen ein erschütterndes Bild der Budapester Polizeischande. Eduard Rubin, der in Berlin unter dem falschen Rainen Eduard Rößler lebt, 20 Jahre alt. Schneidergeselle aus Budapest, ist der Sohn frommer jüdischer Eltern. Religiöse Gründe und Gewissens- bisse, daß er unschuldige Familienväter der Polizei ausgeliefert habe, haben ihn zu seiner Aussage veranlaßt. Rubin wurde am 24. Februar 19 27 mit zwei anderen Genossen im Lokal der Ungarländischen Sozialistischen Arbeiterpartei grundlos verhaftet. Er wurde zur Stadthauptmannschaft geführt und dort zum Polizeirat Schweiniher gebracht. Am 24. Februar nachts wurde er unter Mißhandlungen zu Schweinitzer geschleift, der von ihm wissen wollte, welche Funktionen er gehabt habe. Mit der wahrheitsgemäßen Aussage beruhigte sich Schweinitzer nicht. Am folgeirden Bormittcg wurde er abermals vor- genommen. Am 2S. Februar nachts �>12 Uhr erschienen zwei Detek- tive in seiner Zelle, mißhandelten ihn schwer und schleppten ihn zu S ch w e i n i tz e r, der von ihm Auskünfte über die illegale Kommunistische Partei haben wollt«. Als Schweinitzer darüber nichts erfuhr, weil Rubin nichts wußte, übergab er ihn einem Kriminal- beamten mit den Worten:„Herr Kollege, nehmen Sie bitte ein Protokoll auf, und wenn er nicht reden will, schlagt ihn windelweich." Dieser Beamte nahm ihn aus ein Zimmer und rief den Detektiv Joseph Beel. Rubin sagt nun aus: „Dieser Joseph Beel stellte mich an die wand und besaht mir. aufeinemBeinzustehen. Als Ich müde wurde und das Bein wechseln wollte, zog er den Revolver und drohte, mich niederzu- schießen. Als ich. gänzlich erschöpft, nicht mehr aus einem Bein stehen konnte und den anderen Fuß niedersetzte, kam er zu mir hin, sästug mich ins Gesicht und riß mich an den Haaren. Nach einigen Minuten kam der Detektiv Tancos in das Zimmer, band meine Hände mit einem Riemen zusammen und führte mich in den„Schalldämpfer". wo sich ungefähr IS bi» 20 Detektive aufhielten. Sie stürzten alle auf mich los und schlugen und traten mich von allen Seiten. Daraus banden sie mir die Hände noch fester zusammen, ließen mich mit gebundenen Händen die Schuhe ausziehen und sehten mich auf einen Stuhl, olles unter fortwährenden Schlägen. Sie befahlen mir. die Füße hochzuziehen und die Knie mit den Armen zu umfassen. Dann steckten sie mir unter den Knien durch die Arme einen Stock, hoben mich vom Stuhl und steckten beide Enden des Stockes durch die Sprossen von zwei Stühlen. Zwei Detektive hielten mir die Fuße hoch. DannschlugmichJohannRubosmil einem Ochsenziemer aus die Fußsohlen. Ich habe ungefähr IS hiebe gespürt, dann verlor ich vor furchtbaren SchmerzendieBesinnung. Ich kam erst zu mir. als ich mit Wasser begossen wurde. Meine Sohlen taten fürchterlich weh, man band mir die Füße los und befahl, im Zimmer im Kreise herumzulaufen. Ich versuchte aufzustehen, konnte ober nicht, weil meine Sohlen surchbar geschwollen waren und schmerzten. Die Detektive stellten sich daraus in einen Kreis, rissen mich hoch, schlugen und traten und rissen mich an den haaren im Kreis herum. Räch einigen Minuten kam Polizeirat Schweiniher in» Zimmer und fragte mich, ob ich nun bereit sei zu reden. Denn. wenn nicht, würde man mich solange schlagen, bis ich krepiere. Rubin schildert weiter, wie er am Morgen abermals zu Schweinitzer geführt wurde, der von ihm Aussagen über die illegale kommunistische Bewegung haben wollte. Rubin antwortete, er wüßte davon nicht. Darauf sagte Schweinitzer zu den Detektiven, die im Zimmer waren:„Der Kerl ist noch nicht weich genug, den müßt ihr wieder in Arbeit nehmen." Die Foltern begannen von neuem, bis Rubin zum .zweitenmal die Besinnung verlor. Man lieh ihm dann zwei Stunden Ruh«, dann wurde er abermals gefoltert. Die Detektive löschten ihre brennenden Zigaretten so, daß sie sie an seinen Wangen oder Händen ausdrückten. Rubin fährt fort: „Am 26. Februar 1927 schlugen sie mich mit Neinen Zwischenpausen den ganzen Tag bis in den späten Nachmittag hinein. Ich war schon ganz schwach geworden, hatte auch seit zwei Tagen nichts zu essen bekommen. Gegen 6 Uhr brachte man mich wieder in den „Schalldämpfer", band mir die Hände mit einem Riemen hinten zu- sammen und zog mich an dem Riemen über einen in die Wand ge- schlagenen großen Haken hoch. Als ich die Besinnung verlor, ließen sie mich los und Krachten mich mit Schlägen zur Besinnung. Dann schlugen sie mich weiter, bis ick) wieder in Ohnmacht fiel." Nach einer Stunde wurde Rubin wieder zu Schwei- n i tz e r geführt. Dort sagte ihm H e t e n y i im Beisein Schwei- nitz ers: „Da wir sehen, daß wir mit Schlägen nichts aus dir herausholen können, geben wir dir folgendes zur Kenntnis: Drei Wege stehen dir bevor: entweder sperren wir dich ins Gefängnis, lassen dich dort verfaulen, weil wir Beweis- dafür haben, daß du Kommunist bist, oder aber du gibst uns die Ramen und Adressen der Leute, die aus Moskau hier In Budapest sind. Dann wirst du das. was wir dir in den Mund legen, den Leuten. die wir mit dir konfrontieren, ins Gesicht sagen. Die Protokolle, die wir dir vorlegeu, wirst du widerspruchslos unterschreiben. Tust du alles, so machen wir einen neuen Menschen aus dir. Wir schicken dich ins Ausland, wenn du willst nach Amerika, geben dir Papiere und Geld, und du wirst die unterstützende Hand der ungari- schen Polizei immer hinter dir spüren." In diesem Zustand, physisch vollständig gebrochen, halb de- stnnungslos, antwortete Rubin:„Mir ist jetzt schon alles egal, ich werde alles tun, was Sie wollen, und gab die Adresse van Zoltan Szanto an." Szanto wurde verhaftet. Rubin erhielt nun zu essen und Zigaretten. Schweinitzer führte ihn in sein eigenes Zimmer und erklärte ihm, wie er sich benehmen sollt« und was er den Leuten, mit denen er konfrontiert werden sollte, zu sagen hätte. Den ganzen nächsten Tag wurde Rubin instruiert. Er mußte die falschen Aussagen, die man von ihm verlangte, und esti« Reihe von Namen, deren Träger er niemals gekannt hatte, auswendig lernen. Am Abend wurde er dann mit Vag�konsronticrt. Rubin schildert:„Darauf führte er mich ins Zimmer Schweinitzers, wo Stefan vag! mit dem Rücken zum Eingang vor Schweinitzers Schreibtisch stand. Vagi war von ungefähr zwanzig Kriminalbeamten umgeben. Er drehte sich während der ganzen Konfrontation nicht um, so daß er gar nicht wußte, mit wem er konfrontiert wurde, da er mir den Rücken zuwandte. Die erste Frage Schwcinitzers war:„kennst du diesen Mann, der vor dir steht?" Ich hielt mich an die Znstnikllon und antwortete:„Dieser Mann ist Stefan Vagi." Auf die zweite Frage, ob ich Stefan Logi mit Szanto gesehen hätte, antwortete ich mit Ja und wurde darauf aus dem Zimmer geführt." In ähnlicher Weife wurde Rubin einer Reihe anderer Personen gegenübergestellt:„Bis zu meiner Ueberführung zur Staatsanwait- schaft kam es oft vor, daß ich täglich ein oder mehrere Male mit Verhafteten konfrontiert wurde und ihnen auf Grund vorheriger Vereinbarungen dasjenige ins Gesicht sagen mußte, was der das Verhör leitende Detektiv vorgeschriebe» hatte." Nach diesen Konfrontationen wurden die Unglücklichen, gegen die er aussagen mußte, hinausgeführt und jämmerlich zerschlagen zurückgebracht. Ein Protokoll wurde mit Rubin zum ersten Male am S. März aufgenommen. Die Protokollaufnahme erfolgte folgendermaßen: „Schweiniher las mir ein 14 Sellen umfassendes Dokument vor, dessen erster Teil aus den Aussagen bestand, den ich den mit mir konkronlierlen Leuten ins Gesicht machen mußte. Der zweite und größere Teil enthielt Aussagen, von denen ich keine blasse Ahnung hatte." Ehe er zur Staatsanwaltschaft kam, wurde er dem Staats anwatt Mistolczy gezeigt. Am Tage danach erhielt er einen Paß auf den Namen Rößler, mußte die Unterschrift einüben. Dann wurde er von Hetenyi über seine Tätigkeit im Ausland instruiert und zum Berliner Schnellzug gebracht. In Berlin suchte er sich bei jüdischen Glaubensgenossen Arbeit. Ende Juni wurde er durch eine Postkarte zu dem Detektiv- oberinspektor Zdeborsky ins Hotel bestellt. Darüber, was er nun tun sollte, sagt Rubin aus: „Er sagte mir auch, daß ich neue Papiere erhalten sollte, mit deren Hilfe ich dann meine Flucht aus Budapest den u n- garischen Kommunisten in Berlin erklären könne. Ich sollte trachten, ihr Vertrauen zu gewinnen, und, wenn es möglich sei, sollte ich es erreichen, daß ich in die hiesige russische Botschaft oder Handelsvertretung oder irgendeine andere russische Organisation hineinkomme, damit sie mich später nach Rußland schickten. Ferner hat mich Zdeborsky beaustragt, das Haus Maaßsnstraße-ö zu beobachten, weil dort ungarische Kommunisten abzusteigen pflegten." Unter dem Eindruck der Verlesung dieses Protokolls hat das Budapefter Gericht sich auf vier Tage vertagt. Kein Ableugnungs- versuch kann die Schande auslöschen, die aus dem Foltersysten, der Polizei Horty-Ungarns liegt! Horis Stefanos vorm Kriegsgericht. Ein rumänischer Tcndcnzprozeß. Der Prozeß gegen den rumänischen Kommunisten Boris Stefanos, der bereits fünfmal aus nichtigen Gründen vertagt war. bot vor dem Kriegsgericht in Bukarest begonnen. Die Nachrichtenzsnfur läßt nichts über diesen Prozeß nach Europa. Der Protest der europäischen Oesientlichkeit hatte die Hinausschiebung dieses Tendenzprozesses herbeigeführt, jetzt aber soll der unbequeme Gegner endgültig erledigt werden. Stefanos ist wegen Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates angeklagt— nach dem Urteil des konservativen Anwalts Costa F o r u, der nicht sein offizieller Verteidiger ist, zu Unrecht au- geklagt. Er gibt zu, bestrebt gewesen zu sein, die in Rumänien unterirdisch arbeitende Kommunistische Partei zu legalisieren. Die Verweisung des Prozesses vor ein Ofsiziergericht zeigt die Absich:. ein Bluturteil zu erzielen. Diese terroristische Absicht ist samt der Widsrrechtlichkeit des ganzen Prozesses in Europa bekannt und bekräftigt die Äulturmensthheit in ihrer Anschauung von d"<, rumänischen Regime. Jort mit der Todesstrafe! Don Dr. Karl Finkelnburg. Geheimer Oberjuftizrat, Präsident des Strafvollzugsamtes Berlin. Die Todesstrafe— sagt man— müsse bleiben zum Schutz der menschlichen Gesellschaft. Sie sei eine Staatsnotwendigkeit. Das wichtigste Rechtsgut fei das menschliche Leben. Es wüste mit allen Mitteln geschützt werden. Das wichtigste Abschreckungsmittel gegen seine Zerstörung sei das Schafott. Seine Beseitigung sei Humanität ini Dienst des Verbrechens. Grund- und Eckstein ist die Frage: Ist die Todesstrafe tatsächlich wie behauptet, eine entscheidende Abschreckung? Es ist zunächst eine geschichtliche Erfahrung, daß zu ollen Zeiten und bei allen Rationen trotz der umfangreichen Hinrichtungspraxis massenhaft- todeswürdige verbrechen aller Art begangen worden sind. Ja, gerade unter der Herrschaft der qual- vollsten Vollstreckungen der Todesstras« im Mittelalter, als Jahr- hunderte hindurch die Henker in ihren roten Mänteln landauf, landab, vor aller Augen auf den Marktplätzen und Golgenbergen öffentlich ihr blutiges Unwesen trieben, räderten, fällten, vierteilten, war die allgemeine Rechtsunsichcrheit bei Tag und bei Nacht so groß, daß zahlreich« Räuberbanden Handel und Wandel lähmten und ganze Landstriche in Schrecken hielten. Nicht durch die Ab- schreckungskrast der Bluturteile, sondern durch die fort- schreitende Kulturentwicklung mit der Umgestaltung der Allgcmeinzustände änderte sich dies. Der Zweifel an der Richtigkeit des bisherigen S y st e m s wurde laut und lauter. Van fundamentaler Bedeutung war, daß erst vereinzelt, dann in wachsender Zahl Staatsleitungen den Mut fanden, die Konsequenz zu ziehen und die Todesstrafe ab- zufchafscn. Es geschah dies, was von besonderer Wichtigkeit war, im Zusammenhange mit der Einführung und rationelleren Ge- staltung von Zuchthäusern. Der von den Abschreckungcanhängern mit lächelnder Sicherheit erhoffte Triumph trat nicht ein. Die Schwerverbrechen, voran die Morde, wurden nicht zahlreicher. In der Folge breitet« sich die sogenannte Abolitionsbcwegung zusehends aus. Dos Schlußbild war, daß. abgesehen van über- sceischen Lärchern— Brasilien. Zentralamerika, Teile von Mexiko—, während des 19. Jahrhunderts, Belgien feit 185?, Portugal seit 1857, Holland seit 187V, Finnland seit 1894, Norwegen seit 1905, Oesterreich nach 1�8 auf die Hinrichtung verzichteten, ohne daß eine Wiedereinführung zufolge übler Erfahrungen nötig geworden wäre. Wir haben ein gänzes Bücherbrett voll eingehender Unter- suchungen, illustriert von statistischen Tabellen amtlicher Natur, die überzeugend die Tatfache dartun« daß nirgends ein« Anschwellung der Mordziifer beobachtet worden ist. Insbesondere ist, woraus ich nachdrücklich aufmerksam mache, kein einziger Fall aus all den Jahrzehnten zuverlässig verbürgt, daß Mörder den Schauplatz ihrer Taten absichtlich an Orte oerlegt hätten, wo sie der Todesstrafe ent- gehen konnten. Diese Wahrnehmung fällt besonders ins Gewicht bei Siaatszcbieten, die innerhalb ihrer Grenzpfähle Gebietsteils mit und ohne Todesstrafe haben, wie dies in den Vereinigten Staaten von Nordamerika schon sehr lange der Fall ist. Die Todesstrafe kann also erwiesenermaßen entbehrt werden, ohne daß die Sicherheit der menschlichen Gesellschaft Gefahr läuft. Di« spättische Frage, ob man sich in Brüstet nicht so sicher fühle wie in Lyon oder in Köln sicherer als in Amsterdam, trifft doppelt und dreifach zu ans das geschlostenc Gebiet der Eidgenossenschaft. Es leben 15 Kantone ohne Schafott. Kommt jemals bei einer Sommerreise durch die Schweiz der Gedanke auf, daß Basel sicherer sei als Luzern, oder umgekehrt Genf weniger sicher als Schaffhauscn, oder Zürich wiederum sicherer als St. Gallen? Die Frage erscheint lächerlich. pi« goung. von Hans Riekau. Pitt Poung war Journalist. Nicht in Europa, sondern in Amerika. Dos ist wichtig für jeden, der etwa die Absicht hat, etwas über ihn zu hören. Vor einer Reihe von Jahren, zu King Georges Thronbesteigung, war er nach London gekommen. Die öffentlichen Feierlichkeiten gingen vorüber. Pitt halte seiner Zeitung eifrig telegraphiert. Die Aristokratie erster Klast« schickte sich an. am Krönungsmahl teilzunehmen, zu dem sonst nur die Botschafter der Großmächte geladen waren. Kein Presteverireter hatte Zutritt. Die Absperrung war unerbittlich. Pitt Doung tat das einzige, was ihm dennoch den Zu- tritt oerschasfen konnte. Er suchte und fand— eine goldgestickte Einladungskarte. In der Tasche eines alten, zittrigen Peers. Und er durchschritt ohne Hindernis die Sperre vor dem königlichen Palais. Pitt Paungs Zeitung brachte als einzig« der Welt die hochbe- deulsamen Reden beim Krönungsmahl. Aber als Pitt Poung noch an der königlichen Tafel saß und feine Manschetten tn fliegender Hast in Manuskripte verwandelte, irrte der Herzog von Marlborough verzweifelt im Saale umher. Denn er hatte keinen Stuhl. e Der Ministerrat in Washington war versammelt, um zu ent- scheiden, ob ein« staatliche Pazisicbahn gebaut werden sollt« oder nicht. Ganz Amerika wartet« in höchster Spannung. Aber als die Staatssekretär« auseinandergingen, hüllten sie sich nach wie vor in Schweigen. Die mehr als hundert wartenden Journalisten konnten nichts als ablehnend« Handbewegungen ernten. Pitt wandte sich an «inen Staatssekretär. „Ich habe meinem Blatte telegraphiert, daß Sie den Bau der Pacificbahn im Ministerrat durchgesetzt haben." Dem Staatssekretär fiel die Aktenmappe aus der Hand. „Sind Sie' verrückt?!" „Aber nein, mein Bericht entspricht doch den Tatsachen—" „Um Gotteswillen, was richten Sie an: widerrusen Sie—" „So ist also das Gegentest beschlosten," konstatiert« Pitt Poung, macht sich ein« Notiz und flog davon. Der Staatssekretär taumelle. Pitts Zeitung war die einzige, die in Riesenlettern die Ablehnung durch den Ministerrat brachte. Und sie hatte recht. «> Als Pitt Poung noch unberühmt war. machte fein« Zeitung Konkurs und Pitt bewarb sich bei dem Direktor eines Chtiagoer Sensationsblattes um ein« neue Stellung. .Bringen Sie mir noch für dos Abendblatt eine Sache, die sogar mich awsregt, und Sie find engagiert," sagte der Direktor uäd glaubte eine Ablehnung ausgesprochen zu haben. Denn was in aller Meli tonnte den Direktor eines Sensationsblattes aufregen?. Nach meinen vielsättigen Erfahrungen befinden sich selbst viele Juristen, sicherlich aber das große Publikum in einer erstaunlichen Unkenntnis über den theoretischen und praktischen Stand unserer Materie. Als Hauptleitsätze müßte in die Herzen gehämmert werden: Die Todes st rase ist unlogisch, weil sie aus der Summe frevelhafter Mcnschenbetätigung ohne zwingenden Grund«inen Einzelposten isoliert und mit der singulären Schärfe eines Ausnahmegesetzes behandelt. Gestrauchette Menschen soll man nicht vernichten, sondern wieder aufrichten. Hundertfältige Erfahrungen aus den Strafanstalten aller Länder, insbesondere der Länder ohne Todes st rose, haben bewiesen, daß auch Mörder, soweit sie geistig gesund sind, besserungsfähig sind. Die Todes- strafe ist schädlich, weil sie infolge ihres Ungeistes geeignet ist, schon durch ihre prinzipielle Existenz trübend, um nicht zu sagen vergiftend aus die übrig« Strafrechtsauffastung zu wirken, ebenso wie dies durch die jetzt in den Strasanstatten abgeschasjte Prügelstrafe, dem sogenannten„Schwesterchen der Todes- strafe", beim Strafvollzug erwiesencrmoßen früher der Fall ge- wesen ist. Die Kontroverse ist spruchreif: Fort mit der Todes- st r a f e!* Kampf um Soöen und Wohnung. Tie Gewerkschaften voran. Dos Aktionskomitee für Boden-, Siedlungs- und Wohnungs- politik hat tn seiner 15. Dollsitzung am 20. Oktober d. I. nachstehende Entschließung einstimmig angenommen: „Das Aktionskomitee für Boden-, Siedlungs- und Wohnungs- Politik erblickt eine schwere Gefährdung des Mieter- f ch u tz e z in den Anträgen auf Wiedereinführung des K ü n d i- gungsrechte» durch den Hausbesitzer, die die Regierung dein Reichstag vorgelegt hat, obwohl der Reichsrat sie mit zwei Drittel Mehrheit abgelehnt hat. Das Aktionskomitee erachtet die Wieder- einfuhrung des Kündigungsrechtes bei der heutigen ungeheuren Wohnungsnot alz unerträglich. Diese Resolution ist von folgenden Organisationen vntsrzeichnet: Allgemeiner Deutscher Gewerkschastebund: Allge- meiner freier Angestelltenbund(AfA-Bund): Deutscher Ge- werkschaftsbund: Verband Deutscher Gewerkverewe: Gewerkschafts» ring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbänd«: Der- band der weiblichen Handels- und Bureauangeftellten: Heimstätten- amt der Deutschen Beamtenschaft: Deutscher Seamtenbund: Allge- meiner DeutscherDeamtenbund; Bund Deutscher Mieter- vereine E. B.(Ätz Dresden): Reichsbund Deutscher Mieter e. B. (Sitz Berlin): Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsvellnehmer und Knegerhinterbliebenen: Reichsverband Deut- scher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenei E. B.: Zentralverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener: Reichsoerband der Kleingartenverein« Deutschlands E. D., Frankfurt am Main: Allgemeiner Sächsischer Siedlerverband, Dresden; Märkische Sck)olle: Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft m. b. H. (Arwik"): Bund Deutscher Bodenresormer. Das Aktionskomitee beschloß serner, die Frattionsvorstände der Berliner Stadtverordnetenversammlung auf die Verschleppung seines Antrages vom 13. April 192S betreffend Herabsetzung der Anliegerbeiträge bei Kleinwohnung» st raßen auf- merksam zu machen und sie aufzufordern, für die endliche befriedl- gende Erledigung dieses Antrages«inzutreten. Es erwartet ferner vom Magistrat der Stadt Berlin eine boldige klare Stellungnahme zu seinem Antrage vom 5. Mai 1927 betreffend Ausweisung von Wohnheim st ätten- und Heimstättengarten- gebieten. Die hinter dem Aktionskomitee stehenden Organi- satlonen sind fest entschlossen, die in den beiden Anträgen aüfge- stellten Forderungen in der Oeffentlichkeit tatkräftig zu vertreten. Es wurde einstimmig beschlossen, am Sonntag, dem 27. November, vormittags lOZL Uhr, durch eine Massenversammlung im „Ich bringe das Gewünschte oder ich schieße mich tot." sagte Pill und verließ das Zimmer. Er stieg eine Treppe hinunter und gab am Anzeigenschaller des Blalles seine eigene Todesanzeige für dos Abendblall auf. Dann ging er an» Telephon und meldete der Redaktion: „Soeben hat sich der bekannte Pitt Poung erschossen. Nahrungs- sorgen und das Verhalten eines Chikagoer Zeitungsdirektors haben ihn in den Tod getrieben." Der Redakteur, der Pill nicht kannte, witterte die Konkurrenz und oeröfientlicht« die Meldung. Um S Uhr erschien die Abendzeitung. Um 7 Uhr betrat Pitt Poung das Zimmer des Direktors. Wie von der Tarantel gestochen fuhr dieser aus seinem Sessel. „Es hat sogar Sie aufgeregt, Direktor. Ich bin engagiert." Er wurde engagiert. * Wie Pitt Poung lebte, so ist er gestorben. Die amerikanisch« Flott« war zum Manöver ausgelaufen. Pitt Poung aus einem kleinen Beglettdampfer, neben dem Kapitän aus der Brücke. Schießübungen. Plötzlich saust ein« Garant« auf den Vealeit- dampser. Furchtbar« Explosion. Der Dampfer brennt. Die Kam- mandobrück« stürzt zusammen. Pitt sällt aus den Kapitän. «Teufel! Da» wird ein ausgezeichneter Bericht," schreit er ihm in» Ohr. Dann oersinkt der Dampser. Und Pill mit ihm. Ran oa öle Todesstrafe! Bon Kreuzwendedich Rückwärts, Bänkelsänger und Militärtnvalide. Trauer will mein Saitenspiel beschleichen, Grimmer Zorn mein Inn'res übermannt. Denn ich sehe der Entartung Zeichen Wachsen rings im deutschen Baterland. Nicht nur. daß die Röcke und die Schöpfe Stark verkürzt die Frauenwett jetzt trägt— Rein, man will auch nicht mehr, daß die Köpf- Uns der Henker, wie sich das gehört, abfchlöe Schwatzen hört ein Breites und ein Langes Man die Leute, die sentimental. Dies sind Folgen unsres Niederganges, Einem Deutschen ist das ganz egal. Wer wird vor ein bißchen Blut erschrecken. Feiglinge, was macht die Angst euch bleich? Einmal muß man sowieso verrecken. Also, frage ich, warum nicht gleich? Laßt deshalb das grämliche Geunke, Bleibt zu Hause mtt dem Wettenschmerz! Blut ist halt die recht« Seelentunk« Für da» schlichte deutsch« Männerherz. Zirkus Busch und evtl. auch im Lustgarten zu demonstrieren gegen Boden- und Wohnungswucher, gegen Entrechtung der Mieter und Vernichtung der Kleingärten. Endlich beschloß das Mtions- komitee, mit den angeschlossenen Organisationen und den diesen nahe, stehenden politischen Parteien Fühlung zu nehmen wegen etwaiger gemeinsamer Kundgebungen zur Vorbereitung der Wahl- kämpfe im kommenden Jahr. Lob öer Republik. Im„Berliner Lokalanzeiger-. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" veröffentlicht einen Leit- artitel von Dr. Karl F e ß m a n n, der mit folgenden Fest. stellungen beginnt: Das deutsche Volt hat in den Notjahren seit dem Kriege un- geheure Leistungen vollbracht. Leistungen, deren gerechte Würdigung wohl erst dann möglich fein wird, wenn dereinst obfetts der Leidenschaften des Tages die Geschichte der f ch w e r st e n deutschen Zeit geschrieben werden wird. Alle deutschen Stände, alle Berufe haben ihren Anteil daran, Unternehmer wie Arbeiter, Landwirtschaft, Handwerk. Handel, Indu�rie und alle anderen. Mit tiefster Ehrfurcht und Bewunderung wird man davon sprechen, was ein todwundes Volk, uneinig in seinen Parteien, einig im festen Willen zur Selbsterhallung geschaffen hat. Man mag angesichts der Tatsache, daß es bisher noch nicht gelungen ist, den Arbeitern ein wirklich menschen- würdiges Dasein zu schaffen, dieses Loblied Dr. Feßmanns übertrieben finden. Dedenkt man aber, in welchem Zustand sich das Reich am Ende der Hohenzotlern-Herrschaft befand, so muh man dem Leitartikler des„Lokal-Anzeigcrs" darin recht geben, daß gewaltige Leistungen vollbracht worden sind. Leider vergißt er hinzuzufügen, daß diese Leistungen erst möglich geworden sind auf dem Boden d e r Republik und der Verfassung von Weimar, daß die Politik der Verständigung nach außen, die sogenannte„E r- füllungspolitik" eine unumgängliche Voraussetzung für sie war— kurz, daß diese Leistungen vollbracht worden sind unter entscheidender Mitwirkung der Sozialdemo- k r a t i e gegen den fanatischen Widerstand der Deutsch- nationalen und ganz besonders des ,Lokal-Anzeigers". In der„schwersten deutschen Zeit" haben die Sozialdemo- k raten den Weg zum Wiederaufstieg gezeigt, der„Lokal- Anzeiger" hat sie dafür verleumdet und beschimpft. Und das wird er natürlich auch weiter tun. Ein Sprachrohr für üie Gpposttion. Sie darf unter Aufsicht diskutieren. Im Hauptorgan der Kommunistischen Partei, der„Prawda", ist eine Bekanntmachung verösfentlicht, wonach dem Blatt in den nächsten Tagen eine Vellage unter der Benennung„D i s k u s f i o n s- b l a t t" beigefügt werden wird. In dieser Beilage sollen kurze Artikel und Zuschriften über Fragen der Parteipolitik verösfentlicht werden. Damit wird nun eine Maßnahme verwirklicht, die schon vor längerer Zeit w Aussicht gestellt worden war. In diesem Dis- kussionsblatt soll die Opposition die Möglichkeit haben, ihre„G e g e n- t h e s e n" auszustellen und zu verfechten, und auch kritische AbHand- lungen werden als zulässig bezeichnet. Gleichzeitig wird eine Bestimmung des Zentralkomitees der Partei über die Eröffnung der den Parteitongreh und seine Fragen betreffenden Diskussion in den Parteiorganisationen veröffenllicht. Die dem Porteikongreß vorzulegenden„Thesen" werden in den nächsten Tagen publiziert werden, worauf dann die Diskussion be- ginnen kann. Es wird aber ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß„die ohne Zweifel notwendige Kritik der Mängel der Partei" nicht in einzelnen Sondergruppen mit bestimmten „Plattformen" usw. stattfinden darf, sondern von der Gesamtheit der Parteimitglieder auszugchen hat. Berliner Sängerchor. Der S a a l b a u Friedrichshain hat selten ein so dicht gedrängtes und schnell animiertes Publikum gesehen, wie im Montogskonzert des Berliner Sänaerchors. Fremdländische Volksweisen sind als Vortragsfolgen unserer Chöre nichts Settenes, diesmal wurden ober alle(italienische und russische) nitt Orchesterbegleitu?» und zyklenweise vorgetragen. Außerdem sind in dem italienischen Zyklus„O dolce Rapoli" alle persönlichen und rein lyrischen Lieder einem ,Solotenor übertragen, während die russischen Lieder„An der Wolga" durch verbindenden Text von einem Rezitator zusammengehalien werden. Der Sieger unter den beiden Solisten war nicht der Sänger, obgleich Karl Jöken einige sehr schöne Momente in„Meine hold« Kleine" und namentlich im „Pulcirc-llo" hatte, auch mit deutlichster Aussprache eine hohe musi- kalische Intelligenz verbindet, sondern der Sprecher Bruno E. Walter, der zuerst etwas matt einsetzte, dann aber immer mehr mit stür- Mischer Inbrunst den Song der Liebe, des Heimatsehnens und der glücklichen Helmkehr dem Chor in Prosa vorsang. Zu den italienischen Volksliedern, die zum Teil etwas straßenfängerifch, aber immer graziös und rhythmisch anregend sind, hat Karl Hirfch die Orchesterbegleitung komponiert. Eine gute, gelungene und stimmungsvolle Arbeit, In der das Orchester nur zu viel an der Melodie des Chores klebt und sich fast nie zur völligen Orchesterpolyphonie aufschwingt. Wie ganz anders meistert Hugo Jüngst seine Woigalieder, in denen die prachtvollen, individuellen und weitausgreifenden orchestralen Untermalungm fast die wertvollere Hälfte des jeweiligen Liedes dar- stellen. Wie reizend kontrastieren im„Echisserständchen" die Kontrabässe gegen die Läuse der Holzbläser, wie sehnsuchtsvoll malt das Orchester im„Hetmatsehnen". Und das Berliner Symphonie- o r ch e st e r. das diese Aufgaben ausgezeichnet ausführte(wozu noch die freie Mandolinisten-Dereinigung Neukölln kam) hatte einen wesentlichen Anteil an dem Ersolg des Konzertes. Philipp Heid, der den Abend mit dem klar und anschaulich auf- gebauten„Römischen Karneval" von Berlioz«inleitete, stellte einen stattlichen, wohldisziplinierten Chor vor, der vor ollen zn seinen gesunden, schlackensreien Tcnören zu beglückwünschen ist. Tonreinhcit, das Fehlen aller Schwerfälligkeit und die Tertbehandlung sind sehr rühmenswert, nur das letzte.�Hineinknien" in die Ausgabe, das lang- nachklingend«„Austönen wäre allgemein so wünschenswert, wie es in tadelloser Weise in den letzten vier Liedern ausgeübt wurde. H. M. fi&che ttollw'h In ntesk«'». fttrau Kätlie ftoTTttüfe ist von der kowiet» reglerung zu einem Sind enaufentdnlt not, Rußland eiiizcladen morden Die Künstlerin reist dieser Tage nach Moskau. Der lanzabend palvcca am S. im B a ch f a a l bringt ein vollkommen neue» Programm. verliner llkhmann-Lhor. Der Eintrittspreis zum Konzert am s. beträgt- 1 Marl. Die Akademie der Künste eröffnet ihre diesjährige Herbstausstellung am d. Gte umlaßl ilauarell«. Zeichnungen. Pasteli«, Grapbiken und Werke der Bildhauerkunst. Im Mittclvunkt der Ausstellung steh! eine große Kollektion von Zeichnungen und graphischen Arbeilen von Käthe K o l l w i tz. Die Eröffnung findet vor geladenem Publikum stall Von 2 Uhr ab ist die Ausstellung allgemein zugänglich. Pom nächsten Sonntag an ist sie täglich von 10— 5 Uhr geöffnet. britische Arbeiter-Außenpolitik. Tie Schiedsgerichtsbarkeit im Mittelpunkt. London. 1. November.(Eigenbericht.) Der Führer der englischen Arbeiterpartei, Ramsay Mac- donald, schließt im„Daily Herald" vom Montag seine Artikel- serie über außenpolitische Probleme und internationale Politik mit einem grundsätzlichen Artikel über die auswärtige Politik der britischen Arbeiterpartei ab.„Der Zweck der sozialistischen Außenpolitik," so vermerkt Macdonald eingangs,„ist die Herbeiführung des Friedens. Wir haben hierbei nicht an die Wünschborkeit des Friedens zu denken. Das ist Propaganda, zwar notwendig, aber lediglich das Vorspiel. Wir müssen uns selbst an den Verhandlungstischen in Genf denken, vor uns nicht moralische Traktate, sondern die Vertreter der verschiedenen Natio- nen, die in erster Linie ihre eigeneir Chancen und Bedürfnisse im Auge haben. Auf einer solchen Konserenz muß natürlich die Schiedsgerichtsbarkeit im Mittelpunkt der Erwägungen stehen, sowie die mit der Errichtung eines Schiedegerichts verknüpften inneren und äußeren Schwierigkeiten und ihre Uebcrwmdung. Hierbei befindet sich die Arbeiterpartei in einer besonderen Lage. Ihr Interesse cm der Entwaffnung erstreckt sich nicht nur auf Verminderung der Militärausgaben zum Zwecke der Erleichterung des Steuerzahlers, sondern sie sieht ihr« Aus- gäbe darin, im Bewußtsein der Nationen die alte Mythe zu töten, daß der Militarismus jemals Sicherheit zu bieten vermöchte. Wie könne z. B. England von anderen Nationen das Ausgeben des Glaubens an bewaffnete Sicherheit erwarten, solang« es selbst auf dem Recht der Erbeutimg privaten Besitzes zur See und dem Blockoderecht während eines Krieges bestehe. Das bringe England von Anbeginn an in einen Gegensatz zu Amerika-und erkläre das Scheitern der jüngst in Genf abgehaltenen See. abrüstungskonferenz. Deshalb müßten vor der Inangriffnahme der Entwasjnung all« Fragen über den Charakter der Seeblockade gelöst werden. Aber das fei nicht genug. Keinerlei Argumente oder moralische Appelle würden im gegenwärtigen Augenblick die euro- päischen Nationen davon überzeugen, daß die Annahm« der Schieds- gerichtsbarkeit auch ihre Durchführung sichere. Vergangene Erfahrungen hätten die gegenwärtige Einstellung viel zu nachdrück- lich ins Bewußtfein der Nationen eingegraben. Wir müssen daher mit dieser Furcht rechnen und zu einem gemeinsamen Abkommen dahin kommen, daß im Falle der Nichtannahme oder Nichtdurch- führung der Schiedsgerichtsbarkeit, der angreifende Staat von den anderen Staaten als Feind betrachkek wird. Niemand könne leugnen, daß dies ein gewisses Risiko mit sich bringe. Daher wüste man den nächsten Schritt tun und sich gegen dieses Risiko schützen. In dieser Hinsicht sei Cham- berlains jüngste Rede völlig unbrauchbar. Sie ist die Meinungs- äußerung eines Mannes, der entweder unfähig ist oder sich weigert, den Völkerbund als eine Realität zu betrachten und lediglich in juristischen Formeln denkt. Die Arbeiterpartei habe mit praktischem Sinne Abkommen zur Wirksamkeit zu verhelfen. Sie müsse jeden versuch in der Richtung auf Frieden in oben gekenn. zeichnetem Sinne unterstützen, sei der Versuch nun schon in sich selbst befriedigend oder nicht. In ihrer auswärtigen Politik muß sich die Partei konsequent von ihrer Mistion, der Stärkung der Demokratie, leiten lasten. Sie darf sich jedoch nicht irreführen lasten und nicht Abkommen abschließen, die nur für den Augenblick brauchbares Flickwerk darstellen, das die Löcher in den zerrissenen Anzügen vcr- deckt. Es gibt zwei Wege, durch welche sich eine Nation in ihren internationalen Beziehungen Einfluß und Macht verschaffen kann. Der eine besteht in dem Abschluß von Allianzen und, was wirk- lich auf das gleiche hinauskommt, darin, daß st« sich einmal auf die eine und dann wieder auf die ander« Seite schlägt. Diese Me- thoden haben die grundlegenden Züge gemein, daß sie mech.'.nilch und nur vorübergehend wirksam sind und in Sackgasten führen. Der andere Weg bestcht darin, einen Standpunkt einzu- nehmen, welcher notwendigerweise respektiert und schließlich von allen Nationen geteilt werden muß, die sich an f r e u n d n a ch- barliche Beziehungen und an den Geist de? Friedens ge. wöhnen. Der letztere Weg muß die Methode der Arbeiterbewegung sein. In diesem Kampf für die Demokratie müssen wir uns bereit» finden, offen das Wachstum des Nationalismus einzugestehen und uns der neuen Welt anzupassen, die aus dem Kriege ge- boren worden ist. Das wird uns tausend und einer Schwierigkeit gegenüberstellen, welch« alle in einem demokratischen Geist« behan- delt werden müssen. Gleichzeitig darf eine sozialistische Außen- politik nicht davor zurückschrecken, schwächeren Rationen zu helfen. Das gitt insbesondere für die Beziehungen zu deir Nationen, für deren Regierung London verantwortlich ist. Eine sozia- listische Regierung darf sich da nicht einfach zurückziehen und ihre Hände von aller Derantwoittichkeit freiwaschen, sondern>tub. in derUebergangszeit von dem gegenwärtigen Zustand der Unterdrückung dieser abhängigen Nationen zum Zustand der Selbstbestimmung, ihren Einfluß dahin einsetzen, im gegen- seitigen Einverständnis Abkommen zu treffen, und Derträge, die auf Gewalt aufgebaut find, durch gegenseitige Hilssoer» träge zu ersetzen. Eine britische Regierung, in deren Ehrlichkeit allgemeines Vertrauen gesetzt werde, kann auf dieser Erde bei dem gegenivärtiaen Haß und Hader der Rasten ein unermeßliches Maß guter Arbeit leisten."_ €in König besucht einen(delmagnaten. Aegypten verhandelt über den Völkerbund. London, 1. November. König Fastal von Aegypten und Ministerpräsldent Valdwin waren gestern Gäste des stellvertretenden Vorsitzenden der Anglo Persian Oil Co.. Cadmon. Es wird angenommen, daß die angebahnten Verhandlungen Aegyptens über sein Verhältnis zu England zu dem Eintritt Asgyp- tens in den Völkerbund führen werden. Ein gestürzter Sonverän des Ostens. Das Oberhaupt der früheren regierenden Fürstenfamilie von Korea, Prinz Ri Gin, ist „in Begleitung seiner Gemahlin und mit Gefolge vom Haag kam- mend auf dem Bahnhof Friedrichstraße eingetroffen". Zum Empfang hatten sich der hiesige japanisch« Bostchaster Nagaoka sowie Herren des Auswärtigen Amtes eingefunden. Zum deutschen Bolschasler in Washington ist der 1. Votschafts- rot in Rom, Dr. von Prittwitz, in Aussicht genommen. Rechts- blätter polemisieren dagegen, weil er ZÜ18 den Anschluß an die Rc- »olution allzu schnell gesunden habe, Er ist- 43 Jahre alt. Schwere Explosion in Sorsigwalöe. Ein Arbeiter getötet, zwei verletzt. Bei Berladcarbeilen von Sauer st oss. Flaschen auf dem Grundstück der Sauer st ofswerkeBerlin-Borsig. walde in der Bchrendslraße 1 erelgneie sich gestern nacht eine folgenschwere Explosion. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle gelötet, zwei weitere wurden erheblich verletzt. Auf dem umfangreichen Gelände in der Vehrendstraße sind die Fabrikations, und Lagerräume der Sauerstoffwerke Verlin-Borstg- walde. Mehrere Gleis« führen direkt an die Laderampe des Ver- sand Hauses heran. Gegen 21.30 Uhr war hier«ine Arbeiter- t o l o n n e mit dem Verladen von Sauer st off- Flaschen in dort stehende Güterwaggons beschäftigt. Plötzlich erfolgte unter ohrenbetäubendem Krach eine heftig« Explosion. Durch den L u s t d r u ck wurden sämtliche Fensterscheiben in der näheren Umgebung zertrümmert. Der LSjährige Mon- teur Otto kellermann aus der Vehrendstraße 23 lag mit furcht- baren Verletzungen tot am Boden. Zwei weiter« Ar- beiter, der S8jährige Wilhelm Sauz aus der Rausch st raße 70 und der 23jährige Paul Bogt aus der Räuschstraße 7 9, die in der Nähe des Explosionshcrdes beschäftigt waren, kamen wie durch ein Wunder mit leichten Beinverletzungen davon. Die Leiche des tödlich Berunglückten wurde polizeilich b e- s ch l a g n a h m t und nach der Reinickendorfer Halle gebracht. Die Ursache der Explosion ist noch völlig ungeklärt. Die von anderer Seite verbreitete Nachricht, daß der Getötete beim Verladen die Sauerstoff Flasche haben fallen lassen und daß dadurch die Explosion erfolgt sei, trifft nach Mitteilung der Betriebsleitung nicht zu. Die Flasche stand unberührt in dem Arbeitsraum, als plötzlich die Detonation eintrat. Diese Sauerstoffbehälter werden von den amtlichen Ueberwachungsstellen alle fünf Jahre aus ihre Beschaffenheit geprüft, und gerade diese Flasche war erst vor einem Jahr untersucht worden, ohne daß dabei irgendwelche Beanstandungen laut wurden. Man steht in d«n Werk vor einem Rätsel, wie die Explosion erfolgen konnte. Großfeuer auf Gut heinersöorf. Auf dem städtischen Gut Heineredorf bei Teltow zwischen den Orlschasten Osdorf und Großbeeren, wütet« heute vormittag«in Grohseuer, das einen etwa 100 Meter langen Schaf st all in Asche legte. ZöZ Schafe kamen in den Flammen um. Zwei Löschzüge der Berliner Feuerwehr waren auf den Alarm zur Hilfeleistung nach Heinersdorf ausgerückt. In dem Gcbäudekomplex des Gutes befindet sich nach der Ostseite zu ein etwa 100 Meter langer und 20 Meter breiter Fachwerkbau mit einer Strohbedachung, der als Schafftall diente. Gegen 9 Uhr vormittags wurde bemerkt, wie aus dem Strohdach Rauchschwaden hervor- drangen. Gutsangestellte eilten hinzu und sahen, daß ein Teil des Gebäudes lichterloh brannte. Obgleich die Gutsfcucrwehr schon nach wenigen Minuten an der Brandstelle die Löscharbeiten aufnahm, hatten die Flammen, die rasend um sich griffen, bereits den größten Teil des Stalles erfaßt Die freiwilligen Wehren von Großbeeren. Glasow, Blankenfelde, Ruhisdors und zwei Berliner Motorspritzen unter Leitung des Branddirektors Flöter eilten auf den Feueralarm zur Hilfe herbei. Aus mehreren Schlauchleitungen wurde lange Zeit Wasser gegeben. Do von dem brennenden Gebäude ohnehin nichts mehr zu retten war, mußien die Wehren sich darauf beschränken, die Häuser der Gutsarbeiler und Angestellten, die eine Zeitlang sehr gefährdet waren, zu schützen. Leider sind in den Flammen 263 Schafe umgekommen. 53 wurden schwer verletzt, so daß sie notgeschlochtet werden müssen. Di« Ursache des Graßfeucrs ist noch ungeklärt, doch kann, wie uns von dem Gutspächter in Heinersdorf mitgeteilt wird, nur Brandsiistung in Frage kommen. Die Polizei hat noch in den Vormittagsstunden die notwendigen Er- mittlungen aufgenommen. Der sehr beträchtliche Schaden ist voll durch Versicherung gedeckt. Naubüberfall bei Rahnsdorf. Ter Täter entkomme«. Ein Raubüberfall wurde in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr auf dem Waldwege zwischen dem Bahnhof Rahnsdorf und S ch ö n e i ch e verübt. Es ist das die Strecke, auf der schon zwei- mal Bierkutscher auf der Heimfahrt überfallen wurden. Gestern nachmittag hatten eine 50 Jahr« alte Frau Auguste Seifert und ihre 24 Jahre alt« Tochter, eine Frau Frieda S i m o n, die in der Waldstraße in Schöneiche wohnen, in Berlin Besuche gemacht. Sie fuhren mit einem der letzten Borortzüge nach Rahnsdorf zurück und gingen den Waldweg entlang nach Hause. Plötzlich kam im Jagen 246 ein etwa 3 0 I a h r« alter Mann aus dem Gehölz heraus auf sie zugesprungen und forderte unter Drohungen mit einem vorgehaltenen Revolver die Heraus- gab« der Handtaschen. Als die beiden Damen trotz der Drohung, daß er schießen werde, wenn sie nicht ruhig seien, sofort um Hilfe riefen, stieß«r eine nach der anderen zu Boden, raubte beiden die Handtaschen, eine braune Tasche mit 2 0 M. und eine schwarze mit 6 0 M. und einer Monatskarte Röhns- darf— Berlin auf den Namen der Frau Frieda Simon, ergriff mit der Beute die Flucht und entkam in den Wald hinein. Die Be- raubten benachrichtigten von ihrer Wohnung aus durch den Fern- Iprecher die Polizei, und der Landposten und Kriminal- und Schupo- beamte des 242. Reviers in Köpenick suchten mit einem Spürhund die Umgebung des Tatortes ab. Der Räuber hatte jedoch einen großen Vorsprung und in dem Waldgelände war von ihm keine Spur mehr zu finden. Der Räuber ist etwa 1,70 Meter, groß und mittelstark und trug einen dunklen Mantel und eine dunkle Sport- mütze._ Liebe geht üurch üen Magen. Eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht. Es gibt das berühmte Ei des Kolumbus, es gibt Hühnereier, es gibt Straußeneier und es gibt auch faule Eier. Um ein solches faules Ei drehte sich ein schwieriger Prozeß vor dem Amtsgericht. Ein faules Ei beschäftigte einige Stunden lang einen Vorsitzenden, zwei Beisitzer, einen Protokollführer, die Parteien und noch Zeugen. Glücklicherweise lag das faule Ei, dieses corpus delicti, nicht auf dem Richtertisch. Die Vorgeschichte des Prozesses spielte in der Berliner Zentral- markthall«. An einem Geflügel- und Eierstand war eine sehr niedliche Verkäuferin angestellt. An dem benachbarten Fleischver- kaussstand arbeitete ein kräftiger Fleischergeselle, der sich in seine hübsche Nachbarin verliebte. Nun geht bekanntlich Lieb« durch den Magen. Wenn ein« solche junge Dame«inen verliebten Herren an sich fesseln will, so muß sie ihn gut süttern. Wenn sie ihn los sein will, muß sie ihn schlecht füttern, sagte unsere hübsche Eier- Verkäuferin, die sich aus dem verliebten Fleifchergesellen absolut nichts machte. Sic war nämlich Vegetarierin und hielt es mit einem Gemüsehändler. Um den Fleischergesellen los zu werden, schenkte sie ihm eines Tages«in E i und dieses Ei war, wie sie vorher festgestellt hatte, faul. Letzt war der Fleischergesell« wütend und suchte für seine Liebe ein anderes Betätigungsfeld. Verschmähte Liebe schlägt aber meist in Haß um und löst Gefühle der Rache aus. So war es auch hier. Der mit dem faulen Ei beglückte Liebhaber verbreitete da» Gerücht, daß ihm das Objekt seiner Liebe täglich Eier zugesteckt habe. Als der Chef der Eierverkäuferin von diesem Gerücht erfuhr, entließ er sein« Kraft fristlos, woraus diese ihn vor den Kodi zitierte. So kam denn dieser Fall vor das Arbeits- g e r i ch t. In der sehr langwierigen und bewegten Verhandlung wurde festgestellt, daß die Geschichte mit der regelmäßigen Eierlief«- rung an den verliebten Fleischergesellen nicht stimmte. Immerbin blieb an der Klägerin das eine, das faule Ei, haften. Das ließ sich nicht wegleugnen. Trotzdem kam das Gericht zu der Auffassung, dag dieses faule Ei noch kein Grund zur fristlosen Entlassung sei. Der beklagte Eierhändler wurde verurteilt, der Klägerin noch zwei volle Monatsgehälter zu bezahlen. Kopffchüttelnd horte sich der Beklagte das Urteil an und fragt« nur:„Sagen Sie mal, Herr Rat, was würden Sie denn machen, wenn man Sie in der Weise beklaut?" Woraus der Vorsitzende lakonisch erwiderte:„Ich habe keine faulen Eier und die nächste Sache aufrief. Schwerer Unfall Lya de PnttiS. Di« Filmschauspielerin Lya de Putti, die au» Amerk?« zu vorübergehendem Aufenthalt in Berlin eingetroffen war und h»« in einem deutschen Film mitwirkt«, ist am gestrigen Montagabend in ihrer Wohnung in der Rauchstraße S von einem schweren Unfall betroffen worden, der ebenso mysteriös zu sein scheint, wie ihr aufsehenerregender Fenstersturz vor«Inigen Jahren. Die Künstlerin hat sich an den Trümmern einer Glasscheibe schwere Verletzungen an den Unterschenkeln zugezogen, beide Schlagadern an den Beinen sind zerrissen und die Mus- kein zerschnitten. Der Arzt, der ihr die erste Hilfe leistete, mußte einen 8 Zentimeter langen Glassplitier aus dem einen Dein entfernen. Da der Blutverlust mißerordentlich stark war. mußte die Verunglückte noch in der Nacht in die Privattlinik von Geheim, rat B o r ch a r d t geschafft werden, der sie sofort operierte. Ihr Zustand sst augenblicklich nicht lebensgefährlich, aber in Anbettacht der Schwere der Verletzungen ernst. Aus jeden Fall dürfte sie für längere Zeit ihrer bemslichen Tätigkeit fernbleiben müssen. Ueber das Zustandekommen der Verletzungen u-nd den Her- gang des Unfalls will die Filmschauspielerin keine Angaben machen. Schimpfe leise! Dann darfst d« die Reichsfarben beschimpfen. Eine Entscheidung, die wieder einmal zeigt, wie unsere Gerichte den Schutz der Republik und der Reichssarben auffassen, fällte das Erweitere Schösfengericht Neukölln, indem es den zwanzigjährigen Arbeiter Hans Meyer aus Neukölln von der er- hobencn Anklag« der Beschimpfung der Reichssarbcn freisprach. Folgender Tatbestand lag der Anklage zugrunde: Am 31. Juli waren einige Mitglieder des Reichsbanners in einem Lokal in Neukölln zusammengekomme», von denen einer eine grche schwarzrotgoldene Fahne mit sich führte, die er sich für die am nächsten Tag angesagte Dampferfahrt des Reichsbanners geborgt hatte. Als der Angeklagte Meyer, der in angeheitertem Zustande war, die Fahne sah, ging er mit den Worten daraus zu:„Mit der Schwarz-Roi- Mostrich" kann ich nichts anfangen, diese Schivnrz-Bot-Sch.... werft ruhig in die Spree." Da Meyer trotz Aufforderung der Reichs- banncrleute die beschimpfenden Worte nicht zurücknahm, ließen diese ihn durch einen Polizcibeamten seststellen. Die Beweisausnahine ergab, daß der Angeklagte die beschimpfenden Borte tat- sächlich gesprochen hat. Von den Reichsbaimerleuten waren sie auch gehört worden. Da aber einige Zeugen, die ebenfalls in dem Lokal anwesend waren, aussagten, daß sie nichts gehört hätten, stellte sich das Gericht auf den Standpunkts daß der Tatbestand der Oeffentlichkeit nicht gegeben sei. Es berief sich dabei auf eine Reichsgerichtscntscheidung, die als Merkmal der Oeffentlich- keii verlangt, daß die Aeußerung von einem größeren Personenkrcis gehörtswerde. Da nun die anderen Gäste nichts gehört haben wollten. verneinte das Gericht Oeffentlichkeit der Beschimpfung im Sinne dcr Reichsgerichtsentscheidung und sprach den Angeklagten frei, rügte allerdings sein Betragen in dcr Begründung oufz schärfste._ Toüesfturz in Dessau. Der Junkersflieger Plaut verunglückt. Dessau. 1. November. Auf dem Flugplatz der Iunkers-Werk« in Dessau hat sich heute vormittag inn 9)5 Uhr ein schwerer Unglücksfall ereignet, dem der bekannte Iunkers-Pilot Plaut zum Opfer gefallen ist. Der Flieger war mit einem dreisitzigen Uebungsslugzcug von, Typ K32 aufgestiegen, um neue Kunstflugfiguren ein- zuüben. Dabei wollte er wohl auch nach dem Vorbilde Fieselerz den besonders schwierigen Looping nach vorn ausführen, ver- lor aber dabei, als er in einer Höhe von etwa 250 Metern zu dieser Figur ansetzte, so stark an Höhe, daß er die Maschine nicht mehr rechtzeitig abfangen tonnte. Mit voller Wucht stürzt« das Flugzeug senkrecht nnt dem Propeller nach unten ab und bohrte sich tief in den Erdboden. Die herbeieilenden Monteure der Junkers- Werte fanden Plaut als Leiche unter den Trümmern des Vorderteils der Maschine, während der Rumpf mit den Steuerflächen fast unbeschädigt war. Die Steuer waren vollkommen intakt. Mit Plaut verlieren die Iunkers-Werke einen ihrer hervor- ragcndsten Flieger und Mitarbeiter. Der Verunglückt«, der Diplom- ingenieur war. im 30. Lebensjahre stand und der eine Witwe und drei Kinder hinterläßt, war nicht nur Pilot, sondern auch Konstruk- teur und technischer Mitarbeiter im Hauvtbureau von Professor Junkers. Er leitete alle Versuche mit Svezialtypen und nach seinen Angaben wurden dann etwa notwendige Verbesserungen an den von ihm eingeslogenen Maschinen vorgenommen. Seine tollkühnen Kunstflüge hatten ihm den Beinahmen eines„Fliegers, de'- nicht geradeaus fliegen kann", verschafft. Werkstossschau bi» zum 13. November. Entgegen»mlaufendcn Gerüchten über eine Verlängerung der Wertstossscbau stellt bi; Aus. stellungsleitung fest, daß ttotz des von Tag zu Tag zunehmenden Interesses eine Verlängerung der Schau über den13. Novem- b e r hinaus aus technischen Gründen leider nicht in Fragkommen kann. ver Verllaer Volks-Ehor veranstaltet am Sonnabend, dem 5. November, abend« 7»/, Uhr. In der Aula Kovpenstr. 7S einen Propaganda-Abend unter Mitwirkung leine» Ztindercho-«(Dirigent Walter H S n e I> und de» Rezitators Emil K l> b n e. Gäste tauch Kinder) für diesen Abend sehr willkommen. Eintritt R> Bs., Kinder 10 Bf. Gesellschaft für Sexoalcesorm. Dortrag Dienstag. 1. November. SO Uhr, im Cecilicnhau», Tharlottenburg. Berliner Stt. 137. Pros. Dr. Licpmann »Die Frau in ihrer pshchophysische« Eigenart." VSM3. und Tarifvertrag. Die Former fordern 13 Prozent Lohnerhöhung. Vis nächste Doch« Donnerstag soll der DBMJ. sich dahin entscheiden, ob«r zum Abschluß eines für die Arbeiterschaft annehmbaren Lohntarifvertroges bereit ist. Ohne Anspruch auf besondere Prophetengabe zu erheben, können wir heute schon sagen, daß der VBMI. auch nächste Woche so denken wird, wie er vorige Woche gedacht hat. Herr Oppenheimer als Vertreter des VBMI. hat es ja gestern mit oller Deutlichkeit ausgesprochen, daß er der Meinung ist, daß Tarifverträge mit Unternehmerorganisationen überhaupt nicht am Platze wären. Die„Rote Fahne" kann also beruhigt sein: hier wird kein Ding geschoben. Der VBMI. denkt gar nicht daran, den Kommunisten in der„Roten Fahne" den Kummer zu machen und einen Tarifvertrag abzuschließen. Im übrigen sind auch wir der Meinung, daß es nicht die Schlichtungsinslanzen sind, die den Arbeitern zu annehmbaren Lohn- und Arbeitsverhält- nisten oerhelfen können. DafürmüssendieArbeiterschon selber sorgen. Auch wir sind der Meinung, daß Schiedssprüche im allgemeinen und aus die Dauer nur die Löhne und Arbeits- bedingungen festsetzen, die die Arbeiterschaft durchihreOrgani- sationen sich erkämpfen kann. Wenn aber die„Rote Fahne" die Dinge so hinzustellen beliebt, als seien es die verantwortlichen Angestellten der Gewerkschaft, die die« Arbeiter vom Kampfe abholten, während die Arbeiter zum Kampf« drängen, so werden damit bewußt die Dinge falsch dargestellt. De« Sowscistrotegen mag es vielleicht gleichgültig sein, wenn die Arbeiter in ein« Niederlage hineingehetzt werden. Die verantwort- liche Gewerkschaftsleitung— ob diese Leitung aus Kommunisten oder Sozialdemokraten besteht— denkt notwendig anders darüber. Man unternimmt nur«inen Kampf, wenn die Aussichten nicht von vornherein ungünstig sind. Deshalb hat auch die Ortsverwaltung des Deutschen Metall- arbeiterverbandes in den letzten Monaten sehr viel« Lohn- beweg un gen sanktioniert, die auch teils nach einem Kampfe, teils durch direkte Verhandlungen zu einer A u f b e s s«- rung der Löhne in einer großen Anzahl von Betrieben geführt haben. Die Ortsoerwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandee hat es sich weiter sehr angelegen sein lassen, die Aussichten für einen Kampf möglichst günstig zu gestalten, indem sie der Anwerbung neuer Milglredcr ihr besonderes Augenmerk widmet«. So ist es gelungen, im letzten Vierteljahr 20 000 neue Mitglieder zu gewinne». Wenn es aber gelungen ist, die Mehrheit der Jach- o r b e i t e r der Metallindustrie gewerkschaftlich zu ersasten, so liegen die Dinge leider noch anders, soweit die große Mass« der A n g e- lernten und Ungelernten der Metallindustrie in Betracht kommt. Aull? hier ist wohl eine merNiche Besserung im Organs- fationsverhältnis eingetreten, doch bleibt noch sehr viel zu tun übrig. Und gerade diese Gruppen der Arbeiterschaft der Metallindustrie hätten ein« Aufbesserung ihrer Löhne am notwendigsten. Die große Mast? der Arbeiterinnen und der ungelernten Arbeiter der Metall- industrie müßte sich endlich einmal darüber klar sein, daß sie aus ihrein Elend nicht herauskommen werden, solange sie nicht gewerkschaftlich organisiert find. Der VBMI. bedarf einer gründlichenAufmunterung, um den Abschluß«ine» Tarifoertrages für wünschenswert zu basten. Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht so fern, wo auch die Herren im VBMI., genau so wie die Zechenbesitzer des mitteldeutschen Braunkohlengebiets es heute tun, sich sagen werden, daß sie klüger daran getan hätten, das Angebot des Deutschen Metallarbeiterver- band«? anzumchmen und einen Tarifvertrag abzuschließen, mit einem Facharbeiterlohn von 1,20 M. Da aber die Vernunft bei den au»- schlaggebenden Unternehmer-» im VBMI. vorläufig noch nicht die Herrschast angetreten hat, wird der Deutsche Metallarbeiterverband sich weiter bemühen, ihnen mit den gewerkschaftlichen Kampfmitteln Vernunft beizubringen.> Zu diesem Zweck ist dem Verband Berliner Metallindustrieller heut« vom Deutschen Metallarbeiterverband ein Schreiben zuge- gangen, in dem für alle Eisensormer eine Lohnerhöhung von 15 JJroz. gefordert wird. Bekanntlich besteht für die Former der Betrieb«, die nicht dem VBMI. angeschlossen sind,«in Tarifvertrag, der die Löhne regest. Die Forderung des Deutschen Metallarbeiterverbandes hat den Zweck, auch die Löhne der Former der Betriebe des VBMI. tarifvertraglich zu regeln. Bei der Auffasiung, die darüber beim VBMI. besteht, sind die Aussichten dafür natürlich nur sehr gering. Darüber ist man sich im Deutschen Metallarbesterverband durchaus im klaren. Man ist ober auch gleichzeitig entschlossen, den VBMI. unter Umständen zur Um- kehr und Einkehr zu zwingen. Die Former der Betriebe des VBMI. sind ausgezeichnet orgoni- siert. Sie sind in der Lag« und«ntschlossen, den Kampf aufzunehmen. um ihre Löhne aufzubeffern. Der Deutsche Metall- arbeiterverband ist bereit, diesen Kampf mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften zu unterstützen. Will der VBMI. ein Tänzchen wagen? Der Deutsche Metallarbeiter- verband wird ihm aufspielen. Streik bei üen Deutschen Telephonwerken. Wie die Unternehmer die Löhne dittieren. In der Abteilung Automatische Telephoni« der Deutsch«« T«lephonwerke in Lichtenberg ist gestern vor- mittag von den Mechanikern, Kabellöterinnen und Montiererinnen mit Zustimmung des Deutschen Metallarbeiterverbandes die Arbeit geschloffen niedergelegt worden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen hatten vor einigen Tagen eine Lohnerhöhung gefordert, und zwar für die Männer um 10 Proz. und für die Frauen um 20 Proz. In den direkten Verhandlungen mit der Direktion lehnte diese jedes Entgegenkommen glatt ab, worauf di« Verhandlungen vor dem Verband Berliner Metall- industrieller fortgesetzt wurden. Hier erklärte sich die Finna schließ- lich bereit, eine Zulage von 3 Pf. pro Stunde zu gewähren. Sie lehnte jedes weitere Entgegenkommen mit der Begnindung ab, daß sie in der Schwachstromindustrie bereits die höchsten Löhn« zahle. Darauf hat die Belegschaft am Sonnabend fast einstimmig den Streik beschlossen, den sie nicht eher abzubrechen gewillt ist, bis die Direktion etwas mehr Entgegenkommen zeigt. Eins verdient aber auch an dieser Stelle hervorgehoben zu werden. Dies« Verhandlungen zeigten wieder mit aller Deutlichkett, daß in den einzelnen Industriexruppen des Verbandes Berliner Metallindustriellsr von den Unternehmern darauf gehalten wird, daß die Löhne ein« b« stimmte Grenze nicht übersteigen. Die Vertreter des VBMI. behaupten jedoch in jeder Verhandlung mit dem Metallkartell, daß wohl in den Zusammenkünften der einzelnen Industriegruppen die Verdienste in den Betrieben„ausgetauscht" würden, daß aber dieser„Austausch" mit der Aufstellung von Richtlinien für die Lohnfestsetzung in den einzelnen Be- trieben nicht das geringste zu tun habe. Di« Praxis zeigt jedoch, daß dem nicht so ist, sondern daß gewisse Gruppentarife bestehen, die«inseitig von den Unternehmern festgesetzt werden. Wie diese Tarif« zu- stand« kommen, ob durch formelle Verpflichtung der Unternehmer, sich an bestimmt« Löhne zu halten, oder dadurch, daß man sich still- schweigend an di« in den Gruppentonferenzen mitgeteilten Löhne hält, ist höchst gleichgüstig. Fest steht jedenfalls, daß die Löhne einseitig von den Unternehmern diktiert werden, weshalb vornehmlich das Metallkartell versucht hat, durch einen Tarifabschkuß wieder«in Mikbestiminungsrecht bei der Lvhnfest- setzung zu bekommen._ Zortfchritte in Mexiko. 3 Millionen Mitglieder. Vergangenen Monat trat in Mexiko ein Gesetz betr. die Ein- führung des Achtstundentages in kaufmännischen Unternehmungen in der Stadt Mexiko in Kraft. Die gesetz- lichen Bestimmungen betr. da» Rachtarbeitoerbot für Frauen und Kinder unter 16 Iahren in Fabriken sowie nach 10 Uhr abends in kaufmännischen Unternehmungen werden mit aller Streng« durch- geführt werden. Auf dem diesjährigen mexikanischen Gewerkschafts« k o n g r e h, der sich besonders mit sozialpolitischen Fragen, der Kon- solidierung der Bewegung, der Lohn- und Arbeitsbedingungen so- wie mit Wanderungssragen beschäftigte, vertraten 2800 Delegierte drei Millionen Mitglieder. Die Exekutive, der nun Jose Lopez Cortez vorsteht, wurde vollständig neu gewählt. Das Budget des Mexikanischen Gewerkschaflsbundes stellte sich im Jahre 1926 auf 169 915 mexikanische Dollar. Die Ausgaben be- trugen 160 455 Dollar, die Hilfe für befreundete europäische Or- gamjationen, wie den britischen Bergarbeiterverband, einbegriffen, Keine passive Resistenz der tschechischen Eisenbahner. Prag, 1. November. Das Tschechoslowakische Pressebureau erklärt nach eingeholten Informationen, daß die auch auswärts verbreiteten Gerüchte über eine passive Resistenz der Angestellten auf den lschechoslowakischcn Bahnen jeder Begründung entbehren. Die Angestellten versehen unter den ungewöhnlichen Ilmständen der Herbstkampagne ihren Dienst mit Präzision und Aufopferung. Die Verstopsung. zu der es auf einigen Eisenbahnstationen, namentlich auf den Prager Bahn- Höfen gekommen sei, werde durch das ungewöhnliche Zusammen- treffen von verschiedenen Umständen erklärt. Der Gastwirt Syring, Landsberger Allee. Ecke Elbinger Straße. lehnt es ab, den Tarifvertrag im Gastwirtsgewerbe innezuhalten. Dem Vertreter des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten erklärt Herr Syring:„Meine Gäste freuen sich, daß ich so standhaft bin und mich mit Ihnen nicht einlasse. Wenn es Ihnen Vergnügen macht, sperren Sie mein Lokal. Ich inache mein Geschäft sowieso." Herr Syring betreibt ein Geschäft, das zum übergroßen Teil von Arbeitern. Beamten und Angestelllen benutzt wird, die freigewerkschaftlichen Organisationen angehören und Tarif- Verträge in ihrem Gewerbe abgeschlossen haben. Der Betrieb ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. 3?(tanto0rtlidi für Politik! Dr. Tori Ecy-r; WirisSiaft: �»Iin,el»-fk-z Eewerkschoit sbcweguna: Z.«teilt«; Feuilleton: Dr. John Schit-w-Ii; Lokale« und Sonstiges! Frist Rarftädt: ÄN, eigen! S».»l«*f; lomtli® en Berlin. Beriag: Zorwarts.Beriag