Nr. 516 ♦ 44*?ahrgaag Musgabe A Nr. 263 Morgen ausgäbe Grotz'Berlw 10 Pfg. tluSwärts IS Pfg. BezugSPreiSt aBSAtitUi* TD Wtnnl«. m»»»Wch 3.- JUidumon ooraa*«blbct. 21 siez etttiftank in In. an* Ssslan* 5 JO SteiAsmott oto Monat. 9tt.DensSzis* nU bet fflufW«. itn eonntagsbellsat.Soll und Seit* lowie den Beilagen.llnterkaltung snd Tillen*.Au, Der M Im weit*. .ssrauenkinwie*.»er«tnder. freund* ,Iu,end»BorwSrt»*.Blick in die BIlcheewelt* und.Kultur. arbeit* erscheint wochentäglich zwei» Wal. Sonntags und Montags einmal. relegrastw�ldreff«: .Hazlatdaneokral Verl in* Devliner VolKsvlott Zlnzeigenpreise: SA* eis Is« Iii««»onvareiZ-. ItU* SD Bfennt«. ReNameeell« 5/— Reichsmark. Jtleiie Btuelgen* das iettaedruckte Tort TS Psenni» (tutäfft»»wel f et toed nickte Nortel. lede» weitere Tori 13 Bienni«. Stellenaeinche da» erste Tori lS Mennig. Irdrs oeiiere Wort 10 Bfennf«. Torte Uber 15 Buchstaben»iiblen für»wel Worte. «rbeitsmartt Seile«0 Sfcnni«. ffamnienantefsen fttr Abonnenlen Seile 10 Plennia. Anzeigenannahme im Lauvlgeschäi!. Lindenstraße 8, wochentäglich von Vi bis 17 Uhr. Zentralorgan der Bozialdemohratifcbcn Partei Deutfchlands RedoBtion und Verlag: S erlin Sw. 68. Linöenftraße Z Fernsprecher: Dönhoff ÄVÄ-ÄS7. vorworts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Änöenftr.Z Post! che cklonio:«erlin 37 58»-«enNsst»! Bant der«rhelter.»n»e«e»te-> nnd Beamten, vallstr. DI-«Iskont-.cheielichsft. Venelltenk-fle Slndenstr.». Gewaltherrsthast in Jnöonefien. Juterpellationsdebatte im holländischen Parlament.- Die Regierung deckt alles! Amsterdam, End« Ottober.(Eigenbericht.) Fast ein Jahr ist seit dem gescheiterten Novemberaufftand aus Java vergangen, aber das indonesische Problem steht heute nach der gewaltsamen Niederschlagung dieses Aufstandes, wo die Ruh« des Friedhofes auf Java und Sumatra eingetreten ist. nur noch drohender vor den Augen der niederländischen Machthaber als im Augenblick der Revolte selbst. Unter den Jndonesen vollzieht sich, allen Gewaltmaßnahmen zum Trotz«in Sonsoldierungsprozeß. der früher oder später den Niederländern mehr zu schaffen machen wird, als der schlecht organisierte Novemberaufftand 1326. Es hat sich eine indische nationalistische Partei gebildet, die mit Kommunismus absolut nichts zu tun haben will und unter der Leitung eines so besonnenen Mannes wie Dr. S o e t o m o steht. Die mohammedanische Partei Sarekat Islam hat sich weit fester als zuvor organisiert und genossenlchaftliche Ge- dankengänge des westeuropäischen Sozialismus in sich aufgenommen. Beide Parteien sind innerpolitisch zu einer Kartellierung übergegangen, wodurch sie ein starker Macht- faktor werden müssen. Das alles läßt die cherren im Haag unberührt. Sie stützen moralisch die Maßnahmen der indischen Regierung, die in kurzer Zeit sieben Zndoncseu dem Galgen überonlwortet, etwa 13 003 Men- scheu verhastet, mehr als kyas Menschen bereits in die Fieber- sümpfe des Ligulflutzes aus Neuguinea verbannt hat. ZsteSier die niederländische noch � die indische Regierung v«r- stehen, daß die indonesffchen Studenten in Niederland einen glü-. henden Haß unter solchen Umständen bekommen müssen, daß junge Hitzköpfe der Vereinigung Perhimpoenon Jndonesia in ihrem Blatte„Jndonesia Mercedo" fieberhaft radikal bei dem Gedanken an ihr unterdrücktes Vaterland sich auslassen. Es wird im Gegenteil neuer Haß geweckt durch Verhaftungen junger, geistig hochstehender Intellektueller, die man dann Monate hindurch in Unter- suchungshast verkümmern läßt und deren Angehörige zu- gründe gehen würden, wenn sich nicht die Sozialdemokra- tische Arbeiterpartei durch ihre Sammlungsaktion ihrer angenommen hätte. Das war der Untergrund der Aussprache, die dieser Tage in der Zweiten Haoger Kommer stattfand und bei der die Sozial� demokratie auf ein« eigene Interpellation verzichtet hatte, da schon eine Interpellation von kommunistischer Seile vorlog. Nich!-� destoweniger griffen die erfahrenen Jndienkenner der Sozialdemo- traten wie C r a m e r in ihrer ruhigen Sachlichkeit weit wirksamer als Lou de Visier in die Debatte«in. Der Sozialdemokrat K l e e r e- koper hielt gleichzeitig eine leidenschaftliche Rede gegen die Todesstrafe in den Kolonien, nachdem das nieder- ländisch« Mutterland diese barbarische Strafe seil mehr als 50 Iahren nicht mehr kenn!. Es war jedoch vergeblich. Kolonialminister Koningsbcrger gab zwar unumwunden zu, daß bei den Verbannungen manche schwere Mißgriffe vorgekommen sind, daß man Menschen oerbannte, nur weil sie kommunistisch« Ideen und nicht weil sie etwas begangen hatten. Die Partei der Antirevolutionäre war jedoch. wie sich ihr Sprecher L i j l c v c l d ausdrückt, darauf vorbereitet, alle Anträge nicderzusäbein, und so wurden sowohl der Antrag des Sozialdemokraten Cramer auf eine parlamentarische Untersuchungstommission für das Digulgcbiet wie der von der Sozialdemokratie unterstützte Antrag de Visier auf sofortige F r« tl y s s u.n g. der tn Uniersuchungshafr fitzenden Studenten a b- gelehnt. Der Widerhall dieser Debatte in Indonesien wivd nicht aus- bleiben, und der Gegensatz zwischen indo-europäischen Faschisten und Eingeborenen wird ein« Meiter« Verschärfung erfahren. Ein üeutsche? Reparationsagent! Zum Verkehr mit dem Dawes-Kommiffar. Im Anschluß an die lebhaften Erörterungen über den Brief Parker Gilberts tauchen immer wieder Gerüchte auf, wonach die Reichsregierung beabsichtigt, ein eigenes S t a,a t s k o m m i f f a r i a t zur Verhandlung mit dem Re- parakjonsagenten zu schaffen. Dieses soll den Verkehr der Regierung, also insbesondere des Reichsfinanzministers, des Reichswirtfchaftsministeriums und des Auswärtigen Amtes mit Parker Gilbert betreuen. Ein solcher Verbindungsmann wäre überflüssig, wenn nicht die bekannten Reibungen zwischen dem Reichsfinanzminister und Reparationsagenten entstanden wären. Die Schaffung einer neuen Stelle würde also ein Ausdruck des Mißtrauens des Rcchtsblocks in die gegenwärtige Führung des Reichsfinanzmiiiisteriums fein. Als Kandidat für den Posten des deutschen Reparations- agenten— fo wäre er wohl zweckmäßig im Gegensatz zu dem internationalen Reparationsagenten zu bezeiaznen— wird der Staatssekretär z. D. Bergmann genannt, der schon früher die Fragen der Wiedergutmachung behandelt hat und den Ruf einer Autorität auf diesem Gebiete genießt. Doch wird versichert, daß Beschlüsse darüber noch nicht gefaßt wor- den sind. Da die Schaffung eines besonderen Staatskommissariats Geldmittel erfordern würde, die im Reichshaushalt nicht vor- gesehen sind, bedarf sie der Genehmigung des Reichstages. Kommt eine solche Vorlage zustande, so wird der Reichstag Gelegenheit haben, zu der Repararions- Politik des Rechtsblocks Stellung zu nehmen. Die einmütige Partei. Einstimmiger Parteitagsbcfchluß in Wien. Wien, 1. November.(Eigenbericht.) Der Parteitag Hot am Vormittag die Vorstandsbericht«. sowie das Referat des Abg. Eldersch über die Sozialpolitik ent- gegengenommen und eine ganze Reihe Anlage beraten. Einer da- von besagt, daß das„Komitee zur Förderung der internationalen Gewerkschaftseinheit' eine kommunistische Keimzelle ist. die in Wirk- lichteit der Spaltung der Arbeiterbewegung dient i daher sei die Zugehörigkeit zu diesem Komitee und die Teilnahme an den von ihm organisierten Rußlandreisen mit der Parteizugehörigkeit u n- vereinbar. Ein diesem Komitee angehörender Parteigenosse er- hielt da» Wort: er versuchte unier heftigen Angriffen auf die Partei diese Rußlandreisen und das Zusammengehen mit den Kommunisten zu verteidigen. Dies erregte stürmischen Widerspruch und der Antrag wurde schließlich ei n st immig angenommen. nachdem Otto Bauer erwidert hatte, der Bolschewismus sei zur wirklichen Einheit der internationalen Arbeiterklasse solange nicht zu hab«n, solange er glaube, mit Einhcitssrontmonövern die sozia- listische International« schlagen zu können. Am Nachmittag wurde zunächst der Parteivorstand wieder- gewählt. Anschließend erstattete E e i tz den Bericht der Reso- lutionskommission, die sich u. a. mit dem Koalitionsproblem zu de- fassen hatte. Die Kommission hat die Entschließung(schon in unserem Dienstag-AbendblaU wiedergegeben. Red d.„B.") e i n st i m m i g angenommen, die somit die von beiden„RithUingen* gebilligte Richtschnur für die Parteitaktik darstellt. Auch der Parteitag hat diese Entschließung einstimmig gefaßt. Sie fordert am Schluß die Organisationen der Partei auf, das zum Staatsfeiertag erhobene Republikgründungsfest des 12. Novembers zu großen Voltskundgebungen dafür auszunutzen, daß die Republik werde, was sie nach dem Willen ihrer Begründer werden sollte: die wahre Republik des arbeitenden Stadt und Land. Di« sonstigen Punkte der waren rasch erledigt. Der Parteitag ist geschlossen. Volkes in Tagesordnung Zrechanöel mit tzinöernijsen. Schivicrigkeiten beim Zlbbau der Handelsbeschränkungen- Genf, 1. November.(Eigenbericht.) Die Staatenkoiifercnz für Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbot«, die hier tagte, wird in jedem Falle nur mit einem Teilerfolg enden. Eine Reihe von Staaten besteht nämlich darauf, aus Gründen„nationaler' Wirtschaftspolitik die künstlichen Hemmungen für den inicrnationaien Handelsverkehr aufrechtzuerhalten. So beharrt England auf seinen Ein- und Aussuhrverhoten für Farben. Deutschland auf der Kohlen- einfuhrsperr«, Polen auf dem Stickstoffimportverbot, Frankreich auf dem Verbot einer Eisenausfuhr, die Tschechoslowakei auf den Aus- fuhrhemmungen für Rohhäute und Rumänien aus dem Export- oerbot für Rohpetroleum. Das ist eine stattliche Liste, die ein« ganze Anzahl wichtiger Welthandelswaren von einem wirklich un- gehemmten Warenverkehr ausschließt. Man will sich nun dahin einigen, daß diese Ausfuhrverbote für eine Uebergangs- frist aufrechterhalten bleiben sollen, und zwar wird das in Uebergangsbestimmungen ausdrücklich zu regeln sein. Das Abkommen, das das Ergebnis der Konferenzverhand- lungen zusammenfaßt, soll den beteiligten Staaten bis zum I.Februar nächsten Jabres freistellen, Vorbehalte zu den Verboten zu machen. Man hofft, daß insgesamt nicht mehr als 30 solcher Verbote bestehen bleiben. Die Staaten, die das Ab- kommen bis zum 1. Februar unterzeichnet haben, treten dann noch einmal zusammen, um sich über die Trogweite der Vorhchalte und die Dauer der dann noch bestehenden Verbote zu verständigen. Am Samstag oder Montag hofft man. das Abkommen mit den er. wähnten Einschränkungen abschließen zu können. Der Fweck der türkischen Parlamenlvwahl Ist erreicht: Das nur aus„Dolksparteilern" bestehende Parlament hat M u st a p h a Kemal einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt. Unter Halbgöttern. Aus dem Briefwechsel des Grafen Walderfcc. Van Hermann Wendel. Höhnisch spricht Bismarck von den„Halbgöttern" des Generatftabs. wo er über den Boykott klagt, den 1871) die „höheren militärischen Kreise" über ihn verhängt hätten, so daß der im Hauptquartier weilende englische Zeitungsmann über die Absichten der Heeresleitung besser unterrichtet ge- wesen sei als der Bundeskanzler und Ministerpräsident. In die erlauchte Gesellschaft solcher Halbgötter führt der erste Band eines Werkes, das unter dem Titel„A u s dem Briefwechsel des Generalfeldmarschalls Alfred Grafen von Walderse e", herausgegeben van Heinrich Otto M c i s n e r, soeben in der Deutschen Ver- lagsanstali Stuttgart erschienen ist. Das Buch umfaßt die Jahre 1886 bis 1891, und wer in diesem Zeitabschnitt gleich zu gleich mit Waldersee korrespondiert, sind der Freiherr v. L o ä, Kommandierender des 8. Armeekorps, der Genera! v. B e r dy d u B e r n o i s, Divisionör, dann Gouverneur von Straßburg, dann Kriegsminister, der General der In- fanterie Graf Blumenthal, der Generoi der Jnsaii» terie a.D. v. S t o s ch und andere goldgestickte Kragen: auch der verhänignisvolle Mann der neueren deutschen Geschichte, der Geheimrat Holstein, gräbt in dieser Welt von Exzellenzen seine dunklen Maulwurssgänge. Do Waldersee ein ausgesprochen politischer Generat ist. dreht sich der ganze Briefwechsel um Fragen der hohen äußeren und inneren Politik, aber erschreckend wenig ist dabei auf diesen Seiten vom Volk und seinen poli- tischen Vertretern, den Parteien und dem Parlament, die Rede. Gelegentlich knurrt Lo(i, daß das allgemeine Stimmrecht mit der Zivilisation nicht vereinbar sei: Waldersee klagt,> daß man den„großen Coup" seiner Beseitigung nicht woi?, und Stosch glaubt, daß„eine blutige Niederwerfung der So- zialdemokratie" bevorstehe, aber im allgemeinen sind Reichs- tag und Volk für die Halbgötter Luft. Als die einzige Machl- frage im Innern, darum als die wichtigste politische Frage überhaupt, erscheint ihnen„die Stellung des Kriegsherrn zur Armee", und nur eine sichere Bürgschaft für die Zukunft wissen sie:„die selbständige und selbstbewußte k ö n i g liche Gewalt", an die keine Kammer und kein„Zivil- minister" tippen dürfe. Der monarchische Absolutismus ist eben für die Halb- götter die Regierungsform, die ihnen ihre Halbgöttlichkeit hoch über den bürgerlichen Nichtigkeiten erhält. Den Vor- rang der Militärs zu wahren, ist A und O ihres Denkens, und bleiches Entsetzen befällt sie bei den geringsten Zugeständnissen an das Zivil. Los findet es unerhört, daß der Statthalter von Elsaß-Lothringen als Zivilist Doppel- posten vor die Tür bekommt, und daß die Frau des kommandierenden Generals der des Statthalters den ersten Besuch machen mußte. Als die Beine des Stuhls, auf dem Bismarck sitzt, hinreichend durchgenagt sind, richtet Stosch ein Prome- moria an Waldersee, um ihn zur Uebernahme der Kanzler- schaft zu ermuntern: in diesem Schriftstück steht zur Begrün- dung der lapidare Satz:„Die Kriegerkaste hat von jeher die Welt regier t". Eine Art militärischer Nebenregierung Hot denn die Krieaerkaste schon unter Bismarck errichtet. Sein Gegenspieler Waldersee hat als Generalstabsschef in allen wichtigen Hauptstädten Europas Vertrauensmänner sitzen, die ihn auf dem Laufenden halten. Außer dem Gefferal- konsul Freiherrn v. Rechenberg in Warschau sind das nur Militärattaches, Major v. D e i n e s in Wien, Major v. Engelbrecht in Rom, Major Freiherr v. H o i n l n- g e n-H u e n e in Paris, Hauptmann Graf P o r ck v. Wv r- t e n b u r g in Petersburg, Oberstleutnant von der Goltz in Konstantinopel, Hauptmann Graf Schmettau in Brüssel, Hauptmann Müller in Bukarest: der Ring wäre lückenlos, wenn nicht London statt eines Militärattaches einen Marineattache hätte. Alle diese Militärs erkennen nicht das Auswärtige Amt oder den Diplomaten, dem sie zugeteilt sind, sondern nur den Generalstabschef als Vorgesetzten an, be- richten ihm unter Umgehung der Zivilstellen und scheuen ab und zu auch vor einem kleinen Denunziatiönchen ihres Ge- sandten nicht zurück. Die Halbgötter haben denn allen An- laß, die Stellung der Militärattaches ganz unabhängig zu machen: als einen kleinen Weltuntergang empfindet es Loö, daß ein Diplomat,„also ein Zivilbeamter", einem Offizier — einem Offizier!— wegen zu späten Eintreffens vom Ur- laub einen dienstlichen Verweis erteilen dürfe. Aber Bis- m a r ck ist auf der Hut, und sein Nachfolger C a p r i v i be- schneidet durch einen Erlaß den Selbständigkeitsgelüsten der Militärattaches so sehr die Flügel, daß der in Wien, Deines, knirscht, man müsse fortan„d a s A u s w ä r t i g e Amt vom Staatssekretär abwärts als erklärten Feind betrachten"! Durch die Militärattachäs betreibt die Kamarilla der Halbgötter ihre eigene auswärtige Politik— aus dem Dunkel ms Dunkel. Namentlich die ersten Jahre des Briefwechsels sind voll Gewitterstimmung, da in Frankreich „bie Boulange" rumort, und im Südosten die Ereignisse in Bulgarien den Gegensatz zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland aufreißen. Die um.Waldersee kennen die furcht- bare Belastung, die die Annexion E l s a h- L o t h r i n- g e n s für Deutschland bedeutet: Los formuliert ganz richtig, daß die Erwerbung beider Provinzen„den permanenten Kriegszustand zwischen Deutschland und Frankreich" herauf- beschworen habe, und folgert: Die einfache Wahrheit ist, daß wir, um Elsaß zu ver- bauen, uoch einen glücklichen Krieg führen müssen. Bis da- hin wird die Bevölkerung französisch sein und bleiben. Da dieser Waffengang nach Ansicht der Halbgötter un- vermeidlich ist, brennen sie darauf, den anderen durch einen Präventivkrieg zuvorzukommen. Loszuschlagen wie Friedrich II. anno 1756,„die große Partie zu spielen", es so weit zu bringen,„daß die Kanonen donnern", auf nichts anderes richten sich bei Tag und bei Nacht ihre Wünsche. Erinnerung an 1914 steigt auf, wenn Los dartut: Ist der leitende Staatsmann der Ansicht, daß der Augenblick, die Waffenentscheidung zu suchen, für Deutschland gekommen ist, so muß der Doppelkrieg mit Frankreich und Rußland nicht bloß ins Auge gefaßt, sondern kühn gesucht werden. Dazu muß der Tanz am Balkan beginnen. Zlbermals erinnert es an 1914, wenn man in Wien, wo Waldersees Vertrauensmann Deines zum Kriege stachelt und der Kronprinz vor Kriegslust bebt, eine Erweiterung des Bündnisses anstrebt, die Oesterreich-Ungarn auch zu einem Angriff, wann es ihm beliebt, freie Hand ließe. Sicher wird ein solcher Krieg Opfer sonder Zahl kosten, doch was kümmert Halbgötter das Kanonenfutter! Fröhlichen Herzens meint Walderfee: Es werden viel Menschen hingeschlachtet werden: ! so lange man mir aber nicht nachweist, daß man mehr als einmal sterben kann, bin ich nicht in der Lage, den Tod für den einzelnen 1 als ein Unglück anzusehen— wenn es sich nämlich um andere handelt! Aber zum größten ' Bedauern aller Halbgötter bleibt der Krieg aus, denn Bis- marck verabscheut das„frivole Beginnen", durch einen Prä- ventivkrieg„der göttlichen Vorsehung vorzugreisen", und Bismarck hält immerhin die Zügel der auswärtigen Politik fest in der Hand. Später war das anders: es kam der Augen- blick, da Berchtold ausrufen durfte:„Wer regiert in Berlin, M v l t k e oder B e t h m a n n?" Doch wie sauer es selbst ein Bismarck hatte, die Zügel in der Hand zu behalten, erweist klärlich Waldersees Briefwechsel. Die Berliner Hofkreise waren schon damals ein Nest von Klatsch und Intrigen: Waldersee entrüstet sich, „wie hochgestellte Leute sich nicht schämen, mit den schmutzigsten Karten zu spielen", und an die schlimmsten Fäulniserscheinungen des zaristischen Rußland gemahnt die allgemeine Furcht der Halbgötter, daß ihre Briefe heimlich geöffnet, ihre Schreibtische hinterrücks durchstöbert werden könnten. Das ist noch unter Wilhelm I. und Bis- marck: unter Wilhelm II. wachsen sich Cliquenwesen und Strebertum und tückischer Kampf aller gegen alle zum vollendeten Chaos aus, dem die Katastrophe 1914/1918 logisch entspringt. Solche Zustände mit der Herrschast solcher Halbgötter wieder heraufzuführen, ist das heimliche und unheimliche Streben derer, die unter verlogenen Lobgesängen auf hie gute, alte Zeit kecklich den schwarzweißroten Wimpel schwenken! Dauerskandal. Der Fall Frieders und die Thüringer Justiz. Das Wiederaufnahmegesuch des wegen fahrlässigen Falscheids zu Gefängnis verurteilten Oberstaatsanwalts Frieders ist von der zuständigen Strafkammer in Weimar abgelehnt worden. Beschwerde gegen die Ablehnung ist beim Oberverwaltungsgericht eingereicht. Ueber Gnadengesuche zugunsten von Frieders wird zu- nächst nicht entschieden. Das Thüringer Justizministerium hat folgenden vorläufigen Bescheid erteilt: »Eine Amnestie ist in Thüringen aus Anlaß des 80. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten nicht erlassen worden Es werden nur Einzelbegnadigung« n in größerer Zahl vorgenommen. Ueber die zugunsten des Oberstaatsanwalts i. W. Dr. Frieders und von ihm selbst eingegangenen Gnadengesuche ist noch nicht entschieden worden, weil sein Gesuch um Wiederauf- nähme des Verfahrens noch nichtrechtskröftig erledigt ist. Wir möchten zunächst dessen Ausgang abwarten, da immer wieder betont wird, daß Dr. Frieders in erster Reihe sein Recht und nicht Gnade will. gez. Or. b.c. L e u t h e u ß e r." Aber wird Frieders sein Recht erhalten? Die Begrün- dung der Ablehnung seines Wiederaufnahmeantrags trägt wiederum die Züge der politischen Justiz, sie fügt zu �den juristischen Unmöglichkeiten des Urteils neue Unmög- l i ch k e i t e n hinzu. Das Wiederaufnahmegesuch hatte ge- nügt, daß Frieders auf Grund einer über seine Aussage gemachte Kombination des Gerichts, nicht auf Grund seiner Aussage verurteilt worden sei. Es handelte sich darum, daß der Antrag, das Meineidsverfahren gegen Genoffen Loeb einzustellen, hinter seinem Rücken von Staatsanwalt F l o e l nach Verständigung mit dem völkischen Finanzminister v. Kluechtzner abgeändert worden war, ohne daß F l o e l ihm berichtet hätte. Frieders hatte in einem andern Prozeß ausgesagt:„Floel hat mir den Antrag nicht vorgelegt." Das war stenographisch niedergelegt. Der erste Staatsanwalt Wurmstich von der Generalstaatsanwaltschaft Jena veranlaßte eine Meineids- Verfolgung gegen Frieders auf Grund einer konstruier- ten Ausfagefaffung, die lautete:„Der Antrag ist mir nicht vorgelegt worden." Oberstaatsanwalt Luge stellte auf Grund dieser Fassung Antrag auf Voruntersuchung wegen Meineid. Diese Fassung, von der niemand weiß, woher sie stammt, schleppte sich durch den Strafprozeß. Sie stand in fundamentalem Widerspruch zu der tatsächlich niedergeschriebenen Fassung der Friederschen Aussage. Das Gericht hatte ihn verurteilt, ohne zu prüfen, wie die Aussage in Wahrheit gelautet hatte, es h a t t e ein- fach beide Fassungen gleichgesetzt und daraus kombiniert, was Frieders hätte sagen wollen. Die Strafkammer, die über den Wiederaufnahme- antrag zu entscheiden hatte, behauptet dagegen, es bestehe zwischen beiden Fassungen ein fundamentaler Unterschied. Daraus zieht sie aber nicht den Schluß: Frieders hätte den fundamentalen Unterschied bemerken müssen, könne sich also über die Bedeutung der ihm entgegen- gehaltenen konstruierten Fassung nicht geirrt haben, also kein Irrtum, keine Wiederaufnahme. Wobei sie nur übersieht, daß das Spiel mit den Fassungen nachweislich erst aus der Urteilsbegründung dem Angeklagten wie seinem Verteidiger klar wurde. Der Jude wird verbrannt— trotz der fundamentalen logischen Widersprüche zwischen Urteil und Begründung der Ablehnung der Wiederaufnahme. Günstigstenfalls handelt es sich um juristische Silben- stecherei zum Zweck der Rechthaberei. Es ist eine bekannte Tatsache, daß Wiederaufnahmeanträge fast niemals durch- gehen, weil die Gerichte an ihre Gottähnlichkeit glauben. In diesem Falle jedoch handelt es sich nicht nur um reine Granatwerfer. Minenwerfer. Ausbläser. Mützen. Helme. Gas- n rasten. Grabenspiegel. Laternen. Schanzzeug. Bild. Wegweiser- tafeln. Plötzlich sieht man die 60096 Toten, die sie von diesem Berg heruntergeschleppt hoben— die Franzosen nach oben, zum„Grsnä cimetier militaire" am„Silberloch", die Deutschen nach unten, nach Sennheim und Bitschweiler, wieder lachen und tanzen und sich necken, sich rasieren und photographieren! Man spürt in dieser heroischen Wüste plötzlich den Alltag des Krieges. Man hört die harmlosen Witze der.Landser" am„Tanzplatz", ihre Katzbalgereien am„Affenweg", man sieht ordenbehangene, stolz geschwellt« Brüste beim Feldphotogrophen, man riecht die Alltogsdüfte an der Feld- küche, an der Latrine, am Pionierdepot.... Und dann schlägt plötzlich der Tod wie ein Donnerwetter in die Gardeschützen, Gardejäger und Landwehrleute hinein... immer wieder... immer wieder... immer wieder... bis der Haufe voll ist: 69 999 Mann! Bis der Kelch auf die Neige geht. Oben am Denkmal des 1SZ. französischen Lintenregiments, das genau so blöde ist wie sein Konterfei in Kötzschenbroda oder in Potsdam, steht ein Haufe von Frauen, Kindern und Zivilisten. Sie haben nach französischer Sitte künstlich« Kränze mit Perlmutterketten und mit versilberten Namensinschriften niedergelegt und starren schweigend auf den Fels. Ein spitzbärtiger Kriegervereinler in Gehrock und Zylinder jagt sie weg:„Platz mache för die Deputation des 152 cke li�ne! Vir«! Vitel Monsieur le general ifch sehr präsent! Er kummt glei um de Eck!" Murrend ziehen sich die Frauen und Zivilisten auf den Berg- gipfel mit dem Kreuz zurück und betrachten scheu die Zeremonie, die da unten an der erzenen Plakette wie alle Jahre vor sich geht. „Respect anx morts— Achtung vor den Toten" steht unten an der Tafel. Die Toten sind in guten Händen. Die träumen da unten und da drüben in der Fern« vom„Tanzplatz" und vom „Affenweg"! Dazwischen aber liegt der mit 69999 Todesflüchen beladen« Steinklotz von Hartmannswciler— tot und gramzerfressen, ohne Frühliugsahnen und Auferstehungsehnen und wartet auf den Allerseelentag im nächsten Jahr. Ein Casanova-Film. Die Premiere des Casanova-Films im „G l o r i a- P a l a st" war ein rechter Filmerfolg, ein glanzvolles Schaustück russischer Schneelandschoften und venezianischen Karneval- prunkes. Aber Tasonova selbst gab nur den Namen dazu her. Iwan M o s j u k i n machte eine Douglae-Fairbanks-Rolle aus ihm: der zielsichere Frauenversllhrer. der auch Männer bezauberte, ist bei ihm ein Mann der kühnen Abenteuer, der mit Degen und Faust arbeitet. Manchmal wird er zudem zur Episode, wie in der breiten Schilderung des russischen Hofes unter Katharina, die dem Regisseur W o l k o f f Anlaß zur Entfaltung höfischen Glanzes gibt. Das venezianische Gondessest(in farbiger Durchführung) mit dem Spiel Richterpsychotogie, sondern um politische Psycho- l o g i e. Der Frieders-Prozeß ist entstanden aus der Tatsache, daß� im Falle Loeb der Untergebene von Frieders, Staats- anmalt Floel, gemeinsam mit dem Thüringer Finanz- min st er v. Kluech.ßner an dem Versuch der morali- schen, vielleicht auch juristischen Vernichtung des Genossen Loeb arbeitete— hinter dem Rücken von Frieders, und daß Frieders das Spiel aufdeckte. Das Zusammenspiel von Verwaltung und Iustizpolitik unter rechtsradikalem Gesichts- punkt und mit politischer Zielsetzung war demnach nicht mehr zu bestreiten. Inzwischen hat die Regierung in Thü- ringen gewechselt— es sitzt sogar ein Demokrat in der neuen Regierung—, also die politische Mentalität der Justiz in Thü- ringen hat sich nicht geändert. Wer die Begründung der Ablehnung des Wiederaufnahmeantrages genau prüft, dem fällt in manchen Punkten eine fatale Aehnlichkeit in der Argumentation auf mit den Argumenten, die eine regierungsoffiziöse Auslassung unmittelbar nach der Einreichung des Wiederaufnahmeantrags dem An- trag entgegensetzte. Das wirkt weder beruhigend, noch ver- trauenerweckend. Es wäre an der Zeit, daß endlich Ordnung in die Thüringer Iustizverhältnisse kommt, die durch die„Ord- nungs"regierung böse in Unordnung gekommen sind! Hute ZamUie, Gelü,- aber öennoch... Wie ein deutscher Botschafter aussehen muß. Ja, aus dem„Lokal-Anzeiger" kann man lernen, wie hohe Politik gemacht wird. Er kennt die Rezepte von Wil- Helms Zeiten her und hat seitdem nichts gelernt und nichts vergessen. Deswegen läßt er sich über Herrn v. P r i t t w i tz und G a f f r o n, der in letzter Zeit als Nachfolger für den verstorbenen Maltzahn in New Jork genannt worden ist, folgendermaßen vernehmen: Zugunsten dieser überraschenden Auswahl wird geltend gemacht, daß der verhältnismäßig junge Diplomat— er steht erst im Ansang der vierziger Jahre— einer sehr guten alten Familie entstammt(er ist Neffe zweiten Grades des Generalobersten v. P r i 1 1 w i tz, des unglücklichen Verteidigers Ostpreußens zu Be- ginn des Krieges), daß er oder vielmehr seine Frau sehr ver- mögend sei. Wilhelm der Ehemalige, der bekanntlich um die Freund- schaft jedes Millionärs buhlte, hat einmal gegen einen a m e- r i k a n i f ch e n Botschafter für Verlin Vorstellungen er- hoben, weil dieser Herr nach Wilhelms Ansicht nicht das ge- nügende eigene Vermögen hatte. Das„gewissenlose Krämer- volk" hat sich aber an diesen Einspruch nicht gekehrt und wissen lassen, daß die Amerikaner ihre Botschafter nach der Tüchtigkeit und nicht nach dem Geldbeutel aussuchen. Um so interessanter wird es den Amerikanern sein, daß das „verarmte Deutschland" auf den privaten Geldbeutel seiner Botschafter entsckeidend Wert legt. Aber trotz dieser emp- fehlenswerten Eigenschaften kann Herr v. Prittwitz und Gaffron nicht die Huld des„Lokal-Anzeigers" gewinnen, der gegen ihn ausführt: „Man kann nicht vergessen, daß er(v. Prittwitz und Gaffron) im November 1918 den Anschluß andie„ne u e Z e i t" ü b e r aus sch n ell und unter Verletzung dienstlicherFormen gefunden hat." Also: Weil er sich auf den Boden der Republik ge- stellt hat, ist er nach Ansicht der deutschnationalen Verfassungsbeschwörer ungeeignet, die Republik im Ausland zu vertreten. Es leben die Richtlinien! Zm Codzer Untersuchungsgefängnis sind 399 politische Ge- fangen« in den Hungerstreik getreten, weil man ihre Wünsche auf Verlängerung des täglichen Spazierganges und Zusatz von frischem Stroh zu den Strohsäcken nicht berücksichtigen wollte der Lichter und dem Sprühregen'des Feuerwerks wird lange im Gedächtnis bleiben. d. vor Gründung einer Volksbühne in Leipzig. In Leipzig war bisher die Gründung einer Volksbühne infolg« der traditionellen Beziehungen einer Anzahl anderer Organisationen zu den städtischen Theatern erschwert. Nunmehr haben sich jedoch diese Organisationen mit anderen zusammengefunden, und Mar das Arbeiterbildungs- institut, der Gemeinnützig« Volksbildungsoerein, der Derein Freie Voltsbühne, ferner Gewerkschaftskartell, AfA., Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Gewertschastsbund der Angestellten und Lehrer- verein. Ein vorbereitender Ausschuß dieser Organisationen wird die Gründung einer Volksbühne in die Hand nehmen.— Auch in München-Gladbach soll die Volksbühne, die im letzten Jahr daniederlag, neu aufgebaut werden. Ein Vlarschen-Vluseum in Lehe a. d. Weser. Um ein beredtes Beispiel alter niedersächstscher Kultur der Nachwelt zu erhalten, kaufte der Leher Bauernhausverein auf eine Anregung von Dr. Ioh. Bols hin ein 1731 in der Osterstader Marsch errichietes Bauernhaus, um es im Speckenbütteler Park zu Lehe wieder aufzubauen. Innen- einrichtung und Hausrat sind durchweg echt und aus allen Teilen der Wesermarsch gesammelt worden, sogar eine bäuerliche Staats- kuische aus der Zeit Friedrich II. ist erworben worden. In der „DLntz" soll ein Hermann-Allmcrs-Zimmer mit Erinnerungen an den Marschendichter eingerichtet werden. Der Bau einer Scheune und eines Backofens sind geplant, auch soll eine alte Bockmühle angekauft und hier neu errichtet werden, so daß der ganze Bauernhof ein eigenartiges, aus der Marschenlandschaft heraus entstandenes Museum darstellen wird. Der Schwindel von Tschingi».khan, Grab. Der in Leningrad weilende Fvrschungsreisende. Professor Kos low, teilt auf eine Anfrage der Telegraphen-Azentur der Sowjetunion mit. daß die Nachrichten über eine Entdeckung der Grabställe Tschingis-Khans bei der Totenstadt Harahoto ungenau seien. In Wirklichkeit habe er im vorigen Jahre auf dem Hauptgipsel des mongolischen Altai- Gebirges Jchebogdo«in altes Mausoleum eines mongolischen Khans entdeckt, dessen Name bisher nicht festgestellt werden konnte. Koslow erklärt weiter, er habe an der Fundstell« keinerlei Ausgrabungen vorneltznen können, da er noch der anstrengenden Arbeit in Harahoto ohne die nötigen Auerüstingen unterwegs war. Die Akademie der kiitnie eröffnet tfive diesjährige Herbstausstellung Sonnabend. Sie umsajzl Aquarelle. Zeichnmraen, Pallclle, Krapbiken und Werke der BUdbauertimst. Im Mittelpunkt der Ausstellung ftebl eine groß» Kollektion von Arbeiten von Käthe Kollwitz. Kollektiv find ferner der Bildhauer Fritz K o e II e in München und der geichncr Assred K U b i n in Wernstein o. Inn vertreten. Die Gesellschaft zur Förderung der wisienschalten veranstaltet folgende Vortragsabende: Mittwoch, den 23. November, Prof. v. Harnack über: „Die Sntstebiing der StaatSkirche'. Miilwoch, den 14. Dezember. Prof. Bogt, über:„Tie analvmitche vertiesung der HirnlotatitalionSledr«'. Mittwoch, den 18. Januar, Prot. Dr. Bergmann, über:„Einige Probteine au! der Chemie der EIweiWofie'. Mittwoch, den 22. Februar, Prot. C. W a r b u r g:.Ueber die katalytischcn Wirkungen der lebendigen Substanz". An den Vorträgen können auch in beschränkter Zahl Gäste tellnehmen, die in den Räumen der Geiellschast im Schloß stattflndea and m» 90 tltzr beginne». Der Eintritt ist frei gegen Karten. Die Erweiterung des Stadkkreise» Breslau sieht eine Vorlage des preußischen Stoatsministeriums vor, die dem Staatsrat zu- gegangen ist.� Der Entwurf soll der Stadt Breslau, deren Eni- wfcklung bereits die Weichbildgrenzen überschritten hat, eine groß- zügige Sicdlungspolitik ermöglichen. Der tote Serg. Bon Hermann Schützinger. Einmal im Jahr fallen die Sperrbalken bei Breisach umsonst— ohne Visum und Paß. Am Allerseelentag. Und so rinnt alljährlich, still und versonnen, ein Häuslein Men- schen, das den Krieg nicht so leicht wie die anderen zu vergessen ver- >nag, über Colmar und Sulz zu dem toten Berg, der wie ein zer- fressener Zahnstumpf zwischen seinen bewaldeten Kameraden steht, zum Hartmannsweilerkopf. Von der anderen Seite kommen ebenso lautlos die Bäche der elsässischen Besucher von Münster und Schnierlach heruntergeronnen — zum„Vieil Armand", wie der Franzose sagt. Die französische Regierung hat den„Hattmannsweilerkopf" zur „Zone reservee* erklärt, und am Fuß des Berges verkündet ein Dutzend Tafeln: „CKnmp de bataille de rHartmannsweilerkopf. Respectes le repos des 60900 soldats, tombös dans ce champs d'honneur." Donnerwetter, jagt sich der Allerseelenpilger, 69 999 Menslhen hat dieser grau-gelbe Bergklotz in seinein Bauch! Der„Respekt" vor den Toten wächst übrigens ohne behördliche Warnungstafel mit jedem Schritt, den man in die Wüstenei dieses Borges tut. Es ist, wie wenn dieser Berg immef mehr erstarrt, je näher man an den Gipfel kommt. Unten die mäßig zerrupften herbstgelben Wälder an den Hängen und in den Mulden, in denen einst die Batterien standen und die Munitionsdcpots sich in den Boden fraßen. In der Mitte, rings um die„Enntine", das ehemalige Pionierdepot, das man mit wenig Handgriffen zu einem allerdings rocht primitiven„Schlachtfelderhotel" umgewandelt hat, der rogel- recht zerhackte Wald, dessen Stümpfe jetzt, nach zehn Iahren, an- klagend zum Himmel starren. Undoben— rings um das Holzkreuz am breiten Gipfel eine einzige Wüstenei. Die Erde zerstampft und zerhackt von einer vier- jährigen Kanonade. Zerwühlt von Unterständen und betonierten Gräben, die in dem Felsboden dem Unwetter von zehn Friedens- jähren standgehalten haben. Zerfressen von den Minen und Granat- cxplosionen, die zwischen lebendigen Menschen die Eingeweide des Berges aus dem Boden rissen. Die 69 999 Toten haben sich selbst ihr Denkmal auf diesem Berg gebrannt! Oben am Berg dos Monument des Grausens, in der„Contine" aber ein kleines„Ssilleben aus der großen Zeit". Dort habe» sie im Oberstock de- plumpen Hütte, die als Friedhofshotel benützt wird, ein„Äriegsmuseum" etabliert. Ich berappe einen Frank und steige die Treppe hinauf und be» sichtige mit der Andacht de« alten Muschkoten, der die Dinge kennt, den Müllhauj«, vom Hartmannsweilerkopf: Gewehre. Pistolen. Der litsmfthe Terror. Diktatnrjustiz des Faschistenländchens. Nach dem Ossizierputsch vom 17. Dezember ISZK wurde über Litauen der Belagerungszustand oerhängt,«ine Kriegs- zensur zur Knebelung der Presse eingerichtet und S t a n d g e- richte eingesetzt. Als Richter bei den Standgerichten wurden ausschließlich Offiziere der lokalen Garnisonen ernannt, durchweg ohne jede juristische Vorbildung. Es wird stets hinter verschlossenen Türen ver- handelt, ein Verteidiger w i r1> nicht zugelassen. Die Aussogen der Zeugen und Angeklagten werden nicht oder ober so protokolliert, wie es dem„Gericht* paßt. Di« Urteil« des Stand- geeichtes sind endgültig und unterliegen keiner Revision. Das einzig mögliche Rechtsmittel ist ein G n a d e n g e s u ch an den Staats- Präsidenten. Darin muh der Verurteilte sich seines„Verbrechens* schuldig bekennen, bereuen und untertänigst um Milderung des Urteils flehen: aber in Momenten, da die faschistische Regierung sich bedroht fühlt, wie zum Beispiel zur Zeit des Tauroggener Aufstandes, hat das Standgericht nicht einmal den Ablauf der vorgeschriebenen 48 Stunden abgewartet, innerhalb deren eine Begnadigung möglich ist. Die ersten Todesurteile in Tauroggen wurden aufderStelle vollstreckt. Die Zahl der vom Standgericht Verurteilten ist nicht einmal ungefähr bekannt, da die Faschistenregierung Gründe hat, ihr blutiges Werk zu verbergen. Das trifft besonders bei Urteilen gegen S o l- d a t e n zu. Es wird bei Verhaftungen das Gerücht ausgestreut, daß die Betreffenden wegen„Spionage zugunsten Polens* verhaftet worden feien. Nach dem Tauroggener Aufstand lief hartnäckig das Gerücht um. daß in Kowno viele Soldaten und Unlerossiziere standrechtlich erschossen wurden, weil sie sich geweigert hätten, zur Unterwerfung des Auf- standes auszurücken. Das Standgericht zu Ponewjesch verurteilte drei Kleinba u e r n des Kreises Rakischki zuzehnbisfünszehnIahren Zuchthaus. Ihr ganzes Verbrechen bestand darin, daß sie in jener Gegend für besonders aufgeklärt und belesen galten. Einer von ihnen war außerdem Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Irgendwelche aktive regierungsfeindliche Tätigkeit konnte ihnen nicht nachgewiesen werden, trotzdem genügte die Denunziation einer unbe- kannt gebliebenen Person, um sie ins Zuchthau» zu schicken. Die Frauen der Verurteilten wendeten sich mit einem Gesuch um Revision an den Kriegsminister und fügten eine Erklärung der Einwohner ihres Heimatdorfes bei, die von vielen Leuten unttrfchrieben worden war. Unter den Unterzeichnern waren auch die beiden Geist» l l ch e n des Ortes. Der Kriegsminister selbst war nach Durchsicht der Akten über das Urteil erstaunt. Aber eine Revision war juristisch unmöglich, so daß es bei diesem Urteil bleibt. Ein Bauer des Kreises Birscha erhielt die Aufforderung, sich bei der Ponewjescher politischen Polizei zu melden. Als er hinkam, wurde er sofort zum Standgericht gebracht. Er wurde zum Tode verurteilt und sofort erschossen. Seine Schuld bestand lediglich darin, daß er bei der Seimaswahl Kandidat einer lintssozialistischen Gruppe gewesen ist. Gleich nach dem Staatsstreich verurteilte das Standgericht zu Kowno vier kommunistische Führer zum Tode. Die Faschisten brauchten damals eine Rechtfertigung für ihren Umsturz und behaupteten daher, daß die Gefahr eines kommunistischen Um- sturzes bestand, dem die national gesinnten Offiziere zuvorgekommen wären, um ihr Vaterland zu retten. Als Beweis für die komm»- nistische Gefahr war die Hinrichtung notwendig nud daher blieben die Gnadengesuche unberücksichtigt. Kurz vor der Vollstreckung des Urteils stellte sich aber heraus, daß einer der vier Verurteilten, ein gewisser Student G., mit einem der Regierung nahestehenden einflußreichen Politiker verwandt war. Darum war es de-r Regierung unbe- quem, das Urteil an G. zu vollziehen. Anderseits war es aber auch unmöglich, dos Urteil nicht zu vollstrecken, da Revision unzulässig ist und Begnadigung abgelehnt worden war. So entschloß man sich, den G� durch einen Vertreter zu«rsetzenl An Stelle von G. wurde ein gewisser Gedri» als vierter hingerichtet. der von demselben Standgericht in der gleichen Angelegenheit zu langer Zuchthausstrafe verurteilt worden war und dessen Name zu- dem noch mit den, gleichen Buchstaben, nämlich G., anfängt.... Das Standgericht Kowno verturteilt« einen gewissen M e l a- med wegen Propaganda im Heere zum Tode. Der großmütige Smetona tonnt« nur darum Melamed das Leben nicht„retten*, weil sein Gnadengesuch zu wenig demütig abgefaßt war. Als nun Melamed zum Richtplotz geführt wurde, hielt er eine Rede an die ihn bewachenden Soldaten. Diese Rede machte offenbar Eindruck aus sie, da bei der Vollstreckungssalve, die aus zwölf Gewehren auf zehn Schritt Entfernung abgegeben wurde, keine einzige Kugel traf. Da trat der bcfehlshabend« Offizier der Abteilung an den Ver- urteilten heran, und ermordete ihn durch einen Revolvers chuh. Mafarpk für Zrieöensrevifion. Eine Rede des tschechoslowakischen Staatspräsidenten. Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, T. G. M a s a r y k, ist ein nachdenklicher und überlegender Sprecher. Als analytischer Wissenschafter wie als verantwortungs- bewußter Politiker gewohnt, das Wort zu wägen, ehe er es ausspricht, wird er bei einem feierlichen Anlaß um so ge- nauer darauf achten, daß er nichts sagt, was er nicht sagen will Nun hat Präsident M a s a r y k am Staatsgründungs- tag, dem 28. Okiober, vor den Ministern— darunter die zwei „Regierungsdeutschen*— auf die Glückwunschrede des Mi- nistervräsidenten nach längeren inner- und kulturpolitischen Ausführungen u. a. geantwortet: Unsere auswärtige Politik erfordert« und wird Vorsicht er- fordern und allerdings auch Verständnis d«r sich ändernden«uro- päischen Situation. Die innere Lage aller Staaten ändert sich: durch den Krieg haben die Besiegten und die Sieger gelitten, bereits aber ist eine Konsolidierung sichtbar, besonders gilt dies auch von Deutschland. Ich habe schon des öfteren darauf hingewiesen, daß wir mit Deutschland rechnen müssen, nicht mit dem geschlagenen, aber mit dem erneuerten und starken Deutschland. Ich habe mir niemals verheimlicht, daß die F r i e d e n s v«r e i n- barungen und besonders die neue Verteilung Europas nicht in allen Details vollkommen sind, denn sie sind ein menschliches Werk, aber das kann mit Sicherheit behauptet werden, daß die Nachkriegsorganisotion Europas gerechter ist als die Vorkriegsorganisation war. Ueb«r die Details ein«r Korrektur kann verhandelt werden, aber es muß sachlich und gerecht, nicht agitatorisch erfolgen: und die VerHand- lungen müssen von Staat zu Staat vor sich gehen, die F r i e d en s- vertrage werden nicht tangiert werden, denn wir können nicht zulassen, daß sie zu einem Fetzen Papier werden und allgemein« Unsicherheit und defakto Anarchie«inr«iße. Anständige, ehrenhafte Menschen können sich sachlich über alle und die schwierigsten Probleme einigen. Im Programm des Völkerbundes wurde daran in geeigneter Weis« gedacht. Masaryk weist also am Schluß selbst darauf hin, daß die Völkerbundssatzung die Möglichkeit einer Aenderung von Grenzziehungen enthalte: insofern bringt diese Rede nichts Neues. Aber es ist doch der erste Fall, daß ein aktiver Staatschef und noch dazu ein wesentlicher Mitverfasier.des Friedens von St. Germain und Trianon, öffentlich überhaupt zugibt, daß die Friedensbestimmungen von 1S19 keineswegs vollkommen, somit verbesserungsbedürftig sind. Masaryk geht noch weiter, indem er Verhandlungen über solche Korrekturen in Betracht zieht, was schon eine gewisse Bereitwilligkeit dazu einschließt. Es soll nicht verkannt und nicht unterschätzt werden. daß Masaryk mit einem vernünftigen Wort vorangegangen ist. Dementsprechend greift ihn die nationalistisch-reattionäre Tschechenpresse auch schon gehörig an. Die yochfihulen dem Volke! Schluß mit dem völkischen Komödiantentum! Vom Vorsitzenden des Verbandes sozialistischer Studenten- gruppen Deutschlands und Oesterreichs, Genossen Dr. Otto Fried- I ä n d c r, wird uns geschrieben: — Nachdem die am 1. Oktober bekanntgewordene Abänderung des Studentenrechts kurz danach auch die Genehmigung des Preußischen Staatsrats erlangt hatte, hielten es die führenden Herren der- „D eutfchem Studentenschaft* für angebrocht, noch einmal beim Minister vorstellig zu werden, um sozusagen fünf Minuten vor zwölf zu hören, ob nicht doch noch dieses oder jenes Hintertürchen ihr«n Bestrebungen geöffnet werden würde. In einem den ver- schiedenen Studentenschaften zugegang«n«n Rundschreiben haben sie dann einen Bericht über ihre Verhandlungen niedergelegt. der, wenn er wahr wäre, in einer Reihe von Punkten ein glattes Abweichen des Ministeriums vom Geist und Wortlaut der soeben veröffentlichten Verordnung bedeuten würde. Ist auch bisher noch kein offizielles Dementi dieses studentischen Schriftstücks erfolgt, so glauben wir doch jetzt schon auf Grund unserer Kenntnis der Dinge sagen zu können, daß der Minister in der Besprechung weder von seiner bisherigen Anerkennung de-t großdeutjchen Prinzips für die ftudentisä)« Selbstverwaltung, noch von seiner entschiedenen Abwehr irgendwelcher völkischer Bestrebungen abgegangen ist. Im übrigen wird wohl das Ministerium selbst bald das Wort zu den fälschlichen Unterstellungen der„Deutschen Studentenschaft* nehmen, so daß wir keinen Anlaß haben, uns mit diesem Elaborat anders zu befchöstigen, als indem wir es als einen neuerlichen Beweis un- wahrhaftiger Propaganda öffentlich annageln. Ebenso unwahrhaftig wie die Wiedergabe der Unterhaltung mit dem Kultusminister ist der völkisch-studentifche Kommentar zu einer Resolution derdeut- schen Hochschullehrer, die erklärt: „Die preußische Rettorenkonferenz ist gewillt, soweit es in ihrer Macht steht, die deutschen Studenten, wie seither, auch in der jetzigen schwierigen Lage mit Rat und Tat zu unterstützen. Oer Verband der deutschen Hochschulen und die deutsche Rcktorenkonferenz haben sich dieser einstimmig ge- faßten Resolution gleichfalls einstimmig angeschlossen.* Man muß«s diesem professoralen Dokuinent allerdings lassen. es ist von einer nicht zu überbietenden Unklarheit, aber die gerade ist offenbar gewollt. Kaum glaubt die Deutsche Studentenschast diese „Resolution* für ihre Zwecke auswerten zu können, als schon die Demen'tiermaschin« der Professoren in Tätigkeit tritt und die Hochschullehrer von diesen Auslegungsversuchen sichtbar abrücken. Was also von alledem übrigbleibt, ist welter nickst? als der mißglückte Versuch, akademische Behörden und selbst das Kultus- Ministerium für Ausführungsbestimmungen der neuen Verordnung einzuspannen, die in Wahrheit A b a n d« r u n g s bestimmungen wären. Wir hoffen und fordern demgegenüber, daß auch die lom- inenden Ausführungsbestimmungen nicht im Sinne völkischer Inter- prcten gehalten sind, sondern eindeutig den gleichen Willen zur Reinigung der Hochschulatmosphäre kund tun, der die Verordnung diktiert hat. Ob das vom Ministerium an den einzelnen preußischen Hochschulen vorgesehene Referendum über Annahme oder Ablehnung der in der Ministerialverordming festgelegten Grundsätze studentischer Selbstverwaltung der richtige Weg ist, dem Staatswillen Geltung zu verschaffen, mag fraglich bleiben. Nach der inzwischen bekannt- gewordenen Stellungnahme des Hauptausschusses der „Deutschen Studentenschaft* und der Burschen- s ch a f t« n, die mit einem klaren Nein zu stimmen«ntschlossen sind, dürfte das Referendum nur an wenigen Hoch- schulen zu einem positiven Ergebnis führen. Mit Bqstimml- heit ist wohl auch anzunehmen, daß ein Cnischeid der Studentenschaft npr dann für maßgeblich betrachtet wird, wen» sich wirklich eine beachtliche Au zahl Studierender überhaupt au dem Roscrendum beteiligt haben. Wünschenswert wäre es allerdings, daß das Ministerium auch darüber noch klare Richtlinien«rläßt, ob eine einfache Mehrheit zur Annahme genügt, oder ob«in de- stimmter Mindestsatz aller abgegebenen Stimmen nötig ist, um der Verordnung zum Siege zu oerhelfen. Die sozialistischen Studenten, deren Verbandsleitung stets mit besonderem Nachdruck die Forderung auf Beseitigung der heutigen skandalösen Rechtslag« innerhalb der studentischen Selbst- Verwaltung gestellt hat, werden es gewißlich begrüßen, wenn an einer Reihe von Hochschulen, die durch ihr Ja den Willen sachlicher Der- waltungsarbeit bekundet haben, das Selbstverwaltungsprinzip ge> wahrt bleibt. Sie können aber ebenso wenig Zweifel darüber lassen. daß ihnen an jenem traurigen Komödienspiel, das bisher sich als studentische Selbstverwaltung maskierte, herzlich wenig ge- legen ist. Wiewohl daher der ministeriellen Verordnung zur Durch- führung verhvlfen werden soll, kann darüber kein Zweifel gelassen werden, daß an einer Reih« von Hochschulen da» Interesse unserer studentischen Genossen an dem Etudentcnschaftstreiben so gering geworden ist, daß sie es a b l e h n« n, ihr« Kräfte durch hoch- schulpolitische Spiegelfechtereien zu verzetteln und es vorziehen, auf dim Gebiete sozialistischer Forschungs- und Budungsarbeit intensiver als bisher mitzuwirken. Der kommende Derbandstag dürfte in dieser Richtung liegende Beschlüsse fassen. Mag die„Deutsch« Studentenschaft*, wie ste es bereits groß- spurig proklamiert,„in freiem Zusammenschluß* weiter wirken. unsere Aufgabe kann es nur fein, dafür zu sorgen, daß diese sattsam bekannte Wirksamkeit nicht länger von Staats wegen unkerstüht wird, wir fordern vom Ministerium, daß es bei Ablehnung der neuen Minislertolverordnung unverzüglich an den belressenden Hochschulen die gesamten Einrichtungen einer ihre eigene Selbstverwaltung sabotierenden Studentenschaft au» den Universikälsräumen verschwinden läßt. Mag dann die„Deutsche Studentenschaft* ähnlich wie ihr kleiner 600 Mann starker Wiener Zweigverein, sich irgendwo als Privatunternehmen etablieren. Wir gönnen ihr dann von Herzen das weite Feld von Fahnenweihen und Bierkommersen. Wir werden nicht einmal die dortgehaltenen Reden lesen. Die neue Ministerioloerordnung hat au» der Zeit des Ministe- riums Haenijch einen Schönheitsfehl er übernommen, dl«, wohl auch jetzt nur ihrer praktischen Bedeutungel-'sigkeit wegen akzeptierte, Ausgabenformulierung für die Studentenschast. Daß es ausgerechnet Aufgabe der deutschen Studenten sei, eine Einigung über dl« Parteien hinaus zu erstreben, ist ein bei den gegenwärtigen Hochschulverhältnissen allzu satirisch klingender Wunsch. Die sozialistischen Studcnten können mit solchen Sätzen erst dann einen Sinn oerbinden, wenn ihre über olle Kleinarbeit hinaus- weisend« Forderung verwirklicht wird: die Hochschulen— Vildungs- slätten des ganzen Volk«»! Ein unberufener Kritiker. Der parlamentarische Müßiggang des Kapitäns. Dresden, 1. November.(Eigenbericht.) In der heutigen Sitzung des sächsischen Landtages lag ein Brief des bisherigen nationalistischen Abgeordneten Kapitän v. Mücke vor. in dem dieser mitteilte, daß er sein Mandat niederlege, weil der Parlamentarismus organisierter Müßiggang sei. Der Vorsitzende stellte daraufhin fest, daß Mücke in 19 von 47 Sitzungen überhaupt nicht dagewesen sei und aus den meisten Sitzungen hätte er sich bald wieder entfernt. Er hätte also am welligsten Ursache, vor organisiertem Müßiggang zu sprechen. Dann wurde ein« Anzahl Anträge behandelt, die sich mit der Stellung der sächsischen Regierung zum Reichsschulgesetz befassen. Als Sprecher unserer Fraktion wandte sich Genosse Arzt scharf gegen den Entwurf. Aber auch der Demokrat Seyfert, der als Abge- ordneter der Nationalversammlung an dem Weimarer Kompromiß mitgearbeitet hatte, trat entschieden gegen die Vorlage auf. Der Kultusminister Kaiser verwies auf die Anirä-e, die die sächsische Regierung zum Reichsschulgesetz gestellt hät!e. sächsische Regierung sei für die Verabschiedung eines Reichs'chui.zcsetzee, aber die Schule müßte als selbständiger Erziehungssattor erhalt«» bleiben. Die Anträge wurden dem Ausschuß überwiesen. Das unruhige Portugal. Politisches Attentat und Verhaftungen. Lissaboa, I. November. Auf den Chef der Staatsdruckerei in Lissabon wurde ein Attentat verübt, an dessen Folgen er im Hospital verstarb. Der Mörder wurde verhastet. Die Polizei entdeckte«ine Organi- sation, die sich mit der Herstellung von Bomben befaßte. Zwei Rädelsführer wurden verhaftet. Tanger. Das italienische Geschwader abgedampft. Die italienische Flottendemonstration vor Tanger ist beendet. Da» Geschwader unter dem Kommando de» Prinzen von Udine hat den Hasen wieder verlassen. Indessen geht die Polemil zwischen den Blättern der interessierten Länder weiter. Die italienischen Blätter erklären, Italien habe ein Recht auf Kompensationen. wenn durch die geplante Einoerleibung Tanger» in die sranzöfische Einflußzone das Mitielmecrstatut«ine Aenderung erfahre. Die französische Presse dagegen erklärt, Frankreich habe Italien gegenüber seine Schuldigkeit getan, indem es die Italiener in Tri- polis habe gewähren lassen. Eine Kompensation in Tunis komme keinesfalls in Frage. Einzelne spanische Zeitungen betonen die Notwendigkeit einer Mittelmeersolidoritöt zwischen Italien und Spanien. Die englischen Regierungsblätter endlich unterstützen grundsätzlich den italienischen Anspruch aus Mitwirkung an der Lösung der Tanger-Frage, kritisieren jedoch die Methode der Flottendemonstration, die von Mussolini angewendet wurde, um diese Ansprüche in Erinnerung zu bringen. Seginn üer Kammertagung in Parks. Kurz befristete Etatberatung. Paris, 1. November.(Eigenbericht.» Die Kammer wird»ach SM Monaten Ferien am Donnerstag wieder zusammentreten, um vor dem 1. Januar 1928. also in kaum zwei Monaten, das Budget für 1928 zu verabschieden. Poincarä dürfte die Taktik wiederholen, die er bereits in der Finanzkomwission mit Erfolg angewendet hat, nämlich sich jeder Erhöhung der Aus- gaben oder Verminderung der Einnahmen unter Stellung der Ver- trauensfrage zu widersetzen. Das Recht der parlamentarischen Kontrolle wird also auf das geringste Maß beschränkt. Das Gleichgewicht des so durchzupeitschenden Budgets steht nur aus dem Papier. Venn üer Sesitz auch Steuern zahlen soll,- ... so ist das sanktionierter Diebstahl. In der„Berliner Börsen-Zeitung" findet sich in einen, Artikel „Warum kein« Wirtschaftspolitik?" folgende Weisheit: „W as nützt alle Rederei von dem Wert der Selbstverwaltung, solange das Wohlrecht denen das Recht, Ausgaben zu bewilligen, in die Hände legt, die die Mittel dafür nickt auf- bringen, solange also ein System durch Gesetz sanklioaterien Diebstahl» aufrechterhalten wird?* Weiter, als bis zur Behauptung, die Steuerpflichten des Be- sitze« seien staatlich sanktionierter Diebstahl, kann sich reaktionäre Demagogie nicht mehr versteigen. Erfreulich. w«il wenigstens offenherzig, ist das Eingeständnis, daß die Reaktion den Arbeitern da» Gemeindewahlrecht nehmen und überall die Diktatur des Geldsacks errichten möchte. Und zur Begründung dieser Forderung können eben nur ausgesprochene Verrücktheiten herhalten! Faschistenjustiz.„Giornale d'Itaiia" berichtet aus Mailand, das, der dortig---tippcllationshos den früheren Abgeordneten des linken Flügels der katholischen Popolari-Partei. Migiiori.»vegen seincr heimlichen politischen Flucht au» Italien zu 4 Jahren Gefängnis und zu 29090 Lire Geldstraie»erurteitt hat. Der Appellationshof bestätigte damit das Urteil erster Instanz. Der fintrag auf?lrbektslosenunterstützung. Das sechsseitixie Antra�ssormular, das bei der Antra»sstellunA auf Be/zug Oer Arbeitslosenunterstützimc! auszusüllen ist, ist gerade- zu eine bureaukratische Glanzieistunfl. Sollen die Angestellten der Arbeitsamter, die in jedem einzelnen Falle die Wust von Fragen auszufüllen haben, was bei slotter Arbeit durchschnittlich etwa 20 Minuten erfordert, unter der Arbeitslast nicht zusammenbrechen und die Geduld der Antragsteller selber nicht auf eine allzu starke Probe gestellt werden, dann muß dieses Formular einer gründlichen Uinarbeitung und Vereinfachung unterzogen werden. Das mindeste, was die arbeitslosen Antragsteller verlangen können, um ihnen unnütze Wege und Fahrgeldousgaben zu ersparen, neben vielem Aerger, ist die Herausgabe eines Merkblattes darüber, was sie alles an Papieren für die An- tragstellung mitzubringen haben. Aus Betreiben der durch dieses famose Zlntragsformular geplagten Angestellten hat die Tagespresse teilweise nachgeholt, was in dieser Beziehung versäumt worden ist. Aber auch ein Merkblatt macht die Vereinfachung dieses Antragsformulars keineswegs überflüssig. Es sind zwar„nur" 15 oder 16 Fragen, die der Arbeitslose zu beantworten hat, aber diese Hauptfragen find untergeteilt in ein« Reihe westerer Fragen, Frage 3 zum Beispiel in a bis i und I bis IV. Der Arbeitslose mutz bei der gegenwärtigen Praxis bei seinem Antrage auf Unter. stützung folgende Papiere mitbringen: 1. Invaliden- oder Verficherungskarte. Z. Stempel-fKontroll-fKarte des Nachweises. 3. Familienstammbuch, wenn er für seine Ehefrau und Zbinder Familienzuschläge beantragt. Wenn die Kinder bereits im Lehr- Verhältnis stehen, ist der Lehrkontvakt und eine Bescheinigung des Lehrherrn über die Höhe des etwa gezahlten Vergütungsgeldes mitzubringen. 4. Arbeitsbescheinigungen über das dem Tage der Arbeitslos- werdung vovaufgegangen« Jahr. Die letzte Arbeitsbescheinigung mutz«inen klaren Entlassungsgrund enthalten fArbeitsmongel. Betriebsumstellung, für unseren Betrieb nicht geeignet. Aushilfe beendet). Der Vermerk.ordnungsmäßig entlassen* genügt nicht. 5. Eine Bescheinigung über den Bruttooerdienst der letzten vollen 13 Arbeitswochen und«ine Bescheinigung der zuständigen 5krank«nkasse über die ordnungsmäßige Zugehörigkeit. Bei verkürzter Arbeitszeit ist der Brutiovevdienst in die Bescheinigung einzusetzen, der bei normaler Arbeitszeit zur Be- rechnung kommen mühte. Diese beiden Bescheinigungen stnd un- bedingt nStig. weil nach dem Sruttoverdienst der letzten 13 Arbeits- wochen der Unterstützungssatz errechnet wird. Zu diesen Beschei- nigungen sind nur die vorgeschriebenen Formulare zu verwenden, die bei den Bezirksavbeitsämtern erhältlich sind. 6. Krankenkassenausweis(Mitgliedsnummer), wenn sich der Arbeitslose bei einer Ersatzkasse weiterversichern will. 7. Krankheitsbescheinigungen der Krankenkassen. 8. Bescheinigung des zuständigen Polizeireviers über den gegenwärtigen Wohnort und über den Aufenthalt der letzten drei Jahre. 9. Rentenfeftfetzungsbescheid. 19. Mietvertrag. Außerdem ist folgendes zu beachten: Arbeitslose, die einen Antrag auf Krisenunter st ützung stellen, müssen Be- scheinigungen über die Höbe des Einkommens der im Haushalt befindlichen Familienmitglieoer mstbringen. weil für die Krisenfür- sorge die Prüfung der Bedürstigkeit bestehen geblieben ist. Arbeitslose, die während des Unterstntznngsbezuges krank wer- den und Kronkengeld beziehen, müssen, wenn sie wieder gesund geschrieben werden, einen Nachantrag bei ihrem Lezirksamt stellen. Arbeitslose, die sich bei einer Arbeitsaufnahme die restlichen Tage der Unterstützung abholen, müssen noch im Besitze der Stempel- karte oder eines Schlußscheines des Nachweises sein. Vermittlungsscheine des Nachweises genügen nicht. Tarifvertragsbruch. Bei der S(I)lesische Oamper Compagnie Berliner Lloyd A.-G. Die genannte Firma ist Mitglied des Arbeitgeberverbandss für Binnenschiffahrt. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen stnd durch den mit dem Arbeitgeberverband abgeschlossenen Tarifvertrag ge- regelt. Die Firma hat von den Arbeitern Arbeitslei st ung oerlangt, zu der diese nach dem Tarifvertrag nicht verpflichtet sind. Weil die Arbeiter diese Arbeit ablehnten, hat die Firma sie entlasten, gemaßregelt, und auf Einspruch der Organisation die Entlastung nicht zurückgenommen. Es liegt hier unzweideutig ein T a r i f b r u ch vor, der die Organisation der Arbeitnehmer be- rechtigt, von dem geschlostenen Vertrag zurückzutreten und alle Maß- nahmen zu ergreifen, um die tarifbrüchige Firma zur Taristreue zu erziehen. Die durch verschiedene Maßnahmen der Firma hervor- gerufene Erbitterung bei den Arbeitern muß zur gegebenen Zeit zur Erplosion kommen. Wenn der Betrieb zum Stillstand kommt, so liegt hier ausschließlich die Schuld bei der Leitung. Die Firma und die Kaufmannschaft sei gewarnt. die Aigarreaarbeltee ooch la Hera ausgesperrt. Gera, 1. November.(WTB) Im Anschluß an die in Sachsen erfolgte Aussperrung in der Tabakindustrie haben nunmehr auch in Gera die dem Reichsoerband deutscher Zigarrenhei steller angehörigen Firmen ihr« Arbeiter aus- gesperrt, während die dem Reichsoerband nrchk an» geschlossenen Betriebe weiterarbeiten. Die Sperre gegen Gebr. Friesecke. Wie der organisierten Arbeiterschaft bereits aus mehreren. Notizen bekannt ist, hat der Verband der Steinarbeiter gegen die Finna Gebr. Friesecke wegen Torisbruchs die Sperre verhängt. Mit Hilfe einiger als'S t r e i k b r e ch e r bei ihr tätigen Stenn- wetzen, oersucht die Firma die Sperre illusorisch zu machen,«ie suchte obendrein die Hilse der Gerichte in Anspruch zu nehmen, doch hatte sie damit kein Glück. Der Syndikus des Bundes Deutscher Betonwerke hatte im Au?- trage der Firma beim Arbeitsgericht den Erlaß einer einst- weiligen Verfügung beantragt, wonach bei einer Strare von.nur* 1999 M. für jeden Einzelfall dem Verband der Stein- arbeiter weiter« Sperrmaßnahmen untersagt würden. Nachdem bereits der Schlichtungsausschuß dem Herrn Syndikus zu verstehen gegeben hatte, daß die Ausfastungen der Firma über die Durchführung von Tarifverträgen mit den all- gemeinen Aufsastungen von Treu und Glauben nicht in Ein- klang zu bringen sei, lehnte das Arbeitsgericht den gestellten An- trag glatt ab. Di« Angelegenheit wäre sicher schon längst erledigt, wenn nicht der Christliche Steinarbeiterverband mitsamt dem jetzt bei ihm organisierten, als Streikbrecher bei der Firma beschäftigten Steinmetzen, der Firma Hilfsstellung leisten würde. Aber auch von einigen bei dem Zwischenunternehmer Kern dach beschäftigten Steinmetzen wird die Solidarität mit Füßen getreten, indem sie von der Firma Gebr. Friesecke ausgeführte Kunststein- putzarbeiten steinmetzmäßig bearbeiten. Wir ersuchen daher die klassenbewußte Arbeiterschaft genau au? solche Fälle zu achten und sie dem Verbandsbureau der Stein- arbeiter. Engelufer 25, mitzuteilen._ Berantwortliib für Politik Dr. Cnrl Wirtsckaft: «tinncibütcri Lokales tbewerkschaftsbiweguna: 3. Sit in«; Feuilleton: Dr. John Schilowoli: Lok und sonstige«: Fritz Narstädt: Anzeigen: T>>. Gwete; sämtlich in Perliii Lerlaa: Porwärtö-Periag H., Berlin Druck: Borwärls-Buelchruckere« und Bcrlagsanstal- Paul Singer n So Berlin G® 63 Lindenstrahe S. vier» z Beilaaen und.Ulnterdaltnna und Willen-, k- grimo Austopfte. f£ 45 reine Wolle, tariert nnä ßeinw. Schelsen....... � reine Wolle, tariert und ««"«äkt............... Kcter FoyE4*KarGS'�..�..�...�S90 ÄBfhwere Mantelware, ca 190 ein droit'"T 3 9 angeranliter Abseite...... Meter ff DJä? S5X. m S M d-v Wolle Bi.Selile, ea.l00brt., meckern-o"ty 30 10 IS S£1 Kl ITi Gewebe, grosses Firbeßeort, Meter ff NettwittWe Kopfkissen-�".« Boslige, mit Boge»........ Uiia.il I BettOshor f 25 ä., 5" 3" llalbtolnen, 100/225 cm.. Ol 150,225 cm FUnell 4S» darniSwi* Eatin gostreilt. 1 Doükbett, 2 g»; �leidevKoßke irre? ea mit Meinen Fehlem, gestreift und kariert. QS ÄewBjwBliBl indanthre»............................. Meter«»wPt tnoderne Streifen. In- �49 EiiderfSanefli gute Qualltit, rwelseUlg.... Meter 149 es. SO cm trett..... ,M*ter 52 pf. 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Auf dem Platz der Republik ereignete sich gestern ein gröberer Gerüsieinsturz, bei dem es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken ist, daß Menschen nicht zu Schaden gekommen sind. Um die Siegessäule wurde vor einigen Tagen für notwendig gewordene Repeuawrarbeiten ein etwa 25 bis 30 Meter hohes Gerüst errichtet Gestern vormittag waren die Aufrüst- arbeiten beendet und die Arbeiter bzw. Handwerker hätten am Nach- /nittag mit den Arbeiten beginnen können. Kurz vor 1 Uhr er- tönte plötzlich ein furchtbarer Krach und der größte Teil des Gerüstes stürzte zusammen. Zum Glück befanden sich auf dem Gerüst und in der Nähe der Unglücksstelle weder Arbeiter noch Spaziergänger, so daß niemand verletzt wurde. Di« Ur- fache des Einsturzes ist noch nicht einwandfrei geklärt. Wiederholt mußte der„Vorwärts� von schweren Gerü st ein stürzen berichten, bei denen es Tote und Schwerver- letzte gab. Hier scheint ein typisches Beispiel dafür vorzuliegen, von welcher„Stabilität" manche Gerüste sind, denen die Arbeiter ihr Leben anvertrauen müssen. In diesem Falle wären die Folgen vielleicht unabsehbar gewesen. Aufgabe der Baupolt- zei muß es sein, eine strenge Untersuchung über die Ur- sache und Schuldfrage zu führen. Unter öer Lokomotive. Ein Arbeiter getötet, ein weiterer verletzt. Auf den Gleisen der Ringbahn in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Westend ereignete sich in den gestrigen Nach- Mittagsstunden ein folgenschwerer Unfall, bei dem ein Arbeiter ge- tötet, ein anderer erheblich verletzt wurde. Auf dem Bahngelände sind seit längerer Zeit mehrere Arbeiter- kolonnen mit den Elektrifizierungsarbeiten an der Ringbahn be- schästigt Gegen 15 Uhr wollte der 56jährige Aufseher der Elektrizi- tätswerke Südwest Emil Maihöfer aus der Boyenstraße 17 und der 63jährige Arbeiter Hermann König aus der Apostel- Paulus-Straße 41 die Gleise überschreiten. In diesem Augenblick nahte eine Lokomotive, die von Westend nach Grunewald fuhr, heran und überfuhr beide Arbeiter. Maihöfer trug so schwere Verletzungen davon, daß er wenige Minuten später, noch bevor ein Arzt zur Stelle war, an der Unglücksstätte starb. König, der von der Maschine zur Seite geschleudert wurde, kam zum Glück mit leichten Verletzungen davon. Nach Anlegung von Notoerbänden tonnte er in seine Wohnung übergeführt werden. Nach den bisherigen Ermittlungen sollen die Verunglückten in- folge des starken Geräusches eines in der Nähe arbeitenden Baggers die Signole des Sicherungspostens über- hört haben, so daß sie von der in schneller Fahrt herankommenden Lokomotive erfaßt und überfahren wurden. Die Leiche des tödlich Verunglückten wurde beschlagnahmt und nach der Halle in Char- lottenburg gebracht. Ein flrzt auf öer Anklagebank. Gewerbsmäßige Abtreibung und fahrlässige Tötung. Am 2. Oktober 1926 kam zu dem in Ungarn approbierten und seit zwei Jahrzehnten in Deutschland tätigen Arzt» M. eine Frau. Sie machte einen völlig kranken Eindruck, wurde zweimal ohnmächtig, litt an Schüttelfrost, wies eine Temperatur .von 38,4 und einen Puls von 103 auf und gestand dem Arzt, einen Eingriff an sich vorgenommen zu haben. Dr. M. empfahl ihr, sich sofort an einen Spezialarzt zu wenden oder sich ins Krankenhaus zu begeben: er weigerte sich jedoch, ihrem Wunsche gemäß irgendeinen Eingriff seinerseits vorzunehmen. Seine Behandlung gatl allein ihrer Blutarmut und gewissen Herzbeschwerden. In seinem Krankenbuch vermerkte er:„Krimineller Abort,(!) Einleitung Abort abgelehnt!" Wäre es nicht, so fragt man sich, seine Pflicht gewesen, energischer vorzugehen? Unverzüglich im Krankenhause ftir die Kranke einen Platz zu bestellen, wo alle Symptome aus eine Blutvergiftung hin- wiesen? Aber er hatte erst sechs Monate im Gefängnis verbracht— wegen Abtreibung. Damals waren ihm zwei Fälle rur Last gelegt. Wegen der Hilfe, die er einer schwind- süchtige» Frau hatte zuteil werden lassen, war er frei- gesprochen. Wegen eines Eingriffes an einem jungen Mädchen— er behauptete, an ihr nur eine Heilbehandlung vorgenommen zu haften— war er in der ersten Instanz freigesprochen, in der zweiten jedoch mit einer Gefängnisstrafe von neun Monaten b e- st r a f t worden. Und sollte er diese Frau mit Anzeichen einer Blutvergiftung ins Krankenhaus schicken? Würde man nicht sofort gegen ihn Verdacht schöpfen! Die Frau besuchte M. noch zweimal. Er behandelte allein ibre Herzbeschwerden. Am 12. Oktober erschien aber der Mann der Frau und teilte dem Arzt mit, daß sie schwer krank darniederläge. Der Arzt gab dem Mann>ine Arznei, die in solch einem Fall angezeigt schien. Am 14. Oktober wurde er zu der Frau gerufen: er fand sie in einem unaussprechlich elenden Zustande und verfügte ihre sofortige Ueberführung ins Eäcilien-Krankenhaus. Am 29. Oktober verstarb sie hier an Blutvergistung. Auf Drängen des Leiters des Cäcilien- Krankenhauses, Prof. L i e b m a n n, erstattete der Mann der Verstorbenen gegen M. Strafanzeige wegen kriminellen Abortes und fahrlässiger Tötung. Der Mann der Verstorbenen aber war Heizer bei Professor Liebmann. Aber die Frau des Mannes wendet sich nicht an diesen Frauenarzt, sondern nimmt selbst an sich den Eingriff vor, zieht sich eine Blut- Vergiftung zu und stirbt. Der. physische Zustand der Frau war aber so, daß ein Abort ärztlich angezeigt gewesen wäre. Man sieht das Gespenst des Z 218 leibhaftig vor sich. Die Strafanzeige gegen M. hatte den Iu st i z a p p a r a t ins Rollen gebracht. So mußte er sich gestern vor dem Landgericht III wegen gewerbsmäßiger Abtreibung und fahr- lässiger Tötung verantworten. D'e Sachverständigen konnten jedoch nicht die Tatsache widerlegen, daß die Frau selbst einen Ein- griff vorgenommen hatte. Und obgleich Med.-Rat Dr. S t ö r m e r der Ansicht war, daß es Pflicht des M. gewesen wäre, die Frau schon bei ihrem ersten Besuch ins Krankenhaus schaffen zu lassen, und der Staatsanwalt ein Jahr Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung beantragte— die Anzeige wegen gewerbsmäßiger Ab- treibung hatte er fallen gelassen—, kam das Gericht, entsprechend dem Plaidoyer Rechtsanwalts Themar, zu einem Freispruch. Es stehe nicht fest, daß die Frau am Tage ihres ersten Besuches bei M. noch zu retten gewesen wäre. Mag sein: Fest steht aber, daß hier wieder einmal ein Menschenleben verlorengegangen ist, weil der 8 218 StGB, es so will! Rektoratsiibergabe an der Handelshochschule. Die Rektoratsübergabe an der Handelshochschule fand gestern im Beisein des preußischen Handelsministers Dr. Schreiber und von Vertretern der Industrie statt. Zum erstenmal wurde die Rektorats- übergäbe nach den Regeln der neuen Verfassung der Handelshochschule als Vollhochschule vollzogen. Unter den Klängen des Priestermarsches aus„Athalia" marschierten die Char- gierten in den Festsaal der Hochschule. Prof. Dr. Georg.We g e n e r gab den Tätigkeitsbericht seines Amtsjahres als Rektor. Er erin- nerte, daß noch unter seinem Vorgänger die Handelshochschule in eine Vollhochschule umgewandelt worden war. Das erste Jahr nach dieser Umwandlung brachte für das Dozentenkollegium die mannig- fachen Arbeiten. Senat, Kuratorium und vor allem die Promo- tionsordnung mußten geschaffen werden. Die Zahl der Studenten ist iin letzten Jahr gestiegen. Nach seinem Tätigkeitsbericht übergab Prof. Dr. Wegener die Zeichen seiner Rektoratswürde an den für das Jahr 1927/28 gewählten Rektor, den bekannten Professor Dr. T i e s s e n. Nach altem Brauch hielt der neue Rektor einen Feftvor- trag:„Der Begriff der Zeit in der geographischen Wissenschaft". Die Zeit ist für die Menschheit nur feststellbar durch die Geschwindigkeit im Raum. Wir haben verschiedene Ge- schwindigkeiten: sehr oft sind sie so langsam, daß der einzelne Mensch sie nicht feststellen kann. Der Redner behandelte besonders die Ge- schwindigkeiten des Wassers und die Bewegungen der Erdbeben. Nach den äußerst interessanten Ausführungen sprach der Vorsitzende der Studentenschast, stuä. Nohl, der den Wunsch äußerte, daß sich die Zusammenarbeit der Dozenten mit den Studenten noch enger gestalten möge. Als geschmacklos muß man es bezeichnen, daß die anwesende Reichswehrkapelle als Abschluß einer ernsten und wür- digen akadeniischen wissenschaftlichen Feier alte Armeemärsche spielte. betrug an feinem besten ßreunö! Die Ehetragödie des Kaufmanns Borchardt. Es ist schon einige Jahre her, daß der Kaufmann Bruno Borchardt einen Freund bei einer Schlägerei so furchtbar zu- richtete, daß dieser an den Folgen verstarb. Damais wurde Bor- chardt außer Verfolgung gefetzt, weil ihm die Gerichtsärzte für die Tat, die im Rauschzustande begangen war, den Schutz des 8 51 des RStGB. zubilligten. . Diesmal aber, wo Borchardt am 25. November vorigen Jahres seine Ehefrau Frieda erschoß, ist von der Staatsanwalt- schast I Anklage wegen vorsätzlicher Tötung erhoben worden. Am 7. November soll die Hauptoerhandlung gegen Borchardt vor dem Schwurgericht I stattfinden. Denn diesmal find die Aerzte zu dem Ergebnis gekommen, daß der Angeklagte für seine Tat verantwortlich sei. Allerdings wird ein Mar d, der Vorsatz und Ueberlegung voraussetzt, von der Anklage nicht angenommen, wohl aber Totschlag mit Vorsatz, da Borchardt selbst zugegeben hat, den Revolver vorher entsichert zu haben. Schon seit langem bestand zwischen Frau Frieda Borchardt und dem Kaufmann Otto Berndt aus der Mulackstraße 35 ein intimes Verhältnis. Berndt war Borchardts bester Freund. Trotzdem Bekannte Borchardt auf die Vertraulichkeiten zwischen seinem Freunde und seiner Frau aufmerksam gemacht hatten, wollte Borchardt lange Zeit nicht glauben, daß er gerade von Berndt betrogen wurde. In der Nacht vom 25. November suchte er seine Frau überall und er- fuhr, daß sie in die Wohnung seineckFreundes Berndt gegangen sei. Den Revolver in der Hand, stürzte er voller Wut die Treppe hinauf und erzwang sich Einlaß in die Wohnung. Bei seinem Eintritt eilte Berndt, dürftig bekleidet, die Treppe hinunter. Auf dem Nachttisch lagen die Schmucksachen der Frau Borchardt und ihre Handtasche. Sie selbst hatte sich unter dem Bett versteckt. Borchardt zerrte seine Frau unter dem Bett hervor und knallte sie kurzerhand nieder. Dies der Tatbestand. An seinem ehemaligen Freunde Berndt hatte Borchardt inzwischen dadurch Rache geübt, daß er Berndt wegen des Bombenanschlages und schweren Raubes, die er bei einem Iuwelenhändler in der Schönhauser Allee ausgeführt hat, zur Anzeige brachte. Berndt ist in- zwischen zu einer längeren Gesängnisstrase verurteilt worden. Als Gefangener wird er seinem einstigen Freunde von der Zeugenbank aus gegenüberstehen. Auf Antrag der Verteidigung ist der Oberarzt Dr. Barz voin Berliner Aerzteausschuß, dem Obergutachterkollegium, beauftragt worden, nachzuprüsen, ob aus 8 01 StGB, ein Antrag auf Beobachtung des Angeklagten über seine Zurechnungsfähigkeit in einer öffentlichen Irrenanstalt zweckdienlich sei. Möglicherweise wird die Verhandlung mit einem Beschluß auf Ueberführung Borchardts in die Irrenanstalt enden._ Verbindungsgleise zwischen den U-Bahnftrccken. Um die Reparaturwerkstätten besser ausnützen zu können und bei wechselndem Verkehr die Wagen der einen Linie auch für die andere bemitzen zu können, baut die U-Bahn V e r- bindungs st ollen zwischen den einzelnen Strecken. So wird zurzeit am Hermannplatz ein Verbindungsstollen von der Nord- Süd-Bahn zur Gesundbrunnen-Neukölln-Linie ge- baut. Die Ausschachtungsarbeiten sind bereits vollendet. Eben- so wird eine Verbindung zwischen der Linie Alexanderplatz— Frankfurter Allee und der ebenfalls im Bau befindlichen Strecke Gesundbrunnen— Neukölln hergestellt. Auch dieser Stollen ist bereits in Angriff genommen. Dagegen ist vor- läufig nicht geplant, die alte Bahnstrecke mit den neuen Strecken zu verbinden. LSs �Zement. £Roman von Ajodor©labfotv. In sein Arbeitszimmer kam niemand. Wer braucht auch einen Techniker, wenn das Werk leer wie ein Grab ist und der Zement in den feuchten Kammern sich schon längst in eisenharte Klötze verwandelt hat, wenn die Bremsberge zerstört, die Seile zerrissen, die Laufkörbe auf die 2lbhänge hinuntergeworfen und unter dem Regen zwischen Unkraut und Steinen verrostet sind? Wer braucht einen Techniker, wenn die qualifizierten Arbeiter als Müßiggänger auf der Landstraße, auf den verödeten Wegen des Berggelündes, in den leeren Gebäuden und Höfen herumschleichen, Holz zur Beheizung davontragen, Vernietungen und Kupfer für Feuer- zeuge und Riemen von den Transmissionen?... Dort unten, im Souterrain, im Halbdunkel der un- bewohnten Kammern, dröhnt im Fußstampfen und Geschrei das Fabrikkomitee, und Ingenieur Kleist scheint es, als ob dort eine Spelunke wäre, ein Unterschlupf von Räubern und Verschwörern. Und durch sein Fenster, durch die staubige Trübe der Fenstersckeiben, sieht er die Arbeiter, mit düsteren Gesichtern, die mit Staub dedeckt, durch Hunger und Leiden entstellt und von eigensinnigen Runzeln durchfurcht, über die Betonwege vorbeihuschen. Sie sind mit ihren eigenen Sachen beschäftigt, einem schrecklichen, unverständlichen Spiel, und kümmern sich nicht um ihn. Alles gestaltete sich, kraft seiner weisen Borsicht und einer geschickt gestellten mathematischen Aufgabe zu seinem Vorteil. Aus seinem isolierten Winkel sah er sie mit spöttischer Ber- achtung und erregtem Hasse an. All diese, von Hunger und Müßiggang entkräfteten Geschöpfe hatten mit ihrer Ver- schwörung die große Tragödie und Zerstörung gebracht— die Revolution. Das waren sie, die seine Zukunft zerstampft, die Welt wie einen Fetzen verbrannt und nur winzige Reste der Vergangenheit in diesem versteckten Zimmer vergessen haben. Die Betonterrasie und die Treppe vor dem Fenster glühen und dampfen im Sonnenglanze. Es scheint, als ob sie bis zum Wsißglühen gebracht worden sind und jeden Augenblick in Flammen aufgehen werden. Wasser fließt über die erhitzte Fläche, zischt und bildet Blasen und dampft wie im Feuer. Unter den Stiefeln der Arbeiter knirschen Muscheln und rissiger Zement. Wie Ameisen huschen sie von Tür zu Tür, hinein ins Fabrikkomitee und wieder heraus. Wozu braucht man jetzt das Fabrikkomitee, wo es doch früher keins gab und das Werk trotzdem eine ganze Welt erschütterte? Was für Geschäfte können die Arbeiter, die jetzt zum Müßiggang verdammt sind, unter diesen Ruinen ver- gangener, machtvoll organisierter Arbeit haben. Wozu diese besorgte Geschäftigkeit, wenn der morgige Tag so ist wie der heutige und ihm eine Reihe sinnloser Tage folgen? Der Diener Jakob kommt Punkt eins mit einem Blech- tablett ins Zimmer. Er kommt schweigend und streng, ver- beugt sich gespreizt, und sein grauer Schnurrbart, wie aus Pfriegras, und feine bläulichen Borsten auf dem roten Schädel sind durchsichtig wie Glas. Er stellt ein Glas Tee und winzige Sacharintabletten, in ein Papier eingewickelt, auf den Tisch. Geht zwei Schritte zurück. Bückt sich, nimmt vorsichtig mit den Fingerspitzen ein paar Brosamen vom Boden und legt sie sorgfältig in einen Drahtkorb, der unter dem Tisch steht. Die Wände sind sauber und weiß und die architektonischen Zeichnungen prägen sich genau so deutlich aus den Eichen- rahmen heraus, wie in vergangenen Tagen. „Ist es schon ein Uhr, Jakob." „Punkt eins, German Germanowitfch." „Sehr gut, kannst gehen. Laß niemand zu mir herein." ..Zu Befehl!" „Wisch den Staub nur vom Fenster, Jakob, öffne aber nicht die Fensterrahmen." „Zu Befehl!" Ingenieur Kleist steht mit dem Rücken zu Jakob gewendet vor dem Fenster. Die silbernen Borsten glänzen böse, wie Gummibänder bewegen sich die vertikalen Muskeln an seinem Halse, und der graue Rock steht wie ein Schwänzchen bis zu den Schultern weit ab. Irgendwo, sehr weit entfernt, hinter dem Gang, singen die leeren Bureauzimmer mit einsamen Stimmen und die Rechenmaschinen zirpen wie Küchlein. Dort waren schon neue, vom Volkswirtschaftsrat geschickte Leute. Wer sie waren. was sie dort machten, wußte Ingenieur Kleist nicht und wollte es auch nicht wissen. Er hatte sein von allen Arbestern vergessenes Zimmer, das von Jakob behütet wurde, in dem einzig die Vergangenheit lebte, die die Gegenwart durch- kreuzte und sie nicht berührte. Und die Gegenwart jagt in Automobilen und Wagen über die Landstrahe, die von Menschen wimmelt und auf der sich Regimenter von Arbeitern herumstoßen, die von der Kette losgerissen, gelernt haben, sinnlos zu schreien und zu schimpfen(das war früher von der Direktion strengstens verboten!). Er sieht auf den runden, von Sträuchern und Wacholdern bewachsenen Körper des Bergabhanges, der von Steinschichten durchfurcht ist. Hoch oben auf dem Bergrücken, erhebt sich mächtig, in massiven Blöcken, in der Sonne feurig glühend, in Bogen und Türmen wie eine schwere Kirche, streng und sauber, in puritanischer Gespreiztheit ein Schloß aus un- behauenen Steinen. „Was ist dort jetzt, Jakob? Wie heißt das?" „Arbeiterklub und kommunistische Zelle, German Ger- manowitsch." „Sie haben eine neue, unverständliche Sprache mit sich gebracht. In ihrer Sprache ist etwas Tödliches, wie in der Revolution. Bitte, laß in dieses Zimmer niemand herein und öffne auf keinen Fall das Fenster. Kannst gehen." Er schaut auf das Direktorenhaus(kommunistische Zelle!) und berauscht sich an seiner kolossalen Macht und der sich aufbäumenden Größe. Dieses Haus hatte er, Ingenieur Kleist, gebaut. Links, seitlich des Bergrückens, zwischen den grünen Flecken und Steinen erheben sich durchsichtig die Eisenbetonschlote des Werkes(vom Fenster aus erscheinen sie höher als die Berge), eine Drahtseilbahn, und unter den Schloten, hinter der Draht- seilbahn— die Kuppeln und Bogen der Werkgebäude. Auch dies alles hat Ingenieur Kleist erbaut. Er konnte nicht ins Ausland emigrieren, ohne feine Bauten zerstört zu haben. Seine Schöpfungen stellten sich ihm in den Weg, unverrück- barer als die Berge, unwiederbringbarer als die Zeit: er wurde ihr Gefangener. Dieses Zimmer mit dem glänzenden Fußboden bewahrte den Duft der vergangenen Einfachheit eines Laboratoriums. Zeichnungen an den Wänden. Zeichnungen auf dem maffwen Eichenschreibtisch, vornehme Würde der geschnitzten, schweren Möbel im gotischen Stile. Hier ist die Zeit stehen geblieben, und das vergangene Leben hat sich bis zur E?eifbarkeit ver- dichtet. (Fortsetzung folgt.) Gegen üie Irieühofsthänüungen. Eiu Nunderlas; des preußischen Innenministers. In der letzten Zeit haben sich die Fäll« gemehrt, in denen auf Friedhöfen Beschädigungen oder Zerstörungen vorgenommen worden sind. In einem Runderlaß an die Regie- rungspräsidenten und die Ortspolizeiverma'.tungen bringt der preußische Minister des Innern diese Tatsache zur Sprache und spricht die Erwartung aus, daß bisher nichts unter- lassen worden ist. um die Urheber dieser empörenden«oheitshand- langen zu ermitteln. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, weist der Minister ferner darauf Hin, daß diese Straftaten zu denjenigen gehören, die von der Ortspolizeibehörd« sofort der zuständigen Landeskriminalpolizeistelle zu melden sind. � Ergidt sich au» dem Tatbestand kein hinreichender Anhalt für die polizeilichen Nochsorfchungen, so ist unverzüglich durch eine öffentliche Bekanntmachung eine angemessene Belohnung für Ram- hastmachung der Täter auszuloben. Hundertachtzigtausend Wäscheklammern. Eine Holzwarenfabrit bekam eme; Tages aus Berlin einen ..großen Auftrag". Es wurden bei ihr 3000 Schock Wäsche- tlammern. also 180 000 Stück, bestellt. In die ansang- liche Freud« über den Riesenauftrag, durch den die Fabrik auf lange Zeit Beschäsiiguug gesunden hätte, mischte sich jedoch lmld «in berechtigtes Mißtrauen, chandelte es sich doch um einen Auftrag in diesem Artikel, wie er bisher wohl noch nie, selbst von dem größten Abnehmer, nicht erteilt worden war. Man lragte sich, was der Auftraggeber wohl mit diesen vielen Wäsche- klammern, die in der Verpackung mehrere Güterwagen aus- machten, anfangen, und wo er sie absetzen wolle. Ehe man an die Anfertigung ging, verlangte man von dem Besteller eine Borauszohtung und erhielt Wechsel teils auf eigenen Namen, teils mit fremden Unterschristen. Aber auch damit war die einmal mißtrauisch gewordene Firma nicht ohne weiteres zufriedengestellt. Nachsorschungen ergaben, daß der Auftraggeber, ein Kaufmann Wilhelm Preußer, völlig vermögenslos war und daß überdies die fremden Wechsel gefälscht waren. Es mar das nicht das erste.Geschäft" Preußers. Am letzten Freitag erst hatte er vor derselben Schöffenabteilung, die ihn jetzt abzu- urleilen hatte, sein erstes Gastspiel als Angeklagter gegeben. In 15 Fällen, in denen er vorsichtiger bei der Erteilung der Aus- trag? gewesen war und nur in kleinen Mengen die verschiedensten Ovaren bestellt hotte, war ihm der Schwindel auch gelungen. Das Schösfengericht hatte ihn letzthin zu 13 Monaten Gefängnis, seine erst« Bestrafung, oerurteilt. Diesmal kam noch Schwere Urkunden» i'älschung zu dem Betrugsversuck» hinzu, und das Schöffengericht verurteilte Preußer zu weiteren 10 Monaten Gefängnis. Das Deutsche Theater gcmeinnnstig? Die im Frühjahr 1926 zum Zwecke des Betriebes des Deutschen Theaters und der Kammerspiele auf gemeinnütziger Grund- lag« oh,»e die Absicht der Gewinnerzielung errichtete.Deutsche Theater zu Berlin G. m. b. H." war bereits seit längerer Zeit von dem Kiitochterausschuß beim Operpräsidium Berlin als gemein- n ü tz i g im Sinne der Reichsratsbestiinmungen über die 33er« gnügungeiteuer erklärt worden. Gegen diese Entscheidung hatte die Stadt Berlin Einwendungen erhoben. Wie der amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat nunmehr auch der Minister für Wissenschaft, Kunst und Voltsbildung nach ein- gehender Prüfung der Verhältnisse die Gemeinnützigkeit der Gesellschaft anerkannt, da die Voraussetzungen, an die in den Reichsratsbestiinmungen die Gemeinnützigkeit geknüpst ist, bei der Ecsellschast in vollem Umsaug gegeben.sind. Mit dieser staat- lichen Anerkennung ist die Zahl der gemeinnützigen Prioattheater um ein bei der historischen und künstlerischen Bedeutung des Deut- schün Theaters besonders wertvolles Unternehmen in Berlin vermehrt und dadurch zugleich Professor Max Reinhardt wieder enger dem Berliner Kunst leben o er Pflicht et worden. Denkmalfrevel— kein Denkmalfrcvcl! W o l f f s Telegraphenbureau schreibt: Im Lustgarten in Potsdam wurden in der vergangenen Nacht fünf mannshohe S t e i n s o ck e l, auf denen sich Büsten von Staatsmännern und cheerführern befanden, von unbekannten Tätern umgeworfen. Jeder dieser Sockel wiegt sechs Zentner. Ueberschrift: Dcnkmalfrevel im Potsdamer Lustgarten. Ein paar Stunde» später meldet die L L.- K o r r e s p o n d e n z: Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, trifft die Nachricht von einem Attentat auf fünf Denkmäler im Potsdamer Lustgarten nicht zu. Richtig ist, daß van mehreren ganz niedrige p Marmorsockeln, auf denen einmal vor dem Kriege Säulen mit den Büsten von Heer- sührern gestanden haben, einige umgeworfen worden sind. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um einen Dummenjungenstreich, der vermutlich schon vor geraumer Zeit verübt und erst jetzt entdeckt worden ist. Ueberschrift: Kein Denkinalfreoel in P o t s d a in. Natürlich wird die WTL.-Nachricht abgedruckt und mit den üblichen Kommentaren versehen werden. WTB. täte gut, sich mit zuverlässigen Spezialkorrespondenien über Denkmalfreoel zu versehen. Für Zufammraschluh akler Mieter. Der Reichsbund Deutscher Mietervereine, Bezirk Eharlottenburg, hatte am Freitag in den chohenzollern-Fest- säten in der Berliner Straße seine Anhänger oersammelt, um zu der letzten Mieterhöhung Stellung zu nehmen. Die Vorsitzenden des Reichsbundes Dzieyk, Küntzel und D r e w o referierten in der gut besuchten Versammlung. Sie betonten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses oller Mieter, um zu oer- hindern, daß der Mieterschutz immer weiter abgebaut wird. Obwohl der Hausbesitzer durch die Inflationszeit die Hypotheken losgeworden ist, will er immer höhere Mietpreise, um aus seinem Hausbesitz recht viel Geld zu gewinnen. Leider lassen sich noch immer sehr viele Mieter betören und schimpfen gemeinsam mit dem Haus- b e s j tz e r a u f die H a u s z i n s st e u e r. Sie glauben, daß nach Fortfall dieser Steuer der Hausbesitzer die Miete ermäßigt. An eine Ermäßigung denkt aber der Hausbesitzer nicht; er will dle 120 Proz. Friedens miete voll in seine Tasche st e ck e n. Die Mieterschast muß für die Erhaltung der Hauszins- fteuer eintreten, um mit den aus dieser Steuer fließenden Mitteln die Wohnungsnot beseitigen zu Helsen. Die Mieter können aber ver- langen, daß endlich einmal die Gelder, die mit der Hauszinssteuer aufgebracht werden, restlos für den Wohnungsbau verwendet werden In ihren Schlußausfllhriingen betonten die Redner, daß ein Abbau des so dringend notwendigen Mieterschutzes nur verhindert werden kann, wenn sich die Mieter in dem Reichsbund der Mieter zusammen- schließen. Gemeinsamer Kampf wird Erfolge bringen. Durch Zank um den Finderlohn gekommen. Durch Zank und Keiferei sind.zwei- Frauen um ihren Finderlohn gekommen. Der Dorsall hat sich im Bahnhof Sadowa ab- gespielt. Der Borsitzende eines Verbandes hatte von seiner Organ!» sation 1000 Mark erhalten, um an einem Kongreß im Ausland teilzunehmen. Im Bahnhof Sadowa löste er sich eine Fahrkarte nach Kaulsdorf. entnahm feiner Briestosche Geld und ließ sie am Schalter liegen. Zwei Frauen sahen die Tasche, untersuchten den Inhalt und begannen, nachdem sie den hohen Betrag nachgezählt hatten, sich darüber zu streiten, wer von ihnen Anrecht auf den Finder lohn hätte Diese Auseinandersetzung artete in eine derart wilde Keiferei aus, daß auch die Bahnbeomten aufmerksam wurden. Sie nahmen den Frauen nun die Tasche ab und stellten den Inhalt sicher. Erst nach Stunde» bemerkte der Verlierer seinen Verlust und war hocherfreut, daß er die Tasche mit Inhalt von den Beamten wieder w Empfang nehmen konnte, vi« Fronen aber. da sie sich nicht einigen konnten, hatten sich selber um den Finderlohn gebracht._ Beim Geldschrankiransport tödlich verunglückt. Ein eigenartiger Unfall nnt tödlichem Ausgang ereignete sich gestern nachmittag im Hause Unter den Linden 16. Beini Transport eines viele Zentner schweren Geldschrankes wurde der S3jöhrige Arbeiter Walter Galiad aus der Memeler Str. 61 gegen eine Wand gedrückt und schwer verletzt. Der Der- irnglückte wurde in die Eharitö gebracht, wo die Aerzte innere Ver- letzungen feststellten, an deren Folgen G. kurz nach der Emliefening starb. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schau- Haus geschafft. 4. Kreis- Prenzlauer Berg Heute, Mittwoch, den 2. November 1927, abends TV, Uhr, im Saale .MSrchenbmnnen", Am Znedrichshain 29- 32: Vortrags» und Liederabend för die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen Kinirittspreis 50 Pfennig. Karten sind noch an der Kasse zu habe«. Die„priiKipessa Nlafalüa� war seetüchtig! Behauptet die Navigazione Generale Jtaliana. Die Berliner Generalvertretung dex„Navigazione Generale Italiana" teilt mit: Wie wir von feiten der Direktion in Genua soeben telephonisch erfahren, fehlen nach den bisher gemachten Feststellungen noch immer die Nachrichten von vierzig Prozent des Osfizierkorps der„Prm- cipesia Mafalda", ferner von zehn Prozent der Mannschaft, vierzig Prozent der Passagier« erster und zweiter Klasse, fünfundzwanzig Prozent der Passagiere dritter Klasse und zehn Prozent der Zwischen- deckpassagiere. Alle in Umlauf befindlichen Gerüchte über Seeuntüchtigkeit der„Principessa Mafalda" oder'Versagen der Mannschaft werden nach wie vor zurückgewiesen. Nach einem Telegramm des„Eorriere della Sera" aus Rio de Janeiro hat der dortige italienische Gesandte eine ein- gehende Untersuchung über die Ursache des Untergangs der „Principessa Mafalda" eingeleitet, deren Ergebnis nur dem italieni- schen Regierungschef übermittelt wird. Bis jetzt ist bereits einwand- frei festgestellt worden, daß das angebliche unregelmäßige Funktio- nieren der Maschine mit dem Unglück in keinem Zusammenhang steht. Es handle sich ferner nicht um«ine Explosion der Dampfkessel, sondern lim- den Bruch der Schrauben- a ch f e. Der größte Teil der Ovfer sei durch die unbeschreibliche Panik der Pasiagiere der dritten Klasie bedingt worden. Ein Fehler sei es gewesen, daß das Schiff die herbeigeeilten Dampfer nicht auf- gefordert hätte, bei ihr anzulegen� Nach diesen Mitteilungen müßte sich die Zahl der Opfer bei der Schiffskotastrophe totsächlich noch auf mehrere Hundert Menschen stellen, was die Gesellschaft bis zuletzt vertuschen wollte. So ist die neue Meldung nur geeignet, wiederum B e u n- r u h i g u n g über has unglückliche Schicksal vieler Pasiagiere zu wecken. Im INordprozeß Vröcher kam das Reichsgericht nach längerer Beratung zur Verwerfung der Revision des Angeklagten. Dr. Bröcher wurde,- wie erinnerlich, im Juni in.Köln z uni-T o d e verurteilt, weil er den Architelten Obsrreuther im Eiiioerständ- nis mit der Frau des Architekten ermordet hat. Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, dem 1. Rovember. 1. Rennen. 1. Grola(Klole),'2. Philister(Broda). 3. Parchemln (Schöning). Toto: 80: lg. Plad: 15, 18. 21:10. Feiner liescn: Ardoritin, Erin, Sieteld. Martclenderin. Theano, Ibis. Marguis. 2. Rennen. 1. Abteilung. 1. Bommerlund(BiSmark), 2. Sone- childc0. Ferner Uesen: Gassel, Alarid, Gollub, Prollamation, gelsenspitze. Rebus. Gut ist die Uebertregung des Orchesterkonzerts aus Leipzig, das romanische Komponisten bringt Nebengeräusche stören kaum. Die Entfernung ist überbrückt. D e Italiener dieses Konzertes, Si- nigaglia und Respighi, sind den Berliner Rundfunkhörern bekannt. Neu ist dagegen die zweite sinfonische Suite des Ehilenen Sora. Reich in ihrer melod'ösen Erfindung, verstimmt sie trotzdem manch- mal durch ein« betont sentimentale Haltung, durch eine übertriebene Süße der Melodie, die an den Franzosen Saint-Saens erinnern. Das Ganze wirkt wie eine lange, reich orchestrierte Romanze. Der Dirigent Alfred Szendrai unterstreicht noch diese breit ausgespon- nenen Melodien. Solist ist Alessandro Garda mit Volksliedern und Arien von Puccini und Verdi. Ein weicher, blühender Tenor mit gutgeführter Kantilene.— Di« Einführung zum„Neidhard von Gneisenau", die der Dichter Wolfgang Götz selbst hält, bringt keine tiessinnigen Analysen über Werk und Künstler, wie es sonst üblich ist. Götz schildert mit einem heiteren und einem nasien Auge den Weg, den er vom Verleger und von Bühne zu Bühne gehen mußte, ehe er sein Werk unterbringen tonnt«. Er spricht mit liebenswürdiger Selbstironie.— Durchaus kritisch muß man zu Fritz Aibrechts Be- trachtungen über die praktische deutsche Jugendarbeit Stellung nehmen. Es ist sonst im Rundfunk nicht üblich, für bestimmte Dinge Reklame zu machen, wenn es sich nicht um einen ausgesprochenen Reklameoortrag handelt. Albrecht« Ausführungen jedoch gipfeln allein in einem Hymnus auf die Organisatton'„Marinejugend Vater- land". Albrecht vergießt so viele Tränen über Flotte und Kolonie, spricht viel über echte deutsche Jungen, daß man mißtrauisch wird. Zu ollem Ucbcrsluß bchanplet er noch, die allgemeine Wehrpflicht bedeute gleichsam eine Erziehung für das Leben. F.S, parteinachrichten sür Groß-Serlkn ktuseadungeo für diese Rubrik sind verliu SW e». Lindeuitratze 4. Nets an da, Bezirkssekretariat, ■2. Hos, 2 Trep. recht»,»u richten« Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Bezirk Grost-Lerlin. Bollvcrsommluna am Freitag, 1. November, lSs4 tltzr, im»Städtisch-ir Eaalbou ReutSII»'.»eroslr. 117," dicht am ll..«abnhrs«ergstrahe. Sagesord. nniiq: 1. Aussprache über unsere B-tciliaung an»er B-rbeuwche. Z. D.c Letzrerbesoldungsresorm Preußens. Resereui L-nRag--bgcardnc!cr Senoge R-lc to« Simon, Mitglied»es Landiags-Hauptau-schuffes.». Srmutliche,»kl. sammenscin.,_ 2,«reis Tieegartc». Heute. Mittwoch, 2. Rovember, 1» Uhr. wichtige Bezirks- Versammlung in der Echulauw Bochumcr Str. N>.— Kildungsans!chuß. Freitag, 1. November. Sitzung de, gesamten Bildung-ausschusses bei Joseph, „Lorwüris".Spedit>on. Wilhclmsdaveuer Str. 1». 20 Uhr., r, 1. Kreis Prenzlauer Berg. Die Sinlatungszetlkl zur W-rbew-ch-�sind am Freitag, 4. November, 19— 19V; Ubr, von Klug, Danziger Str. 71, abzu- holen. Jede Abteilung entsendet�eiuen Boten. t.«reis grenz berg. Sonnabend,». November, 19.4 Mir, Antreten zum Werbeumzvg Fonloneprsmcnade.—- Arbeiterwohlfahrt uud Kommunale Kommission: Morgen. Donnerstag, S. November, UV; Uhr, iit Rades Fes!» sälen. Fichtestr. 29. Lichtbildirvortrag: �.Eheberatung und Vererbung, vie» scrent Sfabtayl?r. Georg Liimenstein» Um zahlreichen Besuch wird gc> beten. Gäste sind herzlichst eingeladen. 9. Stei, Wilmersdorf, die Plakate und Postkarten für die Revolutionsf-iev liegen bei»roiß. Holsteinische Str.«9.— Heute, Mittwoch, 2 November. 19 Uhr, Sitzung der Vczirksvcrmmmiuna. EinirUtskartcn stlr Parteigenossen ab 18 Uhr im Zimmer 220 de, Stadthauses. II1,«reis Neukölln. Donnerstag. 3. November, 194 Uhr. Steiß.|, Mitgliederversammlung im Städtischen Lichtspielhaus, Bergstr. 147.£.) Filmvorführung:.Aus der Waffenschmiede der SPD. Außerdem Bor. v trag:.Der BUrgerbloch und die Arbeiterklaffe." Referent Hans Bogel, r-.s M.d. R. Sämtlich« Mitglieder des Sreise» müssen unbedingt erscheinen. * Heule, MikUvoch, 2. Booember: 12. Abt. 1914 Uhr Abteilungsversammlung bei Riedel, Waldstr. 8. 14. Abt. 1!N1 Uhr Extrozah'ab.-üde bei Sottschalk, Putbuffer Str. 24: Stork. Putduffer'SIr. 14. Zahlabend«allies jedoch in der Schule Putdusser Str. 9. Samtlich« Mitglieder muffen wegen der Werbewoch« unbedinat erscheinen� - Sonnabend, 5. November. 16-17 Ilhr, Empfang der Flugblätter durch die Bezirksführer, 17—19 Ubr Perteilung zum Bertrieb an die Mitglieder in den Zahlabendlokalen.— Trefspunkt am Sonntag, 6. November, zur Werbekundgcbuna HK Uhr auf dem Pinelaplatz. 23. Abt. 1914 Uhr Zeih labende: Lewaniwwski, Seestr. 194: Srunwaldk, Same. runer Str. 19: Tietze. Porfusstr. 9; Sdntg. Otavlslr. 87. 29. Abt. 19'4 Uhr gahlobcnde:«lug, Donzmer Str. 71: Elaus. Pr-nzlauev Allee 51: Richter, Scklicmannstr. 39: Riebe. Dunckcrstr. 15: Buchholz. Prenzlauer Allee Ecke Staraorder Straße.._ 33. Abt. 1914 Uhr Eztrazaäiabende bei poifinann. Stralauer Allee 1»! Wer» talla. Hohen, ohestr. 3: Kienitz, e>mon.?ach.Tir� 24. �.• 35. Abt. Pünktlich 10V; Uhr Eilrazahladende bc, Otto, Rlgaer Sfr. 85: Bombe, Poiatftr 25- Porkowski. Schreiurrstr. 32: Schule«amariterstr. 29. Tages» ordnuna:„Unsere Derbewoche." Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 37. vvd 38. Abt. 19-4 Uhr bei Busch. Tilstter Str 27, Borstandc.fftzung. 49. Abt. Die Mitgliederversammlung findet pünktlich 19>, Uhr im Lokal Jung(früher Voigt). Drcibundstr. 11, statt. «harlottenturg. 51. Abt. 20 Ubr Zahlabenki In den bekannten Lokalen. Auf, im Sitzungssaal Rankestt. 4,°»r» 1 Tr., Extrazahlabend.„Unsere Werbe. orbeil. «t. Abt. Sp-udo-.R'ustadt. 1914 Uhr öffentliche Werbeversamni. Iimg im Alten Schiitzenhau«. Reuendorfer Straße. Reserent Arwr Richter, M. h. L. Manner und Frauen, erscheint tn Moffenl n «2. Abt. Siemen-st-dt. 19V Uhr öffentliche Werbeversammlung im> l Lokal Seidekrug. Referent«ustav öabath, M. b. L. Männer und U Frauen, erscheint in Moffenl 87. di, 73. Abt. Wilmersdorf. Achttmg. stehe Sreisnachrichten! 68. Abt. Halens«. Der Zahlabend fällt heute, Mittwoch, aus und findet erst am Sonnabend, 5. November, statt. 74. Abi. Zehtendors. Der Zahladend fällt heilte aus. �. Reulölln,»9. Abt. 19)4 Uhr Zahlabende In folgenden Lokalent 13. Bezirk bei Rüdiger. Lobmüblenstr. 98.. 13. nnd 26. Bezirk bei Sahn, ffuldastr. 4.1. 16. und 25. Bezirk bei S- Nicke, I-nfastr. U. 17. M» 24. Bezirk bei Seh. mann, Tellstr. 8. 22., 23. und 26. Bezirk be, irchabeiko. Weichfelstr. o. 31 und 48. Bezirk bei Sleistner, München« Str. 59.—»2. Att. 20 Uhr bei Wolsf. Saiser-Friedrich- Ecke Roseggerstraße, Abteilunzs-Fuiiitionar- sttzung.»ein Funktionär darf fehlen. Sehr wichtige Tagesordnung. 191. Abt. Treptow. Der Zahlabend fällt heute-US.. 439. Abt. Pankow. 19'4 Ubr Sztraz-hlab-nd. 7., 8., 9. Bezirk: w�d-n be- kannten Lokalen. Tagesordnung:.Die Werdewoche., �, Helner-dorf. 20 Uhr Ertrazahladend bei Raddatz. Tiniusstr». B-rtrag: „Die Werbcwoche." Referent Stadtrat a. D. Weif«. Alle Mitglied« werden. um pünktliches Erscheinen gebeten. Lößncr. Morgen. Donnerstag, 3. November: 24. Abt. 194 Uhr außerordentliche Zahlabende: 1. Trupp« bei Rösii«, Im. maiiuelklrchstr. 23. Gruppe 1» bei Schmidt, Marienburg« Str. 48. 2. Gruppe bei Ulmer, Wins» Ecke Christburg» Straße. 8. Truppe be, Söhler, Schweizerhäuschen, Drcifswalder Str. 80d. Die Bezirksführer laden hierzu besonders ein. Dlle Genossinnen und Genossen müssen wegen der wichtigen Tagesordnung vollzählig«scheinen. 4- 125. Abt. Weißensee. Wegen der»reitscheih-Dersammlun--« Frettaa, 4. November, 1»',4 Uhr, in der St-dthave findet in Weißens« kein gahlabenl» statt. Arauenveraustaltungen. 8. Sreis Wedhing. Freitag, 4. November, 19)4 Uhr, Surfusabend:„Die deutsche Neichsverfaffunx, unter besonderer Berücksichtigung der Stellung der Frau"(Referentin Genossin Clara Bohm-Schuch) in der„Vorwärts". Spedition Söhlig, Utrecht« Ecke Müllerstraße. 8. Sreis Srenzberg. Der Fraucnkursus fällt wegen des Sursus der Arbeiter» wohlfahrt am Donnerstag, 8. November, aus. Derselbe findet Freitag. 4. November, pünktlich Ig'4 Uhr, bei der Denoffi» Rewald, Prinzen» stroße 84 II, statt. Wegen pünktlichen Hausschluffes müssen alle Teil» nehmcrmneii rechtzeittg anwesend sein....._...., 7. Sreis Charlottenbnrg. Die Geiwffinnen beieiligen sich henke, Mittwoch. 2. November, 2. November, an der Arbeitsgemeinschaft im Jugendheim Roffnenstr. 4..,.. ,, 15. Sreis Treptow. Sursu«benh:„Einführung in die Wirtschaftspolitik"(Re. ferent Genosse Iaduezvinfki) in der Gemeindefchule Niederschdneweide. Saffelwerder. Ecke Berliner Straße........ � 29. Sreis Reinickendors. Donnerstag, 8. November, 20 Uhr pünktlich, Remicken. dorf-Ost, Hanplstraße, Verwaltungsgebäiibe, Zimmer 89, Funktionärinnen« konferen,(Agitation und Arbeiterwohlfahrt). Wichtige Tagesordnung. Fedc Abteilung muß unbedingt vertreten sein.— Sursusabenb:„Ein- sührung in die Wirtschaftspolitik"(Referentin Genossin Mathilde Wurm) im Rathaus Reiv-ckendorf, Hauptstraße. 89. und 99. Abt. Reulölln. Alle Senossinnen, die ssch an der Svnsumwerbe» schau beteiligen wollen, treffen ssch Freitag, 4. Novemb«, 18)4 Uhr, Reutcrplatz. Lezirksausschub für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: 1. Srei, Mitte. Freitag, 4. November, 19)4 Uhr, im Bezirksamt Sloster- straße 68 Schulungskursus. Thema:„Sriegsbefchädigten. und Sriegerb-nter» hllebenenverforgung und-sürsorge." Referent Genosse Friedländer(Mitte). Alle Genossinnen und Genossen stnd eingeladen. Jungsozialisten. Gruppe Reukölln I: Der Gruppenabend fällt wegen d« heutigen Zahlabendo au».— Gruppe Reukölln Ii! Heute, Mittwoch, pünktlich 29 Uhr, im Heim Lergstr. 29, Zimmer 10, kortrag:„Der Katholizismus als politische Bewegung." Referent Dr. Sari Mierendorff. Gäste willkomme». Sterbetafel öer Grofz-Serlincr Partei-Grganifation 23. Abt. Unser Genosse Ott» Schulz, Schäningstr. 1, Ist am Sonntag, 39. Oktober, früh, nach längcrem Kranksnlager verstorben. Ehre feinem An. denken. Einäscherung am Donnerstag, 8. November, 19 Uhr, im Srematorium Gerichtstraße. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. 89. Abi. Britz. Buckow. Am 28. Oktober verstarb uns« lanasiihriges Mit- glied Genosse F ritz Carl, Triftstr. 19. Ehre seinem Andenken. Einäsche. rung heute, Mittwoch, 2, November, 18 Uhr, im Srematorium Gerichtstraße. Wir blttrn um zahlreiche Bsieiligung. wefferberichk der öfsenllichen weffeedlenstsselle verstn und Umgegend (Nochdr. verb.) Wolkig ohne stärkere Riedel Ichläge, ziemlich mild.— Aär veuffchland: Im Südosten des Reiches heiler bis wollig und trocken, ebenso im Süden. Nach Nordwesten hin zunehmende Wetkerverschlechkeiung. e£f • Das ideale Abfuhr-Konfekt «rr,« Unterhaltung unö Missen Zentrum unö Deutsihnationale. »So koa» da» nicht weitergehen!�»Meine Geduld ist jetzt zu Endet"»Zch werde das einfach nicht mehr mit ansehn"— Die Merseelenkerzen öes kleinen Zranz. Don Betty Karplskova. Am äußersten Rande der Proger Vorstadt Zizkov wurde ein« Reihe neuer Häuser mit modernen Wohnungen erbaut. Das ärmst« Proletariat, welches die teuren Mietzinse aus der inneren Stadt vertrieb, drängte sich in diese neuen Behausungen: aus einer großen Wohnung wurden drei bis vier kleine gemacht, und in jeder dieser nahm man noch einen oder mehrere Aftermieter auf. In der Kellerwohnung einer solchen Mietkaserne, von welcher man den Ausblick auf ausgedehnte Felder hatte, in einer engen Stube mit einem Fenster aus den Gang hinaus, wohnte der Kutscher Ianota mit seiner Frau und vier Kindern. Es war ein recht un- freundliches Heim. Die peinliche Reinlichkeit, die hier herrschte, überraschte zwar angenehm, aber der ärmliche Anblick wurde noch trauriger durch die ständige Anwesenheit des Todes, der sich augenscheinlich noch nicht entschließen konnte, ob«r hier seine Ernte halten oder weiter- gehen sollte. Und er blieb unausgesetzt hier anwesend, indem er seinen schaurigen Atem durch dos Zimmerchen wehen ließ und seine ausgestreckt« Hand über«in kleines, reines Bett hielt, in welchem fast den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch die kraftlosen, durch die Rhachitis vollständig verkrümmten kleinen Körper zweier Kinderchen lagen. Es waren die Zwillingskinder Tonda und Ienik. Aus übernatürlich großen Köpfen starrten wirre, ausdruckslose Augen der kleinen Buben hervor, welche bereits das dritte Jahr ihres erbärmlichen Lebens überschritten hatten, und langsam dahin- starben, weil ihre Körper nicht auszuheilen waren, und die nur mit der bloßen Haut überzogenen und fürchterlich verkrümmten Glied- maßen nicht gerade wurden, so daß einem bei diesem Anblick des Elends ein Schauer überlief. Dann war noch der fünfjährige Franz hier, ein bleicher Bub mit ernstem Gesicht, welcher auf die kleinen Krüppel und da» ge- sunde Brüderchen Pepi achtgeben mußte, dos mit seinen krummen Beinen am Fußboden herumkroch und sich an den kleinen Franz wie an dl« Mutter gewöhnt hatte, die oftmals den ganzen Tag lang nicht daheim war. Sie bediente drinnen in Prag und kehrte erst nachmittags oder am Abend zurück. Ianota selber schlief lieber im Stall in der an- genehmen Gesellschaft seiner Pferde, damit er, wie er zu sagen pflegte, nicht ständig dieses Hundeleben vor Augen habe. Und es war wahrhaftig ein Hundeleben! Der fünfjährige Franz war unter seiner Berührung vorzeitig früh reif geworden, und niemals gewahrte man auf seinem ollen Gesicht ein Lächeln. Er erfüllte sein Amt als Kinderfrau, sorgte sich darum, daß keines der Kindchen sich verunreinigte, denn er wußte sehr wohl, daß die Mutter«inen solchen Fall empfindlich strafen würde. Es war ihm recht traurig zumute in seinem armen Winkel, nur die Aussicht auf den Gang, wo sich seine glücklicheren Gefährten laut herumtrieben und miteinander unter Lachen spiel- ten. war für ihn eine Unt«rhallung und ein Genuß. An jenem Tage, von welchem ich erzählen will, standen die Buben gerade In einem Kreise vor dem Fenster Franzens, und voll geheimer Freude entleerten sie ihre Taschen. Es war der Allerse«lentag. Em schmutziger Nebel wälzte sich schon in den frühesten Morgenstunden durch den Raum und siel in unsichtbaren Tropfen aufs Pflaster. Es war beißend kalt und Franz klapperten im kalten Stübchen die Zahn«, doch er rührte sich nicht von der Stelle. Gab es doch auch etwas zum Sehen! Die Buben zogen kleine, dünne Kerzen heraus, zündeten sie an nnd klebten st« an den Rand des Fußsteiges. Sie klebten sie in einer Reihe an, und wie schön waren sie, rote, rosa, grüne.... Ihre rauchenden, kleinen Flammen schlugen durch den Nebel, >md die Buben saßen mit Behagen im Kreise herum. Mit geheim- nisooller Miene löschten sie die Kerzchen aus, zündeten sie wiederum an und brachten so ein wenig Friedhofsatmosphäre auf den Fuß- steig, was ihnen eine angenehme Aufregung verursachte. Der kleine Franz verschlang alles geradezu mit seinen Augen. Welch' ein Vergnügen waren doch solche kleinen Kerzen: zeitlebens hatte er noch kein« in den Händen gehabt. Ach, wie wünschte er sich, wenigstens eine oder zwei davon zu besitzen! In seinen Gedanken stellte er sie aufs Fenster und rieb sich in Borahnung der Freude, die er da erleben würde, die kleinen Hände. Die Kerzen am Fußsteige branMen zu Ende und Finsternis senkt« sich allmählich auf die weinende Erde herab. Die Buben liefen auseinander. Aus der Nachbarschaft kam eine Frau mit einem knirschenden Kinderwogen vorbeigefahren, sie schimpfte unausgesetzt »nd hotte ständig Eile. Franz bemerkte, wie sie ihr viersähriges Möderl im Wagen aufsetzte, das noch nicht laufen konnte, wie sie es mit einem alten, ausgeblaßten Schal zudeckte und an die Hintere Wand des Wagens drückte. Den anderen Raum hatte sie mit ge- klebten Papiertüten ausgefüllt, welche sie unter beständigem Schimp- f«n zudeckte, um dann mit ihrer Last in die Stadt zu fahren. Sie ging abliefern, damit sie abends Brot und Kaffee habe. Franzl vereinsamte In der herangebrochenen Dunkelheit. Nur die grünen und blauen und rosa Kerzen schienen ihm zart vor den Augen zu leuchten, wie gern hätte er solche besessen! Und aus dieser unbefriedigten Sehnsucht heraus kam ihm ein Gedanke, den er auch sofort in die Wirklichkeit umsetzte. Er machte der Mutter für den Abend Späne zurccht: ja. wür- den denn di« nicht geiwu so wie die kleinen Kerzen brennen? Er könnte sich auch seine erstarrten kleinen Hände an ihnen wärmen und Pepi, der ohnedies schon ein� bißchen ärgerlich war, würde dann Ruhe geben. Zündhölzchen hatte er gleich gefunden. Er stieg auf den Tisch, holte sie vom alten Kasten herunter, auf welchem als einziger Luxus xin paar ausgerichtete Tüpfel und geschmacklos« Figuren von einer Kirchrveih standen. Cr steckt« die Späne zwischen die Kohle im Kasten und zündet« sie an. Zuerst einen, ein wenig ängstlich, als«r daim aber die Pracht wahrnahm, rasch einen zweiten, dritten, und bald brannte schon«in« ganze Anzahl. Di« Lügen gingen ihm vor Glück über und die kleinen Krüppel zischelten in ihrem Bettchen zufrieden. Pepi kam herbeigekrochen nnd nahm di« Kiene in die Hand. Franzi verlor die Besinnung des älteren Kinde« und hatte an den rauchenden Spänen ein« Riesen- freud«. Plötzlich aber wurde der Flammenschein im Zimmer heller, es fingen Papiere Feuer, dl« Kohlenkiste, und die dahinter befind- lich« Decke. Und schon züngelten größere Flammen an der Wand empor und morsen einen schauerlichen Schein auf die entsetzten Gesichter der Kinder, die in dem scharfen Rauchqualme erstickten. Franzi ergriff den kleinen Pepi und starrt» entsetzt aus dem Vinkel beim Fenster auf den Feuertnnz. Ja dem kleinen Lette husteten die beiden kranken Kinder und pfiffen mit ihren dünnen Sopranen. In diesem schrecklichen Augenblick spürte die Nachbarin, die durch eine Tür getrennt hier wohnt«, den Rauchqualm, und schon war sie mit dem Hausmeister zur Stelle, welcher, die Türe spren- gend, die Kinder aus dem Rauch hinaustrug. Die Nachbarin begoß die qualmend» Köhlenkist« und brachte das Holz darin in Ordnung. Sie riß das Fenster auf und nahm die Kinder zu sich, ehe die Mutier zurückkehrte. Die kam am Abend, und als sie die Verheerung in ihrer stets so reinen Wohnung gewahrte, ärgert« sie sich sehr über diesen Tunichtgut. Zuerst gab es«in Verhör, und dann setzte es Prügel. Als sie durch das Durchhauen des Buben ermüdet wurde, hörte die Ianota damit ans und Tränen stürzten ihr jetzt aus den Augen. Es waren Tränen des Leids und ohnmächtigen Zornes, die wie ein stumemr Fluch über dieses verdammte Leben flössen, in welchem Unglück und Rot einander die Hände reichten. Sie beruhigte sich, dann besann sie sich, daß heute der Dater komme: es war daher notwendig, olles in Ordnung zu bringen. Sie sandte den kleinen Franz um ein Brot und machte sich an die Arbeit. Franzl lief zur Greisleriv, welche diesen armen Teufeln mit- unter»inen sehr schlechten Kasfee, Rum und Branntwein auf Borg gab, niemals aber Brot und Zucker. Dor der hellerleuchteten Tür des Wirtshauses blieb er stehen, well ihm das Spiel einer Harmonika und Gesang anlockte. Als jemand die Tür aufmachte, erblickt« er den Dater, der«inen Käme- rad«n um den Hals hielt und mit ihm zusammen mit weinerlicher Stimme ein Lied sang: „Blättlein, Blättlein klein, Fall mir nicht ins WSsferlein...." In der Wirtshausstube herrscht« für einen Augenblick lang auch Allerseelenstimmung. Franzi lies hinein, und beinahe hätte er geweint, als er sah, wie der Vater mit der Hand winkte, wie er sich niedersetzte, al» ob er etwas Böses von sich weisen wollte, dann aber wischte er sich mit der rauhen Hand Tränen ob, die ihm über die Wangen flössen. Ianota war kein Säufer, aber immer, bevor er heimging, hielt er sich hier aus ein Glas Bier auf, Um sich ein„bisse! Courage" zu holen, wie er zu sagen pflegte, denn dieses verfluchte Leben war sehr unerfreulich. Der kleine Bub faßte Mut und trat näher zum Dater heran, der nüt einem Male zärtlich wurde, dem Buben über die bleichen Wongen fuhr, al» ob er in der Meng« Leids doch einen Lichtpunkt entdeckt hätte. Er nahm Franzl mit nach Hause und zeigte ihn, unterwegs einen wahrhaftigen Leckerbissen, den er ihnen brachte, nämlich eine Leberwurst. An der Schwell« blieb er stehen und warf einen Blick auf das kleine Bett. In seinem Auge leuchtete eine Hoffnung auf, daß vielleicht schon.... Aber nein, sie waren noch immer da mit ihrem entsetzlichen Aussehen, und sie taten ihm so schrecklich leid: wahrhastig:„Blättlein klein, warum fielen sie noch nicht ins Wässer- lein?" Aber das Leben war nun schon einmal ein so verfluchtes, und wer kann es ändern, wer kann es ändern? Ianota seufzte, und indem er sich niedersetzt«, leerte er seine Taschen aus. Er schaute auf die kleinen Kranken, die an dem Leckerbissen, den er da gebracht hatte, nicht teilnehmen konnten: ihre kranken Magen tonnten Fleisch nicht vertragen. Er hatte aber für sie noch eine Tüte Zuckerl in der Brusttosche, er zog sie hervor, und die Kleinen mochien sich mit Vergnügen darüber. Franzl beendete mit einem großen Stül� Brot und der Leber- wurst in den Händen seinen traurigen Allerseelentag, und die un- freundlich« Behausung erschien ihm mit einem Male sehr schön, well der Dater noch Hause gekommen war. » Ditse Novell»— in iereckitiqter Uebersitung van I. Relsmonn— ist einem Bande prolelarlscher Ereählunzen aua den, Prazcr Proletaricrmilieu entnommen. Die Bersallerin Vetta«orpistova ist soziaidemvkratisch««dgeord- Nile des tschechoslowatlschen Parlament». Wie der Schlaf entsteht. Da» Rätsel de» Schlafes beschäftigt die Menschheit seit langem, und schon die griechischen Gelehrten Anaragoros und Aristoteles haben Theorien aufgestellt, in denen die modernste Forschung aus Grund«ingehender Versuche wieder manche- Wahr« enthält. Der Lösung de» Problems ist man aber erft in jüngster Zeit nahe ge- kommen, wie Dr. R e g e l« b« r g« r in einem Aussatz der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift' ausführt. Aus die Frage, warum wir schlafen, wird gewöhnlich geantwortet: weil wir müde sind. Aber die alltäglich« Erfahrung zeigt, daß wir die Müdi�»-t überwinden können, wenngleich es freilich nicht gelingt, längere Zeit ohne Schlaf ovs�.ukommen. Aus Ch�na, wo eine»ödliche Tolter für Der- breche« darin bestand, ihnen den Schlai zu«ntziebs»». wird berichlet, baß sie diese Qual nicht länger als fünf Tage übertebten. Hunde, die in einer sich drehenden Trommel am Schladen oeüjlnber, werden, breche» am vierten Tage tat zusammen. Bedenkt mau da- gegen, daß«s gelungen ist, den Hunger viele Wochen lang cus, Zuhalten, so ergibt sich daraus, daß der Schlaf härtere Notwendigkeit ist als Speise und Trank. Das Scklajbedürfnis ist ein Trieb, der uns mit unwiderstehlicher Gewalt übersällt, und die Müdigkeit ist nur das Zeichen, das den Körper beizeiten mahnt, ihn vor schwerer Schädigung zu bewahren, wenn er nicht schlöst. Wir schlafen nicht, weil wir müde find, sondern wir schlafen, um nicht müde zu werden. Das erst« und wichtigste Moment beim Schlafen ist da- Schwinden des Bewußtseins. Es handelt sich um kein völliges Verlieren des Bewußtseins, sondern nur um«inen geringeren Grad, der sich in der Schlaftiefe ausprägt. Man hat diese Schlaf- tiefe, d. h. den Grad des Vewuhtseinsverlustes, durch abgestufte Reize, am besten Gchallreize, gemessen und herauzgesunden, daß der Schlaf nach seiner Tiefe in zwei Phasen zerfällt. Der tiefste Schlaf liegt vor Mitternacht und dann mit etwas geringerer Tiefe in den letzten Morgenstunden vor dem Erwachen. Diesem„Hirn- schlaf", der die psychische Seit« darstellt, stehen rein körperliche Der- änderungen gegenüber: eine»Lösung der Glieder", die mit der Entspannung der ganzen'Körpermuskulatur zusammenhängt. Der- langsamung der Atemzüge, Abnahm« der Drüseasekretion, Sinken des Blutdrucks, Fallen der Temperatur, Verringerung des Stöfs- Wechsels usw. Es handelt sich hier um ein« ganz. Reihe von einschneidenden Veränderungen, di« unter Einwirkung de- sog. vegetativen Rerveniystems eintreten. Auch bei diesen Aeußcrungen läßt sich eine Schlaskuroe feststellen, die mit der des Hirnichlass sich beim gesunden Schlaf deckt. Di« natürliche Folge des nor- malen Schlafs, die Erholung, müssen mir uns also on den Gleich lauf der körperlichen und geistigen Funklionen gcknüpst denken. Bei Schlosstörungen tritt ein« Verzerrung des Kuroenbildes auf, und auch durch die besten Schlafmittel gelingt es nicht, das normale Bild der Schlaskuroe völlig wieder herzustellen. Das ist eine De- stätigung der alten Erfahrung, daß der natürliche Schlaf niemals ganz durch künstliche Mittel ersetzt werden kann. Es ist gelungen, das Scklafzentrum im Gehirn in der Gegend des Zwischenhirns zu lokalisieren, und wir haben un» vorzustellen, daß der Körper- schlaf, d. h. die vegetative Umstellung der Tätigkeit der inneren Organe, durch die Ganglienzellen im Hählengrau des dritten Gehirn- ventrikels bewirkt wird, während der Gehirnichlaf durch Aus- schaltung der Hirnrinde, d. h. durch Unterbrechung der Reiz- zuführungsbahnen des Gehirnzustandes kommt. Die Tätigkeit des sogenannten..Schlafzentrums" besteht danach wesentlich in einer Hemmung wichtiger Körperfunktionen. Die neuesten Dersuchx des großen russüchen Biologen Pawlow an Hunden haben gezeigt, daß die Einwirkung eines monotonen fortgesetzten Reizes zum Einschlafen sührt, eine Annahme, die ja praktisch schon lange bekannt war, denn man schläft bei dem Herunterleiern langer' Zahlenreihen, bei de.' Monotonie des Eisen- bahntaktes, des Uhrschlages usw. leichter ein. Ein solcher Reiz wirkt nach Pawlows Auffassung immer aus die gleiche Hirnstelle, erzeugt hier eine izeinmung, breitet sich von da aus auf noch nicht aus- geklärte Weise über das übrige Rindengebiet aus und erzeugt dann das, was wir Schlaf nennen. Schlaf ist also nichts weiter als eine ausgedehnt« Hemmung in den Funktionen de? Gehirns. Powlaw setzt diese„innere Hemmung" dem Schlaf gleich. Auf diese Weis« ist man dem Rätsel des Schlafes doch schon näher ge- kommen und darf auf eine baldige Lösung dieses alten Problems hoffen._ Das Fenster. Wie kommt es, daß wir das viereckige Fensterglas eine Scheibe nennen, während doch sonst alles, was wir so nennen, rund oder wenigstens länglich rund ist, z. B. die Schießscheibe, die Töpferscheibe, die Drehscheibe der Eisenbahn, eine Scheibe Brot usw.? Die Erklärung ist leicht zu finden. Die ältesten Fenstericheiben waren wirklich rund: es sind die sogenannten Butzenscheiben aus grünlichem Glas, die in Blei gefaßt wurden. Als sich Beschaffenheit und Form der Sache änderte, behielt man den alten Namen ruhiq bei. Butzenscheiben kann man an alten Häusern hier und da noch sehen: auch hat sie der„altdeutsche Stil" zu kurzem Scheindasein wieder erweckt.(Man spricht sogar von einer„Butzcnscheibendichtung".) Ihren Namen haben sie von dem Butzen, der kleinen, schlacken- artigen Verdickung in der Mitte, die man bei der Glasbläserei früher nicht zu vermeiden verstand. Butzen nennt man in Nürnberg, woher der Name„Butzenscheibe" stammt. Verdickungen verschiedener Art: auch das nach dem Genüsse übrigbleibende Kerngehäuse von Aepfeln und Birnen heißt so.— So unvollkommen nun diese Scheiben auch waren, für ihre Zeit waren sie ein großer Forlschritt. Noch im 12. Jahrhundert füllte man die Fensteröffnungen mit dichtem Gewebe. Blase, eingefettetem Pergament usw. au». In welcher Dunkelheit müssen unser« Borsahren viel« Tage de» Jahres verbracht haben! Nock vier bis fünf Jahrhunderte weiter zurück stoßen wir aus da» Eindringen des Wortes Fenster. Don den Römern lernten es die Germanen kennen, zugleich mit dem Bau de« gemauerten Hause». Die deutsche Sprache hat sich damals mit lugendlicher Unbekümmertheit das lateinische Wort tenestra, das den Ton aus der Mttelsslbe hat, zurechtgemacht, vor ollem ihm nach germanischer Art den Ton auf die erste Silbe gerückt und auch das weibliche Geschlecht des Worte» in da» sächliche verwandelt. Denn sächlich war da» alte, durch Fenster verdrängte Wort für diesen Gegenstand. Dos Augentor nannte man vorher die Oesfnung bei uns: das Windouge, wie noch heut« in den nördlichen Ländern(vgl. engl, window). Mit der sinnlichen Anschauung, wie sie Naturvölkern eigen ist, dachte man sich dies« Oesinungen in der Hauswand als die Tore, durch die die Augen gleichsam aus- und eingingen, oder ai» die Augen des Hauses, die dem Winde wohl manchmal mehr, al» man wünschte, Eingang gestatteten.(Deuts»« Sprachverein.) MU Edle Speisefette, flüssiges goldklares Speiseöl sowie Milch und Hühnereigelb sind die Grundstoffe für die Gewinnung von Rama Margarine butterfein. Jedes Pfund Rama enthält genau soviel Eett wie allerbeste Tafelbutter. :s gibt keine Margarine, die appetitlicher, wohlschmeckender und gehaltvoller ist als Chaufteetfr.113 5eim Steitiaer Bahnhof Oranlenitr.40 An Oranloaplalt Könlsttraße 33 An Bahnhof Alauadarplats Am 31. Oktober, früh um I2,lleiiiuk»j5!iutl Proz. von den Gesamtausgaben eines landwin- ichastlichen Betriebes aus. Auf keinem anderen Gebiete haben die Betriebsleiter aber so viele Fehler gemacht wie auf dem der Arbciterbehandlung. Entlohnung usw. Die unendlich lange Arbeits- zeit der Vorkrisgsjahre ist zwar jetzt verkürzt, aber immer noch lassen c-ie Behandlung, die Bezahlung und die Wohnungsverhöltnissc der Landarbeiter so viel zu wünschen übrig, daß ihre Lebenshaltung und soziale Stellung weit unter der der Industriearbeiter liegt. Diese gedrückte Lage der Landarbeiterschaft hat natürlich zur Folge, daß viele Landarbeiter, wenn ihnen in der Stadt günstigere Arbeitsbedingungen geboten werden, das Land verlassen. Zwangsläufig ergeben sich hier zwei eng miteinander verknüpfte Hauptfragen: wie können der Landwirtschaft, der in der Bor. kriegszeit außer den deutschen nach 4Meichsbahnauslräge der Hauptkäuscr entzöget» und d>c Betriebsbasis verjchoben. Damit begann auch für die im Lotizmotiv- bau an dritter Stelle stehenden S ch w a r y k o p s f- Werke eine schwere Zeit. Wen» c-chrvartzkopst. diese Periode des L e s r- latifes im Gegensatz zu den meisten anderen Lokomotivsabrikeii gut überstanden hat, so ist dies in erster Linie aus eine recht- •eitig« Umstellung und die Aufnahme neuer Produktionszweige, sowie eine sehr vorsichtige Bilanzpolitik zurückzuführen. So konnte die < erwaltung bereits im Geschäftsbericht für 1925/26, als die Krise im i/okomotivbau ihren Höhepunkt erreicht hatte, auf eine gute und zum Teil sehr gute Bcschöstigung in ihren Speziolmoschinenbauwerkstätten Hnweisen. ohne durch Abschreibungen für die Lokomotiobetriebe zu sehr belastet zu werden. Obwohl der U m s a tz im Jahre 1926/27 etwas zurückgegangen ist, legt die Gesellschait jetzt einen für die Großmaschinenindustrie sehr günstigen Abschluß vor. Der Re i n g e w i n n ist von 0.48 aus 0.71 Millionen Mark g e st i e g e n und erhöht sich mit den aus den legten Iahren vorgetragenen Gewinaen auf 1,3 Millionen Mark, woraus fett 1924 die erst« Dividende in Höh- von 6 Proz. ge- mhlt wird. Die Abschreibungen von 0.7 Millionen Mark aus die rund 12 Millionen 2lnlagewerte erscheinen jehr niedrig, icdoch kann die Gesellschaft wegen der sehr niedrig gehaltenen Bc- roertung der Anlagen in der Äokdmarkerösfnnngsbilanz auf hohe Sonderabschreibungen verzichten. Ihrer Vorsicht oerdankt die Ge' �fellschast auch die außerordentliche G e l d f l u s s i g( e l t. 00 ! aben sich die Forderungen, unter denen sich hohe Bankgut- haben befinden, mtt über. 11 Millionen Mark verdoppelt, während sich unter den Verpflichtungen, die von 2,7 aus 7.7 Millionen Mark stiegen, hohe Auzahlungsbeträge der Kundschalt befind«». Dagegen sind Bankschulden überhaupt nicht »ortfuiben. Die günstige Gesamtlage des Unternehmens macht es aber nicht leichter, daß die Lokomotivenabteilungen noch immer fast leerlausen. Im Vergleich zum letzten Friedenslahr b«trug nach dem Geschäfts- bricht der Wert der Reichsbohnaufttäge nur ein Zehntel. Der scharse Appell, den die Berwaltung an die Reichsbahn richtet, ist daher schon im Interesse der Erhaltung des F a cha r b e i t e r sto m m e s zu billigen, den Schwartzkopst bisher hat halten können. Di« Reichsbahn hat geradezu glänzende Betriebszeiten und-einnahmen hinter sich. Sic könnte schon heute Lokomotiven in Auftrag geben, statt zu warten, daß die spätere stoßweise Austragserteitting die Preise in die Höh« treibt und die jetzt gesammelten Geldreserven verpulvert werden. Daß die Belegschaft bei Schwartzkopff, die jetzt etwa 4500 Mann beträgt, trotzdem in einem Jahr um 80 Proz. erhöht werden konnte, spricht nur für die große Belebung im Maschinenbau. Dageg«n könnte«ine größere Beschäfttgung im Lokomotiobau. der in seinen besten Zeiten allein fast 3000 Mann beschäftigte, olich di« jetzige Zahl der Beschäftigten noch erheblich steigern. Ein wichtiger Ausbau üer SEH. Die GEG. lGroheinkaussgesellschoft Deutscher Konsumvereine, Hamburg) hat die B ö lt s A.- G. in Oldenburg a u f g e> kauft. Das Unternehmen verfugt üb«r ein Aktienkapital von 1,5 Millionen Mark und gilt als modernster und größter Betrieb auf dem Gebiet der Fleischwarenherstellung. Roch Borbild der großen Schlächtereien in Ehikago kann die Bolls A.-G. täglich 1000 bis 1300 Schweine verarbeiten. Damtt Hot sich die Eigenproduktion der GEG. um ein wichtiges Glied vermehrt! Hauptaktionär von Bölt war der ehemalige Großherzog von Oldenburg! Verluste bei der Frister u. Roßmann«.-<». Schuld ist die Ar- belkerschask! Wenn sin Unternehmen mit Derlust abgeschlossen hat, so solgt ost folgende sehr einfach« Begründung: Die Schuld daran tragen neben den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen die kaum noch auszubringenden sozialen Lasten, der wür- gende Steuerdruck oder die Belegschaften mtt ihren Lohnforderun- gen. Daß nur allzu oft falsche geschäftspolttische Maßnahmen und persönliche Unfähigkeit von Direktoren dabei eine Rolle spielen, wird in d«n seltensten Fällen zugestanden. Ganz besonders zeichnet sich in dieser Hinsicht der Geschäftsbericht der F r i st e r u. R o ß m a n n A.-G. für Näh- und Schreibmaschinen in Berlin aus, der den zweiten hohen Berlustabschluß begründen soll. Nicht nur die„zerstörend wirkende Steuerpolitik", sondern sogar noch die Folgen der Inflation(im Jahre 1926!! D. Red.) müssen herhalten, um den Verlust zu rechtfertigen. Auch die B e- legschaften dieser Firma werden jetzt genau wissen, was sie an dem Unternehmen gesündigt haben, denn, wie der Geschäfts- bericht wörtlich ausführt,� hat„der nach einem verlorenen Krieg« erzwungene achtstündige Arbeitstag mtt den hier- durch bedingten fortgesetzten Lohnsteigerunge» in geradezu ver- nichtender Weise die deutsche Wirtschaft geschädigt". Wir möchten bei dieser Gelegenheit die Direktion nur bei ihren eigenen Worten im vorjährigen Geschäftsbericht fassen, daß sie mit ihren Rähma- jchinen auf den Massenkonsum der werktätigen B«> v.ö l k e r u n g angewiesen sei. Wie sich die Verwaltung einen großen Verbrauch der Massen ohne angemessene Löhne vorstellt, das sagt sie nicht. Warum die Firma schimpft, zeigt das Geschästs- ergebnis. Der Abschluß für 1926 erhöht den Vor- jahrsoerlust von 174 000 auf 563000 M., so daß jetzt über ein Liertel des Aktienkapitals verloren ist Zu einer Sanierung hat sich jedoch die Vcrwallung nicht aufraffen können, so daß der Verlust in voller Höhe aus die neu« Iahresrechnung vorgetragen wird. Wie aus der Generaloersammlung mttgeteilt wurde, habeu die.Nähmaschinenbetriebe jetzt übrigens bis in dos neue Jahr hinein volle Beschäftigung und auch für das neu herausgekommene Schreibmaschmcnmodell wird ein guter Absatz erwartet. hohe Verluste der David Gray« A.-G. Günstigere Aussichten für 1927. Der erst jetzt veröfsenllichte Abschluß der David G r o v e A.-G. für 1926 zeigt/ daß dieses alle Berliner Zentral- Heizungsunternehmen i» den letzten Iahren gänzlich herunter- gewirtschaftet worden ist. Einschließlich der Vorjahrsverluste hat der Gesamtverlust mit 800 000 M. die Hälfte des Aktienkapitals erreicht. Die jetzt beschlossene Sanierung durch Zusammenlegung des Aktienkapitals von 1,6 aus 0,8 Mill. Mark, sowie desien Wieder- erhöhung um 600 000 M. ist zweifellos auf den Einfluß zurückzu- sichren, den die Stadt Berlin seit dem Frühjahr auf das Unternehmen ausübt. Ob die aus der Zusammenlegung sich er- gebenden 800 000 Vk. Buchgewinne, sowie die neuen Mittel aus der Wiedererhöhung des Aktienkapitals ausreichend sind, dos Unter- nehmen wieder auf eine gesunde Basis zu stellen, muß sich erst noch erweisen. Die im vorigen Jahr ausgenommene Hypothek von einer halben Million hat die Spannung in der Bilanz nicht be- fettigen können. Allerdings war das vergangene Jahr für die Zen- tralheizungsindustrie denkbar ungünstig, während im lausen- den Jahr Hochbetrieb herrscht. So ist das Unternehmen zur- zeit in sämtlichen Abteilungen voll-, in einigen sogar bis zur Hoch st grenze beschäftigt. Der bisherige Auftragseingong iibertrisst den des Vorjahres im Durchschnitt um 50—80 Proz. Da- her glaubt die Verwaltung nach der Durchführung der Sanierung und bei weiterem Anhalten der Baumarktkonjunktur mit Ueber- schüssen für das lausende Jahr rechnen zu können. Die Ramensaktien des RWE. sollen noch einer Erklärung der Verwaltung in ihrem Stimmrecht nicht verkürzt werden. Nur über ihre Vorzugsdividende soll in der Generaloersammlung neu beschlossen werden. Wachsamkeit über alle Borgänge im Umkreis des RWE. bleibt aber noch wie vor erforderlich, denn dieses gjf» mischtwirtschaftliche Großwerk wird durch eine Politik der Schwerindustrie beherrscht, der die Oesfentlichkett wirklich nur mit gemischten Gefühlen folgen kann. kein Ländereinspruch gegen die Richtlinien der veratungsstelle. Bei Festlegung der neuen Richtlinien für die Beratungsstelle der Ausländsanleihen war den Länderregierungen aufge- geben worden, eventuelle Einsprüche gegen die Regelung der Reichs- rcgierung bis ,zum 28. Oktober zu unterbreiten. Solche' Einsprüche sind, wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, nicht erfolgt. Damit treten die neuen Richttinien für die Beratungsstelle in Kraft. Wann die Beratungsstelle ihre Tätigkeit wieder ausnehmen wird, steht noch nicht fest. Es sollen, wie wir weiter erfahren, eine große Anzahl von Änleihegesuchen vorliegen. Der Rorddeulsche Lloyd borgk neue 20 Millionen Dollars. Ob- wohl es noch nicht zugegeben wird, kann es als sicher gelten, daß der Norddeutsche Lloyd eine Amerika-Anleihe über 20 Millionen Dollar aufnimmt. Der Zweck ist noch unbekannt. Kürzlich wurden zwei mittlere Frachtschiffe gekauft. Im Bau sind noch die beiden Niesen- schiffe und eine neue Frochtflotte. Wahrscheinlich werden aufge» nommene K'redtte abgetragen. In der letzten Bilanz betrug dos Kapital rund 128 Millionen, 12500 Seeleute, Arbeiter und An- gestellte wurden beschäftigt: mtt den in Bau befindlichen Schiffen besteht eine Flotte von 808 000 Tonnen. Der Zollkarissausschuß des Reichswlrkschaftsrals beginnt heute unter Hinzuziehung der MUgieder des Handelspolitischen Ausschusses seine Beratungen über die Vorschläge der Berichterstatter zur Z o l l, senkungsaktion._ � itai die böse« Begleiter de»»afitolteu und leble-bte» Setter». Uberbaudt die ErUltilngsscknnerien. wie Sliederreiken. Ji-bia». bereasckmki sind eine Qual. Da» echte kleetrle». ein Ziatnrvrodukt sibirischer Ficht«»» Wälder, wirkt gleichsam elektrisierend auf die leitenden»örverteile und üdt eine dnrchgre. sende, schnell schmerzstillende Wirkung au». Zahllose bankbare «nrrkennunge». Rehmen Ei- aber nur da» echte, seit ZS Jahre» bewä rte. Reicher» Slectrimm. Fl. Mk. 1.25, 2.— und i60, in«voth. und Droeerie» erhältlich, sonst bei OTTO REICHFL, Berlin SO.: iwtibnhxfrode 4. arum olyncM�undfiucJiJ Eigenartig: wenn man die Tabakmischung, die nach vieler Mühe für Massary-Privat gefunden wurde, wenn man genau dieselbe Mischung zu einer Zigarette mit Mundstück verarbeitet, ist der Geschmack anders. Wir haben's ausprobiert: ohne Mundstück kommen die Feinheiten dieser Zigarette reicher zur Geltung. �iass ary- Pr iva t rund und. flach mild u. blumig Das istTabah((Urteilen Sie selbst!) Selbstbeherrschung ües Angestellten. Entscheidung des Landesarbeitsgerichts. Der Zentralverband der Kotel-, Restaurant, und Casc-Ange- lieltten teilt uns mit:„.«• In der Sache unseres Mitgliedes Sch.«legen Restaurant«chei- delberger" hatte das Arbeitsgericht auf Wied«r«ln stet. lu n g oder Entschädigung von ttZ.Sll M. erkannt. Das Landesarbeitsgericht Berlin(lOI S. 77/6/�7) hat den Aläger mit seiner Klage abgewiesen und ihm lediglich 3� M- zuerkannt. In den Entscheidlingsgriinden heißt»: „Der Kläger war von einer Annonceuse aufgefordert worden, ihr den vriginalbon zu geben für Speisen, die verabfolgt worden waren, obwohl er den Bon bereits in der oberen Etage abgegeben hatte. Der Kläger war Hieruber äußerst erregt und erging sich in heftigen Ausdrücken, ftierbet schlug er mU dem Tablett gegen den Pfeiler. Bei einem Kellner in einem erstklassigen Restaurant sind dl« Anforderungen an Ruhe und Beherrschtheit besonders hochzu stellen. Es mag dem Kläger zugute gehalten werden, daß an dem Tage, an dem der Dorfall geschah, durch die Eröffnung des Gartenrestaurants ein« gewisse Unordnung in dem Betriebe»ingetreten war, so daß er durch die Unklarheit, wo er seinen Bon abzugeben hatte, erregt sein konnte. Es kann der Beklagten nicht zugemutet werdcn, einen Kellner, der in einem solchen Falle sich derartig un> Straß« 34'25. Heimbesprechung. Jugendheim Niederschiznewetde. — vterspre«: Um 19 Uhr übt die Kapelle im Berliner Str. ZI(Schule). OfÖwis-anrfil»: «CD 20 Uhr in der weltlichen Schul« Di-stelmenerstr. 5(fttofTcnjunmer) raloerbande« fett«»- Realschule. Boßm-Schuch, "" Kuadaedunae» See Orttgeupv« iSraß.Berlin de» ZeuteaUierbaad gestellten. H-U.e. Mittwach. 20 Uhr:«Spenick:«ula der Kilrner Redner: Ott» Haußherr. Mitglied des«eroandsvorstandes. Klara B: �0� � rD:rft V„ m CTO 4 � � eßrae» er l__ wftjd ttl* r4 111*1 Breite Str. 0 ItrTßc 6. �Redner7'ssritzSchr»dcr)«l'tgli-d deV Berbandsporsiondes/Dr. Paul ßctti, M b. R. Es wirkt mit der Sxandauer Bolchschor.— RenISlln: Saaldau Berastr 147. Redner: Eustnn Sock:. M. d. R., S-rtrud Ellert. Sekretärin des IdA Es wirkt mit der Neuköllner Sänger»«.-«ausmännische und Bureau. Sitzung Sonnabend, 5. November, IS�l Uhr. im Zimmer 53 des Berliner Rat. Hauses. Tagesordnung: 1. Besoldmig. 3. Werbearbeit. Deutscher Wertmeisteruerband.«e„r, Iii. Die Eintrlttsk-rten fllr die Werk. ~-'———' M. gegen Barzahlung erhältlich. sinö bei UNS zum Preise von I M. gegen Bar,.-----. Sic bitte>> dir Koellgen. von diesem Angebot recht regen Sebrauch�zu �waö�n. beherrscht zeigt und das ihm anvertraute chandwerkszeug zum mindesten mit einer unverzeihlichen Unachtlomteit behandelt, in ihrem Betrieb« zu behalten. Di« Kündigung war daher durch die Verhältnisse des Betriebes bedingt." Kellner sind Menschen, und ihr Arbeitsoerhältnts bedingt keines- wegs, daß sie zu Mamelucken oder gar zu bedienenden und tassie» renden Automaten werden müssen. Auch nicht in einem von zah- lungsfähigerem Publikum frequentierten Lokal. Es handelt« sich hier um«inen einzigen Fall, in dein sich der Kellner— nicht ekwa einem Gast gegenüber oder einem Vorgesetzten, sondern einer Mitarbeiterin gegenüber— erregt zeigte, unter Berhältnissen obendrein, für die das Landesarbeitsgericht selbe? eine gewisse mittelbare Ursache gelten läßt, abgesehen von der unmittelbaren Veranlassung, den Bon noch einmal abzugeben. Es scheint denn doch, daß das Landesarbeitsgericht weder den Vorfall richtig gewürdigt hat. noch die Konsequenzen seiner Eni- scheidung. Ein derartige» Urteil macht es dem Unternehmer außer« ordentlich leicht, einen Angestellten zu entlassen. Der Begriff un« billiger chärte, der in diesem Falle Anwendung finden mußte, wird gegenstandslos. Der arbeitslose Kellner hat wachen«, wenn nicht monatelang Gelegenheit. Betrachtungen anzustellen über die Garon« tien, die ihm zur Aufrechterhaltung seines Arbeitsverhältnisses, zur Verwertung seiner Arbeitskraft geboten find. Die Landesarbeitsgerichte sind«in« neu« Einrichtung, die— noch dieser Entscheidung zu schließen— mit der Praxis des gewerblichen Lebens noch wenig vertraut sind. tooen Heim» Gruppen. Freie»ewerkschastsfpguid«rsß BeeN». Heute, Mittwoch, Uhr, «>« Gruppen: RculoHn: Sruppenhelm Jullendheim Beigste. Z», Hpf. besprechuna. Wir weihen unser« neuen Spiele ein.— Siidmepett: GS... heim Städtische« Jugendheim Porckstr. II, Fabrikgebäude. Hcimb, sprechung.— Nivadit! Jugendheim tehrter Str. 13/1». Heimdesurechung. Bordereitung fllr die Werdewsche.—«»rdrlngi Gruppenheim Iugendäsim Eberswalder Str. 10. Heimbesvrechung. vraanisatorisches. Zutritt nur mit Heimauswet» und Ber. vandobuch.-- Bauwschulenweg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernstste. 1». ?>kimbk,'vreckung. Aussprach«:„Unsere Wanderungen," Weißeusee: Jugend. «IM Parkstr. i6, Hcimbesprechung,— Zentrum: Jugendheim gehdenickcr _ Zur Aerztekammerwahl IZum erstenmal ist den parteixenSssiseben A e r z t e n Gelegenheit gezreben. aus eigener Kraft(Verhältniswahlsystem) Vertreter in die Äerztekammerzu entsenden. Alle sosialdemokratiaehen Aerxte müssen ihrer Wahlpflicht genügen. A ernte, die Zeit und Kraft der Gesundheitsfürsorge widmen und Freunde eines Ausbaues der Sosialversionemogsind, wählen nur LlSfe 2 beginnend mit den Kamen: Jaffc, Meyer- Brodnitz, Wygodzinski, Kollwitz ■ Benlrksvcrband der SonlaldemoUpat. Partei I, A.: F. Künstler Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlln. Slchkung, vorsihendei Holt die Aesointioseseiertart-n, liefert»I« Dezemterprogramse« aß. Die BScherftub, ist heut», Mittwoch, vsn 17—19 Uhr geöffnet. Achtung, Kassier«, I Heute von 17—19 Uhr Abrechnung der Beiträge, Au». gab« her November-,.Jugend voran!" und der„Arbeiter-Iugenh". —'————-•"----—"■----—-"— bisher nicht Alle ttjäheigen und älteren»enoffinnen und»enoffe«. dl« Parieimilalieber sind, besuchen am Freitag 4. November, 19 Uhr, d«S Genossen Künstler im Preußische» llandtaa, Prinz-Ulbrecht.Str . scheu randtag. ham(Wirtschast ..... ,(0... Arbeitogemeinschast A 19Vö Uhr, im Lindenheim. Bezirkoporstaud: Nächste Sitzung am Donnerstag, 10. November. Prinz-Albrecht. Straß,, Saal.. tslehre) tagt heut«, Mittwoch, den Parttajj Abkeilungsmiigliederversammlungen heute 19V4 Uhr: Hus Gipsstr, Viertel: nnplstz! Schule Eierswalder Str. lg.—»ofesthsler Vorstadt: Schule "— Friedeichohsi», Heim Diepelmeyerstr. S/S.— Peter» du rger MM, Heim Olb-rostros 3S» - Frtedeichehaiui Heim Dieste Heim Ebertpstr, 13.— ahsrlottend» Tempelhof: Lnvum Germaniastr. ilt.—«an« «lmoueri..__.__ ta.Sort: Heim Ollderostraß». Wannsee: Schule Eharlottenstraß».— sellschasl") Iugindrechm dorsl beim »de i: Lnzeum Germaniaste. 4/».—«auusee: Schule Ebarloltensirage.— g: Heim Am Fallenderg 117 szur Einsuhrung:„Jugend in der®e. i.— Feiedrichsbageni Rolhaus Friedrlchft». Kl Ü.Iugcndschutz und hm.— Friedrichoseld«: Heim Schiaß. Eck« Berliner Straße.— Kauls» .. im Adolfstraße.— Lichtenberg. West: Heim Schornwebersie. 29.— Neu. Lichtenberg: Heim Prinz-Aldert-Straßs.— Lichtenberg-Rord: Heim Dosseftr. 32. — Ltchtcnderg.Mitte: Hei» Scharnweberftraße. Reicheuberger ..Die Entwiltlung de«. Übungsabend.— Senefelde«. Hoffmann, Lnchener Str. s. viertel: Heim Reichenberzer Str.»L, Lichtbildervortrag: >e» Embrios."— Spaudau: Heim SlnienuferX Sprechchor, «noselder.BIertel:«orstandssitzung fällt aus! dafür Prph» det Bitte Karten abrechnen, vortrage, vereine unö Versammlungen, Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts st eile: Berlin S 14, SebaManstr. 87/SS, Ho» 3 Dr. Gauvorstand: Achtung, Funktionäre! Do. d. z., 20 Uhr, Funkt!,. »K» närverkammlung Eophienfäle. Vortrag de, Kameraden Rlnifterial. direktor Dr. Falck:„Wege zum Einheitsstaat." Als Ausweis gilt die Funl. tionärkarte in Verbindung mit der Mitgliedskarte.— Walseripartabteilsug: Mi., d. 2., 20 Uhr. Mitgliederversammlung Berliner Klubhaus, Lhmitr. 3.— Lichtenberg nebst Untergrupp.-n: Do., d. ä.. 20 Uhr, wichtige Sitzung der aug- �"------- Freitag. 4. Rooembcr. Prenzlauer des Lrtsoercins bei Burg. Krruzderg: _________ ris-Str. 3. Vortrag Kamerad Koffag. r im Strandschloß in Tegel Antreten der Kameradschaften r...------—»er Versammlung 20—22 Uhr Turnen in - Weißense«: Dil Karten für die ____,_ am D«., hrer abzuhalt In �unllionäre� zur Funltionärsttzung d. 3., sind beim Kameradschasts- «»Notauzkrei, Peenzlaucr Betzn, Montags von 8—10 Uhr«in Voiksranz» Monat 1 M. Erwerbslose sret. Tanzfreudige hiermit herzlich ein. Leicht« Schuhe s»rd mitzubringen..„ Berbsod aherechtsreform. Ociftntlichc Versammlung Donnerstag, 8. Na. vembcr. 20 Udr, im„Greifenberger", Ierufalemer Str. 8.„ «.delter-Radiobusd.«ezi.ksgruppe Berlin. Ortsgruppe Kremberg: 12. Np. oember,„Iägerheim", Nostizstr. 29, Ecke Arndlftraße, bei ireiem Erntritt Werbe. abend. Technisch« Filmvorführungen, Arbeiten am Gerät sowie Rezitat.onen, gemlltlichea Beisammensein. r,,........ Staatswissenschaftliche Boetragsreihe, gehalten von Dr. Oskar Stllli», im Königstädtlschen Somnastum. Elisabethiir. 37/38 l-m Aleranderslatz):..Die»ol. tische Gefahr." 1. Tonnerstag, ä. Zlovemder. 20 Uhr:„Die St-llun- der Vollischen zur Religion." 2. Donnerstag, l7. November, 20 Uhr:„Bie«lllk.schen und die Rassenirage." 8. Donnerstag. 24. November, 20 Uhr:..Volftsche und Verfassung." Eintrittskarten für all- drei Vorträge 1,30 R., ftlr M tgl.eder de- Deutschen Moniftenbunde, 1 M. Einzeln 73 bzw. 30 Pi. Mitglieder de» Reichsbanner» zahlen fllr all- drei Vorträge 3« Pk., für den Einzclvorlrag 29 Pf. 3« L-ssiogmuseum hält Donnerstag, 2» Uhr, Dr. Berthas Daun einen November, 20 Uhr, Konditorei' Dobrin, Kackescher Markt,'Uebungsabcnd. Gäste willkoaimen. Topographische» Orchester. Dirigent:«qpellmeister Erich Sutzeit. Bor. fitzender: Johannes Schulz, Berlin-Britz. Pintsch-All-e 43 Achtung, neue» Bereiaslokal! Die Uebungsstunden finden ab Freitag, 4. Nvvemder, 20 Uhr, in Neukölln, Hermannstr. ISS, statt, im Restaurant„Zum Säugerherm"(Glas. kästen), trich-r Eohlke.«äste willkommen. Arteiter-Abftiuentenbusd, Bezirk«orten. Zusammenlunft am Donncrouia. 3. November. 29 Uhr. Ltterarischer Abend in der Schule Wiesen. Ecke Pank. köerUner Arbeiter-Schschklub. Am 4. November, IN�tUö llhr, Ahrech- nung bei Sackdarth. Muskauer Str. l».- Werbebezirl Sadeu: Dre Abttilung Südwest, Lankwitzstr. i, veranstallet am Freitag,«. November, elnen Werbe. '-"lorirag. Bll'"---------------— IM am 6. Rovembee Im Lokal Autopeter, Spindlersfeld, Berliner Straße. Pro» gramm:» Uhr Wettkampf Adlershoi gegen Köpenlck an et»»a 13 Brettern. 13 Uhr Bortrng über.Eröfftrunastheorie." Simultanspiel, Gästeturnier«ei Antritt hat leb er Besucher die Berechtigung«um Mitspielen. Die lg Köpenick spielt jeden Dienstag 19>4 Ugr bei Augustiu. Rosen, Ecke :«>em E Abtelluni Kirchstraße. jederzeit willkommen. Vc> rdsugsrici bei Neigung zu Gicht, Rheumatismus usw. Fschinger Versandstslle, Benin SW 11. SehSnebertzer Str. Iis. T. LttUew 6260/61. l.llüllSP! Mittw.. 2. II. 27 itaats-Oper Am Pl.d.Republ. Anf. 7 Uhr lr. Fausl Stull. 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Gustav HI von Strindbarg. lUgii»irtor Banrewskj Komödienhons Morden 6304.«>,, Hßkuspokas Berliner Thealer Dönhoff 170.»'/, Per Cfctzl,tcran4 Theater am Kottbusser Tor Kottbnsaer StraBo 6. Tllglich 4 U- u. Sonntagnehm. 3 U- Elite-Sänger b in» groBen ' NoTemberproRrnmm Volkspreise von 50 Pf. bis 2�0 M. Sonntagnachmlttag; firofte rammen-Vorsteilang Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M Id. im Adniralspala: ' Täglich 8'/4 L'ht Die neue SALIER BüVDE Lustspielhaus 8V, Uhr .filnuoinaDlft" Neues Theater am Zoo Täglich 8 Uhr Die Hotelratte Operette v.Bromrpe liin Huar. Pul Heidemana Ii Täglich m Uhr Gesamtgastspieldes Ssrrßfelö-iiiealBis Wer iit der Vater? Hl, Owe. Orinadir. Mittwoch 4 Uhr: Häntel und Greiel Kleine Eintrittspr. Jedes Kind erh. ein schönes Geschenk. lVomalia-TBeai Täglich 8V, Uhr: Im aadesbeimer SdiloS siebt eiDeLiflde Parkett statt ♦ MK. 'ägl. auch Sonntags nnr 60 PL Mittw. nachm. 4 U- A.dienbrödel Parkett v. 30 Pf. an. illniirrlötHi Iis. KOnsticr-Th. 8 Uhr Justiz Jeden Mlttw�Sbd, und Sonntag: Zum 1. Male S.Nov.nachm.4U. Marionetten« Kiadervotstelltf. vessing Thealer 8 Uhr Trianon-Th. TljL»'■, Uhr: Erika GISssner in fmMM Sonnabend 4 Uhr darauf Häiwal u. Qratsl Rose-Theater 8'/, Uhr CharleysTante TEIFopöTTTheir Heule Uhr: Morgen 7 Uhr Paganini OsBthimFmUHr. Plaoeiarioiii an h liriliil. JerAisiAilir ihait Noll 1578 Der Himmel der Heimal Halb« Kasscaprclse Eintritt 0,30 M- Hier ui, Ii JAns 0,2) IL ftfater öss Westens 8 Uhr: Gastspiel Prltcl Maaaar» Eine Frau von Format lers «liksam sind die KLEI EN ANZEIGEN la derüesamt- au tilge des „Vorwärts" und troirdem ttdlNMN