Ve. 510 ♦ 44 �ahrgaa g Ausgabe tk. Nr. 264 «ezvgspreis: BUntlU A> Wenai«, nmnflU 8.— JUiAraml dotooj Mkltec. ilnia Streifband ix In» sab Sn-land MO Zi-i-b-marl vro Mannt. 9t» JBtmaTbf Kit her ilultrier. tra Kanntasabeilage.Ball und Zeit' (•Sit fc» SStilagea»UnterbaltunA nnb ein»«*»Sua btt Silmoelf, .ffrauenBimmt*.»Der titnder» frrunb* �ugend-LarsSrif.Blick in dir SBdvrswU' mb.Kultur. orbtif erscheint wachen täglich»we>. «lal.Sanntaga unb Montags einmal. rtl»ara»M»otr»t verlin- Morgenausgabe Verlinev Volksvlatt Groß-Berlin tv Pfg« Auswärts 15 Pfg. Anzetgenprejse: Sie eintvalttae«oanareille. teilt 80 Bfennta. Reflameteile 5y— Reichsmark..Kleine«Meisen* das iettaedruckt« Wort iS Ver-'-y (euläsiia»»ei feitaedruckte Worlei. lebes weitere Wort 12 Biennla. KteIIen«(uch« da» erste Wort IS Biennia iede» weitere Wort 10 Blennia. Worte über IS Back- staden»Sblen(Lr»wei Worte. Arbeiismarkt Keile 80 Biennla. ffamilienanteiaen iür Abonnenten Keile<0 Piennig. Snteigeitannaiime im Lauptgeschält. Lindenstra�e 3. wochentäglich»an BH bi» 17 Uhr. Zentralorgan der SozialdeTnohratifcben Partei Deutfchlande UeSaktion aus Verlag: Serlta Ew. SS, Linöenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297, vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. 68, Linüenffr.Z «•Mcheckkontt! Berlin»Ii«- BtaNont»! Baak der»rbeiter.«»geftelte» »ab Beamte». Walftr. 88,»i»k»»t,.»esellchait. Denesttrnlaste Sinbenstr. 8. Labours großer Wahlsieg. Zusammenbruch der Kommunisten.—„Todesurteil" für Baldwin. London. 2. November.(Eigenbericht.) Die am Mttwochabead vorliegenden, noch immer vnvoll- ständigen Ergebnisse der Kommunalwahlen in Groß. brilannlen, bei denen jeweils ein Drittel der jeweiligen kommunale» Parlamente gewählt wurde, lassen den Sieg der Ar- beiterparlei noch gewalliger erscheine« als aus den ersten Meldungen hervorging. Aach den letzten Ergebnisien hat die Ar- beiterpartei 162 Sitze neu gewonnen und 38 verloren. Der absolute Gewinn der Arbeiterpartei beträgt somit 12 4 Sitze. Dieser Erfolg verteilt sich ziemlich gleichmätzig über da» gesamte Gebiet von Wale», England und Schottland, Ist jedoch im in- dustr teilen Norden und in Mittelengland besonder» auffallend. Die Arbeiterpartei hat mit Ausnahme einer einzigen Gemeinde die bisherigen Majoritäten aufrechterhalten und überdies in Dirtenhead. Varnsley. Leigh, Nelson, Swansea, Mansfield und Treston eine neue Mehrheit erzielt. Zn zwei weiteren Stadtparla- menlen herrscht nunmehr al» Ergebnis der Wahl Stimmen- gleichhell. Die Kommunisten haben überall katastrophal schlecht abgeschnitten. Sie haben den einzigen Stadtrot. den sie bisher im Gesamtgebiet von Grotzbritannien besahen, ein- gebüßt, auch ihre übrigen Kandidaten habe« jeweils nur wenige Stimmen erzielt. Die genauen Verluste der Liberalen und Konser- v a t i v e n sind zahlenmäßig für die beiden einzelnen Parteien schwer festzustellen, da die Wahlpakte und Wahlabkommen ver- schiedcner Art sowie die gemeinsame Aufstellung von sogenannten unabhängigen Kandidaten eine genaue Trennung zwischen liberalen und konservativen Verlusten unmöglich macht. Soweit dies jedoch möglich ist, ergibt sich das folgende Bild: Die Liberalen büßten ein 38 Sitze, meistens an die Kandidaten der Arbeiterpartei, sie gewannen andererseits 25 Sitze neu auf Kosten der Kon- servativen. Der Gesamtverlust der Liberalen beträgt also 13 Sitze. Die stärksten zahlenmäßigen Verluste aber haben die Konservativen erlitten, bei denen sich die Verluste zu dem Gewinn wie 10: 1 verhalten. Ihre Gesamtverluste belaufen sich auf 88 Sitze. Der„Daily Herald" stellt in einem Leitartikel anläßlich der Kommunalwahlen abschließend fest, daß die Resultate der Dienstagwahlen die konservative Regierung unter den Schatten eines politischen Todesurteils gestellt hätten. Die Kommunalwahlen seien ein Vorspiel für den noch größeren Sieg bei den nächsten Neuwahlen. Die bürgerliche Presse schreibt, soweit Wahlkommentare bisher überhaupt vorliegen, die Erfolge der Arbeiterpartei der traditionellen Apathie der bürgerlichen Wähler bei den kommunalen Wahlen in Großbritannien zu. die Todesstrafe bleibt! Ablehnung dessozialdemokratischen Antrags im Ausschuff Der Skrafrechtsausschuß des Reichstages führte gestern die Aussprache über die Todesstrafe zu End«. Der Ausschuß beschloß mV 1? bürgerlichen Stimmen, einschließlich des Demokraten Vrodanf gegen 11 Stimmen der Sozialdemokraten. Som- moulsten und des Demokraten Heu ß den sozialdemokratische« Antrag auf Abschaffung der Todes st rase abzulehnen. (Siebe auch 3. Seite.) Der Reparationsbrief wirö veröffentlicht. Ein Kabinettsbeschluß. Das Reichskabinett beschäftigte sich gestern mit Reparottons- fragen und dabei auch mit der Beantwottung des Memorandums des Reparationsagenten. Nachdem im In- und Auslande die verschiedensten irreführenden Mitteilungen über seinen Inhalt veröfsenllicht worden sind, halt es die Reichsregierung im Einver- nehmen mit dem Reparationsagenten für richtig, den vollen Wortlaut de» Memorandums zusammen mit der Antwort der Reichsregierung bekanntzugeben. Die Veröffentlichung wird vor- aussichtlich am kommenden Sonntag«rsolgen. Hamburger Sürqerschaft. Wahl des Präsidiums: ein Sozialdemokrat, ein Kommunist, ein Deutschnationaler. Hamburg. 2. November.(Eigenbericht.) Bei der Wahl des Präsidiums in der heutigen konsti- tuirenden Sitzung der Bürgerschaft wurden gewählt: zum Präsidenten Rudols Roß(Soz.) mit 154 von 158 ab- gegebenen Stimmen: zum ersten Bizepräsid nten Gundelach(Komm.) mit 88 gegen 40 Stimmen für den volksparteilichen Gegenkandidaten: zum zweiten Vizepräsidenten 0. Dapel(Dnat.) mit 88 Stimmen gegen 38 Stimmen für den demokratischen Gegenkandidaten. Nach diesem Ergebnis verzichteten Volksparteiler und Demo- traten auf Schristführersitze. Daraufhin wurden vier Sozial- demotraten als Schriftführer gewählt. Nationale Tattlosigkeit- Schwarzweißrote Demonstration in Paris. pari», 2. November.(Eigenbericht.) Die Deutsche Kolonie in Paris hielt am Mittwoch wie alljährlich auf einem deutschen Soldatenfriedhof in der nächsten Umgebung der �französischen Hauptstadt eine Gedächtnisfeier für die im Kriege gefallenen deutschen Soldaten ob. Botschafler o H o e s ch hielt dabei»in« kurz« Ansprach« und ließ zahlreiche Kränze nieder- legen. Der Korrespondent der„Deutschen Tageszeitung" hatte den sonderbaren Geschmalk. die Trauerkundgebung zu p a r t e i- Politische» Zwecke» auszunutzen, indem er demonstratio«ine» schwarzweißrote« Kranz niederlegte. Die anderen Ver- treter der Rechtspresse hatten die Aufforderung, sich an dieser De- monstration zu beteiligen, mit der Begründung abgelehnt, daß ein deutscher SoldoteNfriedhof auf französischem Boden nicht die Stätte sei, um den Flaggenstreit auszutragen. die aufgelöste Gemeindevertretung. Beschwerde der kattowitzer Deutschen. katlowitz, 2. November. Der Deutsche Volksbund hat wegen der Auflösung des Katto- witzer Stadtparlaments beim M'nderHeitenamt in Kattowitz Protest eingelegt. Di« Beschwerde richtet sich gegen den Wojewoden Gra- zinski und gegen den Wojewodschaftsrat. Die deutsche Min- d e r h e i t hat in freier Wahl im Kattow'tzcr Stadtparlament von 88 Sitzen 34 erhalten. Dieses Verhältnis ist bei der Zusammen- setzung der kommissarischen Verwaltung nicht berück- sichtigt worden, und dadurch, daß man den Deutschen von 15 Sitzen nur 5 eingeräumt hat, sind sie gewalisam in die Minderheit gedrückt worden. In der Eingab« wird die sofortige Neubesetzung der kommissarischen Verwaltung in der Weise gefordert, daß die Deut- schen im Verhältnis der früheren Stimmen im Stadtparla- ment eine angemessene Vertretung finden. Amerika liefert wertlose Munition. Ein schönes Geschäft am chinesischen Bürgerkrieg. London, 1. November. Ein amerikanischer Kaufmann wurde vom amerikanischen Ge- richt in Schanghai zu 15 Monaten Gefängnis und Rück- e r st a t t u« g von 15 000 Dollar verurteilt, weil er dein chinesischen General Pangtsen Munition geliefert hatte, die keinen Spreng st oss enthielt. Er hatte bei diesem Geschäft 35 000 Dollar verdient. Zurück zu Manitu! Kanadische Indianer verlassen das Christentum. London, 2. November. Aus Montreal wird genieldet, daß die Vertreter mehrerer indianischen Stämme, darunter die der I r o k e s e n, der M o h a k s. der O n e i d a s, Onandegas, Kons«gas und S c n a k a s auf einer Konferenz beschlossen haben, das Christentum wieder auf- zugeben. Der Gott der Weißen, erklärten sie, habe ihnen nur Unglück gebrocht. Man habe ihnen Leben, Freiheit und Rechte genommen nud ihnen nichts gelassen. Die Indianer werden jetzt wieder zu ihrem allen M n n i t u- K u l t zurückkehren. ver ehemalige Senator Eharles humberl ist gestorben. Humbert ist vor allem dadurch bekannt geworden, daß er als Ehesredokteur des„Journal" während des Krieges von Clemenceau vor ein Kriegsgericht gestellt worden war und beschuldigt wurde, vom deutschen Propaaandadienst Geld angenommen und damit das „Journal" gekauft zu Koden. �"mbell(v'anp es aber seine Un- schuld resttos zu beweisen und seinen Freiipruch durchzu- setzen. Cr trat später noch einmal in der Oessentlichkeit hervor mtt einem Buch, in dem er Poincart al« einen der Hauptschnlbige» am Krieg hinstellt. Wahlkampf in Seemen. Neuwahl der Bürgerschaft am IS. November. Von Alfred Faust, Bremen. Nach Hamburg schreitet nun die zweite Hansestadt,■ Bremen, zur Wahlurne. Die dreijährige Parlaments- Periode der bremischen Bürgerschaft ist normalerweise ab- gelaufen. Die letzte Wahl fand am 7. Dezember 1S24 statt, die Neuwahlen werden am 13. November vor sich gehen. Der W a h l k a m p f ist von der Sozialdemokratie energisch und siegesbewußt eröffnet worden. Sie allein war in der Lage, vor Wochen schon ihre Kandidatenliste zu veröffent- lichen, während alle übrigen Parteien, darunter auch die Kommunisten, erst am Tage vor Ablauf der Einreichungsfrist ihre Listen veröffentlichen konnten, die vereinige Gruppe der Volksparteiler, Deutschnationalen, Völkischen und Wirtschafts- schaftsparteiler sogar erst am Tage nach der Einreichung. Das öffentliche Raufen um die aussichtsreichen Plätze auf dieser schwarzweihroten, hakenkreuzbegöschten Mischmaschliste sollte dadurch verhindert werden. Es treten acht Listen in den Wahlkampf: Sozial- demokraten, Kommunisten, Demokraten, Zentrum, Boden- reformer, Aufwertler und die rechtsbürgerliche„E i n h e i t s- l i st e"(Volkspartei, Deutschnationale, Völkische und Wirt- schaftspartei). Das Bremer Parlament zählt verfassungsmäßig 120 Ab- geordnete, und zwar 102 für die Stadt Bremen, 7 für das L a n d g e b i e t, 2 für die Stadt B e g e s a ck, 9 für die Stadt Bremerhaven. Die Regierung(Senat) zählt T4 Minister(Senatoren). Der zurzeit regierende Senat ist Reinkultur, zusammengesetzt aus 6Demokraten, SVolksparteiler, 3Deutsch- ein Bürgerblocksenat in nationalen. Wegen Tadesfalls sind gegentpärtig zwei Stellen unbesetzt. Regierungspartei sind ckl be bürgerliichen Parteien: 17 Demokraten(einschließlich 2 Zentrum und 1 Bodenreformer), 25 Volksparteiler, 11 Deutschnationale, 8 Hausbesitzer, 4 Völkische. Die Opposition wird ge- bildet von 46 Sozialdemokraten und 9 Kommunisten. Die KPD., die früher im Verhältnis von 1: 2 zur SPD. stand, ist durch ein ausdauerndes und rücksichtsloses Ringen durch die Partei und die„Bremer Bolkszeitung" auf 1:5 zurück- gedrängt worden. Dies Verhältnis wird aller Wahrschein- lichkeit nach auch nach diesem Wahlkampfe das gleiche bleiben. Es fällt auf, daß in diesem Freistaat des vollständigen Bürgerblocks eigentlich eine republikanische Mehr- h e i t existert, und eine Weimarer Koalition parla- mentarisch möglich wäre, wenn die Bremer Demokraten sich bemühen wollten, Demokraten zu sein! Sie sind aber nur eine von der Volkspartei wirtschaftlich abhän- g i g e Gruppe, die keinen selbständigen Schritt außerhalb des Schutzes des volksparteilichen Finanz-. Reederei- und Export- kapitals wagt. Als die Demokraten noch selbständige Politik hätten machen können, ernannte man den begabten demokra- ischen Fraktionsführer zum Direktor der Sparkasse, die einen volksparteilichen Aufsichtsrat hat! Kein Wunder also, daß die Demotraten sich einer Weimarer Koalition versagten! Die Große Koalition, zu der die SPD.-Fraktion ein- stimmig bereit war, scheiterte an der V o l k s p a r t e i. Sie lehnte sie ab, weil damals zur gleichen Zeit im Reiche die Bürgerblockregierung Luther gebildet worden war: ferner, weil sie die Deutschnationalen in der Regierung haben wollte, von denen der Fraktionsführer der Volkspartei öffentlich erklärte, daß die Unterschiede zwischen Deutscher Volkspartei und Deutschnationalen besten- falls unter der Lupe erkennbar seien; und schließlich, weil die Sozialdemokraten bar jedes Hanseaten- g e i st e s seien, ohne den Bremen„verpreußen" und seine „Weltgeltung" verlieren würde!! Hanseatenaeist— das ist ein vertrocknetes Destillat aus mittelalterlichen Piraten- erfolgte und neuzeitlicher Unfähigkeit! Ansonsten aber hat der Mann recht. Das Bremer Groß- bürgertum bildet eine einzige Kameradschaft, eine Republik der Lettern und Freunde! Die eine Hand im Staatssäckel, die andere im privaten Kassenschrank! Mit- unter weiß man nicht, ob der Schütting oder das Rathaus regiert. Macht man Llyodpolitik oder Staatspolitik? Selbst das Parlament tagt beim Kaufmannskonvent zur Miete — ein wohl einzig dastehender Fall, daß ein Landtag kein eigenes Landtagsgebäude hat! Bremen hat auch noch die Einrichtung der„kauf- männischen Senators n", d. h. Senatoren haben das Recht, für Verzicht auf das halbe Gehalt, ihre Privat- g e s ch ä f t e nebenbei zu betreiben. Diese Erlaubnis nehmen gerade die einflußreichsten Minister im Finanzressort für sich in Anspruch. Schließen sie irgendwo eine Staat»- an leihe ab, dann hindert sie nichts, auch die Berfaffung nicht, gleich hinterher oder vorher, zu gleichen oder zu noch günstigerem Diskont eine P r i o a t a n l e i h e für ihre eigenen Betriebe abzuschließen. Nebenbei sind sie Au f- s i ch t s r ä t e in den bedeutendsten Handels-, Verkehrs- und Industrieunternehmen. Württemberg gegen öen Einheitsstaat. Aber neue Forderunge« an hai Reich. Stuttgark, 2. Novsmiber. Eine klare Absage an alle Bestrebungen nach dem Einheit?- staat leistete sich der w ü r t t e m b e r g i s ch e F i n a n z m i n i st e r, der an das Reich die Forderung stellt«, daß es den Ländern für die Beamtenbesoldungserhöhungen Unterstützungen zuwende. Würt- temberg sei nur dann in der Lage, die Besotdungserhöhung an« eigener Kraft zu tragen, wenn da» Reich seine von früher her be- stehenden Derpflichtungen infolg« der Uebernohm« der Reichs- steuern sowie der Bahn und der Post erfülle. Zur Frage der Reichseinheit erklärt« er: Wenn die Selbständigkeit des«ürttemb ergischen Staates aufgehoben würde und Württemberg nur noch ein« Reichsprooinz wäre, so würde die finanzielle Einsparung keine zwei Millionen, also nicht den zehnten Teil der künftigen Besoldungsmehrlast ausmachen. Die Länder müssen sich dagegen wehren, daß ihnen unaufhörlich durch Reichsmahnahmen bald größere, bald kleinere Löcher in den Haushaltsplan gerissen werden. Darum verlangen sie, daß die Zuständigkeit auf öffentlichem Betötigungsgebiet klar abgegrenzt und gleich- zeitig das Steuerwesen zweckmäßig und organffatorisch geregelt wird. Dabei braucht das Reich durchaus keinen Schoden zu leiden. Württemberg begibt sich damit in die Front dersenigen Länder, die den Einheitsstaat unter allen Umständen ablehnen, obgleich sie nicht aushören, an den Reichssäckel Forderungen zur Befriedigung ihrer föderalistischen Wünsch« zu stellen. Der württembergisch« Frnanznnnister wandte sich auch gegen das Steuervereinheit- lichungsgesetz, das nach seinem Antrage zurückgestellt welden soll, bis die Reichsregierung den Entwurf eines neuen Finanz- ausgleiche vorlegen kann. Es kennzeichnet den Geist der Kritik des württembergischen Ordnungsblocks an der Reichspolitik. wenn der württembergisch« Finanzminister in demselben Atem, in dem er über die bedrängte Finanzlag« klagte, ein großes Kompliment vor den Hausbesitzern machte und sordert«, daß bei der vorg«sehenen Neuregelung der Hauszinssteuer dies« ergiebige Steuerquelle noch rascher zum Bersiegen ge> bracht werden soll, als es die Rechtsregierung im Reiche ohne- die« will. * Es lebe öle Rachestblacht! Offiziöse Revanchehetze in Bayern. Regensburg. 2. November.(Eigenbericht.) Di«(Brenzbevölkerung der Oberpfalz und Niederbayerns wird seit Iahren systematisch mit dem Gerede von der tschechischen Gefahr, die die bayerische Ostmark bedrohe, nationalistisch ver- hetzt. Daß diese nationalistisch« Propaganda auch heute noch, trotz der Verständigungspolitik Stresemann», fortgesetzt wird, ja, daß der Politik Stresemann» sogar bewußt entgegengearbeitet wird, beweist ein« Rede, die der Abgeordnete der Bayerischen Bolks- partei und Regierungsdirettor bei der Regierung der Oberpfalz, Theodor Auer, bei einer sogenannten Grenzland»- tagung in Amberg gehalten hat. Er bracht« e» fertig, die Tschecho- slowakei Ä» feindlichen Staat zu bezeichnen und al« hoher Regierungsbeamter zu verkünden, daß sich Bayern trotz aller Gegen- strömungen auch vom Reich« her nicht da» Recht auf seine nationalistische bayerische Grenzpolitit nehmen laste. Neben dieser unzweideutigen Stellungnahm««ine« hohe« bayerischen Regierung»- beamten gegen die offizielle Außenpolitik de» Reiches zeigten die Ausführungen«ine« deutschnationalen Abgeordneten aus Eger auf dieser Tagung, wie weit die nationalistische Geistesverseuchung schon gediehen ist. Unter dem Beifall der Versammlung, in der auch der Regierungspräsident der Oberpfalz anwesend war, sprach dieser nationalistische Kraftmeier unter anderem von .Rachekol" und der„Racheschlachl" und ließ die»blanke Eisenwehr" hocksteben. Den Reichsaußenminister dürste es noch besonders interestieren, daß dies« eigenartige Tagung von der Reichszenlral« für Heimatdien st mitveronstaltet worden ist. Verfassung und Schulgesetz. GemeinschaftSschnle als Regelschnle festgelegt; die Sozialdemokratie kämpft für die weltliche Schule. Im weiteren Berlaus der gestrigen Debatte im Bildungsaus schuß gab Ministerialrat Lösfler im Auftrage der Reichsregierung eine Ueberficht über die rechtliche und tatfächliche Lage der Schul- verhällnisse in den einzelnen Ländern. Er unterscheidet zwei Haupl- gruppen: die erste hat«ine konfessionell stark gemischte, die zweite eine konfessionell geschlossene Bevölkerung. Di« Kennzeichen der einzelnen Schularten in den Ländern erfahren eine eingehende Darstellung. Hense(Dnat.): Wir üben mit Absicht Zurückhaltung in der Debatte. Uns liegt an der raschen Fertigstellung de» Gesetzes. Heinrich Schulz(Soz.): Die Formulierung des Weimarer Kompromisses war eine politische Notwendigkeit. Sie erfolgte unter politischem Druck zu einem politischen Zweck. An eine Vorzugsstellung der Simultan- schule aus materiell-pädagogischen Gesichtspunkten hat man dabei nicht gedacht, man hat sie den Demokraten aus politischen Gründen zugestanden. Doch das spielt im jetzigen Stadium auch nicht die Hauptrolle. Wir haben es heute mit der Verfassung zu tun. Und danach hat die Gemeinschaftsschule ihre Vorzugsstellung, wer sie beseiklgen will, muh die Verfassung ändern. Durchsetzen wird sich aber jede Schulart nach der Stärk«, die sie sich im Volke bei den Erziehungsberechtigten zu oerschaffen weiß. � Ich werde getreu meiner Vergangenheit meine Kraft der weltlichen Schu l e, die ich nach wie vor für die weitaus beste Schule halte, zur Verfügung stellen. Die Frage der Ueberleitung in den neuen Rechtszustand war ebenfalls Gegenstand der Beratungen. Der Entwurf von 1921 hat alle notwendigen Bestimmungen enthalten. Auf eine noch- malige Anfrage de» Abg. Rheinländer, worin eigentlich die Vor- zugsskellung der Gemeinschaftsschule bestehe, verwies Genosse Schulz mit aller Schärfe auf den Absatz 1 des Artikels liki. Dort wird die Gemeinschaslsschule al» die allgemeine Schule des deutschen Volkes bezeichnet. Mit Nachdruck wendet sich Genosse Schulz noch gegen die sogenannten Weltanschauungsschulen. Die Auslegung, die man diesem Worte gebe, habe in Weimar niemand gewollt. Es dürfe deshalb die im Entwurf vorgesehene Anwendung abgelehnt werden. Sie zersplittere das deutsche Schulwesen. Nach der Ver- fassung gebe e» nur Gemeinschaftsschulen. Bekenntnisschulen und weltliche Schulen. Abg. h-lnze(D. Bp.) behandelt die sächsischen Verhält- ntss«! die Rubrizierung der sächsischen Schulen noch der recht- lichen Seite sei ganz einfach. Abg. Löwenftein(Soz.) wendet sich gegen die in der vorigen Sitzung gehalten« Rede de» Reichsinnenministers. Er ersucht um Aufklärung, wo» die «eichsregirnlng mit der Erteilung de, PrlorilSlsrechle« an die Länder beabsichtige. Die Erklärung der jetzt bestehenden Son- fessionsschulen zu Bekenntnisschulen schalte da» Antrogsrech« zu 61 JJroz. der E r;iek>uiigsb>.'rrchtigken an». Wenn man� auch IN Weimar nicht daran gedacht hat, die ganzen Schulen umändern zu wollen, so hat man aber doch die Rechtslage geändert. Die Schulen. bisher Länderschulen, wurden Reichsschulen. Der tatsächliche Zustand sei, daß verfassungsmäßig alle Schulen zu Gemeinschoiis- schulen erklärt wurden. Das müsse im Reichsschulgcsetz Aner- kennung finden. Abg. Rheinländer(Z.): Ueber die Beurteilung der Welt- anschauungsschulen geh« ich mit Schulz einig. Da» Zentrum will keine Versassungsänderung. es lehnt aber die strenge Regelschul- theorie ab. Ueber die Vorzugsstellung der Gemeinschaftsschule fehlt aber nach der neuesten Erklärung de» Abg. Schulz immer noch die notwendige Klarheit. Der verband der preußischen Landgemeinden hält in Berlin in der Zeit vom 9. bis 12. November sein« diesjährige Tagung ab. Auf der Haupttagung, dem 4. preußischen Landgemeindetog. am 1f. November werden u. a. der Reichsminister de» Innern Dr. v. Keudell und der Preußische Minister de» Innern G r z c- s i n s k i Ansprachen halten. Reichsfinanzminister Dr. Köhler wird über da» Steuervereinheitlichungsgesetz und die Besoldung»- reform referieren. Diese Verquickung von Staats- und Hauspolitik liegt in der hanseatischen Tradition. An Stelle von Fürsten— die es übrigens auch verstanden!— herrschten in den Hanse- städten Patriziergeschlechter der einigen Dreifaltigkeit„Han- del, Schiffahrt und Piraterie". Aber dabei hatten die Herren Manieren, waren sozusagen republikanisch(wie die Republik Julius Casars!) und sogar liberal(wie die katholische Kirche zur Zeit der Jesuiten!) Das erklärt, warum die hanseatische Bürgerblockreaktion nicht so plump und brutal auftritt wie etwa die bayerische, württembergische oder braun- schweigische; sondern immer mit Glacehandschuhen, und wenn diese abgenutzt sind, mit einem„Stäbchen" Wein im Ratskeller, wo von alters her mehr und mitunter besier regiert wurde als in der Oberwelt darüber.... Erst als die Industrie und hinter ihr die Arbeiter- s ch a f t mit Parolen des Klassenkampfes in diese Patrizier- welt einbrach, wurde es lebhafter in der Handelsstadt der achtklassigen Privilegien. Die Pfeffersäcke wehrten sich bis zum äußersten— nicht nur gegen die Marxisten, sondern auch gegen die Fabrikschorn st eine. Bremen war bekanntlich der letzte Staat, der sich der Bismarckschen Zoll» union anschloß. Einer der Gründe war, daß es keine Jndu- ftriellen und keine Industriearbeiter(lies Sozialdemokraten) innerhalb seiner Mauern haben wollte. Die hatten doch keinen„Hanseatengeist"! Infolgedessen siedelten sich die Fabriken vor den Toren Bremens an, im Preußischen und im Oldenburgischen, und mit ihnen die Arbeiter. Heute noch wohnt ein nennenswerter Teil der in Bremen beschäftigten Arbeiterschaft außerhalb des bremischen Staats- fiebiets, darf also zur Freude der alten und neuen Pfeffer- äcke, die sich unter dem fühlbaren Druck der Arbeiterklasse in der Rachreoolutionszeit von tausendjährigen Republi- kanern in schwarzweißrote Monarchisten verwandelt haben, nicht mithelfen, den Bürgerblocksenat zu stürzen. Ein zweiter Faktor, der in Hamburg fehlt, in Bremen aber sich gegen die Arbeiterparteien auswirkt, ist das eigentliche W o h n s y st e m. Bremen zählt Tausende von Arbeitern als kleine Hausbesitzer, entweder allein, oder— was schlimmer ist— mit einem Mieter. Diese Arbeiter sind zum Teil bei Wahlen zunächst Hausbesitzer, dann Klassen- kämpfer. Acht vom Bürgerblock in Anspruch genommen« Hausbesitzer sitzen deswegen in der Bürgerschaft. Bei einer Doppelwahl(Reichstag und Bürgerschaft) war feststell- bar, daß dreitausend bis viertausend Arbeiter mehr zum Reichstag die sozialdemokratische Liste gewählt hatten, als zur Bürgerschaft, wo sie zur Hausbesitzerliste ab- wanderten. Selbst die Kommunisten, die auch Hausbesitzer in ihren Reihen haben, mußten eine ähnliche Erfahrung machen. Trotzdem zieht die Sozialdemokratie mit begründeten Hoffnungen in den Wahlkampf. Ihre Organisation verstärkt sich täglich. Kommunistische Arbeiter, die die Verwirrung in den eigenen Reihen geheilt hat, kehren zur Sozialdemokratie zurück. Das Sündenkonto des Bürgerblocks ist groß in allen Ressorts, nicht nur in der Polizei, der Sozial- und Wohnungs- baupolitik, sondern auch im Finanzwesen und im Hafen- und Berkehrsressort. H a f e n p l ä n e, die mit„Hanseatengeist" lanciert worden waren, sind kläglich gescheitert. Die große Colombusmauer in Bremerhaven, ein Objekt von neun bis zehn Millionen Goldmark, zeigte gleich nach der Fertigstellung Risse und Senkungen, die ihre Inbetriebnahme verhinderten und einen Neuaufwand für Reparaturkosten von drei Millionen erfordern, auf jeden Wählerkopf kämen etlya 60 Mark Ausgaben allein für diese Mauer! Ihr soll eine Ausgabe von dreißig Millionen Mark für eine neue Schleuse in Bremerhaven folgen. Es zeigt sich hier, wie die K l e i n st a a t e n unter der Finanzlast ihrer lebensnotwendigen Aufgaben zusammen- brechen müssen und eine Rettung nur noch erblicken können in einem Einheitsstaat, besten Verwirklichung die dringendste Aufgabe der deutschen Innenpolitik wird. Konzert-Umsthau. Von Hans Teßmer. Wir wollen den Berliner Mustkbetrieb nicht überschätzen, aber wir dürfen sein« wirtlichen Vorzüge auch nicht unterschätzen. Und es ist zum Beispiel ein Borzug für den Musiffreund, wenn er im Lause von vierzehn Tagen vier Orchesterwerke von Maurice Ravel in guten Aufführungen kennenlernen kann. Keine andere deutsche Musikstadt vermag das zu bieten außer Berlin. Wilhelm Furtwängler beteiligte sich im zweiten Philharmonischen Kon- zert an diesen Raoel-Aufführungen mit einem Wert de» franzö- fischen Tondichterg, das nicht den Eharakter reiner Konzertmusit trägt: mit der zweiten, aus dem Ballett„Daphnis undChloe" gewonnenen Suite. Die drei Sätze— Tageserwachen, Pantomime, Schlußtanz— enthalten weniger starke und bedeutende als reizvolle illustrativ« Musik, die auch in dieser tonzertmäßigen Form doch stets die pantomimische Darstellung, da» Spiel von Lichtern und Farben, kurzum die Bühne zu ihrer vollen Wirkung braucht. Furtwängler ließ das delikat behandelte Orchester in prachtvollem Reichtum der Nuancen aufblühen und steigert« den Schlußsatz unerhört fort- reißend in leidenschaftlichsten Taumel hinein. Im-A-Dur-Violin» konzert von Mozart aber war er der ideale Begleiter, der seines- gleichen nicht hat: der den Solisten behutsam auf den Armen des Orchesters trägt und sich gleichzeitig mit ihm zu unlösbarer Einheit der Interpretation verbündet. Der Solist war Adolf Busch, der das Werk mit größter Einfachheit und nobler Deutlichkeit spielte, so rein mozartisch, wie es nur dem großen Beherrscher der Stil« ge- geben ist. Aus diesen Gefilden zum zweiten„Großen Bohnke-Kon- zert" des Berliner Sinfonie-Orchesters ist ein weiter Sprung.(Warum übrigens diese Abend«„groß" genannt werden, ist nicht ersichtlich.) Jedoch, Bohnke setzte sich mit seinem sympa- thischen Eiser für die erste Sinfonie des jungen Paul H ä f f e r ein (Uraufführung). Das ist ein gewisser radikaler Neutöner, aber ein sehr begabter, der durch urwüchsige Kraft und echt jugendliches Draufgängertum sofort für sich eimümmt. Der erste Satz, un- gefähr im Rahmen des klassischen Sinfoniesatzes, entwickelt sich aus einem energischen, rhythmisch ergiebigen Thema: der Seitensatz dar- in feiert in sugierler Form wahre Mißklangsorgien(die„nur äußerlich" bleiben). Der zweit« Satz, ein Largo mit schönen, ein wenig aphoristischen Melodien, offenbart Zartes. Inniges, wird aber — vielleicht Infolge nicht genügender Vorbereitung der Aufführung? — in seinen Zusammenhängen nicht deutlich klar: ebenso wie der letzte Satz, der nicht weniger Einfälle ausweist als der erst«, doch entschieden hinter dessen Plastik und beherrschter Form zurückbleibt. Im ganzen also ein noch nicht eindeutiges Ergebnis, doch der Er- weis eines ungewöhnlichen Talents, dessen Entwicklung wir Zu- versicht entgegenbringen. Bon der Solistin de« Abends, Eva Liebenberg, hörte ich ein„Gebet" von Glück:«in schöner tiefer Mezzo-Sopran, in diesem Falle offenbar von Müdigkeit über- schattet. Sehr erfreulich war vom Berliner Bolks-Ehor unter Leitung von Dr. Ernst Zander Bachs„Iohannes-Passion" zu hören. Hier ist Frische, Temperament, Disziplin und Dr. Zander. wie man seit langem weiß, ganz der Mann, der solche Eigenschaften in seinem Ehor zu erziehen weiß. Also kamen mit größter Selbst- Verständlichkeit die Choräle sehr schön in Klang und Linie heraus, gediehen die Ehorrezitatioe zu dramatischen Höhepunkten, die stark und packend waren. Eine gute, sehr hörenswert« Aufführung, der das Berliner Sinsonie-Orchester und bekannte Oratorienspezialisten: Minna E b e l- W i l d e s zart in der Höhe schwebender Sopran, Paula Lindbergs tonlich schöner Alt. Alfred Wilde(Tenor), der unvergleichliche Baß von Hermann Schey und Felix Le- derer-Prina bewährteste Helser waren.— Dank sind wir auch der Sing-Akademie schuldig dafür, daß sie das selten zu hörende Ehristus-Oratorium von Lifzt in der Philharmonie zu neuerlicher Aufführung brachte. Auch in diesem großen tiefernsten Werk ist— wie in Liszts gesamtem Schaffen—- manches Vergäng- liche, manches schon Vergangene: aber e» bleibt doch noch genug des Bedeutenden, das eine Auffuhrung immer wieder.notwendig macht. Zwei sehr kontrastierend« Seelen lebten in Liszts Brust: die des gläubigen, gütigen Menschenfreundes und die des feierlichen, effektvollen Weltmannes. Beide leben auch im Ehristus-Oratorium. Georg Schumann wußte in der ausgeglichenen Aufführung die inneren Werte des Oratoriums besonder» zur Entfaltung zu bringen. Die Soli sangen hier die Damen Land, Reiendorff, sowie die Herren Madsen und Fischer. Daß die Philharmoniker größten Lobes wert waren, versteht sich.— Endlich: der Präger Männerchor Smetana enttäuschte denjenigen, der Männer- chorgesang als meistens unfruchtbav« Kunst nur widerwillig gelten läßt, aufs angenehmste. Köstlich frische Tenör«, überhaupt sehr gutes Stimmoterial, und ein echter Künstler, Prof. S p il k a, an der Spitz«,— das ist nicht wenig! Die Prager Herren, die mit Recht stürmischen Beifall ernteten, sangen einig« deutsche Chöre in beut- scher Sprache und boten in einer Ballade von Novak, einem Herr- lachen Wiegenlied von Suk, einem tonmalerisch feinen„Winter- motiv" von Ostrcil und manchem anderen höchst willkommene Proben aus dem reichen Musikschatz ihrer Heimat. Bon vielen Solisten der letzten zehn Tag« seien doch einige Wenige noch genannt. Voran Frieda K w a st- H o d a p p, die an ihrem Abend mit Orchester Klavierkonzerte von Beethoven, Mozart, Liszt meisterte. Wirklich: meisterte. Es läßt sich ja gar nichts Neues über sie sagen: ihre Leistung ist stets«in wenig kühl, aber stets in sich vollkommen.— Von dem Pianisten Mischa Levitzki, der in Amerika eine„erste Nummer" ist, hatte ich mir mehr ver-. sprachen. Enormer Techniker, der er ist, bewältigt er die äußersten Schwierigkeiten zum Beispiel von Schumanns„Sinfonischen Etüden" verblüffend. Aber das Adagio der A-Dur-Sonote op. 101 von Beethoven geht seelenlos, fast ein wenig trocken vorüber.— Elsa Jülich endlich(von der Städtischen Oper) zeigt in Liedern von Wolf und Strauß ihren gut behandelten, in der Höhe leider unaus- geglichenen und leicht scharfen Sopran, ohne daß einem von ge- staltendem Ausdruck warm würde. Für di« parodistische Ballade vom Daniel in der Löwengrube, dem„Daniel-Iazz" von Louis Gruenberg, fährt sie ihr« vollen Bühnenregister auf. Den„Daniel- Jazz" nehm« man durchaus nicht ernster, als er genieint ist, um so mehr Herrn Michael Taube, der am Flügel sich als Meister seines Faches zeigte.__ Deutsche Slawistik. Die deutsche Mstenschnft. die von Ansang an der Erforschung der ilawischen Philologie und Kulturgeschichte hervorragenden Anteil gehabt und setzt mit der Herausgabe des Slawistffchcn Grundrisses durch Troutmann(Leipzig) und Vasmer (Berlin) bei W. de Gruyter in der Enzyklopädie die Führung übernommen hat. steckt sich noch größere Ziele. Geineinsam mit seinem Grazer Fachgenossen H. F. Schmid stellt Troutmann unter dem Titel„Wesen und Aufgaben der deutsche» Slawistik"(bei H. Haessel, Leipzig) ein Programm seiner Wissenschaft aus. Bon der Totsache ausgehend, daß dem deutschen Volk« deren Bedeutung noch nicht.zum Bewußtsein gekommen sei, während doch dein deutschen Slawisten di« kulturpolitische Rolle des Mittlers zwischen Deutschtum und Slawentum zufalle, wird die heurige Organisation der Studieneinrichtungen und des wissenschaftlichen Publitations- wesens kritisch geprüft, der große Kreis der Aufgaben aus dem Gebiet« der Philologie, Volkskunde und Geschichte erörtert und positive Vorschläge gemacht. Nachdrücklich wird darauf hingewiesen, daß bei dem gesteigerten internationalen Gewicht des Slawentums die Pflege der Slawistik bei uns auch für die allgemeine Weltgeltung der deutschen Wissenschaft von großer Bedeutung sein müsse. Kinder der Straße in der Sowsetukraine. Mit einer schwer zu bekämpfenden Plage, die in allen Großstädten des Sowjet- gebiete» in Erscheinung tritt, hatte sich der Stadtsowjet von Kiew zu besassen, als er den Bericht d«s Iugendgerichtshofes entgegen- nahm. In den ersten neun Monaten de» lausenden Jahres wurden vor diesem Gericht 888 Straffachen verhandelt, an denen 1225 Jugendliche beteiligt waren. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt« es sich um Diebstahl, Raub und sonstige Verbrechen gegen das Eigentum Unter den von Jugendlichen begangenen Schweroerbrechen wiren drei Fälle von Notzucht zu verzeichnen. Der Bericht stellt die wachsend« Dreistigkeit der obdachlosen „Straßenkinder" fest die sich immer häufiger zu organffierjen Banden zusammenschließen und unter Leitung von gewählten An- führern Raubübersälle ausführen, der Polizei Mderftand leisten und dergleichen. Die Maßnohmen, die vom Gericht gegenüber den* minderjährigen Verbrechern angewendet werden, bestehen lzaupt- sächlich in deren Internierung in Kinderheimen oder Besserunge- anstalten. Di« dort versuchte Zwangserziehung scheint jedoch mehr oder weniger wirkungslos zu bleiben, denn wie im Bericht mit- geteilt wird, setzen sich die Schoren der Obdachlosen bis zu etwa 75 Proz, gerade aus geflüchteten Zöglingen der Kinderheime zu- sammen. horthp-Splhelei in Veutsthlanö. Die Kommissare der ungarischen politische« Polizei in Berlin. Wir veröffentlichten bereits die«deestattUch« Ausfag« des Hnuplbelnstungszeugen im Prozeß gegen Szanto und Genossen, Eduard Rubin, die das ganz« Gebäude der Anklage aus das Schwerst« erschütterte und die Foltermethode der ungarischen politischen Polizei rücksichtslos kennzeichnete. In dner weiteren Protokollaussage, die notariell festgelegt ist. suchte Rubin Zu sammenhänge zwischen der politischen Polizei Deutschland» und Ungarns festzustellen. Er sagte wörtlich: Am 13. März 1927 fuhr ich aus Budapest ab. um nach Berlin zu reisen. Bor der Abfahrt erhielt ich in Budapest von dem Detektivinspektor Peter chein die Adresse eines Beamten der politischen Abteilung der Berliner Polizei, an den ich mich In jeder Angelegenheit wenden und dem ich. wenn es mir gelänge, irgendetwas über die kommunistisch« Bewegung zu erfahren, alles mitteilen soll«. Der Name lautete Schesfler Hein sagte mir. daß Schesfler die Sachen der ungarischen Kom> munistcn bearbeite. In Berlin angekommen, bin ich nach«twr zwei- bis drei- wöchigem Aufenthalt zu der politischen Abteilung der Berliner Polizei gegangen und suchte Schesfler auf. Schesfler gab mir Rat schlag«, wie ich hier mit der Arbeil unter den Ungar« beginnen solle, doch betonte er schon damals, daß mein« Papiere für diese Zweck« nicht ganz in Ordnung seien und daß es wichtig wäre, neue Papiere zu beschaffen. Ich war bcki Schesfler etwa fünfmal. Bei einem der letzten Besuche bei Schesfler schrieb er mir auf den Zettel, den ich hiermit vorlege, seine Telephon nummer im Polizeipräsidium aus:„Hausonntf 681*. Zwischen dem 25. und 30. Juni 1927 wurde ich ins Hotel „Zentrum* bestellt, wo ich den lungarischen— D. Red.) Detektiv inspektor Z d e b o r s k y traf. Er gab mir Anweisungen, wie ich in Berlin unter den ungarischen und deutschen Kommunisten arbeiten sollte. Er sagt«: „Ueber Deine Angelegenheit sprach ich mit einem führenden Mann der deutschen Polizei, der Schefflers Vorgesetzter ist. Ich bin mit ihm dahin übereingekommen, daß Du von nun an mit ihm in Verbindung sein wirst. Du mußt also nicht mehr in da» Gebäude de» Polizeipräsidium» gehen, er wird Dir sagen, wo, an welchen Orten und unter welchen Um- ständen Du arbeiten sollst. Du mußt auf jeden Fall beschäftigt werden: wenn Du keine Arbeit hast, werden sie Dir welch« ver- schassen, außerdem bekommst Du ein« fixe Summe und dann werden auch Dein« Ausgaben vergütet werden. Mit diesem Manne werd« ich Dich nach meiner Rückkehr nach Berlin, un- gesähr am 10. Juli, bekannt machen. Er sagt«, daß er Dir darin behilflich sein wird, in der russischen Gesandtschaft oder in der russischen Handelsvertretung oder in einer anderen wichtigen russischen Institution angestellt zu werden, eventuell, daß Du nach Svivjetrußland entsendet wirst.* Im Hotel„Zentrum* sah ich auch Polizeirat Schweinitzer. den Führer der Untersuchung in Budapest, ats er gerade seine Schuh« in sein Zimmer nahm. Er winkt« mir zu. Als Zdeborsky nach dem 10. Juli 1927 nicht zurückkehrte ging ich zu Schesfler. Schesfler sagte, daß er davon Kenntnis habe, daß Zdeborsky und Schweinitz«? hier gewesen seien, doch habe er nickt mit ihnen gesprochen, da er verreist gewesen sei, er werde ober Schweinitzer schreiben und ihn um weitere Instruktionen bitten. Mir sagte er ferner, ich möge ihn in zwei bis drei Wochen aussuchen, dann würde ich melleicht von ihm ein« Antwort erhalten können.._______""""■■ Gegenüber diesen Angaben erhalten wir vom Polizei Präsidium Berlin solgende Darstellung des Sachoerhalts: Rubin ist als Eduard lEdef Rößler, Schneider, 17. August 1907, in Beregffas lTschechoslowakeit geboren, staatsangehörig in Ungarn, am IS. März 1927 von Budapest kommend, in Berlin zugezogen. Etwa End« Mai 1927 erschien er unter diesem Namen bei dem Kriminalsekvetär Schesfler der Abteilung I> mit einer Empfehlung des Krimi noloberinspeltors Zdeborsky von der politischen Abteilung der Budapester Stadthauptmannschast und fragte Schesfler, ob er ihm nicht zur Erlangung einer Aufent- Haltsbewilligung und einer Arbeitsgelegenheit be- Kilflich fein könne, da er in ungarischen kommunistischen Kreisen Berlins für die Budapester Polizei tätig sein wolle Oberinspektor Zdeborsky sei bereits in Berlin gewesen, jetzt nach Pari« gefahren und werde in den nächsten Wochen zurückkehren und hier persönlich vorsprechen. Schesfler erklärt« dem Rubin, er habe an der Bewegung kein Interesse und könne ihm nicht behilflich sein. Rubin erbot sich gleichwohl der Abteilung l A. Nachricht über etwaige politische Urntriebe hier sich aushaltender ungarischer Kom- immisten zu überbringen, was ihm Schefsler selbstr'erständlich an- heimstellte mit dem Hinzufügen, daß er etrva«ingehende derartige Meldungen an die zusiändiqe Stelle weiterleiten werde. Gleichzeitig sagi« er ihm, daß er bei Gefahr im Verzug« unter seinem Dienst. anrnf 681 zu erreichen sei und schrieb ihm dies« Nummer aus einen Zettel. Schesfler hat Rubin keinerlei Ratschläge erteilt, wie er seine Arbeit untev den Ungarn beginnen solle. Er bat ibm lediglich, da Rubin die Geldfrage berührte, anheimgenellt, sich an die Budapester Polizei oder die Ungarische Gesandtschast zu wenden. Ueber die unzureichenden Papiere Rubins und die Not- wendiqkeit, neue Papiere zu beschaffen, ist nickt gesprochen worden. Rubin sprach dann noch«in zweitesmal vor und erzählt« Sibefster, er sei während einer Demonstration von der Polizei f« st genommen und mit einer Geldstrafe belegt worden, Schefsler solle dafür eintreten, daß diese Straf« zurückgenommen würde, was letzterer jedoch ablehnte. Scheister hat also Rubin nur zweimal, nicht etwa fünfmal, gesprochen. Von den Vorgängen, die in der angeblichen Unterredung zwischen Zdeborsky und Rubin erwähnt werden, ist der Abteilung I A nichts bekannt. Di« Belwuptung, daß Schefsler dem Rubin gesagt habe,«st wisie, daß Zdeborsky und Schweinitzer hier gewesen seien, und daß«r dem Schweinitzer schreiben und Rubin Nachricht geben werd«. ist ein« glatte Unwahrheit. Daß der Name Rößler fatsch war, ist esst jetzt im Anschluß an di« Presseveröffentlichung bekannt geworden. Beibehaltung öer Todesstrafe! Der sozialdemokratische Autrag abgelehnt.— Die Demokraten gespalten, der Volksparteiler Kahl noch unentschieden. Schwarzweißrotes aus Uelzen. In Uelzen(Hannover) hielten die Londbündler der Provinz dieser Tage einen Kongreß ab. In der Begrüßungsansprache so wird im» von dort berichtet— führt« der Halbmeier Eord«» au», daß der Landbund schwarzweißrot sei und nie schwarz- r o t g o l d flaggen werd«. An der Tagung nahm auch der voltsporteilich« Regierung»- Präsident von Stade, Herr Rose, in seiner Eigenschaft als Landtags- abgeordneter teil. Er dacht« gar nicht daran, bei den offenen An- griffen des Halbmeiers auf die Reichsftagg« etwa den Goal zu ver- lasten. Offenbar versteht Herr Reglerungspräsident Rose sehr sein zu unterscheiden zwischen seiner Eigenschaft als hoher Regit- rungsbeamter und volksparteilicher Landtagsabgeordneter. Das Ministergehau gerichtlich beschlagnahmt wurde dem Süd- slawischen Minister ohne Portefeuille Delja Popowitsch, weil er seinen Wechselverpflichtungen einer Bank gegenüber nicht nachgekommen ist. Der Strafoesetzausschuß des Reichstage» beschäftigte sich gestern zunächst mit der Frage des Zusammenwirkens des beut- schen und des österreichischen Parlaments zweck« Schaffung eines gemeinsamen Strasgesetzbuches für Deutschland und Oesterreich. Abg. Emminger berichtete, daß sich bei dieser Zusammenkunft sehr schnell ein« völlige Uebereinstimmung über gemein- sam« Beratungen ergeben habe. Es wurde vorgeschlagen, ein« parlamentarische Konferenz zunächst in Wien obzu- halten, an welcher zehn Mitglieder des deutschen und sechs Mitglieder des österreichisct�n Parlaments teilnehmen sollen. Dlese Konferenz soll am IS. und 16. November stattfinden. Bei dieser Besprechung sollen die Punkte erörtert werden, in denen bei den Beratungen der Ausschüste der beiden Parlamente voneinander abweichend« B e j ch I ü ss e gesaßt sind. Reichsjustizminister hergt begrüßt das Ergebnis der Bor- besprechung. Es handele sich nicht um eine neu« staatsrecht- liche Bildung, die Rechte der Regierung und des Reichsrots sollen ja nicht beeinträchtigt werden. Die gemeinsamen Beratungen, bei denen Beschlüsse nicht gefaßt, sondern nur Empfehlungen ausge- sprachen werden könnten, würden dem Strafgesetz nur förderlich sein. Die deutsche Regierung werde sich an den Beratungen beteiligen. Genosse Rosenseld erklärt, daß da» Ergebnis der Bor- besprechungen die sozialdemokratische Fraktion befriedige. Sie hätte zwar eine engere Zusammenarbeit und«inen einheitlichen parla- mentarischen Ausschuß gewünscht, sie werde sich aber auch an den jetzt vorgeschlagenen Beratungen beteiligen und sie untesstützen. Ministerialdirektor Schäfer erklärt«, daß vielleicht auch die preußisch« Regierung Wert darauf legen würde, sich an den deutsch-österreichischen Derhandlungen zu beteiligen. Abg. kahl erwidert, daß dem nicht da» Geringst« entgegenstehe. Der Ausschuß belchließt nunmehr, di« Dertreter zu bestimmen, von denen zwei ausd-esozialdemotratische Fraktion entfallen, die an den Besprechungen der österreichischen Parla- mentarier teilnehmen sollen. lknükompf um öle ToSesftrofe. Der Ausschuß setzt alsdann seine Beratungen über die Todes- strafe fort. Genosse Levi führt au«: In den bisherigen Beratungen sei da» schmerzlichste die Haltung der Kommunisten. Di« Fäll« mehrten sich in denen sie auf Grund von Zusammenhängen außenpolitischer Art mit den Lebensnolwenbigk eilen der deutschen Arbellerklasse In Konflikt gerieten. Religion sei Privatsache und des- halb wolle er sich in die Beziehungen der Kommunisten zu Moskau nicht einmischen.(Heiterkeit.) Gewisse Aeußerungen dieses Glaubens wirkten aber auf un« zurück. Wenn der ganz« Unterschied zwischen dem kapitalistischen Staat Deutschland und einem sozialistischen Staatswesen Rußland darin besteh«, daß hier und dort geköpft werd«, aber nur in Deutschland die Tat verwerflich, in Rußland dagegen moralisch sei, so könne man uns nicht übelnebmen, wenn uns das Wasier im Munde nach solchen Aeußerungen nicht gerade zusammen- laufe.— Im übrigen habe die sonstige Debatte vielerlei ergeben. Er wolle nicht neue Argumente, sondern da« denkbar älteste Argu- ment vortragen, nämlich«ine Red« von Thukydydes. Die Erfahrungen von Jahrhunderten und Jahrtausenden zeigten. daß die Todesstrafe nicht schreck«. Der an dt« Abschreckung glaube, müßte eigenMch die Todesstrafe mll allen Schrecknissen der modernen Technik vesschärfen. Dann würden nicht einmal mehr di« fraulichen Gefühl« der Frau Müller-Ottfried Befriedigung finden. Außer ihr, einer Frau. seien nicht viel im Ausschuß, di« noch an die Abschreckung der Todes- strafe glaubten. Bor ollen Dingen spreche die Möglichkeit von Justizmorden gegen di« Todesstras«. Justizmord sti zweifellos begongen an dem Duolo-Häuptling Mango Bell, der trotz seiner offenbaren Unschuld noch Kriegsausbruch ohne ordent- liches Berfahren durch ein Kriegsgericht verurteilt und aufgehängt worden fei. Bor seinem Tode habe«r die Deutschen oerwünscht und als seinen letzten Willen ausgesprochen, daß den Boden seine, Volke« Deutsche nicht mehr betreten sollten. In einem anderen Fall sei in Deutschland ein Poliaeibeamter wegen Begehung von zwei Lustmorden verhaftet worden. Dann Hobe man ihn für geisteskrank erklärt und in«in« Irrenanstalt gebracht. Kurz darauf habe man ihn für gesund erklärt und au» dem Irrenhau» entlassen. Wo bleibe da die Sicherung der Gesellschaft? Wenn immer auf die Gefühl« des Volkes Hingewlesen würde, das die Todesstrafe verlange, so dürfe man doch nicht jeder Boltsstimmung nachgeben. Das sei nicht Demokratie, sondern Demagogie. In Hunderten von Fällen sei di« Sozialdemokratische Partei gegenüber gewissen Instinkten im Volk« ausgetreten und hob« moralische Prin- zipien verkündet. So sei die Partei z. B. groß geworden im Kampf gegen die törichte Bewegung der Maschinenstürmerei. So habe sie in den Iahren 1924—1926, als zwei Millionen Arbeitslose auf der Straße lagen, gegenüber dem Appell an die Instinkte der Arbeit«- losen darauf hingewiesen, daß die Rationalisierung notwendig sei, weil sie eine Steigerung der Produktivität der Gesellschaft bedeute. Die Todesstras« sei au» der Privatrach« erwachsen. Als die Staats- gewalt dem einzelnen die Privatrache nahm und die Strafgewalt des Staates etablierte, sei auch di« Stimmung de« Volke» dagegen ge> wesen. Schließlich solle man auch daran denken, daß bei Hin- richtungen nur«in Gefühl der Scheußlichkeit Platz greisen könne. Alle logischen Argumente, welche für die Todesstrafe vorgebracht worden seien, seien brüchig und unhaltbar. Und über die Instinkte. die für di« Todesstrafe sprechen sollen, muß die Menschheit triumphieren. Deshalb weg mit der Todesstrafel Kommunistifth-üeutschnationale Einheitsfront. Abg. Raedel(Komm.) suchte di« zwiespältige Haltung der Kommunisten in Deutschland und in Rußland unter Angriffen aus di« Sozialdemokratisch« Partei zu rechlfmiqen. Er berief sich dabei aus einen in der Parteipresse einmal erschienenen Artikel, in welchem gesagt wurde, daß auch in einer sozialistischen Gesellschaft die Todesstrafe nickst zu entbehren sei. Abg. Lohmano(Dnat.) begrüßt die Ausführungen Raedels, der durch jenen Artikel di« grundsätzlich« Stellung der Sozialdemokratie für die Todesstrafe bewiesen habe. Genosse Dr. ZNose» erklärst«, daß er wohl noch niemals so tief erschüttert worden sei al» durch die Ausführungen der Frau Müller-Ottfried. Es sei wohl noch nlchl dagewesen, daß eint Frau gerade vom Slandpuukl der Frau aus dl« Todesstrafe gerechtsertigt hob«. Ihm fehlten die Wort«, um dies« Frau zu charakterisieren, und ihm fehl« auch jedes Berständni» für«in« solch« Frau. In den Reihen der Sozialdemokratischen Partei würde sich kein« Frau finden, die in gleichem Sinne sprechen könne wie Frau Müller-Ottsrieo. Außer- ordentlich bedauerlich sei auch das Berhalten der Demotraten. bei denen nur ein« klein« Mehrheit für die Abschaffung der Todes- strafe sei. Der Liberalismus hob« doch zu allen Zeiten di« Abschaffung der Todesstrafe gefordert. In der Preußischen Nationalversammlung seien 1648 294 Stimmen gegen und nur 37 Stimmen für die Todesstrafe abgegeben worden. Damals Hab« stch besonders der preußische Iustlzminlster mit äußer- ster Schösse gegen di« Todesstrafe gewandt. Man habe im Aus- schütz auch von der Hinrichtung gesprochen. Wie könne man sagen, daß«ine Hinrichtung würdig vollstreckt werden könne. Es sei grausig, daß der Staat sich zum Henker mache. Gerade durch die Todesstrafe werde der Anreiz zum Töten noch vesstärkt. Erinnerungen aus öer Geschichte. Gen. Dr. Adolf Braun ist darüber erstaunt, daß die bürgerlichen Parteien, di« hier satt ausnahmslos für die Todesstrafe seien, so wenig au» der Geschichte gelernt hätten. Sie schienen di« Bor- geschichte der französischen Revolution vergessen zu haben. Damals hätten gerade Iustizurteile außerordentlich erregend auf die Massen gewirkt. Die protestantischen und die katholischen Mitglieder des Ausschusses sollten on das Todesurteil gegen Jean Colas denken, der durch ein Urteil zum Tode durch dos Rad verurteilt und getötet, nachher aber als unschuldig erkannt wurde. Er habe nicht wieder zum Leben gebracht werden können. Es sei gerade die„K r e u z- Z e i t u n g* gewesen, die 1877 on diesen fürchterlichen Justizmord erinnert habe.(Abg. Zapf: Justizmorde sind niemals zu verhindern!) Doch, sehr einfach durch Abschafsung der Todesstrafe. 24 Nechtslehrer protestieren! Genosse Rosenseld macht noch daraus aufmerksam, daß in öffenUichen Erklärungen der Bund entschiedener Schul- reformer und ein« große Anzahl von Juristen, darunter nicht weniger als 2 4 Professoren mit Namen von Klang, sich noch in letzter Zeit gegen die Todesstrafe ausgesprochen hätten. Dos sei auch immer der Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei gewesen. Wenn einmal in einem sozialdemokratischen Blatt bezüg- lich der sozialistischen Gesellschaft«in etwas anderer Standpunkt eingenommen sei, so sei das auf die in der Partei herrschend« freie Meinungsäußerung zursickzusühren. Die Partei al» solche habe immer gegen di« Todesstrafe gekämpft und sie habe demgemäß auch in der Zeit, in der sie die Macht ausgeübt habe, niemal» ein Todes- urteil vollstrecken lassen. Was di« Haltung der Kommu- nisten anbetrifft, so bedauere er sehr, daß sie zwar gegen die Todesstrafe stimmten, in Wirklichkeit aber in den unheilvollen An- schauungen besangen seien, daß man sozial« Krankheiten mit dem Beil heilen könne. Den Deutschnationalen wolle er sagen, daß in den Reihen der Sozialdemokratischen Partei niemals Mörder gewesen seien. Hoedel und Nobiling seien beide Anhänger der Christlichsozialen Partei gewesen. Das Republlksckutzgesetz mit der Androhung der Todesstras« sei nicht denkbar gewesen, wenn nicht di« Ermordungen»on Erzberger und Rathenau vor- angegangen seien durch Leute, die den D e u t s ch n a t i o n a l e n nahegestanden hätten. Wenn die Deutschnationalen so sehr gegen die Todesstrafe im Republikschutzgesetz seien, warum hätten sie dann selbst die Verlängerung dieses Gesetzes bean- tragt und beschlossen? Friedrich Tidler über seine Tat. Dem Abg. Zapf gegenüber, der die Todesstrafe mit der Er- mordung des Minister? Stürgkh verglichen hob«, wolle er einen Bssss de» Genossen Fritz Adler oerlesen, ver ihm geschrieben Hab«: „Oesterreich war im Weltkriege ein rein absolutistischer S t a a t, da» Parlament ist weder vor dem Kriege noch in den ersten drei Iahren des Ksseges auck nur ein einziges Mal zissqmmen- getreten. Es gab.keine m der Verfassung begründete Justiz in Oester- reich, sondern alles beruhte aus dem offenen, von niemandem be- zweiselken Verfassungsbruch. Es bestand somit«in offener Kriegszustand zwischen Volk und Regierung. Da» Attentat. für das ich die Verantwortung trage und das ich ebenso wie vor elf Jahren durch di« Umstände historisch gerechtsertigt ansehe, gehört in keiner Weis« in das Gebiet der Justiz, sondern«» war eine Kriegshandlung in diesem inneren Ksseg. Und ebenso war das Todesurteil, dos gegen mich ausgesprochen wurde, kein Akt der Justiz, sondern ein« Krtegshandlung. Ganz anders steht dies Problem im demokraktschen Staat wenn das Recht der freien Meinungsäußerung und der politische« wirksamkett gegeben Ist. holte ich ein Attentat sür unzulässig. Die Nachkriegszeit hat mich in dieser meiner Auflassung stet« nur gestärkt, und Ich halte alle Attentate, die im demokratischen Staat ver- übt worden sind, sür strafwürdig« Verbrechen und verurteil« sie um so mehr, da ich glaube, daß derjenige, der ein menschliches Leben bedroht, vor ollem sein eigenes Leben einzusetzen und sich zu seiner Tat zu bekennen hat. Ebenso wie ich Attentate im demokratischen Staat sür unzulässig halte, ganz ebenso auch die Todesstrafe.* Damit dürsten die Versuche, di« Todesstrase mit d»m Attentat Adler» zu rechtfertigen, essedigt sein. Nach dem Dessaus der D«* basten sei erforderlich, anerkannte Sachoer ständig« des Strofrechts und des Strafvollzug», wie Professor L i e p m o n n und den Präsidenten des Strafvollzugs, Finkelnburg, darüber zu hören, ob die Todesstrafe eine abschreckende Wirkung habe und ob sie zur Sicherung de» Staate» notwendig sei. Die Regierung müsse auch eine Denkschrift vorlegen, über die in den letzten zehn Jahren in Deutschland vorgekommenen Justizirrtümer. Beides be- antrage die sozialdemokratische Fraktion. Sie werde aber in jedem Falle geschlossen gegen die Todesstrafe tämpsen Eine Erklärung öes /Ibg. kohl. Bor der Abstimmung erklärt Abg. Saht, daß man seines Cr- achten» den Verzicht auf di- lodesfirase nur in Erwägung ziehen käane, wenn ein ausreick�nder Apparat von Stckieruilgsmahuahmen eingebaut werde. Er behalte sich seine letzte Erklärung vor. bi« er sehe, welche Gestalt da» ganze Gesetz annehmen werde. Bei der Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag, di« beiden Sachverständigen zu hören, wird der Antrag mit den zehn Stimmen der Sozialdemokraten gegen die 18 Stimmen der aller übrigen Parteien mit Einschluß der Demokraten o b- gelehnt. die flbstlmmung. Zu dem sozialdemokratischen Antrag auf Borleaung der Denk- schrift erklärte Ministerlaidirektor Rumke, daß die Regierung«ine solche Denkschrift vorlegen werde. Genosse Rosenseld beantragt. die Abstimmung über die Todesstrafe zurückzustellen bi» nach Vorlegung der Denkschrift. Abg. Bell(Z.) beantragt, di« Abstimmung sofort vorzunehmen. Genosse Rosenseld erwidert, daß der Standpunkt sehr merk- würdig sei. Die Regienxna erkläre, di« Denkschrift vorlegen zu wollen, der Ausschuß lege aua? auf die Denkschrift Wert, gleichzeitig aber werde erklärt, daß die Abstimmung ohne die Denkschrift gelesen zu haben, vorgenommen werden solle. Die bürgerlichen Parttien beriesen sich zur Rechiseriigung der Todesstrafe aus die Volks- stimmung. Was werde aber da» Volk zu diesem merkwürdigen Bor- gehen de« Ausschusse, sagen? Abg. kahl: Es sei allerdings nicht zu bezweifeln, daß das draußen «Inen gewissen Eindruck machen werde. Er werde sich jeden- falls der Stimme enthalten. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratische Anlrag aus Aussetzung der Abstimmung bis zur Beibssngung de» amtlichen Material» von allen bürgerlichen Parteien einschließlich der Demokraten mit 17 Stimmen gegen 10 Stimmen abgelehnt bei Stimm. enthaltung de» Abg. kahl. Schließlich kommt es m der mitgeteilten Endabstmimung. Streitnachklänge in MittelöevtschlanA. Zuzug fernhalte«. Die unterzeichneten, an dem mitteldeutschen Braunkohlentarif bo» toikigten Gewerkschaften haben den folgenden Aufruf an die Bergarbeiter gerichtet: .Gin« Anzahl Braunkohlengruben hält sich nicht an die zwischen dem Arbeitgeberverbond und den Gewerkschaften getroffene Vereinbarung über die Wiedereinstellung aller Braunkohlenarbeiter. Es kommen in Betracht das Forster, Niederlausitzer und das Frank- furter(Oder) Revier. Der Arbeitgeberoerband erklärt uns, feine Mitglieder zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen an- gehalten zu hoben. Eine Anzahl Kameraden ist aber auf den nachstehenden Werken nicht wieder eingestellt worden: R.enat«, Anna-Mathilde, Marga und Erika von der Jlse-Lergbau A.-G.: Klara, Henriette, Wenninghofs und Ferdinand von der Eintracht� Viktoria II, Viktoria III, Anna I» II. III, Sägewerk, Alwine, Heye I und II. Heye III, Felix, Mariannenglück und Pfännerschaft von den Nieder» lousitzer Kohlenwerken: Meurostollen, Elisabethglück, Kronprinz Friedrich Ferdinand, Konrad, Theresia, Robertsegen, Em'lienglück, Am nassen Fleck von den Neuen Senftenberger Kohlenwerken. Nach diesen Gruben ist jeglicher Zuzug streng fernzuhalten.— Die Geschäftestellen der am Tarifvertrag beteiligten Organisationen werden ersucht, diesen Aufruf in allen in Frage kommenden Ar- beiterkreisen bekanntzugeben. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten." verband der vergarbeiter Deutschlands. Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter Deutschlands. Gewerkverein Hirfch-Duncker. Deutscher vlelallarbeiterverband. Deutscher Fabrikarbeilerver- band. Verband der ZNoschinisten und Heizer Deutschlands. Siemens gegen flrbeitgeberverbänüe. Um die Angestelltenversicherungswahl zu behindern. 0 Das AfA-Ortskartell Berlin hat Veranlassung genommen, an die Haup. stelle der Arbcitgeberverbände das Ersuchen zu richten, die angeschlossenen Verbände imd Mitgliedsfirmen aufzufordern, die Angestellteuversicherungskarten, die als Wahl- a u s w« i s dienen, generell den Angestellten rechtzeitig aus- zuhändigen. Auf dieses Schreiben hat das AfA-Ortskartell folgenden Bescheid erhalten: »Unter Bezugnahine auf Ihr Schreibe» vom 19. Oktober d. I.. Tageb.-Nr____ teilen wir Ihnen mit, daß wir unsere Mitglieder- verbände gebeten haben, ihre Mitgliedsfirmcn aufzufordern, für die rechtzeitige Aushändigung der Versicherungskarten zur Wahl der Vertrauensmänner and Ersatzmänner in der Angestelltenverstcherung an die wahlberechtigten Angestellten Sorge zu tragen. Hochachtungsvoll Hauptstelle der Arbestgeberoerbände gez. Unterschrift." Entgegen dieser klaren Stellungnahme der Hauptstelle der Ar- beitgeberverbände haben es die Juristen der sozialpolitischen Ab- teilung des Siemens-Konzerns fertiggebracht, einen Weg zu finden, um die Wahlbeteiligung in»ihrem Sinne" zu beeinflussen: sie händigen die Karten nur auf Anfordern den einzelnen Angestellten aus. Trotz dieser Erschwerung müssen die Angestellten des Siemens- Konzerns ihr Wahlrecht als Wahlpflicht ansehen, die zum Aus- weis unbedingt erforderlichen Versicherungskarten anfordern imd zur Wahl gshen!_ Sabstieet Sie Reichsbaha Sie SefolSvagserhöhuag! Sie droht wieder mit Tariferhöhung; Vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages hat der Reichs- ftnonzmwister Dr. Köhler erNSrt. daß nach seinen Informationen die Reichsbahngesellschast ihr« Beamtengehälter im gleichen Ver- hältnis. wie es die Besoldungsreform der Reichsregierung vorsieht, erhöhen kömw ohne ein« Steigerung der Tarifsätze. Demgegenüber erklärt jetzt �D e r Deutsche", das Organ Steger- Wold«, die Reichsbahngescllschaft stehe aus dem Standpunkt, daß ein« Erhöhung der Gehälter ihrer Beamten nur möglich ist, wenn gleichzeitig eine Tariferhöhung vorgenommen werde. Beim Kabinett sollen bereits entsprechende Schritte ein- geleitet sein. Wenn diese Nachricht zutrifft und die Reichsbahn tatsächlich die Angleichung der Gehälter ihrer Beamten an die Sätze der neuen Besoldungsreform von einer entsprechenden Erhöhung der an sich übersetzten Reichsbahntarife abhängig machen will, dann muß sie zunächst mindestens den rechnungsmäßigen Nachweis dafür er- bringen, daß die Reichsbahn finanziell tatsächlich nicht in der Lage ist, eine Gehaltserhöhung ohne Tariferhöhung vorzunehmen. Oder soll sie etwa jetzt gegen die Besoldungsregelung die Rolle des schwarzen Mannes spielen, die dem Reparationsagenten ver- geblich zugemutet wurde? )?agestelltem>ersicheruogs«ahl uaS ZSM. Die Ortsgruppe Berlin des Zcntralverbandes der Angestellten hielt am Dienstag eine außerordentlich gut besuchte Funktionär- Versammlung ob. in der vom Vorsitzenden G o t t f u r ch t noch- mal? eingehend alle für die Angestelltenoersicherungswohl bedeu- ttingsvollen Einzelheiten erörtert wurden. Mit besonderer Genug- tuung tonnte der Redner feststellen, daß unter den Funktionären und den Mitgliedern anläßlich der Wahl große Begeisterung herrscht. und daß die notwendigen Arbeiten in vollem Gange sind. Diese Arbeitsfreudigkeit der Kollegenschaft ist der beste Ausdruck dafür, daß es anläßlich der Wahl nicht nur daraus ankommt, sreigewerk- schaftliche Vertrauensmänner für die Angestelltcnversicherung zu wählen, sondern gleichzeitig eine großzügige Propaganda für die freien Angestelltengewerkschaften zu ent- falten. Nach der Bekanntgabe der von der Ortsgruppe Groß-Dcrlin des AdA. bereits durchgeführten und noch weiterhin vorgesehenen Propagandamaßnahmen sowie nach der Beantwortung verschiedener von de» Flmtttonären gestellten Fragen schloß die von amrähernd 809 Funktionären besuchte Versammlung. Der gute Besuch und die Kampfstimmung unter de» Funttio nären sind der beste Beweis für einen sieghaften Wahlkampf, sowohl für die Listen des Zentrolverbandes der Angestellten wie sur die Liste» der anderen freien Angestelltengewerkschaften. Rangiererlos. Auf dem Bahnhof Riederfchöaeweide-Zohanniskhal. Am 29 Oktober verunglückt« der Rang'erer M. Damaschke auf Bahnhos Niederschöneweide. Johannisthal dadurch tödlich, daß er beim Anhängen der Wagen zwischen die Puffer geriet und gequetscht wurde. Auch hier ist die R e i ch s b a h n o« r wa l t u n g, wie in so manchen anderen Fällen, nicht ganz schuldlos an der Vernichtung dieses Menschenlebens. Wie uns mitgeteilt wird, ist die B e l« u ch tung auf diesem Bahnhof völlig unzureichend, weil die ungenügend vorhandenen Lampen viel zu hoch hängen und der Bahnkörper durch diesen ilmstand im Dunkel gehüllt ist. Weiter ist es auf dem Bahnhof Niederschöneweide-Iohannisthal üblich, den neu in den Rangierdienst eintretenden Bediensteten die als unzweck mäßig verworfenen, früher im Gebrauch befindlichen Oellampen als.Hcndlatcri« beizugeben. Die von der Verwaltung neu ein- geführten, sich in der Praxis sehr gut bewährten Karbidlampen werden den neu eintretenden Ragierern aus Sparfamkeits- gründen vorenthalten(dafür aber Leistungszulagen an die Vorgesetzten gegeben). Auch am Unglücksabend mußte der Getötete sich mit einer der artig veralteten Lam�e begnügen. Alle Proteste des Verunglückten gegen diese lebensgefährliche Sparsamkeit waren ohne Erfolg ge- blieben. Er wnr deshalb genötigt, seine gefahrvolle Arbeit i n fast völliger Dunkelheit auszuführen. Der verant- wortliche Dienstleiter, um nur möglichst angenehm bei seiner vor gesetzten Behörde als sparsamer Dienststellenleiter auszufallen, hat den elementarsten Schutz der Menschenleben vernachlässigt, um nach oben als.sparsamer" Beamter zu erscheine». Es wird die höchste Ze't, daß sich die zuständige Reichsbahnstelle auch einmal den Bahnhof Niederschöneweide-Iohannisthal etwas näher ansieht und daraus achtet, daß die zur Vermeidung solcher Unfälle getroffenen Maßnohmen der Verwaltung auch aus diesem Bahnhof durchgeführt und beachtet werten, denn Opfer hat dieser Bahnhof leider bereits genug gefordert. Konflikt bei der Stadtgüter-Milchvcrwcrtnngs- G. m. b. H. Die Arbeiterschaft der Siadtgüter-Milchoerweriungs-ffl. m. b. H. in Weißensee hatte ein« Erhöhung der Tariflöhn« um I 9 P f. pro Stund« gefordert, nachdem ihr schon im Juli d. I. eine Zulage versprochen worden war. In den Verhandlungen mit dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter er- klärte sich die Geschäftsleitung nur bereit, den gelernten Arbeitern sowie den Krafiwagenführern eine annehmbare Zulage zu gewähren. Die angelernten Arbeiter sollten nur-il) Pfennige wöchentlich haben, die Ungelernten 1,90 M. und die Frauen 60 Pf. In einer Versammlung der Arbeiter am Montag berichtete der Vertreter des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeitcr über das Ergebnis der Verhandlungen. Nach einer äußerst erregten Debatte wurde das Angebot«in st immig abgelehnt und die Lohnkommission beauftragt, nochmals mit der Gcschöftsleitung zu verhandeln. Die vollzählig organisierten Beschäftigten brachten eindeutig zum Ausdruck, daß sie gewillt sind, für die Durchsetzung ihrer Forderungen mit ollen gewerkschaftlichen Mochtmitteln einzutreten, wenn die Ge- schästsleitung sich zu keinem weiteren Entgegenkommen bereit zeigen sollte. Die Ärbeii'crschaft fordert lediglich eine Gleichstellung im Lohn mit den Arbeitern ähnlicher Betriebe. Die Geschäftsleitung hat sich, soweit wir erfahren, zu nochmaligen Verhandlungen bereiterklärt. Urabstimmung üer Hotarbeiter. Zar Verschmelzung mii den Vekleidrmgsarbeüern. Der Verbands vorstand des Deutschen Hutarbeiterverband«« schreibt für die Zeit vom S. bis 12. Dezember eine Urabstim- m u n g aus über die Verschmelzung mit dem Deutschen Bekleidungsarbeiterverband. Die Urabstimmung wird auf Grund eines Beschlusses des Verbandsbeirotcs angeordnet, der gleichzettig die mit den Bekleidungsarbeitern vereinbarten Richtlinien annahm, über die die Mitglieder in der Urabstim- mung zu entscheiden haben. Nach diesen Richtlinien sollen die Hutarbeiter im Rahmen des Bekleidungsarbcitcrverbandes«ine Sektion bilden, die besondere Branchenkonferenzen einberufen kann. Die im Hutarbeiter- verband erworbenen Rechte, besonders auch die der Invaliden und der Mitglieder der Frauenstcrbekasse, werden anerkannt. Die Hut- arbeiter erhalten in den Organen der Gesanttorganisation ein« an- gemessene Vertretung. Den Hutarbeitern ist die Annohme dieser Richllinien nur zu empfehlen. die Voraussetzungen des Kampfes. Winkelzüge der Sowjetstrategen. Di«»Rote Fahne" mäkelt mit sauersüßer Miene an dem Be- schluß der Ortsverwaltung des Deutschen Mctollarbeiterverbandes herum, für die Former der BBMI.-Betriebe ein« allgemeine Lohnerhöhung von 16 Proz. zu fordern. Die Bechandlungen darüber dürften nächst« Wache aufgenommen werden. Di«»Rot« Fahne" stellt die Dinge so hin, als wenn es die .Opposition" gewesen wäre, die die Lohnbewegungen der letzten Monate geführt habe, und daß es ihrer Akttvität zuzuschrei- den sei, wenn die Mitgliederzahl im Deutschen Metallorbeiteroer- band im erfreulichen Ausstieg begriffen ist. Die Kenner der Ver- Hältnisse werden für die Behauptungen der„Roten Fahne" nur«in Lächeln übrig haben. Nun beruft sich dje„Rote Fahne" auf die Tatsache, daß die Branchenleitung der Forruer kommunistisch ist, um die Lohn- sorderung gewissermaßen als einen Erfolg der KPD. hinzustellen. Tatsächlich Hot die Ortsoerwaltung nach dem Scheitern der Lohnverhandlungen mit dem VBMI. der Branchenlettung der For- m«? den R a t gegeben, nunmehr eigene Lohnforderun. gen aufzustellen. Einen Gegensatz zwischen der Ortsoerwal- tung und der Branchenleitung der Former hat es in dieser Frage nie gegebe«. Solche Gegensätze werden nn? von der„Steten Fahne" konstruiert, weil den Sowjetstraiegen die gewerkschaftLche Geschlossenheit der Arbeiter ein Dorn im Aug« ist. Das geht so weil, daß die.Rot« Fahne" nicht einmal richtig zu zitieren vermag. Wir hatten in unserem Artikel im gestrigen Abendblatt unter anderem geschrieben: .Die verantwortliche Gewerkschaftsleitung— ob dies« Sei« tung aus Kommunisten oder Sozialdemokraten besteht— denkt notwendig anders darüber." Wir haben also ausdrücklich anerkannt, daß die Kommunisten, sowie sie in verantwortlicher Stellung sind, notwendig die ihnen anhaftenden Eierscholen der kommunistischen Demagogie abstreifen. Die„Rote Fahne" zitiert den angeführten Satz, läßt aber den Zwischensatz,„ob diese Leitung aus Kommuni st en oder Sozialdemokraten besteht", weg. Mit den Leuten aus der Münzstraß« über die Voraussetzungen zu einem Lohnkampf zu diskutieren, ist zwecklos. Wir wollen hier nur nochmals feststellen, daß im mitteldeutschen Braun- kohlenarbeiter streik die Mehrzahl der Braunkohlen- arbeiter bei Ausbruch des Streiks gewerkschaftlich organisiert war. Di« gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter ist zwar nicht die einzig« Voraussetzung für die erfolgreiche Führung von Lohn- kämpfen, sie ist ober eine Voraussetzung, was der„Roten Fahne" jeder kommunistische Gewerkschafter bestätigen wird. Warum auslänüifche Lonöarbeiter? Die Meinung des Iliederschlesifchen Oandesarbeiksamks. Die„Breslauer Dolkswacht" berichtet in Nr. 222 über eine Prcssebesprechung, die beim jetzigen niederschlesischen Landesarbeitsamt über die Wauderarbeitsfrage stattfand. Nach dem Bericht hat der Landesrat Gärtner erklärt, daß trotz der immer noch erschreckend hohen Arbeitslosenziffern in Schlesien eine wesentliche Zulassungs- bcschränknng von ausländischen Wanderarbeitern für die schlesische Landwirtschaft unter anderem deshalb nicht erfolgen könne, weil der Zustand der zur Verfügung stehenden Wohngelegenheiten auf dem Lande nach Feststellungen des Landesarbeit s- a m t e s derart ist, daß sie deutschen Arbeikern nicht zugemutet werden könnten. Wir trauen dem Landesrot Gärtner vom niederschlesischen Landesarbeitsamt zu, daß er amtliche Erklärungen mit großer Vor- ficht abgibt. Wenn er Pressevertretern gegenüber trotzdem ausspricht, daß die aui dem Lande zur Verfügung stehenden Wohngelegcnheiten deutschen Arbeitern unmöglich zugemutet werdeck könnten, läßt das Rückschlüsse aus die Art zu, in der die ausländischen landwirt- schaftlichen Wanderarbeiter bei den Großgrundbesitzern untergebracht werden. In seinen Schlußfolgerungen können wir Herrn Gärtner ebenso- wenig folgen, wie die„Breslauer Volksmacht". Wir meinen: wenn die Wohngelegenheiten auf dem Lande menschenunwürdig sind, beweist das nicht, daß nun ausländische Wanderarbeiter hereingeholt werden müssen, sondern daß mit den landwirtschaftlichen Unternehmern ein sehr ernstes Wort geredet werden m n ß. Diesen nmß kategorisch erklärt werden, daß ihr Arbeiter- bedarf den Behörden gleichgültig itt, solange sie nicht selbst alles getan haben, die deutschen Arbeiter zu befrie- digen und sie für das Verbleiben im Betriebe zu interessieren. DnS Internationale Arbeitsamt und Südafrika. Der stellvertretende Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Butler, hat einer Einladung der Regierung Südafrikas Folge geleistet und wird den vier Provinzen der südafrikanischen Union von Kapstadt aqs einen Beliich abstatten. Er wird bei dieser" Gelegenheit wegen der R a t i s i k a t i o n der internationalen Ar- beitsübereinkommen verhandeln und mit den berufenen Vertretern der Arbeitgeber, und Arbeitnehmerorgonisotionen Fühlung nehmen. In den Industrie, und Bcrgbougebieten Südafrikas wird er sich über die Lebensbedingungen der weißen und farbigen Arbeiter unterrichten._ Die dänische Arbeilsloflgkeik ist nach der amtlichen Statistik in der vergangenen Woche um 1663 Mann gestiegen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen Dänemerks wird amtlich mit 48 329 angegeben. Die wirkliche Arbeitslosigkeit dürfte rund 19 Proz. höher sein. ffwi*«»w.rkI«a»,i»Sk»l> Donnerstag, t»>z Uhr, tagen die Gruppen:«iidn-esten: Jugendheim Porckstr. II, FodritgebSude. Vor. trag:„Groß. Berliner Berkehr.— Nipenick: Gruppenhcim Jugendheim Grünauer Str. d. Hcimbesprechung. Erjeihlung:„Eelbsterlcbte» vom». Z!o> »ember ISIS."— Tempelhof: Gruppenheim Lnzeum, Germamaftr. 4 6 Heim. '-rspreihung.— SSdostea: Sruppenheim Reichenbcrgcr Str. ö« ilZeuerwehrhaus). «imbespretrung. Glaßdrenner-Abend.— Geiuudbr»»»»»: Gruppenhcim Siote chule, Dotendurger Straße. Heimbesprechung. Anschließend ein Abend itflistischer Kunst.— tlharlottenburg: Jugendheim Spreesir. Z0. Keim- besprechung. Stegreifspiele.— Land.berger Blaß: Jugendheim des Ostens, Große ssrankfurter Str. 16, Quergeb. pari., Zimmer 2. Heimbclprechung. Per. bandsbuch und Heimausweis mitbringen.— Rordkreis-Surlu,: Um 20 Uhr im Jugendheim Orth,(fcke Schönstedtstraße.— Frankfurter Allee: Sruppenheim Stadtisckxs Jugendheim Litauer Elr. l«. Zimmer 3. Liederabend. Nnndgrtnnged der Ortsgruppe Groß. Berlin de» gentraloeebande» der An» rite». Heute, Donnerstag, 20 Uhr: Schöneberg: Büraerlaal de» neuen Nothauscs, Budolf-Wilte-Plati. Redner: Friß Schröder, Mitglied des Per» dandsvorstantes, Dr. Paul Kerß, M. d. R. G» wirkt mit der Männerchor Friedenau. Ctegliß.— Rariendorf: Maricndorser Gesellschaft:! Hans, normal» Graßl, llhausscestr. 306. Redner: Ott» Kaußhcrr, Mitglied de» Berkandsvor. stände». Erich Kuttner, M. d. L. Es wirkt mit der Männerchor vom Polkschor Tempelhof-Mariendorf.— Reinickendorf: Restaurant Müller, Reinickendorf. West. Schorn weberstr. 14. Redner: Rudolf Karsten, Otto Meier, M. d. L. Es wirkt mit der Männerchor Reinickendorf.— Kaufmännisch» und Bureau- angestellte, besucht zahlreich die Beranstaltungen eurer Organisattont Deutscher Kolzardelterocrdand. Die Sißung der erweiterten Verwaltung bildet am Freitag, 4. November, l» Uhr, im Sißungslaal Rungestr. 30 statt. Berantwortli» für Politik: Dr ttnrt Geyer: Wirtschaft:». Kltngclhöserj Siwerkschaktsbcwcgunä: Z. Steine»! Feuilleton: K. K. Discher: Lokale» und Sonstige,: Friß»srstädt: Anzeigen: Th.«locke; sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. m b H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdrnckeret und Lerlagsanstal» Paul Singer u Eo Berlin SW 68. Lindenftraße ß Hier» I«eilaoe»»nd.ttlnterdaltnno»ad Willen- Rophieev$äle] | Sophienstr. 18* Norden S2S« �112842| 2 FOr Vereine und Versammlungen 2 in jeder GröBe Und oufÄ Ävot die Hr. 520 ♦ 44. Jahrgang z. Heilage ües vorwärts Dannerstag, Z. November 7427 Die Toöesnacht öer Irauv.heyöebranö Mord oder Selbstmord?— Ein entlastendes Gutachten für Heydebrand. Im weiteren Berlauf des Prozesses verlas der Vorsitzend« ein am 28. Juli 192ö abgefatztes Testament der Frau v. ijeyde- b r a n d, in dem es heitzt:„Da ich von meinem Mann in der ver- letzendsten Art behandelt wurde und er mir unerhörte Zumutungen gestellt und Geld von mir durch Zahlungsbefehle abgenommen hat, entziehe ich ihm den Pflichtteil. Als Erben setze ich den ältesten Sohn meines Schwagers, Otto v. Z o b e l t i tz, ein."— Vors.: Kannten Sie dieses Testament vor dem letzten Beisammen- sein?— A n g e k l.: Nein.— Vors.: Sie haben dann später das Testament angefochten mit der Begründung, daß bei dem letzten Bei- sammensein eine Versöhnung stattgefunden hat. Sie klagen auch auf Auszahlung des Pflichtteils und der Rente in Höhe von 12 000 Mark jährlich.— A n g e k l.: Jawohl. Nach kuitzer Paus« befragte der Borsitzende Herrn v. Heydebrand über die Lag« und Einrichtung der Villa in K n i e g n i tz. Im Schlafzimmer, das zu ebener Erde liegt, standen die Betten neben- einander, an jeder Seite ein Nachttisch. Dann wurde der Angeklagte an den Richtertisch gerufen, um zu demonstrieren, wie die Pistole, das Eigentum Herrn v. Heydebrands, funktioniere. Hierauf wurde die öeweisaufnahme eröffnet und die Wirtschafterin Frau Marie Anders(nicht Schreiber) ver- nommen, die in der Todesnacht in dem Haus„Waldesruh" in Kniegnitz anwesend war. Die Zeugin hat Frau v. Heydebrand erst am Todestag kennengelernt. Sie bekundete, daß die beiden Gatten getrennt angekommen seien. Beide hotten nach dem Essen gelacht und gescherzt und abends musiziert. Um!4S Uhr sei das Ehepaar ins Schlafzimmer gegangen. Sie selbst habe im Neben« zimmcr geschlafen. Sie habe wohl gehört, daß beide sich unterhalten haben, hätte aber nichts verstehen können. In der Nöcht habe sie plötzlich ein Geräusch gehört, und da sei schon Herr v. Hey de- brand in die Küche gestürzt. Der Herr hielt sich am Tisch fest und stammelte:„Sie hat sich das Leben genommen." Ich fragte: �Ho, wie denn?" Er erwiderte:„Mit der Wafse." Ich habe da gesagt:„Sehen Sie, die Waffe. Nun werden die Leute denken, Sie hoben das getan."— Vors.: War der Angeklagte bekleidet?— Zeugin: Er trug eine Hose und einen Schal. Er war ganz blaß und zitterte.— Vors.: Gingen Sie mit ihm in das Sterbszimmer? Was sahen Sie da?— Zeugin: Die Leiche lag auf der linken Seite und war bis zum Hals zugedeckt. In der rechten Hand hielt die Frau den Revolver.— Vors.: Haben Sie genau gesehen, wie die Hand die Waffe umspannte?— Zeugin: Nein, ich habe später nur gesehen, wie der Doktor ihr die Waffe aus der Hand nahm. Der Arzt schloß das Zimmer ab und gab mir den Schlüssel.— Vors.: Früher haben Sie Leuten erzählt, daß Sie durch die Wand des Schlafzimmers gehört hätten, daß das Ehepaar von Adoption und Testament gesprochen habe.— Zeugin: Das kann nichi stimmen. — Vors.: Im Schlafzimmer haben Sie doch eine holbgeleerte Flasche Wein gefunden. Kann da etwas darin gewesen sein?— Zeugin: Nein, denn ich habe die Flasche ausgetrunken.— Staatsanwalt: Haben Sie an den Kleidern oder der Wäsche des Angeklagten Blutflecken gsmnden?— Zeugin:'Nein.— Vors.: Pflegt« der Angeklagte Nachthemden zu tragen?— Zeugin: Dos weiß ich nicht.— Der Angeklagte bat, die Zeugin «och näher über die Stellung der Leiche zu befragen, da ihre Aus- säg«, der rechte Arm der Toten habe aus der Bettdecke gelegen, so aufzukasien sei, ol» habe er der Toten diese Stellung gegeben.— Der Vorsitzende vernahm zu dieser Frage den Arzt Dr. Reim aus Dyhernfurth, den der Angeklagt« gerufen hatte und der süns Kilometer durch die dunkle regnerische Nacht marschiert war. Unterwegs traf er den Angeklagten, der ihm erklärte: „Meine Arau hat sich erschaffen." Als der Arzt nach dem Grund« fragte, sagte Herr o. Heydebrand: ..Fragen Sie jetzt nichts." Ich imterfuchte die Tote, so bekundete der Arzt. Der rechte Arm lag in fast rechtem Winkel auf der Bettdecke. Ich mußte der Toten den Revolver aus der Hand winden, um zu verhüten, daß ein zweiter Schuß losging. Die Leiche war bis zur Brust mit einem Tuch bedeckt. Der Einschuß befand sich 6 bis 7 Zenti- meter über der Schläfe.— Vors.: War das Benehmen des Ange- klagten auffällig?— Zeuge: Er war innerlich stark erregt, äußer- lich aber korrekt. Vors.: Frau v. Heydebrand hatte zwischen de» Beinen ein kleines Tuch. Hätte sich das Leinen nicht verschieben müssen, wenn sie sich über den ganzen Körper ihres Mannes wälzte, um de» Revolver zu fossen?—Zeuge: Nach meiner Ueberzeugung hätte sich bei dieser Bewegung das Tuch unbedingt verschieben müssen.(Bewegung.)— Vor f.; War die Haltung des Armes auf der Bettdecke nonngl?— Dr. Reim: Wenn der Schily von Frau v. Heydebrand selbst abgeseuert ist, hätte der Arm normalerweise lang auf der Bettdecke liegen müssen. Wie sie in die Stellung ge- kommen ist, kann ich nicht verstehen.(Große Bewegung ün ganzen Saal.) Hierauf wurde der F ö r st e r Schmidt vernommen, der das Haus„Waidmannsruh" in Kriegnitz besitzt und der zugleich Guts- Vorsteher ist. Um M3 Uhr nachts sei der Angeklagte gekommen und habe ihm erzählt, daß seine Frau sich erschossen habe, und oerlangte dann, daß em Protokoll aufgesetzt werde.— Vors.: Welchen Ein- druck machte der Angeklagte?— Zeuge: Er war sehr erregt und braucht« 10 Minuten, um sich zu erholen.— Vors.: Haben Sie mir Frau Anders dann später über den Fall gesprochen? Was sagte sie? — Zeuge: Sie sagte, daß sie an Heydebrand schreiben wolle, er solle tominen und sein Gewissen unter vier Augen erleichtern.— Erster Staatsanwalt: Hat Frau Anders Sie um Rat gesragt, ob sie das tun soll?— Zeuge(nach langem Ueberlegen): Das kann wohl sein.— Vorst: Fron Anders, haben Sie das gesagt?— Zeugin: Das kann ich mir nicht denken.— Vors.: Haben Sie nun renommiert oder wiffen Sie wirklich etwas?— Die Zeugin schweigt und murmelt dann etwas Unverständliches.— Staatsanwalt: Frau Anders, wo haben Sie den Strumpf gefunden, in den der Revolver stets eingewickelt war?— Zeugin: Aus der Erde, neben dem Bett de» Herrn.(Große Bewegung.)— Gerichtsassesior M e tz n e r, der die Leiche zusammen mit der Ge- richtskommission untersucht hat, erklärte, ihm sei nicht» Ver- dächtigesaiifgefallen. Zu derselben Airsicht kam der Zeuge Kriminalkommissar P f i tz n e r. Er ist der Meinung, daß das Tuch, das Frau v. Heydebrand zwischen den Schenkeln trug, nicht zu ver- rutschen brauchte, auch wenn sie sich weit nach rechts übergelegt hätte. Es sei seine feste lieber rnigunq, daß Fron v. heydebnrnd Selbstmord verübt habe nnd daß die Schuld eines anderen völlig ausgeschlossen sei.(Kroße Bewegung im ganzen Saal.) Zum Schlnß wund« die Diakonissin Fräulein Elisabeth v. Heydebrand, die Schwester des Angeklagtem vernommen, die über ihre Schwägerin folpendes Urteil alywb:„Sie war sehr gutmütig, aberheftig, liebe- bedürftig, aber herrschsüchtig." Nach Ansicht der Zeugin habe ihr Bruder»icmal» Hand an sein« Frau gelegt. Die Schwä- gcrin sei ohne Zweifel freiwillig aus dem Leben geschieden. In der Nachmittogssitzung wurde zunächst Frau Forster Schmidt aus Kriegnitz vernommen. Der Vorsitzende logt der Zeugin die Frage vor. ob sie nicht einmal von Iustizrat Fried- londer. dem Anwalt des Herrn v. Zobeltitz, vernommen und ob ihr nicht dabei nahegelegt worden sei, die Wirtschafterin des Angeklagten, Frau Anders, auszuhorchen. Die Zeugin bestätigte, daß man ihr so etwas zugemutet habe. Das Gericht vernahm dann den Ehauffeur S p e r l i ch, der acht Jahre im Dienste der Frau v. Heydebrand stand, der serner in der Freizeit Diener war und so Gelegenheit hatte. die Ehe zu beobachten, vor s.: War da» Zusammenleben glücklich? — Zeug«: Im Gegenteil. Sie sprachen oft stundenlang kein Wart miteinander. Man konnte sehen, daß sie in Zwietracht lebkey. Die gnädige Frau, die früher lebensfroh gewesen, wurde in der zweiten Ehe sehr ernst.— Vors.: Sie haben an dem Unglücks- morgen, am 1?. Oktober, Frou v. Heydebrand zum Bahnhof begleitet. Wie war sie gelaunt?—Zeug«: Lustig und guter Dinge. Sie gab mir viele?lnord»»nge» für ihre Rückkehr. Freilich hat sie sich auch oft bei mir über den Mann boklagt und gelagt, daß er sie auchwUe. Der Zeuge bestritt, daß Frau v. Heydebrand launisch oder sehr leicht erregbar gewesen sei.— Borst: Was dachten Sie, als«je vom Tode Ihrer Herrin hörten?— Zeuge(den Angeklagten anschauend): Mein erster Gedanke war: er hat sie erschossen.— Es wurde dann noch eine Reih« von Zeuginnen, meist Arbeiterinnen auf dem Gut Gleinig, vernommen, die fast übereinstimmend aus- sagten, daß Frou o. Heydebrand zu ihnen stets gut, daß fle lebeus- luftig, mitunter wohl aufbrausend, aber auch schnell versöhnt gewesen sei. An einen Selbstmord wollte keine der Zeu- ginnen glauben, da sie übereinstimmend betonten, daß die Verstorbene noch wenige Tag« vor ihrem unerwarteten Tode Zu- kunftsplüne gemacht habe. Darauf erstattete Prof. Dr. Straß- mann- Breslau das Hutachten über öen Sektionsbefunö. Er erklärt«, daß die Stellung der Leiche bis zur Sektion nur wenig verändert worden sei, wie man aus den Blutslecken habe erkennen können. Die C i n j ch u ß v s s n u n g habe sich sieben Zentimeter über der rechten Augenbraue befunden. Einen Ausschuß habe man nichi seststellen können. In 4er Umgebung der Einschuß- wunde habe mau Spuren von Pulver gestlnden, ein Beweis, daß es sich um einen Nahschuß gehandelt haben muß. Bei der Settion wurde dann die Kugel, die die 4. Gehirntarnmer, also das Zentrum der wichtigsten Nervenstriing«, zerstört hatte, an der hintere» Schädel- wand gesunden. Der Tod muß nach Ansicht des Suchvrrständtgeu innerhold weniger Sekunden eingetreten sein. Zeichen von einer laetischen Ertrankung, wie der Angeklagte behauptet habe, habe man bei der Toten nicht gesunden. Dagegen spreche für die Angaben des Angeklagten, daß die Patronenhülse hinter den, Rücken der Toter» gelegen habe. Versuche, die man init Probeschüjsen gemacht habe, hätten ergeben, daß die Patronenhülse in derselben Richtung nieder- gefallen sei. Die Tatsache, daß Frau v. Heydebrand nach ihren» Ableben den»Revolver in der Harid behalten habe, spreche nicht gegen«inen Selbstniord, obwohl es die Regel fei, daß bei dem Gehirnkrampf, der sehr häufig bei Kopischüssen eintrete, die Wafse zu Boden falle. Ueberdies hätten Ver- such«, die die Aerzte in Gememschast mit Waffenjachoerslimdigen unternommen hätten, gezeigt, daß es Frau v. Heydebrand sehr woh! »nöglich gewesen sei, den Revolver at'.s dem Nachttisch des Mannes zu erreichen, ohne daß Herr v. Heydebrand erwachen mußte, weil er etwa den Körper seiner Frau gespürt haben müßte. Nachdem noch das Protokoll über den Lokaltermin in der Villa „Waidinannsruh" verlesen worden ivar, wurde die Sitzung aus Donnerstag früh S Uhr vertagt.» * Regierungsrat o. HeydebrandundderLaja ist übrigens nicht, wie vielfach behauptet wird, der Sohn des früheren Führer» der preußischen Konservativen, sondern ein ganz eittsernter Ber- oxurdter von ihn». Die Brandstiftung eines Betrunkenen. In einer an Delirium grenzenden Trunkenheit hat ein gewisser Gerloch eine geradezu sinnlos« Brandstiftung verübt, die ihn vor dos Schwurgericht III und nunmehr ins Zuchthaus gebracht hat. Ger- lach war arbeitslos, und dus Aerger darüber hat er sich dem Alko- hol in einer Weise hingegeben, daß er nach seiner eigenen Dar- stellung morgens die Kasfeetasse nur noch mit beiden Händen hol ten kannte. Mehrfach hatte er nachts Tod- suchtsanfäll« und wollte zum Fenster hinausspringen. Qp hotte er dann auch in«ister Nacht in seiner Stube, in der sich sein ganzes Besitztum befand, Brand angelegt. Als pie Feuerwehr kam, roch der ganze Raum nach Brennspiritus, und Gerlach gab auch zu, daß er die Flasche ausgegossen und den Spiriius angezündet hoste. Um die Brandstelle herum hatte er Körbe mit seinem gesamten Hab und' Gut, Kleidern, Wäsche und Betten, gestellt. Die Betten ivarcn auch schon angekohlt. Gerlach hatte an dem Tage sei»,« letzten drei Mark in Schnaps angelegt und dann einem Arbei- ter, bei dem er zur Miete wohnte, einen Anzug entwendet und für 10 M. versetzt. Aon dem Erlös hotte er auch noch zwei Mark vertrunken. Den Rest fand man bei ihm. Der Angeklagt« entschuldigt« sich damit, daß er nicht gewußt hob«, was er anrichtete. Der Gcrichtsarzt Prof. Dr. Strauch erklärte, daß es schwer sei, ein Urteil abzugeben, ob der'AngeNogte sinnlos he- trunken gewesen sei oder nicht. Die Entscheidung stellte er dem Schwurgericht anheim. Dieses mor der Ueberzeugung, daß der An- geklagte sür seine Tat verantwortlich sei und verurteilte ihn wegen Brandstiftung und Diebstahls zu 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus, stellt« ihm aber gleich einen Gnadenerweis in Aussicht. E» hätte in der Hand des Gerichts gelegen, diesen armen VZ �Zernent. Dtoatan voa Fjodor Vladkoro» 2. Feinde. Ist irgendein Fehler in der logischen Konstruktion des Ingenieurs Kleist, oder hat das Leben seit einiger Zeit auf- gehört, sich den Cesetzen der menschlichen Vernunft unterzu- ordnen? Die Geschlossenheit der isolierten Welt des Inge- nieurs Kleist platzte unwiderruflich und zerriß wie ein ver- rosteter Draht. Noch vor einer Stunde, als Jakob durch sein alltägliches Kommen die Unveränderlichkeit der Zeit bestätigt hatte, äußerte sich die Vorstellung des Ingenieurs Kleist über das Leben deutlich in dem strengen graphischen Schema: Kreis und Tangente. In den Stunden seliger Ruhe, geborgen hinter den Wänden versteckt, saß er am Schreibtisch zwischen den alten Projekten der Fabrikgebäude und zeichnete, die traditionelle Würde seines Arbeitszimmers wahrend/ mecha- nisch mit dem Bleistift auf englischem Blockpapier immer wieder dieselbe Zeichnung: einen Kreis und eine Tangente, ein AxiHM. das in allen Kombinationen richtig ist. Und plötzlich wurde alles gesprengt, zerbarst in Splittern. Das Axiom wurde plötzlich zum Unsinn: die Tangente ver» wandelte sich in einen Stein, der die Muschel zerschmetterte. Und weil dies alles so einfach und leise geschah, erzitterte Ingenieur Kleists Seele in Todesangst. Er war in die Toilette gegangen und blieb dort etwas länger als gewöhnlich: infolge ver schlechten Ernährung litt er oft an Darmstörungen. Als er über den Gang zurückging, sah er, daß die Tür zu seinem Zimmer offen war. Das hatten weder er noch Jakob zugelassen. Auf der Terrasse standen Arbeiter, sahen auf die Stein- bräche und schielten in sein Fenster. Das war bald, nachdem Jakob fortgegangen war. Da schon hatte er einen«leichten elektrischen Schlag im Innern gespürt, eine Unruhe, aber nur einen Moment lang, und er vergaß sie. Jetzt sah er die weit- geöffnete Tür und wieder fühlte er den elektrischen Schlag. Und schon überkam ihn eine Uebelkeit erregende Unruhe und ein unheimliches Brennen. Ingenieur Kleist bewahrte seine kalte Würde und das gewohnte Gleichgewicht und ging mit festen Schritten ins Zimmer. Er blieb auf der Schwelle stehen und konnte nicht sofort begreifen, was geschehen war. Zweifellos ist ein piötz- licher, grober Einbruch in seine isolierte Welt verübt morden. Das Fenster war offen und über dem Tisch und dem Fenster- brett dampfte der Staub. Durch die luftige Fensteröffnung ragten deutlich und mächtig die kupfernen Rippen der Berge, mit frühlingsgrünen Flecken und Steinhaufen bedeckt, herein. Ganz weit, auf der oberen Terrasse der Brüche stand ein kleines, zweifenstriges Häuschen, das mit seinen Spitzen sich scharf vom Horizont abhob. Spiralen blauen Rauches und abgerissene Spinngewebe verflochten sich durchsichtig in ge- meinsamem Gang. Vor dem Fenster stand, eine Pfeife im Munde, ein rasier- ter Mann im Helm, Uniform.rock und blauen Gamaschen. Die Kiefer stachen in scharfen Ecken unter den Ohren hervor, und auf seinen Wangen, unter den Backenknochen, waren tiefe Löcher. „Was Sie für Ungeziefer in Ihrer Höhle gezüchtet haben, Genosse Techniker... Und er fegte mit seinen Händen das Spinngewebe von dem Fensterrahmen und»flügeln herunter und schlug nach den herumkriechenden, vor Schreck oerrückt gewordenen Spinnen. „Sie haben eine oerläßliche Barrikade, Genosse Techniker. Aber ein dumpfes Loch... eine Sackgasse." Mit schleppenden Schritten ging Ingenieur Kleist zum Tisch. Es gab eine Stunde, wo dieser Mensch, durch Schläge zermartetert, dem Tode geweiht war und mit seiner blutigen Maske ihm Grimassen schnitt. Und jetzt ist er unerwartet hier und ist so seltsam und unheimlich ruhig. „Ja... ich öffne nie die Fenster...." „Recht haben Sie, Genosse Techniker. Bei uns hier weht ein giftiger Zugwind.... Die Bolschewiken haben, in drei Teufels Namen, alles auf den Kopf gestellt, die Eingeweide aus dem Bauch gerissen und alles auf ihre teuflische Art in Stücke zerfetzt. Verfluchte Kerle!.. „Warum hat Jakob Sie mir nicht angemeldet?" „Ihren Jakob werden wir zum Holzsägen in die Bött- cherei schicken, ein Nichtstuer paßt nicht in unsere Lebensweise. ... Sie müssen sich an mich erinnern, Genosse Techniker.... „Ja, ich erinnere mich an Sie... und wenn schon, was folgt daraus?" „Eine verteufelte Geschichte. Wie ihr sagt: in unseren Händen ist die Diktatur des Proletariats, wir bekämpfen aber den wirtschaftlichen Verfall ohne Hände. Die Arbeit, das Werk, der Transport, olle» ist ohne Holz, die Bremsberge sind zerschlagen, das Werk ist eine Ruine, und die Spezialisten haben sich wie. die Ratten in ihre Höhlen verkrochen.... Wozu dieses Spinngewebe?... und Sie und das Werk im Spinngewebe? So hat man die Frage zu stellen, Genosse Techniker...." „Angenommen, ich hätte diese Fragen gestellt und gelöst. Was wünschen Sie von mir?" „Nun... ich bin hier auf Ihre Barrikade gestoßen, auf diese Sackgasse... da gings mir durch den Kopf, werde mal diese Höhle umschmeißen.... Das ist schon meine ver- flixte Gewohnheit, Genosse Techniker...." „Ich führe nie müßige Gespräche. Und was Sie da reden, verstehe ich nicht und will es auch nicht verstehe»». Seien Sie so liebenswürdig und lassen Sie mich in Ruhe." Gljeb trat an den Tisch, lächelte. Nahm die Pfeife aus seinem Mund und schaute Ingenieur Kleist scharf an. Spie- gelten sich Spinnen in seinen Augen oder erschienen neben Gljeb unheimliche Gespenster— das Gesicht des Ingenieur» Kleist bedeckte sich plötzlich mit einem dichten Staichanflug. „Genosse Techniker, erinnern Sie sich an diesen schönen Abend, als Sie mich so herrlich auszeichneten und mich so fein eingesalbt haben? Ihr Dampfbad war nicht allzu schwach. ... So ein Bad ist, wenn es gerade nicht die-Teufel geheizt haben, ganz gesund.... Also, ich bin zu Ihnen als Gast gekommen... um über Vergangenes einen Witz zu reißen ... ich liebe es, alte Freunde wiederzusehen, Genosse Tech- niker." Er steckte die Pfeife in den Mundwinkel, reckte sich, um seine Muskeln in Ordnung zu bringen, und lachte. „Und jetzt werde ich Ihnen ein Rätsel aufgeben, Genosse Techniker. Ein kleines, aber sehr interessantes. Es waren einmal vier Dummköpfe in der Welt. Die verdammten Weißen packten diese vier Dummköpfe und brachten sie hier- her in dieses Zimmer. Und ihre Fratzen waren keine Ge- iichter mehr, sondern zerschundene Galoschen. Frage: wozu »at man diese zerschundenen Galoschen hergeschleppt und wozu haben sich diese vier Dummköpfe in einen Lebenden verwandelt?... Ja, das ist wahr: das ist ein lumpiges Rätsel... und die Antwort ist voller Gift.... Wae?.. Und lachte wieder wie ein lustiger Spaßmacher. „Das erzähle ich olles nur so zum Lachen, Genosse Techniker.— Wir haben un» schon lange nicht mehr gesehen." (Fortsetzung folgt.) 7«ilf»s, der wahrlich iiickit gewußt hat, was er tat, den ß St zuzu- hilligen: durch das Gutachten des Prof. Strauch war den R ich- lern diese Möglichkeit nicht abgeschnitten. Hätte ihn etwa jemand für normal erklärt, wenn er in einem Tobsuchts- anfall wirklich aus dem Fenster gesprungen wäre? Die Absicht des Gerichts, dem Verurteilten durch einen Gnadenerweis die Freiheit wiederzugeben, kann nicht befriedigen: wie stets, zeigte es sich auch in diesem Fall, daß die Berufsrichter nur allzu ungern von dem si 51 Gebrauch machen. Wer weiß, ob Geschworene diesen unseligen Ärbettslosen nicht doch noch freigesprochen hätten. �Hememnützige" Theater. iKs Ret" II hardt-Bühnen sind, wie' wir gestem meldeten, durch Ätn'chluß ,£>es Kultusministeriums als„gemeinnützig", d. h. als nicht mehr steuerpflichtig erklärt worden. Schon die Tatsache, daß das Ministerium! ein rundes Jahr für diese Beschlußfassung ge- braucht hat, beweist, daß es sich hier um ein Vorgehen von ganz außerordentlicher Tragweite handelt. Unsere grund- sätzliche Stellnng zur Vergnügungssteuer ist bekannt: wir haben aber immer ws.-cher betont, daß die Gemeinden zurzeit nicht auf sie verzichten können, wenn sie ihren Haushalt ins Gleichgewicht brin- gen wollen. Wir brauchen auch nicht noch einmal hervarzuheben, daß wir die künstleirische Bedeutung der Reinhardt-Bühnen für die Reichshauptstadt vollauf zu würdigen wissen. Eine andere Frage .r e alter Albert H.. der sich trotz seines vorgerückten Alters immer noch„Kauf- m a n n s l e h r l i n g" nennt. H. hatte wegen eines Diebstahls noch i s s i o n alarmiert, die das Gelände auf etwaige Spuren bzw. Anhaltspunkte untersuchte. lieber das Ergebnis war bei Schluß des Blattes noch nichts bekannt. Der schwer verletzte Zigotzky wurde durch das Städtische Rettungsamt in bewußtlosem Zustande in da« Lichteirberger Hubertus-Krankenhaus eingeliefert. Vom Autobus totgefahren. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich gestern gegen 18,30 Uhr vor dem Hause Neu« K ö n i g st r a ß e 5 0. Beim Anfahren eines Autobus der Linie 14 trat der dort on der Holtestelle wartende 65jährige Tischlermeister E m i l Z o ch aus der Bötzow straße 13 auf den Fahr dämm. Er kam auf dem schlüpfrigen Aspholt jedoch so unglücklich zu Fall, daß er unter das Hinterrad des Autobusses geriet. Z. wurde durch die Feuerwehr nach der nächsten Rettungsstelle gebracht, wo der Arzt jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod infolge schweren Schädel- b r u ch e s feststellen konnte. Die Leiche des tödlich Berunglsickte» wurde beschlagnahmt und m das Sehauhaus gebracht.' Die Trauerfeier für Maximilian Harde». Am gestrigen Mittwoch nachmittag erfolgte die Ueberführung der sterblichen Ueberreste Maximilian Hördens, der in Montana an den Folgen einer schweren Bronchitis und Lungenentzündung Plötz- lich gestorben ist. nach Berlin. Der Sarg traf um 3.45 nach- mittags mit dem ans Basel kommenden fahrplanmäßigen D-Zug auf dem Anhalter Bahnhof ein, wo sich die Witwe und die nächsten Angehörigen eingesunden hatten, Vom Bahichof aus wurde der Sorg sofort nach dem Krematorium Wilmersdorf über- geführt, wo am Freitag mittaguml2 U h r die Trauerfeier erfolgt, die aus den Wunsch der Witwe des Verstorbenen im engsten Familienkreise stattfinden wird. Die Freund« Maximilian Harbens werden nach der erfolgten Einäscherung eine Gedächnisfeier veranstalten, deren Termin allerdings bisher noch nicht feststeht. Auf einem Straßenraub ertappt. Der 21 Jahre alte wohnungslose Arthur H. beobachtete in der Haoelberger Straße, wie ein Schüler in einem Geschäft sür seinen Bater einen Hunderttnarkscheiiz wechselte. Als der Schüler mit dem Gelde in der Hand den Flur Bereitet Euren Kindern Ansy- Hustensirup Kinder erkälten sich so leicht, bei rechtzeittgen Mahregeln aber lassen sich gefährliche Folgen vermeiden. Nichts ist so gut gegen den Husten der Kinder als Ansy. Abgesehen von der einfachen Her- stellung und den geringen Kosten lieben es die Kinder. Sie können sich Ansy-Sirup selbst herstellen. 250 j? Zucker in einem viertel Liter kochenden Wassers lösen, umrühren bis der Zucker sich ganz gelöst hat, dann 60 g Ansy(dreifach konzentriert), in jeder Apolhcke erhättlich, zugeben und nach Gebrauchsanweisung einnehmen. Es bringt Hals und Brust sofort Erleichterung und ist unschätzbar in seiner Heilwirkung bei allen Asfektionen der Atmungsorgane. Zur Beachtung. Dieses Rezept ergibt fast einen halben Liter Hustensirup, der bei einem Drittel des Preises allen fertigen Prä- paraten Überlegen ist. Die sorgt für das Wohlbe- finden der ganzen Familie und bringt nur nahrhafte u. wohlbekömmlidie Speisen auf den Tisch, bei denen SAmachhaftigkeit Grundbedingung ist. AuA Sie können den Ruf„gute Küche" zu führen in AnspruA nehmen, wenn Sie Ihren TisA durch Nachspeisen aus Dr. Octkei's Puddingpulver, bereiAern. Ohne daß Sie immer Meht hosten aufwenden, sparen Sie mit den nahrhaften und wehlsAmeAenden Oetker-Pu ddings leicht an anderer Stelle Dr. Oetker's Puddingpulver werden Jetzt durA Verstärkung des Küche Aromas und durA Zusatz von feinstem Reispuder in noA besserer Qualität hergestellt als bisher. AuA enthalten Dr. OetkeFs Puddingpulver die für den Korperaufbau und die Blutbildung notwendigen mineralisAen Salze. Infolge großen Umsatzes sind Dr. OetkeFs Puddingpulver stets überall In frischer Ware zu haben. 1 StüA 10 Pfg.— Verlang. Sie in den einschl. Geschäften Dr. Oetker's neues färb. Ulastr. 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Vor überfülltem Saale erörterte Prof. B r o n n e r aus Moskau die Grundlagen der Be- kämpfung der gelährlichen Bolksfeuche in Sowietrußland. Der Vortragende führte aus, daß spezielle Detachements selbst in den entfernten Randgebieten Rußlands organisiert worden sind, die diese kulturarme» und wegelosen Gegenden ourchreisen, die sanitären Jerhältnisse erschließen, die Bevölkerung mit ärztlicher Hilse versehen und hygienische Bekehrung betreiben. Besonders interessant waren sein« Ausführungen bezüglich der Prostitution, die von den Sowjets mit ebenso energischen wie humanen Maßregeln bekämpft werde. Schande trügen die, die übersättigt den Frauenkörper kaufen, nickt aber die Unglücklichen, die ihn feilbieten! Die prostituierte Frau würde in sogenannten Arbeitsprophylaktorien untergebracht und nach Heilung in Betrieben angestellt. Besondere Fürsorge gilt auch den Kindern, die vor ihrer Ausnahme in die Schule oder in eine Kinderanstalt ebenso wie die Angestellten, die mit den Kindern in Berührung kommen, auf Syphilis untersucht werden. Diese Maßnahme sei notwendig, weil die Syphi- lis in einzelnen Teilen des Landes, von der Zarenzeit vernach- läsiigt, eine M i l i e u k r a n'k h e i t darstellt. In den Städten regeln die Ueberwachunq der Geschlechtskrankheiten die oenerologi- ichen Dispeusairs. In einem nachfolgenden Vortrag sprach Dr. S. Berget an Hand eines Films über.Die natürlichen.Hei- lungsvorgänge bei der Syphilis im Lichte experimenteller For- schung". Revision des Totschlagprozeffes Buchholz. Der Schuldiener Wilhelm Buchholz hat durch die Rechtsanwälte Dr. Mendel und Dr. Reiwald gegen das Urteil des Schwur- gerichts III, durch dos er unter Versagung mildernder Umstände wegen Tömng seiner Ehefrau im Heizkeller der Schule am Hertha- platz zu II) Jahren Zuchthaus und ltl Jahren Ehrverlust verurteilt worden ist, Revision beim Reichsgericht eingelegt. Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am 3. November d. I. seiert unser Genosse Franz Walther, Bohnsdorf, seinen 75. Geburtstag. Er wurde in Leipzig geboren, besuchte dort die Schule und erlernte das Buchdruckerhandwcrk. Schon als Ikjähriger Lehrling trat er in den Arbeiterbildungsverein ein, wo er Vorträge von Bebel, Lieb- knecht». o. anhörte. Nach Beendigung� seiner Lehrzeit durchwanderte er Deutschland und Oesterreich. Seit 1370 ist er Mitglied des Buchdruckerverbandes. Mit 21 Jahren trat er der Sozialdemo- kratischeu Partei bei, in der er sich eisrig betätigte. Auch jetzt noch als Fünfundsiebzigjähriger vertritt er verschiedene kommunale Aemter in Berlin(Wohlfahrtspflege Steuerausschuß usw.). Er ist Beiratsyiitglicd im Vorstand des Zentralocrbandes der Invaliden und Witwen Deutschlands und Kreisvorstandsmitglied der lll. Ab- teiluug. Mögen ihm noch viele Lebensjahre beschieden sein bei . gleicher Gesundheit und geistiger Frische wie heute. „Bilder des sozüilen Elends und der sozialen Erhebung" zeigt Lehrer Rohde in einem Lichtbildervortrag des Volks». bildung samtes Friedrichshoin am Donnerstag, 3. No- vcmber, 20 Uhr, in der Schuloulo, Fruchtstr. 38. Eintrittspreis 30 Pf. Sprechchor sür Proletarische Aeierstuoden. Die UebungSstunde muh in dieser Woche noch einmal am Freitag(den 4. Nov.) stattjtnden. CS ist dringend notwendig, daß alle erscheinen. Die Frei« Turnerschosl Groß- Berlin eröffnet den Turnbetrieb ihre; , neuen Bezirk» Buchholz Donnerstag. 3. November, in der Gemeinde- «chule in Berlin- Buchbolz. Berliner Straße. Turnzeiten Montag» und Donnerstag» von 20—22 Uhr. Die Arbeiterschaft auch der umliegenden Ortschaften bat dadurch die. Gelegenheit, Turnen und Sport an einer Stätte zu pflegen, an der-« ihr bisher noch nicht möglich war. Eine harlctinade au» dem lll. Zahrhuudert,.Da» Soldatenleben", von Dr. Johanne» Günther iiach einer noch erhaltenen Stegreifrolle rekonstruiert, kommt, unter Saidja Tchaah» Regie, gelegentlich de» 3. Vortrages in iftünlhci» Zyllu». B ü h n e n k u n st im Wandel der Zelten', den da» Bezirksamt Charlottenburz oeranilaltct. Donnerstag. 3. November, 20 Uhr. im«chilleriaal zur Aufführung. Desgleichen Szenen au» I. E. Schlegels.Ronut* und Schiller».Räubern". Berlin W 8, Leipriger Str. 20- 22 TfTB Bettlaken Gr. 160/240 gesäumt mltteUtarkerWäfdleftoflt �700 Bettlaken q( Gr. 160/240 mittelstark, Nk beaond. dldrt, gesäumt W 00 Vrzlrtsbllduogsauslchuh Groß• Berlin. Nächste Theatervorstellung am Sonntag, dem 6. November, nachmittag» 3 Uhr, im Staailichen Schiller-Tbcaler, Charloticnburg. Die Aussührung.Amphi- trnon" kann wegen Abwescnbeil einiger Miiglieder des StaatStheaterS leider nicht stattfinden. ES gibt dasür daS Lustspiel.Die s ü n> von der Jazzband". Preis pro Karte l,20 M.— Sternwarte Treptow. Karten zum ermäßigten Preise von KO Pf. find im Bureau des BezirtSbildungSauSschusscS, Lindenstratze 3, 2. Hos II, zu baben.— Bibliothek der ArbeiterbildungSschule.-Geöffnet jeden Dienstag und Freitag von£>>/,— 7'/, Uhr abends. Sport. 79. öerliner Sechstage-Rennen! Start: heute abend 22 Uhr. Heute abend, pünktlich 22 Uhr, wird der Weltmeister der Amateure Mathias Engel- Köln die Teilnehmer des 19. B e r- liner Sechstagerennens mit dem Startschuß auf die lange Reise schicken. Es starten: Wambst— Lacquehay(Frankreich), van Kempen(Holland)— De wo lf(Belgien), Henry Aerts — D u 0 i v i e r(Belgien), Linari— Zanaga(Italien). T 0- n a n i(Italien)— Knappe(Breslau), Thollembeek(Belgien) — T i e tz(Berlin), C h a r l i« r(Belgien)— Bauer(Berlin), Kroll— M i e t h e(Berlin), Koch— Buschenhagen(Berlin), E hm er— Kroschel(Berlin), Rausch— Hürtgen(Köln). B ehrend(Berlin)— Junge(Breslau), Dorn— Nickel (Berlin), Kühl— Wette(Berlin). Um 2l,4S Uhr ersalgt die B 0 r st e l l u n g der 14 Sechstage. Mannschaften. Der Eröffnungsabend wird eingeleitet um 20 Uhr mit einem Iliegermatch des Amateurweltmeisters Mathias Engel- Köln gegen den Dänen Willi Falck-Hanfen, den Zweiten der Weltmeisterschaft. Das Match umfaßt zwei Läufe über je 8 Runden: für den Fall, daß jeder der beiden Cracks einen Lauf gewinnen sollte, ist noch ein Entfcheidungslauf vorgesehen. Die beiden Meisterfahrer treten außerdem zu einem Rekordfahren über«ine Runde an, wobei man besonders gespannt darauf sein kann, ob es einem der beiden Amateure gelingt, die glänzende Zeit von 19,1 Sekunden, die der junge Berliner Berussfahrer Lothar Ehmer beim„Großen Preis der Nationen" erzielen konnte, ebenfalls zu erreichen oder gar zu drücken. Neben dieser Revanche der Welt- Mtisterschaft kommt ein S9-Kilomät«r-Mannschafts- rennen für Amateure mit 5 Doppelwertungen zum Austrog, das von l? Paaren bestritten wird. Die Werwngen beim Sechstagerennen sind die gleichen wie im Vorjahre: je 19 Spurts um 19 Uhr abends und um 2 Uhr nachts sowie je 5 Spurts um 2,39 Uhr und 4,39 Uhr nachmittags. ZIu Zitsu Ansscheidungstämpse. Die Iiu-Iitsu-Diplommeister- schaften der Schule Erich Röhn werden in diesem Jahre unter guter Besetzung in sämtlichen Gewichtsklassen ausgetragen. Gemeldet find 71 Teilnehmer. Die Kämpfe beginnen Freitag, 4. November, 29 Uhr, Schule Schöneberg, Hauptftr. 31, und werden bis Mitte Dezember stets an den Freitagabenden fortgesetzt. Gäste haben zu den Kämpfen Zutritt._ Sozialistische flrbeiterjugenü Hroß-Serlin. B.-B.-Sisn>»s Donnerstag, Iii. November. Alle I8jäheig»n»ad alteren Genoffi»»«« med Senoffe». die bisher nicht Parteimitalieder find, besuchen am zeeitag.». Nooember. I» Uhr, den Dortlag des ibenofie» ltvnltler im Preußische» Landtag. Prinz.Albrecht.Etraße, Saal 12 �uaiti»nar»rrs»««t»ag MoiUog. 7. Äoosmber. pllnktvch 1?4ßS.—»öpeuicker viertel: Schule Wrangelftr. 128.— Südwest: Linden. eim.— Schöneberg III: Seim Soujatffr. 15.— Laukwili: Semeind«schule Schul. — Zehlendors: Slldschule,«ilhelmstraße.—»ohnsdurs: Walterodorfer Straß« 100.— Wittenau: Heim Rosenthaler Str. lt.— Pantow-Sud: Schule «aiser-Friedrich�tr. 57/5«. »» Falkpluß It Schule Eberawalder Str. 10..Mahatuw Gandhi, der Prophet de» heutigen Indien."— Zaltplatz N: Alle Genoffinnen und Genosse», die flch an der Sauswerbung beteiligen, treffen sich IsiV» Uhr�Gaudt� Eck« Mosseftraße. Säusmerbung beteiligen, iffvrter Bieriel: ffunktio� Funktionärversammlung.— Warschauer� Ämmerl. Funkti—----| Graeßstr. 50.„Fünf Jahr« Taschismus." Til?ter Str. 4 Meine« Ämmeri. Funktionäruersammlung.'— Treptow: Hrim - ib---- Werbe bezirs Preuzlauer Berg: Sonnabend, Straße S2, �" r.»..».-—'----•— Aofgobeu seßung de» onstaltungen beteiligen. 5. Hei« Banziger Thema:»Geschichte und , S. November, Kort. an diesen beiden Der. Vorträge, vereine und Versammlungen. Retchsbanner. Schwarz- Rot�Sold". «eschäkt, stell«: Berlin S 14. Sebastianstr. 27/88, Hof 1 Tr. straße 27/38 zu____---------------------- llWW Bei»: 5.«ameradschast 30—22 Uhr Turnen Dalter.Nathenau�chule, Bohdin. straße. Lichtenberg nebst Untergruppen: 20 Uhr Sitzung sämtlicher Zug. und Orisgruppenstihrer bei Neumann, Gmanuel. Ecke Leopoldstraße._ Wichtig« Tagesordnung. All« Ztlgr mllssrn vertreten sein.—" � Mute: 20 Uhr 4.«ameradschaft BersammlllNl- schalenweg: l0>, Uhr Mitgliederversammlung k.„ anmalt Zacharias spricht über»Justiz und Neichstauner". Pünktlich«, Er. scheinen ist Pflicht. Weißens«: Der Epielmannszug tritt um 20 Uhr„Grüner Baum" zum Ucben an. l8i„ Uhr Äntrcten der ltämeradschaft zum Saalschuß Stadthalle. Neinickendorf.Wcst:«amcradschastsfitzung fällt aus. Antreten der Schußlameradschaft 19 Uhr im Vereinslokal. Soaischuß. griedrichsfelde: 30 Uhr Bollversammlung bei Schwarz, Caprioi.Allee 104. Wichtig, durch Umorgani. sation-und hierzu erforderliche Wahl, deshalb Erscheine» aller Kameraden Pflicht.— Sonnabend. 5. Rovember. strenzberg: l7'2 Uhr Antreten in Bundes. kleiduug an der siontancpromcnade. Sporlplatz Frledrichsfeldc: Acht» 30 Uhr sämtliche am Sportplatz beteiligten Gesamtvorständc sowie Aussichis. Personen treffen sich im Bereinslokal.— Tiergarten: Fr., d. 4.. 18 Uhr, treffen sich die Kameradschaften Arminius, Stephan und Hansa in ihren Lokalen.— Hermsdors: Fr.< d.<., 20 Uhr, Kamcradschaftsversammlung im Restaurant Okrint,„Scharfe Ecke", Ecke Berliner und Bahnhofstraße, Bortrag Kamerad Nowak:„Das Reichsbanner und die kommende» Wahlen." Deutsche Liga für Menschenrechte E- B. Berlin N 24, Monbijouplatz 10, Eingang 1, 2 Tr. Grneralmajor a. D, vr. K, c. Freiherr von Schoenaich 4. November, 20 Uhr, in den Spichernsälen, Spichernstr, 2, über:„Der krieg der Zukunft." Außerdem spricht noch der Professor der Chemie Mehner. Borfitz" M~" Lanbsmannsch orfitz Dr. E. I. Gumbel. lnnfchaft der Schleswig. Solstriner zu Berlin— IStzZ. Donnerstag, 2 November, 20 Uhr,»Dresdener Sorten", Dresdener 45tr. 45, Bortrag und Unterhaltungsabend. Landsleute, Damen und Herren, find willkommen. Jüdische sozialdemokratisch« Arbeiterorga»isaiion Poale gion, Ortsgruppr Berlin. Sonnabend, 5. Nooember, 30 Uhr, in der Jüdischen Gemeinde, Rosenfir. 2/4, äffentlich« Versammlung, Genosse Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn. der soeben von seiner Rußlaiwreise zurückgekehrt ist. spricht über:„Meine Reise. eindrücke in Rußland," Gäste willkommen. Eine Führung durch Alt-Berli», da» Nicolai-Kärner-Haus und Lessing» :s«um macht Dr. Franz Lederrr Sonntag, 6. Nooember, 10 Uhr, Spitielmarkt. Berliner Arbriter-Zchochtlnb. Abt. Treptow: Donnerstag, Z, November. 20 Uhr, bei Matzdorf, Treptow, Graetz- Ecke Krllllstraße, Propaqandawettkampf gegen Adlershos und Bortrag de» Berliner Meistcrspieler» Ezach Uber Er- Öffnungen." Ort« 4, November, llll� Uhr, Neukälln, Schierkeftr. 44, Unterhaltungsabend. Bund der Freidcnlerjugend, Ortsgruppe Sroß-Berli». Gruppe Osten: Donnerstag, 8. November, 30 Uhr, Litauer Str. 18, Jugendheim, Mitglieirr. Rovember, 20 Uhr, Pappel» Berlin. Freitag, 4. Rovember, öffentlich« Kundgebung in Steglitz,~Albrechtshof, Albrechtstr, 1; Köpenick. Stadt. theater, Wilhelmplotz. Thema in beiden Bersammlungen:.�triegsopscr und die fünfte Novelle," Achtung, Arheitee-Schach! Freitag. 4. November, veranstaltet die Ab. teilung KSnigswdt bei Bochhahn, Friedenstr. 01, 20 Uhr, einen Wcrbeabend. Gäste herzlich willkommen._ Sriefkasten der Redaktion. G. B. 28. Um Steuern handelt es sich nicht. Sie müssen zahlen. Voraus- setzung ist natürlich, daß die gesetzlichen Borschriften seitens der Gcmeindr- Vertretung beachtet sind.— N. s. Zit. t. Ja. 2. und 2, Nein. 4. Sollte der Mieter sich weigern, den Keller zu räumen, so müssen Sie die Räumungsklage erbeben.— K. L. 08. Nein.— E. 8. 28. 1. Ja, 3. Es muß da» Mi-t. einigungsamt angerufen werden,— 22. Abt, Kommpn Sie in unsere Juristische Sprechstunde.— N. F. E. 1. 2 Pro,. L. Bei der Steuerkassc des Bezirks. amte». 2. Schließen Sie mit Ihrer Eheftau einen Eheoertrag ob. Zu diesem Zweck müssen Sie sich an einen Notar oder das Gericht wenden, da der Bertrag der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung bedarf.— W. K. 14. Nein. Der Mieter ader kann die Anlage entfernen.— S. 5». Legen Sie Einspruch beim Spruchousschusse des Arbeitsamtes ein, da Sic noch als. arbeits» fähig im Sinuc des Gesetzes anzusehen find. haudarbeiksaussiellung Grünfeld. Trotz weiblicher Ozeanflugkandidaten verfliegt doch die Atnw- fphäre weiblichen Schaffens nicht gänzlich in alle Winde. Als interesiante Kontrastwirkung läßt sich sogar feststellen, daß man wieder mehr nnd mehr Interesse an der eigenen Hände Fleiß.ge- winnt. Die Firma Grünfeld zeigt in ihrer Handarbeitsausstellung allerhand hübsche Proben weiblicher Kunstfertigkeit. Auch in der Handarbeitskünft geht man neue Wege und- sucht das Problem des Praktisch-Gefchmackoollen möglichst glücklich zu lösen. Rebetr dein alten, guten Kreuzstich, der durch'neuartige Dessins ein ganz-neuks Kleid erhalten hat, sieht man hübsche Arbeiten in Kelem, Bälhalkb, in Spar- und Flachstich: Hätelmuster in zweifarbigem, meliertem Garn wirken durch das Farbenspiel sehr apart. Bei der Stickerei von Tischdecken schattiert man die einzelnen Felder durch Berschie- bung der Farben, z. B. arbeitet man ein Karo blau auf weißem Grund, das nebenanliegende weih auf blauem Grund, überhaupt spielt ein starker Farbenwechsel bei allen Arbeiten eine große Rolle. Sie wirken dadurch lebendig und farbenfroh. Um den fleißigen Händen nach jeder Richtung hin Erleichterung zu schassen, werden jetzt angefangene Arbeiten soweit hergestellt, daß Muster, Farben- Verwendung und Wirkung des Ganzen klar vor Augen liegen. W«n» es kalt wirst, muß«an aus ein» kräftige und ausreichende Er- »ährung, besonders bei heranwachsenden Kinhern, bedacht sein. Kinder aber wollen oft nicht das, oder nicht reichlich genug davon essen, was sie vorgesetzt erhalt«», und so ist Mühe. Zeit und Geld oftmal» vergeblich aiifgcwanst«, Niemals aber wird man enttäuscht sein, wenn Oetker-Pudding» aus den Tisch kommen. Sie werden von jung und alt mit freudigen Augen begrüßt und wegen ihre« Dohlgeschmacks restlos verzehrt, so daß es eine Freude ist. Der Nutzen aber dürft« ganz auf leiten der Mütter und Kausfrauen liegen. 12 _ Merk„ der neue Damen Mantel 5 fofr UbeiineEtklmo � KochuJeeland_ Cerfraudtenttr. 20/21(jegtrüb-PelrlkMu Qylebnisjur Neckisches Schlagwort Aber auf MassaryPrivat, die mundstiicklose 4-Pfg.- Zigarette voller Eigenart, trifft es zu. Wohl bestimmt für den grauen Alltag, ist sie selbst doch weit mehr als eine Alltagserscheinung. 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Nsdim. die gnn for- ilsllang u halb. Pnis 8 Uhr Gastspiel Plitai Maacary Eine Frau von Format Neues Theater am Zoo Täglich 8 Uhr Die Hotelratte Operette v. Bromme lila Mr. hil Wuu Retropole-TheiL Heute 7 Uhr: Paganini Oprt tti im fnst UM». Idurd LMilwdt, HirtM" Svik. Lttie Kimtan. Idli Kiitir, Arttar IUI n. Planetariinn an Zoo ftrlSng. Jcadiiiwthaler Stnla Noll. 1378 Ow Sternenliimnaliuf der Rai« a vee Berlin ■seil dam Aequater Vorführungen: � P/a 4. T«/,. 9 Uhr. Eintritt I M. Und« ist. tl Jibm b�( 1. F Wo CIUK. MUHT Nur GroB-Bcrlfn Alauaderplalz Nettle mm Haarausfall ärztlich verordnet und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigte Urkunde. 20 000 Dänkschrciben. In Kliniken und Krankenhäusern nur mit Erfolg angewendet Hettle beseitigt jeden.Haarausfall sofort, wenn nach Gebrauchsanweisung verwendet wird.— Flasche 2, 3 und 4 Mk. Erhältlich in allen Kaufhäusern Hermann Tieiz_ Ziehung am 11. u. 12. Nov. ©Mainzer Dombau- eld-loflerle Hftchstgew, Hauptgew. u. 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Pankow, IVullunk.tr a»« 88 hlflller.iratlr 114 Peteraborgor Strake M Spandao, Potsdamor StpoS* M Neukölln, Berliner Btra«« 13 Moabit, WlUnaekor StroBe 84 KoppcostraBe BZ CbanaseestraAa 74 •rBuaaer StraBe 14 I Kruken. Wbb»Mb MW. vordon g oft»hon! I DHitidieillietalWtn-llüM Mtuii BenooltuogsmHgtieoei! Areitug, 4. Jtaoembec, abcnOe T Ahr VF" Sitzung"WU der Mittleren Orlsverwallung. äMiimofifiWtDlofier W und DJerfjeagnKitDer. OftV Äüütflcn, welch« morgen, Areitcg. ben 4. November, die ZBerCftofffchou besuchen, treffen sich um S Uhr nadjr.uttORo atn Eingang der neuen Anlotzaüe am Kctserdamm.____ Sonaabenb, heu ö.naacmbee.abeahs r Ahr. Im Cofol oon ft o g e n, Au der Slralonec Bcüde 8 sJahnhos Iannowltzbrücke) Branchenversammlung der Autageo-, Llchtbogenschwelber und-schweltzetlnaen lag e s vrdn un g: L Die Sohn- und Arbeitauerhälinisse in der Branche. Referent: Roll, w lasier. 2. Lerjchtedenes. Um pllnltlidiez n. vollgäbiige« Ericheinen toirt� gebeten. VI« Orfsoermollunp. Schwerhörige! Mit dem Wohltätigkeitsbasar, der am S. und«. Nov.d.J.lm Rathaus Charlottenbg., BerlinerStr. 73(gegenüb. Unter- grundbhf.WilhelmspTatz), Verbindungen: Slrallcnbahn 44. 48, 82, 54, 58, 64. 78, 1 Z4 U. Autobus 20, stattfindet, ist eine ftürmittsI-AusstsIIung verbunden. Die neuesten und besten Hörapparate der Firmen Deutsche Akustik-Gesellschaft m.b.H., Berline Pnvat-Telefon-Geseilschaft m b.H. und Siemens-Rei nlger-Veita werden zur Besichtigung und unverblml liehen Erprobung ausgestellt. Für Interessenten werde: Radioapparate vorgeführt— Die Ausstellung is» Sonnabend, den S., u. Sonntag, den 6. November, von 11 Uhr vormittag bis 18 Uhr(6 nachmittag) geöffnet. Der Blntril« Ut frei.>> Brandenburgischer Verein der Schwerhörigen„Hephala" E. V., Berlin W t5 PELZE \ s leiten pönstige fielegentieit zum Kauf gediegener Pelzmäntel und Pelzjacken in bester Verarbeitung NiedrigstePrelse! 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Weil zugleich die Produktionssähigkeit und die Kauf- fähigkelt im ganzen Lande durch den Wegfall der Rentner- und Spar- entkommen auseinanderklafften, fetzte zwischen den Unternehmern aller Schichten ein Kampf um die Rente ein, die zur Ver- zinsung des angelegten Kapitals für a l l e zu knapp war. Die Eni- fcheidung in diesem Kamps mutzte sich gegen die Fertigindustrie und gegen die Träger der Warenverteilung richten, weil das politische und wirtschaftliche Uebergewicht der kapitalstarken Roh-, chalbstoff- und Produktionsmittelindustrien diesen eine schnellere und vor allem billigere Versorgung mit Betriebskapital ermöglichte, worauf beim Wiederaufbau der neuen Geschäfte alles ankam. Schsießlich fanden die kapitalintensiven Vorindustrien auch schneller und wirksamer die Hilfe des Staates, wie sich in den Kartell-, Zoll- und Handelsoer- lragsfragcn eindeutig zeigte. Die einzige praktische Lösung. In der großen Linie gab es für den Widerspruch zwischen Pro» duttionsfähigkeit und Aufnahmetraft des Marktes nur eine Läsung: hohe Löhne und Gehälter und niedrige Preise bei andauernd zu steigerndem Absatz. Das hietz dreierlei: niedrig« Gesamttosten in der Produktton. sinkende Selbst- und Generaltosten am einzelnen Stück und vorläufig wachsende, aber in dem Sinn wirtschaftliche Verschuldung gegenüber dem Aus- land, datz der Mehraufwand an Löhnen und Gehällern durch den Mehrabsatz an Produtten die Lasten der Ver- fchuldung noch übertraf. Di« Arbeiterschaft hat diese Notwendig- keiten verstanden: sie kämpft ausdrücklich um höhere Reallöhne und Gehälter, well die Sanierung der Gesamtwirtschaft aus keinem an- deren Wege möglich ist. Wollten Einzelhandel und Fertigindustrie nicht zwischen der machtpolitisch überlegenen Roh», Halbstoff- und Produktionsmittelindustrie auf der einen und dem alle Unter- nehmer angehenden Kaufkraft st elgerungstamps auf der anderen Seite zerrieben werden, so mutzten sie rechtzeitig erkennen, wo für sie die Linie des größeren Vorteiles und der ge- ringeren Gefahren lag. Diese günstige Linie konnte nur liegen in der Richtung billig- ster Berkaufspreise, grötztmöglichem Absatz und niedrigster Kosten am Stück. Was dem widersprach, widersprach den Jnter- essen von Einzelhandel und Fettigindustrie. Staats Hilfe, die nicht verbilligen kann, weil sie gesamtwirtschaftlich Kosten nur ver- schiebt, nicht aber senkt, mutzte zurücktreten vor der S e l b st- Hilfe. Kartelle, eigene und Kattell« der Vorstuien, mutzten gefährlich fein, weil sie die Produktionskosten des teuersten Produzenten zur Norm machten und mit hohen Preisen den Absatz niedrig hielten. Monopole, durch Syndikate, Schutzzölle oder „Marken" ermöglicht, waren gefährlich, weil der Konsumgüter- verkauf die im Inland tatsächlich vorhandene Kaufkraft zugunsten von Disferentialgewinnen nicht ausschöpfen durfte. Vor allem konnte die Stellung von Einzelhandel und Fertigindustrie in der Lohn- und Gehaltsfrage nicht übereinstimmen mit der- jenigen der Vorstufen- und Produktionsmittelindustrien, denn was bei den moiwpol- und syndikatgeschützten Industrien bei Reallohn- steigerungen einfacher Abzug am Gewinn war, das war bei Einzelhandel und Konfumgütermdusttten Zuwachs an Absatz- und Umschlagsbasis, deren Vergrößerung trotz niedriger Preise nur hinausgehen muhte über die Belastung der von ihnen selbst zu zahlenden Mehrlöhne und Mehrgehälter. Wie haben Einzel- Handel und Fertigindustrie diese für die ganze Nachinflationszeit hellend« neue Situation bisher verstanden und auszunützen ver- standen? Die Antwort zweier Tagungen. Die Antwort darauf ist zwei wichtigen Tagungen zu entnehmen, die in den letzten Wochen in Berlin stattgefunden haben: der Tagung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzel- ?andels und der Tagung des Reichsbundes der deut- cheu Metallwarenindustrie. Das von beiden Gruppen auf diesen Tagungen abgelegte Examen zeigt, daß man die Aufgaben der Stunde im ganzen sehr wohl begriffen hat, datz aber der Mut gefehlt hat, eindeutig und klar die Konsequenzen zu ziehen. Daß nur Selbsthilfe, nicht Staalshslfe helfen kann, trat auf der Einzelhandelstagung recht deutlich und auch noch deutlicher hervor als auf der Tagung der Metallwarenfabri- kanten. Symptomatisch für beide Tagungen war im Gegensatz zu den Tagungen des Großhandels und der Schwerindustrie, daß das Togungsmilleu beherrscht war von betrieblichen Spezial fragen und Svezialsorgen der Gew�rbezweige. nicht von politischen Gesichtspunkten. Wo die Frage der Mochtpoliti...... wurde, so von Herrn von der Nahmer bei den Metallwaren Produzenten, da nur im Verhältnis zur Machtpolitit der Vorstufen- industrten, um dielen bei wittschastspolitischen(Zoll-, Handelsoer- trags- und Steuer-) Kämpfen die Spitze bieten zu können. Das Bewußlfetn von der entscheidenden Bedeutung des TNasieu- bedars» für die beiden Gewerbezweige trat bei der Hauptoemeinschoft deut sicher in Erscheinung als beim Reichsbund. Daß auf der Einzel- habdelstagung Genosse Dr. Cassau, ein anerkannter Spe> zialift auf dem Gebiete der Konsulnvereinsbewegung, den wichtigen Zusammenhang zwischen Massenbedarf und Kostenpolitik im Einzel- Handel darzulegen hatte, spttcht für den Ernst, mit dein die Haupt- gcmeinschaft die Zusammenhange begriffen hat. Es war ein in- rrcktes, auch vom Einzelhandel wohl nicht ganz ungewolltes Lob der Selbsthilfe, wie sie die Konsumvereine vorgemacht haben, wenn man den Mitteln der Selbsthilfe strenger nachforschte, als den alten ausgetretenen Weg der agitatorischen Befehdung der Kon- sumvereine zu gehen. Bei den Metall Warenproduzenten wurde die Frage des Massenbedarfs und der Selbsthilfe nicht eindeutig gestellt. Der Wille zur Selbsthilfe war deullich, beschränkte sich aber auf einen Aufruf zur Sammlung der Kräfte, um gegenüber den Liesertndusttten der Vorstufen nicht ins Hintertreffen zu kommen. Die Frage der Lohnsteigerung als wittschaslliches Sanierungsprinzip wurde auf keiner der beiden Tagungen grundsätzlich gestellt. Der Vorsitzende G r ü n f e l d der Hauptgemeinschast Machte nur im einzelnen die Feststellung, daß die Beamtengehalts- erhöhung„unter normalen Verhältnisse»!" zu einer Verbilligung der Preise führen„könne", machte aber für Lohnerhöhungen noch schwerere Borbehalte, auf die ihn selbst der gewiß nicht lohnsteige- rungsfreudige Reichswittschoftsminister Dr. Eurtius aufmerksam machen mutzte. Der Vizepräsident der Frankfurter Handelskammer betonte die„Erhaltung" der Lohn- und Gehältcrkaufkraft gerade für den Handel als Lebensnotwendigkeit, wandte sich aber gegen Lohnerhöhungen. Dr. Tiburtius ging diplomatisch um ein« deutliche Antwott herum; er unterstrich nur die kapital- bildende Bedeutung des Verbrauchs und der Lohnverwendung und betonte, daß die Wirkung»eiterer Lohnsteigerungen für den Absatz besonders von langlebigen Einrichtungsgegen- ständen unter Urnständen günstig zu beurteilen sei.— Beim Reichsbund der Mttallwarenindustrie wurden die Lohnfragen zwar erheblich zurückhaltender behandelt, als das aus Tagungen der Dorstufenindustrie geschah und geschieht. Man weist offenbar die aufbauende Bedeutung von Lohnerhöhungen nicht ganz ab, will es sich aber mit den schweren Lieserindustrien nicht verderben, weil man von diesen durch Zollvergütungen für verarbeitete und expottiette Rohstoffe für das Bündnis in Lohnsragen entschädigt zu»erden hofft. Gleichermaßen gar nicht aus der Höhe ihrer tvohren Interessen waren die beiden Tagungen in der Frage der Sarkelle. Dr. Tiburtius vom Einzelhandel fand, daß Kattelle nicht grundsätzlich zu bekämpfen, datz sie vielmehr als Organ« zur Dersiändigltng über Preise, Lieferungs- und Jahlungsbedingun- gen willkommen feien. Nur nn Bezu� wolle man auch direkt wie der Großhandel beliefert werden. Eine durchaus unver- st ä n d l i ch e Hallung, die gegebene Machtverhältnisse in Widerspruch mit den eigenen Interessen einfach hinnimmt. Der Reichsbund war noch kattellfreundlicher, obwohl er bei der Unzahl seiner Waren ebenso»venig von Kartellen hat wie der Handel. Aber er will kein offener Gegner der Verbände und Syndikate sein, w.'il die Export- Zollmavge ihm in die Augen sticht. Di« Zollpolitik wurde aus den beiden Tagungen nicht behandelt, weil sie nicht unmittelbar aktuell ist. Von der Hauptgemeinschaft ist aber bekannt, wie sie sich 1925 vom Reichsverband der Industtte zurückpfeifen ließ, als sie zugunsten von Zollerleichterungen ausbrechen wollte, und die Metallwarenfabrikanten»ollen nur die wirtschaftspolitische G l e i«ch- st e l l u n g mit anderen Gruppen der Industrie in handelspolitischer Hinsicht. Die Bilanz aus dem Ganzen ist für Etnzellmndcl und Fertigindustrie nicht günstig. Der seit der Inflation eingetretene riesenhafte und vor allem unabänderliche llmsihwung, der Handel und Fettigindustrie in preis-, kattell- und zollpolitischen Fragen eindeutig mit den Trägern des Massen- Verbrauchs zusom mens 6) weihen mutzte, ist nicht so tlar erkannt, nne es im Interesse dieser Schichten und im Interesse der Die hfetorfsdie Bedeutung des Namens OVERSTOLZ ist über die Grenzen des Rheinlandes hinaus Kaum beKdnnt.Seine Gesdiich- te ist, wie die Sage vom Roland, ein Symbol deifc Aufopferung und Ihnic. cfn einer duTü&n Kacfyt des Jabres 1268 bradjen fünfbundert UmJmr&sty Soldner bei derUlre- Pforte in die Stadt Köln einJie wurden durdy einen unterirdisdjen Gonaden einVerrätejfy der Flici�äjusterHcLvemet, um fürfiuuitwan- Zig Marligegraben bade, mit Mann und Ross eingdiassenAn der Spitze eines FaJ�rdeins von nur vierzig Bewaffneten warf sieb Mattbias Overstolz.der Öbermacbt entgegen,sdjUigden FemdtmdLiessseinleben,iünseim Vaterstadt vorBrandscbatzung und Verderben zu, rettenf) Unsere Liebe zurrheinischen Heimat und unser Wunsch, den Namen OVERSTOLZ zu neuem Leben zu erwecken, liess vor zehn Jahren diese Marke entstehen. Heute klingt OVERSTOLZ von Mund zu Mund überall im Reiche und weckt als Bezeichnung der meistgerauchten Zigarette Deutschlands die Erinnerung an den guten Namen und seinen alten Ruhm. OVERSTOLZ tenmatfn&dudzinBKkan�salOdtä&ahStlich. Gesamtwkrtschast erforderlich märe. In krSmerhafter Weise stolpert mon üder die Lohnfragen und kleinliche Vorteile, die sich vielleicht noch aushandeln lasten kSnnten. während die Haupt' bsdingungen des eigenen Gedeihen« immer noch sträflich oernach- lossigt werden. Dafiir itberlästt man dem schwerindustriell geführten und großagrarisch beelnflubten Reichsverband der beut- schen Industrie, der die Monopolrent« de» Schwerkapitals und des Grohgrundbesitze» verteidigt, letzlich die ganze Führung. Unter dieser falschen wirtschoftspolitischen Taktik muh selbstverständlich alles, was mllhsam an Betrievsumstellung und Selbsttostenverbilligung beim Einzelhandel und der Fertigindustrie erreicht wird, auf» schwerste leiden. Die Agrarier fordern neue SRilliorden. 1,8 Milliarden Reichsanleihen.— Jahreslaste« von 270 Millionen Mark. Der Reichslandbund hat stch daran gemacht, die Reichstags- wählen vorzubereiten. Wer das noch nicht wsih, der braucht nur «inen Blick in die Rechtspreste zu werfen. Ihre Spalten sind Tag für Tag mit den neuen und geradezu unerhörten Forderungen de« Reichslandbundes gefüllt. Noch nie ertönt« der Schrei noch neuen Subventionen für die Landwirtschaft so laut wie heute. Sehen wir uns einmal die Forderungen de» Reichslandbund«» näher an! Da wird zunächst«in Reichskredit in Höhe Von 176 Millionen Mark verlangt. Mit diesem Kredit sollen die Verbindlichkeiten der Landwirte gegenüber der Rentenbank, dt« in den nächsten Tagen fällig sind, abgelöst werden. Danach hätte das Reich die Rentenbankwechselschulden der Agrarier zunächst auf eigen« Tasche zu übernehmen. Ferner soll da» Reich einen Betrag von 2 5 Millionen zahlen. Es handelt sich hierbei um den fälligen Zinsbetrag der Rentenbankgrundschuld, den an stch die einzelnen Landwirte zu zahlen haben. Man will aber, daß das Reich in die Tasche greift, um die Kapitalmittel der landwirtschaftlichen Zentral- dank, der Rentenbankkreditanstalt zu stärken. Damit ist man aber noch lange nicht zufrieden. Als.Maßnahme für weite Sicht" wird die Beschaffung eine» Hypothekarkredits von zu- nach st mindestens l.S Milliarden Mark durch Auf- nahm« von Reichsanleihen gefordert. Man denkt stch die Verwendung dieses Kredits so, dab die kurzfristigen Personal- kredite durch Hypotheken abgelöst und die Hypothekenzinsen derart verbilligt werden, daß die Kredittosten einschließlich eines Tilgungs- sotzes von ÜL Proz. nur noch 5 Proz. betragen. Gegenwärtig macht der Zinssatz ungefähr 6,5 Proz. au». Die assorderte Zinsvcrbilligung bebeutet, wenn sie durchgeführt wird, für da» Reich ein« jährliche Belastung von 270 Millionen Mark. Man sieht, das Landbund maul, das verspricht und fordert, die Landbund Hand, die nimmt, sind nicht bescheivener geworden. Aber so kann man die agrarischen Forderungen nicht abtun. Sie sind gestellt worden, weil die Wahlen vor d«r Tür stehen. Man rechnet damit, daß di« bürgerlichen Parteien jetzt vor den Wahlen geneigt sind, den viel umworbenen ländlichen Wähler günstig zu stimmen. Deshalb hält man es in Landbundkreisen durch- aus sür möglich, diese neuesten Li«besgab«n durchzU- setzen. Sollte dieser Fischzug ab«r nicht gelingen, dann blüht der Weizen des Reichslandbunde«! dann können sein« Agitatoren in die Dörfer gehen und das Lied von den �Feinden der Landwtrtschast" singen. Dann Hot man die Wahlparole, di» man braucht. Wie wir wissen, ist man in gewiflen parlamentarischen Kreisen g« neigt, den agrarischen Forderungen entgegenzukommen. Wir er» fahren noch weiter dazu, daß man m der Regterung die Forderung augenblicklich eifrig erörtert und man schon in den nächsten Tagen mit«ntsprechenden Maßnahmen d«r Reichsregierung zu rechnen hat. Die Sozialdemokratie wendet sich gegen Subventionen, die durch den Reichslandbund mit dem Hinweis auf die kommenden Wahlen vom gegenwärtigen Kabinett erpreßt werden. Sie wird nicht verfehlen, im Land« darauf hinzuweisen, daß dl« Forderungen de« Reicheland- Bundes eine finanziell« Unmöglichkeit stnd und die Reichsregierung inline Defizit wir tschaft hinein» treiben müssen. Sie appelliert an di« Verantwortung der Wählermasten und Ist gewiß, dies« auf chrer Seit« zu haben. Unh zwar um so mehr, al» gerade die Bauernschaft e» satt hat, stch durch den Reichslandbund immer tiefer in Schulden stürzen zu lassen._ Schacht und Reinhold zur Reichsanleihe. Sie wälzen die Verantwortung ans die Presse ab. Im Hauptausschuß des Reichstages hat in der denkwürdigen Auseinandersetzung zwischen dem Abgeordneten Genosttn Hilfer- ding, dem ReichswirtschoftSmintster und dem Reichsbankpräsidenten dieser bekanntlich erklärt, daß die Herabsetzung de« Diskont» int Januar d. I. ohne Kenntnis van den Anleiheplänen der Reichs- regierung erfolgte. Der frühere Reichsfinanzminister Dr. Reinhold hatte zunächst dagegen protestiert, jetzt hat er gemeinsam mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ein« Erklärung über die Zu- sammenhänge veröffentlicht. In dieser Erklärung wird festgestellt, daß die Reichsbank am Tage der Diskonterhöhung von der Adsicht der baldigen Begebung ein«? Reichsanleihe keine Kenntnis haben tonnte, da die Reichs- regierung eine solche Absicht damals noch nicht hatte. Die Be- fürchlung, daß Länder und Gemeinden den Kapitalmarkt erschöpfen würden, bevor das Reich mit seiner Anleihe herauskäme, veranlaßte die Regierung zur sofortigen Auflegung der Anleihe. Die Anleihe war bekanntlich ein schwerer Mißgriff: st« belastet noch heute, obwohl das Reich die Verzinsung auf K Proz. erhöht hat. täglich dl« Reichekaste mit erheblichen Summen, um den Kurs der Anleihe zu halten. Aus der anderen Seite hätte die Reichsbank sehr wohl die Möglichkeit gehabt, di« Reichsregierung auf die mög- licherweise nu,- kurzfristige Dauer des fünfprozentigen Diskonts hinzuweisen und damit die späteren Schwierigkeiten wenigstens zum Teil zu verhüten. Dashalb muß es überraschen, wenn die Schacht-Reinholdsche Erklärung stch auf die Presse beruft, die die KapitaloerhäUniste und die Anleiheaussichten günstig dargestellt hätte. Dabei wird das „Berliner Tageblatt", ohne es zu nennen, ausführlich zitiert. Es ist in hohem Grade merkwürdig, daß sich der verantwortliche Mi- nister für die Reichsanlethe und die Führerin �>es Anleihe- konsortiums im Nachhinein gewissermaßen auf die Prest« heraus- reden, um die Verantwortung leichter tragen zu können. Das geschieht, obwohl Herr Schacht und Herr Reinhold wissen müssen, daß e» gerade dem„Berliner Tageblatt" schwer fallen mußte, einen demokratischen Finanzminister zu desavouieren und schließlich, nachdem dt« Begebung der Anleihe feststand, den Reichs- kredst zu gefährden. Berantwortungsfreudig und vornehm ist die Erklärung gerode nicht!_ Mtieakurse und Konjunktur« Sinkend« Kurse— ein günstige» Zeichen. Auch im Monat Oktober hat sich das Absinken der Aktienkurse der an oer Berliner Börse gehandelten deutschen Unternebmungen weiter fortgesetzt, trotz einiger Schwankungen sind sinkend« Kurse fest dem Monat Mai das Zeiche» der Börsenentwicklung geblieben. Bon den in Berlin gehandelten deutschen Aktlenunternehmungen wurden bewertet:(in Proz. der Aktien) in*/, de» AtNenkavital» Ende April Mai Juni Juli Aug. Sept. VN unter 50«/»... 5.4 7.9 7.9 8.0 8.8 9.2 10.8 von 50— 75«/„... 8,4 11,4 10,4 10,8 11,3 11,4 12,8 von 75— 100%.. 12,6 14,4 15,6 15,3 16,8 15,8 16,9 27, i 33,7 33,9 34,1 36,9 36,4 40,5 29,8 35,3 33,9 36,1 33,8 35,4 35,5 23,2 20,4 20,6 19,3 19,3 18,2 15,7 68,0 65,7 54,6 64,4 63,1 63,6 51.2 11,7 6,3 6,7 6,4 5,4 5,5 4,6 7.9 4,3 4,9 5,1 4,6 4,5 3,7 unter unter 100—150«/, unter 150—200% über 100—200°/,. über 200—250»/,. über 250°/,.. über 200%.... 19.6 10.6 11,6 11,5 10,0 10,0 8Z Wie unsere Tobelle zeigt, stnd die Unter 100 Proz. des nominalen Aktienkapital» an der Berliner Börse bewerteten Unter- nehmungen von 33,7 Proz. Ende Mai auf 40,5 Proz. End« Oktober gestiegen. Bus der anderen Seit» stnd di« sogenannten Fa»o rit« n «r Börse, die über 200 Proz. des Aktienkapitals notieren, von 10,6 auf 8,3 Proz, in derselben Zeit zurückgegangen. Nimmt man zum Vergleich den Zeitpunkt Ense April, so tritt das Absinken noch viel schärfer in Erscheinung. Die Zunahme der unter 100 Proz. notierenden Attten war so stark, daß selbst die zwischen 100 und 200 Proz. bewerteten Gesellschaften abgenommen haben. Diese Entwicklung möchte widerspruchsvoll er- scheinen. Sie ist es ober gerade in der Zeit eine» starken Kon- junkturaufschwuNges keineswegs. Einmal waren di« haben Kurse vom Monat Mai Gpekulattoneturse, di« durch noch nicht ver- wertet« schwimmende Ausland« kredite, durch besondere kurzfristige Spekulattonstredit« der Banken, durch die Ausweitung der Reichs- bonkkredit« im Zufammeichang mit der Zinssenkung und endlich durch die alle Rentobiiitätsgrundsotze mißachtend« privat« Spekulation ent> standen find. Auf der anderen Lette mußte aber gerade die starke Konjunktur die Kurse drücken. Einige Monate lang kamen keine neuen Auslandsanleihen herein, die Konjunktur oer- langte all« flüssigen Gelder für normalen Kreditbedarf, Effekten mußten vertaust werden, der Diskont wurde zweimal erhöht, di« Reichsbank nimmt wenig Devisen herein und weitet die Kredit« nicht mehr au», und endlich ist man m der Hereinnahme kurzfristiger Kre- dite vorsichtiger geworden. So ist die Kursentwicklung auf der Börse nur alsgünstige» Zeichen zu werten. Sie beweist die Echtheit der Koniunktur, und daß die Bors« wieder normalere Funktionen bekommen hat als früher, wo der Epekulationstoumel nur aus der Hoffnung entsprang, die Difserenzgewinn««(« Einkommensquelle auszunützen._ Cin Lob der koasvmvereiae. Die Erwerbung der Oldenburger Fleischwerke BSlts«.-G. durch di« GEG. Hamburg hat das Organ der Yleischerinnungen sehr ge- ärgert. Die.Allgemeine Fleischerzeitung" schreibt da- zu sehr bösartig:.Die Konsumvereine können stch diesen Großkouf leisten, denn sie schwimmen ja im Geld. Sie bekommen billige Gelder(gemeint sind die Spareinlagen) in so erheblichem Maße, daß z. B. Ende Juni d. I. der Betrag von 175 Millionen Mark ousgewiesen werden tonnte. Sie rechnen weiter für die Zeit der nächsten fünf bis stehen Jahre mit.Spareinlagen" in Höhe von einer Milliarde Mark. Außerdem bildet die GEG. selbst fort- während Kapital, indem der Gewinn den Reserven zugeschrieben wird." Ein größeres Lob für die Konsumvereine, als es hier aus- gesprochen ist, läßt sich nicht denken. In der Tat ermöglichen es die Spareinlagen und di« von der GEG. gebildeten Reserven, die für d!« Mitglieder ebenfalls Spareinlogen stnd, die Selbsthilfe auchin der Flelschversorgung welter auszudehnen und den Verbrauch der Mitglieder mit guter und billijrtr Ware besser als bisher zu decken. Di« von der.Allgemeinen Fleischerzeitung" al» Denunziation gedaSt« Bemerkung kann also nur«in Ansporn sein, noch mehr als bisher den TpareinrichtuNgen der Konsum. vereine Gelder zuzuführen. �_ Der»eichswirtschastsra» gegen die.�Ittalsteuer. Bekanntlich hat di« Houptgemeinschaft de» deutschen Einzelhandel», womit ss« ein« ungewöhnliche Kurzsichtigkett bewies, di« Einführung von Filial- steuern gefordert, di, neben den Warenhäusern und FUIalgroß- betrieben möglicherweise auch di« Konsumvereine hätten treffen sollen. Der Reichswirtschaftsrat hat sich bei der Beratung des Steuervminheitlichungsg-setze« nun mit starker Mehrheit gegen di« Einführung von Sonder steuern ausgesprochen, wo. mtt er stch auch gegen den kurzsichtigen Wunsch der Hauptgemein- schast de» deutschen Einzelhandel» wendet. JÜt die gebessert« Lage in d«r waqqoaindustri« spricht di« Mit- teUung, daß die Waggonfabrik H. Fuchs A.-G. In Heidelberg bis in» Jahr 1928 hinein reichlich beschäftigt ist. Die Belegschaft ist auf rund löOO Mann gestiegen, gegen 490 Mann im Borjahr. ea. Der von Jahr zu Jahr wachsende Einlagebestand bei den Spar- und Darlehnstassen der landwirtschaftlichen Genossenschaften ist «in erfreuliches Zeichen für di« Auswärtsbewegüng der bäuerlichen GenossenschastsbewegUNg. Während die Einlagen im Jahr« 1924 nur 138,6 Millionen betrugen, stiegen sie 1925 auf 498 Millionen, im darauffolgenden Hahr« auf 794 Millionen und erreichten am 1. Juli 1927 821 Millionen Mark. Bei einem Vergleich mit dem Einlagebestand der Vorkriegszeit gewinne» diese Zahlen noch erhöhte Bedeutung. Gegen Ende des ersten Jahres nach der Inflation hatten die Einlagen erst 6,5 Proz. des Standes von 1913 erreicht, im Juli dieses Jahres aber bereits 34,1 Proz. Die Genossenschafts- lassen haben also in dreieinhalb Jahren ihre durch die Inflation zerstör»«, Et nlageb«stände zu mehr al» einem Drittel wieder auffüllen können. Ilns»»d»»z«» fit diese Redrtk fi»d verlt» S»«8. etabetttoate i. partemachrichten für Hroß-Sertln stet»«a da»«cztrCclcteetaetat, i. K»k. t Step, recht», ,» richte», Agitationsmolerial für die Werbewoche steht den Genossen noch in großer Auswahl lm Jugendheim. Lindenstr. Z. zur Verfügung. All« Abteilungen müssen siq au der Verbreitung beteiligen. i. fttei« Ziergarten. Sonnabend, 5. November, 17% Uhr, Werbe. demvnstration sll- Partei und Presse mit Fackelzug und Mufti. Die Mitglieder werben ersucht, sich recht zahlreich anzuschließen. T-ess. punlt:«letner Ziergarten. Deegleichen werden die von ben Ab- teilungen benuftrngten Genossen ersucht, um 17� Uf)C pünktlich bei Nrllger, Putlidstr. I«, die Fackeln in Empfang zu nehmen. Z. strci» Wedding. Freitag.«. November, A Uhr, P-rsammluna der SPD.. Nleingärwer im Schraderhaus, Malplaquet» Ecke Llebenwalder Straße. Tagesordnung: Werbewoch« und Kleingärtner. Reserent Stadtrat Georg B. Krei� Friedrichohaln. Freitag, 4. November, aiißerorbentlichr»ezirl«. »rrfammlung 1S>L Uhr Im Rathaus, Stadtverorbnetenfttzung�aal. Einlaß- karte» 18U Uhr beim Genossen Fischer, Eingang Epandauer Straße. I«. Kreis Neukölln. Heute, Donnerstag,». November, lllsd Uhr, tm Stlldti. schrn Saalbau Bergstr. 1,7 Kreismitglleder-rrsammlung. Filmoor ährung: .Aus der Waffenschmiede der SPD." Außerdem Vortrag:.Arbeit-rl ass- und Pllrgerdlock." Referent Hans Pogel, M.». 9». Da, Erfchetnen sämtlicher Mitglieder ist unbedingt erforderlich.„„. 111. Krei» Seißeusee. Heut«, Donnerstag, Z. November, w Uhr, im Jugend. heim Partstr. S« Kursus:.Die Mrtschaftspolittk der Evzialdemokrati«." Referent Dr. Bloch. Laut Vereinbarung zwischen Hörerschaft und Res«» renten findet die Arbeitsgemeinschaft nicht mehr Dienstag« im Schulhau, Wilhelmstraße, sondern Donnerstags im Jugendheim statt. Reue Hörer sind willkommen. Heule, Donnerskag, Z. November: «. Abt. 30 Uhr Sei Prefke, Prinzenstraß«, wichtige Funktionärfthuiig. 128./tZ«.«dt. Panlsw. l»>,-, Uhr bei Meeh», Berliner Straße Ecke Linden. Mtomenad«, Sitzung det Zeitungskommlssion. Erscheinen unbedingt er- »» sorberlich. Morgen. Freitag. 4. November: 3. Abt. 19% Uhr bei Krüger, Engeluser 23, äußerst wichtige Funktwnär- sitzung. Jeder Bezirk muß vrrtreten sein. Eventuell ist Bertretung zu entsenden. �.. 3«. Atzt. 90 Uhr dei Bartusch. Frledenstr. 88. Funktionärsitzung,«u�abr des Wrrbematerial». Unsere Z-itungsspebitrure sind eingeladen. »1. Abt. Friede,,»». 30 Uhr dei«labr, Handservstr. 30/91, Funkt.onBr. und Helsersitzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. Di-«ertreter der aus dem Boden der SPD. stehenden Organisationen sind ebenfalls eingeladen. M. Abt. Mariendorf. 20 Uhr bei Niendorf, Ehousseestr. 1», Funktionärsitzung. 103. Abt. vberfchöne»«!»«. 19% Uhr bei Imberg. Wilhrlminenhofstr. 84, Ad». �«"'Äahlsdors.S»». 20 Uhr bei Dir». Uhlandstr. 1». Ettrazahladend. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen unbedingt erforderlich. 12». Abt. Panks». B. Gruppe: 19% Uhr EtztraMhIabend bei Wals,«run»»- Ecke Schulstraße. Wichtige Tagesordnung. 1.79.»dt. Tegel, veffentllch« Bolksvers-mmlnng Freitag, 4. Ro- vembee. 2» Uhr, IM Zrrandschloß. Thema:.«irtschaftspalltil nate, de- Vessentlich« ocmi�c, Lfi--�0, iM a »llrgerdlockeegiervng „»ssinnen und Sensffen sind eingeladen. Refeeen, Erich � i samir.vormä Erscheint in Massen! .»nttner, M d. i.»I«»e- Bormärt»*-Lei«» nnd Sgmpathistereude 88. AM. Zempelhsf. ■>> Die Bezirksfllhrer«erben gebeten, die Flugblätter am Sonnabend, B. November, zwischen 18 Ln» 19 Uhr von der„Cinbc", Lokal 'riebrlch-Karl-Straße, bestimmt abzuholen. __________„lugblätter und sonstige« Material kBnn-N aar Sonnabend, B. November, zwlsiben 18 und 19 Uhr von keil. Prinz. Hand» iery/Str. 38, abgeholt«erden. Zur Berbrettung ist dtzirksweise«lnzulade«. Primus, Werder» Ecke 98. Abt. Neukölln. Die Vezirkvausschuh für Arbeiter wohlsahri und Kinderschutz. . Keet» Prenzlan«, B«ea. Heute, Donnerstag, 3. November, 1» Uhr Bezirksamt Danziger Str. 84 Helferbesprechuiig mit Altrnumtausch.— �unktionärinntn werden gebeten, Lotterieloft der Arbeiterwohlfahrt Donnerstag, S. November, 19 Uhr, i« ---— Ma Mtz| »w Genossin Friedrich, Ueckecmllnder Str. iß, baldigst abzuholen. Arauenv»ranstattunge«. 28. Keet, Netnlckendork. Achwng. Genossinnen! Der Kurfusabenb.Ein. fllhrung in die Wirtschaftspolitik" findet am Freitag. 4. November, Illftz Uhr, im Rathaus Reinickendorf, Hauptstraße, Mtt. Referentin Mathilde Wurm. Inngsozialistea. Gruppe Prenzlauer Berg: Heute. Donnerstag, 2« Uhr, im Zngendheim Danziger Str. 82 Vortrag:.Sowjetrnßland 1917 bis 192?/ Referent Genosse «dramawitsch. Mitglied«» befrenudetrr Organisationen sin» eingeladen. Sterbetafel See Srotz-Serllner partet-Grganisation 2«. Adt. Unser Genosse Rsbert Reesch, Former, Ist a» Mittwoch. " ner Parteiversaminlung tödlich verunglückt. 28. Oktodcr, auf drm Weg« zu tiner. Er war einer der rührigsten Genossen unserer Abteilung. Ehre seinem An. denken. Einäscherung'Freitag, 4. November, 18sz Uhr, i» Krematorium S-richtstraße. Wir bitten um reg« Beteiligung. 32. Abt. Unser Genosse Wilhelm KInge, Mitglied de« Abteilung». Vorstandes, ist nach längerem Leiden gestorben. Ein stets opferbereiter Ge. noss«, wenn es galt, für di- Partei und den.vorwärts" zu werben. Ein ehrende» Andenken ist ihm gewiß. Die Einäscherung findet Freitag, 4. N». vember, 15� Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt, gahlreich« Beteiligung wird erwartet. 114.«dt. Lichtenberg. Unser Senvssr Franz kahl baß ist vrrstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, 4. November, 18 Uhr, im Krematorium Baunrschulenweg. Wir bitten um reg« Beteiligung. wekkerbfdcht der öffentlichen weklerdienNNelle Berlin und Umgegend sNachdr. verb.) Mild, bei mäßigen, wrsllichen Winden, nur vereinzelt Regen.— ZSr Deutschland: Im Westen und Süden Aushören der Nieder- ichläge. Im Osten noch regnerisch, überall abnorm mlld. Danksagung Für die virlrn Beweis« herzlicher Zeilnahmt anläßlich des Tode» und der Bestaitung meiner lieben Frau und Mutter saaen wir aas diesem Wege allen Freunden, Bekannten, Pariel» aenossen und-geNssstnnen unseren allerbesten Dank. Paul Dupoot. Mari« Dnpont. Verlin-Karlshorst. 1 Rovemde« 1927. Deottdi» MetaliarliEiter-Verilaoll Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollrgt, der Maschlnensormer Ködert Meesch am 27. Oktober gestorben ist Di« Einäscherung sindet Freitag. den 4. Rooember, Uhr. im Krematdilum Gerichtstraße statt Rege Beteiligung wird-rwartet. Ferner starb am 20. Oklobrr unsrr Kolleg», de» Metallarbeitet Rnrl Pauker Di, Beerdigung hat bereit, statt. gesunden. GH« ihrem Andenke»! Ot» 0r>so«r«0aIlMa». ßHEEES««»«»»SSSSSi»g Unserem lieben Genossen FranzWahher t J Bohnsdorf, Paradiesstr. 8® r tlotz sein«, hohen Alter» als!« ttglieb des Kreisvorstande» und** ! AdtBIuNgsvorstondrs noch aktiv illr« , die Partei tütia ist. zu seinem heutigen � 28. Gobnrlpka,, dt« horzlichstan Giackwünsch«: Der Iniinntiit in Ii. initn(Klpnid) ,»i zu tll.UMlrnMirtuf)..iL Bciirkswiiand Gr.-Berlli SPD. 32. IM. Am Sonniag. dem 3d. VNoder, verstarb unser lieber Genosse und lanqitzh» ge» Vorstandsmitglied >VilkeIm Kluse Wie«erden Ihm stet» ein ehirndes Andenken bewahren. der Vorstand 4er 31. Abt. Dt« Einäscherung findet am Freiiag. dem 4. November. 1B>, Uhr. un krrmatorim Gttichlstraße Unit. Eisu-tafr Betten, Kinderbetten, 6t»hlm0tr.. rstnst. an Priv. K8t.2049fr.BtaeninSheli>uiil( Thür.) Am l. November, friill 6 ühr. Sötechlief sanft Dach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Krankenlager meine üsbe gute Frau, rnSiNS gut« Tochter Herta Hofffmann geb. Schwab* In tiefer Trauer Emil Hoffmann Emma Schwabe ala Mutter aowit alle Angehörigen. Die Einäscherung findet aen Sonnabend, dem 6.N0V., im Krematorium Gerichtetr. statt. üm stille Teilnahme wird gebeten. sebifchtem Patbutzser Str. 6 Max Jobski Best« Ware. Bllllitste Preise. Miamn zur Niete W30,An8baehers(r.1 Voaaecstag 5. November 1927 Unterhaltung unö �Vissen öeilase öes vorwärts das Vunöer. Humoreske von teha teha. Di» alte Hebamme Theres« Kraus« bekam beinah, einen Schlag «mfall. Sie war gerade dabei, der Kindsmutter Liesl Kreideweiß Zu sagen, daß es ein Junge ist, als auf einmal der klein« Kerl die Hebamme scharf ansah und sagte: „Na, nu man etwas zarter. Erst hast du mir den Schädel gedrückt, wie wenn er von Eisen wSr— meinst du, ich will mit einem Lffengesicht rumlaufen? Jetzt klatschst du mir auf meine Sitz gelegenhcit, als ob du Echinkenklopfen mit Mir machst. Geht man so mit arme Leut um?"' Mfo tatsächlich— die alte Theres«, die doch schon so manche Geburt hinter sich hotte, fiel fast vom Stuhl vor Schreck. „Aber— um Gotteswillen," stöhnte sie,„was ist denn das?" „Gell, da staunst«, alte Dom«? Ich bin schon über alles auf geklärt, also ein Wunderkind. Nun Hab dich nicht so, wasch mich erst mal ab. Wo ist denn Mutti?" „Ich reiß aus— das geht nicht mlt rechten Dingen zu," jammerte die Hebamme,„das ist Hexerei." „Quatsch nich, Krausen— komm wasch mich und putz mir die Augen erst au», weißte, da» war doch ein anstrengender Rutsch." Die alte Krausen wagt fast nicht, den Säugling anzurühren, der lustig Mit den Reinen strampelt. Aber schließlich raffte sie sich doch auf, legte den kleinen Menschen in die Badewanne, woraus der sofort schrie:„Wie du mich anpackst. Du mußt mich mit dem linken Arm unter die Schulter fassen, mit dem rechten an mein Popochen und dann langsam in» Bad... Au, au, na hör mal. dos Wasser hat doch sicher mehr als ZS Grad Celsius, ich bin doch kein Borstenvieh. Dann ist dos auch im Zimmer für mich zu kalt. 18— 20 Grad brauch ich unbedingt." Das letzte sagte der junge Mann in der Wanne so laut, daß nun auch dl« Mutter munter wurde, die bisher ganz erschöpft da- gelegen und Nichts beobachtet hotte. „Wer spricht denn da, Krausen?" frug Frau Kreideweiß. „Ach du heilige Veronika, das Kind red't schon wie ein Alter. Das... na hören Sie nur." „Aber was machst du denn? In meine Augen darf doch kein Wasier laufen, dos kann doch Entzündungen geben. Du bist mal eine putzig« Rudel." Die Kindesmutter bekam«s nun auch mit der Angst: .Im alle» in der Welt, wo» ist denn da» für ein Wesen?" Di« Hebamme Krause hob den Kopf des Jungen hoch, fo daß sie ihn sehen konnte. Ader auch der klein« Säugling sah nun sein« Mutter. „So, du bist meine Mama? No— für dein Alter bist du ganz annehmbar. Hunger habe ich, sobald ich hier heran» bin, will ich trinken. Du nimmst mich doch an die Brust? Weißte, mit den Flaschen fang mal nich' an, oerstehste?" „Na. was sogen se nu?" fragte die Hedamme.„Dos geht doch nicht mit rechten DinM LU?" Frau Kreideweiß war vor Schreck jchon beinahe ohnmächtig geworden, sowas, sowas. Bt« glaubte zu träuwen. Rur ganz langsam kam si« wieder zu sich, da log der kleine Mann schon im Badetuch und redete altklug: „Du mußt mit der Hand auf dem Badetuch rerden, nicht mlt dem Tuch auf meiner Haut, Ich bin von zarten Eltern. Mein Bot«r ist Dachdecker. So— nun Augen, Ohren und Nase nochmals waschen. Weg mlt den Lappen, für die Augen nimm» man Watte. Gehst du mit den Fingern au» meinem Mund— wenn ich gähne hätte, könnst du was erleben." So-» nun log er da, wie ein rosiges Schweinchen. Er bekam fein Hemdchen, dann wurde er eingepackt, immerzu hatte er zu nörgeln: „Nlch' so fest, ich will doch strampeln. Hör doch: Nicht so sest, sonst gibt es Uedsrhitzung. So nu' zu Mutti, ich Hab' Hunger." Als dl« Krausen da» Paketchen der jungen Mutter INS Bett legte, schrie die üuf: „Um Gotteswillen, was soll ich denn mit dem Menschen?" Der Junge sah fein« Mutter ernst an. �Du bist gut. Was du mit mir sollst? Weihte— nu mach man keen« Zicken. Ich soll mich wohl auf der SSugllngsberatungsstell» deschweren?" „Du bist gar kein Kind, du bist, ach Gott, ach Gott...* „Du mußt das ja wissen, was lch bin. Also nu mach kein« Faxen, gib mir die Brust. Mensch, was freu Ich mir..." Schließlich siegle die Mutterliebe doch über da, Entsetzen, Frau Kreideweiß nahm da» Plappermaul und legte ihn an. „Ach, wie knusprig," schmunzelte da» Paketchen. Mit schmatzendem Behagen fiel der klein« Kerl darüber her, nicht ohne der Mutter noch einige Anweisungen zu geben, wie sie sich und ihm das Trinken erleichtere. Schon nach«inigen Minuten erklärt« er:„Schluß.— Mutter lst leer.— Na, da« wird besser. In einigen Tagen wird es schon mehr werden. Sag mal, Mutti, wie geht» UN» denn sonst so. Warum läßt sich Vater nicht sehen?" „Vater ist aus Arbeit," haucht« die Mutter. „So, auf Arbeit. Na ja,«r ist Dachdecker, da schein' ich ja in eine arme Familie gekommen zu sein." Er stieß mal auf und fuhr fort:„Ausgerechnet Dachdecker, wo wir im Winter nicht« zu beißen haben. Da bin ich mit meinen Eltern aber mal fein reingefallen." Die Mutter seufzt«. „Sind noch mehr Kinder vor mir da?" .La. du bist da, fünfte." „Gott, wie unvorsichtig— hätt' ich da» gewußt hätt' ich das gewußt, ich war' geblieben, wo ich war." „Wik haben nicht auf dich gewartet." sagte die Mutter. „Jedenfalls darf ein Dachdecker nicht oter Kinder haben. Was verdient denn Vater? .Lehn Mark am Tag— wenn er Arbeit hat." Mit sieben Esser ist das viel zu wenig ich mächt am liebsten wieder abkratzen." L Gott, wenn da« Bater hört— was bist du bloß für ein «lud? Red' doch nicht l- von deinem Vater." „Wenn der Mann so wenig nachdenkt, daß er zu vieren noch da» fünfte Kind in die Welt fetzt, kann er mich dauern. Ich kann ihn nicht begreifen." „Aber Kind, es ist doch dein Vater, dankbar mußt du«ein." „Quatsch, daran hat«r damals— du welßt doch— nicht gedacht. ausgerechnet mich zu erzeugen. Warum soll ich ihm dankbar sein? Nid' keinen Stuß, Mamachen. Nun deck dich zu. sonst«rkältst du dich. Ich gedenke«Inen langen Schlaf zu tun." Mit diesen Worten legte Liest Kreideweiß da» Schwatzmäulchen zur Seite— e» fiel mit einem lebhaften Knall aus dem Bett— da wachte Liest auf und ihr Mann jagte:„Du stöhnst was, hast du Sorgen?" „Sich," sagt« sie,„Robert, was hob' ich einen Traum gehabt." Sie erzählte ihm die Geschichte, worauf er sie beruhigt«: „Den Gefallen wollen wir dem Kerlchen nicht tun, er soll ungeboren bleiben." Wort bleibt Wort! jetzt üarjste nicht auhr drillen Schwarzrot- Mostrich, jvnöern öet heißt jetzt Schwarzrot- K i ch t- liaienl" Die humorlsten unter öen pflanzen. Von EduordOppel. So hat man dt« Kakteen genannt. Nicht deshalb, weil sie den Humor so weit treiben, daß man sie in batamschcn Gärten mit Draht- schutzgittern umgeben muß, damit sie nicht ausarten. Aber das sonst schwächer« Geschlecht soll hier die rärler« Neigung haben, sich von den eigenartigsten Vertretern der jtncheligen Kaktusgelelllchaft nicht meist trennen NU können, fo daß»»»»rzleht. d» es doch nicht Tag und Nacht im Sorten sein kann, st» au« Lieb«. Mit nach Hause zu nrhmeii. Wie Mir elit Mätker NMstcherte,- find': die Stacheldräbt« (jeder Draht, der gegen menschliche Hch wachen verwandt wird. stacheltl) unbedingt notwendig. Daraus sieht man gewiß, daß die Kattien einmal eine besondere Betrachtung verdienen. Lebenskllnstler möchte ich sie nennen. In ihrer Heimat findet man sie auf dürren steinigen, lSNdigett Ebenen, auf öden felsigen Hochlandftrecken und In den Ritzen zerklüfteten Gesteins, an dem kaum ein bißchen Dnmmerd« haftet. Ha, Manche Ärtin(der Gattung Cereus und Schipfalisf klettern wie Orchideen auf hohe Bäume und wurzeln in der zwischen der Bsrke hastenden spärlichen Erde. Die Kakteen gehören zu der großen Verwandtschaft der Nopal- gewächse, die durch eine vom gewöhnlichen Bau der übrigen Pflanzen abweichende Form überrafchen. Ihne Gevatter„Dickblätter" haben schon ein seltsames Aussehen, aber die rechten Nopalgewächse ent- wickeln überhaupt keine Blätter, sondern lassen ihre Stengel slelschtg und dick werden, versehen si« mit Millionen von Spaltöffnungen und übertragen ihnen die Funktionen, die sonst dem Laub«, dem Blatl- wert zufallen. Reichveräftelte Nopalgewächse mit kurzen Zweigen sehen manchen Dickblättern nicht unahnuch, und wenn einzelne Glieder oder Zweigs zu breiten Scheiben werden, denn hält sie der Laie ohne weiteres für Blätter. So bei der Gattung FeigenkaktUs(Oputitia). Viele Gärtner bezeichnen übrigens Dickblatt und Nopalgewächse mit dem gemeinsamen Namen Sukkulenten oder Jettpflanzen. Im botanischen Sinne umfassen die Nopalgewächse neben den blattlosen baumartigeln ostindischen Wolsmilcharten die Opuntien und Kakteen, die Eereus-, Melocactus-, Echinoeactus- und Mamilaria- arten, die von Chile und Südbrastlicn über Peru, Kolumbien, die Antillen und Guatemala verbreitet, insbesondere aber auf der Hoch- ebene Mexikos in einer erstaunlichen Mannigfaltigkeit der Formen entwickelt sind. Immer bewohnen sie Gegenden, die nahezu Drei- viertel des Jahres hindurch des Regens vollständig entbehren, die überhaupt zu den trockensten der Erde gehören. Dielen Verhältnissen des Standorts entspricht denn auch die ganze Organisation der Nopale. An Stelle der Loubblatter sind trockene Schuppen und Haare ausgebidet, vielfach sind die Laub- blätter In Stacheln umgewandelt, di« in großer Anzahl von de» dicken Stengelgliedern abstehen und diese vor den Angriffen der durstenden Tiere schützen. Di« Haut der zu säulen-, scheiden- oder kugeiartiaen Massen auswachsende» Stämme ist an ihrer Außenwand fast knorpelig oerdickt, und häufig wird durch Einlagerung von oxaisaurem Kall(bis zu 85 Proz.) ein förmlicher Panzer um di« tieferliegenden grünen Gewebe ausgebildet(Kerner) In besonders entwickelten Ge- weben sammeln die Nopalgewächse Wasservorrat und können dann der größten Trockenheit länger« Zeit widerstehen. Das Wassergewebe zeigt bei den verschiedenen Arten eine große Mannigfaltigkeit in der Form, im Ausbau und in der Anlage. Wir wissen ja nachgerade, daß der Natur alles und jedes Schematisieren verhaßt Ist. Die Einrichtungen, die den kostbaren Wasservorrat vor Ver- dunstungen schützen, müssen bei diesen Pflanzen besonders reichlich vorhanden fein. Die pflanzlichen Bewohner der Steppen und Wüsten, die auch die größte Dürre des Bodens überstehen, ja frisch und last- strotzend ihre Organ« dem Lichte zurecken, enthalten ausfallend große Mengen von im Wasser gelösten Salzen, Ehlormognesium, Kochsalz und derlei, und diese Salze gehören neben harzigen und gummi- halttgen Säst«» zu den Stoffen, die das Wasser mit Energie fest- halten. Dazu schützen vor ollem die Kakteen der neuen Welt und die Euphorbien des südlichen Asien und Afrika ihr grüne» Gewebe In hervorragender Weise gegen tierische Angrisse. Dornen und wider- liche Angelborsten sind ausgezeichnet« Schutzmittel. Die Kakteen sind die Lieblinge zahlreicher Pflanzenfreunde. Nicht nur dl« Eigenart der Gewächse, auch die großen wunderbaren Blüten haben es ihnen angetan. Wer möchte nicht einmal den Herr- licheii Wüstenflor der Kakteen in ihrer Heimat seden? Alexander von Humboldt war es, der uns die botanischen Herrlichkeiten der südamerikanischen Aequatorialzone erschloß und unserer Phantasie darüber ein Gemälde von wunderbarer Wirkung schuf. Eine der prachtvollsten Blüten entwickelt die berühmt«„Königin der Nacht"(Eereus granäilivrus). Die Blumenblätter der nächtlichen Königin sind schraubartig angeordnet, d. h. sie sind in klemen verft- kalen Abständen entlang einer Schraubenlinie so gruppiert, daß die kleinsten zu unterst, d'e größten zu oberst stehen, nichl unähnlich den Blättern des Hüllkelche» in dem Köpfchen eines Korbblütlers Auch darin liegt etwas Eigenartiges, denn diese schraubenförmige Anord- nung ist— wenigstens in so auffälliger Form— eine Seltenbeit. Dazu kommt die wunderbare Farbengebung. Außen ist die Blume von silbrigem Schimmer, innen trägt sie eine goldgeznckte Krone. In der Dämmerung tut sie sich auf. um Mitternacht entsaltet sie ihre strahlende Pracht in vollem Glänze, und am Morgen ist sie verblüht... Die silberleuchtende äußere Blumenhälste ist von hoher Be- deutung für die Lebensfunktion dieser Pflanze. Wäre die Blüte nur scharlachrot, so hätte sie lbren Zweck von vornherein verfehlt. Sie würde von den am Abend fliegenden Faltern und Schwärmern, Eulen und Spannern gor nicht beachtet werden, denn die scharlachrote ist wie die violette, blau« und purpurrote Farbe in der Dunkelheit unsichtbar. Nachtblüher haben darum weiß oder blaßgelb gekärbte Blüten, wie Nachtkerze, Geißblatt, mehrere Nachtschattengewächse und vornehmlich die großblumige» merikanischen Kakteen, zu denen unsere Königin ja zählt. Der SilbcrblUtentranz lockt die Nachtfalter an, die das Wert der Befruchtung vermitteln. Der feine Duft, den die reizvolle Blume ausströmt, wiirde kaum genüge», um Insekten anzv- ziehen. Die Königin der Nacht unterscheidet sich darin von anderen Nachtschwärmertnnen. die durch berauschende Duftentfaltung ihre Liebhaber locken— ohne ihr verschleiertes Antlitz zu zeigen!' Runö um öie Welt in einem Tag! Der Weltflug der beiden amerikanischen Flieger und die Schnelligkeit, mit der sie den Ozean überquer: haben, stellt uns so recht die ungeheuren Fortschritte vor Augen, die die Flngtunst in den letzten Iahren gemacht hat. Man hat im Spaß an solche Leistungen allerkei Zukunftsbilder geknüpft und von der jungen Dame erzählt, die am Vormittag schnell einmal nach New Port fliegt, um die dortigen Ausverkäufe mitzumachen, und zu Mittag wieder In Berlin sein will. Aber diese Witze haben einen ernsten Hintergrund, und man kann die Möglichkeit, die Welt an einem Tage zu umfliegen, durchaus in dem Bereich einer nicht mehr fernen Wahrscheinlichkeit ziehen. Dies tut der bekannte englische Flieger Sir 2lllan Cobham in den Betrachtungen, die er in einer englischen Wochenschrift ver- öftentlicht.„Ich glaube, daß es Möglich sein wird, in einem Tage um die Welt zu fliegen," schreibt er,„denn olles, was dazu nötig ist, besteht darin, daß man 1000 englische Meilen In einer Stunde zurücklegen kann Wenn man zu der Erdumdrehung entgegengesetzt fliegt, und um Mittag von Singapore am Aequator westlich fliegt, wirb die Sonne die ganze Zeit direkt über uns sein, und wir werden überall Mittag finde». Das alte Wort, daß man zu gleicher Zeit nicht an zwei Orten sein kann, wird dadurch hinfällig. Wir sind zur Mittagszeit südlich von Ceylon, und obwoyl es ein« Stunde dauert, bi» wir nach Ostasriko kommen, sind wir doch in Nitvbi wieder zu Mittag. Wenn wir dann über den südlichen Atlantischen Ozean nach Brasilien fliegen, so wären wir in drei Erdteilen zur selben Zeit gewesen. Setzen wir unsere Reise rund um den Aequator fort, so würden wir den Stillen Ozean überfliegen, bis wir zu Mittag des folgenden Tages wieder in SigNapvrc eintreffen. Unternimmt man einen Rundflug über Nordamerika, Asien und Europa, so braucht man niele tausend Kilometer weniger zurückzulegen.. Da wird inq» neue Jeberrgjchutzgeit. erleben. �Bei einer ffieschwinCigkett: omz..1000 Meilen in der Stunde fliegt in cm von Loydon nach New Port nur-drei Stunden, und könnte daher,, wenn man das Frühstück in London nimmt, den Lunch in New Port. genießen. Aber man würde dort nichts zum Lunch bekommen, sondern müßte sich wieder mit einem Frühstück begnügen, denn nach New Porter Zeit trifft man um 7 Uhr früh ein. also früher al» man von London fortgeflagen ist. Heutzutage kann man nach weniger als SO Jahren praktischer Fliegerei etwa 300 englische Meilen in der Stunde zurücklegen. Ich sehe keinen Grund, warum man nichl diele Schnelligkeit verdoppeln und verdreifachen sollte, wenn man in größeren Höhen fliegt. Wie jedermann weiß, wird die Lust immer dünner, in je größerer Höhe man auffteigt, und der Luft- oder Windwiderstand wird immer geringer. Wir besitzen bereits Maschinen, die 1000 Meilen in der Stunde fliegen könnten, voraus- gefetzt, daß wir ihr« volle Kraft in einer Höhe von 12 englischen Meilen entwickeln würden. Man braucht ebensoviel Kraft, um eine Maschine ln einer Aeschwtndigkxit von 228 Meilen in der Stunde über dem Meeresspiegel fortzubewegen, wie bei einer Geschwindig- teit von 1000 Meilen ln der Stunde in einer Höhe von 12 Meilen. Dazu wird frellich«ine genaue Erforschung der höchsten Luftschichten notwendig sein. Ich habe mich bereits öfters der günstigen Luft- strömungen in höheren Schichten bedient, um große Schnelligkeiten zu erzielen. Bisher ist über die Luftströmungen von 20 000 und 60 000 Fuß nur wenig bekannt, und es ist wohl möglich, daß in solchen Höhen beständig Winde in einer bestimmten Richtung blasen, die die Schnelligkeit des Fluges stark erhöhen würden. Wir würden in solchen Höhen wohl auch in der Lag« sein, Regen und Sturm, Schnee und Nebel zu vermeiden und immer in klarer Atmosphäre zu fliegen. Freilich kann der Mensch wegen des geringen Luftdrucks in solchen Höhen nicht leben, aber man wird dann in hermetisch ver- schlossenen Kabinen sich befinden, denen beständig warme Luft zu- gepumpt wird, um den normalen Lustdruck zu erzielen. Solche Kabinen lassen sich ohne besondere Gewichtserhöhung herstellen. Wenn der Flieger der Zukunft mit einer Geschwindigkeit von 1000 Meilen in der Stunde in solchen Höhen dahinsaust, dann wird man in der Kabine wenig oder gar keinen Lärm oernehmen, sondern wird in vollkommener Stille und Behaglichkeit über Länder und Meere dahinrasen." �__ Reue» vom Durst. Der Prager Pharniakologe Pros. Star- ken stein hat neuerdings die Frage der Durststillung einer eingehende» experimentellen Betrachtung unterzogen und ist dabei zu interessanten Ergebnissen gelangt. Er fand bel normalen und durch Schwitzen durstig gemachten Menschen, daß für die Löschung des Durstes die Zusammensetzung der getrunkenen Flüssigkeit von großer Bedeutung ist. Die er frischende Wirkung eines Getränkes, die z. B. beim Quellwasser aus seiner Temperatur und seinem Gehalt an Kohlensäure beruht — Säure reizt die Geschmacksneroen—, Macht eine Flüssigkeit noch keineswegs geeignet für eine dauernde DurststillUNg. Wenn das getrunkene Wasser Nicht In den Geweben sestgehalte» werden kann und schnell wieder ausgeschieden wird nach dem Genuß, so ist praktisch keine Durststillung erreicht. Beobachtungen solcher Art kennt man von Bergarbeltern und Hochtouristen, die mit Gletscher- wasser ihren Durst nicht vollkommen stillen konnten. Trinkt man aber schwach salzhaltiges Wasser, so ist die Wasserspeicherung im Organismus bedeutend. Salzhaltiges Wasser schmeckt bekanntlich nicht besonder» augenehm, und erst durch Ansäuern mit Kohlen- säure bekommt es den erfrischenden Geschmack der natürlichen Salz- wässer(Selters). Prof. Starkenstein konnte nun nachweise», daß solches saures, salzhaltiges Wasser ebensogut Im Organismus fest- gebunden wird, wie einfach salzhaltiges, während salzfreies Wasier durch Kohlensäure angefeuert, noch schneller ausgeschieden wird nach dem Trinken, als gewöhnliches Wasser. Auf Grund dieser Befunde erklärt sich die Bevorzugung der natürlichen Mineralquellen und auch der künstlichen Brausepulver vor den künstlichen„Sodawässern", die durch Einleiten von Kohlen- säure wie einfaches Quellwasser hergestellt werden. Letztere wirken daher nur erfrischend und vorübergehend durststillend. r H aimtiiRmimiBi Mir dringen in dieser Nvche woirifeiie Maren aus fast allen Adteilvngen, die M durch irre Gretswijrdjgkeit schon seht zum Einkauf für daö AeidnachMt ganz besonders eignen. *«SlaS SosSsststtes'£* 25, wefssPorzellan, mit kleinen FeMern AferPt TSSSdl mit QoWrand............ 28??. wivttchattsavisel Kaffeeservice 5*° G'SssifeSier rreeiw«k»r o o uad Goldrand.."............................ Tafeiservice 0*50 sortierte Eindmuster..................... Speisefeiler 53» Abendbrol�Teller �1*�45» Kompotteller Ä»23». Kasseroflen" Mülleimer s2r��378 Waschtisch �«.„.6" Passiermaschine.. 47S Köniflskuchenform SV 5 Brotkastenm�dekor, �A50 w«nd4(afffeemühle279450 Schmortöpfe��ffiS75 Quirlgarnituren�u95rt Leipzisersir.» fiKjocuipiitz» fmümtnetluiee» uiiE-iULBnte-sit. tr.» Kottnuset Imw» WiUneBdorterStr.» Andteasstr.* Cluasseestt. . � bb-SRelall. R, SvNeseMBBlBHeB. CTnifetongoM. Walter, Stargarderstraße achqjehn W«iO»sKtg AnnchtekUchen. üefea. Ifcheär.k-, tlb Waschtische. Herabgesetzte tzreise. klahlungsertekchterultg.«amer. t»«. Sastantenallee d».» Hartes Wasser per feuert das IVasdietirüarhs Wasser hemmt Waschmkung und Schaumbif düng.•—- Geben sie i>or Bereitung der Sauge einige Handuof! tfenko-ß/eich-Soda in den Wasch* kessei, dann haben Sie immer das schönste tueiche Wasser f Slenko Bleie ftfoda hergesfel/f in Jen Persilwerkeir Verkäufe aMttow.3Hfto�*l**B_. Wechenaateu. SUR,»tur.nea zwischen Ziasenthalerplatz Ziali.......... Karben UZ. Littaue ratlee Schnellnilher HO,—,»er- fentbar« 200,—, seilfaiilung, Ziepara» Ititen gewissenhast, alalitzerstraße 99.* Gewicht» Jaden, btfffit ?o» Kavaliere» wenig getragene sa- wie nrn« Heerenanzvae, lllsiee. Pake- Uta, jede �ffigtir jwlTtnd, Vzwrtpelge, chatte, ..., nee-Platz. Lächdardware._* B-tictioe rinnst KTaTl 2,53! U,— � X9chOI Peachlaollc ZiJXU Bauer ndetten 82,— 1 Dauniae STchOl Sinderbetten 8,751 Bettwäsche! 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