ttx. 5tl ♦ 44 �ahrgasg Ausgabe A Nr. 265 Bezugspreis: «Scht-tli» 1V We»»ia.««naM» «.- Stidisrntr) ooto-hj wbfbot. Unter Streifbanb in In. unk Susland 5J0 Zirichzmart via Monat. »ft JSatBSrt«* mit der iBuftrto. ien Tonntagsdeilas«.Boll und fteU* sowie de» Beilagen»Unterhaltung und SiHen* ,4 b!» 17 Uhr. Neöaktioo uoü vertag: Sertin EW. SS, tinüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— ÄS7. Freitag, den 4. November 1927 vorwärts-vertag G.m.b. h., Sertin SW. bS, Linüenstr.Z Postlchecklout»!«erli»»7 5«-«a»n-»t»- Bant der Arbeiter,»»gestellte» und Beamten,«alstr.«!«i»k»»t,.«eflllch»ft.»«»«sttenlaste«luden«-. Z. pilsuöfti vergewaltigt öas Parlament. Das Budget wird verordnet.— Dramatische Parlamentssitzung. Warschau, 3. November.(Eigenbericht.) Die Regierung Pilsudski hat das von ihr einberufene Porta. ment wieder vertagt. Es handelt sich diesmal um eine Der- tagung bis zum Ende der Wahlperiode des gegenwärtigen Sejms und Senats. Die Neuwahlen müßten versassungs- gemäß im Februar nächsten Zahres sein. Die Vertagung der Session erfolgte, weil die Regierung be- fürchtete, daß die Abgeordneten neben der Erledigung des Haushalls auch politische Fragen besprechen könnten. Das Budget wird nunmehr aus dem Derordnungswege„Rechtsgültigkeit" erhallen. Aus diese Weise hat die Regierung schon wiederholt nicht nur ihre politischen, sondern auch ihre wirtschaftlichen Pläne ohne Parlament verwirklicht. Der Verlaus der Dounerstagsihung war sehr dramatisch. Als der Vizepräsident Barte l das Verlagungsdekret de» Staatspräsidenten verlas, proteslierteu die Abgeordnelen mit aller Entschiedenheit gegen diese neueste Vergewaltigung. Man hörte Zuruie wie:„3hr Feiglinge!",„Zhr treibt eine Komödie mit dem Staat!", Man müßte die Polizei holen!". Ein sozialisti- scher Abgeordneter rief den Ministern u. a. zu:„Zhr Lumpen!" Der Abgang de». Vizepremiers und der übrigen Minister— Ministerpräsident Pilsudski hielt es nicht für nötig, zu erscheinen— war einer Flucht durchaus ähnlich. veutsthlanö- polen. Endlich Handelsvertragsbesprechungen. Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage der deutsch-polnischen Handelsbeziehungen. Es wurde beschlossen, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann mit einem Vertreter der polnischen Regierung in die in Aussicht genommenen Besprechungen eintritt. Dr. von prittwitz öotschaster in Washington. Die Deutschnationalen drohen mit Krach. Der ReichspräsiDent hat am Donnerstag den Bot- schastsrat beim Quirinal in Rom, Dr. v. Prittwitz, zum Botschafter in Washington ernannt, v. Prittwitz wird das neue Amt noch im Laufe dieses Monats antreten. Die Ernennung des Herrn v. Prittwitz stößt innerhalb der Rechtspresse, insbesondere bei den Organen Hugenbergs, auf scharfen Widerstand, weil dieser atzli�e Diplomat kurz nach der Revolution einen rep u b li k an l-, s ch e n K l ub mitgegründet hat. Wenn man ihnen Glauben schenken dürfte, würde diese Ernennung noch„ein politisch bedeutsames Nachspiel haben". Aber hier ist lediglich der Wunsch wieder der Vater des Gedankens. Wir sind schon daran gewöhnt, daß hinter dem Alarm der Hugenberg-Presse in der Regel nichts steckt und die Deutschnationalen sich im großen und ganzen schließlich mit allem abfinden, was gegen ihren Willen geschieht. Auswärtiges Amt gegen Hugcnberg. Unter der Ueberschrlft„Eine Klarstellung" meldet WTB. amtlich: Zu den Ausführungen in der Abendausgabe des„Lokal-An- zeigers" über„M e r k w ü r d i g e Vorgänge" bei der Er- nennung des deutschen Botschafters für die Vereinigten Staaten von Amerika wird amtlich folgendes mitgeteilt: Die Ernennung der Beamten des auswärtigen Dienstes erfolgt durch den Reichspräsidenten unter Gegenzeichnung des Reichsministers des Auswärtigen, ohne daß das Reichs- k a b i n e t t sich mit solchen Personalfrogen zu befassen hätte. Die Nachsuchung des Agrements in Washington ist auch im vorliegenden Falle erfolgt, nachdem nach Rücksprache des Außenministers mit dem Reichskanzler die Zustimmung des Herrn Reichspräsi- denten eingeholt worden war. Eine Stellungnahme des Reichs- Ministeriums ist weder nachgesucht worden noch hat sich der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien mit der Frage überhaupt befaßt. Sefatzungsverminüerung im Rheinlanü. Abzug französischer Truppen. Pari», 3. November.(Eigenbericht.) In der französischen Rheinarmee werden augenblick- lich verschiedene Umgruppierungen vorgenommen, die durch die Aus- führung der versprochenen Besatzungsverminderung notwendig ge- worden sind. So wird die Stadt Diez künftig vollkommen besatzungssrei werden, das ISO. Infanterieregiment wird von dort nach Landau bzw. Neustadt verlegt. Aus Düren werden drei Bataillone Artillerie nach Trier übersiedeln. Die Gruppen- Verminderung soll am 7. November beendet sein. die Engländer räumen Idstein. Idstein. 3. November. Die Stadt wurde heute von den Engländern vollkommen geräumt. Infolge des Abmarsches werden 60 Wohnungen, dos Londesbauamt, drei Volksschulklassen und eine Turnhalle frei. Kammerbeginn in Paris. Euthaftuug verhafteter Abgeordneter beschloffen. Paris, 3. November.(Eigenbericht.) Die ErSsfnungssitzung der Kammertagung, die das übliche Zeremoniell aufwies, bot politisch nur geringes Interesse. Zu einer lebhaften Debatte kam e« über den von den Kommunisten gestellten und von den Sozialisten unterstützten Antrag, die von den Gerichten wogen politischer vergehen zu längeren Gefängnisstrafen verurteilten nd i» Hast defindllche» townuunstischeu«dgeordAete» C o chin, Marty und D u c l o s sofort zu enthaften. Unter heftigem Widerspruch der Rechten wurde dieser Antrag mit 264 gegen 221 Stimmen angenommen. Don den reichlich zwei Dutzend Interpellationen, die zu Beginn der Donnerstagssitzung verlesen wurden, beziehen sich nur ganz' wenig aus die Außenpolitik. Es ist wenig wahrscheinlich, daß sie noch in dieser Session zur Besprechung gelangen werden, da mit Ausnahm« der Freitage all« Sitzungen ausschließlich der Beratung des Haushalts vorbehalten werden sollen. Die von Poincar« bereits formell'angekündigte Absicht, gegen jeden Antrag, der das Bü d.- getg'leichgewicht zu gefährden geeignet sei, die Vertrauens- frage zu stellen, muh die Etatsberotung, die eine der wichtigsten Angelegenheiten jedes Parlaments ist, zu einer unwürdigen Farce herabsinken. Die von den Kommunisten geforderte Erörterung der Interpellation Barthou, in der ein« politische Amnestie ge- fordert wird, lehnte die Kammer mit 402 gegen 125 Stimmen ob. Justizministcr Barthou erklärt« im Namen der Regierung, daß dies« gegen eine politische Amnestie sei. Die Freilassung schon erfolgt. pari», 3. November. Die kommunistischen Abgeordneten Dario t, Cachin, Marty und Duclos sind aus Grund des heutigen Beschlusses der Kammer im Lauf« des Abends aus der Haft entlassen worden. Der rechte Flügel der Radikalen schwenkt zu den Nationalisten ab. Paris, 3. November.(Eigenbericht.) Der Abgeordnet« Franklin Bouillon hm am Donners- tag der radikalen Partei die Quittung für seine Niederlage auf dem Parteikongreß in Paris ausgestellt. Zunächst oeranlaßte er die radikale Ortsgruppe seines Wahlkreises Seine-Oise, zum Austritt aus der Partei, dann legte er seinen Posten als Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten nieder. In einer Erklärung, die er vor dieser Kommission abgab, begründete er seine Demission ausdrücklich mit seiner Desaoouierung durch den radikalen Parteitag. Nachdem er sich 25 Jahre in der radikalen Partei geschlagen habe, verlasse er sie heute, weil sie die Formel der natio- nalen Einigung, die Frankreich vor der Katastrophe gerettet habe, zurückweise und weil sie ein bedingungsloses W a h l b ü n d- nis mit den Sozialisten einzugehen entschlossen sei Das ge- schehe, ohne die geringste Garantie dafür zu verlangen, daß die Sozialdemokraten nach einem eventuellen Linkssieg bei den kommen- den Wahlen die Verantwortung in der Regierung mit übernehmen Ein Zusammengehen mit den Sozialisten sei jedoch zu verwerfen, weil sie für die Räumung des Rheinlandes und den A n- fchluß Oesterreichs an Deutschland eintreten. Gerade das aber sei die schlimmste Gefahr sür Frankreich(I!) und das sronzösische Boll, denn es müsse in spätestens 10 Jahren m i t einem neuen Krieg rechnen. ■AnwHHwanai�nHnwwiiMaMwaBanwwwnnMM pajpve Resistenz! Der Kampf der tschechoslowakischen Eisenbahner. Prag, Z. November.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen der Eisenbahner sind heute in ein entscheidendes Stadium gelrelen. Gegenwärtig finde« Beratungen im Mlnlsterratspräsidium statt. Die Eisenbahner verharren aus ihrer Forderung nach Abwehr der Systemlerungssorderung und sind für alle Eventualitäten gerüstet. Gestern abend befaßte sich die Exekutiv« der Eisenbahner mit diesen vorbercilungen. Die Beschlüsse werden geheim geHallen, doch ist es ziemlich sicher, daß heute nacht um 12 Uhr die passive Resistenz auf den Bahnhösen, und zwar znnächst aus den großen Eisenbahnstationen einsetzen wird. Gestern wurden verschieden« Hausdurchsuchungen im Sekretariat der ToS! Eine Mahnung an das Gewissen. Eine''Mehrheit des Strafrechtsausschusses des Reichstags hat beschlossen, daß die Todesstrafe in Deutschland beibehalien werden soll. Auf dem Geschworenen, der in einem Mordprozeß über schuldig oder nichtschuldig entscheidet, liegt ungeheure Verantwortung. In seiner Hand liegt Tod und Leben eines Menschen. Seine Entscheidung kennt in den Fällen, wo die Täterschaft überhaupt strittig ist, und nicht die Entscheidung zwischen Mord und Totschlag, nur die Alternative: Tod oder Freiheit. Er sieht den Angeklagten vor sich. Er prüft und wägt, die Tatumstände, die Persönlichkeit des Angeklagten. Vielleicht ist sein Urteil fertig von dem Augenblick an, der ihm den Angeklagten zum ersten Male zeigte. Vielleicht enl- ringt sich seinem Mund das„Schuldig" im Beratungs- zimmer unter dem Eindruck der Ueberzeugung seiner Mitge- schworenen wider eigene Ueberzeugung, vielleicht reiht werdende Mehrheit im Beratungszimmer den Geschworenen mit, dessen eigene Ueberzeugung in qualvoller Prüfung keinen Ausweg findet. Wer könnte sagen, welche Einflüsse sich in der Seele des Geschworenen kreuzen? Der Geschworene, der das Schuldig gegen den Angeklagten in der eigenen Brust findet, der weiß: dieser Mensch vor mir, aus Fleisch und Blut, der um sein Leben bangt und kämpft, ist von meinem Gewissen verurteilt, jenen grauen-» vollen Weg zu gehen, der durch die Zögerung der letzten Instanz und der Bestätigung, durch die Mörderzelle in den Gefängnishof. über die Stufen des Sck)ofotts zum Klotz führt. Vor seinem Auge müßte visionär der letzte Akt des Dramas aussteigen, ehe er im vollen Bewußtsein erklärt: dieser letzte Akt soll vollstreckt werden: mit dem Bewußtsem, recht ent- schieden zu haben, werde ich ihm beiwohnen, und mein Ge- wissen wird nicht aufschreien: haltet ein, das habe ich nicht gewollt. So s o l l t e die Entscheidung über ein Todesurteil fallen. Das„Schuldig" sollte nicht das Todesurteil bejahen, sondern die Vollstreckung. Es sollte sich nicht dahinter verkriechen, daß zwischen dem„Schuldig" und dem Schafott noch die Gnadeninstanz steht. Es sollte die klare Entscheidung sein: ich will, daß dieser Mann vor mir getötet werde, die klare Entscheidung für das Schafott. Die Annahme ist berechtigt, daß Geschworene ihr „Schuldig" sprechen, ohne daß der dunkle Schatten des Schafotts in ihr Gewissen fällt. Uralter Vergeltungsinstinkt, unerklärlich haßerfüllte Abneigung gegen ein Menschengrsicht, Leidenschaft und soziales Vorurteil— alles das kann einen Rechtsspruch ebenso trüben wie jede menschliche Entscheidung, die nur dem Verstand anvertraut sein sollte und es doch nicht ist. Das andere, der Mechanismus der Vollstreckung, kommt erst hinterdrein. Dann wird das abstrakte Urteil, das Wort „schuldig" zu einem grauenhaften Apparat zur Vernichwng eines Menschenlebens. Wer weiß, ob dann nicht aus dem Gewissen derer, die das„Schuldig" sprechen, sich der Schrei emporringt: das habe ich nicht gewollt, nie, nie wieder meine Stimme für ein Todesurteil? Der Gesetzgeber, der Abgeordnete des Reichs- tags, der seine Stimme für oder gegen die Todesstrafe in die Wagschale wirst, steht dem Problem ferner als der Ge- schworene. Sein Spruch schickt nicht unmittelbar einen Menschen in den Tod. Er sieht den Delinquenten nicht vor sich. Ihm drängt sich der Gedanke nicht auf: dieser Mann vor mir soll den Kopf auf den Klotz legen. Vor ihm erhebt sich nicht die Frage: wie wird dieser Mann in den Tod gehen, wird er, erdrückt von Angst und Schuld, zum Schafott ge- schleift werden, oder wird er die Arme gen Himmel strecken und rufen: ich sterbe unschuldig? Die Stimme im Parla- ment für die Beibehaltung der Todesstrafe— sie ist bequemer als das„Schuldig" des Geschworenen im Mordprozeß. Und eben darum sollte sie das Gewissen mit jenem Ernst und jenem Verantwortungsbewußtsein abwägen, das man son dem Spruch der Geschworenen fordern muß. Die Verantwortung aber, die Verantwortung des Gesetzgebers ist größer als die Verantwortung des Geschwo- renen. Wenn der Deutsche Reichstag über die Frage ent- scheidet, ob Todesstrafe oder nicht, so weitet sich der ernste Saal des Parlaments in ernstere Szenerie: für die Mord- Prozesse der Zukunft wird die Strafe vorgezeichnet. Die Ent- fcheidung für die Todesstrafe ist der Befehl zum Töten für die Henker der Zukunft. Die abstrakte Entscheidung des Par- lamentariers für die Todesstrafe wird in der Person des Henkers der Zukunft verwirklicht werden. Der Geschworene schickt den emen in den Tod, über den sein Gewissen das Schuldig spricht, das„Ja" des Abgeord- neten auf viele Jahre hinaus die vielen, über die das „Schuldig des Mordes" gesprochen wird. 112 Todesurteile wurden im Jahre 1924 gefällt, 23 vollstreckt: 92 im Jahre 192S gefällt, 22 vollstreckt. In jedem künftigen Falle wird der Arm des Henkers bewegt von dem Willen der deutschen Reichstagsabgeordneten, die das„3a� für die Todesstrafe sprechen. Wir drängen die Fülle der Argumente zurück, die sich im Kampfe wider die Todesstrafe aufdrängen, Argumente der Rechtssicherheit wie der Menschlichkeit. Wir stellen ganz einfach die ungeheure Verantwortung fest, die dei der Entscheidung dieser Frage auf den Schultern jedes Mannes und jeder Frau liegt, die im Reichstage zu dieser Frage Stellung nimmt. Der Richter ist nicht zugleich der Vollstrecker des Ur» teils. Auf der Tagung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung in Karlsruhe sprach ein hoher Richter vom Strafvollzug:„Uns Richtern ist das Schicksal des Menschen in die Hand gegeben. Wir geben ihn hinaus— und iv u ß t e n bisher doch nicht, wohin..." Jene Worte eines Richters haben erschütternd die Krankheit der Justiz von heute aufgezeigt. Aus ihnen sprach immerhin die Stimme der Selbstkritik, das tiefe menschliche Gefühl, das der Prüfung des eigenen Gewissens entspringt. Der Abgeordnete steht der Vollstreckung des Urteils noch viel ferner als der Richter. Im Rechtsausschuß des Deutschen Reichstags hat sich eine Frau für die Todesstrafe erklärt, die zugleich bekannte, daß sie noch nie die Einrichtun- gen eines Zuchthauses gesehen hätte— geschweige denn der Vollstreckung einer Todesstrafe beigewohnt. Hier offenbarte sich der Wille zur Todesstrafe, während die Stimme der Selbstkritik schwieg. Soll so leichtfertig im Deutschen Reichstag über die Frage entschieden werden, ob der Tod als Strafe im neuen Strafgesetz beibehalten werden soll? Mephisto am Werke. Das Zentrum unter Belagerungszustand. In der neuesten Ausgabe seiner„Deutschen Republik" wendet sich Dr. W i r t h in scharfer Weise gegen die Zentrumsfraktion, die trotz aller Beweise deutsch- nationaler Illoyalität sich weigert, irgendeine Aenderung in dem Verhältnis zu ihrem Koalitionsbruder aus Ostelbien ein- treten zu lassen. Wirth erinnert an die feierlichen Erklärungen der Zentrumsfraktion bei der Regierungsbildung und auch an gewisse Aeußerungen seiner Spezialfreunde, um dann zu ant- worten: Ich möchte die Zentrumsabgeordneten sehen, die heute noch irgendwie bestreiten können, daß die Deutschnationalen„rückfällig" geworden seien, daß sich die Sprache der Deutschnationalen seit jenem Artikel Cverlings geändert hätte. Aber wo sind diejenigen, die versprachen, die Konsequenzen zu ziehen? Man muß fast lachen, wenn man jetzt die Erklärungen der Vergangenheit, ich denke insbesondere auch an die Mißtrauensrede des Herrn v. Guärard vom 4. Februar, nachliest. Was haben sie für einen praktischen Wert gehabt? Man möchte annehmen, daß das Mißtrauen aller dieser Herren schon von Anbeginn an so groß gewesen ist. daß es in der Folgezeit schon nicht mehr wachsen konnte, daß man die Rechtsregierung nur deshalb zugelassen hat, weil man des Kampfes gegen ihre Bildung und gegen die Intrigen, die sie { förderten, müde geworden war. Die Masse der Wähler schreit heute, wo man auch hinkommt, ihre politischen Gewisiensnäte heraus. Aber sie dringen nicht bis zur Fraktion.... "'/Wirth ist überzeugt, daß die deutschnationale Politik „nach wie vor auf disUnterminierungdesjetzigen N S r s a,s f u n g s l e b e n s hinausläuft". Das politische Ver- bältnis zwischen Zentrum und Deutschnationalen sei darum „im tiefsten unnatürlich!" Hinsichtlich der Schulpolitik des Zentrums sagt Dr. Wirth, das Zentrum wäre gegenwärtig froh, wenn auch nur ein Schulgesetz zustande käme, das dem badischen Simultan- schulgesetz gleichwertig sei und die Konfessionsschule nicht schlechter stelle als sie sich jetzt befindet. Er fragt schließlich, ob das Zentrum genügend Kraft aufbringen könne, um„end> lich von dem Belagerungszustand frei zu werden. den die Deutschnationalen mit der Durchtriebenheit eines Mephisto über das Zentrum verhängt haben". „Wo man auch hinblickt"— jagt Dr. Wirt weiter—„enthüllt sich der Wirrwarr, enthüllen sich unerledigte Aufgaben, enthüllt sich ein Mißtrauen, das jede Arbeit lähmt". Wirth ist immer noch Mitglied der Zentrums- fraktion. Er kennt seine Leute, aber er kennt auch die Stimmung der Zentrumswähler, denn er kommt als begehrter Redner mehr im Lande herum als irgendeiner seiner Frattionsgenossen. Stegerwalö macht Wahlpropaganüa. Beamtenfragen— Revifion des Dawes-Planes— gegen Preußen— für höhere Arbeiterlöhne. Herr Stegerwald hat vor den Zentrumsanhängern in Charlottenburg eine Rede gehalten. Nicht zur Begründung der Bürgerblockpolitit, sondern für den kommenden Wahl- kämpf. Er stellte an die Spitze seiner Ausführungen den Satz, daß in Deutschland nur wenige Menschen die Tatsache zu Ende gedacht hätten, daß in einem demokratischen Staat nicht die gleiche Politik gemacht werden könne, wie im alten Regime mit seinem D r e i k l a s s e n- Wahlsystem. Wir befänden uns, so führte der Redner aus, gegenwärtig in einer politischen Periode gei- stiger Verwirrung und wahrheitswidriger Verschleierung. Aber über die Bürgerblockpolitik sprach Herr Stegerwald nicht. Dafür über den Dawes-Plan: „Nicht aus Liebe zu Deutschland, sondern aus eigenem Interesse anderer Länder wjirde die Revision des Dawes-Planes in Fluß kommen. Wenn nicht alles trüg«, werde bei der Revision des Dawes-Planes die deutsche Staatsorganisation und die Versorgung der Beamten daran glauben müssen. Die eigentlichen und alleinigen Nutznießer des Dawes-Planes seien die Amerikaner. Die deutsche Politik werde heute schon in Verbindung mit dem Dawes-Plan und den Trusts sehr viel mehr von der interalliierten Hochfinanz be> stimmt, als der deutsch« Michel sehe. Alle prominenten Amerikaner, die Deutschland bereisten, sagten übereinstimmend aus, daß ihnen insbesondere für zwei deutsche Eigentümlichkeiten jedwedes Verständ- nis fehle. Erstens für die deutsch« Staatsorganisation. Preußen sei das einzige Land der Welt mit einem fünffachen Instanzenweg(Gemeindevorsteher, Landrat, Rcgierungspräsi- dent, Oberpräsident, Minister). Daneben beständen noch die Pro- vinzen als Selbstverwaltungskörper mit Provinziallandtag, Pro- vinzialausfchuß und Landeshauptmann. Wenn das deutsche Volk in den nächsten Iahren nicht aus sich heraus die Kraft aufbringe, diese Dinge zu ändern, dann werde die internationale Hochfinanz aus Anlaß der Revision des Dawes-Planes diese Aenderung bestimmt herbeizuführen misten." Aber das Bekenntnis zum Einheitsstaat, die logische Konsequenz, folgte nicht. Zur selben Stunde wie Stegerwald, sprach dafür der Führer der w ü r t t e m b e r g i s ch e n Zentrums- fraktion im Landtag für den extrem partikula- r i st i s ch e n Standpunkt... Herr Stegerwald sprach weiter: „Auf den Reallohn übergehend, betonte der Redner, daß schon seht eine bedeutende Steigerung des Reallohne» ohne Seeia- trächtigung der deutschen internationalen Wettbewerbsfähigkeit möglich sei. wenn die deutsche Wirtschaft in Produttion, Güter- Verteilung und hinsichtlich der Geschmacksrichtung des Konsums planmäßig geleitet würde. Dazu sei keine Planwirtschaft im ehedem verstandenen Sinn« und auch keine sozia- listische Vergesellschaftung der Produktionsmittel nötig." Ein wertvolles Bekenntnis für die gesamte Arbeiter- schaftl Aber wie verträgt es sich mit der Politik des Bürger- blacks? Die Arbeiterschaft wird bei der kommenden Wahl nicht nur die Stegerwaldschen Bekenntnisse werten, sondern vor allem die Taten des Bürgerblocks. ßoröerungen öer Reparationsagenten. Kürzung des außerordentlichen Etats.— Keine Anleihen mehr. Die in diesen Tagen aufgenommenen Verhandlungen zwischen dem Reichsfinonzminister und dem Reichsaußenminister mit dem Reparationsagenten Parker Gilbert stehen vor dem Abschluß. Wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, läuft die Hauptforderung des Reparationsagenten auf eine erhebliche Einschränkung bzw. Umstellung des außerordentlichen Etats hm- aus. Die vorgesehene Deckung der außerordentlichen Ausgaben durch Begebung von Anleihen soll in Wegsall kommen, dafür sollen reale Deckungsmittel geschaffen werden. Der außerordentliche Etat des lausenden Jahres beläust sich auf etwa SOÜ Millionen Mark. An Anleihen hat der Reichstag in den letzten Iahren ins- -gesamt 1414 Millionen Mark bewilligt, von denen 914 Millionen nicht zur Ausgabe gelangt sind. Die Besprechungen zwischen dem Reparationsagenten und den deutschen maßgebenden Stellen haben nun zu dem Ergebnis geführt, ,daß das Extraordinarium für 1928 trotz der vier deutsch- nationalen Reichsminister so gestaltet werden wird, w i e es derReparationsagent in seiner Denkschrstt angeregt hat. Für die kommenden Jahre sollen keine Anleihen mehr zur Deckung des außerordentlichen Etats aufgenommen werden. Damit dürste auch der geplante Verkauf der Reichsbahnokt'-en wegfallen. Ferner ist in Aussicht genommen, die Ausgaben des außerordent- lichen Etats auf mehrere Jahr« zu verteilen und überhaupt den G«samtrahmen des außerordentlichen Etats in den engsten Grenzen zu halten. »Abschaffung" See Toüesftrafe in Nußlanö. Neue Todesurteile. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Sowjetrepubliken Hai die Sowjetregierung die Einschränkung der Todesstrafe angekünd'gt. Der allrussische Vollzugsrat soll bereits die erforderlichen Maß- nahmen zur Durchführung dieser Einschränkung vorgenommen haben. Die Skepsis, mit der diese Entgegnung entgegengenommen wurde, scheint nach den neuesten Gerichtsurteilen nicht unbegründet zu sein. Sa berichtet zum Beispiel die„Prawda" vom 28. Oktober, daß der Oberste Gerichtshof als Revisionsinstanz ein Todes- urteil bestätigt hat, das wegen Veruntreuung von etwa 112000 Rubel gegen den Kassierer einer der staatlichen Hondelsinstttutionen gefällt worden war. Sein Verbrechen, erklärte der Oberste Gerichtshof, sei als ökonomische Konterrevolution zu betrachten. Eine andere Nummer der„Prawda" meldet von einein To- desurteil in Kiew wegen Teilnahme an einer Massen- Vergewaltigung. Der Oberste Gerichtshof wird sich wohl in diesem Fall zu helfen wissen, indem er dieses Derbrechen als B a n- d i t e n t u m ansprechen wird. Di« Nummer 2S0 der„Prawda" berichtet von zwei Todesurteilen: gegen den Vorsitzenden eines Bezirksrates und einen Polizeibeamten, die aus eigener Macht- befugnis drei Verhaftete nachts, allerdings m bestialischer Weise getötet haben, und schließlich meldet die„Prawda" vom 30. Ok- tober über ein Todesurteil gegen den politischen Lock- s p i tz e l Althausen, der im Jahre 1911 eine südliche Gruppe von Anarchisten-Kommunisten der Polizei ausgeliefert hat. Auch von einem weiteren Fall, in dem die Todesstrafe wegen Veruntreuun.g verhängt wurde, erzählen die Eowsetzeitungen. Dies sind natürlich'nur zufällig bekannt gewordene Gerichtsurteil«. Di« Zahl der Todesurteile seit dem Erlaß des Manifestes wird wohl noch viel größer sein. Die Sowjetregierung hat bereits so viele Male die Todesstrafe ball» abgeschafft, bald eingeschränkt, daß man mit gutem Recht sagen kann: Es wird in Zukunft nicht weniger zum Tod« verurteilt werden, als dies bis jetzt geschehen ist. keine MNdel Diesem Wort des christlichen Prälaten S e i p e l entsprechend, hat die bürgerliche Mehrheit des Nationalrats den sozialdemokratischen Iulianmestiecmtrag abgelehnt. Der Urberliner. Von Paul Gutmonn. Was«in echter Deutscher ist, wissen bekanntlich viele Leute ganz genau. Was ein echter Berliner ist, darüber lassen sich nicht so eindeutige Begrifs« geben. Ems steht fest: der Patentdeutsche besitzt keinen Funken Humor, der echte Berliner fließt davon über. Pedanterie, Schneidigkeit, Kadavergehorsam, falsche Sentimentalität, Eigenschaften des Patentdeutschcn, sind ihm fremd, dafür ist er ein ganz respektloser, fest aus seinen eigenen Beinen stehender Kerl. Hans Ostwald hat sich in einem soeben bei Paul Franke er- schienenen Buch:„Der Urberliner" mit viel Glück bemüht, das Wesen diese» eigenartigen Geschöpfe» an zahlreichen Beispielen zu zeigen. Eigentlich ist der Urberliner verhältnismäßig jungen Datums. Wie hätte in der Zeit de» finstersten Absolutismus, in der Kasernen- lust des preußischen Drills ein so aller Autorität abgeneigte» Wesen entstehen können. Erst nach der Zeit Friedrichs IL, nachdem die Aufklärung in Deutschland ihr Werk begonnen hatte, lösten sich die Fesseln, die den Berliner bisher geistig eingeschnürt hatten. Vorher war er ein geduldiger, wenn auch mürrischer, stark auf materielle Genüsse bedachter, etwa» roher Gesell, allerdings weit weniger roh als seine Vorgesetzten, als der Hof und der völlig unkultivierte Adel. Der Berliner Witz war ursprünglich die Befreiung von dem Druck eines ungewöhnlich plumpen Despotismus, und es haftet ihm daher eine besonders aggressive Schärf« an. Ob die Mischung mit den französischen Emigranten und den Juden viel zur Entwicklung des Berliner Witzes beigetragen hat, wie Ostwald und viel« ander« be- haupten, ist zweifelhast, da ein« ähnlich« Mischung ja auch in anderen Städten bestand. Die Biedermeierzeit, die Zeit des erwachenden Bürgertums, ist die Blüteperiode de« Berliner Humors. Redensarten, die heute noch üblich sind, wie:„Ich werde dir zeigen, was'ne Harke ist", oder „Na. dadrum keene Feindschaft nicht" stammen aus jenen Tagen. Gloßbrenner, Angely und andere haben die gemütliche Grobheit des bereits recht selbstbewußten Berliners aufs köstlichste festgehalten. Der philosophische Eckensteher, das derbe Marktweib, der kerngrob« Meister und der pfiffig-dreiste Lehrjunge— das sind alles Typen des aufstrebenden und kritisch gewordenen Kleinbürgertums. Bon jener Zeit, Über die aufgeregten Jahre von 1848 bis heute, glossiert der Berliner die großen und kleinen geschichtlichen Ereignisse politi- scher und gesellschaftlicher Art mit einem Witz, der vor keiner Autorität halt macht. Mochten die Staatsoberhäupter das Maul noch jo»all nehme», es imponierte ihm nicht. Wie er 1848 dem König, der mit dem Hut aus dem Kopf vom Balkon des Schlosses zum Volk sprach, zuriej:„Filz herunter!", so war er auch später gegen jede Scheingröße aussäjsig. Die unproportionierte protzig« SiegcsgLilm verspottete er als die einzige Berlinerin, die kein Ver- lsiilinis hat. In tausend Redensarten, Anekdoten, Gelegenheits- gedichten bis zu den Gasienhauern der neuesten Zeit bemüht sich Ostwaid, die mit rascher Auffassungsgabe verbunden« unbestechliche Wahrheitsliebe des Berliners zu zeigen, vor dessen beißendem Spott sich jede Anmaßlichkeit und Gefühlsseligkeit in eitel Dunst auflöst. Dickens' Lob des Druckers. Eine Rede, die Charles Dickens 1864 gehalten hat und die niemals bisher veröffentlicht worden ist, wurde in den Archiven des Pensionshauses des englischen Druckerbundes gefunden. Dickens war in dem genannten Jahre Vorsitzender der Kommission, der diese wohltätige Anstalt unterstand, und in der Rede, die er bei der Eröffnung der Sitzungen hielt, hat er ein treffliches Lob auf den Drucker ausgesprochen:„Der Drucker ist ein treuer Diener nicht nur des einzelnen, sondern der Gesamtheit, und daher hat er besonderen Anspruch an die Unterstützung aller, wenn er alt und krank wird. Wenn ich auch nicht das ganz« Verdienst an dem Wert für ihn in Anspruch nehme, das durch seine Gewandtheit, seine Klugheit seinen Fleiß und Ausdauer hervorgebracht wird, so frage ich doch, was würde der heutige Stand der Welt ohne ihn sein? Tyrannei und Schwindel würden dann in ollen Ländern sich durchgesetzt haben. Ich bin gewiß, daß es in k einem anderen Zweig des Handwerker- standes so viele hervorragende Männer gibt, als sich im Drucker- gewerbe finden. Was Raschheit der Aussassung, Ausdauer und Bs- reitwilligkeit anbetrifft, so habe ich stets beobachtet, daß der Setzer nicht seinesgleichen hat. Der Drucker ist der Freund des Gedankens, der Weisheit und der Wissenschaft: er ist der Freund der Freiheit, der Gerechtigkeit, des Gesetzes; wahrlich, der Drucker Ist der Drucker jedes Menschen, der ein Freund der Ordnung ist, der Freund eines jeden, der lesen kann!" Es regnet Sparkossenbücher! Die Stockholmer hatten vor einigen Tagen eine Sensation nicht alltäglicher Art: Flugzeuge des schwc- dischen Aero-Lloyd kreisten über der Stadt und warfen Schriften und Bücher ab. Die Bücher waren... Sparkassenbücher: in jedem war über eine Einzahlung von ö Kronen quittiert. Jeder Passant, der ein Buch erwischte, brauchte nur seinen Namen eintrogen zu lassen und besaß damit ein Guthaben bei der Stockholmer Spar- bank. Es war eine wirklich originelle Idee der Direktion der Spar- dank, auf diese Weise beim Publikum für das Sporen Stimmung zu machen. In der letzten Zeit hat in Schweden eine starke Spar- Propaganda eingesetzt. Besondere Beachtung wird dem Sparsinn der Kinder geschenkt. Zu diesem Zweck sind in den Stockholmer Schulen vor einiger Zeit nicht weniger als 2225 Sparbücher verteilt worden. Auf jedes Sparbuch waren bereits 2 Kronen eingezahlt. In kurzer Zeit belief sich der Gesamtbetrag der von den Schülern er- sparten Geldern auf 15 000 Kronen. Vor kurzem wurde außerdem folgendes Sparsystem in sämtlichen schwedischen Schulen eingesührt: Die Lehrer, mit denen die Sparkasse in engster Fühlung steht, sind berechtigt, von jedem Schüler, der Lust zum Sparen hat, täglich ein Oer« in Aufbewahrung zu nehmen. Sobald der auf die Weise er- sparte Betrag eine Krone erreicht, erhält der Schüler ein Sparbuch von der Sparbank. Die deutschen Ausgrabungen in Spanien. Nach zweieinhalb- monatlger Erfolgreicher Tätigkeit ist Professor Schulten von seiner diesjährigen Forschungsreise in Spanien noch Deutschland zunück- gekehrt. Nach Ausgrabung eines römischen Lagers bei Eaceres aus dem Krieg gegen Eertorius wurden auf der stark befestigten Insel San Sebastian bei Eadiz Ausgrabungen vorgenommen, bei denen das im Jahre 1100 v. Ehr. gegründete phönizische Gades entdeckt wurde. Ferner wurde auf der Insel Saniipetri die Stätte des im Altertum weltberühmten. Heraklesheiligtums untersucht, dessen Rest« in ein veraltetes Fort eingebaut sind. Bei den mit Dr. Iesien-Tübingen vorgenommenen Forschungen an der Ostküste wurde bei Almenara südlich von Sagunt ein römisches Lager mit 16 Türmen und drei Toren aus der Zeit des Hannibalischen Krieges gefunden. Zola— der gelefenste Schriftsteller. Zola» Ruhm ist bei der 25. Wiederkehr seines Todestages überall gefeiert worden, aber viel- fach wurde die Meinung ausgesorochen, daß er nicht mehr viel ge- lesen werde. Dem aber widerspricht eine Statistik der Auflagen seiner Werke, die in der„Literarischen Welt" mitgeteilt wird. Nach dem Tode des Dichters wurden allein in der Ausgabe des Verlages Fasquelle 1 233 000 Exemplare verkauft. Nimmt man die anderen Ausgaben dazu, so kommt man auf die Riesenziffer von 2 Millionen, die von keinem anderen Schriftsteller des letzten halben Jahrhunderts erreicht worden ift. Die Sondernummer des„Vahren Jacob"„Zum 9. N o- v e m b e r" wird jedem Arbeiter eine Freude sein. Kernig im Ton, geschmackvoll in der Technik, ausklingend in ein stolzes Bekenntnis zu Schwarzrotgold, stellt sie«in« Festschrist im besten Sinne des Wortes dar. Aus den vielen guten Beiträgen seien besonder» hervor- gehoben die„Kurze Geschichte der deutschen Revolution", das famose Blatt„Unser Adel" von Willibald Krain, die lustige Novelle„Seine Majestät", eine königlich-bayerische Geschichte von Ernft Hoferichter und die Unterhaltungsbeilage mit ihren fesselnden Revojutions- crinnerungen. Für den billigen Preis von 30 Pf. ist hier etwas wirklich Gutes geliefert worden. Zn der Städ'Ischen Oper ift Frau Rosette Andah für den Monat November für die beurlaubte Frau Onsgin engagiert. üvnsworfrSoe. Sonntag. 10 Ubr. sprechen tm Neuen Museum Dr. Wolfs über„Aegypten im 1. Iabrtauiend v. Cbr.-, im Kaiser- Friedrich-Mufeiim Dr. Kunze über„Venedig im IS. bis 18. Iahrhunderi- und im Muieum für Völler kund« Direktor Lebmann über„Zriih- mezikanische und Mayg-Äulwr'. Karten zu 50 Pig. vor Beginn am Eingang. Die Sühnengenossenschasl veranfiaiet zugunsten ihrer WohlfahrtSkass« am ä. November. SZ-/, Ubr, im Lelfingtbcaier eine Schauspieler, Nachtvorstellung von„Schindcrbannes- mit Käthe D o r's ch und Eugen Kloepser und der übrigen Premierenbeletzung. Die INedIci-GeseMchast eröffnet im Hotel„Der Kaiser hoff am S., 11 Uhr, «ine Sonder-AuSilellung de! jungen Maler» Gustav Bidal, der zum erstenmal in Deutschland gezeigt wird Die Galerie Vr Galdschmids, Vr. waUerstein. Schöneberger User 36a, zeigt in ihrer NovcmberauSinllung eislmalig Gemälde und sarbige Radierungen von K u r t E ch t e r m e h« r. Die Bayreulher Bühaensestspiele«erden bereit» im nächsten Jahre vom lg. Juli bis IS. August«iederholt werden. Ausgesührt werden Tristan und Isolde, Parstsal und der Ring de» Nibelungen. Da» Shokejpeore-Ideater in Stralsord. da» im Mär» ISIS abbrannte, soll neu ausgebaut werden. Die Sammlung dafür hat bi»her 2Z0St8 Pfund Sterling ergeben. Der Wiederaufbau de» Theater» ift nunmehr gesichert Rachejustiz. Auch das Zuchthaus bleibt. In der fortgesetztem Beratung über die Zuchthausstrafe wies Mmisterialdirettor Vumke gegenüber Angriffen des Abgeord- neten Höllein auf die deutschen Strasonstalten darauf hin, dah man heute nicht mehr„verblödete Arbeilen' machen lasse, sondern sich bemühe, nützliche Arbeiten für die Gefangenen zu erzielen, Genosse Landsberg trat für den sozialdemokratischen Antrag auf Streichung der Zuchthausstrafe ein. Gewitz feien die Besserungen im Strafvollzug in letzter Zeit unoerkennbar, das sehe jeder, es fei denn, daß er einen Hohlspiegel im Auge habe und alles verzerrt sehe. Gerade wenn man aber die Fortschritte im Strafvollzug anerkenne, müsse man bedauern, daß die Reichsregierung die Straf« so zögernd behandle, sonst würde sie selbst die Zuchthausstrafe zu streichen beantragen. wenn man nicht die Tal. sondern den Täter ins Auge sasie, müsse man eine Slrafart beseitigen, die dem Täter einen Makel anhaftet. Das Gesetz soll auf lang« Zeit gemacht werden, da solle man es auch von vornherein den augenblicklichen Verhältnissen anpassen. unter denen sich der Zustand entwickelt habe, daß zwischen Zuchthau» und Gefängnis in der Praxis nur geringe Unterschiede beständen. Für die Gesellschaft käme es nicht daraus an, daß ein Verbrecher gerade ins Zuchthaus käme, sondern nur daraus, daß er in eine Anstalt gebracht werde, wo man ihn zu erziehen sucht und die Gesellschaft vor ihm sicher sei. Ministerialdirektor Bumke hob hervor, daß man den Gesicht«- punkt der Erziehung betonen müsse, daß aber die Seele auch nicht ans Vergeltung und Sühne verzichten könne. Abg. Scheiter(Z.) sprach sich gegen den sozialdemokratischen Antrag aus, weil die Zuchthausstrafe als verschärft« Strafe notwendig sei, um auch den Gedanken der Abschreckung und Vergeltung zur Wirkung zu bringen. Genossin psülf hob den Erziehungsgedanken hervor, der im Strafvollzag liegen müsse. Wie solle sich aber ein Mensch nach der Entlassung behaupten kännen, wenn ihm für immer dos Entehrende der Zuchthausstrafe anhaftet, und gerade dieser Umstand, daß man einem Entlassenen nicht erleichtert, sich eine neue Existenz auszubauen. werde sich nachteilig für die Gesellschaft auswirken. Leider sei der Widerstand in der Welt gegen die Ausnahme eines ehemaligen Zuchthäuslers so groß, daß er selbst bei dem besten Willen eines Entlnssenen nicht überwunden werden könne. Genosse Dr. Rosenfeld macht darauf aufmerksam, daß in dem sozialdemokratischen Antrag nicht nur liege der Antrag auf Her- stellung einer Einheitsstrafe, sondern auch der Wunsch, wenig st ensden Namen Zuchthaus zu beseitigen und an seine Stelle etwa den Namen strenges Gefängnis zu setzen. Damit sei nicht viel, aber wenigstens etwa» erreicht. Frau Dr. Lüders(Dem.) sprach sich für die Namensänderung aus, Vertreter des Zentrums und der Deutschnationalen dagegen. Sie meinten, daß da» strenge Gefängnis nach kurzer Zeit mit demselben Makel behaftet sein würde, wie heute das Zuchthaus, und es nicht auf die Bezeichnung, sondern auf den Personen- kreis derer ankomme, die in dieser Anstalt ihr« Strafe verhüßen. Ministerialdirektor vumke suchte darzulegen, daß da« Wort Zuchthaus doch von dein Worte.Zucht' stamme und nur Erziehungs- haus bedeute, also nicht so infamierend wirken könne. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag auf Beseitigung der Zuchthaus- strafe überhaupt und Herstellung einer Einheitsstrafe von sämtlichen bürgerlichen Partelen gegen die 1l) Sozialdemokraten und Kommunisten"a b g e l e h n t. Der Antrag auf Veseitigimg de« Namens Zuchthaus wird mit den 12 Stimmen der Sozialdemo. traten, Demokraten und Kommunisten gegen die 14 Stimmen der übrigen Parteien abgelehnt. Alsdann berät der Ausschuß«inen kommunistischen Antrag. der folgendermaßen lautet: „Auf Zuchthausstrafe darf nur erkannt werden, wenn fest- gestellt wird, daß die strasbar befunden« Handlung auf ein« ehrlose Gesinnung des Täters zurückzuführen ist. Eine ehrlos« Gesinnung darf nur dann für vorliegend angesehen werden, wenn die Handlungsweise de» Täters eine solche war, daß sie nach Il.'berzeugung seiner Berufs- und Klassen- genossen auf derartige Motiv« zurückgeführt werden muß.' Noch Behandlung dieses Autroges durch den Abg. Koenen (Komm.) macht Genösse Landsberg'darauf aufmerksam, daß der zweite San geradezu unmöglich sei. Hätte. er während des Krieges Gelegenheit gehabt, wo viele Landwirte, die Ernäh- runasvorschristen sabotierten, auf deren Uebertretung Zuchthaus ge- setzt' war, um die Aushungerung des Volkes zu verhindern, so wübdc kein Landwirt verurteilt worden sein, weil die übrigen Agrarier die ehrlose Gesinnung verneint hätten. Abg. wunderlich(DVp.) wie» darauf hm, daß der kommu- nistisch« Antrag undurchführbar sei, da er auf eine Befragung der einzelnen Klassen der Bevölkerung hinausläuft und die Richter zuaunsten der Standesvertretung abdanken müßten. »ei der Abstimmung wurde der erst« Satz des kommu- mlliscten Antrags gegen Sozialdemokraten und Kommunisten ab» gelehnt, sür den zweiten Satz stimmten trotz Widerlegung durch Genossen Landsberg die beiden Kommunisten. Dieverteiöigung in AenKememorüprozejsen. Hintergründe der Prozeßführung. Der Untersuchungsausschuß des Landtags hat sich am Mittwoch und Donnerstag mit dem«Fall Pannier' be- schäftigt. Der Prozeß gegen die MörAer des Schützen Panmer, der seinerzeit unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bombe vor einem Berliner Schwurgericht stattfand und mit einer Reihe von Todesurte.len gegen die unmittelbaren Täter, aber mit der Frei- sprechung der wegen Anstiftung angeklagten höheren Offiziere endete, hat in der Oeffenttichkett wegen verschiedener Begleitumstände großes Aufsehen erregt. Den Ausschuß beschäftigten namentlich zwei Fragen: eiumat, wie es zum Ausschluß der Oeffentlich- t e i t kam, zweitens, ob einZusommenspiel der Verteidigung stattgefunden hat, um die Anstifter de» Morde» zu decken, und ob zu diesem Zweck linksstehende Anwälte aus der Verteidigung ausgeschaltet oder anderweitig in der Wahrnehmung ihrer Pflichten behindert worden sind. Rechtsanwalt Sack unS Co. Am Mittwoch wurde eine Anzahl Zeugen über das Zustande- kommen der Verteidigung vernommen. Dabei war namentlich die Bernebmunq de» bekannten völkischen Berteidiger» Dr. Sack von Fnterosse. Es ergah sich, daß Sack sozusagen als Generalunternehmer der Verteidigung die Verteidigung der Angeklagten, die er wegen Interessentollision nicht vertreten konnte, an ihm nahe- stehende Rechteanwälte ausgegeben hat. Er hat auch einzelne Angeklagte, die noch keinen Verteidiger hatten, im Untersuchungsgefängnis ausgesucht und ibnen Rechtsschutz an- geboten mit der Berstchcrung, daß es bei lhm nichts koste. . Tatsächlich ist hierdurch der Angeklagte A s ch e n t a m p. der sich bereits schnstlich an den Rechtsanwalt Themal gewandt hatte, ver- anlaßt worden, von diesem wieder abzugehen und sich eine» S u b- st i t u t e n Sacks als Verteidiger zu nehmen. Sack und seine Substltuken haben aber vlch« rtma umsonst ver- teidigl. sondern die Honorare au» dunklen Quellen bezogen. Rechtsanwalt Sock erklärt, daß ein„schlichter Mann' aus der Schwarzen Reichswehr bei ihm gewesen sei. der mit dem An- der Kampf gegen öie dekenntmsfthnle. Inkonsequenz des Zentrums. In der gestrigen Sitzung des Bildungsausschusses des Reichs- tages hatte der Abg. Dr. Heinz« von der Deutschen Volkspartei Ausfühungen über das sächstsche Schulwesen gemacht, die die tat- sächlichen Verhältnisse ganz falsch darstellten. In der heutigen Fort» setzung der Beratung wies Abg. Flefhner(Soz.) die Darstellung von Heinz« scharf zurück, die auch im strikten Widerspruch zu der Stellung der jetzigen sächsischen Regierung stehe. Dos Uebergangsyesetz für da, sächsische Volksschulwe'sen ist schon vor der Reichsverfassung in Kraft getreten. Die rechtliche Lage in Sachsen ist also In keiner Weis« zweifelhaft. Die Absicht des Abg. Heinz« gehe offenbar dahin, Sachsen den Schutz de» Artikels 174 zu entziehen. Damit setze man aber Sachsen der Gefahr au», Bekenntnisschulen im Sinne des Gesetzentwurfes zu erhalten. Sachsen habe die weltlich« Gemeinschaftsschule, das ist auch jetzt wieder im Sächsischen Landtag festgestellt worden. Abg. Heinrich Schulz(Soz.): Der Entwurf von 1S21 berücksichtigt aus» peinlichst« die Bestimmungen der Verfassung. Der erste Satz sogt:„Die Volksschulen sind Gemeinschaftsschulen.' Für die anderen Schularten war das Antragsoerfahren vorgesehen. Dieser Entwurf war mit den Ländern und mit Sachverständigen unter dem frischen Eindruck der Weimarer Kompromihverhond- lunger ausgearbeitet worden. Fertiggestellt wurde er unter dem Kabinett Fehrenbach, dem keine Sozialdemokraten angehörten. Gegen den Entwurf von 1921 ist von keiner Seite des Zentrum» auch nur der geringste Widerspruch laut geworden: e» ist damals dort auch nicht behauptet worden, daß er nicht der Verfassung entspreche. Der heutige Entwurf und die hallung de» Zentrum» flehen im strikten Gegensah zum Entwurf von 1921 und der damaligen Stellungnahme de» Zentrums. Abg. Schreck(Soz.): Don dem Schulfrieden, den der Reichsinnenminilter mit dem Gesetzentwurf erreichen wollte, sei nichts 'zu merken. Nicht nur die Oppositionsparteien lehnten den Entwurf scharf ab, auch im Lager der Regierungsparteien Hab« er Zersetzungserscheinungen verursacht. In keiner beneidenswerten Lage befindet sich die Dolkspartei, die hereits früher bereit war, einem Gesetz auf ganz anderer Grundlag« zuzustimmen. Der Entwurf wolle nicht' die Einheit Deutschland», sondern das Trennende der Konfessionen. Abg. Rosenbaum(Komm.l beklagt sich darüber, daß die kommu- nistischen Anträge gar keine Beachtung fänden. Nachdem der Abg. Rheinländer(Z.) gegen die Ausführungen des Abg. Schulz polemisiert hat, erklärt der Vertreter Anhalt», daß seine Regierung den Entwurf im allgemeinen ablehne. Abg. Heinrich Schulz(Soz.) weist gegenüber dem Abg. Rheinländer im einzelnen nach, daß seine Darstellung über die Kompromißverhandlungen den Tatsachen entsprechen. Abg. Löwenstein(Soz.): Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Sozialreaktion in allen Ländern. Dabei wird unser Kampf gegen da» Zentrum davon abhängen, inwieweit es die Interessen der bei ihnen organisierten Arbeiter vertritt. wir wollen verhindern, daß unter dem Schein einer verfassungs- mäßigkeit eine Versassuvgsverlehung erfolgt. Varia unter- scheiden wir uns von den Kommunisten, die bi» zur Stund« noch nicht begriffen haben, um was der Kampf geht. Die Ausführungen des Abg. Rheinländer haben das eine festgelegt: Die Gemeinschaftsschule ist die Schule, die der Staat ein- richten kann, ohne den Willen der Eltern berücksichtigen zu müssen. Das ist die Meinung des Herrn Marx, des Zentrums und des Weimarer Kompromisses gewesen. An die Reichsregierung richtet der Redner die Frage, ob sie nach den Erklärungen des Zentrum» ihren Entwurf immer noch als mit der Verfassung im Einklang stehend betrachte. Außerdem solle seht endsich die Reichs- regieruna erklären, an welcher Stelle des Entwurfs dl« Vorzugsstellung der Gemeinschaftsschule zu finden sei. von der der Reich,- innenminister in seiner Erklärung geredet habe. Wenn der Minister zurzeit auch sein Gewerbe im Umherziehen ausübt, so dürfe er sich doch nicht von der Beantwortung dieser Fragen drücken. Es sei recht merkwürdig, daß eine Anzahl Länder erklären, die Vorlage sei versassungswidrig, die Reichsregierung aber immer noch schweige. Die Rechtslag« muß deshalb im Ausschuß klargestellt werden Abg. Frau väumer(Dem.) saßt den Standpunkt der Demo- traten zusammen und betont noch einmal die verfassungsmäßige Vor- zugsstellung der Gemeinschaftsschule. Staatesekretär Dr. Z weigert bezweifelt, ob es zweckmäßig sei, die Frage der Verfassungsmäßigkeit„noch weiter zu vertiefen'. Di« Aussprache darüber wäre sicher nützlich und notwendig gewesen. Da man jedoch nicht wisse, in welcher Gestalt die Vorlage Gesetz werde, solle man es bei dieser Aussprache bewenden lassen. Die Regierung beholte sich vor, sich in der Einzeldebatte an den betreffenden Stellen darüber zu äußern. Die Frage des Abg. Läwenstein nach der Vorzugsstellung der Gemeinschaftsschule beantwortete der Reglerungsvertreter dahin, daß diese Vorzugsstellung anzuerkennen sei. Da» komm« auch im Entwurf zum Ausdruck. Den Ländern bleibe es unbenommen, in dieser Hinsicht das Nötige zu bestimmen. Abg. Rheinländer(Z.) tritt für„die sittlich-religiöse' Erziehung «in, die in der Volksschule die erste Stellung«inzunehmen habe. Nun kommt es zu einer Geschäftsordnungsdebatte. Die Link« beantragt, die Sitzung abzubrechen, da die für die Beratung vereinbart« Zeit schon weit überschritten sei. Der Vorsitzende mißachtet jedoch diese Vereinbarung und läßt ab- stimmen. Die Mehrheit beschließt, weiter zu tagen. Die Linke ver- läßt darauf die Sitzung. Ihr« vorgemerkten Redner lehnen ab, jetzt zu sprechen. Die Recht« beantragt nun, die Generaldebatte zu schließen. Der Antrag wird unter Protest angenommen. Darauf Schluß der Sitzung. geklagten in einer Baracke gehaust habe, und ihmda» Geldan- geboten habe. Den Rainen will er nicht nennen. E» stellt sich aber heraus, daß dieser schlichte Mann der Mitangeklagte Fähnrich Moder war. Mit Recht wies der Berichterstotter kuttner daraus hin, daß Meder und seine Kameraden unmöglich über GelZmnttel verfügt hätten, die es ihnen gestatteten, lür jeden einzelnen Ver- leidiger 590 Mark Zh» zahlen. Rechtsanwalt Sock hüllt sich über diesen Punkt in Schweigen. Cia interessanter Srief. Am Donnerstag wurde der Landtagsabgeordnet«. Rechtsomvatt Obuch als Zeuge vernommen. Er ist von der Ehefrau des An- geklagten Stein in letzter Minute als Verteidiger für ihren Mann herbeigeholt worden, da dieser gegen den Substituten Sack«, den Rechtsanrvolt Redkowski, mißtrauisch geworden war. Obuch traf aber erst ein, als das Gericht sich bereit» zur�Beratung de» Urteils zurückgezogen hatte. Die von ihm verlangt« Sprecherlaubnis wurde' von Landgerichtsdirektor Bomb« sowohl im Augenblick, als auch nach der Urteilsfällung verweigert. Obuch gibt als Zeuge weiter an, daß er trotz politischer Bedenken die Verteidigung des Stein übernommen habe, weil ihm Dinge bekannt gewesen seien, die ihn annehmen ließen, daß die Verteidigung nicht die angeklagten Schühen, sondern ihre Vorgesetzten decken wollte. Alb Beweis verliest er verschieden« Briese, darunter einen Bries des Rechtsanwalts Sack an einen gewissen Tolke. Es ist die» der Tolke, der mit dem Femeoberleutnont«chulz zusammen beim Christlichen Landarbeiteroevband und in den Landvolk- genossenschaften tätig gewesen ist. Obuch behauptet, Beweis« zu be- sitzen, daß Tolke zusammen mit Erich klapprolh, dem Bruder des Willi Klapproth. Zeugenbeeinslussuna getrieben habe. In dem Brief des Rechtsanwalts Sack an Tolke heißt es: „ijerrn Oberleutnant Schulz und Raphael(auch«in Hquptführer der Feme. D. Red.) pape ich mit Rücksicht aus den Schweriner Prozeß etwas vernachläffigen müssen. Das haben muh beide Herren eingesehen: denn um so mehr ich die S ch w e- riner Sache bearbeite, um so mehr diene ich auch den beiden Herren speziell.' Hierzu erklärt der Zeuge Obuch, daß es sich m Schwerin um die Verteidigung des Oberleutnants Schüler wegen Fememordes gehandelt habe, der der Kriminalpolizei wichtig« Mit- teilungen über die Küstriner Fem« gemacht hat. Unmittelbar, nach dem Schüler im Sinne der Feme Verrat geübt hat, habe Rechts- anwall Sack seine Verteidigung übernommen, nicht— wie Obuch ineint«—, um Schöler zu schützen, sondern, wie au» dem Brief hervorgehe, im Interesse von Schulz und Raphael, um diese zu decken. Zeuge Rechtsanwalt Löwenlhal. der auf Wunsch der Frau Stein später statt Obuch die Verteidigung des Stein übernehmen sollte, schildert gleichfalls, daß es ihm sehr schwer gemacht worden sei, mit Stein in Verbindung zu treten. Der zum Tode verurteilte und später zu fünfzehn Jahren Zuchthaus begnadigte Stein gibt als Zeuge an. daß der Zuslizobecsekrelär Werket und der Landgerichtstat Vormbaum auf ihn eingewirkt hätten. Löwenthal nicht als Verteidiger zu nehmen, denn„Löwenthal sei schlimmer als Obuch.' Die Wahl«tnes linksstehenden Verteidigers, so hatten ihm die beiden gesagt, würde seine Sache nur ungünstig beeinslussen und seinem Gnadengesuchschaden. In der Nachmittagssitzung des Donnerstags wurde zunächst Landgerichtsdirektor Bombe vernommen. Er beruft sich für den Ausschluß der Oefsentlichkeit auf die Stellungnahme des Auswärtigen Amtes. Auf seine offizielle Ansrage vor Beginn der Verhandlung Hobe ihm die Regierung kurz vor der Verhandlung durch Oberstaatsanwalt Sethe„vertraulich" folgende» mitteilen lassen: Di« Regierung fei dafür, dah endlich einmal in voller Oeffentltchkeit verhandelt werde. Zm Augenblick aber sei nach Ansicht de» Aus- wärtigen Amtes wegen der Auswärtigen Lage eine Sfsentliche Verhandlung inopportun, er möge deshalb die Sache vertagen. Zu einer Vertagung Hab« aber kein rechtlicher Grund vorgelegen, deshalb Hab»? er sich für nichtöffentliche Verhandlung entschieden. Sein Verhalten gegenüber den Rechlsanwälten Obuch und Löwe». thal erklärt Vomve damit, daß er unbedingt den vertraulichen CharakterderVer Handlungen Hab« wahren wollen. Des- halb habe er keinem Verteidiger Sorecherlaubnis mit einem Angeklagten geben können,«he feststand, daß der de- treffende Angeklagte den Verteidiger auch wünsche. Aue Steins Ver- halten habe er nicht annehmen können, daß er«inen Wechsel der Verkeddigung wolle: er habe vielmehr die Bestellung von Obuch und Löwenthal nur als eine Aktion der sehr ausgeregten Frau Stein betrachtet, mit der aber ihr Ehemann seiner Ansicht nach nicht ein- verstanden gewesen sei. Iustizobersekreiär Merker und Landgericht»- rat Vormbaum bestreiten sehr energisch, den Angeklagten Stein irgendwie beeinflußt zu haben. Die Auifnahme«ine» Protokoll» mit Stein sei wegen dessen schwankender Haltung notwendig gewesen. um seinen wirklichen Willen festzustellen. Am Freitag werden die Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Virtstbastliche Reichsglieöerung. 13 Landesarbeitsämter. Der Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat nunmehr die Grenzen der neuen Landesarbeitsämter endgültig fest- gesetzt. Die ursprünglichen Beschlüsse des Vorstandes der Reichsanstalt bleiben im wesentlichen aufrechterhalten. Rur die Grenzen der Landeearbeitsämter Brandenburg und Pommern haben eine kleine Aenderung erfahren. Zu dem Landesarbeitsamt Brandenburg gehört nunmehr die gesamte Grenzmark sowie die S t a d t B e r l i n und die Provinz Brandenburg. Dementsprechend sind dem Landesarbeitsamt Pommern die Kreise der Grenz- mark, die ihm ursprünglich zugeteilt waren, nicht einverleibt worden. Sonst bleibt es bei dem Vorschlag der 13 Landes- arbeitsämter. Den bezirklichen oder fachlichen Besonderheiten der ein- zelnen Gebiete sollen durch Errichtung von Zweig st ellen oder Fachabteilungen Rechnung getragen werden. Dorgesehen sind derartige Zweigstellen für O b e r s ch l e- sien, die Grenzmark, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin und dem Bezirk Unter- weser. Somit sind die 22 Landesarbeitsämter, die bisher be- stehen, auf 13 zusammengelegt worden. Es ist erfreulich, daß der Borstand der Reichsanstält gegenüber dem Ansturm des Partikularismus festgeblieben ist und entsprechend den wirt- schaftlichen Notwendigkeiten eine Neugliederung des Reiches für die Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sicherung vorgenommen hat. Schaffung eines Reichsverwaltungsgerichts Unter Bereinigung mit dem prentzische« Ober» Verwaltungsgericht. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand gestern in der Reichs- kanzlei eine Besprechung über die Schaffung eine» Reichsoerwal- tungsgerichts statt, an der der preußische Ministerpräsident, die beteiligten Reichsminister, der preußische Minister des Innern, die Präsidenten des Reichsgerichts und des preußischen Oberverwaltung»- gerichts sowie der Reichssparkommissar teilnahmen. Die«ingehende Aussprach« führte zu einem positiven Ergebnis. Der preußische Vorschlag, das preußische Oberoerwaliungs- gencht in dem in Berlin zu schaffenden ReichsverwaUungsgericht aufgehen zu lassen und die Zuständigkeit dieses Reichsvcrwoltungsgerichts auch für die Sachen zu begründen, für welche bisher das preußische Oberverwalttlngsgericht zuständig war, wurde allseitig be- grüßt. Der Reichsminister des Innern wird sofort auf der so gewon- nenen Grundlage gemeinsam mit allen beteiligten Stellen die noch erforderlichen Einzelberainngen vornehmen und alsdann«inen neuen Gesetzentwurf vorlegen. Au» dem Reichstag. An Stelle des verstorbenen Abgeordneten Wormii(Dnat.) tritt der Landwirt Alfred P« r k- Diwltten bei Allenstein(Dnat.) in den Reichstag ein. SchwerinAuftrie gegen �chtstunöentag. Vertagung auf einen„spätere» Zeitpunkt". Der Arbeitgeberverband der n o r d w e st l i ch e n Gruppe hat— wie uns aus Bochum gemeldet wird— beim Reichsarbeitsmini st erium Schritt« unternommen, um die Verordnung vom 16. Juli 1927 zwecks Unterstellung der Stahl- und Walzwerks- a r b e i t e r unter den Z 7 der Arbeitszeitverordnung nicht ab 1. Januar 1928, sondern erst ab einem spät'erenZeitpunktin Kraft treten zu lassen. Zwischen den beiden Parteien sollen im Laufe der nächsten Woche im Reichsarbeitsministerium in Berlin Verhandlungen darüber stattfinden. Nachdem die Schwerindustriellen einen Kampffonds sammelten, um die Durchführung der Verordnung zu ver- hindern, die endlich den Schwerarbeitern den Acht- stundentag wiedergeben soll, war das Manöver, das nun- mehr beginnt, zu erwarten. Die Schwerindustriellen planten offenbar, daß man mit eisernen Stirnen und gefüllten Kassenschränken alles erreichen kann. Sie werden feststellen, daß sie diesmal sich verrechnet haben. Die Frist, die man den Schwerindustriellen gewährt hat. ist viel zu lange. Nun muß endlich Schluß gemacht werden! Kampf in öer rheinischen Textilinöuftrie. 63 000 Arbeiter vor der Aussperrung. Ja der rechlsrhelalschea Textilindustrie wurden am Mittwoch in Elberfeld die Lohnver Handlungen foriges eh l. Die Unternehmer� erklärten sich bereit, für die Zeitlohnarbeiter, die aber nur etwa 2 Prozent der Textilarbeiterschaft ausmachen, ganze 4 Prozent Lohnerhöhung zu gewähren; im Laufe der Verhandlungen mußten sie allerdings ihr Angebot auf 10 Prozent erhöhen. Da- gegen lehnten sie es strikte ab. den Akkordarbeitern irgend- welche Zugeständnisie zu machen. Ferner weigerten sie sich, die Löhne der qualifizierten Facharbeiter den tatsächlichen Verhältnisien anzugleichen und die berechtigte Forderung onzu- erkennen. denArbeiterinnen dort den gleichen Lohn zu zahlen, wo die Frauen die gleiche Arbeil wie die Männer verrichten. Auch die Vefeitigung der Ortsklasseaabschläge lehnten sie ab. Infolgedessen sind die Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag gescheitert. Am Freitag werden deshalb 5000 Textilarbeiter rechts des Rheins in den Streik treten. weitere Betriebe werden voraussichtlich in den nächsten Tagen folgen. Demgegenüber ist damit zu rechnen, daß der Arbeilgeberverband die Gesamtaussperrung in der rechtsrheinischen Textilindustrie aussprechen wird. In Frage kommen rund KZ 000 Arbeiter und Arbeiterinnen.' �?r Kampf in der Figarreninduftrie. Eine mißglückte Verteidigung. Durch die Telegraphen-Union oerbreiten die Zigarrrnfabritanten folgenden Verteidigungsversuch: „In Lreslau, Leipzig, Minden i. W. und einigen anderen Orten waren wilde Teilstreiks der Tabakarbeiter ausgebrochen mit dem Ziele, die noch bis zum 31. März 1928 laufenden tariflichen Bin- düngen umzustoßen uNkr eine loprozeniige- Lohnerhäkun� durchzü- setzen. Der Deutsche TabakorbeiterverbuNd- Hot sich inzwischen diese Forderung zu eigen gemocht und vom den Arbeitgebern eine Zwischenlösung in diesem Sinne gefordert. Die Arbeitgeberschost beantwortete Vese Versuche zunächst mit einer Aussperrung der mitteldeutschen Bezirke. Betroffen wurden zunächst direkt 12000 Arbeiter im Freistaat Sachsen, in der Provinz Sachsen, Anhalt, Braunschwelg und Sachsen-AIienburg. Eine Ausdehnung der Aus- spcrrung auf das ganze Reich ist für den 12. November angefetzt. Die Kündigungen hierzu laufen bereits. Von dieser Gesamtaus- fpernmg««ve» 1200« Arbeiter direkt betroste« sein. Inzwischen haben in Hamburg, Westfalen, Bremen und Mannheim die End- abteilungen, die die Sortierer, Fertigmacher, Kistenmacher usw. um- fasien, von sich aus die Arbeit niedergelegt, so daß in diesen Be- zirken die gesamt« Tabakindustrie lahmgelegt ist. Da sich dies« Be- wegung weiterhin ausdehnt, ist damit zu rechnen, daß die deutsche Tabakindustrie bereit» vor dem 12. November allgemein zum Erliegen kommt. Große Teile der Bezirke Thüringen, Hessen, Unterfranken, Schlesien, Brandenburg und Pommern sind bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Don Arbeitgeberseite sind den Arbeitnehmern keine Gegenvorschläge gemacht war- den; man besteht vielmehr aus Durchführung des laufenden Ta- rifvertrages. Es schweben auch kein« Verhandlungen, so daß ein« Beilegung des Lohnkonfliktes höchstens durch ein« I n t e r> oentton des Reichsarbeitsministeriums möglich wäre. Auch dieses wäre jedoch nicht zur Schlichtung durch einen neuen Schiedssprch imstande, da der im April dieses Jahres vom Reichsarbeitsminister gefällt« Schiedsspruch noch läuft. Es besteht überdies auf Arbeitgeberseite keine Neigung, den Arbeit- nehmern Gelegenheit zu geben, die Tarifablaufsristen durch eine Neuregelung im gegenwärtigen Zeitpunkt für die Zukunft ge- rad« in das Weihnachtsgeschäft zu verlegend * Zunächst: Nur in Leipzig streikten insgesamt 160 Arbeiter. Soweit an anderen Orten heute gestreikt wird, geschieht dies als Antwort auf die von den Unternehmern ausgesprochene Kün- digung. Was die Unternehmer sonst zu ihrer Verteidigung vorbringen, ist wohl das schwerste Antlagematerial gegen sie selbst, das sich denken läßt. Also wegen der 160 streikenden Arbeiter werden in ganz Deutschland 120 000 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt. Die Unternehmer erklären, daß sie kein« Gegenvor- schlage machen, denn der Tarif sei noch bis 31. März 1928 gültig. Daß sie diesen Tarif ober durch die Generalabsperrung brechen, kommt den Unternehmern nickst zum Bewußtsein. Sie wagen e» auch nicht, nur ein Wort über die elenden Hunger- löhne der Zigarrenarbeiter zu sprechen. Aber man merkt«s der Verteidigung an, daß den Zigarren- fabrikonten vor ihrer Gottähnlichkeit bange ist. Deshalb wird dem Reichsarbeitsminister mit dem Zaunpfahl gewunken. Gleichzeitig wird dem Minister die Marschroute vorgeschrieben- Sonderbare Diplomaten, diese Zigarrenfabrikanten. Die Gegenwehr. Heidelberg. 3. November. sMtb.) Wie in Mannheim haben auch hier gestern die Sortierer, Fertigmacher und Packer d« Heidelberger Zigarrenfabriken die Arbeit niedergelegt. Schwerer Konflikt im Aachener Kohlenbergbau. Die Arbelker sollen weiter hungern. Jm AachenerSteintohlenbergbau lehnen die Unter- nehmer die von den Arbeitern geforderte Lohnerhöhung ab. Sie verlangen, daß sich die Bergarbeiter mit der ab 1. Juni durch Schiedsspruch erfolgten Lohnerhöhung bis 31. Mai 1928 zu- frieden geben, und erklären, es bestehe keine Veranlassung zu einer Lohnerhöhung, weil nach ihrer Auffassung die Teuerung im Aachener Bezirk zurückgegangen sei. Da diese Behauptung keines- wegs zutrifft, dürfte es im Aachener Bergrevier zu harten Lohnkämpfen kommen, wenn die Unternehmer aus ihrer Ab- lehnung verharren. Zwischentarifliche Verhandlungen in Köln. Um die Löhne der Geptrmdearbdter. Köln. 3. NtnwmlW. sEigenberickN.l Die st ä d t i s ch en A r b« i te r und'Straßenbahner- Kölns stehen seit einigen Wochen in einer Lohnbewegung� Der mit der Stadtverwaltung abgeschlossene Tarif laust zwar noch bis 1. April � 1028. Die andauernde Teuerung hat indes die Gewsrkschaften ver- anlaßt, wegen einer zwischenlarislichen Lohnerhöhung im, Verhandlungen nachzusuchen. Die Stadtverwaltung hat jede Verhandlung abgelehnt, mit dem Hinweis auf die G e l t u n g s- douer des Tarifs und mit dem Bemerken, daß die Teuerung nicht so erheblich sei, um«ine zwischentarislich« Regelung der Bezüge zu rechtfertigen. Dieser Standpunkt der Stadtveewaktung hat notflr- lich bei der städtischen Arbeiterschaft«in« groß« Erregung hervor- gerufen. Der Sozialpolitisch« Ausschuß der Stadtoer- ordnetenversamnckung hat nunmehr beschlossen, die Stadtverwaltung zu beauftragen, sofort mit den Gewerkschaften in Berhand- lungen einzutreten und eine Zwischenlösung herbeizuführen. Huter Verlauf der Fd �.-Kundgebungen. Deutschnationalc Störungsversuche. Am Mittwoch veranstaltete die Ortsgruppe Berlin des ZdA. die vier ersten Kundgebungen �ur Angestellten- oersicherungswahl, die durchweg einen sehr guten Be- s u ch aufwiesen. In Pankow, Spandau, Neukölln und Köpenick sprachen die Genossen Haußherr, Schröder, Hd ch, Zeitz, Ellert, Bohm-Schuch und Dr. Paul Hertz über die Bedeutung der Wahl der Vertrauensmänner zur An- gestelltenverstcherung. Sie hielten scharf« Abrechnung mit den bür- gerlichen Angestelltenverbänden und forderten die Angestellten auf, ihre Stimmen am Wahlsonntage den freigewerkschastlichen Angestelltenlisten zu geben. Umrahmt wurden diese Bor- träge durch Gesang von Chören des Arbeiterfängerbundes. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband, der vor einigen Wochen sein« Mitglieder durch ein vertrauliches Rund- schreiben aufgefordert hat,„Sturmtrupps" zum Besuch geg- nerischer Versammlungen zu bilden, konnte es nicht unterlassen, zu versuchen, durch solche Stoßtrupps aus Berlin die Kundgebung des ZdA. in Köpenick zu sprengen. Durch fortdauernde Zwischenrufe und durch provokatorisches Verhalten versuchten die deutschnai analen„Kaufmannsgehilsen", die.Kundgebung zu stören, was ihnen jedoch nicht gelang. Sie mußten schließlich durch polizei- liche Maßnahmen aus der Versammlung entfernt werden. Der 13. November wird den deutschnationalen Rüpeln die beste Antwort auf ihr Verhalten geben. Streik in der Zwirnerei Wibrecht». 5lotow. Die Zwirnerei Albrecht u. Flotow stand früher in dem Ruf, annehmbare Löhne zu zahlen und ihre Arbeiterinnen� anständig zu behandeln. Seitdem aber das aufsichtsführende Per- sanol erneuert wurde, sind unhaltbar« Zustände eingetieten. Die gesetzlichen Vorschriften werden überschritten und die Verdienst. Möglichkeiten fortlaufend verschlechtert. Der Deutsche Textilarbeiterverband beantragte deshalb ein« Ver- Handlung, die unter nichtigen Gründen von der Firma verzögert resp. abgelehnt wurde. Schließlich drohte die Firma mit der Betriebsschließung. Darauf legten die Arbeiterinnen ge- schlössen die Arbeit nieder. Anstatt n»n den Betrieb zu schließen, versucht die Firma mit aller Kraftanstrengung und Versprechungen Streikbrecher zu bekommen, was aber bei den niedrigen Verdiensten« r f o l g i o s blieb. Trotzdem werden oll« Arbeiterinnen gebeten den Betrieb zu meiden, bis dieser durchaus gerechte Kampf beendet ist. _ Die Ortsverwaltung Lohnverhandlungen im Mansfelder Sergbau. halle a. d. Saale. 3. November.(TU.) Die Arbeitergewerkschasten hoben der Mansfeld-A.-G. den Lohn- tarif zum 30. November gekündigt. Im Lauf« des November werden neue Lohnverhandlungen stattfinden. Sewerklckakts-Untcraiislchud Bezirk Paiikoi». Montag, 7. Ztovrmber, 19� Uhr, spricht Kollege giska Uber das Arbeitziosenversickerungsgesch im Türkischen gelt, Pankow, Breite Straße. Betriebsräte und Eewerkschasts- fuuktionärc lind hierzu eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Frei« tSrwerklchaftsiugendrsh. Berlin. Heute, Freitag, 19'e Uhr, tagen die Eruppen: HernionnolaN: Aruppcnheim gugcntheim Sanderstr. V,'!cke Sodrechtstraße. Heimbesprechung.— SckS-eweiS«: drupix-nheim Zugeudiic�m itonscncr Str. Z lB.olcr Saal). Scimoespreilmnft.— Wedding: iSruppeaheim Stadtdad Wedding,ick. 1.25 mager 1.35 Jagdwurst.... ps»nck 1.45 Mettwurst 1.45 Schinkenpolnische pu l. 50 FiletWUrst.../ Pfund 1.50 Bierwurst...... Pfimd 1.65 iC3lb$k3813m Bnuin. Niercnbralca, Pfd. Kaibskeuüe«nur».««.-m.. Qusitipps........... Rinderkamm u. Brust Sehmorfieisdn • Pfand . Pfand Pfand and Roaeibeef mit Knochen Pfand Schweinebauch u. Blatt Schweinekamm Schweineschinken..... n™« Gehacktes 75 p*. Liesen pm. 70 pi. 85 pt 70 pc 80 pl Im 80 pl 80 pl 90 pl 90 pl Kaßler, Speer u. Kamm 95 pl Suppenfleisch.......... pf�d 58 pl Hammelfleisch°.no-i--n qqpl Hammelkeule......... Pfund 95 pl FettböcWingei,tL34 u 42 pl Rotbars.... Pfund 45 Pf. Schellfische>. Pfund Zgps Flunckern eia't« 0!«,«n 68P' Makrelen.... Pnmd 42 Pf Spickaale 2.65unBund55Pf- ffeden tfreitag«*• Sonnabends(811/lge Stoff- dt es te u Landmettwurst Pfund 1.65 Schinkenspeck Pfund 1.65 Zervelat u. Salami pm. 1.70 Nußschinken 1.75 MtlOsirsl«, ItoMitöslc Sfrets.'uritntift: Blut- u. Leberwurst__ hallesch«, Pfund 68 P' Speckwurst...... 95Pf. Tee-« Leberwurst 1.60 (Wjt Wtob Kochbirnen«tob 2 Pfd. 25 pl Musäpfei rnB* 2pm. 25Pt Butterbirnen(mm pniiu) 24«. Tafeläpfel(»i«ffi»ch«)Pfd. 24 Pf. Kranzfeigen neu«, pm. 30 pl Zuckermelonen>psa 35 pl Winteräpfel Weißkohl dinlsdicr, Pfund 4 Pf. Möhren gewaschen, Pfund 6 Pf. Rotkohl hotalelner. Pfund 6 Pf. Wirsingkohl.... Pfd. gpf. Sellerie. Pfund 10pl 15 pl Blumenkohl Kopt von 15�. 5 Pfand 120 Boskop, EUcript'el(rote), Baonuaiu Kcnctlcn fitelr.) >/> Dose Karotten resdioHta 36pl Junger Spinat.. 44 PL Kohlrabi fn Scheiben 48 Pf. Pfefferlinge...... 82 pl Sellerie In Scheiben..94 PL Haricots verts mlUeirein 82 PL GemOseerbsen.... 64 m. Erbsen sehr fein.... 1,50 Erbsen m.g€»chn.KaroM«n78PL Leipziger Allerlei ,m"c! PflaumensJärße SSOpl Apfelmus ,oDo»e40Pt 70 Pf Erdbeeren vi d. 83 pl 1.55 Mirabellen'f-o. 70 Pf. 1,20 Stachelbeeren.... 95 pl Ananas Hawaii,« Scheiben 1.30 Rindergulasch p'SSPM.eo WQrstche.i ,,ob,0M 4-'p"r Dose 2-3 Paar'/ � I.OO 'Mäw Fafivrin Preise für 1 Ufer Johannisbeerwein roi, tn«....... Tafelrotwein spanischer, mild, von... Roter Tarragona»ua...... Deutscher Weinbrand......... Plasdierrreein, Preist für V, flasehe ohne Gl«. 1922 Edenkobener galer Tischwein.......... 1921 Neumagener Engelgruba f-rälliger Mosel 1 1920 Haardtar Schloßberg wadut. schioBgui j 1921 CrO Gobineau wniger Bordeaux...... 1 1922 Piesportar Goldtröpfchen•pr�J*-dHnd/ 1921 Niersteiner Domtal hlumir, xedaüi'a».,\ 1921 Veldenzer Kirchberg«ehr piiumier Mosel j IM 1.25 1.35 3.80 1 1 1.25 50 80 ISO SttUit' Allgauer stangen 52« 65 Pf. Holländer.... Pfund CO Pf. Edamer...... Pfund 82 f. Steinbuscher 92"W i.iq TUsiter vom, pid. 95 Pf. 1.10 Tilsiter vollf., ohne Binde 1.30 Schweizerin I.ISbayr.i. 40 Speise-Talg i-P eine schöpferische Natur gewesen, deren Gutswirtschaft er als geradez mustergültig bezeichnen müsse. Die Verstorbene habe sich damal darüber beklagt, daß ihr Mann tagsüber in seinem Zimmer bli« und seiner Frau aus dem Weg ging. Dagegen habe er in ihr, Gegenwart mit jungen Mädch-n geflirtet.— Major a. D. Otts v. Zobel titz, der Vater des jetzigen Erben des Gutes, der ift dem Angeklagten Zivilprozesie um die von Herrn v. Heydebrand no, heute beanspruchte Rente führt, bekundete, daß der Angekloote i einem Brief oo» ihm verlangt habe, die Familien v. Leckoiv»n Zobeltitz sollten das Testament für ungültig erklären. Die Famili Lcckow sollte 100 000 Mark bekommen, der Angeklagte das Reck erhalten, die Güter zu verkausen, und von dem Erlös sollte der Zeu> 400 000 bis 500 000 Mark erhalten, andernfalls würde die Erbschaft« stcuer den Zeugen erdrosseln. Dann oernahm dos Gericht den Hauptmann a. D. Monfri o. Zschoppe, der das Bersahren gegen den Angeklagten in Gan gebracht hat. Cr erklärte: Ich kannte den Angeklagten nicht ses lange und war nicht zu häusig mit ihm zusainnren. Ich kannte alg die Vorgeschichte der Ehe und war der Ansicht, daß hier ein Gewal akt vorliege. Als man mir den Schußkanal näher beschrieb, war tt fest überzeugl, daß hier kein Selbslschuß vorliegt. Bors.: Haben SieTatsachendafiir?— Zeuge: Nein, aber aufsältz war, daß am Morgen nach dem Ereignis der Angeklagte behauptev es sei kein Testament da, während er vier Tage später aus Schreibe« hau an Herrn v. Haukwitz oder Herrn v. Rikowski schrieb, er wisß daß ihn seine Frau im Testament enterbt habe. Das Gericht ft schloß, diesen Brief herbeizuschaffen und zu prüfen.— Rittergut, bcsitzer Georg v. Heydebrand, ein Bruder des Angeklagt«« kam zu dem Schluß, daß Oberpfarrer Schäfer«ine« großen Teil dar Schuld trage.— Frau S i e g r n v. Heydebrand, die Frau des Zeugen Georg v. Heydebrani war der Ansicht, daß derAngeklagte einen schwierigei verwüsteten Charakter besitze. Sie habe die Hofsnim gehobt, daß er durch die zweite Ehe in goregelte Bahnen gelang« würde. Am Schluß der gestrigen Beweisaufnahme wurde noch die erst Gattin des Angeklagten, Frau Adele o. Heydebrand, vei nomrnon, die 1909 den Angeschuldigten geheiratet hat. Wie hi Zeugin schildert, hat sie in den ersten zehn Jahren des Zusamm«, lebens eine glückliche Ehe geführt. Während des Krieges ging« jedoch die Ansichten der Gatten in vielen Dingen, so in politische religiöser und sozialer Hinsicht, auseinander. Man habe deshalb b, schlössen, sich in Freundschaft zu trennen, obwohl das Benehm« Heydebrands ihr gegenüber immer rücksichtsvoll gewesen sei. D« Angeklagte habe aber erotisch« Neigungen bekundet, die die Eh zerstören mußten. Um der Kinder willen seien beide Gatten jedo< ö0j �Zeruent. Dtomaa von Djodor®IabfotD. Er ging wieder zum Fenster, streckte sich ganz heraus und schrie angestrengt und laut:„He, Brüder!... wartet, ich komme schon.... Habe dem Genossen Techniker e,n Rätsel aufgegeben... in drei Teufels Namen.., wirklich!... voller Gift...." Und seine Stimme dröhnte weithin, zitterte machtig durch seinen Körper. Und die Schreie der Arbeiter und ihr Ge- wieher kamen immer näher. Das Wasser zischte auf den erhitzten Terrassen, verwandelte sich in Blasen und Dampf. Er trat wieder an den Tisch und sah wieder Ingenieur Kleist durchdringend, mit spöttischem Lächeln an: wartete auf eine Antwort. Sie kam nicht, und er ging, ohne sich umzuschauen, mit militärischem Schritte aus dem Zimmer. Ingenieur Kleist saß lange, erschöpft von der Begegnung mit diesem Menschen. Ins offene Fenster schauten die Krater- höhlen der Berge. Die Tür in den finsteren Gang stand weit offen. Wieder kam Jakob, mit ehrerbietiger Würde, und blieb in der Mitte des Zimmers stehen. Er war verlegen, und sein Gesicht war wie Papier vor Schreck zerdrückt. Ingenieur Kleist sah ihn mit fiebrigen Augen an und sagte leise und streng:„Bist du das, Jakob? Kannst du mir vielleicht sagen, wie das passiert ist?" „Das ist nicht meine Schuld, German Germanowitsch ... für sie gibt es kein Verbot und kein Schloß... nirgend und niemals.... Bei ihnen ist die Macht, German Germa- nowitsch und die Kraft...." Die Anwesenheit Jakobs war angenehm. In seiner kalten Ergebenheit war etwas Beruhigendes. „Ist das die kommunistische Zelle. Jakob?" „Tschumalow... ein Schlosser, kam vom Kriege herge- jagt und ist jetzt der Häuptling. Alles dreht er jetzt... alles hat er in seine Zügel genommen... Kann man ihnen denn jetzt widerstehen? Sie überrennen einen, German Germa- nowitsch... „Und du hast ihnen eben nicht widerstanden, Jakob?" „Nein, German Germanowitsch... Es ist traurig, daß sie Ihre Ordnung gestört haben..." Ingenieur Kleist erwiderte nichts, tat als ob er die letzten Worte Jakobs nicht gehört hätte. Er rauchte ruhig, mit ge- machter Nachlässigkeit eine Zigarette an. „Aber du erinnerst dich doch, Jakob, es waren damals vier?.,. Es war grausam und gruselig... Du erinnerst Ich er- dich, sie wurden doch damals in der Nacht erschossen... weiß genau, daß sie zugrunde gegangen sind... „Man hat sie damals. German Germanowitsch. schlagen, man hat sie zu Tode gepeinigt.. „Ja, Jakob, das war ein gräßlicher Fall, den man nie vergessen kann. Aber man muß hier eines richtigstellen, Jakob: ich habe damals ganz selbständig gehandelt, ohne jed- wede Hilfe. Furcht? Angst? Rache? Das war es nicht. Es gibt nur eine Kraft, das ist die Zeit, und die Zeit— das sind die Ereignisse... Ebenso bewußt habe ich auch alles getan, um die Frau dieses Arbeiters zu retten." Sein Kopf zitterte, er konnte sich nicht zurückhalten. Die Zigarette hüpfte zwischen seinem Mittel- und Zeigefinger und konnte keinen Platz finden. „Bleibe bei mir, Jakob... ich fühle mich etwas un- wohl.. „Sie sollten nach Hause, German Germanowitsch. Sie brauchen Ruhe." „Wohin npch Hause, Jakob? Ins Ausland? Und glaubst du nicht. Alter, daß wir vielleicht mit dir unsere letzten Stunden hier verleben?" „Aber nein, German Germanowitsch.,. Unsere Ar- beiter sind zwar Halsabschneider, aber sie sind friedfertig und sind nicht fähig, einen zu erschlagen... Seien Sie ruhig, German Germanowitsch... Und auch Jakobs Kopf zitterte. Und kaum hatte Jakob das gesagt, als sich Ingenieur Kleist an den Stuhl lehnte, und wieder bedeckte sich sein Ge- ficht mit blassem Staub. „Erinnerst du dich, Jakob, diese Menschen habe ich dem Tode ausgeliefert, und dieser Tod prallt jetzt auf mich zurück... Begleite mich, Jakob..." Er stand auf und ging gebückt, mit einem Schrecken in den Augen, an Jakob vorbei. Mit greisenhafter Geschäftig- keit nahm Jakob den Hut und den Stock des Ingenieurs Kleist und trippelte in der nachtdunklen Finsternis des Ganges hinter ihm her. 3. Die Abrechnung. Ueber einen Pfad, der durch scharfe Steinschichten zer- rissen, mit Schutt bedeckt war, durch Steinmispel- und Wacholdersträuche, stieg Ingenieur Kleist auf den Berg. Unten, im Abgrund, schwamm in dichten, dunstigen Schatten die Nacht aus den Schluchten herauf. Sie kam nicht auf die Landstraße und in das Werk hinunter. Gärten und Mauern verrammelten ihr dumpf den Weg, und sie schwoll in dichtem, schwarzem Nebel und durchsichtiger Stille an. Die Wolken der Lichtungen und des Buchenholzes, das noch ohne Blätta ganz durchsichtig war, flimmerten im violetten Schaum, un über ihnen, im wunderbaren Aufstieg ihrer Aeste, strebt« wie rauchige Fackeln die Pappeln in die Höhe. Geradeaus, unter dem herabfallenden Berge, die prall« Massive der Werkbauten. Und hinter ihnen, über den Dächer und Türmen, glitzerte trüb das Meer. Hoch oben glänzt d« Himmel opaken mit seinen Sternen. Auf der anderen Seit der Bucht war keine Stadt mehr, und auf dem Abhänge d« Berges blinzelten große und kleine Lichter. Alles schien weit und fremd. Nah und der Seele vei wandt waren nur di� Eisenbeton-Giganten, vom Ingenieu Kleist erbaut; in diesem Augenblicke waren nur die sich au( bäumende Macht der architektonischen Massen in der Welt- und er, ihr Schöpfer, Ingenieur Kleist. In dieser schrecklich« Zeit, in der das erloschene Werk drohend mit dem Dunk« seiner Oeffnungen schlief und das Grab der Maschinen i, Roste erstarrte— schlich Ingenieur Kleist als irrend« Schatten über die Schienenstränge und Stufen, an Maueo und Türmen vorbei und schwieg das Schweigen des Werket An diesem Abend sah er zum ersten Male den grandi» sen Tod der Vergangenheit in diesen zerfallenen Leere» Seine Formel erwies sich als richtig: das Rad der Ereigniss rollte unaufhaltsam seinen vorgezeichneten Weg. Der seltsame Zusammenstoß mit dem Arbeiter Gljs Tschumalow zeigte Ingenieur Kleist, daß dieser Weg seit Ende gefunden hatte und daß sein Leben bis zu seinen Grev zen gelangt war. ... Man hätte seinerzeit das Wert sprengen sollen, u» zusammen mit ihm zugrunde zu gehen. Das wäre eine gut Antwort gewesen, nach den Gesetzen von Wirkung uni Gegenwirkung... Wenn man ihn jetzt hier, auf diesem Wege, finden würd — so ist er vollständig bereit. Eigentlich hat jetzt nur no» etwas ganz Unbedeutendes zu geschehen, eine Kugel dur4 seinen Kopf: die vorhergegangene Etappe ist schon durchleb« Nur noch ein wenig hier zwischen seinen Bauten bleibe: dürfen, wo sein Leben seinen Niederschlag gefunden hat ü den Kristallen der machtvollen, strengen Architektur... Die Kultur welcher Welt trägt der Arbeiter Gljeb Tschv malow in sich? Aus dem Blute auferstanden, ist er furchtla und unbesiegbar, und in seinen Augen sind Kraft uni Schrecken. Und als Gljeb heute bei der Begegnung mit ih» lächelte, waren unverständliche Tiefen in seinem Lächeln uni ein Wissen, daß Ingenieur Kleist nicht kannte. Und mit ai dem war auch Gljeb Tschumalows Helm durchtränkt. Uni sein Gesicht und sein Helm vereinigten sich in eins. (Fortsetzung folgt.) in einem, wenn auch losen Briefwechsel geblieben. Als die Zeugin 1925 erfahren habe, dah die zweite Frau eine gewisse Eifersucht zeigte und diesen Verkehr nicht wünsche, habe sie nicht selbst an ihren »erslossenen Mann geschrieben, sondern durch eine Freundin Mit- teilungen über die Kinder machen lassen. Bei einem Besuch in Breslau im Jahre 1925 habe ihr früherer Mann die Hoffnung aus- gesprochen, er werde mit seiner zweiten Frau noch zu einem späten Glück gelangen.— Vors.: I st ihr Mann materiell ver- anlagt gewesen?— Zeugin: I a und nein, er sah immer auf Geld, war aber in politischen und anderen Dingen durchaus ideell oeranlagt.— Vors.: Glauben Sie, daß der Angeklagte aus materiellen Gründen s e i n e z w e i t e Frau getötet hat?— Zeugin(sehr bestimmt): N e i n. Damit war nach zwölfstündiger Verhandlung die Beweisaufnahme bis auf die Sachverständigengutachten beendet. Der Vor- sitzende vertagte die Verhandlung auf Sonnabend früh. Am Sonn- abend werden vor allem die Schießsachverständigen und die Aerzte darüber gehört werden, ob der Tod der Frau v. Heydebrand durch einen Selbstschuß oder durch den Angeklagten erfolgt sein könne. Das Urteil ist voraussichtlich in den späten Abendstunden des Sonn- abend zu erivarten._ Großöachstuhlbranö in Wilmersüorf. Cin Feuerwehrmann verletzt. Ein Dachstuhlbrand von selten großen Ausmaßen und schweren Folgen kani gestern nachmittag in Wilmersdorf zum Ausbruch und beschäftigte die Feuerwehr bis weit in den Abend hinein. Das Feuer wütete dermaßen, daß sogar die Decken der im vierten Stock gelegenen Wohnungen durchbrannten. Leider wurden zwei Feuer- wehrleute verletzt, und zwar erlitt der eine schwere Brandwunden. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag gegen 15 Uhr nach dem umfangreichen Eckgrundstück W a g h ä u s e le r-S t r. 6, Ecke Vrinzregentenstraße, gerufen, wo im Dachstuhl des Vorderhauses Feuer ausgebrochen war. Zunächst rückten drei Löschzüge unter Leitung des Branddirektors Floeter an. Bei dem Eintreffen der Wehren an der Brandstkitte hatte das Feuer bereits einen solchen Umfang angenommen, daß zwei weitere Löschzüge alarmiert werden mußten. In kurzer Zeit hatten die Flammen den gesamten �D ach stuhl des Vorderhauses in einer Länge von 35 bis 19 Metern erfaßt. Die ganze Gegend war von dichten Rauch- fchwaden erfüllt. Besonders ungünstig für die Löscharbeiten war der heftige Wind, der das Feuer immer von neuem entfachte. Branddirektor Floeter ließ den Brandherd über drei mechanische Leitern und über die Treppenhäuser mit sechs Schlauchleitungen starken Kalibers angreifen. Troß des starken Wassergebens wurde der gesamte Dach st u hl ein Raub der Flammen. An mehreren Stellen wütete das Feuer mit solcher Gewalt, daß die Decken der im 4. Stockwerk gelegenen Wohnungen durchbrannten. Auch der Wasselschaden ist sehr erheblich. Die Wohnungen mußten zum Teil geräumt werden. Bei den Auf- räumungsarbeiten, die bis gegen 21 Uhr dauerten, ereignete sich noch ein Unfall. Ein Teil der Giebelmauer, die abgetragen werden mußte, stürzte ein und verletzte einen Feuerw hrmann. Er trug Brustguelschungen davon und mußte in das Schöneberger Krankenhaus übergeführt werden. Wie uns mitgeteilt wird, konnte das Feuer deshalb so große Ausdehnung annehmen, weil sich auf dem Dach des Hauses keine Brandmauern befanden. Der Sachschaden ist überaus groß. Die Entstehungsursache konnte bisher nach nicht ermittelt werden. f\u<5)»gemeinnützige" Sieölungsgefellscbast. Die eigenartigen Zustände beim„Jnvalidendank". Wir erhalten von den triegsbeschädigten Siedlern in Fuchsberge eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Seit einiger Zeir schon beschäftigt sich die Oeffentlichkeit mit dem Geschäftsgehaben der„Jnvalidendank-Siedlungs- Gesellschaft". Die geschädigten Kriegsopfer haben sich in dieser Frage an die zuständigen Behörden gewandt, sie wundern sich aber mit Recht über das eigenartig« Verhalten dieser Dienststellen. Der Staatsanwaltschaft hat man eine Fülle von Material zur Verfügung gestellt, aber noch nichts hat man gespürt von einer Wirkung dieser Anzeigen. Roch heute kann die Jnvalidendank- Siedlungsgesellschaft Geschäfte tätigen, die nicht zu billigen find. Der Jnvalidendank nennr sich„g e m e i n n ü tz i g". Seine Gemeinschädlichkeit ergibt sich ftir jeden, der auch nur ein« Ahnung von anständiger Geschäftsführung hat. Etwa 150»(X> Mark Rentengeld von Kriegs- dstchjjdigten sind zu bisher ungeklärten Zwecken verwandt. Diese Gelder wurden, gebraucht, um neue Anhänger zu gewinnen Dem Geschäftsführer. Herrn Fischer, werden schwere V o r- w ü r s e gemacht. Das scheint aber Niemanden zu kümmern. Es ist unverständlich, wie bei dieser Sachlage ein solches Unternehmen auch , nur noch einen Augenblick Geschäfte mit Kriegsbeschädigten unter- nehmen kann. Auch die Behörden, vom Gemeindevorstand bis zum Ministerium aufwärts, müssen überzeugt sein, daß in der Siedlungssachc Klei»-Schönebeck nicht alles in der Ordnung ist. und Pflicht der Behörden wäre es. sich hierum unter allen Um- standen sofort zu»ümmern. Freilich, das Kulturamt Nieder-Barnim schützt und unterstützt den Jnvalidendank Heute aber wohnen noch 54 Familien in unfertigen H°us«rn an unbebauter Straße, ohne Licht, und Wasseranschluß, unk> deshalb wandten sich die Siedler an das .Kulturamt. an den Kreis und an die Regierung. Findet sich keine amtliche Stelle bereit, hier einzugreifen. Das Hauptvcr- sorgungsomt hat einen besonders seltsamen Standpunkt einge- nommen. Es hält seine Fürsorgetätigkeit damit für abgeschlossen, ,e? schnitt die Renten an der letzten Stelle des überschuldeten Grundbuches eintragen läßt. Es will jetzt die Schuld aus die F u r s o r g e st e l l e n abwälzen, diese aber konnten die Ver- Wendung der kapitalisierten Renten unmöglich überwachen, da ihnen die K o n t r o l l e über diese Gelder durch die direkte Zahlung an den Jnvalidendank aus der Hand genommen war. Das Versorgungs- gesetz ordnet an. daß kapitalisierte Renten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ordnungsmäßig verwandt sein müssen. Das ist keineswegs geschehen, die Fristen wurden vom Hauptoersorgungsamt beliebig verlängert. Wie soll dieser Mißgriff gutgemacht werden? Neuerdings versucht der Jnvalidendank mit Kaufverträgen un- annehmbarer Art die Kriegsbeschädigten zu gewinnen. Mit der Siedlervertretung nimmt er zur Formulierung solcher Verträge keine Fühlung, sondern schickt den Mietern förmliche Drohbriefe. Und zu dem Vertrag selbst ist zu bemerken, daß die Kriegsbeschädigten sich durch ihn bedingungslos in die Hände des sogenannten Jnvalidendank und ihres Geschäftsführers Fischer begeben. N j e- m a l s würde ein Siedler nach Unterzeichnung eines solchen Vertrages in einen ruhigen Besitz seines Eigentums komme». Auch hier hätten die B e r f o rg u n g s b e h ö r d e n einzugreifen! Inzwischen haben die Siedler aus dem Armenwege durch ihren Rechtsvertreter Ar r e st e zur Sicherung ihrer Ansprüche herausgebracht. Aber die Siedler erwarten, daß auch die zuständigen Behörden endlich energisch durchgreifen. Zu der Gasvergistung in der Grellstraße 24 wird un» mit- geteilt, daß nur der 42jährige(nicht 72jährige) Bäckermeister Erich Schlüter einer Gasvergiftung erlegeiOst. Er wurde von seiner Ehe- fnm, die von einem Ausgang heimkehrte, tu der Küche tot aus- gefunden. Die Ursache zu dem Derzweiflungsschritt war Krankheit des Mannes, nicht Nahrungssorgen. Unsere erste Meldung von einem gemeinsamen Freitod des Ehepaares Schlüter ist auf einen bedauerlichen Hörfehler bei der telephonischen Uebcnnittlung zurück- zuführen._ Rausckgiste statt Nahrungsmittel. Durrtz Arbeitslosigkeit auf den Weg des Lasters. Eine Gesellschaft von 7 jungen Männern, die planmäßig Rezepte stahl und fälschte, sich daraus M o r p h i u m und Kokain verschaffte und die verkaufte, was sie nicht selbst ver- brauchte, wurde von der Sonderdienststelle der Kriminalpolizei ent- larvt und festgenommen. Es find Männer von 25 bis 2V Jahren, Berliner und Provinzler, die arbeitslos waren und sich in einer Herberge in der Köllnischen Straße zusammengefunden hatten. Alle gingen den Tag über betteln und trafen sich regelmäßig abends i» der Herberge w'eder. Hier taten sie dann ihre Bettel- groschen zusammen. Abwechselnd wurde immer einer»krank", suchte einen Arzt auf und stahl ihm Rezepte. Diese fälschten die Diebe, um sich aus den Apocheken Morphium und Kokain zu ver- schaffen. Mit der einzigen Spritze, die sie besaßen, brachten sie sich gegenseitig die Rauschgifte bei, soweit sie sie nicht schnupften- Den Uebesschüß verkauften sie nach Verdünnung und Verfälschung in Mengen von'A und 1 Kubikzentimeter für 50 Pf. und 1 M. Alle waren auf ihren schmutzigen Körpern mit Beulen und Abzessen Werbekundgebungen der SPS. Sonnabend, den 5. November: Tiergarten: 17% Uhr Antreten zum Werbeumzug mit Fackeln und Musik Kleiner Tiergarten.— Die Mitglieder werden ersucht, sich recht zahlreich zu beteiligen. Kreuzberg: 171h Uhr Antreten zum Werbeumzug Fontane- Promenade. Lichtenberg: Großer Werbeumzug. Treffpunkt Sonntag- straße(an der Iugendbühne).— Abmarsch pünktlich 18 Uhr. Daumschulenweg: 18>- Uhr Werbeumzug mit Fackeln und Musik.— Abmarsch Waldstraße Ecke Baumschulenstraße. Sonntag, den K. November: Wedding: 15 Uhr im Humboldthain, an der Rodelbahn. Redner: Wilhelm Sollmann, M. d. R., und Ernst Heil- mann, M. d. L. Abmarsch: 14% Uhr Zeppelinplatz, 14% Uhr Uferstraße Ecke Martin-Opitz-Straße, 14% Uhr Binetaplatz. Baumschulenweg: 10 Uhr im Saal des Kinos, Baumschulen- straße. Redner: Rudolf Hilferding, M. d. R. bedeckt. Einer hatte den anderen verführt. Jedesmal, wenn ein neuer Mann hinzukam, hatten die alten ihn verleitet, lieber Mar- phium und Kokain statt Lebensmittel zu kaufen. Ein Teil dieser Männer war früher schon ertappt und vom Wohlfahrtsamt in Stel- lung gebracht worden. Sie waren aber wieder ent- wichen und von neuem dem Laster verfallen. Alle wurden jetzt nach dem Uistersuchungsgefängms gebracht, weil sie eine öffentliche Gefahr bilden. Wer irgend merkt, daß ein Angehöriger oder jemand aus seiner Umgebung dem Genuß von Rauschgiften frönt, sollte sich ver- t r a u e n s o o l l an die Sonderdienststelle, Kriminalkom- m i s s a r Nebe, im Polizeipräsidium wenden, damit dem Umsich- greifen des Lasters nach Möglichkeit Einhalt geboten werden kann. Unfall beim U-Bahnbau. Im Untergrundbohnschacht der im Bau befindlichen Schnell- bahn Gesundbrunnen— Neukölln ereignete sich gestern nachmittag an der Ecke Weinmeister- und Gormannstraße ein be- dauerlicher Unfall. D r e i A r b e i t« r, die in dem Schacht mit dem Transport eines Transsormators beschäftigt waren, kamen aus bis- her noch ungeklärter Ursache einer 220-Volt-Starkstromanlage zu nahe und zogen sich Borletzungen zu, die sich in Lähmungserschei- niingen äußerten. Die Verunglückten mußten durch die alarmierte Feuerwehr in das Hedwigs-Krankenhails gebracht werden. Die Verlegungen schein«» glücklicherweise nur leichter Natur zu sein. Die Kriminal- und Baupolizei ist mit der Untersuchung des Falles be- schäftigt. Justizobersekretär Riesner auf freiem Fust. Der seltene Fall, daß ein Angeklagter, der zu zwei Jahren Z ii ch t h n» s st r a s e verurteilt worden ist, auf freiem Fuß belassen wird, ist bei dem Justizvbersekretär Riesne? in Potsdam zur Tatsache geworden. R. wurde kürzlich wegen A m t s u n t e r- s ch l a g u n g und Peifeiteschassung von Akten zu zwei Jahren Zuchthaus unter Anrechnung von sechs Monaten Unter- siichungshast verurteilt. Seit einigen Tagen befindet sich R. in Pats- dam auf freiem Fuß mit der Berpflichtung, sich täglich zu melden. Allem Anschein nach ist R. vom zuständigen Gerichtsorzt für hast- unfähig erklärt worden. Gegen das oben erwähnte Urteil hoben Staatsanwalt und Angeklagter Berufung eingelegt. Manche Menschen haben merkwürdige Sorgen und Wünsche. Ein Gedicht zu schreiben, in dem der Buchstabe„R" niemals vorkommt, bedeutet ihnen höchstes Lebensideal. Ueber diese vKäuze spricht Andreas Zisenitz in seinem Bortrag»Dichtkunststllcke". Der Hörer fragt sich erschüttert, was diesen Leutchen, di« sich in großen- wahnsinniger Anwandlung Dichter nannten, der harmlose Buch- stabe„R" getan haben mag und bedauert den Vortragenden, der sich durch diesen Wust durcharbeiten mußte. Danach behandelt Kurt Mühsam„Verschollene Dichter der Bormär, zzeit", Literaten, die während des jungen Deutschland allgemein bekannt waren und die heute vergessen sind. Dichter wie Karl Scholz oder Johann Elias tauchen auf, die durch Heine oder Herwegh völlig verdunkelt worden find. Fornitalcnte, leicht aiischmiegbare Charaktere, Menschen, die für Demokratie und politische Freiheit eintraten, die aber im Grunde Mitläufer waren. Man sucht vergeblich Beziehungen zur Gegen- wart. Was sie sagte», haben die Großen der Zeit besser gesogt.— Das Nachmittagskonzert, vom Cellisten Panl Hermann und von Aliee Ehlers am Cenibalo gut ausgeführt, bringt Sonaten und kleine Kompositionen alter Meister: Rameaux, Vivaldi und Mareello sind vertreten. Was wir noch heute an diesen Kompositionen bewundern, ist die Klarheit und Einfachheit der künstlerischen Form, doch unser Ohr ist an andere Klongessekte gewöhnt, so daß diese herbe früh- zeitliche Musik vor der Reformierung durch Stanitz, die in jedem Satz nur ein«inziaes Thema varnert, den Hörer kalt läßt. Immer- hin interessiert dieses Experiment. Am Abend wird der Operetten- Zyklus fortgesetzt. Walter Brommes Operette„Mascottchen" ist an der Reihe. Sänger und Orchester halten wie immer Niveau. F. S. Schwere Schiffskataftrophe vor Spönep. Bisher 2V Tote und 40 Verletzte. London, 3. November. Am Eingang zum Hafen in Sydney ereignete sich heute var- mittag ein schwerer Schifsszufammenstoß. Der L o n d o n e'r Dampfer„Tahiti", der früher unter dem Namen„Port King- slon" bekannt war. rammte das Fährbovt„Greyclifse". Die Gewalt des Aufpralles war so stark, daß das Fährboot i völlig umkippte, wenige Augenblicke kieloben schwamm und dann plötzlich im Meer versank. An Bord des gesunkenen Dampfers befanden sich etwa l50 Ausflügler, darunter Frauen und Kinder. Ein großer Teil von diesen befand sich im Augenblick des Zusammenstoßes in dem Salon oder in den Kabinen, so daß sie sich nicht in Sicherheit bringen konnten. Die Zahl der Opfer wird bisher mit zwanzig Toten und 40 Verletzten angegeben. Hunderte von Personen beobachteten vom Hafen aus die Katastrophe.� Trotz der zahlreichen Haifische versuchte eine Reibe von bekannten Schwimmern die Ungliicksstelle zu erreichen, um sich an dem Rettungswerk zu beteiligen. Die Mehr, zahl der Opfer schei- nen Schulkinder zu fein. In den Hospitälern sind bisher 37 Per- fönen untergebracht worden, die beim Zusammenstoß zum Teil sehr schwer verletzt wurden.__ Die Reichsdeutschen von der„Mafalda". Das deutsche General- konsulat in Rio deJaneiro hat hierher gemeldet, daß von den reichsdentschen Passagieren des verunglückten Damp' rs „Principessa Mafalda" Herr Karl Vollrath in Rio etngetrossen ist. Dagegen liegt über die Passagiere Kappus, Schneider und v. Ducken bisher keine amtliche Nachricht vor. Sport. Der Start in üer potsöamer Straße. Vierzehn Mannschaften treten die Reise an Die erste Stunde. Und wieder haben die Herren vom Pedal in der klassischen Berliner Winterradsportstätte in der Potsdamer Straße zur harten 145-Stundenfahrt ihren Einzug gehalten. Sie sind ge- kommen mit ihren Managern, Wärtern und nicht zuletzt mit ihren Rädern, um die Kojen, die sich gegenüber der Zielseite verteilen, zu belegen. Letzte Hand wird angelegt. Die große Halle ist in der achten Abendstunde noch wenig besetzt, ertönt doch der Startschuß zur Sechstagefchlacht erst um 10 Uhr! Vorher wartet die Direktion des Sportpalastes noch mit Amateurrennen auf. Der Amateurweltmeister Engel und der zweite der diesjährigen Welt- Meisterschaft, der Däne F a l ck- H a n s e n, leiten den Abend ein. Zuerst ein Rundenzeitfahren über eine Runde. Mit 10,1 Sekunden hält der prächttge, erst zwanzigjährige Berliner Lothar Ehmer den Rekord. Man ist daher gespannt, ob einer der beiden Amateurgewaltigen den Rekord drücken wird. Falck-Hansen um- kreist zuerst das HoUoval langsam, wird schneller, spurtet und fährt 10,3 Sekunden, Engel erreichte dieselbe Zeit. Lothar Ehmer hält weiter den Rekord! Ein Fliegerkampf über acht Runden führt die beiden Rivalen sogleich noch einmal zusammen. Fnkck- Hansen sichert sich den ersten Laus. Im Jnnenraum ist es inzwischen voller geworden, während der Olymp, die Kurve, die Plätze der Sachverständigen, noch lange nicht besetzt sind. Wieder ertönt die Glocke. Die Bundesamateure treten zum einstündigen Mannschafts- fahren an. Langsam kommt Sechstagestimmung über das Haus. Flott rollen die blitzenden Maschinen über die Latten. Punkt auf Punkt wird erkämpft. Die erste halbe Stunde ist vorüber. Das Tempo läßt nach, wird wieder lebhafter. Die Stürze verlaufen.„ glimpflich. Beinert-Donath vom BRC. 89 sinü Sieger. Gleich darauf legt der fliegende Holländer Piet van Kempen eine einsame Probe- riinde zurück. Miethe-Kroll und Ehmer tun das gleiche. Wieder ertönt ein Schuß. Engel und Falck-Hanfen treten zum zweiten Lauf des Fliegerkampfes an, der wieder eine Angelegenheit des Dänen bildet. Start. Kaum haben die Beiden die Bahn verlassen, da erscheinen schon die Teilnehmer der.Sechs Tage" im leichten Trikot oder auch in dicker Wollpackung. Tanoni erntet sreudige Begrüßung. %10 Uhr! In der Zielkurve sammeln sich die Photographen. Blitz- licht stammt auf. Dann beginnt die Vorstellung der Fahrer: Behrend-Junge eröffnen den Reigen. Mehr oder minder reichen Beifall spendet das Publikum den einzelnen Mannschaften. Endlich hat auch dieser Akt seine Erledigung gefunden. Noch eine Gesamt- aufnähme der Startenden. Dann ertönt der Startschuh. Um ll Uhr kämpfen die Paare um die ersten Punkte! Unter Führung Thollembecks werden die ersten Runden zurückgelegt. Vxstc Wertung. Kurz vor Beginn der erste» Wertung, die am ersten Tage um ll Uhr vor sich ging, wird eine 150-Mork-Prämie ausgesetzt, die sich Ehmer holt. Das Feld, das bisher in flottem, doch gleich- mäßigem Tempo die Bahn umkreist hat, wird lebhafter. Der Gong ertönt. Der Beginn der ersten Wertung wird angezeigt. 40,390 Kilometer'find in der ersten Stunde zurückgelegt. Erster Spurt: Thollembeek vor Chorlier. Ehmer. Lacquehoy, eine ruhige Angelegenheit. Zweiter Spurt: Bauer vor Krall. Kühl und Kröfchcl. Dritter Spurt: Charlier vor Thollembeek, Ehmer und Laequehay. In beiden vpurts keine besonderen Momente. Nach dieser Wertung ergibt sich folgender Stand des Rennens: Erster Tietz-Thollembeek 20 Punkte. 2. Bauer-Eharlier 19 Punkte. 3. Kroll-Miethe 15 Punkte. 4. Ehmer-Kroschel 14 Punkt«. 5. Dewols- Ban Kempen 10 Punkte. 5. Aerts-Duvioier 8 Punkte. 7. Dorn- Nickel 7 Punkte. 8. Junge-Behrend 5 Punkte. 9. Rausch-Hürtgen 3 Punkte. 10. Wambst-Locquehay, 11. Linari-Zanaga, 12. Kiihl- Wette je 2 Punkte. 13. Knappe-Tonani, 14. Koch-BÜschenhagen ja 1 Punkt._ Wetterbericht der öffentlichen wellecdienfl stelle Verlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Meist wollig, aber zeilweiie: etwaS ausklareiid, Temperatur etwas niedriger, einzelne Regenschauer sind wabrich-inlich.— Aue veutschlaud! Im Süden wenig besiändig. im Deiien trübe mit Regensällen. etwas wärmer. Im übrigen Reiche ein wenig kühler und wechsiffnd wollig mit einzelnen leichten Regenschauern. Wenn de« Herbste» Sturme brausen, werden im Haushalt wie im Gasthaus wärmende, nahrhafte Getränt bevorzugt. Tan» ist wieder die Zeit des Kakaos gekommen. Kakao kräftigt den(öesamtorganismus unk» befähigt ihn, die Strapazen, die die tägliche Arbeit häufig mit stch bringt, leicht auszuhalten. Zu welcher Vollendung flatav heute durch überlegene deutsche Technik ent. wickelt ist, wird unter dem Stichwort ,. Wisse» mir Weise, waS satt und doch schlank macht?" an anderer Stelle in dieser Rummer dargelegt. Schweehorigenverein.Hephata". Am 5. und 6. November findet m den Räumen des Charlottenburger Rathauses, Berliner Sir 7«, ein Baiar statt, mit dem eine Hörmittelausstellung verbunden ist. Geöffnet von 11—22 Uhr. Eintritt frei. Alle Magenleidenden kennen das unangenehme, beörückenbe, aufgetriebene Gefühl noch dem Essen. Sie kennen auch die schlaflosen Nächte und das allgemein« Unbehagen, welches so schwächt und niederdrückt! Und doch weiß nicht jedekmann, daß es m„Biferirte Magnesia" ein sicher wirkendes Heilmittel gibt, obwohl sie einen Weltruf hat!„Biferirte Magnesia" wirkt fast sofort: sie neutralisiert die schädliche, schmerzerregende Säure. Sie ist zudem unschädlich und wird nicht zur Gewohnheit. Ein«in» maliger Versuch von„Biferirte Magnesia" genügt, um ihren prompten und ungemein schmerzstillenden Wert zu beweisen. Wichtig! hüten Sie sich vor Rachahmungen und bestehe» Sie daraus, nur die echte Biferirte Magnesia zu erhalten, die de» Kamen Bis mag Ltd. London trägt. Die(Dränung im Staötparlament. Nicht Stärkung der Borstehergewalt— sondern Selbstzucht! Die von den Kommunisten der Stadtverordnetenversamm- oft veranstalteten Tumult« gaben den rechtsstehenden Parteien den erwünschten Anlaß, für den Stadtverord- »etenoorsteher mehr Disziplinargewalt zu fordern. Ein dahingehender Antrag, den die Deutsche Volkspartei schon vor Monaten einbrachte, hat bei der Ausschußberotung keine Mehrheit gefunden. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung berichtete der Vorsteher, Genosse Haß, daß der Ausschuß hierzu keinen B«- s ch l u ß vorzulegen hatte. Es wird aber, wie Genosse Haß im Auftrage des Ausschusses weiter ausführte, erwartet und für drin- gend notwendig gehalten, daß die Stadtverordneten mehr Selb st zucht üben, damit dos Ansehen des Stadtparlaments gewahrt bleibt. In einem Parlament, das die parlamentarische Ordnung vermissen läßt, könne auch das freie Wort keine Wirkung mehr haben. Möglich müsse es sein, mit den bisherigen Mitteln die Ordnung aufrechtzuerhalten. Dos Parlament müsse immer eine Stätte sein, an der alle Meinungs- Verschiedenheiten sachlich ausgetragen werden können. Die Kom- munisten konnten es sich nicht versagen, selbst diese Ausführungen durch lärmende Zwischenrufe zu stören. Stadtverordneter Caspar! von der Deutschen Volkspartei bedauerte dann, daß der Antrag seiner Fraktion nicht durchgedrungen war. Es blieb aber bei dieser Erledigung, bei dem Verzicht aus schärfere Mittel. In der gestern obgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Aussprache über die Anträge der Demokraten und der Wirt- jchaftspartei, die eine Beschränkung bzw. Auflösung des slädlischen Anschaffungsamtes verlangen, fortgesetzt. Stadtv. Genosse Bublih betonte, daß die sozialdemokratische Fraktion immer noch die Meinung ver- trete, das städtische Anschassungsamt müsse als zentrale Anschaffungsgesellschaft bestehen bleiben; zu die- kulieren sei lediglich über die zweckmäßigste Organisation des Amtes. Das hindert uns allerdings nicht, zuzugeben, daß das Anschaffungs- amt gelegentlich seine Befugnisse und seine Bestimmung überschritten hat. Genosse B u b l i tz polemisiert« dann gegen die zuweitgehenden Anträge und tritt besonders dem Stadtv.' Hake als Vertreter der Wirtschaftspartei entgegen. Die Sozialdemokraten werden alle An- iräge ablehnen und für den Ausschußbeschluß eintreten. Dieser Beschluß lehnt den Antrag der Wirtschdftler auf AuslösungdesAmtes ab und sieht den demokratischen Antrag auf eine Beschränkung des Amtes und der von städtischen Betrieben eingerichteten Verkaufsstellen als erledigt an. Inzwischen haben die Deutschnationalen den Antrag auf Liquidation des An- schaffungsamtes wieder Aufgenommen, so daß auch über ihn abgestimmt werden muß. Nach den Reden der Stadtverordneten Mlelenh(D. Bp.) und einke(Dnat.) wird in namentlicher Ab- stimmung der deutschnationale Antrag mit den Stimmen der Sozial- demokraten, der Kommunisten, der Demokraten und der Volkspartei abgelehnt. Für die Liquidation stimmten neben Deutschnotio- nalen und der Wirtschastspartei auchjms Zentrum. Dagegen wurde dem Ausschuhbeschluß von Sozialdemokraten und Kominu- nisten z u g e st i m m t, der damit angenommen wurde. Das verbot des Zeilhaltens von Textilwaren auf den Wochenmärkten durch die Polizei gab den Kommunisten Veranlassung zu einem An- trag, in dem sie den Magistrat ersuche», beim Bezirksausschuß eine Reuse st setz u ng der Wochen Marktartikel zu verlangen. Nach kurzer Debatte wurde einem Ausschußbeschluß zugestimmt, der dem Urantroge entspricht.— Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktian verlangt« die Einrichtung von Kursen zur Ausbildung von Fürsorgerinnen für die Durchführung des Gesetzes zur Sekämpfuüg der Geschlechtskrankheiten. Der vorbereitende Ausschuß ist im wesentlichen dem Antrag unserer Genossen beigetreten. Nach einer kurzen Begründung durch die Stadtv. Genossin Todenhagen lagta Professor Hossmann vom Hauptgesundheitsamt das E i n v e r- ständnis des Magistrats zu und versprach, den Antrag in jeder Weise zu fördern. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.— Im September vorigen Jahres hott« die sozialdemokratische Fraktion zum Zwecke der Sehebimz üer Wohnungsnot für kriegsbefthäöigte folgenden Antrag eingebracht: „Um die Möglichkeit zur Behebung der für die Kriegs- beschädigten besonders fühlbaren Wohnungsnot zu fördern, werden für Kriegsbeschädigte unter Berücksichtigung ihrer Wirtschaftslage und unter Mitwirkung der Berliner Hauptfürsorge- stelle für Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge jähr- lich 2l>v Neubauwohnungen mit einem Jahres- Mietenzuschuß von ZOO Mark(statt 120 Mark) je Wohnung zur Verfügung gestellt." Im Ausschuß war die Anzahl der Neubauwohnungen auf 3 00 erhöht worden. In der Debatte wurde zu einem gleichzeitig zur Behandlung stehenden Antrag der Kommunisten auf Errichtung eines Paul-Singer-Stistes für Kriegsbeschädigte in der Schönholzer Heide vom Stadtv. Genossen Rhode bemerkt, daß es allgemein Auffassung in parlamentarischen Kreisen sei, daß es Auf- gäbe der Fraktionen selbst sei, ihre Führer zu ehren. Das ist mit unserem alten Führer Paul Singer bereits durch die lÄtibeiiennung des Grünen Weges in Paul-Singer-Straße geschehen. �>as von den Kommunisten beantragte Stift ist das u n- geeignet st e Objekt für eine Ehrung, die noch dazu von einer Vartei komme, die. wäre Singer noch am Leben, ihn mit den gleichen Mitteln bekämpfen, würde, mit denen sie die Sozialdemokratie schlechthin bekämpfe.(Zuruf bei den Kommunisten: Woher weißt du?) Gerkösse Rhode verlangte vor allem den Bau und die Bereit st ellung von Wohnungen für die Kriegs- beschädigten und sprach sich gegen die Errichtung eines Stiftes aus. In der Abstimmung wurde denn auch dem Antrag unserer Genossen mit großer Mehrheit zugestimmt, der kommunistische Antrag aber abgelehnt. Zu einer Anfrag« der Kommunisten wegen der Verteilung von Propagandamaterial für die Deutsche Volkspartei durch Schüler der Gcmeindeschule in Friedenau, Rheinaaustraße, bemerkte der Sladtschulrat, Genosse Rydahl, daß es z u n: i s f t, daß ein Lehrer dieser Schule nach Schluß des Unterrichts Schüler gegen Bezahlung zur Ausführung von Botengängen für die ge- nannte Partei geworben Hot. Es haben sich auch vier Jungen gefunden; einer habe aber am nächsten Tag« seine Zusage zurück- gezogen. Das Versahren des Lehrers muß unier allen Umständen als unzulässig bezeichnet werden. Dem betreffenden Lehrer ist denn auch alsbald nach Bekanntwerden der Angelegenheit vom zu- ständigen Schulrat eröffnet worden, daß das Verfahren nicht gebilligt werden kann und daß es ein für allemal eingestellt werden niuß. Der persönliche Standpunkt des Stadtschulrats ginge dahin: Er fei auf dos Bestimmteste dagegen, daß versucht wird, die Schule in den Dien st einer Partei zu stellen, das gelte für alle Parteien. Es handell sich zwar im vorliegenden Falle um einen Einzelfall eines Lehrers, der nicht der gesamten Lehrer- schaft zum Vorwurf gemacht werden könne,'- der aber mit der not- wendigen Zurechtweisung des Lehrers seine Erledigung gesunden haben sollte. In der von den Kommunisten beantragten Besprechung des Falles bezeichnete Stadtv. Goß(Komm.) es als einen Skandal, daß dieser Fall eines voltsparteilichen Lehrers hier in der Stadt- verordnetenversoinmlung sang- und klanglos abgetan werden solle, während in Fällen, wo man glaubte, kommunistischen Lehrern«inen Vorwurf machen zu können, eine Haupt- und Staats- aktion gemacht wurde.— Die Fortsetzung der iNolslandsmahnahmen für Erwerbslose aus städtischen Wohlfahrtsmitteln über den 30. Sep- tember d. I. hinaus wurde mit großer Mehrheit beschlossen. Ohne Debatte wurde einer größeren Anzahl von Vorlagen zugestimmt, darunter der Bewilligung von 103 0 0 0 Mark für den Ausbau der Sakrower Chaussee zwischen Gatow und Eladow und der Errichtung eines Hallenbades im Bezirk Mitte. Eine HinAenburg'�Vebatte". Zum Schluß der Verhandlungen kamen dann noch zwei Anträge der Kommunisten wegen der Beteiligung der Berliner Schulen an der Feier von H i n d e n b u rg s G e b u r t s> t a g und wegen der Benutzung städtischer Einrich- t u n g e n an diesen Tagen durch die nationalistischen Verbände zur Verhandlung. Bei der Begründung durch den Kommunisten Lange machen die Deutschnationalcn großen Spektakel. Sie unterhalten sich in zwanglosester, lautester Weise, wobei ironische Zurufe:„Lauter! Lauterl" gemacht werden. Man zwingt den Redner, immer lauter zu sprechen, die Deutsch- nationalen unterhalten sich wiederum lauter, machen Zwischenrufe, toben, schreien, der�Redner geht aus die Bemerkungen von rechts ein— großer Lärm, Spektakel; der Vor- st eher läutet fortgesetzt. Alz Lang« bemerkt, daß seine Freunde der Auffassung seien, die Anträge seien deshalb teilweise überholt, weil der„sozialdemokratische Vorsteher, Herr Haß, es verstanden habe, die Anträge nicht rechtzeitig zur Verhandlung zu bringen", unterbricht der Dorsteher den Redner und bemerkt, daß die Anträge bereits zur Verhandlung standen und daß eine bereits behandelte Sache nicht noch einmal aufgerollt werden könne. Als schließlich Lange einen neuen Antrag— angeblich«inen A b- änderungsantrag— einbringt und dabei bemerkt, daß feine Fraktion die alten Anträge zurückziehe, stellt der Vorsteher fest, daß ein Abänderungsantrag zu zurückgezogenen Anträgen nicht ein- gebracht werden könne, daß deswegen der Tagesordnungspunkt er- ledigt fei. Nach einer ausgiebigen Geschäftsordnungsdsbatte wurde ein Antrag der Deutschnationalen auf Uebergang zur Tagesordnung angenommen._ Vorarbeit zur Werbewoche. Frauenkonferenz im Bezirk Brandenburg-Grenzms.rk. Die Sozialdemokratische Partei, Bezirk Brairdenburg-Grenz- mark, veranstaltete am Sonntag, dem 30. Oktober dieses Jahres, im Preußischen Landtag eine Frauenkonserenz. Eindrucksvoll vorgetragene Lieder des Gesangvereins„Fichte-Georginia" eröffneten die Tagung. Genosse Krüger begrüßte die delegierten Genossinnen. Diese Konserenz, so führte er aus, sei ein Auftakt zu den Kämpfen in der nächsten Zeit. Von ihrer Arbeit wird es abhängen, wie wir den Erfolg unserer Parteiorganisation innerhalb der Provinz Bran- denburg vorbereiten können. Uns fehlen im Rcichsparlament 17 Man- date an der Koalitionsmehrheit, um einen Bürgerblock, um einen Herrn von Kcudell aus dem Sattel zu helfen. Wir werden uns die Frage zu stellen haben: woher kommen diese 17 Mandate? Von dem Siege der Sozialdemokratischen Partei bei der kommenden Wahl hängt die Entwicklung der deutschen Republik ab. Die Genossin S o b b e l i e s überbrachte der Konserenz die Grüße der Arbeiter- Jugend in der Provinz Brandenburg. Nach Erledigung einiger ge- schaftlicher Dinge sprach Genossin Matschte über„Die Frau in der Partei". Für uns, so führte sie aus, ist es eine Selbstverständ- lichkeit, mit unseren Männern gemeinsam in der Partei zu arbeiten. Di« Pflege der Frauenbewegung ist von den Genossinnen abhängig, die in der Bewegung tätig sind und die ein ungeheures Maß von Ausopjerung im Kampje für den Sozialismus leisten. Das gilt vor ollem kür die Genossinnen aus den kleinsten Orten aus dem Panhe. Sie wissen, wie schwer es ist, der' Organisation aus dem Lande Ein-'" gang zu verschasfen. In der Sozialdemokratischen Partei der Pro- oinz Brandenburg sind noch viel zu wenig Frauen orga- n i s i e r t. Im Verhältnis zur Zahl der männlichen Parteimitglieder kann man feststellen, daß auch noch lange nicht alle Frauen von Parteigenossen organisiert sind. Zluch die Zahl der organisierten Frauen in Deutschland ist noch viel zu niedrig. Die letzte Volks- zählung von 1923 gibt uns Ausschluß darüber, daß Deutschland 2 Vi Millionen mehr Frauen als Männer hat. Von mehr als ZI Proz. der gesamten Reichsbevölkerung, die im Erwerbs- leben stehen, sind 11'/i Millionen Frauen. Auch die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterin steht der Partei manchmal noch sehr fern. Auch ihr muß bei jeder Gelegenheit gesogt werde», daß sie sich, wenn sie in ihren gewerkschaftlichen Kämpfen auf lohnenden Erfolg rechnen will, der Sozialdemokratischen Partei anzuschließen hat. In der Agitation unter den Frauen muß daraus hingewiesen werden, daß rund 8 Millionen deutscher'Arbeiter nur ein Ein- kommen bis zu 2 4 M. wöchentlich haben. Der Neun- und Z e h n st un d c n t a g ist gesetzlich verankert, die Mieten sind auf 120 Proz. der F r i e d e n s m i e te erhöht Aus diesen ungünstigen Lebensverhältnissen müßten gerade die Frauen die richtigen Schlußsolgerungen ziehen. Sie müßten erkennen, daß sie nur durch Zusammenschluß in der Sozialdemokratischen Partei diese Zustände ändern können. Wenn wir die Frauen für uns ge- mannen haben, müssen wir aber auch bemüht sein, sie in der Partei zu halten. Wenn wir die Frauen mit den Ideen des Sozialismus vertraut machen wollen, müssen wir ihre Schulung fördern. Wir wollen der Frau auch Wegleiler sein in der Erziehung ihrer Kinder. Ein besonders wichtiges Arbeitsgebiet, auf dem unsere Frauen �ylebnisjur 4�Pßnniac Neckisches Schlagwort Aber auf Massary-Privat, die mundstücklose 4• Pfg.• Zigarette voller Eigenart, trifft es zu. Wohl bestimmt für den grauen Alltag, ist sie selbst doch weit mehr als eine Alltagserscheinung. Auch der sehr verwöhnte Raucher hat seine Freude an ihr. -�ALassary-(Privat 0/JHclst rund und flach mild und Hürnig (Das ist(Tabak!(Llr teilen Jie selbst!) rverten. ist die öffentliche Wa-hlfahrtspfle-ge, die mit ozialistischem Geist erfüllt werden soll. Daher ist die Arbeit auf .iesem Gebiet auch Dienst an der Partei. Zum Schluß ihrer Aus- -ührungen macht« Genossin Matschte noch einige Ausführungen über den besonders stark ausgeprägten Willen der Frauen zum Frieden. Sie lehnen den Krieg ab aus Klugheit und aus Menschlichkeit. In der Werbewoche ist Gelegenheit zur Werbung von Mitgliedern, b« sonders zur Gewinnung von Frauen gegeben. Wir wollen in der Werbewoche vom 6. bis 13. November für den kommenden Wahl- kämpf, für die Partei, für den Sieg der Sozialdemokratie wirken. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich besonders die Ge> nossinnen aus den kleinen Orten, in denen die Organisationsarbeit sich sehr schwierig gestaltet. Sie schilderten die Mißstände und Wider- wärtigkeiten, mst denen unsere tätigen Genossinnen auf dem Land« zu kämpfen haben. Außerordentliche Aufmerksamkeit wurde den Worten der Genossin G i s ch l a t aus Wildau geschenkt, die aufzeigt«, in wie krasser Weise(ich das Bürgertum gegen die Mit- arbeit von sozialdemokratischen Frauen in der Wohlfahrtspflege wendet. Mit einem choch auf die internationale Arbeiterbewegung und mit dem Gesang der.Internationale' wurde die Frauenkonferenz geschlossen. den öezirken. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. »n der letzten Bezirksverordnetenversammlung wurden acht Straßen, vier Plätze und ein« Brücke umbenannt.— Ein Dringlichkeitsontrag der Fraktion der Witte wegen Lieferung von schwarzrotgoldenen Reichsflaggen für all« Schulen des Bezirks, wurde der Kostensrage wegen an den Haushalts- ausschuß überwiesen.— Ueber den vorliegenden Haushalts- plan für IV 2 8 berichteten für das Bezirksamt Stadtrat Genosse Friedländer und für den Ausschuß Genosse H u h n s l e i s ch. Letzterer wies dabei auf Bestrebungen hin, deren Durchführung ein« Zerschlagung der zentralen Wohlsahrtsspeisung bedeuten würde. Die private Wohlsahrtssürsorge versuche zunächst, aus Mitteln der zentralen Verwaltung neue Speisestellen zu errichten und die einzelnen Bezirke selbständig zu machen; damit werde versucht, erst die zentrale Küche zu zerschlagen und dann die einzelnen Küchen in private Berwaltung zu nehmen. Dies« Ausführungen wurden von dem Dezernenten der Gesundheitsdeputation, den, Stadtrat D e g n c r, stark unterstrichen und mit verschiedenen Vorkommnissen belegt. Ts wurde hierzu eine Entschließung angenommen, in der die Stadtverordnetenversammlung dringend gebeten wird, die im Etat vorgesehenen Zuwendungen an den Verein für Wohlsahrtsspeisung in Zukunst zu streichen. In, übrigen wurde der Haushaltsplan einstiinmig angenommen.— Zur Weihnachtsbescherung� bedürftiger Kinder wurde aus Vor- behaltsmitteln die nötige Summe bewilligt. Ein hierzu von der KPD. gestellter Antrag, alle Kinder der über 26 Wochen Erwerbs- losen auch zu bescheren, wurde den, Haushaltsousschuh überwiesen. Anläßlich ihres fünfzigjährigen Jubiläums hatte die SS. Gemeindeschule, Heinrich-Roller-Straße. den Antrag ge- stellt, ihr durch Gewährung einer Beihilfe die Möglichkeit zur An- schasfung eines Lichtbildapparates zu geben. Hierzu wurden 200 M. bewilligt.— Ein Antrag der KPD.-Frakliion, das Bezirks- amt aufzufordern, beim Magistrat dahin zu wirken, daß größere Mittel für die Berliner Volksküchenverwaltung zur Verfügung gestellt werden zwecks besserer Herstellung des Essens, wurde an- genommen.— Bei dem Verein„Kinderheim", Prenz- lauer Berg, soll auf Antrag der Fiaktion der Mitte die Forderung geltend gemacht werden, das Kuratorium durch Zuwahl Chinosol wirkt ausgezeichnet gegen Schnupfen. 2u heben In eilen Apotheken und Fechdroeerlen. weiterer Vertreter so zu vergrößern, daß alle Fraktionen darin vertreten sind. 5. Bezirk— Ariedrichshain. In der letzten Sitzung der Bczirksoersammlung Friedrichs- Hain wurde beschlossen, die Straßenparzellen vor dem Ostbahnhos zu kaufen. Dem neuen Plan für den Sportplatz an der Laskerstraß« wurde' zugestimmt. Bei der Haushaltungsberatung wies Genosse Klingler als Berichterstatter daraus hin, daß eine weitgehende Erhöhung im Haushaltsplan zu verzeichnen ist. Elf Anträge, die 195 OVO M. mehr fordern, wurden angenommen. Ein Unterausschuß soll eingesetzt werden, der die Festsetzung eines Elendsfaktors vorbereiten soll. Genosse Pohling erläuterte die Forderungen unserer Fraktion, so u. a wichttge Er gänzungen für das Hospital, das Krankenhaus und für neue Brausebäder. Weitere Forderungen nach dem Iugendhaus. nach dem Bureaudienftgebärrde, nach einem Volkshaus, nach zwei neuen Dbc.-Speisestellen, zwei Jugendheimen und dem Sport platz an der Laskerstraß« sind im neuen Etat berücksichttgt. Die Fertigstellung des Krematoriums in der Diestelmeyer- st r a ß e müsse nunmehr endgültig durchgeführt werden. Das Krankenhaus werde gleichfalls einen weiteren Ausbau erfahren. Durchaus begrüßenswert sei die humane und soziale Einstellung dortselbst, während andere Krankenhäuser oft dekorativ wirken. Die bisher festgesetzten Schlüsselzahlen für viele Positionen sind völlig ungerecht. Es muß deshalb eine ander« Regelung gefunden werden, um Benachteiligungen der prole- tarischen Bezirke zu verhüten. An Hand der Verhältnisse im Bezirk Charlottenburg wies er nach, daß in ollen Wohlfahrt-- cinrichtungen jener Bezirk gegenüber dem Friedrichshain bedeutend besser dasteht. Trotzdem dort höhere Einnahmen zu verzeichnen sind, hat man dem in der Einwohnerzahl gleich starken Bezirk pro Einwohner 71 Pf. mehr bewilligt. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Die sozialdemokratisch« Fraktion stellte schließlich den Antrag, daß bis zu der Regelung durch einen Elendsfaktor für die proletarischen Bezirke die Schlüsselzahlen oerdoppelt werden möchten. Das Bezirksamt soll für diesen Bezirk dem- entsprechend mit dem Magistrat verhandeln. Beim Kapitel Bau und Wohnung unterstrichen der Genosse K l i n g l e r und der Kam- munist Holzfäller gegenüber den Angrissen der Rechten die Notwendigkeit der getroffenen Beschlüsse, wodurch zweifellos der Bau von 10 gm Kleinwohnungen für die nächst« Zeit zur Durch- fllhrung gelangen soll. Bei den Kapiteln Voltsbüchereien und Volksbildung fanden zwei Anträge Annahme, die verlangen, daß für den Bezirk ein Büchereioorfteher und für die 7. Volksbücherei eine zweite Kraft umzustellen sei und die Schlüsselzahl für die Voltsvildungsoeranstaltungen von 3 auf 5 Ps. erhöht werden müsse. 6. Bezirk— Kreuzberg. Di« Bezirksoersammlung verabschiedete in ihrer letzten Sitzung den Haushaltsvoranschlag für 1928 nach vorangegangener ein- gehender Durchberatung im Ausschuß. Bei Einbringung des Etats wies der Bürgermeister Dr. Herz in erster Linie die Be- haupttmgen einiger Presseorgane zurück, daß die Bezirtsverwaltungen und Bezirksversammlungen versagt haben. Gerade auf den Ge- bieten des Gefundheits.- und Fürsorgewesens habe die Dezentral!- fierung gut« Erfolge gezeitigt. Besonders wertvoll sei die Heran- ziehung von Vertretern der Bürgerschaft siir ein« Verwaltung, die bewußt im Allgemeininteresse arbeite. Denn viele gute An- regungen werden ständig aus den Kreisen der Bezirk sverordn«t«n gegeben. Im einzelnen ist u. a. dos Krankenhausprojett seiner Verwirklichung näher gebracht, die Schularztpflege bedeutend ausgebaut, die Zahl der Säuglinasfürforgestellen wird auf fünf erhöht, so daß 90 Proz. aller Säuglinge von der Fürsorge erfaßt werden können. Die Generaldebatte eröffnet? unser Genosse L i t k e. In großangelegter Rede erkannt« er die Bemühungen des Bezirksamts an, im Rahmen der ihm zur Verfügung stehenden Mittel allen Anforderungen gerecht zu werden. In sehr geschickter Weise polemisierte vnfer Genosse gegen Sie Levkschnatkonak««. die aus Aerger darüber, daß sie bei allen wichttgen Abstimmungen in die Minderheit gedrängt wurden, eine öde Obstruktion treiben. Unser Redner forderte unter anderem Beschleunigung de- Krankenhausbaus, Errichtung einer Badeanstalt für den Südosten, Durchsetzung der Verwaltung mit mehr Republikanern und Modernisierung der Volksbüch«- r e i e n. Der Deutschnationale Schulze(M. d. R.s und der Volks- parteiler Dr. Faltz schimpften, daß der Jugend- und Wohlfahrts- etat viel zu hoch sei. Man solle die Kinder zu Spartanern er- ziehen. Es fehlte nur noch, daß beide Strategen verlangten, man solle den armen Leuten das Essen abgewöhnen. Beiden traten in wirkungsvollster Weile unser« Genossen Stadtrat Zachow, Sickert und Siewert sowie die Demokraten Perls und Gebauer entgegen. In der Schlußabstimmung wurde der vom Ausschuh vorgelegte Entwurf gegen Kommunisten bei Stimmenthaltung der Deutsch- nationalen angenommen. 16. Bezirk<— Köpenick. Die Bezirksversammlung vom 26. Oktober stand im Zeichen der Bedarfsnachweisung, zu der zuerst der Bürgermeister, Genosse Kohl, das Wort nahm. Er gab«ine Uebersicht der im laufenden Etats- jähr geleisteteten Arbeit und das stetige Ausblühen des Bezirks. So ist die Einwohnerzahl in raschem Steigen begriffen, von 56 819 im Jahre 1920 auf fast 74 000 im Oktober 1927. Die Erwerbslosen- Ziffer im Bezirk ist stark gesunken. Sie erreichte ihren Höchststand im Juli 1926 mit 3473, während sie am 22. Oktober 1927 nur 864 betrug. Für Straßen- und Brückenbau sind wieder erhebliche Mittel notwendig. Wie dringend der Bau des Tunnels in Friedrichshagen war, beweist die Zahl von 60000 Fuß- gängern, die an einem schönen Sonntag dort passierten. Sehr ausführlich behandelte Genosse Kohl das Wohnungswesen. Die Wohnungsnot im Bezirk ist keineswegs zurückgegangen, sondern hat sich noch oerstärkt. Die Zahl der Wohnungsuchenden beträgt 2584, davon 773 vordringlich. 850 Neubauwohnungen sind vom Juni 1926 bis September 1927 fertiggestellt worden. Vom 1. Juli 1926 bis 31. März 1927 hatte Berlin ein Aufkommen an Hauszinssteuer von etwa 3 Millionen Mark. Davon wurden leider nur 102 Mill.??? für Wohnbauten in Berlin selbst bestimmt, der Rest wurde für andere Zwecke, zum Teil für Wohndau in der Provinz vom Staat« bestimmt. Der Zugang an Wohnungen seit 1919 auf das Tausend der Be- völkerung berechnet, betrug in Berlin 11,7, in Köln 22,9, Frankfurt a. M. 20,7, Stuttgart 22,3. Duisburg 29, Mannheim 26,1, Kassel 25,5, Karlsruhe 28,8, Erfurt 26,4, Lübeck sogar 39,8. Das sind Zahlen, die eindringlichst eine durchgreifende Aenderung in der Behandlung Berlins verlangen. Des weiteren ging Genosse Kohl auf das Schulwesen und die Iugendwohlfahrt näher ein. Mit der Zusicherung daß auch in Berkehrsfragen dem Aufblühen des Bezirks Rechnung getragen werden wird, schloß er sein« eindrucksvolle Rede. Nachdem Genosse R o h d e ausführlich über die Arbeiten im Ausschuß und die dort gestellten Anträge berichtet hat, nahm Genosse Toltsdorf das Wort und bedauert, daß für die noch langem Bemühen eingerichtete Sammelschule noch keine neuzeitlichen Räume zur Verfügung gestellt werden konnten. Vom Stadtrat Goß wurd, ihm erwidert, daß früher für Schulzweck« nicht viel getan worden sei und die Gebäude. besonders für die Volksschule, sehr viel zu wünschen ließen. Hier ist sehr viel nachzuholen. Di« weitere Beratung nahm dann aber ein schnelles End«: Im ganzen Rathaus« entstand Kurzschluß! Nach einer längeren Pause im Dunkeln wurde beim Schein einer Kerze die Vorlage vorläufig angenommen und die Besprechung der Anträge aus«ine später« Sitzung verlegt. Qtaralb« man nur 5m Si-chwew 5m Deusichrn Mullk-rv-rbande«, B-rltn. Kam. mandantenftr. 63/64. Dimhaff 8177—78, Deich iistajelt 9—5, Sanntag, 10— 8 Uhr. «uf Wunsch- SntntaAefuch. Wissen nur Weise, was schlank und doch satt macht? vor fahrt, uaderleu waren es die KiS tilge, die fle zum SedllngsmaHt erkoren, heute stad's die Spitz« der wtsseositmft. dt« sie als RSstzeng der voUtslcmfl pretfeu Professor Hanta dt rühmt sie als UntaersaUcofl, Professor Keftaer ihre hohe Sätägongskmft firdettsfreude, Selstessrifche. Cebenslnft kehren ein. wo sie Uebflet freund, ftrzle sagen'«, Betagte Wissen s, jeder erfuhr's im Weg«, v» fang und Bit über alles gellebt, verdanken TDUUoneo ihre Kllfttgkcb dieser» Ädetsioffeu. 3 Stunden satt für nur wird, wer ihre fetafte TM erwählt. Die paradiesische Knknoimf) birgt diese Kraft Deshalb erheben stmettka und England keinen Zoll und verzehren die halbe Iveltemte* Ja Deutschland verhindern trotz eindringlicher lehren berühmter Phgsiologen falsche BeurteUaug und verkehrte SSitigungsweife die sluswirkuag ihres vielfSliigea Segen». Statt nutzbarste DnalitSt und Energien suchen finge und Sinne enknspacknngea. ftnfchwerk und RetymitttL Das verteuert die L eben» haltnag nnb betrügt Körper and Seist am Gesundheit und Kraft Schon mahnen Regierung und Politiker zu wirtfchastlichew Denken,«ne weitere Perfeiuenmg der fabtikat« und dennoch eine Preissenkung gerade bei den billigsten Alarken beweisen von neuem das wirtschaftliche Prinzip des Reich aeditverk es. Gweisi ist das Bamauterial de» Körpers. Reines Eiweiß, das aar in Samen enthalten ist und sich im sorgsam entfetteten Kakao in reichlichen Mengen befindet besteht uns den 5 Elementen de» Ccbeas. Du das Blut dem Körper aar gelöstes Retaefapetß zuführt ist atomf einer Kakao der idealste finfbanstoff. Diese seinheitsvorteile auch dem bescheideusteu Haushalt zugüngllch zu macheu. hat sich das Reichardt- werk zur finfgabe gestellt and deshalb sein?eia verfahren(o erweitert daß nun auch in einem Gramm des billigst eu Gralkakuos, also für nur den dritten T eil eines Psetmigh, t2 Milliarden fitome beurkundet werden und fetzt alle Gralkakao» dillteiisch wie wirlschafillch die größten Vorteile bieten, sowie, dieser Besche entsprechend, allen Iandelsnmrkeu der IDett bedeutend überlegen sind, finfs sorgsamste entfettet dient deshalb Gralkakao erfuhreuea strzten zu Eatfettnagskarea.«ne winzige Prise verkocht macht selbst Kuhmilch für Siiaglluge leichtdekSmmllch. Daher trinke jeder diesen Kraftstoff cor allem morgens zur Sfittlgmig und abends zur Nachtruhe! Kindern gebe mau besonders morgens Mllch aar mit fetnkakao! Nichts regelt und krfifägt die Perdonnag mehr als fein« knkool Seine Segnungen von Mund zu Mund zu verbreiten, werde daher Meuscheap sticht! ckch bttttebitg«.»aS d« f gtoö(xr dem Handel entnommenen SmUtokoo« Over te tntlitardeo Stanbche» pro Gramm betrügt. tzUe anderen hnndetomnrkcn ergeben tzSchitea» den vierte» hell dieser Korazatzl. hiniituiig, de» 1. Öeptbt IZtg, CKcmi-cK«- Leboratonun Dr* Jicnaaiin, LUcx Reichardt Felnfabrikate bergen alle Energien einer gütigen Natur zu Wohlbehagen. Kraft und Schönheit. zum Aufbau aller Körperkräfte I Sie säfHgen und stärken wohlfeiler und nachhaltiger als eine essfertige Kost anderer Art und beseitigen jede geistige und körperliche Ermüdung� Nr. 522 ♦ 44. Jahrgang 2. Beilage des vorwärts Freitag, November i?27 Privatkapital unö öffentliche Wirtschaft Zum Abschlutz der Rheinisch-Weftfülischen Elektrizitätswerke AG. i la nz- und Gewinn° Es ist bekannt, daß Herr Dr. Vögler, der leitende Mann des Ruhrstahitrusts, der mächtigste Mann der deutschen Schwer- industrie ist. Es ist weniger bekannt, daß er auch der mächtigste Mann in der deutschen E r o ß k ra st wi r t° s 6)0 st ist, und noch weniger ist bekannt, welche prioatwirt- s ch a s t l i ch e Bedeutung die Präsidentensunktion von Herrn Dr. Vögler im Rheims6)-westsälischen Elektrizitätswerk, dem expon- stonskräftigsten Kraftkonzern Teutschlands,� sür das d«uts6)e S 6) werkapital hat. Das von Hugo Stinnes uin die Jahr- hundertwende gegründete, heute von Dr. Vögler und seinen Präsidial- genossen geleitete RWE. gilt gemeinhin als das Vorbild acmischk-wirtschufllicher Ualernehmungen. und es ist allgemein« Auffassung, soläze gemischtwirtschaftlichen Unternehinungen nirf)t nur als ein Zugeständnis der privaten an die Staotswirtschaft zu betrachten, sondern man setzt auch vor- aus, daß mit dem Vorhandensein der nominellen finanziellen Kon- troll« guch das öffentliche Interesse in gemischt-wirischastlichen Unternehmungen vorherrscht. Studiert man das RWE. und die Auswirkungen seiner privat- wirtschastlichen Leitung näher, so ergibt sich, daß der germscht- wirtschaftliche Eharakter dieses Großunternehmens nur«ine leichte und bequemere, vor allem unauffälligere Form der nachdrück- Nchsten Fruchtbarmachung scheinbar öffentlicher Unterachmungen zugunsten des Privatkapitals ist. Gemeinden, Kreis« und Provinzen haben dem RWE. Konzessionen für die Kraft-, Gas- und Wasser- Wirtschaft übertragen. Sie haben die Wegereckste ft ei gegeben und sind für alles durch Beteiligung an den Ueberschüssen und durch Aktienbesitz entschädigt. Doch erweisen sich diese äußerlichen Zugeständnisse als unwesentlich. Sie sind keineswegs die Hauptsache, denn durch das äußere Filter der Kommunal-, Kreis-, Provinz-,' Staats- und Reichsbeteiligungen hindurä) werden erst die großen Vorteile für das Privatkapital möglich, die sich aus der privat- wirtschaftlichen Leitung des Riesentrustes für die Schwerindustrie ergeben. Dabei ist Herr Dr. Vögler nur eine Person für tue Sache der vchmerindfwrie. Die Pnvalvorkeile des Schwerkapklals. Das Interessengebiet des RWCß ist ungeheuer. Es reicht von der Nordsee bis nach Tirol, von Luxemburg bis Braunschweig. Was die Bilanz über die Werte dieses Riesen- gebietes verrät, ist nichts gegenüber der Wirklichkeit Vielleicht gibt die Tatsache einen Anhaltspunkt, daß für die erst zur guten Hälfte abgerufenen Amerikocnleihe von 40 Millionen Dollar ein Pfand- wert eigener Unternehmungen von rund einer Milliarde Mark ge- nannt wird. In ganz wenigen Jahren ist die rapide Expansion auf ein solches Gebiet mit so riesenhaften Werten erfolgt. Was de» deutet in einem solchen Komplex die privatwirtschaftliche Leibung des Präsidiurns im Aufsickftsrat? Im Ausbau neuer Kraftwerk«, riefen Holter Krastnetze von un. erhörter starke liegen jährlich Austrage von Dußendeu von Millionen, sür die es weder einen Konkurrenten gibt, der die Preise drück«,> noch irgendwelches Risiko, für die prompte und sofortige Zahlubg. Heber«in halbes Dutzend der besten und mächtigsten Stein- und Braunko hle n g r u b e n stird dem RWE. durch Interessen, und Gemeinschaftsverträge eingegliedert, für die die Kraft» abnehmee des RWE. den privaten Vesißcrn eine garantierte Divi- dende zu bezahlen haben, so daß diese Zecken und Gruben für die ganze Vertragsdauer von allen Auswirkungen der Kohlenkris« geschützt lind. Der Betrieb der Rv« ergrübe allein bringt die drei- fache RWE.-Dividendez in früheren Jahren 24, im Jahre 1926/27 sogar 27 Pcoz. sährlich. Durch langjährige Verträge ist die Gas- abnähme für drei Zechenkomplexe garantiert, nicht zuletzt auf dieser Basis forciert die Aktiengesellschaft für Kohleverwertuirg in Essen ihr deutsches Ferngasprojekt Der ganzen an das RWE. an- geschlossenen Industrie, insbesondere aber den Hütten und Stahl- werken, steht elektrischer Strom vom RWE zur Verfügung. der noch einem früheren GcichSftsbericht bewußt auf kosten der Kleinverbraucher billiger geliefert wird. Zu diesen unmittelbaren Dorteilen der schweren Iitbuftrie kommt ein weiterer von größtein politischein Gewicht: der an oft öffentliche Charakter des RWE. ermöglicht durch dessen gebietliche Expansion die Frukti- fizieruvg immer größerer materieller Vorteile, Das öffentlich .scheinende Werk genießt die Unterstützung der staatlichen Der- waltung, besonders überall da, wo die prioattvirtschaflliche Ein- stcllung der Bureaukratte'dem Privotkapitol Hisse leistet. Der Scheinfriede mit Preuhea. Eo hat die Schwerindustrie im RWE. die Macht, und sie ge- braucht die Macht. Alz Preußen die Mehrheit der Brotinkohlen- industrie A.-G.„Z u k u n f t"- W e i s w e i l e r erwarb, ging das RWE. zum offenen Kamvs gegen Preußen über, �s kam im Mai 1927 ein Frieden zustande, der bis heute ein Scheinfrieden ge- blieben ist Preußen hat layalerwcis« gegen die Abgrenzung der Interessensphären im Mosel-Saargebiet seine �Zukunfts�maiontat dem RWE. übe-ckragen, wogegen das RWE, seinen mit den Reichs- elettrowerren gepoölten Besitz an den Braunschweigischen Kohlenwerken an Preußen zu übertragen versprach. Zur Durch- führuna des Vertrages, bei dem ein preußischer Minister und Herr Dr, Bögler persönlich die Kontrahenten waren, ist es bis heut« noch nicht gekommen. Man weiß nfch', weshalb heut« noch die R s i ch s e l« kt r o w e r?e di« Verhandl'.mgen mit Preußen über die Aussolguna des Braunschweiger Pakets hinausziehen. Aber es ist für die Beurteilung dieses sogenannten Elektrofriedens von hoher Bedeutung, daß in den letzten Monaten di« im Mosel- Soorgebiet sestgeleoten Demarkationen nach übereinstimmenden Meldungen vom RWE nicht eingehalten wurden, daß das RWE, über die Merzioer Linie hinaus in das p-ettßische Interessengebiet der Saar vorgestoßen sst, und daß stck, demtoch die Elektrowerke weiterhin von Verhandlungen mft Preußen über die Durchführung des Vertrages fernhalten. Während der Elektro! rieben einen Aus- gleich zwifckcn Preußen imd dem von der S6)wenndttftri« geleiteten RWE. vortäuscht, geht der Kampf im Saargebiet lustig fort, und zwar durch die Zurückhaltung der Reichzelektro- werke mit deren indirekter Hilfsstellung. Imposante Ziffern, die wenig verraten. Gegenüber solchen Zusammenhängen und Problemen werden die Entwicklungszissern des RWE. als Unternehmen zu äußer- lichen Daten. Sie sind nur Merkmole für die riesenhaft sich steigernden Kräfte und Interessenballungen. deren Ausdehnung sich durch Ve Ziffern hkndvrch nur ahnen läßt. Die Strvmobgabe hat sich seit 191 6'19 fast verdoppelt. Di« weniger wichtig« Gasabgob« ist in derselben Zeit um fast S0 Prvz. gestiegen. Stromabgabe Gasabgabe 1818/1».. 683.0 Mill. Kil.2iSt 04,7 Mill. ebra 1924 25.. 1 099,5.. 61.5. 1925/26.. 1 157,8.,«».«,, 1928/27.. 12442,• 76.7.. Etwas deutlicher sprechen die B Ziffern: Bilanzsumme.--, �- Eigene Betriebe...... Effekten und Beteiligung... Anleihen......... Stand der Abschreibungen... Betriebsgewinns...... Be'-waltungsunkosten..... Reinüberschuß....... Nettoüberschuß(Prospekt 1927). Dividende(Inh.- u. Namensaktien) Tantieme für Aufsichtsrat... 1924/5 1925/6 1926/7 (in Millionen Mark) 319,18 207,51 58M 4.77 101,24 ZO.OO 7,26 12,03 32,34 8 u. 120/,, 0,64 384,88 249,98 69,04 44,02 111,72 37,34 13,68 12,03 35,78 8u.l2°/o 0,64 504,57 309,95 69,79 104,86 126,03 43,07 14,48 13,68 ? 9 u. 150/0 0,81 Auch sie lassen aber nur die Beränderung der Größen- Verhältnisse ahnen, ohne über die wirtlichen Größen etwas auszusagen, Bilanz und Geschäftsbericht dieses gemeinwirtschaftlich scheinenden Unternehmens sind das Unklarst« und U n- genaueste, was es in der Publlzftät von Aktiengesellschaften wohl gibt Als Beispiel dafür weisen wir nur auf den Widerspruch zwischen dem im Prospekt von 1927 für die 15°Millionen-Dollar- Anleih« angegebenen Rettotiberschtiß für die beiden früheren Jahre hin, und dem in der Bilanz ausgewiesenen Reiitüberschuß(siehe Tabelle), aus die in der Bilanz angegebenen Worte der eigenen Betriebe und Beteiligungen und auf die als Psairdwert für die 40-Millilmen-Dollar-Ankih« angegebene Milliarde. Private Großmächte ia öffentlicher Maske. Gerade im vergangenen Jahr haben die letzten Verhandlungen das RWE., insbesondere sein Präsidium, als überstaatliche Großmacht erwiesen. Es wurde direkt mit den Londesbehörden von Oesterreich und mit der luxemburgischen Re- gierung, das einemal über den Anschluß des Tiroler Wasser- kraftsystems, das anderemal über die Elektrifizierung Ltixsmbtirgz. verhandelt. Dos liegt gewiß in der elektrowirtschäftlilhen Macht des RWE. degründet Aber aus den dargelegten Zusammenhängen ergibt sich, daß hier nickst, wie es scheinen möchte, die öffentliche Hand der Kontrahent im öffentlichen Interesse sst. sondern letztlich der Führer der deutschen Schwerindustrie in eigener, das heißt privatkapitalistischer Sache, Hier siegen ernst« Probleme. Wo bleibt die wirksame Kontroll« der öffentlichen Hand, die durch die zahlen- mäßige Vertretung im Aufsichtsrat gewährleistet sein müßte? Der.Vorwärts" hat nicht ohne Absicht kürzlich die Frage auf- geworfen, was der Antrag auf der kommenden Generalversammlung soll, daß die Sonderbestimmungen und Borrechte der Ramensaktien, die das Rückgrat des öffenttichen Einflusses sind, beseitigt werden sollen. Wenn darauf geantwortet worden ist, daß das zwanzigfache Stimmrecht nicht verändert werden soll, sE sind die von uns auf- geworfenen Probleme damit noch nickst gelöst, sondern nur um so deutlicher uvierstnchen. Es fehlt im RWE. an einer wirk- famen öffentlichen Kontroll«. Der öffeMlicb« Einfluß ist Attrappe, nicht Wirklichkeit Das, RWE. ist eine Domäne des Schwerkanitals, in der dem üffentlicken Interesse reiht fein muß, was oas Schwerkapital für gut befindet Eine Frage von größtem Ernst wird hier ausgeworfen, die Frage der wirk- sinnen demokratischen Kontrolle gegenüber der unterirdischen Macht. ausübung des Hochkopttals,«ine Frage, die im Falls des RWE. eindeutig gegen die demokratisch« Kontrolle beantwortet sein dürfte. Große Anfrage über Ferngas. Im preußischen Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion hat in. Preußischen Landtag folgende„Große Anfrage" eingebracht: Die Aktiengesellschaft für Kahleverwertung in Essen beabsichtigt, ganz Deutschland mit einem Gasoersorgungs- netz zu überziehen. Dieses Netz soll von Kohlenrevier zu Kohlen- revier geführt werden, um so die gewaltigen Gosmengen der Koke- reien nutz- und gewinnbringender zu verwenden. Seit Monaten finden zwischen der Kohleverwertungsgesellschoit und verschiedenen rheinischen Großstädten Verhandlungen über die Abnahm« von Zechengas statt Daneben laufen Verhandlungen mit den Prooinzial- verwattungen von Rheinland und Westfalen über die Benutzung der Provinzialstroßen und über den Gaspreiz für die Derieilungsgcsell- schasten, die sich m der Rheinprovinz und in Westfalen gebildet haben. Es Hot bisher den Anschein, als wenn eine Einigung zwischen Stadt und Land bzw. den Provinzen mit der Kohleoerwertungs- gesellfchaft nicht zustandekommt. Lei der großen volkswirsschast- lichen Bedeutung, die die Gassernversoraung hat. haltsa wir es für dringend notwendig, daß der Staat sowke die Kommunen an der Gaserzeugung sowie an der Verteilung beteiligt werden. Dies ist um so mehr berechtigt, als auch der Staat Bergwerke befitzt Wir fragen deshalb: Was will die Staatsregierung tun, um in dieser Frage dte Interessen des Staates und des Volkes genügend zu wahren?_ Unfug mit Notstouüskreöiten für wetterfchäöen. Eine merkwürdige Praxis scheint bei der Verteilung von Not» standskrediten in den wettergelchädigten Gebieten, besonders Pom- merps, zu herrschen. Wie von der„Konjunktur-Korresvondenz" mit- geteilt wird, ist in den Kreisen Rügen, Franzburg, Grimmen und Greisswatd jeweils die Hälft« der Notstandskredite(genannt wer- den zusammen 2,75 Millionen) ohne Rücksicht aus di« Not- lag« im einzelnen Fall verteilt worden. Jeder land- wirtschaftliche Betrieb wurde gleichmäßig,- ob Ihn Wetterichäden getroffen hatten oder nicht, an dieser Hälft« der Summen beteiligt. Dabei scheint es, daß gegenüber den Landarbeitern mit Dspu- tatland und auch gegenüber den Pächtern nicht ganz ordnungs- aemäß vorgegangen wird. Wenn Notstandskredite«inen Sinn haben sollen, dann dürfen sie nur an solche verteilt werden, bei denen nachgewiesenermaßen schwer« Sckädigungen vorliegen. Es ist absolut nicht zu verstehen, weshalb die Hälfte der Kredite ohne Aisseben des einzelnen Falles auf diese Weise verteilt wird. Pommern und Rügen sind ein Land der-»R i e s e n g ü t c r. In sehr vielen Fällen wirken sich die Notstandskredite mit ihren außerordentlich niedrigen Zinsen so als Subventionen aus. die sich der Großgrund- besitz einfach nach dem Umfang sein« Betrtebe in sehr ungerechter Weise zuschanzt Veiter erhöhte Spareinlage«. Bei den deutschen Gparkass-n belies sich der Bestand der Spareinlagen am 3 0. September aus 4340,3 Millionen Mark gegen 4245,9 Millionen Mark am 31. August und weist mithin eine Zunahm« um 9 4 ,4 M i l l I o- n e n Mark auf. Die Giro-, Scheck- und Kontokorrenteinlagen stellten sich am 30 September auf 1150,5 Millionen Mark gegen 11843 Mtllwne» Mark«■ 2t Auguü. die Reichsbant am(pktoberfchluß. Diskonterhöhung oder nicht? Der Reichsbankpräsident hat in den Verhandlungen int Haus- Haltsausschuß des Reichstages gesagt, er habe mit der Erhöhung des Diskonts im Juni zulangegewortet Die letzte Diskonterhöhung im Oktober wurde sehr plötzlich verordnet. Es gibt viele, die eine weitere Diskonterhöhung erwarten. Voraussagen sind bei Herrn Dr. Schacht gefährlich. Immerhin hat für diese Frage der Ri-chsbankabschluß von Ende Oktober eine besondere Bedeutung. Rein zahlenmäßig war die Inanspruchnahme der Reichsbonk für den Oktoberullimo nicht auffallend st ort Für Wechsel und Lombarddarlehen wurden insgesamt nur 382 Millionen er- forderlich, gegenüber 628 Millionen Ende September, 611 Millionen Ende August und 602 Millionen Ende Juni. Die Wechsel- bestände stiegen um 367,6(gegen 510, 569 und 477) Millionen auf 2802,4 Millionen Mark. Die Lombard bestände wuchsen um 14,4(gegen 118, 42. 125) Millionen auf 46,0 Millionen Mark. Neben dieser Belastung der Hauptkreditkonten wurden auf dem Girokonto der Reichsbankkonten 223,8 Millionen abgezogen, so daß sich dieses Konto auf 608,1 Millionen ermäßigte. Cnbe Se».1928 Juni Juli Aug. Sept. Ott. 27 Noten und Schulden:(in Wiium-n SRarf) Banknotenumlauf.. 3 735 3SlS 3 928 3 935 4 1SZ 4 231 «Rentenbankscheine). 1 164 1 017 1 008 1 007 989 596 Giroeinlag. d. Wirtsch. 648 669 553 724 680 608 Kredit« an die Wirtschaft: Lombardkredite... 84 147 64 67 154 46 Wechselkredite... 1829 2 495 2 512 2 662 2 992 2 802 Notendeckung: durch Gold.... 1 881 1 803 1 80t 1 853 1 852 1 851 durch Devisen... 519 67 179 157 154 161 durch Gold u.Devij. zus. 2 350 1 870 1 980 2 010 2 006 2 012 DeckungSverhaltniS:(in urojenien) für Noten durch Gold und Devisen... 62.9 49,0 50,4 51.1 46,0 47,6 Dennoch sst der Umlauf an Zahlungsmitteln fast ebenso groß als Ende September, wo die Diskont- erhöbung notwendig wurde. Mit den um 598,8 auf 4230,6 Millionen erhöhten umlausenden Reichsbantnoten ist ein neuer Rekord erreicht, und nur der mit 896,3 Millionen gleichgebliebene Umlauf an Rcntenbankscheinen, der um 93 Millionen niedriger ist als Ende September, läßt den Aesamtzahlungsmittelumlauf etwas niedriger erscheinen. Die Erklärung für den hohen Geldumlauf ergibt sich aus folgender Tabelle, in der wir die Veränderungen auf den Hauptkreditkonten für die einzelnen Wochen der letzten fünf Monate zusammengestellt Hoden. Der Zahlungsmittelumlauf sst trotz der verhältnismäßig geringeren Inanspruchnahme zum Monatsschluß deshalb so hoch, weil die Entlastung der Reichsbonk in der z w e i t e n und dritten Oktoberwoche, verglichen mit derselben Zeit früherer Monate, sehr viel geringer war. >) DislouterhSyuag auf s Pro», ß DiskonterhShmiz auf 7 Proz. In den Beständen an Gold und deckungsfähigen Devisen(Zunahme um 0,39 auf 20123 Millionen) ist keine groß« Veränderung eingetreten. Devisen sind um 0,60 auf 1614 Millionen gestiegen, Goldbestände um 0,20 auf 1851,3 Millioneir gesunken. Die Notenüeckung durch Gold betrug 433 gegen Sl.O ssftoz., die durch Gold und Devisen zusammen 47,6 gegen 55,4 Proz. in der Vorwoche. Gegenüber früheren Monatsenoen ist das für die Notendeckung durch Gold und Devisen, wie die erste Tabelle zeigt, wieder ein Tiefpunkt. Was die Diskonterhöhung anbelangt, so wird die Reichsbank zum mindesten abwarten, wie die nächste Woche aus- fällt. Sehr wahrscheinlich scheint uns eine Diskonterhöhung nicht, wenn auch, wie wir gezeigt haben, das verhältnismäßig leichte Monatsende zur Würdigung iwr Verhältnisse nicht ausreicht Die unverkennbare Erleichterung am Geldmarkt, die neuen Zuflüsse von Auslandsanleihen dürften sich, wie im Status, so auch in der Politik der Reichsbant auswirken. Jedenfalls ist aus konjunkturellen Gründen gegenwärtig mehr Lorsicht als je für di« Reichsbank geboten, well ohnehin Saisongründe die Konjunktur im Augenblick etwas dämpfen. Gute Gesamtlage der Industrie im Oktober. Nach den Berichten der Preußischen Industrie- und Handelskammern war die Gesamtlage der Industrie und des Handels im Monat Ottober unverändert günstig. Hervorgehoben wird die Preissteigerung vieler Waren und di« erneut« Steigerung des Lebenshaltungsindex, was verstärkte Wünsche nach Lohnerhöhungen erkläre. Für den Ruhrbergbau wird für Ottober ein« leichte Besserung berichtet, die auch sür di« Förder- und Absotzosrhällnisse in Ober- und Niederschlesieit gilt. Für den Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau wird der Rückgang der Förderung durch die Streitwoche unterstrichen und die befriedigende Wiederaufnahme des Betriebes bei einer Be» schäftigung von 82 000 Angestellten und Arbeitern. Für die Kali- industrie wird ein aus 600 000 ge�en 1 186 290 Doppelzentner im September zurück gegangener Kaliabsatz geschätzt. Ursache sei die späte Ernte. Halbzeug, Stabetsen, Fonneisen, Grobblech und Feinblech hatten weiter günstiges Geschäft, Oberbaumaterial war wegen Zurückhaltung der Reichsbahn schlechter, Röhrenaufträge sind im allgemeinen besser geworden. Bei der Maschinenindustri«, ttn Waggonbau und in der Klein- industrie hielt die verhältnismäßig günstige Konjunktur an. Di« Lage der chemischen und der elektrotechnischen Industrie, auch die der Werften war ähnlich günstig wie im Seotember. Zu- genommen hat die Beschäftigung in der Klavierilcktustrie. Die ltuch- Industrie ist weiter voll beschäftigt, während in der Baumwollindustrie etwas Zurückhaltung herrschte. Pas eheinisch-wesksälische Sohleusyndikat teilt über seine am Mittwoch abgehaltene ordentlich« Generalversammlung folgendes mit: „Aus dem Aufsichtsrat scheiden auf ihren Wunsch die Herren Dr. Bögler, Dr. Fritz Thyssen und Dr. F a b re n h o r st aus. An ihre"Stelle treten die Herren Dr. Huber, Generaldirektor Dr. Knepper und Direktor Kauert Zum Vorsitzenden des Aussichtsrats wurde Generaldirektor Fickler, zu seinem Stellvertrete? Dr Huder gewählt." Der Rücktritt Voglers wird mit seiner Arbeitsüberlastung auf dem Gebiet der Essen- und Stahlindustrie begründet. Da» Rnklonaleinkommen der Vereiniglen Staaten. Das Sin- kommen der amerikanischer. Nation hat im letzten Jahr den bisher höchsten Stand erreicht. Di« Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die 117 Millionen zählt, erhielt an Löhnen fast 90 000 Millio- nen Dollar, wo» eine Erhöhung von 43 Prvz. gegenüber 1021 b- deutet � Nldch.•Hantel In g«t«f plnnnoh* Aic gn.liU» U'5 in Or.» 9 W#oHnnf»U t.00 Hadeh- Hantel reinw. Velours de laineni-ap. Knaben-Hantel liufl haltbar. FUioh- grätstoff., Qttoman- Hantel halb auf Dan«.-*, KSÄÄQS9 Oarnilur. 7 W Waahmrtl*«.M Ottoman. Hantel kalb aof Damaati.m.gr. �„f-ttCToo Tfaaiengarn. WaohMrila MO wörtlichen Billigkeit und unfern vorteilhaften lahluniibediniun&en In Raten ohnePrehaufschlaii sind wir die £inkaufsßäHe> Qroß'BerUns, Beachten Sie befonders die wefenflfch vergrößerten Abteilungen für Schuh waren, Teppiche,(jardinen, Weißwaren, ßaumoHwam, leib;ßelt- u. Tifchwä/che, WoH-uStrickwaren, Trikotagen u. 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Begierig, zu erfahren, welche Produkt« hinter den zahlreichen hoch aufstrebenden Fenstern der Gebäude hergestellt werden, sucht man lange vergeben» nach einem Firmenschilde, denn unauffällig nur ziert es das freundliche Bureauhaus. Doch schon bedarf es dieses Firmenschilde» nicht mehr. Der Verrat liegt in der Luft, die geschwängert ist von ausdringlichem Fuselgernch. Dur wider Willen atmet die Nase seine unange- nehme Säße. Schnap» die Entdeckung ist widerwärtig. Dann aber be- sinnt man sich. Wilthen—> Neutirch—? Ja, richtig! Man be- findet sich doch mitten im bekannten Oberlausitzer Schnapsgebiet-. Und jetzt erinnert man sich gar auch des Nomens der Firma. deren mächtiges Jndustrieterrain sich vor einem ausbreitet. Sie ist das größte Schnapsunternehmen der Gegend. Es ist nicht dos einzig». Immer wieder liest man an der Straß« der sich fast un- unterbrochen von Wilthen bi» Bischofswerda hinziehenden Dörfer das Firmenschild einer Brennerei oder Ltkörfabrik. Und wenn man die Brennereien nicht beachten wollte— auf einer Wanderung durch die zahlreichen kleinen Rittergutsdörser der Wendet würde man nur zu sehr an ihre Existenz erinnert! »> Ja, man wird an sie erinnert.— Es war fremdes Land und Volt, trotz der heimatlichen Nähe, da» ich auf meiner ersten Wanderung durch die Wendel entdeckte. In einem der typischen Herrschaftsdörfer, mit dem Rittergute als Kernstück und den in sich symbolischer Abhängigkeit um diese» gruppierenden Häuslerhütten, beschloß ich. meine Wanderung zu beenden. Da die kleine Dorfschänke auf Uebernachtung nicht ein- gerichtet war. mußt« ich im Gastzimmer auf dem schworzledernen Sofa nächtigen. Ich tat e» ohne Bedenken, ahnte ja nicht, wieviel Ekel diese Wartestunden in mir erregen würden. Noch saß ich allein in der Schentstub«, deren dürftige Einrich- tung au» einem bescheidenen Ausschank, einigen runden Tischen mit Stühlen und meinem Sofa bestand. Bald polterte es im Flure und gegen die Tür. Ein Tage- löhner trat ein. „Ein Bullchen!' Die Wirtin reichte ihm den Schnap». Hastig goß er ihn in seinen Schlund. „Noch ein»!" Auch diese, stürzte er in die Kehle. Dann ging der Mann. Es war noch früh am Abend. Allmählich aber kamen die Gaste und in einer Stund« hatte dys Neine Zimmer seinen Stamm! Arbeiter vom Hose und aus den Steinbrüchen. Vor jedem stand sein Bullchen mit dem wasferhellen Schnap». Man trank und spielte und trank und flucht». Eine Stunde und zwei und drei. Di« Schenke wurde übervoll. Und wieder schellte die Haustürglocke. Eine Frau kam. ver- langte ein Bullchen, nippte und schmatzte und trank hinab. Ein Kind trat ein, die jkornflasche in den Händen. Gefüllt trug es sie fort. In der Haustür stand es still und schluckte. Dann eilte e» zum Großvater. Die Nacht stieg herauf. Di« Uhr schlug zehn, dann elf, dann zwölf. An den Tischen dachte niemand an den Schluß. Eine halbe Stund« später nur kroch der Nachtwächter hervor. Schwer schwankte er nach dem Schanktische, um zu zahlen und noch ein Bullchen hinterzuspülen. Er lallte und fluchte, gegen die Spieler, gegen den Wirt und auf seinen Dienst. Endlich torkelte er in» Freie. Ein Uhr wurde es und.zwei Uhr. Der Lärm in dem vom Rauch fast undurchdringlich gewordenen Gastzimmer nahm zu. Die Trinker schimpften und wetterten, auf Deutsch und Wendisch. Ein Streit— ein Schlag—»ine Prügelei! Und dann wieder da, Spiel.— Drei Uhr!— Man bequemte sich zum Heimgange und begann abzurechnen. Dazwischen grölten widerliche Stimmen!„In der Heimat ist es schön...!' Ein Kauf- gefchäft entwickelte sich und kam— wieder unter Fluchen und Grölen!— zum Abschluß. Diese» mußte begossen werden, und die Bullchen standen nochmals gefüllt. Dann ober räumte der Wirt ob, schob die schweren Körper durch die Türe in den Flur und ins Freie, verriegelte das Haus und löschte das Licht. „So geht es fast jeden Abend und jede Nacht!' berichtete mir der Wirt, als ich mich mit verkatertem Kopfe am nächsten Morgen von ihm verabschiedete. Gewiß nicht In jedem Ort« ist da» Treiben so arg. In manchem modernen Lndustrieorte hat die Arbeiterbewegung und die Schule begonnen. Wandel zu schassen. Aber eben nur in manchen...» » Ueber vier Wochen saß ich in einem der Dörfer fest, in denen noch heut« der Schnaps fast unverminderte Hoheitsrechte ausübt. Vier Wochen ließ ich das kleine ärmliche Leben des Dorfes an mir vorüberfliehen, studierte ich feine Not. Nicht die Armut ist hier das trübe Kapitel, sondern die Schnap»- Verwüstung. In der Amtsstube der kleinen Dorfbürgermeisterei saß ich manchen Tag, blätterte in den vergilbten Akten de, Gemeinde- archivs und las die Geschichte eines Dorkirren, eines der vielen Schnap»opf»r der kaum zweihundert Köpfe zählenden Gemeinde. Sah ich dann einmal von den traurigstes Menschenschicksal erzählen- den Seiten aus und durch dos niedrige Fenster hinaus, so traf der Blick fast regelmäßig auf einen zwanzigjährigen weiblichen Kretin. der entweder frierend vorm Nachborhause kauert«, blöde mit einem Hunde spielte und die Vorübergehenden angaffte oder seinen üppigen Körper träge über den Rasen schob. Drinnen im Haus» wußte ich den Dater de» Krüppel», einen selbst in diesem Dorf« als„Säufer" berüchtigten Menschen. Nur Schritt« aus der Dorsstraß« hin wohnte ein durch den Trunk schwerhörig gewordener Arbeiter, der erst kürz- lich sein verblödetes Kind in die Irrenanstalt bringen mußte. Und wieder Schritte hin wohnte ein« Familie, u Itter deren zahlreichen Kindern kaum«ine» war, da» wenigstens gesund scheinen konnte. Man frage einmal bei den Gemeindevorständen noch, wieviel Kosten der Gemeinde nur aus der Schnap»verseuchung erwachsen. Man senge die Herzte llber W« furchtbaren, alle Borstellungen über- treffenden gesundheitlichen Störungen in den Familien eines ein- zigen Dorfes. Man befrage sich auf den Gerichten, Fürsorgeämtern, Besserungsanstalten, wie unerhört groß in einer beschränkten Zeit- spanne die Zahl der Strassälligen, Verelendelen und Verwahrlosten in solch einem Dorfe ist. Man wird erschrecken! Kein Fest wird im Dorfe gefeiert, an dem nicht der Schnaps dos Hauptgetränk ist. Aber die bekannten hohen Feste stehen im Konsum an Schnaps noch weit hinter dem zurück, was zur Kirmes getrunken wird. Von September bis in die ersten Novembertoge hinein dauern die Kirmeswochen, innerhalb deren e» kaum einen Sonntag gibt, an dem nicht in einem der benachbarten Kirchdörfer geseiert wird. Getrunken wird auf diesen Festen, bis die Köps« der Bauern aus den Tisch niederfallen, die vollen satten Körper der Unterschied. Geist de» Lideralismus van 1848:»Gtnst war der gesamte Lideralismus für stuf Hebung der Todesstrafe." der Liderale von 1427:»das waren auch andere Zelten, heute fehlen dem Liderallsmus fowiefo die stopfe l' unter den Tisch oder in eine Ecke sinken. Di« Frauen können Nach- mittag und Abend am Tische versttzen und Glas aus Glas mit wenig Mühe leeren. Und die Kinder?— Sie sitzen unter den Großen, sehen diese trinken, trinken selbst mit. jetzt Bier, jetzt Schnaps, jetzt Bier mit Schnaps, bi» auch sie im Rausche umfallen, weinen, sich dumm in einem Winkel verkriechen. Ist«in« Kirme» so ganz im Rausche untergegangen— erst dann ist sie auch schön gewesen! * Aus einem bei Schirgiswalde gelegenen Orte führte man un- langst einen Mann vor Gericht, der seinem Stiefkinde einer Erb- schast wegen Schnap» in die Milch gab, um das Kind auf diesem .Wege unauffällig zu oergisten. Erstaun, hörte ich, wie nun die Bouernweiber entrüstet über da» Tun diese» Manne« sprachen. Keiner der Frauen wollt» e» einfallen, daß der Mann doch nur getan hatte, was sie alle schon taten und noch jeden Tag tun, wenn auch nicht bewußt, jondern au» Beschränktheit. Bei einer Taufe, so erzählte man niir, und so erlebte ich es auch, ist es üblich, statt nach vollzogener Weihehandlung nach Haufe zu fahren und der harrenden Mutter den Sprößling in die Arme zu legen. In das nächste Wirtshaue einzukehren, trotzdem die Schnapspulle schon im Kutschwagen kreiste. Schrei, das Kind, das die Hebamme, während sie mit den Gevattern wieder beim Schnaps sitzt, auf das Billard legt, dann träufelt die sorgende Frau ihrem Anvertrauten nicht selten ebenfalls Schnap» ein. Der erst, Rausch umfängt den Säugling, und er schläft ein. Mit den ersten Trapsen Schnap», Minuten os, nach dem Tauf- wasser empfangen, ist da» Kind unlöslich dem Fusel verbunden. Die Mutter, die selbst in den Tagen der Schwangerschast und in der Zeit de» Sttllen» sich nicht dem Schnaps entwöhnen tonn, reicht ihm ihre vergifteten Brüste. Ist das Kind größer geworden, so daß e» Ihrer nicht mehr bedors, dann fordert es mit den älteren Geschwistern am Tage des Feste», und wenn sonst immer getrunken wird, seinen Schnap». ..Snap». ich will Snaps ham!' Wie oft hört« ich es aus dem Munde der Kleinsten, die noch nicht das Wort sprechen konnten und doch schon ihr vermeintliches Recht auf den Fusel behaupteten. Das Ergebnis dieser Aufzucht ist der körperlich und seelisch verkrüppelt« Mensch. In der Großstadt schreit da, Kinderelend ost zum Himmel. Nicht» aber verhöhnt die Natur mehr, als so ein Kretin inmitten sruchtbarer Wiesen und Felder, in einer naturstarken blühenden Dorfwelt. �_ Gürtelrose— eine herbsttrankheit. „Kerne Rose ohne Dornen,"«in Wort, da» auch in der Medizin fem« Gültigkeit ha« Ahnungslos legt man sich des Abends zu Beit — und erwacht des Morgens mit einem settsamen Jucken und Brennen an der linken oder rechien Rumpfhälfte, stellt sich vor den Spiegel, wendet und dreht sich, und siehe da, ein leuchtend roter Bandstreisen, vielleicht hier und da unterbrochen, umzieht gürtel- förmig die schmerzend« Körperhälst«. Bon dieser flammenden, scharf begrenzten Röt«— wie wir sie auch bei der Gesichtsrose, übrigen« einer ganz anderen Erkrankung, beobachten,— und von dem vor- öettage des vorwärts zugsweise Befallensein gerode in der Gürtelgegend hat die Krank- heit. die besonders im Herbst und Frühjahr gehäuft auftritt, ihren Nomen— Gürtelrose. Wenn man nun genauer die Rötung betrachtet, dann erkennt man, daß in ihrem Bereich mehr oder weniger zahlreiche, etwa reiskorngroße Bläschen aufgeschossen find; anfangs mit einer hellen Flüssigkeit gefüllt, die sich jedoch oft allmählich trübt, eitrig wird, indes die Bläschen an. Größe zunehmen, bis sie platzen. Odet aber die Wäschen trocknen sehr schnell ein und heilen ab. Fast stets hinterlassen die Bläschen bräunliche Flecke, die im Laufe der Zeit allmählich verschwinden. Die ganzen sichtbaren Erscheinungen der Gürtelrose dauern im allgemeinen etwa ein bis zwei Wochen. Nur in seltenen und schweren Fällen wird der Blnscheninhalt blutig, es kommt zum Absterben kleiner Gewcbspartien, und es bleiben dauernde Narben zurück. Begleitet werden die 5iauterschc>nunzen von schmerzhasten Empfindungen, die sich zu ausgesprochenen heftigen Neuralgien steigern können. Gewöhnlich klingen auch die Nerven- schmerzen mit dem Rückgang der Hauterscheinungen ab. Aber«» gibt auch eine Reihe von Fällen bei denen die Neuralgie nach lang« Zeit nach dem Verschwinden der Bläschen und der Rötung anhält. Die E n t st e h u n g s u r s a ch e der Gürtelrose ist noch ungeklärt. Während man sa bei der Gesichtsrose, dem Erysipel, längst schon als Urheber Streptokokken, die Erreger der Blutvergiftung, gefunden hat. ist es bisher noch nicht einwandfrei gelungen, die Krankheitserreger bei der Gürtelrose festzustellen. Es steht lediglich fest, daß bei der Gürtelrose in dem Rückcnmarksabschnitt, von dem ans die Haut- nerven der erkrankten Hauptvariie ausgehen, Entziindungs- «rscheinungen austreten, auf die die Nervenschmerzen und die Haut- «rscheinungen zurückzuführen sind. Ob die Erreger der Gürtelrose mit denen der Windpocken— wie von mancher Seite behauptet wird — identisch sind, bedarf noch des einwandsrekn Nachweises. Im übrigen kann die Gürtelrose nicht nur als selbständige Krankheit, sondern auch als Begleiterscheinung von Infektionskrankheiten, ge- wisser Rückemnarksentzündungen, Arsen— Kohlenvxydoergiitungen usw. vorkommen. Wenn auch die Gürtelrose am häufigsten den Rumpf befällt, so vermag sie doch auch an allen möglichen anderen Körperstellen auszutreten— an den Gliedmaßen, im Gesicht, aus der Stirn, dem behaarten Kopfe, Nocken usw. Fast stets ist nur eine Körperhälfte betroffen— entsprechend dem seweiligen Nervenverlauf. Man kann wohl sagen, daß die Erkrankung im allgemeinen ohne nennenswerte bleibende Störungen verläuft. Puder und Salbenverbände. inner- lich schmerzstillende Mittel und vor allen Dingen Geduld bilden im allgemeinen die Behandlungswcise der Gürtelrose, die wohl ein paar Tage recht lästig fallen kann, aber für gewöhnlich dann bald sang- und klanglos zu verschwinden pflegt. Dr. E. Mosbacher. ver Rhythmus. Zlon dem SojIolBflen und Serualwrschce Havelock Sllis erscheint demnächst im Lrriag vo» Felix nlieincr in Leipz.g ein Werk llber L«den>.knnd«:„Der Tan» des Leben s". Darin werden die vielläiti««» Br»i'huno>n �mischen Leben und fiunst, Wiffenlchaft und Moral aueeinaiideriiclailet und»u einem iibct- stchtlichrn Sa man neu julammrngelllgi. Wir briiigcn im folgend.» »inen Adschnill aus dem Werl. Tanzen und Bauen find die beiden primären und eigentlichen Künste. Die Tanzkunst fleht am Ansang all jener Künste, die sich zuerst im menschlichen Einzelwesen verkörpern. Die Baukunst ist der Ansang all der Künste, die sich außerhalb des Einzelwesens ver» kSypern; und zuletzt oereiiien sich die beiden Reihen. Musik, Schiu- spielkunst, Dichtung bilden den einen mächtigen Strom; Skulptur� Malerei, alle zeichnerischen Künste den anderen. Es gibl keine primär« Kunst außerhalb dieser beiden Künste, denn ihr Ursprung' liegt weiter zurück als der Mensch selbst; und zuerst war der Tanz. Da» ist einer d«r Gründe, weshalb der Tanz, mögen auch vor-/ übergehende Modemeinungen ihn oerachten,«ine tiefe ewige An» ziehungskraft selbst' für Menschen hat, die seinem Einfluß am meisten entzogen scheinen. Der sröhlich« Tritt kindlicher Füße, das irr-. mische Spiel der Gedanken des Philosophen steigen und sollen nach dem gleiche» rhythmischen Gesetz. Wer der Tanzkunst gleichgültig gegenübersteht, hat nicht nur die höchste Auedrucksfarm physischen Lebens nicht begriffen, sondern ebensowenig dos höchste Symbol geistigen Lebens. Die Bedeutung des Tanzes im weiteren Sinn liegt also m der Tatsache, daß er«indringlich senen allgemeinen Rhythmus in im» wachruft, in dem sich nicht nur das Leben h«w«gt, sondern auch das Weltall wenn man die Summe aller uns erreichenden kosmischen Einflüsse noch so nennen darf. Wir brauchen aber nicht bis zu den Planeten oder bis zu den Sternen zu gehen und ihren Tänzen im Aether nachzuspüren. Eeyt an den Meeresstrand und schiut den Wellen zu, wie in beinahe regelmäßigen Zwischenräumen dieser säMinbar eintönig« Rhythmus in mehreren Takten Ichlägt, so daß' die Wellen wirtlich im Takte einer Melodie tanzen! Es ist gor nicht überraschend, daß Rhythmus, immer bestrebt, sich zur Melodie zu gliedern, in allen physischen und geistigen Erscheinungen des Lebens wiederkehrt. Tanz ist der primitive Ausdruck für Religion und Liebe zugleich— für Religion seit den frühesten uns bekannten Menschheitszeiten, und für Liebe schon in einer Zeit lang vor dem Austreten des Menschen. Die Tanzkunst ist überdies aufs engst« verflochten mit allen menschlichen Uelxrlieserungen von Krieg, Arbeit, Freude, Erziehung; mancher weifesle Philosoph, manch« älteste Kultur haben den Tanz als Dorbild betrachtet, nacfy dem da» sittliche Leben der Menschen gestaltet worden müsse. Wenn wir uns klar machßn wollen, was Tanz für die Menschheit bedeutet, wie eindringlich und vielseitig er Lebenssunktionen wachrust, so müssen wir den ganzen Ablauf de» menschlichen Lebens in seinen höchsten und m ein.'n tiefsten Augenblicken überschauen. vom Geruchssinn de« Menschen. Unser Geruchssinn ist im Vergleich zu dem vieler Tiere äußerst schwach ausgebildet. Dw hängt mit der geringen Ausbreitung des geruchsenipfindlichen Ge webes zusammen. Die Geruchscmvfindung wird in der Weise aus- gelöst, daß verdampsbare Stoffe zusammen mit der Atemluft in die Rose dringen: doch ist nicht die gesamte Rasenschleimhaut gcrnchs- empfindlich, sondern nur der oberste Teil, in dem sich die mit den Endigungen der Riechnerven verbundenen Riechzollen befinden. Diese Fläche an der oberen Nosemnusä�l und der gegenüberlieg- n< den Region der Nasenscheidewand, in der unser Geruchssinn lote Ii- siert ist, hat nur die Größe eines ö-Pfenmg-Stückes. Bei gewöhn- llcher Atmung kommen die Gase der Lust, die allein die Geruchs- empfindung hervorrufen können, gor nicht bis an diese SteUe. Man bringt daher die Atemlust an die Geruchsregson, indem man Luft- wirbel erzeugt. So kommt es. daß man sich beim„Schnüffeln" die Luft zufächelt. Die Empfindlichkeit der menschlichen Nase für einzeln« Gerüche ist sehr verschieden. Nach einer Mitteilung i'gn S. Hupfer in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" hat man iol- gende Schwellenwerte sestgestellt, die von unserer Nase noch«wo, sunden werden: Bei natürlichem Moschus 0,01 Milligramm in einem Liter Luft, bei Kampfer O.OS Milligramm, bei Aether eben- falls O.OS, bei künstlichem Moschus 0,001, bei Orangenesionz O.OOOO.V Gewisse Tiere können zweifellos nach sehr viel geringere Mgngtu «Ines Riechstoff«« empfinden, wie z. B. der Schmetterling, der oou' einem weit entfernten Weibchen durch den Geruch angelockt wird, oder der Hund, der eine Spur verfolgt. Die Geruchsgunliioirn sind bei den einzelnen Menschen durchaus nicht gleich: so fehlt manchen die Wahrnehniungssäbigkeit sür Bunillegeruch, anderen wieder für Veilchengeruch usw. Es gibt auch Menschen mit angeborener lln- empfindlichkeit sür Genichsreize; da, zu gehörten z. B. Lore"- di Medici und Savonarola. leipziger Sir./ Alexanderplatz Frankfurter Allee s Belle-AJilsnce- Str. Chausseestr. Spielwaren- Aussteilunsen in allen unseren Käusem sind eröffnet tem3cli-Leöeni;aRtp«.95pi. Sülzwurst......... Speckwurst...«»495« Jagdwurst..........»�I23 Heischwurst......«..4 12c Knoblauchwurst«4. 130 SCÜTÄpSCR. .Pfo»4 <5 Mettwurst«****.«. p* 1 30 Hildesheimer....pf»4 1 30 ff. Leberwarst«.«4 1 50 �lerwurst............«»-1" Wzt.ImMil.MlNl Pf4.170 Teewurst.............«w.- 170 HsiissctilnKen Ungaoibfltbe«orbahit!�« Varlaaf aawait torrat Cbat onO Baaitae aiad aon taraaa4 laagateiiloatea G-MVael U«d LVild OÄMItt triaoll gaaablaadl, Pt�.voa 1 ,9� an alanx« Ll»1t0» trkab»ea-bla-dtat.... 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SCHAUSPIELHAUS Ibiater des Westens 8 Uhr Gastspiel Frltzl Massary Eise Frau von Format Mctropele-TbeaL Tägl.S'/jUhr Paganini Opttria na Fnot ItUr. Idoisd Udi'flnnia, hirlta Sutk. luic ICnrbitita. falb Ftrh. Artluir Heil i-i. 'lÜBRdaiialspalaii Täglich 8 Uhr Die neue SALLES' SEITE 2 Sonntag Vors feil ung. 3 Uhru.8!/4Uhr Nadim. ditfasrs Vcr in Mlb. Prtit. yclcaa-liaileti m* B.CampSon /aMoH-Peukerti Haxlcampf, Wclclishalls>n.TI>eat«p Anfang 8 Uhr u. Senntag nachm. 3 Uhr Stettinsr Sänger Zum Schluß: Clae Hacbieil ia der MüllerstraBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. ObNhorf-BreHMi Variete, Konzert, Tanz Ibeater am Kottbnsser Tor Koitbasaer StraBe A. Täglich S U. u. Sonntagnehm. 3 U Elite- Sänger ) Im greBen f Nevemberprearatnm Volkspreise von SO Pf. bis 2�0 H. Soaatazuachm ittag: Cr«De FnmUlen Vers/eUovS Volkes Progr. Kl. Preise v. 40 Pf b. 1.78 M. Jeder einmal In Berlin mnH zum Circo« Schneider ziehn! Mar noch kurze Zcltl Prlnzennllee 54(T.Mlrt.4?21) Oeiielzter Wiaterboizbau. 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Abt. werden um ihr Erscheinen dringend gebeten. Wichtig« Tages- ordnung. Heule. Zreitog, 4. November: IZ». Abt. Tegel, veffentliche Dollsversammlung um 2» Uhr im Strandschlotz. Thema:.Di« Wirtschaftspolitik untrr der Ditrgerdlock» regierung." Neferent Erich Kuttner, R. h. L. freund«,.Borwitrts". let und Enmpatdifierende find eingeladen. und ibenossen mltsien unbedingt erscheinen. liche Genossinnen TRotged, Sonnabend. 5. November: 4.«bt. l« Uhr bei Brandis, Etralauer Str. l0, wichtige Funktioniirfitzun«. 5. Abt. I« Uhr bei Engel, Bartelftr. 7. Funktionarsitzung. All« interessierten Genossinnen und Genossen find eingelade». tz. Abt. Ab so Uhr fflugblfittcr und Adressen abholen von Dobrohlaw, Sminemllnder Str. II. ». Abt. Alle Genossinnen und Genosse» treffen fich zur Werbedemoustration 17 Vb Uhr bei Hübncr, Bilsnaiter Str. 24. Transparente und Fahnen find dort mitzubringen. �.... 15.«bt. Ab 17 Uhr bei Vbigl», Stralsnnder Str. 11, wichtig« Flugblatt. Verbreitung. S» ist Pflicht aller Genossen, fich hieran zu beteiligen. 14. Abt. Ab H Uhr Ausgabe b« Werbematerials bri Artiger. Hussiten. AM?* Ab l?Uh�h?l'cn d'ie�Dezirksfllhrer die Flugbllitter tum Schrepel ah. Ab 17 Uhr Flugblattverbrettung von ben bekannten Lokalen au». AU« Genossinnen und Scnossen haben fich an der Fiugblattvrrbreitnng zu beteiligen. � SZ.»bt. Don 17 bis 18 Uhr Flugblottverbreitunq für bl« Werbewoch«. Flug. blStter liegen in den Zohlabenblvkalcn bereit. Es ist Pflicht aller Mit- giieber, restlos zu erscheinen. 24. Abt. Ab 17 Uhr Flugblattverbrritung von folgenden Lokolrn au»! 1. Gruppe: Zidsner, Zminan.«lkirchftr. 25. Gruppe 1»: Schmidt, Marien. burger Str. 4«. 2. Gruppe: Winzer. Cbrii'durger Eck« Wtnzssross«. 8. Gruppe: Köhler, Greisowalder Str. 80b lSchweizerhSuschen). Die Abteilung erwartet von sömtiichen Mitgliedern, dafi fich diesmal niemand der Verpflichtung, tatkräftig mitzuhelfen, entzieht. 81.«bt Ad 17 Uhr Flugblattverdreitung bei Goldschmidt, Stolpisch« Str. 88. Erscheinen unbedingt»rsorderlich. 8». Abt. Ab I? Uhr Fiuadlaltverbrcitun, von folgenden Lokalen au«! Hofs. mann, Etralauer Alle- 17: S-rt-lla, H-henI-hestr.»l Kienitz. Simon- Dach-Str. 24. 84. Abt. Die«ezirksftthrer wrrden dringend gebeten, die ousgegebchben Haus- listen bis spätesten» Sonnabend beim G-n»ss-n Willi Fräntzel. Kbpernlku». straß« 88, abzuliefern.__ 88 Abt. Wetdemattrial ist nachmittags m>m Genossen Lucht, Lindenstr. Z, abzuholen.—«oniog, 7. November, Mitgliederversammlung. Sieh- An- zeige am Sonntag. 42. Abt. Di« Genossen treffen fich zum Werbeumzug 17 Uhr bei Stersbvrfs, Urbanstr. 8. 88. Abt. Treffpunkt zum»erdruinzug ltzti Uhr Fontanepromenade. 1754 Uhr Werbeumzug Fvntanepromenod«. Wir«rivarten destiunBie» t«DÄ~"" 47.«»t Erscheinen ller Gcnos>inn-n und Genossen. 88. Abt. Hol»Bs-e. 20 Uhr bei Sandmann,»estsälisch««tr. 42, Fahlab»Bd. Vortrag:..Di« Kulturaufgaben der Partei'. Zieferent Beuna Theek. Empfangnahme des Werbematerials. 84.»bt. Lankwitz. Ist Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilbeim-Sir. 29/31, Flugblatt. und Werbemoteriolausgab«. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder wird erwartet ilbel piin ib« werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. M„ m. Abt. Neukölln. Die»ezirksffihrer Kaien Flugblätter von Ii bt, 17 wir 184. Abt. Ät��»»»>�»«���itzdwtt«rbrei«un- am Sonnnabe�b(nicht am Sonntag) ab 17 Uhr bei Thiele, Berliner Straße. �.-... 188. Abt. Zohannistbal Von t7 bis 18 Uhr Flugblattverbreitung bei»»bin. Roonstr. 2.. m. Abt.«ipenick Ab 18 Uhr Flngblottausgabe. Dommvorfiadt: Schulz, Itahnhoftlr. 84: Ali. Und Kietzvorftadt sowie Köllnilch« Vorstadt: Schlotz. strotz» Z7 I. Erscheinen sänltlichei Mitglieder ist Pflicht. »bd.cnderg. 418. Abt San-melvunlt fämtlicher Mitglieder 17>44lhr»ar dem Lokal Mvrr. Neue Baduhoistr. Z8. zur BetetNgung am Werbeumzoa.— 117. Abt. Zur Demonstration tresfen fich die Genossen 175, Ubr pünktlich bei Krllger, Tllrrschmidt. Eck- Kantsiratzc.— 11». Abt. All« Genossinnen und Genossen beteiligen fich am Werbeumzug. Sammelpunkt: Sonntag. G«n8». an der Fuaendbllhn«, 17 Uhr. PstnnLches Erscheinen dringend 8».»bt. Zewpelhof. 3. und 4.»«,ir». Von 18 bis 19 Uhr Flugblattousaa' in der.Finde", Werder. Ecke Friedrich-Karl-Stratze. Die Gruppenftl.hr «rsorderlich. 12«. Abt. Friebrichsselde. 19 Uhr in Wiehes Festsälen sfrtihrr Haber- land). Wilhelms, r. 88, 8«. etistvngssest. Konzert. Humor, Satire, Tanz und Ueberraschungcn. Die Mitglieder find mit ihren Angehörigen. Freunden und Bekannten herzlich eingeladen. Da» Fest ist so arrangier«, datz allen Teilnehme»» ein angenehmer und genutzreicher Abend zu. ««I allen Z-ilnehmew» her» werden kann. 124. Abt. M»hl»b»rf. 20 Uhr Flugblattoerbreiwng»on den dekanniiten NN. mtaimaUiMhm. Flugbl-ttei-nd Werbe�teeial �nabend nnbedingt abholen von Rißmann, Mühlenstraß-, durch die Be�sführer. U».«ttl Karo«. Die Flugblätter müssen nachmittags und Sonntags d,» 10 ufft abgeholt werden von fllix, Panlgrafenstr.?. 97. Abt.«enliln. Auf das am Sonntag.«. Nooemb-r.in�.r« G-s-fi. schaftsbau, in Britz. Ehousseestr.»7, ftattiindend« Herbstvergn»««, w-rden die«enoffinnrn und Genossen hiermit b�on�r» aufmerls-m g»m°cht und gebeten, sich recht zahlreich daran zu beteiligen«art.n find be, den Funltionärrn erhältlich. Vezlrk»au»schuh für«rbetterwohlfahrt und Kinde Schutz: tz.»rei, Fried richshoia. Di« Genossinnen können am Sannabend, 8. B». vember. von 17 bis 1V Uhr bei Rostn, Gubener Str 10. d»e Los« in 7. KÄs��haewttenbneg. Freitag, 4. November. 1854 Uhr im Nathau». Zimmer 178». Altenbesprechung. Zungsozialisten, heute, Zreitog,. 4. November: Grnpp»«»den. 20 Uhr in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 8. Bortrag:..Gustav Stresemann, neudeut scher Imvcrlallsmus und ioz,amtts« bisher nicht Parteimitglieder find, delnchen heut«, Freitag. 4. Novembee, 19 Uhr, den Vertrag de»»«Nossen Käastler 1« Prrntzifchrn Landtag, Prinz. Aldrrcht. Dtrahe,«aal 12. Montag, 7. U-rembee. pguitiich 1« Uhr, .._____.._______ z-Neal-Symnafinw», Mittenwalder Der. 84. Genoss« Dr. Th. Da» lpricht Lber:.1« Zahee SowjrtrrpnbNI—»in« Achtung, Kassierer! W, Freitag, 17—19 Uhr. Abrechnung, Ausgabe der ____»_______#48L„______., Rovember.�uaend voran!' und der„Arbeiter. Jugend. Achtung, Vsrfitzendel Reicht die Dezember-Propramme ein. Dir Nevslutienesrierlartrn mllssrn heule unbedingt abgeholt werden. Abteilungssmitgtieberversammlungen heute Uhr: Moabit I: Schule Walbenserstr. ZV.— Baltenplatz, Seim Tilfiter Str. . �.... �(ggjittftf ci— Warschauer i Soge").—»ottbiiss-r Tor: Heim! — Stralener viertel: Viertel: Heim Litauer Britz: Rathaus, Chaufieestr. 48.— Köpenick: Heim Grünauer Str. 5.— Bau«. ichnlenweg: Heim Ernstfir. I«— Zvhanuisthal: Rathaus.— Nirbrrichine. wridr: Schul« Berliner Str. Zt.— Tegel: Heim Bahnhofssr. lZ.— Riebrr. schönhanfen: Schule Blantenburger Str. 70. »»abit II: Leim Lehrler Slr. lbilS.„Unsere Bibliothek."— Rordoften: iger Str.«2..Di« Bedeutung der Gewerkschaften.'— Ztasenthalcr im ZehdlUlcker Str. 25. �tugcndbcweguna recht, und links von iefelber-vteetel: Heim Donziger Str 23. Wcrbefeier mit besonderem Programm.— Srltzensrr: Heim Portstr. 38. Parlriwerbekundgebung in Wörth«, Platz: Werbefeier und Gründungsfeier, schulaula Heim Donziger Vorfiabt: Hein uns.'— Den« der Gtod gramm »halle. Danziger Str. 23.— Zentrum: Heim Landsberger Str. 58.»Neuzeltlid,« Aus- beutungsmethoben.'— Petrrsbnrger Viertel: Arbeitsgemeinschaft bei der Gen. Werbrbezirk Tchonedeeg: Werdefeier in her Schulaula Feurigftr. 57. Parteigenossen und Eltern finb herzlich willkommen. Gruppenveranstaltungen fallen au». Beginn 20 Uhr. Nach der Feier Vorbesprechung wegen de« Gnmnastik. kursus, der am 15. beginnt. Werbedezirk Westen: Schulungskursus im Heim Rvfinenstr. 4 in Eharlatten. bürg. Thema:.Dl» Aufgaben her Organisation und die Arbeit der Funk- tionäre." Werbebrzirk Nrnköllu: Wandrrleitersttzung im Heim Rogatstr. 53. Bringt Virschläge zur W..B..Tr«ffahrt mit. Vorträge, vereine und Versammlungen� #Nrilbsdauner.Sthroati-Uol-kSoIb" Geschäftsstelle! Berlin€ 14, E-bastianstr. 37 38, Hof 2 Tr. Gsnnsrstanb: Di« Sanitätszugführer und deren Stellvertreter ver. sammeln sich«»., d. 5.. 13 Uhr, im Gaubureau, Sebafiianstr. 37/38, zu wichtiger Besprechuna.— Beraan: Bis So., d. 5.. rechnen die Gruppen. mhrer mit dem Hauptlassierer ab.— Freitag, 4. November. Hermsdorf(Ro- nieradlchaft)! 20 Uhr Kamrradschaftsnersammlung im Restaurant Okrint, .Scharf« Ecke", Eck« Berliner und Bahnhofstraße. Vortrag Kamerad Rowack: «Da» Reichsbanner und die kommenden Wahlen."— Sonnabend. 5. November. liergrrt»»: Abt. Moabii: Antreten l iv, Uhr Kleiner Tiergarten zum Schutz des SPD.-Znges. Reutölln-Vritz: 4. Kauieradlchafl ISIH Uhr republikanische —'—-''.nt'~ Linbcnpart. Britz, Ehausseefir. 18. Antreten in Bunde». inen aller aktiven und passiven Kameraben ist erwünscht. :g»ebst Untergruppen: Antreten lifo Uhr in der Sonnlagstraße, a» der Städtischen Iugendbühne, zum Schutze de» SPD..Zuge». Sportplatz Fried- richsielde: Achtunal Sämtliche gm Sportplatz beteiligten Gesamtvorstande svwie Auffichtsperfonen treffen fich 20 Uhr im Vereinshcim auf dem Sport- pwtz. Rssenthal: 39 tig- Tagesardnung. bri Schvp«. Grünauer Straße. Gruppe« 20 Uhr Monatsoersammlung im Reftanrant Lindrnbos in Fichtenau.-- Sonn- tag, g. November. Krrnzbcrg: Arbeitsdienst In Neukölln fällt aus. Spertplatz Frirdrichsfelde: Die geregelten Ucdungen beginnen am Sonniag, d. dss auf leiduna. Lichtrnoeei ... ihok in FichN ___________ Kernzbeeg: Arbejtsdienst in Neukölln fällt«.._____ Frirdrichsfelde: Di« geregelten Ucdungen beginnen am Sonniag, d. 8., b's auf weiteres irden Sonntag wie fvigt;*3-10 Uhr Lichtenberg, 12—13 Uhr Mitte, 13-14 Uhr Treptow. 14—15 Uhr Prenzlauer Berg, 15—18 Uhr Friedrichshain. Diese Notiz rrldieint nur einmal, deshalb ausschneiden und aufbewahren.— Winterspsri-Abt.! Do., d. 10.. 20'i Uhr, Monatsverlammlung mit Lichtbilder. Vortrag von Prof. Thiem im Wiener Saal des Drcherbräu. Friedeichftr. 78. �' Gäste willkomigen.— Tiergar m~ Eintritt ...... M. frei. Gäste willkommen— Tiergarten! Sonntag, d. 8., Kamerad- schalten Westen I und II 8)4 Uhr bei Rücker«, SteinMetzstr. 38. antreten.— Prcnzlonee Berg: So., d. 5., 20 Uhr, sämtliche Funktionäre Sitzung im Vereinsheim Sporiplatj Friedrichsleld».— Reuköllu.Britz: So., d. S.. erst« Kameradfchast dritter Zug: Trrsfen der Kameraden mit Damen und Ang«. hörigen im Lokal von Raigeber. Kaiscr.Frirdrich.Str. 212.— Köpenick: Jeden Freitag 18—21 Uhr übt der Schutzsport sEportabtriluna) in der Turnhalle der 1. Gemeindeschuie. Müggelheimer Straße. Fr. t. 4., Betzinn der Ausbildung in Itn-Iitsu. der Bär? f.!®. t""'-"'.J Lk■"* ..., � 4 v/.\� t cji * Vh. i*• v i« i iV�/ �' �LMswVM jj'�i x v»rrr>ation; wAuskunftst fr lf rTTSH Mmjj MM r t Mi . JiWlW mmmim & Berlin hat ein in der Erpicht ung seiner Auskunfissfelle geschaffen. Hier an maßgebender SielJe wird ölles Sehenswerte und Genuß- würdige nachgewiesen, sicherlich auch: JtosettiJtoaio Berlins meist gerauebie 4s> Cigaretfe BERLIN. N.�. NUP. CHAU/ZEE�rRA/TE 2.9-30 Metallarligiier-VsfDaiiii Den anitglUbtth üut Nachricht, daß unser Kollege,»er Arbeiter Neinrick Erratfr am 1. November gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Einiischerung findet am Sonn- abend, deni b. November, 15'/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Ktefhoizstraßr. statt Rege Beteihgiing erwartet Sic Orts Verwaltung. WMWWM-WÄ MeAiülel.Wln.Wmliin. Sorntaa, den lZ. November! Gemein- lomer Besuch der werkstoftschau am Kaiscrdamm. Eintriltslarten b 1 M. können täglich, außer Sonnabends bis abends 7 Uhr im Zimmer i in Empfang genommen werden Sonnabend ist die Ausgabe nur bis t Uhr. _ Cic Ortsoerwaltung. AKes lüttlZllIllW SÄillf- Helle- Sellen smilttlen Bleme Ttttolllsev Stiampfen billigst, ragespr. Geörflfler Pllonme, Berlin MW, Ffleiifidistr.2S5 Ecke Ziromerstr �•ainff�richtHadJc: %X 9 �ZSIiöhren WWWWD�W Sprechapparate von 1.50 M. wöchentlich SHERLOGK- GESELLSCHAFT m.b.H., BERLIN Frisch geschiacht. jun-e, prachtrolle (Sänse 1.10 einzig i.Geschmack 1 bis 16 Pfd. schwer, Wegner. Berlin SO Mariannenstraße 34 Im Gänsekeller. gesundei» Schlaf und damit eine Kräftigung de» ganzen Nervensystems erzielen Eue nur durch den echten ,Baldravln' Patentamtl.gesch. unter Nr.3426SI. Er enthält sämtl. Extraktivstoffe d. Baldrian- Wurzel in kräftigen Südwein gelöst. Alle Nachahmungen, die als ebensogut angeboten werden, weise man entschied, zurück. 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