Abendausgabe 3ir. 529_. B262" �'g-ng Söchen'Iich 7» Lfemiig.»»»-'.liib 1/— Reichsmari, voraus joBttor. Unter Streifband Im Zn»»nb Ausland 8,50 Rcichsmari pro Monat. * Der»Vorwärts" mit der iUustrier» ten Sonntagsbeilage»Volk und Zeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Bissen".»Au- der ffilmwelt". .Frauenstimme".»Ter«illder» srenno".»Jugend- Vorwärts". Blick in die Bücherwelt" und»ftultu r- arbeit" erscheint woweutäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Dienstag 8. November 192? IV Pfennig Vevliner VoWSbta« Di» e> n i p a l t i g e Ronpareillezeile 8) Pfennig. Reilameze.Ie b— Reichs» mark„itletne Anzeigen" das leitge- druckte Wort 25 Pfennig(zu äilig zwo. fr ltgedru ckte Wart«) jedes weitere Wort 12 Psennia. Stellengesuche das eckte Wort ld Psenntg. jedes weiter» Won l0 Pfennig. Warle über 15 Buchstaden zäbien tllr zwei Worte. Bebeilsmarki Zeile OOPsennig.{" AbonnentenZe.i g. Famtlienanzctgen iilr iletOPiennig Anzeigen- annahm« im Sauptgeschäst Linden- sldaßr 8. wochentägl von 8>,. bis 17 Uhr Jentsalovsan der Sozialdemokratischen Vaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 F r sprecher: Dönhoff 232—237. Tclegrarmn-Adr.: Sozialdemokrat B rlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschecklonto.- Berlin I7S8S.— Bankkonto: Bank der Arbeit.'r. Angeslelllcn und Beamten Wallstr. SS. Diskonto- Kesellschast, Depositenkaffe Lindanstr. 8 Angst vor der Werbewoche. Deutschnationale Beklemmungen. Die Werbewoche ist im Gange, und die Deutschnationalen werden nervös. Sie wissen: diese Werbewoche ist die Bor- bereitung der Niederlage des Bürgerblocks bei den kommen» den Wahlen. Der Deutschnationale Pressedienst unternimmt den ver- geblichen Versuch, die sozialdemokratischen Anklagen gegen den Bürgerblock zu entkräften: „Wovon fabelt der �vorwärts"? Von Schweineeinfuhr und Kartoffelzoll, von Not, Teuerung und Unter- drückung der Arbeiterschaft. Was ist daran Wahres? Nichts!" Es ist also nicht wahr, daß die Lebensmittelpreise durch die Zollpolitik der Deutschnationalen gestiegen sind? Es ist picht wahr, daß sich die Großagrarier auf Kosten des Volkes bereichern? Es ist nicht wahr, daß die Arbeiterschaft Not leidet? Die deutschnationalen Herrschaften haben völlig vergessen. daß eben erst der mitteldeutsche Braunkohlenstreik gezeigt hat, wie unwürdig niedrig die Braunkohlenarbeiter bezahlt wer- den. Was wissen sie von Teuerung und Not der Arbeiter- ichaft! So wenig, daß sie der Anklage gegen den Zoll- wucherdes Bürgerblocks folgende Notiz eines kleinen Sensationsblattes entgegenstellen: „Nach den amtlichen Zahlen sind in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres vom Ausland für rund 54 Millionen Mark Welnecingesührt worden, während Deutschland nur für rund 7 Millionen Mark Weine ausgesührt hat. Da die Einsuhr französischer Weine durch das lautende HandelsprvvifoniiM nicht zu umgehen ist. so ist vom Großhandel zu verlanzei». daß �wenigstens die.. spanischen und italicni- s ch e n W e i n e nicht so stark wie bisher«ingeführt werden und daß im Einzelhandel mehr deutsche Weine geführt werden." Zur Verteidigung des Wuchers mit Schweine» f l e i s ch z o l l und Kartoffelzoll verkriechen sich die Deutschnationalen htuier französische, italienische und spanische Weine und hinter die Weinpreise! Das sind ihre Sorgen und ihre Argumente! Der deutsche Arbeiter soll seine Lebenshaltung eiust!'ränken. soll höhere Lebensmittelpreise zahlen— weil sonst französische, italienische und spanische Weine eingeführt werden. Amerika empfiehlt Sparsamkeit. Der Kinanzminister in Washington gegen kommunale Auslandsanleihen. Wafhlnglon. 8. November. Schahsekrelär Mellon erklärt der Presie über das Memorandum des Reparatioasagenlcn: Das Memorandum spricht für sich selbst. Die Kritik Parker Gilberls ist in erster Linie gegen staatliche und kommunale Anleihen zu unproduktiven Zwecken gerichtet. E, liegt in veuifchlands eigenstem Interesse, so spar- fam wie möglich zu wirtschasten, damit es sich gegen den Dorwurf schuhen kann, nicht alle erforderlichen und möglichen Anstrengungen zur Erfüllung seiner Verpflichtungen gemacht zu haben. Verpflichtung auch durchaus anerkenne, wie das sachliche Ein- gehen der deutschen Antwort aus Gilberts Ermahnungen zeige. Es fei erfreulich, daß die deutsche Regierung Gilberts Hinweis? nicht schroff oder empört zurückweise, sondern ihre Bereitwillig- teil zur Ermöglichung des Transfers erneut betone. Dies sei ein Erfolg, mit dem alle zufrieden sein könnten. Köhler und Parker Gilber?. Umfangreiche und sachliche Presseerörterungen. Mashinglon. 8. November. Das Memorandum Gilberts und die Antwort der deutschen Re- gierung beschäftigen, die. Prcsie in ausgedehntem Maße. Sämtlich? l Aeußerunyen billigen den Schritt Gilberts und erklären seine , Warnung an Deutschland fiir berechtigt und zeitgemäß. Das �Journal of Commerce" führt aus: In hiesigen Finanz- . kreisen erblicke man In der ständ'gen Erörterung der deutschen Schwierigkeiten die Gefahr einer Krise, die entweder zur Wiederaufrollung des Dawesplanes oder zur Unterbindung weiterer deutscher Anleihen in Amerika führen könne. Eilbert beweise, daß er auf der Einhaltung des gegenwärtigen Dawesplanes besteh«: dadurch sei die Hoffnung mancher s reinten Länder auf eine Revision ihrer amerikanischen Schulden im Zu- jommenhang mit einer Dowes-Renision enttäuscht. »New Kork Time«" stellt fest, daß Deutschland Reparationen zahlen müsse, weit es den Krieg verloren habe, und daß es diese Das Reichssinanzministerium erklärt, daß ihm noch nichts von der Unzufriedenheit Parker Gilberts über die Antwort Köhlers bekannt geworden sei. Im übrigen sei längst bekanntgegeben, daß der Schriftwechsel als Unterlage für die Fortführung weiterer Ver- Handlungen zwischen dem Reparationsagenten und dem Reichsfinanz- mimsicr dienen soll. Darum sei auch die Ankündigung, daß der Reparationsagent feine Gegenmeinung dem Reichsfinanzminister mündlich zur Kenntnis bringen wolle, weder neu noch überraschend. Das Reichsfinanzministerium scheint zu meinen, daß der Repa- rationsagent deshalb mit dem Memorandum schon zufrieden sein müsse, weil ihm die Meinung Parker Gilberts noch nicht notifiziert worden ist. Aber man kann die offizielle Antwort des Agenten ja wirklich abwarten. Die Börse wieder ruhiger. Den gestrigen starken Kursrückgängen ist eine Erhöhung ßcfalgt. Aus der Provinz wird gekouft, Banken hoben des hall» kein« Intervention beschlosien. Auch der Bacsenvorstand holt keine besonderen Maßnahmen für erforderlich. ./ DerKampfum die Handelsverbote. Katastrophale Verständnislosigkeit für die Nöte des Ar- beiterdaseins? Nein, in dieser„Verteidigung" tritt die arro- gante Leichtfertigkeit der Deutschnationalen zutage, mit der sie über das Schicksal der Arbeiter hinweggehen. Die Folgen dieser Haltung aber fürchten die Deutsch- nationalen. Sie fürchten die Abrechnung, sie sehen mit Be- sorgnis auf unsere Werbewoche. Deshalb erst recht: Werbt für die Sozialdemokratie! Gemeindewahten in Mecklenburg. Auch hier Bormorsch der Sozialdemokraten. Rostock, 8. November.(Eigenbericht.) Am'Sonntag haben, wie lchan kurz erwähnt, in Alecklenburg- Schwerin und S t r e li tz die diesjährigen Wahlen zur Neu- bildung der Stadtparlament« begonnen. Gewählt wurde zunächst unter anderem in Waren, Eriviß, Neubrandenburg und. Friedland. Auch hier zeigen dl« Ergebnisse, mit Ausnahm? von Crivitz, überall «ine Steigerung der für die Sozialdemokratie abgegebenen Stimmen. Der Vertrag gegen die Ein- und Ausfuhrverbote von-15(Staaten unterzeichnet. Eine große Zahl von Vorbehalten. Senf. S. November.(Eigenbericht.) Die Slaaleukonferenz für die Abschaffung der Ein- und Aus- fuhroerbvte und Beschränkungen»ahm gestern die drille Lesung Ihre, Werkes vor. Sie nahm an der Konvention und dem Schluß- Protokoll nur kleinere redaktionelle Aenderungen vor. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Neubrandenburg haben die Sozialdemokraten 2006 Stimmen erhalten(1430), KPD. 401(530), Bürgerlichen zusammen 3939(4122). Zriedland- Sozialdemokratie 1427(1314), KPD. 302(401). .Hausbesttzer 214, Kaufleute und Ackerbürger 577, Beam'en usw ZSS. Es erhielten Sitze: Sozialdemokraten 8(S), KPD. 1(2). Kaufleute. Handwerker, Landwirt« 7(6), Rentner, Kriegsbeschädigte 2(3), Hausbesitzer 1(1). Waren: Sostaldemakraken S44(800), KPD. 522(18). Un- politische Liste ISS(287), Mieterliste 443(—), Beamte 35S(540), Dirtschaftslist« 1338(983)._ Zu einer längeren Debatte führten zwei amerikanische Streichungsanträge, die stch richteten gegen die Empfehlung an den Bölkerbundsrat, die Aufstellung von Richilinien für gesundheits- polizeiliche Einfuhrverbote für Tier« und Pflanzen prüfen zu lasten, und gegen die Schlußbestimmung, daß die Aushebung der Ein- und Aussuhrverbote und Beschränkungen keine übertriebenen Zölle zur Folge haben dürfe. In der Abstimmung wurden beide Anträge mit 12 und 11 gegen se 2 Stimmen bei 13 und 14 Eni- Haltungen abgelehnt. Neben England und Japan hat sich beide Male auch Deutschland enkhallen. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche Staaten zur sofortigen Unterzeichnung der Konvention bereit seien, antworteten 15 Dele- | gationen mit.Ja": Aegypten. Deutschland. De st erreich. Belgien Bulgarien, Dänemark. Finnland, Frankreich. Großbritannien(für sich und Nordirland), Italsen, Luxemburg, Slam, die Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Noch rm Laus« des heutigen Tages hoffen die Nachricht zur Unterzeichnung der Konvention zu erhalten: Südslawien, Rumänien und Japan. Don einigen anderen Staaten steht eine baldige Unter- Zeichnung in sichere Aussicht, so von Holland und Schweden. Einige Delegationen, darunter die polnisch«, erklärten, die weitere Auf- rechierhaltung der deutschen Kohlen- Aus- und Einfuhrverbote machten ihnen die sofortige Unterzeichnung der Konvention, wie es zu Beginn der Konferenz ihr« Absicht gewesen wäre, unmöglich. Die Schlußsitzung der Konserenz findet heute nochmitiag statt. Vorbehalt« haben angemeldet für vorübergehende Der- böte: Dcutschlond K o h l e n e i n f u h r und Schrott- ausfuhr: Tschechoslowakei Kohleneinfuhr und Schrottausfuhr: Oesterreich, Rumänien, Belgien, Frankreich, Ungarn, Italien und Luxemburg Schrottausfuhr' England und Japan Farbeneinsuhr: Rumänien gebrauchte Moschinen. Unbegrenzte, aber für die anderen Staaten angeblich un- bedeutende Vorbehalte melden an: Italien Eisenerz und Ge- treibe: Rumänien Eisenerz, Kupfererz, Mangan und rohes Petra- leum: Amerika Heliumgas: Aegypten Dünger, Eier und Vieh. Frankreich benützte die Gelegenheit, inn auf das Kohleneinfuhr- verbot zu verzichten. Gebührensreiheit bei Feuerbestattung. Beschluß des Ziechtsausschusseö des Landtags. Der R« ch t s a a s s ch ii ß d?s Landtags beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit der Derwaltungsgebühren- Ordnung. Di« Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion be- nutzten die Gelegenheit, um«ine Ungerechtigkeit der Feuer- b e st a t t u n g gegenüber zu beseitigen. Sie stellten den Antrag, dos Staatsministermm zu ersuchen, di� setzt regelmäßig zu zahlenden staatlichen Gebühren für Feuerbestattung aufzuheben. Der Ausschuß folgte der eingehenden Begründung des Antrags durch die Genossen Brückner und Gehrmann-Harburg und nahm ihn mit großer Mehrheit an. Auffallend war e«, daß die Der- treterder KPD. sich an der Debatte, wie so oft, auch hier nicht beteiligten. Warum werben wir? Der Aufstieg der Arbeiterklasse— das Glück deiner Fainilie— die Zukunft deiner Kinder werden heute nur zum kleinen Teil im persönlichen Lebens- kämpfe entschieden. Am Zeitalter gewaltiger Organisationen kannst du sie nur in Gemeinschaft mit deines» gleichen erkämpfe». Deshalb reiche dem Nachbar die Hände! Deshalb gliedere dich ein ins gemeinsame Heer! Deshalb wirb für deine Partei! Paul Löbe. Die Widerstände der praxi«!. Wie schwer Theorie und Praxis im Loben der Ddlker mit- einander zu vereinigen sind, hat wieder einmal die heute zu End« gehende Staatenkonfercnz gegen die Aus- und Einfuhrverbote ge- zeigt. Die Weltwirtschaftskonferenz hatte ihre B e- feitigung nachdrücklich empfohlen. Di« daraufhin am 17. Okio- der begonnene Konferenz hat nur ein mageres Ergebnis gehabt. Ihr einziger Ertrag ist der Entwurf und die teilweise Unter Zeichnung«Ines Vertrages, in dem der Wille festgelegt ist, die Aus-' und Einsuhrverbot« in Zukunft einmal aufzuheben. Staatsfekretär Dr. Trcndelenburg darf das Derdlenft in Anspruch nehmen, daß wenigstens das erreicht worden Ist. Er hat'sich nachdrücklich darum bemüht, daß die Konvention be- sonders von England und Italien nicht gan,; verwöflert wurde, daß die Bestimmungen über die zugelassenen Ausnahmen sachlich und zeitlich so eng als möglich gefaßt werden und daß jedes Land, dos Ausnahmen für sich wünscht, seine Vorbehalte im einzelnen schon jetzt anmelden muß. Daß Vorbehalle in großem Umfang angeiMdet wurden, hatte allerdings die weitere Folge, daß auch all« Länder, die die Aufhebung ohne Vorbehalt vorgeschlagen hätlen, jetzt noch Vorbehalte anmelden wüsten und bis zum 1. Februar 1928 Zeit oerlangt haben. Damit wird ein? neue Koiiscrenz notwendig, und die Stellungnahme des Wirlsthasleousschustes des Völkerbundes wird um ein halbes Jahr verschoben. Die Konvention legt den Grundsatz fest, daß die unterzeichnenden Staaten die Ein- und Ausfuhrverbot.' ausheben w 04 l e n. Das Hauptftück dabei sind aber die Ausnahmen, von denen es mehrere Kategorien gibt. Zugelassene Aussuhr- verböte werden für Waffen, sanitäre und hv�.enische Maß- nahmen,„den Schutz de» nationalen Erbgutes", den Verkehr mit Gold, Silber und Wertpapieren sowie- für Monopole feslgtlegt. Außerordentliche Verhältnisse, die noch deutscher Auffassung nur iu Katastrophenfäll« zu interpretieren sind, stellen für sedes Land vorübergehende Ein- und Ausfuhrverbote und fonstlg« Be- jchröntungen frei, sobald dies zur Wahrung der Lebensinter- essen des Landes erforderlich ist. Die entscheidende Aus- Höhlung des Vertrages liegt in den wsit greifenden, aller- dings aui drei und fünf Jahren befristeten'Ausnahmen, die sich praktisch fast alle Länder entweder wissentlich reserviert haben oder fchlieszlich aus Konkurrenzgründen reservieren mußten. Sie betreffen sehr wichtige Waren, wie Farbstoffe, Chemie�rodukte, Kohle, Schrott, Eis.n, Stahl, selbst Lebensmittel wie Reis und Wein. Die Der- einigten Staaten haben noch besonders Dumping-Maßnahmen gegen „unlauteren Wettbewerb" ausnehmen lasten. Wenn die Länder, die die Reservotrechtc angemeldet haben, nach Ablauf der Fristen Ihre Verbote beibehalten wollen, kann die Konvention natürlich von allen Teilen gekündigt werden, womit auch jede Garantie für ihre Dauer wegfällt. So bleibt letztlich von den Genfer Beschlüssen nur die Tatsache, daß die Völker mehr oder weniger die Dotumentierung ihres guten Willens unterschreiben. Das ist gewiß, auf lange Sicht gesehen, eine nicht ganz unwichtig« Fest- legung: gegenüber Vorkriegszeiten bleibt es aber dabei, daß im ganzen doch ein gewaltiger Rückschritt vorliegt, den die Konvention nicht wettmacht. Die Hauptarbeit wird auch in der Zukunft durch vernünftige Handclsvertragsverhandlungen zu leisten sein. Zungdo gegen Deuischnationate. Um Hugenbergs willen. Auf dem Parteitag der Deutschnationalen für Westfalen-Ost hat es kürzlich eine Ueberrafchung gegeben. Trotzdem ängft- lich darauf gehalten wurde, daß nur aus dem Wahlkreise stammende Delegierte das Wort erhielten, konnte nicht verhindert werden, daß der deutschnationale Arzt Dr. Huchzermeyer aus Bad Oeynhausen gegen die Wiederaus st ellung Hugenbergs in diesem Kreise sich aussprach und versicherte, daß die Mitglieder des Jungdeutschen Ordens keine Liste unterstützen würden, auf der der Name Hugenborg zu finden sei. Auch von einem Land- bundmitgliede sei eine ähnliche Erklärung abgegeben worden, so wird im Gegensatz zu dem offiziellen Bericht von jungdeutscher Seite gemeldet. Die Pressekorrespondenz der Deutschnationalen Partei b c- st ä t i g t jetzt diese Vorgänge. Zwar bestreitet sie, daß der Land- bundvertreter den Namen Hugenberg genannt habe, aber sie b e- streitet nicht die Erklärung des Jungdo-Bertreters gegen den Prestekapitalisten Hugenberg. Dafür aber kündigt die Pressekorrespondenz der Deutschnatio- nalen einen Rachefeldzug gegen den Jungdeutschcn Orden an: „Nachdem der Jungdo mit seinen Auslastungen an die Oeffentlichkeit getreten ist, habe der Abgeordnete Hugenberg wie auch die Deutschnationale Volkspartei keinen Grund mehr, ihrerseits zu den Angriffen des Jungdeutschen Ordens zu schweigen." Das kann sehr nett werden: denn wenn jemand an Hugenberg tippt, so kann eine gewiste Presse wochenlang heulen. Budapester Justiz. Bespitzelung der Verteidiger.— Oer Staatsanwalt ein Faschist. Im Budapester Kommunistenprozeß protestierte der Verteidiger Dr. S z ö k e dagegen, daß die Verteidiger von Detek- tioen begleitet weiden, die belauschen wollen, was die Ver- teidiger sprechen: der Vorsitzende dulde, daß vor d«m Zimmer der Verteidiger ständig zwei Detektive mit an die Tür gelegten Ohren horchen. Der Vorsitzende will damit erreichen, daß die Verteidiger, in ihrem Ehrgesühl beleidigt, von der Verteidigung zurücktreten. Dies wird ihm jedoch nicht gelingen, die Verteidigung wird auf ihrem Platz ausharren, nicht nur bis zur Beeydigung des Prozesse», sondern so lange, bis der Polizeichef S ch w e i n! tz e r und Genossen selbst auf die Anklagebank kommen. Staatsanwalt L i n d m- y e r jührt aus: Es sei eine Schande oer ungarischen Advokatur, daß es Rechtsanwälte gebe, die im Jniereste der Bolschewiken die Staatspolizei auf die Anklagebank versetzen wollen.(Bewegung, dann Heiierkeil.) Von der Polizei könne man nicht annehmen, daß sie Pässe fälsch«.(Zwischen- ruf: Wer hat also den Paß gefälscht.) Verteidiger S Z ö k e(weist den Originalpaß vor): Was sagen Sie dazu? Staatsanwalt: Damit laste ich mich nicht terrosteren, ebensowenig, wie mit der Erklärung des verstner Polizei- Präsidiums, oder dem Telegramm der Liga gegen den weißen Terror, die von mir fordert, daß ich gegen die Angeklagten keine Anklage erhebe. Di« ungarisch« Justiz kaim im Bewußtsein ihres Rechtes im Kampf gegen den Bolschewismus auf die Erklärungen des Berliner Polizei- Am S. November dem log der Ausrufung der Deutschen Republ t. de« Legion» einer neuen staallichea Entwicklung, zeigen die Republikaner, besonder» unsere Partei aenossea die Fahnen der Republik und der Parle!! kebnenbereusl Präsidium», auf die Telegramme von bekannten Künstlern und Schrislstellem pfeisen!(Zwischenrufe der Verteidiger: Auch auf die Gesetz«— große Heiterkeit.) Der Vorsitzende droht den Angeklagten, falls sie mit den Zwischenrufen nicht aufhören, mit Dunkelarrest. Staatsanwalt: Auch einige Verteidiger sympathisieren mit dem Bolschewismus. Ilm das Ausland kümmern wir uns nicht, hier im Land werden wir aber den Bolschewismus zertreten, und wenn die Lerteidiger mit ihm sympathisieren? so werde ich die Lerteidiger auf die Anklagebank setzen. (Riesige Empörung!) Manche getrauen sich den Bolschewismus auch mit dem Faschismus zu vergleichen. Ich erkläre, daß der Faschismus die herrlichste und großartigste Idee des 20. Jahrhunderts ist. Im Namen sämtlicher Verteidiger antworteten die �Rechts- anwälie Vambery und Eugen Kiß darauf. Krankreichs Vertragssystem. Sein neuester Vertrag mit Südflawien. Belgrad,«. November. Der mit Frankreich vereinbarte vertrag wird hier verSffenMchl. Beide Staaten vereinbaren, sich einander nicht anzugreifen. Alle diplomatisch nicht erledigten Sireitigkeilen sind im Schied«. »erfahren zu regeln. BeiAngrisfeuvondritter Seite werden sie miteinander Fühlung nehmen, um sich gemeinsam im Rahmen de» Völkerbundes zu schuhen. Beide Staaten werden ge- meinschafllich jeden Versuch bekämpfen, die„gegenwärtige politische Lage zu ändern". Ver verlrag berührt die Völkerbündvpslichien beider Staaken nicht. Er ist aus z e h n Jahre abgeschiosten. Italien als Aalkan-Schürer. Sofia, e. November. Au der vor einigen Tagen hier abgehaltenen Konferenz der ver- treter de, mazedonischen Komitee» anter dem Präsidium des General» Protegerow soll der italienische Gesandte teilgenommen haben. Er ist jehl zur Berichterstattung nach Rom gereist. Parieiopposiiion gegen pilsudsti. MoraczewSkiS Ausschluß aufgehoben. w a r s ch a u. S. November.(Eigenbericht.) Gestern und heule beriet der Parteiausschuß der Polnischen Sozialistischen Partei über dir politische Lage. Dabei kamen nur geringe Meinungsverschiedenheiten über das Verhällvi« der Partei zur Regierung Pilsudski zum Aus- druck. Der bisherige Parteivorstand wurde mit starker Mehrheit wiedergewählt und seine Politik damit gebilligt. Eine Resolution, in der die anlidemotralische Haltung der Regierung gegeißelt wurde, wurde ebenso wie die Ankündigung der weiteren scharfen oppositionellen Halinng einstimmig angenommen. Der Ausschuß befaßte sich ferner mit einem Schreiben des Mi- nisters Moraczewski, der vor einigen Wochen wegen seiner Zugehörigkeit zum Kabinett aus der Partei ausggeschlosten wurde. Moraczewski protestiert gegen den Ausschluß und beruft sich aus seine Derdienst« als einer der Mitbegründer der Partei. Ohne auf den Inhalt des Schreibens einzugehen, stellt der Ausschuß fest, daß das Urteil des Parteigerichts, auf Grund dessen Moraczewski aus- geschlossen wurde,«inen Formfehler enthält und ungültig ist. Moraczewski bleibt also Mitglied der Partei; in den kommenden Wahlen wird er also nicht als Kandidat der Regierungspartei in das Parlament einziehen können. Demonstration der Opposition. Kavallerie schafft Ordnung.- Ein neuer Stahlhelm. Moskau, 8. November. Die gestrige große Parade der Roten Armee bildet« den Hohe. punkt der Jubiläumsfeier. Unter den Truppen erregten die der Politischen Polizei(GPU.) zugeleilien Abteilungen besonderes Aus. sehen, weil sie zum ersten Mole den neueingeführten Stahlhelm trugen. An die Parade schlössen sich die großen Kundgebungen der Ar. beitcrschasl. Al« die Proletarierkolonnen aufzogen und unter den Klängen der Internationole von allen Seiten zum Roten �Platz marschierten, versuchte die Opposition an mehreren Stellen Kundgebungen. Vom Balkon eine» Eckhauses bei der Strasinaja Pioschtsckfadj' sprachen mehrere Oppostttonepolitiker zur Volksmenge, man nennt Preobmfheniki und Smilga. Auch wurde hier ein großes Plakat mit der Losung„Es lebe der wahre Leninismus" ausgehängt. Die Menge nahm der Opposition gegenüber eine drohende Haltung ein, das Plakat wurde von der Polizei fofort entfernt und eine Kavallerieabteilung schafft« schnell Ordnung. Kein Nildamm-Vertrag abgeschloffen! L o n d o n. S. Noember. Der Vertreter de» Regenten von Abessinien, Dr. Mario, ist gestern aus New Park in Liverpool eingetroffen. Er erklärte, daß weder ein Vertrag noch ein vorläufiges Abkommen über den Bw» eines Nildammes abgeschlossen morden sei. Der Bau eines Staudammes könne n u r mit Zustimmung der britischen Re- g I e r u n g aus Grund de» englischnbessinischen vertrage» von 1902 erfolgen. E, werde in England keine Verhandlungen sühre«, sondern in kürze nach Abessinien zurückkehren, um Bericht über seine Besprechungen in Amerika zu erstatten. Zwischen der abessiaischen und der britischen Regierung gebe es keine Mlhverständniste. Strosanirag im Ratibor-pwzeß. Zm Prozeß gegen den Herzog von R alibor beantragt« der Oberstaatsanwalt gegen den Herzog wegen fahrlässiger Tötung seines Lelbkutscher» eine Sesängnisstrase von vier Monaten. (Siehe auch Z. Seite.) Wie wir von der Revolution erfuhren. Don Hans Bauer. Iu der letzten Ottoberwoche hatten wir unsere Funkstation in Charleoill« abgerissen gehabt und am t. November bestiegen wir den sür unsere Formotion hergerichteten Zug und dampften ab. Wo- hin? Niemand wußte es. Einen Tag long hieß e», daß wir gegen Oesterreich eingesetzt würden, dos sich seiner Bündnispflicht«nt- zogen habe und zur Raison gebrocht werden müsse. Dann tauchten neue Gerücht« auf. Tauchten auf' und zerrannen wieder. Seit Wochen hotten wir keine Zeitung in die Hand bekommen. Seit dem Niederriß unserer besten Nachrichtenquelle, der Funkstation, waren auch durch den Aether keine Neuigkeiten mehr zu uns go- langt. Wir wußten gar nichts. Wir ahnten nur etwas: daß Neues würde. Da? log in der Luft. Das fühlte man. Di« letzten Funk- Meldung«», die wir aus Lyon, voin Eiffelturm und aus Horfea aufgenommen hatten, waren vernichtend für Deutschland gewesen. „Flandrisch« Küste zurückerobert",„Front durchbrochen", das waren so Deglisse, die in uns haftengeblieben waren. Heller Siegcsjubel hatte aus den feindlichen Berichten geklungen, tiefer Pessimismus aus denen von Königswusterhousen. Es war dazugekommen, daß während der letzten Tage vor unserer Abreise die Straßen von Eharleville van zurückflutenden Regimentern und deren Bagage ge- rohezu verstopft gewesen waren. Es war Nor: Die Front hielt nicht mehr. Langsam, ganz langsam trug uns der Zug an der französischen Grenze entlang. Manche Tage legten wir nur wenige Kilometer zurück. Zuweilen, wenn der Zug hielt, trafen wir auf Soldaten anderer Formationen. Sic erzählten tolle ihjnge: der Kronprinz sei auf offener Straß« ausgepfiffen worden, das soundsovielte Re- giment habe sein« Offiziere abgesetzt. In Luxemburg wurden die Nachrichten pi sitioer. E» wurden Extrablätter verteilt. Eines teilte mit, daß der Kaiser abgedankt habe, ein anderes, daß in Bayern die Republik auegerusen worden sei. Dann wurde auch behauptet, daß in Kiel dt« Matrosen gemeutert hätten. Ich erinnere mich noch recht genau, daß auch nicht einer von uns das Gefühl hatte, daß konkrete Kräfto h'nter all dem standen, die planmäßig auf den Umsturz hin« gearbeitet hatten und ihn yun tühi-oerstandesmäßig dirigierten. Wir empf>rnden: alles, was jetzt geschieht, das muß geschehen, dos ist unaufhaltsam, das ist elementar, das ist ein Naturereignis, das ist die Explosion einer b's zum Zerspringen uberheizten Volksseele. Kindisch, lächerlich der Dolchstoßblödsinni Hinterlandgewäsch von Re- klamierienl Wann immer wir Soldaten begegneten, gleichviel, ob sie von der Front oder ans der Etappe käme», kommentierten sie mit Jubel die Wendung der Dinge. Viele berichteten, daß sie schon vor Tagen, also lange vor der Prollamierung der Republik in der Hei« mat ihre Offiziere abgesetzt und Saldo tenräte gewählt hätten. Kein Mensch suhlte sich.verraten", Befreit.., befreit fühlten sich alle. Als wir durch Diedenhosen fuhren, um den Z. November her- um» wehten au» Soldatenzllgen, die uns überholten, rote Fahnen. In Saarbrücken entschloß auch unsere kleine Formation sich zur „Revolution". Wir wählten zwei Soldatenräte. Sie teilten un> serem Leutnant den Entschluß ihrer Kameraden mit. Der Leutnant hatte nicht das Mindeste dagegen einzuwenden und fand alle» in der schönsten Ordnung. Wir fuhren über Ludwigshasen und von dort das herrliche Neckartol entlang südwärts. Di« Natur hatte noch ein paar wuuderschöne, milde Herbsttage beschert. Wir nutzten sie au» und hiellcn uns tagsüber auf einem unverdeckien Woge» auf. Reden mnrden gehalten. Keine blutrünsiigen, keine haßerfüllten: romantisch« Reden, sehnsüchtig« Reden. Unser Herz war erhoben. Hinter uns lagen Mord und Kanonendonner, stumpfsinnig« Arbeil, Unter. Ordnung und Zwang. Jetzt mußte alle» anders werden und es konnte nur besser werden. Wir fuhren in eine neue Zeit hinein. In«in neue» Vaierland des Frieden». Wir wußten nicht recht, wie dieses Baterland aussehen werd« und nicht einmal, w'e wir es uns wünschen sollten. Wer wir wußten, daß es anders werde aussehen müssen, als das alte des Kaisers, des Krieges, des Hungers und der Ofiiziersüberheblichkeit. Rottwell war lie südlichste Station unserer Reise. Wir lungerten einen Tag lang lzerum und dann best egen wir unseren Zug von neuem und fuhren einen Teil der Route zu- rück. In Vaihingen wurde ein großer Scheiterhaufen aus allen Archiven und Dokumenten der Formatton errichtet, aus all den Papieren und Ueberslüssigkeiten. die sich angehäuft hatten, aus Ur-' laubsgefuchen und Dienstbesehlen, Divisionsmeldungen und Stammrollen. Führungszeugnissen uns» Mannschaftslisten. Ais all diese fleißige Schreibstubenarbeit vieler Jahre in Flammen aufging, wußten wir, daß der Krieg entgültig vorbei sein müsse. In Stuttgart lösten wir uns auf. I» Stuttgart lösten wir uns auf. Es war Episode gewesen, was uns zusammengcsührt hatte, eine düstere, nichtsnutzige Episode. Einig« Dutzend Kriegsleute, von denen kaum einer oder zwei es im innersten Herzen und aus Veranlagung waren, wurden wieder zu dem, was sie immer gewesen waren, zu sried- fertigen Bürgern, und fuhren per Schnellzug in ihre Heimatstadt und zu ihrem Tagewerk. lS Millionen Sterne phokographierk. Die photographischen Aufnahmen des Sternenhimmels, die von 1ö Sternwarten auf beiden älftep der Erdkugel durchgeführt werden, haben nach«erzlgjöhriger ätigkeit zur photographischen Wfpahme von 15 Millionen Sternen geführt, während nur 6000 mit dem bloßen Auge sichtbar sind. Di« ungeheure Zahl von 30 EX» Sternkarten, durch die ein großer Teil des Himmele kartographisch aufgenommen ist, wird jetzt gedruckt und veröffentlicht werden. Eins der Ergebnisse dieser Aufnahmen ist, daß die fchwachen kleineren Sterne der Erde verhältnismäßig viel näher liegen, als man früher annahm. Die Astronomen künftiger Zeiten werden aus dem Vergleich dieser Sternkarten mit den von ihnen angefertigten vieles über die Bewegungen der Sterne fest- stellen können. Grock. Wenn heute jemand 30 000 Mark im Jahr« verdient, dann kann er froh«in und wird alle Heiligen auf Knien bitten, daß ihm diese Stell« möge erholten bleiben. Wenn aber jemand 30 000 Mark im Monat verdient— ober so was gibt es ja gor nicht. Gibt's nicht? Doch: Grock, der Mann ohne Dornamen, der Welt bestbezahlter Artist, tritt nicht unier 1000 Mark pro Abend auf und ist sür Jahre hinaus fest oerpflichtet. Ich sah ihn in der Berliner„Scala", wo er gegenwärtig gastiert. Herein kommt er in einem weiten Mantel, der wie ein Kaffeesack aussieht, und einem Riesenkosfer in der Hand, dem er weiter Nichts al« ein« winzige Violin« entnimmt. Und auf ihr spiett er mit weiten flatternden Baumwollhandfchuhen mit einer Vollendung, die ans Unglaublich« grenzt. Da» ist fein Entree: dann läßt er seinem großen, sackähnlichen Kehlkops die Töne eiver Baßgeige entquellen, spiett Klarinette, daß die Wand« sich biegen, ober man fühtt doch: der kann spielen wie selten einer. Nun zieht er sich um, weil er ja Klavier üben möchte. Erscheint in einem kurzen Röckchen, langen engen Hosen, metergroßen roten Pantoffeln, einem Zylinder und den Handschuhen. Der Stuhl steht zwei Meter vom Flügel entfernt, er schiebt ihn nicht heran, er rückt das Klavier zum Stuhl. Spielt mit de» Handschuhen wie der best« Virtuose, zieht die Dinger au», ballt sie zu einem Knäuel, knäult sie zu einem Ball, jongliert damit auf Armen und Beinen, legt den Zylinder auf die hochgeklappte Flügelplatte. Der Hut rutscht'runter: um ihn zu holen, steigt er über Stuhl und Tasten auf die Platte und rutscht aus einem Pantoffel dem Zylinder nach. Beim Spielen fällt ihm der Tastendeckel ständig auf die Finger, er schnellt ihn zurück und macht daraus eine«igen« Begleitmusik. Bricht durch den Stuhl, kcckt die Sitzsiöche mit breiter Zunge an, klebt die Platte wieder fest. Und alles mit schlaksigen, ungelenken Bewegungen, die immer erkennen lassen, daß dieser„alte" Mann. den er darstellt, ein unerhörter Artist und Akrobat sein muß, der sich nicht scheut, auch Cancan und russisches Ballett zu tanzen. Plötzlich juckt ihn ein Floh. Nachdem er ihm mit dem Fiedel- bogey nicht beigekommen Ist, greift er mit dem rechten Arm meter« tief In die Hofe, bleibt stecken, kommt nicht mehr'raus, die hose dehnt sich bis in» Unendliche. Um sich zu befreien, geht er hinter«ine» Wandschirm, kommt heraus— mit beiden Armen in der Hofe. Das Bild ist nicht zu beschreiben, die Zuschauer fallen unter die Sessel. Dabei redet der Mann in einem fort, denn er hat ja«inen Partner,«inen salvlhasten Biolinoirtuosen in elegantestem Frack. Grock, der alle Instrumente spielt und nachahmt, spricht auch alle Sprachen lebender Kulturvölker. „Spielen Sie etwa« Klassische»," sagt der Partner. Und Grock haut ein Stück der 12. Rhapsodie und eins aus dem Höllencancan von Offenbach hin. daß es nur so dröhnt. »Was war das?" fragt der Partner. Verbesserung der Sozialversicherung. Forderungen der Sozialdemokratie. Die sozidtöemokratische Fraktion hat im Reichstag einen G e- fetze ntwurf zur Aenderung der Reichsversich«- rungsordnung eingebracht, der eine wesentliche Verbesserung der Bezüge der Unfall- und Inoalidenrentner sowie deren Hinterbliebenen oerlangt. Im einzelnen wird gefordert: Er- höhung des P s l e g c g e l d e s für hilflose Unfallverletzte von 20 bis 7ö M. monatlich auf 636 M. jährlich. Ist die Gefundheits- ftörung so schwer, daß sie dauerndes Krankenlager oder außer- gewöhnliche Pflege erfordert, so ist diese Zulage je nach Lage des Falles auf lOS6 oder 1320 M. zu erhöhen. Blinde sollen minde- sten» die erhöhte Pslegezulage«rhalten. Die V o l l r e n t e soll nicht mehr zwei Drittel, sondern den ganzen Jahresarbeitsverdienst betragen. Die Bestimmungen über die Berechnung der Jahres- orbeitsverdienste in der Landwirtschaft sollen gestrichen werden. In der Invalidenversicherung wird eine Bermeh- rung der Lohnklassen von 7 auf 9 verlangt. Als invalid« fall gelten, wer nicht mehr imstande ist, die Hälft«, und nicht wie bisher ein Drittel, dessen zu erwerben, was gesunde Personen zu verdienen pflegen. Witwenrente soll künftig jede Witwe und nicht nur wie bisher die dauernd invalide Witwe nach dem Tode des versicherten Mannes beziehen. Im Falle der Ablehnung dieses Antrags soll die Witwe nach dem Tod« des versicherten Manne» Witwenrente erhasten, wenn sie das Alter von 40 Iahren vollendet oder wenn ihr die Pflege und Erziehung ihrer Kinder obliegt, oder wenn sie infolge von Krankheit oder anderen Gebrechen dauernd invalide ist. Als invalide soll künftig die Witwe gelten, die nicht imstande ist, die Hälfte des üblichen Arbeitsverdienstes zu verdie- nen, anstatt bisher ein Drittel. Di« Waisenrente soll bis zum 18. Lebensjahr gezahlt werden. Der Reichszuschuß sür jede invalide Witwen- und Waisenrente soll von jährlich 72 auf 192, für jede Waisenrente von 36 auf 96 M. erhöht werden. Weiter wird die Erhöhung des Grundbetrages der Invalidenrente für alle Lohnklassen von 168 auf 228 M. jährlich gefordert. Der K i n d e r z u s ch u ß soll von 90 aus 180 M. im Jahre erhöht werden. Die sozialdemokratische Fraktion ersucht ferner die Reichsregie- ning um Vorlage eines Gesetzentwurss, nach dem in der Unfall- Versicherung eine Umrechnung der laufenden Renten in Abschnitten von S Iahren nach den jeweils geltenden Löh- nen vorgenommen wird. Die erstmalige Umrechnung der Renten soll mit Wirkung vom 1. Januar 1928 erfolgen. Endlich nimmt die Sozialdemokratte ihre alte Fotzderung wieder auf, wonach die Eni- schädigungspflicht auf olle gewerblichen Berufskrank- h e i t e n und der Bersicherungskrel» auf alle gegen Entgelt verrichteten Arbeitsleistungen ausgedehnt wird. Für den Ausbau des Angestelltenversicherungsgesetzes hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion einen Antrag eingebracht, in dem gefordert piird, daß die Angestelllenversicherung aus die A n- ge st eilten aller Berufe, ohne Rücksicht aus die Höhe ihres Einkommens, ausgedehnt. wird. Der Grundbetrag der Renten soll von 480 auf 720 M. jährlich erhöht, die g e l« i st c t e n Bei- träge(Eteigerungssatz) mit 20 statt bisher 15 Proz. angerechnet, das Kindergeld von 90 auf 180 M. erhöht und die früheren Beiträge in ollen Gehalteklassen aufgewertet werden. Es wird weiter die Herabsetzung der Altersgrenze vom 65 auf das. 60. Lebensjahr, voll« Anrechnung der beitrags- freien Zeiten bei S t e l l e n l o s i g k« i t und Rechtsanspruch auf Heilverfahren gefordert. Di« versicherten sollen gegen un- soziale Anlage ihrer Beitragsgelder geschützt, billige Darlehen an die Angestellten, insbesonder« zum Wohnungsbau, gegeben werden. Mit der Aufstellung dieser Forderungen kommt die Sozialdemo. kroti« ihrer Ankündigung nach, daß sie für die schleunige verbesie- rung der Sozialversicherung Sorg« tragen werde. Beim Wieder- Zusammenttitt des Reichstags wird sich Gelegenheit bieten, die Re- gierung und die hinter ihr stehenden Parteien zu zwingen, in die Verhandlung über die sozialdemokratischen Forderungen einzutreten. „Hagenbeck,* sagt Grock mit seinem alten lieben' Kindergesicht. „2lls Sie vorhin hereinkamen.. sagt der Partner. ..Haben Sie bemerkt, daß ich hereinkam?" fragt Grock ganz er- staunt, obwohl dieses Individuum niemand übersehen kann. Und als der Partner nickt: „Nicht mööööööglich!" Und s«in Gesicht oerzieht sich zehn Meter im Quadrat in tausend Falten. Und das nur alles so nebenbei, während er seinen göttlichen Un- sinn macht. Grocks Stärke ist eine endlose Kette komischer Situatio» nen, die er schafft, seine Wirkung, daß er nie übertreibt und niemals eine Idee ganz ausspielt. Gerade wenn man anfängt zu lachen, hört er aus und geht zu einer neuen Sache über. So lacht man sich nie ganz aus über ihn und möchte ihn immer wi«der sehen. Und dabei steht er 40 Minuten auf der Bühne, mit den Zugaben, die einfach erzwungen werden, und in diesen langen 40 Minuten kein toter Punkt. 17. E. Vom.Nasflschea Tanzstil". TamaraKarsawinagab eine Ballettmatinee im U f a- P a l a st a vi Zoo. Ueber die Kunst- xatlung selber besteht unter Urteilsfähigen keine Meinungsdifse- renz mehr, und es ist zwecklos, Hundertmol Gesagtes zum hundert- i ndeisten Mal« zu wiederholen. Das Ballett ist tot. Sein Leich- nam kann ein kurzes Scheinleben vortäuschen, wenn etwa Piagilew i'm galvanisiert oder die Pawlowa ihn mit allen Reizen ihrer Per- sönlichkeit und den Raffinements eines einzigartigen technischen Könnens schmückt. Um so deutlicher tritt b«i Produktionen nach- geordneter Ballerinen die Totenstarre zutage. Diese Matinee war eine blamable Angelegenheit. Blamabel nicht so sehr für Mütterchen Karsawina, das treu und redlich all« die Künste produzierte, mit denen es einst das zaristische Rußland entzückt hat. Blamabel aber im höchsten Grade für jene Kunstreaktionäre, die un» das Ballett deute wieder andrehen möchten und am Werk sind, den aufblühenden modernen Kunsttanz in der Entwicklung zu hemmen und aufs tote Gleis zu lchi«ben. Ihnen konnte, wenn sie überhaupt belchrbar sind, hie Uio-Matine« ein Licht über das wahre Wesen des„klassischen Tanzstils" aufstecken._ I. 3. Sdimion» Alattonetten-rheatee spielt im Deutschen Künftler-Theater jtbtn Mittwoch. Sonnabend und Sonntag nachmittag 4 Uhr. Ein staa».IHo«a-V«utm»l wurde aus dem Friedhos zu Karlsruh« eingeweiht. V« Berlin« Sln'-nle-0rchel?« Irinot im 3. Vohnke-Sinfonie-Konzert ffi. November) als Elstaufsührung die VII. Sinfonie(Die Nngarifche) von SB. o. idausznern. «ine dentfch» Sxvedltiao In Sabnm«ita. In Surinam ikt eine deiüsch» wlssen'chasttiche Kommission zum Studium von Land und Leuten eine getroffen. Nach Surinam tollen auch u. a. Trwldad, Barbado«, Euracao und Venezuela durchforscht werden. Die«rsianfstlhrung von Kornaold«.vlalanta» im Metropolitan Odern- Haus in New Kort mit der Ieritza in der Titelrolle hatte einen starten Erfolg. «iraz'o Veiedda als Ilobelprelskaod.tatin? Wie»SvenSka Margen« bladet" mitzuleilen weih. wir» der Itterarisch« Nobelpreis mit gcöhter Wabrlcheinlichkeit der italieni'chcn Dichte» in Grazia Deledda zuerkannt werden. Sie hat ihr« Bedeutung w der vterartschen Erschliehung ihrer fard'lchen Heimat. Der Gattenmordprozeß Borchardt Zeuge Berndi sagi aus. Der Prozeß Borchardt nahm heut« vormittag seinen Fortgang. Borchardt und Berndt gleichen«inander wie ein Ei dem anderen: nur daß der erste schlapp, willensschwach, leichtgläubig ist, der andere dagegen hartgesotten und raffiniert. Einstmals waren sie innige Freunde, jetzt sind sie grimmige Feinde. Berndt ist eine der Qeffentlichkeit nicht unbekannte Persönlich- teit: Er war es ja, der die G e b r ü d e r I a s s y zu dem Juwelen- raub mit den Kanonenschlägen in der Schönhauser Allee animiert und später den Hehler gespielt hatte. Das Gericht hm feine Teilnahm« an diesem Verbrechen mit anderthalb Jahren Gefängnis gesühnt. Borchardt, der ihn in der Gerichtsverhandlung als Zeuge schwer belastet hat, hatte ihn vom Gefängnis aus„verpfiffen". Nicht ohne Grund. Denn er war überzeugt, daß Berndt ihn der Polizei verraten habe, als er bei ihm Gastfreundschaft genoß, um seiner da- moligen Braut gegenüber freie-Hand zu haben. Berndt wird heute aus dem Gesängnis. vorgeführt. Borchardt sieht ihn nicht an. Berndt erzählt, er habe Borchardt im Jahre 1918 kennen gelernt. Intimer wurden sie erst, al, dieser ihn in den Verein„Norden" einführte. Als Borchardt im Jahre 1926 von der Polizei gesucht wurde, nahm er ihn in seiner Wohnung auf Damals lernte er auch Borchardt« Braut kennen, die dem B. öfter Wäsche und Essen brachte. Der Borsitzende fragt den Zeugen: Borchardt meint, daß Sie ibn verraten haben. Borchardt: Ich gehe nicht gesund aus dem Gerichtssaal, wenn ich das getan habe. Borchardt. springt auf: Der Kriminalbeamte hat mir das selbst gesagt. Nach Borchardt? Verhaftung kam das Mädchen wieder zu Berndt und bat ihn, ihrem Bräutigam zu helfen. Er versprach zu tun, was er könne. Zwei Monat« später, als er von der Polizei gesucht wurde, traf er sie auf der Friedrichstraße. Sie machte ihm den Vorschlag, in Borchardt» Wohnung Unterschlupf zu suchen. Die R. ging damals strichen. Als sich beide eines Tages in angeheitertem Zustande befanden, kam es zu einem intimen Berkehr. Sie habe ihn dann veranlaßt, zu bleiben. Auch nach der Trauung mit Borchardt, der er als Trauzeuge bei- wohnte, war er immer noch bei ihr. Noch Borchardts Befreiung aus dem Gesänanis begannen di« Besuche der R. in seiner Wohnung. Als Borchardt ihn einmal wegen seiner Beziehungen zu seiner Frau zur Rede stellte, leugnet« er diese, ebenso wie er es früher seinen Bereinskollegen gegenüber getan hatte, als sie ihm Borhaltungen gemacht hatten. Seine Versuche, die R. von sich abzuschütteln, seien vergeblich gewesen. Am 24. November, al» im Verein der Geburtstag gefeiert wurde, telephonierte Borchardts Frau den Berndt an und lud ihn ein, die Nacht�bei ihr zu verbringen. Er ging darauf ein. Um Uhr erschien dann plötzlich Borchardt in der Wohnung: er flüchtete im Hemd. Ueber das. was daraus geschah, sagte eine Zeugin, Bernd!» Nachbarin, aus. Borchardt wollte anfangs dem Berdt nachstellen, dann sagt« er aber: Ach nee, ich will das Weib hervorholen. Die Zeugin hört« kurz darauf drei Schüsse hintereinander fallen. In der Tür erschien Borchardt, raustc sich die Haare, sagt«:„Mein Gott, was habe ich getan!", lief dann ins Zimmer zurück und schrie:„Maust, Maust, wach doch aus!" Bald daraus erschien Berndt wieder und etwas später di« Polizei. Der Fehlschuß des Herzogs. Keine Fahrlasfigkeit auf der Jagd? Der Prozeß gegen den Herzog von Raiibor wegen des unglückseligen Schusses auf den Kutscher H y t r e k förderte bei der heutigen Verhandlung auch keine wesentlich neuen Momente zutage. Der herzogilche Repräsentant Kuhn hat de» verwundeten Kutscher Hytrek noch einmal im Krankenhaus g e- sprach e n. Aus die Frag? des Zeugen, wie das Unglück geschehen sei, lzab« Hytvek erwidert:.�Ich weiß nicht, ich wollt? de» Förster Marx suchen. Seine Durchlaucht kann nichts dafür. Freiin v. Mirbach hat Hytrek ebenfalls nach der Ursache des Unfalls gesragt. Er habe ihr in Gegenwart seiner Frau gesagt:„Idj� hatte den Befehl nicht richtig verstand«». Ich bin in kriechender Stellung durch da» Gebüsch gekommen, um den Herzog nicht zu stören. Oberin Balderia aus dem Krankenhaus Ratidor, die Hytrek gepflegt hat, schilderte den Zustand des Patienten bei feiner Einliefcrung. Sie habe sich dann mit dem Kranken über den Unfall unterhalten. Dabei habe Hytrek erzählt, daß er den Förster Marx gesucht und sich dabei zu weit vor- gewagt hat. Schwester Remila Tschuschler aus dem Krankenhaus Ratidor war in den letzten Stunden am Krankenlager. Nach Kampfcreinspritzungen nach der Amputation des Beines fei die Ijerz- tätigkeit des Kranken innner bester gewesen. Der Tod sei ganz plötzlich eingetreten. Der Schicßsachocijtändige Gewehrfabrikant B a r el la- Berlin betonte, daß er als alter Jäger sich an der Unfallstelle genau so postiert hätte wie der Herzog. Der Herzog habe auch nicht, wie ihm vorgeworfen werde, in oen Trieb hineingejchossen. Die amtlichen Bestimmungen selbst erlaubten das Schießen in den Trieb mit Erlaubnis des Jagdleiters. Zudem habe der Herzog disziplinierte Leute bet sich gelabt. Man könne wohl glauben, daß ini Monicnt des Schusses auf die Sau der Kutscher sich in die Schußlinie geschoben habe. Dazu komme, daß der Schütze in dem eingegatterten Tiergarten keinen Menschen, am wenigsten einen seiner Angestellten vermuten konnte. Schließlich sei zu bemerken, daß der Balken im Zielsernrohr die Gestalt zum großen Teil verdeckt habe. Sachverständiger Major Bachelin war der An- sicht, daß der Verstorbene höchst leichtfertig g c h a n- d e l t habe. Durch die zusammcngeduckte Haltung de» Kutschers tonnte dieser als Wild angesehen werden. Wäre Hytrek in auirechter Stellung auf den Weg getreten, hätte das Unglück nicht geschihen können.« Die Frauenkundgebungen. Der erfolgreichen Parteikundgebung vom vergangenen Sonntag ist in B a u m s ch u l e n w e g am gestrigen Abend ein« eindrucksvoll verlaufene Werbetundqebung für die Frauen gefolgt. Landtags- abgeordnete Genossin Wach«»heim, di« im überfüllten Saal des Restaurants Haß sprach, referierte über das Thema„Im Entscheidungskamps zwischen Rückschritt und Ausstieg". Die Rednerin erinnert« an den Tag der Revglutilio.' der sich in diesem Jahr zum neunten Male jährt. Die Erwartungen, die an die Ereignisse, des Jahres 1918 geknüpft worden sind, haben sich nicht erfüllen können. Das bedingt«ine verstärkt« Bereitschaft zum Kampf und zur Arbeit für die Partei. Dabei ist sich die Arbeiterklasie dieser Ausgab« gegen- über dem neuen Staat bewußt E« gilt, in der Wirtschast da« Profit- interesse, di« Uriache aller Ausbeutung und sozialen Rot zu beseitigen. Voraussetzung ist dafür die politische Macht. Di« Tatsache von dem engen Zusammenhang zwischen Staat und Familie muß in jeder Frau die Pflicht zur politischen Betätigung wachrufen. Die Zeit hat auch dem weiblichen Gesästecht Persönlichkeitswerte gebracht, die in der Frau das Bewußtsein von erhöhten Ansprüchen an das Leben wachgerufen hoben. In allen diesen Fragen gibt es kein Zurück, sondern nur ein ehernes Dorwärts. Die heranwachsende weibliche Generation muß ihr Recht aus ihre Unabhängigkeit verteidigen. Die Republik ermöglickt die Verwirklichung dieser Forderung. Di« Arbeiterschaft sür dos Wahljahr vorzubereiten ist die hervorragendste Aufgabe der Werbe- wache. Ein sozialdemokratischer Wahlsieg wird dem politischen Leben Deutschlands«ine neu« Richtung geben: es gilt, eine Etappe auf dem Weg« zum Sozialismus zu erobern. Starker Beifall dankte der �Redner,» für ihren mit großer Aufmerksamkeit begleiteten Vortrag. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied„Wann wir schreiten Seit' an Seit'!" schloß die Veranstaltung. Im Rahmen der Frauenwerbeveranstaltungen gab es für den Bezirk Wcdding in Schreibers Festsälen, Triststraße, einen Film- und Bortragsabend. Im übervollen Saale sprach Genossin Adel« Schreiber in schlichten, tief zu Herzen gehenden Worten vom Jahrhunderte, Jahrtausend« währenden Leidensweg der Frau, auf dem sie, di« Schwächere, in körperlicher und geistiger Knechtschaft immer wieder zu Boden gedrückt ward. Wie die eiserne Notwendigkeit dann plötzlich die Frau aus trübem Halbdunkel hervor mitten ins grelle Licht schassenden Lebens stellte, wo sie Seite an Seite mit dem Mann arbeiten durfte. Wohl Ist die Frau im äußeren Leben vorwärtsgedrungen. Doch wie sieht es in ihr aus? Nene, schwere Lasten hat sie gern und willig auf sich genommen in der stillen Hoffnung aus endliche Erfüllung ihrer heiligsten Menschenrechte: der Mutterschaft. Aber die Proletariersrau trug und sie muß heute noch ihr Mutterglück als ein schweres Kreuz tragen. Wenn auch nach langer mühevoller Arbeit die uneheliche Mutter nicht mehr als ge- ächtet und vogelfrei erklärt wird, so ist die Frau durch ihr Geschlecht immer noch versklavt,«in willenloses Geschöpf des urweltlichen Zeugungsprozesies, gleich der Natur ewig Gebärende. Der Schlüssel zur Freiheit liegt einzig und allein in der Geburtenregelung durch Ausklärung, Be- ratung, Aushebung des Mutterschafte z wange s. An Hand einer geradezu erschütternden Statistik wies die Rednerin nach, daß von 1000 Aroeiterfrauen nur 290 unter 5 Kindern geboren hätten, und daß bei der Geburtenhöchstzifser die Sterblichkeit bis zu 69 Proz. betrug. Ein Segen, der in seinem übergroßen Reichtum zum Fluche wardl Keine Kinder, solange nicht sür all« Mütter sür ein Existenzminimum gesorgt ist. Groß ist di« Sünde, ein Kind in die Welt zu setzen, ohne ihm Lebensmöglichkeiten bieten zu können. Und wie wir nach schwerem, unerbittlichem Kampfe den Z 218 zum Dasein oerholfen haben, so wollen wir, um allem Jammer und oller Qual ein End« zu bereiten, weiterkämpfen für uns und unser« Kinder. Im Lande größten Menschenrechtes die freiesten Mütter des freiesten Geschlechtes! Nicht endenwollender Beifall lobnte die zündend« Rede. Der darauffolgende Film„Kreuzzug des Weibes" führte in ein- dringlichen Bildern das Gesagte nochmals vor Augen. Unsere Werbekundgebungen. Der dritte Tag der Parteiwerbewoche bracht« wieder«ine Reihe von Deranstattungen der einzelnen Kreise. Schon heute kann gesagt werden, daß die Wcrbewoche der Partei schon darum ein voller Erfolg werden wird, weil sich in allen Krejsen die Parteigenossen mit seltener Opscrfreudigkeit an die� Arbeit gemacht haben.— Der Kreisverein Köpenick veranstaltete eine Straßenkundgebung und anschließend eine Werbekundgebung, in der Genosse Bogel refe- rierte. Di« Partei- und Jugendgenossen trafen sich am Bahnhof Köpenick. Unter Dorantritt eines Reichsbanner- Tambour- und Musikkorps zogen die Genossen durch die Straßen Köpenick». Zu beiden Seiten des Zuges waren eifrige Helfer an der Arbeit, um den Straßenpasianten die Propagnndonummer des„Vorwärts" und Flugblätter der Partei in die Hand zu drücken. Sehr häufig gelang es auch den Helfern, Straßenpassanten zu vcr- anlassen, sich dem Zuge anzuschließen. Nach etwa einstündiqem Ummarsch marschierte der Zug geschlossen zum Restaurant Lindett- park, wo im großen Saal di« Werb�stn�gebung abgehalten wurde. Scharfe ein Schwerverbrecher? Zu der Schießerei in der Templiner Straße. Die beiden Revolverhelden aus der Templiner Straß« wurden gestern von den Kriminalkommissaren Braschwitz und Thomas noch bis in den späten Abend hinein weiter verhört. Die beiden wurden auch einander gegenübergestellt und jeder schiebt nach wie vor die Haupttäterschaft dem anderen zu. Ohne Zweifel ist Scharfe die Triebkraft auch bei den anderen Straftaten. Eine ist bereits ausgeklärt: der Naubüberfoll auf die 67 Jahre alte Bureauangestellte Gertrud Lessing vom Jugendheim in der Goethestrahe. Hier istScharfederAnstis- t e r und Schlabbach der Täter, der genau nach seinen Weisungen handelte. Ein« Durchsuchung der Woynung in der Wil- helmstraß« fördert« Papiere von Geldrollen und Formular« zutage, au» denen zu schließen war, daß Schlabbach sich auf dem Postscheck- amt zu tun gemacht hatte. So kamen die Beamten aus diese Spur. Scharse leugnete. Schlabbach dagegen legte endlich ein Geständnis ob. Bor drei Wochen lernt« Schlabbach den Scharfe, in einem Cas6 in der Friedrichstraße kennen und zog zu ihm. Gleich am nächsten Tage sagte ihm Scharfe, er habe ihn ausgenommen, um ihn einmal zu prüfen, ob er auch ein herzhafter junger Mann sei. Dann be- redete er mit Schlabbach den Ueberfall. Sie merkten sich auf dem Postscheckamt die alte Dame, folgten ihr, und Schlabbach mußte dann den Raubüberfall, den wir seinerzeit mitteilten, allein aus- führen. Den erbeuteten Betrag von 446 M. brachte er bis aus 30 M. dem Scharfe. Beide Männer kleideten sich zum Teil neu ein und kauften für Schlabbach einen Revolver und Patronen. Der sollte zu einem Ueberfall dienen, den Scharse auf einen Juwelier außerhalb Berlins ausführen wollte. Nach dem Be- such mehrerer Lokale wurde«in Mädchen, das sie mitgenommen hatten, nach Hause geschickt. Die Männer setzten die Kneiperei fort und Scharfe holte noch seine zweite Freundin aus der Schtvedter Straße hinzu. So kamen sie in der Nacht angetrunken nach der Templiner Straße in die Wirtschaft von Richmann. Die weiteren Vorgänge haben wir eingehend geschildert. Nach dem Er- gebms der bisherigen Ermittlungen ist Säiarse, der sich nach der Tat von Schlabbach trennte und ebenso wie dieser mit einem Auto nach Hause fuhr, ein gefährlicher Mensch, der allem An- schein nach noch verschiedene Straftaten, darunter auch Erpressungen, auf dem Gewissen hat. Die Ermittlungen nach dieser Richtung sind im Gange. Berliner Lehrer in Wien. Am Montag trafen Wien 74 Bolls- und Bürger- schull ehrer aus Berlin«in, die von der Berliner Gemeinde- Verwaltung zum Studium der Wiener Schulreform und Fürsorgeeinrichtungen entsandt wurden. Bei ihrer An- kunft begrüßte sse im Namen der Gemeinde Wien der Präsident des Wiener Stadtschulrates, Otto Glöckel. Er entbot den Berliner Gästen den Willkommensgruß und bat sie, sich in Wien nicht als Fremde zu fühlen. Für die Berliner Lehrer dankte im Namen des Magi- strats öer Stadt Berlin Stadtschulrat Dr. Schönebeck sür den herz- lichen Empfang._ „Selbstmord oder Unglücksfall?" Zu unserer heutigen Meldung über den Tod des Lederarbeiters Rudolf B e i t h aus der Loh- mühlen st raße wird uns von Angehörigen des Berstorbenen mitgeteilt, daß Deich keineswegs dem Trunk« ergeben war, sich jahrelang In fester Stellung befand und in der dortigen Gegend allgemein peschätzt und geachtet wurde. Wir geben diisscr Richtigstellung gern Raum. Achtung, Seneralversommlungsvcrlreter der Konsumgenossen. schasti Die heutig« Generaloersammlung im Lehrer- vereinshaus beginnt nicht um 191�, sondern bereits um 1814 tthr. Azigestellienversicherungswahle«. Kreise Beeskow-Storkow, Osthavelland, Zauch-Beizig. Die Vcrtraucnsmännerwahl zur Anflestelltenoerficherung findei im Wahlkreise Beeskow-Storiow wie in Berlin o m Sonn- taq, dem 33. November, statt. Die f r c i g e w e r k s cha f t l i ch c Li i st e des Zentraloerbandcs der Angestellten trägt den Buch- st a b e n A, die sreigewerksci)aftliche Liste der Werkmeister iind Techniker den Buchstaben O. In- den westlichen Dnrortwahlkreiscn Ost Havelland und Z a ii ch- B e l z i g findet die Wahl erst am Sonntag, dem 2 7. November, statt. Die Liste des Zentralverbandes der Ange st eilten trägt im Wahlkreis Ost Havelland den Buchstaben C, für den Wahlkreis Zauch-Belzig den Buchstaben A. Alle Anfragen find zu richten an den Gau Brandenburg des Zentralverbandes der Angestellten, Berlin SO. 36, Oronicnstr. 40/41. Werbcmaterial und Stimmzettel werden von dort geliefert. Von der Lehrlingszüchterei. Zn der Schraubenfabnk von Duhle. Die Berhältnisse der Lehrlinge in der Schraubenfabrik von Bi-stke, Brandenburg st raste, haben schon öfter Anlast zu Klagen vor dem Gcwcrbegericht gegeben. Neuerdings konnte man wieder durch eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht orstchrrn, daß der Betrieb der gem-nnten Firma für die Ausbildung von Lehrlingen keineswegs zu empfehlen ist. Die Firma hält mehr als 80 Lehrlinge, eine Zahl, die in auffallendem Mistverhältnis zu der Zahl der im Betriebe beschäftigten gelernten Arbeiter steht. Der Werkzeugmacherlehrling, welcher als Kläger vor dem Ar- beitsgericht auftrat, foiderte die Auflösung des Lehrver- träges, weil unter den im Betrieb herrschenden Berhällnissen an eine genügende Ausbildung nicht zu denken fei. Der Kläger führte an, er fei oft zu Botengängen verwendet worden, er habe, ebenso wie andere Lehrlinge, die Fabrikfen st erputzen müssen, er habe mit dem Auto, welches Waren zu den Kunden beförderte, öfter den ganzen Tag mitfahren müllen, und einmal habe er, als das Bureau eines Mitgliedes der Geschäftsleitung tapeziert wurde, drei Tage dem Tapezierer die Leiter halten und Handrcichun- gen tun müssen. Da die angeführten Fälle schon einige Zelt zurückliegen, aus der letzten Zeit aber derartige Klagen nicht angeführt werben konnten, i fo meinte der Dorsitzende, der Stteitfall könnte wohl durch einen Vergleich beigelegt werden, aber dann werde die Firma ihre Methode der Lehrlingsausbildung umstellen müssen, denn es habe sich doch herausgestellt, dast in dieser Lin- sicht nicht alles bei ihr in Ordnung fei und dast die Ausbildung der Lehrlinge keineswegs auf der Höhe stehe. Schließlich verglichen sich die Barielen dahin, dost der Lehr- »ertrag in beiderseitigem Einverständnis aufgelöst wird. In einem anderen Falle klagten zwei L e h i i n g e, die von der Firma fristlos entlassen sind, aus Forcseljurig des Lehr- Verhältnisses. Der eigentliche, wenn auch nichl zugegebene E n t- lassungsgrund ist d�e gewerkschaftlichc Betnti- g u n g der beiden Kläger. Sie hatten nämlich eine von der Jugend- leitung des Metallarbeiterverdandes einberufene Besprechung der iLutzlesib�Learlinge besucht und am folgenden Tage einem Arbeits- burschrtir aer di« Absicht hatte, als Lehrling bei der Firma ein- zutreten, davon abzureden versucht. Aus diesem Grunde wurden die beiden Klüger Ins Bureau beordert, wo man ihnen ihre„Hetze- i i srh e Betätigung' vorhielt. Schließlich übte K o m- merzieiirat V u tz k e in eigener Person und in sehr ausgiebigem Maße das„väterliche Z u ch t ig u n g s re ch t' an einem der, Lehrlinge aus. Den anderen nahm sich der Lohnimreauvorfteher P ä ic o l d vor und verprügelte ihn derart, dast der Lehrling nachher ein-n Arzt aussuchen mußt«. Auch diese beiden Klagen endeten ohne vrteilsfällung. Der«ine Klägctl. der nur noch ein Bierteljahr zu lernen hat und seine Gesellen- Prüfung machen möchte, oerglich sich dahin, dast er seine Lehrzeit bei der Firma beendet.— In dem anderen Falle erklärte der Bater des Klügers, er wolle feinen Sohn unter keinen U in ständen bei Butzke weiterlernen lassen. Er zog deshalb die Klage zurück.___ Ole Arbeiterganfe. Ifnö der„schneidige" Administrator. Auf dem der S t a d t g ü t e r G. m. b. H. gehörenden Gut Hobrechtsselde halten die Arbeiter auch einige Gänje, um ihr niedriges Einkommen etwas zu oerbesiern. Da die Arbeitergäuse kein« Warnungstafeln lesen, laufen sie, ländlich-fitilich, im Dorf und in den Gärten frei herum. Als nun eines Tages eine Anzahl Gänse. auf dem zum Gut gehörenden Gelände auf den Kartoffelmieten herumspazierien, erboste sich der Herr Administrator H e ck e r t über dieses Verhalten der dummen Arbeiterganfe gar sehr. Der Herr hatte wohl die Mäglichteit, das Aergernis fortscheuchen zu lassen. Allein das reglementwidrige Verhalten der Arbeitergäuse hatte ihn um das Mast von Selbstbeherrschung ge- brach!, das vom Berliner Arbeitsgericht beispielsweise von einem Kellner vorausgesetzt wird. Der Herr Administrator packic sich eine der ungezogenen Arbeitergänse, schnitt ihr den Hak» ad und warf sie ihrem Besitzer über den Zaun. Es war das einzige T.ier, das' der betreffende Arbccter besaß, und es diente ihm nicht als Mast-, sondern als Z u ch t g a n s, Trotzdem der Herr Administrator selber es utdr, der durch fein schneidiges Vorgehen die Erwartungen, die in diese einzige Gans gesetzt wnicn, jäh vernichtete, wagte die Ehefrau des Arbeiters sich darüber zu entrüsten. Dafür bot der Administrator der um ihre Gans klagenden Frau Ohrfeigen an. Wenn der Herr nicht selber einsieht, daß er mit seinem kurzen Prozeß und dem nachfolgenden Angebot, das er der Frau machte, nicht so gehandelt hat, wie es von einem anständigen Vorgesetzten er- wartet werden muß, dann wird der Direktion nichts übrig bleiben, als ihn nachdrücklich darauf aufmerksam zu machen. Er har eine lebende Gans herbeizuschaffen und sich zu entschuldigen, dast er aus der Rolle fiel. Unter den verständigen Gutsarbeitern zog man aus diesem Bor- fall den Schluß, dast die städtischen Gutsarbeiter mehr geachtet wür- den, auch von dem Administrator in Hobrechtsselde. wenn sie sich selber ein wenig mehr achteten und dies durch vollzähligen An- fchlust an ihre Organisation zum Ausdruck brächten. Lohnbewegung de? Berliner(kifenformer Ueber die Forderimg der Elsenformer auf eine Lohnerhöhung von lS Proz. finden heute nachniittag Verhandlungen mit dem DBMI. statt. Ueber das Ergebnis werden wir berichten. Zigarrenmacheraussperrung in Aachen. Die Kündigungen mit Teilstreits beantwortet. Aachen. S. November. In Ausführung des Befchlusies der ArbeUgeberverbänd« der Tabotindustrie halten au» die Aachener Zigarrenfabrikanten, in deren Betrieben Kündig-ingsvereinbarungen bestanden, die Kündi- gungcn zum 12. November ausgesprochen. Daraufhin haben etwa 300 Arbeiter der Aachener Tabatinduftrie, die mit eintägiger Kündigungsfrist arbeiten, heute die Arbeit niedergelegt. Dem Ber. nehmen mich sollen sich auch einige der an Kündigungsfrist ge- bundenen Betriebe diesem Borgehen angeschlossen haben. Die Gewerkschaften stehen diesen Arbeitsniederlegungen kern. Der letzt« Satz der vorstehenden Wolsf-Meldung ist schon insofern richtig, als die Fabrikanten es sind, die durch ihren Kündigungen„zum Zweck« der Aussperrung' die Arbeitseinstellungen veranlaßt haben._ Die englischen Gewerkfchasten zum IGB. London, 8. November. s�VTB.) Die Deziehmegen zwischen dsm Gewerkschoftskongveh und der Amsterdamer International«, die, wie sbinnerlich, in den letzten Monaten gespannt geworden sind, wurden heute in einer Sonder- sitzung des Generalrats des Gewerkschaftskongresses in London«mögen, in Vorbereitimg für eine Konferenz, die morgen mit dem Vollzugsausschuß der Intern atio- n a l e beginnt. Dem Generalrat lag ein Memorandum über den augeichlicklichen Stand der Angelegenheit vor, das vom Inte?- nationalen Ausschuß«ntworfen ist. Man hofft, dast die Hindernisse, die einem Einvernehmen zwischen dem brilischen Gewerkschosts- kongrest und der International« im Weg« stehen, beseitigt werden können. Entscheidungen wurden in der heutigen mehrstündigen Sitzung des General rates nicht gefallt. Der Kampf gegen den Faschismus. Oer ZGB. unterstüht die italienischen Gewertschasten. Die Lag« der Gewerkschaftsbewegung in Ilalien und die starke Zuwanderung italienischer Ardeiter in einzelnen Ländern hat dein Internationalen Gewerkschaftsbund Veranlassung gegeben, die be- sonders interessierten Landeszentralen und internationalen Berufs- sekretariate zu einer Besprechung esnzuladen. Diese Konferenz fand am 27. Oktober in Paris statt. Bon den Landeszentralen nahmen Belgien. Frankreich, Italien und die Schweiz teil: Luxemburg, das seine Teilnahme zugesagt hatte, war am Erscheinen verhindert. Von den interna twnaleii Derufssekretariaten waren die Bauarbeiter, Bergarbeiter, Lebensmittelarbeiter, Metallarbeiter, Textilarbeiter und Transportarbeiter vertreten. Vom Internationalen Gewerkschafts- bund war dessen Sekretär anlvesend. Die Konfereez sprach sich für di« Anerkennung der Pariser Zentrale aus und nahm einstimmig nachstehende Resolution an: .1. Es ist notwendig, die Gewerkschafisücwegung Italiens, die auf dem Standpunkt des lllassenkampfes steht, finanziell zu unterstützen, um ihr di« Möglichkeit weiterer Tätigkeit zu geben. 2. Als die gegebene Stelle für die Zusammenfassung der italienischen Gewerkschaftsbewegung kann zurzeit nur die vom JGD. anerkannt« itakt«nlsch« Gewertschafts-Ze»« trale in Paris betrachtet werden. 3. Der IGB. wird ersucht, die Entwicklung der Derhältnisse in Italien im Auge zu behalten und je nach den Verhältnissen seine Haltung zu bestimmen.' In der Resolution ist bereits zum Ausdruck gebracht, daß es notwendig ist, die Gewerkschaftsbewegung in Italien durch Der- mittlung der Pariser Zentralstelle zu unterstützen: zu einer solchen Unterstützung erklärten sich alle Konserenztcilnehmer grundsätzlich bereit und sie übernahmen es, den zuständigen Vorständen ein- sprechende Vorschläge zu unterbreiten. Die Konserenz hielt es für selbstverständlich, dast die Organi- sierung der Ausländer, also auch der Italiener, Ausgabe der be- treffenden gewerkschaftlichen Landeszentralen ist, war sich aber auch der Notwendigkeit bewußt, solchen Landeszentralen, die auf diesem Gebiete besonders in Anspruch genommen werden, helfend zur Seite zu stehen._ Noch keine Einigung im Eisenbahnerstreit. Prag. 8. November. Eine Mitteilung der Exekutive der Eiseiidohnerorgamsationen besagt, dast eine Plenarsitzung der Exekutive Berichte über das Er- gebms der Verhandlungen der politischen Parteien mit dem Minister- Präsidenten Svehla entgegennahm. Es kam zu einer Annäherung durch das Angebot des Blinisterpräsidenten, die strittigen Forderungen in Form von in die Pension einrechenbaren Zulagen auszugleichen. durch die die Gehaltsstufen der Eisenbahnbediensteten ergänzt wür- de». Es blieb jedoch eine Differenz bestellen, da das Angebot keines- weg» für ein« entsprechende Ungleichung des Einkommens der Eisen- bahnbediensteten an das Niveau des Besoldungsgesetzes genügen würde. Die Exekutive gibt der Ueberzeugunj� Ausdruck, daß die disziplinierte Dereitschaft auch im Falle der weiteren Verhandlungen gewahrt' werden wird, deren aussichtsvolle Beendigung bisher noch nicht garantiert ist. Aus der Partei. Ausschluß eines Moskau-Oelegierten. Paris, d November.(Eigertberichi.) Der sozialistische Abg. C a n n o n ist aus der Parin aus- geschlossen worden weil er der Einladung zur Zehnjahr«- s-ier der russischen Revolution nachgekommen ist. Als erschwerend für den Fall wurde erklärt, dost er an der Sitzung des Exekutivkomitees der Partei teilnahm, wo bereits ein ähnlicher Ausschluß beschlossen worden ist, wobei er nicht mitgeteilt hatte, daß er sich des gleichen Vergehens schuldig gemacht hatte. Die fünfte Gechstagenacht. Ehmer-Krofchel weiter in Führung!— Buschenhagen gibt auf Zu den Ereignissen der 5» Nacht, dke wieder graste Feld- Veränderungen brachte, sei zuerst der R u n d e» g e w i n r der Mannschaft Junge-Behrendt nachgetragen. Nach Beendigung der lv-Uhr-Abendwertnng löste sich Junge vom Felde, Behrendt ver- größerte bei der Ablösung den Dorsprung, während das Feld keine Miene machte, nachzusetzen. Und so holten Iunge-Behrendt eine Runde zurück. Um 11 Uhr abends gabdann Büschen- Hagen wegen Schulterprellung das Rennen auf. Koch ist Ersatz- mann. Das Feld zählt jetzt nur noch lv Mannschaften. In der ersten Morgenstunde gibt es eine Jagd, die die Mann- tchaft Dewotf-ran Kempen gut beherrscht. Sie holen eine Runde auf und rücken somit zur Spitzengruppe auf. Tietz, Rausch und Nickel stürzen: dos Rennen wird für kurze Zeit neutralisiert. Alle gestürzten Fahrer sind später wieder im Felde zu fiirden. Oie 2-llhr-Nachtwertung »erläuft ruhig. Nach ihrer Erlevigun� entpuppen sich R o u sch» Hürtgen al» Jäger im wahrsten Sinne und schließen ebenfalls zur Spitzen Aruppe auf, die nunmehr 5 Mannschaften zählt. Später können noch D o r n- R i ck e l ohne Müh« eine Rund« vom Derlusitonto abstreichen. Stand des Rennenö: 1. Chmer-Krosch«! 241 Punkt«. 2. lietz-Thollembeek 184 Punkte. 3. van Kempen-Dewols 145 Punkte. 4. Kroll-Mieth« 119 Punkte. Sc Rausch-Hllrtgen 56 Punkte. Eine Runde zu- r ü ck: 6. Iunge-Behrendt 125 Punkte. ZwelRundenzuruck: 7. Wambst-Lacquehay 31 Punkte. Drei Runden zurück: 8. Dorn-Rickel 94 Punkte. Bier Runden zurück: 9. Knappe- Tonani 175 Punkte. Sechs Runden zurück: 10. Kühl-Wette Ä Punkte. NeranIworUich für Potilik! Dr. Satt«*«(>; Wirtkchofl:<6.«n»g»n>stcr: Gewertlckasl-brweauna: 3. Steiner: Feuilleton:«.£. Dötcher: Lotale» »nd Coiiftiges: Fritz Na-S-dt:«njeigen: Itz.«lock«; sämtlich in Berlin Berlaa: Bormärto-Veetag® in. b H.. Berlin. Druck: BorwSrto.Buchdrnckeret und Berlagsgnsialt Paul Einger« Co, Berti» EW 68, Cinbenslrafie 3. KINO-TAFEL, Programm kür die Zeit vom S. bis 10 November btl Potsdamer Straße 38 Fe H7irw öincti dem Roman «»o nul von Herrn. Sudrrraani AuSerda Weitem Istersohafuboxkamps Oempsey— lunncf Turmslraße 12 ßleDame mit demTIgeilell o.E*«lenRichter,O.A;exandert3-Kastntir und das jtute Isciproj�ramm Pheinsiraße 14 Die Ansüesio�enen (H.lmk. d. Herzeitsi m Maljüelscliaft Fr. Korincr). AuScrdem: Well.ncltler- sctiaftsboxkampf Demp-cj— Tunner aieKanflenlf. 39-40� Der Landarzt.«�.,5°�'! dazu: Die elf Teuiel mit Erelya Holl OdeoöJ'öisdäürsir. 75 Eigfiinle, Sihaospiel aus den Leben roit Maria.tacobini, Kelnrich(ieorae dazu: Se'.n Hund mit los. Schildkraul *iktcfiaüdill!:l«!iB2!£iFrA"ekeu«r Nor nicht locker lassen! Auf der Böhne. Do und leäl Die große Ausstattungsrevue. MASS- Ansöge, Paletot», Mfinlel aus la deutrehen u. engl. 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