Morgenausgabe Nr. 530 A 269 44. Iahrgang WSchentlilb 10 monatlich Z�- Sfichsmort, voran« zadlbnr. Unter Streifband i« In. und Ausland aJO Äetchsmart pro Monat. * Der..Sonvart»' mit der illuitrier» ten Sonntagsbeilage.Voll und Ieit� sowie den Beilagen»Unterhaltung und Tiiien"»Au« der ffilmwelf, ..Frauenstimme�.»Der ttinder» freund"»Jugend- Vorwärts". Blick in die Bflcherwelt" und»Kulturarbeit" erscheint womentäglich«wel» «al. Sonntag, und Montag» einmal. Berliner Volksblatt Mittwoch 9. November 192? Groß-Verlin 1V Ps- Auswärts 15 pf. Dle el n I p a 1 1 Ige Ronpaeeillezeile so Pfennig. Rellamezetle 5— Reichs- Marl �»lelne Anzeigen" da, fettge- druckte Wort!tt Pfennig(zu'iiffia ztsei fcttgrbru ckte Worte) jede» weitere Wort Ig Plennig. Stellengesuche da» erste Wo« 15 Pfennig, jede« weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uder>5 Buchstaben zählen tfir zwei Worte. Ar bettsmatt t »eile SOPsennig. Familienanzeigen liir AdonnentenZestetOPiennia Anzeigen» annahmt im Sauptgeschnst Linden- ftraßeZ, wochentägl. von 8>/. bis 17 Uhr Jsntralovgan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 F r spi schert Dönhoff LDL— 297. Trlegrnmm-Adr.t Sozialdemokrat B rlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postsche-klonlo t Berlin 37530.— BanNonio: Bank der«rbeUer,«ngestelltei! und Beamten Wallstr. SS. Digkonto-Keselllchast, Deposttenkasie Lindenstr. S Neun Lahre Republik! Zum 9. November. Von Carl Severins. Seit neun Jahren bemühen fich einige Dutzend ehema- liger Heerführer und einige Hundert ihrer publizistischen Tra- banien um den Nachweis, daß Deutschlands Fall im Jahre 1918 nur die Folge des. dem Heere hinterrücks versetzten Dolch st oßes sei. Neun Jahre lang haben wir in der Ab- wehr dieser. Gcschichtsklittcrung die Versuche zurückgewiesen, das deutsche Volk für die Unfähigkeit seiner Heerführer, für den Mangel a» Erkenntnis der Grenzen unserer Leistungs- fähigkeit, für die Blindheit in der Vertretung der deutschen Kriegsziele, kurzum, für den absoluten Mangel an politischer Führung verantwortlich zu machen. Mit beispielloser Bra- vour haben sich die deutschen Truppen geschlagen, mit heroi- scher Entsagung und bewundernswerter Disziplin hat das Volk alle Leiden und Entbehrungen der Kriegsjahre getragen. Wer das bestreitet und den unausbleiblichen Zusammenbruch als das Werk der„Kieler Meuterer" und der„Miesmacher" in der Heimat bezeichnet, der fälscht nicht nur Geschichte, son- dern schmäht auch das eigene Volk. Heute brauchen wir freilich in der Abwehr dieser Ge- schichtsfälscher eigene Kräfte nicht mehr jonderüch aufzu- wenden. Die Memoiren der Heerführer und Politiker, die sich mit der Vorgeschichte und den Verlauf des Krieges be- schäftigfn. ergeben in ihrer vumme ein so anschauliches Bild von den Fehlern und Unterlassungen in der Politik und Heer- führung fener Jähre, daß seine Vorführung allein genügt, um selbst die emsigsten und skrupellosesten Kolvorteure der Dolchstoßlegende zum Schweigen zu bringen. Und was der eine Ludendorff in den letzten Monaten seiner öffentlichen „Tätigkeit" geleistet hat, das widerlegt mehr wie alle kritischen Einwendungen der republikanischen Parteien die frommen Märchen von der genialen deutschen Führung im Weltkriege. Wenn ein Mann mit diesem Hirn und Horizont über die militärische Leitung hinaus auch die Politik unter seine Botmäßigkeit bringen konnte, dann kann man sich nur dar- über wundern, daß der Zusammenbruch nicht schon viel früher erfolgte. Indes haben heute Betrachtungen über die S ch u l d a m sammenbruch ebensowenig Sinn, wie die Reden der Diplomaten über Fragen der Kriegsschuld. Die Soziäl- demokratie kann ihre Offensive gegen die Dolchstoßschwindler in anderer Form führen. Mögen die Ewig-Gestrigen und die politischen Klageweiber über den Zusammenbruch weiterhin echte oder Krokodilstränen vergießen— wir fragen heute» in der Mitte unserer Werbewoche: Was dünkt euch um den Wiederaufbau? Als am 9. November 1918 die Kunde von der u s- rufung der Republik durch die Lande eilte, da ging ein Aufatmen durch die Massen. Die Republik— das fühlte jeder— war der Friede! Vorbei das Blutvergießen, zu Ende die Zerstörung und der Hunger. Unter der Devise:„Für Friede. Freiheit und Brot!" begannen hie Volksbeauftragten ihre Tätigkeit. Aber schon einen Tag später sollte das deutsche Volk durch die Waffenstillstandsbedingungen der Entente erfahren, daß der Friede teuer erkauft werden müßte. daß an die Stelle der abgestreiften monarchischen Fesseln der Druck der Siegerstaaten treten würde. Und der Hunger blieb! - Mit jedem neuen Tage ergossen sich aus dem Westen und' dem Osten die breiten Ströme der zurückflutenden Truppen ins Land. Die vier Jahre lang in engen Grüben, in Schlamm und Blut, gehaust, strebten heim, wollten zum Weihnachtsfeste im Kreise der Familie sein. Nicht immer und nicht überall gelang die geordnete Rückführung, zu breit war der Mit- lionenstrom der Heimkebrer, zu stark der Drang nach Hause. Schon lange vor Beendigung des Krieges, als unsere Atmexiomsten noch von einem„Siegfrieden" träumten, mit einer Besetzung fremden Landes und mit einer beträchtlichen Kriegsentschädigung rechneten, da haben Vertreter von staat- lichen und gemeindlichen Behörden, Arbeiter-„und Unter» nehmeroraanisationen schwierige Problem der De- Mobilisierung eines Achtmillionen Heeres zwar erörtert, aber nicht zur Lösung gebrächt. Jetzt, nach dem Zusammenbruch, blieb für Erörterungen keine' Zeit mehr, jetzt muhte gehandelt werden. Und die schier unlösliche Aufgabe wurde gelöst: in einem Zeitraum von wenigen Wochen waren Millionen von heimgekehrten Soldaten wieder in ihre beruflichen Stellungen gebracht. Ohne Reibungen war das freilich nicht abgegangen. Wo die Ein- stellungen Verzögerungen erfuhren, wv der Hunczer un- erbsttlich an die Türen pochte, da waren Plünderungen von Lebensmittellägern und die gewaltsame Umleitung von Lebensmittelzüaen keine Seltenheit. Schließlich gelang es, auch diese Ausschreitungen einzudämmen und die Wirtschaft in leidlich geordnete Bahnen zu bringen. Unser Volk, das beim Zusammenbruch aus tausend Wunoen blutete, war vor dem Verbluten gerettet. In der Beurteilung der Geschehnisse, während und nach der Revolution, stehen naturgemäß die Vorgänge in Berlin im Vordergrund. In Berlin erfolgte die Pro- klamation der Republik» wurde die Regierung der Boltsbeauftragten eingesetzt, tagte der Zentralrat der beut- scheu Republik. Und die Verordnungen der Volksbeauftragten bildeten den Rechts- und Wirkungsboden für die Arbeit zum Wiederaufbau des Landes. Aber man wird dieser Arbeit nicht ganz gerecht, wenn man sie nur nach den Berliner Vorgängen beurteilt. Die stille und beharrliche Arbeit unserer Parteifreunde im Lande, die Unterbringung und Betreuung der heimkehrenden Soldaten, der Kampf um die gerechte Verteilung der Lebensmittel, die Abwehr neuer Zerstörungen im eigenen Lande— das waren zwar keine prunkenden Quadern, aber die solidesten Bausteine zur Befestigung des jungen Staatswesens, zur Errichtung des neuen Deutschlands. Und das Geheimnis dieses Wunders, der Schlüssel dieses schnellen Wiederaufstiegs heißt: Organisation, Es ist ein Glück für Deutschland im allgemeinen, wie für die deutsche Arbeiterklasse im besonderen, daß es der Gewaltpolitik Bismarcks nicht gelungen ist, das selbständige, politische Auf- treten der deutschen Arbeiter in der Sozialdemokratischen Partei zu unterdrücken. Seine Epigonen hätten willenlose Arbeitersklaven zwar in den Krieg kommandieren können, aber zum schöpferischen Aufbau eines niedergebrochenen Volkes gehörte der freie Mann, der nur die Unterordnung unter die Interessen der Gesamtheit kennt und anerkennt. Diesen freien Mann, den freien deutschen Arbeiter, hat die Organisation der Sozialdemokratie geschaffen und erzogen. Als er nach dem Machtgebot seiner politischen Unterdrücker kein Vaterland hatte, als seine treuesten Kameraden in den Schmachjahren des Sozialistengesetzes recht- und heimatlos von Ort zu Ort gehetzt wurden, da wurde ihm seine Organi- sation Schutz und Heimat, die Zufluchtsstätte der um ihrer Ueberzeugung Willen Geächteten und Verfolgten. Um jeden Fußbreit staatsbürgerlicher Rechte mußte er mit den Herr» schenden Gewalten ringen. Die Organisation verschaffte ihm das Rüstzeug. Die Lücken der Volksschulbildung, die an jedem Tage dieses Ringens allzu deutlich hervortraten, versuchte die Erziehungsarbeit der Organisation auszufüllen. So reifte der deutsche Arbeiter zum Staats- b ü r g e r heran, der an politischer Bildung und Disziplin die breitesten Schichten der Bourgeoisie bei weitem überragte, aber gerade darum sich auch nicht willig dem Schicksal der Recht- und Heimatlosigkeit exgab. Die Organisation sollte ihm die Kraft geben, den Staat jung zu hämmern, ihn zum Volksstaat, zum Staat freier Männer umzuformen... Die Kriegsnöte und der Bruderzwist in den eigenen Reihen hatte die Schlagkraft der Organisation bei Kriegsende unleugbar bedeutend geschwächt. Eine einige und geschlossene Partei am 9. November— und manche Streitfrage van heute, wie Fürstenabfindung und Einheitsstaat, Republikani- sierung der Verwaltung und der Wehr wäre nach mensch- lichem Ermessen sehr schnell geregelt worden. Für diese Hammerschläge zum Neubau des neuen Staates blieb damals keine Kraft und keine Zeit. Es galt zunächst den Staat über- Haupt am Leben zu erhalten, und die�e Aufgabe ist gelöst worden durch die Organisation der deutschen Arbeiterklasse. Die Machtmittel des alten Staates, Heer und Polizei, waren zerbrochen, die Ersatzmittel tehr fragwürdiger Natur. Die einzige wirksame StaatsgewMt in jenen Tagen war die von der Organisation gepflegte Einsicht und Vernunft, d i e Disziplin und Solidarität der deutschen Arbeiter. Dieser Staatsgewalt oerdankt Deutschland seine Rettung. Wir wollen uns dieses Werk gewiß nicht verkleinern lassen. Aber dürfen wir mit ihm schon zufrieden sein? Die vielen Pfeiler und Bastionen, die dem deutschen Volke den Weg zur politischen Freiheit und Mündigkeit versperrten, hat der 9. November 1918 hinweggefegt. Aber damit sind noch nicht alle Schranken gefallen. Wir brauchen die Kraft des ganzen werktätigen Volkes, um zu den Hammerschlägen aus- holen zu können» die alle Ketten sprengen und den Staat nach unserem Willen formen. Wir brauchen die Glut und die Begeisterung aller, um das Feuer zu entfachen, in dem wir ein neues Band, das Band der Menschenliebe schmieden wollen. Eine geschwächte Organisation hat Deutschland vor dem Tode errettet, die starke soll es zum wahren Frieden und zur wahren Freiheit führen. Die Angst um die Krone. Wie das preußische Kriegsministerium die Monarchie retten woltte. Der 9. November, der dem deutschen Volke die Republik gab, bestätigte die bangen Befürchtungen, mit denen man in Regierungskreisen seit Jahren das unaufhaltsame Fort- schreiten der antimonarchischen Strömungen bemerkt hsttte. Um diese /.Strömungen einzudämmen", fand am 25. Mai 1917 eine Kriegsministerialsitzung statt, in der bunt zu- sammengewürfelte Borschläge gemacht wurden, um das längst jn allen Fugen krachende Kaisertum wiederherzustellen. Eine Regierung aber, die nach drei blutigen Kriegsjahren und in der Not einer furchtbaren Zeit nichts anderes kannte, als dem Volke kindifcheAeußerlichkeitenzu bieten, wie sie in der Verleihung von Denkmünzen und Ehrenzeichen bestanden, und es wiederum über seinen Herrscher zu täuschen, wie es dreißig Jahre hindurch getäuscht worden war, und das Bild Wilhelms II. und seines Hauses in bengalischem Licht erstrahlen zu lassen, war zum Zusammenbruch reif ge- worden, und der eiserne Besen d?s 9. November fegte nur wertlos gewordenen Abfall zur Seite.� Wir geben das bisher itoch nicht veröffentlichte Dokument eitler naiven"Hilflosigkeit in seinem Wortlaut wieder: Sitzung Kriezsministerium SS. Mai 1917, wie den Wirkungen der antimonarchischen Strömungen entgegengetreten wird. Naben Aufklärung durch Presse, Geistlich«, Lehrer und Frauen auch Hebung der Stimmung im Volke durch! Krön». j a) gelegentliche Anerkennung der Aerdieiste der Zivil-| b c a m t e n in der Heimat während des Kriegeh, 1 b) umfangreiche 0rdensauszeichnungen z, B. Friedensauszeich- nungen an Beamte, Erweiterung der für das EK. am weißfchwarzen Bande Borzujchlagcnd�n und Hilfsdienstkreuz. Ferner muß S. ZN. der Kaiser, sowie sei« haus dem Volke wieder persänlich nähergebracht werden. Dies ist zu erreichen: a) durch häufigere Reisen S. Rl. nach Berlin und zu den kleinen Bundesstaaten, wodurch Gelegenheit gegeben ist, sich weiteren Dolks- kreisen zu zeigen und mit ihnen Fühlung zu nehmen. Diese Reisen müssen einen triftigen Grund haben und über ihreo Verlauf muß „in besserer Ausstattung als bisher berichtet werden."(!) b) S. M. soll Anteilnahme au Arbeiterkreisen zeigen durch Be- such« von größeren' Betrieben, Auszeichnungen von Arbeitgebern und -nehmern und durch vorübergehend« Einrichtung von kgl. Gebäuden als Erholungsheime. c) Presse und Film sollen mehr als bisher Aufklärungs- arbeit leisten über„die in harter Pfichterfüllung geleistete Arbeiks- tätigkeit des Monarchen und der MUglieder seiues Hauses 0), über die Einfachhell ihrer Lebensweise(!!), ihre Leistungen vor dem Feind«, ti) Regierungsmaßnahmen auf dem(Bebiet sozialer Fürsorge und zur Erleichterung der Ledensmitteloersorgung mSgllchs» auf Znitiatioe S. Hl. zurückzuführen. i) Für Ausland», und Jnlandspropaganda sind größere Geld- mittet zur Verfügung zu stellen. Für die Verwirklichung dieses Programms lagen die größten Schwierigkeiten bei S. Ät selbst. An Reisen und Reden hatte es freilich niemals gefehlt. Aber schon der Empfang von Parlamentariern war eine schwierige Sache. Dafür ein interessantes, bisher gleichfalls noch nicht be- kanntes Beispiel. Auf die Anfrage des Staatssekretärs im Auswärtigen Amte. Zimmermann, ob bei dem Empfang der Parlamentspräfidenten im Großen Haupt- quartier durch S. M. am 24. Januar 1917 auch die beiden Vizepräsidenten Paaschs und Dr. D o v e den Reichstags- Präsidenten begleiten dürften, erhielt Zimmermann die Antwort, daß davon dringend abzuraten sei. da S. M. zunächst jeden Empfang überhaupt„glatt" abgelehnt habe, und nur der Hinweis, daß es sich um eine �kleine An- zahl von Personen" handle, ihn geneigter stimmte.„Jetzt noch- mals darauf zurückzukommen, und zwar bezüglich an sich nicht sehr willkommener Personen dürfte gefährlühjein." Im übrigen spricht das Protokoll des Kriegsministeriums für sich selbst. Es war ein System der Lüge und der Furcht, das heute vor neun Jahren— für das deutsche Volk viel zu spät— sein längst verdientes Ende erreichte. Preußen amnestiert. Lieber 4000 Begnadigungen vollzogen.- Demagogie der Kommunisten. Gegen Monarchie und Klaggenstreii. Die Stimme eines Oeutschnationalen. Im Nooemberheft der.,PreußijchenIahrbücher" beschäftigt sich der Mitarbeiter der„Deutschen Tageszeitung" Dr. Bernhard v. S t e g m a n n u n d S t e i n mit der Partei- Politik der Deutschnativnalen. Er bekennt sich zum konserva- tiven Gedanken, verdammt aber die reaktionäre Politik der Deutschnationalen, die„ihre oft durch Alter verschärfte geistige Unbewegllchkest ins Krankhafte" steigerten, um dann fortzu- fahren: Nun wollen wir gewiß nicht verkennen, daß die Deutschnatio- nale Partei in letzter Zeit einige Fortschritte gemacht hat, um au» der Negativ« herauszukommen und praktische Erfolg« bereits er- rang. Aber die geistige Umwandlung und Modernisierung der Partei von Grund aus wird, wie zu befürchten ist, allzulange auf sich warte« lassen, wenn, wie bisher, nur gelegentlich und gleich- sam durch Hintertüren Konzessionen an die Zeit gemacht werden. Das Ha u.pt h i n d« r n i s bildet die monarchische Frage. Obwohl o», politisch gesprochen, eine solche in der Gegenwart gar nicht gibt— die Gemütsseite steht hier nicht zur Erörterung—. sucht man sie aus Rücksicht auf die Reaktionäre immer wieder in den Bordergrund zu rücken, und erfindet allerhand schillernd« Formulierungen, während man in prsxi nach r e p u b l i kä n i s ch e m Muster verfährt und verfahren muß. Ich .. erinnere vur. an den E Hd säcktlicher Stoatebeamten und Offiziere. Durch dieses Doppelspiel kommt ein Zug von Unanfricht'gkeik und Schwanken in die Rechtspolilik, die dem Staatswohl und bald auch der Partei— vielleicht werden es.schon die nächsten Wahlen er- ,sl»ejsen-�abträglich ist.» Di« Monarchie'sei durch jahrzehntelange Versündigungen Wtseiwativen ssi ein Strafgericht, jetzt gcibe es tein Züruck mehr: „Frankreich, das vor 159 Jahren, wie Deutschland« auf eine tausendjährige Monarchie zurückblickte, hat uns gezeigt, wohin es führt, wenn Stoaten die einmal gestürzt« Staatosorm wieder ein- führen wollen. Dreimal wurde der Versuch gemacht, und dreimal ist er gescheitert. Wir müssen uns klar fem, daß t» den nächsten Jahr» zehnten auch bei» n» der Versuch nur im Falle einer Kata- strvphe einige Aussicht auf vorübergehenden Erfolg hoben könnte. Vor einer solchen Katastrophe bewahr« uns ab?rderHimmel!". Der Mitarbeiter der„Deutschen Tageszeitung" wirft den Deutschnationalen weiter vor, daß sie sich gegen den konserva- tiven Gedanken versündigen, wenn sie sich gegen den Ein- heitsstaat und gegen die Gemeinschaftsschule wenden, und schließt dann mit den Worten: „Wahrhaftig, die Partei verleugnet ihre Grundsätze nicht, wen» sie in neuer Zeit dem neuen Staate dient, nein! sie ist dazu ver- pflichtet! So mag auch die Fahne Schwarzweißrot als Symbol männlich starker Politik und der Sehnsucht nach neuer Größe des Reiches, alle rechts st ehenden Parteien samineln. Doch muß es unkcr unserer Würde sein, sie In Feindschaft zur osfi- ziellen Reichsflogge zu stelleo und dadurch beide zu diokredilieren. Man soll dem Volke nicht vorspiegeln, daß bloß durch Flaggenwechset seelische oder materielle Aenderungen in der politischen Lage Deutsch- kands herbeigeführt werden könnten. Dazu ist die Ausgabe, die wir zu erfüllen haben, viel zu schwer und heilig." So wie der Mitarbeiter der„Deutschen Tageszeitung" denken viele Deutschnationale. Sie wagen aber ihre Ansich- ten aus Angst vor den Reaktionären nicht offen zu vertreten. Die Deutschnationale Partei steht unter der Knute der Konservativen. Auch Freytagh-Loringhoven wird nachdenklich. tSörtth.& November.(MTB.) In einer öffentlichen Versammlung der Deutschnationalen i Voltspartei sprach sich der Abgeordnete o. Freytagh-Loring- Hoven unter dem Thema„Dersasiungsreform" für Beide hat- tung des jetzigen Wahlrecht» aus. obwohl es der Deutsch- nationalen Partei im Grunde nicht zusagen könne. All« vorge- schlagenen Aenderungen würden nur den Mittelparteien zugute kommen. Die Partei sei also in einer ganz paradoxen Log«, könne aber nicht für die Aenderung eintreten, um nicht ihre Gegner zu stärken. Eine Annäherung an den S i n h« i t s st o a t sei er- strebenswert. Eine Monarchie könne nur durch um- wälzende außenpolitische Ereignisse wiederkommen. Stillegung stadtischer Bauten. Folge der Anleihesabotage der Reichsbank! Solingen.«. November. Die Stadt Solingen wird im Laufe dieser Woche s S m t- llch? städtischen Bauarbeit er», sosern e» sich nickt«m unbcdlnol notwendige Arbeiten handelt, stillegen, da die erforderlichen Gelder nichi aus dem Aaleihewege zu beschoften sind und lausende Mittel für die Fortführung der Bauten nicht zur Verfügung gestellt werdon können. Im Rechtsousschuß des Preußischen Landtags gelangte am Dienstag ein kommunistischer Amnestieanirag zur Beratung. ! Der Antrag war rus rein demagogischen Gründen gestellt: verlangte ! er doch die völlige Begnadigung für sämtliche pol tischen und von den Kommunisten für politisch gehaltenen Straftaten ohne Rück- ficht auf die Schwere der Tat. die Motive des Täters, die Höhe der Strafe, gleichgültig auch, ob von rechts oder links be- gangen. Rur die Fememörder der Schwarzen Reichswehr sollten ausgenommen se n. Der unsicheren Begründung b�rch den kommuni. stischen Abgeordneten O b u ch war anzumerken, daß dieser selbst die Schwäche seiner Position wohl erkannte. Für das preußische Justizministerium erklärte Ministerialrat Schäfer: Bei der letzten allgemeinen Amnestie des Jahres 1925 sind in Preußen 24 009 Begnadigungen ausgesprochen worden, darunter 7000 Niederschlagungen schwebender Verfahren, 12 000 erlassene Gefängnisstrasen, der Rest verteilt sich auf die übrigen Strafarten. Die jetzigen Einzelgnodenerweise anläßlich der Hindcnburg-Amnestie betragen aus Grund der bisher einge- gangenen Berchislisten bereits über 4000, diese Zahl ist jedoch eine vorläufige, da die Begnadigungen bisher noch nicht abge- schlössen sind. Die endgültige Zahl kann erst später bekanntgegeben werden. Es handelt sich meist um völlige Gnadenerlasse, nur bei einer Minderzahl von Fällen ist Bewährungsfrist verlangt Im Vergleich zu den übrigen Ländern und dem Reich stehe Preußen m't dieser Zahl von Begnadigungen absolut und relativ wahrschein- lich an erster Stelle. Für' die Sozialdemokratie führte Genosse Kuttner aus: Amnestieren heißt vergessen, einen Strich unter die Ereignisse machen. Die Regierung hat das ein paarmal getan, die Kommunisten ver- langen es immer w'eder von ihr. Wollen aber auch die Kommunisten einen Strich unter die Ereignisse bis 1923 machen? Nach den Oppositionsreden von Ruth Fischer und Schalem sowie nach gewissen Anzeichen auch im Preußischen Landtag könne man ja«ine ver- änderte Tottis der KPD. annehmen. Aber Obuch möge für die KPD ernmal offen erklären, daß sie die P u t s ch t a t t i k der früheren Jahre o e r w e l f e. Dann werde den Sozialdemokraten die Stellung zu einer Generalamnest!« sehr erleichtert sein. Grund- sätzlich sei auch er, der Redner, sehr dasür. unter die Ereignisse bis Ende 1923 einen Strich des Vergessens zu ziehen. Aber die Ein- stellung der noch schwebenden Hochoerralsprozesse ist R e i ch s s a ch e, wie denn übcrhoupi die Kommunisten ihr Amneslieoerlangen auf die Rechtsprechung des Reichsgerichts und der bayerischen Justiz stützen, an der Preußen nichts ändern kann. Würden nach dem kommunistischen Antrag sämtliche politischen Pergehen bis zum heutigen Tage ohne Ausnahme amnestiert werden, so'fielen auch darunter die. h a k e n k r e u z l e r i s ch e n Friedhofs- schön der. die nationalsozialistischen Messerhelden, die ge- meinen Verleumder repubtikanlscher Minister und Staats- männer usw. Das wollten doch auch die Kommunisten nicht. Des- wegen'st für di? letzten Jahre, in denen dos politische Delikt ohne- hin nicht mehr Massenerscheinung gewesen ist, das System der Einzelbegnadigung vorzuziehen, bei dem man die Fälle nach wirk- lichen Gerechtigkeitserwägungen aussuchen kann. Schließlich hat ja auch die Sowjetunion die Grenze ihrer Begnadigungen beim Jahre 1923 gezogen und obendrein sämlliche politischen Gegner aus- geschlossen. In einer sehr matten Entgegnung erklärte Obuch, den Stand- punkt der Kommunisten zur Putschtaktik nicht darlegen zu können. Es käme auch aus sein« Slellung gar mchi an(natürlich, nur auf die Mostausl). Der kommunistische Airtrag wurde daraus gegen die Stimmen der beiden Kommunisten abgelehnt. Auch diese Debatte hat gezeigt, daß die republikanische preußische Regierung praktisch weit mehr tut als die Kommunisten mit ihren Demonstrationsnnträgen. Die Zahl von 4000 Begnadigungen dürfte noch erheblich größer wetden. Schon jetzt nimmt sie sich jehr wohltuend aus gegen den wenigen Dutzend Begnadigungen, die die reaktionäre Reichsvegientng vorge- nommen hat. Oer Herr von Mm und presse. Hugenbergs Bekenninisse.* Wie bereits angekündigt, hat Hugenberg seine Red« auf dem deutschnationalen Parteitag von Westfalen-Ost jetzt durch seine„Telegraphen-Union" der Presse übergeben. Diese Rede enthält die schwer st en Angriffe gegen die Leitung des Jungdeutschen Ordens, die er der Sache, wenn auch nicht dem Grade nach, mit der„Menschheit" des Professors Förster auf eine Stufe stellt, und da er klipp und klar den Professor als einen„Vaterlandsverräter" bezeichnet, so wissen die Jung- deutschen jetzt genau, wie Herr Hugenberg ihre Führer ein- schätzt.■'-■ lieber den Streit zwischen diesen beiden„nationalen Potenzen" hinaus aber haben einige Aeußerungen Hugen- bergs Allgemeininteresss, z. B. die folgende: Mit Herrn Minister Schiele bin ich durchaus einig, daß es dem Herrn Minister nur sehr erwünscht sein kann, wenn er au» dem Lande heran» drängend« und dringende Schreie hört, die ihm den Hintergrund geben dafür, seinerseits sich im Kabinett mit den Forde- ruageo für die Landwirtschaft durchzusehen. Damit, daß diese Forde- rangen im Kabinett gestellt werden, sind sie nicht durchgesetzt, weil nicht die Deutschnationale Bolkspartoi allein regiert. Sorgen Sie dafür, daß sie allein regiere, dann werde« wir alle» machen. Hugenberg verrät also qanz offenherzig, welchen Zweck das Geschrei der Agrarierpresse über die„Not- läge der Landwirtschaft" haben soll. Es ist nur dazu be- stimmt, dem deutschnationalen Minister Vorwände zu neuen agrarischen Gesetzesforderungen in die iiand zu geben, während die deutschnationalen Abgeordneten im Lande weiter nach dem Rezepte Hugenbergs agitieren: „Wenn wir allein regieren, werden wir alles machenl" Hugenberg kam in seiner Antwort auf den jungdeutschen Oppositionsredner auch auf feine Beziehungen zur U f a zu sprechen, und er berichtete darüber ebenso offen- herzig: Die Mehrheit der Ufa liegt in den Händen der nationalen Gruppe, von der ich vorhin gesprochen habe, und ich habe jedem, der es hören wollt«, bei Einleitung de« Geschäft» gesagt, daß ich e» nur macheu würde, wenn mein einheitlicher und ausschlaggebender Ein- sluß klar sei. Wenn aus dieser Grundlag« ander« mitgehen wollen, so kann mir das nur sehr lieb sein.. Die nationale Gesellschaft, von der er spricht, besteht nach seiner Darstellung in einer Organisation, an„deren Spitze zwölf nationale Männer" stehen und in derem Auftrage er während der Inflation Blätter,„die bis dahin den nationalen Kurs nicht eingehalten hatten", erworben hat. um sie nicht an die großen demokratischen Presseunter- nehmungen fallen zu lassen. Mit Hilfe der„nationalen Organisation" zur Herstellung der Hugenbergschen Meinung»- fabriken hat er sich nun auch, wie er offen zugibt, die große Ufa-Gesellschaft dienstbar gemacht in dem Maße, daß er. der Allgewaltige deutschnationaler Politik, in diesem Film- konzern allein zu bestimmen hat!- Die ungeheure Propagandamacht, die dieser Presse- magnat so in seiner Hand vereinigt, darf nicht unterschätzt werden. Aber sie wird in ihren Auswirkungen scheitern an dem festen Willen, der ihrer Interessen bewußten Arbeiter- klasse. Seine Ausführungen geben unseren Parteigenossen einen neuen Ansporn, zu werben für die vow- Kapitalskonzernen unabhängige sozialdemokratische Presse! Das Recht aus die Wohnung. Bürgerliche Parteien für den Mietwucher. > Im Wohnungpausschuß de» Reichstags, der am Dienstag sein« Beratungen über die Abänderung des Reichsmieten- gejetzes aufnahm, kam es zu scharfen Auseinandersetzungen über die Ziele der Wohnungspolitit. Die Forderung nach einem sozialen Mietrecht, wie sie vom Genossen Lipins�i vorgetragen und mit der Notlag« des Wohnungsmarktes begründet wurde, fand die Gegnerschaft d«» deutschnationalen Reichsministers H e r g t. Dieser aber wurde noch übertroffen von dem Volksparteiler Beythlen und von dem deutschnalionalen Abgeordneten Steiniger, die jeden Versuch, dos Recht der breiten Massen auf eine angemessen« Wohnimg sicherzustellen, als eine Art Soz,allsl«rung de» Haus- besitzes bezeichneten. Steiniger stellt« sich dabei sogar auf den Standpunkt, auch beim wuchernden Hausbesitzer sei der Eigen- tumsbegriff heilig. Rur so nebenher erkannten beide Rednez an, daß in anormalen Zeiten wie jetzt ein gewisser Mieterschutz bleiben müsse. Demgegenüber trat Abg. Silberschmidt(Soz.) als warmer �Fürsprecher für die notleidenden Mieter auf. Er zeigte die großen «esahren für die Loltsgesundheit, die sich bei einer Lockerung der Wohnungszwanzswirtschaft ergeben müßten. Gesund- heit, Sittlichkeit und Sparsamkeit als zentrale Kulturvorausseßungen der Nation müssen die Richtlinien bei der Neuordnung des Wohn- rechts bilden Das Roma den tum des Mieters, der weder dem Vermieter noch Dritten gegenüber sich rechtlich als Wohnung». Herr betrachlen kann, weil dos Schwert der Kündigung über Ihm schwebt, ist eine Belastung für den gesunden Zu- sammenhalt de» Dvlksganzen. Die Wiederherstellung des ftüheren Rechtszustandes der völligen Freiheit des Besitzenden würde unerträglich sein. Di« Eigensucht des glücklich Besitzenden, die in der Aufhebung und Sabotierong de, Beschiagrechl» von Groß- Wohnungen ihren schlimmsten Ausdruck fand, hatte für das un- glückliche Fünftel deä Ration, dos feit dem Kriege in die Ehe trat, mit der Wohnungslofigtett auch den Zwang zur Kinder- losigkeil zur Folg«. Die Geburtenverminderung bildet das Mene- tekel für den indioiduali stischen Maleriolismu« auf dem Gebiete des Wohnrechts. Der Standpunkt des.Herr im Haufe", des Besitzers des bürgerlichen Rech!», war nur erträglich, solange immer neue Massen bereit waren, die Wohnungen zu füllen, ohne Rücksicht darauf, ob die Wohnung noch der Rechtslage ein wirkliches Heim sein konnte. Heute ist es notwendig, die Wohnungsnormen so umzugestalten, daß aus der Wohnung wirtlich ein Heim wird. Es handelt sich um da, heimrech« auch des nicht Boden Besitzenden und diese Frage rührt an die Existenz der Nallon. Für die Materiali-' sten allerdings bedeutet dieser Weg den bitteren, aber notwendnen Verzicht auf bisher geschützte freie Willkürrechte des Be- sitzenden. Eine unttebsame Verzögerung. Ertrankung des polnischen Verhandlungsführers. Der Departementsdirektor im polnischen Außenministerium Dr. Jackowskt. de- mit der Führung der polnischen Handels- delegation beauftragt wurde und sich am Mittwoch nach Berlin begeben wollte. Ist leicht erkrankt. Die A u f n a h m e d e r d e u t s ch- polnischen Besprechung in Berlin wird sich deshalb um einige Tage verzögern lieber da« Programm der deutsch- polnischen Besprechungen er» fahren wir, döß zunächst eine Fühlungnahme zwischen Iackcwsti und Stresemann MlFrage kommt. Dabei sollen die grundlegenden Fragen der deuisch-polnischen Wirtschafts- beziehungen erörtert und die politischen Poraussetzungen sllr eck deutsch-polnisches Wittschafts- und Handelsabkommen geschaffen werden. Die Behandlmig der Cinzctsragen übernimmt, soweit sie sich auf den eigentlichen Handelsvertrag(Tarife usw.) beziehen,»n späteren Stodium der Verhandlungen Dr. Posse vom Reichswitt- Ichaftsmlnisterium. Di« Regelung der übrigen Fragen ist besonderen Besprechungen zwischen dem deutschen Gesandten in Warschau. Rauscher, und dem polnischen Außenminister vorbehalten. „Oer Sieg war zum Greifen nahe". Tirpitz biegt Balten in Schweden. Der Großadmiral a. D. und deulschnationale Neichstagsabgeard. nete o. T i r p i tz ist, den Spuren Ludendorfss und Kopps folgend, nach Schweden gereist. Er redet dort und läßt sich intcr- viswen. Einem Verlreler des.�tflonbladet" z. B. versicherte er, daß die deutsche Flate im Oktober 1918 gute Aussichten für einen endfcheidendenÄamps gegen die englische Flotte gehabt habe, nachdem die Unterseeboote in die deutschen Häfen �irückgekehrt waren und zusammen mit der Hochseeflotte eingesetzt werden konnten. Nach dem Plan Admiral H i p p c r s sollte die deutsche Hochseeflotte in den Kanal auslaufen und die Verbindung zwischen England und Frank- reich unterbrechen. Bei dem daraits zu erwartenden Angriff der eng- tischen Flotte sollten zunächst die deutschen Unterseeboote voll eingesetzt werden, deyi Gegner großen Schaden zufügen und dann de? Hochsee- flotte die Vollendung des Jerstörungswerks zu überlassen. D i e Revolution habe den Sieg berhindert. Jeder Unterrichtete weiß, daß der Krieg nach den Erklärungen der OHL. schon im September verloren, daß er nach dem Zu- sammenbruch sämtlicher Verbündeter Deutschlands gar nicht weiter zu führen war. Ein Seesieg, der nur in der Phantasie der Admirole möglich war. hätte an dem Kriegsergebnis auch nichts mehr ge- ändert. Es war ein Glück für Teutschland, daß die Matrose» den Wahnsinnsplan ihrer Vorgesetzten zunichte machten. Herr o, Tirpitz aber, der deutschnationale Abgeordnete, fährt im Ausland spazieren und verleumdet mit seinen Dolchstoßlügen das deutsch« Volk. Die Beamtenbesoldungsreform. Regierungsparteien schweigen im Ausschuß. Der Ausschuß für den Reichshaushalt trat am Dienstag in die Spezialberatung des Beamte nbesoldungsgesetzes ein und brachte sie bis zum Z 5. Von den drei Oppositionspartelen. den Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten, lagen zu allen Paragraphen zahlreiche Abänderungsanträge vor. Jnsbe- sondere die sozialdemokratischen Anträge, die allgemein als sachge- maß und beachtlich bezeichnet wurden, gaben Anlaß zu aussühr- lichen Debatten. Diese Debatten wurden allerdings nahezu aus- schließlich von den Rednern der Opposition bestritten. Di« R e- gierungsparteien und die Vertreter der Regierung selbst hielten an der bisherigen Taktik fest und nahmen, wenn überhaupt, nur zu kurzen Erklärungen das Wort. Der grundsätzliche Z 1 der Vorlage lautet: Die planmäßigen Rcichsbeamten erhaltest ein G r u n d g e- halt und einen Wohnungszufchuß. Daneben erhalten sie Kinder zuschlüge und, soweit es in diesem Gesetz be- stimmt oder zugelasien ist, Zulagen. Nach dem sozialdemokratischen Antrag sollte diese Bestimmung wie solgt gefaßt werden: Dns Diensteinkommen der Reichsbeamten besteht aus a) dem Grundgehalt und b) dem O r t s z u s ch l a g. Neben diesem Dienst- einkommen erhalte» die Reichsbeamten Kinderzuschläge. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag ebenso wie alle anderen Abänderungsanträge der Opposition a b g e- lehnt und die beratenen Paragraphen in der Fassung der Regie- rung vorläge angenommen. Nur in einer Bestimmung des Z 3 nahmen die Regierungsparteien eine erhebliche Einschränkung vor. Nach der Regierungevorlage sollten die Beamten do» Bureaus des Reichspräsi�dx»vte n und der Reichskanzlei i» die Dienstollere stufen nach dein Ermessen des Reichspräsidenten od« Reiche kanzlers eingewiesen werdisti. Di« Regierungsparteien Anderten liefe Besilmmung dahin, daß solche Einweisung nach dem billigen Ermessen des Reichspräsidenten oder des Reichskanzler» nur bei ihrer er st maligen. Uebernahme erfolgen dürfe. Die schreckliche Neun! Paul Boncours Programm. Als Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses. Paris, 8. November.(Eigenbericht.) Als Nachfolger des zurückgetretenen Abg. Franklin Bouillon wurde heut» der Sozialist Paul Boncour zum Vorsitzenden de� .Auswärtigen Ausschusses der Kammer gewählt. Von den abge- gcbenen 32 Stimmen— bei 44 Mitgliedern— erhielt Paul Boncour schon im ersten Wahlgang 21 Stimmen. Für Ihn haben außer den Sozialdemokraten sämtlich« bürgerlichen Linksparteiler gestimmt. Die „gemüßigten Republikaner" hatten als Gegenkandidaten den Abg. Barthelsmy aufgestellt, der es jedoch nur auf 9 Stimmen' brachte. Die gesamte Rechte war der Wahl ferngeblieben, da sie von der Aussichtslosigkeit eines Kampfe» überzeugt war. In der Ansprache, mit der Paul Boncour sein Amt antrat, erinnerte et daran, daß er seit seinem Eintritt in das Parlament seine ganze Kraft ausschließlich den Problemen der Dölkersiche- r ii n g und der n a t i o n a l e n Verteidigung gewidmtt habe. Durch seine Wahl habe die Kommission ebenso wie durch die seiner- zeit fast einmütig ersolgte Zustimmung zu den Verträgen von Locarno den Wunsch nach Fortführung der Politik des Friedens und der Verständigung bekundet. Diese Politik müsse ohne Schwanken, aber auch ohne Illusionen fortgesetzt werden. Frank- reich werde kein« der Sicherheiten opfern, die es augenblicklich besitze, ohne daß ihm In einer gleichwertigen Internationalen G a- rantie der volle Gegenwert geboten werde: es werde unentwegt an der eingeschlagenen Politik festhalten, die allein die Möglichkeit biete, künstige Kriege zu verhindern. Sozialistische Stattritik. ' Di« Kammer hat am D'enstag die Ttatberatung für 1928 begonnen. Wie im letzten Jahre, ist auch diesmal die Generalauesprach« bis zur Beratung des eigentlichen Finanzgefstzes zurückgestellt. In der Einzeiberrtung des Ministeriums sür Öffentliche Arbeiten be- schwert« sich Gen. F a u r e über die Kohlenpol'tik der Regierung, die nur zu Feierschichten und zu Lohnbewegungen ge- führt hat. Gen.'B e d o u c e klagte über den schlechten Zustand der St aßen und regte an. wieder in größerem Maße die deutschen Sachlieferungen heranzuziehen. Minister Tardieu wich ein«, klaren Antwort aus. BriiischesGilber— russisches Giaaisgui. Riga, 8. November.(TU.) Die letlländisch« Kriminalpolizei beschlagnahmt«, nach einer Meldung der..Sewodnja", im Rigaer Zollamt auf Bitten der e n g l i s ch e n G e s a n d t s ch a f t«ine Silbersendung, die au» Rußland. stammte. Bei der Prüfung ergab sich, daß d« Silber der früheren englischen Mission in Petersburg gehört hatte. Im Zusammenhang mit der Beschlagnahm« sind vier Personen oekha stet worden. Sie bleibt lebendig! Oer Fall Osrar Slater. Seit llVa Jahren im Zuchthaus- vielleicht unschuldig! Eine Zuchihausiragödie in Schottland: Nicht entlassen, weil staatenlos.- Das Auswärtige Amt soll eingreifen. Das englische Arbeiterblntt„Daily Herald" veröffentlicht am 4. No- oember an hervorragender Stelle einen aussehenerregenden Artikel über den Fall Oscar Slater. Es handelt sich um einen ehe- maligen reichsdeutfchen.Staatsangehörigen südischer Abstammung, der im Jahre 1908 nach Amerika auswcndeite, jedoch aus britisches Verlange» wieder ausgeliefert wurde, weil er im Verdacht stand. In Glasgow einen Raubmord an einer älteren wohl- habenden Frau begangen zu haben. Das houptbekastende Moment gegen Slater bestsnd darin, daß er ein« wertvolle Diamant- b r o s ch e für 50 Pfund versetzt hatte, die angeblich der Ermordeten gehört hatte. Das Hausmädchen der Ermordeten erkannt« jedoch .die versetzse Brosche nicht als dys Eigentum ihrer Herrin: später stellt« sich schfar heraus, daß die" versehung vi« Wochen vor dem Word erfolgt war. Dennach war er im Mai 1909 vom Schwurgericht in Edinburg zum Tode oerurteilt worden: Neun Geschworene hatten ihn für schuldig befunden, fünf hotten ihr Votum dahin abgegeben, daß die„Schuld nicht erwiesen" sei. einer hatte ihn sogar für unschuldig erklärt. V Am Vorabend der Hinrichtung erreichte eine' von 20 000 Bürgern unterzeichnete Petition. die den Schuldbeweis als ungenügend bezeichnet«, daß Slater be- gnadigt, d. h. zu lebenslänglichem Zuchthaus oenirteilt wurde. Alle späteren Versuch«, das Verfahren wieder zu«öffnen, schlugen fehl. Es ist nun in England üblich, lebenslänglich« Zuchthäusler, die sich guj aufgeführt und arbeitsam gezeigt hoben, nach zwölf, höchstens fünfzehn Jahren zu entlasten. Diese Voraus- setzungen trafen auf Slater zu. Doch wird er seit 1921 unentwegt im Zuchthaus behalten aus einem sonderbaren Grunde, den ein hoher britischer Gefangnisbeamter dem„Dolly Herald" selbst enthüllte: -»Slater kann deshalb nicht enllassen werden, weil er„staatenlos" ist. Cr hat die deutsche Nationalität verloren, die englische nicht erwerben können. Wenn er in Irgendeinen? Land«in Domizil nochweisen könnte, dann würde er glatt entlassen und in dieses Land abgeschoben werden. Da er das nicht kann, w'rd er In der Strafanstalt von Peterhead behalten! Dabei ist, wie der berühmte Kriminolromanschriststeller Conan Doyle, der sich sehr für Slater einsetzt und dieses Argument als eine lächerliche buroautratische Spitzfindigkeit bezeichnet, die frühere deutsche Adresse Slaters sehr wohl bekannt, da das letzte, was er vor seiner 8luswander»ng aus England getan hatte, war. eine Geld- a n w c is ii n g in Höhe von fünf Pfund an seinen alten, in Deutsch- jland wohnenden Vater zu senden. Piese Adreste kennen die eng- lisch«» B-'hörden. Wir meinen, daß unabhängig davon, ob Slater schuldig oder unschuldig war— Conan Doyle hält ihn unbedingt für unschuldig — etwas für den Mann geschehen muß, der seil fast 18 Zahren im Zuchthaus sitzt und normalerweise seit\rei. vielleicht sogar seit acht Jahren hätte in Freiheit gesetzt werden müsten. Da min stark« Argumente da- für sprechen, daß er sogar gänzlich unschuldig ist. ist es u. E dl« Pfl'cht auch her deutschen DeHörden, sich>pit den zuständigen englischen Stellen In Verbindung zu setzen. Der Mann war sicher einmal Deutscher. Wenn ,er,' aus welchen Gründen immer, die s deutsch« Staatsrngehörigkeit verloren hat und, wie namentlich so i viele Ostsuden,„staatenlos" geworden ist, dann genügt wahrscheinlich � nur ein Wo:t der deutschen Botschaft, um der Tragödie von� Peterhead ein End« zu machen. Es sche'nt sogar, daß die englischen DeHörden es nicht ungern sehen würden, wenn Deutsch- lond Slate� nachträglich reklamieren würde, damit sie von dem bureaukradischen Dilemma befreit werden, in dem sie sich befinden. Wir meinen sedenfalls, daß das Auswärtige Amt der deut- schen Botschaft in London dt« Anweisung geben sollte, diese traurige Angelegenheit in die Hand zu nehmen und nötigenfalls von sich aus Oscar Slätep als Reichsdeutschen zu reklamieren. Damit würde da» Reich einen Akt der Menschlichkeit vollziehen, unabhängig davon, ob Slater an dem Glasgower Mord beteil'gt war oder nicht: War er schuldig, dann hat er durch 18 Jahre Zuchthaus wohl hart genug gebüßt.— War er tziber unschuldig, welche grauenhaste Tragödie! Und welche Lehre sür die Anhänger d« Todesstrafe in Deutschland. daß dieser Mann, obwohl vielleicht tinschuldig, nur durch eine groß- Zügige, spontan« Petition von 20000 englischen Bürgern dem Henker entrissen werden konnte! Oer Weliglaubiger in Washington. 400 Million«» Goldmarl au einem Tage! � Washington. 8. November. Nach einer Zusammenstellung des Schatzamtes sind am lö. Dezember folgend« Raren fremder Schulden fällig: von Eng- lond 92 575 000 Dollar, von der Tschechoslowakei 1S00 000 Dollar, von Belgien 1 12S 000 Dollar, von Polen 1 000 000 Dollar, serner kleiner« Beträge von Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen und Estlcknd von insgesamt 9 657 400 Dollar. Als vorläufig uneinbringlich wurden vom Schatzamt 250 Mil- lionen Dollar von Rußland und 16 Millionen Dollar von Armenien abgeschrieben. Lfagarischer Anleiheschwindel. Angeblich rein private Aktion. Poris, 8. November.(Eigenbericht.) Die ungarisch« Gesandtschast gibt eine offizielle Darstellung über die Anleihefälschungen, wegen der am Dienstag in Paris drei Vep- Haftungen vorgenommen wurden. Es handelt sich dabei um o e r- boten« Am ssuhr österreichisch-ungarischer V o r- zugsanle(hen aus Ungarn, die mit einem falschen ausländischen Stempel versehen wurden Das Manöver hatte den Zweck, die Anleihesiücke, die in Ungarn nur mit Papierkronen verzinst wurden. als' angeblich ausländischen Besitz mit Goldkronen vcr- zinsen zu lassen. Die ungarische Regierung hat gegen die Fälscher Klage eingereicht. Die Angelegenheit, stelle sich also als eine rein private Betrugsassäre dar, für die die ungorisrf'''"• gierung eine Verantwortung nicht treffen könne. Lockerung der Handelshemmungen. IS Staaten stimmen dem Genfer Abkommen zu. Genf, 8. Nooemb«.(Eigenbericht.) Das international« Abkommen über die Abschaffung der Ein. und Ausfuhrverbote wurde gestern in Eenf von 18 Ländern unterzeichnet, nachdem die Staaten Japan, Rumänien und Südslawien noch nachträglich ihre Zust'niinunjj zu dem Protokoll gegeben hatten. Amerika behielt sich eine endgültige Stellung- nähme noch vor. So wenig befriedigend die Regelung im einzelnen ist, wenn man von der Konferenz«in« wesentlich fieihe tlichere Gestaltung de» internationalen Handele Verkehrs erwartet hatte, so läßt sich ein bedeutender Fortschritt nach der Richtung nicht ver kennen, daß die Konserenz den ersten dedeutenden inter nationalen Vertrag zwischen einer großen Anzahl von Staaten zur gemeinsamen Regelung internal analer Hand«lssrag«> ausgearlieitet hat. Der Präsident der Konferenz, d« Hollän>' Colijn, würdigte das auch in ssiner Schlußanfprache. Die Berliner ASP. gesprengt. Wie„Der Jungdeutsche" meldet. hat der Parteisekretär der Ortsgruppe Berlin der sog.„Alten So- zialdemokratischen Partei", Bernhard Rausch, sein Amt niedergelegt. Er geht nach Halle a. d. S. zum Landesverband Mittel- deutfchland des Stahlhelms, wo er anscheinend Sozialreferent unter Duesterberg werden soll. Raiisch war schon seit längerer Zeit Mitarbeiter bei der Zeitschrift Duesterberg», dem„Alten Dessauer". Sunderltausend Arbeiter ausgesperrt. Oer Michsarbeiismim'ster aniworiet den Zigarrenfabrikanien. Das Wolsf-Lureau verbreitet die Meldung, daß dos Reichs- arbeitsmtmsterium etfloic, es bestehe keine Möglichkeit, in dem Streit der Zigarrenindustrie einen besonderen Schlich- t e r z u st e l l e n, da der Tarifvertrag unkündbar bis zum 31. März 1923 laufe. Das ist die Antwort des Reichsarbeitsministerz an die Zigarrenfabrikanten, die in ihrer Darstellung über den Verlauf des Kampfes in der Zigarrcnindustrie erklärt haben, bah nur noch durch ein Eingreifen des Reichsarbdtsmlnisleriums die Aussperrung vielleicht verhindert werden könne. Di« Zigarren- fabrikanten fügten jedoch hinzu, daß an dem bestehenden Tarif- vertrag nichts geändert werden könne und daß sie auf seiner striktWi Aufrechterhalt ung beständen. Was die Zigarrenfabrikanten oder vielmehr ihre Syndizi mit dieser Kundgebung bezweckten, was sie sich dabei gedacht haben, blieb reichlich dunkel. Der Reichsarbeitsnünifter sollte auf Wunsch der Unternehiner eine Aussperrung verhindern, die die Unternehmer durchführen. Er sollte einen Tarifvertrag aufrechterhalten, den die Unternehmer durch die Aussperrung gebrochen Izaben. Er sollte die Arbeiter gewissermaßen zwingen, weiter zu arbeiten, nachdem sie von den Unternehmern ausgesperrt worden sind. Der Reichsarbeits- minister sollte also gewisserinaßen den Arbeitern die Vernunft beibringen, die den Unternehmern fehlt. Die Mitteilung des R.ichsarbeitsministeriums ist die Autworl auf die konfuse Anregung der Unternehmer. Wir glauben nicht, daß das Reichsarbeilsnünisterium sich weigern wird, einen Bermittlungs- versuch zu machen, um, wenn es möglich ist, die Aussperrung von mehr als hunderttausend Zigorrenarbeitern zu verhindern. Das Reichsarbeitsministcrium kann das aber nur dann tun, wenn die Unternehmer erklären, daß sie nicht an den Buch- st oben eines Vertrages sich klammern, den sie selbst bereits gebrochen haben. Gegenwärtig dürften bereits über 20 000 Zigarren arbeiter ausgesperrt sein, oder nach vollzogener Kündigung durch die Unternehmer die Arbeit eingestellt haben. Ein kleiner Teil der Unternehmer hat nicht gekündigt oder die Kündigung wieder zurückgenommen, während die Ziggroenfabrikanten in Bremen die Forderung der Arbeiter,"die als Antwort auf die Kündigung erhoben worden ist, bewilligt haben. Da insgesamt etwa 120 000 Arbeiter und Arbeiterinnen in der Zigarrenindustrie beschäftigt werden, dürste die Zahl der Aus- gesperrten am kominenden Sonnabend sich auf über 100 000 Arbeiter und Arbeiterinnen belaufen. Das ist eine f u r ch t b a r« Z a h l. Die Masie der Ausgesperrten ist derart, daß alkgemeine wirtschaftliche Rück- w i r k u n gen durch die Aussperrung gan� unvermeidlich sind Es kommt hinzu, daß nicht nur die unmittelbar von der Aus-- sperrung betroffenen Arbeiter und Arbeiterinnen in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern ein großer Kreis von Angestellten, Hand- lern und Arbeitern, die mit dem Vertrieb und dem Transport der Zigarren beschäftigt sind. Wie groß dieser Kreis von Personen ist, läßt sich nicht ohne uxiteres feststellen. Er dürste jedoch gleichfalls in die Tausende gehen. Es ist ohne weiteres klar, daß die Behörden einem Jampf von solchen Ausmaß nicht teilnahmslos gegenüberstehen können. Das Reichsarbeitsministerium hat aber keine Handhabe� um die Unternehmer zu verhindern, die Arbeiter auszusperren. Auch die Slrbeiterschast kann dies nicht verhindern. Die Zigarrenarbciter selbst haben allerdings darauf die einzig mögliche Antwort gegeben und eine Lohnforderung von 15 Proz. gestellt. Diese Lohnforderung mag absolut sehr hoch erscheinen. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß der Durchschnittslohn der Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarrenindustrie nur etwas über 19 Mark beträgt, so ist die absolute Höhe der Lohnforderung besonders mit Rücksicht auf die elenden Löhne der Arbeiterschaft gering. Der Staat, der die Tabatindustrie mit einer beispiellos hohen Steuer belastet hat, ist freilich mitschuldig an den elenden Löhnen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarrenindustrie. Es muß allerdings dabei be- tont werden, daß die Lölnie der Arbeiter und Arbeiterinnen vor der Einführung dieser hohen Steuern keine besseren waren. Es muß weiter darauf hingewiesen werden, daß die Zigarrenfabrikanten durch Prohibitlozöli« faktisch ein Monopol in Deutschland be- sitzen. Di« Zigarrbnsabrikanten können sich also nicht aus die ausländische Konkurrenz berufen. um die elenden Löhne der Tabakarbeiler zu rechtfertigen. Diese elenden Löhne sind ein sozialer Schandsleck. Die Zigari ensabritanten haben durch die Aussperrung ganz gewiß nicht ihre Lage vcrbassert. Indem sie, weil in Leipzig �.60 Arbeiter streikten, mehr als 100 000 Arbeiter in ganz Deutschland aussperren, haben sie die gesamte Oeffentlichkeit gegen sich herausgefordert. Die Lohnbewegung der Former . Oer VBMI. will nicht. Gestern fanden zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und dem Verband Berliner Metallindustrieller Verhandlungen statt, auf Grund der Lohnforderungen der Former in den VBMJ.- Betrieben, die Löhne um 15 Proz. zu erhöhen. Wie vorauszusehen war. lehnt.« der VBMJ. diese Forderung glatt ob. Cr ging aber noch weiter. Die Vertreter des VBMJ. erklärten, die Löhne der Foriner feien hoch genug. Der VBMJ. wäre deshalb außer- stände, eine allgemeine Lohnerhöhung vorzunehmen. Nur da, wo die Akkorde besonders schlecht feien, könne man von Fall zu Fall in den Betrieben eine Aufbesserung oockrehmen. Zu dieser Antwort des VBMJ. wird heute eine Vertrauens- männerkonferenz der Former Stellung nehmen. Welche Beschlüsse die Vertrauensmänner fassen werden, können wir natürlich nicht wissen. Aber wir können den Heren im VBMJ. jetzt schon voraus- sagen, daß sich die' Former mit der Ablehnung ihrer Forderung nicht zufrieden geben zverden. Streik in der Telephonfabrik 3- Berliner. Fünfzehnhundert Arbeiter und Arbeiterinnen im Streik. Die Belegschaft der Telephonfabrik I. Berliner, A-G. in Steglitz stellte durch den Betriebsrat die Forderung auf Erhöhung der Löhne der Frauen und Ungelernten um 15 und die der Facharbeiter um 10 Prozent. Die Firma lehnte die Forderung rundweg ab. Ucber dieses negative Verhandlungsergebnis berichtete der Betriebsrat gestern in einer außerordentlich stark besuchten Beleg- schastsversammlung. Nach kurzer Diskussion beschloß die Versamm- lung, sofort die Arbeit niederzulegen. Zu bemerken ist, daß die Löhne in diesem Betrieb außerordentlich niedrig und Stundenverdienste von 40 Pf. und darunter keine Seltenheit sind. Schiedsspruch für die oberschlesischen Eisenhütten. ' Glelwih, 8. November. Die Manteltarifoerhandlungen für die Eisenhütten, die am 2. November wieder aufgenommen worden sind, wurden gestern zu Ende geführt. Nach längerer Beratung fällte das Schiedsgericht unter Vorsitz von Regierungsrai Professor Dr. Brahn einen � Schieds- spruch, nach dem u. a. für die jugendlichen A r b e i'l e r von 14 bis 19 Jahren ein Urlaub eingeführt wird. Das Kindergeld wird auch für Kinder bis.zu 15 Iahren unter ge- wissen Voraussetzungen gezahlt. Als wesentlich? Aenderung wird dem Manteltarifoertrag ein Giehereiabkommen eingefügt, das im einzelnen die Frag« des Ausfchußgusses regelt. Der abge- änderte Manteltarifvertrag soll am 1. Januar 1928 in Kraft treten und zunächst bis zum 1. Januar IS29 befristet sein. Die Erklärungs- frist für Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches läuft bis zum 18. November d. I._ Die Sparkasse der Dank der Arbelker. Angestellken und veamlen A.-G� verlin. wallslr. öS. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend voä 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Beraniworilich fitr Politik: Dr tntt®»D»r: Wirilchaft:®. Ecwcrllckafisbcweaunq: 3. etcintt; RtuiBcion:#. S. Sälifnr; Lolales —---—---- /»—"-—©[„(tt; samlnch in Berlin Druck: Borwäris-Buckdruacrei Berlin EW 88 Lindcnlirage 3 Sierw i Bclinac» und..Unterbaltuna und Willen-. uirwrriininiisorn'rkiuny: v. isuincr; ttruiucioi und Sonliigcs: ffritz liarstädt! Unreinen: Td. Berlaa: Borwürls-Berlag ib m b S.. Berlin und Berlagsanltal' Paul Tinger v C« Ber Tüllgarnitur ß7* gut» Relief qnalit&t................................... V Gardinen TüK-Halbvorfiang A90 mit i-rausen, moJcrue Zelchnunjr...............«T Etamin-Kalb Vorhang ö75 mit handpcstopttem. Fußstück nntl Fr nsen... Madrasgarnitur fS75 in feinen Pftsiellfatber», äteiiig.............. 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Cr. ea. ioouoo isofjfo sc too 1 eneran m/1 �,».»,00�17�00.,>00 wtrehan ich giwsbtsr Smyrma£§mU. mu Linoleum ünoEeumläufer ca. ei» 11° 133 mbrt. 95 Meter mit Borde, gemustert, 250X360 cra 00 I95 2" 3" 4" 4 Linolsumtepsiche ca IVlx■« linux SO.»'XZ'! 12" 21" 25" 42 Auslegeware 2*0%20 gemustert.« ücm brel'. ttuadiaimrter»b |uiiiiiiiiuiiiiiiiiiMiiiiunnntiiiniiiuiuiiiiinniniHniiiDiiiiiiimiiiiiiiniiniiuiiiiiiiiiimiiiin IZittv Gelbftanfevtigunsl von lWsll-SMdardMnl |Zephirwolle...«.�.�26| H Wolle mit Kunstseide... ca. SO-e-Lag' 1 U | Sportwolle äiimmiimniiiiiiiiiiiiiiimiiHiiiiiiiiimiiiiii 12c: ..ca. lOO-g-Lage iiminiiiiiimiiiHuiiiaMHtiiiiiiuiuuiiiiiiiiniiiiinniiiiiiiinimiuummiumiiifu i-eipzicer Slrosse• flleMemolz p rrnnkfüner ßile.•«{is-Süisnce-itr.- Brünnt-nstr.» liflüßibcf ucmni» il/ilnrnaotler iir.» flnflreassir.» CfiaMiessir. % Nr. 530* 44. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 9. November 492? Wenn wir zurückblicken auf den 9. Novenwer des Jahres 1918, so kann es geschehen, daß uns heute, 1927, angesichts der Tatsache einer Bürgerblockregierung, die Ereignisse jener Stunnwoche als beinahe märchenhaft erscheinen. Gerade deshalb ober ist es notwendig, den Herrschaften von rechts immer wieder vor Augen zu führen, was damals geschehen ist und wie sich die Gewaltigen von gestern benahnxn in dem Augenblick, wo es daraus ankam, zu zeigen, daß man sein« Gesinnung nicht nur im Munde führt, sondern auch mit Kopf und Hand für sie einsteht. Ltnsere Fürsten. Es waren dl« Tage, als unsere liebe Berliner Kreuzspinne, die „Neue Preußische Zeitung(Kreuz. Zeitung)* schäm- hast ihr Emblem:„Vorwärts mit Gott für König und Vaterland* in der Versenkung verschwinden ließ, um es erst etliche Jahre später ebenso schamhaft wieder auftauchen zu lassen. Sie hatte 1918 in der Tat alle Veranlassung, mit Königen, Großherzögen und Fürsten nicht zu renommieren. Man denke doch einmal zurückl Noch am 14. Mai 1918, kein halbes Jahr vor dem endgültigeck Zusammen- bruch des Kaisertums, hgtte Wilhelm der Verflossene im Rathaus von Aachen eine burschikose Rede gehallen, in der er sagte: „Hart werden die �Gegner mitgenommen, sie haben's auch nicht besser verdient, die Sache im Westen wird gemacht.* Um zu zeigen, welche wichtigen, wahrhast drängenden Sorgen ER hatte, sllgte ER hinzu:„Nun, meine ICH, ist es auch Zeit, alfes Fremdländische abzustreifen. Alles Französisch-parlieren muß aufhören. Sprechen wir lieber unser deutsches Platt.* Fünf INonate später floh der Mann, durch den angeblich„die Sache gemacht wurde*, aus der Reichshauptsladl Berlin ins Große Hauptquartier: von dort aus floh ER vierzehn Tage später nach Amerongen. Vielleicht pgrliert ER jetzt holländisch. ER ist übrigens identisch mit einem Mann, der 28 Jahre vorher gesagt hat:„ICH und mein Heer, wir gehören zusammen*— ICH In Holland, das Heer an der Front! Sein ältester Sprößling handelte wie CR! Immerhin darf sich der Kaiser und König zusamt seinem Sohne damit trösten, daß sich seine Kollegen auf den 22 Thronen Deutschlands, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ebenso unwürdig benahmen wie ER. Schon am 8. No- vember hatte, auf den wirklich nicht übermäßig stürmischen Anstoß des Arbeiter- und Soldatenrates hin, Wilhelms leibhaftiger Schmie- gersohn, der Herzog von Braunschweig, als erster unter den deutschen Potentaten, die denkwürdige Urkunde unterzeichnet, die da lautet:„Ich. Ernst August. Herzog von Braunschweig und Lüneburg, erkläre, daß Zch für Mich und Meine Nachkommen aus den Thron verzichte und die Regierung in die Hände des Arbeiter- und Soldatenrats lege. Ernst Atzgust.* Die anderen folgten, und geradezu grotesk mutet es aus jenen Tagen, da der„Vorwärts' von einer„Tch ronschmelze in Deutschland* sprach, an, daß auegerechnet der allerkleinste unter„unseren Ferschten* sich widerstrebend zeigte. Der*-W a l d e ck e r Soldatenrat mußte nämlich nach Kassel telegraphieren:„Der Fürst lehnte es gestern nachmittag ab, freiwillig zurückzutreten. Er wurde deshalb f ü r a b g e s e tz t e r k l ä r t.* Es ist eine Pflicht der Loyalität, zu er- wähnen, daß bei dem allgemeinen schmählichen Verhalten der König von Württemberg und der Großherzog von Baden die vorerwähnte rühmlich Ausnahme machten. llnsere�Offiziere. Im deutschen Vaterland regierten vom Tage der Erklärung des Knegszustandes an unbeschränkt und absolut im wörtlichsten Sinne des Wortes Ihre Exzellenzen die Herren Stellvertretenden Kommandierenden Generäle. So. saß denn auch beim IX. Armeekorps in Altona der General der Infanterie von Falk, der Typ des schneidigen Offiziers, ein Kommißstiebel vom Scheitel bis zur Sohle, ein Mann, der bei den ihm unterstellten Truppen- teilen als Leuteschinder bezeichnet wurde. Als der Soldatenrat ihn am 8. November sprechen wollte, war Seine Exzellenz verschwunden, und allgemein zirkulierte in Hamburg-Altona das Wort:„Der Falk ist ausgeflogen.* Geradezu lächerlich muß eine Bekannt- machung des damiligen Oberbefehlshabers in den Marken, General- oberst v. L i n s i n g e n. anmuten, der noch am 7. November, zwei Tage, bevor er weggefegt wurde, verordnetem„In gewissen Kreisen besteht die Absicht, unter Mißachtuiy, gesetzlicher Bestimmungen Arbeiter» und Soldatenräte nach russischem Muster zu bilden. Derartige Einrichtungen stehen mit der bestehenden Staats- ordnung in Widerspruch und gefährden die öffentliche Sicherheit. Ich verbiete auf Grund des 8 9b des Gesetzes über den Be- lagerungzzustand jede Bildung solcher Vereinigungen und die Teil- nähme daran. Der Oberbefehlshaber in den Marken, von Lin- singen, Generaloberst.* Achtundvierzig Stunden später hatte— ähn- lich, wie man in Dresden mit sieben Worten amtlich verkündete: „Die Dynastie Wettin hat zu bestehen aufgehört.*— diese„bestehende Staatsordnung* de» Herrn Generaloberst zu bestehen ausgehört. Unvergesien ist Erich Ludendorffs blaue Brille. Auch der Gewaltige von Hannover. Hauptinann der Landwehr und spä- terer Landgerichtsdirektor Jürgens, hatte heimlich bei Nacht und Nebel plötzlich nach langfristiger Herrlichkeit, als Zivilist vermumnü, das Weite gesucht. In der Tat: Alle die Osslziere, die bis dahin ihre Vslicht darin gesehen halten, den Schneidigen herauszubeißen und ihre Leute zu schinden, waren verduftet. Sie entzogen sich der schweren Mission, von ihren bisherigen Untergebenen zurRechen- schaft gezogen zu werden. Die Anständigen, und darunter vor allem ein großer Tell der wirklichen Frontossiziere, die mit ihren Kompagnien in Kamps und Not zusammengestanden hatten, blieben bei der Truppe. Niemand dachte daran, ihnen auch nur ein Haar zu krümmen. Gemeinsam mit den Soldatenräten führten sie das Heer in die Heimat. Die Truppen freilich bekannten sich geschlossen gegen die Monorchie und für Frei- heit und Republik. Ltnsere Bürger. Was aber taten unsere Bürger? Was taten beispielsweise unsere Großgrundbesitzer, die sich bisher immer mit lautem Mund« die festeste, die stärkste, die unerschütterliche Stütze von Thron und Altar genannt hatten? Griffen sie unter Absingen des Liedes:„Heil dir im Siegertranz* zur Waffe, stellten sie sich wie ein Wall, bis in den Tod getreu, vor ihren angestammten König und Herrn? Nein! Sie verkrochen sich ins Rlauseloch, sie beugten sich vor den Arbeiter, und Soldalenrälen. sie behaupteten sogar, immer schon in ganz besonderem Maße sozial empfunden zu haben, von der Großbourgeoisie in der Stadl merkte man so gut wie nichtst Sie hockte hinter dem Ofen und hatte nur Angst, daß Sendboten der Revolution die gehamsterten Schinken und Würste entdecken und beschlagnahmen würden. Wenn aber ein Schuß er- tönte, wenn auch nur ein Autoreifen platzte, dann bibberten die Herzen dieser vormaligen Vaterlandsparteiler, denen es im Kriege nicht darauf angekommen war, ungezählt« Hekatomben deutscher Proletarier für Longwy und Briey, für Calais und Dünkirchen, für Gent und Lüttich. für Riga und Reval zu opsern. Es war ein klag- liches Schauspiel! Die Afbeiterschast. Die deutsche Heimat wäre zusammengebrochen, wenn e» nach dem Versagen von Fürsten, Offizieren und Bürgern niemanden gegeben hätte, der das Steuer des schlingernden Staatsschiffes in die Hand nahm. Aber es griff jemand ein, es behielt im allgemeinen Tohuwabohu jemand die Nerven, es gab einen Retter: d i e „Revolution.— Und wo bleiben wir?" deutsche Arbeiterschaft! Die Geschmähten von einst— und von heute—, die„vaterlandelosen Gesellen* retteten da» Vater- land. Der große Zusammenbruch des prunkenden wilhelminischen Staatsgebäudes war da. Die es bisher gestützt hatten, waren entwichen und hatten sich versteckt. Wie einst der Römer Curtius in den Abgrund sprang, so trat jetzt die Arbeiterschaft in die Bresche. Mochte alle Mühe zuweilen vergeblich scheinen, wir haben es geschafjt: Volk und Heimat sind vordem Chaos gerettet! * Auf den 9. November folgte der 11. August, der Tag der V e r» fassung von Weimar. Im Staatsgrundgesetz des Voltes stehen die lapidaren Worte:„Das Deutsche Reich ist ein« Repu- b l i k. die Staatsgewalt geht vom Volte aus.* Es mag eine gewisse Zwangsläufigkeit der Geschichte sein, daß auf ein« Periode des Fortschritts eine Periode des Rückschritts folgt. Aber daran, daß unser erneuertes Deutsches Reich«ine Republik ist und die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, kann kein Keudell, kein Hergt, kein Schiele etwas ändern! Der 9. November fällt in diesem Zahre in die werbe woche der Sozialdemokratie. Für sie und damit für die deutsch« Republik zu arbeiten und zu wirken, sei unser Gelübde an diesem Tage, damit im Wahljahr 19ZS die Ueberraschten vom 9. November endgültig zur Räson gebracht werden. H. D. Revolution in Wilna. Der große Abenteurerfilm Krieg warf einen kleinen Statisten noch am Schluß nach Wilna; er sollte wohl von den angenehmeren Dingen in der Etappe auch etwas zu schmecken bekommen! Vom 1. November bis zum 23. Dezember 1918 weilt« er in der schönen alten Iudenstadt; es war die höchste Zell, daß dann die deutschen Soldaten abzogen, denn die Polen warteten schon ungeduldig, das warme,»enn auch stark oerlauste Nest einzunehmen. Der Schreiber dieses kurzen Aussatzes war in die Redaktion der „W ilnaer Zeitung" abkemmandiert worden. Der Betrieb der Druckerei zählte zirka 190 Mann. Als Borgesetzter fungierte ein junger Leutnant, der vom Zeitungswesen herzlich wenig verstand, aber mit außerordentlichen Sprachkenntnissen ausgestattet war. Drei Redakteure teilten sich in hie Redaktionsleitung, jeder mit anderer politischer Einstellung, die aber, solang« dos alte Regime hielt, nichts galt. Das Hauptzeitungsmaterial waren die Wolffschen De- p« s ch e n, die recht einseitig verarbeitet wurden. So kam es, daß die Einleitung der Waffenstillstandsverhandlungen am 7. November noch in drei Zeilen versteckt wurde. Aber die Meldungen aus Verlin lauteten von Tag zu Tag drohender. Was draußen geschah, er- fuhren die Soldaten und das Volk auch ohne uns. Besonders von Rußland her schien«in guter Informationsdienst zu bestehen. Am 10. November brachten wir als Extrablatt die erste Kundgebung des Wilnaer Soldatenrat» heraus. Die Redaktion war daran nicht beteiligt, sie war von den Ereignissen überrascht worden. Den durch Funkspruch oerbreiteten Aufruf, überall Soldatenröte zu bilden, hatte die Wilnaer Garnison sofort befolgt. Mittags zogen die Truppen vor die Kommandantur und zwangen den Mililärgouverneur, ihre Forderungen anzuerkennen. Als Führer fungierte ein Soldat Frankenberg, politisch«ingestellt zwischen SPD. und USP. Das Volk auf den Straßen schrie den Soldaten, die sie alz Befreier von der Knechtschaft ansahen, be- geistert zu. In unserer Redaktion war nunmehr Hochd trieb. Je noch Einstellung schnitten nun die Scheren langsamer oder freudiger das Zeitungsfutter aus den Depeschen, später teilten wir uns weis« die Arbeit gleichförmig ein, so daß jeder von uns nach der Reih« die Zeitung machte und dos Blatt den einen Tag als volksparteiliches, den zweiten als liberales, den dritten Tag als sozialdemokratisches Organ erschien. Das spielt« aber gegenüber der rapiden Entwicklung, die die Ding« nahmen, gar keine Rolle. Der klein« LeutnaM zeigt« sich erst am zweiten Tag« wieder, nachdem ihm von seinen Zu- trägern in seinem Versteck bei seiner Liebsten geflüstert worden waz:, „daß ihm niemand wo» hm würde*. Der Feldwebel, der tue Rechnungsabteilung leitet«, hatte die meiste Ursache, den Zorn seiner einstigen Untergebenen zu fürchten, er hatte die Leute miserabel be- hckndelt. Er wurde au» einem Kleiderschrank heraus» geholt und, nachdem er Abbitte geleistet hatte, in Frieden ge- lassen. A Nun wurde da» Gerücht ausgestreut, die Polen rückten an, Wilna zu besetzen. Da» führte beinah« wieder zur Uebergabe der Kommandogewolt in die Hände der Offiziere. Zum Glück trat«in anderer Faktor in Erscheinung, da, Proletariat. Das- selbe, das fast vier Jahre hindurch im Dreck und in Löchern gehaust hatte./ Am 18. Dezember standen die Arbeiter auf der Straße. Di« Freud», die Erregung der Masten war unbe- schreiblich. Alte bärtige Männer hielten sich an den Händen und bildeten mit Frauen und Kindern ein« kette, so zogen sie jubelnd durch die Straßen. Abends versammelt« sich ganz Wilna zu einem politischen Meeting in der Stadthalle. Die Bühne war rot aus- geschlagen. Die Redner aller Gruppen sprachen von Befreiung und glücklicher Zukunft und vom Zusammenstehen inoder Gefähr. Leider zerfiel das schöne Gebilde sofort wieder, wie es entstanden war. In verschiedenen Nationalitäten zerspalten, in Litauer, Weiß- russen, Polen und Juden, waren diese Nationalitäten in sich wieder in Gruppen der verschiedensten Porteischattierungen zer» fallen. Zu allem gesellte sich die Angst:„Was wird aus uns werden. wenn die deutschen Soldaten abziehen?* Wirklich sollen später die Polen furchtbar unter der politischen Arbeiterschaft Wilnas gewütet haben. Am 23. Dezember packte auch die Druckerei der„Wilnaer Zeitung* ein. Es hatte ihr so gut in der letzten Zeit gefallen, daß sie am liebsten noch eine Zeit dageblieben wäre. Die Morkthäuser Wilnas waren bis an die Decke hinauf mit Speck und Mehl und anderen schönen Dingen gefüllt, Geld war auch da, was brauchte man weiter? An einem naßgrauen Morgen zogen wir, unser Gepäck auf Schlitten verladen, zur Bahn. F. N. Ein Schandfleck am Wannsee. Wann kaust die Stadt das Nordflvggelände? An der Straße, die vom Bahnhof Nikolassee nach dem Frei» lxid Wannsee führt, liegen linkerhand,.dicht hinter den letzten Häusern von Beelitzhof, die Baulichkeiten der Nordfluggesell» j ch a f t, einer Gesellschaft, die 19Ä1 ein Stück schönen Hochwaldes vom Forstsiskus erwarb, um große Hotel- und Nestau» rations anlagen am Ufer des Wanniees entstehen zu lasten. Oftenbar sollte in dieser Gegend dem bekannten„dringenden Be- dürfnis* abgeholfen werden. Aus Hotel- und Restaurantbau wurde nichts, Behörden ver- sagten ihre Genehmigung, die Gesellschaft wollte dami in schnell errichteten Werkstätten Sportboot« aller Art bauen, auch das Ge- schüft zerschlug sich und schließlich legte sich die Nordfluggesellschaft auf die Ausbeutung der Bodenschätze, nachdem vorher schon durch den Verkauf des abgeholzten Wald.'s das Grundstück fast kostenlos der Gesellschaft zugefallen war. Ausgerechnet am Wannsee entstand eine— Kalksand st einfabrik, die mit Ihren verstaubten Anlogen wirklich nicht zur Verschönenmg der Gegend beiträgt, zudem aber noch, ein Skandal ohne gleichen, nach Art der Tonbrüche bei Ziegeleien, tiefe Gruben in den früheren Waldboden gräbt und den märkischen Sand mit Kipploren in ihre Fabrik fährt, um ihn in Gestalt von Kalksand- steinen gegen gutes Geld zu verkaufen. Das ganze Gelände gereicht der Gegend nicht zur Zierde: selbst der sonst schöne Weg zum Freibad ist auf dem Gelände der Gesellschaft verkommen und ver- rottet.. Die Gesellschaft ist jetzt so ziemlich pleite, ein günstiger Moment für die Stadt Berlin, durch den Ankauf des Ge. ländes den Schandfleck zu beseitigen. Der Erwerb wird zur Notwendigkeit angesichts der Tatsache, daß, abgesehen vom Freibadgelände, kaum noch ein Menschenstiß das Ufer des schönen Wannse« betreten kann. Gerade dieser See und seine Um- gebung ist«in typisches Beispiel dafür, wie die Zugänge zu den Ufern der nächst Berlin liegenden Seen und Flüste immer mehr der Erholung suchenden Bevölkerung entzogen werden. Gewist« rechtsgerichtete Stadtverordnete haben schon einmal aus dem Nord- flugschandsleck am Wannsee Material zur Hetz« gegen Groß-Lerlin gezogen, indem sie die Stadtverwaltung für die.Derschandelung der @eö«nfc und in« Derrottung des Weges verantwortlich machen wollt««.» Um(o mehr ist es jetzt an der Zeit, datz d i e Stadt s, ch Rechte am Ufergelände des Wannsees sichert, um so, vielleicht durch eine Abrundung des städtischen Freibades Wonnsee, den Berlinern mehr Erholung und Freude verschaffen. Gattenmordprozeß Bsrchardt. Das Llrteil: 3'/? Jahr Gefängnis. Das Schwurgericht verurteilte Dienstag nacht nach Z>- ständiger Beratung den Kaufmann Bruno Borchardt wegen Totschlag» an seiner Ehefrau zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 9M Monaten Untersuchungshaft.— 3n der Urteilsbegründung � führte der Vorsitzende au», dah das Gericht sowohl au» dem ganzen Verhalten de» Angeklagten zu der lleberzeugung gelangt sei. dah er mit vollem Bewuhtse>n gehandelt babe. Ein elgemümlicher Mensch, dieser Kaufmann Borchardt! Er scheint tatsächlich zu den Männern zu gehören, die sich von den Frauen um den Finger wickeln lassen und die, von ihrer Liebe geblendet, an die Untreue der Geliebten trotz offenkundiger Beweis« nicht glauben. Während seine Frau noch wie vor ihrem.Gewerbe" nachgeht, glaubt er, dah sie in einer Bar beschäftigt fei und hott sie des Abends von der Friedrichstrahe ab. Sein Freund schreibt ihm ins Gefängnis:»Sieh dich vor, überlege dir reichlich, ob du heiraten sollst." Die R. schwört ihm aber, dah sie ihm treu ist: „Meine Eltern," sagt sie,.sollen in lZinnover am Tgphus sterben, wenn nicht alles Quatsch ist." Seinem Freunde schreibt er:.Als meine Frau diesen Schwur leistete, Hab« ich aufgejauchzt: nun wird alles wieder gut. Wir bauten wieder Aukunftspläne." Trotzdem friht an ihm Mißtrauen und Eisersucht: in einem anderen Briese an seinen Freund heiht es: ,.Ein Tor war ich, ich wollte durch die beschleunigte Trauung da» Schicksal aushalten." Diese Briefe zittert« der Sachveritändige Dr. Stürmer und bracht« auf diese Weise die Persönlichkeit de» Angeklagten dem Gericht näher. Dr. Stürmer, der sich die große Mühe gemacht hat,«ine große Reihe Borchardtscher Briefe durch- zustudieren, behauptet«, daß dieser Mensch, der nach Bildungsgrad und cherzensanlage die Kreise, in denen er verkehrt«, um vieles überragte, an seiner Braut und später an seiner Frau mit wirk- licher Liebe gehangen Hobe. Der erblich belastet« Psychopath und Alkoholiker mußte sich unvermeidlich in einen Affekt hineinrennen. So sei es zur Katastrophe gekommen. Bon einer krankhaften Stö- runq der Geistestätigkeit könne jedoch keine Red« sein, und der 8 St dürste somit keine Anwendung finden. Sowohl der Direktor der Frrenanstalt Dalldorf, Dr. Bar tz. als auch der Direktor der Irren- anstatt fierzberge, Dr. Falckenberg, schloffen sich dem Gut- achten Dr. Stürmers an; sie charakterisierten den Angeklagten als hysterischen, leicht beeinflußbaren Psychopathen und wollten für ihn ein« verminderte Zurechnungs- fähigkeit gelten laffen. Anders Profeffor Strauch. Er war der Ansicht, daß die heiße Liebe, die Borchardt für seine Frau -empfand, die Eifersucht, mit der er monatelang kämpste, in Der- bindung mit dem übermäßigen Alkoholgenuß am sroglichen Tage einen derart starken Affekt beim Angeklagten auszulösen imstande gewesen sei. daß er nicht entscheiden mag, ob der 8 LI in Anwen- dung zu bringen sei oder nicht:«r wolle dies dein Gericht über- lassen. Und schließlich der letzK Gutachter, Dr. L« vi-Lenz. Er bat längere Zeit den Angeklagten behandelt, kennt auch seinen Kreis sehr gut. Er gab gewissermaßen den Schlüssel zur Lösung des Rätsels der eigentümlichen Beziehungen zwischen Borchardt und seiner Frau; in diesen Kreisen, sagte er. bedeutet die physische Untreue sehr wenig, um so mehr aber die psychische Untreue: so sei der Assekt des Angeklagten zu verstehen. Er könne nur von Ihm lagen, daß er Im Alkobolrausch Ding« zu tun imstande gewesen sei, die er bei normalem Bewußtsein nicht getan hätte. Er sei deshalb überzeugt, daß freie WUlcnsbestimmung des Angeklagten bei der Tat ausgeschloffen gewtffen sei; deshalb sei ihm der 8 VI zu- zubilligen. Die Gutachten der �chußsachverständigen, der Pro- iefforen Brüning und Bock, warön für den Angeklagten eben- falls günstig. Der S t a a t s a n w*a l t stellte sich in seinem Plädoyer auf den Standpunkt, daß Borchardt bereits nnt der Absicht, seine Frau zu töten, Berndts Wohnung aufgesucht und sein« Tat in vollem Be- wußtsein ausgeführt habe. Er beantragte deshalb unter Zubilligung mildernder Umstände fünf Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Frey widersprach diesem Antrage: Es könne keinem Zweifel unter- liegen, sagte er, daß der Angeklagte seine Tat in einem Zustande begangen habe, der eine freie Willensbestimmung ausschlöffe. Er sei� deshalb, s reizusprechen. Auch Rechtsanwalt Dr. Diamant plädierte für F r e i s p r u ch. Er bestritt, daß der Angeklagte über. � 3ement £Rx>xaan von Fjodor Gladkow. „Eine eilige und wichtige Angelegenheit? Was für eine Angelegenheit? Welche?..." Und aus der Menschenmasse heraus schrie man:„Und auch ich habe ein eilige... wichtige..." Der Sekretär sah ihn an und lächelte strahlend. Und hörte ihn nicht mehr, hörte die anderen.(Sljeb reckte sich und seine Augen wurden wie Schuks Augen Er hob seine Faust und ging mit großen Schritten zur Tür, die Reihenfolge der Wartenden zerreißend. Im Vorzimmer stieß er den zottigen Wächter von der Tür und trat in das Arbeitszimmer des Vor- sitzenden des Exekutivkomitees. Er trat ein und glühte im blendenden Sonnendunste auf. Feurige.Garben spritzten rote Flammenwellen in die Augen, durch das Fenster sah man das breite Bahnnetz im Lichte glühen, und in der Ferne glänzten durchsichtig die Mauern. „Was wollen Sie, Genosse? Warum dringen Sie hier ein, wenn ich niemanden empfange?... Ich bin beschäftigt." Gljeb sah durch den Sonnenvorhang nicht, wer sprach, aber er wußte sofort, daß der. dessen Stimme er jetzt hör�e, kein Dutzendmensch war, er hörte den harten, metallenen Klang seiner Stimme. Gljeb trat aus dem Sonnenstaub heraus, und alle» erschien ihm gewöhnlich und bekannt: der Schreibtisch, der wie ein umgeworfener Schrank aussah, und der Mann der, mit schwarzem Leder bekleidet, sich mit seiner Brust gegen den Tisch stemmte und dunkel war, wie aus Bronze. Und ein anderer Mann, in Tscherkessentracht. mit Dolch und Revolver im Gürtel, stand neben dem Tisch und stützte sich mit der Hand auf den Stuhl. Seine Finger tlam- Merten sich so fest an die Stuhllehne, daß sie ganz weiß waren, und die Stuhllehne zitterte mit den Fingern im Takt, und sein ganzes Gesicht bebte: bebte um den Mund, um die Augen, auf dey Backenknochen. Die Augen traten aus den Höhlen, und feine Rase war eine Tscherkessennase. Er ist einer von diesen Helden die in cher„Teufelsarmee" waren: diese Kerle haben im Kriege Wunder verrichtet, und auf ihren Säbeln trocknete nie das Blut. Glseb legte nach Soldatenart feine Hand an den Helm und setzte sich auf den Stuhl vor dem Tisch, dem Vorsitzenden »teirt«, am 9. November dem Tag der Ausrufung der veulschen Republik, de» Legion» einer neuen staatlichen Enkwicklung. zeigen die Bepublitaner. besonder, unsere parteigeuossea die Zahaen der Republik und der Partei! Fahnen heraus! Haupt die Absicht gehabt habe, sein« Frau zu töten: er sei zu Berndt gegangen, um sich mit ihm über dessen Beziehungen zu seiner Frau auseinanderzusetzen. Oer Herzog von Ratibor freigesprochen. Die Fahrlässigkeit ist nicht festzustellen. Im Prozeß gegen den herzog von Rotlbor verkündete der Bor- sitzende, candgerichisdirektor P ritsch, nach mehr al» zweistündiger Beratung, folgende» Urteil: „3m Barnen de» Volkes wird für Recht erkannt! Der An- geNagle. Herzog vatl Ratibor. wird von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die kosten de» Verfahren» falle« der Staatskasse zur Lost." Bei der Urteilsverkündung kam es im Zuhörerraum zu Beifalls- und Mißfallenskundgebungen, die der Vorsitzend« energisch rügte und für die er im Wiederholungssalle mit der Räumung des Saales drohte.— In der Urteilsbegründung führte der Borsitzende aus:„Dem Angekloaten ist fahrlässige Tötung zur Last gelegt worden. Das Gericht ist zu der Fessstellung gekommen, daß der Tot des Kutschers h y t r e k durch den Schuß des An- geklagten veranlaßt worden ist. Das Gericht hatte die Frage zu prüfen, ob die Tötung auf Fahrlässigkeit de» Angeklagten zurück- zuführen war oder nicht. Tatsache ist gewesen, daß der Gegenstand, auf den der Angeklagte geschossen hat, nicht da» Wildschwein sondern der Kutscher Hytrek gewesen ist. Da» Gericht hat ferner festgestellt, daß eine Verwechslung oorgekommen ist. Zuungunsten de» Angeklagten sprach, daß er ein alter erfahrener Jäger gewesen ist, daß er das Gewehr auf den Zielstock ausgelegt hatte und ruhig prüfen konnte und Zeit hatte, das Ziel durch das Fern- rohr anzusprechen. Gegen Fahrläfsigkett spricht der Umstand, daß der Angeklagte nicht ohne weiteres damit rechnen mußte, daß jemand auf dem Wege ihm in die Schußlinie kommen könnte. Die tatsächliche Feststellung der Fahrlässigkeit ist nicht möglich gewesen. und der Angeklagte mußte deshalb freigesprochen werden." Der Herzog wurde nach der erfolgten Freisprechung von seinen Freunden und den Forstbeamten, die im Zuhörerraum in großer Zahl Platz genommen hatten, lebhaft begrüßt. Ob gegen das Urteil von der Staatsanwolsschast Berufung eingelegt werden wird, steht noch nicht fest. Nach unserer Information wird Oberstaatsanwalt Bri«schwitz, der die Anklage vertreten hat, stch mit seiner vor- gesetzten BeHorde, dem Generalstaatsanwatt In Breslau, in Ber- bindung setzen. Bon der Entscheidung des Generalstaatsanwalts wird es abhängen, ob dos Verfahren zum zweitenmal aufgerollt werden wird. Feuer in der Charlottenstraste. Mehrere Löschzüge der Feuerwehr wurden gestern abend um 20 Uhr nach der Charlotten st rohe ö gerufen. In der Licht. pausapparate- und Maschinenfabrik von Otto Philipp war aus näch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, das an leichtbrennboren Materialien reiche Nahrung fand. Uebcr eine mechanische Leiter und da« Treppenhaus wurde das Feuer mit mehreren Schlauchleitung� angegriffen. Nach fast dreistündiger Tätigkeil rückten die Löschzüge gegen 23 Uhr wieder ob. Die Polizei mußte Absperrungen vornehmen, da sich eine große Schar Neugieriger eingefunden hatte. * In einem Zimmer des Jagdschlosses Glienicke bei Klein-Gliemcke brach gestern nachmittag au- bisher noch unbekannter Ursache Feuer aus. Nur durch das sckinell« und tatkräf- tige Eingreifen der Glienicker Feuerwehr, die nach kurzer Zeit an der Brandstolle eintraf, tonnte größeres Un> heil vermieden werden. Die Feuerwehr Wanm'ee. die auf den Alarm herbeieilte, konnte, ohne eingreifen zu müssen, wieder abrücken. Gin Institut für Verkrhrswissenschaft. Der anfangs September vom Magistrat gefaßte Beschluß, der Handelshochschule zur Einrichtung verkehrswissenschaftlicher Vorlesungen einen laufenden Beiiraq von jährlich 45 000 Mark und zur Errichtung eines besonderen Forschungsinstituts kostenlos Räum« zur Verfügung zu stellen, hat diesen seit langem gehegten Plan so ge- des Exekutivkomitees gegenüber. Beide, der Borsitzende und er— sahen einander schweigend und hartnäckig an. Die- Stirne des Vorsitzenden des Exekutivkomitees bäumte sich wie ein Spaten über seinen Zlugen. Er sah den Mann in der Tscherkessentracht nicht an und vergaß auch sofort Gljeb. Und sprach deutlich und dumpf in den Tisch hinein, in seine dunklen Hände, die an den Gelenken mit schwarzen Haaren bewachsen waren. „Denk daran, Bortschij: wenn du im Laufe eines Monats die Kampagne zur Einbringung der Ergänzungsnorm der Zwangsumlage nicht durchführst und die Rückstellung des Saatkredits durch die Bauern im September durchfallen läßt, dann kommst du an die Wand. Als Vorsitzender des Exekutiv- komitees deines Gemeindebezirtes bist du für alles verantwort- lich. Merke es dir." Bortschij wollte etwas sagen, rollte die Augen und biß seine Zähne fest zusammen:„Genosse Badjin... ich bin auch Kommunist... ich protestiere.. Seine Stimme war fest, überschlug sich aber heiser. Und der Vorsitzende des Exekutivkomitees dämpfte seinen Eifer mst kalten, dumpfen Worten. „Ja. ich werde dich eben als Kommunisten an die Wand stellen, wenn du die Aufgabe nicht erfüllen wirft. Ihr stiftet Verwirrung im Dorf und unterwerft euch den Kulaken. „Genosse Badjin, du mußt mich anhören... Die Rück- gäbe des Saatkornes laß für nächstes Jahr... Du mußt die Lage kennen... Die Zwangsumlage ist feit Herbst schon vier- mal eingetrieben worden... die Bauernarmut wird vor Hunger krepieren... Und wir vermehren durch solche Maß- nahmen nur selber die Banden der Weißgrünen... Man wird uns bis zum letzten Manne erschlagen... uns zer» stückeln. „Gut, soll man aus euch Frikassee machen—- aber deine Aufgabe mußt du pünktlich auf die Minute erfüllen.. „Genosse Badjin... Bitte, stelle diese Sache quf die Tagesordnung... Ich werde dem Plenum beweisen...* Badjin richtete stch auf, die Falten seines Lederrockes glänzten. „DortschijiV. Er stand auf und wandte feinen Kopf langsam dem Kosaken zu. „Vorsitzender des Bezirkserekutivkomltees Bortschij.. Und er lächelte, und es schien, als ob die Knochen von diesem Lächeln krachen würden. fördert, daß voraussichtlich schon mit»««!««»«« Sommerseme st er? 1928 die Vorlesungen über dieses Gebiet aufgenommen werden können. Dazu sollen neben der Heran- Ziehung der bereit« vorhandenen Lehrkräfte drei neu« ordent- liche Professuren geschaffen werden, die mit einem Volks- Wirtschaftler, einem Betriebswirtschaftler und einem Fachmann auf dem Gebiete des fremden- vertehrs zu besetzen sind. Die Aufgaben des Instituts umfassen. solaende Gebiete: volkswirtschaftliche Verkehrssragen einschlieblich der Verkehrswege. Verkehrspolitik und-statistik. Betriebswirsschost der Verkehrsunternehmungen. Fremdenverkehr und Gaststättenwesen, Rechtsfragen des Verkehrs. Technik des Welthandelsoerkehrs und Verkehrsgeographie._ Vefkehrszählungen im Westen. �6000 Fahrzeuge täglich In der Potsdamer Straße. Die Ergebnisse der Verkehrszählungen, die in der Potsdamer Straße zwischen Bülowstraße und Potsdamer Brücke vor.-einiger Zeit veranstaltet worden sind, und die auch den Kreuzungsverkehr berücksichtigen, werden jetzt bekannt. Gleichzeitig ist der Verkehr in der Bülowstraße zwischen Rolleirdorsplatz und Potsdamer Straße gezählt worden. In der 1 4 st u n d I g e n Z ä h l z e i t, von 7 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, haben i n's gesamt 16000 Fahr- zeuge die Potsdamer Straße, 11250 die Bülowstraßo passiert. Das sind insgesamt 27250 Fohrzeug«. Wah- rend die Fahrtrichtung zur Potsdamer Drücke von 8408 Fahrzeugen benutzt wurde, fuhren von der Potsdamer Brücke aus nur 7500. Den H'a u p t o n t e i l des Berkehrs in beiden Richtungen können die Kraftfahrzeuge für stch buchen. Bon den 18 durch die Potsdamer Straße verkehrenden Linien passierten In beiden Rich- tungen zirka 2400 Straßenbahnwagen die Potsdamer Straße. Der stärkste Verkehr ist in der Citynchwng morgens von 7 bis 9 Uhr und abends von 5 bis 7 Uhr: alle 45 Sekunden fährt eine Straßenbahn vorbei. In umgekehrter Rich- tung weisen die Morgenstunden von 9 bi» 10 Uhr und die Abend- stunden von 4 bi» 7 Uhr die größte Belebung auf. Radfahrer wurden insgesamt 4900 gezähtt, die sich zu gleichen Teilen auf beide Richtungen verteilen. Bon den 16 000 gezählten Fahrzeugen sind etwa S000Sraft- fahrzcuge. Die größte Verkehrsdichte ist bei ihnen in beiden Richtungen von 5 bis 6 Uhr festzustellen. In der Fahrtrichtung zur City steigt der Automobil- und Motorradverkehr vormittags lang. sam, aber ständig an, so daß mittag» um 1— 2 Uhr pro M i n u t s 6�'Fahrzeuge zur Potsdamer Drücke fahren. Für zwei Stunden läßt der Verkehr nach, um von 4 Uhr ab wieder zu steigen imd dann ab 7 Uhr mit einer kleinen Aufwärtsentwicklung in der achten Stunde nach und nach abzuebben. In der Fahrtrichtung nach den Dororten spielt sich der Vorgang des anschwellenden Ber- kehr? fast ebenso ab. Morgens zwischen 7 und 8 Uhr 110 Fahr- zeuge, morgens zwischen 10 und 11 Uhr 264, 11 bis 12 Uhr 272, 12 bis 3 Uhr je 245, dann wieder ansteigend bis 5 Uhr auf 342, um dann ebenfalls nach und nach abzuschwächen. In beiden Fahrt- richtungen herrscht für sämtliche Fahrzeuge zusammen der stärkste Verkehr zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags. Auf diese Stunde ent- fallen 10 Proz. des gesamten Tagesverkehrs. An zweiter Stelle steht die Zeit von 4 bis 5 llhr mit 9,3 Proz, an dritter die von 6 bi» 7 Uhr mtt 8,9 Proz. Der schwächste Verkehr ist morgens von 7 bis 9 Ul�r mit je 4,8 Proz. Vetter Goebbels redet! Wie wir schon gestern morgen ankündigten, hat der National- sozialist Dr. Goebbels im Orpheum geredet. Wie gosbbelt man? Ein Berichterstatter der.Deutschen Ze'tung" würde sagen: „Goebbel hat g e m a u s che l t. Er redet nämlich viel mit den Händen." So gehässig sind wir natürlich nicht, sondern verraten das genau« Rezept: Man schlägt sich ans Herz, man kloppt in dis Hände, man rauft sich das Haar, ma» blickt beschwörend zum Himmel, der nicht da ist, man scheint zu beten, und man redet Unfug. Unfug reden ist- d°e Hauptsache. Z. B.: die Sozialdemokraten habeb Herrn Goebbels in den letzten Iahren Haffen gelernt. Aber lieber, kleiner Better Goebbels. Da irren Sie sich doch vom Scheitel bis zur Sohle! Wir finden Sie ja Im Gegenteil riesig spaßig und komisch. Sie sind doch ei» Kabarettist allermindestens dritten Ranges. Bor soviel Kunst muß man sich doch beugen!" In jedem zweiten Satz brauchte Herr Goebbels das Wort Proletariat. Im Zuschauerraum entdeckte man dieses Proletariat in Gestalt von beleibten Hausbesitzern, die grunzend.Deusschland, erwache" schrien, und Damen, die wie im Theater, mit Lorgnon und Opörnglas den Schauspieler beäugten. Jugendliche ausgenommen, die ja auch noch zur Vernunft kommen und Phrase und Tat zu unterscheiden lernen werden, sah man von der wirtlichen Arbeiterschaft nicht». Li« hat sich um die Goebbelei nicht gekümmert. Bortschij trat einen Schritt zurück, reckte sich. In die Augen traten feuchte Tropfen, und ein Feuer erglühte in ihnen, und seine Stimme überschlug sich heiser. „Genosse Badjin, die Kampagnen werden durchge- führt... Ich werde alles tun... aber es wird zu einer Metzelei kommen, Genosse Badjin.. „Weine nickt, wirst Hilfe bekommen, ich schicke dir Sal- tanow, den Ehef der Bezirksmiliz." Und er setzte sich. Er sagte kein Wort mehr, vergaß den Vorsitzenden des Bezirksexekutivkomitees Bortschij. Und Bortschij, der Held der„Teufelsarmee", sah gezähmt und ge- knickt Badjin immer wieder an, als ob er versuchen wollte. den Kampf noch einmal aufzunehmen, und ging dann rasch, mit schleppenden Schritten aus dem Zimmer. Badjin stützte sich wieder unter der Schwere seiner Stirne auf seine haari- gen Hände. „Was wünschen Sie, Genosse? Sprechen Sie kurz." „Es ist genau so schwer für einen arbeitenden Menschen zu Ihnen, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees, zu kommen, wie einen Schützengraben zu-nehmen." „Was wünschen Sie? Sprechen Sie konkret." Sie bissen sich mit den Zähnen ineinander: einander fremd, fühlten sie die Kraft des Kampfes voraus. Dis steinerne, kalte Unbewc�lichkeit des Borsitzenden erdrückte Gljeb. und er zerschlug eigenwillig und wirr die Stille der geschäftlich- administrativen Ordnung mit schimpfenden Worten. ,Lhren zottigen Alten da draußen werde ich nächstes Mil an den Füßen packen und aus dem Fenster sckmeißen. Solche Generalsmanieren stehen uns schlecht zu Gesicht." Leidenschaftslos, mit einer unwiderstehlichen Macht und Drohung in den Augen, sagte Badjin. nickt zu Gljeb, son- dern in die Tiefe seines Bauches:„Genosse, für diese Bs- schimnfungen werde ick Sie sofort verhaften lassen." Und erhob sich. Er. stützte sich mit den Händen auf den Tisch, und der Tisch krackte und bog sich unter seinen Fäusten. Und kaum hatte der Vorsitzende diese Worte gesagt, als Gljebs Gesicht sich ganz verzerrte, dröhnend schob er den Stuhl weg und bückte stch zu Badjin. Mit beiden Händen drückte er seine Schultern zusammen und brüllte über das ganze Zimmer:„Genosse Vorsitzender, mit Ihnen spricht ein Ar- beiter des Werke«! Seien Sie so liebenswürdig und setzen Sie sich! Sie haben kein Recht, Arbeiter aus Ihrem Bureau zu verjagen.� (Fortsetzung folgt.) Keine Veränderung im Gechstogefetd. Die letzte Nacht. Die M-Uhr-Abe»dwcrtung! Wieder ein gut besuchtes Haus, das vorläufig nichts zu sehen bekommt; es musj bis zur tll-Uhr-Zlbond- wertung warten. Um 10 Uhr abends sind 3086,480 Kilometer zurückgelegt. Der erste Spurt verläuft ruhig, während im zweiten Tieg und Dewolf um den Platz kämpfen. Knapp kann Dcwolf Tietz am Ziel abfangen. Im dritten Spurt läßt Ehmer Thollcmbeet mit Längen hinter sich. Das Haus applaudiert lebhaft diesen Vorgang und nach dem achten Spurt entwickelt sich eine Jagd, die von Knappe entfesselt wird. Thollembcek, von Kempen und Hürtgen führen je. doch nach einigen Runden das Feld wieder zusammen. Danach er- gibt sich folgender Stand des Rennens: 1.: Ehmer-Kroschel 276, 2. Tietz-Ihollembeek 232. 3. Dewolf- van Kempen 137, 4. Kroll-Miethe 128, 5. Nausch-Hürtgen 74 Punkte. Eine Runde zurück: 6. Junge-Vehrend 148 Punkte, 2 Runden zurück: 7. Wambst-Lacquehay 39 Punkte, 3 Runden zurück: 8. Dorn-Rickel 93 Punkte, 4 Runden zurück: 9. Knappe-Tonani 191 Punkte. 6 Runden zurück: 10. Kühl-Wette 63 Punkte. Nach Beendigung der Wertung stößt Knappe abermals vor; Tietz beweist wieder einmal sein fabelhaftes Spurtver- mögen und führt das Feld zusammen. Dann gehen die Frau- z o s e n vor und holen ein« Runde auf, so daß sie jetzt Im Gesamt- klossement an siebenter Stelle hinter Behrend-Iunge liegen. Thollem- beek unternimmt wieder feine Stoppversuche. Hoffentlich greift der Rennausschuß ein und belehrt diesen Fahrer eines Besseren. Von der Kurve hagelt es mit Recht Protest gegen dieunfeineFahr- weise Tholleinbeets, des Partners Tietz'. Und der Zuruf von der Kurve: Armer Tietz ist wirklich angebracht. Als Thollem- beek um 11 Uhr Tietz ablöst, muß er vielfach« Schieber-Rufe über sich ergehen lasien.___ Internationale Lustfahrtausstellung L928. Das Lahr der technischen Ausstellungen. Im nächsten Jahre soll vom 7. bis 28. Oktober auf dem Aus- stellungsgelände am Kaiserdamm eine Internationale Luftfahrtaus- ftellung(ILA) stattfinden. Veranstalter ist der Reichsverbond der deutschen Luftfahrtindustrie und das Aus- ftellungs-, Messe» und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin. In einem Cmpfangsabend, der im Berliner Rothaus stattfand, wurde der Presse Gelegenheit gegeben, näheres über die beabsichtigte Ausstellung zu erfahren. Als erster sprach Reichsverkehrsminister Dr. Koch, der auf die internationale Lustfohrtausstellung von 1909 in Frankfurt a. M. hinwies und den Fortschritt kennzeichnete, der sich inzwischen in der Luftfahrt durchgesetzt hat. Heute, so erklärt« «r, bestehe die größte Bedeutung des Flugzeuges nicht mehr in seiner militärischen Verwendungsmöglichkeit, sondern in seiner Eigenschaft als Verkehrsmittel zu dienen. Insbesondere wandte er sich in seiner Ansprache an die zahlreichen anwesenden d'plomatischen Vertreter des Auslandes, denen gegenüber er vor allem den Ge- danken zum Ausdruck brachte, daß gerade die Lustfahrt dazu de- rufen sei, die friedlichen BezieKungen unter den Völkern der Erde zu sördern. Schließlich beglückwünschte er die Veranstalter der Ausstellung, daß sie zu diesem Werk die Jnit'ativ? ergriffen hätten und sprach die Hoffnung aus, daß der Ausstellung voller Erfolg zuteil werden möge. Dr. Huth vom Reichsverband der deutschen Luftfahrtindustrie ging in seiner An» spräche insbesondere auf das.Völkerverbindende", das .Interkontinentale" des Luftverkehrs ein. Aber, so führte er weiter aus. diese Begriffe werden nur Schlagworte sein, so lange es nicht gelingt, große Mengen von Grotzluftfahrzeugen auf weiten Strecken einzusetzen und sie so zu gestalten, daß erhebliche»Mengen von Menschen und Güter sicher und schnell befördert weiden können. Die Luftfahrtausstcllung 1928 solle sowohl die internationalen Be- Ziehungen als auch die Flugtcchmk selbst sördern. Direktor Teten s, Geschästsführer des veranstallenden Industrieverbandes, behandelte eingehend die Vorarbeiten, die für die.ILA 1928" bereits gel" o?t sind. In fünf Gruppen soll das gesamte Stoffgebiet der Aus- ftellung behandell werden: 1. Luftfahrzeugindustrie, uie Herstellung der Flugzeuge und Motoren usw., 2. der deutsche und internationale Luftverkehr, die 3. Gruppe soll dem Flugzeugführer gewidmet sein, sie soll der Oefsentlichteit ze'gen, unter welchen Bedingungen die Ausbildung der Sport- und Verkehrsflieger durchgeführt wird. Di« 4. Gruppe wird die wissen- schaftliche Abteilung umfassen. Hier wird man Material- Prüfungen, Strömungsforschungen usw. zu sehen bekommen und endlich wird die historische Abteilung die Entwicklung der Flugtunst von ihren Ansängen bis zur Gegenwart zeigen. Als letzter Redner sprach Direktor Dr. Schick für das Slusstellungs-. Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin. Er erklärte, daß durch die Veranstaltung der„ILA 1928" der Herbst de? kommenden Jahres in Berlin in einer noch n'cht dagewesenen Weise i m Zeichen der Technik stehen werde. Im September 1923 findet die fünfte große Funkaue ftellung statt. Mit ihr wird ein« international« Darstellung der Rundfunk» organisation aller Länder verbunden sein. Im Oktober folgt d'e ILA und im November wird dos gesamte Aus- steuungegeländ« der großen Internationalen Autoaus- ftellung zur Dersügung stehen. Funk, Flug und Auto werden in den großen internationalen Schauen den Ausstellung»- abschnitt de» Herbstes 1928 der Stadt Berlin ihr Gepräge verleihen. Werbekundaebungen. Das Eisenbahnunglück von Langenbach Beginn der Gerichtsverhandlung. Am Dienstag vormittag begann vor dem Schöfsenaericht In F r e i l i n g der Prozeß gegen den Rottenführer Johann F ö r t s ch, dem die Anklage die Schuld an dem Longenbacher Eisen- bah» unglück im August 1923 beimißt, das 12 Tote und 98 Verletzte gefordert hat. Die Anklage behauptet, daß Förtsch bei der Auswechselung der Weichen nicht die nötige Vorsicht onge- wandt habe, daß er insbesondere die erst provisorisch instand gesetzte Wekchenzung« nicht genügend gesichert und daß er kein Signal für die erforderliche Derminderung der Fahrgeschwindigkeit ausgestellt. habe. Der Zkngeklngte, der im 6 1. L e b e n o j ä h r e steht und seil 1889 im Etsenbahndienst tätig ist, erklärte bei seiner Ver- nehmung, daß er oni Morgen des verhängniooolleu Tages de:i Auf- trag erhalien Hab«, in die Schienen eine neue Weichenzunge ein- zubauen. Zur Durchfahrt des'Schnellzuges habe er die Weichen- zunge nicht mit Schrauben. landein mit eiserner Z w i ng s beseftigt, wie er das srüher euch schon Sslers gemocht habe. Dicse Sicherung der Weichenzunge habe er für so vollkommen gehalten, daß nach seiner Ansicht jeder Zug mit voller Geschwindigkeit darüber Hinwegsahren konnte. A ßerdem behauptete er, daß beim Aus- wechseln von Weichenteilen niemals Signale für lanosome Fahrt ausgestellt worden seien. Demgegenüber verlas der Gerichtevor- sitzende die einschlägigen Dienstvorschriften, in denen bestimmt ist, daß bei unvollständigem Oderbau Signale zur Derminderung der Fahrgeschwindigkeit ausgestellt werden müssen. An die Vernehmung des Angeklagten schloß sich eine Lokalbesichtigung auf dem Bahnhof Freising, wo die Langenbacher Schienenanlage oufmontiert war. Hierbei entspannen stck» zwischen den Sachverständigen lange Erörterungen über die Möglichkeit der Unglücks- Ursache. Die Meinungen darüber, ob eine ungeeignete An- bringung der Weichenzunge, oder ob nickt etwa ein entgleistes Rad de» ersten Z"gteile» die Weiche aufgerissen und die Zunge abge- sprengt habe;' gingen zwischen den Sachverständigen auseinander. Der Angeklagte erläutert« praltisch die Art, wi« er die Weichenzung» kurz vor dem Unglück befestigt hat. Morgen, Donnerstag, den 10. November: 29. Abk.: 19� Uhr in Her Schulaulo, Senefelderstr. 6. Redner: Stadtverordneter Hermann Lempert. Ucbernrorgen, Freitag, den 11. November: Lankwitz: 20 Uhr in Lehmanns Festsälen, Kaiser-Wilhelm- Straße 29/31. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Ariedrichshagen: 19� Uhr in Schröders Gcsellschaftshaus, Friedrichstr. Redner: Stadtverordneter Hans Woywod. Wittenau: 19�- Uhr im Lokal Schulz, Oranienburger Str. 88/89. Redner; Stadtverordneter Hermann Lempert. Krauenwerbeveranstaliungen. Morgen, Donnerstag, 10 November» 19� Uhr: wedding: Film- und Vortragsabend in der Schule Pank-, Ecke Wiesenstraße. 1. Film„Kinderrepublik Seekamp". 2. Ansprache der Genossin Bohm-Schuch. Reinickendorf: Film- und Vortragsabend in der Turnhalle Wittenau, Rosenthdler Str. 14. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Be- völkerungspolitik. 2. Ansprache der Genossin Marie Kunert, M. d. L. Uebcrmorgen. Freitag, 11. November. 19>4 Uhr: Wilmersdorf: Film- und Vortragsabend in der Aula der Hindenburg-Schule, Am Seepark. 1. Film„Kinder» republik Seekamp". 2. Ansprach« der Genossin Dr. Hilde Wegscheider. Lichtenberg: Film- und Vortragsabend im Cecilien-Lyzeum, Lichtenberg. Rathausstraße. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Beoölte- rungspolitik. 2. Ansprache des Genossen Stadtarzt Dr. Georg Loewenstein. 7. Abt.: Lichtbildervortrag in Cornis-Festsälen, Gartenstr. 6. 1.„Die proletarische Frau.— Das proletarische Mädchen" (Lichtbilder). 2. Ansprache der Genossin Klara Dohm- Schuch. «» # Zur Erinnerung an das Ende des Weltkrieges und die Umgestaltung des deutschen Staatswesens finden rm Rahmen der Werbewoche am Mittwoch, dem 9. November- 19� Uhr: Revolutions-Gedenkfeiern an folgenden Stellen statt: Mitte: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Gesang. Sprechchor, Rezitationen. Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Str. 73. Wedding: Pharussäle, Müllerftr. 142, unter Mitwirkung des Meinekeschen Männerchors. Prenzlauer Berg: Prachtsäle am Märchenbrunnen, Am Friedrichshain, unter Mitwirkung des Männergesang- Vereins Prenzlauer Berg. Friedrichshain: Lokal„Königsbank". Große Frankfurter Straße 117. Männerchor Friedrichshain, Kammermusik, Rezitationen. Eintritt SO Pf. Arbeitslose erhalten Frei- karten. Areuzberg: Kammersäle, Teltower Str. 1/3. Mitwirkende: Armin-Liebermann-Quartett, Schubertchor, Wolf Trutz vom Staatstheater, SAI. Eintritt und Programm frei. Charlottenburg: Schulaula Scharrenftr. 23/25, unter Mitwirkung des Charlottenburger Männerchors„Har- monie". Eintritt 25 Pf. Spandau: Arles Schützenhaus, Neuendorfer Str. 38/40. Wilmersdorf: 18.45 Uhr Demonstrationsumzug vom Hc-Hrn- fllerplotz aus. Anschließend Revolutionsfeier in den ora-Sälen, Halensee, Iohann-Georg-Straße 19, unter itwirtung des Arbeiter-Sängerchors. Schöneberg: Schloßbrauerei, Hauptstr. 122/123. Mitwirkende:' SAI., Spielgemeinschoft der Jungsozialisten, Liedertafel „West", Schöneberger Männerchor„Freundschaft".— Eintritt 35 Pf. Steglitz: Lyzeum, Rothenburger Straße. Tempelhof: Werbeumzug mit Fackeln. Abmarsch pünktlich 18 Uhr von der Dorfstraße in Mariendorf. Im Anschluß daran Revolutionsfeier im Festsaal des Realgymnasiums, Tempelhof. Eintrittspreis 50 Pf. Neukölln: 19 Uhr: Werbeumzug mit Fackeln und Musik. Schillerpromenade. Treffpunkte der Abteilungen: 89. und 90. Abteilung: 18>4 Uhr Reuter- Ecke Kaifer-Friedrich-Straße.— 92. und 93. Abteilung 18>- Uhr Hertzbcegplatz, an der Treptower Straße.— 91 und 94. Abteilung: 181» Uhr Schillerpromenade, zwischen Steinmetz, und Herrsurthstraße.— 95. Abteilung: 18H Uhr Köpf- Ecke Lessingstraße im Lokal.— 96.. 97. und 98. Ab- teilung 181!! Uhr Sjegsried- Ecke Hermannstraße. Treptow: Lokal Nitschke, Am Treptower Park 26. Gesang und Rezitationen. Köpenick: Stadttheater, Friedrichstr. 6. Gesang, Musik, Sprechchor, Einzelsprecher: Heinrich Witte vom Staats- theater. Eintrittspreis 60 Pf. Lichtenberg: Cecilien-Lyzeum, Rathausstraße. Konzert» Markwitz-Quartett, Rezitationen. Weißensee: Aula des Realgymnasiums» Woelck-Promenade 38. Gesang. Konzert. Rezitationen. Pankow: Aula des Lyzeums, Görschftraße. Reinickendorf: Hubertussäle, Provinzstr. 62/63, Am Bahn» Hof Schönholz. Prolog, Kammermusitoorträge, Gesang- verein„Freier Männerchor". 8. Abt. Tiergarten: Nationalhof, Bülowstr. 37. Niederschöneweide: Gemeinsame Feier mit der Abteilung Oberschöneweide bei Imberg, Oberschöneweide. Wichel- minenhofstr. 34. Gesang, Konzert, satirische Vorträge. Nach Schluß der Feier gemütliches Beisammensein. Iohannisihal: Lokal Botha, Slubenrauchstraße. Karlshorst: Deutsches Haus. Stolzenfelsstraße. Alt-Glienicke-Falkenberg: Lokal„Zum Wasserturm", Falken- berg. Schirnerstraße. Nlederschönhausen: Aula des Lyzeums, Kaiser-Wilhelm- Ecks Blücherstraße. Kaulsdorf: Lokal Esserich, Alt-Kaulsdorf Ecke Dorfstraße. Mahlsdorf: Lokal Anders, Bahnhofftr. 37. Blankenburg: Lokal Klug. Dorfstr. 2. Teltow: 1914 Uhr im Lokal„Weiher Schwan", Ruhlfidorfer Platz. Karow:„Zum Pankgrafen", Vankgrafenstr. 3. Redner: Siegfried Aufhaliser, Clara Vobm-Schuch, Dr. Rudolf Breitscheid, Robert Breuer, Artur Crispien, Emil Dittmer, Albert Falkenberg, Felix Ferbsnbach. Hermann Harnisch, Kurt Heinig, Alfred Henke, Dr. Siegfried Kawerau, Emil Klodt. Franz Künstler. Erich Kuttner. Wilhelm Landa, Dr. Richard Lohmann, Dr. Kurt Löwenstein, Otto Meier, Dr. Carl Mierendorff, Dr. Ostrowski, Franz von Puttkamer, Ernst Rüben, Rudolf Schlicbting, Hermann Schützinqer. Friedrich Stampfer, Martin Stein, Heinrich Ströbel» Carl Mermuth, Rudolf Wissell, Eduard Zachert. Freie Sozialistlsdie HoMnle. Sonnabend, den 12. November, 19 V» Uhr im Sitzungsraal des ehemali en Herrenhauses. Leip'ioerStr.3, Vortrag des Genossen Nationalrai Reinhard•Bern; „Piydioloälsdic Probleme der Arbellerbewediitt$M Eintrittskarten»um Preise von 50 Pf. sind zu haben an der Abendkasse so*le an(olgenden Stellen: Bureau des Bezirksblldungsausschusses. Undenstr. 3 2. Hof, II, Zimmer*__ Buchhandlung J. H.W. Dletz, UndenstraSe 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter. RIUerstiaBe Ecke Luisenufer.— Zigarrenjeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrleb, Inselstr. 6.— Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5.— „Werkfreud e" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschefts- kommisslon, Engeluter 24-23(Gewerkschaftshaus), sowie In allen Vorwärts- Speditlonen.— QroS-Siedlung Britz: UningstraBe 57, Die Abendveranstaltung brachte unter dem Titel„Amerika" zuerst Teile aus Sinclair Lewis Romanen„Dr Arroemith" und „Babitt", die Aribcrt Wäscher las. Lion FeuchtwaNger sprach zur Einführung über Sinclair Lewis und seine Werke. Lewis brachte der Welt das lebenswahre Porträt des amerikanischen Bürgers, der bis dahin in der Literatur entweder als Karikatur oder in über- trieben romantischer Beleuchtung gezeichnet worden war. Dieser Dichter schildert den Amerikaner, wi« er wirklich ist: voll spießbürgerlicher Sattheit, mir geringen und recht primitiven geistl- gen Bedürfnissen. Der Mann Babitt wurde mit Recht in der ganzen Äelf der Typ des amcrikanische» Bürgers von heule. Ist dieser Roman aber dos Werl eines scharf beobachtenden und klar gestal- tenden Schrislstellers, so zeigt sich Pewis in seinen späteren Romanen, angefangen mit„Dr. Arrosmith" als genialer, phantasiegcwaltiger Dichter. Mackencies kanadische Rapsodie und Mac. Dowelle zweite indianische Suite, vom Funkarckester unter Bryno Seidler-Winkler gespielt, ergänzten die Aocnd- Veranstaltung.— Auch die Rachmitiagsdarbietungen waren recht gut.. Zur Errnncrung an den G-burt-lag Fritz Reuters qm 7. Noocmber los Hans Brandt einige Abschnitts au» der„Strom- lid". Die Kapelle Emt» Raas brachte dann spielerisch eingestellte Unterhaltungsmusik, Werke von Kreisler. Schubert, Jo- Hann Strauß.— Prosefsor Max D e s s o i r sprach in seiner Vortragsreihe über den Okkultismus, van den„Erscheinungen des physikalischen Modiumismus", d. h. das Auftreten physikalischer Er- scheinungcn au| Grund übernatürlich wirkender Kräfte. Er betont«, daß bei Versuchen dieser Art durch die Maßnahmen der Okkultisten und ihrer Medien eine wissenschaftliche Prüfung außerordentlich er- schwert werde und man dem Auflreten von Kloplerschelnungen. Be- wegungen fester Gegenständ« usw. außerordentlich skeptisch gegen» über stehen müsse. Tes. 100 000 Lustpassagiere. Nachdem die Zahl der von der Deutschen Lufthansa be» förderten Passagiere bereits im Laufe ter ersten neun Monate diese» Jahres annähernd die doppelte Höhe der im Jahre 1S26 erzielten erreicht hat, dürsten bis zum Beginn de» Wintcrlufiverkehrs ins- gesamt etwa 100 000 Passagiere Im Jahre 1927 mt den Maschinen der Lusthansa geflogen sein, eine Ziffer, die einen Mark» stein in der Entwicklung des deutschen Lustverkehrs darstellt. Ebenso sind die Ergebnisse für die beförderten Gepäck- und Frnchtk logramme schon nach neun Monaten um das Doppelte gestiegen, während bei der Zahl der geflogenen Kilometer geoeniider 1926 nur eine Z»■ nähme um etwa 1 60 y 0 00 Kilometer zu verzelchntn ist, woraus hervorgeht, daß sich die Ausnutzung des Laderaums beträcht- lich erhöht hat._ v»lge Sn-Irorfmhid«. Da»(Elnblnmi für Leibesübungen nchict Ikl.Trnckenturi« in bei Turnhalle de« V>klprla>Lyteum», Prtnzeu- iirnhe Bl, ein. Einleilnng der Teilnehmer Sannabend. 12. Ntmember. 18 und 20 Uhr. in der Slula. NehungSflunden fnach Wahl der Teilnrhmcr) MonIngS, Dien Inas und DonnerStnyS in der Zeit von 18 bl» 22 Uhr. Die KmiuSnebüHr beträgt iür Iunendliche und«chüler Ibis 18 JnHren) 2 M. und für Eimachleue 4 B. NeluinaSslirr ra-tbtn den Teilnehmern ju den Sli-Tiockcnliiisen imentgeltllch zur.Bcrtügung»eftcllt. Slnmeldungri, umgehend an Siadlamt für Leibesübungen, C 2, SladtHau», Stralauer Slrav«.»______ w,»erberichl der Sffenflichen weNerdlenflflelle Berlin und Umgegend (Nachdr. oetb i Kühl und mciit Itilde, nur uncrbeblitde Regenjallr.— jiit veulichla»»: Im Dflnt noch zicmilch tiocTen, lonit trübe und regnerisch, besonders im Wcsicn, Süden und Südosten de» Reiche». Die„Tiroler Klause" in der Köthener Str. 46, gegenüber dem Eafe Vaterland, ist. wieder erössnet. In onhelmelnden, kleinen Nischen und Ecken, mit Handsesten weißen Helztilchen, allerlei Rel)- krönen, Gamckrickcln Hirsl geweihen läßt sie schon äußerlich einen Hauch der Gastlichkeit unseres deutschen Hochgebirges spüren. Um den Eindruck zu verrieten, hat der' Lichierselder Maler August Kahle Originalölbilder, Tiroler Landschaften, sür die Wände geliefert. Und da es nun einmal nicht ohne Musik geht, schlägt im Kellergeschaß der Seppl Thaler mit Humor und Wel)mut, rtne'» gerade trisst, seine Zither Oben im Hochparterre sorgt ein« Schrammelkapelle kür Stimmung. Die Oekoncmie führt Herr Haselbauer, der frühere Inhaber des Schioßparkrestaurant in Steglitz. „Soc'cl flctt'tf'-ir, fcelrf Knfi-ftr«* ift«Inf all« ä»CQi!. In fiium Punkte aber Und alle, a.'l urb suna, Staiicfronrn und Nbch?, rut rintr Meinung: Magzls Würze Ist da« beste flllidcnljlffsm'ttel lue l'ethtfTomnp Ichwackur Cupp-N, ffoften uf». Sie ist(cht-I'saiebig, bcdfialfi sparsam im©ebtauth. Schon wenige Seovlen genügen, um allen damit gewürzten Spellen einen uoll» endeten Woblgeschmati zu geben. vrient. und Zstitteluxeesahrten I42S de, S!»rd deutschen glaub. Der Jlotb- deutsch» Eiorb in Bremm gibt soeben Uder b't oon ihm geplante» Mittelmcer- unb Otlriitfahrten 1928 zwei ml) reichem Bildmaterial veeselieae Druckschriften heraus. Es werd-n nick dem großen Donpelfchraubrndamoler.Stuttgart" vier Fahrten und mit d'M Doppelschraubeudnmpfrr..Siidew" vier SieUrn aus- (trlUhtt. auf denen alle schönen und dtdeutungsoollcn Plätze an den allsten de» Mittelmcer» und Im nahen vrient berührt werden. Dl, Diuckfchrfstcn, die ein» Schlsderung der S'eif«. die Tavte, d e genauen ssahtpläne, die Fahrpreise und alle lldr'gtn sllr d'e sfeisetellnehmer wissenswerten Mlttiilungen enthalten. steh:» Interessenten beim Rarddeutschen Llayd tn Bremen und b»t seinen Be- . tretungen im In- und Auslände kostenlos zur Berfllgung. Oranienstr. 40 Am Oranlanplalt Chausseesfr. 113 • alm Statt iaar Bkf. Königstraße 33 Ära SM. 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November, nachmittags 3 Uhr, enttchlier fontt nach ic nger, schwerer, mit großer Geduld ertragener Krant- heit meine liebe Frau, der Kinder gu e Mutter Fran Emilie Ott« im blühende» Aller von ZI Jahren In lie er Traner Eduard Otto»edst mindern. Labedurg, den g November 1927. Die Beerdtfluna findet am Donner«» tag, dem 10 November, nachmiitago Z Uhr, von der löalle de» neue» Fried» hoie« in Dernau au� statt. Allen Freunden. Deiannten und Parteigenossen zur Nachricht, daß meine Frau Nargarete8trölMp5ume nach lurzem Leiden im Srankenhau« Moabit verichieden ist, Die« zeigt an der trauernde Gatte August Strelow. «erlin NW 52, Catvinstr, 24 Die Einäscherung findet am Frei» tag, dem 11 November. IS'/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraß«. statt. ile!iülüki�iol!listi8!!es''.'erli3!ill Vonnorvtaq. den 10. Ilonombor, abends 7 Ähr. im 2. Herstellung von Aipswänden 3 Eine Eeel-Groieske. 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Schachts Veraniwortung. ein« Vorzungsstellung. di« vom«ngkilch«» Kohlenhandel bitter empfunden wird. In Rumänien, Jugoslawien, Portugal und In den letzten Wochen ist der Dawes-Pkan wieder in den Mittel- puntt der Weltpolitik und der deutschen Wirtschaftspolitik gerückt. Anlaß ist die Diskussion über die deutschen Auslandsanleihen. Ursache, direkt oder indirekt, Ist die Stellung der Reichsbank dazu. Die Deutschland ungünstige Stimmung äußert sich heute darin, daß man neben den Sicherungen, die Deutschland für die Erfüllung der Reparationsoerpflichtungen schon gegeben hat, weiter« Garantien fordert. Diese Stimmung wurde zweifello» von der heftig einseitigen Kritik angeregt, di« der deutsch« Reichs» b a n k p r ä s i d e n t an der Anleiheaufnahm« von Ländern und Ge- meinden seit Jahren geübt hat, und zwar mit einer Entschiedenheit. die derselbe Reichsbankpräsident bei der Erfüllung seiner eigentlichen Aufgabe, der Leitung der Reichsbank und der Bestimmung ihres Diskontsatzes, im Jahre 1324 und in der ersten Hülste dieses Jahres völlig hat oermissen lassen. Die Beeinflussung der internationalen Kapitalmärkte gegen deutsche Ausländsanleihen ist schließlich sogar soweit gegangen, daß ein so ruhiger und sachlicher Beurteiler der deutschen Lage wie der Reparalionsagenl Parker Gilbert ebenfalls beeinflußt wurde. Er hat in seinem Memorandum an den Reichssinanzminister sich zu Bemerkungen verleiten lassen, die mit oller Deutlichkeit zeige», daß er von deutscher Seite falsch in, formiert worden ist. Die Reichsregierung hat erst ihm gegen- über durch Mitteilung der richtigen Zahlen über die Auslandsver» fchuldung der deutschen öffentlichen Körperschaften die Dinge klar gestellt. Warum sie das nicht längst gegenüber den falschen Auf- fassungen im Ausland getan hat. wird wohl immer ungeklärt bleiben. ebenso wie die weit wichtigere Frag«, wer den Reparationsagenten in so falscher und unzulänglicher Weis« unterrichtet hat. Bis in dieser letzten Frag« keine Klärung durch eine amtliche Untersuchung ge- schaffen worden ist, muß die Vermutung berechtigt sein, daß auch dcr Reichsbankpräsident direkt oder indirekt seinen Anteil an den Informationen des Reparationsagenten hat. Diese Vermutung wird sehr durch di« Erfahrung gestützt, daß Dr. Schachts Liebe für fein« Theorie der Auslandsanleihen seinen Blick für die Tragweite seiner� Kritik schon öfter» getrübt hat. Aber der Reparationsagent hat vollauf anerkannt, daß die Zufuhr von Auslandstapital für Deutschland «ine Notwendigtoit ist, eine Auffassung, die der Reichs- bankpräsident bis vor kurzem noch entschieden nicht geteilt hat, mag er auch jetzt verbreiten lassen, s o habe«r«s ja nie gemeint. Parker Gilbert teilt auch nicht die gefährlichste neue Theorie. die sich unmittelbar gegen die im Dawes-Pfon zugunsten Deutsch» lands getroffene Regelung richtet. Ausgangspunkt ist auch für sie ein Schachisches Argument. Durch die Aufnahme von Auslandsanleihen werde in späteren Jahren außer der Ueberlragung der Repara- tionen auch die von Zinsen und Tilgungsraten ins Aus- labd notwendig, und die Bereinigung beider Dinge werde zu Schwierigkeiten bei. der Verwaltung der in Mark auigebrachten Reparationen in ausländische Devisen führen. Diese Auffassung übersieht di« Taksache, daß die deutsche Aussuhr mittelbar und unmittelbar durch die Ausnahme von Auslandskapital gefördert wird, und sie übersieht weiter, daß tn den drei Jahren normaler Wirt- fchaftsgeltoltung, die jetzt hinter uns liegen, die deutsch« Ausfuhr bereit» nm über IlH Milliarden jährlich gestiegen ist,«in« große und für da» Problem wichtige Leistung. Die falsche Theorie sührt aber logischerweise bei den Gläubigern Deutschlands zu der Forderung, sie vor der Gefahr zu schützen, daß eines Tages der Reparation». agent nicht mehr in der Lage sein wird, ihnen die Beträge zu über- weisen, die sie nach dem Dawes-Plan beanspruchen können. Sie führt zu der Forderung, Deutschland dürfe kein Aus, landskapital Vi ehr ausnehmen, der deutsch« Devisen- markt müsse einer Regulierung uitterworfen werden, die in erster Linie auf die Sicherstellung der Reparationsdeoisen abzustellen sei, und der ReparotionsageiU müsse auf diesem We�e wirklich zum Herren der deutschen Wirtschaft gemacht werden. Diese Gefahr liegt sehr nah«. So hätte die Theorie Dr. Schacht, hier lieblich« Früchte ge- tragen. Es ist kein Zufall, daß all diese Forderungen in erster Linie in England aufgestellt werden. England leidet heute wieder auf allen Märkte» der Welt unter der scharfen deutschen Kon- kurrenz. Am schärfsten ist dies« Konkurrenz aber auf einem Sonder- bezirk des deutschen Exports, im Bereich der Sachlieferungen. Auf dem französischen, belgischen und italienischen Markt genießt di« deutsche Kohlenausfuhr dank der Organisation der Sochlieferungen Japan ist der Sochlieferungsverkehr zum Schrittmacher auch des übrigen deutschen Exports geworben. Frankreich entwickelt ein groß- zügiges Programm von öffentlichen Arbeiten auf dieser Grundlage, und der französisch« Minister der öffentlichen Arbeiten bemüht sich Hand in Hand mit dem französischen Fmanzminister aus diese Weise zu einer Vollausnutzung der deutschen Reparationen zu kommen. Dabei sind st« nicht kleinlich und lassen den Interessenten und öfsent- lichen Körperschaften, die deutsche Sachlieferungen in Empfang nehmen, allerlei Vorteile zukommen, die den deutschen Lieseranten eine Vorzugsstellung im französischen Markt geben. All das sieht England recht gut. Darum fein Vorstoß gegen di« deutsche Wirt- schaft mit der Forderung einer Kontroll« des deutschen Devisenmarkts, mit der Aufnahm« der falschen Argumente des deutschen Reichsbank- Präsidenten. Der englische Angriff geht gegen den Dawes-Plan selbst. Sinn des Dawes-Plans war, der deutschen Wirtschast Bewe- gungssreiheit zu geben. Die Reparationsüberweisung sollte vorzüglich auf dem"Sachlieserungsweg vor sich gehen. Nebenher sollt« der Devisentransfer eine Rolle spielen. Neben all den anderen Devisenkäufern sollte auch der Reparationsagent an den deutschen Devisenmarkt gehen und dort soviel Devisen kaufen, wie jeweils nötig und mit der Stabilität der deutschen Währung verträglich war. Bekommt er nicht soviel, wie er braucht, so ist es in sein Ermessen gestellt, od er sich neue Devisen dadurch verschaffen will, daß er die Reichsbank zu einer Diskonterhöhung veranlaßt. Der Dawes-Plan nahm an, daß diese selbstverständlich entsprechend allen bisher üblichen theoretischen Annahmen zu einem Zufluß von Auslandstapital, d. h. zu vermehrtem Devisenangebot führen würde, so daß durch sie der Reparationsagent in die Möglichkeit versetzt würde, soviel Devisen zu lausen, als er braucht. Der Dawes-Plan nahm also an, daß der Reparationsagent als Käufer am Devisenmarkt kein« Priorität, keine besondere Vorzugsstellung, brauche, um sein« Aufgaben zu erfüllen. Seine Stellung alz letztlich entscheidende Instanz in der Diskontpolitik be- gründet schon nach dem Plan seine Priorität, die m der Tat beispiel- los und von entscheidender Bedeutung fiir die deutsche Wirtschaft ist. Das mangelnd« Verständnis, das der deutsche Reichs- bankpräsDent theoretischen Fragen entgegenbringt, und d!« Furcht Englands vor der deutschen Konturrenz haben zu einer internationalen Verwirrung in dieser völlig klaren Frage ge- führt. Sie haben die englische Presse zu ihrem Frontalangriff auf den Dawes-Plan veranlaßt. Wirkungen auf die Konjunklur. Der Angriff wäre wegen seiner Torheit unbedenklich, wenn er nicht zusammenfiele mit der ebenfalls törichten Hallung unserer Finanzpolitik und mit dem fatalen Eindruck, den das Memo- randum Parker Gilberts auf di« international« Oeffentlichkeit ge- macht hat. In dieser Bereinigung führt er möglicherweise zu einer schweren Kreditschädigung der deutschen Wirtschaft, zu her jetzt schon beunruhigend« Anzeichen vorsiegen. E? kann in den nächsten Mo- naten dazu kommen, daß die ausländischen Kapitalgeber in der Kreditgewährung an Deutschland stark zurückhalten. Die deutsche Konjunktur hängt in zwei An» g e l n, in der Kaufkraft im In- und Ausland und in der Kapital- Versorgung. Das Abstoppen des Kapitalzuflusses wird die deutsche Konsunktur gefährden. Darin liegt die gegenwärtige Bedcu- tung der Angriffe aus den Dawes-Pta». Die Ursachen hierfür liegen in Deutschland. Komntt es zu einer Krise, so wild sie den schlecht fundierten Theorien von Herrn Dr. Schacht zu danken sein. Scharfmacherei des Ztahrmotiiattirusts. Wir haben die Produttionszisfen, der Vereinigten Stahlwerke A.-G. und den Kommentar dazu veröffentlicht, in dem die Leitung des Rlihrmontantrusts die finanziell» Lage der Kohlen- und Eisen- erzeugung sehr düsler malte. Jetzt wird bekannt, daß das Krnn- muniquö sehr viel weniger für die Aktionäre bestimmt war, die schon befürchteten, kein« Dividende zu bekommen als zur E i n f ch ü ch t e- rung der Oeffentlichkeit und d«r RegterMng in steuerlichen und besonders sozialpolitischen Fra» gen. Offenbar will man erreichen, daß das am 1. Januar 1!>2S in den Hütten und Stahlwerken durchzuführende Dreischichten- s Y st« M auf längere Zeit hinausgeschoben und auch anderen sozialpolitischen Forderungen entgegengewirkt wird. Das ist nicht überraschend. Es muß aber festgestellt werden, damit sich dtt Oeffentlichkeit und vor allen Dingen die beteiligten Gewerkschaften darauf einrichten. Die Produktionslage ist im übrigen noch glänzender, als sie nach den bisher veröffentlichten Ziffern scheint. Die Beschästi- gung und Ausnützung der Werke ist nicht nur absolut, sondern auch relativ, d. h. im Verhältnis zur übrigen deutschen Montanproduk- tion gestiegen. Der Anteil der Be reinigten Stahlwerke an der gesamtdeutschen Kohlenproduktion ist im Monatsdurchschnitt von lü.ö aus 1S.8 Proz., der der Kokserzeugung von 25,2 aus 2K,t Prozent, der der Roheisenproduktion von 43,2 aus 50,1 und der der Rohstahlproduktion von 41,8 aus 43,1 Proz. g e st i e g e n. Auch diese anteilmäßige Steigerung der Montantrustproduktion in Deutsch- land beweist die glänzende Entwicklung der Vereinigten Stahlwerke und unterstreicht zugleich, daß in der Durchführung sozialpolitischer Notwendigkeiten nicht die m i n d e st e Rücksicht aus die schars- macherischen Absichten der Trustleitung zu nehmen ist. Man rechnet übrigens für das am 30. September abgeschlossene Geschäftsjahr bei erhöhten Abschreibungen noch mit einer D> v i- dende von 6 Proz.__ Waldenburger Zechentrust. Kann er das Elend der Bergarbeiter mildern?-- Dann muß das Werk gründlich sein! Seit Jahren ist der n i e d e r s ch l« s i s ch e Steinkohlenbergbau in besonders schwieriger Lage. Durch die politische Umgestaltung im Osten in seineiz bisherigen Absatzgebieten(Oberschlesien und Tschechoslowakei) eingeengt, in seinem privatwirtschaftlichen Aufbau zersplittert und mit der Rationalisierung sehr im Rückstand, hat dieses Zechenrevier an seiner Konkurrenzfähigkesit erheblich eingebüßt. Während in den letzten Vorkriegsjahren in dem Gebiet der heutigen Tschechoslowakei jährlich rund 2,5 Mill. Tonnen oder 40 Proz. der gesamten Produktion abgesetzt wurden, nimmt die Tschochej heute nur noch 8 bis 10 Proz. dieser Mengen ab. In Ober- schlesien verloren die Waldenburger Zechen, die einen besonders wert- vollen Hochosenkoks produzieren, durch die Grenzziehung ihren besten Kokskunden. Auch der englische Streit brachte nur eine momentane Belebung, die allerdings in der Jnlandskonjunktur günstig fortwirkt«. Das Problem der Umstellung dieses Grnbenreoiers hat. an feiner Dringlichkeit nichts verloren. Der jetzt erfolgte Zechenzusammenschluß der dortigen Großunter- nehmen, dcr Oberschieslschen Kots- und Chemischen Werke A.-G., des Rütgers-Konzern und der Gewerkschaft Glückshilf-Friedenshofsnung, die gemeinsam der Stadt Breslau und der Linke-Hofmann-A-°G. gehört, ist aus diese» Per- hältiiissen zwangsläufig erfolgt. Durch Zusammenfassung her Produktion in den leistungsfähigsten Gruben, Ausbau einer Zentral? kokerei und technische Verbesserung der Betriebe will die neue Ge- sellschast, die Riederschlesischen Steinkohlengruben A.-G., die vom 1. Januar 1328 ab mit 35 Millionen Aktienkapital ihre Tätigkeit aufnimmt, den Waldenburger. Bergbau wieder rentabel gestalten. Durch das Fernbleiben des größten Zechenbesitzers in Niederschlesien, der»Fürstlich Pleßschen Verwaltun g". auf die etwa 30 Proz. der gesamten Produktion entfälll, kann diese Fusion jedoch nur als eine Zwischenlösung angesehen werden. und zwar um so mehr, als die Pleßgruben die Reviere von Obertoks und Rütgers durchschneiden und di« geplante Zusammenfassung der Betriebe so ungemein erschweren. Ob das Fernbleiben von Pleß nur aus die Schwierigkeiten, die das Einbringen dieser, f i de i k o m mi sj a r i s ch gebundenen Betriebe in die neue Gesell- schaft macht, zurückzuführen ist, wird noch aufzuklärsn sein. Unklar ist leider noch die Haltung der Regierungen. Obwohl seit längerer Zeit bereits Verhandlungen über die Anixäge der Berg- werksbesttzer auf staatliche Kredttgewährumg oder Sub- ventionen bzw. beides im Gange sind, ist die Oeffqntlichkeit bisher noch völlig über Absichten und Beteiligung Preußens und des Reichs im unklaren. Die Oeffentlichkeit einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen, geht hier nicht an. Auch die Reichsbah», sollte erklären, wie sie sich ihr« Mitwirkung in Niederschlesien denkt. Die Sache drängt, auch mit Rücksicht auf die Berg- arbeit er, deren Elend noch immer n�icht bekannt genug ist. Obwohl der Vorkriegslohn der'Bergarbeiter mit netto 3,43 M. je Schicht schon die denkbar elendeste Bezahlung war, ist der Reallohn 192? demgegenüber«och um fast k Proz. niedriger, reicht mit den knapp 5 M. auch nicht an- nähernd zu einem menschenwürdigen Dasein aus. Geradezu- furchtbar sind die W o h n u n g s» e r h äl t-n i s s e. Nach den amtlichen Feststellungen des Landratsanntes Waldenburg Äestf zur«erfügl �■ Küche. In einzelnen Gemeinden sind die Verhältnisse noch schlimmer. Die Jndustriesanierung in Niederschlesien muß also grüpd- i lich und vollständig vorgenommen werden. Das heißt auch, daß alle Naturschätze und Verwertung,-» Möglichkeiten an Ort und Stell« nicht nur rationell, sondern auch mit möglichst großer örtlicher Wirkung ausgeschöpft werden müssen. Bitte- V verg ielleicht rauchen Sie seit}ahr und Tag eine andere 4'Pfg.'Zigarette..- Weil Sie von lieben Gewohnheiten- nicht gern abweichen, haben Sie bisher Massary«Privat, die neue 4* Pfg.«Zigarette ohne Mundstück, noch nicht probiert-Und doch gibt es auch im Reiche der Zigarette (wie in der Literatur und auf andern Gebieten) Neuerscheinungen, an denen man nicht achtlos vorübergehen darf. Gerade Massary« Privat löst In Kennerkreisen soviel aufrichtige Bewunderüng aus, daß wir Ihnen einen Versuch ans Herz legen möchten. Sie werden auch sagen; Das istTabak.'(Urteilen fic sdbsf!) Die Konsumgenossenschaften mehren sich. Bekanntlich hatte die Organisation der Kolonialwaren- aändler in Gseiwitz Dienstmädchen. Arbeitsburschen oder fremde Schulkinder in Dcrterluygsstellen des Konsumvereins geschickt mit dein Auftrag, sich dort unberechtigterweise Waren zu oer schassen Di« Verleitung von Konsumvereinsangestellten zu unbefugter Waren- abgäbe an Nichtmitgliedcr ist nach dem Geiiossenschaftsgesetz(8 1S2) st r a f b a r, wie auch die Ware nabgabe an Nichtmit- olieder strafbar ist. Di« Händler wollten damit beweisen, daß der Konsumverein auch Waren an Nicht Mitglieder abgebe. Nun haben die organisierten Stcttiner Händler, Fleischer und Bäcker durch ein beson- deres Schreiben ihre Berusskollegen aufgefordert, ebenfalls solche Prozesse anzustrengen, d. h. in gesetzwidriger, strafbarer und un- moralischer Weise Konsumvereinsangestellte zu strafbarer Warenabgabe an Nichtmitglieder zu oerleiten, um dann auf Grund solcher unsittlichen Handlungen Schodenersatz beim Gericht zu suchen. Die Konsumverein« greifen demgegenüber endlich zum S e l b st- schutz, nachdem ihre Geduld lange genug mißbraucht worden ist. Die..Konsumgenossenschastliche Rundschau" bringt folgenden Auf- ruf, in dem die Konsumvereine aufgefordert werden, daß sie jedes NichtMitglied, das bei ihnen Einkäufe zu machen sucht und die vorherige Erwerbung der Mitglied- schaft ablehnt, verhaften und feststellen lassen, o b u n d v o n w e ni sie zu solchen gesetzwidrigen Handlungen vor- leitet sind, und in jeden' Falle gegen Dcrleiter und Verleiteten Strafantrag zu stellen. Der Name des Berleiters wäre öffentlich bekanntzugeben mit dem Hinzufügen, daß er sich durch unsittliche .Handlungen materielle Vorteil« zu verschaffen suchte. Vielleicht hallen sich die Konsumvereine dadurch das gesetzwidrig handelnd« Gesindel vom Leibe, das ans ihr« Kosten sogar durch strafbares Verhalten Profite zu machen sucht. Im übrigen' sei mir imm«r wieder zu betonen: Für keinen Pfennig Ware an Tlichtmilgliederi Wer die Vorteil« der konsumgenossenschaftlichen Organisation genießen wolle, trete ihr gefälligst bei! Lahreszeitliche Arbeitsmarktverschlechterung. Die rückläufige EMwicklung des Arbeitsmarktes segle sich in der ersten Novemberwoche, besonders in den ländlichen Bezirken, fort, in denen das Schwergewicht der Erwerbstätigkeit in den Außen- berufen liegt. Die inzwischen eingetretenen Niederschläge haben zu einem schnelleren Anwachsen der ArlKitslosenziffer beigetragen. Es war aber trotz vorhandener Arbeitsgelegenheit nicht möglich, den Zuwachs von Arbeitslosen, welche zum größten Teil aus der Landwirtschast, den Forstkulturen und den Bahniintcrhaltungsarbeitcn stammen, so aufzufangen, wie es in den Vorwochen möglich war. Auch das Baugewerbe weist «ine erhebliche Steigerung der Arbeitslosigkeit auf. Die Metall- und Maschinenindustrie behauptet weiterhin ihren gü n st igen Stand. Ralionalisierung und Preispolitik. In einem von der Handels- Hochschule vsranftalielen Vortragszyklus berührte Professor Bonn von der Berliner Handelshochschule auch die Zusammenhänge zwischen Rationalisierung und Preispolitik. Wenn der Unternehmer sich trotz seiner gesenlten Gestehungskosten weiterhin einen gleich hohen oder noch höheren Preis von den Konsumenten zahlen lasse, so wird der Umsatz nicht gesteigert werden. Die Wirkungen der Rationalisierung seien dann unsozial und können für die Ge- samtwirtschaft nicht zur Auswirkung kommen. Nack: der Meinung von Professor Bonn sei die beste Grundlage der Rationalisierung die freie Konkurrenz, da sie ständig zur Erhaltung der Kon- kurrenzfähigkeit zu Betriebsverbesserungen und Kostensenkungen zwingt. Ein besonderes Kapitel sei die Rationalisier u n g der Kartelle, die wirtsckastspolilische Scbulmeisterei treiben. Lluch Fusionen und. Stillegungen verfehlen git ihren Zweck, weil Preissenkungen oft Nicht eintreten, dagegen aus der anderen Seite die A r b e i t s l o s i g k« i t a n st e i g t� Die Beschaffung' von Geld- Mitteln für die Zusammenschlüsse und Stilleeungen führt zu K-pitolverwässerunaen, und um das erhöhte Kapital angemessen zu verzinsen, werden'die hohen Preise beibehalten, also das Gegen- teil wirtschaftlicher Rationalisierung erreicht. Wirtschaftliche Ratio- nalisierung erfülle nur dann ihren Zweck, wenn sie unter- nehmungsweise, nicht gruppenweise, vorgenommen wird. Auch glaubt Professor Bonn, daß sich der Gedanke, die frei« Konkurrenz sei hier der irrtw«ndiqc Regulator, immer mehr Bahn breche. Ihr wird auch die S ch u ß z o! l p o l i t i k. die im'chärfsten Gegensatz zur Rationalisierung steht, allmählich weichen müssen. Dauerkredile für Flüchtlingssiedlee. Das Reich hat durch Ver- trag der Deutschen Rentenbankkreditanstalt die Bei sargung der zur Flüchtlingssiedlung erforderlichen Mittel übertragen. die durch Anleihen erfolgen soll. Die Sicdlungsdarlehen. sind an die Voraussetzung geknüpft, daß die zu beleihende Stelle lebensfähig ist oder gemacht werden kann. Sie werden von einem Ausschuß bei der Rentenbankkreditanstalt endgültig vergeben, können bis zu 7ä Proz. des vorher geschätzten Wertes crteill werden, sind in voller .Hohe auszuzahlen und mit insgesamt 4 Pro z. zu verzinsen. wozu ein Verwgltungskostenbeitrag von Mi Proz. kommt. Vom Reich etwa früher gewährte Darlehen sind bei der Aufnahme neuer Darlehen abzudecken. Zusammenbruch eines englischen Kartells. Das englische Baum wollspinnereikartell(Cotton Darn Association). das die«chwierigkeiten in der englischen Baumwollindustrie durch Zusammenschluß der unzähligen kleinen und mittleren Betriebe und durch allgemeine Produktionskontrolle beseitigen wollte, sieht sich jetzt gezwungen, alle Produktionsbeschränkungen wieder aus- z u h e b e n. Diese Bankrotterklärung des Kartells ist auf die Haltung der Außenseiter, der sogenannten„amerikanischen E c k t> o n", das sind die Spinner, die ausschließlich amerikanische �Baumwolle verarbeiten, zurückzuführen, die durch rücksichtslosen -prelsdruck den durch das Kartell im Preise gebundenen Unter- nehmungen die Austräge wegnehmen. Damit ist einer der wichtigsten Versuche in England. Mißstände in einee Industrie durch Kar- tellierungsmaßnahme» zu beseitigen, gescheitert. Stickstoff, verke in Finnland. Eigene Stickstoffwerk« zu errichten. dazu oerlocken die oerschied«nsten Gründe. Einmal kann sie fast jedes X-and brauchen, um die eigene Landwirtschafl zu intensivieren. Dann lst der Prvduktionsprvzeß einfach, abgesehen von den Paten- ten. weil Wasserkraft und Rohstoffe überall vorhanden sind. Endlich ist die Industrie sehr lukrativ. Das werden auch für das wasser- kraftrelche Finnland die Gründe fein, sich eigene Stickstoffwerke zu errichten. Eine Sachverständigenkommission hat der sinnischen Re- gierung vorgeschlagen, der Staat solle die Prodüktion aufnehmen. Das erforderliche Kapital für zwei Jahre von 64 Mill. Finnmark aus dem finnischen StaatshaushaU genommen werden. IGD. und Generalrat. Die Engländer halten an purcell fest. London, 8. November.(Eigenbericht.) Am Dienstag fand in London eine gemeinsame Sitzung des Generolrats der britischen Gewerkschaften mit dem Borstand des Internationalen G-ewertschafts- b u n d e s statt, in dessen Mittelpunkt die Frage der Beilegung des Konflikts stand, der aus der Person des Bundesvor- sitzenden zwischen den britischen und kontinentalen Gewerkschaften auf dem Internationalen Kongreß in Paris entstanden war. 9 Der Generalrat der britischen Gewerkschaften hat dem Vorstand des IGB. einige Vorschläge unterbreitet, die sich auf die Frage der Präsidentschaft, der Mitgliedschaft im Vorstand und auf das Vorgehen hinsichtlich der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung von Vorschlägen für den Vorstand des IGB. bezogen. Zur Frage des Vorsitzenden und der Mitgliedschaft im Vorstand stellte der britische Generalrat in seinem der Sitzung unter- TecKniKs?! Wählt am 13. Aovember zur Angestelltenversicherungs- Wahl die Liste E Liste der Techniker, Rund der technischen Angestellten und Beamten(AfA-Bund) breiteten Memorandum fest, daß„Großbritannien nicht mehr als irgendeine andere Nation einen Anspruch auf die Präsidentschaft im IGB. erhebt, jedoch fordert, daß entsprechende Maßnahmen ge- troffen werden, um die Vertretung Englands im Vorstand des IGB. zu sichern." Bezüglich der Frage der Behandlung von Kandidaturen für den Borftand stellte der britische Generalrat fest, daß seiner Meinung noch dem Kongreß nur dann gestattet sein dürfe, eine Person für die Mitgliedschaft in den Vorstand des IGB. vorzuschlagen, falls der Kandidat' selbst und das Land, dem der Vorgeschlagene angehört, ihre Zustimmung geben. Heber diese beiden grundsätzlichen Vorfragen wurde Uebereinstimmung erzielt, jedoch stellte der Sprecher des Vorstandes des IGB. fest, der IGB. könne seine Zustimmung nur unter der Voraussetzung geben, daß dem Internationalen Gewerkschaftskongreß das Recht verbleibt, gegebenenfalls jede Kandidatur endgültig abzulehnen. Die Nachmittagssitzung war der Meinungsverschieden- heit über die Person des britischen Kandidaten für den Vorsitz des IGB. gewidmet, wobei bedauerlicherweise die erwünschte Eini- gung nicht zustande kam, da die Vertreter des britischen General- rats glaubten, auf der Kandidatur Purcells bestehen zu müssen. Die Vertreter des Vorstandes des IGB. erklärten hierauf, daß sie de» britischen Dorschlag für den Vorstand des IGB. nach wie vor nicht annehmen könnten, nachdem der Internationale Kongreß bereits in dieser Frage g e- sprachen hätte. Die Frage des V o r s i tz e s des- IGB. wird deshalb die nächfte Ausschußsitzung des IGB. im Januar 1928 in Berlin beschäftigen. Es besteht ernste Hoffnung, daß wenigstens dann eine Beilegung deL Konslikts erfolgt. Der Vorstand des IGB., der am Mittwoch zur Behandlung lausender Frägisti wieder zusammentritt, wird öi:f Grund des ergebnislosen Verlaufs der Verhandlungen bis auf weiteres ohne Teilnahme eines britischen Vertreters tagen müssen. Das nach Beendigung der Sitzung ausgegebene Kommunique betont nachdrücklichst, daß die Erörterungen in herzlichem und freundschaftlich st em Tone geführt worden seien und auf beiden Seiten der Hoffnung Ausdruck gegeben worden sei, in der Pcrsonenfrage zu einem beiderseitigen E i n v e r- st ä n d n i s zu gelangen. • Wir glauben nicht, daß es außerhalb des General- rat, des englischen Gewerkschaftskongresses viele Leute geben wird, die das Festhalten an der in jeder Beziehung u n m ö g- l i ch e n Person Purcells verstehen, geschweige denn billigen werden. Wir gestehen den englischen Gewerkschaften selbst- verständlich die vollste Freiheit zu, für ihre Organisationen die Taktik und die leitenden Personen zu wählen, die sie für richtig halten. Wir werden dabei mit ihnen immer uns soli- darisch fühlen, auch wenn wir weder mit der Taktik noch mit den leitenden Personen völlig übereinstimmen. Das haben wir besonders während des B e r g a r b e i t e r st r e i k s be- wiesen. Wer der IGB. ist eine internationale Orga- nisation. Und für die— der Beweis ist zum Ueberdruß er- hracht— ist Purcell unmöglich. Die Löhne der Reichsarbeiter. Unter dem Reichsindex. Trotz der persönlichen Aussprache der Orgamsationsvertrcter der Reichsarbeiter mit dem Reichsfinonzminister am 23. Oktober und trotz der daraus sofort von d«n Organisattonen vorgenommenen Ucbermittlunq des Lohnmaterials hat das Rcichssinanzinimsterium zu der dringend notwendigen Aufbesserung der Löhn« noch immer kein« entscheidende Stellung genommen. Wie wir erfahren, soll nun am kommenden Freitag, vormittag 11 Uhr, im Reichtsinanzministerium ein« neue Aussprache staltsinden. Wird dkese Aussprache jetzt endlich zu einem b e f r i e- digenden Resultat führen? Die Deutsche Reichsbahngesellschait hat in den Verhandlungen über die Erhöhung bzw. Neugewährung von Ortslohnzulagen eine fünfprozentigs Zulage für Königsberg, Halle und Kottbus angeboten, was praktisch«ine Lohnzulage von 3 Pf. für diese Orte be- deutete Bei der engen Verwandtschaft zwischen Reichsbahngesellschast und Reichsfinanzinimsterium ist zu befürchten, daß auch das Reichs- finanzmimstelium einen ähnlichen Weg einzuschlagen beabsichtigt. Bei den Reichsarbeitern ist die Not außerordentlich gr s h. Vor einigen Togen ging dem Verband der Gemeinde- und Stoatsarbeiter ein für dies« Verhättnisie bezeichnendes Schreiben zu. Es ist aus Forst(Lausitz) unter dem 28. Oktober 1927 vom Aussichtsrichter des Amtsgerichts an den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Berlin SO 33, gerichtet und lautet: „Der Herr Justizminsiter hat durch Erlaß vom 4. Oktober dem hiesigen Amtsgericht ein« Reinigungsfrau für acht Stunden täglich zu 36 Pf. bewilligt. Trotz aller Bemühungen ist«s in der hiesigen Industriestadt nicht möglich gewesen, hiersür eine Frau zu finden. Ich bitte um sofortige Mitteilung(auf Veranlassung des Kammergerichts), ob von dort eine Kraft für tö-»'«» Preis g« stellt werden kann, anderenfalls um eine entsprechen�« Bescheinigung. um dann einen höheren Betrag bewilligt zu erhallen." Wie ans einer Arbeitsordnung vom Jahre 1913 hervorgeht, konnte damals«in ungelernter Aibeiter beim Artillerie-Depot in Stettin bis ,zu 4,93 M. pro Tag verdi«nen, während er heute im selben Verhältnis bei einer 31stünd:gen Arbeitswoche im Höchst- fall 3,93 M. verdienen kann. Aus einer Arbeitsordnung vom Jahre 1999 geht hervor, daß damals die ungeleinten Arbeiter beim Artilleriedepot in Spandau Löhne bis zu 3,31 M. pro Tag ver- dienten, während heute der vergleichbare Arbeiter bei 81stündioer Arbeitszeit nur 6,88 M pro Tag verdienen kann. Also selbst in Berlin, wo neben Hamburg die höchsten Löhne gezablt werden, ist die gegenwärtige 39prozeniige Ueberteuerung gegenüber der Vor- kriegszeit noch lange nicht abgegolten. Diese Beispiel« lasien sich beliebig vermehren. Trostlose Zustände! Angesichts dieser geradezu katastrophalen V»rhäUniss« ist der Ruf der Reichsarbeiter nach einer allgemeinen Lohn- erhöbung mehr als berechtigt. Die Reichsarbeiterschaft erwartet vom Reichssinanzmimsterium, daß die neuen Verhandlungen end- lich Klarheit und einen befriedigenden Lohn bringen. Verschärfung im Rheinland. Letzte Verhandlungen in der Textilindustrie. Elberfeld, 8, November. Die Streiklage in der Terttl'ndustrie hat sich heute dadurch verschärft, daß auch die Möbelstoff, und Teppich» industric in den Streik getreten ist. Zwischen Unternehmern und Arbeitern finden heute nachmittag 3 Uhr im Bgrmer Rathaus« vor dem staatlichen Schlichter, Beigeordneten Dr. B r a g a r d, Be- sprechungen statt._ Die Verhandlungen in Oesterreich. Seipel hust zurück. Wien, 8. November. Heute vormittag wurden die Verhandlungen zwischen der Re- gierung und den Bundesangestellten wieder aufgenommen. Bundes- , kanzler Dr. Seipel gab die Erklärung ab, er wolle dem Wunsch der Bundesangestellten, die dienstlichen Fragen zugunsten der Lohn- Verhandlungen zurück'ustellen, Rechnung tragen, möchte aber den Rat geben, sich in den Organisationen unterdessen mit seinen Argu- mentcn zu beschäftigen. Die Streitfrage könne zwar im Ein- Verständnis zwischen Regierung und Bundesangestellten von der Tagesordnung der gegenwärtigen Verhandtungen verschwinden, er glaube aber nicht, daß sie von der Tagesordnung der öffentlichen Meinung verschwinden werde, ehe sie eine Lösung gefunden habe. Im Verlaufe der heutigen Aussprache mit den Beamten teille Fi- nanzminister Dr. Kienböck das Ergebnis der Prüfung der ma- teriellen Forderungen durch das Finanzministerium mit. Danach würde die Erfüllung der Forderungen der Bundesangestellten rund 299 Millionen Schilling erfordern, eine Summe, welch« dem Ge- samterträgnis der Waremnnsatzsteuer für den Bund und die auto- nomen Körperschaften oder dem Gesamtergebnis der Zölle gleich- kämen und das Ergebnis der Tabakregie bedeutend überschreiten .würde. Was dles.süx das. Budget bedeuten würde, brauche wohl nicht auseinandergesetzt zu werden. Nach einer längeren Diskussion wurde die Fortsetzung der Verhandlungen' auf morgen nachmittag festgesetzt. Wcrb«au«sit»b der SPD. de, Bezirk», int» Friedrich« Hain,«ruße öffentliche Versammlung aller im Bczirlsamt Friedrichehain beschiiftig. Mielitz. 2. Freie Aussprache. Bciirlsncrbar.d der SPD., Werbeau-schuß der Eisenbahner. Eisen. bahncr! Donnerstag 19 Uhr in Schmidts Eesellschaftshaus, Verlin, Fruchlstr. 36a, große öffentliche Eisenbahnerve rfammlung. Genosse Albert Fallenberg spricht Uber das Thema„Der Kampf um die politische Macht." Die Stellungnahme der Bllrgcrblockrcgierung mit den Recht». Parteien im NciS>s!ag muß ein Ansporn sein, die Versammlung zu einer wuchtigen Kundgebung zu gestalten. Eisenbahncrauswei» legitimiert. Freie Grrocrkschaft-sngeo d Groß. Berlin. Heute, Mittwoch, 19 Vi Uhr, tagen die Gruppen: Rcntklln: Gruppenbe'.m Jugendheim Bergstr.'29, Hof. Elim Feierstunde.— Südwesten! Gruppe nheim Stadt.'Iugrildheim Porckstr. 11, Fabrikgebäude. Rrvolutionsscier.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 16— 19. Vortrag:„Das englisch- Antlgewcrkschoftsgeseß."— Nordring: Gruppenheim Jugendheim Ebcrswalder Str. 10. Vortrag:„Vom slunftgesellcn zum freien Arbeiter."— Baumsilnlenwcg: Jugendheim Vaumschulenweg, Ernststr. 1«. Vortrag:.Die Bedeutung des 9. November sllr dm Arbeiterschaft."— Weihenlee: Zugendheim Parkstr. 36. Vortrag:„Die Auswirkungen der Revolution 1SI8 auf die Gewerkschaften."— Kenirnm: Jugendheim Zchdentcker Str. 24—26. Rovcmberstllrme.— Kre!r Obersprcc: Unsere Kapelle übt um 1» Uhr im Ingen dhe m Riedcrschöncwcide, Berliner Str. 31(Schule).— v'tIrei».Knrsn»: Um 20 Uhr in der Weltlichen Schule, Diestelmepcrstr. ö(Klassen, immer). Altbewährt bei Arterienverkalkung und erhöhtem Blutdruck Fachinger Versandstelle, Berlin 8W II. Schöneberger Str. 18a. T. LQtzow 8260/61. 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Die Polizeidirektion hatte erst nach schwierigen Verhandlungen im letzten Augenblick die Durchführung der Veranstaltung erlaubt. Aber man hatte Bedingungen gestellt. Sehr merkwürdige'Bedingungen, die blitzartig die ganze Situation beleuchteten Die Polizadirettion forderte von der Versammlungs- leitung, daß sie die Soldaten nicht zum Ungehorsam und zur Meuterei auffordere, daß sie keine Demonstration veranstalte und die R«- publik nicht ausrufe. Es knisterte schon im Gebälk des alten Staates. Kurt Eisner sprach zu den Versammelten. Die Dersammlungsleitung forderte zu keiner Demonstration aus. Abei nach Schluß der Kundgebung kam spontan au, der Menge der Rus:„Auf noch Stadelheim!" Dort saßen noch drei Ge- nossen voin Ianuarstreik her im Gefängnis. Zweihundert Entschlossene zogen zum Gefängnis, weit außerhalb der Stadt. Polizei zu Fuß und zu Pferd, berittene Gendarmerie und ein Zug Unteroffizier« des bayerischen Leibregiments wurden alarmiert. Aber sie traten nicht in Aktion. Von 12 Uhr mittags bis 19 Uhr abends hielten die Demonstranten vor dem Gefängnis aus und erzwangen. eine Unterredung niit den Gefangenen. Die Freilassung der Inhaftierten wurde in Lucsicht gestellt. Dann zog man zur Stadt. In den Straßen hallten Kampflieder der Arbeiter wider. Friedensrufe erschollen und der Zug der Demonstranten schwoll an, je näher man dem Stadtinnern kam. Alles, was aus den Straßen war, zog mit und als die Demonstration vor dem Wittels- bacher Palais— dem Wohnsitz des letzten Bayernkönigs— ankam, war sie zu einer unübersehbaren Menschenmasse angewachsen. Da sprang einer aus der Meng« auf das EisengRter vor dem Königspolast:„Volk von München! Entscheidungsvolle Tage liegen vor uns. Es gilt jetzt bereit zu sein!" Und dann schilderte er die politische Situation, erzählte die Vorgänge vor dem Gefängnis. fordert« nochmals die Freilassung der politischen Gefangenen und ließ die Anwesenden schwören, die Freilassung zu erzwingen, wenn sie nicht bi» zum nächsten Tag erfolgt sei. Jubelnd« Zustim- mung brauste ihm entgegen und unterbrach seine Schluß- ausführungen, die in den Ruf ausklangen:„Es lebe der Friede, es lebe die Freiheit, es lebe diesoziale Republik!" Di« Polizei hatte nicht gewagt, die Kundgebung zu stören. Aber zur gleichen Stunde, da die Meng« vor dem Wittels- bacher Palais stand, waren die drei Gefangenen auf freien Fuß gesetzt worden. Zwei Tage später, am 5. November, al» in Kiel die Matrosen die rote Fahne entrollten, sprach Kurt Etsner wieder auf der Theresienwies«. Es waren an Zwanzigtausend, die im Dunkel auf dem weiten Plan standen. Sie wollten in die Stadt ziehen. Eisner hielt ste zurück. Es war schwer. Die Menge tobte. Und doch gelang es Eisner, ein««ln überlegte Aktion zu verhindern. „Nicht jetzt," beschwor Eisner die Masse,„nicht in der Nacht wollen wir aufbrechen. Die Sache des Volkes hat nicht das Licht des Tages zu scheuen. Im Strahl der hellen Sonne wird sich das Voll erheben. Ich setze meinen Kops zum Pfände, «he oierundzwanzig Stunden ver st reichen, wird sich das Volk von München erheben!" Im Ministe- rium de» Innern überlegte man sich, ob Eisner oerhastet werden sollte. Aber man wogte diesen Schritt zuletzt doch nicht. Und die entscheidenden Ereignisse reisten heran. Für den 7. November hatten SPD., USP. uckd Gewerkschaften eine gemeinsame Friedenskundgebung auf der Theresisnwicfe vereinbart. Um 1 Uhr nachmittags heulten die Fabriksirenen und still ward'c um die Maschinen. Die Abendblätter konnten nicht erscheinen. In unübersehbaren Zügen strömten- die Massen zur Demonstrations- wiese. Ganz München war auf den Beinen. Viele rote Fahnen wehten über den Köpfen. Plakate wurden mitgesührt und mitten unter einer Gruppe Feldgrauer sah man eine große n>?iße Tafel mit der Aufschrift:„Es lebe die Revolution!" Auf den Gesichtern lag Spannung. Man wußte: Heute geschieht Entscheidendes. Die Ortskommandantur hatte die Soldaten in den Kasernen zurückgehalten. Aber viele waren trotzdem ohij« Erlaubnis weggegangen und vom Feld waren viele Urlauber in München. Die kamen alle zur Demonstration. Und die grauen Uniformen mischten sich unter die Männer im Arbeitskittel. Plötzlich hebt ein Soldat eine wallende rote Fahne hoch über die Köpfe und ruft in die Menge:„Alle Soldaten zu Kurt Eisner!" Der Ruf pflanzt sich fort, wird weitergegeben wie ein Befehl. Die Feldgrauen sammeln sich um die rote Fahne. Fünfzehn Minuten sollten die Redner sprechen. Dann sollte eine Resolution angenommen werden, die den Waffenstillstand for- derte und den von den Alldeutschen propagierten Gedanken der „Nationalen Verteidigung" ablehnte. Auch die Forderung noch Parlamentarisierung und Demokratisierung des Staatswesens fehlte nicht. Oben an der Bavaria aus der großen Freitreppe stand Erhard Auer, der Führer der SPD., dann folgten die anderen Redner am Wiescnhang entlang mu je fünfzig Meter Abstand und weit unten stand Kurt Eisner, der Hauptredner der USP. Da kommt Bewegung in die Masse. Die Soldaten ziehen hinter einer roten Fahne mitten durch die Menge zu Eisner. Ein Zeichen wird gegeben. Die Ansprachen beginnen. Die Resolution wird be- gründet, die ganze Gefahr der augenblicklichen Situation geschildert. Abstimmung: Mehr als hunderttausend Hände erheben sich für die Forderungen der Münchener Arbeiter. Dann zieht Auer mit einem Teil der Demonstranten durch die Stadt zum Friedensengel. Unter- wegs schließen sich die Soldaten der Residenzwache dem Zuge an, der überall mit Jubel begrüßt wird. Aber dort, wo aus der Wiese die Soldaten standen, war nicht alles so programmäßig und ruhig verlausen. Drei Redner sprachen dort. Zuerst E i s n c r kurz und bündig. Es sei jahrelang g e- redet worden, man müsse jetzt handeln. Ein Vertreter der Bauern verspricht, daß das Landvolk die Arbeiter nicht im Stiche lassen werde. Dann springt ein Feldgrauer aus die Böschung. Er trögt eine rote Fahne, erinnert daran, daß die Soldaten der Garnison jn den Kasernen zurückgehallen würden:„Auf in die Kasernen! Befreien wir unsere Kameraden! Es lebe die Revolution!" Do» war das Signal. Brausender Jubel setzt ein und im Eturmschrctt geht's zu den Kasernen, voran die rote Fahne. In der Guldein- schule waren Landstürmer untergebracht. Sie standen mit scharfer Munition in Bereitschaft. Das Tor ist verschlossen. Man schlägt Fenster ei». Zwei Soldaten dringen ein. Mit den draußen War- tenden war vereinbart worden, nach fünf Minuten zu stürmen, wenn dos Tor nicht geöffnet wird. Im Zimmer des Kommandanten verhandeln die zwei Eingestiegenen wegen Uebergabe der Schule. Der Kommandant weigert sich. Die vereinbarten fünf Minuten verstreichen. Draußen fürchtet man für das Schicksal der beiden Kameraden. Das Tor wird gesprengt. Die bewofsnete Bereitschaft geht zu den Stürmenden über. Waffen und Munition werden mitgenommen und weiter gehts zur großen Kaserne auf dem Mars- feld. Bis zum Abend waren alle Kqsernen, die Ministerien, Bahn imd Post in der Hand der Revolutionäre. Um 22 Uhr tagte bereits die erste Sitzung des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates im Landtagegebäude. Al. am Morgen des 8. November die Münchener Bürger erwachten, lasen sie in ihrer Zeitung voller Staunen die Proklamation des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates:„Bayern ist fortan ein Freistaat." Und über München wehten rote Fahnen. Neunter November. Das Volk erwachte. Zorn fuhr la die Blassen, Der bleiche Hunger stachelte die Wut. Nach Sühne schrie das hingegohne Blut, Es quoll der Aufruhr aus der Armut Gaffen. Zort mit den Epauletlen. die wir hasten, And mit der Fürsten augemastler Brutt Ans lockt kein Tand, uns treibt kein Aebermut, Doch nimmer wollen wir uns knechten lasten. wir stürmten lost Dann aber klang es laut: Jetzt wollen wir ein neues heim errichten, Das hau, der Freiheit wird von uns erbaut. Sein Sturm wird je die« heil'ge werk veralchlen. So lang' da, Volk der eignen Sraft vertraut, Im Rechte fest und fest in feinen Pflichten. heaalag Duderstadl. Zum Nevolutions-Tage. Von Sau« Heinrich StrStner. N u r e i n�M ä r ch e n. Es schwimmt in meinem schweren Blut.- August 19l4. Die Bäume reckten sich hoch auf und streckten ihre Zweige von sich weg, als wenn Kinder einen Reigen machen. Aber sie sahen so. düster und drohend, aus, daß sie eher eisernen Gittern glichen, die Erde und Himmel trennten. Die Kinder schien der Wind fortgetragen zu haben, auch die Vögel schlüpften eiligst durch die düsteren Stäbe des Gitters. Kinder- lochen und Vogellaute paßten nicht in die Welt der Schreie, des Todes, der Tränen. Die Menschen sprangen von den Marmorstufen, die sie in Tausenden von Jahren erreich: hatten, wollten und sollten wieder Chaos und Urform sein. Fluteten durcheinander, gegenein- ander, aber nicht unter geistigen Hirnnwln, sondern durch sumpfige Gräben, die Leichtsinn und Machtgier der Herrschenden gezogen. Mensch brandete'gegen Mensch. Hinter heroischen Worten und Hurrageschkei verbarg sich das leere„Warum". Aus die wüste Stirn der Menschheit schrieb der Tod sein Lachen. Hinkend schlich der Wahnsinn durch die Masse, sah manchen: Menschen- kinde in die Augen. Hunger wurde allumfassende Gebärde. Die Sonnenstrahlen aber glichen Pserden, die vor einem Ab- grund bäumen und schössen eiligst zurück In den Weltenraum. Darum waren vier Jahre lang so wenig Sonne und so viel Tränen in der Welt. E i n e V i s i o n. Ich stand auf einem hohen Berge und sah ins Menschenland. Dunkle Wolkenhänd« mit langen Nägeln zerkratzten das bleiche Ant- litz des Mondes, knüllten die Lichtstrahlen zusammen und schleuderten sie in Pündeln ins Tal. Ein unheimliches Gefährt rast« durch das fein« Mondgewebe und riß ein großes Loch hinein. Menschen schrien auf. Sie lagen Übersahren aus der Straß«, mit zerquetschten Gliedern und blutigen Hirnen. Ein Mann sprang auf, erhob die Faust und hielt darin sein abgefahrenes Bein, wie eine Keule, drohend. Da drehte sich die Mondscheibe und hob«inen Parkettsaal aus den Armen der Nacht, Sektslaschen standen im Kreise, und ihre Schatten strichen mitleidig über das Wirrnis trunkener Leiber. Draußen aber kauerten Mütter und Frauen, Runen ßion Not und Sorge in den Gesichtern. Haßgesang drang wie das Rollen unter- irdischer Gewässer zu mir herauf., Wieder warfen Schotten das Bild in Trümmer und die Mond- strahlen zogen eine weiße Straße durchs Land. Das unheimliche Gefährt rollte langsam. Hinter dem?ithn>rsitz kauerte ein unheimlicher Gast, neben ihm lag das abgefahrene Bein. Plötzlich reckte er sich hoch, griff das Steuer. In den Abgrund sauste der Kriegswagen." Menschen standen jubelnd im Morgensonnenschein: Zerschellt! Vor- bei! Laßt uns Brüder sein! Symbol.' Im Herbststurm steht«iki junger Baum. Die Blätter des lauen Lenzes sind abgefallen wie Kinderträume von Kämpferstirnen. Junger Baum, die Erde war hart, in die du 1918 gepsianzt wurdest. Die Trümmer der alten Zeit sind noch nicht zerbröckelt, noch engen sie dich ein. Wachse in Geduld, diese Trümmer habe» keinen Sinn. Erschrick nicht, wenn du noch nicht groß genug bist, um die Welt zi» überschatten. Sieh, wieviele stehen abseits, die dir den Boden bereiten müßten, sdoiele sind müde, die dich stützen müßten. Am 9. November grüßen dich rote Fahnen: Deutsch« Republik! Wilhelms Fahnenflucht. Von Herbert Eulenberg. Wir entnchmen diese Schilderung dem im Verlage«an Bruno Safsirer erschienenen Werl„D i c Hohenzolleru" van Herbert Sulcnberg. Ein Soldat und nichts Schöneres als ein Soldat hatte er doch sein Leben lang sein wollen.„Kinder, et is en tüchtiger Rekrut!" teilt« Papa Wrangel, der oerknöchertste Kommißkopp, der jemals preußischer General war, der Berliner Bevölkerung gleich nach der Geburt des Prinzen mit. Und auch Vater Friedrich, der doch selber seinen Rappel sürs blaue Tuch hatte, meinte, als der Junge groß-- jährig wurde, verschnupft zu seiner Frau:„Der Bengel kann vor- läufig über nichts anderes reden als über seinen Dienst." Dem Heer galten während der fünsundzwanzigjährigen Herumfahrerei, deret- wegen er allgemein der„Reisekaiser" im Volke hieß, Wilhelms meiste Besuche, seine häufigsten Reden, seine stärkste Sorge. Immersort wandte er sich ja in Tausenden von Ansprachen, die alle im Grund dasselbe besagten, an seine Soldaten zu Wasser und zu Lande. Nie wurde er müde, dem jüngsten wie dem ältesten seiner Krieger die soldatischen Tugenden vorzuhalten und zu predigen, deren oberste er selber dann verletzte, als es hart auf hart ging. Er steckte ja auch während seiner ganzen Herrschoftszeit ständig in irgendeiner bunten Heerestracht und trat fast bei keiner Gelegenheit in bürgerlicher Kleidung auf, ein Umstand, der im Ausland allgemein unangenehm vermerkt wurde. Sein Leben bis zum Krieg war in der Hauptsache ein fortwährendes Mustern und Nachprllsen seiner Truppen gewesen, die damals gebimst wurden, als hätte man ihnen die letzte Lust an dem„fröhlichen" Kriegshandwerk nehmen wollen. Er kniete sich geradezu in den Kasernen- oder Manäverstaub, und nie zuvor hat ein Hohen,zollernfürst, auch der vom Soldatenkoller ergriffene Vater Friedrichs des Großen nicht, sich derartig erpicht in das Heerwesen und die Drillerei verbissen als Wilhelm der Zweite. Er hatte ja nicht nur wie sein in Gott ruhender Großvater, dem er allein den Beinamen„der Große" verlieh, für seine stehenden Landtruppen zu sorgen, wo es ständig Paraden abzuhasten und neue Abzeichen, als da waren Standarten, Säkularbänder, Eichenblätter, Namenszüge, Litzen, Spangen, Grenadiermützen, Apfelsinenorden, Fangschnüre, Haarbüsche und andere Kinkerlitzchen zu ersinnen galt und wieder und immer wieder Sittenpredigten zu halten hieß. Er hatte sich noch dazu seine Kriegsflotte zugelegt,„Willys kleines Spielzeug," wie Onkel Eduard und England witzelten, denen er mit dieser für einen Krieg unzureichenden Waffe ständiD in die Augen stach. Bis- her hatte es trotz eines gelegentlichen, fchnell wieder verflatternden Puschels Seiner verstiegenen Majestät Friedrich Wilhelms des Vierten, der den Iadebusen für Preußen erhandelte, kaum eine streit- sähige deutsche Kriegsflotte gegeben. Die wurde erst von Wilhelm langsam zusammengebracht. Was hier in jenen Jahren, bei seiner neuen Ssemacht nach seinen genauen Angaben an ewiger Schleiferei der Seesoldaten geleistet wurde, das verdiente unter die Höllen- quälen Dantes aufgenommen zu werden. Däbei verstand der Kaiser nup den äußeren Drill von der ganzen Kriegsspielerei, deren Feinheiten er, sofort als e� Ernst wurde, anderen überlassen mußte: Man lächelte im ganzen Heer vom alten Schlieffen, dem Unglücksurheber des Durchzugsplanes durch v Belgien, bis hinunter zum untersten Generalstäbler, über die un- möglichen kriegskünstlerischen Proben, die er, um sich in seiner Glanz- rolle hoch zu Roß zu zeigen, unter unendllchen Mühseligkeiten für den übrigen„Troß" allherbsllich aufzog. Immerhin hatte man er- wartet, daß er, der sich soundso oft als„oberster Kriegsherr" vor- geführt hatte, standholten werde, wenn es einmal galt, die so zahl- los« Male von den anderen geforderten soldatischen Tugenden am eigenen Leibe zu bewähren. Und da geschah das Unerwartete, das Schlimmste, das er tun konnte: Er übergab den Degen, von dem er laut zu Beginn des Krieges erklärt hatte, daß er ihn nur als Sieger in die Scheide zurückstoßen würde, einem holländischen Grenzwacht- posten und floh unter den Schutz einer fremden Königin ins Aus- land. Hiergegen war das stille Armekreuzen eines Napoleon des Britten, der sich, umzingelt von einem mächtigeren Feind, in Sedan samt seinen besiegten Truppen gefangennehmen ließ, eine Helden- hastigkeit, ein gefaßtes würdevolles Ergeben in ein Kriegsunglück. das den Tapfersten und Tüchtigsten treffen kann. Wilhelm aber verging sich in der grauen Herbstnacht vom 9. zum 19. November 1918 gegen die einfachste aller Soldatenpflichten, deren Uebertretung im neunten der früheren Kriegsartikel als eine Unwürdigkeit und Ehrlosigkeit bezeichnet wird und die nach diesem selben Artikel 9 im Frieden die Herabsetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes und im Felde die sofortige Todesstrafe durch Erschießen zur Folge hat. In dieser einen einzigen schmutzigen Novembernacht zertrüm- merte Wilhelm nicht allein sein Fürstenhaus, sqpden, auch die ganze seit Jahrhunderten geheiligte Ueberlieserung des preußischen Heeres, sür die er fünfundzwanzig Jahre lang die geschwollensten Worte gesunden und geprägt hatte. Die Pflichttreue, dieser Fetisch, dies Götterbild, vor dem er ununterbrochen Weihrauch geschwenkt hatte, wurde nun von ihm selber oerleugnet. Er floh, als erster der Hohen- zollencherrscher. vor seinem Volke und vernichtete damit die Schöp- jung der Könige Preußens, die Armee, auf die inan mit Recht stolzer gewesen war als aus alles andere. In dieser einen nah- grauen häßlichen Novembernacht versanken mit ihm all die Fahnen, Standarten und Ehrenzeichen Preußens, die vieUach von ihm er- neuert, soundso oft pomphast bei Truppenschauen und Prunk,-ügcn an ihm va:beigetragen worden waren, die er soundso häufige Male mit trompetender oder schnarrender Stimme angefeiert hatte, wo- bei ihm gelegentlich gar ein paar Tränen entfallen waren. Jn dieser einzigen Npoembernacht begrub er unter den Trümmern seines Thrones all die Titel und Orden des Kaiser- und Königreichs, die er und seine Ahnen geschaffen und verliehen hatten. In dieser ewig schmachwürdigen Nooembernacht seiner Fahnen- flucht bewies er. ober auch andererseits, daß a> die donnernden Redensarten, der ganze Wortschwoll, mit denen er sein Land und die Welt fünfundzwanzig Jahre lang überschwemmt hatte, nur Getue und er selber nichts als ein Schauspieler gewesen war. Und plötzlich siel es allen wie Schuppen von den Augen, und sie er- kannten den Komödianten, den er bisher so geschickt verborgen hatte. Man tonn in Wünschen sich vergesien, Man wünschet leicht zum Uebersluß, Wir aber wünschen nicht vermessen, Wir wünschen, was man wünschen muh: Denn soll der Leib iii: Menschen leben, So brauchet er sein täglich Brot. Und soll er sich zum Geist erheben. So ist. ihm seine Freiheit. not. L. Uhlanfc» Cmjenbungcn f&t bl»tt Rubrik sind Berlil» SW»«. Lind-nstr-ß- Z. parteinachrichteni��fürGroß-Berlm stet» an da» Bezirl�etratariat 2. Hof, 2 Ire», recht», ,» eichten. 5. Sttci» Nriedrichshaln. Die Abteilungsbanner müssen heut«, Mittwoch, 9. äiosrmbet; um 18 Uhr zur Ausschmückung des Saale, im Lokal„Äbnigs- banl' fein. 8. Ätel» ftreujbceg. Heute, Mittwoch, 9. November, treffen sich Amtliche Ordnet pünktlich 19 Uhr in den flommerfälen. Teltower Str. 1—3. 9. fleei» Wilmersdorf, Heute, Mittwoch, 9. November, pünktlich 18% Uhr, Antreten auf dem HohenzoSernplatz zum Deinonstrationsumzug. Fahnen —,»------ BW— und Eanner mitbringen, 14. Brei» Neukölln. Freitag, 11. November, 1914 Uhr, öffentliche Versammlung aller ftadlischen und behördlichen Ardeiter. Angestellten Heute. Mittwoch, 9. November. beteiNgen 88. Abt. Chorlottcubueg. Der Fahlabend sollt heute«u». Dafür stch.s-Imtliche Mitglieder an der Nevolutionsfeier de, Breisro in der Schul. Di' an dem Umzug 78. Abt. Lchöneberg. Sömtlich« Mitglieder beteiligen sich mit ihre? Angehört- gen um 20 Uhr on der Nevolutionsfeier in der Echlohbrauerei. 198. Abt. Böpeoick- Vor der Nevolutionsfeier findet um 19 Ubr«in« kurze Ve. "-------..-. r—.-.--•... ..Jeder beteiligen flch geschlossen an der Nev». lutionoseier in B ö p e n t ck snicht, wie irrtümlich angegeben, in Srünau). Iprechung de, Vorstandes und der Vezirksführer im Stadtthcater, Friedrich. ItraKe 8, Bleines Sistungszimmer, statt. 119. Abt.«rünan. Sämtliche..... M lutionoseier in B ö p e n. �>»>«,., wir>,«I, Der Fahlabend stillt aus diesem mrunde heut« au«. 199. Abt. griedrickofelde. Die heute fällige Mitgsiedeeoersammlung fällt ....... sich sämtliche Mitglieder an der Nevolutionoseier Dafür" brt.iligcn sich sämtlich� Kstgsiedn"an"d»'N".«lİn,f,s»"um Ib'ch Uhr im lläellien.Lyzeum. No«hau, straft- in Lichtenberg. Eintritt frei. Morgen. Donnerstag.!0. November. ?. Abt. 19>4 Uhr Sxtrazahlabend bei Doms, Schlegelstr. 9. Thewa:»Was w.ll die Sozialdemofratiel" 18, Abi. All-«venosse» be» Bezirk« Z88 treffen(ich um 19>4 Uhr bei Bunz«, Ackerstr. 49. 24, Abt. 19>4 Uhr wichtige Besprechung sämtlicher Funktionär« und Mithelfer der 1., 1».»nd 2. Drupp« bei Ulmer, Wins-, Ecke Ehriftdurger Strohe. Lichtenberg. 114. Abt. l9!4 Uhr Abteilungsocrsammlniio im Lokal Schentke, Brossener Str 14, Eike Seumeftrahe. Vorlrag de, Genossen Burt Heinig, _ und Si>mvathisserenbe sind besonder« '20 Uhr bei Rorr. Neue Vahnhosstr. 2», Funk. unbedingt erforderlich.— 119. Abt. 19H Uhr im M. d. St. Gäste.„Vorisärt»",Leser und eingeladen. 118. Abt. ,20 Uhr l tionärsitzung. Erscheinen unbedingt Säeilirn.Lpzcum, Nathausstr. 8, Frichcnsoal III,«dt»ilN»a»»ital>ederVer. lommlnng. Vortrag:.Das Problem der Wohmingosrage in der Kommune." Neferenf Stadtoerardneter Ernst Arndt. Refultate von der Werdewochr können gleich enlgegengcnommcn werden. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.' Frauenveranstallungen. 14. Brei,«euköllir. Frfitaa. 11. November, 1914 Uhr, im Zdeal-Bafino, »klchselste. 8, nächster Bursnsadrndi.Einführung tu dt» Sozialiomu,." Nef-r-ntin Minna Todenhagen. }4. Abt. Der Burfusabrnd am Donnerstag, 19. Novealder, fällt wegen brr Werbewoche au» Nächster Burfuoabend Donnerstag, 17. November. 29. Abt. Als Abschluß der Werbewoche findet am Sonnabend, 12. November, 1914 Uhr. in der Prater-Diele, Bastantenallee 7~-t, ein llnterholt-ngsabend statt. Festrede:«rtur lkrtspien, R. b. N. Borten find bei den Bezirizfilhrern zu hoben. 128. AM. Biesdorf. Sonnabend, 13. November, tu den Schiller- Säten, Bjmigflt. 120, Heiterer Abend, unter Mitwirkung de» Bvrtrags- Humoristen Paul Oppermann. Anfang 29 Uhr. Anschliehend Tan». Freunde und Bekannt« stnd herzlichst eingeladen, Iungsozialisien. Krupp« Süden: Morgen, Donnerstag. 19. November, 89' Uhr, t« Jugend. ..*-■""'' Gäste willkou beim Ltndenftr. 8, 8. Hof, 8 Tr., Nevolutionsfeier. Gruppenabend am Freilag fällt au». Arbeii»gemzinschaft der Sinderfreunde. Brei, Bwnzberg, ssreitaa. II. November, 1914 Uhr.»«„lattoasseier Schultheiß lTivolij. Lichterfelder Straße. Eintritt frei. ommen. Der im Kreta Neukölln! Heut«, Mittwoch, 9. November, von 17 Wo 18 Uhr stunde in der Baracke Sanghoferftrahe. Barten zur Revolutionsfrirr find ab zurechnen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation. 48. Abt. Unser Genosse Heinrich Fröde ist«m Konnabend verstorben. Ehre seinem Andenkens Beerdigung am Donnerstag, 19. November, 1« Uhr, auf dem Luifen-Friedhof in der Bcrgmannstrahe. Um rege Beteiligung wird gebeten.» Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Vekltn. Dir Arbeitsgemeinschaft über.«irtschaftswesen"(9t Abraham) tagt am Donnerotag. 10.. November, In der Schule Bochstr. 13. Parteiweiheteiluehmer sowie alle älteren und interessterten Genossen und Genosstnnen: Zusammenkunft am Freitag, 11. November, pünktlich 19 Uhr, im Preußischen Landtag. Saas 18. Genosse Aler. Stein spricht über da» ahema..Was will und wie kämpft die Sozialdemokratische Partei Deutsch. lands?" Erscheint zahlreich! Da» Sekretariat wird heute, Mittwoch, um 18 Uhr aefchlosse». Die«iielerssnhr bleibt heute, Mttwoch, geschlossen. Slagtee!» und Sprechchor: Gemeinsame Probe zur Revolutionofeier am Freitag 19 Uhr im Heim Linhenstr. 8. Alle müssen unbedingt erscheinen. Heute. Mittwoch. 9. November. 19# Uhr. Sälen. Beddlag! Beteiligung an der Nevolutionsfeier der Partei in den MWnDUWh« HaMeM~"" Vorstadt uad BSllaischer Park: WWW. ru». 19 Uhr Treffpunit zur Nevolutionsfeier.— Wrißense«! Beteiligung an der Nevolutionsfeier der Partei in der Aula der Woelckpromenade.— Irrptow! Revolutionofeier der Partei bei Nitschke.— Duchhol,! Schule Berliner Str. 19. Revolul onsgedenltag.— Panlow! Revolut:on»feier der Partei in der Schulaula Görschstr. 14.— Peter». burger Viertel: Nevolutionsfeier in, Helm sbertnftr. 12.— Tempelhof! Be. leiligung an der Demonstration und Nevolutionsfeier der Partei. Treffpunkt zur Demonstration 18 Uhr Marieildorf, Dorf-, Ecke Ehausseestraße. Revoliitions. seier 20 Uhr Tempelhof. Baiferin-Augusta.Ltraße.— Lichtenberg-Rord: Bs teiligung an der Reoosuti''''~" Adler." Serbebe, Irl Osten: Nevolutionsfeier der Partei In der Bönigsbank, Große Frankfurter Straße. -■•- Brruzberg: Nevolutionsfeier her Partei in den Bamm-rfäl-n, lutionsfei-r der Partei. Treffpunkt 1814 Uhr.Schwarzer Werbebezirl Teltower Straße. Werbcbezirl schöaeberg: Nevolutionsfeier der Partei in der Schloßbrauerei. Treffpunkt 1914 Uhr. Werbebrzirk Teltowkanal: Revoluttonsfeier der Jugend in der Aula Rothen. bürg strafte. Werbrbezirl Müggelsee: Reoalutiansseie, her Partei in Köpenick, Stadt. theater. Wcrbebezirk Oberspree: Nevolutionsfeier der Partei bei Imberg. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt zur Novemberfeier der Partei im ..Märchenbrunnen" 18% Uhr Dan, iget Straße, Ecke Prenzlauer Allee. Fahnen stnd mitzubringen. Werbebezirk Nenlölln: Beteiligung an der Werbedemvnstration der Partei. Treffpunkt 18% Uhr Schillerprpmrnodi mitbringen. Fackeln 30 Pf. de. Erscheint in Massen, Rote Fahnen Voriräge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner-SchwarvRok-Gold" Gefchäftsstefle: Berlin 6 14, S-bastianstr. 37,'SS, Hof 2 Tr. Mittwoch, 9. November. Brruzberg: Alle Bamerad-n melden sich :geden, Aftj" 1814 Uhr(nicht, wie angegeben »LWWAMM en Bammersälen. Tel Saalschuft im Cärilien.Lvzcum, Bamerad»n melden Uhr) ohne Bundr-fleidüng zum Ordnerdienst in deit� Lammersälen. Tellower Str. 1—3, Lichteaherg nebst Nathausstraße. Peenz- urnhalle«rotfenhagener Str. ö8, Sportarupne." Antreten Donneestog, 19. November. Lichtenderg nebst Untergruppen: Untergruppen: 19 UI lauer Berg: 29 Uhr zum— Do Bon 20 bis S Uhr Fretfonzert unserer Neichsbannerfapelle für die Erwerbs- losen des Bezirks im Iahn.Nealgvmnosium, Morilstraße. Zum Sckmft haben sämtliche Bamerahen in Bnndeskleldung zu erscheinen. Prenzlauer Berg: Per- sgmmlnngen um 20 Uhr. BameraMchaft Falke bei Zeuge, Milastr. S; Bamerad- soiast Balkan bei Bogel, Fablonslistr. 9. Wintersport-Abt.: 20% Uhr Monats. Versammlung mit Lichtbildervortrag von Prof. Thtem im Wiener Saal der Dreher-Bräu, Friedrichstr. 78. Eintritt frei. Gäste willkommen. Prenzlauer Berg: Freitag, 11. Nooember, erweiterte Vorstavdeiiftung mit Gautagsdeleqier. ten um 20 Uhr bei Burg.— Mitte: Baineraden, welche sich an dem republikani, scheu Fest des Ortsverein« Breuzberg beteiligen, melden sich umgehend bei M' M>. Eintritt 1 M., ist bei Meldung zu entrichten.— me orn republikanischen Fest des Ortsvereins Breuz. „(tu tu, viuu, u>i«ucKTit.*2, müssen hi« Barten bis zum 12. November beim Bameraden Löwenberg, Blumenstr. 81. bestellt werten. Preis 1 SU. Beine Abendkasse._ Berel»IguuU ehemaliae, Patteute» de,»enes-»g»he>m» AVK. in Ober. schreiberhau zu Berlin(«eP.) in» Leben gerufen. Herr Albert Rausch, N. 39, Sprengelstr. 4ö, ist 1. Borstßender. Alle in Berlin weilenden ehemalige» latienten werden gebeteu, ihre Anschrift an die Geschäftsstelle, Hans Thtering, lerlin-Neukölln, Allerstr. 18—19, zu richten. SAJ., Arbeiter-siperanto. Gruppe Neuköll». Donnerstag. 19. November, 20 Uhr, beginnt in der Schule Rlltlistraße, Neukölln, der Anfängerkurfus für Esperanto.— Wittbrvch. Bereinigung ehemaliger Kriegsgesaagener Groß-Berlin,«.». Bersomm» lung Mittwoch, 9. November, 80 Uhr, Fortuna-Feststtte. Strausberg er Str.». Vortrag: �Die Einstellung der ehemaligen Briegsgesangenen zum Zukunft» krieg." Eintritt frei. Gäste willkommen. Die Burse be» Arbeiter Sa mariter-Bunde», Abt. Adl«r,hof, beginnen für Niederschöneweide Donnerstag, 10. November, 1914 Uhr, Säuglinh». fürlorge, Berliner Straße(alte Schule): für Adlershof Freitag, 11. Ro. vember. 1914 Uhr, Hgckenberastr. 15(Sanitätsbaracke). Arbeiter-Schüftenbund. Abt. Wedbing. Mitgliederversammlung Sonner». tag, 10. November. 20 Uhr, bei Schauer, Utrechter Str. 24. Bund der Freidenkerjugend. Gruppe Osten: Donnerstag, 10. November. im Jugendheim Litauer Str. 18..Ter Kampf um die Schule."— Gruppe Norden: Freitag, 11. November, im Ledigenherm, Pappelallee 15.„Gemein. schaftsleben." Arbriter-Rodioklub. Eharlottendurg: Jeden Donnerstag 20 Uhr Wieland- ftraße 4. Friedrichshain: Jeden Donneretag 20 Uhr ffriedenstr. 81. 10. No. vember Bosteladend. 17. November Vortrag über.Spar- und Nrflerfchaltun. gen." Bottdusser Tor: Feden Donnerstag 20 Uhr Adalbertstr. 21. Breuzberg: Jeden Freitag 29 Uhr Nostizstr. 29 12. November Werbeabend. Lichtenberg: Jeden Dienstag 20 Uhr Kronprinzenstr. 47. Lichterfelde-Ost: Jeden Freitag 20 Uhr Lankwitzer Str. 10. Neukölln: Jeden Freitag 29 Uhr Prinz-Handiern- Straße 79. u. November Vortlag:.Schaltungen für Anfänger." Prenzlauer Berg: Jeden Donnerstag 29 Uhr Schönhauser Allee 134b. ochöneberg: Jede» Donnerstag 29 Uhr Cedanstr. 53. Südost: Jeden Dienstag 29 Uhr Liegnitzer Straße 19. Wedd'ng: Jede» Dienstag 29 Uhr Pafewalfer Str. 3. Jeden Donnerstag 29 Uhr Experimentier, und Bastelabend. 14. November Vortrog über„Var odvne". Die am 15. November anberaumte Sitzung fällt au» und findet bereits Montag, 14. November, statt. Netcksburd fübifcher Frontsoldaten, e. B., Bezirk Nord. Sonnabend. 28. Nooember. im Ulap. Att.Moabit 4�19. unter dem Protektorat be» Inten, danten der Staatlichen Schauspiele. Pral. Jeftner, und Pros. Mar Liebermann. Wohllätigkeitofest. Bapelle Bermbach. Mitwirkung erster Bühnenkünstler. todoriMal J'o Unlono inlcrnaclona. orupo Herlln Laboristal Id'Stit Atcucer! Jovdio vb 10-ma novembro eventos en Lichtenberg, Dossestndo 22 (Yunarheino) vespere ye 19�0 klokl la monatala rnernbro-kunvano. Ornnu allster t Longfelloir Engllsh Debatlng Club, Bülowstr. 10t. Mittwoch. 20 Uhr, Dr. Ehrlich:»Our Memory". Sport. Hennen jn Hlatienbotf am Dienstag, dem 8. November. 1, Rennen. 1. Relld Arnold(Przhrrmbetl, 2. Clan(Schulz), st. Primel(g. Mill,). Toto: 26: 10. Platz: 17. 37. 30: 10 Ferner Uesen: «lock P'llat.»pshitz«, Naturbursche, Guy ce Bal, Nebelkappe, Lindowgold. Ladhlbip. Barcarole. 2. N e n n e n. I. Heldebluine(Out?). 2. Baron Kabler(Czerwn). 8. Lombardei(I. Mill«). Toi,: 50: 10. Platz: Z0. 43, 24: 10. Ferner Uesen! Kasimir, Einsicht, Karfenspicler, Modedame, Elementine. Dancing Girl, A> monier, Louiselle, Lachmutfel. 3. Rennen. 1. Monarch f(Saus)(en.), 2. Eckstein fCtmjer), 3. Oiittir».(F. Dchmidf). Toio: 820: 10. Platz: 7». 15. 20: 10. Ferner liesen: ttzeihard, Morgenlau, Denkmünze, Invasion, Cosimo, Katzbach, Manzanare«. 4. Rennen. 1. Poiödam(Weiß), 2. Susi Lehburn(Besitzer). 3. Koryphäe(Lemzer). Toto: 56: 10. Platzt 18, 44. 14- 10. Ferner liesen: Sssi. Vota Fritco, Draga Watt». Seider. Anker I. Alpenlönig. Sarsenmädchen, Propeller, gram, Lux. Meister B., Baron TreganIIe, Weinbrand. 5. R e n n e n. I. Colonel BoZwortb(Ch. Mill«), 2. Native Farbe« (Ringius). 8 Fiametta(S. Mill«). Toto: 2«: 10. Platz: 12. 11. 13- 10. Ferner liesen: Natter. Bogdan. Pechsackel. Lockung. 6. Nennen. 1. Erster Wolserlomer(Besitzer), 2. Lustiger Bruder lBestder). 8. G-lbstern(Müller). Toto: 5S: 10. Platz: 25. 21. 158: 10. Ferner ItefenL®raf Dorn. Ingrid Halle, Friedrich»dor. Kasimir, Wagner. Turandot. OWaptain Leerberg, Sippolage, Modern, Interessent, Erbprinz jun.. Miniii Halle, Jngelinde. Notula, Barmaid. 7. Rennen, t. Ssegrim iKozal). 2. Kurfürst(Huth). 8. Ida Palo« (Hecker!). Toto: 84: 10. Platz: 16. 17. 18: 10. Ferner Uesen: Struwel- peier, Michael. Sobannialeuer. LtcbeSbole, Mirabeli« I. grrteufelchen. Regenbogen, Besfie, Sulensviegel. ß. R e n n e». 1. Fei«(F. Mill«), 2. Sudan(Eh. Mill»), 8. Na>n,ea (Heckert). Toto: 29: 10i Platz: 17. 15. IS: 10. Ferner Uesen: Ilona W.. Barometer, ttluck. Heldeprtnz I, Notula, Else 8. 1, Erassu«. Prinzeß Fortuna, Friedrich Rex. Königsadler. Briefkasten der Redaktion. 1. Ja. 2. Auf Zatzlung der ganzen Summe. R. 1899. schrimich erklären/' daß die Schuld' erlassen werde und fügen Sie dies« Ertläruno annehmen.—«. S. 89. 1. und 2. Ja. Tage an, on dem die"'' 8. Lassen S>e Sie hinzu, daß 8. Rur von dem Herausgabe des Beller» verlangt, adee abgelehnt wird. I �i« müssen Silage auf Räumung de» Bellers erheben, wenn der Mieler sich weigert, den Beller herauszugeben.— H. P. N. Dir Vollstreckungskosten kftnnnr auf Grund des Schuldtitel» jederzeit von dem Schuldner beigelriedeu werden.. Eine besondere Blage ist nicht erforderlich. Volks dük ne ldkilei»l»«IiWlist flu ,» Sdillfbmrtzin» « Uhr fitorjü Wii. varu Der gcm&IUdbe KammUotr 7>/, Uhr Peer fiynt jS�KomlsdieOperS*! Neuartiges Revue-Stück I Alles Nacktll |(Ngch«J. gleiehn. Paris. Revue I.Tout NU"). 200 Mitwirkende!| I Original• Pariser Kostüme I oarkatt 8.8t» Mk. | Theaterkasse ununteibr.geOftn. CASINO-THEATER Ohr: Die Pania vom Metropol. Aoudmelden i Oitscheln 1—4 Pera Fauieu» nur t.lOM- Sessel nur 1.90 M. lUnalssanc««Theate/ Bwlnplaw 901— Täglich 9 Uhr: Giovanni n. AnnaDclia Nollendor täte CROCK und walt«r* 9 Internat. Variat9nt«ra Deolsdiet Theater Norden I03J4~S7 U. Rnde II u. Dorothea Angermaon r.Oerh, Hauptmann 'liii; Mar Reinhardt Kamraerspieie Norden 19334—37 7*/4 Uhr; Ende nach 10 Uhr „Haya" Aew» i«» SiBnÜMlilln Regie: Gaston Baty Bismarck 24I4'7516 "h Uhr. Ende IO'/j Zinsen Komödie >n Bernard Shaw Piscalorbtlhnc 'knt. l Hillinilirfplili Kurfürst 2091/93 Rente BeadUoiseVt Donnerstag 7 Uhr: Premiere Raspntin, dli Ronifm. dir Kriig nd dn Vtlk. du gign tlt nlstiDd von Alexey Tolsmi und Schtschegolew nsc. Erwin PUeaior lirannkHU»* Th.Könlearalj, St. Bergm. ZUG 8U. Gustav IU von Stiindbarg, legi« Viele Eartmir Kowadtenh«» s'orden 6304. Hokuspokus Uvniner Theater Dönhoff 17a ü'l, Dm GcMerm.« Trlanon-Th, Ti|l I", Uhr. Erika Glä'ssner Fiao Pitiiclio Theater In der Kmnufittnib. « Uhr: Oer groüe Erfolg seton smOB wir i Ii m. Henry Bender Dönhoff Bt 3 HABEN SIE PALLENBERG NOCH NICHT IM MIKADO GESEHEN? BEEILEN SIE SICHI NUR NOCH 5 WOCHEN IM GROSS. SCHAUSPIELHAUS Ii STOFF SCHAU' üiRLIN AUSSTf UUNGSHAILEN AM KAlSERDAMM 22 OKTOBER B.s13NOVEMBfR 11 vdr vormittags, 6 Uhr nachmittags, •4S bis 9" abends fxperimental-Vorirag im Hochst- spannungs'Prüffeld(i MiiUon Volt). Gefiflnct: Täglich von 9 Uhr Tonailttuge bl« 10 Uhr obdn..» fCiBtrittskarton rum Preisa von 1.50 M. stock an den AnsstellungaVsssen sowie an den Sehalfcein derStadt- undRingbahn, derHoch. nndUi.terpmnd- bahn und bei den Schailnem der Straßenbahnlinien: 53, 72. 75 und 03 au haben. -- r w I r k a a m lind die KLEINEN ANZEIGEN Inder Gssamlauflag» de*.Vorwärt»-' und trotzden brou« idiaaipiellaBJ. Tttfl. i| End» nif 1,11 Dil neu» CHARCLL- InosowleiDBk mit lixPilitnbtrg Ii» Georg Bendow Jankahn Silke Sztkall Verkme elir Veslermeier Jackson Boys Sunshine Eids Ausst Prof. Slcrn vi, Ig. Dr. Römer Mittw, Sonnab., nachmitt.■> Uhr Werner Krauß in eneieenan. Kleine Preis«. f orverbaat ie-e utu* Nene« Theater am Zoo Täglich 8 Uhr Die Uotelratte Operette v.Bromme Hin Hnftr. Pal Hiifninii illnkri-Shm ')!». Künstler- Th » Uhr Justiz Jeden Mlttw., Sbd. und Sonmag: 4 Uhr- MerloBatieii- Ki ndervor»Aell#. e», in,.Theater « Uhi SdilntleriiaoDts BBtitau-Tbutir Täglich" Uhr Qefamtgastsplel des SerrofeiMM Wer ist der Vater? Mrn!ti4. GriKdMr. Heois 4 Uhr: Roftappdien nnd der Welt Jedes Kind erh. ein «chönes Geschenk. Walhaua'Tneaf. Täglich 8'/, Uhr: Am ROdesheimer SdiloB stallt eine Linde Parkett stau 4 Mk :äßl. auch Sonntags nar«o Pf. Mlttw. nebm. 4 Ubr: Parkett v. 39 Pf. an. Lutispieibau» 8'/, Uhr GitAI. Virstillni. Morgen 7»/, Uhr: Premfere „ZiBIBUT Hü. 13" Tbalia-Tliiater 8 Uhr Der rote Hahn ftose-7beater W, Uhr CharleysTante Thuter des Westens 8 Uhr: Gastspiel Frtul Maoaary Eine Frau vonForraat Eden» Palast Charlottenburg, Kal»-Frledr.-Str. 24. Tanz-Tage Dienstag, Donnerst, Sonnabend, Sonnig. Fkbclbafie Lichtetfektel Eetropole-TheäL Tägl.S'/.Uhr Paganini Oiuttti»a fnu Iditf. Edsjrd Lldi m tle. tntki link, liii« lltultma. ■dl» irb. trtliar Hell s> Planetarium am Zn Vniiof. kkUasMklttak Noll 1578 Der Himmel der Heimat Halbe kassenpreiic Eintritt 0�0 M. Ii, kr nt. Ü Irtfw MS f Hi im Admlraispaiasl Täglich SVi Uh> Ol« neue HAUER REVUE Erfinder dieneue.wiefllch gut« Erfindungen zu verlauten haben, bitten wir zunächst nur um Adiessenangade uni w. i an die Hanpi. »gvedittvn de».Bor- wärt»". Ltndenftr 9 Wellendsci InUNSPSTR Täglivd goötln 9° roem d>, II» adä, D«mp> r»:.: W os». 22Urad, Lall 230rad Klnlrltt für Zuscbauer 80 Plr. ResUnrallo«* Ctfo» Csndltcrcl. Theater am Köttbusser Tor Kollbusacr SlraBe 9. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger im grolien NeTcmberprorramm Volkspreise von SO Pf. bis 2JJ0 M. SonntaRnachmiltaz: flroKe FtmiUien VorsieilnDö Volles Progr. Kl. Preise». 40 PI. b. 1.75 M. Reichshallen-Theater änfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum SchluG; Eine Hochicl: In der MüllcrMralte Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff» Bralt'ii Variat«, Konzart, Tanz SCHER LLOYD BREMEN Verlangen Sie das ausiülirliclic Programm der beliebten nnd stark nachgefragten LioyflUctcmfliallfrctscn 1928 Orieallakrlan, MIllalnwarHsbrUa. Norwa- (•■Inkrtan, Polarlabrt, Oolsaaf»hrlaa ka-lenlo» Auskunft und PNnpcku durch»11« Vcnmunje i> NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Berlin: Norddeutscher Lloyd. Agentur Berlin<3. m.b.H.. Unter den Linden i(Hotel Adlon) , r. Slontanus, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd, «,.iJn-vall