Morgenausgabe Nr. 532 A 270 44. Jahrgang Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich Reich-mart, noraus jahlbar. Unter Streifband im In- und Ausland 0,50 iiieichsmari pro ültonat. * Der..Sonnäctä* mit der illustrierten Sonntagsbeilage..Boll und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen".Au» der Kilmwelt". .Stadtbeilage",.Frauenstimme". „Der Kinderfreund",„Jugend. Bar- tnärts",.Blick in die Blich erwelt", .Kulturarbeit" und„Technik� erscheint wochentöglich zweimal. Sonntag» und Montags einmal. Berliner Sowsblatt DonnersSag �0. November 1927 Groß-Äerlin Ii) pf. Auswärts �5 pf. Die e i n, p a I t t g« Ronpareillezetie «a Pfennig. Retlamezelle 5— Reiche- mart.Kleine Anzeigen" da» settge- druckte Wort'£> Pfennig �zulässig zwei fettgedruckte Worte) sedes weitereWort 12 Psennig. Stellengesuche da» erste Wort IS Pfennig, sedl» wettere Wort 10 Pfennig. Worte Uber l5 Buchitaben zählen ,ür zwei Worte. Arbeilsmarit Zeile SVPfennig. Familtenanzeigen für AdonnentenZtiletOPfennig Anzeige». annähme im SauptgefchSft Linden- flraßeö. Wochentag l von8>i?bi»l7Uhr. Aentralovgan der Goziawemoteatifchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fer Iprech«: Dönhoff 292—237. Tclegromm-Adr.: Sozialdemokrat B rlin Vorwaris-Vertag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37SSS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallstr. SS. DiSkonto-Gesellschast, Deposttenkaffe Lwdenstr. 3 Helfer des Vürgerblocks. Oer Geist des polittfchen Betruges. Die Sozialdemokratie rüstet zu einer großen Auseinander- setzung mit den Deutschnationalen, der führenden Partei des Bürgerblocks. In diesem Augenblick ertönt von SKoskau die Parole:»Kampf der internationalen Sozial.- demokrcktie!" Die deutsche Sektion der kommunistischen Internationale, die kommunistische Partei, nimmt diesen Kampfruf.auf. Das Wort„A r b e i t e r v e r r ä t e r" er- scheint wieder in der kommunistischen Rhetorik gegen die Sozialdemokratie, nachdem es eine Zeitlang ausschließlich von Kommunisten gegen Kommunisten im Fraktionsstreit in Rußland wie in Deutschland angewandt worden ist. Es soll die Existenz der kommunistischen Partei wie ihre Parteinahme gegen die Sozialdemokratie in der großen Auseinandersetzung wischen der Sozialdemokratie und der führenden Partei des tzüraerblocks rechtfertigen. Die Existenzgrundlage der kommunistischen Partei! Die Zeit des Kriegsendes, der Friedensfehnsucht, der Demobilisa- tionskrise, der Auslockerung des Kräfteverhältnisses der Klassen in der Revolution ist vorüber, die Möglicbkeiten für blanauistische Abenteuer geschaffen hatte. Vorbei ist die Zeit des Nationalbolschewismus und die Träume von einer Ver- einiqung deutscher Heere mit einer in den polnischen Korridor vorstoßenden siegreichen Roten 2lrmee. Wo sind die Illusionen vom bewaffneten Aufstand, der die kommunistische Zentrale zum Zentralexekutivkomitee ter Sowjetrepublik Deutschland erheben, und in Deutschland eine Kopie der bolschewistischen Parteidiktawr und des Terrors durchführen soll? Oder der Traum von der Weltrevoluiion, die Smowjew einst oredigte. der beute mit einem Fuße im Gefängnis der russischen Staatspolizei steht. Vorbei, vorbei. So wie die Zeiten des Kriegskommunis- mus in Rußland vorbei sind. Diese Illusionen sind zerstoben, so wie die Grundsätze Lenins am Tage nach der Macht- esgreisung. an der harten Wirklichkeit der neues Privateigentum schaffenden russischen Agrarrevolution zerschellt sind. Wo ist die Existenzgrundlage der Kommunistischen Partei, was ist das Zieh das sie der deutschen Arbeiterschaft zeigen kann? Will sie das System der bongen Aushilfen zur Macht- behauptung und Exiltenzfristung des russischen Volkes auf dem tiefsten Niveau idealisieren und der deutschen Arbeiter- schaft zur Nachahmung empfehlen? Will sie den Kriegs- kommunü-mus, von dem Stalin und die Seinen sich ab- wenden, dessen Erneuerung sie mit Hzlfe einer Klassen- koalition mit den Mittelbauern vermeiden wollen? Oder wollen die Kommunisten die deutsche Arbeiterschaft im Zeichen der neuen ökonomiscben Politik Herr- lichen Zeiten entgegenführen? Neue ökonomische Politik— dgs war das Sündenbekenntnis der regierenden Bolscbewiki, der Uebergang vom Kriegskoinmunismus zum Staatskapitalismus. Die russische Opposition klagt die regierende Fraktion der Bolschewiki darob des Verrats am russischen Industrieproletariat an, sie bezeichnet die neue ökonomische Politik als kapitalistisch, während die um Stalin sie für sozialistische Aufbauarbeit ansprechen. Streit mit Worten, hinter dem sich grundsätzliche Wandlungen verbergen. Denn die neue ökonomische Politik trägt ein negatives Vorzeichen. sie ist ein Durchgangsstadium in dem Sinne: einen Schritt vorwärts, zwei Schrite zurück. Die Bekehrung zu kapitalisti- ' hen Formen und Methoden nach Scheitern des ersuchs, durch Gewalt und Dekret sozialistische Wirt- schaft fertig hinzustellen. Neue ökonomische Politik— das ist der Zusammenbruch bolschewistischer Gewaltideologie und bolschewistischer Staatsillusionen. Eine Notwendigkeit gewiß. aber erzwungen durch das Experiment des Kriegskommunis- mus, den nicht einmal Rußland ertrug. Ein Trauerspiel, dem man mit Teilnahme folgen kann— aber ist dies das ideale Ziel der Kommunisten für Deutschland? Was ist die politische und soziale Vision der deutschen Kommunisten? Ist«s der Bürgerkrieg um seiner selbst willen? Nichts von alledem. Sie wissen es selbst nicht, und sie ersetzen das verlorene Ideal, dos der Gang der Dinge in Rußland zerschlagen hat, durch Worte und Parteinahme, im russischen Fraktionsstreit, wie in der- deutschen Politik. Sic sind für Stalin und gegen die Sozialdemokratie, und damit ist ihre politische wie soziale Zielsetzung erschöpft. Es sei denn, sie wollten die deutsche Arbeiterschaft überreden, daß Stalin der Messias der Arbeiterwelt und Thälmann und die Seinen die einzigen Leute seien, die Deutschland vernünftig regieren könnten. Die deutschen Kommunisten behaupten sich als Partei, weil sie sich gewandelt haben. Sie sind heute, um in der Sprache ihrer Parteiauseinandersetzungen zu reden, eine zentristische Partei. Eine parlamenta- rische Partei, die die Kraftworte der ehemaligen Bürgerkriegspartei als Verzierung benutzt. Es ist die revolutionäre Phrase, die einen Teil ihrer Anhänger hält— auf den anderen Teil wirkt die Auffassung, daß die Kom- munisten auf dem Wege seien, sich zu einer halbwegs ver- nünftigen parlamentarischen Oppositionspartei zu entwickeln, die es den Kapitalisten in kräftiger Sprache gehörig gibt. Aber ist die kommunistische Partei mit dieser Wandlung Das Arbeitszeitgesetz verschlechtert. Durch den Reichswirischastsrai. Dem sozialpolitischen Ausschuß des Vorläufigen Reichswirt- schaftsrates waren die Gesetzentwürfe, die im Rahmen des A r- beitsschutzgesetzes zusammengefaßt' wurden, zur Begut- achtung überwiesen. Er hat sich zunächst mit den§8 1 bis Iii be- schäftigb die die A r b e i t s z e i t b e st i m m u n g e n umfassen. Seine Beratungen hierüber hat er als vordringlich erledigt und beschlossen, die Ergebnisse seiner Beratungen dem Reichs- arbeitsmimster als Gutachten zn überweisen. Durch dieses Gutachten erfahren die meisten Einzelbestim- münzen noch wesentliche Verschlechterungen. Mit 17 oder 16 gegen 13 Stimmen wurden fast all« B e r b e s s e- rungsanträgc der Arbeitnehmergruppe abgelehnt und mit dem gleichen Mehrheitsverhältnis die Berschlimmböserungen der Unternehmergruppe eingefügt. Der grundlegende Z 1 schließt vom Geltungsbereich des Gesetzes die Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft,«Fischerei, Schiffahrt, Luftfahrt und ähnlichen Betrieben sowie in der Hauswirtschaft aus. Die Arbeitgeber beschlossen, daß auch- noch die Arbelt im Gartenbau aus dem Bereich dieses Gesetzes entsernt würde. Sie konzedierte» nur, daß die Flößerei noch in das Gesetz einbezogen werde. Die gleiche Mehrheit beschloß eine Sonderregelung für Lehr- l i n g e, so daß diese nicht unter den Allgemeinbegriff des Arbeit- nehmers fallen. Der 8 9 des Regierungsentwurfs setz' die regelmäßige Arbeitszeit auf acht Stunden täglich oder 48 Stunden wöchentlich ausschließlich der Pausen fest. Die Arbeitnehmergruppe verlangte, daß als Arbeitswoche ein Zeilraum von sieben Tagen einschließlich des Sonntags verstanden werde und außerdem festere Pauseiioorschriften erlassen würden. Auch dieser Ver Hesse- vvng?anl"ag fiel mll 17 gegen 13 Stimmen. Beim 8 16, der die anderweitige Verteilung der Arbeitszeit dem Unternehmer erleichtert. wurden Berbefferungsanträge der Arbeitnehmer abgelehnt, dagegen auf Antrag der Arbeitgeber noch weitere Berschlechterungen hinein- gebracht, vor allem die vorgesehene vlehrarbeilsbezahlunq für A"be>kaussall an Ivochenseiertagcn geslrichen. Die Arbeitnehmer beantragten, das in Betrieben mit ununter- brochener Arbeit zunelassene Zw eiichichtensystem durch das D r e i s ch i ch t e n s y st e m mit der 48-Stunden-Wache zu ersetzen. Der koinpakle Block der Unternehmorgruppe lehnte jedoch auch diesen Antrag ab und ließ nur eine Resolution zu, die den Arbeits- minister auffordert, das Zweifchichtensystem nur dort noch bestehen zu lassen, wo volkswirtschaftliche Notwendigkeit gegeben seien. Anträge der Arbeitnehmer auf V e r in i n d e r u n g der im 8 42 vorgesehenen Uebcrorbeit von«incr oder zwei Stunden täglich für Borbereitungs- und Ergänzungsarbeiten wurden abgelehnt. Auf Antrag der Arbeitgeber wurde sogar die Bedienung der Kundschaft noch Schluß der Arbeitszelt noch von 20 auf 30 TNInuten ver> langerll Zum 8 13, der für Arbeitcrgrupvcn, die sich längere Zeit in Arbcitsbereitschoft befinden, ein« täglich zehnstündige und wöchentlich 69stiindige Arbeitszeit zuläßt, beschloß der Ausschuß ouf Antrag der Arbeitgeber, die Auszählung der in Betracht kam- menden Arbeiter durch die viel allgemeinere Fassung der bisherigen Arbeitszcitverordnung zu ersetzen. Für Privatchansjeurc wurde eine 7Zslündige Wochenarbrilszeil, ausschließlich des Sonntags im Durchschnitt zweier Wochen, für Führer und Begleiter sonstiger Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke eine 72stüntige Wochenarbeit einschließlich des Sonntags zugelassen. Im 8 14 wird die Mehrarbeit wegen dringenden Bedarfs geregelt. Der Entwurf läßt zunächst 60 Stunde» innerhalb eines Jahres zu freier Verfügung des Arbeitgebers und weitere 240 Stunden Mehrarbeit im Jahr nach tarifv.ertraglicher Verein- barung zu, in beiden Fällen bis täglich zwei Stunden und wöchentlich 12 Stunden. Die von Arbeitgeberscite beantragte Erweiterung der Mehracbeitsstunden aus 600 wurde abgelehnt, ebenso auch ein Antrag der Arbeitnehmer auf Einschränkung der 240 Stunden auf 120 Stunden. Eingefügt wurde eine Bestiinmung, wonach eine Ueberschreitung der 60 Mehrarlieits- stunden auch aus betriebstechnischen Gründen, insbesondere bei Be- triebsunterbrechungeti' durch Naturereignisse, Unglücksfälle oder andere unvermeidliche Störungen zuzulassen ist. Auf Antrag der Arbeitsgemeinschaft wurde beschlossen, beim 8.t' die unbegrenzte Ueberarbeit, wie sie bei auß-ergewölsn- lichen Fällen, die unabhängig vom Willen des Betroffenen«rfi- treten und auf andere Weise nicht zu beseitigen sind, zugelassen ist, auch für äffen tli-che B e r k e h r s bedü r f n i s s e gelten zu lassen. Als 8 13a wurde vom AucscsM eine Bestimmung neu eingestellt, die dem 8 7 der geltenden Mrbeitszeitverordnung, bc- treffend den sanitären Maximalarbeitstag, entspricht. Angenommen wurde ferner ein Antrag aus Einführung einer z w ö lf stündigen Mtnimalruhezeit für Ange- st e l l t e. Der Geltungsbereich des Entwurfs wurde vom Ausschuh noch dahin eingeschränkt, daß auch die Arbeitnehmer in der Flößer«!, Torswirtschaft, in Käsereien und Molkereien kleinbetrieblichen Charakters, in der Landmüllerei im Kleinbetrieb, in der Lohnpflügerei und Lohndrcschcrei von der allgemeinen Regelung der Arbeitszeit ausgenommen werden. Die Jugendlichen sollen auf jeden Fall den Bestimmungen des Jugend- und Arb?ite. rinnenschutzes des Entwurfs unterstellt bleiben. von der Bürgerkriegspartei zur parlamentarischen Partei weniger schädlich geworden? Als Bürgerkriegspartei be- schwor sie die Gefahr des Faschismus in Deutschland herauf, als parlamentarische Partei, dio ihren Berns in der Be- kämpfung der Sozialdemokratie erblickt, leistet sie dem Bürger- block Vorschub. Das eine ist so gefährlich wie das andere, das eine verstößt ebenso sehr gegen die Interessen der Arbeiterschaft wie das andere. Die Kommunistische Partei ringt nichtsmm das Recht der Arbeiter, nicht um die Verbesserung itzrer Lage, nicht um die sozialistische Umgestaltung des wirtschaftlichen und gesellschaft- lichen Lebens, sie kämpft umihreSelb st behauptung. Das erklärt, daß sie die Parole ausstößt: Kampf der Sozial- demokratie! Sie muß sich nach der Wandlung zur parleuncn- tarischen Partei abgrenzen gegenüber der So- zialdemokratic. Diese Abgrenzung wird vollzogen, indem die Kommunistische Partei sich aus der Dynamik des Klassenkampfes und des politischen Ringens in Deutschland ausschaltet. Sic sucht Stimmen zu sammeln, indem sie die Sozialdemokratie verleumdet und beschimpft, das ist ihre Form des Klassenkampfes. Sie bindet Arbeiter- st i m m e n und verhindert, daß die für sie abgegebenen Stim- men gegen den Bürgerblock in die Wagschale fallen. Ein Kommunist ist heute im Kampfe der Arbeiterschaft deshalb ebenso wertlos wie ein Indifferenter. Sie ruft: Kampf dem Bürgerblock, aber sie Areint Kampf der Sozialdemokratie. Sie wollte in Hamburg, wo sich eine sozialdemokratisch-kommunistische Mehrheit ergeben hat, den Kampf um Arbeiterrechte und Arbeiterinteressen in der Regierung der Sozialdemokratie allein überlassen, um die Sozialdemokratie um so kräftiger beschimpfen zu können. Sie redet von Macht— aber sie nimmt Möglichkeiten zur Teil- nähme an der Macht nicht wahr. Sie liebt die Kraftworte und scheut Arbeit und Verantwortung. Ein? starke Partei will wirken durch ihre Leistung— die Kommunisten nur durch die Begeiferung der Leistungen anderer, well sie wissen, daß sie nichts leisten können. In Hamburg fiel nach dem Scheitern der sozialdemokra» tisch-kommunistischen Verhandlungen über die Regierungs» bildung das Wort eines Komm"nl-ten: „Die KPD, kann nicht in die Regierung gehen; wenn sie es tut, ist sie politisch erledigt. Unsere Mitglieder werden dann in Scharen zurSPD. übertreten und wir könnten unseren Konkurs anmelde». Das einzige, was uns heute noch von der SPD. trennt, wäre dann verschwunden und wir hätten alle Daseinsberechtigung verloren." In diesem Wort ist Wesen und Zielsetzung der Kon-"• stischen Partei von heute» inbegriffen: Selbsterhaltungstrieb einer Form, die Sinn und Inhalt verloren hat. Es ifc sinn- los, daß um der Erhaltung dieser Form willen die Reaktion in Deutschland gestärkt wird. Die Sozialdemokratie hat den Wandtungen der Komm» nistischen Partei beobachtend und langmütig zugesehen, sie hat sich im Kampfe auf das Notwendigste beschränkt. Sie kann nun, wo sie rüstet zu geschichtlichem Kampfe gegen die Vormacht des Bürgerblocks, den Feind im Rücken nicht dulden. Sie ruft ihren Anhängern zu: räumt auf mit dem kommunistischen Spuk! Brandmarkt die Bundesgenossenschaft der Kommunisten mit der Reaktion! Es ist nicht nur das, daß kne Kommunistische Partei der Partei der deutschen Arbeiterschaft im Kampfe gegen den Vürgerblock in den Rücken fällt— größer ist d a s g e i st i g e Verbrechen, das sie an den Arbeitern begeht, die ihr noch Gefolgschaft leisten. Sie züchtet einen G e i st des Betrugs, der den Kameraden vorschiebt, um ihn verlästern zu können. Sie will, daß die Sozial- demokratie regiert—- aber sie will sie deswegen be- schimpfen. Sie verhindert die Arbeiter an der klaren Er- kenntnis der politischen Lage, weil diese Erkenntnis zur Sozialdemokratie führt. Sie züchtet den Haß des Arbeiters gegen den Arbeiter. Sie will nicht Ueberzeugung. sondern militärischen Gehorsam gegenüber einem hohlen Apparat. Sie oerlangt, daß ihre Anhänger heute verbrennen, was sie gestern angebetet haben. Die Kommunistische Partei arbeitet an der Korumpierung der Köpfe der Arbeiterschaft. Wir rüsten zum Lkamvfe gegen den Bürgerblock. Wir rufen den kommunistischen Arbeitern zu: her zu uns, in die Front der Sozialdemokratie! Es gilt, die Bormacht der sozialen Reaktion zu schlagen! Denen aber, die heute wieder den Kampf gegen die Sozialdemokratie predigen, um den Verlust ihrer Ideale zu verdecken, die die Reaktion stärken, um sinnlos geworden' Form zu behaupten— ihnen gilt unerbittlicher, rücksicht-'' Kampf! Reue Hetze gegen die Gemeinden. Hvgenberg im Schatten parier Gilberts.— Keine Maanz- tontrolle für die Städte. Die Hetze gegen die angebliche Verschwendung der Gemeinden, hinter der sich der Kampf des Privat- kapital» gegen die öffentliche Wirtschaft und gegen die Gemeindeoemokratie verbirgt, ist in neuer Form wieder aufgelebt. Gestern berichtete eine Reihe von Berliner Blät- tern, die Reichsregierung beabsichtige die Betrauung eines Beamten des Reichssparkommissars mit der Aufgabe, die Gemeindefinanzen und ihre Rationalisierung zu„überwachen"'. Ganz besonders tat sich dabei natür- lich die„Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg hervor. Auf unsere Erkundigungen wurde uns an allen unterrichteten Stellen die Antwort, daß von deranigen Plänen nichts be- kannt fei. Mit besonderem Nachdruck wendet sich das Nach- richtenamt der S t a d t B e r l t n gegen die nur allzu durch- sichtigen Treibereien, indem es schreibt: Die von einer nichtamtlichen Stell« gestern abend verbreitete Meldung von der beabsichtigten Einsetzung einer Finanzkon- trolle der Städte durch einen Sporkommissar entspricht nach den bei den zuständigen Stellen eingeholten Auskünften in keiner Weis« den Tatsachen. Hierzu ist noch besonders darauf hin- zuweisen, daß die Berliner.Nachtausgabe" dieses Gerücht in einer Form wiedergibt, die den Eindruck erwecken muß, daß sich die an- gebliche Finanzkontrolle in erster Linie gegen die Stadt Berlin richte. Das Blatt trägt in großen Lettern die Ueber- schrist J£\n Parker Gilberts im Berliner Rathaus«", und sohann in fetten Lettern„Ein Beamter des Reichssparkom- missariats soll kontrollieren". In dem anschließenden Artikel sind dann Ausführungen gemacht, die ebenso wie die Fassung der lieber- schrist geeignet sind, das Ansehen der Berliner Stadtverwaltung und insbesondere die Kreditfähigkeit der Stadt Berlin im 3a- und Au». lande auf da» schwerste zu gesährdeu und darüber hinan» auch un- absehbare Schädigungen für die deutsch« Wirtschaft überhaupt nach sich ziehen. Eine einfach« Anfrag« beim Magistrat hätte ergeben, daß derartige Gerücht« jeglicher Unterlage entbehren. Es erscheint völlig unverständlich, wie eine Meldung von so weittragender Be- deutung für die Stadt Berlin weitergegeben werden tonnt«, ohne daß auch nur der Versuch gemacht worden Ist, eine Bestätigung beim Magistrat einzuholen. Derselbe Aufsatz bringt einen Funkspruch aus New Park über Paris, wonach die Stadt Berlin in New Pork über die Aufnahme einer neuen Anleih« von 120 Millionen oerhandelt. Auch diese Meldung ist unrichtig. Wie bereits vor einigen Tagen mitgeteilt worden ist, sind irgendwelche Verhandlungen über die neue Anleihe bisher nicht aufgenommen worden. Bielmehr wird vor der Auf- nähme derartiger Verhandlungen der neue Anleiheplan zunächst der Beratungsstelle vorgelegt werden. Dies ist auch der Grund! weshalb die Beratungen im Haushaltsausschuß vorläufig ausgesetzt worden sind. Die Nachricht geht ganz offenkundig auf die Treibereien derzenigen Kreise zurück, die die öffentliche Wirt- s ch a f t durch Unterbindung von Anleihen und durch Kürzung der städtischen'Haushalte leistungsunfähig machen möchten. Daß eine Denunziation beim Reparationsagenten beabsichtigt war, dafür spricht der deutliche Hinweis auf die großen Aus- st e l l u n g e n, die jetzt in Berlin und in anderen Städten geplant find. Wieder wollen diese Kreise, die an der Schwächung der Städte ein Interesse haben, den Repara- tionsagenten für ihre Zwecke einspannen. Die Berliner Stadtväter brauchen den Schatten Parker Gilberts nicht zu scheuen. Denn hinter ihm verbergen sich ja Hugenberg und seine deutschnationäken Freunde, die. um der öffentlichen Wirtschaft und der Gemeindedemotratie eins auszuwischen, vor emer schweren Kreditschädigung im Auslande, also vor wirtschaftlichem Landesverrat, nicht zurück- schrecken. Einmal hoffentlich nicht zu spät— wird sich selbst das Auslandskapital von diesem widerlichen Treiben abwenden, das den Dienst der Gemeinden am Volke un- möglich machen will, indem es die Kommunen beim Repa- rationsagsnten denunziert und dabei noch die„nattonale" Maske auffetzt. Reparaiionspoliiifcher Ausschuß. BindegliedzwifchenNeichSregierung und Oawestommissar. Die künftig« Regelung der Beziehungen zwischen dem Reparationsagenten und den R ei ch» re ff ort» ist, wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, jetzt in ihren Grund- zügen festgelegt. Der Gedanke,«inen eigenen Reparationskommissar zu bestellen, ist endgültig fallengelassen. Dagegen soll die Repara- tionsabteilung im Reichsfinanzministerium durch direkte Beteiligung de» Reichswirtschast-ministerium» und de» Auswärtigen Amte» weiter ausgebaut werden. Die Leitung dieser Spezial- ksmmission wird der zuständige Ministerialdirektor im Reichsfinanz- Ministerium übernehmen. Die Kommission soll alle Fragen, die mit Reparationen zusammenhängen, prüfen, begutachten und dann dem Reichskabinett Bericht erstatten. Amtlich wird hierzu mitgeteilt: Das Reichskabinell stimmt« in seiner gestrigen Sitzung dem vom Reichsminister der Finanzen berett» vor längerer Zeit unterbreiteten Borschlag auf Bildung eines Reporationspolitifchen Ausschusses der Reichsregieruag zu. Dieser Ausschuß soll danach unter dem Borfitz de« Reichsminister« der Finanzen entsprechend dem interministeriellen Handelspolitischen Ausschuß au» Vertretern der für die Reparationspollttt im einzelnen zuständigen Ministerien gebildet.und mit der Vorbereitung aller mit der Reparationspoll tik zusammenhängenden Maßnahmen betraut wevden. Die passive Resistenz beendet. Beilegvag des Sisenbahnerkonflitts in der Tschechoslowakei Prag. S. November.(MTB.) In der heutigen Sitzung der Exekutive der Eisenbah- n e r, die, wie erinnerlich, vor acht Tagen die bi» dahin von ihr geführten Verhandlungen über die Regelung der Gehaltsverhältniss« der Eisenbahner unterbrochen und den Dettrauensmännern aus den Kreisen der Abgeordneten die Vermittlung überlassen hatte, wurde der Vorschlag de» Pllnifterpräsidenten Svehla, die Eisenbahner den übrigen Staatsangestellten gleich zu stellen, wobei der Eisenbahndienst besonders gewertet werden soll und bedeutend größere Geldbeträge für die Regulierung als bisher aufgewendet wer- den sollen, als annehmbare Basis für weiter« Verhandlungen bezeichnet. Die Exekutiv« empfiehtt daher allen Angestellten, die durch die Unterbrechung der Verhandlungen hervorgerufene Bewegung Arbeiterverfolgiingen in Soivjelrußland. Ltnzureichenbe Zubiläumsamnestie. Brüssel, S. November.(Eigenbericht.) Der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei hat zum Sowjetjubiläum einen energischen Appell an die Sowjet- regierung gerichtet, die für gemein« Verbrechen angekündigte Amnestie auch aus die politischen Gefangenen auszudehnen. namenttich aus die zahlreichen Sozialisten, die in den S o w- je-tkerkern schmachten. Di« belgische Arbeiterpartei protestiert gleichzeitig gegen die Ungeheuerlichkeit. Menschen nur wegen ihrer politischen Meinung einzukerkern chnd begründet ihren Appell besonders damit, daß sich in Rußland selber keine Stimme für die Berteidigung dieser unglücklichen Opfer erheben darf und kann. Stockholm, S. November..(Eigenbericht.) Der Parteioorftand der schwedischen Sozialdemotratte hat der russischen Botschaft zur Weilerleiwng nach Moskau folgendes Telegramm geschickt: „An dem 10jährigen Jubiläum der Sowjetunion können wir es nicht unterlassen, gegen die Begrenzung der Amnestie zu protestieren. Sie schließt die polttischen Gegner aus, die den Sozio- lismus auf dem Wege der Freiheit und der Demokratie ver- wirklichen wollen und die im Kampfe für diese Ueberzeugung mit der in Sowjetrußland diktatorisch herrschenden Gruppe in Konflikt geraten sind. Wir fordern, daß endlich auch der Wille zur Bersöhnung durch Erweiterung der Amnestie auf diese politischen Gefangenen gezeigt und damit die Forderung der westeuropäischen Arbeiterschaft ersüllt werde." Ein« Antwort auf dieses Telegramm ist noch nicht erfolgt. Massenverhaftungen in Bulgarien. Sofia. S. November.(Eigenbericht.) Die Regierung hat im Zusammenhang mit Waffenfunden über 30 Bauern undArbeiter oerhaften lassen. Sie werden nach dem Staatsschutzgesetz sofort abgeurteilt. Das Bor- gehen der Regierung findet allgemeine Kritik, weil es sich bei den Waffen um Ueberrest« aus früheren innerpolittfchen Kämpfen handelt. Die Kuli-Mißhandlongen in Britisch-Zndien. London. 0. November.(Eigenbericht.) Bor Monaten erzählt« Genosse Tom Show im Unterhaus, wie er als Mitglied der Jndien-Abordnung mit Genossen Furt- w ä n g l« r- Berlin der Textilarbeiterinternottonaie beobachtet hat, daß ein Indischer KuL von einem brttischen Offizier aus öffener Straße oerprügelt wurde. Am Montag bestritt der Unterstaots- sekretär für Indien die Richtigkett der Darstellung. Shaw bekräf- ttgte daraufhin am Mittwoch seine Feststellungen und betonte, toß solche Exzesse der Herrenklasse die englisch-indischen Beziehungen auf das schwerste schädigen müssen. Die schottische Zuchthaustragödie. Die Hauptbelastungszeugin widerrust. Die in unserer gestrigen Morgenausgabe besprochen« Affäre S l a t e r zieht auf einmal in England immer weitere Kreise. Jetzt haben auch liberale Blätter die Angelegenheit in die Hand genommen und Sonderberichterstatter nach Schottland entsandt, um durch eine eigene Untersuchung Licht in die mysteriös« Mordsaäie zu bringen, deretwegen der ehemalige deutsch« Staatsangehörige Oskar Slarer auf Grund eines Indizienbeweises vor 17 X Iahren zunächst zum Tode verurteilt, sodann zu lebenslänglichem Zucht- hau« begnadigt wurde. Ein Vertreter der„Daily News" konnte die Haupt- belastungszeugin antreffen, die damals ein junges Mädchen van 15 Iahren war und jetzt eine 34jährig« verheiratete Frau namens Mary Barrvwman ist. Sie gab ihm eine schriftlich« Erklärung ab. in der sie berichtet, daß sie damals nach New Park gebracht wurde. wo das Auslieferungsverfahren bei den amerikanischen DeHörden mif Berlangen der britischen Regierung schwebte. Sie hatte den Mörder unmittelbar nach der Tat auf der Flucht gesehen und sollt« mn ihm konfrontiert werden. Bei der Gegenüberstellung in New Pork hatte die Zeugin lediglich gemeint, e» besteh« eine stark« Aehnlichteit zwischen dem Mörder und Slater. Nach ihrer Rückkehr nach Glasgow wurde sie nun vom Oberstaatt»anmalt Hart eindringlich vernommen, der sie vierzehn Tage lang fast täglich oernahm und ihr keine Buhe ließ, bi, sie ihre ursprüngliche Aussage von der starken Aehnlichkeit dahin abänderte, daß sie in Slaler positiv den Mann wiedererkenne, dem sie bei seiner Flucht begegnet war. Frau Barrowman behauptet in einer vom 3. November 1027 datierten schriftlichen Erklärung u. a.: „Ich wiederhole jetzt, daß bei der Aussage, die ick» vor Gericht zu machen wünschte, ich auf keinen Fall weitergehen wollte, als die Behauptung, daß Sloter dem Täter ähnelte oder sogar sehr ähnelte, aber nicht, daß er mit dem Täter identisch war. Ich war damals ein Mädchen von knapp IL Iahren und konnte damals den Unterschied zwischen der Aeuherung, daß Slater der Mann s e i und der Aeußerung. daß er mit dem Mann starke Aehnlichkeit habe, nicht ia seiner ganzen Tragweite erfasse«. Und wenn ich heut« wieder auszusagen hätte, dann würde ich erklären, daß er dem Täter sehr ähnlich sah— also genau dasselbe, was ich bei memer ersten Aussage(in New Bork) geäußert habe." Diese Erklärung, die Frau Barrowman in Gegenwart von vier Zeugen dem Berichterstatter der„Daily News" mit ihrer Unter- schrist übergeben hat, schließt mtt der Bestätigung, daß sie zu dieser Erklärung von keiner Seite bearbeitet wurde und daß sie den Wunsch hat, man möge heute von dieser Erklärung im Interesse der Gerechtigkeit Gebrauch machen. Interessant ist die Mitteilung der»OaUy News", daß dies« Zeugin damals die Hälfte der von der Polizei ausgesehien Belohnung von 4000 Mark erhielt. Da» liberale Organ fügt hinzu, daß«in« ande« Zeugin, Frau Adams, die kurzsichtig war und bei ihrer Be- gegnung mtt dem Mölder ihre Brille nicht trug, stets erklätt hat, sie hätte In ihrer Aussog« niemals weitergehen wollen, als mtt der Bekundung emer starken Aehnlichkeit zwischen Slater und dem Mörder. Ein« dritte Zeugin, Fräulein Lambi«. jetzt Frau GIllvn, Hot sogar die Identttöt zwischen Slater und dem Mörder verneint. Sie ist jedoch zurzett nicht auffindbar und die „Dolly News" erlassen einen Aufruf, um ihren jetzigen Aufenthalt festzustellen. Sie soll noch den Bereinigten Staaten verzogen sein. Obwohl dieser Fall trytz seiner Seltenheil keinesfalls vereinzelt dasteht, ist er ein t l o s f i s ch e s Beispiel dasür, wie unter Um- ständen vollendete Justizmorde vollbracht werden können. Dennoch lehnt es die bürgerliche Mehrheit des deutschen Rechtsausschusses ab, die T o d« s st r a f e zu beseitigen, deren Bollstreckung solche Justiz- morde völlig irreparabel macht. Im Falle Slater besteht wenigsten« die Möglichteft, nach achtzehn grauenvollen Ziuhthousjahrea einem wahrscheinlich zu Unrecht Berurteilten zu seinem Recht zu ver- helfen. Unsere beretts ausgesprochene Forderung an da» Au»- wärtige Amt, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, um die beschleunigt« Freilassung Slaters zu ermöglichen, bleibt natürlich nach diesen neuen Bekundungen erst recht bestehen. (passive Resistenz) zu beenden und die Lrbett wie vor der Unterbrechung der Berhandlungen in normaler Weise wieder auf- zunehmen.' Außenpolitische Rede Batdwins. Locarno— Rußland— Aegypten. London. 0. November. Beim Fest der Einführung des neuen Bürgermeisters der Lon- doner City(Lord-Mayor) hielt Blinisterpräffdenl Valdwin eine Rede, in der er ausführte: Briand und Stresemonn hätten ein Beispiel gegeben und ganz Europa warte aus die Länder, an dhren Grenzen alte Feindseligkeiten beständen, in der Erwartung, daß sie die ersten sein würden, um diesem Bellpiel zu folgen. Balowin fuhr fort: „Ich wünschte, ich könnt« ebenso hoffnungsvoll von Bußland sprechen. Der Streit zwischen Großbrttanmen und Rußland ist v o n U n» nicht gesucht worden, und sobald di« Sowjetregierung berelt sein wird, die üblichen Sitten intelnattonalen Verkehr» zu beobachten und auf Einmischung in unser« Angelegenheiten zu verzichten, wird st« un« bereit finden, Ihr in dem Geist« der Liberalität und de» guten Willens entgegenzukommen, der unser« ganze Außenpolitik beseelt. Ueber dl« englisch- ägyptischen Beziehungen sagt« Baldwin. Beide Länder haben Anlaß, mtt dem Gang der Lon- doner Besprechungen zuftieden zu sein. Die Regierung hofft, daß die Grundlag« errichtet worden ist, auf der e» möglich sein wird, in nicht ferner Zell ein festes Gebäude englisch-ägyptischcr Freund- s ch a f t zu errichten. Baldwin kam dann auf die Beziehungen innerhalb des britischen Reiches zu sprechen. Besonders ausführlich ging er auf Indien und di« neuernannte Reform- k o m m i s s i o n«in. Wilna und die Sozialisten. Zur Rigasr Konferenz. Zur litausschen Cmigrantenkonferenz in Riga, über di« ein« Agenturmeldung in unserem Mittwoch-Abendblatt berichtet hat, er- halten wir noch«ine andere Darstellung. Danach sagte die Resolu- tion der Sozialdemokraten, daß alle zwischen Litauen und Polen schwebenden Fragen ausschließlich durch direkt« VerHand- lungen gelöst werden sollen. Die„Bolkssozialisten" wollten Wilna besonder» erwähnt haben. Darauf gingen die Sozialdemokraten nicht ein, da sie die Kriegsgefahr in der ständigen Betonung des Wilna-Konflikts zu würdigen wissen. Wir können uns auch sehr wohl denken, daß Menschen, di« dem Faschistenschrecken der Sme» tona-Woldemaras-Republik entronnen sind und in Polnisch-Wilna Asyl gesunden hoben, jetzt dort auch ungehindert ein« Zeitung „Pirmyn!(Sozialdemokratu Organas)" herausgeben, dringendere Sorgen fühlen, als daß Wilna unter die faschisten-litauisch« Herr- schaft komme. Solche Erwägungen würden noch nicht ein« Be- stechung durch Polen beweisen. Im übrigen wird wieder einmal, da die Bälkerbundtagung naht. von M o s k a u her auf allerhand Wegen di«„Besorgnis" verbreitet. daß Polen«inen Einfall in Litauen oder sogar dessen Be- setzung plan« und vorberette. Da» ist natürlich blanker Schwin. del. Polen Ist reichlich gesättigt, kann es auch wahrlich sein— ja sehr übersättigt mit nichtpolnischen Völkern und hat kein Dedürfni» nach einer Vergrößerung der nichtpo'nischen Minderheit, die dann mit der Zeit aufhören könnte, eine zu sein. Außerdem weiß Polen, da» miNtärisch mtt Litauen rasch fertig wäre, daß ihm zu solch einem Spaziergang allerhand andere Märsche geblasen werden könnten. Also, man lasse sich mtt diesen„Besorgnissen" nicht auslachen und prüfe lieber die eigene friedlich« Herzensreinheit! Verurteilung wegen Beleidigung der Bepublik. Di« Große Strafkammer In Düsseldorf als Berufungsinstanz verurteilt« den Chemiker Dr. Robert Ley wegen Beschimpfung der Republik zu 100 M. Geldstraf«. Dr. Ley hatte In einer Hakenkreuzlerversomm- lung vorn Reich als Judenrepublik gesprochen. Faschismus und Heimatwehr. Tirol und die Berliner Enthüllungen. r. Innsbruck. 8. November. Die Berliner Mitteilungen über die intimen Zusammen- hänge zwischen italienischem Faschismus und Heimat- wehren haben natürlich in Tirol noch viel peinlicheres Aufsehen als sonstwo erregt. Ist doch Tirol das eigentliche Geburtsland der Heimwehrbewegung und stellt ihr in Dr. S t e i d l e den mit dem Munde stets streitbaren Führer. während er von dem sengenden Feuer, mit dem der nationale Paroxismus der Schwarzhemden jede deutsche Regung in Südtirol vernichtet, hinreichend verspürt. Um nur ein Bei- spiel herauszugreifen: Wie schmerzlich empfindet es der Tiroler Landesschulrat, daß es ihm nicht möglich ist. den aus Süd- tirol haufenweise vertriebenen deutschen Lehrern eine Stellung zu geben. Dieses Lehrerelend, das wahrlich nicht allein, aber momentan am sichtbarsten, seine Schatten in die Landeshauptstadt wirst, kann man ermessen. wenn G i a r r a t a n a, der Faschistenkommissar von Bozen, sich rühmt, in der letzten Periode vierhundert deutsche Lehrer und davon allein 1S2S einhundertzwatuig abgebaut, das ist nach der Uebung der Faschisten gänzlich mittel- und subsi st enzlos auf die Straße geworfen und vielfach durch üble landfremde Elemente ersetzt zu haben. Gerode jetzt haben sich die Gegensätze zwischen Deutschen und Italienern sehr verschärft. Der Haß gegen das faschistische Treiben in Südtirol loht überall, wo man rechtlich und neu- zeitlich denkt. Ueber diese ständig wachsende Erbitterung unter den Bewohnern des Inntales kann sich natürlich die Aeimatwehr, die sonst durch und durch faschistisch ist, nicht hinwegsetzen. Die Spuren des ursprünglich gewiß gepflegten Zusammen- Hangs zwischen den Mannen Steidles und Musiolinis wurden sorgfältig verwischt. Doch ging die Heimatwehrleitung noch nie soweit, daß sie offen für die Stammesgenossen in Süd- tirol eingetreten wären. Dieses Verdienst ließ der sonst gewiß nicht wenig ehrgeizige Heimatwehrgeneral den bescheideneren großdeutschen Kompagnons der Einheitsliste. Wie eiie gen» ex macdinn ist am vorvergangenen Sonn- abend Dr. R t n t e l e n als Versammlungsredner in Inns- brück erschienen, was um so mehr auffallen mußte, als in einer ganz ruhigen, versammlungslosen Zeit die Rede eines st e i r i s ch e n Politikers in der t i r o l i f ch e n Hauvtstadt sehr ungewöhnlich ist. Der Erfolg dieser Aktion Dr. Rintelens war denn auch sehr mager: wahrscheinlich ist die geheime Mission, der die«Münchn. R. Nachr." ihre erste Alarmmeldung verdanken dürften, wichtiger ge- wescn als die Maske einer mäßig besuchten Wähleroersamm- lung. Daß die tirolische Gruppe der Heimatwehr sehr für eine gewalttätige Aktion, insbesondere aber für eine Beseitigung des parlamentarischen Systems und des Streikrechts der Beamten und öffentlichen Angestellten ist, das kann man aus berufenem Munde oft genug hier zu hören bekommen. Vielfach ist auch Dr. Steidle nur mehr der Geschobene der von ihm angeworbenen und ins Land gebrachten Offiziere und Militärbeamten, die in einer frifchfröhlichen Hätz auf die Arbeiter ein Ziel der Sehnsucht erblicken. Diesen ist wie. den Steirern auch Lüd- tirol Hekuba. Die Unterdrückung der Freiheit, die Beseiti- gung der sozialen Errungenschaften ist ja eine Hauptzug- nummer im internationalen faschistischen Varietö. Ibr zu- liebe will Rintelen ja auch die S ü d t i r o l e r, deren Leiden er und Dr. Seipel absichtlich übersehen, opfern, wenn nur der Känigsgedanke der Heimatwehr gelänge, im Kampfe der„Austro-Bolschewiki" Herr zu werden und die demokra- tische Republik in eine Tyrannei des militanten Bürgertums umzustellen. In Tirol aber werden gerade die Berliner Mit- teilungsn, die den geahnten Zusammenhang mit dem statte- nischsn Faschismus bestätigen, gewiß die Wirkung haben, daß sich viele Gäste der Heimatwehr mit Grausen von ihr wenden. Denn das Wüten faschistischer Unholde an Blutsverwandten, Geschäftsfreunden und Stammesgenossen jenseits der auf- gezwungenen Gre?ze läßt sich nicht wegleugnen. Und schon der leiseste Zusammenhang unserer bürgerlichen Ord- nungszelle mit dem faschistischen Gesindel wird auch dem letzten Gebirgsbauern die Augen über die öffnen, denen er bis jetzt vielfach zietnlich gedankenlos Gefolgschaft geleistet hat. Die auf dem Wiener Parteitag vom Abg. A b r a m verlangte Offensive der Aufklärung in den Alpen- ländern könnte gerade unter dem Eindrucke der diffamieren- den Freundschaft Mussolinis für die Heimatwehren vollen Erfolg für den inneren Frieden in Deutschösterreich bringen.'_ (Siahlhesmüberfall. Die amtlichen Instanzen schweigen. In Embsen, einem Dorfe in der Nähe von Uelzen(Han- nover), hielt der Deutsche Landarbeiterverband am Sonntag eine Kreiskonferenz ab, an die sich ein kleine» Tanz- vergnügen anschloß- Die Veranstaltung war bereits beendet, als mehrere ihrer Teilnehmer von ein» 7 bis III Angehörigen des Stahlhelms ohne jeden Grund überfallen und mit Stöcken und Stühlen niedergeschlagen wurden. Es ist vorläufig nichts darüber bekannt geworden, daß die Staatsanwaltschaft bereits die notwendigen Nachforschungen eingeleitet hat. Das- halbamtliche Wolfs. Bureau und sein schwer- industrieller Konkurrent, die T. U., melden von alledem nichts. Sie sind dagegen mit Feuereifer dabei, wenn einmal Angehörige des Reichsbanners provozierenden Stahl Helmleuten gegenüber vom Recht der Notwehr Gebrauch machen. Oer Rechtsblock ist hartnäckig. Lehnt alle Derbessemngckanträge zur Beamtenbesoldung ab. In der MNtwochsitzuna des Ausschusse» für den Reichshaushalt. in der die Beratung des B e a m t e n b e s o l d u n g s g e s» tz e» bis zum§ fl weiter geführt wurde, rief insbesondere die Frage der An- rechnung der Dienstzeit der Aersorgungsanwärter lange Debatten hervor. Die Regierung schlug folgende Regelung vor: Den Vor- sorgungsanwärtern wird bei der ersten planmäßigen Anstellung. wenn sie im Heer, In der Marine oder in der Schutzpolizei u) acht Jahre oder weniger gedient haben, d'e tatsächlich abgefeisteie Dienst. zeit bis zu einem Jahre, b) über acht Jahre gedient haben, außer- dem die Dienstzeit im Heer, In der Marin« oder in der Schutz- polizei, soweit sie und die nachfolgend« Zvildienstzeit acht Jahre übersteigt, mit der darüber hinausgehenden Zeit, höchstens ober mit weiteren fünf Jahren auf das Besoldungsdienftalter angerechnet. Alle ran! Oer Block, der uns den Weg zu Freiheit und Licht versperrt, wankt schon.-Wenn alle anfassen, stürzt er. Demgegenüber verlangten dl« s o z i a lh« m o t ra ti schen Bertrete» durch den Genossen Sleintops, daß an Stelle der acht Jahre sieben Jahr« gesetzt und daß im Höchstsalle statt der von der Regierung vorgeschlagenen fünf Jahre sieben Jahr« angrechnet werden sollten. Genosse Roßmann verlangte des wetteren, daß Beamten, die schwerkriegsbefchädigt oder nachweislich nur durch die Krkegsteilnahme verspätet zur Anstellung gekommen sind, die voll« beim Hoere zugebracht« Dienstzeit auf das Besolvungs- dienstalter angerechnet werde. Die Regierungsvertreter mußten zugeben, daß di« gegenwärtigen Verhältnisse unhaltbar seien, lehnten aber im Ein- klang mit einem Antrag der Regierungsparteien ab. diese angeblich außerordentlich komplizierte Materie im Gesetz selbst zu regeln, son- dern erklärten, daß eine weiter« als bisher gehende Anrechnung in den zu erlassenden Ausführungsbeftimmungen vorgesehen werden würde. Solchem Ausweichen widersprach Genosse Roßmavn. Auch der Zeritrumssuhrer Dr. v. Guerard bedau ert« die unklare Haltung der Regierung und oerlangte bis zur zweiten Lesung eine genaue protokollarische Darlegung der Absichten der Reg'erung. Je nach dem Inhalt dieser Dgrlegung würden die Regierungspartsien sich dann das weiter« vorbehalten. Eine lebhafte Aussprache rief dann noch die Forderung der sozialdemokratisch«» Vertreter hervor, daß neben dem Grundgehalt nicht ein Wohnungsgeldzuschuß, sondern Ortszuschlöge gewährt werden sollen. Wie bisher wurden in der Abstimmung alle Antröge der Oppostt'vn abgelehnt. Abklingender Rationalismus. Versöhnungsworte in der Tschechoslowakei. > Prag. S. November. Im Budgetousschuß des Abgeordnetenhauses bezeichnete Ministerpräsidem S v e h l a di« Organisierung des Landwirtsstandes als sein Lebenswerk. In der Bodenreform kann sich kein Staat in Europa solcher Erfolge rühmen wie die Tschechoslowakei. Es lag nicht in unseren Intentionen, die Bodenreform zur Ratio na- l i s l« r u n g zu benutzen. Beweis dafür ist, daß an der Erwerbung des gepachteten Bodens mehr d e u t s ch« als tschechiche Bewerber(?) teilhatten. Di« tschechisch-deutsche Zusammenarbeit ist ein« allzu ernste An- gelegenheit, als daß sie mit einigen kurzen Bemerkungen abzufertigen ist. Ich bin fest überzeugt, daß das nationale Problem seine Lösung finden wird. Die ganze Entwicklung geht dahin, den Kampf durch ein Einvernehmen ersetzen zu können. Es ist kein Unglück für unser Land, daß«s von zwei Rationalitäten bewohnt ist. Es ist dies vielmehr«in großes Plus, da durch angestrengten Wett- kämpf ein höheres Kulturniveau erreicht wird. Ich glaube an den Sieg der gesunden Vernunft, die eine fruchtbare Zusammen- arbeit beider Nationen gewährleistet, und ich werde m�ne Kräfte immer für die große Idee zur Verfügung stellen. Wahlen in Rordamerika. > Erfolg der Alkoholverbotgegner. New park. 9. November. Verschiedene Wahlen, bei denen es sich um lokalpolitische Fragen handelte, sind fast ohne Zwischenfälle verlassen. In L o u i» v i l l«(Kenwcky), wo der scharf« Wahlkampf zwischen dem demokratischen und dem republikanischen Gouverneurstandidat?» noch unentschieden ist, wurden zwei Wähler bei einer Schießerei getötet. In Wikkesgarre(Pennsylvanien) kam es mehrfach zu Tumulten, da Wahlurnen wegen versuchten Wahlbetruges beschlagnahmt wurden. Im Staate New Pork zeigt der Wahlausfall eine Stärkung des Prestige» von Gouverneur Smith, der vielfach als demokratischer Präsidentschaftskandidat genannt wird. In Detroit wurde ein Prohibitionsgegner zum Bürgermeister gewählt. Auch In Ohio hat sich in dem Ausfall der Wahlen eine prohibitionsfeind l-i che Stimmung gezeigt., Städtische Oper. Debossy„pelleas und Melisande". Dieses Mustkdrama, in Berlin fett zwanzig Jahren nicht mehr gegeben, fand in der gestrigen Neuaufführung der Städtischen Oper lebhasten Beifall, der sich am Schluß für alle Mitwirkenden zu stürmischer Begeisterung steigerte. Bruno Walter brachte in vollkommen harmonischer ZstsämmeNarbelt Mit Karl Heinz Martin die vielfältigen Reize de» bedeutenden Werke» zu unge- ohnter Mrkung. K. Hochschule oder Hetzschule? Ein Berliner Professor, der Republik und Regierung verächilich machi. Der Lehrer für Rechtsgeschichte an der Berliner Umoersität Prof. v. M o e l l e r mißbraucht sein Amt zu einer politischen Hetze gegen die preußische Regierung und gegen die Republik. Sein« Einstellung zu dem Staat, dessen Arbettnehmer er ist, kennzeichnet« er in einer seiner Vorlesungen selbst durch«in Zitat au« X. F. Meyers.Huttens letzte Tage": V «Und schmiede Du uns unsr« alle Kaiserkrone neu!" Noch deutlicher wurde er, als er während einer Vorlesung über „Deutsche Rechtsgeschichte" einen Werbebogen der«Deutschen Repu- blik" nach spöttischen Bemerkungen über die Farben de« Reiches, Schwarzrotgold, vor de* Augen der Studenten mit den Worten herumdrehte: „Jeder, der sehen kann, fleht, daß sich die Republik drehen kann. Mal steht sie rechts, mal steht sie sink», manchmal fleht sie auch aus dem Kops." Nach diesen Proben nimmt es nicht wunder, daß dieser preußische Hochschullehrer seinen Lehrauftrag auch zu einer nledertrSch- t i g« n Hetze gegen den preußischen Staat und gegen die preußische Stoatsregierung mißbraucht. Die nötige Hochachtung vor dem Staat glaubt er den Hörern, die auf den Staatsdienst vorzubereiten sein Austrag ist, dadurch beizubringen. indem er ihn als„Museum GrzcsinskI" bezeichnete. Den Respekt vor der Staatsregierung, unter der die jungen Rechtsbefllssenen einmal arbeiten sollen, impft er seinen Hörern ein, indem er sie vom Katheder herab— zum Kampf gegen den Kultus- minister auffordert: „Meine Herren! Auf der einen Seile steht die deutsche Slu- denlenschasl und die gesamten deutschen Professoren, soweit sie Christen sind— und auf der anderen Seile steht ein Mann. der auch kein Halbgott ist." lim diesen„Mann" näher zu charakterisieren, bespricht er«ine Stelle au» Kultusminister Becker» Buch„Thrtstentum und Islam" und nennt den darin vertretenen Standpunkt matt» herzig, schwach und elend. Daß dieser von Mocller waschechter Antisemit ist, versteht sich von selbst. Daß der von Moeller außerdem vi« Hochschule mit einer politischen Hetzanstatt zwecks Züchtung eine» Hemds- ärmeligen Schlagetot. Antisemitismus oerwechselt, sollte sich eigentlich nicht von selbst verstehen, läßt sich aber dokumentarisch belegen. Gleich zu Anfang des Semester«, da« er mit einer Bemer- kung über da»„verjudete römische Recht"«ingeleitet hatte, zitiert« er mit bewußter Tendenz und berechnetem Patho» den Schlußsatz aus einer Rede des Theologen Paul Kleiner!: -„Dos Ungeziefer, das aus der Wüste stammt, muß man unter den Füßen zertreten." Gekrönt wird die bisherige akademische Tätigkeit des oon Moeller durch die„Mannestat", die er sich in seinem Dienstag-Kolleg über„preußische Rechtsgeschichte" leistete. Er for- derte dt« Katholiken und Protestanten auf, sich zu- sammenzuschließen und alles aus dem valerlande zu entfertzen. was nlchl deutsch und nicht christlich sei. Als sich in den Beifall Protest- ruf« mischten, fuhr der von Moeller fort: „Die Studenten, die sich hierzu in bewußten«Segensah stellen. haben nicht da» Rechk. hierzubleiben." Ostentativ o e r l i e ß e n einige Studenten den Saal. Der von Moeller rief Ihnen, indem er höhnisch zur Tür wies, nach: ..E» lst ulcht schade drum!" Es hat einen Fall L e s s i n g gegeben, well einem Rudel von Radauantisemiten die journalistische Tätlgkett dieses hannoverschen Hochschullehrers nicht gefiel..Das, was sich der Berliner Rechtslehrer von Moeller fortgesetzt geleistet hat, ist hundertmal schlimmer. Gtudententum und Sroßdeutfchland. In dem Kampfe, den die„Deutsche Studentenschaft" gegen den preußischen Kultusminister Becker führt, spielt seit einigen Wochen eine vertrauliche Unterredung eine Rolle, die der Minister kürzlich mit dem Vorstand der„Deutschen Studentenschaft" hatte. Der Vorstand hat von dieser Unterredung, in deren Verlauf von keiner Seite irgendwelche Notizen gemacht worden waren, eine sogenannt« Niederschrift veröffentlicht, die dem Minister überhaupt nicht vorgelegen hat. In einer Erwiderung stellt Kultusminister Dr. Becker jetzt fest. daß er mehrfach schriftlich und mündlich die g r o ß d e y t s ch c Koalition als wünschenswert bezeichnet habe, daß daran jedoch alle Ausländsdeutschen ohne Unterschied der Rasse und Kon- fession beteiligt werden müßten. Eine Koalition mit ausschließlich völkischen Gruppen könne dagegen nicht geduldet werden. Solange also die östorretchlschen und böhmischen Gruppen auf ihrem retn parteipolitisch gestimmten Standpunkte verharren, sei leider nur eine reichsdeutsch« Koalition möglich. Ferner betont der Minister gegenüber gehässigen Entstellungen der„Deutsch»' Studentenschaft", daß die Berschörfung der Kontrollausgaben des Vermögenebeirot« durch das Staatsministerium wegen zahl- reicher Unregelmäßigkeiten i» der Kossenverwattung einzelner Studentenschaften notwendig geworden sei. Da« Recht des Ministerium«, bei der Prüfung de« Haushaltsplanes Ausgabe- posten zu streichen, habe auch nach dem alten Studentenrechte be- standen und sei auch mehrfach ausgeübt worden. Diese Aeußerung des Minister» bringt eine begrüßenswerte Klärung in den leidigen Konflikt der deutschvölkischen okademischen Jugend mit der staatlichen Hochschulbchörde. Sie wird hosfentlich dazu beitragen, eine reinliche Scheidun mieten eintreten könnte(!!). Er fällte schließlich nach längeren Ver- Handlungen gegen die Stimmen der Arbeiter- und Unternehmer- beisitzer einen Schiedsspruch, der ob 15. November bis 30. Juni eine Erhöhung des Stundenlohnes um 10 Pf. und des Akkordzuschlages um 10 Proz. vorsah. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen und den Schiedsspruch berichtet« gestern abend Genosse Fuchs vom Metallorbeiterverband in einer gutbesuchten Versammlung der organisierten Vauanschläger im Verbandshaus der Metallarbeiter. Der Branchenleiter teilt« mit, daß die Funkttonäre nach«ingehender Beratung beschloffen haben. der Versammlung die Ablehnung des Schiedsspruches zu emp- fehlen. Die Versammlung- lehnte jede Debatte über den Schieds- fprulfT ab und beschloß fast einstimmig den Streit. Sie beauftragte die BrancheiUeitung, alle weiteren Maßnahmen über den Beginn des Streikes und sein« Durchführung zu treffen. ä Sooembtr,§3 aller g «cht»»g, Wrrncr.Marlrnfeld»! Am Freitag, U. Rom 1614 Uhr, l>«i Wildgrubc, Martenfeit«, wichtige Versammlung SPD.-Dcnolsen. Dt« Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Der graktionsvorftand. b-i Freie Gewerkschaflsjugend Groß-Verlin. Heute, Donnerstag, lg>/4 Uhr, tagen die Gruppen: Tlidwrste»: Jugendheim Noretstr.. 1l(Fabritgebäude). Dortrag:„Nikotin und Alkohol."— fköpeniS: Sriipperiheitn Jugendheim lürllnaucr Str. 5. KampfNedcrabcnd.'V Tempel. Hof: lSruvve-hdlin lNlzium Dkrmanialtt. 4- 6. Vortrag:.ütbenstoform." _______ lw: Sruppeuheim. Zieichcnbcrger£tt. es lFeurrwshrhaus). Doitrag.:...?ie Lutstehung der iSewcrkschoften."— Drei« Odrrsprec: Eingscharprobe um lg Udr im Jugendheim Rirdcrschöneweide, Berliner Str. Zl.— Dharlottenburg: Kruppenheim Jugendheim Sprecstr. Sil. Bepolutionsfeier.— Frankfurter Allee: Eruppenhcim Städt. Jugendheim Litauer Str. 18, Zimmer 6. Vortrag:„Strom- Versorgung der Großstadt.— Landsberger Platz: Jugendheim des Ostens, Große Frankfurter Str. 16, OuergedSude part., Zimmer!. Liederabend. Liederbücher sind mitzubringen.— Rordlreis-Surfu- II: 20 Uhr im Jugendheim Orth., Ecke Echijnstedtstroße. ssz Nordirei»!«Ir wolle« werban— wir»ollra wecke»! Herbe- h-i W oeranstaltuag i» der Sebulaula Sleimftr. 49. Beginn l»1� Uhr. Ge- W g fang,«nlprachr, Nezitatiooen, Sprech, und«ewegungsÄor. Gesänge M gl now� Werktag. Ausführung eines lustig«» Z»geadspiel», llnkoftentcitrog Bcrband der Male«, Lackier«», Anstrelibe«»sw. Morgen. Freitag, lg'. Uhr, im Gewcrkschaftshau», Saal 4, Engeluser S4— i>i. Mitalirdervcrsammlung Dia klinstige Lohn, und Torifpolitik. Referent Bezirksleit« Zetzschmann. Zu dieser Versammlung sind auch die Frauen der Mitglieder eingeladen.— Buchkonirolle. Dir vrtsocrwallung. Verband der Gimrlnd«.»nd Staatearbeiter, Filiale Berlin, veziri 16. kreptaw. Am Freitag, II. November, l» Uhr, im Lokal von Imberg. Obel. fchöneweid«, Bilhelmin.'nhofftr. S4. Bezirksmitgliederversammlung.„Rechte und Pflichten in der Betriebskrankenkaffe." Referent Kollege Hrinzelmann(Mit. glied de» Vorstandes). Unsere Lohnbewegung. Achtung, Dr. Panl Meqer, Drontheimer Str. z»-z»! Freitag, ll. Novem. der, 1614 Uhr, bei Fritsch, Drontheimer Etr. 4, Versammluiig aller SV?.» Genossen. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Barstaud. Iuqcndgruppe de» gd«. Bezirk Schdnederg: ID'/i Uhr im Jugendheim Saupistr. 16 lHokgebäude), 1 Tr., Thüringenzimmer, Vortrag:„Mißstände im kaufmännischen Lehrlingswcscn"(Bunzel). v Verantwortlich für Politik: De. D»rt Geqer: Z. Steiner S. Kliageihöfer: Lokale» Wirtsthoft: Dewerkschaftsdeweauiig: I. Steiner: Feuilleton:*. 8. Sölcher; Lot und Sonstiges: Fritz starftädt! Anzeigen: Th. Glocke: fämtiich in BerOn�M Barlag: Vorwärls.Veriag GmbH.. Berlin leuck: Vorwärts.Buchdrnckerel und Vrrlaosanstal- Paul Singer>, Eo Berlin EW 6tz Linb-vstraste 8. Hierzu 2 Beilaaea.„Unteibaltuna und«ist«»-»nd„Frauenstimme-. ,LJk- WasJie gcs Kindes!" Die Ausstellung, die Ihnen viel Freude machen wird, Heginnt Mor-en Mädch.- Nachüicmden aus jeutem WAsdiostoff, mit fein gemust. Stlrkeertansair, LAnTfto-lJOrin, S». M. 5.00 bis JC .Mädchenröcke Wäschestoff,__ nif.Stickerc!cI is.L Hohlsaum- ustn Lp. 40- 100 cm M. 2.- aum- Q50 bis«" berlin\V8, Leipziger Strasse 20-22 Und aufs Srot die frische i, r? T3£T"K] KT vcmber teilgenommen haben. Eine originelle Art der Revolutionsgedenkfcier hotten die Schöneberger gefunden. Stellungslose, der Partei nahestehende Schaitspieler führten gemeinsam mit der Spielgemeinschost der Iungsozialisten in der S ch l o ß b r a u« r« i eine Satire aus„Der Graf von Doarn". ein Spiel non königstreuen Leuten. Der Dersasier, der ungenannt bleiben will, ist«in in der Partei bekannter Mainz. Das Spiel behandelt in witziger Form die D o m e k a- E p i s o d e. In scharf umrissen«» Typen karikierte der Verfasser da» deutsche Bürgertum» alle die kleinen Existenzen, die um die Sonn« königlicher Gunst so gerne wieder kreisen möchten. Do» alle» ist sehr gut ge- sehen und treffend gestaltet, und es ist zu hoffen, daß dieses Beispiel Ngchohmung findet. Rezitationen au» Toller» Werken. Gesangs- Vorträge der Liedertafel West und des Männerchors Freundschaft um- rahmten die Ausführung. Di« Gedenkrede hielt Gen off« Kurt Heiniq. Der Beifall war sehr groß. Die Lichtenberger Genossen hatten sich im Eecilien. Lyzeum in der Rathaussiraße zur Feier des 9. November ner. sammelt. Der Fcstsaal war überfüllt. Das Markwitz-Quortett wirkte bernarragend an der Ausgestaltung des Abends mit. Genosse Künstler hielt die Festansprache, die einen Sturm der Begeisterung auslöste. Die Feier des Jahrestages der Revolillion wurde durch ein begeistert aufgenomtnenes hoch auf die Sozialdemptratia ge- schlössen. Die außerordentlich eindrucksvolle Veranstaltung war ein« rntsge.zeichneie Werbung: für die Partei wurden neue Mitglieder, für die Presse neu« Leser gewonnen. ünscre Genossin vom F r i e d r i ch s h a! n, jenem Bezirk, iil dem die Sozialdemokratie so starten Einslug besitzt, hatten sich in überaus großer Zahl eingefunden, um den Tag des 9. November zu feiern, und man sceutc sich besonders darüber, daß in diesem Wohn- bezirk des Proletariats so zahlreiche Arbeitslose unserer Kundgebung beiwohnten. Der Männerchor der Arbeitersänger aus dein Bezirk Friedrichshain leitete die Feier durch schöne Voriröge ein. Rezitationen leiteten in den Sinn der Feier über und der Vortrag, der darauf folgt«, fand begeisterte Zustimmung in allem, was darauf hinzielte, zu zeigen, daß die Republik marschiert und daß wir vor- märt» kommen. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß unsere Werbewochc mit dieser Feier des 9. November trotz oller Widrigkeiten des Wetters, trotz aller Gleichgültigkeit so vieler, die noch nicht gelernt haben, einen vollen Erfolg haben wird. In der dichtbesetztcn Aula des S o p h i e- C h a r l o t t e- Lyzeums beging der Bezirk Charloitenburg seine 9. Revo- lutionssMy. Nach kurzen Begrühungsworten des Stadtverordneten WIlt sang der Männerchor„Harmonie" die Internationale. Darauf sprach eine jugcndlichc Genossin„Wir Jungen wollen rote Fahnen tragen" und nach dem Absingen des Liedes„Sturm" ergriff Genosse Aufhäuser, M. d. R., das Wort, der am Schluß seiner Ausführungen den Parteiveteranen des Kreises Charlottenburg dankte, deren 2ö° jähriges Jubiläum gleichzeitig gefeiert wurde. Er wies auf die schwierige Lage der Borkriegssozialisten hin und er erinnerte an die persönlichen Opfer, die damals gebracht werden mußten, ohne daß Hoffniingen auf Erfolg vorhanden waren. Genosse Will dankte dann den Parteiveteranen abermals und bat um weiter« rege Mitarbeit sowohl der neu eintretenden Jugendlichen als auch der langjährigen Mitglieder, jetzt, während der Werbewoche und auch besonders im Hinblick auf die Erfolge in Hamburg und Oldenburg. Mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Rednerteil der eindrucksvollen Feier. Der Männerchor sang„Ein Sohn des Volkes" und„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit". Als Redner, soweit sie noch nicht erwähnt sind, sprachen in den cinzelneii Versammluiigen die Gcnosseit: Siegfried Aushäuser. Clara Bohm-Schuch, Dr. Rudolf Breitschcid, Robeit Breuer, Artttr Crispien, Emil Dilimer, Alberi Faltenberg, Felix Fechenbach, Her- mann Harnisch, Alfred Henke, Dr. Siegfried Kawerau, Emil Klodt, Wilhelm Landa, Dr. Richard Lohma»», Dr, Kurf Löwenstein. Otto Meier. Dr. Carl Mierendorst, Franz v. Pulikamer. Ernst Rüben, Rudolr Schlichting, Hermann Schützinger. Friedrich Stampfer, Marlin Stein. Heinrich Slröbel, Carl Werinuth, Rudolf Wisfell, Eduard Zachert,__ Sieger Dewolf— van Kempen. Vor Tietz— Thollembeek und Ghmer— Kroschel. Gestern abend, pünktlich 11 Uhr, ging iin Sportpolast die 19. Berliner llä-Slundeitsahrt zu Ende. Sie brachte den Kieg der Rlannschoft Dewolf— pau Kempen mit 544 Punkten vor Tieh— Thollembeek 42?. Ehmer— Kroschel 389, Kroll— Mieth« 242, Rausch— Hürtgen 20«, Junge— Lehrend 191 und Wambst— Lacquehay 58 Punkten. Insgesamt wurden in 145 Stunden 3 710,1(75 Kiloiuetcr zurückgelegt. Dos Feld fuhr»an 10—11 Uhr 21 Spurts zu je zehn Runden. Unter dem Beisall de» Hauses fuhren sämtliche sioixu Mannschaften, mehr oder minder bejubelt, die Ehrenrunde. Die letzte TfachmittagS-Wertung � lii acht« im Felde keine nennenswert» Aeränderung., E h m» r« K r p f ch s l führten mit 314 Punkten in der Spitze vor Pietz-Thollem- Heek 272, Dewolf-van Kempen 289, Krall-Mieth« 172 und Roujch- Hürtgen 86 Punkten. Knappe-Tnnani durften allerdings die letzt« Stunde, die heiße, nicht ntitinachen. Tonanis Sturz stellt« sich«U-j so schwer heraus, daß er aufgeben mußte. Schade, daß dieser zobe Fahrer im Schlußspurt s-hlte. In der �neunten Abendstunde war die Halle ziemlich ausoer- koust. Iin Felde selbst ging e» vorerst ruhig zu: die Fahrer waren sieh sämtlich der letzten harten Stunde, die ununterbrochen Wertun« gen brachte, bewußt und bemüht, ihr« Kräfte hierfür zu rück, zustelle» Bei diesen Wertungen erhielt der erste 20, der zweite 10 und der dritte.5 Punkte. Am 9 Ahr abend» hatte da« Feld insgesamt 3629.480 Kilometer(urückgelegt. Bevor jedoch die letzt« Stunde 35s �Zement. Zfcoman vo» Fjodor Gladtoro. Badjins Wangen zuckten, unter den dicken Lippen er- glänzten seine Zöchne in einem Lächeln. Er setzte sich. Nahm aus seiner Tasche ein Paket Zigaretten. Steckte sich eine Zigarette an und schob(Bljeb das Paket zu. „Ich höre. Sagen Sic kurz und bündig, was Sie wollen. Wie heißen Sie?" Auch Gljeb setzte sich. Er sah die Zigaretten nicht an und nahm seine Rotarmistenpseife. „Im Auftrage der Arbeiter muh ich raschest berichten. Durch die Zelle und in Versammlungen haben die Arbeiter beschlossen, Holz vom Waldgehau mit Hilfe der mechanischen Kraft durch den Bremsberg zuzustellen. Der Techniker des Werkes wird die Zeichnungen und den Arbeitsplan vorbe» reiten. Zwei, drei Sonntagsarbeiten aller Gewerkschaften und wir werden Berge von Holz in die Waggons verladen können. Rechnen Sie aus, wieviel Holz wir bis zum Herbst herunterbringen werden. Die Holzsteuer ist ein Unsinn: die Bauern werden zu den Räuberbanden überlaufen. Und mit Lastschiffen können wir nichts anfangen. Die Lastschiffe sind alle verfault, von den Wellen zerschlagen, zum Teufel. So ist es. Ich heiße Tschumalow, bin Schlosser des Werkes und Regimentstommissar der Roten Armee." Badjin streckte ihm die Hand entgegen. Wieder zuckten seine Wangen, und die Zähne blitzten unter einem Lächeln. „Ja, das ist eine ernste Sache, die man erst abtasten muß... Sagen Sie, ist Dascha Tschumalowa Ihre Frau?" Gljeb. mit seiner Pfeife beschäftigt, riß die Augen im scharfen Blicke auf, sah von der Seite Badjins Gesicht und Hände an und streckte ihm, über seine Pfeife hinweg, seine Hand entgegen, so daß die Nähte seines Uniformrockes krachten. „Ich bin aber nicht deswegen hier. Genosse Vorsitzender. Ich habe«ine andere Sache vor. Was denken Sie über die Inbetriebsetzung des Wertes?" Badjin sah Gljieb an. und in seinen Augen entzündeten sich goldene Fünkchen. Er lehnte sich an den Stuhlrllcken. Sein» Augenlider bebten in krampfhaftem Zittern. ... Gljeb Tschumalow, der ohne Nachrichten oerschwun- dene Mann Daschas. die keinen anderen Frauen ähnlich ist. Dascha. nach der er«inst die Hand ausgestreckt hat. Es gab kein Weib, das nicht unter seinen Händen, unter seinen Augen wie ein Strohhalm zerbrach, und sie war wie eine stählerne Springfeder, die ihn bis ins tiefste Innerste verletzt hat. Und weil diese Frau, Führerin der städtischen Prole- tarierinnen, die Kampfgruppen der Weiber jeden Tag eigen- sinnig zusammentrieb und ihren Platz unter den Männern behauptete, war er. der Vorsitzend« des Exekutivkomitees. Badjin, nicht imstande, sich ihr so zu nähern, wie er es anderen Weibern gegenüber tat. Badjin dachte jeden Tag daran, von welcher Seite er sich Dascha nähern könnte, um sie mit einem Schlage zu bezwingen. Und hier, neben ihm, Auge in Auge mit ihm, saß der Mann, der plötzlich und unerwartet sich zwischen ihn und diese Frau stellte. „Ueber das Werk wollen wir vorläufig nicht svrechen, Genosse Tschumalow. Es ist nicht in unserer Macht, das Werk in Betrieb zu setzen. Aber die Frage der Wiederauf- richtung des Bremsberges werden wir in der nächsten Sitzung der Wirtschaftskonferenz aufwerfen." Gljeb ließ erstaunt seine Pfeife auf die Knie sinken. Steckte sie wieder in den Mund und begegnete mit seinen Augen den Augen des Vorsitzenden. Was in der Tiefe dieser Augen war, tonnte Gljeb nicht fassen und formulieren: eine schwarze Trübe ging wie eine Welle durch sie. „Das heißt... wieso ist das nicht in unserer Macht? Das ist eine Schmach: das Werk beleuchtet nicht einmal seine eigenen Winkel, von den Arbeiterwohnungen gar nicht zu reden. Ueberall Zerstörung: keine Türen, keine Fenster, und wenn schon Türen da sind, dann sind statt Schlösser Stricke oder Drähte an ihnen. Wie wollen Sie also, daß man das Werk nicht bis auf die kleinsten Teile ausplündere? Wer züchtet diesen Verfall, Sie oder die Arbeiter? Es existieren Anweisungen auf flüssiges Brennmaterial für das Werk. Wo sind diese Anweisungen? Die Arbeiter wollen wissen, welcher Schlund diese Anweisungen schluckt. Verstehen Sie nun, welche Mißwirtschaft das ist?... Ein so unermeßlicher Reich- tum, der durch die Verarbeitung des Rohmaterials zu er- reichen wäre... Und die Magazin« stehen leer... Organi- si-rt die Vorarbeiten... Ihr schreit immerzu über die Mußig- gänger und Faulenzer und züchtet selber Nichtstuer und Dudelsackpfeifer... Diesen euren Dolkswirtschaftsrat sollte man an die Wand stellen und die verantwortlichen Arbeiter und das ganze Spezialistengesindel— sür all dies« gräßliche Unwirtschaftlichteit als böswillige Feinde der Räte- macht... So hat man die Frage zu stellen, Genosse Vor- sitzender." „Genosse Tschumalow, wir können diese Frage ebensogut wie Sie stellen. Man muß aus der konkreten Lage heraus urteilen. Wir können nicht selbständig, unter Umgehung der staatlichen Kommission zur Ausarbeitung eines Planes für die Wiederherstellung der Landwirtschaft und der Industrie — solche Fragen von allgemein staatlicher Bedeutung lösen." „Ich verstehe die allgemein staatliche Bedeutung, Genosse. Ich spreche eben auch über die allgemein staatliche Bedeutung. Wenn Ihr schon in der Wtrtschaftskonferenz alles mögliche durchkaut, warum geht Ihr nicht an dies« Frage heran?" „Wenn die Zett da Ut, werden wir die Frage auch von dieser Seite berühren, Genosse Tschumalow. Alles hängt von der Perspektive dö? neuen ökonomischen Politik ab. Dieser Augenblick ist jetzt nicht mehr sehr fern." „Genosse Vorsitzender, telephonieren Sie an den Volks- wirtschaftsrat.. „Wozu telephonieren, wenn es ganz nutzlos ist?" „Telephonieren Sie an den Volkswirtschaftsrat, Genosse Vorsitzender. Wollen wir mit ihnen deutliche Worte reden." „Gut, wollen wir mit ihnen über den Bremsberg reden." Badjin telephonierte, und wieder ging eine schwarze Trübe durch sein kaltes, spöttisches Lächeln und seine Augen. Und Gljeb sah ihn nicht an, er dampfte aus seiner Pfeife und schüttete die Asche aus. ... Zwei Kräfte— er, der Vorsitzende des Exekutiv- komitees, und der Arbeiter Tschumalow— sind aufeinander- geraten,«in Funken sprühte auf. Was brennt in der Tiefe der Augen dieses Menschen? Ein Tier? Ein Held? Ein eise?- süchtiges Männchen? „Jeder Arbeiter ist um so wertvoller, Genosse Tschuma» low, je mehr und je fester er seine Arbeit darauf einstellt. was ihm im Moment unter den Füßen'brennt. Ich bin für folgende Regel: nicht das ganze— sondern einen Teil. Kein Märchen— sondern ein Stück Brot. Sie wissen, daß Räuber- banden uns bedrohen. Sie haben uns mit einem Wolfsnest umgeben. Der Kampf nimmt eben diese Kräfte in Anspruch, die wir bis zum äußersten für den Wiederaufbau der Wirt- fchaft brauchen. Wir brauchen eine neue Kampfmethode und neue Dispositionen. Ihr Projekt über die sofortige Inbetrieb- sctzung des Werkes ist unsinnig: Sie rechnen nicht mit der wirtschaftlichen Konjunktur. Wenn Sic aber die Zustellung des Brennmaterials für die Stadt durchführen, so werden Sie eine wirkliche Heldentat vollbracht haben." Gljeb nahm die Pfeife aus seinem Mund und schaute Badjin fest ins Gesicht. Warum versteht dieser Schwarze nicht dt« einfachsten Sachen?(Fortsetzung folgt.> angeläutet wird, hagelt es Prämien, die samt und sonders ruhig ausgefahren wurden. Die letzte Stunde. Um 1(1 Uhr abends wurden Dorn— Nickel drei Runden und Kühl— Wette, die fünf Runden zurücklagen, wegen Aussichtslosigkeit aus dem Rennen genommen. Sieben Mannschaften kämpfen nun um die letzte Stunde. Die bekannten fünf Spitzenpaare und die um je eine Runde zurückliegenden Behrend— Junge und Wambst— Lacquchay. Nach dem fünften Spurt um 10 Uhr rissen Lacquehay und Behrend aus, ihr« Partner vergrößerten diesen Vorfprung und da das übrige Feld nicht nachsetzte, gelang es beiden Mannschaften innerhalb vier Runden ihre Verlustrundc� aufzuholen und rückten somit zur Spitzengruppe auf. Zu den wpurts zeigt« nun van Ke m p e n sein fabelhaftes Antrittsvermögen, in ven ersten acht Spuris belegte er mit seinem Partner Dewols allein sechs erste Plätze. Krofchel vermochte sich nicht in den Spurts durchzusetzen, während es Ehmer gelang, sich dann und wann einigermaßen günstig zu placieren. Nach dem 18 Spurt zogen die Franzosen ohne Erfolg los. Ein darauf folgender Vorstoß Thollembeeks und Miethes verpuffte trotz aller Anstrengung ebenfalls. Ablehnung des„Bewoag'-Profektes zum Bau von 8000 Wohnungen durch Sozialdemokraten und Kommunisten am 18. Oktober! Die sachlichen Gründe für die Haltung unserer Partei in dieser Frage haben wir wiederholt dargelegt. Was die Sozialdemokratie im Wohnungsbau, wenn sie das Heft in der Hand hat, zu leisten ver- mag, das hat das Beispiel von Wien gezeigt. Das mögen sich Mieter und Wohnungslose merken, wenn sie die Schlußworte des Flugblattes:„Wacht auf! Wehrt euch! Räumt auf!" lesen, und sie werden aufwachen, sich wehren und aufräumen.— Das Flugblatt verschweigt übrigens, daß die Linksmehrheit der Stadtverordnetenversammlung den von der sozialdemo- kratischen Fraktion eingebrachten Antrag angenommen hat, der den Magistrat um schleunig st e Ausschreibung Zur Neuregelung der KteingebackpOeise. Rückgang des Ärot- und Gebäckumsahes.- Kartoffeln und Obst bevorzugt. Das Groß-Berliner Bäckergewerbe sah sich kürzlich in einer Be- sprechung mit Vertretern der Presse veranlaßt, die Oesfentlichkeit nochmals über die Gründe für die Umstellung der Preise für Klein- gebäck von 2% auf 3 Pf. aufzuklären. Obermeister G r ü ß e r und Generalsekretär G ö t s ch beschäftigten sich in längeren Darlegungen mit der Lage des Bäckergewerbes. Sie oerwiesen darauf, daß im Vergleich mit 1S13 der Umsatzrückgang an Mehl 35 Proz. betrage, daß auf der anderen Seite das Steigen der Mehlpreise um 46 Proz. und die Verteuerung der Produktionskosten seinerzeit«ine Verkleine- rung der Schrippen um zirka 45 Proz. notwendig gemacht habe. Mit Rücksicht auf die dadurch bedingte 35prozentige Mehrbeschäftigung von Arbeitskräften und zur Steigerung des Mehlum f a tz e s habe man den Preis für das Kleingebäck entsprechend um- gestellt, um so mehr, als bei dem stark erhöhten Wassergehalt des Mehles diesjähriger Ernte aus fachtechnischen Gründen die H«r< stellung des kleinen Gebäcks unmöglich fei. Di« schlechte Wirtschafis. löge des Gewerbes, dessen Verschuldung stark gestiegen ist, sei nicht zuletzt auf den Rückgang des Brot- und Gebäckumsatzes zurückzuführen. Eigenartigerweise habe man nach dem Gewichts rückgang keinen Mehrverzehr feststellen können. Der Rückgang des Brotumsatzes betrage gegenüber 1913 rund 19 Proz., und zwar in der Hauptsache infolge stark erhöhten Kartoffel- k o n s u m s, dann aber auch infolge Steigerung des Obst- n b f a tz e s und des Verbrauchs von Nährmitteln, deren Produktion sich gegenüber dem Jahr« 1913 um 75 Proz. erhöht habe. Di« grundsätzliche Auffassung, daß nur ein« Steigerung des Mehlabsatzes eine Besserung für das Bäckergewerbe bringen könne, habe die Um- stellung des Kleingebückpreises" vsranlaßt. Genosse Curt Baske verunglückt. Ein bedauerlicher Unfall ist gestern nachmittag dem 63jährigen Staatssekretär a. D. Genossen Curt Laake, Vorsitzender des V o l k s b ü h u e n v e r b a n d e s und des Arbeiter- R a d i o- B u n d e s, zugestoßen. Er kam beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Haufe Bellevuestraße 6 in unmittelbarer Nähe des Kemper-Platzes aus dein schlüpfrigen Asphalt so un- glücklich zu Fall, daß er sich einen schweren Bruch des liRken Oberschenkels zuzog. Der Verunglückte wurde zur naheliegenden Rettungsstelle in der Eichhornstraße und von dort in das E l i sa b e t h- K ran k en h a u s gebracht. Wir hoffen, daß Genosse Baake den Unfall gut und bald überstehen wird. Ein Blindenlesezimmer i« Charlottenburg. Im schönen Lesesaal der Stadtbücherei Eharlotten- bürg fand kürzlich die Einweihungsfeier eines Blindenlese- Zimmers statt.'Nach kurzen Begrüßung sworten von Verrretern des Berliner Magistrats und des Bezirksamts Charlottenburg führte die Leiterin der Bibliothek, Frau Nürnberg, aus, daß Char- lottenburg der erste Berliner Bezirk fei, der ein solches Lesezimmer eingerichtet habe. Hoffentlich folgen bald weitere! Von den 34 in Deutschland in Blindenschrift erscheinenden Zeitschriften werden nicht weniger als 22 ausliegen. Daneben aber sollen möglichst bald auch L o r l e s e st u n de ii eingerichtet werden. Vortreffliche musikalische Darbietungen der Konzertsängerin Ursula W a e cht e r und der Lehr- lräste der Volksmusikschule schloffen die Feier, der zahlreiche Blind« beiwohnten. Das Lesezimmer selbst macht einen freundlichen und luftigen Eindruck und wird sicher vielen blinden Besuchern eine Stätte der Anregung und Erholung fein. I«. Jahrestag der Balfour-Deklaration. Die Berliner zionistische Bereinigung hatte am Sonntagvormittag in den Bachsaal zur Feier der zehnjährigen Wiederkehr der Baliour-Deklaration geladen. Der Saal war mit den Nalionalfarben, auf blauweißem Gninde der goldene Sechs- stern, das ochild Davids, geschmückt. Die Anwesenden ivaren durch- weg Anhänger der Bewegung, denen die Begeisterung nicht schwer anzumerken war. Nach dem ersten Satz des Mendelssohns-Trios (Opus 49), das vom Wolfsthal-Trio gifl wiedergegeben wurde, eröffnete Herr Rofenberg mit dem Verlesen der Deklaration der englischen Regierung aus dem Jahre 1917, die von Sir Arthur James Balfour unterzeichnet ist, den Festakt. Er wies daraus hin, daß mit dieser Erklärung eine neue Epoche der zionistischen Lewe- gung geschaffen worden ist, sie trat dadurch aus dem Zustand der Iltapie in den der Realpolitik. Das jüdische Volk war mit einemmal nicht mehr Objekt der einzelnen Länder, sondern wurde wieder Sub- jekt der Weltgeschichte. Prof. Loebe erzähste dann in warmen Worten die Geschichte des Zionismus, die so all sei wie das jüdische Volk. Er erinnerte an den Kattowitzer Kongreß, der noch 13 Jahre vor dem Basler war, und begeisterte sich dann wieder an dem Basler� Kongreß und an dem Manne, der die geistige Triebfeder war: Theodor Herzl. Bemerkenswert war seine Ansicht, daß der Zionismus nicht aus Resignation vor dem Antisemitismus entstanden ist, sondern aus dem Willen zur Freiheit Eine Internationale für nationale Zweckel Daraus sprach Dr. Klatzkin in Hebräisch, was die meisten zu verstehen schienen. Dann entwarf Dr. Klee ein slaminendes Bild von Theodor Herzl, der dem Judentum feine Würde wiedergegeben hat, der das jüdische Volk aus dem Ghetto herausge- führt und zur produktiven Arbeit an der Welt aufgerufen hat. Dr. Nahum G o l d m a n n warnte nachher vor falscher Bewertung der Balfour-Deklaration,*die nichts mehr und nichts weniger bedeute als eine Chance. Was das jüdische Volt mit dieser nationalen Emanzipatiun anfange, sei sein« Sache. Die individuelle Gleich- berechtigung haben die Juden ja schon im 19. Jahrhundert erlangt. Das Risiko ist natürlich durch die Tatsache, daß Land da ist, erhöht. Kurt B l u m e n s« l d schloß die Reihe der Redner, die alle glänzende Dialektiker waren, mit der Geschichte der zionistischen Bewegung seit 1917. Cr verheimlichte nicht die Fehlschlüge. I. M. Wer ist schuld daran? Die Fraktion der D« u t s ch n a t i o n a l e n in der Stadt- verordnetenversammlung verbreitet ein Flugblatt, das groß und breit mit den Worten überschrieben ist:„Verelendung und Wohnungsnot! Wer ist schuld daran?" Natürlich die Sozial- demokraten! Beweis: Einige aus dem Zusammenhang ge- rissene Wort« August Bebels aus den neunziger Jahren und die j Arbeitsgemeinschast der Kinderfreunde Groß-Verlin RevoKutions-Feier am Sonntag, dem-13. November, vorm.-1-1 Ahr, in den prachffälen am Märchenbrunnen, a.Kriedrichshain 29.32 AUS DEH PROGRAMM: Semeinfames Lied/ Sprechckor/ Ge'angschoc/ Rückblick aus die Revolution(mit Lichtbildern)/ Unkostenbeitrag 40 ps. 10 Llhr: Besuch der Gräber der Revoluttonsopfer Treffpunkt 9,45 Uhr, Promenade Kriedenstraße, am Landsberger Platz eines neuen Projektes von 10 000 Kleinwohnungen ersucht. Diesen Antrag haben die Deutschnationalen nicht unterstützt._ Ein Osfiziersehrenwori. Drei Menschen fälschlich der Bestechung bezichtigt. Dem Fabrikbesitzer R. in Brandenburg a. d. Havel war zu OhrenHiekommen, daß sein Korrespondent Alsred R a b b e ein aus fallend Hohes Bankguthaben bei dem Brandenburger Bank verein besaß. Robbe hatte sein Sparbuch bei einem Sportiest verloren. In dem Buche waren Eintragungen von 100, 400 bis 1000 M. usw. verzeichnet. Bon dem Chef zur Rede gestellt, gab Rabbe an, daß er die Gelder von seinem Vater, einem pensionierten Waffenmeister in Frankfurt a. d. Oder, erhalten habe. Nachforschun gen nach dieser Richtung hin ergaben, daß die Angaben des Rabbe, der Reserveoffizier ist, nicht stimmen konMen. Der Fabrikinhaber nahm sich deshalb den Korrespondenten vor, und da gestand er unter Berufung aus sein Osfiziersehrenwort, daß die auf fein Sparbuch eingetragenen Beträge Schmier- gelber von Lieserantenvertretern gewesen seien. Danach befragt, wer die betreffenden Herren seien, nannte Rabbe drei Angestellte der Firmen Nordstern und Raven« Söhne. Flehentlich bat Rabbe, keine Strafanzeige gegen ihn zu erstatten. Der Chef sicherte dies zu, machte aber als Mitglied des Vereins gegen das Bestechiingsunwesen dem Verein von dieser Angelegenheit Mitteilung. Der Verein erstattete nun gegen die drei Herren der Eisenfirmen, die Schmiergelder gegeben haben sollten. Straf anzeige wegen aj t i o e r Bestechung. Im Verlauf des Verfahrens warf die Staatsanwaltschaft aber ein, daß man ohne Anklageerkennung gegen Rabbe nicht weiterkommen könne. So wurde auch gegen thn Strafantrag wegen aktiver Be- stechung gestelli. Es kam hauptsächlich daraus an, die Hinter- Männer dieser unsauberen Schmiergeldcraffäre kennenzulernen, zu- mal Rabbe durch seine Tätigkeit großen Einfluß aus Ossetten haben konnte, er konnte Offerten verschwinden lassen u. a. m. Der Fabrik- inhaber stellte jetzt die Anklag« gegen alle vier, und vor dem Brau- denburger Schöffengericht machte Rabbe plötzlich einen Zirrückzieher und erklärte, daß. er die Gelder nicht von den drei Angeklagten erhasten, sondern sie erspart bzw. von seinem Vater erhalten habe. Die drei Angeklagten der Eisenfirmen wurden daraufhin freigesprochen und Rabbe zu 3000 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil hatte die Staatsamvastschast und Rabbe Be- r u f u n g eingelegt. Die Große Potsdamer Strafkammer hott« sich noch einmal mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Der Angeklagte nahm sein« Beschuldigungen gegen die drei zu- rück. Das Gericht nahm für erwiesen an, daß der Angeklagte Rabbe tatsächlich wider besseres Wissen durch Verpfändung seines Offiziersehrenwortes die drei Angeklagten der Bestechung beschuldigt hat. Sie wurden daher auf Kosten des Angeklagten Rabbe frei- gesprochen. Da ein rechtswirksamer Sthafanttaq gegen Rabbe nicht vorlag, wurde das Verfahren gegen ihn auf Staatskosten ein- gestellt. Da er aber die Anzeige gegen die drei Mitangeklagten wider besseres Wissen erstattet hatte, wurden ihm die Kosten sowohl der ersten als auch der zweiten Instanz auferlegt. Wirklich ein feiner Ehrenmann, der dem oftgerühmten Offiziers- ehrenkodex alle Ehre macht._ Rationalisierung der Kundenwerbung. Im Rahmen des Betriebswirtschaftlichen S e m i» n a r s an_ der Handels-Hochschule begannen Vorlesungen über das „Zeitungsstreu wesen". In seinen Begrüßungsworten wies Dr. A n d l e r vom Bildungsausschuß des Verbandes Deutscher Rellamesachleute auf die Notwendigkeit der Rationalisierung bei der Kundenwerbung hin. Danach ergriff Werbwort Weidenmüller das Wort. Er stellte fest, daß er in seinem Vortrag keinerlei Kritik an den Verlegern üben wolle, sondern überparteiisch nur auf die Rationalisterungsmöglichkeiten bei der immer wachsenden Bedeu- tung des Anzeigenteils der Zeitungen hinweisen wolle. Der Preffe- teil der Zeitung stehe nicht in unmittelbarem Verhältnis zu dem Anzeigenteil. Ja, sogar die Auflagezisfer sei für den Kundenwerber noch nicht einmal maßgebend. Der Kundenwerber muß versuchen, eine genaue Kenntnis der Leserschaft des Anzeigenteils seiner Zeitung zu bekommen. Von dieser Leserschaft kommen auch nur die„Bedürfer" seines Artikels für ihn in Frage. Es muß aber nichts immer ein bewußtes Kaufbedürfnis vorliegen, sondern das Bedürfnis kann auch durth die Anzeige in Erinnerung gebracht wer- den. Diese Art von Lesern nennt man die„Bedarser". Weiden- müller unterstrich besonders die Bedeutung des kleinen Anzeigen- teils. Er stellt die Einrichtung der kleinen Anzeige als die Voll- cndung von Zweck und Erfüllung dar. Die meisten Fachzeitschriften seien nichts anderes als ein Werbeorgan für den betreffenden Ver- lag. Die Tageszeitungen aber würden unpersönlich zu gleichen Teilen den Wünschen der Anbieterschaft und der Leserschaft gerecht werden Als Beweis führte er die steigende Ziffer der losen Blätter im Gegensatz zu den gebundenen, d. h. den Büchern an. Als ein« unbedingte Notwendigkeit zur Durchdringung der Kundenwerbung auf allen Gebieten und bei allen soziologischen Schichten, gab er die Einführung einer eigenen Terminologie der Anzeigen an. Nur mit einer solchen Terminologie wäre es möglich, das Zeitungsstreu- wesen mehr und mehr auszubauen und ihm neue Gebiete zu er- schließen. Dr. Andler dankte für den regen Besuch und bat um Mitarbeit der Presse bei den folgenden Vorträgen. „hier wird gebaut." Zu dem in der Sonntagsausgabe er- schienenen Artikel geht uns vom Hauswirt ein« Erwiderung zu, die aber in verschiedenen Punkten den Tatsachen nickt zu entsprechen scheint. Die Reparawrbedürftigkei: der Balken bezog sich aus schad- hafte Stellen in den unten gelegenen Räumen, nicht aber in der Wohnung im ersten Stock, wie dies aus dem durch den Mieter bei- gebrachten Sachverständigengutachten hervorgeht. Die zwei unbe- wohnten Stuben, dt« am selben Flur der Wohmmg liegen, haben beide direkten Ausgang nach dem Vorsaal. Die Forderung der Panei, ihr 4000 M. für ein Siedlungshaus zur Verfügung zu stellen, beruht auf einem ihr durch den Hausvermittler gemachten diesbezüglichen Angebot. Nach Angabe des Hauswirtes wurden den Mietern durch'hn sechs verschiedene Wohnungen angeboten, von denen er die geeignete durch Zahlung des Abstandes erwerben wollie. Außerdem hatte er ihnen eine Vierzimmcrwohnung in Charlotten- bürg und eine Sechszimmerwchnung in Steglitz zur Verfügung ge- stellt. Die Eingangstür vom Flur war, als der Berichterstatter recherchierte, nicht vorhanden. Fernsprechautomaten in Rcklamesäulen. Der vor einigen Wochen in einer Glasreklamesäule am Rollen- dorffplatz eingebaute Telephonauiomat hat beim Publikum großen Anklang gefunden? der Apparat hat eine besonders starke Benutzung zu oerzeichnen. Die Glaswände der Zelle sind sa stark, daß die Telephonierenden durch Geräusche der vorbeifahrenden Wagen nicht gestört werden. Infolgedessen sollen beim Auswechseln alter Reklamesäulen und bei Errichtung neuer überall Fernsprcch- automaten eingebaut werden, soweit nicht andere, für die Oesfentlich- keil wichtige Einrichtungen in Frage kommen Gegen Zugaben beim Absatz von Nahrun-'smitteln. Der Einzelhandelsausschuß und der Fachaus- schuß für Nahrungs- und Gcnußmittel haben in Uebereinstimmung mit der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Berlin folgende Erklärung einstimmig beschloffen: „Alle Zugaben beim Absatz von Nahrungsmitteln sind a b z u- lehnen, weil sie die Verbraucher über den wirklichen Wert der angebotenen Ware täuschen und irreführen. Der Einzel- Händler, welcher Wert darauf legt, seine gute Ware preiswert in den Verkehr zu bringen, kann keinerlei Zu- gaben, wie Zucker. Margarine, Tafelschokolade, Haushaliungs- gegenstände. Porzellan, Kaffeemaschinen und dergleichen gewähren. Jeder reelle Kaufmann wird, wenn er seine Ware billiger ab- geben kann, den Preis der Ware senken, und nicht durch Zugaben, die nicht ausschließlich Reklamezwecken dienen, das Preis bild verschleiern." Auch die Verbände der Verbraucher, des Nahrungsmittel-Einzel- und Großhandels, haben die B?r- braucherschaft hierauf aufmerksam gemacht und empfohlen, wo Warenzugaben solcher Art angeboten werden, im eigensten Interesse alle diese Warenzugaben zurückzu- weisen und statt dessen entsprechende Herabsetzung des Preises der gewünschten Ware oder den Gegenwert der Zugab« in bar zu verlangen. Ein falscher Vertreter des Reichsbundes der Mieter, ein ge- wiffer Schröder, betrieb mit Ausweisen des Bundes Schwinde- leien verschiedener Art, nachdem er wegen Unterschlagungen aus einer guten Stelle entlassen worden war. Leute, die auf seine Vor- spiegelungen nicht eingingen und sich kein Geld ablocken ließen, pflegte er zu bestehlen, ebenso die, die ihm Unterkunft gewährten. Ein Bestohlener ermittelte den Schwindler und Dieb jetzt in der Zeitzer Straße zu Neukölln und ließ Um festnehmen. Der Ertappte oersuchte sich mit Ausweispapieren, die er ebenfalls ge- stahlen Hot, aus der Klemme zu ziehen, hatte damit aber keinen Erfolg. Von dem unterschlagenen oder sonstwie erbeuteten Oelde besaß er nichts mehr. Kabarett Schwarzer Kater. Im Zentrum der Stadt, Friedrich- straße, hat ein neuer Tanztempel wiederum seine Pforten geöffnet. Man weiß zwar nicht, ob zu der Menschheit Wohl man dies Er- eignis rechnen soll, denn die Bedürsnisfrage nach Tanzdarbietungen weit unter dem Mittelmaß ist eigentlich und gottlob längst nicht mehr aktuell. Es ist das übliche Milieu derartiger AmüsierstStten. Ratternde, knatternde Jazzbandler. die unter Aufbietung physischer und psychischer Höchstspannung die öde Wüstenei wenigstens teil- weise zu bevölkern und in leise Schwingungen zu versetzen ve» suchen. An der Tür wachen mit Argusaugen Geschäftsführer, Con- ferenziers und die stattliche Kellnerschar, und ieder Eintretende wird mit einem Schwall von Liebenswürdigkeiten nach einem der vielen leeren Plätze bugsiert. Und dann die kleinen Mädchen.... Arm- selige, von tänzerischem Geist völlig unbeschwerte Wesen, die nach irgendeiner wüsten Melodei Beinchen hoch, Mäulchen auf mimen. Sie erscheinen des öfteren, in mehr oder minder bedecktem Zustand«, flankiert vom Haustenor, der den jeweiligen„Schlager" als Von- fänger und Tänzer erst im Solo, dann im Chor mit der holden Weiblichkeit zu Gehör bringt. Das Ganze nennt sich, nach bewähr- tem Muster,„Revue". Billige Fischlage. Zu einem billigen Fischverkans von Dorm er« tag bi« Sonnabend werden angeboten: Frischer Zander tl— 2 Pfund schtverl, pro Pfund 60 Pf., frische grüne Heringe pro Pfund 30 Pf., lebende Karpfen pro Pfund 120 Pf., lebende Hechte pro Pfund 110 Pf. Die Berkaussstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Lezirk,bildungsou»schuff Groß-Serlia. Nächste Theatervorstellung am Sonnlag. dem 4. Dezember, nachmittags.1 Uhr, tm Staatlichen Schiller- tbeater, Eharloitenburg. Zlusgesührt wird»Ein besserer Herr', Luslfpiel von Hascnclcver. Pieis der Karte 1.20 M. Karten find in allen bekannten Berkaussstellen und im Bui eau des BezirkSbildungsauSschuffcS, Lindenstr. 0, 2. Hof II, Zimmer 8 zu kmbcn.— Sternwarte Treptow: Karten zum er- mägigten Preise von 00 Ps. für alle Plätze find im Bureau des Bezirks- bildirngSausschuffeS zu haben. Freie sozialistische Hochschule. Der nächste Portrag findet am kommenden Sonnabend, dem 12 November, 19'/, Uhr, im großen Saal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Strotze 3, statt. Genosse Naiionalrat Reinhard-Bern spricht über das Tbema:„Psychologische Probleme der Arbeiterbewegung'. Karten zum Preise von 50 Ps. find an folgenden Stellen zu haben: Bureau des BezirtsbUdungSausschusses, Lindenstr. 3. 2. tz. I, 2 Tr., Zimmer 8; Buiti Handlung I. tz. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2; Verband der graphiichen Hilfsarbeiter, Ritlerstratze, Ecke Luilenuser: Zigarrengeschäst Horich, Engeluser 24i2S: Berliner Gewerklchastskommifslon. Engeluser 24(GewerkschaslSbaus>: Verlag deS Verbandes der Tenlichen Buchdrucker, Dreibundstr. 5; Tabakvcrtrieb, Jnlelstr, 0:„Verksreude-Büchcr- stuben, Potsdamer Str. 104, sowie in allen Vorwärtsspedilionen. Proletarische Feierstunde. Am Sonntag, dem 20. November(Toten- tonntag), vormstlags 11 Uhr, findet im Gropen Schauspielhauie eine Proletarische Feierstunde statt. Der Sprechchor svricht das„Requiem" von Toller, außerdem wirken mit das Berliner Sinsonicorchester unter Leitung seines Dirigenicn Emil Bohnte. Einzelsprecher vom Slaalslhealcr. Karten zum Preise von 1 M. find in allen bekannten Berkaussstellen und im Bureau deS BezirksbildurigsauslchusskS, Lindenstr. 3, 2. Hof II, zu haben. Ver Sprech- und Bcwegungschor der volksvühne Berlin veranstaltet am Donnirstag. drm 17. November, 20 Uhr, im Künstlerhaus, Bellcvue- straße 3,«wen Werbeabcnd. Zu den Bkouopol-Qchllpleleii. Petersburger Str. 20, läuft zurzeit die neue Ausgabe der Volkswochenschau. Diese bHngt in ge- wohnter Reichbalttgkeit und Aktualilät Aufnahmen von der Werkstoffschau am Kaiferdamm in Berlin. Bilder von der Wirbelilurmkatastropec in Polen: sie»«igt in bunter Folge Ausnahmen von den neuesten Flugzeug- und Schiffsmodellen, Bilder aus der Schweiz. auS Italien. Frankreich und England— interessante Tierausnahmen und vieles andere mehr. Elllc-SSnger. In ihrem Novemberprogramm bringen die Elite-Sänaer au» dem Leben Franz Schuberts c!n Liederspiel. Schwämme rl' von Max Horst und einen schwank von M. R c i n h a r d t:„Je oller— je doli et'. Beide Stücke fanden großen Beifall. Zlus dein voibcr- gegangenen Programm galt als ausgezeichneter Basfist in ieiner Charaller. izene„Der Fremdenlegionär' Eugen Becker. Als guter Humorist gefiel Erich M a t t i n r. Wie immer halten großen Erjolg S ch o r s ch R« s« l I t uud AlsonS Borncmann, letzterer in feinem Original- Schlager„Wellmeister des SporlS 1927". Wetterbericht der öffentlichen wetterdieufistell« Berlin uud Umgegend (Nachdr. verb.) Weiterhin trübe mil einzelnen Rcgenfäll.n. Temperaturen nichts wesentlich verändert.— Jür Deutschland: Im Südosten noch'ehr milde, im Süden Ablühlung. trübe und regnerisch Im Noidosten keine Aendeiuna. Im Nordwesten meist wolkig biS timbc. kühl mit emzelnen Niederschläaeii. aUt • Das ideale QCm A bführ-Konfek! Matberatunaen in den Bezirken. 1. Bezirk.— ZNikle. Die Bezirksversommlung beschäftigte sich in zwei Sitzungen am ?8. Oktober und 2. November mit der 1. Lesung der Bedarfsan- soiderung für 1928 und mit der Erledigung einiger Anträge und Vorlagen. Bei der Beratung des Antrages auf Einführung der freien Aerztewahl für die W o h l s a h rt s k o m m i s- f i o n e n versuchte der Redner der KPD. durch e'ne große Agitations- red« den Eindiuck zu erwecken, als ob seine Fraktion irgendeinen Gegner in der Frage zu bekämpfen Hobe. Von unserem Redner wurde festgestellt, daß es über diese Frag« gar keinen Streit gibt. Bei der Einrichtung der Eheberotungsstelle im Bezirk wurde die Einstellung einer auf sozialem Gebiete erfahrenen Kraft verlangt. Die Bedarfsanforderung für 1928 wurde durch Stadtrat Dr. Voigt erläutert. Die Forderungen unserer Partei wurden vom Genossen Riese vertreten. Vor allen Dingen wurde darauf hingewiesen, daß man bestrebt sein müsse, für«ine bessere und schnellere Unterbringung der Woh- nungsuchenden Sorge zu tragen. Durch den Bau der Unter- arundbahn und andere Baupläne gehen dem Wohnungsmarkt im Beziik Mitte etwa SlXI Wohnungen verloren. Für diese muß Ersatz geschaffen werden. Ein« Verteuerung der M'ete darf nicht in Frage kommen. Da es im Bezirk an größerem Baugrund für Wohnungs- zwecke fehlt, muh in anderen Bezirken für die Wohnung- suchenden des Bezirks gebaut werden. Auch für Erholungs- zwecke muß mehr aufgewendet werden, da an Spielplätzen in der Innenstadt ein großer Mangel besteht. Nachdem auch die Vertreter der anderen Parteien ihre Wünsche vorgebracht hatten, wurde der Haushaltsentwurf dem Ausschuß überwiesen. 2. kreis.— Tiergarten. Die Bezirksverfammlung nahm Stellung zu der Bedarfsanmel- dung für 1928. Genosse Schlegel gab den Bericht des Aus- schusses. In der Diskussion macht« der Redner der Deutfchnationalen Pohl imeressante Ausführungen. Er erklärte, Berlin könne die not- wendigsten Berpflichhingen nicht erfüllen, weil„zu viel Geld für überflüssige Dinge" verausgabt werde. Auf Befragen erklärte dieser sonderbare Kommunalpolitiker sür„überflüssig" die Ausgaben für städtischen Grunderwerb und für die Messe. Dagegen wünschte er, daß mehr Mittel für Wohlfahrt bereitgestellt werden und hielt auch die Ansätze für Tuberkulose- iürsorge für ungenügend. Hoffentlich erinnert er sich auch bei den städtischen Haushaltsberatungen an diese Ausführungen. Bekannt- lich haben die Deutschnationalen im vorigen Jahre den Etat ab- gelehnt, weil ihnen die Ausgaben für Wohlfahrt und Fürsorge zu hoch erschienen! Die K o m in u n i st e n er- klärten irnter den üblichen Dorwänden den Etat für u na n n e h m- aar. Neu war das Argument, daß ein für die Rote Hilfe ge- iardertcr und abgelehnter Betrag der Unterstützung von Streiks diene» sollte. Genosse Schlegel wies darauf hin, daß es für gewerkschaftlich denkende Menschen doch keine Meirarngsverschieden- heit darüber geben könne, daß die Unterstützung von Streiks Sache der Gewerkschaften sei, und nicht irgendwelcher Vereine. Er kriti- iierte dann die Aufstellung des Etats, insbesondere mit Bezug auf das Krankenhaus Moabit, und die Haltung des Bezirks- aintes, die ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit der Vor- sammlung»mnöglich mache. Besonders auf einen Vorgang mußte näher eingegangen werden. Im Haushaltsausschuß hatte Genosse Schlegel erwähnt, daß in der inneren Verwaltung des Kranken- Hauses vieles unzweckmäßig erscheine. Bereits am nächsten Tage verbreitete der Hausvater N o g l e r im Krankerchause das Gerücht, f} sei ein Brief des Be>irksverordnete» Schlegel eingegangen, in dem er den„Abbau von Tarispersonal" fordere. Der Betriebsrat bat den Verwaltungsdirektor um Einsicht in den Brief und erfuhr Hbsiverständlich, daß ein solcher Brief gar nicht vorhanden war. Dagegen sei telephoniich vom Bezirksamt mitgeteilt worden, daß Genosse Schiegel im Zlusschuß die innere Verwaltung des Kranken- Hauses beanstandet habe. Bürgermeister Doflein gab zu, daß er selber die Mitteilung an das Krankenhaus gemacht habe. Das Verhalten des Hausvaters Nagler mißbillige er. Genosse P ä r s ch gab die Erklärung ab, daß uns die Ausführungen des Bürger- meisters nicht genügen. Wir hallen es für durchaus unzulässig, daß Ausführungen, die in Ausschüssen gemocht werden, m i t Namensnennung weitergegeben werden, und wir halten es für besonders bedauerllch, daß der Bürgermeister selbst eine solche Indiskretion begangen hat. Selbstverständlich wird jeder Bezirks- verordnete zu seinen Ausführungen stehen und gern Gelegenheit nehmen, sie in der Oeffenrtichteit zu wiederholen. Wenn sie aber ohne sein Wissen von dritter Seite weitergegeben werden, gibt das nur Anlaß zu unsinnigen oder böswilligen Gerüchten, wie es im vorliegenden Fall« bewiesen ist. 7. Bezirk.— Charlottenburg. Am 19. Oktober wurde der Bezirksoersammlung d e r C t a t vor- jjelegt, am 2. November ist er verabschiedet worden. Beide « i tz u n g e n oerliefen bis auf gelegentliche kommunistische Ent- gleijungen glatt und sachlich. Zwei gründlich vorbereitete Schul- fragen wurden schnell erledigte die Friesen-Realschule in der Kam- miner Straße wird endlich zur Oberrealschul« ausgebaut, und die Sophke-Charlotte-Schule crhäll«inen Ausbau ihrer bisher zwei- jährigen Frauenschule zur dreijährigen Frauenober- schule. Das sind Maßnahmen aus dem großen planwirtschoftlichen Programm der Zentrale: die Haushaltsberatungen haben noch weitere Forderungen zum Beschluß erhoben: den Ausbau der Realschule an der Herder-Schule zur Oberrealschule, den Abbau der Realschule am Mommsen-Gymnasium, den Umbau der Kaiser-Friödrich-Schule zu einer einheitlichen Schulform und schließlich noch den Ausbau der Königin-Luife-Schule zur Vollanstalt. Die Unterstützung der Man- tcuffelschen Mädchen-Mtttelschule wurde abgelehnt, die des Mittel- städtschen Lyzeums bis zum 31. März 1929 befristet. Mit dein 1. April 1929 wird in Charlottenburg kein Privatlyzeum mehr städtische Unterstützung genießen: die ehemals Klockowsche Schule ist ja seit dem 1. Arpil d. I. städtisch. Demnächst wird als weitere Etappe der Berliner Schulreform der Ausbau der Volksschulen in Angriff genommen werden, auch auf dem Gebiet des Fach- und Berufsschulwesens geht es voran. Bei der Verab- schiedung des Haushalts ist weiter bcchlossen worden, sämtliche Schulhausmeister, die Schreibhilse leisten oder klein« Reparaturen be- sorgen, nach Gruppe V zu bringen. Abgelehnt wurde der Slntrag, die Reinigungsfrauen als städtische Arbeiterinnen tarifmäßig zu ent- lohnen. Für eine gemeinsame Lerfassungsfeier sind pro Schule 2ö M. eingestellt worden. Der Schutetat im Zusanimenhang mit der Gesamtetatsberatung nahm zwei große Ausschußsitzungen in An- spruch, die erst in mitternächtlicher Stunde endeten. Im Plenum gelang eine verhältnismäßig rasche Verabschiedung. Die Zentrole hatte der KPD. Anträge auf Foliobogen geliefert, die dann Pflicht- schuldigst, in Streifen geschnitten, vorgelegt wurden. Und da die meisten am falschen Platze oder schief formuliert waren, verfielen sie der verdienten Ablehnung im Ausschuß und im Plenum. All- mählich läuft sich dies« reine Lufterschütterung»- Politik tot; es ist zu bequem, immerzu Ausgaben zu fordern, und die Einnahmen sollen dann vom Himmel fallen. Diese Situation wurde der KPD. bei der Beratung am 2. November scharf vom Vor- sitzcnden der Fraktion vorgehalten. Genosse Kawerau erklärte, die SPD. müsse es ablehnen, mit einer Partei über proletarische Ge- sinnung zu rechten, die jüngst erst K n ü p p e l- K u n z e H i l f s- st e l l u n g im Berliner Raihaus geleistet und die bei allen wichtigen Fragen der Rechten den Steigbügel gehalten haben. So hatte denn die KPD. den willkommenen Vorwand zur Etatsableh-nung. Von Wichtigkeit waren bei der Etotsberatung noch einige Verbesserungen in Sachen Straßen- und Brückenbau. Es wurden für Instandsetzung des„Schwarzen Weges"(von der verlängerten Keplerstraße zum Königsdonim) 26 900 M. auf unser Drängen«in- gesetzt. Ein Antrag auf Bau von Kleinwohnungen wurde einstimmig angenommen. Aehnliche Einmütigkeit fand ein Antrag auf Erhöhung des Personals.für Straßcnreinigung. Eine Rate zum Bau eines Bolkshauses würde im Ausschuß bewilligt, im Plenum aus Antrag der Mitte wieder abgefegt. So wurde der Bezirksetat für 1928 verabschiedet Sind auch den Bezirken keine grundsätzlichen Ein- Wirkungen gestattet, so ist doch die Besprechung der gesamten Bezirks- arbeit im Angesicht der Beamten von großer grundsätzlicher Bedeu tung. Auf diese Genervlkrittk soll und darf nicht verzichtet werden. Einige Verkehrsfragen nahmen am 19. Oktober noch das Interesse in Anspruch, so die Ausgestaltung der Charlottenburger Chaussee, auf der die elektrische Straßenbahn nicht verschwinden darf, und dann die Angelegenheit der Charlottenburger Schloßbrücke. Seit vielen Wochen ruht die Arbeit: Im Fundament der Südseite zeigen sich schon Risse: Stadt und Unternehmer streiten sich über die Verant- wortung und Kostenfrage, streiten sich'über die nun anzuwendende Technik— und die Charlottenburger dürfen warten. Das Bezirksamt hatte von der Zentrale die Auskunft erhalten, die Stadt würde eventuell selbständig vorgehen— aber geschehen ist bisher noch nichts. Am 2. November gab es nach der Etatoerabschiedung eine lebhafte Flaggendiskussion. Bürgermeister A u g u st i n hatte am. 23. Oktober der Einweihung eines Erinnerungsmales für gefallene Reserveoffiziere vor dem Landwehrkasino am Zoo beigewohnt, einer Feier, bei der ostentativ die Reichsfarben nicht gezeigt wurden: eine alte preußisch« Kriegsslagge mußte die Verlegen- hettsdekoration abgeben. Er hatte das Denkmal in Obhut der Stadt genommen: jetzt versuchte er die Angelegenheit als eins Privatsache darzustellen. Das gelang ihm gründlich daneben. Genosse Kawerau, der die Anfrage begründete und nachher die Haltlosigkeit der Ent- schuldigung aufzeigt, fand vorsichtige, aber bestimmte Unterstützung bei der Mitte. Die KPD. hielt ein« ihrer würdelosen Flaggenredcn, die ihr früherer Vorsitzender und jetziger Hospitant Hasse halten durfte. Keiner beachtete diese Leistung� Der Bürgermeister aber sah einem betrübten Lohgerber nicht unähnlich. Er wird sich eine Lehre nehmen: denn die Mehrheit der Charlottenburger Bevölkerung steht jedoch nicht unter Schwarzweißrotl g. Bezirk.— Wilmersdorf. In der Sitzung der Bezirksverfammlung am 2. November wurden die Haushaltspläne für 1928 von den bürgerlichen Parteien en bloc angenommen— ohne Aussprache, gegen die Stimmen unserer Genossen und der Kommumsten. Unsere Bezirks- verordnete» hatten im Haushaltsausschuß bei den Kapiteln „Schulen", sowie„Wohlfahrts-, Gesundheit?- und Jugendpflege" ver. schiedene Anträge gestellt, um der gesamten Bedarfsnachweisung«in sozialeres Gesicht zu geben. Dort hatte man die meisten unserer Anträge abgelehnt, und im Plenum verhinderte man durch On-dloc-Annahme die Aussprache über unsere Anträge. Unsere Genossen nagelten das durch eiire ent- sprechende Erklärung fest.— Vorher gab es einen scharfen Zu- sammenstoß zwischen den unseren und den Deutschnationalen gelegentlich eines demokratischen Antrages auf Ausschmückung der Sch ulfe st räum« bei nationale» Feier» mit schwarzrotgoldenen Reichsflaggen, zu dem wir den Zusatzantrag auf Beschaffung je eines Bildes des ersten und zwei tenReichspräsidentenfüralleSchulen des Bezirks gestellt hatten. Die hämischen Ausführungen der Deutsch- nation rlen, der Antrag sei geboren aus dem Bestreben, für Schwarz- rotgold Propaganda zu machen, die eigentliche Reichs- flagge sei Schwarzweißrot mit der Gösch, der gegen- wärtig herrschende Dualismüs verbiete, den Flaggenstreit in die Schulen zu tragen. Ebert habe fein Amt nicht aus den Händen des Volkes, sondern nur von der Nattonaloersammlung empfangen, daher sei der erste, wirklich vom Volke gewählte Reichspräsident Hindenburg usw., wurden von unseren Genossen mtt sachlicher Schärfe zurückgewiesen. Es wurde von unseren Rednern namentlich daraus hingewiesen, daß angesichts der planmäßigen Ver- hetzung der Schuljugend von gewisien Seiten her auch die kommunalen Körperschaften die ernste Pflicht hätten, für die staäts- bürgerliche Erziehung der Kinder zu sorgen: und das geschehe, indem ihnen Achtung vor den verfassungsmäßigen Symbolen beigebracht werde und namentlich das Bild des ersten Reichs- Präsidenten, der unter Hintansetzung seiner parteipol tischen Ein- stellung durch die Stürme der Nachkriegsjahre das Steuer des Reiches gelenkt habe— zum Wohle der gesa inten deutschen Be- völkerung—, der Jugend immer wieder vor Augen geführt werde. Hierdurch soll kein Personenkultus getrieben werden, sondern das Bild eines wahren Bolksniannes soll der Erziehung der Kinder des Volkes zu wertvollen Mitarbeitern der Volksgesamtheit dienstbar gemacht werden.— Schließlich wurden die beiden Anträge einem Ausschuß überwiesen und der Rest der Tagesordnung im Hin- blick auf die vorgeschrittene Zeit vertagt. 32®� yidhendf�Erinnerung an die (D'Jagc diese 6 Tage und Nächte im Sport* Ir\ palast werden Tausende noch nach Jahren denken./ Wer plötzlich eine ungewöhnliche Bekanntschaft macht, erinnert sich später gern aller Einzelheiten der ersten Begegnung./ Das Erlebnis dieser Tage, die Erinnerung an sie heißt: Massary-Privat Und die Erkenntnis, die wir mit in den Normaltag nehmen; istTalak!( Urteilen Ifl. Bezirk.— Zehleadots. Am S. November tagte nach längerer Pause wieder e'unnal unser Bezirk-parlament mit einer recht wenig versprechenden Tages- orbrtung. An Stelle der nach Friedenau verzogenen Genossin Drescher wurde Genosse Oskar W i r t h- Dahlem als Bezirks- verordneter eingeführt. Es folgte die Wahl eines Schiedsmannes für den Bezirk Dahlem, ferner stimmte die Versammlung einigen Vor- logen lilwr Aeitvernng des Fluchtlinienplanes in Wannse« und �(■Hiendorf zu. Vom Verkehrsausschug wurde ein Antrag, der sich mit der besonders unangenehmen Gesahreirstelle in der Haupt- und Berliner Straße befaßt, erneut besprochen und das Bezirksamt ersucht, die erforderlichen Mittel anzufordern. Sollten diese unbedingt nötigen Ausgaben wieder verweigert werden, so trägt der Magistrat die Verantwortung für die Gefährdung von Menschen- leben an dieser gefährlichen Ecke. In einem Bericht des Ausschusses für die Errichtung von Kleinsiedlungen wurde das Bezirksamt ersucht, church Umfrage an die Parzellenbesitzer sestzustellen, wiemele von diesen die Absicht haben, massiv zu bauen, ferner, wie hoch sich die Re- gulierungskosten belaufen. Der Haushaltsplan, der recht verspätet in einer Ausschußsitzung durchgesprochen war, wurde fast ohne weitere Aussprache en ble>c angenommen. Ein Antrag, der den Stadtschulrat ersucht, bis zum 30. November Bericht zu erstatten über die zukünftige Gestaltung der Schulverhällnisse des Bezirks, wird mit sieben Stimmen der Deutschnationalen gegen sieben Stimmen der Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten abgelehnt. Der deutschoolksporteiliche Vorsteher enthielt sich zur Freude der Deutsch- nationalen der Stimme. 13. Bezirk.— Tempelhos. In der Bezirksversammlung am 2. November wurde die Be- darfsanmeldung sür de» Haushaltsplan 1SZ8 verabschiedet. Der Vorsitzende der Versammlung, Genosse Bürge m ei st er, erstattete Bericht über die Beratungen des Haushaltsausschusses. In der folgenden Generaldebatte, die wieder Genosse Bürge- Meister eröffnete, wurde anerkannt, daß im verslossenen Jahre Nennenswertes für den Bezirk geschaffen sei, wie der Schulhaus- Neubau auf dem Tempelhofer Felde oder die Verlängerung der Nord- Süd-Bahn. Bedauerlich sei, daß der Bezirk mit seinen 70000 Einwohnern noch keine Badeanstalt habe. Noch mehr wurde beklagt, daß der Bezirk ohne Krankenhaus fei, obwohl ein idealer Platz dafür vorhanden sei. Der Stadtarzt mußte zugeben. daß es außerordentlich schwer sei. Kranke in Britz oder Lichterselde unterzubringen. Auch dos künstige katholischeKranken- Haus könne daran nichts ändern.— Die vorgeschlagene Reorganisation Groh-Berlins bezeichnete der Redner als undiskutabel, wenn er auch dem zustimme, daß der Verwaltungskörper eingeschränkt werden könne. Angenommen wurden folgende von der SPD. gestellten Anträge: Neubau eines Postgcbäudes in Moriendorf und dreimalige Bestellung in diesem Ortsteil.— Der Neubau eines Krankenhauses mit Entbindungsheim ist mit aller Energie zu betreiben.— Das Polizeirevier Martendorf ist in eine zentrale Lage des Ortsteils zu verlegen.— Der Ausbau der Cschersheimer Straße ist vorzubereiten.— Die fluchtlinienmäßige Ausweisung der R o h d e st r a ß« und Anlegung einer vrovisortschen Gehbahn ist vorzunehmen.— Auf zweigleisigen Ausbau der Linie 52 ist hinzuwirken.— Allen Schulen ist ein Bild des ersten Reichspräsidenten auszuhändigen. — Für Lichtenrade-Nord sind die Vorarbeiten für ein« Schule in Angriff zu nehmen.— Für Mariendorf(Markt) ist eine Bsdürfnisvollanstalt in Aussicht zu nehmen.— Abgelehnt werden die Anträge der SPD., die Einrichtungen des Vaterländischen Frauenvereins in städtische Regio zu übernehmen. Ferner werden die von anderer Seite ae- stellten Anträge angenommen: Die„A b o a g*- L i n i e Steglitz — M a ri e ns eld e bis zum dortigen Bahnhof zu verlängern.— Das gesamte Berliner Aufkommen aus der Hauszins st euer soll für die gesetzlich vorgesehenen Zweck« Verwendung finden. Di« städtischen Volksbüchereien sollen von st« u« r wen.—> en Büchern befreit werden, die den Monarchismus und Militarist m u s verherrlichen. Die Linke hatte dabei«ine Zufall»- Mehrheit, da«in Teil der Rechten im Erfrischungs- räum war. Die Unterstützungssätze sind um SO Proz. zu erhöhen. — Di« unentgeltlich« Kohlenlicferung an Unterstütziingsberechtigte soll künftig monatlich drei Zentner betrogen.— Für Klein- gärtner soll geeignetes Gelände angetauft werden. um dieses für Dauerkleingärten auszuweisen. Noch einer Rede sch lacht von fast vier Stunden kamen noch acht Vorlagen zur Erledigung, die bei der allgemeinen Abspannung fast reibungs los, zum Teil in nichtöffentlicher Sitzung, Zustimmung fanden. Bezirtsverband Berlin GPO. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Am(Sonntag, dem 13. November 1922, vormittags 11 Uhr, im„Mercedea-palast" in Neukölln,.Hennannstraße: Revolutionsfeier verbunden mit parteiweihe Gesang/ Film/ Sprechchor/ Rezitation Ansprache: MaxWestphal Eintritt 30 Pfennig.— Kahrverdindung: Untergrundbahn Station Boddtnstraße. 14. Bezirk.— Neukölln. In der letzten Bezirksoersammlung war der wichtigste Teil der Tagesordnung die Beratung und Verabschiedung des Bezirks- Haushaltvorschlags für 1918. Genosse Stadtrat Radtke erläuterte ihn ausführlich. Er schilderte die Bemühungen des Be- zirksamts, dem vorliegenden Bezirksetat ein möglichst starkes s o- z i a le s Gepräge zu verschaffen. Zugleich verwies er auf die zu erwartenden neuen Belastungen des Haushalts, die durch die In- zwischen erlassenen Reichsgesetze über Arbeitsvermittlung und Ar- beitslosenverfichcrung und zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten zu erwarten feien, ohne daß diesen Ausgaben entsprechende Mehreinnahmen gegenüber ständen. In der Aussprache über den Haushaltsentwurf sprachen, jeder für sein« Gruppe, cm„rechter" KPD. Man» und«in„linker" Kommunist, jeder als der„einzige" und richtige Vertreter von Arbeiterintcrefsen. Beide suchten sich zu überbieten im Kamps gegen das sozialistische Be- z i r k s o m t und die hinter ihm stehende sozialdemokratische Frak- tion. Auch in den Anträgen zum Ctatsentwurs liefen sich beide Richtungen gegenseitig den Rang ab. Einer forderte immer Un- möglicheres als der ander«. Und alles angeblich zu Nutz und From- men der minderbemittelten Bevölkerung Neuköllns.(I) Unser Red- ner hielt ihnen den Spiegel vor. Er warf mit Recht die Frage aus: „Was ist denn nun wahrhaft kommunisti sch?" Den Neuköllner Bezirksetat ab.zulehnen, der doch von einem sozialistischen Bezirksamt zur Annahme empfohlen wird, oder sich der Stimme zu enthalten, wie es die KVD. im Bezirk Wedding gegenüber dem ebenfalls von einem sozialistischen Bezirksamt vorgelegten Haus- lialtsooranlchlag getan hat, oder wie im Bezirk Prenzlauer Berg, wo die KPD.-goaktion dem vom sozialistischen Bezirksamt.zur An- nähme empfohlenen Bezirksetat.zustimmte. Mit unseren Stimmen und der Mehrheit der Neuen Fraktion(Mittelparteien) wurde dem Voranschlag für 1928 zugestimmt. Noch der Verabschiedung des Etats nahm die Bezirtsoersammlung noch einmal Stellung zum Projekt: Bersuchsslughasen auf dem Britz er Ge- lande. Nach längerer Debatte wurde festgestellt, daß das L«- Ärksamt sowohl wie die Bezirksversammlung ihren ablehnen.« den Standpunkt aufrechterhalten und sür die Errichtung des Vcr- suchsflughafens in Britz n i ch t zu haben sind. 15. Bezirk.— Treptow. Der Vorsteher Genosse Strieder führte zunächst den Be- zirkeverordneten Genossen Otto L i e d« l ein. Der Versammlung wurden die Erfolge der Bezirksverwoltung in Johannisthal«? Angelegenheiten mügeteilt. z. B.: Verstärkung des polizei- l i ch e ,, Schutzes, Oejfnung des Bahnausganges auch während der verkehrsschwachen Zeit und Verlegung eines Feuermelders. Unter ollgemeiner Heiterkeit erfuhr die Versammlung, daß der bis-' her ige Vorsitzende der KPD. aus der KPD. ausge- i e d e l> ist. Seit wenigen Wochen ist dies der dritte u s t r i t t aus der KPD. Genosse Stadtrat Mermuth teilte bezüglich des verflossenen Schulstreiks an der weltlichen Schule in Oberschöncwcide mit, daß die von der KPD. in der Bezirksversamm- lung als auch der Stadtverordnetenversammlung gemachten Angaben über den Rauminhalt der einzelnen Klassen nicht stimmen. Bei einer nochmaligen Nachprüfung der Raumverhältnisse hat sich ergeben, daß vom Elternbeirat falsche Berechnungen zugninde gelegt worden sind. Für die baulichen Veränderungen im Feuerwehrdienstgebäude Alt- Glienicks wurden 1500 M. bewilligt. Di« Versammlung stimmte für der Erweiterung des Krematoriums in Baumschulenwcg zu. Der Fluchtlinienplan für das A dl er ge stell in Adlershof wurde fest- gelegt. Der Rechtsblock hatte beantragt, an verschiedenen Stellen Straßenbahnwartehäuschcn zu errichten. So u. a. auch in der Mitte der Straßenerweiteriing Wilhelmimmhof— Edisonstraße, genannt Königeplatz. Von unseren Genossen Neumann und Lüdke wurde empfohlen, die Vorlage zur Vorberatung an die Bau- deputalion zu überweisen, da es jedem Laien einleuchten müsse, daß auf dem sogenannten Königsplatz wegen der damit verbundenen Ge- fahren kein Wartehäuschen errichtet werden könne. Einträchtig lehnten Kommunisten und Deuts ch natio n ale unseren Antrag ab. Die Deutschnationalen hatten serner be- antragt, die„H u m b a l dt s chu l e" in Oberschoneweide in „fsindenburgschule" umzutaufen. Ein kommunistischer Redner erklärt« die Zustimmung der Fraktion zu dem Antrage, wenn zu gleicher Zeit«in« andere Schule de» Namen Thäl mannschule erhalte. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt. Unsere Alien. Genosse August N e tz« l, 50. Abt., begeht heute seinen 75. Geburtstag. 1883 trat er dem Fachoerein der Schraubendreher bei. Seit 1890 ist er in der Partei als eifriger Agitator tötig.— Genosse Heinrich Baum gart, Willibald- Mexis-Str. 19, vollendet heute sein 0 0. Lebensjahr. Vichrere Jahrzehnte in der Parteibewegung stehend, ist er heute nach trog seines Alters 2. Abteilungsleiter der 41. Abteilung und einer der regsamsten Funktionäre. KönlattraOe OlOTiitt Ol« o Wsan Ansabeta stahm Ihnan ab Oennerstaa zur Varftlauna l-Schriftllche Baatelhuisan kennen nicht beriicksichtlat werdenl Ar. 532* 44. Iahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oonnersiag,-10. November it927 Diktator Mhrenverband. Gin Kapitel Kartellpraxis. Die GriZniwag des Stahlwerks Mederrhein H.-9. zu dem Zwecke, die Großproduktion in Rohren aufzunehmen, war Zweifel- los eine bemerkenswert« Erscheinung. Das Werk war in großen Ausmaßen gedacht. Dem allmächtigen Röhrcnfyndikat sollte ein beachtenswerter Außenseiter entstehen. Doch noch inter- esfanter war die Tatsache, daß ausgerechnet zwei prominente Auf- stchtsratsmitglieder der Vereinigten Stahlwerk« A-G., die Herren Fentener von Vlissingen und Werner Carp, als Grün- der dieses Konkurrcn.;unt«rn«hinens auftraten. Dies« beiden aus der Hürde des Stahlvereins Ausgebrochenen waren mit dem Phönix zum Stahltrust gekommen. Bemerkenswert ist noch, daß Herr van Vlissingen Holländer ist und den Verbindungsmann.zwischen dem holländischen Großkapital und früher dem Phönix und jetzt dem Stahl oerein darstellt. Der Außenseiter ungefährlich gemacht. Doch nun ist die Gefahr überwunden. Der Bau des Stahlwerks Niederrhein soll zwar nicht unterbrochen, aber das Werk soll für gemeinsame Rechnung geführt werden. Der Nöhrenverband G. m. H., Düsseldorf, hat die Mehrheit des Aktien- kapitale übernommen. Die beiden oben erwähnten Herren kehren in den Aufsichtsrat des Stahlvereins zurück, aus dem st« wegen dieser Gründung ausgeschieden waren. Som� wäre die Gefahr einer Konturrenz in der Röhrenindustrie noch einmal abgeschlagen. Das vom Röhrenverbond ausgeübte Monopol bleibt weiter bestehen und damit die übersetzten Pre-ise m diesen Produkten. Auch«n Werk in Latingen. dos Röhren produzierte, wurde vom Röhrenverband durch Ankauf kaltgelegt. $tae ähnliche Gründung des Aarbstofflrusts. Man muß stch bei alledem die Frage vorlegen: Wonim kam es überhaupt zu dieser Gründung. Daß sie nicht allein dasteht, beweist der Versuch des Farbstofstnists, ebenfalls ein Röhrenwerk zu er- richten. Ein Konzernunternehmen der I. G. Farbe ni�n'strie, die Rhe ini sch-W estfäli sche Sprengstoff A.- G.. ist zurzeit mit dem Bau eines Röhrenwerkes beschäftigt. Damit hofft der Farbstofttrust, sich im Rvhrenbezug vom Röhrenverband unabhängig zu machen. Die Anlagen sollen so eingerichtet werden, daß nicht nur die Konzernwerke beliefert, sondern später auch handelsübliche Gas- und Siederöhren hergestellt werden können. Die Anlagen sollen Anfang des nächsten Jahres in Betrieb kommen. Voraus- sichtlich soll auch dieses Werk außerhalb des Röhrenverbondes bleiben. So häufen stch also die Versuche, der drückenden Monopol- gewalt des Röhrenverbandes zu entrinnen. warum kommt es zu solchen Grüoduageu? Solche Versuche sind durchaus erklärlich, wenn man die Ver- hisltmffe in der Röhreniichilstri? betrachtet Der Rährenverband ist das festste Syndiich in der Eiseniitdustr«!. Nicht nur hol es die llyigfte'Iauer(bis 1932) von allen Verbänden, sondern der Aus- bau ist durchaus einheitlich und ver allem find hier kein« Außen- frier vorhanden..Ferner sind in ihm zwei Großftrmen, der Stahl. verein und Mannesmann tonangebend, die außerdem noch selber«ig. verbunden find. Ungefähr 12 Proz. des Aktien- lapilals von Mannesmann stnd bekanntlich in den Händen von Fritz Thyssen, dem Avfsichtsratsvvrfitzenden der Vereinigten Stauwerke. Ueberdies gehören auch die tschechoslowakischen Werke dem deutschen Röhrenverband als Mitglied an. Und nicht zuletzt ist der größte Teil der europäischen Röhrenindustric im Euro- päischen Röhrenverband zusammengeschlossen. So finden wir hier«in« Geschlossenheit, wie sonst aus keinem Spezialgebiet der Eiseniiftmstri«. Dementsprechend war auch die Preisgestaltung. Wenn die scharfe Zuglust der inländischen und auch noch der aus- lr: bischen Konkurrenz fehlt, dann wirkt stch dies immer in den Preisen aus. Und die Preise in der Röhrenindustrie sind so. daß sich die hohen Kosten des Baues eines neuen Werke« durchaus bezahlt machen. Deshalb wird es immer wieder zu Konkurrenzgründuirgen kommen. Die wekhodea de» Röhrenverbandes. Bei dieser Gelegenheit muß aus die Methoden des Röhren- kartells aufmerksam gemacht werden. Wir erwähnten bereits die GeschlossenheH des Röhrenverbandes. Auch in der Abhängig- keit des Handels von den Produzenten dürfte nix- gends ein ähnliches Verhältnis bestehen wie hier. Sehen wir uns einmal die Bedingungen an, die vom Röhrenverband den Händlern auferlegt wurden. Der Verband schuf sich eine Händler- gruppe l, mit der er allein für die meisten Inlandsoerbrauchsgebiete seine Geschäfte abschließt. In dem zwischen dem Röhrenverband und der obengenannten Hänblergruppe— die Rheinisch-Westfälische Röhren-Großhändler-Vereinigung heißt und wie olle diese Gebilde in Düsseldorf ihren Siß hat— abgeschlossenem Bertrage heißt es u. q.; Der Sklaveuverlrag zwischen dem Verband und den Händlern. §1. Zweck und Gebiet. Der Röhrenverband»erpflichtet sich. Gas- und Kategorieröhren sowie Eiederöhren in Handelsware nur anBertragshändkerzu liefern, und zwar, soweit diese Erzeugnisse durch den Handel im Bezirk Rheinland und Westfalen (bzw. Süddeutschland und Norddeutschland) abgesetzt werden, garantiert er ihnen diesen Bezirk als alleiniges Nerkaufs- gebiet: die Abtretung der Bertra gerechte der Vertvagshändler an Dritte ist ausgeschlossen. Die Vertragshändler verpflichten sich, ihren gesamten Röhrenbedarf nur durch den Röhrenverband zum ausschließlichen Verbleib in diesem Bezirk zu beziehen. Ferner sind die Vertvagshändler gehalten, dem Röhrenverbond mit aus- ländischem Material weder im Inland noch im Ausland Konkurrenz zu machen. § 2. Produktionsschutz. Die DertrogshänSler über- nehmen die Verpflichtung, den Bau neuer Röhrenwerke und den Vertrieb der Erzeugnisse solcher weder finanziell noch sonst wie indirekt zu unterstützen und sich an keinerlei Unternehmungen direkt oder indirekt zu beteiligen, welche den Interessen des Röhrenoer- bandes zuwiderlaufen. §6. Vereinigung der Händler. Vi« DertragshänMer sind verpflichtet, sich zu einer Händiervereimgung zusammen- zuschließen, die sich unter Mitwirkung des Verbandes ihr« Verfassung selbst gibt. Die so gegründete Bereinigung hat im Einvernehmen mit dem Röhrenverband gemeinsame Ber- kaufspreis« und Bedingungen auch für Lieferun- gen ob Höndlerloger festzulegen, wofür dieselben Straf- bestimmungen gelten, wie für das Streckengeschäft: sie ist fernerhin gehalten, dem Röhrenverband alle Vorkommnisse zur Kenntnis z» bring«!, die die Interessen des Röhrenverbandes schädigen könnten, damit in gemeinsamer Beratung für deren Abstellung Sorge getragen werden kann. Konssgnationsläger sind in keiner Form gestattet. Weiter heißt es in dem Vertrag, daß der Röhrenverband zu allen Sitzungen der Händlervereinigung einzuladen ist, und Be- schlösse nur gültig sind, wenn der Röhrenverband sein« Zustimmung gegeben hat. And alle, beugt sich der Aarkelldiktatur! Dieser Vertrag zwischen dem Röhrenverband und den Röhren- großhändlern bietst ein deutliches Beispiel dafür, wie die straffe Kortellierung gehandhobt jrnrd. JmBefehlsto«, ohne jede Umschreibung, wird den Hä�lern aufgegeben, wae sie zu tun haben und was nicht. Ein solcher Verband könnte nicht überrascht sein, wenn die Wirtschaft sich gegen eine solche Tyronnenmacht aus- bäumt und sich plötzlich kapitalstorke Außenseiter bemerkbar machen. Deshalb versucht man, diese schnellstens unschädlich zu machen, was am besten durch Aufkauf geschieht. In letzter Zeit haben wir des öfteren erlebt, daß Kartelle neuausgekommene Kon- kurrenten kurzerhand aufkauften. Wie es gemacht wird, haben wir oben am Beispiel des Röhrenverbandes gezeigt. Konkurrenz entsteht dort am ehesten, wo die Preisgestaltung günstig ist. Für Röhren sind die Preise nicht nur günstig, sondern glänzend. Deshalb die Versuche, Konkurrenzunternehmungen zu errichten. Anstatt hieraus die Konsequenzen zu ziehen und zur Be- lebung des Absatzes die Preise herabzusetzen, kauft mvn neu- aufgekommene Avßenseiterauf.um d> e schranken- lose Kartelldiktatur zu verewigen. Daß dies keine Wirtschaftspolitik im Sinne des Dolksganzen, sondern das Gegenteil davon ist, braucht an dieser Stelle nicht auseinandergesetzt zu werden. Wundern muß man sich nur bei alledem, daß die betroffenen Wirt- schaftskreis« sich dies alles gefallen lassen und das Kartellgericht sich ebenfalls nur in tiefes Schweigen hüllt. Paul Ufermann. Preußen für den Abbau der Zölle. Im Handelsvertrag m't Jugoslawien ist eine Ermäßigung des Zolles für Futtermais auf 2,50 M. pro Doppelzentner vorgesehen. nachdem bisher für Mais ein einheitlicher Satz von Z.20.M. gegolten hat. Durch Einflüsse agrarischer Interessenten soll aber, soweit In- dujiriemois in Frage kommt, der autonome Satz von 5 M. für den Doppelzentner in Kraft treten. Das preußische Staatsmini. ster'um hat beschlossen, im Reichsrat gegendieErhöhungdes bisherigen Satzes von Z.20 Ä. für Jndusttiemais stimmen zu lassen, um der Stärkesobrikation, der Textil- und Nahrungsmittelindustrie den ermäßigten Zollsatz zu erhallen. Ausdrücklich betont Preußen. daß es damit auch dem von der Reichsregierung ausgesprochenen Bekenntnis zum Zollabbau entsprechen will. Dieser Stellungnahme Preußens ist in jeder Hinsicht zuzustimmen, und man muh den Schritt Preußens rückhaltlos begrüßen. Villigeres Mehl— teurere Schrippen. Der Konsumverein bleibt billig. Das Läckergewerbe faßte Ende September den Beschluß, die Schrippenpreise im Kleinhandel für Groß-Berlin von 2>r Ps. aus 3 Ps., also um 20Proz.zu erhöhen. Um das einer Preis- crhöhung nicht sehr freundllch gegenüberstehende Publikum zu be- ruhigen, folgte gleich hinterher die Vcrstche.ung, daß in Wirklichkeit keine Verteuerung beabsichtigt sei, vielmehr solle das Gewicht der Schrippen dem erhöhten Preise entsprechend vergrößert werden Di« Notwendigkeit für dies« Maßnahine ergibt sich daraus, daß das Mehl in diesem Jahr« wesentlich mehr Wassergehalt oufweise al» in Normo ljahren und der Teig daher fester gemocht«erden müsse, nm da» Gebäck ansehnlich zu gestalle». Trotz dieser Versicherungen stand die Oeffentllchkeit von Anfang an der Neuerung recht mißtrauisch gegenüber. Das einzig Greisbore und Glaubwürdige für sie war und blieb die Preis- erhöhung.' Diese Tatsache veranlahie das Groß-Berliner Bäcker- geiverbe� am 7. November die Vertreter der Presse zu einer Be- sprechung einzuladen, um die Oessentlichkeit nochmals über die Gründe für die Umstellung der Preise für Kleingebäck von i'/i Pf. auf 3 Ps. aufzuklären. Lehrreicher als diese mündliche Aufklärung von seilen des Bäckergewerbes dürste die nachstehende Tabelle sein, die die Entwicklung der Preise für Weizen, Weizenmehl und Schrippen in den letzten Monaten wiedergibt: TOeftchi Weizen- Weizenmehl Sckirlp- (märk.)«ehl Sraßhan- klelahan- pen- it. Notierung delsprel» delspreis preis Datum s h a i n(im Gemeindeschulhause Petersburger Straße 4) sindet erfreulicherweise bei der Elternschaft sehr starke Beachtung. Die Schar der Besucher, die sich hier über die Arbeit der Grundschule belehren wollen, war sogleich an den ersten Tagen außerordentlich groß. Am zweiten Tage, Dienstag, wurden in Stunden 2228 erwachsene Besucher gezählt. In den Ausstellungsräumen sind überoll Lehrer anwesend, die den Eltern gern die nötigen Erläuterungen geben. Die Ausstellung soll übrigens nicht nur den Eltern die Arde't der Gninl schule zeigen, sondern auch Lehrern anderer Schulen für ihre Arbeits wertvolle An- rcgungen bieten. Sie ist noch bis einschließlich 13) November (Sonntag), täglich 17—21% Uhr geöffnet. Der Zutritt ist un- entgeltlich. Stark werden von Eltern auch die sehr beachtens- werten Vorträge besucht, die in Verbindung mit der Ausstellung bis einschließlich 13. November an jedem Abend um 18 Uhr(am Sotmtog um 17 Uhr) in der Aula des Schulhauses Petersburger Straße 4 stattfinden. Eine Weihnachtsfreude für 50 Pf. ist ein G l ü ck s l o s der Arbeiterwohlfahrt, die am 29. Dezember d. I. 146 984 Gewinne im Weite von etwa 800 000 M. und eine Prämie von 20 000 M. ausspielt. Der Höchstgewinn ist ein eingerichtetes Landhaus. Die Hauptgewinne sind Landhäuser im Werte von 10 000 die 30 000 M. Weitere Gewinne sind: Wochenendhäuschen. Motorräder, Klaviere, Sprechapparate, komplett« Küchen, Nähmaschinen, Fahrräder. Wer eine rechte Weihnacht«- Überraschung wünscht, der taufe sich noch heute für 50 Pf. ein Los der Arbeiterwohlfahrt. Ein Glücksbrief mit 10 Losen kostet 5 M. Anmeldungen für die Frühjahrs-Iugendweihe werden in folgenden Aufnahmestellen unter Zahlung der Ein- schreibegebühr von 50 Pf. entgegengenommen: v»ll»! Otafi» Sch-uspielha»«! Iugendsekretarlat, 6® Sfl, x.in|citftt. Z,?. Hof, 2 Trepp«», Zimmer 11, geöffnet von a die 17 Uhr, Mitt. w°»» und Freitaa,-o» S Ms 1« Uhr.«. Ios.ph, NW 21. Wilhelmohayener Z'raS« 48 iBorwörts.Sved.), P.«roll, N 63, Utrechter Str. 21(Neftaurant), m«T 5 � Müller.<£. gi scher, 9J 20, Bastianstr. 7 fVorwllrt-.Sved.), JP.»dlj, NO 55, Immonaelkirchstr. 24 fBorwärt-.Sped.). 98. Gllde. 910 18, Ä"°"g-r A"*51' M. Wattmann, 0 34,«önigsberger Str. 87 30, DOCH IV, �, 5� Öl) Hl, 60 86, Lausitzer Platz H/15(Vorwärts-Sped.), P. Lier. SO 2«, Naunynstr. 9 (Restaurant), W Gallas, Baumschulenweg, Cchraderstr. 16, vorn HI, C. Wetfettuctz, Treptow,«raetzstt. 50 tVorwörts-Sped.). Frau«lawitter, E ch ö n e b, r g, Apostil.Poulu-.Ltr 7. R. Petrie. Schönederg. Sbersftr. 70. Rothmann. Schöneberg, B-l,ig-r Str. 27rdt«on). Schulz. Chnr. lottenburz, Dropfenstr. 12. 1. Gartenhau» III, Pusrniar. Charlottenburg, Augs. burger Str. 47. Port., g. Schmidt, Thorlottenburg, Rofmenstr. 4(Laden), Deuifcher Verkehesbund. Th-rlottenburg. Bavreulher Str. 31 Pankow: Lq»«»»!«onfumoerkau'ostell»» In Pankow, Wollank- strotze 102, Berliner Etr. 47, Brett« Str. 16.«ifsingenstratze, und bei Motz Scharfstedt, Ponkow-Slld, Spiekermannstr. 30,«onfumverkaufs. stellen tn Riedeifchlnhaufen,«alfer-Wilhelm-Str. 79 und «ailerweg 60 «öpenick:«Zenerfchule: Otto Brinkmann, Epreestr. 1, Otto Zheuner, W-nden. fchloftstr. 47/48. Emil Schubert, glemmtnostr. 10, Bruno«ettner, Mablsborfer Strotz« 87. Erwin Moni«, Dahlwitz«! Platz 8. glir Grünau! Franz«lein, Friebrichstr. 17. Für Friebrlchzhagen: Friedrich Srafchke,«irchstr. 28. Magenschmerzen welche Ihnen Qualen nach seder Mahlzeit bereiten, haben ihren Ursprung größtenteils in einem Uebermaß von Magenfäure und Speisengärung. Schmerzlose, normal« Verdauung tritt wieder ein. sobald die Säure beseitigt ist und die Nahrung nicht mehr gärt. Zu diesem Zwecke nehmen Sie einen halben Teelöffel voll Biserirte Magnesia in etwa» heißem Wasier sofort nach dem Essen. Diese bindet die Säure, hindert die Speisengärung und gibt Ihrem Magen die Möglichkeit, seine Funktion in schmerzloser, normaler Weise auszuüben. Tausend« nehmen Biserirte Magnesia jede Woche und Huden durch eigene Erfahrung, daß e» das Mittel ist, welches es ihnen möglich macht, ihre Nahrung wie andere Menschen zu essen, ohne sich wegen der Nachwirkung Sorg« zu machen. Wichtig! hüten Sie sich vor Nachahmungen und bestehen Sie darauf, nur die echte Biserirte Magnesia zu erhalten, die de» Namen Bismag Ltd. London trägt. Werbekundgebungen. Heute, DonnerStag, den 10. November: 29. Abt.: 19� Uhr in der Schulaula, Senefelderstr. 6. Red- ner: Stadtverordneter Hermann Lempert. Morgen, Freitag, den 11. November: Lankwitz: 20 Uhr in Lehmanns Festsälen, Kaiser-Wilhelm- Straße 29 31. Redner: Hermann Harnisch. M. d. L. Friedrichshagen: 19� Uhr in Schröders Gefellschaftshaus, Friedrichstr. Redner: Stadtverordneter Hans Woywod. Wittenau: 19� Uhr im Lokal Schulz, Oranienburger Str. 88/89. Redner: Stadtverordneter Hermann Lempert. Sonnabend, den 12. November: Blankenburg: 19% Uhr im Lokal Klug, Dorfftr. 2. Referentin: Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Frauenwerbeveranstattungen. Heute, Donnerstag, den 10. November, 19� Uhr: Wedding: Film- und Vortragsabend in der Schule Pank-, Ecke Wiesenstraße. 1. Film„Kinderrepublik Seelamp". 2. Ansprache der Genossin Irma Fechenbach. Reinickendorf: Film- und Vortragsabend in der Turnhalls Wittenau, Rosenthaler Str. 14. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Ve- völkerungspolitik. 2. Ansprache der Genossin Mari« Kunert, M. d. L. Morgen, Freitag, den 11. November. 19� Uhr: Wilmersdorf: Film- und Vortragsabend in�der Aula der Hindenburg-Schule, Am Seepark. 1. Film„Kinder- republik Seekamp". 2. Ansprache der Genossin Dr. Hilde Wegscheider. Lichtenberg: Film- und Vortragsabend im Cecilien-Lyzeum, Lichtenberg, Rathausstraße. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Veoölke- rungspolitik. 2. Ansprache des Genossen Stadtarzt Dr. Georg Loewenstein. 7. Abt.: Lichtbildervortrag in Cornis Festsälen, Gartenstr. 6. 1.„Die proletarische Frau.— Das proletarische Mädchen" (Lichtbilder). 2. Ansprache der Genossin Klara Böhm- Schuch. parteinachrichien �M�sürGroß-Äerlin Einsendunoen für dies««»brtk find Berlin SW 68, Liadeastraste 3, stet» an da» B«zlrk»I«tr«t»rlat 2. Hos. 2 Trep. recht», z» richte». Heute, Donnerstag, 10. November: t.«dt. 19 Uhr bei ZschUflng,«ckerstr. 1, Sitzung d«r Zeitung«* und Azitationskomniisslon.— Achtung! Um 19t» Uhr«oendort Sitzung filmt- licher Funktionlire. Trscheinen ist Pflicht. 16. Abt. Di- Funktionäre holen umgehend 9S«rbemat«rial von«rüger, Hussttrn-, Ecke Echeringstrotze, ab. vrbeiter. Angestellte nvd Beamte de» Brk»amt» Mitte! IllZtz Uhr, Residenz. Festsäle, Landsberger Str. 31, öffentliche Versammlung. Thema:.Der «ompf um die politische Macht." Referent«. Litk«, Borstand-mitglicd de» Dezirksverbandes Berlin der SPD. Morgen. Freilag. 11. November: 1«.«bt. Treptow. Die Genossen treffen sich zur«gitativnsardeit 18 Uhr in der Spedition Sraetzstr. 50. Trscheinen ist unbedingt erforderlich. Frauenveranstottungen: 28.«reis Rrinickendors! Kursusabend Freitag, 11. November, stillt aus. J.»bt. Sonnabend, 12. November, Herbstvergnügen in Torni» Llen. Gartensir. 8. Alle Genossen mit ihren Familienangehörigen ■ Freunden und Dekannten fowi,.Borwärt,'-Leser und Sympa. 7. Festsälen nebst Freunden____ thiflercnd« sind herzlichst«ingeladen Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrl und Kinderschuh: 1.«reis Mitte! Freitag, 11. November, 19V4 Uhr. im Bezirksamt Mite. «lofterstr. 88, Schnlnngslnrfu». Thema:.«ranken-, Unfall, und Inva. lid-nversicherung." Referent Genosse Dr. Friedeberger. Alle Genossinnen und Genossen sind eingeladen._ 4.«tri* Prenzlauer Berg: Heute, Donnerstag, 10. November, 19ti Uhr, veranstaltet das Bezirksiug-ndamt einen Vortrag des Fürforgers Hans Seidel über.Neue Wege der Heljerfchaft im Jugendamt� für all« Helfer im Jugendamt, Danziger Str. 63, Baracke 3. Hiermit werden all« unser« Helfer zur Teilnahme eingeladen. Bor dem Vortrage müssen die Lose abgerechnet werden. Neue Los« sowie Altenarbeiten werden ausgegeben hi Stunde vor Deginn der Versammlung. Professor Dr. Ernst Jöckh sprach über.Weltrevosutionen-. Cr erklärte alle Revolutionen als Entwicklungserscheinunpen in der Geschichte. Die Revolution ist der Durchbnlch einer Idee zur Wirk- lichkeit. Revolutionen Hai«» zu allen Zeiten gegeben, Revolu- tionen der Gewalt wie des GeifiG». Aber nur d i e Revolution der Gewalt hat geschichtliche Bedeutung erlangt, die von einer Idee gelragen wurde. Fast fed« Revolution bedeutete den Anbruch eine» neuen Zeitalters. Zwei Revolutionen aber begannen ein neues Weltalter: Bor zweitausend Iahren das Christentum, da« von der ReUgipn einer kleinen Sekte zur Weltreltgion und damit bestimmend für Weitentwicklung und Weltanschauung wurde: im 20. Jahr- hundert die— wie der Dortragend« sie nannte— russisch« Revolution. Sie erzwang gewaltsam-eine Umwertung aller Werte, die im Geiste, in Kunst und Wiffenschaft, schon seit dem Beginn des Jahrhunderts vorbereitet wurde. Deutschland erlebt« nicht eigentlich ein« Revolution der Gewalt, sondern eine des Geistes. Die Revo- lution von 1918 war im Grunds nur der Zusammenbruch einer vergangenen Epoche. Friedrich Ebert stürzte nicht um. son- dern er baute aus, sorgte dafür, daß das Deutsche Reich zu- fammenpehalten wurde.— Dr. Willy B l u m e n t h o l zeigte in feinem Vortrag„Vereinsamte Menschen" den Unterschied zwischen den Einsamen und den Vereinsamten. Di« Einsamen sind die Großen im Geist—, die Vereinsamten sind Lrbensschwache, die nach der Gemeinschaft streben und aus äußeren, häufiger aber aus inneren Gründen nickst den Anschluß an st« finden. Sie können sich nur selber helfen, indem sie lernen, zu den Mens-cken zu gehen. statt auf Jf« zu warten.— Eine Ehrenrettung des Dr. Eisen- b a r t brächte Emil K l e e m a n n: er wies darauf hin. daß der viel gelästerte und verspottet« Dr. Eisenbart ein für seine Zeit ouher- ordentlich bedeutender und erfolgreicher Chirurg gewesen fei..— Der Abend brachte als Sendespiel Doni.zettis komische Oper„Der Liebestrank", dessen heitere, italienische Musik in der schönen, von Selmar Meyrowitz geleiteten Ausführung voll zur Geltung kam. Eine ausgezeichnete Beseßung der Rollen trug zum Gelingen des Abends das ihre bei. Te». Kinderfreunde Groß-verllo: gm Revolutiousfeier am Sonntag. 111." November, treffen sich die«reife wie folgt:«reis Mitte: 3 Uhr Bülowplatz.«reis Tlergarten: Uhr Ufa- Palast, Turmstraße,«reis Wedding: 9 Uhr Aietzanderplatz.«reis Prenzlauer Berg: Alle Gruppen 8� Uhr Danziger Str. 84.«reis F«ie9rich»hai»: 9% Uhr auf der Weberwiese. Abmarsch 3% Uhr. An der Spitze Gruppe Stralauer Biertet mit der Bezirkssahne, dann Daltenvlatz, Robert Blum, Frankfuctcc Biertei mit der neuen Gruppe Alle Wlmpel und Fahnen mitbringen. «reis«reuzberg: Landsberger Platz 914 Uhr an der Normaluhr,«reis Thai- löttevburg: 81i Uhr Untergrundbahn Wilhelmplatz. Abfahrt pünktlich 81- llhr. Alle Fahnen mitbringen,«reis Wilmersdorf:«Ts Uhr am Rathaus,«reis Tempelhoj: 9 Uhr Denkmal Dorfstrafte,«reis Schinetzerg: 81, Uhr«a.fer, Wilhelm-Plotz.»reis Neukölln: 8 Uhr Hermannplotz, Ecke«aiser-Friedrich- Straße,«reis Treptow: 8% Uhr«iefholz.. Ecke Elsenstraße,«rel» Lichten. berg: Stzs Uhr Frankfurter Alle«, Ecke Gllrtelstrafte, vorm Schwarzen Adler. «re:» Weißenfe«: 814 Uhr Anlonplotz.«reis Pankow: Grupv- Nieder. fchönhaufen: 8 Uhr am Fricdensplatz. Gruvve Pankows 814 Uhr Berliner, Ecke«ifsingenstraßc.«rei» Reinick«nd»«f-Ost: 9 Uhr am Seebad.— Dir«reisleiier müssen sich bei Eintreffen auf der Promenade an der Frieden» straße sofort mit den«inderdeputierten bei Serbert Kriedemonn melden. «chtuag, Sprech»»»! Letzte Prob« am Sonntag, 13. November, 10 Uhr, in den Prachtsälen am Märchenbrunnen, Straße am Friedrichshain. Treffen 3\ Uhr am Eingang. Es ist notwendig, daß olle da fmd. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin. parleiweiheleilnehmer sowie all« älteren nutz in-ereffierten Genosse«»nd««»»ssinne»: gnsawmenknnkt »m Freitag. 11. Rovembee. pünktlich 1, Uhr. im Preußische» LaaMag, Saal 12. Eevosse«letz. Stein spricht über da« Them».«», w:I»»9 wie kämpft die Sozialdemalratisch« Partei Deutschland»!' Erscheint zahlreich! »I.«ebeitsgemeinschaft«»er.wiMsch.st.lehe." scher Park: Heim Engelufer 24-25.„Die deutschen Revolutsonsiahr«.— Slofe»- tbolcr korstadt: Treffpuickt zur Hansagitati-n 19 Uhr Posenthaler Platz (Normaluhr). Erscheinen aller Genossen ist Pflicht.—«»peuickcr Viertel: Weltliche Schule, Waldemorstr. 77..International- Arbeiterbewegung.— Südwesten: Der 9 November." Gemeinsame Veranstaltung m>t den Jung. sozialisten. Gruppe Süden, im Jugendheim Lindenstr. 3. Aus dem Programm: Rezitationen. Ansprache, Tbanson ans..Hoppla wir leben!" und 9. S.nfon.e nr«:.»K«»nAM* Äi»im OffpnTincf.pr fftr. Sa...�uai'Nd und «jttenan: Heim Rosenthaler Str. 15.«laßbrenner.Adend.— Pankow-Süd: Schul««aiser-Friedrich. Etr. 58. Nevolutionsgedenktag. � «erbebe, ir»«reuzberg: In der-rchulaula Waitemarstr. 77.12� Bortrag:„Internationale Arbeiterbewegung, mit besonderer Berücksichtigung der farbigen Arbeit, rschast." Vorträge, Vereine und Versammlungen Beicksbanner„Schwarz- Bot-Gold". Geschäftsstelle! Berlin S. 14, Sebastian str. 87/38, Hof 2 Tr. Donnerstag, 10.«»»ember. Re«k»ll».»,itz, 5.«ameradschaft(Jung. Mannschaft): 20—22 Uhr Eportabcnd in der Walter-Rathenau. Schule, Doddlnstraßc. Kameraden, die Handball wollen, melden sich an diesem Abend. L:chte»b«eg nebst Untergruppen: Bon Uhr ffre�nzert unserer Reichsbanneriaoelle für die Erwerbslosen des Bezirks im Iah�RealgsiMnasium (Aula), Markiftraft«. 3um Schutz haben sämtlich«»ame«iden in Bunde». kleidung zu erscheinen.- Freitag, iu«»»«»tzer.».««aete-.«ometabfdmtt Arminius:«ameradfchaftsvcrsammlung bei Lchm�t, W>cl«fstr. l7, W UHr. Referat des Kam. Polizeioderst a. D. Lange. Lichtentzerg nebst UMergrupp-n Achtung I 8. und 6. Zug: 20 Ubr gemeinsame»amerads-�ftsversammlunsi bei Gustav Tempel, Gudrunstr. 7. Oranieatzn«: 20 Uha e�Ltzenl�rä TOitglifbct- Versammlung, Vortrag»am. Schneider:„Die Z'«"« der RepubltB»er, In- «aulsdors: Versammlung im Lokal Hübner, Bahnhofstraße. DSgel: 20 Uhr Derfammlung im„Alten«rua", Hauptstraße. Tortrag de» �«am..HaupU �.Dtd Reichsverfassung und das Reichsbanner.— Sonnabentz, 12. N»»«i»tz»r. Lichten» berg nebst Untergruppen: Ab 19 Uhr in den Gefamtränmen von schonert». am Rummelsburger See, Wintervergnllgen unsere« Ortsvereins in Form eines Zille. Balls. Der bekannt- Meister Zill- hat fein Erscheinen zugesagt«ein,«»,. darf: 19 Uhr Antreten zur Pflichtveranstaltung IN Borstgwalb«, 9Z»rf>gwaIde- Festsäle. B»rflgwald«: 19 Uhr Antreten zum Fackelzug Spandauer. Ecke S->d-l. Stoße, an der Gasanstalt. Um 20 Uhr Republikanischer Abend und Fahnen. nag-lung. Festredner Kam. Erich Fraenkel. Nachbarkameradschasten sind herz. Itch eingeladen. Blankenfelde,«r. Teltow: Dintervergnügen tm Lokal Schröder. Anfang 20 Uhr.— Friedrichshain, Schutzsportabteilung: Freitag. 11. November. 19-4 Uhr. Turnen in der Turnhall« Memeler Straß«.—««rnan.BSrnIck-: Freitag, 11. November, 19V. Uhr. Filmabend de« Btldungsausschuffe» der SPD. im Lokal Bellevue. Der Besuch wird tan Kameraden«mvfohlen.— Sanität», ug Weste»(Gruppen Charlottenburg. Schönederg, Spanbau, Steg. litz. Tiergarten und Wilmer-dorf): Antreten Sonntag, 18. November, 10 Uhr, »hf. Heerstraße, zur Trageübung. vrt»»,rel» Berlin Im«erian»«,Ii»aef»»dta>t. Tennerstag, W- Ztove». -------- g Portrag mit Diskussisn: �ionkvrdat und Reich» der, 19,4 Uhr, Ifflandstr. 9,.... �-�.1 �"«rta!t»gemei»'»aft tat»rvletarifchr» B,Ik»ta»zt«!s«. Fr-ita», 9 der. 20 Uhr, im„Orpheum", Sasenheib«, Jugend fest. Musik, Gesantz. Ei _____ i«w wtfc,«V»..... EXlirllYriOP, tziolkstanzvorfllhrunaen. Eintritt 1 M. ?rtzeit»g«meinichast inrveilxirmeinin'aii für Forstschntz»nd N»t»rku»ta, e.. P. 13. November, Museumswanderung durch die Nationalgalerte. u. Uhr Haupteingang de» Museum». .. Dezem» Solotänze» Sonntag. Svesfpuickt 9öaee Sohn.Die Hofe",»ich! zu verwechseln mit der auf der Bühne und der Leinwand tragikomisch wirkenden„Hos«' ist da»«leidungsstück, da« setzt bei der bekonnten B, Neidungsfirma zur Ausstellung gelangt. Nioftn» hafte Bestände von gestreiften und glatten Stoffen,«ammgarnen de« Rhein. lande», Buckskins der Lausitz und hochmodernen Musiern de, Auslandes hoben dazu gedient, zur„Hose" umgearbeitet zu Wethen, um die Beine, der Jahre». zeit entsprechend, zu bekleiden. Sowohl in Rormalgröhen al« auch in anorma. len schlanken und Dtr.fchgriißen sind unbegrenzte Exemplare vorhanden. Die Milsterauvwahl»nd die Fülle der figürlichen Verschiedenheit ist beispiellos groß. Die Preis« der„Hose" sind sehr billig. Die Firma Barr Sohn A..G„ Berlin, Thausseestr. 29—3», ladet zur Sonderveranstaltung„Die Hos," l-ter» mann«in. Die«Icktigk-It de, tägliche» Beote» für die«olkogesundheit kann gar nicht genug detont werden. Doppelt nutzt seine guten SIgensckx>ft-n, wer al»«afsee» getränt regelmäßig«ornfranck— gesund wie da» tägliche Brot � tzivleßt. Dieses weitoerbreitete Erzeugnis de» welthauf«» Heinrich Foanck Söhne G. m. b. H., Berlin-Ludwigsburg. erhielt den Namen von der»genart'gcn Mischung seiner Grundstoffe, die sämtlich auf deutscher Scholle r-tfen.«orn- sranck schmeck, herzhaft und ist ausgilbig: 100 Sassen(ein Halbpfundpaiet) kosten nur 00 Pfennig. (pflS lleotsilieiRittteii-llüM »aiwiBmainiMiBluiluini Am Freitag, dem 11. November. findet leine Sitzung der Mittlere» Ortsperwaltnn» statt, dafür vafuch«er werlstostfchau. Z UV Treffpunkt nachmittag« ö'f, Uhr am Hauvielngang der Funkhall« am «aiferdamm. Zreita». 22.»«»»«der.»M«.«»hr. in unserer»oltueadloiiuug. Hinte»- strast» 207 (gegenütar dem 9>erband«houfe> r Filmvortrag« für Metall, und Revo oerdreher sowie-dreherlnneu. «u» dem Programm' 2. Im Sand« der Löwentöier.(Au« Erlebnissen eine» Weltreitenden> 2. Herstellung von Gep» wänden. 8. Ein« Seei-Groleeke. Um reg« Beteiligung wird ersucht. »annntzend. den 22. Navember. uach- mtNag» 2»str. In Ewald»?- st- schien. Stoltcher»traste 22S Erwerbslosen Versammlung der Gravevre und Zlirleure. Tagesordnung: Die gegenwärtigen Verhältnisse in unserem B-rut. zahlreicher Beiuch wird erwartet. Mechaniker, Optiker, Uhrmacher! Sonntag, de« 2Z.»«»..»»rm. 0' ,»str: Gemeinsamer Resuch der wertstofflchau am Kalserdomm. EWU" Eintrittskarten, ä 1 R, tvnnen täglich, außer Sonnabend« d>» abend» 7Udr>m Zimmer 4 in Empfang genommen werden Sonnabend« ist dl« Ausgabe mir dt» 4 Uhr. Ote Otksoctwaltans. Donnerstag 10. November 1922 Unterhaltung unö AAissen Vellage des Vorwärts Ein Wiedersehen. Von Kurt Offenburg. Doktor Franz Prinsmann, abseits lebender Privatgelehrter, wurde wegen schwerer Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Mit 80 Kilometer StunbengeschwinbiFkeit pfeilt der Schnellzug auf seinem vorgeschriebenen Weg durch die Landschaft. Die braun- golden« Flußebene mit ihren sauber aufgeteilten fruchtbaren Feldern flirrt wie eine riesenhaft« rotierende Scheibe am Fenster vorüber! und wie Prinsmonn zurückgelehnt in seinem Eckplatz sitzt und dem brausenden betörenden Gesang der Räder lauscht, überfällt ihn wieder jenes altgewohnte und beruhigend« Geborgensein, das den Schweifenden nur in Zügen und auf Schiffen umhüllt. Der Vegrisf der Entfernung ist aufgehoben, alle Unruhe abgefallen, die uns sinnlos vom Heute ins Morgen hetzt. Man ist voll sicherer Ruhe, und nie begrüßt man einen Menschen mit solch zutraulicher Freundlichkeit, wie den Schaffner, der jetzt einen Zettel aus dexn Fahrscheinheft reißt; und wenn man nicht durch Deutschland, sondern durch Albanien oder die Ukraine führe, ging man wohl beim nächsten' Aufenthalt zur Maschine und reichte dem Heizer und Lokomotivführer einige Zigarren. Und die Männer freuten sich und wüßten, daß da hinten in irgendeinem Wagen ein Mensch mitfährt, der ihr Freund ist und sie wie ein Kamerad liebt!— und der schwere Dienst und die harte Verantwortung würden ihnen ein wenig leichter und sie ständen nicht mehr so«inzel und verlasien auf der donnernden, schütternden Moschine. Im lieben Vaterlande aber— rückgratstarkes Bewußt- fein dem Staat zu dien�r!— liefe man Gefahr, verhaftet zu werden wegen Beamtenbestechung. Prinsmann sieht bereits im Geist« die rote Mütze des Stationsvorstehers und hiyter ihm den schwarzen Tschako eines Bahnhofspolizisten. Schon ragen die grauen Vorstadthäuser von A. Wie schnell die Stunden vorüberflogenl Jetzt knattern die Räder über das viel- fältig« Netz der Weichen, und in wenigen Minuten wird das eilend« eifern« Tier zitternd unter dem düsteren Bahnhofsdache halten. Die Bremsen ziehen noch härter an, auf dem Gang werden Leute sichtbar: Prinsmann nimmt das Buch, kurz nach Abfahrt gelangweilt bei Seite gelegt, wieder auf, um festzustellen, daß es noch nicht unter- haltsamer geworden ist: aber da rufen schon Schaffner den Namen einer Station aus, den man nie verstände, wüßte man ihn nicht längst. Und Kellner und Verkäufer psalmodieren mit dem internationalen Tonfall der Bahnhöf« den Gesang der Lockung: Bier, Schokolade, Zigaretten. Zeitungen. „Tiog!" Der Doktor sieht kaum auf, während die Rolltür des Abtells mit hartem Geräusch zugeworfen wird. Aber während der Mann, der eintritt, Koffer und Tasche im Gepäcknetz verstaut, fühlt Prinsmann in den krampfhaft gehaltenen Schultern und scharfen Bc- wegungen des Gegenüber etwas Brutales, ihm Feindliches, das seinen tiefen Frieden mit der Weit unterwühlen will. Plötzlich gewinnt die alte und beunruhigend« Eisenbahnkrankheit wieder Gewalt über ihn: die Furcht vor Unterhaltung mit fremden Reisegefährten. Es ist wie«ine fixe Edee, und Prinsmann redet sich zu, daß, wenn nur zwei Leute im Abteil sind, ein Gespräch an seinem Widerstand scheitern muß. Während der Fremde mit fatalem Geknister«ine Zeitung«ntbreitet und liest, und der Zug mit langsam schwellendem Krescendo anfährt, durchblättert er nervös das wieder aufgenommene Buch, schmökert ohne Lust und Anteil. Aber au« dem Gleichgewicht geworfen und an die friedlich« Gelassenheit der beiden vorhergegangenen Stunden zurück denkend,— ist es wie«in fremder Wille in ihm, der ihn Zwingt, den Kopf zu heben und sein Gegenüber anzusehen. g Erschrecken durchzuckt den Doktor, denn im Bruchteil einer Se> runde,«he noch sein Gehirn den Vorgang fassen kann, jagt sinnlose Empörung nach. Der Mann, der ihm da gegenüber sitzt, ist Schnaditz — Friedrich Wilhelm Schnautz, ehemals Feldwebelleutnant im In- fanterieregiment SiU— und. kein anderer. Prinsmann erkennt ihn genau, trotz der vielen Jahre, feit er ihn zum letzten Male gesehen hat, und trotzdem die Wangen fett und rosig geworden sind, die damals faltig und grau in die fahlblonkP Schnurrbartbürste hingen. Die wässerigen blauen Augen sind dieselben, wenn sie auch kleiner scheinen in dem dicken Gesicht; jedoch der gierige Unterkiefer, der «inst, vom hohen, schneidergearbeiteten Uniformkragcn gestützt wurde, hängt jetzt in böser Schlaffheit über den weichen Stoffkragen und der grellfarbigen Krawatte. Vielleicht ist es ein Doppelgänger? Aber die Zeitung, die der Unbekannte liest, trägt in der Kopfleiste den Namen eines längst v«r> moderten Regenten: benutzt zur Hebung der abgeflauten Konjunktur für das Geschäft mit vaterländischen Tiraden. Prinsmann» Ungewißheit— ist es Schnautz, ist er es nicht?— wird zur Marter. Er starrt in die Landschaft: sieht nur wie durch «inen Schleier, die ansteigenden Wälder, die schwarzgrün gegen den blauen Lormlttagshimmel stehen; den schmalen Gebirgsfluß, der schäumend durch das Gelände stürzt. Doch wie er den Kopf Zwangs- Haft seinem Gegenüber wieder zuwendet, treffen sich ihr« Blicke. Und schon zieht sich das fett« Gesicht in das joviale Grinsen, au» Stamm- tischbiederkeit und feller Unterwürsigkeit gemischt, das damals vor Jahren der Auftakt zu jener Schikane war. .Laben wir uns nicht früher gekonnt, mein Herr?" Während dies« Worte in Prinsmanns Bewußtfein dringen, hört er Sie Stimme zweimal: glatt und zudringlich hier im Abteil, tobend und fluchend im Graben bei Tourcoing. Mechanisch frägt 6«r Doktor zurück:„Sind Sie nicht Herr Schnautz?" und hat längst oergesien, daß er schweigen wollte, aber ongfwoller Widerwille treibt ihn vorwärts. Schnautz erinnert sich und ein flache» Staunen hängt in seinem dicken, stumpfnasigen Gesicht.„Donnerwetter! So trifft man sich im Leben wieder!" Und er erzckßlt mit den stereotypen Redensarten, die blechern sind wie fertig gestanzte Klischees, mit seiner oerhaßten, Prinsmann allzu gut bekannten Stimme, bellend und hart, die äußeren Einzelheiten seines Leben« seit damals. Der Doktor hört kaum, was Schnautz sagt und sieht ihn auch in der sellsam doppelten Erscheinung: hier im Zugabteil und damals, als er mit gespreizten Beinen vor der Mannschaft stand, rotberstend vor Wut und fletschend Kommandoworte schrie, stundenlang im zerschosienen Gehöft knapp hinter dem dritten Graben. Damals, als die Kompagnie in jener heißen Juliwoche zum ersten Male wieder in Ruhestellung log und dieser Schinder die Ueberlebexiden, dir kaum dem Tode entrönne� waren, wie junge Rekruten im Gelände umherjagte. U»d Prinsmann sieht wieder den Gefreiten H., dem Schnautz die Faust vor die Brust stieß, weil er zu widersprechen wagte; und er hört wieder, wie Schnautz zu den vier Mann, die sich mit schwerer Ruhr krank melden wollten(zwei davon starben später in Deutschland), im ausgebrannten Schulhaus von Armentieres sagte:„Ich werde«uch Schweine krumm schließen lassen, wenn ihr wegen dem bißchen Sch... schon wieder ins Revier kriechen wollt." Immer noch wiederholt er nach jedem Satz:„müssen Sie nämlich wissen," wie vor einem Jahrzehnt, als er aus einer obskuren Ber- sicherunqsagentur ins Feld kam und als gedienter Unteroffizier zum Feldwebelleutnant aufrückte. Nach dem Kriege, berichtet Schnautz, habe er durch Beziehungen eine Stellung in einem Betrieb bekam- men,„aber so eine Stell«— müssen Sie nämlich wissen— wo man sich von jedem Kaffer muß in die Suppe spucken lasten, ist nichts für unsereinen". Kinder habe er nicht und sein« Frau habe er als „Mamsell" wieder aus ein Gut gehen lassen. Tun konnte sie doch nichts für ihn. und so als Obmann der Organisation R. habe man doch«inen Wirkungskreis. Der Verdienst—„müssen Sie nämlich wissen"— sei ja klein, aber die Spesen nicht von Pappe. Und solch« private Manöverübungen und Feiern im«Osten oder in Bayern, wo man mit deutschen Männern«inen ordentlichen hinter die Binde gießen kann, für umsonst natürlich, und wo man ob«ndrein ein« Nummer ist als gedienter Soldat,— seien keineswegs zu verachten „müssen Sie nämlich wisten". Endlich, während Prinsmann longsam aus dem bedrückenden Dunst der Erinnerungen auftaucht und während der Zug sich schon der Station nähert, wo seine Reise zu Ende ist, erkundigt Schnautz sich, was der Doktor eigentlich treibe. „Ich schreibe. Erinnerungen von damals,„müssen Sie nämlich wisten," sagt er zögernd, des Feldwebels Redewendung Imitierend. Schnautz lacht unsicher sein breites Grinsen.„War doch große Zeit damals und gute Kameradschaft." Man dürfe sich nicht an Kleinigkeiten stoßen. .Kleinigkeiten?" sagt der Doktor mit einer unnatürlich ruhigen Stimme.„Erinnern Sie sich noch an K.? Fritz K.? Er war nicht einmal neunzehn Jahr« alt, ein schmaler, großer Bursche mit kurz- sichtigen Augen. Ich unterhielt mich oft mit ihm: er snidierte Philosophie und Kunstgeschichte, hatte gerade zwei Semester gehört. Cr- innern Sie sich noch?— es war bei Hazebrouck— er kam etwas später als di« anderen zum Appell � Sie gaben ihm zur Strafe zwei Wachen hintereinander. Bei der zweiten muß er eingenickt fein, todmüde und hungrig wie man war. Ich weiß es noch wie heut«— um zwölf zog er auf Wache und um vier morgens fand ihn die Ab- lösung mit einem Kopfschuß an der Brustwehr." Schnautz sagt irgendetwas von„Schicksal" und vom„Tod fürs Vaterland, der früher oder später..." Prinsmann steht auf, sein Mund zittert furchtsam, während er sein Buch in den kleinen Koffer steckt, der neben ihm liegt. Ob Schnautz sich auch noch auf B., den Dreher aus Esten, und den kleinen weißblonden Bergorbeiter aus Recklinghausen besinnen könne, die er zusammen mit R., dem degradierten Unteroffizier, aus«ine Straspatrouille geschickt habe, die alle drei am nächsten Morgen vor dem Drahtverhau gelegen haben. Aus Schnautz' Gesicht weicht das freundlich« Grinsen und mählich steigt ihm die bläuliche Röte in die fetten Wangen, und seine Stimme, die von Diensttreue und Disziplin spricht, fängt zu schnarren und zu bellen an, wie damals. Bebend steht der Doktor, zum Aussteigen bereit, an der Tür des Abteils. Und wieder überstürzt ihn die Welle von Schwäche: Ber- wechslung von Vergangenheit und Heute hüllt seinen Willen ein. Wie ein Besessener schwingt er den kleinen Lcderkosfer und schlägt ihn dem Ueberraschten in rasender Wut viele Male ins Gesicht. Be- täubt, merkt er nicht, daß der Zug hält und der verblüffte Obmann sich umsonst gegen seinen Tollheitsausbruch zu wehren sucht. Die Fensterscheibe fliegt. klirrend auf den Bahnsteig: Neugierige stehen im Augenblick vor dem Wagen; Bahnbeamte dringen ins Kupee und man führt den Angreifer auf die Wache, während der oerletzte Schnautz versorgt wird.% Bei der nach Monaten stattfindenden Verhandlung wirkte als strafverschärfend, daß Dr. Franz Prinsmann— was Schnautz nicht gewußt hatte— im Kriege bereits wegen tätlichen Angriffs auf einen unbeliebten Borgesetzten auf Festung gekommen war. Sonst hgtte der Doktor niemals mit den Gerichten zu tun gehabt. „Ich dulde nicht, daß diese Frauenzimmer hier reden!" Vor Jahrzehnten war es schwerer, sür die Sozialdemokratische Partei zu wirken als heute. Besonders schlimm hatten es die Frauen.... So passierte mir einmal folgendes: Nach einer Versammlung war es mir nicht möglich, eine Unterkunst für i�ie Nacht zu finde». Und warum nicht? Ja, man wollte„mit so einer" nichts zu tun haben. Ich konnte noch von Glück sagen, daß eine mitleidige Frau mich heimlich in ihrem Haus unterbrachte. Wie die Behörden sich uns Frauen gegenüber benahmen, ersehe man aus folgendem Erlebnis: Der Schneiderverband veranstaltete in Bochum eine Versammlung zur Werbung unter den Frauen. Die Genossin Grünberg aus Nürnberg und ich sollten reden.- Aber dazu kam es nicht. Der die Versammlung überwachende Beamte sprang vor uns hin und schrie:„Ich dulde nicht, daß diese FraucnzWuner hier reden!" Geredet wurde ober doch, wenn auch in einem anderen Lokal. Daß wir Frauen uns auch in der Kleinarbeit beschäftigten, ist selbstverständlich. Sehr häufig habe ich im Kinderwagen schwer« Zeitungspakete über Land gefahren. Nicht als Zeitungsbotin, �sondern als Genossin, die Parteiarbeit machte. Einmal begleitete mich Luise Zietz, wir blieben im Schnee stecken und hatten viele Mühe, unser„Fuhrwerk" wieder slott- zumachen. Dem Bochumer„Bolksblatt", das in diesen Tagen sein LSjähriges Bestehen feiern konnte, diente diese Kleinarbeit, die mit Freud« und Stolz tzemacht wurde. Im Lause der Jahre ist die Partei groß uny stark geworden durch die Mitarbeit vieler Männer und Frauen. Soll aber dos große Werk der Befreiung des Proletariats gelingen, darf niemand zurückstehen. Jede Zeit hat andere Verhält- niste. Aber von selbst geht es nicht. Nur intensive und ireue Arbeit für di- Sozialdemokratie und ihre Presse kann uns weiter bringen. Lore Agnes. Warum die vier Lahre? Sin Kampfruf von Hermann Schützinger. Kameraden und Genossen— wenn ihr mit euren Zeitungs- und Flugblattpaketen über die Treppen geht, dann sragt bitte in jedem Haus zunächst einmal an: „Wer hat hier im Haus Kriegsopfer gestallt?" Im Nu seid ihr von einem Gespenst voller Namen und Daten überrannt! Im Nu läuft der Krieg wie eine Leuchtschrift von Tür zu Tür, von Fenster zu Fenster, von Stockwerk zu Stockwerk, vom Keller zum Dach: ,T>— bei Müllers ist der älteste Sohn seit Verdun vermißt!" „O— bei Maiers hat der Schwiegersohn einen Beckenschuß abgekriegt und er liegt seit 1» Jahren im Heiligengetstspital!" „O— die Lehmanns haben alle beide Söhne verloren!" „O— die Schulze-Kinder haben seit August 14 keinen Bater mehr!" Stoßt hinein in das Bündel Namen! Holt euch das Gespenst, die vier Jahre Krieg, wieder hervor! Und dann klopft an bei Müller, bei Maier, bei Lehmann und Schulze und fragt sie am ofsenen Korridor, damit auch die denk- faule Nachbarschaft etwas hört: „Warum haben Sie Ihnen Sohn bei Verdun verenden losten?" „Warum liegt Ihr Schwiegersohn im Heillgengeistspital?" „W a r u m haben die Lehmann» ihr« Jungen verloren?" ,W a r u m haben die Schulze« keinen Bater mehr?" warum? Warum? warum? Warum mußten die Jungen und Alten, di« Infanteristen, Artilleristen, Reservisten, Landwehrleute, Landstürmer und Schipper elendiglich im Granotfeuer verenden? Warum mußten sie im Drahtverhau, zwischen den Fronten, stückweis« zugrunde gehen? Warum mußten sie die Lazarette mit ihrem Schmerzgebrüll erfüllen? Warum müssen sie bis an ihr Lebensende, blind, taub oder verstümmelt, hinter ihrem Hund« her, als Krüppel durch die Straßen gehen? warum? warum? warum? Wqr etwa dos B a t e r l a n d in Gefahr, als dt«„Geheim- kabinette" zwischen Berlin. Wien, Belgrod. Paris, London und Moskau ihre Fäden spannten? War etwa da» Vaterland in Gefahr, als die General- stäbe sich gegenseitig durch Teilmobilisationen, Grcnzübertretungen und Sympathietelegromme anfeuerten und von ihren Regierungen den„Mobilmachungsbefehl" erpreßten? War etwa da« Baterl aKd in Gefahr, als der groß- mäulige Kaiser mit seinen Brandreden und Flottenbauten die ganze Welt gegen uns hetzte? War etwa das Bakerland in Gefahr, als die Schwer- industrie und das Rüstungskapital in Bagdad, in Marokko oder in Honolulu deutsche Panzerschisse für ihr Geschäft denötigte? Das Ende vom Lied ober war der Krieg, das Gefecht, die Schlacht, der Massenmord! Zählt ihnen allen die deutsche Berlustliste noch einmal aus: 1 S35 000 Tote beim Landheer, 31 000 Tote bei der Marine und 15 000 Tot« bei der Sckmtztruppe. Dazu kommen noch 170000 „Vermißte", deren Tod mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist! Das gibt für Deutschland eine Gesamtzahl von Z0SS000 Toten! Dazu kommen 4 Millionen Verwundete, von denen 2)4 Millionen „rentenberechtigt" sind! Die Gesamtzahl« der Kriegstoten aber be- trägt 11 Millionen, die der Verwundeten etwa 25 Millionen! Wenn man dl« Särge der Toten nebeneinanderstellt, so bekommt man eine grausige aMrschstraßc von Paris hi» Wladiwostok heraus! Und dann fragt den Herrn Müller, den Herrn Riaier und den Herrn Lehmann, fragt dl« alten Muschkoten selber: „Heda, Kamekad, wie war dos nun mit den vier Jahren Krieg? Habt ihr das schon vergessen?" Diese vier Jahre Krieg— das war: Vier Jahre zwischen Leben und Tod hin- und herjong- lieren!„ Vier Jahre nicht wissen, ob man bis zum Einbruch der Dunkelheit seine Glieder und Knochen heil beisammen hat! Vier Jahre im Wald, im Trichter, ip der Baracke, im Stollen— immer nur verdrossen« Männer um sich haben, keine Frau, kein Kind! Vier Jahre von Stellung zu Stellung, von Großkamps z» Großtmnps, von Schlacht zu Schlacht! Immer wieder l:e!n mit dem halbgeflickten Bataillon! „Antreten! Mi! Sturmgepäck!" Und dann ging die Hölle von vorne an! All« vier bis acht Wochen! Vier Jahre lt�ng! vier langt Zahre lang!! '•- warum? Well die da oben vor Hunger nach Macht und Layd und Kapital, nach„Rohstoffquellen" und„Absatzgebieten" kein Ende finden konnten! Während wir, besesten vor Sehnsucht nach dem Frieden, nach einem Ende schrien, nmhrend wir holbverrückt vor Heimweh waren und über unser„Soldatenhandwerk" zu tvtzcn begannen—— saßen die da oben mit Sttnno» und Thyssen im „Kasino", in Kreuznach und Spa und handelten mit unseren Sol- datenknochen—— immer noch ein Stück, noch ein Stück, noch einen besseren, einen ehrenhafteren Frieden!, Während wir uns an unseren Geschützen und M.-As. in Krämpfen noch dem Frisden wanden und mit brennenden Schädeln an den Torpedorohren standen, zwinkerten sie sich gegenseitig zu, der„olle Tirps' und der olle„Fischer" und betompltmentiertcn sich über das herrlich geführte Metier—• währenddessen schlugen sie dem Papst hinterrücks den Frieden-aus de» Händen und freu'™ sich auf den nächsten„Wafsengang"! Darum habt ihr vier Jahr« am„Feind" gestanden! Darum habt ihr vier Jahr« lang tausend Tode erlitten! Vckrum traDt ihr eure zerschmetterten Stümpfe dgrch euer störtes Leben! i• Es gibt nur«4 n e Antwort auf dies« vier Jahre Krieg: Schluß damit! Ein für allemal! „Antreten! Mit Sturmgepäck!"— In die Kampffron» de, Proletariat»! v f Iliüsliliillipiißai | Donnst, 10.11�7 Staats-Oper | AmPl.d.RepuM. OesdilossEii! Stull. Situspielli. >» GcodirBnutid Aid 8 Uhr; ffaliRisteins Donnst, 10.11 27| SRdtisdie Oper Bismarckstr. U.-Idi IB. toi. 7«/, Das MM tfosEfSöüfoa StaatL Sdiillcrft. Ckarlottenburg 8 Uhr Prinz frieSM v.Mcro Möiesüiizfer Norden 10334— 37 U. Ende 11. U. OGrothea Ungerraam v.Gerh. Hauptmann Iran: Max Reinhardt J Kammerspiele Norden I0334-J7 7s/4 Uhr: Ende nach 10 Uhr. „Kaya" 7ty Kl Um! Regte: Qaston Baf Die KomDdie Bismarck 2414'7S16 n/, Uhr, Ende 10'/, Zinsen Knmddle von Bernard Shaw l'WW Hsispiel� fänl II Ende HÜ. Volksbühne Piscatorbüiine TMu u iilivpliti TS. n StifRmrtimm llid i.««I.'ertcrtplih Kurfürst TOOi/O} T/t Uhr H e■ t• �Uhir Premier.1 (upilil, aii(«HlHVt. Hf kiiig cid dl! hü.! das gcgei sii lafstud I von Alexey Tolstoi und Schtschesoleu- Insc. Erwin Piscatar Goschlossen! I�KoRtisdie Oper 8*] Neuartige» Rerne-StBck iABIes Nackt!l l(Naoh d. gieichn. Paris. Revue I Lfout nu% 300 Mitwirkende; 1 | Original> Paiiser KostQme. j Parkett S,90 ML« fTheaterkasse ununterbr.geJ5ffii.) CÄiSINO-THEATER»unr Die Panfa vom Metropel. Anwdmeiden I Gutschein i— l Pers. fauieull nui 1,10 M- Sessel nur 1,60 M. Nollendon 7301' CROCK und waitero S Internat. Varleteatar« kcnaissance-Thoater j Steinplatz 901.— Täglich 8 Uhr:| GiovfiiiaSiLilRnaiyelia «KARSLI.* ■ oanrrloaeg mit Mu�allenkcrg Bit« Georg Bendov Jankahn SzPke SiaksSl Verkme ster Weslermeier Jackson Boys Sanshlne Girls Aosst Pro'. Stern Dlrig. Dr. RSae.- Mlttw, Sonnalk. Sonntag nachmltt. A lÄr Werne"- Kran# in flneiseaaiL Kleine Preise. VoroerKaaf 19—• lur 8 Die Wette um eine MUi'oul fionnab. 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Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum, EchluB: Eine Hochzell •n der Mfillegatt aBe Nachmittags: Halbe Preise, volle» Programm. Dönhoff•Brett'l: VorietO, Konzert; Tanz Theater am Kotlbusser Tor KottbiMser StraSe 6. Tätlich S U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger im grollen Nevemocrprorr ann Volksprelse von SO PI. bis 2�0 M. SanntagnachmiitaK: firode Eaiiaiiien> VsrsieUano Volle-. Proer. Kl. Preise v. 40PI. b. 1.75 M. Berliaer GetverKsdisHshans Berlin SO. 16, Engcloier 24/25 OekoBom: Willy SeidUU Im Hauptrcstauronl: Tätlich: Künstlcrkonzcrt Großer Miftagilisdi von 12-5 Uhr von 80 Pfg, an Reichhaltige Abondkorte Siehbf er halle Frühitückostubc Dto ZoRwhrfftoB dM VeHsgm 1. H. W. Dietz Nachf., Borlln SW6€, Lindtastraßo 3 Jeden Dozmerslegebend: Sdilacfaicfcst and Wurstosen D Öliger Wnrshr erkauf eigener HenltUtmg Verbandskegelbahnen SUe fa» feder QrCAe 10» alle VcrawstaUuaBea Amirtl mir vom S«>»iiUhal«-PA4»enluif er Mete I Jeder Imai in Berlin zu den 100 Löwen CIRCUS Tal. Moabit 4821.' Letzte Wache) Prlnzciuillee 84. Di gl. V, Mim»., Sonneb. Stg-, auch 3 U. * Ochfivier Winterbau Trlanon-Th. Heute z. letzt Male 8'.', Uhr Eriks Giässner in Fräs PrisUsutii Morgen VI, Uhr; ErOtafilGsfaer in«reimen Sonntig 4 Uhr tdtKfier-KttperittlL darauf Max a. Moritz Donnerstag, 10. loternber liachin. 121„ Uhr FürNervöse: SBunber gnolrkl Vil fibr Sofbra. rnt; f,»afhbfin h»ia WiPt'. rnrbt hellen Wellie. Ich«wr an(«baivm fjerjWtoätät etkrankl; nsd�iKn i* ben erneu täffei Beiibelt ..Baldroaienr' eingeirenimer. balle, beitarn«rt; eine merkwürdige muhe«o schre be»»lele bei neroöjer ejlnfleflolieil. Teilbarer «chwüche. echwluielasfMen. in- üw" inDroc-rien und Upvlbekon er- ' infl bei Oilo Reichel; biilllich ■Berlin P- 33, ailcnbabnür. 4. Jäar««fcabmuncen unter tdu. Wenb äfenP djen«�nen Wü%f nv» DMrament SermthHübttn Tb. KSiilcgrStz. Sc. Bergm. 2110. 8U. Gustav IH von StTindhcf] hqu; Vidti indherg. i Ivwnkj Morden 6304. bli, Mospokas Berliner Thealei- Dönhoff\g0. 8'/. Der OefHrrraO Thester I» der 8 Uhn Der grolle Erfolg! SdiOa Senn wir antf m. Henry Bender Dönhoff 50-3 Thalia-Mer 8 Uhr Der rote Hahn Beste-TliafM Täglich A Uhr Uesamtgasesplel des müÄ-nieaters Wer ist der Vater? üimldi,(füstdcr Sonntag nehm 4 ü. Fr an Holle KfaHuuia• Tnrai Täglich 81') Uhr: Hfl Rldeihete SdiloB stellt eise Liadc Parken statt 4 Mk tägl. auch Sonntags enr es Pf. Sonntag nehm. 4 U. Die Pappenfee Parkett v.3C Pf. an. i.'istspielheus Th Uhr Premier« jBBfr BB.l.r TbBBtirdsVnttK 8 Uhr nastspiel Frltal Maaeary Eine Frau von Format Eden» Palast Charlottenburg, Kals.-rrIedr.-Sfr. W. Tanz-Tage Dienstag, Donnerst., Sonnabend, Sonntgl Fabelhafte Lieh letf ekle 1 TL im Wairal�lasl Täglich SV) Uhr| Oft neue HAUER BEVDE Jan DDdwor Hose- Theater Uhr CharieysTante 'illctlwr-llbtep Bis. KünsllT-Tb s Uhr Justiz Jeden Mitf»., Sbti. und Sonntag; 4 Uhr: Marfonetfen- Kinderroi stelig. Uesslng-Theatet 8 Uhr Plaietkiiinn an Zoo fulhj. Juibhnttoltr Sbilr Noll. 1578 Oer Stzmeahieimelaal dorKeits von Berti« »seh dem Aeqvstoi Vorführungen: 4V»», 0 Uhr. Eintritt I M. dletornit. I) itoiat.lOD. 2 Sonntag Vorsteliunc. 3 Uhru.A'/.Uhr tidia. dü 4Dn fir- rlillm n uh. brrti Oer Wahre Jacob vas Aihblaii de» Republilaners t»m h'—eaie—— m— aein i---------— i— nri Nur des Beste ist iot gemg Mr meioeUsäeti! VespetamctuH flnf ndtUie? Nur GroS-Berlin Alexeederpletz. Feinte heibAripWwit«,..r Bawle Ur 0.30 FetK»«t8rifll!!»eta.o)L ar.... Ltr. 0.7 J fstol tSk. Bnwt-Sktiwsta, marj,. ia». 0.53 Feimtr lü Irtamirt.-Wgii,«. u-g Lt». I.WS 36te Sudd-OldVflth m. 14%... Ur. 1.09 f ttek Brfll88rwillI.ea.lPl. �... Ur. 1.45 Prhm Vmntwtii......... ur.l�S UUar Terra Jm;»..«a...... u<. 1.35 Fdür fitek.»ffü'Ü-äLf.»95.. Ltr. 1.40 Erhntr ittoar Niiiüi..au.... Ur. I.CO EdferSMtfl.beabmitiirtlilMi', Ur. I.CO btter busI-IoaoL.u..... ur. 1.00 Mtlir üoare-Pertwota.«oe... 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