Morgenausgabe ZK. 536 A 222 44' �rgang asienllia TB Sfntrlg, monatlich SRtichsmurl. Boraus, abibar. Unter etrrifbanb in In. an» Ausland aJO«elchsmart pro Monat. « Set.8er»8tt»* mit der illustrier. leu Eonniapsdeilage.Boll und Seif sowie den Beilagen.Unterhaltung und Bissen' Ans der lsilmwelf. .Stadtbeilage.»Fraurnstimme'. »Der kinderfreund',„Iugend-Bor. aättf'..Blick in die Bllcherwelt'. Kulturarbeit' und„Technik' erscheint wochentüglich zweimal. Eonntags und Montags einmal. Vevtinev Vvttsbtatt Sonnabend 12. November 1922 Groß-Äerlinls) Pf. Auswärts us Pf. Sie ei n p at> ig e Nonvareillezelie 80 Pfennig. Reklamezeiie 5— tle.cha» mart„kleine Anzeigen' da» feitge. druckte Wert 2s Pfennig(zu äfslg zme, fetiaedruckie Wort«) jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 18 Pfennig, sedes weitere War! 10 Pfennig. Worte über Id Buchltaten zahlen tilr zwei Warte. ArbeitsniatN Keile«IPfennig. s?amilienanzeigen inr AdonnentenZe.letOPiennrg Anzeigen' annähme im Hauptgeschäft Linden.. Üral? 3. Wochentag l van 8v: hi« 17 Uhr Zeutvalorgan der«Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße Z Fernsprechrr: Dönhoff 292—297. Trlrgramm.Sdi.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. PostscheSkonio: Berlin S? 536.— Banflonto: Bank der Arbeiter, Anzestessien und Beamten Dallstr. 65. Diskonto-Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr. ü Deutschöfierreich in Spannung. Zu feinem Staatsfeiertag. Der 12. November ist Staatsfeiertag der Republik Deutichösterreich. Unter diesem Namen ist sie am 12. Novem» der 1918 feierlich vor dem Parlamentsgebäude zu Wien prokla- miert worden. Ein schwerer Schatten fiel auf diesen Tag: in seiner Früh« war Dr. VtktorAdler gestorben— seine letzten Worte waren die Frage:„Was ist in Deutschland?" In ihm verlor die junge Republik ihren Staatssekretär des Aeuheren. das Volk seinen treuesten Freund, die Arbeiter- schaft ihren Organisator, Einiger, Lehrer und Führer. Einige Monate darauf strich das Gebot jener fremden Machthaber, die sich Vorkämpfer der Völkerfreiheit nannten, das Wort„Deutsch" aus dem Namen des Staates, aus seiner Verfassung den ersten Satz„Deutschösterreicb ist ein Glied der deutschen Republik" und legten ihm die Verpflichtung des Verzichts auf sein Selbstbestimmungsrecht auf, indem man die Heimkehr zum Deutschen Reich von der Erlaubnis jenes Völkerbundsrates abhängig machte, von dem sowohl Deutsch- österrelch wie das Deutsche Reich noch ausgeschlossen waren. Staatstanzler war unser Genosse Dr. Karl Renner, Parlamentspräsident und damit provisorischesStaatsoberhaupt unser Genosse Karl Seitz abseits stand ohne Rang in der Politik Prälat Dr. I g n a z S e i p e l. Heute ist er Bundes- kanzler und Renner war soeben im Budgetausschuß der Sprecher der Opposition. Diese besteht nur aus der Sozial- demokratie, alle bürgerlichen Parteien im Parlament sind zusammengeschlossen und folgen Dr. Seipel. Er gilt als der große Mann, seitdem die Inflation beendet wurde— nicht durch scharfe Einziehung der großen Privatvermögen, wie die Sozialdemokraten 19?2 forderten, sondern durch eine vom Völkerbund vermittelte Anleihe unter vorläufiger Richtans- Übung de» Generalpfandrechts der Ententemächte und gegen die Unterwerfung unter den Generalkommissar, einen aus- ländifch-kapitalistischsn Finanzdiktator. 70 0X1 öffentlich An- gestellte wurden abgebaut.' Kultur» und Soziälausgaben furchtbar gedrosselti vis Anleihe hat nicht verhindert, daß in dem Sechseinhakb-Millionen-Staat dauernd 170 000 und mehr Arbeitsfähige arbeitslos sind. Dos Stadtvolk ist zum größten Teil völlig verarmt, die Emzelmenschen, aber auch dieIndustrie können nur dank dem Mieterschutz leben: er läßt die Inhaber von Mietwohnungen sehr wohlfeil Hausen er allein gestattet den Arbeitern und Angestellten, sich mit Löhnen gerade noch abzufinden, deren Anpassung an aufgewertete Mieten die Industrie ziemlich Wettbewerbs unfähig im Auslande machen würde. Die Sozialdemokratie. Gegnerin der Mietenaufwertung, hat die Mehrheit der Stimmen in der Gesamtheit der Gemeinden mit mehr als zweitausend Einwohnern— nur der zurückgebliebenen städtisck'en Eni- Wicklung und dem von unseren Genossen durchgesetzten Proporz oerdanken die bürgerlichen Parteien überhaupt ihre Mehrheit! Bei solchem besonderen Verhältnis kann gerechterweise nicht unbeschränkt der Mehrheitswille Unterwerfung der Minderheit verlangen Sie hat bisher durch Obstruktion den Abbau des lebenswichtigen Mietericbutzes verhindert— Seipel macht ihr darob schwere Vorwürfe und spricht von der Unmöglichkeit, rein parlamentarisch zu regieren: ein schlecht gewähltes Beweisstück! Als Hauptgrund aber, warum man nicht Frieden miteinander schließen und versuchen könne, sich schiedlich und friedlich zu vertragen, führt Seipel die anti- kirchliche Werbearbeit der— Freidenker an und fordert ihre Abschüttelung von den Sozialdemokraten. Die kann nicht gewährt werden, denn die Sozialdemokratie hält in ihren Reihen fest, was ihr Programm auch vom Staate erklärt sehen will, daß Religion Privatsache sei. Außerdem führte Seipel als fiindemis einer Annäherung d'» wissenschaftlich- religionskritischen Arbeiten von„Alpha Omega" in der Arbeiter-Aeitung an! Renner und Bauer haben dieser Kulturkampfrede Seipels sofort die Tatsache entgegen- gehalten, daß die Sozialdemokratie 1918U0, als sie nicht nur m i t regiert, sondern— unter dem Druck der revolutionären Rachkrieasstimmiing— weit mehr durchgesetzt hat, als sie sonst wohl als Minderheit zu erreichen imstande gewesen wäre, gegen die Vorrechte der Kirche nichts unternommen hat. Dagegen stellt sich die Geistlichkeit großenteils in den Dienst der antisozialistischen Agitation, der christlichsoziale Unterrichtsminister sabotiert geradezu oberstgerichtlichen Entscheidungen, wonach konfessionslose Kinder gegen den Elternwillen nicht in den Religionsunterricht gezwungen werden dürfen, die regierende Kirchenpartei verweigert die Beseitigung des noch geltenden, rein kirchlichen Ehsrechts ebenso wie die Abschaffung des Gebärzwangs— kurz, die Offensive des Klerikalismus ist mindestens ebenso stark wie die der Freidenker, nur daß diese nicht über den staatlichen Apparat verfügen! Der Austritt von 20 000 Menschen aus der Kirche feit der Iulischlacht war gar� nicht von den Freidenkern angeregt, sondern von des Prälaten Seipel Wort: .Feine Milde!" Wenn die rein negativen Aeußerungen Seipels die Ant» «ort auf die Friedenskundgebung des sozialdemokratischen Parteitages sind, so wird aus dem Friedensversuch nicht viel werden. Wie dieser betonte Klerikalismus auf die groß- deutschen und landbündlerischen Regierungsstützen wirkt, ist abzuwarten. Genosse Renner hat in einem langen Schreiben an das Wiener Montagsblau„Der Morgen" von der M a z e- donisierung Deutschösterreichs gesprochen, woiNit er das kampfbereite Gegenüberstehen bewaffneter Scharen meint und die schon allzuoft vorgekommenen Ueberfälle und Morde, die freilich ausnahmslos von„Antimarxisten" begangen worden sind. Auf seinen Abrüstungsvorschlag er- wartet Renner zunächst nicht Antwort von der Regierung und den gegnerischen Parteileitungen, sondern von den Bauern. den Beamten, der Intelligenz. Jedenfalls hat das Aufrüsten und Aufmarschieren der Heimwehren, nicht zuletzt verursacht durch die Lügenpropaganda von einem proletarischen Dik- tatürversuch am IS. Juli, die„mazedonische" Gefahr stark vergrößert. Der verhältnismäßig ruhige, von monarchistischen Mord anschlagen auf Führer der Republik vollkommen freie, auch blutige Gewaltakte vergleichsweise gegen Deutschland ungleich weniger bringende Ablauf der ersten Nachkriegsjahre in Deutschösterreich hat uns oft mit einem gewissen Neid hin- überschauen lassen. Nicht.die Sozialdemokratische Partei hat drüben Terror zu üben versucht. Das wird der große Ring- straßenaufmarsch am morgigen Staatsfeiertag wieder be- weisen. Nicht zum Stäatsfeiertag, sondern zwei Tage später trifft der Reichskanzler mit dem Außenminister aus Berlin in Wien ein. Sie. finden, ein verarmtes Bplk vor Klassenmäßig und darum auch parteipolitisch zerrissen wie alle Kulturvölker von heute, ist es doch einig in dem Der- langen nach freier Selbstbestimmung, nach Heimkehr ins Reich. Die Former beschließen den Streik. Am Moniag Gchtichiungsverhandtungen. An der Streikabstimmung in den Eisengießereien des Verbandes Berliner Metalllndustrieller am Freilag haben sich von Z17l veschäs. »glen 3031 beleiligl. Davon haben sllr Streik 2bSS. für Ar- beit 373 gestimmt, krank oder aus llilaub wcren 140. Damit ist die statutarisch notwendige Dreiviertelmehrheit für den Streit nicht nur erreicht, soadera noch well überschritten worden. Die Funktionäre der Berliner Eisengießereien waren gestern abend im Berbandehans der Metallarbeiter zusammengekommen, um die weiteren Maßnahmen zur Durchführung ihrer Lohnbewegung zu beschließ«». Der Branchenleiter Schröder teilte zunächst mit. daß der Hauptvorstand des Metallarbelterverbondes die Berliner Orts Verwaltung darauf hingewiesen habe, daß unbedingt vor der Ardeitseinstellung entsprechend dem Statut. der S ch l i ch t.chngs ausschhß' angerufen werden müsse. Di« Ortsoerwällung ist dieser Anweisung gösolgt und hat den Schlichtungsausschüß ange- rufen, der die Parteien zu Montag nachmittag �Zllijr zu Verhandlungen geladen hat, an denen auch ein Vertreter des Hauptvorstandes der Metallarbeiter, teilnimmt. Der Branchenleiter ersuchte die Funktionär« in der Aussprache, die Frag« zu prüfen. ob trotz der angesetzten Schlichtvngsverhandlungen am Montag die Arbeit niedergelegt und in einen wilden Streik eingetreten werden soll, oder ob das Ergebnis der Derh.rndUingen erst abzuwarten sei. In der Diskussion gingen die Ansichten fast ausnahmslos dahin, am Montag geschlossen in den Streik zu treten. Es fehlte jedoch auch nicht an Stimmen, die sich gegen diese Maß- nähme aus rein taktischen Gründen wandten Genosse Urich ver- trat gegenüber den Schlichtungsausschußgegnern die gewerkschast- lich richtige Ausfassnng, daß es unmöglich angehen könne, daß Ver- bgndsmitglieder und sogar Funktionäre sich über das von ih:.,,! unterschristlich anerkannte Statut einfach hinwegsetzen. Da» Statut schreibt vor, daß vor jedem Streit die, Schlichlungsinstänzen angerufen werden m ü s s e n. Der Hauptvorstand würde und müßte eine Bewegung, die nicht dem Statut entsprechend eingeleitet worden ist, die Sanktion verweigern. Die Erfahrung hat gezeigt, daß in Berlin alle wildew Streiks o h n e �E r f o l g. geblieben sind, Die Funktionäre müßten aber guch schon die Lohnbewegung, aus dem Eirunde statutenmäßig führen, damit sie die Sympathien der Oefsentlichkeit auf ihrer Seite hab�n. Nach einer längeren Vertagung, der Bersammiung gab nosse Urich das inzwischen festgestellte Abstimmungsresulla� be könnt, woraus die. Diskussion fortgesetzt wurde. Nach nochmaliger ausgiebiger Debatte traten. die Funktionäre schließlich mit g r o ß e r. M eh r che i t. der Äussassung der Branchenkommission bei, die in ihrer Beratung, vor.der Beisamm- lung beschlossen hatte, zwar aus ihren Reihen ke'nc Beisitzer fyr den Schlichtungsausschuß zu stellen, aber zu den Vcrhand- lü ngen zu gehe» und dort die Interessen der Eisenformer mit noch größerem Nachdruck zu vertreten als in dzn direkten Verhandlungen mit dem VBMI. Die Eisenfornier werden nun so lqnge Gewehr bei Fuß stehen, bis die Branchenleitung bzw. die Ortsoerwaltung- des Metall- arbeiter-Verbandes durch die Presse an sie weitere Anwei- snngen ergchen läßt. D>c Entscheidung über Krieg oder Frieden liegt nunmehr bei den Berliner Metallindustriellen. Wenn sie den Kampf wollen, werden ihn die gut organisierten Berliner Eisensormer ausnehmen und zum Ersol"?'• st-fwi versieben Illegale Arbeit in Ziußland. Gchlsöerung ihrer Methoden durch den Vorsitzenden der Zentralkontrollkommission. In der Plenarverjammlung des ZK.(Zentralkomitees) und dM ZKK.(Zentralkontrollkommission der russischen Kom- munislenpartei) gab es vor kurzem sehr interessante Auscin- anderfetzungen. Sie sind den Lesern des„Vorwärts" zum großen Txit schon bekannt. Die folgende Rede des Vor- sitzenden der ZKK., Iaroslawski, bietet eine wertvolle Ergänzung des Gesamtbildes, sie zeigt, bis zu welcher drama- tischen Schärfe die Gegensätze im russischen Kommunistenlager schon gediehen sind. Iaroslawski sagte: Es ist mir wie allen Mitgliedern der Zentralkontrollkommission und überhaupt den Mitgliedern der Kontrollkommissionen im Augen- blick schwer zu arbeiten. Wahr ist, daß es eine so'.ck?? Situation in der Partei noch nicht gegeben hat. Denn noch nie hat es soviel Betrug in der Partei gegeben und solch«Ine Aufhetzung der Parteilosen gegen die Partei, wie setz! durch die Opposition. Nie hat es sich bei uns ereignet, daß die aus der Partei Ausge- fchlossenen zusammen mit Mitgliedern des ZK. und der ZKK. und mit parteilosen bürgerlichen Intellektuellen, die keiner Kontrolle unterliegen, eine Organisation bilden, die gegen die Partei kämpil. Die Disziplin der Partei wird durch die Statuten destimmt. Wenn man fragt: Wie könnt ihr Repressalien unseres Staateappa- rates gegen dk« anwenden, hie gegen die Forderungen der Partei sind, so antworten wir: Hier Ist unser Parteistatut.«S ist verbindlich für olle Mitglieder der Partei. Und soweit sie Mitglieder unserer Partei sind, muß es auch für sie verbindlich sein. Weshalb sollten wir denn nicht das Orpnu der pro- letarischen Diktatur, die.sausti.''tetl«ns der heranziehen können zum Kampfe gegen die Uxber- schreitung'der Sowjetgesetze. wenn ste von Parteimitgliedern übertreten werden, wie diese» g«. schehen ist bei der Beschlagnahm« der Druckereien, wegen der Orga- n'sation illegaler Druckereien und tospiratioer Organisation mit unparteilichen bvurgeoisen Elementen, wenn die Fischeiesss, Bro- wers, Tscherbakoffs und andere unsere Sowjetgesetze überschreiten. Nehmt z. B. unsere letzte Plattform. Ihr habl wohl die Maske- rade nicht gesehen, die. mit dieser Platliorm betrieben worden ist. Hier ist die Broschüre(zeigt sie).Der Weg des Kampfes"(.Puci Borjbij") von D. Fuhrmann, herausgegeben in der„Rowajr Moskwa" 1925: auf der Rückseite des Umschlages steht: Druckerei „Jskra Rewolstizii"(.Der Funke der Revolution"). Das ist nicht die Druckerei, in der diese Plattform abgedruckt ist, das ist ein- andere! Was geschieht im Augenblick für die Verbreitung der platl- sorm? Diese Plattform wird von dem Parteimitglied Drybin einem parteilosen Ingenieur übergeben, der sie im Gosplon auf seinen Tisch legt. Ich habe eine Mitteilung erhalten, daß diese Plottsorm, der Zeitung.Iswestija" einliegend, zusammen mit der Krimmer der .."«smsskssa" verkanll wird, das hier in Moskau ein Genosse ans .'-em Bahnhof eine Nummer der..Iswestija" gciaiist hol, der die Plattform beigelegt war. Ich habe erfahren, daß dl« Anarchisten diese Platt» form zusamm«n mit Ihrem Blältchen vertreiben. Ich habe auch in Erfahrung gebrocht, daß diese Plattform für einen Rubel verkaust wird. Für einen Rubel werden diese Verleumders. scheu Anklanen regen die Partei verkauft. So steht es hier. Ur' ro-gen wi'd M a s! o w sie für 10 Pfennig in Dcutschlo herausbringen, und so wird sie die Beute der weißen Pie'• Woroschllofs: Solches geschieht zur Festigung der Porte! Ein« Stimme: Dos ist die Einheit der Partei. Vor einem neuen Gchulkompromiß Kalle« die Rechtsblockparteien auseinander? Am Freitag gab es bei der Beratung des Schulgesetzes im Bildungsausschuß ein hartes Ringen der Parteien um die Bestim- mung des Charakters der Gemeinschaftsschule, das die Widersprüche innerhalb der Regierungsparteien offen zum Ausdruck brachte. Hatte Ministerialdirektor Pellengahr noch am vorher- gehenden Tage die Zustimmung der Regierung zu dem Antrag der Volkspartei, der Gemeii jchastsschule christlichen Charakter zu geben, erklärt, so stand dem die Erklärung des Ministers K« u d e l l, der aus„ernsten derfassungsmäßigen Bedenken� den Antrag ablehnte, gegenüber. Die Deutschnationale Partei lieh dann auch erklären, daß sie sich nunmehr der Stimme bei der Abstimmung des Antrages Runkel enthalten werde. Sämtliche Anträge der Opposition wurden darauf von den Regierungsparteien abgelehnt, aber auch der Antrag des Volksparteilers Runkel mit 12 Stimmen der Opposition gegen 10 Stimmen der Regierungsparteien bei Enthaltung der D e u t s ch n o t i o n a l« n. Die Volksportei stimmte darauf zwar für die Regierungs- vorläge, ließ aber erklären, daß es sich um eine vorläufige Zustim- inung handele und die Vollspartei sich ihre«nd- gültige Stellungnahme vorbehalte. Dieses heitere Spiel kennzeichnete der Genosse Schreck mit der eindeutigen Erklärung: Ich stelle fest, daß die Regierungs- Parteien auseinandergefallen sind. In der weiteren Beratung des Abschnittes 3 des Z Z, in der Biester den Antrag der Sozialdemokratie, die Worte„in allen Stlasien' zu streichen, unter Hinweis auf die Anträge Hamburgs und mit pädagogischen Notwendigkeiten begründete, nahm der Re- gierungsoertreter Pellengahr aber vor Schluß der 8. Tagung nochmals Stellung zu dem Abs. 1 und 2 des 8 3. Damit ist die Aussprache über die bereits durch Abstimmung erledigten Abschnitte des§ 3 wieder eröffnet. Heute werden deshalb neue Erörterungen notwendig werden. Wer bezahlt das Reichsschulgesetz? "tgine Eingabe des Deutschen Städtetages. Nichts tennzeichnet die Leichtfertigkeit der bürgerlichen Parteien bei der Behandlung des Reichsschulgesetzes bester als die! Tatsache, daß man sich über die Kosten der Durchführung keine Sorgen macht. Die große Zahl von Zwerg- und Splitter- t schulen, die bei der Berücksichtigung des Willens der Crziehungs- berechtigten entstehen sollen, wird in jedem Falle einen erheb- lichen Aufwand erfordern. Das Reichssinanzministerium lehnt es ab, die Kosten zu tragen und überläßt die Sorge dafür freund- Uchst den Ländern und Gemeinden, denen es die neuen Ausgaben aufbürdet, während es gleichzeitig noch außen hin eine Politik der Sparsamkeit proklamiert. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat nun in einer E i n g a b e an den Bildungsausschuß des Reichstages einen scharfen Protest gegen dieses Borgehen eingelegt. Der Spitzenverband der größeren deutschen Städte betont in der Eingabe, daß das Reich nach dem Reichsfinanzausgleichsgesetz den Gemeinden nur dann neue Aufgaben zuweisen darf, wenn es gleichzeitig die notwendigen Mittel bereitstellt. Durch das Reichsschulgesetz. trete«ine solche wesentlich« Erweiterung der Ge- meindeausgaben ein. Es gehe daher schlechterdings nicht an, daß das Reich sich der Verantwortung für die finanziellen Auswirkungen des Gesetzes entzieht. Nicht die Gemeinden sind es, die die N e u g r ü n d u n g von Schulen betreiben. Vielmehr will das Reich dos wn, indem es das Antragsrecht der Erziehungsberechtigten«inschaltet. Die Gemeinden sind gezwungen, die Schulen nach diesen Anträgen einZu- richten: dabei haben sie aus die Willensbildung dieser durch Bekenntnis und Weltanschauung zusammengehaltenen Gruppen keinen Einfluß Der Städtetog lehnt es aufs entschiedenste ab, daß den Gemeinden diese neuen Lasten auferlegt werden, ohne daß ihnen gleichzeitig neue Einnahmen zur Verfügung stehen. Ein« amtliche Kostenrechnung ist bisher nicht aufgestellt. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß eine sehr beträchtliche Steigerung der Volks- schulausgaben durch das Gesetz«intreten wird. Einmal mästen höhere Aufwendungen für Lehrergehälter erfolgen. Dazu kommen aber die einmaligen hohen Ausgaben für Schulneubauten. Diele könnten nur auf dem Anleihewege gedeckt werden. Es ist doch bekannt, welche Schwierigkeiten dem entgegenstehen.(Das Reich sieht derartige Aufgaben als unproduktiv an und gestattet dafür keine Auslandsanleihen. Red.) Schon jetzt sind die Gemeinden zum Beispiel in Preußen mit Voltsschulausgaben derartig belastet, daß sie dies« als unerträglich bezeichnen. Demnach hält der Städtetag feine Forderung auf Kostenerstattung durch das Reich in vollem Umfange ausrecht. Man kann gespannt sein, wie das Reichsinnenministerium und der Reichsfinanzminister auf diese begründeten Vorstellungen der Gemeindevertreter reagieren wird. Hindenburg-Keier im Ausland. Die Mißachtung der Republik.— Was flch Ausländsdeutsche erlauben dürfen. Der berüchtigte Flaggenerlaß, über den der Reichskanzler Luther gestürzt ist, sollte angeblich in den deutschen Kolonien de« Auslandes Frieden stiften. Man hatte sich eingeredet, da»' Zeigen der Nationalflagge und der Handelsflagge auf den Amtsgebäuden werde die Gerster versöhnen. Aber die Wirkung ist die gegenteilig« gewesen. Die Schwäche des Auswärtigen Amtes hat immer neu« Frechheiten der Nationalisten zur Folge. Um ein Beispiel herauszugreifen: In Porto Alegr«, der von zahlreichen Deutschen bewohnten Hauptstadt des südbrasilianischen Staates Rio Grand« do Sul, fand in diesem Jahr ein« Ber- fassungsfeier überhaupt nicht statt— angeblich wegen Abwesenheit des Konsuls. Der dortige Berufskonsul hat diesmal die Verfastungsfeier ebenso umganzen wie im Jahre vorher der Ge- sandte in Rio. Nicht einmal ihre Vertreter haben einen amtlichen Empfang veranstaltet. Dos sind die selben Beamten der Republik, die durchreisenden Äaiserenkeln ihre Aufwartung machen, die aber an Festlichkeiten der deutschen Kolon« auch dann teilnehmen, wenn Schwarzrotgold nicht gezeigt wird! Bei solcher monarchischer Knechtseligkest amtlicher deutscher Der- treter ist es dann kein Wunder, daß manche deutschen Auslands- zeitungen, wie z. B. der„UMaldsbote" in Blumenau, die deutsche Republik fortgesetzt in gemeinster Weise beschimpfen, ohne daß die Gesandtschaft protestiert oder einen Strasontrag gestellt hätte, für den das brasilianische Presterecht eine genügende Handhabe bietet. So darf dann eine solche Zeitung unentwegt gegen die„Schieber- republif", gegen die„Flagge des Verrates und Meineides� in einem Lande schimpfen, wo man den Kull der Nationalflagge so weit treibt, daß jeder Bürger vor ihr den Hut zieht. Wenn freilich die amtlichen Vertreter des Reiches fotche Be- schimpfungen der Heimat durchgehen lasten, dann darf man sich auch über pöbelhaste Exzesse nicht wundern. Di«„Neue iGutsche Zeitung* in Porto Alegre v«ro ff entlicht am 3. Oktober den Wortlaut der Hindenburg. Ansprache«ine» Pfarrer» Falken» berg. Der hat u. a. mit den folgenden„hinreißenden Worten" den greifen Feldmarschall und Reichspräsidenten gefeiert: Ulnd als dann aufs neue Sturmnot lostobt, als Fieber über Fieber den deutschen Körper schütteln, al, eine deutsch« Jugend ich wahnsinnig tanzt, und Alte vor Schmerz zusammenbrechen, a um die Schande nicht zu überleben zur Waffe greisen, als die Politik zu schmutzigsten Geschäften.benutzt wird, man denke an die Namen Erzderger, Höste, an alle die tausend sozialistischen Landräte, als Eberl stirbt, der erst« Wahlgang unentschieden ist, da gibt er sich her, der Grei», verzichtet aus de» Leben» Feierabend und wird zum Retter in der Not..." Nun soll zwar dieser edle, vom preußischen Oberkirchenrat in die evangelische Diaspora entsandte Seelsorger die gemeinsten An- schuldigungen aus angeblicher Rücksicht aus den anwesenden deutschen Konsul nicht gesagt haben— sie sollen nur durch„ein Versehen" ge- druckt worden sein—> aber das ändert nichts an der erbärmlichen Tatsache, daß ein Kirchenbeamter derartige Niederträchtigkeiten gegen Volksgenossen hat sagen wollen und hat drucken lasten. Das ist der Dienst an der„Volksgemeinschaft", wie dieser Seelenhirt ihn auflaßt.„Ein Volk gilt so viel, als es vom Ausland geachtet wird," sagte dieser Patriot in demselben Atemzuge, mit dem er durch seine Niederträchtigkeiten sein eigene» Volk der Verachtung dieses selben Auslandes preisgibt. Wann wird der vberkirchenrat der von der deutschen Republik unterhaltenen Kirche gegen einen Beamten eingreifen, der sich schon außerdienstlich derart schamlos auflührt? Wie lange wird der Reichs- Präsident es dulden, daß fein Name derart zu Schmähungen mißbraucht wird? Wann endlich wird das Auswärtige Amt seinen Be- amten den Respekt vor Schwarzrotgold beibringen? Zaroslawskl: Gestatten Sie endlich, daß" ich«in Telegramm aus Rostow am Don verlese, das soeben eingetroffen ist: „In Rostow wird in letzter Zeit in sehr ausgiebigem Maße das Materiol der Opposition oerbreitet: die Plattform und be- sonders ein Rundschreiben an die Mitglieder der Partei. Diese oppositionellen Dokument« werden durch die örtlichen Oppositio- nellen mit Hilfe Parteiloser und sogar von Kindern in den Fabriken, Hochschulen und sogar in staatlichen Institutionen verteilt. Die Arbeiter, sowohl Mitglieder der Partei als auch Parteilose, sammeln dieses Material und übergeben es den Parteiorganen. Die lokalen Oppositionellen haben«ine breite Tätigtest in illegalen Kreisen entwickelt. Die verstärkte Tätigkeit der Opposition stößt auf die Empörung der parteilosen Arbeiter und auf den ein- mistigen Widerstand der Parteiorganisationen." Genosse Sinowjew und andere Mitglieder des ZK. und der ZKK. reifen nach Leningrad und veranstalten dort einige Tage hintereinander illegale Empfänge. Das geschieht auf die Weise, daß die Oppositionellen in die Fabriken gehen und dort auf- fordern:„Wer mächte vom Genossen Sinowjew empsangen werden? Wer empfangen werden möchte, der mag sich einschreiben. Genost« Sinowjew en�ifängt in Gruppen von 30 bis 40 Mann." äenutidse: Wi« ein Zahnarzt! Eine Stimme: Wie ein berühmter Chiromant! Zaroslawski: Worüber plaudert denn Genosse Sinowjew dort? Ich will mich darauf beschränken, kurze Auszüge aus zwei Eingaben zu verlesen. Die Eingabe des Parteimitgliedes Liftejeff ans Wolo- barsch« Rayonkomitee, seit 1917 Arbeiter des Depots Sortirowotsch- »aja:„Das Manifest wurde beraten. Der Genosse Sinowjew fing an, Kritik zu üben, mit dem beabsichtigten Sieben swndentag wolle man den Arbeitern um den Bart gehen." Das ist die Arbeit, die auf diesen Empfängen geleistet wird. Der Genosse Sinowjew wird gefragt(Eingabe des Parteimitgliedes Genossen Kosjko, Direktors der Fabrik„Krasnaja Nitj"):„Wie ist es geschehen, Genosse Sinowjew, daß mit Hilse der Opposition der Genosse Lominadse ausgeliefert worden ist?" Darauf entgegnet Sinowjew:„Wir sind natürlich schuld daran, doch es sst nichts Furchtbares dabei. Der Genosse Lominadse hat dadurch kein Haar von seinem Haupte verloren. Ja. um die Wahrhest zu sagen— erklärt Genosse Sinorchew— so sonderbar es ist, im Hindenburgschen Deutschland ist es viel fre.iheit- licher als bei uns. Ich kann kühn behaupten, daß dort im Augenblick nicht«in einziger Kommunist im Gefängnis sitzt. Man kann dort schreiben und sprechen, was man will. Es ist natürlich schlecht, daß es so ausging..." Stimmen: O weh, o weh, o weh! Das ist ja Konterrevolution! Me? Wie? llaroslawski: können wir die tobpreifung des hindenburgschen Deutschland durch ein Parteimitglied ungestraft hingehen lassen? Genossen, sie bestehen auf Veröffentlichung des Leninschen Testa- • nwnts. Darüber muß der 16. Kongreß entscheiden. Ich habe es auch voriges Mal unterstützt, und jetzt glaube ich. daß in einem Monat all« Mitglieder der Partei im Besitz der gesamten Briefe Lenins sein werden, die von der Parteiopposition oerbreitet werden, sowie auch derer, die sie nicht verbreitet. Stimmen: Richtig! Zaroslawski: Dieses„Testament Lenins", wie es genannt wird, ist in Leningrad in der illegalen Druckerei von Mitgliedern der kommunistischen Jugend hergestellt worden. Aus -diesem Testament ist alles das gestrichen worden,-was«s über Sinowjew und Kamenew enthielt. »ifbw sfreorjoff-Slepanoff; ki, eil Stimmen: Schande, Schande! ZarostawskI: Das ist ein« Spitzbüberei, eine Unterschlagimg. Schämt ihr euch nicht dessen, was ihr tut? Stimme vom Plahe: Falschmünzer! Zaroslawskt: Ihr verlangt die Befreiung der' verhafteten ver. brecher. weil ihr ihre direkten oder indirekten Mittäter feidi Endlich, Genossen, das Letzte. Ich muß sagen, wenri man bis jetzt noch zweifeln tonnte, daß es sich um die Schaffung einer anbeten Partei handelt, so hoben jetzt an das ZKK. Eingaben zu fließen begonnen, nach denen j«glicher Zweifel wegfällt. Da ist die Eingabe eines Parteimitgliedes, das von seinem Gespräch mst«iner Gruppe von Genossen berichtet. Als es sich an einen jungen Genossen wandte, der stark gegen die Partei aufgetreten war und Dokument« verbreitet hatte, einen gewissen Rjumin, und ihn fragte:„Seit wel- chem Jahr« bis du in der Partei?", antwortet« letzterer:„Zch bin parteilos. We-Halb sollte ich in diese Partei eintreten, die wir alle bekämpfen? Wir haben unsere eigene neue Partei, in die ich ein- getreten bin und zu deren Kandidaten ich zähle.(Gelächter.) Wir haben bereits unsere eigenen illegalen Mitgliedsbücher, d'e bereits ausgegeben find, und ich habe die Kandidatenkarte erhallen." Eine Sttmme: Oho! ?aroslawskl: Wenn Ihr wollt, daß wir Mitglieder der ZKK bleiben, so erkläre ich euch, daß wir Mitglieder der ZKS nicht bleiben können, wenn die Leuke. die eine solche neue Partei auf- bauen, Mitglieder unserer Partei bleiben.(Beifall.) Skimmea: Richtig! Talberg: Man muß sie ausschließen. Bor dem Ausschluß Trohkis. M o» t a», II. November.(Ost-Expreß.) Der Beschluß des Zentralkomitees der kommunlstifcheu Partei. durch welchen die Frage des Auftretens der Oppositionsführer beim Zubiläum und der daraufhin zu ergreifenden Maßnahmen der Zentraltonlrollkommissioa überwiesen wird, wäh- read gleichzeitig auch die Prooinzorgaulfatiouea zu energischem vor- gehen gegen die Opposition angewiesen werden, bedeutet zwar eine Verschärfung des innerparteilichen Sonflikls, doch wird bei dem Vorgehen gegen die Opposition die Mithilfe der Sowjet- st aatsgewalt einstweilen noch nicht angefordert. Sollte es indessen zu ernsteren Zusammenstößen zwischen den An- hängern der PartelmehrheU und der Opposition kommen, so wurde wohl ein Eingreifen der GPU. nicht ausbleiben. Obgleich der Ausschluß der führenden Opposillonsmänaer ansder Partei nunmehr erwartet wird, so macht die Opposition dennoch keinen eingeschüchterten Eindruck und ihr Kamps um da» Work wird fort- geseht. Die Sowjelpresse und vor allem die„Prawda" als führendes Organ der Partei nimmt in schrossster Form Stellung gegen dick Opposition und erinnert daran, wie Lenin schon 191? sich über die heutigen Opposittoassührer Kamenew und Sigowjew mit veruich- kender Kritik geäußert hätte. Da Lenlu in seinem jetzt ausgegrabenen Brief diese beiden Oppositionellen als„politische Streikbrecher" be- zelchnel hat. so gibt die„Prawda" mU Bezugnahme darauf die Parole au»:„UnnachgiebigcrKampfgegendie Streikbrecher!" ... z Das voll von Nikaragua hat bei den Gemeindewahlen den Konservativen, die von Nordamerika Truppen herbeigerufen haben, ein« schwere Niederlage bereitet. Polen zerstört eine Weichselbrücke. Ist solcher Wahnwitz erlaubt? Elb lag, II. November. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer für den Regierungsbezirk Weflpreußeu und das westliche Ostpreußen. Sitz Elbiag, hat eine Entschließung gefaßt, die verlangt, daß entgegen der polnischen Absicht der Beseitigung der Elseubohn- und Ehausseebrücke über die Weichsel bei Marieuwerder- Münsterwalde die Reichs, und die Slaatsregieruug flch bemühen. diesen einzig?« unmittelbaren Weichselübergang zwischen Ostpreußen und Polen zn erhalten. Gesang mii Keiientlirren. Aus den litauische« Gefängnisse«. Sowno. 11. November. Im Gefängnis der Kreisstadt T e l s ch i sitzt eine besonders große Zahl politischer Gefangener. Das Gefängnis liegt in der beleb- testen Gegend. Die Gefangenen haben In letzter Zell wiederHoll von den Fenstern ihrer Zellen aus revolutionäre Ansprachen an das Straßenpublikum gerichtet, politische Couplets ge- s u n g e n usw. Es sind strenge Strafen dafür verhängt worden, ohne daß die Gefangenen dieses Treiben eingestellt haben. Der offiziöse„Lietuois" verlangt die Ueberführung dieser Gefangenen in«in isoliertes Konzentrationslager und äußert sich be- sonders empört darüber, daß die Gefangenen, wenn sie in die Bade- l anstall geführt werden, beim Gang durch die Straßen Reoolutions- ' lieber singen und„zur Begleitung der Melodie mit ihren Ketten klirren", was stets zu großen Aufläufen und Tumulten führe. Demonstrationen in Belgien. Gegen Alkoholfreigabe, für kürzeren Militärdienst. Brüffel. 11. November.(Eigenbericht.) Allbenminister Vandervelde sprach in Brüssel in einer großen Versammlung der Gastwirtsgehilfen, die als Antwort auf die Demonstration der Gastwirte gegen da» Altoholgesetz einberufen worden war. Bandervelde ertlärt«, daß die Sozialistische Partei entschlossen sei, bi» zum letzten Atemzuge für die A u f r e ch t e r h a l- tung dieses Gesetzes zu kämpfen. Es bewahre— ohne in Ueber- ireibungen der Prohibition zu verfallen— die Arbeitertlass« vor der Vergiftung durch Alkohol. In Ouaregenon, im Kohlenrevier Borinag«. demonstrierten ungeachtet strömen!»«» Regens 30 000 Personen für die sechs- monatige Militärdienstzeit. Vereitelte Veriuschungsversuche. Die Bürgerlichen müssen in der BesoldvngSfrage Farbe bekennen. Der Ausschuß für den Reichshaushalt führte in feiner Sitzung vom Freitag die Beratung des Beamtenbesoldungs- gefetzes zu Ende. Der sozialdemokratische Antrag, über den gestern be- reits beroten worden war, den Offizieren vom Generalmaior auf- märts, keine Entschädigung für besondere Abnützung der Dienstbekleidung zu gewähren, wurde einstimmig o n g e- n o m m e n. Einstimmig wurde auch eine Entschließung angenommen, in der die Regierung ersucht wird, in den Aussührungsbestimmungen eine Regelung durchzuführen, die bezüglich der Anrechnung des Be- soldungsdien st alters der technisch vorgebildeten Be- amten eine volle Ungleichung an das Besoldungsdienstalter der anderen Beamten gewährleistet. Die Frage, ob die Dienstbezügc monatlich oder vierteljährlich im voraus zu zahlen seien, rief eine längere Diskusston hervor. Die sozialdemokratischen Vertreter erklärten, daß die vierteljährliche Vorauszahlung eingeführt werden müsse, sobald es finanziell durchführbar sei. Bei der gegenwärtigen Finanzlage sei dies aber unmöglich. Es blieb denn auch bei der Fassung der Regierungsvorlage. Ueber Abschnitt V: Wartegelder, Ruhegehälter und Hinter- bliebenenbezüge erstattete Genosse R o ß m a n n ein ausführliches Referat, das entsprechend einem deutschnationalen Antrag ebenso wie seinerzeit das des Genossen Steinkops wörtlich in das Protokoll aufgenommen und unverzüglich gedruckt den Mitgliedern des Ausschusses zugestellt werden soll. Die Beratung des Abschnitts V wurde nach der Beratung des Gruppe�aufboues zurückgestellt. Do im Zusammenhang mit diesem Abschnitt auch noch einige andere Paragraphen zurückgestellt wurden, kam die erste Beratung des Gesetzes schneller zum Abschluß als angenommen worden war. Beim letzten Paragraphen gab Abg. Lücke(Wirtsch. Pereini- gung) die Erklärung ab, daß seine Fraktion nur dann vem Gesetz die Zustimmung geben werde, wenn im kommenden Etat für 1K?8 gegen den Etat von 1927 Einsparungen in der Gesamthöhe von 19 Proz. vorgesehen wären, so daß den Versprechungen des Reichs- finanzministers gemäß neue Steuern zur Durchführung der Befol- dungsordnung nicht nötig würden. Eine lange und teilweise stürmische Geschästsordnungsdeballe entspann stch sodann über die Frage, wie der Ausschuß nunmehr seine Beratungen gestalten solle. Ein Volksoprteller regte an, die Be- ratung der zurückgestellten Teile und des Gruppenausbaues einem Unterausschuß zu überweisen. Di« sozialdemokratischen Abgeordneten traten diesem ersten Versuch, die Beratung eine» großen und de» wichtigsten Teiles der ganzen Besoldungsreform l» der Dunkelkammer eine. Unter ansschusse, stattfinden zu lassen, mit der größten Entschiedenheit und dem Erfolg entgegen, daß die Anregung fallen gelassen wurde. Di« Regierungsparteien machten dann den Vorschlag, die Beratung der Besoldungsgruppen zwar im Plenum des Haus- Haltsausschusses vorzunehmen, aber von hinten mit der Gruppe v: Polizeibeamte heim Reichswasserschutz, zu beginnen. Dann sollt« Gruppe C: Soldaten her Wehrmacht, darauf Gruppe S? feste Gehalten und zuletzt erst Gruppe A: Aufsteigende Gehälter der Beamten, �n Beratung genommen werden. Erst al« ihnen von ollen Rednern �»«r Opposition die Unmöglichkeit eines solchen Vor- gehen» nachgewiesen wurde, da die Gruppe A die Grundlage bildet. auf der das ganze Gebäude der Besoldungsreform errichtet ist, ließen sie zögernd auch diesen Borschlag fallen, und stimmten zu, daß Sonnabend mit der Beratung der Gruppe A begonnen werde. Dies« A u s f l ü ch t e der Regierungsparteien, nun endlich an das Kernproblem der ganzen Besoldungsreform heranzugehen, beruhen im vorliegenden Fall wohl weniger auf bösem Willen als auf der Tatsache, daß man in der kioalikion noch immer nicht einig geworden ist. was man nun eigentlich den Beamten gewähren wolle. Um diesen blamablen Zustand solange als möglich zu verHeim- l i ch e n, wurden all die sachlich und logisch unmöglichen Vorschläge gemacht. Jetzt endlich wird es nun für die Regierungsparteien heißen, nicht nur den Mund spitzen, sondern auch pfeifen. Oer bedingte Straferlaß. Die Bürgerliche« gegen das Recht auf Bewährungsfrist. Der Reichstagsausschuß für die Strafrechtsreform beriet vor- gestern und gestern die Bestimmungen des Strafgesetzentwurfs über den bedingten Strafer baß. Nach dem Entwurf soll das Gericht bei der Verurtellung zu Gefängnis- oder Einschließungs- strafen bis zu K Monaten oder zu Geldstrafen anordnen können, daß die Strafe nicht vollstreckt wird, wenn sich der Verurteilte während einer Probezelt gut führt. Die sozialdemokratische Fraktion hatte zu den hier einschlägigen Paragraphen eine Reihe von Abänderungsanträgen ge- stellt, die von den Genossen Landsberg und Dr. Kurt Ros-nfeld be- gründet wurden. Diese Anträge hatten zum Ziel, eine Berech- tigung der Anwendung des bedingten Straferlasses zu erreichen D!.> Genossen gingen davon aus, daß sich die bisher schon mögliche Vewährungsfrist in der Praxis als izützlich erwiesen hätte und daß es darauf ankomme, das Erziehungsmittel in höherem Maße als tirher zur Anwendung zu bringen. Obg'eich der Grundgedanke der sozialdemokratischen Anträge in vielen Punkten Zustimmung fand, wurden doch sämtliche AntrSge unse-er Fraktion abgelehnt. Die bürgerlich« Mehrheit des Aus- s-lu-lles ging dabei soweit, sogar einen Antrag abzulehnen, der die Möglichkeit schaffen sollte, eine Probezeit von nur einem Jahre festzulegen. Sckon bisher Ist in manchen Einzelstaaten eine so kurze Prpbczeit möalich gewesen. Die Beschlußfassung des Aus- schusscs zeiat, daß d>e Mehrheit nicht nur Verbesserungen des gegen- wärtigen Zuftandes ablehnt, sondern ihn sogar noch v e r s ch l e ch- t e r t. Die Weiterberawng der solgenden Bestimmungen des Strafgesetzentwurfs wurde auf nächsten Donnerstag vertagt. Oer Kall Birk. � Durch die kommunistische Kassade lugt immer noch der zaristische Geist. Der Deutsche Klub in Sofia hatte sich kürzlich die Geschmack- losigkeit geleistet, die Reichsilago« boykottieren. Nachdem in der deutschen repubtikamschen Presse dieser Skandal zur Sprache qe- bracht wurde, hat der deutsche Gesandt« In Sofia eingegriffen und einen Beschluß des Votstandes der deutschen Kolonie und des Deutschen Klubs bewirkt, wonach bei sämtlichen offiziellen Anlässen in Zukunft die schwarzrotgolden« Reichsflagg« gehießt werden wird. Reparatiousagent und Gemeinden. Bezeichnender Zwischenfall auf der Landgemeindetagung. Am Schluß der gestrigen Tagung der preußischen Landgemeinden ereignete sich ein Z w i s ch e n f a l l, der für die Denkweise unserer Nationalisten und für die Wirkungen der d e u t s ch n a t i o n a l e n Pressekampagne im Lande außerckrdentlich bezeichnend ist, In seiner Schlußansprache gab das Vorstandsmitglied des Land- gemeindcverbandes, Gemeindevorsteher S t a f f e h l, einen Uebcr- blick über die Ergebnisse, der Beratungen und stellte dabei mit Genugtuung fest, daß der preußische Innenminister bei seinem Vortrag über die neue Landgemeindeordnung die van mancher Seite erhobene Forderung nach allgememer Einführung der Landbllrger- meiftereien stch nicht zu eigen gemacht habe. Dann aber fuhr Staffehl fort: Die Einführung von Landbürgermeistereien würde erhebliche Kosten verursachen, die im Widerspruch zu der ollgemein ge- forderten Sparsamkeit stehen. Der Reparatioosagenk Parker Gil- bert, der in seinen» bekannten Brief die Verschwendung der Länder gxxügt habe, würde eine solche Verschwendung, wie die Einsühpußg der Dandbürgermeistereien. niemals dulden. Man muß stch das vorstellen: Der Gemeindevorsteher einer kleinen Landgemeinde, der Beauftragte einiger hundert Bauern, beruft sich auf den Reparationsagenten, wenn er die Abänderung der Gemeindeverfassung bekänipsen will. Herr Staffehl zeigte stch sonst als nationaler Mann und dürft« der Deutschnationalen Nolkspartei nicht allzu fern stehen. Daß Parker Gilbert von solchen Deutschnationalen als oberster Gesetz- g« b e r gegen die Parlamente und Regierungen des Landes. in Anspruch genommen wird, dos ist wohl das letzte, was er als Erfolg seines Schreibens erwartet hatte. Aber es kennzeichnet die Denkart jener Parlamsntsfcindc, denen jeder Diktator, auch wenn er vom Ententekapital. eingesetzt wäre, lieber ist, als das Zusammenwirken mit Polksgenossen, die anderer Meinung sind. tandgemeinden und BerwaliungSreform. Im Anschluß an die Ministerreden, über die wir in unserer gestrigen Abendausgabe bereits berichteten, sprach vor dem Land- gemeindctag der Derbandsleiter Dr. G e r e k e über Finanz- und Verwaltungsreform. Er betonte, daß Einsparungen bei den Landgemeinden kaum mehr möglich sind und verteidigte im übrigen den Anspruch der Landgemeinden auf Selbstverwaltung. Das Rcichsschulgesetz dürfe, so betonte er im Lause seines Referates, den Landgemeinden keine finanziellen Mehr. belastungcn bringen. Der Redner wandte sich gegen die Praxis der Eingemeindung, die oft gegen den Willen der Landgemeinden und Gutsbezirke erfolge.__ Volkspariei und Einheiisstaai. Für BerwaltungS- und VerfassunfiSreform— aber auch für Abbau sozialer Aufwendungen und der Kommunalpolitif. Parteivorstand und Parteiausschuß der Deutschen Volks- parte! haben gestern eine größere Entschließung gefaßt, die fest- stellt, daß der Reparationsagent gegen die vorliegenden Reichsgesetz- entwürfe keinen Einspruch erhoben habe. Sie verlangen die schleunigste Verabschiedung des Besoldungsentwurfs und des Kriegs- schädsnschlußgesetzcs. In einem weiteren Teil fordert die Vcltspartei eine durch- greifende Verwoltungsrefrrm,„die unter Umständen auch vor einer Aenderung der Versossung, soweit das Verhältnis des Reiches zu den Ländern in Frage kommt, nicht halt machen darf". Sie setzt sich ferner für einen Abbau der Steuern, insbesondere der Realsteuern ein, die einen schweren Schlag gegen die K o m- m u n« n bedeuten würde. Das ist um so mehr festzuhalten, als sich die Voltspartei sonst immer als eine Schützerin der Gemeinde- selbstverwallung aufspielt und eine groß« Zahl vop Oderbsirger- meistern in ihren Reihen hat. Ebenso verlangt sie einen Abbau der sozialen Lasten, der praktisch einen Abbau�der Sozial- Politik bedeuten würde. In gleicher Linie liegt der Teil der Kundgebung, der die Auf- nahm« von Anleihen für die Gemeinden eingeschränkt sehen will. Unklar ist die Forderung, die dahin geht, man wolle einen ge- eigneten Weg suchen, um die hemmungslos« Bewilligung von Mehrausgaben durch das Parlament sinzu- schränlen. Spielt etwa auch die Voltspartei mit dem Gedanken eines Finanzdiktators, den der sozialdemokratische Redner im Haus- haltausschuß de« Reichstages mit Recht als absurd zurück- gewiesen hat? Staatstreue Kommunisten. Dos Amt geht über die Partei- erklären neugewählte Stadträte. Köln, 11. November.(Eigenbericht.) � In der bei Köln gelegenen Stadt W i e s d o r f sind die kom° munistischsn Stadtverordneten Specht und Pauli mit den Stimmen der Kommunisten und Sozialdemokraten zu u n b e f o l- beten Stadträten gewählt morden. Bor ihrem Amtsantritt übermittelten Specht und Pauli dem Bürgermeister eine schriftliche Erklärung, die solgendcn Wortlaut hat: „Es ist mir bewußt, mit der Annahme des Beigeordneten- amtes Beamter und Untergebener des Bürger- Meisters geworden zu sein mit der Berpflichtung des dienst- lichen Gehorsams gegen Stadt, Land und Kreis und die gesetzmäßigen Anordnungen ihrer lBrgane. Ich bin gewillt, mich dieser Verpflichtung zu unterziehen. Insbesondere er- kenne ich die Reichs- und Staatsverfassung für 1 mich als bindend an. Ferner verpflichte ich mich, in der Verwaltung positive Mitarbeit zu leisten. Etwaige Instruktionen der Kommunistischen Partei und der Kommunistischen Jnternqtio- nale sind für mich als Beigeordneten nicht ni aß- gebend, vielmehr werde ich mein Amt stets pflichtgemäß im Rahmen der bestehenden Staatsordnung und unabhängig von Parteiinstruktioncn führen. Unterzeichneter verpflichtet sich zu einer sachlichen Mitarbeit. Jnsosern ich nicht durch Anordnungen dos Bürgermeisters oder der Reichs, und Staatsbehörden ge- zwungen bin. werde ich mich nur nach eigenem pflichtoenläßen ! Ermessen ernschließen. Hierbei werde ich mich nicht von den Inrercssen eines einzelnen Standes, sondern vm» denen der Allgemeinheit leiten lassen." Diese geradezu köstliche Erklärung hat der Wiesdorfer Bürger- , meister in dankenswerter Weife durch den„Wiesdorfer General- ' anzeiget" der Oeffentlichkeit übergeben. Die Kommunisten toben I natürlich über diese Veröffentlichung, die im Wide'-ipruch zu den demagogischen Parolen ihrer Partei steht.' Eine stabilisierte Linksregieruug. Mißtrauensvoten gegen das Mecklenburger Kabinett abgelehnt. Schwerin, 11. November(Eigenbericht.) Die Fraktion der Deutschen Dolkspartei im Mccklenbur- gischen Landtag hatte gegen die Regierung ein Miß- trauensvotum eingebracht, weil sie die von bei: Voltspartei geforderte Entlassung ejncs sozialdemokratischen Landesschulrats oerweigert hatte. Dieser Antrag wurde am Freitag mit 20 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Ein Mißtrauensantrag der Deutsch- nationalen Fraktion, der sich speziell gegen den Kultusminister rich- tete, verfiel gleichfalls der A b l c h n u n g mit 24 gegen 22 Stimmen. Oesterreichisch-deutsches Einheiisrechi. Tagung des interstaatlichen Strafrechtsausschusses. Am 15. November beginnen in Wien die auf zwei Tage berech neteu Beratungen der Ausschüsse des österreichischen und deuische» Parlaments über den Strafgcsetzentwurf. An diesen Be- ratungen, die sich später— je nach Bedarf— wiederholen sollen, werden zehn deutsche und sechs österreichisch« Abgeordnete teil- nehmen. Die sozialdemokratischen Fraktionen werden vertreten sein ! durch die Genossen Dr. Renner und Dr. Eisler, Wien, und � durch die Genossen Dr. Kurt Rosenfeld, Berlin, und Alu- S a e n g e r, München. OReichswehrauto verunglückt Mehrere Schwerverletzte. Schwerin, 11. November. In der Nähe der Stadt Gadebusch verunglückte ein mit 16 Re'chswehrsoldoten besetzter Lostkrastwagen. Dem Fahrer des Kraftwagens gelang es nicht, einem größeren Stein, der wegen der Neuaufschüttung der Chaussee doithin gelegt worden war. aus- zuwcichen. Durch den Anprall geriet der Wagen gegen eine Baum, sodaß fast alle hjinsassen heruntergeschlcu dert wurden. Ein Reichowehrsoldat erlitt eine schwere Ge- hirn'erschütterung, ein anderer eine erheblich« Be quetschung, mehrere Soldaten leichtere Derletzimgen Die Zigarrenfabrikanten für Kampf Sie wollen keine Zugeständnisse machen. Am Areitag waren zur Beilegung des Lohokouflikle» der Tabakinduslrie im Reichsarbeitsministerium die beiden Parteien zu unverbindlichen Besprechungen geladen. Das Ministerium Halle die beiden Parteien geladen, um einen lleberblick über die eventuellen Möglichkeilen zur Beilegung de» Sonflikte» zu gewinnen. Die Parteien wurden von den Vertretern des Ministeriums gesondert gehört. Die Arbeitervertreter erklärten, daß sie auch seht noch zum Frieden bereit seien, obwohl die Aussperrungen in vielen Teilen des Reiche, durchgesührt seien. Jedoch sei durch die angekiindlgle oder durch gesührle Aussperrung eine neue Lage geschaffen. Wenn die Unternehmer bereit wären, dieser neuen Lage Rechnung zu tragen, dann stehe einer Einigung nichts im Wege. Die Unternehmer erklärten, daß sie weder gruad- sählich noch wirtschaftlich in der Lage seien, irgendein Zugeständnis zu machen. Infolge dieser Erklärung der Unternehmer sind die Besprechungen ergebnislos abgebrochen worden. Die Funktionäre des Deutschen Tabakarbeilerverbandes traten im Anschluß an die Besprechung sofort zu einer Konserenz in Berlin zusammen, um die letzten M aß n a h m e n zur Durchführung des von den Unternehmern den Tabakarbeilern aufgezwungenen Kampfes zu treffen. * Die Unternehmer spielen mit dem Feuer. Wenn sie nicht von allen guten Geistern verlasien sind, dann nutzen sie die ihnen noch gebliebene Galgenfrist zum Einlenken. Wollen sie aber den Kampf bis aufs Mesier, dann rverdsn sie bald sehr unsanft darüber aufgeklärt werden, daß die Inflationsperiode und die Nachinflationszeit, wo die Gewerkschaften geschwächt waren, längst vorüber sind. Was versprechen sich die Unternehmer übrigens von der Aussperrung? Wollen sie die elenden Löhne n cckh tiefer drücken? Das können sie nicht, jagen sie doch selbst, daß sie den Kampf führen um die Aufrechterhaltung des Tarifs. Wollen sie die Organisation schwächen?— Noch nie ist der Zustrom neuer Mitglieder zum Tabakarbeiterverband so groß gewesen, wie seit der Ankündigung der Aussperrung. wich er ist nur eins: gewinnen können die Unter- nehmer bei diese; Aussperrung gar nichts. Oer Kampf in Raden. Mannhelm, 11. November.(Eigenbericht.) Im Kampf der Tabakarbeiter in Baden ist den Arbeitern der Betriebe in Offenburg und Umgebung zum IS. November gekündigt worden. Eine Firma, die zum Zwecke der Aussperrung auf 12. November gekündigt hatte, hat ohne Einhaltung der Kündigungsfrist der Arbeiterschaft, etwa 10» Männer und Frauen, ausgesperrt. Die Sortierer, Fertiger und Packer der Zigarrenindustrie in H o ck e n h e i m bei Mannheim sind in den Aus- stand getreten. Oie Aussperrung im Eichsfelde. Kastel, 11. November. Wie von zuverlässiger S-.'ite verlautet, ist In dem Lohnkonslikt in der Tabakindustrje im hiesigen engeren Dezirk, der u. a. Wigen- Hausen, Treffurt, Mühlhauscn(Thür.), Eschwege, cheiligenstadt, Dingelftcdt. Arnstadt, Schmalkalden, Nordhausen.(Böttingen, Carls» Hafen umsaßt, insofern eine Verschärfung eingelreten, als auf Grund der als Antwort auf die ausgebrochenen wilden Teiistreiks beschlostenen Gr�ierrlkündiqung nunmehr morgen die Aus- o l g t. Von der Aussperrung dürften etwa 20 000 werden. Luchdrucker, im eigenen Jntereste wachsam sein und de» Zkom- munisten bei allen kommenden Wahlen einen gehörigen Denkzettel zu verabfolgenl hatte zum 2. No- Hebammen", den „Deutschen Ä s o e r r u ng e Arbeiter betroffen �Oer lehie Sinn der Wirtschast." Schwerindusirielle Geständnisse. Den Schwerindustriellcn geht es gegenwärtig bekanntlich um dir Erhaltung desZweischichtensystems in den Stahl- und Walzwerken. D'e„Deutsche Lergwerks-Zeitung" nennt diese Betrieb«, wo flüssiges und glühendes Eisen verarbeitet wird, „W a r m b et r i e b e".„Der letzte Sinn jeglichen Wiitschaftens," sagt dieselbe„Bsrgwerke.Zeitung"(Nr. 265 vom 11. November), „ist ier Ertrag." So offenherzig pflegen Kapitalisten sonst nicht zu sein. Sie beleben es gewöhnlich, der staunenden Mitwelt zu erzählen, daß sie nur, um die Arbeiter zu beschäftigen, die Betriebe aufrechterhalten, daß sie aus reiner Menschenliebe das kapitalistische Lreuz auf ihre Schultern gcnMimen haben.„Die„Deutsche Berg- werks-Zcitung" aber sogt: .Zweifellos ist eine 100prozentige Veschästiguvg der iu- dustrielleu werke ein großer Erfolg. Aber der letzte Sinn feg- llchen Wlrtschaftens ist der Ertrag. Gehl dieser trotz guter Beschäftigung zurück. ist aus die Dauer die gesamte Konjunktur nicht zu halten." Dieses Geständnis setzt das Blctt de/ Schwcrindustr'ellen einem Artikel voran, in dem für die Beibehaltung des Zweischichtensystems in den erwähnten„Wormbetrieben" Stimmung gemacht wild. 12 000 Arbe'ter müßten die Bereinigten Stahlwerke neu«in- stell«w>(in Berlin wurden ganz andere Zahlen angegeben), wenn dos Drriichichtensystcm eingeführt würde, 12000 Arbeiter, wovon jeder„rund 4000 M. jährlich" kostet. Rund 4000(viertausend) Mark, so sagt die„Bergwerks- Zeitung". Die Arbeiter der„Warmbetriebe" können sich danach ausrechnen, wieviel sie nach den Angaben der„Bergwerks-Zeitung" von den Unternehmern noch zu fordern haben... Wir hätten nie geglaubt, daß ein den Unternehmern so unbedingt ergebenes Organ wie die„Bergwerks-Zeitung" nunmehr auch unter die Hetzer gehen würde. Wir wollen werben— wir wollen wecken! Nif die Neie Gewerkfchasts�ugend. Die Berliner Gewerkschastsjuaend unternimmt eine Reihe öfsentlicher Wcrbeabende, deren erster am 10. November in ihren« Nordkreis und zwar in der Auid des L n i s e n st ä d t i s ch e n Gymnasiums abgeholten wurde. Zum Unterschied von ähn- lichen Veranstaltungen bestreiten die Jugendlichen selber fast ausnahmslos die Darbietungen ihrer Werbekundqebiingen. Das hat den Borteil unmittelbarer Anteilnahme, der Burschen und Mäd- chen, wirkt packender und lebhafter, wofür dann allerdings manche Unebenheit in Kauf genommen werden muß. In der Ansprache muß Zweck und Ziel der Gewerkschaften ond damit' der Gcwerkschaftsjlzgend. den Neulingen eindringlicher vor Augen geführt werden. Kurz und bündig, ohne daß deshalb aus der Ansprache ein Referat wird. Gewiß, die Organisierten wissen ohnehin, worum es sich dreht, aber den zu werbenden und weckenden Kameraden muß es erst klargemacht werden. Die„Gesänge vom Werktag" des Sprech- und Bewegungschors, worunter insbesondere die Apostrophierung des fließenden Bands, wurden tadellos ausgeführt. Doch die Auswahl der Lichtbilder dürste sorg- sältiger und ibre Vorsühning exakter sein. Die im Ganzen genommen gute Veranstaltung schloß mit dem Gemeinschastsgesaug unserer Marseillaise, die in den letzten Iahren leider sellener gehört wird. Noch eines: die Freizeit am Werktagabend ist für die Jugend- lichen recht kurz. Lassen die Werbeve�anstaltungen sich nicht auf Sonntage verlegen/ muß aus dem Pn>gramm weniger Wichtiges gestrichen werden. Aste in der Angestelltenverficherung versicherten Mitglieder der freien Arbettergewerkschasten weiblichen und männlichen Geschlechts sowie alle Mitglieder der AfA-Gewerkschasten.die keine eigene Liste aufgestellt haben, wählen am 13. November in Berlin bei der Ängestelltenversicherungs> Wahl die Vorschlagsliste N„Frei- Ost«"(AsA) E- für den intt voller auf ihre Erfolge. ist durchaus zu begrüßen, daß unsere Jugendlichen selber ...... t ihre Gewerlschastsn Wirten. Sie zeigten sich bei der Sache und dürfen dann auch siolz sein Berliner Buchdrucker, seht euch zur Wehr! Macht dem kommunistischen Treiben ein Ende. Uns wird geschrieben! Im Derein der Berliner Buchdrucker und Hchrlftgießer setzen die Kommunisten äveS daran, um bei den kommenden W ah 1 len wenigstens einig» Posten für sich zu gewinnen. Was sie bisher bei der großen Masse der Berliner Buchdrucker nicht durchsetzen konnten, suchen sie jetzt auf dem Umwege über die Spar- t e n zu erreichen. Nachdem dieses Experiment mfo'ge der Saumseligkeit eines Teiles unserer Kollegen in einigen Sparten gelungen ist, gehen die Kommunisten auch in der Handsetzersporte zum Angriff über. Sie wollen unter allen Umständen die Vvrstandsposten in ihre Hände bekommen. Dann glauben sie freies Spiel zu haben und siegreich in den Gauvorstand einzuziehen. Als Vorsitzenden wollen die Kommunisten den bekonnten Gab- bcy vorschlagen. Denselben Gabbey, der vor etwa zwei Jahren als Redner in einer Versammlung der Berliner Sattler und Porte- feuiller im Gewerkschastshaus ausführte, daß er„das Zweifel- hafte Vergnügen habe, Mitglied des Buchdruckerverbandes zu fein". Damals hatte bei den Berliner Sattlern noch der Kommunist Müller das Heft in den Händen. Gabbey suchte sich durch die zu Beginn seines Vortrages gemachte Aeußerung bei der— damals— kommunistischen Versainmlungsmehrheit die notwendige Sympathie zu erwerben. Eine solche Aeußerung innerhalb einer Buchdrucker- versaminlung wäre schon beschämend für den Redner: vor Mitglie- dern einer anderen Organisation gemacht, ist diese Aeußerung de- rechnet, unseren Verband in den Kot zu ziehen. Sie kann unter keinen Umständen als eine rednerische Entgleisung betrachtet werden: denn Gabbey hat nachdem stets bewiesen, daß es ihm nurdarauf ankommt, den Buchdruckerverband verächtlich zu machen. Das kennzeichnet den Menschen, der— wenn es nach den Wünschen der Kommunisten geht— künftig die Geschicke der Berliner Handsetzer leiten soll. Ein solcher Vorsitzender wäre gerade- zu ein Verbrechen an den Interessen der Berliner K o l l�g e n s ch a f t, die in ihrer Gesamtheit treu zu ihrer Organisation steht. Darum müsicn alle Berliner Handsetzerkollegen morgen Sonntag, vormittags 10 Uhr, in der Versammlung in „Kliems Festsälen", Hasenheide 13-15, erscheinen. Das schändliche Spiel der Kommunisten muß zuschandcn werden/„Wehret den A n f ä n g e n II sei denen zugerufen, die an eine Spaltungsarbcit der Kommunisten bei den Buchdruckern nicht recht glauben wollen. Dos Beispiel der M a j ch i n e n s e tz e r sollte zu denken geben. In den nächste» B c z i r k s o c r s a m ni l u n g e n werden die Kandidaten für die Wahl der Delegierten zu de» General- Versammlungen aufgestellt. Auch hier ist es Pflicht aller Kol- legen, zur Stelle zu fekn, um die Zlufstellung von Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung zu ermög'ichen. Davon hängt die Zusamniensetzung der Generalversammlung und zugleich auch ein ersprießliches Arbeiten für die Sorgen und Nöte der Gesamtkollegenschoft ab. Den Kommunisten liegt nicht das min- deste an praktischer Arbeit. Ihnen genügt es, wenn sie in den Generalversammlungen ihre hohlen Phrasen an den Mann bringen können. Aus allen diesen Gründen heißt es jetzt für die Berliner Oer Kampf der Hebammen. Gegen die Abänderung der Reichs-Gewerbeordnong. Der„Allgemeine Deutsche Hebammenverband" vember dieses Jahres die„Vereinigung Deutscher „Schlitzverband Preußischer Hebammen" und den Hebammenbund(Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Stoatsarbeiter)" zu einer Aussprache über die beabsichtigte Aenderung des§ 30 Abs. 3 der Gewerbeordnung eingeladen. Frau Rauschenbach, die Vorsitzende des„Allgemeinen Deutschen Hebammenverbandes", führte einleitend aus, daß die jetzt bestehende Gewerbeordnung, nach der jede Hebamme, die im Besitze eines Prüfungszeugnissss ist, ihren Berus ausüben kann, verschiedene Länder daran hindere, die so notwendige Regelung des Hebammen- wcsens vorzunehmen. Ebenso könne Preußen sein 1322 erlassenes Hebammengesetz, das die Ausübung des Hebammenberufes von einer Niederlassungsgenehmigung abhängig macht, nicht durchführen, da eine Verwaltungsgerichtsentscheidung dieses im Gegensatz zur Gewerbeordnung stehende Gesetz teilweise aus- gehoben hat. Der Allgemeine Deutsche Hebammcnverband habe daher auf seiner letzten Verbände tagung den Beschluß gefaßt, bei den Behörden die beschleunigte Abänderung der Gewerbeordnung zu be- antragen. Als Vertreterin des„Deutschen Hebommenbundes" wandte sich Genossin Henseleit scharf gegen das die preußische Hebammen- schaft so überaus schädigende Verhalten des Allgemeinen Deutschen Hebaininenverbandes. Sie erklärte, daß die preußische Hebaininen- schost kein Interesse an der Aenderung der Gewerbeordnung habe, da bei Durchführung des preußischen Hebammengesetzes auch zum Schaden von Mutter und Kind tausende von Hebammen ohne jede Entschädigung abgebaut würden. Sie brachte tlar zum Ausdruck, daß der Deutsche Hebommenbund auch weiter gegen die Aenderung der Gewerbeordnung eintreten wird Es muß ver- langt werden, daß die Rechte aller jetzt praktizierenden Hebamme» gesichert werden, insbesondere aber die alten Hebammen ein an- gemessenes Ruhegeld, erhalten. Die Vertreterinnen der„Vereinigung Deutscher Hebammen" und des„Schutzverbandes preußischer Hebammen" sprachen sich ebenfalls gegen die Abändening der Gewerbeordnung aus. Bezeichnend ist, daß von ollen anwesenden Hebammenvertreterinnen einzig und allein die Vertreterin des„Deutschen Hebammenbundes". Genossin M. Fr. S ch u l z in der Loge war, konkrete Vorschläge für die auch in einem Reichshebammengesetz zu schaffenden Uebergangsbestim- nmngen zu machen. Diese Uebcrgangsbestimmungen fanden all- seilige Zustimmunz. Als Resultat dieser Aussprache ist festztistellen, daß alle Heb- mnmenorganisationen, mit Ausnahm« des„Allgemeinen Deutschen Hebammenverbandes", und auch dieser nur gegen ein« starte Minder- heit, gegen die Abänderung des Z 30 der Reichsgewerbeordnung sind. Damit sst die Stellungnahme der Hebammen zu der vorge- schlogenen Abänderung der Reichsgewerbeordnung einwandfrei fest- gelegt, was sicher die Stellungnahme der Parteien im Reichstag bei der bevorstehenden Abstimmung darüber stark beeinflussen wird. Einstimmigkeit wurde ferner darüber erzielt, daß alle Heb- ammenvertreterinnen— auch die des„Allgemeinen Deutschen Hetz- ammenverbandes"— die baldige Verabschiedung eines Reichs- hcbammengefetzes fordern und darin die beste und glücklichste Lösung der Hebainmenfragen erblicken.' Versicherungswahl und Bureautratte. Qöer zwelerlel Maß. Don einem kranken Angestellten wird uns geschrieben: Mein Gesuch an das Hauptwahlamt der Stadt Berlin um Uebqr- sendung eines Wahlscheines, da ich bettlägerig trank bin und daher mein Wahlrecht nicht persönlich ausüben kann, yvixhe urschriftlich mit dem�Bemerken zurückaeschickt, daß �emZß Z 25 Abs. 2 der Wahlordnung für die Wahl der Vertrauensmänner und Ersaß- männer in der Angestelltenversicherung vom 8. September 1327 ein zur Ausübung der brieflichen Wohl berechtigender Wahlschein nur denjenigen wahlberechtigten versicherten ausgestellt werden darf. die sich am Wahltags während der Wahlzeit aus zwingenden Gründen außerhalb des Wahlbezirk«, also außerhalb des Bezirk» der Stadt Berlin, aufhalten. Wenn es den Unternehmern gestattet ist. statt der persön- lichen Stimmabgabe die brieslichezu vollziehen, so sollt« man auch nicht so"engherzig sein, den bettlägerig kranken A n a c- stellten den Wohlschein zu verweigern. Einem erheblichen Teil der Angestellten wird hierdurch das Wahlrecht genommen. Streik in der westdeutschen Kanalschiffahrt. Zur Durchsetzung des Schiedsspruchs. Dortmund. 11. November.(Eigenbericht.) Infolge der Hinauszögcrung der Verbindlichkeltserklärung des Schiedsspruches für die Kanalschiffahrt ist unter den west- deutschen Kanalschisfern«ine Streikbewegung entstanden. Am Freitag abend fanden in sämtlichen an dem Kanal gelegenen Häfen Veisammlungen stall, die der Deutsche Verkehrs- bund öinberusen hat und in denen zu der Sireitlage Stellung ge- nommen wurde. Bei Durchführung der Streitaktion wird der Deutsche Verkehrsbund die Führung übernehmen. ?-l,«r»sitrn>eri«r», rerw-lt»-«,?!«»»«er««,«m M-!l. tan, 14. Z-ov'Mbcr. 19 Uhr, in den«ndlras-ssestsittr».«ndreaestr. 2t. aupcrordenttia'emmli!ng. ZVjnc-ordnunn:..Ltrllungnahme »ur Ründ gung des Manteltarifvertrage, sllr die Berliner Holz- Die vets-erwaltun«. «»ur«Und m industr!-." § Sec c Gco»rt((f«fl--.iu9«tb ve-b-B-el n. beute. Sonnabend, folgende Ber. anstalwnaen:«r»!, Oherlpree! Iugendhe m Ernstgr. 18. Uebungsabind der «re>I' Bau! Sinaer>' Berlin L«» 88. L-nd-'-tirz»--! Hier,» 2«eilaae»,..u-i-ihaltunn»nd«igen»»nd„Blick i» dir«üchenoell'. .Mise SenfSastea, Sie stb« M«rtfln»«nd den lleniftenSlann Orr Seil. Sie ßndZvilllnge mb waren nriprünalild elclS groß,»er eine ks*, hat aber immer Refi-Srole ge- /«rfftmdavbnistersogroZvnoffart geworden, da? er gar nilht«ehrganz auf« Sil» geht. Ser«leine hatiminer a*'-■ mJ*. u Utt6 aufö»Srot f"_ i ■.• 1 aurwiivutvu rVti juemt yut uuuiti 3 nir ttotlenco Srol gemocht; darum fehlen ihm jetzt die Kalorie». Aar hcrrinsoazieri. mel«e i Ad —.Jen, sogleich beginnt die vorflellmiik' Oran öteft bm)erirri)e Kmtm uerdmatPum ersten mal iwuifc * Ichssr'* ! NadrKiastuoö bhMet» V-Klgeschmam Vitamins«n» Mpeumstd,. Zu jedem PUmd der Tefctin&rgeriae„Frische Res!" verlange mae gratis dca aeuesten Band dar Resl-HausbOcherel. Vertreter der V. N. W. Nürnberg: Resi-Ageatur, Benia NO U, Neue lUialgstr. 37. TeL: Kdalgttadt 1843, 184.1. 1847. Ar. 536*44. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 42. November-1927 Die Rathausuhr wird aufgezogen. Wie viele Ber- liner kennen Berlin? Wie viele von den Berlinern, die ihre Chronometer nach der großen Normaluhr des Roten Hauses richten, wissen, daß diese Uhr in ihrer Art in der Welt einzig dasteht und daß jede Woche einmal— die meisten großen Uhren haben ja elektrischen Antrieb— zwei Männer in den Turm hinauf müssen, um das Wert aufzu- ziehen, zu ölen, zu regulieren und in Ord- nung zu halten. Die beiden Man- er, die das besorgen und sich spaßhast die „höchsten Beam. t e n* Berlins nennen, sind die Brüder Kies- ling. Beide sind Uhr- macher in«ister, der«ine betreibt sein Geschäft im Norden, der andere im Westen. Das Originelle dabei aber ist, daß die Brüder Kiesling Zwillinge sind und bereits seit 23 Jahren an einem bestimmten Tag, Woche für Woche, zur festgesetzten Stund« sich obends an einem Portal des Rathauses treffen, um ihre Arbeit zu besorgen. Bis zu den Gemächern dort oben, wo man die Uhr untergebracht hat, ist es ein langer Weg. Zuerst geht es durch ein Labyrinth von Gängen, Fluren und Zimmern, dann müssen .">l! Stufen auf gewundener, steiler Treppe erklommen werden, bis man bei der Rathausuhr angelangt ist. Eulen, Tauben, Fleder- mause und anderes Getier, wie es in aicherep Türmen zu Haus« ist, gibt es im Rathauswrm nicht. Fenster und Luken schließen d'cht. Rur die Herzschläge der Riesenuhr, Das monotone Lied des Zweicinhalb-Meter-Pendels, das ist das einzig Lebende in diesem Turm. Die Brüder Kiesling beginne« ihre Arbeit. Dabei ziehe« sie ihre Jacken aus, und es ist recht fo, denn die Arbeit ist schwer, und man kann dabei wirklich ins Schwitzen kommen. Drei G«- wicht«, jedes fünf Zentner schwer, die an Stahlseilen in einem 3K Meter langen Schacht hängen, müsse« hochgewuuden werden. Dos douert, wenn beide Uhrmacher sich beim Kurbeln ab- läsen und sogar fleißig sind, mindesten» eine Stunde. Wenn dos Schlagwerk einmal geölt werden muß, haben die beiden Uhrmacher die Aufgabe, noch k>1 Stufen höher zu steigen. Me zwei Eichkatzen müssen sie dann von einer schmalen Plastform in 100 Meter höhe aus Eiscnsprossen aus die Turmspitze klettern, auf der die Sstiuden- und viertelstundenglockea gleich mächtigen Helmen aufgesehk sind. Der Anblick, den Berlin von hieraus bietet, -wird jedem, der einmal dos Glück gehabt hat, mit den beiden Uhrmachern auf den Turm zu klettern, unvergeßlich bleiben. Die im Abendschein« leuchtenden grünen Kupferdächer der Parochial- fiche, des Donies und des einstigen königlichen Schlosses, die ge- wältigen Straßenzüge, die mächtigen Bauten, Parks und Anlagen, und dazwischen der Riesenverkehr, das alles gibt ein so über- wöltigendes, herrliches Bild, wie«s der von Berlin abseits liegende Funkturm nicht bieten kann. Wenn man dann wieder beim Räderwerk der Uhr landet, staunt man erneut über die Riesenmasse dieser Turmuhr. Jede Uhrzifser mißt etwa sechzig Zentimeter. Der Minutenzeiger ist zweieinhalb Meter lang. Die Zifferblätter, es sind vier— nach jeder Himmelsrichtung eins—, haben einen Durchmesser von fünf Metern. Sechzehn elektrische Lampen, jede Viru« mit 500 Kerzen, also zusammen 8000 Kerzen, erleuchten die Zifserbläller de» Abends. Das Pendel bekommt seinen Antrieb durch den Tritt eines kleinen Stiefels. An diesen knüpft sich eine hübsche Geschichte. Mannhard, der Konstrukteur der Uhr, der berühmteste Turm- Uhrmacher seiner Zeit, zuerst einsacher bayerischer Hirtenbub«, wurde von dem Erbauer des Rathauses, Waesemann, des öftern „getreten", weil die veranschlagt« Zeit zum Ausstellen der Uhr überschritten war. Der Turmuhrkünstler rächte sich. Er baut« als Antrieb des Pendels ein Stiefelchen und befestigte dar- Bei der Arbeit des Aufziebea*. auf das Bild Waefemonns. Auf dem Poichekbügel aber brecht« er sein eigenes Bild an und schrieb darunter:.So oft er von dem Herrn Geheimen Baurat einen Tritt erhielt, sei er stets so Höstich gewesen, mit einer stummen Verbeugung zu ant- morten." Bilder und Aufschrift sind zwar verschwunden, aber das Stiefelchen gibt nach wie vor dem Pendel alle halbe Minute «inen Neinen„Tritt".___ Militärrenteu für Dezember. Da es nicht möglich erscheint, daß die dem Reichstag vorliegende Abänderung des Reichsversorgungsgesetzes so rechtzeitig oerabschiedet werden kann, daß die Ende November fälligen Militär- renken für Dezember nach dem neuen Gesetz zur Auszahlung gelangen können, ist eine nochmalige Vorschußzahiung angeordnet worden. Wie der Reichsbund der Kriegsbe- fäd igten mitteilt, wird die gegenwärtige Zulage auf die bis- herigen Grundbeträge von 22 Proz. für alle Rentenempfänger für die Zahlung der Dezemberbezüge bei den Beschädigten auf KV Pro.v, bei den Hinterbliebenen aber auf nur 30 Proz. erhöht. Die so für Dezember zur Auszahlung gelangenden Beträge bewegen sich in der ungefähren Höhe der Auswirkung des von den Organisationen als unzureichend bezeichneten Regierungsentwurfs. Die Zusatz ren° t e n, die von den Fürsorgestellen gezahlt werden, werden nicht er- höht, sondern kommen in der bisherigen Höhe weiter zur Aus- Zahlung. „Fall Wagner." Rückjogsgefecht um die Bauausstellung. Die Berliner Presse beschäftigt sich sehr lebhast mit den Vorgängen im Rathaus« anläßlich der Beschlußfassung über die Dauerbauauisstellung. D e uts chn a ist o n a l e wie Kommunisten sind, wie vorauszusehen war, aufs eifrigste bc- strebt, einen„Fall Wagner" zu konstruieren, um dadurch die Aus- merksamkeit der Oeffentlichteit von der Tatsache abzuwenden, daß sie unter nichtigen Borwänden wieder einmal Arm in Arm miteinander gegen das große Projett gestimmt habe», das für die Entwicklung Berlins wie insbesondere sür die Beschäftigung der arbeitslosen Massen von fast u n ü b e r- sehbarer Tragweite sein wird. Genosse Dr. Wagner erklärt in einer Zuschrift an die Presse, daß er niemals daran gedacht habe, den Gedanken der Ausstellung zu sabotieren(der deutschnationale Stadtverordnete Kimbel hatte gegen ihn diesen Vorwurf erhoben, als der Stadt- baurat sich in einer persönlichen, ohne Zustimmung des Magistrats abgegebenen Erklärung für den kommunistischen Antrag eingesetzt hatte). Wir glmrben, daß Genosse Wagner als der Schöpser des großen Bebauungsplanes für das Messegelände es nicht nöttg hat, sich gegen ewen solchen Vorwurf noch besonders zu verwahren. Im übrigen darf noch einmal festgestellt werden, daß es der ent- fchi ebenen Haltung der sozialdemokratischen Fraktion ausschließlich zu verdanken ist, daß die Vorlag« in dem ge- planten Umfange trotz aller Sabotageversuche der Rechtsparteien angenommen worden ist. Oer Generalstaaisanwalt meldet sich. Zustizkonstitt wegen des Heydebrand-prozesses. In dem Prozeß gegen den Regierungsrat v. Heydebrand, der aus§ 211 des StGB, wegen Ermordung ferner Gattin angeklagt war, ist, wie bereits kurz mitgeteilt, von der Staats- anwolsschast Revision eingelegt worden. In dem Prozeß gegen den Herzog von Ratibor, der aus§ 222 StGB, wogen fahrlässiger Tötung vor Gericht stand, erfolgt die Berufung durch die Staatsanwaltschaft. Besondere Beachtung wird in der OessentSchkeit die Revision der Staatsanwaltschaft im Falle de» Regierungsrates v. Hey de- b r a n d finden. Hier deutet alles auf einen ungewöhnlich heftigen Kampf zwischen den einzelnen Instanzen der Justiz- Verwaltung hin. der hinter den Kulisien stattfand. Hatte doch die Ewatsamvaltschast das Ermittlungsverfabren gegen Heydebrand schon sehr stütz wieder eingestellt, und erst auf Beschluß der Erösfmrngskammer mar die Loruntersuchung erneut aufge- nommcn worden, so daß es zur Durchführung de» Pro- zesses kam. Oberstaatsanwav Dr. Möller selbst hatte nach Schluß der Beweisaufnahme Freisprechung des Angeklagten beon tragt und stützt« sich dabei auf den alten Rechtsgrundsatz:„Im Zweifelssalle für den Angeklagten." Das Gericht entsprach dem An- trage der Staatsanwaltschaft. Zetzl hat der gleiche Oberst aalsanwalk in der gesetzlichen Frist, die sich au» dem§ 385 SIPO, ergibt, die Revision eingeleilel, und dies bedeuiei nicht mehr oder weniger, als daß seine vorgesetzte Behörde, der Generalstaat s«m wall in Breslau. die Haltung ihres Untergebenen, der ja mährend de» Prozesse, geradezu als Verteidiger des Angeklagten austrat, mißbilligt. Eine Berufung kann der Oberstaatsanwalt selbstverständlich in diesem Falle nicht einlegen, da er ja dann gegen seinen eigenen Antrag Einspruch erheben würde. Der Generalstaatsanwalt und das preußische Justizministerium hatten Vertreter zu dem Prozeß entsandt, die besondere Berichte erstattetem Man bemängelt, daß die polizeiliche Beweisermittlung unvollständig gewesen sei, daß das Gericht versäumt habe, am Tatort«inen Lokal« t e r m i n diirchzusühren, und daß der Schädel der toten Frau v. Heydebrand nicht zur Stell« war, weshalb sich die Schießsach- verständigen lediglich auf die Angaben der Obduktionsärzte und auf Vermutungen stützen mußten. Angesichts der Haltung stiner vor- gefetzien Behörde, die ihm in keiner weise zur Seile tral, soll Ober- staatsanwalt Möller die Abficht haben, die Konsequenzen zu ziehe« und sein Amt zur Verfügung zu stellen. Die RevisionsvorhoiMung 37) �Zement. Roma« von Fjodor Gladtow. In den Augen des Vorsitzenden des Exekutivkomitees flammten feurige Tropfen auf. „Du wirst nicht dagegen sprechen: wir werden dich zwin- gen können— nimm das zur Kenntnis. Bei der nächsten Sitzung der Wirtschaftskonferenz wirst du Bericht erstatten. Und jetzt noch eine Frage: ist es dir bekannt, daß das von dir behütete Volksvermögen öffentlich geplündert wird?" Schramms Gesicht übergoß sich mit Blut und seine Augen wurden trübe. „Das ist mir nicht bekannt. Nach den Resultaten der wiederholten Inventur ist alles noch vorhanden." Badjin lächelte so, wie er Bortschij angelächelt hatte. „Ja, du hast recht: das ist, weil der Voltswirtschaftsrat auf dem formalen Standpunkt der Beschützung des Bolksver- mögens steht." Schramm sah Badjin voller Angst an und konnte nicht begreifen, was der Vorsitzende des Exekutivkomitees ihm ge- sagt hatte. Gljeb schüttete die Asche aus seiner Pfeife. Der Knoten, der erste kleine Knoten, ist fest geschlungen. Andere müssen folgen. Er stand auf und drückte Badjins Hand. Begegnete einem Lächeln in seinen Augen, und dieses Lächeln war ruhig, und ohne Flackern im Gesicht. „Genosse Borsitzender, wir werden unsere Eingeweide zerreißen, unsere Knochen zerschinden— aber unsere Sache werden wir machen." „Arbeiten Sie. Genosse Tschumalow. Die Frage der Inbetriebsetzung des Werkes werden wir in den nächsten Tagen beraten." Gljeb stand soldatisch straff vor Schramm. „Dieses. Ihr Industriebureau, schicke ich dem Teufel in den Rachen!... Wir verstehen es, die Federn auszuklopfen. Den ganzen Bolkswirtschaftsrat werden wir zusammen mit dem Industriebureau fortjggen und Aborte reinigen lassen. Schimmel und Schlamperei wächst nur im Sumpfs wir wer- den aber auch den Sumpf trockenlegen." Der Vorsitzende des Volkswirtschastsrats sah ihn erstaunt an. Das Blut wich aus seinem Gesicht, und w seinen Augen schmolz die schwere Trübe. Sein Gesicht wurde wieder un- menschlich gespannt und unbeweglich-schwammig. „Bitte ohne Drohungen, Genosse. Wir nehmen über- Haupt keine Projekte, die von anderer Seite kommen, an. Die Projekte aber, die uns vorgelegt werden, bewahren wir als Zeitdokumente für die Geschichte, ohne sie anzusehen, auf. Wir sind Feinde aller fragwürdigen Pläne und Unterneh- mungen. Man muß unseren Genossen alle Lust zu neuen Abenteuern nehmen, und das wird die beste Garantie gegen alle möglichen desorganisierten Einfälle sein." Gljeb lachte, steckte seine Pfeife in den Mund, sah Badjin an und begegnete wieder seinem Lächeln, das tief in den Augen versteckt war. „Unsere Stiefel stinken nach Staub, Genosse Vorsitzender des Volkswirtschaftsrates, und auf den Sohlen haben sie eiserne Nägel. Und unsere Hände kennen Gewehr und Hammer. Das müßten Sie als Kommunist spüren. Sie sind Kommunist und haben keine Ahnung von einer Arbeiter- polittk. Sie haben weder Pulver noch Arbeiterschweiß ge- rochen. Ich spucke auf eure Maschinerie... Ihr habt dort alle Fächer voller Ratten. Sie haben ihre Zähne fest am leichtverdienten Sowjetbrot gewetzt. Bei euch wird alles schön vertuscht— nach Stunden, Räderchen und Plänen wird alles sortiert— aber wir haben es satt, all dies unverdauliche Zeug zu schlucken. Schramms Augen füllten sich wieder mit schwerer Trübe, und er duckte seinen Rücken:„Genosse Badjin, ich ver- lange..." Aber Gljeb hörte nichts mehr— er ging durch die Feuer- streifen der Sonne zur Tür. Zu Tschibis!— Niemanden braucht er jetzt so notwendig wie den Genossen Tschibis. � 2. Augen, die nachts sehen. Im kleinen Arbeitszimmer mit den offenen Fenstern(das helle Licht hatte kaum Platz zwischen den vier Wänden) setzten sich Tschibis und Gljeb vor den schweren Schreibttsch. Es schien, als ob Tschibis lächelte und nicht lächelte— sein Gesicht war wie hinter einem Netz. Als ob er aufrichtig, mit einer ausgelassenen Fröhlichkeit zwischen den Brauen, jeden Augenblick loslachen würde, und dann wieder schlau in sich verschlossen bliebe. Eine Freude zsttert und verbreitet sich. und seine Runzeln um die Augen schmelzen. ,L>u kannst, wenn du keine Zeit hast, alles sofort er- zählen, Genosse Tschumalow, kannst es aber auch etwas später tun. Ich habe gerade einige freie Augenblicke. Du kannst reden, worüber du willst Plagst dich sehr mtt dem Werk?" „Vorläufig tun wir nichts anderes, als unser Hirn quälen— bis zur Arbeit ist's noch weit. Inzwischen brüllen wir aus vollem Halse." Tschibis hörte nicht, blinzelte mtt seinen Augen der heißen Lust entgegen. „Ich schaue jetzt grad aufs Meer. Wie eine Seifenblase ist es von hier aus: es bläst sich auf— und diese Farben, diese vielen Farben. Siehst du sie? Das ist kein Traum und keine Phantasie. Man möchte baden oder am Ufer entlang gehen. So ganz einfach: in eine andere Dimension hineinspringen und unsichtbar... Steinchen ins Meer werfen. Und im Walde ist es auch schön. Das Meer... siehst du, wie es wogt und blüht? Ich bin hier und das Meer ist dort. Das habe ich für immer behalten. Verstehst du, was das heißt: für immer?... Das riecht ew wenig nach Psychologie. Was hälft du von Psychologie?" „Ach, zum Teufel!... Nun, freu dich und mach einen Purzelbaum... Was ist denn eigentlich los?" Auf Tschibis' Gesicht ist kein Lächeln, sondern Staub. Er hob die Wimpern, und der Staub war wie weggeblasen. Und es schien, als ob er Gljeb mit Kinderaugen, ganz nah, Aug in Aug. von wnen heraus ansah. Schien es nur Gljeb oder hatte Tschibis sich vergessen— in seinen Augen erglänzte eine Träne, wie bei einem Kinde. Und hinter diesem kindlichen Tröpflein war ein unerhaschbarer, schwarzer Punkt. Und dieser schwarze Punkt spielte, hüpfte und riß sich von dem Tränentröpflein weg, flog tief ins Innere, verschwand, kam wieder zum Borschein und spielte wieder. Und Gljeb konnte nicht begreifen, warum dieser schwarze Punkt ihn so schmerz- hast am Herzen gepackt hatte. Und er fühtte, daß in diesem fliehenden, spielenden Punkte ein ganz außergewöhnlicher. Tschibis gehörender Teufel herumwirbelte. Versteckte viel- leicht Tschibis deshalb seine Augen unter dem Netze der Wim- pern, damit er, Gljeb, und alle anderen diesen Teufel nicht sehen sollen? Gljeb hob feine Augenbrauen nnd wartete auf Tschibis' Worte. Tröpflein von Kindertränen— und hinter diesen Tröpf- lem ein aufrührerischer Teufel. Solche Augen schlafen nicht in der Nacht: sie sehen durch Wände, und die Wände glühen von seltsamem Feuer. Tschibis hat eigene Worte, die nie ousge- sprachen sein werden: in nächtlichen Bildern graben sie sich nur in die Zellen des Hirns ein. Er spricht mit fremden, un- verständlichen Worten, und sie verschmelzen in einem kinb« lichen Lächeln.(Fortsetzung folgt.) Rcgierungsrat b. Hcydebrand ttnrb vermutlich bereits i» Januar dos Reichsnericht dejäMtigten. Don seiner Entscheidung hängt es ab, ob das Urteil bestätigt oder ob der Fall noch einmal der Lorinstan� uberwiesen wird. Der Amtliche Preußische P r e s s e d i e n st bestätigt, daß die Ttaatsanwaltschaft gegen den Frcispruch im Falle cheydebrand Revision eingelegt hat. Eine Anweisung des preußischen Just: Ministeriums selbst ist aber nicht erlolgt. Die- Tmlegung der Revision ist also mit allergrößter Wuhrscheiril'chkeit auf da» Einareisen der Vreslauer General staatsanwältschaft zurüct'zufiihrcn. Im Fall« des ch e r z o g s von R a t i b o r hat der Oberstaats- onwolt Drinschwiß, der in seinem Plädoyer vier Monate Gefängnis leantragl hatte, Perufung aus Z 354 ff. der Strasprozeßordnung eingelegt. Auch hier hat der G e n c r a l st a a t s a n w a l t eingc- griffen, denn nach Schluß der Terhandlung hat der Ratlborer Der- tretcr der Anklage d e Erklärung abgegeben, daß er seine Eni- fcheidung lediglich von den Beschliisien der" vorgeseßten Be- Hörde abhängig tnachen werde. Gsborgie prachi. Die Welt äußerer Herrlichkeit, die uns von der Bühne und der Filmleinwand, aus de» Schaufenstern und den modischen Schau- stellunaen cntgegenstrahlt, hüllt das Meer der ewig Modehungrigen in wahre Ehloroformdämpfe. Sic reisen unentwegt ins Märchen- land der Wünsche. Aber da steht kein Baum, der. wie zu des seligen Aschenbrödels Zeiten, ein neues Kleid beschert oder das nötig« Klein- geld, um eines zu kaufen. Es bleibt bei der ungestillten Sehnsucht, dem heimlichfrillen Neid an den glücklicheren anderen und den chronischen Kulleraugen nach dem Objekt fchlaslofer Nächte. Was den, Kavalier recht ist, ist der Dame billig. Der gepumpte Frack hat jcßt seine weibliche Ergänzung, das geliehene Ball- t l e i d, erhalten. Für 20 M. pro Abend gibt es eine tadellos neue und moderne Abendtoiletie, und wer genug solcher Scheine besitzt, der kann init ganz geringem, oder sogar auch ohne jeden abendlichen Kleidersundus prächtig durch den Winter und seine Vergnügungen sitxen! dozil kommt noch das höchst angenehm« Moment, bei jeder Oelegenheit in einer anderen Umrahmung aus der Bildsläche zu er- scheinen. Die Reflektantinncn auf diese.wandelbare Mode" sollen 'echt zahlreich sein, und zrvor setzen sie sich in der Hauptsache aus jenen Kreisen zusammen, deren Derpslichtungon eine gewisi» Eleganz erfordern, die meist mit dem Vmifseinkommen der Betreffenden nicht Hand in Hand zu gehen pflegt. Gepumpt wird also auf jeden Fall und so wählt man von zwei Uebeln das kleinere, bester gesagt das billigere, und leiht sich eben die äußere Schönheit bloß. Man pumpt ober nicht bloß Kleider, man leiht auch.zu gesell- schaftlichen Zwecken ganz« Wohnungen, oder läßt sich seine eigene durch Leihinstitute anders ausstatten. Die Villa wird zum„Apachenkeller"(das Gegenteil wird wohl etwas schwerer baltett), oder man versetzt sich und sein« Gäste für einen Abend nach dem Orient mit feinen exotischen Teppichen, Wandbehängen. Japan, 5iridien, Spanien und andere fern« Länder zaubert dos betreffend« Lekhmstitut auf Wimlch und gegen wtf sprechende Bezahlung blijz- schnell vor unser Auge. Natürlich gehören dies« vollständigen Milieurerändemngen schon zu den kostspieligeren Gennsien; dagegen ill das Leihen von Eßservicen, Tischwäsche, Tafelmusik und der- gleichen ziemlich gang und gäbe geworden. Das Wörichen„klein, aber mein" paßt wohl nicht mehr so recht In den großen Stil unserer •Seit. Ein Gesetzesparagroph besagt zwar: die Schwäche eines an- deren zum eigenen Dorteil auszunützen, sei strafbar(und was ist schließlich in den meisten Fällen die Gier nach der„großen Linie" cnderes?), doch hat sie letzten Endes das eine Gute für sich, leben und kben lassen! Unverantwortlich ist und bleibt natürlich das gesteigerte Lrxuebedürfnis bei all denen, deren Weg ins„strahlende Licht" steinig und voller Abgründe ist. (Kinfturzunglück beim U-Bahn-Bau. Bei Ausschachtungsarbeiten für die im Bau best Gliche Unter- grundvähn ereignete sich gestern vor dem Haus« Front- iurter Allee 78«in schweres Einsturzunglück. Ein« Arbeitergruppe war mit dem Derladen der Erdmassen in Kipploren beschäftigt. Plötzlich gaben einige Dersteifungen nach, und die Erb- mosten gerieten ins Rutschen. Während es einige» Arbeitern gelang, rechtzeitig zur Seite zu springen, wurde der S5jährige Ferdinand B o t t k e aus der T ü r r s ch m i d t st r. 28 zu Licktenderg gegen eine Kipplore gedrückt und verschüttet. Der Verunglückt«, der nach kurzer Zeit geborgen werden konnte, hatte schwere innere Der- letzungen erlitten und starb, bevor ein Arzt zur Stelle war. Die Leibes, ibnnqcn nnd der Städtetag. Welche besondere Bedeutung der Städtetag den sportlichen Fragen beimißt, gebt daraus hervor, daß er kürzlich beschlossen hat. einen besonderen Ausschuß für Sport und Leibe»- Übungen zu bilden, in dem olle Fragen, die dieses Aufgaben- gebiet� angehen, zur Beratung gelangen sollen. In dem Ausschuß sind führend« Oberbürgermeister und städtische Dezernenten aus allen Testen des deutschen Reiches vertreten. Der Ausschuß des Städte- tages wird aufs engste mit den zuständigen Ministerien, dem ReichsausschußsürLeibesübungen, dem Arbeiter- Sportkartell und den sonst in Frage kommenden Stellen zu- sammenarbeiton. Die erste Sitzung des Ausschusses, bei der wichtige Fragen zur Beratung gelangen werden, wird bereits demnächst ftatlsinden. Eine seltsame Wohltäterin. Die Taten der 23 Jahre alten Kontoristin EG. in Marien- f e l d e, aus der Aktenmappe gestohlen worden sei. Schütz hatte den Auftrag bekommen, von der D a r m st ä d t« r Bank 46 000 M. abzuheben. Zur Begleitung und zur Bewachung war ihm der Kasscnbote Renner auf den Weg mitgeschickt worden. Die beiden Kassenboten hatten sich nach der Abhebung de» Betrages getrennt, nachdem Renner selbst einen Teil der Summe in seine Aktentasche übernommen hatte. Schütz war dann zur Rcichsbank gefahren, um dort ein Kontobuch abzugeben. Wie verabredet, trafen sich dann beide Kassenboten wieder an der Hallestelle in der Charlotten st rah«, um gemeinsam nach Marienfelde mit der Straßenbahn zu fahren. Bis zur Ankunft des Wagens warteten sie des Regens wegen in einem Haus- « i n g a n g, in dem, nach ihrer Angabe, mehrere ander« Personen standen. Im Straßenbahnwagen setzt« sich noch«in Unter dem Titel.Sozialvolitit— Angestellten. ot. Der Angestellte, wie ihn Gustav Freytag schildert, der vom Lehr- Ina zum selbständigen wirtschaftlich gesicherten Kaufmann aufstieg. eristiert heut« nicht mehr. Wer Angestellter ist. bleibt es in der Regel sein Leben lang. Damit ist e» notwendig geworden, daß die Gesellschaft ihm im Wer oder in Krankheitsfällen einen RückHall gewährr. Bei den Bertrauensmäniberwahlen für die Angestelllenoer- sicherung können die Angestellten ihrer Meinung Ausdruck geben, daß nicht das Aufspeichern eines übermäßigen Kapitalsgrundstockes, sondern erhöhte Kranken- und Altersfürsorge dem Sinn der An- gestelltenversichening entspricht, indem sie di« List- des MA-Bundes wählen.— Dr. 3. E. P o r i tz k y begann«inen Zyklus„Die geistig« Entwicklung de» Weibes" mit einer Schilderung der„Frau im Aller- tum". Der Vortragend« betonte die geringe gesellschaftliche Wertung der Frau in jener Zeit, in der sie selten höher als ein Haustier ge- schätzt wurde. Dr. Fritz Schwiefert sprach in seiner Vortrags- reihe Längste russische Dichtung" über„Die bäuerliche Lyrik und die Dichtung der Emigranten. Die umfangreiche bäuerliche Lyrik— unter deren Vertreter Dr. Schwiefert besonder» Jessenin, den Gatten der Jsadora Duncan. der durch Selbstmord endet«, hervorhob— hat kein innere« Verhältnis zur neuen Zell, zur Revolution, selbst wenn sie sich zu ihr dekennt, denn sie ist gefühlsmäßig zu ties un Allen verwurzelt. Die Dichtung der Emigranten, zahlenmäßig nicht gering, ist, der Qualität nach, meist wertlos.— Das Abendton- z e r t brachte eine Uebertrogung aus dem B a ch s a a l, in dem das verstärkte Funkorchesler unter Oskar Fried konzertierte. Technisch vollendet kam die hervorragend schöne Aufführung von.Ein Helden- leben" von Richard Strauß heraus. Strowinskys sinfonische Dichtung „Feuervogel", die vorausging, gelangt« dagegen durch einen wohl durch ungünstig« Mikrophongruppierung verursacht«« uneinhell- lichen Orchestertlang nicht zur Wirkung. tn. junger Mann zwischen Velde. Während der Fahrt hatte Schutz seine Mappe vor sich auf den Fußboden gestellt. Als Schütz an der Kasse das Geld herausnehmen wollt«, rief er sofort:„Da fehlt etwa».' T» waren 10 400 M., gebündelt in 50- und 20.Mart.Sch«inen. verschwunden. Die Aktentasche zeigte in der einen Eck« einen breiten Riß. Schütz. 21 Jahre bei der Firma beschäftigt, beteuerte sein« Unschuld und stellte sich al» Opfer eine» Taschendiebe» hin. Auch der Zeug« Renner erklärte, daß er den Riß vorher nicht gesehen habe, sondern bei der Ablieferung an der Kasi« erst bemerkte. Angeklagter und Zeuge gaben zu, daß sie Weisung gehabt hatten, sich niemals zu trennen, und daß sie auf der Fahrt nach Morienfeloe nochmals verabredet hatten, die Trennung zu oerschweigen. Der Staatsanwalt bezeichnete die Sache im höchsten Grade verdächtig. Der Angeklagte sei in höchst leicht- fertiger Weise mit dem Gelbe umgegangen. E» bestehe aber Immer- hin die Möglichkeit, daß ein geschickter Taschendieb sich die Umstände zunutze gemacht habe. Deshalb beantragt« der Staatsanwalt mangels Beweises die Freisprechung. Noch langer Beratung erklärte da» Schöffengericht, daß es noch n i ch t zu einem Urteil kommen könne. Zu einer Freisprechung Hab« es sich wegen der vielen, erheblichen Verdachtsmomente nicht entschließen können. Das Gericht setzte daher die Verhandlung bis zum nächsten Dienstagvormittag aus und ordnete die Ladung des Dezernenten für Taschendiebstähle, Krimlnalkommlssar Riemann. als Sachverständigen an. Dieser soll in der fortgesetzten Berhand- lung mit vorbereiteten Rotenbündelm Versuche anstellen, ob es möglich sei, durch den Schlitz einen D i e b st a h l zu begehen. Auch der Zeuge Renner wird nochmals eingehend vernommen werden. Außerdem werden auch die Kriminalsekretöre, die die ersten Er- mittlungen angestellt haben, vorgeladen. Ein Antrag des Angeklagten, aus der Untersuchungshaft«nt- lassen zu werden, wurde vom Schöffengericht rundweg ab- gelehnt, da gegen ihn die Verdachtsmomente zu stark seien. ZMchael Bohnen bei einer FNmoufnahme verletzt. Bei den Aufnahmen für den neuen Ufa-FUm„Die geheime Macht", der zur- zell in Neubabelsberg gedreht wird, mußt« Michael Bohnen, der die Hauptrolle in diesem Film spielt, in einer Berfolgungsszene über einen gedeckten Tisch springen und dann eine Glastür auf- reißen, um zu entfliehen. Bei dieser Szene glitt Michael Bohnen aus und fiel in di« Glasscheibe. Eine Anzahl Glassplitter drangen dem Künstler in den linken Unterarm und zer- schnitten ein« Hauptader, so daß ein sehr starker Blutverlust eintrat. Michael Bohnen wurde nach dem Oberlin-Kronkenhaus in Potsdam transportiert und später in seine Wohnung entlassen, wo er mehrere Tage das Bett hüten muß. Feuer im Kinderheim heinersdors. Im Kinderheim Heinersdors(Kreis Tellow), in der Nähe von Lichterfeld«- Oft brach gestern nachmittag Feuer au«. Größere Preßkohlenvor- rate, die im Keller lagerten, waren vermutlich durch Selbstentzündung in Brand geraten. Wegen der großen Gefahr wurde der Lichterfelder Löschzug zu Hilse gerufen. Zum Glück konnte eine größere Ausbreitung des Feuers verhindert werden. Da» Beooloerallenloi aus den Droschkenchanfseur. Die wir kürzlich mitteilten, wurde der Droschkenchaufseur Hart- mann in der Nähe von Staaken von einem Fahrgast ange- schössen. Der Verletzte liegt noch im Krankenhaus. Der Täter konnte noch nicht ermittell werden: di« Polizei erläßt daher ein« Bekannt- machung, in der es heißt: Der Gesuchte ist etwa 26 Jahre all. 1,66 bis 1,68 Meter groß, kräftige, brelle Gestalt, breites, hageres und bartloses Gesicht, schwarze Augenbrauen und vermutlich thwarzes Haar. Sprach Berliner Mundart. Bekleidet mit hell- rauner Sportmutze, schwarzem oder dunkelblauem Mantel mit ver- deckter Knopsreih«, dunklem weichen Hut, dunkler Hos« nnd an- scheinend farbigen Schuhen. 500 TO. Belohnung wird an Per- sonen gezahlt,� die Mitteilungen machen können, die zur Ergreifung des Täters führen Nachrichten nimmt Kriminalkommissar Wer- neburg im Potizeipröfidlum Berlin, Zimmer 80, Hausanruf 433, entgegen. Die letzten läge der we'-kslofsschau. Di« Werkstofsschau am Lialj'eutöm.m j ch l l e n t morgen, nachdem olle Versuche, die S�'ou 5u..�ri.än?fn,'0£f,s technischen Gründen ergebnislos geblieben sind, endgültig ihre Pforten Di« Ausstellung ist noch heute und morgen von vormittag» 9 bis abends 10 Uhr geöffnet. Di« Vorführungen auf dem Hochlponminas prüffeld finden an beiden Tagen statt um 11 Uhr vormittags und 6 und 8,45 Uhr nachmittags. volkstiühn«. Besen tihiverer Erkrimkung ziveier Hauptdarsteller muß die zu deute'e-tneletzte Premiere.Schieder de» RuhmS"«us einen späteren Tag verlegt werden Ire>rel'fl 8se Gemeinde Eonniag form. 11 Mir. Pappelallee 18, Cor« trag de» Herrn H Elften: Tie deussche Romantik. Harmonimr.: AuS ,-r.riflan und Isolde'(fiagner). Gäste w.lltommen. 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Zinsen Komödie von Bernard Shaw Nollendon 736 CROCK und wnlt«!-. 9 Internat. VarieUstsrs Sonnabend* u. Sonntags fe 2 Vorsitellsngeei ■3*1 u. 8 U.ir— 3 � zu ormdflrgten Proisen da» nanre Programm. ßenaissanee•Theatei Steinplatz 901— Täglich 8 Uhr: Gsvamii u. Annaöüiiß Plscatorbiihne (hsat. 3. Hoüenilorlplalt KurfOrst 2001/93 Täglich 8 Uhr üaspulin. die flomanows, der Krieg oad des Volk. das gegen sie aufstand von Alcxey Tolstoi und Schtschegolew tnsc. Erwin Hiscator SaniowiltT-eüliiiti' Th. Könizeräii. St. Bergm. ntta 8U. Gustav III von Strindber«. Regie: Victor Barnovsky Komödienheus Vörden 6304. b»/« Hokuspokus ßerüncr Theater Dönhoff 17a 8'lj Der Gef.fcrzud mossßs lüiauspißlliaos. Die neue CHARELL- Inesrnierans mit Mai Pallenberg Rita Georg Bendow Jankulin Szöke Szakail fferkme ster Westermeier Jackson Boys Snnshine Girls Aussl Pro'. Stern Dlrig. Dr. Römer Mittw., Sonnab., Sonntag nachmitt. 3 Uhr Werner KrauB in fineisenen. Kleine Preise. VorverKanf 10 ö Dur S�KomlsdieOperS*! 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Der normale Käufer von festverzinslichen Wertpapieren, also Reichs, und Staatsanleihen, Pfandbriefen usw. spekuliert im all- gemeinen nicht auf Kursgewinne, sondern es kommt ihm in erster Linie darauf an. aus seiner Kapitalanlage eine sichere, gleichbleibende, durch Konjunkturveränderungen nicht bedrohte Rente zu beziehen. Bor dem Kriege waren in der Tat die Kurs- schwantungen bei diesen Papieren minimal und wer aus Gründen der Geldbeschaffung einmal gezwungen war, zu oerkaufen, konnte damit rechnen, ungefähr den gleichen Betrag wieder zu erhallen, den er seinerzeit beim Kauf angelegt hatte. Hierin ist seit dem Kriege eine Aenderung eingetreten. Die Zellen der Inflation, die diese Art von Wertpapieren von Tag zu Tag wertloser machte, find noch in schmerzlicher Er- innerung: dann kam die Enttäuschung der Aufwertung, so daß man sich nicht hätte wundern dürfen, wenn die nach der Stabilisierung der Mark neugeschaffenen festverzinslichen Werte aus psychologischen Gründen weniger gekauft worden wären, als es geschah.?lber die Sicherhell der Währung rechtfertigte den Kauf. Die G e ld f l ü s s i g k e i t im Jahr« 1926 und Anfang 1927 war so groß, dost nicht nur die Anfang dieses Jahres zur Zeichnung aufgelegten Reichs- und Staatsanleihen bald ausverkauft waren, sondern auch die von den Realkreditinstlluten(Landschaften, und Hypothekenbanken) auf der Grundlage von Hypochekensicherheiten herausgebrachten Pfandbriefe fandeü durchweg vollen Absatz. Es war damals die Zeit der sinkenden Zinssätze, und die Erwerber dieser festverzinslichen Papiere rechneten damit, daß sie auch für die Zeit des erwarteten niedrigeren allgemeinen Zins- Niveaus im Genuß der bei der Zeichnung festgesetzten höheren Rente bleiben würden. Auch wer etwa zu einem vorzeitigen Ber- kauf seiner Papiere gezwungen war. konnte damals damit rechnen. diese zunächst zu einem noch höheren Preise wieder loszuwerden, da ein Fallen des Landeszinsfußes stets steigende Kurse der fest- verzinslichen Werte zur Folge hat. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Wie es zu den Verlusten kommt. Als der ollgemeine Zinsabbau— künstlich gefördert durch die Reichsbankpolitik— zu Anfang dieses Jahres auf dem tiefsten Punkte, einem Reichsbanksatz von S Proz. angelangt war. gingen die Pfandbriefinstitute daran, soweit ste nur irgendwie«in« Hand- habe in ihren verklausulierten Statuten finden konnten, ihre hoch- verzinslichen Pfandbriefe aufzukündigen und den Besitzern einen Umtausch in niedriger verzinslich« Papiere anzubieten. So wurden die ursprünglich init 10 Proz. verzinslichen Pfandbriefe der Oft- preußischen Landschaft in solche mit einem Zinsfuß von 7 Proz. und die ursprünglich Sprozentigen Pfandbriefe anderer Institute in solche von 6 Proz. zwangsweise umgewandelt. Di« Besitzer mußten darauf eingehen, da sich damals allgemein«ine höhere Berzinsungs- Möglichkeit nicht bot. Inzwischen ist die Zinscntwicklung radikal um- geschlagen, aber für die Besitzer d«r Papiere, die nicht verkauft haben, bleibt der damals heruntergesetzte niedrigere Zinsfuß be- stehen. Müssen sie aber verkaufen— und die jetzige Geldknapp- hell wird manchen dazu zwingen—, dann werden sie bedeutend weniger für ihre Pfandbriefe erhalten, als sie seinerzeit hotten dafür ausgeben müssen! denn ein Steigen des allgemeinen Zins Niveaus bedeutet immer ein Fallen des Börsen wertes der festverzinslichen Papiere. Der zweite Käufer sucht natürlich, entsprechend dem gestiegenen allgemeinen Zinsniveau, eine höhere Rente zu erzielen, und da der Zinsfuß bei diesen Papieren festliegt, zahlt er zum Ausgleich eben einen niedrigeren Preis. Das ist die Ursache der in nochstehender Tabelle dargelegten fallenden Kursentwicklung von Pfandbriefen Pfandbriefe der Ostpreuß-Landsch. 7°/, Pomm. Landsch. 7% Schb-Holst. Landschaft Ausg. 1926 7% MeiningT)yp.-Bt. 7% Pr.Zentralboden 8% Pr. Pfandbrief» Goldhypoch... 1% Zinsfuß Kurse in Berlin am*Troetb»t am nom. I.Juni I.Sept. I.Ott. I.Rov.'�" 1®00 95,— 100,— 100,— 101,50 03,60 06,90 95,50 100,— 101,25 100,— 101,50 91,75 93,— 94,— 96,50 100,50 87,- 89,50 93,50 99,50 7,36 7,- 7,- 6,9 7,88 8,05 7,84 7F 8,05 96,— 95,— 6,9 7,38 In der Zusammenstellung fallen die niedrigen Kurse der landschaftlichen Pfandbriefe gegenüber den gleich verzins- lichen Papieren der Hypothekenbanken besonders auf. Die Ursache für diesen Kursunterschied liegt darin, daß die Hypotheken» banken durch Selbstkäufe in größerem Umfange versuchen, den Kurs ihrer Papiere noch einigermaßen zu hallen, um den Markt für spätere Emissionen nicht zu verderben. Dazu scheinen die Land- schaften z. T. entweder nicht in der Lage oder nicht willens zu sein. Die gleiche Enttäuschung erlitten die Zeichner der zu Ansang dieses Jahres herausgebrachten Reichs- und Staats- a n l e i h e n. Auch deren Kurs wird nach einer Zell dauernden Fallens zwar durch tägliche amtliche Aufkäufe an der Börse ge» hallen: ein Vergleich der Kurse am 1. November 1927 mit den Pro,. Pros. am seinerzeitigen Ausgabekursen, also dem Zeichnungsprei», zeigt aber deutlich, daß die ursprünglichen Käufer bereit» bedeutende Berluste erlitten haben. Die Reichs- und Staatsanleihen Kurl- m Berlin � M 3in»bch ausgäbe- Pro,. fürs 1,9.27 1.10.27 1.11.27 Deutsch. Reichsanl. 1927(500Mill.M.) 5») 92 87,50 87,50 87,50 Bod.Stoatsanleih. <33 Mill. M..... 6 96,75 87,— 86,40 80,70 Bayr. Stoatsanl. (75 Mill. M.)... 6 97,75 87,25 86,40 82,40 Sächf. Stoatsanl. (45 Mill. M. v. zunächst aufgelegten 50 Mill. M.).... 6 95.75 87,75 86,40 82,50 6,27 H Ad 1 0.27 auf 6 Proz. heraufgesetzt, t) feit 1. 8. 77 8,52 Proz. 5,43t) 6,21 6,13 6,89 7,45 7,3 7,28 Buchverluste und wirkliche Verluste. Solange die ersten Käufer ihre Anleihestücke behalten, wirkt sich der erlittene Verlust nur so au», daß sie mit einer niedrigeren Rente sich zufriedengeben müssen, da sie heut««ine höhere Verzinsung erzielen könnten. Die Verluste, die eintreten, sind zunächst sogenannte„B u ch v c r l u st e". Di« Verluste werden aber s o f o r t wirksam, sobald sie sich durch Verkauf der Papiere Geld beschaffen müssen. Das ist in der letzten Zeit, wie das starke Verkaufsangebot an der Börse beweist, bei nicht wemgen der Fall. Die letzten großen Verkäufe von Reichsanleihe sollen z. B. in erheblichem Umfange von den Sparkassen ausgehen, die seinerzeit auf offiziellen Druck hin sehr hohe Deträge hatten zeichnen müsien und nun zur Geldbeschaffung sür ihre Kommunen, denen andere Kapitalquellen versperrt werden, die seinerzeit erworbenen Bestände notgedrungen mit Berlust abstoßen. Der G« s a m t v« r- lust der Sparkassen allein an der sechsprozentigen Reichs- anleihe, von der sie rund �— 100 Millionen Mark aufgenommen dotten. beziffert sich also bei dem augenblicklichen Kursstand bereits auf 4)4 Millionen Reichsmark. Die Folgen dieser, nicht ohne Schuld der Reichsbank vnd der beteiligten Bonken, am Markt der festverzinslichen Wertpapiere eingerissenen Zustände haben natürlich den Kapitalmarkt geschwächt und das Vertrauen nicht verbesiert. In den fünf Monaten von Mai bis September d- I. sind für kaum drei Millionen Mark Anleihen im Inland« begeben worden. Der Pfandbriefabfatz ist sehr zusammengeschrumpft, und mit der Stockung am Pfandbrief- markt ist die Beleihungstätigkeit der Hypothekenbanken fast völlig lahmgelegt. Die Leidtragenden sind heute aber noch nicht so sehr die Hypothekenbanken wie die k r« d i t s u ch e n d« n lä n d- lichen und gewerblichen Kreise, di« keine Hypotheken- darlehen erhallen können. So wird die Ausgabe neuer Anleihen und Pfandbriefe noch längere Zell auch bei einer günstigeren Gestaltung der Geldmarttverhältnisfe auf begreifliches Mißtrauen stoßen. Ein Grund mehr für die OeffenUichkeit, noch viel(chörfer als bisher auf die Verantwortlichen zu achten, die dos Wetter auf dem Geld- und Kapitalmarkt machen. Kein Mlhrt zuviel! w; fer die Massary�Anzeigen aufmerksam verfolgt, wird zugeben müssen, daß wir unsere Marken nicht mit übertriebenem Selbstlob empfehlen. Wenn wir nun heute einmal aussprechen. daß Massary-Privat, die neue 4- Pfg.• Zigarette, etwas ganz Außergewöhnliches darstellt, dürfen Sic uns das glauben. Wir sagen sogar nicht zuviel, wenn wir behaupten, daß manche weit teurere Marke gegen Massary-Privat nicht aufkommt. Prüfen Sie diese Angaben nach. Sie werden jedes Wort bestätigt finden! Massaru-Privat 4� ohne Miindstü ck Das istTabah! .(lAr teilen Sic selbst!) Kapital- undpreispotiiik für Braunkohle Herr Piatscheck antwortet! Der„Vorwärts" hat am 29. Oktober dargelegt, daß ein erheb- licher Teil der sogenannten Schwierigkeiten im Braunkohlenbergbau mit der zu hohen Sapitalsfestsetzung bei der Goldumstellung im Jahre 1924 zusammenhängt und dabei die Aussührmzgen von Generaldirektor Platlcheck in der„Berliner Börsenzehtung" über„Die Bilanz des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus 1926" kritisch unter die Lupe genommen, cherr Piatscheck hat auf unsere Kritik jetzt ge- antwortet. Leider können wir ihm ober nicht den Gefallen tun, von unseren Feststellungen ein Wort zurückzunehmen. cherr Pjatscheck wundert sich in seiner Antwort an drei Stellen darüber, dofr der Artikel des„Borwärts" namenlos war. Au seiner Berührung, offenstchtlich denkt er sich etwas dabei, und damit ni-hf falsche Schlüsse gezogen werden, was bei Interessenten immer- bin möglich sagen wir cherrn Piatscheck, daß es sich um eine Redakkiönsarbcik handelt und daß es üblich ist, solche Arbeiten nicht zu zeichnen. Gegen unsere Behauptung von der falschen K'opttalpolitik der Braunkohlenindustrie bvingt Herr Piatscheck nur recht unzu- längliche� Material bei. Daß die Herstellungskostei» von Berg- bauanlagen gegenüber der Vorkriegszeit gestiegen sind, ist auch uns bekannt, llns ist aber ebenfalls bekannt, daß das für einen sorg- fältigen Kaufmann bei der Bewertung alter Anlagen, die unter ganz anderen Kostcnverhältnisien erbaut worden send, unter keinen Umständen ausschlaggebend sein darf. Gerade die besten Bilanz- und Betriebswissenschaftler wehre, sich dagegen, daß bei Bewertungen der Peschaffungs. geschweige der Wiederbe. schaffungspreis zugrunde gchegl wird(anders eventuell mit der Be- rechnung der Abschreibungeit). Und die kaufmännische Sorgfalt muß jedem Unternehmer sagen, daß er sich bei normalen Marktverhältnissen für seine Dividende selbst das Grab gnäbt, wenn er dos Kapital Häher bemißt, als der wahrscheinliche UmjaK ihm an kapitalisierlnrrem Gewinn läßt. Die Marüperhalinisse und damit die Gewinn-Möglichkeiten waten aber schon 1924 ganz allgemein gegen den Kohlenbergbau, und zwar aus Gründen, die mit dem Kohlewirtichastsgpsetz gar nichts und fast ausschließlich mit den Umwälzungen in der W ä r in e w i r t s ch a f t zu tun haben. Herr Piatscheck baut also auf Saud, wenn er die Richtigkeit der Kapital- bemessung irgendwie auf den. Beschafsungs- oder Wiederbeschoffungs- preis stützen will. Es bleibt in der Tat dafür kein ainderer ver- nünftiger Maßstab als der Umsatz und der aus den Koi»kurrenzoer- I'ältnissen sich ergebende t a sts o ch l i ch erzielbare(nicht gewünschte) Gewinn. Ein sorgfältiger Kaujmaun hätte bei der Galdumsdcllung, das gilt' für die ganze Industrie, niemals anders verfahren dürfen, als daß er das Menschenmögliche an kommend e.n Konkurrenzer- schwerungen, neuen Steuer- und Sozialbelastungen, unvermeidlichen Lohnerhöhungen und ArbeZtszeitoerkürzungen, die jedervuxnn voraussehen konnte und mußte, bei der Feststellung des lgoldkapitols mit einkalkulisrtc. Und das um so mehr, als es sich um Gold- „e r ö f f n u n g s"bilanzen handelt, bei denen ein sorgfältiger Kaufmann gar nicht anders verfahren darf. Don selbst wäre dann, wenn sich die Zi�rhÄtniss« gebessert hätten, eine allmähliche Auf- wertung des Aktienkapitals, ein Hineinwachsen der wertvoller gewordenen Substanz in die Rente, eingetreten, sei es im Kurswert, sei es in auszugebenden Gratisaktien oder Genußscheinei�, und vom ersten Tage an wären zureichende Dividenden und Absthreibungen vorhanden gewesen. Herr Piatscheck beruft sich aber sehr mit Unrecht auf das „wissenschaftliche" Gutachten vom Frühjahr dieses Jahres über die Beibehaltung der Elsstundenschicht. Der„Bor- w ä r s s" hat, dieses Gutachten keineswegs als wissenschastlich be- trachtet, wie es nach Herrn Piatscheck scheinen könnte. Der letzte Hätz unserer Pesprechmiq des Gulachlms hat vielmehr gelautet: „(Es ist zwar eine Prvfcssoreuarbeit'. aber keine Wissestschofü" Und überschrieben war unsere Kristl:„Merkwürdige Wissenschaft"! Herr Piatscheik kann uns also aus dieses Gutachten keineswegs fesllegen. Im übrigen hat dasselbe Gutachten festgestellt, daß bei den unter- suchten Betrieben durch Kon.zentrationcn ganz g e w a l t.i g e Er- s p a r n> s s e möglich sind. Und wen» das Gutachten der Pro- fessorcn meint, daß das Aklipickapital des Braunkohlenbergbaus unter dem Gesichtspunkt der in ihm emhaUenen realen Werte keineswegs als verwässert angesehen werden kann, so ist das schließlich doch nur ein Beweis, daß die Untersuchenden das nicht waren, was gerade Herr Piaischeck für sich und seine Kollegen beansprucht, näm- lich sorgfältige Kausleute. In der Tat hat der„Borwärts" ein lebhaftes Interesse an d-r Lebcnssähigkeit des Bergbaues, nicht einmal allein im Interesse der Arbeitnehmerschaft, sondern auch vom Standpunkt der Unternehmer! Denn mit gesund rechnenden und wirklich kaufmännisch denkenden Unternehmern kann auch die Arbeiter- schast besser auskmnmen als mit spekulativen Unternehmerköpfen, die später über die Schlingen stolpern, die ihnen ihre Unzulänglich- keit selbst gelegt hat und die das dann nicht zugeben, sondern die Folgen ihrer Unzulänglichkeit auf die Arbeiter- schast abwälzen wollen. Das will leider auch Herr Piotscheck, dem wir ganz gern ein besseres Zeugnis ausstellen möchten. Das geht aber nicht, da er alle von der Brvunkohlenindustrie begangenen Fehler an führender Stelle mitgemacht hat und sich schließlich doch an der G e s a m t w i'f f e n f ch a f t dafür schadlos halten--will. Reichsverband der„Trikotstoffverarbeiter." Der- Leser wird sich wundern, daß ein Arbeiterblatt einem jetzt gegründeten Reichsverband der Trikotstoffverarbeiter größer« Aufmerksamkeit widmet: beim für die deutsche Wirtschaft ge- schiebt mit dieser GrSndung nichts, was irgendwie erschülternd wäre. Aber die deutsche„Wirtschaft", d. h. das ganze Riejenheer der Unternehmer macht jetzt in Drosselung der Staats- und Ge- ineindeausgaben, und mit aller Energie wird die Vereinfachung des Verwaltungsapparaies gefordert, wobei das letztere durchaus lobens- wert fein mag. Wir sind auch nicht gegen das Sparen am rechten Ort. Aber uns scheint, die Herren von der Industrie, vom Handel und vom Bankenkapiiai könnten auch an ihrem eigenen Berwol- tungsapparat sparen. Und wie sie das könnten, dos zeigt«ine Feststellung im letzten Heft des„Magazins der Wirtschaft", wo .zahlenmäßig belegt wird, in wie gewaltigem Maß die wirt- schafts politische Ueberorganisation� der Industrie diese belastet. Da wird für 2? Firmen nachgewiesen(eine vielfach größere Zahl hat sich erklärlicherweise geweigert, die Fragebogen zu beantworten), daß für die Alitaliedschait in wirischaftspolittschen verbänden, die die Interessen der Beteiligten wahrzunehmen haben, ein fünfmal so großer Betrag ausgewendet wird, als die Grund- belaftung der Gewerbesteuer ausmacht, iibJr deren Höhe die Unter- nehmer nicht genug jammern können. Genau derselbe Betrag, der dann tatsächlich von den Kommunen erhoben wird, wird für die Mitgliedschaft in solchen Verbänden bezahlt. Dabei sind aber die Beiträge, die an gesetzliche Berufskörperschaften- gezahlt werden, und vor allem die sehr hohen Beiträge, die für soziale Kampfsonds zusammengesteuert werden, noch gar ein- gerechnet. Die deutschen' Unternehmer mögen sich also zunächst einmal selbst a n die Ras« fassen, bevor sie dem Staat Ratschläge geben. Die O es f e n t l i ch k e i t muß aber darauf hinwirken, daß im Reichstag, daß von den Regierungen den Herren Unternehmern der Puls gefühlt wird über den Anteil, den diese politischen Organisationskoslen an den Selbstkosten und vor ollen Dingen.am Preise' hoben. Daß die. M« n.g e n konßinttur keine Preis-, b. h. Gewinn konjunktur sin, hat vielleicht auch hier einig« Erklärnngs- gründe.'- Wervekundgebungen. Heute, Sonnabend, den 12. November: Blankenburg: 1954 Uhr im Lokal Klug, Dorfstr. 2. Referentin: Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Frauenwerbeveranstattungen. Sonntag, den 13. November, nachm. �14 Uhr: Pankow: Film- und Vortragsabend im5 Kino Tivoli, Pan- kow, Berliner Str. 27. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Bevölkerungspolitik. 2. Ansprache der Genossin Marie Juchacz. Montag, den 14. November, 1S54 Uhr: Friedrichshaln: Film- und Vortragsabend im Lokal Königs- bank, Gr. Frankfurter Str. 117. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Beoölke- rungspolitik. 2. Ansprache der Genossin Dr. Hilde Weg- scheider, M. d. L. Kreuzberg: Film- und Vortragsabend bei Rabe, Fichtestr. 29. 1.„Der Kreuzzug des Weibes". Ein packender Film zur Frage der Bevölkerungspolitik. 2. Ansprache der Genossin Johanna Kühn. Oer deutsche Maschinenbau hat noch stark zu tun Der Verein deutscher Maschinenbauan st alten meldet für den Oktober im ganzen die glefche Beschäfti- g u n a seiner Mitglieder wie im September. Die Mehre'nstellung von Arbeitern habe mit einer halbstündigen Verringerung der durch- schnittlichcn Arbeitszeit zu einer Verringerung der insgesamt ge- leisteten Arbeitsstunden aeführt. Als Soisonerscheinung lasse sich im inländischen Austroaeeingang eine kleine Abfchwächung feststellen, von der Auslandskundschaft lägen im Werkzeugmaschinen- und Kraftmaschinenbau etwas ver stärkte Anfragen und Aufträge vor. Der Maschinenversond nach dem Ausland« habe sich auf Grund früherer Bestellungen mit längeren Lieserfristen erhöht. Di« Septemberausfuhr habe die höchste nachdem Kriege erreichte Monatsziffer der Ausfuhr gebracht. Der Wert der Septemberaus- fuhr von Maschinen war um ZS Proz. großer als im Monats- durchschnitt 1926, während der Wert der gesamten Fertig- Warenausfuhr nur um 20 Proz., und der Wert der gesamten Warenausfuhr nur um knapp 15 Proz. zugenommen hat. Die Finanzlage der Reichspost. Herr Dr. Schätze! hat in der vertraulichen Sitzung der Reichs- post festgestellt, daß sich die seit dem 1. August eingetretene Ge- bührenerhöhung und Verkehrssteigerung für das lausende Rech- nungsjahr als Mehreinnohme von etwa 186 Millionen Mark auswirken wird. Diesen Mehreinnahmen stehe ein Mebraufwand von 302 Millionen Mark gegenüber. Davon seien 174 Millionen Mark noch durch Anleihen zu besckaffen. für die der gegenwärtige Kapital- markt die Begodungsmöglichkeit noch offen lasse. Wir werden aus die Ausführungen von Herrn Dr. Schätze! noch ausführlicher zurück- kommen. Es geht aufwärts in Bolen, vorwärts mit den Handelsver- tragsverhandlungen! Die Stadt Warschau will in zwei Jahren für 10 Millionen Dollar 20 000 Wohnräume beschaffen. 40 000 Personen sollen dadurch Wohnungen erhalten.— Wir werten diese Mitteilung als wichtiges Symptom. Nachdem durch die letzte große Polen- anleih« in.. New Port der.- p o.lu if ch« Kr«.trit..rm Au s ko n d w i e d e r h e r g est eil t morden ist. ist. mit Si�erheij eine ,si a r k e Aufwärtsentwicklung der polnischen Wirtschaft zu erwarten. Es ist deshalb mit der Beendigung des Zollkrieges und der Herbeiführung erfolgreicher Verhandlungen fünf Minuten vor zwölf, wenn Deutschland sich nicht selbst von den sicher in Polen .zu erwartenden großen Geschäften ausschließen will. Die Lage bei' Schwarßkopss verbessert sich weiter. Die Vermal- tung der Berliner Maschinenfabrik A.-G.(vorm. L. Schwartzkopsf) erklärte auf der gestrigen Generalversammlung, daß die finanzielle Lage der Gesellschaft auch im neuen Geschäftsjahr günstig sei und die Gesellschaft mit dem Aufbau der Belegschaften fort- fahren kömk?,. da jetzt auch der Lokomotiobau weitere Austräge, allerdings kleineren Umfanges, von der Reichsbahn und dem Aus- layd erhalten habe. Wie wir noch weiter erfahren, hat der scharse Appell der Schwartzkopffwerke an die Reichsbahn seinen guten Grund, da der Auftragsbestand in den Lokomotiowerkstätten höchstens bis Februar vorhält. Bleiben die Reichsbahnaufträge aus, so wären für verschiedene Wildauer Betriebe vielleicht zum Jahresschluß wieder Einschränkungen zu erwarten. Diese Maßnahmen� würden die dortigen Belegschaften um so härter treffen.'als für zahlreiche Arbeiter, die west aus dem Spreewald berkommen, eine andere Arbeitsstätte nicht zur Verfügung steht. Die Schwartzkopff-Velegschaften sind weiter erheblich vermehrt war- den. Die Maschinenbetriebe in der Schering st raße beschäftigen zurzeit 1450 Mann gegen 750 im vergangenen Jahre, während im Wildauer Werk, dessen Arbeiterstamm während des tiefsten Konjunkturstondes Anfang 1926 auf 750 Mann zu- sammengeschmolzen war, jetzt einschließlich der Angestellten 2000 Mann zählt. Möglicherweise kommen demnächst größere Auslands- auftrage herein.— Schwartzkopsf steht übrigens im deutschen Loko- motivbau nach Henschel u. Sohn in Kassel an zweiter und nicht an dritter Stelle, wie wir kürzlich bei der Bilanz- besprcchung irrtümlich berichteten. Eine neue„Arn" für Messingerzeugnisse. Die effenverarbestend« Industrie hat bekanntlich mit den Eisenerzeugern«in Abkommen dahin getroffen, daß für die zu Exportwaren verarbeiteten Rohstoffe die Differenz zwischen Weltmarkt- und Inlandspreis ver- gütet wird. Dasselbe ist jetzt auch von der Wirtschaftlichen Vereinigung deutscher Mcssingwcrke für die messingverarbeitende In- dustrie beschlgssen worden. Der Vertrag darüber soll noch im November unterzeichnet, die Vergütung soll schon für die November- export« in Ansatz gebracht werden. Die daraus zu erwartende Steigerung der Exportfähigkeit macht natürlich keineswegs den Schaden weit, den die hohen Inlandspreise für Rohstoffe für den Absatz von Mcssingerzeugnissen im Inland bedeuten. Wahrscheinlich würde- die Erporffähigkeit bei billigeren Rohstoffpreisen auch für den Inlandsabsag noch viel schneller wachsen als durch die beim Export gewährten Vergütungen. freie Sozialistisdie Hodisdiule. Heuie> Sonnabend, d. 12. November, 19 V« Uhr im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Vortrag des Genossen Nationalrat Reinhard-Bern: „psydiolo&sdie Probleme der ArbeUerbewegiinda Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. an der Abendkasse sowfe an fol- eenden Stellen: Bureau des Bezirksbildungsausscbusses. LindenstraBe 3 2. Hof, II. Zimmer R.— Buchhandlung J. H.W. Dietz, LindenstraBe t— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstraße Ecke Luisenufer.— Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 2Z-25, Gewerkschaftshaus.— Tabakvertrieb. Inselstr. 6.— Verlag des Bildungkverbandes der Deutschen Buchdrucker, Dreihundstr. 5.— „Werkfreud e" Bücherstuben, Potsdamer Str. 104.— Berliner Gewerkschaftskommission, Engeluler 24-25(Gewerlcschaftshaus), sowie In allen Vorwärts- Speditionen.— Groß-Siedlung Britz: Liningstraße 37, Sie GSrllher waggso- v»d Masihtnenibem kommt nS einem überros chenden Jahresabschluß heraus. Nach» dem sie im vorigen Jahr noch«inen Verlust von 4,54 Millionen M haste, verteilt sie 1926/27 eine Dividend« von 8 Proz.1 Es muß ihr also wirklich glänzend gegangen sein. Die Bilanz werden wir noch besprechen. Deutsche Anleihen in New Bork stark überzeichnet. Die beide» privaten Anlechen des Norddeutschen Lloyd und der Neckarsulm« Fahrzeugwerke über 20 und 4 Millionen Dollar wurden in New" Park sofort nach ihrer Auflegung, stark überzeichnet. Das ist nad, den letzten internationalen Anleihsdebatten ein ertreuliches Zeichen zum mindesten dafür, daß wcnigMns der private Auslandskredit Deutschlands bisher noch nicht fühlbar gelitten Hot. Die amerikam jchen Banken haben allerdings ein Interesse daran, sie verdienen ja mächtig, das auch zu unterstreichen. parteinachrichien fürGroß-Verlin SioienhnngeB|üt biete Sabril{iah Berlin SW«8, Sinbeattra&e 3, tlets an hos Bejirtsirfretarta, 2. Hof, 2 Step, recht», zu richten. 5.«tei» Jiicbrid-etain. Die Billetts von her Renofutwnsfeter lwh atti ctmnlng mit dem Staffier� Paul Bey, ffiofjlctftrnfie, bestimmt ahjuttdjnen, 7. Stcis Sharlottenburg nni Spandan. Juristische eptcdjftunic heute. Sonn- abend, 12. November, von 17—18 Uhr im Jugendheim Noflnenstr. 4. IL ittei» SchSnederg-Friedenan. Heute, Connabenb, 12. Nvvember, 20 Uhr. bei Äiinig, Feurig.,5. Vrtsvereincvollversammlnna bei S»ul,. Birkbuschstt. 90. »endjt von der Gaugen era-versammlung.«dlerohos(Svortgruvpe): 19 Uhr Zusammenkunft im Jugendheim Noonstraße.- Köpenick: Sannlaz, 13. Rovem. bcr, 9 Uhr, Zustunmenkunft in Wilhelmshof. -> Slnberknle-f® tlto nlten Dentlchland». e. W. lS'tz Berlin). Geschäftsstelle.- R. 20, Schönstediftr. l,». 1 Dr.. Zimmer 121. Sonn- ä*'«'ns0� ollgemeine �unkt'onarsitmng. Erscheinen aller Genossen unb Gerossinnen ist unbedingt notwend'g. Mittwo», 1K. November. Besichtigung der Heilstätte Grabowsee. Die Teilnehmer treffen sich 8,20 Uhr Stettiner Borvrtbnhnhof. Abfahrt 8L2 Uhr bis Oranienburg. Nachzüglsr fahren 8.02 Uhr. kfi-üttberichldsr äffen fliehen BefferbienffPefie Perfln»nd Untpenentz fNnchbr. veth) Noch etwas kubier, zeilwefic aulbrilernd, keine erheblichen Niedetschlaae: Nachlirosf.— Jüt Deutldiland: ZIn der fiflftc Weiterbesserung. tn Ostpreugen ichwacher Frost. Im übrigen Reiche noch ein-nZ fftfilet. meist moiftq mit zeilwciligcr Zluibeilernng. Einzelne Regen- oder Schneefälle, besonders im mittleren Teile. Die Direltio» de» Lnnapark, legt Wert darauf, festzustellen, daß da, £0 J 1"