Abendausgabe Nr. 539 B 267 44. Jahrgang WSchentlich 70 Pfennig, monatlich 3.— Reichomar?, voraus zahlbar. linier Streifband im In. und Ausland ü.äORcichsmark pro Monat. » ?-r..Dormärts*' mit der illustrier. tcn Sonntagsbeilage �olk und Ieit" iomie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",»Aus der ffilmwelt". »Stadtbeilage",»Frauen stimme", »Der Kindersreund",»Jugend. Bor- märts",»Blick in die Bücherwelt". .Kulturarbeit" und»TechntI" erscheint wochentSglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Berliner Volksblatt Moniag 1.4. November 1.927 1V Pfennig Die e i u i p a i t i g c Ronpareillezeile SV Pfennig. Retlamezeile Z.— Reichs- wart.„ZU eine Anzeigen" das fcttge. drnckte Wort 25 Pfennig fzulüsssg zwei fettgedruate Worte) jedes weitere Wort IZ Pfennig. Slellengefuchc da« erste Wort ld Pfennig. sedeS weitere Wort lO Piennig. Woit» über 15 Buchstaben zählen lür zwei Worte. Arbeilsmarll Ieile 60 Pfennig. Familienanzrigen>iir AbonnenteuZeUe tOPsennig. Anzeigen- annähme im Sauptgeschäsl Linden- strafe Z. wochentSg> von S'/, bis 17 Uhr. Jentvatorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—237. Tclegraomt-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BerNn 37536.— Bankkonto: Bank der Ardeiter, Angestellten und Beamten WcHstr. SS. Dislonto-Gesellschaft, Depofitenkasse Lindcnstr. 8 Ein Sonntag der Linkswahlen. Sozialdemokratischer Vormarsch in Bremen, Mecklenburg, Oanzig.-Wablmadigkett in Hessen. Bremer Bürgerschastswahl. Bremen» 14. November.(Eigenbericht.) Am Sonntag fanden im bremische« Staatsgebiet die Wahle« zur neuen Bürgerschaft statt. Der Wahltag der» lief völlig ruhig, die Wahlbeteiligung war sehr stark. 188 Ovo Wähler genügten ihrer Wahlpflicht; das ergibt rund 88 Proz. Wahlbeteiligung. Gegenüber der De» zembcrwahl 1824 sind 11000 Wahlberechtigte mehr vor» Händen» die hauptsächlich der Sozialdemokratie zugute komme«. Der Wahlausgang bedeutet einen großen Erfolg für die Sozialdemokratie. die rund 13 000 Stimmen und 4 Mandate gewinnt. Die neue» Gewinne fallen alle auf das Stadtgebiet. Ein fünftes Mandat ist noch umstritten, wird jedoch wahr» scheinlich durch die Stimmen der Seelente» die noch fünf Tage nach dem Wahltermi« wählen dürfen» für die So» zialdemokratie gerettet. Bei rund 240 000 Stimmberechtigten(Zunahme 11 000) erhielten im bremische» Staatsgebiet» nmfasiend Bremen-Ttadt» Bremen-Land» Vegesack und Bremer» Häven au Stimmen: 7. Dezimber lS2» 13. Rouomber 1927 Mandate Mandat« Sozialdemokraten.«6 003(40) 80 80«(30) Einheitsliste...«0 484(40) 36 708(3«) Demokraten... 21327(14) 20 38«(l2) Kommunisten... 13 883(8) 18 128(10) Hansbesther... 12 360(8) 13 334(8) Zentrum..... 3612(2) 4038(2) Bodenreformer». 1 887(1) 1 864(1) Aufwertler....—(—) 1062(—) Die Stimme» und Mandatsziffern im Landgebiet sowie in L e g«> a ck und Bremerhaven bleiben unoeränderl, jedoch gewinnt die Sozialdemolratie im Landgebiet 1000 Stimmen und hat dort eine sozialdemokratische Zweidrittel-Mehrheit. Ohne eine völlig aussichtslose Splitterkandidatur der Kommunisten hättcn sie noch ein Mandat erobert. Auch in Bremerhaven sind 1000 kommunistische Stimme» verpufft Somit ist In Bienien. wo der Bürgerblock sieben Jahre unbeschränkt herrschte, zum min- besten das Gleichgewicht der Kräfte(60: 60) hergestellt, wahr- scheinlich sogar wird die Nachprüfung des Wahlergebnisses eine 93er- schiebung auf 61:59 zugunsten der Sozialdemokratie und zuungunsten der Einheitsliste bringen: es fehlen nur 109 Stimmen an dieser Vcr- schiebung. Das politische Ziel, die Zertrümmerung des Bürger- b l o ck s, wäre damit e r r e i cht. Wenn der Linksruck in der Kauf- mannstadt Bremen sich nicht so stark auswirkt wie etwa in Hamburg oder im benachbarten Jndustriestüdtchen Delmenhorst, so liegt es an der geringen Jndustrialistelung Bremens(tausende van bremischen Industriearbeitern wohnen außerdem im oldenburgischen und preußi- schcn Gebiet) und an dem kleinen hausbesitz auch bei der Arbeiter- Nasse. Davon rührt auch der Mandatsgewinn der Hausbesitzer her. Eine Reichstagswahl am gleichen Tage hätte tn Bremen eine zweifellos starke rote Mehrheit gebracht, da di» proletarischen Hausbesitzer bei rein politischen Entscheidungen rot wählen. Praktisch wird sich auch eine rote Mehrheit nicht ander» aus- wirken wie etwa m Hamburg. Die K o m m u nisten haben wäh- rend des Wahlkampses bereits erklärt, oah sie selbst bei stärkster roter Mehrheit keine andere Entschci» dung treffen würden als ihre Hamburger Parteifreunde, so doh die bremische Sozialdemokratie sich das Hamburger Zwischenspiel mst den kommunistischen Briefen und Verhandlungen ersparen kann. Da ein Zusammenwirken mit der KPD. unmöglich ist, wird stch die sozialdemokratische Fraktion nach anderen Koalitionsgcnosien um- sehen müsien. Unter der Parole„Für die Mehrhett und heran an den Staat" hat die Sozialdemokratie den Wahlkamps geführt. Sie ist gewillt, die Verantwortung in der Regierung zu übernehmen und auf dem Boden der Republik auch mit anderen Parteien zusammenzuwirken. Eine Weimarer Koalition ist nach wie rar trotz der Verluste der Demokraten möglich, sogar stärker als in der allen Bürgerschaft, da Zentrum und Bodenreformer mtt den Demokraten Froktionsgemeinschaft bilden. Bei der bekannten hat- tung der Bremer Re-btsdemokraten hat aber eine solche Koalition weniger Aussichten. Und hier beginnen die Schwierigkeiten. Die Volkspartei. hat ein« Blockgemeinschaft mtt den Däl- tischen und den Deutschiuttionalcn geschloffen. Sie hat dafür auch die verdiente Behandlung durch die Wähler erhalten. Die Einheits- liste, die mtt Löwen und noch mehr mit Lügen In den Wahlkamps zog. ist die geschlagene. Einig« der besten Männer der Volkspartei bleiben auf der Strecke. Ist die Volkspartei Belehrungen zugänglich, se würde die Bildung einer Regierung auf der Basis der großen Koalition nicht unmöglich fein. Es ist zwar vorauszusehen, daß sich die Lerhandlungen über die Regierungsbildung sich ebenso long- wierig gestalten werden wie in Hamburg. Aber auch der verstockteste Rechtsparteiler wird einsehen müssen, daß es ohne die Sozialdemo- kratie, geschweige denn gegen sie, nicht mehr geht Wahlmüdigkeii in Hessen. Nur 50 Prozent Wahlbeteiligung. D arm st a dt» 13. November. Das vorläufige amtliche Wahlergebnis der Landtags» Wahlen von Hessen ist folgendes: Sozialdemokraten 137 288(220 108)» Zentrum 83 448(100 384). Demokraten 37 730(33 301). Landbnnd«10«?(82 742). Deutschnatiouale 24 013(43 717). Kommunisten 41 ILO(33 688), Deutsche Volkspartei 31638(73 830), Volksrechtspartei 24 166(—). Dt« Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betragt 482 331. die Wahlbeteiligung 30 bis 32 Proz. Die Bergleichszifferu beziehen stch auf die letzte Landtagswahl, die mit der Reichstagswahl vom 7. De» zember 1824 zusammenfiel. Wahlmüdigkeit? Die Wahlen zum hessischen Landtag verliefen unter einer auffallend schwachen Wahlbeteili- gung. Di« Folge dieser Wahlftauheit zeigt sich im Vergleich zu den letzten Landtagswahlen am 7. Dezember 1924 in einem allge- meinen Rückgang der Stimmen für alle Parteien mtt Ausnahme der Kommunisten. Prozentual am stärksten hat di« Deutschnationale Volkspartei gelitten, trotzdem sie sich seit Jahren in der Opposition befindet und gegen die Sozial- demokrotie die infamste Agitation gerrieben hat. Bon ihren bis- herigen 6 Mandaten konnte sie ganze 3 behaupten: das entspricht einem Stimmenverlust von 59 Proz. Die Sozialdemokratie, die sich bei den Wahlen der letzten Wochen im ganzen Reich auf ißem Vormarsch zeigt, hat leider auch unter der schwachen Wahlbetelligung leiden müsien. Immerhin zeigt ein Vergleich der von der Sozialdemokratie erfochtenen Stimm- Ziffern bei den Kommunalwahlen im Jahre 1925 und dem setzt erziellen Wahlergebnis, daß die- Partei ihre Stimmen gehalten hat. Aber der schon damals zu verzeichnende Stimmen- vertust im Vergleich zu den Wahlen 1924 ist auch diesmal leider nichtaufgeholt worden. Diese Wahl, die so sehr aus der allgemeinen Linie herausfällt. ist nur durch die besonderen Verhältnisse hesiens zu erklären, hesien ist zu einem wesentlichen Teil besetztes Gebiet, seine Finanzen sind dadurch vollständig zerrüttet. Die Finanznot zwingt zur Drosie- lung sozialer Ausgaben, dabei sind Erwerbslosigkeit und Rot groß. Diese besonderen Verhältnisse erklären Stimmenverschiebungen, aber«rllären sie die W o h l m ü d i g t e i t? Man muß die Frage aufwerfen, ob diese Wahlmüdigkett eine Kleinstaaterei- Müdigkeit ist, ob sie der Ausdruck dafür ist, daß die Bevölkerung di« Existenzberechtigung eines selbständigen hesien verneint. Oer neue hessische Landtag. Darmstadt. 14. November.(Eigenbericht.) Der gestern neugewählt« hessische Landtag setzt sich folgender- maßen zusammen: SPD. 24(—2): Zentrum 13(-s-2): Demo- traten 5(—1): Landbunt» 9(—9): Deutschnationale 3(--3), Kommu- nisten 6(-s-2): Deutsch« Volkspartei 7(—1): Doiksrechtspartei(Auf- wertungspartsi) 3. Wahlsieg in Oanzig. Oer Rechtsblock zerschlagen.— Großer Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie. Danz lg, 14. November.(Eigenbericht) Die Neuwahlen zum volkslag brachten einen st a r- ken Ruck nach link». Die Sozialdemokratie hat ihre Sllmmenzahl im vergleich zur vorigen Wahl um rund vierzig Prozent steigern können. Die Deulschnationalen hoben dagegen einen starken Verlust erlitten, ebenso die liberalen Dürgerparlelea und die Kommunisten. Die bestehende Re» gierungskoalilion der Rechten ist zerschlagen, eine neue Regierung kann nnr unter Rtltwlrkung der Sozloldemokratle gebildet werden. Die Stimmen verleilen sich aus dle einzelnen Parteien wie folgt: Dle Wahlbeteiligung stieg bei dieser Abstimmung auf S5 Proz. aller wahlberechtigten. Der Wahlansfall Ist eine offene Absage an dle bisherige deutschnationale Regierungs- polilik. wenn aus ihm richtige Konsequenzen gezogen werden, so wird eine Regierung au» Sozialdemokraten, den demokratischen Deulschliberalen und dem Zentrum mit Aussicht Oltf Dauer gebildet werden können. Diese Weimarer Koalition umfaßt 64 von insgesamt 120 Volkslagsmandalen. Stalin und der„Vorwärts". Ein Gespräch in der russischen Botfchast. Aus Anlaß der Moskauer Jubiläumsfeierlichkeiten empfing Stalin eine Anzahl auswärtiger Delegierter, denen gegenüber er sich über verschiedene wichtige Fragen ausführlich äußerte. Stalin wurde u. a. auch gefragt, warum sozialdemokratische Pressevertreter in Moskau nicht zugelassen würden. Darauf ant» wertete er nach dem Bericht der„Inprekor" folgendes: Well die sozialdemokratische Presie im Auslande, besonders der Berliner„Vorwärts", durch ihre ungeheuerlichen L e r» leumdungen gegen Sowjetunion und deren Vertreter eine ganz« Reihe bürgerlicher Blätter übertroffen hat W«U eine Rech» bürgerlicher Blätter, wie z. B. die„Vossische Zeitung", sich im Kampfe gegen die Sowsetunion bedeutend„objektiver, anständiger" benimmt als der„Vorwärts". Dies mag„sonderbar" erscheinen, doch ist die» ein« Tatsache, die man in Detrackit ziehen muß. Wenn der„Vorwärts" sich nicht schlechter benehmen würde als manche bürgerlichen Blätter, so würde seinen Vertretern gewiß ein Platz neben Vertretern anderer bürgerlicher Blätter eingeräumt weichen. 3n diesen lagen richtete ein Vertreter de»„Vorwärts" an einen Angestellleo unserer diplomatischen Vertretung l a Berlin die Frage, unter welchen Bedingungen einem Korrespondenten de»„vorwärts" die Einreisegenehmigung für die Sowjelunion gegeben werden würde. Daraus sagte man ihm:„wenn der„Vorwärts" tatsächlich beweisen wird, daß er bereit ist. sich gegenüber der Sowjetunion und ihren Vertretern nicht schlechter zu benehmen a>»«ine„anständige" liberale Zeitung, wie z. V. die„vofsische Zeltung", so wird die Sowselregienmg gegen die Einreise eines Korrespondenten des Vorwärts" in die Sowjetunion nicht» einzuwenden haben." Ich glaube, daß diese Antwort durchaus verständlich Ist. Wir sind dem Generalsekretär der russischen Kommuni- stischen Partei- sehr dankbar, daß er auf diese Weise vertrauliche Unterhaltungen in die Oeffenllichkeit gebracht hat. deren öffenlliche Erörterung uns nur recht fein kann.- Berichtigend fei jedoch vorausgeschickt, daß diese Unterhaltungen nicht von einem„Vertreter des Vorwärts" geführt wurden, sondern von einem Parteigenossen, der durchaus aus eigener Initiative handelte, danach aber die Redaktion in vollster Loyalität über das Besprochene unterrichtete. Die Bemühungen dieses parteiaenöjsischen Mittelmannes gingen dahin, zwischen der herrschenden Partei Rußlands und der deutschen Sozialdemokratie ein besseres Verhältnis herbeizuführen. Das ganze Problem wurde zwischen ihm und der Redaktion des„Vorwärts" durchgesprochen. Es wurde ihm dabei gesagt, daß seine Bemühungen ganz in der Richtung unserer eigenen Wünsche liegen und daß wir es als einen durchaus anormalen Zustand betrachteten, wenn das kommunistisch regierte Rußland zu bürgerlichen Re* oterungcn, zur bürgerlichen Presse, zu kapitalistischen Konsortien, ja sogar zur deutschen Reichswehr bessere Beziehungen unterhalte als zur deutschen Arbeiterbe we- g u n g. die doch nun einmal in ihrer Masse von der Sozial- demokratie repräsentiert sei. Allerdings fügten wir hinzu, daß dieser anormale Zustand im Wesen des russischen Kam- mumsmus seine Wurzel habe, denn so lange der russische Kommunismus dabei bleibe, seine Methoden der europä- iichen Arbeiterbewegung auszwingen zu wollen, sei der Kamps gegen die Sozialdemokratie für ihn eine Lebens- Notwendigkeit. Im Verlauf dieser, wie gesagt in der Redaktion des „Vorwärts" und unter Parteigenossen geführten Unterhaltung war auch die Sprache darauf gebracht worden, daß die ganze bürgerliche Presse Deutschlands einschließlich der ultrareak- tionären.h u g e n b e r g- P r e s s c in Rußland zugelassen sei, nur die sozialdemokratische Presse nicht. � Dieser in der Redaktion geführten Unterhaltung folgte eine Besprechung in der russischen Botschaft, über die wir erst unterrichtet wurden, nachdem sie statt-. gefunden hatte. Insbesondere war in keiner Weise ein Auf- trag erteilt worden, sich nach ,,B e d i n g u n q e n" zu er- kundigen, unter denen ein Bertreter des„Vorwärts" in Moskau zugelassen werden könnte. Abgesehen davon ist uns über den Verlauf drefer Besprechung wortgetreu dasselbe mitgeteilt worden, was jetzt Stalin in Moskau berichtet hat. ' Die Redaktion des„Vorwärts" hat dem parteigenöfsilchen Mittelsmann für seine Bemühungen gedankt und ihm zur Weitergabe folgendes erklärt:/ Das Interesse des Vorwärts" an der Errichtung einer.st an- digcn Vertretung in Mostau ist unter den gegebenen Umständen nicht allzu groß. Ein ständiger Vertreter in Moskau mußte ent- weder aus die Wünsche der dortigen Regierung weitgehende Rücksicht i-ehinen oder aber er konnte i n K o n f l i k t mit ihr geraten, was die RdbunH»fläch«u zwischen dem russischen Kommunismus und der deutschen Arbeiterbewegung nur vermehren würde. Viel«rwünsch- ler ist die Mäglichtcit häusigerer Studienreisen, über die dann noch der Rückkehr ganz unabhängig und objettiv berichtet werden kann wenn die russische Regierung einen Vertreter des„Vorwärts" in Rlostan zulassen will unter der Bedingung, daß das Blatt Beweise für sein ohlucr holten" erbringt, so lehnen wir ein solches Angebot entschieden ab. würde die deutsche Regierung die Zulassung eines ausländischen Berichterstatters von ähnlichen..Bedingungen" anhängig machen, so würden wir sie deswegen auss schärf st e angreifen, kein anständiges Blatt lonk sich Bindungen auserlegen für die Erlaubnis, in einer auslän- diichen Hauptstadt einen korefpondenten unterhallen zu dürfen. Der ..vorwärts" hat das Bestreben, die Zustände und Ereignisse in Rußland völlig objektiv zu würdigen. Seine Redaktion mächte aber nicht den Eindruck erwecken, als wolle sie sich durch.Wohloer- halten" die Gunst der Vlostauer Regierung und die Zulassung eines Korrespondenten in TNoskao verdienen. Dergleichen lehnt sie rundweg ab. Im übrigen hat sich Stalin, der wahrscheinlich keine Zeit hat, den„Vorwärts" selbst zu lesen, eine grobe Unwahr- h e i t aufbinden lassen, wenn er behauptet, wir betrachteten es als unsere Aufgabe, die Sowjetunion„ungeheuerlich zu verleumden". Solange man uns Sozialdemokraten„Verräter" schimpft, weil wir nicht alles so machen wollen, wie es in Rußland gemacht worden äst, bleibt uns die Pflicht, darauf hinzuweisen daß auch die russischen Methoden ihre staikken Schattenseiten hoben. So lange die deut- schen Kommunisten fortfahren,. Rußlant» als das Paradies der Arbeiter hinzustellen, bleibt notwendig zu sagen, daß das eine Lüge ist.>. In Rußland ist man aber gegen eine Kritik, die sich jede andere Regierung überall, auch im eigenen Lande, ohne weiteres gefallen lassen muß, überaus empfindlich..- Man wünscht, als unfehlbar bewundert zu' werden. Diesen Ge- fallen können wir der russischen Regirrung nicht tun. Viel eher kann das die deutsche bürgerliche Presse, die entweder aus außenpolitischen oder aus kapitaliftisch-geschäftlichen Gründen auf gute Beziehungen zu Moskau großes Gewicht legt. Darum ist auch der„Berliner Lokal-Anzeiger" in Moskau beliebter als der„Vorwärts". Den deutschen Sozialdemokraten bekommt es nicht gut. wenn sie sich bemühen, die Beziehungen zwischen ihrer Partei und dem russischen Kommunismus.zp bessern. Dan» heißt es stets in der kommunistischen Presse, der russischen wie der deutschen, die Sozialdemokratie sehe jetzt die W e l t r e v o l u t i o n mit Riesenschritten herannähen, und in ihrer fürchterlichen Angst davor, bitte sie bei den großmächtiaen Kommunisten um gutes Wetter. Natürlich können solche Albernheiten uns nicht daran hindern, an der Grundlinie unserer Politik festzuhalten, die auf ein besseres V e r sl e h e n gerichtet ist. Das Gesagte genügt aber, um darzutun, daß von russischer Seite bisher alles getan worden ist, um ein solches besseres Verstehen unmöglich zu machen. Solange es den Moskauern nicht genügt, Rußland zu regieren, solange- sie auch uns regieren wollen, wird sich au diesen unleidlichen Zuttänden auch kaum etwas ändern lassen. Erst wenn man drüben ein- sehen wird, daß unsere Methoden nicht die russischen sind und die russischen nicht sein können, sängt die Möglichkeit des besseren Berstehcns an. Vor dem Ausschluß Trohtis. Sie Zentralkontrolttommission hat den Ausschluß bereits beschlossen. Die Zentralkontrollkommission der Kommanistischen Partei der Sowjetunion hol. wie der..vstexpreß" mitteilt, den Ausschluß der Oppositionsführer Irohki. Sinowjew, Radek, Smilga. Kamenew und preobraschenski aus der Partei beschlossen. Der Beschluß bedars d« Bestätigung de, Zentralkomitees. Ausschluß aus der Partei bedeutet für die Oppositionsführer den politischen Tod. Eine legale politische Tätigkeit kann nur von Mitgliedern der Kommunistischen Partei ausgeübt werden. Illegale politische Tätigkeit der Oppositionssührer verstößt noch dem Ausschluß gegen die Sowjetgesehe und zieht automatisch das Eingreifen der GPU.. Verhaftungen und Aburteilungen nach sich. Gegenüber Gerüchten, daß Trohki aus Rußland entflohen sei, stellt die TU. fest, daß Irohki noch am Sonnabendabend vor dem Großen Theater In Moskau ein« ö s f e n k l i ch e Ansprache gehalten habe, an deren Fortsetzung er schließlich von Polizisten der GPU. verhindert wurde. Aiteniai auf Obregon. Der Sxpräsident leicht verletzt, seine Begleiter schießen auf die Täter. Mexiko, H. Novembei. Als der chemalixe Staatspräsident Obregon sich in einein Krostwogen nach der Stierkampforena begab, wurde eine Bombe gegen ihn geschloiidcrt. Die Scheibe des Windiängers wurde zer- trümmert und die Glasiplitter vernetzten den Präsidenten au der Wange. Die Begleiter Obrcgons, die in zweiten Wagen folgten, gaben cnif zwei Personen, die die Bombe geworfen haben sollen, Schüsse ab und verwundeten sie, eine dritte Person wurde verhaltet. Di» Polizei untersucht, ob das Attentgt von Verjchwö- rcrn verübt wurde.' Obrtgon blieb vc-llkominen getassen/'setzic seine Fahrt»ach der Arena fort und wohnte den, Stierkamps bis zum .Ende bei. Als Präsident(f a l l es, der ebenfalls in der Ärena anwesend war, von dem Vorfall erfuhr, sprach er Obregon seine Glückwünsche aus. Der ilalienische Grabsteinerlaß für Südtirol verbietet für neue Grabsteine deutsche Inschriften! nur den Zwang, alte Grab- inschriften zu übersetzen, enthält er nicht. Di«(dementierte) Schande ist also wahr, nur ihre Steigerung zur Grabschändung war eine Ucbertriäbung, die aber nach allem Erlebten durchaus begreiflich ist. Vorwäris auch in Mecklenburg! Große Mandatsgewinne der Sozialdemokratie.— Links« Mehrheit in Güstrow. Rostock. l4. Rooember.(Eigenbericht.) I Die Ergebnisse der Sommnnalwahlen in mehreren Mecklenburger Städten bestätigen den starken A u s st i e g. den die S o z i a l d e y, o. k r a t i c in diesen Landesteilen während der letzten Zeil verzeichnen konnte. Gewählt wurde gestern in Rostock. Güstrow und warne- münde, lleberall kann die Sozialdemokratie große Stimmen- und wichtigen Mandatsgewwne verbuche», und zwar hauptsächlich aus Soften der bürgerlichen Rechtsparteien, denen es nichts half, daß außer der bürgerlichen Einheitsliste auch Splittergruppen de» Mittel- standes und der Hausbesitzer auftauchten und Sitze eroberten. 3m Stadtparlameul Güstrow, wo die Sparergruppe(volkswohlsahrts- parle!) die Linke unterstützt, hat die Wahl eine Llnksmehrheit gebrocht. In Rostock sind die Völkische», die im letzten Sladtparla- ment noch 6 Mandate desaßen, aus ein Drittel zusammengehaue« worden. � Sn Rostock brachte die Sozialdemokratie statt bisher 10 33>Z Stimmen deren IS 124 auf und steigerte so ihr« Mandats) isser von lü aus 2<>. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie be- trögt somit fast Sä Proz. Die Kommunisten gingen dagegen von bisher von S aus'3 Mandate zurück und büßten von ihren 2äää Stimmen bei der letzten Stadtoerordnetenwahl über 8ää etil. Die bürgerliche wirtschaftlich« Arbeitsgemeinschaft ging geradezu katastrophal zurück. Sie konnte von ihren 2ä Man- daten ganze 13 retten. Auch die Völkischen verloren von ihren 6 Mandaten 4. Die Demokraten verloren von ihren bisherigen 2 Mandaten 1. In Warnemünde, wo das Stimmenverhältnis zwischen den drei beteiligten Parteien sich gegen 1924 nur wenig verändert Hot. erhöhte die Sozialdemokraite ihre Stimmenzahl von 882 auf 1(334 und behält damit ihre Zwei Mandate. Die Wirtschaftliche Einheitsliste behält ihre drei, die Beamtenliste ihr ei» Mandat wie bisher. In G ü st r o w hatten die Wahlen folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 3994(letzte Stadtoerordnetenwahl 1924: 3093), Gruppe für Volkswohlfahrt(Mieter) 829, Kommunisten 443(44k>, Bürgerliche Einheitsliste 3644(3917), Sozialwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft 485. Donach werden sich die Sitze in der Güstrower Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich wie folgt zusammciw ietzcn: Sozialdemokraten 14(13), Gruppe für Volkswohl- jährt 2(—), Kommunisten 1(1), Bürgerliche Einheitsliste 12(16), Sozialwirischaftlich« Arbeitsgemeinschaft 1(—). Zur Notiz für Mussolini. Mannkowitsch-rläuiert den Vertragsschluß mit Zsrankreich. Paris. 14. November.(Eigenbericht.) Der südfiawische Außenminister Marinkowitsch hat dem „Quotidien" erklärt, daß Frankreich und Jugoslawien für sich selbst keinen besonderen Bertrag notwendig gehabt hätten, denn sie seien über ihre Politik einig. Ein vertragloser Zustand hätte ober den Per- dacht entstehen lassen können, daß ein Geheimvertrag bestehe und viel- leicht als Schwäch« und Aengstlichkeit ausgelegt werden können. Frankreich und Jugoslawien hätten es für besser gehalten, öffentlich zu proklamieren, wie weit k>ie Grenzen ihrer Kört- zesstonen im Interesse des Friedens gehen. Weiter hob der Minister hervor, daß Mussolini den südslawische» Gesöndien. in Rom zwej Monate warten ließ, ehe er ihn zu einer Besprechung empfing; das zeige die Schwierigkeit des VerHandelns mit Itotini. Ministeriolral Genosse. Goslar bittet uns mitzuteilen, daß er mit einem sierrn Goslar, der die augenblicklich an.zahlreiche Stellen zur Verschickung gelangenden Ausnise, Drucksachen und Zirkulare süc Geldsammlungen des.K a m p s b u n d c s gegen Kulturreak- 1 i n n* unterzeichnet, nicht identisch ist. Er habe keinerlei Bc- Ziehungen zu diesem Bunde. Die Hannoveraner. Tanzmatinee der Volksbühne. Das Parte» des Bülowplatz-Theaters glich einem 7änzcrkonjircß. Aus ganz Deutschland waren sie gekommen, um N v ö n n c Georgs mir ihren.sifimiovervnerir zv sehen.- Di.' Tanzgruppe, die die Gcorgi am Städtischen Theater Hanno- ners leitet, hat sich aus Ballcttresten entwickelt. Diese sind, nament- Uch bei den weiblichen Mitgliedern, noch nicht ganz ausgezehrt. Moderne Technik, aber Vorliebe für pantomimische und dekorative Formen. Die Gruppe, als Schöpfung der Yvonne' ist noch jung. Jugendlich in ihrer Hingabc und Begeisteiiing. In Gärung be- grisseii. Roch nicht ganz satletsest im Zutzrminenschluß. Den Man- nerii mangelt zniveilen der— wenn man so sagen darf— Ensemtzjo- Applomb, der einheitlich« Geist, der von innen wirkende Harmonie schafft. Das trat namentlich in ciner ulkigen„M ä n n« r g r o- lest c" zutage, die, in straffen, kurzen Reihenbewcgungen auf Girl-Wirtung ci-igcsteltt und reich an originellen choreographischen Motiven, tänzerisch nicht restlos bewältigt wurde. Viel besser ge- lang der„Feierliche Tanz", mit dem drei Tänzer und sechs Tänzerinnen die Matinee einleiteten. Ein ernster, soft kultischer Austakt in gehaltenen Rhlfthmen und streng symmetrischem Aufbau. Hier vollzog sich die einfache Gruppenentwickliiiig in diagonalen Reihen mit wechselnden Fronten tadellos. Außer diesen beiden Gruppentänzen brachte der erste. Programmteil vier Soli der Georgi. Slls Mittel- und Gipfetpimkl den herrlichen„Tanz der Salome", den wir neulich im Theater cm Nollendorsplatz zum erstenmal sahen. Tiefste Geheimnisse der Menschennatur entschleiernd. Zwiespalt zwischen dem barbarischen Halbtier, das gni den Kopf des Täufers tanzt, und der hochentwickelten Kultur altorientalischer Tanzkunst. Beide Clemenie kommen zur Geltung Wechselnd. Die Barbarin in hemmungsloser Wildheit, kriecht mit gekrallten Fäusten, loälzt sich am Boden. Dann Ausraffen zur Ktorlwit eines wohl- oefonnfcn Tanzes. Eine Reihe funkelnder, blühender Rhythmen. lind wieder Versinken in den Rausch unbeherrschter Ekstase, und wieder Sanimliiag zum bewußt rassinierten, lockenden, betörenden Tanz. Als 5komposition ein Wunderwerk.. In der Vorführunz durch die Georgi, in deren Blut sich mütterlicherseits arabische Ele- inente mischen, eine einzig dastehende Messterleistung. Vorher, in ihrer zwiespältigen Formung der«alome ähnlich,' eine„M a- zurka". In prächtigem orientalischem Kostüm. Grelle Drehsprünge > nd Schnlterstößo. Entspvnming aller Glieder. Taumeln in schau- teli-den Schritten Kosakähnliche Sprünge, wilder Wirbel. Plötz- lich Beherrschuno. jäh abgebrochene Schwünge, klare, reine Gestal- tiing der tänzerischen Rhythmen. Ein„Prä tu de", trotz gelegent- ticher Unsicherheit der Knie- und Fußgelenke, weich und zugleich trosti-oll, mit wundervollem Auswänstlinimen der graziös ausdruckstarken Hände, mit aroßen, schwellenden Seitenschntten und Au-klinoen in herrlicher Attitüde. Und zum Schluß ein„Fest- tanz": Feierliches Aiisschwcben, kreiselndes Laufen, anmutig sich ösfne-.He Formen. 3 Der zweite Teil des Programms brachte die„A r le si e n n e", ein Tnnzipiel der Grongi mit Muli-: von Bizet. Streng, klar, sauber in der Choreographie wie in dem Ausbau der dretsach ge- stofselten Treppenbühne und den großen, eindrucksvollen, blaurot- weißen Farbenjlächen des Szeizxnbildes. Die auf diesem„cou- vierten Gelände", besonders schwierigen Probleme der Gruppen- aliedening,-teilung,-ballung� vollkommen gelöst. Der Grit nicht streng abstrakt, wie die Gruppentänze der Wigman, Skoronel oder Palucca. sondern weich, gelockert und noch meinem Gefühl zu- weilen zu dekorativ. Iedensalls von stärkster Thcoterwirkung. lind höchster künstlerischer Vollendung. Geschickter Wechsel van Gruppen-, Zwei- und'Einzeltänzen.' Di« Bühne in jedem Augenblick ein ein- heitlicher, lebendiger Organismus. Die Bewegungen des einen Teiles stets durch die aller anderen bedingt. Dos Aus und Nieder- wogen, das Durcheinairderschlingen, das dynamische Anschwellen und 'Verebben auss feinste berechnet und abgestimmt. Di« Wirkung war ein ununterbrochenes ihythmisches Fluidiim, das von der Bühne in den Znsäaiierraum strömte und alles in seinen Zoüberkreis zoz. In diesem Rahmen als Glanzpunkt zu nennen ein Zweitanz, den die Gcorgi mit W e r n e r Z t a m m e r(früher in Hannover, jetzt ani Esseney Stadtlheater) produzierte: dramatisch beginnend mit harten Armschwüngen und starken Schritten, dann zarter, weicher, lyrischer werdend und mit den starken Anfangsrhythmen abschließend. Der Beifall des Publikums war nach allen'Programmnummern sehr stark und steigerte sich nach Schluß der„Arlesienüe" zu stür- mischen Kundgebungen. Neben Pvanne und ihrer Tanzerichar konnten auch die vortrefflick�n imksskalischen Begleiter Friedrich Wilckens und Georg Meyer den wehlve'rtienten Dank ent- gegeiinehmen. John S ch i k o w s t i. Joseph Plaut im Schiller- Saal. ,Ionny spielt auf" ist die Novität des Programms, allerdings handelt es sich um keine Persiflage auf das Werk Kreneks. Plaut übexnimml nur den Schlager„O, Miß Anne" und komponiert eine Jazzkapelle um diesen siimigen Vers. Kleine und ausgewachsene Saxophone heulen durch sämtliche Oktaven, die Stimme rutscht bald in den Boß. und bald ist sie ein muskelstarker Tenor. Selten glänzte Plant mit derselben bestricken- den Virtuosität, selten war er so groß im Parodistischen. Das Löcher- liche dieser Jazzübung setzt er unter Scheinwerserbeleuchtung, und der Zuhöhrer bedauert, daß der Iaz, nickit mit der Länäe des „Nibelungenringes" answarten kann. Däneben steben kleine Skizzen des Amerikaners.Skephon Leacock, des Russen Anton Tschechow, aus denen Plaut Szenen von kanimerspielartigem Charakter machte. und wie immer ist er bei Andersen von stiller Zurückhaltung, um- tostet zart und»vorsichtig die Umrisse dieser- beinahe zerbrechlichen Lyrik in Prosa. Maria Pia ut-Schn eider singt kleine Dinge von Suppe und Millöcker. ohne in Kabarettholtiing zu fallen, aber das schöne Lied von der Jugendzeit klinat etwas unterstrichen weh- leidig. Benedictus Mann, der Begleiter am Klavier, spielt ein paar musikalitcke Grotesken, kurze, gut pvint'erte� Witze. Im ganzen ein unterhaltender Abend, an dem man von Herzen lachen kann.__; F. S. Aeber Soekhe und Kleist fpiildt Protz Dr. Georg Minde-Pouet bei der Ortsgruppe Berlin der Goetbe-Gefellsihast im groften Taal det OberoerwaltungSzerichts, Ha'.denberzfir. ZI, am 15., IS',, Uhr. Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft hat auf ihrer Stuttgarter Hauptversammlung folgende Entschließung an dir Reichsregierung gerichtet:„Die Notgemeinschoit der deutschen Wissenschast dankt anläßlich ihrer Stuttgarter Hauptversamm- lung vom l2. und lZ. November der Reichsregierung und den gesetz- gebenden Körperschaften für die Förderung, die die deutsche Wissen- schalt in den letzten Jahren trotz der gespannten Finanzlage ersohreir hat. Rur so war es möglich, den wissenschaitlichen Wiederaufbau Deutschlands in Angriff zu nehmen. Dos hoffnungsvoll Begonnene würde in Frage gestellt und jeder Versuch, im Wettkampf der Nationen erfolgreich mitzuarbeiten, unmöglich gennicht werden, wenn jetzt eine Kürzung der an sich bescheidenen Mittel in Reich und Ländern eintrete. Zur Erhaltung der menschlichen Arbeits- kraft, zur Wiederherstellung und zum Schutze der Bolksgesundheit. zur Entwicklung der Technik, zur Erstorkung der Wirtschaft für die gewaltigen Leistungen, die von ihr verlangt werden, ist die Führung und sind die Ideen der Wissenschaft unentbehrlich. Diese Erkennt- nis ist Gemeingut oller Kulturvölker. In dieser tiesernsten Stunde richtet die Gesamtheit der in der Notgemeinschaft vereinigten Per- treter der deutschen Wissenschaft und Technik die dringende Mab- nung an die Reichsregierung und die gesetzgebenden Körperskbasten, die bisher gewährten öffentlichen Mittel in unverkürzter Höbe zu erhalten." Eröffnung de» pariser herbftsalon,. Dieser Tage wurde die 20. Herbstsalonousstellung eröffnet, an der sich auf Einladung der Ausstellungsleitung auch die Berliner Sezession mit Ä... � Skulpturen beteiligt hat. Eugen Spiro und Willy Jockel sind persönlich anwesend, um in dem Kleinen Salon, Sunftlern zugewiesen ist, die Honneurs zu machen. Botschafter v. Hoesch wohnte der Eröffnung der deutschen Ausstellung her, die starre» Interesse fand. Unter den Ausstellern seien genannt Lovis e-'nnch. Max s-ckmann. Willy Säckel. Paul Klee, Leo v. König. Bruno Krauskopf. Max Pechstein, der Munchener Georg Schimpf. Tester, ury, Rudolf Levy, George Kroß und die Bildhauer Georg Kolbe und �osef Thorak. Unabhängig von der Sezesston hat sich eip funger deussclier Bildhauer Johannes Ilmari mit zwei Skülp- füren an der Ausstellung beteiligt, dessen Werke bereits im vorigen Jahr die Aufnierksamkeit des französischen Publikums gefunden haben. Kampf gegen die Elaqu« in Wien. Gegen dos Treiben der Elaque, die an der Wiener Oper in lenter Zeit eine sehr aüssällige Rolle spielt, wird jetzt ein ernsthafter Kampf organisiert. In einer Uinsrage haben sich eine Reihe von Sängern sowie der Koinvonist' .oriigvld zu der Angelegenheit geäußert und durchweg die Ii, an- fpruchnahme der Elaque grundsätzlich abgelehnt uKd sich zum lest/ scharf gegen die mit dieser Einrichtung verbundenen ErpressuNgs- gewöhn Hetzen gewandt. Berichtigung. In unserer- Kritik über- dos Schiller- a. heat e r(«onnabendabendnummer) ist von dem„Gesetz der Der- gänglichkeit aller Substonzeu" die Rede. Das ist ein Druckfehler» gemeint ist natürlich die U n o e r g ä n g l i ch t e i t der Materie. vi« JtatoM tanzt nochmals am 19., A>Uhr, nnBach-Saatz Abschluß der Werbewoche. Revolutionsfeiern der Jugend. Die Port«iw«rbewoche wurde am Sonntag mit zahlreichen Kundgebungen der Partei und der Kulturorganisotionen abge- schlössen. Auch diese Feiern staniden im Zeichen der Sammlung der proletarischen Kräfte in der Organisation. Die Jugend führte zum ersten Male geschlossen ihre älteren Mitglieder der Partei zu. In einer stark besuchten Revolutionsseier und Porteiweihe versammelten sich die Iugendgenossen im Mercedespalast. Neukölln. Mit dem Gesangsoorträg„Volk erwache" begann die Feier. Dann wurde der Film aus dem Theaterstück.hoppla, wir leben" vorge- führt. Max W e st p h a l hatte die Festansprache übernommen. Anknüpfend an den Film sprach er von den großen Kämpfen der Arbeiterschaft, um die Mächte von gestern niederzuhalten. Die Jahre von ISIS bis 1S24 haben der Arbeiterschaft schwere Rückschläge be- reitet. Wir haben im nächsten Jahr Wahlen, nicht nur in Deutsch-. land, auch in Frankreich und England. Ueberall wird die Jugend an der Seite der älteren Genossen unermüdlich tätig sein, um den Einfluß der Arbeiterschaft aus die Parlament« und Regierungen zu stärken. Dom Wollen der Partei sprach er zu den chunder- ten, die gestern' geschlossen ihren Eintritt �in die Partei vollzogen haben. Stürmischer Beifall dankte ihm, als er von der Pflicht des Jungen sprach, an der Seite des Alten in der Partei mitzukämpfen. Nach ausgezeichneten Vorführungen des Sprechchors der Arbeiterjugend wurde diese Kundgebung mit dem Gesang der Internationale beschlossen. Aei den Kinderfreunden. Eüi sonniger cherbsttag war«s, als gestern, chuiidene von raten Fahnen zu chäupten, Berlins Arbeiterjungens und Arbeitermädels unter Führung der Kinderfreunde die Toten der Reootution ehrten und Gruppe für Gruppe Blumen an den Gräbern im jffried- richshain niederlegten. Eine stimmungsvolle Feier im Märchen- brunnen am Friedrichshain schloß sich an. Prachtvoll klang, von allen gesungen, das Lied der Wiener Arbeiter, das die Kinder in ihrem Kieler Zeltlager gelernt hatten: Wir sind das Bau- volk der kommenden Welt! Genosse Reichstagsabgeordneter Löwen st ein meisterte mit Geschick die schwere Ausgabe, deck Kindern Verlaus und Ziel der Revolution lebendig vor Augen zu führen. Sehr gut brachten dann die kleinen Sänger vom Prenz- lauer Berg dos Gedenklied für die Revolutionsseier. Fechen- b a ch s gestraffter, auch den Kindern wohlverständlicher«prechchor wurde mit Schwung und Begeisterung vorgetragen. Die Jnter- nationale schloß die schöne Feier. Ein Lichtbildervortrag mutzte leider ausfallen, da der'Saal nicht verdunkelt werden konnte. Das Singen wurde erst nach einer Rücksprache mit dem Polizeipräsidium erlaubt, weil der amtierende Leutnant sich auf ein Verbot wahrend der Kirchzeit versteifte, trotzdem die Feier im geschlossenen Saal stattfand. Die Pankower Genossen hotten einen guten Einfall mit der Veranstaltung eines Filmvortrogs am Sonniagnachniittog. Das neu- erbaute Kino Tivoli in der Berliner Strohe war dicht gefüllt. Der Film„Der Kreuzig des Weibes" gab wieder beredt« Kunde von der ilnzulänglichkelt unserer heutigen Gesetzgebung. Nach dem zweiten Teil ergriff die Genossin I n ch a c z das Wort zu einem leider nur kurz bemessenen Referat. Die Genossin zeigte das herbe Unrecht, dotz man den Frauen tut. in dem man sie wohl zur Mit- arbeit in allen Betrieben heranzieht, ihre Arbeit aber gering be- zahlt, obwohl die Produkte, die von ihnen hergestellt werden, nicht billiger sind. Man entzieht die Frau durch die wirtschaftliche. Not ihrer natürlichen Bestimmung und nimmt den Kindern ihre natür- liche Beraterin. Die Burgerregierung hat. nicht dos Geld, um die schwangeren und stillenden Mütter genügend zu schützen, sie hat aber das Geld, die Zuchthäuser und Gesängnisse und Irrciianstolten für die so Gefallenen zu errichten. Diese Regierung hat nnzähligeinol deutlich bewiesen, dah sie nicht gewill: ist, die Interessen des deutschen Volkes zu vertreten, gebt ihnen die Quitwng darauf: wählt die Partei, die es anders macht: die Sozialdemokratie * Am Sonnabend veranstaltete der Kreis Blankenburg in Kluges Restaurant im Rahmen der Werbewoche einen Vortragsabend. Genossin B o h m- S ch u ch, die Reserentin des Abends. sprach über das Thema„Was hat die Rechtsregierung bis jetzt für das deutsch« Volk getan?" Sie führte dann die schlageichen Bc- weis« sür die rücksichtslose Bevorzugung der kapitalistischen Jnter- essen an und gab dabei nur nackte Tatsachen. Die Bürgerlichen entrüsten sich sittlick» über Geschehnisse bei den Proletariern, sie sind aber nicht bereit, ihnen nur in der Besserung der Wohnungs- Verhältnisse entgegenzukommen. Wer ein großes Bankkonto hat, hat leicht gut zu sein. Die Genossin Bohm-Schuch nahm dann noch die Gelegenheit wahr, uni die Lüge, daß die SPD. das S-Stunden- Gesetz preisgegeben hätte, zu entkräften. Trotz der Bürgerblock- regierung haben wir aus jozialpol'tischcm Gebiet(Erwerbslosen- jürsorge) kleine Fortschritte zu verzeichnen. Wir verdanke» die Fort- schritte dem geschlossenen Vorgehen der großen Gewerkschaften, und wo wir in Massen sind, können wir siegen. Die Anwesenden solgten begeistert den Ausführungen und der Bezirksvorsitzendc schloß die Versammlung mst einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie. Ein Mörder? Eine schwere Selbstbezichtigung. Am Sunnabenv spät abends erschien ein Student der Me- bizin Achmed R. aus Kairo, der in der Läubacher Straße 35 wohnt, bei der Kriminalpolizei in Wilmersdors. Cr gab an, daß er seinen Freund, einen 20 Jahre alten aus Alexandrien gebürtigen Jsmoel N. umgebracht, die Leiche z e r st ü cke l t und beiseitegeschafft habe. N.� den er seit eineinhalb Jahren kenne, sei vor 14 Tagen wieder nach Berlin gekommen, um sein Medizinstudium fortzusetzen, und habe sich zeit- weilig bei ihm aufgehalten. Er sri aus seinen Freund e i f e r- süchtig geworden, weil er ihm ein Mädchen abspenstig gemacht habe. Um ihn zu beseitigen, habe er ihn m seine Wohnung ein- geladen, ihn mit Wein bezecht gemacht, und ihm dann eine Flasche Lysol gereicht, deren Inhalt der Angetrunkene denn auch bis aus ein Drittel geleert habe. N. sei unrer der Wirkung der ätzenden Flüssigkeit znsarmnengebrocbei:. Jetzt habe er ihn solange bearbeitet, bis er tot gewesen sei. Di« zerstückelte Leiche habe er weg- geschafft. Seine Wirtin habe von der Anwesenheit des Freundes nicht gewußt und von den weiteren Vorgängen auch nichts ge° merkt.— Die Kriminalpolizei begab sich sofort nach der Wohnung, fand dort aber nicht die geringste Spur eines Derbrechens. Die Wirtin bekundele, daß ihr Mieter den ganze» Tag über zu Hause gewesen sei, sich eingeschlossen und überhaupt keinen Besuch erhalten habe. Wein oder andere Spirituosen habe er nie in seinem Zimmer gehabt, auch sie nicht in der Wahnnng. Achmed R. wurde aber trotzdem der Mordinspektion vorgeführt. Diese stellte fest, daß sein Freund N. einmal nach Berlin hat ioinmen wollen, dah Ihm jedoch die Einreiseerlaubnis verweigert worden ist. Er ist deshalb nach Wien gegangen. In ZZerlin hat ihn keiner der Landsleute des R. gesehen. Obwohl auch diese an dem Studenten nichts Auf- fallendes wahrgenommen haben, so muß man doch annehmen, daß er in geistiger Verwirrung sich selbst falsch be- z i ch t i g t hat. Der jung« Mann wurde der Sicherheitspolizei über- geben, um auf feinen Geisteszustmch untersucht zu werden. Schwerer Autounfall iu Berlin RL. Jn�der Somrtagnacht ereignete sich kurz nach 24 Uhr vor dem Hause F ri e de nst i aß e 24 in unmittelbarer Nähe des Lands- bcrger Platzes«in schwerer'Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn der Linie 1 und einer mit zwei Personen besetzten Kraft- drcschke. Der Führer des Autos versuchte, seinen Wagen kurz vor der hcraimahenden Straßenbahn noch über die Gleise zu bringen; er hatte jedoch die Enifernung unterschätzt, und die Straßenbahn fuhr mit großer Wucht aus das Auto auf. Der Anprall erfolgt« mit solcher Gewalt, daß das Auto völlig zertrümmert wurde und sämtliche Fensterscherben der Straßenbahn zersplitterten. Während die Fahrgäste der Straßenbahn mit dem Schrecken davon- kamen, wurden die Insassen des Autos,«in Ehepaar M. aus der Kirchstraße 12, und der 53jährige Ehousfeur August Zimmerniann aus der Kolomestraße 24 schwer verletzt. Die Verunglückten wurden durch dos Städtisch« Rettunasamt in das Krankenhaus am Fricdrichshain gebracht, wo Frau M. und Zimmermann sehr be- dcnklich daniederliegen. Der Unfall hatte ein« Verkehrsstörung von einhalbstündiger Dauer zur Folge. Während dieser Zeit war der Straßcnbahnverkehr in beiden Richtungen lahmgelegt. 3. Kongreß sür alkoholfreie Erziehung. Die Reichshauptstcllc gegen den Alkoholismus Hai zusammen mit der Reichsarbeitsgemeinschost für alkoholfreie Erziehung zu einem Kongreß ausgerufen, der unter dem Protektorat des Reichskanzlers, Reichsministcrs des Innern und des Reichstogspräsidenten steht und voml4. hisltz. Novcmberin Berlin tagt. Am Sonntag iand im großen Saale des Reichswirtschoftsamtes die feierlich« Eröfiming statt.. Die Reichs- und Staatsbehörde» waren zahlreich vertreten, ebenso verschiedene Bundesstaaien, der Städtetaa, Fürsoraeämtcr, Lehrer- und Elternöiinde,'Sit Refthsousschuh der Deutschen Jugend- verbände. Auch aus SudetendeulschiaNd, Deusschösterreich. Holland und der Schweiz wären Abgesandte crschsenen. Räch'einer musika- tischen Einleitung crafsnctc Pros. vr. c. Ii. Ganser den Kongreß und gab einen Rückblick über die Bewegung, in die Deutschland erst spoter«ingetreten sei als andere Völker. Er wies nach, daß bei ollen erfreulichen Anzeichen von Besserung und großer Anerkennung man dach in vielen Kreisen nach keinen Ansang zur Tot verspüre. Es solgten ein Anzahl Begriißunqsanspiachen. u. a. von dem Vertreter des Reichsministeriilms des Innern»nb dein des Ministeriums sür Vclkswohlsahrt. Bon Hesjen-Darmstadt, Hamburg und der Uni- versität Münster sprachen Abgesandt«. Der Vertreter der Jugend forderte, daß man den Jugendlichen eigene Heim« schasse, in denen sie geborgen sei und sich ans jugendliche Art erholen könne. Präsi- dem a. D. Pros. Dr. Strecker hielt den Eröfsnungsvortrag: Verantwortlichkeit des Staates, Verantwortlichkeit der Jugend. Am Abend land eine Kundgebung der Jugend im.Nerrenhause statt, bei der Thilo Scheller, Moria Lehne und Werner Krnckenberg sprachen.. Sie nahm einen verheißungsvollen Verlaus. Die nächsten Tag« bringen Sitzungen im Langenbeck-Virlbvw-Hausc in der Lursen- strotz« 58, beginnend um 9 und um 15 Uhr. Eauversammlnnq des Reichsbanners. Der Gau Berim-Brondenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hielt unter Beteiligung von 2SO stimm- berechtigicn Delegierten feine Gaugeneralversammlung im ehemaligen Hcrrenhonse ob. 125 Anträge lagen allein der Gaugeneraloerjammlung vor, mit denen sich im Geschäftsbericht die Kameraden Siering, Neidhardt, Oberst Lange, Fechner und Nowack beschäftigten. Im Lause des Geschäftsberichts ging der Gauvorsitzende S i e r i ng auf das Verhältnis des Reichsbanners zu den politischen Barteien ganz besonders ein. In scharfen Worten wandte sich der Redner gegen den Landeshauptmann der Provinz Brandenburg, der das Reichsbanner als eine parteipolitische Organisation betrachtet. Aufgabe des Reichsbanners muß es lein, solchen reaktionären Be- amten das Handwert zu legen. Mit dem Roten Frontkömpferbund kann es keine Zusammenarbeit geben. Der Geschästssllbrer Neid- Hardt führte in seinem Bericht aus, daß es mit der Organisation vorwärts gel,«. Viele Neugründungen von Orlsvereinen fanden in der letzten Zeit statt. Ueber technische Angelegenheiten be- richtete Oberst Lange. Den Kassenbericht gab der Kassierer Fechner. Im Bericht über die Presie wandte sich R o w a ck gegen die rechtsgerichtete Tendenz der Kreisblätter auf dem Lande. Ueber den Geschäjtsberichl gab e» eine längere Debatte, in der besonders die Rede des Kameraden K ü n st l« r zu erwähnen fei. Künstler wandte sich gegen einen Beschluß des Bundesvorstandes, der besagt, daß der K November nicht mit Beisein des Reichsbanner, gefeiert werden dürfe. Wir wollen auch im Reichsbanner freudig des Geburtsiages der Republik gedenken. Die Wahlen zum Gauvorstand hatten folgendes Er- gebnis: 1. Lorsitzender: Sie ring; 2. Vorsitzender: Dr. Großmann: 1- Schriftführer: Nowack: 2. Schriftführer Fest: Kassierer: Fechner: Beisitzer: Künstler und Grabbels: Technischer Leiter: Oberst Lang«: Geschäftsführer Neidhardt und fünf Kamera-. den au» der Provinz. Der unzulängliche Stadtbabubetrieb. Von der Arbeiterschaft eines Betriebes in Lichtenberg achen uns wiederum B eich werden über den mangelhosten Ekadtbahnbctrieb in den Morgenstunden zu. Man schreibt uns: Unerträgliche Verkehrs»erhältnisse sind in den Moreenftun. cn. Monder, in de"'-'t«" K en*.30 und 6.30 aus der Stadt- und Ringbahn van Bahnhos Jungfernheid« bis Rummelsburg zu verzeichnen. Aus den starkbevölkerten Ar- he'itervierteln ist der Zustrom auf den Bahnhöien Wedding. Gelund- brunnen und Schönhauser Allee um diese Zeit besonders stark. Die gelullten Züge können die Meng« der Andrängenden nicht auf- nehmen, und säst. täglich ist zu beobachten, daß Fabrgäst«, aus den Trittbrettern stehend, einen Teil des Weges bei halbgeöffneter Tür zurücklegen müssen, weil es den im Wagen be- ftndlichen Personen nicht möglich ist, auch nur um soviel zusammen- zurücken, rnn den l--n. u-en i un">> im en. Mit ftiller Wehmut sehen die Mitsohrcnden auf die vorübcrrollenden Güter- züge, in welchen mit vieler Sorgfalt das Vieh zum Schlachthof gc- fahren wird. In jedem Stadtbohnzug aber läuft die zweite W a g e n k l a s s e fast leer. Wie lange noch sollen diese lebens- gefährlichen Zustände bestehen bleiben? Wie lange noch müssen sich 18FohrgSste und mehr, in dem Mittelgang der Abteilt stehend, zusammenpressen? Eine schnellere Zugsolae ' um diele Zeit war früher möglich und ist auch jetzt unerläßlich. Die Ergebnisie der Verkehrszählungen können den stoßweise� ein fetzenden Verkehr nicht onswcsien, da das Zählcrgebnis dos Resultat von mehreren Stunden ist. Die bestehenden Zustände sind eine schwere Gefahr sür die Reisenden und erfordern so- fortig« Acndcrung!_ Ehe oder Gefängnis? Oer Attentäter soll sein Opfer heiraten. Einen neuartigen Grundsatz bei der Zuteilung einer Bewäh- rungssrist— der aber dem allgemeinen Rechtsempfinden entsprechen dürste— stellte das Schösfengericht Tempelhof unter Vorsitz von Amtsgerichtsrot Fließ in einer Verhandlung auf, die sich gegen den Monteur Paul Köhler richtete. K. war wegen gefährlicher Körperverletzung«w- aeklagt. Aus Eifersucht ha»« er seine Braut durch Schnitte mit einem Rasiermesier derart zugerichtet, daß das bis dahin schone junge Mädchen furchtbare E n t st« l I u n g e n für ihre ganze Lebens- douer davongetragen hat. Er hatte ihr in seiner Eifersucht nachts aufgelauert und war nach geschehener Tat davongelaufen. Die Revierpolizei hatte zunächst den Bruder de? Messerhelden als ver- meintl'chen Täter ftftgenommen. Der Angeklagte hatte sich dann ob«r selbst gemeldet, war jedoch abgewiesen worden, weil man aus dem Revier annahm, daß er seinen Bruder decken wolle. Erst als er sich am nächsten Tag« wiederum stellte, wurde der Bruder eni- lassen, der schuldlos ein« Nacht in der Zelle.zugebracht hatte. Der wirkliche Täter kam nun in Haft, wurde aber auch bald wieder entlassen, weil man infolge seiner hartnäckigen Selbstgestellung einen Fluchtverdocht nickst annahm. Das �verletzte junge Mädchen hotte lange Zeit, bewußtlos im Krankenhaus zugebracht und schwebte zunächst zwischen Tod und Leben. Vor Gericht zeigte der Angeklagte große Reue über seine Tat. Er behauptete zwar, daß er di« Verletzungen nur mit einem Taschenmesser verübt habe. Man hatte aber in der Nähe des Tatortes ein blutbeflecktes Rasiermesser vorgefunden, und die Gutachter l'cßen auch keinen Zweifel, daß di» Verletzungen nur von einem Rasiermesser herrühren könnten. Der Angeklagte suchte es so darzustellen, als ob er die Tat in einer Bewußtseinstrübung verübt habe. Er will�erst zu Haus« gemerkt haben,� daß er blutige Hände hatte. Das Schössen- gericht war jedoch der Ansicht, dotz der Angeklagte in einer Eifer- suchtsraserei die Tat mft Vorbedacht verübt habe und ver- urteilte ihn zu 1 2 a h r G e s ä n g n i s. In der Urteilsbegründung sprach der Richter aus. datz der Anaeklogte dem jungen Mädchen gegenüber, dessen Heiratsaussichten sich durch die furchtbare Eni- srellung stark herabgestkindert hätten, gewisse Berpslichinngen habe. Wenn'er die Konsequenzen daraus ziehen sollte, würde ihm vom Gericht— auch in Anbetracht ferner nachträgliche» Reue— dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt werden.— Also ins Gefängnis oder zum Standesamt. Selbstmordversuch zweier Hausangestellten. Die Feuerwehr wurde heut« früh gegen 548 Uhr nach der Matthäikirchstraß« 8 alarmiert. In der mit Gas gefüllten Küche der Wohnung ihres Arbeitgeber» wurde die 20jährigc Hausangestellte Marie B. und deren gleichaltrige Vase Martha B. durch Gas vergiftet aufgefunden. Wiederbelebungsversuch« mit Sauerstoft waren von Ersolg gekrönt. Der Zustand der beiden Mädchen war jedoch so bedenklich, daß sie in da» Nisabethkrankenhous übergeführt wurden Roch dem Befund liegt zweifelsohne ein Selbstmord- v e nl u ch vor, doch konnte dos Motto zu der Tat noch nicht er- mntelt werden. Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste Sitzung am Donnerstag um 16�4 Uhr. Die Tagesordnung verspricht unter .rüderem«ine Wiederholung des Sturmlaufs der Deutjchnalionalen gegen den ihnen verhaßten. Stadtbmmst. Genossen Wagner. Vier Tote bei einem Autounglück. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich gestern aus der candstraße von wiosen an der Aller nach Celle. Ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen kam beim Passieren der Oerze- vrücke ins Gleiten, durchbrach das Brückengeländer. überschlug sich und stürzte in die Oerze. Alle vier Znsassen ertranken. Als Ursache wird ein Rcifcndcsekt angenommen. v �220 beim Gtart verunglückt. Das.Hcintcl- F�u g ze u g v 12 20, das sei: ungesiihr 14 Togen in Hörig aus den Azoren lag, um seinen Ozeanslug nüch-i>8 Neufundland— New Jork anzutreten, ist am Sonntag bei seinem-,. Start nach Neufundland schwer beschädigt worden. Als das Flug- zeug sich von der Wasserfläche abheben sollte, brach ein Schwimmer. so daß der Fuhrer des Flugzeuges. Merz, sofort wieder landen mußte. Wie ergänzend aus Horta gemeldet wird, erfolgte der miß- glückte Start des D' 1220 bei Mondlicht und Südwind. In diem Äugcnbtick, als dos Flugzeug sich vom Wasser abhob, wurde der Benzintank an der rechten Tragfläche von einer Welle ersaßt, wo- durch das Flugzeug sich überschlug. Die Besatzung wurde durch ein sofort herbeigeeiltes Motorboot gerettet. Das Flugzeug ist völlig flugunfähig. Notlandung auf dem Rhein. D.is Flugboot des englischen Fliegers C o u r t n« y, das in direktem Flug von Smithampton gekommen war, mutzte aus dem Rhein� bei Poll eine Notlandung vornehmen. Dabei wäre das Flugzeug beinahe wegen des hohen Wasserstandes in groß: Gefahr gekommen. Es wurde gegen einen Schlcppzug getrieben, und der Bug des Bootsrumpfes wurde eingebeult. Nur durch die schnelle Hils« eines Föhrmannes, � der mit einem Motorboot hinzueilte, konnte der Anprall des Flugzeuges gegen einen Pfeiler der Südbrücke verhindert werden. Gpori. Rennen zu Maeieudorf am Sonnlag. dem 13. November. 1. Rennen, l. Anita Sortby(Bes.). 2. Agitator, 3. Britton. Toto: 22:10. Platz: 17,22,16:10 Ferner liefen: Black Pillat, Prachtpeter, Baronetz E., Lila Princeton, Naturbursche, Lindowgold, Barcarole, Herzog, Modena. 2. R e n u e n. 1. Theodora sP. Finn), 2. Sir Caid, 3 Kletterrose. Toto: 72: 10. Platz: 21, 17, 42: 10. Ferner liefen: Slruwelpcler, Jram. Lucie Halle, Danclnq Girl, Cilento, Salome, Einsicht, Divisionär, Armenier, Freibeuter, Ludwig R. 3. Rennen 1. Ingrid Halle(Bel.). 2, Petronella Ä..3. Lustiger Bruder, Toto: 217:10. Plötz: öS. 46. 24: 10. Ferner liefen: Holstein, Ei bprinz jr., Ida Palot, Minni Halle. Friedrich Rex. Elisa, Abdullatz Silver. Goudtlcr jr., , Quitte B., Weinbrand, Kerrigan jr., Ebarade, Ltndvwkind, Barmaid, Natter. 4. ZI innen. 1. Native Fordes(M RingiuSi, 2. Fronlet, 3. Willy A. Toto: 27: 10. Platz- 12, 18, 12; 10. gerner Uesen: Königsadler, Belwin, Calla, Magowan jr.. Sudan, Quifi quasi, FelS. 5. Rennen. 1. Höhenlonne zu ormiBigtm Preisen des qen» Pregranun. i'iictto der deutsche Rufeiii Dayelssa'Balleii ni,«.Cunpson Weldolf-Penliert; Boxkemni Simwsir-BSkir Th.K6nle»räl*. St, Bergm.niO.«U. Gustav IQ von Stiindberg. Bigii futr Bußtag 8 Uhr: Gustav HL Komfidfenhaua Morden 630t. n'r, Bußtag Uhrt Die Schwester Maria Orska Berliner Theater Dönhoff 170. S'l, Der GeSstersssch Bußtag 8', Uhr: Der Getafrrzm svaiiiaua• nseot Täglich 8--, Uhr: Ais RDteheiraer Slhloß steht eine Lisde Parken statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur M n. ntaiia-Theaicr 8 Uhr Oer rote Hahn cusisplelliaut St/, Uhr Jsinier Hl 13" Plssetarioio am Zoo foliif. Jeadimlhaltr Strsb Noll. 1578 DerStarnenhimmalaBt Oer Ralat von Berlin nach dem Aequator Vorführungen: 4Vs, 6, 7'/,. 9 Uhr. Eintritt I M. lisfcrslL 15 JahrsaO.iOi. Herren-Nafi- Schneiderei „ALEXKCK (Sonlachfir. S II.Ctg, (Zcfitlaffigc Stoffe. ade ftossigfle. Solide Jtrcife. Verkäufe Bekleidunhsslüchr Wasche us* Leihhan» Spiegel, EhausfeesteaKe 7. Selegenheitslitufe wenig getragener, auch neuer Herrengarderoden. PeU- waren Seine Lombardware' Bon«aoalieee» wenig qeleagene lo. wie neue Kerrenanfllge. Ulster. Pole. tote, jede ttigne passend. Sportpelze. Gehpelze. Damenp-I.imantel. 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