Morgenausgabe Nr. 543 A 276 44. Zahrgang 9MtntnA% Psem-is mansilift 3,- 9)efdl«mart, voraus»ablbar. Unter Elretldand im In» und Ausland 3jS0 Äetchsmacl pro Monat. » 9ix.«#r»arts* mit der tnuftrfM. tev Sonulaasdeilage.Bali und Seit* sowie den Seiloaen.Unterhaltung und Wilsen".Au» der i�ilmwelt", �tadtdeilaz»"..Frauenstimme". »Der«indersreund..Zugend-Por, »Lrt»",.Blick in die Biichcrwelt". Kulturarbeit" und.Zechnil" erscheint wochentdgilch zweimal. Sonntags und Montag» einmal. AerÄnee Vottsblatt Oonnersiag 1.7. November 1927 Gkoß-SerNn Pf. Auswärts �5 Pf. Di,« i» v a i l i g» Nonoarewezei!« 80 Pfennia. Rellamezeile B— Reich»- mar»./s leine Anzeige»-' da» icltge- druckt« Wort*5 Biennu,(zu Sifig*o»t fettaedruckteWort«) iroes weitere Wort lg Pfeniiiq. Etellengeluche da» erste Wort lü Psennia. iede» weitere Wort lOBiennig Warle ilber lZ Buchstaben zahlen iür zwei Worte ArdeiismarN geile SOPienniq. Familienanreiaen lUr AdonnenienZe leiOPiennia Anzeiaen- annähme im Bauytgeschast Linden- ftraßeld wochcmagl. van»>/,dis 17 Uhr Senieawvgan de« Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW öS. Lindenstraß« 3 Fernsprecher! Tönhofs WZ— 297. Telegramm-Zldr.: Eozialdemolrot Berlta Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto! Berlin Z7SZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamten Dollstr. Kö. Ditkonto-Eesellschaft, Depositenkass« Stndenstr.Z Das Elend der Zigarrenarbeiter. Der Reallohn um 50 proz. gesunken.— Furchtbares Wohnungselend.— Kaum das Nötigste zum Leben, obwohl Mann und Frau arbeiten. Di» Aatssp errang von mehr al» hunderttausend ZIgamnarb«il«rn erfordert die Ausmcrksamkeil aller sozial «inpfindenden Menschen. Wir haben unseren Mitarbeiter, den Genossen Felix Fechenbach in die hauptsäch- lichsten Wohngebiete der Tabakproletarier entsandt, um unseren Lesern wahrheitsgetreu« Schilderungen der so- ziolen Loge der Ausgesperrten zu vermitteln. Von seiner ersten Station Nordhausen erhalten wir den folgenden Bericht: L. F. Norsd Hausen, 16. November.(Eigenbericht.) La« tausendjährige Nordhausen ist das alte Zentrum der Kau- tabakindustri«. Der Gauleiter de» Tabalarbeiteruervandes hat des- halb hier seinen Sitz. Aber jetzt ist er viel unterwegs. Die will- kürliche, torifwidrlge Aussperrung, mit der die Zigarrenbaron« lZüOOO Arbeiter auf die Straße warfen, führt den Gauleiter von einem Ort zum anderen, von einer Versammlung zur anderen in seinem Organisationsbezirk. In Nordhausen selbst sind nur zwei Zigarrensabriken. Sie gehören nicht zu den größten. Die chouplindustri« de» Gebietes liegt im Eichsseld und im Werratol. Aber die Ziffern, die ich In Nordhausen zu hören bekam, waren so erschreckend, daß ich beschloß, erst am nächsten Tag in» Eichsseld zu fahren. Löhne von l2 bi» 14 Mark für Frauen und von IL und 16 Mari für Männer sind durchaus kein« Seltenheit. Der durchschnittliche Wochenlohn beträgt 17,55 Mark! Davon gehen dann noch die Abzüge sür die Sozialoersicherung ad. eine di» zwei Mark, so daß sich der tatsächliche Wochenlohn nur aus 16 bis 16,50 Mark stellt! Nur ganz vereinzelte, besonder» geschickte Arbeiter kommen aus 21 bis 23 Mark wöchentlich. Doch das find Spitzenlöhn«. Zwei alt» Zlgarrenroller, die zu diesen wenigen Glücklichen zählen, sagten mir, daß sie vor dem Krieg bei sechzigstündiger Arbeit in der Woche 22 Mark oerdient hätten. Heute arbeilen sie zwar nur 4S Stunden in der Woche, verdienen ober, obwohl sie zu den geschicktesten Arbeitern gehören, nur 23 Mark. Daraus ergibt sich nun solgend« Rechnung: Die Kosten der Lebenshaltung für 1913 mit 100 angesetzt, sind im Oktober 1S27 aus 150,2 gestiegen; der Wochenlohn aber nur von 22 auf 23 Mark, also um 4ch Proz., während bi« Gesamtlebenshaltungskosten um 30 Proz. gestiegen sind. Das bedeutet praktisch ein Sinken des Reallohnes um 50 Proz.. denn für seinen heutigen Wochenlohn kann sich der Zigarrenarbeiter nur noch di« Hälfte von dem kaufen, was er 1S1Z dafür bekommen hätte. Die» gilt aber nur für die Höchftlohnbezieher. Für den allergrößten Teil der Zigarrenarbeiter fällt ein solcher Vergleich mit ISIS noch viel ungünstiger au» Trotzdem Nagen die Zigarrensadrikanten darüber, daß es der Zigarrenindustrie schlecht gehe. In Wirklichkeit zeigen die steigenden Ziffern der Produktion bei gleichzeitigem Rückgang der Dsschäftigungszohl. daß die Prosit- rate der Zigarrensabritanten im Steigen ist. Außerordentlich bezeichnend ist auch solgend« Rechnung, di« Ich mit den beiden alten Zigarrenrollern aufmachte: Vor dem Krieg rollte jeder von Ihnen in der sechzigstündigen Arbeitswoche vier- tausend Zigarren. Heute bringen st« es in 48 Stunden pro Woche auf dreieinhalb Tausend. Das bedeutet eine Arbeitsleistung 1913: gg Zigarren. 1927: 73 Zigarren pro Stund«. Di« Steigerung der stündlichen Arbeltsleistung beträgt also 10,6 Proz. Aber die Zigarrenarbeiter hungern, und kaum einer kann allein soviel verdienen, daß er seine Familie damit unter- halten kann. Ihre Frauen gehen fast durchweg in die Fabrik, und wenn die Woche um ist, bringen Mann und Frau zusammen nach Abzug der Soziolve'.sicherung-beiträg« noch ganz« 28 Mark nach Hause, so daß auch dieser gemeinsam« Verdienst kaum zum Allernöligch«n reicht. Entsprechen» ihrem niedrigen Einkommen wohn«n di« meisten Zigarrenarbeiter in den schlechteste« Wohnquartiere». Streift man so durch das alte Nordhausen, dann mag man seine Frei-de haben an den alten Mauern und Türmen, an den oft engen, winkligen und krummen Treppengassen, an dem alten Rathaus mit feinem melancholisch dveinblickenden Roland und an dem Gossen. gewknkel mit seinen Jahrhundert« alten Fachlverkhäusem. Bei der gahrtausendfeier Nordhausen» war man ordentlich stolz auf die vielen alten Häuser in den engen G-assen. Mögen sie außen fürs Aug» auch herausgeputzt sein. Drinnen wohnt vielfach schlimmstes Elend. Ich ließ mkch in eine ganz« Zahl solcher Fachwerkhäuser führen. Di« Treppen sind eng, manck-e kann man nur gebückt hinauksteigen und auch am Tage herrscht hier düstere» Halbdunkel. Am Abend scheint Teppenbeleuchtung ein unbekannter Luxus zu fein. Hals und Dein kann man sich brechen, wenn nicht ortskundig« Führung das verhindert. Will man, oben angekommen, durch die Tür in ein Zimmer, dann rennt man mit dem Kopf oben an. wenn wa» sich mcht tief beugt. Und di« Zimmer muten oft wie Puppen- ftuben an. so klein, eng und niedrig sind sie. In solchen Wohnungen hausen die Zigarrenarbeiter. Nur ein paar Familien seien heraus- gegriffen. Eins kleine Puppenstube als Wohnzimmer, ein enger Winkel mit altertümlichem Kamin sieht aus wie ein mittelalterliches Alchimistenlaboratorium, stellt aber die Küche dar. Die»Schlaf- � stube* ist eine Trepp« höher. Wir steigen eine Art Hühnerleiter hinauf und sind direkt unter dem Dach, auf dem Boden. Da ist ein enger Versch'.ag, der gerade Raum gibt für- zwei dürftige Stroh- betten. Keine Zimmerdecke darüber. Das schiefe Dach mii seinen roten Ziegeln soll Wind und Wetter abhalten. Hier schlasen Vater, Mutter, der achtzehnjährig« Sohn und die sechzehnjährige Tochter, vier erwachsene Personen in zwei Betten! Wo bleiben da die Moralapostel, di» immer soviel über die sittliche Gefährdung der Jugend zetern? Warum greisen sie hier nicht helfend ein? Aber eine größere Wohnung kann sich bi« Familie gar nicht leisten. Der Mann verdient 17 M. in der Wach«, die Frau 10 M., also zusammen 27 M. wöchentlich! Der Sohn ver. dient 10 M., davon kann er nicht viel abgeben und die Tochter konnte bis heut« kein« Arbeit finden, weil sie einmal in der Woche dl« Fortbildungsschule besuchen muß. Eine andere Familie: Der einzige heizbare Raum, den sie besitzt, ist die Wohnstube. Sie ist geräumig, aber die Wände sind feucht. Die Schlaskammer ist eng. Drei Betten stehen drin und füllen dqn ganzen Raum au». Eine klein« Kammer ist als Küche eingerichtet, weil die eigentliche Küche nicht benutzbar ist. Für diese feucki« Wohnung müssen l8 M. monatlich bezahlt werden. Di« Mutter ist gestorben, der Vater ist kriegsverlctzt, bekommt aber keine Rente. Außerdem hat er die Berufskrankheit der Zigarrenarbeiter — Tuberkulose. Die feuchte Wohnung ist Gift für ihn. Aber er kann keine andere bekommen. Bleich und hohlwangig, mit tief- ««genden Augen schleppt er sich müde zur Fabrik und kommt abend» müde noch Haus«. Dann müssen der lungenkranke Mann und seine vier Kinder l» drei Bette« sich für di« Nacht einrichten. Die Jungen» sind 13 und 15, di« Mädels 18 und 22 Jahre alt. Die zwei Aeltesten haben Arbeit und verdienen gerade, was sie brauchen. Der Dater bringt In der Woche 16 M. nach Hause und davon lebt er mit seinen beiden Jungen. Do- eine Mädel führt ihm nach der Arbeit noch den Hauebalt. Man sagt mir allgemein, im Eichsfeld fei es noch viel schlimmer. Kann es denn noch schlimmer sein? Hungen» die Zigarrenarbeiter nicht hier schon tagaus tagein? Leben sie nicht hier schon im furchtbarsten Wohnungselend? Gibt es noch«ine Siel- g-rimg...? Am späten Abend kam ich wieder auf» Verbandsbureau. Hier gibt's immer noch zu tun. Ich höre, di« Kautabakarbeiter— es gibt 1700 organisierte in Nordhausen— wollen am Donnerstag einen Extrabeitrag zur Unterstützung der kämpfenden Zigarrenarbeiter beschließen. Die Stimmung unter den Ausgesperrten ist zuversichtlich. Sie sagen mir:„Wir werden's schaffen. Und dann, die gesamte organisierte Arbeiterschaft steht ja hinter uns und gegen die Unternehmerwillkür!" Mag es auch hart auf hart gehen, die Solidarität aller organisierten Arbeiter ist euch gewihl Reichstag am 22. November. Der Reichstagspräsident hat auf Grund des vom Aeltestcnrat am Di-n-tag entgegen den deutschnationalen Wünschen gefaßten Beschlusses den Reichstag zum 22. November. 3 Uhr nachmittags, einberufen. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Bc- ratung eine» dritten..Gesetzes zur Zlenderung und Ergänzung des Hypotheksnbonkgesetzes* und die Beratung des Entwurf» eine»„Gesetzes über das Handelsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich". partiwlaristenstreich in Württemberg. Slukkgarl. 16. November.(Eigenbericht.) Im Finanzausschuß de» Württembcrgischen Landtags beantragte die Sozialdemokratie aus Gründen der Vereinfachung der staatlichen Verwaltung, di« württembck'rgisch« Gesandtschast in Münch«» aufzuheben, da ihr weiter«? Bestand bei den heutigen staatsrechtlichen Verhältnissen in Deutschland nicht mehr gerechtfertigt werden könne Der Antrag wurde mit 9 gegen 6 Stim- wen abgelehnt. Ein demokratischer Antrag, die Gesandtschaft vorläufig noch bestehen zu lassen, sie aber im Etat als„künftig wegfallend" zu bezeichnen, wurde gleichfalls mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Skaaksprästdenk vazive halte sich gegen beide Anträge mit dem krinwei, ausgesprochen, daß die Gesandt- schafl nötig sei, nm in engster Anlehnung an Bauern gegen die Der- elnhelllichunjj der staatlichen verwoliung in Deutschland zu kämpfe«, i „Streikbrecher!" Zum Hinavswurf der russischen Opposition. Der Ausschluß Trotzkis und Sinowjews aus der Bolschewistischen Partei ist vollzogen. Zwölf weitere Führer der Opposition sind gleichzeitig aus dein ZK. und der Z&K. hinausgeworfen. darunter bekannte Persönlichkeiten wie Ka- menew, Rakowski, Emilga u. a. Die Beteuerun- gen der russischen Machthaber von der„Bedeutungslosigkeit" der Oppositron, von ihrem geringen Anhang usw. schaffen nicht die Tatsache aus der Welt, daß unter den Gemäß- regelten sich fast alle Rainen befinden, die in einer früheren Periode die führenden Repräsentanten des bolschewistischen Systems waren. Offenbar sind sich auch Stalin und sein Anhang des Ein- dn'cks bewußt, den dieser Massensturz von Führern inner- halb und außerhalb Rußlands hervorrufen muß. Es nimmt nicht wunder, daß in einem Lande, wo die Machtmittel zwischen Regierung und Opposition so ungleich verteilt sind, selbst eine Opposition klangvollster Namen nicht annähernd dieselbe Anhängerschaft um sich versammeln kann, wie die Regierung, die"über die Gesamtheit des Vehördenapparates, der Presse, der wirtschaftlichen Daseinsmöglichkeiten unum- schränkt verfügt. Gleichwohl bedeutet es eine ungeheure Ein- büße moralischen Ansehens für diese Regierung, daß unter der höchsten Führerschaft eine derartige Spaltung ausbrechen konnte. Dissen Prestigeverlust sucht die Sowsetregierung dadurch zu begegnen, daß sie gegen die Opposition moralische Bar- nichtung betreibt. Wie jeder auf unbedingten Gehorsam aufgebaute Orden bat auch sie„in Sancta Casas heiligen Re- gistern" sorgfältig das Material aufgestapelt, das jederzeit zur Bernicbtung Abtrünniger hervorgeholt werden kann. Hat die Opposition gegen Stalin das sogenannte„Testament Lenins" zitiert, so zitiert jetzt die Rezierung gegen Smowjew und Kamenew den gleichen Lenin von 1917. Sie veröffent- licht ein Schreiben Lenins aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch der Oktoberrevolution, das gegen Kamenew und Sinowjsw, die bekanntlich vom bewaffneten Aufstand ab- rieten, die schwersten Vorwürfe erhebt. Lenin schreibt u. o.: „Je ernster die praktische Frage ist. je»erantworilicher und„angesehener" die Leute sind, die den Streikbruch verübt haben, vm so gefährlicher ist dieser, um so entschlossener müssen die Streit- breche? hinauegeworsen werden, um so unverzeihlicher wäre es, etwa wegen früherer„Verdienste" der Streikbrecher zu schwanken... Für mich wäre es«ine Schmach, wenn ich einw deshalb, weil ich diesen ehemaligen Genossen früher nahestand, in deren Verurteilung schwankte... Mögen die Herren S i n o w s e w und Kamenew ein« eigene Partei mit einigen Dutzend Leutchen, die den Kopf verloren hoben, oder Kandidaten der Konstituante gründen... Mögen sie eine solche Partei aufmachen, unsere Ax- beiierparlei der Bclschewiki wird dadurch nur gewinnen." Das ist gewiß ein Berdammungsurteil in s6)roffster Form. Aber der' Leser des Lenin'chsn Schreibens von 1917 wird nicht an der Tatsache vorbeikommen, daß trotz dieses Vernichtüngsurtsils sowohl Sinowjcw als Kamenew unter der Asgido Lenins zu den höchsten Posten im bolscho- wistischen Ruhland aufgestiegen sind. Das gleiche Gefühl wird ihn beherrschen, wenn jetzt die Sowjetregierung ihren Hausdichter und Satiriker Bjedny auf den„verteufelt schlecht riechenden" Radek. auf Trotzki, Sinomjew, Rakowski, Ka- menew usw. losläßt, und wenn Herr Bjednn, getreu seinem Auftrag, aus beiläufigen, mehr oder weniger privaten Rede- wendimgen der Genannten nachweist, daß sie ieit jeher auf- geblasene Wicktigtuer, hochmütige Intellektuelle, energielos« Waschweiber oder„an politischem Rheumatismus leidende" Reurastheniter gewesen seien. Schließlich gibt es ein Uebermaß des Guten, das schadet. Bei derartiger Verunaiimpfung früher angebeteter Führer fragt denn doch dex Unbefangene: Von solchen Leuten habt ihr euch jahrelang leiten lassen? Sie habt ihr wie Heilige verehrt, die ihr jetzt ats Ausbund aller Schlechtig- keit nickt genug schwärzen könnt? Sie habt ihr bis jetzt in hohen Staatsstellungen als Vertreter des Sowjetstaates, wie zum Beispiel Kamenew als Botschafter bei Musso- lini, gehalten? Für die charakterlosen Federn der Sowjetschreiber ist solch» Umstellung auf Befehl durchaus bezeichnend. Aber die Oeffentlichkeit wird nicht mit der gleichen Leichtigkeit davon zu überzeugen sein, daß der gleiche Trotzki gestern ein weit- historisches'Genie und heute ein aufgeblasener Schwätzer ist. Man wird weder das eine, noch das andere glauben, und aus dem ganzen Berwandlungsatt einen positiven Schluß nur dahin ziehen, wie ungefähr die von Stalin behauptete Preß- und Meinungsfreiheit des Proletariats in Rußland sich praktisch auswirkt. Es entbehrt auch nickt eines starten komischen Reizes, wenn das offizielle Manifest des ZK. sich weinerlich darüber beschwert, daß die Opposition ihre Schriften in Geheimdruckereien..mit gestohlenen Drucktypen und Papier" herstelle. Gibt es in Rußland vielleicht einen Weg. Drucktypen und Papier zur Eröffnung einer Oppositionsdruckerei käuflich zu erwerben? Dir sind von jeder Sympathie flhr die Opposition der Trogki und Sinowjew meilenfern. Weil wir diesen„Streit drechern" nicht folgten, werden wir ja als„Streitbrecher" beschimpft. Aber das moralische Getue, mit dem die Offi ziellen jetzt über die Oppositionellen vom eigenen Fleisch und Blut herfallen, ist nicht nur grotesk lächerlich, es ist auch smnptomatifch für die innere Erregung und Unsicherheit der scheinbar so selbstsicheren Machthaber. Noch niemals hat die Sowjetmacht einen gleichstarken und gefährlichen Stoß er- halten, wie am zehnten Jahrestag chres Bestehens. Alles Frühere waren Schläge von außey; hier' aber tritt zum ersten Male ein stärkerer Prozeß innerer Zersetzung zutage. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß die äußeren Machtmittel der Disziplin der Sowjetregieruna auch diesmal über die Krise hinweghelfen. Aber diese Lösung eröffnet nur die Per- spektive auf eine noch stärkere geistige Verengung, als sie bisher schon bestand. Weit entfernt, die eisernen Klammern der Diktatur— wie Optimisten das verhießen— mit der Zeit zu lockern, ist die Sowjetregierung vielmehr ge- nötigt, sie immer enger zusammenzuziehen. Zehn Jahre Diktatur, zehn Jahre angebliche Herrschast der Arbeiterklasse und— außerstande, in der bresten Bevölkerung eine freie Meinung ohne Gefahr des sofortigen Sturzes dulden zu rönnen, muß der Bolschewismus sogar einer durchaus bolsche- mistisch gesonnenen Opposition das Recht jeder Lebensäuße- rung versagen. Die Fesseln der Diktatur beginnen dem Bolschewismus ins eigene Fleisch zu schneiden. Parteiausschluß bedeutet Aemterverlust. Kawenew muß Rom verlasse»- Trohki, Gmlruof, Rakowski sckeiden aus dem Staatsdienst aus. Moskau. 15. November. Der Ausschluß aus der Kommunistischen Partei ist fürTrotzki rra» dem Derlust des von ihm bisher bekleideten Postens eines Tlorsitzenden des chouptkonzesskonsausschufses ve» banden. Diese? Amt hatte jedoch berelts feit längerer Zeit für Trotzki nur formelle Bedeutung, da die Leitung in den Händen K s a n d r o w s log, des stellvertretenden Vorsitzenden, der all« maß» gebenden Verhandlungen geführt hat.— Da die von den neuen Strafmaßnahmen betroffenen Oppositionellen ausdrücklich als u n- geeignet für b oh e Staatsämter erklärt worden sind, so wird nun auch Kamenew den Botschafterposten in Rom ver- f'ercn und R a k ow s k i aus dem Kollegium des Außcnkommissariats ausscheiden müssen. Es wird mitgeteilt, daß Smirnof, der Volkskommissar für Post- und Telegraphenwejen, sein Amt nieder- legen müsse, da er der Preisgabe von Staatsgeheim- uifsen angeklagt sei. Die Verfehlungen bestehen hauptsäcAich in Angaben gegenüber der Opposition, mit der er seit Monaten sympathisiert haben soll. Oenki an die Kraue«! Reichssfauenkonserenz der Sozialdemokratie. Der Borstand der. Sozialdemokratischen Partei hatte zum Büß- tage ein« Reich sfrouentonsercnz noch Berlin berufen. Die 7 agung wurde von dem Parteioorsitzenden Otto Wels eröffnet. Vordergrund der Beratungen stand der rege Gedankenaustausch der Funktionärinnen, die im Anschluß an ein Referat der Reichs- masabgeordneien Frau Iucharz aus der Fülle chrer Erfahrungen Vorschlüge'für die Nmbelebimg und Neuorientierung der Agit«, Ii vn zur Gewinnung der noch im Schlepptau der bürgerlichen Parteien befindlichen Prolemrierinnen. machten. Es wurden bestimmte Vorschlags gemacht zur Zusammenarbeit mit anderen Organisationen der Arbeiterbewegung. Vorschläge über die Neu- gestalning von Betriebsversammlüngen, über eine stärkere Politi- sierung der Tätigkeit der organisierten Frauen, zur Schulung von biruppenleite.riniien. zur stärkeren Heranziehung von Römerinnen f-ir allgemeine politische Versammlungen statt nur für Frauenver- sammlungen, sowie für die Ausgestaltung der sonstigen mündlichen und schriftlichen Agitation. Diese Anregungen sollen zur Cyste- in a ti s i e r u n g von der Zentrale benutzt werden. Die Aussprache endet« mV der einstimmigen Annahm» der folgende« Eni- schliehung: „Die wachsenden politischen und wirtschaftlichen Gegensätze auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und die Zunahm« der Zahl der erwerbstätigen Frauen machen es gegenwärtig notwendiger als je, die großen Massen der Frauen und Mädchen für die Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben zu interessieren. Die Reichsfrauenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei hält es deshalb für dringend erforderlich, daß sich.alle Zweige der Ar- beiterbewegung mehr als bisher dieser Aufgabe widmen und durch die Gewinnung von Frauen und Mädchen eine Stär- kung ihrer Organisation zu erreichen suchen. Sie hält deshalb das denkbar weitestgehende Zusammenarbeiten der Organisationen der Arbeiterbewegung im Interesse der gegenseitigen Stärkung und Unterstützung für erforderlich. Das Schicksal des Einzelnen und der Gesamtheit der Arbeiter bewegnng wird entscheidend bestimmt durch die politischen Machtverhältnisse. Löhne, Preise, Arbeitsbedingungen. Miets- und Wohnverhältnisse und olle kulturellen Bedingungen des Lebens der Nichtbesitzenden können vom politischen Willen der Massen gestaltet werden. Ihre zufriedenstellende Regelung setzt starke Organisationen der Sozialdemokratie vor- aus. Daher muß mehr als bisher getan werden, um die Frauen und Mädchen, die größere Hälste der Wähler, für die Sozial. demokratie zu gewinnen, Die Konferenz ersucht den Parteivorstand, für die bevorstehen- den großen politischen Kämpfe alle diesen Zweck fördernden organi- satorischen und polnischen Maßnahmen zu treffen." Die Konferenz befaßte sich weiter mit der vor mehr als drei Iahren geschaffenen„Frauenwelt", die einer weitgehen. den Umgestaltung unterzogen werden soll. Die Kritik soll nun Berücksichtigung finden durch eine weitgehende U m g e- staltung des Blattes.___ Güriner-Zustiz. Oer Münchener Landfrieden sbrvchprozeß.— Eigenartige Prozeßführung. München. 15. November.(Eigenbericht.) In dem Prozeß gegen den kaum ISjöhrigen Arbeitsburschen Karl Schott und Gen., die beschuldigt sind, am Borabend des Himmelfahrtstages bei<> n e r Schlägerei mit Nationalsozialisten den Schuhmacher Georg Hirschmonn getütet zu haben, bekunden im Verlauf der Vernehmung sämtliche 13 Angeklagten übereinstimmend. daß der erste Angriff von den Nationalsozialisten ausgegangen war. Dabei hätten sich die Hitlerleute Gummiknüppeln und ähnlicher Wert- zeuge bedient. Bon den drei Reichsbannerieuten Wünscht, Kemethmüller und Lindlbauer steht lest, daß sie erst im Laufe der Auseinandersetzungen in die Raufereien verwickelt wurden. Di« übrige», zwölf Angeklagten gehören dem Reichsbanner nicht an. Damit ist die verlogene Behauptung, daß der Ueberfall vom Reichsbanner planmäßig vorbereitet worden fei, wie übrigens früher schon durch den Innenminister Dr. Stützet fest- gestellt wurde, glatt widerlegt. Bei Lindlbauer war die Erregung, die er gegen die Nationalsozialisten hegt«, begreiflich. Er wurde bereits zwei- mal von Nationalsozialisten überfallen und schwer mißhandelt. Das erstemal wurde er in der Nacht vom 1. zum 2. Ja- nuar dieses Jahres von vier Hakenkreuzlern überfallen und mit Stahlruten bearbeitet. Das zweitemal, etwa vier Wochen vor dem großen Zusammenstoß, rissen ihn Hitlerbanditen vom Fahrrad und mißhandelten ihn mit Schlagringen und Stahlruten. Auch am 25.. Mai waren nach Aussage der Angeklagten sämtliche National- ozialisten mit ähnlichen Waffen ausgerüstet. Am zweiten Lcrhandlungstag wurden insgesamt 24 Zeugen vernommen. Zunächst kamen die 7 Nationalsozialisten an die Reche, die atrf 25. Mai den provozierenden Umzug durch den Ar- beiterftadlleil Giesing veranstaltet hatten. Die Zeugen trugen«in sehr überhebliches, herausforderndes, zum Teil freches Benehmen zur Schau. Sie erfreuten sich dabei weitestgehender Loya- l i t ä t des Richter», der z. B. einem, der die Angeklagten fortwährend als Lumpen bezeichnete, erst aus deren Protest hin sanft zurechtwies. Rechtsaawall Nußbaum mußte schließlich ganz entschieden gegen die prozeßsöhruag de, Vorsitzenden protestieren, «ev dieser mehrer» Fragrstellnng»« der Angeklagt»««nd der v« teidigung als bedeutungslos und nebensächlich abzutun beliebte. Die Zeugenaussage der sieben Nationalsozia« listen zeigte eine eigenartige, fast wörtlich« Uebereia� st i m m u n g. Zeuge Architekt Z S b e r l e i n, der Führer des Hakenkreuzlertrupps, gab zu, bereits bei dem ersten Zusammenstoß vor dem Primus-Palast zugehauen und seine Kameraden zum Dreinschlogen aufgesordert zu haben; er will aber de« ersten Schlag von dem Angeklagten Schott erhalten haben. Der zweite Zeuge R o s e n w i n k, der Fahnenträger des nationalsozialistischen Trupps, bekundete, daß Schott den ersten Schlag gegen Zöberlein führen wollt« und ihm dieser dann durch einen heftigen Hieb ins Gesicht zuvorgekommen sei. Auf die Frage eines Verteidigers erklärte er. daß er die Fahne nicht zum Schlagen, sondern zum Stechen bereitgehalten habe. Ein weiterer-Zeuge bekundete, daß die Stimmung der Meng« erst in dem Augenblick zuungunsten der Nationalsozialisten umge- schlagen sei, als Schott mtt der Fahnenspitze verwundet worden war. Er meinte ober, Schott sei selbst in die Fohnenspitze hineingerannt. Von den übrigen Zeugen wurde ein großer Teil u n o e r- e I d i g t vernommen Sic sagten über die Vorgänge beim Primus- Palast fast übereinstimmend aus, daß die Nattonalsozia- listen die Angreiser waren Im übrigen ergaben diese Aussagen, daß Reichsbannerleute i« Uolform an der Rauferei nicht beteiligt waren Landtagsbeginn in Hessen. Am». Oezember.- Ein Einspruch der Wirffchastspartel. Darm stobt. 16. Ncwentxr.(Eigenbericht.) 3« der hesslschen Press« wird seit«tmgrn Togen die Frag« erörtert, ob die Londtogsneu wählen vom letzten Sonnlag durch den Einspruch der Reichspartei de» deutschen Mittelstand«» (Wirtschaftspartei) gegen das hessische Landtagswahlgesetz angefochten werden können Der Elnspruch der Reichsleining der Wirtschaftspartei, die in Hessen kein« Organisation hat. wurde bei dem hessischen Staatsministerium eingereicht und von hier an den hessischen Staatsgerichtshos weitergegeden Dieser erklärt« sich für unzuständig. Der Einspruch liegt min dem Reichsgericht zur Entscheidung vor. Ader selbst für den Fall, daß da» Reichsgericht zugunsten der Wirtschaftspartei entscheiden sollt«, wo» kaum zu erwarten ist, behatten die hessischen Wahlen ihr« Gültigkeit. Der neugewählte Landtag tritt am 6. Dezember traft eigenen Rechtes zu seiner ersten Sitzung zusammen. Oer Boxkampf um das Grundbuch. Eine �iustizfchiebung in Polnisch-Oberschlesirn. kallowitz. 15. November. Der Haager Gerichtshof hatte im vorigen Jahr entschieden, daß da» Stickstoffwert Chorzow, at» Oberschiesien an Polen siel. nicht mehr Staatseigentum war; deshalb Hab« der polnisch« Staat kein Recht zur Beschlagnahme gehabt und müsse«ine Ent» schädigung sür weggenommenes Privat«igentum leisten. Der Haager Gerichtshof stützte sich bei seiner Entscheidung auf die handelsgerichtliche Eintragung in Kattowitz. Der polnisch« Staat beantragte nun aber, diese Eintragung für ungültig z« erklären, da der Berkauf des Stickstoffwerte, am 24. Dezember 1313 und die handelsgerichtliche Eintragung 13 Tage nach der Ratifizierung des Verfaillcr Vertrages erfolgte, da» Werk somit bei Inkrafttreten des Friedensoertrages noch Staatseigentum gewesen sei. Bei der Verhandlung beantragte der Vertreter der Oder» schlesischen Stickstofswerke die Aussetzung des Dersahren». ver An- trag wurde jedoch vom Gericht abgelehnt und ein Versäumnis» urteil erlassen, demzufolge die gerichtliche Eintragung vom 23. Januar 1320 für ungültig erNärt wich. Damtt versucht der Gerichtshof also, dem Haager Urteil seine Grundlage zu entziehen. um den Prozeß um die Entschädigungspflicht von neuem aujzu» rollen. Der Diktator gibt ein Interview Beim Eintritt des Gewaltigen duckten sechzig Journalisten ihre Köpfe unter die gekrünimten Schultern, nur die Ohren und Bleistifte standen spitz in die Lust wie Antennen einer Empfangsstation. Mit einem triumphdlen Lächeln überschaute der Diktator den Halbkreis menschlicher Maulwursshügel, er schnitt eine eiskalte höhnische Grimasse, deren Sinn alle sühlten, wenn er auch noch kein Wort sprach. Das etwa schien die Grimasse zu sagend „Ich, der Diktator, erteile jetzt Auskünste. Ich gestatte sogar. Fragen an mich zu richten. Selbstverständlich nur die Fragen, die euch mein Sekretär im Vorzimmer zwischen die Finger gesteckt hat. L-e brauch« ich nämlich als Stichwort meiner ausgearbeiteten Rede, damit nach außen hin der Eindruck der Improvisation entsteht. Sonstige Fragen verbitte ich mir. Oder glaubt ihr, ich hätte Lust, mich von etwelchen naseweisen Burschen in Derlegenhett setzen zu lassen? Uebrigens wäre es auch zwecklos. In diesem Augenblick geht bereits das Manuskript meines Interviews in die Druckpresse. Was nicht gedruckt ist, ist nicht gesprochen. Wenn ich also auf bestellte Fragen, man könnt« auch sagen: auf selbstgestellte Fragen, zu antworten geruhe, bleibe ich mir der hohen Borrechte meiner Stellung voll bewußt. Diktator sein heißt: u n b e- grenzt es Recht auf Lüge haben. Denn es gibt gottlob leine öffentliche Meinung, die mich berichtigen könnt«. Ich kann versichern: Allein dieses Bewußtsein ist Anreiz genug, nach Leibes- trösten zu lügen." Die Grimasse stvafste sich zu feierlichem Ernst. Au» dem Kreis der sechzig Maulwurfshaufen war zitternd und stammelnd die erste der bestellten Fragen erklungen. Sofort knarrte eine Kommando- stimme die auswendig gelernte Lektion: „Mein Land ist das freiest« und glücklichste der Wett. Allen Gutgesinnten geht es gut. Die Schlechtgesinnten leiden verdienter- meßen, weil sie dem Volke schaden wollen. Wenn die Einwohner das Recht hätten zu reden, sie würden unbedingt sagen, daß sie glücklich sind." Eine zweite Frag« erstotterte. Wiederum knarrte die Kam- mandostimme: „Bei uns herrscht die vollkommenste und grenzenloseste Mei- nungsfreiheit. Selbstverständlich nur für diejenigen, die rückhaltlos auf dem Boden der Regierung stehen. Den Gegnern sie zu geben, wäre töricht und schädlich. Doch wer der Ansicht der Regierung Ist, darf dies ohne jede Gefahr öffentlich bekennen. Wo herrscht in der Wellt ein» ähnlich« Freiheft?" Die dritte Frag« fiel und wurde sogleich beantwortet: „Da unsere Regierung da» Wohl de» Volkes verwtrtlicht, er- übrigt es sich, das Volk zu befragen, ob es mtt ihr zufrieden ist. Uns genügt das Bewußtsein, im Herz» ewer schweigend gehorchen- den Bevölkerung verankert zu sein. Unsere Macht steht auf festen Füßen, wir haben es nicht nötig, unsere Gegner einzukerkern. Wenn es trotzdem geschieht, so nur im eigenen Interesse dieser Schwach- köpfe, um sie vor der Wut des Volkes zu beschützen." In dieser Weise wurde das Interview noch mehrere Stunden fortgesetzt. Jeder der sechzig Maulwursshaufen durste eine Frage stellen, auf jede erfolgte unverzüglich die Antwort. Als aber der Draht den Wortlaut des Interviews nach Deutschland Übermittelle. geschah es durch ein bedauerliches Versehen, daß der Ort und der Name des Sprechers fehllcn. Und so ist es zu erklären, daß das Interview in der„Deutschen Zeitung" als Unterredung mit M u s s o- l i n i erschien, dagegen in der„Roten Fahne" als„Interview mit Genossen Stalin". Jonathan. „Schieber des Ruhms." Theater am Schiffbauerdamm. Zwei ausgepicht« Pariser Theaterkompagnons, die Herren Pag- nol und Rivoix, entlarven den Helbenvater Vachelet. Die Kom- pagnons haben die Gesinnung, und, was beim Theater nicht von Uebel ist, auch die Routine und den Schmiß. Wie wäre es. wenn in Deutschland die Iungdichter mtt dem Gcsinnungsvulkan zusammen mit den Altdichtern mtt der schmissigen Routine bald einmal ein brauchbares Theaterstück verfaßten? Der Psalmist Toller mit dem Trompetenbläser und Jubelgreis Sudermann, Bronne» mit dem Verfasser der„Spanischen Fliege", Brecht, der feinste von den Dreien, der mit großem Talent sein« Einfäll« bis kurz vor die Pointe bringt, mit dem gerissenen Pointenschleifer Ludwig Fulda. Die Herren würden sich famos kontrollieren und ergänzen, in den Ueber- schwang die nötige Trivialität träufeln, in die Trivialität frisches Salz schütten. Und wir hätten endlich einige deutsche und vor allem brauchbar« Theaterstücke mehr. So aber war auch wiederum dieser Import nicht überflüssig. � Das Stück heißt im Französischen„Kränier des Ruhms". Indem man aus dein kleinen Mann einen Großschieber machte, donnerte man die Importe etwas mehr Alf, als sie es verträgt. Man war eben sehr zusrieden, ein ordentliches Theaterstück m Händen zu haben, und dazu noch eine Tendenz, die sich hören lassen rann. Denn der Kanzlist Lächelet, der schließlich Ministerexzellenz wird, st lm Grunde«in anständiger Kerl. Er weigert sich 1915 als Patriot. dem Granaten und Getreideschieber Bolureau einen Gefallen zu tun und dadurch seinen Jungen vom Schützengraben aus«iyen Drücke- dergerposten zu lancieren. Al» der Junge nun gefallen-ist und der Alte an die Spitze des Vereins all der Väter tritt, die den Erinne- rungstult für Ihre toten Söhn« zelebrieren, kann man ihm gar nicht vorwerfen, daß er sich schweinisch benimmt. Er wird hinaufgeschoben, er schiebt sich nicht selber. Cr möchte eigentllch ein stiller Heldenoater sein und muß das Maul aufreihen, um mtt der Heldenleich« zu jpeku» lieren. Man zwingt ihn, für die Kammer zu kandidieren. Er sträubt sich sogar, allerdings nicht lange. Er ist ja nur der Vater eines toten Helden, nicht selber ein lebendiger Held. Da geschieht die kolossale, kostbar« Verrücktheit, daß Bachelets bester Maneger, die Heldenleichc nämlich, gar nicht tot ist. Sie steht auf. Ein anderer wurde begraben, ein anderer empfing die Patrwtenpalme aus seinem Ehrenhügel. Der Wiederkehrende hat sieben Jahre im Irrenhaus verbrocht. Kopfschuß, Gedächtnisschwund, Erwachen der Erinnerung. Tableau. Denn lebt der Held, dann geht die Wahl zum Teufel. Also muh der Held bürgerlich wieder tot sein. Keine andere Wahl» parole kann es geben. Und man fingert alles, und der Junge, der einen Augenblick die Sache tragisch nehmen will, wird auch von diesem Irrsinn kuriert. Endlich begreift' er, worauf es ankamutt. Der Papa Minister, ein paar Legitimationspaplere gefälscht, der Junge wird mitmachen. Das Stück ist bald Eharakterkomödie, bald Posse, bald nieder« trächtige, faustdick aufgetrogene Karikatur, gelegenttich sogar ins Tragische abgebogene Satire. Stücks haut ins Parkett hinunter, und es krocht Pointen, die«in besserer Künstler sich gern erspart. Doch es hat keinen Sinn, zaghaft zu sein, wenn der Unsinn und Uebersinn des geschwollenen Hurrapatriotismus demaskiert werden soll. Der Regisseur Heinz Hilpert und die Schauspieler waren heidenfrvh, etwas Kompaktes aufführen zu dürfen. Herr G r o- n a u hütete sich, das Interesse des Zuschauers auf die besseren Charaklerzüg« des patriotischen Strebers hinzulenken. Er wollte anfänglich Helldunkel spielen und spielte schließlich ganz unmodern einen amüsanten Schuft. Wenn Herr R e u h als Granaten- und Wahlschieber einen Franzosen mit einer Kutisker-Type verwechselte, und wenn Herr Mainzer einen journalistischen Schmot eher galizianisch als gallisch pariserisch reden ließ, so paßte all diese ge- pfefferte Uebertreibung durchaus zu dem Stil des Stückes. _-_ Max Hochdorf. INckt einmal den vru-t'ehlerleusel vermag da» KonnerSreirtber I?ander zu bannen, deswegen müssen wir in unserem Referat über daS, R ä 1 1 e l von Könners, eutb" nchtigileüei!: nicht.der Elanbe an Cbriill", iondcrn an, K r ä f t e die wo man nicht vcrstebt... Und rm Schluß „die wundersam« Moritat« nicht— wie cZ fälschlich hieß— seiner MoritaS. Ver Alännergeiavgvereio.Namenlos«(MdASB) veranstaltet am SU., lg Uhr. im Saalbau ftriedrichSbain(am Idö igstor) ein Konzert. Ehormeister: G. O. Schumann; Mitwiikend«: Dora Busch l Sopran). Olaf Gulbionsson, der bekannte EiwplizilsimuS-Zeichner, eröffnet in den AussiellungZräumcn des Berlages Bruno Casiirer, Berlin, am Sonnabend, mittags 13 Uhr, eine Ausstellung feiner Simplizissimus- und Porträti zeichnungen. va» Schaden erfahoeriahren gegen Max Re vhardt, das der ameris-nssch» Tbeater-Nnternedmer Miner eingeleitet bat. berühr« die gevlanten Aus» führungen in keiner Weise, da die � crwätte eusstweMge Verfügung durch Gerichtsbeschluß bereits aufgehoben wurde. Greisen Siezu, HerrReparaiionsageni! Auch Hugenberg denunziert. Nach der„Kreuz-Zeitung" von Westarps Gnaden kommt jetzt auch der deutschnationale Lokalblatt- und Kinobesitzer Hugenberg gelaufen, um vor dem Reparationsagenten seinen„g e h o r s a m st e n Diener" zu machen. Er habe es zwar nicht gewollt, aber Herr Parker Gilbert sei nun einmal da, und da wolle er nicht verfehlen, dem Herrn Reparationsagenten seine Zustimmung zum Memorandum vor die Füße zu legen, so läßt er durch die von ihm kon- trollierte Telegraphen-Union verbreiten. Man muß es wärt- lich lesen: >.Ja, du sprichst in einem Kernpunkt das aus, was in Deutsch- land infolge oou Weimar beinahe vergessen, aber selb st- verständlich für jeden richtig ist, der die Welt mit ge- funden, Menschsnverstonde sieht— du fasiest als Fremder, der zwar mit diesem gesunden Menschenverstände in großen Zügen richtig sieht, ober doch die deutsche Eigenort naturgemäß nicht ganz oerstehen kann, das Trundproblem und die Fehlerhaftigkeit des Zirkels zutreffend auf.... Es ist richtig, wir sind ein völlig l-ureaukratisierter. ein halbfozialisierter, ein gänzlich lebensunfähiger Staat, und wir haben die ernst« Wsicht, ihn umzubauen. In dieser kriecherischen Tonart geht es weiter. Spalten- lang. Und dann erfolgt in dieser de- und wehmütigen Dekla- malion an den Reparationsagenten eine erbärmliche D e- n u n z i a t i o n. Deutschnationale Zollpolitik, deutschnationale Schulpolitik, deutschnationale Beaintenpolitik— bitte, verehrter Herr Reparationsagent, rühren Sie nicht daran, wir bieten Ihnen ein wertvolle» Kompensations- o b j e k t an: Sicher, wir müssen in den Vordergrund der deutschen Politik die Aufgab« stellen, unseren kranken Staat in Ordnung zu bringen. Wir wollen nicht- von Verfassungsformen sprechen, wir haben auch heute keine Veranlassung, von der künftigen Schicksalsfrage: Republik oder Monarchie zu sprechen— schon deshalb. well wir nicht so unklug sind, die Einrichtungen der Monarchie durch ihre Verknüpfung mit dem heutigen brüchigen deutschen Staats- wesen herabzuwürdigen. Wir wollen einfach das Gesunde aus- bauen, da» Kranke abschneiden, da» Ganze von Erstarrung und Versumpfung befreien. Nicht Sozialisten und.vureaukralen" können den deutschen Staat entbureaukratisieren, sondern nur sein« Bürger, die sich al» solche fühlen, sie mögen im Berufe Arbeiter, Beamte oder Menschen der freien Beruf« sein. Da, ist nicht die Sache einer Partei, da» Ist di« Sache aller Partelen, die sich als bürgerliche fühlen. Do» ist eine schlechthin national« Sache: denn e» darf nicht dahin kommen, daß au» dem Dawes-Vertrage heraus die Internationale Finanzkontrolle über Deutschland kommt. Nur wir Deutschen selbst, wir, die wir uns als solche fühlen, die wir Bürger und freie Menschen sind und nicht— wie die Sozialisten und Kommunisten— Gläubig« und Hörig« de» Organisatlonsgedankens — der Allmacht des Vollzugsorgane, einer großen, nach russischem Muster geleiteten Masie— nur wir können der Natur der Ding« noch da» Unheil der internationalen Finanzkontrolle, d. h. unsere völlige Versklavung, von un» abwenden. Denn wenn Fremde in Deutschland die Finanzhoheit ausüben, dann sind sie es, die in Wirklichkeit jede» deutsche Gesetz, jede» Orgonlsatlonsgefetz. jedes soziale Gesetz, jede» Beamtengesetz, jede» wirtschaftliche Gesetz usw. machen. Der Sinn des Appells ist unmißverständlich. Der deutsch- nationale Reichstagsabgeordnete Hilgenberg, Mitglied der größten Regierungspartei, verschmäht es nicht, den Staat. dem er angehört und an dessen Spitze Mitglieder seiner Partei stehen, in einem öffentlichen Appell an den Repa- rationsagenten verächtlich zu machen: er ver- schmäht es nicht, den Reparationsagenten durch Verdächti- gungen� übelster Sorte auf die größte Partei dieses Staates zu hetzen, die sehr bald wieder die Pflicht haben wird, die Regierungsgeschäfte mit zu übernehmen! Sachlich genügt es. hinzuzufügen, 1. daß die Deutschnotion alen es gewesen sind, die bei der Annahme der Dawes-Gesetze den Ausschlag ge- geben haben, 2. daß sich der jetzige Einspruch des Reparationsagenten lediglich auf die Finanzwirtschast jener Reichsregierung bezieht, an der die Deutschnationale Volkspartei führend beteiligt ist. An diesen Tatsachen werden keine deutschnationalen Denunziationen etwas ändern. Belgien als Sprungbrett Frankreichs? Dandervelde verteidigt das Militärbündnis. v rüstet, IS. November.(Eigenbericht.) In der Kammer wurde Außenminister Donderoeld« am Dienstag über das belgisch-fronzösische Militärabkommen interpelliert. Dabei protestierten die flämischen Interpellanten gegen eine Rede des französischen Generals P« t a i n in Dinant, der Belgien als militärisches Sprungbrett Frankreichs zu betrachten scheine: sie vertraten den Standpunkt, daß das belgisch-französische Militärabkommen die Unabhängigkeil der belgischen Außenpolitik beeinträchtige und Frankreich eine unberechtigte Einmischung m die innere Politik Belgiens ermögliche. Der Vertrag bringe Belgien In französische Knechtschaft In seiner Antwort b c st r i I t Dandervelds die Behauptung, daß der belgisch-sranzösische Militärvertrag von 1920 Belgien in Abhängigkeit gegenüber Frankreich bringe. Es handle sich um einen reinen Defensiv oertrag, der sich ausschließlich a»f den Fall eines nnprovozierten Angriffs auf einen der Vertragspartner beziehe und somit eine Friedenssicherung im Geiste des Völkerbunds- pakies sei, Das gehe nicht nur aus dem Text des Vertrages hervor, sondern auch aus dem seinerzell geführten Briefwechsel zwischen den beiden Regierungen, der ebenso wie der Vertrag selbst beim Völker- bund angemeldet sei. In diesem Briefwechsel werde ausdrücklich fest- gestellt, daß beide vertragschließende Parteien ihre v o l l e U n a b- h ä n g i g k e i t bewahren. Man könnte einwerfen— fuhr Bänder- Velde fort—, daß ein Militärabkommen'zwischen' zwei Staaten von so ungleicher Stärke eine gewisse Abhängigkeit� des kleinen gegenüber dem großen nach sich ziehen imih. Dieser Einwand ist aber jeden- falls seit dem Abschluß des L o carn o Vertrages hinfällig, durch den zu der französischen Garantie der belgischen Grenzen nicht nur die englische hinzugekommen ist, sondern auch die gegenseitige Garantie Belgiens und Dentschlands. Andererseits kann ich nicht zugeben, daß das belgisch-französische Militärabkommen seit dem Locarno- verlrage überflüssig oder hinfällig ist. Der Locarnovertrag sieht aiisdriicklich eine gemeinsame Verteidigung Belgien» und Frank- reich« im Falle eine» deutschen Angiisf» vor. Infolgedessen wider- sprechen sich die beiden Verträge keineswegs, sondern ergänzen sich. Sie bewegen sich beide im Rahmen de» Völkerbundspatt». Sie Kaden nicht» gemein mit den Dorkriegsbündnlsten und Wächte- Klassenkampf im Zentrum. Oer Adel stellt Korderungen.— Wirth ohne Wahlkreis! Der„SvK Pressedienst" schreibt: Die Auseinandersetzungen, die sich in der letzten Zeit innerhalb des Hauptorgans des Zentrums, der„Germania", abgespielt und zunächst nicht nur zur Entfernung des Chefredakteurs Orth, sondern der gesamten demokratisch-republita- nischen Redaktion geführt haben, sind nur ein sichtbarer Aus- druck der Schwierigkeiten, mit denen da» Zentrum zu kämpfen hat und die sein inneres Gefüg« mächtig zu lockern drohen. Es sind ausgesprochene Machtkämpf«, deren Ausgang entscheidend für den zukünftigen Charakter des Zentrums ist. Immer wieder hat es diese Partei verstanden, die großen Gegensätze in ihren Reihen zu überbrücken, und immer wieder erwies sich das religiös« Band stark genug, um die widerstrebenden Kräfte zusammenzuhallen. Aber die sozialen Gegensätze pochen jetzt mächtig an die Mauern dies?» scheinbar so fest gefügten Gebäude», und auch da» Zentrum de» Wilhelm Marx muß unfreiwilliger Zeuge für die Rich- tigkeit der Lehre von Karl Marx werden. E» sind„Klassenkampfe", die sich da abspielen. Der adlige, agrarische, zahlenmäßig nur schwach« Flügel macht in Verbindung mit den industriellen Vertretern seine Ansprüche geltend und sncht di» demokratische Richtung, die von den breiten Masten getragen wird, einflußlo» zu machen. Da» ist schon in viel weitgehenderem Maße gelungen, al»«» m der Oefsentlichkeit deob- achtet worden ist. vor ollem mit der Erwerbung de» Berliner Sprachrohr» der Partei hat die Zentru.nsreaktion jetzt eine neue Position gewonnen. Sie ist überhaupt im Begriffe, weiter Terrain zu gewinne«. Kürzlich Hätz. B. inSchlesieu eine v« r s a m»:- lung de» katholischen Adel» stattgefunden, in der dir Zentrumsvertretung die adlige Rechnung präsentiert worden Ist. Es Ist ein Irrtum zu glauben, daß der katholische Adel in Westjalen und Schlesien sich wesentlich von seinen ostelbischen Brüdern Protesten' iischer Couleur unterscheidet. Im Klassen- und Standesdünkel ebenia befangen wie jener, sozial ebenso rückständig wie der ostelbische Junker, kennt auch der katholische Adel nur da» Streben nach dcr Macht und der Beherrschung de» Lölkes. Nur deshalb ist er noch im Zentrum, well er es als Instrument seines M a cht- willens gebrauchen will. Mit dem sozialen Programm des Zentrums hat der katholische Adel nichts gemein. Selbst seine so demonstratio betonte Katholizität hindert ihn nicht, den protestanti- schen Junker zehnmal höher einzuschätzen als den katholischen Arbeiter. Diese schlesisch« Adelsversammlung hat beschlossen, dem Zentrum eine Reihe adliger Kandidaten vorzuschlagen, u. o. den Fürsten Alois Löwen st ein, der die Republik als„eine Geburt ou» Feigheit und Verrat" bezeichnet hat. Die reaktionäre Zentrumsgrupp« schickt also ihre Borposten in die Fraktion, aber zu gleicher Zell hört man, daß Wirth keinen Wahltreis mehr finden kann. Wirth und die demokratischen Redakteur» müssen gehen, die Herren Fürsten und Grafen kommen. Nichts enthüllt bester den Charakter des Zentrums als Klassenpartei als diese Tatsachen. Die Masten des Zentrums dürfen die Kulissen stellen, hinter denen der adlig-iirdustrielle Flügel seine Volksfeind- liche Besitz-, und Herrschaftssuchtpolitik treiben darf. gruppierungen. sondern sie gestatte» auf dem Wege der verwirk- lichung der Genfer Formel Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung. Nationalistische Angriffe.— Die Franktireurfrage in der Kammer. Brüssel. 16. November.(Eigenbericht.) Am nächsten Dienstag soll in der Kammer«tue Interpellation ewiger nationalistischer Abgeordneter gegen die Auhenpoli- tit Landervelde» steigen. Sie ist al» Generalangriff gegen den Außenminister gedacht. Man will ihm u. a. auch den Vorwurf machen, durch»falsche Politik" die NichtWiederwahl Belgiens zum Bölkerbundsrat verschuldet zu haben. Bondervelde ist diesem Angrist zuvorgekommen, indem er die auiwärtige Kommission der Kammer für Mittwoch einberief. Cr erstattete dort «in oossührliche» Referat über all« wichtigen Fragen der belgischen Außenpolitik und über die Ereignisse bei der letzten LSlkerbunds» Versammlung. Banderveld« ließ sich u. a. auch über di« Genfer Der- Handlungen zwischen den belgischen Delegierten und Stresemann in bezug auf die Franktireurfrage au». Wie e» heißt, will di« belgische Regierung demnächst ganz nev« Dokumente über den Franktireurkrieg veröffentlichen. Di« Ausführungen Vanderoelde» machten«wen sehr starten Eindruck aus die gesamt« Kommission und wurden sowohl von dem katholischen wie dem liberalen Völkerbundsdelegierten Belgiens mit großem Nachdruck unterstützt. Damit kann der Vorstoß der nationalistischen Elemente, die gehofft hotten, durch ein« außen- politisch« Debatte«ine Regierungskrise herbeizuführen, als a b g e- schlagen betrachtet werden. Die Interpellation dürfte am Dienstag dennoch erfolgen, von sozialistischen Mitgliedern der Kommission für Auswärtig« Angelegenheiten wurde gegenüber Vanderveld« der Wunsch geäußert, auch in der P l e n a r- sitzung der Kammer ausführlich über die Franktireur. frage zu sprechen. Baldwin drückt sich vor der Antwort. Labour empört über Drückebergerei des Ministerpräsidenten bei Lergbaudebatte. London, Ist. November.(Eigenbericht.) Im Verlaus der am Mittwoch im Unterhaus ge- führten Debatte über das vpn der Arbeiterpartei eingebrachte Mißtrauensvotum spielten sich leidenschaftliche Szenen ab, wie sie das Unter- Haus seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Die Vorgänge führten zunächst zu einer Aufhebung der Sitzung und schließlich zu einer Vertagung des Unterhanse s. Die Sitzung wurde mit einer Begründung des Mißtrauen-?- votums durch Mocdonald eröffnet. Das Votum beschuldigt die Regierung zunächst, ihre Pflichten gegenüber den wachsenden Schwierigkeiten der Bergbauindustrie und der wachsenden Rot und Arbeitslosigkeit im Bergbau vernachlässigt zu haben. In ihm wird ein sofortiges Eingreifen der Regierung zum Zweck« der Reorganisation der Produktion, de» Verkauf» und der Ver- Wertung der Kohle gefordert. Außerdem werden Maßnahmen hin- sichtlich der gegenwärtigen Praxi» der Armenunterstützung, der Behandlung der Arbeitslosen und Kurzarbeiter verlangt. Macdonald wandte sich dagegen, daß die Regierung zur Ver- teidigung ihres Standpunktes den Handels mi»ist er und nicht den Ministerpräsidenten selbst bestellt hat. Nachdem Macdonald die Loge der Industrie geschildert hatte, malte er ein erschütterndes Bild der grauenhaften Verhältnisie des sozialen Elends im Bergbau. Er schloß mit einem Appell an das gesamte Haus, unabhängig von Partei und Gesinnung sofort einzugreifen und die Industrie auf eine befriedigende Basis zu stellen. Die Unruhe im Hause entstand, als der Handels- minister sich erhob, um Macdonald zu antworten. Eine Anzahl Abgeordneter der Arbeiterpartei rief sortgesetzt nach dem Mini st erPräsidenten. Der Minister- Präsident erhob sich jedoch nicht von seinem Platze, wäh- rend der Handelsminister vergeblich versuchte, sich im Hause Gehör zu verschaffen. Der Präsident des Unter- Hauses schloß hierauf die Sitzung für eine Stunde. Nach Wiederaufnahme der Debatte wurde der Ruf nach dem Ministerpräsidenten so laut, daß der Präsident des Handelsamtes den Versuch zu sprechen aufgeben mußte. Der Sprecher vertagte daraufhin das Unterhaus auf Donnerstag. Der„Daily Herold' nennt die Toisache, daß die Regierung zur Beantwortung der furchtbaren Aiikiagen Macdonalds- den Handelsminifter vorschickte, eine Beschimpfung der Berg- arbeiter: Börsenspekulation mit Attentatsplanen. Kairo, im November.(Eigenbericht.) Gerücht« über eine Verschwörung gegen König Fuad von Aegypten dringen an di« Oefsentlichkeit. Findige Geschäftemacher haben sie zu einem Börsencoup ausgenutzt, der ihnen selbst viel Geld, oerschiedenen unschuldigen Menschen einige un- angenehme Tage, der ägyptischen Polizei aber wenig Ruhm ein- getragen hat. Die Geschichte selbst hat sich folgendermaßen ab- gespielt: Ein vertrauliches Telegramm des den ägyptischen Herrscher auf seiner Europoreis« begleitenden Sicherheitsdienstes setzte di« ägyp- tische Polizei von einem Atientotsplan gegen das Leben des Herr- schers in Kenntnis. Di« Teilnehmer des Komplotts sollten ein bolschewistischer Sympathien verdächtiger reicher Juwelier in Alexandrien R o s e n t h a l und der Führer des radikale» Flügel» der Nationalisten im Parlament Hafez Ramadan B« y sein. Rosenthal sollte zu diesem Zy>ccke 60 000 Pfund von der Sowjetregierung erhalten haben, und Ramadan Bey, der seine sommerliche Erholungsreis« nach Europa antreten wollte, sollt« a!? der geistige Leiter eines speziell sür diese Zwecke angeworbenen Mord- kommando» fungieren. Auf diese Angaben hin wurden Rosenthal und der Abgeordnete sorgfältig von dcr politischen Polizei überwach', ein führendes Mitglied der fest etwa zwei Jahren a u f g o l ö st e n kommunistischen Partei Aegyptens verhaftet und einem zehntägigen Verhör unterzogen. Die Aktion wurde von der Polizei sorgfältig verschwiegen. und die Oefsentlichkeit erfährt jetzt erst aus einem offenen Brief, den einer der geistigen Führer der ägyptischen Kommunisten, ein Schüler des Moskauer Orientinstituts Mohammed Ab du lA s i s in arabischen Zeitungen veröffentlicht. Näheres über die Einzelheiten der mysteriösen Affäre: Der geistige Urheber dieser Geschichte ist ein Angestellter der Telegraphenverwaltung Ali Shekoko. der«m Jahre ISN au» der Kommunistischen Partei ausgeschlossen wurde, weil er im Dienste der Polizei stand. Shekaka de- nutzte die Rückkehr von Abdul Asis aus Moskau, um ihn als den Mittelmann zwischen der Sowjetreoierung und den ägyptischen Bcr- schwörern zu denunzieren. Gleichzeitig wies er— und das ist das Interessante bei der Geschichte— darauf hin, daß auch eine Anzahl führender Baumwollkaufleut« aus Alexandrien in die Angelegenheit verwickelt sei und die in Aegypten erwarteten Baumwollexperten der russischen Handelsvertretung die Usberbringsr von Anweisungen für die Ausführung des Attentats seien. Sehr pikant aber wird die Aisäre erst dadurch, daß die Baum- w o l l b a i s s e, die durch das Ausbleiben der russischen Experten entstanden ist, in direktem Zusammenhang mit der Geschichte steht. Die Baissiers an der Daumwollbörse von Alexandrien haben nöm- lich die Verweigerung der Einreiseerlaubnis der russischen Lerireter zu einem kühnen Spekulationsmanöver benutzt und in der ihnen dafür zur Verfügung stehenden Woche Millionengewinn« eingebeimst. Abdul Asis und Ramadan Bey fordern die Behörden auf, den bisher noch in Freiheit befindlichen Spitzel, der die Attentatsgeriicht« so leichtfertig in die Welt gesetzt hat, zur Verantwortung zu ziehen und eine Untersuchung gegen seine Hintermänner einzuleiten. Dieser Wunsch wird«abrscheinlich nie i n Crf ül tun g gehen. Mindestens wird die Oefsentlichkeit nie je etwas Genaues über das Cr- gebnis einer solchen Untersuchung erfahren, da sie wahrscheinlich sedr anrüchige und für verschiedene Könige des ägnptischcn Boiimwoil- Marktes kompromittierend« Detail» über die Zusammenarbeit von politischen Dunkelmännern' und Baumwollspekulanton ergeben würde. polnische Patrioienprügelei. Vorspiel des Wahlkampfs. ftattowih, 13. November. Der Verband der Aufständischen(Äorsanty-Richtung) wollte in B'smarck-hütte«ine Ortsgruppe gründen: die Versammlung war auch von Ausständischen der Richtung Pilsudski besucht. Pil- sudsti-Leute schlugen sogleich uach Beginn der Versammlung auf die anderen mit Knüppeln ein, so daß die Lerlainmlung abgesagt werden mußte.„Polonia",- das Organ Koriamys, bemerkt hierzu, daß sich die nat'onc-len Parteien auf einen blutigen Wahl- kämpf gefaßt machen könnten. Wenn nicht die Behörden recht- zeitig für Ruhe sorgten(lies: mogeitenl Red. d.„V."), sei eine fürchterliche Niederlage des Polentum» in Schlesien unvermeidlich. Der Sänger Schalsaps« enlelgncll Da, Präsidium de« Zentral- Exekutiv. Komitees der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet- republik beschloß, dem berühmten Sänaer Echalsapin das ihm bc- willigte Nutznießungsrecht auf Landsitz und Haus sin Gou- oernement Wladimir zu«ntzrehen,— Michskonferenz der Bergarbeiter. Am-15. und 16. November in Verlin. Der VerbcndKBwfttzenfc« Genosse H u s« m o n n eröffnet« die »eichskonferenz des Verdondes der Skrßurbeiter Deutfchlairds und verichtet« einleitend über die Wirtschaftslage, die ver» flossenen, gegenwäitigen und w Aussicht stehenden Bewegungen rur Lohn- und Arbettszeitfrage. Die bisherigen E r. folg« in dieser Einsicht sind nicht nur In Mitteldeutsch- l a n d, sondern auch in anderen Provinzen zufrieden- stellend: schwere Kämpfe stehen augenblicklich in Niederschlesten und in einigen Monaten im Ruhrgebiet bevor. Heber das Berufzausbild ungsgefetz referiert- M o r t- müller. Die Konferenz sprach sich, dem Referat folgend, f ü r die Streichung de» Z 4 des Entwurfes aus, der den Berg- bau aus dem Gefejz berauzlalien und für ihn landesrechiliche Regelung vorschreiben will. Die Konferenz sieht keine Veranlassung, die Derufsaurbildung im Bergbau von der reichegesetzlichen Reg«. lung auszunehmen. Die Notwendigkeit einer geordneten Berufsberatung für den Bergbau wurde besonders latent. Der Nachwuchs im Bergbau läßt so gut wie alles zu wünschen übrig. Im Ruhrgebiet sind in einem Echulbezirk mit zwölf bergmännischen Beruf»- schulen rund 50 Proz. der Schüler hilssschülrr, also sunoe Leute zwischen 14 und 18 Iahren, die das Ziel der Bolksfchul« nicht erreichen konnten und deshalb in Hilfsschulen oersetzt we'�eli mutzten. Für den Bergbau sind diese aeistig rückständigen Menschen gut gewig: daß darunter die ssziale Lage der Bergarbeiter leiden muß, ist klar. Der Zustand tst aber auch eine schwere Gefahr für Leben und Gesundheit der Bergleute, da der heutige Bergbaubetrieb mit seinen ma- schinellen Einrichtungen eine bohs Intelligenz der Bergleute fordert! Di« Konferenz wandte sich ferner entschieden gegen die Be- stimmungen des Entwurfes, wonach die Handels- und Hand- Werkskammern als gesetzliche Berufsvertretungen bestimmt weichen sollen. Paritiätische Aurschüsie sollen die für die Beruss- ousbildung notwendigen Bestimmungen treffen, während di« G e- schäftesührung den Sammern verbleiben soll. Die Konferenz schloß sich der Auffosiung de» ADMB. an. die Arbeit s- t a m m e r n als di» in Frage kommende Vertretung zu bestimmen und die ganze Materie reichsrechtlich zu regeln. Di« Konferenz wandt« sich auch gegen den§ 80 der Vorlage, der di« tariflich« Regelung der Lr-Hn- und Urlaubsfragen für die Lehrlinge ausschließen will, trotzdem nach der Statistik de» Reich«arbe:timlnisteriums von 1925 schon 38 Pröj. der Lehrlinge van den Tarifverträgen ersaßt wurden. Die Generalversammlung des Verbandes wird im Juli 1928 m Magdeburg stattfinden. Heber die letzte Sitzung des Internationalen Bergarbeiterkomitees in Warschau berichtete L i m b e r tz. der dabei eine Hebersicht über die Metl?od?n gab. die da» Internationale Arbeitsamt bei der vom Komits« beantragten Untersuchung über Löhn« und Arbeitszeit im internationalen Bergbau anwandte. Der Bericht ist im Entwurf fertiggestellt, soll ober erst endgültig festgestellt werden, wenn das Internationale Komitee In einer Dczembersitzung in Genf sein« Einwendung gegen den Vorbericht vorgetragen hat. Der zweit« Tag der Konferenz war dem Thema gewidmet: vl« Auswtrkungen des Relchsknappschaftsgesshe». Nach einem instruktwen Dortrag von D i k t o r, dem Borsitzenden des Reichsknappschaftsveveins, beteiligten sich rund 20 Redner aus allen Knappschaftsbezirken an der Diskusiion. Referat und Debatte gaben ein anschauliche» Bild von der außerordentlich großen Belastung der Knapvschostseinrichtungen durch die Invaliden-, Witwen- und WaHenlasten. Von einer Erhöhung der schon außerordentlich hohen Beiträge kann keine Rede!«in,«S besteht aber auch noch keine Notwendigkeit, an eine Ermätzigimg der Leistungen heranzutreten. Die Berliner Gaitler unS Tapezierer. Stellungnahme zum IGB.-Kongrep. Die außerordentliche Generalversammlung de» Sattler», Tape- zierer und Portefeuillerverbandes am 14. November beschäft'gte sich mit dem in Poris abgehaltenen Kongreß des IGB. Einleitend gab der Vorsitzende Kollege Blume bekannt, daß der Vorstand be- schlössen habe, auch in diesem Jahre an die arbeitslosen Kollegen eine Extraunterstützung aus der Lokalkasse zu zahlen. Die Werbearbeit habe ergeben, daß in den sechs Wochen des vierten Ouarials bereits soviel Ausnahmen gemacht seien wie im ganzen dritten Quartal zusammen. Die Arbeit dürfe ober nicht erlahmen und die neuen Mitglieder'müssen der Organisation erhalten bleiben. Dann behandelt« Genosse Furtwängler die Aufgaben und Beschlüsse des Pariser Internationalen Gewerkschastskongresie». Der Kongreß habe wichtige Fragen erledigt, was aus den Beschlüssen über Hilfe bei Lohntömpfen. Achtstundentag, Abrüstungssrage und vielem anderen mehr hervorgehe. Das Problem der Kolonialvölker sei in den Vorder- grund getreten und werde für die Zukunft besondere Aufmerksamkeit erfordern. Die Differenzen im Porstand des IGB. seien bedauerlich und durch Ausscheiden der beiden Sekretäre die ersten Hrsachen behoben. Daß Purcel nicht wiedergewählt wurde, sei nicht au» Gegnerschaft zu den Engländern entstanden, sondern sei begründet in der unsachlichen Amtsführung. Inzwischen sei ja da- anglo- russisch« Einheitskomitee gestorben, ein Beweis, daß die Engländer ihre Fehler erkannt hätte». Allgemein hätten die deutschen Gewerk- schasten und ihre Vertreter auf dem Kongreß sehr gut abgeschnitten und neues Bortrauen gewonnen. Dasselbe gilt vornehmlich auch Sür Sassenbach, dem ganz besonderes Lertrauen, auch von den lngländern, entgegengebracht wurde. Die Kommunisten bestritten di« Diskusston allein. Da» dreiviertelstündige Korreferat Hegenbarts tonnte keinen Eindruck erwecken. Seine Hinweis« auf Hngorn und Italien, wo heute Reaktion und Faschismus ungehemmt herrschen, erinnerten di» Kollegen nur daran, daß gerade die Kommunisten durch ihre falsche Taktik e» waren, die den Boden für den Fischismus vorbereitet 'oben. Riedel brachte eine Resolution ein. worin den Gewerk» chaftsführern vorgeworfen wird, daß sie zur Führung er Arbeiter unfähig seien und nicht» getan hätten, um da» Proletariat vorwärts zu führen. Außerdem wird di« Ausnahm« der russischen Gewerkschaften oerlangt. Genosie Furtwängler hatte es leicht, die unlogischen und überheblichen Ausführungen der Kommunisten zurückzuweisen. Be- schimpfungen der Gewerkschaften und deren Führer posien nicht zusammen mit der Forderung einer Einheitsfront. In der Abstini- mung wurde dann die Resolution mit übergroßer Mehr- heit abgelehnt. Verbandshaus der 7!ahrungsm»ttelarbeiter. Der Zusammenschluß der Verbände der Böttcher, der Fleischer, der Lebensmittel- und Gctränkearbeiter und der Nohrungs- und Gemißmittelarbeiter zu einem Verbände, dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, erfordert für die bisherigen Berliner Ortsoenvaltungen der vier Organisatio- nen fortab eine einheitliche Verwaltung und damit natürlich ge- meinfame Bureauräume. Zu diesem Zweck wurde da» Grundstück Neue Schön- hauscrStraß« 4/ö erworben, das Im Laufe des nächsten Jahres von der Ortsporwaltung des neuen Verbandes b«, zogen wird. Oer AfA'Bund in Polnifch-Oberfchlesien. Zum WWW Polnisch-Oberichlesien, en Bestehen de, x seinen Sitz in Katiowi in deutsck>en AfA-Bunde« itz in Kattowtl schwierigsten Hmstönden bemüht Ist, In Polen den deutschen frei at und unter den gewerkschafilichen Gedanken ln der Angestelltenschpft hochzubalien, ist„Der A n g e st e ll t«*, da» Organ de» AfA-Bundes, al? Fest- numwer im Hmfanoe von 82 Seiten erschienen. Di« Entwicklung de» AfA-Bundes in diesen fünfzig Jahren schildert Dr. Wilhelm W o l f f. Al» Ostcberschlest-n im Jahre 1922 an Polen abgetreten wurde, standen di« sreigewerkichaftlichen Ange- stelltenverbänd« vor der Frage: Sein oder Nichsiein. Eine Per- trauensmännerkonferenz beschloß, die in Ostoberfchlesien bestehenden Ortsgruppen de» Bundes der technischen Angestellten und Beamten, de, Zentraloerbondei der Angestellten und des Deutschen Werk- meisterverbondes, zu einem neuen Einheitsverbande, dem Allgemeinen freien Angestelltenbund Polirifch-Oberfchlesiens zu verschmelzen. Der neue AfA-Bund ist vollkommen selbständig, hält aber selbstverständlich die Beziehungen zu seinen Mutterverbänden aufrecht und ist Mitglied de, AsA-Duiwes in Deutschland. Sieben verschiedene Gewerkschaftsrichtungen, drei deutsche und vier polnische, suchen die Angestellten für sich zu gewinnen. Dennoch bildet der AfA-Bund die größte und stärkste Angestelltenorganifotion Ostoberschlesien». Der AfA-Bund will die nationalen Gegensätze nicht oerfchSrfen. sondern zu Ihrem Ausgleich beitragen. Deshalb ist er auch den Zentralkommffsion der Gewerk- fchaflen in Warschau angegliedert. Der Internationale Sekretär der Privatangestellten, G. T. A. S m i t. Amsterdam, veiirill in seinem Beitrag zur FesMummer die klar« Ausfassung, daß internationale Solidarität im Lande selbst anfängt. Genosse Aushäuser feiert den freigewerkschastlichen Bormarsch, während Hans Z m o r z l i k. Berlin,«inen Beitrag zur Gründungsgeschichte des AsA-Bundcs lisserle. Es führte zu weit, hier auf den Inhalt der rreffsichen Festschrift näher«inzugehen. In der auch an die Maßregelung von elf organisierten Llngestellten durch den Generaldirektor Htyemann von Giesches Erben von 2V Jahren erinnert wird. Wir wünsche« dem AfA-Bunde jedenfalls in seiner weiteren Tätigkeit den besten Erfolg. Achistunöentag in Mexikos Handelsbetrieben. (IAB.) Der Präsident der Republik Mexiko hat kürzlich einer Verordnung über die Verkürzung der Arbeitszeit in Handelsbetrieben seine Zustimmung gegeben. Di» Verordnung ist am 1. Sep- tember d. I. in Kraft getreten und sieht vor, daß der A ch t st u«» dentag für alle in Handelsbetrieben beschäftigten Angestellten« Arbeiter und Hils-arbeitet gilt. Der Dertauf ist während der Zeit des Ladenschlusses verboten._ Gastwirlsbctriebe. Dom Zentralverband der Hotsl-, Restaurant- und Cofe-Angestellten wird uns mitzeteilt, daß mit dem in der Sperrannonce genannten Betrieb„Zum Schultheiß-Patzenhcfer". Kottbusier Damm 02, der Betrieb von„K r« m z o w4" am Hermann platz, E ck e Weserstroße. gemeint ist.— Die Groß- destillation G. L a n g n e r„Zinn blauen Affen", K o t t b u s j« r Damm 03/64, legt Wert daraus milzuteilen, daß in ihrem Betriebe di« tariflichen Bestimmungen innegehalten werden, und daß das ge- samt« Personal freigewerkschastlich organisiert ist.— Außerdem ist die Sperre gegen den Betrieb ,Lur Kottbusser Brücke", Kottbusier Damm 103, Jnh. Kautsch, aufgehoben. Der Streit wi« uns aus D abend lagen ü b kommenden Frhrzeuge der Streik vorläuf'g nicht an. ln der westdeutschen kanalschissahrl w'rkt sich jetzt, u i s b u r g gemeldet wird, voll aus. Bis Diensiag er 1000 Fahrzeug« still. Die von Holland bestreikten Firmen Ichließen sich dem Zur C ck a r d t sie mit ihien teiligt ist angehö.t. Aucsperrung der ZiAarreuarbelier b. H.. Bad»alzungen t70 Arbeitern an der Aus und dem Reichsverband der teilt un» die Firma llhüringen) mit. daß perrung nicht be- Zigarrenhersteller nicht BeranlworlUch für Politik Dr aurt a«ye>!«ZIrtschaft: G.«Itaaelhlfe-i Wcwerls-Kasisiieweounai 3. ütcmci; geuillcton:». 4. Dolche»! uotale» und Sonstigcs� g»i« Karstadt: elntiiacn. Id. Stalte! lumnich in Berlin Brrlaa: i>orwur>s-?cr>ai> >4» Jtagl«i» t4r Kscbui j SUvaataa, ViUIccku inlt.«, Lanh,r]ackc«H hT«a»m Ncppdcdu...... SÄ.-i VS.-j verrenbsWvsniSSe LTü-s-. \CO.~, 90.—,«a- 70—, 60.—, 45.— /Utendonzfi�e Herrenhosen 42 SO.- 5." Kemelhaarlodenmanlel LZ. (är l)»mca und Herren...................... 55—. 41— HerreiHHiakenoppen h««».™ 1 �■ «Ute» heitberem Lodco....... 3U—. 27.—. 24.-, 2l.-, 15.— MaK» «ettcricsle lVIndlsdcen zi. mit 5b—»a......................ZI-. 33—, 30-, n~»*«• HerrenpniloTer bä,�.— 0." Sportsnealer ssä'ää 15. SO S>ew Aesondera öilli&e Jinabeniag findet tkcutc. Danner»tag, statt PAED COHNS Berlin N4.Chautieeitr. 29-30 iWWWl II W G Untergrundbahn: Stettiner Bahnhof niiinniHHnnHfflnnwwniiniiiiinwiininiiiiiiii iliiiiikuiiiilliiiliiiiiiiiii ü iiiii Ar. 543* 44. Jahrgang Beilage des Vorwärts Oonnersiag, 47. November 1927 Bauindustrie und Künstlerschaff. Noch immer keine Verständigung über die Bauausstellung. Wie wir hören, sinb die Verhandlungen über die Ab. grenzung des Gebietes der Dauerbauausstellung und über die Mitwirkung der Künstlerschaft vom Ma- giftrat bzw. der MessegeseUschast auf Grund des j o z i a l d e m o- t r a t i f ch e n Antrages unverzüglich aufgenommen war- den. Es besteht auf allen Seiten der Wunsch, zu einer b o l d i g e n Verständigung zu kommen, da sie die Vorbedingung für die Verwirklichung des großen Projektes überhaupt ist. Ein« Eini- gung zwischen den Forderungen des Vereins„Dauerbauausstellung", der im wesentlichen die Interessen der B a u i n d u st r i e oertritt, und den berechtigten Wünschen der Künstler und Fachoer- bände hat sich aber trotzdem bisher nicht erzielen lasten. Es dars bei dieser Gelegenheit offen ausgesprochen werden, daß gewisse Boulevardblätter in der ungezügelten Jagd nach„Aktualität" der doch auch von ihnen gewollten Verständigung Bärendienste geleistet haben, indem sie die widersprechendsten Tendenznachrichten von dieser oder jener Seit«, oft unmittelbar hintereinqnder, unbesehen abgedruckt haben. Sie hätten das getrost jener R�chtspreste überlasten können, die auch dieses Projekt wieder zum Anlaß nimmt, ihre Hetze gegen die weitschauende Politik der Reichs- h a u p t st a d t und der in ihr führenden Sozialdemokratie fortzusetzen, und der jedes Mittel recht ist, um den Plan zu durch- kreuzen, weil sie in seiner Verwirklichung einen neuen Ausschwung Berlins und damit ein weiteres Fiasko ihrer engstirnigen Katastrophenpolitik voraussieht. Die Rechtspresse hat sich auch all« erdenkliche Mühe gegeben, ein« sachliche Meinungsverschiedenheit zwischen der sozialdemo- kratischen Rathausfraktion und dem Stadtbaurat Gen. Dr. W a g n e r zu konstruieren. Wir möchten solchen Versuchen gegenüber noch ein- mal mit aller Deutlichkeit betonen, daß derartige Differen- zen niemals bestanden haben und auch jetzt nicht de- stehen. Die Rathausfraktion ist sich während der gesamten Be- ratungen mit dem Stadtbaurat darüber einig gewesen, daß den Künsilerverbänden wie der Stadt selbst ein maßgebliches Mit- w i r k u n g s r e ch t bei den sogenannten Ergänzungsausstellungen auf dem Gebiete des Städtebaues, des SIedlungs- Wesens, des Kunstgewerbes, der Gartenkunst usw. unter allen Umständen gewährleistet werden muß. Gerade um dieses Ziel auf dem Verhandlungs wege erreichen zu können, hat die sozialdemokratische Fraktion ja ihren Antrag ge- stellt, und um die Erreichung desselben Zieles ist der Stadtbaurat vor und nach der Veschlußsastung unausgesetzt bemüht gewesen. Und es ist nur zu hassen, daß die gemeinsamen Bemühungen um eine Verständigung in dieser Frage m't den in Betracht kommenden Verbänden recht bald zu einem Erfolg führen werden, der alle befriedigt. Diese Bemühungen werden auch nicht durch die Notiz, die der Verein„Bauaus st ellung" gestern der Prcste zugestellt hat, beeinträchtigt oder unterbrach«-» werden. Der Verein glaubt sich hier gegen„kommunalpolitische Taktiken" verwahren zu sollen und kündet die Wahl Berlins als Ausstellungsort als „gefährdet" an, obgleich er die Mitwirkung der Künstler usw. ausdrücklich„auf das lebhafteste begrüßt". Das w o h l v e r- standene Interesse der Bauwirtschost wird von selbst zu der notwendigen Verständigung und zur Wahl der Reichshaupt- stadt als Ausstellungsort drängen. Die zusammengestohlene Bibliolhet. Weil er arm war und den Doktor machen wollte. Ein Seitenslück zu dem Falle des Lehrers Schumacher, jenes Fachgelehrten, der für seine Privatstudien die Sammlungen aus dem Eutomolozifchen Museum in seiner W hnung zusammen- geschleppt hatte, beschäftigte da» Große Schöffengericht in einer Anklagesache gegen einen jungen Mann, einen gewissen D. Auch hier handelte es sich um jemand, der durch seinen W ssensdrang vor den Strafrichter gekommen ist. D. hatte die Volksschule besucht, sich dann aber durch Selbst- fhidium weitergebildet und, nachdem er das Abiturium gemacht hotte, die Universität besucht. Aus Mangel an Mitteln hatte er dazw jchen kausmännische Stellungen innegehabt. Wie Schumacher Hatte er sich auch der Raturnnstenschaft gewidmet und ebenfalls der Entomologie. Sein Spezialstudium waren Pelztiere. deren Schädlinge und ihre Bekämpfung. Aus diesem Gebiete hatte er auch anerkennenswerte Kenntnisse er- langt und sich auch die Mittel für das Weiterstud'eren durch Auf- sötze in Fachorganen erworben. Dank zahlreicher Aufsätze hatte er eine kausmännische Stellung bei einem Fochorgan für Pclzwaren erhalten. In dieser Stellung hat er nun«ine Reihe Versehlungcn begongen, die ihm eine Anklage wegen Diebstahls. Unterschlagung, schwerer und einfacher Ur- kundensälschiing zugezogen haben. In seiner Not hatte der Angeklagte drei Schecks einbehalten, die von Kunden ubersandt worden waren. Im ganzen handelte es sich dabei nur um einen Gesamtbetrag von rundetwas über S0 Mark. Seine Firma hatte aber auch große Lücken in Ihrer Bibliothek entdeckt. Es fehlten Fachhandbücher in großen Mengen. Der Air- geklagte gestand dann auch zu. daß er diese Bücher mitgenommen habe weil er nicht die Mittel besaß, um sie sich sür die Zwecke seines Studiums selbst zu kaufen. Bei e ncr Durchsuchung seiner Bibliothek wurden nicht weniger als drei Zentner Bücher vorgefunden, die er entwendet hatte. Man saird bei ihm aber auch«in gesälschtes Zeugnis, mit dem er sich um die erste Astistentenstelle an e nem wissenschaftlichen Institut der Universität beweiben wollte. Der Angeklagte gab alles unumwunden zu und entschuldigt« sich nur damit, daß es ihm darauf angekommen sei, sein Studium zu beenden und den Doktor zu machen. Ausfällig war nun, daß er von manchen Werken doppelte Ausgaben milo-ncmmen hott«. Der ursprüngliche Verdacht, daß er die Bucber zu Geld machen wollte, wurde dadurch zerstreut, daß auch die zweiten Exemplare numeriert und In sein« genes Bibliotheksver- zeiebnis eingetragen worden waren. Trotz de- groben Vertrauens- brücke- gegenüber seiner Firma bemaß das Schöffengericht die Strafe sehr gering. Das Gericht elblickte in dem Angeklagten e ne eigenartige-Persönlichkeit, bei der so vieles ungeklärt erscheine. Er habe so unpraktisch gehandelt, daß es in seinem Kopfe nicht ganz r'chtig lein müsse. Deshalb lautete die Gesamtstrafe nur auf drei Monate Gefängnis._ Erschütternde Bitte. Wie alljährlich um diese Ze't ergehen auch jetzt- wieder die Bitten der Gefängnisgeistlichen um Weihnachtsgaben für di« Ge- fcngenen und deren vielfach i» bitterster Not befindlichen An- gehörigen. In e'nem dieser Schreiben heißt es: „Gestatten Sie uns in dieser Zeit vor Weihnachten die Zusen- düng einer herzlichen Bitte um Gaben sür un>-r« Mesangenen im Gefängnis, um Gaben vor allem für der Gefangenen notlei- dende. einsame Frauen und Kinder, deren Elend oft geradezu grenzenlos ist. Fast täglich tritt uns solch« bitterste Not hilfeslehend in erschütternder Welse vor Augen. Wir bitten um Lebensmittel. Wäsche, Kleidungs- stücke vor allem sür Männer— besonders Mäntel und Geld- gaben. Auch gute Bücher für unser« Gefangenen- b ü ch e r e i sind willkommen."— Sowohl dasZellengefängnis Moabit als auch das Gefängnis Tempel hoser Feld und das Stadtvogteigefängnis treten mit diesen Bitten an die Oeffentlichkcit und weisen damit auf die schweren Gebrechen der bürgerlichen Gesellschastsordnung h'n. Schneidig« Staatsanwälte und buchsta'oengläubige Richter haben es leicht, di« Lätec und Söhne der Armen ins Gefängnis zu werfen. Was aus den unschuldigen Frauen und Kindern wird, darum möchte man sich am liebsten so wenig kümmern wie um d e Frauen und Kinder der Kriegstoten. Wann eirdlich wird hier Wandel geschaffen? Gaben und Spenden sür die beiden zuletzt genannten Gefäng- nisie nimmt Anstaltspfarrer Knodt, Berlin E. 25, Dircksenstr. 15, entgegen. Geldsendungen auf Postscheckkonto der Anstaltskasse Stadtvogtei Berlin, Nr. 14321. politischer Lohn, politische preise. Werbearbeit für Partei und Gewerkschaft geht weiter! Die Parteiwerbewoche ist zu End«, die Werbearbeit geht weiter. In fast allen Kreisen haben unsere Genossen in unermüdlicher Arbeit neue Mitglieder sür di« Partei geworben. Viele lozialdemotratifch« Wähler haben den Anschluß an di« Partei vollzogen und den„Vor- wärts" bestellt. Die Genosien in Schöneberg hasten ihre Werbearsteit mit einer gut besuchten Kundgebung, in der Genosse Dr. H i l f e r d i n g sprach, fortgesetzt. Am Dienstag abend versammelten sich die Ge- nassen in der dichtbeletzten Aula der Hohenzollernschule in der Del- ziger Straß«. Die Ausführungen des Genossen Hilserdlng waren mehr als eine Werberede, sie gaben auch dem Genossen und Funk- tionär wichtiges Material für den tagespolitischen Kampf. Der Redner zeichnete ein Bild der heutigen Wirtschaftsformen Aus der kapitalistischen Forin der freien Konkurrenz ist in den letzten Jahren eine organisierte Wirtschaft geworden. Die einzelnen Wirtschaftszweige stnd in großen Verbänden zusammengeschlossen. Für den Sozialisten gibt diese Wandlung die Möglichkeit, nicht mehr mit den einzelnen Kapitalisten den Kampf um höher« Löhn« und bessereArbeitsbedingungen führen zu müssen. Heute stehen im Wirt» schaftskampf den große» Wirtschastsverbäirden di- Millionen Mitglieder umschließenden Gewerkschaften gegen- über. Für den Arbeiter ist im Wirtschastskampf entscheidend der Ein- fluß dieser Gewerkschaften. Die Arbeiterschaft muß alles daran setzen, di« Reihen der Gcwerkzchaften zu stärken, um die Krast der Orga- nisation zu erhöhen. In der Wirtschast entscheidet immer noch das Besitzpnoileg. Der Machthaber über Kapitalien und Produktions- Prozeß ist im Wirtschastskampf stärker als der Arbeiter. In der Politik sind alle Privilegien gesallen. In dem Umlange, in dem die Wählerschaft einer Partei Stimmen gibt, hat diese Partei Einfluß auf die politische Gestaltung des Reiches. Das politische Parlament entscheidet über die von der Wirtschast verlangten Zolle, Steuersest- setzungen und dergleichen. Es hat sich In den letzten Jahren vielfach gezeigt, daß, wenn der Einfluß der Sozialdemokratie im Parlament flärker gewesen wäre, Gesetze, die die Wirtschaft verlangte, nicht zur Annahine gekommen und damit wäre die infolge der Gesetze ein- getre-ene Preiserhöhung vermieden worden. Der Lohn, den heut« der Arbeiter erhält, ist ein politischer Die Preise, die heute die Hausfrau bei ihren Einkäufen bezahlt, sind politiscke Die Arbeiter- schalt yat in den letzten Jahren die größten steuerlichen Belastungen getragen, der Großindustrie sind Millionen Steuern narygelaiien worden. Der Einfluß der Sozialdemokratie war nicht stark genug, diese Millionengeschenke zu oerhindern Im nächsten Jahr wird nicht nur in Deutschland gewählt. Auch Frankreich und England muß seine Wähler an die Urnen rufen. Gelingt es der Arbettcrschast, allen Ländeni ihren Einfluß zu stärken, so wird nickt nur Im Sinne des Weltfriedens wichtige Arbeit geleistet. Bei den Wahlenentfcheidet dieArbeiterschaftüberdie Höhe des Brot- und Fleischpreises. Die Rechte wird mit alle» Mitteln oersuchen, di« Wähler zu beeinflussen: sie hat di« großen Kapitalien aus ihrer Seite. Wir aber haben die ausopfernde Hilze unserer M illionen Helfer. Bremen. Danzlg und Haaiöarg haben un« gezeigt, daß wir um die Entscheidung nicht bange sein brauchen,, Bis zur Wahl gilt es aber noch unsere Reihen zu stärken. Die Ausführungen des Genosien Hilferding fanden großen Bei» fall und hatten starke Wirkung. Zahlreiche Anwesend« schlosien sich der Partei an. Gin Tag schwerer Llnfälle. Im Laufe des gestrigen Bußtages ereigneten sich eine große Zahl von schweren Unglücksfällen, oon denen mchrere einen tödlichen Ausgang genommen haben. Am Potsdamer Platz stürzte der SZjährige Marinebetriebs- Sekretär Gustav Bielefeld aus der Kaiser-Wilhelm-Straße Ist zu Steglitz die Untergrundbahntreppe hinab und zog sich«inen doppelten Schädelbruch zu. Der Verunglückte wurde zur naheliegenden Rettungsstelle in der Elchhornstraße gebracht, doch trat bereits auf dem Wege dorthin der Tod ein.— Ein tödlicher Verkehrsunfall trug sich gegen 11 Uhr an der Ecke H a r- denoerg- und Goebenstraße in Charlottenburg zu Hier wurde der Klsährige Mulltdirektor Albert Kellermann aus der Oranienburger Straße 66/63 beim Ueberschreiten des Fahr- dammes oon einem Prioatauto überfahren und schwer verlegt. Der Arzt der Rettungsstelle 7, wohin der Verletzt« gebracht worden war, konnte nur noch den Tod infolge innerer Verletzungen feststellen.— In der R e t t e l b e ck st r a h e zu Cbarlottenburg wurde der elfjährige Schüler K a r l S ch i n k e aus der Schloßllraße 26 von einem Privatauto überfahren. Das Kind wurde mit einem Schädelbruch und Augenverletzungen in das Westend«? Krankenbaus übergeführt.—.Während der Abwesenheit der Eltern mackte sich der vierjährig« RudoliHornam Fenlter der elterlichen Wobnung Schillerpromenade 7 zu Neukölln zu schafien Er verlor den Hall und stürzte au» dem viertenStockwerk kopfüber in den Garten. Der k'e-ne H. wurde durch das Städtisch« Rettungsamt schwerverletzt in»as Urbankrankendaus übergeführt. Ein schwerer Autounfall, bei dem drei Personen schwere Verletzungen davontrugen, ereignete sich aegen 19 Uhr in der K o l o n n e n st r a h e zu Schöneberg. Der Führer eines rnt zwei Perlonen besetzten Prinatautos geriet, mn zwei Vasianten nickt zu überiahren, beim Ausmeicken auf den Bürger steig und suhr gegen einen Gaskandelaber. Das Sluto wurde zertrümmernder Führer und die Insassen schwer verletzt. Alle drei fanden im Scköneberger Krankenhaus Aufnahme. Der Verkehr am Bußtaiu Die Berliner Verkehrsmittel, Straßenbahn, Stadtbahn und Autobus hatlen in den srühen Rachuiittagsstunden des Bußtag aus Ihren Linien nach den Auhendezirkeu, wo die Mehrzahl der Fried- Höfe liegen, einen außerordentlich starken Verkehr. Besonders nach Nordend sNiederschönhausen) bzw. Plötzensec und i» der entgegen- aesctzten Richtung nach Baumschulenweg usw. balt« die Straßenbahn in Anbetracht des zu erwartenden starken Verkehrs Einsetzwagen in den Dienst gestellt. Aber nicht nur die Friedböfe waren am Bußtag das Ziel vieler Reisenden. Das trockene Wetter, das uns gestern, entgegen dar gegebenen Wetterprognose, beschert war, hatte euch ckele hinaus In die Umgebung und Ausflugsorte gelockt. Trotz- dem sich rings um Berlin eine schwere grau« Wolkenwand auf- baute, die nach Scknee aussah und dafür sorgte, daß man schon um 4 Uhr, in der Stadt cber bereits beld nach 3 Ubr, L'ckt entflammen mußte, strebien um diese Zeit noch große Massen aus der Stadt) hinaus ins Freie. Mit immer größerer Vorl ebe wird wenn man den Grunewald erreichen will, die Untergrundbahn bis zur End- Haltestelle Thielplotz benutzt. Vom Thielplatz strebten auch gestern' oroße Scharen, d'i mit jedem Rackmittogszug ankamen, zum Grunewald, um sich h'er in der herben rauhen Winterluft«in wenig zu ergehen und irgendeines der vielen an der Seenrinne ge- legen«» Lotale zum Kaffectrinken auszusuchen. Todrssprung eines Drcinndsiebz'aiähriFcn. Am Mittwoch früh machten Mieter des Hauses Landwehr- strahe 5/6 einen enlsetzstckeu Fund. Aus dem Hose lag in einer großen Blutlache mit zerschmetterlem Schädel der 73iäh- ripe Renten« mpfönaer Hetniich Pflanz. Der Arzt der nächsten Rettung: sd-lle stellte den bereits vor mehreren Stunden ein- getretenen Tod fest. Nach den polize ticken Ermittluime» liegt un- zweifelhast S e l b st m o r d vor. Der Greis hatte sich unbemerkt auf das Doch des Hauses begeben, von wo er sich in die Tiefe stürzte. Dos Motiv zu dem Verzw-iflungsschritt ist Nervenkrank- Heid____ Em Augzusammenstoß bei Brünn. Zehn Iielsende und zwei Äahnbeamte verletzt. vrünn, 15. November, Heute um 21 Uhr stieß auf der Station Schlappanitz bei Brünn der aus Brünn kommende Schnellzug mit einem Güter« zug zusammen. Zehn Reisend« sowie der Zugsührer und der Helzer des Schnellzuges wurden verletzt, die beiden letzteren ziemlich schwer. Llu» Brünn wurden«ine Hilfsloko- motive und Sanitätsautomcbil« der tschechischen und der deutschen Rettungsstation, sowie Eisenbahnsanitqtsperional an die Unglücks- stelle gesandt. Einige her Verletzien wurden zur ärztlichen BeHand- lung nach Brünn übergeführt. Die Untersuchung über die Ursache des Unfalls ist noch nicht abgeschlossen. Die größte Lokomotive Europas. München, 16. November. Staatssekretär von Frank, der Leiter der Gruppenverwaliung Bayern der Deutschen Rcichsbabngesellschost. besuchte gestern die Lokomotivsabrik Mosfat, um die dort soeben sertiggestellte größte Lokomotive Europas zu besichtigen. Es handelt sich um en« für die südafrikanische Eiscnbahnverwnltung bestimmte S ch n ellzuglokomotive, dl« größte und stärkst«, die bisher in Euiopa gebaut wurde. Sie hat bei einer Länge von 26,5 Pketern In jedem Piimd der Tetelmargtriiic.Frische Red" Terlange man gratis den neuesten Band der Rcsi-IUushOctaercl. Vertreter der V.M.W. Nürnberg: Resi-Agentur, Berlin NO 13, Neue IBnlgstr. 37. Tel: KAnlgetadt 1363, 136», IS6J. 1 und(htm fitraftarahdt am 188000 Jftto�rmntn eh« Znzkeaft von 27 000 Kilogramm, während die bisher schwerste deutsche Schnellzuglotomotive bei 110 000 Kilogramm Dicnstgewicht eine Zugkraft von nur 12 000 Kilogramm bestgt. Ein amerikanisches Flugzeugmutterschiff. Washington, 10. November. Gestern wurde da» N i ese n f l u g z e u g m u t» e r s ch i s f der amerikan'schen Flott«.Saratoga' in Dienst gestellt. Das Schiff, an dem seit 1920 aus der Werst von Rem Jeisey gebaut wurde, wird 8 3 Flugzeuge tragen. Seine Besatzung beträgt IZOS Mann, zu denen noch 4S0 Mann für den Flug- dienst hinzukommen. Da» Schiff wird elektrisch getrieben. Eapablancas 3. Sieg. Buenos vires, 10. November. Die 29. Partie des Wetttompse» um die Welt- Meisterschaft im Schachspiel zwischen LI j e ch i n und Capablanca gewann Capablanca. Damit steht der Match auf 4 für Zlljechin gegen 3 für Capablanca. 22 Partien endeten unent- schieden. Märchenvorstellung im Zirkus Busch.«Rne schöne Vorfreud« auf das kommend« Weihnachtsseft beaeirete der Zirkus Busch seinem kleinen Publikum mit der Märchen-Renue.Friedesinchens Fahrt ins Märchenland". Friedestnchen führte ihre Altersgenossen in einem Rundgang durch die prächtig« Welt all ihrer Lieblingsmärchen. Da war das liebe Rotkäppchen mit dein Wolf, das holde Dornröschen und Schneewittchen mit feinen sieben ge- treuen Zwerglein. Dann ging es zu einem Besuch in das glitzernde Reich des Winterkönigs, mit der weihleuchtenden Pracht all seiner Zuckerhäuschen, der verträumten Romantik der stillen, einsamen WinterHerrlichkett brausten In der schönen Natur und dem toll- fröhlichen winterlichen Treiben auf der Eisbahn, am Ski- und Rodelschlitten. Zwischen den einzelnen Märchenbildern wirbelte ein toller Hexensabbat bunt schwirrender Käserchen und Schmetterlinge, ausgelassen hüpfender Häschen. Ein lebender Weihnachtstisch tanzender ßebfuchen und Pfeffernüsse bildete fröhlichen Abschluß und leisen Vorgeschmack auf die kommende eigene Weihnochtssreude. Vor der Märchenoorftellung trieben Clown» Allotria, Löwen- und Pfetcheb-�u-en wurden vorgeführt. Zum Saudruen der Kleinen gao es ein Probereiren in der Manege: hoch zu Rotz erscholl sröh- liches Kinderlachen und stolz satzen die kleinen Jockeis auf dem Pferderücken, bestaunt und bewundert. Ein bunt-fiöhlicher Nach» mitlog für Grotz und Klein. Vormerkung fchwerbefchädigter Versorgung»«« Wärter. Zur Auf- rechlerhaltung ihier Vormerkung müssen schwerbeschädigte Ver- sorgungsanwärter nach Mitteilung des Reichsbunde» der Kriegs- beschädigten bei jeder Stelle, bei der sie stch vormerken ließen, ihr« Vormerkung nach Z 29 der Anstellung sgrundsätze jedes Jahr bis späte st ens 1. Dezember erneuern. Bewerber, die das unterlassen, werden in den Vormertungslisten gestrichen. Eine arbeilswlssenschaslliche Woche beginnt am Sonntag, dem 20. November, abends 8 Uhr, an der Hochschule für Politik (Schinkelplatz 0). Täglich werden vier Borträge geholten, die einen Ueberblick über das Gesamtgebiet der wissenschaftlichen Durchforschung des Arbeitsprozesses bieten; in einigen Schlutzoorträgen sollen ans den Darlegungen die arbeitsrechtlichen Folgerungen ge- zogen werden. Zur Mitwirkung sind Fachkräfte wie Hellpach, Moede, Piorkowsky, Lipman, Mennick«, Reist, Woldt gewonnen worden. Aussiiyrliches Programm und Stundenplan sind durch da» Bureau des Sozialpolitischen Seminars, auch auf telepheonischen Annis hin(Zentrum 7087) zu heziehen. Wochen-, Tage», und Einzel- karten sind im Sekretariat der Hochschule für Politik erhältlich. vi« preußische Slaatsbibliolhek ist am Freitag dem 10. November, oon 5 Uhr abend» ab, geschlossen. Do» erste München« Oktober sest in Berlin wird dt» gm» 4. De- zember verlängert. tat Jrfl ihrer Bannermeld« begeht am Sonnabend, de« Ib. November, die 92. Äbleilung der SPD. Neulölln in den Hohennaulen.Silen, fioltbufiei Damm Die sseit. und Wetdeiekie hält!»en. Peler i&r a ft m« n n. lS&3t, Vorsitzendel de» ÄDlÄV. Saalöffnung lg llhr. Veginn de» Zelle» X llbr. Der eoent UebeilfbiiR soll de« inoaliden und arbeUSlojen«Aenoffeu der Ab- tcilung zugute kommen. ver.too-cöwen.Zrk«»' de«»apitiu« Alseed Schneider bat seinen piuntvoU auSgestaNelen. mU Zenlralhetzung o erlebenen Winter- Holzbau an der Wulleinveberilrahe(Hanlaoierleli errichtet, wo am Douner»- tag. dem 17. November, ii Uhr, die Erölsnuagdooettetlung mit einem grast« Siekorb-Sportplograuu» ftattffndet. Die Tierschau in Verbindung mit Piooen, RaubtierlüNeiung usw. wird täglich»ou vorn». 10 Uhr an geöffnet sein. Tel.: Moabtt 4»2l. . Uhr Justiz Sonnab. 71/, Uhr: Premiere Chicago »esslng-Theaicr 8 Uhr idiioilerbsnnBs Tlieater in der 8 Uhr. Oer grobe ErTalg. MhOn letia wir ohsi m. Henry Bender Dönhofl 80-3 Nene» Thealer am Zoo Täglich 8 Uhr Die Hotelratte Operette v. Bromme Aiica Hfidiy. Päd Rose-Theater 8«/, Uhn CharleysTanle Itoater des Westens Täglich 8'., Uhr; Caslspiil(anuitrsSngu Henoano Jadlovker in Frasquila Opereue von Lehär Iii nrkr. Imki Saal. dule.t. Imaaü inl fanll Theater .'mldmirtlspalasi Täglich 8»,, Uhr il ALLER- BEVGE litouei neu« CNARKLL- InasetWe« vng mit Mix ruienberg Rita Ceorg Beodo« Jankuhn Szike Szakall Werkme shr Wesiermeier Jackson Bojs Sunshine Girls Ausst. Pro. Stern Dirig. Dr. Römer Mittw., Sonnab-, Sonntag nachm. u.> Uhr Werne' KrauB in Gneisenan. Kleine Preise. VorverKam 10-6 mir Nur das Beste ist gm geogg lör meioe Kuadsdiait! Faluttr derber ApfslToln, nr»»»in ur. 0.59 Feinster süger Apfslvels, i»>i,... Ur. 0.7 j Feinst sfiB. Dessert-Obsiwein,«.m.. Ur. 0.95 Foloster sfit.|tbanBisb.-Veta.«. iZ»,. ur. 1.05 Sfiber Speilal-Obstvele«. u-j,... ur. 1.05 I" Prima EnU)eerveia,<». nie Ltr. 1.45 IWine■ lüwrrvinf lunin Prima Wermntsreln Ltr. 1.85 Echter Tamesna.-u...... Lte. 1.55 Echter tilecb. 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