Abendausgabe Nr. 552 B 273 44. Iahrgang ZSSchtntlich TV Pfksnlg, lnnnoiÜch Reichsmark, voraus zahlbar. llvtcr Streiidavb im Zv- und Ausland Z�0 Reichsmarl pro Monat. » Der.Vormäris� mit der ibultricr. i~n Sonntazsdeilage.Tolt und Seit* foivi« den Beilagen �Unterhaltung und Wilsen"...Aus der ffilmwell". »Stadtbeilage".„Fraucnst.miNc". „Der Kinderfreund",.Iuger.d-Vor. wärts",„Blick w die Bllcherwelt", Kulturarbeit" und Technik" crtcheint wochentäglich zweimal. Lonntags und Montags einmal. Berliner Vottsblalt Dieneiag 22. November 1.92' 1v Pfennig Die e> n p a l l> g c Roerareillejeii «0 Pfennig. Reilamc-eile b.— Reichs» lllarl.„Kleine Anzeigen" das iettge» druckte Wort 2d Picnnig fzuläfiig zwe icltgedrultte Worte) jedes weitere Wort 12 Pfennig. Etellengeluche da» erst» Wort lö»Piennig,'»des weitere Wort Iv Pfennig. Woi te lider IS Buchstaben zählen iiir zwei Werte. Arbeiismartl steileSoPiennig. Aamilienanzetgen iir AbonnentenZeiletvPsennig.Anzeigen- annahm? im �auptgeichäii Linden- ftratzeZ. wochentägt vonS>>z bist? Uhr. Jentralovgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs 292—297. Telegramm-Zldr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 87536— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten Wallsir. 6ä. Tiskonio-Gc�ellschasl. Tepositenkaste Lindenstr Z Moskauer Abrüstungsprogramm. Mit etappenweiser Abrüstung einverstanden Moskau. 22. November. Litwinow erklärte den Vertretern der Sowjet- und der Aus- landspresie: Ich möchte den Standpunkt der Sowjets in der Ab- rustungsfrage kurz kennzeichnen und somit der Verbreitung unbe- gründeter Behauptungen und tendenziöser Gerüchte in der bürger- lichen Presse«in Ende bereiten. Die Regierung der Sowjetunion verbarg niemals ihr Miß- trauen gegenüber der Bereitschaft und der Fähigkeit kapitalistischer Länder zur Veseitigung des Systems der Krieg« zwischen Ländern und solglich auch zur Durchführung der Abrüstung.' Dieses Miß- trauen ist in genügendem Maße gerechtfertigt durch die Geschichte der internationalen Beziehungen noch dem Weltkrieg« von 1914— 1918, welchem die Pazifisten und die Pseudopazifisten die Etikette des„letzten Krieges" anzuhängen suchten, durch das unaus- haltsame und systematische Anwachsen der Streitkräfte der kapitalistischen Staaten, durch die Verdoppelung und Derdreifachung der Kriegsbudgets gegenüber 1913 und durch die progressiv« Elcigerung der Gesamtlast des Militarismus. Eine weitere Recht- fertigung dieses Mißtrauens ist die siebenjährige fruchtlose A-bcit hinsichtlich der Abrüstung seitens des Völkerbundes, der sich angeblich die Sicherung des allgemeinen' Friedens und d,« Durchführung der Abrüstung zum Ziele setze. Es genügt in Erinnerung zu bringen, daß der Völkerbund die Abrüftungsfroge erst 1924 angeschnitten Hot. dos heißt, im fünften Jahre seines Bestehens, wobei die Ein- beruhmg einer Konferenz bis 1925 aufgeschoben wurde. Bis jetzt ist die Abrüstung nicht nur nicht weitergekommen, sondern das Datum der Einberufung einer Konferenz kann noch Nicht festgelegt werden. Ebenso bleibt die besonders behandelte Frage der Secabrüstung bisher unentschieden. Auf undestimmlc Zeit ist' auch die Frage einer Herabsetzung der Kriegsbudgets, mit welcher der Völkerbund sich bereits feit 1929„beschäftigt", aufgeschoben worden. Anstatt einer realen und greifbaren. Abrüstung, die die Bolksmassen aller Länder verlangen, häben wir bisher als Ergebnis der Tätigkeit des Völker- bundes lediglich eine belanglose Deklaration und«in chäuslein Resoluttonen und Anträge, die nur den Zwecken dieser oder jener internationalen politischen Gruppierung dienen. Trotz des Em- gcgenwirkens der kaptlalistischen Länder spannte die Sowjetregierung dennoch im Laufe der.zehn Jahre ihres Bestehens alle Kräfte an, um irgendwelche Schrille auf dem Gebiet« der ollgemeinen Ab- rüstung oder wenigstens einer teilweisen, doch wirklichen Ver- ringcrung der Rüstungen, die wie eine schwere Bürde auf den Schullern der werktätigen Mafien losten, zu erzielen. Es genügt zu erinnern an dos erste Dekret der Sowjetregierung vom 8. No- vcmbar 1917 über den Frieden, an den Antrag der Sowjeldelegation auf der Konferenz oon Genua im Jahre 1922 über die Aufnahme der Frage allgemeiner Abrüstung in die Tagesordnung, und schließ- lich an die von der Sowjetrcglerung ebenfalls im Jahre 1922«in- berufene Konferenz m Moskau, an der sich die westlichen Roch- barn der Sowjetunion beteiligten, der ich als Borsitzender der russi- schen Delegation einen konkreten und begründeten Plan einer proportionellen Herabsetzung der Streiikrösl« vorlegt«— ein Plan —, den alle übrigen Teilnehmer der Konferenz ablehnten. Als die Sowjelregierung im Jahre 1925 die Einladung des Dölkerbundcs zur Teilnahme an der Borbereitenden Abrüstungskonferenz erhielt, antwortete sie daraus prinzipiell zustimmend und erklärte in ihre Note vom IS. Januar 1926, daß sie„jegliche Jnitlativr und jeglichen Versuch aus dem Gebiete der Abrüstung begrüßt und den aufrichtigen Wunsch hegt, sowohl an der Abrüstunge- konferenz als auch an der Borbereitenden Kommission teilzunehmen". Der Völkerbund nahm jedoch der Sowjetunion die Möglichkeit, an den drei Tagungen der Vorbereitenden Kommisston totsächlich teil- zunehmen, da et als Ort dieser Tagung die Schweiz wählle. wohin die Sowjetunlon damals aus den bekannten Gründen ihre Dele- gierten nicht entsenden konnte. Infolge der Beseitigung dieser Gründe, das heißt infolge der Beilegung des Konflikts mit der Schweiz, entsendet jetzt die Sowjetunion gemäß dem erwähnten Be- schluß eine Delegation zur Teilnahme an der bevorstehenden vierten Tagung der Vorbereitenden Kcmmisflon und auch zur Abrüstungs- konserenz, falls letzlere jemals einberufen werden wird. Durch diesen Beschluß nimmt die Sowjetunion ihren Feinden die Möglichkeit, ihr auch nur im geringsten Maße ein etwaiges Mißlingen der Konferenz zuzuschreiben, und entzieht ihren Nachbarn den Anlaß, ihre Ablehnung der Ab- rvstnng durch die Nichtteilvahme der Sowjetunion zu recht- fertigen. Der Sowjetstaat, der schon seiner Natur nach jeglicher imperialistischer Bestrebungen und jeglicher Ännexionsgelüste bar»st, betreibt eine konsequente Friedenspolitik. Im Geiste währer Friedensliebe bot und bietet er auch jetzt noch allen seinen Nachbarn ohne Ausnahm«, und nicht ollein seinen Nachbarn, den Abschluß von Nichtangrifss Pakten an. Von einer Politik der Friedens- liebe ausgehend fährt die Sowjetunion fort, für die Notwendigkeit völliger und allgemeiner Abrüstung einzutreten. Wenn die tapitalisti- schen Länder die Verwirklichung des Planes einer vollen Abrüstung mit einem Male oder im Laufe kürzester Frist für unmöglich hallen, ist die Sowjetdelegalion auch mit einer allmählichen Durchführung dieses Planes in Terminen, die die Konferenz festzulegen hat, einverstanden. Die Sowjetdelegation wird in Genf mit ihrem eigenen Programm erscheinen. Sie wird ,n Genf jene Delegierten als ihre Verbündeten betrachten, die sich entweder diesem' Programm an- schließen, oder Anträge vorlegen werden, die sich in gleicher Richtung bewegen. Als eine ihrer Houpiausgaben wird sie«s betrachten, die Autmcrkfamkeit der Kommission und sodann der Konferenz aus die Notwendigkeit der Schaffung wahrhast fester und. wirksamster Friedensgarantien zu lenken. Die russische Delegation wird gegen Versuche ankämpfen, sich statt mit der Hauptaufgabe mit Fragen dritten Ravges und fruchtlosen Resolutionen zu bechäitigen oder die Kommission bzw. die Konferenz in«in Werkzeug der Politik dieses oder jenes Staates oder dieser oder jener Staaten- grupp« zu verwandeln. Löbe über Reichstag und Wahlen. Anstatt znm neuen Gihungsabschniit. Gestern, am Borabend der Wiedererössnung des Reichstags. sprach in Köpenick der Reichstagsprösidem Genofic Löbc zu einer dichtgedrängte»! begeisterten Zuhörermcngc. Er sagte u. a.: Der Bürgerblock, die seit Januar regierende Koalition der Rechtsparteien, geht unter bösen Vorzeichen in die n ö ch st e n Reichstagswahlcn. Mecklenburg, Bremen und Hamburg haben gezeigt, daß das deutsche Voll das Bertrauen zu diesen Par- teien verloren hat. Der Bürgerblock ist mit großen Versprechungen an die Arbeit gegangen. Bon diesen Versprechungen ist nichts er- füllt worden. Die Beamten und die Rentner fühlen sich be- trogen. Die Liquidatlonsgeschädigten warten noch immer aus ein Gesetz, das sie aus chrer Not befreien soll. Die Bürgerblockparleien sind untereinander so einig, daß sie olle 14 Tage zusammenkommen müssen, um wenigstens notdürftig nach außen die Rifie zu verkleistern. Auch außenpolitisch sind infolge des Ein- trllts der Deutschnationalen in die Regierung Rückschläge zu verzeichnen gewesen. Nur um in die Regierung zu kommen, haben sie ihr Programm oerleugnet. Ihren Wählern aber setzen sie immer noch eine«orte Patriotismus vor. on die sie selbst nicht mehr glauben. Das Zeittrum hat in den letzten Wochen immer wieder erklärt, wem» die Deutschnationolen ihr unehrliches Spiel weitertreibe n, könne die Koalitionsregierung nicht mehr lange zusammenbleiben. Die Versammlungen, die Wirth veranstaltet hat. zeigen deutlich. wie die Zentrumsarbeiter denken. Ich glaube nicht, was in den letzten Tagen gemeldet wurde, die Badenscr wollten Wirth nicht mehr ausstellen. Ich glaube eher, jeder Wahlkreis, in dem Wirth zum Reichstag kandidiert, wird dem Zentrum Tausendc neuer Anhänger zuführen. Wird W'rth«ich» ausgestellt, so werden die katholischen Arbeiter die treu zur Republik stehen, schwer enttäuscht werden Der Reichstag zeigt heute die Zerrissenheit der äußersten Linken und der äußersten Rechten. Die Bölkischcn habe» sich i» vier Gruppen gespalten. Bei jeder Abstimmung zeigt sich, daß von 14 Dölkischen 7 für und 7 gegen die Vorlage stimmen. Bei der Dirtschastsparlei ist die gleiche Beobachtung zu machen. Bei den Kommunisten sehen wir auch drei Gruppen, Parteikommunisten, Link« Kommunisten und Syndikalisten. Die Rechte amüsiert sich. wenn diese„Arbeiter'oertreter sich gegenseitig als Verräter titulieren. Wähler, die diese Splitterparteien wählen, können sich wahrlich zu einer solchen Berlretung ihrer Interessen gratulieren! Die Sozialdemokratie ist in ihrer Aufbauarbeit Im Staate gehemmt, weil das deutsche Volk eine Vertretung in den Reichstag geschickt hat, die nicht recht arbeitsfähig ist. Wir haben mit unserer Werbearbeit Tausend« neuer Parteigeno?en gewonnen. Wir setzen die Werbearbell fort. Gegen die Kapital�ewall der Rechten stellen wir unsere starke Organisation. Mit ihter Hilfe werden wir die Wahlschlacht gewinnen. Wille zur Regierung. Kundgebung der hessischen Sozialdemokratie. Der„fZesiischc volkssreund" teilt mit: Der Landesvorstaad und der Landesausschuh der öozlaldemokrallschen Partei Hessens traten gestern In Zranksurl a. Dl. zusammen, um zu den Ergebnlfien der Landtagswahl In Hessen und die durch sie geschafscne Lage Stellung zu nehmen. Noch vierstündiger eingehender Aussprache, die im Geiste vorbildlicher Kameradschaft geführt wurde und zu Weltreichen- den Ergebnissen führte, wurde e i n st i m m i g folgende Kundgebung beschlossen: „Landesvorstand und Landesausschuß der So.ialdemotratischeu Partei hefien» haben zu dem Ergebnis der hessischen Landtags mahl Stellung genommen. In der Frage der Regierungsbildung sind Landesvorstand und Landcsansschuß der Auffassung, daß ihr die der Bedeutung der Sozialdemokratischen Partei als der weitaus stärksten Fraktion auch im neuen Land.'ag entsprechende ausschlaggebende Stellung einge- räumt werden muß. Eine definitive Bcschlußsasiung haben sich Landesvorstand und Laudesnorstaud vorbehalten, bl» die Ergebnisse der Verhandlungen der Lantlagssraktion mit den übrigen Parteien des Lande» vorliegen." Zaspar beauftragt. Die Umbildung der belgischen Negierung. Brüssel. 12. November. Der Köoig empfing heute vormittag den bisherigen Minister- Präsidenten Z a s p o r und den Kammerpräsidenlea D r u n e l. Ver König forderte 3 a s p a r aus. das neue Kabinett zu bilden. Iaspar behielt sich die Antwort bi» morgen vor. Volksentscheid in Frankreich. Blum für die Abschaffung des Senats. Paris, 22. November.(Eigenbericht) In»„Populaire" veröfsemlicht Leon Blum das Programm der sozialistischen Partei für die B e r f o s s u» g s r c f o r ni. Er verlangt vor allein, daß die Souveränität des Volkes insosern ihre praktische Erweiterung findet, als in die Borsassung die Volksabstimmung eingelügk werden muh. Man dürfe sich nicht weiterhin mit einer begnemen Verwechselung zwischen Porlamen- torismus und politischer Demokratie begnügen. Gleichzeitig sollten die Rechte des Senats zunächst stark beschnitten und er dann a b g e s ch a s s t werden. Die Sozialisten verlangten eine ein- zig«, allein verantwortliche Volksvertretung. Daneben müsse der Wirtschastsrai gestärkt und sein Bestehen in die Vcrsafiung aus-. genommen werden. Festungsbau gegen Zialien. Nachtragskredite in Frankreich. Paris, 22. November.(LigenKerichl.f ver Heeresausschuh der Kammer beschäftigt« sich mit Nach- lragskrediten. Diese Nachtragskredit« sehen den van vor- Festungswerten an der deutschen und italienischen Grenze vor. Der Kriegsminister wird ermächtigt, die verleldl- gungsorgonisation der französischen Grenze mit besonderer Dringlichkeit durchzuführen. Die höhe der Kredite für diese Zeftungsbanlen wurde nicht bekanntgegeben. Skandrechi gegen Bergarbeiter. Drei Bergleute erschossen. Denver, 22. November. Injolgc der blutigen Zusammenstöße erklärte der Gouverneur Adams das« t o n d r e ch t in dem Kohlenstreikgebici von Nord- Enlorado. Ein Teil der Siaotsmiliz ist tn das Streikgcbie» entfaitdt worden. Wie die Polizei behauptet, deganncn die Unruhen damit, daß mehrere hutidert streikende Bergarbeiter mit Knüppeln, Messern und Steinen bewaffnet versuchten, die Eolumbine-Grube zu ftürttzen. Als die Staatspolizei überrannt wurde, eröffnete sie das Fever Drei Bergarbeiter wurden getötet. Die Behauptungen der Streikenden, daß sieben bis zwölf erschossen worden seien, habe" sich bisher nicht bestätigt Coolidge drückt sich. DZashinglon, 22. November. Der Präsident der American Federation os Labor, Green, wurde von Eooiidge empfangen, dem er die Klogen der Bergleute über das scharfe Vorgehen der Behörden in den Pennsyln�nia-Kohlen- gkuben vdrtrug. Im Weißen Hause wird erklärt, daß der Präsiden» mehrfach zu einer Iitterpeniian bereit war, daß ihm ober der Kon- greß die Ermächtigung dazu verjagte. Oer große Bluff. Kurzarbeit- maskiert als normaler Siebenstundentag. Das JubUäumsmanifest der Sowjetregrerung hat den Uebcrgang vom Achtstundentag zum Sieben st undentag in Rußland angekündigt. Die.Flöte Fahne"— ein treuer Knecht war Fridolin— verkündet heute:„In fünf Iahren voller Siebenstundentag in der Sowjetunion". Unter dieser Reklamezeile liest man, worum es sich in Wahrheit handelt: „Das nächste Problem, dos am schärfsten steht und ebenfalls im Fünf-Iohres-Plon seine Lösung finden muß, ist das Problem des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit. Die agrarische Ileberbeoölkerung vermindert sich im Laufe dieser fünf Jahre; troß- dem bleibt jedoch in den Städten auch weiterhin eine ziemlich scharfe Arbeitslosigkeit bestehen. Die Steigerung der Schichtzahl(Einführung einer dritten Schicht) ist im Lause der fünfjährigen Periode nicht in allen Industriezweigen möglich. In der Mehrzahl der Industriezweige ist jedoch dieser Ilebergang in den nächsten Jahren möglich. Die Einführung neuer Schichten in diesen Industriezweigen gibt die Möglichkeit, die Zahl der in der Industrie beschäftigten Arbeiter über das zunächst vorgesehene Maß um 300000 Mann zu erhöhen Der Uebergang zum siebenstündigen Arbeitstag ist in bedeutendem Umfange vom Wirtschaftsjahre 1028/20 ab vorgesehen, und zwar mit der Perspektive, diesen stusenweisen Uebergang zum siebenstündi- gen Arbeitstag gegen Ende der fünfjährigen Periode auf 100 Proz. zu bringen." So berichtet S t r u m i l i n in der Schlußsitzung der Plankommission. Darum handelt es sich also: Kurzarbeit zur Herabsetzung der Arbeitslosigkeit, eine Notstandsmaß- nähme, maskiert als„Sozialismus" l S i n o w j e w und T r o tz k i haben es vorausgesehen. S i n o w j e w führte am 16. Oktober in der Sitzung der kommunistischen Fraktion während der Sitzung des Zentralkomitees der UdSSR, aus: „Ich habe schon gesagt, daß prinzipielle Streitig- ketten über die Frage des Siebenstundentages unter Kommunisten nicht bestehen können. In der Perspektive müssen wir selbstverständlich auf weitere Aerkllrzung des Arbeitstages hinzielen. Wenn wir aber unseren' Staat mit seinen Hilfsquellen, wie wir sie jetzt haben einerseits und die Loge der Arbeiterklasse andererseits ins Auge fassen, so sind wir berechtigt, die Frage zu stellen: woran krankt denn eigentlich die Arbeiterklasse unseres Landes im gegenwärtigen Augenblick am meisten? Wenn wir den Siebenstundentag als Kampfmittel gegen die Arbeitslosigkeit einführen wollen, so muß das vor allem klar und beutlich gesagt werden und muß nicht als weite Perspektive von Jahren gestellt werden. Dann muß offen davon gesprochen werden, daß es sich um den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit handelt. Dann müssen alle praktischen Maßnahmen hehandell werden, die in diesem Zusammen- bang ergriffen werden können. Wir wissen, daß mitunter auch in den bürgerlichen Staaten als Kampfmittel gegen die Ar- beitslosigkest zuweilen die fünftägige Arbeitswoche und andere Formen der Verkürzung des Arbeitstages usw. durchgeführt worden sind, aber hier war von keinem sozialistischen Auf- bau hie Rede." T r o tz k i wurde noch deutlicher als S i n o w j e w: „Dem, wenn auf diese Art die Frage nach der Verkürzung der Arbetlslosigkell gestellt wird, so ist das kein Schrittvorwärl». keine Reform, die durch angewachsenen Reichtum hervorgerufen wird, durch größere wirtschaftliche Macht— nein, das ist eine Maßnahme. die anstrebt, dieArbeilslosigkeilansdemRücken aller Arbeiter zu verleilen. Rur so kann man die Frage des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit durch zeitweilige Verkürzung der Arbeitszeil stellen. Wenn man die Arbeitszeit oder die Arbeits- mache verkürzt, um gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen, so verteilt mau durch diese Maßnahme die Arbeitslosigkeit auf die ganze Ar- beiterklasse, senkt deren eebenshaltnng. hebt sie aber nicht." Kurz und grob sagt Trvtzki ferner, worstm es sich bei dieser Jubiläumsüberraschung handelt: um Demagogie. Wiederaufbau des Schreckens. Aon Richard Rainer. Bier Jahre lang tobten um Lens. die Bergworks-Kleim'todt im französischen Kohlenrevier des Pos de Calais, alle Schrecken des Krieges. Und als die Deutschen vor der Preisgabe dieses Stellung?- abjchnitts, einen Einundzwanzigerschuß südlich des in den Heeres- berichten öfter genannten La Bassech ihre Handgvanatenvorräle zwecks Erfüllung ihres zerstörerischen Herstellungszwecks tonnen- weife in die zahlreichen Schächte warsen, deren traurige Oberbauten jahrelang die einzigen Landmorken in der zerwühlten Landschaft gebildet hatten, fanden die nachrückenden Engländer von Lens nicht eine aufrechte Mauer mehr. Man hat dieses Lens. diese Anhäufung von trostlosen klein- städtischen Miethäusern, in der alle prooinziole Typen des fran- zösilchen Kleinbürgertums von dem elenden Konsum des Minen- Proletariats ihre Existenz zu fristen suchten, diese Stadt, in der Zola die menschlichen Dokumente zu seinem„Oerminal" ausgesucht haben mag, jetzt aus den Trümmern wieder heraufgeführt. Der Pariser Korrespondent der„Times" ist extra hinausgefahren in die ehemals zerstörten Gebiete, in denen der Schutt manchen Dorfes noch Brocken auf Brocken so liegt, wie vor neun Jahren. Er gibt in einem langen Artikel eine Schilderung des Zustandekommens dieses Wiedcraufbauwerkes, und seine Zeitung räunzt ihre tägliche Riescnseite mit Illustrationen, den Photos aus dem wiederhergestellten Lens, ein. Aber ach, alle Schrecken der Gründer« rchitektur, und zwar einer poneren Spielart, wie man st? in den dreistöckigen Arbeiterstraßen unserer Provinzstädtc findet, sind aus dem Chaos des Krieges sieg- reich auferstanden. Der Wicderausbau ist nur wörtlich zu nehmen, ein menschlicher Stumpfsinn ist dem anderen gewichen. Wo sich dem Architekten ein einzigartiges Feld neuzeitlicher Städtebau kunst mit imposanten einheitlichen Blockfronten in einem Netz vorbildlich ge- sührter Siraßen bot, steht heute wieder Haus um Haus, ein jedes mst einem anderen Dachprofil, jedes Dach in verschiedener Höhe an- gesetzt, jedes Haus vier und fünf Fenster breit, mit einem lächerlich nackgeahmten Gipsbehang aus immer anderen und doch fo gleich- mäßig verlagenen Stilelementen. Und wahrhaftig, quch die jämmer- lichen gesckwimgenen Dachkulissen aus Stuck, hinter denen schräg da» versteckte Schieferdach aussteigt, fehlen nicht. Es scheint, als ob der klein« Hausbesitz, der mit der Pfeife aus dem Parterre des felbstbewohnten, selbstbejessenen Hauses hängt, auf den Trümmern von Lens seine wildesten Träume verwirklicht hat. Und doch kann der private kleine Hausbesitz der Maurermeister und Kolonialworcnhändler heute an dem Grundbesitz in Lens nur eine ebensolche Atrappc sein, wie der Gipsbchang an diesen Häusern. Denn die ganze Stadt, wie sie wieder aufgebaut wurde, init Ausnahme der öffentlichen Gebäude, gehört der Minengejellschaft von Warum haben die deutschen Kommunisten m Zeiten der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit den Vier st undentag der Kurzarbeiter nicht als großen Fortschritt, als sozusagen ein Stück Sozialismus gefeiert? (Selbstschändung. Letzte Hoffnung der Westarpiden- die KPD. Die Dcutschnationalcn wollen eine Entscheidungsschlacht gegen die Sozialdemokratie schlagen. Sie hosten auf die Bundes- genossenschoft der Kommunisten. Swlz ob des deutsch- nationalen Vertrauens berichtet die„Rote Fahne" aus einer ge- Heimen Sitzung der Deutfchnationalen, dort habe man ausgesprochen, die Deutschnotionalcn würden etwa 20Sitzeoerlier«n. die Kommunisten aber beträchtliche Zunahme aus dem Lager der SPD., schätzungsweise 20 Proz. des derzeitigen Bestandes, erhalten. Also: wir Deulschaotiomilen werden zwar verlieren, dafür wer- den die Bundesgenossen der Reaktion von Nnks gewinnen, und Im Esse« wird es das gleiche fein wie bisher: porlamenlarlsche Basis für den Bürgerblockt Darauf sind die Kommunisten stolz! Sie verkünden ihre eigene Schande. Di« Arbeiterschaft wird den Reaktionären von rechts und links jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Llnmögtiche Besoldungsreform. Oer Ausschuß für einschneidende Aendemngen- die Folge ein Chaos. Nach einer Pause von mehreren Tagen nahm am Montag der Ausschuß für den Reichshoushalt die Beratung der Beamten» besoldungsreform bei der Gruppe X, bei der sie abgebrochen war, wieder aus. Dies« Gruppe umfaßt u. a. die Beamtenkategorien der Oberbotcnmeister. Drucker. Laboranten. Lagermeister, Moschint. sten, Betriebsossistenten bei den Pelsorgungskrankenhäusern. Bau- aufseher, Forstaufscher, Postbetrisbsassistenien mit Besoldung?- s ätzen von 1600 bis 2400 TO. lieber die Eingruppierung der Hand- werksmäßig vorgebildeten Beamten, der Betriebs- und Postbe- triebsassistenten, sowie einiger anderer Beamtenkategorien entspann sich eine vielstündige Debatte, in deren Aerlaus nicht weniger als 42 Abänderungsanträge. darunter sehr zahlreiche von den sozialdemokratischen Vertretern, aber auch solche von den Re- gierungsparteien einliefen. Unter Ablehnung aller Anträge der Opposition wurden nur die Anträge der Koalitionsparteien angenommen. Allein auch dies« führen zum Teil«inschneidende Aenderungen der Regierungsvorlage herbei, so daß Genosse Sleintopf feststellen konnte, die Regierungsvorlage sei nnnmehr so verworren. daß niemand sich mehr Heraussinden könne und so ungerecht, daß man sie nicht würde ausrecht erhalten können, wenn erst die Be- schlüsse voll zur Auswirkung gekommen sein würden. Die Gruppe IX, die dann beraten wurde, regelt u. a. die Ein- gruppierung der Kanzleiassistenten, der Fernsprcchgehilsen, der Post- krostwagenführer. Die Gehaltssätze dieser Gruppe beginnen mit 1700 TO. undenden bei 2600 TO. Auch hier wurden alle Anträge der Opposition abgelehnt und nur die Anträge der Regierungsparteien angenommen. Zlentenfchwinbel mit Staatsgenehmigung. Mum enstein im Vesitz ungarischer Ausweife. Prag, 22. November. Lei einer Haussuchung bei Btumenstein wurden ordnungs- gemäße Ausweise des ungarischen Finanzministo- r i u m s und der Devisenzentrale vorgefunden, denen zufolge Blumenstein zum Ankauf von Titres ungarischer Renten In Berlin für Ungarn berechtigt war. In diesen Ausweisen wird ersucht. Blumenstein bei der Ein- und Ausfuhr von Wertpapieren keinerlei Lens, die vor dem Kriegs achttausend, nach voller Beendigung des Wiederaufbaues aber zwölftausend Arbesterwohnungen kontrolliert. Zweihundert Millionen Mark kostete diese traurige Spätgeburt des architektonischen Ungeistes, den unsere großstädtischen Gemeinwesen in bewußter Anstrengung abzuwerfen bemüht sind. Zwei Drittel davon gab der Staat durch Realisierung von Reparationsfonds, und ein Drittel die allmächtige Minengefellschost„aus ihren Kapital- referven", d. h. sie schlug ihren Gewinn an dem Wiederausbau- unternehmen in dieser Höhe hypothekarisch nieder. So ist an Stelle der Einheit des Werks die Einheit der Eigen- tumsmacht getreten, die sich den Teufel um den Fortschritt der Wohnkultur kümmert und nur an dem ihres Lilanzausweises interessiert ist, die allen Unzulänglichketten des Eiirzolbesitzes in der von ihr beherrschten Stadt gutmütig ihr Wesen zwei Generationen weitergcwährt. Unnötig zu sagen, daß Staat und Kirch« sich diesem Reigen der restaurierten Vergangenheit anschließen, daß das Rathaus sich nur in den Emblemen von einer wilhelminischen Postdirektion unter- scheidet, von der irgendwie rcnaissanrelnben Kirche ganz zu schwei- gen. Aber der Platz, auf dem die Hauptstraße mündet, heißt nach Jean Iaur«»: jnlt dem Gedenken an diesen Märtyrer der Der- sohnung haben die sozialistischen Stadtdeputierten von Lens ihrem Streben nach Wahrung des Friedens und gemeiner Wohlfahrt In diesem Milien zweier trostloser Vergangenheiten 2lusdruck gegeben. Der Pastor als Lebedame. Wie eine unwahrscheinliche, moderne Fabel mutet die Geschichte des Pastors Hodqjon zu Courri-Rivel an, der das sündige Treiben der heutigen Welt aus eigener Anschauung kennen lernen wollte. Seit zwei Jahrzehnten steht Postor Hodgfon seiner Gemeinde vor, und galt stets als sehr rech!schafsener, gottessürchtiger Mann von puritanischer Sittenstrenge, die besanders von den jüngeren Mit. gliedern der Gemeinde gefürchtet war. Der Pastor war mit allen Kräften bestrebt, in'einer Gemeinde nur Männer zu haben, die sich eines gottessürchtigcn. sittsamen Lebenswandels befleißigten. Nun kam e? eines Tages dem Postor zu Ohren, daß trotz feiner Sonntozspredittten und sonstigen Bemühungen der Teufel im Orte umginge und viele junge Männer sich nicht an die Gebote der Religion hielten, sondern sogar übel beleumundete Nachtlokale be- suchten. Di« betten Nachtklubs am Orte sollten sich eines Besuches erfreuen wie nlc zuvor. Dem guten Hirten ging diese Sittsnver- derbn'g seiner Schäflein sehr zu Herzen. Allein er wollte den Ge- rüchten doch keinen Glauben schenken und zerbrach sich den Kopf, wie er sich nur persönlich davon überzeugen könnt«, ob es tatsächlich um die öffentliche Sitllichtett in Eurri-Rivel so schlecht bestellt sei. Eines Abends tauchte nun im Städtchen eine ebenso elegant wie mondän gekleidete Dome aus. Sie trug«ine stark ausgeschntttene Abendtoilette nach der neuesten Mod«. Das Gesicht der mysteriösen Fremden war mit einem dichten Schleier verhüllt. Die fremde Dame Schwierigkeiten in den Weg zu lege«. Bei dieser Wim» hat Blumensteiy wahrscheinlich einen Teil der angekauften Renten für eigene Zwecke behatten. Llumenstein verkaufte außerdem einer Prager Bank Goldrente im Werte von etwa 40 Millionen Tschcchotronen zur Sanierung einiger Genossenschasten und Geldanstalten, denen ein günstigerer Austausch bewilligt wurde. C«e er normalerweise festgesetzt war. Dieser Handel hatte ein gerichtliches Nachspiel zur Folge, da Blumenstein von seinen Gesellschaftern aus den Gewinnanteil oerklagt wurde. Verhandlungen statt Prozeß. Ungarischer Vorschlag an Rumänien. Budapest. 21. November. Einem Bukarester Telegramm zufolge hat der rumänische Ml« nisterpräsident des Aeußern Tttulesco im Finanzausschuß der rumä- nischen Kammer MttieUung darüber gemacht, daß Ungarn die rumänische Regierung sowie den Völkerbund amtlich verständigt habe, daß es den Bericht des Dreierkomitees in der Angelegenheit des ungarifch-rumänischen Agrarprozesses nicht annehme. Ungarn habe zur Lösung der Frage direkte Angebote gemacht. In. der Streitfrage der ungarisch-rumänischen Agrarprozesse stehen die Dinge tatsächlich so, daß nach Aussassung der ungarischen Regierung aus Grund der in Genf zur Annahme empfohlenen sogenannten Rechtsgrundsätze die Möglichkeit einer Lösung nicht vorhanden ist und diese sogenannten Rechtsgrundsätze unan- nehmbar sind. Diesen Standpunkt wird die ungarische Regierung binnen kurzem auch dem Löllerbundsrat zur Kenntnis bringen. Die ungarische Regierung würde jedoch Gewicht darauf legen, daß dies? seit Jahren sich hinziehende Angelegenheit nunmehr doch möglichst bald ihre Lösung finde und sie hat dieserhalb durch ihren Gesandten in Bukarest der rumänischen Regierung mitgeteilt, daß sie unter voller Zlufrechterhaltung chres auch bisher«ingenommenen Rechtsstandpunktes in Kenntnis der Auffassung der interessierten Privat Parteien bereit sei, über die praktische Lösung der Frage in Verhandlungen einzutreten, ähnlich wie dies in Privatpro- zcssen häusig vorkomme. Dies ändere natürlich nichts daran, daß der Prozeß, falls eine Vereinbarung nicht zustande komme, auf rein rechtlichen Grundlagen weitergeführt werde. Oer Zinauzberaier als(Schloßherr. Oevey in Warschau luxuriös einquartiert. Warschau, 22. November. Der omerkkanische Finanzkontrvlleur Devey ist hier einge- troffen. Am Bahnhof erwarteten ihn Dertreter der Regierung, der Polnischen Bank und der Handelsattache der amerikanischen Ge« sandtschast. Devey hat ein kleines Schlößchen in der Allee Uja- sowska, im vornehmsten Viertel Warschaus, als Wohnung zur Ver- siigung gestellt bekommen._ Oisziplmarverfahren gegen v. Moeller. Degen den außerordentlichen Professor an der juristischen Fakuttät Berlin, Dr. E. von Moeller, ist vom preußischen Minister für Wissenschast. Kunst und Volksbildung dos förmliche Disziplinarverfahren«ingeleitet worden. Dr. htrlflefer. Wie der amtliche Preußische Pressedienst mtt- teilt, ist dem Minister für Volkswohlsahrr H i r t s i e s e r„in Anerkennung seiner Verdienste um die Dolksgesundheit und Volkswohl- sahrtspslege. welch« insbesqndere eine großzügige Bekämpfuna der Loltsseuchen, namentlich der Tuberkulose, und einen wirksamen Ausbau des Wohnungswesens betreffen. Titel, Rechte und Würde eines Ehrendoktors der Medizin von der Universität Bonn verliehen worden." zeigte sich nur spät abends auf der Straße. Si« wandelt« durch die Gassen, stets allein, betrat hin und wieder auch«in Nachtlokal, setzte sich abseits an eines Tisch und verhielt sich sehr ruhig. Gegen 1 Uhr oerschwand sie, irnd war tagsüber nicht zu sähen. Die ge.heimni? volle Weltdame erregte natürlich die Ncugier der goldenen Jugend im Orte. Obgleich ihr Aeußeres an eine Kokotte geiüahitte. war sie in ihrem Wesen und Benehmen doch so zurückhaltend, daß keiner der Stammgäste der Nachtlokale den Mut fand, sich ihr zu nähern. Auch gelang es nicht, die Wohnung der rätselhaften Dam« auszukundschaften. Allmählich bildete sich ein ganzer Sagenkreis um die Person der Unbekannten. Sie sollte eine berühmte Tänzerin sein, die aus London flüchtete, um hier die Einsamkeit zu suchen. Eines Tages nun fand der Sohn eines Großkaufmannes doch den Mut. sich an den Tisch der Unbekannten zu setzen. Er hotte sich eine brüske Abfuhr, wollte jedoch trotz des Schleiers bemerkt haben, daß die Unbekannt« all und häßlich sei. Von nun an nahm das Jnteresie für di« berühmte Tänzerin merklich ab. Bald mieden die Gäste sogar dos Lokal, sobald sie abend, erschien. Die Besitzer der Nacht- iotal« waren über di« Flucht der Gäste verärgert, die sie der un- bekannten Dame zuschrieben. So entschloß sich der«ine, sie aus dem Hause zu weisen. Zwischen dem Wirt und der Dome kam es dabei zum Streit, so daß der Ungalante ihr den Schleier vom Gesicht riß. Er war wie vom Donner gerührt— die Lebedame war niemand ander» als der Pastor. Die Gemeinde zog ihn zur Berantworlung. Er erklärt«, er hätte sich von den Gerüchten über den unsittlichen Lebenswandel feiner Gläubigen überzeugen wollen und hätte sich deshalb als Dame verkleidet. Mit Genugtuunq stellte er fest, daß er mit einer Aus- nahm« während eines ganzen Monats nicht belästigt worden sei. Es könne also doch nicht so schlimm um die öffentliche Sttdlichkeit bestellt sein. Und er bat di« Gemeinde wegen seine» Mißtrauens um Verzeihung. Di« Schäflein der Gemeinde wollen sich jedoch mit diese? ErNäruna nicht zufrieden geben, sondern wollen ihren Seelenhirten vor den Kodi zitieren. Der Paste? als Lebedame— auch«in Fall der bekannten Doppelnatur de» Menschenl Zonny spielte nichk aus. Nachdem die erst« Aufsührung der Jazz- Oper„Jonny spielt aus" von Kcenek im Kasseler Staatscheater olme jede ostene Anfeindung oor sich gegangen war. stMen sich Montag bei der zweiten Ausführung mehrer« Störungen ein. Die O-Zug-Lokomotiv«, di« den Geiger Daniello überfahren soll, rührte sich im entscheikenden Augenblick nicht von der Stelle. Man stellte fest, daß das Drahtseil, an dem sie bewegt wird, von unbekannter Hand durchschnitten war. Die Nervosität steigerte sich immer mehr, als im Laufe des Abends noch andere Störungen auftraten, die die ersten Vermutungen, daß es sich um planmäßig« Sabotage handle, durchaus bestöt gten.> Intendant Legal hat zur Ermittelung des Tälers eine erhebliche Belohnung ausgesetzt. Ehm Welk, dessen„Gewitter über Gottland" in der VollSbüine auf» gesübr» wurde, lieft aus dem'2. Äutoi enabend der Volkjdlldne. Miltwolh, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses. Einlaßkarten zum Preis« voll 0,60 Marl. Die ivirklichen Zigarrenhersteller. In Hessen 95 Prozent Frauen und Mädchen. ?.?. Gießen. 2L November. Im Bezirk Gießen gibt es 107 Betried« der Zigarrenindustrie mit Beschäftigten. Fünfzehn Betriebe mit 520 Be- schästigten gehören dem Reichsoerband Deutscher Zigarrenhersteller(RDZ.) nicht an und beschäftigen ihre Arbeiter weiter. We übrigen haben ausgesperrt. Rund 05 Proz. der Beschäftigten im ganzen Bezirk sind Frauen und Mädchen, die Männerarbeit ist also fast völlig v c r» drängt. Bei Umrechnung der Akkordsätze unter Berücksichtigung der täglichen Arbeitsleistung ergaben sich folgende Hllngerlöhne: In Fellinghausen Für Rollerinnen.. » Wickelmacherinnen I n JäL i s m a r Für Rollerinnen.. » Wickelmacherinnen „ Zurichterinnen, In W i e seck Für Rollerinnen.. . Wickelmacherinnen „ Zurichterinnen. Bon diesen Löhnen gehen noch die Sozialbeiträge ab. so daß sich der wirlliche Wochcnocrdicnst noch um eine Mark bis eineinehalbe Mark niedriger stellt. Die Differenzen zwischen den Lohnen der ein- zelnen Orte ergeben sich teils aus den verschiedenartigen Ortszu- schlagen, teils daraus, daß die Fabrikanten t o r i f b r ü ch i g werden und die Löhn« nach niedrigeren Gewichts- und Fasson- k lassen berechnen oder aber schlechtes Material liefern. In schreiendem Widerspruch zu diesen chungerlöljnen stehen die hohen Verdienste der Zigarrensabrlkaate«. Nach dem jetzt geltenden Tarif beträgt der Lohn für ein einfaches Fasion in Orten ohne Bezirks- und Ortszuschlug(das sind die meisten im Gießener Bezirk) 8, SO Mark pro 1000 Zigarren. Dazu kommt noch der Lohn für Sortierung. Zurichtung usw., der 30 Proz. davon ausmacht, also 2,67 Mark, so daß sich ein Gesamtlohnanteil von 11,57 Mark für das Tausend ergibt. Bei einer Lohnerhöhung von 15 Proz., wie sie die Tabakarbeiter gefordert haben, würde dos 1,75 Mark pro Mille ausmachen, also nicht einmal«in Fünftelp fennig pro Stück. Trotzdem wollen die Fabri- kanten die Zehnpfennigzigarre auf 15 Pf. und die Fünfzehnpfennigzigorr« aus 20 Pf. bringen und in der Oeffentlichkeit die Zigarrenarbeiter dafür verantwortlich machen, um so die Zigarrenkonsumenten gegen die kämpfenden Zigarren- arbeiter zu beeinflussen. Da» wird ihnen aber nicht gelingen. Die Zigarrenarbeiter haben die öffensliche Meinung auf ihrer Seile, weil feder denkend« Mensch einsehen mutz, daß sie mit ihren Hunger- löhnen nicht existieren können. Der RDZ. behauptet in der Presie, daß eine Lohnerhöhung un- tragbar fei, weil ohnehin nichts in der Zigarrenindustrie verdient würde. Daß diese Behauptung absolut unrichtig und nur zu leicht er- tcnnbaren Zwecken ausgestreut wurde, ergibt sich aus der Tat- fach«, daß eine Anzahl Zigarrensabrikanlen LohnerhShungen bewilligt haben! So Hot die Firma S t e i n u. C o. in ZUeinkrotzenburg a. M. ihren Arbeitern 10 bis 15 Proz. Zulage gegeben. Die Firma I. M Kopp daselbst bewilligte bis zu 10 Proz. Zulage. Beide Firmen sind allerdings nicht im RDZ. Der Inhaber der Firma Mayer in Wie seck hat seinen Arbeitern erklärt, daß er 10 Proz. Zulage bewilligen würde, wenn er nicht die hohe Konoenttonalstrafe des RDZ fürchtete, dem er angehöre. Die Firma muhte also unter dem Terror des RDZ. aussperren, obwohl sie berett war, eine Lohnzulage zu bewilligen Der RDZ, der al« Ziel der Aussperrung die Zerschlagung des Tabatarbeiterverbande» prokla- miert hat. wird nach Beendigung der Bewegung wohl Mühe hoben. den Zerfall seiner eigenen Organisation zu oer- hindsrn. Sicher scheint nach der Srimmung vieler Unternehmer, daß c« Austritt« Hagel» wird. Im Bezirk Gießen haben die schlimmsten Scharf- macher des RDZ ihren Sitz. Man darf sich deshalb nicht darüber wundern, wenn die Unternehmer und ihr Bezirkssyndikus ein ehemaliger Major- bei den Unorganisierten und in der Presie Stimmung gegen die Organisation zu machen versuchen. Ja, man kann ohne Ueber- treibung sagen, die Zigarrensabrikonten Hetzen gegen den Taba.karbeiteroerband. So erklärte der Syndikus der Bezirksgruppe Hessen-Untersronken. wenn die Aussperrung acht hi» zehn Wochen dauert, dann gehe dem Tabakarbeiterverband das Geld aus. Der Herr Syndikus ist im Irrtum. Die' Tabakarbeiter sind auf einen langen Kampf gerüstet. Der Geschäftsführer der Firn« Gg. P h. G a> l hat am Ent- lassungsiog den Arbeiterinnen erklärt, er hasse, dotz den Organisierten jetzt die Augen ausgehen werden, und daß sie dem Lerband den Rücken kehren. Die Organisierten wissen aber gerade jetzt, wie wichtig und unentbehrlich der Verband fsix sie Ist. und von den Unorganisierten dieser Firma sprach ich einige, die mir sagten: Nach der Beendigung der Aussperrung werde es über- Haupt keine Arbeiterin bei der Firma geben, die nicht im Verband ist. Und zur Lohnforderung meint« cirwr der Nichtorganisierten: .Jetzt hallen wir aus. wie'» auch komm«. Vena wir jetzt arbeileu würden ohne eohnzulage. gehörten wir auf's Maul gehauen!" Bei einer anderen Firma haben die Organisierten und die Nichtorganisierten acht Tage vor Ablauf der Kündigung die Arbeit bereits niedergelegt. Den bisher Nichtorganisierten sind also die Augen wohl aufgegangen, nur tn einer etwas anderen Weise, als die Herren Fabrikanten sich dos dachten. Da olles andere nichts Hilst, greist man verzweiselt zu dem Per- such, Uneinigkeit und Zersplitterung in die ausgesperrte Arbeiter- schart zu tragen. Auch dos wird vergeblich sein: da» geht deutlich genug aus der erbitterten Stimmung unter den christlichen Arbeitern gegen die Fabrikamen herom. Für den 18. November hotte der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft den RDZ. und die Organisationen der Tabak- arbeiter zu Verhandlungen eingeladen, die aber nicht zustande kommen tonnten, weil die Zigarrensabrikonten in Berlin ein« Sitzung über die Auesperrung hatten. Run sind die Verhandlungen aus heute, den 2 2. November, verschoben worden. Cs scheint sehr unwahrscheinlich, daß dabei etwas herauskommt, weil wohl kaum anzunehmen ist, dotz man die Streitfragen bezirksweise regeln wird. Der Kampf geht also vorerst weiter, und er darf nicht beendigt werden,«d« sich die Fabritanten nicht zu der so bitter notwendigen Lohazuloge verstehen. Warenhaus-Konkurrenz. Die Karstadt- A.-G. siedelt«ach Berlin über. Unmittelbar noch der großen Iondorf- KdW.- Tietz- Fusion zu Beginn dieses Jahres ersteht den nunmehrigen Alleinherrschern im Koufhauswefen der Reichshauptstadt ein neuer Wettbewerber in Gestast der Rudolf Karstadt A.-G. Noch schneller, alz man es noch dem Ankauf des Komplexes am Hermannplatz für ein Waren- haus Karstadts vermuten konnte, zieht die Gesellschaft ihre Fäden, die bisher von Homburg ausliefen, in Berlin zusammen. Der nächste Schritt, der nunmehr unmittelbar vor der Verwirklichung steht, ist die Verlegung der Einkaufszcntralc und der Hauptverwaltung von Hamburg nach Berlin. Di« Grundstücke, die dafür in Betrocht kommen, befinden sich bereits feit längerer Zelt in den Händen der Gesellschaft. Es handell sich um das Terrain nahe am Alexanderplatz zwischen der Neuen König st raße und der Keibelstrahe, rund 16 000 Quadratmeier Grundfläche mit über 100 Meter Straßenfront zur Neuen Königstraße hin. Don welcher Bedeutung das Projekt für die Stadt Berlin und die arbeitsuchende Bevölkerung ist. läßt sich aus folgenden Zahlen erkennen. Die Baukosteu selbst werdeu bei vorflchiiger Schätzung. 15 ZNilliooeu Mark übersteigen, der Neubau bietet also Hütt de neu von Lauarbeitern aus Jahre hinaus weitere Lefchäftigung. Nach der Fertigstellung werden etwa 2000 Angestellte und 10 000 Arbeiter dort regelmäßig tätig sein. Die Steuerfumme, die für die Stadt selbst bei dem Betrieb abfällt, darf man auf mindestens 10 Millionen jährlich annehmen. Es ist klar, daß die Verlegung der Hauptverwaltung noch Berlin nur im Zusammenhang mit weiteren Ausdehnungs- planen innerhalb der Reichshauptstadt verständlich Ist. Man spricht schon davon, daß die Karstadt A.-G. sich bereits Grundstücke in erheblichem Umfange in Moabit und Schöneberg gesichert habe, um dort in nächster Zeit Warenhäuser erstehen zu lasien. Man sieht also: Tietz und Wertheim werden in den kommenden Jahren eme— angesichts der Finanzkrast der Karstadt A.-G. nicht unerhebliche— Konkurrenz in Berlin zu erwarten haben. Schon vom Standpunkt der A n g«st e l l t e n s ch a ft aus ist dies nur mit Freuden zu begrüßen, da eine Monopolisierung im Berliner Kauf- Hauswesen der Erringung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen natürlich durchaus nicht förderlich ist. Darüber hinaus aber Hot die Stadt«tu sehr bedeutende» Interesse an so großzügigen Bau- Projekten, wie sie hier der Verwirklichung entgegengehen. Di« Extension verdient zunächst in den Zellen der hcrrschenocn Arbeits- losigkell gegenüber der Intensivierung vorhandener Betriebe den Vor- zug: sie schafft in erheblicherem Maße Arbeitsgelegenheit, und die Intensivierung folgt bei zunehmender Besserung der Wirtschaft von selbst nach. Wie wir hören, besteht bei dieser Sachlage die Wahrschelnstchkeii, daß ein Uebereinkommen erziell wird, wonach der Bau des riesige« Verwaltungsgebäudes von rund 400000 Kubikmeter umbauten Raumes bereit» im Frühling des kommenden Jahres b e- gönnen und innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt wird. Schneestürme überall. Ein Zug bei Vitterfeld durch Schnee aufgehalten. Zu vielen Teilen Denlfchlands sowie des konlinents ha« der gestrige Tag und dl« letzte Nacht heftige Schnee- stürme gebracht, die in vielen Fällen große Verkehrsstörungen im Gefolge halten. Vefonders heftig war das Schneegestöber in der Gegend> von Leipzig. Es fiel so starker Schnee, daß der be- fchlenuigte Personenzug Lerliu— L e i p z i g— M ü ach en. der um 7.4ZUHr abend» in Leipzig eintreffen soll, hinler Lille r- seid im Schnee stecken blieb and mit zweistündiger ver- spätung in Leipzig eintraf. Auch sonst nalerliegt der Eisenbahn- verkehr großen Störungen and Verspätungen. Leipzig, 22. November. Infolge des Schneefalls find hier einige schwere Unglücks- fälle zu' oerzeichnen. In der Gießerftraße stieß ein Lastkraft- wagen gegen einen leeren Handwagen, der auf den Bürgersteig gedrückt wurde, zwei Männer wurden dadurch schwer veiletzt. In einem südlichen Stadtteil geriet ein Möbelwagen in ein« Baugrube. Er brach vollständig zusammen und die Ladung wurde auf die Straße geschleudert. Durch diesen Unfall wurde der gesamte Straßenbohnvcrkehr zwischen dem Süden und dem Stadt» innern lahmgelegt. In einer Straße im Westen erfolate ein Zu- sammcnstoß zwischen einem Personenauto und einem Motorrad- sahrrr, wobei ein Mädchen schwer verletzt wurde. Noch mehr ZttgverspStungen. Ein« Störung fast aller Hauptstrecken ist eingetreten. Infolgedessen sind die Züge heute morgen in Berlin mit zum Teil sehr erheblichen Verspätungen eingetroffen, die dadurch entstanden sind, daß aus einzelnen Strecken dort, wo die Wälder dicht bis an die Schienenstränge herong.'hen, sich starte Schncewahungen Weller hat da» Schneetreiben in der Nacht die Eicht :übt. so daß die Lokomotiosührcr mit äußerster gezwungen waren. Aus dem S ch l e s i s ch« n A< Ute morgen die vom Osten kommenden Züge m Vorsicht o h n h o s mit N e r» Der Stockholmer ähre übergesetzt wird. ähre in starken Sturm !,«bildet haben. tark getrübt. zu fahren trafen heute spätungen bis zu 30 Minuten ein. v- Z u g, der bekanntlich mit der Saßnitzer hatte ew? fast«wstündige Verspätung, da die_ geriet und außerdem auch in Schweden die Gleise durch Schnee ver- (perrt waren. Aus Rügen wird sehr starker Schneefall gemeldet, so daß auch dort überoll große Verspätungen im Verkehr eingetvcten sind und die Zubrllwerlinien die Hauptanschlüsse nicht mehr erreicht haben. Aus-cm Lahnhof Charlotdenburg trafen der Ämster» damer D-Zug heut« morgen mit 54 Minuten Der» spätung. der von Pari« kommende Nordexpreß I- 11 mit 30 Minuten und der Kölner D-Zug 7 ebenfalls mit halbstündiger Verspätung«in. Zwischen Hannover und Magdeburg sind ebenfalls groß» Echnecverwehungen gemeldet. so daß die heute nacht von Hannover kommenden Züge durchschnitt- lich 30 Minuten Verspätung hatten. Auch die auf dem Anhalter Bahnhof einirefsenden N- Züge hallen infolge der Schneeverwehungen auf den Gleisen Ver- spätungenvon3 0bis45Minuten. So traf der F r a n k> f u r t e r D-Zug, der aus der Strecke aus ziemlich große Schnee. Massen traf, erst 45 Minuten noch der fahrplanmäßigen Zeit ein. Es bleibi weiter kalt. Berlkn hat zunächst, so sagt wenigstens der amtliche Wetterdienst. wenig Aussicht aus größere Schneefälle, wie sie in emem großen Teil Sachsens gestern n'edergeoangen sind. Bei etwa» schwächeren östlichen Winden ist' für die nächsten Tage keine wesentliche Aenderung de» augenblicklichen Witterung»chorakt«r» zu erwarten. Im großen und ganzen soll e» weiterhin kalt und trocken bleiben, ver- (üitzelt sind vtelle cht leichte Schneefälle zu erwarten. In der letzten Nacht wurden in Berlin 9 G r a d unter Null gemessen: das ist bisher die tiefste Temperatur In diesem Jahr. In den vorangegan- denen Nachten schwankt« da» Thermometer zwischen— 6 und—7 Grad. Der Kältecinbruch. der mit großer Hartnäckigkeit anhält, hat se'ne Ursache tn einer vorherrschend östlichen Lustströmung, dir sich über ganz Mitteleuropa erstreckt und einen hohen Druck über Finnlands der Ostsee und Rußland, einen tiefen Druck im Westen Europas verursacht hat. Die Folgen dieser Druckvcrreilung sind Ansteigen der Temperaturen nach dem Westen und andererseits Sinken der Temperaturen, je weiter man nach dem Osten(Rußland) tomirrt.— Interessant sind deshalb«iirg« Zahlen über die Tempe- raturverteilung in Deutfck'land. Am kältesten ist es in Ostpreußen, wo ettyo—14 bis— 17 Grad herrschen. In Sachsen zeigte die Quecksilbersäule—7 Grad. Stärkerer Frost ist dagegen in den Bergen. In der Rheingegend herrscht vorherrschend M'lde« Wetter. So wurden beispielewerse in Karlsruhe gestern-s-11 Grad, in Aachen-i-9 Grad, in Frankfurt a. M. 4-8 Grad gemessen. De» Nachts sanken die Temperaturen bieher nirgend unter 0 Grad. Nach den Schneeberichten, die dem amtlichen Wetter- dienst zugegangen sind, beträgt die Schneedeck« aus den Mittelgebirgen emhcitlich etwa 14 Zentimeter, im Riesen- gebirge 15—20 Zentimeter, die Kämm« weisen sogar über 40 Zenti- rneter aus. Außer in Sachsen, wo gestern aus der Strecke Elbe— Dresden— Magdeburg— Hannover ergiebige Schneefälle medergegan- gen sind, sind anderswo im allgemeinen nur vereinzelt« leicht« Schneefälle zu verzeichnen. Hugo-Haase-Gedenkfeter. Am Sonntag abend veranstaltete die Sozialistische Arbeiterjugend des Bezirks Kreuzberg im Jugendheim Lindenstr. 3 eine Gedenkfeier für Hugo Haas«. Nach den weihe- vollen Klängen„Unsterbliche Opfer", mll denen die Feier«ingeleitet wurde, und einer Sonate von Beethoven hielt A. Stein die Gedenkrede. Acht Jahre sind es jetzt, seit uns Hugo Haase aus der Höhe seines Wirkens entrissen wurde. Ebenso wie Jau-re» fiel er durch die Kugel eines halb Irrsinnigen, ober auch er war ein Opfer jener Atmosphäre des Meuchelmordes, die der Krieg und die Nach- krieaswirren gezeitigt hatten. Wie Iaures vereinigte Haas« tiefe wissenlchaftliche Erkenntnis und hohen Idealismus mll der Klarheit und Nüchternheit eines wirklichen Staatsmannes. Diese Eigen- schoften machten ihn nach dem Tode Bebels zum Führer der deutschen Sozialdemokratie. Die Prüfungen des Krieges und der Nachkriegs- zcll legten ihm besonders schwere Ausgaben auf. Er suchte ihnen Serecht zu werden, getreu seiner tiefwurzclnden internationalen Überzeugung und den Ueberlieserungen der deutschen So-ialdenw- krotie. Gerade dl« Jugend hat olle Bcranlassung, das Leben und Wirken dieses Manne» zu würdigen, in dem ein Stück Partei- geschichte verkörpert ist. War er es doch, der gerade der proletari- schen Jugend gegenüber den Standpunkt einnahm, daß sie erfüllt werden müsse mit dem Geist des Idealismus, der das Proletariat aus die Höhe seiner historischen Aufgaben emporhebt. Wirkt die Jugend in diesem Sinne, dann erfüllt sie die Ausgaben, dl« ihr Hugo Haase als einer der Vertreter der„alten Garde" der deutschen Sozial- demokratie vorgezeichnct. Mit dem gemeinsamen Gesang„Brüder. zur Sonn«, zur Freiheit" nahm die Feier, die aus olle Teilnehmer einen tiesen Eindruck macht«, ihr Ende. Selbsthilfe der GeschSdigt-n. Die»Selbsthllf« der geschädigten Auslands-. Kolonial- und Grenzlanddeutscheu" hatte in das König städtische Gymna- s t u m geloden. Als Redner des Abends hatte sie sich Genolse» Künstler, M d. R., verschrieben. Die.Selbsthilfe" hätte sich keinen bester«» und verständnisvolleren Anwalt ihrer Intercste« aussuchen können. Genosse Künstler führte ungefähr aus, daß die Bürgerblockregieriing vor lauter innenpolitischen Schwierigkeiten aar nicht zur Beratung des Kriegsschädenschlußgesetzes kommt. Der Gesetz-' entwurs wird am 7. Dezember den Reichsrat beschäftigen. Nach der Geschäftsordnungslage des Reichstags Ist es kaum möglich, das Gesetz in diesem Jahr noch dem Plenum des Reichstages zuzuführen. Die Reichs regier» ng macht sich ftsrt verdächtig, als ob chr an der Be« lchleunigung nicht viel gelegen ist. Ja. es wurden jetzt sogar Ge-> rächte laut, al» ob der G-setzentwurs sogar diesem Reichstag nicht: mehr zugeleitet werde» sollte. Und zwar sollte dies im Einoerständ- nis mll Parker Gilbert geschehen. Für die Fürstenabfindung»Mi- ober genug Geld da. auch beim Relchsschulgcsetz zittert man nicht für das Budget. Das Reichsflnanzministerium dcmentiert« zwar anfj Anfrage des Genossen Künstler dos Gerücht und ließ durch Mini- sterialrat Lazarus erklären, daß die Reichsregierung zu keiner Zeit die Berfchiebung de» Gesetzentwurfs auch nur zur Diskussion gestellt hat. Di« merkwürdig« Haltung der Mehrheit de» Reichstages wirkt um so befremdender, als Dr. Köhler Im Gesetzentwurf selber an- führt, daß die Beruhigung der össcntlichen Meinung nur durch ein» Beschleunigung zu erreicken sei. An praktischer Arbeit bleibt im Moment nichts andere» zu tun übrig, als daraus zu dringen, daß die Veratungen im 22. Ausschuß zwar schnell, aber doch gründlich durck>- geführt werden, für die Zukunft aber den Partelen die Unter st ützung der Stimmen zu gewähren, die sich wirklich und gerechi für die Interessen der ge- schädigten Auslands-, Kolonial» und Grcnzland- deutschen einsetzen. Die Auesührunaen wurden mit lautem Beisall ausgenommen. Ein Herr au» dem Publikum bemerkte noch dos große Unrecht, da, denen geschieht, die ihre Ansprüche zu spät angemeldet haben. Genosse Künstler beruhigte die Lersommlung, indem er aus die Bestrebungen hinwie», die im Gange sind, um wenigsten» di« schuldlos verspäteten noch zu bedenken. Plötzlicher Tod der Frau KutiSker. Die Gattin Iwan Kutisker», der bekanntlich im Sommer dtes« Jahre» unmittelbar vor der Entscheidung seines Prozesses in der Be- nifungvlnstanz g«starben ist, wurde am gestrigen Montagabend plötzlich vom Herzschlag getrofsen und starb nach wenigen Minuten. Frau Kutisker, die Im 48. Lebensjahre stand, war seit längerer Zeit herzleidend und ihr Zustand hatte sich infoige der Ausregung wegen des Brriohren» gegen ihren Mann sehr verschlechtert. Eine in den letzten Tagen hinzugetreten« Blvn- chiti» Hot daim das Ende beschleunigt. Ein alker Kämpfer. Heut«,. Dienstag, 22. November, begeht unser Genosse Theodor Köppe, Berlin-Schönebevg, Brunhild- straße, seinen 70. Geburtstag. 4 3 Jahre ist Genosse Köppe i» der SPD. organisiert und fast ebenso lange in seiner Gewerkschaft, dem Lerband der Zimmerer. Köppe war schon in den Lasialleschen Arbellerbildungsvereinen organisiert. Der Jubilar war in vorbildlicher Weise für die Ziele der Ardeiterscftast m den 43 Jahren dauernd tätig. Auch heute noch ist er in der 79. Ab- tcilung unermüdlich tüiig. Wir hassen, daß Genosie Köppe noch lange Jahr« in unseren Reihen als treuer Kämpfer bleiben wird. Der grobe Unfug, Elsenbahnzüge zu beschießen oder mit Steinen zu bewerfen, will immer noch nicht aufhören. Gestern gegen 17 Uhr erhielt wieder ein Borortzug, der in der Richtung»ach Berlin fuhr, zwischen Grünau und Adlershof einen Schuß,� der eine Fensterscheibe zertrümmerte, zum Glück, ohne einen Fahrgast z» treffen. Ein Absuchen des Gelände» blieb, wie in den meisten Fäll««,«rsolglo», Der Kampf der Kanalschiffer. Da? Spiel der Schiffsreeder. Die Situation im westdeutschen KanalschisferstreU hat sich— wie bereits mitgeteilt— verschärft, da die Arbeitgeber nunmehr das gesamte Personal, also auch die Unorganisierten, fristlos entlassen haben und ans dem Streit«ine Aus- f p e r r u n g geworden ist. Zur Rechtfertigung ihres Vorgehens verbreiten die Kanal- r e e d c r jetzt in der ihnen nahestehenden Presse eine längere E> k l ä r»n g. Darin lanientieren sie über die schlechte Wirtschasts- läge der Kanalreedereien, die ihren Grund in der geringen Wettbewerbssähigtcit des D o r t m u n d- E m s>Kanols gegenüber dem R Heins chifsahrtsweg habe. Gegenüber der Hüttenindustrie des Dortmunder Bezirks, so heißt es, könnten die i heinischen Werke ihre Rohstoffe und Fertigwaren auf dem Rhein iniolge der Vergrößerung der Schisssgesähe zu einem Bruchteil der Schisssfrachten an- und abfahren, die der Dortmund-Ems-Äanal mit feinen seit fast 30 Jahren gleich gebliebenen Schiffegrößen erfordere. Der hierdurch geschaffenen Zwangslage habe sich die Kanalschiffahrt in ihrer Lohnpolitik anpassen müssen. Wen will man mit diesem Gerede dumm machen? Die Rhein- frvcht ist an sich wohl etwas billiger, aber hinzu kommen noch die Umschlags- und Abfertigungsspesen und die Gisenbahnfracht— Dinge, die bei der Kanalsracht wegfallen, da auf deni Kanalwcg das Erz direkt ins Wert geliefert werden kann. Die Hüttenwerke und die Kanalreederelen spielen sich gegenseitig in die Hände; die einen sogen, sie könnten keine höheren Frachten zahlen, und die anderen erklären, sie könnten infolgedessen teine höheren Löhne zahlen. Die führenden Hütten- werke an den Kanälen sind mit der Hauptreedcrei, der westfälischen Transport A..(5.. aufs engste oerfilzt. Die Herrschaften können sich also leicht gegenseitig die Bälle zuwerfen. Zur Rechtfertigung der schäbigen Löhne versteigen sich die Kanalreeder zu der Behauptung, zu dem wochenlohn der Matrosen in Höhe von nmd 30 Mark komme noch ein Nebende zug von durchschnittlich 11 M. pro Woche, so daß sich Insgesamt 40 bis 40 M. Einnahmen pro Woche ergeben. Dieser Nebenverdienst ist aber ein völlig unregelmäßiger Bezug, der zunächst einmal van der Konjunktur abhängig ist und dann lediglich ein Entgelt für Nacht-, Sonntags- und Ueberarbeit darstellt. Die reguläre Arbeit, rein« Arbeit binnen acht Stunden, wird mit rund 30 Mark vergütet. Davon soll der Schiffsmann mit seiner Familie lehen. Die Verschärfung des Lohnkampfes durch die Aussperrung wird auch die Arbeiterschaft zu schärferen Maßnahmen zwingen. So wird man nun auch die Klein schiffer, die bisher fast un- geschoren blieben, etwas schärfer anfassen müssen. Wenn die Kanal- recder glauben, mit der Umleitung der Erzdampser von Emden noch Rotterdam den Streikenden einen Streich zu spielen, dann sind sie sehr auf dem Holzweg. Die Binnen- i ch i f f e r werden nicht zulassen, daß sozusagen hintenherum der Erztransport in das Hüttengebiet gelangt. Der Streit wird sich nuch auf die Erzschiff» v i a Rotterdam erstrecken. Mit dt'k Verschärfung der Känipfsilualio« haben die Unternehmer zunächst nichts anderes erreicht, als daß sie nun auch die Emdencr H a f e ii a r b c i t e r s ch a f t arbeitslos gemacht haben. Oas Schulheim iu Buckow. Lehrstätte der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Am schönsten Punkte der an Naturschönheiten durchaus nicht armen Mark Brandenburg, auf der Bollersdorser Höhe im Hotel.Weiße Taube"' hat der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter sein neues Lerbandsschulheim eingerichtet. Nachdem seit fast zwei Jahren durch W o n d e r k u r s e in den einzelnen Wirtschastsbezirken des Verbandes sich die Zweck- Mäßigkeit dieser regelmäßigen Bildungskursc für die Funktionäre erwiesen hat, beschloß der Lerbondsbcirat auf seiner Frühjahrstogung m Dresden die Schaffung eines ständigen Schulheimes. Die Wahl des Verdandsvorstandes fiel auf dos Hotel.Weihe Taube", dos für längere Zeit für Schul- zwecke gepachtet und entsprechend eingerichtet wurde. Ein« glücklichere Wahl in der Umgebung Berlins hätte wohl nicht ge- troffen werden können. Tief unten liegt der herrliche Schermützelfec, umrahmt von bewaldeten Höhen. ?lm 0. Nooeinber wurde der erste vierzehntägige Lehrgang, an dem 30 Berbandskollcgen aus Berlin teilnahmen, eröffnet. In Ansprachen wies der Berbondsnorsitzende Kollege Becker, Redakteur D i t t m er und Kollege P o l e n s k«, Berlin, auf die Bedeutung dieser Einrichtung für das Verband s- leben hin. Dos Haus bietet für etwa 40 Schüler angenehme Wohnräume und enthält neben dem Schulsaal. Speisesaal, noch sonstige Ausent- haltsräume. Gelehrt wird Gewerkschaft sgeschichte, Wirtschaft, Der- waltung, Arbeitsrecht, Sozialgesetzoebung und Verbandsgeschichte. Als Lehrer wirken der Schulleiter Genosse H a r t i g � Dr. Pohl, Redakteur D i t i m e r, Weck und Schaum, Berlin. Praktische Hebungen. Lichtbildervorträge, Literarische Borträge und Span vervollständigen das Programm. Besichligpngen von Berliner städtischen Unternehmungen, Besuch von Ausstellungen usw. sind ebenfalls vorgesehen. Der erste Kursus ging am Sonnabend, dem 19. November, zu Ende. Am Sonntag, dem 20. November, begann der Kursus für Funktionäre des Wirtschaftsbezirkes Freistaat Sachsen. prlnzipientreue der Süßwarenindustriellen. Keine zwischentarifliche Lohnregelung. Am 14. und 13. November sollte in Leipzig im Zentralaus- (chufz über eine zehnproz entige Lohnzulage als Aus- aleich für die Teuerung verhandelt werden. Wie jedoch Genosse Hetzschold in einer Branchcnoersammlung der Beiliner Süß- warcnbctrieb« berichtete, hoben die Unternehmer sich gegen jedwede Verhandlung über eine Erhöhung des Taiislohvs gesträubt. Sie seien nur Zur Verhandlung gekommen, weil es die Tarifverfasiung vorschreibe. Vor Ablauf des Lohnabkommens könnten ste irgendeiner Veränderung desselben nicht zustimmen. Die Unternehmer wurden an die Verhandlungen im Herbst er, innert und es wurde darauf hingewiesen, daß außerordentliche Teuerungsoerhältnifse inzwischen« ngetretcn sind- Viele Arbeitgeber im ganzen Reiche sind der Meinung, daß jetzt die Lohne durch Zwischentarise erhöht werden können. Allein alle Argumente prallten an der unerschüterlichen.Prinzipientreue" ab, vor Abiaus des Tarifvertrags die Löhne nicht zu erhöhen. Immerhin konnten sich die Herren im Unternehmerlager doch nicht der Einsicht verschließen, daß die Löhne in der Süßwarenindustrie zu den zurück- geblieben st en gehören. Dennoch vs- schanzten sich die Herren hinter ihren prinzipiellen Gründen, die es ihnen nicht gestatteten, ihrer persönlichen privaten Auffassung zu folgen. Aus der Diskussion ergab sich als Nutzanwendung die Aufforderung an die A r b e i te r s chgs t der S ü ß- warcnindustrie, sich fester als bisher zusammen- zuschließen, um künstghin mit den Löhnen besser vorwärts zu kommen. Eine neue Zentralausschußoerhandlung über Lohnerhöhung wird erst im Januar 1928 stattfinden. In der Zwischenzeit wird ab« für Berlin eine Verhandlung mit dem Bezirks- arbeitgeberoerband über die Wiedereinführung der l7. L o h n k l a s s c und damit Ausschaltung der bisherigen 10. Lohnstufe stattfinden._ Weitere Ergebnisse der Angestellten tDuhlen. Dem Reichswahlausschuß der freien Angestelltenverbändc liegen die weiteren Ergebnisse der Wahlen zur Angestelltenversicherung ans nachstehenden 28 Wahlkreisen vor: Harburg-Wilhelmsburg, Pinncbcrg i. Holstein, Schlei, z i. Th., Beeskow-Storkow, Mülheim am Rhein. K'alan i. L., Witzenhausen. Bad Kissingen, Alzenau, Zweibrücken-Stadt, Zweibrücken-Land, Meiningen, Delmenhorst- Stadt, Deünenhorst-Land, Spremberg-Stadt, Spremberg-Land, Til- sit, Ulm. Obcrlahnstein, Schleswig-Stadt, Kassau, Amberg-Stadt, Göppingen, Burg bei Magdeburg, Schwabach-Stadt, Sangerhauscn- Stadt, Emden-Stadt, Hohenlimburg. Insgesamt haben in den bisher vcrösfenUichtcn 17 2 W ah l.k r.e i.f c.n an Stimmen erhallen: Allgemeiner Freier Angestclllenbnnd 149 408, Deutschnationaler Hondlungsgchilsenverband 123 405, Gewerkschaftsbund der Angestellten 118 094. Sonstige Hauptaueschußverbändc 20 550, 17 Frauen- berufsoerbändc 50 350. Schiedsspruch im Rauch- und Schnupftabakgewerbe ipeit Oktober dieses Jahres bestand ein Bohnstreit im Gewerbe. Alle Verhandlungen oerliefen ergebnislos. Auch die Parteioerhand- lungen vor dem Arbellsminisierium am 21. November scheiterieiv daran, daß die Unternehmer jede Zulage ablehnten. Eine darauf vom Arbellsministerium eingesetzte Sch lichtungskammcr fällte einstimmig falgertden Schiedsspruch: Die bis zum 1. Ok« tober 1927 güllig gewesenen Stundenlöhne werden ab 1. No» vember 1927 um 8 Proz. erhöht. Diese Lohnvereinbarung gill ins zum 31. Mai 1928. Keine Stillegung der westfälischen llnion Rachrodt. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, haben die erneuten Be- sprechungcn unter dem Vorsitz des Vertreters des Regierungspräsi- denten zwischen den Vertretern der Hauptverwaltung der Vereinigten Stahlwerke, der hiesigen Werkleitung und dem Betriebs- rdt, sowie Vertretern der Belegschaften über die Frage der Stillegung der Westfälischen Union Nachrodt zu folgendem Ergebnis geführt' Die Belegschaften der Vereinigten Stahlwerke in Nachrodt, rund 1200 Mann, arbeiten unter den alten Be- dingungen weiter. Verhandlungen über eine Lohnerhöhung werden für die erste Hälfte Januar 1928 in Aussicht gestellt. Die Gefahr der Stillegung ist somll vermieden. Aus der Partei. Als pofljfcher Redakteur der„Dolkszeitung für die Oberlausitz" wuxde an Stelle des nach Köln berufenen Genossen Huao�Efsercth Genosse Dr. Ä l e i n e i b st gewählt. Genosse KIcineibsr mar bis zum 30. September d I. in der politischen Redaktion der„Chemnitzer Vo-Usstimme" tätig und hatte am 1. Oktober ein Lehramt an der Ausbauschule in Neukölln übernommen. Er wird An- sang Dezember die politische Redaktion der Bolkszeitung in Löbau übernehmen. Birsntwartlich fiir Politik: C«it®ci)er; Wirtschaft:®. SUinflfl�öler: Glwcrkschaiisbcwceung: 3. flicinrc: geuillrton: Ä. K. Döschrr: Kotales unt> Sonfligcs: Fritz llargädt!■äiijciarn; Th. Gtodc; sämtlich in SSctlin Lrrla«: üocoäcts-Scrlag® rn b H.$«lin. Druck: VorwKts.Buck'drnckcrc« und Lcrlagsanstal« Paul Sing» u Co. Pcrlin CW 68. Lindcnslrane X lllgent. Ortskrafikeekasse tor Berlin-Steglitz Bekanntmachung. Pcrtrrtct bcc•atbtilgfber und Vrr- Fiöicrtcn im«uolchutz tocrbcn hiermit ,» bcr orn SRlttmoch, OfM 30. November 1927, »bendo 7 Uhr. tm Saffenlofol, hicrielbit, aärntrftrofic 95, itnttfinbenben oebeullichen ewsichuh-Eitznng liätltchfl eingeladen t. Voneag beo öetrn EonitiUsrals Sr rsirfdnelb über„Die lSelchlechlosranIheilen und ihre Folgen" unier Pcrücksichligung be» »b 1, Oflrber gültigen®esese? jut Be- tnmpmng bet®est,leck>I»!eantheiien ■J Berich! be» Borstanbe» Uber bic logung beo Derein- zur B kampsnug der Ge- fchlechlolronshetleu. sperr Marquorbt). ll. Satzungsänderungen� l. Fe isetziing beo Boranlchlage» für 1928 5. Wohl be« Anosckinsses für bie Prüfung bec Rechnung de» lourenben Jahre». Ii Aendeenng der Dienstordnung. 7. Aenbrrung der Wahloebnnng. 8� Derschiebene». Bertin. Steglitz, den iL November 1927 vor Bocftanb: Finger. Sogti*. Borsitzenber Sdirift'iifrrer. Kopfsdimerz, Nervensdimerzen „DarnüJtln"-Pulver In«lies Apolhekes Mir. 0.15 anichadKch,«ofort wirkend ffietten-€?cfionert Otan/ensfr. 12 € Ab uns TfelnrlihpL Ueekbetten....... 1«.—*4.— 41— 55.— Vnterbettea»».».» 10.— 15.—»«.— 43.— Kopfkissen....... 4— 7.— 1*.— 19.— ISteppdreken...... 18.— 15.— 18.—*0.— UsnnendeckeA.... 48.— SO.— 88.— 05.— .Uetsllbetten...... 15— 18.—«1.—>44.— 3tlK.Mktrstx.tt.Kellk.15.— 18.—«4—«7.— Bettenreinigung Anruf Moriizplaiz ÄÜ kartidm. AUF KREDIT! � SCHUHE Hai' in großer Auswahl für Herren, Damen und Kinder Anzahlung 2 bis 4 Mk. wöchentlich 1 bis 2 Mk. Fernoe GARDEROBE für Herren und Damen Anzahlung.... 10 bis 15 Mk. wöchentlich 2 bis 4 Mk. Heinrich Georg Schöneberg, Hauptstr. 157, 1 KINO-TAFEL Programm für die Zeit vom 22. bis 24 November BTL Potsdamer Straße ZL Heaav Porten in: DiegroßePause und: Das gute Beiprogramm. Turmstraße 12 Der Geisterzug mit Ilse Bols, Ernst Vercbcs dazu: Die we'Bc Spinne. 6 spann. 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