Abendausgabe JIr. 554 B 274 44. Iahrgang SSchentlich 70 Pfennig, monatlich Reichsmark, voraus zählbar- Unter Etreifbanb UN Zn. unb Ausianb b.�0 Reichsmark pro Monat * Der.Borwärts" mit der illustrier. ten Eonntoosbeilagc.,VoIk und.>»>»- sowie den Beilagen„Unterbaltung und Wissen".„Aus der Almwelt". .oüwdtbeilage",„FraucnstiOime". .Der Zlinderfreund",„Iugend-Vor- wärts",„Blick in die Bstchermell", .-äulturarbeik" und„Technik" erscheint wochcntüglich. zweipial. Sonniags und Montags einmal r* Berliner Volksblatt Jentralovgan der Sozialdemokratischen Partei Mftwoch 25. November 1927 10 pMMg Di« e t» i p a l>> g e Ronparei�czeile ilO Pfennig. Rellamezeile h.— S«i mark-„Steine Anzeigen" das etige- druckte Wort 2ö Piennig izulässtx zme> lestgedruckte Worlej iedes weitere Port IZ Pfennig- Stellenzeiuche das erste Wo« lS Pfennig. ledes wettere Wert loPtennig. Potte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt fistle Sa Pfennig- Familienanzeigen ilr AboNnentenZeiletOPfennig-Anzeigen- annähme im Kauptgefchäst Linden» iiratze Z- Wochentag!- vonS>/zbis 17 Uhr. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 ?Zernsprechsr: Dönhoff S92— 297. Telegromm,Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 87 S2K— Bankkonto: Bank der Aibeilcr, Angestellten und Beamten Walistr. Sä. Tiskonto-Gesellschaft. Teposttenkasfc Lindenstr S Straßenbahnunglück in Kassel. Vierzehn Kinder verletzt.— Wieder auf der Bergstrecke! Kassel» 23. November.(Eigenbericht.) Heute morgen gegen 1 0 Uhr ereignete sich im Be- triebe der Hertuleo-Bergbahn im Drnseltal ein schwerer Zusammen st otz zweier Motor- wagen. Ter eine Wagen fuhr talwärts und war an- beseht, in dem anderen Wagen befanden sich Schüler und Schiileriunen höherer Schule», die einen Aus- flug unternehmen wollten. Der Führer des talwärts fahrenden Wagens hatte die Gewalt über den Wagen vcr- Loren, er versuchte aus den durch Eisregen stark ge- glätteten Schienen vergeblich, den Wagen zum Stehen zu bringen, was ihm aber nicht gelang, so daß beide Wagen z usammenprallten« Der Zusammenprall war so heftig, daß bei beiden Wage« der Vorderperron zerstört worden ist. Sämtliche Fensterscheiben zersplitterten, auch die Sitte innerhalb dpr Wagen find zerstört. Tie Folge des Zusammenpralls lfnren 14 Verletzte, darunter zwei sehr schwer, sn daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. Ter Führer schrie, als er sah. daß er den Wagen nicht mehr zn« Halten bringen konnte, laut um Hilfe. Streckenarbeiter versuchten durch S a« d st r e u e n die i Wucht des Anpralls aufzuhalten, es war aber alles vergeblich. Tie Schienen waren derart glatt, daß der Wagen mit größter Wucht auf de« anderen ausfuhr. Au der Unfallstelle erschienen sofort Sanitäter des Roten Kreuzes und Arbeitersamariter, die die Verletzte« zum Roten Kreuz und in das Sanatorium auf Wilhelmshöhe brachten. • Das Unglück hat sich auf einer Nebenstrecke derselben Straßenbahnlinie ereignet, auf der am 18. Mai d. I. ebenfalls ein vollbesetzter Wagen&u Tal sauste und neun Tote und gegen 20 Schwerverletzte unter seinen Trümmern begrub. Der Strahenbahnführer, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wurde, wurde freigesprochen, weil er keine Schuld trug, allerdings wurde in der Gerichtsverhandlung auch festgestellt, daß die geltenden und von dem Fahrer innegehaltenen Dienstvorschriften das Un- glück direkt b e g ü n st i g t hatten. Offenbar hat aber die Straßenbahnoerwallung aus dem ersten Unglück noch keine Schlußfolgerungen zugunsten der Sicherheit der Fahrgäste gezogen. Schiele wird gestellt. Heuie nachmittag Maiszolldebatie im Reichstag.— Oer Bürgerblock will die Besoldungsresorm durchpeitschen. Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung steht die- erste und- zweite Beratung des Gesetzes über den dsutjch-jugojlowiichen Handelsvertrag. Für die sozialdemokratische Reichstogsfraktion wird Ge- nojsin Sender sprechen. Minister Schiele wird wegen der Erhöhung des Zolles auf I n d u st r i e m a i s gestellt werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird eine bündige Erklärung von ihm fordern. Der Aelteftenausschuß des Reichstags hat de- schlössen, vom Sonnabend bis zum Mittwoch der nächsten Woche keine Plenarsitzungen abzuhalten. Am Donnerstag der nächsten Woche wird die s o z i a l d c m o- kratische Wirtschaftsintcrpcllation beraten werden. Oie Besoldungsresorm. Äeratung im Hauptausschuß.- Regierung in Verlegenheit. In den Sitzungen des Ausschusses für den Rcichshauchakt am Ticnstag und Miliwoch über die Besoldungsresorm wurde die Beratung des Gruppeuausbaues songesühn und unter Zurück siellung aller Abstimmungen dleGruppentibisS erledigt. Die Gruppe 8 uinsaßt die Assistenten im Bureaudienst, technische Assisten- ten, Präparatoren, Werksührer, Lokomolioführer. Steuer- und Zoll- assistcnten mit den Bcsoldungsstufen 2W0 bis 2700 Mark. In Gruppe 7 sind eingestuft Sekretäre im Bureoudienst, chausinfpettoren. Kanzleivorftcher, Brückcnmcistcr, Brandmeister, Post- und Tele- c>rophcnsckretärc usw. Die Gedaltsiätze betrogen 2350 bis 3400 M. j Di« Besoldungsgruppe 6 ist ausgestattet mit Sätzen von 2400 bis 3500 Mark und umfaßt unter anderem Oberwerkmeister. Schisjs- k ipuäne beim Kanalamt, Hasenmeister, T-clsgrapl,enwerlMeister uich Telegrophenbausührar. Besoldungsgruppe 5 umfaßt Photographen. Kupferstecher. Likhcgraphen. Reoiersörster, Sauzlcworsteher und Ministerialkanzleisekreträe. Bei der Gruppe 8 rief die von den Genossen Keppel und Klein» kops erhoben« Forderung, die aus daueriiden Dienstposten b�schäs. tigten weiblichen Angestellten in das Beamtenoer- h ä l t n i s zu überführen, eine zwar kurz«, ober lebhafte Debatte hervor. Unsere Genossen konnten daraus hinweisen, daß der Haus- Haltsausschuß bei der Beratung des Hauehalts für 1927 mit Zu- flunmung der Reichsregierung einstimmig die folgende Entschließung angenommen hat: die Reichsregierung zu ersuchen. dicMgen weib- lichen Angestellten in den Reichsministerien, die auf dauernd er- forderlichen Dienstposten beschäftigt werden, in das Beamtenverhält- nis zu überführen- Jetzt sei die Möglichkeil gegeben, diese platonische Entschließung durch entsprechende Beschlüsse mi. Inhalt zu erfüllen. Bei der Etalsberatung fei auf die bevorstehende Besoldungsresorm verwiesen worden. Ob man jetzt den Ball wieder zurückwerfe und aus die kommende Beratung des Etats für 1928 verlrösten wolle? Die sozialdemokratischen Ausführungen und Fragen waren ja schlagend, daß die Regierung nichts zu erwidern wußte und sich in Schweigen hüllte. Oer Bürgerblock hat es eilig. Zwischendurch spielte sich noch eine Geschästsordnungs» d e b a t t e oän größerer Bedeutung ob. Dos Finonzministe- r i u m sprach den dringenden Wunsch aus, die Arbeiten des Aus- schusses so zu beschleunigen, daß da» Vesaldungsgeseh bis Sonnabend in acht lagen auch in zweiter Lesung im Ausschuß fertiggestellt werde. Bom Borsitzenden Genossen Heimann wurde dem entgegen- gehalten, daß das nur möglich erscheine, wenn in der nächsten Woche keine Plenarsitzungen siottsinden. so daß der Ausschuß vor. und nach mittag», eventuell auch abends arbeiten könne. Do der A e st e n r o t gerade über die Arbeitseinteilung des Plenums in nächster Woche deriet, wurde der Borsitzend« beauftragt, dem Aeltestenrot den Wunsch des Ausschusses vorzutragen, die nächst« Woche plenar- styungsfrei zu lasten. Der Aeltestenrot kam dem Wunsch des Haushaltsausschustes, trotzdem andere Beschlüsse bereits vorlagen, soweit entgegen, daß am Sonnabend dieser und in der ersten Hälfte der nächsten Woche keine Plenarsitzungen stattfinden sollen, von den Reglern ngs- Parteien wurde bei dieser Gelegenheit der dringende Wunsch ausgesprochen, daß der Haushallsausschuß ausnahmeweise auch am Sonntag tagen möge. Das plötzliche Streben der Regieningeparteien, die Besoldungs- resorm auch unter größter B.'lastung aller Beteiligten so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen, ist ein neuer Beweis für die Unsicherheit, in der die Regierungsparteien bezüglich der Lebensdauer des Reichstags sich befinden. Man will für alle Fälle wenigsten» die neue Bcsoldungsordnung erledigt haben. Kabinett Iasper-Hymans. 6 Klerikale, 4 liberale. Brüssel. 23. November. Eigenbericht.) Da» neue Sabinen ist in den späten Abendstunden de» Dien klag bereits gebildet werden. Es stellt eine Soalllloo von konservativen Katholiken, ch. istlichen Demokraten und Liberal«» dar. Die Zusammensehung ist folgende: Alinlsler Präsident nnd Kolonien' Z a spar(katholischer Konservativer): �Aeußere»: H y m an»(liberal): Inneres: Senator Earnoy(katholischer Demokrat): Fi» nanfen: houlart(katholischer Konservativer) Kunst und Wsten» schasi: D a u t h i e r(liberal, im vorigen Kabinett Minister des Innern): Zustlz: Zanson(liberal): Eisenbahn und Verkehr: Lippen»(liberal): Krieg und Laadezverletdlaung: de Broque» vlllc(katholischer Sonservalioer): Arbeil: Hey man(chrlsilicher Demokral): Landwirtschaft: Bael»(Katholik). Die neue Regierung verfügt über eine Mehrheit von 17 Stimmen. Die Verhandlungen mit Polen. Befriedigender Anfang.— Das Einleitvngsabkommen unterzeichnet. Die in den letzten Tage» erfolgten Besprechungen zwischen dem Reichsoußenminister und dem polnischen Sondergesandten Iockowski hoben zur Einigung darüber geführt, daß die Delegationsverhandlungcn alsbald wieder ausgenommen werden und zwar zunächst mit dein Ziel, � die beiderseitigen K a m p s m a ß- nahmen abzubauen und die mehr oder weniger abschlußreifen Frage» so schnell wie möglich vertraglich zu regeln. Beide Parteien haben die Hoffnung, daß dieses Ziel im Lause des Dezember erreicht wird, und daß zu Beginn des kommenden Jahres die e n d» gültigen Berhandlungen über den ganzen Vertrag beginnen. Ucber die Grundsatze, die dabei gellen sollen, Hot man sich soeben in Berlin geeinigt und eine Niederschrift"über die Vorverhandlungen wie über diese Grundlinien gemeinsam unterzeichnet. Neben diesen Besprechungen zwischen Strcsemann und Iockowski ist in Berlin jetzt ein Holzabkpmmen zwischen Deutschond und Polen abgeschlossen worden, dos die Einsuhr polnischer Rund- und Schnitt- Hölzer erleichert. Polen verpflichtet sich dafür zu Konzessionen für die Einfuhr deutscher Automobile, Fahrräder und einiger änderen Erzeugnisse. Das Holzabkommen dürfte am Freitag öder Sonnabend tn Warschau unterzeichnet werde». Der deutsche Dolezationpvorsitzende soll noch am heutigen Tage vom Reichskabinctt bestimmt werden. Berlin gegen Schacht. Wie wir hören, wird die sozialdemokratische Stadt- verordnetensraktion morgen im Ralhause dem Mägisträt und der Stadtverordnetenversammlung»durch einen Dringlich- keiisontrag Gelegenheit geben, zu der skandalösen B och unier Rede des Rcichsbank Präsidenten Schacht Stellung zu nehmen. Da die Ausführungen Dr. Schachts offensichtlich in erster Linie gegen die Reichshauptstodt gemünzt waren, erscheint es erwünscht, daß die Berliner städtischen Be- Hörden als erste sich gegen die durch nichts gcrcchtsertig- t e n Angriffe zur Wehr setzen. Gesandteuwechsel in Moskau. Otto Pohl abberufen. Aus Moskau kommt die Meldung, daß der Gesandte der Repu- blik Deutschösterreich, Otw Pohl, dem Lorsitzenden des Zentral- exckiitiokomltccs der Sowjetunion sein Abberusungsschreiben überreicht ha». Schon seit einiger Zeit waren Pressemeldungen aufgetaucht, dir diese Zlbberufung vorauesogtci'. aber aus Wien kam nichts Amtliches darüber. Nun liegt die Totsache nor: die christlichsozial-gvoßdcutsch landbündlerische Regierung Seipet braucht nicht länger die Repn- blik durch den Sozialisten Otto Pohl in Moskau vertrete» zu sehen. Der nun scheidende Gesandte ist kein anderer als der longjährige Pariser Korrespondent des„B o r w ä r t s" und der Wiener„Ar- beiter-Zeitung" in der Vorkriegszeit. Der ersten Regierung der Republik diente er als„Pressechef", wie die schöne Bezeichnung eines »euzeitlichen Amts lautet, ging aber bald zur Leitung der Kriegs- gesangenenrückkehr und der. Fürsorge für sie nach Moskau. Alle Paiiser Freundschaft mit Lunatscharsky und anderen Bol- schewiki ließ Pol für dieses Amt und dessen Fortsetzung als Gesandter besonders geeignet erscheinen. Marineleiiung gegen Parlament. In Frankreich. Paris, 23. November.(Eigenbericht.) Der.Marincausschuß der Kammer verlangt eine parlorr-entgrische Untersuchung wegen der Meutereien im Marinegesängnis von Toulon und aus dem Panzerkreuzer„Ernst Renan". Minister L e y g u e s weigerte sich, eine solehe Untersuchung zuzulassen, woraus der Ausschuß beschloß, die Kammer über diesen Streilsall ent- scheid»» zu lassen. Dazu erklärte der Minister, er werde im Ein- Verständnis mit dem Ministerpräsidenten Poincar« die Der trauenssrage stellen._ Masernepidemie in Zehlenöorf. Die Nordschule geschlossen. In der Zehlendorfer Rordschule, wo gestern wegen zahlreicher vkasernerkrankungeu mehrere Klassen geschlossen worden waren, wurde heute die Einstellung des ganzen Schul» belriebes der Nordschule angeordnet, weil sich il.; Erkrankungen weiter in sehr starkem vlahe vermehrt haben. Die Schließung der Schule wird voraussichtlich bis zu den weihuachisferiea dauern. drohende Masseu-Erwerbslosigkeii.— Noch seiner ersten Äbwehr aus dem Bayerischen Städtetag gibt Prosidech Dr. M u l c r t im Namen des Deutschen Städtetages dem Neichsbankgrofidenten Dr. Schacht letzt eine aussührlichc Am mort, dir demnächst auch in den„Mitteilungen des Deutschen Städte tages" verössentlicht werden wird. Für den Rcporationsagcntcn sei es schwer gewesen, der ge� schichtlichen Entwicklung und der innerdeutschen staatlichen Organs- sation bei der Beurteilung der Ä e m c in d e j i n a n z e u gerecht zu werden. Es sei aber in hohem Mäste bedauerlich, dast i n- ländischc Kritiker unter Berufung auf den Rcparations- agenten eine plonmähige Propaganda gegen dir deutsche« Städte .Zugeleitet haben und in dem Bestreben, thrc eigenen Zi�lc auf Kosten der Gemeinden zu fördern, den Stödten eine v c r- schwenderische Ausgabenwirtschast weit üb?r die Kritik des Reparationsagcntcn hinaus vorgeworfen hätten. Die Bede Schachts In Bochum habe diesem gegeu die deutschen Städte gerichteten Kamps einen starken Antrieb gegeben. So selbstverständlich die Erhaltung der Währung sich in weitestem Ilmsange mit den Absichten der deutschen Städte decke, so seien die schweren»»- gerechtfertigten Angriffe Schachts gegen die Städte um so de- dauerlicher. Gegenüber der kühnen Behauptung Schacht», dast, wenn die Städte ihre Luxusausgaben unterlassen hätten, wir wahr- schnulich nicht eine einzige kommunale Auslandsanleihe hätten auf- zutiehmen brauchen, werden salgendc Tatsachen seftgestcllt.' Die von den gesamiep deutschen Kommunen ausgenommenen Auslandsallleihen machen nur t0 proz. der deutschen langfristigen Auslandsverschuldung aus. Seit 192-1 bis November 1927 sind von sämtlichen Gemeinden-548. von den deutschen Groststädten über IMflOO Einwohner nur 406 Millionen im Ausland ausgenommen worden gegenüber mehr als 51b Milliarden der gesamten Au?lo>zd»verschiisdung Deutschlands. Die gesamte longsristige Ber> schuldung der Gemeinden und Gemeindcocrbände im Inland und Ausland seir 1924 betrögt nur rund 2,5 Milliarden Mark gegenüber jährlich 7?>I1 bis 830 Millionen. In ledem der lestien Jahre vor dem Kriege sind im Durchschnitt der legten vier Jahre nur je 625 Millionen langfristig» Schulden ausgenommen worden. Da- bei ist zu berücksichtigen: f. di« Minderung der Kaustraft gegenüber der Borkriegszeit. 2. die Talsache, dast die Gemeinden von Mitte 1914 bis Ende i925. also zehn Jahre lang, v o n j e g- licher Anteihcaltsnahme ausgeschlossen waren. Dringliche Wirtschastgausgabcn und der Bedarf an Mitteln zur Rationalisierung ihrer Betried« musttcn zurückgestellt werden. .Allein Dollar, kein Gulden, kein Pfund der Aus- landsanlcihen ist für sogenannte unproduktive Zwecke ausgegeben worden! Die aufgenommenen Auslandsgelder sind auofchliestlich produktiven Zwecken(Elektrizität, Gas, Wasser, Hofenanlagen, Verkehrsmitteln usw.) zugeleitet und vorzugsweise sür die lvloderniste- rnng und Ausgestaltung der Vcrsorgungsbetriebe ver- wendet worden." Bei der ständig wachsenden Lenälkerung wäre es u n o c r a n t � wortlich, die Gemeinden in der Erfüllung ihrer Ausgaben knebeln zu wollen und damit etwa im Erfolge diese Ausgaben in die Prioathand hinübcrzuspiclcn. Die beträchtlich gesteigerten Erträgnisse der mit Auslondsgeldern gcschassenen Wert« haben nicht zu einer Belastung, sondern zu einer Entlastung der Steuerzahler geführt die viel weniger zur Balanzierung des Haushalts herangezogen werden als früher.„Wie kann man angesichts dieser all- gemein anerkannten Tatsachen ernstlich behaupten, daß die Ge- Der erfolgreiche Mensch. Von Jodok. Erfolg... Erfolg.... wer mächte ihn nicht Hoden! Herbert N. C a s s o n. ein englischer Kaufmann und Schriftsteller zugleich. hält setzt in Berlin vielbeachtete vortrage über den Erfolz und lehrt, dast der Erfolg kein mystische» Geschenk des Zufall», sondern«ine errechenbar« Größe sei. Er sei eine Komponente gewisser, ganz realer Faktoren, und es komme daraus an. stch nicht von vagen Bermutungen. sondern von Tatsachen leiten zu lassen. Easson ist mit dem Barsatz, einen Kragen zu kaufen, in ein Berliner Geschäft vozäägen. Der Verkäuse» ist Easson mit der Frage ins Gesicht gesprungen, in welcher Preislage sich der Kragen befiitden soll«. Falsch. sogt Easson. Der Dxrkäusgr hätte sagen müssen: Guten Tag, lieber Herr, wie gehts. wie stehlsk Was machen di« Kinder? Schönes Wetter heute! Uebrigens einen Kragen Hobe ich jetzt hereinbe kommen, ein Krügelchen... Sowas finden Sie in der ganzen Stadt nicht wieder! Den Preis hätte der Derkäufer ganz zuletzt und nur beiläufig nennen müssen. Als Musterbeispiel, wie es gemacht werden müsse, führt Easson den amerikanischen Grostkaufmonn John Wanamaker an. Mit 14 Jahren fing dieser, als Multimillionär ge- ftorbenc Geldsürst als Laufbursche an.(Alle Reichen wollen frijher eijimnl arm gewesen sein.) Als Angestellter siel er dann durch ge- reimie Zweizeiler, die er in» Schaufenster stellte und durch andere originesie Reklamxideen auf. Als Chef liest er sich nie oerleugnen, hörte alles an, hielt stch sehr wenig am Schreibtisch und sehr viel im Geschäft auf, studierte die Seele des Publikums. Ais Mensch los p: gern sentimentale Novellen und verochletc dos Theater, weil es unnatürlich wäre. Ich glaube an Easson. wenn auch nur teilweise. Zunächst einmal steht ia fest, daß G-schäftsklugheit auf keinen Fall die unbedingte Porousfetzung des Erfolg» ist, dost man, etwa auf der Basis ererbten Reichtums, zu größerem Reichtum kommen kann, ohne irgendwelche geistige Qualitäten auszuweisen Aber es niag wohl fein, dast es ja etwas wie«inen Geschästssinn, ein Seschäftsgevle gibt, mit dem man sich so ziemlich unter ollen Lebensbedingungen durchsetzt und dost der Erfolg demnach lein Willkürakt des Schicksals, sondern das Ergebnis wissenschaftlicher Metheden ist. Man wird sogar vorurteilsfrei genug fein mü--.'N. Herrn Wanamaler keinen Borwur? daraus zy schmieden, dg st er-entimentale Bücher los ynd vom Theater nichls hielt. Ader die B.'.cchtungen, zu denen Ecssens Ergebnisse Anlast geben, find diese: Zugegeben, dast e» ein Siiioi-nc>. hier s.atiz roh mit Geschäf.s- sin Uders. tzl, gibt und dost tatsächlich der Reichtum auf Erfülltsein damit un.' die Armut auf Mangel daran zurückzuführen ist. Dann ist die Tatsache abscheulich genug dast die Güter der Erde nach Mast- gäbe eine» Spc.'iollrick? verteilt werden, als welcher stch der vom gesamivolkswirts�zflsichen Standpunkt genommen völlig unproduk- .iv« Geschäftssinn herausstellt. Man könnte es zur Not gerechtfertigt »litiker Schacht. Schwere Anklagen der deutschen(Städte. I mcinden bei den Ausländsanleihen die Haut ihrer Steuer- zahler zu Markte trügen!" Bon sämtlichen 42 deutschen Großstädten haben nur 21 Aus- londsanleihen für 406 Millionen ausgenommen. Diese 21 Städte haben vo» 1925 bis 1927 insgesamt nur 77,89 Millionen für von einzelnen Stellen als„nicht dringlich" bezeichnete Ncuanlagen ausgegeben. Für sämtliche Großstädte ohne die drei Hanjastädtc ergibt sich in den drei Jahren«in Betrag von 104,05 Millionen Mark. Für die sogenannten Luxusausgaben sind aber überhaupt keine Auslandsgelder verwendet worden. Wenn man die Belastung des eigentllchen Etats aus Lerzlnsung und Tilgung der für solche Neuanlagen verwendeten austerordent- lichen Mittel ins Auge faßt, so ergibt sich nn Durchschnitt eine Belastung von nicht mehr als einem halben Pro- zenb Was versteht der Reichsbankpräsident unter überflüssigen Luxusausgabe«? Die körperliche Kräftigung der Jugend sei nach der Unter« «rnährung au» Krieg», und Inflationszeit eine na t i o na I e und soziale P f l l ch i. sie«rsparr Kranken- und Fürsorgelosten. Für ungeheure Erwerdalosenmassca mußte drei Jahre laug Deschäsil- gung bei Notstand sarbeilea gesunden werden. Im Gegensatz zu de» eigenen Wünschen des ReichsbcmkpräsideiUs« würde die große Mehr. hnt de» deutschen Balles zu kulturwidrtgen Einschränkungen ge- nötigt sein, wenn nicht die Gemeinden durch eine vorausschauende Städtebaupolitik und durch Schaisung von Grünau- lagen, Schwimmbädern usw. dafür Sorge trügen, dost auch die ärmere Bevölkerung zu erschwlaglicheu preisen primitivste kullurbedürsuisse besrledlgen kann. Der Reichsbonkprösident sieht, obwohl er dem Wohnungsbau pro- duklirs: Zwecke zugesteht, den Ankauf des dazu erforderlichen Ge- ländes als Luxus an. Die Rechnung Schachts habe ei» Loch sie siberfehe völlig dm Mensche», dessen Arbeitstrast die wertvollste Grundlage der produktlviläl und der Fähigkeit Deutschland» sei. dm Reporationsverpsltchtunge» nachzukommen. Schachts Verantwortung für den Arbeitsmarkt. Obwohl nach der Ueberzeugung der Wissenschast die deutsch« Kapitalvcrsorgung um so billiger erfolge, je mehr durch die K o m> m u u e u Ausländsanleihe» nach Deutschland fliesten, soll nach den Absichten des Reichsbantpräfldenien diese billigere Versorgung künftig versperrt werken.„Führt die Reichsbanl ihren Kamps gegen die deutschen Städte fort, setzt di« Beratungsstelle für Aus- landskvedite ihre Tätigkeit weiterhin aus, und wird der Auslandsmarkt für öffjmtlche Anleihen„ersolgreich" zerschlagen, so werden sich schwerwiegende Rückwirkungen für di« gesamte Wirtswasl ergeben. Die Austragserteilung der Kam- munen an Industrie undHandwert, dt« letzt bereit» ge- drosselt wird, muß in kurzer Zeit ganz zum Stillstand kommen. Die durch das Versagen de» privaten Inlandsmarktes bereits oorgcschritteue Kr i f e am B ö u m a r k t wird verschärft. Reue Beunruhigung des Arbeits Marktes auf der ganzen Linie wird die Folge fein. Di««rsreullcherweife zurzeit wesentlich eingeschrontle Arbeilslosigkelt wird ia wenigen Monaten in ungeahnter weise anschwellen. Hunderttausende, die jetzt ihr vrat durch geordnete Arbeil redlich verdienen, werden wiederum arbeil». los auf der Strohe liegen. Und zu dem sozialen Elend tritt die finanzielle Belastung durch Millionen produktiver Er- werbslofenunterslützung. Die deutschen Städte haben rechlzettig gewarnt. Die Lerantwoitung für die stch anbahnende Entwick- lung werden andere Stellen zu trogen haben!" und volkswirtschaftlich begründet finden, dast der Erfolg der Kauf- leuit sich nach dem Mast voa Geschästssinn regell, den sie besitzen. itoer es regelt sich auch der Erfolg aller andere» Menschen danach. oller Kategorien von Hand, und Kopfarbeitern, von Leuten also, i» deren Aufzabenbereich der Geschäslsstnu in temer Welse gehört. Möglich, dast ein Bergarbeiter mit einer tüchtigen Portion Geschäft». sinn als Kohlengrosthändler endet, sicher, dost ein Durchschniltsarzt mit Geschästssinn mehr verdient als eine Äopaziät ohne Geschäfts- sinn. Aber wo ist di« volkswirtschaftliche Begründung dafür, um von der sittlichen ganz zu schweigen, daß dem so ist. dost der Ge- schästesmn auch in Berus« hineinspielt. die mit Kausmannstum ihrem ganzen Wesen nach nichts zu tun haben? Herbert R. Easson schildert, was ist. und es ist ihm daraus kdin Vorwurf zu machen. Wir Sozialisten bauen auf der Erkenntnis des Seienden unsere Forderungen noch dem auf. wa» fein soll. Es ist der Kapitalismus, der zum Verkauf feiner Kragen vor allem einmal dos graste Mundwerk eines gerissenen und geschäststüchlize« Verkäufers braucht. Es soll sein der Sozialismus, bei dem zu- gunstcn der Solidheit eine» Kragen» da» geschäftstüchtige Mundwerk entbehrlich wird. Der München er neue Zoo— der erste geographische Tierpark. Der künstige Münchener Tierpark, der auf dem Gelände de» in der Inslationszeit zugrunde gegangenen Zoologischen Saitenz im Naturpark von Hellabrunn neu erstehen soll, wird etwas ganz Neu- artiges sein. Er wird der eiste gcograhische Tierpark der Well werben. Die Tiere tue. den nicht, w'e sonst üblich, nach Spezies und Nerwandlschast in einzelnen Häusern zusammengruppiert, sondern die Fauna der verschiedenen Erdteile soll innerhalb großer Gehege gesammelt werten, dort, soweit möglich, in voller Freiheit leben und so w rtlich nalutgelreue Bilder erotischen Tierlebens vermitteln. Dos alle.Gesängnisjyflem" der Ääsige und Häuser soll fallen. Durch solche„Freiheitsbestrebungen" hofft man auch eine reichere natürliche Zucht herbeizuführen, als dies bisher in zoologischen Gärten möglich war, und so einen Stamm akkl'mati- sierter fremder Tiere zu schassen. Damit würde der Tierpark von Hellrbrunn zugleich eine G r o ftzu ch t f o r m für exotische und im Aussterben begriffene Fauna. kNiifevwe'ührliagen A« Sonntag, dem 37.. 10 lldr, sprechen Im Neuen Mut tum Dr. chtaiom über:„Hieroalypbenschrist und ägyptische Literatur'. ,.y a i s e r- F» i« b r> lb- R u I e u m Dr. Bange bcr:.Mnltsche» und der Beginn de» ReallSmn»' und lmMuleum tflr Bölterlnnde Dr Bai:- mann: der:.Hau»bau und ü'-'oblliar in Asrila�. Teil- nedmerlarleii.'<0 Pf. vor Beginn am Si.-gang. l orlrtge. Den ztor en Borlraa limerbalb der Reibe.Die Med'zln der Gegenivaii"-mit 9-atb Idei») hält Brps.gr. Krau« über„Innere « r a u I h e: l e n". DonnciSlag. abend» 6"/, Uör, Ltshotvltr. b4 d, Die Sektion sür vlcklkunsl der Akademie der S nsl« halt Donnerstag ibren ersten PoitiaySabend vor»eladeiiem Pnbliku-n ab. E» werden Jose! Ponten iMünchen) und als Gast Älsred Brust(ilianz L Prj au» eigenen Werten lesen. VottSparieillche Vekenninisse. Kardorff redet finte herum. In der L e f s i n g- Ho ch s ch u l e hielt der volkspartelliche Abgs-> ordnete von Sardorff einen Lortrog über„Deutschlands politische S t r u k t u r", aus dem einiges festgehallen zu werden verdient. Nachdem Kardorfs im Ansang daran erinnert Halle, daß nur durch die„starten ftaatsmännifchen Gaben des ersten Reichspräsidenten E b e r t" die neue staatliche Ordnung geschaffen werden konnte, unterstrich er noch einmal, was er am Berfassungswge ausführte: �Deutschland kann nur auf dem Boden der Republik wieder in die Höhr kommen. Wer sie befestigen will, begeht ein Verbrechen an Volt und Baterlond." Zur Flaggenfrage sagte Knrdorss:„Der Flaggenstrest. wie er jetzt geführt wird, ist eine nationale Würdelosig- teit. Ein Volk, das seine Nationalslogge nicht achtet, wird nicht geachtet." Zum Parlamentarismus übergehend, geistelle er einen Zustand, der es bei der Bildung der legten Regierung Morx-Strese» nmnn-Hergt möglich gemacht hätte, dast die deutschuallonake Fraktion darüber abgestimmt halle, ab Herr H e r g t oder Herr von Lindeiuer Minister werden solle. Weller sprach er mit Billerkeit von dem Byzantinismus der wilhelmlni» f ch« n Epoche. Klipp und Aar bekannte«r sich zum neue« Staate, den er nur in Einzelheiten nach seinem Sinne reformiere» will. Das find Worte, die erfreulich klingen. Es fragt sich nur, ob sie von d<\i Mannen der Deutschen Bolkspartei— namentlich auch in der Provinz— gehört werde» und od man tm kommenden Wahl» kämpf einen ebenso verständigen Ton anschlägt. Wer opponiert, fliegt ins Gefängnis! Sagt Tomski.-„Oas heißt bei uns Demokratie!�— sagt Vakowski. In dem Ausruf des Zentralkomitees der russischen Kam» munistischen Partei gegen die Opposition war oon gewalttätigem Eindringen Oppositioneller in Sowjetinstitutionen die Rede. Man konnte nur dunkel vermuten, worum es sich handelte. Nun erfährt man aus einer Rede T o m f k i s auf der ersten Leningradsr Bczirkskonferenz vom 15. November, was das Zentralkomitee gemeint hat. Tomfki sagte: „Ein Glied des Fratllonskompfes reiht sich an das andere—» die Leute gehen fchliestlich dazu über, sich der Räume für ihre Der- fammlungen mit Gewalt zu bemächtigen. Sie brauchen ein Lokal. sie wollen eine Versammlung de» ganzen Sladkbezirk» einberufen— da bemächtigen sie sich einfach mll Gewall der Sowseträumlichkeiten, sie bemächtigen sich der Auditorien in der staatlichen Hochschule. stellen ihre Wachen auf, lassen nur ihre Gesinnung»- genossen hinein, weisen jeden Fremden ob. Wie uenm man so etwas! In jedem lumpigen Staat, um so mehr unter Bedingungen der proletarischen Diktatur bezeichnet man so etwas als Konspiration gegen den� bestehenden Staat! Ratürtich. in einem bürgerlichen Staat haben auch wir Bolschewiken ähnliches getan. Auch ich selbst habe Gelegcnbeit dazu gehabt. Aber. Genossen, das war dort. Diejenigen jedoch, die uns uud die Kapitalisten auf eine. Süsse stellen wollttn, befinden sich in einem mächtigen Irrttim." Nachdem Tomfki des weiteren ausführlich über die Art der Opposition, zu demonstrieren, gesprochen hatte, stellte er die Frage: Soll etwa das Zentralkomitee Miliz und die Rote Armee auf- stellen und sogen: Platz frei, die Opposition demonstriert?(Bei- fallsklasschen.) In Charkow hat BakowsA auf einer zahlreichen Persamm» lung in Gegenwart ausländischer Delegierter zu Winterkonzeri der„Typographia." Wer etwa der„Tynographia" ihre Ausnahmestellung unter den Männerchören»ich» gönm, der studiere nur etrnnal di« setzte Dortrogssolgi!. Vergleicht man danzst die unserer größten Männer- chöre, so möchte man aus den aslegenllichen zeitgenössischen Schmarren den Schluß ziehen, dast die Prcdukiion der Ladenden auf dem Nullpunkt angekommen ist Alexander W e i n d a u m aber bringt auf einen Schlag zwei neue Zyklen, die in ihrer Art beide lebhafte Beachtung verdienen. Eine„I a n z l i e d s u i t«" von dem Münchener Josef Haas und die �ZtedcretnesDorfpoeten" von dem Ausburger Heinrich Kaspar S ch m i d. Es sind di« denlbar größten Gegensätze. Meister Haas schreibt einen kontropunktisch und imilat misch höchst anspruchsvollen Satz, ganz angemessen der Einstellung des Zeltallcrs, dem die Dichtungen entsprossen sind, näm- lich dem 16. Jahrhundert iauher dem modernen„Die Katze auf dem Dach" aus dem 18- Jahrhundert). Es ist zunächst eine Delilatesse sür Kenner und Feinschmecker, und nur Mänr.erchöre ollerersten Ranges können sich an dies« Ausgabe wagen. West populärer, ein- sachcr. einschmeichelnder und doch nie banal sind die Lieder von Schmid, so recht geeignet, sofort alle Herzen w«st zu machen. Das knorrige und bodenständige„Auf der Lüneburger Heide" von Lendvai, einem unserer Eigensten, darf nicht vergessen werden. Dir Aussührung sowohl der alten als auch der zeitgrnössssckten Chöre stand aus allerhöchster Stuf«. Wie oollendet war die halsbrecherische„Tanzsuite". wie schmelzend sangen sich die„Volksweisen" Schmid» ein, wie herrlich in jebem Atemzug waren die alten Weisen und Daikilieder..Innsbruck" von Jsaoc-Sill hob« ich so schön und rein wohl überhaupt noch nicht gehört, und der prachtvoll« Chor- klang, die musikalische und geistige vollbeherrschung aller Ausgaben, die ungeschminkte, mit«in paar einfachen Bewegungen die größten Wirkungen heroorhclend« Art de» W e i n b a u m s ch e n Dirigieren» brach:« oi« dicht gedrän'ten Zuhörer de» Hochschulsaale» fast aus dem Häuschen. Auch als Begleiter erwies sich der überlegene Dirigent als erittlasssger Künstler. Die Solistin Margret Psahi-Wallerstein stellte sich hauptsächlich als vollendete Keloratursängerin rar, die allerdings von der bravourösen Aeußerlichkeit diese? Spezialfachs einstweilen noch einige» abbekommen hat. Ihre alte Herzlichkest wird hoffentlich recht bald der technischen Lellendung wieder die Hand reichen. Auch«in ausstrebendes Talent. Erwin Aotthelf, der in der„Tanzlivd- suite" ein kleines Holo hatte, s« nicht übergangen. Sein schöner, lyrischer, freier Bariton berichtt-z» zu groben Hcffnunten. _ Heinrich Maurer. Eine ganz« Sladt verkanst. Ein großer Tt'f von Liverpool. einschljeutich der Dorcrl« Lootle, Kirldal« und Walten, ist kü.z'i h oon dem Eigentümer des Grund und Bcden», dem früheren engli» schen Botschester in Paris und Mitglied der konservativen Pari«!. Lord Derby, oerkausl worden. Ev handelt sich dabei um einen Black von 22 000 Häusern, den der Londoner Finanzmagnat Philipp Hill insgesamt für den Preis von l 750000 Pfund Sterling erworben hat. Lord Derby ist schon seit dem Jahre 1922 damit beschäftigt, seinen enormen Grundbesitz zu liquidier««. Die letzte, hier erwähnte Tran»- kprechsn versucht. ZSe Arbeiter Haben ihn barau gehl über t. La weichet«r sich an die ausländischen ZlrdelUr und sagt: »'Run seht ihr. dah heißt bei uns Demotratie!- tZurufe: Zcl�rndc?) ?!achdem der Redner dann eingebend die Kainpfinethoden der Opposition gegen die Partei geschildert hatte, sagte er- ,3o jiarttxj* mir vor der»rage, sollen wir dos weiter dulden aber endlich jQgci\, stop, und wir haben gesagt: verzichtet aus all das. macht Schlich, illegale Versammlungen werden wir nicht mehr gestatten. �.um Teufel mit der Fraktionsdildung, untersteht euch nicht mehr, etich bei den Parteilosen über uns zu beklagen. Wohin sollte das sonst führen. Aus einer Ueinen mechanischen Fabrik, mc 200 Arbeirer beschäftigt, erschien eines Tages ein Plakat an der Wand: »Genossen, parteilose Arbeiter, protestiert gegen den Ausschluß Trohkis und Sinowjew» aus der Parlel." Aus her Konsercnz des Bezirks Sokolniti— ihr wißt ja,>«» Gel enlwttvz».?a4 Relcheftnanzminllterinm,' bat ml, stufiin>m»na des Keichsp' äsibente». ai-lählch ieme« HX Geburt» tage», dem?averiichen tauplwünzamt die Pii-ii' a einer dinbei bürg- Jubilii, ms.Kedenlwünze nach einem Entwurf dcs Münchener Btlbhauer» Karl Götz genebmigt. «tn» Igm'-adl tn Alosk«». In Moskau würbe der(Srunb*ttn zur rrft'it Oilmftabt der Eowieiunion gelegt. Ith beten Bau und Ausrüstung |tn} Millionen Rubel baeUgesUU warbt«. Sturm, Schnee und Regen. Große Verkehrsstörungen in Berlin.— Gchiffsunfälte aus Tiord- und Ostsee. Den Verllnern bot stch heute in der zwölften Mittagsstunde ein seltsame» und bemerkenswerte» Naturereignis. Sei 4 Grad kälte begann gegen X1Z Uhr plätzlich Regen zu fallen. Straßen und Fahrdämme waren in wenigen Miauten mit einer gesährlichen Glotleisdecke überzogen, wie un» vom amtlichen Wetterdienst mitgeteilt wird, hat«» mit diesem seltenen Ilamrspiel al, Vorboten einer zu erwartenden Erwärmung fol- gende vewandtnis: Schon gestern abend machte sich ein Abflauen der eisigen Ostwinde bemerkbar, und da» Onechsilder stieg von— 8 aus—5 bzw.— t Grad. Au» der Miklclmeergegcnd strömen augenblicklich warme Luftströme in einer höh« von etwa 1200 bi» 1300 Metern nach Norden. Unter diesem Märmeluslgebiel. da» auch die Ursache de» plötzliche« Regen» ist. liegt da, Sältegcblek mit durch- schnittlich noch etwa—4 Grad. Langsam wird sich zwischen de« hochliegenden warmen und tiefliegenden kalten Luft, wohinzn noch die Frost absorbierende Erde kommt, ein Ausgleich vollziehen, der ein Aasteigen der Temperatur bis zum Nullpunkt«od zeltweise darüber bringen soll. Es ist also in nächster Zell mU einer Milderung de» Froste» zu rechnen. Auch in den vergen macht sich eine starke Erwärmung bemerkbar. Aus der Schneekoppr und dem Brocken wurden nur noch— 1 Grad, aus der Zugspitze in den Alpen nur noch— 6 Grad in 3000 Meter höh? gemessen. Der Feld- berg im Schwarzwald hatte in 1S00 Meter höh? nur noch 0 Grad. Sollte die Erwärmung anhalten, dürften all« hossnungen ans de» Wintersport wieder einmal zanlchte sein. S Wie wir bereits heute früh mitteilten, kamen im Lause der gestrigen Abendstunden zahlreiche Personen infolge der Glätte zu Fall und zagen sich mehr oder minder erhebliche Per- lctzungen zu. Heute vormittag ereigneten sich wieder zahlreiche Stürze. 23 Personen mußten die Hilfe der Rettungsstelle tn Einspruch nehmen. Allein 14 der Verunglückten mußten mit Arm-, Beinbrüchen und Kopsverletzungen in Kranken. Häuser übergejührt werden. Verkehrsstörungen durch den Eisregen. Z>er Berliner Slraßenbahnvertehr hntte besonders stark unter dem G l o t t e i» zu leiden, und es mußten überall Sand- ftreuwagen in Tätigkeit treten, da dl» Räder bei den Stet- g u n g e n nicht roßten und die Fahrzeuge nicht vorwärts zu bewegen waren. Das gleiche Bild zeigte sich bei der Hochbahn. wo sich auch in den Mittagsstunden di« Verkehrsstörung des Morgens noch auswirkte. Beispielsweise konnten die Hochbahnzüge auf der Strecke Gleisdreieck— Warschauer Brücke nur mit großer Langsamkeit verkehren, und auch hier waren die Schienen infolge des Eisregens so glatt geworden, daß man von den nächst- liegenden Bahnhöfen au» sirnnplmachendes Material heranschafsen mußt«, um ein Wetterfahren der Züge zu ermöglichen. Roch schwie- riger wurde die Sttuailon aber, als da» Ei» am den Schienen sestfror. Dadurch wurde die Stromzufuhr abgesperrt, und zwischen dem Bahnhof Hallesche» Tor und Prinzenstraßr mußten schleunigst Arbeiter eingesetzt werden, die mit T a u m i t t e t n die Schienen- stränge bearbeiteten. Trotz alledem war es nicht möglich, auch nur einen einigermaßen geregelten Perkehx obziuotckeln, un� auj der genannten Strecke wurden die Verstopfungen zwischen 1? und 1 Uhr immer stärker. Auch für den Fuhrwerksverkebr machte sich die Glätte äußerst unangenehm bemerkbar. An verschiedenen Stellen Berlins kamen die Pferde zu Fall, wodurch ebenfalls erhebliche Verkehrsstörungen hervorgerufen wurden. » Dos gesamt« Berliner Hoch- und Untergrundib ahnnetz mit Au»- nähme der Nord südbahn und der T'-Bahnftrecke Nürnberger Platz— Thielplatz wurde heute früh von einer empfindlichen Verkehrsstörung betreffen, die etwa ein« Stunde andauerte. Zahl- reiche Angestellte und Beamte konnten ihre Arbeits- cder Dienst- stellen nur mit großen Verspätungen erreichen. Um 8LS Uhr blieben die starkgesüllten Züge plötzlich mitten auf der Strecke stehen. Das Licht erlosch. ohne daß es zunächst gelang, eine Erklärung für die Bciricbestöning zu erhallen. Wie später bekannt wurde, war in der Maschinen- anlog« de» Kraftwerke» Untcrspree, des den größten Teil de» tt- und U-BaHnnetzes mit Etrr-m versorgt,«ne Störung eingetreten, die eine Unterbrechung der Stromzusuhr zur Folge hatte. Erst gegen 1i10 Uhr war der Schaden im Kraftwerk Unterspree soweit behoben, daß der Strom wieder einsetzte und dar Hochbahn» betrieb wieder ollmähNch tn normalen Gang kam. Auch heute früh machten stch im Zugvertcbr die inzwischen stärker gewordenen Schneefälle wieder störend bemerkbar, so daß eine ganze Reihe von Zügen mit Verspätungen eintrafen. Von diesen Der- spätungen wurde am stärksten der Amsterdamer D-Zug D 1 3 7 betroffen, der auf dem Bahnhof Charlottenburg, wo er 7.07 Uhr eintreffen soll, erst um 7,47 Uhr, also mit 40 Minuten Verspätung, einrollte. Auch d e r T 1 1. der aus Paris kommende Rorderoreß. traf ebenso wie der Kölner D-Zug D 7 mit 22 Minute» Verspätung aus dem Bahnhof Charlottenburg ein. Auf dem An- Halter Bohnhos verspätete sich der Münchener Zug Z 25 um 14 Minuten, und aus dem Stettin er Bahnhos muhte man 24 Minuten auf die Ankunft des aus Sahnitz kommenden Zuges D 18 warten. Auch der D 24 aus Bukarest, der um 7,05 Uhr fahrplanmäßig auf dem Schleslschen Bahnhos eintreffen soll. verspätete stch Intolge Schneeverwehungen und Vereisungen der Weichen um eine halbe Stunde. Lierund.zwanztg Minuten hatte auch der aus Eydtkuhnen kommende D 62 Verspätung. Die auf dem Lehrter und Görlitzer Bohnhos eintreffenden Züge kamen fahrplanmäßig an, während man aus dem Potsdamer Bahnhot 15 Minuten auf den Aachener Zug D 37 warten mußte, der sonst um 9 Uhr eintrifft. Oststurm über Skandinavien. Kopenhagen. 23. November. Der orkanartige Oslsturm nimmt immer mehr zu und wird vermutlich noch einig« Zeit anhalten. Aus G j e d s c r wird W> n d r stärke 10 gemeldet. Der Lustverkehr zwischen Deutschland und Schweden mußte eingestellt werden. Die Säiifsc treffen in allen Häsen mtt außorordenUich großen Verspätungen ein. Der Damvfer.3 o l a n t h a" rannte in der Nachl im Freihasen gegen da» Hasenbollwerk vir und wurde erheblich beschädigt. Bon Falsten- borg aus wurden mehrere vor Anker treibende Schisse gesichtet. die vom Sturm der Küste zugelrteben werden. Der Dreimaster „F y l l o" ist gestern in den Kopenhagener Hasen eingeschleppt worden, nachdem er beide Anker vcrioren hatte. Mehrere Segler, die an der Küste von Bornholm Schutz gesucht hatten. teftnden sich in Seenot. Der von Schweden kommend« Schoner .Mary" ist in der Flensburger Bucht gestrandet. Ebenso wird qe- meldet, daß der große amerikanische Tonkdampser .Illinois" gestern vor Landskrona aus Grund ge lausen ist. Aus Iütland hat der Orkan gewaltige Schneemassen zusammengetrieben, so daß der Eisenbahnverkehr nur mtt Mühe auf- recht erhalten werden kann. Sahnitz ans Lügen. 23. November. Seit drei Tagen herrscht hier«tn gewaltiger Weslsturm. der große Sorge für ist« Schisse aus See aufkommen läßt. In der vergangenen Nacht wurden von See her zwei Schüsse gehört, auch «in Licht durch den Hafenwächter gesichtet. Als die Rettungsmann- schalten ausfuhren, war aber n i ch t s m s h r z u s e h e n. Es wtrd befürchtet, daß ein In Seenot befindliches Schisi nahe vor dem Hasen gesunken ist. Nähere Anhaiispunkte tehle» aber nach. Im Hafen selbst wurde durchs die Wogen, die über die Molen hinwegrollten. gestern vormittag der in Winterquartier liegende Tourendampter „A r k o n o"(Saßnttzer Dampsevgesellschaft) zum Kentern ge- bracht. Der Dampfer liegt bt» zum Schornstein unter Wasser. Hamborg, 23. November. Infolge des togelungen schonen Ostwindes ist im Hamburger Hafen mit 70 Zentimeter unter Null der niedrigste wastepstand er reicht worden, den Hamburg je erlebt hat. Die St. Pauli- Lavdungs- brücken sind vollstSndig aus Grund geraten. Die Schissahrt erleidet groß« Störungen, zahlreiche große Schisse mußten imterizalb Hamburgs vor Anker geben $5 Fischer ertrunken. Conbon, 23. November. Die schweren Stürme der letzten Tage haben der Schissahrt großen Schaden zugefügt. Bei dem Untergang oou Fischerbooten i« der Nähe von Malaga und Eadix sind 35 Personen ertrunken. Wie weiter gemeldet wird, Ist der deutsche Dampfer„Ncbcrjed"(?) an der spanischen Küste gesunken. Die Besatzung soll gerettet worden sein. An tqr englischen Küste in der Nähe von Barmouth befindet sich der Oeldampscr.Georgia" au» Holland mit lbköpslger Besatzung in sinkendem Zustand. Die Rettungsboote können wegen der schweren See nicht an den Oeldampscr herankommen. Von London aus sind besondere Hilfsmaßnahmen eingeleitet morden. Eifersucht ist eine Leidenschast... Em Liebhaber mit Dolch. Salzsäure und Vevolver. Unter der Anklage de» versuchten Totschlages und unbefugten Wassendesitzes stand der 27Iöhrlgc Kouf. mann Alfred Feder aus Brandenburg a. H. vor den Potedamer Geschworenen. Er hat aus seine Geliebte tn maßloser Elsersucht ein Revoloerattentat verübt und das Mädchen schwer verstünnnelt. Die Verhandlung zog sich bis Mitternacht hin und endete mit einer Benirteilung des Angeklagten zu zwri Jahren Gefängnis. Der Angeklagte, ein Mensch, der von einer krankhasten Eifersucht besessen ist, und dessen Gefühlsleben merkwürdige Eigenarten ausweist, lernte anfangs dieses Jahres in Rathrnon eine sehr hübsche Kontoristin kennen und lieben. Jeden Sonnabend fuhr der Angeklagte in die Stadt der Brillen, um dort mtt seiner kleinen Freundin in einem nahe am Walde gelegenen Hotel sein Wochenende zu verleben. Hin und wieder scheinen stch aber auf den Wochenendabenden Otbelloszenen abgespielt zu baden, die nur zu markant aus dem Gesicht und am Körper der Kontoristin abgezeichnet waren. Kam die Aermste doch einmal mtt einem blauen Aug«, ein andermal mtt ausgcpräaten starken WLrpemalen am Halse ins Bureau. Danach belrapr, gestand die Kleine«in. daß ihr Freund aus Brandenburg trotz seiner Liebe In seiner grenzenlosen Eisersuchi sie manchmal auch schlag« und sogar würge. Selbst einen Dolch brachte er nach Rathenow mit. Ein anderes Mal drohte er wieder, chr ein paar Kugeln in den Leib zu sagen: Salzsäure batt, der Liebste auch schon für das zarte Gesicht der Freundin in Aussicht gestellt. Das war zuviel, und die Klein« gab ihrem Wochenendfreund endlich den Laufpaß. In seinem Serienstkmerz taufte sich der Angeklagt« eindn Revolver, und dann suchte er eine Kartenlegerin In Branden. bürg auf..Junger Mann. Sie kriegen auf dem Gericht zu tun. und Ihre Liebste ist Ihnen nicht treu!" meint« die Frau. Da» vnr zuviel für den Otheklo. Noch am selben Nachmittag fuhr er nach Rathenow, lauerte seiner abtrünnigen Freundin vor chrem Hause auf, und al» die Versöhnung scheiterte gab der Angeklagt« einen Schuß auf da» Mädchen ob. der der Bedauernswerten den Unterkiefer zerschmetterte. Die ärztlichen Sachver- ständigen bezeichnen den Angeklagten als einen Psychopathen mit hysterische� Veranlagung, gepaart mit Brutalität. Di» Voraussetzung für den ß 51 sei hier nicht gegeben Das Urteil lautet« out zwei Jahre G-sänani», wovon stehen Monate der Unter» suchungshast als verbüßt erachtet wurden. Oer Mittäter Spruchs. bekannt, aber noch noch nicht ergriffen. Ungeheures Aussehen erregte im vergangenen Jahre ein großem Juwelenroub, der am 25. September, gerade am Tag» der Eröff- nung der großen Pvlizeiausstellung. in der Tauentzienstraßc verübt wurde. Zwei jung« Burschen, dir die Gelegenheit vorher sorqsättig aus- getundschasiei hatten, drangen unter Abbrennen von Jeuerwerts- körpern in den Iuwelenladen von Marotti u. Freinl ein, schosten auch auf den einen Geschäftsinhaber, ohne Ihn zu treffen, und raubten jür 120000 Mark Juwelen aller An. Trotz eifriger Verfolgung entkamen ste mtt der Beute durch das KdW. hindurch. Binnen kurzer Zeit gelang es der Kriminalpolizei. den Haupttäter, einen Johannes Spruch, zu ernüttein und in Breslau festzunehmen Spruch wurde zu 7JahrenZuchthaus verurteilt, die er setzt in Brandenburg a. d. H. verbüßt. Scineu Mittäter wollte er nicht kennen. D e Ermittlungen ergaben zunächst nur, daß e» ein stmger Mann mtt dem Spitznamen. Schmicde-Vaul" sein sollt». Im Lause der Zeit wurden mehrer, Spuren oerioigi, vis man jetzt ftststellen kennte daß der qcsuch'c Mittäter ein?4 Jahre riter. aus Korenzinsk in Polen gebiirttaer Stanislaus K o h u t ist, der mit Vornemen auch Paul geritten wird. Dieser Bursche ist ost vorbcstrast. Endlich konnte auch Spruch nicht länacr leugnen und mußte zuaeben daß er den Uebertall mit K a b» t zusammen eusqesübri hatte. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von 500 Mark für zweckdsenliche Mitteilungen aus dem Publikum ausgesetzt. o 1230 nicht gestartet. Emden. 22. November. Nach einem hier«iveegangenen Funkspruch au, Herta ist»nt> gegen«nderel�ttenden Meldungen da» I u n k e r»- F l u g z e u g D 1230 am Dienstag nicht nach Amerika gestartet. C» bat zwar bei günstigem Wetter und ruhiger See am Nachmittag zwei Startversuche gemacht, tonnte aber nieht hochkommen. (Schluß des redaktionellen Teil») Al» gMlfttitto v«u»mU««I«Mfn bic bat* blt anarnbliOliA nlibr'gt Ttmv- mtzir w«rftmirna« litjrn«*««te b«» fat Mrn *b»«ai«aben neben eigenem Kahnraum auch eigene Schleppkrast zur Verfügung, und transportieren auf den Kanälen mit 200- l' 8- Dampfern Frächtenmengen wie auf dem Rhein mit AX> PS. Hinzu kommt, daß den Firmen die B c r l a d e e i n r i ch- t u n ge n in Emden unter den günstigsten Bedingungen zur Verfügung stehen. Die Kanalabgaben und Monopol-Schlevplöhnc sind in kurzer Zeit zweimal um 10 Pro.z. gesenkt worden. Es wird auch nicht nur Erz transportiert, sondern die verschiedensten Güter, und der Erzoersrachtung von Emden nach Dortmuid schließt sich die Rückoersrachtung von Kohlen noch Ende» an. Die Frachtein- nahmen auf dem Kanal ergeben für die Unternehmer sehr gute Der dienst«. Die Unkosten on Schlepplohn. Hafengeld und Lohn bei einer Reste belausen sich aus etwa 60 Proz. der Frachtsumme. Die Lohnunkosten betragen 15 Proz. der Frachtcinnakine. In diesem Jahre sind von allen Kähnen, die Erz und Kohlen transportieren, 20 bis 22 Reisen gemacht morden. Glänzend ist das Auckergeschäft: dort machen die Lohnunkosten rund 10 Proz. der Frachteinnahme aus. Die Partiknlierschisser fahren Erz und andere Frachten noch billiger für die Reedereien, und die Reedereien stecken, ohne einen Finger krummzumachen, de Differenz zwischen dem feststehenden Frachtsatz und dem Betrage, den sie an die Pariituiierschstser.zahlen, in die Tasche. Do» kohlensyudlkal. dessen Tochterunternehmen die größte Firma der Konolschstsahrt, die West sälische Transport-Aktien-Gesellschaft ist. sucht die notwendige Erhöhung der Bezüge des Schifsahrtspersonals zu hintertreiben und die Löhne möglichst niedrig zu halten. Der Wochenlohn von 35,31 M. für einen oerheirateten Matro- sen, der einen doppellen Haus holt führen muß, reicht einfach nicht aus. Bei 6 0 Arbeitsstunden in der Woche ergibt sich noch kein Rotstandsorbeiter-Stundenlohn, und dann doppelter Haushalt. Die besondere Bezahlung von Ueber-, Nacht- und Sotzntagsorbeit über die angezogene Arbeitszeit hin- aus ist doch wobl selbstverständlich. Der Kanalinatrose erhält 80 Pf. jür die Ueberstunden. Wenn er, wie die Arbeilgeber behaupten, ll M. Ueberstundcnaelder verdient, dann normalerweise nur bei einer wöchentlichen Arbeitsleistung von 7 4 Stünden mit 46,41 M. Wochenverdienst. Die Unternehmer eisern in der bürgerlichen Presse, daß der ihnen„aufgezwimgene Kamps" durchgehallen werden müsse. Sie sperren jetzt sämtliches Personal aus. Das Personal hat sich von vornherein auf einen langen Kampf eingestellt. Die Organisationen werden nicht unnütz die Situation verschärfen,' nur wenn sie gezwungen werden. Die Behörden scheinen den Unternehmern in die Hand zu arbeiten. Schlei, senreparoturen, die in allen zurück- liegenden Jahren im Februar oder März gemacht worden sind, werden jetzt ausgeführt. Die Unternehmer stellen ihr Ge- schäst um: die Seedampser mit Erz werden nach Rotterdam be- ordert. Dos alles wird die Streikenden nicht obhallen, ihr« Lohn- forderungen zu vorfecksten und die Pläne der Unternehmer zu durch- kreuzen. Krankenkassenwahl tn Köpenick. Am Sonnabend, dem 26. November, findet die Wahl.zum Ausschuß der Allgemeinen O r t s k r a» k e n k a s s e für de» Snidtbezirt Köpenick statt. Bon allen Allgemeinen Orts- lianlentafsen in Berlin wird diese Wahl die einzige sein. Die christlichen Kewerkschasten haben der Liste des Ortausschusses des Allgemeinen Deutschen Gcwcrkjchaftsbundes unter dem Kennwort„christlich-nationol" eine Liste gegenübergestellt. Die Lifte der freien Gewerkschaften trägt die Ordnungsnummer I, die Lifte der christllch-nationalen die Ordnungsnummer IT. Für die christliche Liste hat in den Kirchengemeindcn dir Agitation eingesetzt. In der katholischen Kirche werden im G o t t c s d i e n st die Gemeindemitglieiwr von der Kanzel herab ausgefordcrt, für die Liste II einzutreten. In der evangelischen Stadt- l i r ch e n g e in e i n d c ist man vorsichtiger: hier wird in den verschiedensten kirchlichen Vereinen usw. auf die Bedeutung der Wahl und zum Eintreten für die chrisUich-natianalc Liste hinge- wiesen. Diese Geschäftigkeit nmß für die Mitglieder der freien Gewertschasten ein Ansporn sein, cbensalls rege zu vgitieren. Die Wahl ist am Sonnabend in der Zeit von nachmittags 1 Uhr bis abends 7 Uhr. Es wählen die Beschäktigten, welche in Betrieben der D a m m v o r st a d t tätig sind, im Lokal van Oskar Schulz, Bohnhofftraße 4: die in der Kietz vorst od: Bcichäftigten im Lokal von Lietsche, Dorothccnftraßc 1; die in der Altstadt und K ö l l n i s ch e n Vorstadt Beschäftigten im Kässenlokal, K u t e n b e r g st r a ß e 3.3. Freiwillige und arbeitslose Mitglieder können in einem der drei Wahllokal« ihre Stimme abgeben. Für jeden Arbeiter und jede Arbeiterin ist es Pslicht, zur Wahl zu gehen und im Bekanntenkreise noch für die Liste I„Freie Gewerk- schassen" za agitieren. Stimmzettel tvcrden im Wahllokal aus- gegeben. Ortsausschuß Berlin de» ADGB„ Unlerkommijsion Köpenick. Lohnbewegung im Karofferiegewerbe. Die Funktionäre des Berliner Karosscriekortells waren am Diensiag abend im Berbandshaus der Metallarbeiter zirfammen- gekommen, um zur Kündigung des Lohn und Maniellarife» Stellung zu nehmen. Nachdem Genosse Picht vom Holzarbeiter- verband die Entwicklung der Löhne in diesem Jahre und die äugen- blicklichen Arbeitsverhällnisse in diesem Gewerb« geschildert hatte, beschlossen die Funktionäre, das. Lohnabkommen z irm 2 7. Dezember z» kündigen und ein« Erhöhung der Löhne und Akkorde um lä Prozenr zu fordern. Zur Kündigung des Manieltarifcs beschlossen die Funktionäre viel in ehr, eine Bollversammlung aller Korosseriearbeitcr einzuberufen und dieser Versammlung die Entscheidung zu überlasten. Die Wahlen zur Angestelltenversicherung. Dem Reichswahlousschuß der freien Angestelltenverbände liegen die weiteren Ergebnisse aus folgenden 43 Walilkreisen vor: Mark ranstädt, Nürtingen, Gelscnlirchen, Wattenscheid, Wanne. Cölbe on der Saale, Unna i. W., Hörde, Dortmund. Haspe. Hattingen, Aurich, Meißen(«tadt und Land), Großenhain(Stadt und Land), Loßnitz im Erzgebirge, Zschoppau, Eschwege(Land). Fronkcnthal in der Pfalz, Reutlingen, Anklom, Quedlinburg, Bublitz, Ojchersleben, Minden, Uelzen, Halbcrstadt, Thole, Kosel, Straubing, Suhl, Weißen- see i. Th., Emden(Land), Ostpriegnitz. Wittenberge, Oberbarnim, Stettin, Bütow, Posewalk, Gollnow. Insgesamt haben in den bisher veröffentlichten 215 Wahl- kreisen on Stimmen erhallen: Allgemeiner freier Angestelltenbond<53 288. Deutjchnationaler HondlUngsgehilscnocrband 131 5.56, Gewerkschosts- bund der Angestellten 126 573, imistige Hauptousschußverbäudc 31747, 17 Frauenberussoerbände 53173. Nach§ lOöa Absatz 3 des Angeftelltenversicherungsgesetzes ist das Stimmrecht der Äersichcrtenoertrcter unter den Vertrauens- Männern nach der Zahl der im Wahlbezirke vorhandenen Versicherten zu bemessen. Die untere Verwaltungsbehörde stellt diese Zahl nach Schätzung seit. Bei einer Brrsichertrnzahl bis zu lOOO enifallen auf den Wahlbezirk drei Stimmen, für je weitere volle 1000 crhöhi sich die Zahl der Stimmen um drei, in die sich so ergebende Stimmen- zahl teilen sich die Bersichertenvertreter des Wahlbezirks zu gleichen Teilen. Daraus ergibt sich, daß bei der Wahl des Berwaltüngsrats durch die Lertrauensmänner nicht mehr die Zahl der gewählten Vertrauensmänner maßgebend ist, sondern in welchen Wahlkreisen die einzelnen Vcrirauensmänner gewählt sind. Je nach der Zahl der versicherten Angestellten in diesen Wahlkreisen wächst das Stimmrecht des einzelnen Vertrauens- mannes. Die Vertrauensmanner des AfA-Lunhes finh Bot»?«* gend in den Wahlkreisen mit viele» Versicherte« gewähll. so daß das Stimmrecht dieser Vertrauensmänne? weit größer ist, als die Zahl der gewählten Vertrauensmänner zum Ausdruck bringt._ Die starken Zigarrenmänner. Sie setzen ihren Xeichsverband aufS Spiel. Die BS.-ÄorresponSen.z hat von dem Rclchsvcrbovd ds? Zigarrenfaboikonten erfahren, daß er nicht gewillt sei, irgmlvvelche Zugeständnisse zu machen. Dos ist nichts Neues. Neu dagcgqp ist die Satzerweiterung: .. sogar aus die Gefahr hin. daß es dadurch zn einem Bruch inaerhalb der Organisation kommen könnte." Damit geben die starten Zigarrenmänner mll ihrem Admiral an der Spitze, zu, daß sie den Bogen allzusehr über- spannt haben. Der größte Teck der Fabrikanten hat sinne Arbeiterschaft nicht etwa ausgesperrt, weil er dies etwa zu seiner Interessenwahrung als zweckmäßig und unvermeidlich hielt, sondern aus dem einfachen Grund«, weit er der Drohung des Reichs- Verbandes mit hohen Konventionalstrafen folgte. Diese Auffostung wird durch die folgende Meldung erneut bestätigt. Die Aussperrung im Bezirk Llntermam. F. F. Gießen. 23. Novennber.(Eigenbericht.) Der Bezirk Untermain umsaßt Teile von Hessen und vom Regierungsbezirk Sassel, sowie U n t« r s r o n k e n. Im ganzen Bezirk gibt es 187 Betriebe mit 4200 Beschäftigten, davon 90 Proz. Frauen und Mädchen. In 152 Betrieben mit 3600 Beschäftigten wurde die Aussperrung durchgejührt. 35 Betriebe. die dem Reichsverband deutscher Zigarrenhersteller nicht angehören, beschäftige» ihr« 600 Arbeiter u«d Arbeiterinnen weiter. Aber auch die RDZ.- Betrieb« haben die Auesperrung nur widerwillig durchgeführt. Tie Firma Ludwig Grau in Bad Orb sträubte sich lange gegen die Aus- spcrrung und erklärt«: „Ich mache das Theater nicht mit!" Als der RDZ. aber eine hohe K o n v e u i i o n a Ist ra f e an- drohte, fügte sich der widerspenstig« Fabrikant und kündigt« seinen Arbestern schließlich am 5. zum 19. November. Er wäre von sich aus zu einer Lohnerhöhung bereit gewesen und hat seinen Arbeitern sagen losten, wenn sie in Not geraten, könnten sie bei ihmpZorschuß bekommen, den sie dann nach der Aussperrung wieder abverdienen müßten. Die Zigarrenfabrikanten, die unler dem Terror des RDZ. ausgesperrt haben, fühlen bereits deutlich die Konkurrenz der ober« badifchen Zigarrenindustris, die zum allergrößten Teil trotz wiederholter Kündigung ihre Arbeiter wsiterbeichäftigt und deshalb in der Lage ist. die Weihnachtsbestellungen zu erledigen. während die mittel- und norddeutschen Zigarrensobriken ihre Kund- schast nicht bedienen können. Die angeblich« Einigkell der Zigarrenhersteller ist also schon recht brüchig geworden. Lohnbewegung bei der Nordwestlichen. Essen, 23. November.(Eigenbericht.) Zn einer Delegierieukonscrenz des Deutscheu Alctallarbeilerver» bandes in Esten wurde die Kündigung der Lohn- und Arbeilszellabkommen für die Blelallinduslrie der nordwestlichen Gruppe beschlossen. Oer Achtstundentag in Argentinien. Erst wenn die„Großen" ratifiziert haben. IAB. Der Redaktionsausschuß für das Arbeitsgesetzbuch hat einen Fragebogen versandt. Die argentinische Arbeitgebervereini- gung hat in bezug auf den Achtstundentag bei der Beantwortung des Fragebogens erksärt, daß sie die theoretischen, rechtlichen und sozialen Gründe anerkennt, die den Achtstundentag und seine staatliche Regelung rechtfertigen und daß sie auch aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen diese Beschränkung der Arbeitszeit für zweckmäßig hält. In bezug auf die Verteilung Per 3lrbellszeit ist die Bereinigung der Aufsasiung, daß es notwendig sei. ein« durchschnittliche achtstündige Arbcitszest innerhalb eines mehr oder weniger langen Zwischenraumes(2 oder 3 Wochen) festziisefien, um eine gewisse?lnpasjungsmög>ichreit zu geben, die gestoltel, den Be- dürsnistm von Handel und Gewerbe gerecht zu werden. Außerdem sollten Ausnahmen in bezug cuii Ueberstunden die Einholung ver- lorener Arbeitstage und die Einführung der Schichtarbeil zugelassen werden. Die Bereinigung glaubt, die Ratifikation des Washingtoner Uebereinkommcns über den Achtstundentag nicht empfehlen zu können, solange die großen Industriestaaten noch nichts ralifizierr haben.__ Ausgehobene Sperre. Vom Zentraloerband der Hotel-, Nestau- rant- und Easeangeslellten wird uns mitgeteilt, daß die Sperre gegen den Betrieb„Potsdamer Bierhallen", Äöniggrätzer Straße 71, aufgehoben ist. Der Tarisbertrng wird anerkannt, das Personal ist orgänisiert. eikrlnilwortüch silr Politik: Dr. a»r»«Scqer! Wirtschaft: K. ttlingeitöfer: Sewerkschaliobewegunn: Z. Steiner! Feuilleton: 8. S. Dölchei! Lokales und sonstiges: Feig Dorstadt:-Anzeigen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin. Bertaa: Borwärts-Verlag S m b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buckidruckree» und BerlagsanstuI» Paul Liuger v Lo. Berlin LW 88. LindenstraKe 3. 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