Morgenausgabe flr. 555 A 252 44. Iahrg Ausland d.ZV Stsichsmart pro Monat. »er.BorwSrts' mit der ivufirirr. ten Sonntazobrilage.Boll und.?«it' sowie den Zk, logen»Unterhaltung und Sifien".«us der M Im weit". .Stnbtoeilage',„Frauenitimme", »Der Kinderfreund�, �iugend-Bar» wiirto»,„Blick in die Kücherwelt", �Sulturarbeit" und„Technik" erscheint wochentägiich zweimal. Sonntags und Rontags einmal. G. Berliner VolWblatt Oonnersiag 24. J>)vember 192? Groß-Äerlin Pf. Auswärts 4S Pf. Sie»in p a l t i g» NonvareMe�eve «0 Pfennig. Reklameteile 6— Reichsmark.„Kleine Äuzeigen" dos lettge- druckte Wort 2� Ptcnuig szu'äisig zwei settgedNl ckte Worte) i edes weitere Wort >2 Kienntg. Tiellengeiuche das erste Wort tS Pfennig, iedes weiter» Wort 10 Pfennig. Worte Uder 15 Buchstaben >ät)lfn>ür zwei Worte. Ardeilsmarit jtelle 60 Pfennig. FamiUenanreigen tür AdonnentenAe le«Pfennig Aiueioeir- annähme im KauptgeschSft Linoeu- ltraße 3 Wochentag! von 8>/..bis l7 Uhr. Jettisalorsan der GozialdemokraiisOen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 gernsprccher: Dönhoff 292—297. Tolegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BcrNn 37S30.— BonNonto: Bank der Arbeiter, Angestellt« und Beamten Wallstr. 65. Diskonto-Gesellschaft, Tepositenkasie Lindenstr. S Fori mit der Lnteressenwirischasi! Schiele, von der Sozialdemokratie gestellt, macht Ausflüchte. Nachdem der Reichstag vorgestern seine Wtnterarbeit ziemlich ruhig aufgenommen hat, kam es gestern bereits zu einem scharfen Vorstoß der Sozialdemokratie gegen die Regierung. Wie angekündigt, schickte unsere Reichstags- fraktion gestern die Genossin Toni Sender vor, um die Regierungsmethoden des Reichsministers Schiele zu tritisteren, den ein Industrieführer einmal trcjsend als den Minister für Ernährung der Landwirtschaft bezeichnet hat. Den bürgerlichen Parteien war bei diesem Angriff der Sozial- demokratie nicht sehr wohl. Denn er richtete sich in Wirklich- keit nicht allein gegen die Person Schieles und nicht gegen die willkürliche Zollerhöhung auf den für die Kinder» «Nahrung wichtigen Industriemais— der Angriff ging vielmehr gegen das im heutigen Parlament weit verbreitete System der Verknüpfung privater Interessen mit öffentlichen Aemtern. Noch ist der Fall in Erinnerung, wo der christliche Land- arbeiterführer Behrens als Aufsichtsratsmitglied einer Zündholzindustrtegruppe sich nicht scheute, das Amt eines parlamentarischen Berichterstatters zum Zündholzsperrgesetz zu übernehmen. Bekannt ist, wie in den Beratungen über die Handelspolitik die bürgerlichen Parteien immer diejenigen Mitglieder in die Ausschusse enticnden und zu Rednern be- stimmen, die gleichzeitig als P r i v a t i n t e r e s s e n t t u persönliches und materielle Gesichtspunkte bei der Beurtei» lung volkswirtschaftlicher � Fragen vorzubringen pflegen. Und «st ganz neuerdings erfuhr die Oeffentlichkeit, daß aus- gerechnet der frühere Konteradmiral Brüning h a u s als Berater der Zigarrenfabrikanten austritt, ein 2lmt, zu dem, er keine andere Eignung als die eines Reichstagsmitglieds mitbringt. Dieses System der Derquickung eines Dolks- oder Regie- rungsmandats mit der Wahrnehmung privater Interessen stand gestern unter Anklage. Man versteht, daß die bürgerlichen Parteien, deren fast jede Intereflenten in ihren Reihen hat, sich bei der Debatte i» betretenes Schweigen hüllten und lediglich den Wirtschaftsparteller Borrmann sprechen ließen, der ebenfalls nicht frei von privatwirtscbaslltchen Interessen» sondern als Führer eines großen Einzelhandelsoerbandes sprach,— alz solcher freilich gegen die Erhöhung des Maiszolles. Obwohl die Sozialdemokratie den Vorstoß bereits an- gekündigt hatte, war die Regierungsbank bei dem Aufruf des Beratungsgegenstandes noch leer. Daher beantragte Abg. Müller-Franken(Soz.), die Verhandlung so lange auszusetzen, bis der Reichsaußenmimster Strese- mann und der Reichsernährungsminister Schiele yerbeigeholt feien. Noch während im Hammelsprung über diessv Antrag abgestimmt wurde, nahm der Reich sernährnngsminister seinen Platz ein. In gewohnter Weise hüllten sich die Regie- rungsparteien in Schweigen. Genossin S e n d e r, die nun zum Wort kam. führte unt« Erinnerung an den deutsch-jchwedischen Handelsvertrag den Nachweis, daß der Bürgerblock versucht, hinter der Kulisse von Handelsverträgen gewisse Zollerhöhungen durchzuschmuggeln. Die Zollerhöhung für Speise- tnais diene lediglich dem Kampf der Kariofselstärkefabriken gegen die Konkurrenz der Maisstärketabriken. Die bürg«- uchen Parteien, die die sozialdemokratische Rednerin zunächst durch laute Gespräche zu stören verlulbten. wurden ausmert- fam, als sie sich unmittelbar an den Reichsernährungsministcr Schiele wandte. Sie brachte die peinliche Tatsache zur Sprache, daß der Reichsernährungsminister, der durch die Erhöhung des Maiszolls die Kartoffelstärkefabriken bevorzuge, selbst finanziell an der Kartoffel st ärkefabrtka- t i o n beteiligt sei. Die sozialdemokratische Rednertn zitierte das feierliche Gelöbnis des Grafen Westarp, daß der Dürgerblock für die Reinigung des öffentNchen Lebens sorgen werde. Hier habe er Anlaß zur Betätigung. Der Reichsernährungsminister zeigte durch feine hoch- fahrende Antwort, daß zwischen der sozialistischen und der bürgerlichen Auffassung von der Verbindung zwischen Amt und Privatgeschäft ein unüberbrückbarer Gegensatz klafft. Der Reichsernährungsmluister gab die von der Abgeordneten Sender behaupteten Tatsachen über sein» Beteiligung an der Schölten A.-G., dle auch Kartoffel» stärke fabriziert, zu. Er meinte aber, es könne ja überhaupt nicht ein Fackmann Ernährungsmtn ister werden, wenn man von ihm verlange, daß er nicht an landwirtschaftlichen Ge- fch ästen beteiligt sei. Gegenüber den Einwänden des Reichsernährung»- 1 Ministers stellte Genossin Sender noch einmal fest, daß seine privaten Interessen offensichtlich mit seinen amtlichen Aufgaben in Konflikt geraten seien. Es würde sich ein ungeheures Geschrei in der Rechtsvresse erheben, wenn man denselben Nochweis gegenüber- einem sozialistischen Minister führen könne. Für die soziale Bedeutung des Mais» zolls habe der Minister keinerlei Verständnis gezeigt. Er versuchte sich damit herauszureden, daß diese Zollerhöhung nur wenig« Pfennige ausmachte. Offensichtlich habe er keine Ahnung davon, daß im Arbeiterhaushalt nur mit P f e n- nigen gerechnet werden müste.. Der Führer des Landarbeiterverbandes, Genosse Georg Schmidt, wies nach, daß die auch jetzt wieder von dem Ernährungsminister aufgestellte Dehauprung von der all- gemeinen Notlage des Großgrundbesitzes falsch sei. Energisch verwahrte sich Schmidt gegen diese ewigen Klagelleder des Ministers, die immer die Notlage der Landwirtschaft hervor- heben. Er bewies, daß diese Klagen sich auf falschem Zahlenmaterial gründen, und brachte Beispiele dasür, wie reichlich die Großgrundbesitzer ihren„Lohn- anspruch" in dle landwirtschaftliche Buchführung einsetzen. Obwohl Genosse Schmidt seine Mitteilungen auf amtliches Material stützte, erklarte der Reicheernährungsminister, daß er erst in den späteren Lesungen darauf eingehen könne, weil er dos Material nicht zur Hand habe! - So ist cs wimer: wenn höhere Zölle fordert, dann rium die Begründung dafür jederzeit zur Hand. Wenn aber die Vertreter der Derbraucher beweisen, daß die Grundlagen dieses Urteils falsch und einseitig sind, dann erst begibt man sich an die Prüfung dieser Angaben— und es läßt sich auch ohne Phantasie im voraus leicht erraten. wie die Prüfung ausfallen wird. Spricht nickt allein die Tatsache, daß das Ernährungsministerium von einem Führer des Reichslandbundes bekleidet wird, in hohem Maße für die Verquickung von Politik und Geschäft, die Schiele gestern ebenso hochfahrend wie nichtssagend zu bestreiten suchte? > die Landwirtschast klagt, und ist unserem Ernährungsministe- Der Reichstag nahm gestem zunächst das Handels» ab k o m m c n mit Frankreich in dritter Lesung an, ebenso den Vertrag mit der Tscheck)oslowatei zur Regelung der Grenz- Verhältnisse. Nunmehr soll die erst« Lesung de» Handelsvertrages mit Sugv» slawien beginnen. Da die Regierungsbank leer ist, be- antragt Abg. Müller-Franken tSoz.), solange auszusetzen, bis d>>r Reichsauhcnminister s erhöht werden.soll. Dies« Absicht entspricht keineswegs«in«: Verelnbaning mit Jugoslawien, sondern der Vertrag soll dazu in i ß- braucht werden/ um die Interessen kleiner deutscher Gruppen zu fördern. Darin kommt der reaktionäre Kurs der Wittschaftspolitl." dieser Regierung zum Ausdruck.-(Sehr richtig! bei de» Soz.) 1925 hat man. gesagt, daß der Zolltarif nur als Verhqnd- lungsinstrument dienen solle, um von den hohe« Zolle» herunterzukommen. Schon beim schwedischen Vertrag hat man die damaligen Versprechungen preisgegeben, und in diesem Jahre Hot man neue Zölle aus wichtig« Nahrungsmittel, Kartofseln. Mehl und Vieh geschaffen. Diesmal soll nur eine Position erhöht werden. 1925 hat man die Disserenzierung zwischen /sutler. und Jndustrieinais abgelehnt, well das technisch nicht durchsghrbor sei jetzt wird diese DIfserenzlenmq zu Lasten der Verbraucher vorgenommen. Der Aultermaiszoll soll von 3,20 VT. ans 2.50 M. ermäßigt, dagegen der für Speisemais auf 5 ZN. erhöht werden.(Hört, hört! bei den Soz.) „potemkin"— in Toulon. Die Kammer darf den Skandal nicht untersuchen! Varl,. ZZ. November.(Eigenbericht.) Am ZNUtwach wurden in der Sawmer die Matrosen. Unruhen in Tonlon behandelt. Zu dieser Stadt und auf eiuem Danzerkreuzer haben dle Matrosen gemeutert, weil die Ernährung nicht einmal den primitivsten Anforderungen der Hygiene entsprach. Ihre Behauptung, daß das gelieferte Misch sich in völlig ver. dorbenem Zustand befunden hat. ist von der Regierung bisher nicht widersprochen worden. Die Marinekommlssion der Sammer. dir sich mit diesem Skandal besaßt hat. beschloh deshalb, eine parla- mentarlsche Untersuchung einzuleiten. Di« französische Regie- rung lehnte aber ob, die zur Durchführung einer Enquete erforderlichen Vollmachten zu geben. Gleichzeitig drohte der Marineminlster mit der Demission, wenn ein Darlamentarier die Kasernen der ihm unterstellten Truppen betreten sollte. Da» hat gewirkt. poincarä erklärte sich mit seinem Marineminister solidarisch. Di« Aotge war, daß die bürgerliche Kammermehrheil wie üblich zu Kreuze kroch. Vi« für notwendig gehaltene Enquete unter- bleibt also! Zwangsarbeit mordet Eingeborene. Im Verlaus der Debatte über da, Koiontolbudget krisi. sierte der sozialistische Abgeoudnete Fontoni'er« das Kolonial. Programm der französischen Regierung und protestierte vor allem gegen die Ausbeutung und unmenschliche Behandlung der«Ingeborenen Arbeiter Die Aushebung von Arbeitern im französischen Aequatorialofrika sei durch Zwang«rsolgt Cs sei die Pslick# d«r Regierung) für eine besser« Vehanblung. Ernährung und Bezahlung der eingeborenen Arbeiter zu sorgen. Wie wählen die Frauen? tUber diesen, für die kommenden Wahlkämpse bedeutunzS- volle» Gegenstand finden unsere Leser eine« Aufsatz in der dieser AvSgade beiliegende»..Frauenstimme". Der Kolonialminister mußte w seiner Erwiderung zugebe� daß bei dem Bau einer Eisenbahn in Afrika«in Test der Arbeiterschaft buchstäblich zugrunde gegangen ist. Wer verhandelt mit Polen? Kandidat: Minister a. D. Hermes. Ein Nachrichtenbureou wüßt« gestern abend zu berichten, daß zum Leiter der deutschen Delegation für die Dertvagzverhondlungen mit Polen der früher« Minister Hermes ausersehen tei. Wie uns an amtlicher Stellr dazu erklärt wird, ist die Personenfrag« jedoch noch nicht gelöst. Sie ist aber um so wichtiger, als das Per» sagen de» bisherigen Derhanhlungsleitcrs, Staatssekretär Lewalh, gezeigt hat, welch« nachteiligen Folgen für die seit langem erstrebt« Verständigung mit Polen ein« unzulänglichc Derhandlungsfüh- rung Hot. Der neu« Kandidat, der Zentrumsmann Minister a. D. Hermes, steht den großagrorischen Krei'cn nahe. Seine Wahl würd« bedeuten, daß das Reichokabmet! trotz der bisherigen schlechten Er- fahrungen auch diesmal wieder ein Kompromiß zugunsten der deutschnationol«n Agrarier gefckstossen hat. Angc- stchts der scharfen Quertreibereien, dl« gerode vom agrarischen Flügel der Deutschnationalen her gegen den Polenoertrog schon jetzt vor- anstaltet werden, wäre es ein Fehler, wenn die Regierung dies«!, Kreisen Zugeständnisse macht Di« deuisch.polnischen Wirtschaftsver. Handlungen sind ja nicht nur von Bedeutung für unseren Außen- Handel, fondern sie sind auch für die Industrie und insbesondere für die künftige Gestaltung de» politischen Verhältnisse» zu Polen von größter Wichtigkeit. Au, diesem Grund« wäre e» er» wünscht, wenn die Reichsregierung zum Leiter der Unterhandlung«, -in« Persönlichkeit ausersieht, die nach ihm Stellung und nach ihn» Vergangenheit die Gewähr dafür bietet, daß die Interessen des ganzen Polte» nicht wieder zu kurz kommen. Diese Voraussetzungen scheinen bei Minister Hermes, dessen Verhandlungsgeschick im übrigen nicht bestritten werden soll, jedenfalls nicht vorzuliegen. Wem ist damit gedient? von einer Not der SartoffeMr?». fniniten kann kein« Rede sein, da die Karwffelpreise weit über vor- iriegshöhe stehen. Diese Zollerhöhnng dient lediglich dem Kampf der' Kartoffelstärkefabriken gegen die Konkurrenz der Maisstärke- fabriken. Das Hauptabfatzgebiet für Maisstärk« ist der Nährmittel- markt. Für die aus Maisstärke erzeugten wichtigen Nährmittel kann man ans Karwffelstürk« keinen Ersatz schaffen. Die an« Maisstärke hergestellte« Nährmitte, diene« 90t der Ernährung von Kindern, Kranken and fstr de» ärmeren hanshalt. Die Zollerhöhung bringt also eine Verteuerung der Ernährung für die minderbemittelte Vevölkernng. Im letzten Jahr« sind nur ISO 000 Tonnen Industriemais eingeführt morden, dem Kartoffetbau war dies« Menge nicht gefährlich�«» Isaudelt sich also nur mn den Schutz der kleinen Gruppe von Kartoffel st Srkefabriten. Nun spricht man sa auch wieder von einem Schutz der deutschen Arbeit. Die Maizena A.-G. in Barbi, die größte dafür in Betracht kommende Fabrik, beschäftigt 1000 Arbeiter, deren Interesse durch die Zollerhöhungen ebenso ge- schädigt wird, wie das der minderbemittelten Verbraucher. Wir haben allen Anlaß, die Nahrungsmittel für Kinder nicht zu verteuern, sondern soweit wie möglich zu oerbilligen. Ist doch Tatsache, daß die Säuglingssterblichkeit in Deutsch- land mit am hoch st en unter allen europäischen Ländern ist. Sie betrug 192S 10,5 Proz� in Schweden dagegen nur 5,5 Proz., in England 7,5 Proz., in Dänemark 8,1 Proz.(hört, hört! bei den Soz.) Di«.Deutsche Tageszeitung� hat sich damit zu trösten gesucht, daß das Maizenaprodukt die Zollerhöhung tragen könne, da es sich ja nur um Pfennige handelt,(hört, hört! bei den Soz.) Was aber Pfennige im Haushalt des Arbeiters de- deuten, das zeigt jetzt der Kampf im Zigarrengewerb«, wo Arbeiter mit 19 Mark Wachenlohn nach Haufe gehen müssen. Für die Gesundheit des Volkes hat man kein Geld, die Nahrungs- mittel werden ständig verteuert. Den Betrag für Kinder- s p e i s u n g im Cwt hat man in diesem Jahr« erst gestrichen, schließlich aber, nachdem sich ein Entrüstungssturm im Land« er- hoben hotte, von urtprünglich 5 Millionen aus 4 Millionen reduziert, und dabei erklärt, daß für diesen Zweck keine Mittel mehr bewilligt werden würden,(hört, hört!) Fehlt in der Borlage jede sachlich« Begründung für die Erhöhung de» Mais- Zolles, so ist die persönliche Sache um so peinlicher. Mr stellen fest, daß der Reichsernährungsminister Schiele persönlich an den kartofselstärkefabrikeu beteiligt ist. Roch seiner eigenen Angabe ist er an der Schalten A.-G. mit Fabriken in Brandenburg, Kreuz, Landsberg und Schollene mit Kapital beteiligt. Drei von diesen Fabriken verarbeiten ausschließlich Kartoffel« zu Stärke, nur in Brandenburg wird ein Teil der Stärke aus Mais hergestellt. Auf eine Gesarnwerarbeitung von täglich 35 000 Zentnern Kartoffeln entfallen nur etwa 1000 Zentner Mais,(hört, hört!) Es ist eine ZrrefShrnnq der veffentNchketl. wenn Herr Schiele behavpten läßt, die Schotten A.-G. verarbeite in der Hauptsache Mais.(Hört, hörtl bei den Soz.) In Wirklich- keit können die gesamten Anlagen höchstens zu einem viertel Mais '»erarbeiten. Es steht fest, daß die Anlage in Schollene ursprünglich .Herrn Schiel« gehört hat, und daß er diese dann an die Schotten A.-G. oerkaust hat. Der heutige Aktienbesitz an Schotten und der Anteil des Herrn Schiele daran würde wesentlich entwertet werden, wenn Schölten dauernd nur Mais verarbeiten würde. Als die Regierung am 20. Januar 1925 ihr Amt antrat, erklärt« Graf Westarp:.IMf eisernem Lesen ohne Aasehen der Person und der Partei werden wir der eingerissenen Korruption entgegen. treten und Sauberkeil and Ehrlichkeit In unserem Sfsentstchen Lebe«, ,n unserem Slaatsfeben wieder herstellen." Aehnliche« ist ja auch hei der Präsidentenwahl rersprochen worden. Wir stellen nunmehr fest: Kmnn se zuvor sind persönlich« Interessen mit der Politik so verquickt worden wie hier. Herr Schiele hat die Oesfentlitkkeit über seine Interessen lag« irre- geführt. Schließlich gab er indirekt zu, daß es feinen Interessen dienen würde, wenn die Schollen A.-G. nur Kartoffelstärke erzeugt. Schon bei einem Abgeordneten müssen wie diese vermengrmg von Politik und Geschäft ablehnen. Sei einem Malst« ist sie unerträglich.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir stimmen mit dem Grasen Westarp darin überein, daß für die Reinheit des öffentlichen Lebens ohne Ansehen der Person gesorgt werden muß Darum beurteilen wir die gesamte Wirtschaftspolitik sachlichen Motiven. Wir wenden uns dagegen, daß die Mrstchgftspolttik m den Dienft emzetner Gruppen oder Industrien gesteät wird. Jetzt sehen wir, daß in der Regierung ein Gegen- i o tz zw ifchen dem Reichswirtschaftsminister Curtins «md dem Reichsernährungsminister Schiele besteht. Herr Curbus verkündet den Abbau des Zolltarif«. Herr Schiel« da- gegen will die Zollsätze für die wichtigsten Lebensmittel unausqefetzt erhohen Wir verlange� daß die Wirtschast-politik so geführt wird. der Allgemeinheit und nicht dem persönlichen Interesse dient. (Lew). Beifall bei den Soz.) Reichsernährungsminister Schiele lbehauptei. daß er fest 1920 an der»artvffrtstärkefabrik Schollen«. deren Mitgesellschafter«r bis zu diesem Jahre war, nicht m« h r unmittelbar beteiligt sei.(Zuruf tinks: Umntttelbar') 1920 ging die Fabrik Schollene in den Besitz der Schotten A.-G. nber, und die Gesellschafter, darunter auch ich, haben dafür S cho lt e n- A kti en bekommen. Die Schotten A.-G. hat s�der Mir Kartoftelstärte fabriziert, ist aber schon seit Jahren in ihrer hauptsabrik Brandenburg zur Maisstärkesabrikation über- gegangen.(Zuruf link»: Und die anderen Fabriken?) Di« Mai�na. Maisstarkefabrik hat die Mehrheit des Aktienbesitzes der Schollen. lhärt, hört! rechts.) Wenn ich meinen persönlichen Interessen dienen wollte, dann hätteich umgekehrt zugunsten der Maisstärkesabrikation wirken müssen. Wenn man mir meine Finanzielle Beteiligung an rtncc Fabrik zum Vorwurf macht, dann dürste ja niemals ein land- wirtschaftlicher Genossenschafter Landwirtschaftsminister werden. Ich suhle mich oerpflichtet, der nationalen Wirkfchast zu dienen, und vorwerte dazu die Erfahrungen, die ich in 2ZiShrtger fachmännischer Tätigkeit gesammelt Hab«.(Beifall rechts.) Damit sind wohl die welter, chutternden Beweismittel für meine Korruption ertedigl.(Bei- fall rechts.) Der Kindermai» hat mit der hier erörterten Zoll- w-lle gar nichts zu wn. wenn man nicht an den hier erörterten politischen Kindermais denken will.(Sehr gut! rechts.) Der Minister getst dann auf die Entwicklung des Kartoftelmarktes ein. um darzulegen, daß der Zollschutz eine nationalwirtschastlich« Notwendig- kell sei'..um den Kartoftelabsatz zu regeln und zu fördern, der Kartonelstärke- und Glykose-Jndustrt« die dringend notwendig« Gründl«!« zu geben, die nationale Arbeit durch Intensivierung des ciues zu schützen und um die Handelsbilanz zu korrigieren. (Lebb. Beifall rechts.)- __ Abg. vorrmann kWirtfch. Partei)? hält die Angriff« der Sozial- bemolwft« auf den Minister Schiel« für zu weitgehend, est. er er 5'�- areichmlls gegen die Erhöhung des Zolles «nkf Industnemais wenden. Abg. Frau Sender(Soz.)' Peiß fest, daß der Minist«« Schiele im wesentlichen da- bestätigt Sozialdemokratie gegen ihn vorbringen mußte. Wenn Üi spricht, daß es schwierig sei. einen Landwirtschastsminsster '-e n"*,<,,n irgendeiner Weise an den zur Verhandlung stehenden Fragen interessiert sei. so gtbk er damft zu. daß ein Unter- newn-rvertrstter immer die eigener. Interessen über die Interessen der Allgemeinheit stellen müsse. Aus diesem Grunde ist es bei dieser Gelegenheit zu einem Interessenkonflikt gekommen. Herr Schiele hat weiter gesagt, daß die Erhöhung des Maiszolles im Inter- esse der Aartoffelanbau er liege. In Wirklichkeit kommt Quantum, das sowohl an Aartosselm wie an Mai« zu Stärke Verwaltungsreform in Bayern! Oer Ministerpräsident unierrichtet die sozialdemokratische Fraktion. Alünche«.». November.(Eigenbechcht.) Die sozioldemotratisch« Fraktion de, bayerisch« Landtags empfing am Mittwoch den Besuch de» bayerischen Minister- Präsidenten. Dieser Besuch, der aus ausdrücklichen Wunsch des Herrn Held erfolgt«, hatte den Zweck, die sozialdemokratisch« Fraktion mit allen Einzelheiten der geplanten Bereiufachung und Berbilligung der Staatsverwaltung bekannt zu machen. Die Ursach« dies«, Unterrichts ist wohl darin zu sehen, daß sich der Durchführung der Vereinfachungsaktion sehr erheb- lich« Schwierigkeiten innerer und äußerer Art entgegen- gestellt hoben und die vorgesehen« völlig« Ausschaltung de» Porta. ments von jeder aktiven Mitwirkung unmöglich machen, wenn das ganze Werk nicht von vornherein zum Scheiter» verurteilt fein sollte. Die Mitteilungen des Ministerpräsidenten war« vertraulicher Natur, so daß ein« Veröffentlichimg und Erörterung de» Regie- rungs planes im Augenblick noch nicht möglich ist. Der Plan gl!«- dert sich in vier Teil«: Umorgonisation der Aemter, Reform der Verwaltung. Bureaureform und Zusammenfassung der Referate. Im Bordergrund steht naturgemäß die Neu- und Umorganisation der Aemter, durch die ein« Reih« oon Aemtarn der Iustizoer- w a l t u n g und der inneren Verwaltung aufgehoben bzw. zusammengelegt werden. E» handelt fich dabei mn Ober- landesgertchte, La ndesge richte, Amtsgerichte. Areisregierungen, Be- zirksämter, Vermessungsämter, Forstämter und dergleichen mehr. Im Bereich des Kultusministers soll eine Reihe oon Doppel- Professuren an den Hochschulen beseitigt werden. Durch besondere Lorschläge der Landesschultommission will man «in« ioner« Reorganisation der Mittelschulen vor- bereiten. Di« Verminderung der Zahl der Ministerien hängt mit den bekannten KoaliLonsschwierigkeiten zusammen: doch ist der MimsterprSsident der Auffassung, daß die sogenannten drei neuen Ministerien(Landwirtschaft, sozial« Fürsorge und Handel) verschwinden müssen, wenn nicht die ganze Ber- einfachungsaktion einer politischen Belastung ausgesetzt werden soll, dte sie kaum aushallen wivd. Mit der Bearbeitung von Borschlägen für die BerwaltungS- reforw ist zurzeit noch eine Kommission beschäftigt. Nach den Beratungen innerhalb der Fraktionen will der Ministerrat den ganzen Bereinsachungsplan in zweiter Lesung verabschieden und dieses Programm dann dem Gutachtenausschuß des Landtages unterbreiten. Erst dann soll die Oeffentlichkeit mit de»» Plan in seinem ganzen Umfange bekannt gemacht werde». Der Ministerpräsident hofft, daß vielleicht schon bis Ende dieses Jahres, ganz sick-er aber bis zum Frühjahr, bevor das Mandat des gegenwärtigen Landtages erlischt, der ganze Dereinfachung-plan durch ein« Sammelverordnung der Regierung durchgeführt werden kann. Er ist zugleich der festen Ueberzeugung, daß die Durchsüh- rung der Dereinsachungsaktion für Bayern absolut notwendig und dringend fft, weil sonst das Reich oder sogar außerdsutschc Stellen gezwungen wären, einzugreifen. Hinsichtlich der Neuorganisation der Gerichtsbehörde, ohne die ein' Vereinfach'.'»»} nicht durchzuführen fft, will die Regierung ein Tutachten des deutschen Swatsgertchtshofes einholen. Gefahren für die Gewerkschasten. Oie Einziehung von Vermögenswerten im neuen Girafgeseh. Der Strafaesetzausschuß des Reichstages beschäftigte sich gestern zunächst mit dem Z 51 des Gesetzenlwurses. nach welchem dem durch eine strafbare Handlung Verletzten gestattet werden kann, die Berurteilungauf Kosten des Verurteilten ö s s« n t l> ch bekanntzumochen. Genosse Roseafeid beantragte eine Ein- schränkung dieser Bestimmung dahin, daß die Bekanntmachung nur in den vom Gesetz ausdrücklich bezeichneten Fällen zu- lässig sein soll. Nach kurzer Debatte wurde dieser Antrag auge- n o m m e n. Eine lebhaste Debatte entfesselle§ 52 des Gesetzentwurs«», nach welchen«ingezogen werden können nicht nur Sachen, wie im gellenden Gesetz, sondern auch ander« Bermög«ns werte, di« durch eine strafbare Handlung hervorgebracht oder zur Begehung einer strafbaren Handlung gebraucht worden sind,»der dazu be- stimmt waren. Genosse vosenseld wies darauf hin, daß auf Grund dieser Be» stinnnung die Gewerkschaftskasfen in die Gefahr der Einziehung geraten löuuten. E» könnten sich Gerichte finden. die davon ausgehen, daß nach irgendwelchen Zusammenstößen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden di« Streikgelder dazu be- stimmt seien, strafbare Handlungen zu begehen. Abg. Scheiter(Z.) entgegnete, daß die Gefahr für die Gewerk- schaffen doch wohl keine große sei. Ein« geringe Gefahr könne er allerdings nicht leugnen. Di« Sozialdemokraten sollte» etwas wehr Bertrauen zu den Richtern haben. Auch Minfftertaldirektor Rumke meinte, daß ernstliche Gefahren für die Gewerkschaften nicht vorlägen. Genosse Rosenseld erwidert«, daß mit der Aufforderung zum Vertrauen zu den Richtern an der Praxis der Gerichte nicht» geändert werde. Lei der herrschenden Klassenjustiz könnten diese Gesetzesbestimmungen sehr leicht gegen die Gewerk- schoften mißbraucht werden. Die Gewerkschaften aller Richtungen würden im Verlangen nach Einschränkung des§ 52 einig sein. Schon die bisherigen Beratungen des Gesetzes und die Ablehnung fast aller soziatdemokratischeii Verbesserungsanträge hätten wahrlich keine dem Gesetz günstige Stimmung hervorgerufen. Wenn man nun sogar dazu übergehe, der Arbeiterbewegung neue Fesseln zu schmieden, so sei das Schicksal des Gesetzentwurfes besiegelt. Vergeblich versuchte Ministerialdirektor koen« und Abg. wunderlich(D. Vp.) die Bedenken der sozialdemokratischen Fraktion zu zerstreuen. Genosse Levi bezeichnete es als ein« traurige Gesetzesmacherei. sich darauf zu oerlassen, daß die Richter das Gesetz nicht mißbrauchen würden. Auch von den höheren Gerichten sei das schlimmste zu befürchten, erst recht, wenn das Reichsgericht die höchste Instanz sein soll«, dessen unhallbare Urteil« sattsam bekannt seien. Genosse Dittmann wies auf die Gefahren der reichsgerichtlichen Rechtsprechung besonders für die Gelder der K o m m n n i st i- scheu Partei hin. Nach Herrn Niedncr könne sehr leicht jedSr Kommunist als Hochverräter bezeichnet werden. Um der Gerechtig- keit willen sei ein Schutz vor Uebergriffen der Gerichte zu forden,. Nach längerer Diskussion, in welcher der Abg. Brodaus(Dem.) den Standpunkt oertrat, daß eine protokollarische Fest st e l l u n g dahin genüge, daß der Ausschuß unter leinen Umstanden löewerkschaslsgeider der Einziehung untermerseu wolle, wurden di« sozialdemokratischen Berbesserungsanträge- mit den Stimmen aller bürgerlicher Parteien bei Stimmenthaltung der Demokraten abgelehnt. Diese Beschlußfassung zeigt von neuem, weiche Gefahren da* Strafgesetz m sich birgt, und es wird immer zweifelhafter, ob w't diesem Gesetzentwurf«ine für die Sozialdemokraten annehmbare Reform geschaffen werden kann. Der Ausschuß trat dann noch in die Beratung der Bestimmun gen des Gesetzentwurfes über Maßregeln der Besserung und Sicherung ein. Di« Berichterstatter Abg. weqman«(Z.) nnb WunderNch (D. Vp.) erstatteten ihre Referate. Die Weiterderatung wurde als .dann auf heute vertagt. verarbeitet werde, für den gesamten Kurtofsetanbau fast gar nicht in Betracht. Wenn der Minister auch jetzt wieder daoyn spricht, daß er di« national« Wirtschaft vertrete, so miissen wir doch feststellen, daß zur nationalen Wirtschaft auch die haupffächlich Produzierenden und sie in erster Linie gehören, das sind die Arbeiter. Die Sozialdemokratie vertritt die Interessen dieser Produzenten, damit zugleich auch die Interessen der V er- b r a u ch« r. Wir sondern, daß nicht nur immer sür di« Unternehmer. sondern vor allem sür di« arbeitenden Massen gesorgt wird. Abg. Schwidt-Köpenick(Soz.) wendet sich gegen die Behauptung des Ministers Schiele, daß in der ostelbischen Landwirtschaft durchweg mit Verlust gearbeitet werde. Ist ihm das Material nicht bekannt, das der Enqueteausschuß vorgelegt hat und aus dem sich eine ganz andere Schlußsolgerung ergibt? Der B u ch p r ü s u n g s d i e n st. auf den sich der Minister beruft, berichtet doch nur noch den Angaben der buchführenden Land- wlrt«. Daraus ergibt sich beispielsweise, daß ein Großgrundbesitzer für fich selbst eine« Lohnanspruch oon 6000 IN. einsetzt. Hai er Frau und ein Kind, so kommen noch?000 Hl. hinzu und begnüqt er sich mit einer Wohnung von 10 Zimmern, so rechnet er sür jedes Zim- mer noch extra 100 IN. dazu, von der Mimsterbank werden immer die ungünstigsten Zahlen herausgesucht, um die Oeffentlichkeit irre- zuführen, wenn man sich aber dag amtliche Material ansteht, so ergibt fich di« Unwahrheit der Angabe, daß olle landwirtschaft- lichen Betriebe mit Verlust arbeiteten.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Reichsernährungsrungsminister Schiele bemerkt dazu, daß er für- die 2. und 3. Lesung der Vorlage das Material unterbreiten werde, das der Abg. Schmidt-Köpenick erwähnt habe. Damit fft die Aussprach« beendet. Der Handelsvertrag mit Jugoslawien geht an den handelspolitischen Ausschuß. Um 18)4 Uhr vertagt sich dos Haus auf Donnerstag 14 Uhr: Telegraphengesetz. Ausiieserungsgesetz, Gesetz über den Reich,- wirtschaftsrat. Gtaatspräsidenienwaht in Raden. Karlsruh«. 23. November.(TU.) In der heutigen Nachmittagssitzung des badischen Sandtages wurde Innenminister Dr. R e m m e l e(Sozialdemokrat) mit 48 Stimmen zum Staatspräsidenten und sviimznunister Dr. Schmidt mit 49 Stemmen zu seinem Stellvertreter gewähll. 22 weiße Zettel wurden abgegeben. Sie stammen von den Deutsch- nationalen, der Wirffchoftlichen Deremlgrmg, dem Landtmnd, der Deutsche» Voll»parte» und de» Komnnmffte«. Sozialrentner und Arbeitslose. Wann kann der Anspruch auf Uuierstühvag erhoben werden? Nach dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat Anspruch auf Arbettslosenunterstützung, wer: 1. arbsils- fähig, arbeitswillig, aber unfreiwillig arbeitslos fft, 2. die Anwart- schaftszeit erfüllt hat, 3. den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung noch nicht erschöpft hat. Für den Anspruch der Sozialrentner auf Arbeitslosenunterstützung ist entscheidend, ob Arbeitsfähigkeit vor- liegt. Im Sinne der Arbeitslosenversicherung fft arbeitsfähig der- jenige, der imstande ist, durch eine Tätigkeit, die seinen Kräften und Fähigkeiten entspricht und ihm unter billiger Berücksichtigung seiner Ausbildung und seines bisherigen Berufs zugemutet werden kann, wenigstens«in Drittel dessen zu erwerben, was geistig und körperlich gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in der- selben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Diese Begriffsbestimmung der Arbeitsfähigkeit knüpft an den Begriff der Invalidität, wie wir ihn in der Invaliden- Versicherung kennen, an. Damit ist jedoch noch nicht gesagt, daß vorhanden« Invalidität mit Arbeitsunfähigkeit in allen Fällen gleich- zusetzen fft. Es fft also sehr wohl möglich, daß die Arbeitsfähigkeit von Jnvalidenrentnern zu bejahen ist. Das gilt insbesondere von den Fällen, wo Invalide nrentner eine arbeitslose nversiche- rung sp f lich tige Beschäftigung ausgeübt haben. Das Gesetz ��Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sieht in seinem§ 88 Abs. Z hierfür eine besondere Erleichterung vor. Er bestunmt: für Arbeitnehmer wahrend 26 Wochen Beiträge r>L c rrtrL�fn � fünften Abschnittes entrichtet worden, c* L*r""�fch�det des Z 89 nur dann als arbeits- angesthttt werden, wenn sich sein körperlicher oder geistiger Zustand nach dem Ausscheiden aus der Beschäftigung, wahrend der dre Betträge entrichtet wurden, so verändert hat. daß die Voraussetzungen de« Absatz 1 nicht mehr vorliegen." Was hier für die Invalidenrentner gilt, die Rentenbezieher sind, weil sie zwei Drittel ihrer Erwerbsfähigkett eingebüßt haben, gilt natürlich erst recht für die Jnvolidenrentner. die ihre Rente beziehe», weil sie das 65. Lebensiahr erreicht haben, ftier kann natür» lich erst recht Aroettsfähigkett vorliegen. Da» Wiederaufnahmeverfahren für vsknr Stecker ist nun auch M dritter Lesung vom Unterhau, zugelassen worden. I Es geht auf die Wahlen! Zentrum und Volkspartei erklärten durch ihre Kühre», fich t« kommenden Wahlkompf nicht an dieOeutschnationalen zu binden. �.euTötHE. ,Oer da?- Den kennen wir gar nicht!— Haben nie etwas mit ihm zu tun gehabt!' Verständigung durch Änksregiermgen. Eine Unterhaltung mii dem radikalen Politiker Z.£. Bonnei. Der französische Abg. I. L. Bannet, Mitglied der radikalen Fraktion und ehenmliger Finanzmini st er im Kabinett Poinleoe-Briond, weill gegenwärtig in Berlin. Bonnet ist«in noch verhältnismäßig junger Politiker. Er gehört dem linken Flügel seiner Partei an. Als Finanzminister Hot er seinerzeit Sanierungs- maßnahmen vorgeschlagen, die im wesentlichen die Zustimmung der Sozialistischen Partei fanden. Gerade über dies« Pläne ihres Finonzministers stürzte jedoch die Regierung Painleoe im Rovem- der tSV und seitdem ist der politische Kurs in Frankreich immer stärker von den Elementen des Nationalen Blocks beeinflußt worden, mit Ausnahme der Eintogsregierung �erriot im Juli t92fi, der Bonnet übrigens ebenfalls angehörte. Ein Mitglied der„Dorwärts*-Redaktion richtete im Laufe eines Gesprächs mit dem Abg. Bonnet on ihn die Frag«, wie er die gegenwärtige politische tagt Frankreich» beurteile: .Sie wch'en," so antwortet« der französische Politiker,„unter welchen Umständen die jetzig« Regierung der„nationalen Einigkeit" gebildet wurde. Man hatto'nach den Wahlen vom Mai 19T4 nach- einander versucht, eine Rechtsregterung unter Francois- Marsal. sodairn Regierungen des Linkskartell» unter' cherriot und Painleoe� schließlich ein« sogenannte Konzentration?- regierung unter Briand zu bilden. Alle diese Ministerien wurden nacheinander gestürzt, well sie über keine parlamentarische Mehrheit verfügten. Angesichts der Gefahr, die dem franzosischen Fronken im Zusammenhang mit diesen fortwährenden Regierungskrisen drohte, wurde die Regierung Poincarä gebildet. Niemand be. streitet die hinsichtlich der Stabilisierung der Währung erzielte,, Ergebnisse. Es find dabei von der Bank von Frankreich die Mittel angewendet worden, die ich selbst, in meiner Eigenschaft als Finan.;- minister im November 19ZS— leider vergeblich— vorgeschlagen hatte." „Wie steht es nun mit der auswärtigen Politik Frankreichs?" „Die auswärtige Politik Frankreichs wird von B riand mit der ungeheuren Autorität geleitet, die er weit über Frankreichs Grenzen hinaus besitzt. Es sei eine Politik der beut sch- i ranzo si s chen Verständigung und des europäischen Friedens. Ich betone übrigens. daß dieses Programm die eigentlich« Wahlparole bildete, mit der unsere Linksparteien bei de» Wahlen vom Mai 1924 gesiegt hatten." „Wie beurteilen Sie nun die Aussichten der kommenden Wahlen in Frankreich, „Es steht ganz außer Zweifel, daß die nächsten französischen ISahlen vom Mai 1928 sür die auswärtig,' Politik Vriands eine Billigung und Bestätigung bedeuten werden. Sowohl die Sozialistische Partei wie auch mein« Partei, die Radikale Partei, werden, befander? infolge des neuen Wahlmodus, sehr gestärkt au» dem nächsten Kamps hervorgehen. Daran läßt sich keinen Augenblick zweifeln. „Wie beurteilen Sie dann die Aussichten für ein« deutsch- französische Verständigung?" „Wir Wänaer der französischen Linken, mir haben nur den dringenden Wunsch, daß auch in Deutschland die aufrichtigen and entschlossenen Anhänger eines guten Einvernehmens zwischen Deutschland und Fronkrelch noch den nächsten deutschen Reichstags' wählen gleichfalls in die Lage verseht werde«, gemeinsam mit uu» eine energische und feste Aktion sür den Friede« und für die Völkerverständigung zu führen." Unser Mitarbeiter mochte darauf aufmerksam, daß», es dann das erstemal seit Kriegsende wäre, daß die Linke in beiden Ländern zur selben Zeit regieren würde. Ab. Bannet bestätigte, daß es auch nach seiner Meinung im höchsten Grade wünschenswert wäre, wenn man endlich zu einer gleichzeitigen Machtausübung durch die demokra- tischen Kräfte in Frankreich und in Deutschland gelangen könnte. Kampf um die weltliche Schule. Die Sozialdemokratie begründet im Ausschuß ihre Stellunguahme. Der Bildungsausschuß des Reichstages setzte gestern die Beratung des§ 4 fort. Eine länger« Aussprache erfolgte bei Abs. 7 des Entwurfs, der die Anstellung und Beschäftigung der technischen Lehrer zu regeln vorsieht. Es war bezeichnend, daß der Abg. Runkel es Liberalismus von Herrn Runkel und Frau Matz beantragte. Verschlechterung der Regierungsvorlage. �"trag des Zentrums, daß die Vorblldung der Lehrkräfte den Erfordernissen der Bekenntnisschule ent- lpreihcn müsse, wird vom Abg. Rheinländer(Z.) dahingehend er- läutert, daß die Vorbildung an einer simultanen Akademie nicht ausreichend für Anstellung an der Bekenntnisschule fki. Eine Befragung der Regierung durch die Abg. Bäumer(Dem.), ob die Länderregierungen über die im Gesetz hinausgehen- den Bindungen Verschärfungen einführen könnten, wird von Ministerialdirektor Pelengahr dahingehend beantwortet, daß die --ander so �b sie die Schule gewisser Leute sei, weist Fleißner scharf zurück. Die damit beabsichtigte Mißkreditierung der westlichen Schill« liege klar zutage Man könne sich eben eine Schul« ohne dogmatische Bindung nicht vorstellen. Für die weltliche Schule komme nur die WifFenschaft und ihre Erfahrungen als Lehrmethode in Frage. Die Sozialdemokratie lehnt es ab. so wie e» die Regierung vor hat, aus der weltlichen Schule eine weltanschaoungsschule machen zu lasse«. Sie soll keine untergeordnete Sonderschul« fem. Noch den bereits gefaßten Beschlüssen sür die Bekenntnisschule erhalt« die weltliche Schule noch eine besondere Bedeutung. Sie werde nunmehr die Gemeinschaftsschu leimvoll st enSinnedesWortes. Der Entwurf müsse aber gerade an dieser Stelle stark geändert werden, denn sonst trete auch durch den§ 5 eine außerordentliche Zersplitterung ein. Dr. Schreiber(Z.): Nach der L e rf a ss n ng haben wir es mit einer Weltanschauungsschule zu tun. Wir haben nicht die Absicht, der weltlichen Schule ein« Aschenbrödelstellung zuzu- weisen. Wir find bereit, ihr volle Gerechtigkeit zuteil werden zu lasten. Philipp(Dnatl.) schlägt vor, die bestehenden juristischen Schwierigkeiten, die die Derfastung bleie, und die entgegen dem Willen der Berfassunggeber entstanden seien, durch«ine Der- fassungsänderung zu beheben. Abg. Löwensteiu(Soz.) weist darauf hin, daß, wenn die Welt- onschauungsschule als selbständige Schule m der Verfastung stände, dann aus Art. 149 folge, daß in ihr Religionsunterricht ordentliches Lehrfach wäre, also z. B. in einer atheistischen Schule Religions- Unterricht ordentliches Lehrsach wäre. Die Sozialdemokratie sieht in der weltlichen Schule die allge- meine Schule, die ihren Unterricht aus deng emeinsomen weit- lichen Bedürfnissen aufbaut. Sie will die Kinder vom Standpunkt der Gegenwart für die Zukunft ihrer Aufgaben erziehen. Jeder Lehrer, der davon überzeugt ist, daß es unabhängig von religiöser oder weltanschaulicher Bindung eine ausbauende Er- ziehungsarbeit gibt und der gewillt ist, entsprechend zu unterrichten. kann Lehrer an der weltlichen Schul« sein. Oer Kriegsminifier möchte schieße«. Sine Forderung auf estnische Pistolen. Reval, 23. November.(Eigenbericht.) Der estnische Kriegsminister General Reeks Hot den sozio- llstischen Abgeordneten und Chefredakteur Ret des sozialdemokratischen Parteiorgans„Rachva Söna" auf Pistole« ge> fordert. Die Ursache dieser hysterisch«, Aufforderun« bildet ein Zusammenstoß im Parlamentsausschuß für Auswärtiges. Rei erhob hier im Zusammenhang mit der Birk-Affäre schwere Anklagen gegen den estländischen Generalstab. Er ist über die Intrigen dieses Generalstabs gegen den ehemaligen russischen Ge- sandten in Polen. Birk, als dessen Verteidiger m dem kürzlich abge- schlössen«« Prozeß besonder» gut informiert. Der Reichsparteivarstand des Zentrum» tritt am Montag in Berkin zusammen, um sich mit den in Regensburg getroffenen Berein- barungen über die Arbeitsgemeinschaft zwischen d-r Zen- trumsfraktion und der Fraktion der Bayerischen Volk-partei des Reichstages zu befassen. Der Vorstand der Bayerischen Volkspartei hat den vorläufigen Vereinbarungen fein« Zustimmung- bereits ertettt. Reinhardt und Kiep. Unter Schwarzweißrot in New tiork. Die„Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg hat ein« groß« Freude: wie ihr aus New Bork gemeldet wird, ist dort Max Reinhardt durch einen„großen Empfang" begrüßt worden. An dieser Veranstaltung hat neben einer großen Reih« bekannter Per- sönlichketten New V°rks auch der deutsch« Geschäftsträger Botschaftsrat Dr. Kiep teilgenommen und— immer nach dem Bericht des Hugenbergmannes—„im Namen des deutschen Volkes und der deutschen Reichshanptstadt Berlin" für den Ehrenabend und sür die freundliche Aufnahme Reinhardts ge- dankt. Hugenberg läßt die Meldung natürlich nicht hinausgehen, ohne besonders zu betonen, daß die Bühne des Theaters, in dem der Empfang stattfand,„mit der alten schwarzweißroten Flagge ohne Gösch, der österreichischen und der amrei- konischen Flagge geschmückt" war. Wir dürfen annehmen, daß als österreichisch« Flagge nicht etwa das alt« Schwarzgelb der Habsburger, sondern das R o t w e i ß der Republik Deutschösterreich gezeigt wurde. Wenig- stens wird das Gegenteil nicht berichtet. Wenn aber die Deutschen in New Dork sich gefallen lassen, daß an Stell« der republika- nischen Flagge die alte Flagg« des Kaiserreichs gezeigt wird, so ist das eine Geschmacklosigkeit aller an dem Empfang betelligten Deutschen. Zumindest hätte der deutsche Ge- schäststräger als amtlicher Vertreter des Reiches rechtzeitig auf den Widerspruch aufmerksam machen müssen, der darin liegt, daß man einen Deutschen ehren will und seine R-ichsflagge a b s i cht- l i ch i g n o r i e r t. Ein solcher Hinweis hätte die Amerikaner, die sehr stolz auf ihr Sternenbanner sind, zweifellos veranlaßt, die richtige Fahne zu ziehen. Wir wissen auch nicht,«er Herrn Dr. Kiep beauftragt hat.„i m Namen der Reichshauptstadt Berlin" zu sprechen. Sollte ein solcher Auftrag überhaupt erteilt worden sein, so würde er nach den bekannten Vorgängen in Berlin sicher zurückgenommen worden sein, falls man vorausgesehen hätte, daß sich der Bertreter der deutschen Botschaft die Brüskierung der Republik durch die Kaiserflagge würde gefallen lassen. Wenn man nicht annehmen will, daß der Hugenbergmann eine ohsichtlich falsche Meldung in die Welt setzt, so muß man den Reichsaußenminister fragen, ob e r die Teilnahme von deutschen Diplomaten an Veranstaltungen gutheißt, bei denen die deutsche Republik durch Mißachtung ihrer Reichsfarben ossenkundig verhöhnt wird. Der Berliner Magistrot wird sicher keinen Zweifel darüber lassen, wie«? über den Fall Ktep-Reinhardt denkt. � Reparationsgläubiger gegen Schacht. Frankreich und die Aufnahme deutscher Amerika-Anleihen. Rem Jork, 23. November.(WTB.) Wie„New B�k Times" aus Paris meldet, steht die sr Die Unkernehmer der Zlgarrenlndustri« haben mit der Aussperrung Tarisbruch begangen. Das wird dem R. d. Z. ausdrücklich durch seine Spitzeiwrganisa- tion bescheinigt. Die Zigarrenfabrikanten haben freilich Schlimmeres be- gangen: sie haben den Arbeitern und Arbeiterinnen der Zigarren- industri« Löhne aufgezwungen, die in ihren Auswirkungen an die dunkelsten Zeiten des Frühkapitalismus erinnern. Die Stätten der Zigarrenindustrie sind ein sozialer S ch a n d s l e ck in Deutsch- land. Und diese kaltherzigen Ausbeuter von Kindern und Frauen haben es fertiggebracht, unter Führung eines ehemaligen kaiserlichen Admirals die Oeffentlichkeit durch diese Aussperrung herauszufordern. In Gott ergebene, kirchlich und bürgerlich gesinnte Frauen und Mädchen, Unorganisierte und christlich organisierte Wähler Hinden- hurgs und des Bürgerblocks, die resigniert ihr Kreuz trugen und bei Kartoffeln, und Brot sich und ihr« Familien mit Tobakstoub ver- gifteten, sie sind ausgesperrt, ohne daß sie oder ihre Unternehmer eigentlich sagen können, warum sie ausgesperrt wurden. Wir begreisen, daß die Vereinigung der deutschen Arbeitgeber- verbände es unter diesen Umständen nicht wagt, die Aussperrung auch nur zu erwähnen. Es hat auch nie einen hoffnungsloseren Fall gegeben, als den Versuch, diese Zigarrenfabrikanten zu verteidigen. Demonstratlonsstreit bei der Reichsbahn. Gegen die Lohndrückerei der Hauptverwaltung. Dresden. 23. November.(Eigenbericht.) In dem großen Reichsbahnausbesserungswer? Dresden-Friedrichstadt, in dem ISOO Arbeiter beschäftigt sind, kam es zu einer Arbeitseinstellung. Die Ursache hierzu liegt in der unbefriedigenden Lohnregelung durch die Rcichsbahnhauptverwaltung. Dem Vernehmen nach soll auch bei den sogenaniuen Ortslöhnen für Dresden keine wesentliche Er- böhung eintreten. Das hat die Arbeiterschaft besonders erbittert, zumal immer höhere Leistungen von ihr verlangt werden. Dazu kommt, daß mit der Weigerung der Hauptverwaltung, den Lohn zu erhöhen,«ine Kürzung der Akkordsätze chand in chand geht. In der im Anschluß an die Arbeitseinstellung erfolgten Aus- spräche zwischen Direktion und Personal provozierte der Werkdirektor Kallenbach die Arbeiterschaft durch scharfmacherische Redens- orten. Ein Schrei der Entrüstung und Empörung mar die Antwort. Dem Betriebsrat gelang es nur unter großer Mühe, die Arbeiter zur Rückkehr an die Arbeitsplätze zu bewegen. Die Reichsbahn- direktion lehnte es ab, eine von der Belegschaft entsandte Kam- Mission zu empfangen. Ob des Vorfalls hat sich auch auf den übrigen Dienststellen in Dresden der Eisenbahnbediensteten eine große Erregung bemächtigt. Die Berliner Holzarveiter. Gute Entwicklung in den letzten Quartalen. Die Berliner Holzarbeiter hotten am Dienstag abend im.„Klub« hau»", Ohmstraß«, ihr« ordentlich« Generaloersammlnng. Der Be- vollmächtigte, Genosse F r e i g a n q, gab in seinem Geschäftsbericht für dos 2. und 3. Quartal zunächst einen Ueberblick über die Ent- Wicklung des Arbeitsmarktes. Am 6. April waren in Berlin noch 766S Holzarbeiter arbeitslos. Diese Zahl ging herab bis zum ?K). September auf 4249. Am 13. November waren noch 302 3 Mitglieder arbeitslos, darunter 1791 Tischler. Die Sünstige Entwicklung des Arbeitsmarktes spiegelt sich auch in den fahlen über di« Lohnbewegungen wider. In der Berichtsperiode wurden 38 Streiks geführt, die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, all« mit einem vollen oder teilweisen Erfolg beendet wurden. In vielen Fällen führten diese Streiks zum AbsMuß von Bronchentarisen. Daneben lief noch ein« große Zahl von Lohnbewegungen, die ohne Arbeits- eiustellung zum Erfolg geführt werden konnten. D:e Mitgliederbewegung zeigt ebenfalls ein ver- hältnismäßig günstiges Bild. In der' Berichtsperiode wurden ins- gesamt 801 Mitglieder gewonnen, so daß die Berliner Ortsvenvaltung «n Schlüsse des 3. Quartals 24 334 Mitglieder zählte. Die Fluktuation ist jedoch immer noch sehr groß. Es muß daher von den Funktionären den neuaufgenommenen Mitgliedern mehr Aufmerksamkeit zugewandt und versucht werden, diese als Dauermitglleder zu halten. Gut entwickelt haben sich auch die Finanzen der Organisation. Allein im 3. Quartal hat sich trotz größerer Aus- gaben der Bestand der Lokalkasse von 201 701 M. aus 2 31 15 5 M gehoben. Mit einem Appell an die Funktionäre, in der Agitation für die Organisation nicht zu erlahmen, schloß Genosse F r« i g a n g seinen Geschäftsbericht. In der Diskussion wußten die Kommunisten zwar zum Griyaktsbencht nichts zu sagen. Da sie aber nun einmal zur „Opposition" verpflichtet sind, wurde aus der Aenderung der Arbeits- nermittlung für die Konsumgenoflenschast ein« Staatsaktion gemacht. In anderen Organisationen wird schon lange von den Organisaiions- lettungen selbst geprüft, ob Arbeiter, die für die Kokilumgenosscn- schaft vermittelt werden sollen, die Bedingungen des Konsums er- .. nQ<� dieser Prüfung werden dem Konsum die Arbeits- krafte über den Arbeitsnachweis zugewiesen. Von dieser Gepslogen- SDR- Metallarbeiter! Besucht die Wahlkörper- Versammlungen! heit machten bisher bediglich die Holzarbeiter eine Ausnahme. Das hat dazu geführt, daß es oftmals nicht möglich war. dem Konsum geeignet« Hoftarbeirer/ zuzuweiftn. Der Betriebsrat und die Be- legfchoft des Konsums hotten sich daher an die Ortsoerwaltunq ge- wandt mit dem Ersuchen, die Arbeitsvermittlung genau so vorzu- nehmen, wie es die anderen Organisationen auch machen. Dies wurde dann auch in einer Sitzung der erweiterten Ortsverwaltung beschlossen. Gegen diesen Beschluß haben von 14 kommunistischen Verwaltungsmitglicdern nur drei gestimmt. Ge- uosse Freigang kennzeichnere die künstliche Aufregung der kommunistischen Genrralversammlungsdelegierten und nannte sie«in demagogisches Spiel. Di« entsprechend den Beschlüssen des letzten Verbandstages not- wendige Einführung n«u«r Beitröge sowie die Ber- legunq der Beitragskassierung auf Freitags von 6 bis 8 Uhr uick» der Verwaltungssitzung auf Donnerstags, wurde einstimmig beschlossen. Schließlich wurde noch, natürlich nicht ohne Widerspruch der Kommunisten, zum Angestellten der Ortsverwaltung der Bildhauer Ernst Stahmann gewählt. Di« Kommunisten hatten nur un- güllige Stimmzettel abgegeben.. Verbandstag der Maschinisten und Heizer. Frankfurt a. 23. November.(Eigenbericht.) Nach einem vorzüglichen Referat des Professors E r d e l l über das T a r i f r« ch t. erstattete die Beschwerdeko in Mission Bericht über die Beschwerden, von denen wir einige herausgreifen. Die Angelegenheit Klebc-Schlichttng wurde noch einmal untersucht: Die Beschwerdekommission kam zu dem Beschluß, daß alle Beschuldigungen aus Klatsch und Tratsch beruhen. Sie beantragte folgende Entschließung: „Die Entschließung der Verbandsinstanzen(Verbandsausschuß. Berbandsbeirat, Verbandsvorstände und Revisoren) in der Ange> leaenheit Klebe-Schlichting vom 25. Oktober 1926 in Dresden ist als z u Rechet bestehend anerkannt und noch nochmaliger eingehender Prüfung des gesamten Materials bestätigt. Dos Austreten des Kollegen Schlichtmg als Nebenkläger in dem Ver- fahren des Berliner Oberbürgermeisters gegen den angetlagren Redakteur der.Floren Fahne" wurde für gut gehalten Die 13. Generalversammlung spricht den Kollegen Klebe und Schlichting ihr voll st es Dertrauen aus und geht über die Angelegen- heit zur Tagesordnung über." Die Entschließung wurde einstimmig, also auch unter Zu- stimm'.mg des letzten kommunistischen Delegierten angenommen. Dre Bejchwsrdekoinmilsion sieht hinler der Aktion der„Roten Fahne" als Mitschuldigen den Kollegen Wilhelm Seidel- Berlin. Dieser war als Delegierter auf der Generalversammlung anwesend. Die Kommission beantragt, ihn noch§ 3 der Statuten aus der Organisation auszuschließen. Gegen eine Stimme wird dieser Ausschluß vollzogen. Die kommunistische Frankfurter„Arbeiter-Zeituno" hatte über den Lerbandstag einen Schmutzartikel gebracht. Als Verfasser dieses Artikels wurde das Frankfurter Mitglied K u n tz angesehen. Wegen dieser Handlung und anderer Versehlungen beantragte die Kam- Mission nach dem gleichen Paragraphen der Statttten Ausschluß aus dem Verbanb-. Ae Generalversammlung beschließt demgemäß gegen eine Stimme. Di« Versammlung spricht dem Vorstand e tust i m m i g das vollste Dertrauen aus. Gründung einer Maschinisten-Internationale. D o st a l aus Prag berichtet von Beratungen über die Grün» düng einer Internationale und einem Internationalen Bureau für Maschinisten und Heizer. Als Vorsitzender wird Klebe und als Sekretär D a l l i n g- Berlin voogeschlagen. Dieser Bor« schlag, eine Internationale der Maschinisten und Heizer zu gründen, wird mit lebhaftem Beifall aufgenommen und durch Singen der Internationole besonders bekrüstigt. Zum Schluß richtete Genosse Schlichting an die Bersanunlung anfeuernde Worte. Er faßte die Aufgaben des Verbandes zusammen und betonte, daß dieser Verbandstag für alle Zeiten eine historisch« Bedeutung haben werde._ Textilkampf in Thüringen. Ourch Schiedsspruch Lohnerhöhung abgelehnt. Der für die w e st t h ü r I n g i s ch« Textilindustrie ge- fällte Schicdsspru-b, der nur eine Erhöhung des S p i tz« n.st u n d e n- l o h n s auf 58 Pk. vorsah, hat bei der Arbeiterschaft berechtigt« Empörung hervorgerufen. Der Schiedsspruch läßt jedes soziale Ver- stänihus für die Notlag« der Arbeiter vermissen. Ein Antrag der Arbeiter, die Akkordlöhne im gleichen Umfang wie beim Spitzenstundenlohn zu erhöhen, denn die erdrückende Mehrheu der Arbeiterschaft arbeitet nur im Akkord, fand bei den Verhandlungen gar keine Erwähnung. Das ist gleichbedeutend mit der A b l« h- n u n g jeder Lohnerhöhung. Unter diesen Umstanden ist es nichr verwunderlich, wenn die Arbeiterschaft der Strickerei- betriebe in Mühlhousen und zweier Betriebe in Langen- salza di« Kündigung eingereicht haben. M't dem Ablauf der Kündigung werden etwa 1500 Textilarbeiter im Kamps stehen. Ausschlnß einer Gewerkfchast. SluS dem englischen GewerkschastSbund. London. 23. November. Der Sennolrak de, Gewcrkjchoslrkongrcstes hat in sein« heutigen Slhung beschlossen, den Notionalverbond der Seeleute als nlchl mehr dem Gewerkschaftskongreß angeschlossen zu betrachten, da der Sceleulcverband den sogeuaonlen unpolttischen Gewerksihastsverbaud der Bergleute unlersiüßl hal. Die Maßnahme des Generalral» bedarf noch der endgültigen Bestätigung, die erst im kommenden September erfolgen kann. • Der Ausschluß einer ganzen Gewerkkchoit ist eine ganz außer- ordentliche Maßnahme. In dielem Fall handelt es sich um e'mc'Or- ganisation, deren Vorsitzender, der bekannte Havelock Wilson, sich wiederholt Exiratänze geleistet hat, dabei stets von seiner Or- ganisation gedeckt wurde. Die direkte Unterstützung einer vor kurzem gegründeten Gegenorganisation gegen den englischen Bergarbeiter- verband hat schließlich dem Faß den Boden ausgeschlagen. Aus die Aufforderung, diese Unterstützung zu unterlassen, hat der Seeteu!»- verband mit einem höhnischen, herausfordernden Brief geantworte!. Es kann als sicher angenommen werden, daß der Gewerkschafts- kongreß die Maßnahme des Generalrats billigen wird. Die Sireiklage im Saargebiei. Saarbrücken, 23. November. Die Belegschaft der Halbcrger Hütte Brebach beschloß heute den Streik. Aus dem Dillinger Hüttenwerk beschlossen drei Vcrsamm- lungen mit überwältigender Mehrheit den Ausstand. Die Burbacher Hütte nebst Hostenbacher Walzwerk liegen vollständig still. Die Teil- streiks in Ncunkirchen und Völklingen sind ohne gewerkschaftsiche Genehmigung ausgebrochen. Auf dem Röchlingwerk, das nicht Mitglied des Arbeitgeberverbandes ist, wurden Lohnerhöhungen be- willigt. Morgen früh dürfte die Zahl der Streikenden wahrschein- lich 23 000 betragen. Die Regierungskommijsion hielt heute vor- mittag eine Beratung ab.__ giwi«««wrMchostitrge»» enk-Bctlin. Stute,?»nntr»!as. 1»H sssn. legen Sit ffitunpen: SSowtptui Öugtr.blieim Porcksrr 11(ftobcitBebäube). yor- trag:.Nellgiensunlerrich» und Btrufeschule."—«»»tut«!>S?urptnl>t.r> Iugrubhtin! Srllnautt Str. 5. Vortra,-:„Vom ,3wnftge(ellcn zum freien■ beittr,"— baub» berget Plag: Iugenihein: bes Ostens, Staue ffranliuttre Strostt 16, Ouergeb. part., Zimmer 1. Scitcre beschichten.— lemuelhoi: Sugfiibbeim Lyzeum Seeuioiiloftt. 4-41. Tiroler Abend.— Sfiboäcn:(fteuopen. beim Sieübenberace Str.«fiehrbau g. Vortrag:„Der orgonisgioruche Ali stau der ffffij."—®e(nnbbtu«ncn: Sruppe nbeim T oie Schule, Solen bürge.-. Strotze. Vortrog:.Die Stellung des Lehrling? im Betrieb.-- Humboldt: '-- unter uns.— Paul Singer n Co Berlin SB 6R Linb'-Iirgli» z. Sierzu Z Beilage».„Unierbaltuna und Bisten- und„granenstimine-. Magenschmerzeil Die häufigst« Ursache von Magenleiden ist Speisengänmg als Folge eines Uebermaßes von Magensäure. Entledigen Sie sich dieser Magensäure, und Sie rotten damtt die eigentlich-« Wurzel Ihrer Leiden aus. Biserirte Magnesia ist das beste Mittel, weil sie die überschüssige Säure bindet und so ccklc Ihre Magenschmerzen beseitigt. Biserirte Magnesia ist kein neues Heilmittel, sondern hat sich seit vielen fahren bewährt. Heben Sie acht aus die ersten Anzeichen von Magenbeschwerden, und sobald Sie die geringsten Schmerzen verspüren, nehmen Sie Biserirte Magnesia. Wichtig! Hüten Sie sich vor Nachahmungen und bestehen Sl« darauf, nur die echte Biserirte Magnesia zu erhallen, die den Namen vismag Ltd. London trägt. S?rMig»«itl T'Ir- — � 1 p. >*nn diese bayenjch« Slcmmaraarht« aus ösn| , WWtliiMißens verewigt sum ersten Mal höchste lÄm fräst und höchsten Wsylgejchmack: vwumne und Mpemn&fy. Zo Jedea Ptuui ätr TtStliavsarlnt•Frtedtc Rcti" verUaje au gratft des ococSM Baad der Reai-Baiubfleljcrti Vertreter der V. M. W. Jiflrmbcrr- tteti-Agcanir. BcrUu NO 43, Neue kiatsttr. 37. Tel: Kdoljftslt iddö, 1»j, lSd7. Ar. 555» 44. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24. November 1927 Berliner Lehrer in Wien. Llnierredung mii einem Mchisozialdemotrate«. TS Verfiner Lehrer Jinb eben von einer Stubienrets« zurückgekehrt. die sie unternommen hotten, um die Wiener Schulreform kentlenzuJeruen. Ein führendes Mitglied der Reifegefellschaft, übrigens ein Mann, der der Sozialdemokratie nicht angehört, hat uns feine Eindrücke folgend« rnutßen dargelegt: Oer lebendige Unterricht. Die Wiener Schulreform hat in ülberrafchend kurzer Zeit un- gefähr dasfelb« durchgesetzt, nx>ran wir Berliner Lehrer feit fast einem Menschenalter arbeiten und wovon wir schon einen großen Teil haben oerwirklichen können. Geradezu imponiert hat uns die Berlebendigung des Unterrichts in der Volks- schule, die Loslösung vom Lesebuch, das feine srühere Bedeutung zum großen Teil verloren hat. Gesamtunterricht an Stell« der streng voneinander getrennten Fächer und Uebergang zur Arbeitsschule sind auch in Wien weitgehend verwirklicht Di« Umwandlung der altösterreichifchen Bürgerschul«(d. h. der obersten drei Jahrgänge der achtklasiigen Volksschule) in die vierklassige chauptschule mit ausgesprochenem Fachunterricht und zur Bermitt- kung einer schon ansehnlichen Schulbildung schreitet rüstig fort. Da- gegen baut nmn in Wi«n den nach dem Umsturz geschaffenen Typ der ollgemeinen Mittelschule— wobei für uns Nord- deutsche zu beachten ist, daß man die bei uns als höhere Schulen bezeichneten Anstalten in Oesterreich Mittelschulen nennt— aus mir nicht bekannt gewordenen Gründen ab, was bedauerlich erscheint. Diese allgemeine Mittelschule sollie dem ganzen Volt etwa die Unterrichtsergebnisse der ersten vier Jahrgänge des Gymnasiums oder der Realschul« vermitteln, und zwar ohne Rücksicht auf die Zahlungsfähigkeit der Eltern, ist doch heute noch so vielen begabten Kindern der Besuch dieser höheren Schulen ver- wehrt! Di« unentgeltliche Gewährung der Lern- mittel in den Wiener Volksschulen an alle Kinder ist zweifellos ein Vorzug. Auch sonst kommen zweifellos die großen sozialen Einrichtungen der Gemeinde Wien der Schul- zugute. Wir haben uns überzeugt, daß die Gemeindebauten, mögen sie auch für unsere Berliner Begriffe rocht kleine W o h- n u n g e n enthalten, einen gewaltigen Fortschritt gegen- über dem krassen Wohmuigselend darstellen, unter dem die Inhaber dieser neuen Gemeindewohnungen vorher gelitten habe». Die Kindergärten und Hart«, die Büchereien und Ver- sammlungsräume und die sonstigen Geineinschaitseinrichtun- gen in den noueren Gemeindewohnhöfen oerdienen höchste An- erkennung. Wir haben in dem Gemeindewohnbau auf der Sandleiten eine Republik feier mitgemacht, die uns einen außerordentlich guten Eindruck gemacht hat. Einer Schülerspeisung habe ich nicht beigewohnt und kann mich deswegen darüber nicht äußern. Die Lehrerschaft, die die Schulreform nicht von unten herauf erarbeitet hat, sondern der sie van oben herab vorgeschrieben worden ist, sieht die Berechtigung und Notwendigkeit der Reform ein, auch soweit sie nicht auf dem gleichen politischen Loden steht wie die städtische Schulleitung und ihr Führer Otto Glöckel, der PräsideiN des Stadtschulvates. Seiner Arbeit ist es gewiß auch förderlich, daß der Bürgermeister Karl S e i tz selbst ein alter Voltsschullehrer ist. Wenn »vir von nichtsozialdemokratischen Lehrern in Wien kritisch« Wort« hörten, so vwren sie nicht gegen die Schulreform selbst gerichtet. Kein Kampf um die Schule. Für die Berliner Lehrer war es besonders interessant zu sehen, daß der jetzt wieder in Deutschland so lebhoste Kamps um die Bekenntnis- oder Simultanschule in Oesterreich gar keine Rolle spielt, da schon das Reichsvolkssckulgesetz von 1869 für das ganze Altösterreich die int-rkonfessioneU« Volksschule eingeführt hat, in der der Religionsunterricht eben nur auch ein Lehrfach ist wie jedes andere. Es ist uns. die wir aus dem pro- testantischen Berlin kamen, aufgefallen daß in den Wiener Volks- schulklassen überall noch Ehrisdus am Kreuz« oder ein Heiligenbild zu sehen ist.(Daraus konnten die Berliner Lehrer übrigens er. messen, was an Beschuldigungen ist, daß die.Wiener Rathaus- Marxisten das Christentum vernichten" wvlltml) Das pädagogische Institut der Stadt Wien. Unsere besondere Beachtung, fuhr der Berliner Cchulnnnm fort, hat das Pädagogische Institut der Stadt Wien er- weckt. Darin wird pädagogisch-psychoiogische Forschung getrieben. besonders durch das Ehepaar Bühlcr, es wird versucht, neue Weg« der Lehrerausbildimg zu erschließen, und es wird eifrig an de? Fortbildung der Lehrerschaft gearbeitet. Das geschieht in Deutsch- land auch, aber durch Institute, die die Lehrerschast selbst geschaffen hat, wem, sie für die Erhaltung auch vom Staat Hilfe bekommt, be- sonders in der neueren Zell. In Wien hat die Gemeinde den Lehrern diese Aufgabe abgenommen und gleich ungemein großzügig angefaßt: daß in der kurzen Zeit«ine Bücherei von gegen 129 OVO Bänden ausgestellt werden tonnte und daß im letzten Jahre bereits 29 999 Benutzer 39 999 Bände entliehen haben, dos mußte uns mit Hochachtung erfüllen. * Di« ausdrückliche Fmge, ob er um Wiener Schulwesen irgend etwas direkt zu tadeln fände, verneint« mein Gewähre- mann entschieden. Geradezu mit Freude äußert« dieser Nicht- sozialdemokrat sich über den Empfang in Wien, und zwar nicht im? über den offiziellen, sondern auch über das freundschaftliche Interesse, das all« Welt den Gästen entgegengebracht hat: den großen Arbeitcrausmarsch über die Ringstraß« am Staaisfeiertag der Republik, dem 12. November, beobachteten die Berliner Lehrer vom Balkon des Stadtschulrates, und sie werden nicht vergessen, daß immer wieder die vorbeiziehenden Demonstrant e?i zu ihnen hinauf- gegrüßt haben. Die Berliner Lehrer haben auch die Einweihung des neuen Jugendheims der Stadt Wien in dem ehemaligen Kaiser- schloß am Wilhelminmberg mitgemacht und sind des Lobes voll über diese großartige Neuschöpfung der roten GemeindevenoalKrngi ebenso wie der Anerkeimung über das ständige Dnrchgugs-Iugend- heim für Schülerreisen, auch aus Deutschland und dem Ausland, in der alten Schule Untere Augartenstraße 3. Eine ganze Kamilie vor dem Kadi! „Damit die Tränen gut kullern." Bor dem großen Schöffengericht hatte stch gestern die ölljährige Partierfrau Elisabeth Kuhnert mit ihrer ganzen Familie, ihren Kindern aus erster und zweiter Eh«: der Stief- locht er Anna Kuhnert, der Tochter Maria Schlauberg, des Sohnes Karl Schiauberg. des Schwiegersohnes Bruno Essner und mit ihren Untermietern Franz Klüdmann und Erwin Betz wegen zahlreicher strafbarer Handlungen zu verantworten. Die schwerste Anklag« gegen Frau Kuhnert war di« der Verkuppelung'ihrer eigenen Tochte-r. Daneben ober handelte es sich bei den Angeklagten um«ine Diebesbande. die systematisch die Mieterschaft der von Frau Kuhnart nacheinander „betreuten" Häuser in der Acker- und Clsasser Straße be- stöhlen hat. Kcllerverschläge und Bodenräume wurden aufgebrochen, Pakete für die Mieter wurden entweder unterschlageu oder teilweis« ihres Inhalts beraubt. Außerdem schickte die alte Frau Kuhnert ihren Sohn und ihren Untermieter morgens aus die Straße, um die von der Markthälle heimkehrenden Wagen mit Lebens- mittel» auszuplündern. Morgens jagte sie die beiden jungen Leute aus dem Bett mit den Worten:„Ihr sauten Hunde, ihr Schweine, wollt ihr wohl aus die Arbeit." Anna Kuhnert wurde von der ehrsamen Mutter dauernd angehalten Dieb stähl« in Ga st wirtschaften, in denen sie Auswartedienste machte, aus- zuführen. An einer Stelle brachte sie nacheinander 7b Flaschen K o g n a c und ganze Kisten Zigarren nach Haus«. Als einmal di« Diebereien entdeckt wurden, gab die Mutter der Tochter den Rat:„Nimm eine Boll« und reibe die Augen ein, damit die Tränen gut kullern, dann gehe hin und leiste A b b i t t Karl Schlauberg hatte auch zahlreiche Fah» r adräub erei« n oerübt. Die Räder soll der Untermieter Betz verkauft haben. Dieser ist schon sehr schwer vorbestrost, be- stritt aber gewußt zu haben, daß es sich»m Diebesgut handelt«. Auf der Anklagebank bot die Familie ein sehr unschönes Bild. Die Mutter»vandte sich gegen die Kinder und die Kinder gegen die Mutter. Einer bezichtigte den anderen, und sie warfen sich gegen- feittg Lügen vor, Das Gericht verurtrilt« die Angeklagt« Frau Elisabeth Kuhnert wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, versuchter schwerer Kuppelei und Anstiftung zum Diebstahl zu 1 zb Iahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrver- tust, Anna Kuhnert wurde freigesprochen, da Rot- stand vorlag. Karl Schlaubcrg erhielt 8 Monat« Ge- sängnis, Moria Schlauberg ZWochen Gefängnis, Bruno Effner wurde freigesprochen, Franz Klüd- mann zu 7 Monaten Gefängnis und Erwin Betz zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Oiphthen'egefahr? Zunahme der Srlranlungsfälle. Bereits im Sonuner dieses Jahre» war von der städtische« Ge- fundheilsbehörde daraus hingewiesen worden, daß eine Zunahme der Dlphtherieerkrankungen sür herbst und Winker zu befürchten sei. Mit Rücksicht hierauf hatte der Magistrat eine größere Summe zur kostenlosen Bereitstellung von Diphlherieheilserum sür Unbemittelte zur Bersäguag gestellt. Cr hatte ferner Schuten und Schulärzte zu besonderer Aus- mertsamleit verpslichlet und Merkblätter sür die Ellern herausgegeben. Die Richtigkeit dieser Maßnahmen beiveist die zurzeit zu machende Beobachtung einer tatsächlichen Zunahme der Diphtherie sölle. So sind die Erkrankungszisfern in den M v- nalen September und Oktober etwa doppell so hoch wie im Vorjahre. Wenn diese Ziffern auch an die Zahlen srüherer Epidemie zeilcn nicht entsernl heranreichen, so erfordern sie doch nach wir vor schärfste Ausmcrksamkeil, Jugendliche strolche. Unglaubliche Roheiten verübten vorgestern abend zwe! Burschen von 1b und 16 Jahren, die im Südosten der Stadt festgenomme» wurden. Sie erschienen in einer Schankwirtschaft, tranken mehrere Glos Bier und einige Schnäpse und verschwanden dann ahne zu bezahlen. Der Wirt ging ihnen auf die Straße nach und ver- suchte den einen nach dem Lokal zurückzubringen, um sich ein Pfand geben zu lassen. Da stellt« ihm der Bursche ein Bei», brachte ihn zu Fall und wandte, während er aus ihm kniete, einen brutalen Iiu-Iitjugrifs an, einen Griff, der sonst nur in der höchsten Not an- gewendet wird. Der Ucdersallcne wehrte sicb. Aus seine Hilfe- rufe eilten scirre Gäste herbei, vor denen die Uebelläier davonliefen. Nach einer Weile suchten sie ein Lokal in der Tabarstraße aus, wo sie„Klub genossen" des Klubs.Hand in Hand" an- trafen. Diese forderten sie auf, die erste Wirtschaft aufzusuchen und st« an dem Wirt zu„rächen". Als das abgelehnt wurde, gingen beide hinaus und fielen über den ersten Mann, der ihnen ein- som auf der Straße begegnete, ohne weiteres her. Nach der Anrempelung warfen sie auch ihn zu Boden und schlugen ihn in die Augen. Sic durchsuchten ihm außerdem die Taschen, fanden aber nichts darin. Der Ueberfallenc, dem einer die Beine festhielt, rctffte sich wieder aus und jetzt ergriffen die jugendlichen Strolche die Flucht, Auf seine Anzeige suihteii mehrere Beamte des 199. Reviers sofort die Gegend ob, und es gelang ihnen auch, die Burschen zu ermitteln und festzunehmen. Sie wurden als ein 15 Jahre alter Willy So. und ein l6jähriocr Heinrich Sa. aus Neukölln sestgestcllt und werden sich vor dem Jugendrichter zu veramwotten haben. Sprechchor für Vro'elarisch«(selerstunden. UebunaZstunde heule, Donnerstag, abends ff, 8 Uhr, im(KesangSsaal der Sophirnschule, Wein- meislerstrahe lS-I7. «Z �Zement. fKomem von Fjodor Gladkow. Badiin sprang auf einen Wagen und sah die Menschen» Masse rail kalten, klaren Augen an. „Bürger, Kosaken und Bauern!.. Die Weiber wurden unruhig, schrien auf und übertonten feine Worte. Und wie toll geworden durch das Weibergeschrei — brüllten die Männer, fuchtelten mit den Armen, und ihre Gesichter(ganze Hausen, wie Wassermelonen) blähten sich auf, und ihre Angen und Münder schienen zu zerplatzen. Auch Bortschij sprang aus den Wagen und schrie nach Eoldatenart, ohrenoetäubend und wild:„Schweigt doch, Teufelskerle! Hört, was der Vorsitzende des Exekutivkomitees reden wird.... Brüllt also nicht, Bürger, denn wir haben noch keinen Schnaps... und wenn wir welchen haben werden... dann wird der Krebs auf einer Trommel spielen...■" Und lachte übers ganze Gesicht. Und dieser Zuruf Bortschijs(o. Bortschij ist doch ein Kosak aus ihrer Siedlung) ging wie eine Welle durch die Blasse und zerschnitt das Geschrei. In den ersten Reihen sah man Zähne unter den Bärten aufblitzen. „Bürger. Kosaken! Für seine gesetzwidrigen Handlungen habe ich den Chef der Bezirksmiliz verhaftet. Spannt eure Pferde ein und fahrt mit eurem Hab und Gut nach Hause. Die Ergänzungsnorm der Zwangsumlage, die euch auf Ver- ordnung der Regierung für die Rote Armee, für eure eigenen Söhne, die sich mit den Paus und Generalen schlagen müssen, auferlegt wurde— wird aufgehoben. Ich sage es euch ins Gesicht. Nicht Krieg ist jetzt unsere Sorge.... Wir wollen nicht, daß unsere Felder von Blut überschwemmt werden.... Unsere Sorge ist die Volkswirtschaft.... Es ist nicht unsere Schuld, sondern unser Unglück, daß die Herren und Generale uns nicht für einen Augenblick frei atmen lassen.... Nicht Blut ist unsere Sorge... sondern Land. Nicht Männer für den Kampf— sondern Feldarbeiter, Vieh und friedliche Arbeit...- Nicht die Beschaffungspflicht von Nohrungs- Mitteln— sie wird aufgehoben, sie wird nicht mehr existieren, ibr werdet nichts mehr von ihr hören!... sondern Scheunen roller Getreide, bestellte Felder... Vielfeld-rwirts6)aft... Waren für die Siedlungen und Dörfer." Badjin sprach über die Nahrungsmittelsteuer, über die Genossenschaften, über die Demobilisierung der Roten Armee, über Eisen, Btanufakturen und Nahrungsmittel. Und er- wähnte den Genossen Lenin, der sein ganzes Leben den Arbeitern und Bauern gewidmet hat. Die Masse bewegte sich, stampfte auf der Erde herum, sammelte sich wie eine Herde um den Vorsitzenden des Exe- kulivkomitees. Badjin brach ab, hob die Hand und wollte noch etwas sagen, aber die Menschenmasse brüllte laut, schrie und wurde in einem Handgemenge zwischen Bauern und Weibern unruhig. In Haufen, in Bündeln und einzeln winkten sie mit den Händen, krochen mit freudigen Gesichtern auf die Wagey. Und als sich die dampfenden Gesichter beruhigt hatten und die Wagen zu knarren begannen, lachte Bortschij übers ganze Gesicht. „Ich bittg nun, Genosse Badjin, den Genossen Saltanow zu befreien. Wir waren in Wut gekommen— jetzt Schluß. In Zukunft werden wir gescheiter sein. Badjin zog sich wieder in sich zurück, wurde fremd und kalt. „Genosse Bortschij, jeder Streit und Fehler der ver- antwortlichen Arbeiter muß als Lehre nicht nur für sie selber. sondern für alle anderen Genossen dienen. Es wird das geschehen, was ich gesagt habe. Uebergib die Geschäfte einem verläßlichen Genossen. Morgen fährst du mit mir in die Stadt. Neben ihnen, auf seinen krummen Füßen wackelnd, winkte ein betrunkener, kleiner Kosak mit schütterem Bart und öligen Augen mit seiner Mütze und schrie wie ein Irr- sinniger, bis er heiser wurde: Küchlein, du aufgeblasene«, Nacktes, barfüßiges. Auf dem Platz gehst du spazieren, Dort wird man dich arretieren. Bortschij blieb vor ihm stehen, sah ihn schweigend, ohne mit den Wimpern zu zucken, mit den Augen eines Kriegers der„Teufelsarmee" an. Das Bäuerletn flüsterte einen unverständlichen Unsinn, wich ihm aus, stolperte und fiel auf die Erde. Griff ein paarmal mit seinen schwarzen aufgedunsenen Händen m die Lust und stammelte ängstlich:„Nun,»un, nun... Atarnan ..- Vorsitzende.... Ihr seid unsere Väter— wir sind Leichen... Hundekerle.... Nun, nun, nun... hin. Und legte sich ergeben, bereitwillig, alles Böse erwartend, Den ganzen Tag und d:n Abend oerbrachte Dascha bei den Frauen. Auch Badjin war mit ihr. Er und sie— beide sprachen sie mit den Weibern, und es waren ihrer viele an diesem freudigen Tage. Und Dascha erfüllte ihre Ausgabe mit Erfolg. Uff, mit den Weibern der Siedlung ist diese Arbeit eine ganz verfluchte Sache! Und niemals hotte Dascha Badjin so gesehen, wie er an diesem Abend war. Wenn sie seinen-Blicken begegnete, flammten in ihrem Gedächtnisse die Butterblumen auf. Und in seinen Augen sah sie stumme Begeisterung und ein un- auslöschbares Feuer einer großen Liebe zu ihr. Und bis zum Schlafengehen verlieh er sie nicht, hartnäckig und sanft in seiner fürsorglichen Zärtlichkeit. Und in dem Fremdenzimmer des Exekutivkomitees(wie es kam— wußte sie nicht) verbrachte Dascha die ganze Nacht mit ihm in einem Bett, und das erstemal in diesen Iahren erlebte sie in dieser Nacht durch sein wildes Blut eine un- vergeßliche Lust. ver Bremsberg. 1. D i e M a s s e it. Gljeb empfand nicht jeden Menschen als einzelnen— er fühlte die zusammengeballte Kraft der Massen vor und hinter sich. Im Schweiße gebadet, arbeitete er wie ein Stier und wühlte mit einer Erdhacke Zemenischieser und Spat heraus. Und nicht mit seinem Bewußtsein, sondern mit seinem Inner- sten badete Gljeb in dieser seiner tierischen Kraft: sie explo- vierte nicht in ihm, sondern drang in ihn, wie ein» Welle durch das Getöse der Erde, durch Steine und Schienen, sie ging von den ungeheuren Massen aus, die wie eine Ameisen- girlande. mit Schreien und Stöhnen, Erdhacken und Hammer in der Hand, von unten kamen, von den Schloten und Werk- bauten, von den Steinabhängen, aus der rauchigen Tiefe herauf zu den Obelisken der elektrischen Förderbahn. Weiße, zusammengeballte Wolken rollen über die Bläue, und auf dem Grün der Berge flimmern wie Funken und flattern im Schwärm die ersten Frühlingsblumen. Die Sträucher bewegen sich wie Opalrauch zwischen den Steinen und Spasten. Hier— rechts und links, sind gigantische Berge und dort— ist das Meer, himmelblau in seiner Uferlosigkeit und hoch hinauffliegend über die Berge mit seinem spiegeln- den Horizont. Und zwischen den Bergen und dem Meer wog« luftige Tief« im Eonneuwirbel.(Fortsetzung folgt) C- Wirischastsspionage! Die Zeichnungen der Rorma-Werke. Jn.Swttflart wurde an zwei Tagen gegen zwei ehemalige An- gestellte des Norma-Werkes in Stuttgart-Cannstadt, den Lichtpauser Paul lh a h n und den Ingenieur Jakob Kohl, oerhandelt. Dieser Prozeß ist ein Seitenstück zu der aufsehenerregenden Durchsuchung der Riebe-Werte A.-G. in Berlm-Weißensee, die am 20. September vorgenommen wurde. Die Riebe-Werke in Weißenfee standen in schärfstem Wettbewerb mit den Normo- Werken. Zahlreiche Vermutungen, die sich zu ganz bestimmten Ver- dachtsmomenten verdichteten, ließen darauf schließen, daß ehemalige Angestellte der Norma-Werke, die vom Riebe-Wert übernommen worden waren, Zeichnungen von neuen Maschinen und Maschinenteilen des Norma-Werkes gestohlen und an ihre Konkurrenzfirma verkauft hätten. Bei der Untersuchung wurden tatsächlich Zeichnungen und Berechnungen der Norma-Werke sowie Korrespondenzen, die darauf Bezug hatten, gefunden. Ferner wur- den Materialproben und Werkzeugmaschinen be° s ch l a g n a h m t, die mit Hilfe von Lastwagen zum Berliner Polizeipräsidium gebrockt und dort sichergestellt wurden. Die Riebe- Werke, deren Direktor Uhlig am 20. September plötzlich verhaftet wurde, ließen erklären, daß sie völlig einwandfrei gehandelt hätten: vor allem wandten sie sich dagegen, daß außer Kriminalbeamten auch technische Angestellte ihrer Konkurrenzsirma, der Norma-Werke, unter dem Schutze der Polizei Gelegenheit gehabt hätten, zwölf Stunden lang interne Geschäftsvorgänge studieren zu können. In der Stuttgarter Gerichtsverhandlung gegen die beiden An- gestellten Hahn und Kohl wurde festgestellt, daß Hahn an Kohl für eine geringe Geldsumme, etwa 250 bis 300 Zeichnungen von neuen Maschinen und Maschinenteilen geliefert hatte. Kohl hat diese Zeichnungen an den Ingenieur einer i t a l i e- nischen Konkurrenzfirma weitergegeben. Dafür erhielt er 6000 M., nach einer anderen Meldung 25 000 M. Die beiden Ange- klagten erklärten, daß sie ihre Handlungen aus Not heraus begangen hätten, denn sie seien von den Norma-Werken außerordentlich schlecht bezahlt worden. So bekam H. nur ein Gehalt von etwa 140 Mark, von dem ihm nach Abzug für Ausgaben für Wohnung und sonstige Pflichtausgabcn nur noch 40 Mark für sich und seine Familie zum Leben verblieben. Der Staatsanwalt beantragte gegen Hahn wegen Akten- beseitigung, Diebstahl und Urkundensälschung t Jahr 8 Monate Gefängnis, gegen Kohl wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und unlauteren Wettbewerbs 3 Jahre 10 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehroerlust. * Wir haben es hier mit einem Ausschnitt aus den Prozessen, die in Verbindung mit der Wirtschastsspionage bei den Normo- Werken entstanden sind, zu tun. Es ist außerortentlich zu begrüßen, daß die Gerichte Gelegenheit haben, sich mit der Kartell Politik der Kugellagerfabrikanten zu besaßen. Gerade die späteren Prozesse werden hoffentlich einen tieferen Einblick in die hier vorliegenden Zusammenhänge geben. Der Tod zu gleicher Zeit. Ein unheilvolles Geschick waltete über der Familie Kolar in L e i t o m i f ch e l. Im Krankenhaus war eben die eine Tochter verstorben. Am Totenbett hotte auch die 13jährige Schülerin Olga K'olar, die Schwester der Toten, geweilt. Als sie sich auf den Heim- weg begab, wurde sie von einer Zugmaschine überfahren und getötet. Kunstausstellung Lichtenberg. Das Dolksbildungsamt Lichtenberg hat seine kul- tuvellen Bestrebungen, Kunst und Volk einander nahe zu bringen, diesmal in der Veranstaltung einer Kunstausstellung sehr wirksam zum Ausdruck gebracht. Wie Stadtrat Genosse We i ß in seiner An- spräche anläßlich der Ausstellungseröffnung im Festsaal des Reform- Realgymnasiums Parkoue hervorhob, sind es ja gerade die Bewohner der äußeren Bezirke Berlins, die am wenig- sten Zeit und Gelegenheit haben, gute Kunstwerke zu sehen und so das Auge auch ein wenig nach des Lebens idealistischer Seite hin zu erfreuen. Mit dem volksbildnerischen Moment ist aber auch das soziale eng verknüpft und man will den Künstlern, die ja heute w-rtschaftlich auch nicht gerade auf Rosen gebettet sind. Gelegenheit geben, ein Absatzgebiet für ihre Werke zu finden. Während die vorjährige Ausstellung ausschließlich von Lichtenberger Künstlern beschickt war, haben sich diesmal anerkannte Größen wie Büttner, Lünstroth, Oppenheimer, Zille, Baluschek usw. in den Dienst der guten vache gestellt, und es ist eine Bilderschau zustande gekom- men, die für den Osten Berlins gewiß eine kleine Sensation be- deutet. Es ist ja auch ungemein wichtig, einfach empfindenden Na- » ruren nur wirklich ausgeglichene Kunst vor Augen zu führen, denn alles Problematische würde verwirren, statt zu erfreuen. Die Zu- sammenstellung der Ausstellung ist sehr lebendig, denn aus allen Lagern und Richtungen malerischer Weltanschauung sind Stücke vorhanden.� Die graziöse Kunst Joseph Oppenheimers in der Wie- dergabe schöner Frauen, daneben die blutvolle Urwüchsigkeit eines Meister Zille, grauestes Elend auf grausamster Straße— die „Bettlerallee� von Baluschek oder die„Arbeitslosen� von Sand- kühl, dann wiederum zartes Blühen und liebliche Landschaften in Bildern von Bredow, Büttner, Puls, sehr fein im Ausdruck Otto Marcus„Beisetzungsfeier für Rathenou" und noch eine bunte Fülle »erschiedenartigster K»nstpradukte. Der Eröffnungsabend wurde mit Musikvorträgen sehr stimmungsvoll eingeleitet. Bürgermeister Ge- nasse Dr. S i g g e l begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, dar- unter Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden und anderer interessierter Körperschaften. Die Ausstellung ist vom 22. November bis 12. Dezember täglich von 15 bis 21 Uhr, Sonntag von 10 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Ab Dezember Weihnachtsverkauk. Der diesjährige Weihnachtsmarkt für den früheren Stadtkreis Berlin findet in der Hauptsache auf der Weberwies«, in der Petersburger und Warschauer Straße, zwischen Romintener Straße und Renaler Straße statt, jedoch können auch außerhalb dieses Bezirks mit Genehmigung des zuständigen Polizei- rcviers Verkaufsvorrichtungen auf geeigneten Plätzen ausgestellt werden. Der Markt beginnt a m 12. Dezember und dauert bis zum 27. Dezember einschließlich. Am 28. Dezember, morgens 8 Uhr, müssen sämtliche Buden und Verkaufsoorrichtungen von den Straßen und Plätzen fortgeschafft sein ' Händler, die Weihnachtsbäume in das Gebiet der neuen Stadt- gemeinde Berlin einbringen oder in diesem Gebiet feilhalten wollen, - haben sich, wenn sie sich nicht strafbar machen wollen, mit den durch die Polizeiverordnung vom 12. Dezember 1923 vorgeschriebenen Bescheinigungen über den redlichen Erwerb zu versehen. Geschäftserweiterung bei Vaer Sohn Am Freitag, dem 25. November 1927, 9 Uhr vormittags, eröffnet die Firma Baer Sohn A.-G., Kleiderwerke, Berlin, Chau sscestra he 29.30, neue erweiterte Räume, deren Zweck- Mäßigkeit in architektonisch vollendeter Weise �>em kaufenden Publikum vor Augen geführt werden soll. Der Erweiterungsbau hat viele Monate in Anspruch genommen. Es war dies darauf zurückzuführen, daß die neu hinzugekommenen Räumlichkeiten mit den alten seit etwa 40 Jahren bestehenden Geschäftsräumen eine Verbindung erhalten. Die erweiterten Abteilungen haben sich als notwendig erwiesen, weil bei dem sehr oft vorkommenden Andrang hcutßg eine glatte und rasche Abfertigung nicht möglich gewesen ist. Beachtenswert ist die in Angriff genommene Kühlanlage, durch die die Konservierung von Pelzen eine erhöhte Sicherheit erfahren wird, i Mit Schneepflug und Schaufel. Berlins Kampf gegen Schnee und Tauweiter. Für die Berliner Siraßenreinigung beginnen jetzt Großkampf- tage. Während in gewöhnlichen Zeiten die Sauberhaltung der Straßen und Plätze nach vom Strahenreinigungsamt ausgestellten Richtlinie» von den 15 F u h r h ö f e n der einzelnen Bezirksämter durchgeführt wird(Nur 4 Großfuhrhöse der Innenstadt unterstelzen direkt dem Strahenreinigungsamt), hat bei Schnee- und Tau- weiter dieses Amt die direkte Oberleitung. Es stehen für Groß-Berlin 250 Schneepflüge zur Ver- sügung, davon sind allerdings nur 40 Kraftschneepflüge. Die Modernisierung dieses SpezialWagenparks, der ja nur zu gewissen Zeiten im Jahre gebraucht wird, verlangt zuviel Anlage- kapital, als daß man die alten Schneepflüge schneller ausmustern könnte. Zwölf Fahrzeuge sind ganz moderne Großkraft-Reinigungs- moschinen, die innerhalb weniger Minuten in Krastschneepflüge ver- wandelt werden können. Die Stammbe'egschaft der Strahenremi- gung besteht aus 3200 Mann. Bei Schneefall werden b i s z u 6000 Erwerbslose aushilfsweise eingestellt. Die Ber- liner Arbeitsnachweise sorgen dafür, daß nur für den besonderen Zweck geeionete Arbeitskrakte engagiert werden. Entlohnt werden diese Aushilfen nach dem Tarif für ungelernte Arbeiter, ein Verfahren, das sich als äußerst praktisch erwiesen hat. Für diese Schnee- kippe liegt in 60 Gerätehäfen alles notwendige Ausrüstungsmatcrial, wie Schneeschaufeln, Karren, Stoßeisen, Hacken usw. bereit. Die Be- sreiung Berlins vom Schnee wird nach einem bis ins einzelne gehenden Organisatiansplan des Straßenreinigungsamtes durchgefübrt Das geht so weit, daß nicht allein den Schnee- pflügen genaue Fahrtrouten angewiesen sind, sondern daß sogar den einzelnen Hilfsarbeitern genau die Reihenfo ge der zu reinigenden Straßenabschnitte schriftlich mitgegeben wird. Selbstverständlich werden zuerst die Hauptverkehrsstraßen gesäubert. Innerhalb eines Arbeitstages ist diese Arbeit im ganzen Stadt- gebiet bei Einsatz aller Fahrzeuge und Arbeitskräste durchführbar. Dabei werden zunächst nur die Fahrdämme gereinigt, der Schnee an den Kanten des Bürgersteigs aufgeschichtet und Sand aus die Fahr- bahn gestreut. Der Abtransport des Schnees zu den nächstgelegenen Abflüssen, zur Spree, zum Landwehrkanal(bei Eisgang fallen beide Stellen fort), zu den Abflußstellen der unterirdischen Entwässerungs- anlagen kGullns kommen nicht in Betrachtt erfolgt erst sväter. Ber- suche, mit besonderen Apparaten mn Ort und Stelle die Schneemassen zu schmelzen, haben bisher wegen zu ge- ringer Leistungsfähigkeit keine großen Erfolge gehabt. Für über- raschende Schneefälle über Nacht besteht ein b e s o n- deres Alarmsystem. Die Stamm-Mannschasten können in kürzester Zeit zusammengerufen werden, zumal die Hausschlüssel mit genauer Wohnungsangabe des Fuhrpersonals sich auf den einzelnen Höfen befinden. Ab 6 Uhr morgens arbeiten alle Schneepflüge. Noch größer sind die zu überwindenden Schwierigkeiten, wenn sich Glatteis bildet oder wenn Tauwetter eintritt. Auch hier gibt es einen genauen Streuplan, nach dem innerhalb anderthalb bis zwei Stunden die Hauptverkehrsstraßen fahrbar ge- macht werden. An solchm Tagen muß immer wieder mit Sand und Kies gestreut werden. Die Straßenreinigungsmaschinen werden bei Tauwetter sofort in Betrieb genommen. Sowie die Ten?- peratur um 0 Grad schwankt, kann bald gereinigt, dann wieder gestreut werden. Dabei läßt sich die Bildung von ochncekrusten und Schmutz nicht vermeiden, da, um die G älte der Dämme zu beheben, in erster Linie gestreut werden muß. Für die Säuberung der B ü r g e r st e i g e ist die Strnßenreinigung nur dort zuständig, wo keine Gebäude stehen, insbesondere bei Brücken und Schutzinseln. Sonst ist der Hauseigentümer verantwortlich. Osffentliche. einschließlich städtische Gebäude machen davon keine Ausnahme. * Im Laufe der gestrigen Nachmittags- und Abendstunden kam es Infolge des G l o t t e i s e s in den verschiedenen Stadtteilen zu weiteren empfindlichen Verkehrsstörungen, was zu langen Fahrzeugansommlungen führt«. Nicht zuletzt lag der Grund darin, daß sowohl die Führer der Straßen- bahn und der Zlboog wie auch der Automobile auf den vereisten Schienen und Fahrdämmen mit größter Vorsickt fahren mußten, um Unfälle zu verhüten. Soweit bekannt geworden ist. ist es auch nirgends zu nennenswerten Zusammenstößen gekommen.— Eine länger« Verkehrsstockung, die den gesamten Berkehr fast eine halbe Stunde lang lahmlegte, entstand um 16,40 Uhr am Halleschen Tor. Eine Zugmaschine mit Anhänger blieb auf dem vereisten Fahrdamm stecken und sperrte den Verkehr. Erst mn 17.10 Uhr gelang es, die Maschine wieder flott zu machen.— In Alt-Stralau 36 verlor der�3liährige Schorn st«infeger Walter W. aus der Soldiner Straße l? auf dem o e r e i st e n Dach den Halt und stürzt« kopfüber in die Tiefe. W. mußte mit schweren Verletzungen in bewußt- losem Zustande in das Lichtenberger H u b e r t u s- K r a n k« n- haus übergeführt werden.— Zwei tödliche Unfälle, die vermutlich ebenfalls auf das Glatteis zurückzuführen sind, ereigneten sich auf dem Potsdamer Güterbahnhof und in der Hohenstaufenstraße. Auf dem Güterbahnhof kam der Arbeiter Michalski aus Nauen beim Ueberfchreiten der Gleise zu Fall und geriet unter die Räder einer Herannabenden Lokomotine. Er wurdeauf derStelle getötet.— Beim Ueberfchreiten des Fahrdamms in der Hohenftaufenstraße glitt der l7jöhrige Lehrling Paul H. aus der Wriezener Straße aus und wurde von einem P r i v a t a u t o, dessen Führer nicht mehr rechtzeitig abstoppen konnte, überfahren. H. hatte so schwere Berietzungen erlitten, daß er bereits auf dem Wege zur nächsten Rettungsstelle starb. VersammüimS aller am Mi efcrsdinlz hifercssiertcn Parleimligüeder am Jteifag, dem 25. November. 19'/, Uhr in den.Sophiensälen". Sophienstr. 17/ IS Thema: „ver Kampf um den Mieterschutz Im WohnungsausschuD des Reichstages" Referent: Minister a. D. Lipinski-Leipzig, ITC. d. R. Um bei der Wichtigkeit der Angelegenhelten alle Parteigenossen über die Vorgänge im Ueichslage ond die Stellung on'erer Keichstogsfrottion zu informieren, ist zahlreiche» Erscheinen täm«. licher Porletfvnlkionäre und sonstigen Vorte'm lglieder. insbesondere der im Wohnurgsweien tätigen Genossen dringend erforderlich Parleimiigliedsbuch legitimiert. Held Korodi. Einen fürchterlichen Reinfoll, der einer Entlarvung gleichkam, erlebte der Stahlhelrnredner Korodi in Fürstenwolde an der Spree. Auch dort gtng er mit seiner frechen Beschuldigung krebsen, das Reichsbanner begel)« Landesverrat. Der Fürstenwalder Stahlhelm hatte das Reichsbanner eingeladen und die Folg« war, daß von etwa tausend Erschienenen neunhundert dem Reichsbanner und den Linksorganisationen angehörten. Man ließ den Korodi zunächst seihen hanebüchenen Unsinn reden. Dann aber rechnete Genosse Erich Fraenkel in einer Weise mit dem Herrlein ab, daß den Stahlhelmern die Haare zu Berge standen. Die Herrschaf»?« hätten sich wahrscheinlich am liebsten in die Mauselöcher verkrochen, als Korodi auf die Frage Frankels, wann und wo er denn eigent- lich während des Krieges als Frontsoldat dem Dater. lande seine Dienste zur Verfügung gestellt hätte, kleinlaut unter schallendem Gelächter der Versaminlung zugeben mußte, daß er damals leider noch nicht alt genug war, um seinen militärischen Pflichten nachkommen zu können. Also gar kein Held Korodi. sondern eben nur ein Korodichen, ein Krieqsqymnasiast, der sich heute aufspielt und in seiner Torheit getreulich die Rolle mimt. die die schlauen Herren ehemaligen Offiziere im Stahlhelm ihm zu- geschoben haben. Trotzdem, Korodi dürfte nach diesem traurigen Geständnis wohl erledigt sein. Mögen seine eigenen Mannen ihn weiterhin ernst nehmen! Arnold Bronnens„Rheinische Rebellen' als Sendespiel boten eine in technischer Hinsicht gelungene Leistung. Das Spiel war gestrafft, der Dialog blieb ohne Lücken. Becces musikalische Illustrationen schufen die innere Bindung. Wertvolle Schauspieler setzten sich für das Wert ein. Lohnte es die Mühe? Nein. Politische vchlagworte zwischen hüben und drüben formen kein Drama. Aus politische Schlagworte aber sind die „Rheinischen Rebellen' aufgebaut. Das Innere Problem der Separa- tistenbestiebungen wird in ihnen nicht beruh t. Ein Werk solcher Art kann, durch seine scheinbare Aktualität, von einem besähigten Regisseur durch das Bühnenbild für einige Theaterabende gerettet werden. Der strengen Nachprüfung durch das Ohr. die die Sende- bühnc vermittelt, hält es nicht stand.— Erfreulich war die Unter- Haltungestunde für die Jugend. Tiergeschichten las Emmy Reye- Rowohlt. Manfred K y b c r. der die Welt der Tiere mit brü- derlichcn Gefühlen zu durchstreifen versteht, kam neben Otto Bier- bäum zu Gehör.— Stahtschular,zt Dr. Hans F r a n z m e y c r be- handelle in einem Vortrag die Frage:„Wer muß auf Leibcsübun- gen vetzichten?" Er kam zu der Antwoit,„möglichst niemand', in- dem er auf die gesundheitliche Bedeutung der Leibesübungen, vor allem auch des Schwimmens. für die Großstädter hinwies. Völlige Befreiungen vom Schwimm- und Turnunterricht der Schule, führte Dr. F r a n z m e y e r aus, werden nur selten notwendig sein. Eine so unbedingte Befürwortung des Schulturnens scheint zu weit zu gehen. Der Aufenthalt im Freien dürfte manchem schwächlichen Kind weitaus dienlicher sein als der leiter noch immer viel zu häusig in staubigen Hallen erteilte Turnunterricht. T«». Neue Fernsprechvermitllungkstelle„vrabanl". Am 3. Dczen- ber wird auf dem Grundstück Berlin-Wikmersdors, P i a l z b u r g e r Str. 4 2, eine neue Fernsprechvermittlungsstekle unter dem Namen„B r a b a n t' eröffnet, die der Entlastung der Aemter P f a l z b u r g und U h l a n d dient und an die neue Teil- nehmeranschlüsse aus dem Anschlußbereich der genannten Aemter herangeführt werden. Der Betrieb der neuen Bermittlungsstelle wird von dem Fernsprechamt West, Berlin-Wilmersdors, Pfalz- burger Str. 42. geleitet. Rose-Thealer:„Einer von unsere tettL' ver ewig getreten? arine Iud mit dem g'scheiten Köpperle unfc dem guten Herzen, der immer schon so ein bisserl philosophische Weltanschauung betrieb. ist der Held der Geschichte: der Altmeister Berliner Humors, David Kalisch, hat hier in Gemeinschaft mit dem eigentlichen Autor, dein Wiener O. F. Berg, ein Stück Alt-Berlin gezeichnet, das in seiner Urwüchsigkeit des Humors, der scharfen Selbstpersiflage, die der Berliner nun einmal liebt, und allerlei köstliche Typen aus dem Alltag, zum Inventar zeitloser Theaterkunst gehört. Die Geißelung politischer oder sozialer Uebelstände, in liebenswürdig-sarkastischer Form serviert, ist das Hauptmoment, das diese Alt-Berliner Tbeater- literatur vor dem Vermodern bewahrt: es ist eben nicht bloß verlogene Bühnensprache, sondern tiefste Lebenswahrheit, verbrämt mit scharszüngigem Humor, ein wenig Sentimentalität, die Charaltc- ristik des Alltags und seiner Menschen mit all ihren Vorzügen und Schwächen. Wie herzerauickend ist die Figur des unbefchwert-fröb- lichen Walzbruders— hier ist es die unsterbliche Berliner Possen- figur des Eckenstehers Nante, die der Dritte im Bunde der Polken- autoren, Adolf Glaßbrenner, schuf das Enfant tcrrible sämtlicher Budiker und Gefängniszellen: oder der spießige Bürgersmann Frühauf mit seinem hold-naiven Töchterlein Ernestine und ihrer ewig-schnatternden und gackernden weiblichen Gesolaschaft: dann der abgewiesene und darob bös intrigierende ältliche Freiersmann, der Herr Gericht-beomte Ducker, der aus verschmähter Liebe allerlei Unheil anstiftet, und der gut« Enocl. der arme Isaak Stern, der alles so schön wieder ins Lot brinat. Köstlich, wie er sich in allen Lebens- logen zurechtfindet, sich durch nichts verblüffen läßt, auch nicht vom schnarrenden St. Bureaukratio mit dem Feldwebelton. Gespielt wurde slott und lebendig, in der Karrikotur der einzelnen Typen oft etwas zu groblinig, aber dafür hatten diese kleinen Entgleisun- gen die Lacher auf ihrer Seite. Eve ASSrurg durch d'e Akor'enNrche. Neuer Markt, macht Dr. Franz 2 e d- r e r Sonnabend. 26. November, 15 Ubr. U.fllite?i'chiai>e. Der FIlch der Saikon ist der Karplen und iesss ow besten im eirchmoif. Donnerstag und iotnende Tage kommen zum Der- kaui:.ebenbe Schurpen- und Spieaelkaipsen pro Psnnd von I.ÄI M. an. Die Vei'aussftelleii sind durch Plakate kenntlich gemacht. 3 k>« Kol w h Das Dolksbildungsamt Prenzlauer Dcrg veranstaltet am-rr ilaa. dem 25 November, abends 8 Ubr. in den P r a» I- l,> f««w M a r ch e n b r u n n e n. Am Fi lebt ist Sbom 29- 32 /Am KoniaSIol) einen Dortiag mit Lichtbildern von Fried ich Wendel:.Das Heinrich Zille und Zlälc Kollwitz» verbunden mit einer Ausstellung grapbi'cher Werke der beiden genannten Künstler. _ v-llrkb ldongsaueschusi«loh-Seriw. Nächste Theatervorstelluna am Sonntag, dem« Deiewbcr. nachmiiigg« 3 Uhr. im Staatlichen Schill--.- treater. Ebarloltenbiirg. Das Lustspiel.Ein besserer£>m-, kann wegen technndjer Sichrnwintfilcn leider nicht ausgcsllhit werden. ES gibt da ür (ärsiä&llt Vt. �. unncm'cr iPDcn« vertneb Jnlelstr. 6, Verband rer grophstchen.dilsSaibeiter. Rillerftr. I. Kreise und Alsteilunaen. im Bmeaa dcS BezirkSbitdungSauSschusies, Lindensir. 3, 2. Hos II. Ziinmct 8. .®'? V» oteslkur dg ebung gegen Ealrechlvog der vieler, Vernichtung der Kleingarten und Dodenwticher am tviumend-n Sonntag, dem 27. d.«IS.. vormmagS 10 /, Uhr im LebrcivercinsrauS, Alcrandeistr. Sl iam?iletza!ider- Platz) zu Verlm ist embei ufcn vom Aktionskomitee f ü r S o d e n Stevlungs- und W o h n u n g S p o l i t i k. dem t�cweikschaflen.lAroy- organiwtionen der Illiet r. KriegSbeichädi ten. Kleingärtner, Siedler und der Bund z.eullcher Bodeuresormer anaeschlossen sind AIS Redner sind gewonnen außer dim I Vorsitzenden des Bundes Deuischcr Bodcnrcjormer.?r. ist d o I s D a m o i ch k e,— belai ntlich einer der gtänzendsten deutschen Redner der �KemvaN—, der I.Voisiseiide dcS Bundes Dcollchei Miel rvereine E. V. («ttz„u rsdeni Herrmann. vom Deutschen tKewertlchas-Sbund Sla trat iwr X. Vor fitzend« des P> ovmzialocibandes Groh-Beitm des ReichsveibandrS der SUem artenvereinc Deutschlands R e i n b o l d. ormttn gegen Schnupfen Wirkung froppani! Kunstlerschast und Bauausstellung. Einigung erzielt. Die Verbandlungen zwischen dem Berein Bauaus- st e l l u n g und der Mehrzahl der jetzt im Deutschen, bisher Berliner Kunstausschuß zusammengeschlossenen Organisationen der K ü'n st l e r s ch a s t sind sortgesetzt worden. Eine Aussprache über die Mitarbert an der Vorbereitung und Durchführung der Dauer- bauausstrllung ergab Einigkeit über die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit, sowie auch darübex, daß der KUnstlerschast Cinsluß auf die künstlerische®e. st a lt u n g der gesamten Bauaus st cllujig und ihrer Zeile gegeben und ihre Mitwirkung gesichert wird: ferner darüber, dag diese Mitwirkung durch einen Ausschuß erfolgen soll, in dem die künstlerischen und wirtschaftlichen Verbände unter Hinzuziehung einer Vertretung der als Ausstellungsort gewählten Stadt zusainmen- geschiosien sind. Es wurde ein Sechferausschuß gebildet, der die vor- bereitenden Arbeiten leisten soll. Diese Vereinbarungen erfolgten unabhängig von dem zu wählenden Ort der Veranstaltung, beziehen sich also auch aus den Fall, daß die Bauausstellung nicht in Berlin, sondern in einer anderen Stadt zur Durchführung gelangt. Die Einigung beseitigt«rfreulitberweife Schwierigkeiten, die bisher der Durchführung der großen Deutschen Dauerbauausstellung entgegenstanden. Bauausstellung endgültig Berlin 1930. Der Vertrag zwischen der Stadt Berlin und dem die 1930 beginnende Dauerbauausstellung durchführenden Verein Oauerbouausstellung e. B. ist gestern zwischen den Ver- tretern des Magistrats und des Vereins unterzeichnet worden, nachdem Uber die noch offenen Fragen der Abgrenzung der Aus- stellungsgebiete eine Einigung erzielt worden ist. Damit ist das Ausstellungsprojekt endgültig für Berlin gesichert. Ei« Semitätsfilm. Im Gloria-Palast, Kurfiirstendamm, fand!n einer Nachmittagsvorstellung die Uraufführung des Films „Die von der«anitätskolonn«" statt. Es handelt sich hier um eine Schilderung der Tätigkeit des Roten Kreuzes, vor allem im Frieden, bei Unfällen und Katastrophen, um die Schilderung der Arbeit im Dienst« der leidenden Menschheil. Hersteller ist d i e Gervid-Filmgesellschoft. die bereits mst mehreren Filmen sozialen Charakters vor die Oeffentlichkeit getreten ist. Ber- fasserin ist die Genossin Dr. David, deren Namen>in dem Bor- spruch merkwürdigerweise nur in einem Nebensatz gestreist wurde. # Da der Film sehr eingehend die Arbeit der Sanitätskclonnen schildert, also sechs Wie umfaßt, so ist dieser Hauptteil in den Rahmen einer Liebesgeschichte eingespannt worden. Besser wäre an sich die einfache, sachliche Schilderung gewesen, aber schließlich muß man diese Konzession an dos Publikum machen, um es für den Stoff zu interessieren, der vielleicht ermüdend wirken könnte Regie und Photographie arbeiten außerordentlich sorgfältig. Die Operateure Karl W« l l e r t und Ewald D v u b leisten vorzügliche Arbeit, schassen Photographien, die das Sachlich« mit künstlerischem Reiz verbinden. Das Kasseler Giraßenbahnunglück. Ursache: Oer Eisregen. Kassel. 23. November. Die Direktion der Herkulesbahn gibt über das Straßenbahnungiück im Druseltal folgenden amtlichen Bericht heraus: .Bei gelindem Frostwetter setzt« am 23. November plötzlich leichter Sprühregen ein, welcher auf der Schienensläche zu emet Eisschicht fror. Infolgedessen geriet der von Herkules Nach Neu-Holland planmäßig fahrende Triebwagen Nr. 4 mit fest gezogener Handbremse und eingeschalteter Strombrems« trotz Sand streuer ein« kurz« Strecke im Gefälle abwärts, ohne daß der Führer vor der Weiche bei Neu-Hollanb hallen und dies« vorschriftsmäßig stellen konnte. Daher stieß der Wagen gegen«inen bergwärts fahrenden Triebwagen Nr. 11 und drückte dessen vordere Plattform«in. Der talwärts fahrende Personenwagen war nur vom Fahrpersonal besetzt. Auf dem Wogen Nr. 11 wurden 14 Personen, davon zwei schwer, oerletzt. Die Unter- suchung über die Sckutdfrage ist eingeleitet. Auch hat die Herkules bahn fetzt eine Bestimmung zu ihren Dienstvorfchriften erlassen, die mll sofortiger Wirkung in Krait tritt. Danach wird das Fahr personal angehalten, bei einem Witterungsumschlag, der ein Ber eisen der Gleile zur Folge hat, dem Schienenzustand seine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es wird in dos Ermessen des Wagen- tührers gestellt, nötigensolls bei einem solchen Zustand der Schienen die Fahrt nicht anzutreten oder zu unterbrechen. Während von den Leichtverletzten bei dem Straßenbahnungiück ein T.-il bereits wieder entlasten werden konnte, ist bei den beiden am schwersten Verletzten, dem Schüler Kratz aus Kastel und dem Schaffner Neurath«ine Beinamvutation notwendig geworden. Unmittelbare Lebensgefahr be steht bei keinem. Neue Besatzung der D 1230. Wie von unterrichteter Seile mitgeteilt wird, sind zur Be- satzung des auf Horta liegenden Junkersflugzeuges D 1230 die Herren Risticz als Pilot und Nismann als Navigoteur hinzuge- treten, während die Herren Starke und Loewe auf ihren Wunsch ausgeschieden sind. Die Entscheidung über die weiteren Maßnahmen liegt ganz im freien Ermessen der Besatzung.— Wir hatte» bereits in der gestrigen Morgenausgabe daraus hingewiesen, daß es sich auch hei dem Junterslvasjerslugzeug nur um eine Beheifsmaschine handelt. Sollte es nicht bester sein, erst wirklich brauchbar« Ozean- fugzeuge zu schassen, und dann zu fliegen? 99 Links GesamtveransOltun? d. Jung sozialistischen Vereinigung(SPD) Groß- Berlin — Politische Revue 1927(Splelgemelnschaft der Jungsozialisten) Montag, den 28. November, 20 Ohr, im Städtischen Lichtspieltheater, Neukölln, Bergstr. 147. AH Ansprache Alexander Stein:„Kampf der Kultur- IW reaktlon". Karten zum Preise von 40 Pf. bei den S W» Leitern der Jungsoziaiistischen Gruppen und an der Abendkasse. Die jungen Genossinnen und Genossen, sowie die Sozialistische Arbeiterjugend sind herzlichst eingeladen.(Untergrundb. Bergstr.! Das Wasser der Elbe steigt! Hamburg, 23. November. Im Wasserstand der Elbe ist eine fortschrellende Besserung fest- zustellen, da der Ostwind an Stärke nachgelösten hat. Mit der Flut können Schiffe bis 28 Fuß Tiefgang nunmehr an die Stadt her- ankommen. Der Hapagdompfer„Albert B a l l i n", der am Sonmagnachmittag bei Altenbruch vor Anker gehen muhte, setzte gestern seine Reis« fort, mußte jedoch mittaas bei Brunsbüttel wegen des niedrigen Wasserstandes erneut festmachen. Cuxhaven meldete heute früh frischen böigen Ostwind pon der Stärke 3, während Hamburg heute früh Windstärke drei bis vier verzeichnete. Das Treibeis auf der Elbe ist zwar stärker geworden, behindert jedoch noch nicht die Schifsahcl. Sozialistische Arbeitersugend Groß-Serlin. B..B..Sitzuna heute, Donnerstag, 24. November, 1» Uhr. Zreie Soziolisttsche Hodgchnle. Eonnabcn», 3. Dezember. ISZ, Uhr, spricht Otto ZeNIsen(Gera-Neuh) Uber„Achtzig Jahre»ommunistifches Manifest" im großen Laal des chemaiige» öerrenhoufcs, Leipziger Str. 3. Eintrittstarteii zum ermäßigten Preise find im Zugendsekretariat eroältlich. Bollsbühnenlonzertkarte» sUr crmniaci, 27. November, oormiltags, zum ermäßigten Preise von 1 M. sind bis beute, Donnerstag, 24. Zkooember, zu haben. Vorfitzeudenlouferenz Sonnabend. 2«. November, pünktlich 18 Uhr, im Linbenheim. �. Heute, Donnerstag, I9M Ahr: Falkplagz Schule Tberswalder Str. 10.„Unsere Rinderfreunbebewegung." — Schönhauser Vorstadt: Schule Driesonee. Str. 22. l0.Mjnuten.Neseeaie.— Aopenidce Viertel: Schule Wrangelstr. 123.„Ärbeiterschast und NationdN sieenng."- SiUttocften: Selm Lindenstr. 3...Berufskrankheiten."— gehlen botf: Sildfchule, Wiiheimsieoße.„Slreiszllge burib die Weltlrterainr." i. Teil, Pobnedoes: Leim Wad'ieisiraße.„Die Ausgaben der SKI."— Treptow:„Vor- wärts- Soediiion, Graegfir. 30. Tagespolitische Aussprache.- Wittenau: Heim T.oleiiihaier Sir. 13.„Unterm Sozialistengesefc."- Buchholz: Sdiuje Set. linet Sit. in. Porsiandssinung.— Pankow-Siid: Schute stoiser-tzriedrich» Straße•"7. lo-Minuten-ilieserate. Werbe bezirk Prenzlauer Berg: Am Sonnabent, 28. November., lg Uhr, de. ginnt im Heim Danziger Sir. 82, Baracke 7. der Werbebezirkskursus:„Einführung in die Sesellschafismisienschast." Vorirage, Vereine und Versammlungen. Peickisbanner. Schwor, Rot-Gold'. Geschäftsstelle! Berlin S.>4.' Sebastianstr. 37/38. H»f 2 Sr. NSpenick: ffreiiag, 2S. November, pon 19 bis 21 Uhr Schutsport sSportabteelung) in der Turnhalle ber 1. Semeinteschnle, Rnggel» beimer Straße.— itauledorf.SLd: Freitag. 23. November, Versammlung bei Hübner. Bahnhosstraße.— Steglitz. Inngmannschast: Montag, 23. November, 20 Uhr, Zügen dversammlung bei Schulz, Birkbuschstr. 80. Borkrag des stamera- den Nurt»eck:„Die Ausgaben de» Zungreichsbanner«." Stnfendnngen für diese Zlnbrik sind Berlin SS«8, Lludenstraße 3. parieinachrichten für Groß-Verlin stet» au da» Bezirkssetretarlat 2. Hos. 2 Trep. recht», zu richten. Typ-graphische» Orchester. Kollegialer Zirkel zur Pflege guter Musik. Dirigent Stapellmeister Erich Dutzeit. Porsitzendec Johannes Schulz, Berltn- Britz. Pinllchallee 43. Uebungsstunden leben tzreiiag 20 Uhr Neukälln, Her. mannstr. 199, im Nesiaurani„Zum Sängerbeim. Gäste stets willkommen. Verband Boltsgclu: dhelt, vrtsrereia Berlin. Donnerstag in der Schule Ifslandstr. 9„Phauoiogische Betrachtungen über den Begriff: Was ist Mari?" Am Freitag Zugendgruppe Im Heim Eoßlerstr. 83:„Autosuggest VN ober Ein- bilduttg?" Sonntag, 27. November, isla Uhr. Schulaula Langt Str. 31. Bunter Abend. Musik, Aussprache, Neztialiouen, Ausführung des Schauspiels„Berg- arbeitet" und des Sprechchors„Erläsung" pon Schänlank. Eintritt 60 Pf. Gäste zu allen Veranstaltungen willlommen. Volielürlorge.Persicherurq. Herbstoergnllgen Sonnabend, 38. November. 19 Uhr, Eewertschaftehaus. Eintritts karten l M. bei den Funktionären. Berliner Arbeiter-Schachllnb, Abt. Eelurdbrunnen. Donnerstag, 24. No oember, 21 Uhr. bei Wende,«olonlestr. 147. Vortrag. Kostenloser Unterricht. Gäste willkommen. Deutsche isriedenegesellschaft. Donnerstag, 24. Novembkr, 20 Uhr,>m Nestau- rant„Wahlslott", Nelle.All'anee-Str. 89. Tugeeorbming: Vortrag des Neichs- tageabgeordneten Heinrich Ströbel:„Der chinesische Freiheitskampf, der Welt. triebe. Bezirksvorstand. Sonnabend, den Z6. November, 18 Uhr. Sitzung des erwehrten Bezirksvorstandes im konserenzraum der„Bormärts'.Redaktion. Lindcnstraße Z. » 11. Treis Schönebettg.Frledenau. Verband füt Freidenleetnm»nd Feuer» beftattur.g. Freitag, 23. Zlovember, 20 Uhr, im Ldkal Lindenpark, Haupi- straße 1.17 Dilikgliederversammlung. Alle Genossinnen und Genossen, welche Mitglieder des Verbandes sind, haben restlos zu erscheinen, da äußvrst wichtige Tagesordnung. 17. Treis Lichtenberg. Achtung, Sportler! Freitag. 23. November, 1938 Uhr. bei Brügct, Stant-, Echo Tsirrschmidtstraße. Frokiionssitzung. Wegen der wichtigen Tagesordnung miissxn unbedingt sämtliche Genossen erscheinen. Die Vereine der Außenbezirke müssen mindestens'durch einen Genossen ver» treten sein. Parteiausweis legiiiniierl. heute, Donnerstag. 24. November. 24. Att. Die Genossen werden ersucht, sich restlos an dem Werbeumzug und an der Werbeversammlung des Neichsbanners Schwarz»Not»Eold, Name» radschast Balkan und stänigstor zu beteiligen. Treffpunkt 18 Uhr am Bahnhof Weißensee. Wöhrend de« Umzuges Flagge« her««»! Morgen, Freitag,. 25. November. 37. Abt. NenISlln. 19 Uhr bei Rohr, Siegsriedsir. 38—29, außerordentliche Sitzung sämtlicher Funktionäre. Alle Funktionäre müssen unbedingt er- scheinen. Arauenneranstaltungen- 141. Abt. R-senthol«nt NiederschSuhauseu-Weft. Der Frauenabend heute, Donnerstag, 24. November, fällt ans. Die Genossinnen gehen geschlossen zur Filmveranstaltung bei Konsumgenossenschaft bei Manthey. Vezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt und Sinderschutz. 4. Treis Prenzlauer Berg. Heute, Donnerstag, 24. November. 19 Uhr, Akten. austaufch an bekannter Stelle. Freildg. 25. November, 23.. November, 13 Uhr. Besichtigung des Hufeland-Hospitals. Treffpunkt am Haupteingang, Frobelsti-. 17. Zungsozialisten. Spielgemeinlchast: Sonntag, 27. November. 11 Uhr pünktlich, ist die- Generalprobe zu der Revue„Link» ran" im Städtische» LichtspieUheatee, Neu» tölla, Bergstr. l47. Gruppe Prenzlauer Berg: Heute, Donnerstag, im Jugendheim Danziger Straße 82, um 20 Uhr. Borträg.— Gruppe Schönebera«nd Süden: Heute. Donnerstag, Werbeoeranstaltung um 20 Uhr im Iugendhetm Schöneberg, Haupt» straße 13, Harzgauzimmer. Vortrag:„Die Pdlink der jungen Senerat'on." Nesertnt Dr. ilarl Mierendorst. D:k jungen Parte-g-uossen. die Sozialistssche Arbeiiertugeud und"d'e Naturfr-.unde sind herzlichst eingeladen.— Gruppe Süden: Werbeoeranstaltung am Freitag, 23. November, 20 Uhr, in der Juri- stischen Sprechstunde. Lindeiistr. 3. Vortrag:„Der neue Strafgesetzentwnrf." Neferent Laodgericht-rat Ernst Rüben. Alle jungen Genossinnen und Genossen sind h-rzlichst eingeladen. Sinderfreunde<ßrotz-B erlin. Rrei» Webding: Freitag, 23. November, findet im Zugendheim Seestiaß» um 20 Uhr unsere lireisheltersitzung statt. steei« Sharlottenburg: Alle Eitern und Parteigenossen ballen sich entweder Freitag. 9. Dezember, oder Sonntag. 11. Dezember, den Abend frei für den Film.liioderrepnblit Seekamp". Für Kinder er'olgt die Vorführung am Sonn- lag. II. Dezemder, nachmitiags. Wei'.ere Lekanutmachungen durch den„Bor- wärts" und die Abttilungsleiter. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 77. Abt. Schöneberg. Am Dienstag, 22. November, verstarb plötzlich und unerwartet unser lieber Genosse Alwin K I a w i t t e r, Apostel.PauIus.Str. 7. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Sonnabend, 28. November, llsj Uhr, aus dem Städtischen Friedhof, Schöneberg, Eithstraße(Lindenhof). Wir bitten um rege Beteiligung. 119. Abt. L-chtenberg. Unser Genosse Karl P r o ck s ch. Frankfurter Allee 249, ist verstorben Ehre seinem And'vkenl Beerdigung heute, Donner». tag. 24. November, I4'g Uhr, auf dem Zentrallried hol in Friedrichsfelbe. U« zahlreiche Beteiligung wird gebeten. weNerberlcfil der öffentlichen we«e>d'enslst«ll» sterstn und Umgegend sNachdr. ve:b) Xemtevalmnnf'iea, zeilwelie Niederschläge.— Jür veunchlan»: (Im Süden keine erbebüchen Niedeischlüge. sonst vcibreitete Negenfäll«, von Westen nach Osten fortlchreilei der Tenrperatnranflieg. ist die qlücUliche Finderin d er., Poten Sachsen, die einen Wert von Mk. 5oo— hat. Es liegen noch mehr kostbare Marken unseren Packungen bei! 5uclien5ie weiler! Auck 5ie können Glück katen! FLANKE oold ARE NA gold VERLANeEN SfE DIE NEUE MISCHUNG gelten diese Angebote. die in der Tat das «non plus ultra"4 an Billigkeit darstellen. Heute kaben Sie die Möglickkeit,sick mo- demeiesckeKleidung zu kaufen, für einen Preis, den Sie kaum für moglick kielten. ***** Ketcf e! l>cauEtcr d. 24JÜL A s-ua«J«»«"tV h gm, Popel>»«kl«>J ST«aiia«* Cr»f d« Ck»«- KrmC« JafwOtefc—____ ""-M.mJ. nrt Oi,„ «•-PUcl rtid, iMiMM. »■■•n». owl.et»,,, (SkIo Woll- KW. pr. Rift, aut tm» JmWt. Blen J.« wmi hiatr KnrVelttick»*.» Ottom.r c ,■£«fci. S«J-K«nn-ScU uad fuu ,ll/ D ClrfMta. WolIlW. pr. Rix», km Form mit Quop- «äuraen. Crfp« dm CliiM— Wut« mit LpI-kt-l-pilM Oranienstr.40 K» Or«nl«B*Pials Chausseestr.113 »•lnSt*ttln«r Bahnhof Königstr.33 Am BbfUUaxandarpL % 9UffiauaikM. 9Dl od Hilst 7 Nur Groß-Berlin AIrxft nderplot« beten. _ gweiundfünfztg Änrichteküchen. chränk«. ireik«. ing. stai aß, Fa. Besen. . Adwaschtische Herabgesetzt» Fahlungserieichterung. 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Auch die Ab- teilung Motorenbau, die von dem Deutschen Maschinentrust in Duisburg als Großaktionär hauptsächlich mit Aufträgen versehen wird hat voll zu tun. Die Gesellschaft erhielt für das Berliner Rissenprojekt des Karstadt Dareuhauskonzerus 40 Rolltreppen in Auflrag. «in Objekt von MMonen» so daß der Borsitzende auf der General- Versammlung erklären konnte, daß die Betriebe bis zum Frühjahr, .so für die nächsten sünf Monate, voll beschäftigt seien. Der Auftragsbestand für sämtliche Werkstätten liege um rund 60 P r o z. über dem des Borjahres. Dementsprechend zeigen auch die Belegschaften eine starke Zu- «ahme. Während noch in der ersten Hülste des bis zum 30. Juni laufenden Geschäftsjahres Entlassungen vorgenommen wurden, sind jetzt die Belegschaften im Werk Wittenau aus etwa M0 Mann. d. i. um rund 40 Proz. und in den Berliner Hauptbe- «rieben sogar um 7ö Proz. auf etwa 11S0 Mann gestiegen. Co beschäftigt die Firma einschließlich der technischen und kauf- männischen AngesteMen zurzeit etwa 1800 Mann. In dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht vern.ißt man eben- so wie in dem vorjährigen alle näheren Ausführungen über den Stand der Rationalisierung. Es ist bekannt, daß in den Betrieben der Gesellschaft eine sehr scharfe Rationalisierung der Arbeil und der Arbeiter durchgeführt ist. und daß die imnier erneuten Aktordberechnungen der Kalkulatoren mit der Stoppuhr in der Hand die Atkordbedin- gungen bedeutend verschärft haben. Bekannt ist auch, daß durch eine weiter« Unterteilung der Arbeit das Interesse der Betriebsleitung an der billigeren Frauenarbeit zugenommen hat. Nicht bekannt ist dagegen, daß auch die Arbeit in der Verwaltung, besonders an den höheren Stellen, rationalisiert und die Leistung gesteigert wurde. Auch von einer durchgreifenden Mechani- sierung der Betriebe und Erneuerung des Maschinenparks, die Hand in Hand mit der Rationalisierung der Arbeit zu gehen hätte, ver- lautete bisher herzlich wenig. Die in der Bilanz ausgewiesenen Zugänge für Werkzeugmaschinen, Hebezeuge und Lastkrastwagen, die mit 110 000 M. verhältnismäßig niedrig gehalten sind— ein Lostkraftroagev kostet etwa 12 000 M.—, lassen auch nicht auf größere Jnveftitione» dieser Art schließen. Die Vermutung liegt nahe, daß die Verwaltung bei dem festen Rückhalt, den ihr die Aufträge ihres westdeutschen Großaktionärs(„Demag*) geben, und bei dem Hochbetrieb in den Auszugs- und Fahrtreppen- Werkstätten keinen Zwang zur technischen Erneuerung der Betriebe zu fühlen bekommt. In dem Abschluß für dos ain 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1386/27 wirkt sich die ausgezeichnete Loge des Unternehmens erst teilweis« aus, da im ersten Halbjahr' der Geschäftsgang noch ziemlich schleppend war. Die Bekriebsgewiaae erhöhten sich aber von IL auf IL Millionen Mark, non denen nach Abzug der gesamten Unkosten von IL Millionen Mark und Abschreibungen von 173 000 M. einschließlich Gewinnvortrag ein Reingewinn von l»4 000 M. verbleibt. Die ganze Summe wird aus neue Rechnung vorgetragen. In der Bilanz hat sich durch Derkaus eines Berliner Grundstücks und Abschreibungen der Wert der gesamten Grundstücke und Anlagen aus 2,8 Millionen Mark ermäßigt. Besonders bemerkenswert ist die Beränderung der Betriebskonten. So kommt die Steigerung des Umsatzes in einer Erhöhung der Kundenanzahlungeu um das B i e r f a ch e, auf IL Millionen Mark, zum Ausdruck, während es für die gute Finan.zlagc der Ge- sellschast spricht, daß Warenschulden mit 0,7, sowie Bank- und Wechselschulden mit IL Millionen Mark kaum gestiegen sind. Da- gegen haben sich die Forderungen mit IL Millionen Mark verdoppelt, während außerdem erstmalig ein hohes Bankgut- haben von 400 000 M. ausgewiesen wird. Auch die Erhöhung der vorsichtig bewerteten Vorräte und Halbfabrikate von SL auf 3.0 Mil- lionen Mark ist auf dt« gesteigerte Geschüsistätigkeit zrrrückzuführen. Die im vorigen Jahr sehr gespannte Finanzlage— d» Forderungen deckten noch nicht ein Drittel der Schulden— hat sich also grundlegend gebessert. Wesentlich ist noch die Erhöhung einer als Uebcrgangsposte» ausgewiesene Reserve, in der jetzt eine Viertel Million Betriebsgewinne angelegt sind. Bei diesem günstigen Bilcnzstond und den im nächsten Abschluß erst, zur Auswirkung kommenden Konjunkturgewinnen wird die Ge- selljdiast im nächsten Jahr sicher mit einer ansehnlichen Dioiüende ljerauskonnnen, was von den Belegschaften ebenso zu beachten ist, wie es die Herren Aktionäre interessiert. Dunkle Bsrgäuge And ihre Deutung. Herr(Schacht und die Schwerindustrie. Der Ansturm der prwatwirtschaftüchcn Verbände und de» Reichsbonkprösidentcn zugleich gegen die deutschen Städte und gegen die öffentlichen Werke hat die ganze Oessentlichkeit wegen seiner Maßlosigkeit überrascht. In der Tot ist es dunkel geblieben, wes- bald der Reichsbankpräsident eine so überspitzte, einseitige und den Tatsachen widersprechende Kritik an den Gemeinden geübt hat. Es besteht keine Klarheit darüber, weshalb Herr Hugen- berg plötzlich in der Reparationspolitik umgeschwenkt ist, um den ganzen Nachdruck seines Kampfes gegen die öffentliche Wirtschaft zu verschieben. Bei der Red« Dr. Silnerbergs auf der Tagung des„Sangnam'-Bereins mußte es ap ff allen, daß er sich mit bei ihm ungewohnter Schärf«, gegen den staatssozialisiischen Charakter der deutschen Wirtschaftspolitik wandte. Daß das Memorandum des R e p o r a t i o n s a g e n t e n sich stark gegen die Gemeinden richtete, daß dem R e i ch s f i n a n z m i n i st e r bei der Verteidigung der Gemeinden irgendwie in den Arm gesallen wurde. ist noch in frischer Erinnerung. Diese Dinge scheinen sehr ernst« Hintergründe von weilesttragender Bedeutung zu haben. Wir erfahren nämlich: etwa 14 Tage vor der Sitzung des Neichshaushaltsausschusjes mit der große« Red« Schachts hat in Leuna eine Besprechung von führende» Persönlichkeiten der chemische», der elektrotechnische« der fteben dOeltwundef nvrr für die jÄLten ciiwh avosrnm �KlawCn>uf!rte ffttHgcfunfte«. Diese Besprechung blieb ber Qeffentlichkeit verborgen. Auf dieser Besprechung hat der Reichsbankpräsident Dr. Schacht ein Referat gehalten. In der Diskussion wurde von der Schwerindustrie lebhaft darüber geklagt, daß die be- vorzugte Stellung der Gemeinden und öffentliche» Werte auf de« ausländischen Kapitalmärkten die Finanzierung der Schwerindustrie unvorteilhaft beeinflusse. Dr. Schacht habe sich in unmißverständlicher Weise gegen die Betätigung der öffentlichen Hand ausgesprochen. Es war bisher schon für Eingeweihte sicher, für Fernstehend« ohne weiteres zu oermuten, dah die Angriffe gegen die öffentliche Verwaltung, gegen die Gemeinden und öffentlichen Wert« nicht zufällig gleichzeitig von den Führern der Privatwirtschaft und dem Reichsbankpräsidenten geführt werden und daß mit ihnen ein bestimmtes Ziel verbunden fein muß. In schwerkapitalistischen Kreisen glaubt man Grund zu der Ueberzeugung haben zu dürfen, daß Gemeinden "nd öffentliche Werke kein Auslandsgeld mehr erhalten werden. Man hat Hoffnungen auf die eigene Machtausdehnung insbesondere deshalb, weil die Kassen der Ge- meinden leer sind und leer bleiben, daß die Konjunktur dagegen die Kassen des Schwerkapitals gefüllt hat. Man ist der Ueberzeugung. daß man dabei auch die Sympathie des Reparations- a g e n t e n habe, und nicht ohne Grund glaubt man annehmen zu dürfen, daß der Reparationsagent eine Ueberlragung der öffenl- lichen werke an die Privalwlrtfchaft oder eine wettgehende Be- teiligung der Privatwirtschaft an den öffentlichen Werken nicht ungerne sähe. Es ist heute noch zu früh, über dies« Zusammenhänge ein abschließendes Urteil zu fällen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß schon in der nächsten Zeit gewiss« Ereignisse den Kurs deutlicher erkennen lasten, den dos deutsche Schwerkapital in seinem Verhältnis zu de« öffentlichen Unternehmungen steuert. Auch Belgien schränkt die Sohlenproduktion ein. Nachdem vor kurzein die nordfranzöjischen Reviere eine Einschränkung der Kohlen- ....HWU..■ Prpz. verringert werden, um ein weiteres Sinken der Preise zu oerhindern. Ole Schwankungen im Gütervertehr. Nach dem«rhebsichen Rückgang der Wagengestellung der Reichs- bahn in der Woche zum 5. November um arbeitstäglich rund 11 000 Wagen, ist die arbeitstägliche Wagengestellung in der Woche zum 12. November wieder von 161 800 auf 166 200 gestiegen. Tabellarische Ueberhcht seit September(in 1000 Stück) Woche wöchentlich MÄ ! 1927 1926 1927 1920 23. 8.-3. 9. 918,4 834 6 153,1 137.4 4. 9.-10. 9. 928,0 824,3 154,7 137,4 11. 9.-17. 9. 047,8 842,2 158,0 140,4 18. 9.-24. 9. 951,3 848,1 158,6 141,4 25. 9— 1. 10. 960,0 859,3 160,0 143,2 2. 10.— 8. 10. 962,8 880,3 160,5 146,7 9. 10.— 16. 10. 1007,8 901,9 168,0 160,3 16. 10.— 22. 10. 998,5 931,4 166,4 155,2 23. 10.-29. 10. 1084,0 050,0 172,5 158,8 30. 10.— 6. 11. 070,8 900,3 161,8 150,0 6. 11.-12. 11. 997,4 943,2 166,2 157,2 Die Schwankungen erklären sich großenteils aus jahreszeitlichen Gründen. Immerhin liegt auch der jetzige Güterverkehr der Reichs- bahn arbeitstäglich noch um 9000 Wogen höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres, als die Kohlenlieferungen durch den englischen Bergarbeiterstreik ihren Höhepunkt erreicht hotten. Der Wiederan- stieg läßt vermuten, daß die in der Schwerindustrie fortdauernde starke Beschäftigung von entsprechend starken Versendungen in der übrigen Industrie begleitet blieb. Dr. Bücher lm vorstand der ALG. Im geschäftsführenden Vorstand des AEG.-Konzerns ist ein Wechsel eingetreten. Das bisherige Borstandsmitglied Dr. M a m r o t h scheidet aus dem Vor- stand der AEG. aus und tritt in den Auisichtsrat der AEG. über, nach&em schon seit dem Sommer d. I. dies« Absicht feststand. Herr Mamroth bleibt aber, was von einiger Bedeutung ist, Direktor i der Clektrlzitätslieferungs-A.-G. und der Bank elektrischer Werte, die vom AEG.-Konzern beherrscht werden. Ebenso wird er die AEG. weiterhin bei der Osram- und der Telefunkengesellsckiaft ver- treten. An die Stelle von Herrn Mamroth tritt Herr Dr. Bücher, der bis 1925 im Reichsverband der Deutschen Indu- st r i e beschäftigt war und zuletzt in der I G-F a r b e n i n d u st r i e, dem deutschen Ehemietrust. arbeitete. Dr. Bücher wird mit seinen 45 Iahren Im Vorstand der AEG. wohl der Jüngste sein. Nach seinen vielfachen Reden zu urteilen, gehört er nicht zu den ausge- sprach« nen Scharfmachern. Ob der Eintritt Dr. Bücher? st, die AEG. deren Politik beeinflussen wird, ließe sich höchstens aus der bisherigen Tätigkeit Büchers beim Chemietrust und den Broun- kohleninteresten des AEG.-Konzerns vermuten. Eine riesig«, auch für Berlin wichtige omerikanische Industrie ist die Herstellung der Registrierkassen. Die National Casst Register Company hat im Monat Oktober nicht weniger als rund 16 000 ihrer Registrierkassen im In- und Ausland abgesetzt und damit einen neuen Rekord aufgestellt In Berlin besteht eine Rieder- lassung, die National-Registrierkassengesellschaft m.b.H., die in der großen Neuköllner Fabrik monallich ebenfalls etwa 2000 Registrierkassen herstellt, wovon 50 Prozent in Deutschland bleiben. Neben der Eigenproduktion dieser Gesellschaft werden monatlich aber noch 200 bis 300 Kasten von der amerikanischen Muttergesellschojt nach Deutschland eingeführt. 52 000 Lichtspielhäuser in der welk, 21 Mllllonen Sitzplätze. Nach einer Erhebung des Handelsdepartements der Vereinigten Staaten gibt es in der ganzen Welt augenblicklich rund 52 000 Lichtspielhäuser mit zusammen rund 21 Millionen Sitzplätzen, das heißt im Durch- schnitt 400 Sitze pro Kino. Das in den Kinos investierte Ka- pital wird auf rund 11 Milliarden Mark geschätzt. Auf den Kopf der Bevölkerung treffen von diesem Kapital in den Ver- einigten Staaten 13 Dollar, in England 5,7 Dollar, in Deutschland 4 Dollar, in Frankreich 2,5 Dollar. Die g r ö ß t e Za h l der Thealer und der Sitzplätze entfällt aus Amerika mit 25 000 Kinos und 11 Millionen Plätzen: dann folgt Europa mit 22 000 Kinos und 9 Millionen Plätzen, Asien mit 3000 Kinos und 600 000 Plagen, Australien mit 1200 Kinos und 350 000 Plätzen und endlich Afrika mit 800 Kinos und 200 000 Plätzen Der Oelkrieg geht weiter. Zwischen der englisch-holländischen Royal-Shell-Compony, die von Herrn Dcterding geführt wird und den amerikanischen Standard-Oil-Eesellschasten wird es wegen des russischen Oeles nicht zum Frieden kommen. Die New Aorker Standard-Oil-Gesellschast hat nämlich einen Lieserungsver- trag über 360 000 Tonnen Petroleum mit dem russischen Naphtha- Syndikat für die Zeit von 60 Jahren abgeschlossen. Außerdem kauft die New Porker Vakuum-Oil-Gesellschaft, die ebenfalls zum Standard-Oil-K'onzern gehört, von Rußland 255 000 Tonnen für den Zeitraum von 6 Iahren. Herr Deterding hat seinen Kampf gegen das russische Oel bekanntlich mit der Begründung geführt(er war unter dem Zarismus ein Hauptaktionär der Bakuer Gesellschaf- ten), daß das russische Oel„gestohlen" sei. Ein« über- flüssige sittliche Entrüstung allerdings, denn es wurde nachgewiesen, daß er selber Käufer dieses gestohlenen Oeles werden wollte. Für 6ie un» eraj«(»n« wohltuende Slnlellnalnn« beim Heimqang« meine» lieben Mannes, unlere» guien Bater». w�en wir hiermit unsere» herzlichsten Bohn»h»ef< im Zlovemder 1027. Helene Grotz geb. Pepps nehft BngehSriaen Wollen Sie W i Stunden wirklich gut unterhallen? Dana stedea Sie sich den aus- gezeichneten neuen Film an: LJUERGENS ALEXANDER PLATZ Nettle gegen Haarausfall irrtiich verordnet und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigte Urkunde. 20000 Dankschreiben. In Kliniken und Krankenhgusern nur ml« Erfolg angewendet. Nettla beseitig, Jeden Haarausfall sofort, wenn nach Gebrauchsanweisung verwendet wird.- Fiaache 2. i und l«k. Erhältlich In allen Kaufhintern Hermana Tletz Direkter Bezug der Grundsioffe, die Herstellung der Kleidung In eigenen Betrieben, der un- miiiclbare Verkauf an den Verbraucher sindVor- tcile, die sich in Preis und Gute angenehm bemerkbar machen. Die Liebesoeschichte eines Fussbsilhelden von Hugo Nuxhol und Cur« lauurmann Regie-. Fritz Freister mit Paul Richter/ Aud Esede Nissen/ Coiettc Brettl C.W. Meyer/ Teddy BIII/ Fr. Alberti/ H. Lettinger Uraufführung heule EmtkaoMt Schauburg KuriOratf ndamm S8 P o t s d« m• r Pia u yoo# qis 7°°, 9C0 dppk a tLOPPENBUBG M.ay" boss-stwasss ,.4 Vornehm e Herrenulster in eigenen Betrieben angefertigt Donnerstag 24. November 1927 Unterhaltung und ÄAissen Beilage des Vorwärts Vom seligen Kommiß. Die häuslichen Verhältnisse. � Der Retrutenleutnant hatte auch so seine Sorgen. Wemge Tage nach der Einstellung sollt« er seinem Hauptmann die«häus- liehen Verhältnisse" seiner Leute herbeten können, sonst... Also holte er beim Exerzieren Mann sür Mann heran und fragt« nun nach alldem. Mein Freund Konnie— der dicke Konnie— hörte einen Rekruten ab und notierte: August Salt. Eltern wohnen in Lüne- burger Heide. Sehr dürstige Verhältnisse. Drei Brüder, fünf Schwestern, all« jünger. Drei Morgen Land, zwei Schafe, ein Hund. „Und wovon lebt ihr denn nu eigentlich?" „Hauptsächlich von spinnen, Herr Leutnant!" „Pfui Deubel noch mal! Das freßt ihr?!" Schwieriger Fall. Auf der Revierstube das üblich« Bild: Stumpfsinnig und ergeben hocken die Kranken herum, die dicke. warme Lust riecht nach Menschen und Jodoform, im Hintergrunde übt der Sanitätegesreite Prioatpraxis aus und der Oberstabsarzt untersucht die neugemeldeten Leute. Gardefüsilier Heuer hat Ohrenschmerzen. Vorzeigen! Heuer ninnnt auf einem Schemel Platz, der Arzt bindet sich den Ohren- spiegel vor, steckt dem Mann den Nickeltrichter ins Ohr und leuchtet hinein. Der Doktor sucht und sucht. „Herr Oberstabsarzt.. „Was ist?" „Herr Oberstabsarzt können da nicht durchgucken..." „Wieso?" „Im anderen Ohr ist ein Watteproppen." Kriegsesperanto. Thüringer holen sich Material von einer Pionierkompagni«. Cann'ch'ne Schrotsääche geborgt griech'n?"—„Bringst nocha oo z'ruck?"—„Wie meenst?"—„Z'ruck bringa sollst sei"—„Ich weetz nid), was de saachsd."—„Tout fuite retour!"—„Achfo, rcduhr bring'n soll ich die Sääch«, no da saachs doch gleich!" Ein Pflanzenscheusal. Von vr. Joses Redei. Ein Glashaus des Schönbrunner Reservegartens in Wien be» herbergt«ine Pflanz«— die Weswitschia mirabilis—, die ihre Heimat in der Kalohariwüste in Südwestafrika Hot, und vielleicht die Häßlichste aller Pflanzen der Welt ist. Der Wiener Botaniker Dr. A. Ginzberger behauptet in seinem Gutachten über die Er- Haltung der Schönbrunner Parkanlagen und Gewächshäuser, daß die Welwitschia außer in Wien noch nirgend» zur Keimung ge- kracht wurde. Kronfeid, der Historiker der botanischen Wissenschast. meint in seiner Monographie über den Park und Garten Schön- brunns,„nur New Park dürft« die gleiche Rarität aufweisen". Tatsache ist, daß die Welwitschia auf dem europäischen Kontinent außer in Schönbrunn nirgends zu finden ist. Oesterreich kann stolz darauf fein, obwohl dl« Welwitschia eine abstoßend« häßliche Pflanz« ist— ein Pflanzenscheusal. Die botanisch« Mssenschast teilt die Pflanzen in zwei große Klasse»: in die der nacktsamigen und in die der bedecktsamigen. Hu den nacktsamigen Pflanzen gehören bekanntlich auch die Nadel. ltölzer: Fichten, Tannen, Föhren usw. Die Welwitschia gehört zu der Gattung der Gnetina«, die gewöhnlich zu der Gattung der nochtfanügen Pflanzen gerechnet wird. Die Gnetina« haben aber Eigenschaften beider PflanzenNasien. Sie sind daher Uebergang, Brücke von der einen zu der anderen. Die Familie der Gnetina«, also auch die Welwitschia, ist in der Pflanzenwelt etwa» Aehnliches wie in der Tierwelt das noch fehlende Kettenglied in der Ahnen- reih« der Menschen: jene Brücke, die in der Entwicklung von den i'lsfen zu den Menschen führt. Die Welwitschia ist also von großer wissenschaftlicher Bode>ttung— und noch dazu gehört sie einer Pflanzensamili« an. die im Aussterben begriffen ist. Außer ihr besigt näml-ch dies« Familie nur»och zwei Gattungen: die Ephedra >md da» Gnetum. Und wenn wir schon diese Berwandte der Welwitschia erwähnen, so soll auch gesagt werden— es kann vielleicht für Biels von Nutzen sein—, die Chinesen bereiten seit Jahrhunderten aus der Ephedm«in Mittel gegen Aschma. In ollerneuester Zeit hat d!«„abendländische" medizinische Wissenschast dieses Mittel aus die Probe gestellt. Es soll die Prüfung gut be- standen haben. Wie gesagt, schön fft die Welwitschia nicht Prof. Warburg. der berühmte deutsche Botaniker, lagt, daß der niedrige, durch ein« Furch« in zwei Teile geteilt« Stamm der Welwitschia zuweilen den Eindruck«ine» Raubtierrachens macht. Di« Welwitschia bringt während ihrer ganzen Lebensdauer— außer den Keim- biäitern— nur zwei riemenförmig« Blätter hervor, die sich aus dem Boden— recht» und links— hinschlängeln. Außer ihr gibt ez keine ander« Pflanze, die während ihres ganzen Lebens nur zwei Blätter hervorbringt. Da sie in ihrer Heimat eine Lebens- dauer von hundert Iahren erreicht, so könnt« sie sich auch damit rühmen, die ältesten Blätter der ganzen Pflanzerrwelt zu besitzen. Doch wäre dies eine Dorspiegelung falscher Tatsachen. Di« Matter werden nämlich an ihrer Basis durch Zellcnbildung und Wachstum fortwährend verjüngt, während ihr Gipfclleil allmöblich abstirbt und abtrocknet. Die Raubtierrachen, die trockenen düsteren Fetzen der abgestorbenen Blätterteile, sind es, die die Welwitschia zu einem richtigen Pflanzenscheusal machen. Bon einem sehr häßlichen, aber bedeutenden Mann« wurde einmal gesagt, daß man ihn zum „Minister des widerwärtigen Aeußern" machen sollte. Im Pflanzenreich könnt« die Welwitschia diese Stelle beanspruchen. Die Welwitsibia wurde von dem österreichischen Arzt Dr. Friedrich Welwitsch im Jahr« 18K0 in der Kolahari- wüste entdeckt. Sie wird von den Eingeborenen„T u m b o" genannt. Unter diesem Namen wurde sie auch im Jahr« IMI in Europa bekannt. Der englische Botaniker Hooter hat ihr dann zu Ehren des Entdeckers den botanischen Namen Welwöctu» mirabilU gegeben. Und wie kam die Welwitschia nach Schönbrunn? Prof. Weit- stein, der berühmt« Botaniker der Wiener Universität, hat vor neunzehn Iahren die Samen, die er aus Südafrika erhalten hatte, den Schönbrunner Gärten zur Beisügung gestellt. Zwei davon sind zur Keimung gelangt. Eines von ihnen ist in diesem Jahr« abgestorben das noch lebende macht auch nicht den Eindruck von SWsche und üppiger Gesundheit. Bielleicht ist dos aber nur Schein. Wie es immer sei. gehört die Deiwttschio zu de» grüßte» Selten- heiw. O« w-uttch«.«ne» der Seit Oer Schiffbrüchige. Tragische Groteske von Salamon Oembitzer. Was ich sage, glaubt man mir nicht. Ich rede, erzähle und schwöre, daß es so ist. Und man hört mich an, und lacht. Aber warum denn? Gut, also lacht, einmal werdet ihr doch aushören. ich weiß es ja! Es hört ja alles einmal auf, mag einer noch so lachen oder weinen... ja, auch im Himmel lacht man... Als ich oben war, sah ich Gott, inmitten einer.Schar von Engeln, und sie lachten und spotteten über die Millionen Menschen, die in Kirchen, Moscheen und Tempeln hockten und zum Himmel beteten, man solle ihnen oerzeihen... Damals mußte ich weinen... Sie hörten mein Weinen und drängten sich um mich und lachten auch über mich... Da erfaßte mein Herz eine Schwere; denn die Hilflosigkeit der West betrübte mich... Auf der Erde hofft man vergebens auf den Himmel und da ist man gerade so närrisch, leichtsinnig und unvcrläßlich wie unten. Ich bin auf die Erde hinabgestiegen und habe ein Weib ge- nommen und mich mit chr in ein abgelegenes Dorf zurückgezogen. Ja, alles nimmt ein Ende— auch die Liebe? Nein, die Liebe ist endlos!... Jawohl, das weiß ich ganz bestimmt, aber ihr glaubt es nicht... nein, ihr glaubt es nicht... Warum solltet ihr auch daran glauben... sie stiehlt sich ja nicht in Herzen, von Geschäftsgeist erfüllt, die nur Prozente zählen... auch nicht in sattgefressene Körper! Ich habe mich also mit meiner Frau in die Einsamkeit begeben. Wollt ihr hören, wie sie ausschaute? Oh, Worte können nicht schildern, wie schön sie war; ihre. Grazie, Anmut und Beweglichkeit läßt sich nicht beschreiben. Man muß die Augen schließen, um sich ihr Lächeln vorstellen zu können. Jenes kleine Lächeln, bei dem sich zwei Reihen weißer Zähne zeigten. Pechschwarzes Zigeuner- haar, große, glühende Augen saßen In einem so wundervollen Gesicht... nur Liebende können das alles verstehen und begreifen...- In Winternächten saßen wir in unserem einsamen Häuschen am warmen Ofen, schauten zum flackernden Feuer, und ich habe ihr Geschichten erzählt. Phantastische und bizarre Geschichten, die uns im Schlaf nachgeklungen haben und uns einwiegten in eine merkwürdige Traumwelt, die tief und schwer war und vermischt mtt einer heimlichen Sehnsucht. An Herbstabenden gingen wir auf langen, einsamen Wegen, wette, dämmernde Alleen und schauten hinauf zu den Wolken und schwiegen. Aber in unserem Schweigen lag ein« große Weichhett und das Bewußtsein von einem ungeheuren Reichtum, die keine Macht der Weit rauben kann. Und in Sommernächten saßen wir an unserem kleinen Fensterchen, verträumt und versunken in Ge- danken, und einer an den anderen gelehnt. Dann haben wir zum hohen blauen Himmel emporgeblickt und die Millionen Sterne gezählt.., Eine gute Beschäftigung! Ihr lacht. Ja, es gibt noch ÜÜenschen, die lieber Stern« als Geld zählen... Und schließlich lebt nicht jeder von der Konfektiott... laicht nur ruhig weiter... am Ende könnt ihr gar nichts weiter als lochen... Ihr sagt, ein Verrückter spricht so? Gewiß, ich bin verrückt: aber warum soll es zwischen so viel klugen Menschen, wie ihr seid, nicht auch einen Verrückten geben? Einen närrischen, komischen Menschen, der sich von Stadt zu Stadt herumtreibt, irgendwo in einem Stall oder in einer Herberge schläft, um ein Stück Brot bettelt, und mit zerrissenen Schuhen durch den Kot der Landstraße trabt... Glaubt ihr mir wirklich nicht, daß ich erst zweiundvierzig Jahre alt bin? Ihr meint, well mein langer Bart grau ist? O nein, das ist schon seit damals, fett damals... Uebrigens liebe ich ihn wirtlich, weil er so weiß und glatt ist... ich streichle tägllch einigemal mit meiner Hand darüber, ich brauche ihn so notwenbig.. Ist er doch Zeuge meines Lebens und erinnert mich jedesmal an jene Tat, an jenes Ereignis, an jenen Mord... Ihr lacht schon wieder... Wartet noch ein Weilchen, später dürft ihr lachen... Nein, ich haste euch nicht, warum auch? Ihr wißt ja garnicht, was Haß bedeutet... Also damals bin ich von einem langen Spaziergang mit meiner Frau zurückgekommen... Ich bekam Fieber, Rückenschmerzen und mußte mich ins Bett legen. Und immer schwerer hat sich etwas auf meine Brust gelegt... Es schmerzte mich auch, daß meine Frau immer fastungsloser wurde. Aber der junge, herbei- gerufene Arzt beruhigte sie und meinte, nicht» weiter als eine Lungenentzündung... und er winkte meiner Frau mit dem einen Auge zu... er ahnte sicher nicht, daß ich diesen verheißungsvollen Blick bemerkt habe... denn so ein stark Fiebernder weih ja gar nichts... Die ganze Sache hat mich dann nicht nur als tief Beteiligten, sondern auch psychologisch interessiert, wirklich... Ich tat, als bemerke ich nicht, daß er sich täglich viele Male sehen ließ und sich mit meiner Frau ins Nebenzimmer zurückzog, um ihr Erklärungen über meine Krankheit zu geben. Jawohl! Ob es mich geschmerzt hat, daß mein« Frau sich so leicht von ihm beruhigen ließ? Ja und nein... Einerseits habe ich gedacht: ist sie wirklich so, dann habe ich ja nicht viel verloren. Dann aber wieder konnte ich nicht glauben, daß sie, die verwachsen mit meinem Fleische war, ein Stück von mir, sie, mit der meine Seele sich trug, so sein konnte.. O nein, wenn man im Fieber liegt, hat man die merkwürdigsten Gedanken... ich habe mir dajin Vorwürfe gemocht, meine Frau so zu beschuldigen... Mein Gott, ich habe mich selbst gehaßt, weil dieser absurde, unmögliche Gedanke mich nicht verlassen wollte. Und zwei Tage später bin ich gestorben... Als man mich in den Sarg legte, weinte meine Frau so laut; aber au» ihrem Weinen habe ich deutlich ein Gelächter gehört... doch anders, als euer Gelächter... Was blinzelt ihr mit den Augen? Ihr glaubt, daß ein Toter sich irren kann? Ich sage euch aber, ihr seid im Irrtum. Das zeigt ja mein Fall... Je mehr sie weinte, desto mehr hörte ich ein wildes Lachen. Ich war mehr neugierig, was geschehen würde, als eifersüchtig und schmerzerfüllt. Ich habe zu mir selbst gesagt: Abwarten!... Die ganze Nacht lag ich im Zimmer aufgebahrt. Aus dem schwarzen Tuche meines Sarges lagen ein paar Blumen. Gegen zwei Uhr nachts öffnete sich plötzlich langsam die Tür und meine Frau ist in Begleitung des Arztes hereingekommen. Er hielt sie an der Hand und ließ sie langsam auf das nebenstehende Bett niedergleiten. Ich habe dann ihr Gespräch gehört, da? sich in mein Herz eingegraben hat: Sie:„Lieber... meinst du, man stört damit nicht die Erinnerung?" Er:„Ach Unsinn, Tote sind tot. Danke doch Gott, Freundin, für diesen Ausgang. Wirklich, zuerst mußt du Gott und dann mir danken... Ich will mich nicht rühmen, aber ich habe vielleicht mehr zu seinem Tode beigetragen als Gott. Und ich weiß nicht. welche Ursache du hast, heut« aus den höchsten Genuß verzichten zu wollen..." Sie:.Lieber... das ist es nicht... aber weißt du. es in demselben Zimmer zu tun, in dem die Leiche sich befindet, ist doch schauderhaft." Er:„Ach Unsinn, gerade das ist das Schöne. Uebrigens hätte es mir Spaß gemacht, den Deckel des Sarges aufzunehmen und ihn anzuschaue», während ich von deiner ganzen Schönheit Besitz ergreife. Wirklich, ein eigenartiges Gefühl... Kind, sei also nicht sentimental, er wird bestimmt nicht aufwachen..." Sie(glückstrahlend):.Liebster, tu' alles mit mir. was du willst..." Er: ,La. nun bist du ihn endlich los(sie an sich ziehend), min mußt du mir aber von all den Dummheiten erzählen, die er dir auf den langen Spaziergängen gesagt hat..." Sie(lachend):„Ein komischer Kauz war er wirklich... (Leidenschaftlich.) Komm schneller Geliebter, fühlst du nicht, wie alle meine Glieder zittern nach dir, willst du wirklich den Deckel öffnen und ihn vorher ansehen..." Er:„Ach, nun ich durch die Bewegung meiner Kleider dos Licht ausgegangen(sie küssend und sich zu ihr legend) ich verstehe nicht, wie du vier Jahre bei ihm ausgehalten hast." Sie:„Still, Liebster, wir wollen nicht mehr von ihm reden. Er ist nun fort und du allein bist mein Beschützer, du allein bist mein Leben, du... etwas schreckt mich so. still, rührt sich's nicht im Sarg? O Gott, hör' nur. hör' nur....." Ihr lacht, und doch war es so... Langsam, ganz langsam bin ich heraus aus dem Sorg gestiegen. während sie in höchster Ekstase lagen. Ich habe zuerst ihm und dann ihr mit meinen Zähnen die Halsader aufgebissen... Mo» hat uns einige Tage später alle drei begraben. Noch bis zum heutigen Tage sucht man die Mörder. Und während sie beide irgendwo begraben Legen, und ganz zerfressen von Würinern, gehe ich unter euch herum und erzähle euch immer wieder die Geschichte, die ihr nicht glauben wollt. Und ihr hört zu, lächelnd, zweifelnd... und doch war e» so, ich schwöre es euch... Mikrobenjäger. Ein unheimlicher Beruf. Welcher Laie ahnt etwas von der unheimlichen Jagd aus die winzigen Bruchteile von Millimetern messenden Mikroben? Bon dieser Jagd, die weit otemraubender und lebensgefährlicher ist als die auf wilde Tier« und die weit verdienstvoller ist als st«? Selbst von jenen Helden, deren Wirken auf diesem Gebiet»och unmittelbar in unserer Zeit fühlbar wird, kennt der„Kulturmensch" oft kaum noch die Namen. Bon der geheimnisvollen Arbeit, die sie am Mikloskop, im Laboratorium leisteten, weiß er nichts. Sich von ihr zu unterrichten, erfordert« jedoch im allgemeinen ein Studium wisien- schaftlicher Werke, deren trockener und unpopulärer Stil den Laien nicht sehr zur Lektüre verlockt«. Nun fft das anders geworden. Ein junger ameritanischer Universitätsprosessor. Paul de Kruis, selber Bakteriologe, hat mit«inein Buch„M i k r o b« n j ä g« r" (Deutsch im Berkig Orell Füßli, Zürich und Leipzig. Preis ungeb. 8 SRv geb. 10 M) seinen großen Kollegen ein lebendiges Denkmal gesetzt. Dieser dickleibige Band sessett den Leser wie der spannendste Roman. Bon der Atmosphäre, die dies« Mikrobenjäger nmaibt, von ihrer geheimnisvollen Tollheit. Ihrem unheimlichen Fanatismus begriff E. Th. Hoffmonn etwas, als er dem von grausamen Forschertrieb besesienen«pallonzani einen Platz in seinen phantastischen Dichtun- gen gab. Aber hatte dieser Italiener, der so wellmännisch elegant imd mit soviel Behagen zu leben gewußt, nicht unendlich oft den Tod gewagt, nur. um festzustellen, wie Mikroben entstehen und sich fortpflanzen, so wären die Forschungen eine» Pasteur,«wes Koch und oller übrigen, hie gegen tückische Seuchen zu Feld« zogen, u» Sie alle werden in dem Buch von de Kruis geschildert, von Leemvenhoek, dem eigenbrötlerischen Türhüter, Erfinder de» Mikroskops und Entdecker der Mikrobe», bis zu den Forschern unserer Tag«. Und fast alle Lebensgänge sind so toll und märchetv hast, von so romantischer Unwohrscheinlichkeit, als wären sie von wildester Fieberphantosie erfunden. Doch de Kruis gibt nur Tat, sachen, mtt der Beweiskraft und der Klarhett eines Menschen, der selbst aus diesem Gebiet der Wissenschast arbeitet, aber auch mtt dem Verständnis eines, der die Unwägbarkeiten sieht, von denen die Leistungen des Genies bestimmt werden. Stll und Darjtellungs- form zeigen� de Kruis als einen hervorragenden Schriftsteller, der in Prof. Siegmund Feilbogen allem Anschein nach«inen misge- zeichneten Uebersetzer hat. Schade, daß das Werk ziemlich teuer ist. Man sollte e« in einer billigen Volksausgabe herstellen. Sie würde sicher reißenden Absatz finden. Tos. Der wichtigste Srenzotterseiad. Der gefährlichste Feind der Kreuzotter ist nicht, wie man meist anmmntt, unter den größeren Tieren zu suchen. Gewiß fallen viele Ottern den Igeln zum Opser, und auch die größeren wildlebenden Hühnervögel machen gelegent- lich einer Kreuzotter den Garaus, allerdings nur fetten, um sie dann zu oerzehren Wirtlich als Nahrung dient die Otter dagegen ihren sehr kleinen, aber durch ihre große Zahl machtvollen Feinden, näm- lich den Waldameisen! Wenn die Kreuzotter recht gut gefressen hat, dann liegt sie träge und nicht selten bewegungsunfähig da. In diesem Zustand können die Ameisen sie leicht überwältigen. Sie kriechen in großer Zahl in alle Kürperöffnungen und töten' sie ziemlich rasch durch die vielen kleinen Verletzungen. Der Uebersall auf eine Kreuzotter, die durch eine üb exreiche Mahlzeit gelähmt ist. er- folgt außerordenttich rasch und führt auch bald zum Ziel. Man finde, daher in sehr ameisenreiche» Gegcuden in der Regel nicht all- IS (HRUCNK.Z4. II Stob-Ira .*« M.4,Re*«kl COir St&iss MtäMiS rimti. ausfjilh. Aal. B Ubr: Hl Ms U«onwst 14. II ftiJMi£pu BUmarcksir BplIV, EsEati&LiUi WsWM! n ii Stssi WIM. Charivttentmrg 1 Wir Web dem der 13gt Volks büh ne limtw ud!3tmtitTfn ib SäillftniTiia«» » Wir Schieber des kvbMZ 'KomlfdieÖDer&l Neuartige« Revuc>5tBek |AII«s Nackt![ 4 �lelekD. Paris. Revüel J�Tout BU">. 200 Mitwirkende f I Original» Pariaer KaatBm« I Parkett«,80 Mk. iTttgererktsse unniterbr.reOfl*. ttitsäiei lWiei >Ivnt�n 10334— 37 « U tnäe i| U ÜMkK ÜMMiSR ir.Oerl». Hauptmann ■«gl»: Max Remkardt Kaasraersiiig'e Verde« 1*334-37 7 9U Uhr: Ende nach 10 Wir. „Maya" Viirii ne?anCnffllW Reglet Osston Baty 9{e KftiaSdle Bismarck 3414/7814 fr,', Wir, Ende IIP, Letctc AuflOhrtirge« ZlRsan K»mBdt« <«« Ber»«rd Sha* "Freitag, 2S.K'»vemlK 7,uni I.Male D-KS WM UreWt m 544" Cnnt »kit: fmni Unmj4 ?Iscatorbfi3ine 'iis;!. l Hallnlirfnlatr. KurtDrst 2091 /OJ Aal. Ende nach 11 Putin, iii Siraaso*!, der Rrit; nd das Talk, das gtütfl m loItUpd von A'.eiey Tolstoi und Schtschegolew :nse. Brwls Plscaior laiWill Wfc» sh. Ranlitcräti St. Bergra.ClIO. 8—10.13 Ohr: Gustav in ron Stilndberg. Ibfli Vefir fiimowui ÄemSdlr.nhaTH Norden 6304. 8.15—1048 Wtr Iflkflspokas v«n Curt QöO Beniner Tnetler DBnhofl HB 5.18—10.18 Uhr: UtitttsllSkreigui Der CtciMcrrd� CASINO-THEATER tunr: Letkrt»g«r*tr«Ko iff ■»•Bi Betropolt leeltag. de» ii. Neraiaber. nm I Mai, i Klcliv-KlMkerndsrC •MMkoi«; fcot«ot UM. Saaaai\M U. Krtler Jannlngstllm dar Paramounl ImVerlaih der Parufamat UFA-PAVILLOl Wochnntag«,[/[ IS***! feer mtq öllm] LleMes, msHDoiwpLArr Snnnaband, Sonntag i □ 13 S Voraerkaul lür 7 Tara m voraus an allen lliaa erkaresan A. Watllieim und«b 12 Uhr uuunUrbrochan im Ulapavilloo. Trlanon-Th. TägU IV. Uhn kr, us fiiossncr m Qrctchen F5r nliit.Titiwtt Sonntag nehm. 4 U. HänsaT u. Gratel u. Kasocrle-Iheaier lltMWf�StWC Ztg. Künstler- Ib «•, Uhr Chicago ccssiBg-Tbeater 8 Uhr MSSklMK »niunii«- iMPtu Täglich»>« Uhr: int Hoilssliäiier MS Mt eine Linde Parkett statt 4 Mk tagl. auch Sonn ags nur 00 PI. Sonneb-nchm. 4tJlir Zaubei Künstler Cumbcrland fem'; Ascheuhrödel Parkett v. 30 Pf. an. Nnr das Beste ist got geasi idr oteiae Kootfsdialt! msiM .VMH wettet tSLa* §Ä3%S. MOM Preise rrtaduatnibaoi Fahrt tm Felular hariiiriiifthnti, mr D,«ie utr O.SC Fg'njier saSof»plclvtln,� x»/,...ur.o.Ti FsinsL tflft. 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Male raol.|| knie jt/; jd&w im Ol« ■ SB» CHARSLL» Ina««" mit Hxx Pailenbeig Rita Gssii Bends* Jsn'zohn SzKke Szakail Werame ster Westarmeier Jftckscn Bsjs Sansblne mls Ausst Pioi. Stern Dirig. Dr. Römer Sonntag nechmit;. 3 Chr Werne- Krau» in cueitcaao. Kleine Preise. vorverKon 10-0 nur Iheater des Westens Täglich 8V, Uhr: Frasqulta Operette von Lehär liiniicntaifr itr« 'aTtir.o ,. G.. Kutki Serd itoin. trNJMt i»il Grrll Neues Theater am Zon Täglich S Uhr Die Hotelrütte Operette v.Bromme >ila hör. Pul ikikgni: t-ustspjtlhau» 8V, Uhr JlBiser Hb. 13' Residenz-Tlicatjr TäzI. SV. Ufer Sumpf Sittendrama i.-AAkt Sonnab.u.Stg.4Uhr Dornrfiichen Jedes Kind erhält ein Geschenk rnailn lüteater Täglich 8 Uhr Der rote Hahn fiTifflliiniiraliiialäs räglieb»>, Uhr Mim BiVsJE „fana Brtur 2 Sonntag Vorstellung. 3 Ubru.fr,, Uhr Uzt«, dti gn» In- thUn»>3 luDi. Pnn. Sonnab. 3'., Uhr Märchen-Revue „Aschenbrödel' KI. Preise 1—8 M. Stg.!'1/, U. Vorm Fnnk-äonz, d.Jazz-StnfpOrch der Haller- Revue J»r.HÄiw5cJiIndler u.d.OGdvin-Band iUfrefl Braun persBnljmwesend sagt d. Progr. aji 'reise 50 PI.- 2M Theater in der Hni*F1ir huacnWitfi, ce> boten, i Srümtellen und«cb.fucem 3 Zn etttev Stlberfuchefaem. llm utat Bei«flau ng ersucht Ott OcUocrmuaug.