Abendausgabe Oouuersiag 7tr. 556 �... DM v/ 24. November �927 S!7» JL 10 Pfennig Sävt-ä Ji U irif I& 1 1 1 I II WWmr �f/ s-ÄiiaÄÄ Auslcmb iUSR-ich-»«- vr. II I III II 1�1 l[j|� »«ää»»?| I 1 m. MWM MU.M I Dm i�rrr-r-Sii kew'- t>?n BcUage» �Unterhaltung Wt>/■ Wort lo Pjmniz.'ed«S weitere Wort >.-nd Wissen",„Zug der ssilmweit. HLL �W//' // lO�fennij. Wort« übet 15 Buchstaben „ötablbeiloge",„Fraucnft.mme", Mflk e' zählen lür zwei Wort«. Arbetlemarle -Der«Inbctftcunb"..Zusenb.«»»'�WW�' ▼/ grile so Pfennig. Familienonzeigen-ji- M � ZZT�XTZ. Lonntags und Montags cinmal. iteazeZ. wochentagI.vonS>,„blsIi Uhr. Jentvalorgan der Sozialdemotvatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tölchoss 2SZ— R7. Telegramm.Adrz Sozialdemokrat Berlm Dakar est. 24. Ztovember. ZMnlslerpräfldent Drall an« ist heule morgen gegen J Ahr gestorben. Da» Kablactl ist sosorl zurückgetreten. Der Degenlschaslsral hat den Aioanzminister vintila Dratianu beauftragt, ein neues Kabinett zu bilden, da» die gleich« Zusammensetzung wie da» bisherige hat. Die Minister find bereits vereidigt worden. Oer amtliche Krantheitsbericht. Dukarest. 24. November. Der Tod des Miulsterprösidsuien Bratianu ist sehr über. r a s ch e n d gekommeiu Noch einer Halsentzündung, der norerst nicht allzu große Bedeutung beigemesien murde, v rußte sich Minister. Präsident Bralianu gestern vorniittag einem kleinen operatwen Ein- griff unterziehen. Nach vorübergehender Besserung traten noch. mittags Erstickuvgsanfälle auf. nach denen ein« neuerliche Operation vorgenommen und eine Kanüle eingeführt wurde. Als die anschließende Bstttanalyse dos Vorhandensein von Strepto- kolken ergab, wurden sämtliche hervorragend» Ehirurgen der Stadt an dos Krankenlogsr berufen, die nach einer Beratung den Zu- stand Bratianus als hoffnungslos bezeichneten. Dos leßte mitternachts. abgehalten« Aerztekonfilium gelangte zu der Ansicht. daß Bralianu kaum bis zum Morgen am Lebe» bleiben werde. Sämtliche Minister hatten sich im Hanse de» patienlen. der bereits das tkmuhks.-in verloren Halle, eingefunden. Ein im Haus« des Patienten. abgehaltener Ministerrot hat Beschlüsie für die rest- lose Ausrechterhostung der bestehenden Ordnung gesaßt.' Ivan I. C. B r o t i o n u ist 63 Jahre alt geworden. Er ist der älteste Sohn Bratianus J.; der von 1876 fast ohne Unterbrechung bis 1888 rumänischer Ministerpräsident ge- wesen war. Errang Rumänien unter der Herrschast des Vaters Unabhängigkeit von�der türkischen Herrschaft, so fällt in die Regierungszeit des Sohnes die Entstehung des Groß- Rumänien von heute. Joan Bratianu war von Beruf Ingenieur. Er trat je- doch schon in jungen Iahren ins politische Leben und wurde Nach wiederholter Verschiebung der«itzung nahm heut« endlich der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags Stellung zu dem demokratischen Gesetzentwurf über die Versorgung der Kleinrentner. Bei Beginn der Beratung gab Reichs- arbeitsminister Dr. vrann, namens der gesamten Reichsregierung eine Erklärung ab, die sich gegen den demokratischen Gesetz- entwurs richtet und weiter besogt:„Die Frage, o b den Kleinrentnern ein rechtlicher Anspruch auf Rente gegeben werden kann. ist. obge- sehen von ihrer grundsätzlichen Bedeutung. oonsogroßerTrag- weite für den Reichshaushalt und den Finanzausgleich zwischen Reich und Ländern, daß sie nur im engsten Zusammenhang mit dem Haushaltsplan und dem Finanzausgleich gelöst werden kann.' Die Regierung verlangt daher, den demtrfralischen Antrag zu vertagen. Für die Antragsteller übt der Abg. Dr. Külz an der Regle- rungserNärung sachliche Kritik. Er betonte, daß die sofortige Beratung des Entwurfes auch notwendig sei, wenn man die Entscheidung erst in Verbindung mit dem Haushaltsplan und dem Finanzausgleich treffen wolle. Es müsse mit dieser Beratung die sachliche Grundlage für die künftigen Entscheidungen geschassen werden. Di« Dringlichkeit ergebe sich aus der Tctlnche, daß 75 P roz. der Rentner sich zwischen dem S0. und 65. Lebenssahr befinden. De- DolksparteUer Dr. JJsefser erklärte, sein« Partei sei von der Regierungserklärung aufs schwerste enttäuscht Die Denlschrist. die im Frühjahr gefordert worden sei, liege noch nicht vor, obgleich Zeit dafür gewesen wäre. Aber man solle jetzt die Angelegenheit nicht übereilen. Darum stimme seine Partei der Vertagung zu. Der deutschnationale Abg. Dr. S ch n e i d e r führt« emen würde- losen Eiertanz auf zur Verschleierung des M-ßbrauchs. den sein« Partei zu Agitationszwecken mit den Kleinrentnern bisher betrieben hat. Grundsätzlich stimme sie dem demokratischen Antrag zu. der ein soziales Korrektiv der unzureichenden Auswertung sei. Aber es Hanole sich um ein sehr schwieriges Problem. Darum stimme auch seine Partei der V e r ta g u n g zu, und sie erblicke in der Erklärung der Regierung einen wesentlichen Fortschritt. Abg. Seil(Soz.) stellte hieraus das bisherige agitatorische Vorwäris-Verlag G. m. b. H. mit 33 Iahren zum erstenmal Minister, 1968 zum erstenmal Ministerpräsident. Seit 1916 ist er unbestrittener Führer der Liberalen Großgrundbesitzerpartei. Unter seiner Herrschast fiel Rumänien im Balkonkrieg den von Serben und Griechen angegriffenen Bulgaren in den Rücken und zwang sie fast kampflos, die Dobrudjcha abzutreten. Er zwang bei Ausbruch des Weltkrieges den König Carol, den Bündnisvertrag mit Oesterpeich-Ungarn und Deutschland zu brechen und neutral zu bleiben. Nach dem Tode Carols führte er Rumänien in den Krieq.an die Seite der Alliierten. Seine Politik brach zunächst im Frieden von Bukarest, den er unterzeichnen mußte, zusammen. Als Antell an der Sieges- beute der Alliierten erhielt Rumänien dann später Bess- arablen, Siebenbürgen und einen Teil des Banat. Als es ihm auf der Verfailler Friedenskonferenz nicht gelang, die 1 Ansprüche Rumäniens auf den ganzen Banat durchzusetzen, ' sondern Südslawien einen Teil dieser früher ungarischen Pro- vtnz erhielt, weigerte er sich, den Friedensvertrag zu unter- zeichnen und trat zurück. Die Agrarreform, die den Ausbruch der Agrarrevolution verhinderte und der Groß- grundbesitzerklasse einen Teil der Herrschaft bewahrte, wurde gegen Bratianu durchgeführt. Seit 1922 ist Bratianu dann wieder fast ohne Unterbrechung ungekrönter Herrscher von Rumänien gewesen. ■ Bratianus Herrschaft schien auf die Dauer gesichert, als der sterbende König ihn im vergangenen Juni wieder zum Ministerpräsidenten berief und für den S �jährigen Sohn des abgedankten Kronprinzen Carol ein R e g e n t sch a s t?- rat aus dem Prinzen Nikolaus, dem Patriarchen und dem Vorsitzenden des Kassationshofes eingesetzt wurde. Mer die heftige, nur mühsam unterdrückte Bewegung, die bei den neuesten Versuchen Carols entstand, wieder nach Rumänien zurückzukehren, konnte nur mit Gewaltmahnahmen unter- drückt werden. Die Bauernpartei verzichtete nur unter äußerstem Zwang daraus, ihren Parteitag schon im November abzuhalten. Der Schnelligkeitsretord. der in der Ernennung des jüngeren Bruders zum Ministerpräsidenten gezeigt wurde. beweist, daß die Dynastie Bratianu ihre Herrschast für äußerst gefährdet hält. Treiben der Deutschnationaken im einzelnen dar. Genau wie bei der Auswertung, so hätten die Deutschnationalen auch in der Frage der Kleinrentnersürsorg« forldauernd Hostnungen erweckt, ohne an deren Erfüllung zu denken. I» Zeitungsaussätzen und in Versammtiingsreden wiesen sie aus ihren eigenen Initiativgesetzcntwurf zur Rentnerversorgung hin, der nach den Feststellungen des Borsitzenden vom Reichstag, und zwar mit Zusiimmung der Deutschnationalen, bereits für erledigt erklärt worden sei. Die Abg. Frau Müller-Ottfried habe in der„Kreuz- Zeitung' erklärt, daß die Schuld für die Verzögerung der Angelegen- heit nicht bei den Deutschnotionalen oder der Deutschen Volkspartci, sondern bei den„anderen Äoalitionspartcien' und beim Reichsarbeitsministerium liege. Da sei es nun wichtig zu wisien, ob die heutige Regierungserklärung auf einstimmigen Beschluß de- ruhe, oder ob die Dertreler der„enttäuschten' Parteien wider- sprachen hätten. Wenn aber die deutschnationalen und volkspartei- lichen Minister wirtlich widersprochen hätten, so sei es wiederum«in Rätsel, wie die Erklärung zustondegekommen sei. Genosse Kell erkannte die Schwierigkeiten des Probleme» an und verwies daraus, daß die Sozialdemokratie«inen Antrag zur Beschaffung der notwendigen Mittel gestellt Hab«, der aber auch bei den Regierungsparteien keine Gnade gefunden Hab«. Er be- dauerte serner, daß von dem 2 5- M i l l i o n« n- L e t r a a, der im letzien Etat für die Kleinrentner eingestellt wurde, ein Teil noch nicht verwendet sei. und erklärt« zum Schluß, daß die Sozial- demokrotie der Vertagung nicht zustimme, sondern zur Borb«"eituna der bei der Etatsberatung zu tresfenden Ent- scheidung die sofortige sachliche Erörterung des Gesetz- entwurses verlange. In demselben Sinne'prach die Abg. Frau Arendse«. Di« polemisch« Auseinandersetzung zwischen den Regierimgs- Parteien und der Opposition dauerte noch längere Zeit fort. Genosse hoch erinnert« daran, daß die Regierung bereits erklärt habe, im vorliegenden Etat feien weitere Ausgaben nicht unterzubringen. Damit steh« fest, daß bei der Vertagung nichts heraus- komm«, vi« Regierung denke auch nicht daran, entsprechend de» Postscheckkonto: Berlin 87536— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellt«! und Beamten ZLallstr.(55. Diskonto-Gesell schast. Depositenkaste Lindcnftr.L Hilfe für die Zigarrenarbeiter. Beschloß de« Bundesausschusses des AOSB. Der vllndesausschuy des ADGv. hat in feiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen, die Luadeshilfe für die ausgesperrten Tabakarbeiter einzusehen. Wunsche de» deutschnotionalen Redners bis zur Etatsderatung eine eigene Dar läge einzubringen. Dieses Ergebnis stehe in schärfstem Widerspruch zu den Der- sprechnngen, d>« erst vor kurzem in einer Rentnernersammlung in Berlin von Vertretern der Regierungsparteien gemacht worden feien. Die Rentner seien in der Erwartung noch Hause gegangen, daß die Frage schon gelöst sei. Mit scharf zugespitzten Wendungen wandte sich die Zentrums- abgeordnete Teusch gegen die einseitige Stellungnahme der Deutsch- nationalen in der Oessenllichkeil und wies die Vorwürfe zurück. d>« von den deutschnationalen Koalitionsfreunden gegen dos Zentrum gerichtet werden. Als die deittschnattonale Abg. Müller-Ottfried behauptete, zwischen ihr und Frau Teusch bestünde kein Gegen- sah. erwidert« Frau Teusch: Sie habe aus Gründen des Taktes über den Artikel der deutschnotionalen Kollegin in der„.Kreuz- Zeitung' von Frau zu Frau nicht sprechen wollen. Genosse Keil nagelte noch einmal mit aller Schärfe die deutschnationale Demagogle fest, die Anträge im Reichstag einbring«, die nur als Schaugericht dienen und falsch« hojsnungc» erwecken. Gegen- Wer der Mitteilung de» Ministerialdirektors Ritter, daß von den 25 Millionen noch 11 Millionen zur Verfügung stünden, die nunmehr als zweite Ausschüttung den Kleinrentnern zustießen sollten, stellten unsere Vertreter fest, daß damit den Kleinrentnern kein psenulg mehr zukomme, als im April beschlossen worden sei. Aus die Frage des Genossen Keil, ob die Regierung gemäß den„Erwartungen' des Abg. Dr. Schneider bis zur Etats- beratung eine eigene Vorlage einbringen werde, erklärte der Ministe- rialdircktor, er sei nicht ermächtigt, eine solche Zusage zu geben. Daraus beschloß der Ausschuß mit ollen Stimmen der Regie- rnngsparleien gegen die der Sozialdemokratie, der Demokrat«» und der Kommunisten, die Beratung auszusetzen bis zur Be- rolung de» Reichshaushalls. Fylander prophezeit Revolution! Unverschämte Ausfälle gegen Boll und Beich. München, 24. November. �Eigenbericht.)' Unter der Vormundschaft der Deutschnationalen hatten die Vaterländischen Verbände Münchens am Mittwoch abend, um wieder einmal von sich reden zu machen, eine Kundgebung veranstaltet, zu der sie sich den österreichischen Faschistengeneral Kraus als Redner verschrieben hatten. Zum Entsetzen der zahlreich an- wesenden führenden Mitglieder der Bayerischen Volkspartei legi« dieser General aber nicht nur gegen dos internationale Judentum und die Sozialdemokratie, sondern nicht weniger scharf auch gegen den internationalen Klerikalisnius und den von ihm hervorgerufenen Partikularismus los und bezeichnete beide als gleichgroße Schädlinge des deutschen Volkes. In drohenden Zwischen- rufen machten die verblüfften Nolksparteiler ihrem Unmut Luft. Aus ihr stürmisches Verlangen hin dankte der deutsthnationole Versamlunmgsleiter zwar dem österreichischen Gaste, mußte ihm aber gleichzeitig mit süßsaurer Miene zu verstehen geben, daß seine Aus- führungen in wesentlichen Teilen nicht von allen Teilnehmern ge- billigt würden. Die Sache hatte dann noch ein kleines Nachspiel. Die Bayerische Boltspartei läßt offiziell erklären, daß ihre Anhänger es sich überlegen werden, weiterhin Versammlungen der Vaterländischen Verbände beizuwohnen, in denen sie der Gefahr ausgesetzt seien, beleidigt zu werden. Ten Höhepunkt der Veranstaltung bildete aber ein Referat des bekannte« Lbersten von.P h 1 a u d e r, der ehemals in der Deutschnationalen Partei Baherus ein« führende Rolle spielte. Er griff n. a. den Reichskanzler scharf au und erklärte darauf: Einen Krieg könne« wir nicht führen. Wir könne» eS nicht mit dem deut» f ch e« Volke, fo wie«S stch mir als Gesamtheit darstellt: moralisch verkommen und sittlich verlaust. Der Krieg ist weit, nahe aber die Revolntio»! Wenn es not tut. schlagt drein, daß die Fetzen fliegen. Bayern hat noch immer eine große Aufgabe. Unser Schlachtruf heißt: Gegen daS Reich! Schacht demeuliert. Auf unsere Mittellungen über ein« La- spreckung de« Reichsbankpräsidemen Dr. Schacht mit sühr«Hea Persönlichkelten der Industrie, die sich aus die Kreditpalitik der Gemeinden und osfentllchen Werk« bezogen haben sollen, teilt Ott Reichsbonk mit: Der Präsident sowie der Vizepräsident des Reichs- bankdireltorium hätten auf Einladung der I. G-Farben unlängst an einer Besichtigung der Leunoer Werke teilgenammeu. Alle an diese Besichtigung geknüpfte« Vermutungen seten leere Kombinationen. Diktator Brasianu gestorben. Die Dynastie Bratianu: Sein Bruder Nachfolger. Zkechtsblock gegen Kleinrentner. Die Kleiurentnerversorgung vertagt.— Enttäuschte Hoffnungen. Schwere Tumulte im Llnterhaus. Vier Arbeiterparteiter ausgeschlossen. London. Ä4. November. Am Unterhaus spielten sich gestern abend bei der Be- ratung des'Arbeitslosenversichernngsgeseties erregte «jenen ab. Ter Arbeitsminister brachte eine e r t o n z e r l e grundsätzlich besser geordnet als in der bürgerlichen Musikwell.(Noch und schon bester geordnet.) Hier ist kein quo»- ittnliveS Mißverhältnis zwischen Konsum und Produktion. Hier stell» dir Gemeinschaft der Musikausübenden und ihrer Hörrrschast wut vornherein eine volltoninrenc gejellschasiliche Einheit her, deren- gleichen in unseren herkömmlichen Zusollstonzerten mit ihrer bun- ien Zusallsl'csuchcrichast allzu ojl zu oermissen ist. lind hier be- steht zwischen dem Gebotenen und der Bereitwilligkeit der Emp- songenden kein Mißverhältnis. So erfreuliche Beobachtungen be- stätigte jüngst ein Konzert des Männcrgesangvereins„Namen- I o der damit seinem Namen solche Ehre machte, daß er ihn wihehastig nicht länger mehr verdiente. Unter den im Arbeiter- Sängerbund organisierten Derbänden nüt seinen 220 Mitgliedern einer der stärksten und gewiß einer der besten. Bemerkenswert die Oualität der Stimmen: weit bemerkenswerter die hohe Stufe chori- »cher Leistungsfähigkeit. Er darf sich an schwierige Dinge, wie Hegars„Totenvolk" wagen, und bringt Kunststück«, wie Mv'arts Trink-Konon, daß cs«in reines Vergnügen ist» pizuhären. Man spürt, nickk zuletzt in der musiergiiliiqen Textbehand'ung, den Er- tolg gründlichster Prabcnarbeii: man spürt— und merkt nach wenigen Takten—, daß der Dirigent im besten Sinne ein guter Musiker ist: Georg Oskar Schumann, Träger eines verpflichten- de« Musikernomen», und als Sohn des unvergleichlichen Solo- Hornisten der Philharmonie, Oskar Schumann, sozusagen in musi- kalilcher Hohenlutt ausgewachsen. Sein Beispiel zeigt einmal mehr, was gerade iür die Entwicklung des Arbeitcr-Eborwescns sach- männische Führung bedeute». Der Saalbau Friedrichshain war bis auf den letzten Platz von einem Publikum gleichgestimmter Hörer besetzt, kein alltäglicher Eindruck im Berliner ARistkleben. Ein ähnliches Bild der Harmo- nie, unter anderen Voraussetzungen freilich, bot die Singakadcmie im ersten Abonnementskonzert Heinrich G r ü n f e l d s. der dein seltenen Jubiläum seiner fünfzigsten Berliner Kanzertsaison entgegengehen darf. Wer. wie dieser L'ünsller, in unermüdlicher Musiksreudigkeit ein halbes Jahrhundert hindurch seinen Platz im Konzertiebcn ehrenvoll behauptet, der hat seinen bleibenden Platz in der Kan.zertgeschichte errungen. Dennoch, das Berhältnis zur Musik ist unherzlicher geworden, man merkt es an anderen Abenden: merkt es im Publikum und, noch mehr, in der heutigen Komponistengeneration. Unter allen je vorkommenden.Künstler- typen ist keiner so unzeitgemäß geworden, wie der— in seinen lleinen Beispielen rührende, in seinen größten ergreifende— Typ des redlichen Träumers, der sich am eigenen Talent begeistert und. van solcher Begeisterung enislammt, Werk ans Werk häuft, unentwegt und unverdrossen, ohne viel nach Erfolg, gar nach Gewinn zu jragen. Paul E r t e l. von dem es neulich einen ganzen Abend Musik zu hören gab. ist wohl sein Leben long ein Künstler solcher Art ge- mesen, und das ist es denn, was diesem Abend einen fast tragischen Unterton von Gegenwaitssremdheit gab. Biel gute Musik konnte man hören im Lause einer einzigen Wache. Da haben sich Max B a l d n e r. der Cellist, und der Pia- »ist Dr. B. Ernst W o l s s, zwei ausgezeichnete Musiker, zu einem Bach- Brahma- Abend zusammengelan. Man toimte nicht ernster, gewisienhaftc-r musizieren: da ist Konrad A n j o r g e, dessen letzter Beethoven immer wieder ein Erlebnis ist: da ist, mit einem reichen, schön gestuften Beethoven-Programm, ein jüngerer Meister des Klaviers, Leonid Kreutzer, dem zur großen Berühmtheit nur die Inszenierung fehlt. Zwei Tage zuvor Hot er, der vielseitige Musiker, mtt den Philharmonikern den Geiger Boris Kroyt begleitet, denen Hosinungcn(und die, die wir aus ihn gesetzt) sich mehr und mehr erfüllen. Do ist Alma M o o d i«. lind da ist vor allem Paul Bender, der gefeierte Bassist der Münchener Oper, als Lidersänger eine der edelsten Figuren des deutschen Konzert- podiums Das Musikalische wie dos Technische versieht sich b« solchem Künstler van selbst: da» Unikum von Stimm«, die er hat. ist seine Borausietzung. Wie er aber, als Individualität zwischen bretter Biedertest und kasziniercnder Anmut schillernd, Hugo Wost- den unsagbar alt Gelungenen, uns ganz nahe bringt(mtt dem un- libertresslichen Michael Raucheisen am Flügel), da» ist von durch aus einziger Art. Große Kunst, doch durch Zusammenstellung und«in wenig durch die Form der Darbietung in» Sensationelle umgebogen, gibt e» bei Oskar Fried in der Philharmonie: Für Beethovens Neunt« und Strawinskys„Seer« cku printerapÄ* setzt er die setzten Reserven seines wie je ungestümen Temperamentes ein. Doch bei der mittag- lichen Voraustührimg, am Tolenfonntag allerdings, ist dos Haus nur halb gestillt. Indes Fried hier, nach Strawinsty, sich anschickt, die immerhin angcnvhmeren Töne Beethovens anzustimmen, begibt sich, fünf Minuten weiter, im Bechsteinsool— keine Sensation, doch ein Seniatiönchen: vier junge Leute rusio�polnischer Herkunft, sitzen an ebenso vielen Fiügeln und exekutieren etwas, was klingt wie eine «trawinsky Parodie, aber«s ist eine Rhapsodie von Ierzy F i t e l- be rg, übrigens dem Erbe» eines guten Musikernamens. Als gekonntere Strawinsky-Kopie erweist sich Erich Walter Stern- b e r g s„Geschichte von Golioch und David": das war die eine Uraufführung, die es, noch zuletzt, gestern- abend in der Phil Harmonie gab: die andere:„Vom Tod im Wold", Ballade von Kurt Weill: ein Gedicht von Bert Brecht, der«in«n neuen Tun des volkstümlich Baliadesken gefunden hat, liegt zugrunde. Weills Komposition ist «dt pöbelhafter Unstig. Gewiß, auch diese Musik, oder dieser Musiker, der mtt höhnisch-roher Geste allem„bürgerlich-gehildeten" Musiker- tum den Rücken zukehrt(nennen wtrs. mild andeutend, den Rücken), täuscht den Berfuch vor, im Musikalischen etwas wie«inen Ton neuer Volkstümlichkeit zu schaffen. Er täuscht es vor, doch wie'' Aolkston ist nicht Kaschemmenton, und dumme Gemeinheit, nur weil sie den Bürger in Harnisch bringt, nicht Ausdruck proletarischen Geistes. Diese Carle Musik, wir kennen mehr davon, ist ewe freche Beleidigung des Volkes, zu dem der Bürgervcrächler und Bürger» schiert Kurl Weist sich gnädig-ungebedrn hrrnbbemüht. Ehm Welk liest vor. ... aus Einladung der Volksbühne aus seinen «nf*». // v\d)teit dessen„Gewitter über Gottland� im vorigen r? der Meinungen«mseljelt hat. ist einer der wahr- hast Glaubigen dieser Zeit, die ans dem Grauen und Elend der Ä. 060 Höhen freien Menschentums emporstreben. Oli wohl vW u rnallst von Berus, hindert ihn der Tageslärin der bürger- lichen Preise nicht, das Unwahre in den Lobhudeleien der Gegen- � fi"kennen. Ein Kapitel aus seinem uniierösscntlichten Buch „.ich sah Amerika" zeigt das Gegenteil dessen, was heute über das gelobte Land geoffcnbait wird. Das Schisi, dos ihn über den Ozean tragt, ist in seinem Innern bereits«in Abbild de» ganze» Jammers einer zur Biehherd« entwürdigten Menschhett, die neben dem unlrnniasten Lyxus einer scheinheiligen, innerlich verworfenen »äste chr Dasein dahinschlevpt. Da wird ein Sarg unter Zeremonien aus Deck geladen, der sich hinterher als ein Warenlager gcschmuggel- t«r Schnaps« ostenbart. Da wird ein armer„blinder Passagier" brutal mitzhandglt, während der Kapttän eine Festrede bei schäumendem Chanwagper auf das Land der greihett und Menschlichkeit hält. Was er darauf von der Vergang enhett in seiner Kriegsvision " re? 1 � X®' e re n* schilderte, das war der Ausschrei eines vor Leid und Erbarmen im Innersten aufgewühlten Mltertebenden. Der himmlische Stpat, der da oben in der Gegenwort Gottes gespielt wird, während das Millionsnheer der Krüppel und Talen, der von der linzucht�Besessenen. oer Wucherer, kriegsbegeistcrten Journalisten, schneidigen tzeldprediger, der weinenden Bräute und Witwen vorbei- zieht, das ist ein Bild von apokalyptischer Schrecklichteil. Ein Zett- dichier ist Welk, aber einer, der sich nicht in trunkenen Phrasen«in« hebt« so wohlseil«« Jdeologentmns ergeht. P. S. Die Zunahme her Infekiionskraukheiien Vorsicht geboten— doch keine übertriebene Kurcht? Die beunruhigen k>c Mehrung von Zas«?ilonstrankheiten in Bervn wird vom hauptgesnndheitsamt der Stadl mil Anfmerklomkeit und Sorge verfolgt. Es darf ober, wie in einer vom haupkgeilludheilsaml verauflaltelen Sefprechong mit Der- tretern der p reffe der Zlbteiinngsdireflor Dr. S e l> g m a n n aus- führt«, nicht überfehen werden, dich alljährlich im herb st manche Znsektionskrankheiten ein« gröherc Verbreitung erlangen. Scharlach und Diphtherie sind die Krankheiten, bei deren Zunahme größte Vorsicht geboten ist. Die Scharloch- ei krankungen sind jetzt ungefähr ebenso zahlreich mir im Vorjahr. Die Schwere der Erkrankungen ist geringer, doch kann sich das plötzlich ändern. Diphtherie hat sich geinehrt, aber von einer Epidemie kann man noch nicht reden. Die Vorsichtsmatzregd, bei Erkrankung eines Schirlkindes sogleich die ganze.Klasse nach Hause zu schicken, darf nicht ein Airlaß zu übsrtricbei�r Beunruhigung fein. Klassenschließung gilt übrigens dem Gesundheitsamt teineewcgs als ausreichendes Abwehrnriltel. Für viel wichtiger gilt es. die sofort ausgeführte Durchuntersuchung der .Kinder und der Lehrer, wobei innerhalb vierundzwanzig Stunden festgestellt werden kann, was angesteckt ist und andere anstecken kann. Mancher ertrankt nielleicht nicht selber, aber er streut die Ansteckungskeime aus und bringt anderen die Erkrankung. Dies«..Bazillenträger" werden vom Unterricht ousgescklossen und dunen erst wieder an ihm teilnehmen, wenn sie frei von Ansteckungskeimen sind. Es ist dringend zu ttmnfchen, daß die Eltern den Vorbeugungsmaßregeln des Gesundheitsamtes und der Schulverwaltung volles Verständnis eiltgcqcn- bringen und den Kampf gegen Insektionstrankhciten«rleichicrn. In der Besprechung wurde auch die Frage ausgeworfen, ob in den Krankenhäusern alle Vorkehrungen zur Ausnahme von Kranken getroffen sind. Sanitätsrot Dr. Frank, der Direktor des Rettungswelens der Stadt, erwiderte, daß es leider immer nach nicht genug Krankenbetten in Berlin gibt. Er rügte aber hinzu, daß die Stodioerwaltung dauernd die aller- größten Anstrengungen macht, dem Mangel abzuhelfen. Gegen das Attentat auf die Schule. Kundgebung des Bundes Entschiedener Schulreformer. Eile tut not! Gegen Verschleppung des KnegSschödenschlußgefehes. Die Arbeitsgemeinschaft der Interessenvertretungen für den Ersatz von Kriegs- und Berdrängungsschäden veranstaltete gestern abend in der„N« ir e n W e l t' ein« Kundgebung gegen die Verschleppung ver Verabschiedung des K r i e g s s ch ä d e n- schlußgesetzes. Die Versammlung war überfüllt, und wieder- Iwlt kam es zu tumultarischen Szenen. Einleitend führte der Vor- Upende, Geheimrat von T> l l q, aus, daß die Krlegsgeichädigten bis zum äußersten entschlossen seien, ihre berechtigten Forderungen an das Reich durchzusetzen. Schars« Worte richtete er gegen die Reichs- regierung und vor allem gegen den Reichssinanzminister Dr. K o« h l« r und zitierte demgegenüber die Breslauer Worte des Roichstagspräsidenten L ö b e. Die Vorschläge der Reichsregie- rung, so fuhr der Redner fort, sind für uns unannehmbar. Kommen sie durch, so werden wir den Kamps fortsetzen. Eins aber ist sicher: Eile tut not! Das Hauptreferat des Abends hatte Pro- icisor Dr. Bonn übernommen. Die Forderungen der Kriegs- geschädigten seien Forderungen der Gerechtigkeit. Ihre Verwirk- kichung sei anzustreben durch ein Auskämmen des Budgets, di« Hand sei zu legen aus alle Restchen, Rapschen und Döpschen, die nicht ver- braucht seien, haushaltsbcreinigung sc! heute keine tcch- nische Frage, sondern«ine Frage nationaler Ehr« und nationalen Wohlstandes. Die Reparation nach innen aus Artikel 297> des Dersailler Vertrages sei ebenso integrierender Bestandteil des Paktes wie die Reparation nach außen: das erkenne auch Parker Gilbert an. Sodann sprachen Redner aus den verschiedene», Parteien. � Iii einer einstimmig angenommenen Resolution wird der tiefsten Empörung über di« Verschleppung der Vorlage zum Kriegsschüd-en- schlußgesetz Ausdruck gegeben. Die Verzögerungstaktik der Reichs- regierung habe zu unerträglichem Elend bei den Geschädigten geführt. Unverzüglich müs'e nunmehr die Vorlage dem Reichs- log zugeleitet und unter allen Un, ständen noch vor einer Auflösung des Reichstags erledigt werden. „Der Günstling der Zarin" im Zenlroltheoler. Fünf Jahre nach ibrer Uraussührung wirkt diese OpereUe noch völlig unoerstaubt. Modert Wi nterbergs Musik, die sich über einem guten Text- buch ausbaut, hct nichts von ihrem Klang ncrwren. hier ist wirk- lich« musikalische Emosindung. hier leben Melodien, dir nicht nur cus ein paar durch alle Lagen gehetzten Tönen bestehen. Winterberg besitzt die große, melodische Linie und ist daneben ein Komponist. der dos Orchester virtuos zu behandeln versteht, der prachtvolle Finales und Ensembleszenen aufzubauen weiß, ein Mann, der neben Lehar und Äünneckc die Wiener Operelientradition im besten Sinne fortsetzt. Er dirigiert selbst die Ausführung in dem von ihm geleiteten Zentralthealer. da- sich bestimmt, wenn man in diesem Sinn, westerarbeitet, zu der führenden vperettenbühnc Berlins entwickeln wird. Es-nistcht eine Lusiührung. die in regie- techniicher, gesanglicher und orchestraler Beziehung von künstlerischem Riveau ist.' Winterberg zeigt sich hier als ein Regisseur non Forma». c5r stellt nicht nur ausgezeichnet abgetönte Büynenbilder. er ver- zichtet auch auf die übliche Schablone der Darstellung. S§ine Sänger versuchen zu gestalten, hcrmam, W o l d c r ist der aus Tenor frisierte Potcmkin, knapp und prägnant in der Bewegung und mit einer Stimme begabt, die über Kultur, kühlen Glanz und über eine steghaste höhe verfügt. Marccll? R o e I e l c r, die Katharina. Operndiva in der Operelle. Kaiserin und Rokokodamr, glänzt mit vorbildlicher Stlmmlechnlk besonders in den Uebergüngen Zum Piano. Die Sophie singt Lori L e u r mit Ihrem dunklen, samtenen Sopran, am besten als anschmiegende Frau, weniger glaubhaft in der heroischen Geste. F. S. Das ZobilSum Robsrt Philipps. Nachdem der 7ö. Geburtstag Robert Philipps, der seit lLbst unserer Stoatsoper angehört, de- rests im engeren Rahmen seiner Kollegen und auch im Deutschen Bühnentlub gefeiert worden war. wurde dem Jubilar.zu Ehren gestern abend im Staatlichen Schauspielhaus„Die Fledermaus" gegeben. Der Jubilar sang und spielte frisch und lebendig den Eisenstein. Die Aufführung war ein« einzig« Fest- seier, Kränze schmückten das Zimmer Eisensteins. Anspielungen aus den Jubilar belebten den Dialog: dos Publikum, das das Haus bis zum letzten Platz süllte. nahm lebhafteslen Anteil und rief den Ge- feierten immer wied«r. Robert Philipp hat also in Berlin ein« wirkliche Gemeinde, die treu.zu ihm hält und traditionelle Bezie- Hungen ausrecht«rhält. Er ist ia auch beinah« ein Berliner: wenn er auch m Ossenbach geboren ist, so wuchs er doch in der Kronen- stroße auf und begann auch in Berlin feine Bühnenlaiisbahn am Walhalla. Theater. Räch längerer Tätigkeit in der Provinz und im Ausland« kehrt««r immer wieder noch Berlin zurück und er- warb sich früh einen Ruf als Sänger und Schauspieler an den da- maliaen volketümsichen Berliner Operestentbeotern. bis er dann ins Hostheater überging. Di«.Fledermaus'.Ausführung. an der die besten Kräfte unserer Oper unter der Leitung Leo Blech« mst. wirkten«ar von wahrer Sptelfreude all«r Mitwirkenden er. füllt und so auch in doppeltem Sinn« ein« Geburtstagsfeier, r. W« lV«ilnm»t»»»»st»U»»g der tVu'sch'n keiistgrmeloschost im lverliner �Alofi ist vom vJ. November an geöffnet ttvochentag« von S— tS. Sonntags »nn 11—18 Ubr). Sie bietet zahlreiche wertvoll« Originalkunttwerl« aller Xrt ,» tmrchschnttUich sehr«itzig« Preis«. Der«uUritt ist st». Eiire vom Bund Entschiedener Schulresormer einberufene össeut- lichc Versammlung im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses wurde zu einem scharfen Prot« st gegen den Kendels- scheu Schulgesetzentwurs. Redner aller Parteien, die zum ernsten Kamps gegen den nerhängnisoellen Gesetzentwurf bereit sind, sprachen zu den Versammelten und kennzeichneten die der Schule drohende Gefahr. Genofle Paul O e st r c i ch, der Versammlungsleiter, hob her- vor, daß die geschossene Rotsituotion«ine gemeinsame Ab- wehrsront erfordert. Reichstagsobgeordneter Genosse Fleiß- n e r wies aus die erfreuliche Bewegung gegen den Gesetzentwurf hin, die vom einfache» Mann aus dem Volke bis in die Reihen der Hochschullehrer hineingeht. Er beleuchtete die zweiselhaste Stellung- nähme der Deutschen Volkspartei und die führende Rolle, die das Zentrum unter den Freunden des Gesetzes hat. Er wies hin auf die hohe politische Bedculung dieses Gesetzes und auf die Pflicht, bei Wahlen den Einfluß linksgerichteter Parteien zu stärken. Für ein einigermaßen fortgeschrittenes Schulwesen, wie z. B. dasjenige Sachsens, bedeutet die van dem Gesetz ausgehende Verschlechterung einen katastrophalen Rückschritt. Dieser Gesetzentwurs muß, schloß Fleißner, verschwinden. �Reichs- taasobgeordneter Gcnosie T ch r« a beklagte, daß breite Schichten aller Volksklafscn in dem Ringen mit materieller Rot den k u l t u- rollen Notstand übersehen haben. Sonst hätte es nicht zu diesem Angnfs gegen die freie Schul e komme» können, den wir setzt erleben. Ein Treubruch des Zentrum» sei der Versuch, durch andere Auslegung der Verfassung das Recht der Gemeinschaftsschule zu schmälern.' Daß die drohende Umgestaltung der Schule auch be- deutende K o st e n vernrsachl, zeigte Helmut von G e r l a ch. Be- sonders drückend werden für die Stadt Berlin die Koste» dieser Verschlechterung und Verkriippelung ihrer Voltsschulen sein. Elende P s u s dyv rbett nannte er den Gesetzentwurs. Vom Standpunkt der Elternjchast betrachtete Frau Gertrud Bodin diesen Entwurf, der zu der Zerstörimg der Schul« auch die konfessionelle Zer- splitterung des Volksganzen bringen will. Reichstagsabgeordnete Genossin Clara V o h m- S ch» ch mahnte in eindringlichen Worten zur Abwehr des a inikulturellen Schlages, zu dem die Re- aktian mit diesem Gesetz ausholt. Geyen solche ungeheuerliche A e r k n e ch t u n g sei das deutsche Volk machtlos, solange die Gleichgültigkeit besonders der Frauen in Fragen der Politik sortdauert. In weiten Kreisen wisse und ohne man noch gar nicht, welche Folgen für die Schule zu erwarten sind. Wer es ernst meint mit unserem Volk, müsse diesen Gesetzentwurf a u i- schärfste bekämpfen. Lehrer Hermann Kölling forderte zur Verhütung solcher Gesetze eine völlige Sinnösänderimg breiter Massen des Volkes. Der M a s f e n k a m p f des�roleiomt? wird, führte der kommunistische Reichsiagsobgeortmete Schneller aus, auch über das Schicksal der Schule entscheiden. Als Vertreter derjenigen evangelischen G e i st l i ch c n, die sich dem Kamps gegen Kcudclls Schulgesetzentwurs anschließen, sprach Pfarrer Ge- nasse Fronckc Der endlich erreichten Trennung von Kirche und Staat müsse die Trennung von Kirche und S ch» l e folgen. »nd die Kirche selber sollte die Veseitigung des Religionsunterrichts aus der Schule fordern und diesen Unterricht als ihre eigene Sache ansehen. Den deutschen Lehrern machte Reichstogsabgcordnetc Genossin Toni P s ü l s den Vorwurf, daß sie sich um das konimeiide Unheil nicht beizeiten gekümmert haben. In drohender Rohe sei die Geiahr der Ausdehnung des banerischen Konkordats auch aus Preußen und andere deutsche Staaten. Paul Oestrcichs Schlußwort war eine Mahnung zur Einigkeit und Ausdauer im Kampf für die Freiheit der Schule. Die folgende non Oestreich vorgelegte E n t s ch l i e ß u n g wurde nahezu einstimmig angenommen: „Die vom Bund Entschiedener Schulresormer einberufene össent- liche Versammlung fordert lioni Deutschen Reichstag, daß er den vorliegenden ocrfassungändcrnden Reichsfchul- gesetzentwurs als Ganzes ablehnt, da durch chn 1. die ganze Schulerzichung durch die kpnsefsionelle dogmatische Fundierung zur U n kindlichkeit und II n fachlichfett verurteilt wird. 2 die Lehrer und der Unterricht unter indirekte Kirchenoufsicht gebracht und also korrumpiert werden, 3. die jinanzicllcn Mittel von Reich, Ländern und Gemeinden iniolge der Schulzersplitterung sinnlos vergeudet werden, 4. dos Schulwesen in einer Epoche völliger Umstellung Uiid Neugestaltung in Formen der Erstarrung gezwungen werden soll. S. die deutschen Schulen in ihrer großen Mehrzahl zu R c k r u t i e- rungs statten für die klerikalen und reaktionären Parteien gestempelt werden. Die Versammlung verlangt«in Reichsschulgesetz, das von den Bedürfnissen der Jugend und des Volkes statt von denen der Kirche und reaktionären Parteien ausgeht und also deni Volke die ein c, elastische und pro- duktivc Lebensschule der Jugend beschert." Auch vereinzelte Freund« des Keudclsschen Echulrückschrittes ließen sich in der Versammlung blicken. Es gelang ihnen nicht, die Kundgebung zu stören. Oer Mädchenmord bei Dresden. Ermordete und Mörder find ia Lerlla gewesen. In einer Strohmiete in Dippelsdorf bei Dresden wurde, wie seinerzeit mitgeteilt, am 17. November ein junges Mädchen«rwürzt und erschossen aufgefunden. Die Ermordete ist jetzt festgestellt als ein« 20 Jahre alt««ms Bautzen gebürtige Helene Schönberg. die bis vor kurzem in ihrer Heimatstadt als Hausmädchen und Verkäuferin tätig war. Die Dresdner Kriminalpolizei ermittelte. daß Helene Schönberg zusammen mit einem Kuhmelker Kurt Watier Dietrich Bautzen verlassen hat. Die Ellern des Mädchens meldeten di« Tochter als vermißt, liitd so kam man zur Feststellung der Persönlichkeit der Ermordekcn. die sich angeblich mit Dietrich verlobt hatte. Weit gewisie Spuren nach Berlin wiesen, wurden hier Nachforschungen angestellt, die ergaben, daß Dietrich am Nachmittag des 8. d. M. mit seiner Begleiterin. die er für seine Frau ausgab, in einem Hotel in der Nähe des Stettiner Bahnhofs abgestiegen war. Das Paar schien soeben erst in Berlin angekommen zu fein und war ohne Gepäck. Dietrich erkundigte sich im Hotel nach der Müller- straßc, nach Lichtenberg und reich Schöneberg. Er sagt«, daß er an allen drei Stellen Geschäft« zu besorgen habe. Am nächsten Morgen bezahlte er die Rechnung und versieh mit seiner„Frau" das Hotel. Das Motorrad besaß er damals noch nickst. Es wirs vermutet, daß er dieses gebrauch!« Motorrad mit rotem Tank, einem ledernen Soziussitz u.cd Rückenlehne irgendwo g e st o h i e n hat, denn eine Stelle, wo er es gekauft hätte, ist bis jetzt nickst ge- sunden. Es ist auch festgestellt, daß er mst dem Rad nicht gut um- zugehen verstand. Dietrich ist«in„schwerer Junge", der Einbrüche und andere Straftaten verüble und der den Kriminalbehörden schon länger bekannt ist. Wahrscheinlich Hot er mit seiner Be- glesterin um die Zeil de» Bußtages herum größere Touren unter- nomwen. Nicht ausgeschlossen ist, daß er nach dein Morde wieder nach Berlin gekommen ist, wo»r Bekannte hat. Dielleicht hält er sich hier unler den Nomen Schön berg, Schurich oder Kirsch in den Kreisen der Kuhmelker verborgen. Am 10. d. M.f also bald nach dem festgestellten Ausenthalt in Berlin, soll er in Riesa gewesen sein. All«, die Dietrich allein oder mit d«m Mädchen zusammen in Berlin gesehen und etwa mst ihm zu tun gehabt haben, weichen gebeten, sich unverzüglich bei Kriminalrat Gennot. Mordinspek- tien A. im Polizeipräsidien zu melden, auch wer über die Her- fünft dos Mabecsrades' etwas mitteilen kann. Vorführung der Hochschule für Leibesübungen. Am Sonntag. 27. November, 11 Uhr. findet eine Borfüh- rung der Deutschen Hochschul« für Leibesübungen In der Städtischen Oper Charlottenburg, Bismarck- stroße, statt. Veranstalter sind gemeinsam dos Stadtamt für Leidesübungen Berlin und die Gesellschaft der Freunde der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Die Vielseitigkeit des Programms gibt ein Bild de» umsangreichen Arbeitsgebietes der Hochschule: es zeigt auch den Weg. den die neuzeitliche Körpererziehung in ihrer Eni- micklung eingeschlagen hat. Kartenverkauf ohne Ausschlag bei: Wertheim. Konzertkasse, Leipziger Straße: Haus S. Adam. Ecke Leipziger und Fricdrichstroß«: Städtische Oper Charlottenburg. Tageskasse: Rochsitz, Joachimsthaser Straße ß. Fabrikbrand in Lichtenberg. Gestern, kurz vor Mitternacht, kam in der großen Montagehalle der Eiseutonstrutttoasfirma Hirsch in der herzbery straße 140 zu Lichtenberg«in größer«« Feuer zum Ausbruch, mst deisen Bekämpsung die Feuermehr Mehrere Stund« beschäftigt war. Als der Wächter den Feuerschein bemerkte, stand ein Teil der aus der Galerie beiindlichen Werkzeug mocherei und des an. grenzenden Lagers in hellen Flammen Beim Cintress« der unter Leitung des Oberbranddirektors Gcmpp anrückenden Wehren hotte das Feuer berests auf den Dachstuhl übergegriffen. Obgleich sich in der Wajlerbeschasfung Schwerigkeit« ergab«— e« mußt« viele hundert Meter Schlauch gelegt werden—. gelang es, d« Brandherd „ach einstündiger Tätigkeit einzukreisen. Die Ausräumungsorbeit« zogen sich bis in die Morgenstunden hin. Das Feuer soll angeblich dl Kurzschluß in der elekir scheu Starkstromleitung entstanden sein, doch haben sich für diese Vermutung noch leine positiven An- Hallspunkte ergeben. Der Schaden beträgt etwa 25 000 M., ist jedoch voll durch Versicherung gedeckt. Urteil im Werkspiouage-Prozeß. Schwere Strafet, für Haho and Kohl. Stuttgart. 24. November.(Eigenberichts Im Prozeß der Normo-Work« wurde am Btistmochabend das Urteil verkündet. Der Lichtpauser haha wurde wegen sorlgesehieo Diebstahls zu«iaem Zahr drei Monate« Gesänguis, der Ingenieur kohl wegea gewerbsmäßiger Hehler«, und unlauteren Wettbewerbs unter verfagung mildernd« Umstände zu zwei Zahreu fünf Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteill. Beiden Verurteilten werden zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Kohl wird in der Urteilsbegründung wegen des Verkaufs von Zeich- nungen und"Tabellen an ausländische Konkurrenzsirmen als planmäßiger Schädling und wirtschaftlicher Hochverräter bezeichnet. Die von der Verteidigung gestellten Antrag« aus Host- entlassung wurden abgelehnt. Das Urteii im Prozeß Vifchofföhaufen. In dem großen Bankbetrugsprozeß gegen die Inhaber und Augeficillen des Bankhauses v. Bischossshaufen u. Co„ Unter den Linden, der seit dein 4. November das Große Schössengenchl unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Wartenberger beschäitigti, wurde heute mittag dos Urteil gesprochen. Die beiden Geschäftsinhaber wurden wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Be- t r u g e s in Verbindung mst Depotunterschlag unq und Versehens gegen die Äonkursordnung des BSrstngesctzes verurteill und»war der Bankier Künzel zu S Iahren Gefängnis und der Kaufmann v. Bischossshaufen zu 2 Jahre» Gefängnis. Die«listen« Untersuchungshaft wurde voll angerechnet. Beiden Angeklagten wurde für die zweit« Hälfte der Strafe dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Dos Gericht hat beiden Angetlmsten. die' nicht vorbestraft sind, mildernde Umstand-: zugehilligt. Awar lwbcn di« Angesagten große Dorteile auä_ ihren strafbaren Handlungen gezogen und die Kunden um große Summen geschädigt. Pei den Geschädigten Hondelle es sich ober ausnahmslos»m Leute, die mühelos große Börsengewinne erzielen wollten. Die Mitangeklagten Leoy Sasse und v. Müller wurden von der Anklage der Beihilfe freigesprochen. Die beiden Verurteilten Künzel und». Bischofs?- hausen legten gegen das Urteil des Schössenqenchtz sofort Bcrusung ein.___ Mieder zwölf Glätteunfälle. 3m Laufe des heutigen Vormsttags kamen insolge der Glätte wieder zwölf Passant« zu Fall, die die Hilfe de? Städtischen Rettungsstellen in Anspruch nehmen mußten. Die Unfälle sind zum größten Teil auf mangelhoste Be- st reuung der Bürgersteige mit abstumpfenden Mitteln zurückzuführen. 3000 Taschentücher gestohlen. Zeitgemäße Beute machten noch unbekannte Dlrde vor dem Hauptpostamt in der Span- daucr Straßc. Sir stahlen dort zwei braunr Vulkan- f i b r e k o s s e r, die 3000 weiße und bunte, zu Dutzenden gepackte Taschentücher eisthiclten.' Weil diese Sachen bei dem jetzt herrschen- den Wetter sehr viel gebraucht werden, wird es ihnen leicht sein, sie im Straßenhandel abzusetzen. Vor dem Ansaus wird gewarnt. Die weiß« Tücher sind mst Hohlsäumen geziert. Mitteilungen an die Dienststelle C. 8 im Zimmer 54 des Polizeipräsidiums. Vor den einfahrenden Zug geworfen. Auf dem Bahnhof Schön- hauser Allee spielle sich heute früh«in aufregender Vorfall ab. Don der Mitte des Bahnsteiges stürzte sich ein Mann vor die Lokomotive eines einfahrenden Stadtbohnzuges. Der Selbstmörder, ein bljährlger Arbeiter Stanislaus Panek aus der Stralsunder Straße 8, dem der rechte Arm abgetrennt wurde, und der schwere Äopsverletzungen"erlitten hatte, starb unter den Händen des alarmiert« Bahnorztes. Das Motiv zu dem Drrzweifluiigs schritt ist undekaiust. An unserer Besprechung der Ilraufführnng des Rntkreuz-Fillnes „Die van der Sani'ätskolomie" im heutigen Morgenblast erholten wir von der Herstellerfirma G e r v i d- F i l m(Gettrüd David) folgende Msttellung: Frau David ist die Regisseurln des Films und bat daneben den von Herrn Direktor L o r ch e r t stammend«» Manuskriptentwurs ergänzt und bearbeitet. SenossenschaslNch organisiert« Parleigenosseu und-geuofflnueu. die zur 2 4.(Paul-S'nger-Stroße 14). zur 53.(K ü st r i. n c r Platz 4) und zur 177.(Longe Straß« 63) Warenobgobe- stelle der Komumgcnosicnschast Berlin und Umgegend gehören sind zur Teilnahme cn einer wichtigen Zusammcntiinst am Donnerstag, dem 24. November, abends 736 Uhr, im Lokal von Kromphaxdi. Paul-Singer-Strahe 47, cingelad«. Parteimitgsiedsbuch legitimiert. Wie sieht's mit der Aussperrung? Kür die Llnterstühung der Ausgesperrten wird gesorgt. -Dein„T«bak-Arb«itei<. Organ des Deutschen Tabakarveiter- .�rbculdes, entnehmen wir: Noch zuverlässigen Schätzungen waren in der Zigorrenindustrie rund 125 000 Arbeiterinnen und Ar b°e rt c r bcschöftigt. Bon diesen sind nach den Angaben, die bis Redoklionsschlutz beim Deutschen Tobakarbeiterverband vor- lagen, rund$5 000 ausgesperrt worden. Ungesähr ein Drittel aller Arbeiterinnen und Arbeiter der Zigarrenindustrie wird dem- Nach wciterbeschästigt, wobei nicht unbeachtet bleiben darf, dah in nicht wenigen Betrieben in allen Teilen Deutschlands bereits Lohnerhöhungen bewilligt worden sind. Der RDZ. wird also sein Ziel nicht erreichen. Als Ersolg wird ihm höchstens beschieden sein, daß ein Teil seiner weniger kapitolkästigen Mit- gl jeder, die im Gegensatz zu anderen dumm genug sind, die Beschlüsse des NDA- restlos durchzuführen, unter die Räder kommen. Und weiter wird er als Ersolg buchen können, daß die T a b a ko r b e i t e r ge m e i n d e n so an 35 000 un- organisierte Ausgesperrte zu unter st ützen haben werden. Angesichts solcher„Erfolge" klingt es denn auch«in bigchen großspurig, wenn es am Schlug des Rundschreibens Nr. 35 der Bezirk sgruppc Sachsen des RDZ. heißt: Es heißt für die Industrie, die beschlosieneo Maßnahmen mit oller Energie durchzuführen, denn je wuchtiger und bestimmter unser Schlag geführt wird, um so eher kann mit einem Zusammen- brechen der anderen Seite gerechnet werden. Die Spekulation der Reichsverbündler läuft atso daraus hinaus. dag die Zigarrenarbeiterinnen und-arbeiter unter der junger peitsche der Aussperrung zusammenbrechen und damit auch ihre O r g a- nisotioncn. Den Ausgesperrten soll in ihrer verschlimmerten Notlage eingeflüstert werden, dag ihre Unternehmer, ihre„Brotherren" ja gar nicht so herzlos sind, dag ste, die Aussperrer, an der Aussperrung ganz schuldlos und nur dazu gezwungen feien durch die Schuld der— Tobakarbeiterverbände. Bei diese» liege die Schuld, bei ihren Berbände» müßten sie sich für die Aus- spcrrung bedanken. Auf diesc im Großen wie im Kleinen betriebene Schwindel- oftion wird die Zigarrenorbeiterschast nicht hereinfallen. Auch der Einfältigst« wird sich fragen, warum sind gerade wir ausgesperrt, deren Fabrikanten dem Reichsverbande angehören, während die Arbeiter der Nichtreichsverbändler nicht ausgesperrt sind. Es wird dafür gesorgt werden, daß die Spekulation der Aussperrer elend scheitert und die O r g a u i- sationen der Tabakarbeiier gestärkt aus diesem Kampfe hervorgehen. Die Llniersiützung der Ausgesperrieu. Zunächst ist es Sache der betroffenen Organisationen, ihre Mitglieder zu imierstützen. Das geschieht. Sobald die Aufbringung der erforderlichen Geldsummen über die Kräfte der Verbände hinausgeht, wird die Gesamtheit der orgoni- s i« r t e n Arbeiterschaft einspringen, Es bedarf keineswegs der..Aufmunterung" der ADGB.-Gewerkfchaiten durch die kommu- nistüche Presse, um die Gewerkschaften zu oeronlosscn, ihre Pflicht zü erfüllen,' �....... Die Un organisiert«» werden zunächst freilich auf die Hilfe ihrer Gemeinde angewiesen sein. Nun find wir allerdings der Meinung, daß über die gewerkschaftliche Unterstützung hinaus noch ein weiteres zu geschehen hat, was die Eigenart dieses Kampfes erfordert. Denn einmal handelt es sich um eine Arbeiterschicht, die trotz tariflich geregelter Lohnsätze schon bei voller Beschäftigung«in be- sonders elendes Dasein führt. Dann aber ist die Aussperrung von bis jetzt$5 000 Arbeiterinnen und Arbeitern aus Grund des formell tarifwidrigen BerhaUens van kaum dreihundert Arbeüern eine in der Geschichte der Arbeits- kämpfe in Deutschiond so unerhörte Provokation der gesamten deutschen Arbeiterschaft, daß nichts unversucht bleiben darf, um diesen Anschlag gehörig zu parieren. Hinzu kommt, daß das Weihnachtsfest vor der Tür steht und dos den Kindern der Zigarrenarbeiterschaft zu- gedachte H u n g« r f e st verhütet werden muß. Darüber herricht nur«ine Meinung und der fest« Wille, alles daranzusetzen� um den Ausgesperrten und ihren Familien zu Helsen. Borbereitungen dazu sind bereits nach verschiedenen Richtungen hin im Gange. Darüber wird nicht viel geredet, kerne Rcklaw« im IAH.-Stil gemacht, sondern gehandelt. Die KPD.- Zentrale kann sich also ihr« Anwürfe ersparen, es wird kein politi- jches Extrageschäft für sie dabei herauskommen. Streikarbeii im Siechenhaus. 1'. F. Gießen, 23. November.(Eigenbericht.) Der Reichsverband läßt sich vernehmen, mit einer Waren- knappheit sei nicht zu rechnen, da die Geschäfte bis über Weihnachten eingedeckt und sogar in der Lage seien, dem gesteigerten Weihnachis- bedarf zu genügen. Mit den großen Zigorrenoorräten scheint es dennoch nicht weit her zu sein. Denn sonst wäre es kaum erklärlich, warum die Ausspcrrer sich so eifrig bemühen, hintenherum Sortierung und Versand aufrechtzuerhalten. Im Bezirk Gießen gibt es eine ganze Anzahl von Zigarren- fabrikantcn, die ihre Arbeiter ausgesperrt haben, aber trotzdem diesen Streik der Unternehmer gegen die Arbeiter brechen, heimlich lassen sie durch Werkmeister. Lureaupersoval und Kriegs- beschädigte die fertigen waren sortieren, verpacken und zum Versand bereit machen. Die Firma Gg. PH. Galt hat die Werkmeister aus ihren auswärtigen Filialen nach Gießen beordert und versucht hier den Versand noidürsiig ausrechizuerhallen. Dos gleiche versucht S. Nock u. Eo. mit Kriegsbeschädigten und Zeitlohn- arbeitern. I. V. Noll beschäftigt im Gießener Betrieb Vereiser und Packer, ebenso die Firmen Georg, Gießen, und wilh. Mayer in Wieseck. Das tollste Stuck leistet sich aber die Firma Gg. hch. Schirmer in Gießen, deren Chef Vorsitzender der Bezirksgruppe Gießen des Reichsoerbondes Deutscher. Zigarrenherstcller ist. Er beschäftigt nichl nur Heimarbeiter, sondern er läßt seit Leginn der Aussperrung im Siechenhaus Streik- arbeii machen. Die Direktion des Siechcrchauses(Äreispflegeonstalt Gießen) hat dazu ihre Genehmigung erteilt. Die hessische Landes- regierung wird davon wohl keine Kenntnis haben, denn es ist nicht anzunehmen, daß sie es billigt, wenn eine staatliche Pslegeanstalt zugunsten der Unternehmer in einen Wirtschostskamps eingreift. Die Akkordsätze sür Zigarrenarbeit sind an sich schon ganz außerordentlich niedrig. Aber dem Vezirksvor- sitzenden des RDZ. doch immer noch zu hoch. Er bezahlt deshalb die Streikarbeit im Siechenhous weit unter Tarif. Die Pfleglinge des Siechenhauses bekamen Brasillobak und großblättrigen Tabak zum Entrippen. Der Tariflohn für Brasiltobak ist... 15'/, Pig. pro Pfd. „ großblättrigen Tabak 10"„„„ Für die Strelkarbeit Im Siechenhous werden aber nur bezahlt: Für Brasillobak..... 0- Pfg. pro Pfund Für großblättrigen Tabak. 5'/,„„„ Kein Wunder also, daß die Pfleglinge des Siechenhauses pro Kopf und Woche nur 1,43 W. verdienten. Wenn man auch berücksichtigt. daß es sich hier um keine vallarbettsfähigen Menschen Handell, so steht doch fest, daß im Siechenhous täglich sieben bis acht Stunden Tabak eotrippl wird. Eine sämmerliche Bezahlung selbst sür Streikarbeit! Was sagt der Berliner Haupivorstand des Reichsverbandes deutscher Zigarrenhersteller zu seinem famosen Bezirksvorsitzcndcn in Gießen? Zu einer besonders unerhörten Maßnahme hat die Firma I. B. Noll in W i e s e ck gegriffen. Ihre Arbeiter haben acht Tage vor Ablauf der Äündigung bereits die Arbeit niedergelegt. Darauf hat die Firma am Lohntag bis zu vier Tagen Lohn zurückbehalten! Bis heute sind diese Lohnrückstände nicht ausbezahlt. Die Mutter einer sechzehnjährigen Arbeiterin, eine Wiime mit vier Kindern. befindet sich in besondLrer'Nötläge und ging deshalb in die Fabrik. den rückständigen Lohn sür ihre Tochter zu fordern. Man schickte sie nach Gießen ins Hauptbureo». Als sie dort den Lohn verlangte, wurde ihr vom Prokuristen erklärt, sie möge zu den organi- sjerten Arbeiterinnen gehen, die ihre Tochter zur Arbetts- niederlegung verführt hätten! Der Lohn wurde der armen Witwe nicht ausbezahlt! Mit solchen brutalen Willkürmaßnohmen wolle» die Zigarren- barone ihre Arbeiter aus die Knie zwingen. Die Wirkung dieser Brutalitäten ist aber stets anders, als die Fobrikoitten erwarten. Jetzt sehen die Zigarrenarbeiter mtt aller Deuilichkett, daß sie nur durch eine geschlossene Organisation gegen die Unter- nehmer etwas vermögen. Die Angestellten der Dresdner Bank. Sie fordern eine Wirtfchafisbeihilfe. Der Betriebsrat der Dresdner Bank hotte nach den Sopbiensälen eine Betriebsversammlung ein- berufen, die trotz der Sabotage des Deutschen Bankbeamtenvareins sehr gut besucht war. Genosse E m o n i s vom'Allgemeinen Verband der Deutschen Bankangestellten entrollte ein Bild von der schweren Notlage der Bankangestellten, die in angestrengter Arbeit sür die Bankgewalttgen Riesengewinne schaffen helfen, selbst aber knapp das notwendigste zum Leben verdienen Es räch« sich jetzt bitter die Tarifpolitik des Deutschen Bank- beamtenoeveins, durch die die Bankangestellten bis zu m 31. März 10 28� gezwungen sind, zu Elendsgehällcrn zu arbeiten. Es ist gut. daß wenigstens(etzt nicht nur die unteren, sondern o u ch die obercnBankonge st eilten einzusehen beginnen, wie be- rechtigt im Frühjahr die Warnungen des Allgemeinen Verbandes vor dem Abschluß eines so langfristigen Tarisoertnagcs waren. Es soll keineswegs eine Spitze gegen die Staatsbeamten fein, wenn sesigesielli werden muß, daß die Gehälter der Bankongestellleii mit keinem GeHall eines ebenbürtigen Beamten vergleichbar sind. Es ist aber unbestreitbare Tatsache, daß z. B. ein jünger gewerblicher Bankangestellter im GeHall etwa mit dem staatlichen Wald- und Wiesenhüier oder Brückenwärter gleichsteht. Es ist weiter Toi- lache, daß der hoch st bezahlte Bankangestellte ein geringeres Einkommen hat als ein Regisiraiar im Reichsarbeitsnünisterium. Wenn der Deutsche Vankbeamtenoerein sich dennoch dazu her- gibt, die Geschäfte der Bontiers zu besorgen und die Schritte der übrigen Bonkangestelllenorganisatione» zur Linderung der Nchlaqc der Bankangestellten zu sabotieren, ist das meh- als beschämend. Der Allgemeine Verband der Baiikattgestellten hat von dgn Banken die Zahlung einer einmaligen Wirtjchafts-- b e i h i l s e an alle Vonkongestellten gefordert und die Betriebsräte ersucht, diese Forderung bei den Bankleikungen mtt allem Nachdruck zu vertreten. Diese Forderung wird aber nur verwirklicht werden können, wenn sie von ollen Bankangestellien tatkräftig u itterstützt wird. Die Bankangestellten müssen sich endlich darüber klar werden, daß mit Petitionen von den Bankgewalttgen nichts zu erreichen ist, sondern nur durch geschlossenes organisatotisches Auftreten. Der Vertreter des DHV. kritisierte ebenfalls scharf das Ber- halten des Deutschen Baiikbeamtenvcreiirs und stimmte im übrigen mit dem Vorgehen des Allgemeinen Berbandes überein. In einer«instimmig angenommenen Entschließung wurde der Betriebsrat beauftragt, mit der D i t c t t i o n der Dresdner Bank wegen der Zahlung einer Winschastsbeihilsc zu verhaiüeln und in einer neuen Beasatnmwng über das Ergebnis dieser Ber- Handlungen zu berichten. In der Entschließung wird die Erwartung tiusgesprochen. daß sich die Direktion der berechtigten Forderung ihrer Angestellten nicht verschließt und sich auch beim Reichsverband der Bankleituneen dafür einsetzt, daß alle Banken ihren Angestellten eine Wirtschafts- bsihilie zahlen sollen. In einer weiteren ebenfalls einstimmig angenommenen Eni- fchließung wird gegen die Sabotage der Versammlung durch den Deutschen Bankbeamtenverein protestiert und den bei der Dresdner Bank beschäftigten Annestellten empfohlen, aus diesem Berhallen die Konsequenzen zu ziehen. Die Fleischer holen auf. Einen erfreulichen Fortschntt hat auch der Zentralver- band der Fleischer gemacht. Obwohl die Fleischer unter einer ebenso hartnäckigen wie schweren Arbeitslosigkeit leiden. hat der Berband seine Mttgliederzahl ständig und erheblich steigern können. Bon 12 818 Mitglieder Ende 1025 stieg der Verband auf 14 018 Mitglieder Ende 1026 und schloß das 3. Ouartol 1027 mtt 15 400 Mitgliedern ab. Weitere Wahlergebnisse. Dem Reichswahlousschuß der sreien Angestelllenverbände liegen neben den bereits vcröfsenttichte» Wahlergebnissen weitere Ergebnisse aus nachstehenden 35 Wahlkre feu vor: Dortmund-Land, Hamm- Stadt, Wesermünde, Solingen-Stadt. Bad Homburg, Neuenburg. Bottrop, Bremerhaven, Merane. Rendsburg, Husum, Bordesholm. Eckernsörde, Kahla-Land, Stendal-Stadt, Borna-Land, Ascherslebe». Rciße-Siadt, Rcttibor, Konstanz, Wetzlar-Stadt. Tangermünde. Oranienburg, Westhavelland, Wismar- Mecklenburg, Magdeburg. Bautzen-Stadt, Swinemünde, Altona, Eöthen(Anhalt), �Bernburg. Goslar-Stadt, Ztegenhoin, Hann.-M!»den--Stadt. Äassel-Stadt. Insgesamt haben in den bisher veröffenllichten 250 Wahlkreisen an Stimmen erhalten: Allgemeiner froier Aaqesie'llenbund 160 9$$. Deutschnationaler Handlungcgehilsenverbaud 143 100, Gewerkschafts- bund der Angestellten 137 873, sonstige Hauptausschuhverbända 35 648, 17 Frauenberufsoerbände 56 089 Stimmen. Oer Saarhutienstreik beendet? Sie Unternehmer stimmen dem Schiedsspruch zu. Saarbrücken, 24. Aooember. Die Legierungskammission hal den Lertreterv der Arbeiinehmerorganisationen mitgeteilt, daß es ihr gelungen sei. die Arbeitgeber zur Annahme des Schiedsspruchs zu bewegen. Da der Streik von den Organisationen nur die Durch. s n h r u n g des Schiedsspruchs zum Ziel hatte, so fällt mit seiner Annahme durch die Arbeitgeber der Grund zur Fortführung des Streiks fort und die Organisattonen haben ihren wiigliederu die Ausnahme der Arbeit empfohlen. Dieser Enlschluß kann um so leichter ausgeführt werden, als Maßregelungen wegen des Streiks nicht erfolgen werden. Lei der Firma Zdeollverke A..G. für drahlloie Telephome in Berlin, Köpenicker Str. 10z. streiken fett heute frich wegen Lohn- difserenzen etwa 450 Arbeiter. Der Betrieb ruht. Gesperrte Gastwirtsbelriebe. Wegen Tarisbruch und Nichtbenutzung des ösfentlichen Arbeitsnachweises werden hierdurch fvl- aende Gastwirtsbeiriebe für die Mttglioder unseres Verbandes gesperrt: Norden: Restaurant Inh. Fritz M a r ck s, Chausseestr. 2; Motka-Diele. Inh. Pctritf, Neue Königstr. 4. Osten. Lichten- berg: Cafe L c i t m e i c r, Frankfurter Allee Ecke Petersburger Straße: Cos? Komet. Inh. Hojsmonn, Warschauer Str. 33: Caic H ö f e r I. Große Frankfurter Str. 36(Strausberger Platz): Dampfer der Reederei Nobtling und der Stern-A.-G. Süden. Neukölln: Cafe Iagenburg, Hasenheide: O r p h e u m, Iich. Oehlke, Hasen- Heide: Zum Heide reiier, Iich. Pfund, Hasenheide Ecke Comp- hausenstraße: Zum Schultheiß-Patzenhoser, Äottbusser Damm 62, Inh. Kremzow: GermanioPalast, Belle-Alliance-Str. 65. Wilmersdorf: Viktor!a-Säle, Wilhelmsaue. Friedrichs- Hagen: Gesellichafishous, Inh. Ww. Schröder, St. Hubertus, Inh. Maus: Cafe M i gn o n. Fricdrichstrcßc: Restaurant Büttner, Jriedrichstroß«. Die Differenzen wurden beigelegt und die Sperre ausgehoben sür die Betriebe: Inh. R a b a n d, Elsasser Sir. 11 und 16, Rllgener Straße 14: Restaurant Zum Steina cker, Seestr. 44: Schult- heiß-P atze nhojer, Chausseestr. 64: Potsdamer Bierhallen, Königgrötzer Sir. 71. Deranlworttich fite Politik:®:. fijut Geyer! Wirttch-fi: G.«UiiflelhSi«: Gcmcrtidwitsbcmcflung: 3. Steiner: Scuintlon: J». ft. D-l»-r: Lotales und i-onttizrs! ,,r>y«arslädt: Änzeioc»! ri,. Sly-le; foratlid) in Berlin Serlan: Borwaris-Berlag© m b 6., Berlin Druck: Barwärts-Bu-bdruckere« und Beriagsaniial» Paul Singer u Co. Berlin SW öS. Linbmftr-Ke 3. Frisch"«cblicht Junrc, prachtrolle Ganse 1.10 einiig I.Qeschmack 9 bis U Pfd. schwer, Wegmer. 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