Abendausgab« Freitag ?!r.-?«, �.«"rNl�\/f 2. Dezember 1927 MM � io ps-°»ig »Sch-ntÜch 70 Pleiinlg, monotUch I>W Jr/ WM>U MW WW tUf Ir— Sfldismorf. Im vorm», ohlbor. MM U�BM W>>W BBS I HB Hg VW HB HB 9H f/ HB Ol»• i«| p a 1 1 i g« KmtpanlSejfilc Dntci cirtifhoni Im Sn- wid Aus- �ttUS ITlHIB BH BH BW WM>W EmB HB WW HB I ,\ WM WH"*—«0 Pseunlz.!RrNom«zeil» ä.— Zirlch? lood SM Reichsviort pro Monor. ÄjSSfJ K—flaQ BH|H DU fÄ« Wa UtjB mS»Ä EjSSj") BtD|/-»art.»iUedrr A»> eigen" ba» fettpc- * VSSti 1 1 Hl BH B /Wz M M? kW zM ZW B W Äft txifiSgjfc iuack» Won 2» Pfrnni« li»lils>, MN v«.»«->«-> mir b».Ilustn«--) B N B My JBL JBv B D �WBT/ r",'" T lrn Sovntozsbelloz..voll vnb Zeit- BSH 1«»»Bl. WRv JSBK» ufflSKV W �▼/ifeSS 12 V-nulg. St-llrngeiuch« da»«g« sowie den Deilooen.Unrerdoltuno I WH-iajr/ �W/ �VV'%Sr/<nesch und Politis und trogen der Mahnung Cufheichuns, datz vor ollem prallische Arbeit geleistet werden müsi«. in keiner Welse Rechnung. Di« Befürchtung, dah dieses Sicherheitskcmitee zum Tuimnelplotz für juristische Spinlisierereien werden würde, ist nach diesen Richtlinien bercchügter denn je. Das brachte heute vormittag der südslawische Delegiert« Mar« ko witsch in einer aufsehenerregenden Red« zum Ausdruck. Gr erklärte, die vorliegenden Torschläge bildeten zwar ein sehr reiches Arbeitsfeld für Juristen, aber die Juristerei hätte die Tendenz, die Probleme zu verwirren und ihren politischen Charakter zu verwischen. Doch sei die Sicherheiisfroge eminent politischer Natur. Marlowitsch belegte diesen Standpunkt mit konkreten Beispielen: Wenn S ü d s l a w i« n einen Sicherheitsvcrtrag mit Frank« reich abgeschlossen habe, so deshalb, weil c» das Gefühl gehabt habe, seine Sicherheit sei ungenügend gewährleistet. Wenn anderer- seit, Albanien neuerdings einen Vertrag mit Italien abge- sclllcssen habe, obwohl es einen solchen Bertrag bereits gegeben habe. und obwohl Italien bereite von der Lotschasterkonseren.z beauftragt sei, über die Unabhängigkeit Albaniens zu wachen, so sei dies«in Pr.blem, das den Völkerbund'angehe und es frage sich, ob der Völkerbund jeden Sicherheitspakt unbesehen regt« st r I e r e n müsse. Es wäre die Aufgabe des Sicherheitskomitees, Maßnahmen vorzuschlagen, um zu verhindern, daß man zum System der Vorkriegsallionzen zurückkehre. Gras Bernstorsi verlas sodann ein« Erllärung, durch die sich Deutschland nochmals grundsätzlich bereit«klärte, an der Förderung des Sicherheltkprvblimis mitzuwirken. Dernstorst trat u. o. auch dafür ein, bei der Prüfung der Artikel des Bälkerbundstatutes, die für das Sicherheitsproblem in Frage kommen, den Artikel 19 nicht zu vergesien(der bekanntlich die R e v i f i o n solcher Friedensbestimmungen vorsieht, die sich als undurchführbar oder frieden»- gefährdend herausstellen)._ Die Schafherde als Räuberbande. Sofia,?. Dezember. Die Meldung aus rumänischer Quelle, daß eine Band« von bulgarischen Räubern am 28. November«ine rumänische Woche an der Grenz« der Süd-Dobrudscha angegrifsen Hab«, ist falsch. Ee handelt sich einfach um«ven bulgarischen Hirten, der sich mit seiner Herd« im Nebel verirrte und die rumänisch« Grenze in d« Gegend von Rustschuk überschritt. Rumänische Soldaten töteten den Hirten pnd bemächtigten sich der Herde, deren Rückgabe sie verweigern. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Die Deutschnationale Volkspartei ließ vor einiger Zeit in einem vertraulichen Nundfchre'ben verbreiten, die nächsten Reichstagswahlen könnten nur dann für die Deutschnationalen glimpflich ablaufen, wenn es sielänge, u n die Arbeiter heranzukommen. Zu diesem Zweck sollte der„Reichsverband vaterländischer Arbecker- und Werkvereine" eingespannt werden. Vorläufig ist es damit ober nichts. Die Führer dieses gelben Verbandes, die dsu.schnationalen Landtasisabgeord- neten Schmidt und Wiedemann, liegen sich in den Haaren. Schmidt ist Vorsitzender, Wiedemann Kassierer des Verbandes. Als solcher beschäftigte sich Wiedemann mit der Kassenführunsi genauer, als es Schmidt lieb war. Er interessierte sich vor allem für die V o r I ch u ß p r a x i s, die seltsame Formen angenommen zu Häven schien. Daraus ordnete Schmidt an, die Kasienbücher und Belege dem Kas- sierer nicht mehr zum Mitnehmen einzuhänd.gen. Man versteht. Der Kassierer sollte als Kontroll nstanz ausgeschaltet werden. Es kam zu einem Ricsenkrach. dessen Ende der Ausschluß Wiedemanns und ein Ra.lenkönig von Prozesien ist. Das Bundcsorgan. die„Deutsche Werks- g e m e, n s cha f t", deren neueste Nummer eine Sonder- ausgäbe zwecks Diskreditierung Wiedemanns ist, berichtet über folgende Verfahren: 1. eine Beleidigungsklage von Angestellten der Reichs- geschäftsstelle, da er dieselben mit.elende Kreaturen" und„feiges Gesindel" beschimpft Hot, 2.«ine Klage einer Druckerei wegen Beleidigung, da «r dieser vorwarf, Schmiergelder zu zahlen, 3. eine Strafanzeige wegen widerrechtlicher Eni- nahm« einer Schreibmaschine aus d« Geschäftsstelle des RvA., 4.«in« Klage Schmidt Heß gegen den Buchdrucker Schneider wegen gröblicher Beleidigung erpresserischer Art. Ponliheckkomo: Berlin 37 536— BankkoMo: Bank der Arbeiter,«ngkstelllcit und Beamten Wallllr. 65 Tiskonlo-Gefellschast. Dcposilenkasi« Sünden str 5 Weitere Schritte vorstehender Richtung sind in Porbe- reitung. Die Bundesleitung des Rv?l. ist fest entschlossen, all« ihr zur Verfügung stehenden gesetzlich-rechtlichen Schrttl? zu unternehmen, die ihr im Interesse der Reinhaltung des RvA. und des Ansehens van dessen Führerschast notwendig erscheinen." Das kann ja nett werden! Aber ob die Deutschnationale Volkspartel mit diesem Auftakt zur Wahlkampagne ihrer „Arbeiterführer" zufrieden sein wird, ist eine andere Frage. Bureau Wir erhalten folgende Zuschrift: Bureau Lambach, Berlin-Wtlmersdorf, Kaiserallee 25. 1. Dezember 1927. Sehr geehrter Herr! Mein früherer Sekretär. Herr Paul Krellmann, den ich wegen Unterschlagung entlassen mußte,»eilt mir mit, daß er sich mit M o- t e r i a l. das er aus meinem Bureau entnommen hat, an die Ocffcntlichkcit wenden will. Dadurch zwingt er mich zu meinem Bedauern, der Presse mitzuteilen, daß Herr Krellmann am 29. November am Amtsgericht Berlin-Charlotlenburg wegen Betrug und Unterschlagung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. In der Urteilsbegründung ist außerdem eine von ihm an den Tag gelegte besonders niedrige Gesinnung festgestellt. Hochachtungsvoll ugebcnst Walther Lambach, M. d. R. L an, hoch ist Mitglied her deutschnationalen Reichstagssrak- tion und Borsitzender des deutschnationalen Ä n g e- j st e l l t e n b u n d e s Mussolini greist im Osten ein. Liiauen wechfeli mii polen Ttaien über Nom. Sowno. 1. Dezember. Die litauische Regierung hat den Notenwechsel über die Wilno- frage veröffentlicht. Es handelt fidi um drei Noten. Die erste ist datiert vom 3. April 1927 und an den italienischen Gesandte» Al'.gusto Stronieri gerichtet. In ihr wird gesagt, daß der italienische Gesandte am 19. Februar 1927 die litauische Regierung darüber in- formiert habr, deß England, Frankreich und Rosien den Wunsch Höffen, zwischen CUciuen und polen herzliche Beziehungen hergestellt zu sehen. Die litauische Regierung sehe in der friedlichen Demarche eine Bemühung der italienischen Regierung, zwischen beiden Völkern Frieden zu stiften. Die litauische Regierung finde jedoch keine Möglichkeit, die diplomatischen und kom- merziellen Beziehungen zu Polen anzuknüpfen. Die Außenpolitik Litauens sei durch die Wilnasrage bestimmt. Denn W i l n a sei für Litauen eine Lebensfrage. Derjenige Nachbar, der Wilna deherrsche, Hab« aus das Schicksal des litauischen Volkes den größten Einfluß. Das sei Polen. Da Litauen Wilna nicht mit Waffen- gewalt zurückerlangen könne, setze es den Kampf um seine alte Residenz fort, ohne mst Polen in Beziehungen zu treten. Das sei unter den gegenwänigen Derhältnissen die einzig möglich« Politik. weil der Versuch, Wilna zu erobern, gleichbedeutend mst einem europäischen Krieg wäro. Litauen Hobe die Ueberzeugung. daß es ihm möglich sei, Wilna mit friedlichen Mitteln zurück- zucrlangen. Der Friedensvertrag mit Moskau> vom 22. Juki 1920 stelle die O st grenzen Litauens fest Nach diesem Bertrage gehöre das Territorium, das zwischen der jetzigen Grenze und der Demarkationslinie liege, also Grodno und Wilna, zu Litauen. Dieser Lertrag sei nicht ungültig geworden, weder durch andere Abmachungen noch durch Gesetze Der neu« Mostauer Vertrag vom Jahre 1920 bestätige ausdrücklich diesen alten Vertrag. Dertroglich festgelegte Grenzen seien auch für Polen bindend. Zum Schluß dieser Note erklärt Woldemaras die Be« reitwilligkeit zu Verhandlungen, um zu einem für beide Teile annehmbaren Ausweg zu kommen. Auf diese von der italienischen Regierung nach Warschau über« mittest« Note antwortete Polen am 1-1. Mai 1927 der italie- nischen Regierung in einer Nole, die der litauischen Regierung am 31. Mai 1327 überreicht wurde. Darin heißt es, es fehle der liiauischen Reoierung cm gutem Willen, um zu einer Ver- ständigimg zu kommen und den Kriegszustand zu beheben. Dieser Kriegszustand sei gesährlich. Beide Bölker seien Mitglieder de? Völkerbundes und die Interessen für den Frieden mußten auch Litauen so teuer sein wie allen anderen Völkern. Palen bestehe daraus, daß Litauen nicht nur die Versicherung abgebe, daß es friedliche Absichten gegen Polen hege, sondern offiziell erkläre, daß es den kriegszustavd mit polen aufhebe. Die dritte Rote vom 28. Oktober 1927 richtete Litauen an die Ententemächte. Sic wurde Frankreich übergeben. Woldemaras weist in dieser Note darauf hin, daß die Zeit seit der Uebeigabe der litauischen Note»ur den litauischen Standpunkt be- j stäiigt habe. Die polnisch« Regierung werf« Litauen vor, keinen guten Willen zu haben, doch habe Litauen seine friedlichen Bestrebungen bewiesen. Dagegen habe Polen eine Reihe von Zwischenfällen herbeigeführt, so durch die Krönung der heiligen Mulker von Ostrabrama als„Königin von polen". Diese Krönung sei für politische Zwecke ausgenutzt worden, obwohl der Papst bestimmt habe, daß die Heilige mst dem Namen Muster der Gnade" gekrönt werden sollte. Im Oktober hätten dtc dekannten Verfolgungen der Litauer in Polen begonnen, worüber dem Völkerbund eine Note Litanens vorliege. Zuletzt weist Woldemaras daraus hin. daß es die S ch u l d Pol e'n s fei, daß kein permanenter Friedensvertrag abgeschlossen worden sei. Nach'dem Suwalkivcrtrage gehörten Wilna und Grodno zu Litauen. Zeli- gowskis Gewaltakt lzabc diese litauischen Teile in die Hände Polens gebracht. Da» ändere nichts an der suriftischen Lage und entbinde Polen nicht von der Verantwortlichkeit Litauen gegenüber. Ein Diktator beleidigt den andern. Warschau. 2. Dezember. lieber die polnisch-lstauischc Loge veröffentlicht Marschall P i l- s u d s kt durch die amtliche Polnische Telegraphenagentur u. a. folgendes: Der von Litauen aufrechterhaltene Kriegszustand ist eine Anomalie, die in der West einzig dastehe. Er bildet den Gegenstand fortgesetzter Sorge und Unruhe. Als di« Angelegenheit ohne unser Zutun vor den Völkerbund kam, wurde die Regierung des Herrn Woldemaras so nervös, daß man Mobftifierungsanordnungen zu erlassen begann. Der Verstand und die Geletze der Kriegssühning gebieten, aus ein« Mobilisierung mit beschleunigtem Handeln zu ont- warten, um dem Gegner keinen Dorsprung zu lassen. Aber ich be, schloß, nicht zu mobilisieren, sondern den Entschluß des Völkerbund«, Krach bei den Gelben. Vorstand gegen Kassierer.— Deuischnattonale Abgeordnete untereinander. cuf unsere Note abzuwarten. Die Maßnahmen der kitauischen Regie- rung haben bei mir den Eindruck erweckt, daß Herr Woidemaras unzurechnungssähig ist. Er Hot uns kurzerhand erklärt, daß sich Litauen mit uns im Kriegszustände befindet und verlangt, daß Polen für die Acnderung dieses Zustandcs etwas bezahlt, aber wir haben diesen Krieg noch nicht verloren. Wenn ich hinzufüge, daß dieser litauische Ueberpatriot lange Zeit ein Russe, dann ein Deutscher und endlich ein LUaucr war, so wird inir jeder zugeben, daß wir es geradezu mit einer p s y ch o p a t h i j ch c n Person zu tun haben. Ich halte es deshalb für meine Pflicht, mich an meine Mit- bürger mit der Bitte um Ruhe und Mäßigung gegenüber der gegen sie gerichteten Drohung zu wenden, solange sich das Schwert in der Hand eines Wahnsinnigen befindet" Der Völkerbund kein Irrenarzt. Warschau. 2. Dezember. Gegenüber den gestrigen Zluslaisiingen Pilsudskis über die Be- ziehungen zu Litauen zeigt die polnische Presse mit Rücksicht auf das Ausland eme ausfallende Zurückhaltung. Zwar betonte der sozialistische„Robotnik' bereits gestern seine kritische Stellungnahme zur Rede des Marschalls und heute druckt die„Gazeta Warszawska" nur ablehnende nusländische Presseurteile nach, doch andere Blätter, wie der„Kurjer Polski" und die„Rzccspospolita", übergehen die Ausfälle gegen den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras mit tattvallem Schweigen. Nur Stronski in der„Warszawianka" geht auch aus diesen Teil der Rede ein und zwar mit der ironischen Bemerkung, daß der Völkerbund mit der Frage der angeblichen „Ilnzurechnuiigssähtgteit, Unverschämtheit und Tollhauskondidatur" des litauischen Ministers eigentlich nichts zu tu n.habe, da das Bölkerbundsstatut Feststellungen dieser Art nicht vorsehe. In politischen Kreisen bezweifelt inan ernstlich, ob ein Er- scheinen Pilsitfcskis in Genf nach dem gestrigen Vorstoß noch yröglich ist. Im Zusammenhang mit der Abreise des Außenministers Zaleski nach Genf wird denn auch schon gemeldet, daß Zaleski über die Zweckmäßigkeit einer Eentrcise Piliudskis noch besonders berichten wcrd� Gelbe Gefahr und Abrüstung. Eine neue Formel für eine alte Sabotage. £ o n d o n, 2. Dezember. Sir herber« Samuel erklärte in der liberalen Vereinigung der Londoner llnwerstläl, daß im Augenblick an eine vollständige Abschaffung der Armeen. Marine, und Dufkfireilkräsle nicht zu denke« sei. E» sei möglich, daß als Ergebnis einer so vollständigen Ab- niflung einige chinesische Heerführer triumphierend in das abgerüsteie und ungeschühle Europa einmarschieren und die einzelnen hauptstödle abwechselnd besehen würden. Stets für die Abrüstung der andern. Washington, 1. Dezember. Zu der Genfer vorbereitenden Abrüstungskonferenz wurde in Regierungskreisen erklärt, die Bereinigten Staaten könnten keinen Vertrag unterzeichnen, der amerikanische W a f f e n h i l f e bei einem Angriffskriege verlange. Auch kömnie eine Beteiligung an einer Abrüstung zu Lande kaum in Betracht, da die amerikanische Armee nur 1l8 060 Mann betrage und nicht weiter vermin- oert werden könne; außerdem spiellcn bei Landheeren steis regionale Erwägungen die Hauptrolle.' Aber'auch hinsichtlich einet S e e- abrüstung werde es schwer sein. eine sämtlichen Mächten genehme Formel zu finden. H i« r v ö n ab g cf-t h e n. d a g t u ß e Amerika- bas Streben nach einer RüstnngsvsrnlNideruug und«räch Abschaffung � unmenschlicher Knegrmetydden> nne Mistgas' usw.- � Die Abrüstung im Wahlkampf. Loudou. 2. Dezember. Der Borjigende der konservativen Parteiorgonstation, Davidson, erklärte: Wenn die Abrüstungssrage von der Konservativen Partei nicht richtig behandelt würde, so könne sie das bei den nächsten Neuwahlen in eine gefährlich« Lag« bringen. Konzert-Ziundschau. Von Klaus pringSheim. Wodurch erweckt ein Konzcrtgeber dos Interesse, das er nötig hat, aber von ssch aus nicht zu erregen vermag? Er kündigt eine Uraufführung an. Damit ist für ihn der Konzerizweck ge- sichert, die Presse wird bestimmt davon berichten, von dem noch unbekannten Werk; von der Aufführung— und also, zwangsläufig auch von dem Uraufführcndcn-. dem Konzertgeber. Aber woher all die uraufführbaren Werke nehmen, und wie sie bekommen, die im Laufe eines Konzerrwinters gebraucht werden? Man �Slephoniert sialt unter den bekannten Komponisten(und Bekannten, die kampo- rnercn) herum; und wenn, bei der- ungeheuren Rachsrage, gerade > einer was auf Loger hat— es könnte ja auch irgendein alres Manuskript, nur soll es noch unausgeführt sein: dann niuß eben was Neues geschrieben werden. Nur noch ein paar Wochen Zeit bis zum Konzertabcnd— für einen besseren Berliner Komponisten ist dos keine Schwierigkeit; er wird pünktlich liefern. Denn welcher Koni- ponist versäumte gern eine Gelegenheit, sich uraufführen zu lassen? An sich vielleicht kein ungesunder/ Zustand, wen» der schaffende- Musiker— nicht ins blau«, sondern für das Bedürfnis des Konzert- lebcns produziert; unmittelbar für den ZZerbrauch sozusagen. Nur- eben, nicht die legale Verbraucherfchasr, dos Publikum, ist hier an der Lieferung-interessiert, sondern aus Gründen privaten Karriere- ehrgeizes, allein der Mittler zwischen Produktion und Publikum, der reproduzierende Künstler: der Köü�ertgeber. Der Ansturm der nrucn Musik, nach Iahren innerer Lähmung und äußerer Absperrung, hat als Neban» uyd Mißwirkung den Ilrousführungssport gezeitigt. Ein Sport ist es in dtr Tat ge- wardm. mit Genugtuung zählt der Musiker, der Uraufsllhrende und der Uraufgesiibrle, die erzielten Rekordziffern der Saison, Aber dawit hat das Wort„Ilraufsührung" nicht nur seinen ereignishaften Klang, sondern auch, mehr und mehr, seinen eigentlichen Sinn ver- loreu. Es lohn! nicht von„Uraufführungen" zu reden, wo es bei dieser einmaligen Aufführung bleibt, Uraufführungen sind große Mode; Zweitauiführuugen, in Wahrheit erst Bfgläubiguirg eines Werkes und feines Erfolges, find eine große Seltenheit. Das Werk wird von dem, der es zum ersten Male spielt cdcr spielen läßt, nicht etwa„eingeführt": es wird, in den meisten Fällen, erledigt, bleibt abgetan. So irrt das Bild des heutigen Komponisten, schwankend und in ewiger Hast, von Uraufführung zu Urdüsfüstrung.- Aber das Bild bestätigt, befestigt sich, nicht. Es verändert, erneuert, verliert sich in unstetem Wechsel Frischer Zug. Lebendigkeit, Bewegung— e-ewiß. dos alles sind für den künstlerischen Fortschritt gutp und nützliche Dinge; unserem Musikleben— und unleren schafsenden Musi'ern zumal— tut mehr Stabilität not. Wichtiger alz wertlose Uraufführungen sind Wiederholungeü des Werlvolleren, das sich aus der jährlichen Masse des Nliir-Neüen heraushebt..Rückschau fft wichtiger geworden als jene Sorte Tagesschau, bei der die für die Stunde MteÖle Novität ddn Ausdruck letzter Gezekiwärtihkelt-vor- tausch'"V''ch-:!. V.c'iif überstürz! Geschäfsene dieses.Nachtr eg?--. W&rjj&rs sichtet i'nd.ordnet, Wir begrüße!! darum sei:, Unternehmen wie dos der Avlksbühne, die in einer Matinee . Llniernehmerpfychologie. Eine Provokation aus Dummheit. Der Leiter der Amme-Luther-Werke, Braunschweig, der Miag, des großen Mühlcntrusts, war kilrztich in Amerika. Er beschloß noch seiner Rückkehr, sich als großzügiger Unter- nehmer nach amerikanischem Vorbild zu benehmen, als deutschen Ford, Also ließ er im Anschlagkaffeu der'Werke folgenden Erlaß anschlagen: Lrieszeichen, Bc/Ma. El. was eigene Kraft vermag! Jeder Jubilar erhält an seinem Ehrentage von der Firma ein Geschenk von 30t» M. So sehr für die Firma diese Summen bei der großen Zabl unserer Jubilarc ins Gewicht fallen, verschwinden sie für den ein- zelnen doch gegenüber dem, was er aus eigener Kraft in 23 Jahren zu leisten vermag: wer jeden Tag— sei es durch Sparsamkeit oder durch Mehr- arbeit— IM. aus die Bank legt, hat bei dem heutigen Zinsfuß von 7 Proz. nach 25 Jahren mit Zinsen und Zinseszinsen den Betrag von ZOZOZ M. zu seiner Verfügung. Von dann ab kann er in jedem Jahre außer seinem Einkommen noch llOO M. jährlich an Zinsen verzehren. Wer also im Aller von 20 Iahren anfängt, noch den'gesunden wirtschaftlichen Richtlinien zu arbeiten und zu leben, kann mit 15 Jahren als gutsituierter Mann leben, ohne aus Wohltätigkeit angewiesen zu sein, und sich auch einen gewissen Luxus gestatten. Schon nach einem Jahr beträgt leine Ersparnis soviel wie die Iubiläümsgabe der Firma, und die Zinsen in Höhe von 21 M, setzen den, der Wert auf kurze Arbeitszeit legt, in die Lage, rund 21 Stunden' weniger zü arbeiten als im Borjahr. Nach zwei Jahren kann er schon 13 Stunden weniger arbeiten, ohne seine Lebens- Haltung zu schmälern. Man sieht, wie recht Henry Ford hat:„Es ist wenig Raum für Wohltätigkeit in der Welt vorhanden." Eigene Kraft vermag hundertmal mehr! Braiinschweig, den 25. November 1027.' Amme-Luther-Werke Bxaunschweig der„Miag"' Mühlenbau und Industrie A,-G, Die Betriebsleitung: Dr. M o o g. Die empörte Arbeiterschaft empfand sofort die ungeheuer- iiche Provokation, sie Hot den Aushang heruntergerissen. Der Unternehmer wird diese Empörung nicht verstehen. Eine Mark täglich sparen— das ist ja so leicht, was ifb eine Mark heute schon, warum fäll.es eine Provokation fein, wenn ich das meinen Arbeitern sage? Der.Höchstlohn für qualifizierte Arbeiter in den Amme- Lutber-Werken beträgt 45, Mark in der Woche. Davon sollen 7 Mark gespart werden! Dieser Vorschlag zeigt erschütternd, daß das deutsche Unternehmertum vom Leben, Leiden und Streben der, Arbeiterschaft keine Ahnung hat. Es interessiert sich auch nicht dafür., Je niedriger der Lohn, um so besser, es geht den Leuten ja sowieso viel zu gut! Es ist die bornierteste Dummheit, die aus diesem provokatorischen Aushang spricht. Soziole Dummheit und volkswirtschästlichc Diunmheit! Unternehmer vom Schlage dieser Dr. Moog'lernen in Amerika: es geht den Arbeitern glänzend. Dann empfehlen sie deutschen Arbeitern, sich bei den Hungsxlshnen..die- deutsche llnternlehmcr zahlen,. omcrskanffch zp-b-fltzhm«,---,-. Diese?.- Dr-.'M:«» o g.- ist typisch für das doulsch« Unlernehmertum. Diese„Führer der Wirtschaft" sind-mit Dmninheil. und. Plindhest geschlagen. Die Ärbeitersiizast der'Amme-Luther-Werke sollte Herrn Moog folgenden Anschlag unter die Nase hängen: Ein qualisiziener, Arbeiter, l>ei' Ford verdient lO bis 12 Dollar pro Tag, 00„bis 72 Doller gleich 240 bis 2S8 Mark pro Woche. Herr Dr.- M v a.g zahlt ftix- qualifizierte Arbeit 45 Wart pro Woche— soviel, wie ein Arbeiter bei Ford an einem Tag verdie-rt. Wann beginn« Z�r. Woog mit der Amerikanisicrung der Löhne? Werke von.Paul Hjn-dcw ith— nun nicht mehr„zur'Dis- küssion stell!"«denn für. die Diskussion sind ja die Uraufführunzen dagewesen), sondern in geschlossener Folge ihrer Hörerschaft bietet und öam i, in geschickt gewählten Beispielen, einen suinarischcn Ueberblick über seitte bisherige Lebensleistung. Keine Uraufführung darunter, also für die Presse kein Grund,- Aushebens davon zu machen; ober dos Konzerlpublikum der Lolksbühn« hatte allen Grund, sich für eine Beranstailung interessiert und dankbar zu zeigen, die den berufensten Führer der- jüngeren Komponistengeneration, seine Begabung, seine Richtung, seine Entwicklung in einem klaren, eindringlichen Bild zeigte. Man weiß obendrein, daß in diesen Konzerten die Ausführung höchst« Ansprüche erfüllt; der Komponist als Mitwirkender— als Meister seines Instruments, der Bratsche, heute unter den ersten der Gegenwart— bot dafür weher- Gewähr. Leider hatte eine Absage in letzter Minute eine wesentliche Aendr- rung, zugleich Beeinträchtigung des Programms, zur Folge; man lernte dafür, und dos war ein Gewinn, den ausgezeichneten Cellisten Paul Hermann kennen; er sollte öfter Gelegenheit erhallen-, hervorzutreten. Der Zufall, allmächtig im Berliner Konzcrtleben, hat es gefügt, daß in acht Tagen zwei Hauptwerke Igor Strawinlkys zu hören waren: neulich v.Sacre- ckn printemps" bei Oskar Fried, nun im vierten P h i l h a-r nk ö n i s ch e n K o n z e r t' bei Furt wängler„Pe t r u s ck> k a"(in der Konzertfaisung). Auch für Strawirlsky-ist-einstweilen di« Zeit der ereigüishaften Konzerturaus» sübrunxen.. die Zeit der Premierens chiachlen in der Philharmonie, vorüber. Das Berhältnis zu dem grüßen russischen Neuerer Hot sich geklärt in. diesen wenigen Jahren. Es wäre nun endlich an der Zeit, diese Werfe, die für die Tanzbühne von reoolutionierrndsr Wirkunz gewesen sind, auch in Berlin darzustellen, wo sie eigentlich am Platz« sind: km Theater; im Operntheater selbstverständlich. Im Konzen- saal höben diese Ba'letlsuiien uns nicht viel Neues mehr zu sagen, ober gewiß werden sie auch hier gerne gehört, gar wenn sie in solcher Vollkommenheit, so zündend im Rhythmus und mit so viel klang lichem Raffinement geipielt werden wie unter Furtwängler von den Philharmonikern. Premierenreiz, auch wenn mir bekannte, alte Socken im Pro- gramm stehen, geht, einstweilen vom Dirigenten O t t o Klein- p c r e r aus; das verleiht seinen Konzerten jedesmal den Charakter einer akluellcu Begebenheit. Es ist im hörbsien und besten Sinne . iyteressant, zu erleben, wie dieser• große, starke, eigenwillige, dach im Tiefften echte Mukiker sich auf, seine persönliche Art mit den großen Werken der symphonischen Literatur auseinandersetzt. Hier zu allem ja zu sogen, ist weder geboten noch immer möglich: un- möglich, nein zu lagen. Wer kann angeben, wie die Symphonien Beethovens gespielt mc.deu sollen?' So, wie die Besten der Zeil sie wiedergeben, nur so können sie für pns, relativ, gültig sein, Klenipercrs Signalement, dos ist sein heroischer Ernst, Es war , vorauszusehen, daß er der P a st ö r al sy m p h o n i e. vor allem in ihren ersten Sätzen, nicht dos geben würde, wös chren einnMligen, auch im Werk Beethovens einmalgen Reiz ausmacht, nämlich ihrem Charme:. das DsiHie.nsche.io-usmien. Die Gesicliung im rein sympha- wichen Ntm; war...eben TaiRm, in.. ihrer Einlei'igksi.. ohne' ReiiniA. Dös Gewitter e:n syir.phawsih;,-. Aementaiereigvis. Uaid die gäbe derSi- besten rtre schlechthin zrandiose Ocijtmlg, stürmische Ehescheidungsresorm befchleunigi. Auch die Zroge der Standesherren wird rasch behandelt. Der Rcchtsausschuß des Reichstages trat heute zu einer Sitzung; zusammen, um darüber.Beschluß zu fassen, welch« Vorlogen zunächst! zur Beratung gelangen sollen. Genosse Dr. Roienseld beantragte, zunächst die Ehescheidung!-. rcsorm zu behandeln, und. sie sakort einem Ilnterousschüß zu über, weisen. Die Deutschnationalen protestierten sehr lebhaft, indem kiö behaupteten, daß die Ehescheidungsreform nicht so dringend sei. daß sie jetzt so schnell erledigt werden müsse. Der Ausschuß beschloß gemäß dem sozialdemokratischen Antrag gegen die deutschnatidnaleni Stimmen, sofort einen Unterausschuß zur vorbere»tung der EH:-» jcheiduugsresorm einzusehen. In diesem Aurschuß wird jede Fraktioir durch ein Mitglied vertreten sein. Alsdann erhob sich eine lebhafte Debatte darüber, ob zunächsi die Frage der standesherrlichen Renken oder die Frage der Roch. Prüfung der Versassangsmäßigkeil von Reichsgefchen erörtert unk» entschieden werden solle. Ministerialrat Weyer erklärte für dia preußisibe Regierung, daß dicke aus die schleunige Erledigung de« Frage der Standesherren da? größte Gewicht lege, da vierreliäbrliö» 170 000 Mark an die Standesherrrn zu zahlen feien imd Fürst Solln und Herzog v. Abreuberg bereits Klage gegen den preußsicken Staat erhoben hätte», der Herzog von Holstein-Aügustenburg eine solch! Zklage in Aussichr geltellt hätte. Genosse Dr. Rosenseld beantragte mll Rücksicht auf diese Er« klärung der preußischen Regierung, sofort die Frage der Standesherren zur Beratung zu stellen, sobald dia Ehcicheidungsresorin erledioi sei. Auch Demokraten und Komm:- nisten traten für diesen Antrag ein. Dir Deutschnationalen opponierten heftig, indem sie meinten, daß die Frage der Stondeshernn nicht so dringend sei. Sie meinten offenbar, nicht so dringend für die Stand-esherren. Der Ausschuß beschloß mit den sozialdemokratischen und kommu- nistiichen Stimmen gegen die nicht vollzählig vertretenen bürgerlichen Parteien, zunächst die Frage der Skandesherren zur Beratung zu .stellen. Diese Beratung soll demnächst stattfinden. Häckels Nachfolger. Dem Professor Plate das Gehalt entzogen. Der H aushalt sausichuß des Thüringischrn Landtags beschloß bei der Beratung des Universität sstats an:-, sichts der parteipolitischen itnd republikkeindlichen Propaganda ra t Proseksoren der Universit-ot Jena, die Beamten, die ib e Lehrstelle für solche Propaganda benutzen,-durch dk- Regr-rung zur Rechenschaft ziehen zu lassen. Demgemäß bestimmte der Ausichuß, daß -dem für Rassemragen und Iudenriecherei verekdiaren«sachverttein- digen Professor P l o t e d a? Gehalt gestrichen werde, Oer Ehemann der Zeiwngösrau. Fhretweqen der Kartosselbeihilfc unwürdig. Kallowih. 2." Dezember. Der Gemeindevorsteher von Größ-Piekar hör die G?ü>ahruvg einer ÄaHoiselbeihils« an..Feq. arbeitslosen E h e.maftn d c" . Z x i.t'u.n g sa ü»kr ä gerl'n b.er..Katlow'tze!' Peilung" ver.wezgert mst �her'.Begründung,..Ehefrau sLurch-K- ReftMihg Kiiung'eine' st asa't.d f eck y disi ch e'Ha n dt u n g begehe- ünd'- de ,- Palb der Ehemann nicht wü rhi'g sei, Kmöffeln avs. Vr 0.- gemeinen Peihilf« zu erhÄlei,, Gegen diese Maßnahme nr bei- dz- r inständigen Stellen Beschwerde binaelegt worden. «- „Nmionale" Nachrichtenagenturen verbreiten diese Meldung in t der lleberschriki:„Eine polnische Nichtswürdigkeit". Es ist hübsn) zu sehen, wie rechts das soziale Verstäisdnis erwacht, wenn man damit dem„Landesfeind" eins ouswiichen kann. Begeisterung, weckend, wir vor vier Iahren tr, der Philbarmom«, als der Konzertdirigent Klcmperer zum ersten Male vor die Berlin-r Oesfemlichkeit trat, Bei Klemperer gab«s keinen Solisten; bei Furtwang' r, B r o u i s l a w Huberman, den weltberühmten Geiger, der nächste Woche in einem eigenen Konzert in der Philharmoni? zu hören, sein wird. Zu den Welrberühmien wird, das ist siäier vorauszusehen, mm bald auch der junge Pianist Wladimir H o r o- w i ft zu zählen sein. Sein Ehopin-Abend im üb-rsü�ilea B e e t h ov e n s a a l zeigte ihn als Birtuesen allergrößten Fsr- mats. sind zwei von der ganz großen Pianistenllasse waren jüngst an einem Abend zu hören, der sie in einem-Konzen an zwei Kla- vieren vereinte:. t? i c s c k i n g und E r dma n n. Eine Freude endlich, wie Michael Raucheisen mit seiner Mütchcner Triovereinigimg Schubert musiziert. Boxkampf auf der Bühne. Berliner Theater. Die Rationalisierung der Arbeit schreitet in Amerika rüstig vorwärts. Man übertrifft sich dort in Methoden, die komplizier- resien'Leistungen unter geringster Inanspruchnabine der Dsnktälla. feit zu ngllbringen. Die letzten dramosischen Importe beweisen, daß. auch beim Stückeschreiben das Gehirn eine untergeordnete . Rolle zu spielen beginn;, Der neugebackene DiAckior das Berliner Theaters. Hans Kuhnert, hat ein nach diesem interessanten Bersahrcn jabrizirtcs S:ück ,.K n o ck- o u t" von llffchard T a b e r und I-,- mes Gleason eingeführt, wahrscheinlich um zu zeigen, daß die amerikanische Lustspielliteratur iür Deutschland nicht in Betracl.t kommt. Der große Erfolg, den das Stück in New Port drei Iah:: hindurch gehabt hat, beruht in dein grandiosen Einsall der Autoren» einen Borer mit Manager und einen regelrechten Borkamps aus di? Szene zu stellen. Was die Handlung anbetrifft, so ist sie nach dem Neuster älterer amerikanischer Filme ausgedacht: mit rührend giucn Menschen auf der einen Seite und Schurken aui der anderen, mit Knidersibcl- inarol und einem glücklichen Abschluß. Rätselhaft bleibt nur, wie gleich zwei Auwren an einer inhaltlosen Komödie ausreichende Beschöftigung finden. Vielleicht haben sie gewettet, wer die wenig- sten Einfälle bekomm,', Mar Adalbert, dem die traurig« Ausgabe zufällt, den Manager zu'pielen, gelingt es, au? dem albernen Stück komische Wirkungen herauszuholen. Wie immer, wenn Adalbert auf der Bühne sieht, dröhnen Lachsalven durch das Haus. Natürlich liegt das nicht am Stück, sondern an seinem goldenen Humor, an seinen mit trockener Leidensmiene ausgesprochenen Einfällen und seinen lustigen Improvisationen, die sogar den Mitspielern aus der Bühne überraschend kommen. Leider bietet die dünn? Schwank seiner Eigenart keine Möglichkeiten, Wann endlich ersteht wieder ein Aukr-r, der-dieiem iirine-gleichlichey Somiknr eine Rolle, aus. den L'b schreibst? Hans B r a uH« p, ett er..Albert. Kr-tssis La r tz ing und Hugo Flink versuchen cbem-üls zu reuen, was Kulissenschieber des Hitlerputsches Was der bayerische Llntersuchungsausschuß zutage förderte. München. I. Dezember.(Eigeilbericht.� Oer Unter suck>ungsouKschutz dos bayerischen L�andiages sefile cm Dannerstag nachmittag seine Be? hanMimgen (ort. Zunächst Nichte der Berichterstatter Graf Pestalozzi sein Re'emt zn Ende. Er verlas eine Peihc von Alten, che über die Beziehungen Kohrs, Lossows und S e i ß e r s zu Persönlich reiten der vaterländischen Perbände in Norddeutschland Ausschluß geben sollten. In einer Erklärung des Juitizrots Elast an den Äe i icistsoorsitzendcn des chitlerprozeises. heistt es u. o., daß Bert rage .zwischen Elast und Kohr niemals abgeschlossen worden seien und fast Elast lelbst niemal? einen Plan zur Errichtung eines Neichs- diretmriums gehobt Hobe. Aus einer, späteren Zeugeitoussoge non Kricbel ergibt sich jedoch, dast krlebel als Kassenwart der Kamps- verbände Gelder von Elast erhallen hat. Ans den Zeugenaussagen des Stahlhelmluhrers Düsterberg laus der Borunterstichung) geht hervor, dast cheser Ctrve Oktober ' i.) in München gewesen ist, und zwar in Begleitung des Grafen Heilder, wo beide Ludendorss, dem Düsterberg treu ergeben war, sauer Lossow, Seiger, Ehrhardt und Knebel besuchten. Es handelt sich dabei darum, den Plan vorwärts zu treiben, dast in München ein Direktorium von nationalen Männern errichtet werde, das, gestützt auf die bayerische Reichswehr, dir Diktatur nach Berlin verpflanze n sollte. Das Hindernis bildete Lossow, der sich zwar eingehend mit dem Direkt •nnumsplan beschäftigt hatte, aber die gröstten Bedenken für eine Penv«idung der bayerischen Reichswehr gegen Norddeutschland harte. Düsterberg versprach Vermittlung bei den sächsischen und »bäringischen Reichswehrstellen, aber Lossow konnte den Absprung vichr rinden, obwohl er in der Beurteilung der politischen Gesamt- si'uotion vollständig ml» tudevdorss einig ging. Infolgedessen reiste Düsterberg am 29. Oktober unverrichteter Sache von München ab. Den gleichen Versuch mochte in ungefähr gleicher Zeit der Major Vogts, der hei allen sogenannten vaterländischen Verbänden Münchens volle Zustimmung zu dem Plan der Errichtung des Reichs direktoriums fand. Er arbeitet« Richtlinien über das Zusammenwirken von München und den norddeutschen Rerbänden aus. wobei vorgesehen war, daß Kohr an die Spitze des Direktoriums treten sollte Dieser Bestimmung widersprach aber Ludendorsf. der die erst« Stelle einnehmen und alle Macht in seiner Hand vereinigen wollte. Kahr. Lossow und Seister stellten sich auf den Boden dieser Richtlinien, verlangten aber noch die-Hereinnähme einiger nord- deutscher Führer aus Industrie und Landwirtschaft. Achn- liehe Angaben mochte auch der in der Voruntersuchung vernommene Zeuge Graf Heilder, der noch am 8. November lkiZZ zur natia- tiefen Revolution nach München geeilt war. In seinen Aussogen ist besonders die Verärgerung Lossows über die Waschlappigkeil der norddeutschen kreise festgehalten. Die weiteren Ausführungen des Berichterstatters waren außer- ordentlich lückenhaft. Man erfuhr u. o., daß Ehrhardt für fein« an der bayerisch- thüringischen Grenz« aufmarschierten Organisationea einen Teil jener Zvosisi Dollar erhalten hat, die von Nürnberger Industriellen im Oktober für Kohr gesammelt worden sind. Zu der Frage, ob Kahr, Lossow und Seister.Hochverrot begangen haben, beschränkt« sich Graf Pestalozza auf die Feststellung des Gerichts, dast diese drei Herren nach keiner Richtung hin Hochverrat getrieben hätten. Immerhin erfuhr man aus einer Aus sage des Zeugen General Kleinhenz, daß Kahr in wiederholten Führerbeiprechimgen sich bereit erklärt hatte, eine nationale Umwälzung auch aus illegalem Wege zu machen, vorausgesetzt, dast alles auf das sorgfältigste vor- zu retten ist. Bei dem vergeblichen Bemühen werden sie weder von dem Regisseur Hans Kuhnert noch von den übrigen Dar siellern unterstützt, von denen besonders die weiblichen auf un< diskutablem Niveau stehen. Dqr. Spanische Volkstänze. Die A r g e n t i n a gab im Berliner Theater zwei Abend« mit. ihrem Spanischen Ballett. Wirkte diesmal wesentlich günstiger, weil stilreiner, als im vorigen Jahr mit ihren Solotänzen im Blüthnersaal. Denn sie hatte sich jcgt ein Milieu geschassen, das die tänzerischen Darbietungen hör- manisch und organisch umrahm!« und alles ins rechte Licht seyte. Die beiden Pantomimen, die das Programm einleiteten, waren allerdings entbehrlich. Wozu diese kindlichen Spiele, deren trostlos alberner Inhalt nur durcki Programmerklärungen verständlich wird und deren Handlung die Wirkung der eingelegten Tänze auf keine Weise unterstützt? Der zweite wertvollere Teil des Programms brachte ein« Anzahl kleiner Tanzaujsührungen. Zunächst ondalu- bereiiet werbe und vor'allem die Verbindung mit der norddeutschen Reichswehr klappe. Kahr erklärte sogar in einer Aesprechiing kurz vor dem Putsch, die Borbereiwngeu für den illegalen Weg seien getroffen, es dürfe sich ober niemand seinen Anordnungen wider- setzen und andere Wege gehen wollen. Geschehe das, dann würden alle Machtmittel durch Lossow und Seiher gegen solche Leute ein- gesetzt werden. Am Schluß verlas Pestalozza noch einen von jenen zahlreichen Briefen, die während des Hitlerprozesies an den Eerichtsvorsitzenden geschrieben wurden und die alle mit teilweise gefährlichen Drohungen die Freisprechung der'Angeklagten o e r l a n g e n. Der sozialdemokrakischr Mitberichterstatter des Unter- suchungsausschusses Dr. H o e g n e r knüpft« in seinem Referat un- mittelbar an die Dorgonge des 1. Mai l?2? an Damals war das Verhältnis zwischen Reichswehr und Kampfverbänden erheblich ge- trübt, ganz ober sind die organisatorischen Fäden n i e angerissen. Van der Reichswehr wurden Richtlinien iür die Ausbildung von Mitgliedern der vaterländische« verbände herausgegeben, in denen diese unbedingt gewährleisten mußten, niemals gegen die bayerische Reichswehr oder die Londespolizei Front zu machen. Allmählich wurde das Verhältnis zwischen der Reich?- wehr und den Kampsverbänden wieder inniger. Aus zahlreichen Reginienlsbesehlen der Kampsverbände, die H o e g n.« r verlas, geht hervor, daß die Verbände sich beiieißigten, eine völlige Nachäfsuiig des Militärs durchzussihr-n. Sanitätsabteilung, Sprengkommandos und dergleichen wurden gebildet. Einer dieser Regiments- befehle lautet: „Der Aufruf„S ch l a g t sie in Fetzen, di« Hunde!" ist wieder zum Preise von A Mark pro taufend Stück zu hoben." Mit der bayerischen Regierung blieben die Kampsverband« nach wie vor auf dem Kriegsfuß. Desto inniger war ihr- Verbindung mit dem Kabinettschef non K n i ll i n g. Zum Schluß verlas H o e g n e r die Tagebuckzaufzeichnungen des Oberstleutnant triebe!. Aus den zahllosen Pe sprechungen, die darin notiert sind, läßt sich deutlich ent- nehmen, wie die Annäherung zwischen den Kompfverbänden, der Reichswehr und Ichließlich auch wieder der bayerischen Behörden Zug uni Zug sartichritt. Es sinden sich darin sehr interesianto Namen. So enthielt das Tagebuch Notizen über Besprechungen Knebels oder anderer Kampsverbondführer mit H i n d« n b u r g, Stinnes. Eekdt«, Oswald Spengler, dem Reichstag? abgeordneten Mittelmann(DNp.l, Prinz Oettingen, Fürit von Fürltenberg, S. M.— soll.heißen Seine Majestät Ruvprecht von Wittelsbach— und dem.Kabinettschef Rupprechts, Graf von Soden. An dieser Stelle unterbrach Dr. Hoegner sein Referat. Die Berichterstauung wird voraussichtlich am kommenden Diens- t n g fortgsetzt. fische Volkstänze. Die Bühne stellt einen Platz von Sevilla dar. Im Hal-kreis sitzend Tänzerinnen, Tänzer, Sänger und Gitarren- spieler. Abwechselnd treten einer oder zwei in die Mitte und tanzen, von Musik, Gesang, Händeklatschen, Zurusen begleitet und angefeuert. Balz- und Locktänze: Drehungen. Windungen, Bie aungcn Klappern der Kastognetten und Stiefelsohlen. Feuer, Schmiß. Elan. Dann Kunsttänie: Soli und Grnppem Imeresiont eine„Lagarterana", von vier Bäuerinnen zum Gesang einer fünf- t-n getanzt. Ein Versager: die„Chocona", denen menuetlarlige (V cmdezzo diesen urwüchsigen Temperamenten widerstrebt. Der Gipsel: eine„Eordoba", der Argemina, in weichen Wellen mit leiie'schmppischcm Ausklingcn. Alles in allem: nichts in die Tiefen Dringendes, tiefstes Gestaltendes. Aber eine Freude für die Sinne. Und ein leichtes leises Mitschwingen der Seelen, das frei- lich bold verebbt. I. S. Die Akademicausskellung in de« Abendstunde« geöffnet. Die Akademie der Künste wird vom Montag, dem S. Dezember, ab ihre Herbswusslellung am Parlier Platz, in deren Mittelpunkt die große 5täthe.Knllwitz.5Zollekt>on steht, täglich bis 20 Uhr geöffnet halten, rnn dar werktätigen Bevölkerung Berlins, die nur in den Abend- stunden frei ist, dezr Beluch der Ausstellung zu ermöglichen. Zugleich ist der Eintrittspreis für den Besuch der Ausstellung in den Abend- stunden von->—8 Uhr. auf 50 Pf. ermäßigt. Iheafer am kvrfirflevbamm Die Premiere v»n.Cheri' mar auf du, S.-',8 Uhr.»ertchoben werden. Die für Sonnabend gelöst-u Karten ssnd um Dienstag gültig. Tie für Sonntag und die übrigen Tage der So.i: gelösten Karten mü'fen umgetauscht werden. fjciatlch vogeler und k-m>,«acttch stellen vom 4— ll. Dezember in Bri* kkrir-Reuter-Alle« lHav« der eimamilienbaus G. m b. ö.) gra- p b j I<5 e Arbeiten au» Seöftnct ist bi« Ausstellung von 16—13 und 14—20, Uhr. Eintritt frei. Die Et'ech-LvlhT iogifche»»ll«bübne verlia» wird am 4., 18 Udr.»m Komädienbau«.©<6 ifb-lierdamm 38, das Luftspiel in 3 Akten von «rlt/ SlalkoH.. D'r Harr Katre'.zu: Aufsüdnmg tri»««'. C:r.. tcütSlchr.b ssnd in bcr KeichäüSsselle, Verün-Tchöneberx. Martm-Luther- etraß«?e lyensstw. StehSan- tntm) 5* haben. Russisches Gesangnisseben. -.. i.. i . Der junge, guigekleidete und gepflegte Mensch, der der Delegation das Gefängnistor öffnete, wurde von den Delegierten anfänglich als der Ditektor der Anstalt beträchtet und als solcher auch begrüßt. Um so größer war das Erstaunen aller Dele- gierten, als sie vom wirklichen Lorsteher des Gesängnisses erfuhren, daß der Pförtner selbst ein Gefangener sei, der zu ein«-- Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt wurde. Im Tifliser Gefängnis find augenblicklich 260 politische u/id 310 kriminelle Perbrecher inhaftiert. Von einem Gefängnis nach beut- ichem Begriff kann hier überhaupt keine Rede sein. Alle Gefangenen, auch di« politischen, werden äußerst bvman behandelt. Sie haben ihre eigenen Theatertlubs, bekommen reich- lich und gute Nahrung, dürfen rauchen und erhalten sogar vom Ge sängnis ein Achtel Pfund Tobak geliefert. Sie können täglich Briese schreiben. Besuche empfangen, und bei besonderen Anlässen erhalten sie, soweit sie sich entsprechend führten, auch Urlauo, um ihre Per wandten aufzusuchen. Die Delegierten hatten Gelegenheit, mit den Gefangenen selbst zu sprechen, und zwar geschah dies im völlig freien Berkehr ohne jegliche Ueberwachung. Den deutschen sozialdemo- kraliichen Delegierten wurde von ihren menschewistischen Freunden ! stäligt, daß sie sich über die Behandlung nicht beklagen können." (Bericht über eine Ruhla ndreis« im kommu- nistischen Klassenkampf", Halle a. d. S.l II. „Di-? Zahl der Opfer des Sowjctterrars hat sich noch um ein Opfer vermehrt: im Werchneuralsker Gefängnis starb der sozial- demokratische Arbeiter Wladimir Lefzinski, der bereits in der ersten Revolution(1905/06) als mutiger Kämpfer sich- ausgezeichnet hat und auch in den Jahren der varaufsolgenden Reaktion und später in der zweiten Revolution unermüdlich an der politischen Aufklärung und an gewerkschaftlicher Organisierung der Arbeitennassen tätig war. In den Jahren 1922- 1923, als der Terrllr der Tscheka gegenüber der Sozialdemokratie besonders er- biltert wurde, gehörte Genosse Lefzinski zu jenen Mutigen, die der Sozialdemokratie die Treue bewahrt haben und die illegale sozialdemokratische Organisation ausbauen halfen. Im Frühjahr 1925 wurde er verhaftet. Noch der Gesang- n i s h a f t folgte Berbannung und wieder Gefängnis. Sein Organismus wurde durch die schweren Entbehrungen erschöpft, ärzttiche Hilfe wurde ihm auch nicht recht- zeitig zuteil. Genosse Lefzinski starb vor kurzem im Gefängnis, jern von der Familie und der Arbeiterbewegung, der fein ganzes Leben gewidmet war. In einem europäisch?» Lande würde Genosse Lefzinski zu denen gehören, die an der Spitze der Arbeiterbewegung sieben, und di« mit Recht den Stolz der Arbciterbewegung bilden: In Rußland dagegen»»iß der sozialdemokratisch? Arbeiter Leszinsti aui der Getangnispritich.' sterben. „Mitteilungsblatt der Russischen Sozial- demokratie", herausgegeben von der Aus- landsvertretung der Sozialdemokratischen Partei Ruhlands. Sein deutsches Theater In Lothringen. In Soorgemünd(an der deutschen Grenze) verbot der Pröfekt in letzter Stund« die Aus- sührung einer Frankfurter Operettentruppe, die schon mehrere Bor- stellungen gegeben hatte. Füller versteckt sich. Der Him-'chninoe-Goimerne'tr Ft.ll-.-r Hai ' stife unter e-vem anaenomnienen Namen zehn T aze-u Pari» ausgeholten. Die Niederlage des RDZ. Ein Trost ist ihnen geblieben: die KPD. Es war vorauszusehen, daß die„Rote Fahne" den AvvgaNg 7> Kampfes in der Zigarrenindustrie zu einer Attacke auf den Deutschem Tobokarbeiterverband benutzen wird. Denn für die Kommun-jiv.i kommt es nicht darauf an-, wie ein Kampf ausgeht, sondern wi? er gegen die Gewerkschaften a u s ge n u g t we r de n kann. Und so schreibt die„Rote Fahne"— als einziges Blast in der gesamten Presse— über die Niederlage des RDZ.:„Ein ungeheuerlicher Betrug an den Tabakarbeitern."'- Da die„Rote Fahne" immer noch als„Arbeite rblätt" gilt, können die Ossizier« a. D.. die im RDZ. das Kommando führen. den Artikel der„Roten Fahne" als Pflaster auf ihre Wundcn legen. Wie sehr es der KPD. vor ollen Dingen darauf ankommt, nickt etwa eine kritiich« llntersuchung des Kampfes und seines Ausgong-s vorzunehmen, sondern entsprechend den Moskauer Parolen auf di-? Gewerkschaften zu schimpfen, geht au? folgendem Satz der-„Roten Fahne" hervor: .Die Erfahrungen, die gerade die Tabakarbeiter mit den Z äh l s ch t u n g s i n st a n z e n in den vielen Jahren der Bei- gangenheit und auch mit d e n j e tz i g e n P c r h 0-n d l u n g e n gemacht Habeis. zeigen ihnen, wie der gesamten Arbetjerschertt, datz mit allen Mitteln gegen den ganzen Schli.chtyngs> schwinde! anzukompsen sst...: Nun geht aus dem Text des Abkommens hervor,.daß es sie.» nicht um«inen Schiedsspruch und nickt um Verhandlungen vw irgendwelchen Schlichtungsbehörden handelte, sondern um eine Bereinharuvg, die zwischen den beiden Parteien geschlossen wurde. Dann sogt die„Rote Fahne" u. a. noch: „An diesem Derbrechen(damit meint die„Rote Fahne" das Abkommen) wird auch nichts geändert durch die Bestimmung, daß ab 1. Oktober 1928 eine Kommission von drei Uuparteiischk.i entscheiden kann, ob die Lebenshaltungskosten inzwüll,«» ein: Berbreiterung erfahren haben. Denn-selbst wenn diese.„Ilnpor- teüschen" diese Feststellungen im nächsten Oktober mächen.sollte!:, ja ist dann nach gar nicht gesagt, dost dann die Unternehmer auch eine emsprechende Lohnerhöhung geben müssen",) In dem Abkommen aber heißt e? wörtlich:„A u f Antrag einer Tarifvertragsportei kann unter Derücksichtiguu.z der ob 1. März 1928 eintretenden Lohnerhöhung ob 1. Oktober 192-i eine Nachprüfung darüber stattfinden, ob eine wesentlich' Aenderung der Lebenshallungskosieu eingetreten ist, die einen Au:- gleich der Löhne erfordert. Hierüber entscheiden bö n d«» �• noch Anhörung der Parteien, drei Unparteiische, die der Reich:- arbettsministers ernennt." Es heißt-alfo ganz klar, daß die Tarifparteien einen Antrag auf Nachprüfung der Löhne auf Grund der gestiegenen Lebenshaltung: kosten stellen können und daß die Entscheidung der drei Unparteilichen bindend ist. Dos ist also das Gegenteil von d'm, was die„Rot? Fahne" in dos Abkommen hineininterpretieri. Das Abkömmen t'» io klar geioßt. daß auch die Jnierpretirrung der„Roten.-Fahne" den Unternehmern nichts helfen wird. Wir führen dies« Tatsache nur an, um aufzuzeigen, daß cz den Kommunisten gar nicht aus eine sachliche Würdigung des Ergebniis s der Aussperrung ankommt, sondern nur daraui, ihr-? Untätigkeit;i'> Unfähigkeit— die im Kamps der Tabakarbeiter besonders at i fielen— durch Schimpfereien auf die Gewerkichatte zu verdecken. " Schließlich sei noch folgende Feststellung gemacht: Der ZDB. hat ausgesperrt mit de? ausgesprochenen Absicht, den T-adrst orbeiterverband schachmatt zu setzen, Mn die Führung eines stobt kämpfe» im Frühjahr unmöglich zu machen, bei d-nt Titdererosfliun-z der Betrieb?-eine Auswahl unter den Einzustellenden zu machen. Der ZDR. hat- nscht eiNe die'er Absichten verwirklichen lönncu. Er hat im Gegenteil jetzt schon essi Abkommen treffen müssen, daß die Löhne einen Monat vor Ablauf des Tarifvertrages um 12 Prr.z. erhöht, vorbehaltlich einer Nachprüfung ab 1 Oktober.1928. Die Kommunisten sollen einmal aufzeigen, wo und wann sie das Unter- nehmerium ähnlich geschlagen haben! Was aber würde wohl passiert sein, wenn es gestern nickt zum Abschluß gekommen wäre?— Die Unternehmer hätten ihre Betriebe wieder geöffnet. Die Unorganisierten würden wieder zur Arbeit zurückgekehrt sein. Wir haben ein Beispiel dam? gerada aus dem Gießener Bezirk während der Ä'tsspernmg. Die O t a a n i- sierien hätten den Kamps, weitergeführt, vielleicht noch Wochen oder Monate. Glanbt jemand ernsthaft, daß dann das Ergebnis besser gewesen sein würde! Der Kampf ist van den Unternehmern eröffnet worden. Roch am Vorabend der Generalausfperrung erklärten, sie tln Reich-- arbeitsministerium, daß sie„aus arundsötzli-f'en und wirtschaftlichen Gründen" jede Lobnerhöbung ablehnen. Mit dieser Varol?-a-?en sie ins Feld. Die Lohnerböduna, di>? sie noch dreiwöchigem zugest-'hen mußten, beträgt 12 Vroz. Dos ist— was mich- die KPD. zum Trost der Schariniach-'r erfinden mag— eine Niederlage d e r A u s> p e r r e r. Reichsmanteltarif der Straßenbahner. Arbeitszeit« Stunden ohne Nebetzarbeitsn Zwilchen dem Reichsorbeitgebervorband Deutscher Gemeinden und Kounnunolverbände und dem Deutschen Verlebt sbitnd sowie dem Verband der Gemeinde- und Staatcarbeiter ist ein ab 8. No- vember 1927 bis zum 31. Dezember 1928 gültiger R e i ch s m a n t c I- tarif abgeschlossen worden Der Tatis verlängert sich um r t Jahr,«ein er nicht drei Monate vorher gekündigt wird. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit beträgt a ck- t Stunden. Für Vorbereitungs- und Abschlußletitungev. di-? nicht zur Arbeitszeit zu rechnen sind, erhält der Fübrer 10 M-nu- ten, der Schaffner 15 Minuten je Dienstschicht mit dem vollen Arbertsverdienst(ohne Kindet- und Hausstandszuloac) v-r- gütet. Wo bei Abschluß dieses Vertrages eine abweichende Rege- lung der Arbeitszeit bestand, bleibt sie aufrechterhalten, wenn nickt bezirtlich eine andere Regelung vereinbart wird. Die' Arbütszeit darf jedech in keinen, Betriebe länger als neun S nn?• den sein. Für die Arbeitszeit über acht Stunden wird n'-k- wirkend ob 1. Juli ein Z 11 i ch 1 a a von 13 P r 0 z. out den A batlslohn gewährt. Auch iür dienftplan-näßige Nachtarbeit' in der Zeit zwischen 24 und 4 Uhr wird ein Zuschlag von 13 Vroz. ge- wähti. wenn die Arbeitszeit einschließlich des Vorbereiiungs- und Abichbißdienstes mit mit destens zwei Siundc« in diesen Zeitraum 'ällt. Für tseje Arbeit wurde birbet f-m besonderer Zuschlag e-ezahlt. Oer Vertrag sieht weiter die Zahlung des Arbeits- lohne? bei Crfrankungcn. ärztlichen Untersuchungen. Teilnahme an össentlichen Wahlen, bei Verhandlungen vor Reichs-, Landes- oder Gemeindebehörden(ausschließlich d-r Gerichte), bei Ausübung der Tätigkeit als Mitglied einer Prooinzial-. Krrtr- und Geme-ndc- Vertretung, bei Wobmmgrrrch'el t-dr- HochzO de« Arhe-t«"'» und bei E-rbnrtefällen in der e-gen«n.Familie, bei schweren<3 krankungen in der eigenen Familie und beim Tode ivr ssihe'rau. bei Borladung vor Gericht als Zeuge, nach Kündigung des Arbeit?- Verhältnisses zum Aufsuchen einer anderen Arbeitsstelle und bei Verkehrsstörungen. Für welche Zeit der Lohn zu zahlen ist. be- stimmt der Bertrag fe noch der Art der Arboit«ve>föt?mn'-. IVh-r dir Frage des Krankrnlohnes und die temlich-m Schlick- t u n g 5 s nst a n ze n wurde noch- kein« Bsreitii>c>n.'ng gskrosfen. H««-über vsrhiLi�i» Ot.Parteien iu»ch cintuul«im 6. Dezenrbet. Ausdehnung des Eisenbahnerstrsiks Keine Streikbrecher. Dresden. Z Dezember. lÄgenberichl.) Die wudererüffmmg des tlusbeiseruagewerkes. die heute von der Reichsbohndirektiou vorgeuommea wurde, hak für dies« zu ciuem Fiasko geführt. Vau deu mehr als lZ00 Arbeilern de» Werkes haben sich insgesamt 35 zur Arbeit gemeldet, und zwar durchweg alt« Leute, die bei Reinlgungsarbetteu usw. befchäfügk werden. Damit haben die Arbeiter der Rcick�sbahndtreklion eine Antwort erteilt, auf de» Ausspruch:.wer wieder eingestellt wird, darüber bestimmen wir allein." Znegesamt find bis jetzt 2700 Eisenbahner im Streik. Der Streik droht jedoch eine welter« Ausdehnung zu nehme». wenn es nicht heute zu einer Verständigung kommt, dann dürften morgen die velriebsarbeiter von Leipzig und Riesa gleichfall» in den Streik treten. Auch sonst ist eine Verschärfung de» Sampfes uuverm eidlich,«eil jeder versuch der Reichsbahn. Arbeiten anderwärts ausführen zu lasse», zu einer Ausdehnnag de» Kampfes führen muh. Visher verhält sich die Reichsbahndirektlon Dresden vollständig pastiu. Li» harte mittag hat sie nutzer der versuchten wieder- erössuuag de» Ausbesserungswerkes nicht» naternommen, um den Verkehr wieder in Gang zn bringen. Sie hatte keinen Schritt naternommen. um sich mit der Organisation zu verständigen. E» ist hervorzuheben, daß da» Vorgehen der ReichsbahadirekSoo. willkürlich die Gedluge herabzusetzen, ein larisbruch ist. Als die Arbeiter sich gegen diesen larisbruch zur wehr setzte», hat die Reickisbahudirekllon nicht etwa deu versuch gemacht, ihr«aris- brüchiges Verhalten zu rechtfertigen, sondern hat Vlaßrege- laugen vorgenommen. Sie hat so getan, al» existiere der Eiuhellsverband der Eisenbahner nicht,«st dem dw Reich-bahndireMoa im Vertragsverhältul» fleht. Dieses Verhalten hak dem Faß deu Loden ausgeschlagen. In der Rechtspresse wird mitgeteilt, daß gestern beim Ran- gieren von Güterzügen infolge falscher welchenflelluug sich lln- fälle ereigneten, wobei mau durchblicken läßt, als sei«» diese An- fälle nicht unabsichtlich geschehen. Unfälle find kalsSchllch vorgekommen. Die Schuld liegt aber au der ReichsbahndlreMon. dle nuerfahreue Vureaubeamte dazu abkommandiert hat, um die Streikenden za ersetzen. Die Hauptverwaltung greift ein. Verhandlungen für Berlin. Die R-ichsbahngefellschast teil» in», daß in de? Stadl Dresden 29 Proz. der Betriebs- und Verkehrsarbeiler. IJOO Wann, im Streik stehen und außerdem 500 Mann aus der Strecke außerhalb Dresden». Der Personenverkehr habe nennenswerte Verspätungen nicht erlitten. Zw Güterverkehr sei es einigermaßen mögllch gewesen, die Arbeil zn bewalkige«. immerhin wußte«ine Rückhollsperre ans den um- liegenden Stationen eingeführt werden, die jedoch heute msttag auf- gehoben worden sei. s?) Die Resthsbahngesellschast hat zwei Kommissare der Hauptverwaltung heute mittag noch Dresden geschickt und betont, daß sie den willen haben. den Streik belzulegeo. Die Verhandlungen über örtliche Lohnzulagen bei der Reich»- bahn für diejenige« Orte, wo die Löhne der Eisenbahuarbeiter ge- rluger find al» l» deu vergleichbaren Industrien, werden am kommen- den Montag wieder aufgenommen. Diese Verhandlungen beziehen sich in erster Linie auch aus V e r l i u. Arbeiiszett und Löhne im Einzelhandels. Gehaltsregelvng— Arbeitszeit in der Weihnachtswoche. Die im ZdA. organisierten Angestellten der Fachgruppe Einzel- Handel hörten gestern abend ni den Arminsälen zunächst einen Vcr- trag der Genossin Klara Bohm-Schuch. MdR.. über die Wir,. schaftspolitik des Vürgerbtocks und ihre Folgen für die Arbeitnehmer Ueber die Gehaltspolitik des Einzelhandels re- ferierte die Kollegin Gertrud Ellert. Sekretärin der Fachgruppe Vnzelhandel, wobei sie den treffenden Ausspruch prägt«:„Der Einzelhandel hat Interesse an der Gehaltspolitik der anderen!" Der Einzelhandel ist sich also vollständig darüber vor, daß die Kauf- kraft der großen Mass« gehoben werden müsse. Wenn aber seinen Vertretern gesagt wird, daß schließlich auch die 43 000 im Berliner Einzelhandel tätigen Angestellten als Der- braucher in» Gewicht fallen, dann suchen sich dieselben Herren hinter der Ausflucht zu verschanzen, daß im Einzechandel„muster- gültige Gehälter" gezahlt würden, und die gegen End« eines jeden Lahre» vorübergehend austretenden Preiserhöhungen kein Grund seien,«in« Steigerung der Gehälter eintreten zu lassen. Die etwas abweichend« Meinung der Angestellten über dies« Frag« kam in einer, nach kurzer Diskussion einstimmig ange- nommenen Entschließung zum Ausdruck; in der unter anderem gesagt wich: „Die am l. Dezember 1027 in den Arminsälen versammelten An- gestellten des Berliner Einzelhandels anerkennen die bisherigen Be- mühungen des AdA. um eine Neuregelung der durch die wirstchait- lichen Veränderungen der letzten Monate überholten Gehälter. Sie bedauern die unsoziale Stellungnahme der Ar- bei ige der des Einzelhandel» und erblicken in der bisherigen Ablehnung jeder Verhandlung den Ausdruck der Miß- achtung gegenüber der eigenen Angestelltenschast. Der Zentralverband der Angestellten erhält erneut den Auftrag. an die Einzelhandelsacheitgeber heranzutreten und all« zweckdien« lichen Schritte zu unternehmen, die ein« baldige Heraufsetzung der Gshälter herbeiführen tonnen." In einer Zweiten Entschließung widersprechen d>e Angestellten des Berliner Einzelhandels dein Antrag« der Industrie- und Handelskonnner, in der BorweihnachtSwoche die Ladenzeit bis 8 Uhr abends zu verlängern. Eine Verlängerung der Ladenzeit dient nicht der großen Masse des Publikums, dessen Kaustraft ohnehin durch die von Industrie und Handel be- trieben« Tarifpolitik unter ein oostswirtfchaftlich wünschenswertes Niveau gedrückt ist. Die Dersammelten richten im Namen vieler Tausender Kollo- ginnen und Kollegen an den Herrn Polizeipräsidenten von Berlin den Wunsch, dem Antrag« der Industrie- und Handelskammer nicht stattzugeben und die Oiseri- Haltung der Läden an den letzten zwei Sonntagen vor Weihnachten ebenfalls abzulehnen. Oer Gchilderanmacherstreik beendet. Nach fünfwöchiger Dauer hat der Streik der Schilderanmocher und Helfer am gestrigen Tage seinen Abschluß gefunden. Dia Arbeit ist heute, Freitag früh, in allen Betrieben zu den taris- lichen Bedingungen aufgenommen worden. Gesperrte Gastwirksbetrlebe. Wegen Tarifbruchs und Nichtbenutzung de» öffentlichen Arbeitsnach- weises weichen hierdurch folgende Gastwirtsbet riebe für die Mitglieder unseres Verbandes gesperrt. Norden: Nestaurant Fritz Marcka. Ehausseestr. 2; Moktadiele. Inh. Petrick, Reue Königstr. 4: Münzglock«. Inh. Döbler. Münzstraße. Osten, Lichtenberg: Casö Leitmeier. Frankfurter Alle«, Ecke Petersdurger Str. Casi Komet, Inh. Hofsmann. Warschauer Str. 33: Cafe Höferl. Gr. Frankfurter Str. 36 (Strausberger Platz): Dampfer der Reedereien Nobi- l i n g und Stern A.-G. Süden, Neukölln: Casä Ja- g« n b u r g, Hasenheide: O r p h« u m, Inh. Oehlke, Hosenheide: Zum H-idereiter, Inh. Pfund. Hosenheide, Ecke Comphousen. straße. Germaniapalast, Belle-Alliance-Str. 7-10. Vier- haus a. Moritzplatz und Cafe, E. Schubert. Wilmersdorf: Vittoriasäle. Wilhelmsaue. Friedrichshagen: Gesell- schaftshaus, Inh. Ww. Schröder: St. Hubertus, Inh. Maus: Cafe Mignon, Friedrichstraße: Restaurant Büttner, Fried- richstraße. Die Differenzen mit dem Lokal»Zinn Schuliheiß» Patzenhofer", Kottbusi» Damm 62. Inh. Kremzow, wurden bei- gelegt. Die Sperre ist aufgehoben. Zentroloerband der Hotel-, Restaurant- und EafÄrng«stellten. Die Spartasse der Lank der Arbeiter. Angestellten und Beamte» v..G„ verlin. Wallstr. 65. ist täolich mit Ausnahme von Sonnabend »on v— 3 Uhr und 4— 6 Uhr. Eonnobend» von 9—1 Uhr geöffnet. Peranlwortlich lilr Politik: D:»»et»««tr: Wirtschaft: 9.»lt»a»ldllcrl Scwttkschaft-bewegvna: Fr. Etzk-r»! Feuilleton I A. H. Töschee: Lokales und Sonstiges: z,i» Aaestäb«!■anjetner.; r».«lutc; samtlich in Berlin Setlao: Borwärts-Perlog® rn b ö.. Kerlin Druck: Borwärto-Buchdruckere« und Bcrlagzanstalt Paul Singer» Co Berlin SA«S, LlNbcnftraii« st Hierin t Beilage ub.Technik-. KINO- TAFEL Programm für die Zeit vom 2. bis 3. Dezember BTL Potsdamer StraBe 38 Chang und Alaska» wsiQe Wonderwelt Für Jugendliebe freigegeben. TurmstraBe 13 Atta.Nielsen in: Das geföJirlicbe Alter und Ramme platz..Wildwest" Rheinstraße 14 Die berühmte Frau dazu:§ 182 Minderjährig. 6 Akte Odeon, Potsdamer Str. 75 Pai und Palachon auf dem Pulverfaß Für Jugendliebe freigegeben. Aiexanderslr�O*�»») Basier Keaton. der Student dazu; Zirkuszauber, SnutltotUs h I Uta llWtllwWiMM Allee 48 WoG&cncndzanbcr Ferner: Bübneoschaa. MMMMUMMSS Uoot aibsoa in Dw lodesritt von Linie lüg Bant Auf der Bühne; Barlin ohne Hemd Pimn-UitiiiMi.s�viS Die bcriUimle Frau Ferner: BObneaeobaa. RltHatelllaiBfflenaie™""' I Streite 1.4 Wochenend zaaber ood das große Beiprogramm Mia-Palan.AoMrM WütliNWlIMlilWlIil Im Beipf��ranim;■ Hoot Gibaon oad Bdhnanfchaa| Zum Kampf gegen das»eichsfchvlgeftt I e m»kehle t, e«l«rtO e«at| Sirchenschule oder Volksschule N-ewnten 4 Salt Oer Leidensweg des �eichsfchulgefetze- ( Adeteeltr« 18» Sm* 3u belieben durch: g.H. B Siek Ztschi».«.b. H. Lindenftr 3 und allen Ausgab-' stellen be».Borwdrts'. Seweaero Ado» Pohl OroRdonoe SteNSo 99 fFebrlRgebstude) 1 Friseb u eschlacht. Jange, prachtrolle Ganse 1.10 einzig i.Oeschmack 9 blas 4 Pfd. schwer, Wegaer. Berlin SO MariannenstraBe 34 Im Gänsekellcr. o« tfuie KapMfin- Kaulaba»?ÄS!,r C. Höcker, Berlin Uchienberger SnaOe 22. Kgat. 3861 Fleisch- und Wurslwaren-Verkauf Buiig nad dw Thacrslr. 40 t>11"*'"J ltai geöffnet von 8-3 Uhr. Freitags und Sonnabends 8— 7 Uhr Schönhauser Allee 33 fi�uhr ©Lungenkranke! sZh Täuscht Such aichi! V vi« voenlsM»: chUste». NaStschwelb, Sieche» Ufa», bnlbcn Maa eetbfHdaMaag,»eiMullHee«emal eog»«» ist rebcabe chttf«..NYMPHOSAN-»ringt dies, Silse.«enh, bia che aererban, bsi-ugeu«es»arch«aöflbrtlcht«af. -«taa. Uebeer-i««»» ist Ml arfclchlenn«, Ma Isfort eis- bist perle ber Zi-fch, 24. 8.50. veruteutead iL-M. OrMitBc» ia sie-«Aelbeha brttmml pesti�g-aZiftorsa�lpochefe, SerNu N, Nettastr-ge% aSftted r-------——*-------- «v-thefe.: «llldnberfftller; Zlympbesen.«..«. Münche» 38.C. Wettannahme des Union-Klubs Berlin NW 7, Schadowstraßo 8, part Volia Totallsatorquota ohne flbguq Waltbestimmungen aut Wunsch kestenlos.— PostauHräge und Anträge auf kostenlose Einrichtung von Konten nur an die Zentrale SchadowstraBe 8. Tel.'Adr.: Weltannohme Berlin Sthedowahafee S. Schaufenster-Tapete! Alle Eigenmuster ohne Zwischenhandel Sanislsdic Tapefen-Industrir, Jerlla W., Wlihelrastr. 44. zwischen Leipziger u. Zlmmersir ��1 Siaddah Bcrlin/Ivcipxigerstr.l22-123 Nr. A70» 44. Iahrgaug Freitag, 2, Dezember 1927 Er hat sie beide erschlagen! Geständnis des Ooppelmörders.— Weit er die Miete bezahlen und trinken wollte. Die beiden furchtbare« Bluttaten im Südosten Berlins, In der Grünauer und Schleslschen Straße, habe« Ichnekl ihre Aufklärung gesunden. Wie die Kriminalpolizei bereits vermutete. hat sich der gestern in der Angelegenheit des Blordübcrsalles in der Schlesische« Straße verhastete Schlosser August Krause auch als der Mörder des Gastwirts Rogowski heraus- gesiellt. Er hat also an drei auseiuandersolgcnden Tagen zwei Menschen aus die brutalste Meise erschlagen. Krause hat beide Taten eingestanden. Durch ermittelte Zeugen waren die Kriminalbeamten auf einen Mnächst unbekannten Man» mit emem auffallenden schwarzen Schnurrbart aufmerksam gemacht worden, der des Mordes an dem Gastwirt Rogowski in der Grünauer Straße drin- gend verdächtig war. Sie hatten ihn bereits festgenommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht, als dort die Meldung von dem neuen Nerbrechen in der Schlesische» Straße cutlief. Hier war ja der Täter bekannt und nun ergab sich, daß krause auch der wegen des Mordes an Rogowski gesuchte Mann war. Die Kommissare nahmen ihn ins Verhör, er leugnete aber hartnäckig jede Teilnahme an einem der beiden Derbrechen. Den Schankwirt Rogowski wollte er überhaupt nicht kennen. Er erzählt«, daß er dessen Wirtschast nur zwei- oder dreimal besucht habe, weil es dort einen besseren Korn gebe als anderswo. Jedesmal habe er nur die Wirtin ongetrosfen und geglaubt, daß es eine Witwe sei. An seiner Täterschaft in der Schlesischen Straße war von vornherein gar nicht zu zweifeln. Trotz- dem bechauptete.Krause, auch oon diesem Verbrechen gar nichts zu wissen. 23 l u t f p u r e n an seiner Kleidung und an seinen Händen wollte er damit erklären, daß er Nasenbluten gehabt hahß und auch an Darmblutungen leide. Für die kritische Zest, in der dos Berti rechen in der Schlesische» Straße verübt wurde, bot Krause nach einander drei A l i b i b e w e i s e an, die durch die Nachprüfung sofort widerlegt wurden. Trotz alledem blieb er auch hier dabei, von nichts zu wissen. Eine langstielige Axt. die der Mörder in der Rackowjchen Küche zurückgelassen hatte, wollte er als sein Eigentum nicht anerkennen. Wie der Gerichtsarzt Dr. Weimonn feststellte, klebten an diesem Beil älteres Blut und Gehirn- n, a s s e. Es war also zweifellos nicht nur zu dem neuen Verbrech«» benutzt worden. Das Verhör dehnte sich bis 2 Uhr nachts aus, ohne haß ein Geständnis erzielt worden war. Dann erst kam Krause unter der erdrückenden Last des Beweismaterials zu der Uebcr- zeugung, daß es für ihn keinen Ausweg mehr gäbe. Er ränwke beide verbrechen ein. Um sich aus irgendein« Weise Geld zu verschofsen. weil er di« Miele bezahlen mußte und Schnaps trinken wollte, ging er mit einer lang. stleligen Axt ausgerüstet aus feiner fchmohigen Wohnküche in der Relchenberger Str. 63A weg, in der Absicht..Irgendeine Gelegenheit zu suchen". Die Axt trug er i» einem Sack bei sich. Nachdem er eine Weile In der Grünauer Straße auf und ob gegongen war, siel ihm die Gostwitrschaft ein. in der er die Frau allein glaubte. Er trat ein, stieß nun aber unerwartet aus den Mann. Er trank langsam ein Glas Bier und«inen Korn, sah, daß niemand weiter kam und faßte jetzt den Plan, über den Wirt herzufallen. Er bestellte noch ei» Glas Bier und einen zweiten Korn, trat an die Theke heran, nahm heimlich die Zlxt aus dem Sack und schlug mit ungeheurer Wucht auf den Wirt ein. Nachdem der Mann zusammengebrochen war. raffte er den Inhalt aus der Kasf«, ohne zu wissen, wieviel es war, wischte sich mit dem Sack das Blut vom Gesicht und den Händen, steckte das Beil wieder hinein und ging weg, nach dem Koftbusier Ufer zu. Aus diesem Weg« sah ihn eine Zeugin, die ihn aber nicht beschreiben konnte. Mft der geringen Beute ging der Mörder gleich noch Hause und legt« sich hin. lieber 8 Uhr durste er nicht wegbleiben, weil er keinen Hausschlüssel besaß. Das geraubte Geld war am nächsten Tage schon verbrauch». Krause besuchte seine Mutter, borgte sich von ihr 3 M. und bettelte dann noch etwas zu- sammen. Am Donnerstag vormittag kaufte er sich einen Liter Spiritus, trank ihn zu Hause aus und ging dann ans einen neuen Raub ans. Daß er mft Ueberlegung handelte, geht daraus hervor, daß er jetzt die Axt mft braunem Papier umhüllte und ver- schnürte. Den blutigen Sack hafte er bei der Rückkehr in die Wnh- nung verbrannt. Während er durch die Straßen ging, siel ihm das Ehepaar Rackow ein. dos er kannte. Als Frau Rackow bei seinem Angriff um Hilfe rief, sah er seinen Plan vereitelt, schlug nun aus Wut ans de« Mann ein. warf die Axt in die Küche und lief davon, ohne etwas erbeutet zu haben. Die Umhüllung der Axt erklärt es, daß an ihr nur ältere Spuren gefunden wurden. Bon dem neuen Ueberfall wies nur die Hülle die frischen Blutspurcn auf. Auch Krauses Hände zeigten noch frische Spuren. Krause, der im Laufe des heutigen Tages noch weiter ver- hört werden wird, ist ein großer breitschultriger, stiernackiger Mensch, der seit dem III. November keine regelmäßige Zlrbcit hat und dem Trunk ergeben ist. Das Martyrium der Sechzehnjährigen. Gefängnis für das Ehepaar Land. Das Ehepaar Nudolf und Mari« Land. Inhaber eines Zigorrenladens in der Rcichenberger Straße, steht heute vor dem Richter. Im Juli d. I. muhte die Verhandlung vertagt werden. Sonitätsvat Dr. Leppmann hafte seinerzeft den Auftrag er- hallen, di« beiden Angeklagten auf ihr«n Geisteszustand und di« Hauptbelastungszeugin S i r k s auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Es lag de? Derdacht amr. daß di« Mißhandlung«« sexuelle Hinter- gründe hoben. Der Prozeß findet heute unter Ausschluß der Oesfentlichkeit statt. Wieder entrollt sich im Gerichtssaol da? Martyrium der sech- zehnjährige« Hedwig Sch. Aus dem Richtertisch liegt die Hund«» peitsche, dos Marteriirstrumcnt. mft dem die Angeklagte die Tochter ihrer Schwester mißhandelt hat. Die Angeklagt«. Frau Land, weint mehr als sie erzählt. Sie bestreitet nicht, ihre Nichte wegen ihrer Unsauberkeit, Liederlichkeit und Faulheit mft der Hunde- peftscke gezüchtigt zu haben. 2luch der Ehemann Land bestreitet: er will die Hundepeitsche zur Züchtigung des Kindes nicht gebraucht haben. Die kleine Hedwig, ein nettes Kind, das anscheinend in der Entwicklung zurückgeblieben ist. wird vom Richter aus ihr Zeugnisverweigerungsrecht auimerlsom gemacht: sie will aussagen. Dann müsse sie aber die volle 2Lahrhcit sagen, ermahnt sie der Richter. Hedwig tut es ab«r zweifellos nicht. Rur schüchtern gibt sie Totsachen bekannt und behält doch noch vieles fiir sich. Im Oktober 1925 kam sie zur Tante als Haustochter. Früher war schon ihre Schwester hier gewesen. Im Amcng ging olles gut. Im Sommer ober, nach der Krankheit ihrer Tante, begannen die Mißhandlungen. Ws die Fürsorgedome vom Jugendamt sie ausgesrogl hat, fürchtete sie sich, die Wahrheft zu sagen. Die Tonte hatte ihr gedroht, daß sie wegen ihrer Unlauberkeft in die Erziehungsanstall käme. Ja, mit der Hundepeitsche sei sie wohl geschlagen worden, und zwar einmal aus den nackten Körper. Das war damals, als der Onkel ihr das Hemd vom Leibe herunterriß, weil es schmutzig und zerrissen war. Auch hat die Tante ihr«in andcresmal derart gegen das Schienbein getreten, daß Hautabschürfungen entstanden. Auch der Onkel hat sie einmal an den Haaren ge- zerrt Ausgang habe sie nicht gehcbt,„damit sie sich mit den Männern nicht herumtreibe," hatte die Tante gesagt. Zu Pfingsten sei sie tatsächlich eingesperrt gewesen. Sonst habe sie aber zum Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke bekommen, auch ab und zu Schokolade, auch mit dem kleinen Vefter habe sie sich gut vertragen und die Tante habe auch freundlich zu ihr sein können. Wenn man die Aussagen der Kleinen hört, könnte man beinah« glauben, daß die Behandlung, di« ihr zuteil wurde, tatsächlich nickt so schlimm gewesen sein kann. Als ober der Verteidiger sie srogt. ob sie jetzt noch zur Tante zurückkehren würde, sagt sie nein. Ein ganz anderes Bild erhall man aber bei der Aussage der Hauptbelastungszeugin Sicks. Sie ist es auch gewesen, die schließlich zum Jugendamt gegongen war und hier wegen der tag- täglichen Mißhandlungen der Kleinen Anzeige erstattet hat. Sie mar Untermieterin bei Land und will auch immer wieder versucht haben, dos Ehepaar zu veranlassen, mft den Mißhandlungen cnd- lich einmal Schluß zu machen und das Kind zur Mutter zurück- zuschicken. Ihre Vorstellungen hätten aber nichts genutzt. Und so sei sie Zeuge des unerträglichen Martyriums der Kleinen gewesen, das sie im einzelnen schildert. Sanitätsrat Dr: Leppmann erklärt, daß die Angeklagten an einer schweren organische n Nervenerkrankung geliften haben und deshalb als vermindert zurechnungsfähig zu betrachten seien. Ihre Handlungen trügen zweifelsohne einen sadi- ftischen Einschlag. Die kleine Hedwig sei«in geistig und körperlich zurückgebliebenes Kind. Ihre mangelhaften Leistungen mußten aus ein« Frau wie die Angeklagte besonders auireizend wirken. Die Zeugin Sirks n«ige zu Uebertreibungen und daher kann nicht ein jedes Wort von ihr aus die Goldwage gelegt werden. Der Staatsanwalt lich darauf die Anklage wegen Mißhandlung fallen und beantragte gegen den Anacklagte» wegen Körper- Verletzung lIX) M. und wegen Freiheitsberaubung In zwei Fällen je 31» M.: gegen d>e Angellagte Frau Land wegen Körper- nerlcf'ing 3I»0 M. und wegen Freiheitsberaubung 40 M. Geld- " n Das Gericht folgte nicht den milden Anträgen des Amtsan- walts und verurteilte wegen Körperverletzung den Angeklagten Land zu vier Monaten und die Frau Land zu sechs Mo- naten Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß selbst unter Beachtung des krankhaften Zustandes der Angeklagten ihr Verhalten gegenüber der Hedwig Schar nicht leicht zu nehmen sei. Die Mißhandelte habe zweifelsohne seelisch Schaden nehmen müsien. Chlor im Trinkwasser. Die Gefahren der Oberffächeatrintv�agerversorguna. Die Groß-Berliner Bevölkerung ist'rn dieser 2Boche in d«r Innenstadt ebenso wie in den östlichen und nördlichen dicht- bevölkerten Bezirken von der unangenehmen Tatsache überrascht. worden, daß das Trinkwasser«inen so aufdringlichen Chlorgeschmack aufwies, daß man vielfach darauf verzichtete, das widerlich schmeckende Getränk zu genießen. Bielfach erregte auch der Umstand, daß das Leitungswasser einen..Karbolgeruch" hafte, allerlei Gerüchte, die glücklicherweise nicht zutrafen. Tat- sächlich lag ein Fehler in der Chloranlage des Pumpwerkes Müggel- f«? vor. wo durch einen noch näher zu klärenden Umstand über. groß« Meng«» d«s Desinfektionsmittels in die Anlage gekommen waren. Dieser Borfall gibt zu der Frage Anlaß, od die Stadt Berlin nicht endlich von dem System der wenn auch nur teilweisen Der- sorgung Groß-'L«rlins mit Oberflächenwasser abgehen soll. Im Krieg« hatte die Stadt, als Kräfte zirm Bau von Tiefbrunnen- anlagen fehlten, von den zuständigen Ministerien das Recht er- halten, aus dem Müggelsee täglich bis 175 000 Kubikmeter Wasser zu entnehmen. 1925 war diese Kriegsnotmaßnahme zeitlich abgelaufen, und unverftändlicherweisc verlänqerten die zuständigen Be- Horden die Frist abermals um 3 Jahre, obwohl namhafte Gelehrt«, dar- unter auch Professoren der Universität Berlin, auf die erheblichen Nachteile der Oberflächen wasscrversorguirg hinwiesen. Jetzt, nach- dem die Gründe fortfallen, die damals zur Genehmigung der Wasserentnahme aus dem Müggelsee sührten, ist ober zu verlangen, daß die Konzession für die Stadt nicht abermals verlängert wird. Denn das aus dem Müggelsee entnommene»Wasser ist zum Unterschied von dem absolut reinen Grundwasser mit orpamschen Stoffen und Bakterien gesättigt, die lediglich durcy Zusatz oon Chlor unschädlich gemocht werden können. Täglich muß durch beamtete Chemiker der Bakteriengehalt des Müggeljeewalsers fest- gestellt werden, und dementsprechend wird die Dosierung des Chlors aeregeft. das durch Apparate automatisch dem für die Biermillionen- stadt bestimmten Trinkwasser beigefügt wird. Diese Maßnahme wird oon der Wissenschaft keineswegs als ideal bezeichnet, denn selbst- verständlich kann bei dieser Desinsektionsmethod« sehr leickt der eine oder andere Fehler«intreten, und wi« in den letzten Tagen eine pr große Menge Chlor dem Trinkwasser beigefügt wurde, kann ebenso gut zu einem kritischen Zeitpunkt die Dosis einmal zu gering aus- fallen, wie bei plötzlich einset-endem Gewitterregen, bei unvermuteter Schneeschmelze, bei Hochwasser usw. Ist aus diesen od«» anderen zufällig«» Gründen der Chlor,»satz zu gering, so können Krank- beftskeime in da» Leitungsnetz Berlins gelangen. Hier sollten die Spuren Hannovers schrecken. Autounglück in Friedenau. Auf dem Südwestkorso in Friedenau ereignete sich gestern nacht gegen 3 Uhr ein folgenschweres Autounglück. Der Führer einer mit drei Personen besetzten Kraftdroschke verlor an der Kreuzung Rastetterstraße die Herrschost über seinen Wagen, geriet dabei aus den B 0 r g e r st« i q und fuhr mit großer Wucht gegen«inen Baum. Der Anprall erfolgte mft solcher Ge- wall, dos die Kraftdroschke völlig zertrümmer t. wurde. Die Insassen zogen sich s ch w c r e A e r l e tz u n g c n zu und mußten von der alarmierten Feuerwehr unter den Trümmern hervorgezogen werden. Der Führer blieb wie durch ein Wunder völlig unverletz! Die Schwerverletzicn, ein Dr. Sch. aus der Mittclstroßc 3 9 in Steglitz,«in Fräulein Elisabeth G. aus der Werder Str. in Dahlem und eine Frau Helene H. aus der Stabenrouch- st r o ß e in Friedenau wurden durch die Feuerwehr in das Wilmersdvrfer Krankenhaus in der Achenbachstraß« übergeführt. Tragödie im Hotel. Schon lange ohne Arbeit... Em unbekannter Mann versuchte im G i s t r a u s ch seinem Lebe» durch Erhängen ein Ende zu machen. Er kehrte gestern abe.ro in einem Hotel in der Ebaussoestraße ein. Er ncnnt« sich„Dr. Gerhard" und erhiell ein Zimmer im 1. Stock. Daß er kein Ge- pack bei sich hatte, erklärte er damit, daß er nur die eine Nacht in Berlin bleiben wobl. Heist? früh aeoen 1 Ilbr wurde ein Gast im Nebenzimmer durch Geräusch geweckt. Er hörte, wle sein Nachbar mft sich selbst sprach. Dann folgten Geräusche, die daraus schließen ließen, daß verschiedene Sachen durrbemandergeworsen wurden. Der Mann benachrichtigte den Wirt. Dieser fand den angeblichen Dr. Gerhard mit einem Handtuch u m den Hals halb be- wußtlos an der Türklinke hängen. Er befreite ihn und die Polizei brachte ihn noch der Rettungsstelle in der Ziegelstraße. Hier erkannt« der Arzt, daß man es mit einem gewohnheits- mäßigen Roufchgifigenleßer zu tun hatte. Der Fremd« hafte keine Papiere bei sich. Er verweigert über seine Person jede 2luskunit. Er sagt nur, daß er schon lange ohne Arbeit sei. sich deshalb dem Rauschgift ergeben habe und sich im Rausch das Leben habe nehmen wallen. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde er nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo er zur Feststellung seiner Person dem Erlennungsdicust zuoesührt werden wird. Auf recht tragische Weise kom gestern der ZSjährige Lehrer Teophil Arndt, der im Hause Schudomastr. 45 zu Neukölln ein möbliertes Zimmer bewohnte, ums Leben. A. hatte am Donners- tag sein Examen bestanden und dies zum Anlaß genommen. mit einigen Freunden eine kleine Feier zu veranstalten, die sich ziemlich lange ausdehnte. Als heute früh die Wirtin ihren Mieter wecken wallte, fand sie ihn in dem w i t Gas angefüllten Zimmer bewußtlos auf. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blie- den leider ohne Erfolg. Nach den kriminolpolizeilichen Unter- suchungen ist Slrndt das Opfer eigener Unvorsichtigkeit ge- worden. Der Hahn der Gaslnmpe war halb aeöfsnet, so daß große Gosmengen ausströmten, die den Tod des Lehrers herbeiiührten. Der republikfeiudliche LeHrmeiftcr. Der Potsdamer Einzclrichtcr hatte sich mit einem nicht alltäglichen Fall von Sachbeschädigung zu beschäsligen. 'Angeklagt war der Bauunternehmer B e q e r t aus Potsdam. Der Zlngeklaate bcsckäftiet in seinem Betrieb über 20 Lehrlinge und etwa 250 2lrbeiter, denen er das Tragen jeglicher Parteiabzeichen aus seinem Fabrikgrundstück verboten hat. Am 12. August kam sein Lehrling T ö p e l nach Geichäftsschluß aus den Hof. um sich seinen Lohn zu holen. Am Fahrrad führte der Lehrling einen Wimpel in den Reichsfarben. Der Angeklagte fragt«: „Nanu, was ist denn das?" und schnittden Wimpcl vom Rade ab. Der Angeklagte rechtfertigt« sein Vorgehen damit, daß er über seine Lehrlinge aus dem Lehrvertrag mich„väterliche Rechte" habe, und außerdem gestatte nicht einmal der preußische Unterrichtsminister das Tragen der Parteiabzeichen In den Schulen. Der Amtsanwall sprach nichts von Verunglimpfung der Reiche- färben. Er beantragte nur drei Mark wegen Sachbc- j ch ä d i g u n g, und das Urteil des Potsdamer Cin.zelrichters erging auch demgemäß. „Bortemhzeick'en" sind also nach diesem Botsdomer Richter, wenn einer ein Fähnlein in den Reichssartreir mit seinem Rade spazieren führt. In Potsdam, sicher ein fluchwürdiges- Verbrechen. Um die Daüerkldlngärtm. Der von der Fiadtverordnetenver- sammlung«ingesetzte Ausschuß zur Barberatunq des Magistrats- entwuris über die„Ausweisung"(d. h. etwa Festsetzung) von Helm» stäften-Gartengebieten und Dauerkleingärten hat heute seine Arbeiten beendet. Die Borlage wird die Stadtverordnetenversammlung vor- aussichtlkch am 13. und 15. Dezember beschäftigen. Das Code des Luslsahrerdanks. Das Kankursverfchren über das Vermögen der Firma Luftfahrerdank G. in. b. H., Charlotte«- dura. Rankest?. 34, ist nacd ein-r Mitteilung im..Reichsanzeiger" eingestellt worden,„da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Mass« nicht vorhanden ist". Sport. Aftd Gormann in der Hasenheide. Der gestrige Kampfabend des„Ständigen Boxringes" in dar Hasenheide zeigte wieder einmal, daß die Veranstalter sich schon ein« große Stammgemein.de geschaffen hoben. Trotz des gestrigen Großkampsabends im Sportpalast, war der Saal m der Hasenheid« dicht besetzt. Sportlich brachte der Abend als wesemlichste Cr- icheinung das erste össenftich« Auftreten de» amenkamschen Schwer- gewichfters Bich Gorma», der in einem Schaukamps je eine Rund« gegen Dieckmann, Walter, Vongehr undSicvert absolvierte.— Eine Ueberraschung brachte der Punktsieg des Hamburger Weltergewichtlers Riete über Waller Funke, Berlin. In der dritten Runde mußt« Funke sogar bis aus 3 den Boden aussuchen. Ricke zeigte sich als geschickter und hartschlagcnder Kämpser.— Der Examateur K n ö p n a d e l. der gestern seinen zweiten Kamps als Profi austrug, zwang Such, Königsberg, in der sechsten iHunde zur Ausgabe. Knöpncdcl mußte in der ersten Runde.zweimal die Bretter aussuchen, sein« große Härte rettete ihn jedoch. Er wuchs dann von Runde zu Runde, bis Ringrichter Samson Körner wegen zu großer U eberlegen helt Knöpnadels den Kampf zu dessen Gunsten abbrach. Zu einer Boxhumorcske gestallete sich das Tressen Seidel, gegen Edie H u el je b u s, Bremen, im Halbschwergewicht. Seidel, ein großer Nehmer. der furchtbare Brocken einstecken mußte, schaffte mit seinem eigentümlichen Kampistil jo komische Situationen, daß sich dos Publikum wiederholt vor Lachen bog. Endlich in fünf Runden machten die Sekunden Seidels, der vorher mehr- mals zu Boden mußte, der Grotesk« ein Ende und warfen das Handtuch.— Im Schlußkompf trennten sich Rappel, Herne, und Kruse, Hamburg, unentschieden. Ein Test der Hauptaktcure des heutigen Sportpalastkampsabends wurden im Ring vorgestellt. So Domgörgen. Gipsy Daniels, Frbregues Lepesant und Kid Nitro m. Der französische Meister, der Domgörgcn eimnal so groß schlagen konnte, fand außerordentlillzen Beifall. (Schluß des redaktionellen Teils.) Z« vfte» Berlin» fleht es von Mund zu Mund, daß die tZirma Soll.DvMn seit Zohrzihnien durch eigene gnbeikation stet» in der Lnze war, direkt an die .Derbraucher" xrima üualitätsware bei niedrigster Pre>»derechnung zu v«i kaufen. Stach dem chruntiast:„ckroßfabrikatlon. Dicsenumsotz— Neiner Nutzen!" Zede Hausfrau und Afiufer dürfte deshalb bei Woll.Dnllin. ffrankfnrter Mle« I». direkt am Rtngdahnhoi grankfurier Allee, zum Wcihuachtsfest da« Richtige finden.(Eiche die grcitaflsinferatcO .Bs» Brvdnjtntcn dnrch Srohlabrilation direkt zum Derbrauche-," da» ist das Prinz!? der Echirmindril(lherdran.„Warle tZaidsiegcl.Schirm". Srnn Weihnachtkfest bringt diele girmo in ihren Verraufsfiltalen wieder di- neuesten Erzeugnisse in modernster Ausführung und in allerbeste» vuaritätcn ju ausser- ordentlich billigen Preisen, fo dass e» in jedermann» gntercssc liegt, die Au. geböte»u prüfen. Man beachte da» Inserat in der heutigen Nummer. Zum?rnhst>i 0.50 3.9 J mit Stickerei Ä'ck. 1.95 Berraj-HrajeD fS BerreD-FüHiile 0.95 1.95 Mtr. 1.35 D2!D.-HleiilerstotIiM,Mm0.85 Wollpopelioe w�Tmu; 1.95 Recktsrat? i [in lechtsfreundl OaiDeD-Kleiflerstor""1 rauchst Du Geh zum Die groBa Rechtsauskunftei. Prozeß-Zentrale. Berlin, Fried richslr. 127(Oranlenbg. Tor). Spredist 9— 7, Sonnt 10-1, Fachjuristen. MSB. Honorar, hiooo Ratsuch Norden 2553 MllilClSpeidier Bädsfr« 31|j\ 1. m: Sehenswerte SDieiwaren-Aüssteilüng 1 1 RilhebeStegl Stets aelcgenheitskBufe SchlafziiDiner, Speisezimmer, Küchen, Einzelmöbel, neu und georaucht. 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Das Kind hat damit über den Wert des Spielzeugs sein Urteil gesprochen! Das Spielzeug hat seinen Zweck, das Kind on� zuregen, ihm geistig und seelisch etwas zu bieten, versehlt. Cs kommt nicht daraus an. kostbares Spielzeug zu kaufen, sondern nur gutes, für den Spielbetrieb des Kindes brauchbares. Hierbei rpöge noch eines tief eingefleischten Vorurteiles gedacht werdetz, der Ansicht, dotz technisches Spielzeug und Hondwerksgeräte nur Ding« für Knaben, nicht aber für Mädchen seien. Solch« Ansicht mochte für eine Zeit Geltung haben, die der Frau nur den Kochtopf zu- weisen� wollte. Heut« aber stehen Mädchen und Frauen Schulter an Schulter mit dem Mann in der Fabrik. Wir hoben weiblich« Chemiker. Architekten und Ingenieur«. Mädchen lernen Berufe, wie Tischler und Schlosser. Aber auch im Haushalt gibt es vieles, was die Frau, die technisches Verständnis hat, mit Leichtigkeit selbst er- ledigen kann, ohne des Mannes Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Hat ein Mädchen Interesse für Technik, so soll man es fördern: es wird ihm im Leben nur nützen! In vielen Kreisen, insbesondere unter Akademikern, trifft man leider vielsach eine Unbeholsenheit in technischen Angelegenheiten, die kaum zu übertreffen ist. Hier wurde meist schon dem Kinde das Basteln, dir spielerilche Beschäftigung mit der Technik t>erwehrt. Wenn diese Menschen dann qrotz geworden sind, flüchten sie sich meist in eine üb«l angebrachte lieber- heblichkeit hinein, die im Ingenieur einen„besseren Schlosser' sehen will und im Handwerker einen Menschen zweiter Ordnung sieht. Wir haben es hier mit einem durch Hochmut mühsam oerdeckten Minderwertigkeitsgefühl zu hin. dessen Wurzeln' in die Jugend zurückgehen. Technik und Jugend gehören zusammen! Unsere Jugend über- nimmt das Erbe der heutigen Technik. Sie hat es zu verwalten und auszubauen. Dazu kann jeder an seinem Platze mitwirken Aus dem jugendlichen Spiel aber fließen die Quellen, die den tech- nischen Fortschritt speisen. 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