Nr. Erscheint täglich»Uber Montags. Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.go Mark, monotiich >,10 Mk., wöchentlich 2S Psg. frei in's Haus. Einzelne Nummer - Psg. Sonntags-Nummer mit illnstr. Sonntags-Beilage„Neue Well" 10 Psg. Post-Abonnement i Z,! o Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn Z M., für das übrige Zlusland s Mk. pr. Monat. Etngerr. in der Post- Zeitung«- Preisliste für isss unter Nr. 71«». IS. Jahrg. Jiisertioni-Tebühr beträgt für die fünfgespaltene Petit, eile oder deren Raum ro Ps., für Vereins- und Veriammlungs- Anzeigen-a Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis t Ubr nachmittag« in der Expedition abgegeben wenden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi« s Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1508. Telesramm-Adreff'r: «Kvlialdemoiirat Berlin". Verll«er Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. HLcdetKlion: 8V. 19. Weuth-Straße 2.! SyMltag, den ä?'. Oktober 1893. Spedition: LV. 19. We«th-Maße LDidrrppruLze und Gegensiitze. In diesem Angcnbiick bietet das Deutsche Reich ein lnerkwnrdiges Schauspiel, das von dem Auslande nicht ver- standen werde» kann, und auch von zahlreichen Deutschen nicht verstanden wird. Wir Deutsche sind eben auf politischem Gebiete ni> die tollsten Widersprüche gewöhnt, und was bei andern Völkern unser höchstes Befreniden erregen würde, das merken wir an uns selber kailin oder gar nicht. Wir meinen den scharfen Gegensatz zwischen Süden und Norden, zwischen Osten und Westen. Während im Nordoste» Teutschlands: in Preußen und Sachsen fast alle bürgerlichen und alle sogenannten staats- erhaltenden Elemente mehr und mehr in das Mittelalter zurückdrängen, der Geist des Zweigcstirns Hammer- st ein- Stöcker als echter Reichspfingstgeist über den Mastern schwebt, und Polizei, Staatsanwälte und Richter im Schweiße ihreS Angesichts von morgens früh bis in die späte Nacht hinein sich abplagen, den in der Last herum- flatternden Ideen der Neuzeit Salz auf den Schwailz zn streuen und sie hinter Schloß und Riegel zu bringen— sehen wir, wie in Südwestdeutschland ein gesunder, freihcit- licher Hauch durch das Staatsweseil zieht. In W n r t t e in- b e r g ist die reaktionäre Sippschaft der Konservativen»lid Nationalliberalen bei den letzten Landtagswahlen so gründ- lich geschlagen worden, daß heute die würltembergische Kammer einen bürgerlichen Demokraten zum Präsidenten hat. bayerischen Landtag machen die bürgerlichen Parteien Front gegen den Militarisnius und bureaukratische Verknöcherung und fordern ernstlich die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für den Landtag. Und auch in Baden offenbart sich ein ähnlicher Aufschwung des bürger- lichen Freiheilsgeistes. Wir legen auf diese Erscheinungen kein allzu großes Gewicht— wir wissen, daß in unseren Knliurstaaten— und Deutschland müsten wir doch wohl den Knllnrstaaten beizählen, obgleich dies angesichts dessen, was ini Osten und Norden vor sich geht, sehr schwierig ist— wir wissen, daß in unseren modernen Knltnrstaaten mit der sich immer ver- tiefenden Kluft zwischen Bourgeoisie und Proletariat, die Gründting oder doch B-festignng bürgerlich demokratischer Parteien eine sozialpolitische Unmöglichkeit ist. Immerhin sind diese Lebensregungen des Volksgeistes in Südwest- Deutschland im Gegensatz zu der öden Unfruchtbarkeit und beschränkten Rückwärtserei im Norden und Osten eine hochbedculsame Erscheinung, welche der Zwiespältigkeit des deutschen Staatsivesens entspricht. Der Gegensatz zwischen Nord und Süd, Ost und W-st tritt nicht erst jetzt hervor. Er ist uralt. Er steckt mcht nur in unserem Staatswesen, sondern auch im VolksorganiSnius. Und dieser Gegensatz ist schuld t a an, daß wir so viel später als andere Völker zur nanonalen Einheit gelangt sind, und 10 Ein Vorrnckker. INachbr. verboten. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. Eiskalt durchlief es den Lehrer. Wenn diese Drohung verwirklicht würde, so konnten Folgen eintreten, die er sich kauni auszudenken wagte, und es gab abermals zertrümnierte Hoffnungen auf wer weiß wie lange. Ter Geistliche pflegte mit solchen Worten auch nicht zu spaßen und Gattl, der wie ein Träumender aus dem Zimmer taumelte und zur Treppe steuerte, zweifelte keinen Atigenblick, daß diese An- kündipungen baldigst ausgeführt würden. Er ging in furcht- barer Emgung zu seiner Stabe. Gebückt trat er ein und zündete eine Kerze an. Tann sah er stier um sich. Ein Bett, ein Schrank, ein Stuhl und ein Tisch mit einigen Büchern, das war die ganze Einrichtung. An der kahlen Wand hing in geschnitztem Holzrahmen eine kleine Photographie Anna's neben mehrere» Heiligenbildern. Lange stand der Lehrer in finsterem Brüten auf gleicher Stelle. Er hörte den Geistlichen die morsche Stiege herauf- kommen und zu Bette gehen. Unwillkürlich machte er dabei einen Schritt näher an das Fenster. Dann zogen unten im Dorfe betrnnkene Burschen mit lautem Gejohle durch die Straße, langsam verloren sie sich in der Ferne. Wieder regte sich's nirgends im ganzen Hause und im grabes- stillen Zimmer, das den Träumenden wie ein enger Sarg umschloß. Plötzlich aber riß es den Lehrer aus seiner Betäubung empor. Er fuhr sich über die Angen, blies das Licht aus und drehte sich mit einem Satze zur Thüre. Mit lautem Ge- posier sprang er über die knarrende Treppe zum Vorplatz hinab und eilte durch das Hausthor, das er eilig wieder verschloß, in die Nacht hinaus. Hastig stürmte er an der Friedhofsmauer hinab. Die schiefpehenden Grabkreuze im malten Lichte der Mondsichel wuchseil wie sturmbewegtes Schilf daraus hervor. Vom sie heute noch nicht einmal organisch, nur mechanisch haben. Vergleichen wir Deutschland mit Frankreich und Eng- land. Der französische Süden und Norden— jener mehr romanisch, dieser mehr germanisch— stehen unzweifelhaft in einem gewissen Gegensatz, aber es ist politisch nur ein Gegensatz der Form, der Methode, nicht des Wesens. Noch geringer sind— wenn wir von Irland absehen — die nationalen Unterschiede in England. In Deutschland ist der Gegensatz weit und tiefklaffend. Es ist, als ob zioei Völker in Deutschland wohnten— und zivar zivei Völker im nationalen Sinn, nicht in dem sozialen des Disraeli.„Südwcst-Dentschland ist demo- kratisch, Nordost-Deutschland ist kosakisch"— wurde schon vor 60 Jahren von Börne gesagt. Und er sprach eine Wahrheit ans. In neuerer Zeit ist ein Wort entstanden, das diese Wahrheit bestätigt und beweist— das Wort O st e l b i e n. Ostelbien, das ist das Teutschland rechts der Elbe— dasTeuisch- land der Junker, der nur äußerlich beseitigten Leibeigenschast— das Deutschland, in welchem sich noch die Fundamente des Mittelalters erhalten haben und in welchem auf diese Fundamente ein Riesenznchthans und eine Riescnkascrne als Erfüllung des höchsten Staatszwecks erbaut werden soll. Und links der Elbe— Westelbien— das ist das andere Deutschland, welches, trotzdem es von Ostelbien leider beherrscht wird, den germanischen Freiheitsgeist und Unabhängigkeilssinn noch nicht vollständig abgestreift hat. Nach Annahme der letzten Militärvorlage wnrde eine Abstimmungskarle verbreitet, ans der hervorging, daß die große Rieh» heil der in O st elbien gewählten Abgeordneten fü r, die große Mehrheit der in West elbien gewählten gegen die Miiilätvorlage und den MilitariiNiUs gestimmt yatte. Und so in allen Fragen, wo Vergangenheit und Gegen- wart aufcina»derplatzen. Es sind zwei Völker dies- und jenseits der Elbe. Und was mehr sagen will, zwei K li l t u r e>l. In Südwestdeutschland, das die römische Bildung einsog, ist die Kultur an die zweitausend Jahre alt, fast so alt wie die französische. In Nordostdenlschland, das nach der Völkerwanderung viele Jahrhunderte lang— bis zum zehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung— von s l a v i s ch e n Stämmen über schwemml war, ist die Kultur höchstens halb so alt ivie in Westelbien, und das germanische Element ist hier obendrein ganz verslavt. Und Slave und Sklave ist bc- kanntlich e i» Wort. Unsere westdeutschen Delegirten zum Breslaner Parteitag sahen erstaunt diese verslavte, ver- skavte Welt.-- Das verslavte Ostelbien hat Westelbien gegenüber die nämliche Rolle gespielt, wie weiland M a k e d o» i e ir den Hellenen gegenüber— eine Parallele, die David Strauß Kirchihnrm hämmerte die Uhr zehn schwerfällige Schläge, die das alte Gr bände ganz rebellisch machten. Im Gebälk ächzte und stöhnte es unter dem aufschlagenden Klöppel, Staub ,ind Aiörlelstückchen lösten sich knisternd von den Wänden. Als Gattl unten im Torfe ging, verklang der letzte Schlag mit zuckenden Tonwellcn in der reinen Luft. Zun, Forsthans zurück eilte der Lehrer. Eine fieberhafte Errcgiing hatte ihn gepackt. Was er heute erleben niußte, das wollte er Hinansschreien in alle Welt als grausames Unrecht, das man ihm zugefügt hatte. War er bis jetzt überall der Gcmaßregelte und Unterdrückte gewesen, diesinal wollte er's darauf ankommen lassen und trotzig die Clirne biete». Er ivollte nicht länger die Duldsamkeit des geprügelten Hundes zur Schau tragen, er wollte losschlagen mit aller Gewalt. Wie und wann, das sollte ihm der Förster ratheu, den er jetzt aufsuchte. Als er aber vor dem erleuchteten Fenster einhielt und, hinter Rcbcnblättern versteckt, die schlummernde Anna im Arme ihres Vaters gewahrte, da gewann er's nicht über sich, die chciden zn störe». Er betrachtete niit bitteren Ge- fühlen dies Bild häuslichen Friedens und ballte wüthend die Fäuste gegen das Pfarrhaus. Dann schlich er um die Försterei und wanderte ziellos über die Hochwiese hinan. Wuchtig bauten sich vor ihm die Felswände auf, die im letzten Schimmer der verschwindenden Mondsichel gespenstisch beleuchtet waren. Gattl wäre am liebsten tief in die Klüfte auf dem schmalen Jagasteig hineiilgeivandert, aber ein frischer Luftzug wehte vom Thale herauf und trug am Ohre des Wanderers ein Geräusch vorbei, das ihn wie ein Ruf vom Leben berührte. Musik und lautes Gelächter rauschten seltsam vermengt für einen Augenblick aus der Tiefe empor. Eilig floh das Geräusch er in die gewaltige Schlucht hinein, die sich als schwarzer Rachen zwischen zwei klotzige Berge gesprengt hatte. Dort verschwand es in dem dumpfen Brausen des gewaltigen Sturzbaches, des Gaifs, wie man ihn in der Gegend nannte. Betreten blickte der Lehrer zurück. Er hatte erst etwas Gleichniuth beim Hinauswaudern gefunden, als er diese vor 30 Jahren in einer klassischen Schrift meisterhaft durch- geführt hat. Die Sonne der Freiheit geht da auf, wo die Sonne des TagS untergeht: im W e st e n— das entdeckten unsere Vorfahren, ein Klopstock, ein Kant, ein Schiller, ein Förster bereits vor 100 Jahren. Der Weg der Kultur geht von Osten nach Westen— oder richtiger von Nordosten nach Südwesten. Da wo der Kampf ums Dasein weniger hart ist, als � im eisigen Norden und Osten, da bleibt dem menschlichen Geist auch mehr Zeit sür seine Pflege und es mildern sich die barbarischeil Sitten. Das Unglück Teutschlands ist, daß wir in zwei Völker mit zwei Kulturen gespalten sind. Diese Zwiespältigkeit, die in unserer Geschichte seit der Reformation zu so tragischem Ausdruck kommt, spiegelt sich auch in unserer R e i ch s v e r f a s s u n g ab, die aus die Basis des allgemeinen Wahlrechts als Spitze der Pyramide die Pickelhaube setzt— auf die demokratische Grundlage der Voltssouveränität das absolute Herrscher- lhuin mit einem so kunstvoll zugeschnittenen Majcstäts- begriff,>vie nur das rönüsche Zäsareuthum ihn gekannt hat und wie er in keinem anderen Staate der Gegenivart, selbst i>l Rußland nicht gilt. „Wir sind den Süddeiltschen zu liberal!" rief Fürst Bismarck einmal in dem Reichstage— es war das eines jener Hohuworte, deren Wirksamkeit in der zynischen Um« drehnng der Wahrheit und Thatsachen liegt. Das Sozialistengesetz, die Acra des Agrar-Junkerthums, die neveste deutsche Rechtsprechung, die Aechtung jedes fort- schriktlichen, humanen Strebens— das ist der„Liberalis» mus", den der Mann des Welfenfonds im Auge hatte. Tie Makedonier haben Griechenland erobert— aber der griechische Geist hat schließlich die Makedonier er- obert. Das slaivische Ostelbien hat das germanische Westelbien erobert. Preußen, die Hanptmonarchte Ostelbiens hat mit makedonischer List und mit niakedonischem Blut'und Eisen Teutschland in sich„aufgehen" lassen. Doch nun beginnt der umgekehrte Prozeß. „Der Reichsgedanke hat seine Kraft verloren"— jammern die Reptilien, und in der T hat, mit der geistigen„Verprcußnng" hat es ein Ende. Der preußische Partikularismus ist nicht mehr allmächtig. In Südwcstdeutschland hat der Rückschlag begoitnen und wenn nicht alle Anzeichen trügen, ivird sich die militärische Eroberung Ostelbiens durch West- elbien nach tatisend Jahren auf dem Boden der inneren Entwickelnng als„moralische Eroberung" wiederholen. Aus dem Westen wird die Kultur schließlich nach Osten ge- tragen. Der vordringende Sozialismus aber hat sicher keinen Gruiid es zn betrauern, wenn das Preußenthum die Segel zu streichen hat vor dem Deutschthum. starre Gcbirgswelt vor sich sah, die nichts von der Nieder- tracht der unter ihm liegende» Menschheit wußte, jetzt aber risseil ihn diese sonderbaren Laute, die so geheimnißvoll an ihn, vorbei gezogen waren, wieder gewaltsam ins Thal seiner Sorgen hinab. Er sah das Wirthshaus erleuchtet. Von dort war also der Lärni gekommen, man tanzte und sang noch. Wie? Wenn er jetzt hinunterginge und einige der Bauern auf- suchte, die Zeugen des heutigen Vorfalls gewesen waren. Das wäre kein übler Gedanke! Gattl erwog ihn nach allen Seiten, während er seine Angen fest auf das Licht in der Tiefe heftete. Endlich aber kam er nach langem Grübeln zu einem Entschlüsse und jagte von dcni Eingange der brausenden Schlucht hinweg, eilig den Weg hinunter, den er gekommen war. In der Gaststube des Wirthshauses ging eS lustig zu. Graue Staubwolken flogen zn den schmutzigen Zylindern der Petroleumlampen hinauf, und unter ihnen bewegte sich ein dunkler Knäuel tanzender Paare beini Klange zweier Zithern jauchzend und brüllend durch den vollgepropftcu Raum. An den breiten Wandbänken, den geöffneten Fenstern entlang, saßen ältere Bauern in festtäglichen Kleidern und unterhielten sich. Einige rauchten Pfeifen, die anderen hiellen abgeschnnllte, zerfetzte Zigarrenstummel, die längst keinen Dampf mehr gaben, zwischen den Fingern und redeten dabei zu den Nachbarn hinüber;»vieder andere saßen da, die Hände in den Hosentaschen und blickten theiluahmslos an allein in die Tanzenden hinein oder zum Ecklisch hinüber, wo der Förster Göpfert mit den Wirths- lenten am selben Platze weilte, den er schon am Morgen eingenommen hatte. Auf seiner Stirne waren mittlerweile rothe Flecken hervorgetreten und die verschlvommenen Augen sahen wie verglast drein. Trotzdem hielt er sich noch recht gut aufrecht und intercssirte sich sür alles, was in der Stube vorging. Ein junges Mädchen, das am Ofen neben einem alten Bauern saß und eifrig auf die Notenblätter der Zilhcr- Dobntke übvr Enrntnuie u»l�?er f r a n z ö s i s ck e u Kammer wurde auch gestern noch ��incht zu Ende gebracht; und sie hat solche Diineufionen an- ~ genommen, daß es sogar nicht leicht sein wird, sie heute zu beendige». Indem wir uns eine zusainmenfassende Be- sprcchung vorbehalten, seien heute nur einig- Hauptpunkte hervorgehoben. Jaures. der den Gegenstand in allen seinen �.heilen beherrschte und aufs wirksamste vorführte, kam am ersten Tage nicht zum Schluß, und zwang am zweiten Tage die Majorität durch seinen Borschlag, daß der Kanunerpräsident Brisson die Aermiltelung in Carmanx übernehmen soll, zu donnerndem Applaus. Die Begeisterung hielr jedoch nicht vor; und als das Ministerium durch Leygues erklärte, das, es die schiedsrichterliche Lösung nicht annehmen könne, schlug die Stimmung wieder um. und ist die Annahme des AiurageS, die jetzt den Sturz des Ministeriums bedeuten würde, zweifelhaft geworden. Das Ergebuiß der heutige» Kammersttzung kann erst nach Schluß der Redaktion telegraphisch bekannt werden. Wir bitten also die Leser, unter„Depeschen und neuesten Nachrichten" nachzusehen. Wir lassen nun ei» Telegramm der Wiener„Neuen Freien Presse" über den ersten Tag der Debatte folgen: Paris, 24. Oklober. Die heulige Sitzung der K a m m e r begann uin 2 Uhr nachmittags. Die Tribünen sind überfüllt. Die C a r m a u x- F r a g e interessirt alle Kreise. In der Depntirlen-Loge erblickt man den weißen Charaktcrkopf R o ch e f o r t's. Auch viele Dame» haben sich auf den Tribünen eiugesmidem Das Haus war anfangs leer, füllte sich aber bald. Nur die lltechte war schwach vertrete». Als I a u r o s die Tri- bnne besteigt, herrscht große Bewegung. Ter Präsident ergreift wiederholt das gelbe Lineal, um mit deinselben, anstatt die Glocke z» gebrauchen, stark auf dm Tjsch zu schlagen und damit Ruhe zu schaffen. Jaurbs vertritt seine Interpellation über Carmaux. Er hebt hervor, er wolle die Hallung der Regierungsorgane be- sprechen, die dcn Interessen und de» Gesetze» der Republik eulgegen sei. Die Ministerfrage sei weniger wichtig. Die Kammer soll Mittel finden znr Beilegnng des schmerzliche» Konfliktes zwischen den Arbeitern und denArbeilgeber».(Beifall.) Jaures bespricht dann die Verhältnisse i» Carmaux. das Vorgehen Ressöguier's, der vor Jahre» wegen einer Patent- Affäre strafgerichtlich ver- urtheilt worden ist. Wen» man solche Erinnerungen hat, rust Janres, darf man nicht hart sein gegen andere. Wenn Resseguier sagt, daß er seine Arbeiter besser bezahlt als die andere», so ist dies damit zu erklären, daß er die besten Glasarbeiter hat und daß die Arbeit in Carmaux so schwer ist, daß die Arbeiter nur kurze Zeit aushalten. Das Ministerium trat für Reffegnier ein, es benutzt die raltiirten Parteien, um die Arbeiter zu be- kämpfen.(Stürmischer Beifall ans den Bänke» der Sozialisten.) B a u d r y d' A s s o n ruft dazwischen:„Sie wende» sich wohl nicht au mich!" Janres bespricht ferner die Haltung Resseguier's. Dieser Herr war nicht immer gegen das Arbeitcrsyndikat. Es gab eine Zeit, da er es für seine Zwecke, für industrielle und politische, benutzte. Jaurös macht dann eine Einhüllung, die großes Aussehen erregt. Derselben zufolge veranlagte Resseguier im Jahre 1891 seine Arbeiter, an dem Generalstreik theilzunehmen, und leistete Bei- träge für die Streikkasse; er wollte den Streik, weil er höhene Löhne zahlte als die Konkurrenten und den Wunsch hegle, anä� diesen höhere Löhne aufzuzivingen.(Bewegung.) In großer Aufregung fortfahrend, erzählt Jaurös, wie einmal wegen Diiies Kohlcnarbeiterstreiks in der Glasiabrik nicht gearbeitet)wmis frestiden Gebiete» Kohle kommen lassen. Resseguier meime/Xdie Fracht wäre zu thener, worauf die Arbeiter sagten:„Wiv- ivbAen ans unserer Tasche die Frachldifferenz bezahlen, damit nur die�irbeil keine Störung erleide."(Bewegung.) Als aber JiessaHuu* das Arbeiter-Syndikat zu politischen Zw e Ij�e» gebrauchen wollte, verhielt es sich ablehnend. Resseguier kandidirte in Toulouse für die Kammer und n> u t h e t e den Arbeitern zu, ei» W a h l m a n i f e st zu seinen G n n st e n zu erlassen und zu erklären, er sei ein guter Arbeitgeber und guter Repnbli- knner. Die Arbeiter antworteten ihm:„Ja, Sie sind ein guter Palron, aber wir haben unsere politische Ueberzengung. Wir sind freie Männer, wir sind Sozialisten und müsse» deshalb für Ihre Gegner sein." Da begann nun der Kampf Resseguier's, der das Syndikat breche» wollte. Er verfolgt politische Zwecke; er will den Dank der hohen Bourgeoisie verdienen, welche, statt ein Regime der Reformen einzuführen, eine Regime der Fnrchl etablirt. Es war zur Zeit des Kabinets Dupny, als das eben Erzählte in Carmaux geschah, und Dupny sendele dorlhin seine Polizei.— D n p n y ruft seinen Protest dazwischen.— Jaurös: Ihre ganze Politik protestirt gegen Ihren Protest. Das ist ja die einzige Existenzberechtigung Ihrer Politik, die jetzt ans jede Krisis lauert.(Lärm.)— Präsident Brisson fordert de» Redner ans, nicht auf ein früheres Kabinet zurückzukommen.— spieler herabblickte, schien ihn besonders zn fesseln. Schon lange hatte er hinübergeblickt und jetzt fragte er den Wirth, wer die Kleine sei. „Des is ja de Pölten Kathi, Herr Förster." «Warum tanzt denn de net?" „Ja, die geht halt noch in die Christenlehr'. S' is ja erst siebzehn Jahr." „Te is dem Poiten sei oanziges Kind, net?" „Ja, inci," brummte verlegen der Wirth,„wie man's halt nimmt, Herr Förster, der Poiten hat ja den Hansl a no von der Gcrhammer Marie, die später nach Wallberg g'hcirathet hat." „So? Hat er den Bnab'n b'halt'n?" „Ja frcili! Den hat er nach dem Tod von seiner Frau glei ins Hans g'nommen. Denn der gilt alles, aus dem soll ja anial noch etwas B'sonderes werden, meint er, der Poile»." „O, Jessas!" rief der Förster verächtlich. Der Wirth stimmte ihm bei: „Des hat nänilich dem Poiten der Lehrer in den Kopf g'sctzt, der möcht' ihn alleweil'ruinbringen, daß er den Bnab'n— ja man muß lachen—'n Maler werden lassen soll." Göpfert lachte unbändig und schlug ans den Tisch: „Ha, ha! n' Maler,'n Maler! So an Bauern- bnab'n? Hat ma scho so was Dummes g'hört auf der Welt? Der Lehrer macht enk ja no daS ganze Dorf verruckt. Seid's froh, wenn er bald'nansg'schmissen iverd." „Ja,'s is schon so," kicherte der Wirth, der zutraulicher geworden war. „Und der alte Esel, der Poiten, glaubt an den Schwindel, den eahm der Lehrer vermacht?" Nun mischte sich die Wirthin ins Gespräch: „Man möcht's fast meinen, Herr Förster," sagte sie und rückte näher heran,„der Poiten is eben unser reichster Bauer. Er hat sechz'g Stück Vieh, drei Almen" ,.Zwoa Hänser," nickte der Wirth.— „Ao nnd da könnt' er sich scho was erlauben, und den Bnab'n in d' Stadt'neischicken, weil er so wie so'm Herrn Benefiziaten sei'm Rath net folgen will." „Was möcht' denn der Herr Benefiziat?" fragte der Förster neugierig. (Fortsetzung folgt.) Jaurös: Das Ministerium von gestern will das Ministerium von inorgen tein. Ter Redner erzählt hierauf, wie der Streik ans lokalen Wahlen hervorgegangen sei, bei denen Arbeiter ge- wählt wurden, die Resseguier dann cnlließ; er beschwert sich über die parteiische Haltung des Präfckten sowie der Richter in Aldi nnd erklärt, daß er niemals zum Streik gerathen habe. Er habe weder mit einem Worte noch mit einer Geste zum Streik aufgefordert. Im Gegentheil, er habe vor dem Streik gewarnt inid auch jetzt wolle er die Versöhnung herbei- führen. Nach einer erbetenen Erbolungspause schildert Jaurös, wie lonzüiant das Arbeitcrsyndikat gewesen sei, wie es sogar der Entlassung zweier Führer zustimmte, die bei den Wahlen ge- wählt wurden. Aber wie lautete die Entscheidung Reffeguier's? Die Entlastung aller Führer und eine Lohnreduklion— das war die Antwort ans die Uirterwersung der Arbeiter. Man sollte meinen, daß das Ministerium jetzt seine Haltung ändern werde. Die Seele des Ministers des Innern bewegt jetzt ein g e- wisses anderes Syndikat, bei dem politische Interessen e n g a g i r t s i n d.(Beifall.) Uebrigens bat der Minister des Innern bei seiner Wahl die Arbeiter-Syndiknte zu finden gewußt und sie mobilisirt; jetzt bekämpft er diese Syndikate. Wenn es sich um gewisse politische Syndikate handelte, würde er nicht da sein, n»i sie zu bekämpfen. Resseguier hat den Arbeitern die Arbeitsbücher zurückgestellt, und man kann nicht sagen, daß sie Streikende seien; es seien vielmehr Menschen ohne Arbeit. Der Redner weist ans Uebergriffe der Regierungsorgane hin und greift dcn Minister des Innern an, der die Arbeiter vergewaltigt. Verdächtige Polizeispitzel trieben die elendesten Manöver. Ein Arbeiter, der einen Polizisten einen Dummkopf nannte, wurde zu 45 tägiger Haft verurtheilt.(Entrüstnngsrusc.)— Sozialist Faberot: Ties geschah nicht einmal unter dem Kaiserreich!— Jaurös höhnt de» Minister des Inner» mit der Frage, ob es wahr sei, daß er gesagt habe, die Arbeiter sollen sich bcwaffnen und in die Wälder von Carmaux ziehen.— Minister Leygues: Nicht wahr! Ich höre das zum ersten Mal.— Jaurös theilt noch verschiedene Fälle mit. Eine Lehrerin wollte eine Stelle, nnd man knüpfte an die Ersüllnng ihres Wunsches die Bedingung, daß ihre Brüder, die Glasarbeiter sind, die Arbeit aufnehmen. Die Haltung der Gerichte und Staatsanwälte kennzeichnend, sagt Jaurös, das sei keine Justiz, sondern eine Mischung von Infamien. Janres, der bereits vier Stunden gesprochen, äußert bierous das Verlangen, seine Rede morgen fortzusetzen. Nachdem der Minister des Innern auf die baldigste Er- ledigung der Interpellation Werth legte, findet morgen eine Sitzung zur Fortsetzung der Debatte über die Interpellation, betreffend den Streik von Carmaux, statt. Janres wird morgen noch zwei Stunden reden. Er sprach beule sehr lebhast und heftig gcstilulirend; vieles, was er vorbrachte, machte Eindruck in der Kaminer. In einer bürgerliche» Pariser Korrespondenz heißt es über die Debatte des zweiten Tages: Tie heut ige K a m m e r s i tz u n g begann um 2>/4 Uhr unter Brisson's Aorsitz. Ter sozialistische Algeordnete Jaurös, der gestern über dN Willtür der Beamten nnd Richter und über die Rolle, die der vräsekt des Departcmenls Tarn bei dem Aus- stände in Cßinxmx spielte, eingehend besprochen baite. nahm seilte seflie Rede wieder auf nnd behauptete, Haß der.� Direltor der Glashütten bcsvi ders zwei mächiige LNier zik ßeite gehabt habe, nämlich das Elend und dieHLüge. der Regierung tadelte er, daß sie gelitten habe, daßHauswürrge Aibeiler nach Carmanx berufen worden seien, -ym»g sranzösische Glasbläser- Syndikat zu vernichten. Zur Hijige tiVe man gegriffen, indem man aussprengle, daß 4/5 der vwbeiterVie Arbeit wieder aufgenommen hätten nnd man nun nur noch eine Heringe Anzahl zur AuSsüllung der Lücken brauche. Ten ans diese Weise angelockten Arbeitern hätten die Ansständigen Deputationen entgegen geschickt, um sie von der Wahrheit zn unterrichten. Diese zn beseitigen, sei eine Hauplsorge der Re- gierung gewesen. Tie Züge mit den neu angeworbenen Arbeitern seien von den Gendarmen wie Geiangenentransporte bewacht worden und letztere hätten Bcschl gehabt, jedermann zu verhaslen, der mit den Arbeilcni sprechen wollte. Als Be- weis hierfür verlas Jaurös Stellen ans dem„Nouvelliste de Lyon". Trotzdem seien nur' 40 auswärtige Arbeiter nach Carmanx gelangt, von denen die Hälfte sofort wieder iimkebrte, als sie sich über die wahre Lage vergewissert batten. Dafür, daß ihnen das Ansstandslomitee einen Zuschuß für die Heimreise gewährte, wurden die beiden Kassirer wegen Betrügs und Ticbstahls verhastet. So die Korrespondenz. Nachdem Janiös gestern,� am LS. d. M., seinen Vorschlag beginndet halte, erhielt der besonders scharf angegriffene Minister des Innern Leygues das Wort. Er sprach, Jaurös nachahmend, so lang,, daß er seine Rede heute fortsetzen mußte. Tie vor- liegenden Telegramme bringen im wesentlichen nur Vermuthuitgen über das Schicksal des Antrages Jaurös, der in Paris jedensälls ernster genou men worden ist, als in den Redakiionsräninen der Tante Voß, die ihre Liebe zu Crispi auf Herrn Leygues, der ihrer ja auch würdig ist, übertragen zu haben scheint.— Unser Pariser Korrespondent schreibt über die Delaite des ersten Tages: Paris, LS. Olrober.(Eig. Bericht.) Jaurös' I n t e r- p e l l a t i o ii über d i e V o r g ä n g e i n C a r in a u x. Gc- noffe Jaurös Hai gestern in einer dreistündigen, nur von einer kurzen Erbolungspause unterbrochenen Rede seine Interpellation über die Vorgänge in Carmaux emiuickelt, ohne daß es ihm jedoch möglich gewesen wäre— so nmsangreich ist sein Beweis- Material von den Infamien Resseguier's und der mit diesem ver- bundcneii Regiernngsbehöideii—, dieselbe ganz zu Ende zu führen, weshalb denn auch der Schluß seiner Rede, die einen wahren und zwar erdrückenden Anllage-Akt bildet. ans heute vertagt werden mußte. Was aber die weitere Debatte auch immer bringen und wie sie auch immer endigen mag, so sieht doch jetzt sei on fest, daß es weder Herrn Ribot und noch weniger Herrn Leygnes oder Herrn Traiieux gelingen wird, der öfsenilichen Meiiiiiiig glanben zu mache», daß sich die Regieriii, g in dem Streite zwischen Nessegnier nnd seinen Arbeitern neutra! benoniincii und»»parteiisch gehandetl habe, ta die von Jaurös vorgcbrnchten, von ihm vorher kontrollirten und darum nnlengbaren und i»!widcrlkglichen Tbatsachen daS strikle Gegentheil nur allzu klar zeigen. Es wird der Regierung auch nicht lingen, in der üblichen Verdrehung der Thaisachen, den Konüjm vier deren Vcischärsnng der soziolistischen Abgeordneten /nilf- z»Halsen, da, als er ausbrach,' sich lein einziger von ih/en in Carmanx befand und Janres' nachdein er von den Glasa�ieitern telegraphisch hiervon verständigt worden war, sein Möglichstes lhnt, um denselben zn beseitigen. Ans seine Jiiiervenliou bin Hatte» die Glasarbeiier das Schiedsgericht angernfen, ans seine Intervention hin sich dieselben bereit erklärt, trotz der Enllassung Baudol's und Pelleiin's, die eine gesuchte und gemollte Provokation war, die Arbeit wieder ailfznnchineii. Vom IS. Anglist bis LS. September befand sich lein einziger sozialistischer Abgeordneter in Carnianx, so daß dieselben Blätier. die, wie das„Journal des DebatS":c. sonst immer diese sozialistischen Abgeordnelen als Sireikapostel, Aniwiegler u. s. iv hinstellen, dieselbe» nun mit einem Mal als Deserteure der Arbeitersache, als Feiglinge bezeichneten, die es,»eil deren Immunität während der Kaminerferien anigehobcii sei, nicht wagten ins Slreikgebiet zu gehen. Nnd doch, wenn einer als Sireikapostel und Answiegler hingestellt zu werden ver- dient, so ist es sicherlich Herr Reffegnier, der 1891 zum Behuf einer, natürlich gegen seine Konkurrenten ge- richteten Slreikpropaganda Illllv Frcs. i» die Kasse der Gtasorbeiter-Gcwerkschaft einzahlte, wovon sich die Regierung, wie ihr dies Jaurös anheimgestellt, ans de» Büchern der Geweckschast e.chl überzeugen kann. Mas für die DcffnUlichfeU von ganz besonderem Interesse sein dürste, ist die von Jaurös nachgewiesene Henchlelei nnd Verlogenheit der Herren, die die Geiverlschafien Hilter dem Vonvande bekämpfen und zn beseitigen suche», daß sie einen Heerd politischer Agitation bilden. Die Wahrheit ist, daß die Gewerkschaften blos darum versolgt werten, weil sie sich nicht zu Werkzeugen der Unternehmer und der Regierung bergeben wollen, weil deren Mitglieder anstatt den idchwanz der Bonrgeoisparteien zu bilden, sozialistische Politik treiben. Reffeguier's Zorn datirt nanieutlich von dem Zeirpunlte her, Ivo die Gewerkschaft der Glasarbeiter sich geweigert hatte, seinem Verlangen nachzukommen, seine Kandidalur i» Toulouse dnrch ein Manisest zu unterstützen, in ivelchem sein Lob als Arbeiter- freund»nd guter Republikaner gesungen werden sollte. Und Herr Leygnes, der Minister des Innern, dem die Hanplschntd au oeiu provokatorischen Vorgehen besj Präfekten des Tnriideparleinents wir an dem des Kommissärs Cordel trifft, der zur Zeit, da er in St. Etienne operirte, eine Bombe im Justizpalast hinterlegen ließ, um seinen Eifer als Entdecker anarchistischer Altentale desto leichter bekunden zu können, Herr Leygnes, der noch bei der Jnter- pellation betreffend die Aniiullirung der Entschädigung des sozialistischen Bürgermeisters von Romilly den Unternehmern entschieden recht gab, die ihre Arbeiter, � die sich mit Politik befassen, aufs Pflaster werfen, er ließ bei den letzten allgemeinen Wahlen von 1893 große, auf rothem Papier gedruckte Wahlaufrufe plakatiren, die von niehrereii Präsidenten und Vizepräsidenten verschiedener Eeiverkschaflen seines Wahlbezirkes unterzeichnet, seine Kandidatur aufs wärmste empsahlen, wie dies Jaurös durch Vorlegung eines Exemplars dieser Wablaufriise zur sichtlichen Verlegenheit Leygnes unwider- lcglich nachgewiesen. Und diese Herren wagen es dann, die Gewerkschasten Politik vorzuwerfen! Ans die Einzelheiten oer Jatuös'schen Interpellation, von deren jede eine wuchtige Anklage bildet, wird es Zeil sein, zuruckziikomnien, wenn die Regierung darauf geantwortet haben wird. Nur möchte ich noch nuf einen Zivischenfall hinweisen. Als nämlich Jaurös in Ausführung seiner Jnlerpellalion �er- wähnte, daß Tnpny zur Zeit, da er Ministerpräsident war, sich in Carmaux erkundigen ließ, ob die Griibengesellschaft und die Glashüttenkoinpagnie genügende Vorrälhe hätten, um ihren Aibeitern bei der ersten Gelegenheit Widerstand leisten zn könne», Ta erhob sich dieser mehr verachtete als gehaßte Sozialistensreffer, um dagegen zu piotcstiren, erklärend, daß er stets offen und loyal gehandelt habe, wodurch er sich aber nur die vom anhaltende» Beifall begleitete Replik Jaurös'� zuzog: „Ihre ganze Politik protestirt ihrerseits gegen Ihre Protestaiion", hinzufügend, daß seine aggressive Haltung gegen die Sozialisten seine einzige Existenzberechtigung als Chef der Rcgiernng ge- ivescn sei nnd daß er nur ans die Ereignisse und Krisen lauere, um wieder Minister zu werden. Polikifche Ztebevstchk. Berlin, 26. Oktober. Tie Tortuiniider Nachwahl hat nach der letzten an uns aus Tortniund gesandten, um 4 Uhr 1V Minuten nachmittags aufgegebenen Depesche folgendes Resultat er- geben: Lütaenau(Soz.) 17 S74 Stimmen Möller(natl.) 17 320„ Lcnsing(Z.) US49„ Nach unkontrollirbaren Angaben der Gegner hat Lntgcuau vor Möller blos einen Vorsprnng von 28 Sliinmen. Nach unserer Depesche wurden gestern im Dortmunder Wahlkreise 49 343 Stimmen abgegeben gegenüber 46 734 am 15. Juni 1893. Tie Wahlbetheiligung war somit außerordentlich stark, für alle um das Mandat kämpfende Parteien wurden mehr Stimmen als im Jahre 1893 ab- gegeben. Am stärksten ist der Gewinn der Zentrumspartei, der auf den starken Zuzug polnischer Arbeiter nach den Kohlenrevieren zurückzuführen ist. Wenn die Stimmen für Lütgenau nicht in gleicher Weise wie die der Gegner zugenommen haben, so ist dies wohl vor allem auf den Kandidatenivcchsel zurückzuführen, während die Kandidaten unserer Gegner seit langer Zeit sich um das Mandat beworben haben. Be- rücksichtigl man die gegenwärtige Zeitströmung, die gegen uns von allen Seiten ins Werk gesetzten Berfolgungcn, so muß der Erfolg unserer Partei als ein besonders be- dentungsvoller betrachtet werden. Ueber den Ausfall der Stichwahl eine Vorhersage zn machen, ist nnmöglich. Sicher ist, daß unsere Partei- genossen es an keiner Anstrengung fehlen lassen werden, den so heiß umstrittenen Wahlkreis endlich in den Besitz der Sozialdemokratie zu bringen. lieber die Verhandlung gegen Genossen Ranch in Hannover schreibt der„Volkswille": „Unter Aiisschlliß der Oeffentlichkeit fand heute, Freitag, vor der Slraskaniiner I des hiesigen Landgerichts die Verhandlung gegen den Genossen Rauch statt, welcher durch den Artikel:„Ein Kaiserwort" einer Majestäisbeleidignng sich schnlbig gemacht haben soll. Ter Vertreter der Slaalsaiuvaltichast beantragte >» Rücksicht darauf, daß die„fluchwürdigen" Bestrebungeil der Sozialdemokratie sich, wie er ausführte, besonders gegen die Monarchie nnd deren Spitze richten, daß inan es hier nickt mit einem„Verführten", sondern mit einem„Verführe r" zn Ihun habe, und weil der Arrikel in einer Zeil ersebiene» sei, in welcher die»alionale Begeisterung hohe Wogen geschlagen: Ein Jahr G e f ä ii g n i ß und sofortige I n h a s t n a h>» e. Nach einer, in jeder Hinsicht vorzügliche» Vertheidigung durch den Herrn Rechtsanwalt Lenzberg erkaunle das Gericht ans vier Monate G e f ä n g n i ß. Außerdem sallcn unserem Genoffcn die Kosten des Verfahrens zur Last; der Antrag auf soforlige Verbafumg wurden von den, Gerichte abgelehnt. Strafmildernd kam bei der Bemessung der Strafe in betracht die Erregung, in der Genosse R. sich infolge der An- griffe der gegnerischen Presse besunden,— daß die Beleidigung gelegentlich einer Abi» ehr geschehen, zn welcher er berechtigt Mw e sen sei, und die bisherige Unbeschollcnheit des Angektaglen." " Bei der Einweihung des Reichsgerichts-Gcbändes in Leipzig bat der K a t s e r eine Rede gehalten, in deren Verlauf er sagte: „A» dieser Stätte wird, wie wir erwarten, das R e i ch s- a e r i ch t, als g e w i f s e n h a f l e r Hüter d e r d e» l s ch e n R e cd t e i n h e i t, nnch ferner für die W o h l f a h r t nnd s ü r den Ruhm des Reicks z n wirken bemüht sein. Die von uns bei der Feier der Griindsteinlegnng kundgegebene Hoffnung, daß dem Verlangen des dentichen Volkes nnch größerer Einheit seines Rechts durch ein gcnieinsanies bürgerliches Gesetz- buch in nicht zu ferner Zeit entsprocben werde, geht ihrer Er- süllniig entgegen. Es gereicht uns zur Gcnngtbnuiig. daß zugleich mit den, Einzüge in dieses Hans dem obersten Gerichte die besninmle 'Auesicht envnchst aus eine weitere Enlialliing seines Wirkens im Sinne der großen, ihm bei seiner Begründung dnrch die verbündeten Regiernngen und den gieichstag geftelllen Au g be. Durchdrungen von der Bedeniung, welche der energischen nnd gereckten Hmidhabung der Gesetze für die Erkaltung des inneren Friedens nnd' für die Hebung des Wobtst»ndes der Nation zulonunl, habe» wir beschlossen, im Namen der ver« bündele» Fürsten und freien Siädle in dem neu enichl�reii Bau gemeinsam mit Sr. Btajestät dem Könige von Sachsen, als dem Gebietshnrn. nnd unter Mitivirkniig von Vertreicrn des Reichstages den Schliißnei» z» legen. Gottes Segen ruhe aus diesem Hanse! Möge die Recht- spiechung, die sich hier vollziehen wird, dazu Helsen, daß Recht ttnb Gerechtigkeit überall zur Geltung gelange, »nd das die Treue in allen beul s che aLanden wachse!" Daß Recht imb Gerechtigkeit überall in beuifi Landen zur Geltung gelange, hoffen anch wir noch zu leben.— Tie Glanbtvnrdigkeit unter Eid ist zunächst von etlichen staatsaiuvaltschaftlichen Beamten den Sozialdemokraten bestritten worden, weil sie Sozialdemokraten sind. So etwas macht Schule. Jetzt ist auch den Dissi- deuten ähnliches passirt. In einer Verhandlung, die am 2. Oktober vor dem Schöffengericht in K ö n i g s b e r g i. Pr. gegen einen Schlossergesellen wegen Beamteubeleidignng stattfand, hatte der V e r t r e t e r d e r S t a a l s a n w a l t- s ch a f t in� seinem Plaidoyer über einen der Zeugen gc- äußert, dieser sei Dissident und ihm daher schon ein Meineid zuzutrauen. Anknüpfend an diesen Vorgang veröffentlichen sechs Mitglieder der Freien evaugelisch-katholischen Gemeinde zn Königsberg in dortigen Blättern folgende öffentliche Erklärung: „Die Nr. 125 des hiesigen sozialdemokratischen Organs . Velkstribüne" bringt den Bericht einer Schöffeugenchtsverhand- lang, nach welchem der Vertreter der Staatsanwaltschast den E>d eines Zeugen unter anderm damit als unglalibwürdig be- gründet, daß der Zenge Dissident ist. Der Vertreter der Siaatsa n waltschaft hat alio in seiner amtlichen Stellung die generelle Behauptung hingestellt, daß D i s s i- deuten ein Ateineid leichter zuzutrauen sei, als den Mitgliedern staatlich anerkannter dt o» f e s s i o» e n. Gegenüber dieser schweren Beleidigung des Disstdentenlhnms erbeben die Unterzeichneten als Mit glicdcr einer Dissidentcngeineinde(der sreien evangelischl latholische» Gemeinde zu Königsberg) einen öffentlichen Protest. Als Dissidenle» sind wir in unserem sitt lichen Gefühl durch eine derartige Aeußerung der Staats behöide auf's tiefste verletzt. Nicht nur unsere religiösen Gefühle werden durch die völlig unbeiechligte Auslassung der Staatsanwaltschaft gekränkt, sondern auch unser Recht als Staatsbürger wird schwer geschädigt. Die Verfassung des Staats cewährleistet uns volle Religionsfreiheit. Ist es nicht ein direkter Widerspruch dagegen, wenn wir bei der Aiisübnng einer staatsbürgerlichen Pflicht, eines staatsbürgerlichen Rechtes— der Eides- leistung vor Gericht— als unglaubwürdig, als meineidsverdächlig, d. h. als der Lüge, des Verbrechens verdächtig erklärt werden, weil wir Dissidenten sind? Wir weisen mit vollster Bestimnit- heit jedes Urlheil einer Staatsbebörde über den sittlichen Werth unserer religiöse» Anschauungen zurück. Wir er- klären es für durchaus unzulässig, der uns vom Staate garanlirten Religionsfreiheit widersprechend, daß die Staatsbehörde unsere religiösen Anschaunngen zur Grundlage ihres Urtheils über unsere bürgerliche Glaubwürdigkeit als Zeugen benutzt. Wir müssen vor Gericht schwören als Staatsbürger. Das ist unsere Pflicht und unser Recht als Staatsbürger. Wenn die Form des Eides mit unsere» religiösen Anschauungen nicht übereinstimme» sollte, so ist das Sache unseres Gewissens. Als Staats bürger müsse» wir den Eid in der bestimmten von unserem Wollen unabhängigen Form leisten. Als Staatsbürger fordern wir dann aber auch als unser gutes Recht, daß unser Eid ebenso vollwichtig beurtheilt wird von feiten der Staatsbehörde, wie der Eid jedes Bürgers, welcher Konfession er auch angehöre." R. Burdinsky. H. Röckner. Theobald Rupp. D r. I u l. R u p p. K a r l S ch m i d t. R. S t e l t e r. Diese Erklärung wahrt in völlig überzeugender Weise die staatsbürgerlichen Rechte der Dissidenten gegen die An- fechiung durch Beamte, wie ja auch in Wort und Schrift die Sozialdemokratie energisch Verwahrung eingelegt hat gegen die Anziveiflungen der Glaubwürdigkeit eines Mannes vor Gericht, weil er Sozialdemokrat sei. Aber was mit Anziveiflungen der Glaubwürdigkeit begann, hat mit Vcr- «rtheilungen wegen Meineids geendet. So kann es den Dissidenten auch ergehen. Eine solche Entwickelimg wird crnwglicht durch die eigenartige Auffassung vom Kampfe für Ordnung, Sitte und Religion, die viele der eifrigsten Kämpfer beherrscht.— Auf die Slawisirung des östlichen Teutschlands nirken bekanntlich in erster Reihe die Großgrundbesitzer hin, indem sie die billigen polnischen und russischen Arbeiter importireu. In einem Artikel der„Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 22. Oktober war behauptet, daß infolge der Zulassung der Arbeiter aus Rußland zur vorübergehen- den Beschäftigung in inländischen Betrieben während der Sommermonate in den letzten Jahren nahezu 60 000 russische Polen entgegen den ministeriellen Vorschriften bei uns zuiückgeblieben seien. Dagegen wendet sich die amtliche „Verl. Corresp." mit folgendeii Worten: „Auf welche» Erhebungen diese Behauptung und namentlich die Zahl 60 000 beruht, ist in dem Arlikel nicht angeführt. Mit den omilichen fortlaufeiideil Erhebungen steht die Behauptung des Artitels in vollem Widerspruch; nach ihnen kann ins- besondere vo» einer so große» Menge zurückgebliebener Rnssen gar keine Rede sein. Wenn iodan» in dem Artikel gesagt ist, daß zur Wiederübeniahrne der ohne Auslandspaß nach Deutsch- land gekommenen russischen Arbeiter erst langwierige diplo- malische Verhandlungen mit Rußland erforderlich seien, so scheini der Verfasser das am 12. Februar 1894 abgeschlossenen deutsch-» ussil che Ueber»ah>iie-Adko»nne>i nicht z» kennen, ivonnch die beiden Regierungen sich verpflichtet haben, anch ohne vorausgehende diplomalische Verhandlungen ihre gegenseitige», gegenwärligen nnv ehemaligen Staalsangchörigen wieder zu übernehme». Um diese Verlragsbeslilnnmng i» jedem Falle verwerlhen zn können, ist ausdrücklich vorgeschrieben worden, daß die zugelassenen Arbeiter im Besitze irgend eines über idre russische Staalsangehörigkeil Auskunft gebenden auil- liche» Lkgilimaiiouöpapiers sein niüffen. Zum ersten Male tritt (»Mich in dem Artikel die Behauptiiiig hervor, daß viele der be- theiligten Landwirihe auf die Zulassung der ausländischen Ar beiter ohne erheblichen Rachiheil verzichten könnten und dies auch geru thuu würden. Bicher sind an aimlicher Stelle— namentlich auch im Hause der Abgeoidneten— aus den betheiliglen Kreisen nur Wünsche laut geworden, welche auf eine Erleichterung der für die Zulassung der s r e« Ii d e n Arbeiter aufgestellten Bedingungen abzielten. Es wird Sache des Artikelschreibers sein, seine verschiedenen Behauptungen zunächst unter Beweis zu stellen." Ob's 60 000 Russen cder einige Tausende weniger sind, bleibt sich ziemlich gleich. Weit interessanter ist das amt- liche Eingestäudiiiß, daß aus allen betheiligten Kreisen(lies: GroßgruMbesitzer-Krcise») die erleichterte Zulaffiing der Polei�nd Russen verlangt wird. Das sind dieselben Leute, die�r Unterdrückung der heimischen Polen zujubeln!— Herr von Hammerstein hat doch immer Glück ge- Das Vertrauen seiner Freunde hat bis zum aller» letzten Augenblick Stich gehalten und ihm die allcrwerth- vollsten Dienste geleistet. Als der nominelle Akzeptant der zwei Wechsel über je 200 000 M. für angeblich geliefertes P.pier, Graf Fiiikenstein, die Fälschung konstatirt halte, w r besagter Graf selbst noch immer so merkwürdig naiv zu zweifeln, ob denn nun wirklich der bereits nach SistranS abgereiste Freund Hammerstein der Fälscher sei. Auf Veranlassung eines Fiukeiisteiu'schen Rechtsbeistandes wurde deshalb in Sistrans bei Herrn v. Hammer- stein selbst telegraphisch angefragt, ob die Unterschrift:„Graf F i n k e n st e i n" irklich von deS e d e l e n Fr ei Herrn e i st e r h a n d nachgeahmt worden fei. Ob darauf eine Antivort ans Sistrans eiugetroffeii ist, wissen wir nicht. Jedenfalls erklärt dieser Vor- gang, daß nachher, als der Staatsanivalt auf die Suche ging, von Herrn v. Hammerstcin in dem Tiroler Kurorte keine Spur mehr zu finden war. Dieses schier unbegrenzte Vertrauen ist um so erstaun- lichcr, als dem Herrn v. Hammerstein schon vor längerer Zeit einmal eine recht bösartige Verwechselung von Mein und Dein nachgewiesen wurde. In der Generalversanim- lung des freisiiinigen Volksvereins„Franz Ziegler" in Brtslau theilte darüber, der„Brcsl. Ztg." zufolge, der Vorsitzende, Rechtsanwalt Feige, mit: Wenn ein Streit darüber bestehe, ob die Freniide des Herrn von Haminerstein schon im Januar oder Aprit oder gar erst in dem Moment von seinem verwerfliche» Treiben Kenntniß er- hielte», als er in die„Ferien" ging, so liege der Fall, von dem sr(Redner) erzählen wolle, fünf Jahre zurück. Damals eei Herr von Hammerstein Vorsitzender bezw. Mit- glied des Auf>ichtsrathes der Hagelvers icherungs- Gesellschaft„Borussia" in Berlin gewesen, während die Herren Krüger und Eck das Amt der Direktoren verwalteten. Herr von Hamiiierstein hat als kontrollirendes Mitglied des Aussichlsralhes die Verpflickluiig gehabt, die Kasse und die Bücher der Gesellschaft zu revidiren. Dabei habe er aber die Gelegenheil benützt, für sich s e l b st D a r l e h e» aus der Kasse zu entnehme». Insbesondere handle es sich um eine» Beirag von 15 000 M., den er mit Genehniigung der Direktoren für sich aus der Kasse entnommen habe. Aller- dings habe er behauptet, es wäre für diesen Betrag eine Sicherheil in Pfandbriefe» hinterlegt worden. Aber mil Ans- nähme der drei belheiligten Personen habe diese Pfandbriese nie- mals jemand gesehen. Dieser Fall sei jedoch nicht vereinzelt geblieben. Es seien auch noch andere Unregelinäßigkeiieii vor- gekoinmeii. Die betheiligien drei Personen halte» sich gegenseiiig Provisionen aus der Kasse bewilligt, so daß dieselbe in hohem Grade in Anspruch genommen worden sei. Jedesmal vor der Berlheilung der Geldbeträge unter sich halten sie sich von einem Geiieralagenle» große Siiinmen auszahle» lassen und, um dieses Manöver zu verdecken, habe»tan falsche Bilanzen a n f g e st e l l t. Einer der betheiligte» Generalagenten, der jetzt in Breslau wohne, habe Lärm geschlagen, die Sache zur Anzeige gebracht und Beschwerde beim Minisler erhoben. Dieser habe dem damaligen Polizei- präsidenteii v. R i ch t h o f e n die Unlersuchung übertrage». Dieser hohe Beamte habe seinerseils einen andere» Herrn mit der Unlersiichuug beauftragt und zwar— den Schivager eines der Direktoren. Die milgelheillen Thatsachen wurden nichts- desioiveniger festgestellt. Die Folge sei getvescit, daß der Aufsichlsralh daraui bestand, daß Herr von Ha»n»er> stein sein Amt niederlegte. Die 15 000 Mark seien wohl i» irgend einer Weise ersetzt worden. Zwölf Personen, die alle zu der Partei des Herrn von Hammerstein gehörten und von denen über die Hälfte Grafen und Barone waren, hätten von der Sache Wissen gehabt und wären verpflichtet gewesen, davon dem Staatsanwalt Mitiheilung zu machen. Höchst charak- teristisch aber sei der Schluß der Angelegenheit. Der General- agent, der die Sache ansgedeckt habe, sei von der Gesellschaft entlassen ivorden.-- * Deutsches Reich. -- Reichstags-Ersatzwahl in Pleß-Rybnrk. Nach einer Meldung der„Breslauer Zeitung" sind bei der Reichslags-Ersatzwahl im Wahl». eise Pieß-Rydnik bisher für Radivanski(Pole) ca. 5500, für v. Huene(Zentr.) S100 Slimine» gezählt. Die Wahl Radwanski's gilt als gesichert.— — Das G e h e i m in i t t e l>v e s e n soll einer reichsgesetz- lichen Regelung unterworfen werden, da die langjährigen Per- haiidlungeu darüber jetzt zum Abschluß gelangt sind. Wie die Pharm. Zlg." mitlheilt, habe» die verbündeten Regierungen sich geeinigt, von einer Ausstellung von Vorschrislen über den Handel und Vertrieb von Geheimminel» gänzlich abzusehen, da in de» Apolhekerverordnungen der einzelnen Staaten bezw. in den überall gleichmäßig erlassenen Vorschriften über den Verkehr mit stark wirkenden Arzneimiilel» diese Malme bereits hinreichend geregelt ist. Dagegen soll in allen Bundesstaaten ein Verbot der öffentlichen Ankündigimg von GeheimmiNelii mit folgendem Worllanl erlassen werden: Die öffentliche Ankündigung vo» Geheimmitleln, welche dazu bestimml sind, zur Verhülnng oder Heilung menschlicher Krankheiten zu dienen, ist verboten.— Durch diese Peftiiinnungen wird eine mildere Praxis bezüglich der Anprelsung von Geheinunilteln eingeleitet.— — Zur Sache Schröder und Genossen weist die Bergische Arbeiterslimme" gelegentlich der Schließung der Sanim- iniig für die Essener Verurtheillen auf die hohe moralische Bedeutung dieser Sammtztnge» hin, welche die Bedeutung der niateriellen Leislung noch überrage.„Teni Wahrsprnch der Gejchivorenen tritt die öffentliche Aleinnng nicht bei; sie bekundet aus die klarste, tinzweideuiigste Art ihren Glauben an die Un« schuld der Verurtheillen. Wie unheimlich muß denen, die an dem Ansehe» unserer gegenwärtigen Justiz inieressirl sind, bei diesem Urlbeil eines großen Theiles— vielleicht der Mehrheit— unseres Volkes werden!" — Ueber Wagen mangel auf Staatseisen- bahnen i» Oberscdlesien geht der„National-Zeitung" folgender Nolhschrei telcgrapbisch zu: „Zur schwersten Schädigung der Kohlenindusirie und ihrer Arbeiter dauert auch i» dieser Woche der Wagenmangcl i» un verringerter Stärke fort. Schon von Dienstag, als dem zweile» Tage der Woche, an wurde allmorgendlich vom Wagenburcan die Parole ausgegeben, daß voraussichllich nur drei Vierlei der Ver hällnißzahl werde gestellt werde» können. Es sind dies für das ganze Revier rund 3300 Wage» bei einer Bestellung von etn-a 5500, alio nur 60 pCl. des Bedarfs. ThnlsäcUich fehlten denn auch am Dienstag rund IIOO, am Millwoch rund 1800. Tonnerstag rund 1200 Wagen, und heute(Freitag) ist trotz an- gesagter voller Verhällnißzahl die Lage kaum besser. Die Schäden, ivelche ans dieser so»inzulänglichen Leistungsfähigkeit des Staalsbahn- Wagenparks erwachsen, sind enorm,»nd die Noihwendigleit, die Wiederlehr solcher Bedrängniß in endgiltiger und energischer Weise zn verhüten, tritt immer nrebr zn Tage." Welcben Mangel an Boranssichl»nd Organisalionesähigkeit hat da die Eisenbahnoerivaltuiig bewiesen! — Zum Fall Weber geht uns aus Köln folgende Depesche durch das Wolss'sche Bnicau zu:„Nach Millhcilungen des Landesdireklors der Rdeinprovinz war anläßlich der in der Presse erschienenen Beschuldigungen gegen Beamte der Pro- vinztal-Jrrenanstalt Andernach wegen der Behand- lung des Geisteskranken Weber das Erinitleliiugsversahren ei»- geleitet worden. Die Ermittelungen haben die Unrichtig- keit der Anschuldigungen ergeben, so daß zu einem Disziplinarverfahren kein Anlaß vorlag; dagegen wurde aus An- trag des Rendanten in Andernach die strafgeüchtliche Verfolgung beantragt." München, 28. Okiober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der Fortsetzung der Wahlrechtsdebaue trat Seyboth(steif.) für«ine Wahlreform im Geiste des Reichstagsivahlrechis ein. Wagner(natlib.) stellte sich auf den glelchen Standpunkt und drückte seine Sympaldie für das Proporlionalivahlissirem au.-. Günther(freis.) betonte energisch, daß bei den dunklen Planen. die man jetzt in Berlin im Schilde führt, das allgemeine Wahl- reckt als Palladium � des Volksrechts mit allen Mitteln vcrtheidigl werden müsse. Orterer(Zentr.) betont, daß er den von ihm steis vertretenen staatsrechtlichen Standpunkt, tvonach eine Versassnngsänderuiig unter der Regentschaft unmöglich lei. nicht verlassen könne. Er niolivirte deshalb den Uebergang zur Tagesordnung und empfiehlt denselben ferner, wen bei der gegenwärtigen Zusamnieiisetzliiig der Kammer eine Etnigung über ein befriedigendes Wahlgesetz unmöglich sei. Schadler (Zentrum) erklärt sich in seinem Nameii und dem einer kleinen Anzahl seiner Parteigenossen mit dem Antrage Grillenberger bis auf einige kleine Bedenken einverstaiideit. Ter Minister des Innern Feilitzsch erklärte in gewundener Rede, daß die Regierung davon absehe, einen Gesetzentwurf einzubrin"?»« weil die zu einer Verfassiingsäiiderung nölhige Zweldric.el- >. chrheit in dieser Kammer nicht erreichbar sei. Hieraus wird die Sitzung vertagt.— — Den Freidenkern scheint's überall in Deutschland an den Kragen zu gehen. In München ist nämlich der„Mün- chener Freidenkerverein" von der Polizei als ein politischer Verein erklärt worden, dem Studenlen und Frauen fernbleiben müssen. Im Statut war ausdrücklich betont worden, daß der Verein keine Politik treibe. Der Verein hat beim Minister Beschwerde erhoben.— Leipzig, 26. Oktober. Durch das Andrangen der am Dresdener Bahnhof versammeilen Menge brach der Staketeuzaun nieder, hinter welchem die ansrangirten Eisenbahnwagen stehen. Ebenso stürzte eine Sandstcinsäule ein, wodurch ein 12 jähriger Knabe getödlet und mehrere Personen verletzt wurden. Frankreich. — Ueber das Ver hält» iß znMadagaSkar wird aus Paris depeschirt: Heute ist der Wortlaut des Vertrages mit Madagaskar hier eingetroffen. Die Königin nimmt das stanzöstsche Protektorat mit allen seinen Folgen an. Frankreich wird Madagaskar rn allen auswärtigen Beziehnngen vertrete». Der französische Präsident wird mit der Wahrnehmung der Beziehungen zu zn den Vertreter» der fremde» Mächte und der Regelung aller Fragen betraut, welche die aus Madagaskar lebenden Fremden betreffend. Frankreich wird aus der Insel die für die Ausübung der Schntzherrschaft nöthigen Truppen unterhalten. Die innere Verwaltung wird von dem französischen Residenten kontrollirt. Tie Königin verpflichtet sich, mit inneren Resormen vorzugehen und keinerlei Anleihe ohne Erinächlignng seitens Frankreichs abzuschließen. Die Regierung wird den Vertrag nicht vor dein 20. November der Kammer vorlegen. Der Premierminister von Madagaskar Nainilairivony ist durch einen Nachfolger ersetzt worden, welcher jetzt sein Amt anlreten soll. Sämmtliche Truppen der Hovasregierung sind entwaffnet und entlassen worden. General Duchesne hat eins neue Miliz gebildet, die unter dem direkten Oberbefehl der FralU zosen steht.— Türkei. — Zur Situation liegen folgende Meldmigen vor: Aus Trapezliiit vom 3. Oktober an Bord des österreichischen Lroyddaiiipsers„Veiiiis" schreibt ein Kölner Landsmalin als Aiigeiizeiige der„Kölnischen Zeitung" Einzelheiten über die grauenhafte Metzelei unter den Armeniern in Trapezunt. Wenigstens sechshiindert Armenier wurden getödlet, dagegen fielen keine fünf Türken, ein Zeichen, daß der Ueberfall ganz unvermuthet erfolgte und die Armenier unbewaffnet waren. 2000 Weiber und Kinder fanden Zuflucht in dem Jesuitenhospital; der österreichische Konsul nahm 200 Weiber und Kinder bei sich aus. Der Gowährs- mann theilt weiter mit, daß der Anfstaud auch in der ganzen Umgebung ausbrach, die armenischen Niederlassungen angezündet, Menschen verbrannt«nd erschossen wurden. Der Lloyd- dainpser wurde vom Konsul zurückbehalten, bannt sich die Euro« päer retten könnte», wenn der Aufstand sich erneuerte. Nach einwöchigem Anfenthalt mußte die Fortsetzung der Fahrt aus einem dänischen Dampfer erfolgen. Nachrichten aus Skutari zufolge hat daselbst ein blutigez Konflikt zwischen Mohamedanern»nd Katholiken stattgefunden, Auf beiden Seilen gab es mehrere Tobte und Verwundete.— Ipaitfei-IHaifjuiifjfett. Bei der StadtrathS-Wahl in Dieburg wurde Genofst Simon Köster, trotz aller reichlichen Anschwärzungen durch die Zenirunisinänner, mit 209 von S79 abgegebenen Stimmen zum Stablrath gewählt. In Zürich sprach kürzlich der Parteigenosse und Advokat Otto Lang in einer Parteiversammlung über das Themq „Bauer und Sozialdemokrat". Nach dem Bericht der„Züricher Post" führte er aus, in der schweizerischen Landwirthschast hält: sich die Verwandlung, welche die Industrie durchgemacht hat: die Unterdrückung der Kleinwirthschafteii durch das Entstehen von Großbetrieben, also die Proletarisiriiiig der Massen, bis heute nicht vollzogen. Immer noch zähle der Bauernstand eine große Zahl Besitzender, und selb st die verschuldeten Bauern iväreii für die Idee des Sozialismus nickt empfänglich. Die staatlichen Subventionen würden, verglichen mit dem Arbeiterstaiid, einseitig der Landwirthschaft zugeivendet. Todtenliste der Partei. Zu Klein-Krotzenburg in Hessen starb unser Geuvsfe Maximilian. A b t nach kurzem Krankenlager; er war bis zu seinem Tode«in prinzipienfester Vertreter unserer Ideen. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Reichsabgeordneter Herbert in Stettin hat am Dannerstag eine sechswöchige Gefängnißstrase angetreten, die ihm wegen Beleidigung der Offiziere und Unteroffizier« der Armee vom dortigen Landgerichl auferlegt worden ist. — Die Tendenz d e r Z e i t n n g. Wegen Beleidigung der Direktoren der Zeche„Wesiphalia">var. Genosse Blockt» D o r k m u n d als verantivortlicher Redalleur der„Rheinisch- Weslsälischen Aibeiter- Zeitung", vom dortigen Landgericht zu Sirase verurlheiil worden. Er hatte eine ivültheilung über einen Unglücksfall auf dem Schachte Kaiserstuhl II veröffentlicht und dabei erwähnl, es seien nur fünf(in Wirklichkeit waren es mehr) Arbeiter mit dem Transport deS Vern» glückte» ins Krankenhaus betraut worden. Daran war die Beinerkiing ge- knüpft:„Sollte es wirklich nicht möglich gewesen sein. die erforderlichen Leute auf einige Stunden zu entbehren?" Das Landgericht erblickte in diesem Satze den Borivurs für die Tirellion, daß sie im Interesse des GelderwerbL es unterlassen habe, niehr Arbeiter von der Arbeit zu dispensiren, um an einem Alle der Menschlichkeit theilzuiiehnie». Der Schutz des tz 193(Wahrnebiiiniig berechtigter Interessen) wurde de», Angeklagten nicht zugebilligt, da der Presse nicht das iiiecht zustehe, Mißstände nnier beleidigenden Aeußeruiige» zu rügen und die von dem Angeklagten rcdigirte Zeitung die Tendenz verfolge, die Arbeitnebrner gegen die Arbeit- geber aufzuhetzen. Die vom Angeklagten eingelegt Revision wurde vorn Reichsgerichte verworfen. — Wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters Lindemann batte sich der Redakteur der„ N i e d e r r h e i n i s ch e n Volkstribüne", Genosse Wessel, vor der Düffel- d o r f e r Strafkammer zn verantworten. Es handelte sich um die bekannte Hafenbau-Angelegenheit, durch welche die steuer« zahlende Bürgerschaft Düsseldorfs infolge von„Rechenfehlern" städtischer Beamten ö Millionen Mark mehr hat zahlen müssen, als projektirt war. Wenn der Hase» fertig ist, wird er pro Jahr gleichfalls 200 WK) M. Zuschuß bedürfen, was amtlich be- stätigt worden. Das alles hatte die„Volkstribüne" angenagelt, um die Erinnerung an das nunmehr schon längere Zeit schwebende Disziplinarverfahren gegen die schuldigen städtische» Beamten wieder aufzufrischen. Oberbürgermeister Lindeman» gab selbst de» schleppenden Gang des Verfahrens zu, sowie daß er sich schon dreimal danach erkundigt habe. Wessel wurde trotzdem zu SOV M. Geldstrafe verurtheilt. — Wie von Amtswegen für die Verbreitung sozial- demokratischer Literatur gesorgt wird, zeigt ein Vorfall in Frankfurt a. O. Dem Redakteur unseres dortigen Partei» organs, der„Märkischen Volksstimme", waren wegen seiner Un- fähigkeit, die Gerichtskosten(die sich infolge der vielen Prozesse zu einer stattlichen Höhe summirt haben) zu bezahlen, mehrere Gegenstände, darunter auch die Reden und Schriften Lassalle's, sowie die Blos'schen Geschichtswerke der deutschen und französischen Revolution gepfändet worden. Auf den Einwand, daß dies sozialdemokratische Schriften seien, wurden sie anfänglich zurück- gelassen. Am Dienstag erschien jedoch ein Bote des Gerichts- Vollziehers, der die Bücher holte. Am Mittwoch Morgen wurden sie öffentlich versteigert. — Wege» Beleidigung von Polizeibeamten wurden der ver- antwortliche Redakteur des„ V o I k s b l a t t s für Halle", Genosse Franz Lehmann, vom Schöffengericht zu S0 M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. — Es war zur Zeit des Karnevals, da hatte die„Mainzer Volkszeitung" aus«inen, von dem Schriftsteller Michael Rützel verfaßten„karnevalistisch- dramatischen" Eröffnungsspiel einige Verszeilen, die sich höhnend mit dem Sozialismus be- faßten, abgedruckt und mit Randglossen versehen, bevor noch die Aufführung erfolgt war. Der„Dichter" nahm den Schutz des Gesetzes für sein„geistiges Eigenthum" in Anspruch und klagte. Vor der Strafkammer des Mainzer Land- gerichts plaidirte der Staatsauwalt auf schuldig und beantragte eine Geldbuße vnn Ivo M. Das Gericht sprach den verantwort- lichen Redakteur, Genossen Gustav Spring or, frei und legte die Kosten der Staatskasse zur Last. — Aus Erfurt wird gemeldet: Eine arge Niederlage hat wieder einmal die hiesige Staatsanwallschaft erliiten. Die vor einiger Zeit gemeldete Beschlagnahme eines Flugblatts ist durch Beschluß des Landgerichts aufgehoben worden. Die Staats- auwaltschaft hatte es sich in diesem Falle ganz besonders angelegen sein lassen, aus dem Inhalt des Flugblattes eine straf- bare Handlung zu konstruiren. Tie Beschlagnahme erfolgte zu- nächst auf grund des§ 131 R.-St.-G.-B.(Verächtlichmachung von Staatseinrichtunge»), dann wurden einige Tage später in Arnstadt plötzlich 7 Arbeiter verhastet, weil der Staatsanwalt in einer Stelle des Blattes Hoch- und Landesverrath witterte. Der staatsanwaltlichen Absicht, dem Verleger und den Verbreitern einen Hoch- und Landesverraths-Prozeß anzuhängen, gab das Reichsgericht keine Folge. Die Erhebung der Anklage wurde ab- gelehnt und die sofortige Freilassung der Verhafteten telegraphisch angeordnet. Aber auch mit dem Z 131 ist es nichts, da die Straf- lammer nach eingehender Prüfung nicht anzunehmen vermocht hat, daß der Thatbestand des§ 131 in der inlnunnirten Stelle des Flugblattes gegeben sei. Sozwle MebevZlchk. Sleudming In der Sonntagsruhe. Der Bundesrath hat seine Bekanntmachung vom 5. Februar 1895, betreffend die Sonntagsruhe, durch eine Bekanntmachung vom 25. Oktober 1395 dahin geändert, daß die für Bessemer- und Thomasstahlwcrke, Marlin- und Ticgelgußstahlwerke, Puddel- und zugehörige Walz- und Hammer- werke, sowie für Hochofengießereien zu gunsten der Arbeiter ge- troffeneBestimmung, wonach die den Arbeitern zu gewährende Ruhe mindestens sür jeden Sonnlag abwechselnd 24 und 48 Stunden b.tragen muß, aufgehoben wird. Man sieht, mit der Durch- l ö ch e r u n g des bischen Sonntagsruhe geht es im neueste» Kurs vorwärts. TaS Reichs« VersicherungSamt hat bezüglich der Ein- sordm.ng von Obergutachten in Unsallversiche- rungs-Sachen unterm 18. Oktober 1895 folgende Verfügung den betheiligten Berufsgenossenschaften zugehen lassen: „Die Genossenschaftsvorstände werden ergebenst davon in Kenntniß gesetzt, daß die A e r z t e k a m m e r n in Preuße» unter Umständen von den Berufsgenossenschaften zur Benennung von Obergutachten in Unfallversichernngs-Sachen in Anspruch genommen werde» können. Indessen ist sür derartige Anträge nach einer Entscheidung des königlich preußischen Herrn Ministers für die geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten stets die Vermittelung des königlichen Oberpräsidenten nachzusuchen. Auch darf die In- anspruchnahme der Aerztekammern nur bei Unfällen, die sich aus preußischem Staatsgebiete ereignet haben und nur dann ersolge», wenn die Verletzten in Preußen wohnen. Diese Mitwirkung der Aerztekammern bezw. ihrer Vorstände wird sich darauf beschränken, im einzelnen Falle aus jedesmaligen Antrag einen einzelnen geeigneten Oberg» tachter zu benennen und die Erstattung eines Gutachtens durch denselben zu ver- Mitteln. Dagegen ist es den preußischen Ärztekammern versagt, etwa besondere Kollegien von Sachverständigen zu bilden oder auch nur von vornherein allgemein eine Anzahl von Aerzten als Obergutachter zu bezeichnen.(Zu vergleichen wegen der Regelung, welche die Mitwirkung der in Bayern bestehenden Aerztekammer in Unfall-Versicherungs- fachen in»euerer Zeit gefunden hat, die in Nr. 3 der amt- lichen Nachrichten des Neichs-Versicherungsamtes vom 1. März 1895, nicht amtlicher Theil, wiedergegebene Bekanntmachung des königl. bayerischen Staatsnunisteriuins des Innern vom 27. Juni 1894)." Es soll damit die Schwierigkeit beseitigt werden, die de» Berufsgenossenschaften fast regelmäßig bei Einforderung von Obergutachte» erwächst. So sehr es im Juteresse der Verletzten und auch der Berussgenossenschaften liegt, möglichst unparteiische und wissenschaftlich begründete Gutachten zu erhallen, so wenig dürfte die Verfügung an den auf diesem Gebiete bestehenden Mängeln etwas ändern. Eine wirksame Aenderung kann nur dann erfolgen, wenn wirklich, was in der Verfügung ausdrücklich für unstatthaft erklärt wird, Kollegien ans den auf dem jeweilige» Spezialgebiete der ärztlichen Wissenschaft ollgemein anerkannten Autoritäten gebildet werden, die der Unfall-Rechtsprechung zur Verfügung stehen müsse». Auch der Aerztekammer gegenüber werden die heute als Autoritäten geltenden Gelehrten Ablehnungs- grttnde besitze» und es dürste daher vorläufig, nicht zum wenigsten zum Schaden der Arbeiter, alles hübsch beim allen bleiben. Fabrikrevisioue». Wie das bischen Arbeiterschutz noch durch Mangel an sozialpolitischer Einsicht der Behörden ver- stümmelt wird, so daß seine Bestimmungen nurmehr aus dem Papiere stehen, das zeigt wieder deutlich«in Fall in Nürnberg. Eine dortige Firma halte an den Polizeisenat das eigenthümliche Gesuch gerichtet, de» Beamten, der die Fabrikvisitation ausübt, dahin zu instruiren, daß er sich bei einer Visitation erst anzu- melden habe. Der Referent meinte, die Firma bezwecke damit etwas Besonderes, denn der Roltmeister habe zu Protokoll ge- geben, daß er bemerkte, als er einmal die Fabrik visitiren wollte und sich vorher auf dem Komptoir meldete, wie ein Komptorist an alle Meister telephonirte, und diese von der Revision verständigte. Als er dann in der Fabrik die aushängenden Verzeichnisse für jugendliche Arbeiter nachsah, bemerkte er, daß die Ein- tragungen erst kurz vorher bewirkt worden waren. Trotz dieser merkwürdigen Thatsache meinte der Nürnberger Herr Bürgermeister, daß sich der Beamte zuerst anzumelden und seine Legitimation vorzuzeigen babe. wie das auch bei Haus- suchungen üblich sei; dieser Vergleich hinkt aber gewaltig. § 139b der R.-G.-O. besagt, daß die Polizeiorgane bei Tag und Nacht während des Betriebes das Recht der Kontrolle haben, von einer vorherigen Anmeldung steht nichts im Gesetz. Wenn die Unternehmer wirklich eine so große Fürsorge sür die Arbeiter an den Tag legen, als sie sich immer rühmen, dann müßte ihnen eine Kontrolle ohne vorderige Anmeldung— wie sie das Gesetz verlangt— nur an- genehm sein. Daß dieses nicht der Fall ist, läßt tief blicke». Herr Magistratsralh Liebe! stellte dann den Antrag: der Beamte solle sich erst anmelden und dann sofort die Revision beginne». Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit an- g e n o m m e n. Die Fabrikanten haben allen Anlaß, mit solcher Gesetzes- auslegung durch die städtische Behörde sehr zufrieden zu sein, für die Arbeiter aber werden nach solchen Instruktionen der Polizeibeamten die Bestimmungen des Z 139 b der Reichs-Gewerbe- Ordnung im weiten Umfange zur werthlosen Redensart. Für die Schaffung eines Arbeitersekretariats in Frank- furt a. M. haben sich die Gewerkschaften der Bäcker, Brauer, Buch- binder, Dachdecker, Friseure, Küfer, Lithographen, Maler, Metall- arbeiter, Müller, Schneider, Schreiner, Korkarbeiter. Brauer, Stein- wetzen, Tabakarbeiler, Textilarbeiter erklärt, dagegen sprachen sich die Gewerkschaften der Bildhauer, Buchdrucker, Maurer, der nichtgeiverb- lichen Arbeiter und der Schuhmacher mit der Begründung aus, daß die Aufbringung der Mittel zu bezweifeln wäre. Das Be- dürfniß eines Sekretariats wurde aber auch von diesen Geiverk- schaften anerkannt. Zu einer definitiven Beschlußfassung kam es noch nicht. Sächsische Konsumvereine. Auf Ersuchen der Handels- und Gewcrbekammer Dresden, die Konsumvereine als kauf- mäunische Betriebe hinsichtlich der Einkommmensteuer den Aktien- gesellschaflen gleichzustellen, antwortete das Ministerium des Innern nach Vernehmung mit dem Finanzministerium ablehnend. Die Behörden motivirtcn ihre ablehnende Hallung damit, daß im letzten sächsischen Landtage die Meinung überivogen habe, vorerst den Erfolg der Generalverordnung des Finanzministeriums vom 3. Mai 1892 abzuwarten, wonach die Konsumvereine nur stellerfrei sind, wenn die Ueberschüsse aus dem Gewerbebetriebe lediglich nach Maßgabe der von den Mitgliedern entnommene» Maaren vertheilt werden und ivenn der Geschäitsbetried sich auf die Beschaffung von Maaren �sür die Mitglieder beschränkt. GemerkfchAftliches. ESnuntllche MUlheitunflc» von Organisalionen, vor allem solche über vuSsiände oder Aussperrungen, müssen siel« de» Elempel der betreffende» Organisation tragen. Achtung, Putzer Berlins und Umgegend. Kollegen! Wie in verschiedenen Versammlungen unserer Branche durch mündliche Berichte der Kollegen, ferner durch die fast zahllosen Prozesse vor de» Gelverbegerichten festgestellt ist, sind die Uebcl- stände in unserem Gewerbe so unerträglich geworden, daß sie dringend Abhilfe erheischen. Zum theil sind sie auf die wirlh- schaftliche Krise, die das Baugelverbe in den letzten Jahren schwer getroffen hat,»nd auf das in dieser Zeit zur vollen Bliithe gekommene Bauschwindlerthum zurückzuführen, aber ein gut Theil der Schuld trage» die Kollegen selber. Durch die Lauheit gegen- über der Organisation ist das Soldaritätsgefühl gemindert und die Selbstsucht wieder krasser zuni Ansbruck gekomme». Die Unternehmer haben es wohl verstanden, sich dies zu nutze zu machen, indem sie, auf die Uneinigkeit der Kollegen bauend, bei Vereinbarung der Preise immer das Augebot des einen Ar- beiters gegen das des ander» ausspielten, um die Preise noch weiter herab zu drücken. Ein großer Theil Kollegen hat eingesehen. daß dies nicht länger so fortgehen kann. Es wurde deshalb in de» gulbesuchten öffentlichen Versammlungen der letzten Wochen der Beschluß gefaßt, Wandel zu schaffen. Ueberall da, wo der übliche Lohn von 7 M. pro Tag nicht gezahlt wird, soll dieser energisch gefordert und, wenn uölhig, unter Ruhenlassen der Arbeit erkämpft werden. Um es aber de» Kollegen zu ermöglichen, diese» Lohn' auch verdienen zu können, ist es nolhwendig, die so tief gesunkenen Akkordpreise zu erhöben. Es ist deshalb der neu- revidirte Lohntaris den Unlernehmern zugestellt tvorden, und Euere Aufgabe ist es nun, Kollegen, ihn zur Geltung zu bringen. Daß die Zeit hierzu günstig ist, beweist ter Umstand, daß aus Bei laugen zirka 250 Kollegen sofort der Lohn von 7M. pro Tag gewährt wurde; auch sind verschiede! e Gesuche um Zuweisung von Kollegen an die Kommission gerichtet worden. Es bedarf also nur energischen Handelns Eurerseits, Kollege»! Um das bereits errungene festzuhalten und weiteres zu erringen, ist es»othwendig, daß die Kollegen Maun für Mann Mitglieder der Zahlstelle 1(Putzer) des Zentralverbandes der deutschen Maurer werden, denn ohne eine starke Organisation ist sür die Dauer von den heutigen Unter- nehmer», die übrigens meist nur Handlanger des Kapitals sind, nichts zu erreichen. Um nun die weiteren Maßnahmen zur Durchführung unserer Forderungen festzusetze», wird Montag, den 28. Oktober, im Louisenslädliicheu Konzerlhause, Alte Jakobstraße 37, eine öffentliche Versammlung s ä u> m l- licher Putzer Berlins und Umgegend abgeballen, wozu Ihr alle, Kollegen, Mann für Mann erscheinen müßt. Es gilt Euer und Eurer Familien Wohl und Wehe für die Zukunft! Seid darum alle Manu am Platze! Tie Kommission. Wege» der Aufforderung, den Zuzug fernzu- halten, sieht auch der Redakteur des„B a u h a n d lv e r k e r s", wie dieser mittheilt, einer Anklage entgegen. I» Düben befinden sich seit Montag die W ei ß g erb e r der Glacelederfabrik von Karl Olto's Witlwe im Streik. Sie fordern 1. einen Wochenlohu von 18 Alk.(bis jetzt 16,50 Mk.); 2. sollen nnr solche Leute beschäftigt werden, die organisirt sind. Es besirden sich 12 Mann im Streik; die anderen sind abgereist. Vier Mann haben die Arbeil nicht ein- gestellt. In einer KelverkschaftSversammlung GIlenburgS war ein Komitee beauftragt worden, zwecks Schaffung eines Gewerbegerichts mit der Behörde in Verbindung zu treten. Es erhielt die Antwort, ein derartiges Justiiut sei überflüssig, und es würde auch nur zur sozialdemokratischen Propa- ganda benützt werden. Bei diesem Bescheide wollen sich aber die Arbeiter von Eilenburg nicht beruhigen, sondern ein neues Komitee wählen, das weitere Schritte an die Oberbehörde unter- nimmt, damit die Sache doch zum Besten der Arbeiter endigt. Die Organisatio» der Maurer Dresdens ist zur Zeit 1300 Maun stark. In Düttling«» in Württemberg haben 70 Italiener und zwei Deutsche, die bei der Kanalisiruug des städtische» Wasser- werkes beschäftigt waren, die Arbeit eingestellt, weil sie schon seit drei Wochen keinen Lohn erhalten haben. Die Arbeiten sind an einen Akkordanten vergeben. Eine Deputation, die bei dem Orts- Vorsteher vorsprach, hatte keinen Erfolg. In der Druckerei der k l e r i k a l e n„V o l k sf- Z e i t u n g" in Salzburg(Oesterreich) haben die Setzer ihre Tdäligkeit eingestellt, weil einer ihrer Kollegen ohne triftigen Grund ge- kündigt worden ist. Die Arbeitseiustellnug an der Glasbläserei der Herren R e g o u t in Maastricht(Holland) ist beendigt. Der Fabrikant hat theilweise in die Forderungen der Arbeiter ein- gewilligt. Die Arbeit kann aber erst in vierzehn Tagen wieder aufgenommen werden, da die Glasösen theilweise entweder ge- löscht oder gesprungen sind. In der schottischen Stadt(TarliSle versammelten sich, der Londoner„A. K." zufolge am Mittwoch die Delegirten der Unternehmer und Arbeiter der S ch i f f s b a u i n d u st r i e, um den drohenden Ausstand womöglich zu verhindern. Die VerHand- lungen waren geheim. Am Schluß der Sitzung wurde die jol- pende Mittheilung gemacht: In Glasgow beabsichtigen die Meister, die Löhne gleichmäßig zu gestalten. Dadurch bekämen alle Arbeiter, welche unker 7 Pence die Stunde erhielten, '/* Penny mehr; dabei sei Bedingung, daß die Arbeiter vor sechs Monaten den Verlrag nicht ändern dürften. Gegen die 7 Penny hätten die Arbeiter nichts, aber gegen die Kündigungsfrist. Der Vorschlag der Unternehmer gehe nun dabin, daß der Vorschlag der Glasgower Schiffsbaumeister die Bestätigung der Konferenz finden möge. Eine Aenderung der Kündigungsfrist solle gegenseitigem Einverständniß überlassen bleiben. Den Belfaster örtlichen Streit angehend, sagen die Unternehmer, daß es bei der jetzigen Konjunktur unmöglich sei, die Löhne zu erhöhen. Deshalb schlagen sie vor, daß die Arbeiter in Bebast innerhalb einer Woche an die Arbeit zurückkehren. In diesem Falle solle den Arbeitern vom 2. März n. I. ab in den Werkstätten des Vereins im Belfast- und Clyde- Distrikt Penny(2 Pf.) die Stunde mehr gegeben werden, sobald der Stand der Geschäfte es möglich mache. Der dann gezahlte Lohn solle sechs Monate in kraft bleiben. Jede weitere Lohnabände- rung soll eine zweimonatige Kündigung bedingen. Nach einer neuerlichen Nachricht aus Glasgow haben die Maschinenarbeiter das Anerbteten der Unternehmer, die weniger als 7 Pence pro Stunde betragenden Löhne um Vi Penny pro Stunde erhöhen zu wollen, angenommen. DepetfCzon und lehke Llttchrichten. Flensburg, 26. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute fand vor dem Seeamte die Verhandlung über die am 27. Mai stattgefundene Kesselexplosio» des türkische» Torvedo- jägers auf der Kieler Germaniawerft statt, bei der 13 Personen geiödtet wurden. Der leitende Monteur wurde für schuldlos erklärt. Ferner wird im Urtheile festgestellt, daß die Direktion trotz der Gefährlichkeit des Kessels ein ungenügendes Aussichis- perwnal gestellt habe. Dies allein habe neben dem Wassermangel die Explosion verursacht. München, 26. Oktober.(W. T. B.) Das Gesetz- und Ver- ordnungsblatl veröffentlicht eine Bekanntmachung d!.s Ministers des Inner», durch welches das Verbot der Etiyuhr von Rindvieh aus Galizien außer Kraft gesetzt wird. München, 26. Oktober.(W. T. B.) Bei dem gestrigen Einsturz des Neubaues in der Amalienstraße wurden nach sehr schwierigen Anfräumungsarbeiten in der Nacht die vier ver« schüttele» Arbeiter sämmllich todt aufgesunden. Wie», 26. Oktober.(B. H.) Der Minister des Innern richtete wegen der bedenklichen Ausbreitung der Galizien an die Statthalter von Wien, Prag, Brünn, Ezemowitz einen Erlaß, worin verschiedene Sanilätsvorschriften und eine strenge Heber- wachung der Reise den angeordnet wird. Posen, 26. Okiober.(B. H.) Heber 300 Kinder erkrankten in Samolschin an granulöser Augenentzündung. Budapest, 26. Oktober.(B. H.) In einem Erlaß des Hntenichtsministers an sämmtliche Schulinspektoren wird ersucht. strengstens darauf zu achten, daß alle schulpflichtige» Kinder auch voll ihrer Schulpflicht nachkomme». Die bisherigen Hmerrichts- erfolge seien bellagenswerth, da ln»t amtlichen Ausweises nur 60,2 pCt. der männlichen und 46,5 pCt. der weiblichen Be» völkerung des Lesens und Schreibens mächtig seien. In gleicher Weise bedauerlich sei es, daß die nicht niagyarische Bevölkerung bisher so wenig Fortschritte in der Erlernung der ungarischen Staatssprache gemacht hat. Paris. 26. Oktober.(B. H.) In der Kammersihung warf heute Nachmittag in dem Augenblicke, als Minister Leygues die Rednertribüne bestieg, um Jaurös zu widerlegen, ein Ardeiter von der Zuschauertiibüne Blumen in den Sitzungssaal, indem er ausrief:„Es lebe Frankreich, es lebe das Vaterland!" Es entstund eine große Panik, die Abgeordneten liefe» den Ausgängen zu. Der Arbeiter wurde verhaftet, er erklärte, Soldat geiresen zu sein und zeigte eine im Kruege erhaltene Wunde. Nach dem Zwischeusall begann Leygues mit seiner Rede. Paris, 26. Oktober.(W. T. B.) Die Budget- Kommisflon setzte sür ausländische Slaalspapiere ein« Stempelsteuer von 50 Centimes sür loo Franks und für sonstige austäudifche W-rthe von 2 Franks für 100 Franks fest. Der Zudrang zur Depulirtenkammer hat nachgelassen. Ein Judividuuin, welches ans der Tribüne„Hoch Carmanx" rief und Pupiersetze» in den Saal warf, wurde sofort entfernt. Der Minister des Innern Leygues nahm seine Ausführungen von gestern wieder auf, schilderte de» Verlauf des Streiks in Carinanx und wies nach, daß die Behörden einzig bemüht waren, eine Verständigung herbeizuführen; gewisse Vorsichtsmaßregeln hätten natürlich gel» offen werden müsse», namentlich nach dem Attentat aus Rcssöguier. Tie äüßerste Linke unterbrach fortwährend den Minister, welcher sich schließlich scharf gegen die Einmischung der sozialistischen Depulirten in den Streik aussprach. Eine Depesche des Generals Dnchesne meldet, daß der madagassische Minister des Innern den Premierminister, welcher in der Hmgegend von Tauanarivo inieumt ist, ersetzt hat. Es sei alles ruhig und die Bevölkerung sei mit der frauzösiscyen Okkupation durchaus zufrieden. Paris, 26. Oktober.(W. T. B.) Depntirten- Kammer. Schluß. Ter Sozialist Mille, aud behauptete, die Schuld a» dem Streik in Carmanx trage Rcsssguier; Redner tadelte das Ver- halten des Präfekte» und der anderen Beamten und verlangte, daß man den Streikende» zu Hilfe komme. Der Jnstizminister Trarieux erklärte, daß er sür dne Verhallen der Behörden eintrete. Die Deputirlenkauunec sei kein Gerichtshof; der Minister wies mehrere Behauptungen des Depulirleu Jauräs zurück. Die sozialistischen Depulirten proustirten heftig dagegen. Jaurös wollte sich auf den Minister stürzen, wurde aber von seinen Freunde» zurückgehalten. Ter Minister verlangle schließlich, daß die Kammer durch ihr Volum ihr Vertrauen in die Gesetze und die Gerechtigkeit bezeuge. Nachdem sodann die Diskulston geschlossen und Bruson feine Zusage, das Schiedsrichleraml in der Car- maux-Angelegenheit zu übernehme», zurückgezogen hatte, wurde mit 277 gegen 214 Slinimen ei» Antrag angenommen, dur.y wel» che« die Kammer der Regierung ihr Vertrauen ausspricht. Londo», 26. Oktober.(B. H.) Nach Verfichernng der „Times" ist thatsächlich zwischen Rußland und China ein Ab- kommen zu stände gekomme». Gegen die chinesische Regierung machte sich eine große Entrüstung gellend, als hier bekannt wurde, welche bedeutenden Konzessionen China dem rufsijchen Reiche gemacht bat. Madrid, 26. Oktober.(W. T. B.) Z»r Verstärkung der Truppenmacht auf Euba werden insgesannnt mehr als 35 000 Mann entsandt werden. New- Uork, 25. Oktober.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus"). Ein Telegramm aus Havannah meldet, daß da? Kanonenboot„Caridal" bei Cärdenas aus den Grund yeraiben ist. Die Bemannung rettete sich in Schaluppen. Ma» wird ver» suche», das Schiff nach dem Eintreffen von Hilfe wieder fiou zu machen. Marschall CamvoS ist von Eienfnegos in Havannah ein- getroffen. Die Anfständijche» haben kürzlich de» Marschall an- gegriffen. Er wurde von etwa 100 Berittenen versolgt; acht Kugeln durchbohrten seinen Mantel; doch wurde Eampvs nicht verwundet. Bokohama, 26. Oktober.(W. T. B.) Wie die japanischen ZeiUmgen_ melden, find der bisherig« japanische Gesandte ilir Korea, Minra, und andere Japaner bei ihrer Ankunft in Hjina verhaslet worden. Bemntworllicher Redakteur: Fretz Kuuert, Schöneberg Berlin. Für den Jnserateutheil veranlwortlich: Dh. Glvcke in Berlin. Druck und Verlag vrn Max Badiug in Verlin. Hierzu S Beilag«»' i. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Nr. S6S. Sonntag, den 37. Oktober 18Sö. 12. Jahrg. Uok�les. Nachdem die Wahlen zur Lokalkommission am Dönue�stag in allen sechs Wahlkreisen vollzogen worden sind, weiden die in diese Kommission gewählten Parteigenosse» ersucht, ihre Adressen an K. Scholz, Wrangelstraße 32, einzusenden. Die gleiche Bitte ergeht an die neugewählten Lolatkoimnissions- Mitglieder der Umgegend Berlins. Die städtische Depntation fiir Knnstzwecke hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den Koppenplatz mit einer Marmor« gruppe anszusch, nücken. Die vorgeführte Modellskizze, das„Ball- spiet" darstellend— weibliche Idealfigur, umgebe» von Kinder- gestalte»— hat im allgemeinen den Beifall der Kommission gc- fluiden und soll der Künstler ersucht werden, unter Berück- sichtignng der in der Deputation angeregte» Gesichtspunkte eine neue Skizze vorznlegen. Derselbe Beschluß wurde bezüglich der für einen anderen städtischen Platz bestimmten Marmorgruppe„Kinder- reizen"— weibliche Figur mit Kindern einen Neigen auf- fahrend— gefaßt. Die Büste des verstorbene» Direktors der Wasserwerke, Gill, von dem Bildhauer Risch verfertigt, findet vor den Wasseriverken am Müggelsee auf einem Felsblock Auf- stellnng. Ein Antrag, das Kunstgewerbe durch einen Auftrag zur Anfertigiing eines Ehrenpokals der Stadl Berlin zu unterstützen, fand nicht die Zustinimuna der Deputation. Der frühere Beschluß, die Büste von Werner Sieuiens auf dem an der Markgrafen- und Lindenstraßen-Ecke belegenen Platze aufzustellen, kommt nicht zur Ausführung, weil das Komitee für das Siemens- Tenkmal seine Thäligkeil auch aus die Errichtung eines Denkmals für den ver- storbenen Physiker Helmholtz ausdehnt und für beide Denkmäler eine» gemeinsamen Platz sucht. Die Depntation genehmigte den Autrag an die Gemeindebehörde», für die nächstjährige Jubiläums- Kilnst-Ausstelliing vier Ehrenpreise der Stadt Berlin für Malerei, Bildhauerei, Architektur und Kupferstich von je 3000 M. zu stiften. Für die Ausschmückung des Andreasplatzes wurde nach den vorliegenden Skizzen die Anfertigung eines Modells— steinerne Ruhebank mit reichen» Figuren schmuck— beschlossen. Die Berathung über das Projekt der Ausschmückung des Eingangs des Friedrichshaines wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt, weil die nothivendigen Bor- arbeiten noch nicht beendet sind.— Der Ankauf des Gemäldes „Der Kronprinz 1870 im Hauptquartier zu Versailles" soiu der Ankauf des Farbenlichtdruckes von Keller's Apotheose„Kaisi Wilhelm I" wurden abgelehnt. Zur besseren Beleuchtimgroes Platzes vor rem Brandenburger Thor sollen hohe Masten mit elektrische» Lampen aufgestellt»verde», für deren künstlerische Herstellung eine Konktirrenz ausgeschrieben»vird. Zum Umfang der Arbeits- und Obdachlosigkeit in Berti» liefert der neueste Jahresbericht des Per eins „Dienst an Arbeitslosen"»vieder einen sehr lehrreichen Beitrag. Der Verein veranstaltet in den Wintermonaten jede» Sonntag um 8 Uhr früh Andachten für Obdachlose und spendet dabei ein unentgeltliches Frühstück(1 Becher Kaffee, 2 Schrippen). Die Obdachlosen nennen diese Andachten„Schrippenlirche". Im Winter 1394/95»vurden beide„Schrippenkirchen"(an» Wedding und am Johannislifch) an 32 Sonntage» von 15 067 Gäste» besucht(gegen 13 253 an 33 Sonntagen in 1893/94). Auf jeden Sonniag kamen im Durchschnitt 471 Gäste(im Vorjahre 401). Anderlveitige Hilfe(Kleider, Geld. Arbeitsvermittlung, Bescbaffnng von Legitimalionspapieren u. s.>v.) habe» 2469 verschiedene Personen voin Verein erbeten. Was der Verein an Hiife leiste» tonnte,»var nur gering, wie auch im Berichte zugegeben»vird. Werthvoll sind aber die Erhebungen über Heimath, B-ruf und Aller der Hilfesuchende», die bei dieser Ge- legenhcil(übrigens nicht immer mir Erfolg) angestellt wurde». Ihre Heimath(ob Geburts- oder letzter Ztusenthaltsort vor der Zuivaudernng, ist nicht klar, doch scheint es sich um de» Geburtsort zu handeln) gaben nur 1616 an. Aus den» Auslande kamen 61, ans Deutschland 1535; von diesen z. B. aus König- reich Sachsen 72, aus Königreich Preußen 1333; von letztere» z. B. aus Schlesien 239, aus Brandenburg 303 (»vi« viele darunter aus Berliner Vorort, n,»vird nicht gesagt) Thmst und Zvistenschaft. Im Lessing- Theater wurde ain Freitag das Schauspiel „Ter Dornenweg" von Felix P h i l i p p i zuin ersten Male aufgeführt. Das Drama ist auf Sensation gestellt und verfehlte bei Seusalions-Bedürstigen und Naiveren die Wirkung nicht. Ei» spitzfindiger Kopf, der von jeher auf den Spuren der Pariser Thesenoramaliker»vandelte, hat es ergrübelt, iilil dichterisch»varmer Aiischaunua hat es nichts zn schaffen. Wie seine Pariser Vorbilder eine möglichst komplizirte These aufstelle», um durch die stoffliche Behandliing ihrer These zu spannen, so erfindet sich auch Poilippi seine» raffinirt verzwickte» Fall. Suche» die Pariser das Teinperament ihrer Landsleule dadurch zu packen, daß sie aus ihrer Tbes« stark beivegle, leidenschaftlich- heroische Asselle mit Vorliebe ichö. fen, so versucht es der deutsche Philipp!, aus seiner Tbese das Rührsam Familiäre möglichst breit hervor- zuholiii. Seine Tbes« liegt so: Frau Wedeki»d, eine vornehme Pairrzielin, Hai eine» Torneniveg zu du>chiva>ideni. Sie wurde aiis Matierltebe zur Verbrecherin. Ihr leichtfertiger Sohn Egon hat ans des Vaters Kasse 20 000 Mark gestoblen. Der Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, fällt auf den Buchhalter Wehekiiid's, Herrn Bülau. Egon schweigt, angeblich aus jugendlichem Unverstand; mancherlei grav ien.e Umstände führen zu«ine»» Rechisirrthuin. Bülau »vird unsä uldig verurtheilt. Nach kurzer Zeil gesteht Ego» in einer Anivandlnng von Reue seiner Mutter die volle Wahrheit. Frau Wedetmd schweigt aus übergroßer Mutterliebe und Bülau buchet.— W>e das Wort Mutterliebe die Zuhörer förmlich hnpuotisirt und keine Nachdenklichkeit bei ihnen anftoinmen läßt. Warum nannte Philipp! sei» Melodram im Stil der Familie»- blatl-Nomaiie nicht ehrlicher:„Ans M u t l e r l i e b e." Einen Dichter hätte es»vohl reizen mögen, künstlerische Tiefen aufzuspüren und darznthun, wie aus de»n Verbreche» einer fchivamen Mutier nirgends ei» Heil aufsproßt; nicht für die Lügnerin und nickst für den, in dessen tiiletesse sie log, die geineinsanie Schuld, die Mutter und ohn aneinanderkettet, kann beide innerlich ent'remden und zu einer Tragödie führen. Aber erstens fragt der Thesendramatiker nicht»ach dem Wie; er ist zuirieden,»venn er die Neugierde nach dem„Was geschieht iveiter" erregen knii». Zweitens ist es undankbar, die gute leulsche Bürgersfrau, die für das Wedeiben des Theaters maßgebend»virkt, in ihrer sanfte» Rührsamkeir, in ihrer füßei» Thiäaeiisreude zu stören und sie dadurch zu erschrecken, daß zivischen Mutter und Kind eine wahrhafte Tragödie sich aufbaue. Philippi also denkt mit den Klügeren. Nachgiebigkeit ist alles. Er stellt also Frau Wedekind in einen Kontrast zu dem enllasscnen Sträfling Bülau und»vas sie nun äußerlich erlebt, das soll ans das Publikum de» befonderen Spannungs- und Nervenreiz übe». Wie Fran Wedekind sich verräth, das ist geiviß geschickt und fleißig gemacht; aber ist der Spannnngsreiz emmal ve»flogen, so bleibt nur die wässerige Weinerlichkeit mehr übrig. Herr Bülau lobt anfangs, als er die Wahrheit erfährt aus Berlin 253. Interessant»väre, zu wissen, wie viele, Nichlberliner doch schon seit längerer Zeit in Berlin oder Berliner Vororten gewohnt hatten. Den Beruf(vermuthlich oft nur den eheinaligen) gaben noch»veniger an, 1482. Darunter waren 349 Arbeiter, 216 Arbeitsburschen, 46 Knechte und Kutscher, also zusammen 611, die man etwa als„Ungelernte" bezeichnen kann; feriier 114 Schlosser, 67 Bäcker und Konditorei», 60 Tischler, 50 Maler, 47 Maurer, 33 Klempner, 32 Schneider, 32 Schuhmacher, 30 Schmiede und Stellniacher, 24 Schlächter, 13 Gärtner, 17 Barbiere, 17 Sattler. 10 Weber u. s.>v., schließlich noch 23 Lehrlinge, zusmninen 591 Handwerker;»veiter 43 Kellner, 79 Hausdiener, 76 Kaufleute, 24 Schreiber, 17 Techniker, 4 Lehrer, 5 sonstige Beamte und 8„studirte Leute". Diese Zahlen lehren, ebenso »vie die früher von uns besprochene Uebersicht der Verurthellungen wegen Bettelei und Obdachlosigkeit im Jahre 1894, daß es durchaus falsch ist, anzunehnien, es seien fast nur„Nichtberliner" und ineist„Ungelernte", die in Berlin arbeits- und obdachlos werden und dann entweder durch das städtische Obdach ins Gefängniß und Arbeitshaus oder diirch die„Schrippenkirche" in die Arbeilerkolonie»vandern. Ueber das Alter dieser Unglück- lichen kann der Bericht bei 1614 eine Angabe machen. 14 bis 16 Jahre alt waren 63, 17—20 Jahre 624(!), 21—30 Jahre 468, 31— 40 Jahre 230, 41-50 Jahre 153, über 50 Jahre 71. Der Bericht fügt hinzu:„Es ist eine traurige Wahrnehmung, daß so viele jugendliche Kräfte brach liegen." Zu der Erkennlniß, daß unter der Herrschast des Kapitalismus zahllose Arbeitskräfte, fügend- liche und alte, brachliegen müssen, können sich natürlich die Leiter der„Schrippenkirche" nicht aufschwingen. Deshalb werden sie auch die Erfolglosigkeit ihres Thuns nie einsehen. Mag sein, daß sie manchen durch ihr„Bete und arbeite" zn einem geordneten Leben zurückführen. Aber die Grundursachen der Arbeitslosig- keit, die ihnen immer neue Schaar«» von Arbeits- und Obdach- lose» zuführen müsse» können sie durch keine„Schrippenkirche"»nd keine Arbeiterkolonie beseitigen. Sie»vollen es aber auch gar nicht; ja sie bemühen sich sogar, die gegenwärtige Gesellschafts- ordnung, deren Begleilerscheinnng die Arbeitslosigkeit ist, zn schützen»md zu stützen. er de» entlassene» Strafgefangenen, die in Berlin vaMblich nach Beschäftigung und Verdienst suche»,»vird das »d„immer größer",— also steht es zu lesen in einer durch die bürgerliche Presse gehenden Notiz, durch die der hiesige „Verein zur Besserung der Strafgefangene»" das„wohllhätige" Publikum für eine von ihm in'Aussicht genoinmeue Matinee zn interessiren sucht. Sonst hieß es in der Regel umgekehrt, die Thätigkeit des Vereins gestalte sich immer erfolgreicher. Was entspricht nun den Thalsachen? Solchen Widersprüchen kann man aber in den Mittheilungen über die Thätigkeit unserer„»vohllhätigeu" und„geineinnützigen" Vereine mehrfach begegnen,»venu man die Berichte über den Erfolg ihrer Thätigkeit und die Aufrufe z»r Beschaffung der Geldnnttcl neben einander hält. Noch ein anderer Wider- sprach ist uns in der Notiz aufgefallen. Von den„jugend- lichen Uebelthätern"»vird gesagt, sie»vürden„meistens" z» Handwerker» in die Lehre gegebe». Dieses„meistens" muß ivohl ein Jrrlhum sein. I» den Jahresberichten des Vereins, die sonst sehr detaillirle Hahlenangaben bringe», fehlt leider jede Millheilung gerade darüber,»vieviele Jugendliche zu Hand- iverkern in die Lehre gekonunen sind;»>an erfährt nur, wie viele von ihnen im ganzen„in Arbeit beziv. Lehre" gebracht »vurden. Man kann sich aber»venigstens ein ungefähr zutreffendes Urlheil über die vermuthliche Zahl der Haiidwerlslehrlinge bilden, wenn man eruägt, daß z. B. im Jahre 1893(dem letzten, über welches bisher ein Bericht veröffentlicht ist,) von zusammen 2312 Jugendlichen u n d Er- »vachfenen untergebracht»vurden: 1. 63 als Kanflei le. Buch- kalter, Verkäufer, Aufseher, Schreiber; 2.>83 als Tischler, Schlosser, Maler, Schneider, Stricker, Schuhmacher; 3. 131 als Kutscher, Gärtner, Hausdiener; 4. 77 als Fabiikarbeiler; 5. 281 als Erd- und Ziegeleiarbeiter; 6. 2102 als Landarbeiter. Die Zahl der untergebrachten Jugendlichen allein»var 831. Es ist klar, daß unmöglich die meiste» davon zu Handwerker» »nd verlangt unerbittlich Genugthuung. Die vornchine Mutter soll ihr Kind öffentlich anklage» und ihre Schande eingestehe». Welche Grausamkeit von dem Zucht- Häusler. Aber Philippi ist ein Gemülh und sorgt für die Gemülb- liche». Bülau hat eine Tochter, die de» ältesten Sohn von Frau Wedekind liebt. Das Glück dieser Tochter ginge in Trümmer. So quillt auch die Thräne der Riihruug ans dein Auge des rachedürstigen Bülau; er vergiebt aus übergroßer Liebe zur Tochter,»vas Frau Wedekind aus Mutterliebe gesündigt hat. Frau B utz e iFran Wedekiud) versuchle es zum ersten Male, die Rolle einer alte» Frau zu spielen. Ihre schauspielerische Sicherheit war auch da nicht zu verkenne»,»venu auch freilich ein gcmüthlich»v.ücher, warmer Ton die fürchterliche Seeleninarter nicht recht überzeugend erscheinen ließ. Tie dank- barste Rolle, ei» alter kluger, kreuzbraver Vetter aus Bremen, war Herrn Mertens zugesallen. Er fand hierfür die behäbig humorvolle Sprache. In» übrige» kommt es bei Dramen,»vie dein Torneniveg. zuineisl ans eindrucksvolle lebende Bilder an, insbesondere bei den Aktschlüssen,»venu der Vorhang langsam niedergeht. Theater- Wochenchrouik. Sonntag, 27.: In Kr oll's Thealer nachmittags>/L3 Uhr: Hansel und Grelel. Slaoiiche Branlwerbnng. In» O p e r»» h a u s e abends 7 Uhr: Der Pro- phet. Montag, 28.: Tristan und Isolde. Anfang 6'/» Uhr. Tiensiag. 29.: Ter Evaugelimann. Phantasie» in» Bremer Raths keller. Mitln och, 8t).: Fidelio. Tonnerstag 31.: Der fliegende Holländer. Freitag, I. November: Cannen. Sonnabend, 2.: Rienzi. Sonntag, 3.: In Kroll's Theater nachmittags »/» 3 Uhr: Operuvorftellung. In» Opernhaus«: Uiibestlmm». Montag, 4: Lohengrin. Anfang? Uhr. Herr Emil Götze als Gast. Schauspielhaus. Sonnlag, 27.: Niemand»veiß es. Jrnuenlob. Montag, 28.: Die Braut von Mesflna. Dienstag, 29.: Niemand »veiß es. Frauenlob. Mittwoch, 30.: Ein Sominernachtslrauin. Donnerstag, 31.: Niemand weiß es. Franenlod. Freitag, 1.: 1812. Sonnabend, 2.: Wie dir Allen sungen.(Annaliese Frl. Adele Wienrich vom herzogl. Hosihealer in Kobnrg als Gast.) Sonntag, 3.: Niemand»veiß es. Franenlob. Montag, 4.: Othello, der Mohr von Venedig.— In» Deutschen Theater ist hente die rrste Wiederbolnng von Fuldas neuester Komödie Robinkons Eiland, die außerdem in nächster Woche»och Dienstag, Freilag, Sonnabend und nächstfolgenden Sonntag Abend i» Szene gehl. Sonniag Nachinillag wird Don Carlos i»il Herrn Kainz in der Titelrolle gegeben. Montag»nd Donnerstag gelangen Tie Mütter zur Aufführung. Für Mittivoch ist der Meister von Palinyra mit Frau Sorma und Herrn Kainz an- gesetzt. Wegen des andauernde» Erfolges dieses Stücks ist der Urlaub des Herr» Kainz noch auf acht Tage hinausgeschoben. Zli» nächstfolgenden Sonntag Nachmittag tritt der Künstler als König Astols in Der Talisman auf.— Im Lessing-Theater »vird das Schauspiel Der Torneniveg heule, Dienstag„nd Donnerstag»mederholt. Gräfin Fritzi wird Montag, Mittivoch, Sonnabend und am nächsten Sonntag gegeben, während au» Freitag Madame Sans-Gene mit Fräulein Groß gekommen sein können, vielmehr müssen die meisten als Landarbeiter untergebracht worden sein. Das letztere ist thatsäcklich auch die Absicht des Vereins. Im letzten Jahresbericht»vird als„eine ersreuliche Erscheinung bezeichnet, daß es gelingt,„eine nicht unbeträchtliche Zahl der jugendlichen Verurtheilten, welche in früheren Jahren sehr ungern aus Verlrn herausgehen wollten, sür die land,v»rthschastliche Thätialeit zu gewinnen". Bei dem Gewicht, das der Berem darauf legt, daß durch seine Thätigkeit zugleich die Landwirlhe mit Arbeitern versorgt werden, dars»nan eine andere Beband- lung der Frage, wo die Jugendlichen unterzubringen seien, kaum�� envarten. Z» dem Kampf zwischen Zibilmnsikern«nd Militär. musikern war,»vie noch erinnerlich, zu Beginn des Frühjahrs gemeldet worden, daß sich bei dem Generalkommando des Garde- korps so etwas wie Mitleid mit den Zivilmusikern geregt hätte. Diese seien, so hieß es auch in dem militärfrommen Theil der bürgerlichen Preffe, doch darauf angewiesen, mit ihrer Kunst sich und ihre Familie zu ernähren; und man habe in maßgebenden militärischen Kreisen sich der Einsicht nicht verschlossen, daß die Zivilmusiker, die doch auch Staatebsirgerpflichten erfüllen müßten:, unmöglich durch die Kon» kurrenz der von den Steuerzahlern ernährten Militärmusiker zn grimde gerichtet werden könnten. In der That wurde auch den Mililärmusikern der Berliner Garnison aufgegebe», nicht nnter einem bestimmten Preise zu spielen. Wie es zur Sttinde mit dieser huinanen Anordnung steht, lehrt folgende erbauliche Meldung: Der Slreit zwischen de» Militär- und Zivilmusikern ist in ein neues Stadium eingetreten. Nachbein sieben Leiter von Regiineiitsiiiusike» des Gardekorps, die unter der Hand zu einem niedrigeren Preise mit einigeii Besitzern größerer Etablissements abgeschlossen hatten, von ihren obersten Borgesetzlen reklifizirt worden waren, schien endlich ein einheitlicher Tarif erreicht zn sein. Die Militäriniisiker mußten aber bald die Erfahrung machen, daß man, da sie nun erheblich niehr verlangten als früher, vielfach auf ihre Mitivirkniig bei Privalfestlichkeiten verzichtete. Manche Kapellen hatten daher im letzten Sommer im Vergleich zu früheren Jahren einen erheblichen Aussall. Dieser wäre wahrscheinlich im Winter noch größer ge- worden,»venn auch sür diese Zeil der hohe Sommertarif aufrecht erhalten worden»väre. Es hätte dann infolgedessen die Gefahr vorgelegen, daß gute Musiker die Provinzialregiinenter der Garde vorzögen»vegen des höheren Nebenverdienstes in den Garnisonen der Provinz. Diese Gefahr fing schon jetzt an sich bemerkbar zu machen. Das Generalkommando des Gardekorps hat daher den Tarif für den Winter»vesentlich erniäßigt. Der geringste Satz für Konzertmusik an Sonn- und Feierlagen z. B. betrug»ach den» Sonimerlaris 7 Mark für die Person bei 6stüiidiger Dauer des Konzertes; er soll künstig bis zn 5 Stunden 5 M. und für jede weitere angefangene Stunde 1 M. mehr betragen, und an Wochentagen statt 4 nur 3 M. bei drei» stündiger Dauer und für jede fernere Stunde 50 Pf. Man ist also so ziemlich»vieder auf den» alten Standpunkt angelangt, und die Zivilmusiker, die sich ja zum großen Theil nocti elivas daranf zn gute thnn, brave Staalsstützen zu jein, können»vieder von vorne anfangen, unterthänigst zu petitioniren. Vielleicht reibt sich aber hier und da ni»ler ihnen doch einer die Augen. WaS ist Sozialdeinokratie? Wer das nicht»veiß und ev erfahren»vill, der lese de»„Lokal-Anzeiger" von» Sonnabend Morgen. Dort»vird(dritte Beilage, Brieskasten) einein„Lottchev" auf diese Frage die folgende Auskunft gegeben: „Die Sozialdemokratie»st die politische Partei, welche die »virthschaflliche Lage der arbeitende» Klasse durch völligen Uin- stürz der bestehenbe» Verhältnisse des Staats und der bürgerlichen Gesellschaft verhindern»vill, und zwar nainentlich durch Be» seiligung des Kiasseannterschleds und der kapitalistischen Produkttonsweise." Dttnkel ist der Rede Sinn. Aber„Lottchen", Du»reißt es nun! in der Titelrolle zur Aufführung gelangt. Als Nachmittags» Vorstellung geht hente Sonntag Der Herr Senator in Szene. »vährend sür»ächste» Sonnlag Nachmittag das Schauspiel Ein Tropfe» Gift»>» neuer Rollenbesetzung vorbereitet wird.— Im Berliner Theater»vird beute Nachmittag um>/e3 Uhr das Bircki-Pseifser'jche Schauspiel Die Grille aufgesührl; abends um>/-8 Uhr geht das vieraktige Lustspiel Slachtrnhm von Robert Misch in Szene, das in nächster Woche Montag, Mittivoch, Donnerstag und Sonntag, 3. November, wiederholt»vird. Auf Sonnabend ist die erste Ausführung von Shakespeare's König Lear angesetz». Dienstag»vird Götz von Berlichingei», Freitag Der Pfarrer von Kirchseld, Sonntag, 3. November(nach- iniltags),� Die Grille»vieberdolr. Mlllivoch»nd Sonnabend (nachmittags) finden Aufführungen von Freytag's„Jour- nalisten" für Schülerinnen und Ecküler der höheren Lehr- anstalte» statt.— Der Spielplan des N e u e>, Theaters»st Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Francillo», abends 7l/2 Uhr, zun» ersten Male: Der tapfere Cardnuois, vorher lOOOO Fuß hoch! Montag: 9. Abonnementsvorstellunp, und Dienstag: Der tapfere Cardu.mis, 10 000 Fuß hoch! Mittivoch: Der MiUlärstaat. Donnerstag und Freilag: Der tapfere Cardnuois, 10 000 Fnß hoch! Sonnabend: Der Rtilitärstaat. Somckaa,»achniiltagS 3 Uhr: Francillo», abends 7V« Uhr: Ter tapfere Cardunois, vorher: 10 000 Fuß hoch!— Im Schiller-Theater kommt Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Götz von Ber» lichingen zur Anfführung, abends 3 Uhr: Der zer» brochene Krug und Di« zärtliche», Berwandteu.— Im Bürgersaale des Rathhanses ist 7>/, Uhr Wcber-Abend. Montag wird Das Glas Wasser wiederholt, Dienstag, Mittivoch und Sonnabend wird Withelin Teil gegeben. Donnerstag kommt zun» ersten Mal zur Aufführung Durchs Ohr»nd Der Adelsnarr (Lorn-�eoiK-kZoritilbomms)". Diese Vorstellung»vird Freitag zum ersten Male wiedeiholt.— Im Friedrich-Wilhelm» städtischen Theater belustigen die Liliputaner mit der Reise nach dem Mars die kleine Well Berlins. Soiniabend imd Sonntag fuhren die Kiiidervorstcllimgen jedesmal hunderte vergnügter Kinder ins Thealer.— Im Theater Unter den Linden ist heute die letzte Sonnlags- Anfführung von Der goldene Kamerad. An» Mitlivoch geht zum ersten Male die dreiaktige Operette Die Karlsschnlerin von Hngo Wittinann, Musik von Karl Weinberger i» Szene. Ii» Bellealliance-Tbeater geh» hente Abend Leopold Ely's Geiangspoffe„Berliner Raubvögel" in Szene. Ihr folgt das Ballelpotponrri. NachinitlagS 3 Uhr findet die letzte Auf- führung von Ibsens„Volksfeind" statt.— Das N a t i o n a l- T h e a l« r bringt heute Abcnd„Götz von Berlichingei» mit der eiferne» Hand", nackiniittags„Maria Stuart" als Volksvor- stelluiige»».— In, Alexanderplah-Theater ist auch der Beginn der heulige» Soiintapsvorsiellung auf acht Uhr festgesetzt. Die„Kleinen Lämmer" wurden gestern vor vollbesctzlem Hanse gegeben.— Das Zentral-Tbeater bringt auch diese Woche hindurch die Posse„Eine tolle Nacvl" zur Anfführung.— Das ApoUo-Theater theil»»ins mit, daß es für den nächsten Monat 14 neue Künstler engagirl habe. In Vetricb gesetzt wird endlich vom I. November d. I. an init Beginn des Winterfahrplans der Großen Berliner Pferde- bahn-Gesellichast die schon seil Jahren erstreble Pferdebahn-Linie Moabit-Plötzensee. Die Wagen fahren von der Wilhelshafener- durch die Thurm-, Beussel- und Seestraße bis zur Schule in Plötzen- see. Die Wagen folgen- Vormittags in halbstiindlichem. Nach- mittags in viertelstündlichem Abstand.— Außerdem wird vom K November b. I. an die Linie Küstrinerplatz-Zoologischer Garten bis zur Nugsburgerfiraße verlängert werden, ohne daß die Preise der Fahrstrecke eine Bertheuermig erfahren. Tie Heiligkeit der bürgerlichen Ehe. Inserat im„Lokal- Anzeiger" 501, 4. Beiblatt, 4. Seite:„Protestantisch. 2 Damen möchten protestantisch werden. Suchen Be- kanntschast älterer protestantischer Herren behnss Ver- heirathung. Offerten U. 1LL Hauptexpedikion d. Bl."— Alle Achtung! Wir erhalten folgende Mittheilung: Die im vorigen Frühjahr hier in Berlin gegründete„Deutsche Gesellschaft für v o l k s t h ü m l i ch e Naturkunde", deren Zweck ist, die Kennlniß der Natur und ihrer Gebilde sowie die Wissenschaft- licheu Ergebnisse der Naturforschung in gemeinverständlicher Form weiteren Kreisen des Volkes zugänglich zu machen, ver- anstaltet in diesem Winterhalbjahr eine Reihe von Vorträgen für Männer und Frauen. Namhaste Gelehrte der verschiedenen Fächer der Naturwissenschaft haben dazu ihre Mitwirkung zu- gesagt. Den ersten Vortrag, dessen Thema lautet:„Die Kunst- bauten der Thiere", hält Herr Professor Dr. Mulle»- hoff a»>�£ie»stag, den 29. Oktober, in» Bürgersanle des Rath- Hauses. Der Vortrag wird mit Denwustrationen verbunden sein. Der Anfang ist auf 8 Uhr abends, der Eintrittspreis für Nicht- Mitglieder der Gesellschaft auf 30 Pf. festgesetzt. Im Zirkus Renz findet heute außer der Abendvorstellung! um 4 Uhr nachmittags eine Extravorstellnng statt, in»velcher das chinesische Neujahrsfest gegeben wird. Ueber ein eigenthiimliches Geschästögebahre» wird uns berichtet! Eine Dame sah am Montag im Schaufenster des Schuhwaarengeschäfls zum Hans Sachs in der Kommandanlen- straße ein Paar Kinderstiefelchen stehen, welche mit dem Preise von I Mark ausgezeichnet waren. Als sie im Geschäfte sich ein gleiches Paar forderte, nannte die Verkäuferin als Preis de» Betrag von 1,50 Mark und blieb auch bei dieser Forderung, als sie von der Dame auf die Differenz aufmerksam gemacht»vorden »var und auf deren Verlangen sich davon überzeugt hatte, daß das gleiche Paar in der That im Schaufenster mit einer Mark ausgezeichnet stand. Da müsse ein Jrrtbum beim Aus. stellen unterlaufen sein, die falsche Preisbezeichnung solle selbst- verständlich entfernt»verde»; auf keinen Fall lasse sich ein solches Paar Stieselchen für eine Mark verkaufen.— Als die Dame am Freilag»vieder durch die Konimandanlenstraße ging, sah sie zu ihrer Verwunderung im Schansenster zun» Hans Sachs ganz dasselbe Paar Stiefelchen immer noch mit den» Kaufpreise von einer Mark bezeichnet stehen. Eiueu tödtlichen Ausgang hat für den SOjährigen Musiker Johann Krumm aus der Pulbuserstr. 20 ein Streit gehabt, in de» er am Abend des 23. d. M. in einer Schankivirlhschait in der Putbuserstr. 39 gerieth. Krumin besuchte dieses Wirthshaus mit einigen Bekannten, n»it denen er sich bald entziveite. Es kam schließlich zu einer Schlägerei und dabei erhielt Krumm einen Schlag über den 5kopf und mit einem Schirm einen Stoß ins Auge. Schiver verletzt»mirde er in das Lazarnskrankeuharls in der Bernanerstraße gebracht und starb hier am nächsten Morgen um 10 Uhr. Die Verwaltung des Krankenhauses theilte de» Vorfall der Polizei»md der Staatsanivaltschaft»nit und diese wird voransfichtltch die Leiche gerichtsärztlich öffnen lassen, um die Grundlage für«in Strafverfahren gegen den Schuldige» zu geivinuen. Ans dem Landwehrkanal»vnrde die 32jährige Martha T. gerettet, als sie sich»vegen unglücklicher Liebe am Freitag Nach- mittag am Maybnchuser zu ertränken suchte. Ein»»gemein dreister EintmlchSdiebstahl ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freilag bei dem Verlagsbuchhäudler Georg Reimer in der Anhalistr. 12 verübt»vorden. Die Ge- schästsräume der Verlagshandlnng befinden sich im Erdgeschoß zur rechten Seite. Der Einbrecher hat sich ohne Ziveifel'»> das Haus einschließen lassen und sich versteckt gehakte»», bis »lm T/s Uhr abends die Blichhandlung und die Komptoir- räume geschlossen»varen. Nachdem dann im Hause alles ruhigj geivorden»var, ist er in voller Sicherheit an die'Arbeit gegangen. Durch die Hoflhür zum Flur, die nicht verschlossei»»vird, gelangte er an die Komptoirlhür. Hier setzte er einen Bohrer an und schnitt ein handgroßes Stück alts der Füllung heraus. Nun konnte er»nit eiiier Hand durchlange» und das genügte ihm, um den Niegel zurückzuschieben und das Thürschloß abzubrechen. Nachdem er sich so Eingang in die Koiitploirräuine verschafft hatte, erbrach er mit einem fchmalen Sternnieisen zwei Pulte. In einen» von diesen fand er den Schlüssel zum Geldschrank, der ihn» die fernere Arbeit sehr leicht machte. In aller Muße konnte er nun den Schrank aufschließen und sich den Inhalt aneigne». Die Beute des Spitzbuben ist nicht gering; sie beträgt über 4000 M. in baareu» Gelde und gegen 7000 M. in Werthpapieren. Unter dein baaren Gelde befinde» sich zivei Eintausend Mark>Scheine mid mehrere Einhundert Mark-Scheine; das übrige ist Gold- und Silbergeld. Die Papiere sind für de» Einbrecher ganz»verlhlos. Da man nänilick, zu den Talons die Kupons und zu diesen jene außerhalb des Geschäftes anfbeivahrte, so hat der Spitzbube nur die eine» ohne die anderen bekoininen und die Nummern hat »»»an sich vorsichtshalber verzeichnet. Verlassen hat der Einbrecher das Hans jedenfalls erst dani», als es morgms»vieder geöffnet»var. So ist es auch gekommen, daß der Pförtner Scholz von der Amvesenheit des Diebes in» Hanse nichts»vahrgenonnnen hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat ein früherer Angestellter des Geschäfts, der von der Aufbeivahrung des Geldschrank- schlüssels in einem der Pulte Keuntniß hatte, den Einbruch ans- geführt oder»venigstnis angezettelt. Ei» Mi»»mlehrli»vorte». Außer Ziminermann sind der Reichs- tags-Abgeordnele Lotze, Haliptinann a. D. Snnteu, der Buch« drnckereivesitzer Glöß und noch»veitere 6 Gründer angeklagt. Für die Verhandlung sind 2 Tage in Aussich» genommen. Auf das preußische La,»brecht stützte sich,»vie der „Volks-Zlg." geswriebe»»»vird, ein Urlheil des lkölnor Schöffen- gerichts,»velche- über eine gegen einen Dissivenlei» in Köi»»vegen Zurückhaltung seines KindeS aus den» konsessionelleii Religion?- »lnterricht in der Höhe von 3 M. verhängte Strafe zn entscheiden hatte. Das Gericht prüfte die Einwände des Rechtsanwalls Urban Stein,»velcher sich lediglich ans die in» preußischen Land- recht geivährlcistete freie Zteligionsübiing berief, und»vies aus diesem Grunde die Schulbehörde kostenpflichtig ab. Tas Nrtheil in, Falschspiclerprozeß Wissing und Genosse»,(Elberfeld)»vurde Freitag Abend gesprochen: Wissing »vurde»vegen ge>verbs»iäßige» Glücksspiels zu 10 Monaten Ge- sängniß, David»vege» geiverbsmäßige» Falschspiels zn 2V2 Jahren Gefängniß, 1000 Mk. Geldstrafe und fünfjährigem Ebmwliist veruriheilt. Ter dritte Allgeklagte Echternach»vurde freigesprochen. Vcvmifchkes. Nrbeiterrisiko. Infolge einer Kesselexplosion ist am Freitag Nachinulag die Grube„Marie" bei Denbe» bei W e i ß e n f e l s niedergebrannt,»vobei eine Anzahl Arbeiter erheb- l i ch verletzt»vnrden. Durch den Grnbenbrand sind zirka 100 Arbeiter brotlos geworden.— Ans Lenz im französischen Departement Pas de Calais wird telegraphirr, daß an» selben Tage in den Steinkohlengruben von Donrges durch schlagende Welter 3 Bergleute getödlet und 8 verivundet »vnrde».- Briefkasten der Redaktion. Ann» Protokoll dcS Breslauer Parteitags macht»ins Genosse Q u a r ck aufulerksai», daß Genosse A r o n s seine Agrar- vorschläge nicht,»vie das Protokoll S. 164 sagt,„vor Jahren" gemacht habe, sonder» er(Qnarck) habe in seinen» Reseral ans- drücklich gesagt, vor z>v e i Jahre n. Qnarck legt aus diese Richtigstelllliig Werth, denn Arons habe sich dmnals schon zur Partei gezähli; es sei um jene Zeit gewesen, da Arons sich von Frankfurl-Lebus als Delegirter zun» Kölner Parteitag habe »vähle»» lassen. Genosse Silberschmidt. Tie Artikel über die Mißstände im Baugewerbe»verde»»»vir in» Laus« der nächsten Woche ver« öffentlichen. Fiir deuJuhalt der Juserate iiber> nimmt die Nedaktion dem Publikum gegeuiiber keiuerleiVerantwortuuji Tyeater. Sonntag, den 27. Oktober. UotKv Vorstellung(Kelleallianre Theater). Ei» Volksfeind. Von Ibsen. Beginn der Vcrloosung 2 Nhr, der Vorstellung S Uhr. Gpernhans. In Kroll's Theater. Nachmittags Vzg Uhr: Häusel und Grete!. Slavische Brautwerbung Abends: Der Propet. Dtontag: Tristan und Isolde. Zchausplelhaus. Niemand weiß es Frauenlob. Montng: Die Braut von Mesfina. Veutsches Theater. Nachmittags 2>/2 Uhr: Don Carlos. Abends Robinson's Eiland. Montag: Der Meister vonPalinyra Dertiner Theater. Nachmittags Vüg Uhr: Die Grille. Abends Nachruhm. Montaa: Nachruhm. trjstng Theater. Nachm. 3 Uhr Drr Herr Senator. Abends: Der Dornenweg. Montag: Gräfin Fritzi. Lrirdrich-Withelmftädt. Theater Nachnmuig-. 3 Uhr und Abends Die Reise nach dem Mars. Neue» Theater. Der tapfere Car dunois. Montag: Dieselbe Vorstellnng Schiller-Theater. Nachm.: Götz von Berlichingen. Abends: Der zer brochene Krug. Die zärtlichen Verwandten. Montag: Das Glas Wasser. Urstdeuz-Theater. Der gtabenvater Vorher: Aber die Ehe! Montag: Dieselbe Vorstellnng. Adolph Trust» Theater. Parade bnmmler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Tentral-Theater. Eine tolle Nacht « Montag: Dieselbe Vorstellung. Atrrauderplah-The.lter Die kleinen Lämnier. Vorher: Nummer 66 Montag: Dieselbe Vorstellung. Vatioual- Theater. Nachmittags Maria Stuart. Abends: Götz von Berlichingen mit der eiserne» Hand. Aiontag: Dieselbe Vorstellung. Theater Alnter de» Linden. Der goldene Kamerad. Hieraus: Ballet Divertissement. Montag: Dieselbe Vorstellung Amerlra»- Theater. Spezialitäten Voistellung. Neichohallen-Theater. Spezialitäten Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor stellung Schiller-Theater. Sonntag: nachmittags: Göh non Kerlichhigen.— Abends: Der zerbroilien» Krug. Di« tärt lichen Uerwandten. Montag: Ha» Glas Master. Wtdnj-MhelmfM. Theater Äo Ä6 Ehausteestraste 25/Äti. Vorletzte Woche des Gastspiels der li.il ipntsner Leute 2 VorLteltuugeu: Nachm. 3 Uhr und abends IVe Uhr Tie Nkise\\ü] Öcm Mars. Kinder nachmittags halbe Preise. Montag: Dieselbe Vorstellung. National-Theater. Große Frandfurterltraße 133. Direktion: Max Sarnst. Volksvorstellung zu bedeutend tx mäßiglen Preisen. Ganspiel des Herrn 0skar Kröger vom Hoflhecuer in Brannschweig u. desHerrn L. Lruok vom Sladt-Theater in Mainz. Ah uon BttWugen mit der eisernen Hand. Traueispiel in ö Akten von Wolfgang von Goethe. Regie: Max Sa m st. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ziactmitlags 3 Uhr: Maria Stuart. Iun?e!'tlwu8 Sanssouci. Kotibuserstr. 4a Heule, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Stettilm Söngkr (Meyael, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl INld Schräder) Anfang 7 Uhr. Entree Zll Pf. Mvu l viou k Regiments-Befehl. Mililärische Hilinoreske. Montag: VictoHs-Nrsuersi. Dienstag; Böhmisches Brau> haus. Alexanderplatz-Theater. Alcxanderstrabe 40. Die Kleinen Kammer. Operette in 2 Akten von Louis Varney. Vorher: MummeV KK. Operelte in 1 Akt von Ofsenbach. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Molpk Ernst-Theater. Zum 54. Male: MMmmler. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers, Josesine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyven, tugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido ielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang 7fs Uhr. VV Kein Aufgeld."VS Wlorgen: Dieselbe Vorstellimg. celltrsl-lliester. Alte Iakobstr. 50. Soiliiabend, den 27. Oktober 18Sö: Emil Thomas a. G. Novität I Znin 54. Male: Novität! Eine tolle Nacht. Große Ausstatlungsposse mit Gesang und Tanz in ö Bildern von Vilh. Hannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Eiuödsbofer. In Szene gesetzt v. Dir. RichardSclmltz. Anfang 7Vg Uhr. Morgen: Zum 55. Male: Eine tolle Nacht. Burgstraße Nr. 22. WM- Nur noch kurze Zeit.-WS Anitreteu des gesammten Känsilerpersonals. | Präzise S>/2 Uhr abends:> Im klllKk äurod die Welt! Sensationeller Luftakt von Stephan und v> i v i e n. Wilhelm Fröbel mit seinem Ulk-Repertoir. Mlma Tenon!, die Königin der Nacht, die 3 Ja- paner Happo, die Mulattin Barbara, Schettler Troupe, singende Luitfee jc. jc. Anfang: Wochentags 7>/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 50 Pf. Ab 1. November: Neues Programm I Passage- Panopticuin. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Aussteilungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellnng im wissenschaftlichen Theater.. Näheres die Anschlagzettel. Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Schadowstr.— Eiug. Schadowstr. 14. Heute, Sonntag, Eintrittspreis: pÜT 25 Pf.-HölZ Eeichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen, Krokodile, Hai- u. Tintenfische, Quallen etc. Castan's Panopticum. Friedrichstr. 165. ISalamlo? 43 MDchtll vom andern Ende der Welt (Ha»»oa). Nur nicht Lüekvärts sondern hübsch Vorwärts mit der Lonknrrm schreiten, deshalb nur StchtlMe Neuhtiten bringen! Trotz der 2 vänousse ist: itaofmaaa's Vaiiäte j jeden Abend ansverkantt. Die Palme dieser Saison gebührt dem Dichter unter den Dichtern Henry Samson. Das Mannweib Mlle. Arniotis ferner das brillante Programm! 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Trotzdem sind die wirklich„Arbeitsscheuen" unter den Proletariern sehr z» zählen. Wenn wir im folgenden unter diesen Begriff die wegen„Veltelns" und„Obdachlosig keil" Ver- urlheilten zusammenfassen, so meinen wir also nichts daß auch nur ein erheblicher Prozentsatz derselben arbeitsscheu ist, sonder» wir benutzen nur einen Älusdrnck der bürgerlichen An- schaunngsweise, nach welcher diese Unglücklichen ja auch dem Arbeitshaus überwiesen werden können. Wirklich arbeitsscheu macht eher ein zu gutes Leben, wie man daran erkennen kann, daß von den besser Situirten, ivelche durch die kapitalistische Entwickelung ihr Vermögen verloren haben, ein großer Theil sich das Leben nimmt. Eine Statistik der Arbeitslosen einerseits und der sogenannten Arbeitsscheuen andererseits besitzen wir nicht, so daß der direkte Zusammenhang zwischen den genannten Erscheinungen nicht ohne weiteres zahlenmäßig nachzuweisen ist; bei der großen Neigung nnserer Regierungen, der Feststellung unangenehmer Wahrheiren aus dem Wege zu gehen, werden wir wohl auch noch einige Zeit ans die Ausstellung dieser für die Beurlheilnng unserer Kultur wichtigen Statistiken zu warten haben. Es ist daher immer mit Freude zu begrüßen, wenn irgendwo ein Ansatz dazu gemacht wird. In der Nr 2 der„Sozialen Praxis"vom 10. Oktober ist eine dahin- gehende Arbeit zu finden. Um ein annäherndes Urlheil über die Arbeitslosigkeit zu gewinnen, wird von de» 248 826 Personen, die in den Orls-Jnnnngs- und Betriebs-Krankenkassen durchschnittlich an jedem Tage des Jahres 1894 versichert waren, der Prozentsatz der Versicherten am ersten Tage jeden Monats be rechnet. Danach ergaben sich der Reihe nach folgende Prozent- sähe: 90.7, 9S.0, 9S.7. 96,5, 101,5, 102,1, 102.2, 102,6, 102,7, 103,0, 103,6, 101,1. Diese Zahlen bieten kein sicheres, aber doch ein ungefähres Bild der Arbeitslosigkeit, da ja die Arbeits- losen zum großen Theil auch aus den Kasse» austreten müssen. Man sieht nun aus den Zahlen, daß die Arbeitslosigkeit am größten im Januar war, sich dann ollmälig verringerte, im Mai mit dem Eintreten der wärmeren Jahreszeit erheblich geringer wurde, dann»och etwas weiter sank, jedoch im November wieder stieg; auch im Dezember dauerte die Zunahme der Arbeitslosigkeit a», da der Mitglieder- bestand am I. Januar 1895 wieder auf 97,4 pCt. gesunken war. Ueber die sogenannten„Arbeitsscheuen" konnte man ei» Bild gewinnen, da das Statistische Amt der Stadl Berlin die wegen Bettelns und Obdachlosigkeit ersolglcn Verurtheilunge» zusammen- gestellt hat. Nimmt man auch hier von dem nionatlichen Durchschnitt den Prozentsatz, der ans die einzelnen Monate kommt, so ergiebt sich der Reihe nach: 138.8, 159.2. 133.6. 87,6, 71.6, 80,3, 71,6, 62,0, 97,4, 91,4, 101,4, 100,4 und im Januar 1895 wieder 112,5 pCt. Tie größte Zahl der Verurtheilunge» fällt nicht gerade mit der größten Zahl der Arbeitslosen im Januar zusammen, sondern in den Februar, wie auch das Minimum der Verurtheilunge» im August nicht mit dem Maximum der Beschäftigten zusammenfällt; aber man erkennt doch deutlich den Zusammenhang, man sieht, wie in der kalten Jahreszeit(Januar bis März) die Zahl der Ver- urtheilungen außerordentlich groß ist, wie sie dann mit der zu nehmenden Beschäftigung in der warmen Jahreszeit erheblich zurückgeht, vom September an allmälig wieder steigt, bis sie im Januar 1895 wieder die Höhe von 112,5 pCt. erreicht hat. Dieser Zusammenhang der Verurtheilunge» mit der Arbeits losigkeil zeigt sich noch deutlicher bei den Berufen, in welchen vorzugsweise im Winter die Thätigkeit ruht, bei den Maurern und Zimmerern. Bei ihnen sind die betreffenden Zahlen der Verurtheilungen für den gleichen Zeitraum(wir geben hier, weil SimnkÄJgsplm»devei. Wohin ist die rosige Stimmung gerathen, die einstmals Verlins liberales Bürgerthum erfüllte? Verklungen sind die Hosiannarufe, die tagtäglich Berlins stolzes Wachsthum, seine schwellende weltstädtische Ueppigkeit, seine strotzende Bürgerkraft, und seine genialischen Verwaltungsbehörden priesen. Wer zum Morgenkaffee seine Zeitung las, der mußte sich auch tüchtig lokalpatriotisch gehoben fühlen. Reichshauptstädter hier, Reichshauptstädter dort, hieß es auf allen Seiten. Die junge Würde wurde mit Anstand getragen. Der Reichshauptstädter nahm sie ivie eine selbstverständliche Anerkennung gnrbnrgcr- licher Tüchtigkeit hin und wenn ihm sein Morgen- blättchen berichtete:„Wiederum ist eine fremde Kapazität nach Berlin gekomme», um die Milstereinrichtrnigeit der Reichshauptstadt zu studiren; wir erfahren, daß soeben der Stadthauptmann von Großwardein in Ungarn in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof eingetroffen sei,"— da schlug das Herz des Musterbürgers höher in freudiger Erregung. Noch ist es nicht allzu lange her, seit das Schlagwort „Groß-Berlin" auftauchte. Wie durste damals der Groß- Berliner in reichen Illusionen schivelgcn. Statistische Ta- belle» wurden emsig stndirt; sorgsam wurde das Wachs- thnm von Rixdorf, Schöneberg und Charlottenburg kon- trollirt; und die Augen wurden feucht vor süßer Rührung, wenn nian zusammenzählen durfte, Groß-Berlins Einwohner- zahl habe die zweite Million erreicht. Es ist eine alte Erfahrung: Wer selber nicht einmal fähig ist, mit Geist und Sinn an großstädtischer Entivickelung theilzunehmen, rver mitten im bewegtesten Leben nie anders denkt, nie anders empfindet, wie der trägste Kleinstadtphilister, der ist dennoch von einem gewissen komischen Stolz beseelt, wenn er sich einer Million oder gar zweien beizählen darf. Selbst dies unschuldige Vergnügen aber hat man dem Braven jetzt verdorben. Die schwungvollen Redensarten von Groß-Berlin sind nicht mehr Mode. Ans die Kraftmeierei von ehedem ist jetzt bange Verzagtheit gefolgt. Der Reichs- hauplstädter, der früher über städtische Knlturmittelpunkte, die zurückbleiben, nicht genug zu schmählen wußte, ist nun selbst an seiner Herrlichkeit irre geworden. Der Thaten- drang reichshauptsrädlischer Bourgeoisie ist lahm geworden. Man beruft sich nicht mehr mit so pathetischer Beredsam- kcit ans die Glorie der großen 5kriegszeit, zugleich der Urheberin der jungen weltstädtischen Stellung Berlins. Nicht niehr ertönen im Morgeublättchen die lokalpatriotischen Fanfaren. Grau und katzen- es sich nur um kleine Zahlen handelt, nickt die Prozentsätz sondern die absoluten Werthe, da diese eine bessere Uebersicht ge. währe»): 46, 47, 39, 20, 6. 20, 17, 15, 20, 22, 24, 33, 42. Wir wissen, daß die Arbenslosigkeit in der bürgerlichen Ge- sellschaft nicht beseitigt werden kann, und daß die bürgerliche Gesellschaft auch weiter Jahr für Jahr tausende von Opfern ihrer verfehlten Ordnung dem Arbeitshaus, dieser Abart des Zuckthauses, überweise» wird; doch ließe sich der Prozentsatz dieser letztere» durch gute Organisation des Arbeitsnachweises verringern, vor allem aber durch den Anschluß der Proletarier an ihre beruslichen Organisationen. Wie die Bernss-Organi- salionen im stände sind, bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, so können sie auch ihre arbeitslose» Mitglieder vor der Bettelei und dem Arbeitshanse, sowie vor dem Fall ins Lumpenproletariat wenigstens einigermaßen schützen. Darum können wir nicht oft genug den Arbeitern zurufe»: O r g a n i s i r t Euch. Sozistle Merhtspflege. Hat ein Anwalt im Verfahren in Unfallversicherungssachen Anspruch auf Gebühren nach Maßgabe der Gebührenordnung für Rechts a n w ä l t e? Gerechtfertigte Klagen über die Höhe von Anwalts- koste» in Unfallsachen treten häufig auf. Die meisten Rechts anwälte gehen davon aus, daß auch für Unfallsachen die Rechts- anwalts- Gebührenordnung maßgebend sei. Tritt man dieser Ansicht bei, so erwachsen für Unfallsachen der Partei geradezu unerschwingliche Koste». Handelt es sich z. B. um eine Monats- rcnte von 50 Mark, so würde das Streitobjekt nach de» Regeln der Zivilprozeßordnung 15 000 Mark, die Gebühren eines Rechts anwalts, der nur Berufung auf schiedsrichterliche Entscheidung oder Rekurs eingelegt, also eine sehr einfache, von jedem Arbeiter mit Hilfe eines Gewerkschastsgenossen leicht zu verrichtende Thätigkeit ausgeübt hat: 7K Mark be- tragen. Vertritt er im Termin, so käme gar eine Gebühr von 152 Mark heraus. Es zeigt schon diese Höhe, daß eine halb wegs vernünftige Gesetzgebung solche Gebührensätze schwerlich angewendet wissen wollte. Das Reichs- Versicheriingsamt hat deshalb mit recht wiederholt(z. B. in den Entscheidungen ab- gedruckt in seinen amtlichen Nachrichten Jahrgang 1837, S. 167, Jahrgang 1883, S. 279) dargelegt, daß die Gebührenordnung auf das Verfahren in Unsallsachen keine Anwendung finde— giebl es doch auch kein Armenrecht für�Unsallsachen. Es nimmt an, daß für die Höhe der Gebühr freies Ermessen maßgebend sei» müsse, wobei die jedesmalige Sachlage und die in der Sache aus gewandte Muhe und Thätigkeit des Anwalts angemessen zu be rücksichtigcn sind. In dem obigen Beispiel ivürdcn also für Ein- legung des Rechtsmittels etwa 2 Mark, für erfolgreiche Ver trclnng im Termin je nach Lage des Sachverhalts 10—30 Mark angenicssen sein. An die Rechtsprechung des Reicks- Versicherungsamts sind aber die Vorstände der Stnwaliskammer» und die ordentlichen Gerichte nicht gebunden. In der Siegel setzen diese im Streitfälle die Gebühren einfach nach Maßgabe der Gebührenordnung in dem oben ausgeführten Sinne fest. Es liegt mithin die Nothwcndig- keit vor, in der Unfallversicherungs- Novelle klipp und klar der Auffassung des Reichs- Versi..,erungsamles zu ihrem Recht zu verhelfen, wenngleich anständige Rechtsanwälte schon jetzt de» Grundsätzen des Reichs-Veisichcrungsamtes entgegenkommen. Im übrigen können wir nur wiederholt auf das im allgemeine» nntz- lose der Bevollmächtigung eines Anwalts für Unsallsachen hinweisen. Selten handelt es sich nm Streitigkeiten juristischer Natur in Unsallsachen. Der Arbeiter thnt gut. sich in seiner Ge- werkschaft oder im Geweikschaflsbureau oder in der Redaktion der Arbeiterzeitung seines Wohnorts Rath in seinen Angelegenheiten zu holen. Ueberdies ist er durch die reiche Fülle von Formularen und Beispielen, die zum Beispiel auch ans diesem Gebiet„Das Arbeiter- recht" von Stadthagcn enthält, für die meisten Fälle in den Stand gesetzt, ohne Kosten sein schmales Reckt selbst zu ver- fechten. In all' den Fällen, in denen Anwälte die für Unfall- jämmerlich ist die Stimmung geworden. Selbst wo große Aufgaben ans Erfüllung harren, ist statt hoffnnngs- freudiger Energie schwächliche Resignation in die Gemüther eingezogen. Der nnuiuthige Geist, der sich in der hohen Politik zu dem Schlagwort:„Es will nicksts mehr ge- lingcn", verdichtete, saß ebenso am jüngsten Donnerstag zu Gaste, als man im Rothen Hanse über das Thema Groß- Berlin, über die Einverleibung der Vororte, die heute mit hundertfachen Fäden organisch mit Berlin verbunden sind, verhandelte. Ans Enthusiasten sind Nörgler geivordcn. Ans Groß- sprechern, die mit thöricht verliebten Augen ihre Welt als unübertroffen tanzuschcn pflegten, weinerliche Raisonncure. Es fehlt nicht viel, und man wird den Mann, der ctiva von der robusten Konstitntion Berlins zu sprechen sich erdreistet, mit den Worten:„Wie können Sie unser Kräh. winket nur achten! Seh'n Sie nicht, wie krank wir sind an Haupt und Gliedern? Müssen wir nicht alle Tage an unserer Stadt herumkuriren, daß es ein Jammer ist?" Neulich erst habe ich an dieser Stelle der Wandlungen gedacht, die das große Ansstellungsunternehmen, dem wir entgegensehen, durchzumachen hatte. Anfangs eine hohe Gedenkfeier zum Dank und Jubel für 1870. Die staunende Welt sollte erfahren, was das geeinte Deutschland in Werken des friedlichen Wettbewerbes geschaffen habe. Aber rasch machte die trunkene Begeisterung ernüchterten Gefühlen Raum. Dürftiger und dürftiger gestaltete sich der große Plan. Das widerliche Gezänke großkapitalistischer Interessengruppen begann; und der neueste vielbesprochene Beschluß der Ge- schästsleitung, die eigentlichen Ausstellungshallen in der Abendzeit nicht zu beleuchten, hat am deutlichsten bewiesen, auf welch' seichten» Grund man gelandet. Auch da der jähe, unvermittelte Stimmungswechsel von übertriebener Hoffnnngsseligkcit zur bleichen Niedergeschlagenheit. Und wieder stecken allerhand Toktores die Köpfe zusammen und berathen und sinnen über Mittel und Mittelchen, wie den» Patienten„Große Gcwcrbc-Ansstellnug genannt, zu Helsen sei. Es ist das die gleiche, von Extrem zu Extrem jagende Unstetigkeit, die ein bedeutsames Merkmal unserer ganzen jüngsten Epoche ist. Kaum eine Woche vergeht ohne eine Weihe. Hier eine Gedächtnißkirche, da ein Denkmal, dort ein neuer Reichspalast! Erinnerungsfeier reiht sich an Erinnerungsfeier. Ans den Reden strömt es über ivie von Glücks- und Machtempfindung. Alan sollte meine», die herrschende Gesellschaft und deren Wortführer seien ge- hoben von übcrkräftigem Selbstbewußtsein. Aber auf die lautesten Versicherungen: Feftgegründet steht nusere Herrschaft; was will das Gebelfer eines Häuf- fachen hohen Gebühren der Gebührenordnung beanspruchen, er- 'Sbeiut es angezeigt, einem nnserer Vertreter im Reichsiag die LiWdation zwecks gelegentlicher Verwerthuug im Reichstag zu überniitteln. Vevlammlungen. Die Sattler hielten am 23. Oktober in Brochnow' Lokal, Sebastiaustr. 39, eine stark besuchte öffentliche Versamm- lung ab. P ö r s ch(Mitglied der Agitationskommisfion) erläuterte zunächst in einem interessanten Vortrage die Bestrebungen der Gcwerkschasts-Organisation und ermahnte die neu zugereisten jungen Kollegen zum sofortigen Beitritt in den Verband. Dann lheitle er mit. daß von den Kriegsuunistcrien ein Bescheid über die eingesandten Petitionen bisher nicht eingegangen ist, und berichtete hieraus über den Stand des Streiks bei der Firma Scholz Nachfolger in Schöneberg. Dort streiken 41 Personen, worunter drei Frauen. Die Situation des Ausstands ist noch unverändert. Wohl lasse der Fabrikant durch den Budiker in seinem Hause die Mär verbreiten, er brauche die Streikenden nicht mehr, er könne es auch ohne sie noch ein Jahr aushallen, denn die Behörden hätten ihni die Lieferfrist bedeutend verlänger», indeß lasse seine übrige Handlungsweise den Schluß z», daß er über kurz oder lang werde kapitn- liren müssen. So habe er wiederholt Streikende brieflich aufgefordert, wieder bei ihm baldigst in Arbeit zu treten, andernfalls er sie wegen Verstoß gegen ß 153 der Gewerbe- Ordnung dem Gericht überliefern winde. Weiter wurde mit- gelheilt, daß auf seine Veranlassung ruhig vor der Fabrik patroullirende Streikende zur Polizei sistirt, aber wieder entlassen wurden, weil gegen sie absolut nichts vorlag. Die übrigen Fabrikanten, welche Mililärarbeit herstellen lassen, sollen kürzlich beisammen gewesen sein und beschlossen haben, keinen der Sireikenden von der Firma Scholz Nachfolger in Arbeit zu nehmen. Dieser Beschluß komme einige Posttage zu spät, denn schon bei Ausbruch des Streiks wäre von feilen des Verbandes den Ausständigen zur Pflicht gemacht ivorden, weder abzureisen noch i» einer anderen hiesige» Fabrik Arbeit zu suchen. Nur vier Kollege» haben sich gegen die Beschlüsse der Organisation vergangen. Da nun auch in andere» Werkstätten, so bei Loh Söhne, Wunderlich S! ach folger, Dorty, Elkan und H o f s m a n n mit der preußisch-deutsche» Militärarbeit be- gönnen wird, so haben, wie Pörsch weiter ausführte, die Vertrauensleute in einer Sitzung hierzu sofort Stellung ge- nommen und nach reiflicher Erwägung beschlosfeu, folgende Re» solution in Vorschlag zu bringen: „Die:c. Versammlung erklärt unter allen Umständen für den deutsche» Tornister 6 M., für die deutsche Patronentasche 1 M., und für die übrigen Artikel, ivelche zu einer Garnitur gehören, die von den Elberfelder Fabrikanten gezahlten Preise zu fordern. Di« Versammlung beauftragt diejeuigen Kollegen, welche deutsche Arbeit anfertigen und sich»och nicht im Aus- stände befinde», mit den Fabrikanten betreffs dieser Forderung in Unterhandlungen zu treten und haben alsdann dieselben über das Resiiltat der gepflogenen Unterhandlungen in einer in aller- nächster Zeit einzuberufenden Versauunlung Bericht zu erstatten." In der Diskussion wurden abweichende Ansichten über die Durchführbarkeit der in der Resolution geforderten Preise nicht geäußert. Sassenbach theilte mit, daß Elkan in Leipzig andere Firmen bei den Siibmissionen bedeutend unter- boten habe und nun vielleicht glaube, durch Be- drückung seiner Arbeiter doch noch fei» Schäfchen zu scheeren. Die lltesolution wurde einstiunnig angenommen, ferner mit großer Majorität einei» Antrage zilgestimmt, der besagte, daß, ivenn eS zu größeren Arbeitseinsteliunge» kommen sollte, die iveiter ar- beircnden ikollege» anderer Firmen sich verpflichten, mindestens 1 M. pro Woche zum Streikfonds zu zahle», damit die Ausständigen genügend unterstützt werden können. leins von Unzufriedenen besagen? Mit denen wird eine eiserne Faust rasch fertig!— folgt ein plötzlicher Umschwung. Nervöse Verstimmungen, beklemmendes Un- behagen rütteln an dem Machtbewnßtsein der herrschenden Gesellschaft. Das lächerliche Häuflein wird zur revolutionären Baude. In unruhiger Erregung fordert man den Zusammenschluß aller bürgerlichen Volkselerneiite. Wo irgend eine Blutthat aus Exaltation geschieht: die auf- gescheuchten Gemüther suchen im vollendeten Widerspruch zu ihren Kraftäußerungen nach einem Zusammenhang zwischen der großen, uolhivcndigeu Beiveguug der Geister und irgend einen, einzelnen verzweifelten Akt. Selbst wenn eine zufällige Wiederholung solch' trauriger Geschehnisse unzweideutig ergiebt, daß keiuerlei ursächliche Ver- biuduug zwischen wcseusvcrwandten Thaten zerrütteter Seelen sich konstruircu lasse, wenn, wie jetzt auf die Mülhausener Blutthat, als Seiteustück der vcrziveifelte Ausbruch des Leipziger Polizisten folgte: man verschließt sich vor der klaren Lehre und man poltert in der Presse unausgesetzt weiter. Die einen auZ pessimistischen Einbildungen heraus, die anderen, weil sie stets bereit auf der Lauer stehen,„das edle Wild der Freiheit zu Hetzen", wie es in einem wehmüthigen Ecdichtchen von Lenan heißt. Wenn es nach den Wünschen dieser Hehrufer der Reaktion ginge, sie würden am liebsten so patriarchalisch- radikal wirlhschastc», wie es der neue Bismarck Oesterreichs, der Parlanientsverächter, der eiserne Graf Badem träumt oder gar wie in Stambnl der glückliche Sultan gegen die Führer der neutürkischen Bewegung auftreten darf. Wie frohsinnig möchten sie in das alte Stndentenlied einstimmen „Der Sultan lebt in Saus und Braus". Der Sultan, der, wenn die telegraphischen Nachrichten nicht lügen, ganz einfach die Führer der Jungtürken, also die rcbel- lischcn Volksverhetzcr und Neuerer, gemeinsam auf ein Schiff laden und sie im Bosporus, wo die Strömung am reißendsten, wie blinde Katzen er- tränken ließ. Fünfzig Stück au der Zahl, heißt es. Und nun, so schließt der naive Bericht, niag daS türkische Vaterland ruhig sein. Ter Unzufriedenheit ist der Kops ab- gehaneu. Tie Volksvergiftcr sind abgethan; es gicbt keine revoltircude Agitation mehr. Solcher Naivetät kann man allerdings nur drunten, fern in der Türkei, gewärtig sein. Im zivilisirten Abendland findet man von derlei türkischen Vorstellungen, mit energischen, vorivärts drängenden geistigen Bewegungen kurz fertig zu werden, keine Spur mehr. .Alpim. Weyen Ausmäeihung der bisherigen Geschäftsräume werden die ReLibestanäe der Fabian& Simon"'- Konkursmasse r.SÄ* SS WnUchrnSt SS zu fest,» Taxpreisen weiter ausuerkauft und bringen wir einzelne Artikel als gsne desoniier, killig zurKrnntnilz des Publikums Damen-Hemden, starkfädig, Stck. öS Pf.! Damec-Uutenöcke, Velvur„ 87 Normal-Heirou Hemden,„ 68 Färb. Bettdecken,„ 168 Kormal-Damen-Jacken, K 48 Imlt. Smyrna Teppiche,„ 695 Wollene Herren-Westen,„ 148 Bunte Parchend-Nachtjacken,„ 73 Herren Taschentücher, Stck. 7, 10, 19 Essenträger, Stck. 48 Weiss. Parchend-Kachtjacken,,, 95 Damast- Stuben• Handtücher, 50 cm breit„ 32 Qule Land-Wolle, Gr. Puppe 22 Toiletten-Seile, Großes Stiick 9 Gr. emaill. 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Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zions-Kirch- hoscs Weisensee aus statt. Um zahlreiche Belheiligung bittet 33/10 Der Vorstand. Allen Parteigenossen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Auguste Hönow geb. Thorwest am 24. d. M., abends 9�/2 Uhr, plötzlich verschieden ist. 995b Die Beerdigung findet hellte, nach' mittags 2 Uhr, vom Trauerhanse, Rix- dorf, Bergstr. 129, aus statt. Gustav Hönow. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes ttugo Ebell sage ich allen Bekannten, ins- besondere den Kollegen, meinen verbindlichsten Dank. 99Sb Therese Ebell, geb. Bayer. Ebert's Fest-Säle 72 Kommandantenstrasse 72 Sollllllbellb, b. 16. u. ES Jod. noch zn vergeben._ 10086 Achtung I Töpfer. Sandstein, Magdeburger, Schlesische Schleifsteine f. Tischler U.Schuhmacher b. Gen. Buhl, Schönhauser Allee 113. Arbeitöinarkt. 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Juni 1889, insbesondere bezüglich der rechtzeitigen und ordnnng»- mäßigen Verwendung von Marken verstoßen wird. Wir sehen uns daher veranlaßt, nachfolgend die hauptsächlichsten der hier in betrachr kommenden Bestimmungen nochmals, in Erinnerung zu bringen. 1. Die Marken, welche der Arbeilgeber aus eigenen Mitteln zu er- werben hat, sind bei seder Lohnzahlung regelmäßig in die Quittungskarten der Acrsicherten einzukleben. Es hat die Markenverwendung also nicht zu beliebigen Zeiten, etwa bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses, sondern, je nach der Lohnzahlung, z. B. wöchentlich» monatlich» vierteljährlich für diejenige Arbeitsdauer, für welche der Lohn gezahlt wird, zu erwlgen. 2. Dw Marken sind von dem Arbeitgeber in die Quittungskarte einzuklebe»; die Markenverwendung darf also nicht dem Ber- sicherten überlassen werden, und hat zu erfolgen durch Einkleben der Marken, nicht etwa dadurch, daß die Marken lose in die Quittungskarte hinein gelegt werden. 3. Weigert der Versicherte die Beschaffung einer Quittuugskarte oder deren Herausgabe, so wird das Polizeirevier, in dessen Bezirk die Ardeilsstätle gelegen ist, aiif Antrag des Arbeitgebers eine neue Karte für Rechnung des Versicherten ausfertigen. Berufung auf Unkenntniß dieser, wie aller übrigen in betrachl kommenden gesetzlichen Anordnungen schützt nicht vor Verhängung von Ordnungsstrafen. Indem ivir vorstehende Bestimmungen nochmals in Erinnerung bringen, fordern wir Arbeitgeber und Versicherte dringend auf, für die im Interesse der Versicherten nothwendige ordnungsmäßige Durchführung dieser Vorschriften Sorge trage» zu wollen. Zugleich bemerken wir, doß in Fälle»! der Znwiderhnndlnng, nachdem nnnmehr über vier Jahre seit Jnkrast- treten des Gesehe« verflossen find, die unterzeichnete Kehörde von der ihr znstehendrn Strafbefugniß in weiterem Umfange Gebranch »nachen wird. Berlin, den 16. Oktober 1835. Invaliditäts- und Alters-Versicherungsanstalt Berlin. Dep Vorstand. Dr. Freund. Dr. St rät er. Lackirer! Große öffentliche Versammlung der Zackirer und der im Gewerbe beschäftigten Personen am Montag, de» 88. d. M., Abends Punkt 8>/« Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Agitations-Kommission und»vettere Berathung über die Forderungen zur Lohnbewegung. 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Kollegen, denen es Ernst ist, Ihre elende Lage zu verbessern, in dleser Versammlung zu erscheinen. 104/4 AI» Agitationskommisflo«. I. Mann als Komp. z. Handel im Südosten gesucht. Zldalbertstr. 86. IV. l, Achtung! Achtung! Mechaniker, Optiker �KN und verwandte Berufsgenossen. Ni»nstag, de» 29. Oktober, abend« 8V, Uhr, i« Cohn'« Festsale», Keuthstr. 22: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» Dr. Joel über:„Die Errungenschaften der Astronomie." 2. Diskussion. 3. Der Streik bei Melles. 4. Verschiedenes. Kollegen! In Anbetracht des wichtigen»»nd interessanten Themas agitire ein zeder für diese Versammlung. 116/4 Der Uertranensinanu der Mechaniker. Achtung! Schuhmacher. Achtung! Montag, den 28. Ottober, abends 8'/- Uhr, in Lohn'S Festsäleu, BeutHstraße(Aufgang Nr. 22):. Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Bruno Pörfch über:„Werth und Nutzen der Organisation." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 169/8 Die Agitationskommisflo«. I.A.: KarIWillner, Schillingstr. 24. Achtung. Kürschner! Montag, den 28. Oktober, abends 8l/2 Uhr, im Alte» Kchiihenhaus«, Liniensiraße Nr. 5/6: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Beisitzers zum Gewerbegericht. 2. Wie stellen wir uns zur Gründung eines Streikfonds f 3, Verschiedenes. 92/2 Der hochwichligen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen allerKollegm und Kolleginnen dringend erforderlich. Dir Nrrtrnnrnopersonnr. HrM iltiiMtt Gold- u.MmMler n,»d verwandter Ker»>f»ge»»osse„.(AnhIsteUe Ferli».) Montag, den 28. Oktober, abends 8'/» Uhr, Auueu�tr. 16: Gencral-Versammlnug. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. P i» n. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 4. Wahl des Vorstandes. 5. Arbeitsnachweis und Verschiedenes._ 71/9 WU- Mitgliedsbuch legitimirt."DBO Um zahlreiche» und pünktliches Erscheinen ersucht Der Dorfland. itakkamg I Achtung E Steinmetzen MtlM Sonntag, de» 27. Oktober, vormittag« 10 Uhr, im Lokal« Königshof, Kiilowttr. 37: Innungsgesellen-Yersammlung. Tages-Ordnung: 1. Elellungnahm« zum Sleinbildhauer- Streik. 2. Wie stelle» wir uuS in Zuk»l»sl zur Unterstützung der ausgeüeuertcu Kollege»? 3. Verschiedene». 172 10 D«r Innungsgesellen-Ausschuss. Ii. Wahlkreis. Sonntag, den 27. Oktober, abends 61/« Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 106: GeffentUche Versammlung. Vontnsg lies tZenosssn k'nitze ttsnssn. Nach dem Vortrag: Gemiithliches Beisammensein. 2I(VG_ Entree 10 Ps. 33 Vartei-Versammlnng. Kittwöcb, 30. Okiober, abends 8 Dbr, in Brochnow's Salon, Sebastianstr Versammlung der Parteigenossinnen und Genossen des III. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Tages«Ordnung: Fortsetzung der Tagesordnung von der letzten Versammlung. Diskussion. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 213/4 De«» Vertrauensmann. AM»! 6. MalMrew. MM SP 3 zroße Versammlungen Dienstag, den 29. Oktober, abends 8 Uhr. l.„Swinemünder Gesellschaitshaus", Swinemünder straße 35. Referent: Stadtv. Hermann Borgmann 2. Gründers Salon, Brunnenstr. 188. Referent: Stadtv Bwaid Vogtherr. 3. Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23. Referent: Stadtv. Arthur Stadthagen. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Stadtu�rwaltung wie sie ist und wie ste sei« sollte, i« besonderer KerüMstchtignng für die Arbeiter. Jedermann hat Zutritt, freie Dislussio». Zahlreiche Betheiligung ist nothwendig._ SoziMmMWr AgitiltioMab für iicii Sficit Berlins. Könning, de» ÄT. Gktober, abends 6�/2 Uhr, in Atbrecht« Kalo«, Memelerstraße 67: Oksskiitliche Versammlling für Männer nnd Franc«. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen A. H o f s m a n n über „Glaube und Vernunft." 2. Diskussion. Nachdem: Gesellige« Beisammensein und Titus. ___ Enlree 10 Pf. 954b Sozialdemokrati scher Wahlverem für den 3. Herl. Reichstags-W ahlkreis. Versammlung am Dienstag, de» SS. Oktober RSV», abends 8� llhr, im Lokale des Herr» Bohne, Hasenhaide 45. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen Wurm über:„Die wirthschastliche Be- deutung der Börse". L. Diskussion. 3. Ev. Fragen. 23S/9_ Der Vorstand. Sozialdemokratischer Mahlverein fiir den 4. Kerl. Reichstags-Mahlkreis. Dienstag, den Ä9. Oktober, abend» SV2 Uhr, im Lokale des Herrn Nauuynftraße Nr. 27: Gener«»l-VersÄnr«nlu»tg. Tages-Ordnun g: 1. Bericht des Vorstandes, der Kasstrer und der Revisoren. 2. Neuwahl des gesanimten Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheilen. 4. Verschiedenes. 242/3" Um zahlreiches Erscheinen bittet Der VorstaneZ. Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß das Protokoll des Breslauer Parteitages bei den Bezirks- führern grÄtis zur Ausgabe gelaugt._ Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Montag, den 28. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Buske (früher Seefeld), Grenadierstr. 33: Versammlung. Tages-Ordnun g: I.Vortrag des Genossen Hosfmann(Zeitz) über:„Glaube und Verminst." 2. Diskussion. 3. Wahl von 56 Bezirksführern. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 245/5) DerVarata Große öffentliche Versammlung der Herren-, Damen- u. Kttabenkonfektions-Schueider und Schneiderinnen am Montag, de» S8. Oktober, abends punkt 9 Uhe in Bfitzow's Brauerei, Urenzlaurr Thor. B)V Tages-Ordnnng: TfSßi 1. Schwitzsystem, Hausindustrie und Arbeiterschutz. Referent Genosse Thierbach. 2. Diskussion. 3. Die rücksichtslose Behandlung seitens der Firma Baer Sohn. Kollege» 1 Zeigt, was Ihr wollt. Erscheint alle! 1000b Die Lolmkommission, Ethische Gesellschaft. Konntag, de» S7. Oktober, abend» 6 Uhr, im Saale des Englische» Garten«. Alexanderstraße 27o: 55/17 Versammlung. Vortrag des Genossen J. Timm. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Nach dem Vortrag er- halten nur noch Mitglieder Zutritt. Der Dorftand. 4 große öffentliche Uersammlnngen der MailtelUhtmueli, Vügler,W!lei!>tr, Atpper, SttDerinm, Killderklülfektions-, Blölistü- inrä Trikottllilletl-Albeiteriilvt«, KerrevkonsckiM-Slhveilier u. Nöherimlen, Wie Schneid Nil Llittiiittillntll aller Branlien am Mlonkscg» von 28. Oktober, abends 81, Ahr, Für Zentrum und Friedrichstadt: Berliner Bessonree, Kommandantenstraße Nr. 57. Für den Osten: Bonis Keller's Festsäle(großer Saal), Koppenstr. 29. Für den Norden: Berliner Frater, Kastanien-Allee 7. Für Moabit-Wedding: Bernhard Baabe's Salon(ft. Kolberger Salon), Kolbergerstr. 23. Tagesordnung in allen Versammlungen: „Schwiksizitem, AZausinduitvie und Arbeiterschutz". Referenten: Reichstags- Abgeordneter Augnst Bebel, Frau Hartha Hohriaok, J. Timm und Frau Emma Ihrer. Kollegen, Kolleginnen? Die Geister sind aufgerüttelt! Ueberall herrscht ein reges Interesse für unsere Be- wegung. Es gilt, die gesetzgebenden Körperschaften zu veranlassen, Schutzbestimmungen zu erlassen, welche der zu- nehmenden Verelendung Eurer Lage vorbeiigen. Erscheint daher in den oben bekannt gegebenen Versamn»luugen, da- mit ein Druck ausgeübt wird für die Anbahuung besserer Zustände. Laßt Euch nicht abhalten. Eure Pflicht zu er- füllen, von Leute», die da meine», es nutzt doch nichts, solche Menschen sagen es ans Unkenntniß der Sachlage oder aber, sie haben den Muth an sich selbst verloren. Arbeiter, Parteigenossen! Eure Frauen und Töchter sind gezwungen, unter erbärmlichen Verhältnissen i» der Konfektion zu schaffen. Wir sordern Euch auf, mit ihnen in den Versammlungen zu erscheinen und mitzuarbeiten an der Erhaltung Eurer Familie. (Die Agitations-Koiumission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Im Austrage: J. Timm, Vertrauenslna»». ZeM-KraM-u.StttbkW litt Tischler lt. Teivaltnug Berlin E. Mitgliederversamlinis Sonntag, d. 3. November er., vormittags 10 Uhr, bei S e I» e p s, Gerichlstr. 10. Tagesordnung: 1. Wahl eines ersten Schriftführers. 2. Vortrag des Herrn vr. Vexl über: Uaturhrilkunde nnd deren Unken. 3. Abrechnung vom 3. Quartal 1895. 4. Kassenangelegenheiten.(183/2 Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen Die Ortsverwaltung. Zelltral-Krlinktil-ll.Sterbtklljse kl Tischler. Verwaltung Berlin B. Mitgliederversammlung am Ulontag, den 38. Oktober er., abends 3 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralsir. 13c. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Bericht über die Heilanstalten Nen-Liahnsdorf, Gütergots u. Herzberge. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiren. 131/5 Die Ortovrrwaltuug. tBKaEOBmammnammmmu Achtung I Der Gesangverein„Schildhorn" ersucht freundlichst die Delegirien der Vereine des Arbeiter-Sänger-Bundez, welche vom Konzert der IV. Sänger- abtheilung Leipzig abzurechnen haben, dieses in der morgen stattfindende» Ansschußsitzung zu erledigen. Der Vorstand. 65/11 I. A.: Otto Hein. Ter gute N»f der reellen Geschäfte der Uhrenindustrie wird gefährdet durch Händler, die durch marktschreierische Reklame werihlose Uhren verlreiben. Mit dieser Er- klärung trete ich keineswegs nur für mich selbst, sonder» zugleich auch im Interesse der zahlreiche» mir be- freundeten Fabrikanten und Händler hervor. Man ivolle sich durch einen Versuch von meiner Leistungsfähigkeit über- zeugen. Ich offerire bei dreijähriger Garantie: Nilkelremontoir- Uhren mit echtem Emaille-Zifferblatt, über 30 Stunden gehend, garautirt utes Werk, 8.50 M. Silberne »teinontoir-Nhr(Doppel- Goldrand) garant. echt Silber(vergoldete Facon- zeiger) II M. Echt silberne Anker- Uhr, Prima-Werk, mit doppell. Gold- rand, 15 Rubis, starkes Gehäuse, Cnvette-Metall, 18 M. Weckeruhren ,50, 2,75, 3,00, mit Nachts leuchtendem ifferblatt 3,95(genau weckend). egulateure, 14 Tage Geh- u. Schlag- werk, 70 Zentimeter hoch, von 12,50 M. an. Nichtkonvenirendes nehme sofort zurück. Alle Werke sind repassirt (abgezogen). 358vL* S. E i s e» st ä d t, Berlin 0., Frankfurter Allee 163. Telephon 3408 Amt III. Tcutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Nertranensmanner-Uersammlnngen: CS»,« Montag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn <|u"» Uieft, Weberstr. 17. Tagesordnung: Besprechung über die Ausnutzung der günstigen Ge- schäftSlage". 78/9 Llndailan Montag, den 28. Oktober, abends S'/a Uhr, in„Kiidost"» Lllvv(l(N» Waldemarstr. 75. Tagesordnung: I. Besprechung über unsere gegenwärtige Situation. 2. Erhebungen über Lohnverhältnisse. Vezirks�VevsmmnUmg flßeftaii«tih!Z!nd,n-iKn Montag, de» 23. Oktober, abends 6>/, Uhr. Ulli) UUI'UhJIiII. in dem Lokale des Herr» Zudril, Lindenstr. 106. Tagesordnung: Besprechung der gegenivärtige» Geschäftslage nnd Er- Hebungen über Lohn- und sonstige Arbeitsverhältnisse. Nachstehende Werkstätten werden besonders eingeladen: Tischlerei von Schubert, Kreuzbergstr. 7; Plagemann, Belle- Alliancestr. 84; Sauer- w e i n». S a w a tz k e, Belle-Alliancestr. 84; G r ü n u. H e t iv i g, Für- bringerstr. 9; Krause, Kurfürstenstr. 12; Völker u. Hoffmann- Hagelsbergerstraße 52; Stavenow, Bülowstraße 57; Gast». Bruck, Hallischestr. 13; Haberlaud, Krauseastr. 32; P i n g e l, Wilhelmstr. 130; S i e w e r t u. A s ch en b a ch, Wilhelmstr. 121; Wörth, Gleditschstr. 26. Vezir�s Voosettttmlung am M o n t a a, den 28. Oktober I8SZ, abends 8V» Uhr, in Mörschel s Salon, Schönhanser Allee 28. Tagesordnung: Besprechung über die Ausnutzung der günstigen Geschäftslage. Neue Mitglieder werden in den Versammlungen aufgenommen. Um zahlreichen Zuspruch ersucht Die Vrt»verwattung. Uklband aller in der Metallinilnstrie beschäftigte» Arbeiter Kerlin« nnd Umgegend. Montag, den 4. Uovemder, abend« 8Vs Uhr: Lenei'sl'-Vsi'ssmmlung im Luisrnstädtischen Eonrerthau«, Alte Jakobstraße 37. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Ergänznngswahlen zum Vorstand. 3. Antrag auf Renderuiia des§ 7 Absatz 2 des Statuts. 4. Be» stätigung der vorgeschlagenen Beisitzer. 5. Der Streik bei der Firma Fr. Weltes. 6. Au den Vorstand gelangte Anträge. Ohne Mitgliedskarte kein Antritt. 111/13 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Maler, Anstreicher, Spezialisten. Dienstag, den 29. Oktober cr., abends 8'/' Uhr präzise, bei.Joel, Andreasstr. 21: Oeffeniliche Versammlung. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten kl. Sohippel. 2. Diskussion. 126/6 3. Der von der Lohnkommisnon ausgearbeitete Lohntarif für 1896. üV Näheres SUulenanschlag am Hontag."NM Die Versammlimg wird pünktlich eröffnet. Hie Lohnltommiss'-QB. Nordhänser, Liköre, Coguac, Rum, Nngarweine. 383b Ein kleiner Aller Ltr.-FI. 1 Mk. Dar! Sehinckler, Chausseestr. 55 5 Pf. Drr heutigen Htadtaustagc liegt ein Prospekt drr Firma M. Griiu- berg Dachst., WiiUerftr. 184, bei. Für die hiestgen Leser liegt der heutige» Uummrr unsere« Ktatte« die gestrige Gewinnliste der preutz. Lotterie bei. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Sellieii-illiiliiselies limi iZssliisesinileli Berlins am Dienstag, den 2S. Oktober, abends SV8 llhr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Geiiossen Koffmann über:„Glaube und Vernuiist". 2. Stellaiignahme zu der Frage:„Ist das Hnlebügeln des Sonntags als zum Handelsdetrieb gehörige Beschästigung zu betrachten?" 3. Verschiedenes. 3S/2 Alle in der Seidenhnt- Branche Beschäftigten, besonders aber die als Ladeiigesellen tbäligen Koiiegen, find hierdurch höjlichst wie driogeud eingeladen, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Dir Giuberufrr. Achtung! Friedriehsberg. Dienstag, beu 29. Oktober, Abeuds 8'/- Uhr, im Saale des Herrn Mlier, Frankfurter Chaussee 86: Große öffentliche Uolksverfnmmlnug. Tages-Ordiiuiig: 1. Vortrag. Refereul Genosse Bruns. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vertrauensmannes. 4. Wagt dessetveii. 5. Waht der Revisoren. 6. Wahl der Lokatkoiiiliiisstvii. 222/16 Um regen Besuch ersucht Der Vertran«n»mann. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuuert, Echöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil veraiilworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Padiug in Berlin. 3. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt Ur. 352. Konntag, den 27. Oktober 1895. 12. Jahrg. morde höchstl sinnigem �chinn Gevtchks-SeMmg. Der Streit zwischen dem Vorstande des dentsch-sreisnmigcn Arbeiterve. eins und dem Gailwirlh Fritz Wallerstein erfuhr gestern vor dem Schöstengerichl ei» NachsuieL Walterstein hatte de»»weiien Vorsitzenden des genannten Vereins, den Kaufmann I. Moritz wegen Hansfriedenc-bruchs angezeigt. Ter Beschuldigte nnb folgende Darstellung des Snchverhalls: Am 20. Juni d. I. habe er auf Befragen bei dem Sohne des Herrn Walterstein die Zusicherung eines Saales zum 24. Juni erhallen, ohne daß dabei wegen Leistung und Gegenleistung eine Verabredung getroffen worden sei. Am Abende des 24. Juni seien denn auch etwa 150 Mitglieder des Vereins erschienen, welche einen» Vortrage des Nechlsanwalls Epstein über den Prozeß Mcll.rge beiwohnen wollten. Der Redner habe kurz« Zeil gesprochen, als sich im Saale an der Eingangsthür ein solcher Tumult entwickelt habe, daß eine Pause eintreten mußte. Es stellte sich heraus, daß der Wirlh einen Besucher, der nicht einmal Mitglied des Vereins war, nach heftigem Wortwechsel die Thür gewiesen hatte, weil der Gast sich, geweigert h>be, etwas zu bestellen. Verschiedene Personen hätten gegen den Wirlh Partei genommen, der imnier erregter geworden sei und schließlich an den ganzen Verein die Aufforderung gerichtet habe, den Saal zu verlassen. Als mau ihm entgegengehalten habe, daß für diesen Abend der Verein als Mieiher des Saals das alleinige Verfngungsrecht besitze, habe Wnlterftein den Gashahn schließen und den Saal mit vier Kerzen beleuchten lasse». Jetzt habe der Verein sich aller- dings entfernen müssen.— Der Zeuge Walterstein be- hauptele, das) der Angeklagte in früheren Fällen den Saal gratis eingeräumt erhalte» habe, wen» ein anderer Verein, dessen Vorsitzender de» Angeklagte Moritz ebenfalls sei, seine Sitzungen abgehalten habe. Es seien immer»ur S— 10 Personen erschienen, welche aber alle elivas verzehrt hätten. Sein Sohn wie er hätten annehme» müssen, daß es sich wieder um diese» Verein handelte. An dem fraglichen Abende habe er 5 bis 6 Personen bemerkt, welche kein Bier vor sich stehen hatten. Einer dieser Besucher sei auf die Bemerkung Walterstcin's, daß er etivas ver- zehren müsse, grob geivorden. Man habe ihn hinausweisen müssen. Auf der Treppe habe dieser Mann den Zeugen mit einem Messer bedroht. Nun habe der Zeuge den An- geklagten, der ihm von den Besuchern allein bekannt sei, durch einen Kellner bitten lussen, auf den Flur zu kommen, der Angeklagte habe ihm aber erividern lassen, daß er garnichts zu sage» habe. Nun habe der Zeuge von seinem Hausrecht Ge- brauch gemacht. Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung des Auge- klagten,»veil derselbe wohl geglaubt habe, sich in selnem Rechte zu befinden. Ter Vertheidiger, Rechtsanivalt Mendel, bat, bei der Uctheilsverkündigung ausdrücklich anzuerkennen, daß nicht der Angeklagte, sondern der Zeuge Walter. stein sich im Unrecht befunden habe. Der Gerichtshof erkannte dies auch an. Walterstein hatte den Saal thatsächlich verniietbet, die Besucher fanden den Raum erleuchtet und zu einer Versammlung hergerichtet vor. Wenn einige Besucher die Voraussetzung, daß sie etwas verzehren»vürden, nicht erfüllt hätten, so konnte der Angeklagte hierfür nicht veruntivortlich gemacht»verde». Für diesen Abend stand dem Verein und nicht de»! Wirlh das Verfüguugsrccht über de» Saal zu. Der An- geklagte sei deshalb freizusprechen. Daß eö oft gefährlich ist, sich mit Abzahlungsgeschäften einzulassen, hat die unverehelichte Amalie Antonie Borr in a n n i» R i x d o r f an sich erfahren»nüssei», ivelche sich dieser Tage iveg-n Unterschlagung vor dem dortigen Schöffengericht zu ver- antworten hatte. Vor einiger Zeit hatte sich die Älngeklagte von einem Reisenden des„Kunsthändlers" I o h. Z i ck e l b e i» in Berlin beschivatzen lasse», einen sogenannten„Haussegen", soivie zivei geringwerthige Bilder, also Sachen, für . ivelche sie absolut keine Verwendung hatte. für den verhältnißmäßig hohen Preis von 16 M. auf Leihvertrag gegen»vöchentliche Ratenzahlungen zu entnehmen. Nachdem die Angeklagte bereits J4 M. abgezahlt hatte, konnte sie infolge Ar- beitslosigkeit den Rest nicht bezahlen, Ivos den sogenannten „Kunsthändler" Veranlassung gab, die Borrmann»vcgeii Unterschlagung zu dennnzircn, da ihm dieselbe angeblich mitgetheilt habe, daß die Bilder sich nicht inehr in ihrem Besitz befänden. Tie Angeklagte, welche bisher völlig unbescholten ist und einen sehr glaubivürdigen Eindruck machre, bestritt entschiede», je eine der- artige Aeuberung gethan zu haben und erklärte, sich bisher nie von de» Bildern getrennt zu habe», was ihre Wirthin bezeugen könne. Zickelbeiu blieb dagegen bei seiner Behauptung und be- kräftigte dieselbe mit dem Eide. Da der Zeuge sehr häufig mit ähnliche» Sachen die Gerichte belästigt und anscheinend seine Kundeii auf die Anklagebank bringt, so sah sich der Vorsitzende, Amtsrichter Dr. Sch lössing k, veranlaßt, sich etwas näher mit demselben und seiner Glaubwürdigkeit zu beschäftigen und hierbei ergab sich, daß Zickelbein bereits wiederholt empfindliche Freiheitsstrafen »vegen Ementhumsvergeheus erlitten hat. in moralischer Be- ziehung also nicht ganz einwandsfrei ist. Unter diesen Umständen beschlo» der Gerichtshof, die Sache zu vertagen und zum neuen Termin die Wirlhin der Angeklagte» zu laden. Jedenfalls dürste es aber angebracht sein,»venn sich die Arbeiterbevölkerung vor einer Geschäftsverbindung mit Zickelbein und seinen Abzahlungs- Reisenden hütet, um nachher nicht allerhand Unanuehmlichleiten zu haben. Schon mit mancher Klage auf Konzessionsentziehnng hatte sich der 3. Senat des Oi er-VerwnlUii>gsgerichls zu beschäftige», kaum aber jemals mit einer derartigen, ivie sie die Ons-Polizeibehörde von Neheim gegen den Gastivirth Voß an- gestrengt hatte. Voß»var mit einem Konsulenlen eine Wette darüber eingegangen, daß er an ihm eine Arbeit verrichten wolle, ivie sie sich an einer berühmt geivordenen Stelle im Götz von Berlichingen näher bezeichnet findet. Gesetzt wurden 3 Mark. Der Gastivirth soll denn auch thatsächlich die »vohl nicht gerade angenehme Prozedur ausgeführt habe». Die That des Mannes»vurde jedoch bald dem Auge des Gesetzes offenkundig, und Voß mußte vor den Strafrichter. Er sollte sich eines groben Unfugs schuldig gemacht haben. Die Straskammer sprach ihn aber frei, indem sie annahm, daß»vohl eine ekel- erregende Handlung vorliege, die allerdings einen hohen Grad von Unanständigkeit und Rohheit in sich berge,»velche aber doch noch nicht die Annahme groben Unfugs rechtfertige. Jetzt klagte die Orts- Polizeibehörde ans Entziehung der Kon- zession gegen Voß,»nit der Begründung, daß seine Missethat berechtigten Anlaß dazu gebe, anzunehmen, er »verde sei» Schankgeiverbe in Zukunft zur Förderung der Un- siltlichkeit mißbrauchen. Kreisausschuß und Bezirksausschuß traten dem bei und erkannten dahin, daß V. die Konzession z u entziehen sei. Diese Entscheidungen wurden gefällt, obgleich feststand, daß Voß seit dem Jahre 1877,>vo ihin die Konzession ertheill»vurde, sich keinerlei Vergehens schuldig gemacht hatte. Seiner Revision gab das Ober- Verivaltungsgericht deshalb st a t t,»veil der Vorderrichter c n t- gegen dem Verlangen des Beklagte» vom Bürgermeister kein Leuinundszengniß über Voß eingeholt hatte, und»veil diesem ein angeblich bei de» Akte» befi» dliches Zeugniß,»velches sich als eine Aeußerung des Staalsanivalis entpuppte, nicht mitgitheilh »vorden war. In freier Beurtheilung der Sache erkannte der höchste Gerichtshof dahin, daß Voß allerdings einen rohen, ge- chmacklosen Scherz geübt habe, daß derselbe aber keinen Grund zur Kouzessiouseutziehung darstelle. Aus dem fraglichen Ver- halten des sonst unbescholtenen Beklagten lasse sich noch nicht fchließen, daß er das Gastivirthsgeiverbe zur Förderung der Un- siltlichkeit mißbrauchen werde. Die Vorentscheidungen»vurden demgemäß ausgehoben, und Voß behält seine Konzession. Durch standgerichtliches Erkenutniß vom 23. Oktober ist der Unteroffizier H. von der 9. Kompagnie des in Harburg stehenden Pionierbataillons z» 14 Tagen Miltelarrest und Degradation vom Unteroffizier zi�m Gemeine» verurlheilt»vorden t. bekam am 18. Scplember als Wachthabender einen Brief zur ebergabe an einen Wachtposten. Er lieferte indessen diesen Brief dein Adressaten nich» ab, sondern öffnete ihn, entnahin ihm die einliegenden zivanzig Fünfpfennig-Marken und zehn Zeh»»' Pfennig-Marken, ließ sie voin Wachtkalsaktor in Geld umsetzen»ind sich dann Abendessen inilbringen. Der betrogene Pionier erfuhr jedoch davon,»voraus er de» diebischen Unteroffizier zur Anzeige brachte. VerrmnmlTtttJgetr. In der Freien Vereinigung der Händler Berlin? hielt am 18. Oktober Frau Palm aus Werder a. H. eine»» Vortrag über die Verhältnisse der Landbevölkeiung. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit dem bekannten Prozeß der Händler und Händlerinnen, die wegen Handelns dein» Volksfest iin Müggelschlößchen zu hoher Geldstrafe verurlheilt»vorden sind. Die Ttuckateure Berlins und Umgegend nahmen in ihrer letzten Geiieralversamnilung die Abrechnung voni letzten Quartal entgegen. Danach betrug die Einnahme 1085,70 M. die Ausgabe 410,20 M., der Kaffenbestand 675,50 M. Von 5l78 vorhandenen Marken wurden 2139 Stück ausgegeben, so daß 3039 Slück übrig blieben. Der vom Kollege» Kerber ge stellte Antrag, dem Hauplkassirer die üblichen 3 pCt. der Ge famniteinnahnie auch ferner zu be>villigen,»vurde angenommen der Hauptkassirer ging die Verpflichtung ein. sich mit dem Hilss kassirer selber aiiseinandcr zu setzen. Der Antrag des Kollege» Osw. Daske,§3 Absatz A des Statuts dahin abzuändern daß die Unterstützungspflicht auf sechs Monate verlängert würde, »vurde gegen zehn Stiunnen angenommen und hieraus beschlossen� in den Monate» April bis Dez'einber eine tägliche Kontrolle von 3—6 Uhr auszuüben, für die andere» Monate aber die alte Be stimmung gelten zu lasse». Dk nächste Vereinsversammlung wird in Charlotten bürg abgehalten und in dieser die" Wahl eines andere» Hillskassirers an stelle des jetzt dort amtire» vorgenommen»verde»». Lnxnöpapierbraiiche. Eine große öffentliche Versammliing der in diesem Geiverbe beschüstigten Arbeiter- und Arbeiterinnen' die au» 23. Oktober bei Boltz in der Alten Jakobstraße tagt« erklärte sich mit de»» Streik der in der LuxllSpapierfabrik von Schaller u. Seyfert in Glauchau beschäftigt gewesene» Kollegen eiustinnnig einverstanden, nachdem Kollege S a i l e r die Ursachen des Atlsstandes mitgetheilt halte. Dieser niachte dann über die Arbeitsverhältnisse der Berliner Firma P r i e st e r» E i ck eine Reihe von Mittheilunge», die ihn, von einer größeren Anzahl von Personen als zutreffend bestätigt»vorden sind. Da. nach steht der Verdienst der Arbeiterinnen in beträchtlichen» Mißverhältniß zu der gesundheitsschädlichen Arbeit, die sie leisten müssen. Die ingendlichen brächten es kaum auf 4—5 M. Wochenverdienst. Es sollen zivar Löhne von 17 bis 20 M. vorkommen, doch wären das nur Ausnahmen bei besonders begünstigten Arbeiterinne». Garderobenränme gäbe es nicht; die Sachen der Arbeiterinnen hingen in den staubigen Arbeitsräume» Gänzlich unzureichend seien die Umkleideräume. Die Arbeiterinnen müßten vielfach die vorhandenen Kloseträume benutzen, deren Zahl übrigens im Verhältiiiß zur Größe des Personals unzureichend sei. Trotz der gesetzlichen Bestiinniung, daß Arbeiterinnen Sonn abends niii i/£6 Uhr seiern sollen, verließen sie hier die Fabrik erst etiva»nn 7 Utzr. Auch über die Behandlung, insbesondere durch den Meister Kaiper,»vurde lebhaft geklagt; Von der Firnia Kro t o schin u. Co.»vnrde mitgetheilt, daß dort durch inaugel- hafte Schutzvorrichtung eine Arbeiierin, die-- beiläufig benierkt— 7,50 M. Wocheuloh» hatte, so zu Schaden kam, daß sie heute noch arbeitsunfähig ist. Mit Vorliebe, vürden jugendliche Arbeiter eingestellt, denen mau 5—6 M. Wochenlohn gäbe. Als sich wegen verschiedener Uebelstände eine Wcrkstnben- Besprechung»röthig machte, sei durch Anschlag in der Fabrik allen, die an der Besprechung theilnehmen»vürden, mit sofortiger End lassung gedroht worden. In der Diskussion»vurden über die Firma Priester»». Eick von einer Arbeiterin noch einige Mittheilungen gemacht, die sich auf die unangemessene Behandlung der Arbeiterinnen bezogen,»vähreiid der Buchdrucker Baabe diese Firma zu entlaste» suchte, ohne daß es ihm gelang, die Versammlung zu überzeugen. Der anivcsende Meister Kaiper »vurde energisch aufgefordert, sich gegen die Anschuldigungen zu verlhcidige». Er verschanzte sich aber hinter der Redensart, daß dies seine„Würde" nicht zulasse. Hierauf erhob sich ein »vahrer Entrüstungssturm. Die Versammlung hielt es ihrer seils unter ihrer Würde, den Herr» noch länger unter sich zu dulden; er»vurde hinausgeiviesen und der Beschluß gesaßt, ihm den et>va gespendete» Versammlungsobolus»vieder ztwückzugeben. Zum Schluß»vurde mitgetheilt, daß voin Arbeits- nachiveis Annenstraße 16 de» Gesuchen um Arbeilerinnen nicht genügt werden konnte, da sich keine»veiblichen Arbeitskräfte ge- meldet hallen. Vergolder.„Die Erfolge unserer Lohnbewegung", lautete die Tagesordnung einer öffentlichen Versamnilung der Vergolder und Berufsgenossen, die a»n 25. d. M. abgehalten wurde. Wie man dort ausführte, kann von große» Erfolgen nicht gesprochen »verde», aber auch nicht von einer Niederlage, da sonst die Fabrikanten mit Maßregelungen nicht znrückgehaltc» hätte» und die Arbeiter nicht»vieder in die Werkstätten zurückgekehrt sein »vürden. Tie Fehler, die gcnmcht worden,»vürden in Zukunft vermieden werden. Da Streikende nickt mehr vorhanden sind, »vurde der Streik für beendet erklärt. Einen genaue» SitnationS- bericht»nd vielleicht auch schon die Abrechnung»vird die Kommission in der nächsten Versammlung geben. Soweit bis jetzt ersichtlich, sind Lohnerhöhungen bis zu 25 pCt. zu ver- zeichnen. Nur eine Maßregelung ist vorgekoimnen. Die Beendigung des Streiks wurde»ur als ei» Waffenstillstand betrachtet. Die Sammellisten»verde»»veiler zirlulirc», um die eingegangenen Verpflichtungen zu decken. Ter Mlndestbeitrag»vurde aus 25 Pf. festgesetzt. Mariendorf. Au, 20. Oktober hielt der Arbeiter- B i l d u n g s v e r e i n f ü r M a r i e n d o r f und Umgegend seine Generalversammlung bei Tentschbein ab. Laut Bericht des Kassirers betrug die Einnahme 42 M. und die Ausgabe 22,80 M., sodaß i»it dem alteu Bestand von 13,23 M. ein Kaffenbestand von 37,43 M. vorhanden ist. Ans der Neuivabl des Vorstandes gingen hervor: A. T h i e I als 1. Vorsitzender. G. S ch n e i d e r, Mariendorf, als 1. Kassirer, A. A p e l t, Teinpelhof als 2. Kassirer, und W Otto, Mariendorf, als Bibliothekar. Um dem Verein niehr Mitglieder zuzuführen,»vurde leschlossen, in den in Frage I ton»»enden Ortschaften ei» Flugblatt zu verbuiUn. Nixdorf. In der gut besuchten Generalversammlung der hiesigen Zahlstelle des H o l z a r b e i t- r- V e r b a n d e s sprach a», 21. Oktober Dr. Pinn unter großen, Beifall über Muhamed und seine Lehre. Nach kurzer Diskussion»vurde der Bericht des Vorstandes gegeben. Der Kassirer erhielt Techarge. Gegenuber dem hier bestehenden Gemeinde-Arbeitsnachweis»vurde beschlossen» den hiesigen Arbeitsnachweis des Holzarbeiter-Verbandes weiter bestehen zu lasse»,. Dieser befindet sich Prinz Hai'dzery- niid Lessingstraßen-Ecke bei Hoffmann.— Die Mitgllederzahl der Zahlstelle Ripdorf beträgt zur Zeit 142. Weißensee. In der Volksversammlung, die am 22. Oktober im„Prälaten" abgehalten»vurde, kounle der Ver- trauensniann in seinem Bericht über das abgelaufene Ver- »valtungsjahr die erfreuliche Thatsache feststellen, daß die politische Organisation in Weißensee stetig Fortschritte gemacht hat. obwohl auch hier der Wind ganz anständig weht, waS die verschiedenen Maßregeln beweise», mit denen die Behörde gegen unsere Partei vorgeht. Der Vertrauensmann unterzog dieses Verfahren der Behöroe einer Kritik und gab dann die Kasse»- abrechnung. Diese»vies 270,20 M. Einnahme, 174,50 M. Aus- gäbe und 95,70 M. Bestand ans. Zu Revisoren»vurden Bat» es, Frantz und N i e t s ch geivählt, zum Vertrauens- man» Pasewaldt, in die Lokalkoinniission Kopf, Schüttler. Potratz und Müller. Der Bericht über die Breslauer Verhandlungen mußte vertagt»verde», da nach einer Erklärung des überivacheiiden Beamten für das Lokal uin 10 Uhr die Polizeistunde begann,»vas ihn zur Auflösung nölhige, falls länger als bis 10 Uhr verhandelt würde. Köpenick. Am 22. Oktober berichtete hier im Kaiserhof in einer öffentlichen Parteiversainmlung Genosse Thomas aus Ripdorf über de» Breslauer Parteitag. An der Diskussion be- »heiligte sich niemand. In einer einstimmig angenommenen Re- solution erklärte sich dieVersammlung mit den Ausführungen und der Haltung des Delegirten Thomas auf dem Parteitag einverstanden. Der Bericht des'Vertranensinannes ergab eine Einnahme von 1089 Mk. 90 Pf., eine Ausgabe von 376 Mk. 80 Pf., demnach einen Bestand von 213 Mk. 10 Pf. Auf Antrag des Revisors wurde die Decharge ertheilt. Genosse N i e k e»vurde»vieder zum Vertrauensmann gewählt, zu Revisoren B u ch>v a l d, Richard Noak, Karl Schulz und Kroll und in die Lokalkominission August Noak, Jack und I o s e in ä r k e r. «thitche«etzcUtchaft. Sonntag, den 27. Oktober, abend? 6 Uhr, im Saale de? Englischen«Larlen, Alexanderslraße 27 c, Vortrag'.«ä lüenossen � �civat-Tlieater verein„Ziebeogliiik 1894". Biischingftr. 7, nach- initlags 6 Uhr. Samariterlnirf«« für Arbeiter und Arbeiterinnen. Sonntag, den ./.Oktober, abend« 7 Uhr, bei Cohn, Beulhstr. so: Vortrag de« Herrn Dr. Zadel Über: Persönliche soziale Hygiene. Alle an Solzbearbeltungs-Malchinen deschaftigten Arbeiter. Am iinta«, den 27. Oltober, nachm. 8 Uhr, findet im Lokale de« Herrn Wille, AiioireaSstr. 20, eine öffentliche Versammlung statt. ZA»brliass«»o» Arbeiter» der Kerliner Nlafchinenbau-Abtien- gekillsiWW. Heule Zahltag:«ckerstr.»ss bei Marten und Oranienstr.-8» bei Bulow. zt.rv»i!gn»o«bl»b„Gfleud". Sonntag, den 27, Oktober, nachmittag« 5 Uhr, bei Birk, Strautzbergerftr 8. Arbeiter.Kliue-rbr.ud jirrli»»»»l> zlingegeild. I. Vorsitzender: Ad. Neumann, Pasemaltersir. it. Alle Aenderunge» im Veceintlaleuder sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteufselstraße i», v. ä Dr. zitonta«. Abend« s— II, Uebnngistunde und Aufnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenslraße o, bei Ehrenbcrg.— Wied erhall, jlöpeutclerstr. m bei Foge.—Zukunft I.EteglUz. Ahorn- sirahe un, Cchclhole'ö Eambrinu«.— ArbcUer-Sesanaverei» Vorwärts Iii, Lichleubcrg-Frtedrtchsfelde, PrtuzcnAltee a bet Karl Schulz.— Lieder- z weig, WaidmannSliifi, Berlinersirahe bei Zerbe.— Lied e« s rerh eit II, Ctrausderg, Nofcnflrabe I bei Brammbach.— Glockenrein(gem. Chor) Schönhauser Allee bei Höhne.— Arbeiler-Sesangvsrsin der<5 n l e I b l c n, Swinemtindersir.<».— Hoffnung ll, Dculsch-WilmerSdorf, SiiiizelNr. 33.— To» blüthe, Zeughoftir. 8, Rehaur. Behlcndorf.— Gefanavereiu Libe"te: Wrangelfir. sr beiSiebauz.— Männerchor S a n g e S l u st 1l, Pafemalterftt. 8 bei Ad. Niumann.— Gesangverein Freiheit 8, gemischter Chor, Berrau, Sussücnsiratze,„Clysium".-„Harmonie 2", Wetnstr. II, Restaurant eindl.—„Einigkeit 3", Eroß-Lichterselde, Amalienfir. bei E. Seliger.— �ilaria, BIvmenstr. 46 bei Tomalscheck.— Kling Mülle rhche« op vetqiiarlclt, Ncu-Weißenfee, LanghanZstrabe bei Ww. Bnsch.— Süd-Ost II, Jalkensteinstr. 7 bet Trltlelivih.— Alpenveilchen, ge- mlschler Chor, Ltndvwerstr. 26 bei Sachse.— Solidarität, Oranien- sirahe Ivo bei Greiser.—„Freya 2"(gem. Chor), Urbans». 6i bei Wulic.— "acht aus II, E> tner. Restaurant Seebad am Dämmeritzfee. «>l»b dcr orfrltige» Arbeitrruerrine Airli»« ,»>» Zlnioegend. (Alle Zufchristen, de» Bund der geselligen Arbeitervereine betresteild, sind zu richten an P. W- II t, DreSdenerstr. 107.108.)— Montag:«erguügungs- vercin„G c s e l l t g r- i V, AdterShof, Oppenstr. i(Restaurant). Arbeiter- Pancherbnub Kerlin»«nd Zluigcgend. Aenderunge« im VerewSlalcnder sind z» richten an Karl Pflug, Bre«lauerstrabe s, Keller. Montag, abends von o— u Uhr: Klub- Abend und Aufnahme»euer Mit- glieder. Rauchklub A»I d a l e IN a. Srünauerstr. 8 bei Golz.-Eldorado, iZalllfadenstr. 66 bei Geyer.— Morgenroth, Landsberger Allee 4« bei ! iohtand. Gesang-. Turn-«nd gesellig, Per»'»». Montag: Privat-Theater. gesellschafi„S a i u r" abends-/.9 uhr.dct Specht, Martgrafenstr. sz.- Privat- Thealergesellschast I IN m e r Lustig jeden Sonntag Abend« 6 Uhr, bei Ruht Andree. Chorineistr. 63: Sitzung mit Damen.— Prival-Theaiergeseilschafl M t nerv a. Alle Montag Zufammenlunft Matbach-Ufer 8 bei Schmock.— Privat-Theater- und Vergnügungsverein Morgenstern. Sitzung jeden Sonniag 6 Uhr! alle vierzehn Tage Fidelita« im Martlhallen-Restauranr, Wöriherstrahe 46, bei F. Tarey.— Theater- und V-rg»ügungSver-in Weiße Rose jeden Montag 9 Uhr Sitzung bei Pommer, Relchenberger- straße 18.— Rauchtlub B rüde r i i cht e i l jeden Monlag 9 bis Ii Uhr im Lokale de« Heil» Pauls, Schlestschestraße»8.— Arbeiter- Steuographie- Verein„Eintracht", Unterricht und UebungSstunde Momag abendS djj Uhr bei Stoihes. Buttmannftraße 17.— Privai-Thealerverein Freiheit«- Hoffnung. Sitzung mit Damen jede» Sonntag UM 6 Uhr nachmittags bei Banmann, Lychnerstr. 2—8.— KInb Freya. Jeden Sonntag von 6 Uhr, nach- mittags an Sitzung mit Fidelila« im Saaie de« Restaurants Kiet-Iyahn, DreSdenerstr. 68.— BergnügungSveretn Ftducia. Jeden Sonntag von 6-6 Uhr»achmittags Sitzung. Nachdem Fidelita« im Restaurant Janz, Blnmcnstr. 64.— Bergnügungsveretn Flora. Jeden Sonntag Uhr, Sitzung, nachdem Fideiiias im Restaurant Mtethe, Mendelssohnstr. 8.— Stattlud Bruder Heinrich. Sitzung Montag abends 8 Uhr bei Wernau, Rosenthalerstr. 67.— Turnverein Fichte. Jeden Sonnlag von 8 Uhr an voltsthümliches Turnen in Lichienberg, Weißenseeer Weg bei Asche.—«er- gnügungstluv Adler. Jeden Sonntag, ab.nds 6 Uhr, Englischer Hos, Neue Roßjlr.»: Sltzuug und Tanz. Gäste sehr willkommen. Vevmischke-s- Ei»» Eiseubahnidyll. Daß»vegen einer verloren ist Hangt mitte» auf sreier Bahnstrecke ein— Personeiizlig angehalten>vir!>, ei» solcher Grund zu einer Fahrtunterbrechung dürfte in der Eisenbahngeschichte»vohl noch einzig dastehe». Er hat sich vor kurzen» ans der sächsischen Bahnstrecke Hainsberg— Kipsdorf er- eignet, ans»velcher die Fahrgäste eines Personenzuges in nicht s eringen Schrecken dadurch versetzt worden, daß»litten i» der Fahrt plötzlich die Lokomotive schrille Nothsignale ertönen ließ »nd gleich darauf der Zug zum Stehe» gebracht wurde. Irgend ein Bahnu,»glück vcrmulhend, steckten die Fahrgäste die Köpfe zu den Wagensenstern hinaus. Und da erführe» sie denn, daß einer der Schaffner— seine Fahrkarlen-Lochzange»ntenvegs verloren habe»ind dieselbe gesucht»verde» solle. Alsbald machten sich de»» auch die säln»»rlichen Schaffner des Zuges ans, nin die Bahnstrecke riicklvärts abzusuchen,»vo schließlich die Lochzange neben den Schiene» in» Grase liegend,»virklich aufgesunden»vurde. Hierauf eilten die Schaffner wieder zun» Zuge zurück, nahmen ihre Plätze»vieder ein, und nun konnte die Fahrt»veitergehen,— die Lochzange»var gerettet. So geschehen in»„Zeitalter ocs Ver» kehre", anno 1895, im— gemiclhliche» Sachseuland. Der patriotische Trubel, der an» gestrigen Sonnabend in Leipzig vor sich ging, hat entsetzliche Opfer gefordert. Eine Depesche vom Nachmittage meldet: Ve» den» großen Gedränge ans dein Dresdener Bahnhof brach dort in einer Länge von 15 Meter» die eiserne Einfriedigung infolge Uederlastung durch das dieselbe besetzt baltende Publikui» zusamlne». Hierdurch iv» r d e ei» Knabe erschlagen u n d mehrere l P e r s o»» e» t h c i l s s ch w e r, t h c i I s leicht verletzt. Geschäfts-Häuser Baer Sohn Fabrikation von Herren- u. Knabenbekleidung 9 A 1. Geschäftshaus: 24a, Challssee- Straße 24 a, zwischen Jnvalidenstr. u. Friedrich-Wilhelin- städtisches Theater. �tiefren-u t(nsden »ekteilsun,.. � 2. Geschäftshaus: 11, Brücken- Straße 11, mit dem großen Er- weiterungsbau Ecke Ruiigeftraße. Hcrren-ii. 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