Abendausgabe Ar.S72 B 253 44. Jahrgang Wöchentlich 70 Pfennig, vU) notlich -i,— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und 2Iu#» land 5L0 Reichsmark pro Mona� Ker„Vorwärts� mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage �Doll und Zeit- sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wifien*„Suis der Filmwelt. »StodtbeUag«�.Frauenstimme", „Der Kind erfreund".„Äugend-Dor- wärt«"..Blick w die Büchenvell", Kulturarbeit" und.Technikerscheint wochevtäglich zweimal, Sonntags und Montag, einmal. Berliner Volksblatt Sonnabend 3. Dezember 1922 10 Pfennig Die c i b t p« 1 1 i g c Nonpsrekllezelle 80 Pfennig. Reklamezelle ö.— Reich?« mark..5Ueine An'.eigen" das fe«ge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zelle SO Pfennig. FamMenanzeigen für Abonnenten Zelle 40 Pfennig. Anzeigen« annähme im Hauptgeschäft. Linden- ltrahe Ä. wochentägl. von 8V2 bis 17 Uhc, Aentvalorgan de« Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhofs 293—297 Telegramm-Adr.: Sozialdunokr« Berlw Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Vvnicheckkimlo: Berlin S7SZS— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten Dallstr. KS Tiskonto-Gesellschast. Teposttrnkasie Lindenstr 2 Genfer Verhandlungsmanöver Oer Kampf um die nächste Tagung. V. Scd.(Leas. S. Dezember. Die Schlußsitzung der Wriistungskommisfion bracht« den erwarteten Großkampf um die Einberufungstermine der nächsten Tagung des Sicherheitskomitees und der Abrüftungs- kommiffion. Benesch als Verichterftatter des Sicherheitskonntees schlug den 20. Februar als Datum für das Zusammentreten des SicherheitskoiMtees vor, ohne zugleich einen bestimmten Vorschlag für die Abrüstungsiommisiion zu unterbreiten. .stier erfolgte nun der Vorstoß der Russen, die wieder vollzählig erschienen waren. L i t w i n o w unterbreitet« ein« Resolution, die besagt, daß die Arbeit des Sicherheitskomitees zu kompliziert und an sich zu langsam sei, daß die Sicherheitsgaranti« in der Abrüstung selbst liege und daß infolgedessen eine schnell« Einberusung der 3. Tagung der Abrüstungskommisston unabhängig vom Sicher- beitskornitee möglich und notwendig sei Litwinow schlug als Termin den 10. Yanuor vor. Graf B e r n st o r f f erklärte sich mit dem Vorschlag der Rüsten an sich einverstanden, o h n« sich jedoch mit dem Teil ihrer Resolution solidarisch zu erklaren, der den Wert der Arbeiten des Sicherheit�- hamitees grundsätzlich verneint, denn die Rotwendigkeit dieser Arbeiten sei in der Septemberresolution der Lölkerbundsver. smmnlung festgelegt werden, der auch Deutschland zugestimmt habe. Da Bernstvrff einen eigenen Zusahantrag in Aussicht stellte, wurde die Sitzung aui kurze Zeit unterbrochen. Roch der Wieder» ausnahm« erklärte sich Bernstorss für den nächstmöglichen Termin, ohne allerdings selbst ein Datum zu nennen. Es folgte dann stellenweise esnc recht sch a r s e. D i s fcu s M o n, an der. zunächst v. Benesci,, Eushendun und der• schwedisch« Vertreter stennings teilnahmen, um für den 20. Februar, als Emde- rufüngstcrmin fstr des Sicherheitskoinite««inzutreten, während Bernstorif/ die Mögtichkest- einer f r ü h er«« Tagung der Ab- rjistungskommission nochmals betonte.. Sozialistische Einheitsfront. Gemeinsomer Kongreß in der Tschechoslowakei. Drag. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Die Darlelvorstande der Tschechoslowakischen Ar- sieiierparlei und der v e n l s ch e n Sozialdemokratischen Arbeiter. partei der Tschechoslowakischen Republik haben in gemeinsamer Sitzung die Vorbereilungea für die Einberusung eine» gemein- snmen Kongresses der sozialistischen Parteien begonnen. An dem Songreh werden sich die tschechoslowakische«, denk- sehen, ungarischen, polnischen und karpalhorussl. schen S-uosteo beteiligen. Der Kongreß soll im Januar IM« in Prag stolisiadcn. Aus seiner Tagesordnung wird sich besindea die Frage de» gemeinsamen Kampfe» gegen die bürgerlich, Reaktion in der Tschechoflowokei und insbesondere gegen die geplante ver- schlechlerung der Sozialoerslcherung. Wahltaktik in Frankreich. pari». S. Dezember.(Eigenbericht.) Im„Populeire' veiSfsentlicht Leon Blum einen Artikel über die staltung der sozialistischen Partei bei den nächsten Wehlen. In der st a u p t w a h l werde die sozialistische Partei mit« i g e n» n Kandl- baten für ihre eigene Parte! werben. Wae hingegen die Clichwaht betrifft, so werbe der Parteitag sich wohh nicht für ein Bündnis mit den Radikalen aus der einen Seite, noch mit den ÄommiinIsUt auf der anderen Seite entscheiden können. Ein Grundsatz, noch t«m sich die Parteiorganisationen bei der zweiten Wahl verhalten sollte. könne darin gesundest werden, daß die soziosistische Partei die günstig- sten Bedingungen für die Arbeite» schoft zu erlangen suche. Dieser Grundsatz werde sich am besten durchführen lasten, wenn die Partei ihre Kräfte bei der-weiten Wahl dorous konzentrieren werde, den reaktionäre n Kandidaten auszuschalten. Oer neue Fast Kendels. Heute Antwort Marx' an Braun. Im Lause des heutigen Tages wird dem preußischen Minister. Präsidenten die Antwort des R e> ch s k a n z l« t s auf den be- kannten Brief zugestellt werten, worin Preußen mit Abbruch der Beziehungen zum Reichsinnenminister v. Keudell gedroht hat, wenn er noch weiter öfsentlich— statt auf dem ressortmäßigen Wege— dt« preußisch« Rcgierung-politik tn schorfer Form angreife. Das Antwonschreibe»? des Reichskanzlers wird erst oeröfsentlicht werden, wenn das preußische Smatsminisierium ausreichend Zeit gehabt hat. sich mit dieser Antwort zu beschästigen. ch Reichskanzler Marx wird heute nachmittag, 3 Uhr. lm Reichs- leg eine Interpellation der Doutschnationalen über die Zustände ,» besetzten Gebiet bantworten. Einigung im Eisenbahnerstreik. Keine Maßregelungen.— Wiederaufnahme der Arbeit. Tresben. 3. Tezember.(Gigenbericht.) Die Verhandlungen znr Beilegung des Visenbahner- streiks begannen gestern abend S Uhr. Die Grundlage der Verhandlung«» bildeten die drei Forderungen des Einheitsverbandes der Eisenbahner: I. Keine Maßregelungen- 2. kein Lohnabzug, 3. Wicdereinstellung saurtlichcr Arbeiter. Zunächst wurde der große Komplex des Streiks auf- gerollt. Der Vertreter der Reichsbahndirektion ent- geguete, daß diese es nicht dulden könne, wenn sie auf ihren, eigeue» Grund und Bode« in Vetriebsversamm- luugen angegriffen würde. Di- Gewerkschaftsvertreter wtefeu dagegen auf die berechtigte Erregung des Per- sonalö hin. In solche» Augenblicken könne nicht jedes Wort auf die Goldwage gelegt werde». Von de» Ber- treter» der Reichsbahndirektion wurde dann geltend gewacht, daß das Ausbesserungswerk unwirtschaftlich arbeite, deshalb Entlassungen vorgenommen wer» de» müßten. Die Vertreter der Hauptverwaltung griffen hier ein. Entlassungen dürfen nicht vorgenommen werden. Soweit keine Beschäftigung vorhanden sei, würde« die Arbeiter anderwärts untergebracht werden. Durch diese Erklärung trat eine wesentliche Entspannung ein. Die Verhandlungen wurden um zwei Uhr morgens unter- brochen und auf heute vormittag lv Uhr vertagt. Diese Verhaudlunge« führte« heute zu einer E i» i g u n g. Unter Voranstellung der Interessen der deutschen Wirtschast ist die Wiederaufnahme des Betriebes vereinbart worden. Da entgegen falsche» Presseberichten Sabotageakte nicht vorgekommen sind, entfallen auch alle Maßregelungen. In weiteren Verhandlungen werden die noch offenen Fragen der Rationalisierung, der ordnungsmäßigen Durchführung der Gedingearbeit u. a. m. geregelt werden. Auf Grund dieses Ergebnisses ist ein Ein- greifen des LandeSschlichters nicht mehr erforderlich. Die Solidarität der Eisenbahner hat über die engstirnige und tarifwidrige Aktion der Reichsbahndirektion einen vollen Erfolg errungen. KpS.-Mgeordnele als Polizeispitzel? Eine geheimnisvolle Angelegenheit: Ein holländischer Paß und eine vereitelte Rußlandreise. Zw SeschSstsardanagsausschuß.de» Reich». tag» wurde heule vormittag folgende überaus geheimnisvolle Angelegenheil, die auf den Inneren Kampf im Kommunismus scharfe Schlagllchler wirf«, zur Sprache gebrach«: Zm Februar des Zahres lllZS wollte der Relchslagsabgeordncle llrbahns. der damals noch nicht aus� der Kommunistischen parle! ausgeschlossen war. sich nach ZNoskau zu dem dort tagenden Kongreß der 1 Znler nationale begeben. Da llrbahns noch eine sechsjährige Aestungshasl zu verbüßen Halle, konnte er einen ord- n un gsmäßigen paß nicht erhallen. Cr wandte stch In- solgedesten an die Berliner Kommunistische Partei, enlrale. von der er eine« holländischen paß aus den Hamen Peter S u i pe r erhielt mit diesem pah wollte er über Eydttuhnen noch ZNoskau reisen. von der ganzen Angelegenheit wühlen nach der lm Aueschuß gegebenen Darstellung, die stch aus Angabe« des Abg. lllbahn» stützt, nur drei Personen, davon eine, sür die er sich unbedingt verbürgen will, und außerdem zwei kommunistische Abgeordnete. die heute noch in der Kommunistischen Partei an sührender Stelle stehen. Ganz kurze Z«N. nachdem Urbahns deu holländischen paß er- halte» halte, noch am selben Tage, wurde la der Ad- letlnng l-1 des Berliner Polizriprästdioms angeklingelt, und ein Mann, der seinen Ramen nicht nennen wollte, teilte dem diensttuenden Beamten mit. daß der kommunistische Reichslogsabgeoidnetc llrbahns im Begrisse sei. mit einem holländischen pah. der aus den Hamen Peter Kuiper laute, über Eydlkuhnen nach INoskau zu reisen. Znsolge dieser oaonnmen Angabe wurde sosort an die Grenzpolizei«ach Eydlkuhnen telegraphiert daß der Inhaber des aus den Hamen Peter Kuiper lautenden Passes sestzustellen und nicht durchzutasten sei. llrbahns wurde auch richtig aus dem Zuge herausgeholt uud uach Deutschland zurückgeschickt Später wurde er wegen Paßoergehen zu 570 IN. Geldstrafe verurteilt, die er nun, da die Geldstrafe nicht eln- ziehbar ist, absitzen soll. Der Geschäftcordnungeoucschuß des Reichstages hat jedoch den Antrag auf Strafverbüß"ng heute abgelehnt. Er hat ebenso noch einem Bericht des Abg. Landsberg(Soz.) die Verhaftung jener sechs konnnunistischcn Rei-bstageabgcordneten abgelehnt die vor einigen Wochen zum großen Zcntralv»'"-'«- vor das Reichsaeri�t geladen, aber nicht erschienen waren. ft Die Paßangelegenhelt des Abgeordneten Urbahns bedarf noch der näheren Aufklärung. Wenn man Urbahns Glauben schenken wollte, so müßte man annehmen, daß eine maß- gebende Pcrson der KPD- Zentrale die Reise des damals schon oppositionellen Urbahns noch Moskau ver- hindern wollte und darum freiwillige unerbetene Spitzel- dieoste für die Polizei geliefert hat Llrbahns an Thälmaun. In der-Fahne des Kommunismus" veröffentlicht der Rkichs- tagsabgeordnete Urbahns folgende Erklärung: .Auf dem Berliner Bezirke-Parteitag Hot der Vorsitzende der KPD. Thälmann wider bcsieres Wisien die Behauptung ausgestellt, ich hätte während des Hamburger Ausstondes 1920„in den Betten" gelegen. Das hat wohl heißen sollen, ich hätte mich während des Kampfes feige gedruckt Ich würde diese Verleumdungen unbeachtet lasten, weil sie von— Thälmann kommen, wenn nicht solche persönliche Verunglimpfungen seitens der Zentrale völlig an Stelle der politischen Auseinandersetzungen mit der Opposition treten würden. Nur um diese Kampsweise zu kennzeichnen, bemerke ich folgendes: Ich frage: Wie war es möglich, daß trotz meiner„Feigheit" Dutzende van Organisationen des RFB., der Roten chilfe(Mopr) in DeiUschlond und Rußland mich, den„Drückeberger" von lllZZ, zum Ehrenmitglied. Ehrenvorsitzenden und was weiß ich sonst noch, ernannten? Wie konnte Thälmann, seit«924 Vorsitzender der KPD., so etwas zulasien? Warum hat er mich nicht auch, wie seinen jetzigen Kotlegen aus dem Politdureau, vor ein Arbeiter- „Kriegsgericht" gestellt V Mich hätte er nicht wie jenen Heiden wegen„schwacher Heroen" freisprechen brauchen. War Thälmann etwa mal wieder irgendwie„vergewaltigt"? Oder wie kam es sonst, daß er die„Feigheit" an mir erst entdeckte, als ich seinen Verrat an der Linken nicht mitmachte, fan- dern zur Opposition ging? Run, Thälmann weiß nur zu gut, daß. er auf dem Berliner Dezirkeparteitag g e l o g e n hat. Er weiß auch sehr gut. daß es ein Leichtes wäre, seine Lügen dadurch zu entkräftigen, daß ich unter Zeit» und Nawenangab« der Ocffent- lichkest bekannt gebe, wie, wo, wann und mit wem zusammen ich mich während der Homburger Aufstandstage betätigt habe. Er weiß aber auch, daß die Namennennung dem Staatsanwall Material liefern würde, und er wagt seine Verleumdungen nur des- balb auszusprechen, weil er genau weih, daß ich dem Staatsanwalt selbst Lumpe», die es nicht besser verdient hätten. nicht nennen werde. Er verleumdet also unter dem Schutze des Staatsanwalts. Oder will er mich etwa nur provozieren, um mich spater einen„Denunzianten" nennen zu können? Thälmann und weitere Mitglieder der KPD. brauchen nur die Derantwortung für die Folgen zu übe» nehmen, öfsentlich in der„Raten Fahne". ich bin gern bereit, mich mit ihnen über den Oktober 192.? ausetn- onderzusetzcn. Sollten sie diese Derantwortung nicht übernehmen, dafür aber unter dem Schutze des Staatsanwalts weller verleumden. dann überlast« Ich das Urteil über dieses lumpcnhait- Verhalten gern der Arbeiterschaft" C Cn demselben Blatt erläßt die Reichsleitung der linken Kam- mumstsn«inen offenen Brief an die«PD, in dem diese aufge- fntlttft wird, in reaktionZren Lerscinimiungün»ibcnso„mutig� mit Sprengungen vorzugchen wie in linkskommunistischcn. Zum Schluß heißt es: „Wir sehen wahrhaftig in der Versammlungssprengerei kein besonders überzeugendes Kampfmittel. Wir sind ganz und gar da- gegen, daß man in Arbeiterncrfammlungen Keilereien und Spren- gungen an die Stelle sachlicher Auseinandersetzungen treten läßt. Die Spitzen von KPD. und RFB. tun so. als seien sie anderer Ansicht. Nun wohl, so werden wir. nur um Schulter an Schulter bei den jetzt allein von dieser.Führung" veranstalteten„revostitio- nären" Taten dieser„Führung" dabei zu sein, soiort und überallhin mit ihr gehen, um in gegnerischen Versammlungen dag zu leisten, was in unseren Versammlungen wir uns seitens des ZK. nicht mehr werden gefallen lasten. Wir erklären aber: Läßt AK. der KPD. und Bundesleitung des RFB. uns ohne konkrete Antwort auf dieses unser Angebot, oder werden diese Instanzen oersuchen, mit windigen Ausflüchten sich von einer Antwort zu drücken, so werden wir sie nicht nur als elende Feiglinge brandmarken, die nur gegen links- gestimmte Arbeiter, und auch das nur in der ilebermacht, ihren „Mut" beweisen, sondern wir werden noch mehr als bisher olle Kräfte einsetzen, um Partei und RFB. von diesen politisch bankrotten und in jeder Beziehung feigen„Führern" zu befreien, die den Kommunismus tagtäglich kompromittieren und Arbeitervcrsammiungen zu Tumultplätzon andersge- sinnter Rowdys machen wollen." „Scham und Ekel." Oeutfchnatisnale Sittenwächter. In einer Anfrage des deutschnationalen Abg. Winkler an die preußische Regierung heißt es u. a.: „Scham und Ekel müssen jeden ehrenhaft denkenden Deutschen und Preußen erfüllen, wenn er der Feststellung gegen- übersteht, daß Schlageter, Eadowski und Becker an unsere Feinde non sogenannten Deutschen verraten worden sind. U n- erträglich ist der weit über die Grenzen des besetzten Gebietes hinaus verbreitete Verdacht, daß die preußische Polizei an der Auslieferung von Schlageter, Sadowski und Becker an die Franzosen mitschuldig ist." „Scham und Ekel"— steigen normalen Menschen nur auf angesichts der Heuchelei, die in dieser Behauptung liegt. Die„sogenannten Deutschen", von denen die Anfrage spricht, waren Roßbach. Leute, also aus dem Holze der „nationalkommunistifchen Haufen" geschnitzt, die die Schwarze Reichswehr bildeten, und bis heute den Schutz gerade deutsch- nationaler Parlamentarier fanden. Die preußische Polizei und vor allem Severing mit diesen Burschen in Ver- Bindung zu bringen, ist schon mehr, als„Scham und Ekel" erregend, es ist deutschnational! Die Rechte obstruiert im Landtag. Trotzdem wird dle Oeffenilichkeitdee! richterlichen OiszipNnar- Verfahrens beschlossen. Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung verlangten die kommu- nisiischcn Abgeordneten Pieck. Kilian und M ö r i ck« zur Geschäfisorbnung wiederum di« sofortig« Besprechung der kommuni- stischen Anträge gegen die Verordnung dos Wohlsahrtsministers über di« weitere Lockerung der Wohnungszwangswirt-- s ch a f t. Da Abgeordnete d«r Rechtsparteien der VerhaMung dieses Gegenstandes widersprechen, werden die Anträge der Kommunisten nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein und überweist ohne Debatte eine Reih« von Uranträgen an di« zuständigen Aus- schüfie. ver ivcsehentnmrf über die Oessentlichkelk de» Diszipliaarverfahreos gegen richterliche Be- a m l e wird nunmehr in dritter Lesung in einfacher Abstimmung angenommen. Bekanntlich hatten am Freitag die ventschnatioaale» durch ihre Obstruktion bei diesem Encnmrf das stang zum zweiten Zllale beschlußunfähig gemacht. Die Deutjchnaiioualen haben also ihren Antrag auf namentlich« Abstimmung zurückgezogen. Es folgt der Bericht des Ausschusses für das llntcrrichtswesen über die Ued ersichten und Anträge, über die Zahl der stellen- losen Schulomtsbewerber. Der Berichterstatter Abg. König-Swinemündc lSoz.f weist darauf hin, daß nach der Statistik noch über 30 000 Anwärter auf Anstellung warten. Es fei nur möglich, sie durch Schaffung neuer Hilfslehrerstellen im Etat unter- zubringen. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. Die Abstimmung über die Erhöhung der ver- waltungsgebühren noch dem Antrag des Ausschusses für das Rcchtswesen ergibt im Hammelsprung die BeschlußunsShigkeit des Hausos. Der Präsident beruft mich sofort eine neue Sitzung mit dem Rest der Tagesordnung ein. Die Sitzung dauert an. Verschleppung der Besotdungsreform? Vorstost des Zentrums. Wie mir aus Reichstagskreiscn erfahren, hat das Zentrum die Absicht erkennen lassen, das Inkrafttreten der Besol- dungsreform hinauszuzögern. Es geht mit den, Vorschlag um, von den Sätzen der Vorloge am 1. Januar 18Z8 nur 75 Proz. in Wirksamkeit treten zu lassen, das restliche Viertel ober erst am 1. April 10215! Od dieser Verschloppungsvorschlag bei den Blockparteien Gegen- liebe findet, bleibt abzuwarten. Die Nähe der Reichetagswahl könnte im deutschnationalen und volksparteilichen Lager imnierhin noch Bedenken gegen einen solchen Schritt auslösen. Wegen Spionage für Deutschland verurteilt wurde in Königs- fnrie ein polnischer Eisenbahnbeomter zu eineinhalb xlahrenGefängnis. Siahlhelm und Volkspanei. Geldte tritt aus der DDP. aus. Stohkholmführer und Likgrfabrikant S e l d t e ist aus der Deutschen Volksparte, ausgetreten, die er seinerzeit mit- begründet Hot. Er behauptet, er wolle parteipolitisch frei sein. Die der Deutschen volkspartci ungehörigen Reichst agskandidaten, die, wie Abg. Kulenkampff, gleichzeitig Mitglieder des Stahlhelms stich. sollen bei den Wahlen weiter die Unterstützung der Organisation erfahren. Der Stahlhelm ist, so erklärt Seldt«, heute politisch ge- worden. Seinen Kampf gegen den Parlamentarismus beginnt«r damit, daß er die„schwarzweihrote Einheitsfront" fördert, wenn fein« eigenen Leute auf den Kandidatenlisten stehen. Das Beispiel von Braunschweig hat jedoch schon gezeigt, wie die Wähkermaflen auf diese freundliche Unterstützung reagieren. Siresemann und der sinkende Kahn. Eine Rede in Nürnberg. Nürnberg, 3. Dezember.(Eigeuberkcht.) Auf der Reise nach Genf sprach am Freitag abend Außen- nrintster Dr. Str«semann Wer in einer Versammlung der Deutsck/ei, Bolksparioi. Er bezeichnete es dabei als Unsinn, immer wieder zu erklären, mit den Sozialdemokraten könne man nicht zu- sammen in einem Kabinett sitzen. Nach Aufgabe des Ruhrwider- stand es feien diejenigen, di« das heute behaupten, sehr froh gewesen, als die Sozialdemokraten in den gefährdeten Kahn stiegen uird die schwere Verantwortung mittrugen. Der Außenminister wandle sich dann vor allen, auch gegen die deutsch- nationale P reffe, die von einer Versklavung Deutschlands spricht. Freiiod des Nedakieurs der Illustrierten Reichsbanner, Zeitung. Magdeburg. 3. Dezember. von zuständiger Stelle wird«itgeleill: Der Polizei- prasideuk z. D. Gustav Krüger hat sich heule morgen um g Uhr ln seiner Wohnung in Magdeburg erschossen. E» muh ein seelischer Zusammenbruch vorliegen, da irgendwelche Gründe zu einem Selbstmord nicht vorhanden sind. Genosse Krüger stammle aus dem Buchdruckerberuf und war lange Jahre Arbeitersekretär in Magdeburg. lSlO wurde er zum Polizeipräsidenten ernannt. Eine kommunistisch-deutschnationala Hetz« gegen ihn erregte seinerzeit großes Aufsehen. Er wurde zur Disposition gestellt und in einen langwierigen Disziplinarprozeß verwickelt, der allerdings mit seiner völligen Rehabilitierung ends:e. Seit Gründung des Reichsbanners war Krüger in dieser vepubli- kamschen Organisation sehr tätig. Er hat auch die„Illustrierte Reichsbanner-Zeitung" gegründet, deren Hauptredakteur er bis zu seinem freiwilligen Tode geblieben ist. Oer Kappist und seine Pension. Ehrhardt und der Reichswehrfislus. Vor dem Landgericht I fand heute morgen die vor kurzem ver- tagte Verhandlung über den Rechtestreit zwiichen dem Reichsiiskus und Kapitän Ehrhardt statt. Bekanntlich macht der Reichswehrj.skus sowohl Lüttwitz als Ehrhardt für den Schaden verantwortlich, der durch den Kapp- Putsch entstanden ist. Lürtwitz und Ehrhardt weigern sich ober, die Schadensersatzonsprüche de, Reichswehrfiskus anzuerkennen. Die GerichtsverhanÄung gegen Lüttwitz findet am 7. Dezember statt. �„,, Der Reichs wehrftskus hat allerdings bei seinen Schadenersatz- ansprüchen, die CVi Millionen Goldmark betrogen, nur die rück- ständigen und in Zutunsl fälligen Pensionen Ehryardts im Auge, nickst die Einnahmen, die aus irgendeiner anderen Tätigkeir stammen. Aber auch diese Selbstbeschränkung des Reichswehrsiskus genügt Ehrhardt nicht. Er bestreitet überhaupt das Recht des Reichswehrsiskus, irgendwelche Schadenersatzansprüche ihm gegenüber geltend zu machen. Augenblicklich hält der Reichswehrsiskus ein vierte! seiner Pension zurück. Der Vorsitzende versucht einen Vergleich hcrbel.zuführen. Er' redet dem Vertreter Ehrhardts, Rechtsanwalt Block), zu. letzterer möge sich mit einem mäßigen Abzug von seiner Penston«inver- standen erklären. Rechtsanwalt Bloch will jedoch davon nichts hören. In'erster Linie will er unter keinen Umständen mit den Mark„rückständiger Pension" herausrücken. Noch langem Hin und Her erklärt der Vertreter des Reichswelzrfiskus, Rechtsanwalt M i tz l a f. ein Vergleich wäre vielleicht aus der Grundlage möglich. daß entweder der Staat auf die rückständigen Pensionen verzichtet, dafür aber um so h ö h e r d i e A b z ü g e von den laufenden Pensto- nen bemißt oder daß der Reichswehrsiskus die rückständigen Pensio- nen behält, dafür ober die Abzüge von den laufenden Pensionen entspreckzend niedriger hält. Rechtsanwalt Bloch wendet demgegenüber ein, daß Ehrhardt außer der Pension überhaupt keine Einnahmequellen besitzt. Aus dem Vermögen seiner Frau habe er sich ein kleines Gut in der Nähe von Neu-Ruppin gekauft. Er sei somit auf seine Pension angewiesen. Der Vorsitzende versucht nach wie vor einen Vergleich herbe,- zuführen und glaubt, daß dies im Interesse des Ehrhardt selbst sein würde. Denn wenn dieser auch glaube, daß er für die Millionen Goldmark nicht aufzukommen habe, die aus der höheren Besoldung der Truppen auf Lüttwitz' Befehl während des Kapp-Putsches entstanden seien, so könnte ja der Reichswehrsiskus feine Schadenersatz- anspräche noch aus anderen Gründen geltend machen. Do Rechtsanwalt Block) anscheinend bereit ist, auf einen Vergleich ein.zugehen, bittet der Vertreter des Reickswchrfiekus um eine Vertagung der Verhandlung, da er bei seinen, Mandatgebcr über die Form des Vergleiches Rücksprache nehmen müsse. Rechtsanwalt Dr. Bloch besteht stdoch darauf, daß verhandelt werde. Das Gericht trat deshalb in die Verhandlung ein. Die Rerchskagsfraksion des Zenlrums wählle den Abgeordneten v. Guörard zum ersten Vorsitzenden und die Abgg. Perliiius und Stegcrwald zu gleichberechtigten zweiten Vorsitzenden. Bisher hatte noch Reichskanzler Dr. Marr sein Amt als erster Fraktionsoorsitzen- der inne. Bronx-Expreß. Erstaufführung in den Kammerspielen. Da« sind die Juden von New York: mehr als anderthalb Mi!- US nen» die russische Prodrome und galuischer Hunger über den Allanttk schwemmen. Einer von ihnen. Chaskel. der Knopsmacher, lebt im New Yorker Ghetto. Van dort, von Frau und Kind. morgens weg in die Fabrik. Abends wieder heim. Am Schabbes zii koscherem Fisch und Barches. Darum kam Ehaskel nach New York? Er hat die Stadl, die glücklich und reich ist, niemals ge- schon. Er ist immer unter dem Broadway, wo es leuchtet und lackt mit der Untergrundbahn durchgesaust. Sein Zug. der ihn ooni Ghetto m di- Fabrik brachte, der Branx-Expreß. erlaubte ihm nicht. ine Elucksstadt.zu sehen. New-Yorker Ghetto. Singsang des Sabbath- twdes, nicht viel verschieden von dem, was auch in Rußland und Polen war. Vielleicht manchmal noch ein bißchen mehr Not. Und da setzt dem Ehaskel. während er in der vollgestopften Untergrund «inen Umweg um den Broadway macht, Ianktl, der Windhund, den ivloh ins Ohr. Immer im Ghetto verkümmern, niemals den Broad- loa y stürmen? Broadway, das bedeutet Millionen, Wewer, Chancen, die West auszukaufen, den Bluff auszuprobieren und einen Palast kriegen und ein Bankkonto, wie die Morgans und Rockefellers— V hastet schläft in der Untergrundbahn ein Dann träumt er. daß olles das plätzlich zu ihm kommt» daß er, der kleine Iüd und Pro» ictarier, genau so wie die Bonzen in dar 5. Avenue--. Da er ein Jude ist, macht ihn der Reichtum noch besonders toll, so daß er als Fabrikherr den höchsten Judentag, den jüdischen Weltfeier- tag, den Iomtippur. abschafft. Dazu noch alle anderen Weltseier- tag«. an denen der arme Mann oiu-richen durste, christliche und mohammedanische.(Chaskel selbst ist kein Prolet mehr, er ist nur noch Kapnalspotentat Alle Nroleten müsien für ihn schuften, für ihn. den Millionär und Schuft. Er nacht aus, als der Traum oerade oll.zu mcschugge mit ihm berumwlrtsthaftet. Chaskel. der woprincchcr, arrd wieder——. Verfluchte Nationcüokonamie und M�-iardärsmorcil! Die schönsten, sogar die dicksten Weiber bleiben bei den Scheckbuck-bonzen. Chaskel, schon Eliteknopsinacher mit 40 Dollar in der Wache, wird erst wieder obenauf komrnen. wenn Abraham ihn in den Schoß nimmt. vi Dichter Ossig D y m o w gibt die Garantie dafür, daß - iL J-0!1111**.£'eu*t im Broadwayptlast nicht stören. Dymow versucht sich als siddifcher Nestroy, er übersetzt den guten Wiener ins Iudendeut,c.> von 1ü27. Die Traumbilder Chaqkels find primitiv wirksam und erbaulich für N'ager, Iüd und Chinamann, die abends keinen Smokrng anziehen, wie die klugen Besucher der Berliner Kammerspiel«. Ein VolAstück. das in Amerika sahrslang Kasse mochte, versagt in den Kammerspielen. In New York hat der alt« Schildkrout den Ehaskel geiräu-nt Das muß herrlich ge-! wesen fem und e.n wundervolle« G-mausckel des Gefühls. So I etwas laßt sich nich, ohne weiteres zu uns übertragen, wenn auch' rnernche.Kunstler der Kommerspiele da- Gemauschel im Tone wunder- voll mulierten. Alles, was in dem Stück heimatlich und realistisch ist. d:e nationale Rote, das Inierwur mit hebräischer Melodie und Tstuekler Küche, das geht zum Herzen. Was nachher dichterisch sein soll und»on dem Regisseur Hein, Hilpert mit Theater- Maschine letzten Raffinements aufgedonnert wird, versagt voll- kormnen. Die Bildung ist dem Regisseur im Woge. Ihm fehlt das Ursckzmierentum. Man äst beleidigt. Dickster. Regissour und Schau- spiele? find schuld daran, allerdings nicht alle. Kurt Bois, der den Gheltoschieber Sänke? spiell, mimt ichwadronierend und schl-nnig und sprenkelt gelegentlich das klassischste Gemauschel in seine Rede. Das aehört sich so. I l k a G r ü n i n a behütet mit rührender Mütterlichkeit den kosckeren Fiich und die Schab besleuchter und die Unschuld ihrer Tochter Resele. Mischtet. L I e b e r m a n n. entlarvt mit zehn Worten ollen Schmerz und alle Lächerlichkeit des amerikanischen Iudenoolkcs. Doch di« anderen spielen mir Rollen, obwohl sie ernsthaft gedrillt sind. Sie sind solchen Ausgaben, die nur Naturkomödianlen jüdischen Stammes vielleicht spielen können, nicht gewachsen. Albert S�cinrück bewältigt seinen jüdischen Proletarier nur mit großem Takt«. Hier ist aber mehr notwendia,«den die kolosiale ins Geniale gesteiaerte Nrschmierenbeoabung. Es wirken zwei Theaterkinder. Peter Wolfs und Alexandra Nadle r. mit. und Hanna Ralph. di« das geträumt« Monstrum des lüsternen Weiberfleischrv ru prä- sentieren hat. Nichts als gute Dressur, dock swon theatralisch oer- zerrt. Oskar Karls weis,«ch jiddischer Dichter, und Willi P r o g e r, ein alter Rebbe; sl? spielen ihre Episoden auch mit jener Schulung, die für ihre Künstlerschokl, noch nicht für ihre Natur bürgt. Ihr Inneres ist nickt mehr judäi'ch g-nuo. S'? sind schon nickt mehr imstande. Nationaltheater zu spielen. Mit Kultur und Technik ist diesem Stücke aber nicht be'zukommen, das schlecht und mit zugleich ist. Zu literarisch für die Vorstadt, eu plump für die Kammerspiele._____ M. H o ch d o r f. Der kluge und der falsche Prophet. In grauen Jahren— kein Laban lehrte noch, keine Wiqman tanzte— kam ein Mann aus dem Westen, nannte sich Ja c q u e s- Dalcroze und ließ sich nieder zu Hellerou im Sachienland. Iknd er rief zu sich Jünglinge und Jungfrauen und lehrte sie nach Tönen der Musik ihre Glieder regen. Und vecanstaltete in fest. licher Holle Tanzaufiührunqen mit Gelang und Instrumentenklong. Und es gab viele, die da faaten:„Sehet/ hier ist eine neue Tan,- kunst erstanden, die euch befreit von den Fesseln toter Tradition.' Andere aber schüttelten das Haum und sprachen:„Dieses ist mit nichten ein neuer Tanz: es ist Musik in rhrsthmisthe Körverbewe- gung übertragen. Solche Uebunaen mögen da-u dienen, des Musikers Gebör und rhy'hmisches Gefühl zu verfeinern und zu stäx- ken, dem Tanze ober dienen sie nickt." Und es ward still« um den Mann aus dem Westen tmd er entschwand au» unserem Angesicht.... In diesen Togen aber Ist er wieder un'er uns erlchimen"nd bat uns eingeladen, in die Staatliche Hochschule für Musik und zeigte uns etliche feiner Mäaeelein. wie sie sanoen und must- zierten und ihre Glieder rhythmisch bewegten. Und er öffnete leinen Mund und sprach also:„Was Sie hier sehen, hat nicht? mit dem modernen Kunsttanz zu tun. Es ist lediglich eins neue M?. thade imisitalilcher Erziehung." Da atmeten alle Weisen aus und freuten sich über die klage Einsicht des Mmmes und segneten ihn und wünschten ihm aufrichtigen Herzens Glück zu ssiner Arbeit. Es begab sich aber, daß zu der selbigen Zeit ein anderer Mann erschien und im Zeptralinstitut für Erziehung und Unterricht vor im? trat. Er war ein Abgesandter d-r Eüsab-Ih D» n c o n, die eine Tanzlchuke Iroendwo in Oesterreich betreibt. Und der Mann redete gewaltige Worte und gab in Lichtbildern einen Ueberblick über die Entwicklung der Kunstgeschichte all« Völker und oller Zeiten und erzählte von der Riesenarbeit, die geleistet werde in der Schule seiner Austraggeberin. Und wir wurden ge- spannt und erregt und harrten begierig der Dinge, die da kommen sollten. Aber als dann leicht geschürzte Jungfrauen erschienen und zu Klavier- und Harmvniumspiel zu wandeln, zu hüpfen und zu tanzen begannen, siehe, da war e» eitel Kit ich und ein Nichtskönn-n. daß uns Mitleid erfaßt«, und«ine fad« Süßlichkeit, daß es scll'st ernste Männer nach vielen Kognaks verlangte. Und man raunte sich zu:„Wie kommt ein solcher blühender Dilettantismus in die staatlichen Räume?" Und die, die es wissen wollten, sprachen: „?ftir wenige gehen heute noch dilöer Eliiabech in die Falle. Ein einflußreicher Geheimrat im preußischen Knltusminsterio ober klebt an ihrem Leim und sucht ihr Pfad« zu bahnen und Pforten zu offnen." Da entsetzten sich die anderen und dachten in ihrem Her- zen:„Sollte e? in Wahrheit so sein? Sollte eine Recherung. die für die große und ernste Sacke des modernen deutschen Kunsttnn-es nicht einen Pfennig übrig hat, diese kläglichen Jämmerlichkeiten unterstützen wollen?" Upd sie beschlossen, ein wachsames Auge zu haben, auf daß nicht Dinge geschehen, die uns vor aller Welt läcker- lich wachen mühten.__ John S ch i k o w s k i. ZerfkSrnng des Theaters durch den Benisfeftr? In dem Zykh-s der Lessina-Hochschnle„Dos Theater" sprach Gustav Hortung zu d-m Thema„Der Regisseur". Die Ucberwertung und Ueberentwicklung der Reoiefunktionen in unseren Tagen charakteri- sierte Härtung als eine Verfallerscheinung des Thealers Das ge- stinde Theater braucht« keine fühlbare Regie. Es hatte dos Stück und es hott« die Schauspieler. Heute ist das feste Ensemble, mit dem gerecknet werden kann, mit dem ob« auch gereckn-t werden muß. höchstens noch in der Provinz vorhanden. Der Regisseur hat also kür das jeweilige Stück sich die Sckrusp:el-r zusammenzusuchen, die ihm für die Verkörperung seiner Aussosiung des Merkes am geeignetsten erscheinen. Denn der prominente Regisseur bildet sich beute seine höchst persönliche Äuffosiung von jedem THeatersrck. Nur dann ist da« große Publikum bekried-iot, das die„normale" Ausfuhrung. wie Hortung sie nannte, höchstens dann«rträot wenn es sich um ein ne"e?.Werf handelt. S'lten sind jedock die Dramen unserer Zeil wirklich bühnmiähig. Sie brauchen Klärung. Ans, bellung der Ideenm-lt des Dichters durch die Regie. D's Drama einer vergangenen Zeit aber kann nur durch die Regie für ur'c« .H'tt neu und lebepeiz gemacht werden. Doch glaub' Hcrt'uf ter Höhsvunkt der Zerftonw de« Theater« durch ist« R»-»!e fei überschritten Trotzdem steht er der Zukunft des Theaters an. scheinend ziemlich skeptisch gegenüber._ 3. .®l#.Börger-flonzcrfoere'nigung zur Pfleg- volkrtümlick-r will, um gute Orchestcrmusik und allgemeines Kunst- Verständnis in den republikanischen Bolkskreisen zu fördern, in rcgel- maßigen Abständen monatlich zwei Konzerte in verschiedenen Stadt» teilen Groß-Verlins veranstalten. Während der Wintermpnat« Siedlung?— Siedlung! Die Landflucht im Osten hält an. 5m Giedlungsausschuh des Reichstags kam es am Freitag an- läßlich der Besprechung der Reisen des Ausschusses in die Siedlung?- gebiete Riederschlestens, Mecklenburgs, Oldcn- b u r g s und West Hannovers zu einer Aussprache der Ler- treter fast aller Parteien, die eine bemerkenswerte Kritik an der Arbeitsmethode vor allem der Siedlungstästgteit der preußischen Behörden enthielt. Während die Abgeordneten We st ermann «st!mmt. die allgemeine Notlage der Künstler und Musiker zu mildern und junge Talente zu rördern. Ein im größeren Rahmen gedachtes Einsührungskonzert als Sonderveranstaltung findet im großen Saal der Philharmonie, am 8. Dezember. 20 Uhr, statt. Der Opernhaueumbau wird, wenn Fäll« höherer Gewalt, wie sie während des Baues mehrfach eintraten, von jetzt ob nicht mehr vor- kommen, Ostern 1028 fertig sein. Frostschäden sind bei dem jetzigen Stand« der Arbeiten kainn mehr zu fürchten. Die Bor- bereitungetz für die„M e I st e r s i n g e r�-Dorstellung, mst der das Opernhaus eröffnet werden soll, haben bereits begonnen. Das Wert wirb von Operndirektor H ö r t h einstudiert und von Kleiber musikalisch geleitet werdkn. Anschließend wird Hürth Richard Wagners„R I n g* neu einstudieren, wobei Emil P i r ch a n das Bühnenbild entwerfen wird�_ Scllanffiihnwgev dre BJoche. tHenstafl Td am«mrflnitrvdavmn .Cd ort'.— MUtwoch echlssivm ltbcnlec 3tcill|:.In der sto» banniSvacht". Tb. in der KlelieritraRe:.Kameraden'— »rel ag TS. in der SSnt»mSher Strah«:. Schlot, Detlerstetn'.— Soimavend Oper am Platz der Repub.tk:.L u t i a Miller'. var'ra» Heinrich INa-as In der Sorbanne. S-inrtch Mann bat t» der Pariser Sorbonne einen Dorlraa über die getftige BeriolrNIchuna von Ü enrno in Frankreich und in Tenttchland aebalten, de» Pro'. Henry Lichtenberger mit etver Bconttzungsaniprache einleitet«, in der er be'onte, Lecrrno mlisie von den Sntelleltuellrn ralisiz�er t werden. Heinrich M rnn wieserbolie, wie er lelblt erklärte, im wcleniltchen die Ausführungen, die er vor einigen Wochen in Bei Im im ehemaligen Herrenhaus« vor deutschem Publilum gemacht hat. Eine Ser- ari-bevow'»r»-!?ei«e veranl'aliei der Berlaa.Der Heber. blick" all» zweite Matinee dieser Spielzeit am it. Dezember. II Nbr Die Peranllaltnng findet zugmiiicn der Gerbart-Hauplmann-Ltislung statt z, der«emäidega'erle de» Kai er-?ri«d,i'-BTulenrat findet gegen. ivitUg eine AuSNellnng von neuermorbenen Bildern der olä- wischen-nd bollindischen Schule de»>«. und 17. Fahr» Kundert«»alt. U«. iti die reuerworbene Landschaft van P e t e r P a u l Rüben» ausgestellt. vi« vezew ber-Aa« stell»» g de» L'or«. Pot»damer Strafe ISt». zeigt ,-n»-'loume�« und Kelch, ungen oouHugo Scheibe r-Dudapelt. Damit verbunden!it«in« Seibna-- iSauS'tcllunz«rpresstoustlischer Brlder. die sich besonder» lür Keschenkzwecke eigne» Li« Sak«>« So dlck u.Idl-Bla'eilletn, Lck Sneberaer vier ZS». zeigt Im «erember eine Aerlwer Prwa'sämm �ng modernher.«nnsi. b vor diese endaüllia ou'gelöii wird. Die San mbrna enidall Gemälde von"eckmann. Dir Femineer. Pechstein. Schmidi-Roitlufi u a. m.. iaivie Plalliken von Barloch. Garbe. Herzog, Reeder. Mivy Sleeger, Scheurich n. a. m. v>e Iloispead« sür keu sche llvast bat iockben eine neue Lttbographie nan Kätbe Kollwitz beraulgepcben. deren LrlSS illr die notleidende «ünltlerlchall benimmt iit. Da« Slott ist durch die Rotipende(Bureau der Preutzilchen Alademie der Zlünst«, Pariser Platz tj«rhÄttich. Der PreiS dt» Platte» deträgt 10 R. Rundfunk, die E Die Erfindung des Radio ist eine der revalutionärften Er- scheinungen der menschlichen Gesellschost. Sem« Entwicklungs- Möglichkeit ist gegenwärtig unabsehbar. Schon heute muh aber der Rundfunk oi« eines der größten Masienbeeinflusiungsmittel gellen. Diese Möglichkeit wurde von der Arbeiterschaft nicht rechtzeitig genug erkannt. So war es möglich. Sendeakriongefelllchasteir zu gründe n, deren Kapitalien sich sedoch zu 4g Proz. in Prioathänden bestnden, ohne daß die Oefscntlichkeit von der Derteilung dieser Artion unterrichtet worden wäre. Auf der anderen Seite aber wird die Zahl der Rundfunkteilnehmer, von denen 80 Prozent Arbeiterhörer sind, in den Wintermoncsten aus 2 Millionen steigen. Diese müssen da« Rundftmtrnonopol finanzieren. Die �Neutralität". Die Rundsunkbehörden sind zum großen Teil reaktionär ein- gestellt, dabei muß aber bemerk! werden, daß einige Sendedirettarcn den Forderungen der Arbciterschafr Zugeständnisse machten, wenn ihre Umgebung und vor allem die sonst durchaus entgegentommend« Reichs?Rundsunkges«llschast nicht bestimmten reich?- ininisteriellen Einstüsscn ausgesetzt wäre, die eine Lösung der Programms ragen unmöglich macht. Zweifeln diese behördlut, ein- oeietzien Programmarbeiter an der.NeutralitSi" der Forderungen— und sie zweifeln recht oft—. dann werden letztere an die politischen Ueberwachungsausschüsie, die verstecke der Sendebehörden, ob- geschoben. Den Vertretern der Sozialdemokratischen Partei, die in den Ausschüsien mitarbeiten, wird sehr oft mangelndes Verständnis und Tatenlosigkeit vorgeworfen. Der Arbeiterschaft muß endlich klargemacht werden, daß sich die Mit- glieder der Ausschüsse aus zwei bürgerlichen Vertretern und einem unserer Vertreter zusammensetzen, der in allen Fällen überstimmt werden kann. Der Kamps hat sich vor allem gegen die„politische Reutraiität' der Sendebehörd« zu richten. Politisch neutral wird der Rundfunk erst dann, wenn er ollen Parteien zur Verfügung steht.' Der politische Abend, ober wie man die Stunden sonst nennen will, muß gefordert werden. In sachlich scharfen und klaren Auseinandersetzungen, in regelmäßiger Reihenfolge und unter gleichen zenstiralen Bedingungen für den Dortrag und seinen Sprecher wird der Rundfunk dabei niemals die auch hier so not- wendige Bindung zur Toleranz verlieren, da das eigentliche Wert- urteil, das letzte Ureil dem Zuhörer überlassen bleibt, lieber die Arbeits- und Erwerb swalt hinaus muß das Leben des Arbeiters kullurell erregt und bereichert werden. Hier entsteht die Frage. inwieweit der Rundfunk über die bloße Unterhaltung hinaus auch wi r ili che Bildung vermitteln kann. Unter der Boroussetzimg. daß der Rundfunk beim Wegsall privater Erwerbsnivtive sich nicht Llnsicherheit im nächtlichen Berlin. Vier lleberfälle in einer Nacht! An vier Stellen trieben in der vergangene« Nacht Wegelagerer ihr Unwesen. Gegen 12!» Uhr ging der 35 Jahre alle Kassenbota Louis B. ans der Zorndorier Straße die Hntenftraß« entlang. Vor dem Hause Nr. 18 sielen ihn plötzlich mehrere jung« Strolche an und entrisien ihm d i« A t t e n t a( ch« mst SO M. Der Uebersallene setzt« sich aber zur Wehr und es gelang ihm. die Tasche wieder a n s i ch z u b r i n g« n. Als die Räuber sahen, daß sie mst ibm nicht fertig wurden, ergrissen sie die Flucht und liefen durch die ftaiser-Wilhelm-Stratz« nach dem Alerandcrplatz zu davon. Der Haupttätcr ist ein großer Mensch, der einen grauen Mantel und eine blape Scglermütze trug. Die anderen kann B nicht beschreiben.— Kurz nar Mitternacht wurde in Neukölln ein Maurer N., als er Im Begriffe stand, fein Wohnhaus in der Leinestr. 13 aufzuschließ-n, von vier unbekannten jungen Männern überfallen, die ihn wahr- scheinlich In einem Lokal beobachtet hatten und ihm helmlich gefolgt waren. Sie raubten ihm dieDriestaschemit120Mark und entkamen, bevor Hilfe zur Stelle war.— Einen Anschlag aus einen Droschkenchausseur aus der Iahnstratze in Steglitz oerübten unbekannte junge Burschen gegen Hl Uhr in Lichterfelde. Als der Chauffeur mit seinem Wagen um die Ecke der Drohms- und .Haydenstraße herumfuhr, warf ihm einer, um ihn zum Hallen zu veranlassen, mll einem Stein die Windscheibe ein. während ihm ein zweiter de» linken Winker abriß. Der Angefallene hiell aber nicht, gab vielmehr Vollgas und e n t k a m fo den Räubern. — Ueber den Arbeiter Max R. sielen vor dem-Haus« K ö s l> v« r Straße 19 unversehens sechs Burschen her. Sie drängten ihn in den Toremgcmg, versetzten ihm, als er um Hilfe rief, Schläge und Fußtritte, warfen ihn zu Boden, zogen ihm den Mantel aus und raubten Ihm auch die Brieftasche mit seinen Papieren und 45 M Als sich R. trotz der Mißhandlungen gleich wieder aufraffte, ergriffen die Räubcr die Flucht und liefen, wie«r noch sah. in ein anderes Haus binein. Weil hier mehrere Zigeuner wohnen, die vielleicht für den Ucberfall in Betracht kommen, so suchten Ve- amte des 41. Reviers das Grundstück, soweit es in der Nacht möglich mar, ab. Sic trafen am dem Hole auch einen Zigeuner und stellten ihn fest. Die Kriminalpolizei forscht im Lause des heutigen Tages weiter nach, ob die in dem Hause wohnenden Zigeuner wirklich die Räuber sind. Miiieilungen zur Aufklärung der Uebcrfölle an das Raubdezernat im Polizeipräsidium. LiebtStraqödie in Neuköll«. Den Abschluß einer unglücklichen Liebe bildete eine Tragödie, die haute früh in der Hobrechtstraße in Neukölln entdeckt wurde. Gegen 8 Uhr wurde dort die ZTiährige Frau Marie T i s ch e r und deren 24ISHriger Gesiebter Erich« ch u l z aus der Reuterst-ahe in der Wohnung der Frau bewußtlos aufgefunden. Das Zimmer war mtt Gas angefüllt, die Feuerwehr nahm Wieder» belebungsoerfuche mit SauerstoffgerSten vor, d»? jedoch ohne Erfolg blieben. Nach den krlminalposizeilichen Ernnttlungen ist das Liebespaar im gegenseitigen Einverständnis aus d-nn Leben geschieden. Wie aus htnterlasienen Briefen hervorging. hegten die Lebensmüden seit längerer Zeit den Plan, freiwillig den Tod zu suchen. Schulz hatte seiner Mutier gegenüber wiederholt Selbstmordgedanken geäußert, die aber niemals ernst ge- nommen wurden. Kanarien-AnSstellunst. Der Berliner Kanarienzüchlerverein„Edelroller" Höst kn den Sälen des„Krokodils". T u r m st r. 7/8. feine 17. große K a n a r i e n- A u e st e l l u n g ab. Die große goldene Medaille erhiell der Züchter Byck für eine Kollektion grüner Hohlroller. Ihm wurde auch ein Ehrenpreis der Landwirtschastskammer Branden- bürg zuerkannt, die ein eigenartiges Interesse an der Aufzucht von Kanarienvögeln hat, durck, sie wird nämlick» der K o n s u m a» R ü l- somen gehoben. Die klein« goldene Medaille und«inen Ehren- preis der Stadt Berlin bekam der Züchter Liest. Die silbernen Me- daillm fielen an die Züchter Wolfs und Raas. Di« Ausstellung bietet, was die Farbe anbelangt, insofern Sehenewardigkeiten, weil sie mtt weihen, isabellfarbenen und gelben rotäuglgen Kanarien- vögeln aufwarten kann. Recht sorbeniroh biuaepen wird das Bild durch die großen Autst llunoen der vereinigten Moobtter Bogel- Händler, die sowohl einheimische Waldvöeel wie Exoten zm Schau stellen. Diese Tier« sind ein glänzender Beweis für verständnisvoll« Tierhaltung. Alles in allem werden die Bogelfreunde viele Anre- gungen erhalten und st« werden auch ihr« Freude daran haben, wenn sie sehen, was ein zielbewußter Verein von sich aus schaffen kann. «che des Volkes. wie der Film auf rohestem UMerhaUzrugshedürini« einzustellen hat, ist die Forderung nach wertvoller Unterhaltung dura» de» Rundjuuk durchaus berechtigt. Rundfunk für alle! Die Forderung nach eimnn eigenen A r b e i t« r f«:>?» k ist abzulehnen. Abgesehen davon, daß die bestehenden Funk- qejetze sich ihm hindernd in den Weg stellen, kö rnte er Gegen» sorverungen der anderen Seite herporrusen. Die Ben- gewaltigung des Radin durch polttiche und wirtschaitlichc IMeressen- gruppen wäre noch unaufhaltbarer al» bisher. Biel�wichtiger da- gegen ist es für big Arbeiterschaft, durch den Sender ZV Wort zu kommen, von dem aus Millionen polittsch Indifferenter und bislang anders eingestellter Hörer erfaßt werden tonnen. Die Sender sind Reichseigentum. D i« Behandlung der Sendeprogramme ist also eine Frag« der politi» schen Macht. Sie wird in dem Maße gelöst werden, als die Arbeiterklasse Einfluß auf den Staat gewinnt. Die vorherrschend» Reaktion im Rundsunkwesen bekämpft die Arbeiterradiobewegunfl, die im Arbeiler-Radiobund DeMschlands E. V. zusammengefaßt ist. Dem Bundesvorstand wird anscheinend aus Unkenntnis her Dinge heraus von einem Teil der ArbeUerichait mangelnde und erlahmte Initiative hinsichtlich der Progrcunmsragen vorgeworfen. Auf dem Kieler Parteitag wurden die„Richtlinien der Arbeiterschaft zum Rundfunk" mich einem Referat des Genossen C r i s p i e n einstimmig angenommen. Sie sind iur den Bundesvorstand, dem sie vorher unterbreitet wurden, so maß- geblich, daß seine Arbeit nicht anders eingestellt zu werden braucht. Der Arbeiter-Radiobuird befindet sich wie alle anderen sozialistischen Organisationen im Kampfe. Solange er ihn verantwortungsbewußt durchzuführen bat. kann er die Kraft der Bewegung nicht unnötig verbrauchen. Er muh deshalb mir solche Programme ausstellen, die praktische Auswirkung haben, nicht ober solche, die mehr di/rch die Beranwortungslosigkett als durch die Dmnmhest ihrer Fabri- kanten schaden. Ein wichtiges Kampfmittel wurde„Der neue Rundfunk", im Untertitel„Arbeiter-Funk" genannt. » Der Arbeiter-Radiobund Deutschlands will den Zusammenschluß der am Radiowesen interessierten Arbeiterschaft herbetsühren, mn den Rundfunk in enger Zusammenarbeit mit allen anderen Organi, sationen tn den kulturellen Dienst der Arbeiterschaft stellen. Das Verständnis für die Radiotechnik fördert er besonders durch feine auf genossenschaftlicher Grundlage ausgebaute Materialversorgung. Der Bezirksverband Berlin gründet tn seiner Werbewoche neuo Gruppen. Aus dem Arbeiter-Radiobund soll eine Hörerorgam- sation werden, die den Einfluß aus die Progrvrnrmgestaltung erzwingt. und den Rundfunk zu einem taifächiichen Kultvrfaktor heranwachsen zu lassen. Ooppelmörder Krause. Cr war immer betrunken i Die Vernehmungen des Doppelmördars Krause sind nun- mehr abgeichlosssn. Aus seinem Vorleben wurde noch sestgestellt, daß er fett seiner Rückkehr aus dem Felde nur wenig g e- arbeitet hat. Auch sein Schwager, mit dem er eine Zeitlang gemeinsam tätig war, kpnnte nichts mit ihm anfangen. Er fand ihn vielmehr wiederhast betrunken aus der Straße liegen. Bon setner Mutter erhielt Krause von Zett zu Zelt kseine Umer- stützungen, dt« er aber stets auch in Schnaps anlegt«. Im Rausch' war er wie ein Tier und der Rauschzustand war für ihn fast Nor- mal. Cr konnte vom Schnaps nicht lassen, und es war ihm gleich- güllig, auf welchem Wege er sich das Geld vsrschofjtf. Die beiden Morde will er, wie er immer noch behauptet, ahn« volles Bewußtsein, ebenfalls im Rauschzustände verübt hohen. In der Schlesischen Straße lief er, nachdem er Frau R a ck am durch Bcilhiebe verletzt hatte, obwohl die Frau auf den Hos hinaus- eilte und um Hilfe rief, noch in das Zimmer hinein, siel in leine? Wut über den vollständig gelähmten und hilflosen alten Mann her und versetzte ihm blindlings so schwere Hiebe, daß er bald darauf starb. Voraussichtlich werden sich noch die medizinischen Sachver, ständigen mit dem Doppclmörder zu beschäftigen haben. Die silbernen Löffel des Amtsrales. Goysn den Amisrctt Heinrich Kühne vom Rechnungshof in Potsdam, der seinerzeit auf einer Auktion etwa ein Dutzend Löffel verschwinden ließ, ist das Hauptoerfohren«öffnet und die Anklage wegen Diebstahl« in einem Falst: erhaben word«.,. Dia Verhandlung wird im Januar stattfinden. Schmelings Punktsieg über Daniels. Der Europameister Im Halbschwergewicht. Max S ch m el i n g, hatte gestern abend keine leichte Arbeit mit dem englischen Exmeister Gipsy Daniels. Der Engländer gilt als einer der härtesten Boxer, den man nur vor Schüblings außerordentlich starken Rechten warnte. Tatsächlich kannte Schmeling auch bereits in der zweit«» Runde mehrere Male rechts anbringen. Daniel» war sichtlich vcr- blufft, hielt sich aber vorzuglich und landet« selbst, jedoch ahne recht« Wirkung, da die Schläge zu lang angesetzt waren. Di? Tresier sind im allgemeinen gut verteilt, Schmeling revanchiert sich, indem er Daniels Gesicht und Mund sehr ausgiebig massiert. Einige Male „schwimmt" der Engländer, Schmeling, offenbar durch das ge- schlössen? Auge gehindert, fuchtelt mit der Linken an Daniels Nase herum, setzt aber rechts nicht entscheidend nach— oerpaßte Gelegenheiten. In der achten und neunten Runde fuhrt Schmeling gut. der Gontz ist immer sür Daniels. Die letzte Runde läßt den starten Daniels einige Punkte ausholen, Schmeling hat sich müde geschlagen und schließlich feiert das Publikum Schmeling als Punkt- s i e g e r. Scbmeling sollt« sich ernstlich mit der Verbesserung seiner Technik befassen: mit der„tödlichen Rechten" allein ist es nicht getan- S e i f r l e d und K i o u s ch lieferten einen hartnäckig geführten Ausscheidungskamof um die deutsche Mittelgewichtsmeisterschost. Ein Kampf, dir den Borern in den eirvelnen Runden wechselnde Punktvorteile brachte. Die letzte Rund« hochdramatttch: Klausck ist ziemlich fertig, Seisried verrenkte sich sein schon bandagiertes Bein nochmals, hält aber hinkend die Runde und erreicht noch ein U n» entschieden. An Stelle des verletzten Paul Eztrson trat ein neuer Stern, der Dresdener Richter gegen den rtngatton Eng- länder S p e a r s an. Richters Draufgängertum paßt dem Eng- lönder gar nicht in die Taktik. Er hat zuviel mit der Kleinabwehr zu tun und kann sich Richter nicht vom Leib« Hollen, zumal der olles einsteckt. Einige Mal? ist Spear» stark am kentern, nur seine sabel- hgft? Wendigkett rettet ihn vor Richters Treffern. Eraebnis: U»- e n t f ch i e d e», dos Publikum wollte gern Richter als Sieger haben. Lepefont gab Domgörgen viel Arbeit. Die Summ« dpr haarscharfen, schnellen Treffer auf L.s Gc ficht bätt- manch anderen Kampier zur Strecke gebracht. Aber Lepesant steckte alles ein und gab oft gsm'a noch gut heraus. Domgörgen erwies sich auch gestern wied>'r als Vunttmocher und hatte die Freud«, aber nicht den ÜVifaU des Sieges. Dm bekam?"m guten Test der Franzose. Pont N o a ck konnte im Schlußkamps den Franzoseu Fabr"efles. der im Verlaus der zehn Runden mehrmals zu Boden mußte, hoch nach Punkten abfertigen._ „Volk und Zeil-, unsere illustrierte Wochenschrift, siegt der heutigen Postaujlage bei. Oer Eisenbahnerstreik im Saargebiei. Tleue Verhandlungen in Sicht. Saarbrücken. 3. Dezember.(Eigenbericht.) Der Streit ber lllerkslällen. and velriebsarbeiter der Eisen. bahn des Saargcbiets dauert unvermindert an. Gegenwärtig streiken Insgesamt etwa 3500 Mann. Die Ursache des Konslikls ist die tohnreduzierung von 34 Eent'mcs. die seinerzeit sowohl in der gesamten Privalindustrie wie auck) bei der Eisenbahn an den Lohnen vorgenommen wurde. Diese Lohnredvzierung ist inzwischen in der Privaklndustrie durch eine entsprechende Erhöhung der Akkordsähe wieder a u« g e. glichen worden. Die Eisenbahnverwaltung weigert fich sedoch, mehr als tb Centimes zu geben, d. h. also noch nicht die halste der Lohnoerminderung. Znsolge de» Streiks sind bereits Stockungen im Güter. verkehr eingetreten, wie wir ersahren, sind Besprechungen im Gange, um neue Verhandlimgen zwischen der Eisenbahnverwaltung und der Bezirksleitung des Einheilroerbandes vorzubereiten. Die Avssichlen aus Beilegung de» Konflikts scheinen sich günstiger zu gestalten. Weitere Ausdehnung des Streiks. Saarbrücken, 3V. Dezember. Die Streikaktion Im Saargebiet hat sich nunmehr auch auf die TisenbaKnwerkiiatten in St. Weirdel und Völklingen ausgedehnt, io daß über 5000 Arbeiter sich im Ausstand befinden. Da das Fahr- personal weiter arbeitet, wird der normale Zugverkehr nicht beein- lrächtigt. Sireitbrecherreserve der Kanalreeder. Auf Kosten der Arbeitslosenversicherung. Auf der Suche noch„Arbeitswilligen" erlauben sich die w e st- deutschen Kanalreeder überaus mcrkwürdioe Methoden. So versandte die Westfälische Transport A.-G. dieser Tage folgendes Schreiben an einen Unorganisierten: „Westfälische Transport A.-G. Unsere Abteilung D. HyKl. .Herrn....... Dortmund, 18. November 1927. Wir bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom IS. d. M. und nahmen davon Kenntnis, daß Sie arbeitswillig sind. Gleich- zeitig bemerken Sie uns. daß Siej> em Verkehrsbund nicht angehören und keine Streikunter st üßung von diesem erhalten. Deshalb werden wir Sie unter- st ü tz e n und Ihnen, solange wir von Ihrer Arbeitswilligkeit keinen Gebrauch machen können. den WochenlohN weiter- zahlen, jedoch nach Abzug der Arbeitslosenunterstützung die Sie auf Grund der anliegenden Bescheinigung beim dortigen Arbeilsamt m Anspruch nehmen wollen: d. h. sie beanspruchen die -.hnen zustebende Arbeitslosenunterstützung und wir leisten einen Zuschuß in höhe des am Wochenlohn fehlenden Betrages, so daß sie an Arbeitslosenunterstützung zuzüglich der von uns gewährten Unterstützung zusammen den Betrag Ihres Wochenlohnes erhalten. hochachtungsvoll Westfälische Transport A.-G. gez.: ppa. hollinde." Die Syndizi der Kanalreeder, die gegen die Streikenden so gerne poch Polizei und Staatsanwalt mobilmachen, finden.diese überaus inertwürdige Mechodc zur Beschaffung von Arbeitswilligen unter Mißbrauch der Erwerbslosen Unterstützung anscheinend ganz in der Ordnung. Was in dem Schreiben' an Unterstützung angeboten wird. ist, genau betrachtet, nichts anderes, alz Arbeitsentgelt: denn mir nichts dir nichts und nur der schönen Augen der Arbeitswilligen wegen wirft die Westfälische Transport Sst-G. ihr Geld nicht zuin Fenster hinaus. Das Arbeitsamt har die Aufgabe, gestützt auf ji 113 Absatz 1 des Arbeitslosenoersicherungsgesetzes. gegen diesen Unfug Front zu machen und die Arbeitslosenunterstützung zu per- weigern. Aus der tunstgewerbltchen Metallindustrie. Oer Schiedsspruch abgelehnt und der Streik beschlossen. Für die Arbeiter der kunstgewerbsichen Metallindustrie war vom Deutschen Metallarbeiteroerbond das Lohnabkommen zum 39. November gekündigt und eine Lohnerhöhung von 10 Pf. pro Stunde gefordert worden. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit den Unternehmern wnrde der Schlichtungsausschuß angerufen, der am 25. Nooember einen Schiedsspruch söllte, welcher genau so aussteht wie der für die Metallgießereien getälltc Schiedsspruch, den wir in unserer gestrigen Morgenausgabc'mitgeteilt haben und der von den Metallformern einstimmig abgelehnt worden ist. Der Schiedsspruch für die kunstgewerbliche Metallindustrie steht obensalls ab 1. Januar eine Erhöhung der Löhne um 3 Ps. und der Akkorde um 3 Prozent sowie eine Louszeit des neuen Lohnabkommens bis zuni 30. Juni 1928 vor. Die in den 42 Betrieben der Berliner kunstgewerblichen Metallindustrie be- schättigten Arbeiter und Arbeiterinnen haben diesen Schiedsspruch in einer Urabstimmung ein st immig abgelehnt. Eine weitere geheime Abstimmung ergab mit Ausnahme von drei Betrieben eine qualifizierte Mehrheit für den Streik. Die Betriebsräte dieser Industrie, die gestern abend zusammen- gekommen waren, beschlosien einstimmig, am heutige» Sonn- abend den einzelnen Unternehmern das Abstimnmngsergebnts mit- zuteilen mit dem Hinweis, daß in der nächsten Woche an einem von der Organisation zu bestimmenden Tage die Arbeit niedergelegt wird, wenn die Unternehmer keine andere Regelung als die in dem Schiedsspruch vorgesehene trejsen wollen. Kampfmaßnahmen des Landbundes. Gegen die Freizügigkeit der Landarbeiter. Der Wille der landwirtschastlichen Unternehmer, die Freizügigkeit der Landarbeiter mit Gewalt zu umerbmden, führt zu immer kurioseren Handlungen. Der Landbund Teltow und Perlin verossenllicht in Rr. 44 seines Mitteilungsblattes eine Erklärung folgenden Wortlauts: „Es wird mit Recht in letzter Zeit vielfach Klage geführt, daß uns die Industrie Arbeitskräste entzieht. Abhilfe kann von] uns nur da versucht werden, wo uns genaue Angaben gemacht werden., Zum Beispiel: August Müller, von Hause aus in der Land- Wirtschaft ausgewachsen und bisher als landwirtschaftlicher Ar-] . weiter tätig, ist von mir am 1. Oktober 1927 als Kutscher«in- gestellt: am 15. Oktober verließ er die Stellung unter Kontrakt- bruch und wurde durch den Arbeitsnachweis in der Langen Straße an die Firma Robert Starke, Metallwarenfabrik, Berlin-Neu- kölln. Hermannstraße 15, vermittelt. In jedem solchen Fall werden wir an die Wertslektung herantreten, daß sie den Be- l reffenden wieder in die Landwirtschaft ent- läßt. Ebenso werden wir jeden solchen Ein- z elfall dem Landesarbeitsamt melden, um die Notlage, in der wir uns besindcn, deutlich zu machen." Bisher hatte man sich lediglich darauf beschränkt, den kontrakt- brüchig gewordenen Lannoarbeiter bei der Gewinnung einer neuen Arbeitsstelle in der Landwirtschaft Schwierigkeiten zu machen. Jetzt will man ihm auch den Weg zur Industrie ab- schneiden. Noch mehr! Nach dem leisten Satz der Erklärung zu urteilen, trägt sich der Landbund Teltow und Berlin sogar mit der Absicht, die amtlichen Arbeitsvcrmittlungsstellen gegen die Land- arbeiter aufzuhetzen und sie für seine Bestrebungen zu mißbrauchen. Sollte den Landbündlcrn ihr Plan in demselben Maße gelingen wie ihre bisherigen Pläne, wäre auch das letzte Pünktchen Freizügigkeit vernichtet. Dann würde es für den Landarbeiter nur noch zwei Möglich- leiten geben: entweder die hundsmiserablen Lohn- und Arbeits- SPD.» Metallarbeiter! Besucht die Wahlkörper■ Versammlungen! Verhältnisse ZU ertrogen uist> dabei allmählich ein Opser der Per- zweislung zu werden oder ober das landwirtschastliche Arbeitsver- hältnis auszugeben und der dauernden Arbeitslosigkeit ausgesetzt zu sein. Es wird höchste Zeit, daß der ununterbrochene Borstoß des Ländbundes und der landwirtschastlichen Unternehmer gegen den K III der Reichsvertasiung im Reichstag zur Sprache gebracht wird und entsprechende Abwehrbeschlüste gefaßt werden. Die Wahlen zur Angestelltenversicherung. Oer AfA-Bund bleibt an der Spihe. Dem Reichxwahlausschuß der freien Zlngestelltenverbände liegen über die Wahlen zur Angestelltcnversisterung die Ergebnisse aus weiteren 53 Wahlkreisen vor Nach dem bisherigen Gesamtstimmen- ergebnis haben erhalten: Allgemeiner Freier Angestelltenbund 214 549 Stimmen. Deutschnationoler handlunasgehilsenverband 207 178, Gewerkschastsbund der Angestellten 182 237, sonstige Haupt- ausschußverbände 50 348, 17 Frauenberussoerbünd« 70 779. Tartftämpfe in der Textilindustrie. In der Textilindustrie Bodens hatten bis Freitag mehrere Betriebe mit insgesamt 5000 Arbeitern die Kündigung ein- gereicht. Der Schlichter hat die Parteien auf DienstagzuVer- Handlungen nach Karlsruhe geladen. Die in W e st t H Ü r i n g e n von den Textilunternehmern bean- kragte Verbindlichteitserklärung des Schieds- s p r u ch e s ist vom Reichsarbeitsministerium und den Arbeitnehmern abgelehnt worden. Der Streik geht weiter. Die Ge- samtaussperrung tritt heute in Kraft. Für die sä chsi sch> t h ü r i ngi s chen Webereien ist der Mantellarifvertrag vom Textilarbeiterverband auf Ende Dezember gekündigt worden. Eine stark besuchte Konserenz, die in Gera statt- fand, hat einen neuen Entwurf beschlossen und dem Arbeitgeber- verband eingereicht. Er enthält die Bestimmung, daß die Akkord- regelu ng aus dem Monteltarif in den Lohntarif übernommen wird. Die Akkordzuschläge sollen von 15 auf 40 Proz. erhöht werden. Die Ferienregelung soll eine Aenderung dahin erfahren, daß die bisher üblichen sechs Tage Ferien bestehen bleiben, aber neun Tage bezahlt werden. Tagung der Vehördenangestellten. Der Zentral verbalst) der Angestellten veranstaltet am Sonntag, dem 11. Dezember 1927. in seinem Erholungsheim Bad Finken- mühle in Thüringen eine Reichskonferenz der� Angestellten bei R e i ch s- u nd Staatsverwaltungen. Diese Tagung ist für alle Behördenangestellten des Reichs und der Länder von außerordentlichem Interesse. Es werden nicht nur wichtige Gegenwartsfragen, sondern auch Angelegenheiten, die für die geplante Verwaltungsreform u. a. Erörterung finden. Die Tagung wird sich mit wichtigen Fragen aus dem Anstellungs- Verhältnis sowohl als auch mit der Uebertragung der neuen B e- s o l d u n g s r e ge l u n g des Reichs und der LLnder auf die An- gestelltentarifverträge beschästigen. Auch die Frage der Heber- s ü h r u n g von Tarifangestellten ins Beamten- Verhältnis sowie die Tätigkeit der �auptbetriebsräte in den Berwaltungen des Reichs und der Länder sollen bchande't werden. Die Tagung wird sich außerdem mit der sehr wichtigen Frag« der Sicherung und des Ausbaues der Existenz der Behördenangestellten, insonderheit mit der Schaffung der Versor- a u n g s a n st a l t für alle Angestellten des Reichs und der Länder beschäftigen.'\ Anonyme Verleumdung. Verhör in der Afchiager-Zentrole. Bei der Finna Aschinger. ging ein anonymer Brief ein, der einen seit zwöls Iahren im Betriebe der Firma beschäftigten Kell- ner beschuldigt, er habe Durchstechereien betrieben mit einer Angestellten, die in der Küche Speist» gegen die won den Kellnern abgelieferten Bons zu verabfolgen hatte. Diese Angestellte soll dem Kellner Speisen ohne Von gegeben und der Kellner soll ihr als Gegenleistung und«zahlte Getränke zugestellt haben. Das anonyme Schreiben saird nicht, wie man es hätte erwarten sollen, ein unrühmliches Begräbnis im Papierkorb, sondern die Beschuldigten wurden in das Zentralbureau der Firma beordert, wo man ein Verhör mit ihnen vornahm. Der Kell- ner bezeichnete die Angaben des anonymen Briesschreibers als haltlose Verleumdung. Die Angestellte aber unter- zeichnete ein ihr vorgelegtes Protokoll, worin sie sich im Sinne der anonymen Beschuldigungen belastete. Der Kellner und die Angestellte wurden daraus entlassen. Im Bewußtsein seiner Schuldlosigkeit focht der Kellner Im Be!- stände des Zentralverbandes der Hotel- Restaurant- und Kasfeehaltsonge st eilten seine Entlassung beim Arheitsgericht als unbillige Härte an. Die entlassene An- gestellt» wurde als Zeugin vernommen. Heber das Zustandekommen des sst und den Kläger belastenden Protokolls macht« sie solzende Angaben. Sie habe keineswegs zugegeben und bestreite auch jetzt n och, daß sie dem Kläger Speisen ohne Bon ver- abfolgt und er ihr Getränke gegeben habe. Das Protokoll sei ihr von dem Verfasser desselben, einem Bureauangestellten der Firma, vorgelegt worden, und als sie sich weigerte, zu unterschreiben, Hove der Burcaucmgestellle mit der Ärtnilnal- polize« und mst einer Strafanzeige gcdrrbt. Stunden- läng sei sie aus di-sem Anlaß im Bureau fest- gehalten und auf sie eingewirkt worden. Da sie in- folge eines früher erlittenen Hnsalles schwer nervenleidend sei und von Skbwindelantäilen hcimo-iucht werde, sei sie WieOsich in einen Zustand völliger Erschöpfung und Willen- losigkeit geraten. Hm endlich aus der peinvollen Situatstu herauszukommen, habe sie das Protokoll unterschrieben. ohne recht zu wissen, was sie damit tat. Nachdem die Zeugin dies« Aussage beschworen hatte, war tsts Verurteilung der Firma sicher. Ihr Vertreter Heß es nicht erst dahin kommen, sondern oerpslichiete die Firma, den Kläger wieder einzustellen und ihm die Zwischenzeit zu bezahlen. Es ist schon unerhört, anonym« Anschuldigungen gegen einen Arbeitnehmer, der sich in z w ö ls s ä h r i g er Tätigkeit einwandfrei geführt hat, überhaupt zu beachten. Aber die Erpceisung der Hnterschrift von einer offenbar kranken und deshalb nicht voll veromw ortlichen Frau ist eine Handlung, die vor den Strafrichier gehört. Theater öer Woche. Vom 4. bis 40. Dezember. Dallsbühni. Theater am Tül»m?lah: i., 6., 9., 11., 13. Peer Öhjni 5, 8., 10, Swkcmann.— Thcatcr am S-Oifffconcrbau-m: eäneSer de,?udms.— Thalia. Theater: Der rote Hahn.— Oper am Platz der Rejmblil: 4. Othello. 5. Der Wotfenschmied. 6. Der äi h. 7, Doktor ssoust. 8. gidel-o. 9. Boh nie. TO.(Deutsch- Uranffikhrung) Luisa Miller. 11. Die Meistersinger. 12.. Znter. mezeo.— Ttödtiie e Oper Eharlottenburg: 4. Margarete, ö. Der Tarbier von Sevilla. 8. Der Drvubadour. 7. Sueyanie. 8. Briadne aiif Naros. 9. Tristan und Zlolde. lg. Orpheus und Eurvdite. 11. Die Waltllre. 12, Die Aauber- flöte.— Sekaulvieldau, am Kerdarmenmarkt: 4.. 8., 8., 10.. 11. Der Kaulmann von Venedig. S Matz für Mast. 7. Peer ffimtl 9. Die Wupper. 12. Mustt. — Schill-r.TH-ater ah-rlotienburg: 4„ 6.. 8.. 11., 12. Weh' dem, der lügt. z. Servdcs Und Mar'awne. 7. Wall-nsteins Tod. 9. Die Geschw stcr. Der»er. brvchene Krug. 10. Peer«nnl.— Deutsche, Theater: Dorothea Angcrmann.— Kammerspiele: Deonr�rpreh.— Die Komödie: Die Che von Dell.— Theater am Nvllendersplatz: Dasputin. Theater tu der Kvutogrätzcr Gtratzc: Gustav 1U. Ab 8. Eckilvh Wellerstcin.— Komrdicuhaus: Kolnspvlus.— tSrohe» Gcha»t?:rl» hau,: Der Mikado.- Theater de, Westtus: grasquita.— Kvmisch« Oper: Alles Nackt!- Dcutscke« Kuustler-Theater: Chicago.- Lnstspielhau,:?fl<>nce.Theater: Da, �" iTöicnc Barbakoff.— WatbElla» tsufel.— Si�loßpark. Theater Stegllp:..-----, In der Johann'»nackt.- Tteater tu der kudowsteahe: Sübsche, Mädchen zu verschenken.— Theater im Admirals-olast:.Wann und mo.— Wintergarten. Variete— Seala: Internationales Varicl«.- Z>rick,hallen.The-ter: Etcttlner Sänger.— Theater am K-ttb-st-r Tor: Clite-Sängcr. Z!ack»ittag,»r«anstaliung«n. Volksbühne. Theater_«m Vülrwplatz: 4. Kabale und Liebe.— Thaba-Tbeatcr: 4 II. Der mutiae Scc° fahrcr.- O-cr am Platz dce Republik: 4. Madame Buttcrfl»-«lad«sck'r v?« Charloitenburg: 4.. 8. Die V, ppenfee. Der Nußknacker.—«ckau'p-cl. tau»»m«endarmenwarit: u., 12 Uhr! Vallettmltagsocranstaltung,— Sck'llee. Theater Charlotten bürg: 4.. II. Weh' dem, der lügt. 7. Wallenne.ns Tod.— Graftes S-�ausptelhau»: 4., 7., IS. 11. Kapitän ssunl.— Komische Oper: 4„ 11. Alle, Nackt!— Theater am Ku-Würstindamm: 4., 7. u., 12. Hans IM Glück. Zrtanan Tt-eatrr: 4. Mar und Mor-tz.-«estd-nz.Thead-,: 4. II Dornrö«hen. — Rena�sseeee. Theater: 4. Tän»c: Ruth Marms.— Walhalla-Thrater: 4.. U. Mar und Moritz. 7. Numpelstsuchen.— Rose-Theatei: 10., 11. Goldhärchens Himme'sahrt.— Theater in der Klostcrstraßc: 4.. 7., 10, 11. Hänsel und Gretes. — Scklaftpark.Tieas-r Steglitz: 7.. 10., 11. Struwelpeter.— Theater im Adm-ral-palast: 4., 11..Wann nnd wo f 7., 10. Wörchenreoue: Aschenbrödel.— Seala: 4., 10., 11. Internationale, Var'kte.- Rrichshell-n.Theatcr: 4., 11. Stelttner Sänger.— Theater am»ottbnslcr Tor: 4., 11. Glitr-Sänger. s Schluß des redaktionellen Teils.) Di« Tirma«. Mannheimer gibt von heute ab im Nahmen ihre. Total. auzverkaut, all-n Käufern Gelegenheit, ai-ßcr in bor Obsrwallstrahe. muck in der Leipziger Strafte 11»— 120 ihre Qualrtätswaren zu unglaublich billigen Räumungspreisen einzukaufen. Vernniwortltck kür Volitik� Dr Tuet Gey«: Wirtschaft:«'"»Wik«'' S-werlsckastsbcwcguim: Fr. fitzlotn; Feuilleton: ft. ft. Dolcher: Lokalen und Lonstigcs: Krift Karstadt'. Änsseigen: Th. Glocke: sämtlich in Serl'N Verlag: Vorwart�Verlag GmbH.. Berlin Druck: V°rwart,.Buckdr,,ckcrel und Verlagoanstal» Paul Singer u Co. Berlin SV es. LlNdenstrafte s. kamäxMWillMielixe5eIl8cIiskt,kei'Ijn via /IKtionZre der Gesellschaft werden hiermit zu der am Donne'stag, dem 22. Dezember 1927, mittags 12 Uhr, zu Berlin im Sitzungssaal der Berliner Bändels De» Seilschaft, Bebren»tr. 32. Eingang D. 2 Treppev. stattfindenden ordentlichen Generaiveraammiung eingeladen. Tagesordnung: 1, Vorlegung des Geschäftsberichtes, der Bilanz und der Gewinn- und Verlust-Rechnwng für das Geschäftsjahr 1926/27 sowie BeschluBfassung über diese Vorlagen. 2. Bericht über die Revision des Abschlusses und Beschlußfassung über die Entlastung des Aufsichtsrates und des Vorstandes. 3. Wahlen zum Aufsichtsrat 4. Beschluß assung über die Herabsetzung des Stammaktien- Kapitals von RM 16000000— a) durch Einziehung einer Stammaktie von RM 1 000.—, die der Gesellschaft unent'elllich zur Verfügung ge-telst wird, auf Reichsmark 15 999000—, b) durch Zusammenlegung der verbleibenden Stammaktien im Verhältn s 3:1 auf'RM 5333000.—. 5. Beschluß assungüberdie WiedererböhungdesStammakfien- kapitals um RM 6 667 000.— auf RM 12000 000.— durch Ausgabe neuer auf den Inhaber iautender Stammaktien mit Ge- winnberechligung vom 1. Juli 1928 ab unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechtes der Aktionäre, Festsetzung des Ausgäbekurses und der Besebuncsbedingungen. 6. Ermächtigung des Vorstandes, die Herabsetzung und Wiedererhöhung des Stammaktienkapitals im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrate durchzuführen. 7. Satzungsänderungen: a) Aenderung des§ 5(Grundkapital) entsprechend den Beschlüssen zu 4 und 5 der Tagesordnung, b) Aenderuug des§ 23 Abs. 2(Hintcilegungsbestimmungen, betreffend der H.nterlegungsscheine der Reichsbank). Ueber die Punkte 4, 5 und 7a der Tagesordnung wird neben dem Beschlüsse der Geneialversammluug ein in ge onderler Abstimmung zu faxender Beschluß der Aktionäre jeder Gattung herbeigelührt werden. Zur Ausübung des Stimmrechts sind gemäß§ 23 der Satzung, auf die im übrigen verwiesen wird, nur Aktionäre berecht gt, die ihre Aktien oder Zwischenscheine oder die über dieselben lautenden Hinterlegungsscheine einer Etfekten-Qiro-Bank eines deutschen Werlpapierbörsenpla'zes bei einer der nachstehenden Hinterlegungcstcllen; Einer der Gesellschaflsltaszeii in Berlin-MoabiS. Butzbach, Dezsau und Köln-Bayen ha', der Berliner Handels-Oesellzchaf», Berlin, der Darm- � i?«. Watlona bank Kommanditgesellschaft auf Aktien, Berlin, dem Ba khause Delbrück, Schlckier »«Cv Berlin, der Deutschen Bank, Ber.ln, de, Dlrection der pisconlo-Gesellschaft, Berlin, der Dresdner Bank. Be'er Balchs-Kredll-assellschafl Akilena« seil- schalt, Berlin, der C. Schleslnger-Trler& Co., Com- mandit ese. Isshaft auf Acüen, Tertia, der Gebr. Röchling, Bank, Saa. brilcken urd Berlin, dem BanKhawe Lazurd Speyer-Elilzien, Fr» nkfurl a.H., dem A.Sch af.» hausen sehen Bankvei ein A.-G., Köln, dem Bi hgeschä t A. Levy, Köln, dem Bankhause Sa. Oppenheim Jr. B Cle., Kö-.n, o J r e ner der Effekten-G.ro-. a»ken der deut- schen Wertpspierbörser.pläize(nur iür M ig-ieder d< r Oto E fek e�-Ii po s\ spätestens am 17. Dezember 1927 Tu* n7? endo der Schaltcrkazsenslunden hin er.egt haben. D.e Hi lerlegung ion Reiilbs' ank-Üt potschrinen gibt wegen der veränderten Verwahrungshedingungen der Reichsbank kein Recht mehr zur Stimmreehtsausübung. Berlin, den 1. Dezember 1927. Der Aufsichlsrat der Bamag-Mesuln Aktie cesellschaft. Jakob Goldschmidt, Vorsitzender.