Morgenausgabe Nr. 513 A 291 : 44. Iohrgang Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich A.— Neichswart. im voraus zahlbar. Unter Streifband im In« und Aus» land 5.50 Reichsmart pro Monat. * Der.vorwärts� mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volt und Zeit� sowie den Beilogen �Unterhaltung und Wissen-..Au» der Sjilmwelt, .Stadtbeiloge"..Frauenstimme", .Der Kinderlreund"..Iugend-Dor» wärts"..Blick in die Bücherwelt", .Kulturarbeit" und.Technik" erscheint wochentaglich zweimal Sonntag» und Montag» einmal. w" e Berliner Soltsbtatt Sonntag 4. Dezember i922 Groß-Äerlin 15 pf. Auswärts 20 pf. DI«« I n I p a> t I g« Nonpareilleze!!» «0 Pl-nnig Riklameze»« R«ich»« mar»,.ttlrin, Anzel,,««" da« settgi- druckte Wort 2Z Mennig»zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter« Wort 12 Psennig, Stellengesuche das erste Wott IS Psennig, jede» weitere Wort 10 Psennig, Worte über IS Buchstaben ihien sür zwei Worte. Arbeitsmorkt eile so Psennig. Famillonzeige» für bonnenten Zeile<0 Psennig, ilnzeigen- annahm» im Äouptgeschöst Linden. Kroße Z, wochenlogl. von 81/, vi» 17 Uhr. Jlsntvalorgan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: TZnhofs 232—897. Telegramm-Zldr.: Sozialdemokral Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postslheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonts: Bank der Arbeiter, Angeltellir« und Beamten Wallstr. KS. Diskonio-Geselllchast, Depositenkasse Lindenstr Z Generalstreik der Industriekapitäne! Die deutsche Großeisenmdustn'e soll stillgelegt werden.- Sabotage der Dreischichtenverordnung. Llnternehmeranschlag auf Deutschlands Wirtschaft. Vom Berel» Deutscher Eisen» und Stahlindustrien wird mitgeteilt: Nachdem die Gewerkschaften auf ihren anßerordent» lich hohen Forderungen sür Durchführung des schemati» scheu Achtstundentages, strikter Durchführung der Verordnung vom lK. Juli 1927 bei vollem Lohnausgleich sowie außerdem einer allgemeinen sehr weitgehenden Lohnerhöhung verharrt, und die bisher geführten Verhandlungen aus diesem Grunde zu keinem Ergebnis geführt haben, haben sich die Werke der westlichen Großeisenindustrie gezwnn» gen gesehen. bei den zuständigen Behörden eine Betriebs» stillegnngsanzeige zum 1. Januar 1928 einzu» reichen. Diese Anzeige soll es den Werken ermöglichen, ihre Betriebe unter Vermeidung eines Arbeitskampfes zum 1. Januar 1928 aus wirtschaftlichen Gründe» zu schließen. Im Hinblick auf die mit Sicherheit zu erwartenden Rückwirkungen auf die anderen Bezirke haben sich die übrigen Hüttenwerke Deutsch» l a n d s diesem Vorgehen angeschlossen. Die Kampfansage. Im Namen der Werke der deutschen Groß» eisenin du st rie hat Herr Ernst Poensgen dem Herrn Reichsarbeitsminister die Stillegungsdrohung mit nachstehendem Schreiben vom 2. Dezember 1927 bekannt- gegeben: „Sehr verehrter Herr Minister! Ich halte es für meine Pflicht. Sie davon in kennt» nis zu sehen, daß die Werte, welche Ihnen gemeinsam die Eingabe vom 2(i. Lttober 1927 überreicht habe», sich genötigt sehen, einen Schritt zu tun, der hoffentlich nur vorbeugend zu sein braucht, und den sie gern ver- mieden hätten. Die Gewerkschaften bestehen nicht nur aus der strikten Durchführung der Verordnung vom IS. Juli bei vollem Lohnausgleich sowie einer ganz ungewöhnlich hohen allgemeinen Lohnerhöhung, sie verlangen vielmel,« überdies noch vom 1. Januar t928 die Einführung des schematischen Achtstundentages für die gesamte eisen- schaffende und eisenverarbeitende Industrie. Auf Grund dieser Sachlage sehen sich die Werke ge- zwungen. den zuständigen Regierungsstellen zum 3. De- zcmber die gemäß der Stillegungsverordnung ersorder- lsche Anzeige zugehen zu lassen, um in der Lage zu sein, ihre Betriebe am l. Januar 1928 still- zulegen. Dieser Entschluß ist ein Akt der Wirtschast- lich:n Notwehr, den wir in vollem Bewußtsein der großen auf uns ruhenden Verantwortung und in der Hoffnung unternehmen, durch ihn einen Arbeitskampf mit seiner schweren Schädigung für Staat und Wirtschaft zu vermeiden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener gez.: E r» st Poensgen." Ten Führern der drei Gewerkschaftsrich» tungeu in Slheinland-Westfalen ist Abschrift dieses Schreibens an den Herrn Reichsarbeitsminister mit folgendem Anschreiben Lbersandt worden: „Nachdem zu unserem Bedauern auch die heutige Verhandlung keinerlei lilärnng über die gemein- same Stellungnahme der drei Gewerkschaften und keiner- lei Verminderung ihrer Forderungen gebracht hat und nachdem gemäß den Ihnen von uns vorgelegten Berech» nnngen auch in dem günstigsten Falle sich Belastungen für unsere Werke ergeben, die uns vor wirtschaftliche Unmöglichkeiten stellen, haben wir uns zu einem Schritte entschließen müssen, über den Sie Näheres aus dem in Abschrift beigefügten Schreiben an den Herrn Nelchistarbeitsminlster vom heutigen Abend ersehen wollen." Die nordwestliche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrien, die Organisation der stärksten Unter» oehmerschicht in Deutschland, Holl zu einem Schlage gegen die deutsche Wirtschaft aus. Am 1. Januar 1928 sollen die Werte der westlichen Großeisenindustrie, mit ihnen sämtliche Hüttenwerke Deutschlands, stillgelegt werden! Stillegung der deutschen Schlüsselindustrie— das ist ein Schlag nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern gegen das ganze deutsche Volk, seine Arbeit, seine Wirt- schaft, seinen Wiederaufbau. Es ist ein Sabotageakt größten Stiles, geplant nicht aus Not, sondern aus Willkür! Es ist die W i e d e r h o l u n g des furchtbaren wirt- schaftlichen Aderlasses der Ruhrbesetzung aus freiem Willen des führenden deutschen Unternehmertums. Warum dieser Anschlag? Am 16. Juli 1927 erließ der Rcichsarbeitsminister auf Grund von§ 7 Abs. 1 der Arbeitszeitverordnung die söge- nannte D r e i s ch i ch t e n v e r o r d n u n g, die die Arbeits- zeit für Schwerarbeiter in den Hüttenwerken auf acht Stünden täglich festsetzte. Slm 1. Januar 1928 soll diese Verordnung in Kraft treten. Es wurde in dieser Verordnung den Unternehmern aufgegeben, die erfor» derlichen Vorbereitungsarbeiten bis zum 1. Januar 1928 zu treffen. '' Damit sollte in der Hüttenindustrie eine Arbeitszeit ein- geführt werden, die in der englischen Schwerindustrie seit 25 Iahren besteht, die schon im Jahre 1907 ein Beschluß des Deutschen Reichstages forderte. Seit dem Washingtoner Ad- kommen, seit der Einbringung des Arbeitszeitgesetzes wissen die Unternehmer der Großeisenindustrie, daß die achistündige Arbeitszeit kommt. Trotzdem haben sie die Vorbereitungen Hilferding und die Hilflosen. Eine Rede und keine Antwort. Die Debatte über die sozialdemokratische Interpellation zur Wirtschaftspolitik würde nicht verdienen, eine große ge- nannt zu werden, wenn, sie nicht, gestern noch zum Schluß durch eine R e d e H i l f e r d i n g s auf die Höhe einer grund- sätzlichen Auseinandersetzung gehoben worden wäre. Das Haus war freilich fast so leer wie sonst an Sonnabenden, aber das Viertel der Abgeordneten, das geblieben war, befand sich im Saal, und es war so still wie immer nur bann, wenn wirk- lich etwas Wichtiges und Bedeutendes gesagt wird. „Verteidigung der deutschen Nationalwirtschaft gegen die Deutschnationalen und Herrn Schacht," so könnte man diese Rede überschreiben. Deuische Nationalwirtschaft, das ging aus den Ausführungen Hilferdings hervor, ist in ihrem besten entwicklungsfähigsten Teil deutsche Gemein Wirtschaft. Wer geoen das kämpft, was wir heute schon an Gemeinwirtschaft besitzen, der versündigt sich damit an der ganzen Volks- Wirtschaft und dem deutschen Volk selbst. Hilferdings Rede war eine Anklagerede gegen den wirt- schaftiichen Landesverrat des Privatkapitalismus, es war die Rede eines deutschen Sozialisten. Als Hilferding geschlossen hatte, ereignete sich ein Skandal. Ein Skandal ganz ohne Lärm, ein Skanoal des Schweigens. In keinem Lande der Welt, das parlamentarische Tra- ditionen besitzt, wäre es denkbar, daß die Regierung eine Interpellationsdebatte mit einer solchen Rede schließen läßt, obne auch nur mit einem einzigen Wort zu erwidern. Der Reichskanzler war anderswo, der hart ange- griffene Reichsfinanzmini st er war auch nicht da, der einzige Minister auf der Regierungsbank war der Reichs- wirtschaftsminister Dr. Curtius. Und Herr Curtius schwieg. Schweigen kann man aus verschiedenen Gründen. Man kann schweigen aus Hochmut, aus dem Gefühl der Ueber- legenheit. Äder, weiß Gott, ein solches Schweigen war das nicht. Man kann auch schweigen— aus dem Gefühl der Schwäche, aus Hilflosigkeit, aus dem Bewußtsein, daß man nichts zu sagen hat. Das war's! Hilferdings Rede war«ine Anklage, Curtius' Schweigen war ein Geständnis. nicht getroffen, zu denen sie verpflichtet sind. Sie wollen die Dreischichtenverordnung nicht durchführen! Das sind die„außerordentlich hohen Forderungen" des Metallarbeiterverbandes, die angeblich der Großeisenindustrie die Fortführung der Werke unmöglich machen: ,1. Wiederelnsührung des achtstündigen Arbeits� t a g e s sowie die dreigeteilte achtstündige Wechsel* schicht in den Hütten- und Walzwertbetrieben und entsprechender Lohnausgleich einschließlich der Arbeitszeitverkürzung vom 8. August 1927 mit Wirkung vom 1. Januar 1928. f, 2. Die Löhn« der Fackiarbeiter sSchlosser, Dreher) werden um 10 P f. pro Stunde erhöht. Den lm Lohn beschäs- tigten Arbeitern wird ebenfalls der neu festzulegende Lohnzuschlag voll gewährt. Z. Die Löhne der Lehrlinge werden anderweitig geregelt und erhöht."'' Die Großeisenindustrie hat günstige Konjunktur, die Aus- tragsbestände sind günstig. Sie kann Lohnerhöhungen tragen. Beweis: sie zahlt 5 M. pro Kopf jedes beschäftigten Arbeiters im Monat im eine Krtegskaffe der Unternehmer, aus der der Knmpf gegen die Ardeiterforderungen finanziert werden soll. Die Unternehmer wollen keine' Vereinbarung mit der Arbeiterschaft. Sie wollen sich nicht der Gesetzgebung fügen. Sie wollen diktieren. Was sie androhen, ist nicht nur Wirtschaftstampf, sondern ein Machtkampf. Sie wollen«r- proben, was stärker ist— ihr Wille oder der Staats- wille. Die Schließung der Werke soll„der Vermeidung eines Arbeitskampfes" dienen. Der Kampf, der mit dieser Maß- nähme begonnen werden soll, wird in der Tat nicht nur ei« Arbeitskampf fein, sondern ein politischer Kampf. Stillegung der Werke— das bedeutet Aussperrung der Arbeiter in solchem Maße, daß die letzten frivolen Aus- fperrungen dagegen ein Kinderspiel sein werden! Diese Kampfmaßnahme der Unternehmer ist dennoch in erster Linie nicht Aussperrung, sondern Streik. Es ist der Generalstreik der Industriekapitäne! Dieser Unlernehmerstreik richtet sich gegen den Staat, und gegen die Gesetzgebung. Er soll die Regierung und den zuständigen Ressortminister zwingen, den Vollzug der Drei- schichtenverordnung einzustellen, ihr Inkrafttreten HInauszu- schieben, bis die Unternehmer erklären werden, daß sie ge- neigt wären, sich dem Willen des Gesetzes zu unterwerfen. Er ist qjne Probe auf die Macht im Staate. Bei dieser Machtprobe wollen die Industriekapitäne rück- sichtslos über das Lebensinteresse des deutschen Volkes hin- wegschreiten. Sie wollen die Entwicklung der Kon- j u n k t u r so gut gefährden wie das Gleichgewichtdes Staatshaushaltes, dem in dem kommenden Re- parationsjahr erhöhte Bedeutung zukommt. Sie wollen das deutsche Volk in seinem Mühen um Wiederaufstieg weil zurückwerfen. Sie werden selbst nicht Not. leiden, diese „Führer" der Wirtschaft. Sie werden nicht an sich selbst empfinden, was ein Rückfall in eben erst notdürftig über- wundene Elendsjahre bedeutet, so wie sie es nie empfunden haben. Rücksichtslos, verantwortungslos, hemmungslos soll ihr Machtwille über Not und Opfer des Voltes hinweg- schreiten. Diese Industriekapitäne— das sind dieselben Männer, denen die 700 Millionen Mark Ruhrentschädi- g u n g e n aus den Steuergeldern des deutschen Volkes zu» geflossen sind! Die Suboentioneü des Reiches aus Steuer- Mitteln, der Fleiß und die Entbehrung der Arbeiterschaft— das sind die Grundlogen der Macht, die sie jetzt gegen Volk und Staat auszuspielen gedenken! Es ist eine Handvoll Männer, die kaltblütig dem Vosk« mit der Erschütterung seiner Existenzgrundlage droht. An größenwahnsinniger Ueberschätzung der eigenen Bedeutung fühlen sie sich als d i e Herren Deutschlands, als die Herren seiner Wirtschaft und die Herren über seine Gesetz« gebung. Die Antwort des Volkes auf den Diktatwillen der Industriekapitäne besteht in der Frage: sind diese Männer notwendig für die deutsche Wirtschast, darf die Zusammen» ballung so gewaltiger Wirtschastsmacht in ihren Händen ge- duldet werden? Soll ihnen Geschick und Zukunft des Volkes ausgeliefert bleiben? Diese Generalstreitdrohung der Industriekapitäne— es ist die Antwort auf die Forderung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften nach einer dem Wohle des Volkes dienen- den Wirtschaftsführung. Die Antworten, die die Minister des Bürgerblocks im Reichstage auf die sozialdemokratische Wirtschaftsinterpellation gegeben haben, waren keine Ant- worten. Hier ist die wahre Antwort der treibenden Kräfte des Bürgerblocks! In der Tat— ein würdiger Abschluß der Wirtschastsdebotte im Reichstag! Die Regierung de» Bürgerblocks wird dem Anschlag der Kapitäne der Großeisenindustrie keinen Wider- stand entgegensetzen. Sie wird das Recht des Volkes und des Staates, das Recht der Gesetzgebung nicht verteidigen gegen den Diktatwillen von WirtschaftsAruppen, die im tiefsten Grunde staatsfeindlich sind. Gelänge es den Unter- nehmern, ihren Willen durchzusetzen, so würde sich die Tra- gödie von 1923 wiederholen— die Tragödie des Steges von Unternehmerwillkür über verfassungsmäßigen Slaatswillen. Hier ist die Stimme und der Geist des Bürgerblocks! Hier ist der Feind, den es in den kommenden Wahlen zu schlagen gilt! Volksrecht gegen Dittatwillen der In- dustriekapitäne, das ist der Sinn der großen Aus- einandersetzung mit dem Bürgerblock. Der Wille des Volkes, zum Staatswillen erhoben in den Formen und mit den Mitteln der Demokratie muß den aus sozialreaktionärer Ge- sinnung geborenen Sabotagewillen sogenannter Wirtschafts- führer brechen! Parteienverhandlung am 7. Dezember. Duisburg. 3. Dezember. Die nächst« Aussprache unter den Parteien findet am Mittwoch, dem 7. Dezember, in Essen statt, nachdem die Gewerkschaften die Prüfung der geldlichen Auswirkungen ihrer For- derungen auf einzelnen Werken der Nordwestlichen Gruppe, deren Auswahl den Gewerkschaften überlassen ist, am kommenden Montag und Dienstag vorgenommen haben werden. Die preußenkaffe in Gefahr! „Eingefrorene" Riesensummen.— Die Folgen großagrarischer pumpwirischafi. s Hermann Gilberschmidi� Als vor einigen lagen im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages bekannt wurde, daß Genosse Hermann Silber- schmidt, einer der sachkundigsten Wohtwngspolitiker der Partei und des ganzen Reichstags, von einem Schlagansall betroffen worden sei, konnte sich niemand, der den Erkrankten näher kannte, her ernstesten Lesorgnifse erwehren. Litt doch der nach außen so munter« und stets freundlich« Mann schon seit geraumer Zeit an einer Herzschwäche, die ihn erst vor kurzem zu einer längeren Kur in Kudowa genötigt hatte. Jetzt haben sich dies« Besorgnis»« leider allzu-asch als be- gründet erwiesen: Ein schneller Tod hat den Genossen Silber. schmidt der Arbeiterbewegung entrissen. Am Sonnabend nach mittag hat er, eben öljöhrig, den letzten Atemzug getan. Sein AMeblln wird nicht nur von seinen engeren Freunden irai tief« Trauer ausgenommen werden. Denn in Hermann Silber- schmidt verkörpert« sich ein gutes Teil de» Aufstiegs der deutschen Arbeiterklasse. Dieser aus dem Leinen märkischen Orte Mühlbock (Kreis Züllichau-Schwiedus) stammende Maurer hat jahrzehntelang an der Spitze der Berliner Maurerbewegung ge- standen, seit 1898 als einer der ersten besoldeten Gen>erkschasts- beamten. In der Entwicklung der zentralen Gswerklchaftsbewegung war Silberschmidt ein Schrittmacher. Gegen die gerade in Berlin sehr lang« ausrechterhallene Lokalistenorganisation setzte er beharr- lich den Borzug und die Notwendigkeit der Zentralgelverkschast ein. Die Geschichte hat ihm recht gegeben. Di» Gewerkschaften haben nicht nur die Lokaloerbäirde organisatorisch überwunden, st« haben Such die branchenmäßig« Gliederung in erheblichem Maße zu» Mlnsten der Industrieverbände ausgegeben. Der Baugewerksbund� dem Silberschmidi bis zu seinem Tode als besoldetes Vorstands- Mitglied angehörte, ist«in sichtbares Zeichen dieser allgemeinen Tendenz. lieber die engere Berufstätigkeit im Maurerverband und seinem Nachfolger, dem Baugeroerksbund, hinaus hat Silberschmidt auch in der allgemeinen Gewerkschaftsberoegung eine geachtete Stellung eingenommen. Longe Jahre gehörte er der« Generalkommission der Gewerkschaften' an und. als dies« ihren Namen und ihre Organisationsform in den.Allgemeinen Deutschen Gemerklchafts- bund' umänderte, blieb Silberschmidt eines der regsamsten sind er- fahrensten Mitglieder, bis der Tod ihn abrief. Es ist selbstoerständlich. daß dieser Arbeiterführer auch in der politischen Vertretung der Arbeiterklasse, in der Sozialdemokratischen Partei, seit früher Jugend tätig war. Im Kreis« Wang- leben(Bezirk Magdeburg) hat er fett Anfang des Jahrhunderts als Reichstagekandidat gewirkt, bis er 1912 endlich den Sieg errang. Seit diesem Jahr« gehört er ununterbrochen dem Deutschen Reichs- lag an. wobei die Zeit der Nationalversammlung mitgerechnet ist. In seinem Wohnorte Köpenick hat er außerdem, bis zur Bildung von Groß-Berlln, die Interessen der Partei in der Stadtverordneten- Versammlung wahrgenommen. Im Reichstag widmete sich Silbers chmidt vor allem der ..sozialpolitischen Gesetzgebung. Als Baufachmann von weitem Blick und großer Erfahrung hat er besonders sich des Mieterschutze» und des Siedlungswesens angenommen. Im Sozialpolitischen Ausschuß stand er noch mitten im harten Kampf« gegen ist« Lürgerblockpläne. die Mieter dem Bodenkapital auszuliefern, als ihn der Schlag- anfall zur Einstellung dieser Arbeit zwang. Er hat sie leider nicht wieder aufnehmen können. Mit se,nen Angehörigen trauert um diesen Unermüdlichen die . Gewerkschaft, die einen der Kundigsten verlor, und die Partei, der er sohrzehntelang Förderer und Führer war. Sein Name wird mnner genannt iverden, wenn von de» Besten der Arbeiterbewegung die Frage ist. * ■■ Al-> Nachfolger Sikberschmidts im Reichstage kommt nach dem .�hlvorschloao Genosse Gultav Stollberg. Tischl-rmcifter aus Burg bei Magdeburg, m Betracht Sollte er verzichten, da er bereit- dem Preußischen Landtage angehört, so würde Genosse Wtchelm Dieckma»» au» Salzwedet an seine Stell« treten. . Seit einer Reih« von Monaten mehren sich die Anzeichen da- für. daß die Lage aus dem Gebiet des landwirtschaftlichen Kredit wesens sich immer ernster zuspitzt. Zwar ist es krasse Dema- gogi«, wenn die Aeußerungen aus großagrarischep und deutsch nationalen Kreisen der Oeffentlichkeit borreden wollen, e» handle sich hier um eine Schuldennot der gesamten Landwirtschaft. In Wahrheit sind von den etwa 7 Milliarden neuen Krediten, die die Landwirtschaft seil der Stabilisierung neu ausgenommen hat, mindestens 3H Milliarden, wahrscheinlich sogar aber wesentlich mehr, von ein paar tausend Großgrundbesitzern aufgenommen worden. Auf die bäuerlichen Betriebe, die doch vier Fünftel des deutschen Bodens bewirtschaften, entfällt dagegen wen!» ger als die Hälft«. Was an bäuerlichen Landwirten heute hofverschuldet und sonierungebedürftig ist, stellt nur einen verschwin- denden Teil'unserer 3 Millionen von bäuerlichen Betrieben dar. Im Durchschnitt dürfte die bäuerlich« Landwirtschast in Deutschland käum zu 6—8 Proz. des Bodenwertes verschuldet sein. Schlimm sieht es dagegen im Großgrundbesitz aus; kommt doch aus den ostelbischen Provinzen, vor allem aus Pommern, die Klage, daß Hundert« und sogar Tausend« von landwirtschaftlichen Großbetrieben zu 49 Proz., unter Hinzurechnung der Personal- schulden sogar über 60 bis zu 100 proz. de» Boden wertes verfchul- det sind. Bereits dämmert in großagrarischen Kreisen die Erkennt- ms, daß die soziale und wirtschaftliche Macht, und damit auch die politische Bedeutung des Großgrundbesitze» vor dem Zusammenbruch steht, wenn der nur noch schlecht verhüllt« Dankrott-von Tausenden von landwirtschaftlichen Großbetrieben ossenbar wird. Derzweiselt« Mittel iverden in der agrarischen Presie und in Landbundresolu- tionen vorgeschlagen, um diesen Zusammenbruch zu verhüten. Hat doch beispielsweise der deutschnationale Abgeordnete v. S ch l a n g e- Schöningen in einem Artikel gefordert, daß das Reich seinen Kredit und seine steuerlichen Mittel zur Rettung der.Landwirtschaft', in Wirklichkeit des bankrotten Großgrundbesitzes, einsetzen soll. Nicht mehr und nicht weniger als eiue ln die Milliarden gehende Ausländsanleihe de» Reiche» und eine jährliche Subvention zur Zinsverbilligung aus steuer» lichen Mitteln im Betrage von 279 Millionen Mark sind von dieser Seite gefordert worden. Nichts wäre verkehrter und gefährlicher, als wenn die poli- tische Linke und die so lang« vom Junkertum geknechteten Massen des arbeitenden Landvolkes sich auf die llndurchführbarkest solcher Projekte oerlassen und etwa mit einer gewissen Schadenfreude zu- sel)en wollten, wie sich am Großgrundbesitz die Peroelwng für einen jahrhunderteallen Bodenraub vollzieht. Es besteht vielmehr die ungeheure Gefahr, daß weite Kreise des deutschen DoUes und insbesondere der deutschen Bauernschaft lu diesem Zusammenbruch hluelngerisseu werden, nicht, well sie selbst scklecht gewirtsckaftet mrd Schulden aufgenommen haben, sondern infolge der besonderen Verflechtungen des landwirtschaftlichen Kreditwesens in Deutschland, wo der fleißige und sparsam« Landwirt unter llmstän- den für die Schulden des Bankerotteurs mithaf- ten muß. Erschütternd sind daher die Nachrichten, di» w diesen Tagen in die Oeffentlichkeit gelangt sind und di« darauf schließen lassen, daß auch da»'laudwirtschaflliche Genosicnschaflswesen. das man immer für einen Bestandteil der bäuerlichen Kreditorgani- i sation gehalten hat. in die Bahn der großagrarischen Schulden- lawine geraten ist. Nach einem Artikel in der„Deutschen Bauern- zeitung', der offenbar aus sehr gut unterrichteten Kreisen stammt, ist die Zentralorganisation des landwirtschaftlichen Genossenschafts- wesens, die preußische Zentralgenoss'enlchaftskasse. tief In di« Echuldenwirtschoft des Großgrundbesitzes oerstrickt mop den. Auch die Preußenkasie hat offenbar, wie die meisten land- wirtschaftlichen Kreditinstitute, wohlkos Kredit« in di« Landwirt- schost hineingepumpt, ohne nach der persönlichen Tüchtigkeit und Sparsamkeit der Kreditnehmer zu fragen. Auch sie hat, manchmal vielleicht zwangsläufig, den Großen übermäßig geborgt und damit die Bauern in di« Gefahr gebracht, für di« Schulden und für die Bankerotte der Großgrundbesitzer mithafden zu müssen. Bon den etwa 799 Millionen Landwirtschaftswechseln der Preußenkasse ist der allergrößte Teil eingefroren. Aber nicht nur eingefroren sind diese Kredite, sondern auch geradezu in ihrer Sichenheit gefährdet, well die Preußenkasse es ruhig mit angesehen hat. wied« unverbesserlichen Schuldenmacher Jahr für Jahr ihr« Personakkredit» in Hypotheken- kredite umgewandelt und für die abgekvsten Personatkredite neu« Per- sonalkredite aufgenommen haben. Der heutiige Wechselbe sta n d der Preußenkasse ist nicht als ein Paket von Wechseln, sondern größtenteils ohs ein Paket von Hypotheken zu. b etr a ch t« n, nur sind diese Hypotheken, die im Jahre 1924 einmal er st e Hypo- theken waren, inzwischen zweite, dritte und vierte Hypotheken geworden und somS bei umfang- reichen Zusammenbrüchen des Großgrundbesitzes in ihrer Sicherhell ernsthaft bedroht. Es bestcht die dringende Befürchtung, daß die o«r° antwortliche Leitung der Preußenkasse, welche fast durchweg au, Beamten des asten Regimes besteht, heute noch nicht einmal weiß, welcher Teil ihrer Kredite dem Grundbesitz und welcher den Bauern zugeflossen ist. daß sie die Qualitäten chrer Kreditnehmer nicht kennt, und daß sie vor ollen Dingen nicht weiß, wieviel Hypotheken ihren Wechseln im Range vorauszehen. Im Zusammenhang mit der mangelnden Voraussicht besteht nach den alarmierenden Mitteilungen der„Deutschen Bauernzellung' die dringende Gefahr, daß die Rentenbankkreditansialt und die hinker ihr stehende groß- agrarische Clique diese schwierige Lag« der Preußenkasse benutzen will, um die Preu- ßenkasse als Zentralinstitut überhaupt auszuschalten und sowohl den Personolkredit wie den Realkredit in ihre Hand zu bekommen. Ja, es verdichtet sich von Tag zu Tag immer mehr der Verdacht, daß die schwierig« Lag« der Preußenkasse im allerengsten Zusammen- hang steht mit einem großangelegten plan der agrarische« Rechleu. der legten Endes darauf hinausläuft, den Bauern für alle Ewigkeit für die Schulden de» Groß- grundbesihe» Ziasea zahlen zu lasten. Es war dl« deutschvölkische.Deutsche Zeitung', welche die Katze au» dem Sack gelassen hat und von einem geheimnisvollen„pro- jekt Hilgenberg" spricht, da« angeblich noch viel wirlsamer at»-die oben erwähnten Pläne de» Herrn v. Schlange-Schöningen di» N-t des Großgrundbesitzes bekämpfen soll. Es kann krtn Zweifel daran bestehen, daß wir aus dem Gebiet des landwirtschaftlichen Kreditwesens vor folgenschweren Entscheidungen, vielleicht auch Grschütt»rungen stehen. Es wird d!» Psiicht aller verantwortungsbewußten Kresse sein, rück- sichtslos auszudecken, wer die Schuld an der Gefährdung der beut- scheu Bauernschaft durch die Bankerottwirsschaft des Großgruud» besitzes trägt und kein« Opfer zu scheuen, um die Anschläge der großagrorlschen Kreise, deren letzter Drahtzieher tassächlich Her? Hugenderg zu sein scheint, abzuwehren. Briand wartet ab. Er will Mussolini in Genf nicht sehen.— Mussolini soll den Anfang machen. Paris, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Meldungen von einer bevorstehenden Begegnung Brianb- Mussolini ebenso wie die der französischen Regierung zugeschriebene Absicht direkter Verhandlungen mll Rom eilen den Tatsachen voraus. Was auf diesem Gebiet bisher geschehen Ist, beschränkt sich auf Briands sehr hypothetische Erklärung, daß er gegebenenfalls zu einer Aussprache mll Mussolini bereit sei. Darüber hinaus besteht nicht die Absicht, Italien irgendwelche konkreten Vorschläge zU machen. Man ist hier vielmehr der Ansicht, daß nunmehr M u s so l i n i den entscheidenden Schritt tun müsse, was jedoch in absehbarer Zell k a u m zu erwarten ist. An französische Konzes- sionen hinsichtlich der italienischen Wünsche!n Nordafrita denkt hier kein Mensch. Anlaß zu der gegenteiligen absolut irrigen Behauptung scheint di« Tatsache gegeben zu haben, daß zwischen der itassenischen und der französischen Regierung am Sonnabend ein moäus. vivenäi- Abkommen unterzeichnet worten Ist. das die Nieder- lassungsrechte der Staatsangehöiigen beider Länder auf dem Gebiet des anderen in ähnlicher Weis« regell wie jüngst im deussch-sranzö- sischen Vertrag. 20. Februar Slcherheitsfomiiee- 15. Mörz Abrüstungsausschuß. V. Sch. Genf, 3.Dezember.(Eigenbericht.) In der weiteren Debatte des Abrüstungsausschusses redete Paul Boncour leidenschastllch und eindringlich den«Küssen zu, doch endlich damit aufzuhören, die Frage de, Nützlichkeit oder Zwecklosig. kell des Sicherhcitskomitces immer wieder aufzurollen. Dieses Pro» blem hat man in Genf jahrelang nach allen Seiten hin erörtert, und zwar mll dem Ergebnis, daß Sicherheit und Abrüstung eng zusammenhingen. Das habe auch eine Resolution der Völker- bundversammlung festgelegt, die man nicht umstoßen könne. Die Wiederaufnahme solcher Erörterungen könnte«us die Dauer er- müdend wirken, wenn man nicht wüßte, daß die Russen hier in Genf anwesend seien, die diese jahrelangen Debatten nicht mitgemacht haben und wenn ihr Land nicht selbst einer der wichtigsten Faktoren für die Lösung des Sicherhsitsproblems bildete. Es sei einfach nicht wahr, daß das Sicherheiteproblem bloß in di» Debatte geworfen sei, «m die Abrüstung zu verschleppe«. Wäre da» der Fall, so würde« r (Paul Boncour) keinen Tag länger ln Genf mllarbetten. Gerade um auf der allgemeinen Abrüstungskonferenz zu einem Ergebnis zu ge» langen, müßt« man die Sicherheitsfrage klären, und das werde bestimmt gelingen, jedoch nur auf Grund der bevorstehenden Arbeiten des Sicherheitskomitees. Paul Boncour ersuchte die Russen dringend, ihren Widerstand aufzugeben und erklärte: Um den auf- richtigen Abrüstungswillen Frankreich» zu beweisen, nehm» ich von vornherein jedes Datum an, das hier beschlossen werden wird. Darauf schlug der Vorsitzende London als Termin für die S. Tagung der Vorbereitenden Abrüstungskommission den IS. März n. I. vor. B e r n st o r s s erklärt« sich mit diesem Datum einverstanden, falls ihm der Vorsitzende die Zusage geben könne daß di« a l l- gemeine Abrüstungskonserenz noch im Jahr» 192S tagen werde,.vorausgesetzt, das alles glatt geht', fügte er unter großer Heiterkeit hinzu. L o u d 0 n bestätigt«, daß sein Dorschlag ln diesem Sinne ge- meint sei. Litwinow blieb aber dabei, daß der vorgesehene Termin zu weit liege. Er sprach sehr verbindlich und osrficherte, daß es der Sowsetdelegation fernliege, ihren Willen den lmderen aufzu- zwingen, er sei aber der Ansicht, daß mau bereit» am 19. Ja» n u o r zusammentreten könne, unabhängig vom Sicherheitskomitee, Mittlerweile war es 2 Uhr geworden, eine weitere Debatte war sowieso zwecklos. B e n e s ch erklärte sich mll dem 13. März«inver- standen, nachdem L o u d o n wie B o n c o u r ihren entschiedenen Willen verkündet hatten, die Abrüstungskonfrenz noch Im Jahre 1928 abzuhalten. Daraus stellt« der Vorsitzende Loudon fest, ohne eine regelrechte Abstimmung vorzunehmen und ohne daß sich Widerspruch regte, daß alle Delegierten bis auf die russischen mit den Terminen vom 15. März für die Abrüstungskommission, vom 29. Februar für da« Sicherheitskomitee einverstanden seien, und schloß darauf die Tagung mll einer kurzen Ansprache. Rußland gegen Gaskn'eg. Genf, 3. Dezember.(Eigenberichts Die Sowjetdelegation hat in Sonnabend-as Protokoll gegen den Gaskrieg, das seinerzeit von der Konferenz für die Kontroll« de» Wasfeuhoudel« beschlossen wurde, unter» zeichnet. Schlageier. Antwort Severings an deutschnationale Fragesteller. In unserer Abendausgabe haben wir die Anfrage der deutschnationalen Landtagzfraktion über den Verrat Schlageters durch völkische Roßbach-Leute und die unverschämte Frage nach der Mitwirkung der preu- ßischen Polizei unter Führung Severings bereits niedriger gehängt. Jetzt nimmt jedoch Genosse S e v e r i n g zu der Angelegenheit noch selbst das Wort. Er schreibt: Ich erblicke in der Anfrage und in ihren Vorsprüchen den Versuch, die für die Deutschnationalen so blamablen Feststellungen eines Berliner Gerichts, daß die Roßbach-Leute Götz« und Schneider den Schlageter und seine Freund« an die Franzosen v c r ra t e n haben, abzuschwächen und den Verdacht mindestens der Mitschuld auf republikanische Behörden zu lenken. Soweit meine Pe fon dabei in Anspruch genommen wird, könnt« ich mich auf die Feststellung beschränken, daß in einem Gerichtsver» fahren sckon vor einigen Jahren die gegen den Leiter der Elber- felder Kriminalpolizei und mich gerichteten Angriffe und Behaup- tungen als grundlos und unrichtig bezeichnet worden find. Da aber der Ton der Anfrage erkennen läßt, daß es den Deutsch- nationalen nicht auf Klärung des Sachverhalts(der war längst klar!), sondern auf eine polltische Brunnenvergiftung der gemein st«n Art ankommt, dürsten folgende Hinweise nich ganz überflüssig sein: 1. Daß Göhe und Schneider die Verräter der Kolonne Schlageter waren, habe ich bereits in der Sitzung des Landtags vom lS. Zuni 1923 bekanntgegeben. Damals freilich hatte der Svred'cr der Dentschnational-n, Abo. Rippel. den Mut. diese Mit- teilungen als„A n d e u t un g e n und E n t h ü l l lrti g e n" zu bezeichnen. die ich so lieber nicht machen solle. 2. Ueber die Verhaftung der Mitglieder der Schlageter- Kolonne habe ich in derselben Landtagssitzung den Bericht des Polizeipräsidenten Suermond in Elberfeld zur Kenntnis das Hauses gebracht. Danach ist das Kommando Schlageter zum größten Teil von französischer Polizei festgenommen und abtraneporiicrt worden. Die der Verliaftuna entronnen waren, flüchteten nach Elberfeld und Düsseldorf, von der Kriminalpolizei>a Elberfeld sind die Spitzel Götze und Schneider wegen dringenden Verdachts des Landesverrats fest. genommen worden. Sie gaben zu. für den französtschen Nach- richtendienst gegen Geld Spionage getrieben zu haben. 3. Di« Behauptung des Hauen st ein. daß er von den preußischen Polizeibehörden daran gehindert worden sei, Schlageter zu befreien, ist ebenfalls längst als unrichtig crw�fen. Hauenstein Ist festgenomm-m morden weaen Verdachts der Geheimbündelei. Bei seiner Derbastung fand man bei ihm und seinen Komplicen mehrere Maschinenpistolen und Revolver, mit denen ein französischer Posten bei Vohwinkel „ausgehoben� werden sollte. 4, Es ist wiederholt festgestellt worden und durch Ausein- andersetzungen mit der deutschnotionalen Presse der deuischnatio- nalen Fraktion des Landtages bekannt, daß ich in den Fällen Hauenstein. Götz« und Schneider persönlich nicht die geringsten Anweisungen an lokale Polizeibehörden gegeben habe. Ganz all, gemein waren freilich die Behörden dahin instruie:!/ gegen die dunklen Treibereien der Rost kommandos mit aller Schärt« vorzugehen, und unser Volk kann sich beglückwünschen, daß die Behörden in diesem Punkte ihre Pflicht getan haben. Angesichts dieser Sachlage, schlicht Ssoering. ist es schwer, das Vorgek>en der Deutschnat'onalen zutreffend zu charakterisieren. Es ist nur der Ausfluß ihrer fast sprichwörtlich gewordenen Dummheit oder einer niedrigen Gesinnung, die dann an Schäbigkeit allerdings kaum mehr zu unterbieten wäre? Hermann L.ngg hat einmal von der Gemeinheit gesagt, daß sie immer wieder siege bis sie an sich selbst verrecke Diese Gemeinheit ist soweit gediehen, an sich selbst zu verrecken._ Freie soziattstische Hochschule. Vortrag Otto Jensen. Im Saale des preußischen Staatsrats sprach am Sonnabend Genosse I e n s e n von der H-imvolkshoschschule Tinz für die Frei« Sozialistisch« Hochschule über das Thema.8 0 Jahre Kommunistisches Manifest". Er stellte die Frage, ob das im Jahr« 1847 von Marx und Engel» gelchafiene Mamseft des kleinen Kommunistenbunoes noch h-ute solche Bedeutung habe, daß es jedem Sozialisten mehr als ein bloß historisch wichtiges Dokument de» Kampfes seiner Klasse, sondern ein grundlegendes Werk sein könne, dessen Kenntnis unum- gönglich notwendig sei. Der Retner bejicht« diese Frage, da das „Kommunistische Manifest" die erste und bis heute unerreicht schlag- kräftigste und in der Form glänzendste umfassende Auswertung der Morx-Engeleschen Geschichtstheorie, des historischen Ma> terialismus sei, die die geistige Waffe des proletarischen Be- freiimgskampfes darstell«. In alle Sprachen des Erdballes wurde es übersetzt, und überall zeigte die Tatsache der Uebersetzung ein Erwachen der proletarischen Klassenbewegung an. Die größte Rolle aber habe es gespielt und spiele es noch heut« für die deutsche und die russisch» sozialistische Bewegung. In ihm wurden die Grundgedanken der Lnauguraladresse" der ersten Arbeiterinternationale, ja des Marxschen Hauptwerks, des „Kapital", in kurzer Form vorweagenommen. Es stellt eine auf unerhört tiefer und gründlicher wiisenschastlicher Arbeil gewonnene Analyse der bürgerlichen Gesellschaftsordnung, des Klassenkampses mit seinen Kampsparteien und dick richtunggebende Kampfparole dar. Ist auch sein rein gegenwartsgeschichtlicher Wert als geistige Bor- bereitung des Proletariats auf eine beoorstebende bürgerliche Revolution und als Wegweiser seiner Taktik überholt, wie Engels selbst anerkannte, so ist doch sein wissenschaftlicher Wert unverändert geblieben, da es die Tendenzen der kapitalistischen E ntroickfung richtig voraussieht, dem Proletariat feine gefchicht- liche Aufgabe stellt und die ideologischen Gegner in typischen Per- trctern widerlegt und ihre Anschauungen sozial erklärt. Die Dynamik der gesellschaftlichen Umwälzungen wird erkannt und weit vorausgeschaut, und wenn im Ablauf dieser Dnnamik Tausende neuer und gewandelter Probleme. Tausende neuer Kampf- fionten entstehen, dle Marx und Engels unmäelich vorauserkennm konnien. zu deren Erkenntnis und ökonomischer, politischer und qeistiaer Durcharbeitung sie ober als erste die aus der Praxis für ßi? Praxis p-roannenen theoretischen Mittel lieferten, so ist das „Kommunistische Maniseft" uns Heutigen Aufgabe und strenasie Forderuno zu Kampf und Arbeit. An einzelnen Gegenwartsproblemen erklärte der Referent diese vielfältigen Aufgaben aus ollen Gebieten des Klassenkampfes. Di« Rahmenoedanken des„Kommunistischen Monisestes". genial voraus- gedacht für elne«an*» Wissenschaft, sind wir berufen auszufüllen. und uns muß sie die Begeisterung geben, die Marx und Engels über soviel EnttSrischungen, Rückschläge, politische und persönliche Schmie- rigkeiten hinweghals und die un» alle Kleinarbeit mit dem großen �ielbewußtsein erfüllt. Roch immer müsse der Schlachtruf des Pro- letariats lautem„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Studentische Selbstverwaltung. Düslesberq.?. BundesfSHrer der„Stahshetmer". ist, wse „Magdeburgische Zeitung" erfährt, au« der DeutschnaUonalen partei ausgetreten. die !ks. ,Zch werde sie schützend Drauf wie Blüchers ,71(1- Hab ich das nicht fein gemacht?� Ehrhardts Schadenersah-. Das Gericht schlägt einen Vergleich mit dem ZiSttul vor! Wie wir bereits im gestriger. Abendblatt berichteten, fand vor de? 23. Zivilkammer des Landgerichts I die Auseinandersetzung in der F e st st e 1 l v n g s k l a g« Ehrhardts gegen den Reichs- wehrfiskus stattt. In der sachlichen Verhandlung stellte sich der Vertreter des Kläger». Rechtsanwalt Bloch.. auf den Standpunkt, daß Ehrhardt keine Verantwortung für dl» Schäden des Kapp-Put- fches trage, da er als einfacher Unterführer gehandelt Hab«. Di« Pension sei ihm von Rechts wegen durch das Reichsorbsit»- Ministerium zugesprochen und zwei Jahre hindurch ausgezahlt worden. Die Ansprüche seien jetzt verjährt, Ehrhardt amnestiert. Diese Amnestie müsse sich genau so auswirken, wie die durch das Londoner Abkommen Deutschland aufgezwungene Amnestie für jene Deutschen, die während des Ruhrkampfes zugunsten Frankreichs wirkten. Der Vertreter des Reichswehrfiskus. Rechtsanwalt M i tz l a f f, entgegnete darauf. Ehrhardts Rolle im Kapp-Putsch sei nicht die eines Unterführers gewesen. Die Verrechnung mit Ehrhordt sei nicht Sache de» Arbeitsministeriums. sondern die des Reichs- w e h r m i n i st e r i u m s, das nur deshalb die Forderungen nicht früher habe gellend machen können, weil langwierige Ressortoer- Handlungen und Vorbereitungsarbeiten erledigt werden mußten. Von einer Verjährung könne deshalb überhaupt lein« Red« sein, als es sich hier um Dien st oergehen hondie. Der Borsitzende rät zu einem Vergleich. R.-A. Bloch will immer noch nichts davon hören. Insbefon- dere hat es ihm die rückständig« Pension in Höhe von 9000 Mark angetan. Als aber der Vertreter des Reichswehrfistus an ihn herangeht und ihm leise etwas zuflüste»t, wird er gefügiger und scheint zu einem Vergleich nicht abgeneigt. Er wäre gern bereit, etwa 5 0 Mark monatlich von der 400 Mark betrogenden Pension zu zahlen, wenn der Reichewehrsisku» seiuerseU» die Hälfte der rückständigen Pension herausgeben wollte. R.-A. M i tz l a s f als Vertreter des Reichswehrfiskus hält sich nicht für bevollmächtigt, bestimmt« Vorschläge zu machen. Nach einem weiteren Rückzugsgeplänkcl des Vertreters Ehr- Hardts zieht sich da» Gericht zu einer längeren Beratung zurück und beschließt dann, den Parteien folgenden Vergieichsvorschlag zu unter» breiten: Der beklagte Fiskus verzichtet auf die Geltend- machung eines weiteren Schadens als der bisher geltend ge-' machten Pensionsabzüge. Der Kläger, Kapitän Ehrhardt, erkennt an. I daß der Fiskus in dieser Höhe zu Abzügen berechtigt ist. Die' K o st e n des Verfahrens werden geteilt. Die Parteien haben sich bis zum 17. Dezember auf diesen Dorschlag zu erklären. Im Falle seiner Ablehnung wird das Gericht am 21. Dezember sein« Entscheidung sällen. Oer litauisch-polnische Konflitt. Eine ErNärung der PPS. Warschau, Z. Dezember.(Eigenbericht) Der Parteivorstand der polnischen Sozialdemokraten verösfent- licht eine Erklärung zum litauisch-polnischen Konflikt. Sie bewegt sich auf der Linie, die da« sozialdemokratisch» Zentralorgan Ustobot- nit" bereits In mehreren Artikeln zur selben Frage vorgezeichnet hat. Da» Diktaluiregeme in Litauen wird scharf kritisiert, aber die polnischen Sozialdemokraten«rklören. daß der polnische Staat sich in die inneren Angelegenheiten Litauens nicht einmischen dürfe. Der polnisch-litauijche Konflikt dürfe nur mit friedlichen Mitteln geregell werden. Di« polnischen Sozialdemokraten würden die litauische demokratische Bewegung gegen die Gefahr jeder Unter» drückung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen suchen und erhofften dabei die Unterstützung der gesamte« Arbeiter- schast. Mit dem gleichen Aufwand voll Energie gell« es jedoch. jeden Ansatz zu einem kriegerischen Konflitt zu unterdrücken. Der Ausruf stellt die Antwort auf dl« in der Wahl chrer Worte sehr unvorsichtige Erklärung Pilsudskis dar, die die übrige polnische Presse infolge des Druckes des Pressegesetzes nur andeutungsweise kritisiert Die Blätter melden, daß der litauische Haupt m an n Ma j u s>. der am Tauroggener Aufstand beteiligt war, verwundet wurde und sich oersteckt hiell, in Wilna«ingetroffen ist. Zugleich� sollen auch andere Offizier« und Soldaten der litau-. ischen Armee nach Wilna gekommen sein. Ein unechtes Perlenhalsband. Das Austreten der Gowjetabordnung in Genf. V. Leb. Genf. 3. Dezember.(Eigenbericht) Meine Bemerkungen über das gesellschaftliche Auftreten der sowjetrusstschen Delegierten in Genf und besonders der Satz über die auffallende Eleganz der Frau des Bolkskommissar» L u n a t s ch o r- stl haben anscheinend di« Betreffenden unangenehm berührt Es wird mir jetzt aus der russischen Delegation nahegelegt, die folgenden Punkte richtigzustellen: 1. Da» mehrfache Perlenhalsband der Frau Volks- kommissar ist n i ch t e ch t. Es ist jüngst im Berliner Westen bei der Durchreise nach Gens für billiges Geld gekaust worden. 2. Der Pelzmantel der Frau Volkskommissar stammt zwar aus Paris, ist aber ebenfalls nur Imitation. 3. Die russischen Delegierten sind zym Diner bei Graf Bernstorff nur deshalb in großer Abenddreß erschienen, weil auf der Einladung ausdrücklich Frackanzug vorgeschrieben war. Es wird hiermit dem.Wunsche nach einer solchen Berichtigung gern nachgekommen. Aber es wird mir wohl gestattet sein, hieran einige Bewertungen zu knüpfen: Die wenigen beiläufigen Zeilen in der Donnerstag-Morgen- ausgab« des„Vorwärts" über das„völkerbundsfähige Auftreten" der sowjetrussischen Delegierten waren mit bewußter Zurückhaltung formuliert. Ein k o m m u n i st i s ch« r Arbeiter, der die Moskauer Doktrin ernst nimmt, hätte stch bei diesem Anblick ganz anders ausgedrückt, und vielleicht hätte sogar sein« Ideenwelt einen ernsten Knax erlitten. Wir haben uns seit Genua nochgerade an die gesellschaftliche Anpassungsfähigkeit der Bolschewlki gewöhnt Wir sind auch keine Pharisäer, die den Vertretern der Arbeiter- bewegung verbieten wollen, elegant auftreten zu wollen, zumal bei gesellschaftlichen Anlassen. Allerding» muß es auch hier gewisse Grenzen geben, die«ine Frage des Taktgefühls sind. Diese Grenzen sind im vorliegenden Falle ganz entschieden überschritten worden, wie mir seder unparteiische Augenzeuge bestätigen würde. und ich habe Grund anzunehmen, daß da« auch die Empfindung einzelner Angehörige? der russischen Delegation ist. Wogegen man sich jedenfalls wenden muß, das ist. daß dieser Aufwand gerade von Leuten getrieben wird, di« da» Wort vom „notleidenden Proletariat" und von der„sozialen Revolution" bei jeder Gelegenheit im Munde führen, und die sich als die„einzigen Vorkämpfer der ailerSrmsten Schichten der Bevölkerung" ausgeben. Wenn man den Vermchtunoskampf gegen die Bourgeoisie predigt und jedes Kompromiß mit ihr als„Verrat am proletarischen Klassenkampf" brandmarkt, dan sollte man sich davor hüten, selbst den„Bourgeois" in einer solchen Weise nachzu» äffen oder ihn sogar zu übertrumpfen, wie das hier geschieht_ Die neu« Memelreqierung(Direktorium) besteht unter dem Vor- sitz des Kaufmanns K a d g i e h n(politisch unbeschrieben) aus je einem deutschen Volksparteiler, deutschen Landwirt und Groß- Litauer. Ueber dieser Regierung steht der litauische Gouverneur. wenn nicht gerate ein„Kriegskommandant". Das Verlange« des Gouverneur». Schule und Kirche dem Groß-Litauer zu unterstellen. ist abgewehrt worden. Die Lugend wirbt. Di« Lehrlinqsabtiilunsi der Berkiner Ortsverwaltun«! des Der- bandes der Lithographen und Steindrucker veranstaltete am Freitag im grasten Saal des Lehreroereinshaufcs einen Werbe- abend, der, wi« bisher alle Veranstaltungen dieser Organisation, bis ins kleinste gelungen ist. Der Abend war eigentlich weniger zur Werbung neuer lueendlicher Mitglieder gedacht, als dazu, die zahl- reich erschienenen Eltern dieser Jugendlichen davon zu überzeugen, dost sich die Gewerkschaft nicht nur um d'e materielle Besser- st e l l u n g der Arbeiterschaft bemüht, sondern auch um ihren kulturellen Aufstieg. Diesen Zweck hat die Veranstaltung sowohl durch den äußeren Rahmen wi« d�irch die hohe Qualität des Programms erreicht. Der Jugendgenosie W e n g l e r erläuterte die Bedeutung der Jugend- beweoung und wies auf die-Aufgaben der sreien Gewerkschaften hin. Der übrige Teil de-» Programms stand aus einem hohen künstlerischen Niveau. Sowohl die bekannte Kapelle der Gebrüder Steiner wie„Der junge Chor" unier Leitung von W Rhode und »D i e junge Truppe" gaben jede in ihrer Art ihr bestes her. Die Leipziger Marrenmacher streiken weiter! In einer stark besuchten Versammlung nahmen dieLeipziger Z i g a r r e n a r b e i t e r am Sonnabend Stellung zu den Vereinbarungen, die am Donnerstag im Reichsnrbeits- Ministerium getroffen wurden. Das Ergebnis der Verhandlungen, daß die Tabakarbeiler ohne jede Lohnerhöhung die Arbeit wieder aufnehmen sollen, löste starken Unwillen der Versammlung aus. Von 375 Abstimmungsberechtigten stimmten 342 für Weiter- oerharxen im Streik und 31 für Aufnahme der Arbeit. Auch verlangten die Arbeiter, daß die Streikleitung nochmals ört- l i ch e Verhandlungen anknüpfen soll. Berliner Bekleidungsarbeiter. In der letzten Delegiertengeneralversammlunq.hielt Stadtrat Genosse Fabiunke einen beifällig aufgenommenen Bortrag über die Neuregelung der Arbeitslrsenoersicherung und Arbeitsvermittlung. Die Versammlung befaßte sich dann mü der Ortskranken koste für die Wäschefabrikation und faßte hierzu eine Entschließung, welche besagt, daß die Mitglieder verpflichtet sind, getreu den Gewerk- schaftskongrcßbeschlüssen. für Vereinheitlichung der Sozialversicherung einzutreten und zu handeln.. Außerdem verabschiedete die Delegiertenversammlung einen An- trag der Filiallestuna, der aussprichl, oaß zureilende oder durchreisende Mitglieder zu der ihnen statutarisch zu- stehenden Unterstützung einen Zuschuß aus lokalen Mitteln erhalten. Achtung, Vaudeleglerte und Delriebsräle des Hoch-, Velo», und Tiesbaugewerbes! Die Kollegen Boudelemerten und Betriebsräte des Hoch-, Beton- und Tiefbaugewerbes, Maurer, Bauhilfsarbeiter, Stukkateure, Zimmerer, Dachdecker und Maler werden ersucht, am Montag, dem 5. Dezember, gleich nach Arbeitsschluß sich beim Kollegen Link im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, 4. Stock (Zimmer 92), einzufinden und das Material für den Bauarbeiter. schütz unbedingt abzuholen. Die Bauarbeiterschutzkommission. Bestreikter Gastwirtsbetrleb. In der vom Zentrclverband der f)otel-. Restaurant- und Cafeangestellten bereits für seine Mitglieder als gesperrt veröffentlichten„M ü n z g l o ck e", Jnh. D ö b l e r. Münzstraße, haben die Kellner am Eonnabend die Arbeit nieder- gelegt. SPD..««Scitcr,.«»gesielt« urd-Beamt« des I«. Dcnoaltuitg,. bczirls(Stcslclln). Morgen 19'� Uhr im Ideal-Äastno Weichseislr. 8, (o..ft.tii!cceniic Versammlung der SPTV-Geroffen aller lommunalen Z?c» triebe und Verwaltungen Nculöllns.„Wesen und Aufgaben der SPD.» ffroktion der Arbeiter, Angestellten und Beamten aller kammuualcn es Betriebe und Verwaltungen Neuköllns." Neferent G.-nolse T>r. Fritz cd Clb'atz(Bez'rksamt ttreuzbcrg). Wahl des Vorstandes und der Gesamt- fraktion. Parteiausweis legitimiert. Alle Geudsten. bei denen stiel« Sewerkslstaftssugen» Groß-BerN». Heute, Tonntag. folgende Ber. »nstaltungen: vsttrei»! Um lb Uhr im Jugendheim Lichtenberg, stosscstr. 22. . Aroeitcrd. chtuuaen der Welt."— Siordlrei»! Wir bietciligen uns an der Ber- anstaltung des Bezirksamts Wcdding»m ll Uhr:„Tänze der Laban-Schule." Um 19 Ugr im Jugendheim Linienstr 83/83 Lichtoildcroortrag:„Eine Faltboot. fahrt auf Main und--.Hein."— Slldtrris: Um 18 Uhr im Iug'ndhcim des deutschen Berkehrsbundes, Engelufcr 24 25, Aufgang B, Part. Stegreifspiel. abend— Frohes Verweilen.— strei» vberfpree: Um 17 Uhr im Jugendheim Treptow, Wildenbruchftr. 53/54.„Sitzung des Ncichstags an der Obcrfpree."— Wrsttrei»: Um 19 Uhr im Jugendheim Linienstr. 83 85. Lichtbildervortrag: „Eine Faltlvotfahrt auf Main und-J Hein."— Denkt an die Weihnachts-ahrtcn, beachtet den Meldeschluß. Näheres in dieser Woche auf den Grupp-nabenden. -- Morgen, Montag, Srup»enlcitcrstt-ung um 19sä Uhr im Zimmer 7 Iugendzentrale Eewerksch.aftshaus, Engelufcr 24/25. Jitgerdgruppe des ZdA. Heute, Sonntag, 18 Uhr, Geselliger Abend wichtige Hinderungsgrllnde rorliegcn, mllssen erscheinen. nicht Lcwinski).— Bezirk Te-�pelhof: Jugendheim der Schule Ecrmaniastr. 4 6. Hcimdcsprechung.— Bez-rk Norden: Iugendhc m Tanz gcr Str. 82, Baracke 7. Heimabend.— Bezirk Eharlottenburg: Jugendheim Nostnenstr. 4. Heimabend. grntraloerbar.d der Angestellten, Fachgruppe Metall, Morg'n, Montag, Iglh Uhr, Fachgruppe,-m tgli edcrvcrtammlung aller Sekt'onen im Nord lchen Hof, Invaichenstr. 128(Ctettiner Bahnhof).„Biirgcrblock— ZollpolTk— Arbeitsmarkt— Teuerung." Nefcrent-"edaktenr Arthur Saternuo. Verbands» angclegeuheiten.-) Neuwahl aller Sckt'onsleitunfl-n. d) Aufstellung der Bor» fchfagslisten der Gcncraivcrsammlungsdeleg'erten fllr das Jahr 1928. Bei der Wichrgkeit der Tagesordnung wird erwartet, daß die Mitglieder aller Eck- tionen bestimmt erscheinen. Neich-gcwerkfchaft d-ntscher stemm, inalbeamter. Bez'rk P-nkow: Mittwoch, 7. Dezember, 19V6 Uhr, im TUrk schen Zelt, Breite Etr. 14, Bcrsammlung.„Tie Neugestaltung der Berliner Besoldungeorduung." Neferentcn die stollcgcn Soides und Schaack. Metallardeilernerdand. Donnerstag, 8. Dezember. 19 Uhr, Derfammlnnz der Eifeng'cßrre'arbeiter und Bianchenveriammlung der Hilfsarbeiter. Di« Eisengießer tagen im Sitzungssaal, die Hilfsarbeiter im Bartcrrcfaal des Ver- bandshauscs, Linienstr. 83 85. I» beiden Versammlungen: Stellungnahme zum Ablauf des Tarifvertrages. Vcrbandsbuch legitimiert.. Die Ortsorrwaltuag. Verantwortlich Mr Volitik, D: E»tt Sciier! Wir'fchaft: G. stlinrelhöser; E-wcrlfchaflsbewcgung: Fr. Etzkor»! Feuilleton: st. K. Töfchcr, Lokales und Sonstiges: Fritz starftäd«: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Borwärts-Berlag S m d H.. Berlin Druck: Borwärts-Duchdruckeret und Vcrlaasanstal' Paul Singer u Co Berlin EW 68. Lindenllrake 3. Hierzu k Beiiaze»,„Unir-.haltung und Wissen",.An» der Film-Welt"»ad „Blick i» die Däche well". ms louiffttAu» IM ZENTRUM DAS ZCMTRVM «NKAUf's WIRK- UMP STRICKWAREN R P 31 3.30 T a K h e in J|„_ in II SticKerell.l«) T a g h e IN(1 m. Stickerei, Ein- u. Ansatz' 1 1 e in h o s e i-f» mit Stickerei 4 f) N a c h t h e m(i o m. Stickerei, od. eingestickt N a c Ii t h e m tl pr mit Stick.-An»., ßubiform Garnitur Taghemd u. Beinkleid m. ß ftA Stickerei oder Hohlsaum■XeeJ'U Taghemd und Beinkleid U AA t Einsatz und Spitze Ii|'■ ni> N „ � h t Ii e ui d Bubifortn mit Ärmel, SM: W"T f" Carnllu.r passend L?» 4 v i8.75 II« m d k v 8 r i larb.Criped.Cliinem. Spitze( Schlafanzui? farbig Baiist mit ab- 1 /I knöpfbar. 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Heranziehung de» Vater» zur Unterhaltspflicht usw.: wer einmal da» zweifelhafte vergnügen hatte, als Einzelvormund einen zahlungsunwilligen Vater durch«in halbe» Dutzend ver- schieden«? Arbeitsstellen in sechs verschiedenen Gemeinden zu suchen. wird ohne weitere, geneigt sein, die Ueberlegenheit de» amtlichen Apparat«» in der Erledigung dieser Seite der Tätigkeit ein«, vor- munde» anzuerkennen. Run bedeutet die Sicherung der materiellen Existenz für da» Münde! gewiß sehr viel— ober sie ist nicht alles, und besonder« der Jugendlich«, der junge Mensch von 14 bis 20 Iahren braucht oft«in« Fürsorge, die durchaus üb«r das Maß dessen hinausgeht, was auch die beste amtliche Fürsorge ihm gewähren kann, er braucht den engsten Kontakt mit einem Menschen, für den er nicht �Iournalnummer XX", sondern dem«r in persönlicher Fühlung verbunden ist. Kindermißhandlungen— da» ist»och immer ein Begriss, der selbst den stumpf esten Zeitungsleser aufrüttelt. Geht es hier wirtlich einmal zum Prozeß, so bedeutet da» meist eine Sonnen» wende im Leben dieser unglücklichen Kinder. Daneben aber steht das Schicksal all der einsamen, heimatlosen Kinder, der Jugend, die wohl nicht unter irgendwelche» MißhauMungen z> leiden hat. die ober bei fremde» Mensche« aufwächst. S» sind— zum Glück— nicht die Mehrzahl der Fälle, aber jede« dieser Ingvwschicksale birgt eine Fülle von Leib- Oora. Dura W>te bei JEmrtr' und„Onfef, so lange sie denken konnte. Rur ob und zu besuchte sie ihr««igen« Mutter da ganz hinten in der Provinz. Es wäre gelogen, wenn man behaupten wollte, daß es ihr schlecht ging— schlecht im üblichen Sinn« hotte sie es sicher nicht: der„Dntel' stand ja auch in viel näheren verwandtschofitichen Beziehungen zu ihr, als das Mädel selbst wußte: E» war ihr Vater. der. als sein« Ehe kluderlo» blieb, sein eigene» uneheliches Kind zu sich genommen halte, wohl in der Hoffnung, dos Mädel später mit Einwilligung seiner Frau adoptieren zu können. So wurde Dora immer sauber gekleidet und gut genährt: aber die Frau konnte dem Mädel seine Abstammung nicht verzeihen, vielleicht hätte sie sogar einem völlig fremden Kind ihr Herz geöffnet, wä« chm ein« gute Mutter geworden: Dora aber war für sie immer da» Kind der „Anderen", der Nebenbuhlerin. So wuchs das Mädel heran, ohne je eine Liebkosung kennen gelernt zu haben, denn auch der voter mußt« vor der Eifersucht semer Frau ängstlich jede Zärtlichkeit für sein Kind verbergen. Di« setzte einen besonderen Stolz darin, da» Mädel ganz„sittenstreng" im Sinne einer Phorisä ermoral zu er- ziehen, und als Dora alt genug war, um zumindesten ihre eigen« unehelich« Geburt zu begreifen, da empfand sie sie als schwersten Merkel. Dann wuchs das Mädel heran, und es kam. wie es kommen mußte. Als sie endlich im Berufsleben mit jungen Leuten zusammen- kam, verliebte sie sich in den ersten, der sich um sie bemüht« und gab sich ihm in ihrer Sohnsucht nach Lieb« und Zärtlichkeit vor- behaltlos hin. Es stellten sich Folgen ein: und, sich ganz im Sinn« ihrer Erziehung völlig als„Verworfene", als Trägerin der„Erb- fünde" von der Mutter her fühlend, beging da» INödel Selbstmord. — Der Schlaf der braven Tante ist weiter ungestört: der Vater ist seit dem Tode de» Mädets ein gebrochener Mann. Alfted. Alfred hatte Glück gehabt: er war sogar adopklerl woeben. Em wenig mochte dazu der„Erziehungsbeitrog" nachgeholfen haben, den die Mutter des Jungen zur Verfügung stellen konnte. Aber da» Geld wurde eben im Laufe der Jahre verbraucht, neues wuchs nicht dazu, imd so waren die Adoptiveltern schließlich ganz froh, als Alfred endlich die Schul« verlassen hatte und man ihn mit„Anstand aus dem Haus schaffen" konnte, d. h. man gab ihn in eine aus- wärkige Lehrstelle mit kost und Logis. Auch Alfred hatte es nicht schlecht gehabt: kaum, daß ihn sein Adoptivvater einmal geschlagen hatte. Der stille Junge gab ja auch keinen rechten Anlaß zu Züchtigungen. Aber er„paßte eben nicht in die Familie", und alle wußten ja auch, aus welche Weise er hineingekommen war. Man schloß ihn von den Familienfesten nicht aus. aber man ließ ihn nur nebenherlausen, nicht daran teilnehmen.„Wenn ich nur müßte, wer meine richkige Müller ist! Seinen Menschen zu hoben. Jbn«inen so wirklich sieb hal!"— Niemand kümmert« sich um ihn, um sein Tun und Treiben, keiner fragte nach seinen Neigungen und Wünschen und auch wohl keiner um sein Leben und Sterben. Da ging er eines Tages im Vorwinter von seiner Lehrstelle fort. Sein Abgang wurde zwar noch am gleichen Tage bemerkt, ober erst nach einer Woche gemeldet. Und erst nach drei Wochen fand man in einer einzelnstehenden Heuscheune einen jugendlichen Toten, der schließlich als Alfted 8. rekognosziert wurde. Er war. enlkräflet. erfroren. Schon fast zwei Wochen mußte er w der Scheune gehaust haben. Bei ihm fand man ein»eines Notizbuch mit Aufzeichnungen nach feiner unbekannten Mutter wieder____ Ingeborg. Auch Ingeborg ist ein unehellches Sind. Die Mutter hat sie, gleich nach der Entbindung von der Hebamme aus. in Pflege gegeben. Sie hatte nicht das Glück, ihr« ganz« Kindheit bei denselben Pflege- eltern verloben zu können. Ms sie sechs Jahre alt war, starb ihre erste, geliebt« Pflegemutter: der Mann, der wenig an dem Kinde hing, gab sie weiter an die nächste Pflegestelle, and im Laufe der nächsten acht Jahre wurde das Sind in vier verschiedenen Stellen uolergebrachl, mal gut, mal schlecht, mal gleichgültig behandelt, aber immer willenlos hin- und hergestoßen. Endlich schulentlassen, ruft sie verzweifelt die Mutter an:„Jtiinm mich zu dir! Ich will arbeiten, Helsen, will nichts oerlangen, nur ein zu Hause mächt ich einmal haben, eine Stelle, zu der ich gehöre!"— Entsetzt wehrt die Müller ab. Niemand in der kleinen Stadt hat Ahnung von diesem vor- ehelichen Kind, der Mann, der sie schließlich doch geheiratet hat, bezweifelt sogar, dieses Kindes Vater zu sein.— Käme das Mädel nach Haus, sie hätte die Hölle.„Zahlen werde ich olles, was notwendig ist. aber wage es nicht, herzukommen, du darfst für die Leute hier nicht existieren."— Jngeborg lernte Putz, sie war recht besähigt. sie fand auch em wenig Anschluß an junge Menschen. Da brach bei ihr«ine bösartige Knochentuberkulose aus, Operationen brachten kein« Heilung, die kaum gewonnenen Freunde hatten weder Lust, noch Zeit, noch GeL». um wenigstens allwöchentlich einen Krankenbesuch zu machen. Nun liegt sie, seit Monaten ollein auf ihrem Srankenloger mit der Aussicht, vielleicht nie von der Hospitals» pfleg« wieder loszukommen, und nie kommt ein Besuch zu ihr, tur wenigsten» ihre Hand auch nur aus eine karg« Stunde in der seinen hält, der auch nur«in wenig teilnimmt an ihrem Kummer und ihren Schmerzen. Sie ist allein— ollein zum Loben und Sterben. *, Da» sind drei Fälle nur, sie ließen sich leicht zu beliebig größerer Zahl ergänzen, mag es sich um uneheliche oder um ganz oder halb- verwaiste Kinder früherer Ehen handoln. Fast immer offenbart sich erst beim Heranwachsen dieser jungen Menschen das Problem i» seiner ganzen Schwere. Di« wenigen Bindungen, die die Schute und die Zuneigung zu einem oder dem anderen Lehrer ergeben, verlieren sich, entwurzelt steht der junge Mensch gerade dann, wenn er den Halt an einer mitfühlenden, ausgereisten Persönlichkeit am notwendigsten hätte. Gewiß, es ist schon ein Fortschritt, wenn sich jetzt der Schristwochjel eines Amtsvormundes mit seinem Mündel in Formen vollzieht, die wir noch vor zwanzig Iahren für unerreichbar im verkehr mit einer Amtsstelle hielten. Aber der junge Mensch will mehr. Er will auch einmal einen Brief erhalten, den, man nicht das, wenn auch wesentlich oerbesserte Schema F ansieht, er will jemand haben, der nicht nur seine materiellen Angelegenheiten in Ordnung bringt, sondern der auch Interesse für alle seine Leiden und Freuden hat, der einmal außerhalb der Amtsstunden Zeit für ihn hat, und der seiner an seinem Geburtstage denkt— und wäre es nur mit dem bescheidensten Geschenk, mit der kleinsten Gqbe. Das kann nun eine„Amtsvormundschaft" niemals erreichen. Wie lange ist's noch hin, dann werden wieder vor unzähligen Tannenbäumen die Weihnachtslieder klingen, noch enger wevden sich di» Familien zusammenschließen, und viele, viele, die ,hen Anschluß verpaßt" haben, werden halb grollend, halb voller Selbstmitleid beiseite stehen. Da» ist«in« der traurigsten Figuren: Der alte Junggeselle am Weihnachtsabend, vielleicht denkt dann doch einer oder der andere von diesen vereinsamten der einsamen Jugend und daran, daß die Liebe«ine Ware ist: Sie wird mehr, je inehr man sie teilt. Ablösung der Neujahrswüusche durch Spenden. Seit vielen Jahren besteht hier die Sitte, daß Einwohner unserer Stadt, anstat! sich beim Jahreswechsel in der üblichen Weise ihren Freunden und Bekannten durch Karten zu empfehlen, einen Geldbetrag zur Verwendung für bedürftige Per- s o n e n zur Verfügung zu stellen. Da die Not in den Winter- monaten sich stets erheblich steigert und in diesem Jahre besonders groß ist, ist dringend zu wünschen, daß auch bei dem bevorstehenden Jahreswechsel recht viele Mitbürger, der vorerwähnten Sitte folgend, zur Linderung der Not eine, wenn auch noch so»ein« Gabe spenden. Einzahlungen können geleistet werden aus das Postscheckkonto Nr. 22 der Stadthaupttasse Berlin oder unmittelbar bei dieser im Rathause Königstraße, Zimmer 1, unter der Bezeichnung: Sonderkonto „Spendenkonto des Landes-Wohlfahrts- und Jugendamts Berlin, Abteilung Allgemeine Wohlfahrt." Räme und Stand der OcfchenN geber werden im Gemeindeblatt der Stadt Berlin bekanntgegeben. 55} �Zeruent. £Romatt von Fjodor Gladkorv. 2. Geburt zur Kraft. Und an diesem lila Abend erzählte sie ihm van sich. ... Gljeb hatte sich von den Schlägen auf dem Loden, zwischen Mäusen und Spinnen, erholt und ging eines Abends fort in die Berge. Dort, m den Schluchten und Höhlen hatten sich die Grünen festgesetzt. Sie wußte, daß Gljeb sich vielleicht für immer von ihr losriß, und riß sich selber von ihm wie von einem Toten weg. Sie begleitete ihn nicht vor die Türe— sie begleitete ihn in der Finsternis des Zimmers. Sie weinte ohne Stöhnen und Schreien und tonnte nicht von ihm lassen, von ihm. dem Geliebten, der ihre Seele mit sich genommen hatte. Und als er tastend in die Nacht versank, zündete sie kein Feuer an, und selbst unsichtbar, verbrachte sie diese Nacht im Duntel, mit ihrem Töchterchen Njurka, in unvergeßlichen Qualen bis zum morgendlichen Tau an den Fenstern. Und in dieser tränendurchtränkten Qual lag sie im verlassenen Bett ihres Mannes. Njurka am Herzen, und Tage und Nächte schwam- men in trübem Nebel dumpf hinter den Batistvorhängen vorüber. Und sie schreckte aus diesem Halbleben ohne Tage und Nächte genau so plötzlich auf. wie sie in chm erstarrt war. Mit Dröhnen. Johlen, schußbereiten Gewehren und Re- volvern brachen zu ihr Armeeoffiziere ein, umringten sie in stampfenden, dichten Haufen und brüllten aus allen Kehlen gleichzeitig:„Wo ist dein Mann?" Sie erzitterte zum ersten Male, denn die Wände er- zitterten, und der Boden wankte unter de» Füßen. Und weil auch chr Herz erbebte, weinte und krümmte sich Njurka auf chren Armen. „Sag. wo ist dein Mann? Wir wissen, daß er hier war. Mach bitte keine unschuldigen Augen und tu nicht so. als ob du ein Iüngserchen wärest.. „Weiß ich. wo mein Mann ist? Ihr wißt es besser... Ihr habt doch meinen Mann weggeschleppt, und was Ihr mit ihm getan habt— habt Ihr nicht gesagt. Wozu kommt Ihr also zu mir, ihn suchen?" Und sie weinte nicht. Nur ganz blau wurde sie, und ihre Augen glänzten wie Glas. Und Njurka weinte, und sie drückte sie fest an ihr Herz. Einer der Offiziere, ein ganz junger, fast ein Knabe, eckig und voller Pickel, stand auf und setzte sich wieder, rauchte und warf die Zigarette fort, wandte seine Äugen nicht von ihr und sagte, ein Wort nach dem anderen, immer dasselbe: „Lüg nicht so frech... Du weißt, weißt gut, junge Frau... Weißt es gut... Du wirst mir nicht davonkommen.. Und schlug plötzlich mit der Faust aus den Tisch:„Du wirst sofort verhastet und statt deines Mannes erschossen. Rede und mach uns keinen blauen Dunst vor!.. Und sie stand wie früher und sagte:„Woher soll ich das.wissen? Es ist in eurer Macht, mich zu töten. Ihr habt ihn verschleppt, und Ihr könntet mir sagen, wo er ist. Ihr seht doch, ich bin allein. Wozu quält Ihr mich?" Der Offizier schwieg, sah Dascha scharf an. Sah er ein Leiden in ihren brennenden Augen oder hörte er einen un» deutlichen Borwurf in Njurtas Schreien— er sprang vam Stuhl auf. „Sucht das Haus ab... Laßt euch nichts entgehen!" Man setzte sie zwischen zwei bärtige Alte und wühlte bis zum Morgen in allen Winkeln und Ecken, zwischen den Sachen und Fetzen. „Er ist zur richtigen Zeit geflohen, dieser Hund.. Später, es war am frühen Morgen, schleppte die ver- schwitzte und von überflüssiger Arbeit müde Horde sie und Njurka aufs Werk und in die Villen. Und dort, in einem Keller, saß sie mit Njurka zwischen einem Haufen von frem- den. demütigen, von Todesangst aufgewühlten Menschen. menschenscheu und traurig, bis zur Mittagsstunde. Jemand von diesen Menschen, nicht viele, einer sprach mit ihr— was er aber sprach, daran erinnerte sie sich nicht. Und mittags führte man sie aus dem Keller, und der- selbe eckige Offizier mit den Pickeln auf dem Gesicht, sah sie wieder scharf an. „Nun. also wo ist dein Mann, junge Frau? Leugne nichts... wir werden dich sowieso nicht herauslassen, bis du es uns gesagt hast. Warum hast du denn Angst, wenn er in Sicherheit ist? Leugne nichts, hol hich der Teufel. Das ist ganz nutzlos." Und sie sagte wieder, ohne Tränen, zum Umfallen müde vor Erschöpfung:„Wie �nn ich das wissen? Wenn Ihr ihn selber verschlevvt Ii»;~t mir erzählen, wie Ihr ihn zu Tode gepeinigt.. Und von rückwärts bellte sie jemand wie ein Hund an: „Laß sie doch zum Teufel gehen, Hauptmann... Siehst du denn nicht, daß sie vor Angst ganz verrückt geworden ist?" Der Hauptmann funkelte mit den Augen und zischte vor Wut:„Weißt du, du Landstreicherin du, daß wir dich für deinen Eigensinn statt deines Mannes erschießen sollten? Es wird dir nicht gelingen, dich bis ans Ende so dumm zu stellen." „Nun schießt... und wenn... und wenn..." Und nicht sie, sondern ein anderer erzitterte, wie eine Saite in ihrem tiefsten Innern:„Ihr habt ihn doch zerfleischt, und er ist nicht mehr da... Zerfleischt auch mich... mich und Njurka... mich und Njurka." Und als sie zum Bewußtsein kam— es war, als ob die Sonne sie mit Milch Übergossen hätte— war sie auf der glatten, von Staub brennenden Landstraße. Bor ihr— das Werk und weiter, auf den Hügeln, die Arbeitersiedlung, und ganz in der Ferne sah sie das rote Dach, unter dem ihr Zim- mer seit der Nacht leer geblieben war. Und jetzt war sie wieder allein. Sie freundete sich mit Motja Sawtschuk an und verbrachte ihre Tage bei ihr. Und die Tage und Nächte waren nicht mehr trübe: die Tage blühten durch die Sonne und die Nächte durch die Sterne. Und wenn sie auf ihrer Treppe saß und die Sterne sah und horte, wie die Glöckchen des Bächleins in den Schluchten klin- gelten— so dachte sie an Gljeb: wo ist er? Lebt er? Wird er aus dem Ungewissen noch einmal zu ihr zurückkehren? Am Tage, wenn die Berge bis zu den Gipfeln im nebligen Dunst schmolzen, saß Dascha wie immer auf der Treppe und nähte an ihren Fetzen. Und Njurka spielte mit dem Kätzchen neben ihr, auf dem glatten, zementierten, win- zigen Hofe. Heuschrecken musizierten auf ihren Kämmen, und in der Ferne, über dem Meere, hinter den Bogen des Werkes, stammten Möven in der Luft auf. Ein bärtiger Soldat in Fetzen geht vorüber(gehen denn wenig Soldaten a» ihrem Garten vorbei?). Er kommt zum Zaun, lehnt sich mit seiner Brust an(kommen denn wenig Soldaten zu ihr, die hungrig nach Weibern sind?). Aber dieser ruft sie in ungewohnt strenger Weise, heimlich:„Dascha. spring nicht wie eine Katze auf— bleib sitzen. Nachrichten von Gljeb- Schau, ein Papierzettel ist dort hingefallen. Ich werde in der Nacht zu dir hereinkriechen, erschrick nicht." Und ging weg. Sie bemerkte nur: der Schnurrbart hing wie ein Fetzen Werg herunter, auch die Augenbrauen waren wie Fetzelt von Werg.(Fortsetzung folgt.) Kalter Winter und wenig Schnee? Die Ansicht eines Meteorologen. Um zu«rsohren, bn« sich da» Wetter m fiMnter ge» stalten wird, und ob cor allem die Winterfpo rtfer, die bereits jetzt gerüstet sind, in diesem Jahre auf ihre Rechnung tommen werden, I)aben wir uns an einen betannlen Berliner Meteorologen gewandt. Er teilt uns folgende Anficht über dos diesjährige Winterwetter mit: �Zwar biete die Mssenschafi keine Handhabe, Wetterprognosen auf längere Zeit zu stellen, doch ist bis zu einem gewissen Grade eine ungefähre Schätzung möglich. Nach den Beobachtungen ist in diesem Jahre nm einem kälteren Winter»i» in den vor- jähren zu rechnen, der jedoch nicht großen Schneereichlum aufweisen dürfte. Im vergangenen Winter war e» bekanntlich nicht besonder» kalt: infolge der zahlreichen Niederschläge waren jedoch vor allem in den höheren Lagen die Schneeoer hall nisse außerordentlich gut. Wenn auch in diesem Winter die Niederschläge ge- ringcr sein werden, so wird doch in den Bergen voraussichtlich soviel Schnee fallen, daß die De-te zur Ausübung de» Winter- sport» ausreichend sein wird/ ,TätlicherAngriff�gegendenVorgesehten (Sin erfreulicher Kreispruch. „Gefängnis nicht unter drei Jahren, bei mildernden Umständen Mindeststrase 6 Monate: In besonder» schweren Fällen Zuchthau»! Die schlimmsten Ausschreitungen gegen militärische Disziplin, tatluye Angriffe gegen Borgesetzte sollen mit dratonischen Mitteln nieder- gehalten werben! Die unendliche Mannigsaltigteit de» Leben» tonnte aber in den Gesetzesparagraphen nicht hineingepreßt werden. So hotte der Gesetzgeber bestimmt nicht an den Vorfall gedacht, der vor einigen Tagen Gegenstand einer Gerichtsverhandlung Berlin-Mitte war. Der G e f r e i t e S. hatte sich vor der Kaserne von seinen Damen verabschiedet und war im Hofe für einen Augenblilk stehen geblieben — wie er behauptet, um sich eine Zigarette anzuzünben. Der Unter- offizier P„ der süns Schritte hinter ihm hertam, glaubte aber, daß sein Stehenbleiben einem gewissen Bebürsni» galt. Er mochte ihn vorauf ausmetksam. daß dazu andere Oertlichteiten eristierten. Was darauf falgte, soll den Tatbestand de» tätlichen Angriff» ergeben und war nun Gegenstand der Gerichtsverhandlung. S, habe, so de- hauptete P. im gleichen Augenblirf sich mit der Lemerluna.„Du kannst mir" umgedreht und ihm einen Schlag vorden Bauch versetzt, so daß seine Knie zusammenzuckten. Dann habe sich S. schnell davongemacht, er sei ihm nachgeeilt, S. habe aber die Sttibentiir mit der gleichen, nicht gut wiederzugebenden Bemerkung vor seiner Nase zugeschlagen, woraus er den wachthabenden Unterossizier ver- anlaßt habe; die verschlossene Tür zu össnen und den Nomen des Gefreiten festzustellen Als er bereits abtreten wollte, habe ber Gefreite ihn gebeten, mit ihm ein paar Worte sprechen zu dürfen, worauf er gesagt habe:„Gehen Sie schlafen, das übrige wird sich ergeben." S.' stellte die Sachlage anders dar. Er habe weder das berüchtigte Schimpfwort gebraucht, noch P. einen Schlag vor den Bauch versetzt. Als er aber auf der Stube die Sache habe tlorstellen wollen, sei er von P. mit den Worten Jjqtt's Maul" angefahren worden. Ein Ooppeffelbstmord oder...? Zwei Freunde haben mehrere Wochen io< in der Wohnung gelegen. Da» iverüchi von einem Doppelmorde war gester« nachmlltag Im Südwesten der Stadl verbreitet. Zn ihrem gemeinsamen Zimmer in der Linden st raße 66 wurden die Leichen zweier TN ä« n e r im halbverwesten Zustande ausgesunden. Nach den bis- herige« Ermilllunge« der Krimiaalpaiizei scheint c» sich aber nicht um ein verbrechen, sondern um einen voppelselbstmord zu handeln. Die Haupttnteterinnen der Wohnung im 2. Stock sind zwei alte Damen. Am 3. Juli dieses Jahres gaben sie ein am Flur gelegenes Zimmer mit besonderem Eingang an zwei Unter- mieter ab, die es mit ihren eigenen Modeln ausstatteten. Es waren ein aus Krefeld gebürtiger 43 Jahre alter Hausdiener Peter van den Berg und ein 36jähriger Konditor Adokf F ü l I g r a s, der au» Zootzen in der Ostpriegnitz stamm». Borher halten die Freunde zusammen ein Zimmer in der Tieckstraße bewohnt. Es waren ruhige Leute, die sich zurückhielten und den Vermieterinnen wenig Mühe machten. Ansang November erschienen die beiden Männer und dezahlten ihre Miere für den laufenden Monat, bann sahen die Domen nichts mehr von ihnen. Sie wunderten sich nur. baß die Miete zu Beginn des Dezember nicht wie sonst pünttlich beglichen wurde. Gestern machten Hausbewohnet darauf aufmert- sam, daß aus dem Zimmer der Untermieter ein grauenhafter Geruch dringe. Die Dame begab sich nun nach dem 14. Polizei- revier und meldete die Wahrnehmungen. Die Beamten öffneten das Zimmer und fanden beide Männer tot In ihren Betten. Der Zustand der Leichen deutet darauf hin, daß der Tod schon vor Wochen eingetreten sein muß. die Körper sind geschwärzt und die G e- fichter mumifiziert. Der Befund gab Verantasiung, die Mordtommission der Kriminalpolizei zu alarmieren. Die Leichen der beiden Männer zeigen teine Berletzungen, es wurde auch keine Waffe gefunden, die den Tod herbeigeführt haben könnte. Die Kleibungsstücke lagen wohlgeordnet auf Stühlen, dos Geld in den Portemonnaies und in einer Schachtel war vollzählig vor- Händen. Neben dem Bett des einen Mannes stand auf einem Stuhle eine Petroleumlampe, eine Schachtel Zigaretten und eine Aschenschule, in der eine halb ausgerauchte Zigarette lag. Bor dem Bett des anderen stand ein Eimer. Es scheint, daß der im Bett Liegende sich hat erbrechen müsien. Bei dem vorgeschrittenen Zersetzungsprozeß der Körper ließ sich die Todesursache mit Bestimmtheit nicht mehr fest- stellen. Die Leichen wurden daher beschlagnahmt und nach dem Schauhouse gebracht, wo die Sektion vielleicht Klarheit schassen wird. deter Knopf oder Henkel durchaus genügen können, um die Form der Geschirre zu heben oder zu unterstreichen. Form und Dekor tommen aber, das bewies ber mit der Retchs- Porzellan-Woche verbundene Schaufenster-Weitbewerb unwiderleg- (ich, erst dann voll zur Geltung, wenn sie In einheitlicher Aufmachung für sich allein wirken können Dann, im gemütlich hergenchttten Raum, vermag auch das bescheidenste Geschirr intime Reize zu entfalten; denn neben der Form ist es doch der in prächtiger Glasui stehende weiße, durchschimmernde Scherben, der dem deutschen Por- zellan den hohen Wert gibt. Defore sind nur schmückendes Beiwerk. Reiht man beispielsweise mehrere der kunstvollsten Geschirre»nein- ander, um Im engen Raum recht viel zu zeigen, so drückt man ihnen tiotz ihrer Dollendiing doch nur den Charakter prunkvoller Stapel- wäre auf. die seelisch tol wirkt. Da« gleiche gilt auch von den Plastiken. Ein halbe» Dutzend erlesene Stücke, in unterschiedlicher Größe, sagen mehr, als et« Holl»« Hundert, ausgerichtet wie ein« exerzierend« Kompagnie.__ Oas T�anspanni. VeleidigvagsNsK. vcm bäuslichen Herd. Dies« BeielMgungsklat»--*. Xt au» hiiK-Titetn Zänkereien entstehen. sind an sicb Bagatellen. Ab«' sie leuchte« doch lies hinein in die soziale Rot unserer Tage und—■ in lue Denk- und Einpstndungs- weise unserer Richter. Was sich da in diesem Sommer in einem Hos der Luisenstraß» i zugetragen hat, könnte ebensogut an huizdert anderen Stellen passiert j sein. Ein Mann, der früher einmal eine Badeanstalt besesieu hat, j mietet sich einen Keller und macht borin eine P l ö t t a n st a s t aus Es wird wieder„gehandett". Da» dem Reifenden im Süden und Osten Europas aufftillk, ist die Unbekümmerlheit, mit der der Handelsmann einen phantastischen Preis für die von Kauflustigen begehrte Ware nennt, und mit der gleichen kindlichen Fröhlichkeit akzeptiert er ein Gebot, das etwa ein Diertel oder noch weniger feiner Forderung darstellt. Gehl man handeisuneins hmaus,|o läuft er mit d«r Ware hinterher, um nur ja nicht des Geschäftes und des— Gewinns oerlustist zu gehen. Die bei uns sich jetzt allgemein vorfindende Sicherhett, daß auch der Branchenuntundige weiß: es gibt für alle nur einen Preis— ist ein so hohes wirtschaftliches Gut. daß man etwaige Versuche, diese Schranke zu durchbrechen, aufs eneraifchst« zurück- weisen muß. Mit aufrichtigem Erstaunen wirb der Leser vernehmen, daß e» heule Geschäfte gibt, die sich aus das Handeln, also„M» handeln", einlassen. Nicht in der orientalischen Art, die im Grunde doch etwas Spaßiges an sich hat. sondern in einer recht vulgären Weise, wobei es sich etwa um ein paar Markstück» Handel!, Die Ware trägt woniöalich einen ausgezeichneten Preis, aber wenn der Käufer ihn zu hoch findet, wird durch Appell an den Herrn Eher besten Zust-mmung«ingehott, daß ein wenig abgelösten werden kann. Die so handeln, sind wohi meist Geschäft«, die Modewaren führen—"ir den„Handelsgeist" der Frauen ein geeignetes Gebiet. Do die S«lbstkosten in den meisten Fällen durch die Anrechnung für „Foston" wenig kontrollierbar sind, wird sich leicht die Vorstellung bilden, da j jeder Preis zu hoch ist und„Handeln" zum Ziel führen kann. D-e Geschäft«, in denen diese Unsitte sich breitmacht, stehen auch aus dem Standpunkt, daß es immer Schuld der Perkäuferin ist. wenn semand den Laden verläßt, ohne etwa» gekauft zu haben. Daß die Schuld in den weitaus meisten Fällen an ihren Vorräten Westen Angaben entsprach nun den Tatfachen? Hatte P., Aber ber Betrieb kommt nicht in Gong. Der Mann oersteht ossendar,> oder ihren Preisen liegt, geht in cht engherzige» Denken nicht ein. r seinem Eide die Wahrheit gesogt, so wäre S. zu einer Mindest»> trotzdem«r sich als„Kausrncnr* ausgib», nichts oom Geschött. Er 1 Wird jenem Handelssystem, für da» miileidige Seelen vielleicht die „>«.*%* tt ITT) M<«»»> m«i,„»» m•■ C,» � m»* ♦ i rf,«MA /Q••(•>&/««>4* A»MA T B mmmi*-st �" X..~....—•«••—- unter...._ P___________,...... IWWWWM_____.,__________________________________ strafe von 6 Monaten zu verurteilen, er mußte nach siebenjähriger> hat einen Stia, in» Großart'___.r: a.___ w__.......... �-- M. Dienstzeit seiner Entlastung aus der Reichswehr gewärtig sein, und sein Bersorgungsrecht ging ihm verloren. Hatte P. aber wirklich bie Wahrheit gelagt? Der Zeuge R. bestätigte, daß er zum Gefreiten S. „Hall das Maul" gesagl hotte. Also in diesem Punkte mußten trog feiner wiederholten Beteuerungen seine Aussagen zumindest zwelsel- hast erscheinen. Zum andern: Einmal hatte er bereits einen seiner Kameraden einer bestimmten Tat bezichtigt, während es stch später erwies, daß er ihm damit unrecht getan halte. Drittens gaben alle Zeugen, vom Hauptmann angefangen bis hinunter zum Gefreiten. dem Angetlagten ein vorzügliches Zeugnis. Sollte man ihn wegen einer derartigen Lappalie unglücklich machen? Do» Schöffengericht sprach ihn frei. Im Publikum ertönten Bravorufe. Der Borsitzenbe rügte diese Bcisallskundgebnngen. Der Unteroffizier P. hätte ober in der Verfolgung seine» wirklichen oder vermeintlichen Rechts nicht so hartnäckig sein sollen. Er hätte daea« denken sollen, was nicht alle» für seinen Reichswehrkameraden aus dem Spiel stand._ Porzellan aller Zeiten. Die Reichs- Porzella n- Woche bringt in den Auslagen her Berliner Geschäske Geschirre und Plastiken. Originalgetreue Wiedergaben aus den alten staatlichen Manusokturen ziehen ebenso an. wie die Schöpfungen der»eueren und jüngsten Werke. Welchen Erzeugnissen der Preis gebührt, das wird immer nur der perjön. liche Geschmack zu entscheiden wagen. Dach das. wa» zur Aus- stellung kam, war fast durchgängig Edelgut. Do in der Porzellan- gestaltung ein einheitlicher Stil nicht existiert, man muh wohl sagen, erfreulicherweise, weil damit dte Eintönigkeit der Form oermieden wird, boten die ausgestellten Geschirre eine sehr gelungene Ueber- ficht über bie zeitweiligen Stilepochen. Man mußte freilich durch bie Straßen wandern, denn waren es hier barocke Formen, so zog bort der Charakter des Empire oder der Renaissance an, während an anderer Stelle mehr die sachliche klare Linie, wie sie der Zweck bedingt, zum Ausdruck kam. Die deutsche Porzellanindustrie ist ja beweglich genug, um alle Geschmacksrichtungen bejriedioen zu kännen. Da die Porzellanwoche werbenden Charakter haben jollte, war es unerläßlich, daß die Geschäfte in den bevorzugten Gegenden den Hauptwert aus reiche Formen und Dekore mit Gold. Kobalt unb Handmalerei gelegt hatten. Doch auch hier fehlten bei den Aus- bauten im eigentlichen Verkaufsraum selten die schlichteren Por- zellane, die in den Straßen der Außenstadl das Fetb beherrschten, ber Kouskraft entsprechend. Man sah an diesen Geschirren deutlich, daß vereinzelt« Streublümchen, ein schmales, farbiges Band, ein vergol- stet» aus Wirtting bedacht mehr als aus Klarheit, den Borützenden �(D14!gär; Anreißer genannt), der sich in„Holbasien" al» etwas ganz von seinem Wert zu überzeugen sucht.„Ich will erwähnen", sagt er. Selbstverftcnbliches' vorsind et. unb„Ich bin in einen Mißderri-b geraten"�..„Ott) möchte bitten,"-- Gch««mbrennkrei ansqchoben....... Eine verbotene Spritfabrik wurde gestern von der Kriminal- polizei in Schönoberg ausgehoben. Es war kein großer Betried. sondern ein recht kleiner, der seinen„Sitz" in einer Lauben- tolonie halle, aber er genügte immerhin, soviel zu liefern, daß man in dieser Kolonie aunallend oft wacker zechen konnte. Dieser Umstand aber wurde zum Verhängnis. Die Zechereien sielen auch außerhalb der Kolonie aus, und so wurde auch die Krimnatpolizei öufmertsam. Sie entdeckte In einer Laude einen kleinen Maisch. b o 1 1 1 ch und daraus den Kühlapparat. Die Vorrichtung � faßte jedesmal nur fünf bis sechs Liter, funtttonferte ober gut und lieferte au» ottem, zum Rohverzehcen nicht mehr geeignet>:n Obst einen guten Trinkbranntwein. 2 0 Liter davon waren noch vorhanden und wurden zusammen mit dem Apparat beschlagnahmt. Ei« Los der Zlrbeitcrwolilfahrt. Hast du noch kein», so kaufe e» dir sofort! Der Preis für das Einzello» beträgt nur SO Pfennig, dafür kannst du allerlei gewinnen: Landhäuser oder Wochenendhäuser, Klaviere, Sprech- apparate, Kuchen, Motorräder, Fahrröder, Nähmaschinen. Im ganzen werden in der am 29. Dezember d. 3.' stattfindenden Ziehung 145 984 Gewinne und eine Prämie mit einem Gesamtwert von mehr als 000 000 Mark ausgespkett. Aersäume diese Gelegenheit nicht, sondern versuche-dein Glück und nimm dir ein Los! Glücks- briefe mit 10 Losen tosten 5 Mark. Vorweihnachtcn im �röbol-HauS. Bis auf den brennenden Lichterbaum ist schon alles In vollem Gange. Im Pestalozzi-Fröbelhaus. Karl-Schrader-Str. 7, steht ein richtiggehender Weihnachtsmarkt mit Kuchen und Pfesscrnüjse». mit Spielsachen aller Art und vielen nützlichen Kleinigkeiten. Und Markt- frauen preisen in den Buden ihre Waren an: nur die Gesichreln und die Hände sind so ausfallend kalt und olle sind sie tannenschlnnt. und wenn man unter da» strammgezogene Kopstuch guckt, da sitzen ein Paar ganz junge Augen und ein lachender Mund und alle sprechen sie ein makelloses Deutsch. Die vermeintlichen Bäuerinnen sind alle- samt angehende Kindergärtnerinnen. Was sie hier verkaufen, sind alles eigene Arbeiten: hübsch- Basteleien, Papierarbelten. Linoleum- schnitte, Puppen mit Wohnung unb Garderobe in jedem Genre, vom buntgewürjelten Bauernbetlchen bis zur jpitzenbesetzten Luxusaus- bie» nicht gleichgültig zu behonbeln". Ein Mensch, ber einen« mit seiner Wichngtuerei sehr schnell aus die'Nerven geht. Da» „Corpus belic.'i" ist ein Transparent. Der Plättereibesitzer wollte moderne Lichtreklame machen. Er brachte also einen Gloskasten mit beleuchtbarer Schrift an seinem Be- triebe an. Dieser Glastasten hatte nur den einen Fehler, daß er a u s dem Kellerhol» st and und das Fenster der Parterrewohnung dahinter oerdeckte, so daß es in der Stube, die der Familie Abraham gehört,— ber einzigen Stube, bie nach der Straße liegt—, stock- duster wurde. Die Familie Abraham verbat sich das und holte, als alle Beschwerden nichts nützten, die Polizei Die entschied, daß der Glaskasten vom Kellerhals zu verschwinden habe. Da» Verlangen war um so berechtigter, als dem Plättereibesitzer wegen Znhlungsunsöhigkeit 6er elektrische Strom gesperrt wurde und da» Transparent oushörie, ein Transparent zu sein. Den Leuten in der künstlich versinsterten Stube reißt schließlich die Geduld— wer könnte ihnen da» verdenken! E» kommt zu bösen Worten.„Sie Stiesel, Sie Penner. Sie Hurenbock", schallt» von der einen,„Ber- fluchte schwarze Jubenhexe" von der anderen Seite. Einmal ist, wie von Zeugen glaubwürdig bekundet wird, der„Kousmann" mit einem Stück Holz aus die Frau au» dem Parterre losgegangen. Klage de» Transparenten. Widerklage der Frau. Der Laienverstand hätte ver- mutllch so geurteilt: Veranlassung zu dem Zwist hol der Mann mit seinem Unglückstransparent gegeben, der mit seiner Lichtreklame einer Familie dos Licht wegnimmt und sich auch der Polizeioerord- nuna nicht fügt. Die Erregung der Frau A. ist also vollkommen ge- rechtfertigt. Wenn man die Titel, mit denen sie ihren Feind bedacht hat. auch nicht gerade al» parlamentarisch bezeichnen kann, so muß man die Ausbrucksweise de» Volke» nicht mit dem Maßstab de» im Salon üblichen Tone» messen. Wa» ber Mann ber Frau an den Kops geworfen hat. ist gewiß nicht harmloser. Und dafür, daß er die Wehrlose tätlich bedroht hat, hätte Ihn jede» englische oder amerika- Nische Gericht aus Monate in» Gefängnis gesteckt. Wie aber urteilt der deutsche Richter? Er brummt der Frau die doppelle Geld st rase wie dem Manne aus nämlich 20 M., und die Halste der Kosten. In der Urteilsbegründung geht er mild und verstehend über das Benehmen de» Mannes mit dem Transparent hinweg und gibt mit einem ganz überflüssigen Nach- druck der Frau, der„schwarzen Jubenhexe". seinen Tadel zu ver- stehen. Cr findet kein Wort der Mißbilligung für antisemitische Ge- meinhelt, der deutsche Richter. Men�cflst){|»da vorbehalten! "AKk* �eb astian Str. Hra ftBCiBegciaen Gesr. 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Rechtsanwatt gegen Lcmdgerichtsdirektor in einem Privat- klsgeoerfahren— ein außerordentlicher Fall in Moabit! Der Rechtsanwalt Dr. Winterberg klagt gegen den Longerichts- direktor Dr. Hellwig wegen Beleidigung im Gerichtzsaal. Es ist der vom Bothm«r. Prozeß her bekannte Potsdamer Strafkammervorsitzend«. Als er dem Rechtsanwalt Winterberg in einer Gerichtsoerhandlung das Wort.unverschämt' zurief, fun- gierte er aber als Sachverständiger in— okkulten Fragen. Landgerichtsdirektor Hellwig ist nämlich absoluter Gegner des Okkultismus und hält alle» für Hokuspokus. Deshalb siguriert« er als Sachverständiger gegen den Okkultismus im Infterburger -Hellseherprozeß Droste: deshalb ist er in der gleichen Eiaenschaft auch im kommenden Infterburger Hell- seherprozeß von der Staatsanwaltschaft geladen. Auch Rechts- anwalt Dr. Winterberg ist sachkundig in okkulten Problemen— für den Okkultismus. Deshalb vertrat er den PrivotNäger Rudolf, das bekannt« Reisenmedium, in besten Prozeh mit den anderen Sachverständigen gegen den Okkultismus Dr. Moll. In diesem Prozeß war auch Landgerichtsdirekior Dr. Hedwig als Salliverstäichiger geladen»- nämlich von Dr. Moll. Als nun Rechtsanwalt Dr. Winterberg in vollkommenen ruhigem Tone einen Ablehnungsantrag gegen Dr. Hellwig begründete, rief, dieser ihm „unverschämt� zu. Wegen dieser Beleidigung erhob Dr. WiMer- berg die Privatklage. Dr. Hellwig verfaßte aber ausführliche Schriftsätze, in denen er sich In äußerst scharfen Redewendungen gefiel und Dr. Winterberg„Derleumdungstattik� u. a. m. vorwarf. Deswegen ein« neue BeleidigungsNag«. Gestern sollt« der erste Teil ausgetragen werden. Reben Dr. Winterberg waren auch Pros. Sch r ö d e r und Prof. S ü n n e r als Kläger erschienen, denn Dr. Hellwig hatte erklärt, daß sein „unverschämt� diesen damaligen Sachverständigen gegolten hatte, da sie angeblich Dr. � Winterberg inspirier» hätten Da«» sich o' r mm herausstellt«, daß Dr. Winterberg keiner Einflüsterung beb lt da er selbst seit mehr als 1» Jahren den Okkultismus prakt wie theoretisch betreibt, so kam es zwischen Dr. Hellwig ciners und Dr. Sünner und Schröder andererseits sehr bald zu einem vergleich. Schwieriger gestalteten sich die Peglercksverhand- lungen zwischen Dr. Wiirterberg und Dr. Hellwig. Letzterer gab zu, daß er damals zurzeit aufgeregt gewesen sei, inoirue jedoch, daß er aber auch jetzt bei ruhiger Ueberlegung keinen anderen Ausdruck für das damalige Verhalten des Klägers prägen mürd«. Trotzdem erklärte er sich nach fangem Hin und Her bereit, den Aus- druck mit Bedauern zurückzunehmen, sofern Dr. Winterberg, den er mit seiner Aeußerung nicht habe treffen wollen, sich beleidigt suhle, worauf Dr. Winterberg auch seinerseits die zweit« De. leidlaunsklag« zurückzog. Allerdings hatten sich beide Parteien für die Zeltspann« von drei Monaten den Widerruf des Der- gleich? vorbehalten,>e nachdem wie sich ihr gegenseitiges Verhütten im Infterburger Hellseherprozeß gestalten würde. Zum Schluß einige Betrachlungen: erstens sollte ein Laich- gerichtsdirektor in seinen Schriftsätzen nicht doch mit guten Bei- soielen vorangehen? Zum andereiu. Hatte.BA. Dr. Postier. Der- treter des Nebenklägers, am Ende vielleicht recht, als er behauptete. daß ein Landgerichtsdirektor als Sachverständiger der Staats- annxiltfchaft, selbst gegen seinen Willen, da« Gericht gegen den Angeklagten beeinslullen muß— iirsbesondere beim Temperament des Landgerichtsdirektors Dr. Hellwig? Und schließlich meinte Dr. Winterberg, daß auch ein Landgerichtsdirektor, sofern er Sach- verstöndiger ist, im Gerichtssaal nur SachverstänÄger ist— nicht ober noch Landgerichtsdirektor— deshalb unterlieg« er auch der Kritik.__ wethnachlsmeffe der Fravenerwerbshilfe. In der ersten De- zeniberwoche veranstaltet die Frauenerwerbsbilfe von Groß-Berlin in dem Londeshaus in der Matthäikirchstraß« ihre diesjährige Weihnackstsmesi«� Die Räume sind von freiwilligen Helferinnen geschmackvoll dekoriert. Die zur Schau und zum Verkauf gestellten Waren sind sorgsam ausgesucht, nur wirklich« Gebrauchsgegenstände find zugelasten. In Wäsche und Babyausstattungen ist ohne über- triebenen Luxus wirkliche Qualitätsware ausgestellt. Auch was an Keramik und Bnstarbeiten zu sehen ist. übersteigt bei weitem den Rahmen des allgemein üblichen. Die Frauenerwerbshilfe hat auch noch von einem anderen Standpunkt mehr Bedeutung als ein Wohltätigkeitsverein, der unter hohem Protektorot tagt, nämlich dadurch, daß man ungescbulte Frauen dort zur Mitarbeit heran- zieht und sie ausbildet. Die Arbelt selber wird als Helmarbeit er- ledigt. Die Arbeiterinnen erhalten sofort nach Ablieferung ihren Lohn. Die Sladtoerordneken haben in dieser Woche keine Sitzung. lvieder einer von den Altent Der Genosse B a t n e s, Doumschulemveg, Ernststraß« S, feiert am 4. Dezember seinen 7 5 Geburtstag. Jahrzehnte sieht Genrsie Batnes mit seiner fünf Jahre jüngeren Weggenossin. der Genossin Brunhilde Batnes, im Parteileben. Winterferien. Früher waren die Winterserisn das alleinig« Vorrecht der Jugend, bisweilen getrübt durch mehr oder minder gute Weihnachts- zeugnisie. trotzdem aber sehnsüchtig erwartet und mit Jubel begrüßt. Erst in den letzten Jahren verband sich mit der winterlichen Zeit auch für den Erwachsenen ein E r h o l u n g« b e g r i f f, der Ferien- und Reiseplän« reifen ließ. Mit der Entwicklung des Winter- f p or t s und der Umstellung des Gaststättewesens auf einen Neuzeit- lichen Fremdenverkehr, der nicht mehr auf die Sommersaison beschränkt blieb, wurde auch die Wmterreise populär und schuf sich in allen Berussschichten Anhänger. Dos Neuland, das auf diesen winterlichen Fahrten entdeckt wurde, war reizvoll genug, um immer wieder aufgesucht zu werden Vor allem war«s die größere Abgeschlossenheit des winterlichen Aufenthaltes, die den Fremdengästen Annehmlichkelten bot, die dem Friengast in den Sommerwochen notwendigerweise versagt bleiben mußten. Während die Hochsaison des Reiseoerkkehrs von einem Massenbetrieb bestimmt ist, bei desien Bewältigung persönliche Wünsche des Reisenden und Feriengastes manchmal zurückgestellt werden müssen, läßi das langsamere Tempo des Winterbetriebes eine aufmerksamere Vebandlung des Gastes zu. Schon der Verkehr auf der Bahn vollzieht sich in ruhigere» Dahnen. Massenandrang und Kämpfe um die Sitzplätze sind fast ganz ausgeschaltet: der Reisende kann mit ziemlicher Sicherheil auf Bequemlichkeit in den Zügen rechnen. Auch die Bedienung in den Hotels und Gasthöfen ist nicht von der großen Hast getragen wie es während der Hochsaison der Fall sst. Das Hotelpersonal hat Zeit und Muße, sich eingehender den Gästen zu widmen: auch bei der Auswahl de» Zimmers kann auf persönliche' Wünsch« in jeder Weise Rücksicht genommen werden. Dazu bringt auch bei stark besetzten Häusern der Fremdenbetrieb nicht die große Unruhe wie im Sommer, wo an und für sich das Tempo beschwingter und unruhvoller sst. Alle diese Vorzüge trugen dazu bei. den Ferienaufenthalt im Winter in den deutschen Erholungsgebieten ganz erheblich zu steigern. Schließlich kam die Erkenntnis, daß die landschaftlichen Schönheiten der Gegend und ihre klimatischen Derhältnisie auch im Winter de- deutend genug sind, um Ausspannung und Erholung in der oer- schneiten Zeit zu rechtfertigen. Di« Erhabenheit der Natur wird nicht in dem Maß« von fremden Elementen gestört, wie im Sommer. Der Großstadtmensch fühlt sich inniger mit der Landschaft verwachsen, di« in dieser Zeit in den Mantel der Einsamkeil und Stille gehüllt ist. Di« Freude am Genießen wird nicht durch lauten Lärm unter- brachen. Im besten Sinne wirkt der Ferienaufenthalt auf Körper und Gemüt wohltuend.. Ehemals erfreute sich das winterliche Land, besonders di« Berg- welt, angeblich wegen ihrer Eintönigkeit und Oed« keiner großen Beliebtheit. Seitdem aber der Schneeschuhlauf seit einigen Jahr- zehnten auch in Deutschland heimisch wurde, führte diese Sportart zu den bisher verschlossenen Wundern des Winterreiche». Was ehedem unerreichbar war, weil die Zugänge versperrt waren, ist heute dank der Entwicklung dieses Sportes und des Ausbaues der Verkshrsmöglichkciten in greifbare Nähe gerückt. Der Mensch unseres Zeitalters unternimmt keine abenteuerlichen Streifzüge-mehr, wen» er sich in die deutschen Wintersportgobiete begibt. Die Bielgestaltig- keit des Charakters der Landschaft ermöglicht heut« auf jede Weise Zugänge in das geheimnisvoll« Schneebereich der Berge. So sonderten sich von selbst die zwei großen Gruppen in de» Schnee- 1 gebieten ob: Wintersportplätze und Winterkurorte. Der Wintersportler wird naturgemäß solche Orte bevor- zugen, an denen er ungehemmt seiner Sportart huldigen kann. Das Feld beherrscht überall der Ski. Seiner bemächtigt'« sich nur der Meister der Zunft, dem die roffimertesten Sprunghügel gerade gm genug sind, im kühnen Sprunglaus Gewandtheit und Mut zwischen Himmel und Erde zu erprobe». Auch die Mode bedient sich seiner gern« und benutzt ihn als willkommen« Staffage für kokette spart- lich« Versuch« aus der weißen Fläche. Die Hauptsache bleibt stets, wenn der gut« Wille gezeigl wird, an dem niemals gezweifelt Verden darf. So brachte das verschiedenartige Element des sportlichen Ernstes und der mehr oder weniger sportlichen Spielerei auch in die großen Winterplätze ein buntes Bild. Daneden sind die ausgesprochenen Winterkurort« Sammelpunkte für Genesmigsuchende und Kranke. Die ausgiebig« Stärke der Sonnenbestrahlung und di« Reinheit der Lust dienen nicht nur den angegriffenen Atmungsorganen: auch der Gesamtorganismus erfährt eme Belebung und Erfrsschung. Die Winterferien dürfen daher mit Recht in den Plänen«ine Dorrangstellung einnehmen. ltm die Oroschkeniarife. Kaum sind de» Bestimmungen de» neuen auf Drängen der Droschkenbesitzer zustand« gekommenen Droschkentaris» einige Wochen in Kraft, da wollen die Droschkenbesitzer wieder ein« Aenderung dieser Bcstimmungrn herbeiführen. Am Sonnabend vormittag er- schien«in« dreigliedrige Abardnung der Droschken- b e s i tz e r beim Polizeipräsidenten, um wegen einer Abänderung des neuen Droschkentarifs ooi stellig zu werden. Dabei ergab sich, daß über die gesv'-dert« Neuregelung nicht einmal bei dieser Abord- nung Uebereinstimmung herrschte, da von jedem der drei Herren verschiedene Wünsche vorgetragen wurden. Der Polizeipräsident mußte es jedoch aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen, irgend etwas an den Bestimmungen des neuen Droschkentarifs zu ändern, da bisher keinerlei Erfahrungen über die Auewirkungen der neuen Bestimmungen vorliegen, und zumindest erst Ale weiter« Enttoick» Uing abgewartet werden muh. Pfarrer Koch und die Tischlerinnuog. Wie„Die Fachzeitung", da» Organ der Vereinigten Ber- bändedsr Berl iner Holzindustrie, in ihrer Nummer<5 mitteilt, veranstaltet die Charlottenburger'.Tischlerinirung mm Mon- tog im-»lierfiartenhos" iinj Banne r w r ihe. was man ihr ja schiießlich nicht verargen kann. Die Bannerweihe' ist an sich genau so bedeutungslos wie dieses Zwerggebilde von Innung. Interessant ist aber das Programm dieser Baimerweihe. Der gut deuljch- nationale Obermeister dieser Innung hat di« Weihered« seinem Parteifreund P a e t h von dbr Berliner Tischlerinnung über- tragen. Wie aus der Bekanntmachung weiter zu ei sehen ist. wird ein von dem bekannten deutschnationolen Pastor Julius Koch verfaßter Prolog vorgetragen werden. Die enge Fühlung dieses deulschnatjonalen Seelenhüters mit dem Tischlerhandwerk ist etwas auffallend. Schon im Ebert-Prozeß im Jahre 1925 hat sich der Tischler S y r i g aus die Bekanntschcsl mit diesem Nestor berufen. Es ist nur schade, daß der Herr Pastor nicht persönlich erscheint 'und den Charlottenburger Tischlermeistern nachträglich'den Segen dafür erteilt, daß sie insolo« der von s:-in«n Parteiireunden herbeigeführten Avsbebung der Zwanaswirtick.mst für gewerbliche Räume kaum noch existierer» können. Aber es gibt Leute, di« niemals zu belehren sind. Der verband für Freidenkertum und Feuerbestattung hielt Im Gewerkschaftshause eine vom Hauptvorstande für den Bezirk Kreuzberg einberufene Mitgliederversammlung ab. Der Ge- schäftsführer, Genosse S i e ve r s, zeigte in einem sachlich gut auf- gebauten Referate die„Ausgaben und Ziele' der proletarischen Frei- denkerbewegrnrg. Er geißelte dabei säzors das Verhalten der Oppo- sition, den sogenannten„Entschiedenen Freidenkern', die wie überall auch hier im Verbände durch ihr gemeingesährliches Treiben im höchsten Grade verbandsschädigend wirken. Die kommunistische Presse, voran die„Rccke Fahne", läßt nichts unversucht, um durch fortlausende, systematische Hetzartikel die Verbandsleitung(weil sie sozialdemokratisch Ist) herunterzureißen. Es schweben aus diesem Grunde eine Reihe Strafversahren gegen die„Rote Fahne'. In der Diskussion marschierte die Opposition unter Führung des kommu- nistischen Stadtrates G» h l m a n n mit einer ganzen Rednergarnitur auf. Aber leider hatten sie nur Walzen in die Hand bekommen, die sich mit allem möglichem, mir nicht mit dem Referate de» Genossen Sievers beschäftigten. Ebensd wenig wurde Kritik weder an der Verbandsleitrmg noch an der Organisation selbst geübt und ebenso wenig ging man auf die Anschuldigungen gegen die„Rote Fahpe" ein. England ab 1. Januar 1928 visumfrci. Die deutsch-englische Vereinbarung über die Aufhebung de« Sichtvermerkszwanges sst gestern durssi Roten- austcrusch zwischen der deutschen Bosschaft und dem britischen Aus- wärtigen Amt vollzogen worden. Aezirtsblldaagiavischoh. Nächste Proletarische Feierstunde ain Montag, dem LS. Dezember, oormiltagS N Uhr, im Krohen Schaulpicl- hau»,»Au« dem Guckkasten d er Ä.a brhund er te*. Kuilurpolitisch- tatiritche Szenen, dargestellt von Mitgliedein de« Staatstbealers, Sladt- musikanten, Chöre des Arbeiter-Sängerbundes, Aniprache. Eintritts» vr eis l M. in allen belannleri LeilausSstellen. Freie Soztabstisch» hochlchnl«. Wegen Perhindernng de« Genossen F. N a p h a l t fällt der Semtnarabend am Dienstag, dem S. Dezember auS. -—■?' � Welkerdericht»er»ssenllichen Wetterdienststelle verlla and limgegend (Nachdr. oeib) Fortdauer des beständigen WellerS, Temperaturen wenig vciänderi, bei ichwachen iüdöstlichen Winden.— Für venljchlon»: Im Weuen Temperaturen zeitweise über Null, sonst aniialiendcr Frost bei wolkigem biS heilerem Weller. Weihnachtsausstellung der Kunstgemeinschast. Im Warenhaus' Joseph u. Co., Neukölln. Hot sich jetzt zur Weihnachtszeit ein kleiner Kunstsalon etabliert, die Kunstgemein- schaft, die neben Ihrer ständigen Ausstellung Im Schloß auch hier eine Reihe wirklich guter Bilder als weihnachtlichen Gefchenkarlikel in Vorschlag bringt. Durch einen möglichsl niedriggehaltenen Bildpreis und dessen Bezahlung in 2 4 Monatsroten— bei der 3. Rate tritt bereits das Eigentumsrecht ein soll jedem Ge- legenheit gebolen werden, in den Besitz von Originalwerken nam- haster Kunstgrößen zu gelangen. Künstler wie Prof. Käthe Kollwitz, Pros. Heinrich Zille, Hans Baluschek, Erich Waske u. a. m. gehören der Vereinigung an, die die Förderung des Kunstverständnisses und die Ausbreitung des Kunstvefitzes im deutschen Volk aus der einen Seite, die wirtschaftliche Unterstützung der Künstler aus der anderen Seite, erstrebt. Und wenn auch naturgemäß Geschenke nützlicher, rein realer Natur den Vorrang genießen, sy hegt doch manch einer den stillen Wunsch nach einem guten Bild. Die Ausstellung bietet eine interessante Fülle von Arbeiten aller Schulen und Richtungen. Zarte Stilleben neben wuchtigen Hafenplätzen mondän-schmissige Fi- gürchen und dann wieder die klobige Gestalt mit der schwieligen Arbeiterfaust, Zillee urwüchsige„Milljöh'-Studien und die leidvollen Mütter der Käthe Kollwitz, auf jedermanns Geschmack und Geldbeutel ist Rücksicht genommen. Die Mitglieder der Kunftgemeinschaft er- halten als Gratis-Weihnachtsgabe eine handsignierte Originalgraphit bekannter Kunstgrößen. Außer dem Bilderankaus oergibt die Kunst- gemeinschajt auch Abonnements, d. h. sie verleiht gegen Gebühr Bilder und Plastiken sür Theaterräume, Hotels usw. fjn Begriff: Cords und gut! 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Er ist aus den ersten Blick für seden, der die Ding« etwas näher ansieht, skandalös. Die Rheinisch-Westfölische Elektrizitätswerke A.< G., von der öffentlichen Hand durch Kopital. und Stimmenmacht ausreichend kontrolliert, ober von Dr. Vogler und einer ihm ergebenen Clique unbestritten beherrscht. verhandelt mit der ebenfalls von Dr. Lögler geführten und be- herrschten rein privaten 2l.-G. für Kohleverwertung in C ss e n über den Verkauf der RWE.-Ferngasleitungen an die A.-G. für Kohleoerwertung Di« SL-G. für Kohleoerwertung bestreitet nicht, daß der Abschluß des Verkaufsvertrag» ihr automalisch auch die Wegerechte übereignet, die das RWE. für feine Ferngasleitung besitzt, und zwar sowohl die durch Leitungen bereits ausgenutzten, als auch die noch nicht ausgenutzten Wögerechte. Das RWE. kann diese Tatsachen nicht bestreiten. Pflichtgemäß muß jedem Staat»- und Kommu- nalbeamten bekannt sein, daß die Derkoppelung des Verkaufs einer Rohrleitung mit der Uebereignung von Wegerechten eines öffentlich kontrollierten Werkes mit ernsten Konflikten verknüpst sein muß. Dennoch ist im A u f s i ch t s r a t des RWE., der weit überwiegend aus Staats- und Kommunalbeamten besteht. bisher noch kein Wider st and gegen die Pläne des Präsidiums laut geworden, da» jetzt zu allem Uoberfluß. um sich nach außen zu decken, da» mit der A�G. für Kohleverwertung oerhandelnd« Gremium um vier Kommunalvertreter erweitert hat. Ebenfowßnig haben da» preußische Handel». » i» i st e r i u m und die örtlichen Aufsichtsbehörden bisher die beteiligten Staats- und Kommunolbeamten an chre Der- anlworwng erinnert. Herr Dr. Lögler fühlt sich, sowohl für da, NWS. als auch für die A.-G. für Kohleverwertung, durch fein tmterirdisches Beelaflustuagssystem der Auffichlsrats- Mitglieder. durch die stille Zuneigung der hohen und höchsten Bureaukratie, durch die kluge Bindung gewesener und kommender parlamentarischer Führer so sicher, daß er nichts zu fürchten braucht. Unsere Informationen an Ort und Stelle haben uns ge- zeigt, daß man In Rheinland-Weftfalen dieses System der unter- ivdifchen Aushöhlung des Staatswillens und der Hoheitsrechte, der Dcrkehrung der öffentlichen Interesien in ihr Gegenteil schon für selbstverständlich hält, und zwar um so mehr, je mehr sich De- mokratie und Republik zu je st igen scheinen. Der zweite Fall, über den wir berichten müsien. ist noch skandalöser als der erst« und geeignet, mit erschreckender Beweiskraft den ersten zu erhärten. Es ist der an sich bekannte Fall der beiden Städte Duisburg und Düsseldorf, die mit der A.- Uhr tat Sekretariat. heute. Sonntag, 4. Dezember: Falkplatz H: Spaziergang. Treffpunkt liH Uhr Bahnhof Schönhauser Blle».— Lrchtersclde: Heim ANirechtslr.>«». Heimabend.— Spaudo»: Heim t'indenufer I. Sons»Reimonn»Bbeiid.— RenkZI» II: Fahrt Strausberg. Treff. Punkt 8 Uhr Kahnhof Renkölln.— Köpenick: Seim Griinauer Etrahe b. Seimabenb.— Reinickendorf-Oft: Heim Rcstdenzstraße. Heimabend.— Pankow. Rord: Heim Sörfchftr. I«. Heimabend. Werbe bezirk Osten: Die Abendveranstallvng in. der Aal« Frankfurter Allee fällt aus. BeefchiHd KnHImt Mm Äaeut Strahn«NUeksn�Ota*. Hei». erlffnuna 14 Uhr. Beginn SO Uhr. «erbe bezirk Sichtend« ra:»—12 Uhr Spiel and Sport«ttf dem»artellfport. Platz Upftalweg ITreorow-Allee). Treffpunkt» Uhr Treokaw-Alle« Seit Trist. stroße. 20 Uhr Heim Dossestr. 22. Politifch-satirischer Abend. Morgen, Montag. S. Dezember. 19H Uhr: Sinakrei«: Uebung pünktlich 10% Uhr im Lindenheim. Falkplatz II: Schule«Sreifenhagener Str. S8..Semeinlchast»nt Reform/' — Stralauer Viertel: Heim(boßlcrstr. 81,.Dos Bolkslied.— Friedenau: Heim Offenbachcr Str..°>». Mitgliederperfammlung.— Schineberg lll: Heim Hauptfir. IZ.„Gemeinschaftsleben in der Jugendbewegung."— aharlotte». burg-Rord: Seim Olbersstraße.„Peter Rofegger."— Adlerohof: Heim Roon- ftraße l«. Uebung zur Weihnachtsfeier.— Tempelhof: Heim Sermaniastr. t/8. Funktionärsitzung. Wocdelipro�rsmm äes Berliner Rundfunks. Sonntag, den 4. Dezember: ♦: MorrenWer. 1IJ»: vebeetrnron« QroBe* Schaosplefte«»: P«nk- dinlinte. 14.80: Stunde des Brietmarkeasnimnlers. 15: Die grobe Boden- benouunrserhebung 1927 und ihre Bedeutung kür Lnndwirtsduft und Qarteu- hau. 15.30: Uebertragnn* QroBes Schauspielhaus:„Die Abenteuer des Kapitän Funk". 19.05: Stunde des Journalisten. 19.30: Die Welt der deutschen Mystik. 20: Die Qeränschmuslk der gelben und schwarzen Rasse. 20.30: Konzert. 22.30: Tanzmusik. Montag, den 5. Dezember: 15.30: Der Sternenhimmel hn Monat Deiember. Ii: Wie scbOtzo ich mich gegen Diphtherie and ihre Folgen? 1630: Novellen. 1730: Unterhaltungsmusik- 1930; Das Massen- und Führerproblem in der modernen Ar- bciterschatt. 1955: Die Außerpolitik des XIX. Jahrhunderts. 2030: Violin- Vorträge. 21.15: Karl ROttger mm 50. Geburtslage. 2230: Im Winter(Lieder, Musikvorträge). Dienstag, den 6. Dezember: 12.30: Die Viertelstunde fOr de» Laadvirt.»30: Staad, mit Büchera. 16: Stimmungen und Neigungen des JugendUchco. 1630; Balladen. 17; Unterhaltungsmusik- 1938: Praktische Erziehnngslragen. 1938: Der Staat»nd seine Verwaltung. 20.10: Seodesplele;„Die Heilige", Musikalische Legende von Karl Hauptmann. .Mittwoch, den 7. Dezember; 15307 Bahnbrechende Friere. 16: Die WTtteroog 1927 and das Auftreten von Krankheiten and Schädlingen im Obst-, Gern, Ose. and Blumen garte». 16.30: Jugendbühne. 17: Unterhaltungsmusik. 1935: Hinter den Kulissen der Reklame. 1930: Deutsche Pioniere der Naturlorschung. 20: Sozialpolitische Umschau. 2030: Deutschland, das Herr Caropas. 21; Klarierwerke. 21.30: Karl-LSu e- Abend. 2230: Tanzmusik. Donnerstag, den 8. Dezember: 1230: Die Viertelstunde fflr de» Laadvfri»30: FrendspracUlche Vot- t-äge(Franzdsisch). 16.15: Jakob Kneip liest aas seinen Werken. II; Kon- rert. Danach: Unterhaltungsmusik. 19.05: Eisenbeton, der Baastofl der CiegenwarL 1930: Die Entwicklung de» Reparationsproblems bis zum Londoner Ultimatum. 20; Sendespiele:..Das Wundermädchcn ron Berlin", Drama tob Hanns Heinz Ewers. 2230: Funktanzstunde. Freitag, den 9. Dezember: 1530: AaswOchsa des Znrabewoau». tk Stund« mR BOebera»030: Unterhaltungsmusik. 19.08: Ilallentsek. 19.30: JOagste russisch« Dichtung. 16.55: Die moderne Industriewirtsehnlt. 2030: Syraphouiekoutert. 2230: Nachtmusik. Sonnabend, den 10, Dezember: 1230; Die Viertelstunde«r den taaiialii.»30: tat Auto kreuz und euer durch Nordamerika. 16: Der Blinde and die Künste. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Die Rohstoffe de» Alltags. 19.30: Selbstsucht und Menschenliebe. 19.55: Das deutsche Danzig und der deutsche Osten. 2030: ,Jdi schulte um.. eine Revue(Ars Ohr. Königs wusterh ausen. Sonntag, den 4. Dezember: Ab 9: UebertragD/if aas Bcrlia. W.3i: ScAachhmt. Ab II: Uebertracuif aus Berlin. 18: Die Dessaaer Idee. 183): Das deutsche Dorf. 19: Märcbca, Mythen und Legenden primitiver Völker. 19.30: Vorlesung ans Märchea und Legenden. Ab 20: Uebertragung aus Berlki. Montag, den 5. Dezember: 16: Gewissensbildnng. 17: Die politische« Partei«« ha Wandel ihrer Formen. 17.30: Zur Geschichte anscrer Kolturpilanfc«. 18.30: Englisch fflr Anfänger. 18�5: Versuchsringe und Wirtschaftsberatnng«nter besonderer Be- rücksichtigug der Arbeiten im Winter. 19.20: Einkaaf— Werbung— Verkauf. 20: Uebertragung aus Hamburg. Ab 22.3#: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, den 6. Dezember: 16; Berufsberatung. 1630: Deatseha ▼elki»— d« im UaterrkM. N: Die deutsche Geschichte bn Zeitalter der Rennlsaane« ad Relormatioa. 10; Wich. tieste Abänderungen und Eegbugungsn zum BGB. seit 1900. 18.30; Spanisch fflr Anfänger. 1838: Pbantas tische nnd grotesk« Dichtung. 19.20; Zeitgeschichte in Romarea. Ab 20.10; Ueberiragnog tot Berlin. Mittwoch, den 7. Dezember: 16: Amerika h» Spiegel seiner Sehnlem. 1630: FnazOsdact(kottorkand- lich-litcrarische Stunde). 17: Musik de* 14.«nd 18. Jahrhundevta. 1730: Die Violinsonate. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Hebctechnik. 18.30: Französisch für Anfänger. 18.58: Der Großhandel im Kampf um seine Existenz. 19.20; Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte, 19.45; Amerikanischer Hnmor. Ab 21: Uebertragung aus Bctlia. Donnerstag, den 8. Dezember: 14; Eriiehnnzsberatnng. 1630: An dem Freu 81 seh« Kuituamtulsterlom 17: Uebertragung aus Berlin. 18; Das bflrgerliche Mittelalter. 18-30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Die Reichsvorführungen rem Rübeuerutenma�chinen im Herbst 1927. 19.20: Schwedische und finulsche Volkslieder. Ab 20; Uebertragung aus Berlin. Freitag, den 9. Dezember: 16; Die gesundheitliebe Bedeutgut utoeu uBgehdoderteu KuumUuuig. 16.30; Sprechtechnik. 17: Das bürgerliche Mittelalter. 1730: Madene Schveil- technik. 1830: Englisch fflr Anfänger. 1538: Die Entwicklung der KoWeei- wlrtschsft seit der Vorkriegszeit. 19.20: Wissenschaftlieher Vortrug für Aerzte. 20; Uebertragung ans Stuttgart. Ab 2230: Uebertragung ans Berlin. Sonnabend, den 10. Dezember: 16: Karzschrlltdiktatn. 16.30: BerofsWiduuistran* im Sanriaad. Dl Der Krankenpflegedlen st in Arbeit and Beruf. 1730: Soziologie der Frauen arbeit 18: Technischer Lehrgang fflr Facharbeiter. 1830: Franzflsisch füg Fort. geschrittene. 18.55: Englisch für Fortgeschrittene. 19.20: Bildungsideal und Weltanschauung. Ab 2030: Uebertragnng ans Berlin. Bern Du», das Hans der»che»«che», teuwunefcantutftr. tl, oerau startet in her Zeit POM 5. di» 10. Desenaber«ine So:3erau»itelluag in Rilchen nnd Weißmöbeln. Sine unverbindliche Lagerbesichtigung ist fedem in dieser Zeit besonder«»u empfehlen, da die ffirma trotz mertnoller Ware ihre Preise so gestellt hat, daß eine Besichtigung bestimmt zum Kauf führt. Weihnachtagescheitle stnd eine doppelt« Freude für den Geber sowohl wie »r den Smpfangenden. Die wichtigste Frage ist die Nützlichkeit und der Wert de» Geschenkes. Teppich«, Läufersioffe, Brücken, Gardinen, Dekoratinnen, Tisch. und Diwandecken, Daunen., Schlaf, und Reisedecken sind in jedem Jahr die begehriesten der Geschenkartikel, weil sie nicht allein Freude bereiten, sondern auch ungemein nützlich sind. Die Firma Teppich Barsch. Berlin S, Spandauer Straße 52, dos große SpezialHaus dieser Branche, bietet an Auswahl und Preiswiirdigkeit wie immer Außergewöhnliches. Dort findet man die richtigen Weihnachtsgeschenke. Di« Zeit der Tranbenernte Ist»nrbei. Damit hört auch die täglich frisch« K-Iterung des Tranbenmustes auf. Um aber nicht auf diese begeistert aus. genommene Attraktion nrrzichtrn zu müssen, bereitet das Berliner ilonzerthau», Mauerstraße, bekannt als der Slou, von heute ab Apfelmost. Bor den Augen des Publikums werden also frische Aepfel gemahlen, in der Weinkelter gepreßt und in Most perwandelk. Als Motto liest man treffend:„Goldnen Apfels stischer Saft gibt uns Frohsinn, Lust und Jlraft." Sine» große» W-ihnachtsoerkonf kündet dos bekannte»anfhon, Hahn-m «lezanbeeplatz im heutigen Inserat unserer Zeitung an. In Anbetrad>t, daß uns nur eine kurze Zeit noch oom W-ihnachtsfest teennt und di- letzten Woche» stets einen großen Andrang bringen, kann nur dringend empfohlen werden, schon letzt mit dem Sinlauf der Festgeschenke im Kaufhaus Sahn am Alerander. Platz zu beginnen. Graße Auswahl und ertra billige Preise in allen Ab. teilungen erleichtern es, das Richtig- zu wählen und große Weihnachtsfreuden zu bereiten. Unier Li»terbanM. Rinderherjen jubeln, wenn am Weihnacht-ab-nd der festlich geschmückte Shristbaum im Lichterglan, erstrahlt. Die schönste Stunde des Jahres ist gekommen, das Fest der Liebe ist da. Henke denkt die Hausfrau nicht mehr mit Sorgen an die Tücken der Stearin- oder Wachskerzen, an die Feuergefährlichkeit, die Ilnfauberkeit und Unbequemlidikeit dieser neratteten Wachskerzenbeleuchtung. Der Christbanm hat an den technischen Fortschritten In den letzten Jahren teilgenommen. Hente stnd die Weihnachtslichter elektrisch Es droht nicht mehr die Gefahr, daß die Zweige des Baumes Feuer fangen,' daß das Weihnachtsfest durch einen Gardinenbrand gestört wird. Kein herab. tropfendes Bachs gefährdet mehr die schönen Dinge, die unter dem Bannt liegen. Die Unbeauemlichkeiten, dl- die d-n-rnde Beaufllchtigung der olk'n brennenden ZSach«ker,enflammen mit sich bringen, und alle anderen großen und kleinen Katastrophen der peralieten Wackr-ker-enbeleuchtuna sind durch die moderne Technik»berwunden. Die neuen eleltrischen Osram.Gheistbaumkerzrn unterscheiden sich in Form und Farbe nicht von ben Wachskerzen, und ihr milder Lichterschein kommt dem früheren Schein der Wachskerzen vollkomm-n nahe. Deshalb denlt an Weihnachten nnd sorgt für elektrische Osrgm.�hrist. baumdeleiichtung! zz.— Was schenke ich a»«eihnuchteok ist wohl die Frage, di- henke mehr oder meniger uns olle beschäftigt Die Firma Vertrieb non Erzeugnissen sächllscher Gardinensabriken Johann Pellot u. Eo. G. m. b. S. bringt im bentigen Infe. ratentell Gardinen. Sonderangebote, die sich als Festnestbenke besonders eianen. Die Sortimente, di- die Firma in ihren 1l eigenen Filialen zmn Verlans stellt. stnd unübertroffen an Auswahl, Geschmack und Preiswürdiakeit: es ist daher zu empfehlen, oor Anschaffuna neuer Gardinen. Bettdecken»lw. die Aus- Nellung sowie die Läger der Firma zu besichtigen. Wir oerweisen aus das Inserat in der heutigen Nummer. Die Firm» Eitn-Fun«, Harry Heese, Berlin D 34, Kopernikusstr. 5, empfiehlt speziell den Dopvelröhrenapparat Dr. Seibt mit FlSibenlautlorrcher Seora zu bem Breile ron 125 M. in zehn Monatsraten. 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Sdelgeräten und Uhren fällt die Wahl:„Was soll ich zu Weihnachten schenken?* nicht schwer. Man findet für die Dome, für den Herrn, für die Braut, für den Bräutigam, für Mädchen und Knaben ent. zückende Schmuck, und Gebranchsartikel non der billigsten bis zur höchsten Preis. lag«. Uhren, Schmuck und Edelgeräte behalten bleibenden Wert und bereiten am meisten Freude. Z» gelchmockosleo«eihnocht«Packungen bringt die Zigarettenfabrik Enoer Bey ibre beliebten Marien heraus. Dieselben zeichnen sich durch ihre gelunge. neu Mischungen ganz besonders aus. Ihr Duft, Blume und Würze find unüberttefflich. rj besonders geeignet: W Hausschuhe, elegante Pantoffel, SchJfipfer, J Strümpfe, Gamaschen, Pelzstlefel MÄWMWW« om hl • VT?'., t-T�Ss' im Freua e ms äs kam icft mir wü en 18.- Bettbezüge fertuenaht, ao» Gradel gestreift Satin) 1 Obarbett. Gr. 130x200 cm 2 Kissen, Gr. 82*82 cm M. aus mlttelstarkfädigem Wäsche- �* Stoff................ 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Freunde sagen mir, daß die Behauptungen dieses Organs ganz unerheblich feien, trotzdem glaube>6) hier feststellen zu müssen, daß der erwähnte Artikel nicht einmal den Versuch unternimmt, die behauptete „Fälschung" nachzuweisen. Es ist auch nicht richtig, daß das damals von mir zitierte Satzstück für meine Stellung zu den Kriegskrediten im Jahre 1914 ausschlaggebend war. Liel stärker hat auf mich eingewirkt die Stellungnahme von Engels und Marx zu dem Streit wegen der Kriegsanleihe, der im Jahre 1Y7» bei Zlusbruch des deutsch-französischen Krieges in der Partei der Eisenacher entstanden war. Dieser geschichtliche Vorgang ist auch heute noch sehr interessant. Bebel und Liebknecht hatten Stimmenthaltung geübt, während der in Braunschweig sitzende Ausschuß der Partei, Wilhelm Bracke und Genossen,„angesichts der Tatsache, daß der$|rieg von Frankreich erklärt war", ebenso wie die Lassalleaner, für die Kredite eintrat. Zu diesem Streit nahmen Marx und Engels Stellung. Am 15. Zluguft 1870 schrieb Engels an Marx: „Mir scheint der Kasus so zu liegen: Deutschland ist durch Badinguet(Spitzname für Napoleon III.) in einen Kamps um seine national« Existenz hineingeritten. Umerliegt es gegen Badinguet, so- ist der Bonapartismu« auf Jahre gefestigt und Deutschland aus Jahre, vielleicht auf Generationen, kaputt. Von einer selbständigen deutschen Arbeiterbewegung ist dann auch kein« Red« mehr, der Kampf um Herstellung der nationalen Existenz absorbiert dann alles... Die ganz« Masse des deutschen Boltes aller Klassen hat eingesehen, daß es sich eben um die nationale Existenz in erster Linie handelt, und Ist darum sofort eingesprungen. Daß eine deutsch« politische Partei unter diesen Umständen a la Wilhelm(Liebknecht) die wtale Obstruktion predigen und allerhand Nebenrücksichten setzen (kamt), scheint mir unmöglich... Ich meine, die Leute können: 1. sich der nationalen Bewegung anschließen— wie stark sie ist. siehst Du aus Kugelmanns Brief— soweit und solange sie sich aus B«rtsidigung Deutschlands beschränkt(was die Osicnsive bis zum Frieden unter Umständen nicht ausschließt), 2. den Unterschied zwischen den deutlch. nationalen Interessen Mich den dynastisch-preußischen dabei betonen. &. jeder Annexion von Elsaß und Lothringen entgegenwirken... 4. sobald in Paris«ine republitonische, nicht chauvinistische Re- gieruug am Ruder, auf ehrenvollen Frieden mit ihr hinwirken, ti. die Einheit der Interessen der deutschen und französischen Arbeit»?, die den Krieg nicht gebilligt haben und die sich auch nicht bekriegen, fortwährend hervorheben, K. Rußland wie in der internationalen Adresse(das heißt: Be» tonung des Interesses des zaristischen Rußland an der Uneinigkeit d«S westlichen Europa)." So Friedrich Engels, und Karl Marx antwortete ihm am 17. August 1870: „Dein Brief stimmt ganz mit der Antwort überein, die ich mir im Kopf bereiis zurechtgemacht. Indes wollte ich in einer so wichtigen Sache nicht vargeheu ohne vorherige Rücksprache mit Dir. Liebknecht schließt seine Uebereinstimmung mit mir 1. aus der Adresse der Internatlonale, 2. aus dem Umstand, daß ich seine und Bebels Erklärung im Reichstag gebilligt habe. Das war ein„Moment", wo die Prinzipienreiterei un acte 6c conranc(eine mutige Tat) war, woraus aber keineswegs folgt, daß dieser Moment fortdauert, und noch viel weniger, daß d'e Stellung des deutschen Proletariats in einem Krieg«, der national geworden ist, sich in Wilhelms(Liebknecht) Antipathie gegen Preuh«n zusammenfaßt." Marx und Engels standen also den Braunschweigern und Lassalleanrrn damals näher als ihrem Freunde Lieb- Der„Vorwärts" ist das Blatt der Kopf» und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! Ich abonniere den.Vorwärts" mit der illustrierten � Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen .Unterhaltung und Wissen". ,AuS der Filmwelt", j .Frauenstimme"., Der Kinderfreund",.Jugend-< Vorwärts"..Blick in die Bücherwelt" und.Kultur-$ arbeit" in Groß-Berlin täglich zweimal frei ins Haus.' (Monatlich 3 Goldmark, wöchentlich 70 Goldpfemiig). Rame: Wohnung: Straße Nr. vorn Hof— Quergebäude— Seitenflügel _ Treppen links— recht» Ausgefüllt einzusenden an die Expedition de»„Vorwärts", Berlin 2W. S8. Lindenstraße S. knecht. Beiläufig gesagt, ist das die schlagendste Widerlegung des Gehetzes der Nationalisten über den„Marxismus als Doktrin des Landesverrats" wie auch der lächerlichen Ab- leitusig der sozialistischen Kreditbewilligung vom„Revisionis- mue". Auf inich hatten die zitierten Briefe einen über- wältigenden Eindruck gemacht, und sie waren für meine Hal- tung im August 1914 bestimmend. Mein Revisionismus hat mich ober nicht gehindert, drei Monate später zu erklären, daß ich meine Zustimmung für den schwersten politischeit Fehler meines Lebens halte. Weil die lson mir zitierten Aussprüche von Engels und die bolschewistische Auslegung der Marx-Eitgelsichen Lehre nicht passen, wird mir unterschoben, sie �gefälscht" zu haben. Man kann die Abstimmung vom 4. August 1914 angesichts ihrer Wirkung wie immer beurteilen, niemand kann jedoch bestreiten, daß sie in dem, was die Bolschewisten als Sozial- Patriotismus verächtlich zu machen lieben, in nicht einer Hin- ficht auch nur um Haaresbreite das übertrifft, was Marc und Engels unter den Verhältnissen ihrer Zeil für gerecht- fertigt, wenn nicht angezeigt erklärt halten. Im zweiten oder dritten Jahr des Weltkrieges wurde von Parteigängern des Bolschewismus gegen Sozialisten, die im Interesse der Verteidigung Kriegskrcdite bewilligt hatten, der Ausdruck„Sozialpalrioten" geprägt. Ich habe mich schon damals— als Gegner der Bewilligung von Kriegskrediten bei militaristischer Führung und imperialistischer Kriegsziel-. jetzung— gegen den Gebrauch dieses Wortes gewandt und betont, daß der Patriotismus keineswegs etwas von vornherein Verwerfliches sei, er könne im Gegenteil auch unter dem Gesichtspunkte des Internationalismus etwas durchaus Edles und Eitzpfrhlenswertes sein. Nicht o b jemand Patriot sei, sonder», 1v i e er es sei, komme für das politische Wert- urteil � Betracht. Natürlich ist trotzdem bei den Bolschewisten und ihre» Mitläufern das Wort„Sozialparriot" ein Schimpfwort ge- blieben. Wenn sie es dafür hallen, gönnen wir es ihnen, lein vernünftiger Mensch wird sich dadurch beirren lassen. Aber dann sollen sie aufhören, sich Marxisten zu nennen. Denn, hätten andere geschrieben, wie 1870 Marx und Engels» sie hch)tfn es mildem größten Aufwand sittlicher Entrüstung in Bausch und Bog al�„frechsten Sozialpätriotismus "öeri en oerdammt! Jluf«tznMSMM/Sch der englifch cemuforhe 'AinaqtfcU KetSitWImel GerVraadrenllT�/2i qaotenüb-OeiTiWncf* Es ist nicht so leicht, den Zeitgeschmack zu be friedigen. Die Menschen sind heute aufgeklärt, verwöhnt/ Was den Zigarettenraucher betrifft, haben wir immer wieder versucht die Gleichgültigen aufzurütteln. Uns ist jeder wirklich verwöhnte Raucher besonders willkommen. Denn man muß schon etwas vom Tabak verstehen, umMassary-Privat und alle ihre Vorzüge richtig einzuschätzen./ Nie wurde der Geschmack des anspruchsvollen Gegenwartsrauchers so gut getroffen, wie mit dieser überlegenen, unerreichten 4- Pfg.« Zigarette. »MaMwy-Jinvad 4-$ Ohne Mundstück.- und mit Goldmundstück WeibnacMs- Extra'9n$ebo(e! eppidie Diwane 685 is50" i«150» TiSClÄ l75 550w* 85» SlgppÄ i2"i750w»135» TüljSsei&S65?50«* 85- ReisiÄO 878lZ78d'-l?5- ScbiaÄ! 1S° 588d.. 95. lZeiilzevez IpvvWiisli« UfUUV Emil efivre I G. m. b. II. Berlin S. Seil 1882 nur ©ranlfitsir, 158 Wir babea Leine Filialen! SpzlBi�ldlo� heslenlos. liinungskraohenkasse der Tischler-Innung zq Berlin Einladung «jt ordentli' e» Ausschuhfitzung der Ber- trete�delAasfenmilgürderNnd llerInnungs- mttglieder am Mo ta», dem 12. Dezem der>»27. um lü Uhr(8 Uhr abends>, im ü>i'Izarbeiler>Verbandshans Rungesir 30, im Sitzungssaal, EeiicnftUgei(parterre). Tagesordnung� l Berign des Boistandes. 2 Beschluß satsung über den vom Vorstand ausge- nrUten Aoranlchlag liir da» Jahr 1928 3 ZSahl des Rechnungsausschnsse» stur Vn1>una der Iahresrechnung 1927. 4?e. fchtuh assung iides die geänderte Wahl» ordnutlg S. Verschiedenes. Die Vertreter werden noch besonders durch schristtiche Benachrichtung eingetaden ?er Vor st and Liio Gronau. Voeschender. Richard Witting. Schriiisührer. Wr& Tomt-Momum �NWWWWiK��WWWWsW Allgemeine Ortskrankenkasse für H.iümaißüunflsbojirt XI d. Stadt Berlin 'SciiKnederg-�rlellenau. Am. Montag, dem 12. Dezember»927. ohpad» 7 Uhr, findet im Gnmnastuin EtÄn eÄrndstrage 77. Schbneber'it. eine ordeutl. Sluöschu�sitzung statt) Zu der die Ausichutzmitgiieder hier- mii eingeladen werden Tagesorlmnngi I. Vortrag ntr wissenschasuichem Film 2. Bericht über die KeschäNstoge. 3. Nach- bewjlkigungen zuni Haushaitanschlag für da» Jade 1927. 1. iägus.iattanschiag für das Jattr 19:8 ä Waht- der Prüier der Iahresrechnnng 1927 8 uassenangeiegen- heilen—?te iZitznng ist nicht offcntuch. Berlin-Echbneoerg, den 2. Dez. 1927. Der Vor ü a n d. A. ö ch u 1 d t, Vorsitzender. vberstt xu haben! Ele«giAnf u n d d o c hu bequem I B i 1 I i q.s t e Hau s w ä sch e*' Nettle gegen Haarausfall ärztlich verordnet und empfohlen. Vom Leipziger Schulamt beglaubigte Urkunde. 20 000 Dankschreiben. In Kliniken und Krankenhäusern nur mit Erfolg angewendet. Nettle beseitigt jeden Haarausfall sofort, wenn nach Gebrauchsanweisung verwendet wird.— Flasclje 2, 3 und 4 Mk. Erhältlich in allen Kaufhäusern Hermann Tietz. SffiÄ«A«««-WM 80 WeiOeaSnräer Str. 80 7'/,—!0. 3-. 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Die Ortsverwaltung macht ausdrücklich d raus ansmerlsam. daß die fesiaetetzien !ermtnc emgebaUen werden müffrn und daß Nachzügler te nesweg« berücksicht.gt werden können. Jede ReAamatton ist üb-rsiütstg- Zur besonderen Beachtung; DicienigenUnterftÜtzungsberechtigten.du: im Lorjahr leine Wcihnachlsmarie geklebt baben, icheiden laut Besch uß der Generaiveriammiung vom 14 März 1927 vom Bezug der Weihnachisunlersiütznng ans. Arante oder Erwerbslose, die den Nachweis der Erwerbslosigkeit erbringen, sailcn nicht unter dielen Beschluß Sp'elplan unserer Anitatablcilung. Zu der Boche vom 5. dt» ll. Dezember t 1 Die Weber. 2. Ranarax— Rauchgasprüser. 3. Antiquitäten(Humor). Zu der Woche vom 12. bl» 13. Dezember: 1. Waidmannssahc(Deutich Iagdfiim). 2. Großkraiiwett Ktingenderg.' 3. Mairoienstreiche(Humoreske) Zn der Boche vom i9. bis 23 Dezember: 1. Da» Werden des Menschen'von der Empsangnis bis zur Geburl). Hersteller Cob-Zilm, Kurfürsten» dämm I4it.°>. UtWir- Für Jugendliche verboten. 2. Maschinenschau Leipzig. U Teil. S. Ein Ainderparadies. Zu der Boche vvm 27. bis 31. Dezember: 1. Das Werden des Menschen(von See Emosängnis bis zur G-butt). Herüelker: t!od»Ftim, Auriürücn- dämm 14 15. IWM- Für Jugendliche verboten. 2. Maschinenschau Leipzig 2 Teil. In der Woche vom 2. bis 8. Januar 192S: 1. Der Schachsvieier(Der Gefangene einer Kailerta). 2. Maschinen! chan Leipzig 3 Teil. (Deuitche Werkzeugmatchinen» Zn- duftrie). 3. Daier reudeu. In der Wiche vom 9. bis 15. Januar 1928: 1 Die ietzien Tage von Pomvesi. 2. Aus der Tropensonne in die Em irrer Maschine. 3..Humoreste. RKM- Dazu für irde Borftellung die neueste Wochenschau mii einer Einlage. Anfragen wegen Uebertaffung und Besuch der Adietiung sind ie>ephonisch oder ichrist- .Ich an das Bureau. Zkutlurableilung, tu richten. DI« 0r».vermol>nna Gonniag 4. Dezember 4 927 Äus öer Die Filme der Woche. *»Zar und Dichter.� (phoebus- Palast.) �Die wirklichen Vorgänoe. denen der Film folgt, wirken, als ob •ie Scribe oder ein anderer Verfasser stereotyper Jntrigenstücke er- binden hätte. Zar Nikolaus I. und der große russische Dichter Puschkin 'ind erbitterte Gegner, aber der allmächtige Zar wagt nichts gegen iemen Widersacher zu unternehinen, der in der Petersburger Gesell- chast und beim Volk allzu beliebt ist. Deshalb kommt er aus den Gedanken, die platonische Liebschaft zwischen Puschkins Frau und dem Vorön Dantes auf solidere Grundlage zu stellen. Höflinge ebnen den Weg und benachrichtigen dann durch anonyme Briefe den Dichter. folgt das Duell, bei dem Puschkin erschossen wird. Das geschah om llZ. Februar 1837. Di? drei mit dieser Tragödie verknüpften Per- 'l'nen sind in psychologischer Bezsehung interessant Baron Dantes, Gardeosiizier und Fraucnjäger, war auch literarisch gebildet, ein -einer Geist, der Puschkin außerordentlich hoch schätzte. Die Frau lirbte ihren Mann, den die Natur mit einer grotesken Häßlichkeit ausgestattet hatte, wie einen Vater. Davon weiß dieser russische Film uichts, er pereiniacht die Menschen. Dantes ist nur der schöne Mann, ler aristokratische Frauenbezwinger, der Windhund, und die Wo- � o d t k a bleibt derart starr im Ausdruck, daß der Zuschauer über- laupt keine Gefühlsregung an ihr bemerken kann, sie wirkt wie eine .Zphinx ohne Geheimnis E? kommt dem Russen allein darauf an, die Willkür, die Gemeinheit und feige Heuchelei des Zaren unter Zcheinwerferbeleuchtung zu stellen. Aus diesem Grunde schickt der Zar dem sterbenden Puschkin seinen Leibarzt, der aber nur einen von Niederträchtigkeiten strotzenden Brief dem Dichter überreicht. Diesen Vorgang kennt keine Puschkin-Biographie. Es ist möglich, daß in Rußland dieser Film stärker wirkt als bei uns, denn die Russen ver- müpsen mit dem Namen Puschkin ganz andere Assoziationen, er ist dort ein strahlender Talisman. Wir stehen dieser Geschichte kritischer gegenüber. Für denjenigen, der Puschkins Werke, etwa die„Pique T'ame" oder den„Eugen Onegin", nicht kennt, bleibt es unersindlich, n>orin die Bedeutung des Mannes liegen soll. Man sieht den Schau- pieler Tscherwiakow finster blicken, mit wallendem Mantel und -nst Napoleongesten spazieren gehen und fühlt sich erst in dsr Todes- iiene erschüttert. Die Dichterpose im Lord Byronschen Stil macht den aroßen Dichter, das Genie noch nicht glaubhaft, dieses ist im Film überhaupt nicht ausdrückbar. Es entsteht also eine im Grunde all- täglich« Geschichte, die vollkommen in den Traditionen chrer Zeit ver- aastet bleibt, und die uns wenig erschüttert. Hinzukommt, daß der Regisseur W. R. G a r d i n zu stark das dekorative Moment betont, er belasttet die Handlung mit Milieuszenen, die allerdings von male- riichem Reiz sind, die Handlung jedoch unerträglich dehnen. Die Nei- gung der Russen, ins Breite zu gehen, zeigt sich hier deutlich. Dabei kann der Film mit künstlerisch vollendeten Details aufwarten. Gut aesthen ist der Kontrast der schlittenfahrenden Hofgesellschaft mit dem Wjell zwischen Puschkin und Dantes. Dort.fällt ein höchst gleichgültiger Graf mit seiner Dame in den Schnee und hier bricht Ruß- iands größter Dichter tödlich getroffen zusammen Fabelhaft ist der Maskenball inszeniert. Zlber das alles und auch K a r e n i n s Meisterleistung als Zar kann die Enttäuschung über diesen Film nicht ausgleichen.> F. S. ,Laura La plante.� (UT. Kurfursteadamm, Tauentzienpalast.) Laura La Plante ist im Gegensatz zu den meisten Lustspiel- Darstellerinnen des amerikanischen Films nicht das süße Mädchen, das sich nur durch die Winzigkest seines Mundes und die Größe der Guckäugelchen bemerkbar macht, sie charakterisiert wirklich und beherrscht«ine ganze Skala der Mimik vom holdesten Lächeln bis zum bittersten Wemen mst ungezählten Zwischcnstusen. Diese Woche bat man das Vergnügen, sie gleich in zwei Filmen zu sehen, in denen sie die ausschlaggebende Rolle spielt. In den„Se i de n o n Strümpfen" im UT. Kurfürstendamm ist Laura tie ewig unzufrieden« junge Ehefrau, die dauernd mit ibrem Mann, einer wirklichen«eele von Menschen, im Streit ist. Als sie gar am Tage der Wiederkehr ihrer Hochzeit in seiner Tasche seidene Strümpfe entdeckt, getragene seidene Strümpfe, die ihm ohne sein Wissen ein Spaßvogel von einem Mädchen dahinein pral- nziert hat, da gibt es kein Halten mehr für sie, sie besteht auf Scheidung. Wunderbar ist mm die Szene vor dem Scheidungs- nck-ter. Laura entfaltet hier eine Virtuosität, die kaum chresaleicken hat. Sie schildert das arme Opfer ihrer Che in den düstersten Farben. Sie behauptet nicht nur, daß er ein Spieler ist, sondern sie führt ihn als Spieler dem Richter in einer Weise vor. daß jeder ihr glauben muß. Ja, und ein Verschwender und ein Roh- ling ist er auch! Laura siegt auf der ganzen Linie, aber die Reue iolot bald, und sie gibt nicht Ruhe, bis sie hen lieben guten Kerl wieder eingefangen hat. Es gibt dabei sehr gehäufte Verwicklungen und ein namenloses Durcheinander in Hotelzimmern und Betten, der sie weiß ihren Willen durchzusetzen. Der Regisseur R u g g le s hat das richtige Tempo für dies Lustspiel gefunden. Im Tauentzienpalast gibt man»Fräulein Laura, seine Ö i t w e". Auch in diesem Film gewinnt Laura das Treffen, wenn sie auch nicht so viel Gelegenhit hat, saure Gesichter zu machen, sondern sich auf die trauernde Witwe einstellen muß. Sie will nämlich ihren Bater, einem vor dem Bankrott stehenden Bersiche- runasaoentcn, eine einträgliche Police beschaffen und gibt sich zu diesem Zwecke als die Witwe eines Afrikaforschers aus, der von de« Kannibalen aufgefressen sein soll. Der reiche Frennd des Verstor- denen, eben der, den sie für die Versicherung gewinnen will, nimmt sich ihrer huldvollst an und bringt sie in der Wohnung unter, die er für den Zurückerwarteten eingerichtet hatte. Natürlich lebt der angeblich Gestorbene noch und siedest sich in der gleichen Wohnung an. Da der Freund nur eine Treppe tiefer wohnt, ergibt sich ein ergötzliches Dulcbciiionder und Versteckspiel. Laura mimt abwech- selnd die trauernde Witwe und die von den Werbimgen der beiden Männer Geschmeichelte. Das übliche Luxusleben in Restaurants und Tanzdielen nimmt einen breiten Raum ein, bis das Endziel er- reicht ist und Laura und der Afrikaner sich in den Armen liegen. Dem Regisseur M. W e b b ist allerlei eingefallen, was den geraden Lauf der Handlung aufmunternd unterbricht. Laura im Bad wird im Spiegel gezeigt und der Afrikaner ohne Hosen, was auf dem Trcppenflur zu allerhand netten Szenen führt. Die Kameralxistung ist in diesem wie im vorhergehende« Film ausgezeichnet und auch die deutsche Bearbeitung in beiden recht gut. D. „Schwere Jungen— Leichte Mädchen." (primus-palast.) Unzweifelhaft liegt eine große Gefahr in der Beliebcheik. Hein- rich Zille ist auf dem besten Wege, der Spaßmacher für Berliu PZ zu werden. Diesmal nahm man einen Roman als Dorloae, mochte aus ihm«inen Zllle-Film und wählte für diesen einen völlig unzu- treffenden Tstel. Der reiche Junge mit dem lauteren Charakter steht im Vordergrund. Der verwöhnt« Sprößling zeigt aus Liebe zur Frau oder sagen wir lieber in launenhafter Aufwallung, daß er sich selbst sein Biot verdienen kann. So gerät er in das Zille-Milieu. V-eie Frauenherzen fliegen ihm zu, weil sie es spüren, daß er etwas „Besseres" ist. Doch er verlobt sich allen Filmregeln entgegen nicht, da ihm die Wahl zu schwer fällt. Und den ganzen Film hindurch wird dos Thema von der rauhen Schale und dem guten Kern in so und so vielen Abänderungen behandell. Oftmals steigt bedenklicher- weise die Erinnerung an Wochenendzauber auf. Alles in allem wird jedes Geschehen zu solcher aalglatten Angelegenheit, es klingt auch nicht einen Augenblick eine soziale Anklage heraus. Die Wohltätig- keit der Reichen ist aller Weisheit A. und O. Zudem gehen auch noch neun Zehntel aller Heiterkest des Films vom Text aus. Der Regisseur Karl B o e f e ist Zilles Illustrator, aber er illu- striert nicht Zilles Zeichnungen, sondern den Text, der unter diesen Zeichnungen steht. Das ist schade um Boese. Arbettet er so weiter, liegt bei ihm die Gefahr nahe, daß er vom filmischen Sehen zur aus- schließlicben Kunst gewerblicher Ausmalung des Details gelangt. Gustav Fröhlick machte in seiner kraftstrotzenden Unbekümmert- best den reichen Jungen z» einer sympathischen Figur. Renate Brausewetter und Lissi Arno waren gut als zwei ganz verschieden geartete, aber in sich geschlossene Frauennaturen. Das Vremierenpublikum kargte mit dem Beifall nicht, der in erster Linie Zille galt. e. d. „Der falsche Prinz." (Gmelka-Palast.) Die Neberschrift könnte heißen:„Mein Kind, kein Engel ist so rein!" Der überaus sympathische Harry Domela wird hier einer gründlichen, moralischen Reinigung unterzogen. Kein I'eckchen bleibt aus seinem Ehrenschild. Hella Mosa und Heinz Paul, der auch Regi führt, haben alles Anstößige aus dem prachtvollen Buch Domelas herausgesiebt. Em aus seinem kurländischen Erd- reich Entwurzelter sucht ehrlich in Deutschland Arbeit, findet sie auch hin und wieder, aber immer oertreibt chn die Bosheit der anderen. Auch in die Prinzengescklichte schliddert er völlig unschuldig hinein. Um chn weht eben die Tragik, des Schlemihls. Und doch ist für die meisten Harry Domela mehr. In ihm lebt etwas non dem schar- nianten Abenteurer aller Zeiten. Und immer stehen die Sympathien des Publikums auf festen des Abenteurers, der aus eigener Kraft aussteigt, der die Menschen bei ihren lächerlichen Schwächen anpackt. Domela verliert in dieser Filmbearbeitung an Format. Alle Ro- niankik wird aus seinem Leben sorgfältig ausradiert. Der erste Teil des Films zeigt uns diese schwere Schule und erst bei der klein- städtischen Fürstengefchichte wird er leichter, graziöser, witziger. Schade, ein prachtvoller Groteskstoff wird hier verschandelt. Eine Satire des Lebens wird mit Rücksicht aus den Kassenersolg die Spitze abgebogen. Gerade auf die erbärmliche Dummhest der Speichellecker hätte der Hauptakzent gelegt werden muffen. Rur P e n d o w zeigt, was aus diesem Stoff hätte gemacht werden können. Sonst rückt der Regisseur Heinz Paul das Düster«, Lastende in den Vordergrund. Domela selbst spielt den Domela, er ist etwas zu herb und verschlossen, zu verschüchterst aber um seinen Muttd spielt manchmal ein höhnisches Lächeln, nur diskret angedeutet: das beweist, wie dieser hoffnungsvolle junge Mann hätte verwendet werden müssen. Trotz seiner Feighest und Schwäche weist dieser deutsche Film Wege ms Neuland, denn er hat sich von einem Schema gelöst, das in banaler Liebesangelegenheil gewöhnlich erstickt. F.S. Beilage des Vorwärts »Gesetze der Liebe." (Äeba-palast.) Dieser Film der Huniboldt-Filmgeselljchast führt den Unter» tstel„Aus der Mappe eines Sexualforschers" Das Manuskript stammt von Dr. Magnus Hirschfsld und Dr. H. Beck. Der erste Teil führt das Liebesleben in der Natur vor in mehreren Kapsteln, in denen das Suchen und Finden der Geschlechter, die innere mst) äußere Befruchtung, die Brutpflege und Mutterliebe geschildert werden. Daran schließt sich eine Darstellung des Zwischengeschlechts, und zum Schluß sollte die Tragödie eines Homosexuellen geboten werden. Aber die Zensur hat einen Strich durch" die Rechnung gemacht, schon die sexuellen Zwi'chenstufen konnten nur in Licht- bildern gezeigt werden und die Tragödie wurde total verboten. Da der Film die Bekämpfung des§ 175 bezweckt, mußte das er- läuternd« Wort an Stelle der unmittelbar dramatischen Wirkung treten. Die Vorführung klang aus in der Propaganda sür hie Eingabe des wissenschofttich-humanitären Komitees, die bekannter- maßen von vielen Naturfxrschern, Juristen, Politikern und Künstlern unterzeichnet ist. Obwphl der Film so einigermaßen verstümmelt ist, bleibt immer- hin noch genug Gutes an ihm, das seinen Besuch lohnt. Die Geschlechts- und Mutterliebe als das Leit- und Lechmotiv aller Lebewesen wird durch ihn anschaulich vor Augen geführt. Ein reiches Material wird geboten, das sichef zum Teil nur mst großen Schwierigkeiten und großer Geduld der Natur abgelauscht werhen konnte. Das Liebeswerben der Tiere wird an vielen Lciipielen erörtert, man sieht den Frosch, der seine Schall blase aushlast oder das Eidechsemnannchen,' das das Weibchen anbeißt, odex die rasende Tonzmaus. Die seltsamen Wege, die die Natur pst ein- schlägt, um die äußere oder innere Befruchtung zu erzielen, werden durch lehrreiche Beispiele illustriert. Di« rührende Fürsorge für die Brut wird uns an dem Pillendreher und den Ameisen, di« ihr« Larven an der Sonne trocknen demonstriert Wunderbar war das Bild, wie die kleine Grasmücke das riesige Kuckucksjunge groß- sükkert. Auch die Lichtbilder, die di« mannigfachen Zwischensrufe« zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht vorführten, sind sicher in der großen Oesfenllickkeit wenig bekannt. Und doch ver- dienen sie allgemeines Interesse, um Austlärung in die weitesten Kreise zu tragen, damit falsche Dorurteile und törichte Gesetzes- Paragraphen aus der Well geschafft werden. r. »petronella." (Seba. Palast.) „Ein Film der wildromantischen alpinen Gletscherwelt nach dem gleichnamigen Roman von Joh. Iegerlehner", so lautete die Ankün- digung. Man erwartete sehr viele gute Landschaftsaufnohmen. Man bekommt auch einige wirklich schöne Landschaften zu sehen, denn an der Kamera stand Alfred Hansen und erfüllte mit wirklichem Ge- schick seine Aufgaben, doch bekommt man nicht genug von der Land- jchaft zu sehen. Soviel an landschaftlichen Reizen wie dieser Film bringt Mancher mittlere Spielfilm, ohne deshalb gleich als alpine Sehenswürdigkeit hingestellt zu werden. Das Manuskript belastet den Film stark mit hochdramatischcn Momenten. Es wird geschildert, wie die Schweizer sich den napaleo- nischen Raupzügen mutvoll und erfolgreich widersetzten. Hernach sieht man dann, wie die Dorfeinwohner, die einig in der Abwehr waren, sich einander gar böse schikanieren. Es kommt viel Unglück übers Dorf, verschuldetes und unverschuldetes. Und da man die Gründe nicht in menschlicher Unzulänglichkeit und in eigenen Fehlern sucht, muß es auf das Fehlen der Kirchenglocke, mit Namen„Pclronella". zurückzuführen sein. Vor den Franzosen sollte sie in Sicher- best gebracht werden und fand dabei mit ihren beiden Trägern ein Grab im ewigen Eise, Doch endlich wird Petronella gesunden, und dos übliche Filmliebespaar bildet den Abschluß. Inzwischen wird noch manches Einzelschicksal breit, mit vielen hochdrcunatischen Akzenten erzählt. Manchmal ist ein starker Eindruck nicht zu leugnen. denn Hanns Schwarz konnte über die Darsteller wie Maly Del- s ch a f t» Frida Richard, Wilhelm D i e t e r l e, Oscar Ha» molka. Theodor Laos, Georg John, Rudolf Petting er. Uwe Jens K r a f f t oerfikgen. Deren Können und Routine verhalf natürlich mancher Szene zur Geltung. Doch find die Menschen von heute durch Krieg. Inflation und Arbeitslosigkeit durch Höllen gejagt, sie kennen den Kampf um die nächste Mahlzeit: für sie ist die Betnih- nis um eine verschwundene Kirchcnglockc kein aufrüttelndes Erlebnis.___ eh. »Aus der Heimat des Golfstroms." D»e Hamburg- Amerika-Linie veranstaltet neyeMngs Propogandanlme, die mit den von ihren Dampfern berührten Ländern bekannt machen und gleichzeitig aus die Vorzüge chrer Schiffe und Routen hinweisen sollen. Der zweite der von ihr ver- anloßten Filme gilt Mitielamerika mst seinen Inseln und Festland- staaten. soweit sie vom Golistrom bespült werden. Ausgiebig wird zunächst Hqmburg und sein Hasen vorgeführt, dann geht die Reise, auf der wir in ungezwungener Weise mit dem Leben an Bord TAGLICH 51', 71', 91' SONNTAGS 3", 5'. T 9" 3. Woche REGIE: F. W. MURNAU fCied von zwei fflen/chen NoDeodorf NM Vorrcrkanf H-I Manuskript: Carl Mayer. Frei nach der Novelle „Die Reise nach Tilsit" von H. Sudermann mit George O'Brien— Janet Gaynor Bauten: Rochus diese vertiout gemacht werden, nach der Insel Trinidad lind v»n da weiter nach La Guayra in Venezuela und Puerto Cabello: die dolländische Insel Curacao, Puerto Columbia werden angelaufen. chieran schlieft sich ein« eingehend« Vesichtigung des Panama kanals, der in seineni gan.zen technischen Aufbau gezeigt wird. Der Cirv und Ausgangshaien des Kanals werden besucht, und dann«in Ab- stecher nach Port Ämon in Costa Rico unternommen. Bilder aus chapanna und Trickbilder über die Entstehung des Golfstromes be- schlicken den Film. Obwohl überall in die ziemlich eintönigen An- sichten der Häfen Bilder aus dem Volksleben und aus der wirt- fchastlichen Struktur des betreffenden Landes eingestreut find, so bleibt das Ganze doch ziemlich belanglos und wenig ergiebig. Auch die Wirtschaftsbilder, die etwa Kakaoplantagen, Zuckerrohranbau, die Eewlnnung und Verarbeitung der Kokosnuß, Kaffeeoerladung sowie Ägbgk- und Ananasanpflanzungen betreffen, gehen nicht genug inst, zpinzelne, um die Aufmerksamkeit zu fesseln. Die ganze Bedeutung des Golfftromes für Europa hätte viel lebendiger de- monstriert wcVden können. Mag so auch mancherlei an diesem Film lruszuseßen sein, so ist doch die Idee im ganzen fruchtbar und ver- dieiN weiteren Ausbau._ r. » Schlachtenbummler." (Marmorhaus.) Dieser Film ist ein Schulbeispiel für allerechtest« Filmkunst. Inhaltlich erzählt er oon zwei amerikanischen Jungen?, die noch dem Kriege aus dem Gefangenenlager ausrücken. Sie torkeln oon einem Abenteuer ins andere, find unzertrennliche, aufopfernde Freuud« und tun sich trohdem fast jeden Augenblick einen Schabernack an. Je weiter die Lorgange von der Erzählungsmöglichkeit abrücken, desto filmischer werden sie. Levis M illst an« ist ein Regisseur von Können, er hat Kultur. er hat Freud« an der Parodie und Sinn für treffsicheren u>ü» bc- rechtigtcn Spott. Mary Astor bringt viel natürlichen Liebreiz mit, der nur etwas verblaßt, wenn man ihr Gesicht gar zu scharf Im Profil sieht. Immerhin freut man sich mit. wenn einer der Schlachten bummler dieses zarte Wesen„heimfuhrt". Louis W o l h e i m und William B o y d spielten die beiden Kaineraden einfach glänzend. Sie waren ein paar ellbogenstarke, von keinem Wellschmerz ange kränkelte, amerikanisch�Iungens, die sich eben überall durchsetzen und selbst ein ungerechtes Schicksal korrigieren.— g. MW Tl in Sdiiffbnertiniii 3 Uhr: Volks bixh ne ldeiw in Sülovplih 3 Uhr; Kabale n. Liebe TV, Uhr Peer Opt Der cematllche Kommiutr 8 Uhr Schieber des Rahms C ASIN O-THEATER» um Loihrlnger Str. 37 Klein Kleftersdorf! � Ausschneiden! Gutschein 1—4 Pers. Fauteull nur 1,10 M., Sessel nur 1,60 M 8 s Drei(OiDtlnal) Fraiellini und andere weltbcrühmic, zun» ersten Male in Berlin aal« tretende Iniemalionale Start Sonnabends u. Sonntags le 2 VorslellnnSen 1»«. I Uhr- 3» M«rmäßiglM PrslMK da,|a»a Programm. ßentsöiesTtieaiei Norden 1 0334— 37 8 U finde 11 U. Pcmflüa Äncenram v.Qcrh. Hauptmann Max Reinhardt Kamnerspiefe Norden 10334—37 Uhr: Bronx-Expreft HcmMi«» Oisip Pini* ReKic:Hcin»Hilpert Die Komödie Bismarck 2414: 75ir S'l.U, Ende 10'/, U. Die Elie Ton Weit KtnUl, na!i»»> Cnri üigl,: kan'tr Unmrpj Berliner Tteitir Direktion Kuhnett. CtoMlnsti.M 9I.Wnh.l70 Täglich a Uhr Max Adalbert In„Knock out" Hans Brausewetter. Piscatorbflhne lbnt. a. aillinilirfplit) Kurfürst 2001 03 Anf.«, Ende nach II aaspoHn. di? Romanivs. dir Krieg und dis Vnlk. du gigen sie aufstand von Alexey Tolstoi und Schtschegolew msc. Erwin Piscatar Oroßei Sdiaüipißto, Dia neaa CHARBLL- Inaarnle. nng mit Baz Palltnberg Ulla Georg Bends« Jankubn Szöke Szakall Verkme sler ffeslermeier Jackson Bous SnnsBine Girls Ausst Prof. Stern Dlrig. Dr. Römer Mittw.. Sonnab, Sonntag naehmitt. TUhr Kinderrevue Kapit&n Funk mit Alfred Braun Kleine Preise. Torverkant io-« mir Ein heiterer Zille-Film mit � UsslArna, flusl. Frttlillch, Fritx Kampers Wochentags: a. y,»Uhr• Sonntags: J-u.J.F.SUIhr Auf der Bühne; Ciaire Waldoff Primwa- Palast. Potutamer aitraic c 19 IHALLER |järevde,;*,«;| , Wann und wo' TNEIT»« kOVUMLSPtUST HEUTE I Sonntagt- Vorst. 3 u.S1, U. ' Nachm. die ganie Vorst. ' zw halben Preisen jeden Mit. woeb und sonaabendl 3V, Uhr: Hlrcnen-Ravue w AEChen brddel"( KAISERALLEE CCKE BERLINER STRAi Inh.: Harbarl Polka igssttiMiioo UFA-PALAST Aftoltantaga 7, 0« -»im tag» S, 7, 9« M02&RTSAAL .Vaobentagt 7, St» ianataga 5, 7, 0'» FRIEORICHSTfL Vfocnentag* 7,!I Sannabend nnd Sinning 6, 7, ö turhstrasse Wochentag« 7. 9 Sonntags 5. 7. B KüNIGSTAOT Wochen.ags 7. 8 So*nntags 5. 7 9 ALEXANDERPL. Wocnnnta]» 7, 9 Sonntag» L 7, 9 WEINBERGSWEG Wochentags 7, 9 Sonntags 5, 7. 9 FRIEDRiCHSHAlN Wochentags 7. 9 Sonntags 5, 7, 9 WEISSENSEE Woenontag» f.tn Sonntag» 4', B», gu Harold Lloyd Dieerwaciiendi Sphinx Parsönl-cb. Vortrag «an Dr. Col.n Rata lugclidl'Oie ml. Zutillt Chang Jogtndl. kuli. Zutritt Chang Juguadl. buk. Zutritt Chang lagudliehe Dal. Zutritt Hennj Porten Die groBe Pause Hennj Portio Die große Paus« BUhnenschm Chang Jugudi.huh. Zutritt LUian Horvti Die tolle Lola Buhnenaehau * ÜBERALL UFA WOCHCNSCH&U etronella Regia: Hanns Schwärs In dan Hauptrollet: Maly DeCschaft Wilhelm Dieterle Oskar Homolka TNsodor Laos Gsorg John Frida Richard BQhnentall: Lucio Kieselhuusen der beliebte Tanzstar Paul O'Montla mondäner Chansonnier 2 Caligaria Excontriks von Weitruf WocKentggs: 7"J 91- Sonntags 8°° T00 9" Vorverkauf ab N Ukr. Sonntag, den 4. Dezember vormittag» UV, Uhr. Dar bclsplclloaa Erfolg! T«ue n der B«M t all! Clalre Waldoff_ ganz neue Chansons ucklich, weint und fllegtl Prof. Wiesen thal ert linier stürm. Heiterkeit:| Tantt und sineti - mltl Tara Kany MgggBh Thealer am Kollbusser Tor Kottbusser StraUe 6. TJglich i U. u. Sonntagnehm. 3 L. Elite- Sänger Wundervolles Waihaachtaprorramm. 1 VolKsproisc von 50 PI. bis 2.3» M Stgs. u. 1. 11. 2. Feienag nehm. 3 v tiroSe famuien-TorsteUnas Volles Programm.— Kieme Preise. Trianon-Th. TägL SV. Uhr: Oastspiel ErlKa fl Ulsan er Grctchen Firlgtnd!idliBidil,«l�il. 'onnUe.nchm.dC'hr Zum letzten Maie: Max u. Moritz u. Kasperle-Tbeaier Nene« Theater am Zoo Täglich 8 Uhr Die Hotelratte Operette v.Bromme hallaJheater Täglich 8 Uhr: Oer rote Hahn Kona—Dlr. C. d> E. Ebaer| äUttwocb, 7. Dezember, S Ubr, Phllbarmonla( Lieder, and ArUnabend K1EPURA Am Blüthnerflügel; Prof. J. Dobrowen Jan ICiepura singt Aul den MuslkplAttcn der Weltmarken Odeon u. Pariophon Bote Je Bock, Wertticlm 1 Weitere Kleine 1* AUrakl.und Neabcflen! isel ElnUB; Uhr 6.30. Berniter lllk-TriO Neukölln,«7 lahnslr. 74,761 ■ Konzert dir. Erleb R. Sacka, W50, Regcnsburger Str. 23| PHILHARMONIE Donneratag, dan S. Dezember, abends S Ubrs Elnführuogskoozert<1. Sooder-Varanataltung). Peradnllcbca Erscheinen des Rclchstagsprlzldentsv und anderer RegleranzspersSallchkeltan zugcsagL Das verstUrkte Pfilitiurmnnisciie Orchester oir. ARTH U R MOLIN AR so, MARIA SCHREKER Progr.t Beethoven-Sinfonie. Nr. V, C-moll, Opem-Arlen. Lieder.— Rieh. StrauS: Don Juan. „BÜRGER-KONZERTE-VEREINIGllNG" unter dem PlOUiat üb lani liWWlZMM Uli Republiken. Vereinigung zur Pflege volkstümlicher Orchestermusik. Förderung sozial-kultureller Interessen und Unterstützung der WohliabrUkasse des Reichsbanners Schwarz Rot-Gold, Anfragen an die Gcscblftsstelle der.,B. K. V.*»i Berlin W.SO, Regensburger Straße 23. Karten bei Bote 4 Bock, Wertheim Imsaitr-MtM» rh.Könlziräiz St, Bergm. 21ia 8— 10.15 Uhr; Gustav III von Strlndberg. 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Bedenklich sei die zunehmende Spannung zwischen den hochentwickelten Winschafl-gebiete» und dem armen Hinter- land. Die Reform der Verwaltung fei auch ohne Zentralismus möglich. Abg. llrbahns(L. Komm.) führt aus, daß die Haltung der sowjetrussischen Delegation in Genf aller marxistischen Erkenntnis Hohn spreche. Durch den russischen Antrag auf Ab» rüstung würden nur die pazifistischen Illusionen gestärkt. Die Sowjetvertreter wüßten auch nichts anderes zu sagen, als was die Vertreter der zweiten Internationale schon gesagt hätten. Ueberhaupt habe eine besondere kommunistische Znternatio- nale neben der sozialistischen keine Berechtigung mehr. Di« Einstellung der Sowjctrussen wirke auch aus die Politik der deutschen Kommunisten zurück. Was Herr Koeuen gestern gesagt habe, das sei nichts anderes gewesen als eine Wiederholung dessen, was man von der Sozialdemokratie gehört habe. .°>ö Minuten lang habe er über die Auswirkung der Rationalisierung gesprochen, als ob das nicht ein« Teilerschcinung des gesamten kapitalistischen Systems fei, nichts aber habe er darüber gesagt, wie der Komps gegen das Kapital geführt werden solle. Im (Segenteil, er habe sich dessen gerühmt, daß die Lohnkämpf: der letzten Zeit unter kommunistischem Einfluß gestanden hätten, las 'sei aber ein besonderes Armutszeugnis für die Kommunisten, denn sie hätten damit zugegeben, daß sie ge- meiusam mit der Sozialdemokralischen Peirtei und den Gcwcrk- schdten die klampse abgewii'gt hätten. Der Redner ruft seinen früheren kommuuistisck-en Freunden zu: Ihr leistet Zutreiberdienste für eure lünstigen ftoalitionsbnider, die Sozialdemokraten, wir allein verkörpern die kommunistische Vcwegung in Deutschland. (Lärm b. d. Komm.) Abg. Graf zu Revenllow(Rot.-Soz.) behauptet, daß der Brief des Reparatiorsagcntcn die völlige Aufhebung der deutschen Sou- »eränität bedeute. Der Optiiniemus des Rsichswirtschaitsministers fei in den Tatsachen nicht begründet. Die deutsche Wirtschost sei heute schon an dos ausländische Kapital und an den Marxisinus ausgeliefert. Abg. Schröder-Mecklenburg(Volk.) meint, daß die Schulden- wirtschast der Kommunen zu bekämpfen sei, aber 5>err Schacht babe durch seine Politik selbst dazu beigetragen, daß sie eine solche Ausdehnung genommen habe. Am besten' sei es, den Gemeinden das Recht der Erhebung der Einkommensteuern zu übertragen. Abg. Vachmann(Dnat.) führt aus, daß die Landwirt- s ch c s t, ebenso wie der Hau-besig mit Steuern und Abgaben über- lastet sei. Eine Rentabilität sei dort nicht mehr zu erzielen. Dat. (Heiterkeit.) Ich erinnere nicht daran, daß andere Regirrungen ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden hatten, so die Regie- rung, der der Minister R a t h e n a u angehörte, der allerdings diese Schwierigkeiten mit seinem Leben bezahlen mußt«, wahrend die Herren, die jetzt in der Regierung sind, wenigstens bis zu den nächsten Wahlen ihres Lebens sicher sind. Auch das Kabinett Stresemann l)otte größere Schwierigkeiten zu überwinden, als es damals galt, de» Ruhrkampf abzubauen und die Währung zu stabilisieren, ohne Hilfe vom Ausland.» Die Kkagen deö Arbeitsminifters über die Schwierig- keiten des jetzigen Kabinetts bedeuten nichts anderes als das Geständnis, das: die jetzige iReglerung mit den Schwierigkeiten nicht fertig werden kann. Diese Feststellung steht im strikten Gegensatz zu der Versicherung der Regierung bei ihrem Antritt, daß sie mit starker 5? a n d las Schicksal des deutschen Volkes lenken wolle. Soweit Schwierig- keiten vorhanden sind, hat die Regierung sie zum großen Teil selbst oerschuldet. Die ganze Diskussion, die jetzt über das Reparationsproblem ausgebrochen ist, hat eigentlich gar keinen Sinn. Wir werden diele Frage vielleicht aufrollen können, wenn die Wahlen in Frank- reich, England und in Amerika vorüber sind, und wenn dort, wie auch bei uns in Deutschland, sich das Gewicht der Politik mehr nach links neigt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Frage des Reparationsproblems ist aufgerollt worden durch unbesonnene Aeußernngen der Regierungsparteien. Es hat vor allem im Aus- lande Erstaunen hervorgerusen, als der Reichsfinanz- m i n i st e r Köhler erklärte, er wisse nicht, wie er die steigenden Lasten ausbringen könne. Er hat damit zwar die inneren Lasten gemeint, aber im Auslande mußte der Eindruck entstehen, daß die Leistungen aus dem Reparotionsabkommen in Gefahr seien. Dadurch erst äst die Aufmerksamkeit des Repara- tionsagenten geweckt worden. Statt rechtzeitig mit zu verhandeln, ist nichts getan worden, man hat den Reparationsagenten sogar noch veranlaßt, eine schriftliche Note zu schickem Gegenüber einigen Aeusterungen in der deutschnatio- nalen Presse stellen wir fest: die falsche Taktik der Reichsregierung hat den Reparationsagenten erst in die Rolle des Beraters gedrängt. Cr selbst hat gesagt, daß ihm diese Rolle nicht zustehe. Das müssen wir ausdrücklich unterstreichen. Wir haben kernen Kontrolleur, wir haben keinen Berater der deutschen Finanzen, wir haben keinen Dr. Zimmermann.(Sehr richtig! bei den Soz) Im Dawes-Abtommen sind seine Ausgaben'und seine Vrrpslich- tunken genau bezeichnet. Wir haben objektive Garantien gegeben, es ist also kein Raum für die Forderung subjektiver Garantien vorhanden. Der deutschnationale Reichsfinanzmimster©ch Ii eben hat ja über unsere Verpilichtungen hinaus. den,- Repara tions- a g c n i e n n o ch 300 Millionen jährlich zugeführt. An unserer Erfüllungtzbereitschaft ist nicht zu mäkeln, wir sind in keiner Weise in Verzug geblieben. Allerdings das eine möchte ich dem Herrn Reichssinanzminister sagen: Die Axt im Hause erspart 'den Dr. Zimmermann.(Heiterkeit.) Und-an dieser Axt hat es gesehlt. Ich kann wohl im Namen des ganzen Haukes sagen, daß keine Partei dulden wird, daß das Gleickgewicht im Budget in Ge- fahr, gerät. Aber das kann uns nicht davon abl>ali«n. an dqm Haushalt Kritik zu üben und wir werden uns bei unserer Kritik cber-iowcirio guf den Reparationscgentei, stützen, wie aus das aus- ländische Finanzkapital, und da stellen wir sest: Die Finanzpolitik der jetzigen Regierung genügt nicht den strengen Anforderungen, die wir stellen müssen. Wir werden dafür sorgen, daß Abstriche am Reichs- etat gemacht werden, allerdings an den richtigen Stellen und nicht dort, wo die Erfüllung sozialer Forderungen gefährdet werden kann. Wir haben im Budget noch Reserven, die sofoxt aktiv gemacht werden können, freilich nicht' In dem Sinne,.wie beim Finanz- rnisgleich, wo die Bürgerblockrcgierung besonder« Rü,cksicht auf die kleine FrakUon der Bayerischen D ol kS'p'a rt e ö genommen' hat, weil sonst eine Mehrheitsbildung unmöglich gewesen wäre. Diese Konzession hat uns nicht nur die berechtigte Kritik des Inlandes, sondern auch die Einmischung �jes Aus- l a n d e s eingetragen. Die Schwarzmalerei des Finan.zministers war falsch, namentlich für ein Land wie Deutschland, das auf aus- ländisch«' Anleihen angewiesen ist. Der Reichssinanzm'tiister' M allerdings einen starken Milderungsgrund, und der heißt Dr. Schacht. Machen wir uns doch klar, worum es sich ökonomisch handelt. Die Annahme ist falsch, daß im Auelande Geld ge- liehen werden müsse, um die Gläubiger zu bezahlen. Die Gelder im Auslande wurden aufgenommen, um die deutsche Wirt- schaft wieder auszubauen und ihren Ertrag zu steigern. Es handelt sich aber letzt nicht mehr um die Beschasiuna von Be- triebskapital wie im Jahre 1924, was uns jetzt fehlt ist Anlagekapital für unsere Wirtschast. Um welche Summen handelt es sich dabei? Heliferich hat vor dem Kriege ausgerechnet, daß alljährlich 3 Milliarden Mark neu investiert werden müßten. Be- rücksichtint man chi« Entwertung des Geldes, so müßten wir jetzt mit einem Bedarf von 12 Milliarden jährlich für Jnvestie- rangen rechnen. Und das gilt für eine normale W i r t j ch a i t. Bis 1021 war ober die deutsch« Wirtschaft außerordentlich zurück- geblieben, es müssen jetzt viel größere Summen investiert werden, um das Versäumte wieder einzuholen. Es ist deshalb ein Wahnsinn. Teutschland vom ans» ländischen Anleiheniarkt abzusperren und den dcut- schen Kredit im Auslande zu erschüttern. Es handelt sich dabei auch nicht nur um die Höhe der Summe, sondern um das Tempo. Die Russen haben mit Stolz erklärt, daß sie jetzt ihre Produktion in> Umfange von 1013 wiederhergestellt hätten. Ob das richtig ist, will ich nicht untersuchen. Ader was unjere Produktion von der russischen Produktion grundlegend unter- scheidet, das ist die Tatsache, daß Rußland seine Produktions- mittel viel teurer bezahlen muß als wir, daß infolgedessen seine Produktion zwei- bis dreifach so teuer ist, wie die Well- Marktproduktion. Das macht die russische Industrie zur. Kon- k u r r e n z unfähig, und es muß sich durch Hochschutzzölle vom Zlurlande absperren. Rußland muß seinen Ausbau vornehmen mit de» Resten, die es bei sich überall zusammcnllauben muß, wir aber brauchen m ö g l i ch st rasch Kapital zu A n l a g e z w e ck e n, um un- sxre Konkurrenzsähigkeit wiederherzustellen. Dieser rasche Aufbau v?or ja auch die Lorausjetzung für das Dawes-Ab- kommen. , Wozu stutz nun tzie im Ausland aufgenommenen" Summe» verwendet worden? Nachdem diese dumme Rede in Bochum geHallen worden ist,, erscheint es besonders notwendig, darauf hinzuweisen, daß seit 1924 der Wiederausbocu der deutschen Flolie erfolgt ist, und daß auch die deutsche Eisenindustrie auf modernster Grundlage aufgebaut wurde. Die Sohlenwirtschast in Deutschland ist wieder rentabel, sie ist es als die einzige in Europa. In der chemischen Jndust.ie haben wir Leistungen vollbracht. die die Bewunderung der Welt aus sich gezogen hat. Darum müssen wir sagen, daß die Auslandsanleihen richtig verwendet worden sind und daß kein Grund dazu besteht, an der Sicherheit des uns geliehenen Kapitals zu zweifeln. Die Auslandsanleihen sind zu einer Zeit nach Deutschland ge- flössen, wo unser inländischer Markt gelähmt ist. Es handelt sich dabei um eine unnatürliche Lähmung, herbeigeführt durch die falsche Politik des Reichsbankprösidenten. E? war wohl richtig, die Spekulation an den Börsen einzudämmen, aber die Methoden, die der Reichsbankpräsident dabei angewandt hat, waren falsch. Er hat sich nicht um die Ausführung seines Planes gekümmert, sondern das den einzelnen Banken überlassen. Damit hat der Reichsbankpräsident die schwere Schädi- gung unseres Kapitalmarkts mit zu verantworten. Es ist nicht unsere Schuld, daß wir hier die Debatte hftr- über noch einmal führen müssen. Wir hielten die Angelegenheit schon durch die Aussprache mit Dr. Schacht im Haushallsau: schuß für erledigt, aber unsere Erwartungen sind enttäuscht worden durch die Brandrede, die der Reichsbankpräsident in Bochum gegen die öffentliche Wirtschaft und gegen den össentlichen Kredit gehalten hat.(Sehr wahr! links.) Nachträglich hat er den Versuch ge- macht, die Rede abzuschwächen, und er beschuldiete die P-elle zu Unrecht der Senfaiionshascherei. Aber es inußte Sensation er- wecken, wenn der Präsident der Reichsbank erklärt, daß die deut- schen Kommunen nicht an den Auslandsmarkt gehen brauchten. wenn sie ihre Luxusausgaben unterlassen würden. Der Präsident des deutschen Städtetage?, Herr Dr. Mulert, hat dem Reichcbankprgsideiiten aus leine Rede oeanlwortct, und diese Antwort hat im Gegensatz zu der. Rede des Herrn Dr. Schrickt Zahlen und Tatsachen enthalten.. Herr Dr. S ch a ck t ist d'e Ant- wort darauf schuldig geblieben. Der„Manchester Guardian" hat einmal gesagt, daß die Sachverständigen die Finan- zon aller Länder einmal durchleuchten sollten. Diesem Raischlage bin ich gefolgt. Ich habe das Budget der Stadt New Nork mit dem der Stadt Berlin verglichen. � New Bork hat ein Budget von 513 Millionen Dollar, über 2MirliarVeti Mark. 30 proz. der Ausgaben entfallen auf den Schuldendlcnst, dabei handelt es sich keineswegs um produktive Anlagen, die die amerikanischen Städte gar nicht kennen, sondern ausschließlich um de» Zinsendienst für Anleihen, die für reine Per- waltungszwecke aufgenommen worden sind. New Dork Hot 20 7NN- lienen Dollar ausgegeben, allein für die Suboentiooiemna der llnlergrundbahnen, die erklärt haben, daß sie bei den jetzigen Tari- fen eine Erweiterung ohne Suboenrionierung nicht vornehmen könnten. Das ist auch ein Vorzug der privaten Betriebe, daß sie öffentlich unterstützt werden müssen.(Sehr gut! bei den Soz.) Das Berliner Budget umsaßt 930 Millionen. Berlin hat nur 000 Millionen lanasrislige Scheiden, für den Zinsendienst hat es im ganzen 40 Millionen Mark jährlich aufzubringen. Wie glücklich wären die amerikanische» Städte, wen» sie solche geringen Summen für Zinsen zu zahlen hätten. Dabei werden diese 40 Milliono», die Berlin zu zahlen hat. dopp«lt und dreifach aus den wi tscha't- lichen Anlagen herausgeholt.(Zuruf bei den Soz.: Die Schacht kaputtmachen will.) Wir müssen vom Reichsbankpräsidentsn verlangen, daß er nickt mehr spricht, als notwendig ist, und daß er sich vorher mit dem notwendigen Material versorg». Wir stellen ihm zu diesem Zweck sehr ge'.m den Dienst unserer Forjchungsstelle für Wirtirbaftspolitit zur Verfügung. Ob Berlin das große Kraftwerk Klingen- v e r g bauen oder den Strom aus dem Braunkohlenrevier beziehen sollte, iiKici strittig sein, aber diese Frage ist von den Sochverstöndi- gen zugunsten des Berliner Werks entschieden worden. Wir müsten dabei aber doch bedenken, welche Summen den ausführenden Fir- mcn, wie die AEG., Siemens u. Hakske» zur Beschaffung von Material für die Beschäftigung der Arbolter zugeslosse» sind, vor allen Dingen aber steht fest, daß das Werk gebaut werden mußte, um den steigenden Bedarf, zu decken. Bor dem Kriege hat man es allerdings anders ge- macht, damals mußte die Industrie vielfach die Ge- meinden finanzieren, während heute die Städte oft die in ihrem Gediet ansässigen Industrien durch Finan- zierung erhalten helfen. Die Stadt Düsseldorf wollte eine Rheinbrücke bauen, die Beratungsstelle hat die Apfnahme einer Anleihe abgelehnt. weil dieser Bau nicht produktiv sei. Die Brücke wird jetzt von den Vereinigten Stahlwerken grbaul, die zu diesem Zweck eine An'cihe oasgenommen haben, was man der Stadt Düsseldorf verweigert hat. Die Prwatindustrie baut diese Brücke, aber sie wird viel teurer, als wenn sie die Stadt Düsseldorf selbst errichtet hätte.(Zuruf links: Das war der Zweck der llcbung!) Im Gegensatz zu' der Behauptung, daß die öffentlichen Kredite den privaten Krediten Konkurrenz machten, müssen wir feststellen, bcig Me 8f f entX4(f)en KSrp«rschaften in Deutschland von jeher die Schrittmacher für die Industrie auf dem An» leihemartt gewesen sind. Die öffentlichen Körperschaften nehmen ihre Anleihen auch zu wesentlich günstigeren Bedingungen aus als die private Wirtschaft das machen kann. Gegenüber dem Auslande müssen wir sagen: Wir sind so kreditwürdig, wie wir es nur je waren, wir sind es um so mehr, als die Spartätigkeit in Deutschland beträchtlich zugenommen hat. Der Zufluß an Sparanlagen ist größer als jemals vor dem Kriege und dabei handelt es sich um echte Anlagen. Es wird bei uns ge- spart, es wird unten gespart, aber die Luxusausgaben bei den oberen Schichten könnten eingeschränkt werden.(Sehr richtig! links.) Ein Volk, das sich so herausgearbeitet hat, darf nicht dulden, daß sein Kredit, daß seine Arbeit vor dem Auslande schlecht gemacht wird. (Sehr wahr! links.) Ich habe schließlich eine ernste Mahnung an den ZkichsbankprSsidenten zu richten, nicht nur im Namen der stärksten Partei dieses Hauses, sondern auch aller verantwortlichen Stellen in unserer Wirtschaft, auch im Namen derjenigen Kreise, denen die verantwortliche Füh- rung unserer Wirtschaftspolitik anvertraut ist. Der Reichsbank- Präsident hat seine Stellung auf Grund eines Stawts, das uns auf- oktroyiert worden ist, das nicht nach unserem Willen gestaltet wurde. Wir haben sowohl bei der Reichsbahn wie bei der Reichsbank die Sicherung erreicht, daß die verantwortliche Führung in deutschen Händen bleibt. Als die Reichsbahn einmal den Versuch mochte, sich der deutschen sozialpolitischen Gesetzgebung zu entziehen, hat sie noch rechtzeitig diese): Versuch aufgegeben. Die Führung einer verantwortlichen Wirtschafts» Politik ist nicht möglich, wenn sie nicht unterstützt wird von der Führung der Reichsbank. Wir müssen von dem Deutschen, der an der Spitze der Reichs- Bank steht, jedoch verlange«, daß er ebenfalls dieser Meinung ist. d. h. wir müssen von ihm verlangen, daß der Reichsbankpräsident seine Politik in vollem Ein» vernehmen macht mit den Organen der Regierung. mit dem Parlament und mit der dem Parlament verantwortliche« Regierung. Wir oerlangen von ihm, daß er unter Umständen auch seine persön» liche Ueberzeugung einzuordnen versteht in die Notwendigkeit der Führung einer Gesamtpolitik, die verantwortlich bei der Regierung liegen muh,, weil sonst die Führung der Wirtschaftspolitik überhaupt unmöglich wird. Das sagen wir auch, obwohl wir In der 'Opposition stehen. Infolgedessen richte ich die Mahnung an den Reichsbankpräsidenten, sein Handeln nach dieser Erkenntnis ouszus�e-?>.a. Der Reichsbankpräsiden� hat es nicht nötig, zu reden. Wir wollen nicht, daß uns solche impulsive Naturen wie Wilhelm II. wieder beschiedcn werden, auch nicht in der Form eines Reichsbankpräsidenten. Der Reichsbankpräsident hat sehr viele Wirkungsmöglichkeiten. Sein Einfluß und seine Macht sowohl auf die Privatwirtschaft wie auf die Regierung sind naturgemäß so groß, daß er seine Ansichten auch zur Geltung bringen kann, ohne in die Oeffentlichkeit hinauszulaufen. Er braucht keine Flucht in die Oeffentlichkeit zu unternehmen, er soll dort wirken, wo die Entscheidungen fallen. Wir brauchen diese ewigen Reden nicht und wir verbitten uns Reden, die ungerecht sind und die eine Herabsetzung des Ansehens Deutschlands vor dem Ausland in sich schließen, wie es die Bochumer Rede getan hat.(Sehr wahr! links.) Oberbürgermeister brauchen nicht immer Minister zu werden, aber es ist doch nicht so, daß unsere Oberbürgermeister sich nicht vor der ganzen Welt sehen lassen könnten. Dasselbe gist für unsere ganze-Selbstverwaltung. Heber die deutsche Verschwendungssucht hat noch kein Mensch so gesprochen, wie in Bochum gesprochen war» den ist.(Sehr wahr! links.) Das«oll en wir nicht mehr hören. Es ist keine Annehmlichkeit, solche Diskusstonen zu führen, und ich bedauere, daß sie notwendig geworden ist. Allerdings hat Herr Dr. Schacht zwei Mllderungs» gründe für sich: sie heißen Dr. Köhler nnd Dr. Curtius.(Heiterkeit.) Herr Dr. Köhler hat in dieser Debatte überhaupt geschwiegen. Einzelnen Teilen der Rede des Reichswtrtschaftsminifters können auch wir zustimmen. Aber die Regierung hat nicht die Energie, diese Ansichten durchzusetzen. Mit Befriedigung nehmen wir zur Kenntnis, daß sich der Reichsbankpräsident diesen Ansichten angeschlossen hat. wozu aber erst die Zerstörung des Vertrauens in unsere Kreditwürdigkeit, wenn man nachher doch Sammelanleiheu für die Gemeinden aufnehmen muh?(Sehr richtig! links.) Ein Skandal ist es, daß die Rechte diese Diskussion für ihre privatwirt- schaftlichen Kämpfe, für ihre innerpolitischen Sonderinteressen aus» nutzen will, und daß Herr Nademacher sogar die gegenwärtige Staatsform als Grund für unsere Kreditunwürdigkeit anführt.(Leb- hafte Zustimmung links.) Dr. Robemacher Arm in Arm mit dein Reparationsagenten Parker Gilbert, dem fein Freund Hugen- berg, der Mann mit der eisernen Stirn und dem eisernen Geld- schrank, als den deutschen Fronoogt hinstellt«, das ist«in Bild, das seine Wirkung aus die Wähleroersammlungen nicht verfehlen wird. Wir werfen der Regierung vor. daß sie Mangel an Führung und Mangel an Energie bewiesen hat. Und wir stellen weiter fest, daß dieser Reichstag nicht mehr die Stimmung der Wählerschaft wider» spiegelt. Jeder Monat, den dieser Reichstag noch zu» sammenbleibt. ist verlorene Zeit für unser Volk. wenn auch nicht für unsere Partei, denn jeder Dag schafft neue Stimmen für die Sozialdemokratie. Diese Regierung unterliegt jetzt nur noch dem einen Zwang. neue Stimmen für die Sozialdemokratie zu schaffen. Mit unserem Mißtrauen gegen diese Regie» rung wolle» wir an das Volk appellieren, undwirwissen. was dieAntwortdaranfseiu wird.(Stürmischer Beisall bei den Soz.) Um 16 Uhr vertagt stch dos Haus auf Montag lß Uhr: Inter- pellationen über die Notlage in der Pfalz, im Aachener Gebiet usw. Memeldebatte im Landtag. Diktator Woldemaras sott die Verträge halten!- Ein Rippenstoß für die Bürgerblockregierung. In der Sonnabendsitzung des Landtages, über deren An- fang bereits im gestrigen Abendblatt berichtet wurde, nahm das Haus zunächst ohne Aussprache einen Hauptausschußantrag über da» verfahren zur Befreiung von dem Ehehindernis des§ 1312 BGB. gegen Rechlsparleien und Zentrum an. Danach wird das Staatsministerium ersucht, die Bestimmungen darüber, daß eine Ehe nicht zwischen einem wegen Ehebruchs geschiede- nen Ehegatten mit demjenigen geschlossen werden kann, mit dem der Ehebruch begangen wurde, so zu ergänzen, daß künftig bei der Entscheidung durch den Landgerichtspräsidenten ein Bertreter der Rechtsonwaltschaft mitwirkt. Ein Gutachten über die geltenden Ansprüche der früheren standesherrlichen Inhaber von Bergregalen wurde dem Aueschuß überwiesen. Es folgte die debattelos« Annahme von Anträgen des Land- Wirtschaftsausschusses und des Handelsausschusses. Ebenso wird ein Antrag des Ausschusses für das Unterrichtswesen angenommen, daß Schulgeldermäßigung bei Geschwistern nur auf Antrag der Erziehungsbercchkiglen gewährt werden soll. Die Ermäßigung tritt nicht ein bei mangelnder Eignung des betreffenden lindes. Kinderreich« Familien sollen b e- sonders berücksichtigt werden. Ebenfalls angenommen wurden Hauptousschußanträge über den baldigen Ausbau des Stral- sunder Hafens und über Kreditgewährung an die notleidende oft- preußische Binnenschiffahrt. Die nun auf der Tagesordnung stehende große Anfrage her Deutschnationalen über die Verordnung des Kullus- Ministers über die Neuregelung des Studentenrechts wird auf Antrag des Abg. Lüdecke(Dnot.) gegen die Stimmen der Kommu- nisten abgesetzt, da andere Jntcrpellationsn, die inzwischen noch ein- gelaufen sind, mit der deutschnationalen Anfrage zusammen be- handelt werden sollen. Eine Memelinierpellaiion. In der nun folgenden Beratung des demokratischen U r- a n t r a g e s, der die Staatsregierung wegen der Ausweisung deutscher Redakteure durch die litauische Regie- rung ans dem Memellande um Einwirkung auf die Reichsregie- rung ersucht, daß die sogenannte Memelkonvenkion mit de? litauischen Regierung von dieser auch innegehalten wird, be- gründet Abg. Grzimek(Dem.) den Antrag und weist auf die Schwierig- keilen hin. die von Litauen deutschen Staatsangehörigen bereitet werden. Woldemaros habe seine Versprechungen nicht gehalten. Deutschland sei jedoch an der Aufrechterholtung freund» schaftlicher Beziehungen zu Litauen deshalb interessiert, weil es Durchgangsland zu Rußland ist. Die Redner der verschiedensten Parteien sprechen sich zu» stimmend aus. Abg. Baecker(Dnat.), Chefredakteur der„Deutschen Tages- eilung�, redet dabei von der angeblich bedrohten Pressefreiheit in "reußen!(Empörte Zurufe links.) Abg. Zleumann-Allenstein(Soz.): Die Angelegenheit gehört zur Zuständigkeit der Reich»- r e g i e r u n g. Da es anscheinend nach Ansicht aller Fraktionen notwendig ist. von Preußen aus die deutschnationale Reichsregierung mit mehr Energie für die Behandlung dieser Fraae tu eriüllen. sind wir Sozialdemokralen zu entsprechender Beschlußfassung bereit. Aber es wird notwendig fein, in einem Ausschuß den Antrag durchzuberaten. Hierbei werden wir zu erreichen versuchen, daß die vor kurzem angeordnete Einschränkung des kleinen Grenz- verkehrs aufgehoben wird. Es muß der minderbemittelten Bevölkerung wieder die Möglichkeit verschafst werden, sich jenseits der Grenzen hin und wieder etwas billiges Fleisch zu kaufen. Gerade bei der niedrigen Bezahlung der oft preußischen Arbeiterschaft muß das erlassene Verbot als im höchsten Grade unsozial bezeichnet werden. Seine Aufhebung erscheint uns drin- gend notwendig.(Sehr gut! links.) Der Antrag wird dem Hauptousschuß überwiesen. Angenommen wurde serner ein Hauptausschußantrag, die Staatsreaierung zu ersuchen, von den Inhabern der im Togesbau ausgebeuteten Braunkohlenfelder die Einebnung der Flächen im Interesse späterer land- und forstwirtschaftlicher Nutzung zu fordern. Hieraus vertagt sich das Haus aus Montaa, den 5. Detember, nachmittags 1 Uhr. Tagesordnung: Interpellationen über die Neu- regelung des Studentenrechts, Niedersachsenprogramm, Anträge gegen die Lockerung der Wohnungszwangswirtschoft. Gegen Keudeügesetz und Verkfrchllchung der Schule richtet sich eine öffentliche Kundgebung, die am WUtnogA, 7. Dezember, IS'/j Uhr, In Tempelhof, Aula des Realgymnasiums, Kaiserin-Augusts-Straße, stattfindet Landtagsabg. Hildegard weglcheider spricht über„Soll die Volks schule gant der Kirche ausgeliefert werden?", Rektor Linke sprich über die Errichtung einer wellllche« Schule im Bezirk Tempelhof Genossen, werbt für Massenbesuch! Kreisvorstand d.Sozialdem. Partei. Freie Schulgesellschaft Tempechos Dem Dichtervagabunden Jean Arthur Rimbaud war am Nachmittag ein« halbe Stunde gewidmet. Paul Zech, der die«In- führenden Worte sprach und Meinhard Maur, der Verse von Rim- baud las, sorgte dafür, daß diese karge Zeit reich wurde. Zech schilderte nochfühlend und nachdichtend das Leben und die Welt Rimbauds. Dieser Dichter, der resllos den Erdball durchstreiste, der auf phantastischen Reisen die Enge seiner kleinen Gebuitsstadt ab- schüttelt«, kannte auch im Geist« keine Schranken. Zech nannte ihn einen Geistesbruder Napoleons: nichts schien ihm unerreichbar. Im Ablauf von zehn Iahren erschöpfte er sein« Kräfte. In Marseille starb er als elender Krüppel, der noch auf seinem Totenbett Scherz- oisionen von unerhörten Ausmaßen schuf. Ein großer Teil der jüngsten Dichtm.g schießt aus dem Boden hervor,'den vor mehr als einem halben Jahrhundert Rimbaud befruchtete. Meinhard Maur las die worttrunkenen, ichbetonten und doch im Weltgefllhl aufgehenden Verse Rimbauds mit edler Sprache, nur etwas zu metter Schattierung. Das Dominator-Orchester Fritz W e n ne i s hätte es nicht nötig, nach wohlfeiler Publikumswirkung zu streben. Das unfehlbare Programmrezept: Gut gemischt, einen Teil sanftes Gefühl, einen Teil allgemeine Älusikbildung(zur Hälfte Klassik, zur Hälfte sehr gemäßigte Modernität) sollte es den Musikköchen über- lassen.— Eine Vortragsreihe„Die Rohstoffe des Alltags" begann Hans Htrschheim mtt einem sehr lebendigen und anschaulichen Por- trag„U n s e r t ä g l i ch B r o t". Di« Geschichte der Getveidever- sorgung wurde von dem Vortragenden zu einem Einblick in die Kultur und Wirtschaftspolitik in alter und neuer Zeit benutzt. Intendant Karl Hagemann beginnt sein« Tätigkeit als Regisseur am Berliner Rundfunk mit der Einstudierung der Strauß- schen Operette„Eine Nacht in Venedig". Der Grund. warum diese Operette von den deutschen Bühnen beinahe verschwun- den ist, Ist hauptsächlich in dem verfehlten Textbuch zu suchen. Selbst die wundervolle Stroußsch« Musik kann nicht immer die Banalität des gesprochenen Wortes vergessen machen. Hagemann legt des» halb den Hauptakzent darauf, den gesprochenen Terl soviel wie mög- lich zu kürzen. Wortwitze und Verwechslungen fallen fort, die Hand- lung wird außerordentlich konzentriert. Die Aufführung unter Max Roth« musikalischer Leitung hat sehr �iel Schmiß, und man bedauert, daß diese herrlichen Melod'en so selten zu hören sind. Vorkrage, Vereine und Versammlungen. « Reicksbanner»Sckwart Rok-Gold" Sefchllftsftelle: B-rlin 6. 14. E-bastianstr. 87/88. tzof 2 Tr. Kreutberg!(Sonntag, b. 4., 10 Uhr, Schilh-nhau« Neukölln.— Mitte: epottpiat Zfriedrichsfelbe. Sonntag, b. 4., 9—10 Uhr.— Montag, 5. Dezember, ötlmctsbotf; iOVt Uhr im Biktoriagarten, kleiner Enal, Kamerabschoftsabenb. Vortrag bes«ameraben Mllller-Hagen«, Vartihen ber bes Wilmer-borfer fflinbUocft-Vunbes, übet:„Republik unb eoj;o!po!ULl.' Nolköllu-Brig: 30—22 Uhr Turnen in ber 1. Semeinbelchule, Chauileeltrabe.— Dienstag, 8. Dezember.(Sanootffatb: 1904 Uhr Sitzung her Spart- unb Iugenbteiter im Gaubureau. Sebastianstr. 87/88. Ritte: 1. unb 8. liamerab» schalt Versammlung 30 Uhr bei(Torni, Gartenftr. 8. 6. Namerablchast Mener- beerstr. 7. Webding: Igzr Uhr Mitgl.-Vers, in ber Läw-ndrauerei, kbcki. Ecke Vabslratze. Kreuzbeea: Versammlungen um 20 Uhr: Abt. 4 Restaurant ,.3ur Linde". Hallesche« Ufer 14. Ad!.? bei Gnber, Sebast'anstr. 1. Abt. 8 hei Fuhldrllgge, Rostizstr. 29. In allen Vcrlammlungen Bericht van ber Gau« aeneraloersammlung. Nenkelln-Britz: San!tlltszug 20 Uhr Sitzung bei Ltlaufch. Lenanftr. 7, Ecke kobrechtstratz«. Zungdanner 20 Uhr. Bilbnngoabenb de» 2. Sugc». Interestierte Pamtrobtn anderer Züge können teilnehmen. L'-Sten. berg: 20 Uhr Vorstunb-fitztrng bei Sothe, ssrankfurtor Allee Eck« Hag-nstratzo. Pankow.Nord: stamcrabschaftsversamm'ung 19)4 Uhr bei Meyer. Breite Str. 14. Vorftandsmahl unb Vorschlüge zum Orievercinsvorstand.— MittWO», 7. De. »ember. Mitte: Versammlungen rmi 20 Uhr: 8 stameratzschaft Gewerkschaft» Haus, Saal 8. 4. stomeradschaft Stralaner Str. 10, bei Brandt, erenzbergr Versammlungen um 20 Uhr: Abt. 11 bei Ewald, Skalitzer Str. 128. Abt. 14 bei Wiencziers, Reichenberger Str. 1Ö4. Tasten): Ztomerabfchaft Slld 19>4 Uhr Versammlung bel Mees. Berliner Straße Ecke Linbenpromenabe. Borstand». wähl. Vorschlüge z»m Orteoerrinsnorstand.— Neinickenborf-West: DI., b. 8.. 20 Ubr, öffentlich« Werbeversammlung bei Rvgan, Berliner Str. 70. Bntret-n 19 Uhr am Vereur» lokal, Scharnweberftr. 30, zum Fackelzug. Pflicht. Veranstaltung.' Urbester» Sport, nnd ttmltnrkortell. Sie Iusanmirntzunfk der Dezernenten und Stabtoerorbneten mit den Funktionären der Arbeitersportler für Montag, 3. Dezember, fällt au» Manvolinenkonzrrt, veranstaltet vom ManboNnenflub„Stern* IMItgNeb de» DAMB.), Sonntag, 4. Dezember, 18 Uhr, Aula Bochumer Str. 8b. Eintritt 75 Pf.» Deutscher vstbnnb. Beeil» Keimattrever vstmärker z» Berlin«. B. Ber- sammlung mit Weihnachtsfeier Sonntag. 4. Dezember, 18 Uhr. Im Deutschen Bercinohaus, Landsberger Str. 89, Ecke st'"'"... herzlichst willkommen. Eintritt 50 Pf. «leine Frankfurt« Straße. Ostmürker Bereinigung sozialdemokratischer Inristrn. D« Dirrkkor de« Internationalen Arbeitsamtes, Genosse Dr. Donau, wird Montag, 3. Dezember. 20 Uhr, im Spat-nbriiu, Friehrichstr. 172, ührr die Aufgabe» und die Tätigkeit der inter- nationalen Arbeitsorganisation sprechen. »roß.?«li->«r Landsmannschaft de»«reise, Sveatta» und Vereinigung beimattrever Sagaarr. Montag, 5. Dezember, Bockbrauerei, Fidsti»strotze, Familien-Seimatabrnb. Lichtbildervortraz: Saganrr Seimatfest I9r.«rönzchen. Sind Znaendlich« Verbrecher? Soll man strafe» oder Helsen? Ueber diese» Thema spricht der langiöhrlge Strafanstaltslehrer Fritz«leist, Breslau, in ösfentlicher Versammlung de»-Bunde» Entschiebener Schulreformer* Dienstag, 6. Dezember, 19>4 Uhr, Aula des Werner-Siemens-Realgymnasiums, Hohen» staufenstr. 47(48 sU..Vahnhof Biktoria-Luile-Platz). Ieberniann ist eingeladen. Aussprache. Uniostenbeitrag erbeten. Eine Bersammlnng der krieasbeschäbigte» Beamten, Vehördenangestelte» »nb Beamtenschelnlnhaber peranstaltet der Relchsiund der«riegsbefchäbigt-n, «riegsteilnehmer und«riegerhinterbliebenen Dienstag. 6. Dezember, 20 Uhr, mi Balals de» Zentrums, Rosenthaler Str..88. Der Dunbesvorlitz-nbe Christoph Pfänbner sprüht über:„«riegsbetchöbigte und hie Besalbungsresvrm.* Steichsburb der«rieasbescküdigten,«rieqsteilnehm« NN»«riege»hinter. bNebenen. Bezirk Wrdbmg: Mitgliederversammlung Montag, 5. Dezember, 20 Uhr. Ghansseestr. 64, Patzrnhofer. vessentlich« Vortrüge im Mnsenm für«eeresknnd«. Dlenotag. 8. De» »emiet, 20 Uhr, spricht im Museum für Meereskunde, Gcorgenstr. 84 38, Pro- fessor Dr. Wecking, Münster, üb«;„Japanisch« Seehäsen unb ihre Entwickluna." «arten stnb taglich unb am Sarttogsabetib im Museum für Rcerestunb«, Georgen str. 3t 16, zu erbalten. kümpsung der Geschlechtskrankhciten.*" Aussprach«. l-adortstal Ida anlono Internnciona Crnpo Berlin. Latiorlstal Idlstll Aiencexl Ni» rnembral-kunveno ne eventos iundio ve 5-a üecrmbro ma lundi» ye 12-a deccmbro ye 1980 kl. en yunarbemo Yorkitrado 10-11. Inritrl ne ümsendesos.— Qropo 6(Kren-beegl. Lnndio ye 5-a decembro ye 1980 xt kurso per progresati. Temo: Mondo e Revue(nternaciona. Gonniag 4. Dezember 1921 Unterhaltung unö ÄNissen Beilage des Vorwärts Oer Geist des Bösen. ff» war im Oftober noch warm, und Valentina Lecis, die Frau des Arztes, hörte bis in ihre Kammer das mählich ersterbende Ge. schwätz und Lachen der Frauen, die sich auf der Straße zusammen- gesunden hatten, um den milden Abend— er war schön wie einer im Juli— zu genießen. Ihr Mann war unterwegs und hatte die Haustür doppelt ver- schlössen, ohne die ollabendlich an seine Frau und die alte Magd gerichtete Ermahnung zu vergessen: »Weder Tür noch Fenster öffnen, wenn jemand klopft, der euch unbekannt!" Valentina kannte seinen Wunsch zu gut, als daß sie sich— selbst tagsüber— ans Fenster gestellt oder am Geplauder der Nachbarinnen sich beteiligt hätte. Er wahrte sehr das Dekorum, dos Ansehen der Familie, und auch sie hielt darauf: niemals erhob sie einen Einspruchs Beim Kirchgong, bei wichtigen Besuchen be- gleitete sie ihr Gatte. An diesem Oktoberabend hotte sich die alte Magd, die ihre Amme gewesen, schon vor S Uhr niedergelegt, sie schlief mit den Kindern— mit je einem an jeder Seite— in demselben Bett, und im ganzen Hause herrschte Schwelgen. Auch sie konnte nichts Besseres tun, als In friedlichen Schlaf zu oersinken. Heule abend aber überkam sie plötzlich ein Gefühl der Unzufriedenheit: sie gähnte und betrachtete ihren kleinen Fuß— schloß die Hände über dem rechten Knie und schlug das rechte Bein über das linke. Nicht etwa, daß sie eine Tanzlust in sich verspürte: sie war ermüdet, well sie den ganzen Tag der Magd geholfen oder vielmehr diese hatte ihr beigestanden— Most zu pressen: der Körper war noch von seinem Aroma durchdrungen und ihr Kops wie von einem leichten Rausche betäubt: aber vielleicht war gerade diese Betäubung, das Geschwätz verliebter Frauen, ein Choral, der durch die Stille der mondhellen Nacht zu ihr herüberdrang, schuld daran. daß sie nervöse Unruhe, eine Sehnjucht nach etwas Neuem, Unsag- barem befiel. Valentina begann die vom Most bespritzten Stiefelchen aus- zuziehen: ihre durchbrochenen Strümpfe wurden sichtbar. Sie dachte, daß ihr Mann eigentlich ein guter, brav für sie sorgender Gatte sei: er ließ ihr von den Brüdern Bocceni Kleider, seidene Gürtel kommen und Strümpfe nach der Mode. Wenn sie auch an diesem Tage an der Mostpresse gestanden hatte— nun, eine tüchtige Hausfrau muß sich um alles kümmern, was Gott ihrer Sorgfalt anvertraut.. Auch ihr Mann alterte bei seiner Berufsarbeit, und er hatte seine Gründe, wenn er die Würde der Familie hochhielt, seiner Galtin— und selbst der asten kahlköpfigen, zahnlosen Magd— nicht gestattete, daß die geringste Kleinigkeit den lieben Nächsten Zlnlah zu Klatsch bot. Während sie alles erwog, entledigte sie sich ihrer Stiesel und kreuzte wieder ihre schönen, schlankgewachsenen, feinknöcheligen Beine: weiß schimmerte die Haut durch die durchbrochenen Strümpfe. Verschleiertes— halb verächtliche«, halb mitleidige» Lächeln umfpieste ihre vollen Lippen: ein beträchtlich langes Gähnen. dem ein Frösteln folgte, löste es ab. Sie band einen ihrer kastanienbraunen Zöpfe auf, um ihn während der Nacht fester zu flechten: wie sie ihren Kopf zurücklehnt«. um mit einem gewissen sinnlichen Behagen ihre Finger in den drei langen, seidigen Haarsträhnen spielen zu lassen, hörte sie leise ans Fenster klopfen. Ihr« Augen weiteten sich: die Finger um- kroiupften das Haar, in dem Moment wirbelten gar viele Dinge durch ihren Kopf. So pochte ihr Mann, als er noch Student gewesen und sie — ohne Wissen ihrer Eltern— einander zugetan waren. Die Kammer, zu ebener Erde gelegen, hatte an der Westseite zwei Fenster, die zur Straße hinausgingen, während man vom dritten Fenster ostwärts auf eine freie, hügelbegrenzte Wiese blickte. So pflegte ihr Mann zu klopfen: es war leicht gewesen, sich an dem nach Osten gelegenen Fenster zu sprechen. Sie ängstigte sich wieder wie damals, wenn sie ihn erwartete: er erschien ihr immer wie in einem Traum, und wenn der Mond sich hinter dem niederen Hügel erhob, dann kam es ihr vor, als wenn eine goldene Flamme aus dem krausen Haar ihres Schatzes hervorschösse. Das Fenster war klein gewesen— ohne Gitter. Ihre Familie — wohlhabende Bauern— lebte anspruchslos dahin und in einer Freiheit, welche an Sorglosigkeit streift». Später zerstreute sich die Familie: Ihr verblieb das Haus. Ihr Mann hatte Türen und Fenstern erweitern und Eisenstäbe anbringen lassen: er liebte Symmetrie, Sicherheit, Ordnung: stets hatte er einen guten Grund für alles, was er tot. Das Klopfen dauerte an: die Fenster zitterten davon. »Wenn er es wäre! Mich auf die Probe stellen wollte!" Mehr als einmal war so etwas vorgekommen.— Sie wußte nicht weshalb— aber dieser bloße Gedanke versetzte sie in Zorn. »Ich will sehen, wer es ist." »Wer da?" fragte sie. ohne sich vom Fleck zu rühren. »Gut Freund." Es war eine unbekannte Stimme: sie klang wie die eine« Mannes, der hier nicht heimisch war. »Was wünschen Sie?" »Ich bin ein Fremder, der hier vorüberkommt und überbringe dir G:üße deines Bruders." Sie ordnete rasch ihr Haar: ohne darauf zu achten, daß der Unbekannte— was übrigens bei den Hirten gewisser Gegenden üblich— sie mit.du" anredete, öffnete sie das Fenster. Aber statt eine« Hirten hob sich vom Hintergrund des hellen Mondlichts ein eleganter, schwarz gekleideter junger Mann ab. Auf dem Dunkel des Gesichts— er trug einen schwarzen Spitzbort— zeichneten sich da, Weiße der Augäpfel und weiße Zähne— wie Perlen ab. Sie entsann sich plötzlich der Gestalt ihre, Mannes als Swdent: ober dieser hier war größer, sehr groß sogar. Sie erinnerte sich nicht, je einen so arvßen Mann gesehen zu haben: er reichte fast bis zum Fenster, griff mit gespreizten Armen in die Eisenstäbe: man mußte unwillkürlich an ein Kreuz denken. Niemals hatte sie ihre Unfreiheit, einen Gast zu empfangen. fo schma-bvvll empfunden. Sie konnte nichts anderes tun als ihn Höstich und verlern zu grüßen, wobei sie ibn mit»Sie" anredete. »Ich bedaure. daß ich niart öffnen kann. Mein Gatte ist nicht zu Hause.... Er hat den Schlüllel bei sich. Ich war schon im Bett. weil ich mich nicht ganz wohl fühlte." �___, Novelle von Grazla Oeledöa. Er sah auf sie herunter, trat ein wenig zurück, well er sie so besser im Mondlicht zu erkennen vermochte: er wollte sie offenbar genau ins Auge fassen, und die Prüfung schien zu seiner Zufrieden- heit auszufallen.»Man kann auch so miteinander sprechen— wie die Gefangenen," sagte er ernst. Valentina hatte jedenfalls den Eindruck, er mache sich ein wenig lustig über sie und fühlte sich um so mehr beschämt. Sie hatte das Berlangen, schlecht von ihrem Manne zu sprechen: aber dazu ließ ihr der Fremde keine Zeit, weil er ihr von ihrem Bruder, der als Bergmann arbeitete, erzählte, uns dann mit ganz leiser Stimme etwas sagte, was sie verletzte und oerwirrte. »Ich hoffte dir einen längeren Besuch abstatten zu können. Aber ich sehe, daß du mich nicht empfängst... daß du überhaupt mit Gott auf gutem Fuße stehst!" »Ich stehe aus nur zu gutem Fuße mit ihm," stieß sie plötzlich trotzig hervor.»Und du kannst es unterlassen, so mit jemand, den du nicht kennst, zu sprechenl" Der Mann streckte den Arm durchs Gitter und reichte ihr die Hand.»Entschuldige und vergib! Vielleicht bin ich in einem Irrtum. Wer bist du? Valentina oder Resaria?"»Ich bin Valentina Lecis, die Frau des Doktors Bitterie Lecis." Er wandte Plötzlich den Kopf ab, ließ jedoch ihre Hand nicht los, sondern preßte sie immer mehr In der seinen, die heiß und geschmeidig war, dann sagte er mit respektvollem Ton, den eine Erregung zu durchzittern schien:„Ich bitte dich um Verzeihung. Ich klopfte an, well ich glaubte, baß deine Schwester hier wohne. Wie ich das Haus verschlossen fand, wollte ich mich davon überzeugen, ob es wirklich das Rejarias sei." Valentina mußte lachen: wenn auch der Druck seiner Hand sie schmerzte— sie brach In ein Lachen aus. Die Glut dieser Hand stieg von ihrem Arm zum Kopf empor: abermals war sie berauscht wie vom Geruch des garenden Weins: eine grundlose Fröhlichkeit bemächtigte sich ihrer. Sie hatte Lust zu scherzen, den Unbekannten ein wenig zu necken. „Man sieht, daß du aus einem Bergwerk zu uns heraufkommst und die Welt nicht kennst," sagte sie, ibn duzend.„Also ich bin Valentina Lecis, die legitime Frau des Doktors Bitterie Lecis, aber wie du siehst, bin ich eingeschlossen, während meine Schwester Resaria. die mit einem Manne lebt, der gar nicht ihr Mann ist, in ihrem Hause alle Freiheit hat, Gäste zu empfangen und zu tun, was sie will." Der Fremde schien nicht überrascht: er sagte nur philosophisch: »So geht es in der Welt." Er kehrte sich ihr zu und suchte auch ihre Hand zu fassen. Sie hotte große Lust, sse ihm zu geben: aber sie dachte an ehren Mann und schämte sich eigentlich, so keck zu sein. Etwas Seltsames. Bas- Höstes zwang sie trotzdem, es zu tun. Der Gedanke, ihre» Mannes zu spotten, endlich Gelegenheit zu linden, sich für die Sklaverei, der er sie unterwarf, zu rächen, be- stimmte sie zu dieser Willfährigkeit. Wihrend sie gleichwohl Immer wieder versilchie, sich vom Griff de« Unbekannten.zu befreien, fuhr sie dennoch fort, vertraut und ungezwungen mit ihm zu reden. »Ueberhaupt ist Resaria hundertmal glücklicher als ich. Ich sage es Immer meinem Mann; ich würde das Los meiner Schwester dem meinigen vorziehen. Wenigstens hat sie ihre Freiheit. Der Mann, mit dem sie lebt, liebt und achtet sie mehr, als Ehemänner ihre Frauen lieben und achten. Sie ist unbeschränkte Herrin des Hauses und hat Geld und Schmuck. Aber das Wertvollste bleibt die Freiheit! Sie ist frei wie die Vögel in der Lust: wenn sie heute oder morgen die Lust anwandelt, auf und davon zu gehen, kann sie es tun, ohne jemand um Erlaubnis zu fragen. Und wenn du heute zu ihr kommst, so würde sie dich sicher nicht wie die Frau des Doktors Lecis hinter Eisenstäben empfangen. Wenn du zu ihr gehst, sie wird dir öffnen und dir die Ehre erweisen, die dem Gaste gebührt, dich wie eine Dome— die sie ist— bewillkommnen— in ihrem schönen Zimmer mit dem Sofa mit dem Seidcnüberzug, und wie eine junge Gattin wird sie Ringe an den Fingern tragen. Geh, geh hin," fuhr sie immer erregter fort,»Ihr Freund ist nicht zu Hause; aber wenn er da wäre, sie würde dich ebenso empfangen: Sie ist frei, das ist alles! Das Haus liegt ein Stück unterhalb der Kirche, Türe und Fenster sind grün angestrichen, man kann nicht fehl gehen— es gibt dort kein zweites Hau« mit grüner Türe und grünen Fenstern., ," Sie schwieg plötzlich, wie atemlos: in wilder Hast die Worte hervorstoßend, hatte sie sich an die Eisenstäbe geschmiegt, daß der Mann ihre Taille umfassen tonnte und sein Gesicht beinahe das ihre berührte.»Wie du mir gefällst l" schmeichelt« er. »Schade, daß du mich nicht einlassen kannst!" Sein Atem glühte; Valentina lehnte die Stirn gegen die Stäbe und fühlte ihr Blut fiebern. Niemals hatte sie ähnliche Wonne und ähnliches Weh empfunden. Und der Hauch des Fremdling» strich über ihr Haar, die Schultern herab, glitt in ihre Nackenfurche wie ein Sturzbad heißen Wassers, der das Toben in ihren Adern ver- mehrte: niemals hatte sie eine solche Seligkeit und solchen Schmerz verspürt. Aber Schritte näherten sich auf dem Wiesenpfad. Sie fuhr erschrocken aus und sagte leise: �va« ist mein Mann!" Und der Unbekannte wich sofort von ihr zurück, enisernte sich ohne jeden Gruß. Sie schloß das Fenster und zog sich rasch aus. Die Schritt« verhallten. Sie verhallten. Es waren nicht d!« ihres Manne» gewesen� Oder vielleicht doch— aber jedenfalls war er weitergegangen. Sie stand reglos mit nackten Füßen vor ihrem weißen Bett. die gelösten Flechten fielen ihr über die Schultern. Sic vermochte nicht schlafen zu K-Hen: tiefe Verbitterung wich noch und nach ihrer Derwirrung. »Wo» für ein Leben, heilige Maria l" sagte die abermals—- ohne hinzuzufügen:»Immer dasselbe!" Eine süße und gefährliche Hoffnung lebte auf dem Grunde ihre« Herzens auf: daß der Unbekannte am nächsten Abend wiederkehren möchte, und etwas Schlimmeres, das gewiß nichts mit ihrem Hetzen zu tun hatte, erwachte in ihr: Eifersucht und Neid auf ihre Schwester! Sie sah jetzt, wie diese den Gast empfing.— den Herrn, der so schön gekleidet war wie der Teufel, wenn er— nach der Legende— menschliche Gestalt annimmt: sie sah, wie sie ihn empfing in ihrem reizenden Gemach mit dem seidenüberzogenen Sofa, ihm guten Wein vorsetzte und ihn mit ihrer gewinnenden, weichen Art, die immer Resarias größten Reiz gebildet hotte, um Nachrichten über ihren fernen Bruder, über das Leben und Treiben im Bergwerk bot. Und er sah sie, mit dem Glas in der Hand, schweigend an; dann setzte er«» hin und ergriff ihre Hände.»Wie du mir gefällst!" »Resaria ist glucklich, glücklicher als ich. Die Freiheit, die Juwelen, die Lieb«, sie hat alles...." Wieder erschreckte sie ein Schritt. Sie richtete den Kopf auf, die gelösten Flechten flogen um st« mit der ungestümen Bewegung eine� die Mähne schüttelnden Füllens. Sie sprang erwartungsvoll aus dem Bett. War es ihr Mann? Sie hoffte es. Er sollte nur die Frag« wagen, warum sie noch wach war! Es war Zeil, damit ein Ende zu machen, die Ketten der Knechtschaft zu brechen! Sie war zum Auftrogen bereit. Aber auch diesmal ging der Schritt vorüber, und sie warf nervös weinend ins Bett. • Am anderen Morgen wurde Resaria in ihrem schönen Zimmer mit den Nußbaummöbeln auf dem Seidensofa— erwürgt auf- gesunden. Das Geld und die Edelsteine, worum sie die Schwester- beneidete, waren verschwunden. Valentina und ihr Mann lagen noch zu Bett, wie die alte Dienerin, ganz außer sich, die Nachricht überbrachte. Der Doktor erhob sich, ohne«in Wort zu sogen, während Valentina entsetzt aus ihren Kissen auffuhr und schrie: »Er ist es gewesen! Er ist es gewesen!" Und sie erzählte ver- worren den Besuch des Unbekannten. Der Doktor hieß die Magd hinausgehen, dann faßte er seine Frau bei den Schultern und zwang sie, liegen zu bleiben.»Du bist krank," sagt« er mit erzwungener Ruhe.„Du hast geträumt und wirst dich wohl hüten, jemand an- zuklagen, und vor ollem wirst du nicht» davon erzählen, daß du einem Unbekannten dos Fenster geöffnet hast. Deine Schwester empfing jedermann. Und jetzt bringe ich auch ein Vorlegeschloß an deinen Fenstern an." Und er zwang sie, im Bett zu bleiben. Sie weinte: besonders weil sie immer daran denken mußte, dgß sie das Haus ihrer Schwester dem Unbekannten bezeichnet hatte, und sie sucht« sich davon zu überzeugen, daß dieser nicbts anderes war, als der Geist des Bösen, der sich in einen jungen Mann«r- körpert hatte: aber in der Nacht fühlt« sie sich in ihrer einsamen Kammer ruhiger, weil ihr Mann da» Fenster mit dem Vvrlegeschlqh versehen hatte. kAu» dem Italienischen übersetzt von A»nj>c Sr«»Ia.> 300 Ovo Bücher. Von Karl Gchobüer. Bei uns ft, Deutschland wohnen die Dichter und Denker. Hier wird jedes kleine Problem geistig vertieft und gelöst, und immer findet sich jemand, der mindestens in einer Broschüre belangreiche Ansichten darüber äußert. So geschieht e» dann, daß in der Buch- Produktion Deutschland an der Spitze aller Länder der Erde mar- schiert. Jährlich erscheinen 30 000 neue Bücher auf dem Markt, jeden Wochentag Hunden neue Titel; ein großer Apparat ist errichtet, die gedruckte Geistesproduktion stalistisch-bibnographssch zu erfassen, und die Bibliotheken bemühen sich, sj« möglichst vollständig zu sammeln und einer staunenden Nachwelt zu überliesern. Einer staunenden Nachwelt— denn schon der Zeitgenosse fällt von einer Verwunderung In die andere, wenn er in einem der großen bibliographischen Nachschlagewerke'blättert. Die abseitigsten Gebiete der Wissenschaft stellen sich ihm im Buchtitel vor und die Sehnsüchte der Welt; was den Mitmenschen jauchzen läßt und trauern macht, di« Freuden und Nöte de« Alltags liegen säuberlich geordnet, ausgebreitet vor den Augen sedermann», lm Schlagwortregister der Bibliographie. Müller, Friedrich, beschreibt mit tiefer Kenntnis auf 29 Seiten Im Oktavsonnat da»»Leben der Kaffern von der Geburt bis zum Tode" und dieser Titel könnte«in Symbol sein. Wer Rat und Hilfe braucht in vertraulichen Dingen, wende sich zuallererst au seinen Buchhändler. Der findet bestimmt» was im Augenblick frommt. Das Wcltproblem— warum eigentlich?— »Der lenkbare Storch. Bub' oder Mädel noch Wunsch" lst für 1,50 M. glänzend gelöst.„Fragen der vorgeburtlichen Erziehung" bieien keine Schwierigkeiten mehr. Aber daß die allerhöchste Autorität in Geburtshilfe und so ausgerechnet den Nomen Zangemeister führt, kann empfindsamen Menschen einen leichten Schauder verursachen. Der Verfasser des Werkes»Ueber die Geburtshilfe bei der Ziege" rechnet gewiß nicht mit so großer Leserschaft wie der Autor jenes Buches, das schlicht den Titel führt»Neugeist in der Kinderstube", doch im Untertitel sich zu Erläuterungen veranlaßt sieht:„Gedanken zur Anwendung der neugeistigen Praxis der Einflüsterung während des Schlafe», der soclischen Beeinflussung, der Stille-ünd des plasti- schen Denkens zur Erziehung des Kindes und zur Entfaltung seiner Seelenkräfte." Haben sie sich glücklich entfaltet, di« Scelenkräfte. sind auch die Geisteskräst« geweckt: In den Sternen steht geschrieben das»So sollst du sein!" Fort mit der Eignungsprüfung und den psychotechn'schen Versuchsreihen!»Die Astrologie als Förschungs- Methode für Berufseignung und Berufsaussichten" kann es zehn- tausendmal besser! »Modern« Goldgruben. Rezeptbuch für die modernsten und gewinnbringendsten Spezialitäten" heißt«in Buch. Es ist bestimmt für jene, di« schnell reich werden wollen, ist 300 Seiten stark und tostet 20 Mark. Bescheidenere Leute werden sich begnügen mit ,®t« kxwirbt man sich mit Erfolg um offrne St«lltN?� Da kost«! PS Seiten nur eine Mark. Für das Doppelle aver weist ein un- gsnonmer Autor den bequemsten Weg zu Reichtum und Macht: »Das Geheimnis des Glücks in der Liebs. Die Kunst, sich beim schönen Geschlecht beliebt zu machen, seine Gunst zu erlangen, ein reiches Mädchen zu erobern, unglückliche Liebe in glückliche zu ver- wandeln und sich die Treue seiner Auserwähltcn zu sichern. Von einein Frauenkenner, der durch eine reiche Lseirat sein Glück machte. 12. Aussage." Das ist— iveiß Gott— allerhand fürs Geld! Der alte ehrliche Knigge tritt heute im modernen Gewände auf: «Wegweiser des guten Tons! Die im In- und Auslande geltenden bksctze sür taktvolles Verhalten, gute Manieren, Tischinanieren, korrekte Kleidung, anständige Gewohnheiten im öffentlichen, gesell- schastlichen und prioaien Leben, nebst einem Anhang über das Servieren." Ganz neusachlich führt kurz und bnnvlg ein gleiches Buch den Titel„Kavalier und Äime". „Die Wirkungen kleiner Mengen Alkohol" sind ebenso sehr Gegenstand einer eingehenden Darstellung gewesen wie„Die Erobe- rung des weiblichen Körpers".—„Der Fleck muß raus! Ein Schahkästlein erprobter und bewährter Mittel zur Entfernung von Flecken jeder-An" ist leider nicht vollständig. Es sagt nicht, wie man moralische Flecken entfernt. Aber da braucht man nicht zu nerzweifeln- Die„Gebrauchsanweisung für magische und okkulte Rauchen, ngen" gibt erschöpfende Auskunft. Lievesbriefsteller gibt es zu chunderlen, Traumbücher kann man sich noch Geschmack und Neigung aussuchen: ägyptische, persische, indrsche und psychoanalytische. Aber nur einmal erscheint in der Bibliographie der Titel„Prologe und Ansprachen zum Jubiläum e-iner chebammc". Nicht aufzuzählen sind die Kalender und Lieder- bücher-für die verschiedensten Stände und Berufe, Weltanschauungen und Parteien. Kalender für Monisten und Schornsteinfeger, Lieder« bischer sür Stenographen und Seeleute nennt das Verzeichnis. Ganze .Klassiker sind in. stenographischer. Schrift gedruckt, und über die Therese von Konnersreuth erschien bereits eine englische Broschüre. Ueber„Die Wildrinder im alten Mesopotamien" löstt sich tiefgründig ein Allorientalist aus,„Das letzte«infame Molekül in der Hoch- Potenz" besingt schwärmerisch ein ganz moderner Dr.-Jng. ,.Ver- pfuschte Männer! Wodurch wurden sie es?" fragt herausfordernd ein Titel, ein anderer gibt die Antwort:„Die andauernde gewohn- heitsmäßige Stuhlverstopfung!" Verzage nicht auf dein Krankenbett? Die„Klinischen Sonette" tragen auch auf dein Schmerzenslager die Knnst,„Triumnhierende Sterbebetten" lehren dich, daß alles Fleisch vergeht wie Heu, und voll Geisteskraft wählst du aus dem„Ratgeber für Krabinschriften" den Vers, der deine sterbliche Hülle decken soll. Denn wie heißt der Werbespruch der Buchhändler?--- Bücher sind Freunde, Bücher sind Gefährte»!, „Lfad die Gans?" Von Kritz Müller-Partenkirchen. Ieiier Junge hat sein Erlebnis so uin das zehnte Jahr herum. Mein Erlebnis war eine Gans. Sie lag auf dem marmornen Vertaufstilch, prall und rasa..Die beiden Beine waren aufgereckt, waren beinahe bittend auf den Käufer hingerichtet:„Nimm mich!" Viele andere Gänse, Hühner, Würste, Oelsardinen logen links und rechts. Das Prachtstück aber war d i e Gans. Der ganze Laden war gefüllt mst Leuten, welche tauften, feilschten, lachten und be» zahlten. „Nimm mich!" sagte die große Gans. Niemand nahm sie. Sie war wohl zu teuer. Ein einziger Verkäufer,«in beleibter, walzte langsam hm und her. Flmk an ihm war nur sein Auge. Eine ärmliche Frau mit einem ungeschlachten Korb kaufte eine spärliche Wurst. Bevor sie zahlen konnte, drängten andere Käufer vor. Danach kaufte sie noch einen Hering, zögerte, ließ sich wieder überholen.-' „Nimm mich!" baten die gereckten Beine der Gans. Niemand nahm sie. Plötzlich sah ich, wie der große Korb der armen Frau sich nahe an den Marmor preßte, wie sein Deckel aufging, wie die Gans mit einem leisen Platscher—„endlich!" klang es— inj Korb oerschwand, der Deckel wieder zuging. „Kann ich endlich zahlen?" drängte sich die bisher so be- scheidene Frau zum Verkäufer. „Gerne, was? Ist es alles?" „Ein Fünftel Gelbwurst." „Macht 24. Ist das alles?" „Ein Hering." „Von den großen?" „Mittel." „Macht zusammen 34 Pfennig. Ist das alles?" Die Frau nestelte am Kleid.- Die Frau starne nach der Türe. Die Frau lochte uninäßig über einen mähigen Witz im anderen Ladenende. „Ob das alles ist?" Die Frau sah zu Boden. Die Frau nickte. „Und die Gans?� sagte der Verkäufer langsam. Kein Geschwätz im Laden mehr. Totenstille. Dreißig Augen kreuzten über dem zitternden Korbdeckel. „Und die Gans?" tropfte es nochmal furchtbar langsam. Ein gestrenger Finger zeigte nach dem Deckel. Niemand schob ihn zu- rück. Er neigle sich,«r schob sich selbst zurück. Bloß lag die Gans. Ihre nackten Hände baten. „Ja so. die Gans," sagte eine Stimme atemlos. Eine dünne Börse wurde auf den Marmor ausgeleert. „Reicht's?" stammelt« ein Gesicht. Nie wieder sah ich solch ein armes Kalkgesicht. „Reicht's?" erzitterten zum anderen Male diese dünnen Lippen, die plötzlich aufgesprungen schienen wie verdorrte Ackererde. Der Mann zählte immer noch an den vielen kleinen Münzen, vielleicht der Gegenwert von einem halben Hundert Waschtag- stunden in fremden Häusern. „Reicht's?" wiederholte der ganz schreckerstarrte Laden. „Gerade," sagte der Mann,„gerat« bis auf— Bis aus—" „Bis auf die Polizei," wollte er sagen. Er sagt« nichts. Er ließ die Frau gehen. Ich werde heute fünfzig. Ich habe nie wieder ein« Frau s o gehen sehen. Dann ging ein Gebabbel loß im Laden. Alle waren empört. Ich war es auch mit meinen naseweisen zehn Iahren. Ich bin es heute nicht mehr. Ich weiße heute, daß wir alle einmal vor dem Richterstuhl des Höchsten stehen werden.„Ist das alles?" wird es heißen. Vor das Antlitz werden wir die armen Hönde schlagen: Unsere Taten liegen bloß: Gott, o Gott, sür wieviel Dinge haben wir in diesem armen Leben nicht gezahlt! ,,<56 war sehr schön...!" Erinnerungen eines k. u. t Reserveonkels. Von peter Paul. Wenn dickleibige Generäle dickleibige Memoiren verfosien. waruin sollte ich nicht auch einmal Zeilenhonorar aus dem glorreichen Weltkrieg schinden dürfen?... Also:„Es war sehr ichön, es hat mich sehr gefreut!" Diese geflügelten Worte, hatte der damalige Thronfolger Erzherzog Karl geruht, anläßlich einer Besichtiguckg, wenige Wochen vor Kriegsausbruch, an mich zu oerschwenden. Nun, mich hat es weniger gefreut, und auch sehr schön war es nicht gewesen, denn— mein Kompagnieführer hatte mich an- geschnauzt, weil einem Mann in meinem Zug die Patronentasche verrutscht war und einer mit einem nicht ganz blank polierten Knopf paradiert hatte. Nun, mein Unteroffizier hat sich auch nicht gefreut, und schön wird er nieinen Anschnauzer(den ich reglement- mäßig weitergab!) auch nicht gefunden haben— und die beiden Reservisten haben sich gewiß auch nicht gefreut— aber seine kaiser- liche Hoheit hatte sich doch gefreut,— weil sie nichts gesehen hatte! Also!... Ein Jahr später sahen wir uns, nämlich Seine Kaiserliche Hoheit, der Thronfolger Karl, und meine Wenigkeit, wieder. Zu diesem Zweck wurden wir erst tagelang im strömenden Regen aus den wolhynischen Sümpfen hinter die Front„verschoben", bis wir glücklich in der Nähe Seiner Kaiserlichen Hoheil und weit genug vom Schuß waren. Und nun ging's los: Immer rum, und nochmals rum— mit Tschin und Bum—, um die schmetternde Musike(Zirkus, hieß das iin k. und k. Jargon), bis wir unsere steisen Schützengrabenknochen wieder vorschriftsmäßig schmeißen konnten. Aber welch ein Schreck lähmte die Gehirne der Etappenhengste, als die Kaiserliche Hoheit ungeduldig zur Besichtigung drängte, und, o Malheur, die Parade- mämel, die wir zur Besichtigung an-, nachher aber wieder ablegen mußten, überhaupt nicht eintrafen!... Wir allerdings freuten uns„königlich"! Knöpfe brauchten nicht geputzt zu werden, aus dem einfachen Grunde, weil wir keine mehr besaßen. Man band sich, was sich als viel praktischer erwiesen hatte, den Mantel, der gleichzeitig als Decke, Schlafsack, Tür(vor dem Unterstand) und als Sargersag diente, einfach mit einer Strippe zu. Und nicht einmal der liebe Gott beanstandete dies; ebensowenig wie die Patronentaschen, die anstatt am Bauchriemen chren Platz im Brolsack gesunden hatten. Wenn dos unser Friedenshäuptling gesehen hätte! Aber der hatte längst in Serbien dem Herrn aller Heerscharen seinen letzten Rapport erstattet. Und so kam der erhabene Augenblick, wo uns Seine Kaiserliche Hoheit ohne Knöpfe aus den Mänteln(Setzer! Ohne Knöpfe— nicht Köpfe!) besichtigte. Ich war ergriffen über das phänomenale Gedächtnis des nachmaligen Herrschers, als er mir die goldene Dekoration an die Brust heftete und mich leutselig frug:„Haben wir uns nicht schon mal gesehen, Herr Oberleutnant?" Worauf ich stramm meldete:„Zu Befehl, Kaiserliche Hoheit! Im Juni 1914 bei Pardubitz!" Und schon im Weiterflitzen bekam ich noch aus hohem Munde die Worte zu hören:„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreutlk"... Allerdings, das war nicht schön, daß Seine Kaiserliche Hoheit bei jedem Oisizier dasselbe blendende Gedächtnis gezeigt und dieselben geistvollen Worte gespendet hatte! Viele Jahre später aber, als der Stahlbäderkonzern längst Pleite gemacht hatte, wurde mir eine noch viel schwerere Eni- läuschung, als man auf dcm Leihamt meine goldene Auszeichnung, die ich versilbern wollte, mit einer geringschätzigen Handbewegung zurückschob:„Unecht!"... Daß eine Kaiserliche Hoheit mit falscher Münze lohnt, hat meine Weltanschauung in Verwirrung gebracht... Nein. Kaiser- liche Hohei�, das war nicht schon, das hat mich nicht gefreut! Reizenden Qc scllschaft»- kleid, Crepe- (ieoraette, reich mit Perlen Wahrheit in der neklme ist unser Gesdiäfisprinzip. Bei uns sind alle Waren, die wir in unseren Anzeigen und Sdtaujensiern anbieten, am Lager. Bei uns sind die Preise der angebotenen Waren keine Ausnahmepreise, sondern unsere üblichen Ladenpreise. Zu diesen billigen Preisen verkaufen wir auf Teilzahlung mit 'ii�azahlanga.3 Moaalsralen, bei Kaufen über"100 Mark ,h$mahlmgn.S ftomimlen. giui]n!](iiiiaijiiiiminiiiinititiiniiiiiiu(iiinuii!iiiiiiiiiiu|iiiiiiii!iutiiiuuiiiiiiiitiiiiiiniiuuiiiiiiü | Sonntag, den 11. geöffnet| iniuiiniuui!ii:iiimgi:iii:iiiiuuniiiniiin!eiiniiinini;:iiiuUiii!iiuiuiiiniiiiiiiiiiiinuniiiiuinii Welhitnihtsinisehofe oits unseren oers&ieienen fbteünngen: teifher Lumberjedts für Domen, reich 725 mit Kunstseide gemusiert....... M.§ Oberhemd, Perkol, gefütterte Brust, fein CQQ gestreift.................. M. U Ptotie Domen-Spongensthuhe, Lock, mit 17ß(J Pompadour- Absatz........... H Im Sprechapparat mit Haube, Eiche, JLg gutes Werk................ M. 7m» m Moderner Toppschirm, Halbseide, 750 12 teilig.................. M. t Große moderne Beateliasdie, Q75 Leder. M. 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Putbusser Str. ll, Funktionärinnenkonserenz(Agitation und Arbeiter- Wohlfahrt). 7. Krei» Eharlottenbnrg. Mittwoch, 7? Dezember. 19Z4 Ubr. im Jugendheim Rostnenstr. 4. Fortsetzung de» Kursus»Einsührung in die Wirtschafts- Politik". Referent Genosse Iaduczimsli. 11. Krei» Schöneberg. Dienstag. 6. Dezember, 20 Uhr, Kreisfrauenabend bei Will, Martin-Luther-Etr. 69,»Sagen und Märchen der Arbeit". Bortragender Genosse Friedrich Wendel.— Die Genossinnen sind olle herzlichst eingeladen.— Gäste willkommen. 13. Krei» Tempelhof(Mariendors, Lichtenrade, Marienfelde). Montag, 5. De» zember, Besichtigung der Großhauswäscherei Tempelhof: Treffpunkt an der Germania. Ecke Dorsstr. 15 Uhr. Anschließend Kafseetrinken bei Pinger, Dorfstr. 50. Bortrag der Genosfin Herta Eotthelf. Araueaveranstaltuageu am Moalag, 5. Dezember. 10� Uhr. 1. Abt. In Eorni» Fästsälen, Gartenstr. I, Bericht de» Genossen Felii Fechen- doch über seine Erkebnisse im Elendsgebiet der Tabakarbeitcr.— Gäste willkommen. 16.«bt. Bei Müller. Uferstr. 12. Bortrag des Genossen Martin Strin über »Die Frauen und die kommenden Wahlen". 68. Abt. Bei Kompardt, Paul-Singer-Str. 49. Frauenabend. Besprechung der Weihnachtsfeier. Um pünktliche» Erscheinen wird gebeten,— Gleichzeitig bitten wir die Bezirkssührer. umgehend die Ramen und da» Alter der «Inder erwerbsloser und kranker Genossen bet der Abteilungsleiterin. Fran A. Schmidt, Andreasstr, 12. abzugeben. 71 72. Abt. Wilmersdorf. Fortsetzung de» Kursus„Einsührung in die Ideen- welt de» Sozinlismu»" im Klassenzimmer der Hindenburg-Schule am Scepark. Referentin Genosün Minna Todenhagen.— Gäste willkommen. 81. Abt. Friedenau. Bei«labe. Friedenau, Kandsernstr. 60/61. Bortrag des Genossen Dr. Friedcherger über:„Oeffentliche Gesundheitspflege". Die Genossinnen sind alle herzlichst einaeladen.— Gäste willkommen. 84. Abt. Laukwitz. In Lehmanns Festfälen. Kaiser.Wilhelm.Str. 29/31, Vor» '- osssn Herta Gotthelf über:„Bürgerliche und sozialistische trag der Genoi, Frauenbewegung". W. Abt. Britz. Im Jugendheim im Rathaus. Ehausseeltr, 48. Bortrag des Prof. Beruftem über:.Die Schulverhältnisse in Rußland"(mit Licht- bildern). IIS. Abt. B-umfchuleuweq. Bei Saß. Banmfchulenstr. 72, Bortrag des Genossen Iudrion über:»Die Stellung der Fran i» der heutigen Wirtschaft".— Säst« willkommen. Araueuveranstallungea am Dieaslag, 6. Dezember. i9'/s Uhr. 21. Abt. Bet«roll. Utrechter Str. 2t. Bortrag des Genossen Landgcrichtsrat Rüben über:»Die Reform de« Strafrecht»".— Gälte willkommen. M.»bt. In der Schule Soheulobestr. 10. Bortrag dar Senosstu Selen« Michaeli» über:»Da, Reichsschulgesetz"._ Adt. 124a Mahlsdors�Ld. Bei Dick. Uhlandstr. 18. Literarischer Abend. Vortragender Genosse Seinz Barthel.— Gäste willkommen. ISL Abt. Niederschiinhiense». Frauenabend In der Gememschaftsschule Bismarck» straße. Besprechung de» Frauenwerbeabends, Weidnachtsfeier. Berlchiedenes. Araueaveraastalluagen am Mittwoch, 7. Dezember. 19 X Uhr. 116. Abt. Ablershos, Bei Bogel, Bismarckstr. 74. Bortrag der Genossin Selen« Michaeli» über:»Sozialistische Gestnnungsvflege in der Familie". Vezirksausschuh für Arbetterwohlfahrl und Sinderschuh. 4. Krei» Prenzlouer Weeg. All« Helferinnen und Selser werden gebeten, an dem 1. Abend der Arbeitsgemeinschaft im Jugendamt am Donnerstag, 8. Dezember, um 20 Uhr teilzunehmen. Am gleichen Tage bitten wir alle Akten in der Zeit von 18 bi« 1914 Uhr an bekannter Stelle abzn liesern. Buch sonst an der Zligendarbeit Wohlfahrtskommtsfionen usw. nehmen. interessierte Genossen aus den nnen an der Arbettsgemeinschast teil- Gruppe Wilmersdorf. Montag, 5. Dezember, 20 Uhr, treflen wir uns vor der Wohnung dcs Genossen Dr. Behrendt, Hanauer Str. 45, Siedlung, zum Vortrag. Alle Mitglieder werden erwartet. Sinderfreunde Groh-verlia. Am Mittwoch, dem 7. Dezember, findet unsere Heiserversammlung pünktlich 20 Uhr im Bezirksvcrordnetcnsaal de» Bezirksamtes Kreuzberg, Borkstr. 11, statt. Tagesordnung: 1. Referat dcs Genossen Kreisschulrat Ullrich über Literatur der Altersstusen, 2. Unsere Gemeinschaftsfeier am 18. Dezember in der Volksbühne. 3. Verschiedenes. Sprechchor Sroß-Berlin. Heute, Sonntag, Probe im Jugendheim. Lenden- straße 3. Es treffen sich Männer- und Fraucngruppcn um 9 Uhr, Kinder- und Wandereraruppen um 9,30 Uhr, alle übrigen Mitspieler um 10 Uhr. Piinkrlich- keit ist Pflicht aller._,., Krei» Wedding, Gruppe Echillerpark. Jeden Montag von 16— 18 Uhr spielen die 6— lOjähriaen in der Schule Echöningstr, Leitung Else Glauer. Dienstaas von 1418—1420 Uhr tagt die Aelteren-Gruppe im Jugendheim Secstr. Eck- Turincr Str. Gemeinsame Abende Mittwochs und Freitags bleiben bestehen. Krei» Eharlottenburg. Wir bitten unsere Eltern am Montag nicht in das Jugendheim Rostnenstr. zur Elternverfammlung zu kommen, sondern in die Aula der weltlichen Schule Pestalozziftr. 40, da wir mit der freien Schulgemcinde zusammen einen Vortrag de» Dr. med. Graaz »Geschlechtliche Erziehung des Kindes in Schu'e oder Haus, durch Arzt oder Lehrer?" hören wollen.— Unsere Kindergruppen treffen sich auch in dleser Woche an wie an dieser Stelle wiederholt bekanntgigebenen Orten nnd Tagen. Reinickendors-Ost. Am Montag 20 Uhr findet beim Genossen Findelsen die Arbeitsgemeinschaft Sohnstein statt........ Krei» Zehlendorf. Jeden Freitag von 15—18 Uhr Spielen in der Nord- schule..... Krei, Steglitz. Dienstag. 18—18 Uhr, treffen wir nns wieder un Sem, Albrechtftr. 47........ Krei, Köpenick, Bezirk Bohnsdors. Der überaus großen Beteiligung wegen müssen wir schon jetzt zwei Gruppenabende machen. Wir kommen also am Dienstag und Freitag jeder Woche im Heim Wachtelstr. 1 beim Genossen Mohr zusammen, und zwar von 18 bis 20 Uhr. j(Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 20. Adt. Unsere Genossin Klara Säger. Schwedenftr. 15d, ist verstorben. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Montag, 5. Dezember, 124 Uhr,>« Krematorium Eerichtstraßc. Wir erwarten reg« Vetciligung. 53.«bt. EharloUenburg. Unser Genosse Wasser, lerist am Mittwoch, 30. November, verstorben. Ehre seinem And/nken. duofchcrung»lenstag, 6. Dezember, 16 Uhr, im Krematorium Gekichtstraße. Wir erwarten rege Detmligun�. jInfct li(,6fc �nhsse Bincen, Roth, Sigmaringer Straß- 30, ist im Alter von 75 Jahren an den Folgen eines Echlaaansalls verstorben. Wir werdcn ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung am Montag, 5. Dezember, 13 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. R-go Be- teiligung erwartet der Vorstand..,.. 13l. Abt. Niedersckönhausen. Am 2. Dezember verstarb nach kurzem, schwerem Leiden unser junger tatkräftiger Genosse Hall» L e hm an n- Vl-tanenstr. 113, im Alter von 21 Jahren. Die Einäscherung findet am Dienstag, 6. Dezember. 19 Uhr, im Krematorium Eerichtstraßc statt. Zahl- reiche Beteiligung ist Ehrenpflicht. Womit kann ich Freude machen? Was kann ich mir wünschen?— Das wissen Sie nach einem Besuch bei Nachthemden u. mlttelfelnfädlgem Hemden (uch m. Um legehr agcn,T asche 5 Brustfalten u.farb.Vorsloß," Krawatten n' Binder» schwere reine Seide, 0�9� / große Musterauswahl.. M. Berlin VV8, Leipziger Strasse 20-22 % Warum? Weil größte Auswahl! Weil beste Qualitäten! Weil niedrigste Preise! 19 *.Maasseri l&tniqctttr.'iß. Seide Fulgurant, eiidarbig K'seide mit B'wolle, viele Farben, ca. 76 cm........ Cröpe Georgette, großes Sortiment, ca. 98 cm.. Cr6pe de China, gtite KlcJ- derware, viel. 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VerlDkrung od. koaiealoserVertretcrbcsacb Lorenz& Sdmeldcr S Telephon t Korfflrtf 242 VortOb rung auch: Aleaaadrineaetratc 42,1 die horfitverflge Sfammpfantage der Familie des verstorbenen Kaffeekönigs Francisco Sdimldt» eines DeutsdieiL der als erster mit großer 8orgsamkelt die edle Kaffeebohne In der gleichen Welse behandelte, fole In seiner deutsdien ßelmat die Rheinweintraube. Gleich dem Wein muh der Kaffee, um höchste Qualität zu erzielen, an Berghdngen gezogen werden. Die Kaffee ßag In Bremen verwendet deshalb aus- sckllehllck ßochgewddise Zentral* und SQdamerlhas. Kein Preis Ist für die Kaffee ßag zu hock, um die Produkte solcher hochwertigen Plantagen zu erwerben. So erklärt es sich denn, dntz die Qualität des Kaffee ßag unerreicht ist. Sa unserem sonnenarmen Klima Ist der Stoffwechsel selten starb genug, um das mit dem edlen Kaffee* getrdnk von uns aufgenommene schädliche Coffein genügend auszuscheiden, deshalb wird der Kaffee coffeinfrel gemacht. Der coffelnfrele Kaffee ßag Ist das Ergebnis hochwertiger Plantagenzucht und die köstlichkeit seines Hromas Ist unQbertröffen. nionfe Blegre heiftf ZW Kaffee ßag sdtont ßerz und nerven 62- S 93.- sm. Beiderwand Kumrlerteppiche m. Franse iDO* i2f W0 3.35 Tournay exfra qure Persermusrer1 Z 45- mm.- 300 I <»20 i 41- B 59- U LS-«119.- per'isicin Isvpiciis rs>ns Wons niik Ficinakranse.as�eu« >ioo 3.90 Pa.Veloun jo»ioo?< D ivandecken l&limarfni.FrQnse i2f0 MohairDlüJCh ,"omSr2,1," wollmok.Perserm. 3?." MokeM Hochglanz 46,- Reisedecken Perne wolle karierf 13/° Scnwere Qualifäf 18A® Schlafdecken Reine Wolle iw/wo 19,�° Rem komelhaarnio/� 36. Gardinen Halbvorh. EhaminS.� GarniKiP 3leiliq3!� Befrdecke 2 bettig öardinenst. oaicMltl/5 Tischdecken ßipS/ 150 rund 6S0 keiimart m Franse 7.® W0llni0k.1J0/t80£m22® MokettHochqll«) 28.- Möbelstoffe Möbelnos 130embrt. Mtr 2,?� öflbelinsrofF Verdure""«�� Wollmokert ca.i30om.brr 6,®� kunstseid e med Huster Htt3.� Sheopdecken Sarin.doppels. 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Vir srfülisn disriuib die traurifre Pfliobt, allen Kolleginnen und Kollegen die Nachricht von dem Ableben unseres Kollegen Karl Wasserzier bekanntzugeben. Seit vielen Jahren Mitglied des Betriebs- nnd Ärbeiter- rats, langjähriger Obmann der Schweikriegäbeschädigten, bat er sich durch seine Arbeitsfreudigkoit und Lauterkeit im Dienste der Belegschaft die Anerkennong seiner Kollegen erworben. Er war den Mitglieder» der Betriebs- Vertretung eine wertvolle Unter.- tütznng. Sein Tod reißt in unseren Seihen eine schmerzlich empfundene Lücke. Ote Funkilon&rc der Bergmann Clekirlzll&tswetke RoaenihaJ Einäscherung; Dienstag, den 6. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Reslaurafionsbeiricb im Am 28. November enifd)li?f nach langem, schwamm Leiden der Fuhr- mann ?3lll �odäiill Möltsr geb.. 7«. Oftaber l8S7 zu Lissa I. P.! Beerdigung am S. Dezember, nach» mittags 3>., Uhr, don Rapelle td- I Olsbart. Liamburg. den 2. Dezember 1927. Nathrufl 9lm Sonntag, dem 27. November, verschieb infolge einer Operation plähitch da» MttglieS unsere«. Ans- sichieraio, der Maurer Herr Karl Siewert Wir verlieren in dem Berstorbenen eine» unserer eisrigsten Mttarbeiler. der slrt« seine ganze Zkrast w den D:zn''t unserer Bewegung gesielll hat. Wir werden ihm ein ehrendes Au- denken bewahren!'- tülslelilknu u. GesehlftsleitiBo der Deotsehen BauhBUe G. m. b. H. Berlin C 2, Burgstr. 21. Danksagung Sur die herzliche Teilnahme an der i Bestattung meines lieben Mannes. unsere, guten Vatets Hennaim Obst sagen allen Derwanbten. Betannken und Freunden, insdeiandere der De- schäftsleitung und dem Personal des .BorwLrls-, seine» Rollegen. der IS. Abteilung berSPD»ndbeuZeitungs- boten ausrichtigen Dank Emilie Obst Willi Obst Richard Obst. 10 Kirchenaustritts-Versammlungen! Thema: Kapital und Kirchel Am Mittwoch, dem 7. Dezember, abends 7 Uhr: Caedno.FestsSle, Pappelallee IS Arto» ttof, Perleberger Stralle 29 Comenlussfile, Memcler Straße«7 Hohenstauteiuäle, Kottbusser Damm 76 Saalbau Prledrlcbshalo. Am Friedrichshain Tempelbof, Birkenwäldchen, Manteu'felstraße 12 Oberscbanewelde, Gesellschaftsbaus, Wishelminenhofstr. 34 . KSpenick, bei Koberski, Grünauer Straße 7 Am Donnerstag, dem 8. Dezember, abends 7 Uhr: aewerkschaftahans, Engelufer 15 Phams'SBIe, Müllcrstraße 142 Referenten: Dr. F. Ausländer, A. Harndt, Else Höfs M. d. L., W. Kubig, Ciaire Meyer, Dr. A. Rosenberg, Dr. F. Schiff, R. Zimmer. Nach dem Vortrage freie Aussprache. Die fielsfltdiliell Iii besonders eingeladen. FreireligiöSG Gemeinde Berlin.— Freidenkerjugend. Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbinde. Beniner GewerKschalishans Berlin SO. 16, Engelufer 24/25 Oekonom: Willy SddlUz Im Hauptrcsiauranl: Täglich: Künstlcrkonzeri Großer Miffagstüch von 12— 5 Uhr von 80 Pfg. an Reichhaltige Abendkarle Stehbierhalle FrQhstücksstobe Jeden Donnerstagabend: Schlochiefest and Wurstessen i Billiger Worstverkaaf eigener j HersteUang Verbandskegelbahnen Säle In jeder Gröfye für alle VeraBitalten�cn 1 Anssciuuik tob Schollhel�-Paixenholer Blere samfl. Räume rcnovlcri 1 1 Erscheint nur einmal! Von Dr. med. H. Woizonn Tb e mens l.SsrtmtoEiwateraWttl!) Celateii Set Weil»!. 2. Warn sdiM das lU an laaa? WSIeftaaMea? Danksagunr. Fat M» reichen Biumenipenbcn und liebevoll» Teilnahme bei der Ein- Sicherung unserer jeden Tochter ediu, sagen wir allen Beteiligten unfern heezlichssen Dank. Leopold — Schneider und Fee», Oranienftrasse 183 Z « I r k s a■ sind die KLEINEN ANZEIGEN derGesaaitanflage Vonriru" nnd ßKLEIf i Zum Weihnadüsf esl TRAURINGE 1 Ring Dukatengold(900 gesLi zum Reklamepreis von.... 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Die meisten Anstalten, in denen die Arbeitstherapie in Fabrikation gewerblicher Produkte ausartete, bestehen fast ausnahmslos aus alleren Bauten und haben keine ordentlichen Arbeilsräumc. Dumpfe, feuchte und muffige Kellerräume sind zu Mattenflech- tereien, Korbwarenfabriken usw. hergerichtet worden. In engen Bo- denräumen sitzen die Kranken aneinander gezwängt bei der gesund- h-itsschadlichen Arbeit des Tabakentrippens. Die privaten Tabak- s a b r i k e n unterliegen den gesetzlichen Schutzbestim- m u n g e n und der Gewerbeaufsichtskontrolle, die heil- und Pflege- anstalten nicht. Auch sind die Geisteskranken, die an Moschinen aller Art arbeiten, nicht gegen Unfall versichert Ebenso sind die Krankenpflegepersonen reichsgesetzlich nicht gegen Unfall versichert. Geradezu grotesk find die Auswüchse der Arbeitstherapie dort, wo man die Kranken auch noch die Tätigkeit des Pfle- gepersonals übernehmen lätzt, wie zum Beispiel in der h e i l- undPfegeanstalthildesheim. Dort ist auf 15 Abteilungen mit etwa 300 Kranken nicht eine einzige Pflegeperson. Die Geisleskranken werden von Geisteskranken gepflegt. Geisteskranke fuhren ärztliche Verordnungen aus, haben Lebens- mittel und Medikamente zu verwallen. Schließlich hat die ubertrie- bene Beschäftigung Geisteskranker mit gewerblichen Arbesten dazu geführt, daß Anstaltsinsassen, die entlassungsreif sind, zurückgehalten werden, um als kostenlose Arbeitskrost möglichst lange Benvendung zu finden. Die Denkschrift tnüpst die Beschäftigung von Gci- steskranken an folgende Bedingungen: Verbot der Herstellung industrieller Produkte, soweit sie nicht den» Eigenbedarf der Anstallen dienen: Gewährung bestimmter Garantien für Kranke und Personal bei Betriebsunfällen im Mindestausmotz der reichs- gesetzlichen Unfallversicherung: Unterlassung jeder Strafe für Kranke. die nicht freiwillig an der Arbeit teilnehmen: Durchführung der staatlichen Ausbildung sowie Prüfung und Vermehrung des Per- sonals, um größere Sicherheit zu gewährleisten, keine Verwendung von Kranken bei Zubereitung oder Herstellung von Lebensmilleln; Festsetzung einer Arbeitszeit, die den erhöhten Anforderungen, die an das Personal gestellt werden, Rechnung tragt und endlich B e- seitigung der pflegerlosen Abteilungen. Konflikt lm„Fürsienhof". Wegen der Personalkontrolle. Da» der Firma Aschinger A.-G. gehörend« Hotel ,�O« r Fürstenhof hat seit einiger Zeit eine neue Personal- k o n t r o l l e eingeführt, die den Zweck zu verfolgen scheint, die Arbeitnehmerschaft dieses Betriebes zu provozieren. Der Per- sonalportier weitzert sich, sich die Kontroll« des Betriebsratsvorsitzenden gefallen zu lasten. Trotz wieder- Hollen Protestes verlangt die Kontrolleunn in die Akten der Schriftftchrerin des Betriebsrats bei der Kontrolle Einstcht zu nehmen. Diese» weibliche Betriebsratsmitglied wurde von dem Per- sonalportier nicht nur beleidigt, sondern auch geschlagen bzw. g e- stoßen und getreten. Neben diesen Borkommnisten haben eine Reihe ähnlicher Bor- gänge nunmehr zu der Forderung des Verbandes der Ma- schinisten und Heizer und des Zentraloerbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten geführt, diesen Mann ab Dien-tag. den ä. Dezember, mittägs 12 Uhr, nicht mehr als Personalportier zu beschäftigen. Es darf er- wartet werden, daß die Firma Aschinger einsichtig genug ist, dieser Forderung, stattzugeben und den Konflikt nicht auf die Spitze zu treiben.__ Oer Strafgesehentwurf und die Gewerkschaften. Vor kurzem referierte Rechtsanwall Dr. Siegfried Weinberg über dieses aktuelle Thema in einer Funttionarverfammlung des Ortsausschustes des ADGB. im Gewerkschaftshaus. Der Referent befaßte sich im ersten Teil stlnes Vortrages mit denjenigen Fragen, die ein spezielles gewerkschaftliches Interesse erfordern. Er legte klar, daß der Entwurf nicht den in Artikel 157 der Reichsverfassung versprochenen Schutz der Arbeitskraft bringt, sondern daß es in Wirklichkest an ausreichenden Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter vor Auswucherung durch hungerlöhne völlig fehlt. Die vorgeschlagenen Wucherbestimmungen würden in der Praxis kaum jemals zugunsten der Arbeiter angewandt. Es fehle auch an einem ausreichenden Schutzder Arbeiter gegen Gefahr für Loben und Gesundheit. In dem Entwurf seien eine ganze Reihe von Bestimmungen enthalten, die geeignet stnd, den gewertschafklichen Kamps der Arbeiter zu verhindern. Ins- besondere die Strafbestimmungen gegen„Belästigung oder Bc- unruhigung des Publikums durch ungebührliches Verhalten" seien aeeianet. in der künftigen Rechtsprechung das S t r e i k p o st e n- stehen ebenso zu behindern, wie in der bisherigen Recht- sprechung der berüchtigte Grobe-Unfug-Paragraph. Völlig unerträglich sei der vorgeschlagene 8 23 8, durch welchen den Arbeitern der sogenannten lebenswichtigen Betriebe das Streikrecht geraubt werde. Der Entwurf enthalte auch eine große Anzahl von Strafbestimmungen, die vom politischen und kulturellen Standpunkt aus zu bekämpfen sind. Die unerhörte Vcr- schärfung der Strasbestimmungcn gegen Landesverrat und hoch- verrat, die Beibehaltung der Todesstrafe und der Zuchthausstrafe, die drakonischen Bestimmungen gegen Bettler, Landstreicher und Prostituierte seien oft genug gebrandmarkt worden. Di« Kautschukbestimmunge» des Entwurfs seien u n a n- nehmbar. da die Arbeiterschaft unseren Richtern nicht das Ver- trauen entgegenbringe, daß sie diese erweiterte Machtbefugnis nicht km Sinne der Klassenjustiz verwenden werde. Der Kampf der Gewerkschaften für«inc men- schenwürdige Existenz der Arbeiterklasse sei gleich- zeitig auch die beste Kriminalpolitik. Wenn die bürgerlichen Parteien auch weiterhin die von unseren Genossen im Strasgesetzausschutz des Reichstags gestellten Verbesterungsanträge ablohnen, wie es bisher geschehen ist, so sei es am besten, die ganze Strasrechtsreform werde solange aufgeschoben, bis die Sozialdemokratie einen maß- gebenden Einfluß auf die Gestaltung des neuen Strafrechts aus- üben könne. Die Versammlung folgte dem Vortrag mit lobhaftem Interesse und bewies durch starten Beifall ihr Einverständnis mit dem Referenten.___ Der Gireik der Gaareisenbahner. Zweieinhalb oder fünf Pfennige Zulage? Die Gewerkschaften der Saareiscnbahnen haben eine Lohn- zulage von 34 Centimes gefordert, die Bahnverwaltung will ihnen nur 16 Centimes zugestehen. Darum geht der Streit. Nachdem die Dermittlungsaktion des Landrats bei der Regierungskommistion am Freitag ergebnislos verlaufen ist, hat der Streik der Saar- eisenbahnarbeiter am Sonnabend eine weitere Verschärfung er- fahren. Die Eisenbahnergewerkschaften haben beschlossen, um 5 Uhr die gesamten Belegschaften aus den Betrieben der Saarbahn herauszuziehen, so daß sich der Ausstand von 6000 auf 9000 Arbeiter vergrößert. Obwohl die Eisen- bahndirektion durch Heranziehung aller Beamten bis zur fünften Gruppe den Betrieb aufrechtzuerhallen sucht, stich im Güterverkehr bereits Störungen eingetreten. Auch auf den Zollbahnhöfen ist eine verhängnisvolle Stockung des Verkehrs unvermeidbar geworden. Di« aus Frankreich kommenden Güter werden bereits an der Grenze bei Forbach abgeladen, um mit Lastwagen ins Soargebiet weiter- befördert zu werden. Die Eisenbahndirektion hat allen Arbeitern mit Entlassung gedroht, wenn sie nicht zur Arbeit zu- rückkehren. Das Verhalten der Regierungskommission verursacht in der Oefsentlichkeit allgemein schärfste Kritik. Die Gewerkschaften sind entschlossen, am Montag die gesamten Belegschaften aus den Betrieben zurückzuziehen. Dieser Konflikt, dessen Auswirkungen der Saarwirtschaft gc- rade vor Weihnachten schweren Schaden zuzufügen droht, Hot sein« letzten Ursachen in der Unrentabilität der Saarbahnen. Diese Unrentabilität ist dadurch hervorgerufen, daß die Saar- bahnen entgegen wirtschaftlicher Vernunft durch den Versailler Vertrag aus dem leistungsfähigen deutschen R e i ch s e i f e n- hahnnetz herausgerissen und auf selbständige Basis ge- stellt wurden. Trotzdem wäre die Regierungskommission in der Lag«, dieses Defizit zu verhindern, wenn sie in vertragsmäßiger Weife die französischen Gruben, die überdies b c- deutende Frochtermäßigungen auf den Saarbahnen gc- nießen, zur S t e u e r l e i st u n g heranziehen würden. Wahlfchiebung von„Christlichen". Bei den Wahlen zu den Ausschüssen der Land- krankenkassen betät gt sich auch der den christlichen Ge- wertschaften angeschlossene Reichsoerbond Deutscher Guts- und F o r st b s a m t e n. Um Landarbeiterftimmen für feine Vorschlagsliste zu gewinnen, wendet der Verband folgenden Trick an, den wir einem Rundschreiben seines Bezirksoereins Sachsen-Anhalt entnehmen: .„Wo es wirklich zur Einreichung unserer Liste kommt und eine Wahl stattfinden muß, ist anzunehmen, daß auch ein großer Teil Nichtorganisierter Landarbeiter unsere Liste wählt, wenn wir auch t-aktisch vorgehen und Aufseher, Flurschutzbeamte, Gärtner mit in unsere L'ste aufnehmen. Damit die Wahl nicht durch diese Schiebung ungültig erklärt wird, müssen wir selbstverständlich die unteren Angestellten als Mitglieder ausnehmen, und wenn auch nur vorübergehend." Das christliche Aushängeschild muß doch nur zur Deckung von allerlei höchst unchristlichen Handlungen herhalten. Die Landarbeiter dürften den ch r i st l i ch e n„Schieber n" bald beweisen, daß ihre Stimmen nur den sreigewerkschaftlichen Listen bzw. dem Deut- scheu Landarbeiterverband gehören. Rezept zur Streikemfchrankung. Verbessert die Lohn- und Arbeitsbedingungen. I.W Auf Grund amei iranischer Statistiken wurde festgestellt, daß i n d e n A c r c> n i g te n S t a a t« n. i n den letzten zwölf Iahren mehr als 28 000 Streiks mit 15!-- Mil- lionen beteiligten Arbeitern und einem Verlust von mehr als 40 Milliarden Dollars stattgefunden haben. Von den Streits, die eine klare Entscheidung herbeiführten, fielen 3 4,5 Proz. zugunsten der Arbeiter aus, 34,5 Proz. zugunsten oer Arbeitgeber, während 31 Proz. durch einen Kom- p r o m i ß endeten. Die meisten gewerblichen Streitigkeiten fanden Zwischen 1015 und 1019 statt. Seit 1919 hat ihre Zahl beträchtlich ob- ge n o m m e n. Sie fiel von 3630 im Jahre 1910 aus 3411 im Jahre 1920, 2385 im Jahre 192Z, 1112 im Jahre 1922 und betrug 1553 im Jahre 1923, 1249 im Jahre 1024, 130! im Jahre 1025 und 103 5 im Jahre 192 6. Nach den Berichten aus Amerika ist dieses Sinken der Strcikzisfern ans die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Steigerung der Löhne und den technischen Fortschritt in der Produktion zu- rückzuführen. Der Hafenarbeiterstreik in Australien. Der Streik in den australischen Häfen hat an Ausdehnung zu- genommen. Nach Berichten aus Sydney sind nunmehr etwa 20 000 Kohlenorbeiter entlassen worden, die wegen der stockendem Koh'eirabnahme der stilliegenden Schisse keine Beschäftigung finden konnten. Insgesamt sind durch die Streikbewe- gung bisher 50 000 Mann arbeitslos. Wen» der Streik eine weiter« Woche anhält, werdeii etwa 150 000 Mann betroffen werden. In London rechnet man bereits mit möglichen Rückwir- kungen des Streikes in Form von Preiserhöhungen für Fleisch und eine Reihe wichtiger australischer Einfuhrartikel. Mollige Kcmclhoor- Hoirndtalic| Kamelhaar- SchnallcnsKcfcl für Herren, Damen und Kinder I für Herren, Damen und Kinder mit File- und Ledersohle Nr. 34-42.... 2.60 2.2S mit Filz, und Lcdersohle Nr. 34-42.... 4.95 5 95 Semtkragcnschuhc mit Gummibesatz, bester Schulzgegen Nüsse u. 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