Morgenausgabe Nr. 575 A 292 44. Jahrgang Sichentllch 70$famlg, mfwirfHil) 2,-»- Reichsmmt, in Boraus zahlbar. Untir Strcifbanb im Sn- und Ausland 5J0 Ztaichsmart pro Monat. * Ser„Bormirts* mit der Illustrier- ten Eonntagebeilage»Volt und Zeil" somi» den BeUaaen.llnterhauuna und Wissen»..Aus der Mmnelt». .Etadtbeilage»,.grauenftimme", .Der.Äindäfreund',.Iugend-Bor- «Därls*..Blick w die Büchenuelt'. »Aulturarbeit» und.Technik" erscheint wochentägllch zweimal. Sonntags und Montags elnnal. p- Verliner Vottsblatt Diensiag 6. Dezember 1927 Groß'Serlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. 3M« e i« f p a l t t g e Nonpareillezeile 80 Pfennig. Retlame�cile 5- Reich«. mark.»Kleine Anzelgeu" dos fettge- dru«tte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt �eile 60 Pfennig. Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. 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Nach ihrer Beendigung wurde folgendes Communique herausgegeben, dessen Inhalt in englischem Wonlaut aufgesetzt und von Litwinow mit feiner Unterschrift g e- billigt wurde: „Da Litwinow bei Sir Austen Chamberlain«ine Unterredung erbeten hatte, fand heute nachmittag im f)ot«l Beaurivage ein« Zusammenkunst statt. Die Zusammenkunst gab Gelegenheit zu einem freimütigen Gedankenaustausch über die Be- ziehstngen zwischen der Regierung d«r Union der Sowjetrepubliken und der britischen Regierung. Es war jedoch nicht möglich, in der Unterredung irgendeine Basis für eine Ber- ständigung(.�xreernetit) zu finden." Man könnte zunächst aus dem Wortlaut dieser gemeinsamen kknterhaltung schließen, daß die Unterredung völlig negativ ver- lausen sei und nicht der geringste Fortschritt in der Frage der eng- lisch- russischen Beziehungen zu verzeichnen sei. Indessen äußert man sich bei aller Zurückhaltung— sowohl aus englischer wie auf russischer Seite— keineswegs pessimistisch Allein die Tatsache, daß diese Unterredung überhaupt staltiinden konnte, war schon ein Fortschritt. Sicher ist. daß die Tür zu weiteren B e r h a n d- lungen offen gelassen wurde. Einstweilen wird allerdings keine neu« Begegnung in Genf stattfinden. Litwinow. reist Dienstag vormittag— diesmal, wie er selbst wiederholt versicherte, bestimmt— ab. Der englische Pressechef, der gesragt wurde, ob weuere Verhandlungen folgen würden, antwortete seinerseits: „Fragen- Sie Herrn Litwinow," worauf noch einmal der englische Standpunkt zum Ausdruck- gebracht-wurde, daß zwar die Jni- tiativ« f e lbp'v e rstä n dl i ch v o n- ru s s i sch er Seite zu erfolgen hätte, daß aber England nach wie vor bereit wäre, über die Wiederaufnahme zu verhondeln.. Gegenstand der Unterredung bildete fast ausschließlich die � Frage der russischen Propaganda in Asien. Chamberlain brache dabei wiederholt zum Ausdruck, wie sehr er es bedauere, daß er gezwungen gewesen sei. die Beziehungen eben wegen dieser Propaganda abzubrechen. Chamberlain betonte, daß eine befriedigend« Lösung dieser Pro- pagairdafrage, die einzig«, allerdings unerläßliche Boraus- s e tz u n g der Wiederaufnahme der Beziehungen bilde. Dem er- tvorteten Einwand der Russen, daß Sowjetruhland und Dritte Internationale Zweterlei seien, begegnete der Engländer von vorn- herein mit der kategorischen Erklärung, daß Großbritannien eine solch« Unterschidung nich gelten lassen könne, da es Beweise dafür besitz«, daß diese Unterscheidung fiktiv sei. Daß Litwinow daraus keine bindend« Antwort erteilen konnte, versteht sich von selbst. Er betonte wie man sich in Rußland von England bedroht fühle, zumal auf Grund der Erfahrungen. Im übrigen versprach er. der Moskauer Regierung genau Bericht über den englischn Standpunkt zu erstatten. Dann wurde das gemeinsame Communique ausgesetzt, und man trennte sich nach einer knappen Stunde ebenso wie zu Beginn mit einem Händedruck. Litwinow gehört als russischer Beobachter der Sichrheitskommission und dem Abrüstungsausschuß an. Er wird in den ersten Märztogen also aber- mals Gelsgenheit haben, mit Chamberlain um diese Zeit t>ei der nächsten Ratstagung jedenfalls wieder zu verhandeln. Doh Ber- dienst, diese Unterhaltung ermöglicht zu haben, gebührt zwei Sozia- listen: einmal Paul Boncour, der als erster die Initiative dazu ergriff, Litwinow aufzufordern, zunächst noch über den Sonntag in Genf zu bleiben, um mit Brwnd sprechen zu können ferner dem ständigen Pariser Vertreter und Genfer Sonderbericht- e r st a t t e r des englischen Arbeitcrblattes„Daily Herald" George S l o c o ni b e, der die Vermittlung zwischen Litwinow und Chamberlain besorgte und ihre Zusammenkunft schließlich herbei- führen konnte. Auch die Unterredung Briand-Lilwinow am Sonntag, scheint vom Standpunkt der europäischen Entspan- nung seh»: nützlich gewesen zu sein. Es scheint, daß die Russen den Gedanken eines Sicherheitspaktes mit Frankreich und den Frank- reich nahestehenden Rondstaotcn durchaus nicht ablehnend gegen- übersteht. Litwinow hat am späten Nachmittag auch dem polnischen Minister Zaleski einen Besuch abgestattet, der natürlich vor allem dem Wilha-Konflikt galt, bei dem aber auch die Frage dieses von Frankreich stark empfohlenen Richtangrifsspaktes eine Rolle spielte. Auch Stresemann besuchte Zaleski. Die Tatsache, daß es diesmal der deutsche Außenminister war, der als erster seinen polnischen Kollegen in dessen Hotel'aufsuchte, hat die Polen angenehm überrascht. Hoffentlich werden die Deutschnationalen 'Herrn Stresemann nicht der„Würdelosigkdit" zeihen, weil er so klug war, durch«ine solche Geste den Polen zu beweisen, dgß die Wilhelmstraß« keine unfreundliche Gefühle für den Nachbarn im Osten hegt. Woldemaras Friedenshindernis. V. 5cch. Genf, S. Dezember.(Eigenbericht.) Ztach der Unterredung Stresemann» mit Zaleski ist Ueberein stimmung zwischen Deutschland, Frankreich. England und polen über die Beilegung des polnisch-litauischen Konfliktes erzielt worden. Ein Ausschuß aus Stresemann, Briand und Ehamberlain soll bestimmte Vorschläge ouearbeiten. Das einzig? Hindernis ist Woldemaras. der auf alle, die mit ihn verhandelt haben, einen denkbar ungünstigen Eindruck gc- macht hat. Er lehnt es entschieden ab, den Kriegszustand aufzuheben. Fünf Lugendliche suchen den Tod! Gemeinsamer Gelbstmordversuch von zwei Mädchen und drei jungen Männern. Da» Haus helmhalhstraße 35 wäre gestern abend beiuohe der Schauplatz einer furchtbaren Tragödie, die stark an die KSpenicker Affäre, die den Tod der beiden jungen Kommunisten zur Folge hatte, erinnert, geworden. Zn einer Küche de» ersten Stock- werke» de» Vorderhauses wurde« füof junge Leute, unter ihnen zwei Mädchen im Alter von lS bl» 23 Zahreu durch Gas betäubt, bewvßllo» aujgefunden. Die näheren Umstände Oetzen sofort aus einen gemeinsamen Selbstmordversuch schließen. KriminalpoOzei. Mordkommission und Feuerwehr eil»?n ans den Alarm sofort an die Unfallstelle. * Folgende Einzelheiten werden zu der Tragödie bekannt: Einer der jungen Leute Holl« im ersten Stockwert«ine Küche abgemietet. In diesem Raum fanden hin und wieder Zusammenkünfte mit Gleichaltrigen, darunter Zwei Mädchen, statt. Di« jungen Leute waren seit langem erwerbslos. Gestern abend kamen sie wieder zusammen. Es erfolgt« eine länger« Aussprach«, die schließ- lich damit endete, daß man beschloß, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Einer der jungen Leute zog ein« Pistole hervor,— die aber, wie es sich später herausstellte, nur eine Schein- todpistole war— und legte sie auf den Tisch. Dann löste einer von ihnen den G a s o« r s ch l u ß. so daß große Mengen Gas aus- strömen konnten..Nachdem bereits vier der jungen Leute durch die Einwirkung des Gases bewußtlos geworden waren, erwachte «rner. der 21jährige Herbert K., au» seinem Traumzustand, und eilt« ftuf den Flur hinaus. Er klingelt« die Nochbarn heraus und fiel ahn- mächtig zu Boden. Die Leute, di« in dos Zimmer eindrangen, fanden zu ihrem Entsetzen die übrigen vier bewußtlos auf dem Boden liegen. Feuerwehr und Polizei stellten alsbald Rettungsversuche mit Sauerstoff an. Räch längeren Wiederbelebungsoersuchen gelang es, die Bewußtlosen ins Leben zurückzurusen. Doch war ihr Befinden so bedenklich, daß sie in dos nächste Krankenhaus übergeführt werden mußten. Eines der jungen Mädchen, die weniger mitgenommen war, konnte von der Kriminalpolizei des zustän- digen Polizeireviers vernommen werden. Sie gab an. daß sie alle des Lebens überdrüssig waren und daß ihnen das Dasein nicht mehr lebenswert erschien. Zudem hatte die di« achtzehn- jährig« K. mit einem der jungen Leute ein Verhältnis, dos nicht ohne Folgen geblieben war. Diese Tatsache dürfte zu dem Entschluß, ge- meinsam aus dem Leben zu scheiden, beigetragen haben. Die Ermiit- lung«n der Polizei wurden in der Nacht noch fortgesetzt. Ooppelselbstmord. In seiner im hause Schönhauser Allee 50 gelegenen Wohnung wurde gestern in den späten Abendstunde« der ZZjährlge Arbeiter Max Oeflreicher and dessen neunzehnjährige Braut, dle Arbeiterin Gerda Mensch durch Gas vergiftet bewußtlos aus- gefunden. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben a h n e E r s v l g. Die Leichen wurden polizeilich beschlagnahmt und in da» Schouhaus gebracht. Nach den kcimiualpolizcilicheu Er- mitllungen haben beide in gegenseitigem Einverständnis den Tod gesucht, da einer ehelichen Verbindung Hindernisse im Wege standen. Deuffchnationale„Erfolge" Die Obstruktion gegen die Landgemeindeordnung im Landtag Von Karl Gevering. Die deutschnationale Presse hat in den letzten Tagen Zubelhymnen darüber angestimmt, daß es der Opposition im preußischen Landtag gelungen sei, den Initiativgesetzentwurf der Koalitionsparteien zur Landgemeindeordnung zu Fall zu bringen. In der Tat haben Deutschnationale, Deutsche Volksparteiler, Wirtschaftsparteiler und Kommu- nisten im trauten Verein bei der Abstimmung über den grundlegenden Paragraphen des Entwurfs die Beschlußunfähigkeit des Landtags herbeigeführt und damit die gesetz- liche Regelung und Neuordnung des Verfassungsrechts in den Landgemeinden einstweilen verhindert. Das aber war kein besonderes Heldenstück der Deutschnationalen: denn ohne die tatkräftige Unterstützung durch die Mannen des Herrn Pieck, die sich auch in dieser Frage als die getreuen Schildknappen der Reaktionäre von rechts zeigten, wäre ihnen die Sabotage der Verfassungsreform nicht gelungen. Sie müssen sehr bescheiden geworden sein, wenn sie diesen „Erfolg" obendrein noch als einen Sieg über die Pr�eußenregierung ihren Anhängern anpreisen. Dos ist er weder in der Form, noch in der Sache. Wenn auch der Initiativantrag de» Koaliiionsparteien im wesentlichen dem Regierungsentvnirf der Landgemeinde- ordnung entsprach, so hat die Regierung Preußens niemals einen Zweifel darüber aufkommen lassen, daß sie zur Verabschiedung sowohl der kommunalen, als auch der staatlichen V e rf a s s u n g s r e f o rm g e se tz e eine breitere parlamentarische Basis für erfarder- lich halte, als die heutige Regierungskoalition Ue biete. Sie hat deswegen gar nichi erst den Versuch gemacht, die En:- würfe in das Plenum des Landtags zu bringen, obgleich die getroffenen Vorbereitungen eine schnelle Vorlage ermöglicht hätten. Das Verhalten der Deutschen Volkspartei zu Beginn dieser Legislaturperiode ließ eine andere Haltung nicht zu. Das Bestreben der Volkspartei iin Winter 1S2ä war darauf gerichlet, das Steuerruder in Preußen nach rechts herumzuwerfen—. keine geringere Ausgabe hatte sich Herr o. Campe gesteckt. Die Sozialdemokraten sollten ausgebootet werden, um Platz für Minister der Rechten zu machen. Im Hinblick auf das Stärkeoerhältnis der Parteien glaubten sich die Völksparteiler diese Rolle der Koalitions- erneuere? zuschieben zu können. Sie hatten sich geirrt� Nicht die Sozialdemokraten verließen das Preußenschiff, mndern die Minister der Volks- partei, v. Richter und B ö l i tz muhten sich auf Geheiß ihrer Fraktion ausbosien lassen, und der Kurs in Preußen blieb der alte. Nun gingen die Volksparteiler in die Oppo- sition, und es ist ungemein reizvoll, die Reden der Herren von damals nachzulesen. Unentwegt schwangen sie ihre Redekeulen in der Schlachtreihe derer von Winckler bis Pieck. Sie übten sich in der Einbringung von Mißtrauens- voten und in der Herbeiführung der Beschlutzunfähigkeit des Landtags,— parlamentarische Waffen, die selbstverständlich jede Partei in Anwendung bringen kann. Rur nahmen sie sich und nehmen sie sich heute noch im Arsenal der Volkspartei um deswillen so seltsam aus, weil diese Partei mit der Ver- sicherung von„verantwortungsbewußter, positiver Mit- arbeit" den Mund so voll genominen hatte. Und der Effekt der von der Opposition angeblasenen Schlachten? Eine stetige Festigung der preußischen Regie- rung und der ungestörte Ausbau des republikanischen Per- waltungsapparates. Eines freilich hat die Obstruktion erreicht: eine weitere Verschleppung der Gemeindeoerfassungs- re f o r m und der Verwaltungsreform. Man kann diele Verzögerung bedauern, aber sie bedeutet wenig im Vergleich zu dem Gewinn, den die Regierungskoalition durch ihre feste Haltung der Volkspartei gegenüber in der all- gemeinen Politik Preußens gewonnen hat. Die nächsten Landtagswahlen werden der Regierungskoalition ohne Zweifel einen beträchtlichen Zuwachs bringen, und wenn nicht schon die bisherigen Erfahrungen die Volksparteiler davon überzeugt haben, daß sie bei ihrem Exodus aus der Preußenregierung falsch beraten waren, dann wird ihnen sicher der Wahltag diese Erkenntnis bringen und in der Konsequenz auch wohl den Willen zur Mitarbeit. Inzwischen habe die Regierungsparteien in der Form eines Urantrags einen neuenGesetzentwurs eingebracht, der noch in dieser Woche nach der ersten Lesung im Plenum im Ausschuß beraten werden soll. Er enthäli in insgesamt 15 Pragraphen Bestimmungen, die das Em- gemeindungsverfahren, die Umwandlung der Landbürger- meistereien im Rheinland und die Auflösung der selbständigen Gutsbezirke betreffen. Di« Regierungsparteien können in Ruhe abwarten, ob auch bei diesem Antrag, dessen Kernstück die Auflösung der Gutsbezirke ist, die Opposition von Winckler über v. Campe zu Pieck zusammenbleibt.. Ihnen wird es nicht schaden, wenn auch bei der Behandlung dieses Antracr- L bis verewlgi« vbstniktionsfirma Winckler und Pieck einen neuen„Sieg" davonträgt.„ Der Jubel der deulschnationalen Provinzpresse über den Obstrurtions-„Sieg" der vergangenen Woche steht übrigens in merkwürdigem Gegensatz zu den elegischen Betrachtungen. die die„Kreuzzeitung" über Preußen anstellt. Das Blatt des Grafen Westarp muß notgedrungen zugeben, daß auch in Preußen die Deutschnationalen in die Berteidigungsstellung gedrückt seien. Darin liegt das Eingeständnis, daß alle die Obstruttionsgefechte nur Demonstrationsmanöver sind, die nicht einmal die Luft erschüttern, geschweige denn zu Erfolgen über die Preußenregierung führen können. Die„Kreuzzeitung" rechnet damit, daß die Wahlen im Reiche und in Preußen gleichzeitig erfolgen und daß darum der Schwerpunkt des Kampfes in Preußen liegen werde. „Hier müssen die Deutschnationalen alle ihre Kräfte konzen- trieren." Das ist nun freilich leichter geraten als getan. Wo sind die deutschnationalen Kräfte und wie konzentriert man sie? MitdenPlatzvatronenderdeutschnationalen- kommunistischen Obstruktion nimmt man die Preußenfestung nicht ein. Aber wie?„Einen Gedanken, em Königreich für einen Gedanken!"— Aber von Gedanken bleiben die Deutschnationalen verlassen, es zieht nichts mehr.... Die Verlustlisten des Wahltages werden sie davon überzeugen, daß ihre Pläne von der Eroberung der Feswng Preußen für immer fromme Wünsche bleiben werden! (Ks lebe der König! Regierungspartei„Mit Gott für Kaiser und Reich!" Wer rodet noch von den Richtlinien des Zentrums, die die Deutschnationalen auf die Republik verpflichten soMen? Herr von GuSrar d. Er droht mit»ernsten Worten", di« über die Richtlinien gesprochen werden sollen. Wer redet nicht mehr davon? Die Deutschnationalen. Sie reden dafür von der Monarchie und vom Kaiser. Zlm Sonntag hielt der Kreisverein Chartottanburg der Deutschnationalen Valkspartei sein Stistungssest ab. Ts wurden Fahnen genagelt. Ein Fahnennagel stammt« vom deutschnatio- nalen Reichstagsabgeordneten Dr. Everling, er trug die Inschrift:»Es lebe der König." Ein anderer, ge- widmet von der Bismarck-Iugend Charlotwnburgs, zeigte die Wid- inung:«Mit Gott sür Kaiser und Reich." Dann sprach der deutschnationole Londtagsabge- ordnete Steinhos f. Es müsse jetzt heißen:«Fort die Macht aus dem Parlament, hin dl» Macht zu chinden- burgl" Die monarchische Grundeinstellung der Partei bleibe unverändert. Zum Schluß predigte er monarchistischen Ll k t i v i s n» u s: In den vornehmsten Zielen der Deulschnatlonalea müsse die Zugend zu einem Aktlvismo» ausgezogen werden, da» gelle in erster Linie für die monarchische Staatsform. Dieselbe Rede hielt Herr S t e i n h o f f bei einem Stiftungsfest der Gelben, aus dem neben Stahlhelmocrtretern und dem deutsch- nationalen Reichstogsobgeordneten Lejeune-Iung der Prinz Oskar von Preußen den Gelben gezeigt wurde. Herr v. Guärarü kann wieder mit einem ernsten Wort« drohen, das gesprochen werden müßte. Aber Seh» den Mann, o große Rot, Wie er mit dem Stocke droht! Gestern schon und heute noch— Aber niemals schlägt er doch! Am Pranger! Nur der Vollständigkeit halber sei hier oerzeichnet: In der Sucht, immer und überall die Sozialdemokratie zu beschimpfen, bringt das Berliner Kommunistenblatt einen Bericht über den Ge- fchäftsordnungsousschuß des Reichstags unter folgender Titelzeile: SPD. gegen kommunistischen Anlraq aus Einstellung de» verfahren» gegen KPD.-Zenirale. Im Text des Berichts aber steht wenige Zeilen darunter: In der dam: folgenden Abstimmung wurde der kommu- rnjnfche Antrag(auf Einstellung des Verfahrens) gegen die Stimmen der Kommunisten and der Sozialdemokraken abgelehnt. Dem Kommunistenblatte war also der wirkliche Tatbestand voll in« Bewußtsein. Es ist in der Tat der kommuinstische Antrag Höllein-Kreuzburg, Drucksache 3710, mit 13 gegen 10 Stimmen ab- gelehnt worden. Bei den 10 Ia-Stimmen befinden sich auch di« unserer Genossen. Trotz dieser besseren Kenntnis bringt das Blatt«ine Titelzeile in Fettdruck, die das Gegenteil den Lesern einpauken soll. Die neueste Leistung wick» hierdurch dorchin befördert, wohin sie gehört: an den Pranger der Oeffentllchkeit! Wie verschieden! Hilgenberg im Mittelalter. Weniger aus wiisenschasllichem Interesse, als vielmehr um ihren Lesern ein angenehmes Gruseln beizubringen, hat sich die Hugenberg- Presse für den Montag»Ine„Kriminalistische Rundschau" zugelegt. Da wird an Beispielen früherer Zeiten bewiesen, wie herrlich weit wir es im Strafrecht gebracht haben. So hat der Hugenberg-Kriminalist ein vor dreihundert Jahren erschienenes Brevier des Oberpastors Nikolaus Haas ausgegraben, in dem der würdige Herr seinen Amts- brüdern gute Lehren erteilt, wie der geistlich- Zuspruch an hin- zurichtenden Delinquenten gestaltet werden soll. Den zum Schwene Verurteilten rät der biedere Seelsorger Narzumachen, daß es keinen schöneren und leichteren Tod gäbe, sür die am Galgen aufzuhängenden wird die Galgenleiter mit der Himmelsleiter(!) verglichen, wer zum Rade verurteilt ist, erhält den Trost, daß die Marter und Schmerzen ein Vorgeschmack der ewigen Seligkeit(!) für ihn sei» würden usw. — Im Vollgefühl seiner eigenen Kulturhöhe fügt der Hugenberg- Krirnlnalist hinzu: „Man kann aus diesen Proben ermessen, wie oerschieden unser« Empsindungswelt von der kein« 200 Jahre älteren Gene- ration war. Ach wie verschieden! Nämlich heute treibt die Hugenberg-Presse unentwegt Propaganda für die Barbarei der Todesstraf«. heut« wie damals wird der Delinquent von einem Geistlichen im Ornat zur Richtstätte geführt, heute wie damals schwatzt der Mann im Tolar ölige Worte, von denen er selbst so wenig glaubt wie der Hin- zurichtende, daß sie ein„Trost" sind, und windet sich wohl oft genug — heute wie damals— in innerer Verlegenheit, wie er den grau- samen Slkt der Hinrichtung mit de,: christlichen Lehren der Nächsten- Bürgerblock und Arbeiternot. Sentimentale?(eben im Reichstag, brutale Beschlüsse im Ausschuß. Montagssitzung des Reichstags. Zentrumsinterpellation über die Notlage des Aachener Industriegebiets. Begründung: im letzten Jahr mußten im Aachener Gebiet 37 Industrie- und 2 Bergwerke stillgelegt werden, weitere Stillegungen stehen bevor: nirgends ist das Arbeitslosenelend größer als in diesem Bezirk; mehrere Tausend deutscher Bergarbeiter sind schon heute genötigt in den benachbarten holländischen und belgischen Revieren Arbeit zu suchen. Der Zentrums- , redner Abg. Sinn schildert die Not in den dunkelsten Farben l und appelliert in bewegten Worten an das gute Herz der Regierung. Die Deutschnationalen schließen sich dem an. Montagssitzung des Wohnungsausschusses des Reichstags. Antrag auf Streichung des Inflationsparagraphen des Mieterschutzgesetzes, nach dem Arbeitern der Mieter- schütz entzogen werden kann, wenn sie ganz oder über- wiegend im Äuslande beschäftigt sind, ohne zu einem deutschen Unternehmer in einem Dienst- oder Arbeits- Verhältnis zu stehen. Wütende Gegenattacke des Zentrums- Vertreters Abg. Sinn. Begründung: der holländische Kohlenbergbau erstarke und ziehe die deutschen Arbeitskräfte aus den stillgelegten Gruben im Aachener Revier an sich, während ihre Familien in den deutschen Werkswohnun- gen blieben. Unzulässige Begünstigung des holländischen Kohlenbergbaus! Heraus mit diesen Hollandgängern und ihren Familien aus Deutschland!„Heraus mit ihnen aus Deutschland!" echot der Vertreter der Deutschnatio- nalen» Bergwerksbesitzer Abg. Leopold. Ab st im- m u n g: Zentrum und Deutschnationale stimmen den Streichungsantrag nieder. So haben Zentrum und Deutschnationale am Montag im Wohnungsausschuß gezeigt, wie sie ihre Interpellation über die NoUage des Aachener Industriegebiets aufgefaßt wissen wollen, ehe sie im Plenum die Aktion steigen ließen. Hilfe für die Arbeitslosen im Zlachener Revier? Setzt sie vor die Türe! * Im Wohnungsausschuß des Reichstags kam es am Sonnabend und Montag zu einer bemerkenswerten politischen Auseinander- setzung. Während der Inslation still» in dem Mieterschutzgesetz die §Z 34 und 35 ausgenommen worden. Roch diesen kann die Landes- behörde insbesondere für Grenzgemeinden anordnen, daß Arbeitern der Mieterschutz entzogen werden kann, wenn sie ganz oder überwiegend im Auslande beschäfllgt sind, ohne zu einem deutschen Unternehmer in einem Dienst- oder Arbeilsverhällnls zu stehen. Den Mietern, die vor dem 1. Januar 1914 keinen Wohnsitz in Deutsch- land hatten, sollte die Wohnung entzogen werden können,«veno der Vermieter ein begründetes Interesse an dem Mietraum hat. Beide Paragraphen waren Gelegenheitsgesetze. Di» Landesbehörden waren klüger als die Reichstagsmehrheit und haben niemals davon Gebrauch gemacht. Sie sind überflüssig und deshalb wurde ihre Streichung beantragt. Hiergegen wandten sich die Abgg. Sinn und Tremmel vom Zentrum mit der Begründung, daß von den Paragraphen doch noch Gebrauch gemacht werden könne. Herr Sinn bemerkte, daß der holländische Kohlenbergbau erstarke und gule deutsche Arbeitsträste an sich ziehe. So seien 1300 Bergarbeiter einer stillgelegten deutsche» Grube nach Holland in Arbeit gegangen, ihre Familien blieben ober in den Werkswohnungen und wenn sie hierblieben, wäre dies eine Begünstigung des holländischen Kohlenbergbaues. Rehmen sie der deutschen Industrie die Kräfte weg, dann sollten ihnen die Holländer auch Wohnung geben. Außerdem könMe es der Besotzung-behörd: einfallen, diese Arbeiterwohnungen für die Besatzung zu beschlagnahmen. Nachdem Genosse Nowack die Streichung der Paragraphen be- gründet hatte, enthüllte Genosse Lipinrki die politischen Absichten des Bürgerblocks. Sie richten sich gegen die Arbeiter, um zu vcrhin- dern, daß sie ihre Arbeitskraft verwerten, wenn sie in Deutschland aufs Pflaster geworfen worden seien. Es sei brutal, daß, nachdem man die Ernährer nach dem Auslande gedrängt habe, man auch die Familien obdachlos machen wolle, um durch diesen Druck die Arbeiter zu zwingen, zu niederen Löhne» in Deutschland zu arbeiten. Das verstoße gegen die Freizügigkeit, gegen die Bestimmungen für die Staatszugehörigkeit und widerspreche der deutschen Absicht, die sozialrechtlichen Ansprüche der ausländischen Arbeiter zu sichern, die in Deutschland Beschäftigung finden. Die Paragraphen könnten angesichts der Drohung der Eisen- und Stahl- induslrieven mit Stillegung der Betriebe und Aussperrung der Ar- bciter gegen die Arbeiter als politisches Druckmittel angewandt werden. Das zwinge zur Beseitigung der Paragraphen. Aus mo- ralifchen Gründen könnten die Besatzungsbehörden nicht riskieren, die Familien obdachlos zu machen. Der deutschnationole Abg. Leopold. Bergwerksbcsitzer, meinte, es sei ein« durchaus volkstümliche Politik, wenn den deutschen Arbeitern. die im Auslande arbeiten, die Wohnungen entzogen und anderen Arbeitern zur Verfügung gestellt würden. Deutsche Arbeiter, die ständig im Auslande arbeilen, hätten auch im Auslände zu bleiben. Genosse Lipinski wi-s daraus hin, daß Leopold sich den Stand- punkt Clemenceau zu eige-i mache, daß wir w Deutschland zu viel Menschen haben und es darum begreise, daß deutsch« Arbeiter nach dem Auslande abgedrängt würden. Abg. Tremmel vervxihrte sich zwar dagegen daß das Zentrum mit Beibehaltung der Paragraphen politisch gegen die Arbeiter wirke» wolle, dennoch stimmten die Zentrumkobgeordnele» mit den Blockparteien für die Beibehalivng der Paragraphen. Damit bestätigte die Blockmehrheit, daß sie gewillt ist, diese Paragraphen politisch als Pressionsmittel gegen die Arbeiter an- wenden zu lassen. Bei dieser Gelegenheit stellte Genosse Lipinski fest, daß die Be- hauptung des Zentrums, die Hirtsieser-Derordnung über die Freigabe der gewerblichen Räume sei vom preußischen Kabinelt, also mit den Stimmen der sozialdemokratischen Regierungsmitglieder be- schlössen worden, falsch i st und daß sür diese Berordnung nur der Zentruinsminister Hirtsieser allein die Verantwortung trag«. Oer Gegen der Schutzzölle. Neparaiionskommissar meldet 292 Millionen Mehreingänge.— Glaubt nicht an Zolleinbußen durch Zollsenkung. Der letzte Bericht des Reparationskommissars für die ver- pfändeten Einnahmen des Reiches enthält einige recht interessante Feststellungen. Den Großagrariern, die Ihre Zölle auch im letzten Jahr wieder erhöht haben, wird nachgewiesen, daß sie das zum Nutzen der Reparationen getan haben. In den letzten fünf Monaten des dritten Reparationslahres belief sich die Monats- einnahm« Im Durchschnitt auf 239 gegenüber 219 Millionen in den voraufgegangenen siebe» Monaten. Erforderlich waren im Monatsdurchschnitt nur 203 Millionen. Die großagrarischen Schutz- Zöllner haben damit nicht«veniger als rund 292 Millionen Mark dem deutschen Volke mehr an Zöllen auf- erlegt, als verpfändet waren, so daß die Erbpächter der nationalen Gesinnung die Deckung sür den Reparationsschutz des Reichshaushaltsetats aus dem Rücken des deutschen Volkes erhöhten Eine zweite Feststellung des Reparationskommissars ist ebenso interessant. Eines der wichtigsten, von uns aber schon oft wider- legten Argumente der Unternehmer gegen die Senkung der Industriczöll« ist di« Behauptung, daß die Zolleinnahmon des Reichs durch die Senkung der Zölle erheblich zurückgehen würden. Der Reparationskommissar für die ver- pfändeten Einnahmen kommt bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, daß weniger als 20 Prozent der deutichen Zoll- einnahmen aus der Einfuhr von Industriowaren fließen und infolgedessen die Zollsenkungsaktion das Einnahmeergebnis kaum nennenswert beeinflussen werde. Diese Feststellungen sind richtig. Für unsere nationalen Großagrarier sind sie eine moralische Ohrfeige. Für unsere schutzzollsreudigen Unternehmer und für die Reichsregierung sind sie eine Belehrung, die sich hofsenllich in der Zollsenkungs- aktion gründlich auswirken wird. liebe, der Vergebung und der Mild« in Einklang bringen soll. Cr «oürde wohl ganz froh sein, wenn ihm ein seelisch resoluter Oberpastor sür solche Gelegenheit ein Brevier mit Rcdetexten ausgearbeitet hätte, und sicherlich— wenn ein solches Brevier erschiene—.Hugenberg würde es bereitwilligst in seinen Verlag nehmen! De Monzie spricht in Berlin. Ein weiterer Schritt zur deutsch-französischen Verständigung Nach den Romanciers Duhamel und Claude Anet sprach endlich ein französischer Politiker in Berlin. Der ehemalige französische Kultus- und Iustizminister De M o n j e hiell im Auditorium maximum der Univerfität am Montagabend einen Vor- trag über den„Friedensgedanken in der jüngsten französischen Dichtung". Wie sehr dieser Vortrag interessierte und wie sehr man in Berlin daraus bedacht ist, Männer aus Frankreich zu hören, be- weist die Tatsache, daß das über 1100 Personen fassende Auditorium bis aus den letzten Platz gefüllt war und daß ein noch größerer Raum kaum den Andrang der Interessierten genügt hätte. Kultus- minister Dr. Becker und der sronzösische Botschastcr De Mar- gerie waren unter den Geladenen. Einläutend bemerkte de Monzie. daß er der erste französische Minister sei, der noch dem Kriege vor einer größeren Oefsentlich- keit spreche und vor allem über da« Thema, das heute jedem Ver- standigen in Deutschland wie in Frankreich am Herzen läge, näm- lich über das Thema der Verständigung. Im Grunde ist die Ver- ständigung eine Sache der Vernunft, die schließlich über jede Vor- urteile rein gefühlsmäßigen Charakters triumphieren muß. Dann betonte de Monzie, daß die ganze französische Dichtung niemals militaristisch gewesen ist. jedenfalls nicht in ihren Spitzen- erscheinungen, sondern stets die pazifistischen Menschheits- ideale beton« hat. Dieser Weg geht von Voltaire über Zola, Anatole France bis zu Romain Rolland. Humanität ist der General- nenner aus den das Denken und Fühlen der wirtlich großen sran- zösischen Schriftsteller aufgeht. Abschließend gab De Monzie der Hoffnung Ausdruck, daß in kurzer Zeit auch in Paris Vorträge deutscher Staatsmänner ver- anstaliet würden; den diese Vorträge könnten als Symbol gelten für eine endgültige deutsch-sranzösische Verständigung. Wahltakiik in Krankreich. Beratung der pariser Genossen. Paris, 5. Dezember.(Eigenbericht.) Der sozialistische Bezirksverband Groß-Paris beschäftigte sich mit der Taktik bei den nächsten Wahlen. Dabei wurden vier verschiedene Vorschläge vertreten. Einer verlangte gemeinsame Kan- didaturen mit den Kommunisten bereits im ersten Wahlgange. Eine Entschließung Z y r v m s k y verficht die Devise: Proletariat gegen Kapital und will im zweiten Wahlgang den kommunistischen Kandidaten den Vorzug geben, sobald die Dahl eines Reaktionärs ausgeschlossen ist. Ein dritter Vorschlag verlangt ein Eintreten im zweiten Wahlgang sür den Kandidaten, der sich das Programm des Gewerkschaftsbundes zu eigen macht. Schließlich schlug Leon Blum eine vermittelnde Lösung vor: Im ersten Wahl- gang nur sür die eigenen Parteitandidaten ein- zutreten, im zweiten Wahlgang den Kandidaten zu unterstützen, der die meiste Aussicht hat, den Vertreter der Reaktion zu schlaget«. Die Entscheidung soll den einzelnen Bezirken überlassen bleiben, lieber die Anträge wird in 14 Tagen abgestimmt. Vauerndoktor Eisenbarih. Hugeuberg, der agrarische Sachverständige der Ziechtelu In der bekannten Debatte zwischen dem Iungdeutschen Orden und Herrn H u g e n b e r g ist der Gutsherr von Rohbracken(der übrigens diesen Besitz nicht ausschließlich seinen Inflationsgewinnen verdankt) wegen seiner agrarpolitischcn Vorschläge als.Bauern- dokrorEisenbarth" bezeichnet worden. Das geschah, als Herr Hugenberg eines schönen Tages, wahrscheinlich um die W a h l- kampagnc einzuleiten, selbst die Feder ergrissen und im Handels- teil seines Lokalblattes über dos Thema„Bauernschicksol— Volksschicksal" einen Artikel geschrieben hatte. Die Apostro- phierung hat„unseren Freund in Rohbracken", wie Hugenberg im vertrauten Kreise genannt zu werden pflegt, außerordentlich schwer verschnupft. Deshalb hielt er es für notwendig, seine Eignung als agrarischer Sachverständiger vor seinen Wählern in der Provinz Westfalen mit folgenden Worten darzulegen: „Och habe meine ganzen Jugendjahr«, die jüngeren Jahre meines arbeitenden Lebens, der Bauern- fr a g e gewidmet. Ich habe fünf Jahre, nachdem ich über diescs Thema literarisch(?) geschrieben hatte, bei der Ansiedlungs- lommission für Posen und Westpreutzcn gearbeitet und bin dann von den dortigen Raiffeisen-Bauern zum Berbandsdircktor der Raiffeisengenossenschaft der Provinz Posen gewählt worden und habe in dieser Stellung weitere dreieinhalb Jahre g e a r b e i- t e t, habe dami vier Jahre im preußischen Finanzministerium die gleichen Fragen bearbeitet und mich bemüht, in den Lebens- fragen der deutschen Landroirtschast mitzuarbeiten." Leider vergißt Herr Hugenberg, der ja auch als ehemaliger Krupp-Direktor bekannter ist als aus semer agrorpolitischen Be- tätigi-ng, diesen seinen Befähigungsnachweis durch ein« Schilderung der Pleite seiner Sandbank zu ergänzen, und er geht auch nicht darauf ein, welche Rolle er bei lonstigen Bank»„G«» s ch ä f t e n" gespielt, die sich aus dem Rücken der Landwirt» s ch a f t in der Jnslationsperiode und in der Zeit des Kreditmangels nach der Stabilisierung abgespielt haben. Freilich ist, durch alle Pleiten hindurch, der Ruf Hugenbergs als Agrarsachverständiger in großagrarischcn Kreisen, vor ollem In dem Berliner Konoentikel der eigentlichen Drahtzieher leidlich mtakt geblieben— vielleicht deshalb, weil er der einzig fähige und konstruktive Kopf unter ihnen ist. Deshalb ist es auch kein Wunder, daß jetzt wieder, im Zusammenhang mit den vielbesprochenen und von uns berests ausführlich gewürdigten Milliardenprojekten für die Sanierung der deut- schen Landwirtschaft der Name Hugenberg aufgetaucht ist. So schreibt der Finanzminsster des Kapp-Putsches. Oberfinanzrat B a n g, in der alldeutsch-claßschen.Lleutschen Zeitung" im Rahmen einer Betrachtung über die Rettung der Landwirtschaft(worin er feststellt, daß heute„das Kind in der Grubt liegt" und daß„die Landwirtschaft nicht mehr ein und aus weiß") folgendes: „Es ist... H u g e n b e r g. der in genialer Erfassung des Wesentlichen deneinzigenWegzurRettungderLand» Wirtschaft gewiesen hat... warum betritt man nicht«ni. schlössen diesen Weg?... Wir sind durchaus der Ueberzeuaung, daß eine nach Hugenbergs Borschiägen durchgeführte fach- gemäße Verselb st ändigung der Rentenbank- Kreditanstalt und ihr Ausbau äls Zetttralin stanz lan'd wirtschaftlicher Selbstverwaltung die Lösung der landwirtschaftlichen Frage und nichtnurdieser, bedeutet!" Wie der„einzige Weg zur Rettung der Landwirtschast" nach Hugenbergs Plänen aussieht, ist mittlerweile durch andere Veröjfent- kichunget, bekanntgeworden. Hugenberg schlägt vor. die heute schon im wesentliäjen gr o ß a g r a rstf ch beherrschte Rentenbonk- krcdiiänstalt zu„verselbständigen", d. h. völlig unter die Herr- schaft der Großgrundbesitzer zu bringen, und ihr den gesamten landwirtschaftlichen Grund und Boden zu ver- pfänden,— bis auf einen„freien" Desitzteil. der beim Großgrundbesitz sehr groß, beim bäuerlichen Besitz verschwindend klein !ein soll. Damit hat also auch der Bauer den Löwenanteil der Zinslosten zu trogen, während die sonst für die Sa- nierung der Großagrarier noch erforderlichen Kapttalien durch ein« Auslandanleihe zu beschoffen find, die aus a l lg e m e i- uen Steuermitteln garantiert und verzinst werden soll. Ein feines Projekt also! Daß außerdem noch die„U e b« r- uahme" der Prcußenkassc auf die Rentenbank- kreditanstalt und die Möglichkeit großherziger « p e kula t i on sma n ö o« r auf dem Pfandbrief- markt vorgesehen ist, sei nur nebenbei erwähnt. Jim Lohn- und Gehattsempfänger! Die RejchSregimmg bringt keine Vorlage zur Senkung der Lohnsteuer. Am 1. Januar 1928 muß die Lohnsteuer ermäßigt werden. Die Rechtsregierung hat diesen aus gesetzlicher Grundlage beruhenden Zwang stets anerkannt. Der Reichssinanzminister Dr. Köhler hat sogar wiederholt erklärt, die Regierung werde einen ent- iprechenden Gesetzentwurf rechtzeitig vorlegen. Bis zur Stund« aber ist das nicht geschehen, und es wird auch in der Folge nicht geschehen. Innerhalb der Regierung und der Regierungsparteien sind starke Kräfte am Werk, die Lohn- und Gehaltsempfänger überhaupt um die ihnen gesetzlich zustehende Senkung der Lohnsteuer z u b e t r ii g e n. Es ist doch so angenehm, daß die Lohn- und Gehaltsempfänger mit ihren kargen Bezügen hohe Lohnsteuern zahlen und die Rclchskasse füllen, besonders angenehm, weil man diese Geldfülle zur Ermäßigung der Steuern der Besitzenden verwenden tonn. Das ist der entscheidende Grund für die Richtoorlegung eines Gesetzentwurses zur Senkung der Lohnsteuer. Ganz deutlich sagt das die „Deutsche Bergwerkszeitung": „Man muß sich darüber klar sein, daß eine Milderung der Lohnsteuer die Möglichkeit einer heilsamen Senkung der höheren Elnkommcnstcucrsähe hinausschiebl." Ohne die Sozialdemokratie wäre dieser Plan sicherlich auch durchgeführt worden, zumal man annehmen kann, daß Herr Dr. Köhler im Gegensatz zu seinen früheren Absichten kein un- bedingter Gegner einer so plutokratischen Steuerpolitik i st. Daß er auf die Einbringung eines eigenen Gisetzeiiiwu�cs verzichtet hat, obwohl er ihn mehrfach ankündigte, ist ein Beweis dafür, daß er nicht die Kraft oder sogar nicht einmal den Willen hat. denjenigen entgegenzutreten, die ihn zum offenen Bruch gesetzlicher D-rpslichtungen veranlassen wollen. Wenn sich am Dienstag der Steuerausschuß des Reichstages endlich mtt der Senkung der Lohnsteuer beschästigen wird, so ist das auch nur unter dem Druck der Sozialdemokratie erreicht worden, deren Antrag die Grundlage der Diskussion sein wird. lieber die Absichten der Reichsregierung aber weih die Oeffentllchkeit überhaupt nichts Genaues. Sie verhandelt zwar seit Togen hinter verschlossenen Türen mit den Regierungsparteien. Uebcr das Ergebnis aber wird nichts mitgeteilt. Man will anscheinend die krttisch« Mitwirkung Oer Traum des Schwerin dustriellen. »Sehen Sie, das ist unsere bewährte Fixigkeit: Wenn Krieg kommt, stellen wir die Produktion eins-zwei«drei auf Kriegsbedarf um, bricht Frieden aus, — hopp— auf Friedensbedarf. Und wenn der Achtstundentag droht,— dann produzieren wir Arbeitslose'«,» masse!' der Oefsenllichkeit vollkommen ausschalten und selbst die Möglichkeil zur eingehenden Prüfung und krttischen Stellungnahme im Reichs- tag zeitlich wesentlich einschränken. Roch nie hat eine Regierung die Lohn- und Gehaltsempfänger schmählicher behandelt. Steuer- gesetze, die für die Kapitalisten von Bedeutung sind, werden schon in den ersten Entwürfen viele Monate mit allen Unternehmerorganisationen besprochen. Diese haben also schon im Borstadium dauernd Gelegenheit, ihre Wünsche geltend zu machen. Wegen der Senkung der Lohn st euer ober ist mit keiner einzigen Organisation von Arbeitern. Angestell- ten oder Beamten verhandelt worden. Ueber chre Wünsche geht man rücksichtslos hinweg, sie werden nicht einmal unterrichtet, geschweige dcnn angehört, sondern einfach vor voll- endete Tatsachen gestellt. Kann man sich darüber bei einer Regierung wundern, deren einziger Zweck der Schutz der Interessen des Besitzes ist? Aber die Reichsregierung kann sicher sein: die Antwort auf dieses DerhaUen wird ihr im Reichstage nicht erspart bseiben. Was aber tun die A r b e i t e r v e r t r e t e r des Zentrums, mit deren Hilfe im Jahre 1S2S die in der Lex Brüning enthaltene Sicherung für die Lohn- und Gehattsempfänger geschaffen worden ist? wurde zur Last gelegt, daß st« von der rumänischen Spionageagentur die Erlaubnis erhalten haben, Warenschmuggel zu treiben, dafür aber verpflichtet gewesen seien, ihr Mitteilungen über die Rote Armee zugehen zu lassen. Neun von den Angeklagten sind zum Tode verurteilt worden, die übrigen zu Gefängnisstrafen. In Anbetracht de? Ottoberamnestie ist die Todesstrafe in«ine zehn« jährige Gefängnisstrafe umgewandelt worden. Ein Luli-Freispruch. Zusammenbruch einer Anttage gegen Iuli-Demonfiranten. Wien, 3. Dezember.(Eigenbericht.) Die Wiener Geschworenen haben am Montag ein Urteil gefällt, das einen offenkundigen Protest gegen die Verfolgung dcrIuli-Demonstranten darstellt. Ein Arbeiter war wegen Aufstands, Hausfriedensbruchs, schwerer Körperverletzung und Dieb- stahls angeklagt. Er soll sich an dem Angriss auf eine Polizeiwacht- stube, die damals In Brand gesteckt wurde, beteiligt und einen Wach- mann mißhandelt haben. Der AngeNagte erklärte, rein zufällig von einem Dcnwnstrationszug mttgezogen worden und erst zur Wacht- stube gekommen zu sein, als der Brand bereits gelöscht war. Aus Entrüstung darüber, daß die WachUeute in die Menge schössen, wob«! ein Mann vor ihm von einem Kopsschuß ge- troffen zusammenstürzte, hat er. wie er zugab, aus die Wacht- leute eingeschlagen. Der Verteidiger hob hervor, daß das ganze In- und Ausland einig darüber sei, daß für die Vorgänge am 15. Juli nicht die Demonstranten, sondern die Polizei die Schuld treffe. Er forderte deshalb Freisprechung. Tatsächlich sprachen die Geschworenen den Zlngeklagten von dem Verbrechen des Aufstandes einstimmig, von den übrigen Anklagcpunkten mit großer Mehrheit frei. Die Entspannung im Osten. Lettland will Dienstzeit herabsehen. Riga, 5. Dezember.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Partei Lettlands hatte bereits in der Opposition au» wirtschaftlichen Gründen die verkür- z u n g der Militärdien st zeit beantragt. Die lettische Links- regierung hat nunmehr ein Gesetz in Angriss genommen, das eine bedeutende Herabsetzung der Dien st zeit vorsteht. Die Zn- fanterie soll In Zukunft statt achtzehn Monate nur zwölsi Monate dlenen. Die Dienstzelt für die anderen Truppenteile soll aus sünfzehn Monate herabgesetzt werden. Das Elnberufungs- alter wird uon?0 aus Zi Zahre herausgesetzt. Dieses Gesetz soll im Jahre 1931!n Kraft treten. Sozialisten und Minderheiienblock. Warschau. S. Dezember. Gestern beriet in Lodz der Parteirat der deutschen S o- z i a l i st e n über die Frage des Beitritts zum allgemeinne Minder- hettenblock. Die Angelegenheit wurde dem vereinigten Exekutiv- komitee der Deutsch-Sozialistischen Partei in Konpreßpolen und Ober- schlessen zur Begutachtunp überwiesen, doch zeigte der Verlauf der Aussprache, daß der Beitritt b e s-b l o i s e n c Sache ist. Spionageprozeß in Sowjeirußland. Soeben ist in Charkow vor der außerordentlichen Session des Bezirksgerichts nach dreitägiger Verhandlung der Prozeß einer Spionage, und Schmugglerorganssation zu End« gegangen, die an der russtsch-rmnänischen Grenze operiert haben soll. Den Angeklagten Die argentinische Sozialdemokratie. Verlauf und Beschlüsse ihres Parteitages. Vom 9. bis 12. Oktober tagt« in Buenos Aires der\L ordent. liche Parteitag der Sozialistischen Partei Argentiniens unter dem i Vorsitz von Dr. Iusto in der Eafa del Pueblo(Dolkshaus). Die | Eröffnungsansprache beschäftigte sich eingehend mit den Ursachen der kürzlich erfolgten Spaltung und dem Austritt einer Minder- heit aus der Partei. Unter den gefaßten Resolutionen begrüßt eine die Ablehnung der spanischen Arbeiterschaft, dos„Paria- nient" zu beschicken. Eine andere spricht der Regierung Mexikos Anerkennung aus. Eine weitere Resolution mißbilligt die Ent, sendung eines Gesandte» zum Vatikan. Der Porlamentsfrak- tum wird empfohlen, auf Verbesserung der Arbeitsgesetzgebung zu dringen- Einstimmig erklärte der Kongreß, daß kein Parteimttgtied beruflich mtt Glücksspielen zu tun hoben oder an solchen teilnehmen dürfe. Das Parteiorgan„La Aanguardia(der Vortrupp) er« fuhr einige sreundschoftliche Kritik. Chefredakteur Genosse G h i o l d i antwortete ausführlich und schloß mit der Feststellung. daß das Blatt im letzten Jahre einen Reinertrag von 16 000 Dollar hatte. Dann beschloß man das Wahlprogramm der Partei für die nächstjährigen Wahlen: feine Forderungen zeigen uns, wie rück- ständig vielfach die Gesetzgebung dieser südamerikanischen Republik noch ist. Wir verzeichnen die dafür bezeichnendsten Programm. punkte: Einführung einer ansteigenden staatlichen Grundsteuer: erhöhte Abgaben der Grundbesitzer, die im Aus. land weilen: direkte, progressive Steuern auf das Rentenein- kommen: Wertzuwachssteiler für den Boden. Staatliche Kontrolle über die Einhaltung der Arbeiter- s ch u tz g e s e tz e: Ll ch t st u n d e n t a g. Staatliche Lebens-, Unsall-, Krankheitsz, I n o a« liditäts- und A l t ers o e r s I che ru n g. Parlamentarische Vertretung der einzelnen Länder. Wahl des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt durch den Gemeinderat. Die Wahl des Parteioorstandes geschieht satzungsgemäh vier- zehn Tage mich dem Kongreß durch Abstimmung der Parteimitglied- gliedschaft. Dem Vorstondsbericht ist zu entnehmen. Einen kommunistischen Dorschlag zur gemeinsamen Aufstellung eines Ar- .bester- und Bauernvertreters der Präsidentschaftskandi- baten hat der Parteivorstand als bloßes Manöver zu» r ü ck g e w I e s e n. Die Partei gehört unserer Internationale an. sie hatte eine Einladung zum panamerikanischen Arbeiter- kongreß Im Juli 1927 in Washington angenommen. Doch wurde nach Einziehung näherer Erkundigungen der Beschtuh aufgehoben. Kein Kampf im Süden. Tfchiangkaifcheck will nicht marschieren. Marschall Tschiangkaischek erklärte, daß er g e g e n die m i l i- t ä r i s ch e Austragung des Konfliktes zwischen Nanking und Kanton sei. Ueber die chinesische Nationalbewegung äußerte sich Tschiang kaischck, solange China nicht vom Bolschewismus befreit ist, kann die nationale Bewegung sich nicht frei entwickeln� Die Unterdrückung j der kommunistischen Bewegung in China ist jedoch eine Sarfee Chinas, aus keinen Fall eine englische Angelegenhett. Gesprach im Landtag. „Was ist eigentlich mtt dem Kommunisten Kilian- Halle? Gestern liebäugelte er mit den Ruthenen. heute dienert er wieder vor Pieck." „Man munkelt, daß er ein neues Blatt herausgeben will, als Konkurrenz gegen Ruth Fischer-Scholem: Di« Wetterfahne des Kommunismus!" Ein Kampf um den Tarifvertrag. Eine gewertschastsfemdliche Unna. rechtfertigen. Die Streikenden»erhalten sich absolut ruhig und diszipliniert, trotzdem man«» ihnen mit Hilf« der Polizei umnög» Bei der Errichtung der Singer Nähmaschinenfabrit im_ Jahre 1903 war sie ein Zweiggeschäft der amerikanischen ».Singe�r M a n u f a c t u r i n g Company" in den Ber- einigten Staaten. Vertragsgemäß müssen wichtige Teil« für Spezial- mgschimm fertig von Amerika bezogen werden. Das Werk in Wittenberge darf keine anderen Maschinen herstellen, als sie die amerikanische Singer Co. fabriziert. Im Jahre 1920 kam es Wegen Lohndifferenzen zu einem erbitlerten Kampf, der sich bis in das Jahr 1921 ausdehnte. Alle Versuche, diesen Streitfall durch Der- Handlungen beizulegen, waren vergeblich. Der Direktor Stark« ließ durch den Obmann des Betriebsrats den von auswärt» ge- kommenen Organifotionsvertretern erklären, daß die Singer-Firma aus Prinzip nicht mit Gewerkschaftsvertretern verhandelt. Trotz oller Machenschaften war es bis Ende 1923 nicht geglückt, an dem Achtstundentag zu rütteln. Aber getreu der reaktiv- nären Einstellung der deutschen Unternehmer, unternahm auch die «singer-Dircktion Anfang 192-t den Vorstoß gegen die ISstundigc Arbeitswoche. In einer Mitteilung an den Betriebsrat erklärte die Firma, daß der damals bestehende vertragslose Zustand beendet werde, wenn die Arbeiter die neunstündig« Atbeitszeitanerkennen. In diesem Schriftstück trat der nackte Herrenstandpunkt zutage. Verkürzt muß gearbeitet werden! Absatz ist nicht vorhanden! Di« Verlängerung der Arbeitszeit sollte ober trotzdem durch die A�' fperrung erzwungen werden. Die Arbeitszeit wurde ent- sprechend der Arbeitszeitveroronung festgelegt. Darüber hinaus S4 Stunden nach Verfügung der Direktion, ohne Mitwir- kimg des Betriebsrates, ohne Ueberstundenzuschlaq. Außerdem für 00 Tage im Jahre bis zu 60 Stunden ohne Mitwirkung des Betriebsrotes Ebenso traten betrochUiche Verdien st schmälerungen ein. Der Austritt aus der O r t s t r a n k e n k a s s c sollte vollzogen und eine Betriebstrankenkasse gebildet werde». Auch der Urlaub sollte neu geregelt werden. Die Arbeiter mußten einzeln schriftlich ihr Einverständnis erklären. Die Fobrittore wurden ge- öffnet, die Firma hatte gesiegt. Ein besonderes Kapitel stellt noch die Stcuerfcheu dieses Unternehmens dar. Angeblich macht diese Firma bei über 3000 Beschäftigten keine Ueberschüsse. Die„dcmjchc" Firma genoß bisher Steuerfreiheit, und als dep Magistrat unter Führung eines sozialdemokratischen Bürger- meistörs auch dieses Großunternehmen zu Leistungen heranziehen mollte, antworteten die Herren von der Direktion mit einem Ab- bruch der Beziehungen zum Magistrat und Boykott d�s städtischen Arbeitsnachweises! D�r Zustand, daß . die Einstellungen nach persönlicher Gunst erfolgen, dauert heute noch an. Natürlich durfte auch die Singer A. G. bei der Förderung des Wcrksgcmeinschaftsfchwindels nicht fehlen. Die Singer- Betriebe entwickelten sich zu einem Eldorado für Haken- t re uzl er. Vaterländische und Gelbe jeder Art. In Sportvereinen, Kegelklubs und Gesangvereinen mit vorzensterten -L i ede r p r ög r a mm«» wurde die„Gemeinschafisidec" hochge- päppelt, die in der Organisation wiedererstarkten Belegschaften aber gaben bei den Betriebsratswahlen 1926 die richtige Antwort. Mit überwältigender Mehrheit wurden die Vertreter der Ge- w c r k s ch a f t e n gewählt. . Di« Siitger A.-G. lehnte bisher jeden Tarifvertrag mit der organisierten Arbeiterschaft ob. Die Arbeiter mußten sich mit b e- triebliche» Lohnabkommen begnügen. Als Kündigungsfrist hatte sich die Direktion«ine Kalenderwoche vorbehalten. Hiervon machte sie am 24. Dezember 1926 Gebrauch. Der Arbeiterrat bestätigte die Kündigung des Lohnabkommens und erwartete die neuen Derbesierunasvorschläne bis zum 5. Januar 1927. Ihr« schriftlich eingereichten Vorschläge blieben unbeachtet. Der Schlich- tunasausschuß in Wittenberge übertrug den Streitfall dem amtlichen Schlichter der Provinz. Nach wochenlongem Abwarten griffen die Gewerk- s ch a f t« n«m. Di« Vorschläge der Gewerkschaften verlangten die Rückkehr zum Achtstundentag und 10 Proz. LvhnerhShnng. Der Cinladunq de« Schlichters leistete die Firma ausnahmsweise FÄg«. Der Firma wurde anheimgegeben, mit den Gewerkschaften «inen Tarifvertrag abzuschließen, anderenfalls der Schlichtungsausfchuß den Abschluß vollziehen müßte. Als Frist waren drei Tage Zeit aesetzt. Di« Singer-Leitung traf keine Anstalt, um zu einem Torisabschluß zu kommen. Don den Gewerk- schaslen wurde erneut der Schlichtungsausschuß in Ansvruch genommen. Unterdessen hatte sich bei der Singer-Direktion eine Wandlung vollzogen: Di« jeder Osganisation feindlich gegen- überstehenden Singer-Direktoren waren unter die Fitiche des Dran- denbnrgischen Metallindustriellen-Verbandes geflüchtet. Di« neuen D«rhandlungen scheiterttN sofort an der Arbeits- zeit frag«. Zu ollem anderen war genügend Dollmacht gegeben Cm Zurückweichen von der Säftündigen auf die 48stündige Arbeiis- woche liege außerhalb jeder Derhandlungsmöglichkeit. Der Termin vor dem Schlichtungsausschuß war aus den 4 April 1927 angesetzt. Am 31. März gab die Singer-Direktion durch Anschlag am schwarzen Brttt bekannt, daß sie«ine Lohnerhöhung von 10 Proz. vornehm«. Der 2. April brachte eine neue Ueberraschung. Auf demselben Wege wurde die Belegschaft unterrichtet, daß mit Montag, den 4. April, die Arbeitszeit täglich um eine Stunde ver- kürzt fei, demnach nur 48 Stunden in der Woche betrage. Infolge dieser Zugeftändnisi« sah der Schlichtungsausschuß von einer Spruch- fällung ab. Die Gegenseite glaubte, mit diesem Schochzug die Gewerkschaften abgewimmelt zu haben. Sie bot der Betriebsvertrciung«in neues Abkommen an. Der Arbeiterrai lehnte die Anerkennung des Lohn» abkommens ob und verwies auf den eingereichten Tarifvertrag der Gewerkschaften. Sie, die schärfste Gegnerin der Arbeiter- arganisotsonen, sah sich gezwungen, Mitglied des Branhenburgifchen Metgllindustriellenverbandes zu werden. Erst jetzt war der weg Zvm Abschluß eloe» Tarifvertrages frei und iwr M a ntel tä r i f der Provinz Brandenburg für dos Metallgewerb« wurde auch auf den Singer-Betrieb übernommen und teilweis« noch oerbcsiert. Damit war die Singer- Verwaltung gegen ihren Willen in ein Torifverhältnis hineingekommen, gegen das st« sich seit Jahr und Tag gesträubt Halle. So ist dos wahre Gesicht einer Firma, die es weit von sich weist. irgendwie von Amerika beeinflußt zu fein und die in ihren An- preifuiigen und Eingaben an Behörden nicht genug ihren.deutschen" Charakter, ihre deutsch« Belegschaft und ihr deutsches Produkt betonen kann. Ihrem Haß gegen die vorwärts st rebenden frei» organisierten Arbeiter mußte sie Dank des Einschreitens der Gewerkschaften Zügel anlegen. Dieselbe Singer-Gesellschaft aber hat als Kunden vornehmlich Arbeiter, die schließlich nicht un- bedingt darauf angewiesen sind, bei einer gewerkschaftsfeindlichen Firma ihren Bedarf zu decken.._.- Die Drohung der Aebenregierung. Die Christlichen wollen Tioistandetarbeilen verweigern. Essen. 5. Dezember.(Eigen bericht.i Die Kampfansage der Trust tönige hat 1« Zu- dustrierenier wie eine Bombe eingeschlagen. 3n der Arbeiter- schal» bewahr» man aber trotz aller Empörung über die neueste Provokation de» Unternehmertums vollste Ruhe und Kaltblütigkeit. Auch die öfsentliche Meinung steht dem Vergehen der Zudustrieven ebenso verständnislos und ablehnend gegenüber wie seinerzeit dem Husarenritt Hugo Stinnes nach Anna. So wird die Drohung mit der Stillegung fast allgemein als miß- glöckter Bluff„der Ilebenregierung" bezeichnet, die da» Bürger- iblockkabioev veranlassen fall, die berechtigten Ansprüche der Arbeiter. fchas» zurückzuweisen und die Znkraslsehung der Verordnung vom 16. Znli 1927 hinauszuschieben. Die Gewerkschaften sehen den kommenden Ereignissen mit Ruhe und Entschlossenheit entgegen. Vor den Betriebsräten deschristlichenMetallarbeiter- Verbandes betonte dessen Führer B u r d a tz unter großem Beifall, daß sämtliche Tlatstandsarbeiteu verweigert würden, fall» den Gewerkschaften ein Kamps aufgezwungen werde» sollte. Die Industriellen hätten die Verantwortung für die Folgen ihrer Gewaltmaßnahmen allein zu tragen. Die Kinnen, die stillegen wollen. Düsseldarf. 5. Dezember. Bei der Androhung der Stillegung in der Eisen- und Stahl- »ndnstrie Haudell e» sich um folgend« Firmen: vereinigte Stahl- werke A.-G„ Friede. Krupp A.-G., Gule-hossnungshütte. Elfen- und� Stahlwerk hoefch A.-G., Klöcknerwertc A.-G„ Alanaesmana- Röhrenwerke A.-G. Rheinische Bletallworen- und Alaschluensabrlk A..G, Düsseldorf, heolfchel G. m. b. h., Abteilung Heinrichshülle in Hattingen. Deutsche Edelstahlwerke 5L-®.. hahnsche Werke JL-G, Dreß, und Walzwerk A..G„ Düsseldorf, Geisweider Eisenwerte lt.-®.. hüllengesellschast Friedrichshütte. Sterch u. Schöneberg WU- »eldeutfche Stahlwerke A.-G.. Peine Walzwerke A.-®.. vereinigte Oberschlesifche hüllenwert« A.-®., Borfigwerke A.-®. und Eisenwerk RlaximManihütte. Zu den oben angeführten Firmen kommt noch ein« Reihe von Firmen der«eiter verarbeitenden Eisenindustrie hinzu, die im rhei- n sich- westfälischen Gebiet liegen und gleichfalls Stillelungsanzeigen zum 1. Zanuar eingereicht haben. Polizei gegen Streikende. Zvm Kampf m der westdeutsche« Kanalschiffahrt. Bochum. S. Dezember.(Eigenbericht.) In der westdeutschen Kanalschisfahrt sind die Reeder in den letzten Tagen dazu übergegangen, in einem unerhörten Ausmaß Polizei gegen die Streikenden in Anspruch zu nehmen. Mit Hilfe der Polizei will man �die Streitenden aus den Wohnungen an Bord der Schiffe heraustreiben: man erwirkt polizeiliche Verfügungen zur Exmittierung, ohne daß den aus den Wohnungen Getriebenen andere Wohnräume an Land an- gewiesen werden. Die Firma L e h n k e r i n g u. C o. hat sogar fertig gebracht, Streikende, die sich weigerten, ihre Wohnungen an Bord zu verlassen, wegen Hausfriedensbruch zu verklagen. Wie verlautet, werden polizeiliche Kräfte jetzt auch in sehr großen Ausmaß zum„Schutz" der über Rotterdam und den Rhein-herne-Kanal kommenden Erzschifsen mobil gemacht. Bei einzelnen dieser Schiffe waren z. B. nicht weniger als acht Schutzleute an Bord. Gegenüber diesem Treiben der Kanalreeder, die den Behörden- apparat für ihre Zweck« einspannen, kann nicht scharf genug Front gemacht werden. Vor allem muß an den preußischen Wohlfahrts- minister und Innenminister appelliert werden, einmal nach dem Rechten zu sehen. Vom Wohlfährtsminister darf man wohl erwarten, daß er den Wohnungsterror gegen die Streiken- den unterbindet und den beim Wohlfahrtsministerium bereits an- gemeldeten Beschwerden des Deutschen Verkehrsbundes Rechnung trögt. Der preußische Innenminister muß die Oberpräsi- denken und Regterungspräfidenten anweisen, daß st«, bevor Massen- weise Polizejkraste den Kanalreedern zur Verfügung gestellt werden, die auch in der allerjüngsten Zell keinerlei Vorgänge abgespielt, die massenhafte Inanspruchnahme der Polizei durch die Kanalreeder etile i*•• i» i u( d e» Koalttionsr« liche Aussprache über die ebenfalls strittige Frage der doppelte» Arbeitsschicht herbeizuführen.___ gnatnbgmvpt b« z»«. Dienstag. TurnabenS von 20 bis 22 Uhr in der Turnkalle der öchule Baruther Str. 20 �Leitung: Lehrer Echran). Turn» sacken mitbringen! Frei« Srweriichastsjugrnd«rah-Beeli». Heute. Dienstag, lSZä Uhr, tagen die Gruppen: Lickt-nberg: Jugendheim Dassestr. 2L. Heimbesprechnaa. gutritt nur mit Berbondsbuch und Heimausweis.— granlsurter»See: Stiidtisches Jugendheim Litauer Str.>8, Zimmer 2. Heimbespreckung.— Landsberger Plntz: Zugendbcim Diestelmenerstr 5.-Alles durckeinandtr.— siidaftea: Grupprnheim Gewerttckattshous Enaclufer 24- 2k, Ausgang B. Bortrag:.Ar. beitcrspart und Klosscntamps."- Treptow: Gruppenheim Sckule Wildcnbruch- strahe S»— 54(Hortzimmer). Heimbespreckung. Berbandsbucktontrolle.— Hum- baldt: Gruppenheim Jugendheim Graun-, Gcke LorHingitrahe. Bortrag:»Die Stellung des Lchrling» einst und jetzt."— SchSseweide: Jugendheim Siieder» schZncwcid«, Berliner Str. 31. Unterhaltungsabend. Berlag: Borwarts-Berlag S m. b S.. Berlin Druck: Lorwitris-Buckdruckerel und Lerlagsanlialt Paul Singer» Go Berlin SW 88 Liitdenstrah, 8. bteriu 2 Beilage» nah..Untertaltnsa»n» Bilsen* HONIGKUCHEN Welhnachtsgrültze... 0.50 Dessert-Kuchen.... 0.50 Berliner Happen.... O.SO Makronen-Kuchen... t.— Prlnzelß-Kuchen..... 1.— Honlg-Katharlnchen 0.40 Schokolad.-Kgchen. 0.60 Wellßer Lebkuchen.. 0.65 Frucht-Kuchen..... 0.95 Sport-Kuchen....... t.— MARZIPANE CY LI A X Marzlp-Teegebäck«/* 0.75 Marzlp.- Kartoffeln i/*0.70 Marzlp.- Brote mit Ananas Erstklassige Schokoladen Marke Sonne...... 0.70 Marke Krone...... Ö.60 Marke Mllcn-NulJ... o.SS Marke Vollmilch.... O.SO Marke Vanille...... 0.40 Pralinen stallen Preislagen DIE GROSSE QUALITÄT .FILIALEN IN AUEN STADTTEILEN— T/A' GLICH FRISCHE Ware » Kr. 575• 44. Jatirgang Dirosiog. 6. Dezember 1927 � 3emettL fXemaa vo» Ffodor©labtet». Sie wollte wie eine Henne von der Trepp« hinunter- fliegen, der Soldat drehte sich wieder um. die Fetzen von Derg fielen auf ferne Augen. Sie verstand— sie mußte warten, bis er mit seinen breiten Schritten hinter dem Berge ver- schwinden wird. Und mit einem Herzen, das vor Blut heulte, mit Augen, in denen der Tag in rotem Wirbel kreiste, mit den letzten Kräften ihres Willens rief sie Njurka freundlich zu sich:„Komm her, zur Mutter, Njuffenka... schnell, schnell... heb diesen Papierzettel dort auf, bring ihn der Mutter... So... Komm mit dem Zettel zur Mutter... schnell... schneller!...* Und Njurka pickte wie ein Küchlein den Papierzettel auf und wackelte wie ein Küchlein zu Dascha hin:„Hier Mutter! ... Hier. Mutter!..." Sie legte sich auf die Knie der Muller und baumelte mit den Füßchen. Und ein roter Wirbel kreiste in Daschas Augen, und das Herz war nahe daran, zu zerspringen. Und diese Worte las sie auf dem Zettel, und diese Worte waren von Gljeb geschrieben(kann denn ein anderer so scbreiben, außer Gljeb?):„Dascha, ich lebe und bin gesund. Gib acht auf dich und Njurotschka. Verbrenne das sofort, der schnurrbärtige Iefim wird dir sagen, wie und was." Gljeb, lieber, einziger, wenn du lebst und gesund bist und Mut zum Leben hast— dann ist sie, Dascha, auch voller Kraft und voller Mut zum Leben... Und in der Nacht kam der schnurrbärtige Iefim, er roch nach Wald und Berg, und Dascha schien es. daß er nicht nach Wald, sondern nach Gljeb rieche. In der Dunkelheit des Zimmers, beim Fenster(nur Sterne tropften vom Himmel) saß Dascha neben dem schnurrbärtigen Iefim und zitterte vor Freude und vor Liebe zu Gljeb. Und der Schnurrbärttge sagte mit heiserem Tabatsflüstern. den Revolver in der Hand, folgende Worte, die Dascha nicht begreifen konnte. „Du mußt mtt anpacken, Dascha— als erstes. Der erste Schlag: Gljeb schleppt sich durch die Weißen hindurch zur Roten Armee. Hat er Glück, dann kommt er durch. Wepn er sich fangen läßt— dann ist er kaputt. Doch nicht um ihn aeht es..■" Dascha zitterte und flüsterte abgerissene Worte:„Viel- leicht, vielleicht... sag mir. Genosse Iefim... Er wird doch zugrunde gehen in so einem Leben? Er ist doch allein... er ist doch allein zwischen den wilden Tieren..." „Nicht um ihn geht es für den zweiten Schlag. Der zweite Schlag ist ein Wort für dich— Gljebs Wort: Halle dich und fei stark. Es ist eine so unstete Zell... ich werde immer in deiner Nähe sein. Du wirst unser grünes Weib fein: das sog- ich dir von Gljeb und von mir— wir sprechen aus einer Seele. Versteh. Tu das nicht für Gljeb— sondern für alle grünen Brüder. Unsere Grünen sollen dir für diese Zell— dein Mann sein. Denk daran. Ich werde überall für dich bereit sein— überall. Und du organisiere alle grünen Witwen in einem Haufen. Geh selber in die Verpflegungs- abteilung des Werlkonsums. Wir werden die Sache schon zu rechthämmern. Na und sonst— Amen. Geh nicht vor die Tür, sondern husch nur am Pfosten vorbei." „Und wie... und mein Töchterchen? Njurotschka..." „Gib sie zu einer guten Frau hin. Njurka wird dir nicht wie ein Spätzchen davonfliegen. Sag nur. sag, was du noch sagen willst..." Dascha zitterte und konnte noch immer nicht fest und laut, aus ganzer Brust ein Wort hervorbringen. Sic sagte nur:„Genosse Iefim, vielleicht geht Gljeb jetzt allein durch die Nacht.. und der Tod ist ihm auf den Fersen... Wenn's um Gljeb so steht— so will ich auch nichts anderes... Den- selben Weg. den Gljeb gegangen ist, denselben will auch ich gehen.. Iefim gluckste im Dunkeln, und seine Hand tappte sanft auf ihre Knie. Und ging ebenso unhörbar weg. als ob er nie dagewesen, als ob er wie ein dunkler, nächllicher Schatten durch ihre Traumgedanken gegangen wäre. Und nock) einmal erzitterte Dascha. Aber das war später, im Laufe ihrer langen, trotzigen Tage. Das Töchterchen Njurka übergab sie Motja, gab ihr da- für eine Rationskarte. Motja war eine gute Frau, eine gute Freundin, und sie war lieb und zärtlich zu Njurka. Sie begann im Konsum bei der Aufteilung von Brot in der Bäckerei zu arbeiten. An machen Tagen kamen un- bekannte Menschen(diese Tage und diese Menschen verbrann- ten ihr Herz mit heißem Blut) und nahmen gegen Zettel Säcke mit Brotresten für die„Arbeiter der Bergbauten". Und Weiber...grüne Witwen", gab es beinahe ein halbes Dutzend. Die Hälfte von ihnen hamsterte, betrog ihre Männer, kam mit anderen zusammen un> vergaß sehr ball» ihre früheren Männer. Die anderen drei waren arbeitslos, ernährten sich durch Wäschewaschen für die Offiziere und emp- fingen in der Nacht Engländer und Soldaten gegen Natu- rallen. Dascha sammelle sie um sich und gab ihnen Arbell: Mitchwasser und Pflaster. Dem Arzt glaubte die Betrogene nicht, aber der Frau Meier Das gewisfenlole und gemeingefährliche Treiben einer Be- triigerin fand vor der Poisdomer Siroftammer sein« Sühn«. An- geNagt war die Wjährige Klara Meier aus Potsdam, die sich wegen Betruges verantworten mußte. Das Amtsgericht hatte sie in dieser Sache zu 9 Monaten Gefängnis und 3 Iahren Ehroerlust verurteilt. Gegen das Urteil hatte die Angeklagt« B e- r u f u n g eingelegt. Die Zstjährige Stütz«, eine geschiedene Frau N. aus der Königs- alle« in Grunewald, lernte bei einem Ausflug nach Potsdam die Angeklagte kennen. Di« Stütze bildet« sich ein, an einer Infettions- kraitkheit zu leiden und erzählte das auch der Meier.„Aber Liebste. da lasten Sie den Kopf hängen? Ich Hobe auch schon so etwas gehabt. Ich weiß eine alte Frau in Neukölln, die braut Medizin bei jedem und bespricht diese Medizin," nieint« trösten?) die Frau Meier. Schon- am nächsten Tage erschien die Angeklagte in der Grunewaldvilla und begann ihr« Kuren mit„weißer Medizin" und Pflaster. Pro Krankenbesuch Ist M., 15 M. und 20 M. Schließlich muhte die Pattentin aus Wunsch der Potsdamer Heilkundigen ihre gute Stellung ausgeben und zu ihr nach Potsdam in die Wohnung übersiedeln. Dreizehn Wochen dauert« dort der Hokuspokus. Um die Pa- ttenttn bis aufs letzte ausnutzen zu können und an sich zu fesseln. verfchrieb chr die Angeklagte auf Grund ihrer Heilkraft einen Bräutigam, und zwar einen Unterofsizier vom Reiter- regiment 4 in Potsdam. Die Heilkundig« machte den Postillo.i d'amour und schrieb die Antworten des Unteroffiziers selbst, der niemals existierte. Inzwischen fuhr di« Angeklagte im Sonntagsstaat ihrer Pattcnttn zum Aergnügen nach Berlin, während die Patientin Kindermädchen spielsti mußt«. Sie war in den dreizehn Wochen hilflos und verstört geworden und mochte sich kaum mehr auf der Straße zeigen. Granatschmuck, Ringe, Armbanduhr, mehrere hundert Mark erspartes Geld und die Kleider vom Leibe— alles hotte di« Potsdamer Hyäne an sich gebracht und oerjetzt. Auf eine Anzeige griff die Kriminalpolizei ein, di« dann die Stütze aus deir Klauen der Betrügerin erlöste. Zu einem Arzt gebracht, fand dieser keinerlei Spuren der vermein ilichen Krankheit vor. wohl aber einen vollständigen Nervenzusammenbruäi. Di« Medizin bestand aus M i I ch w a l s« r, das Pslafter war Hühneraugen mittel. Staatsannxtltfckafterat Stargardt zur Zeugin:..Bevor Sie di« Angeklagte kennen lernten, waren Sie doch in Behandlung eines Arztes, und der konnte leine Krankheit feststellen, das mußte Ihnen doch oenügen?" Zeugin:„Dem Arzt glaubte ich nicht, alier der Frau Meier aus Potsdam. Der mußte ich gehorchen, ich war ja schon halb wahnsinnig bei ihr geworden." Mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung der Angeklagten, die an Lungentuberkulose leidet, und mit Rücksicht daraus, daß ihr die Betrüoereien durch die bodenlose Dummheit der Zeugin sehr leicht gemacht worden sind, wurde die Strafe aus K Monate herabgesetzt. Auf Ehroerlust wurde nicht erkannt. Oer Streit um den Krastdroschkentarif. Differenzen innerhalb der Interessenten. Im Anschluß an den Schritt der Kraftdroschtenbesitzer beim Polizeipräsidium bezüglich einer Abänderung des bisherigen Tarife, die bekanntlich vom Polizeipräsidium abgelehnt worden ist, ist es in den Kreisen der Innung Vereinigter Kraftdroschkenbesitzer zu erheb- lichen Differenzen gekommen. Ein Teil der Innung steht nomlich auf dem Standpunkt, daß derartige übereilte Aktionen dem Gewerbe und dem Ansehen der Beteiligten nur schaden konnten, ober zu keinetn Erfolg« führten. Sowohl der Syndikus der Innung. Dr. Kopfch, wie der Obermeister Bewer hätten immer und immer wieder vor übereittcn Schritten gewarnt, sie feien ober leider mit ihrem Einfluß gegen eine Mehrheit von Borstandsmitgliedern nicht durchgedrungen. Syndikus Dr. Kopfch hat jetzt, da er die Ber- ontwortung für den jüngsten Schritt nicht mehr tragen konnte, fein Amt als Syndikus der Innung niedergelegt. Mit dieser Entfchei- dung wird sich die kommende" Innungsoersammlung bcschäjtigcn. Oer Kleintiermarkt auf der Straße. Dort, wo der wuchtige Block des Bolksbuhnengebäudes wie eine Festung des neuen Geistes inmitten der Schuttabladeplätze und der Gerümpelbauten, der unschönen Ueberbleibsel des allen Scheunen- »ieriels, steht, ist einer der sonderbarsten Märkte Berlins: Der Berliner Geflügel- und Kleintiermarkt. Der Bau- platz an der Ecke der Hirten st raße wird von einer Reihe häßlicher Holzbarocken eingefänmt, den Verkaufsläden der Geflügel- Händler; aber nur an den sehr regnerischen Wintertagen ist die gackernde und krähende Ware in den Verkaufsbuden untergebracht. Sobald es das Wetter irgendwie gestattet, ist die ganze Straße mit den Käfigen des Geflügels besetzt. Da sieht man Tauben und Hühner aller Rasten, Kaninchen und Meerschweinchen. Gänse und„ganz was Exotisches", wie der Verkäufer meint, der hier freilich schon unseren guten Freund, den Igel, und Hamster und Wchse zu den Exoten rechnet. Wirklich„exotisch" find nur die Affen, die eine selten« und darum sehr bemerkte Ware auf dem Kleintter- markt sind. Der Klelntiennartt besteht fett 1921 in dieser Form. Damals kamen einige Kriegsmvaliden auf die Idee, den Handel mll Tauben, der in den sogenannten„Ta u b e u b ö r s e n",«nsachen Kneipen von echtem Berliner Lokalkolorit, getrieben wurde, hier zu zen- trallsieren und ihn gleichzeitig auf alles andere Geflügel und allerlei Klemtterzeug auszudehnen. Sie mieteten sich auf der leeren Baustelle an der Ecke der Hirtenstraß« Standplätze und führten darauf, als die schlechte Witterung einen Berkauf im Freien unmög- llch machte, die primitiven Holzboden auf. in denen sie heute noch hausen. Für die Generalpächter der unbebauten Grundstücke wurde der Geflügelmartt zu einem recht einträglichen Geschäft: durchschnittlich sind die Plätze, auf denen sich die llnterpöchter die Buden selbst errichten mußten. 9 Quadratmeter groß und kosten 39 Mark Monatsmiete. Freilich bracht« eine der Firmen, die dort Garagen errichtete,«s fettig, bis vor einem Monat von dm Unter- Pächtern für den gleichen leeren Platz SV Mark Monatsmiete «inzuziehen. Aber die Tags dieses guten Geschäfts gehen zu End« Di« Händler rechnen selbst damit, daß sie bei Bebauung des Scheunenviertels. die im Frühjahr einsetzt, im Januar oder Februar ihre Plätze werden räumen müssen. Das wird vielleicht für manche der kleinen Händler den wirtschaftlichen Ruin bedeuten, wenn es ihnen nicht gelingt, in einer anderen Stadtgegend den Kleinttermarkt in ähnlicher Weise zu zentralisieren. Di« Stadt könnte hier durch Ueberweisung eines geeigneten Platzes zu billigem Mietszins, bei dem wucherischer Zwifchcngewinn ausgeschaltet ist. manche der Existenzen retten, die mühsam in der Nachkriegszeit und den Inslotionsjahren aufgebaut sind. Wer sind nun die Kunden des Berliner Kleinttermarktes? Für Kaninchen und Hühnergeflügel, Puten und Gänse in erster Linie die L a u b e n k o l o n i st e n und die K l e i n s i e d l e r, die sich sogar die Weihnachtsgans selbst fettnudeln, trotzdem so ein Gänse- tier schon ungemästet etwa 14 Mark kostet, und also das selbst- gemästete Gänsefleisch kaum einig« Pfennige billiqer ist als die schönst« Oderbrucher Stoppelganz aus der Gäicheausschlachterei! Auch Igel werden von den Laubenkolonisten gern gekauft, weil sie als MSujefänger einen hervorragenden Ruf besitzen. Neben den Tauben- Züchtern sink) es dann noch die Kliniken, die hier Meer- schweinchen als Versuchstiere kaufen, ein Gefchäftszwetq. der freilich nachgelassen hat. denn schon llntge machen den Meerschweinchen die billigeren Natten und Mäuse.Konkurrenz",«in« Konkurrenz freilich, an der sie selbst unschuldig sind. Wenige Monate noch, dann wird dos Idyll des Kleintiermorktes der Spitzhaue weichen müssen, die gackernde uird gurrende Ware wird nicht mehr die schmale, alte Straß« säumen, und Berlin wird wieder einmal um«in pittoreskes Straßenbild ärmer sein. in die Berge gehen, in die Stadt, um den Grünen Kleidung und Beschuhung zu bringen, und Papiere und Berichte van allen möglichen wichtigen Leuten. Das waren: Fimka(ein Mädel— eine Braut, chr Bruder Petra war bei den Grünen). Sie sah so zart aus wie ein feines Fräulein; Domacha— breitlnochig und rot- häutig. mit drct abwechselnd heulenden kleinen Fröschen. und Lisaweto. eine kinderlose junge Frau, mit»oller Brust und heißer Röte im Gesicht(trotz der hungrigen Zeit). Fimka ist weich und ergeben, niemals versagte sie sich einem Mann« als Frau— niemals ging eine Frau leer von ihr weg, die um Lebensmittel bat. Domacha ist ganz Wut. und ist bereit, sich zu rächen— an jedem und aus jedem Anlaß, für ihr Unglück. Und Lisa- weta ist verschlossen, und am Tage, vor Menschen, unnahbar. Und eben diese hatte Dascha unter ihre Führung genommen: nur mit ihnen verbrachte sie ihre freien Stunden. In düsteren Nächten kam der schnurrbärtige Iefim, schlug mit dem Revolver auf seine Knie. „Ihr sollt's wissen. Weibergenossinnen, es gibt nur einen richtigen Schlag: schweig— sonst gehst du kaputt. Beiß deine Zunge mit den Zähnen ab... Die Zunge beiß ab und spuck sie aus und schnapp mit deinen Augen nicht nach einem anderen, sondern versteck sie in deinem Bauch... Denk nur nach..." Das war ihr erster und treuer Lehrer. So verging die Zeit— ein ganzes Jahr. Und dieses Jahr stählte Dascha mit Erfahrungen. Schlauheit und Kroft. Woher das nur kam... Und die Weiber wuchsen in ihre Kraft hinein, und sie, Dascha, wurde ihre Führerin. Und als dieses erste Jahr zu Ende ging, erzitterte Dascha noch einmal. Bon dieser Zeit an verbanden sich ihre Augen- brauen über der Nase, und die Augen wurden hart wie Kristall. Eines Morgens, als Dascha vor dem Vertaufstisch, neben dem Brot stand, vor der Menschenmcsse, die in langer Reihe angestellt war— und der Morgen war frisch, blau durch das Licht und den Duft, es war Herbst— stießen Offiziere die Men'chen mit Gewehren auseinander und schleppten sie aus der Bäckerei. Die Menschen stvben wie Tropfen ans- einander und liefen voller Schrecken nach Hause. Sie aber setzte man auf ein Lastautomobil, zwischen einen ganzen Haufen von Offizieren, und führte sie in eine Villa— dorthin, wo sie damals mit Njurka gewesen war— und warf sie in denselben Keller. Und wieder lagen und saßen dort Haufen von Menschen und wieder waren ihr alle fremd, alle in ihrem eigenen Unglück versunken. (Fortsetzung folgt.) Die Prügelszenen im Rachaus. Sie kommunistischen Stadtverordneten verurteilt! In der Strafsache gegen die kommunistrschen Stadtverordneten vor dem Schöffengericht Beriin-Mttte, über die wir im gestrigen Abendblatt berichteten, verurteilte das Gericht entsprechend dem An- trage des Staatsanwalts den Stadtverordneten Lange wegen Körperverletzung und Beleidigung zu ZlZO Mark. den Stadt- verordneten B a a r tz wegen Körperverletzung zu 200 Mark und den Stadtverordneten Hesse wegen Körperverletzung und Sach- Beschädigung zu 300 Mark Geldstrafe. Im Nichteintreibungssalle .tritt für je 20 Mark ein Tag Hast. Dem Nebenkläger ist die Publikationsbesugnis in der„Roten Fahne", dem„Vorwärts", dem „Berliner Tageblatt", dein„Berliner Lokalanzeiger" usw. zuge- sprachen worden. Herr Dr. Falz kann mit dem Ausgang des Prozesses zufrieden sein. Der physisch» Schaden, den er bei der Prügelei davongetragen bat, ist nun gesühnt. Es wollte aber scheinen, daß ihm selbst der Prozeß moralisch geschadet hat. Allein schon die Aussage des Ge- nassen Dr. Flotäu. der Beisitzer im Vorstand der Stadtverord- netenoersammlung ist, genügt«, um diesen Eindruck entstehen zu lassen. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärt« er, daß Dr. Falz zu den provozierend st en Rednern in der Stadt- verordnetenversammlung gehör«. Seitdem er der Stadtverordnetenversammlung angehört, konirte das mehr als ein- mal festgestellt werden. Genosse Dr. Flatau erklärte weiter, daß er einmal selbst auf Veranlassung der sozi.rtdemokraiislfym Fraktion Gelegenheit gehabt habe, auf die ungehörigen Bemerkun- gen des Nebenklägers Bezug zu nehmen. Man könnte die Auf- regung der kommunistischen Stadtverordneten, denen Feigheit vor- geworfen worden war, wohl verstehen. Bemerkenswert waren auch die Aussagen des Genossen Dr. Flatau über das Verhalten des Stadtverordnete ii ausschusses bei dem bekannten Zwischenfall im November dieses Jahres, als Dr. Falz seine unge- hörigen Bemerkungen gegenüber der kommunistischen'Abgeordneten Hoffmann-Gwinner gemacht hatte. Entgegen der Behaup- tung des Nebenklägers Dr. Falz, daß er vom Stadtverordneten- ausfchuß nur zu einer einfachen Erklärung veranlaßt worden sei, behauptete der Zeuge, daß dies mehr ein« Entschuldigung gewesen sei. Besonders drastisch kam aber die Unbeliebtheit, deren sich • Dr. Falz erfreut, in der Aussage des Stadtverordneten Genossen U r i ch zum Ausdruck. Er erklärte, daß er wohl gesehen hob«, wer Dr. Falz den Schlag versetzt habe. Hesse sei es nickst gewesen. Wer es war, wolle er nicht sagen. Er könne sich nicht geirrt hoben, da er diesem Stadtverordneten seine Anerkennung über den guten B o x h i e b ausgesprochen habe. Der Versuch eines Schöffen. den Genossen Urich zu veranlassen, den Namen des betreffenden «tadtverordneten zu nennen, war natürlich ergebnislos. Also Dr. Falz mag über das Urteil gegen' die kommunistischen Stadtverordneten zufrieden sein. Seine Parteifreunde dürften ober von dem Ausgang des Prozesses wemg erbaut sein. Schont seltene pflanzen und Tiere! Die„Staatliche Stelle für Naturdenkmal- pflege in Preußen" veranstaltete in Berlin die Jahres- konferenz zur Exörtenmg von Fragen des Naturschutzes. An ihr nahmen teil Vertreter von Ministerien, Provinzialverwaltun- gen, Gemeindeverwaltungen, Polizeibehörden, von Provinzial- und Kreisstellen für Naturdenkmalpflcge, von Verbänden für Heimat- schütz und verwandte Gebiete. Dos erwartete preußisch« Naturschutzgesetz ist zurzeit noch Gegenstand der Beratungen in den zuständigen Ministerien. Aus der Konferenz wurde geklagt, daß die bisherige» polizeilichen Bestimmungen zum Schutze selten gewordener pflanzen und Tiere nicht alle Bedürfnisse erfassen. So hat em Gericht entscheiden zu müssen geglaubt, daß der.Berkauf aus- geblasener Eier geschützter Bogel nicht strafbar sei, weil— Eierschalen keine Eier mehr sind. Die Absicht der' Schutzbestimmungey ist, de» Bermchwngest ustd Berivüstungen ensgeg«nzutreiei< Ist"« in tllrserer Pflanzen- und Tierwelt durch um verständige Sammler und durch gewinnsüchtige Händler ange- richtet werden. Dagegen will man der wissenschaftlichen Forschung keine Schwierigkeiten bereiten. Die Befolgung der Vorschriften kann nur erzwungen werden, wenn Märkte und Läden beobachtet werden und bei Feilhaltung geschützter Pflanzen und Tiere die Polizei einschreitet. Dazu ist aber- er- forderlich, daß die Polizeibeamten selber die durch Polizeioerord- nung geschützten Pflanzen und Tiere kennen. Durch Unterrichts- kurse und durch Ausflüge in Feld und Wald sollen Polizeibeamte die nötige Kenntnis erwerben. Das Berliner Polizeipräsidium hat «men Spezialisten für Otaturschutz, der bei Feilholtung geschützter Pflanzen und Tiere zur Begutachtung herangezogen wird. Durch scharfe Kontrolle ist es in Bertin gelungen, z. B. die Feilhaltunq des geschützten Bärlapps, den n»an in Markthallen noch oft sah, schließlich zu unterdrücken. Im Zusammenhang mit diesen Fragen des Naturschutzes wurde erwähnt, daß in der Umgebung von Großstädten vor dem Toten- lest und vor Pfingsten durch widerrechtliche Entnahm« von 'schmuckreisern die Wälder geschädigt werden. Auch das müsse man durch wirksame Maßnahmen zu unterbinden suchen. Einiges Mißtrauen bringen die Freunde des Naturschutzes auch den lufthungrigen Wanderern entgegen, die in den Wäldern zur Nachtzeit ihre Zelte aufstellen. Empfohlen wurde, groß« Zeltplätze zu schaffen, auf denen dem Wanderer keine Schwierig- . leiten bereitet werden sollen. Unter den Teilnehmern der Konferenz bestand Einigkeit dar- über, daß alle Naturschutzbemühungen erfolglos bleiben müssen, wenn nicht der Gedanke des Naturschutzes in wei- teste Kreise des Volkes dringt. Tatsächlich sei der Er- folg bisher nicht groß gewesen, wenn auch die große Zahl der Verfügungen den Anschein erwecken könnte, daß aus diesem Gebiet- sehr viel getan wird.__ C*5itt Taubstummer als Messerheld. Zu schweren Ausschreitungen ließ sich in der Nacht zum Sonntag ein 21'>)ahre aller taubstummer Arbeiter Josef Kuschet hin- reißen. Er lernte in einem Lokal in der Dauziger Straße ein Mädchen kennen und gab ihr zu verstehen, daß er sie nach Hause begleiten wollte. Obwohl das Mädchen ihm klar macht«, daß sie auf feine Begleitung verzichte, ließ sich Kuschet nicht abweisen und faßte das Mädchen unter. Auf ihre Rufe kamen ihr zwei junge Leute, ein Fritz Eislcr und ein Georg Lindauer, zu Hilfe und wollten sie von dem Zudringlichen befreien. Jetzt zog aber Kuschel ein Messer und stach damit blindlings aus die ihm völlig fremden Männer solange ein, bis sie b l u t ü b e r st r ö m t zu- sammcnb rächen. Beide mußten nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Die empörten Passanten verab- folgten Kuschet eine derbe Tracht Prügel und übergaben ihn dann der Polizei, die ihn in das Polizeipräsidium einlieferte. Straheukuudgebuug der Auslandsdeutschen. Die im Ringverband zusammengeschlossenen Verbände der Ausländsdeutschen hatten am Sonntag in der Schloßbrauerei "eberg eine Kundgebung veranstaltet, die außerordentlich gut besucht war. Vertreter der einzelnen Verbände erläuterten die ivordcrungcn der Auslandsdeutschen. Die Schweriitdustric und die Fürsten haben ungeheure Gelder erholten, nur für die Deutschen, die fern vom Vaterland« für deutsche Wirtschaft Pionierarbeit ge- leistet haben, Ht kein Geld als Entschädigung für die verlorenen Ber- »logen vorhan.en. Die Reichsregierung will zwar, dem Reichstag ein Schlußgesex vorlegen,' nach dem die Großgeschädiaten besser be- hacht werden sollen als die Klein- und Mtttclgeschädtgten. Nach den s Vertretern der Verbände sprachen Abgeordnete aller Parteien. Unter ' stürmischer Zustimmung der Versammlung erklärte Genosse Künstler als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei, daß die Sozialdemokratie keinem Schlußgesetz ihre Zustimmung geben würde das die Großgeschädiaten besser stellt als die Klein- und Mittel geschädigten. Lieber Reichstagsauflösung als ein schlechtes Schluß� aesetz. Nach der Kundgebung marschierten die Bersammlungsteil nehmer zum Wittenbergplatz. Ob es sehr geschickt war, um die Ueberparteilichkeit zu dokumentieren, an der Spitze des Zuges eine. Reichsfabne, eine fchwarzweißrote Fahne und eine rote Fahne spazieren zu führen, mag dahingestellt bleiben. Erklärung! va wir vlemak» dl- Absicht hatten, die von un« immer geschitzten gu'e» aeschä'ilickien Vessebunaen in- v-rtincr Arbe'tertchaft durch die Ausnahme« de» Stahlhelm am S Mai d. Z. abzubrechen, fiad wir an die SV0„ ACD.. AVSS, da» As.-Ortskartell heranaelreie» mit der Sipe, un» bei dem Bemühen, da» vertoreuaeoanqeue gute Emuernehmen mit der«ranuifierlea Arbeilerslbaft wiederzuerlanaen, beliilsli� zu sein. Wr etflä-f, daß e» un» fern lag, durch die Aukuah-»» dr» S ablbelm», die au» ae!-büs»Icheu Gründen aeichab, un» ml» den Zie'en de» Skahlbelm» ru talldarisieren und werden dir» auch in Zukunft nicht tun. Bei dieser Gelegenheit wurden agch die tnrifllchen und organi'a'orifckien ,?roaen Im Betrieb« behandelt, wobei auch Verlr-Ier de, Gaslwirtsgehiltenverbande, und de« Mnfikerverbar de» zugegen waren. V>se ver�aadlunoen ibyrten zu dem ffrnebM», daß wir nach w'e vor dl« Tarife beider Oraanllalloae» an erlangten, organisierte» Berlonal befchSstigen nud Au»bil'zprrtonal vom par'»äti'chen Arbef»nachwei» be I eheu. hierdurch dürften de be iteheudea Vlssereuze» ihr Erlediguag gesunden haben. z Für die„Neue well»: gez. Arnold Scholz. Auf Grund vorstehender Erklärung Hollen wir die Visier evze« mit der„Neuen well" für erledigt. Für die SPD. Neukölln: gez. Huraisch. Für die SPD. Neukölln: gez. Ducke. Für dea Orksausschus; des ADGV. Berlin: gez. Sabalh. Für das ZlfA-Orlskarlell: gez. Flatau. Die Kirche als„Schlafstelle.". Oer seltsame Teppich. Eine überraschende Entdeckung machten gestern— Montag früh— Rohrleger in der Thomaskirch« am Mariannenufer. Dieses Gebäude wird augenblicklich ausgebessert und ist mit einem Bau- gerüst versehen. Die Rohrleger waren gestern im Innern beschäftigt. Vor dem Altar fiel ihnen ein Teppich auf, der merkwürdig gerollt war. Sie sahen ihn sich näher an und fanden darin einen jungen Mann, der ihnen glaubhaft machen wollte, er sei«ingestiegen, um in der Kirche zu schlafen. Die Leute übergaben ihn der Polizei. Diese stellle in dem Schläfer einen Einbrecher, den 22 Jahre allen in Berlin geborenen Otto Görlitz, fest, der sich wohnungslos umhertrieb. Auch der Kriminalpolizei wollte Görlitz erzählen, daß«r die Kirche nur als„Schlafstelle" benutzt habe. Es zeigte sich jedoch, daß die A l t a r d c ck e fehlle, daß zwei Leuchter zerbrochen dalagen, daß eine Truhe umgekippt und mehrere Schränke erbrochen waren. Ein« Fensterscheibe war eingedrückt. Görlitz war ohne Zweifel mit einem Helfershelfer eingestiegen. Dieser war, mit der Hilfe des Verhafteten, durch das Scheibenloch wieder hinausgelangt, Görlitz selbst aber hatte gewortet. bis die Kirche aiisgeschlosfcn wurde. Um sich zu verbergen, hatte er sich in den Teppich eingerollt und von diesem Versteck aus auf eine Gelegenheit zum Entweichen gewartet. Der Anschlag auf den Bauttresor. Zu dem mißlungenen Kassenraub am Savignyplatz erfahre» wir noch, baß es Fachleute» aus der Ponzerindustr!« bis 3 Uhr nach- mittags gelang, mit Geheimmitteln, die ftr den Notfall zur Der. fügung�stehen, die Tür des von der Firma Oste rt o gi-hergestellten Panzergewölbes zu öffnen, ohne sie oder dos Mauerwerk auf- schneiden zu müssen. Es zeigte sich, daß der entscheidende Teil wie auch die Feuersicherung noch vollständig intakt waren, zugleich auch, daß die Verbrecher selbst mll den besten Apparaten noch sehr lange zu tun gehabt hätten, wenn sie überhaupt an ihr Ziel hätten ge- langen können. Die erste Vermutung, daß vier Mann an der Arbeit gewesen sein müssen, hat sich auch noch den weiteren Ermittlungen bestätigt. Zwei der Beteiligten sind auch gesehen worden. Mit- teilungen zur Ausklärung an Kriminalkommissar Bünger, Dienst- stelle B S im Polizeipräsidium. Die Novellensttmde am Montag nachmittag, in der Axel Egge- brecht aus seinem„Katzen buch" las, verdient es, zuerst ge- nannt zu werden. Es kann hier nicht von diesem wunderschönen Buch gesprochen werden, in dem ein Mensch der geheimnisvollen, fernen, fremden Kreatur so nahe kommt, wie es irgend möglich ist, von diesem Buch, das aus einer großen Liebe und einem großen Wundern- und Bewundcrnkönnen entstand. Aber ine zwei Ab- schnitte, die Eggebrecht sprach, sind«in Stück dieses Buches und geben etwas von seiner Atmosphäre. Eggebrecht entdeckt die Der- wandtschaft des geheimnisvollen Tlers mit dem geheimnisvollen Element in der Betrachtung„Wasser". Er gibt mll der Skizze „Heldentod einer Katze" eine der ironischsten und zugleich ein« der grauenvollsten� Beleuchtungen des Begriffs �Heldentod". Schade, daß die Funkstunde solche wertvolle Programmnummer auf eine so wenig günstige Wochcntagsstimde legt, in der nur weitige Aus- erwählte zum Radiohören Zell haben.— Der Sonntag brachte nichts auch annähernd Gleichwertiges. Das ausgezeichnete Kinder- stück aus dem Großen Schauspielhaus,„Die Abenteuer des Kapitän Funk�, war zur Radioübertragung ungeeignet. Bon den Borträgen des Sonntags sind die Darlegungen des Ehefredakteurs Acker- mann„Vom Ereignis bis zum Leser" zu nennen als gelungener Versuch, den Funkhörern ein Bild von der Auswertung der Ereig- nisse im Rahmen der Tageszeitung zu geben.— Dr. Richard Steins Ausführungen über„Die Geräuschmusik der gelben und schwarzen Rasse" wurden besonders dadurch interessant, daß der Vortragende sich auf umfangreiche, auf Reisen gesammelte Ersah- ningen aus diesem Gebiete stützen konnte.— lieber dos„Massen- und Führerproblem in der modernen Arbeiterschaft sprach am Man- tag Oberregierungsrat Woldt. Trotzdem er etwas einseitig die Funktionen des Führers betonte, kam er doch zu recht wertvollen. aufschlußreichen Definitionen. Er charakterisierte den Arbeitersichrer von gestern als de» Agitator, den Verbreiter von Ideen— den Arbeiterführer von heute aber als den. der nach Verwirklichung der damals aufgestellten Ziele zu streben und die Masse ,zu dieser Verwirklichung hinzuführen hat.— Wertvoll war durch die klare Forin der Darlegung der Vortrog Prof. Dr.- E. S e l i g m a n n s:„Wie schütze ich mich vor Diphtherie und ihren Folgen?" » Berichtigung. In der Radiokritik vom Sonnabend ist neben einigen geringfügigen Hörfehlern ein iebr sinnentstellender unterlaufen: Rimban schuf auf seinem Sterbelager nicht Scherz» Visionen, sondern Versvisionen von unerhörten Ausmaßen. Am Montag abend spielte zuerst der Violinist Boris S ch w a v mll virtuoser Technik, während der zweite Teil des Programms dem Dichter Karl Roeuger anläßlich seine« 50. Geburtstages gewidmet war. Nach einführenden Worten von Dr. Karl Martin Elsner. las der Dichter selbst aus feine» Werken. F. S. Ltramo-Derein gegen tlrania-A.'S. ' In der gestrigen außerordenllichen Generalversamw-i lung der Urania Zl.-G. zeigte sich dieselbe verworrene Lage wie in den vorangegangenen Sitzungen. Der Urania-Derein bekämpfte die U r a n i a- A.- G. und umgekehrt. Dabei gab es schärfste persönliche Zusammen st öß«. Im Verlaus dar 4 ötunbcit dauernden Sitzung legten sowohl der Aufsichtsratsvor- sitzende Krüh, Generaldirektor der Universitätsbibliothek und Generaldirektor Antrick ihre. Mandate nieder, so daß Geheimrot Heckmann den Vorsitz übernehmen mußte. Bor vier Monaten sollte bereits einmal über den Vertauf des Grund ftücks in der Tauben st raßc Beschluß gefaßt werden. Damals lag ein sehr vorteilhaftes Angebot der Herold- Gesellschaft mll 700 000 Mark vor. Dieses Angebot wurde jedoch nicht weller ver- folgt, da der Ursnia-Berein Einspruch erhoben hatte. Dieser hatte versprochen, die zur Reorganisation der„Urania" nötigen 128 000 Mark durch seine Freund« aufzubringen. Gestern mußte Justiz- rat Dr. Becherer in einem Brief erklären, daß alle Bemühungen, -"'..... �..... & Geld herbeizuschosfen, gescheitert seien. Die Gesellschaft ist nunmehr gezwungen, jedes nur irgendtttögliche Angebot anzunehinen oder in Konkurs zu gehen, da schon die nächsten größeren Zahlungen nicht mehr geleistet werden können. Interessant war die Bemerkung eines Aktionärs, daß die„Urania" nicht in eine so peinliche Lage gekoinmen wäre, wenn sie rechtzeitig noch dem Norden, Osten oder Süden Berlins oerlegt worden wäre. Dann hätte sie der großen Masse der bildungshungrigen Arbeller gedient. Die Stadt Berlin hat übrigens wiederhott mll kleineren Darlehen ausgeholfen. Sie will aber anscheinend dem jetzigen Vorstand nicht ohne welleres größere Mlltel zur Verfügung stellen. Di« Abstimmung ergab, daß die Mehrheit der Aktionär« für einen Verkauf war. Der Großaktionär des Urania-Bereins, mll feine» 90 000 Mark Aktien, hat aber infolge einer Statutenbesttmmung nur 20«stimmen. Der Urania-Derem glaubt nach wie vor, durch Be- ' des Kon- einen _____ o- «ntrole soll sich berellerklärt haben,"»«'«« Gelder für den 'all vorzu st recken, daß das Grundstück»och in diesem Monat zum Verkauf gelangt. Schließlich wurden Professor R« u m a n n und Rechtsanwalt Arnheim neu n, den Auftichlsrat gewählt. Vielleicht ist es nun doch das Best«, das ungünstig gelegen« Heiin in der Taubenstraße zu verkaufen und ein« neue„Urania" auf anderer Grundlage in einem Arbeiterviertel Berlins zu gründe». Schwere Autounfälle. Ein schwerer Strahenusfallereignete sich gestern abend vor dem Grundstück Dorfstraße 10 in Biesdorf. Dsr Führer eines Krankentransportwagen» des Städtische» Rettung?- anttes Überholle in der Dorfstraße ein vor ihm fahrendes Auw. Der Wagen geriet dabei zu well auf die andere Stratzcnsell« und überfuhr s a h r e r. st a r b bereits.,„. lichkeit des Toten konnte bisher noch nicht fest gestellt werden. An der Ecke Hennigsdorf«? und Siebenwolder Straße ereignete sich gestern gegen 20 Uhr ein s o l g e n- schwerer Zusammenstoß zwischen einer Kraftdroschke und einer Zy kl o nette. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt und der Führer der Zytlonette,«in Wjähriger Karl K r e s s i n aus der L i e b e n w a l d e r Straße 8, schwer verletzt. Der Verunglückte, der einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen erlitten hatte, wurde in das Virchow- Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zell nach seiner EiNlieserung starb. Die Schuldfrage konnte noch nicht geklärt werden. Ein eigenartiger Unfall trug sich gestern am Friedrich- Krause- Ufer in der Näh« des Westhafens zu. Der Führer eines dort haltenden.P o st k l e i n a u t o s stellle den Mowr seines Wagens an, der sich unZelbeu Augenblick in Bewegung setzte und aus den Bürgersteig führ. Das Fahrzeug durchschlug dos B r L ck e n g e l ä n d« r d e s\K anal» und stürzte,ii'.s W a s s e r. Die Feuerwehr mußte alarmiert werden, di« das Auto nach einhalbftündiger Tätigkell bergen konnte. Nach den angestellt-,> Ermittlungen muß der Kraftwagenführer, der zum Glück iniverletzt blieb, vergessen haben, beim Abstellen des Motors den Gang aus- zuschalten._ Mlhelms Schwager verunglückl! ver junge Russe Alexander Subkoff, der jungvermählte Gatte der Prinzessin Viktoria von Schaumburg, der Schwester Wilhelms II., ist am Montag vor dein Aennchen�Haus in Godesberg mit seinem Motorrad oerungiückt. Er kam zu Fall und zog sich Verletzungen am Kopf und anscheinend auch im Innern zu. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. A-B.-Sifpms hrut«, Dirustug, pünktlich ISV. Uhr, im Srkrktzrwt. Zu dem ch,m»«stiv»riu,, der an jrdem Donnerstag Elsasser Str. 2fi, Hof partrrr«. pünktlich tSZ-s Uhr stattfindet, werbrn noch vouossc» angcnoinmcn. Abkeilungsmilgliederoersammluagen. Dienstag. IstVü Uhr: »ruuornplatz: Weltliche Schul«, Viesen., Sde Pankstraß«.--- Sesunt,- tmnnen: Schul« Got«ndurg«x Str. i.— Webdina-eiorp: Lew, Turiner, Eck« Seeslruftr.— Haseubrib«.- Bezirksamt, Barckiw. II.— Wösten II: Hcim Vü!»u>. straft« 8«.— SaUnse«: Schule Ioachim.Frirdrich.Etr. 5—6.— Lichterfelbe: Lew, Sllbrechtstr. ltz.— Ztentkl» I: Heim Sander.. Eck« Hobrechtstraftc.- Si«u° ''----- au». Dafür: �SfjueBe Fragen--, 2. Seil. — StatOHn V: Seim Nanner Strafte.— WWWWWWWA. Sciaickcnkarf.Ofl: Heim NefidrnttN.-t».— PuchholV. Schute Berliner Str. 19.„Unsere Zeitung" • Falkplatz I; Schul« Ederswalder Str. 10. R«dltati»n«be»d.— iuatni- platz: Schule Scherenbeigstr. 7. Fabrtenberlcht«.— Ztortzopi Heim Äanttjru Strafte 62.„Einführung in den Sozialismus."— Schönhauser Vorstadt: Schul« Drieiener Str. 22.„Zud und Mädel," 2. Teil.— Zentrum: Helm Landsberger Straft« ZV.„Jugend und Parwi."— Sebonedera lt Heim Hauptsrr.- t.V„Sie Entstehung der f., II. und Nl. International«.— Ehaelotlanbnrg'R.! Hein: Slberstraft«, �Spielplatz. Fonktionärsitzung.~ St�Ntz: � Stlm.«lbrechtitr.!l. Hunisr. Vankaw-Ziord: Heim SSrschftr. 1». üinuten-Sieserate. Seklardericht be« äffe« tl scheu Metterdieuftftelle Berlin und llmg-geud sRachbr. verb.) veitelbin trocken und slrtchweiie heiter bei mäßigen ILd- öftlichen Winden. Temperaturen ettvaS g'Iindcr.— Für Veutichlan»: Bis zur Weler Tauwetter. Fn Oftpreuften mäßiger Frost, in den übrigen Ge- bieten gelinder. Trocken. El-ctrola ,m Seflen? Die Eleetrola-Seseüschaft nt. b. H. hat neben ihrer bis- Heregen Berkaufsstelle, Berlin W. 8, Leipziger Str. 33, neben HMbrich, zur Be. auemlichleit iile ihre zahlreichen im Westen mohnenden Kunden eine neue Ber. kaufs sielte erijsfnet. und zmar am Kurtürftendamm ZS. Dreizehn separate Bor. spielräume ermöglichen dem Besucher ungestört die Prüfung und Auswahl der Electroia-Fabrikate. Die neue Berkaufsstelle ist In der gleichen gelchmackvoüen und vornehmen Weife ausgestattet wie die Berkaussstelle in der Leipziger Straftr. Dir Besichtigung der neuen Räume ist mit keinem Saufzwanz verbunden. gmimmwf ii..—.. �-■- Man 140 cm breii TO. SO Kammgarn für vornehme Anzüge Oritf'DAi«ofilizcb biau ISO cm D'oc 16. SO Beer Sohn a.-g. ChauuaastraM at/30 Anmeßiepraxis in prenßen und in Rußland Antwort auf eine kommunistische Landtagsinterpellation. Auf der Tagesordnung der Montogsitzung des Landtags stand zunächst ein Antrag des Zentrums, den Wohlfahrtsminister auszusordern, die soziale Ausbildung der Berussfür- s 0 r g e r im Anschluh an die allgemeine soziale Ausbildung zu fördern. Der Hauptousschuß empfirchlt Annehme des Antrages. Abg. Brämker(Soz.): Die Ausbildung der Berufsfürsorgcr und Arbeitsvermittler ist ! seit dem L Oktober gar nicht mehr Aufgabe Preußens, sondern der Reichsanstolt für Arbeitsvermittlung. Im übrigen wünschen wir die Ausbildung der Arbeitsnochweisbeomten und Be- rufsbearater spezialisiert uia> von der Ausbildung der Wohlfahrts- pfleger getrennt. Wohlfahrtspflege und Berufsberatung haben mit- > einander wemg zu tun. Arbeitsnachweis und Berufsberatung sind wichiige Teile der Wirtschaftspolitik, nicht der Wohlfahrts- pflege. Für den Arbeitsnachweisbecmten und Berufsberater ist das Wichtigste die Kenntnis der Arbeitsmarktloge, die Kenntnis des praktischen Berufslebens und das Verständnis für das Organifations- «efen. Der �entrumsantrag wird mit den Stimmen der Sozial- demokraten. Demokraten und Kommunisten gegen Zentrum und die gesamte Rechte abgelehnt. tBraoo! links.) �iedefsachsenprogramm�— eine deutschnationale Blamage. Es folgt das deutfchnatwnol« sogenannte Niedersachsen- Programm. Der chouptausschuß hat statt des umfangreichen Antrages eine Resolution angenommen, die die Regierung auf- fordert, zu prüfen, ob und inwieweit ein« besondere Notlage d'er Provinz Hannover besteht und bejahendenfalls, welche Anregungen dieses Niederfachfenprogramms zur Behebung der Not- läge brauchbar wären. Abg. Letaerl fSoz.): Nachdem das Zentrum hier ein Westprogromm eingereicht hatte, hatte die deutfchnatwnale Konkurrenz kein« Ruh« mehr, bis sie ein Niedersachsenprogromm dem Haufe vorgelegt hatte.(Heiter- keit.) Aber es wurde nur ein Stück verfrühter und verunglückter Wahipolitik. Das Niedersachsenprogramm kann nicht gut leugnen. daß die Klagen der Provinz Hamwver auf Dersäumnisse der als en königlichen Zeit zurückführen, in der landfremde, oft- �lbrfche, konseroatio« Beamte Hannover regiert haben. Da die Deutfchnationalen nur die Fortsetzung d«r Konservativen sind und noch jetzt vertragsmäßig einer konservativen Vormundschaft unter- warfen sind, schwankt ihr Niedersachsenprogramm und seine Be- gtiindung zwischen Verurteilung und Entschuldigung der früheren iöniglich-prcußische» Politik gegen Hannooer hin und her. Dabei fiät man sich nicht einmal die Mühe gegeben, das Niedersachse»- Programm und seine Begründung ernsthast auszuarbeiten. Die Rede des deutfchnaiionalen Berichterstatters, die der Landtag zu seinen Akten genommen hat, besteht aus lauter zusammengeklebten Berichten aller möglichen Zeitungen.(Große Heiterkeit.) Jnfolge- vessen enthält das Niedersuchsenprogromm, das 62 Gegenstände behandelt, eine Unmenge Dinge, die längst im Landtag er- l e d i g t und von der Regierung durchacsuhrt sind und andererseits etwa zur Hälfte Fragen, die lediglich die deutscknatio- nalen Reichs in ini st erangehen.(Erneute Heiterkeit.) In- solgcdesien kamen im Hauptansschuß die Deutschnotionalen mit ihrem Niedersachsenpragramm in gräßliche Verlegenheit, und sie waren sehr sroh, als sie mit Hilfe des Zemrums, das christliches Erbarmen mit ihnen hatte, gegen Sozialdemokraten und Demokraten beschließen konnten, da- ganze Programm unongefehe.-' der Regierung zu überweisen, damit die Regielung prüfen könne, was daraus zu machen ist. Was aber soll die Regierung damit machen, wenn sie gar nicht weiß, wie der Landtag zu den entzelncn Fragen steht? Was soll die Regierung mit den vielen Punkten de» TNeder- sachsenprogramms machen, wo die Aufzählung der einzelnen Maßnahmen mit den Worten.und dergleichen" t-Wiest« (Heiterkeit.) Darum beantragen wir jetzt Rückverweisung an den Hauptaus schütz, damit er die versäumte, sachliche Arbeit nachholt.(Bravo! und Hcsterkelt bei den Sozialdemokraten.) Abg. Freiherr v. Wangenhelm(Welse): Der Hahn hat unter lautem Gedern ein Windei gelegt.(Große Heiterkeit. Zurufe!) Ich kann doch beim besten Willen den Voter des Niedersachsenpro- gramms, den deutschnationalen Abgeordneten Jäger, nicht als Henn« bezeichnen, die ein Windei gelegt hat.(Erneute Heiterkeit!) Abg. Grebc(Z.): Man sollte sich doch freuen, wenn die Deutschnationalen wieder gutmachen wollen, was die früheren Konservativen an Hannover gesündigt haben. Ich kann mir nicht vorstellen, daß fie das parteiagUatorisch gemeint haben.(Allgemein« Heiterkeit.) Abg. Jäger(Dnat.): Wir verwahren un» feierlich dagegen, daß man unsere ernste Sorge um die Not in Hannover hier allgemein lächerlich macht. Uns kommt«» st«tsnurauf die sachlich« Arbeit an.(Gioße Heiterkeit.) Abg. Larteld-Hannooer(Dem.): Das Niedersachsenprogramm ist ein Teil dar hundeitprozentigen Versprechungen der Deutsch. nationalen, wie die Auswertung und die Rentensür» sorge.(Sehr gut! links.) Es entwickelt Ach dann eine lange Auseinandersetzung zwischen Welsen und Deutschnationalen, die sich gegenseitig Dema- gogie und Dolch st oßvolitik vorwerfen. Schließlich wird der sozialdemokratisch« Antrag auf Rück- Verweisung an den Hauptansschuß angenommen. Eine Amnestiedebotte. Es folgt der kommunistische Amnestieantrag. Der Recht»aus- schütz empfiehlt Ablehnung. Abg. Sutkner(Soz.): Dir haben im Rechisousschuß erklärt und wiederholen es: wir sind durchaus bereit, unter die politischen Vergehen und Verbrechen aus der Inflationszeit einen Strich zu ziehen. Leider ist Preußen für die Hcchverratssälle, um die es sich meist handelt, nicht zuständig. Nicht zuständig auch für die Begnadigung von Max *) ö l z. Diese Begnadigung wäre längst vollzogen, wenn nicht die reaktionäre Presse aus M»x H ö l z einen Bürgerschreck gemacht hätte. Aber was man ihm und seiner Bande vorwirft, Banklaub. Geißelverschleppung und Brandstiftung, haben Adolf Hitler und seine Band« in München am 3 November 1923 auch verübt. Diese Leute hat man wegen Hochverrats zu ganz kurzen Festungsstrafen verurteilt und wir wünschen nicht, daß Max Hölz mit anderem Maße gemessen wird als die Verbrecher von rechts.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) vle Foedseung«ach Aamestte—- da» Vfott Amnestie bedeutet auf deutsch vergesten— würde sehr unterstützt werden, wenn auch die Kommunisten ihre Vergangenheit vergesten wollten. Sie sollten den Mut finden, das auszusprechen, was sich offenbar zugetrogen hat, daß auch für sie die Periode Ruth Fischer, Ilrbahns und Scholem abgeschlossen ist. Sie brauchten nur ihren tatsächlichen Standpunkt von heute offen in Worte zu kleiden. (Unruhe bei den Kommunisten.) Für die Zeit nach 1924 können wir«in allgemeines Amnestiegesetz nicht befürworten: denn seitdem hat das politische Verbrechen aufgehört, Massenerscheinmig zu sein. Dieser neuen Situation wird man daher am besten durch Einzel- begnadigungen gerecht. Die Annahme des kommunistischen Amnestieantrages würde nicht nur die Begnadigung der Hirt- siefer- Verleumder bedeuten, sondern auch die Freilassung des Erfurter Friedhof sfchän de rs Laudin und der nationalistischen Messerstecher Gebrüder Vobis... Dir Begnadigung dieser Leute hat aber noch jüngst det�stechtsausfchutz einstimmig mit den Stimmen der Kommunisten ob gelehnt. Darum begnügen wir uns für die Zeit nach 1924 mit der Gnadcnpraxis des preußischen Justizmini st e r i u m s, das ollein bei der Hindenburg-Amnestie über G nadenerweise verfügt hat.(Bravo! links.) Damit geht Preußen allen deutschen Ländern voraus, wir dürfen ober die Sommunlsieo auch frage«, wie es mil bei Amuestie io Rußland steht.(Große Unruhe bei den Kommu nisten.) Dort werden ja nicht bloß Menschewlstea und Sozial revolvtionär« eingekerkert und von der Jubiläumsamnestie nus- gefchlosteu— auch für Stnowfew und Irohki stehen die Gesöng- niste ja schon bereit.(Sehr gut! bei den Kommunisten!) Ich habe mitangesehen, wie 5009 Berliner Kommunisten in der Neuen Welt geradezu in Derzückuna gerieten, als sich ihnen Sinowjew persönlich zeigte, und ich bin überzeugt, wenn morgen Sinowjew und Trotzki die Macht in Rußland an sich reißen könnten, würden Sie. meine Herren Kommunisten, vor ihnen genau so aus dem Bauch liegen, wle setzt vor Stalin.(Großer Lärm bei den Kommunisten!) Sie müsten ja! Bei Ihnen geht es doch ganz nach dem Grundsatz, wes Brot ich esse, de» Lied ich singe. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich bin nicht boshaft genug, zu beantragen, daß wir in Preußen ein Amnestiegesetz nach dem Muster der russischen Iubtläumsomncstie schaffen. Aber dos möchte ich doch offen aussprechen: im Grunde genommen, sind die Kommunisten mit unserer weitherzigen B«> gnadigungspraxis in Preußen sehr zusrieden, und sie wären ganz außerordentlich froh, wenn dos Neich denselben Iustizkurs hätte wie wir. Daß im Reiche die Reo? klon herrscht, liegt zu« großen Teil an den Sommualsten. aber mil ihnen oder ohne sie— bel den nächsten Wahlen wird c» geändert werden!(Stürmischer Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Iustizminister Dr. Schmidt: Im Rahmen meiner Zuständigkeit gebe ich mir die größte Mühe, olle gnadenwürdigen Personen auch zu begnadigen. Aus Grund der Hindenburg-Amnestie- hoben wir über 9000 Gnadenerweise erlösten, die Tilgungsvermerke nicht ein- gerechnet. Abg. Dr. Srzimek(Dem.): Abgesehen von der weitherzigen Knatenpraxis des Justizministeriums erledigt unser Rechtsausschuß noch jährlich 2000 Gnadenfälle. Abg. Pieck(Komm.): Unsere Amnestieforderung richte« sich gegen.die Klassenjustiz, während die Strafgewalt in Ruß- l a n d nur im Dienst der Arbeiterklasse arbeitet. Die jetzt üblichen Begnadigungen unter Bewährungsfrist sind eine Infamie. Ein Schlußantrag wird angenommen, ebenso gegen die Stimmen der Kommunisten der Antrag des Rechtsausschusses. Nächste Sitzung Dienstag, 12 Uhr. Notgesetz zur Aushebung der Gutsbezirke. Abstimmungen um 2 Uhr... �-— 's UV- W,. 4 '/ V,M Nicht dem großeft Glück nachjagen, das so schwer zu fassen und noch schwerer zu tragen ist Wohl den immerfrohen Lehens- künstlem,die sich in jeder Lebenslage zurechtfinden und überall einen Streifen Licht sehen. Auch aus den kleinen Dingen strömt ihnen Freude zu, Lebensbejahung. Freunde, fühlt euch reich im Winkel! Ihr seid gesund— welch ein Glück 1 Ihr raucht vergnüglich eure Massary-Privat, die wundervolle, aufmunternde, beglückende 4-Pfg.- Zigarette: welch ein Genuß! •JfaM&ry- 4-� ohne M un eis � üc h ul not mii �(Bololmxj.ndsi'Cicfz rs; 1-5* s-m tr/S i-Ji fiü' .. al+e�sind re'Tene■ � fr* vi- k/W M jUas�y loi 7«»/ ? TJu •�4 mr Zwischen zw, Von der Schacht- zur Vögler-Offensive. Die sozial- und wirtschaftspolitische Debatte im Reichstag ist abgeschlossen. Damit ist eine Etappe, aber nur ein« Etappe des großen Kampfes zu Ende, der in den letzten Wochen unser politisches Leben beherrschte. Der Kamps ist von der Schacht- zur Bögler-Offensioe fortgeschritten, und am Morgen noch der ausge- sochtenen parlamentarischen Schlacht wirst die angekündigte Aus- sperrung in der Großeisenindustrie ein blitzartiges Schlaglicht dar- auf, um was für gewaltige Dinge es sich dabei bandelt. Dieselben Sonntagsblätter, die die großzügige Rede des Genossen ch i l f e r d I n g wiedergaben, brachten die Mitteilung des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustriellen, in der die Stillegung der Hüttenwerke angekündigt wurde. Man könnte beim besten Willen keinen besseren Schlußakkord für die abgeschlossene und zugleich keinen besseren Austakt für die neue Etappe des Kamp- ses ausdenken! Man könnt« kein bcsssoss Mittel finden, um dem Bcwußifein der Massen einzuprägen, daß d«r Vorstost gegen die öffentliche Wirtschast und die Knmdfinastnahinc« der Grostinduftric gegen ihre Arbeiterschaft keine voneinander isolierte Erscheinua- gen, sondern zwei verschiedene Fronten des» selben Kampfes sind. Das Großkapital will soinc uneinosschränkt« Herrschaft, seine S e l b st he r r f ch a f t in der Wirtschast wiedorervbern. Der Kampf unserer Partei und der Gewerkschaften gegen diese groß- kapitalistische Autokratie wird dadurch zum Kampf um die Wirtschaftsdemokratie. Das ist die Bedeutung dieses Kampfes, im größeren Blickfeld gesehen: in der augenblicklichen Situation ist das außerdem auch der Kamps um die Konsunktur, ein Kampf, der einmal gegen die konsunkturgesährdende Politik der Reichsregicrung und des Rslchsbankpräsidenten geht, andererseits gegen die Katastrophenpolitik des scknrerindustriellen Kapitals, die mit dar schwersten Gefährdung unseres wirtschostlichen Aufschwungs auf lange Sicht verbunden ist.> Wir miissc« den Stßtnpf auf rnehrcrcu Fronten gleichzeitig führen, und es wäre oerfehlt, die eine oder andere Front zu vernachlässigen. Deshalb dürfen wir uns auch nicht einreden lassen, daß der Kampf um die öffentliche Wirtschaft jetzt weniger aktuell sei und etwas i» den Hintergrund trete» wird. Das machten inisere Gegner sehr gern, das werden wir jedoch nicht zulassen. Wie steht es jetzt aber nach der Redeschlacht im Reichstag mit diesem gesamten Problemtamplex? Welches sind die nächsten Aussichten und die nächsten Ausgaben? Der verlaus der Rcichstagedebatte war für die organisierte-Ar- bciterfchast in mehr als einer Hinsicht sehr befriedigend und ermutigend. Unser Kampf hat uns nicht nur einen glänzenden moralischen Sieg gebracht, sondern auch einige positive, prak- tische Ergebnisie gezeitigt. Aus der Debatte stellte sich mit völliger Klarheit heraus, daß nur die Sozialdemokratie ei» fest umrissenes und konstruktives wirtschaftspolitisches Programni hat. Die Reden der Vertreter der Demokraten und des Zentrums enthielten einige hemerkens- und begrüßenswert« Einzelheiten, zeigten aber keine große Linie grundsätzliche» und klare» Völlens jür die Wirtlchafts- Politik. Alles ijbrig« stand auf einem geradezu kläglichen Riveau. lind olles, was in den Erklärungen des Herrn Eurtius ein« gewisse Anerkennung verdient, mar ein Zugeständnis an unseren Stand- punkt, war die Annahme einiger unserer Fordeningen. Di« Rede Hilferdings wurde dadurch zum natürlichen Schluß der De batte. weil weder die Regieniug noch die einzelnen Fraktionen ernsthaft und wesentlich auf diese Rade antworten konnten. Zu den positiven Ergebnissen gehören vor ollem einig« Erklärungen van Herrn Eurtius zum Kampf gegen die Städte, die mehr als bloß Worte waren, weil Ichon die Tatsache, daß sie vor dem Reichs- tag ausgesprochen wurden, eine Bloßstellung von Herrn Schacht bedeutet, die ihre Wirkung im Ausland« nicht verfehlen wird. Man darf annehmeir. daß der erste grobe Ansturm gegen die öffentliche Wirt- schaft abgeschlagen ist. Herr Schacht verhandelt jetzt mit den Herren Boß. Ade- näver und Mulert; er hat der Reichsregierung bereits zugc- sagt, die groß« Anleihe zum Zwecke der Konsolidierung der kurz- fristigen Verschuldung der Kommunen vom Ausland derein, zuholen. Dadurch werden wenigstens die schlimmsten Komplikationen wegen der Kreditsperre für die Städte vermraden, durch die nach den Wünschen mancher Kreise die Städte zum Verlauf ihrer Betrieb« gezwungen werden sollten. Und dadurch, daß Herr Schacht setzt ge- zwungen ist, eine groß« KonsolidicruirgsaulLihe für die K'om- munen persönlich zu fördern, widerspricht er zum Teil seinen eigenen Behauptungen und inuß den von ihm angerichteten Schaden selbst reparieren. Wir hoben keinen Grund, das Erreichte zu verkleinern, denn der Kampf der Sozialdemokratie hat die Zugeständnisse erzwungen. Im wichtigsten Punkt bleibt aber die Lage noch unverändert und sehr gefährlich: die Sabotage der tommunalcn Anleihen durch die Beratungsstelle bleibt bestehen. Eurtius bestreitet nicht, so er hat ganz klar ausgesprochen, daß die Elnzeianträge der Kommunen vorläufig von der Beratungsstelle nicht einmal behandelt werden. Er hat das zwar damit begründet, daß»der Ausländsanleihe markt zurzeit für Kommunalanleihen nicht aufnahmefähig" fei, und er hat nur die Hoffnung ausgesprochen,„daß sich der amerikanische Markt auch für die Kam- nrunalanlechen bald wieder öffnet". Dos ist ein« völlige Verdrehung der Tatsachen. Es ist einfach nicht wahr, daß der Aus- landsanleihemarkt für Kommunalanleihen nicht aufnahmefähig ist. Wahr ist, daß man von Deutschland aus den amerikanischen Markt für die deutschen Komtnunalanleihe« absperrt gegen den Willen der amerilanifchc» Banken und gegen die Neigungen der amerikanischen Anleihekäufer. Wenn Wien, das sozialistisch regierte Wien, einige Monate noch den Julieretgnissen und trotz aller alarmierenden Ge- rüchte 30 Millionen Dollar unter relativ sehr günstigen Bedingun- gen bekommt, wem kann man dann einreden, daß für Städte wie Berlin oder Frankfurt kein Geld in Amerika zu finden wäre? Roch im Oktober wurden die deutschen staatlichen und städtischen Anleihen in Amerika direkt bevorzugt. Der Markt war aufnahmewillig und wird wieder aufnahmewillig stf», wenn die Hindernisse, die den !i Schlachten. - Triumph der Veraniwortungslosigkeit kommunalen Ausländsanleihen von Deutschland selbst ent- gegengestellt werden, beseitigt sind. Das ist noch nicht ge- schehen und das muß noch wie vor gefordert werden. In der Reichstagsdebatte hat der deutschnationale Redner Herr Rademacher mit dankenswerter Offenheit erklärt, daß die Deutschnotionalen hinter Herrn Schacht stehen—„in seinem Kampf gegen die Städte und die von ihnen erstrebte Sozialisierung von hinten herum"(!!). Dieses offene Geständnis werde» wir uns merken, obwohl es für uns nichts Neues enchält. Wir werden aber dieses Eingeständnis immer der Aufmerksamkeit aller derjeni- gen empsehlen, die noch nicht eingesehen haben, daß es sich auch bei Herrn Sefzacht wirklich um den Kampf gegen die Städte und gegen die öffentliche Wirtschast in ollen Formen handelt. Wir haben leider keinen Grund anzunehmen, daß dieser Kampf ausgegeben ist; Schachts jetzige Zugeständnisse find nicht mehr als ein strategischer Rückzug. Es ist gefährlich, daß die Beratungsstelle als Werkzeug dieses 5tzunpfes mißbraucht wurde und wiederum mißbraucht wird. daß si, kein Hilfsorgan für die Kommunen ist, durch welches die kommunal« Anleihewirtschast im Interesse der Kam- munen selbst rationalisiert wird, sondern eine neue kontrollierende Instanz für die tommuiiale Wirtschost. Die Frag«, ob die kam- munale Wirtschaft genügend kontrolliert wird und wie die Kon- troll« der kommunalen Wirtschaft am zweckmäßigsten zu organi- sieren ist, muß ganz ander» untersucht und gelöst wsr'sn. Wen» man aber der Meinung ist, daß die Auslandsanleihen aus wäh- rungs- und reparastonspolitischcn Gründen einer besonderen Kon- trolle zu unterziehen sind— was nicht unsere Meinung ist—, dann gilt dies nicht nur jür die konnnunalen. sondern für.alle Ausländsanleihen. Wenn man wie Eurtius davon redet, daß die Kommunen wie die kapital! st ischen Unternehmer „sich der Gesamtwirtschaft einfügen" müssen, dmnst aber die Ein- schränkung allein der Ausländsanleihen und allein für die Kommunen begründet, so ist dos logisch betrachtet ein Unsinn und politisch betrachtet nicht» anderes als eine Politik gegen die öffentliche Wirtschaft. Jetzt steht die organisierte deutsche Arbeiterschaft, nach der Verteidigung der ösfcntlichcn Wirtschast,. vor einem neuen schweren Abwchrkampf. Der Wille zum Prosit und zur Seibstherrschast in Deutschland hat die schwere Eisenindustrie zu der erschütternden Drohung geführt, einen lebenswichtigen Teil de� deutschen Wirtschaft einfach ftillzu- legen, wenn es nicht nach ihrem Willen geht. Die Drohung inst einer Wirtschafiskatastroph« und. mit dem Hunger für Hundert- taufend« soll oerhindern, was soziale und internationale Pflicht in Deutschland bereits zum Gesetz gemacht hat. Während die organisierte Arbeiterschaft Deutschlands ihren neuen schweren Kampf gegen den Anschlag der Schwer- i n d u st r i e führen wird, der die verantwortungslose Politik der deutschen Wirtschaftsführer gegen das Gesamtiisteresle auf die Spitze treibt, wird sie die Berteidigung der Kommunen und der öffentlichen Werke nicht vergessen. Di« taneren Feinde der Wohlfahrt des deutsche« Bolkes. die schlimmer find als die äußeren, solle» missen, daß selbst für Pyrrhussiege des Schwer- kapitals durch Ueberraschungs- und Ciuschüchtcrungs- manöver es zu spat geworden ist. Curiius gegen Giaiistisches Neichsami. Verurteilung politisch» tendenziöser Stellungnahme gegen öffentliche Werke. Da? Statistische Reichsamt leistete sich in seiner letzten Der- öffenstichung zur Reichsfinanzstatistik im Fahrwasser der jetzigen Hetze des Großkapstals gegen die vfsenstichen Unternehmungen absolut tendenziöse Bemerkimgen. Es stellte die Behauptung auf, daß die staatlichen kommunalen Erwerbsunternehmungei, sowie der in öffentlicher Hand befindlich« Vermögen»besitz eine„B e- lastung der Allgemeinheit" bedeiien, da sie eine Ein- schränkung der prioatwirtschofstichen Betätigung!- und Gewinn- Möglichkeit darstellen. Der„Bor wärt»" hat bereits zweimal das Statistische Reichsamt aufgefordert, zu dieser Darstellung Stellung zu nehmen. Das Zlmt und fein Präsident hotten jedoch bisher nicht den Mut, diese sinnlose oder tendenziös gewollte Aeußerung zu korrigieren. Die ausgebliebene Antwort ist vor kurzem im Reichstag vom Genossen Aufhäuser erzwungen worden. Die Rickstig- stellung mußte direkt von der Ministe rhank au» vorgenommen werden. In seiner Erwiderung auf die sozialdemokratische Jnter- pellation hat der Reichswirtschaftsminister wörtlich erklärt:„Die Veröffentlichung des Statistischen Rcichsamts wird von der' Reichsregierung nicht gedeckt." Es lohnt sich, diese brüske Desavouierung des Statistischen Roichsamts und seines Präsidenten besonders ieft- zuhalten. Sie ist oerdient. Es wird gut fein, wenn dos Statistische Reichsamt die Geduld der Oeffentlichkeit nicht weiter so auf die Probe stellt, wie es bisher gefchehm ist. Politik hat bei einer statistischen Behörde ein für allemal nichts zu suchen. Llnstei und flüchtig____ Wann wird der Landarbeiter seßhaft?- Die Zahl der Oeputatarbeiter. Der Deutsch« Landorbeiterverband veririst mit Recht die Aus- faffung. daß die Deputot-sRatural-jentlohnung in der deutschen Landwirtschaft allmählich zugunsten der reinen Barcntlvhniing v«r- schwinden muß. Dieser Austastung treten die Freund« der Deputat- entlahnunq unter anderem mit der Behauptliiig entgegen, das auf reinem Barlohn aufgebaute Arbeitsverhältnis begünstige die Unstetig- keit und Heimgtlostakeit der Landarbeiter.„Das Deputat, der lang- fristige Bertrag schützt," so führte der gelbe Reichslandarbeiterbund in Rr. 10 seines Organs(Jahrgang wörtlich ai:e.„wenn auch noch nicht ausreichend, wenigstens«was vor der Unstetiekeit und Heimatlosigkeit. Das Deputat gibt dem Landarbeiter wenigstens eine gewisse Seßhaftigkeit, tonn ihm Freude und Glückseligkeit am eigenen Heim, am eigenen Gut bringen."... Aber der Parole des roten Verbandes:„Unstet und flüchtig sollst Du werden" setzt der Reichslandarbeiterbund die Parole:„Seßhaft und heimatfroh sollst Du werden. Du deutscher Landarbeiter, Du Salz des deutschen Volkes."■ Das von dieser Anficht zu Hollen ist. zeigen die Abwände« rungsziifern tn den drei typischen Deputat- Provinzen Ostpreußen, Pommern und Schlesien, die der Hilss- referent des preußischen statistischen Landcsamtes Dr. Golding kürzlich in der Zeitschrift„Der Heimatdienst" für die Zest von 1900 bis 1910 und von 1919 bis 1923 bekanntgab: Zahl der abgewanderten Personen: Pro« de» Pro« de» Provinz 1900/10 gesamten 1919, Y5 gesamte» SanderosrUlftes Wände rverluste» Ostpreußen. 226 000 21,0 158 000 25.0 Pommern.. 137 000 12,5 60 000 10,0 Schlesien.. 149 000 14,0 72 000 11,0 Nach diesem Zahlenbild sst die Ansicht, die von den Freunden der Dcputatentlohnung in der Landw irlschaft vertreten wird, voll» kommen hinfällig. Die Uustetigkeit und Heimatlosig- keit der Landorbeiter ist nirgends stärker als gerade in den Teilen des Reiches ausgeprägt, wo die Deputatentlohnung die Grundlage des land- wirtschaftlichen Arbeitsverhältnisse, bildet. Prozentual berechnet sind die drei genannten Provinzen an dem Wanderverluft, der für den Zeitabschnitt 1900/10 herausgerechnet wurde, mit 47,5 Proz. und an dem für den Zeitabschnitt 1919/25 mit 46 Proz. beteiligt. Eine andere Frage, über die die Meinungen sehr west auseinandergehen, ist die Zahl der Deputatarbeiter. Di« land» wirtschaftlichen Unternehmer und die Führe? der gelben Land- arbeiterbewegung behaupten, man müsse sie als l»« stärkste Ar- beitergruppc in der Landwirtschast ansehen. Der Deutsch« Land- arbeiterverband dagegen vertritt die Austastung, daß als landwirtschaftliche Deputatarbeiter kaum mehr als 10 Proz. aller in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter anzusprechen sind. Einen Anhastspunkt für eine einigermaßen zuverlässige Le- urteilung der Dinge enthäst die Tabelle über die Besitzoerhältnisie der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, die in dem Bericht über die letzte Betriebszählung zu finden ist. In der erwähnten Tabelle wird die Zahl der Deputatlandbetrieb« auf 329 995 be- Diese Ziffer wäre derjenigen gegenüberzustellen, die bei der letzten Zählung der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer festgestellt wurde(landwirtschaftliche Angestellt« und Beamte 161 177, Arbeiter 2 607 282. zusammen 2 769 059), Dabei ergibt sich, daß. sich die Zahl der Deputatkond besitzenden Per- sonen auf rund 12 Proz. beläust. Di« Schätzungen des Deutschen Landarbeiterverbandes kommen der Wirtlichkest also am nächsten._ Die Bauern marschieren. Die Selbstbesreiung der deutschen Bauern vom groß. agrarischen Gängelband hat«inen weiteren Fortschritt zu verzeichnen. Die Bereinigung Deutscher Bauernvereine hat bisher den Anschluß an die Deutsche Bauernschaft, die bewußt die Eman« zipaticn der Bauerninleressen von der großagrarischen Führung er- strebt, noch nicht vollzogen. Jetzt fbst der schleswig-holsteinische Bezirk dieser Bereinigung unabhängig von der Stellungnahme des Gesamloerbandcs den Zusammenschluß mit dem Reichsoerband landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe. Provinzialverband Schleswig-Holstein, beschlossen. Diese neue Stör- kung der selbständigen Organisation der deutschen Bauernschaft ist sehr zu begrüßen. Es ist zu hosten, daß sie der erste Schritt ist auch für die Verschmelzung der Gesamtvereinigung Deutscher Bauernvereiu« mit der Deutschen Bauernschcrst. Die Mrtschaslelage im Monat November hat sich nach den Berichten dar preußischen Industrie- und Hondelskannnern gegen» über Oktober wenig verändert. Di« Schlüsselindustrien sind im allgemeinen noch gut beschäftigt, ebenso die Elektrizität»- und die chemische Industrie, Aus der Maschinen- und der Textilindustrie wurde vereinzelt ein Rückgang im Beschäftigungsgrad gemeldet. Das Baugewerbe ist soisomnäßig stark zurückgegangen. Im HanM und Handwerk hat sich dos kommend« Weihnochsaeschäft noch w«ng ausgewirkt. Die Arbeitslosenzister erreicht« mit 442000 am 15. Ok- lobcr ihren Tiefstand und stieg dann wieder aus 518000 am 15. Ro- vember. Die Lohnbewegung ist noch nicht zum StiEstand gekommen, dagegen hat die Preisbewegunge deutsche Einfuhr nach Frankreich gegenüber der gleichen Zelt des Vorjahres von 3,89 aus 3,49 Milliarden Franken(1 Papier- franken gleich Ys Goluiranfcn) zurückgegangen. Der Wert „der von Frankreich nach Deutschland exportierteu Waren ist . dagegen von 3,38 aus 5,17 Milliarde« Franken gezttegcn. Nr. Ä?5* 44. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Oiensiag, 6. Oezmbeer 4927 Mgerblockinterpellationen im Reichstag. Klagen über Wirtschasts- und Besahungsnot- aber die Hilfe? Afe gestrig« R e i ch s t a g s si tz u ng wurde um 4 Uhr noch- nuttags eröffnet. Der Platz des am Sonnabend gestorbenen sozial- demokratischen Abgeordneten S i l b e r s ch m i d t ist mit Tannen- grün geschmückt. Vor Eintritt in durTageswdnting widmet Präsident Lobe dein Abgeordneten Silberschmidt, dessen Leben durch einen Schlag- cmioll so schnell beendet wurde, einen warmherzigen Nachruf. Ein charakteristisches Arbeiterdasein ist mit ihm zur Rufte gegangen. Bis zum Alter von 33 Iahren. war er als Maurer tätig, dann wurdr er von seinen Kollegen zum Aufbau des Maurer- ycrbandes berufen, dem später der Bauarbcitcrverband folgte. Die Wähler des früheren Kreises Wanzleben haben ihm aber auch die politische Vertretung übertragen, seit 1S12 gehört er dem Reichstag und der Nationaloersammlung als eines der ruhrigsten Mitglieder an. Besonders eifrig hat er im Wohnungs- und Siedlungsausschuß gearbeitet. Noch zwei Tage vor seinem Tode hat er dem Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion mit- geteilt, an welchen Arbeiten er noch teilzunehmen gedächte. Das hat der Tod verhindert. Der Reichstag wird diesem Manne ein ehrendes Andenken bewahren. Die Abgeordneten hatten sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben. Ohne Aussprache wird ein deutsch-portugiesisches Abkommen über den Zivtlprozeß in allen drei Lesungen angenommen. Eine Novelle zum Gesetz über Depot- und Depositengeschäft« geht an den volkswirtschaftlichen Au»- schuh Ein Schreiben des Reichsfinanzministers über die Veräußerung eines reichseigenen Grundstückes in Mainz zur Straßen- Verbreiterung geht an den Haushaltsausschuß. Oer Anschlag der Eisenindustrie. Abg. Rädel(Komm.) beantragt die sofortige Beratung eines kommunistischen Antrag« zu dem Konflikt in der Schwer- eifenindustrie. Abg. MiUler-Franken(Soz.) erklärt dazu, daß selbstverständlich der Reichstag schnellstens Ge- legeyhait.nehmen muß. zu diesem schweren Konflikt Stellung zu nehmen» Wir haben ja letzt erst bei der Beratung unserer Inter- pellatlpn über die Wirtschaftslage die Regierung gefragt, ob sie etwa auf die Durchführung ihrer Verordnung Verzichts Es ist notwendig, daß sich die Regierung dazu äußert. Runmehr müsien aber erst die Araklioaen Gelegenheit haben, sich über die neue Situation in der Schwerindustrie auszulprechen. Abg. v. Guerard(Ztr.) wendet sich gegen die Behauptung de» kommunistische» Redners, als ob das Zentrum die auf der Tages- ordnung stehende Interpellation mir zu Agitationszwecken ein- gebrocht hätte. Reichsarbeitsminister Dr. Braun» erklärt, daß fein Ministerium sich mit dem Antrag der Industriellen auf Hinausschiebung der Durchführung der Verordnung über das Dreischichtensystem sich bereits geäußert habe. Es hätten über diese Eingabe Verhandlungen stattgefunden, über die ein Bericht ver-. öffentlicht wurde. Die Industrie sei ausgefordert worden, ihre Vorbereitungen zur Durchführung der Verordnung nicht zu sistieren. Der kommunistische Antrag wird abgelehnt. Nottage im Badener Revier— eine Zentrums- interpellation. Es folgt die Beratung der Zentrumsinterpellation über die Notlage des Aachener Wirtschaftsgebietes in Der- bindung mit drei Interpellationen der Regierungsparteien über die Rollage in der Pfalz und im Rheinland und über die Verkehrs- verhältnisie im Osten. Abg. Sinn-Aachen(Ztr.) weift daraus hin, daß sich die Ver- Hältnisse im Aachener Gebiet dauernd verschlechtert hätten. In den letzten Iahren seien dort 57 Industriebetriebe und 2 Bergwerke stillgelegt worden, der Bezirk habe jetzt die stärkste Erwerbslosigkeit. Der Aachener Bergbau leide unter der Konkurrenz der benachbarten holländischen und belgischen Kohlen- bezirke sowie des Ruhrbergbaues. Alle Bemühungen, billigere Frachten und günstigere Berkehrsverhältnisie herbeizuführen, seien gescheitert. Die zuständigen Ministerien müßten sich persönlich von der Grenznot de» Aachener Bezirks überzeugen. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtiu» führt aus, die Reichsregierung prüfe im Einoernehmen mit der preußischen Staatsregierung, welche Maßnahmen zur Besierung tzetrossen werden könnten. Die besondere Notlage der Wirtschast un Aachener Gebiet sei daraus zurückzuführen, daß die Eisen- werke dieses Bezirks durch den Berfailler Vertrag ihrer Rohstoffbasis beraubt wurden. Weiter« Schädigungen seien eingetreten durch die Besetzung uich durch die Inflation in Frankreich und Belgien. Unter den Hilfsmaßnahmen, die erwogen werden, stehen an erster Stelle verkchrspolitische Er- leichte rungen. Die Reichsregierung sei mit der Reichsbahn- gesellschaft in Verhandlungen getreten, sie habe auch im Sinne der Denkschrift des Verkehrsministeriums die Frage geprüft, ob und in- wieweit ein weiterer Ausbau der Wasserstraßen und Eisenbahnen vorgenommen werden könne. Abg. Ehrhardt(Ztr.) der die zweite Interpellation begründet. bedauert es, daß die Mittel für den Ausbau der Oderwasser- strahe, des Klodnitzkanals und eines billigen Transportweges des Reichenbach-Neuroder-Waldbuvger Industrie- und Kohlenreviers nicht zur Verfügung gestellt worden sei. Dadurch würden groß Wirtschaftszweige Ober-�. und Niederschlcsiens konkurrenzunfähig gemacht werden. Die gefährdeten Wirt schaftsgebiete müßten verlangen, daß durch ein besonderes Gesetz diese Verkehrssragen geregell werden und eine leistungsfähige Wasserstraße von Oberschlesien bis Stettin gesichert werde. Reichsverkehrsminister Dr. koch bemerkt dazu: Neben Regulierungsarbesten an der Oder sei de. Bau eines Staubeckens bei Ottmachau vorgesehen: es sei zu hoffen. daß durch diese Maßnahmen die Westbewerbsfähigkeit Schlesiens gehoben werde. Die für(928 angeforderten Mittel seien so starr eingeschränkt worden, daß mit der Fertig st ellung des Mittellandkanals nicht vor 1937 gerechnet'werden könne. Entsprechende Einschränkungen seien auch für die Oder not- wendig gewesen. In den folgenden Iahren werden jedoch zur plan- mäßigen Fortsetzung des Ausbaues der Oder weit höhere Beträge- flüssig gemocht werden müssen. D«r Abschluß der Vorarbeiten für den K l o d n i tz k a n a l sei in nicht mehr ferner Zest zu erwarten. Von dem Ergebnis dieser Vorarbesten werde es abHöngen, ob der Kanal als wirtschaftlich und bauwürdig empfohlen werden kann. Di« Arbeiten für den Ausbau des Oder— Spree Kanals werden voraussichtlich 1330 beendet sein. Es lqss« sich zurzeit noch nicht übersehen, ob Reichsmittel für den Bahnbäu int Waldenburger Industrie- und Kohlenrevier zur Verfügung gestellt werden können. Die Regierung aber werde auch diesem Gebiet gegenüber ihre Pflicht tun. Abg. hofmann-Ludwigshafen(Ztr.) begründet dann eine Inter- vellation, die sich mit der R o t l a g e der R h« i n p f a l z be- schästigte Die französische Besatzung habe sich als niederdrückender ?aktor im Wirtschafts- und Kullurleven erwiese». 150 000 Hektar esten Ackerlandes seien von den Franzosen als Flug- platze in Anspruch genommen worden.(Hört, hört.) Dazu komm« die Abschnürung und der Verlust des wirtschaftlichen Hinterlandes durch die Saargrenze und durch den Verlust Elsaß- Lochringens. Besonders notleideno sei die Landwirtschaft, die kleine Schuh- und Zigarrenindustrie. Abg. v. Dryander(Dnot.) begründet zwei wester« Iisterpello- stonen über die wirtschaftliche Rollage in der Pfalz, Rheinhessen und im Bezirk Trier. Er erörtert die Notstände, die durch den unverminderten BesaKungsdnick in der drillen Zone entstanden seien. Staatssekretär Schmid vom Reichsministerium der besetzten Gebiete sagt, daß der Regierung die hier geschilderte Rollage be- kannt sei. Die Verhandlungen über die Verwendung des bisher -schon bewilligten Grenzfonds ständen jetzt vor dem Abschluß. Das Haus tritt in die Besprechung der Jnterpellatio- nen ein. Abg. Frau Schlfsgen»(Soz.) betont, daß man bei der Betrachtung dieser, sänstlich von den Re- gierungsparteien eingebrachten Interpellationen zu der Auffassung kommen müsse, daß hier schon Borbereitungen für de» W a h l t a m p f getroffen werden. Wenn es den Regierung»- ofa,'Betrltn. in allen qa Jeinften Ipexlal-{Je/ckafieii■zulriab y/MiffliiMiiiiii vmrfetnt Ernst ist mit d« HSss für d« �«setzte Gein«t. dann sollten sie doch dafür sorgen, dah die Anträge der Sozialdemo- k r a t« n, oor allem aus Wiedereinführung der Saar- gän gerunter st ützung, angenommen werden. Wir wissen, wie diese Gebiete vor allein während des Ruhrkampfes gelitten haben. Ieht noch herrscht hier eine ungeheure Notlage, unter der besonders die Arbeiterschaft zu leiden hat. Es müssen diese Gebiete bei der Vergebung von Staatsaufträgen mehr als bisher berüctstchtigt werden. Die Rotlage des Aachener Be- z i r t s ist als breimeitd zu bezeichnen, schnelle Hilfe must geschaffen werden, wenn nicht ein ivertgolles Wirtschaftsgebiet verloren gehen soll. Dos Aachener Gebiet hat keine Wasserstraßen, die fahre- langen Verhandlungen mit der Reichsbahn auf Reform der Güter- tariic haben bisher noch lischt zu einem brauchbaren Ergebnis geführt. Die wurmtohle ist gegenüber der Ruhrkohle bei der Lieferung «ach Mannheim mit 2,lS M. pro Tonne Mehrfracht vorbelastet. Dadurch wird die Aachener Industrie konturrenzunsählg, die Arbeiterschaft muß in andere Gebiete abwandern, weil viele Betriebe stillgelegt werden. Die Arbeitslosigkeit im Aachener Bezirk ist höher als im übrigen Reich, von eurem Konjunkturouflchwung war bisher nicht viel zu spüren. In der Aachener T e x t i l i n d u st r i c ist die be- schöfligte Arbeiterzahl von 15 MO vor dem Kriege auf SOOO heruntergegongeiz. �öoi einer Einwohnerzahl von 15b 100 hat Aachen noch heute 10 270 Erwerbslos«.(Hort, hört.) In den kleinen Gemeinde» sieht es noch schlimmer aus, man weiß fast nicht mehr, wo die Mittel zur Unterstützung hergenommen werden sollen. Die Unternehmer im Aachener Bezirk oersuchen durch Verlängerung der Arbeitszeit und durch Druck aus den Lohn eine Scnf-'-g her Selbstkosten herbeizuführen. Unbeschreiblich ist das WohizuN-l�olend im Aachener Gebiet, wovon sich der preußische Innenmizüster selbst überzeugen mußte. Es muß sofortige Hilfe geschassen werden, vor allem durch den Bau einer Wasserstraße nach dem Rhein. Di« darüber geführten VerhaMungen sind über dt« Prüfung eines Projekts nichl hinausgekommen. Die Lcoolke- rung versteht nicht, daß der heftige Widerstand dagegen besonders von den Ruhrindustriellen geleistet wird. Das ist um so weniger zu verstehen, wenn man sieht, wie sich das holländische Nachbargebiet von dem Bezug der Kohle aus dem Aachener Gebiet immer mehr unabhängig zu machen versucht, und jetzt durch den Bau einer eigenen Wasicrstroße nach dem Rhein die ffrachtkosten seiner Kohlen aus dem Limburger Bezirk zu verbilligen sucht. Achnliches sehen wir in dem benachbarten belgischen Gebiet. Zn der Schaffung menschenwürdiger Wohnungen wbrd in den Grenzgebielen der anderen Länder unvergleichlich mehr geleislcl als bei uns Ein Rückschlag in der Berücksichtigung der besetzten Gebiete ist seit dem Rücktritt des Ministers Krohne eingetreten, der jetzige Reichsverkehrsminister Koch hat bisher noch nichts zur Besserung der Lage getan. Wir verlangen schleunigste Hilfe ehe es zu spät wird.(Lebh. Beiiall b. d. Soz.) Abg. Dr. Zaps(Dntl.) erwartet, daß in dem diesjährigen Etat die erforderlichen Mittel für die Grenzgebiete eingestellt werden. Abg..Vschbeck(Dem.) spricht die Befürchtung aus, daß die im Aachener Gebiet gewünschte Wasierstroße nicht die von ihren Be- sürwortern erwünschte Wirkung haben würde, es sei dann erhebliche Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet zu befürchten. Es müsse genau geprüft werden, mit welchen oertchrspolitischen Mitteln dem Bezirk geholfen werden könne. Abg. Mollaih(Wirtsch. vgg.) erinnert daran, daß sich die Der- hältinsie im Aachener Gebiet, seitdem sie Im Februar d. I. im Reichstag zur Sprache gebracht worden seien, noch verschlechtert hätten. Um 19 Uhr vertagt sich das Haus aus Dienstag, 16 Uhr. Fort- setzung der heutigen Beratung, verbunden mit einem Antrag der Sozialdemokratie, dazu zweite und dritte Lesung der «wZevdmlg«» ffil diese Subtil sind «etil«®»«S, Lwdeusttaße 3, pariemachnchien stet» an da» Bezirkiettetartat 3. Hos,: Ttep.»cht», zv lichten, Krankenversicherung der Seeleute Die Abstimmung über dle INiß- lrauensanlräge der Regierung sollen um IS Uhr vorgenommen werden. Voranzeige. Leffentlirhe Kundgebung gegen den Faschismus und für die Beseitigung der Todesstrafe am Dienstag, dem 1Z. Dezember. 19Vj Uhr. Im Lehrervereinshcms. Alexanders«?. 41.— Redner Arthur Crispien. Dr. Kurt R o s e n f e l d und als Vertreter der russischen Sozioldemotratte Genosse Abramowitsch. An diesem Abend finden andere porleiveranstalluagea nicht statt. Die Funktionäre sorgen für zahlreiche Beleillgung. Der Bezirksvorstand. 1. fini» Mitte. Mittwoch. 7. Dezember, 30W Ucht. kZusammenkunN d-t 9fi- ieilunasleiiet. Leitet det Kindetstcunde, det Iunmozialisten und det vi»- beiietiugcnd bei Tobtohlaw, Swinemilnbet Etc. 11. 2. ÄteU Tictgattcn. Ter flutfu» beo Genossen Otto Meier fällt heute, Dienstag, tDeoen Berhinberung des Referenten aus und findet 8 Tage fväter statt. 3. Atel» Wedding. Sichtung! Der«urfus übet.«erfassung� findet ni»t deute, Dienstag, sondern erst am Freitag, z. Dezember, an dekannter Stelle statt. Heute. Dienstag. S. Dezember: 8. Abt. 20 Uhr bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. Funktionitrsttzung. 33. Abt. Sämtliche Bezirlsführer melden die Namen der ardeit-lof-n Ge. nassen bis zum Di»n»lag, 8. Dezember, dem Genossen Paul Be», Gagllr- strastc 1, fpotestens jedoch auf den Foblabenden....... 8«. Abt. Scheaeberg. 20 Udr bei Gütlich. Beyasftr. 1. wichtige FunttwnSt- sttzung. Erscheinen sämUicher Funktionäre ist Pflicht. Morgen. Mittwoch. 7. Dezember: ZZ. Abt.»Zi Uhr In den Pharn-Sälen. Mllllerstr 142,«onsnmwcrbe»». sammluvg. Portrag de» Genossen Bruno Groppler. Außerdem laufen Awet ssilme. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Gäste willlommen. vr. lacolu«» m Biodicimc 8raejs's ta 80 Weiftenoarger Str. 80 7— 10, 3-X___ Hnrnttoldi«:«7, 0l!lIl!lM!l«W-stlWS Oannetalafl. denS.vezemder abends rUhe.im Sltzuugslaai de» veeboad» häufe», civtenltrahe 83/85. Portal IV. 2 Tr sw- Versammlung der Eisevgleßereiaibelter. Tagesordnung: Stellungnahme zum Abiaus de, Tarifoertrage». Milglicdsduch legttünier». vouoer»t<>g. den». vezemder abends 3 Ahr. imZZarlerrelaal de» verdau»» haute», otuieastrahe 83 85 Branchenversammlung der Hilfsarbeiter ltager-, Saal-, Hof- u Tran spar(arbeitet, packet, Vackcrianen. wertzeug- und Zelchvungsausgeber. Kran- führet. Anbindet. Fahrfwhlsührer und Elektrokarreu-Aahrer». Tagesordnung: Stellungnatzmezum Ablauf des Tarifoertrages. Mitgliedsbuch legitimiert G» ist Pfliält jedes Kollegen, in dieser Versammlung zu erlcheweu. Achtung! 3{|fjgt!Slitfc««btunq! Dl» Bcir edsiät». Zeufchttfl Nr. 24 tii erschienen und tonn gegen Bor, eiaung der L>gl«mation«karie de» Betriebsrat». oomanne» in unserem Bureau. Ftmmer 5. oder nach 4 Uhr im Zimmer 4 entgegen. genommen werden vi« OttsDecroaltuna. itticti vre,»wert Panl Gollctz, oonn.-wer«mt 8Z»ri»n«ensir»oe 3, Sele Naungniirahe An» Morigvl.t03 0Z Venn Sie äen stlUa» Kaplt&n- KopcDhagener-KaDtabak einkaufen, fordern Sie nicht einlach nur Dänischen Kautabak. i ouii cm aaiärOdUidi Kapitän» Kopenhagener Dieser wird mir in Papier verpackt geliefert; unverpackte Ware ist gefälscht, meist wertlos. Verkaufsslellen durch C. RSeker, Bertin N»«»leid. Bad ftraste 84.«omplette Kvchen, modern» Ausführungen, 78.—. 93,—. 198,— Ufr». Flurgarderoben 80,—, 49,—, 6ü,—. Korbsessel und Tische von 4.90 an. Hausnummer achten._ Bettwäsche. Stoffe. Tapisseriewaren iefeef Deiieralvertreter auswärtiger Fa. riken direkt an Privat« zu Fadrii. reisen Günstigst« Bedingungen. AI- au~' i, Skalisterstraste 87.• vrdo. pccil ered_____ Betten»««kons! Neues 9,731 13,—. 19,30! Prachtvoll» 27.501 Bauernbclten zs j Taenig« Z7.»> Kinderbetten 8.73! Bettwäsche! 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Die Oonsumdelegierten und Stelloertreter find besonder» da,u eingeladen. Stellungnahme zur llonsumwahl. l«». Abt. ftZpenIek. 19% Uhr Portragsabend der Zungsoziatiften wer �ehn Zahr» Eowjetrußland." Di» Mitglieder stnd dazu eingeladen. 131. Abt. Riedersedznhause». 20 Uhr im Lokal Bilhelmahof,»aiser�ilhelm. Straße St, Mitgliederversammlung. Vortrag:.Da» Arb«It»loseni>«rfich«. rungsgesetz." Referent Rudolf Karsten. Pllntlltche» nnd oallzihlige» Er. scheinen wird erwartet. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlsahr» und Siaderschutz: 17.«eei, Lichtenberg. Donnerstag, s. Dezember, tS% Uhr, im Rathaus Lichtenberg, Obleutckonferenz. Fraueuveranstaltuagea: 79. Abt. Schäneberg. Di«©enoffinnen beteiligen stch geschlossen«« Krti». franenabenb heute, Dienstag, S. Dezember. 19% Uhr, bei Will. Rartin. Luther-Str. SS.»Sagen und Märchen der Arbeit." vortraaenbir Friedrich Wendel. Abt. 999»>a»l«b»rs.Uüb. Heute. Dienstag, t. Dezember, 99«ßr. tat Lokal Sanssouci, Mollkestraße, Bunter Abend. Bortragender Heinz Barthel. Iuagspzialistea: lSrupp« Ltchteuberg: Heut«. Dten-tag, 20 Uhr, in der Bibliothek. Weichsel. straße 28, Bunter Abend. Sinderfreunde Groß-VerNa: Am Donnerstag. 8. Dezember, um 18 Uhr. Lvrechchorprobe in der Aula de» Frictrich.Wilhelm.Gnmnasiums, Kochstr. 13. Die Gruppen müssen die Be- teiligtcn von allen anderen Arbeiten befreien, damit wir Zeit haben zur Durchführung der gemeinsamen Aufgabe Keiner darf kehlen. Kreil Friedrichshain: Am Donnerstag,«. Dezember. 20 Uhr, Im Jugendheim Tilstter Str. 1,«reishelfersttzung. Erscheinen aller Helfer erforderlich.— ©ruppe Robert Blum: Freitag, 9 Dezember, 2V Uhr. im Vereinszimmer der Comenius-Sälc, Mcmeler Str. S7, Elternversammlung:»Kindersrcundc und Role-Falkenbewegung." Erscheinen oller Eltern und M.tgliedcr erwünscht. Interesstcrte varteigcnoisen ebenfalls willkommen. Kreis S uns geschrieben: In einem Teil der deutschen Press« wurde gemeldet. daß eine Vereinheitlichung des Angelspotts in Deutschland durch Gründung einer neuen„Arbeitsgemeinschaft" in Aussicht steht. Dies« Behauptung ttifst nur bedingt zu. Die Arbeitsgemeinschaft bedeutet weiter nichts, als eine geeinte Front der bürgerlichen B ü n d e gegenüber dem Alifchwellen des Arbeiter- Angler Bundes, der für sie eine unangenehme Konkurrenz ist. Man hosit, durch diese Arbeitsgemeinschaft den Arbeiter-Angler-Bund bei den Behörden auszuschalten, vergißt allerdings dabei, daß dieser Bund bereits bei allen Behörden gut eingeführt iit und jetzt nahezu 3001 Mitglieder aufweist. Der Arbeiter-Angler-Bund hat die dürger- lichen Bünde aus ihrer Ruhe aufgestöbett und nun versuchen sie die Arbeiterangler auszuschalten, indem sie durch diese Ärbeitsge meinschaft— eine„staatlich konzessioniert« Zwangs- organisotion" bilden möchten. Schon im Jahre 1921 hatte der Deutsche Anglerbund zusammen mit dem Berufsbinnenfischerverband«inen Beschluß gefaßt, der besagt«: „Es solle dahin gestrebt werden, daß die Mitglieder des deutschen Berufstnnnensischerverbandes nur an Mitglieder de» Deutschen Bundes Angelkatten misgeben." Es ist damals etwas anders g« kommen als man es wünschte und es wird auch diesmal anders kommen. Der„Freie Segler" im Sttaßenhandel. Lom 1. Dezember ob ist dos Organ des„Freien Seglerverbondes', der„Freie Segler", im Straßcnzeittingshandel zu haben. Die gut aufgemachte, mit Bildern reichversehen« Zeitschrift bietet nicht nur dem Segler und Motvrbootsahrer, sondern dem Spott- und Naturfreund überhaupt viel Lesenswertes. Termine für Sertenringtämpfe des 4. Kreises in der Woche vom S. Dezember bis 11. Dezember 1927.-�-Klasse: 9. Dezember 1927: Spandau— Siegfried 09. Spottheim, Sp mdau, Sc�- burger Sttaße, 20 Uhr. ö-Klasse: 6. Dezember 192-: Roter Stern— Liberias II. Turnhalle Charlottenburg, Pestalozzi- stroße, 20 Uhr. 11. Dezember 1927: Hennigsdorf— Sturm. lunv halle Hennigsdorf, Fobttkstroße, 13 Uhr. C- K l a s s e: 6. Dezember 1927: Nord-West II— Einigkeit II. Turnhalle Zwinglistroße, I9X Uhr. 6. Dezember 1927: Berolina III— Armin. Turnholle Neukölln, Thomasstraße, 20 Uhr. Jugend: 6. Dezember 1927: Eiche 1900— Tegel. Turnholle Friedechtraße 17, iO'A Uhr 21m die Fuhballbezirksmeifterfchaften. Hartgefrorener Boten machte am letzten Sonntag den Mannschaften slhwce zu schaffen, besonder» denen, die ein flacht» Sombinationsspiel svielen. Ueber. raschungen, ohne ble e» nun einmal nicht geht, kamen selbstverständlich auch wieder vor.— Im vste» gewann Sparta Uber Lichtenberg I i» Ausscheidung.-. spiel um die Bezirksmeisterschaft 2: 1 und Lichtenberg HI schlug Adlershoi sogar 7: 0. Wohl war Adlershof nicht so schlecht, doch Lichtenberg III wor infolge' de» halbhohen Spielfnstems bei der herrschenden Bodenglätt« die schuü lere Mannichokt. Wildau konnte Senzig Z: 2 schlagen und sich somit für weitere Teilnahme an den Auksti�sspielcn analifidieren. In einen! gleichen Spiel wurde Lichtenberg Ii Sieger Uder Kaulsdorf. BfB�ktöpenick und Hertha 22 standen sich im Ausscheidungsspiel um den Äerbleib in der j. Zllass' gegenüber. VfB. gewann mir 3: 1. Stralau hatte in Ketschendorf nicht d:n harten Gegner wir sonst. Mit 4: l mußten die»etschendorler geschlagen hie Heimreise antreten, da ibr Sturm nicht die zu Erfolgen nötig« Energie au- wies. Schweifsterne verlor gegen Strausberg Z: l.— Im TSdweste» konnte Lankwih gegen Luckenwalde in auf deren Platz einen 2:»-Erfolg buchen, der ihnen berechtigte Hoffnung auf die Abteilungsmeisterschaft bringt, da Teltow noch einig« Protest« hat. Daß Teutonia t« gegen Minerva gewinnen würde. wurde nicht allgemein erwartet, ist aber Totlache geworden. Teutonia hat dadurch den 2. Platz inn«. Sowjet, die in den letzten Spielen gut« Erfolge erzielten, verloren gegen Nordiska 4: l. Iiche-Eesundbrunnen schlug Spar'] Wedding g;0 und steigt damit in die I. Klasse auf. Ebermoaltr und cchorf. holz trennten sich 2:1. Hier haben die Ainoteure durch diesen Spielausgong den Borteil, mit Schönholz punktgleich zu sein. Bavaria erwie» sich fflchte.N:? 8:1 überlegen. Berlin 12 blieb über Jüterbog S: 1 erfolgreich. Fronlenfelde verlor grgen«»Izenburg Z: 0._ Handballberichk vom Sonntag. Der kühle Sonntag hielt keinen Spieler ab, zu» Spiel zu kommen, aber manchmal loarsn die ssinger reichlich steif und da» Fangen nicht gut möglich. Da» wichtigste Spiel de» Tage» fand in der Scharnweberstraße statt. Sien standen sich Fichte-Rord und Srotz-Berlin-Wedding im stampf um die Swrppeo- Meisterschaft gegenüber. Wedding setzte siw nach Anspiel sofort in Fichie«. Hälfte fest, aber Fichte spielte sich bald frei und konnte bi» zur Paule vier Tore schießen, dem Wedding nur ein» entgegensetzte. Rock Wiederbeginn ist Wedding kurz« Zeit überlegen und sie können einen Treffer buchen. Fichte erzielt noch ein fünfte» Tor. Wedding zeigte ein planvolles Borspielcn de» Balle», aber der Sturm verstand es nicht auszunutzen. Der Fichte-Srurm do- gegen war im Abspielen und Torschießen bester, legte aber rein System hin» ein.— Aathenow konnte gegen Spandau bis zur Paule das Spiel noch einiger- maßen offenhalten, denn Spandau errang nur ein 2: 0. Nach der Pause spielte Spandau ein weites Flügelspiel und konnte dadurch noch neunmal ein- senden.— Etwa» glücklicher warrn die Saulsdorfer, die gegen Fichte 8. Abt. wenigsten, noch zwei Tor- holten. Di- 8. Abt. gewann mit 12:2(6:1)1.— Sparta gegen Neukölln 2. Abt. 1:0(0:0). Neukölln kombiniert« etwas zu viel, wodurch e» der Sparto-Berteidiguna leicht war, alles zu verhindern. Bei einem lauten Spiel konnte Fichte i). Abt. Lichtenberg. Sportler nur mit 1: st (0: 0) abfertigen. Groß-Berlin-Bosenthal gegen Eiche-Tegel 2: 4(I: 31. Ein zustellen, mußt« ober doch Fichte 22. lassen.— Franev: Tegel gegen Moabit Moabit'' ... �ahk von Möglich- � feiten her Anwendung und Ausführung. Bescheiden- Beherrschung j von notwendigen Stemmarten und einigen Schwüngen erfordert dos ! bergige Gelände. Das sehr gute Lehrbuch„Der Schnefchuhlauf(Ar- beiterturnverlag Leipzig) weiht den Anfänger in die Geheimnisse ein. Das Springen kennt wiederum zwei Hauprarten: Gelände. : Springen und Schanzenspringen. Aus der Fahttdewe- gung heraus kann man im Gelände um-, guer- und überipringen. Alle drei Arten muß der Wander- und Geländefahrer mindestens Halbwegs beherrschen. Das Springen von der Schanze ist für den Schneeschiihfahrer keine Notwendigkeit. Es ist eher Artistik. Für die Ausführenden gehört eine tüchtige Pottion Mut und gesunde Nervenkrast dazu. Der Sprung von der ochanze ist eine hohe ipori liche Leistung, daneben ein prachtvolles Schauspiel. Die Anlaufbahn wird künstlich erhöht, um die notwendige Geschwindigkeit auf der knapp hundert Meter langer� Anfahrt herauszubekommen. In rasendem Tempo kommt der Spttnger in Hockstellung herunterge- jagt, gleitet schnell über den Sprungtisch, wirst die Arme nach vorn, «ir Ruck geht durch den gestrafften Körper, frei und prächtig steht ein Mensch, leicht nach vorn geneigt, hoch in der Luft, unter ihm die schneebedeckte Erde und aiemberoubte Menschen. Blitzschnell gleitet der Springer hernieder: der Schnee stiebt auf, die rasende Ausfahrt ms weite Gelände begleitet eine Schneewalke. So endet das Wag» nis, das bei dem Springer und dem Beschauer einen ungeheuren Eindruck hinterläßt. Zugendfest der Arbei,sge»,rt»fchast proletarischer Volkstanzkresse am Freitag. 9. Dezember, im großen Feftsaal„Orpheum", Hafen- Heide. Die proletarische Jugend will beweisen, daß sie es mit den Festen der bürgerlichen Jugend unbedingt aufnehmen kann. Bieten doch die Namen der Veranstalter, sowie die Mitwirkenden volle G«- I Millionen: 43 000. Der deutsche Reichsausschuß für Leibesübu»- gen hat bekanntlich zur Finanziming seiner Olympiadele- gatian eine Sammlung veranstaltet, die. wie bürgerliche Blätter dieser Tage mitteilen konnten, das magere Ergebnis von 43 000 deutschen Reichsmark brachte. Da in dem Reichs- ousschuß etwa 7 Millionen Mirglieder der einzelnen Spott- orgaiiisationen vereinigt sind, so ist dieses Ergebnis geradezu kata- straphal. Die bürgerliche Spottbeivegung ist also nicht in der Lag«, auch nur einigermaßen die Kosten für ihre großaufgezogene Olympiade in Amsterdam aufzubringen: st« ist vielmehr auf die Zu- schüsse aus Reichsmitteln und vor allem, was für sie das Wichtigste scheint, auf die Reklamespenden ans der Industrie auga- wiesen. � Kuunenweudläuse der Arbeiter- Wintersport ler. Die Arbeiter- mintersponinteressengemeinschaft(AWI.) ettößt folgende Aus- f ch r e i b u n g für die S o n n e n w e n d l ä u f c am 26. und 27. De- zember am Schmiede bergerPaß im Riesengebirge. 2 6. De- zember: Zufcmimengesetzter Laus: a) 12-Kilometer-Langlauf (3000 Meter Anstieg. 350 Meter Abfahrt), b) Sprunglauf(drei Sprünge), Langlauf für Anfänger, 6 Kilometer:(160 Meter An stieg. 210 Meter Abfahtt), Langlauf für Jugendliche. 4 Kilometer: (100 Meter Anstieg, 170 Meter Abfahtt). Stafettenlauf für Jugendliche, drei Läufer, 6 Kilometer.— 27. Dezember: Stafettenlauf für Männer, fünf Läufer, 12 Kilometer.— BekomUgabe der Wen. laufftreckc am 23. Dezember, 19 Uhr, im Paß Kretscham, Schmiede- berger Pafz. Anmeldungen und Ouattiermeldungen(auch Auskünfte über Verpflegungskosten) bis 10. Dezember an Ftttz Zeitz. Berlin SO 36, Harzer Straße 63. Stattgeld, Männer einzeln 0,50 M., Mannschaft 1 M.. Jugendliche frei, beiftigen. Oesfentlichcs Turnen der Stnderobteiluage« der Freien Turuer- schafl Groß-Berlin. Bezirk Süden. Mittwoch. 7. Dezember, in der Turnhalle Löckhstraße 17—20, von 18 bis 20 Uhr. Allen Eltern. überhaupt jedem, der für die gesund« Betätigung der Kinder Jnter- esse hat. kenn der Besuch der Veronstoltung empföhle« werden,«er die Kinder beim fröhlichen Spiel und neuzeitssichen Turnen sehen will, wer Einblick in die emsige Arbeit der Kinderabteilungen der issTGB. gewinnen möchte, der besuche dieses öffentliche Turnen, das pünktlich um 18 Uhr beginnt. «bt. mit 4: 8(»: I)' die Punkt« über. idit 1:0(1:0). Da, Fehlen«inijec Spielerinnen von Moabit ersetzte die schnelle Berteidigiing. Bei besserem Stellung»spiel und etwa» weniger Eigensinnigkeit einiger Spielerinnen Tegel» wäre da» Resultat höher ausgefallen.- Mänyer: Neukölln I.«bt. gegen Groß. Berlin Friedenau 7:0(4:0). Luckenwalde argen Schmargendori' 2: 2 (2:1). Bornstedt I gegen Neukölln 2. Abt. n 1: 0(0: 0).— G«lrll!chafi»lpiele. Mahlsdorf gegen Erkner 0: 0. Freie Schwimmer Eharlottenburg l gegen Spandau N 1:4(1:0). Rowawe» II gegen Ruderverein Vorwärt, 14:0 (2: 0). Wilmersdorf I gegen Ruderrieze Fichte 6:0portNub uiiterlag dem ASV. Ficht-.W-st 1: d. Der«SS. kann st» nicht finden, der schlechteste Teil der Mannschaft war die Läuferreihe. Die Bcrt-idigung spielte sehr scharf, abrr sonst st-cksicher. Fichte-West führt- trotz Se« gefrorenen Boden» ein flüssiges Spiel vor und war technisch überlegen. besonder» vor der Pauie. Dementsprechend war auch das Resultat. Z: 0 Halb- sssst-" S?tU( 2am etwas mehr auf, ihr Angriff wurde geiShe. Li ofc.o.! a2UI-5- uneigennützige Zusammenhang. Das übrige konnte dt- Wester BeFteidigung� ruhig und sicher abwehren, s» daß es nur zu einem „«IB. Pankow konnte die Lichtenberger Freie ? 0: 2 geschlagen nach Hause schicken. Pankow spielte � wan eine Besseeung hzw. Berstärkung der Läuferreihe anerkennen. Lichtenberg ersetzte Ihre unterlegen« Technik durch großen Eifer hinten, die meisten» e,n. sichere; gegen«thletik.Stio-tktub n 2:2. ASS. III—«SB. Ficht«"m 3 0:0. Schmor. �«rdost.Iugend 1: 0 und Frauen«TB. Pankow gegen rfioytc I 1• Tourjsteuverei»„Die Naturfreunde-, Zentrale Wie»,«dt. Fri-drichshai»: ;"Ä.?; M-"' MVWM. Mn-.ch, Dezember.-« Uhr. ebenda Lustiger Abend.'—«bt. Friedenau, Dianstag' e' on irSr' r-m �Nevbaiher �tr. 5i.—«bt Norden: Dienstag. .'�-W-nde)�.«bt,T«pt°-- Dienstag. 18 Uhr. Reichevde�er St�« Brettspte?."�«kf Steglitz- Mittwoch".' 7.' S-�mb«: 20 Uta AlteÄta?» Tufr. Bwazl«*« Berg: Donnerstag, 8. Dezember. 20 Uhr.»Uersheu» DanZiaex ött. 62, Baracke 7.— Abt. Reinickeadorf: Dannerswa'"»» R-inickendorf-Ost, Seebad._»bt. Tier. ?»I Dezember. 30 Uhr, im Heim Lehrter Str. 18— lg.— tz' tV™"aftß- Dezember, 20 Uhr, Parkaue 10.„Der Mensch 20* nagrnvnfn.— Abt. Sud.wrst: Donnerstag, 8. Dezember, 20 Uhr. Uta VbL: Donnerstag, 8. Dezem tni Lebensgemeinschaft de»»remmener Luchs."— « Uhr, im Heim«ermaniastr. 4— V �""'zldungen zur Weihnacht-fabrt nach dem«Igäu unter stÄße 4�* b.» 10. Dezember tat Fritz Marohn, Neukölln. Weichsel. tai t•" S'ßung Diensten, 6 Dezember. ek;, Lanntag, II.»ez-mb-r. Besuch der Ausstellung für Mk�Ww���urg. Fraundoferstr. 11-12(Näh..stnV«), V-K Oiensiag &. Dezember 1921 Unterhaltung unö AAissen Veilag« des Vorwärts Madame opfert flch. Don Olaf Loulerweck. Herr Castell de la Crux hatte eine scharmante kleine Frau und es war eigentlich nicht recht einzusehen, warum er ihr untreu geworden war. Aber schließlich kann man das in keinem Falle recht einsehen(sagen die Ehefrauen). Dennoch: dieser„Fall" war ein zum Himmel stinkendes Verbrechen, war eine Ungeheuerlichkeit, wie sie nach Meinung der scharmanten kleinen Frau de la Crux in den Annalen der Ehcbrecherei noch nie vorgekommen war und auch nie mehr vorkommen wird: es war sozusagen ein Nonplusultra der Geschmacklosigkeit und der Gefühlsverwirrung. Denn, ob ihr es nun glaubt, meine Lieben, oder nicht: obwohl die kleine Frau de la Crux mit allen nur erdenklichen guten Eigen- schaften in reichstem Maße ausgestattet war— sie war jung, schön, graziös, anmutig, ein wenig kokett, hatte die moderne schlanke Linie und jenen bezaubernden Esprit, der die Französin so sehr vor allen anderen Frauen der Welt auszeichnet, und besaß ferner einen ent- zückenden Bubikopf, und«in nicht unbeträchtliches Vermögen— hatte ihr Gatte sie dennoch mit einem Weibe betrogen, das, nach Meinung der scharmanten Französin, eigentlich gar kein Weib, sondern eine schwarze Mißgeburt der Hölle war! Ihr werdet neugierig meine Lieben, nicht wahr? Nun gut, ich will euch die Geschichte erzählen: Zunächst eine Frage: Wißt ihr, wo Iryguako liegt! Nein, ihr wißt es nicht, nicht wahr? Kein Mensch weiß, wo Iryguako liegt. Ich selbst auch nicht. Aber da sich Herr Castell und seine Gattin dort befanden, muh dieses Land selbstverständlich auch existieren. Irgendwo da unten in der Südsee... Iryguako hat sogar einen König, Mulubuko mit Namen. Mulubukos Hautfarbe ist schwarz, gewiß, aber was wollt ihr: ein König ist eben ein König, daran kann weder eine schwarze Haut- färbe noch eine schwarze Seele etwas ändern. S. M. Mulubuko IV. hatte nun geruht, Herrn und Frau de la Crux zu sich zu Hofe zu bitten, welche Gelegenheit der König nicht vorübergehen ließ, ohne den weißen Fremdlingen den Glanz und die Pracht des iryguakoischen Hofes in seiner ganzen Herrlich- keit vor Augen zu führen. Als Herr und Frau Castell am Eingang des königlichen Hofes erschienen, stürzten ihnen plötzlich mit lautem Gebrüll etwa hundert schwarze Krieger entgegen. Alle waren schaurig schön bemall und bis an die Zähne bewaffnet. Madame kreischte entsetzt auf, denn sie glaubte nichts weniger. als daß ihre letzte Stunde gekommen sei, und daß man sie ermorden und vielleicht sogar auffressen würde. Wer es war ein Irrtum. Denn bald stellte sich heraus, daß Mulubuko diese hundert Krieger nur zum Empfang seiner Gäste herbeordert halle. Unter wildem Geheul führten sie einen Kriegstanz auf. Madame war von diesem Tanz ganz begeistert, und als gleich darauf Mulubuko IV. persönlich erschien, drückte sie ihm gerührt die Hand und versicherte, noch nie in ihrem Leben so schön Charleston tanzen gesehen zu haben. Mulubuko klopfte sich dreimal auf den wohlausgebildeten Bauch, was in Iryguako unter gebildeten Leuten ein Zeichen der Höflichkeit und der Dankbarkest ist. Dann nahni er Herrn und Frau de la Crux bei der Hand und führte sie in seinen Palast, wo die Festtasel bereits gedeckt war. Währenddessen spielle ein Gram- mophon die Iryguakoische Nationalhymne:„Puppchen, du bist mein Augenstern!"(Mulubuko halle nämlich nur dies« eine Platte.) Es war sehr feierlich. Nach dem Essen erschienen die vier Frauen Mulubukos. Zu Ehren der Gäste waren sie in Wendtoilette: d. h., ihr Dctolletö war sozusagen vollständig, nur urn die Hüsten hallen sie ein entzückendes Compositum aus Strauß- und Marobufedcrn. Madame war hin- gerissen von diesem Kostüm. Und ihr Gatte— na ja, ihr Gatte natürlich auch.(Dieser allerdings weniger wegen des Kostüms: dach das unter uns.) Ich will es kurz machen, ihr Lieben, und zwar um so mehr, als euch ja die erst vor kurzem beigelegten politischen Konflikte zwischen Iryguako und Frankreich vielleicht schon bekannt sein werben. Wie gesagt, Mulubuko halle vier Frauen, deren«ine noch dicker war als die andere und von denen keine unter zwei Zentner wog. Sei es nun,. daß Herr de la Crux während seiner zwei- jährigen Ehe die überschlante Linie satt und einen plötzlichen Heiß- Hunger aus viel Fleisch bekommen hatte(sogenannte Anti-Skorbut- Erotik), sei es. daß chn plötzlich dos Unbekannte einer anderen Rasse reizte, oder sei es, daß er nur Abwechslung schlechthin braucht«, kurz: er verstand es, sich mit einer» der Königsgattinen— und zwar mit der dicksten!— irgendwie in Verbindung zu setzen und mit chr in der darausfolgenden Nacht eine Handlung zu begehen, die rechllnäßig nur Mulubuko IV. zukam, und die in der Folge «inen C»svs belli in bedenkliche Nähe rücken sollte. Denn irgendwie wurde die Sache ruchbar und Herr Castell sühlle mit leisem Unbehagen am iryguakoischen Horizont eine schwere Wolke in Gestalt von Mulubukos Zorn herauskriechen, und er entsamm sich plötzlich, daß er eigens zu dem Zweck nach Iryguako gekommen war, um in den Dschungeln eine mehrtägige Tigcrjagd zu veranstalten. Schon am nächsten Tage zog er mll zwanzig Ein- geborenen los... Und als er nach drei Tagen zurückkehrte, hatte er zwar außer einigen Pumas nichts geschossen, ober er glaubte, Mulubuko habe die Angelegenhell vergessen und das berühmte Gras der Vergessen- heit sei inzwischen über die Geschichte jener Nacht gewachsen. Dem war aber leider nicht so. Denn kaum hatte Herr Castell seine scharmante kleine Frau begrüßt und sich den dreitägigen iryguakoischen Dschungelstaub abgewaschen, als sich auch schon Mulubuko in einer wichtigen An- gelegenhcll bei ihm melden ließ. lind alsbasd entspann sich folgender Dialog: „Höre, weißer Fremdling," sagte der König,„du hast mein Gastrecht insofern mißbraucht, als du dich meiner rechtmäßigen Gattin Mamaloia in unerlaubter Weise genähert hast! Bekennst du dich schuldig?" Herr Castell suchte dieser peinlichen Frage auszuweichen. �Hm—" brummte er.„schuldig ist wohl zuviel gesagt!... Ich war der Meinung, daß ich als d«n Gast von allen staatlichen Ein- richtungen Iryguako» Gebrauch machen dürste... Aber, wenn du willst, kaufe ich dir Mamaloia gegen eine angemessene Ent- schädigung ab.. „Oouuah!" machte der König.„Dos ist ein offenes Geständnis und es vereinfacht die Angelegenhell kolossal! Hier kommt nach iryguakoischem Recht nur§ 175 Abs. 2 in Frage: Medervergeltungl" „Nanu?" sagte Herr Castell verständnislos:„Wiederver...? Wer wieso??" „Nu, sehr einfach: ich Hab''ne Frau, die war eine Nacht bei dir! Du hast'ne Frau, die kommt eine Nacht zu mir!" Herr Castell wollte aufbrausen. Aber dann kam ihm plötzlich das Groteske der Situation zum Bewußtsein: seine scharmante kleine Frau und dieses fclle schwarze Ungeheuer... und er lochte, daß die Wände dröhnten. „Mein liebes Mulubukochen," sagte er, als er sich einigermaßen beruhigt hatte,„kommen wir zur Sache! Nenn' mir deine For- derung und du sollst die Summe sofort bar erhalten..." „Mulubukochen" war plötzlich ganz Würde. Er reckte sich und sprach mit schorfer Betonung:„Du vergißt, Fremdling, daß ich ein König bin! Wo bliebe meine Autorität, wenn ich selbst meine eigenen Gesetze umgehen würde? Dem Z 175 muß Genüg« geschehen... so oder so! Ich laß' dir drei Tage Bedenkzeit.,." Sprach's und verließ würdevoll und gemessenen Schrittes, so wie eben nur Könige zu schrellen vermögen, den vollständig verdaller- ten Europäer. Der trank einen großen Kognak und begab sich zu Madame. .Höre, Joanne," sagte er,„ich habe ein dringendes Telegramm be- kommen, das mich sofort zu wichtigen politischen Besprechungen nach Baris zurückruft. Wir müssen heute abend noch abreisen!" Madame sah ihren Gatten mißttauisch an: ober sie sagte nichts: sie seufzte nur einmal ttef aus und begann die Koffer zu packen. _(Schluß folgt.) Was sind Meteore? Man hat rn den Meteoren bisher meist Bruchstücke von Planeten sehen wollen wobl auch Reste, die bei der Bilduna der Planeten übrig geblieben wären: jedenfalls hielt man die Meteorsteine für Teile von Körpern aus unserem Sonnensystem. In neuester Zell ober hat man erkannt, daß es sich dabei um Fremdlinge au» dem Weltraum handelt. Alle Meteoriten sind chemisch miteinander ganz nahe verwandt und bilden eine ähnlich« Gesamtheit wie die Massen- oesteine der Erde Aus dieser Tatsache schließt Prof. Schwinner. der sich in der Zeitschrift„Fortschungen und Fortschritte" mit der Her- kunft�er Meteore beschäftigt, daß alle Meteoriten, die zu uns kommen, Teile eines Himmelskörpers fein müssen, der sich einmal in feurig flüssigem Zustande befand. Die Strukturen der Meteore zeigen eine Entstehung aus seurigflüssigem Zustand, aber nach der Zer- reißung des Hauptkörpers. Es ist ebenso gut möglich, daß der Körper noch flüssig war, wie daß er bei der Katastrophe wieder frisch aufgeschmolzen worden ist. Man hat bisher Meteore, die aus früheren Erdperivden stammen, noch nicht gesunden, was bei der Wühlarbeit der modernen Technik doch sicherlich geschehen wäre, wenn die Meteore in früheren geologischen Zeiten eben'? häufig ge- fallen wären wie heute. Daraus folgt, daß unser Sonnensvstem in die kosmische Staubwolke, der diese Steine entstammen, erst vor kurzem eingetreten ist. Die Fixstern-Astronomie gibt eine Schätzung für den Weg. den die Sonnen im Sternensystem in dieser Zeit zurückgelegt haben kann Aus der Masse von Meteoriten, deren Fall man jährlich beobachtet hat, läßt sich die Durchschnittsdichie der Wolke berechnen und die Gesamtmasse der fraglichen Wolke ungefähr abschätzen. Sie«rgab sich etwa der entsprechend, die ein kleinerer Fixstern aufweist. Diese Wolke muß in ihrem heutigen Bewegvngs- zustand ein ziemlich stabiles Gebilde fein. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Sonne ein solches Wölkchen auf ihrem Laufe trifft, ist nicht groß: gar unwahrscheinlich aber ist es, daß dies geschieht, wenn dos Wölkchen selbst«rst kurze Zeit existiert. Eine solche Stabilität, wie sie die Sternwolke aufweist, wird am ehesten durch eine Art gemein- samer Rotation des Haufens erzielt: diese Rotation läßt sich am besten aus einem exzentrischen Zusammenstoß zweier Himmelkörper ableiten, der auch die Zerstäubung verursacht hat. Danach sind also die Meteore eine Folgeerscheinung des Zusammenstoßes zweier Himmelspörper.__ � B. Die Sartofsel der 3ofa. In Europa noch kaum dem Namen nach bekannt, ist in Peru und Chile ein von den Eingeborenen als „Oka" bezeichnetes Knollengewächs eine ganz unentbehrliche Nutz- srucht. Die Pslanze(Oxelis tuberös»), eine amerikanische Art unseres Sauerklees, bildet längliche oder runde, knollige Wurzel- stocke von der Größe millelgroßer Kartoffeln, die weiß, gelb, rosa oder violett gefärbt sind und ihres ansehnlichen Stärkegehalts wegen viel gegessen werden. Der Anbau der Oka, auch Okapatat« oder — wie in Chile— Aracacha genannt, geht in alte Zelt zurück, da die Knollen schon im ehemaligen Inkareich das Hauptnahrung»- mittel des Volkes bildeten. Die Oka soll sogar ertragreicher fem als die Kortoffel, zumal, da man auch ihre Blätter und Schößling«, die einen schmackhaften Salat liefern, verwenden kann. Der anfangs etwas säuerliche Geschmack der Knollen wird leicht beseitigt, indem man sie einige Tage lang der Sonnenwärme aussetzt«. Die Perua- ner bereiten aus den Okaknollen auch Käse, den sie, wie die„Phar- mazeutischc Centralhalle" mitteilt, Caya nennen, und dessen Ge- schmack, trotz seinem an saules Fleisch erinnernden Geruch, dem Volke sehr zusagt. Gegenwärtig werden Versuche angestellt, die Okaknolle auch in Europa, und zwar zunächst in Mittelfrankreich, bekanntzumachen, wo man den Anbau der' Knollen einführen will. Landung in Rußland. Von Robert Neumann. Das Schiff dreht sich langsam um Kap Vaww in die Bucht und steuert die Reede an. Nordösllich. in sehr klarer Lust und greller Nachmillagssoim«, liegen bewaldete Bergkulisien, kahlere, seltsam regelmäßige.Kegel schauen dohimer hervor, und darüber, schon in bläuliche Fcrnennebel gebellet, ein Leuchten von Gletscher- eis. Das ist der Kaukasus. Südlich davon ein Sattel, Sumpfland, Flußland: das griechische Kolchis. Und weiter südlich, an- steigend, das zerrissene Hochland von Lasistan— Schauplatz jenes grauenhaften Hinschlachtens zahlloser armenischer Frauen. Kinder, Greis« durch die regulären Truppen der erwachten Türkei. Inzwischen ist die Mol« nähergeschwommen, sichtbar wird der Uferbouleoard einer russischen Prooinzstadt, sichtbar werden gerade Zeilen nüchterner Häuser, sichtbar wird eine häßliche Kirch«, ein Flaggenmost, die rot« Fahne mll dem Hammer und der goldenen Sichel, sichtbar werden gelbe Armenier, sonnenverbrannte griechische, dunkle türkische Lastträger mit nackten Oberkörpern, sollen unter ihnen ein hellhäutiger Russe. Dann klirrt die Ankerkette, Trossen fallen an Land und werden belegt, und die Brücke fällt hinaus aus die Steins des Kais der Stadt Batum. des großen Ausfuhrhafens für das russisch« Erdöl. Ueber die Brücke kommt ein englischer Gcnlleman: der Agent. Mit ihm ein freundlicher, beleibter Herr ohne Kragen: der Sauchen- irrzt. Dann ein Genosse, der zum Morconisten hinaufsteigt und den Radioapparat versiegcll: im Hafen von Batum darf nicht gesendet und nicht empfangen werden. Dann zwei umgängliche. Herren. Einer schlendert dos Schiff entlang, blickt in die Kojen, in die Kombüse: der Zollkontrolleur. Und der andere geht zum Kapitän, trinkt ortig ein Gläschen holländischen Genever und prä- sentiert dann die vorbereitet« Quittung über das Hafengeld: 4M eng- lisch« Pfund. Für ein Schisf mit 6500 Tonnen Laderaum. In englischer Originaloaluta: andere wird nicht in Zahlung genommen. Und dann kommen auch schon die ersten Moskitos herüber. Wir sind gelandet. i- Di« Benzintanks des Schiffes sind aufnahmebereil. Aber es Ist sieben Uhr geworden und zu spät, mit dem Pumpen heute noch zu beginnen. In den Matrosenkajütcn putzt man sich für den Landurlaub. Ein Herr ohne Hemdkrogen kommr vom Kai auf das Schisf»nd wendet sich noch dem Maschinenraum. Von der Brücke ruft der Kapitän ihn an und fragt, wo» er wolle. Er klettert herauf. Er heiße Bruckner, und er wolle die Matrosen besuchen. Sie einladen in sein Lokal. Für heute abend. Zu einem Vortrag. Worüber? Er sogt wörtlich und wendet sich dovet halb auch zu mir:„Sie wissen, meine Herren, es gibt eine kapitalistische Welt- ordnung und es gibt die Sowjets—" Der Kapitän sagt:„Ich weih." Der Genosse:„Gestatten Sie, daß die Leute zu mir kommen?" Der Kapitän, diplomatisch:„Wie die Leute ihren Land- Urlaub verwenden, ist ihre Sache." Der andere, etwas zu rasch: „So darf ich auch Sie einladen?" Der Kapitän muß leider an Bord bleiben. Aber der zweite Offizier wird kommen. Dielleicht. W?nn er frei ist. Der Genosse:„Ich werde deutsch sprechen. Leider kann ich nicht holländisch." Ich:.Sic ssnd Deuischer?"„Ich bin Ocstcrreicher. Aus Linz." Herr Bruckner aus Linz, der Agitator der Vereinigten Sowjetrepubliken im Matroscnvierlcl des geor- gischen Hasens Batum, empfiehlt sich höflich und geht zur Mann« schast hinüber. Don den Matrosen sind Inzwischen drei, vier sichtbar geworden, steif im Sonntagsstaat, mit frischen Hemden, mit Koppen, die Jack« schön gefaltet über den Arm gelegt. Sie spreizen die Deine, sie lachen kindlich und ungelenk im Dorgenuß abendlicher Vergnügung. Zwei ruscn einen Gruß zum Kapitän heraus, gehen schwerschuhig über die Brücke, gehen an einem Genossen vorüber, der hier auf Wache steht, und verschwinden drüben in eurer„Bar". Ein dritter geht, schlendert langsam über den Kai davon. Dann der vierte. Da ereignet sich ein peinlicher Zwischenfall, und der Zufall will es. daß ich ihn von Ansang an verfolge. Dieser' vierte also schien- dert eben an dem Manne vorüber, der auf Wach« steht— da gleitet aus seinem rechten Hosenbein ein hellblaues Wäschestück vor und wickell sich ihm um den Schuh. Gleich mir hat auch der Russe den Lorfall bemerkt. Er bückt sich, er zieht— nein, es ist nicht möglich, daß der Matrose ein hellblaues Trikothöschen trägt. Der Genosse pfeift um Sukkurs.. Der ander« Matrose, der schon glücklich drüben ain Kai geht, beginnt zu lausen, wird angehalten, ans Schiff gebrocht, visitiert. Ins Futter der Jacke, die er über dem Arm trägt, hat er sechs Paar Damenstrümpfe genäht. Und drei, vier Minuten später Ist die kleine Brücke an Bord gezogen, sechs Zivilisten, kleine Metollschilder links an der Brust und Gewehre mll ausgepflanzten Bajonelltn am Rücken, stehen am Kai das Schiff entlang, und vier andere energische Herren sind an Bord gekommen und sprechen recht laut Die Mannschaft hat sich am Bug zu oersammeln. Die Offizier« haben in der Kapitänskajüte zu bieiben. Einer darf mll den Herren gehen. Sie durchsuchen das Schiff. Sie durchsuchen dos Schisf von Bug zu Heck und vom Kiel bis — buchstäblich— zur Laterne am Toppmast. Sie kriechen in den Wasserbehälter, in die Maschine. Der sie begleitende zweite Steuer. mann macht sie ironisch aufmerksam aus die leeren Tanks, in denen Benzindompf steht. Und einer der vier Herren bindet sich«ine Gasmarke vor und steigt hinunter, steigt Ztzmal hinunter in 38 Benzintanks, um sie noch Seidenstrümpfen zu visitieren. Die Untersuchung dauert zweieinhalb Stunden. Indes zwei der russischen Herren noch rasch die Leitungsrohren abklopfen, ob dort nichts versteckt ist, bringen die beiden anderen die aufgebrachte Konterbande in die Kajüte. Es sind neun Paar halbseidene Strümps«: sie mögen in London— Eastend jedes einen Schilling gekostet haben. Und sollen nun oersteuert werden, per Paar mll einem englischen Pfund.- Drei Paar logen im Maschinenraum, in ein Scheuertuch eingeschlagen, oben auf dem Kompressor. Zwei Paar waren im kleineren Rettungsboot. Vier Paar hinten im Reservckompaß, unter der Messinghülse. Und am Heck fand sich eine leere Pappschachtel für zwei Dutzend. Die mögen im Hafenwasser schwimmen, über Bord geworfen im letzten Augenblick. Der Kapitän geht nach vorn zu den Leuten.„Wem gehören die Strümpfe?" Keiner meldet sich. Der Kapitän:„Ich bezahl« jetzt und ziehe es dann allen zusammen von der Löhnung ab." Die Russen quittieren, nehmen die Konterbande mit sich. Wir haben wieder Bewegungsfreiheit. Eine Viertelstunde später kwpst es an der Kajütentür. Ein großer, schlanker Matrose mit gelbem Schopf.„Kapitän, das mit den Strümpfen ist meine Sache."„Esel. Kostet dich mehr als eine Monotslöhnung. Wozu?" Der Lang« sagt:„Für die Mädel" und lächelt kindlich. Es ist eine einfach« und«inleuchtende Transaktion, die sich diese Matrosen erdacht haben: man kaust in London Strümpfe um einen Schilling und lebt dafür in Bakum in der Hafenkneipe für mehr al» ein Pfund.«Du kannst gehen." Der Blonde geht nicht. Der Blonde bittet für die Mannschaft um Bor- schuß. Für Landurlaub. Er sagt:„Jetzt müssen wir Geld haben." Und mit drei Sttmdcn Verspätung tappen die sonntäglich ge- kleideten Jungen hinaus auf den Kai und in das wckcnd« Geheimnis der Hofengasscn, über denen nun schon die Nacht liegt. Von einem Kafsoehaus weht der Wind Musik herüber, spärliche Lichter wachen aus den spärlichen Schiffen und aus Kap Batum schwenkt der Leucht- türm flammend« Arme well hinaus in die Dunkelheit. y©äks Thealti am Sülowulatr TVa Uhr Pif fipt Ä Ü» NS Tti. am Säiiffbauerdainni 8 Uhr Schieber des Ruhms g�Komls�OperSH eutti-tixes Rcvue-St&ck lAlle� Hackt!i Nach d. gleichn. Paris. Revue j j.Tout nu"». 200 Mitw rkende: j Original■ Pnrlser Kostüme. Parkett 3,50 Mk. j Theaterkasse ununterbr.�eöffn. CASJNO-THEATER° Uhr Lothringer Str. 37 � Klein KletKersdori! � Ausscfaneidcn Gutschein 1— 4 Pers- Fauieuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1,60 M. Norden 10334—37 8 U. Ende 11 U. Zum SV. Haie: Oorolhea fingerftann v. Gerh. Hauptmann cqic: Max Reinhardt Kararaerspiele Norden 10334—37 S«', Uhr: Bronx-Expreft Romödi mn Ocip Dtidov Regie: Hetnz Hilpert Die Komödie Bismarck 3414-7316 8". U. Ende 10-/, U. Die Ebe von Welt RpnSdie toü Nw Cowari Hcgit: Fwt'er laninaca Berliner Tfieafer Direktion Kuhneit Ckirltttmtr.M Jl.DSnh.l'O Täglich 8 Uhr lüax Adalbert in„Knock oof Hans Brausewetter. Plscatorbühne heat>. liollendarfplati Kurfürst 2091/93 Anf.■*, Ende nach 11 Sasputiii. dh Romanows, der Krieg piid das Volk, du gegen sie aufstano von Alcxey Tolstoi und Schtschegolew nsc. Er» in Plscator Hesiilep!-Thealst"HiaüS'Iiieater jp Ü Uhr: Der rote Hahn wl/4 Uhr Der Senstfionserfnlgl Stilbn sehn wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender 8anicwjkv-fiiihnr Th. Könlo�rätz. St. Bergm.niO. 8—10.15 Uhr: lefitelnffahrnngen! Gustav III Freitag z. 1. Male Idiloss VDttersteie von Wedekind üizi» Till»! Barnmkr alhnbon-Böln«« Ots. Künstler- Th. 8>. Uhr Chicago -essing-Theaier 8 Uhr Sdiinderliannes Rose-7heater 8>/. Uhr! Einer VDDDOsereLeot.p Komödirnhaoj Norden 6304. 8.15—1040 Uhr Hokuspokus von Curl Götz Relshsttailen.lhea er Abds. 8 ti. u. Sonnt nachm 3 ü. Stettiner Sänger Z. Sehl jß in. noch bi» 7. 12. 'j&„E ue Hochzeit In de Mül!erstraßek*. U�Owl aachm. halbe Preise. vPl volles Programm. Oönhoff.BreU'l; Varieie, Kabarett mit Carl Braon n. Ernst Walter- Ton Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6* Täglich U- u. Sonntagnehm. 3 U ESite- Sänger Wundervolle« �fWiG Weihnachtsprogramm. a W VolKspreise von 50 Pf. bis 2�ti M. RieLStgs u. l.u. 2. Feiertag nehm. 3 ü %• uroflti tramiilen-VoMlclIans Volles Programm.— Kleine Preise. rCircus Kapt. Schneider- 100 Löwen 100 S ensatioo»progranam I ZA erstklassige Circus-Nummern ZA Geheizt!! ISGradW&rmel KSpenlcker Str.. trOhere Pionierkaserna Tfcater des Westens Täglich 8->. Uhr: Frasquita Operette von Lehär Kanmerslnger.ern isdlow er i.G.. Martha M Sdio.w.r. teppanek und Gorall Trianon-Th. TägL Vi, Ulm Gastspiel CrfkaGlägsner >« Grctchen Ftr liimüieiii.)»Mtut — Ziehung 9. u. 10 D*z. !*larlefll>uräcr iiarlen&uräer l IfeSO-LoOerlc 4 86 8et> r.ne u. I Präslt Hark I 130000 7ZM0! 50000: Röchst* gewinn Haupt. frfimle Haupt- jewtin 25000 10000 Alle Gewinne bar ohne Abzug zahlbar Lo�e Zü 22 ift Postgebühr L.U~>< LU aS#11. n. Uato 35 Pt. M. L Kröaer Ä.ö Berlin W 8 Ffledrichstr. 192-19} MZWLilM. II vis neue CHARELL- InaacT-'e nog mit Pnlienberr Rita Georg Fernlow JsnkDhn SzSke Szakall Werkms stfr Weslermeier Jaekson Boys Snnshlne Gills A�sst Pro. Stern Dirig. Dr. Römer Mittw-, Sonnab� Sonntag nachm it. Uhr Kinderrevue Kapitän Funk mit Alfred braun Kleine Preise. Vorverh an 10-« nur Ih. in Adntiralspaias ~ Täglich Uhr Mim- BEVSJE Jaon and wo!' jeden Mittwoch u. Sonnab. 31, Uhr: Märchen-Revue » Asdienbrödel" Kleine Preise. ii 4 Uhr Neaes Circa«- programm und .Der bayrisebe Hiestl" custspielhaus f-. Uhr „Zaza'* Metropol-Th. Tägl.S". Uhr Paganini Oitrett« w« Frau LaMr Jaliii. Fd iard L�tmsteiD, Lotig Risselbaosen. Hdla Klrtr. Arthur Hcli o.« Wathaila-Th. -V« Uhr: Wie Da käßt keine OnrHsvoo Pfarschner vorz. für Park, auch Sonntags 60 PL Sonntag nehm 4 U. R am o e I sül z cfaen Parkett v. 30 Pf. an. Planetarioni am Zoo /grlSir. JcaA.mithiler StraE Noll 1578 Dar Starnenhim inelaul der Reite von Berlin nach dem Aequetor Vorführungen P/* h. y Uhr. Eintritt 1 M. ont.<5 labnn 0.50 M. DEUTSCHER BAUGEWERKSBUND Wir erffiUen hiermit die triurige Pflicht, allen Kollegen vom Ableben unseres' Hermann SUberschinliU Kenntnis zu geben. Der Deutsche Bangewerksbund, dessen Vorstandsmitglied er war, und insbesondere die Berliner Bauarbeiterschaft hat einen schweren Verlust zu beklagen. Schon in jungen Jahren war er im Vorstand des„Fachvereins der Maurer Berlins". Er war ein Vorkämpfer für die Gründung des Zentral Verbandes der Maurer Deutschlands. Seit dessen Gründung stand er an der Spitze der Berliner Maurerbewegung und trug den Organisationsgedanken weit Ober die Grenzen der Provinz Brandenburg erfolgreich hinaus. Tbm nicht zuletzt.anken die Bauarbeiter Berlins und der Provinz Brandenburg den Auf- und Ausbau ihrer Organisation zum Baugewerfcsbund. Seine unermüdliche Arbeitskraft erschöpfte sich nicht nur im Kampfe um die Hebung der Lage der Bauarbeiterschaft. Er wirkte für die gesamte Arbeiterklasse in der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ihn berief das Vertrauen der Arbeiterschaft zur Vertretung ihrer Interessen in den Reichstag und in die Stadtverordneten- und spätere Bezirksversammlung Köpenicks. Ueberall, wo er auch wirkte, vorstand er es, sich Achtung und Vertrauen selbst bei den Gegnern zu erwerben. Sein Wirken und Schaffen wurde am Montag, dem 28. November, durch einen Schlag- auf all jäh unterbrochen, den er während seiner Arbeit im Reichstag erlitt, und an dessen Folgen er am Sonnabend, dem 8. Dezember 1927, verschied. Ein arbeitsschweres und an Erfolgen reiches Leben hat ein allzu frühes Ende gefunden. Die Bauarbeiterschaft hat einen allzeit bereiten, treuen Helfer verloren, dessen Andenken nie verlöschen kann. BAUGEWEKSCHAFT BERLIN Oer Vorstandt LA.; W. Drögemüller Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 8. Dezember, IS1/, Uhr im Großen Saale des Gewerkschaftshauses statt. Nene« Thea f er am Zoo TägUeh s Uhr Die Hoteiratte Operette v. Brom me A.lu Hfldnr, PibI Hfüsnion Renaissance-Thesler Steinplatz 901.— Täglich 8 Uhr Bje Sdmle von liznmft. DMMMZtts für die SewefiiE der Die Vertreter der Ardeitgeber und der BerTicherten werden Hierdurch zu der ordentl. Ausschnßsitznng am Doonersfog. IS. Ocjcmhet 192T. 17 Uhr. im„SUiäunbrrnct Hos", Äcidjcit- betflee itt 147, eingkiaOcn. Sagraorbnuttfl: 1. siortrcfl des S>tn Siadlrat Dr.Schmwlfe Uber;.Das fficiett zur Deiampiung bei®c ichleliilsfraniheiiein. 2. Beratung und fleitfeltung de« Brt anschlags für bo» Nechnunzajahr 19». 3. Wahl bes Rechnungsaus'chuises ür die PrUlung der Rechnung dc« Jahres 1927 4. Berichiedenea Die Ausichudmüglieder erhalle» noch eine desaodere Einladung Berlin, den S. Dezember 19». Der Vorstaud. 8t. Ml«r»dach y. Ehrlich _ Die aerllner ElrktrUitSts.Qesell. Schafte» oeranstaiien«in Preisott«. schrei e» über die beste» Eigenschasien isrer Fabrllatc. Alle« Rädere er.ahreu unser« Leser aus einem Prospekt, der unieier Stodtouslau« heute«der morgen delliegt. ?veNe WecheveirFSnpeptl PPP PPIMUSPfllflST <£«?ee€$e8»«»-»sAssSi & Unseren lieben und werten Milgltedeen Lmii ttö!ii«rt an j krsll die herzllchllen«vfS«kn»a»sche zur SiiderhochzeiL !, 8?I>. IZO.AKl. RrlräriodAlelife gr �sssssss» s In bet Nach! bes 8 Dezember verstarb mein Ehemann, mein Bater Professor MoK Neunzig infolge eine« Herzleiben» S 1 n.•£ e r m« b e c f. S. Sej. 1 927. Harfba NennzbL Karl 0. Neunzig. Sie Einäscherung findet am Witt» mach, dem 7. Dezember, 13 Uhr, im jtremaiorurm Derichistraße statt. Aatfi/meUen�en. maf Namen adüaü Aewöse nehmen zne Zf e» ruhigong der Remen feigen de« kezeol-. t Flasche IsiSfsmeöl 3 mal legi!» Vtleeiüileiz.». Die natürliche Ultr d z!» bei reizbarer Schwäche. Herzbeschwerden, unnipl- gern Schlaf eic Sadlaeineefh ober NM da« acht» .Batdramcai' 3«. tSOaMO i» Crash.».«lnolh. erbdlii., feil? Nt CttaReichelDeefla voäilendahnsllA Am Sonnabend, dem 3. Dezember, veraohied uner- rr artet nach kurzem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, mein treusorgender Vater, unser lieber Schwager und Onkel fflermann Sliberstiimfdf im 62. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen ElUe SUbcrrchmldf, geb. Bahn an. IT Wallher Silbersdunli Berlin-Köpenick, den 6. Dezember 1927. Eschenstraße 3. Die EinSseberong findet em Donnerstag, dem 8. Dezember. 16** Uhr(4** Uhr), im Krematorium Banm- schulenweg statt. •OTMUtewaa STOAASg ts Schwere Jungen- Leichte Hädchen Mit Lissi Arna/ Gusfav Fröhlich Fritz Kamper* Kegle: CARL BOESE Auf der Böhne; Clalre Waldofff Ttglich S. 7, 8 Uhr Nach langem, schwerem Leiden ort. idc.'d heute abend 10'/. Uhr meine in-.iggeliebie Frau, unsere herzensgute Mf ter. Schwieger. und(BrvSmuiter. untere liebe Schweiler und Tante BtnlHe Prillwitz geb. Klelbfoclc im 63 Lebensjahre. Zn tiefer Trauer im Namen all« Wilhelm vrillmih. Berlin v 34. den 3. Dezember 1927 Kachhannftrahe 24 Di« Einst, chrrung findet am Dannee«- lag, dem 8. De emder. nachni 4 Uhr. im»remai rium Baumschuteaweg. «iesholzsteaße, statt. keickAb�nner Bund der republlkanitchen Kriegsteilnehmer E. V. DButsüiei Uetailarbeiier-lfEFüaiiil Den Mttgitebern zur Nachricht, daß unier Kollege der Echletier Karl �Vasserrler am 30. Robembrr gestorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Einstscherung finde! am Dien«- tag. dem 6. Dezeuiber. 16 Uhr. im ilremaiorium Serichlftraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ottsontoalfang. SovcItVorrat relcbi Frisch geschlacbiete 1 Junse. rarte Pett- Nocfarnf Ein guter Kamerad, Mitbegründer des Reichsbanners Schwan- Rot-Gold, Mitglied des Bundesvorstandes, Hauptschriftieiter der »illustrierten Reichsbanner-Zeitung*, Polizeipräsident r. D. Gustav Krüger ist heute morgen aus dem Leben geschieden. Ein durch Jahre geführter Kampt um seine angegriffene hhre hatte seine Nerven zermürbt, bis ihm schlieBiich das Leben nicht mehr lebenswert erschien. Persönlich ihm Nahestehende wissen, wie schwer er bei seinem hochentwickelten Ehrgelühl gelitten hat. Das Reichsbanner Schwjarz-Rot-Qold. verliert mit Gustav Krücer einen begeisterten Anhänger, der Bundesvorstand einen stets tatbereiten Mitaroeiter. Gustav Krügers Andenken wird im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Ehren gehalten werden. Magdeburg, den Z. Dezember 1927. Der Bundeavorstand OttoHSrsing. Karl H ö 1 1 e r m a n n. Paul Crohn. Gänse 1.2 12 b. 18 Pfd. schwer, j einzig i. Geschmack Weener, Berlin SO Mariannenstraße 34 im üänsekener Änftrate�tm (j Vorwärts sichern Erfolg! Idl bin der Apfel IL im der frischen Mosibereifung Täglich bei Gesang und Tanz CLOU«?- ■ ERLIHER KOMZERTHNUS C I»■■■- Nachruf! Am Sonnabend nachmittag erreichte uns die erschütternde Nachricht daß der leitende Redakteur der in unserem Kommission verlage erscheinenden„Illustrierten Reichsbanner-Zeitung* Herr Gustav Kröger aus dem Leben geschieden ist Wir betreuem in Herrn Krüger einen geschätzten Mitarbeiter, der mit ganzer Liebe an dem von ihm mitgeschaifenen Werke des Reichsbanners und der republikanischen Sache hing. Die Unterzeichneten werden dem bewährten Menschen und Kameraden stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bedaldlon der .ninstrleileii ReidiSbanuer-ZeltmifT fiesdüllftielliiiig n. Personal de« Verlage« l.lLW.Dletz«stiUviserü m tu