Abendausgabe Ar. 564 B 269 44. Iahrgang Wöchentlich 7V Pfennig, monatlich 3.— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. * Der.AorwSrts" mit der tLnftrier- ten SonntogabeUage„Volk und Lei:* fotvie den Betlaaen„Unterhaltung und Wisien*.. �Aus der Filmwelt „Stadtbeilage"„Frauenstinime* ..Oer Kinderfreund"..Iugend-Lor- wärts*.„Dltct in die Büchenoelt", ..Kulturarbeit" und.Technik* erscheint wochentöglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Aevliner Volksblatt - Sonnabend- 10. Dezember 1.922 1V Pfennig tvie e t n l p a l», g e Nonprlretllezette S0 Pfennig. ReNamezeile S.— Reichs- mark»Kleine Anzeigen" das teNge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wo vi 12 Pfennig. Stellengeiuche das erst« . Wort 15 Pfennig, zedes weitere Wc-r» 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Ardettsmark! Zeile 60 Pfennig. Famiiienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Anden» sttahe 3. wochentägl von 5�/� bis 17 UhQ Jentvaloegan der Gozialdemokvattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 202—207 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Poflscheckkomo:'Berlin 87536—- Bankkonio: Bank der Arbeiier. ÄngefieSien und Beamten Valllir. 65 DiSkonio-Gefellschasi� Deposiienkasjc Lmdenfir S Beginn de« Schlichtungsverfahrens Einigungsaussprache im Eisenkonflikt gescheitert— Bildung der Schlichterkammer 1.8t. Essen.lv. Dezember, l�sgeabericht.) Henke vormittag um IV Uhr begannen die Schliche tnngsverhandlungcu in dem Ruhrkonslitt der Metall» Industrie. Zunächst fand unter dem Vorsitz des Schlichters. �berlandgcrichtsrat Dr. Jötte«, eine Aussprache p.lvischcu den Parteien statt, die aber nach einstündiger Dauer als gescheitert beendet wurde. Tarauf wurde eine Tchlichterkammer. bestehend auS dem Vorsitzenden. Lberlandgerichtsrat Dr. Jötten. und je sechs Vertretern der beide» Parteien gebildet. Inner- hall» der Schlichterkammer wurde zunächst die Frage er» wogen, ob die Lämmer sofort in eine Prüfung des Kon» flikts eintreten oder sich vertagen soll, bis ein« Entschei- düng des Reichsarbettsministers bezüglich der Still- legungsdrohung und der Inkraftsetzung der Verordnung hom 16. Juli über die Arbeitszeit in den Stahl» und AZalzwerke» abgewartet werden soll. Die Verhandlungen Uber diese« Punkt sind gegenwärtig noch nicht beendet. Die Ansichten darüber, ob die Schlichterkammer jetzt bereits in die Verhandlungen eintrete» oder ob sie ab- warte« soll, wie die Entscheidung des Reichsarbeits- Ministers ausfällt, find geteilt. Die neue Unternehmerparole. Nie Schwerindustrie will nicht angegriffen haben. k Das Prcsfequartier der Untcrnehmcrverbände hat an die ihm ro gestehenden Blätter die' Powle ausgegsben, olles oufzuwenden. vm die Gewerkschaften als. die Angreiser im Eisenkmislikt hinzustellen. Nun pflegen sich die Arbeiterorganisationen um eine Verantwortung nicht zu drücken, wenn sie aus sachlichen Gründen gezwungen sind, in einem Arbeitskowps einzutreten. Diesmal jedoch stich es die Unternehmer gewesen, die von vornherein mit der Stillegung chrer Werte drohten und damit auf den G c- sctzgeber, aus die Arbeiterorganisationen und aus die ganze Oeffentlichkcit einen erpresserischen Druck aus, zu- üben suchten. Es war von vornherein klar, daß der ganze Schach- zug der Unternrhiner von dein politischen Willen getragen mar, den Rechtsblock zur Rücknahnie semer Arbeitszeitverordnung zu veranlassen und gleichzeitig gegen dos staatliche S ch l i ch t u n g s- vi e f e n einen entscheidenden Schlag zu führen. Die Unternehmerpresse ist nun sichtlich beunruhig! dadurch, daß in der gesamten Arbeiterschast einschließlich der christlichen Gewerk- schaften die Erkenntnis von der Unhaltbnrkcit des gegenwärtigen Zustandeg zum Durchbruch kommt, indem ein halbes Dutzend scharst macherischer Kapitalisten darüber bestimmen dars, ob ohne jeden sachlichen Grund ein ganzer Gewerbezweig stillgelegt und ein großer Deil der Bevölkerung zum Hunger verurteilt werden dars. Ee- nasse L ö b e hat ee im„Vorwärts' mir aller Deutlichkeit ausge- sprachen, daß die Unternehmer mit ihrem Austreten die Forderung unabwendbar machen: die kopitalistischen Produktions- mittel gehören dem Volke. Jetzt soll angeblich erst durch diese Kundgebung des Genossen Lob« ein politisches Moment in die Schlichtungsverhand- lungen hineingetragen worden sein. Wenn das richtig wäre, so wäre das auch kein Schaden. Aber es ist f o l> ch, da ja die Unternehmer selber den Kamps als einen politischen Kamps entfesselt haben. Sic haben sich den Teufel um die Arbeitszeitverordnung gekümmert. Sie haben vor allem den Artikel 133 der Reichs- Verfassung ignoriert, der sagt: „Eigentum verpslichtet. sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das gemeinsam« B e ste.* Die Unternehmer haben den Artikel 1Z7 der Rcichsversasiung für nichts geachtet, der kategorisch erklärt: „Die Arbeitskraft steht unter dem besonderen Schutz des Reiches." Well die Schtnerindustrie durch ihre internationale Vertrustung selbst aus einer stillgelegten Industrie gcivaltig« Profite zu ziehen vermag, darum hat sie den demonstrativen Gewaltakt gegen Velsassur.g und Gesetz proklamiert. Jetzt spielt sie die po- litische Unschuld. Aber auch ihre Feigheit vor der Verant- wnrtung tann über die Tatsachen nicht hinwegtäuschen. Und diese beweisen, daß das Uiüernehmerwm sich außerhalb des Staates gestellt Hot, dessen Schutz es für die Wahrung seines Eigentums in Anspruch nimmt Die Konsequenzen ihres Schrittes werden ihm in keinem Falle erspart bleiben. Der wahre Zweck der Llebung. Steigende Eisenpreise! Paris. 10. Dezember. Die Hoffnungen der Schwerindustrie, mit ihrem provozierten Kampf«ine Steigerung der Internationalen Eisenpreifc künstlich zu bewirken, scheinen sich schon jetzt zu bewahrheiten.?edenjalls berichtet das Blatt der jronzöjiichen Schwerindustrie„Zournöc Industrielle", daß die Stillcgungsdrohung genügt habe, um den ganzen internationalen Elsen, und Stahl markt wefenllich zu b e et o s l u s s e n. Die belgische, französische und luxemburgische Schwerindustrie bereitet einen verstärkte» Export nach D e u» s ch l an d vor. Die preise ziehea an. da die Produzenten mit verkäusen zurückhalten. Einige deutsche und holländische Exporteure, die für deutsche Rechnung arbeiten, verlangen scharf erhöhte preise. Schon jetzt konnte die lothringijchc Industrie zahl- � reiche Uebersecousträge, die sonst vielleicht der deutschen! Industrie zugefallen wären, hereinnehmen, so daß ihr Auftrags- bestand den Durchschnitt übersteigt. Die deutsche Industrie zeigt jedoch on den lleberseeausträgen kein Interesse, da sie, auch wenn sie nicht produziert am Zwischenhandel oerdien« und außerdem noch einen Teil der Gewinne der westeuropäischen Eiscngewinner durch die Ilmloge für die kortcllkosic einstreicht. Verbissene Diktatoren. pilsudfti und Woldemaras sitzen schweigend einander gegenüber. V. Seh. Gens, 10. Dezember. Nach der geheimen Sitzung des Rates, die von L>11 Uhr bis kurz vor IZ Uhr dauerte, und an der auch Piliudiki teilnahm, war die Stimmung hinsichtlich der Lösung des litauisch-polnischen Streit- fnlles o p t i m i st i s ch c r. Man entnahm aus den spärlichen Mit- tcilungen einzelner Teilnehmer, daß eine Einigung zwar g r u n d- s ä tz I> ch erreicht sei, daß es sich aber noch darum handle, die geeig» n:tc Formel zu finden. Iedenkalls treten heute nachmittag poch dem �historischen Frühstück" bei Briond, an dem u. o. auch Strese- mann und Chomberloin tellnehmen, die Ratemitglieder zu einer neuen, vorläufig geheimen Sitzung zusammen. Diese Sitzung soll, falls in ihrem Verlauf« die oon Bloklond vorgeschlagene Formel von beiden Seiten akzeptiert wird, sofort in eine ösfcnt- licbe Sitzung umgewandelt werken. Das letzlere ist allerdings noch sehr zweifelhast» und man rechnet nach wie vor mit einer Schlußsitzung am Montag. Bezeichnend für die Hartnäckigkeit oon Woldemaras ist, daß er. obwohl er anderthalb Stunden in demselben Räume mit Pil- sudski weilte, mit diesem kein einziges Wort sprach. Nach der Sitzung äußerte er sich wieder sehr ikeptisch und erklärte, daß er eine Einigung noch im Laufe des heutigen Tages für aus- xeschlessen halte. Seine Hartnäckigkeit soll neuerdings darauf zurück- Z'iiühren sein, daß die Verbände der nach Amerika ausgewanderten Lttouer, die insgesamt eine Million Menschen oertreten, ihn mit Telegrammen bombardieren, in denen er aufgefordert wird, fest zu bleiben und auf keinen Fall nachzugeben. Auf diese Telegramme beruf» et sich selbst, um seine Haltung zu begründen.' Der Salanüe-Konslilt dürste vertagt werden, da die direkten deutsch-griechischen Verhandlungen ergebnislos verlausen sind. Oer neue Weltwirtschastsrat. Gens, 9. Dezember.(Eigenbericht.) Der neue Wirtschaftsrot des Völkerbundes zur Fortführung der Arbeiren der Wirtschaftrkonferenz hat 56 Mitglieder. Reichrdeulsche Vertreter sind Een-'ssc Hermann Müller- Lichtenberg für die Arbeiter, der Präsident des De�ts'' en Industrie- und HanMetoges, Mendelssohn Dr. Herme? und der Zentrumsabgeordnete Lammers. Das Internationale Arbeitsamt Ist durch die Gsnossen Jouhaux- Frankreich und Oudegeest- Holland vertreten. An bekannten Versönl'ck-kzüen sind avtzerd-»n in den Rat entsankt der englische Gewerkschastsfühier Genosse P u g h, Balföur, Loucheur, der Holländer Colijn, der Ministei Präsident von Finnland, Genosse T a n n e r, und Genossin Emmy Freundlich- Wien. Nord- a m e r i k a und Sowjetrußland werden je zwei Delegierte. Australien«inen entsenden. Präsident ist der Belgier T h e u n i s, Lizepräsidcnien sind Loucheur, Colijn und Ehalt« rjee(Indien). Groteske Wahlen. Ergebnisse und Bedeutung der Angestelltenwahlea. Do« Fritz Schröder. So paradox es Uingt, es ist dennoch wahr: obwohl die Wahlen der Vertrauensmänner für die Angestellten- Versicherung fast vollständig abgeschlossen sind— in den nächsten Wochen finden nur noch in verhältnismäßig wenigen Bezirken Wahlen statt—, läßt sich heute noch nichts sagen über die Stärke der einzelnen Richtungen in der An- gestelltenbewegung für die kommende Wahl des Verwal- tungsrats durch die Vertrauensmänner. Das ist begründet in einem Wahlrecht, das sicher als das wunder- lichfte unserer Zeitgeschichte bezeichnet wer- den darf. Als Anfang dieses Jahres im Reichstage das Gesetz über ein einheitliches Wahljahr in unserer gesamten Soziälversiche- rung beraten wurde, forderte die Sozialdemokratie direkte Wahl des Verwaltungsrats der Neichsversiche- rungsanstalt für Angestellte durch die versicherten Ange- stellten. Das sah auch der Regierungsentwurf vor; die bürgerliche Regierung war also selbst von der UnHaltbarkeit des alten Wahlsystems überzeugt. Dennoch haben die bürgkr- lichen Parteien den bürgerlichen Angestellten- verbänden zuliebe die direkte Wahl des Derwal- tungsrats beseitigt, um so die Vorzugsstellung der bürgerlichen Angestelltenoerbände stärker zu sichern. Da sich jedoch nicht bestreiten ließ, daß es ein d e ii p i loses Unrecht ist, wenn hundert Versicherte ebenso viele Vertrauensmänner wählen wie zehntausend Versicherte, hat man, unter Beibehaltung des alten Wahlsystems für die Ber- trauensmänner, den Versicherten ver t f e t c r n unter den Verträuensmännern in den Wahlbezirken mit über tausend oersicherten Angestellten ein M e h r st i m m e n- recht eingeräumt. Bei einer Versichertenzahl bis zu taufe« d entfallen auf den Wahlbezirk drei Stimmen, für je weitere volle tausend erhöht sich die Zahl der Stimmen um drei. In die sich so ergebende Stimmenzahl teilen sich die Versicherten- Vertreter des Wahlbezirks zu gleiche» Teilen. Die untere Verwaltungsbehörde muß j etzt die Zahl der im Wahl- bezirk vorhandenen Versicherten schätzen. Erst dann ist das Stimmrecht der einzelnen Vertrauensmänner zu er- rechnen, von dem die Stärke der einzelnen Richtungen in der Angestelltenbewegung abhängt. Sicherlich ein groteskes Wahlocrfahren, das zu tausenderlei Ungereimtheiten führt. So erklärt sich auch, daß zwar der A f A- B u n d in diesem Wahlkamvf mit einer Stimmenzahl von weit über eine Viertelmillion die führende Gewerk schaftsrichtung war, dennoch aber die Zahl seiner Vertrauensmänner in einem unerhörten Mißverhältnis dazu steht! Das kann durch das Mehrstimmenrecht noch korrigiert werden, ober auch hier wird man vor Ueberraschnngen nickt ganz sicher sein. Es zeigt sich eben, daß die direkte Wahl die ein- ziae Gemähr für einen gleichmäßigen Einfluß jedes ein- zeinen Versicherten auf dos wichtigste Selbstoerwaltungs- vrgan der Angestelllenversicherung. den Verwaltungsrat, ist. Soweit es sich jetzt schon übersehen läßt, ist der eigentliche Nutznießer dieses verrückten Wahlsystems der— antisemitische—„Deutschnationale Handlungsgehilfenverband". Er hat mit weniger Stimmen weit über doppelt so viele Vertrauensmänner als der AfA-Bund. Dieses Miß- geschick teilen jedoch auch seine eigenen Bundesgenossen. Der Gewerkschaflsbund der Angestellten hat 90 Proz. der Stim- men des DHV., aber nur 60 Proz. seiner Vertrauensmänner. Noch widersinniger wird das Wahlergebnis bei den anderen beiden Gruppen des Hauptousschusses: die 17 Frauenberufsoerbändc haben bei 86 000 Stimmen nur 89 Vertrauensmänner erhalten, dagegen die übrigen Haupt- ausschußocrbändc bei 78 000 Stimmen insgesamt'250 Vertrauensmänner. Das heißt also: bei 8000 weniger Stimmen fast dreiinal soviel Vertrauensmänner als die 17 Frauen- berufsverbände! Dieser Unsinn wäre bei Annahme des damaligen sozial- demokratischen Antrages nicht möglich gewesen: sämtliche Gruppen der Angestellten hätten vielmehr jetzt schon die Ge- wißheil, daß sie entsprechend der auf sie entfallenden Stim- men auch im Verwaltungsrat vertreten sind. Ob dieses Un- recht durch das Mehrstimmenreckt noch gemildert wird, bleibt fraglich. So rächt sich hier an dem größten Teil der Haupt- aus�ckußverbände die eigene Kurzsicktigkeit. In der rechtsstehenden Vresse ist unter tatkräftiger Mit- Wirkung des Deut'chnationalen Hand�inTgehilsenverbandes das Wahlergebnis zu einem großen Steg der Rechts- Parteien um gelogen worden. Nach all den politischen Niederlagen der letzten Zeit kann man verstehen, daß die Rechtsparteien Trost in ihrem Unglück suchen Man soll sie in diesem Selbstbetrug nicht stören, das Erwachen wird bei den kommenden Reichstagswahlen um so grausamer sein. Sicherlich fehlt großen Teilen der Angestellten noch eine aus- reichende politische Schulung, selbst der oerschärfte Klassenkampf der Unternehmer hat immer noch nicht eindringlich genug zu wirken vermocht. Cm politisch zuverlässige Kerntxuppö für die Rechts- Parteien bsidet höchstens der Deutschnotionale Handlungs- gehilfenverbaiü» fDchB.). Wer die Politik dieser aniisentiti- schen Organisation aufmerksam verfolgt, findet auf Schritt und Tritt die Tatsache bestätigt, wie in systematischer Weise völkisch-nationalistischc Erziehungsarbeit im Sinne der Rechtsparteien geleistet wird. Daher ist es auch nicht erstaunlich, wenn die Zeitschrift des DchD. verkünder, daß die„nationalen" sogenannten Wehrverbänbe, der Stahlhelm, der Wcrwolf. der Iunddeutsche Orden unaufgefordert a�acker für den DHB. gearbeitet und gestimmt haben. Auch die völkischen Tutsbesiger und der Pommcrsche Landbund haben mit Hilfe ihrer Forst- und Gutsbemnten dem DHV. jede Unterstützung zuteil werden lassen. Aber selbst diese Biertelmillion Stimmen können die Rechtsparteien nicht aus- schließlich für sich buchen. Die übrigen Hauptausichußoer- bände den Rechtsparteien zuzählen zu wollen, übersteigt be- reits das erlaubte Maß von Naivität. Vorsitzender der zweitgrößten Organisation des Hauptausschusses, des Ge° werksch�fksbundss der Angestellten(®dA.) ist der d e m o- k r a s ch e Reichstagsabgeordnete Schneider. Von den übrigen Verbänden des Hauptausschufses und den 17 Frauen« berpfsverbänden läßt sich ebensowenig sagen, daß sie den Rschtsparteien zuzuzählen sind. Beurteilt man diese Wahlen, wie es allein zulässig ist, nach der gewerkschaftlichen Gruppierung der An- gestellten, dann ist sie ein Beweis für einen beispiellosen Fortschritt des freigewerkschaftlichcn Ge- d a n k e n s innerhalb der deutschen Angestelltenbewegung. Man kann diesen Fortschritt nur voll ermessen, wenn man zum Vergleich die Verhältnisse der Vorkriegszeit heranzieht. Damals. 1913. eine noch in den Kinderschuhen steckende frei- gewerkschaftliche Angestelltenbewegung, ihre größte Organi- sation der Zentralverband der Handlungsgehilfen mit rund 23 000 Mitgliedern. Demgegenüber die alten bürgerlichen Angestelltenorganisationen mit einem hoch entwickelten Ver- wailungsapparat und gestützt durch Ihre Ersatzkrankenkasscn: von diesen alten Angestelltenverbänden hatten drei bereits in der Vorkriegszeit über 100 000 Mitglieder, der Deutsch- nationale Handlungsgehilfenoerband fast 150 000. In der Nachkriegszest kam die große Umgruppierung innerhalb der deutschen Angestelltenbewegung und ein gewaltiger Auf- schwung der freien Angestelltenverbäiche. Ihre Mit« gliederzahl hatte sich verzehnfacht. Als die ersten Wahlen in der Nachkriegszeit stattfanden, hatte der AfA-Bund am Ende des Jahres 1921 rund 635 000 Mitglieder. Be: diesen ersten Wahlen erhielt der AfA-Bund 125 000 Stim- men. Inzwischen ist sein Mitgliederstand durch die Rück- schlüge der Jnflationsperiode auf 430 000 zurückgegangen, und dennoch erhielt er bei der diesmaligen Wahl weit über eine Viertelmillion Stimmen, asso über doppelt soviel als 1921. Hier zeigt sich eine starke inner- organisatorische Festigung und ein neuer Aufstieg der freien Angestelltenhewsgung. Das erfreulichste an dieser Wahl ist das starke Vordringen der freien Angestelltenverbände auf dem flachen Lande. Hier übersteigt die Zahl der abgegebenen Stimmen bei weitem die Zahl der überhaupt vorhandenen Mitglieder, vielfach sind sogar in Wahlkreisen Stimmen ab- gegeben worden, wo keine Mitglieder vorhanden waren. Berücksichtigt man serner. daß bei dieser Wahl die Ausübung des Wahlrechts voncher Erreichung des 21. Lebensjahres ab- hing, daß große Teile der AfA-Mitglieder wegen Zugehörigkeit zur Knavpschoft oder infolge anderer ausreichender Ber- forgung nicht wahlberechtigt waren, so zeugt das Wahl- ergebnis für eine starke Anziehungskraft der freien Ange- ftelltenverbände. Englische Kriegsdienstverweigerung. Abg. Genosse Artur Pon- sonby iiberreichte dein Ministerpräsidenten Paldwin eine von an- nähernd 189 900 Personen unterzeichneten Petition, in der sie er- klären, in Zutunst keinerlei Krieg»- oder KriegshilfÄnenst leisten zu wollen. Ileberzüchtete Ideologie. „Schloß Wetterffeln" im Theater in derAöniggroherStraße Wedötind Hot dos Schauspiel„Schloß Wetierstein" geschrieben. als er schon auf der Höhe seines Ruhmes stand, mit Theorien voll- gepackt. Seine Absicht ist, die„inneren Notwendigteilen, auf denen Ehe und Familie beruhen", zu behandeln.„Schloß Wetierstein" ist atjo, wenn man will, ein Tendenzdrama. Die literarisch« Acsthciik vertritt heute nicht mehr unbedingt den Standpunkt, daß Tendenz- stucke Kunstwerk? zweiten Ranges sind. Die stammende Ausein- cmdcrießwtg mit einer drängenden Zestfrag? ficht heul« mindestens so hock im Kurs wie das lendenzlofe Dichtwerk. Ab-r die«che gib setzt nicht mehr als so aktuelles Problem, haß >07 Dichterische den WsdotjnÄ hier betreibt, gerechtfertigt erschiene. Seine Anschauungen übet das Recht auf das«ige«e Ich bei beiden Ehegatten, über die Ehe als Sloatsnotwendigkeik, über die Untreue, mit der ihm eigenen Ekstase ausgesprochen, stimmen gewiß nachdenklich.„Es gibt keine Folterkammer von Ehe. Man liecht sich oder man trennt sichl Die meisten gefunden M-nfchcn werden glückliche Paare."..Selbstverständlich hat der Mann ein im- yergleichiich größeres Recht auf Untreue als die Frau. Dos steht unumstuschch fest. Aus keinen Fall hat er aber doch wohl ein größeres Recht auf Untreue cS.s der Geliebte seiner Frau." Dir Figuren des Schauspiels, die diese Problem« gestalten, haben gigantische Aus- maße. Da ist Leonore. die den Mörder ihres geliebten Mannes heiratet. Do ist ihre Tochter Essie, ebenso triebhaft sinnlich wie Lulu, ober mit freudigerem und bewußterem Liebeswillen. Da find die drei Männer Rüdiger von Wetterstein. Luckner und Tichampcr. an denen sich die Ehciheorie erweisen soll. Am leichtesten gehen wir mit den messerscharf geschliffenen Ansichten Wettersteins mit. der mit eiserner Energie der Witwe seines Opst-rs gegcnübertritt und sie mit be- munderungswürdiger Virtuosität erobert. Vom zweiten Akt an zer- jwtter, das Schairspicl ins Phantastische und Absonderliche. Es ist nicht Aar, wieso sich der gewaltige Wcibevheld Luckner am Ziele seiner Wünsche erschieß?. Und ans Mn striche grenzt der dritte Akt, in dem die Familie Wetterstei», der Baron. Levnore und Essie, in einem obentguerlichen Freudenhaus gelandet ist. Der Millionär Tschamper, der sich am tiefsten seelischen Schmerz seiner Frau ausreizl, der ge- ichlechttiche Befriedigung nur noch in den T�esqualen semer weib- Iichm Opfer findet, hat nichts Wirkliches mehr. Der Regisseur B a r u o w s k, kann im ersten, folgerichtigsten Akt keinen Ärntakt mit den Zuschauern herstellen. Wahrscheinlich, um auf die stürmisch vorwärtsdrängenden Ereignisse in den nächsten Akten hinüber, uleitcn, läßt er dt« Schauspieler im Eilzuostempo. ohne seelische Anteilnahme, sprechen und verbreitet dadurch eine Kühle, die dem Ganzen nicht zuträglich ist. Die tragend« Rolle der Essie hat er Wedckindg Tochler Pamela anvertraut. Sie führt ihre Rolle virtuos mit einer von Akt zu Akt steigernden Wirkung Oer Nobel-Fn'edenspreis. Seine diesijähngen Troger: Quidde und Buisson. In der Vorkriegszeit ist kein Nobel- Friedenspreis nach Deutschland gesallen. Die Ehre, von dem norwegischen Parlomentsaussckiuß für Werke des Friedens ausgezeichnet zu wer- den. wurde niemals einem Staatsmann, aber auch niemals cineni Untertan des kaiserlichen Deutschland zuteil. Unter der Herrschaft des säbelrosselnden Kaisers und der Weltpolitik treibenden Bourgeoisie gewann der deutsche Pazifismus nicht die Ausdehnung, um ihn einer internationalen Anerkennung wert erscheinen zu lassen. Die deutsch« Republik wird bereits zum zweitenmal durch den Friedenspreis ausgezeichnet. Im vorigen Jahr erhielt ihn«tress- mann, gemeinstbafU ch mit BrioNd und Ehamberlain. tür die Politik von Locarno. In diesem Jahr erhält ihn— zur Hälfte— der fast siebzigjährige Borsitzende der Deutschen Friedensgesellschait. Pros. L u d w i g Q u> d d e. Die andere Hälfte erhall ein Franzose. Ferdinand Buisson, Ehrenpräsident der Liga sür Menschen- rechte. Quidde wurde 1388 in B r c m c n als Kausmannssohn geboren. Er studierte Geschichte und wurde Mitarbeiter bei den Reichstags- o t t c n. pell 1893 trat er in der demokratischen Bewegung hervor. In seiner Schrift„Ealigula" erkannten deutsche Richter vor- schristsgemüh eine wahre Kennzeichnung Wilhelms II„ zumal „Ealigula" fSoldatenstieselchen) der Beiname eines militäriollen römischen Kaisers ist: dafür mußte Quidde 1896 drei Monate brummen. 1997 in die bayerische zweite Kammer gewählt, wurde er noch der Novemberrevolution zweiter Vizepräsident des provisorischen Ratio, nalrates In Bayern. 1919 geborte er auch der Nationalver s a m m k u n g an. 1894 hat Quidde die Münchener Friedensgesell- schaii gegründet. Seit langen Jahren steht er als Vorstand der deutschen Fricdensgesellschast und des deutschen Frledcnskartells an der Spitze des deutschen Pazisismus. In Frankreich und England sind die Führer des.bürgerlichen Pazifismus" schon vor Jahrzehnten in politisch wichtige Stellungen berufen worden. Quidde hat die besten Jahrzehnte seines Lebens in der Opposition zu den herrschenden Mächten verbracht. Wie vielen Tausend sozialistischen Kämpfern um neue soziale, Wirtschaft- liche und demokratische Ideale, wird diesem Kämpfer um das Ideal des ntternationalen Friedens im hohen Aller die Genugtuung zuteil, daß das Ideal zum Gegenstand realer Polllik wurde. Neben dieser inneren Genugtuung ist der Friedenspreis der Nobel-Stiftung für Quidde eine äußerliche Anerkennung dafür, feiner Zeit und seiner Klosse um Jahrzehnte vorangeeill zu sein. Selbstbeschränkung des Völkerbundes. Die Rotssitzungen sollen vermindert werden. Der Völkerbundsrat hat in mehrtägigsn vertrau- lichen Verhandlungen den englikchen Antrag beraten, die Zahl der jährlichen Ratstagungen von vieraufdreiber- abzufetzen. Dieser Antrag klang vetchälwismäßig Harm- los. In Wahrheit handelt es sich mn weit stärkere Gnfchrän- kung der Völkerbundstätigkeit. Der Rat hielt bisher außer- halb der Volloers anrrrüuing im Seplember überhaupt nur drei Tagungen, im Dezember, im März, im Juni, also alle Vierteljahr eine Tagung ab. Es gab also außerhalb der Voll- Versammlung bisher nur drei politisch wichtige Tagungen. Und deren Zahl wollte Chamberlain um ein volles Drittel, auf zwei jährlich, vermindern. Man begründete diele Verminderung vor allem damit, daß gewöhnlich drei Monate nach der Vollversammlung, im Dezember, nicht schon roieifcr dos Bedürfnis nach einer Zusammenlunft der Staatsmänner vorhandsn fei. So hatte muh die deulsche Delegation den englischen Antrag unterstützt, während namentlich die kleineren Staaten an den bisher üblichen drei Tagungen festhalten wolltet?. Der Rat hat nicht gewagt, über dies« Frage von öffent- lichem Interesse öffentlich zu verhandeln. Die Der- durch. Das Letzte, Ueberzeugende jedoch fehlt. Sie spicll Dämonie um jeden Preis, schmeißt mit den Augen, hall nach jeden dritten Satz lauernd den Mund offen. Im letzten und schwersten Akt, in der grausamen Szene mit Tschamper, fällt jedoch jede Künstelei von ihr ab. Da ist sie die in Liebessehnsucht sich verzehrende, schrankenlos weibliche Wedakmdsche Essie. Für den Millionär Tschamper hat sich Barnowsky Fritz K o r t n e r ausgeborgt. Mit guten Gründen. Seine gespannte und dumpfe Energie, seine Brutalität sind von angst- erregender Unheimlichkeit. Die bedenkenlose Realistik in der Darstellung des abnormen Triebs Tschampers ist gewagt, steigert oder die beängstigende Wirkung der Rolle Paul B i l d t als Rüdiger von fWsuerstein ist im ersten Akt mehr ein« nüchtern sachliche als eiserne Willensnatur, versöhnt aber später in der Verkörperung der Zer- brochenheit eines verlorenen Menschen. Agnes Straub scheint ein wundes Nervenbündel und wird mst dieser Auffassung ihrer Rolle nur teilweise gerecht. In godänipfterem, weniger von mißtönendem Schreien durchsetztem Spiel würde sie um vieles gewinnen. Fritz K a m p c r s erheitert durch seine urwüchsige, im Grunde gutmütige Derbheit, mit der er die Rolle des Luckner ausstattet. Ernst D egn e r. Anderfen-Aexö am Voriragspult. Dänemarks größter proletarischer Dichter liest vor. Ucberslllller Saal. Festlich gekleidete Menge. Die Automobile stauen sich aus der Straße. Ach nein, in dem bescheidenen Bürgersaal des Berliner Rat- Hauses sind etwas über hundert Mitglieder der Volksbühne versammelt, meist Proletarier, wie ihr Lioblingsdichter selbst, dem sie mit andachtsvoller Anteilnahme lauscheir. Aus einem von Arbeit und Denken tief- gefurchten Bauernkops leuchten ein paar grundgescheite, grundgütige Augen. Das erst« Gesühl des Hörers ist. von diesem Mann geht ein Strom von Wörme aus. Er spricht zuerst über Dänemark und Deutschiand, über seine eigene Stellung zu dem größeren Adaptiv- Vaterland. Dar lausend Jahren, so sage er. war Dänemari so groß wi« heute. Nicht nur» daß nienmls ein« semdseUge Stimmung gegen den großen Nachbar vorhanden war, nein, all« befruchtenden An- regungen In Kunst, Philosophie, Dichtung, ja sogar Politik und Land- Wirtschaft kamen aus Deutschlaich. Das Jahr 1864 war der furcht- barste Einschnitt in Dänemarks neuerer Geschichte. Di« Niederlage war für das winzige Land sm verhältnismäßig ebenso schwerer Schlag wie für Deutschland der verlorene Weltkrieg. Die Schalten dieses Ereignisses verdunkelten auch des Dichters Kindheit Aber Dänemark erhollc sich: denn, wie Andersen-Ncxö sagt, der Besiegte ist im Grunde immer d-r Sieger. Ein wahrer Dolkssührcr, Grundt- vig, gab den Dänen einen neuen Idealismus. Er prägte den Satz: „Was nach außen verloren ist, muß nach innen gewonnen werden!" So schuf er die vorbildliche dänische Volksschule. Andersen-Nexö erzählte von seiner harten Proletarierkindheit in dem verarmten Land, von feinen Kämpfen um Bildung und soziales hcmdlunaen fanden jetzt kn Genf mehrere Tage iötg t/bAtf verschloffenen Türen statt. Ein großer Teil der Regst�mgen war zu feige, ihren Angriff gegen die Wirksamkeit des VMer- bundes öffentlich zu unternehmen. Das Ergebnis des stoßes ist trotzdem nicht so gewesen, wie sie es sich dachte n. Man hat sich auf ein Kompromiß geeinigt: Die Zahl de." ordentlichen Ratstagungen fall zwar in der Regel auf zw«" vermindert werden, die dritte soll aber f o k u l t a? i v bleiben. Praktisch-politisch In Zukunft soll nicht ohne weitere- im Dezeinber«ine Tagung stattfinden, sondern die Haupt mächte werden sich mit dem jeweiligen Ratsoorjitzenden über die Einberufung einer vierten Tagung ins Benehmen setzen Der bisherige Zwang zur Verständigung wird gc- lockert. Die Regierungen müssen nur noch zweimal statt, wro bisher dreimal, jährlich zu Ratssitzungen zusammentreten. Der Einfluß der großen Regierungen auf die Tätigkeit des Bundes wird verstärkt. Daß die großen Ratsmächte es nicht gewagt haben, die Ratstagungen auf jeden Fall zu vcrmiitbern, kommt dahLr. daß gerade dir Verhandlungen dieser Tage eine Nützlichkeit dar Genfer Beratungen sür die Sicherung des ollgemeinew Friedens unwiderleglich zeigten. Der Ostkonflikt haste gerade jetzt eine bedrohliche Schärfe angenonnnen. Die jetzigen Genfer Verhandlungen zeigen, wie schwierig und wi? notwendig es ist, zu einer Derständigung zu kommen. Hätte die jetzig« Tagung nicht auf Grund der Geschäftsordnung statt- finden mü f f e n, so hätte sehr wahrscheinlich keine der Groß- mächte die Initiative zu den Verständigungsversuchen er- griffen. Statt einer Entspannung, die jetzt schon durch die Genfer Zusammenkunft eingetreten ist, hätten sich die Kon- flikte im Osten, mit unabsehbaren Konsequenzen, zugstpitzt. Die Bollversammlung im nächsten Htrbst wird Wer die beabsichtigte reaktionäre Reform des Völkerbundes entscheiden. Sie wird Gelegenheit haben, die Gründe und Gegengründe öffemllich zu erörtern und den ZdtgierunMN der großm Ratsmächte zum Bewußtsein zu bringen, daß sie der Nötigung, alle Vierteljahr einmal praktische Friedensverständi- gung zu treiben, nicht ausweichen dürfen. Ourchpeitschung des Meierschuhgesehes Verdächtige Eile des Rechtsblocks. Der Wohnungsausschuß des Reichtages hat die Be- ralunz des Mietengesetzes zurückgestellt und befdchtssen. cm Montag in die zweite Beratung des Mieterschutz gejetzcs einzutreten. Die Regierungsparteien haben durchblicken lassen. daß unter Aufhebung der Geschäftsordnung die Durchberatung des Mieterschutzgesetzes bis Weihnachten erzwungen werden soll. Das Besoldungsgesetz. Abschluß der Allsschußberatung.— Dienstag Äehandlu»s im Reichstagsplenum. In lang ausgesptm neuen Beratungen hatte der Ausschuß für den Reichshaushali in den letzten Tagen das Beaintenbesol- dungsgesetz so weit gefördert, daß heute mittag die Beratung im Ausschuß als a b g e s chl 0 sie n erklärt werden konnte. Die 23ci Handlung im Plenum soll am Dienstag beginnen. Am nächsten Montag wird der Haushaltungsausschuß im Anschluß an das Besoldungsgesetz noch über euren kommunistischen Antrag betresjend den Abschluß nsuer Tarifverträge für die A r- heiter des Reiches, dar Länder und Gemeinden, der Reichs- bahn und der Reichspost beraten. Der Kapitän des Kreuzers„Vcrlia". Kolbe, wurde telegraphilch von der Auslandsreise zurückgerufen, um dem Wehrministerium Über den Besuch des Prinzen Heinrich auf seinem Schiff Bericht zu erstatten. Verständnis auf der noch ganz in feudalistischen Zuständen einzc- sponnenen Insel Bornhalm. und wie er zuerst in München durch den vortrefflichen Georg Hirth Förderung empfing. Ja, Demschland sei noch immer, so meint er. der geistige Horb der Welt, und mit seiner Existenz sei das Wohl und Wehe, zum mindesten Westeuropas, vcr- knüpft. Di««igen« Entwicklung, die der Dichter in„Pelle, der Eroberer" und anderen Büchern wiedergegeben hm, beleuchtete cr somit unter einem hohen kulturellen Gesichtspunkt. Warme Menschlichkeit brach alsdann aus der kleinen Erzählung.�Annemaries erst« Reise", die er als Begleiter einer allen krebskrankcn Bäuerin aus dem kargen Heideland nach dem fernen Kopenhagen mitgemacht Hai. Hier ist Lebensgier und Todesnähe zu einer wunder- samen Einheit zusai* mengeflochten. Als amüsant cr Plauderer erwies er sich in der Geschichte„Berlin", während ein Märchen, daz hu- Erweck ung des Proletariats behandelt, ihn als einen echten Volks- erzähl« im Sinne Tolstois zeigte. Der Ansturm der Autvgraphtn- sammlcr nach Schluß der Vorlesung bewies die große Liebe für diesen Dichter des Proletariats. P�a u l Gut m a n n. Ein Piagiatprozeß. Dr. Kemmerich, der Verfasser eines Buches mit dem vielocrheiheiiden Titel„Die Brücke zum Jenseits", wurde von den Erben des Münchener Professor» Gruber beschuldigt, die ihm zur Verfügung gestellten Manuskiipte Grubers plagiatorisch mißbraucht zu haben. Durch eine einstweilige Verfügung wurde die Wciierverbreitung seines Werkes verboten. Das jetzt ergangene Urteil verjagt weiter den Vertrieb des Buches, soweit es die Seite» 288 und 694—314 umsaht. Die sonstige Benutzung der Gruberschen Manuskripte, besonders soweit sie schon veröffentlicht sind, wird freigegeben und Kemmerich im übrigen zugegeben, daß kein Plagiat vorliege. Erskaassührnvgea der w-ch«. 7Mlw> Sihiller-Thealer i„Robert 9? ni S ej! r d. 50 o; z e ck." voanei». Schauspielhaus:„Penlbcsilea". AreU. Slädllichc Cper:„Nachtigall. Frucrvogel". A!ul««m»»»ilräae. Sonntag, tv Uhr. sprechen im Alien Museum Vrof. Neugcbauer über„Meiiterwcrke antiker Kleinkuntl lSamm- kung Gauss" im Saiier-Jriedrich-Ru'-nm Dr. Voh über..S v a n i ich- Malerei" im Muieum sür Böiierkunde Dr. Krickeberg über„D i e AztctischeSultur". Karten zu SO Psennig. Ct. Ala sted Georg spricht über.Verlag und Berkrieb einer modern«» Tageiizeckunz" Montag. 1v>f, Uhr, im lLerner-ZiemenS-Rcatgymnasiuw. Hohensiauienstr. 47. Ei»««asprlkung:.«»blick 1»»t«»"wseweioa" veranstaltet die Gc'cll-- schau der Freund« de» neuen RuhIandS im Europakau« am Anhalter Sabn'-o-. Di« Ausstellung ,e gt Kultur u d Wirtschast, BotlSkunu. Tiiea, r- modelle. Porzelline. Nalur«chätze n a. m. uitd ist vom 10. bis 30. Dereurber täglich von 10 bis 20 Nkir gcöiinet. )w ArchbeNur-Museuui der lechalschea Hochschule lu Ebarloilenöllra N>:uet eine Ausstellung der Ai bellen von Pros. Heinrich T e I i e n o w vom 10. Dezember bis SS. Januar statt. Geöffnet ivochcntagS 10— 3 Uhr. Sonn- tags geöffnet vo» 19—1 Uhr»ur am 11. Dezember mW 22. Januar. Wendepunkt im Berufsschulwesen Gchulbeiräte aus der Arbeiterschaft.— Mitarbeit der Gewerkschaften. Dem Berufsschulwesen Berlins wird durch die Neu- oryanifierung der Schulräte ein erneuter Anstois zur Weiterentwicklung gegeben. Die bisherigen EchulbcirSte. die nur aus Arbeitgederkrciscn gewählt wurde», sind in Untätigkeit cnt- schlafen. In den neuen Schulbeiräten werden fortan neben den Arbeitgebervcrtrctcrn als gleichberechtigte Mitarbeiter die A r h e i t- nchmervertretcr stehen. Hiermit erhält die organisiert« Arbeiterschaft die Möglichkeit, den ihr gebührenden E! n s l u g auf die Berufsschulen auszuüben. Für die aus Arbeitnehmer- kreisen zu wählenden Schulbeiräte wird der Ortsaueschutz Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes regelmähige Konferenzen und Borträge veranstalten, die Zur Vertiefung ihrer Arbeit beitragen sollen. Eine erste Konferenz, zu der neben den freigewertschast- l:ch organisierten Schulbeiralkandidatcn auch Vertreter der städtischen Berufsschulverwallung, der Bcrufeschuldirektoren und der Berufs- schullehrerfchaft eingeladen waren, fand am Freitag unter der Leitung der Genossen Sabath und Hehler statt. Hehler begrüßte im Namen des Ortsausschusses Berlin des ADEB. die Teilnehmer der Konferenz und betonte den in der Arveitnehmerfchaft seit langem lebendigen Wunsch, an der Weiterenkwicklung und Ausgestallung des Verussschulwefens mitzuwirken. Die gemeinsame Arbeit der Lehrers Haft und der Arbeiterschaft werde der Berufsschule zum Segen gereichen und auch in weiten Kreisen der Arbeiterbovölkcrung das Interesse sür die Berufsschule steigern. Es entspricht, sagte Hehler, dem Gedanken echter Demokratie, dah die organisierte Arbeiterschaft letzt auch aus diesem Gebiet zur Geltung tontMt. Aus ihrer Mitarbeit kann sich ein starker Einfluß auf die gesamte Schulpolitik er- geben. Hehler hob hervor, dah in dem System der Schuleinrich- tungen von der Volksschule bis zu den Bildungsanstalten der Er- wachsencn die Berussschule ein wichtiges Glied ist. An dem Ge- dcihcn der Berufsschulen, an ihcr zweckmäßigen Ausgestaltung, an der Festsetzung ihwr Lehrpläne, der Unterrichtszeit usw. haben die Gewerkschaften ein sehr starkes Interesse. Sie wünschen ober auch, daß die Berufsschullchrerschast die Erweiterung des Iugcndschutzes fördert und das berechtigte Verlangen der Jugend nach einer„Freizeit" unterstützt. Genosse Hehler schloß mit einem Hinweis auf die Grundlage unserer Forderungen, aus den Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und politischen Zielen der Arbeiterklasse, aus die Notwendigkeit einer durchgreifende» Acndcrung unserer Gesellschasisordnung. Aus diese Eröffnungsansprache antworteten durch'ihre Vctkrcie'e die städtische B c r u f s s ch u l v c r w a l I u n g, die Arbeits. gcmeinschast von Direktoren der Berufsschulen Berlins, der Berbond der Berliner Gewerbe- und Handelslehrer. Alle erklärten, dah sie von dieser demnächst in Krast tretenden Nein organisierung der Berufsschulbciräte und von der Mitarbeit de' Ardcitnehmcrschoft einen Gewinn für die Berusssch-ulen erwarten, der mit Freude zu begrühen sei.— Danach solgte ein erstes einführendes Referat des Magistratsschulrates S ch u l tz e über die Entwicklung des gewerblichen Schulwesens in Berlin. Schulrat Schultz« steht seit langer Zeit im Berliner Berussschulwesen und hat sich an den Bemühungen um die Weiter «ntwicklung dieser Bildungsstätten sür den Nachwuchs der werk- tätigen Bevölkerung erfolgreich beteiligt. Er sprach von den Berliner Ansängen der Lehrlingesonbildung, von den im Jahre>7!i7 durch einen Verein eingerichicten S o n n t a g v j ch u l c n für Lehrlinge, den erst im Jahre l&l3 von der Stadt gcschaslencn Fort- bildungsanstalten für Erwachsene, den In den nächsten Jahrzehnten hinzugekommenen Fortbilduhgs schulen sür Jünglinge und später auch für Mädchen. Diese Fortbildungsschulen mit Frei- Willigkeit des Besuches dienten zunächst hauptamtlich der Allgemeinbildung, entwickelten sich aber mehr und mehr nach der Seit« der Berussbildung hin, weil die Schüler und Schülerinnen selber die beruflichen Unterrichtsturse den anderen vorzogen. Erst das Jahr 1905 brachte uns in Berlin auch die Pflichtfortbildungsschule. Der Vortragende zeigt« dann in«ingehender Darstellung die sortschreitende Ausgestaltung de? Berliner Berufsschulwesens, die Zusammcnsassung der zehn Schulkreise dos ülteren Berlin, die bei Eingemeindung der Vororie entstehende Schwierlgteit, aus den oft sehr ungleichen Berufsschulen des neuen und größeren Berlin ein einheitliches Gawses zu machen. Er erwähnte auch den anfangs sehr scharfen Widerstand der Arbcil- gcberschasi gegen die var jetzt etwa 29 Jahren begonnene Hinzu nahm« der Bor mittag stunden zu der Unterrichts- zeit. Aus den damaligen Kämpfen ging 1911 die Einrichtung der ersten Schulbeiröte hervor, in denen aber nur Arbeitgeber sahen. Bon dem Eintritt der Arbeitnehmer in die neuen Schulbeiräte erwartet Schulrat Schultz« die Lösung der neuen Ausgaben, die die neue Zeit uns stellt. DeuWnaiionale„Derfassungsreform". Ein ZentruniSurieil. Mit den neuen deutschnationalen Plänen zur Reform der Deutschen Reichs- und Ländcrvcrsassunaen will sich außerhalb des deutschnationalen Parteilogcrs selbst niemand befassen. Auch in der„Germania" finden sie entschiedene Ab- lehnung. Dort wird gesagt: In weiten Kreisen der Deutschnationalen find schon immer versafsungsresormerische Gedanken lebendig gewesen. Und wenn man bisher schon diesen versossungsresormerischen Wünschen gegen- über seine großen Bedenken haben muhte, so um so mehr, nachdem nach den Ausführungen von Berndt wiederum ersichtlich geworden ist, daß man die Rciormgcdnnkcn zu gleicher Zeit mit Plänen vor- bindet, die auf eine Acnderung der gegenwärtigen Stoatsgrundlagen hinauslaufen. Zu bedenken ist, dah die Deutschnationalen so lange sich noch nicht im Besitz der Machtstellung fühlen, solange sie in Preußen noch von der Regierungssührung ausgeschlossen sind, also Prenhcn noch nicht erobert haben. Werfe» wir einen Blick auf die ganze Taktik der Deutschnationalen, die darauf ausgeht, unter allen Umständen in Preußen wiederum an die Macht zu kommen— und ihr Beschluh zeigt das deutlich—, so gewinne» die obig?» Reformpläne den Sinn. dah sie das Instrument absoluter Gewalt und absoluter Herrschast vo» Cnade» der Deulschnalurnolca Partei werden solle». Es ver- steckt sich hinter diesen Plänen letztens ein großes partei- politische« Manöver, das selbst dadurch nicht objektiv glaub- würdiger wird, dah man seine Pläne mit allgemeinen Reichsnot- wendigkeiten umkleidet. _ Die Dsutschnationalen stehen isoliert. Sie können ihre Pläne aus legalem Wege nicht durchführen, denn daß ihnen niemals zwei Drittel des Reichstags oder die Hälfte aller stimmberechtigten Reichsbürgcr zustimmen werden, wissen sie selbst. Vom Krach in der KpO. Ausschluß, Widerruf. Verwarnungen. Der Kommunist Karl Werner- Suhl ist wegen Hergabe seines Blattes, des„Bollswillen", an die Opposition aus der KPD. ausgeschlossen worden. Der Kommunist B e tz, der als Vertreter der Pfalz in dos ZK. gewählt worden war und dort die Sache der Weddinger Opposition vertrat, hat eine Erklärung abgegeben. In der er das gegen die KPD. gerichtete„E i n h e i t s m a n ö v e r" der Opposition verurteilt. (Dieses„Einheilxmonöver" ist nur gegenüber der Sozialdemokratie erlaubt und geboten.) Di« WeddingerOppofition ist zum letztenmal verwarnt worden. Wenn sie nicht pariert, sollen ihre Führer Weber, Riese, Peter«, Baumgärtner und olle ihre Anhänger ausgeschlossen werden. Russischer Oberst in Polen verhaftei. Natürlich wegen Spionage. Warschau, S. Dezember. Die Polizei hak in Molodeczno eine Spionageorganisatton! entdeckt. Es wurden mehrere Verhaslungea vorgenommen. Unter den verhafteten Ist e i n Oberst der Roten Armee Sowjetruh. land». der der Leiter der gesamten Spionage in Ostpolen gewesen se'.o soll. Alle Etozelheiken werden geheim geHallen, bis die Unter- suchung obgcschlosseu ist. Kindergesellschaft bei den Fratettini. Wahre Prozessionen kleiner Leute— 2500 an der Zahl— nahten zur Nachmittagsvorstellung in der Scala von allen Richtungen der Lucherstrahc. der letzte Trupp, knapp vor Ansang im Laufschritt mit fliegendem Atem und leuchtenden Augen. Drinnen im Zuschauer- räum wimmelt« es bereits wie in einem Ameisenhaufen. Lehrer und Mütter hatten alle Hände voll zu tun, die ausgeregten Gemüter zu beschwichtigen und das schier unersättliche Frage- und Antwort- mäulchen zu stopfen. Ein Tusch, Licht aus und ein tausendstimmiges Aaah. Mausten- still wird es aus einmal im Saal und alles sieht gespannt auf die Bühne. Die zahlreiche Fratinellische Dynastie— drei Er- wachsen« mit 15 Kindern— zeigen in unermüdlichem Esser ihr reichhaltiges Programm, ihr großes artistisches Können. Regina und Tosea jonglieren mit ein. zwei, drei. vier, fünf Keulen und noch mehr, Alberto und Robert tanzen akrobatisch und drehen Piroureue» und schießen Kabolz.�dah es nur so eine Freude ist. Und dann kommen zwei kleine Steppkes, Mitglieder der Urbam-Truppe. kavm einen Meier vom Erdboden hoch, die stemmen Baier Urbani, einen ausgewachsenen, kräftigen Mann, stehen aus seinem Kops mit einem Bein, das andere kühn in die Luft ragend, wie ein anderer am Fuß- boden. Das springt und wippt und schlägt Spagat, immer fröhlich, nie echauffiert, alles Loh so scheinbor im Vorübergehen: hohe Schul« des Körpcrtrainings. Und die kleinen Besucher gucken nur und gucken und staunen und es will gar nicht in ihr Köpfchen, daß ihre kleinen Allersgenossen so schwierige Sachen zuwege bringen. Also sie sind einfach baff und vor Bewunderung starr und— stumm, so daß sie am Schlnssc der Produktionen fast dos Applaudieren vergessen. Dann kommt einer, bei dem sse vor lauter Lachen überhaupt nicht seiner großen Kunstsertigteit gewahr werden, der sie in ein Meer der Fröhlichkeit und des Uebernmtes trägt. Der unvergängliche Ehaplin-Typ mit dem kleinen Hütchen und dem zierlichen Spazier- sröckchen und den ausgetretenen Ricsenlasschen: und wenn er die dann gar auszieht, dann bammeln da lustig sämtliche Zehen herum. als hingen sie bloß nech an einem einzigen Faden. Und er kreidet fein Stockende und spielt mit den Bammelsritzen Billard. Dann will er aufs Trapez zn seinen Kollegen und kommt doch ewig und drei Tage nicht hin, weil er ständig purzelt, oder wie ein lustiger Affe an der Stange klammert, oder er platscht gar auf die Sprung- motratzc. Und dann, wenn endlich alles gut geht, fällt ihm doch fein geliebtes Hütchen runter und wieder beginnt die unglückselige Klettcr- tour. Ah— er ist oben angelangt, freudig begrüßt von seinen entzückten Besuchern und er freut sich, weil sie sich freuen und macht einen Riesenluftsprung und da fängt sie doch zu rutschen an— ine Unaussprechliche— langsam, ganz langsam, aber sicher: und er weiß gar nicht, warum die da unten setz! gar so kreischen vor Vergnügen und er hoppst noch toller, ploutz, da liegt sie umen und er— im Hemde. Alle Künste der Erde können dem Erfolg einer verlorenen Hose nlchi gleichkommen: auch ein«ingetriebener Hut und ein paar derb« Backpfeifen sind natürlich ebensalls erhabene Genüsse. Jetzt ist die Jugend da im großen Saolc in ihrem Element und der riesenhaste Saal dröhnt von obcn bis unten von sröhlichstem Lachen und Kichern und Händetiatschen und Füßescharren. In der Pause tauscht man seine Meinungen aljs, beißt ein paarmal krvstig in die Stulle und kann das Weitere kaum erwarten. Zinn Schluß produzieren sich dann IM drei Orivinal-Fraiinellis in ihrem komischen Musik alakt und da schießt wieder der Blödsinn mit der großen, dicken, roten Nase de» Vogel ab...Mutter guck mal, was der sich alles in die Hose stopft!" Kinder aus den Waisen- und Fü r s o r g e a n st a l t e n der Stadt Berlin waren die kleinen Gäste. Heut lacht ihnen die volle Sonne ins Herz hinein und aller Jammer, der schon auf ihrer jungen Seele lastet, war sür Zwei Stunden weggeblasen vom großen Ka'perle, dem immer sröhlichen Gesellen, dem guten Geist kindlicher Daseinsfreudc._ Oer„falsche" Stadibaurat. Oer Z,2tlitzer Magistrat zum Fall Dauer. Zum Fall Bauer wird mis vom Magistrat in Beelitz mitgeteilt: In der letzten Stadt ocrordn etonsitzung wurde von dem Mach- stratedezernenten mitgeteilt, dah nach diesem zugegangene Mit- teilnngen einzelne Zeugnisse des Magistratsbaurats>. e. Bauer. dem die Bauleitung für den Bau von Wasserwerk und Kanal» atron übertragen ist, gefälscht sei» sollen. Die Nachprüfung dieser Mit tellungen sei sofort in Angriff genommen worden. Wen» sie auch noch nicht abgeschlossen werden konnte, so besteh« doch kein Zwcisel, daß Bauer, der an der Technischen Hochschule in Darmstadt studiert hat, die Diplomprüfung nickt abgelegt habe. Es ist selbstverständ- lieh, daß Wasser werksousfchuß. Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung diese Bergehen auss schärsst« verurteilen. Derjenige. der für die Vergehen verantwortlich ist. wird sich deshalb mit den dafür zuständigen Stellen auseinandersetzen müssen. Welchen Einfluß haben nun die vor vielen Jahren verübten Fälschungen auf die Interessen unserer Stadt? Bauer ist mir der Bauleitung, das heißt Beaufsichtigung der Unternehmer beim Bau von Wasserleitung und Kanalisation, An- serttgung aller Unterlagen und Beratung de« Waiserwerksausjchusscs betraut worden. De? geschah aus mündliche und schriftliche Empfehlung des für die staatliche Beaufsichtigung unseres Baues zisstöndigcn Regierunas- und Banrals der Regierung in Potsdam. Bauer war vom 2. August 1911 bis 30. Juni 1914 Ingenieur bei dem städiijcken Tieibauamt in Kiel, vorn 1. Juli 1914 bis 1. Februar 1920 Stadtbanmeister der Siadt Iber, vom 17. Mai 1921 bis 31. März 1924 Magistralebourat und Leiter des Tiesbau- amts lll in L e r l i n-L i cht e n b e r g. Nach dieser Zeit Leiter der Arbeiten zur Behebung der Grnndwasserübcrsckweinmungen in Holzeimenendors. Bei seiner Einstellung hat sich der Magistrat nicht etwa auf die vorgelegten Abschriften der Zeugnisse dieser Stellen verlassen, sondern«r hat bei den genanmen Behörden eingehende schriftliche Erkundigungen eingezogen. Die ein- gegangenen Auskünfte ergaben die Richtigteii der berr. Angaben des Bauer und sprachen sich durchaus lobend über Fähiqieiten und Eigenschaften aus. Erst nachdem dtzr Ptagislrat somit alle» getan hatte, um sich über Eignung und die Persönlichkeit des Bauleiters zu unterrichten, und nachdem die Auskünfte ausnahmslos gut ausgefallen waren, hat er den Vertrag geschlossen. Der Wasserwertsauoschuh brauchte zur Erledigung der Ausgaben der Bauleitung in erster Linie nicht einen Diplomingenieur, sondern einen in der Praxis erfahrenen und bewährten Tiefbauer. Für ihn mußte daher die auch setz noch feststehend« Tatsache, daß Bauer in den Städten Kiel, Berlin und Hohenneuen- dort schwierig« Tiesbatiarbelien mit gutem Erfolge geleitet halte, aussck-sagebend sein. Ob Bauer die Obliegenheiten des Bauleiters und treuhände- rischen Beraters pflichtgemäß durchgeführt und die Arbeiten tech- nisch einwandfrei ausgeführt sind, darüber kann nur der Sachverständige entscheiden, dessen eingehende Unter- snchungcn nach andauern. Wenn dies« Nachprüfungen nichts Bs- lastendes feststellen sollten, so hat die Stadt kcknen Schaden, und Ihre Interessen werden dann von der Frage, ob der Bauleiter in seinen jungen Jahren die Diplomprüfung abgelegt oder bessere oder schlechtere Zensuren in den einzelnen Studiensächern gehabt hat, in keiner Welse bkrührt... So weit die sehr vernünftige Darstellung des Beelitzer Ma- gsstrats.- Für die Praxi, der Baubehörden, für dl« Bürger eines Staates, einer Siadt, einer Landgemeinde ist es natürlich völlig gleichgültig, wie die Zeugnisse eines Baumeisters, eines Ingenieurs usw. lauten und wer diese Zeugnisse ausgestellt hat. Es kommt nur darauf an, was der Mann leistet. Wenn ein Stadl- baurat, der mit den schönsten okadeinischen Titeln und mit wunder- baren echten Zeugnissen behä«gt ist. eine Wasserversorgungeanlag« baut, die Immer wieder versagt, so muß man ihn trotz seiner schönen Titel und Zeugnisse zum Teufel jagen. Wenn aber ein eftisacher , Techniker, der vielleicht niemals eine technische Hochschule gesehen, den praktischen Beweis erbrocht hat, daß er diejev Gebiet mit voll- lAtnmener Sicherheit beherrscht, so soll man ihn an die Stelle des fortgejagten Baurols setzen. Was gehen denn den Bürger, der gesundes Wasser oder— um vom Hochbauwejen ,zu sprechen— zweckmäßig gebaute Schulen. Krankenhäuser, Badeanstalten mit allen erforderlichen hygienischen Einrichtungen braucht, die Titel und Zeugnisse des Baurats an? Liebesiragödie in Kaulsdorf. Ein Liebespaar erschossen aufgefunden. Gestern abend gegen>411 Uhr sah ein Radler 250 Meter nördlich vom Bahnhof Kaulsdorf, hinter dem Kugelsang des Schützenhauses,«tuen Mann und eine Frau, die sich eng umschlungen hielten, regungslos liegen. Weil sse kein Lebenszeichen mehr von sich gaben, vermutete er ein Derbrechen und benachrichtigte die Ortepolizei. Die Ktiminalpolizei begab sich an den Ort und stellte die Toten fest als einen ans Strausberg gebürtigen 35 Jahre olicn Redakteur Willy B. und eine 22 Jahre alt« Eva W. aus Steglitz. B., ein verheirateter Mann, war Redakteur einer Borortzeitung und wohnt« dort fett längerer Zeit. Der Mutter des Mädchens hatte er, wie die Ermittlungen«rgaben, erklärt, daß er sich scheiden lassen wolle oder bereits geschieden sei und die Absicht habe, dann ihre Tochter zu heiraten. Gestern besuchten beide ein Lokal. B. schrieb dort einen Brief an Frau W. und teilte ihr mit, daß er wegen Geld- schwierigkeiten zusammen, mit ihrer Tochter aus dem Leben scheiden werde. Das Mädchen unterschrieb diesen Brief mit. Di« Mutter erkannte auch die Handschrift ihrer Tochter. B. hotte seiner Geliebten, während er sie umarmte, eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen und sich selbst dann eine Kugel in die Stirn gejagt. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach der Halle in Kaulsdors ge- bracht. Stärkerer polizeischuh im Westen. Bor«inigen Tagen hatte bekanntlich im Polizeipräsidium ein« Besprechung des Polizeipräsidenten mit dem Kom- mandeur der Schutzpolizei und dem Leiter der Kriminalpolizei statt- gefunden, in der besondere Maßnohmen zur schärferen Bekämpsung des Verbrechertums beschlossen worden sind. Im Rohmen dirser Maßnahmen hat nun gestern ein« stärkere Besetzung der Polizeireviere in Dahlem mit einer großen Anzahl Be- amten der Schutzpolizei und der Kriminalpolizei stattgefunden, weil die Bewohner Dahlems in letzter Zeit beionders beunruhigt worden sind. Aehnliche Maßnahmen sollen auch In anderen Stadtteilen getroffen werden. Außerdem hat der Polizei- Präsident die Beamten der Schutzpolizei und der Kriminalpolizei nochmals nachdrücklichst zur größten Aufmerksamkeit während des Streifen- und Patrouillendienstes angehalten und die Beannen an- gewiesen, zu jeder Zeit, auch wenn sie sich nicht im Dienst befinden, allen verdächtigen Erscheinungen ihre besondere Aufmerksamkeit zu zuwenden._ Dreißig Opfer der GlStte ia einer Nacht. Die vereisten Fahrdämme und Bürger si«ige haben während der letzten Nacht eine große Zahl von Stürzen und Verkehrshavarien verursacht Aus den Städtischen Retlunosstellen wurden annähernd 30 Personen behandelt, die Arm-, Beinbrüche oder ähnliche Kontusionen erlitten hatten. Drei der Verunglückten mußten in Krankenhäuser übergeführt werden. »Volt und Zeit", unsere Illustrierte Wochenschrift, mch .Der flinberfreunb" liegen der heutigen Postauslage bei. Opfer der Kälie in West und Ost. 30 Tote in Amerika. Der Kältewelle In Amerika sind bisher 30 Menschen zu« Opfer gefallen. Di« angerichteten Sachschäden werden aus viel« hnnderttauseud Dollar geschätzt. Am härtesten ist der Mittel. Westen betrofsen woiden. In Ehikagv sind neun Todes fällt zu verzeichnen gewesen. Schweres Dergonglück in Zentralrußland. Wie aus Moskau gemeldet wird, wurden In einem Berg» werk in Zcntrolrußlond 73 Arbeit«r verschüttet. 20 der Verschütteten konnten nur noch als Leichen geborgt» werden. Die Bergungsarbeiten werden nach sortgesegt. Als Ur- jache des Unglücks werden heftige Schneestürme angegeben, Oer Eisenbahnerstreit in Saarbrücken. Wiederaufnahme der Arbeit zu erwarten. Saarbrüiken, 10. Dezember.(Eigenbericht) Die Streiklnge im Kampf der Ei�enbahnarbeiter in Saarbrücken I)at sich nicht geändert. Die Streikenden stehen auch weiterhin ge- schlössen im Kampfe. Ihre Stimmung ist ungebrochen zuversichtlich. Die Folgen des Streiks machen sich in schärferem Maße bemerkbar. Insbesondete die Geschäftswelt ist scharf beunruhigt, was wohl in der.Hauptsache auf die mangelnde Zufuhr von Gütern für das Weih- n�chtsfest zurückzuführen ist. Bisher waren alle B»'rständigungs- und Vermittlungsversuche an der starren Ablehnung durch die Re- gicrungskommission gescheitert. Die gewerkschaftlichen Organisationen haben wiedelholt auch noch in den letzten Tagen der Regierungs- kominission klar und eindeutig erklärt, daß sie zu Verhandlungen über die Beilegung des Streiks auf einer für die Arbestcrfchoft tragbaren Grundlage bereit feien. Nach den letzten Meldungen ist wegen der Vermittlungsaktion, die der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, eingeleitet hat, nunmehr auch der Oberbürgermeister der Stadl Saarbrücken an die Regierungskommission heran- getreten. Daraufhin ist es heule früh um 10X Uhr zu Verhandlungen zwischen der Regierungskommission und den gewerkschaftlichen Vertretungen der Streikenden gekommen. Der Einheitsverdand der Eisenbahner hat zwei Vorstandsmit- glieder in das Streikgebiet entsannt. Die Verhandlungen haben zu einem Ergebnis geführt, das einen großen moralischen Erfolg der streitenden Arbeiterschaft darstellt, veschlosten wurde die Wlederansnahme der Tlrbel». wobei Maßregelungen ausdrücklich untersagt sind. Auch die Leamtenanwärter. die mllgestrelkt haben. dürfen in ihren Rechten in keiner Zorm geschmälert inerden. von der Regleruagskommission wurde weiter eine M e> h- nachtsbeihilse sür alle Arbeiter zngcslanden, über deren Höhr am Dienstag neae Verhandlungen zwischen de», gewerkschaftlichen Organisationen und der Regierungskommissioa gepflogen werden. Ausdrücklich zugefagl wurde, dabei ganz besonders wohlivollend zu verfahren. Zu diesem Ergebnis werden die Streikenden heute abend in allerorts einberufenen Funktionärversammlungen Stellimg nehmen. Ce ist damit zu rechnen, daß sie diesem Ergebnis allgemein zustimmen werden. Damit wäre daim ein Kampf beendet, in dein die Eifenbohnarbeiterfchaft des Saargebiets durch ihre einmütige Geschlossenheit einen annehmbaren Erfolg erzielt hat. Der Erfolg hätte leichter und größer sein können, wenn nicht große Teile der Eisenbahnerbeamtenschaft durch Ueberarbest in den iiestreitien Betrieben die Wirkungen des Streiks abgeschwächt hätten. proiestkundgebung der Beamten. Der Ortausschuß Groß-Berlin des Allgemeinen Deut- schen Beaintenbundes hatte zu Freitag aberch nach den ltermaniafälen eine öffentliche Versammlung aller Bcr- lmcr JBeamlen einberufen, die einen sehr guten Besuch aufwies. Genosse Dr. Völler vom Vorstand des ADB. betonte einleitend, daß diese Versammlung nicht dazu einberufen worden sei, um die Regierung und die Regierungsparteien in der Frage der Besoldungs- »«form umzustimmen. Die Besoidungsreforin sei so gut wie erledigt, l-»d zwar in dem Sinne, wie es die Regierung von Ansang an bc° cbsichtigle. Es soll lediglich der leider noch in der Oessentlichkeit i'errschcnde Glaube zerstört werden, daß durch diese Bcsoldungeresorm für die breiten Schichten der it nteren und mittler en Beamten eine nennenswerte materielle Ausbesserung eintrete. Die neue Bejoldungsordnung ist ein höchst reaktionäres und unsoziales M a ch w e r t der Bürgerdlockregierung, dem die Beamtenschaft nicht zustimmen kann. Im Reichstag find von de» Oppositionsparteien Hunderte von B e r b c s I e r n n g s- antragen gestellt worden, von denen fast alle unter den Tisch sielen. Hcnosse Dr. Völler zählte alle die V e r s ch l c ch i e r u ii g e 11 mii, wie z. B. die Kürzung des Wohuungsgeldzuschusses für die ledigen Beamten mit Ausnahme der über•}., Jahre alten, die Zurück- jetzung der außerplanmäßigen Beamten(Diätäre), die Einiührung der Stellenziliagen, die ungerechte Einftnsung der unteren Beamten usw. Von dieser Besoldungsresorm lzaden die unteren Beamten soviel wie gar keine vorteile. desto mehr aber, genau wir im Jahre 192ä, die höheren Beamten. Die unteren und milllcren Beamle» lnibeii eine Schlacht verloren iusolgc der Haltung der Parteien und der Parlamentarier, die sich so gern deamtcnsreundlich nennen. Wenn im Reichstag selbst Beamten Vertreter für diese reaktionär« Besoldungsresorm stimmten und alle Berbcsserungsanträge zugunsten der iinleren und mittleren Beamten ablehnten, so nicht deshalb, weil sie sich bei den Bemmen unbeliebt machen wollen, sondern insoige ihrer parteipolitischen Stellung und Bindung. Für das Gros der Beamten, und das sind die unteren und mittleren, gilt es jetzt, aus diesen Vorgängen die Konsequenzen' zu ziehen, das neue Unrecht nicht zu vergessen und damit zu quittieren, sich aus sreigewerkschastlichem Boden fest zusammenzuschließen und sich auch polltisch mehr nach links stt orientieren. Di« erste Gelegenheit.zur Abrechnung mit dieser Regierung ist den Beamten in wenigen Monaten schon gegeben. In der Diskussion kam die Empörung der Beamten über die Besoldungsresorm, die, bei Licht besehen," gar keine Reform ist, un- verhüllt.zum Ausdruck. Während der kommunistische Reichstags- abgeordnete T orgeler sehr sachliche Ausiührungen über die Be- ratungen der Besoldungsresorm im Reichslage»lachte, konnte es sich fein Parteisrcund, der Landtagsabgeordnete Kaspar, nicht ver- sagen, eine Attacke gegen die sozialdemokratische Landtagsfraktion im- besonderen und gegen die Sozialdemokratie im allgemeinen zu reiten. Londtagsabgeordneter Genosic Z a che r t schilderte ln kurzen Ausführungen, wie sich die Sozialdemokratie leider vergeblich be- müht habe, dieser Besoldungsreform die Giftzähne auszubrechen. Wie„erheblich" die materielle Aufbesserung für die unteren Beamten sei, gehe schon aus dem einen Beispiel hervor, daß ein P o st h i l s s« s ch a s s n e r im ersten und zweiten Dienstjähr monatlich vier Mark und sechs Pfennig Gehaltserhöhung bekomme. Diese Besoldungsresorm ist ein Produkt der politiichen Machtverhältnisse, an deren Aenderung auch die Beamten schon in kurzer Zeit sich bei der Stimmabgabe beteiligen können. In einer persönlichen Bemerkung wies Genosse Zachert die Angriffe von Kaspar zurück. Die Versammlung faßte zum Schluß einstimmig eine Eni- s ch l i e ß u n g, in der es u. a. heißt:„Die Versammelten sprechen denjenigen Parteien»nd ihren Bertretern ihr s ch ä r s st e s Mißtrauen aus, die alle Bemühungen der wenigen wahren Beamtensreunde in den Parlamenten, die Vorlag« sozialer.zu ge- stalten, durch ihre ablehnende Haltung zunichte gemacht haben. Die Berso�mcltcn erklären, weiterhin s e st z u m A D B. und zu der voa ihm vertreiencn s r e i g e w e r k s cha f t l i ch« n Beamten- Politik stehen zu wollen und fordern die noch fernstehenden Kollegen aus, endlich ihr Interesie zu erkennen und sich der sreiev Beamtendewegung anzuschließen. Sic geloben, nichts von dem zu vergessen, was den unteren und mittleren Beamten- gruppen bei dieser Besoldungsresorm angetan wird, und mit ollen politischen und gewerkschaftlichen Mitteln für die wirtschaftliche und soziale Besserstellung der Beamten zu kämpfen." Oer Streif in der Stempelfabrik Auerbach. Bei der Firma Auerbach, Berlin, Grünauer Straße 17, befindet sich die Arbeiterschaft schon seit über drei Wochen im Streik, um eine Berbesscrung ihrer mageren Löhne und Akkordverdienste durch.znsühren. Die»Zinna bringt es fertig, Arbeiter, die schon seit 45 Iahren im Betriebe beschäftigt sind, in dem letzten Jahre drei und vier Tage in der Woche arbeiten zu lasien, nur zeitweilig auch an sechs Arbeitstagen. Die Cinlohnungen erfolgen nur „nach eigenem Ermessen" der Firma, indem es Teilzahlungen anstatt den vollen Lohn gibt. Der Metallarbeilerverband hat versucht, ein» Verständigung herbeizuführen. Die Firma machte ein Angebot mit dem Vorbehalt, daß wohl 5 Proz. Erhöhung, auch„nach meinem Ermessen"— wie die Firma schreibt— über 5 Proz. Aufbesserungen erfolgen sollen. Der Metallarbaiterverband machte den Vorschlag, die Lohn- und Akkordsätze irp Einvernehmen mit dem Betriebsrat zu regeln. Als Mindestsatz falle der von der Finna genannte Dorschlag gellem Dieser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Als der Vertreter des Deutschen Mctallarbeiterverbandes darauf hinwies, daß doch unter allen Umständen mir einer Belegschaft, die größtenteils ein Menschen» alter lang der Firma ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt habe. eine Verständigung herbeigeführt werden müsse, erklärte der Ver- tretcr der Firma— Herr Hausen—, daß es unter allen lim- ständen bei ihrem-Diktum bleiben müsse, das der Forni nach an den S.W.-Stil erinnert.. Die ssbrig? Arbeiterschaft wird ersticht, mit der Belegschasi dieses Betriebes vollste Solidarität zu üben. Da Arbeiten dieser Scharf- macherfirma anderweitig, auch noch auswärts, vergeben werden können, bitten wir die gesamte Arbeiterpresse uin Abdruck. Zentralverband der Angestellten. Generalversammlung der Ortsgruppe Groß-Berlin. Am ki. Dezember wurde die außerordentlich gutbesuchte letzte Generalversammlung des Geschänsjahjres 1927 in den Arminsälen abgehalten. Die Berichte über die ocrtlojsene Arbcitspcriode muhten sich zivangslausiq im wesentlichen mit dem Verlauf der Wahlen zur ÄNgestellteiiverfichening' beschäftigen. Hierbei kam sowohl von dem Berichterstatter wie auch von den Diskussionsrednern einstimmig zum Ausdruck, daß die behördliche nLor- b« reit un gen zur Durchführung der. Wahlen tnjcder Beziehung mangelhaft waren, und daß hierdurch zum Test große Schwierigkeiten'aei der Durchführung des Wahlaktes selbst entstanden sind. Das Wahlergebnis hak gezeigt, daß große Teile der A n g e st e l l l c n. insbesondere der unorgani- sierten, durch die bürgerliche Presse zu beeinflussen gewesen find. Aus dem Wahlergebnis etwa den Schluß ziehen zu wollen, daß die zahlenmäßig« stärke der bürgerlichen Verbände auch nur annäl>eriid die Stärke der Lerdände des AfA-Bundes erreicht, wäre völlig falsch. Die Wahlen zu den Betriebsvertveiungen haben be- wiesen, daß die Verbände des AsA-Luitdes, und von ihnen in erster Linie der Z e n t r a l v e r b a n d der Ange- stellten, die Führung in der Angestelltcnbewegung ha-ben. Derselbe Leweis wird bei allen Tarifverhandlungen erbracht, und die neuen Wahlen zu den Betriebsoertretungen zu Beginn des kommenden Jahres werden in dem gleichen Zeichen vor sich gehen. Als Gcsanitergebnis kann festgestellt werden, daß der Zentackverband der Angestellten mit dem Wahlergcbisss durch« aus zufrieden sein kann. In den anderen Teilen des Berichtes wurde wie übllch Stellung genommen zu den verschiedenen Abschnitten der Organisationsarbest. Ausführlich wird jedoch aus alle diese Dinge erst wieder im Jahres- bericht eingegangen werden. Der Kassierer konnte in seinem Bericht Mitteilungen über einen erfolgreichen Fortschritt der Mitglieder- bewcaung machen. Besondere Erwähnuna'and die van der Orts- Verwaltung ausgeschriebene freiwillige Sammlung.zum Zweck« der Wcihnochtsunterstüßung der erwerbslosen Ber- bandsmitglicder. Noch einer ausführlichen, sehr sachlichen Diskttssion wurde auf Antrag der Revisoren dem Kassierer und dar Ortsverwaltunz einstimmig Entlastung erteilt. Der Generalversammlung konnte noch mitgeteilt werden, dost eine Wahl der Delegierten für das Geschäftsjahr 1928 nicht not-- wendig wird, da von jeder Wahlgruppe nur ein gültiger Wahl- Vorschlag eingegangen ist. Mit einem Hoch out den Zentralverbaird der Angestellten wurde die Arbcitsperjode geschlossen. Oer neue Schlichter für Westfalen. Münster. 9. Dezember. Der Reichsarbeitsminister hat den Regierungsrat Josef Drisch mit Wirkimg vom 13. Oktober dieses Jahres zum Schlichter für den Schiedsbczirk Westfalen in Dortmund bestellt. Vom norweglschen Gewerkfchaststongreß. Nach einer TU.-Meldung vom 9. Dezember aus Oslo hat der dort tagende norwegische Gewerkschaftskongreß, auf dem auch Schweden und Dänemark vertreten sind, von Ansang an eine äußerst radikale Richtung eingeschlagen. Schon nach den ersten Sitzungen erwies es sich, daß die Anhänger der Moskauer Orien- tierung das Ilebergewicht haben. Entgegen den Absichten der Kon- greßleitung wurde ein Beschluß gefaßt, die Kommunistische Partei offiziell zur Teilnahme an den Sitzungen einzuladen. Auch spätere Abstimmungen lieferten den Beweis, daß der der gemäßigten Rich- tung angehörende Gewerkschaftsführer Olfen keineswegs eine ge- sicherte Mehrheit hinler sich hat. Er war gezwungen, feinen Borschlag auf Rückkehr zur Amsterdamer Jnter- nationale zurückzuziehen und beabsichtigt jetzt äugen- scheinlich, eine neutrale Haltung der norwegischen Landes- orgamsgtion zwischen Moskau und Amsterdam durchzusetzen. Die radikale Richtung will aber den vollkommenen Anschluß und«n Gegenseitigkeitsabkommen mit den übrigen skandinavische Gewerkschaften und der Moskauer Internationale beantragen. Diese Entwicklung der Dinge hat in den übrigen nordischen Gewerk, chatten Unruhe ausgelöst, da sie, wie erklärt wird, für d t e skandinavisch« gewerkschaftliche Zusammen» arbeit Gefahren in sich berge. Theater der Woche. Dom 11 bis 19. vezember. BollebShv� Theater a« BiU-wylatz: 11., 12.. 13., LI Ve« M* 18., 17., 18., 19. pinkcmann. Theater a» vchiffda»«�»»: Schieber des er. 14. Z.betlo. 19. Dir Nncht.qall nnti Drr tztuctoogcr. 17. Maskenball-®d)«u|,Wbaiw .«(»fnkarmtnmorft: U.. I.,.. 17., tfl. Ttz Kaufmann van gencblg. M-M. 14, Peer(Sijnt. lä., I«., 19. Ventesilea.— Schilter-The�e». abaetatteiivarg. It., 13.. IS Ret» Dem. der Iltgt. IS.(Opcrnan.-nb) Der«arbtcr von Sextlla. 14.. tS.. 15.. 19. SiObett(BucSart) tmb eSoijcl. 17. Peer®nrt.— Setttt*»» Sbeatrr; Torothca Angermann.— ftammetfptetf: Bronx.®xpreß.— Die Stomkbtc: Die«bt von Welt.— Dheatre«m Safputi;.— ZHeate,>» See Siniggügn Lteabe:(SdilofcWetletttein— Sowöb�nbaus: Hotusvokus.— Seotzc- Set anipielbau«: Der Mckabo.- Sbftci bat Krasquila-«oalilche Oper: Alles Nackt!- Dextlch»,«in>ftI«r.Zt»»Utc»- ckbicago. 13., 14.. Ii., 22a, Üb». Argknlina.?an»abenb.-- toflfp Jll>o«,t .Zaia.— Lelliog-Tbeatei! Tchindeihann».- Xfteaitt am NttHiitllenbaBm: ffi)5ri.— IrlaBaa-Ibeatex: Gretchen.— Rrfi»«»,.rbeat»»: Schche sehn w.r an». — Tbeatrr 1» der 5tammaadantentteaßc: Kekallenc Mädchen.—_ Mtttopol- rheatei! Paganini.—«etliacr Thraler: Nnock-aut,— Rene» Tdrater an» Z»o: Der blaue Vogel.— Die ZribSn«! Spiel im Schloh.— RenaiNanee. Theatee: Die Schule von Uznach.- WalhaEa-Tdeater: Wie du lllßt«eine!— Rate.Theatee: Sinei von unsere Leut!— Theater in der Slastersteah«: II. «leine Sklavin. 12.. Ii. Weid-teusel. 12.. 14.«ameraden 15.«csp.'U'icr. 17.. IS. Piarrhaustomöbie.— Schlotzpark-TH'-te« Sieglitz- Zn der Iobaunis- nacht.— Theater In der LKtzamNenfee: Hilbsches Mädchen zu verschenken.— Theater Im«darienlap-Iast- Wann und wo.—«mleegarten: Varielo.— S-nla: Internationales Lorikt.'.— Neichsh-ll--. Theater: Stcltincr Sänger. — Theater am«°tt Hasser Zar: eitie-Söngrr. Aachmiltagaaeranvaltuagen.«oNabShae. Theater am Schisfbanerdamm: 11.. 18. cheorge Dandin. Thalia Theatee: 11., 18. Der mutige Seeiahree.— Oper am Platz her Scpnbllt: 16, 12 Ulit. Sinsonic-Mittans- konzerl. 18., IZ'H Uhr. Christclsiein.— Slädlischc Lp«, ckhaelattenborg: 17 Die Puppensee und der Nnßinockrr.- Schauspielhan» am«tendaeiney- markt; 11., 12 Uhr, Vallelt-Miltagspeeanftaltung.- SchiEer- Theater, ckhae- lattentneg: II. Weh dem, dee lügt.— Sratzes Schanlpielhana: 11.. 14., 17., IS. Jtnpilän tzunk.—«amische Oper: 11., 18. Alles Nackt! Theater am«ar. lüsiteadamm: u., 17., 18. Hans Im(BIlick.— Irtanan-Theatle: 10.. 11. Die SuÄprinjefftn erzählt.— Nesideaz. Theater: IT.. 14, 18. Lügenmäulchen.— Renaiftanee. Theater: 18. Danzmatince Lore Zeutsch.—«alhaEa.Ihea»»«: l>. Rumpelstilzchen.— Ztose.Theater: 17.. 18.«loldhärchen» Simmclfahrt.— zjheater in der«loslerstrahe: II.. It.. 17, IS. Sänlel und(Bretel. 12.. lZ.. 15. «ilheim Tcll.— Schl-ilp-tl'ZH-ater Steglitz: It.. 17.. 18. Das tapfere Schneider. lein.— Iheatee im Admienlspalaft: 11., 18. Dann und wo. 14., 17. Asche 14» hrädel.— Seal»: 11., 17., 18. Inlcrnotionalez Varieta.— Ncichsdallen. Theater: 11., 18. Sleliinct Sänger.— Theater nm«ottdastee Tat: lt., 18. Slite-Sänger. Vrrantworilich für Politik: Dr Sur!»eyer: Wirischaft», 48.«lingelhller; (Bcwerksckiallsbcweguno: Tr. Etzkorn! geuilletan:>. K. Discher- totales und Sonstiges: Fritz«arstädr: Anzeigen: Th. Stock«! sämtlich in Berlin Verlag: Varwärls-Verlag» KLEINEN in«dp GMinUuf lag« « Billige Spielwaren fteste vom Engrovlager tür die HSIftc: Hotz Spielwaren stall 75 P(. bis I M. letzt.40 Pf. 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