Morgenausgabe Nr. 585 A 292 44. Jahrgang tSödjentlld) /O Pfennig. monaMch 3.— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Aus- land 5.50 Reichsmark pro Monat. * Der„SSormörts* mit Oei ,l!uftrier- ten Sonntagsbeilage..Volk und Zeit" sowie den Beiloaen.Unterhaltung und Wissen".Aus der sjilmwelt". �Stadlbeilage".Frauenstimme", .Der Kinderfreund"..Iugend-Dor» wäns".Burk in die Dücherwelt". .Kulturarbeit" und.Technik" erscheint wochentäglich zwe.mal. Sonntags und Montags einmal. Nerliner Solesblatt Sonntag 11. Dezember 1927 Groß-Äerlin15 Pf. Auswäris 20 Pf. Die einspaltige RonpareiNeAeN, 80 Pfennig. Reklamezetle 5.— Re,chs- mark..Kteine Anzeigen" das fettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig«oe» fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche dos erste Wort IS Pfennig,«edes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Yamilionzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm? nn chouptgefchoft Linden- straße Z. wochentägl. von 8�/? bis 17 Uhr. Jenteawssan der GsziawemsSvaMchen Partei DentfchNmdS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs 292—297. Telegramm-Adr; Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37936- Bankkcnio: Bank der Arbeiter, Angestellren und Bcanticn Wallstr. KZ. Diskomo-Gesellschast, Tepositenkasse Lindenstr 8 Friede um Mitternacht. polnisch-Litauische Einigungsformel. V. �5ch. Genf. 10. Dezember. Die SPLtabendsitznng des Völkervundsrates besiegelte die kurz vorher nach mühevollen Verhandlungen zustande- gekommene Einigung. Die vom Rat und den Parteien angenommene Entschließung öffnet den Weg zu diret- ten Verhandlungen über die Wieder au f-> nähme der Beziehungen zwischen Pole» und Litauen. Der Kriegszustand wird als unvereinbar mit den Grundsätzen deS Völkerbundes erklärt, dafür behält sich Litauen feine Rechtsansprüche auf Wilna vor. « Heute abend feiert Genf Karneval, das traditionelle Fest der „Eqcalade" zur'Erinnerung an den abgeschlagenen Sturmangriff der Truppen des Hcrzegs von Savoyen durch die belagerten Genfer Bürger vor genau 329 Iahreit. Er fällt mit dem Schluhkampf im Lollerbund über Krieg oder Frieden im Osten zusammen. Die Stadt ist voll Masken. In die Festsäle der grosten Hotels hat sich der Strom der sonst sittenstrengen Bürger in ihren reizvollen und grotesken Kostümen ergossen. Heute nacht werden sogar in der Stadt de» Calvin die Grundsätze der„Moral" össentlich gelockert. Die Jazzmusik tobt und die Paare wirbeln herum. Währenddessen sitzen BSlkcrbundsdclegierte und Journalisten unweit davon beiein- ander und harren sprungbereit der Dinge. Die Cittiation wechselt von Stunde zu Stunde. Eine Nachricht jagt die anders. Der Hergang läßt sich wie folgt zusammenfassen: Die für heute nachmittag 2 Uhr vorgesehene vertrauliche Ratssitzung mußte ab- gesagt werden. Der Optimismus der Mittagsstunden war plötz. lich perslogcn. Ilm Vormittag hatte Pilsudfti an Woldemara» die Frpge gerichtet: �ob. Ä-ieg oder Frieden. Aus ,die Antwort vgü Woldemaras Frieden� erklärte er, daß er in Warschau die Sirchenglocken läuten lassen würde. Darauf meinte Wolde- waras, es gäbe ein Tedeuni des Friedens und eines des Sieges. Er könne das erstere nicht akzeptieren. Er machte bezüglich der Rechtsverwahrung um Wilna B o r b e h a l t e, die für Polen unannehmbar waren. Den Nachmittag hindurch vcr- handelte van Blokland im Zimmer von Sir Eric Drummond ab- wechselnd mit dem polnischen Vertreter Sokal und mit Woldemaras. Jeder- machte Vorbehalte, die der andere nicht akzeptiere» wollio. Nach stundenlangem Pendelverkehr wurde schließlich die Einligung dennoch erzielt. Sie ruhte au/ so schwachen Füßen, daß man befürchtete, wen» man die Schlußsitzung des Rats erst morgen oder gar am Montag stattfinden lassen würde, bis dbhin die eine oder die andere Partei umgefallen sein würde. Darauf wurde beschlossen,«ine öffentliche Ratssitzung noch für }*11 Uhr abends anzuberaumen, an der Pilsudski unmittelbar vor seiner Abreise noch teilnimmt. Die Nochtsitzung des Rotes war ein politisches Zwischenspiel vor dem Faschingsball. Die meisten Ratsmitzliedcr waren im Frack oder im Smottng erschienen Van Bloklands Bericht schildert, daß aus den Darlegungen von Woldemaras die Gefahr für den Frieden hervorzeht. Zolefki habe erklärt, daß Polen die Unabhängig- kcit und den Besitzstand Litauens anerkannt und jeden Ge- danken einer Einmischung in die inneren Verhältnisse Litauens von sich weist. Zalcski habe aus den Schaden hingewiesen, der aus dem Bestehen des Kriegszustandes sich ergebe. Wrldcmaras habe das Bcdürsnis Litauens nach einem Einver- nehmen mit Polen betont und rersichert, daß der Begriff „Kriegszustand" lediglich das Nichtbestehen normaler Bezie- Hungen bedeute, ober jeden Kriegskonflikt ausschließe. Die litauischen Minderheilen würden nach dem Löllerbundsverfahren behandelt werden. Eine Kontrollkommission erscheine nicht nölig. Bei Grenzzwischenfällen könne der Generalsekretär mit dem Rats- Vorsitzenden oder mit dein Berichterstatter Befriedlingsmaßnahme» ins Auge fassen. Woldemaras erkläre, daß die Litauer keine Feindschaft gegen Polen empfänden. Zaleski erkläre, daß der Frieden zwischen beiden Ländern herrsche. Also gewinnen beide Teile, wenn sie Verhandlungen über die Herstellung normaler Be- Ziehungen einleiteten. Der dem Rat vorgeschlagene Beschluß greise in keiner Weise der Regelung der Fragen vor, über die zwischen beiden Regierunge» Meinungsverschiedenheiten herrsch- ten, insbesondere nicht den„Rechten, die die lttauilche Regierung glaubt, aus das Gebiet von Wilna geltend inachen zu können". Noch der Verlesung de? Berichtee erklärte Zaleski kurz, er nehme den-Bericht und deu'Anlrag van Blöklonds an. Das Gleiche tat Woldemaros. Der chinesische R a i s v o r ss tz e n d e dankte dem Be- richterstatter-- für seine mühevolle und erfolgreiche Arbeit, beiden P.ir- teien sür ihre Bereitwilligkeit zur Einigung. Darauf ergriss Zaleski nochmals das Wort, um seinerseits' dem Berichterstatter, dem Rat und dem Sekretariat seinen Dank auszusprechen und fügte unter allgemeiner Bewegung noch sehr freundlich« Dantes- Worte für Woldemaras hinzu, der eine vollkommene Courioisie bewiesen habe. Woldemaras schloß sich dem Dank von Zaleski an und sprach einige freund- liche Worte an die Adresse von Zaleski. Die erzielte Einigung sei nur ein erster Schritt. Er Hesse, daß die Fortsetzung leichter sein werde als der Ansang. Cr werde die Entschließung nach Hause mit- bringen und hoffe, daß sie im eigenen Land« gebilligt werde. Trotz diese? deutschen Vorbehalts atmete olles erleichtert auf, als der Vorsitzende die Sitzung, die nur 20 Minuten gedauert hatte, kurzer- Hand schloß. Die führenden Ratsmitglieder verzichteten auf das Wort. Schlichtungsverhandlungen vertagt Die Llniernehmer wollen in der Arbeitszeitfrage nicht nachgeben! 5. St. Essen, 10. Dezember. Nach mehrstündigen Verhandlunge« wurde die Sitzung der Schlichtungskammer im allgemeinen Ein- Verständnis vertagt, weil zur Fortführung der Ver- Handlungen die Einholung weiterer Auskünfte wünfchens» wert erschien. Der Schlichter beraumte die nächste Sitzung auf Dienstag, den 13. Dezember in Düsseldorf an. * Im Lause der Schlichtungsoerhandlungen machte der Schlichter den Vqrschlag, die Frage der Arbeitszeit zurückzustellen, bis die Entscheidung des Reichsorbeitsministers über das Inkrafttreten der Dreischichtenverordnung ergangen ist. Dir Unternehmer schlugen vor, eine Sommlsiion zur Prüfung der Atkordprelse einzusetzen, um einheitliche Askordrichtsätze oufzustellen. Diese Kommission soll, wie gcnicinsam vereinbart worden ist, bis zum 15. Februar Bericht erstatten Sie ist berechtigt, technische Berater in beliebiger Anzahl hinzuzuziehen. Ferner wurde vereinbart, daß zur Regelung der LehrNngslöhne und de« Lehrliogswesens eine gemeinsame Kommission Richtlinien ausstellen soll, die gleichfalls bis zum IS. Februar Bericht erstatten soll. Fall» eine Einigung innerhalb dieser Kommissionsberatung nicht erzielt wird, so soll die Schlichterkammer in letzter Instanz entscheiden. Es wurde dann dl- Arbeitszeit in der weitervcrarbellenden Zadustrw behanvell. Die Vertreter des Deutschen Metall. arch«jterosrban.des forderten wieder die Einführung des reinen Lchtstunhentwge», während die Christlichen Gewerkschaften de» Vorschlag mochten, daß die Arlieitszeit in der weitcrverarbeitenden Industrie des Ruhrgebiets geregelt werden soll auf Grund der Arbeitszeit, die in der ivcitervcrarbeitenden Industrie im Reiche besteht. Beide Vorschläge wurden von den Unternehmern ab- gelehnt, die sich in der Frage der Arbeitszeit auf keinerlei Zugeständnis einlassen wollen. Es wurde schließlich vereinbart, daß die Zahlen, die dem Reichs- wirtschastsrat bei seiner Entscheidung über die Arbeitszeit in den Stahl- und Walzwerken vorlagen, der Schlichtungskammer zu- gängig gemacht werden sollen. Einer der beiden Prüfer, die damals die Erhebungen gemacht hoben, soll hinzugezogen werden. Im Verlaufe der Verhandlungen haben die Unternehmer auch die Lohnzahlen angeführt, die auf Grund ihrer Feststellungei, m den oerschiedensten Werken gezahlt werden. So hatte Direktor Pönsgen ausgeiührt. daß in den Vereinigten Stahlwerken bei 80 000 Arbeitern der Durchschnittes ohres verdien st 2 4 8 0 M. od ex 47,8 M pro Woche betragen habe und zwar vom 1. Oktober 1020 bis 1. Oktober 1027. Es ist dabei zu bemerken, daß. wenn auch in diesen Zahlen die Löhne der Lehrlinge und Frauen rinbegrisfen sind, der Prozentsatz der beschäftigten Frauen und Lehrlinge so minimal ist. daß er gar nicht ins Gewich» fällt Im Thyssen-Werk in Thüringen beträgt der Iahresdurch- schnittsoerdienst nur 947 M. und zwar deshalb, weil dort in der Mehrzahl Frauen beschäftigt sind. Der Durchschnitts- verdienst pro Stunde beträgt nach den Angaben der Unternehmer SSL Pf. Don 40Y0 M Iahresverdienst, mit denen die Unternehmer operiert haben» ist also leine Redsl 1902-1922. Von den Konservativen zu den Oeutschnationalen. Rückschritt und Fortschritt. Vor fünfundzwanzig Iahren war der Weih« nachtsmonat nicht weniger unfriedlich als in diesem Jahr. Im Reichstag rang man um einen neuen Schutzzolltarif. Die Sozialdemokratie erklärte, daß die überalterte— im Jahre 1898 gewählte— Volksvertretung nicht mehr berufen sei, eine Vorlage zu verabschieden, die so tief ins wirtschaftliche Leben einschnitt und den Speiseschrank der deutschen Haus- frau mit empfindlicher Schmälerung bedrohte. Si? verlangte Neuwahlen und Entscheidung durch ein neues Parlament. Der Bürgerblock aber, den es schon damals gab, bestehend aus den Rechtsparteien und dem Zentrum, war weit davon entfernt, einer solchen dem Geiste der Demokratie entsprunge- neu Forderung Gehör zu schenken. Der Tarif mußte noch im Jahre 1902 beschlossen sein, wenn die neuen Handels- Vertragsverhandlungen rechtzeitig aufgenommen werden sollten, aber die Sozialdemokratie widersetzte sich diesem Vor- haben durch Obstruktion. Der Dezember 1902 war mit parlamentarischen Kämpfen zwischen der zolltollen Mehrheit und der obstruierenden Minderheit ausgefüllt, deren Verlauf ganz Deutschland mit angehaltenem Atem verfolgte. Im„Vorwärts" führte der aenial" Kurt E i s n e r fein? Feder wie ein rieslichcr-"! Florett. Schließlich unterlogen sachliche Arguinenlalion, Geist und Witz dem dumpfen Instinkt des herrschenden Interessen- klüngels. Es war— nach A n t r i ck s Achtstundenrede— eine ehrenvolle Niederlage, und das deutsche Volk honorierte sie ein halbes Jahr später mit einer Million sozial- demokratischer Stimmen mehr und mit 81 Mandaten für die sozialdemokratische Reichstagssraklion. Durchblättert man die Reichstagsberichte vom Dezember 1902, so findet man die wöchenGngen Zolldebatt->n nur dura) eine andere bemerkenswerte Sitzung unterbrochen. In ihr verhandelte man über die zablreichen Petitionen aus dem Lande, in denen ein einheitliches Vereins- und Versammlungsrecht für ganz Dentkchländ verlangt wurde. Schon damals waren es die Sozialdemokraten, die vaterlandslosen Gesellen, die für Rechtseinyeit im Reiche aufs nachdrücklichste eintraten, und freilich waren sie es auch, die die meiste Ursache dazu hotten. Richteten sich doch die Rücken und Tücken des zwanziafach variierten Paragraphenwustes vor allem oder ausschließlich gegen die aussteigende Arbeiterbewegung. Da war das preußische Vereinsgesetz. das die politischen Vereine zwang, ihra Mitgliederlisten bei der Polizei einzureichen und das die politisch rechtlosen Frauen in politischen V-reinssammlunaen in einen besonderen Raum» das berühmte Segment, verwies. Und da war das„s ä ch- fische I u w e l", dos für ein Verbot jeder höheren Orts nicht gewünschten Zusammenkunft der Untertanen iede ae- wünschte Handhabe bot. Da mar entweder das Lokal nicht heizbar oder mit einer Heizung versehen, die feuergefährlich war. oder es gab eine Epidemie am Orte, oder die Bewohner der Rachbargrundstücke fühlten sich beunruhigt, oder es war überhaupt die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdet.. Das war die alte gute Zeit für den Herrn Roli?»'kom- missar Fürchtcaott Heinepich Unerbittlich: ,�sii jeder Suppe find' ich ein Haar, das der Regierung nicht appetitlich, auflös' ich Versammlungen wunderbar, die nicht gortesfürchtig, fromm und sittlich." U eberflüssig zu sagen, daß die Debatte damals ausging wie das Hornberger Schiehen. Die brennend notmmdigo Reform kam erst ein paar Jahre später, zur Zeit des Blllow- Blocks, und zwar, wie es sich gehört, als ein Kompromiß: mit einem gefunden Fortschrittsbein und einem reaktionären Pferdefuß. >* Wo stand in jenen Kämpfen einer vergangenen Zeit d i e Rechte, die sich damals konservativ nannte und die beute d e u t s ch n a l i o n a l heißt? Selbstverständlich war sie die Einpeiischerin der Zollwuchermebrheii— sie fand die Ge- treidejjölle nur noch zu niedrig und schimpfte auf die Regierung, weil sie nur 8 Mark statt der aemrdemn 7 50 Mark h-willigie — selbstverständlich war sie die Amreiberin zu ollen Brüchen der Geschäftsordnung und zu allen Verg?wa>i'qung-"i ö-r Minderheit.„II t'iiui nmselor In ii/sto", äußerte sich in der Sprache des Erbfeinds die„Kreuz-Zeitung".„Man in u ß der Bestie einen M a u l korb anlege n" (womit aber nakürlich nicht die jetzt von Zörgiebel be- freiten Hunde gemeint waren, fondern die Sozialdemo- kraten.) Selbstverständlich war es die Rechte, die jede partl- kularistische Polizeimfamie gegen den Unitarismus der ein einheitliches, freies Reichsrecht fordernden Sozialdemokraten verteidigte..... Man braucht ja nur zu beobachten, was die Dxutschnationalen jetzt tun, um zu erraten, was die Konser- vativen damals getan haben. Auch das neue deutschnationale Programm zur V e r« fasfungsreform ist ein gut konservatives Programm. * Das darf freilich nicht so verstanden werden, als ob die Reaktionäre mit den Zustanden von damals, die sie jetzt I wieder einführen möchten, völlig zufrieden gewesen wären. Weit gefehlt, ihr Wunsch ging vielmehr zu jeder Zeit dahin, die Uhr dcr� Entwicklung um einige Jahrzehnte zurück» zudrehen. Das Deutschland von das sie jetzt— vorläufig abzüglich der Monarchen— wieder verlangen, war ihnen viel zu demokratisch, viel zu pazifistisch, viel zu sehr mit Sozialpolitik belastet, viel zu viel mit westlerischen Menschheitsideen verssucht. Ihre Sehnsucht schweifte zurück in die Zeit des Absolutismus, der Parlamentslofigkeit und der Zensur. Wie oft ihre Klagen darüber widerhallten, daß die zunehinende Reichstagsmacht die Monarchie zu einem „Schattenkaisertum" erniedrige, sei nicht nachgezählt. Aber noch im Dezember 1902 machte ihr offizielles Organ, die .Konservative Korrespondenz" einen sehr ernstgemeinten Vorstoß gegen das geheime Reichstagswahlrecht, ö f f e n t» ? i ch e Stiinmabgabe wie bei den preußischen Dreiklassen- mahlen wurde gefordert. Daß heute solche Forderungen nicht mehr erhoben werden können, ist immerhin ein Fortschritt, nur freilich kein Fort- schritt derer, die jetzt auf sie verzichten müssen, sondern ein Fortschritt des V o l t s a e i st e s. dem man dergleichen nicht mehr zuzumuten wagt. Aber laßt nur erst einmal die deutsch- nationale„Verfassungsreform" Wirklichkeit werden, dann ist der Krebs aus dem Moriner See herausgelassen; alles wird seinen Krel'sgang nehmen und vielleicht erleben wir dann sogar das Preußische Herr en Haus wieder, das ohne- hin verdient hätte, als politischer Naturschutzpart konserviert zu werden! ü- Mancherlei von diesem Krebsgang merkt man schon jetzt. So vereinigt sich das Z c n t r u m wieder mit seinen bayerisch- reaktionären Beständen, die Volkspartci ist so nationalliberal, wie es die Basfermann-Partei nur je gewesen ist, die Deutsch- nationalen holen Ihr altes konservatives Firmenschlld aus der Bodenkammer und hängen es frisch auflackiert über ihre Ladentür. Ein Glück, daß sich neben diesen unerfreulichen Rückentwicklungen auch eine erfreuliche bemerkbar macht: DiedeutschesozialistischeArbeiterbewegung erhebt sich wieder aus der Zerrissenheit einer zerrissenen Zeit. Die Sozialdemokratie marschiert! Ein Riesenkampf droht im Westen zu ent- brennen. Die Schwerindustrie, die Führerin und Ernäh- rerin aller politischen Reaktion, erhebt sich, um den sozialen Fortschritt mit einem Gewaltstreich zurückzuwerfen. Sie droht, auf ihr bürgerliches Eigentumsrecht gestützt, die Vro- duzenten von den Produktionsmitteln zu trennen, die Wirt- schaft zu drosseln, Deutschland auszuhungern. Daß doch in diesen Tagen alle Arbeiter die Unter- nehmerpresse lesen könnten! Wer kümmert sich da um die Kommunisten! Die bekämpfen ja einander gegenseitig im Reicbstag unter dem Gelächter der Bourgeoisie. Rein der Feind, gegen den sich alles wendet mit Haß Und mit heim- licher Angst, da s istdieSozialdemokratie.das sind die von Sozialdemokraten gefüh�sn Gewerkschaften. Ein ehrenvoller Haß, eins ermutigende Angsti 5in kommenden Jahr, von dem uns nur noch drei Wochen trennen, wird das Volk wieder an die Urne treten und von dem Recht Gebrauch machen, das die Sozialdemokratie ihm erkämpft bat. Ein Vieetdiahrhundert noch dem qro�-n olle Gegner bis auf den.Seelongruud erschütternden Wahlsieg von 1903. Das kommende Jahr soll zeigen, daß sich nur die an- ö er.n zurückentwickeln, wir asteroorwärt»! Etaisschmerzen des RechisSlocks. Tlim soll die GrschästSordnung durchbrochen Werdens Der Reichstag hatte bcjchlosien, mit der ersten Lesung des Etats im Plenum des Reichstags am 19. Dezember zu beginnen. Es sind jetzt schon Zweifel aufgetaucht, ob die Etatsberatung noch vor Weihnachten beginnen kann. Das Nachrichtenbureau der Zeitungsverleger teilt mit: »Der Aeltestenrat wird am � Montagmittag zusammentreten, um über die weitere Geschäftslage zu beraten. Es wird segt in parlamentarischen Kreisen bezweifelt, daß der Reichstag noch über den 16. Dezember hinaus zusammen- bleiben kann, zumal an diesem Tage die Bayerische Volkspartei ihren Parteitag abhält und nach alter Uebung die Plenarsitzungen während der Parteitage ausfallen. Um die rechtzeitige Erledigung des Etats jedoch nicht zu gefährden, wird deshalb bei den Re- gierungsparteien erwogen, den Etat vor der ersten Beratung dem Haushaltsausschuß zu über- weisen. Der Haushaltsausschuß könnte dann seine Arbeiten de- reits am 10. Januar wieder aufnehmen, während die erste Lesung des Etats mll der allgemeinen Aussprache erst beim Wiederzu- sammentritt des Reichstages am 19. Januar erfolgen würde." Dieses Verfahren wäre ungewöhnlich und b e- d e n k l i ch, und mit der Geschäftsordnung des Reichstages schwer zu vereinbaren. Brauns Antwort an Marx. Der preußische Mini st erpräsident wird■— wie der Sozialdemokratische Pressedienst erfährt— im Verlauf der be- vorstehenden Landtagsdebatte über den preußischen Etat u. a. auch zit der Antwort des Reichskanzler» auf die preußische Beschwerde zu dem Telegramm des Reichsinnenministers v. Keudell an die Deutsche Studentenschast Stellung nehmen Außerdem dürfte er sich mit den anderen noch schwebenden Konflikten zwischen dem Reich und Preußen befassen. Sozialistische Kraueninternationale. Tagung der Exekutive. Köln, 10. Dezember. Die Tagung der Internationalen Sozialistischen Frauenexekutive wurde im Hansasaal de» Rathauses durch Genossin Zuchacz au» Berlin eröffnet. Genossin Adelheid Popp(Wien) machi« längere Ausführungen über das Zustandekommen der Frauenexetutive der Internationale» die anfänglich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, die aber jetzt beseitigt seien. Zur Wahl des Präsidiums wurde von belgischer Seit« beantragt, daß die vorläufigen Mitglieder des Präsidiums ihre Tätigkeit bis zu dem nächsten Zusammentritt der International« weiter ausüben sollen und daß eine französische Vertreterin ins Präsidium ausgenommen wird. Der erste Teil des Airtrags wurde abgelehnt,»er zurückzestelll. Die Gtrefemannhetzer entlarvt. Der deuischnationale Abg. Leopold Hai Knoll fmanzieri. Im Plauener Stresemann-Prozeß hatte der bekannte deutschnationale Spionageagent Knoll unter Eid bestritten, daß er von B a c m e i st e r den Austrag erhalten Habe, gegen die E v a p o r a t o r vorzugehen oder ein politisches Bureau einzurichten. In auffälligem Gegensatz zu dieser Aussage stand jedoch ein Artikel Bacmeisters vom 30. Juli 1925 in der„Deutschen Zeitung", wo Bacmeister sich rühmt, Knoll und ähnliche strebsame Leute„in den Dienst der Auf- klärung gestellt" zu haben. Eine Aufforderung, diesen Wider- spruch aufzuklaren, hat nun die Äeneralstoatsanwaltschaft beim Landgericht I mit einem Bescheid beantwortet, dessen wesentliche Absätze lauten: Knoll bleibt bei seiner eidlichen Bekundung, daß er von Dar- meifler keinen Auftrag erhalten habe, gegen die Evaporator vor- zugehen. Bacmeister hat die Aussage als richtig bestätigt. Es sind auch keine gegenteiligen Tatsachen bekanntgeworden. Knoll verbleibt auch bei seiner weiteren eidlichen Bekundung, daß er von Bacmeister keinen Auftrag erhalten habe, ein politisches Bureau einzurichten, und bestreitet nach Vorhall des Zeitungsartikels, daß er oder fein Bureau von Bacmeister finanziert worden feien. Rur von Leopold (deutschnationaler Reichstagsabgeordneter. Red. d.„Borw.") habe er Zuwendungen erhalten. Demgegenüber hat Bacmeister ausgeführt, er habe an knoll Gelder abgeführt, außerdem habe er sich wiederholt mit Ihm über die fraglichen Aufklärungsarbeiten unterhalte«. Deswegen habe er in den Zeitungsartikeln ausgeführt, daß er Knoll in den Dienst der Auf- klärung gestellt habe. Hierauf hat Knoll erwidert, er habe zwar Gelder von Bacmeister in Empfang genommen. diese aber nicht für sich und sein Bureau verwendet, sondern an Vreithaupl(bekannter Spitzel und Spion. Red. des„Vorw.") für dessen Bureau abgeliefert. Breithaupt hat bestätigt, daß er für sich und Mühlberg Gehälter von Knoll bezogen habe. � Nach Vorhalt dieser Angaben hat B a c m e i st e r sich dahin aus- gelassen, er sei bisher der Meinung gewesen, daß ovo seinen Gelder» auch knoll eiaen Tell erhallen habe, wenn Knoll dies jedoch in Ab- rede stelle» habe er keinen Anlaß, an dessen Aussage zu zweifeln. Fest steht, daß Leopold und Bacmeister Gelder für verschieden« Bureaus beschosst haben. Die Verwendung der Gelder im einzelnen läßt sich jedoch nicht mehr aufklären, zumal der verbleib der Belege nicht bekannt ist. Somit läßt sich eine falsche eidliche Aussage bei Knoll nicht f e st st e l l e n. Zu berücksichtigen ist auch, daß sich der hier fraglich« Teil der Knollschen Vernehmung, wie der Richter auf Befragen be- stätigt hat, speziell mit der Evoporator-An gelegen- heit befaßt hat. Rur was zu diesem engeren Beweisthema gehörte, ist in das Protokoll aufgenommen, nicht dagegen die Firnrnzie- rang der Bureaus im einzelnen, wie sie sich nunmehr nach obiger Darstellung ergeben hat. Ob wirklich keine Eidesverletzung des Knoll darin liegt, daß er den tatsächlichen Enipfang von Geldern durch Bac- meister verschwiegen hat, ist mtnoeftens fraglich. Auch berührt es äußerst seltsam, daß Bacmeister der Ansicht gewesen ist. daß ein Teil seines Geldes aü Knoll direkt gegangen ist» während Knoll alles an Breithaupt gegeben haben will, wo- durch sich in der Sache übrigens gar nichts ändert, da Breit- Haupt als Beauftragter de K.Bureaus Knoll gearbeitet hat. Daß die Belege ve'rfch wunden sind, ist gleichfalls kennzeichnend. In der Sache selber aber ergibt sich das hochinteressante Ergebnis, daß die Strefemann-Hetze finanziert worden ist— von dem deutfchnationalen Reichstagsabge- ordneten Leopold, der jetzt im Bürgerblock den Koalitionsbruder des Reichsaußenministers mimt! Der Mord von Arensdorf. Prozeß gegen die beiden Schmelzer. u Die Bluttat in Arensdorf im Juli dieses Jahres, bei dem zwei Reichsbannerangehörige getötet und etwa sechs zum Teil er- heblich verletzt wurden, wird in der kommenden Woche seine gericht- liche Sühne finden. Bor dem Schwurgericht in Frankfurt a. d. O. werden sich am Montag, dem 12. Dezember und in den folgenden Tagen der 28jährige Landwirtssohn August Schmelzer aus Arensdorf wegen vollendeten und versuchten Totschlages, sowie sein Vater, der Löjabrige Landwirt Paul Schmelzer. weoen Airstiftung zu diesen Verbrechen und wegen unbefugten Waffenbesitzes zu verantworten haben. August Schmelzer, der mehrfach, darunter wegen Körporverletzung, vorbestraft sst< sitzt seit der ihm zur Last gelegten Tat in Untersuchunashaft. während sein ebenfalls wegen Körperverletzung vorbestrafter Vater sich auf freiem Fuß befindet. Die Vorfälle in Arensdorf, die diesem Prozeß zugrunde liegen, haben bekanntlich außerordentliches Aussehen erregt. Da» Reich»- banner Schwarz-Rat-Gold hatte am 2S. und 26. Juni dieses Jahres in Frankfurt a. d. Ö. ein G a u t r e f s e n veranstallet, zu dem auch Abordnungen aus Berlin erschienen. Ein Teil der Berliner Reichs- bannerlcute begab sich aus Lastkraftwagen unter Benutzung der über Müncheberg führenden Chaussee, an der das Dorf Arensdorf liegt, nach Frankfurt. Bsi der Durchfahrt von Reichsbannertiupps cm Nachmittag des 25. Juni ertönten von Don'bewobnern höhnische Zurufe, ohne daß es aber zunächst zu Zwischenfällen kam. Am Abend zwischen 8 und 9 Uhr fuhr wieder ein mit etwa?0 Reichs- bannermitgliedern besetztes Lastauto, dem in einiger Entfernung der Reichsbannermann Klemowicz auf dem Fahrrad folgte, durch Arensdorf. In der Dorfstraße kam es zwischen Klemowicz und einem jugendlichen Landarbeiter namens Hoffmann zunächst zu einem Wortwechsel, in den sich dann ein anderer Landarbeiter namens Zemke einmischte. Schließlich entriß Zemke dem Hoffmann den Stock, den dieser bei sich führte, s ch l u g a u f Klemowicz ein und beide mißhandellen dann den am Boden Liegenden. Aus die Hilferufe des Ueberfcllei.en dielt da« voran- gefahrene Lastauto, dessen Insassen herabsprangen, um ihrem Kameraden zu helfen. Zemke, der zunächst zu Boden geworfen und geschlagen wurde, konnte schließlich mit Hoffmann die Flucht ergreifen. Als die Reichsbannerleute nun ihrerseits dazu über- gingen, diese beiden zu versolgen, stellten sich ihnen die übrigen Dorfbewohner, die mit Sense« und Mistgabel« herangeeilt waren, entgegen, darunter August Schmelzer, der einen Säbel mit sich führte, und sein Bater mit der Heuaabell Als schon eine gewisse Beruhigung eingetreten war. eilte August Schmel- zer nach Hause, erbrach einen verschlossenen Schrank und«nt- nahm ihm das Jagdgewehr seines Vaters nebst vier Patronen. So bewaffnet eilte er wieder auf die Dorfstraße, wo sich die Reichsbannerleute, in einiger Entfernung von den Dorf- bewohnern gefolgt, in der Richtung aus den Kraftwagen zurück- gezogen hatten. Das Gewehr schußbereit in der Hand, drängte sich Schmelzer jun. durch die Reihen seiner Freunde, die ihn zum Teil durch Zurufe ermuntert« n. Aus gütliches Zureden eines Schmiedegesellen hatte er nur die Antwort:„Sie haben mir blutig geschlagen, ich schieße mang.� Auch sein Vater» der mit der Heugabel neben seinem Sohn emherschiitt, soll gerufen haben: „August, ran mit der Flinte." In dem Augenblick, als die Reichsbannermitglleder dicht gedrängt am Wagen standen um auszusteigen, schoß August Schmelzer aus etwa 30 Meter Entfernung mit Rehposten viermal in die Reichsbanncrieute hinein, von denen sofort acht mehr oder minder schwer getroffen, mit lauten Scbmerzensrufen zu Boden sanken. Der Reichsbannermann Karl T i e tz hatte«inen Schuß durch den rechten Lungenflügel erhalten und starb schon auf dem Wege nach Frankfurt, sein Kamerad Richard Wollank, der Schußwunden am rechten Arm und am linken Unterschenkel davongetragen halt«, starb vier Wochen später in einer Berliner Prioatklinik am Wund- starrkramps. Die Reichsbannermitglieder Fnn Böttcher, Erich Lüdicke, Karl Liesack, Hans Kühl und Hans Pioch, sämtlich aus Berlin hatten Steck- bzw. D u r ch sch ü s s e an Armen und Beinen davongetragen. August Schmelzer wurde sofort verhaftet, zumal die in der Abfahrt begriffenen Rcichsbannerleute geschossen habe. Er wurde dann in der Landcsirrenanstast Sarau sechs Wochen hindurch auf seinen Geisteszustand beobachtet. Das über ihn dort abgegebene Gutachten besagte, daß er zwar ein geistig minder- w« r t i g« r Vsyäopoth sei der an Nc vensck-wäcte und krankhafter Reizbarkeit leide, daß er sich aber bei Begehung der Tat nicht in einem unter ß LI sollenden Zustand befunden Hab« Sein Vater war, wie im Verlauf der Ermittlungen srstgestellt wurde, weder im Besitz �eincs Waffen, noch eines Jagdscheines. Zir der Verhandlung sind bisher 68 Zeugen und 8 Sachoerstän» dige geladen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Rothe, während die Anklage vom Ersten Staatsanwaft Buchardi-Berlin. der diesen Fall im Vorverfahren bearbeitet hat. oertreten wird.' Die sechs verletzten Reschsbannermitglieder sind als Rebenkläger Jugelassckt, sie werden von Rechtsomvall Dr. Fal-kenfeld�raick- ürt vertreten, während die Angeklagten von de« Rechtsanwälten I o l l tz-Frankfurt und P. Bloch-Berlin verteidigt werden. Das Verfahren gegen Hoffmann und Zemke, die beide Mitglied»»: des Werwols» sind, ist abgetrennt» sie werden sich später wegen Körperverletzung zu verantworien haben. Zu der Verhond>i lung werden Vertreter des preußsschen Justiz, und Innenministe- riums, sowie des Kammergerichts erwartet. zweite! feine Behauptung, daß er in Notwehr gehandelt habe, durch die t Tatsache widerlegt wurde, daß er aus größerer Entfernung auf Kolomak-Prozeß in zweiier Auflage. Hinter verschlossenen Türen?— Sin Attentat auf die Oeffentlichleit? Am 16. Dezember soll in Bremen die Berufungsverhandlung in der Sache der Frau Kolomat beginnen. Wie erinnerlich» wurde dies« Frau bekannt durch das angebliche Tagebuch ihrer Tochter, da, sie selbst herausgegeben hatte, und das den S a l v a r s a n t o d-ihrer Tochter behandelte. Frau Kolomak wurde angeklagt und im Juni dieses Jahres wegen Kuppelei zu drei Monaten Gesängnis verurteill. Jetzt oerlautet, daß die Verufungsverhandlung unter völligem Ausschluß der OesfenUichkest vor sich gehen soll. Wir nehmen an, daß die Gerüchte über den beabsichtigten völligen Aus- fchluß der Oeffentlichkeft aus einem Irrtum beruhen. Denn es ist nicht zu erkennen, wie solch ein Beschluß des Gerichts— drei Berussund zwei Laienrichter— zu rechtfertigen wäre Di« Einzelheiten des Falles Kolomat sind bereits während der ersten Gerichisver- Handlung in aller Ausführlichkeit besprochen worden. Es ist nicht bekannt geworden, daß die Berichterstattung die Grenzen überschritten hat, die im Interesse der Wahrung der Sittlichkeit geboten schienen. Man hat daher allen Grund zu der Annahme, daß die Press« dieses Mal� sich die Mühe sparen wird, die vom ersten Prozeß her zur Genüge bekannten Einzelheiten zu wiederholen. Worauf es für die Presse allein ankommt, ist, gewiss« Fragen- komplexe, die der Fall Kolomak aufgerollt hat. im Gerichtesaal ge- klärt zu sehen und die Oeffentlichkeit davon zu unterrichten. Ein Ausschluß der Presse könnte aber den Anschein erwecken, als scheuten die Bremer Behörden und mit ihr die Bremer Justiz gerade in bezug auf diese Fragen die Oesjenttichteit. Die bürgerlichen „Bremer Nachrichten" wollen von zuständiger Stelle erfahren haben, der Ausschluß der Oeffentlichkeit sei bereits beschlossene Sache. Die Mitteilung erscheint um so befremdender, als eine solche Entscheidung allein nach Anhörung der Partelen am Verhandlungs- tage selbst von den Berufsrichtern gemeinsam mit den Laienrichtern gefällt werden kann. Ein vorher von den Berufsrichtern allein gefaßter Beschluß würde gesetzlich unzulässig sein und die Ablehnung der Richter wegen Befangenheit rechtfertigen. „Landesverrat". Das gegen Generalmajor a. D. v. S ch ö n a i ch vor mehteren Monaten eingeleitete Landesverrat»»«!« fahren ist nunmehr eingestellt worden. Das Verfahren wurde begründet mit einem Artikel, in dem Schönaich behauptet hatte, daß in der Reichswehr früher Soldaten illegal eingestellt worden seien. Die belgische Bürgerblockrcgicrung Hot den katatonisch«« Ausstandsführer Oberst Macia ausgewiesen. Er geht nach Südamerika. Weihnachten arbeitslos! Zm Land der Puppen und Spielwaren.— Hungerlöhne und Wohnungselend. F. F. Sonneberg(Thüringen), 9. Dezember. Für die meisten Spielwaren-Heimarbeitcr im Ärels Sonncberg ist die Konjunktur bereits vorüber Zwanzig bis dreihig Wochen im Jahre haben sie Beschäftigung. Don Mitte Dezember ab beginnt für viele schon die Arbeitslosigkeit, die bis ln den Mai hinein. iür manche auch bis Juni des nächsten Jahre» dauert Aber auch in der Zeit der Beschäftigung gibt es zwischendurch Wochen ohne Arbeit. Schon jetzt sind in der Stadt und Im Kreis Sonneberg 2400 per- fönen aus der Spielwaren, und Christbaumschmuckindustrie arbeit». los. Ein paar Monate im Jahr wird vom Morgengrauen bis in die späte Nacht hinein Woche für Woche achtzig Stunden gearbeitet, und zu Weihnachten pocht die Not au die Tür. Die Löhne, die für Spielwaren bezahlt werden, sind nicht so, daß man für die Zeit der Arbeitslosigkeit etwa sparen könnte. Sie reichen kaum zum ollernötigsten. Schon die„Drücker"'(Papiermachöarbeiter) «»zielen nur Stundenlöhne von lö bis 25 Pf. Es gibt aber viele Spiclwarenarbeiter, die nur«inen Stundenlohn von 19 Pf- be- kommen. Ja selbst Löhne unter diesem Satz sind nicht selten. Am schlimmsten ist es bei den P u p p e n k l e i d» r n ä h e r t n n e n in Sonneberg. Wir haben eine ganz« Anzahl davon besucht. Don früh bis nachts sitzen sie an der Maschine und sticheln darauf los. Die Preise sind verschieden, je nach Art der Arbeit. Ader verdient wird »irocnds etwas. Ein Beispiel: Eine geschiedene Frau näh» Puppen- lleider, für die sie pro Dutzend 49 Pf. bezahlt bekommt. In» Tag bringt sie es bei angestrengtester Arbeit von 7 bi« 23 Uhr auf 2X Dutzend, also auf«ine Mark Tagesverdienst. So geht es die ganze Woche. Sonntags wird gearbeitet wie am Werk- lag, nur der Sonnabend gehört der chaushaltsarbeit Bei fleißiger Arbeit bringt es die-Frau auf 6 bis 7 TO. Wochenoerdienst, also durchschnittlich 7 Pf. Stundenlohn. Für die übrigen Zubehörteile zu den Puppen werden auch recht karge Löhne bezahlt. Die„gedrückten' Körper, Beine und Arme werden an den„Fabrikanten" gelitsert, der sehr oft selbst nur ein armseliger Heimarbeiter ist und Frau und Kinder ausbeutet. Dort werden die einzelnen Papiermachtteil- fleischfarben gestrichen und lackiert, zusammengesetzt und der Kopf(aus Zelluloid. Porzellan. Blech oder Papiermacht) ausgesetzt. Dann gibt es besondere Helm- arbeiter für die Augen, für die Puppenperrücken und all die vielen anderen Ding«, die zur Fertigstellung einer Puppe nötig sind. Alle Beteiligten bringen es nur zu ganz kargen Wochenlöhnen. Dort, wo die Puppenteile gestrichen und lackiert werden, sieht es sehr sarbig au». Aus langen Brettern stehen Arme, Beine, Puppen- körper an kleinen Holzstäbchen befestig» In einem Loch festgesteckt, damit die Farbe abtropft und eintrocknet. Lauter kleine bunte Kleckse bedecken alles ringsum. Erst wenn die einzelnen Teil« gut trocken sind, beginnt da» Zusammensetzen der Pupp«� Oft werden die Puppen ohne Kleider an den Derleger geliefert. Diese Puppen heißen„Täuflinge". Andere werden eingekleidet, fein säuberlich In Papptartons verpackt und sind nun fertig zum Dersand. Niemand kann setzt den zier- lichen, fein gekleideten und wohlfrisierien Puppen noch etwas von den Hungerlöhnen, von der Not und dem Elend derer ansehen, die an ihrer Herstellung gearbeitet haben. Und die Ältern, die ihren Kindern mit diesen Puppen eine Weihnachtsfreud« machen, wissen wicht» davon, doß die Puppemnacher und ihr» Kinder schon Wochen vor Weihnachten Mn» Arbeit mehr haben und ein gar trübselige» Fest erleben... Di« SpielwareTwHekmtlfWter wohn«n meist sehr eng. Da macht e« keinen Unterschied, ob man in Sonneberg oder auf den Dörfern Umschau hcklt. Es gibt leine Familie, tn der seder sein Bett für sich hat. Zwei und drei Perlenen schlafen fast überall zu- sammen. Arbeits«, Wohnraum und Küche sind meist in einem Raum zusammengedrängt Das»st besonders schlimm bei den Papiermache- arbeitern, weil das Trocknen der frischen Ware einen fürchterlichen Gestank oerbreitet und höchstens die Hälfte der Papiermachtdrücker einen besonderen Trockenofen haben. Aber über die Raumnot hinaus g'bt es noch besonders krasie Fälle von Wohmmgselend. Wir fanden auf einem Heimarbeiterdors ein« sechsköpflge Familie, die für Ihre drei Vellen nur zwei armselig« Sammern hat, tn denen man sich kaum umdrehen kann. Die Decke ist brüchig. Man hat sie mit Pappdeckeln vernagelt aber der Regen kommt doch durch. Für eines der Betten konnte man nicht einmal«inen Stroh- sack beschaffen. Zwei Personen müssen in der Bettlade auf b l a n» kem Stroh schlafen! In den Dörfern de» Hinterlandes werden vor ollem Holzspielwaren hergestellt. Aber auch andere Spielwaren findet man dort. Unter anderem war ich in einer„Puppenschuh- fabrik". Mann, Frau und zwei erwachsene Töchter arbeiten täglich zwölf Stunden. Ich griff mir eine bestimmt» Größe Puppenschuhe heraus und rechnet« mit dem„Fabrikanten". Für das Dutzend Paar bekommt er 9 Ps„ also für 199 Dutzend Paar 9 M An Material- kosten entstehen 3 M. Wenn alle vier erwachsenen Familienmitglieder anaestrengt arbeiten, bringen sse>m Tag bei zwölsstündiger Arbeit»- zeit 199 Dutzend fertig, da» sind 1299 Paar Nein« Puppenschuhe. „Verdient" hat dann jeder 1,50 TO. für zwölf Arbeitsstunden! Wir besuchten unzählige Helmarbeiter, waren bei Schnitzern, die Pferde oder Wagen. Schisse, Schleßlchelben, Schachterlteufel, Turner. Hühner und andere» Spielzeug herstellten. Üeberall das gleiche Bild. Enge Wohnungen, überlange Arbeitszelt. Ausbeutung von Frau und Kindern und kärglichster Berdiensl. Immer wieder kamen wir in Wohnungen, wo wir Tuberkulöse fanden. Aber auch dle Tuberkulösen haben kein vekl für sich allein. Sie schlafen Immer mindesten» zu zweit, mit einem Gesunden oder Kranken zusammen. Bei einem„Schifflesmacher", der schon einige Wochen arbeits- los war, zog da«„Glück" noch einmal kurz vor Weihnachten ein. Er bekam noch einen Auftrog, der ihm für eine Woche Beschäftigung bracht«. Jetzt sitzt er wieder an der Schnitzbant und fertigt Kanu» Sie sollen nach Amerika. Da» Holz für den Austrag bekam er in der Schneidemühle gepumpt, sonst könnte er gor nicht arbeiten. Der Krämer muß Farbe, Lack usw. auf Kredit geben. Hundert Dutzend von den Kanu» muß er mache», und bis zum Sonnabend sollen sie abgeliefert sein. Für da» Dutzend bekommt er K Pf., also für den gesamten Auftrag(1299 Schiffchen) 69 TO. An TOaterialkoften braucht er 27,79 TO., so daß er 32,39 TO. übrig hat. Mit Frau und Tochter arbeitet er jetzt von früh bis nacht«, in der Woche 89 Stunden, dann wird er bis Eonnabend fertig und jeder hat 10,89 TO.„verdient", alfo einen Stundenlohn von 13 Pf I Don der nächsten Woche ab rechnet der„Schijslesniacher" mit einer lanzdauernden Arbeits- losigkeit. Die Schiffe müssen auch bemannt»«erden. Für die Bemannung find wieder andere Heimarbeiter da. die zu den schlechtest entlohnten Eine nationale Wahltragikomödie. In Anholt wählten die Deutschnationalen versehentlich siat ihre« Stahlhelmmannes Andrea« Eichham einen Kommonistm namens Paul Eichhorn. De utecfcoAt i'oraAles „Unsere Wähler sind nicht in Stimmung zu bringen, es muß etwas geschehen!* „Hm, da weiß ich Rat.... wir geben eine Tonne Freibier.* Die Wähler ltrualea natürlich vor Begeisterung):„Hoch die deotsche Sache, hoch das nationale Freibier!* ht'ABeKin&'r? „So— jetzt ist die Stimmung da. Aus, alle Mann zur Wahl!* „Himmel, da haben vir im Soff den Verlehrten gewählt..!,.!" gchären. Da w erden Schiff»«. Indien«: intfi TOatros»» gemacht. D« Kopf ist au» Poxtexmächs. Den muß sich der Hhlm» arbeiter vom Drücker machen lassen. Holz und Farbe usw. hat er auch selbst zu beschaffen. Auf der Drehbank wirp der Körper gedreht. Arme und Belne werden geschnitzt, dann wird da» ganz« mit Droht zusammengeheftet, bemalt und lackiert. Fünszehnmal geht dos zierliche Figürchen durch die Hände des Heimorbeiter». Für«in Dutzend solcher kleiner Matrosen, fix und fertig zu machen, gibt es 32 Pf. In der Woche bringt der Helmarbeiter, den wir besuchten, 89 Dutzend, also 969 Stück, fertig Er bekommt dafür 25,69 TO. An Materialunkosten entstehen 9,69 TO., so daß er 16 TO. reinen Berdienst hat. Aber er konnte die 89 Dutzend nur herstellen, weil auch seine Frau wie er täglich 14 Stunden gearbeitet hat. In achtzig Stunden hoben also zwei erwachsene Personen nur 16 TO. oerdient: da» ergibt „Luisa Miller." Glaatsoper. Schiller».Kabole und Liebe" als Italienische Oper. 1849 g»> schrieben. Für dl« itasienssch« Opembühn«, für ein PuMlkum also, das Schiller kaum kannte, und dos von den Autoren nicht Rechen» schaft forderte für die opernhast« Derzerrung und Vergröberung. deren sie an einem Stück Wellliteratur sich schuldig gemacht. Bei uns mußte und müßte diese Oper, trotzdem die TOusik von D« r d i ist, es immer schwer haben, gegen Schiller auszukommen. Wir Heutigen sind freilich— auf einem anderen Gebiet: beim Mlm— daran gewöhm, daß mit TOeisterwerken der Dichtung umgesprungen wird, daß es eine Schande oder zum Lochen ist: da» Derdi-zeitge- nöfsijche Deutschland, noch weniger abgebrüht in Fragen des lilera- rischen �Gewissens, Hai Berti, Schiller-Opern verschmäht. Erst die große Berdi-Renaissance, in deren Zeichen die deutsch« Opernbühn« sich von den Folgen allzu exklusiver Wagner-Pfleg« er- holt, hat uns nun nach anderen, wie es schien, verschollenen Werken des frühen Berdi auch feine.Luffa Miller" gebracht, und wir sind heute empfänglicher dafür, als es das deutsch« Publikum etwa der neunziger Jahre gewesen wäre. Da» heißt wiederum nicht, daß die Entwicklung eines Holben Jahrhundert», die Auswirkung der Wagnerischen Reformarbeit, nun für uns abgetan wäre. Also kein reaktionäre» Zurück zur alten Oper. Aber dieser Berdi, gar der junge, war ja«in Revolutionär der Oper, deren überkommene Formen, ihrer sich bedienend,«r mit der explosiven Kraft seine» dramatischen Temperament» sprengte. Und revolutionärer Geist, Geist von 48, mag es gewesen sein, der Ihn— 1849— trieb, nach der revolutionären Dichtung de» jungen Schiller zu greisen. Diese Wert« sind es, die. trotz aller ästhetischen und theoretischen Beben- ken, die Ausführung des Werk» rechtfertigen und die gestrige Urauf- führung zu einem heutigen Ereignis machten. Es war keine Berdl-Aufführung, wt« sie das verwöhnt« Publl- kum der Staatsoper erwartet haben mag: dafür fehlt»« dem Klemperer-Ensembl« an schönen Stimmen, den Stimmen (leider) an gesanglicher Kultur. Aber die Aufführung war. und die» entichied ihre Wirkung und ihren Erfolg, von dem hohen, ernsten Geist«rsüllt, mit dem. an jenem ersten Fidelioadend, Klemperer, der Opornleiter, Berlin in seinen Bann gezwungen hat. Diesmal war es Fritz Zweig, der vom Dirigentenpult au» ihn ver- mittelte. Klau» Pringsheim. einen Stundenlohn von 19 Pf. Unker dkef«, Umstünden lst es zu prrstehen« daß zuweilen«in. Heimarbeiter tn den Wald geht, Um Holz zu„finden". Das ist verbyttN. jPird man erwischt, gibt'« 59 oder 199 TO Geldstrafe. Weil ober Geld bei den Heimarbeitern ein sehr rarer Artikel lst. wandert der„Verbrecher" für je 5 TO. Strqfe einen Täg in den„Kasten". Zehn oder zwanzig Tage Hast für da» im Wald„gefundene" Holz gellen deshalb auch nicht als ehren- rührige Strafe. Di« fertigen Waren werden meist noch Sonnederg geliesen. Am Liefertag sieht man dann auf den Landstraßen Männer, Frauen und Kinder mit hochausgetürmten Lasten in ihren großen Trag- körben nach Sonneberg wandern. Mir sind wiederholt Schulkinder begegnet, die den zweistündigen Weg mit schweren Tragkörben zu machen Hollen. Di« paar Mark die sie mit nach Haus« bringen, müssen dann wieder sür eine Woche reichen, die Familie zu unter- halten. Bald werden die Wege nach Sonneberg einsam werden. Weihnachten steht vor der Tür, unv die Heimarbeiter, die In den letzten Monaten im Hetztempo Weihnachtssreuden sür die Kinder anderer schufen, können ihren Kindern keine Welhnachtssreude bereiten, weil sie keine Arbeit mehr haben. (Seine Exzellenz wird belehrt. Srzestnskis Antwort an Admiral Schräder. Vor einiger Zeit fand zwischen dem preußischen Innen- minister und dem Admiral o.<5 ch r ö d e r ein Briefwechsel über die Borgänge auf dem Spittetmarkt in Berlin am Tage des 8. Rcichsfrontsoldatentages statt. Die Schreiben des Ministers trugen die Anschrift:„Herrn Admiral von Schröder in Berlin-Halensee". Der deutschnationale Land» tagsabgeordnete Rtttershaus stellte hierauf eine kleine Anfrage, in der er unter Hinweis auf Artikel 129 der Reichs- Verfassung die Führung des Prädikats„Exzellenz" als zu den wohlerworbenen Rechten eines Admiral» gehörig bezeichnet. Das Staateministerium wurde gefragt,„ob diese Der- fassungsverletzung gebilligt wird, und ob der Herr preußische Minister des Innern zu einer sühnenden Entschul- d i g u n g gegenüber seiner Exzellenz dem Herrn Admiral ö.!. t«. von Schröder bereit ist." Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beantwortet der preußische Minister des Innern die Anfrage folgendermaßen: „Es kann dahingestellt blellxn. ob die Führung de» Prädikat» „Exzellenz" zu den wohierworbenen Rechten de» Artikels 129 Abs. 4 Satz 1 der Reichsversassung gehört. Auch im Falle der Bejahung dieser Frage ist dem Beamten damit nur das Recht gewähr- leistet, das Prädikat zu führe». Einen Rechtsanspruch darauf, Im pr'vaten oder dienstlichen Verkehr unter diesem Prädikat angeredet zu werden, gibt weder der Artikel 129 der Reich»- Verfassung noch irgendeine andere gesetzliche Vesttmmung. Ein solcher Rechtsanspruch bestand auch unter der Herrschast der früheren Reicheversassung nicht. Don einer Verletzung des Artikels 129 der Reichsversassung kann daher nicht die Red« sein." „Seine Exzellenz der Herr Admiral* hat damit einen Elementarunterricht über Berfassungsfragen erhalten, der für ihn gleich blamabel ist wie für die Deutfchnationalen. Arbeiter- und Angestetttenbetriebsräte! Ds7 nächste arbeitsrechtliche Informations- abend für Betriebsräte ist am D i e n s t a a. dem 13. Dezember, abends 7 Uhr, im Saal ä des Gewerkschaftshauses, Engeluser 21/25. Die Leitung des Abends hat der Kollege Clemens N ö r p e l vom Vorstand des ADGB. Wichtige arbeitsrechtliche Themen können von den Teilnehmern selbst zur Besprechung gestellt werden. Die Arbeiter- und Angestelltcnbetriebsräte werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Aus der Schuhfabrik O. Schulze. Die Firma O. Schulze, Gerichtstr. 12/13. ist mit ihren 450 Ar- veitern die aröhte Schuhfabrik in Berlin. Sie scheint jedoch bestrebt ,u sein, auch die„berühmteste" zu werden, was durch die letzte Aus- p e r r u n g, die in geradezu unsinniger Weise wegen passiver lesistenz der Zuschneider erfolgte, zum Ausdruck kam. Der Erfolg der Aussperrung war, daß die Firma den Zuschneidern das bewilligte, was sie ihnen vorher oerweigerte. Nun bereitet die Finna durch ihren vor einigen Wochen von außerhalb geholten Betriebsleiter Müller den nächsten Konflikt vor. Dieser Herr Müller legt ein äußerst rusgeregtes, nervöses Wesen zur Schau. Es ist zu verstehen, daß ein Betriebsleiter unter den heutigen Verhältnissen nervös werden kann. Dann soll ihn die Firma aber ln Urlaub schicken, anstatt ihn auf die Arbeiter- schaft loszulassen. Der Betriebsrat gefällt dem Herrn Müller nicht. Für den Betriebsrat ist er nicht zu sprechen. Bötriebsratsziminsr gibt es nicht. Die beschwerdeführenden und ratsuchenden Arbeiter welden oft cn chrem Borhaben aehindert. Für den Bildungsgrad des Betriebsleiters ist folgender Lorsall bezeichnend. Ein Belriebsrotsmitglied unterbreitete Herrn Müller das Anliegen, daß die Fräser eine Mehrarbeit zu leisten hätten, wofür ste eine Extrabezahlung wünschen. Der Be- triebslelter drehte sich um, zeigte dem Betriebsratsmitglied seine Hinterfront mit der Bemerkung:„Wissen Sie setzt, was ich für eine Antwort gab?"„Ja", sagte das Betriebsratsmitglied,„den Arsch haben Sie mir gezeigt." Wenn der Betriebsleiter dem Betriebsrat derart gegen- übertritt, kann man sich vorstellen, wie er die übrigen Arbeiter be- handelt. Die Arbeiterschaft wird sich eine solche Behandlung nicht lange gefallen lassen. Sie wird aber auch hofsenllich die Lehre daraus ziehen, sich restlos ihrer Gewelkschaft anzuschließen. Die Arbeiterschast wird ersucht, in der nächsten Zusammenkunft der Gewerkschaftsmitglieder der Firma Schulze, morgen, Mon- tag, bei Mecklenburg in der Ravenestr. b, all« Fälle bekanntzugeben. in denen sie ungerecht und verletzend behandelt wurden, damit für Abhilfe gesorgt werden kann. Rechtmäßige Berufsbezeichnung. Eine Zittauer Firma suchte im„Automarkt durch Inserat einen langjährigen Spezialisten in der Motoren schlosserei. Ein in Wilhelmshaven wohnender Arbeiter bewarb sich mit einer Karte um die Stellung. Er teilte mit. daß er Motorenschlos- s e r sei. Der Arbeiter reiste auf die Zusag«, daß er ,zum Tarif- lohn eingestellt werde, nach Zittau, um die angebotene Stelle anzutreten. Als die Firma aus den Zeugnissen ersah, daß der Mann als Kupferschmied gelernt hat, dann aber mehrere Jahre als Motorenschlosser tätig war, stellte sie ihn nicht ein, weil ste getäuscht worden sei, denn der Arbeiter sei kein Spezialist. Das Arbeitsgericht Zittau, das sich mit der Zlnge- legenheit zu beschäftigen hatte, stellte durch einen Sachverstän- d i g e n fest, daß der Arbeiter berechtigt war, sich als Motorenschlosser zu bewerben. Wer sich e m p o r g e- arbeitet habe, müsse auch die Möglichkeit besitzen, leine Arbeitskraft entsprechend ,zu verwerten. Es sei nicht ,zu entscheiden, ob die Fähigkeiten zu dem Beruf ausreichten. Das Arbeite-gericht erkannte, daß die Firma, nachdem sie dem Arbeiter die Stell« schriftlich zusagte, mst ihm ein Vertrags- Verhältnis abschloß. Obwohl der Arbester sich nur als Motorenschlosser, nicht aber als Spezialist beworben habe. sei er von der Firma dennoch engagiert worden. Dein Kläger wurde deshalb der Anspruch aus Lohn für 14 Tage, Fahrgeld und Auslagen zugestanden. Dem Urteil Berufungssähigkeit zu geben, wie die Firma beantragte, lehnte das Gericht ab. Oer Tarifverirag lm Versicherungsgewerbe. Der Zcntralverband der Ange st eilten hielt am 8. und 9. Dezember 1927 in Würzburg eine Tagung seiner Rcichsfachgruppe der Bersicherungsange st eilten ab. Die Reichskonferenz erklärte nach Entgegennahme des Geschäftsberichts ihre Zufriedenheit mit der bisherigen Jnteressenvek- tretung durch den Zentralverband der Angestellten und sprach der Reichsgruppenleitung erneut das Tertrauen aus. Nach einein Vortrag über die wirtschaftliche Lage des Versichern ngsgewer des wurde beschlossen, beim Arbeit- geberoerband deutscher Versicherungsuntcrnchimmgen den Reichs- tarifvertrag zu kündigen. Es soll sowohl eine V er- b es s er u n g der bisherigen Gehalissätze als auch eine solche des M a n t e l t a r i f s verlangt werden. Auf der Reickislonferenz war auch der ö st e r r e i ch i s ch e B e r» ein der Bersicherungsange st eilten vertreten, und zwar durch die Kollegen R e m e c, Dr. Folter und V a s o l l i aus Wien. Die Konferenz sprach den österreichischen Kollegen ihre Sympathie in ihrem harten Kampfe um eine Verbesserung des Dienstoertragcs aus. Di« von bestem Geist getragene Tagung wurde mit einem Hoch auf den Zentralverband der Angestellten geschlossen. üeran'merüick für Politik Dr Kurt Gcqeri Wirtschaft:®. Al>aa«II>oscr: Gcwcrkschaftobcwogung: Fr. Exior»! Feuilleton! Zt. L. Tiischer; totales und couftiges; Fritz Karstädi: Ä»»eigen: TI>. Elocke: sämtlich in Berlin Lerlaa: Borwärls-Beriag GmbH.. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckere« und BerlaasanstaU Paul Binger» Co Berlin TW KS. Üind-nstroK- 3 Hierzu 5 Beilagen, �luterdaltung und Wissen",.Au» der Film- Welt" uud .Blick in die BLchcrwelt". DAS KAIWHAVS IM ZENTRUM DAS ZCNITRDN ms«NKAIIff's Tischtücher mit Hohlnuh». halbleinen Jacquard, 130/160 O.05 130/130 4.9«) Servietten passend 80/60 1,05 38/38 0.45 Kaffeegedeck weiß Jacquard, mit farbigenKanten '«3.95 11°� 9.90 Einzelne Teedecken weiß, halbleln., Jactiuard, buntkant.. 1 60/223 1 0.00 160/160 6.95 Frottierhandtuch weißbunt gemustert 60/II0cral.25 48* 103 0.95 Stuben handtucll Jacquard Halbleln.-f•!(r RMnlein,"! 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In den Musikalien- Geschäften stehen schon die ach sa beliebten Weihnachts„choratter- stucke", in den Zeitungsannonce! taucht immer häufiger das Wort ..Weihnachtsverkauf" auf, die au cherzen sprechende sfigur des lieben Weihnachtsmannes erscheint in den Schaufenstern, um, je nach der Branche, wollene Unteru�Zsche oder französisches Parfüm für den Weihnachtstisch zu osser�rcn und schon stehen in einigen Geschäften die Aartons mit dei� leuchtenden, silbernen und g o l- denen Glas tu ach ln, den Weihnochtsglocken und dem anderen Christbaumschmuck� Mit glänzenden Augen stehen die Kinder vor diesen cherrlichsi/ten und malen sich Bilder von dem Wunderland, aus dein diese Schätz« kommen. Wenn sie wüßten, wieviel Elend dieser bunle� glitzernde Weihnachtsbaumschmuck schon gesehen Hot. Wie sie leben nnb arbeiten. choH.'droben im Thüringer Wold liegen die Dörfer der Ehrist- baumslKmuckmacher, Lauscha. Ernstlhal o. Rennsteig, Steinheid und lhasel�tich. Lauscha ist der chouptort: hier ist die Glasiudustrie seit dem sechzehnten Jahrhundert nachzuweisen, ein Schwabe und ein Böhme haben die erste Gläsbütte errichtet, noch bis 19l>Z war sie in Lqujcha erhalten. In diesen Glosbülten werden die Glosstangen fab�ziert, die das Rohmaterial des Ebristbaumsthmuckarlnüters. sind: tot Fertigstellung des Ehristbaumschmucks erfolgt ausschließlich j» Heimarbeit. Zwei Dinge bilden den ganzen Besitz des Ehrist. !»aumschmuckarbeiterst Sein Blastisch und ein Häuschen Kinder. Der Blastisch ist immer sein Eigentum, er• arbeitet mit eigenem .Handwerkszeug, und da er das Rohmaterial seiner'Arbeit aus der Glashüste kaust, wird er von der Steuerbehörde, die sich so liebe- »oll gerade der kleinsten Steuerzahler annimmt, als..selbstän- .diger Gewerbetreibender" gcrechireti man hat ihn sogar in eine Zwangsinnung gesperrt, er ist nun dem Namen noch ..Handwerker" und hat das Vergnügen, neben den Beiträgen ,zur Zwang-innung auch noch den Beilrag zur Handwerkskammer hu zahlen. Außerdem zahl! der Glasbläser Gewerbesteuer, Umsah- isteuer, Einkommensteuer, d h. er soll sie zahlen. Manchmal ist ihm das aber beim besten Willen nicht möglich, und dann holt der tsscrichlsvollzieher das reptäseniabelste Möbelstück aus der ärmlichen Wohnung oder versteigert ihm das Häuschen, wenn er zu den glück- k ichen.,Hous"b«sitzern zählt. Es erscheint wie eine Groteske, daß die Steuerbehörde hier, wo dos größte Heimarbeiterelend herrscht, immer noch selbständige Gewerbetreibende und Handwerker sehen will. Mann. Arau und alle Kinder, bis herunter zum vierjährigen Purzel, müssen arbeiten, wenn die Familie auch nur einigermaßen gegen Hunger geschützt sein soll: wollte der Christbaumschmuck- arbeiter allein arbeiten, so würde er bei zehnstündiger tag- lichcr Arbeitszeit AbisZäM. inderWoche verdienen. Darum ist eine zahlreiche Familie in dieser Branche durchaus geschätzt. Der Mann arbeitet am Blastisch als Aufbläser. lieber einer Glasilamme, der durch einen fußbetncbenen Blasebalg Luft zugeführt wird, erhitzt er das Glas, bis es genügend weich und verarbeitungsfähig ist und formt dann entweder mit Form- zange» oder freiblassnd die gewünschte Figur. Dann werden die Artikel..verspiegelt". In die Kugeln. Früchte wird eine Lösung von Silber, Milchzucker und Aetztali eingefüllt: haben sie den gewünsch- ten Silberglnnz angenommen, so werden sie zum Trockenen ausge spießt. Berspiegeln ist meist die Arbeit der Frau. Dann werden die Artikel noch heinalt, die Spieße abgeschnitten und die Kappen und Oese» befestigt: das ist alles.Kinderarbeit, und .Kinderhände besorgen auch das Verpacken der fertigen Sachen in die Dutzenkartons, in denen sie, sorglich in Watte gehüllt, dann ou? allen Schaufenstern juwelcirgleich leuchten. Mit solcher Arbeits. lcilung kann die fünfköpfige Familie noch 40 M.. und wenn die Kinder größer und recht geschickt sind, auch 50 M. verdienen. Dabei darf ober die Frau keinen Augenblick oon ihrer Arbeit sortgehen: die Chriftbnumichmiickarbeit ist Saisoninduskric, bei einer Nichtinne- Haltung des Liefertermins wird die War« beim Kaufmann nicht abgenommen. Ist das Fest vorbei, begiimen für den Ehristboum- fchmiickorbeiicr die Hiingerwnchen, in denen jede Arbeit schlt, bis das Geschäft dann im April langsam wieder einsetzt. Selbsthilfe. Bei diesen wirtschostlichen Verhältnisse» läßt es sich sticht be greifen, wie außerordentlich schwer es ist, die Glas heim- arbeiter gewerlschnftlich und genossenschaftlich zu organisieren. Sie sind ohnehin mit allen möglichen Zwongsab- gaben und Steuern geplagt, und sind wirklich einige Groschen übrig, dann sucht man sich einen Bcrein aus, der irgendetwas an Zer. streuung und Untei Haltung versprich». Ein großer Teil hat oll« politischen oder gewerkschostli'chen Bestrebungen znr Besserung seiner Lag« völlig ausgegelxzn und sieht sein Heil darin, dem Verleger mit den neuesten Mustern und den billigsten Kalkulationen dienen zu können So enksiehen, geboren aus Rot und Sorge um das tägliche Brot, all die hübjcyen, neuen und aktnellcn Spielzeuge und Schmuck- arlikel, die dann dem Weihnachtsbaum die moderne Note geben: Leuchtende Tropensalter mit gläsernen Flügeln. Zeppelinlustschiiie. Kometen uod.' Flugzeuge— immer anknüpfend an das okluellst« Ereignis der vergangenen Jahre. Schau lange streben die Heim- arbeiter danach, daß endlich Vetriebsiverkstäkten eingerichtet werden sollen, sie wollen los von der technisch rückständigen, ungesunden Heimarbeit. Die Mieten auch für die elendesten Wohnungen sind verhältnismäßig hoch, denn dos Gesetz gestattet es den Vermietern, bei den Heimarbeiterwohnungen Sondcrauf- schlüge für die erhöhte Abnützung zu erheben, und von dieser Er- laubnis wird allenthalben und reichlich Gebrauch gemacht. Die Arbeiter sehen auch ein, daß nur die Errichtung von Betriebswerk- stätten der Kinderarbeit wirklich ein Ende machen kann, dieser Kinderarbeit, die jetzt die Gesundheit und das Leben der Heimarbeiterkinder frißt. Der Arbeilsraum ist durchweg gleich- zeitig Wohn, und Schlafraum. die Mutter ist auch an die Arbeit für die Weihnachtssreude der anderen gefesselt, und die Kinder or- beiten in der Saison lechs bis acht �stunden. Was da für ein Menichenmoterial heranwächst, ist jammeivoll, und die Tuberkulose ist ein nur zu häusiger Gast in den Glasbläsersamilten. Zwei Betten für vier Personen ist säst das Normale, Kranke und Gesunde schlafen im gleichen Bett. Die GlaSblasef-Genossenschast. Eine kleine Gruppe aber gibt es, die es verstanden Hot, das Problem der Selbsthilfe am richtigen Ende anzupacken: Das ist die ..Glasbläser-GenossenschasI des Meininger Oberlandes, Sitz Ernst- lhal a. Rennsteig". Sie besteht seit 1907 Und' es gehören ihr jetzt 85 Christbaumschmuckmacher an. Können sie auch von der Gc- nossenschoft infolge des Saisoncharakters der Industrie nicht das ganze Jahr hindurch beschäftigt werden, so bekommen sie doch recht viel Arbeit von der Genossenschost, und bekonnnen nicht nur den üblichen Arbeitslohn, sondern am Jahresschluß auch ihren Anteil am Reingewinn der Genossenschaft und stehen dann der toten Zeit nicht ganz ungerüstet gegenüber. So stehen sie sich besser, als olle anderen Ehristbainnschmuckmachei'., Der beste Abnehmer der Klasbläserpenossen- schaft ist die Großeintaus Sgcfellschaft Deutscher K o ii s u m v e r e i q e in Hamburg, die die Austräge der ein- zclnen Konsumvereine aus Ehristbaumschmuck entgegennimmt und weitervermittelt. Leider ist in der arbeilenden Bevölkerung der Sinn für diese gegenseitige Hilfe noch recht wenig eickwickelt, cz gibt noch viele.Konsiinmereine, die keinen Christbaumschmuck br- ziehe» resp. deren Mitglieder nicht daraus achten, daß der Ehrist- "V v-X"/\ OfH I � P ;•?(3:J Die ganze Familie arbeitet bauwschmuck auch direkt von der Genossentchost unter Ausschaltung jedes, aiisdeuterischen Zwischen Handels, bezogen wird. Wenn sich die Mitglieder der Konsuinoereine eickschließen, den Gewinn nicht irgendeinem Unternehmer, sondern ihren Arbeits- und Klassengenasse» direkt zuzuführen, dann können die Ernstthaler Glasbläser noch viele Postklstchen bis Weihnachten loswerden. Und ihre.Kinder, die so oft gemütvoll geschilderten„kleinen Heiser des Christkindes", werden in den Monaten nach dem Fest nicht ganz soviel Hunger leiden als ihre kleinen Gefährten, deren Väter nicht in der Ge- nosienschaft sind und die in den Wachen vor dem Fest bis in die Nacht hinein für anderer Kinder WeihnachtsgliitT gearbeitet halten. 61] �Zement. fXoman von Fjodor Gladtow. Ms Kulturmensch kannte er die Nacht bei elektrischer Beleuchtung, und die Berge und der Sternenhimmel schienen ihm ebenso nah und verständlich wie die steinernen Häuser und die Parkanlagen. Am Tage war das Gewehr nicht schwer, jetzt aber schien es an die Erde anzuwachsen. Ein Feuervogel fiel und schlug auf der Erde um sich, flammte wie ein Feuerfächer auf, erlosch, und der Nebel wurde fett und dicht und zitterte und bebte an Stelle des Feuers. Und die roten Sterne und die brennenden Vögel flogen immer wieder in den Bergen und in den Schluchten hin und her und waren fern und nah. Gljeb legte feine Hand auf Sergeijs Schulter. „Man muß ihn fangen, in drei Teufels Namen... er schreit einfach nach der Kugel... „Ja, und er ist in nächster Nähe. Da ist er, der dort das englische Puloer verbrennt. Siehst du? Er weiß doch zweifellos, daß wir hier find, und fürchtet sich gar nicht, erschossen zu werden. Uebrigens haben wir uns verspätet, Genosse Tschumalow: er hat seine Sache schon gemacht. Siehst du, jetzt ist es schon erloschen. Er wird nichts riskieren." Gljeb zündete ruhig seine Pfeife an und sah auf die irrenden Lichter in den Bergen. „Wenn er nicht glauben würde, daß wir— du und ich — Dummköpfe und Feiglinge sind, würde er nicht hier vor unserer Nase herumtanzen. Er wird sicher noch längere Zeit hier herumspielen. Wirst schon sehen." Sergeij sah die Landstraße entlang. Sie rauchte vor Staub und erlosch im Dunkeln. Dort, wo die Straße nicht mehr sichtbar war, stand wie eine Wolke ein riesengroßer Baum mit westausgebreiteten Aesten. Und es schien Sergeij, daß m seinen Zweigen ein Zündholz aufflammte und sich nicht entzünden konnte. „Ueberall Feinde, Gljeb.... Ist das ein Wunder, wenn sie auch hier zwischen uns sind?" Dort hinter dem Walde ist der Bahnhof. Aber auch dort war es still und nur die Nacht keuchte wie ein Tier und kaute die kck>läfrige Stille. Unweit, auf der Landstraße, knarrte und klirrte ein Wagen mit seinen Rädern. Das alles ist— Unsinn. Das Wichtigste ist— die Arbeit, die mit so einer Begeisterung begonnen hatte und wie durch einen Sturmwind hinweggefegt wurde. Der Bremsberg ist zerstört und die Laufkörbe wälzen sich wieder zwischen Steinen und Sträuchern herum, wie in jenen Tagen, da Gljeb, mit tiefer Trauer in der Seele, über den rostigen Schutt gegangen ist. Wieder stehen die Dieselmotore still, wieder sind die Werkbauten leer und kalt. Wieder— Müßiggang und Finsternis. Evakuierung der Flüchtlinge, Hunger, Ent- behrungen, Kampfzustand. Wieder das Gewehr in der Hand, wieder... vielleicht Schützengräben, Märsche, Ruß und Schmutz des Pulverrauches— und nicht des Feuers der Arbeit. Ist er denn stark genug, um für die Organisierung der Kräfte an der Arbeitsfront zu kämpfen, wenn alles, von den Maschinen angefangen, bis zum letzten Nagel, zerstört, aus- geplündert und verrostet ist: wenn kein Heizmaterial zu bekommen ist, kein Brot: keine Transportmöglichkeit existiert und die Waggons sich auf dem Gleise wie Berge von Gräbern türmen und in den Häfen keine Schiffe rauchen. Hatte der Vorsitzende des Exekutivkomitees, Baojin, nicht recht, als er ihn wie einen Dummkopf ansah, der selber nicht weiß, was er anfängt. Ein Vorwitziger. Ein Tollkopf. Ein Schwätzer. Man ist noch nicht in der Lage, selbst das Kleinste in den Händen festzuhalten... noch immer bedroht der Feind die Existenz der Arbeitermacht— wie kann man also Pläne zur Wiederaufrichtung der Fabriken und Werke machen? Kann man denn jetzt daran denken, jetzt, wenn die Menschen zu diesen kleinen Hungerrationen verurteilt sind und kraft- und widerstandslos die Schwere eines Arbeitstages nicht aushalten können? Wozu produzieren, wenn das wirtschaftliche Leben der Republik auf Jahre hinaus gelähmt ist und das Land vor Hunger und Verwilderung stirbt? Wieder flammte eine Fackel mit ihren brennenden Haaren auf. ober sie war weiter entfernt und höher. Sträucher und Felsen glühten und schienen lebendig zu werdeiz. Feurige Fledermäuse flogen in den Bergen herum. Hinter der Stadt explodierten Geschosse in rotem und grellem Aufblitzen in der nebligen Trübe des Himmels. „Ich habe es dir ja gesagt. Serjoscha... schau nur hin: wieder einmal spuken die Höllenteufel." „Das ist sehr gut. So eine Illumination habe ich noch nie gesehen. Es schaut beinahe aus, als ob wir von allen Seiten eingekreist wären." ,�)a, wir find wie in einem Sack, oerflucht und verdammt I Man könnte zum Himmel springen!" „In diesen nächtlichen Stunden. Genosse Tschumalow, denke ich an die Zukunft. Unsere Kinder werden uns als große Helden darstellen und werden Legenden über uns schaffen Und sogar unseren Alltag und den erzwungenen Müßiggang in der Produktion und diese unsere nächtliche Wache werden sie potenzieren— wie man es in der Mathe- matik nennt. Alles dies wird sich in ihrer Phantasie als Epoche heldenhafter Taten und titanischer Geschehnisse wider- spiegeln. Und wir— du und ich— wir kleinen Stäubchen in einer ungeheuren Masse, werden ihnen als Riesen er- scheinen. Die Vergangenheit wird immer verallgemeinert und potenziert,«ie werden sich nicht an unsere Fehler, Grausamkeiten, Unzulänglichkeiten, Schwächen, an unsere einfachen menschlichen Leiden und verfluchten Probleme er- innern. Sie werden sagen: das sind Menschen, die oon Kraft durchtränkt waren und keine Hindernisse kannten. Das sind Menschen, denen es bestimmt war, die ganze Welt zu er- oben,. Und sie werden zu unseren Gräbern pilgern wie zu Leuchttürmen, die nie erlöschen. Und wenn ich daran denke, so schäme ich mich ein wenig und freue mich dieser Ben antwortung, die wir der ganzen Menschheit gegenüber tragen. Mich drückt die Zukunft, Tschumalow: unsere Unsterblichkeit ist eine zu schwere Bürde." „Und wenn: das ist nicht wichtig. Was sein wird, wird eben sein— die Geschichte geht ihren Gang. Was mich interessiert, ist, wie wir die Arbeit fortsetzen werden, in drei Teufels Namen. Mit wieviel Mühe haben wir den Brems- berg zusammengeleimt und diese Schufte haben ihn zerstört. Wieder einmal müssen wir alles von vorne beginnen. Ich dachte, wir werden jetzt bald das Wert in Betrieb setzen können— und nun kommt dieses Räubergesindel.... Stören uns in unserer Arbeit... diese Ungeheuer. Das ist ekelhaft." „Du denkst zu einfach, Tschumalow. Dein Hirn ist wie aus Ziegel schön säuberlich zusammengelegt. Und bei mir sind die Zellen im Hirn wie Vögel im Käfig." „Was du für einen Schädel hast, Serjoscha!... Er ist nicht gut, so ein Hirn zu haben.... Es lärmt, das ver- fluchte.... Wenn man es aber nicht hat, ist's auch schlecht." In uferloser Tiefe gähnte die Nacht und der Nebel flammte in unheilvollem Feuer auf. Und diese unruhig wie Eulen fliegenden Feuer und die elektrischen Entladungen des Wetterleuchtens in den Wolken waren geheimnisvoll und unheimlich. Die große Stunde näherte sich. Dort, hinter den Bergen, wohin die feurigen Messer der Raketen flogen, in den engen Schluchten nistete das noch nicht erschlagene Tier. Es bewegte sich unsichtbar hierher, von den Kosaken- siedlungen aus, und die bärtigen, alten Kosaken stürmen in Horden, mit Zähnen, die sie wie Menschenfresier fletschen, mst lautem Gebrüll und Säbeln, die von Blut glänzen. Wie Heuschrecken werden sie alle Siedlungen überschwemmen. Mir Rauch und Blut werden die Aufstände der reichen Kosaken die Felder, das Schilf, die Berge und die Steppen überfluten.(Fortsetzung folgt.) Großbrand in der Tauenhienstraße. Vier Feuerwehrleute schwer verletzt. Im Dachsluhl de» vorderhause» laoeatzieaflr. 20 Eck« Pafsauer Strohe entstand gestern nachmittag Feuer, da» sich In Birnau» kurzer Zeit von einem unscheinbaren vodenluand zu einem Grohseuer entwickelte. Die Flammen sprangen aus da» an- grenzende Quergeböude und den Setteaslügel über, die in einer Ausdehnung von etwa 40 Metern bald ein einziges Flammen- mee bildeten. Sechs Löschzüge waren unter Leitung des Ober- branddirektor» Gempp, mehrerer vranddlrettore« und VaurSle mit der Vekämpsung de» Feuer» stundenlang beschäftigt. Leider ereignete sich inmitten der schwierigen Löscharbeiten ein bedauerlicher Unsall. vier Feuerwehrteute wurden von hervorschieszenden Stich. flammen ersohl und erlitten schwer« Vraadwnnden. Folgende Einzelheiten werden hierzu mitgeteilt: Das Grundstück T a u e n n i» n st r. AI. das neden einigen Geschäftsräumen auch zahlreich, Wohnungen enthält, zieht sich bis zur Passauer Straße heruin Sei» einiger Zeit sind Handwerker im Hause Tauenßienstr. 20 mit Umbauarbeiten beschäftigt und die söge- nannte„Leiser-ES?" ist mit einem hohen Baugerüst umgeben, dos bis zum zweiten Stockwerk hinausreicht. Aus dem verhältnismäßig kleinen Hos des umfangreichen Grundstückes lagern größer, Mengen Bau, und Rüstmaterialien. Gegen%U Uhr bemerkten Straßen» Passanten, wie aus den Bodenluken im Abschnitt der Passauer Straße dichte Rauchwolken hervorquollen. Die Feuerwehr wurde alarmiert und rückte zunächst mit zwei Löschzügen unter Leitung des Daurats Scheele an. Das Feuer, dos an Boden- gerümpel und Altpapiervorrälen, die in großen Msngen in einigen Bodenkammern lagerten, mir ollzureich, Nahrung fand, hatte In» zwischen eine ungeahnte Ausdehnung angenommen. Es wurde sofort Äroßfeueralarm an die Hauptwach« in der Lindenstraß« weiter- gegeben. Kurz nacheinander fräsen an der Brandstätte vier weitere Löschzüge zur Hilseleistung ein. Mit vereinten Kräften wurde das Feuermeer mit neun Schlauchleitungen starken Kalkbers über zwei mechanische Leitern, die in der Pasiauer Straß» hoch. gewunden wurden, und über die völlig oerqualmten Treppenhäuser angegriffen. Ungeheure Wossermengen wurden in die meterhoch schlagenden Flammen geschleudert. Gleich beim ersten An» griff ereignete sich auch der verhängnisvoll« Unsall, bei den vier Feuerwehrleute schwere Brandwunden am Kops und an den Händen erlitten. Ein nach oben vordringender Trupp mit dem Brandmeister Heinrichs und den Feuerwehrleuten Geppert, Günzel und W a r z i n i a k von der Rankewache wurden beim Ausschlagen der Bodenlür von gewaltigen Sllchjlammen erfaßt. Alle vier erlitten schwere Brandwunden, konnten jedoch von nachrückenden Kameraden rechtzeitig geborgen und Ins Freie gelragen werden. Die Ver» letzungen waren|o schwerer Natur, daß die Verunglückten in das Wilmersdorfer Krankenhau, in der Achenbachstraße übergelTihrt werden mußten.— Die Löscharbeiten wurden Indes mit oller Energie betrieben und erst nach etwa zweistündigem Wasier» geben war die Hauptgefahr beseitigt. Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein. Als die Löscharbeiten noch voll im Gange waren, platzte In der vierten Etage unbemerkt ein Hauptwasserrohr. Gewaltige wossermengen ergossen. sich in die tieferlieoenden Stockwerke, bis hinab zum Cdgcschoß und j richteten erhebliche L.erwüstungen an. Gegen 16 Uhr war das Feuer j dann ganz aus seinen Herd beschränkt und die Aufräumungsarbeiten i konnten begonnen werden. Bis in die späten Abendstunden hinein waren die Feuerwehrbeamten mit dem Hinabwersen der Schutt» Massen beschäftigt, die Haid den ganzen Hof in einer Höhe von einem Meter bedeckten. Das Dachgestllhl ist völlig niederge» b rannt. An mehreren Stellen sind die Decken zum vierten Stockwerk von den Flammen zerstört worden. Als ein Glücks. umstand ist es noch zu bezeichnen, daß es den Anstrengungen der Feuerwehr gelungen ist, den Dachstuhl nach der Front Tauentzlen» straße vor der Einäscherung zu bewahren.— Die von der Feuerwehr im Verein mit der Kriminalpolizei vorgenommene Untersuchung über die Cntstehungsursache hatte noch kein Ergebnis. Der Schaden ist, wie uns mitgeteilt wird, durch Versicherung voll gedeckt. Das Feuer hatte in der belebten Geschäftsgegend eine große Menschenmenge angelockt, die die Augangsstraßen dicht besetzt weit. Ein Schupoaufgebot rückte an und nahm umfangreiche Ab, sperrungen vor. Der gesamte Auto- und Fuhrwerksverkehr mußte bis um IS, 30 Uhr durch die Marburger und Augsburger Straße umgeleitet werden.__ Das Attentat auf den Droschtenführer. Wie wir seinerzeit mitteilten, wurde in der Nacht zum S. No» v«mber ein 26 Jahre alter Chauffeur Alfred Hart mann von einem unbekannten Mann, der ihn an der zweiten Heerstraßen- brücke.zu einer Fahrt nach Staaken annahm, niedergeschossen. Die Kriminalpoli.zei sah sich einmal gründlich alle die Leute an. die wegen Diebereien in den Laubenkolomen jener Gegend festgenommen wor- den sind. Dabei stieß sie aus einen 30 Jahre alten früheren Chans- feur Alfred Schultz, der augenblicklich wegen eines Laubenein- bruchs im Amtsgerichtsgeiängnis in Spa,U>au in Untersuchung?- hast sitzt. Am Sonntag, dem 6. November, überrascht« ihn ein Laubenbesitzer morgens in seiner Laube, als er mit mehreren Sachen verschwinden wollte und übergab ihn der Polizei. Durch Bc- kastungsmaterial in die Enge getrieben, legt» er nach einem langen Verhör gestern endlich ein Geständnis ab. Eine Waise hatte man bei seiner Festnahm» bei ihm nicht gefunden. Wie er sagt, hatte Schultz am S. November eine früher gestohlene Jacke in der Münzstraße für 5 M. verkauft und für den Erlös einen Revolver angefchasst mil der Absicht, s i ch z u e r s ch i e ß e n. Als er aus dem Wege nach der Kolonie„Folkenhühe", in der er wieder übernachten wollte, eine Kraftdroschke aus einer Nebenstraße auf die Heerstrahe einbiegen sah, rief er sie an, um wenigstens bis Staaken zu fahren. Er vereinbarte mit dem Führer, es war Hartwann, den Fahrpreis und fuhr ab. Unterwegs kam ihm der Gedanke, wie er wohl aus dein Wagen kommen könnte, ohne das Fahrgeld zu bezahlen. Bei diesen Erwägungen kam er, immer seiner Behaupttmg nach. zu dem Entschluß, den Chausseur nicht zu töten, sondern nur durch Oer Kampf gegen die Gesundbeter. Geeist die Landeskriminalstelle ein? Heber den tragischen Tod der beiden Kinder des Obersteuer- sekretärs Paul in Werder gehen uns weiterhin Einzelheiten zu. die uns oeranlassen, die Angelegenheit nicht aus sich beruhen zu lasien. Infolge der Erregung, die dieser besonders krasse Fall in der Oeffenl- lichkeit hervarries, haben polizeiliche Ermittlungen ein- gesetzt, die freilich mit nicht besonderer Gründlichkeit geführt zu sein scheinen. Man hat außerordentlich rasch gearbeitet: Denn schon am Mittwoch erklärte der Bürgermeister von Werder, Dr. Dietzel. In der Stadtverordnetensitzung, daß die„eingehenden Vernehmungen nicht da» geringste über die Schuld der Ellern erwiesen" hätten. Diese Erklärung erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Ermitt- lungen kaum angefangen hatten I Der Stadtverordnete Dr. Pohlkötter freilich nahm als Arzt zu der Angelegenheit Stellung und betont«, daß der Tod der beiden Kinder deutlich zeige,' welche große Verantwortung Eltern und Erzieher auf sich laden, wenn sie nicht rechtzestig»inen jlrzt herbeirufen. Dr. Pohlkötter, der selbst Mediziner ist. mutzt» bedauernd feststellen, daß ein großer Teil der Bevölkerung, und die» trifft gerade auf die P o t s- domer Gegend zu, noch immer von Aberglauben erfüllt ist, dem gegenüber alle oernünlfigen Beweisführungen abprallen. Interessant ist, daß der Bürgermeister von Werder schon am 7. Dezember die polizeilichen Unterluchungen als abgeschlosien be- zeichnete, während die gustizprellcstelle Berlin noch zwei Tage später meldete:„Die Ermittlungen der Polizei in Werder und des zuständigen Kreisärzte» sind noch nicht abgeschlosien." Es ist ja nicht der F a l l Paul allein, der uns gegen die unter den verschiedensten Namen auftauchenden Kurpfuschersekten vorliegt. Dauernd erhalten wir Zuschriften, die un» die verderbliche Tätigkeft dieser„Brüder und Schwestern" bestätigen. So schreibt un»«in technischer Obersekretär S.. er Hobe mit großer Genugtuung gesehen, daß wir ohne Rücksicht gegen den Unfug der Weißen- b» r g«? ankämpfen. Er selbst gehört zu den Geschädigten, und er überreicht un»«inen Bericht, den er in der„Zeitschrift für Voltsaufklärung gegen Kurpsuscherei und Hellmittelschwindel" ver- össentkichen ließ. Seine Frau geriet im Jahre W24 unter den Bann des Schwindlers Weißenberg. Bis dahin zwar etwas leicht erreg- bar— wie all» Menschen, die van religiösem Fanotismus befallen werden—. doch sonst heit-r und lebenslustig, wandte sie sich plötzlich van allen ihren bisherigen Interessen ab. Ihr Irrglaube, daß Weißenberg der verkörperte heilige Geist wäre, veranlaßt» ss«. Ehe« galten und Töchter mit ständigen Aufforderungen zum Eintritt in die Sekte zu verfolgen, viel schlimmer ober war, daß sse aus il>»-m religiösen Irrwahn heraus bald Geister sah und am helllchteu Tage Geschöpf« ml» hundsköpfen ,u erblicken glaubte. 1025 brachte S. seine Frau noch einem Kurort, wohin ste aber erst mitkam, nach- dem Weißenberg dies erlaubt hatte. Auch von dort aus verkehrte sie dauernd brieflich mit den„Brüdern und Schwestern". Nach Berlin zurückgekehrt, benahm sie sich immer toller und ließ sich in ihrem religiösen Wahnwitz zu unglaublichen Züchtigungen ihrer siebzehnjährigen Tochter verleiten. Schließ- lich mußte sie in eine geschlossen« Anstalt gebracht werden. Als ste diese mit Erlaubnis des Mannes verließ, fuhr sie sofort wieder zu Weihenberg und seinen Anhängern, die sie zur Einreichung einer Ehescheidungsklage oeranlaßten. Religiöser Irrwahn zer. störte so»ine Fniniti«! In unserer Nunimer vom 7. Dezember abends brachten wir eine „Berichtigung" der Weißenberger, nach der es„unwahr ist, daß Herr Weißenberg die Lehre verbreitet, irgendein Mensch könne einen Toten zum Leben erwecken". Uns lieqt das Protokoll eine» Vortrags vor, den e>n Professor K a r p i n s k i, ein Anhänger der Weißenbergrr, in den Hohenzollern-Festsälen am 21. Marz 1027 gehalten hat. Danach hat Herr Weißenberg„sieben- mal Tote erweckt", und Herr Karpinski kennt persönlich drei von diesen Fällen. Daß es sich hierbei um glatten Mumpitz handest, ist ja klar. Ebenso klar ist aber auch, was man von Weißcnberger- schen„Berichtigungen" zu halten hat. Wir erheben die Forderung, daß endlich einmal gegen die Um- triebe der Gesundbeter und Kurpfuscher, mögen sie sich nun„Christ- lich« Wissenschaft" oder„Evangelisch-Johannische Kirche" nennen. mit allerEnergi« eingeschritten wird. Der Fall Paul vor allem bedarf dringend der Aufklärung. Der Erst« Staatsanwalt in Potsdam als Bearbeiter der Angelsgenheit wartet« noch am Freitag auf dys Ergebnis des Ermitttungsoerfahrens in Werder. das nach Angabe des Werderschen Bürgermeisters schon am Danners- tag abgeschlossen war. Man scheint in Werder groß« A n g st zu haben, den Ruf der„Blütenstadt" zu schädigen, wenn die Dinge, so wie sie sich tatsächlich abgespielt haben, bekannt werden Wer „ermittelt" denn eigentlich in Werder? Ei» Oberwachtmelster und ein weiterer Polizeibeamterl Die Ding« siegen zu ernst, als daß dies genügen könnte. Wir fordern deshalb, daß die zustöndiqen Stellen de» preußischen ZNinisteriums de» Innern unter allen Um- ständen ersahrene Beamte der Landeekriminalpolizei nach Werder enlsenden, die zuerst einmal den Heilmagnetiseur Artur Liszt, dessen Adresse wir bekanntgaben, und die E'lern der verstorbenen Kinder aus da» genaueste vernehmen. Die kriminalistische Erfahrung der beiden gewiß ehrenwerten Werderschen Polizisten genügt hier nicht. Die gebotene staatliche Rücksichtnahm« auf das körperliche und geistige Wohlergehen der Bevölkerung oerlangt, daß durch die Übergeordneten Stellen eingegriffen und ein Beamter der Landeskriminal- Polizei nach Potsdam und Werder deordert wird. «inen Schuß zu verletzen und sich die Möqllchk-tt zu verschaften, zu verschwinden, ohne zu bezahlen. Kurz vor Staaken schob er das Fenster beiseite und feuerte, während der Wagen- sührer den Fahrpreis ablesen wollte. Er sprang sofort aus dem Wagen und eilte davon. Oer Meineidsprozeß Ohlerich. Landgenchtsdirekto« Steinhaus als Zeuge. Im Meiniidsprozeß gegen die Frauen O hl»rich und Mittendorl wurde mil besonderem Interesse der Vernehmung de» ersten Oplers der Frau Ohlerich, dez von ihr angestifteten und bereits zu l Jahr Zuchthaus verurteilten BSckenneisters Ahr«nt- gegengesehen Der Zeuge bieibt mit aller Bcst>mmchest dabei, daß seine Verurteilung za Recht erfolgt wäre. Ebenso bestimmt stellt er die Behauptung der Frau Ohlerich in Abrede, daß er aus Betreiben de» qcschisdenen Ehemannes der Frau Ohlerich sich als Werkzeug zur Befriedigung des Hasses geopfert habe, und unter einem falschen Geständnis ms Zuchthau» gegang-n fei. Ansang 1925 kam Frau Ohlerich nach Dernau upd sagte: „Herr Ahr. ich habe Sie und Ihre Frau ol» Zeugen angegeben, damit Sie in meinem Zivilstreit mit meinem geschiedenen Ehemann« aus- sagen, daß Sie vorübergehend drei Möbelstücke gekauft hätten." Der Zeug« hat sich erst geweigert, dann aber vor Gericht alles so g e- sagt, wie Frau Ohlerich es ihm einstudiert hatte. Der Zeuge betont«, daß er heute selbst nicht begreise, wie er das beschwören konnte. Als weiterer Zeuge wurde der 6Zjährige Präparator Reinhotd K ie b a ch vernommen, der ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht wurde, daß er be, verfänglichen Fragen, durch deren wahrheitsgemäß« Beantwortung er sich einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen könnte, die Aussage verweigcrn dürfe. Land» gerichtedireklor Schultz« ließ dann auch die Aussage diese» Zeugen asnau protokollieren. K. sagt aus, daß er Ahr bei einem Besuch. den er mit Frau Ohlerich, seiner Frau und der Zeugin Wilzopolfk tgogeu die auch ein Meineidsoerfahren schwebt) in Bernau machte, ten»eengelernt habe. Er weiß genau, daß es im Sommer 1924 war, denn im September wollte er selbst Geld von Frau Ohlerich haben, und da bedauerte sie, daß sie gerade erst Ahr Geld gegeben habe. Dem Zeugen wir immer wieder vorgehalten, daß durch ander« Zeugen bewiesen werden würde, daß diese Angabe falsch sei. Er blieb aber dabei. Auch Frau Kiebach hatte bei der Berneh- mung in ihrer Wohnung aufrechterhalten, daß Ahr schon im Sommer 1924 Frau Ohlench gekannt habe. Jv einem Zioilprozeß hatte dies« Zeugin aber vor einigen Monaten über denselben Punkt ihre Bus- sage verweigert. Es wurde weiterhin als Zeuge auch Land- gerichtsdirektor Steinhaus vernommen. Er war Borsitzender in dem Mietswucherprozetz gegen Frau Ohlerich, in dessen Berlauf Ahr in den Verzweiflungsruf ausbrach:„N och einen Meineid leiste ich nicht!" Im Gegensatz zu Frau Ohlerich habe Ahr einen guten Eindruck gemacht. Der Richter, der am Schluß der Atzung Ahr und Frau Ohlerich verhaftete, hatte das Gefühl, daß Ahr aus innerer Not die Wahrheit bekannte, während Frau Ohlerich das böse Gewissen aus der Stirn geschrieben stand Auch der eigene Verteidiger der Frau Ohlerich habe diese damals fallen lasten, weil er empfand, daß Frau Ohlerich ihn be» logen hätte. In später Abendstunde wurden die wetteren Berhand- hingen aus Montag vormittag vertagt. Die Tragödie einer Mutter. Den Abschluß einer unglücklichen Liebe bildete eine Tragödie, deren Abschluß gestern abend in der L i e b> tz st r a ß« entdeckt wurde. Als der Arbeiter Sch. gestern abend in seine Wohnung zurückkehrte, bemerkte er schon beim Aufschließen der Wohnungstür «inen starten Gasgeruch. In der Küche fand er in dem ganz mit Gas erfüllten Raum seine Geliebte, die geschiedene Frau Ä., und sein vierjähriges Kind bewußtlos auf Der Schlauch war vom Gaskocher entfernt worden Die alarmierte Feuerwehr tonnte keine Hilfe mehr br-ngen, und der hinzugezogene Arzt stellte den Tod fest, der bereits vor mehreren Stunden eingetreten sein mußte. Wie aus einem hinterlastenen Brief hervorgeht, hegte Frau K., die sich von Sch. in letzter Zeit vernachlässigt fühlt«, den Plan, ihrem Leben freiwillig ein Ende zu machen. Gestern, wahrscheinlich schon in den Vormittagsstunden, schritt sie zur Ausführung der Tat und nahm das Kind mtt in den Tod. Die Leichen wurden beschlog- nahmt._ Neubau der StadtbahuLbersührung Holzmarktftrahe Das die Holzmarttstraß« kreuzende Uebersülzrungsbauwerk der Stadtbahn soll baldigst durch einen Neubau ersetzt werden. Die Reichsbahnverwaltung hat diesen Neubau beschließen müssen, noch- U.:n vor einigen Monaten uMer der Last eines fahrenden Stadtdahn- zuges eine Beschädigung entsianden war. Als Ursache des Schadens. der selbstverständlich sofort durch Vcrlaschung einstweilen behoben wurde, wird sogenannt» Ermüdung des Material» angenommen. Di« Reichsbatznverwaitung hat beim Magistrat angefragt, ob die Stadt irgendwelche durch dieBerkehrsentwicklungge- boten« Wünsche für den Neubau hat. Der Magsstrot ist der ?lnsicht, daß In kurzer Zeit die Holzmarkt straße als eine Hauptousfallstraße nach dem Osten wird ausgebaut werden müssen. Er hält daher für nötig, daß die kommend« Straßen- enveitening berücksichtigt wird. Die Straße müßte b i» auf 34 Meter verbreitert werden, wobei das benachbarte Gas- anstaltsgrundstück in Anspruch zu nehmen wäre. Auch das Ueber- führungsbauwerk wäre darni dieser Straßenbreite anzupassen. Die für die Stadt entstehenden Kosten werden aus l Million Mark ver- anschlagt. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenversammlung um Zustimmung zv dem vorgelegten Straßenverbreiterungsentwurf. Men�cfiöbgab» vorbohalUnl In BaläBiscEien GescBienk-BiSKrlons: Oberbett-lnlett rot«i« rotr«« g*»trein._ ct. 130X200................... AK S41 Kissenbezug nit t*ngtnK»»- 1.28 Kissenbezug»,» kt-i-i»»»,» ud r»i°d t*.__ •tiekton Ecken, c* 80x30........... Bettlaken fvt«r ums. uoxm...... 3.60 Oarnast-Barnitur inm Kofiplaa et» Oberbett«oi»»et 1475 Hemdentuch-Coupon 10 Meter.......... 80 oa breit, X .......... 4.75 Frottierhandtuch»m«.»»««er s«bu.. 59 n Orellhandtuch velaleiae». zraitrot»eeirstkt Pt Gerstenkornhandtuch oitt JaeqnarCkante. fbfb 4t X 100.................... zfl/ Pt Handgestickte Sofakissen n*' st»«. � la dleer-M Aaattthrangaa.......... JI.D J Monopoldaunen-Oberbett«t odaniia. fall tr«t»e Inlett Indaaihienlarbif.....»"tl Steppdecke Satla dexpetaettte. ta dteerees-fAnt- Faritn................... Schlafdecke k*»etbaarf»Tbi«. mit Streifen. 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Gründer, die sich aus allen Berufsschichten zusammensetzen, haben an die deutschen Automodilisten folgenden Aufruf erlassen: „Alle Automobilklubs der Welt betrachten es als die erst« Bus, gäbe, i» ihrem Klub wappen die Farben ihres Landes zu führen. Die deutschen Autoinobilklubs Hoden sich bis jetzt dieser n g> t i o n a l e n Pflicht entzogen. Der Allgemeine Deutsche Automobil, Club(ADAC.), die größte automobil- sportliche Bereinigung Deutschlands, hat es sogar yus seiner letzten Hauptversammlung in Bremen trotz aller Vorstellungen von de- rufener Seich abgelehnt, sein« schwarzweihroten Klubzeichen durch eine neutrale Flagge zu er, setzen. Diese Demonstration gegen die Republik hat die Cw- pör'ung oller verfassungstreuen Kreise des deutschen Automobilsports noch dadurch verschärst, daß der ADAC, im Jahre 1921 bereits einmal die Farben schwarzweißrot mit den Reichsfarben vertauscht, später indessen die Farben schwarzrotgold aus seinem Wappen ent- fernt und die alte» Farben schwarzweißrot gesetzt hatte. Die B i l, dung eines Klubs, der in seinem Wappen die deutschen Reichsfarben schwarzrotgold trägt,! st deshalb«ine sportliche und national« Pflicht. Der neue Klub, der den Namen„Deutscher Autpslub" führt, soll keine Kampsorganisation gegenüber den bestehenden Automobil, klubs sein, keinerlei politische Tendenzen verfolgen, sondern lediglich die in anderen Ländern sonst selbstverständliche Forderung ersüllin: für die Würde der Reichssarben tm In» und Auslande» einzutreten. Er wird besonders bestrebt sein. nicht nur weitestgehende Vorteil« wirtschaftlicher Art zu bieten, er will vor allem auch seige Mitglieder im Nahmen sportlicher und gesellschaftlicher Beronftallungen vereinigen. Aniragen und Beitrittserklärungen sind zu richten an; Rechtsanwalt Dr, Arthur Brandt. Berlin W. 59, Tauentzien, straße 12a. WelhnachtSanssttlluoq der Arbeiterjugeud. Die Arbeiterjugend hat am Sonnabend ihre diesjähris« Wethnachtsausstellung im Jugendheim, Lindenftraße 3, mit einer kleinen Feier eröffnet. Wie alljährlich, wird auch in diesem Jahr für die Arbeiterfunj�n und»mädel eine Auswahl guter Bücher und ..Handwerkszeug" zum Wandern zusammengestellt und in einer Aus» stsllung gezeigt. Die Büchertische weisen die neuesten Bucherscheinun, gen auf. Reben den Autoren aus der Arbeiterbewegung werben such Bücher von Sinclair, London ausgestellt. Die Bücher aus_ dem Pücherkreis sind zu Borzugspreisen erhältlich. Aus besonderen Tischen sind bilkige Bücher zusammengestellt. Für wenig Geld sind dort wertvolle Bücher, wie Scheidemanns Zusaimnenbruch. zu erstehen. In der kurzen Feier belpnt« Genosse Lösche, daß«s vor allem Wunsch der Aussteller sei, der Jugend billige und gute Bücher zu vermitteln. Der Sprechchor»er Arbeiterjugend umrahmte die Feier mit Gesangsvorträgen. Ta«ben und Kanarie«. Wie alljährlich, fp findet auch diesmal wieder in der Bor- Weihnachtszeit eine Hochflut von Vogelansstellungen statt. So ver, anstcchtet im Schultheiß-Patzenhofer-Ausschank. Berlip R 39, Thaujsee- strohe 64, der Bezirk N o r h w e st im Verband her Tauben züchtermifdemBerlinerKanarkenzllchter- verein Edelroller Norden ein« große Tauben, uni) Kanarienmrsstellung. Es sind etwa tausend Tauben vertreten. Man sieht alle Rassen, angefangen von de« kleinen Bertiner.Kurzen" bis zu den großen nnpofanten.Römern". Mithin finden die verschie- deichten Interessen Berücksichtigung. Mm, sieht Prachtexemplare, was Form lmd Farbe anbelangt, ebenso wie das Nützlichkeitsprinzip und die reine Svortllebhaberei durch hochgezüchtete Exemplare vertreten find. Die ausgestellten Kanarienvögel sind auf Gesangsleistung gezogen. Und viele der kleinen Sänger versprechen große Kapazitäten zu werden. Der Verein Kanarlenzüchterund Vogelfreunde, Berlin, hat in Heinrichs Festsälen, Große Frank- furter Str. 39, eine Kanarienausstellung, die als Vorprüfung für die am 8. Januar in Leipzig zur Austragung kommenden Meisterschaft gilt. In der Selbstzuchtklcchse bekam Max Reiche, Leip- zig, mit zwei Grünen, einem Gelben und einem Scheckvogel die Große goldene Medaille vom verein der Deutschen Kanarienzüchter und eine goldene Uhr. Die Große silberne Medaille sich an Robert Külz, Quedlinburg i. Harz, und die zweite Große silberne Medaille an Edmund Duderstadt. Berlin-Schöneberg, während die dritte Große silberne Medaille H. Böttger in Halle a. d. Saale errang. In der allgemeinen Klasse bekamen dir Goldene Medaille sorm« ein« goldene Uhr Fritz Schwiebs, Dresden, die erste Große silberne Medaille Max Reich«, Leipzig, und die dritte Große silberne Medaille Otto Wolter, Berlin. Dieser Züchter hat auch hon einzigen 99.Punkt. Vogel auf der Ausstellung,_ Proletarisches Voltstanzfest. Gestern veranstaltete die Gemeinschaft proletarlscher volkstanzkreise im Orpheum(Hosenheide)«inen Volkstanz- abend. Hier wurde eine Probe des Könnens der einzelnen Tanz- kreise gegeben. Eine buntgekleidete Raum. Alte und neu« Brumby, Windmüller und wurden von der Gemeinschaft slott getanzt! jeder Tanzkreis stellte selbst einen Musterkreis, der durchweg gute Leistungen zeigte. Der Volkstanz Ist hier Selbstzweck. Isdcr soll mittanzen. Dieses Tanzen stellt sich in bewußten Gegensatz zu den modernen Tänzen. Wer diese srohen Volkstänze sah, der kann nur wünschen, daß sie noch viel mehr Anhänger gewinnen als bisher. Umrahmt wurden die Volkstänze von mehrstimmigen Liedern des„Jungen Chors". Willy Borrmann trat in einigen Solotänzen auf. vekkentNeke Kundgebung am Diemitag, dem 13. Dezember, abend« skVe übr, im L�lirtrvereindiaus, Alexanders traSe 41. T? fürKleiaer.loxahllosfo.Mode-| i 1 färbet)..... Meter M. A Vf. Der den. wann• molllee reinwoll. Velours a ä fOr Winter memet In Marina, 1/( De» NadunittaRskleid bedrndd.Cblnakrepptti, neuen// M. Alf a ,50 Sdi worz u,M odefarben, M tr. A Der wat die Cold-undSilherbrokat a pa* für Nacbnüitogs- und Abend-|/ kieldar........... Meter M. A/ 50 Martern,?« Stofl, ausamm Da» Kontpose-Kleld rclnwul I. Karu« u. pass. et nfarb. Stofl, 9'lt m Stoff Bujsmnu Der Morgenrock bunte nunrtrelde mit nellleer Ableite, 4 Meter Scott zusammen" ä19 *9, Das seid. Fransentuch alsThealrnimhanp�usBrokat /�PWf oder reich bertlckl, In vielen F i Preislagen| unbertldci von M. M/ an Damen-Strümpfe beste Kaachmlr-Wolle, nw 3 tarh engl. Sohle, In modernen iaa Farben................. 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Kinanzkrise in der Landwirtschast. Oer großagrarische Kurs in der preußenkaffe.—(Schluß, bevor es zu h?at ist. Die aufsehenerregenden Mitteilungen de» Organs der.Deutschen Bauernschaft" über ein« Gefährdung der preußischen Zentralgenossen- fchaftskasfe infolge der unoerontwortlichen. ganz aus die Schlag- worte des Reichslandbundes eingestellten Kreditpolitik des heutigen Direktoriums loergl. auch.Vorwärts" vom 4. Dezember 1327) haben nun endlich die Leitung der Preußenkasse gezwungen. der Oeffenllichkett wenigstens einige Zahlen zur Beurteilung der heutigen Lage d e r» m e idbar« Erschütterungen zu verhindern. Nach diesen Lektionen an Schacht und die Montanindustrie wird natürlich um der Parität willen auch an dem rhcinisch-west- säkischcn Großkonflikt nicht vorübergegangen, der in der Maschinenindustrie schwere Sorge hervorgerufen habe. Eine fast kimfprozentige Erhöhung der Gestehlmgskosten sei die Folge, wenn die gewerkschostlichen Arbeitszeit- und Lohnforderungen auch bei der verarbeitenden Industrie durchgeführt würden. Diese Abwehr- bemerkung der Moichinenbauunternehmcr ist begreiflich. Ihre Richtigkeit lassen mir dahingestellt. Gegen einen verwirrenden Irrtum. Gibt es gebundene Gisenpreise? Di« Schwerindustrie sucht ihre Klagen und chrt Politik vor der Oeffentlichkeit dadurch zu erhärten, daß sie von einer angeblich bestehenden amtlichen Bindung der Eisenpreise redet, wodurch den Industriellen vom Staat eine doppelte Last hoher Lohn« und niedriger Preise auferlegt werde. Unseren Lesern ist diese Forderung der Industrie nach„Freigabe der Preisfestsetzung" aus einer gestrigen Korrespondenz aus Esten bekannt. Leider schreibt auch„Der deutsche ZZolkswirt" in seiner letzten Nufnmer: „Aber auch Lohnsummen sind keine starren Größen und die Grenze, bei der Lohnerhöhung in Arbeitslostzkeit umschlägt, ist bei gegebener Marktlage seststellbar. Freilich wird man dafür den Werken auch nnt dem Risiko die Freiheit der Preis- ft e l l u n g z u r ü ck g e b e n müssen.(I) Eine Eisenpreis. erhöhung— nn't allen ihren Folgen— scheint kaum vermeidbar. Nicht das deutsche Arbeitsrecht, wobl aber das System st a a t- licher Eingriffe in die Preisbildung der wichtigsten Grundstoffe ist problematisch geworden." Demgegenüber muß sestgestellt werden, daß es in Deutschland eine staatliche Regelung der Eisenpreise(wie sie für Kable und Kali im Betorecht des Reichswirt- schaftsministcrs gegeben ist) nicht gibt. Die Kämpfe um den Eisenpreis, die sich im Frühling dieses Jyhres abspielten, waren lediglich Kämpf innerhalb der öffentlichen Meinung. ES ist gänzlich unangebracht, den gegenwärtigen Konflikt in der Eisen- iuduftne zu einem Angriff gegen staatliche Preiskontrolle überhaupt zu benutzen. Llnfug mit Konkursztffern. „IH Prozent Konkurssteigerung in der Landwirtschast." Für denjenigen, der Zahlen zu lesen versteht, reden sie mit- uister eine recht eindringliche Sprache. Man kann aber auch mit Zahlen den gewähnlichen Mitteleuropäer derart verwirren, daß er nicht mehr aus noch ein weiß. Es kommt nur darauf an, wie deriemge, der eine verblüffende Wirkung ausüben will, mst den Zahlen zu jonglieren versteht.� Arbeitgeber können z. B. sagen, daß die Barlöhne der Landarbeiter in einzelnn Gegenden um 200 oder sogar um 300 Proz. gestiegen sind. Damit würde eine kolostalc Wirkung erzielt. Der Kündige weiß allerdings, daß diese 300 Proz. tatsächlich eine Erhöhung von 3 auf 9 Ps. bedeuten. Eine wissenschastliche Zeitschrist, betitest„Ernährung?- Wirtschaft", herausgegeben vom Verlag Schmalfeldt in Berlin, �-i*m.. m-M1-��1— fc- Krtun fKp Cwfr einen opmitpav yimw y �lyi« �09111111�1.1� uim der Uederschrist„Große Steigerung der Konkurse in der Landwirtschast im Okta.ber wird die erschütternde Tatsache berichtet, daß dieser. Monat wieder eine gewaltige Zunahme der Insolvenzen(Pleiten) in der Landwirtschaft gebracht hat. Die Wirkung war noch erschütternder, als wir weiter lesen konnten, daß im September von insgesamt 338 Konkursen in der Land- Wirtschaft. 9, dagegen ini Oktober von insgesamt-146 in der Landwirtschaft III Proz. mehr, d h., 19 Konkurse zu oerzeichnen waren. Der Raum einer„wistenschastlich" sein wollenden Zeitschrist erscheint uns für Kunststücke dieser Art nicht angebracht. Wir wollen die dabei. en die Prozentrechnung ein wenig ergänzen. Es ergibt sich i, daß der Anteil der Konkurse der Landtnirtschaft im September 2� Proz. betrug und sick, im Oktober aus 4 Proz. gesteigert Hot. Ein Beweis, daß Zahlen dieser wissenschaftlichen Zeitschrift sehr vorsichtig zu genießen sind. Sprünge derBerliner Erwerbslosigkeit. Wieder 7 200 Abnahme nach IS 400 Zunahme. Die Arbeitslosigkeit in Berlin schwanv in ihren Ziffern unge- wohnlich stark, ähnlich fast wie der Güterverkehr im Reich, über den wir regelmäßig berichten. Für die Gesamtentwicklung sind auch heute Saisonmomente entscheidend, wie folgende Ta- belle zeigt: und Abnahme der Arbeitslosigkeit 1927 Woche zum 22. 10.— . 29. 10.— , 5. IL— . 12. 11.+ 19. IL+ Z U' 1926 Woche zum 24. 10.— 2800 . 31. 10.—3000 . 7. 11.—3000 14. 11.—1400 21. IL 28. 11..-4.900 5. 12. 12. 12. ■3600 4000 7200 320 150 700 1030 5000 26. IL 4- 5800 3. 12.+ 18400 10. 12.— 7200 Aber unverkennbar entspringen die diesjährigen starten Schwan- kungen nicht nur der Wetterlage. Die Unsicherhesten in der Politik und in der Wirtschast, die Husarenritte des Schwerlopitals und Herrn Schachts gegen öffentliche Wirtschaft und Arbeiters choft spiele» sehr stark mit. Das Landesarbestsanst Berlin berichtet: Der Berliner Arbeitsmarkt ist, durch die Witterungsoer- h ä l t n i f f e bedingt, recht erheblichen Schwankungen ausgesetzt. In der letzten Woche hat die Arbeitslosigkeit einen Rück- ganq von 7000 Personen erfahren, so daß der Stand derselben zurzeit 160 062 betrögt. Bemerkenswert ist dabei, daß in der Eni- Wicklung bei den weiblichen Personen die ungünstige Linie sich fort- gesetzt hat und die gesamte Abnahme auf männliche Personen ent- fällt. Hieraus ist ersichtlich, daß der wesentliche Abgang auf die jetzt wiederum erhöhte Aufnahmefähigkeit, die allerdings mir vorüber. gehenden Charakter haben dürfte, auf Außen- und Bau- beruf« zurückzuführen ist. Die Zahlen der Unterstützungsbezieher befinden sich weiterhin im Aufstieg, der teilweise sogar recht erheblich ist. Allerdings ist auch ein erhöhter Kräftebedarf fiir die Erledigung von Wcihnachtsaufträgen festzustellen, der sich besonders auf dem Stellenmarkt für Angestellte, für.Handels» und Transport- arbeiter, für das Holzgewerbe und die Zellstoff- und Papierher- stellung und-Verarbeitung bemerkbar macht Die großen Zugänge Arbeitsloser aus dem Bekleidungsgewerbe belasten den Arbeitsmarkt in starkem Maße. Auch die Metallindustrie hat leine Erweiterung ihrer Aufnahmefähigkeit erfahren. S» tamn 100082 Personen bei den ttisteft» nachweisen ein« getragen gegen 167 221 der Vorwoche. Darunter defanden sich 105 155(113 499) männliche und 34 907<53 722) weibliche Personen. Il n tr r st ü tz u n g bezogen 93 669<83 981), davon Arbeits- l o s e n u n t e r ft ü tz u n g 51135<43 347 männlicbe und 26 397 (23 299) weibliche, zusammen 77 532(66 846). Kriscuunter- stütz ung 12 965(12 201) männliche und 5172(4934) weibliche. zusammen 18 137(17 135) Personen. Außerdem wurden noch 24 03? (23 632) Personen durch die Erwerbslosenhilfe der Stadt. gemeinde Berlin unterstützt. Bei Notstandsarbcitcn wurden 3l36(2631) Personen beschäftigt. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 7. Dezember berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Rcichsomts ist gegenüber der Vorwoche von 140,1 auf 139,9 leicht zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Inderziffer der A g r a r stoffe um 0,4 Proz. auf 136,6 Pro;, nachgegeben. Di- Indexziffer für Kolonialwaren ist um 0,2 Proz. auf 129.7 zurückgegangen. Die Indexziffer der industriellen Roh. stoffe und Halbwaren lag mst 134,0 und diejenige der industriellen Fertigwaren mst 155,3 unverändert. Auffallend geringe Entlastung der Reichsbank. Die Reichsbank wurde, wie wir vor acht Togen berichtet haben, zum Monats- ende November verhältnismäßig wenig in Anspruch ge- nommen. In der ersten Dezembevwoche ist eine entsprecheick» geringe Entlastung eingetreten. Insgesamt gingen die Kredite für Wechsel und im Lombardgeschäft um 133,2 auf 2528 Millionen zu- rück, wobei die Wechselbestände um 90,6 auf 2392,2 und die Lombarddarlehen um 44 auf 42,3 Millionen absanken. Dos sind Rückgänge, wie sie ä h n l ich niedrig für Wechselkredst« nicht mehr seit der ersten Aprilwvche zu verzeichnen waren. Die Giroeinlagen der Reichsdankkundschast zeigen mit der Vermehrung um 15,5 auf 500,1 Millionen ebenfalls nur eine sehr geringe Zunahme. Die Gc- schäjtsverminderung der Reichsbant war also für die erste Monais- «oche außerordentlich schwach. Das entspricht allerdings Er- fahrungen aus der gleichen Zeit früherer Jahre. Auch der Rückfluß von Reichsbonknotsn und Rentenbankfcheinen, insgesamt 168,3 Millionen. ist der niedrigste seit der ersten Iuniwoche dieses Jahres. Der Umlauf an Reichsbanknoten hat um 137,6 auf 4043,7 Millionen, derjenige an Rentenbanklcheinen um 30,7 auf 749,9 Millionen abgenommen. Weitere 18.5 Millionen Rentenbank- scheine sind nach dem Gesetz aus dem Rückfluß vernichtet worden. Deckungsfähige Devisen sind 278,5, Goldbestände 1881 Millionen vorhanden. Di- Notendeckung durch Gold erhöhte sich von 44,4 ans 46, durch Gold- und Devisen von 51,2 auf 52,9 Proz. Die Veränderungen im Dockungsverhältnis sind also ebenfalls ungewöhnlich klein. Neue Leistungen der AEG. Von einer Besichtigung der Hennigsdorfer Lokomotioenfabrik des AEG.-Konzerns wird bekannt. daß die AEG. die stärkste elektrische G Ü te rz u gl o k o- motioe der Reichsbahn mit sechs einzeln angetriebenen Achsen von 3100 Dauerpferdestärken soeben fertiggestellt hat. Es fand außerdem eine Probefahrt mit einer der neuen AEG.-Kohlenstaub- l o k o m o t i v e n statt, die in den nächsten Tagen von der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Dienst gestellt werden und die di« neueste technische Errungenschaft auf dem Gebiete der Darnpflrt»- Motiven bilden. Die Zollunion Oesterreich-Deuffchland trnd da» Interesse der Sudetendeutschen Wirtschaft daran ist der Gegenstand eines Vortragsabends des Oasterreichisch-deuffchsn Volksbundes am 12. Dezember im Großen Saal des Reichswirtschaftsrate». in welchem der frühere Abgeordnete im Prager Parlament, Dr. Kostka, das Referat hatten wird. Eintrittskarten in der Geschäftsstelle des Volks- bundes, Berlin RW. 40. Kronprinzenufer 19. 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I* 600 TO 22461 110163 158330 181027 169603 324695 844024 248945 287159 269963 264600 278873 320915 373607 100»«»tnn, JU 400«SU. 8=)6S 26434 2 3882 32982 34643 38927 39836 44488 45565 47143 68243 73502 75602 80136 80376 66328 101083 109074 131412 146886 163541 166798 158530 178309 164578 20I96T 202005 212297 213226 213775 217658 218854 221339 23032t 231373 237278 247269 277942 280713 282120 288292 290768 292894 330937 338087 341357 346870 350180 353581 372230 246»«wlnn« JU 240 M. 1626 4364 6485 8694 10472 11710 16437 17409 19883 26411 23068 30011 34464 36412 01071 55547 07545 60369 62180 73640 73909 76918 7r 7279 100947 102348 1 97279 100947 I 118854 120864 I 103789 155940 1 192024 19 97613 201___ 29933 230327 192024 192628 196008 20761 3 208964 211717 229933 230327 231570 813 106687 107827. 1.1429� II 74428 7600 133932 399 164938 _j316 201866________ 11823 213473 213606 216854 32349 239045 240091 240905 -----------'66722 268959 ■ 201994 204316! 13606 216854 224482! � 40091 240905 246,82 246387 251670 283882 284618 261885 204459 266722 265959 268003 268183 273141 274059 277401 277757 279017 280190 282035 284426 296535 300002 310416 329025 329965 330080 330323 331737 33369, 340828 341189 345354 346500 347080 348195 353412 306443 307296 308096 367741 372102 373311 373438 374850 374071 8n bei Nachmlllogszirhung wurden Gewinn« aber IN M. grzogen 2•«smut ja 3000 TO J»«Binnt in 2000 2«»Winne ja 1 000 4 Cetmane ju 800 1 4884 f 000 TO . 100143 37283» TO 81268 TO 92268 183379 ~ 20731 50310 7168 SO®,a»inu, IN 500 TO 20731 50310 7161 >540 1 71 142 1 77206 181075 1-68252 2905: 98»«Winne ja 400 TO II>72 18068 20684 17�166�734 108195 1091 188941 181 243468 87887 92187 128890 .. 336108 344064 358260 29834 44587 50743 55652 ----- 134004 168,31 S! « s sr 113877 IÜ 98302 102063 �____. �.4 180311 1838* 212217 219187 238083 238818 243183 243468 244«____ 282324 282971 289056 295383 303208 312868 3,9807 3264« 348960 352789 354060 356249 372700 3746,8 254»cwwn. ju 240 TO 1 759 3610 4431 6449 8877 15804 16608 17039 18786 33942 27372 30678 31334 32848?B508 38255 36727 40148 40221 4,765 42747 46286 50583 52147 67100 08323 75316 77977 79177 79895 82396 98678 98530 99853 103068 10943 116198 119821 123873 126850 132030 13! 139240 146,91 t------ 173480 181197 1 207183 208730 2 236047 236478 2_____ 260749 257405 261234 298300 299355 300882 824880 328771 344148 366"' Ter in der heutigen Vormittagsziehung gezogen» Hauptgewinn von lOiXJOO Mark fiel aus Nr. in ÄbteUung I nach Berlin, in Abteilung 11»ach Ltriiu. MUMM;!.„ 241370 241393 242517 248861 98Ö4§b 250638 171 28478 286534 268886 278984 288818 1425 304658 311 732 313965 316009 3,787§ 9858 300882 I__________________________ 6776 326160 330536 332200 332914 333284 333305 337 8729 38742, 359739 366426 371897 373764 374387 H SONNTTAS gEttEFNETVDK 2�0 UHR? von �onntaqbif Mittwoch Pdf u. bitzu�o%ortnä�iat! Einmaliges Angebot! Nur la Qualitäten I Kaina Ausverkaufswar«, Auch fär stlrkst« Figurenl Wundervoll« OttomanomBntel 99.- 65.- 4S�> PlOschmlntel, 1« Quaiititen ISS.- 90.- 49� WollplOachmantol 56.- PoizmSntol(Parsianer) 1800.- SOOr- Saal-Blaain 1800.- Maulwurf 880.- 898.« Seal Elaktric»75.- Passende WeihnachtegeschenKel Kostüme/ Gesallachaftekleider Regenmäntel 88.- 18�- ZIEHUNC Nulrfeöe Mantel 95.-Mk Wcrtma n n 29 wo sa, DEZEMBEn i�beiier�ohlfehrrf: SOu *ORTO UND USTg 30 Pfq. EXTRA 145934 Gewinn« u«! Prämie im Gesemfwert von RM. [007500 ■ HÖCHST GEWINN IM WERTE VON RM soooo HAUPTGEWINNE IM WERTE VON RM. 30000 I. 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Dezember 1927 Millionengeschenk an die Mhrindustrie. Vernachlässigung der Arbeiter und des Mittelstandes.— Der Reichstag gegen den Ruhrstandal. Auf der Tagesordnung der gestrigen Zteichstagssifcung stand der Bericht des Untersuchungsausschusses jiber die Feststellung der an die Ruhriaduflrlellen ausg-zahltea Betrage. Nach den vom Ausschuß gefaßten Beschluß wird festgestellt, daß die rechtliche Verpflichtung der Zahlungen des Reichs verschieden beurteilt worden sei. Unbestritten bleibe der moralische Anspruch, der allen durch den Ruhrkamps Geschädigten zuge- sprachen werden müsse. Unabhängig davon, ob eine jorinatrechlliche Bindung vorliegt, habe man es bei der ohne Wissen des Reichstags vorgenommenen Zahlung mit einer objektiven Berleßung des Etatrechte des Reichstags zu tun. Doppel- Zahlungen an den Ruhrkohlenbergbau feien nicht erfoigt, dagegen Ueberzahlungen in erheblichem Umfange au» der Abgeltung der stohlenlieserunxen, der Kohlenfieuer uiw. Es wird weiter festge- stellt, daß die Ansprüche derjenigen Geschädigten, mit denen ein Sonderabkommen getroffen worden war, wesentlich günsti- ger behandelt wurden als die übrigen Geschädigten. Unbe- stritten fei, daß eine ausreichende Abgeltung de» der Arbeiter- und Angestclllenschaft fowle den erwerbsläligea Millelfland des Ruhr- gebiets zugefügten Schadens bis heute zum Teil noch nicht erfolgt fei. Der Ausschuß hält es für erwünscht, daß die der Groß» industri« gewährte Vergünstigung durch ausreichend« Entschädigung der Arbeiter und Angestellten und des iviittelstandes ausgeglichen wird. Der Berichterstatter Abg. Esser iZ.) beantragt, den Bericht durch Kenntnisnahme für erledigt zu erklären. Abg. Limberh(Goz.) stellt als durch die Ausschußverhandlungen für erwiesen fest, daß die Ruhrindustriellen Hunderte von Millionen erhallen haben, während unzählige andere Geschädigte leer ausgegangen sind. Nur durch einen Zufall ist es de» kanntgsworden, in welcher Weife die klein« Schicht der Schwer* industriellen bevorzugt worden ist. Zuerst hat der Bergarbeiter- verband Aufklärung darüber verlangt. Meie Monate später, im Januar 1925 hat endlich der damalige Retchsfinanzminister geant- wartet, es werde den gesetzgebenden Körperschaften eine Denkschrift über diese Vorgänge zugehen, vorher könne kein« Auskunst gegeben werden. Erst nach dem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion ist endlich die Denkschrift erschienen und der Unter- iuchungsausschuß eingesetzt worden. Die von einigen Seiten aufge- stellte Behauptung, die Sozialdemokratie habe von den Entschädigungen an die Großindustriellen gewußt, hat sich als Unwahr herausgestellt. Der Redner erinnert daran, daß die Sozialdemekratie im Preußischen Landtag seinerzeit den Antrag gestellt hat, die Micum lasten auf das ganze Reich zu übertragen, das ist von den Rechtsparteien und von den Kommu- nisten abgelehnt worden. Die Zadustrielleu im Westen habe» die größte Schuld daran. daß es überhaupt zur Ruhrbefetzuug gekommen ist. Sie habeu sich in der Znslotio» ungeheuerlich bereichert. rbeiterverband eil um 200 nd hak feslgeslellt, daß die Berg- Millionen Mark geschädigt worden Profestor ch« i m a n n in Hamburg hat auHrü�lich diu Inflation als ein bewußtes Klassenkampfmittol der befigenben Klaffen Minderbemittelten bezeichnet. Das deutsch« Volt ist syst den Leuten geschädigt worden, denen spoter 700 Millionen Mark ansgezahll worden sind. Herr Stinne» hat ausdrücklich gesagt, die Gefahr, daß noch weitere Teile deutschen Gebietes besetzt werden konnten, sei nicht so hoch einzuschätzen, man werde dann einfach die Zahlungen einstellen und aus diese Weise an den Reparation?» verpslichttrngen überhaupt vorbeikommen. Wiederholt kam e» zu Verhandlungen mit der Reparationskommisston. aber Stinnes hat stets die Auffassung vertreten, daß es keine Verständi- g u n g mit den Reparationsgläubigern aeben dürfte. In dieser Zeit, wo es noch möglich gewesen wäre, die Ruhrbesetzung pi verhindern, spielte Stinnes nut dem Gedanken der Schaffung einer b e s o n> deren Ruhrprovinz. Im Reichswirtschaitsrat erklärte er. daß dt» deutschen Arbeiter 15 Jahre lang täglich zwei Stun- den länger arbeiten müßtest. An der Stabilisierung der Währung hatten die Großindustriellen kein Jnterest«. Schließlich führten dies« inneren Treibereien in Deutschland zum Ruhrkamps. Roch zwei Tage vor der Besetzung erklärte Stinnes, er bedauere. nicht genug Dynamit zu habe«, um olle Broduklioas- slättett Im Ruhrgetnet in die Luft zu sprengen.(Hört! hört! link«.) Gegenüber dieser Katastrophcnvolitik forderten die Gewerk» sch ästen und die Sozialdemokratische Partei die Liquidation des Ruhrkampfes. Man hat gewartet, bis es zum Zusammenbruch kam. Stinnes ging zu den französischen Generölen, damit diese die deutschen Arbeiter zwängen, ein bis zwei Stunden länger zu arbeiten. Di« sronzösischcn Generale haben es allerdings abgelehnt, sich in die deutschen sozialpolitischen Angelegenheiten einzumengen. Nach der Katastrophe kam die Per. längerung der Arbeitszeit und di» Herabsetzung des Arbeitslohnes. Der Deutsche arbeiter In dieser. mfl. sind. Durch die S�uld der Schwerindustriellen haben die Arbeiter und mit ihnen die Handel- und Gewerbetreibenden im Ruhrgebiet viele hundert« Millionen verloren. Dafür sind aber den Schwer- industriellen 700 Millionen Mark ausgezahlt worden. Der Verkäst des Ausschusses stellt fest, daß die Zahlung dieser Eni- schädigung eine Gesetzesverletzuna war und daß der Brief- Wechsel zwischen Stresemann und den Ruhrindustriellen keine Rechts- Verpflichtung darstellt. E» sind lieber, Zahlungen vorgekommen, über deren Höhe die Meinungen allerdings auseinondergehen. Die Sozial- demokratie hat diese Ueberzahlungen auf 87 Millionen Mark be» rechnet. In vielen Tausenden von Fallen ist die heute der entstandene Schaden nur zum kleineren Teil ersetzt worden. Der Ausgleich muß jetzt endlich s» schnell und s» umfassend wie möglich hergestellt werden, dar allem durch gerechte Entschädigung der Arbeiter. Angestellten und des gewerbliche» Mittel« " a n d e s. Dazu bat aber der jetzige Reichstag nicht be« illen. Wir werden daher an das Volk a ppe 1 1 i e« r e n und wir haben keinen Zweifel, daß dieser Reichstag die Liuittung dafür bekommen wird, dag er auch in dieser Frage versagt hat.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Abg. Lindeiner-Wildou(Dnat.) behauptet, daß der deutsätz nationale Abg. Helsserich schon im November 1922 wertbeständige Steuern verlangt habe, um das weitere Wachsen der Inflation zu verhindern. Der Bergarbeiteroerband habe selbst von der Regie- rung«ine Entschädigung an die Bergindustrie für die Micumlasten gefordert und der damalige sozialdemokratische Reichsinnennstnister S o l l m a n n Hab« der Entschädigung zugestimmt. Später hätten allerdings di« sozialdemokratischen Minister erklärt, sie seien sich der rechtlichen Bedeutung dieser Ding« nicht bewußt gewesen. Wenn die Sozialdemokraten Minister in die Regierung sandten, die solchen Anforderungen nicht gewachsen waren, so ist da« ihr« Sache.(Abg. Laadsberg(Soz.):„Sie haben Ihren Parteifreund Koch zum Minister gemacht!� Daß Sie als Sozialdemokrat die Entsendung eines Arbeiters in die Regierung bemängeln, ist mir interestant.(Heiterkeit bei den Deutschnationalen.— Abg. Landsberg: „Ich spreche nur von der Ouolttätl") Im Ausschuß wurde zwar festgestellt, daß obsektiv ein« Verletzung des Etotvechles vorlag, ab» mit Ausnahme der Kommunisten waren all« Partei«« darin einig. daß ein subjektiv«» Verschulden den beteiligten Mim- stern nicht vorzuwerstn sei. Wir erwarten von der Aussprach« den Erfolg, daß nun auch die moraiischen Verpflichtungen des Reiches gegen die übrigen wirtschaftlich schwächeren Ruhvgeschädigien voll und schnell erfüllt werden. Das Zentrum gibt zu. Abg. Ester lZ.) spricht die Hoffnung aus, daß ein gründliches Studium des umsangreichsn Ausschußberichtes aufklärend wirken und den demagogischen Behauptungen von einem.Michr-Panama" und von einem Riesengeschenk an die Ruhrindustrie" ein End« machen werde. Heule sei in den weitesten Kreisen die Erinnerung verblaßt an den passiven Widerstand im Ruhrgebiet und daran, daß damals alle Bewohner des Ruhrgebietes ohne Unterschied der Partei und des Standes ihre Existenz aufs Spiel setzten in dem Kampfe gegen die Unterdrückung. Damals sei es ein Gebot der Selbstverständlichkeit gewesen, daß der Bergindustrie die Sachiiefe- rungen ersetzt werden mußten, auch im Jnterest« der Bergarbeiter. Der Ausschuß habe gründlich die Dinge untersucht. Eine gewisse Ueberzahlung sei bei der Entschädigung nicht zu be- streiten. Die noch lausenden Entschädigungsansprüche sollte» schleunigst in liberaler Weise erledigt werden. Abg. winnersew(D. Vp.) verteidigt Stinnes gegen die Angriffe des Abg. Limbertz. Stinnes fei keineswegs als Urheber der In-, flation zu bezeichnen. Er bab« vielmehr an der Gesundung der Wirt- ','. Beim Avbriich des passiven Wid»swndes habe die iftcum es abgeiehiU, mit der deutschen Regierung zu verhandeln. n Ich kaufe noch ein Los!" „Zch Hab' mich enlschlosten. ich kauf noch ein Los von der Arbeiterwohlsahrlslotleri«. Die kosten sind Nein, und die Chancen sind groß. Meine Lose» natürlich gewinnen siel Mein Oller sagt immer, mein Riecher fei gut. Und mein Oller ist klug, und er weiß allerlei. Drum Hab' ich vertrauen, drum habe ich Mut. Bei dieser Verlosung, da bin ich dabeit Und wenn ich ein wocheuendhöuscheu gewinn'. wie werden der 3ung' und das Mädchen sich sren'nl 3a, wenn Sonntag« mit ihnen dann draußen ich bin, Dann werde ich nimmer den Einsah bereu'». Für die Arbeiierwohlfahrt—- wie schön ist der Zweckt Di« Erträge, sie gehen an un» ja zurück. Und verlier' ich mein Geld— na, dann ist's eben weg. Jedoch— ich gewinne! Ich bau' auf mein Glück!" schaft gearbeitet. Micum es abgelehiU, mit der deutschen Regierung zu Das deutsche Volk müsse darum den Führern des Ruhrbergluities dankbar sein, daß sie in die Bresche sprangen. Demokratische Anklage. Abg. Dietrich- Baden(Dem.) warnt davor, die jetzt erörterte Antze- logenheit als nebensächlich zu betrachten. Die Borzugsbehond- lung der Ruhrindustrie fei durch die Untersuchungen des Ausschusics erwiesen. Der Ruhr industri« sind im. Gegensatz zu allen übrigen Gejchädigten Zinsen gezahlt worden: sie hat auch Ueberzahlungen erhalten. Während der Datier der MIcumoertrög« wurden die Kohlenpreise hochgehalten, während die Löhne und Gehälter gesenkt wurden. Als Unrecht mußte es. empfunden werden, daß der Ruhrbergbcm von der Regierung ohne Kenntnis des Reichstags 715 Millionen bekam zu einer Zeit, in der allen übrigen Geschädigten gesagt wurde, sie könnten� nichts bekommen, weil das Reich kein Geld habe. Bei dieser Ruhrentschädiqung hat sich wieder einmal die gewaltige Machtstellung, gezeigt, die die schwerindustriellen Konzerne im Staate haben. Immer wieder versucht die Schwerindustrie, ihre Macht der Rc- gierunasgewall entgegenzustellen oder die Regierung unter ihren Einfluß zu bringen. Dagegen muß sich das Volk zur wehr setzen. Abg. Robert Schmidt(Soz.) zur persönlichen Bemerkung: Herr v. Lind« i n e r- W ildau hat eine falsche Darstellung über mein« Aussag« im Ausschuß und über die Dorgjinge der Kabinettssitzung am 1. Nooembgx 1923 geg»b»n. Ich habe stets anerkannt, daß eine moralische Bindung für die Regierung zur Entschädigung an die Ruhrindustrie vorlag. Der damaltze Reichskanzler Stresemann ober hat. obwohl ich als Wiederau fbaumin ister ressortmäßig beteiligt war. mich nickit zu den Verhandlungen mit Hugo Stinnes zugezogen. Als die Borlage an das Kabineu kam. erklärte ich. daß ich ihr nicht zustimmen könne, da ich an den Verhandlungen nicht beteiligt gewesen fei. Darum haben wir uns der Stimme enthalten. Im übrigen standen wir fozialdemokraiifchen Minister uuter dem Eindruck, daß diese Frage noch nicht entschieden sei. fondern. daß sie selbstverständlich dem Reichstag in einem Rachtrogsetat unterbreitet werden niüf Da wir au demselben Tage aus dem Kabinett ausschieden, hatten wir aus die fernere Entwicklung der Angelegenheit keinen Einfluß mehr. Heute habe ich die Ausfasiung, daß man mich nicht zu den VerHand- lungen mit Stinnes hinzugezogen hat, weil man wußte, daß ich einer solchen Art der Berechnung und Entschädigung niemals ziuzestimnU hätte. Sie können uns in der Oeffentlichkeit nicht diskreditieren, denn wir bekennen uns jöderzeit grundsätzlich zu den Entschädigungen. Nur die Art und die Form und die Höhe der Zahlung werden von uns bekämpft. Damit wird die Beratung abgebrochen. Angenommen wird noch ein Antrag aller Parteien auf Vor- legung einer Denkschrift über die Unterstützungen für die ehemaligen Heeres, und Marinearbeiter. Das Haus vertagt sich auf Montag, 15 Uhr: Zollanderungt". Aenderung der Einkommensteuer. Bericht des Ruhrem- schädigungsausschusies. Schluß gegen 17 Uhr. Kaufen Sie schon jetzt, denn heaie kSnnen wir Sie mit größerer Aafmeikstimkeü bedienen, ab im Andrang der lettien Tage vor dem Fest- Schenken Sie einen Guischein Wenn Sie einem ihrer Lieben mit einem schönen Opernglas oder mii einem Kneifer, einer Brille öder tinerCorgnetie eine rechte Weihnachts freude machen können, so haben Sie ein nützliches Geschenk von bleibendem Wert gewühlt. Wenn das Augenglas noch dazu von der Firma Optiker Ruhnke kommt, so weiß der Empfönger, daß es gediegen und seinen Preb wert ist. denn wir lebien Garantie für unbedingte Zufriedenheit. Sie braudien sich aber nicht mal den Kopf tu zerbrechen über die Nummer der GISser oder ob Sie einen Kneifer, eine Brille oder eine Lorgnette wählen sollen. Sie kaufen einfach bei uns einen Guischein Ober den Betrag, den Sie aufwenden wollen. 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Aber für Ouali- t ä t s a r b e i t sind SS Proz. der Gelben nicht zu gebrauchen. Da- her kann man zum Schmerz der Betriebsleitung die freigewerkschaftlich organisierten klassenbemuhten Arbeiter nicht gänzlich ent- behren. tztmas hat man erreicht: der Riesenbetrieb Knorr-Bremse ist henke ein großes Gefängpis. Alles ist oerbotenl Für alle möglichen und unmöglichen Verstöße hagelt es förmlich Verwarnungen und Bestra- fungen. Durch ein ausgedehntes S�> i ß c l s y st e m wird die Betriebsleitung von allen Vorkommnissen im Betriebe unterrichtet. Während die Gelben ungehindert ihre Agitation betreiben und Beiträge kassieren können, schwebt über den organisierten Arbei- tern ständig das Damoklesschwert der Bestrafung und Entlassung. Lei den Berliner Metallarbeitern genlebt die Knorr-Bremse heute einen ähnlichen Ruf wie in der Vorkriegszeit die Siemens- Betriebe. So kommt es. daß in Zeiten stehender Konjunktur ein Facharbeitermangel eintritt. Kürzlich benötigte der Betrieb Karusselldreher. Die vom Nachujeis vermittelten Ar. beitskräfte verzichteten auf die Arbeit in der Knorr-Bremse. Das Bureau für Arbeiterangelegenheiten wußte.sich zu helfen. Bei Durchficht der Kartothek fand man unter den Beschäftigten einige Leute, die vor Jahren als Karusselldreher tätig waren. Diese wur- den, als sie unter Hinweis auf ihren Gesundheitszustand die schwere Arbeit ablehnten, zu einem Vertrau ensarzt der Firma geschickt. Die für tauglich befundenen wurden unter Androhung der Entlastung zur Arbeil als Karussell- dreher gezwungen. Besonders interefiant für die Oeffentlichkeit Muß es sein, wie dieser Betrieb, der in der Hauptsache für SUaat und Kommunen arbeitet, mst seinen erkrankten Arbeitern ver< fährt. Seit 1924 wird in der Knorr-Bremse jeder Kranke aus Grund des§ 123 Abf. 8 der Gewerbeordnung, manchgnal schon nach achttägiger Krankheit, entlassen. Nach seiner Ge- nesung kann sich der Kranke dann wieder zur Arbeit melden. Wenn er bei Herrn Schneider, dem berüchtigten völkischen Haupt- ling und Vorsteher des B. f. A. nicht schlecht angeschrieben ist. wird er gnädigst wieder eingestellt. Für alle Arbeiter, die durch Abneigung gegen die Gelben und durch ihr Eintreten für die Interessen ihrer Kollegen sich bemerkbar gemacht haben, ist mit dem Moment ihrer Erkrankung auch die Tätigkeit in der Knorr-Bremse beendigt, und zwar ohne Rücksicht darauf, wieviel Jahre fie beschäftigt waren. Allerdings kann man auch anders. Die für einen Taler cingestelltea (Ausspruch des Herrn Schneider)»vaterländisch gesinnten Arbeiter" brauchen ein« Entlassung wegen Krankheit nicht zu de- fürchten, wenn ste die Beiträge für den Reickzs verband vaterländisch gesinnter Arbeiter pünktlich entrichtet haben. Die Folge dieses Systems ist, daß jeder fich so lange wie irgend möglich hütet, fich krank schreiben zu lassen und daß Krank- heilen verschleppt werden. Dauernde.Schäden für die Gesundheit treten ein, die bei rechtzeitiger zweckmäßiger Behandlung vermieden werden könnten. Aufgabe unserer Genossen im Reichstag ist es. auf Beseitigung des 8 123 hinzuwirken... Bedauerlich ist es, daß die Arbeiterschaft der Knorr-Bremse. big zu Trei Viertel der gelben Seuche ablehnend gegenübersteht, trog des täglichen Anschauungsunterrichts noch nicht die nöHgeii Konsequenzen gezogen hat. Ein großer Teil, steht noch heute der Organisation fern. Hier kann es nur«me Entscheidung geben: Wer nicht gelb ist. gehört in die sreiaewerkschastlich« Orgonisakion. Darum hinein in den Metallarbeiterverband. ZiechtSanwatts- und Notariatsangestellte. Kürzlich tagte in Berlin der Reichssachausschuß der Rechtsanwalts- und Nowriatsangestellten im Zentral verband d e r A n g e st« l l t e n. Die Tagung, zu der aus allen Teilen des Reiches Vertreter entsandt waren, beschäftigte fich eingehend mst allen gewerkschaftlichen Fragen dieser Angestelltengruppe. Di« meisten örtlichen Anwaltsorganisationen und der Deutsche Anwalt- y er ein weigern sich nach wie vor beharrlich, tarifliche Vereinbarungen abzuschließen. Im MittÄpunkt der Diskussion ftanb die Denkschrift des Deutschen Anwaltvereins an den Reichstag, in der verlangt wird, die Anwalts- und Notariatsangestellten aus dem Geltungsbereich des kommenden A r b e i t s s chu tzg e s e tz e s auszuschließen. Di? Denkschrift läuft darauf hinaus, daß die Anwaltsangestellten künftig nicht mehr den Schuß der Bestimmungen über den Acht- stundentag genießen und unter ein Ausnahmerecht gestellt werden sollen. Di« Anwälte versuchen, diesen Schrill damit zu begründen, daß der gesetzliche Arbeitszeitschutz sie an der Aus- Übung ihrer Praxis hindere(!). Diese Behauptung ist aber falsch und widerspricht selbst dem Gesetzentwurs. Dieser Entwurf sieht gerade hie Mögfichkest vor, durch tarifliche Vereinbarungen die Arbeitszeit so beweglich zu ge- stastgn, daß sie allen Anforderungen der anwalllichen Praxis genügt. Die Anwalts- und Nowriatsangestellten find des gesetzlichen Schutzes besonders bedürftig. In keinem anderen Berufe fordern die Arbeitgeber bei schlechter Bezahlung«ine oft unbegrenzte Mehr- arbeit an Werk- und Sonntagen. Der Zweck dieses Vorgehens des Deutschen Anwaltvereins ist allein der. sich jeder gesetzlichen Be- schränkung zu entledigen, um- die Arbeitskräfte der Angestellten hemmungslos ausbeuten zu können. Der Reichssachausschuß legte feine Willensmeinung in einer Entschließung nieder, in der er zugleich gegen das unehrliche und sozialfeindliche Vorgehen des Deutschen An- waltvereins scharf protestierte und den Zentraloerband mst der Durchführung einer entsprechenden Gegenaktion beauftragte. Im übrigen beschäftigte sich der Reichsfachausschuß eingehend mst der Frage der fachlichen Fortbildung und beschloß ein« Reih« von Maßnahme» gar Einführung her gart* bildungssch ulpflicht für die Lehrling« in den An» walls- und Notariatsbureaus und zur Schassung von Fortdildungs- «inrichtungen für die übrigen Angestellten. Mit einer eingehenden Erörterung der' künftigen Werbe- maßnahmen schloß die arbeitsreiche Tagung. Die Wartezeit für Saisonarbeiter. Gtte Ausnahmeverordmmg. Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbestslosenverstche- rung hat die Wartezeit für Arbeitslose neu geregest, und zwar hat er bis zum 31. März 1928 grundsätzlich die bisherigen Wartezeiten aufrechterhalten. Diese Wartezesten betrugen generell drei Tage, während das neue Gesetz grundsätzlich sieben Tage Wartezeit vorsieht. Dagegen bringt nun eine neue Verordnung des Derwaltiingsrates die Verlängerung der Wartezeit für Saisonarbeiter. Bei den Saison- orbettern, deren Arbestslosigkest auf Wisterungseinstüsse zurück- zuführen ist, soll nach Beschäftigung von mindestens sechs Monaten eine Verlängerung der Wartezest auf zwei Wochen und nach einer Beschäftigung von mindestens acht Monaten eine solche von drei Wochen eintreten. Für andere Saisonarbeiter kann der Verwalwngsausschuß des Landesarb estsansts die Wartezeit bis zu drei Wochen verlängern. In dem einen wie in dem anderen Fall darf die Verlängerung der Wartezeit jedoch nicht eintreten, wenn der Saisonarbeiter in der stillen Zeit in irgendeinem anderen Gewerbe Ersotzarbest zu über- nehmen pflegt. Ebenso darf die Wartezest immer nur einmal ver- längert werden, d. h. also nicht nochmals aufs neu«, wenn der Saisonarbeiter vorübergehend wieder Arbeit bekommen hat. So begrüßenswert es ist, daß der Berwoltungsrat im all- gemeinen die dreitägige Wartezest aufrechterhasten will, so b«- bäuerlich ist feine Ausnahmebestimmung für die Saison- arbeiter, unter der vor allem die Bauarbeiter schwer zu leiden haben werden Hoffentlich legen die Arbeitsämter die neuen Bestimmungen möglichst sozial und weitherzig aus, damit nicht die Verordnung, die am 12. Dezember in Kraft tritt, zu unerträglichen Härten für eine ganz bestimmte Kategorie von Arbeitslosen führt. Vergleich in der kunstgewerblichen Metallindustrie. Die in der Berliner kunstgewerblichen Metallindustrie beschäf- tigten Arbeiter irnd Arbeiterinnen hatten in voriger Woche einen Schiedsspruch einstimmig abgelehnt, der ab 1. Januar bis 30. Juni 1928 ein« Erhöhung der Stundenlöhne um 3 Pf. und eine Aufbefie- rung der Akkord« um 3 Proz. vorsah. Mit Ausnahme von drei Betrieben von insgesamt 42 war in einer neuen Urabstimmung mit qualfizierter Mehrheit der Streik beschlossen worden. deffen Beginn jedoch der Organisation überlasten woiden war. Daraufhin kam es am Freitag nochmals zu Verhandlungen und zwar vor dem Schlichter. Diese Verhandlungen führten zu einem Vergleich zwifihen den Parteien, der im wesentlichen folgendes besagt: Die Mindesteinstellungslöhne betragen ob I. Januar 1928(die bisherigen Stundenlöhne in Klammern): Für Facharbeiter über 21 Jahr« 1,23 M.(1,09 M.), für. Facharbeiter von 18 bis 21 Iahren 1,12 M.(99 Pf.), für ungelernt« Arbetter über 21 Jahre 90 Pf.(hier schwankten die Löhde zwischen 75 und 83 Pf., da für diese Arbeiter bisher vier Klassen bestanden), für ungelernte Ar- beiter van 18 bis 21 Iahren 85 Pf.(63 Pf), für Frauen über 21 Jahre 65 Pf.(61 Pf.), für Frauen von 18 bis 21 Jahren 60 Pf. (56 Pf.), für jugendliche Arbester von 16 bis 18 Iahren 61 Pf. (37 Pf.), für jugendliche Arbeiterinnen im gleichen Alt« 48 Pf. (44 Pf.), für jugendliche. Arbester von 14 bis 16 Iahren 40 Pf. (36 Pf.) und für Arbeiterinnen im gleichen Aster ebenfalls 40 Pf. (36 Pf.).* Für Arbeiter und Arbeiterinnen, die bisher schon höhere ver- dienste hatten, werden die Löhne ab 1. Januar um 3 Pf., und die Akkorde um 3 Proz. erhöht. Das Lohnabkommen gill nicht, wie im Schiedsspruch vorgesehen war, bis zum 30. Juni, sondern nur bis zum 30. April 1928 und kann erstmalig zu diesem Ter. min mst vierwöchiger Frist gekündigt werden. Ueber dieses Verhandlungsergebnis berichtete am Fmiteg abend Genosse G u t sch e vom Metallarbeiterverdand in- einer stark be» suchten Versammlung der Betriebsräte dieser Branche, die nach kurzer Diskussion die Zustimmung der Lerhandlungskommisston zu diesem Bergleichsvorschlog billigte. Die Versammelten brachten zum Ausdruck, daß es nunmehr gilt, auch die letzten Unorganisierten in den Betrieben der Or» g a n i s a t i o n zuzuführen. Ortskrantenkasse für die Wäfchefabrttation. Bei den Wahlen am 4. Dezember wurde» 1024 Stimmen abae- geben. Es entfielen auf List« 1. kaufmännische Angestellte und unorganisierte gewerbliche Beschäftigte. 149 Stimmen und acht Aus- schußmitgiieder: aus Liste 2, Deutscher BeNeidung-arbeikerver. baud. 697 Stimme« und 42 Ausschohmitglieder: ans Liste 3. Schumachers Sonderorganisation, den sogenannten„Bekleidungs- industrieoerband", 171 Stimmen und zehn Ausschußmitglieder. Die List« 3 stand unter der Devise. Ausbau der Kasse, Erhöhung der Leistungeo und somit Beibehaltung dieser Berufsortskrankenkoss«. während die List« 2 für die Auf- lösung dieser Kasse«intrat. Die Einstelluno der sogenannten„Opposftion" stellt«inen Bar- rat an der Arbeiterschaft dar; denn selbst Schumacher trat in verschiedenen Zlummern seines Organs für Vereinfachung der Kaffenverwallung. sowie für Zusammenlegung van Kasten ein. Hier betrieb sie das Gegenteil, weil es galt, einige neue Mitglied« für ihren eigenen Laden einzusaugen. Der Zenlrolverband der Schuhmach«. Ortsverwaltung Berlin. gibt bekannt, daß an seine MUglieder.in der Zeit vom 19. bis 24. De- zember vormittag» von 9—12 Uhr tm Dsrbandsbureou. Engel- ufer 24, eine Weihnachtsunter st ützung ausgezohst wird. Boraussetzung ist ein Jahr Mitgliedschaft und mindestens 52 Bei- tragsleistungen; ferner, daß das Mitglied nicht länger als 4 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist und entweder am 15. De- zember mindestens 13 Wochen ununterbrochen er- w e r b s l o s oder im Jahre 1927 insgesamt 26 Wochen erwerbs- los war und zurzeit erwerbslos ist. Stempelkarte des Arbeitsnoch- weises und Mstgliedsbuch der Gewerkschaft dient als Ausweis. «cht»»», vfte» M. A»«i-nta», !S. Dezember. IS Uhr, bei Schwarzer, chadriel-Mar-Ttr. 11, wlchtrge Rufammenfirnft aller Parteigeaassen. Zahlreiches iint» pün bliche« Er. Icheine» erwartet Der gralti««,-»rsta»v. Fralti,»: Turbi»eufabril.«» Dienstag, 13. Dezemder, Zral- tiansfitzung um U Uhr bei Oelfchläger�Berlichingenstr. Z. Mitgliedsbuch legitimiert. Erscheinen Pflicht. Der Zraltisasssrsta»». Deutscher Ksstarteiterveriaud, Musttiustrumenteuarbeiter. In der n Dienstag, 13. Dezember, einberufenen Betriebsrätebesprechung find fillschlich die Itlavitrbetriebe eingeladen. Es muh heißen: Betriebsräte der«laviatur. betriebe. Tagezlerre. Bollversammlung aller Tapezierer und Näherinnen am Mttt. woch. Ich Dezember, l» Ubr, in Boeker, Feftsäle», Beberstr. 17. 1. Vortrag: .10 Zahre Eowjelrnßlanb. Referent Overhagen. Z. Ablauf des Lohnabtom. mens und Tarifvertroges und Stellungnahme zur Ullndigung. Zugeudgrnppc de» ZdA. Heute, Sonntag, 16 � Uhr, Besuch des Plane- tariums. Trefspunit Ibhj Uhr vor dem Planetarium, am Bahnhof Zoologiflger Garten(Verlängerte Ioachimsthaler Straße). Der Eintrittspreis beträgt ö0 Pf. Sorten sind dortfeldst zu haben. Die Besichtigung erfolgt gemeinsam mit den Iugendtollegen des Bulab und Banlongestelltenverbandes. Seele Sewerlfchaftsjugend Sroß-Berli». Heute, Sonntag, folgende Ber. anftoltungen: Achtnag! Belucht die Weihnachlsmesse des Ortsausschusses Berli» des ADSB. im Eewerksch a fi sha US, Engelufer 34—-K.— Nord» und Sefikreis: Um IS Uhr Besuch der Weihnachtemesse und des„Bunten Abends" im Saal 4 des Gewertschaftsboufcs, Engelufer 24—26.— O stire is: Um 18 Uhr im Jugend- heim Ebertgstr. 12. Lichtenberg feiert den ö. Zahresabschluß.— vbersprer: Um 18 Uhr in Baumlchulenwea, Ernststr. 16. Geburtstagsfeier der Gruppe Baumfchulcnwcg.— Siidlreis: Um IS Uhr beteiligen wir uns an dem„Bunten Abend", der im Rahmen der Wcihnachismess« im Saal 4 de» Sewerkfchofls» Hauses stattfindet. Programm: 1. Schänlank liest au» eigenen Werten. 2. Sprech, und Bewegungschor. 3. Konzert des Orchesters der Aunstgemcinbr Wedding.— Morgen, Montag, Zufammentunft der Mädchen um ISVj Uhr im Jugendheim de» Meiallarbeitcrverbande», Linienstr. 83—86. Vortrag: �Hiius- liche Erziehung— Echulbildung und Berufsausbildung des Burschen und Mädchen."'— Denkt an die Weihnacht Swandernng.— Anmeldefristen einhalten! Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu. Heute Sonntag: - Unsere«eihngchtsansstrllKpg I« Jugendheim Linden str. I ist ad heute, Sonntag, den U.. bis Freitag, 2S. Dezember, werttag» von 16— 30 Uhr, Sonntag, von 10—30 Uhr geöffnet. Aedes Mitglied muß die Ausstellung besuchen. Falkplaß I: Besuch der Weihnachtsausftellung. Treffpunkt 9% Uhr S«z-a» listcneckr.— Faltplaß N: Besuch der Weihnachtsausstellung. Treffpuntt 14 Uhr Bhf: Schönhauser Allee.— Sel»»dbe»a»en: 18 Uhr Treffpunkt Priazenallee. Ecke Badstrnße, zum Bortrag:»Religiöser Sozialismus."— Kumanuplaz: Treffpunkt zur Werbebezirksmitgliederversammlung l8>4 Uhr am Helmholß, plag.— Mtinilif er Part: Treflpunkt 12"4 Uhr Artonaplost zur Werbrkund- gedung der Partei. Alle Mitglieder mästen erscheinen. Role Fahnen sind mitzubringen.— Rosenthalcr Borstadt: Treffpunkt zur WerbebezirtsmitgNede» Versammlung 18 Uhr Rosentholer Plast(Normaluhr). Alle Genossen müsse» erscheinen.— Frankfurtee Biertcl! Besuch der Weihnachtsausstellung Treff. pnntt 15 Uhr Baltenplast. Heimabend.—«chöaederg I: Heim Hauptstr. 15. Heimabend.— Steglist: Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr Rathausplast.— Tempelhof: 10 Uhr Heimabend.— Heemsboef: Treffpunkt. zur Werbebezirkmnitgliet erver. sammlung l6'4 Uhr Dianaftraße(an der Eiche).— Westen I: Beteiligung an der Führung durch Alt-Berlin. Treffpunkt S Uhr Biiiowstroße. Rachzüglev S'r Ubr Spittilmarkt.— Westen N: Führung durch Alt-Berlin. Treffpunkt SU Uhr Bhf. Blllowstraße.— Nottbnffer Zoe: Alle Genossen erlGeine» vllnkt. lich 1» Uhr zur Probe im Seim Reichenberger Str. 66.— Re»k«ll» vi: Besuch der Sternwarte. Treffpunkt 15 Uhr Herstbergplast(Zeitungskiosk). 30 Pf. mitdringen. «erbebe, irk Pren, lauer Beeg: U» Uhr im Altersheim Danziger Str. 83 «erbebe, frtsmitglicderverfammlnng mit Bortrag:„Der religiöse Sozialt» mus." Eämlliche Mitglieder de» Werbebezirk» müssen erscheinen. Werbebezirk«»öneberg: Führung durch Alt-Berlin. Treffpunkt 9M Uhr V-Bahnhof Svittelmarkt. IS Uhr im Heim Hauptstr. 15 Lichtbilderportrag: »Unser Werbebezirk." Werbedezi rk Renk öS»: Heim Steinmeststr. 114. PoNtifch-f-tirischer Abend. Helmöffnung IS Ubr. «erbebezirk Reinickendorf: Heim Retnickendarf.Sst, Restdenzstr. 48. Seebad. Bor trag:„Berufsschulfragen." Ortsgruppe Teltow: Slternbaend 30 Uhr im Lokal„Schwarzer Adler". Musik. Rezitationen, Reigen, Zugendspiel Eintritt 50 Pf. Augendliche bis Morgen, Montag. 1314 Uhr: N: Heim Lehrter Str. 18-1».»Der Lehrling und feine Rechte."— Fallplast Nr Schnle Greifen Hagener Str. 58.„Wandern im Winter."— eüdwrste»: Funktionilrkonferenz.— Friede»»».- Heim Offenbacher Str. 5». »Was schenke ich zu Weihnachten?"— Schöneberg NI: Heim Hauptstr. 15. B«. sprechung für hie Weihnachtsfeier.— Eharlottendnrg.Rorb: Seim Slbersstraße. »Sonnenwende."— Fraakf-rtrr Biertel: Heimabend im Hei» Litauer Str. 1«. * �Sozial istische Arbeit erfugend Nönigeumftrrhause».«eshnncht»,«Schee»»». stelln»g nn Jugendheim in der Turnhalle Alte Plantage. Eintritt frei. Rur »ach Z Tage geöffnet, uonntag, 12. Dezember, von 17 bis A Uhr. jung und all Reich« Auswahl«on Büchern aller Art für Vorifäge,Vereine und Versammlungen. #Reick>sbannrr»Sckiwar,- Rot-Gold". Ssschilftsste lle: Berlin S- 14. Sebastianstr. 37/38, Hpf 3 Tr. Kreazierg: Für die arf Sonntag, U. Dezember, 1« Uhr. statt. Jindende gefellige Veranstaltung in den Sammersälen, Teltower Straße 1, des PBB. sind Eintrittskarten zu 1 M. bei den Safsterern zu entnehmen.- Reukölln-Brist. 4.«amcradfchast: Montag, 12. Dezember, 30«, 32 Uhr. Turnen m ber 1. Gemrindeschule. Ehausseestr. 137.- Dienstag. 13. Dezember.»enkelln-Prist. 4. Kameradschaft: Pünktlich 20 Uhr Kamerad- schaftsversammlung im Lind'n park, C Haussrcstraße. Mitgliedskarte mitbringen. Pre»il»»rr Berg, Kameradschaft Senefelderplast: 20 Uhr Versammlung bei Büttner, Schwedter Straße. Keruzbcrg: 19 Uhr Antreten der drei Jung. »f, Ebersstraße. Der Ummarsch beginnt pünktlich 19 Uhr am Marktplast Ebersstraße. Kameraden anderer Ortsvereine werde» gebeten, sich daran zu beteiligen. Reinickenbors: ISsh Uhr Pflichtantreten der Kameraden von Relnickendorf.Ost..West und R ofenthal zum Saalschust bei der öfscntlichen B-riammlung der SPD. im Schüßenbaus, Reinickendorf-Ost, Restdenzstr. 1 �9tetersp»etabteil»»g» 20 Uhr ffahrtbcsprechung für Tanne, und Tirolfahrer im Markgrafen-Kaslno, Morkgrafcnstr. 22.""jm'** .-------.WM..,-----------— Anschließend Skianmnastik. Anmeldungen werben noch angenommen.— Mittwoch, 14. Dezember. Kreuzberg: jS 5ivc Versammlung der Abt. 12 bei Siedentopf, Muskauee Ste. 35. Erkner: 20 Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Karbc(Sesrllschastshaus). P JJ1**' Keglerbunb Deutschland» veranstaltet Sonntag, 11. Dezember, nnn 9— 22 Uhr in der Berliner»egler.Sporthalle, Alestandrinenstr. 107,»in T�eihnachts-Sportwerbekegeln, in dessen Berlauf kegelsportliche llebungrn ge. zeigt werden. Um da» Publikum mit dem sportlichen Kegeln bekanntzumacken, werden Damen und Herren etwa 12 Bahnen aller Art zur Berfllgung gestellt und viel« wertvolle Preise(prallische Artikel, Lebensmittel, Ehrenzeichen usw.) ausgesestl Um 17 Uhr wird ein Vortrag:„Der Kegelfport al, Lelbesüdung, gehalten Eintritt frei. Zur Deckung der Bahnunkostru wird für die Schub. karte ein sehr geringrr Betrag crhoben. Reicksbuud jüdiscker Frontsoldaten, e. B., Bezirk Sstb. Wohltätigkeit»- ball Sonntag, 11. Dezember, im Burgsaal der Schlaraffia, Enckcplast 4 (an der Eharlotten. und LIndrnstraße). 3» ber Berliner Selellsckaft für Psychologie»»b Ebaraiterslogle, Kur. fllrstendamm 45. spricht Do»ner»tag, 15. Dezember, 20 Uhr, Dr. P. Eohn. Guben, über»Einsamkeitsqefühl". Anmeldung von Gästen an Geh. Sanitäts- rat Dr. Albert Moll, Kurfürst-ndamm 45, erbeten. Republikanisch« Redneeoeresuigung. Montag, IS. Dezember. 20 Uhr. spricht e'-rhol, über„�evubsikanisterung der Republik im»Alten Askanier", Anhalistr. II. Gäste willkommen. Ueber»Panenropa nnb Mitteleuropa" spricht Mittwoch. 14. Dezember, 20 Uhr, Im großen Hörsaal der Deutschen Hochschule für Politik, Schinkel. Plast 6. Professor Dr. M. Spahn. Kosten befragen nup 5% de? Kpediisumme. ikaufkueimtz�h Zweigniedeplassung ßeplin-W.S• MaFkgpafensiraße 28. m U X . v> '.±i I B «W»M» TT8 TT MMmsfamfan ffoSdnreäzep Uhren Kitin* Anzahlung/ Sie wollen in Ihrer Familie Frohe Weihnachten haben? Dann kommen Sie, bitte, zu uns und wählen Sie sich aus unserem retc&sorilerien Lager eine Taschen- oder Jlrmbantlulir aus, die wir Ihnen auf Kredit bis zulO Monaten gegen kleinste Wochenraten, von RM. 1.- an aufwärts. geben. Unsere Preise sind niedrig, wir fährefi nur la Schweizer Fabrikate, modernste Formen, einfachste bis eleganteste Ausführung.->- J «.■.'iT.;. vvtfi Einige Beispiele unserer Leistungsfähigkeit:. M. 2.50 wichentllche Teiluk«ng M. 1.60 wftobeniiehe Teilzahlung M. 2.40 wtchenJiche Teilzahlung M. 2.50 Noch fsf große! Auswahl Inden nachstehenden! 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SK alle, die am Ausbruch der ungeheuren Katastrophe be- lellzA Nvren, schreiben ihre Erinnerungen nieder, ob es sie nüu bcjsiyt, sich vor M.t- und Nachwelt zu rechtfertigen, ob sie mrr die Eitelkeit treibt, sich im Glanz einer historischen Rolle zu zeigen Der Verfasser der jüngst erschienenen Auf- Zeichnungen„Zwei Jahrzehnte im nahen Orient" (Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1927), General der Ka- nallerie Baron Wladimir G i e s l, steht zwar auf dem Theaterzettel des Weltkriegs nur als Träger einer Neben- rolle: ein Bote... Baron Giefl, aber verhängnisvollere Botschaft ward nie überbracht. Er war der Brief- träger des Unheils, denn die befristete Note an Serbien, die er am 23. Juli 1911 in Belgrad überreichte, wurde recht eigentlich zum F.dibus des großen Weltbrandes. Schon vordem hatte sich G i e s l als k. und k. Militär- attach-i in Konstantinopel, Militärbevollmächtigter in Sofia und Zlthen und Gesandter in Cetinje draufgängerisch in manche Fragen zu mischen beliebt, die nicht gerade in sein Amt fielen. Eine ungewöhtrlich bewegte Zeit war es ja, da dieser Kavallerist den Interessen der Habsburger am Gold- nen Horn und auf dem Balkan diente. Die Kretawtrren, der türkisch-griechische Krieg, die Reformaktion in Mazedonien, die jungtürkische Revolution, die Annexionskrife, der erste und zweite Balkankrteg— all diesen Begebenheiten stand er als Augenzeuge, öfter als Mithandelnder nahe, und über das meiste schreibt er frisch und anschaulich. Besonders ein- drucksvoll ist sein Bild von dem Schreckensregiment Abdul Hamids, und hier wiederum werden J5ie Armeniermetzeleien des Jahres 1895, die manche deutschen Türkenfreunde später zu vergessen oder zu beschönigen suchten, schauerlich lebendig. Giesl schloß Augen und Ohren nicht, als in jenen bluttriefenden Augusttagen die Polizei der Hauptstadt an die türkische Bevölkerung, namentlich aber an die Kurden, eisenbeschlagene Stöcke und Knüppel samt der We'sung austeilte:„Auf das gegebene Signal darf durch 18 Stunden jeder Armenier, ohne Unterschied des Alters und Geschlechts, getötet werden." Er sah die Opfer massenhaft fallen und erhielt von einem Offizier, den er zum Einschreiten aufforderte, die bezeichnende Antwort:„Hm, mische dich nicht ein. der Beseht ist so gegeben": daß der Befehl zur Aus- rottung der ganzen armenischen Nation aus dem Palais kam, bestätigt das Buch ausdrücklich. Und der, von dem der Be- fehl ausging, der unheimliche Massenmörder Abdul Hamid, einer der viehischsten Verbrecher der Weltgeschichte, war der Bundesgenosse. Freund und Bruder Wilhelms II., der ihn mit Herzlichkeiten überschüttetel Daß dem Hohenzollern, der großspurig seinen Schild über dreihundert Millionen Moslems hielt, aber auch die geschäftstüchtige Aufdringlichkeit innewohnte, die sonst! von den.FZölkischen" Hausierern nichtarischer Herkunst! nachgesagt wird, erfuhr G.esl bei anderer Gelegenheit. Als das griechische Heer mit modernen Schnellfeuergeschützen ausge- rüstet werden sollte, suchten Deutsche und Franzosen, Krupp und Schneider-Creusot, einander die fette Be- stellung abzujagen. Da trat Wilhelm II. als C o m m i« v o t a g e u r der Essener Firma auf den Plan und wandte in Briefen an seine Schwester, die Kronprinzessin von Griechenland, Einschüchterungsmittel an, die als Eingriffe in die staatliche Selbständigkeit des kleinen Balkanstaats in Athen bitter vermerkt wurden. Der deutsche Gesandte Graf Arco schlug— wie der Herr, so's Gescherr!— gegen den König ähnliche Töne an, so daß er die Erwiderung einstecken mußte:„Wenn S.e, Herr Minister, sich eine solche Sprache mir gegenüber erlauben, dann wäre es eigentlich besser ge- wesen, der deutsche Kaiser hätte uns einfach befohlen, das deutsche Material zu kaufen." Derart machte sich das wilhelminische Deutschland in aller Welt beliebt. Am bedeutsamsten wäre in Giesls Aufzeichnungen die Schilderung seiner Tätigkeit in Cetinje und Belgrad, wenn er unverhohlen alles sagte. Aber in übertreibender Beschei- denheit gibt er sich so, als sei er in jedem Fall nur ein stummes, ausführendes Werkzeug des Ballplatzes gewesen, während er in Wahrheit der Entwicklung nach Kräften die Richtung geben half, und zwar stets im Sinne bedenkenloser Kriegshetze. Schon in Cetinje während des Balkankrieges, als es für die Großmächte darum ging, N i k o l a s Streit- macht von Skutari zurückzuscheuchen, machte Giesl als Für- sprech des„Immer feste druff!" aus seinem Herzen keine Mördergrube. Mit seinem deutschen Kollegen v. E ck a r d t stand er dabei wie Hund und Katze, weil, wie er schreibt, der Bevollmächtigte des Reichs„n cht Dreibund-, sondern aus- gesprochen montenegrinische Politik machte", richtiger: keine Lust verspürte, mit der halsbrecherischen Politik des Ball- Platzes durch Dick und Dünn zu gehen. Sie trieb bewußt einer Katastrophe zu, nicht zuletzt dank Giesls anfeuernden Ratschlägen, der selbst, als Montenegro vor den vereinigten Mächten zurückwich, in Wien ein Ultimatum anregte, um den Balkanzwergstaat„dem Willen der M o n a r ch i e zu beugen". Als Giefl im Dezember 1913 den Belgrader Gesandten- Posten übernahm, meinte v. E ck a r d t, es sei, als schicke man einen Mann, der den ganzen Tag Zigaretten rauche, in eine Pulverkammer. In der Tat flog nach kurzen Monden die Pulverkammer in die Luft. Während des Attentats von Sarajewo weilte Giesl fern von Belgrad, aber da er eilig zurückkehrend in Belgrad halt machte, vernahm er aus dem Mund des deutschen Botschafters v. T s ch i r s ch k y kriegs- hetzerische Reden:„Wenn Ihr Euch noch dies gefallen läßt, dann seid Ihr nicht wert, daß man Euch an.. samt der Drohung. Deutschland werde in diesem Fall erwägen, ob es sich nicht nach einem andern Bundesge- nassen umsehen müsse! Aber Giesl bedurfte solcher Auf- munterung kaum, denn der t. und k. Generalstabschef fand ihn in diesen Tagen sehr zum Losgehen gelaunt. Zwar ver- sucht das Buch diesen Eindruck Conrad von Hötzen» d o r f s abzuschwächen, aber es besagt genug, daß der in Sarajewo ermordete Franz Ferdinand, dieser finstere, gewalttätige, dem zwanzigsten Jahrhundert fremde Erz- absolutist Giesl als feinen Minister des Auswärtigen aus- erkoren hatte. Auch was über das Ultimatum gesagt wird, atmet die tückische Verschlagenheit, die am Ballplatz zu Hause war: „Bei Formulierung der einzelnen Forderungen wurde jedes- mal die Frage aufgeworfen, ob die Annahme seitens Serbiens möglich sei." Ganz recht, und wenn die Annahme nicht voll- ständig unmöglich schien, wurde die Spitze der Forderung so zugeschliffen, daß sie abbrechen mußte. Denn in der be- rüchtigten Sitzung des Ministerrats vom 7. Juli 1914 stimm- ten, bis auf einen, alle Teilnehmer darin überein, daß „ganz unannehmbare Forderungen an Serbien gestellt werden müßten, damit es b e st i m m t zum Krieg kommt". Der ungarische Ministerpräsident T i s z a meinte mit Recht, im Min.sterrat sei die Absicht gereift,„den Krieg init Serbien zu provoziere n", der Gesandte in Rom, Graf M e r e y, sprach von dem Borhaben des Ballplatzes, den kriegerischen Konflikt zu„s o r c i e r c n", und des Grafen B e r ch t o l d rechte Hand, Graf H o y o s, stellte von den Forderungen des Ultimatums befriedigt fest, daß„ein Siaat, der noch etwas Selbstbewußtsein und Würde habe, sie eigent- Tch unmöglich annehmen könne". Wem will da der Baron Giesl einreden, daß man im Wiener Außenministerium an die Annahme der Rote geglaubt habe? Rein, sie glaubten an den Krieg, sie woll.en den Krieg, sie zerrten den Krieg an den Haaren herbei, und Giesl, Briefträger des Unheils, wußte Bescheid, als er Derchtolds infamen Wisch in Belgrad überreichte. Wenn er zweimal vierundzwanzig Stunden später, beim überhasteten Verlassen des serbischen Bodens» weit entfernt davon war.„zu ahnen, daß die W?lt am Vor- abend des entsetzlichsten Krieges stand", so lagen seine Fähig- keiten wohl immer mehr auf der kavalleristischen, als der diplomatischen Seite. Erschütternd ober wirkt seine nach Tisch gekommene Er- kenninis, daß seine Sache von vornherein verloren war, da die Erfahrung,„daß die einheitlich angesetzte Stoßkraft des nationalen Gedankens unwiderstehlich ist, sich auch in den» weltgeschichtlichen Prozeß der Slldslawen gegen die Habs- burger bestätigte. Warum man in Wien trotzdem die Lunte anzünden mußte? Giesl antwortet wie ein sechzehnjähriger Wehrwolf:„Deutsche Sitte verlang: Wehrhaftigkeit und Ver- teidigung der ererbten Scholle!" und bekennt sich als unbe- dingten Anhänger der alten Tradition und Verehrer der „ehrwürd'gen, leider untergegangenen Monarchie", obwohl der Berjuch, sie gegen die eigenen Völker zusammenzuhalten, Europa ein Dutzend Millionen Tote gekostet hat. Wahrlich, auf dieser eisernen Stirn steht nur die traurige Losung: Nichts gelernt und nichts vergessen! und rechtfertigt den Untergang des überlebten Systems, besten überzeugter Diener dieser Baron. General und bevollmächtigter M nister war. Für B&msn: Vollbrokat m Silber!am<.�|�90 geblümt und gold. gut* Pasalornv Kom rr.t ess-Absatz Lack Einspangensckube�i 4� SO •leg. Form, echt Louis XV�-Abs., do. mll Sieg il bequem, emertlc. Absatz Eimpan�enscbuhesihu_ boxeall u. Lgck. mit echter Kappe.�Q 50 in braun Boxcel» mll Hflgelkappe. 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Uhr, U Sezlrksuusschuß für Arbellerwohlfahrt und Sinderschutz: einige Teilnehmer tönneu im den stursu, noch .......-""-L bis Freitag 17 ___...______ J___ i Slorunr. 11(«eatrlsamt streu, berat termiu 30. Dezember 1027. Lotterieoeranstattungen, Ailm- und Vortragsabende: „Mutter Fiirforge". ein packender Film aus dem Wirluugskrei» der Arbeiterwohlfahrt. 1. Freitag, Ib. Dezember, lOV) Uhr, Dharlotteuburg, Saal de, deutschen strankenlasfenhanfe», Berliner Str. 137. Vortragende Frau Wrauftu i Archiv fiir Wohlfahrtspflege). 2. Sonnabend, 17. Dezember, I8H Uhr, st-in, Balifchuiieder, Badftr. 12(Wedding). Vortrageuder Dr. Schloß< Bez.. Amt streu, berg), 3. Sonnabend. 17. Dezember, 1»H Uhr, im Kauf» de,«etal. aebeileroerbande». Linienstr. 83 83. Vortragende Frau Stadeäti» Weyl. 4. Dienatsaa, 20. Dezember, lOlb Uhr. im Saalbau Friebrichsbain. Am Frledriäsbain. Vortragende Stabtoerorbn. Minna Todenhagen.-- Wir bitten, »ea Abend fiir den Besuch der Filmaussührnug frei zu halten. Eintrittspreis 23 Pf., aber Inhaber eine» Läse, der Arbeiterwohlfahrt haben freien Eintritt. 3. steci» Fricdrichshain. Montag, 12. Dezember, 10 Uhr, Kreis. funttionSrucrfammlung in Schmidt» G-fcllfchaftshaus, Fruchlftr. 36». Tagesordnung: 1. Vortrog:„Die weltliche» Schulen in Oesterreich und Frankreich." Referent Sladtichulrat Poulsen. 2. Diskussion. 3. stret». angclcgenheite». Um pllnitlichos Erscheinen sämtlicher Funktionäre wird dringend gebeten. Mitgliedsbuch und Funktionärkart« mitbringen. Achlungl Die Abteilungs.grauenleiterinnen werden gebeten, schon um Iii» Uhr zu erscheinen. II. Abt. IVA Uhr hei stark stinzek. Usedomstr. 22, Sitzung sämtlicher Funk- tionäre. Ersechinen ist unbedingt erforderlich. 17. Abt. WH Uhr bei Dose, Rorbhöfen 6, Funklionärsttzung. 18. Abt. lOlh Uhr bei Milller, Uierstr. 12, Sitzung sämtlicher FunktionSr«. 10. Abt. Ißl» Uhr bei Schrcpel, Dritnthaler Slr 13. Funktwnärsttzung. 20. Abt. 19'� Uhr bei Pose,«olanieslr. 1», Funklionärsitzung. 23. Abt. 10IH Uhr bei Srunwaldt, Kameruner Str. 10, Funkiionärsttznng. 24. Abt. 10)z Uhr bei Rösner, Immanuellirchstr. 25. wichtige Funktionär. sttzung. Die Bczirkssilhrer werden ersucht, zu den gahladende» besonders oinzuladrn. 20. Abt. 10lh Uhr bei Heile», ssunktionärfitzung. 27. Abt. 10)h Uhr bei Woohsmann, tüleimstr. 10, Funktionärsttzung. Die Dczirlsfährcr rechnen die Sammellisten ob. 28. Abt. l0)h Uhr bei Büttner, Schwedler Str. 23, Sitzung sämtlicher Funk. tionäre. 30. Abt. 20 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Funktionär- sttzung. 42. Abt. lS)h Uhr bei Wiersdorfs, llrbanstr. 8, Versammlung aller Fun!. tionäre und Elternbeiräte. 44. Abt. lOtj Uhr bei Ewald, TkoNtzer Str. 126, Funktionärsttzung. Di« Bezirksführer müssen die neugewonnenen Mitglieder zur Abteilungsver. fammlung am 14. Dezimber besonders einladen. 43. Abt. Die Funkiionärsttzung fällt au«, dafür Abrechnung der Liste» beim Genossen Siebert. 44. Abt. 19H Uhr bei Elchholz, Euvrystr. 23, Funktionärsttzung. 32. Abt. Eharlstteabarg. 19)4 Uhr bei Lade, Kaiferin.Augusta.Alle« 52, Funktionärsttzung. 83. Ab». Tempelhof.« .M«in 7, Kreis Charlottenburg. Der ganz vorzüglich« Film Seekomp, der am Freitag bei uns gezeigt wurde, läi__ und 19 Uhr im Wohlfahrtslaal in der Kijniain.Elifabclh.Str. 8. Die Parteigenossen follien ihn ssch nidolichst alle ansehen, llnkostenbeikrag für Kinder 20 Pf., für Erwachsene 30 Pf.— Montag, 12. Dezember, 10', Uhr, Die Kindcrrepublik wurde, läuft heute um 15 und l? in.Elisabeth.Etr. 8. Die .,-----, Einwohner des Tempelhof er Industrie. peblcls, erscheint zu einer öffentlichen Aussprache über die Verkehrsuer. hällnisse und Strasse» dieses Bezirks am Montag, 12. Dezember, lOVj Uhr, bei Happeldt, Eottlieb-Dunkel.sir. 11, Ecke Gernianiastrasse. Referenten Bezirksoerordnetenvorfteher Otto Burgemeister, Karl Braun, Bezirksverordneter. 00. Abi.«eltz.Backow. 7.«ezirl Gross. Eiedelung. 20 Uhr im Lokal Busch. ftttg. Rudower Sit,, Sitzung, betreffend die Konsumgenossenschast. Partei- beiträoe werden In drr Sitzung entgegengenommen. 141.»dt. Rsseathnl und Riedcrschcnhausca.West. 19 Uhr bei Frische. Nieder, strasse, wichtige Funktionärsstzung. Erscheinen aller Funktionäre ist Pflicht. Dienstag. lZ. Dezember: 8. Abt. 20 Uhr bei Rickert. Steinmrtzstr. 36», Funktionärlltzung. Alle Be. fein, weil Reuciutetlung der Bezirke. Niemand zirke müssen vertreten trag:-Sie poiltlsche Situation. Neferent Erich Fränkel. Die Obleute laden schriftlich ein. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Der Werbe- auoschllss.— Athlungs Montag, 12. Dezember, 20 Uhr, Sitzung des engeren Krelsvorstandes mit den Abteilungsleitungen im Lokal Schramm, Hohen. zollerndamm 2. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. 14. Kreis Neukölln. Freitag, 18. Dezember, 20 Uhr, im Städtischen Saaldou, Bergstr. 147, Aufführung de» Film«:„Die Weber" und Beiprogramm. Karle» zum Preise von 60 Pf. bei den Abtetlungsleilern und an der Abendkasse. Falkenberg Uber:„Was wird aus der Besoldungsrrform?" Da» Er- scheinen aller Beämteugenossen, wie die weiteste Propaganda für diese Versammlung wird erwarlet. 17. Kreis Lichtenberg. Montag, 12. Dezember, 10 Uhr, Funktionärsttzung Im Arbeitsamt, Echreibcrhauer Slr. 10. Kreis Pankow. Monlag- 12. Dezember, 19)4 Uhr, Im Türkischen gelt. Pankow, Breitcstr. 14, Kreisdelegiertenoersammluna. Erscheinen ist wegen sscr wichtigen Tagesordnung unbedingt erforderlich. Heute, Sonntag, II. Dezember: 2. Abt. Treffpunkt zum Werdeumzug 12%, Uhr auf dem Arkonaplatz. Wir «rwaribn reg» Beteiligung. 33. Abt. Di, Lutrke Bauer, Eassarelli. Müller, Schwanz, Petrasch. Wimmer, Hoth,'Paul holen sich noch heut« die Sanunelllsten vom Genossen Paul Vsd, Gossledstr. I, ab. 36.»bt. Die Vezirksleitee werden gebeten, beim Genossen Zierfch, Kantstr. 82, di< Einladungen und Programme für dt« Weihnachtsfeier abzuholen und zu vorteilen. Morgen, Montag, 12. Dezember: 9. Abt. 20 Uhr bei Hübner, Wilsnacker Str. S4, Funktionärsttzung. Achtung! Vorftondssttzung bereit, um 19)4 Uhr. ebendort. 13. Abt. 19'4 Uhr bei Krüger, Pullitzstr. 10, Bezirksfllhrerkonferenz. 14. Abt. 20 Uhr bei Lauritzen. Putbusser Str. 11, Funktisnärstdung.. 13. t�ä hr bei Lauritzen, Uhr bei Obialo, noedingt erforderlich. 19)4 Uhr bei Obiglo >när«. Erscheine» u tralsunder Str. U, Sitzung sä itzung., amtlicher Funk- darf fehlen. IZ-«"• bei Trümper, Flensburg« Slr. 8, Funktionärsttzung. 22. Abt. 20 Uhr bei Radzoh, Brüsseler Str. 43, Sitzung sämtlicher Funk. tionäre. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr.Zahlabend. 2. und 5. Bezirk Lokal Bus«, .Sängerheim", Wrrder. Ecke Kaiser.Wllhelm.Strasse. III. Abt.«ohasdoes. 30 Uhr bei Heimann, Waltersdorser Str. 100, Bor. standsfitznng. 20 Uhr grosse Sssentliche Bersammlung im Lokal Echlltzenhaus, Ressdenzstr. 1. Tagesordnung: Der Ansturm des Bürgerblocks gegen die Mieterschutzgesetzgebung. Referem Minist» a. D. Lipinski, M. d. R. Die Bevdtkerung de» Ortsteils wird gebeten, diese Versammlung recht zahlreich zu besuäxn, um einen wuchtigen Protest gegen die geplante Eulrechtuug der Mleier einzulegen. Der Ableitungs, vorstand... Mittwoch, 14. Dezember: z. Abk. 19)4 Uhr im Saal 5 de» Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, Mit. gliederverfammlung. Lortraa:„Hetlmiiiel und H.ilmltlelfchwindel." .. Jeferent Dr. med. Haas«. Die Bezirksfübrer laden dazu besonders«in. 34. Abt. 19)>: Uhr gahladende. Bereinszimmer der Comeuiusfäle, Memeler Strasse 87. Bortrag:„Strafgesetzentwurf." Referent Genosse Falck.— Rofln, Gubener Str. 19. Bortroa des Genossen Dr. Fritz Schloß.— Mücke, Warschauer Str. 17.— Die Bezirksführer laden besonders die neu- gewonnrnen Mitglied« bestimmt dazu ein. 141. Abt. R-Ieatbal«ad»ieberschinbaafen.vest. 19)4 Uhr gemeinsame Mit- gliederversammlung im Lokal Schwesta. Walberfeestr. 3. Vortrag:„Der rtitstsch« Kommunismus," Referent Robert Breuer. Di« Funktionäre laden dazu et», besonder» dl« ueugewonnenen Mitglieder. 48. Abt. Zm Alexandriner. Alexanörlnefistr. 37a, Frauinadenb!„Ernstes und t eitere»." Dortragender Genosse Hosemann. Säst« willkommen. bt. Bei Arndt, Schildhornstr. 98. Vortrag des Genossen Dr. Leiddranh über:„Die soziale Mission Peter Roseggers." Gäste willkommen. Araueuveraastaltuagea, Dienstag. 13. Dezember. 19'4 Uhr: 28. Abt. Fortsetzung des Kursus„Die deutsche Reichsversassung", bei Heiles, Prenzlauer Allee 239, Referentin Genossin Beidler. 28. Abt. Bei Iäneke, Hagenau« Str. 5, Frauenabenb. Thema:„Morgen- tändische Literatur." Bortragende Genofstn BUssna. öl. Abt. Charlottcnbnrg. Bei Schellbach, Königin. EItsabeth»Str. 8. Genossin Hurtig spricht über»„Soziale Dichter."(Dehmcl, Gerhart Hauptma::» u. a.) Gäste willkommen. Arauenveranstattungea, Mittwoch, 14- Dezember, 19�- Uhr: 127. Abt. Hohenscheuhausen. Frauenabenb und Zahlabend zusammen in der Schule Hohenschönhausen, Freien walder Str. 6. Bortrag de» Genossen Dr. Mever-Brodnitz über:„Boll»gesm»th«it und Bevölkerungspolitit." Gäste willkommen. 34. Abt. Voranzeige. Goaatag, 18. Dezeaid«. �MaM"leati____.....______ WWW edsl Freunden und Bekannten, den herzlichst ria. Dir Ab» «ellaagileituag. ...„. Weihaachtsfsi« der Abteilung ia de» Comratussillea, Memeler Str. 07. Beoin» 17 Uhr. Wir laben oi« Senossea mit ihren Familieuangehöriaea. nebst Freunde» and O sovi« VoewSrtslefern und Sympathistereadeu herzlichst«in. Lszirksausschub für Arbeiterwohlfahrt und Siuderfchuh: 3. Kreis Wedbing. Dienstag, 13. Dezember, 18 bis 19 Uhr, erweiterte Kreis. ausschusssttzung. Anläßlich der Filmvorstrlluug am 17. Dezrmber müssen die Abteilungen unbedingt vertreten sein. 4. Keei» Prenzlauer Berg. Achtung! Die Lose müssen unbedingt bei der Genossin Frrcdrich abgerechnet werben. Zungsozialisten: Groß-Bertia. Montag, 12. Dezember, 20 Uhr, Sefnmtveeaastaltung im Preussiichea Landtag, Prinz, Albrecht, Str. 5. Vortrag: Abrüstung und Wehr. haftigkrtt de» Proletariat». Referent Dr. Hermann Schütziager. Korreferent Gerhard Serger.«rltrre Mitglieder b« SAZ. nab jnage Parteigenossen sind .... herzlichst eingeladen. Eruppe Wilmersdorf. Montag, 12. Dezember, 20 Uhr. Jugendheim. 18. Krei» Kursus 2.1. Abi Arauenveranslaltuageu am Montag. 12. Dezember 19% Uhr: gehlendsrs. Bei Schnorre, Potsdamer Str. 3, Fortsetzung de, über:„Einführung in bis Wirtschaftspolitik. Referentin Ge. Bechler. Ä?"-.„9rduenab«nb im Gewerkschaftshau», Konferenzzimmer,„Gemütlicher Adend.„BoriveibnachtsNunden. Vortragende Genossin Hartig. Di« G«. nosstnuen find all« herzlichst»inaeladen. Gäste willkommen. 48. Abt. Im Bezirksamt«reuzberg, Porckstr. 11, Ziirw.rr 36, gemütlich«» Bei. nmsniein Lied« zur Saut«. Genossin Lisa«llbrscht.' Humoristische» erlei." Genossin Knauer. Gäste willkommen. Wilhelmsaue 123. Vortrag:„Soziale Erziehung. Referent Gustav Kleinen. Erscheinen aller Mitglieder werd erwartet.— Gruppe Reinickendorf. Montag. 12. Dezember, Beteiligung an der EesamtveranstaUung. Der Sruppenabei.o fällt aus. Sinderfreunde Groß-Verlin. Kreis Tiergarten. Wie treffen UNI heilte um 15 Uhr bei Berger, Lcvetzow- Ecke Zagowstr. Dienstag, 13. Dezember, findet um 19 Uhr in der Schuiaulel» Wald-nserstr., unsere Weihnachtsfeier statt. Kreis Chaelstteubnrg. Gruppenabende in dieser Woche: Genppe Sonn«. ""''~~------- r Boi Montag von 16—18 Uhr, im Jugendheim, Epreestr. Sil. Dienstag von>418—20 Uhr, im Heim. Bleibtreustr. 29.( Gruppe Vorwärts. Gruppe Freiheit. Bon 17—19 Uhr, im Heim, Rosincnstr.' 4<10— 12tährig-). Gruppe Freude. Mittwoch von 15—17 Uhr, im Heim. Rosinenstr. 4. Gruppe Eiaigkctt. Von 13—20 Uhr, im Heim, Am Bahnhof Westend 2. Grnpp« volkshaas. Bon)418—'w20 Uhr, im Seim Rosinenstr. 4. Gruppe Sonne. Sonnabend von 15—)4I7 Uhr im eim", Epreestr. 80. Alle 10— 14jährigen treffen sich Sonnabend von!cl7 bis 19 Uhr im Heim, Rosinenstr. 4, zum Basteln.— Heute, Sonntag, kommen alle Kinder zum Seekampfilm in die Königin-EIisabeth-Etr. 8. Borführungen um 15 und 17 Uhr. Krei» Rriaickendors. Die Arbeitsgemeinschaft üb« Sohnstein fällt am Montag aus, dafür bitten wir die Helfer a» dem Lichtbildervortrag üdec Seekamp um 20 Uhr im Jugendheim teilzunehmen.— 136. Abt. Sonntag, 11. Dezember, tagt die Züngerengruppe im Heim. Montag, 12. Dezember, ab 18 Uhr, Külengruppe, tm Heim. Anschliessend für alle Gruppen Lichtbilder- vorlühruna„Seekamp". Um 20 Uhr, Elternabend mit Lichlbildcrooptrag„See- kamp'. Wir-bitten die Genossen, recht zahlreich zu erscheinen. Dirnslag, 13. Dezember, von 17)4—19)4 Uhr. Spiel und Tanzabend der Aeltneagrnppe. Mittwoch. 14. Dezemd«, von 17)4—19)4 Uhr, Spiel und Tanzabend der Iüngerrngruppe. Donnerstag, 15. Dezember, von 17)4—19)4 Uhr, Basteln der Aelterengrnppe. Freitag, 16. Dezember, 17)4—19)4 Uhr. Basteln der Züng«en. H. Sämtliche Veranstaltungen finden im Heim Seebad statt. lesi» Steglitz. Gruppenabend Dienstag von 18—13 Uhr, tm Heim, Albrecht. strasse 47. Kreis gehleuborf. 74. Abt. Gruppenabend, Freitag, 18—18 Uhr, in der Rorb sihul«. «»ei, Köpeuick. Bezirk Bsbasbsrs. Dienstag- und Freitag» von 18—20 Uhr treffen stch die Gruppen iu» Heim, Bachtelftr. 1, beim Genossen Mohr. f ""Q Sterbetafel der Groß- Derliner Partei> Organisation � Drontheim« Str. 8, tst am ________________________ Einäscherung Dienstag, Uhr, im Krematorium Serlchtstrass«. Wir erwarten reg, 8c. 28. Ab4. Unsere liebe Genossin Amanda Broch 8. Dezember verstorben. Ehre ihrem Anpenke 13. Dezember, 20)4 Uhr, im Krematoriuo: teiligung der Genossinnen und Geimssen. 84. Abt. Renkölla. Unser« Genossin Mathilde Lender, Albestr. II. starben. Ehr« ihrem Andenken. Bs«dlgung Montag, 12. Dezember, mittag» 12 Uhr, auf dem Friedhof, Mariendorfer Weg. Wir bitten um reg« Beteiligung. ist ve mittag »er. Fr»che Damen-Armbändahr Gold 14 Kar et 0.5 5. solides Schweizer Werk 39.- Moderne Beuiel'asche Loder Qm 7 5 Flotter Topp schirm Hatbieiae, 12 iei/iQ, O f orbig. feste Konto Wehr als teooftttgeflelUe sind im Dienst für unsere Kunden tätig. Unsere Waren sind gut Die Bedienung ist aufmerksam. Unsere Preise sind billig. Zu diesen billigen Preisen ohne Aufschlag verkaufen vir mit *i4 flntajjlung unä 5 Wonatsrafen, bei Käufen über 100 Mark *14 flndablung und 5 Monafsrafen, Weihnachts- Angebote aus unseren verschiedenen Abteilungen r 29.50 7.™ 2.50 5J5 86.— 29.— 13,50 14.50 fesches Velouüne• Kleid mU langen Aermeln und /einfarbiger SHtkerel... Herren- Pullover englixb gematlerl, bi Sporlfarben......... Damen-Taghemd WSHfieUcff, mit breiter btickorei........... Herren-Oberhemd vatfi, WiMhesto/r mU LMlUekuat*............... Teppich Äxmbuter, gmt. QaaHlSt SOO'SOO. Bowlen- Service Heising, Bowle, 12 Glixr ond rab/att.............. 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Nun hatte die Gebär» traft der Jette aufgehört, Jette kam ins Alter— das man bei den Menschen Greisenalter nennt. Jettes Augen wurden schon«in wenig trübe. Aber ihre Hörner waren noch feines, blankes Silber. Dieses das Bild, von Jette der Kuh! Und nun das Bild vom Stall, Haus und Menschen. Der Stall war ali und schief wie das Haus. Die Menschen waren all und jung. Der Hausvater war Maurer, jeden Morgen lief er von seinem kleinen Gcbirgsdorf hin zur Stadt, zwei Stunden Wegs, zur Arbeit, zum Neubau. Mutter war wie die Kuh, sanft und klein. Mutter hatte sechs Kinder geboren wie die Kuh. Und Mutter und die Kuh hatten die Kinder gemeinsam ernährt. Dann waren im Hause noch der Opa und die Oma: Vaters Eltern. Greis«. Deren Freude waren die Kinder und die Kuh, die Kuh Jette mit den sanften Augen, mit den schönen, silbernen Hörnern. Zwischen Jetie und. den Menschen war ein besonderes Der» hältnis. Jette gehör!« wie zur Familie. Liebe war zwischen Hau» und Stall. Alle wußten das— am besten wußte das die Jette selbst. Hatte sie nicht alle sechs Kinder der Familie mit Milch oer- sorgt? Und wenn Oma am Nachmittag ihre drei Kaffeebohnen überbrühte, wer spendete dann das Tröpfchen Milch dazu?— Die Jette.— Und wenn Dater auf der Arbeitsstelle in der Stadt sein Butterbrot mit Quark aß, dann dachte er: Ach� die treu« Jette! Wie gut schmeckt ihre Butter, wie so gesund Ist der Quarkkäse. � Ging Vater früh um fünf auf Arbeit, dann hatte er wohl feiner Frau In"der Wohnküche einen Kuß gegeben: aber die letzte Lieb? kosung bekam die Jette. Vater tonnte nicht anders: bevor er gmo. mußte er in den Stall, der Jette mußte er das rotbraune Fell streicheln, und die Jett« ihrerseits leckte dem Hausherrn zum Abschied die rauhe Hand mit rosiger Zunge. Und oll die Liebe zwischen Kuh und Menschen sollt« nun au» sein.. Jette gab keine Milch mehr, sie muhte traurig: Ich möchte euch wohl: weiter ernähren, ober es geht nicht mehr, ich bin zu alt. Die weiße Quelle versiegte— und langer Speichel hängt wie grauer Bindfaden aus meinem breiten, rosigen Maule. Bater sprach mtt Mutter. Oma sprach mil Opa. Und die Kinder tuschelten traurig: die Jette muß weg! Und Väter sprcch in der Stadt mit Seeligmann, mtt dem alten Diel Händler, der hatte vor elf Iahren die junge Jette um vier- hundert Mark besorgt, zu Kriegszeiten, als Vater im Felde stand. Und nun sollte der Seeliomann die Kuh wieder abholen. Er tat et. Mutter weinte— als sie die einhundert Mark.in die Schublade d�s Vertikos legis. Opa raucht« keine Pfeif« mehr..Oma trank chrsn� Kaffee schwarz. Und die Kinder mußten sich mtt Haferschleim begnügen, anstatt guten Mllchürei zu essen. Dann war ln der Stadt Markttag. Oma und Mutter gingsn Ijsn. Abends kamen sie mit Vätern zurück— und mtt noch einem, oder besser— mit einer: mtt einer weißen Ziege. Und mtt fünf Paar Schuhen für die Kinder, und mit einem halben Pfund Kaffee. Die hundert Mark waren alle, zu einer Kuh hatte es nicht gelangt. Dem Hänschen aber, dem Nesthäkchen, macht« Mutter selber«in Paar Schuhe aus Vaters altem grauen Filzhut. der war zwar reicklich mtt Kalk bespritzt, doch beim Schlagen gingen die Kalk» spritzer ab. Und nun steht im Stalle die Kunigunde, dl« weiße Ziege. Nie» mand liebt sie so recht: sie hat grün« Augen mit einem violetten schrägen Strich drin, die Augen der Zleg« sind falsch und sie stößt mit ihren krummen Hörnern noch den Kindern. Die Augen der Jette hingegen, die waren sanft und milde und liebend. Nachts träumen Vater und Mutter und Opa und Oma und die Kinder— von ihrer armen rotbraunen Kuh. Jette aber war längst Wurst geworden. Seeligmann hatte sie zum Schlachthos gebracht, von dort kam ihr Fleisch in die Wurst» fabrik— es ward gemischt mit amerikanischem Gefrierfleisch. Jette ward allerfeinste' Zervelatwurst: Landwurst! W«m ein Sehne- stückchen tu von zwischen den Zähnen stecken bleibt, der wird sicher nicht ahnen, welche Liebe ihm im Munde hängt: da» Erinnern an Jette die Kuh! Neues aus hertulanum und Pompeji. Die Aufgabe, das alt» Herkulanrim auszugraben, die jetzt in Angriff genommen wird, ist sehr viel schwieriger, als die Freilvgung von Pompeji war. Die Lavamassen, die den Ort vor ZfOg Jahren überdeckten, sind sehr viel härter als die Asche, unter der Poinpeji begraben lag. Dazu kommt noch, daß die beiden Dörfer Portici und Resina, die über der Stätte des alten Hertulanum errichtet worden find, niedergelegt werden müssen, und eine Kommission ist damit beschäitigt, für die Bewohner ttne neue Siedlung aussindig zu machen. Die Arbeiten sind noch in den Anfangsstadien. Seitdem der französische Prinz Elbeuf zu» fällig im Jahre 1719 Herkulanum entdeckte, sind zahlreiche Versuche unternommen worden, die begrabenen Schätze zu heben. Senkrechte Schächte, zwischen kl) und SO Fuß Ties«, wurden gegraben, und von diesen aus horizontale Tunnels nach ollen Richtungen gezogen. Viele dieser Tunnels wurden dann wieder aufgegeben und zu- geschüttet, so daß es zunächst einmal notwendig ist, genau fest- zustellen, welche Teile der Stadt noch nicht erforscht sind. Di« Arbeiten beschränken sich vorläufig aus den Teil Herkulanums, der zwiichen Resina und dem Meer liegt.' Die Lavaschichten werden ausgehoben, um zu dem eigentlichen„archäologischen Boden" vorzu- dringen. Die Au?grabilngen sollen nach der von Pros. Spinazzola geschastenen Methode vovgenoinmcn werden, nach der jeder«nt- deckte Gegenstand in genau derselben Stellung bleibt, in der er gesunden wurde. Man hofft hier dieselben«rstalinlichen Erfolge zu haben, wie bei den jüngsten Ausgrabungen in Pompeji, die noch diesem Prinzip auegefühtt wurden und das lebendigste Bild des Aliertums enthüllten. J» Pompeji werden immer wieder neue Entdeckungen gemacht. Unter den letzten besindet sich ein Wandgemälde, das�di« erste genau« Darstellung davon bietet. wie die antike„Cochlea*, das angeblich von Archimsde« erfunden« Wafferbebesystem. arbeitet. Noch hält Herkulauum seine Geheimnisse fest. Aber man hat die größten Erwartungen. Enthielt doch«ine einzig« dort ausgegrabene Villa, die dem Luciiis Calpuniius Pisa Eaesonius, dem Schwiegervater OTäsars, gehört haben fofl, solch« Schütze wie den ruhenden Hermes, den trunkenen Silen. den schlafenden Faun, die Grupven der Dkekuswerfer und der Tänze- rinnen, die Slawe des Aristides und die Lüsten von Plato und Eeneca. Aus Beethovens Kinderzeit. Von Emil Ludwig. Mit Geldsorgen fing dl« schmale Ehe der Eltern an, und schon nach ein paar Jahren knickt« die zarte jung« Frau zusammen-, vor dem dreißigsten Jahr« bringt si« sieben Kinder zur Weit, von denen nur drei Söhne am Leben bleiben; beim Aeltesten steht der Großvater Pate, und darum heißt das Kind wieder Ludwig. Das ist von Ludwigs vier Großeltern der einzig«, der nicht deutsch geboren war. Wir schreiben 1770, Mozart ist 13 Jahre alt, Goethe einund- zwanzig, Napoleon eben geboren. Dem Großvater wird der Knabe ähnlich an Zügen und Stawr, von ihm läßt er sich später ini liebsten erzählen, in seinem Bildnis spiegelt er sich wieder. Auch die Mutter llebt er, und wie sie dasitzt, nimmer müde, nähend, putzend, kochend, verfchrumpft mit vierzig Jahren, sieht sie aus wie Rembrandt» Mutter als Greisin. Einmal war sie schön und schlank, jetzt ist si« gebückt von den Sorgen, und eine Freundin berichtet, sie hat sie nie lachen sehen. Worüber sollt« sie lochen! Ein kleines, schwindsüchtige» Haus war es. in der Bonngasse, und das Zimmer, wo sie die ersten Kinder gebar, war eine Dachstube: nur schräg konnte dl« blaffe Sonne des Dezembertages durch die Giebel hinüber nach dem Bette fallen, in dem der Knabe zur Welt erwachte. Aber auch diese arme Stube wurde in Hast verlassen, all« paar Jahr« ziehen sie um, nichts bleibt, was sich dem Kinderherzen als Heimat eingraben könnt«. Nicht einmal der schöne Rhein, der eben hier sich breiter durch die niedersteigenden Hügel zieht, zwischen Weinlnnd und Feldern. Denn von all dem kann der Knahe irichls genießen, nur aus der Dachkammer himiber noch den Sieben Bergen schauen; denn ein Tag nach dem anderen engt ihn in di« Sorge ein. Mit den 122 Reichstalern, die der Vater bezieht, könnten sie kaum durch- kommen, auch wenn es nach der sparsamen Mutter ginge; die aber sagte zornig-„Souffchulden bezahle ich nimmer!* Dabei meint es der Vater nicht böse; ein Weltkind ist er, der sich und die Leute gern unterhält, und wenn er zu Mutters Geburtstag das Zimmer mit Blumen schmücken kann und führt sie unter Großvaters Bild auf den schönen Sessel, und nun beginnen sie eine herrliche Musik, er und die Freund« aus dem Orchester, und dann wird gegessen und viel getrunken, so tst es der schönste Tag im Jahr, mtd dann lächell vielleicht auch die Mutter. Ludwig ist des Vaters Hoffnung. Ist nicht die Welt vom Namen Mozart voll, he« Wunderknaben? Und er fängt an, den Dreijährigen auf ein Bänkchen vor dos Klavier zu stellen, bald lehrt er ihn auch ein« Diertelgeige hqlten. Da gibt es kein Sträuben, streng wird er angefaßt, täglich werden die Finger gelockert, Noten lernt er eh«r als Gedrucktes l«s»n, und so werden Be«thooens erst« Musiken oft von Träne» unterbrochen. M» er sieben ffi. produziert ihn der Vater als«inen Sechsjährigen, und das Kuck» spielt Trios und Konzerte auf dem Pianoiotte. Ein Jahr später soll er.die Kmtst de» remcn Satzes* lernen, aber der Musttu», der beim Dater in Kost und Logi» ist und einen Teil davon mtt Unterricht bezahlen will, hat auch wenig Zeit-und dann lieber Vergnügen, und so hott«r da» Kind zuweilen nacht« zum Lernen aus dem Bett«. Zuvlelch schickt ihn der Dater zu den Franziskanern, da lernt er vom Pater Willibald die Orgel bedienen. Bald fängt er selber zu spielen an, oerlangt nach einem größeren Instrument und findet im Organisten eines anderen Kloster» einen freundlichen Lehrer; dem nimmt der Knabe die Sechs-Uhr-Messe ab. Mtt elf Jahren wird er zunt Vertreter de» Organisten am kursürst- lichen Hof ernannt. Da tut sich dem Proletarierkinde der Glanz des Schlosses auf, an dessen stolzer Front er immer vorübergeschlichen, Reichtum, Gc- jchmack und Lebensfreude überströmen mit einem Mal« die Kargheit gewöhnten Sinn«. Steht er an hohen Festen aus dem Doxal« unter. den Sängern, so sieht er unter sich zwischen prunkenden Hoschargen, neben bilderreichen Gobelins, auf rotsamtenem Betstuhl den pi-am genden Erzbischof knien: das ist der Kaiserin Maria Theresia leib-' licher Sohn,«in fremder Erzherzog ans Wien, und wenn der sich nun vom Gebet erhebt, sieht der früh beobachtende Knabe von oben in ein anfoedunscnes Gesicht, unter dem Ornate sieht er den Bauch und weiß sicher schon mit dem ganzen Städtchen, daß der Herr Erz- bischof einen Kreisausschnitt sich in den Eßtisch hat schineiden lassen.. So muß beim Anblick der Macht zugleich Glanz und Skepsis in sein Herz einziehen. Wenn der Knabe im neuen Hostheater zu„Don Juan* und „Figaro* unten den Part der Bratsche spielt oder im Sommcrschlosje Brühl in der Hofmusik Haydns neue Sinfonien, der kleine Hos- musikus im grünen Frack mit Zopf und Perücke, so fühlt er in diesem strahlenden Musiksaal den weichen Teppich unter seinen Füßen, bestaunt die zartfliehend« Galerie von Bronze dort oben, sieht Engel und Götter am Plafond durcheinanderfliegen, die Spiegel glänzen, die Leuchter glühen, Loggien und Säulen, golden und purpurn, und wenn um Fastnacht im Thealer sich eine sorglose Ge- sellschaft zur Redöute trifft und der Knabe ausspielen muß, samt seinem Dater in die Kapelle gepreßt, und sieht rings umher die Freuden des Lebens zu seinen Klängen schweben und wanken, und kriecht in nasser Morgenluft in seine kalte Kammer zurück, so muß er ssch mit allen Seelenkräften ans seiner Dunkelheit in die Helle wünschen, aus den Sorgen zur Lust. Schon fühlt er sein Talent, denn seit dem zehnten Jahre phan- tastert er ans dem Klavier, und der Vater heißt Ihn einige Varia- ttonen aufschreiben und sie einer Gräsin am Rhein« widmen:„Par un jeune amateur Louis van Beethoven, agd de dlx ans. 1780." Schon hatte ihn auch ein Lehrer erkannt, der schreibt über seinen dreizehnjahnaen Schüler-„Er spielt sehr feurig und mit Kraft das Klavier... Das junge Genie verdient Nntcrstützung. daß es reifen» könnt«. Er würde gewiß«in zweiter Mozart werden, wenn er io forischritte, wie er angefangen.*?lbcr zugleich mtt dieser ersten An- «rkennung zwingt ihni die Welt ihre Sorge aus. So wird es ihni noch nach vierzig Jahren ergehn. Da die Mutter krank ist und der Vater liederlich, übernimmt der Aelteste die Führung des Hauses, schreibt mtt dreizehn Jahren sein erstes Gesuch um Geld an den Hof. Ein anderes Mol bekommt er Geld, um den jüngeren Brüdern Kleider zu kaufen und des Vaters- Schulden zu bezahlen, mit dem Beding, ihm dürfe er nichts gebend später kommt es so well, daß der Vater, dem man es nachher von seinem Solde abzieht, ein Gesuch des Sohnes unterschlägt. Oft Ist' nichts da Im Hause, als was der kleine Organist verdient: Hann. erhält her Vieezehnjährig« mtt seinen 120 jährlichen Gulden Eßern und VrDen Mtt siebzehn Jahren verlieri«r di« Mutter...O, wer war glück- licher, al« ich. da ich noch den süßen Ramm Mutter aussprechen konnte, und er wurde gehört; wem kann ich ihn jetzt sogen!* In» dessen verkaust der Voter auf dem Trödelmarkte die Kleider der Toten, und kaum kann der Sohn verhindern, daß man den Vater ausweist. Alles hängt an ihm, die Jüngeren soll er kleiden und erziehen; da versucht er denn mit Stundengeben etwas mehr zu- sammenzuscharren. cM-t CrTouftnl» bf« Z!«rlaqc»«kr» st»ewohlt, B-rNn, dcm au»g««iKintrn biographtsch«» Werke Fünft und Schicksal* von Smjl Ludwig entnomm-n.) All brave Soldat Schlvejk Wicht weit«. Lieber hohen Besuch. „Dann der P r i n z Heinrich von Preußen«in Kriegsschiff besuchen kommt,* belehrt« Schwejk die umstehenden Reichswehr- soldaten.„so ist da» keine gewöhnliche Sache, als ob einer von uns in den Kahn geht. Dielmehr muß man es sich als hohe Ehre anrechnen, daß ein Prinz, der es doch gar nicht nötig hat, solch ein Fahrzeug betritt, was im Kriegsfall todesmutig mitten in den feindlichen Granatenhagel hineinfährt. Deshalb tut es der Prinz auch nur im Frieden Und es freut uns ebenso wie ee uns im Krieg gefreut hat, wenn die Prinzen zu uns in dm vordersten Schützengraben ge- kommen sind; aber sie sind meist nicht so weit vorgedrungen, weil sie zu viel zu tun gehabt haben. Der arme deutsche Kronprinz z. B. ist oft krank gewesen. Man hat mir erzählt, daß er in Eharleoille immer ans Bett ist gefesselt gewesen. Wenn ein Besuch kommt, so wissen gebildete Leute, daß man ihn bewirten muß. Das hat sich auch der Kapttän Kolbe vom Kreuzer „Berlin* gedacht und er ist obendrein ein aller Freund vom Prinzen Heinrich. Wie ich noch Putzsleck beim Leutnant Lukasch gewesen bin, hat mich der Kamerad Baloun besucht, und ich Hab mit ihm zusammen den Kognak vom Herrn Leutnant ausgetrunken und- der Baloun hat es nicht oertragen, well er an dem Tag«inen leeren Magen gehabt hat, und er hat die Küche vom Herrn Leutnant voll- gekotzt- Aber ihr müßt nichi denken, daß der Prinz Heinrich den Kreuzer„Berlin* vollgekotzt hat— da» tun feine Herren nur, weil sie seekrank sind—, sondern er hat eine Anspräche geHallen an die'versammelt« Mannschost. Da war euch ein Gastwirt Zawradil in Rusl«, der hat geheiratet, und wie die Frau ist ins Haus-gekom- mtn, hat sie gleich die Kellnerin Bozena hinauswerse» müssen, weil der Zawradil ein Berhöltnls mit der Bozena gehabt hat. Und die Bozena ist am hellen Tag« im Hemd auf die Straße geflohen und die Frau Himer ihr her mit der Reibekeule, und di« Bozens hat geheult und um Hilf« geschrien. Wie aber dann die Frau krank geworden ist und das Bett hat hüten müssen, ist die Bozena wieder zum Besuch gekommen und der Zawradil hat sie empfangen und hat gejogi:„Da? ist die Treue an di« angestammte Gebieterin.*— Und lch finde es sehr nett von d«n Prinzen Heinrich, daß er wieder die Marine besucht, wo ihn doch im November ISIS die Watrosen au» Kiel davongejagt haben. Wie aber der Baloun damals beim Leutnant Lukasch die Küche vollgekotzt hat, ist der Leutnant nach Haus gekommen und hat ge- schrien:„Was macht das besoffene Schwein hier?* und«r hat den Baloun mit einem Fußtritt hinausbefördert. So etwas erlaubt sich natürlich Herr Reichswehrminister Geßler nicht, wenn ein Hohen- zollernprinz in der Reichswehr übt, oder der Prinz Heinrich den Kreuzer„Berlin* besucht, denn es sind bei uns gottlob geordnete Verhältnisse und geht nicht zu wie in der t. u. t. Armee, wo der Leutnant Lukasch mich hat einsperren wollen, weil Ich den Baloun in die Küche gelassen Hab. Der Herr Kapitän Kolbe ist auf der Weltreise und er hat vorher seilte Mannschaft in Eckernförde im Torpedoschießen eingeübt, beim es könnten ihn unversehens im Welt- meer malaiische Seeräuber mit ihren' Dschunken angreifen, und da muß er sich doch wehren können. Aber Herr Geßler sitzt in der Bendlerstraße in Berlin, wo vor der Haustür ein Doppelposten mit ausgepflanztem Bajonett steht. Und er bleibt deshalb hübjch sitzen und erläßt ein Dementi, was auf deutsch bedeutet:„es glaubt schon eh keiner*. Und es ist schwer, ein Dementi zu verfassen, daß eo geglaubt wird. Wie ich in Kowno gegen Ende de» Krieges Ordc�manz bin gewesen beim AOK. Eich- Horn, sind zwei sozialistische Abgeordnete aus Berlin gekommen, um im Auftrag der Reichsregierung mit der litauischen Bevölkerung Fühlung zu kiebmcm. Aber das AOK. Hot sie gut bewacht, daß sie niemals unbeouksichtigt an einen herangekommen sind, und es haben sie immer vier Offiziere auf der Straße begleitet. Aber einmal, wie ..die Herren Offiziere nach dem Liebesinahl betninken gewesen sind. habe ich den beiden herausgeholfen und sie haben mit litauischen Sozialisten gesprochen. Aber es Hat große Aufregung gegeben beim AOK. und man hat die beiden gesucht wie Stecknadeln. Und mich hat ein Kriegsgerichtsrat gleich vernommen, wo ich mit den Herren hingegangen bin. Habe ich gesagt!„Melde gehorsamst. Herr Kriegs» gerichtsrat, daß ich es nicht sagen kann, weil man über solche Häuser nicht spricht.* Hat der Herr Kriegsgerichtsrat protokolliert:„Schwejk gibt zu, mit den beiden Abgeordneten ein Bordell besucht zu haben.* So ist e« keine einfache Sache, ein gute» Dementi zu oe» fassen, und ich sag: �err Geßler tut mir leid.* Zonatha«. Der Schulweg. Von Albert Zimmer. Es war vor«vis�n Wochen, als ich weder Lust zu arbeiten batte noch meinen nac�nnttäglichcn Bummel durch die brodelnden Geschäftsstraßen und die leise herbstclnden Anlagen der Stadt zu tun. So kam ich aus längst verlorene Wege und ging, wie ein Trimmender, durch mir sreind gewordene Sraßen. Und doch führte mich ein ganz bestimmter Weg zu einem Aid. Erst langsam kam Mir der Gedanke. Das war, als ich an einem alten, einstöckige» chaus vorüberging, dessen blaues Dach wie die Mütze eines angc- trunkenen Fuhrmannes schief hcrunterhing, und über dessen reich verzierter Tür ein großer, grün gestrichener Eiscnreif hing, darin «in klceblattumschlungenes chufeisen kaum merklich im Winde baumelte. Ich sah lange hinaus zu diesem Emblem einer ehrbaren Aunft, merkte, wie der hölzerne, gelbe Pscrdckopf unterm Dach mich grüßte, als habe er einen alten, liebe» Bekannten gesehen. Und setzt wußte ich, daß ich den Weg eingeschlagen hatte, den ich vier Jahre lang, oft viennnl täglich, als»nwissender, wirrer Junge mit konfusen Träumen und unerfüllbaren Kinderwünschcn gegangen war. den Weg zur Schule. Und gleich legte sich ein zentnerschweres Gewicht auf meine Schultern, und mein Blick wurde verschwommen wie umnebelte Büsche, aus die stundenlang Regen fällt. Melancholie, Dumpfes kam in mich, unaussprechlich Trauriges. Und meine Füße waren auf einmal so schwer, daß ich weiterzugehen kaum die Kraft hatte. Jahre waren aus meinem Fühlen genommen, zwanzig Jahre der größeren Träume, des Mannwerdens, der Berufsnöte. Und die Jahre der ersten Liebe, die süß-lchmerzliche Zeit, wo das Ant- litz der Geliebien alles andere verdrängte, wo die ersten warmen Küsse aus Mund und Wangen brannten und man seine ersten Liebesgedichre drechselte, wo man seine Schüchternheit verfluchte Und Männer der Aktivität wie Götter anbetete. Diese zwanzig Jahre schienen jetzt wie ausgelöscht. Ich war Kind geworden in diesen Sekunden, klein, hatte rote Backen bekommen und dick- welliges Blondhaar. Aus dem Rücken drückte der Schulranzen mit dem Blumenmuster daraus. Reben hing der gelbe Schwamm herunter wie eine vertrocknete Sumpfdotterblume. Der Pferdekopf sah jetzt nicht mehr auf mich. Das Hufeisen hotte zu schaukeln aufgehört. Ganz still ruhte es im Eisenreis. Langsam»ich dos Traurige von mir. Ich dachte an den Hoch- staplerroinan, den ich abends im Bett lesen wollte, darin ein intclli- gentcr Kerl übers Leben hüpfte wie Heupferdchen über Gräser im Sonnenschein. Ich ging endlich weiter. Wieder grüßten mich ver- "kohlen Bäumchen, die vor zwanzig Jahren schon aus engen Winkeln icrausgegrünt kamen und weinend die Blätter fallen ließen, wenn i« Tage grau und trüb wurde», wenn die Luft nach alten Kleidern und fanlenden Kastanien roch. Ich war zum Kind geworden. Schwer schritt ich weiter. Jetzt stand dos große graue Backsteinge- Haube vor mir, die Schule. Ich umschlich sie zaghast mit meinen Blicken, sah das kleine Gärtchsn, zu dem eine knorrige Schiefertreppe fangs der immer nach Staub riechenden Turnhalle führte. Die Blumen hatten keine Blüten mehr und die Sträucher das Lied des olliährlichen Sterbens zu singen begonnen. Daneben starb hängen- den Kopfes eine karminrote Aster. Ich zog mich am Geländer Linpor. um einen Blick in die Klassenzimmer zu werfen. Sic waren «uksgestorben. Doch sah ich die Schiefertafeln, aus denen Figuren gemalt waren, vom Vormittag noch, die Vögeln und Landkarten glichen. Und die kleinen schwarzlackierten Pulte strengten sich an, ein wenig Tageshelle übers polierte Holz ins dunkle, triste Klassen- zlmmer zu reslekticre». Im Geiste sah ich zwischen den Pulten den kräftigen Lehrer herumschleichen, mit dem Stöckchen in der haarigen Bnuernhond und den immer aufgerissenen grauen Augen. die stets auf der Lauer waren und in uns gebrannt halten Nacht um Nacht, die uns morgens, wenn wir den Kaffee hinunterge- stürzt, den Schulweg so schwer gemacht hatten, daß sogar heute noch ein Gefühl der Mattigkett und Melancholie in mir aufkommen tonnte. Noch einmal sah ich zur Schuluhr, die so grell geschlagen hatte früher, daß es einem Stiche ins Herz gab. Jahrelang noch habe ich diese Uhr schlagen gehört, als ich schon in der Bank saß und Kreditbriese sür reichere Leute ausschreiben mußte. Nun noch fünf Minuten bis halb. Ich will die Uhr noch einmal schlagen hören. Ich warte. Ich spüre, wie mein Herz sich zusammenzieht vor Nervosität. Jetzt tut sie ihr helles Gekreische. Ich zucke zu sammen. Dann lache ich irr auf, um mich zu beruhigen und in die Wirklichkeit zurückzufinden. In Gedanken zertrete ich die Erinne- rung an Jahre, die keinen Platz mehr in mir haben dürfen. Ich verzeihe dem strengen Lehrer, der es wohl gut gemeint haben mag mit uns. Dann schlage ich im Geiste Stein vom Stein, reiße die BW- men und Sträucher aus der Erde, deren lateinische Namen wir eingetrichtert bekamen, um sie wie am Sckmürchen hersagen zu können, wenn der Herr Schulrot alle drei Monate danach fragte. Ich zerschlage mit einem Hieb die Schiefertafeln und l>acke das glatte Hol,z von den Pulten, bis nur noch die Eilengerüste dastehen. Fensterscheiben klirren in den Hof. Jetzt ist olles dem Erdboden gleich gemacht. Ick) atme auf. Jetzt pflanze ich neue Bäume und Büsche und Blumen in die Erde, die keine Namen bekommen, daneben zementiere ich ein großes Bassin aus, darein das Wasser klatlcht, daß es doch aufspritzt und Augen und Sinne frisch und fröhlich macht. Und eine ganz neue Schule baue ich auf mit riesengroßen Fenstern, durch die Ströme gleißenden Lichtes stießen, bemale Wände und Tische mit grüner und srohgelber Farbe, stelle Korbstühle und braune saftige Holztische in die Klassenzimmer und hänge viel« bunte Bilder an die Wände. Aus die braunen Tische lege ich Bilderbücher und Kindereisenbahnen mit Signalscheiben und rotwcißen Schranken und silbernen Signalhäuschen, bunte Stifte mit Malen und bunten Gummi zum Kneten. Jetzt rufe ich junge wissende Menschen, die zu lehren berufen ssnd, mtt hellen leuchtenden Augen und einem Herzen, das die Seele der Kinder versteht, das kein Notizbuch und keine Noten kennt. Sie haben weiche, gütige Hände, diese neuen Lehrer, sie werden nicht so peinigend sragcn und werden den kleinen wachs- weichen Seelchen zulächeln und imnier gute Worte für sie übrig haben. Sie werden Bater, Mutter, Freund und Kamerad zu- gleich sein. Viele hohe Pappeln pstanze ich ums grüne Haus, we blauen Himmel drüber und aufs Dach ein großes rotes Herz. Für eine Uhr soll kein Platz sein. Jetzt ist alles zum Einzug der Kleinen bereit. Es wird keine Traurigkeit mehr geben. Die Schule wird einem Märchen gleichen später, rpenn man in sie zurückdenkt. Jetzt drehe ich dem grauen Backsteingebäude den Rücken und laufe zu Menschen, die in die Zukunft sehen, rase ins Brennende der jungen Stadt._ Wie dem Dichter Hilfe wurde. Bon Erna Aüsing. Ein bunter Schmetterling, der aus einer Blume gaukelte, ein abgewaschener Stein, den die See ans Land spülte, bargen für ihn tausendfältige Wunder, denn er war ein Dichter. Er hatte eine große, übelströmende Liebe zu Tieren und Blumen und Dingen und Menschen und er schrieb von dieser, seiner Liebe. Er schrieb in guten, schönen Worten, doch schrieb er nicht ob des Glitzerwcrkes von Wart- gebäuden, er schrieb, weil er die Seele seiner Umwelt kannte. Und tqusend feine Seelchen sprachen aus seinen Worten, wohl wert, von aufmerksamen Menschen erhorcht zu werden. Doch die neunmalklugen Geschäftsleute lachten über ihn, den Dichter. Sie sagten:„Wir leben im Zeitalter des Fortschritts, an unnötiger Ballost, der Mensch werde sich selber fremd, damit er die Maschine verstehen lerne." Folglich bewertete inan sie nicht nach irgendeiner gültigen Währung, die Worte des Dichters. �' Es ging ihm wirischaftiich schlecht, aber er war glücklich, weil seine Innenwelt so reich war. Er versah einen kleinen Wo!-' männischen Posten, exakt, sauber, mit dem ehrlichen Lesirrvenft seine Pflicht zu tun und nicht aufzufallen. Doch selbst i» das Schneckenhaus dieses zurückgezogenen Mwts drang dos Verhängnis. Der Dichter war einem ideal verartmgten Menjchen begegnet, der eine Zeitschrist herausgab. Die äußere Auf» machung war gut, die wirtschaftliche Auswirkung weniger. Es ggb drei Mark für die Druckseile, zahlbar in zwei Raten: Folglich verspürte selbst ein so bescheidener Mann wie der Dichter pekuniär keinerlei Gehobenheit. Jedoch, bewußte Zettschrift war in das Bureau geflattert und der Herr Chef hatte sie zu Gesicht bekommen. Und der, nun der haßte mtt der überzeugten Wut des Spiehers alles Außergewöhnliche. Cr kümmerte sich, wie olle seinesgleichen— und wie er es auffaßte—, nicht um das Privatleben seiner Angestellten, aber Extra. vaganzen duldete er nicht. Folglich fand er bald einen Grund, den Dichter zu entlassen. Der kümmerte weiter durchs Leben. Las mal, für fünf Mark den Tag, aushilfsweise Korrekturen, besorgte für zehn Mark den Monat die Kanarienvogelhecke eines auf Urlaub gefahrenen Professors und erzählte irgendwo beim gesellschaftlichen szrei-Kasfee-Tisch Pläne, die nachher irgendein Geschäftskluger in die Tat umsetzte. Doch selbst dem Dichter kain eines Tages Hilfe. In einer Abend, gesellschafi, die eine Dame veranstaltete, die interessante Gäste lainmette, um ihnen renonnniersnd die feine Kultur ihres Hauses zu zeigen, lernte n ihn kennen, seinen Retter. Der war ein Clown, ein richtiger Manegeclown. Hatte einst als Kind eine sorgfältij}« Er» Ziehung genossen, saß als heranwachsender Mensch auf eigenem Grund und Boden. Aber, wie dem so ist, zum Eigentum gehört« auch die Verwandtschaft. Mit Vorurteilen, Besserwissen und dumm- dreister Hochnäsigkeit. Alle die so mütterlichen Tanten, die so wohl» ersahrenen Onkel, sie arissen mit knöchernden Händen nach st mein Leben, sie preßten und zwickten sein blutwarmes Herz. Da ver- achtete er den Besitz und achtele fein Leben. Sein Schicksal formte er selbst, er faßte sein Dasein als Schikane gegen seine Verwandt- schost aus. Er war ein weiser, ein sehr kluger Mensch und darum wurde er ein Narr und ging in die Manege. Er machte die Mensche» lachen und lachte über sie. Nun sah er den Dichter, Hllflosigkeit sprach aus leinen Augen, linkisch waren seine Bewegungen und wenn er eine höfliche Verbeugung machte, zupfte er hernach an seinem Vorhemdchen, als ob eine bayerische Kellnerin aus Berlin fürchtete, ihr ausgestopfter Busen sei verrutscht. Der Dichter war eben das menschliche Häuflein Elend, zu dem die Menschen ihn gestempelt hatten. Kurzerhand engagierte ihn der Clown, als Füllsel seines Entrees. Der Dichter bekam beinahe einen Schlagansall vor Freude. Er durfte sich sattesten, er durfte schreiben. In der bunten Welt des Zirkus saß er und die fein säuberlich aus eine Leine gereihten Fahne» erschienen ihm wie die aufgehängten lustig baumelnden Frühlings- träume der ganzen Menschheit. Der Dichter saß Abend für Abend im Publikum, der Clown tat, als ob er in ihm einen Zuschauer belästige und hernach nahm er den Dichter an die Hand und ließ ihn sich verbeugen. Das Publikum brüllte und der Mund des Clowns wurde, obwohl er ganz breit geschminkt war, klein, recht klein sogar, denn er hatte die Gewohnheit, im Spott die Lippen zusammenzu- kneifen. So wurde dem Dichter Hilfe. Und das war gut, denn sonst könnte doch nach Iahren, lange nach .des Dichters Tode, kein Großer im Reiche der Kunst und Wissen- schaft, an Hand der Dichtungen den Beweis erbringen, daß selbst im Zeitaller der angewandten Technik die göttliche Menschenseele nicht getötet wurde. sdionliei sniA Kindersä 1 ; Ol •cW* !*> ihn0£ oss* OT�C K-SS. e&«KsSÄS�v Sfe&S........ ic»! W*Gr """ab»®"«et-»" tifise«® J: W ift n""' ***$**&**?«t'lfaen w " �.»o Co�ÄS.'f'' öre--' „JS�La- \ tM' tso- .Jv '------' - va-W** HS-K---" AA *.-Ai "", i90 £5. ZS-.\/.f ihji2>& i Mi! MS VÄ IiöilF� � A öck�iVtai fei ssci >fel »vi« ""m ..... 4 �(Uri�" I �4�1$ onnfag-von a-öührg�El nA Jtr. 585* 44. Jahrgang 5. Beilage des Vorwärts Sonntag,-Ii. Dezember 1927 Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, den 11. Dezember: 9: Morzenfeier. Jl.lS; Weihnachtskwtiert. 14.30: Die Entwicklndt der Luftpost im Jahre 1927. 15: Landwirtschaftlicher Obstbau, 15.30: Punkheioael- mann. 16J0; Untcrhaltunssmusik. 19.05: Stunde des Journalisten. 19.30: Bei Käthe Kruse und Lotte Pritael. 20: Die Musik der Araber, Perser und Inder. 20.30: Berliner Advent. 22.30; Tanzmusik. Montag, den 12. Dezember: 15.30; Das Aufsabengebiet der Wohlfahrtspflegerla. 14: Technische Wochen- plauderci. 1430: Novellen. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Mensch und Arbeit. 1930: Ueber die neuumworbenen Mumienporträts des Allen Museums. 19.55; Die AuCenpolitik des 19. Jahrhunderts. 20.30; Berliner Schauspiel. Theater, 22.30: Nachtmusik. Dienstag, den 13. Dezember: 1230; Die Viertelstunde fflr den Landwirt. 1530: Winterkaren. U: Stunde mit Bechern. 1630: Für unsere Kinder. Lieder- und Musikvorträge. Danach; Unterhaltungsmusik. 19.05: Praktische Erziehnngsfragen. 1934: Der Staat und seine Verwaltung. 1935: Erscheinungen und Theorien des Okkultismus. 2030: Sinfoniekonzert. Mittwoch, den 11. Dezember: 1530: Loibniz und seine Bedeutung für unsere Qeisteskultur. 14: Das Seelenleben des Jugendlichen. 1630: Jugendbflhne. 17: Unterhaltungsmusik. 19,05; Der reisende Kaufmann im Wirtschaftsleben. 1930; Die Richtungen der Poesie. 20: Oesterreichischer Abend— Musikvorfäge— Rezitationen. 22.30: Tanzmusik. Donnerstag den 15. Dezember: 12.30: Die Viertelstunde für dea Landwirt. 15.30: Die Sportschau des Monats. 16: Das Buch. 16.30: Joh. S. Bach— Musikvortrige. 17: Sonate für Klavier. 17.30: Violinvorträzc. Danach: Untcrhaltnnßsmnsik. 19.05: fremdsprachliche Vorträge— Esperanto. 19.30: Eisenbeton, der Baustoff der Gegenwart, 20.20: Der Londoner Zahlungsplan und die sogenannte Erfüllnngs- politrk. 20.50: Stunde der Lebenden— Lieder und Musikvorträge. 22.30: Funktanzstunde. Freitag, den 16. Dezember: 15.30: Die gclstigrc Entwicklung des Weibes. 16: Der Vibrationssia«. eJo neuentdeckter Sinn. 16.30: lluterhaltungsmusik. 19.05: Italienisch. 19.30: Die Großunternchmung in der sogenannten Schwerindustrie. 20.10; Sende- spiele:.»Bruder Straubingcr'*# Operette von Eyslcr. 22.30: Mandoünen- konzert Sonnabend, den 17. Dezember: 12.30: Die Viertelstunde für dea Landwirt. 1530: Von der Brille und vom Sehen. 14: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.30; Unterhaltungsmusik. 19.05: Zimmermamiskunst von einst und hente. 1930: Antipoden des Christea- tums. 20.30: Sendospielc:„Das Friedensfest" von Oer hart Hauptmann. 22 30: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, den 11. Dezember: Ab 9: Uebertragung aus Berlin. 14.30? Schachfunk. Ab 15: Uebertragung aus Berlin. 18: Erwachen des Stils. 1830: Der arme Heinrichs 19.30: Alfred Nobel und seine Stiftung. Ab 20: Uebertragung ans Berlin. Montag, den 12. Dezember: 16: Oewissensbildung. 17: Ceschichte der groSen politischen Parteien bis zum Weltkriege. 1730; Die Gesellschaftswissenschaft der Gegenwart. 18: Stefan George. 18.30: Englisch für Anfänger. 1835: Absatzfragen für Vieh. 19.20: Einkauf, Werbung, Verkauf. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, den 13. Dezember: 16: Deutsche Volkskunde im Unterricht. I6J0: Geistig Uaterwertige und ihre soziale Einordnung. 17: Die deutsche Geschichte im Zeitalter der Renaissance. 18: Internationales Luftverkehrsrecht. 1830: Spanisch für Anfänger. 1835: Wilhelm Rauhe. 19.20: Weihnachtsspiele. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Hermann v. fflcbberfop lieft ein Kapitel aus seinem Roman „Abieu Verlin", über ben heute eingehenb an anberer Stelle berichtet wirb. Leiber liest Webberkop nicht bas satirische, bissige Kapitel von dem Empfangstag ber Kurfürstenbammlady auf ber kleinen Norbsee- insel, sonbern bas liebenswürbigere von dem Pferberennen. Be- merkenswert sind seine einleitenben Worte, bie ben mobernen Roman charakterisieren sollen. Sicherlich ist bie Behauptung richtig, batz sich bas Theater um ben mobernen Europäer wenig kümmert unb baß biese Men schenklasse bem Roman vorbehalten ist. Bebenklich stimmt bagegen, wenn Webberkop erklärt, ber moberne Roman wolle keine spannenbe Handlung geben. Er beruft sich dabei auf die Amerikaner, auf Sinclair Lewis, übersteht jedoch, daß daneben der gutgeschriebene Abenteurerroman sowohl diesseits wie jenseits des Atlantik, eine Hauste erlebt.— In der AbendveranstalJung„Ich schalte um, seine Revue fürs Ohr)" ist vielleicht zum ersten Male eine tatsächliche Funkrevue entstanden, die sich von visuellen Wirkungen befreit hat, die allein auf das Akustische gestellt ist. Das ganze rauscht �vorüber wie«ine fabelhaste Impression, wie ein gesprochener Film. Störende Schönheitsfehler sollen nicht beachtet werden: denn hier entscheidet nur der Gesamteinbruck.— Der Dichter Oskar Baum behandelt das Derhältnis der Blinden zu den Künstelt. Allerdings spricht er nicht über die Art, wie der blinde Dilettant Kunst empsinbel. Baum legt den Hauptakzent auf die Schilderung der Schicksale blinder Künstler, wie etwa auf die des Bildhauers Bidal. Er zeigt beispiels- weise die Schwierigkeiten, denen blinde Musiker bei Abtastung der Partitur begegnen.— Dr. M a r k u 1 1 spricht über„Das deutsche D a nz i g und der deutsche Osten". Er schildert die Bestrebungen der Polen. Danzig allmählich zu polonisteren und weist aus die Vereinigung der Danziger in Berlin hin, die jenseits der Parteien nur die deutschen Interessen in den abgetretenen Gebieten vertreten will. F. S. Mittwoch, den 11. Dezember: 16: Amerika Im Spiegel seiner Schulen. 1630; FranzBsUch(kuHürkond- lich-llterarlsche Stunde). 17; Musik des 14. und 15. Jahrhunderts. 1730: Bismarck. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Mcheteckr; 1k, 15.30: Französisch für Anfänger. 1835; Osteuropa in seiner Bedeutung im deufschea Warenaustausch. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. Ab 20: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, den 15. Dezember: 16: Erziehungsberatunc. 1630; Aus dem ZentralinsUtut für Erziehung und Unterricht. 17: Uebertragung aus Berlin. 18: Frohsinn und Lebenswille in sicbenbürgisch-sächslscher Dichtung. 1830: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Neuzeitliche deutsche Pferdezucht. 19.20: Das Volkslied. 20.15: Uebertragung aus Leipzig. Ab 2230; Uebertragung aus Berlin. Freitag, den 16. Dezember: 16: Der Weihnachtsmann beim Onkel Doktor. 1630: Sprechtechnik. 17; Die deutsche Frage im Zeitalter Metternichs. 15: Moderne Scbweteiechnik. 1830: Englisch für Anfänger. 1835; Die Nebenprodukte der Kohle und ihre Verwertung. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Ab 20; Uebertragung aus Frankfurt. Ab 2230: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, den 17. Dezember: 16; Moderne Gedanken Uber Erziehung bei Platon. 1630; Faehliterarlsche Berichte. 17; Die rechtliche Stellung der Dauerangesteliten ist Kommunal- dienst 17.30: Die jugendliche Arbeiterin in Werkstatt und Bureau. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter. 18.30: Französisch für Fortgeschrittene. 18.55; Englisch für Fortgeschrittene. 19.20: Bildnngsideal und Weltanschauung. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Orch Philharmonie. Heule abend?'/, Uhr; Waizner-WenddeSPhilharmonstchen lefterS /Dirigent: Prof. Julius Prower). Zugeudwelhe JleulöDn. Anmeldungen zur Jugeudwelbe werden In den PorwärlSIvedilionen Neckarllr. 2 und �iegsriedstratze van 2—6 Ubr nach« miiiags enigegengenommen. Anmeldegebühr SO Pf. Unterrichtsbeginn Ansang Januar. Somml«in neuer Krieg? Hierüber spricht H. v. Gerlach in der Jjtier- nationalen Frauenliga am Montag um 8,2(1 Uhr im Veremsziumker Casä Josly am Potsdamer Platz. Briefkasten der Redaktion. P, R, 45/47. I. und 2. 25 Peoz, hes Eoldmarkbetoage«. 3. Vom 1. 2onu«n 1M5 oh L2 Proz.. vom 1. Juli Iflli ab 23 Pro»., vom 1. Januar 1926 ob 3 Pro», und vom l. Januar 1928 ab ä Pro». 4. Ja.— B. SS. 1. Wenden Sie sich an die Landesversicherunaeansiall, Am Söllnischen Part 3, 2. fb!« Anwartschaft ist erloschen.— O. Z. 1, Oklober 1922 80 Popterntorf, 11. g«. hruor 1923 570 Papterinark,— OL Stiehm. ArheiJez.Espezonlisien.Bund« -" M e». r-----~" A. Sproek, Berlin . 61, Wilmostz. 5. weNerbertchl der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdr. verb.) Weiterhin trübe, aber nur noch unerhebliche-Schneefälle, Zemperaluren etwas niedriger, schwache östliche Winde.— jtir Deutsch. Ion»; Auch in Ostpreußen meist Irüihi. nirgends wehr erbedlich« Riedel« ichläge, Demperaluren mit Ausnahm« im äutzerften Kesten unier Null. übergibt man nur dem Naduoet» be, Deutfchen Musiterverbande», Berlin. Rom- Mandanten ftr 63/64 Dönhoff 3277-78 Deichättozett»-6. EonjUag, 10-3 Uhr Auf Wunsch: Derfretezhewch, ein Jeirrh SovtlereKu(lzvj&ig.avett&rL~*Jabahß lohnte/ich,, denn wlv honnttn. unfevenHm/a&L� im Icfotärhlahve verfünffachen,.'Die erhöhte fvodahtion, bedeuteteinelderniincUcunp� derXlnboßrinu und gejtattetrhns, höhere'Bettägp für den, Tabakj an�itleg�n�. �iinfere GREILING-AUSLESE- 5� /iahen, tntv in, der Q,tuz[itölrg.anx wejenillch, vevheffevtf/odaßs wivfaff iagllchu �ufchviX ten und fnevIzenrLtLn.en, von, ß«au ehern evhalttn., die hlshev wejentltch h6h,ere,(� fpretje anzulegen, gewöhritrwaven-,, naris aber jA�nhönger dle/ev wlvhllcJi�giiterLJtilarz, fze gero orden., find,, die wie in, unfevec Cfoldfolle, �fachuno� lie/cvn��f/Xlchtö cjehir-* darin, an, lAvoraa und TjÜohlgefch mach verloren...... Zum melUiiacliisiesl gnnstlge lugeUoie! moderne Stoffe aeuzeitl. 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O.________ miitage S Ahr. laden»Äriaiahallea Aommaadoateaflr. SS SS >e,e .Är Branchen Versammlung der Melal.sch!elfer. Galvaniseuie, htifsarvelter und Arbeilerinnen Tag». Ordnung' 1. Vortrag de, ftimcgeti Aach If:„Das Ärdellsloien- cetftajetunfltgtfett" Z. Di, u Non 3 Branchenangelegrnheilen u Verschiedenes , Die legte Lohn- dewegung und ihee Auswlilung. 2. Wahl der Delegierten zur Reichstonserenz der uifeusormer und Berussgcnossen Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. PiinNIiches und vollzöhliges Erscheinen ist notwendig AHNmoch den 14. Dezember. abrad» T Ahr. In DSriaga Zefi ISlen. Zlannhastrab. 27 vw Versammlung'ma derMeiaUformeru.Lcrussgenossen. Toge»ordnungi Bericht Uder die erneuten Verhandlungen. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Die Weihnachtsunterstilhung für unsere erwerbslosen und invaliden Mitglieder soll nach folgenden Richllinieo verteilt werden: llnierstilhung erhalten Oll« Mitglieder die sechs Wochen und darüber dem Deutschen Meiallarbeiierverdand angehören und-Ur diese Zeit ihre Beitistge entrichtet haden. vorausgesetzt, daß sie in der Woche vom 12 bis 17 Dezember arbeitslos» krank imd, oder der Invalidentlasse unserer Organisation angehören. Die Auszahlung Ilir diese Mstglleder erfo gl am Montag» dem 12. Dezember» 10 Uhr, sllr b>» Buchstaben Aug dem 12. Dezember. I Uhr» sür die Buchstaben C. u. D. Dienstag, dem 13. Dezember, 10 Uhr, für die Buchstaben p. u F dem 13. Dezember, I Uhr für die Buchstaben G u. Mittwoch, dem 4. Dezember,>0 Uhr, für die Buchstaben I. X. u l. dem 14. Dezember, I Uhr. für die Buchstaben dl u. dl Douaerat.» dem 19. Dezember, 10 Uhr, für die Buchstaben G. u. P dem 15. Dezember, 1 Uhr, für die Buchstaben<) u R, Freitag» dem 18. Dezember, lOUHr. für die Buchstaden S.. St». Scd Sonnabend, dem 17. Dezember, lv Uhr, für die Buchstaden T. bis Z. im Verbandshause, Linienstraßc 83)85 (Parlerresaal, Schalter 1—3) Ausweis über Ardeilslostgletl. Kranb heil und bei Invaliden ih.er Erwerbs- uufähigleit nebst Btttgliedsduch sind bei der Konirolle vorzulegen Inoalioe Milglieder, die Ihren Aus- enihait in Slccheuhöusern oder Wohlfahrl»- onftalien baben müssen eine Bescheinigung über den Ansentha» in diesen Anstälte» und cdcn-allo thr Milgliedsduch etnienden, oder einen ihrer Fgnn ienangehörigen de- auttragen. d-.,s»n Ausweis vorzulegen. Die Orisverwaltuna macht ausdrürtlich d raus aufmerlsam. bah die sestaeietzten Termin» eingehalten werden müssen und daß Nachzügler ke ne«weg» berücksichlial werden tonnen. Jede Rellamalion ist iiderflülsi». Zur besonderen Beachtung l DielenIgenUnlerstütznngsberechllgteii. die im Borsahr leine Weihnachtsmarke ge- liebt haden, scheiden laut Besch utz der Generaloerlammlung vom>4 Mörz 1927 vom Bezug der WeihnachtsunlersUttzung aus. Kranke oder Erwerbslose, die den Nachweis der Erwerbslosigkeil erbringe», saüe» nicht unler diesen Beichluh_ SdrtDng! Betrifft: MttschastS- schule in Sürrenberg. In un erer Wirtscha>t»schul« wird in der Zeit vom 30, Januar dt, 13. Februar>928 ein Kursus für Verbandsmitglleder, d-e in der Heizungsindustrie delchäitigt find. abgehalten Di» Teilnehmer ircffen am Sonntag, d. 29 Januar, in Dürrenderz ei». Für untere Onsorrwaitung lammen zwei Bewerber in Betracht. Kollegen, welche beadstchtigen. an dem Kursus leiljunehmen, müssen ihre selbst- geschriebene Bewerbung dl» zum 12 Dez bei der Otlsoerwaliung einreichen. Das Sewerbungsjchretdeu muß enihalieni An- gaben üdtzr die bisherige Mitgliedlchaft im Deut>chen Melallnrdetter- Verband. o öt'gkcil im Ber-ande und in der Arbeiterbewegung, gegenwärtige Fun'tton im Deutschen Metallardeiter-Verband oder als Bei, edsrat usw, od»erheiratet. Aste, de» Bewerbers, od und inwieveU beieits an Kursen teilgenommen und sonstige zwerldienliche Angaben Die Bewerber muffen geistig regsam uno auniahmefähig sein und sollen In der Regel das 40 Lebenssohr nicht Uder schritten haben. Weitere zweckdienliche Mitteilungen find im Zimmer 4 unseres Verbandes ein- zuholeu. Spielplan unserer staltarablellung. Ja der Woche vom 12. bis 13. Dezember; 1. Waidmannsjahr(Deuisch IagdsUm) 2 Großlrailwerl Kiingenderg. 8. Matrosensireiche(Humoreske). Zu der Woche vom 19. bis 23 Dezember: 1. Das Werden des Menschen ivon der Empfängnis bis zur Geburt) Hersteller Eob-FUm» Kursiirsten- dämm 14/ 19. Für Jugendliche verboten 2. Maschinenschau Leipzig 1, Teil 8. Ein Kinderparadies. In der Woche vom 27. bis 81. Dezember: 1. Da» Werden de» Menschen(von der Smosöngnis bis zur Gebu,!) Hersteller: Eob-FUm, Kurjürsten- dämm 14 19. Für Jugendliche verboten Zu der Wach« vom 2. bis 8. Januar 1923: 1. Der Schachspieler(Der Gefangene einer Kaiserin». £ Maschlncnickiati Leipzig 8. Seil. e Werlzeugmaschinen- In- zSZa&XT (Deulsi dustrie). 3. vaierireuden. � ß~ Dazu tüt jede Vorstellung die neueste Wochenschau mil einer Einlage. Anfragen wegen Uederlasfung und Besuch der Adleiiung sind lelephonisch oder schrtsl- iich an das Bureau, Kulluradleilmtg, tu richten. Die Drlaaeriaaltana Schlafzimmer■ Speisezimmer•■Herrenzimmer- Jfüchen. Cinzelmobel Teppiche unbedingte Preismürdigkeii' DIHA zei'tgemdsser Stil gediegene beste Qualität DRIHA MÖBELHÄUSER BERLIN N Chdsser Strasse S? am Oranienburger Tön SBrunnen Strasse 53 nahe der Sniahdtn Strasse r Alles I jjeziaiHidiSli Mm\ Metallar&giter-fEr&aoii Verv-a lucgsstelle Berlin. Todca-»lnz<-I$;e. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Heiser krgll? Thiem am T, Dezember ge iorden ist. Die Einäscherung findet am Man- tag, dem 12, Dezember, 19 Uhr. im Krematorium Derichlstraße.Kalt. Reg« Beteiligung wirb erwartet Kwetti-iRr. Ferner verstarb unser Kolleg«, bei Silb-rarbeiter kvdert Ii!oSömsiio am 24 Nooembev Ehre ihrem Andenken! Die Ortsnerwaltung. liwa im» ii iwif ig i neun Am 7. Dezember verstarb plötzlich und unerwartei mein lieber Mann, unser guter Baier. der GürUer Gustav Domnick Graeseitraße 77, im Alter von 73 Jahren. Es war ihm veroönnt. bis zum letzten Tage iiir die Seinen zu schaffen. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Einäscherung: Montag, 12 Dez, 13 n. Uhr Im Krem Baumichulenweg Am Freitag, dem 9. Dezember, ver- starb nach lurzer, schwerer Kran heit unscre langjährige Milardetlerin Llisadetk Heldlx Wir verlieren in der Verstorbenen eine unserer fleißigsten Mitarbeiterinnen uno eine der besten Kolleginnen. Ihr Eiser und Fleiß und ihr« gm« Kollegialttäi sichern ihr bei uns allen ein gUI?» Andcntcn. Der Vorstand des Elnheltsverbandcs der P.lscnbaliner Oeatscblands sowie sünitl. Mltnibeltcrlonen und Mitarbeiter. Di» Beerdigung findet am Montag, dem 12. Dezember, nachm. 3.30 Uhr, auf dem Bartholomäus- Friedhos, Wrißensee, Falkenberger Straße, statt Idtsnlmaxuna- Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Manne» Frledrlck Tietz sage ich allen Beleiligtcn meinen tnmgen Dank. .Emiu» Tietz und Kinder Berlin-Hohen neu endorf. Annemaricskaße 12. Heile Sellen slklASea Bienie Icttoiisen StrüDiDten billigst togeSpt Gebrüder Pflaume. Berlin e>H', Frieiiri[&str.20S Ecke Zimmerst r UaiikNugung. Für dl« herz ichen Beweise aufrich- tiger TeUnaipn« beim Htnicheiden meines lieben Mannes, unlere» guten Vater« Richard Kr&ger lagen wir allen Freunden. Bclannlen, den Parieigenoss- n der 90. Aul. sowie den Kolleginnen und Kollegen unsern herzitwen Dan. krau Anna Krüger n Sühne. Datittsagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Einä chernng unierr» lieben Vater» Suiwieger» nnd Großvaters VinksnE Rotn lagen wir allen Bcletliglen. ins- he/onderr der 69 Adl der SPD herzlichen Dank. LrlcdsSc midi.»eh. Kath.a.ramIIie Hs??SRa-«tUd �ehnzimmep.,, las�f�Birke Kopbm'dbei ftouff tfamSofflin f auch Svk« KlKib�arrsitureja.J Slandnln lurOar MeJaübelfsStellen, * iger1'- toÄftSre». SteppdeGcen. AnsaMunfl xu bekannt* I ntodritfen Preisen •hno»esovKfer« Ümberochmm� OrHßtlKuSarm lioferund darsh «sHsns AutOf kestonles Oom Auswahl Im Hausf�efteh&R und in don ,f Isiasen * m «Ssst TBrmstr.73 laiktr i7.4Bl6r.FfankfurterStr.58 T' Heute, Sonntag, geöffnet überall zu lieben! jua e£N- Ässlrspzalad-ks® wreae» Miere MMgen Gehpelze ISO.- Sporfpelze 90.- Pelz-Nanlcl 125.- Pelz-Jatften 90.- y BtS K■ AÄ a% 1111611 Pos,CR f2öise, WOUe, früher bis 110.-, letzt 75.—, Bebte Skunks'Kragen!£W enorm dil.igi m Tmvm b is® a: ta s IpKä s E 200 Rotlüdue von 12.-, 18,-. Cbaufleor' und Wagenpelze. Leihhaus Heine Eisen rosieo moderner dnzttge jetzt 35.-, 40.'. Elegante Ulster n. Paletots jetzt 45.-, 50.-. Fradt- n.5moklng-AniUg€! Pittsdi-nameii Horitzp.atZ 58 a l0Äja' Gonniog 11. Dezember 1927 Die Ulme der Woche. ,Oie Liebe der Ieanne Ney.� (ll. T. Kurfürsteadamm.) I« der Flut der noch Lustspielen und Romanen im üblichen Schema gearbeiteten Filme vergißt man leicht, daß der Film eigene Ausgaben hat. bis dann mit einem Male wieder ein wirklicher Film- tünftler kommt und im» zeigt, wie es gemacht werden muh. W. Papst ist ein lolcher Regisseur(wir oerdanken ihm bereits die �-�'-»rdentlich«„Freudlose Gasse"), der uns das Romanvorbild »östig vergessen läßt und«inen Film von eigenen Gnaden hinstellt. Jlja Ehrenburgs Roman, der für diesen Film von Vajda' und Leon- hard ausgenutzt wurde, steht weit über dem Durchschnitt der Roman- Produktion. Aber wir denken nicht einen Augenblick an die Vorlage. Wir oergleichen nicht einmal: so spannt uns der Regisseur in seinen Bildertraum«in. Er sieht alle Dinge, und er macht alle Dinge schaubar. Er ist ein Jäger, der seltene Augenblicke einfängt. Er ist ein routinierter Spürhund und ein Entdecker optischer Begebenheiten. Er weiß jedes Milieu in seiner Eigenart zu treffen.— Die Hafen- stadt in der Krim, in der die Roten die Weißen ablösen, atmet in knapvaespanntem Rahmen den Geist des russischen Bürgerkrieges mit seinen Minen und Konterminen. Lebendig heben sich zwei junge Menschen hervor; der Bolschewik Andreas und Jeanne, die Tochter eines französischen Korrespondenten. Die beiden lieben sich auch über die Leiche des Daters hinweg, den Andreas im Kampfe er- schössen hat. Ein neues Milieu: Paris, und zwar das Dstektiobureou des Onkels von Jeanne, bei dem sie nach ihrer Flucht Zuflucht und Anstellung findet. Merkwürdige Menschen. Der Alte klebt zäh am Gelde. seine Nichte ist blind und ganz aufs Ideale gerichtet. Eine sensationelle Afsäre bringt dieses Bureau in Atem: das Verschwinden eines großen Diamanten. Hoffnungslos ist es, die tausend Bild- Wirkungen zu schildern, in die diese Handlung übersetzt ist. Zum Beispiel wie Siegfried Arno den Diamanten In einem diebischen Papageien mutmaßt und diesem den Hals umdreht Oder wie der mit allen Wassern gewaschene russische Spion und Gauner auf«igen« Hand, Chalybiesf— den Frist R a st einfach grandios verkörpert—, leine Künste losläßt, um über die Leiche des alten Ney zu dem Diamanten zu kommen. Inzwischen ist Andreas von der Sowjet- regierung nach Paris«ntjandt, um dort kommunistische Politik zu treiben. Wunderbar ist. wie die beiden Liebenden sich wiedersehen. Er sieht sie im Auto und läuft ihr entgegen. Sie«ill von der anderen Seite auf lhn zu, und so wird der Zuschauer in diese heftige Begeg- nung von beiden Seiten mit hineingerissen. Der weitere Gang der Handlung sei nur angedeutet, da er im Verhältnis zu dem bildlichen Erleben von untergeordneter Bedeutung ist. Andrea- und Jeanne seiern ihre Bereinigung in einem kleinen Hotel; es kontrastiert damit ein« bürgerliche Hochzeit mit Aufmachung, aber ohne Liebe, der sie von ihrem Hoteifenster zuschauen. Andreas gerät in den Verdacht, der Mörder des alten Ney zu sein, wird aber durch dos energische Eingreifen Jeannes gerettet, die den Täter in Chalybiesf errät. Prachtvoll filmisch ist es wieder, wie sie ihn im bereits abfahrenden Zug erwischt und überführt. Das Liebespaar ist außer Gefahr, und brüsk bricht der Mm ab. In einein solchen Film ist die Kameraorbeit von entscheidender" Bedeutung, die von F. A. W a g n« r ist der des Regisseurs durchaus ebenbürtig. Die Ueberlegenheit von Papst zeigt sich auch in der Dar- stellung. Er hat alle Personen vollkommen in der Gewalt und läßt sie in seinem Sinn« spielen. Zart und fein,«ine holde Blüte inmitten des Trubels und Morastes ist Edith Je ha n n e, frisch, droufgänge- rtsch Uno Henning als Andreas. Brigitte Helm hat sich in die Figur der Blinden völlig hineingelebt. Sie hat alle die Taft- und Fühlsinne gesteigert, die ,hr das Auge ersetzen müssen. Aeußerst ein- druckevoll ist A. E. Lichow als der gerissene Detektivbureauinhaber. Wie er in der Vorahnung eines großen Gewinnes die noch gar nicht vorhandenen Geldscheine in gieriger Hast abzählt, das ist einfach«in Meisterstück einer großen Regie, die sich auch im kleinsten Zuge diese» Films offenbart._ D. ,vas Geheimnis des AbS6.' (Snulka-palast.) Das Geheimnis des Abbä beruht darin, daß dieser den Mörder seines Bruder» erkundet hat. Aber er dars das Beichtgeheimnis nicht brechen. Deshalb muß er die Dinge laufen lassen, wie sie wollen; er kann nicht einmal die Ehe des Mörders mit ieiner Schwägerin verhindern, und um dl« Sache ganz silmgerccyt zu inachen, liebt er dazu noch diese Schwägerin. Gerechtigkeit ist aber im Film das notwendigste Requisit, und so kommt der Mörder bei einem Sturm um, während die beiden Liebenden sich für ewig von- einander verabschieden, der Text nimint inzwischen ein« unmöglich schwülstige Form an,.Friede der Seele",.Ruhe des Herzens" ge- hören zu den ständig wiederkehrenden Ausdrücken. Der Film scheitert an dem Mamiskrtpt, ein Borgang, der in Deutschland fast zur Regel geworden ist. An sich ist der Stoff filmwirksam, doch dieser Stoff wird abstastlich ins Kitschige getrieben, und dazu ist er mit billigen Efsekten überladen und krankt an einer brüchigen Psychologie. Unwahrscheinlichtelten werden mit liebevollem Eifer gesammelt, Zufälligkeiten dominieren. Das ist schade, denn der Film ist in photographlscher. regietechnischer und darstellerischer Beziehung von gutem Format. Neue Manuskripte sind erforderlich, originelle Gedanken. Soll der Film nicht versanden, dann muß er aus dem alle Keime erstickenden Schema gelöst werden. Wilhelm 2 i e t e r l e führt Regie. Er hat ausgeprägtes Empfinden für Bildwirkungen. Sehr schön gibt er den Petersplatz in Rom. vor den gigantischen Kolonaden und dem Portal des Doms ein einziger Mensch, der Abb�, der seinen Liebestraum begraben hat. Gesenkten Hauptes schleicht er die Treppe empor, erdrückt von den mächtigen Silhouetten der Ge- bäude,«in Nichts in dem Gefüge der machtvollen Organisakion, der er dient. Die Kulisse, die Landschaft ist nur Rahmen für die Hand- lung. Dieteri«, einer der gesündesten, natürlichsten und männlichsten deutschen Schauspieler, ist der Abbe, völlig unsentimentol, trotzdem die Rolle dazu verführt, kernig, gradgewachsen und von starkem Gesühl. Auch Marcella Albani spielt gedämpft, beherrscht, ohne Salonallüren, während G e r o s ch allein mit hinterhältigem Lächeln aufwartet und sich mit der Pose des schönen Mannes begnügt. Der klein« Kemy Rio« beweist aber große, schauspielerifche Fähigkeiten und beherrscht stellenweise die Situation. F. S. Amerikanisches und deutsches Lustspiel. (Tauentzien-palast.) Will man hier die Ueberlegenheit der Ameriiancr demonstrieren? „Spanisches Blut' ist wenig originell in der Erfindung der Fabel, während„l-s-l— 3" nicht die üblichen Filmbahnen einschlägt, und trotzdem wirkt der Amerikaner weit überlegen. Es ist im Grunde gleichgültig, daß der Renommierheld des kleinen, spanischen Fischerstädtchens die zappelnde Consuela vor den Traualtar trägt, daß dieser Carlos alle amerikanische Puritanermoral in sich vereinigt, aber das Ganze ist rein filmisch erfunden, es ist mit faszinierendem Schmiß hingelegt. Die glänzendsten Aufnahmen werden ohne besonder« Pointierung gezeigt, sie sind vollkommen selbstverständlich; man merkt die Kindlichkeit dieser Raufereien und Parsorcesegelfahrten beim Orkan; man sieht, daß der prachtvolle Milton Tills und die ssirlhaft schmollende Mary A st o r Salon- spanier amerikanischer Prägung sind. Doch das stört nicht weiter; die Angelegenheit ist nur ein Spiel, allerdings ein Spiel, das inter- essiert, das mitreißt. Anders dos deutsch« Lustspiel. Hier betont man, daß man jenseits der bürgerlichen Moral steht. Man photo- graphiert also den Liebhaber mit der Geliebten im Bett, man sühn den Beweis, daß Liebe eigentlich eine Bagatelle bedeutet, denn das keusche, deutsche Mädchen, das einen Strohmann heiratet, weil der herztausig Geliebte aus Erbschaftsrücksichten nicht in den Stand der heiligen Ehe treten darf, diese süß« Unschuld ist nahe daran, auch mit dem Strohmann das Ehebett zu teilen, um endlich zu dem großen Erlebnis der Brautnocht zu gelangen. Nun das Puritanertum notiert augenblicklich niedrig, man sagt zu allem Ja und Ampn. Man kann"sedoch verlangen, daß der Film wirklich filmisch und witzig ist und seine Pointen nicht allein in Textglossen an den Mann bringt. Diesem Lustspiel, das übrigens unbedingt von der..Toten Tante" des Kurt Goeg beeinflußt worden ist, fehlt die selbstverständliche Leichtigkeit und Grazie. Es wird zu dick unterstrichen, und Längen stören. Dabei stehen zwei schauspielerische Leistungen über dem Durchschnitt. Julius von Szäreghy parodiert prachtvoll den deutschen Spießer mit dem Muskel- und Ordnungsfanatismu», und Deit H a r l a ir ist von echter, lodernder Jugendlichkeit, von köstlicher Naivität. Doch die Amerikaner können mehr. F. S. „Eheskatidd.' (Lewa Palast„Atrium"). Daudeks Roman„Fro-mont sun. u. Risler sen.", nach dem dos Manuskript zu diesem Film gearbeitet ist, machte in den 7t>ger Jahren in Frankreich Furore. Das Buch war damals eine Tat, es bracht« seinem Verfasscr viele Auflagen und einen Sitz in der Aka- dem!« ein. Dieser Sittenroman stellte einander gegenüber: den tüchtigen strebsamen Geschäftsmann und das leichtfertige Luxus- weibchen. das alles zugrunde richtet, was in ihre Netz« gerät. Also ein gut bürgerliches Thema, das auch heute noch ziehen könnte. Aber wie die Aufnahme des Films bewies, hat man für die fentimen- taten Seiten des Romans heute nicht mehr die gleiche Empfängnis. Auch sieht man im Film schärfer, zumal wenn das Manuskript so viel«chwächen aufweist wie das Paul K n u d s e n s. Vielleicht hatte auch der Regisseur A. W. Sandberg, dem wir einig« bessere Filme verdanken, so geschickt und gut er in manchen Einzeiszenen ist, doch nicht den Blick für das Ganze. Das Weib, das im Film schwarz in schwarz gezeichnet ist, hatte vielleicht in Lud« Doraine nicht die rechte Vertreterin. Sie wirkte von vornherein unsympathisch, und der verführerische Zauber, dem all« Männer unterliegen, war doch nicht überzeugend genug. Man hätte irgendwie mit dieser Frau mitfühlen müssen, um zu verstehen, daß sie in diesem Milieu, wo auch die Ehe nur ein Rechcnexernpel ish das Recht auf die eigene Wahl, und fei es auch über die Eheschranken hinweg, geltenid machen will. Leichter hatte es Karina Bell, die nur blond und hübsch zu sein hatte, ober doch auch schon über Ausdrucksfähigkeit verfügt«, um dem glücklichen Ende zusteuern zu können. Der alte Risler, der ganz in seinen Geschäften aufgeht, und für die Wiederherstellung der durch seine Frau ruinierten Firma alle Opfer bringt, fand in Iwan Hedquist einen überzeugenden Darsteller. Hier im Film endet er al» Ehestist« und Glücksbringer für seinen jüngeren Bruder, während et bei Daudet durch Selbstmord endet. Der leichtsinnige Firmeninhaber, der der Anführerin zuliebe alles verschwendet, wurde durch Peter Leska nicht minder gut herausgebracht, wie der sentimentale jünger« Risler durch Louis L e r ch.—r. ,'Dr. Bessels Verwandlung." (Ufa- Palast am Zoo.) Ludwig Wolfs hat als Erzähler bedeutende Gestaltungskraft, die sich der Film schon oft zunutze gemacht hat. Diesmal aber §ivgen die Manuskriptschxeiber Georg C. Klaren und'Herbert > u t t t e nicht bedachtsam genug ans Werk. Sic nahmen manche Figur, die ihnen im Roman wohl besonders gefiel, unnötigerweise in den Film auf. So wird denn diese Verwandlung des Dr Besse! etwas lang- wellig erzählt. Für einen Urlaubstag aus dem Felde zurückge- kehrt, muß er erfahren, daß seine Frau einen anderen liebt. Darum möchte er Schluß machen mit dem Leben, und als er nach einer Schlacht schweroerwundet neben einem toten Franzosen liegt, nimmt er dessen Erkennungsmarke und Uniform. Jetzt ist er nicht mehr Dr. Bcssel, jetzt ist er Henri Trouille. Ws dienstuntauglich verläßt er das Lazarett. Er hat. wohl Papiere, aber was nützen sie ihm� Stunde für Stunde graut er vor der Entdeckung, befürchtet, als Spion hingerichtet zu werden. Der reiche Dr. Besse! wankt als ein Verhungernder durch die Straßen von Paris. Da triftt er einen ihm bekannten Tabakhändler, der ihm hilft. Er lernt Henri Trouil- les Braut kennen, er verheiratet sich mit ihr und verliert seine Frau an der Grippe. Inzwischen hat Henri Trouilles Mutter ausfindig gemacht, daß den Namen ihres Sohnes ein anderer trägt. Sie will ihn. der sich ihr als Deutscher zu erkennen gibt, als Spion verhasten lassen. Doch im letzten Augenblick siegt in ihr die Mutterliebe. Nach riedensschluß findet dann Dr. Bessel titschig silmgemöß zu seiner rau zurück. Richard Oswalds Regie bekämpft nicht die zu breite Aus- malung des FUmmanuskripts. So erschlagen manche Längen glait die Filmwirkung. Für den Hauptdarsteller Hans Stüwe war Oswald ein guter Regisseur; wenn auch dieser talentierte Schauspic- ler schon aus eigenem Antriebe seine Rolle äußerst seinsinnig und durchlebt gestallete. Agnes E st e r h a z y blieb matt, ober Ger- trud E y s o l d t.zeichnete wunderbor eine Frau, die, obwohl schmerz- gebeugt und herb enttäuscht, im entscheidenden Augenblick doch nicht die Mutterliebe verleugnen kann. Diese Frauengestalt wird dem Zuschauer lange In Erinnerung bleiben. Eine sehr feine Cha- ralterstudi« bot Kürt G e r r o n als griechischer Tabakhändler und Siegfried Arno gefiel wieder allgemein in einer Chärgenrollc. _ c. b. ,Oie Spielerin." (primuS-Palast.) Ein unmögliches Manuskript verleitete Graham E u t t S" zu ganz unmöglichen Regietaten. Der Russe Starewitsch bringt in tote Marjonetten Leben, Graham Cutts macht lebende Schauspieler zu Marionetten. Unentwegt bringt er Großaufnahmen, ohne sede V«- wegung, direkt in der Manier von Stehbildern. Der Film wäre in diesem Tempo einzig möglich, we>m er eine Palodie auf die Zeit- lupe sein sollte. Aber der Regisseur nimmt seine Gemächlichkeit bitterernst, und so muh die arme Agnes Esterhazy, die im Film sich am Spieltisch den Dater ihres Kindes als Verlobten gewinnen will» andauernd in Uebcrlebensgröße auf der Leinwand erscheinen, was gerade ihrem durchaus nicht ausdrucksveichem Gesicht gesähr- lich wird. Zum Schluß bekommt sie dann nicht den Schuft von Mann, um den sie„kämpft", sondern ergrittert einen schneidigen Verlobten, und zwar Harry Liedtke, der bis aus die Schluß- szenen im ganzen Film gleich einem prunkvollen, höchst unnützen Möbelstück in den Zimmern herumstehen mußte. Dene Mor'e'l spielte den Schuft von Man», und obwohl Filmschufte zuweilen sehr fesche.Kerls zu sein belieben, langweilte dieser die Zuschauer derartig, daß einem bald schlimm wurde. Mit den in den Neben- rollen beschäftigten Schauspielern muß man aufrichtiges Mitleid haben.___ e. d. Ein Schokolade-Film. Kultur- und Reklamefilm zu vereinigen, scheint ein neues Unter- nehmen der Ufa zu fein. Wenigstens wurde am Donnerstag im Gloriapalast von der Zentrale der Hausfrauenvereine Groß- Berlin ein Wcrbeoortrog„Kakao und Schokolade in Haus- und Volkswirtschaft" veranstaltet und im Anschluß daran ein Film vom süßen und bitteren Lebe»,„Die braune Göttin", zur Probe vorgefübrt. Di« Herkunft, die Gewinnung und vor allem auch die Verarbeitung des Kakaos zu Kakaopulver und Schokolade und Pro- linen wurde in sehr guten Bildern gezeigt. Man sah die Maschinen bei der Arbeit, und man sah vor allem die Schokolade in den mannigfachsten Formen ihrer Verwendung. Der Regisseur, der ein Schelm zu sein scheint, hat In ernsten und heiteren Themen die Schokolade geradezu als Unioersalmittel für alle menschlichen Ge- brechen aufgeplustert. Ein guter Witz war es. wie sie auch als gutes Mittel gepriesen wird, um Millionär zu werden. Nachdem so der Appettt auf Schokolade genügend geweckt war. wurden die zahl- reichen Frauen tompagniewcise ln den nahen Marmorsaal geführt, wo die Probe aufs Exem�el gemacht wurde: jeder bekam eine Tasse des leckeren Getränk». Wenn dies« Art angewandter Propaganda weiter entwickelt wird, können wir uns noch auf allerlei Uebcrraschungen gefaßt machen. r. 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