Nr. 353. Erscheint täglich auger Montag«. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3.30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei t»'s Haut. Einzelne Nummer 8 Psg. SonntagS-Nummer mit illustr. Sonntags-Be ilage„Neue Well" w Psg. Post-Abonnement: 3,30 Ml. pro Quartal. Unter»reuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 M., für das übrige Ausland 3 Ml. pr. Monat,«ingelr. in der Post- Zeitung«- Preisliste für is«6 unter Nr. Tis». 13. Jahrg. JnsertionS-Aebuhr beträgt für die fünfgespaliene Pelitzsiie ooer deren Rani»»0 Pf., für Vereins- und Veriaurmlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächiie Nummer müssen bis 4 Udr nachmittags in der Erpediticm abgegeben werden. Die Erpedttion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöfsnet. Lern spreche»: Amt I.Zlr. 1508. Telegramm-Adresse: „zaiinldemolirat z?»rl>»". Verlllier Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19. Keuth-Straße 8. Dienstag, den 39. Oktober 1895. Spedition: LV. 19, ZZeuth-Straße 8; l FrstnNreirk. Die Debatte über C a r m a u x ist am Sontlabend zu Eltde gekommen. Nachdem Brisson, der Kamnierpräsidciit, seine großherzige Eiklärmig vom Tage zuvor jämmertich zurückgezogen hatte, crtheitte die Kamuier mit 277 gege>l 214 Stimmen der von Jaurös moralisch Hingerichteten Re- gierung ein Vertrauensvotum.„Das war die P r o k l a- mirung des Bürgerkriegs", schreibt heute die „Petite Ropublique". Wir wollen jedoch hoffen, daß es nicht zum Bürger- krieg kommen wird. Die starke Minorität, der die Regierung sich gegenübersieht, wird Herrn Ribot wohl zu denken geben. Und die neuesten Nachrichten, die der Telegraph uns aus Paris bringt, lassen darauf schließen, daß die Re- gierung sich Mühe giebt, den Streik beizulegen. Die be- treffenden Telegramme lauten: C a r m a u x, 27. Oktober. Der Präfekt des Departements Tarn forderte das Streikkomitee auf, mit ihm über die Mittel ur Lösung der augenblicklichen Lage zu berathen. Das Komitee eistete der Aufforderung Folge; die Konferenz fand heute Nach- mittag statt. Paris, 27. Oktober. Der Minister des Innern Leygues forderte heute Resseguier, den Direktor der Glashütten in Carmaux, auf, den vierten Ofen wieder in Betrieb zu setzen, um anderen Arbeitern Arbeit zu verschaffen. Resseguier entsprach der Auf- forderung; 200 neue Arbeiter sind eingestellt. Der Präfekt von Tarn hat unzweifelhaft im Auftrag der Regierung gehandelt. Judeß— warten wir ab. Einstweilen veröffentlichen wir nach der„Frankfurter Zeitung" Berichte über die zwei letzten Kammersitzungen: Pari?, 25. Oklober. Jaures hat heute weiter ge- sprachen. Heute beschäftigte er sich unter anderem mit dem, waZ man„das Altentat gegen Resseguier" genannt hat. Der Direktor der Glasfabrik hat behauptet, man habe auf ihn geschossen. Aber in der kaum acht Meier langen, von Menschen gefüllten Straße, wo daS Altcntat vor sich ging, hat niemand den Pistolenschuß vernommen. Selbst die Gendarmen, die in der Nähe standen, haben nichts gehört, so sehr man ihnen auch zu suggeriren versuchte, daß sie etwas gehört hätten. Herr Resseguier, der behauptet, er habe de» Laus der Pistole auf der Achsel gespürt, hat weder im Gesicht noch sonstwo eine Brandspur vom Pulver.„Das ist Spiritismus gewesen", rief hier ein Sozialist dazwischen. Herr Resseguier beklagt sich, sagte Jaurös ferner, daß die sozialistischen Depu- tirten zum Attentat gegen ihn provozirt haben. Aber kurze Zeit vorher hatte das Toulouser Blatt„I-s Telögramme", das im Solde Resseguier's steht, die Aeußerung eines Bauern verzeichnet, welcher auf dem Markte von Carmaux gesagt haben sollte: „Warum nimmt denn leiner eine Eisenstange, um dein Jauräs den Kopf von den Schultern zu schlagen V" Wie, wenn ein sozialistisches Blatt eine ähnliche Aeußerung gegen Ressöguier verzeichnet hätte? fragte Jaurss. Er wendete sich dann speziell dem Tarn-Präfekten D o u x zu. Das scheint wirklich ein sauberer Herr zu sein. Bevor er zu Amt und Würden kam, hat er sich als Bittsteller im Vorzimmer Clomencean's herumgetrieben. Selbst Herrn Jaures hat er seine guten Dienste zur Verfügung gestellt, bis er erkannte, daß ans Seiten des Kapitals mehr Prosit zu holen sei. Ein wahrer Skandal ist aber das folgende Faktum, das von einem Senator Baduel und sieben Deputirten bezeugt 11 Ein VevvÜlÄkei?. lNachdr. verboten. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. Der Wirth faßte seine Frau, weil sie schon wieder reden wollte, beim Arm und sagte mit gedämpfter Sliinme und mit jenem weichen Tonfall, den er stets annahm, wenn er vom Pfarrhause sprach: „Der Herr Bcnefiziat hat ans dem Bnab'n'n Geist- liche» machen wollen, damit die schwere Sünd' von der un- ehelichen Geburt wieder einigerniaßcn gut g'macht wird, aber der Poiten is gar a trotziger Mensch, der's über- Haupt, leider Gottes, mit unserer Religion gar nicht genau nimmt, und hat erklärt, daß er sich auf so was net einlaßt. Jetzt bitl' ich Sie, Herr Förster!" „Aber auf de Flunkereien von dem Lehrer, da laßt er sich scho ein, ha?" betonte Göpfert gewichtig. „Ja, des is ja, des is ja!" jammerten Wirth und Wirthin im Chore. Göpfert nahm einen großen Schluck und widmete wieder seine Aufmerksamkeit der Kleinen. Sie hatte die Arme über- schlagen und saß noch immer an der Kachelwand, wo sie aufmerksam das Zitherspiel verfolgte. Unbefangen sah sie drein mit übermülhigen Augen, die das volle, runde Gesicht angenehm belebten und ihm mit der kleinen, kecken Stumpf- nasc etwas Schnippisches gaben. Die üppigen Brüste und kräftigen Hüften der Frühcntwickelten verriethen derbe Ge« snndheit und fügten sich widerwillig in die beengende Ge- birgstracht, in das schwarzsammtene Mieder und den steifen, braunen Rock. Ein weißseidenes Tuch, mit lilafarbenen Blumen besetzt, schlang sich um den Hals und die Büste. Verstohlen betrachtete die Wirthin den Förster. Er wird: Calvignac, der sozialistische Maire von Carmaux, sollle wegen irgend eines Vergehens vor Gericht kommen. Vier Wochen vor der Gerichtssitzung äußerte der Präfekt zum Senator Baduel:„Calvignac wird vierzig Tage Gefängniß bekommen. Alan wird das Straf- urtheil zwar nur bedingt erlassen, aber eine selbst bedingte Ver- urtheilung bringt ihn um seine Wählbarkeil und gerade das brauche ich." Richtig, vier Wocken später erging das Urtheil genau in der vom Piäsekten angegebenen Weise. Das sind saubere Zustände! Jaures erzählte dann, wie der Präfekt nach dem Attentate gegen Resseguier eine Haussuchung in dem Hotel anordnete, wo das Slreik-!>omitee seinen Sitz halte. Die sozia- listischen Deputirten befanden sich in dem Hotel, die Tdüren wurden verschlossen und es durste niemand hinaus. Aber es war Abend, und das französische Gesetz gestattet nur, die Haus- suchungen am Tage vorzunehmen. So mußten die Polizisten den Aufgang der Sonne abwarten; und nun wird's idyllisch. Die sozialistischen Deputirten blieben die ganze Nacht eingeschlossen und suchten sich die Zeit durch Lesen zu vertreiben. Das einzig vorhandene Buch war„I-es clrathrieiibs" von Viktor Hugo. Einer las vor. und die Polizisten hörten die Verse durchs Fenster, glaubten, es seien provozirende Brandreden und tele- graphirten darüber nach Toulouse.„Wir aber," sagte Janrös, „dachten nicht daran, die Verse des großen Geächteten gegen diese kleinen Provinz- Despölchen zu kehren; wir dachten nicht daran, dieses Ungeziefer mit einer 5ieule zu erschlagen". Am nächsten Morgen erschienen die Polizisten und hielten Haus- suchung. Die sozialistischen Deputirten mußten ihre Taschen leeren. Janrös mußte seine Privatkorrespondenz aus- folgen, die er bei sich trug. Als er das erzählte, schien ihm plötzlich der Ingrimm in die Glieder zu fahren. Er wurde blutroth im Gesicht.„Ich habe einem Polizeispitzel den Brief ausfolgen müssen, den mir meine Mutler geschrieben hatte, um mich zu ermulhigen. Einen Brief meiner Mutter, Herr Justizmiuister!" Und nun hieb er mit beiden Fäusten aus das Pult, daß es dröhnte. Am Schluß rief Jaurös im Namen der Arbeiter von Carmaux den Kammerpräsidenten Brisson zum Schiedsrichter an. Herr Brisson wies in einer vortrefflich improvisirlen Rede auf die konstitutionellen Bedenken hin, welche der Uebernahme des Schiedsrichter-Amtes durch ihn entgegenstehen, aber er scheint doch sehr geneigt zu sein, sich von der Kammer zur Uebernahme nöthigen zu lasten. Leygues, Minister des Inneren, sprach hierauf. Paris, 26. Okt. M i l l e r a n d wiederholt heute, nachdem Leygues unter großer Unruhe seinen Widerleguugsversuch beendigt. in kurzer wirksamer Rede die Anklagen Jaures' gegen Resssguier und den Präfekten. Der Streik dauere fort, 875 Arbeiter feien noch arbeitslos. Die republikanische Majorität müsse den Arbeitern zu Hilfe kommen, die ohne Ausruhr die schlimmsten Bedrückungen der Behörden ertragen hätten. Die Menschlichkeirs- frage sei wichtiger als die Ministerfrage. Jnstizministec T r a r i e u x erkennt die ruhige Haltung der Arbeiter an. Er habe eine Untersuchung eröffnet über den Staatsanwalt von Aldi. Dieser leugne, die beschimpfenden Aeußerunge» gegen Jaurös ge- lhan zu haben, über die sich Jaurös beklage. Auch der anwesende Richter habe nichts gehört.(Die Sozialisten unterbrechen fortwährend die Rede des Ministers, indem sie die Angaben des Staatsanwalts anzweifeln.) Der Justizminister erklärt, er mißbillige die Verhaftung des Schatzmeisters des Streikkomitees. Die Veihastung sei übrigens nicht von den Gerichten, sondern vom Präfekten angeordnet; ebenso falle dem Präsekten die Verantwortung für die Haus- suchung im Hotel des Streikkomitees zu. Der Präsekt leugne, ließ seine Blicke mit offenkundigem Behagen aus dem drallen Mädel ruhen. „Sie is net üb'l, de Kathi, net wahr, Herr Förster?" Göpfert lachte roh: „O na, de gab a ganz guate Bettnnterlag." Mit lautem Gewieher begleitete Frau Kreittmayer diesen gemeinen Witz, auch der Wirth lachte, aber gemessener und breiter, indem er listig mit den Augen zivinkerte und ein bischen die Zunge vorstreckte. Bald aber nahm er wieder seine würdige Miene an und sagte sehr wichtig: „Es g'hört sich eigentlich net, Herr Förster, daß man so a jung's Ding bis in die späte Nacht ins Wirthshaus mitnimvlt." Da wurde der Förster aber sehr patzig und grob: „A, was? Dummheit! Möcht' wissen, warum net? Soll so a Madel am End dahoam versauern?" „O bewahre!" begütigte Herr Kreittmayer nicht wenig erschrocken,„i Hab' ja blas g'moant, weil der alle Poiten alleweil mit dem Eitzenberger beisammenhockt und mit dem verkommenen Lumpen, der ein ganz miserabler Sozial- demokrat is, oft gotteslästerliche Reden führt. Sehen S', Herr Förster," fügte er bei und drehte sich um,„da hockt er scho wieder bei ihm!" Es schien Göpfert sehr gleichgiltig zu sein, welchen Verkehr der Poitenbauer pflegte, denn er gab dem Wirth keine Antwort und sah mit sonderbarem Ausdruck zu dem Mädchen hinüber. Er fragte so nebenbei in weg- werfendem Tone, wie viel Verehrer sie schon besitze, und als ihm entgegnet wurde, daß man noch von keinem gehört habe, da wurden des Försters Züge noch freundlicher. Zur nicht geringen Freude der Wirthsleute verschob er den Aufbruch in sein Forsthaus, zu dem er drei Stunden zu gehen hatte, noch einmal und bestellte frisches Bier. Ein "t daß er die Privatkorrespondenz Jaurös' dabei beschlagnahm habe. Hier findet eine Szene von äußerster Heftigkeit statt. Jaures, der falsch verstanden, glaubt, der Justizminister habe ihn der Lüg« bezichngt, erhebt die Fäuste und will auf den Justizminister losspringen. Die Huissiers und zahlreiche Deputirte stürzen hinzu und versperren Jaures den Weg. Ungeheurer Tumult. Janrös, leidenschaftlich gestikulirend und Unverstand- liche Worte ausstoßend, wird von den sozialistischen Deputirten auf seinen Platz geführt. Tort will er immer noch aufspringen, wird aber von dem neben ihm sitzenden Millerand be- schwicktigend niedergehalten. Die ganze äußerste Linke schreit 10 Minuten lang auf das Zentrum ein. Endlich schafft Brisson Ruhe. Der I u st i z m i n i st e r erklärt, er habe nur den Bericht verlesen, der von dem Polizisten Cordel, der die Haussuchung vorgenommen habe, abgefaßt worden sei. Wenn dieser die Regierung getäuscht habe, müsse er gemaßregelt werden. Der Minister des Innern erklärt, er werde eine Unter- suchnng gegen Cordel eröffnen und ihn bestrafen, wenn er schuldig sei. Ter I u st i z m i n i st e r schließt mit der Versicherung, in allen Streikprozessen hätten die Richter ihre Pflicht gethan, was um so schwerer gewesen sei. als die sozialistischen Blätter sie mit den gemeinsten Schimpfworten überhäuft hätten. Er decke die Richter mit seiner Verantwortlichkeit. Die Debatte wird ge» schloffen. Präsident Brisson ersucht die Kammer, ihn nicht zum Schiedsrichter zu ernennen. Die Kammer dürfe sich nicht zum Tribunal in privaten Streitigkeiten auf- werfen. Kabinct-Chef Ribot erklärt, die Regierung wünsche dringendst die Beendigung des Konflikts in Carmaux. Die Beendigung wird erfolgen, sobald die Thätigkeir der revolutionären Agitatoren in Carmaux aufhöre. Die Regie- rung werde das Elend der entlasseneu Arbeiter zu mildern suchen, aber auch hier würde sie sich nichts befehlen lassen. Die Regie- rung weigere sich, irgend einen ihrer Funktionäre in Carmaux zu desavoniren. Jaurös habe diesen Streik begonnen.(Stürmische Unterbrechung links. Tie Sozialisten verlangen einen Ordnungs- ruf gegen den Minister.) Ribot fährt energisch fort: Die Regierung könne ihre Funktionäre nicht schutzlos den Insulten und Verleumdungen Jaurös preisgeben.(Heftiger Lärm der Sozialiste». Ruse: Zur Ordnung!) Der Präsident sagt, Ribot wollte nicht von Jaurös selbst, sondern von dessen Journalen sprechen. Ribot, im Tumult müh« sam zu Worte kommend, bestätigt dies und fügt hinzu: Die Haltung der sozialistischen Blätter entehre die Presse.(Neuer Tumult. Der Boulangist Richard springt auf und ruft, er gebe seine Demission als Sekretär der Kammer wegen der Uu- gerechtigkeit des Präsidenten. Der Sozialist Geranlt- Richard und der Radikale C l u s e r e t versetzen sich Faust- hiebe(?) und werden mühsam getrennt.) D r a k e bringt eine Tagesordnung ein, worin die Erklärungen der Regierung gebilligt werden, da die öffentlichen Gewallen keine andere Aufgabe haben, als die Ordnung und Freiheit der Arbeit zu sichern. Sie wird mit 230 gegen 183 Stimmen angeuomnien. Guyot- D e s s a i g n e beantragt, die Regierung zu beauftragen, einen neuen Schiedsgerichtsversuch zu machen. Der Antrag wird mit 270 gegen 234 Stimmen abgelehnt. Die Sitzung dauerte acht Stunden.— In bezug auf die in vorstehendem Bericht enthaltene Notiz betreffend Calvignac sei hier erwähnt, daß der saubere Plan jetzt bis zu Ende verwirklicht ist: auf grund jener vera bredeten Scheinverurtheilung ist das Mandat Calvignac's als Gemeindevcrtreter von Carmaux für im- gillig erklärt worden. Pfui! neuer Tanz begann, aber der Förster verließ seinen Posten nicht, von dem er unausgesetzt zu deni Mädchen hinüber- schielte. Jetzt trat ein Bauer auf sie zu und redete mit ihr und dem Poiten. Eitzenberger, ein Mensch mit brennrothem Gesicht ohne jeden Bart, mengte sich neugierig in die Unter- Haltung und stieß Poiten an. Dieser erhob sich und ging kopfschüttelnd zur Thüre hinaus. Bald folgte ihm der andere, und nun glaubte Göpfert, daß ein passender Augenblick gekommen sei, das atteinsitzcnde Mädchen an- zureden. Er schob sich hinter seinem Tische hervor und ging auf sie zu.— Inzwischen war Poiten ins Freie gelangt. „Ja, Herr Lehrer," rief er, als er sich Gattl gegen- über sah,„der Slraßner hat g'sagt, i soll glei'raus komma zu Eahna, Sie woll'n mi sprecha. Ja, was giebt's denn?" Der Lehrer zog ihn am Arme vom Eingang hinweg und führte ihn in den stockfinsteren Wirthsgarten, wo er im entlegensten Winkel Platz nahm und Poiten an seine Seite drängte. Jetzt kanien noch zwei Männer aus der Dunkelheit an den Tisch getappt, es waren Eitzenberger und der hagere Straßner. Gattl holte Atem: „I will enk net lang aufhalten," sagte er,„damit 's net auffallt in der Stuben drin." „Was giebt's denn nur, Herr Lehrer?" fragte hastig der dickköpfige Eitzenbergcr. „Nur langsam! Ihr wißt's, daß i heut früh mit dem Göpfert'n Spektakel g'habt Hab?" „Natürli," nickte Poiten,„wir war'n ja dabei." „Gut. Der Göpfert hat mi da drauf hin beim Be- »esizianten verklagt." Ewer unserer Pariser Korrespondenten schreibt uns: Paris, 27. Okrober. Wenn es noch eines Beweises be vnrst dätte, daß die politische Gewalt im eigentlichen Sinne die organisirte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer andern Ut und daß die moderne Staatsgewalt nur ein Ausschuß ist, der die genieinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse ver- wallet, wie dies Marx und Engels bereits vor nahezu einem halben Jahrhundert im Kommunistischen Manifest verkündet, dann hat ihn die 3!egierung, dann hat ihn die Kammer gestern vollständig erbracht. All die sowohl von Jauräs wie von Millerand ansgedecften und nachgewiesenen Infamien, die seit Beginn deS in Carmaux herrschenden Konflikts von Itesssguier, demPräfekten Doux, dem Spezialkommisfar Cordel, dem Staatsanwalt Bertrand zc. begangen wurden, sind von der Regierung, in deren Namen der noch von der Interpellation über das Waisenhaus von Cempnis her berüchtigte Minister des Innern, Leygues, sowie der durch seine gegen das Koalitionsrecht der Eisenbahn- und Staatsarbeiter gerichtete Vorlage bekannte Justizminister Trarieux und at last not least Ministerpräsident Ribot das Wort ergriffen hatten, frech geleugnet worden, und zwar auf grund— der reinste Münter-Prozeß— auf grund von Jnforinationen, die von denjenigen eingeholt wurden, die die Infamien begangen hatten. So wurde, was einen wahren Ent- rnstungssturm hervorrief, selbst geleugnet, daß der Kommissar bei der im Hotel Malaterre vorgenommenen Hausdurchsuchung von Jaurss die Auslieferung der Briefe und Schriften verlangte, die er bei sich trug. obwohl das Resseguier'sche Journal„Le Tele- gramiue" tags darauf eines dieser Papiere zum Abdruck ge- bracht hat! Und die Kammer votirte dieser Regierung zum Schlüsse ihr Bertranen, votirte, daß die öffentlichen Gewalten keine andere Aufgaben habe», als die Ordnung und d'.e Freiheit der Arbeit zu sichern und sprach sich mit 270 gegen 234 Stimmen sogar gegen jeden Versuch aus, de» Konflikt zn'ifchen Reffegider und den Glasarbeitern durch einen Schiedsrichterspruch zu lösen, was die reinste Provokation zum Bürgerkrieg ist. Hoffentlich werden die Arbeiter, die bisher allen Provokationen widerstanden, anch dieser zu widerstehen wisse». Die Genossen Jaurös, Görault-lllichard und Viviani reise» heute Abend als Delegirte der sozialistischen Gruppe nach Car- maux ab.— Leider ist bei der gestrigen Wahl im Allier-Departement der sozialistische Kandidat Letong mit 7840 Stimmen dem radikalen Republikaner Vacher erlegen.— Eine treffliche Charakteristik der französischen Kammer und der in Frankreich herrschendeil Zustände giebt nach- stehende Korrespondenz unseres Gallus über de»„Senator M a g u i e r Paris, den 25. Oktober 1895 Der ehrenwerthe Senator Magnier, Eigenthümer und Leiter deS ministeriellen Journals„Evenement", ist vorige Woche von dem Pariser Assisenhof zu einem Jahre Gesängniß ver- urtheilt worden, weil er von dem verstorbenen Baron Reinach sich hat bestechen lassen. Es wurde erwiesen, daß dieser Mephisto der Finanz Magnier's Stimme im Senat und im Generalrath des Var-Departements für 80 und etliche tausend Franks gekauft hatte. Zum unsagbaren und lärmenden Jubel unserer Antisemiten und Patrioten findet sich der Name dieses deutschen Juden in allen Skandalen der letzten Jnhr«. Reinach und sein Helfers- Helfer und Glaubensgenosse Cornelius Herz sind die cynischen Verführer und Bestecher der Politiker des bürgerlichen und kapitalistischen Frankreich. Wenn diese zwei bösen Geister nichi gelebt hätten, würden die Journalisten, Senatoren, Minister und Präsidenten der Republik ihre Lämmerunschuld makellos bewahrt haben, und der Senat und die Kammer wären idyllische Schäfereien geivesen mit den Constans und Trarieux als treuen Hirte». Allein diesmal sind anch die grimmigsten Antisemiten und me dümmsten Patrioten zu dem Bekenntnisse gezwungen, daß Reinach keine teuflische Verführungskunst anzuwenden halte, um Magnier ins Verderben zu ziehen. Der ehrenwerthe Herr Senator hat das selber besorgt. Es war stadt- und landbekannt, daß Magnier, der kein Prwalvermögen hatte, an der Spitze eines täglichen Blattes ohne Abonnenten stand— höchstens 2000 Exemplare wurden abgesetzt ~ und außer de» Reptiliengeldern des Ministeriums keine Ein- nahmen hatte, daß dieser Magnier in Paris und Frankreich wie ein Fürst lebte, Pferde, Wagen, Bediente, Mailressen und was sonst zu solchem Leben gehört, hatte. Schlösser für Millionen von Franks kauft» und baute,— daß ihm zehnmal mehr GerichtSvollzieher-Urkunden zugestellt worden sind, als er Haare auf dem Kopfe hatte, daß er täglich alle möglichen Kniffe ge- brauchen mußte, um nicht verhaftet und nicht gepfändet zu werden. und daß er seine Zeit damit zubrachte, rechts zu borgen, um Iniks zu bezahlen. Er verwirklichte in der That den Typus des wahrhaftigen Christen, dessen Rechte nicht wissen soll, was die Linke giebt. Man erzählte sich aus den Boulevards die „Was? Verklagt?" fragte Poiten ganz entsetzt. „Der Sauhund!" schrie Eitzenberger. bitt Euch, red's ruhiger," mahnte Gattl und über dre schweißbedeckte Stirue. „Da hört si aber do all's auf," brnmrnte Poiten.„No, und was is nacha?" „Paßt's auf. Der Herr Bcnesiziant will mi, soviel vermuth', weiter nielden, damit i wieder net ang'stellt werd'. Und des all's, weil mir der Förster und der Wirth nach- g'sagt hab'n, ich Hütt' gotteslästerliche Reden g'führt und das Beamtenthum beleidigt. Jetzt frag' i Euch, habt'sJhr g hört, daß ich so ivas g'sagt Hab?" „Warum net gar," rief Poiten. „A, was! Dummes G'schwatz von so'm schntigen Wirth," warf Eitzenberger ein.„Auf Gott g'schimpft! Was hoaßt denn des all's? A jeder kann reden was er t"og. I glaub' überhaupt» nix und so a hcrg'laufener Jaga soll si net uin unfern Ort kümmern! Scho den ganzen Tag lackelt der Kerl da'rnm, und jetzt,— da fchniig her, Poiten, und bild' Dir wos ein, jetzt steht er gar bei dein' Madel dort!" Alle blickten durch de» Garten in die Stube hinein, wo Göpfert neben Kathi am Ofen lehnte. Er hatte die linke Hand lässig in die Tasche gesteckt und plauderte lachend nlit der Dirne, wobei er mit der Rechten zwischen zwei Finger» die Zigarre aus« und niederhob und behäbig dreinsah. Unverständliches und wandte lud fiM„ Man SYnA«»» 1"MV alle bezeugen, daß Ihr nix wir," sagte Poiten sehr ent- Poiten brummte etwa? sich wie!.; zu dem Lehrer. „Also. Ihr könnt mir g'hört habt „Ja wohl, das können schieden. «Alle Tag, mann S' es wollen," ergänzte Straßuer, der wie ein Gespenst im Dunkeln aufragte. „Herr Lehrer! Herr Lehrer! Passen S' auf. I will Eahna was sag'n," kam eifrig der hitzige Eitzenberger heran. «Wissen S', Herr Lehrer, bal i dem Benefizianten was aus- wischen kann, da bin i am Platz, d'rum sag i extra all's, was S' hab'n woll'n." lFortsetznng folgt.) drolligsten Anekdoten über dieses Pumpgenie, das zu Hause ein Danaidenfaß hatte. An einem großen Galatag in seinem Palais hatte er zu einem üppigen Gastmahl Finanzleute, Deputirte, Minister, Journalisten eingeladen: als man im Begriff ist. sich zur Tafel zu setzen, wird das Gas plötz lich abgestellt, und mußte alle Lampen der Nachbarschaft reqniriren Der Veranstalter des üppigen Gastmahls hatte seil Jahren die Gasgesellschaft nicht bezahlt. Die Redaktenre seines Blatte konnten ihm nur dadurch einiges Geld enlreißen, daß sie ihn am Kragen packten und durchzuprügeln drohten. Dieser Magnier, der ein so großes und lustiges Leben au Kosten des Eigenthums seiner Brüder im Kapitalismus führte. mußte natürlich ein überzeugter Verlheidiger des Eigenthums sein; er war der hervorragendsten einer unter den festeste Stützen der Ordnung, der Familie, der Moral und Ministerien und unter den unversöhnlichsten Feinden'der Sozialisten. dieser Iiuhestörer, dieser Umstürzler, dieser Räuber dieser Galgenvögel, die alle hundertmal den Tod verdient habe» Magnier halte ein ruhiges Gewissen; er konnte nicht be greifen, daß ein Vertreter der besitzenden Klassen ein ehren hastercs Leben führen könne als er. Und er halte jedenfalls recht denn es bedurfte der merkwürdigsten Umstände, um Herrn Trarieux, den Minister der Justiz, zu veranlassen, sich mit ihm zu beschäftigen. In dem Prozeß des Direktors der Südbahn wurde der Name Magnier mehrmals genannt im Zusammen hang mit so schamlosen Vorgängen, daß Herr Trarieux trotz des Schmerzes, den ihm dies bereitete, der empörten öffentliche, Meinung nicht mehr Trotz bieten konnte. Er ordnete dar gerichtliche Verfahren gegen seinen Busensreund und Senais kollegen Magnier an. Run wurden wir Zuschauer und Zeugen einer der er heiterndsten Komödien. Dieser Robert Macaire"), den jeder Mensch kannte, erhob stolz das Haupt und spielte den sittlich Entrüsteten Aus einem eingeklagte» wurde er Aulläger.„Konnte es etwas Ungerechteres geben als ihn zu verfolgen, rhu, den Unschuldigsten aller Politiker, während man die notorisch Schuldbeladensten ungeschoren ließ. Das werde nicht ohne Skandal abgehen. Er habe Waffen, und wenn man ihn auf dem Altar der Bürger lugend abschlachten wolle, dann würde er andere, bedeutendere Opferthiere mit sich heranschleppen." Und er nannte die Namen derer, die er mit z»i» Altar schleppen wollte. Die Polizei wurde gegen ihn in Beivegllng gesetzt;>aber Magnier hatte den Ring des Gyges(der unsichtbar machte, wie die Tarnkappe); er ging in seiner Wohnung aus und ein zu allen Tageszeiten; er besuchte sein Journal, brachte dem„Figaro" Drohartikel und niemals sah ihn eiiie» der scharssichtige» Polizisten. Dieses Leben in vollster Oeffenl lichkeit dauerte einige Wochen, als eines schönen Tages die Polizei meldete, daß Magnier sich entschlossen habe, aus dein Verkehr zu verschwinde». Es hieß, er sei in Spanien, in Marokko oder in Tiinbiiktil; wohliinterrichlete Leute aber ver sicher», er sei niemals aus Paris heransgekoinme». Man glaubte den Prozeß begraben, weil, wie einst Portali? Magnier die Güte gehabt halte, die Gerichte von seiner lästigei und gefährlichen Gegenwart zu befreien; da fiel es ihm ein, eine hübsche Theaterszene zu spielen— vor einige» Wochen tauchte er plötzlich wieder auf und begab sich nach de», Justizpalaft, wo ei verlangte, daß man ihn verhaften und abiirtheileii solle. Was hatte sich hinter den Konlissen ereignet? Zweiselsohne Halle Herr Trarieux ihm die Versicheriing einer Freisprechung gegeben, welche der letzte Akt der seit Monaten von den Gerichte, ansgesührten Posse sein sollte. Der ehrenwerthe Herr Senator gereinigt von den schamlosen Verleumdungen, die man über ih> ergossen, verließ den Justizpalast stolz erhobenen Hauptes, um mit neuem Eifer sein Betrügerleben fortzusetzen. Doch vor dem Asstsenhof wurde die Komödie für de» zu leichtgläubigen Magnier zur Tragödie. Der AinvaU der Republi! klagte ihn, anstatt ihm aus dieser schlimmen Lage zu helfen, mil Heftigkeit an, erhob gegen ihn die erdrückendste» Beschuldig»,»ge, und stellte ihm sogar eine gerichtliche Verfolgung wegen betrügerischen Bankerolts und eine Verurtheiluiig zu Galeere» arbeit in Aussicht. Magnier, der jetzt i» der Falle gefangen war, verlor de, Kopf; anstatt seine Drohungen ausznsühre» und seine 'Mitschuldigen anzugeben, vertheidigle er sich und flehte das Mitleid der Richter an; er brach völlig zusammen und vergoß heiße Thränen, als er seine Berurtheilung zu einen, Jahr Gesängniß hörte. Die Mitschuldigen Magnier's ath,uel-n auf: sie glaubien sich befreit von de», Alp, der so schwer auf ihnen gelastet hatte; die öffentliche. Meinung mußte nnt dem Sniidenbvck zufrieden sein, den man ihr geopfert hatte. Doch die Freude der Spieß- gesellen wird nur von kurzer Dauer sein, denn der Prozeß wird von dem Sozialisten Rvunnet vor die Kau,,„er gebracht werden, der die Name» von sieben Abgeordneten und Senatoren nennen will, *) Name eines der berühmtesten französischen Spitzbuben und Gauner. Eine sozinke Sakiee. hat die Meinung ausgesprochen. Ludwig Fulda sei ein Mann, der einmal vor Eugen Richter, ei» anderes Mal nach Bebel's Seite hin sich verbeuge. Der ziveite Theil dieser Be hauptung bezieht sich zugleich auf die jüngste Komödie Fulda'- „Zkobinson's E i l a n d", die am Sonnabend i», Deutschen Theater zu», ersten Male aufgeführt wnrde. Eine Verde, lgnug verpflichtet»och nicht, dann allerdings wäre Fulda's Konipliment ein bloßes Kokeltiren mit sozialistischen Ideen, und auf nicht viel mehr kommt es in„Robinson's Eiland" heraus. Interessant ist die Thatsache, wie das üppigste Preniißren- publik, un Berlins, das am Sonnabend das Deutsche Theater füllte, sich den Sozialismus in poelisch verklärter Form vorstellt; wie diese luxusverwöhnte Plutokratie zur Anschauung komme,, konnte, Fulda tanze ein liebliches Menuett vor den, König Bebel. Eine Erörterung des Gedankengehalts in Fulda's Komödie wird dies Thema hinlänglich beleuchten. Kommerziei, ralh Castor ist ein Herr im Reich des allgewaltige» Kapitals. Alle Fortschritte moderner Technik hat er sich in seineni Prachlpalast dienstbar gemacht. Eine,,, Nittel- losen Fürsten hat er zu sich gezwungen, ein einflußreicher liberaler Journalist geht ans jeden seiner Winke geschäftig ein und„niedere Existenzen" zertritt er gedankenlos, wie etwa ei» Wanderer einen Laufkäfer zertritt, der auf andiger Straße unter seine Stiefel gerälh. Das Hirn dieses Mächtigen treibt im Spekulationssteber allerlei Blasen. So rüstet er auch ein Wunderschiff auf, eine» 'chwininlenden Märchenpalast, mit alle», Komfort der Neuzeit. Bezeichnend ist, daß Fnlda dieses Schiff„Utopia" nennt, als wollte er damit die Wahnvorstellungen übermüthiger Menschen- kreaturen sinnbildlich treffen. Eine Vergnüginigsfahrt n», die Erde soll auf der„Utopia" der reine Spaß sein. Man tanzt, man mnfizirt, man dinirt; ja selbst ein Journal wird täglich zweimal auf de», Schiffe ausgegeben, wie es im Vorjahr ein Berliner Zeitungsmann und Reklamereisender ans der„Augusta Viktoria" lhal. Selbstverständlich steht die„Utovia" ebenfalls im Dienste des raffgierigen Kapitals und seines typische» Vertreters, des Kommerzienraths. Allein an der unerbittlich gerechte» Natur zerschellt der Uebermulh der Uiopia-Fahrer. Ein Orkan erhebt sich mitten im stillen Ocean und die See verschlingt die Herrlichkeiten, die armseliger Menschenwitz erschuf. Ein Theil der Schiffbrüchigen rettet sich auf eine menschenleere Insel. Hier, aus Robinson's Eiland, entwickelt sich das Satirspiel, das in burlesker ZHantastik Fulda's soziale Weisheiten verkünden soll. Hier baut �ch eine neue soziale Orgaiiisalion auf. Hier ist das Programm durchgeführt, das ins Gemeinverständliche übertragen lautet: welche mit Magnier die 18 Millionen Franks, die in den Rech« »ungen der Südbahngesellschaft fehlen, getheilt haben. Die Skandale sind noch nicht zu Ende; es giebt noch andere ehrenwerthe Magniers in der Kammer und dem Senat. Gallus. Wie wir im letzten Moment erfahren, soll das fran- zösische Mintsterinm gencigt sein, den Justizminister Trarieux über Bord zu werfen. Das Ministerium fühlt sich also be- droht trotz seines Sieges. �orksch�ikke des Z�olenkfjmus. Trotz oder dank den GermanisirungSversiichen der„staals- erhaltenden" Parteien gewinnt das polnische Element immer weiteren Boden. Bisher beschränkte es sich in seiner politischen Wirksamkeit auf die Provinzen Westpreußen und Posen. Jetzt bat es zum ersten Mal selbständig Stellung genominen in der Provinz Schlesien, wo es bisher nur als Anhängsel des Zentrums angesehen war. Bei der Hauptwahl 1893 erlangte der Zentrums- kandida« mit 2l 234 gegen lolk Stimmen aller anderen Parteien im Wahlkreise Pleß-Rybnik den Sieg; bei der am 24. Oktober dieses Jahres stattgehabte» Nachwahl trat die polnische Partei siegreich in den Wahlkamps; ihr Kandidat, Radwanski. triuniphirt« mit 12 OOO Stimmen über de» Frhrn. v Huene, den Kandidaten des Zentrums, der kann, die Hälfte dieser St, mmenzahl erreichte. Mit dieser Wahl dürfte auch das Schicksal einer ganzen Anzahl schlesischer Wahlkreise bei der nächsten Reichstagsivahl entschieden sein; es ist kein Grund vorhanden, daß die Polen nicht anch i» Katlowitz-Zabrze, Beuthen-Tarnowitz und anderen von jeher vom Zentrum innegehabten Wahlkreisen von ihrer Macht, die ihnen jetzt so glänzend zum Bewußtsein gebracht wurde, selb- ständigen Gebrauch machen. Das Vordringe» des Polenthiiins danken wir der herrschen« den Regierungspolitik, die sich auf die deutfch-natioiialen Parteien stützt, auf die Kreise, denen wir am allerwenigsten da- Prädikat„deutsch" zuerkennen möchten. Was ist dem oft- elbischen Junker das Deutschthnm?„Und der König absolut, wenn er unseren Willen thut!" W,e das Junkerthin» 1843 erwartungs- und hoffninigsvoll dem Einmarsch russischer Truppen entgegensah, um mit ihrer Hilfe die vaterländische Demokratie niederzuschlagen, so ist auch sein heutiger Patriotis- mus dadurch bedingt, daß es sich bewußt ist, im deutschen Valer- lande die erste Geige zu spielen und die Regierung seinen Wünschen und Forderungen in splendidester Art eiitgegenkoinmen zu sehen. In Westpreuße» und Posen war schon bisher ei» Sieg des Deutschen gegen den Polen nur möglich, wenn die Liberalen sich den Konservativen unterwarfen und»in des „Deutschthums" willen alle liberalen Prinzipien znii» Opier brachten. Es war dieses natürlich, denn dem denlsche» Junker war der Freisinn weitaus verhaßler als der polnische Junker. Das deutsche Bürgerthun, selbst hatte sich von der Bismarck« che» Politik so ins Schlepptau nehmen lassen, daß es sich nur noch in den öden Phrasen des Kulturkampfs und der Kraft» meierei. in der Hetz« gegen den„Umsturz" berauschte; ohne auch >ur zu fühlen, daß gerade die Bisniarck'sche Politik eine nichts weniger als nationale war. Seiner Ruffenfreundlichkeit that die Feindseligkeit, welche die deutsche» Nachbarn oft genug zu spüren hatten, keinen Abbruch, ebenso wenig wie es die Ausrottung und Uulertrückimg des Teutschlhums in den russischen Ostprovinzen lhat. In Oesterreich selbst ist der Niedergang des DentjchthumS auf die Bisniarck'sche Politik zurückzuführen. In Preußen sreilich wurde von der Regierung alles auf- zeboten, um das Polenthum zurück zu drängen. Die sonst so parsame preußische Siegierung scheute nicht das Opfer von>00 Millionen, um große Güterstreckeu auS den Händen polnischer Besitzer i» deutsche,, Besitz, zu bringen. Aber was erreichte sie damit? Der verschuldete polnische Besitzer verkaufte zu hohem Preise sein Gut und siedelte sich„„ter besseren Bedingungen auf einem anderen Gute an. Der deutsche Erwerber seiucS trühere» Besitzes that dam, das seine, um seine Besitzung zu polonisiren. Die deutschen Arbeiter trieb er durch Lohnbruck»nd andere Annehmlichkeiten nach auswärts und an ihrer Stelle hielten die billigeren und fügsameren poliiischen Arbeiter ihren Einzug. Eine Statistik der Eiinvohnerverhälliiisse auf den von der Eeimanisiriliigs-Komiiiission an deutsche Besitzer übertragenen Gütern in bezug ans die Nationalität der Bewohner wäre höchst lehr- eich. Freilich dürfe» wir von der Regierung, und diese allein wäre dazu in, stände, keine Statistik, die ihr unliebsame Resultate zu age förderte, erwarten. Ter Patriotismus deutscher Bourgeois geht nicht so weit, daß er nicht dem polnischen, czechischen, lovakischen Arbeiter vor dem deutschen den Vorzug gäbe, wenn er ihm profitabler wäre. Haben sich doch Schlot-Barone ebenso wie Kobleu-undAcker-Barone nicht gescheut, der Einsuhr von chinesischen Kulis geradezu das Wort zu rede». Das einzige Hinderniß, das ihnen im Wege steht, ist nur»och die deutsche Sozialdemokratie: ohne sie könnte» wir es erleben, daß die polnisch-nationale Partei nicht blos in Schlesien, sonder» auch in Sachsen und in der Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Was hilft Besitz und Vorrecht des Adels? Da Fürst muß Reisig zur Schlafstätte herbei- chleppen und das Lama jage». Der Komuierzienrnlh muß Kartoffeln stechen. Sie empören sich zwar gegen d,es Joch; sie können es icht fasse», wie ihnen das stiecht auf Freibeuterei so jäh ge» nomine» wurde; aber sie müssen sich fügen, den» die Führung i» dem winzigen Staate fiel»alurgemäß dem Retler in der Roth, einem mnskelkräfligen Schiffsheizer von gesunder Begabung, dem jungen Palm zu. Der halte d'.e Armuth gründlich durch» gekostet und nach Fulda anch die Waffen der Armuth im Kamps »ms Dasein tüchtig kennen gelernt. Hin- und hergesloßen in der Welt, ist er auf seinem Lebenswege auch dem Kommerzieu- rath schon begegnet. Er war Schreiber bei dem Gewaltigen, und wurde davon gejagt, als der Kommerzienralh entdeckte. sein Schreiber hätte vor Jahren einmal zur Nichte des Millionärs aufgeschaut, wie zu Seinesgleichen; und der Millionär wollte doch diese Nichte den, Fürsten vermählen und durch dessen Einfluß dann eine Baronin für sich erlangen. Sie wäre» ver- schmachter, die großen Herren und die zierlichen Müßiggängerin en, ihre Dame», ohne die werklhälige Hilje und die FindtgUil deS arbeitgeivohnten Palm. Schade, daß Fulda's Hiimore so engbrüstig beschaffen lud. In de» Literaturen der Kaltiirwelt haben pba tastffche Robinsonaden des ösleren einen Vorwurf für humorislische, wie ätirische Weltbilder abgegeben. Fulda's Phantasie aber ist nieder gespannt; und seine», Uebermulh iehlen Naivelät und Keckheit. Ein Satiriker von sentimentalischer Grundiialur wird allenfalls bei guter Laune so verwogen sein, daß er— mil gebührender Bor- ficht— Nasenstüber anstheilt, nieinals aber wird er seine Faust mit einem Schlagring bewehren. Ueber sittliche Deklamationen vom Adel, den eigene Arbeit verleiht, und ein paar triviale Späßchen ans Kosten der Faulenzer in der Gesellschaft kommt man bei Fulda nicht hinweg. Und das Ende? Nach Jahr und Tag werden die Bewahner ans Robinson's Eiland von einem deutsche» Dampfer entdeckt und ins geliebte Beilin heimgeführt. Die Hoch, nüthigen erfahre» d,er manche spaßbafte Deniüthigung; allein„n Wesen bleibt das meist» beim allen. Sie haben nichts zugelernt und nichts vergessen. Wieder ind sie Herren und wieder behandeln sie den junge» Palm wie einen Knecht. Er aber tritt der Sippe nicht entgegen, wie der Mann, der weiß, daß er einer gegensätzlichen Well angehört; er nimmt ein Gnadengeschenk von ihnen an, das Amt eines„Kolonisators auf Robinson's Insel", weil ihn die Liebe eines Weibes dahin be- gleitet, weil ihn eine Seele versteht— die höchst merkwürdig ideale Nichte des Kommerzienraths, der aufs neue krast seiner Millionen Gebieter in Europa geworden! Der gute, der eole und zärtliche stievolulionär! So vertröstet Fmsa in feiner Reverenz vor Bebel Rheinprovinz Wohl siege erränge. Freilich der polnische Arbeiter, durch dessen Hille der deutsche Unternehmer sich des wider- haarigen deutschen Arbeiters entledigen will, unterliegt hier schneller dem Einflüsse feiner deutschen Älrbeitsgenossen und ver- liert in jedem Falle das Abhängigkeitsgefühl von dem einheimischen Junker, mag er so national sein wie er wolle. Die deutschen bürgerlichen Parteien werden es nicht unter- lassen, ihre Alarmstöbe betreffs der polnischen Gefahr zu erheben, aber sie haben sie selbst verschuldet. Der Kapitalismus hat sich als die Macht bewährt, die alle sittlichen, auch nationalen Kräfte zersetzt und ohnmächtig macht. Und wenn der Staat weitere hunderte Millionen für die Germanisirung verwenden ivollle, sie würden ebenso wenig wie die bisher vergeudeten den beabsichtigten Zweck er- füllen. Lächerlich aber ist es, wenn die„Vossische Zeitung" aus- ruft:„Für die deutschen Parteien ist es nach dein unerwarteten Ergebniß der Wahl in Pleh- Rybnil dringend nothwendig, der polnischen Propaganda noch schärfer als bisher aus die Finger zu sehen." Das auf die Finger sehen seitens der bürgerlichen Parteien wird nun kaum etwas fruchten und wenn die„Frei- finnigen" ihre Hoffnung aus die Negierung setzen, so wird diese so wenig wie bisher den Polen Einhalt thun, zumal solange diese im„Patriotismus" mit den deutschen Junkern wetteisern und der Militarismus bei ihnen sich der ehrerbietigsten Pflege erfreut. polnische Xlcbevflchk. Berlin, 28. Oktober Ter deutschen Volkspartei suchen jetzt auch Er- klärnngen ihrer eigenen Parteiblätter im Norden der Mainlinie die Wege zu ebnen. Es hat sich herausgestellt, daß die gegen das Vordringen nach Norden gerichtete Kundgebung des Stuttgarter„Beobachter" nicht, wie die „Freisinnige Zeitung" es dargestellt hatte, von der Partei- leitnng ansgegangen war, sondern die individuelle Meinnngs- änßerung eines Parteimitgliedes ausdrückte. Dagegen haben nunmehr sowohl der„Beobachter" selbst wie die„Frank- snrter Zeitung" erklärt, daß sie gar keinen grundsätzlichen Widerspruch gegen die Ausdehnung der Organisationen der Volkspartei nach Norddeutschland erheben. Thatsächlich haben denn auch Sprengstücke der demokratischen Be- ivegnng ans den achtziger Jahren in einigen Städten Nord- deutschlands sich der deutschen Volkspartei angeschlossen, so in Düsseldorf und Berlin. Eine größere Bedeutung könnten derartige Anschlüsse indeß erst gewinnen, wenn auch aus bisher noch der freisinnigen Partei angehörigen Kreisen enl weder einzelne Personen in größerer Zahl oder ganze Korporationen den gleichen Schritt thun würden. Des Knriosnnis halber mag erwähnt werden, daß in den„Erenz boten" den unzufriedenen Reichsbürgern der allgemeine Rath gegeben wird,„ein bischen demokratisch" zu werden, obgleich die Redaktion selbst sich dagegen verwahrt, den gleichen Schritt thun zu wollen; sie will nach wie vor über den Waffern schweben. Die„Volks-Zeitung", die äugen- scheinlich leicht zu befriedigen ist, sucht mit dieser eigen- artigen Enzvfehlung des„Grenzbotcn" Staat zu machen. Für die Sozialdemokratie bleibt es sich natürlich gleich, ob unter uikkii unzufriedenen Reichsbürgern Richter oder Sonne den To» angiebt.— protestlerische Reichstags- Abgeordnete Preist soll ''wegen Landcsverralhs verhaftet sein. Das„Eisässer Tageblatt" meidet aus Colmar: Vergangenen Sonnabend fand in der Wohnung des Reichstags- Abgeordnelen Ncchlsauwalt Preiß eine Haussuchung statt. Sonntag wurde Preiß auf dem Colmarer Bahnhof, als er von Straßburg zurückkehrte, eingeladen, sich»um ersten Staatsanwalt zu verfügen, von wo Preiß sich nach einer Unterredung wieder entfernte. Preiß soll der Behörde versichert haben, er werde die Aussage» des bekannten Jnteviewers im„Petit Journal" berichtigen bezw widerrufen lassen und er werde demnächst in einer Versammlung des Volksvereins eine entsprechende Erklärung abgeben. Ans dem Interview heben wir die folgenden Stellen hervor: „Die gegenwärtige Lage ist nicht der Friede. Sie war friedlich, als sie enbgiltig war und sie war endgiltig im Jahre U69. Sie ist es nicht mehr, denn sie ist nicht geregelt. Im Jahre 1869 gab es keine elsaß-lothringische Frage, heute giebt es eine."...„Es versteht sich ganz von selbst, daß wir keine Revolutionäre sind; in unseren öffentlichen und privaten Verhältnissen werden wir uns immer voll kommen auf dem gesetzlichen Bode» halten, und zur Zeit sind wir verpflichtet, mit den eingewanderten Elementen zu leben. Es wäre kindlich, wenn man die Nothwendigkeit nicht einsehen wollte, unter Berücksichtigung der Selbstachtung einen woäus vivendi zu suchen, der für beide Theile ehren Haft ist. Dabei bewahrt jeder innerlich seine Trauer und seine eigentlich— auf Robinson's Eiland; und in seiner moralisirenden Predigt mahnt er die Stolzen dieser Erde, die sich frevlerisch übe> heuen, etwa wie Chamiffo sein Rieseusräulei» ermahnt: Verachtet das Bäucrlein nicht! Der Bauer ist kein Spielzeug! Ehret den Schweiß des Arbeitsmannes! Und wenn man de» Pfaffe» der Versöhnlichkeit entgegenhält: Wenn sie aber nicht mögen, die Racker? Wenn sie die Predigten verlachen s Was dann, Herr Fulda? Und wenn andererseits Die Arbeitenden und alle jene Elemente, die trotz ihrer„gesunden Begabung" hernnigestoben werden in alle» Winkeln und Ecken, »'cht nach Robinson's Eiland wandern wollen, um iveltser» von den Kullursünden der Menschheit eine neue idyllische Welt sich zu erschaffen? Wie dann? Hier ist unsere Welt, nicht in er- träumten Zonen. Hier wolle» wir baue». Jedes neue Kultur- iniitel, jede neu gewonnene Technik ist uns ein löst- liches Geschenk mehr, und uns beschleicht durchaus nicht das gelinde Granen vor ihnen, das den geruhsamen Fulda immer im Bann hält, jetzt und da er seine„wilde Jagd" schrieb. Beschaulichkeit, Entsagung ist nicht Geist von unserem Geiste; und ivenn man uns Robinson's Eiland mit noch viel köstlicheren Farben schilderte, als es der dürftige» Anschauung Fulda's gellilgt. Wir danken. Hier stehen wir, hier wollen wir Stand halte». Ueber die Darstellung im Deutschen Theater läßt sich nicht sonderlich viel sagen. Da jede Figur gewissermaßen ein lehr- hastes allgemeines Beispiel darstellt und kein besonderes Dasein führt, so können auch die Schauspieler nicht allzu viel Lebhaflig- keit entwickeln. Sie sind im Entfalten ihrer Kräste behindert. Nun�k unv ZVifsenfchNfk. Herr Julius Türk theilt uns mit, daß seine Sonntag- .Nachmittags. Vorstellungen fortan nicht niehr im Belle-Alliance- Theater, sondern im National-Theater gegeben werden. Am nächste» Sonntag wird dort„Ein Volksfeind" aufgeführt. Ein Denkmal für Guy de Maupassant soll angeblich in sebr origineller Form im Pariser Park Monceau ausgestellt werden. Das Monument, das gegenwärtig vom Bildhauer Beriet seiner Vollendung entgegengesührt wird, besteht aus einer Säule, die von der Büste des Dichters gekrönt wird. Zu Füßen der Statue ruht auf schwellenden Kissen eine schöne, elegante Frau, nach den neuesten Worth'schen Modellen gekleidet— Puff- ärmel und Spitzenjupons sind nicht vergessen— und liest einen Mavvaffanl'schen Roman. Wi-nn aber die Puffärmel nach einiger Zeit unmodern werden? Hoffnungen"...„In Gemäßheit ihrer Rechte, für welch« sie Re spekl fordern, schauen die Elsaß-Lothringer nach Frankreich. Wir denken nicht, daß Frankreich die empfangenen Schläge und Niederlagen als ein Endurtheil annehme» iverde, daß es ver gesse, was ihm genommen worden ist, daß es vergesse gewiss« Erniedrigungen, unter anderen den Einzug der deutschen Truppen in Paris." Im Reichsrage zählt Preiß nicht zu de» Protestlern. Er ist der Begründer der reichsländischen demokratische» Volkcpartci.— Ter ganze Ernst der Lage in Ostasieu ist durch das Bekanntwerden des G e h e i m v e r t r a g s zwischen Ruß l a n d und China grell zu tage getreten. Daß Rußland, das selber den Staatsbaukrolt nur durch ein rafsinlrtes Pumpsystem nothdürftig verkleisteru kann, nicht um der schöne» Schlitzaugen der Chinesen willen diesen das Geld zur Zahlung der Kriegs entschädigung an Japan ausbringen würde, das war von vornherein für jeden Denkfähigen klar. Man wußte nur nicht. was der ausbedungeue Preis war. Jetzt ist das Gebeinniiß aus dem Sack. Das englische Regierungsblatt, der „Standard", veröffentlicht die Hauptpunkte des Vertrags. Sie bestimmen, daß die Russen das Recht haben sollen, eine Eise» bahn durch die Mandschurei— Nordchina— hindurch nach Wladiwostok zu führen und P�>rt Arthur nach der Räumung durch die Japaner zu besetzen. Die Aus tührung dieses Vertrags wäre die Annektirung Nordchinas. die Beherrschung der chinesischen Hauplstadt und des chinesischen Meeres durch Rußland. Das kann England und das kann Japan unmöglich sich ge fallen lassen. Der„Standard" erklärt dies mit dürren Worten und fügt als selbstverständliche Folge hinzu, daß unter solchen Verhältnissen an die Räumung von Port Arth n nicht zu denken sei. Und in der That, es wäre Wahnsinn wollten die Japaner und Engländer den Russen eine außer- ordentlich feste Stellung ausliesern, die ihnen hernach wieder ab genommen werde» müßte, soll anders England nicht als Welt macht abdanken und Japan nicht die Früchte des siegreichen Krieges mit China in den Wind schlagen. Die Krise ist so zugespitzt, daß ein Konflikt unvermeidlich er scheint. Und man begreift nun auch, warum Lord Salisbury sich mit aller Gewalt die armenische Frage vom Hals schaffen wollte. England braucht freie Hand in Asien.— Deutsches Reich. — Der La ndwirth schaftsmini st er verspricht den Agrariern weiler. Der„Schlesischen Ztg." znsolge erklärte der Landwirthschaftsminister Freiherr v. Hammerstein vorgestern bei einem Besuch der Zuckerfabrik zu Guhrau in Beantwortung einer Ansprache, daß dank des lebhaften Interesses des Kaisers sür alle Zweige der landwirthschaftlichen Produktion und Dank der Maßnahmen der Staalsrcgierung eine bessere Zukunft auch für die Zuckerindustrie zu hoffen sei. Bei einer Besichtigung der M> kerei zu Guhrau wies der Minister auf die bevorstehende Margarine-Gesetzvorlage und die verschärften Veterinärmaßregeln gegen die Schwelne- s e u ch e h i n.— — Reichstags-Ersatzwahl in Pleß-Rybnik. Nach heuliger Ermiltlung des Resultates der Reichslngs-Ersatz- wähl im 7.(Oppelner) Wahlkreise ist der Rechtsanwalt Radwansky Pleß(Pole) mit 12 447 Stimmen gewählt worden. — Zur Revision des Handels-Gesetzbnches schreibt die„Kaufmännische Presse": Als Mitglieder der Koni- inifsion zur Vvrberarhung der Abänderung wurden u. a. ernannt: Landgerichtsrath Munck-Berlin, Reichsgerichtsrnth �r. Bolze Leipzig. Ober-Landesgerichtspräsident Dr. Sieiveking-Hainburg, Geheimer Kommerzienrath Frrntzel-Berlin, Generalsekretär Bueck- Berlin, Geheimer Kommerzienc.tlh Georgi-Mylan und Kanfmann Schutte-Bremen. Man sieht, es fehlt einmal wieder jede Vertretung derGehilfe» i» dieser Kommission. Außer dem wäre doch sehr zu wünschen, daß die Vorlagen der Regierung an die Kommission, sowie die Ergebnisse der Arbeit dieser immer rechtzeitig auch der öffentlich Kritik zugänglich gemacht würden.— — Der Kolonialrath trat heute uni 10 Uhr zusammen. Nachdem der Vorsitzende, Ministerialdirektor Dr Kayser, eine Uebersicht über die Fortschritte der Entwickelung auf dem Gebiete des Plautageubaues, des Handels, der Missionslhätigkeit und der Schule» gegeben hatte, wurde anläßlich der allgemeinen Debatte über die Etats die Frage der Unterdrückung des Sklavenhandels behandelt, welcher durch den Bedarf in Sansibar und Pemba stets neue» Anreiz erhält. Nach ferneren Erörterungen über die Möglichkeit einer Vereinfachung des Rechnungswesens in den Schntzgebieu» wurde in die Berathung der einzelnen Etats ein- getreten. Zwickau.(Eig. Ver.)„Dank dem feste» Zusammenhalten der köiiigktrcuen Wähler", heißt es in einem Erlaß des konser vativen Landesvereins, welcher auf die Landtagswahlen bezug nimmt,„wurde der Besitzstand der Parteien der Ordnung ge- wahrt, der Ansturm der Rotte siegreich abgeschlagen, die als eine vaterlandslose von der Geschichte(?) gebtandmarkl ist." Das sieht aus, als ob es ein Hoshistoriograph gewesen, der diese„heiße Danksagung" geschrieben, die den Landtags- wahl-Sieg" feiern soll. Wir haben die Konservaliven bei de» Wahlen arbeiten sehen und schlagen ihren Sieg keineswegs so hoch an, denn er ist mit Mitteln gewonnen worden, vor dessen Gebrauch«vir zurückschrecken würden. Die Wahl war aus vielen Dörfern nur in beschränktem Smne eine öffentliche, da Land- tags-Wähler, die nicht im Orte wohnten, der Wahlhandlung im Wahllokale nicht beiwohnen durften, sondern gleich beim Be- ginn ausgewiesen wurden. Die Herren Loknlgrößen waren also hübsch unter sich und es ist ein wohlfeiler Ruhm, den sie schon vor der Wahl laut sür sich in Anspruch nähme», daß nämlich der Sozialdemokrat in ihrem Orte keine Stimme be- kommen würde. Mancher schlicht« Mann, der seine Pappen- heimer kannle und Nnchtheile wegen seiner Stimmabgabe er- wartete, blieb unter solchen Umständen lieber der Urne ganz fern, seine Slimme ging uns verloren. In einem Orle bei Lengenfeld i./V., der zum 41. ländl. Wahlkreise gehört, waren etliche vierzig Stimme» für den Konservaliven Wolf und nur einige für unseren Schmidt abgegeben; obgleich nun die Stimm- zeiiel iast nicht zu nntei scheiden waren, behaupteten die Ordnungs- brüder nach der Wahl ganz sicher, daß sie wüßten, wer die Schmidt-Wähler gewesen; so ist es auch auf vielen anderen Dörfern gegangen. Die 8 Dörfer des Lengenfelder Amtes gaben sür uns nur 26 Stimmen ab, für den Kon- servaliven über 300; aber sämmtliche Genossen, die am Wahl- tage dort gewesen, haben Beobachtungen gemacht,»ach welche» sie auf starke Wahlbeeinfluffung schließen mußten; nicht viel besser war es auch im Kirchberger Bezirke; die Anstrengungen, welche die Genossen in den letzten Wochen vor der Wahl gemacht habe», Stimmen zu gewinnen, haben keineswegs den Erivariungen entsprochen, die man darauf gesetzt hat; besonders da viele Arbeiter den Zensus nicht zahle» oder zu entfernt von ihrem Wohnsitz, arbeiten, um von ihrem Wahlrecht, ohne einen Tagelohn zu op>mi. Gebrauch zu machen. Jedenfalls muß aber auch unsere Presse noch besser auf den Ortschaften verbreitet werde»; wir werden tagtäglich in der„gutgesinnten" Presse aufs schmählichste verleumdet, ohne diese Verleumdungen sofort in jeder Arbeilerhülte und in jedem Baueinhaus widerlegen zu können. So ent- stehen in den Köpfen der ländlichen Wähler scheußliche Zerrbilder von unseren Benrebungeu, wodurch die Leute förmlich abgeschreckt werde», mit uns zu sympalhisiren; sie glauben, sie thun ein gutes Werk, wenn sie gegen uns stimmen. In dieser Hinsicht bleibt uns für die nächste Zukunft noch viel Arbeit, die Wahlagitation allein thnt es nicht, die Agitation vermitlelst der Presse muß noch besser wie bisher betrieben werden, wenn wir prinzipienfeste Wähler erziehen wollen.— Gera(Reuß), 27. Oktober. Der Landtag des Fürsten- thums Reuß j. L. ist heute eröffnet worden. Die Eröffnungs- rede nennt den Etat und einige kleinere Vorlagen als Verhandlungs- Gegenstände.— — ZurWahlrechtsdebatte in der bayerischen Kammer telegraphirt unser Korrespondent: Nach einem packenden Schlußworte Grillenberger's und einer kurzen, inhaltslosen Erwiderung des Ministers des Innern, Feilitzsch, wurde die von Orterer(Z.) gestellte wolivirte Tagesordnung mit 69 gegen 53 Stimmen bei 37 Slimmenenthaltungen angenommen. In Abgeordneten- kreisen herrscht die Meinung, daß die Regierung trotz des Pyrrhussieges des Zentrums durch die starke Minorität auf die Bahn der Wahlreform gedrängt ist.-- München, 28. Oktober.(Kammer der Abgeordneten) Bei der Berathung des Etats des Ministeriums des Auswärligen griff Grillen berger(Soz.) die Regierung wegen ihrer Stellung zur Umsturzvorlage lebhaft an und kritisirte unter Hefligen Ausfällen die Haltung der Bundesstaaten im Bundesrathe gegenüber der Präsidial- macht. Der Minister Freiherr v. Crailsheim erwiderte, es sei begreiflich, daß die monarchischen Grundlagen und monarchischen Stützen des Reiches den Sozialdemokraten ein Dorn im Auge seien. Er könne aber nur mit höchstem Danke koustatiren. daß es zum theil nur durch das Eingreifen der höchsten Spitzen des Reiches gelungen sei, Fragen von ein- schneidender Bedeutung für Bayern mit günstigen Mitteln zu löse». Die Aeußerungcn des Vorredners über die Stellung der Mitglieder des Bundesralhs müsse er auf.das entschiedenste zurückweisen. Erfreulicherweise herrsche im Bundesrathe selten Opposition, da wichtige Vorlagen nur eingebracht würden, nach- dein über die Prinzipien ein Einvernehmen hergestellt sei. Die Stellung der Regierung zu der Frage einer Verschärfung der Strafgesetzgebung sei unter anderem dadurch bedingt gewesen, daß auch in Bayern die anarchistische Bewegung hervorgetreten wäre. Die anarchistische Bewegnng sei in Bayern allerdings nicht selbstständig; aber das anarchistische Element sei in sozialdemokratischen Versammlungen in sehr be- merkbarer Weise zu tage getreten. Im übrigen habe das bayerische Strafgesetzbuch von 1361 viel schärfere Bestimmungen als die sogenannte Umsturzvorlage enthalten. Die Frage, ob die Umsturzvorlage eine vollständige Abhilfe gewesen wäre, glaube er allerdings verneinen zn müssen, da erst die bürgerlichen Parteien aus ihrer Indolenz aukivachen müßten und ihre Kräfte nicht in gegenseitigem Kampfe aufreiben dürften, sondern sich zusammen- schließen müßten zum gemeinsamen Kampfe gegen den gemein- samen Feind.(Zustimmung.)— — Die badischen Landtagswahlen sind noch immer nicht zu Ende geführt. Fest steht aber schon jetzt, daß die Nationallibcralen die Majorität in der Kammer nicht haben werden. Zur Majorität werden ihnen eine biS zwei Stimmen fehlen.— — Im 15. württembergischen Reichstags- Wahlkreis soll der bisherige Abgeordnete, Landgerichtsrath Gröber, seitens des Zentrums wieder aufgestellt werden.— Oesterreich. — Die deutsch- böhmischen Vertrauens- m ä n n e r der liberalen Partei waren am letzten Sonntag in Prag versaminelt zur Feststellung der Kandidatenliste für die Landtagswahlen, sie sprachen die Erwartung aus, daß die deutsch- böhmischen Abgeordneten bei der Erneuerung der Verträge mit Ungarn die Interessen des deutschen Volkes entschieden ver- theidigen, an der Ausdehnung des Wahlrechts aus die breiten Volksschichten unter Wahrung des politischen Besitz st an des der deutschen Bürger und Bauern sesthalten, das Schulwesen vor jeder rückschrittlichen Aenderung maniibaft schützen und nölhigenfalls sür die verfassungsmäßige» Grundlagen und Rechte der Reichsverlretung einstchen werden. Die Liberalen haben schon längst jeden Kredit verloren, so daß ihnen niemand mehr glaubt, außer daß sie gerne ihre» Besitzstand erhalten möchten.— Schweiz. Zürich, 24. Oktober.(Eig. Ber.) Für die am 3. November zur Aolksabstimmung gelangenden neuen Militärartikel der Bundesverfassung entfalten die großen bürgerlichen Parteien eine ungemein rege agitatorische Thätigkeit in Wort und Schrift, welche beweist, wie sehr ihnen diese Sache am Herzen liegt. Wenn sie für das Zllndhölzcheu-Monopol eine ähnliche Thätig- keit entwickelt hätten, das Abstimmungsergebniß wäre wahrscheinlich ein anderes, erfreulicheres gewesen, da die Verwerfung wohl darauf zurückzuführen, daß das Volk zu wenig unterrichtet war. Die große Mühe, welche sich die bürgerlichen Politiker geben, nm das Volk zur Annahnie der Militär-Artikel zu bewegen, ist indessen gewiß eine vergebliche, wovon sie jedenfalls selbst über- zeugt sind. Der Schweizer ist mit Liebe und Stolz Soldat und der Gedanke liegt sicher auch dem einfachsten Bürger fern, 'ein Vaterland wehrlos einem Feinde preiszugeben. Aber er will eine einfache, republikanisch- demokratische Volks- wehr, bei der der Wehrmann ungeschmälert Bürger bleibt und der Offizier nur der Mitbürger und Kamerad in be- 'onderer Vertrauensstellung ist und er will ferner die Kosten für die Volkswehr auf das nolhwendige und zweckmäßige beschränkt wissen. Die Vereinheitlichung des Militärwesens wird aber daS eidgenössische Militärbudget wesentlich steigern— man sprach im Nationalrath sogar von 6 Millionen Franks—, auf jeden Fall um eine größere Summe, als die ist, mit der die Kantone ent- lastet werden. Von der Militärvereinheitlichung wird ferner eine Förderung und Slärkung der in nianchen Offizierskreisen be- iieblen„Schneidigkeit" befürchtet, die meist mit unwürdiger Behandlung und zweckloser Ueberaiistrengung identisch ist und endlich glauben eben viele nicht daran, daß bei der bisherigen Ordnung der Dinge die Armee nicht genügend schlagfertig or- ganisirt werden könnte. Abgesehen von alledem werden nm 3. Novenwer viele Stimmberechtigte mit nein stimmen, um einfach ihrem Haß und Aerger gegen die„Gertschiaden" und alles das, was sie unter Miliiarismus verstehen, damit Ausdruck zu geben. Man mag diese Situation, in der die Militärartikel so schlechte Aussicht ans Annahme haben, bedauern oder begrüben. ie ist nun einmal vorhanden und alle die zahlreichen Dbevsten und anderen Offiziere, die in diesen Tagen so aus- gezeichnete Agitatoren sind und fleißig in öffentlichen Bersamm- ungen ihre Sache verfechten, werden darin nicht viel zu ändern vermögen.— Eine interessante Haltung nimmt der glarnerische Ständerath Blum er zur Militärvorlage ei».. Er befürwortet ihre Annahme, sagt aber gleichzeitig: „Wenn eine Einwendung berechtigt ist, so ist es die, daß die Unfall- und Krankenversicherung der Militärzentralisation hätte vorausgehen sollen und wenn eine Befürchtung begründet ist, so ist es die, daß für die Unfall- und Krankenversicherung kein Bundesgeld übrig bleibt." Das gleiche haben auch schon andere, namentlich aber Sozialdemokraten gesagt.— England. London, 25. Oktober.(Eigener Bericht.) Mit bezug auf den famosen„Verband der freien Arbeit", von dem ich letzthin berichtet, sind seitdem einige interessante That- 'achen ans Licht gekommen. So hat die„Westminster Gazette" eine Liste von 16 Parlamentsmitgliedern veröffentlicht, die diesem Slreikbrecher-Berein Geldspenden zugewendet halten. Es sind sämmtlich Zierden der konservativen Partei und die Beiträge rangiren von 5 Pfund(100 Mark) bis 100 Pfund (2000 Mark). Diesen letzteren Betrag hat der Kapitän Middleton, der„Hauptdrahlzieher" der konservativen Partei gespendet, nach« dein er vorher demselben Verein schon SO Pfund zugewendet bnfte. Nach jhin kommt der Eorl of Dudley mit LS Pfund. Dieser edle Peer ist einer der reichste» Grubenbesitzer Engionds und nimmt im Ministerium Sali-biny- Chamberlain denselben Posten ein, den im liberalen Ministerium der Gewerkschafls- führer und ehemalige Bergarbeiter Vurt bekleidete. Die Wahl gerade dieses Mannes für jenen Posten(Unter- staatssekrelär des Handelsamts) war für die Stellung der jetzigen Regierung zu den organistrten Arbeitern an sich bezeichnend genug; daß der Earl of Dudley sich aber auch als Gönner jener Schwindelverbindung entwickeln sollte, giebt der Sache erst ihre rechte Färbung. Uebrigens hat der neue Cbef des Handelsamts, Herr Ritchie, zugesagt, eine Deputation des Vereins der freien Arbeit zu empfangen, die ihn ersuchen will, den freien Arbeitern eine Vertretung im Arbeits- amt zu gewähren. Daraufhin hat das Parlamentarische Komitee der Gewerkschaften ein Zirkular erlassen, das die Gewerkschaften auffordert, in Resolutionen den Minister zu ersuchen, gefälligst darüber Information einzuholen, in wie weit die Assoziation aus wirklichen Arbeitern besteht, und sich ferner ihre Abrechnungen vorlegen zu lassen. Wollen sehen, wie sich der Sozialreformer Ritchie aus der Affäre zieht.— Italien. — Die Getreide-Einfuhrzölle und die agra- lisch e Lage in Sizilien. Die sizilianischen Großgrund- besitzer sind fast ausnahmslos außer stande, die Bewirthschaftung ihrer Güter selbst zu leiten: sie geben die Bewirthschaftung einem oder mehreren Spekulanten in Entrcprise und beziehe» ohne alle eigene Anstrengung die Rente. Sie sind infolge dessen auch unfähig, ihre Einnahmen durch Einführung vervollkommneter Kulturarten zu steigern; in Sizilien erzeugt, infolge der nur extensiv betriebenen Kultur die nämliche Quadratfläche Landes kaum halb so viel, ja oft nur ein Viertel soviel Getreide, als in England oder Belgien und die Gesammtproduktion an Getreide steht im Mißverhnltniß zu der verhältnißmäßig sehr zahlreichen Bevölkerung der Insel. Wenn aber die sizilianischen Großgrundbesitzer nicht fähig sind, den Ertrag ihrer Besitzungen durch Einführung anderer Kultursysteme zu vermehren, so haben sie es von jeher verstanden und verstehen es noch, diesen Ertrag künstlich dadurch!zu steigern, daß sie dem Staat nöthigteu, die Einfuhr auswärtigen Getreides mit Zöllen zu belegen. Von jeher sind es in Italien die südländischen, insbesondere die sizilianisch-n Grundbesitzer gewesen, rvelche Kornzölle verlangt und durchgesetzt haben. Der Ertrag, welchen der Staat von den gegenwärtigen Kornzöllen in Italien gewinnt, beläuft sich nur auf 4t) Millionen Franks, aber der Betrag des Zolles, welchen die Konsumenten in Wirklichkeit zu zahlen haben, beläuft sich auf mindestens 250 Millionen Franks. Dieser Zoll sichert den Grundbesitzern durch Ausrechterhaltung eines hohen Getreidepreises eine bestimmte Rente. Durch die Aufrechterhallung hober Getreidepreise wird aber zugleich das Pachtgeld auf einer Höhe erhalten, die es dem Un- bemittelten unmöglich macht, eine Fläche, welche zur Ernährung einer Familie ausreicht, in Pacht zu nehmen. Bei einem Pacht- preise von IIS Franks für den Hektar kann der Landarbeiter sich nicht die ihm nölhigen 5—10 Hektar direkt vom Besitzer ver- pachten lassen; er ist darauf angewiesen, sie von einem Zwischen- Pächter in Pacht zu nehmen, d. h. sie für diesen zu bearbeiten. Hierin liegt einer der Hauptgründe der sozialen Miß- Verhältnisse im sizilianischen Ackerbau. Man weist mit recht daraus hin, daß die Aushebung der Kornzölle für Sizilien sogleich die Verwohlfeilerung der Pachtpreise herbeiführen würde. Man bezieht sich hierbei auf das Beispiel Englands, wo die Aufhebung der Getreidezölle zu einer Thcilung der Be- sitzungen führte, indem die Zahl der Wirlhschaften sich vermehrte und wo infolge dessen die Einwanderung der Landbevölkerung in die Städte abzunehmen begann. Die jetzigen Pacht- und Arbeitsverhältniffe bringen in Italien und besonders in Sizilien zivar nicht eine starke Auswanderung nach den Städten(denn in diesen ist in Italien, von periodischen Bauarbeiten abgesehen, Sleichfalls nicht viel zu verdiene»), wohl aber eine arke Auswanderung nach den Laplatastaaten und nach Süd. Brasilien hervor. In der argentinischen Republik wird gegenwärtig der Getreidebau, dessen Produkte dem europäi- schen Getreidebau so starke Konkurrenz machen, schon überwiegend von italienischen Arbeitskräftten betrieben, ja es kommt bereits vor, daß zur Erntezeit, welche eine Steigerung der Arbeitskräste verlangt, sizilianische Arbeiter nach Argentinien gehen, um dann wieder zurückzukehren. In Argentinien werden als Pacht 15 bis 18 pCt. der Ernte gezahlt; in Sizilien dagegen muß der Land- arbeiter 60—70 pCt. des Ernteertrages an den Besitzer und an die Zwischenpächter abgeben! Unter diesen Verhältnissen ist es nur zu verwundern und kann nur aus der Verkommenheit der Bevölkerung erklärt werden, daß nicht noch weit mehr Land- arbeiter Sizilien verlassen. Die Aufhebung der Getreidezölle, sei es für ganz Italien, sei es für Sizilien allein, würde, indem sie die Pachtpreise herabdrückte, dem sizilianischen Landarbeiter ein Interesse an der Bebauung des heimischen Bodens geben und auf diese Weise den Uebergang aus der extensiven in die inten- sive Bewirthschaftung der Insel fördern. Rußland. — Minister Wechsel. Der bisherige Minister des Innern, Durnowo, wurde unter Enthebung von seinem Amte zum Präsidenten des Ministerkomilee's ernannt. Der Gehilse des Ministers des Innern, Goremyki», wurde zum Verweser des Ministeriums des Innern ernannt. Damit ist der infamste und brutalste Unterdrücker aller freien Meinungsäußerung aus dem Amte geschieden. Ueber den Nachfolger ist nichts weiteres bekannt. Besser wird er freilich auch kaum sein als sein Vorgänger.— Türkei. — Ueber die Situation liegen eine lange Reihe von sich zum theil widersprechenden Depeschen vor: London, 27. Oktober. Die hiesige türkische Botschaft er- klärt die von dem Korrespondenten des„Standard" in Kon- stantinopel gemeldeten Nachrichten über Verhaftungen, Torturen, summarische Hinrichtungen und über das Ertränken von Per- Jonen im Bosporus formell für unbegründet, London, 27. Oktober.„Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 26. d. M., die Pforte empfing eine Depesche des Generalgouverneurs von Bitlis, der zufolge bewaffnete Armenier gestern einen Angriff auf die Moscheen von Bitlis machten, wo sich augenblicklich alle Muselmanen zur Verrichtung des Freitaggebets versammelt hatten. Die Muselmanen, durch den Augriff überrascht, ver- theidigten sich mit Steinen und Stöcken. Die Behörden sandten sofort in alle Quartiere der Stadt Abtheilungen der Polizei, Gendarmerie und Militär zur Wiederherstellung der Ordnung. Ein Theil der Armenier verbarrikadirle sich darauf in den Khans und fuhr fort, sich der Waffen zu bedienen. Es gab auf beiden Seiten Tobte und Verwundete. Konstantinopel, 28. Oktober. �Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Hier eingetroffene Privatmeldungen berichten, daß in Baiburt(an der Straße von Erzerum nach Trapezunt) ein schreckliches Gemetzel staitgesunden habe. Danach griffen 500 bewaffnete mohamedanische Lasen die Armenier in den benachbarten Dörfern an, legten Feuer an Häuser, Schulen und Ställe, und schössen auf die Armenier. als diese den Flammen zu entfliehen suchten. Ferner wurden, wie es heißt, mehrere junge Männer und Frauen auf Scheiterhausen lebendig verbrannt, viele Frauen mißhandelt und verstümmelt. Die Dörfer wurden geplündert und die Kirchen geschändet. Die Zahl der Tobten soll 150 übersteigen. Tie Dorfbewohner haben beim Aus- bruche der Unruhen den Schutz des Gouverneurs von Baiburt erbeten, dieser aber sandte nur drei Gendarmen ab, die überdies erst anlangten, als das Morden und Plündern verüber war. Nach einer Meldung aus Trapezunt wurden die Armenier von Gumusch- Tagh durch Türke» überfallen. Die Zahl der Tobten ist noch unbekannt, wird aber als beträchtlich be- zeichnet. Au die Parteigenossen Spandans! Durch Beschluß der Parteiversammluug vom Toimerstag, den 24. Oktober, wird der Vertrieb der Parteizeitungen vom 1. November ab i» eigene Regie übernommen. Die Kommission wird für pünktliche und gewissenhafte Ausführung Sorge tragen und es ist Pflicht jedes Parteigenossen, nach Krästen mitzuwirken. Abonnements nehmen entgegen: R. R a d t k e, Neumeisterstr. 5, Lokal. K. K l i n z s ch, Pichelsdorferstr. 103, Lokal. Die Kommission. Bei der StadtrathSwabl in Mainz haben unsere Genossen beschlossen, selbständig vorzugehen; sie hoffen, daß die Per- mehrung der Wähler für den Stadtrath, deren Zahl jetzt nahezu die der Reichstagswähler erreicht, der sozialdemokra�fchen Partei in demselben Verhältnisse zufallen wird, wie beider Reichstagswahl, wo bekanntlich unser Kandidat die absetze Majorität erreichte. � Die Parteigenossen i» Königsberg i. Br. haben zu den Stadtverordneten-Wahlen folgendes Programm aufgestellt: I. Ausführung der städtischen Arbeiten unter eigener Leitung oder durch Arbeitergruppen mit Vermeidung von Zwischen- Unternehmern; Einhaltung eines achtstündigen Maximal- Arbeitstages und der ortsüblichen Gewerkschaftslöhne An- gemessene Besoldung der Unterbeamteu, insbesondere der Feuer- wehrmänner. II. Uebeniahme der Straßenbahnen, sowie der gesammten Straßenreiniguug, bessere Instandhaltung(Pflasterung, Be- leuchtung) der Nebenstraßen, Bau von gesunden Arbeiter- Wohnungen und Vermiethung derselben zum Selbstkostenpreis. HI. Einrichtung eines städtischen Arbeitsamtes mit vor- uebmlicher Aufgabe der unentgeltlichen Arbeitsvermittelnng. Fürsorge für die unbemittelten Arbeitslosen ohne Beeinträchtigung ihrer politischen Rechte. IV. Außerhebungsetzen der beiden untersten Stufen(Ein- kommen unter 900 M.) der Gemeinde-Einkommensteuer. Vermeidung von Ausgaben zu Pruukzwecken. V. Vermehrung der Volksschulen, Verringerung der Schüler- zahl in den einzelnen Volksschulklassen, unentgeltliche Verabfolgung von Lebrmitteln und warmem Frühstück an die Volksschnler. Einrichtung von Turnhallen und Brausebädern für sämmtliche Schulen. Anstellung von Schulärzten. VI. Sanilätswachen. Unentgeliliche öffentliche Bedürfniß- anstalten für Frauen und Männer. Volksbäder in allen Stadt- theilen. Wärmehallen in allen Sladtlheilen. Ausreichende Unterstützung der unbemittelten Arbeitsunfähigen und Kranken unter Vermeidung aller Umständlichkeiten. Vermehrung der Aerzte und des Wartepersonals des städtischen Krankenhauses, bessere Verpflegung und liebevollere Behandlung der Kranken in demselben. Unentgeltlichkeit der behördlich angeordneten Des- infeklions- und Quarantänemaßnahmen; Ersatz des durch die- elbe» verursachten Schadens. Im Königsberger Stadtverordneten- Kollegium hat unsere Partei bis jetzt einen Sitz. Die Anwesenheit unseres einzigen Vertreters ist nicht vergeblich gewesen.„Die Herren," schreibt die„Volkstribüne",„waren nicht mehr unter sich. Bei zahl- reichen Gelegenheilen konnten wir feststellen, daß die Verhaud- lunge» der Stadtverorbncten-Versammlung nicht vergebens mit einem Tropfen sozialistischen Oels gesalbt waren." Personalien auS der Partei. Genosse Lorenz ist aus der Redaktion der„Sächsischen A r b e i t e r-Z e i tu nfg" ausgeschieden. Polizeiliches,(T sichtliches:e. — Der Miltweidaer Polizeibehörde kam, wie Amts- blätter melden, zur Kennlniß, daß der für Gasthof Rößgen bei Miltweida gemeldete, aus Technikern bestehende„ P o l n i s ch e I n d u st r i e- V e r e i n" sich»nl„öffentlichen Angelegenheiten" befaßte. Nach vorheriger Beschlagnahme von mehreren sozia- listischen Büchern und Schriften wurde der Verein, welcher u. a. aus Personen, deren Disposilionssähigkeit nicht nachgewiesen ist, theilweise sogar aus unmündigen Personen bestand, auf grund Z 31 in Verbindung mit Z 19 und 22 des sächsischen Vereinsgesetzes von der Amtshauptmannschaft aufgelöst.— Es bleibt abzuwarten, schreibt der„Beobachter", ob die Mittheilnng der Amtsblätter in allen Punkten stimmt und ob die Bücher wirklich dem Verein angehört haben oder einzelnen Schülern. Daß es unter den Schülern des Miltweidaer Technikums Anhänger der Sozialdemokratie grebt, braucht niemanden zu verwundern. Solche giebt es an allen Hochschulen. Nicht jeder der junge» Leute ist eben aus dem Holze geschnitzt, wie die meisten Bourgeoisbürschchen, die im Saufen und Siadau ihr Hauptvergnüge» finden. — Wegen Beleidigung der Richter am Landgericht Magde- bürg war der verantwortliche Redakteur des„Hamburger Echo", Genosse Stenz el, angeklagt. Die Beleidigung soll in einem Beilage-Artikel der Nr. 149 des„Echos", der überschrieben war:„Das»räntlein Rührmichnichtan", enthalten sei». An- knüpfend a» die Herner Schlacht wurde in dem Artikel die That- fache einer scharfen Kritik unterzogen, daß die heutige Recht- sprechung in so vielen Fällen, ausgehend von der absoluten Unfehlbarkeit der Beamten und zwar in Sonderheit der Polizei« beamlen, lediglich auf deren Zeugniß Gewicht lege und die ent- gegcnstehenden Aussagen vielleicht vieler anderen Zeugen, die Nicht- beamlc» find, für unglaubwürdig halte. Der Glaube an die absolute Zweisellosigkcit der Eide von Polizeibeanite», wie er leider beim lliichterstande allgemein herrschend geworden sei, habe schon un- sägliches Elend herbeigeführt. Der Artikel exemplifizirt auf die Slaßsurt- Magdeburger Meineidsprozesse und führte diesbezüglich aus: Entgegen dem Zeugniß einiger Beamte», die doch auch geirrt haben könnten, Härten andere Zeugen andere, und zwar unserer Ansicht nach richtige, Aussagen gemacht und mit einem Eide bekräftigt. Auf grund der Aussage» der Beamten seien die auderen Zeugen da»» wegen Meineides vor Gericht gestellt, in einem zweiten Meineids- Prozesse auch ihre Schutzzeugen und schließlich die Schutzzeugen der Schutzzeugen. Und sämmtlich seien diese verurtdeilt worden! In diese» Ausführungen sah der Präsident des Landgerichts Magde- bürg eine Beleidigung seiner Richter, weshalb er Strafantrag gegen Stenzel stellte. In der Gerichtsverhandlung in Hamburg beantragte Staatsanwalt Ulberts 800 M. Geldstrafe gegen Stenzel, wobei er ausführte: Dadurch, daß in dem Artikel die Thatsache verschwiegen wäre, daß die damaligen Urlkeile nicht von rechtsgelchrlen Landrichtern, sondern von Geschworene» her- rührten, solle im Leser die Ansicht geweckt werden, rechtsgelehrte Richter hätten methodisch und in bewußter Absicht das Recht verletzt. Rechtsanwalt Dr. Th. Suse ging mit den Ausführungen des Staatsanwalts scharf ins Gericht und beantragte Frei- sprechung. Diese erfolgte dann auch, und zwar ohne Angabe von Gründen. Gegen Genossen Stenzel schweben z. Z. noch vier Preßprozesse. — Am Sonnabend stand wieder ein Nedak:eur des„Volks- willens" in Hannover, Genosse T h i e l h o r n, vor dem dortigen Landgericht unter der Anklage der Majestätsbeleldiguug, die in dem Artikel„Das Deutschlhum der Hoheuzollern in der Ge- schichte" enthalten sein sollte. Das Urtheil wurde erst am Montag ver- kündet und lautete auf Freisprechung. Der Staatsanwalt halte 6 Monate Gefängniß beantragt. Am Sonnlag Mitlag war Thielhorn auf Anordnung des Oberlandesgerichts zu Celle aiiZ der Untersuchungshast enisnsse» morden, nachdem ein dahin gehender Antrag vom Landgericht abgewiesen worden war. — Redakteur S e i f a r t h in G r e i z wurde von cei Anklage, einen rohen Patron, den er in der„Reußischen Tribüne" beim rechten Namen genannt hatte, beleidigt zu baden, frei- gesprochen. Ter Kläger muß»eben den Kosten auch noch die dem Angeklagten erwachsenen nothwendigen Ausgaben tragen. Das Gericht nahm an, daß, obwohl der Artikel an sich beleidigend, der Wahrheitsbeweis aber in jeder Hinsicht erbracht ist. Einzelne Ausdrücke in der betr. Notiz seien allerdings nicht schmeichelhaft, wer sich aber als Rüpel, roher Geselle und Flegel benimmt und pöbelhafte Späße verübt, dürfe sich auch nicht beleidigt fühlen, wenn er beim richtigen Namen genannt werde. Da? meinen imr auch. Wie oft kommt es aber vor, daß sozialdemokratuche Redakteurenach Z 185 verurtheilt iverden, obgleich die behaupteten Thatsachen voll erwiesen, die Absicht der Beleidigung aber aus der Form hergeleitet wird! - Im Geschästslokal des Zeitzer„Volks boten fand wieder einmal eine polizeiliche Durchsuchung statt. Be« schlagnahml wurden 8 Exemplare der Numnier 121, 71 Exemplare der Nummer 124 und 60 Exemplare der Nummer 126 des „Volksboten". Auch in der Druckerei Gutenberg. ,vo der„Volks- böte" gedruckt wird, wurden einige Exemplare, die als Makulatur dort lagen, beschlagnahmt. Grund zu dem Vorgehen sollen einige Berichte über Schuhmacherversammlungen in Weiße! fels, sowie die t.nter der Spitzniarke Gewerkschaftliches gebrachten Notizen geben. Soziale Llebeesichk. Zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Der„Deut- schen Volkswirthschastlichen Korrespondenz" zufolge sollen seit längerer Zeit Verhandlungen darüber schweben, ob in Geniäßheit des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs�Gesetzes vom Bundesrath die Versicherungspflicht auf die im S ch n e i d e r- und Schuh machergewerbe als Hausgew erbetreibende beschäftigte» Personen auszudehnen sei. Bei de» wiirttembergischen Gcwerbegerichteu waren im Jahre 1394 nach dem Bericht des Justizministeriuins 1854 Rechts- streiligkeiten anhängig, die alle bis auf 43 erledigt wurden. GewerKMaftliifzes. Timnitllche Mttthetllingen von Organisationen, vor allem solche über «uisiünde oder Aussperrungen, mühen sietS den Stempel der betreffenden Organifation tragen. Tie Tischler von Stockholm und G e s l e in Schweden stehen im Streik und bitte» die deutschen Kameraden, der inter« nationalen Solidarität eingedenk zu sein. Ans VervierS meldet die„Kölnische Zeitung": Die Ver- Handlungen zwischen den Webern und den Unternehmern, um eine Entscheidung über das Zweistuhl-Eystem herbeizuführen, verliefen ohne Ergebniß. Der Weberausstand bei der Firma H a u z e u r in E n s i v a l hat insofern eine unerwartete Wendung genommen, als die Firma dem Syndikat der Tuchsabrikanten eröffnete, daß sie aus dessen fernere Unterstützung in der Ausstands- angelegenheit verzichte, da sie entschlossen sei, ihre Fabrik aus dem Arrondissement Bervicrs zu verlegen. Vepefchea und letzte Macheichlen. PariS, 28. Oktober.(P r i v a t t e l e g r a m m.) Die von Rouanet beantragte Tagesordnung:„Die Kammer ist entschlossen, volles Licht in die Südbahn-Affäre zu bringen und fordert den Justizminister auf. alle Veranwortlichen zu verfolgen," ist an» genommen. Das Ministerium Ribot begab sich nach dem Elysee, um seine Demission einzureichen. Strastburg i. E., 28. Oktober.(W. T. B.) Die vom „Petit Journal" verbreiteten Aeußerungen de? Reichstags- Abgeordnelen Preiß über Protest- Politik habe» der Staats- anwaltschaft in Kolmar Anlaß gegeben, gegen Preiß wegen öffentlicher Aufforderung zur Ausführung eines hochverrätherischen Unternehmens aus grund des ß 85 des Strafgesetzbuches vorzu- gehen und zunächst eine Haussuchimg vorzunehmen. Preiß hat bei dem mit ihm angestellten Verhör die wesentlichen Punkte des Interviews in Abrede gestellt und wurde darauf aus dem Verhör entlassen. Weistenfels, 23. Oktober.(W.T.B.) Nach näheren Fest- stellungen sind bei dem Brand der Riebeck'schen Grube„Marie" bei Deuben neun Personen verletzt worden, davon drei schwer. Sieben Verletzte sind im„Bergiiiannstrost" in Halle unter- gebracht. Der Scbaden ist sehr bedeutend. Lemberg, 23. Oktober.(B. H.) In Wilczan bei Prjemysl erkrankten 5 Personen an Cholera; vier davon starben. Vor- sicdtsmaßregeln wurden infolge dessen für Przemysl und Wilczan erlassen. PariS, 23. Oktober.(B. H.) In der heutigen Kammer- sitzung interpellirte der Abg. Rouanet die Regierung über die Südbahn-Angelegenheit. Er verlangt die Bekanntgabe fämmt- licher Personen, die in der Affäre verivickelt sind. In den Blättern seien die Namen der Direktoren des„Comptoir d'Escoiupte" und des„Credit foncier", die ebenfalls kompromittirt seien, verschwiegen worden. Nach Rouanet bespricht Binder dieselbe Angelegenheit. Paris, 28. Oktober.(W. T. B.) Die Deputirtenkammer »ahm die von dem Sozialisten Rouanet eingebrachte Tages- ordnnng an. Die Minister verließe» darauf den Sitzungssaal und begaben sich nach dem Elisee, um die Dennssio» des Kabinets zu überreichen. London, 23. Oktober.(W. T. B.) Wie das„Reuter'sche Bureau" aus Hongkong meldet, verlautet daselbst, daß ein aus- gebreiteter Aufstand gegen die Ausländer i» Conto» bevorstehe. Vierhundert kampssertige Eingeborene sollen i» Hongkong durch de» Vizekönig angeworben sein, um sich nach Canton zu begeben. Rom, 23. Oktober.(B. H.) Der veunuthlich zwischen Rußland und Japan ausbrechende Konflikt wird, wie die„Jtalie" behauptet, die Auflösung der europäischen Bündnisse zur Folge haben müssen Wahrscheinlich wird Deutschland Rußland unter- stützen, dagegen in England eine» scharfen Gegner finde». Durch diese» Konflikt wird Italien in eine große Verlegenheit gebracht. Dieserbald hätten die Minister Italiens in den letzten Tagen bereits lange Konferenzen gehabt, ivi« sich Jtalie» verhallen solle. Madrid, 28 Oktober.(B. H.) Aus Sevilla wird mit- getheilt, daß der Guadalquevir nni 3>/e Meter gestiegen ist. Die Uferbeivobner treffen Vorsichtsmaßregeln. New-Kork, 23. Oktober.(C. N. of G.) Infolge der Kabel- nachricht, daß Louise Michel, die sranzösische Anarchistin, Eng- land verlassen würde, nni in Amerika anarchistische Zweigvereiue des„Britischen Anarchisteuklnbs" zu gründen und zu riesem Zwecke Vorlesungen in allen Haupiplätzen der Vereinigten Slaaie» zu halte», hat sich die hiesige Einwanderiings- Behörde an die Re- giernng nach Washington mit der Anfrage gewandt, ob die Lan- dung der Anarchisiensührerl» zu gestalten sei. Tiffin(Ohio), 28. Oktober.(C. N. of G.) Ein ans an- ständigen Farmers bestehender Volkshause griff gestern das hier belegene Kreisgesäugniß an und überwältigte den Sheriff mit der Absicht, de» Mörder des städtische» Marschalls zu lynche». Die Gesängnißwachen feuerten ans den dicht gedrängten Volkshaufen und tödtete» zwei Personen. Der Gefangene wurde nach dem Hauptgefängniß in Fremont geschafft. Miliz wurde aufgeboten und zur Beivachung beider Gesängnisse entsandt. Havana, 23. Oktober.(C. N. of Gf.) Nach einer soeben hier eingetroffenen Nachricht ist das spanische Kanonenboot„An- tonio Lopez" an der Tiana-Bauk unweit von Kap Verde(Bahama- Inseln) gescheitert. Man befürchtet, daß das Boot vollständig zu gründe gegangen ist. Verantwortlicher Redakteur: Frit» Knnert, Schönebero'Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilage» t Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 233. Dienstag, den 29. Oktober 1895. 12. Jahrg. UoTmles. Das Nothstandö Thema taucht allemal um die Zeit, wo der Herbstiviud die letzten dürren Blätter von den Bäumen fchiuielt, auch in der bürgerlichen Presse auf. Dann rüsten sich nämlich die„Wohllhätigkeits". Vereine zu ihrer Winterlampagne und lassen zunächst, um das nöthige Geld herbeizuschaffen, allerlei Jnserale und Nolizen los, in denen an den„bekannten Wohl- thätigkeitssinn der Berliner Bevölkerung" appellirt wird. Dabei dars natürlich das Vorhandensein eines Noihstandes nicht ver- schwiegen werden, sonst käme ja noch weniger Geld zusammen, als ohnedies schon zusammenzukommen pflegt. Da kann man dann manchmal recht lebhafte Schilderungen von Roth und Elend selbst in solchen Blättern finden, in deren redakiionellem Theile sonst prinzipiell der Nothstand der ärmeren Bevölkerung weggelogen wird. Auch in diesem Jahre sind bereits wieder mehrere solche Aufrufe erschienen, in denen von„vielen tausend Bittgesuchen" oder von„großer Roth" oder von„immer größer werdendem Elend" u. s. w. gesprochen wird. Bemerkenswerth ist besonders der neueste,— ein Aufruf, durch de» der„Verein zur Speisung armer Kinder und Nothleidender" sich„vertrauensvoll an alle Menschenfreunde" wendet und um Geld, Gaben und Besuch seines demnächst, wie alljährlich, zu veranstaltenden Bazars bittet. Da erfährt man. daß der „Andrang" der Armen a» den Verein„stetig von Jahr zu Jahr wächst, und daß im Winter 1 834/95 in 181 Gemeindcschulen täglich 8— lO llOO Kinder zweites und die nüchtern zur Schule kommen- de» Kinder �(wie viele?) außerdem erstes Frühstück erhalten haben. Ties« Zahl beweist schlagend, daß der Andrang in der Thai von Jahr zu Jahr wächst; denn im Winter 1893/34 er- hielten in ebenso vielen Gemeindeschrcken täglich 5000 Kinder Zweites Frühstück. Der Aufruf hebt schließlich noch hervor, daß nach Ansichl der Vereinsleitung auch in dem kommenden Winter wiederum eine„bedeutend vermehrte" Anforderung an den Verein „in sicherer Aussicht" steht, was leider eintreffen dürfte. Von dem„segensreichen Einfluß" der Thätigkeit des Vereins, der in den früheren Aufrufen immer betont wurde, wird diesmal ge- schwiegen. Zu diesem„segensreichen Einfluß" rechnet die Vereinsvorsitzende Frau Blumenfeld, wie wir früher gezeigt haben, auch die Bewahrung der proletarischen Jugend— vor den „Predigern des Unisturzes". Das ist natürlich Quatsch, im übrigen aber können wir den» Vereine nur besten Erfolg wünschen. � Städtische Waisenpflege. Im Verwaltungsjahr 1834/95, über das jetzt der Bericht des Magistrats vorliegt, hat die geringe Besserung der Verhältnisse in der städtischen Waisenpflege die sich in den letzten beiden Jahren zu zeigen schien, zunächst leider keine Fortschritte geinacht. Die Zahl aller von der Waisenvcrwaltung übernommenen und in den verschiedenen An stallen oder in Familien untergebrachten Kinder ist in diesem Jahre wieder gestiegen. Es wurden 1834/35 ausgenommen 1103 Knaben und 324 Mädchen, zusammen 2033 Kinder (I8!3/94: 1385, 1892,33: 1334 Kinder), davon neu(d. h. zum I.Male) 1563 und wieder aufgenommen 151, von letzteren zum 2. Male 113, zum 3. Male 22, zun, 4. Male 10. zum 5. Male 4, zum 6. Male 1, zum 7. Male 1 Kind. Grund der Ausnahme war bei 322 Tod der Eltern, sodaß nur I6�/z pCl aller Aufgenommenen eigentlich verwaist waren. Bei 1701, also SS�/z pCt, lagen andere Griinde vor, nämlicb bei 475 Krankheit der Eltern, bei 211 Verhaftung der Eltern bei 173 Armulh der Eltern, bei 122 war die Mutter im Dienst bei 63 die Eltern außerhalb Berlins, bei 410 deren Aufenthalt unbekannt, bei 136 ivar den Ellern das Erziehungsrecht gcricht lich abgesprochen, bei 54 bildete Obdachlosigkeit den Grund der Ausnahme, 32 kamen als verivahrlost in städtische Erziehung. 13 waren Findlinge. Die Rubrik„Armulh der Eltern" ist so zu verstehen, daß hier nur Armulh vorlag. Es ist aber selbst verständlich, daß diese auch in der Mehrzahl der übrigen Fälle den eigentlichen Grund, wenn auch nicht den äußeren Anlaß der Aufnahme bildete.(Die Einlheilung der Gründe ist übrigens diesmal eine etwas andere als in früheren Berichten; eine Ver. fjleichung mit den Vorjahren wäre daher nicht überall durch ührbar.) Die 2033 ausgenommenen Kinder kainen aus 1541 Familien, und zwar aus 1216 Familien je 1 Kind. aus 208 je 2, aus 76 je 3, aus 33 je 4, aus je 5, aus 1 Familie 6 Kinder. Das Alter war bis 1 Jahr bei 523, über 1—6 Jahre bei 483, über 6—14 Jahr« bei 1011, über 14 Jahre bei 6 Kindern. Nach der Art der Behandlung»verden die von der Waisen verwallung übernoinmenen Kinder eingetheilt in 1. Waise» im engeren Sinne(vater-, muttrr-, elternlos, zeiüveilig von de» Eltern verlaffen oder sonst vorübergehend obdachlos). 2. so genannte Zwangserziehungs- Kinder, 3. andere als ver, vahrlost gellende, namentlich ihren Eltern gerichtlich entzogene, doch noch nicht zur Zwangserziehung überwiesene Kinder, 4. erwachsene, aber erwerbsunfähige Waisen. Der Zugang war 1894/35 (in Klammer» für 1833/34 und 1832/33) bei 1. 1936(1324 1823), 2. 68(77, 34). 8. 33(45. 52). 4. 16(16. 13). Nach Ab' reefcnung des At ganges blieb am 1. April 1895(bezw. 1834 iind 1833) als Bestand bei 1. 4530(4428, 4863), 2. 439(454, 436) 3. 87(39. 39). 4. 25(20. 22), zusammeii 5141(5001. 5420) Z>vischcn der»virthscbaftlichen Lage der besitzlosen Klasse und den Verhältnissen der Waisenpflege besteht ohne Zweifel bis zu einem geivisse», Grade ei» ursächlicher Zusammenhang. Wi> werden von diesen» Gesichtspunkte aus die einzelnen Ziveige der Waisenverivallung und mehrere Einzelheiten noch näher erörtern. Neuer SonntagSschasterdienst auf der Post. Der „Reichs-Anzeiger" enthält folgende Bekannlmachung: Bei den Berliner Post-Zweigstellc»: 8. 32(Urbanstr. 85), W. 69(Burg grafenstr. 13), 81V. 70(Schiffbauerda»»» 4), W. 71(Schöneberge» Ufer 25), SW. 72(Wilhelmstr. 124), S. 73(Annenstr. 3), NO. 74 (Furstenivalderstr. 2), SV. 75(Krausenstr. 31), C. 76(Hackescher Markt 4). C. 77(Linienftr. 34). 0. 78(Alexanderstr. 33). 8. 73(Dres denerstr. 118), SV. 80(Friescnstr. 22), W. 81(Bülownr. 92, SO. 82(Köpuickerstr. 98), SO. 83(Pücklerstr. 57), W. 84 (Krausenstr. 6/7), S. 85(Oranienstr. 72), S. 86(Wasserthorstraße 33), S. 88(Alte Jakobstr. 87/88), SO. 89(Reichenberger- straße 150), N. 90(Veteranenstr. 23), N. 91(Elsafferstr. 72), NO. 92(Landsberger Allee 5), 0 33(Rüdersdorferstr. 31), SW. 95(Tellowerstr. 53), NO. 96(Greifswalderstr. 9), SW. 97 (Kochstr. 75), SW. 98(Tempclhofer Ufer 35), O. 99(Holzmarktstraße 78), NW. 100(Luisenstr. 6), N. 101(Elsasser- straße 43), c. 102(Neue Schönbauserstr. I), N. 103 (Putbuserslr. 20), W. 104(Magdeburger Platz 6), SO. 105(Waldemarstr. 17), W. 107(Mohrenstr. 63/64), NW. 108 (Waldstr. 11), O. 109(Krautstr. 36), W. 110(Yorkstr. 44a), C. III(Reichsbank), sowie bei den Post-Ziveigstellen in Ripdorf 2 (Prinz Handjerystr. 33) und in Weißensee bei Berlin 2 (Langhansstr. 93) wird der Dienst an Sonnlagen und gesetz- lichen Feierlagen fortan gänzlich geschlossen, bei den Post- zweigstellen in Charlottenburg 3(Berlinerstr. 146) und Charlotten- barg 4(Wilmersdorserstr. 57) dagegen auf die Zeit von 5 bis 6 Uhr nachmittags beschränkt. Im Interesse der Postbeamten sowohl wie der geplagten Hausdiener wäre zu wünschen, daß Sonntags nachmittags der Schalterdienst überhaupt aufgehoben würde. DaS Waisenhaus der Stadt Berlin(zu Rummels bürg) nimmt als Erziehungsanstalt nur Knaben auf, ist aber mit einem Lazareth für chronisch kranke und schwächliche Kinder verbunden, in das sowohl Mädchen wie Knaben aufgenommen werden. Im Waisenhaus waren 1. April 1394 364 Knaben. 1894/95 käme»» 305 hinzu und gingen 287 ab, also blieben 1. April 1835 382. Im schulpflichtigen Alter gingen 151 zu. davon wurde» 43 lediglich dem Lazareth überwiesen. Die übrigen 108 traten in die Schule ein. Ihre Vorbildung war, wie immer, sehr gering. 47 hatten das 12. Lebensjahr vollendet, aber keiner davon war für die 1. und nur 3 für die 2. Klasse reif dagegen»varen manche erst für die untersten Klassen reif, z. B 3 in» Alter von 13—14 Jahren für die 5. und 3 im Alter von 14—15 Jahren für die 4. Klasse. Das läßt darauf schließen, daß die meisten vor ihrem Eintritt ins Waisenhaus die Schule sehr unregelmäßig besucht haben müssen, was bei den ungünstigen Verhältnissen, unter denen sie aufgewachsen sein»verde»,„»cht zu verivundern ist. Auch die Schulbildung der nach der Konfirniatiol» Abgehenden»var zienilich gering. 30 von diesen hatten die 1. Klasse, 30 die 2., 31 die 3., 11 nur die 4. und 2 gar nur die 5. Klasse erreicht. Sie»vurden fast ausnahins los zu Handiverkern in die Lehre gegeben, nur 8 zu Kaufleuten Ueber die»nit den Handwerksmeistern gemachte» Erfahrungen schivcigen die neueren Berichte, auch der neueste über 1334/35. Frühere Berichte habe» sich nicht immer glinstig darüber aus' gesprochen. Der Gesainmtbericht über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin in den Jahren 1882—83 erklärt geradezu „Fälle, in denen es offenbar n>ehr auf eine Ausbeutung der Waisen als auf die Ausbildung derselbe,» abgesehen war, ergaben sich leider nicht gai»z selten." Es»väre zu»vünschen, daß die Waisenverivaltung sich in ihren Berichten»vieder eininal darüber äußerte,»vie es heute um diesen Punkt steht. Ter Hansirerberuf zählte, trotzdem von den Leuten, die ihn ausüben, polizeilichcrseits besonders sittliche Qualifikationen verlangt»verde», bislang eigentlich nicht zu denjenigen, denen das Prädikat der Salonfähigleit zukam. Nainentlich„Akadeiniker" oder gar Offiziere,»ind seien es auch solche a. D., mögen »vohl im ersten Augenblick den Gedanken geradezu»»ngeheuerlich finden, daß eines Tags ei» Kapitalist daher koinmen werde, der an die Rkpräsenlanten des„ersten Standes" das Verlangen richtet, Trepp auf und Trepp ab zu laufen, gleich den Mause sallen-Händlern und den Subskribentensuchern auf Kolportage literatur. Aber dem alles auf den Kopf stellei»den Kapitalismus ist nichts heilig, nicht einmal der Doktorhut und die Offiziers- schärpe. Ein stants— erhaltendes Blatt(„Lokal-Anzeiger" 493) brachte dieser Tage folgende Annonce: Herren(fein gebildet), zur Vorlage eines Pracht wertes gesucht. Offiziere a.D. und reifere Herren»nit Universitätsbild»l ng bevorzugt. Legitimation erforderlich. Vorstellung Donnerstag, Freitag und So»»' abeild 11—1 Uhr. Sleinmetzstraße 3, Hof, parterre rechts Es handelt sich um die Buchhandlung von Groningen. »velche durch Offiziere a. T. ein Werk über den deutsch französischen Krieg unter die Leute bringen»vill. Die armen Teusel, welche bisher durch Hausiren»nit Waaren kümmerlich ihr Leben fristeten, erhalten»nithin recht vornehme Kollegen Und da leugnet man oben noch den Nothstand.»venn selbst Offiziere a. D. und Herren mit U»iversitälsbild>»ng sich als Hausirer verdingen sollen! Neber das Vorgehe» gegen die Freireligiöse Gemeinde lesen»vir in bürgerlichen Blättern:„Von den» Provinzial-Schul kollegil»» ist einen» der Redner der Freireligiösem Geineinde, Dr. Bruno Wille, nunmehr die Aufforderung zugegangen, die gegen ihn festgesetzte Exekutivstrafe von 300 M. binnen einer Woche abzusühre», widrigenfalls die Exekution verfügt»vird. Her Friederici, der Vorsitzende der Gemeinde, theilte in der Sonntags Versammlung mit, daß W. entschlossen sei. die Strafe nicht zu zahlen. Die Früh-Vorträge sollen trotz allen» fortgesetzt»verde» Von der preußischen Gastfreundschaft. Ueber eine neue Ausiveisling ei»es Ausländers wird uns berichtet: Den» Schneider Weinberger, Kleine Alexanderstr. 3 wohnhaft,»velcher in» Jahre 1870 von Wien hierher geivandert ist, ist dieser Tage eine Verfügung zugegangen,»vonach er binnen vier Woche» Deutschland zu verlassen hat. Ein Grund ist ihm auf seine An- srag« nicht genannt worden. Die„Volks-Zeitung" nicldet: In den letzten Tagen sind aus �em preußische» Staatsgebiete auf grund des Gesetzes über die Allgemeine Landcsverwaltung vom 2. Juli(1883) der im Hause Koblanckstr. 14b wohnhaste Handelsmann Goldman» aus Galizien »md die auf demselben Flur»vobnende Händlerin Rosa Samuel ans Krakau in Galizien, ausgeiviesen»vorbei». Die Samuel, deren Aufenlhaltsirist an, 23. d. M. abgelaufen war, wandte sich mit einen» Gesuch um Verlängerung der Frist an das Polizei- Präsidium, erhielt aber den Bescheid, daß die Ausiveisung be stehen bleiben müsse. Im Austrage des Herrn Polizeipräsidenten v. Windhein»»vurde die Frist bis endgiltig den 1. November verlängert. Sie giebt an, seit sechs Jahren in Berlin zu »vohnen. Die J»lvaliditätS- und glltersversicherungS-Anstalt Berlin hat 1834, nach dein jetzt veröffentlichten Kassenabschluß, rui verkaufte Beitragsmarken 4 746 386,72 M. eingenommen. Hiervon gingen für vernichtete Marken 28 415,30 M. ab, blieben 4 717 371,36 M. A» Renten»vnrden nur 343 135,63 M. gezahlt, nämlich 102 220.61 M. Invalidenrenten und 240 375,02 Alters rentcn. Die Kosten des Heilverfahrei»s stellten sich auf 150 475,15 M. Die eigentliche Verwaltung erforderte 129,733 M., dazu noch 44 516,74 M. für Erhebungen vor Geivährung von Renten, Kosten des Schiedsgerichts, der Kontrolle u. f. ,v. Das Jahr 1834 schloß ab für den Betriebsfonds mit einem Bestände von 13 054 334,32 M., für den Reservefonds mit einein Bestände von 331 194.85 M. Die Maßnahmen, die vo» de» Behörden einiger unserer östlichen Vororte gegen die Sommergäste gelroffei» worden sind, »velche in der Spree angelte», sind kürzlich in der Geineinde- Vertretung von Schmöckwitz zum theil tadelnd besprochen worden. Es»vurde dabei nanientlicv hervorgehoben, daß von ganz anderer Seite aus als vo» den harmlosen Anglern in der Bevölkerung Befremden hervorgerufen»verde. So sei namentlich die eifrige Jagd auf die durchaus»verthlosen Wasserhühner, jene den An- ivohnern und Soinmergästen so lieb gewordenen iimiiteren Thiere, lebhaft bedauert»vorde». Zum theil soll in nächster Nähe der bewohnten Grundstücke geschossen»vorden sein. Zum Zehnpfeunigtarif auf der Pferdebahn. Eine von einem hiesigen Einwohner au den Pvlizeipräsidenien v. Wind- Hein, gerichtete Er,»gäbe in Sachen der Große» Berliner Pferde- Eisenbahn hat ein allgemeines Interesse. Sie richtet an den Polizeipräsidenten das Gesuch: den Maxin, altarif der Große» Berliner Pferde-Eisenbahn-Aktiengesellschafl auf 10 Pf. festzu- letzen und spätestens am 1. Mai 1836 zur Einführung gelangen zu lassen. In der Begründung heißt es u. a.: Pserdebabne» ind für das»veit ausgedehnte Berlin mit seinen mißlichen Woh- ungsverhältnissen kein Luxus, sondern eine Nothwendigkeu und dieses nothwendige Verkehrsmittel»vird durch den bestehenden Maximaltarif vertheuert, dadurch Handel und Wandel beschivert, die Gesammtheit zu gunsten der kleinen wohlhabenden Minderheit der Aktionäre belastet. Es liegt gar keine zwingende Nothivendigkeit vor, die Dividende der Aktionäre aus 12>/2 v. H. anschivellen zu lassen, eine Dividende von etlva 9 v. H. wäre eventuell auch schon angemessen. Der Zehnpfennig-Tarif liegt im öffentlichen Interesse. Jin Jahre 1894»varen 73,36 v. H. aller gelösten Fahrscheine solche zu 10 Pfennig, der für eine Person im Durchschnitt gezahlte Fahrpreis belief sich auf 11,15 Pfennig und dürfte infolge der Beseitigung einiger Ungleichhertel»»ind Härten für 1893 etwa 11 Pfennig betragen. Der Ausfall betrüge also ungefähr I Pf. auf 125 Millionen Personen, das sind rund 1 300 000 M. Hiervon wird unziveifelhaft ungefähr die Hälfte durch Mehreinnahmen gedeckt werden. Jin ungünstigsten Falle entstände ein Ausfall von 700 000 M., d. h. 3i/e v. H, der auch nur vorübergehend wäre,»veil infolge des andauernden Wachs- thums Berlins und seiner Vororte und der Eröffnung neuer Linien die Einnahmen und der Geivinn sich vermehren»verde»». Die Mehreinnahme in den ersten 9 Monaten dieses Jahres be- trägt bereits rund 400 000 M. In der Ausführungs-Ainv eisung zu§ 14 des Kleinbahngesetzes heißt es:„Auch für die Bor- behalte und Anforderungen hinsichtlich des Fahrplanes und der Besörderungslveise kann in» wesentlichen nur der Grad des an dem Betriebe der Bahn bestehende» öffentlichen Verkehrsinteresses den Maßstab abgeben." Der jetzige Zustand muß als dem Willen des Gesetzgebers zuwider angesehen»verde». Das ist um so be- dauerlicher, als billige Fahrpreise dazu beitragen, die schlechten Wohnungsverhältnisse der Arbeiterbevölkerung zu ver- bessern."— Der Polizeipräsident»vird schließlich ersucht, endlich Wandel zu schaffen und d»e Einführung des Zehnpsennigtariss spätestens am I. Mai 1836 zu veranlassen; dieser Termin er« scheine um desivillen passend,»veil durch die Geiverbe-Ausstellung die Große Berliner Pserdebahn-Gesellschast eine bedeutende Mehr- einnähme haben dürste, so daß ein etivaiger Aussall»venig be« merkbar»vird. Eine» Boykott hat die Speditionsfirma Jakob Valentin, Holzmarltstr. 65, über den Gasilvirth Borchardt, Holzmarktstr. 66, dergestalt verhängt, daß sie den Kutschern, die be» ihr beschäftigt sind, bei Strafe der Entlassung verbot, im Lokal dieses Gast- wirths zu verkehren. Wie die Firma zu der Aninaßung konunt, den Arbeitern über die Verwendung der von ihnen bei oft achtzehnstündiger Arbeitszeit verdienten Groschen Vorschriften zu niachen, ist unerfindlich. Ob sich die Leute wirklich an de» UkaS kehren werden? Zum Schleusenverkehr. Da? Polizeipräsidium erläßt folgende Bekanntmachung: De» Schleusengelderhebern ist gestattet worden, die Schleusengelderhebung des Sonntags von 10 Uhr vonnitlags ab und»vochentäglich während des Sommers von 7 Uhr abends ab einzustellen.— Die Startschleuse»vird des Sonntags vo» 10 Uhr vormittags ab außer Betrieb gesetzt. In dem sonntäglichen Betriebe der Mühlendaminschleuse tritt eine Aenderung nicht ein. Eine Gasexplosion hat sich an» Sonnabend gegen 7 Uhr abends in eine»» Ladengeschäft Friedrichstr. 105b ereignet. Di« Spiegelscheibe des Schaufensters»vurde zertrümmert und die aus- gestellten Waaren»vurden aus den Bürgersteig geschleudert, wo- durch mehrere Personen verletzt»vurden. Das Feuer selbst»vurde von der Feuerivehr gelöscht. Viele aus den Bürgersteig ge- schleuderte Waaren sind entwendet»vorden. Ernstlich verletzt »vurde» bei den» Feuer im Laden die 17jährige Verkäuferin Frieda Wille und der 16jährige Hugo Spory, ein Bruder der Frau des Geschäftsinhabers, Kaufmanns Gerstel. Beide sind am Kopf und an den Händen verlvundet und fanden Ausnahme in der kgl. Klinik. Vom Tode ereilt wurde am 24. d. M. abends um 9 Uhr eine etwa 70 jährige Greisin, deren Persönlichkeit bisher nicht festzustellen geivescn ist. Sie fuhr in einem Oinnibus der Linie Zoologischer Garten— Dönhoffplatz, sank in der Lützowstraße in sich zusammen»md»vurde»nit Hilfe eines Schlltzmanns nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht. Beim Eintreffen daselbst gab sie nur noch schivache Lebenszeichen vo» sich und»var bald todt. Sie trug ein schivarzes Kleid und«in schwarzes Tuch. Bei dem Bau der zweiten evangelischen Garnison« kirche ist der 42 Jahre alte Arbeiter Johann Seiler an» Sonn« abend Abend»im das Leben gekommen. Seiler, der verheirathet »var und in der Berlinerstraße 91 zu Rixdorf»vohnte, war im Glockenthurm am Fahrstuhl beschäftigt. Während des Aufzuges hat er vermuthlich in den Schacht von oben hineingesehen, ist plötzlich von Schwindel befallen worden»ind etiva 20 Meter tief hinabgestürzt. Die Verletzungen waren derart schiver, daß er sofort todt war. Arbeiterrisiko. Auf eine eigene Art ist am Sonnabend Vormittag um UVe Uhr der 46 jährige Schleifer Knoll in der Fabrik von Schäffer u. Walcker in der Lindenstraße schwer ver- unglückt. Knoll»var damit beschäftigt, auf einer sogenannten Schivabbelschcibe Druckringe zu poliren. Diese Scheibe mißt u>»« gefähr Ve Meter im Durchmesser, ist zieinlich dick und besteht aus zahlreichen Lagen von Lappen, die durch Schrauben zusammen« gepreßt werden. Durch einen Zufall hakte sich nun e.i» Druck- ring in die Lappe» fest ein. Da der Schleifer ihn nicht losließ, so»vurde ihn» seine rechte Hand mit der Scheibe herumgerissen »ind fo»veil abgedreht, daß sie nur noch lose ain Gelenö hing. Man brachte de» Vernngllickten zunächst auf die Unfallstatso» l. in der Wilhelmftraße und dann. da nian ihm hier nicht helfen konnte, in das städtische Krankenhaus An» Urban. Die Hand ist gänzlich verloren und muß dem Unglücklichen abgenoininen werden. Eine unkrepirte Granate wurde ain Sonnabend von einem Rixdorfer Arbeiter vor dem Grundstück Herinannstr. 212 gefunden. Der Finder brachte das gefährliche Ding zur Polizei,»velche dafür sorgte, daß es von der Militärverivaltung auf den» Tempel- hoser Felde ei»tladen wurde. Wie die Granate nach Rixdorf gekomme» ist,»veiß niemand. Auf offener Straße hat sich an» Sonntag Abend gegen t/ell Uhr vor oem Hause Greisswalderstr. 116 ein etiva 30 Jahre alter unbekannter elegant gekleideter Mann die Kehle durchschnitten. Der Freinde»var de» in der Nähe Wohnenden schon längere Zeit dadurch aufgefallen, daß er, die Blicke z» Boden gerichtet, stunden- lang auf dem Troltoir der Greisswalderstraße auf»»nd ab ging, bis er schließlich an einen, Laternenpfahl vor dem oben er- »vähnten Hause stehen blieb. Plötzlich zog er ein Messer aus der Tasche und schnitt sich den Hals ab, so daß das Blut aus einer tiefen Wunde hervorströmte. Auf Veranlassung der Revierpolizei wurde der Selbstmörder nach dein städtischen Krankenhause Friedrichshain geschafft. Polizeibericht. Am 26. d. M. vormittags stürzte ein beim Bau der evangelischen Garnisonkirche aus dem Kaiser Friedrich- Platze beschäftigter Tagarbeiter in, Glockenthnrn» in den Fahr- tuhlschacht, swlug mehrere Male»nit dem Körper an das Gerüst und blieb an demselben»odt hängen.— Gegen Mittag wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Prinzenallee erhängt vor- gefunden.— Abends entstand in dein Hinterzimmer eines Ladengeschäfts in der Friedrichstraße eine Gasexplosion, als eine Vevlclufenn mit offenem Licht hineintrat. Durch den Luftdruck wurde auch das Schaufenster zertrümmert. Fünf Personen wurden verletzt und in der Umversuäts- tlinif verbunden, drei davon aber alsbald entlassen.— Am k7" � � nachmittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Waldstraße mit einer Schußwunde in der Sckläfe todl auf- gefunden.—• Abends versuchte in der verlängerten Tresckowstraße ein obdachloser Arbeiter sich durch einen Schnitt in den Hals zu tödten. Er mußte nach dem ibrankenhause gebracht werden.— In der itöpnickerstraße gerieth eine Frau beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen zwischen diesen und einen in entgegenkommender Richtung ankommenden Wagen und erlitt bedeutende Verletzungen am Kops und Arme.— Am LS. und 27. d. M. fanden neun Feuer statt, darunter ein erheb llchcs auf dem Grundstück Andreasstr. K4(Krautstr. 38), wo eine Tischlerei ausbrannte. WittermigSiiberficht vom 28. Oktober 1895. Wetter-Prognose für Dienstag, den 29. Oktober 1895 Zeitweise nebeliges, sonst ziemlich heiteres, am Tage mildes Wetter mit schwachen südlichen Winden ohne erhebliche Rieder schlage._ Berliner Wetterbureau. Gevichks-Zeikung. Der Redakteur der hier erscheinende«„Gazeta sobotuicza", Genosse Schuhmacher Thomas Golibrocki hatte sich gestern vor der ersten Strafkammer deZ Landgerichts wegen Beleidigung durch die Presse zu verantworten. Am 2. März d. I. erschien in der genannten Zeitung ein Artikel, welcher das Loos der Arbeiter in der Königin Luisen-Grube in Zaborze in Oberschlesicn schilderte. Es wurde u. a. behauptet, daß die Grubenverwaltung in ihrem Ausbeutungssystem so weit gehe. selbst den Arbeitern die Rettungsmittel z» entziehen, wenn ein Brand in der Grube eintreten sollte. Die obersten Leitern des Schachtes würden nämlich nach der Ein fahrt in die Höhe gezogen, damit es den Arbeitern unmöglich gemacht werde, die Grube vor Beendigung der Schicht zu verlasse». Die Löhne an der Königin-Luisen-Grube seien niedriger als bei anderen Gruben. Wege» dieser Behauptungen hatte der Berwaltungsdirektor der Guide, Bergrath Remy. Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Der Angeklagte hatte einen umfangreichen Wahrheitsbeweis angetreten, die koi» missarisch vernommenen Zeugen, zumeist Arbeiter von der Königin-Luisen-Grube bekundeten aber, daß die Löhne an der fraglichen Grube höher seien als an den Privatgruben und daß die Leitern in den Ein- und Aus- fahrtsschachten so befestigt seien, daß sie garnicht fortgenomme» werden könnten. Nur aus einem Wetter« und Förderungsschacht, der zur ordentlichen Ein- und Ausfahrt garnichi diene, seien die obersten Leitern entfernt worden. Direktor Remy hatte dies zu� gegeben und damit begründet, daß die Arbeiter diesen u erlaubten Dusgang benutzt hätten, um die Grube v, zeitig zu verlassen. Als Rettungsweg bei einem eintrete» Grubenunglück komme dieser Schacht gar nicht in betracht. Der Staatsanwalt hielt die gemachten Behauptungen für so schwer beleidigend, daß er gegen den Angeklagten eine Gcsängnißstrafe von sechs Monaten beantragte. Der Gerichtshof erkannte au' 150 Mark Geldstrafe oder iu> Nichtbeitreibungssalle auf einen Monat Gefängniß sowie auf Publikationsbefugniß im„Reichs Anzeiger" und in der„Gazeta Robolnicza". Strindberg's„Beichte eines Thoren" und die deutsche Sittlichkeit. Zu der am Sonnabend spat abends beendeten Verhandlung gegen den Schrifisteller August Strindberg wegen seines Romans„Beichte eines Thoren" haben wir noch nach- zutragen, daß der Staatsanwalt gegen Strindberg 200 M., gegen Tr. Kämpf 100 M. Geldstrafe ui Antrag brachte. Als Sach- verständiger war der Herausgeber des Magazins für Literatur, Otto- Reumann- Hofer, vernommen worden, der aus seiner Kenntniß der Werke Strindberg's und dessen Person heraus ein ausführliches Gutachten über den literarischen und persönlichen Charakter Strindberg's abgab. Der Sachverständige bekämpfte lebhaft den Gedanken, Strindberg könne die Absicht gehabt haben, ein unzüchtiges Werk zu schreiben.— Rechtsanwall Dr. Greiling führte aus, daß das Werk als ganzes be- trachtet, schon objektiv nicht unzüchtig sei, subjektiv aber dem Dichter, der nur ein Vertheibigungswerk habe schreiben wollen, jedes Bewußtsein einer unzüchtige» Wirkung gefehlt habe. Das Buch enthalte die Geschichte der ersten Ehe des Verfassers, jei ursprünglich nur für das Familienarchiv geschrieben und erst später veröffentlicht worden, um die aus Anlaß der Ehescheidung entstandenen Verleumdungen gegen den Dichter zu zerstreuen. Das Buch sei in jeder Zeile von einer so herben Sittlichkeit getragen, daß ihm unmögltch der Charakter einer unsittlichen Schrift gegeben iverden könne. Auch das Probleui, ivelches das Buch behandle, sei ein ebenso naturwahres ivie sittliches, es schildere in ergreifender Weise den Untergang eines ernsten, thätigen, sittlich reinen Mannes unter den Einwirkuiigen eines zu verabscheuenden Weibes, dessen Reizen er immer wieder von neuem unterliege. Die Art, wie dieser Vorwurf durchgeführt werde, sei viel eher geeignet, eine abschreckende als eine sinnlich anreizende Wirkung auszuüben. Ter Gerichtshof erkannte auf Fr e i s p r e ch un g, glcicl ze tig aber auf Vernichtung der vorhandenen Exemplare und Platten. Die ilosten wurden der Staatskasse zur Last gelegt. Zit der Verhandlung gegen den Schrislseyer Spalike, welche am Mittwoch vor der achten Strafkammer des Land- gerichls I. stattfand, wird uns nachträglich mitgetheilt, daß der Angeklagte mit Vornamen nicht Otto, sondern Alex heiße. Wege» HerauSforderutia zum Zweikampfe, ver- suchler Röthigung und B eleidigung eines militari. sche» Vorgesetzten hatten sich gestern der Preniierlieutenant a. D. Ernst Rasch und der Rechtsanwalt Hermann M a r g» g r a f s vor der 7. Strafkammer des Lanogerichls I zu verant- wortc». Der inzwischen verabschiedete erste Angeklagte stand im Jahre 1892 in Neisse in Garnison und hatte die Ueberzeugung, daß der Generalmajor v. Gandy ihm i» gehässiger Weise Schwierigkeilen im Dtenste bereite. Ausgangspunkt eines ernsteren Konflikts war eine Aeußerung, die Generalmajor von Gandy eines Tages dem Preniierlieutenant Rasch gegen- über gelhan hat und die nach der Behauptimg des letzteren dahin gelautet haben soll:„Ihr(d. h. die Offiziere in Neiße) habt eben keine Formen!" v. Gandy hat so- wohl in einer Offiziers-Versammlnng als auch i» einem aus diesem Anlaß stattgehabten ehrengerichtlichen Verfahren behauptet, dast er jene Bemerkung keineswegs im allgemeinen in bezug auf das Offizierkorps, sondern nur in bezug auf den Lieutenant Rasch geniacht habe. Dieser hat dann den Ab- schied erhallen und hat, wie er versichert, die verschiedensten Schritte unternommen, um den Generalmajor v. Gandy zur Zurücknahme seiner Aeußerung in jener Offiüersver- sammlung und zur Berichtigung einer Konduileniiste zu bewegen, deren Inhalt dein Angeklaglen Rasch zur Kenntniß gekommen war. Dieser war erregt darüber, daß in jener Konduite, die von ihm nur tm allgemeinen sagte, daß er „seineu Platz ausfülle", die Bemerkung enthalten war, daß seine Figur eine mangelhafte sei, da er z u d l ck werde und daß er mit den jüngeren Kameraden unverträglich lebe. Der Angeklagte behauptet, daß diese Konduite der thatsächlichen Unterlage ent- behre und außerdem den Tenor einer gegen ihn ergangenen Disziplinarstrafe falsch wiedergegeben habe. Um seine Ehre wiederherzustellen, setzte er sich schließlich mit dem Angeklagten M a r g g r a f f in Verbindung, der, nachdem ihm Herr Rasch eine ausführliche Darlegung seines ganzen Ver- hällnisses zu seinem Vorgesetzten und der daraus sich ergebenden Vorkommnisse gegeben, es übernahm, als Kartell� träger gegenüber dem Generalmajor v. Gaudy anfzutrete». Er hielt dem letzteren in einem Schreiben vor, worüber sich Lientenanl Rasch beklage und theilte mit, daß dieser im Wege des Ausgleich' von der Forderung absehen wolle, sobald v. G. unverzüglich bei der kompetenten Stelle das dem Preniierlieutenant a. D. Rasch zugefügte Unrecht wieder aus der Welt schaffen würde.— In diesem Vorgehen erblickte der Staatsanwalt nicht nur den Thatbestand einer Herausforderung zum Zweikampf und einer Beleidigung im Sinne des Z 186 des Straf» Gesetzbuchs, sondern auch den Versuch, einen Beamten zur Vornahme einer Amtshandlung zu nöthigen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Rasch neun Monate, gegen den An- geklagten Marggraff vier Monate Gefängniß. — Rechtsanwalt Dr. S e l l o als Vertreter deS Nebenklägers v. Gandy schloß sich diesem Antrage an, da hier ein Vorgesetzter, der nach seiner besten Ueberzeugung seine Urtheile über den Premierlieulenant Rasch abgegeben, in ganz ungewöhnlicher Weise mit Augriffen überhäust worden und sogar beschuldigt worden sei, bewußt die Unwahrheit gesagt zu haben. Das sei für einen Mann in der Stellung des Nebenklägers die größte Beleidigung, die sich denken lasse. Der Schutz des Z 193 stehe den Angeklagten nicht zur Seite, den» das Neichsgerichl habe bereits entschieden, daß der Z 193 nur anzuwenden sei, wenn ein Recht i» rechtmäßiger Weise allsgeübt werde, hier aber handle es sich»in eine unrechtmäßige Weise, da der Zweikampf durch das Strafgesetzbuch mit Strafe bedroht sei.— Die beiden Angeklaglen verwahrten sich ent- schieden dagegen, daß ihnen bei Abfassung des Briefes auch nur entfernt der Gedanke gekommen sei, damit den Thatbestand einer „Nöthigung" zu erfülle». Ihr Verhalten entspreche durchaus der offiziösen„Anleitung zur Be> glcichun g von Ehrenhändeln unter Ossizieren". — R.-A. G e s ch k e pläoirle für Freisprechung der Angeklagten eventuell für Anwendung des Z 193, dessen Schutz dein Auge- klagten Rasch voll zur Seite stehe. Die Herausforderung zum "weikamps bleibe natürlich bestehen. Für den Fall, daß dem »geklagten der Schutz des 8 793 versagt werden sollte, be- anlragle der Vertheidiger, durch Vernehmung einer Reihe von "engen nachzuweisen, daß die Behauptungen des Angeklagten lasch wahr seien und dieser durch eine ganze Kette von Vor- kominnissen die persönliche Ueberzeugung haben durfte, daß der Nebenkläger bestrebt gewesen sei, ihn zu verderben.- Rechts- anivail Dr. Sello schloß sich diesein Bewcisantrage an, da es dem Nebenkläger nur sehr erwünscht sein könne, durch umfang- reiche Beweisaufnahme darzulegen, daß die beleidigenden Be- hauplungen des Angeklagken Rasch dicht an den§ 7�7(Verleumdungen) heranreichen.— Der Gerichtshof beschloß, den Be- weisanlrägen statlzngeben und zum nächsten Termin den Generalmajor v. Gaudy und mehrere Offiziere als Zeugen zu laden. Daö Landgericht Zlltvua hat am 23. Mai den Buchbinder _ chaiiN Heinrich K a»l m a n II in Hamburg wegen Er- p r e s sn n g's v e r su ch e s zu 8 Tagen Gefängniß verurtheill. In der Briefkouvertfabrik von Lehmann u. Hildebrandl in Ottensen legten eine Anzahl von Arbeitern die Arbeit nieder, weil die Arbeitsstunden ungünstig für sie verlegt worden waren. Kainmaun, welcher Vorsitzender der Dtilgliedschaft Hamburg des Verbandes der Buchbinder ist, trat mit der Firma Lehmann n. tildebraudl in Briefwechsel und ersuchte diejelbe um jiedereinstellung der entlassenen Arbeiter. Als er die Antwort erhielt, die Stellen seien schon wieder besetzt, schrieb er:„Sollten Sie ans diese gewiß gerechten Wünsche nicht eingehen, so würden wir Ihnen»'cht ferner Arbeitskräfte senden könne», sondern uns gezwungen sehen, die Sperre über alle Zweige Ihres Geschäftes zu verhängen." Die Firnia Lehmann u. Hilde- brandt denunzirte de» Brieftchreiber.— Tie vom Siugeklagten eingelegte Revision wurde Freilag, den 25. Oktober, vom Reichsgerichte verworfen, weil die Erstrebung eines rechts- widrigen Vermögensvortheiles einwandsfrei festgestellt sei. Dieser ei darin zu erblicken, daß der Angeklagte nicht nur die Wieder- anslellung der entlassenen Arbeiter, sondern auch deren kündig nngslose Beschäftigung während eine halben Jahres verlangt halte. Und wegen dieses, aus in jeder Beziehung selbstlosen Motiven hervorgegangenen Verlangens, das er i»i Interesse der von den Unternehmern benachtheiligten Arbeiter stellte, wurde Kammann bestraft. Das arbeitende Volk wird sich eine solche vom höchsten Gerichtshof sanktionirte Rechtsprechung lies ins Gedächtniß ein- prägen. Durch kriegsgerichtliches Erkenutniss ist der Husar Weiman» des Wanvsbectcr Husarenreginienis zu drei Jahren Gefängniß, zwei Jahren Ehrverlust und Versetzung in die ziveile Klasse des Soldalenstandes vernrlhcilt worden, weil er versucht hatte, eine junge Dame aus Hamburg zu vergewaltigen; er wurde durch vorübergehende Zivilpersonen an der Ausiibitiig dieses Verbrechens gehindert. Nach den besiehenden militärischen Vorschriften wird Weimann nach Vcrbußnng seiner Gefängniß- strafe zur weiteren Ableistung seiner Dienstzeit einer Arbeiter« Als abtheilung überwiesen werden. Neichötags-Abgeordneter Zimmermann lind sei» vertrag vor Gericht. Aus Dresden wird uns vom Montag über de» Prozeß Zimmermann geschrieben: Ein Prozeß von außergewöhnlichem Interesse beginnt heute vor der 5. Strafkammer des hiesigen königl. Landgerichts. Auf der Anklagebank erscheinen: I. der Schriiststeller und Reickstags- Abgeordnete Oswald Franz Alexander Zinrniermaim, 2. Hanpl- mann a. D. Ludwig v. Santen, 3. Fabrikant und Reichstags- geordneter Karl Friedrich Lotze, 4. Kansinaiin Otto Dietz, �ttansinann Eduard Willibald Priebs, 6. Buchdruckereibesitzer FerSjziand Waldemar Giöß, 7. Kaufmann und Reichtags-Abgeord- neler Friedrich Alfred Klemm, ö. Fabrikant und Reichstags- Abgeordneter Emil Heinrich Gräfe, 9. Kaufmann Eduard Otto "offmanu und 10. Ingenieur Feodor Adolf Richard Burgmann. iefe werden angeklagt:„als Gründer und zwar theils als Mitglieder des Vorstandes, theils als Mitglieder des Anfsichlsraths der Aktiengesellschast„Deutsche Wacht" behufs Eintragung in das Handelsregister des königl. Amtsgerichts zu Dresden rück- ichtlich der im Art. 209 Abs. 2 des Haudels-Gesetzbuches in der Fassung des Reichsgesetzcs vom 18. Juli l884 vorgesehenen Fest- setznngen wissentlich falsche Angaben gemacht zu haben." Der Abg. Zinimeriiiann gab Hierselbst seit dem Jahre 1887 eine Wochenschrift unter dem Namen„Deutsche Wacht" heraus. Diese Zeitung soll ihm einen jährlichen Reingewinn von S000 Mark »gebracht haben. Im Jahre 1893 wurde jedoch von den hiesigen Antisemiten beschlossen, eine täglich erscheinende Zeitung herauszugeben. Zu diesem Zwecke setzten sie sich mit Zimmermann in Verbindung. Letzterer erklärte sich bereit, seine Wochknschrifl in eine Tageszeiruiig umzuwandeln. Es wurde desbalb die Grüiidmig einer Aktiengesellschast beschloffen. Gründer waren die gegenwärtigen Angeklagten und der bereits verstorbene Rentier better- Als Delegii V A l b e r l B � r n st F i Dr. phil. Schläger. Das Grundkapital wurde in dem Gründung s» vertrage auf 200 000 M.. vertheill in 1000 Aktien zu je 200 M.. festgesetzt. Außerdem wurde in dem Gründungsprospekt, in dem die Gesinnungsgenossen zur Zeichnung von Aktien aufgefordert wurden� gesagt, daß vor der endgiltigen Errichtung einer Akliengesellschast mindestens ein Viertel des Nominalbetrages einer Aktie einzuzahlen sei und daß die Kosten der Gründung höchstens 3000 M.. betragen würden. Am 29. September 1893 erfolgte die Kon» stitnirnng der Gesellschaft mittels notariellen Gründlings- Protokolls. In diesem erklärten die Gründer, daß sie eine Aktien- Gesellschaft„Deutsche Wacht. A.-G." zu gründen beabsichtigten, „um den Verlag, die Herstellung und den Vertrieb einer Tages- zeitung zu betreiben und bereits bestehende Verlagsnnternehmen zu erwerben". Gleichzeitig erklärte Zimmermann, daß er 100 Aktien übernehme, womit er ein Kapital von 20 000 M. zeichnete. Schon vorher war ein Statut entworfen worden, das alsdann gedruckt wurde. In diesein wurde der Zweck der Gesellschaft in gleicher Weise angegeben und bemerkt, daß das Grundkapital vollständig gezeichnet und ans jede Akiie 25 pCt. baar eingezahlt seien. Unter§ b» des Stalnts war erklärt worden:„Der zu Lasten der Gesellschaft gehende Grüiidllngsaufwaiid beträgt höchstens 3000 M." Dieses Statut ist den fllklionaren und d-m Gericht überreicht worden. Die Anklagebehörde behauptet nun, daß schon vor diesem im Gründuugsprotokolle beurkundeten Koustituirungsakt zwischen Zimmermann und den übrigen Gründern vereinbart worden sei, daß Zimmermann für Ueberlaffung der von ihm herausgegebenen Zeitung an die Aktiengesellschaft 25000 M. in Aktien erhalten solle. In dem Gründungsprotokoll und in dem Statut wurde davon nichts vermerkt und die Aktionäre sollen vor ihren Zeichnungen und vor Bewirkung ihrer ersten Zahlungen von jenen Abmachungeii keine Kenntniß erhalten haben. Am 30. Oktober 1393 fand die erste Generaloersamiiiluiig der Zeichner von Aktien der Gesellschaft „Deutsche Wacht" statt, am 29. Dezember die konfiiluirends Generalversammlung und am 3. Januar 1394 erfolgte der Ein- trag der Firma der Gesellschaft ins Handelsregister. In der Aufsichtsraths-Sitzung vom 6. November 1893 war die Gewährung eines Kaufpreises von 25 000 M. an Zimmermann für sein Blatt ausdrücklich beschlossen worden. Am 3. Januar 1394 lheilte der Vorstand des Aufsichlsraths, Hauptmann a. D. v. Santen mit, daß bei Festhaltung der Kaufsnmme von 25 000 M. eine Generalversanunluiig einberufen iverden müsse, da diese Summe den zehnten Theil des Aktienkapitals übetsteige. Um diese Geueralversanimlung zu umgehen, wurde, im Einverständniß mit Ziminermann die Kaufsnmme auf 20 000 M. ermäßigt und dem Zimmermann die Zahlung dieser Summe, die dem von»hm gezeichneten Aktien- betrage gleichkam, schriftlich in rechtsverbindlicher Form zu- gesichert. An, 29. August 1894 wurde dieser neue Kaufvertrag einstimmig vom Aufsichtsrath noch besonders genehmigt. Die Zeitung„Deutsche Wachl" erschien vom 1. Oklober 1893 als Tageszeitung in einem etwas größeren Formale als sie bisher als Wochenblatt erschienen war. Zimmermann wurve zum Direktor der Aktie»- Gesellschaft und Chefredakteur der Zeilung gewählt und ihm ein Jahresgebalt von zunächst 6500 M. vorbehalilich einer Erhöhung aus 8000 Mark zugestanden. Diese Vorgänge gelangten infolge einer von Ziminermann gegen de» Verleger der hiesigen„Neuesten Nachrichlen" angeftrengien Privat-Beleidigi'ngsklage zur Kenntniß der Slaalsaiiwaltschaft, die insolge dessen auf gru»d der§8 209 b und 249 a des Handels- Gesetzbuches Anklage erhob. Die Angeklagten haben sich daher heule, dieses Vergehens beschuldigt, vor eingangs bezeichnetem Gerichtshöfe zu verantworten. Die angezogenen Paragraphen lauten: 8 209b:„Jeder zu gunsten einzelner Aktionäre bedungene besondere Vortheil muß i» dem Gesellschafisverlrage untcr Be- zeichuung de- Berechtigte» festgesetzt iverden.§ 249 a:„Mil Ge- sängniß und zugleich mit Geldstrafe bis zu zwanzigtausend Mark werden bestraft Gründer, Mitglieder des Borstandes oder des Aufsichtsrathes einer Aktien- Gesellschaft, welche behufs Eiirtragnng des Gesellschaflsvertrages in das Handelsregister hinsichtlich der in Art. 2o9b vorgejehenen Feflsetzuiigcn wissentlich falsche Angaben machen."— Dem Vernehmen nach bestreiten die Angellagte», daß noch vor Begründung der Akriengesellschaft der Kaufvertrag mit Ziinmerman» abgeschlossen worden sei und berusen sich im übrigen betreffs ihrer bona fickes auf den hiesigen Rechtsanwalt und Notar, Hofrath Damm, der ihnen gesagt habe. daß die Aufnahme des Kaufvertrages in das Gesellschaftsstatut ec. gesetzlich nicht erforderlich sei.— Es sind für die Verhandlungen zwei Tage in Aussicht genommen. lieber den gestrigen Verlauf der Verhandlung meldet ein Telegrainm: Ter Zudrang zu dem Sitznngssaale ist ei» sehr großer. Die Angeklagte» erklärten»n der sehr umfangieichen Vernehmung, daß der Ankauf der Wochenschrift erst»ach erfolgter Gründung der Akliengesellschast erfolgt sei. Im übrigen hätten sie sich, da sie in» Gründungsversahre» vollständig im- erfahren seien,»m die Abfassung der Stalule» nicht ge» kümmert, sondern dieselben nur unierschrleben, da Rechtsanwalt Hofrath Damm versichert habe, daß die Fassung vollnändig dem Gefetz entspräche. Die AklienaeseUschaft hätte zur finauziellen Sicherstellnng die seit dem 1. Okiober 1893 täglich erscheinende „Deutsche Wacht" begründen müssen; die damalige» politischen Verhältnisse hätten die Heransgabe einer anliseiuitischen TageS- zeitung in Dresden»othwendig gemacht. Versa mntlu« üen. Tie BananschlSner NerlinS mid Umgegend tagten am Sonntag, den 20. o. M., in öffentlicher, schwach besuchter Ver- sammlung Grenadierstr. 33. Ter Beisitzer vom Gewerbe- geeicht, icktto Schenker, berichtete ansführlich über 9 Sitzungen, denen er beigewohnt hat. Die Erläuterungen der einzelnen' Verhandlungen ivurden mit Anerkennung entgegen- genommen. Hieran schloffen sich in der Diskussion einige Be- lehrungen und Verhaitungsregeln in gewerblichen Klagesachen. Delegirter zur Berliner Geiverkjchaitskomuiission wurde Bergan, Friedenstr. 8l, und zu dessen Siellverireter � i e b i g e r, Raliborstr. 16, gewählt. In einer dem- stattfindenden öffentlichen Versammlung soll die Frage der L?chlnrbeit eingehend zur Besprechung gelange». Der Verband der in Biichbindereie» und ver» iv a» d t e ii Gewerben b e s ch ä s t i g t e n Arbeiter und Arbeiterinne»(M itgliedschafl Berlin) hielt am 2l. Oktober eine ordentliche Generalversaminlung ab. Die Ab- rechmmg vom Sommervergnügen(den, guten Montag) gab Kollege Christian. Die Einnahmen belnigen 555,60 M, die Ausgaben 408,80 M., somit blieb ein Ueberschuß von 145,70 M. Sodann gab der Vorsitzende den Geschäftsbericht vom dritten Quartal. Danach haben die inännlichen Mitglieder um 32 zu» genommen, die weiblichen aber um 42 abgenomnien; die Mitglieder» zahl betrug am Ende des Quartals 1205. Weiter berichtete der Kassirer Christian wie folgt über die Kassenverhältnisse: a) Zentralkasse 2636 M. Einnahme. 976,36 M. Ausgabe, demnach an die Verbandskasse abzuliefern 1659,64 M. b) Lokalkasse Einnahme 1647,51 M., Ausgabe.444.54 M.. Bestand 1202,97 M. Ueber den Arbeitsnachweis berichlote Kollege Wunsche!. Im dritten Quartal waren 349 Stellen für männliche Mitglieder gemeldet, besetzt wurden 221 Stellen; für weibliche Mitglieder waren 251 Stellen gemeidet, 73 besetzt. Arbeitslos gemeldet waren 375 männliche und 122 weibliche Mitglieder. Bei den Ergänzuiigswahlen wurde Georg Schmidt ziiin 1. Vorsitzen- den, nach längerer Debatte B e a u li e u zum zweiten Kchsira gewählt. Nachdem ein Antrag Redde m eyer, dem I. Kassirer 40 und dem 2. Kassirer 60 M. pro Quartal zu bewilligen, nnge- iiomine» war, wurde Schild buch zum 2. Schriflsnhrcr, Frau K l e t t k e in den Aibeitsnachiveis, Boltz n»b Frä'ttein Berka» in die Blblivlhekkoinluijsion, Relnloga, Rostocks K ü» z e l nnd S t e t t l e r zu Hilfskassirern gewählt. Sodann machte der Vorsitzende bekannt, daß die Volksvorstellung am 3. November nicht im Belle-Alliance-Theater, sondern im Nalional- Theater, Grobe Frankfurterstr. 132, stattfindet.— Der Vorstand erhielt den Auftrag, sich nach einem besser geeigneten Ver- sammlnngs-Lokal nmzusehen. Der Verein dentscher Schuhmacher, Fil'iale Berlin II, nahm am 21. Oktober in einer Versammlung bei Gründe!, Brunnenstrabe, folgende Abrechnung entgegen: Ein- „ahme 193.96 Pf., Ausgabe 190,49 M.. Kassenbesland 9,51 M. Der Kollege M o r t a n wurde einstimmig aus dem Verein aus- geschlossen und dann bekannt gegeben, daß am 11. November eine Versammlung der Orts-Krankenkasse für Schuhmacher ab- gehalten wird, in der noch 16 Vertreter gewählt werden müssen; ferner, daß am 13. Novbr. die Generalversammlung stattfindet. Schließlich wurde noch bestimmt, daß künftig die Versammlungen uin Sl/2 Uhr zu eröffnen sind. Die Mitglieder der in HolzbearbeitnngSfabrike» und auf Holzplätzen beschäftigten Arbeiter der Filiale ll. N. nahmen am 22. Oktober einen Vortrag des Genossen K o o p» mann über gleiche Pflichten und gleiche Rechte"mit großem Beifall entgegen. Hierauf wurde die Abrechnung vom 3. Quartal gegeben und dann die Wahl eines Rechtsschutz- nnd eines Aus- schußmitgliedes vorgenommen. Zu ersterem wurde Krüger, zum zweiten Franz gewählt. Scharf getadelt wurde das Ver- halten des Mitgliedes Sauerzaps dem Verbände gegenüber, weil er gegen die Allgemeinheit arbeite. Verkehrslokal und Arbeits- Nachweis befindet sich Bergstr. 12 bei Nehlitz. Die Freie Vereinigung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Nixdorfs und Umgegend hielt am 20. Oktober eine Mitgliederversammlung ab. Aus dem Bericht darüber ist folgendes hervorzuheben. Das Stiftungsfest hat mit einem Defizit von 13,49 M. abgeschlossen. Der Kassirer rügte, daß die Revisoren während des dritten Quartals Bücher und Kasse nicht revidirt haben. Mit 11 gegen 4 Stimmen beschloß man ein anderes Vereinslokal zu beschaffen(das neue Lokal ist bei Lindemann, Hermann- und Steinmetzstraßen-Ecke). Die iin Besitz von Wochenfahrkarten befindlichen Mitglieder wurden vom Vorfitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß die Wochenfahrkarten laut ministerielle» Reskripts auch außer der übliche» Zeit giltig sind, wenn die Bauarbeiter durch schlechtes Wetter an der Arbeit verhindert werde». Man solle von diesem Rechte nur Gebrauch machen, auch wenn sich die Bahnbeamten stellten, als wüßten sie nichts davon. Grünau. In der öffentlichen Volksversammlung am 29. Oktober berichtete Reichstags- Abgeordneter Fischer unter- reichem Beifall über den Vreslauer Parteitag. Sodann reserirte Genosse E. Niendorf über die schlechte Beleuchtung im Orte, besonders in den Wintermonaten, Ivo sich die Arbeiter, die schon am frühen Morgen zur Bahn müssen, in den Anlagen an den Bäumen die Köpfe einrennen können, blos weil aus falscher Sparsamkeit schon nachts um 12�/2 Uhr die Laternen ausgelöscht würden. Er beantragte schließlich eine Resolution, worin der Wunsch ausgedrückt ist, daß in den Monaten November bis inkl. Februar wenigstens an den Straßenecken und an den Eingängen zum Wald auch in den Morgenstunden die Laternen brennen sollen. Nachdem noch mehrere Redner in gleichem Sinn« gesprochen hatten, wurde die Resolution ein- stimmig angenommen. Hierauf berichtete der Vertrauensmann und die Lokalkommission über ihre Thätigkeit. Zum Vertrauens- mann wurde D u m m e r wiedergewählt. Zn die Lokal- kommission wählte man C. Niendorf, O.Engel und G a l l a s ch. Nachdem der Vorsitzende noch zum fleißigen Abonnement auf den„Vorwärts", auf das„Volksblatt" und den„Wahren Jakob" aufgefordert hatte, welche Blätter zum 1. November hier in Parteiregie genommen werden sollen, wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemo kratie geschlossen. »heaterverew«ata-Tot». Heute, Dienstag, den«. Ottoder: Sitzung. ttrglitz. Dienstag, den 2». Oktober, stndet bei Schellhafe, Ahornstraße, ttzung de? Arbeiter-BildungSveretn« für Steglitz und Umgegend statt. Gelelliger Kerein„Frohst»»"(gegründet am s. Februar l«»l). Diene- tag, den so, Oktober, abends s Uhr, bei Schley, Brunnenstr. SS; Sitzung r Damen. Vermiptzkes, Eine rührende und wahrhaftige Geschichte von einer Königin, die aus Liebe zu ihrem Manne einen nutzbringenden Berus erlernt, finden wir in der„National-Zeitung". Der König von Portugal leidet gleich jenem vormärzlichen deutschen Duodezfürsten dessen Körperumfang allmälig die Grenzen seines Landes zu überschreiten drohte, an dem unangenehmen Uebel der Fett- keibigkeit. Es wird jedoch ausdrücklich von der„National- Zeitung" konstatirt, daß Trägheit nicht der Grund des Leidens seiner Majestät gewesen sei. König Karl der Dicke von Portugal konsultirte verschiedene Aerzte, aber welche Experimente diese Männer der Wissenschaft auch an dem gesalbten Leibe Sr. Majestät anzustellen suchten, es half nichts. Denn die Lebensweise, die die Aerzte dem Monarchen vorschrieben, erschien diesem, wie die „National-Zeitung" des ferneren berichtet, zu streng,„so daß er oftmals von ihren Vorschriften abwich". Die königliche Würde mußte sich offenbar dagegen empören, sich von einem Unterthanen und nun gar in bezug auf Essen und Trinken Vorschriften machen zu lassen. Nun aber geschah das Wunderbare:„Die Königin, die ihrem Gemahl mit zärtlicher Liebe zugethan ist, hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als das beginnende Leiden ihres Gatten im Keime zu ersticken; daher siudirle sie fleißig Medizin, um de» König selbst zu behandeln. Ihre Keuutnisse sind nun so weit vorgeschritten, daß sie eine Prüfung ablegen und die Behandlung ihres Gemahls übernehmen konnte. Der König unterwirft sich jetzt ihren ärztlichen Anordnungen mit alleni Vertrauen, und es soll in der That seitdem eine auffallende Besserung in seinem Befinden eingetreten sein."— Die Königin von Portugal ist eine Mustergattin. Ei» Nothschrei geht UNS aus dem Städtchen Schmiegel bei Lissa in Posen zu. In dem 3999 Einwohner zählenden Orte grassirt der S ch a r l a ch in geradezu erschreckendem Um- fange; in drei Wochen sollen an der Krankheit, die äußerst heftig und hänsig mit Nierenentzündung verbunden auslritt, 85 K i n d e r g e st o r b e n s e i n. In der'letzten Zeit greift die Krankheit auch ans die Erwachsenen über; so liegen in der Familie des Töpfers Zngehör außer vier»»erwachsenen Kindern die Frau und der 21jährige Sohn darnieder, während ein achtzehnjähriger Sohn vor einige» Tagen gestorben ist. Das Elend in dieser Familie, wie in andere» Häusern soll geradezu grenzenlos sein. Allgemein herrscht in der Bevölkerung die Ansicht, daß zur Bewältigung der gefähr- lichen Krankheit weit mehr geschehen müsse, als bisher; namentlich soll der Mangel an genügenden Aerzten schwer entpsunden werden. Die Bevölkerung hofft, daß, wenn die Presse sich ihrer anninimt, für entsprechende Hilfe ge- sorgt wird. Hammersteiu ans der Bühne.„Die Moralisten" oder „Die Fronde Hammerstein" heißt ein Sensationsstnck, welches soeben der May'sche» Theateragentur zum Vertrieb übergeben wurde. Der Verfasser soll ein angesehener Redakteur einer größere» Zeitung in einer Großstadt sein und verbirgt sich vor- läufig hinter dem Pseudonym Friedrich Pastor. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Freiherr v. Hamuierstein. Ei» Stück mit H.rrn v. Hammerstein wird unter den vielen andern schon so mit„durchgehen". Schisssunsall im Nord-Ostsee-Kaual. Der m Brake an der Weser beheimathete Dampfer„Rheinland", mtt einer Ladung Tabak. Kaffee und Reis von Bremen nach Helsmgfors bestimmt, stieß bei seiner Kanaldurchfahrt am Sonnabend b-i Rosenkranz auf einen Stein, wodurch er leck wurde und nur durch schnelles Aufstrandtreiben vom Untergang gerettet wurde Mit Hilfe eines Berguugsl.ampfers lief das beschädigte Schiff am Sonntag in den Kieler Hafen, woselbst es nach Entlöschung reparirt wird. Im Vorderraum steht das Wasser 12 8"" �och, die Ladung ist verdorben. Wenn die kaiserliche Kanal-Komnuffioii für alle Schäden verantwortlich gemacht werden sollte, die Schiffe bei der Durchfahrt erlitten haben, so dürsten die vereinahmten Gebühren kaum ausreichen....„... Eisenbahn Unfälle. Ueber einen Eisenbahn- Unfall wird ans Zeitz amtlich bekannt gemacht: Am 27. Oktober, vormittags 2 Uhr, ist am Wege-Uebergang bei Bude 4S am westlichen Ende des Bahnhofes Zeitz ein Fuhrwerk durch eine von Gera kommende Maschine überfahren. Die vier Insassen sind vom Wagen geschlendert, wobei eine Person gelödtet, eine Person schwer und eine Person leicht verletzt sind. Die Pferde wurden gelödtet. Die Schranken waren geschlossen. Der Wärter war auf seinem Posten. Die Pferde hatten die Schranke durchbrochen. — Die Eisenbahn- Betriebsinspektion in Jnowrazlaw giebt bekannt: Am Sonnabend Nachmittag SVs Uhr ist vor Bahnhof Pakosch der Güterzug 1965 geriffen; der abgerissene Theil lief auf Bahnhof Pakosch auf den vorderen Theil auf. 14 Wagen beschädigt. Personal nicht verletzt, Betrieb nicht gestört.— Ferner zeigt die Eisenbahn-Betriebsinspektion in Allenstein an: Am 26. Oktober nachmittags hat der von Köniasberg kommende Güterzug auf der Strecke zwischen Mehlsack Lichtenseld ein Zigeuner-Fuhrwerk übersahrcn, wobei das Fi..rk zertrümmert und eine Frau an, Kopfe und rechten Fuß leicht verletzt wurde. Mit seinem Dienstgewehr erschossen hat sich vor einigen Tagen der Unteroffizier B. der ersten Kompagnie des Grenadier- Regiments Nr. 4, welches in Allenstein(Westpreußen) in Garnison steht. Was ihn zu dem Selbstmord veranlaßt hat, ist nicht be- kannt, doch soll es sich um„dienstliche Angelegenheiten" handeln. Frankfurt a. M., 28. Oktober. Wie der„Franks. Ztg." aus Aachen telegraphirt wird, ist in der Papierfabrik zu Cosla? ein Kessel explodirt, wodurch zwei Arbeiter gelödtet und die Fabrik stark beschädigt wurden. Die Männer der besten Gesellschaft in Graz. Ein Telegramm aus diesem Orte meldet: Wegen eines schweren Ver- gehens gegen die S i t t l i ch k e i t ist der Besitzer eines hiesigen bedeutenden Damenkonfektionsgeschäfts verhaftet worden. Eine Anzahl junger Männer aus der besten G e s e l l s ch a s t soll in die Affäre verwickelt sein. Von der Ueberschwemmung in Bulgarien. Aus Sofia wird vom Montag berichtet: Seit heule ist die Eisenbahn- Verbindung Sofia-Philippopel wieder hergestellt; a» de» unpassir- baren Stellen wird der Berkehr durch Umsteigen vermittelt. Blätter» Meldungen zufolge ist der durch die Ueberschwemmungen verursachte Schaden größer, als die ersten darüber eingelaufenen Nachrichten angaben. In dem Dorfe Seldschikowo sind 159 Ge» bände zerstört. Die Dörfer Nonw-Selze und Ptoliqnenoivo sind fast gänzlich verschwunden. In Stanimaka wurden, von anderen Verlusten abgesehen. 69 999 Kubikmeter Holz weggeschwemmt. Die Vorstadt von Philippopel hat viele Beschädigungen erlitten. Briefkasten der Redaktion. Krankenkassen der Berliner Hausdieuer und der Bau- nnd gewerblichen Hilfsarbeiter. Berichte über Krankenkassen können wir nur in Ausnahmefälle» aufnehmen. Sch., Fricdeberg N./M. Mittheilungen über Streik«.:c. müssen von einer Organisation des betreffenden Gewerbes be- glaubigt sein, wenn sie berücksichtigt werden sollen. Für denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Tljeater. Dienstag, den 23. Oktober. Vpernhau». Der Evangelimann.— Phantasien im Bremer Ralhs- keller. Kchanfpielhan«. Niemand weiß es. Frauenlob. Deutsche» Theater. Robinson's Eiland. Kerlinrr Theater. Götz von Ber- lichingen. itesstug-Tneater. Der Dornenweg. Friedrich-Milhelmstädt. Theater Die Reise nach dem Mars. ztene« Theater. Der tapfere Car- dunois. Zchiller- Theater. Wilhelm Tell. zl-stbenz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst» Theater. Parade- bnmmler. Eentral-Theater. Eine tolle Nacht. Alcranderplah-Theat t. Die kleinen Lämmer. Vorher: Nummer 66. National- Theater. Götz von Ber- lichingen mit der eisernen Hand. Theater Unter den Linden. Der goldene Kamerad. Hierauf: Ballet- Divertissement. Ameriran- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Ueich»hall»»'Theat«r. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Bor- stellniig. Schiller-Theater. (Mt s I> n»>--DK«»tz» o.) Dienstag: Wilhelm TeU. tifciional-'I'dkater. Brost- LrankfnrterNraßr 133. Direktion: Max Same}. VoIkSTorstellnng zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn llsksr Kriigsr vom Hofibea>er in Braunschweig u. desHerrn st. Urtivit vom Stadt-Tdeater in Mainz Göjj voll BerWilgen mit der eisernen Hand. Trauerspiel in ö Akten von Wolfgang von Goethe. Regie: Max S a m st. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Gastspiel des Herrn Gustav K o b e r vom Lessingthealer: Nathan, der Weise. LeiitrsI-IIiestei'. Alte Jastobstr. 30. Sonnabend, de» 27. Oktober 18gö: Emil Thomas a. G. Novität! Zum 66. Male: Novität I Eine tolle Nacht. Große Ausstaltungsposse init Gesang nnd Tanz i» 5 Bildern von Villi. HannstäSt und JaHns Freund Musik von Jnlins Eluödsbofer. In Szene gesetzt». Dir Richard Schnitz Anfaiig 71/a Uhr. Morgen: Zum 57. Male: Eine tolle Nacht._ Alexanderplatz-Theater. Alexanderstrabe 49. Die Kleinen Kammer. Operelte in 2 Akten von Louis Varney. Vorher: Nummer<*6. Operette in 1 Akt von Offenbach. Anfang 8 Ubr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Friedrild Wilhelvistiidt. Thtoter 85/36 Chansserstraste 25/86. Vorletzte Woche des Gastspiel» der l-iliputsn»,». Jeden Abend 7�2 11 hr: Tie Reise Mi] hei» Mors. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Sceewiitchen. Sonntag Nachmittag:„Die Reise nach dein Mars." Adolph Ernst-Theater. Ziim 56. Male: WlMuillUlltt. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyde», Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang IVz Uhr. Kein Aufgeld.-WS Morgen: Dieselbe Vorstellung. ; r4?*&£'i-y' Apollo-Theater. Friedrichstr. 213. Direktion: ck. Glück. Uetzke o ch e des erfolgreiche» Oktober- Programms: The Tro'ubadours— Mlle. Karina— Bibb und Bobb— Mcpkup-Trio— Terei Kör— Mlle. Raymond— Abbas Mirza Truppe u. s. w. u. s. w. u. s. w. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Freitag, I. November: 14 dervorragellüe vedrils. Nur nicht Eückvärts sondern hübsch Vorwärts mit der Konkurrenz schreiten, deshalb nur Stchtivlltüe Nttlheittv bringen! Trotz der 2 Circusse ist: Kaufmann's Variola jeden Abend ausverkauft. Die Palme dieser Saison gebührt dem Dichter unter den Dichtern Henry Samson. Das Mannweib Mlle. Arniotis ferner das brillante Programm! I�ÜHuIl kommt!! 5S Walhalla-Theater. 52 Oranien-Straße 52. Moritzplatz. Allabendlich «ngehenre Heiterkeit beim Lach-Programm! Singspiel— Posse— Spezialitäten. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree 59 Pf. bis 2 M. Vorzug»- KiUette gratis. Passage- Panopticum. 48 Miiilcht« VOM andern Ende der Welt (Kam»«). Urania Anstalt fiir volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausetellungspark (Lehrter Bahubol). Geöffnet von 5—10 Uhr. TSglich Vorstellung im wissenschalt- lichen Theater. Näheres die Ansohlagsettel. Böhmisches Brauhaus Landsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Stkttliier Miger (Meysel, Pietro, Britton, Steldl. Krone, Röhl und Sohrader) Anfang 8 Uhr. Eutree 50 Pf. Vorverknns 40 Pf. bei Nenmann, Landsberger Platz. Neu I Neu! Regiments-Befehl. Militärische Humoreske. Donnerstag: Sanssenct. Kaiser-Panorama (Passage). Zum I. Haie: Reife der„August» Victoria" nach Malta, Smyrna, Kairo, Alexandria tc. 2. Zyklus: Schlösser König Ludwigk: Hohenschwangau, Neuschwanstein. Eine Reise nur 20 Pf. Abonn. 1 M. llastan's Panopticum. Friedrichstr. 165. ISalambo? Alcazai«. BIB I Variete- n. Spezialitäten-Theater. Dresdenerstr. 52/53, Annenstr. 42/43 (Eily-Passage). Täglich: Gr. Spezialitäten-Vorstellung. Mauerkopf. Posse von Heinierding in 1 Akt Ans. Wochent. 8, Sonntags 6 Uhr. Entree„ 19 Pf.,„ 39 Pf. > R. Winkler. MtN-VM Burgstraße Nr. 32. Englischer Garten Aiexanderstr. 27c. Besonderer Umstände halber ist ein Saal für 290 Personen zur Maskenball- zeit unentgeltlich zu vergeben. s3396L" Nur noch kurze Zeit. linktreten des gesanunten Eiinstlerpersonals. > Präzis« 3>/2 Uhr abends: Q Im Finge durch die Welt! Sensationeller Luftakt von Stephan und Ol i v i e r. Wilhelm Fröbel mit seinem Ulk-Repertoir. Alma Peronl, die Königin der Nacht, die 3 Ja- paner Rappe, die Mulattin Barbara, Schettler Tronpe, singende Lnltiee:c. je. Anfang: Wochentags 7>/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Ab 1. November: Neues Programm I roo Neuer Circus. ma Circus Busch (Bahnhof Börse). Dienstag, den 29. Oktober, abends 7|/2 Uhr: Moustre- MltUn (30 Nummern) die besten und wirkungsvollsten deZ Repertoirs. Diese Monstre-Vorstellnngen bilden eine Specielität des Circus Busch und bieten das Programm mehrerer gewöhnlichen SIbende. Besonders her- vorznheben: Ein equestr. Arrangement von 106 Pferden. B Von keiner Konkurrenz erreichbar, gs Der phänomenale Szandor- sprnng."VV Festlicher Aufzug des ges. Personals. Newsky Malorosiesky, Gr. Schulqnadrille. Sluftr. der hervorragendsten Reitkünstlerinnen und Reitkünsiler. Auftreten der Kloivns Mr. Veldeman», Gebr. Rossi, Gebr. Cavalliui u. d. Auguste Mr. Bnsby, Mr. Scheewers, Mr. Tutto. Etnlass 63/4 Uhr. Ende lO'/a ühr. Die Circuskasae ist geöffnet von 11—3 Uhr und von 5 Uhr bis zum Schluß. Vorverkauf bis 5 Uhr beim Jnvalibendauk, u. d. Linden 24. Mittwoch: Gr. Extra-Vorstellung. Partei-Uerlammlnng. Mittw«)cb, 30. Oktober, abends 8 Uhr, in Brochnow's Salon, Sebastianstr. 39: Versammlung der Parteigenossinnen und Genossen des III. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Tagesordnung von der letzten Versammlung. Diskussion. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 213,4 Der Vertrauensmann. Achtung! 6. Wahlkreis. Achtung! 3 große Versammlungen Dienstag, den 29. Oktober, abends 8 Uhr. „Swinemünder Gesellschaftshaus", SwinemUnder- straße 35. Referent: Stadtv. Hermann Borgmann. Günders Salon, Brunnenstr. 188. Referent: Stadtv. Ewald Vogtherr. 3. Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23. Referent: Stadtv. Arthur Stadthagen. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Stadtverwaltung wie ste ist und wie st« sei» sollte, in besonderer Derückstchtignug für die Arbeiter. 1. 2. Jedermann nothwendig. hal Zutritt, freie Diskussion. Zahlreiche Betheiligung ist Sozialdemokratischer Mahlverein fiir den 2. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. MW" Versammlung am Dienstag, de»» SS. Oktober R8Söi, abends 8�2 Uhr, im Lokale des Herr» Bohne, Hasenhaide 4». Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wurm über:„Die wirthschastliche Be- deutung der Börse". 2. Diskussion, ö. Ev. Fragen. 238,9 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein fiir den 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den S9. Oktober, abend« 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn Henke, Naunynstraße Nr.- 27 GenerAl-VerfLttnmlung. Tages-Ordnung: l. Bericht des Vorstandes, der Kassirer und der Nevisorcn. 2. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheilen. 4. Verschiedene?. 242/3' Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Die Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß das Protokoll des Breslauer Parteitages bei den Bezirks- führern gvnkis zur Ausgabe gelangt. Vevknnd nHev in der Mckllindiistrie lieMftigteit Arbtiter Kerlin»«nd Umgegend. Mittwoch, den 30. Oktober 1805, abend« 8'/« Uhr, im Saal« de» Kronprinzengarte», Frankfurter Chaustee 80: Lezirfs-VersMmlitng hes Lßeus lFriedrijsberg, Liljtenberg) Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen?. Uttin über:„Die wirthschaftlichen Um- wälznngen und die Entwickelung der Gewerkschaftsbewegung." 2. Diskussion st. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheiien und Verschiedenes. MS- NichtMitglieder als Gäste willkommen."WH 111/16 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht vor Torstand. Wung! Metalldrücker. Wung! Mittwoch, den SS. Oktober, abends 8�2 Uhr, in Co hu's Festsäle», Beuthstraße SS(großer Saal): Oeffentliche Versammlung der MelMriilker Derlins und Wgrg. Tages-Ordnung: 1. Unsere Dewegung«nd wa» gedenke« die Kollege« in den schlechtb«»ahltestrn Werkstätte« zu unternehmen? 2. Bericht des Ver- traueusmannes. 4. Verschiedenes. gy Die Kollegen der Firmen: Doldmann, Ziegler, H. A. JUrst, Weinbaum, Friedrich A Rust, Fritze, Silbermann, W. H. Hecht, Holy, M. Kray A Co, und Allg. Elektrizitäts- Gesellsohaft sind hiermit besonders eingeladen. 116/ü Der Dertranensman». Achtung! Lederorkelter. Achtung! Oeffentliche Versammlung aller in der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter(als: Weißgerber, Lohgerber, Färber und Berufsgen.) .« Mittwoch, de» 30. Oktober, abend« 8'/- Uhr, im Lokal« de» Ljerru Hensel, InnaUdenstraße Ur. 1a. Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen Otto Näther. 2. Situationsbericht über den Streik in der Steinlein'schen Lederfabrik.___ 167/12 Das Erscheinen Aller ist Ehrensache!"WQ Oer Vertrauensmann. Rohrleger und Gehilfen! Mittwoch, den 30. Oktober, abends 81/, Uhr, im Lokale des Herrn Bergner, Annenstrasse Mo, 16 1 Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Sind die Rohrleger und Gehilfen im stände, bei günstiger Geschäfts- konjunktur bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen? Referent Otto Mäther. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 11(5/6 Der Vertrauensmann. Kommllnallvähler-Versammlllng am Freitag, den 1. Noventber, abends 8 Uhr, bei Krieger. Mtafterthorftaaße Kr. 68. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadiverordnetenwahlen und ihre Bedeutung für das arbeitende Volk. 2, Diskussion. Referenten: Stadtv. Bruns und der Kandidat des Bezirks 270/12 Wilhelm Börner. Wir appelliren an die Frauen sowie an die Männer, die Versammlung recht rege zu besuchen. Oas Wahlkomite. Freie Volksbühne. Dienstag, 29. Oktober, abends S1� Uhr, in Louis Keller's Festsaal, Koppen- Straße Nr. 29: Ordentliche Genernl-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Rechenschasts- und Kassenbericht. 2. Antrag des Vorstandes aus Umwandlung der obligatorischen Beiträge in freiwillige. 3. Vortrag gehalten von Frau Dr. Zadek: Zwei Dichterinnen aus dem Volke(Ada Negri, Johanna Ambrosius. 229/6 Der Vorstand- (Nvks-MvmlltettkQfle für das VllOM-Gkmrlie zu Bcrlill. Sonntag, den 24. November, vorm. IS- llhr, im Lonisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstrahe 97: (Benev�l-DevfemmUunä. Tages-Ordnung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes(1 Slrbeitgeber, 3 Arbeitnehmer). 2. Wahl des Rechnungs-Ausschusses pro 1896. 3. Antrag des Vorstandes auf Abänderung der SZ 16 u 11. des Kassen- staluts(Erhöhung des Krankengeldes betr.) 4. Etwaige Anträge von Mitgliedern der General-Versammlung.(Die- selben werden den Vertretern ebenfalls gedruckt zugestellt.) 5. Verschiedenes. Dev Vorstand. 951b Gustav Günther, Vorsitzender. Paul Magnan, Reudaut. Große öffentliche Versammlung sammtlicher Seiileii-Hulliisclier und Garnirerinnen Berlins am Dienstag, den SS. Oktober, abends 8'/* Uhr, im Lokale des Herrn Feind, Wein-Straße Nr. II. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hoffmann über:„Glaube und Vernunft". 2. Stellungnahme zu der Frage:„Ist das Hütebügeln des Sonntags als zum Handelsbetrieb gehörige Beschäftigung zu betrachten?" 3. Verschiedenes. 83/2 Alle in der Seidenhut-Branche Beschäftigten, besonders aber die als Ladengesellen thätigen Kollegen, sind hierdurch höjlichst wie dringend eingeladen, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die Vinbcrufer. Fensterputzer— Glasputzer! Mittwoch, de» 30. Gltkober, abends S1/? Uhr, im Lokale des Herrn Bnske,(Yrenadierstraße Nr. 33: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent Adoit Hoffmann(früher in Zeih). 2. Dis- kussion. 8. Verschiedenes.. 18/13 gM- Bitte dringend, daß all« Fenster- uitd Glaspntzer in dieser Ver- sammlung erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Deetranrnswaiin der Allgem. Arbeiter«nd Arbeiterinnen. O. Schüler, H., Aoch-neisterstr. 6. Achtung! UllterWilgsverm aller in her Hut- u. Filzivaaren-Zuhußrie beslhastigteu Arbeiter nnh Arbeiterinnen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Vorstellung„Sin Volks» feind" am Sonntag, den 3. November nicht im Bellealliance-Theater, sondern im Ratio nal-Theater stattfindet. Beginn der Vecloosung IV» Uhr, der Vorstellung 2t/i Uhr. Billets sind noch bei O. Kempe, Wein- straße 12, zu haben. 86/3 National-Theater. Gr. Frankfurierstv. 132. Sonntag, den 3. November 18SZ, nachmittags S'/'a Uhr: Volksvorstellung unter Regie von«Julius Türk: Gin Volksfeind. gdT" Die für diele NerstrUnng bereit« gelöste» Karten haben nur fiir da« National Theater Giltigkeit."VQ 229/7 Beginn der Verloosung IV2 Uhr."MW Gegründet 1845. C�rcus Renz. Karlstrasse. Gegründet 1845. Dienstag, de« 89. Oktober, abend« 71/, Uhr: G v 0 iz e bvillnnte Vorstellung. Sensationeller Erfolg! 6 trakebner Rappbonggt«(Original-Dressur), vorgeführt vom Direktor Fr. Renz. Das Schulpferd Örloft geritten von Herrn Ritter von Renroik. Povero, 4jähr. Vollblut-Ziavpheiigst, in allen Gangarten der hohen Schule dressirt und geritten von dem aner- kannt besten Schulreiter der Welt Mr. dames Fillla. The rnarvellons Dekock-Trio. Forrnclo, anglo-arabischer Fuchshengst, in der hohen Schule geritten von Frau Robert Renz. Hierauf: Neu! 0er Oagueffe» sprung. Eine Leistung, wie solche noch niemals von einer Dame zur Ausführung gebracht wurde. Auftreten des renoinmirten Original- Clowns Mr. Gebert Belling, sowie des beliebten Original- August Mr. Lavater Lee. Alles Nähere aus Plakaten und Austragezetteln ersichtlich. Frana Renz, Direktor, König!. Koinmisfionsralh. Kekanntmachnng. Die ordentliche Geueralversamm- lung der Grt«-Kra»kenka|fe für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker findet am Mittwoch, den k. No- vember, abends 8�/, Uhr, in der Berliner Ressource, Komman» dantenstrahe 57, ftfitt. Tages-Ördnnng: 1. Neu- bezw. Ergänzungswahl von: a) 4 Vorstandsmitgliedern der Kassenmitglieder, b) 4 Vorstandsmitgliedern der Arbeitgeber. 2. Wahl der Kass enrevisoren zur Prüfung der Rechnung des Jahres 139S. 3. Beschlußfassung über einen vom Vor- stand abzuschließenden Vertrag über ärztliche Behandlung der Kassen- Mitglieder für das Jahr 1396. 4. Antrag des Delegirten L a d e w i g und Genossen auf Einsetzung einer Kommission behufs Revision des Statuts. Kk. Sollte die Tagesordnung nicht erledigt werden, so werden die Ver- Handlungen am Montag, den 11. November 1893, abends 8V2 Uhr, in demselben Lokale forlgesetzt. Berlin, den 23. Oktober 1895. 90/4 Ter Borstand. Vilm Noack's Konzert- nnd Gesellscliafts-Säle, Krunnenstr. 16. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag: Rlne Stunde Raiaer von Oesterreich I Histor. Lustspiel in I Akt v. Oppenheim. Noptan oder: Der Urrräther in Gip«. Komisches Singspiel in 1 Akt von R. Linderer. Musik von Thiele. Jeden Sonntag, Dienstag U.Donnerstag: Tanzkränzchen._ Albrecht's Ballsalon, Rlernelerstr. 67.[3349L* Empfehle meinen Saal, 500 Personen fassend, zu Festlichkeiten und Versamm- lungen. Sonnabende noch frei._ Schneider's Festsäle Selforter-Ktrahe 15. Empfehle meine Säle zu Festlichkeiten und Versammlungen. Habe noch einige Sonnabende u. Sonntage frei.(33791�* W. Fahr, Krnnnenstr. 118. ArbeitsiniWe ftiirt börkl für 9M. liefere feinsteHose Dbll, höll. n. MaaßKrausenstr. 14, 1. »jJJUÖ Hosenreste, jed. Rest eine Hose, gut. S loff, 5 M., Kraus enstr. 14, 1. Betten- Theihahinng. Uehlaff, Bettfedeern- Spezialgeschäft, Brückcnstraße 6(Jannowitzbrücke). �tlvkrl~eb-tQa—'!auftBnro*- Rosenthalerstr. 13. I Für 38 M. liefere ff. Winter» • Paletotn.MaaßKrausenst.14,1. Hprrpn- Stoffreste. 11 Vitt/ 11 Eleg. Neuheiten, zu Rosen, Anzügen, Paletots etc. Gelegenheitskäufe spottbillig Tuchlager Hoher Steinweg 4 bei Fngei. Stempel, Vereins-Abzeichen, ThUrschilder etc. H. Guttmann, Brunnenstr. 9, 354 IL* Weiche Herren hüte 1,25 Itt. Areife Herrenhüt« 1,25 Ut. verkaust das Fabrlkcomtoir, Müller Straf?« 12 v. 1 Tr. 32498 Betten, schöner Stand, 22 M., fof. zu verk. Reichenbergerstr. 6, v. I Tr. l. Strickwoll- Reste, Zephyr, Rockwolle zu Partiepreisen jetzt Holzmarktstr. 60, Hof links 1 Tr. Möbel umständehalber billig Lands- bergerstr. I6a, Hof 1 Tr. rechts. Ecke Barnimstraße. 1051b Nur kurze Zeit! Gardinen- il Reste! Heliebig an«>u suche». Uur prima Maare, ä U f«nb 60 Pf. bi« 1,00 M. ÄrJ. Adler, Spandanerftr. 30, vis-ä-yis dem Rathhause. Für dir hiefigen Leser liegt der heutigen zininmer nnfere« Platte« die gestrige Gewinnliste der preufz. Lotterie bei. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Brilaae zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 333. Dienstag, den 39. GKtoder 1893. 13. Jahrg. Versammlungen. In i»«r Zahlstelle II deS Zentralverbandes der Maurer De>..sd)la»ds referirte am 19. Okiober Kollege Franz E ch u l z über das Thema.Unsere heutige wirthschaslliche Lage". zum Schluß die Ermahnung an die Anwesenden richtend, that- kräftig für den Zeutralverband zu agitiren, da dieser die beste Organisation für die Maurer sei. Die Versammlung spendete de>i_ Ausiührungen des Redners reichen Beifall. In der Dis� kussio» wurde über die Arbeitsverhältnisse des Bahnbaues im Grunewald Klage geführt. Die Abrechnung über das 3. Quartal wurde wegen vorgerückter Zeit vertagt. Der Bevollmächtigte machte noch die Mitglieder daraus aufmerksam, daß jeder, der länger als 4 Wochen krank oder arbeitslos ist, dies sofort dem Hauptkafsirer zu melden hat, damit er während dieser Zeit von den Beiträgen entbunden wird. Zum Hilsskassirer für den Wedding wurde Kollege Gustav Worin, Dalldorferstraße 3, Ceitei fl. 1 Tr., ernannt. Er kassirt Sonnabend Abend von ö li- 10 Uhr bei Gleinert, Mülletstraße 7a. Die Arbeiter der chirurgischen Branche nahmen in il re Geueralversanimlung am 20. Oktober den Kassenbericht über das dritte Quartal entgegen. Genosse A. H o f s m a n n bot dann einen Vortrag über das Thema„Vernunft und Glaube", wofür er reiche» Beifall erntete. Die Versammlung nahm ein» stimmig einen Antrag an, wonach sich jedes Vereinsmitglied ver- rfbchlet, wöchentlich 25 Pf. auf die Listen zu zeichnen, die vom Vorstand zur Unterstützung der vom Streik bei Dewitt u. Herz noch ausständig gebliebenen Kollegen ausgegeben werden. In der Generalversammlung deS Fachvereins der S liinacher Berlins und der Um g e g e n d gab am 20. Okt. der Knssirer den Kassenbericht vom 3. Quartal. Die Einnahme betrug 229,25 M., die Ausgabe 140,10 M., mithin blieb ein Bestand von 89,15 M. Der Kassirer erhielt Decharge. Zu der Beniilligung von je 20 M. für die streikenden Steinbildhauer, Lobgerber und Vergolder gab die Versammlung nachträglich ihre Zustimmung. Kollege Behrens ist seinen Verbindlich keilen dem Verein gegenüber nachgekommen; infolge dessen ist diese Angelegenheit geregelt. An stelle des Kollegen Schindler wurde Kollege Neumann zum zweiten Schriflsührer gewählt. Dann beschloß man, daß die Mitglieder außer zu den General Versammlungen nicht mehr schriftlich eingeladen werden. Zu dem am 14. März nächsten Jahres in Leydecker's Festsälen, Sophienstr. 34, stattfindenden Maskenball wurde ein Komitee geu ählt. Weiter wurden aus dem Protokoll des Kasseler Jnnungstages einige interesianle Stellen zur Kenutniß gebracht, wonach die Herren Jnnungsmeisier zu glauben scheinen, in den Jnnungs-Krankenkassen den Stein der Weisen gefunden zu haben, uin die„rolhen Agitatoren" aus den Werkstellen zu verbanne Zum Schluß wurde mitgetheilt, daß sich jetzt der Arbeitsnw und die Herberge Elsasierstr. 9 befinden, und daß die Versammlungen von jetzt an jeden Sonntag nach bem Jfb. des Monats bei Werna«, Rosenthalerstr. 57, abgehalten we Graveure und Ziseleure. In der außerordentlichen Ver- smnmlung am 22. Oktober gab Kollege Peterson bekannt, daß das Vergnügungskomitee ei» Preisausschreiben für den besten Kops des Programms zum Herrenabend veranstaltet. Der Kops soll 20 cm breit sein und ist als Federzeichnung bis Dienstag. den 5. November, im Vereinslokal einzureichen. In der Dis- kusfion über den Punkt„Presse" wurde empfohlen, das Fach- organ fleißig zu lesen und es auch durch Mittheilungen jc. zu unterstützen, damit auch dieses Organ auf der Höhe der Zeit stehe. I» Beziehung auf die politische Presse wurde die Meinung ver- treten, daß jeder Kollege, der auf objektive Berichte über die Arbeiterbewegung u. s. w. reflektirt, sich möglichst schnell den„Vorwärts" anschaffen möge. Nachdem 35 Mitglieder aufgenommen worden waren, theilte Kollege Wunderlich(Wallstraße 76) mit, daß sich im Arbeitsnachweis 19 Gehilfen und 16 Meister gemeldet haben. Alle arbeitslosen Kollegen mögen bei Stellungslosigkeit sich un- verzüglick zum kostenlosen Arbeitsnachweis bemühen. Zum HerreiicMnd am 23. November bleibt bis 5. November für jedes Rila�kd ein Billet reservirt. Kupferschmiede Berlins nahmen in einer öffentlichen kersammlung, welche am 26. Oktober bei Feind, Weinstr. 11, ''abgehalten wurde, den Bericht über den Stand ihres Disposilions- fonbs entgegen. Die Einnahme betrug in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1695 einschließlich eines Bestandes von etwa 942 M insgesammt 1997,96 M., die Ausgabe in derselben Zeit 293,79 M., sodaß im Halbjahresschluß ein Bestand von 1099,77 M. verblieb. Dem Vertrauensinann Eisen wurde Decharge ertheilt. Zu Revisoren wählte man Wagner, Groth und Prange. Karbowixs berichtete dann über die Thätigkeit der Ge- werkschaftskommission, worauf L a d n e r das Resultat der»euer- dings wieder aufgenommenen Verbandlungen mit dem„Verein der Kupferschmiedereie» Deutschlands" n»d der Kupferschmiede- Innung in betreff des Lohntarifs mittheilte. Danach bat der Verein der Knpserschiniedcreien Deutschlands, Bezirksverein Brandenburg, sich auf einer außerordentlichen Generalversamm- lung durch Mehrheitsbeschluß dahin entschieden, die Forderungen der Gehilfenschast bis auf eine einzige zu bewilligen. Die fragliche Forderung betrifft den Minimallohn, den die Geselle» auf 40 Pf. pro Stund» beziehentlich 24 M. pro Woche bei zehn- stündiger Arbeitszeit für j e d e n Ausgelernt«» festgesetzt wünschen. Der Verein, der bei den früheren Verhandlungen sich für die erst aus der Lehre gekommenen Gesellen eine zweijährige Karenzzeit hnisichtlich der Zahlung des erwähnten Mindestsatzes aus- bedungen hatte, zeigte sich aber auch hier entgegenkommend, indem er jetzt mit einer Karenzzeit von einem Jahr zufrieden sein will. Allen denen, die über ein Jahr aus der Lehre sind, gesteht er den Minimallohn zu. Bewilligt sind außerdem ein 'Aufschlag von 25 pCt. für Ueberstunden, von 50 pCt. für Sonn- tagsarbeit und von 100 pCt. für Nachtarbeit. Für Stadt- Montagen ist der geforderte Zuschlag von 25 pCt. bereits früher anerlaniit worden, wie man sich mit dem Verein bei den frühere» Verhandlungen auch schon dahin verständigt hatte, daß bei Ar- beiten(Montagen) außerbalb Berlins zu dem Werkstatilohn nock 3 M. extra bezahlt werden, und zwar als Beköstigungsenlschädigung. Der Verein gesteht nun auch für d i e Sonntage eine Enifchädtgung von 3 M. zu, an denen bei Montagen außerhalb Berlins nicht gearbeitet wird. Die Akkordarbeit soll, wo sie eingeführt ist, be- stehen bleibe», doch soll der Mindestlohn auf alle Fälle verdient werden. Eine gemeinsame öffentliche Versammlung lehnte die Unter, lehniervercinigung mit der Begründung ab, daß sie sich davon, keinen positiven Erfolg verspreche. Anders wie der Verein der Kupferschmiedereien Deutschlands verhielt sich die Innung. Nachdem sie sich im Sommer aus Verhandlungen mit der Lohnkommission der Geselleuschast eingelassen und dieser auch gewisse Zugeständnisse gemacht halte, fand sie plötzlich heraus, daß die Unterhandlungen mit der fraglichen Kommission gegen ihre Statuten verstoße; sie lehnte deshalb jetzt jede weitere Unterhandlung mit dieser ab. Die für sie einzig in Frage kommende Vertretung der Gehilfe» sei.der Gefellenausschuß. Das Verhalten der Innung wurde als„zopfig" verurtbeilt und dann folgende Resolution an- und dem„Verein der Kupferschmiedereien Deutschlands" z u frieden." Durch einen dazu noch gefaßten besonderen schluß erklärte die Versammlung sich damit einverstanden, daß Ausgelerulen bis zum Ablauf des ersten Jahres nach der Beendigung der Lehrzeit ein geringerer Wochenlohn wie 24 Mark gezahlt werden kann. Den Bescheid der Innung erledigte die Vcrsammlnng durch den Beschluß,„daß sie vom Gesellenausschuß erwarte, er werde nun schleunigst die Unterhandlungen mit der Innung, den Lohntarif beireffend, die Hand nehmen und die Angelegenheit in einer beide Theile zufriedenstellenden Weise zum Abschluß bringen". Der Vor sitzende brachte dann zur Kcnntniß der Versammlung, daß die am 1. September beschlossene Sammlung für die wegen Meineides vernrtheilien Essener Genossen 100,60 Mark ergeben hat. Die Entlassung des Kollegen Aschmann durch die Firma Quiel, die Aschmann Unredlichkeit vorwarf, erklärte die Versammlung für eine Maßregelung; den Vorwurf hielt sie für n n gerechtfertigt und war der Meinung, daß sich Quiel nur des ihm unbequemen Vertreters der Arbeilerinteressen habe ent ledigen wollen. Seitens der Quiel'schen Kupferschmiede wurde die Versammlung hierauf befragt, wie sie sich zu den, von Quiel angekündigten Uebergang von der Lohn- zur Akkordarbeit zu stellen hätten. Es wurde den Fragestellern anheimgegeben, die Akkordarbeit vorerst an sich herantreten zu lassen und zu sehen. wie sie sich dabei stäiiden. Mit dem gegenwärtige» Staud deS Streiks in der Telephonfabrik von Weltes Maßte sich eine gut besuchte öffentliche Versammlung am Sonntag Vormiltag. N ä t h e r berichtete, daß die Situation für die Streikenden u n v e r ändert g ü n st i g ist. Von der Geschäslsleitung seien mehr fach Versuche gemacht worden, die alten Arbeiter zur Wieder- aufnähme der Arbeit zu bewegen, da sie mit den angenommeuen Kräfte» nicht auskommen könne. Einige Arbeiterinnen wären dem Rufe gefolgt, von dem männlichen Personal habe sich jedoch nieinand dazu bereit gefunden. Der Referent befürwortete die Aufrechterhallung des Streiks und die Entsendung einer Kommission zu Weltes u. Co., da die Firma neiieren Nachrichten zusolge ge- neigt sei, mit ihrem Personal in Unterhandlung zu treten. Iii der Diskussion bestätigten Gabriel und Schmidt, daß der Firnia enormer Schaden durch de» Streik zugefügt wird. Ein Meister habe seine Stellung bereits aufgegeben, weil sich mit den ungeübten neuen Arbeilskrästen keine brauchbare Arbeit erzielen läßt. Die Versammlung faßte«ine Resolution, wodurch der Vertrauensmann resp. die Lohnkommission ermächtigt wurde, mit der Firma am Montag oder Dienstag in Unterhandlung zu treten� Es wurde zur regen Unterstützung der Ausständigen enwärtig noch 50 n.äiiiiliche und 45 weibliche Personen— fordert. Die Steinsetzer und BerufSgenofsen beschäftiglen sich am 27. d. M. mit dem Beschlüsse der»ädttsche» Baudepuration bctr Asphallirung sämmtlicher mit defiiulivem Pflaster zu versehenden Straßen und erörterten die Frage, wie sich die Arbeiter des Steinsetzgewerbes hierzu stellen sollten. Referent Knoll ver- anschaulichte, daß durch diesen Beschluß die schon sehr beschränkte Arbeitsgelegenheit in Berlin noch mehr vermindert werde; um die Arbeitsgelegenheit zu vermehren, wäre am naheliegendsten die Verkürzung der Arbeitszeit. Eine solche durch einen Streik zu erzwingen sei ausgeschlossen bei dem Widerstand nicht nur der Unternehmer, fondern auch der Behörden. Die .Regiearbeit sei heute noch nicht spruchreif. Eine sehr einfache Lösung der Frage erblickte der Referent in der Herabsetzung der Arbeitsleislnng, in der sogenannte» Pensum arbeil, wie sie in Hamburg bei. ehe. Dadurch würde sich die Arbeitsgelegenheit ganz erheblich vermehren. Um dies zu ermög lichen, müsse allerdings ein gründlicher Umschwung in der Ge- sinnung des einzelnen eintrete». Man müsse nicht seine Ehre darin suchen, durch forcirte Arbeitsleistung sich beim Meister oder Polier beliebt zu machen, sondern Rücksicht auf seine Mit arbciler»ehmen. Tie Anforderungen der Meister an die Arbeits- leistung der Arbeiter ginge» heute schon ins maßlose. Wenn die Arbeiter sich nicht entschlösse», hiergegen Front zu machen, dann grüben sie sich selber ihr Grab. Die Ausführungen des Referenten sind zusaminengefaßt in folgender Resolution: Die ani 27. Oktober in Cohn's Fcstsälen tagende öffentliche Versomiitlung der Steinsetzer und Berussgenoffen Verlins und der Umgegend erblickt in der»vachsenden Verbreitung des Asphaltpflasiers die nothwendige Folge des Subiiussionswesens und der durch dasselbe hervorgerufenen Profilwulh des Unter- nehmerthums im Sleinsetz�ewerbe, besonders der Berliner Stein- sctzel-ijnnnngsnieisier, welcve, ohne durch auswärtige Koiikurrenz dazu gezivungen zu sein, die Preise für Pflasterardeuen von Jahr zu Jahr heruntergedrückt haben mit dein Vorsatz und der einzig vorhandene» Möglichkeit, die dadurch entstehenden Differenze» durch erhöhte Ausbeutung der Arbeuskräste auszugleichen. Aus diesem Grunde erklärt auch die Versammlung die heute nahezu allgcniein an die Arbeitsleistung der Arbciler des gestellten Anforderungen für geradezu un- Sleiusetzgewerbes menscktliche. Des weiteren an, nunmehr in Arbeitsgelegenheit durch Verkürzung Jahren geführten erkennt die Versammliing die Nothwendigkeit anderer Weise den enisteheude» Ausfall an aueziigleicben. In erster Linie könnle dies der Arbeitszeit geschehen. Da aber die seil diesbezüglicden Verhandlungen stets an der iiiangclhaflen lozialökononiische» Einsicht und der direkt ansge- sprochenen arbelterseindlicheit Gesinnung der maßgebende» Bertiner Steinsetzer- JunungSiueister gescheitert sind, ebenso ein Streik um Verkürzung der Arbeitszeit unter den obwalleitden Verhältnissen aussichtsloser als je zuvor ist. so verpflichten sich die An- wesenden, mit allen ihnen zu Gebole stehenden Mitteln für eine allgemeine Herabsetzung der jetzt üblichen Arbeitsleistung(Fest setzung einer beslimmten Höchstleistung) einzutreten. Um die lurchführung dieser lhalfächtich wirksame» Maßregel aber ivirksam anzubahneti, erkennt die Versammlung weiter die un- bedingte Nothwendigkeit deZ engsten Zusammenschlusses sämmtlicher im Sleiiifetzgewerbe thätigen Arbeiter, der gewerkschaft- lichen Organisation, und verpflichte» sich die anwesenden Nicht- organisirten. Mann für Mann dem Verbände der Steinsetzer und Berussgeiioffen beizulrelen." I» der Tiskussio» wurde darauf bestätigt, daß durcheine Herab- setzung der Arveiteleistung eine Steigerung der Pflasterpmse eintrete» würde. Demgegenüber wurde hervorgehoben, daß die Siraßenbau-Depularion im vorigen Jahre 300 000 M. erspart habe. Würden diese nicht gespart, so könnte bessere Aroeit ge- liefert werben. Durch die Pensumarbeit würde auch dem Snb- inisnonswese» ein Riegel vorgeschoben werden. Die Hebung der Klasseulage müsse sich jeder Steinsetzer angelegen seil, lassen. Gemißbilligt wurde auch, daß man so leichten Herzens eine ganze Arbeiterkategorie von der BUbfläche verschwinden lasse Wen» der Magistrat Sieuer» haben wolle, solle er auch für Arbeitsgelegenheit sorgen. Das gänzliche Still- schweigen der J»»ung den Maßnahme» der städtische» Ver- waltung gegenüber kennzeichne dieselbe zur genüge. Anderer- scits wurde betont, daß die Steinsetzer nicht berechtigt seien, gegen die Asphaltirung der Straßen zu prolestiren. Der Ein- Wickelung der Verdällnisse könne man nicht enlgegeiitrelen. Mit die Regelung Berlin allein 1 Knoll betonte in seinem Schlußworte, daß der Angelegenheit der Pensumarbeit nicht durch vorgenommen werde» könne, sondern durch die Kollegenschast Deutsch- tands angestrebt und vollzogen werden müsse und daß dies- bezügliche Schritte bereits eingeleitet worden seien. � Die von Knoll beantragte Resolution fand einstimmige An- nähme. Ebenso protestirte die Versammlung gegen den gefaßten Beschluß der städtischen Bauverwaltung bezüglich deS ASphalt- pflasters und wünschte, daß die Interessen der Steinsetzer als steuerzahlende Bürger mehr gewahrt werden. Die Versammlung wählte eine Kommission, welche in Angelegenheit des Protestes das weitere veranlassen und auch einen Arbeitstarif entsprechend der Resolution ausarbeiten soll. Der Bericht des Vertrauensmannes wird in nächster V«r« sammlung erstattet werden. Im Arbeiter- BildiinaSverein 1» Friedrichshagen sprach am 19. Oktober Genosse Waldeck Manasse unter regem Beifall über Kirchen und Kasernen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden den verstorbenen Genossen Otto Bock durch Erhebe» von den Sitzen, lieber einen Antrag, zwei Mitglieder wegen Betheiligung an der Sedanfeier in der nächsten Generalversammlung auszuschließen, wurde zur Tages- ordnung übergegangen. Durch Hineintragen persönlicher An« gelegenheiten erreichte die Versammlung ein frühes Ende. Im sozialdemokratischen Volks-Bildungsverein füe Britz und Umgegend, der am 20. Oktober in Jünger's Salon eine Waiiderversannnlung abhielt, sprach Genosse Wal deck Manasse aus Berlin unter lebhastem Beifall über den Kampf ums Dasein. Die nächste Mitgliederversammlung wird im Lokal bei Dorn abgehalten. Die Mitglieder werden ersucht, sich zahl« reich einzufinden. Tie Parteigenosse« von Johannisthal und Nieder» Tchönweide hielten am 20. Oktober eine öffentliche Partei. Versammlung bei Senstieben in Johannisthal ab, die sehr gu besucht war. Ziinächst gab der Vertrauensmann John folgen! den Kassenbericht: Eiiniahme 369,18 M., Ausgab» 337,53 M.(darnnter 150 M. a» den Parteivorftand abgeliefert)« Bestand 31,65 Pf. Die Parteispedition halte vom 1. Juli d. I. ab eine Einnahine von 286,90 M. und eine Ausgabe von 251,17 M., mithin einen Ueberschuß von 85,73 M. Die Partei- spedition rechnete mit 69 Exemplaren des„Vorwärts", 7 Expl. des„Volksblatt" und 3 Expl. des„Sozialdemokrat". Die übrige Einnahme wurde durch andere Schritten erzielt.� Den Bericht über die Lokalkommission gab Genosse Schäfer. Er hob hervor, daß die Arbeiterschaft am Orte viel zu»venig die Lokale berücksichtige, die von der Lokalkommissto» freigegeben sind. Das müsse anders werden, zumal auch hier der Amtsvorsteher v. Oppen die Wirthe, bei denen Arbeiter verkehren, mit der Polizeistunde heimsuche. Einen Antrag, die beiden Lokale Ladner-Johannisthal(Kurhaus) und Frickmann in Nieder-Schönweide zu sperren, hielt Genosse Li t sin für un» klug, da dem eine Kammergerichts-Entscheidung entgegenstehe. Der Antrag wurde aus diesem Grunde zurückgezogen. Eine heitere Episode hat sich nach der Erzählung Litsin's bei der Sedanfeier i» Johannisthal zugetragen. Man veranstaltete dort von feiten des Kriegervereins einen Kinderfackelzug; die dazu gehörigen Stocklaternen lieferte ein Fabrikant— vielleicht in der Meinung, daß auch gleichzeitig die Lassallefeier statifinde — je zur Hälfte mit den Bildnissen des Kaisers, Bismarck, Mollke und ebenso mit den Bildnissen von Marx und L a s s a l l e. Diesei, Jrrthum gewahrte man erst, als die Laternen bereits ausgegeben waren. Man konnte die betr. Kinder nun nicht gut ausschließen, sondern mußte sie zum größlen Aerger der Ordnu»gs»iän»er in diesem Patriotismen Zuge mit de» Bildnissen von Marx und Lassalle paradiren lassen. — Aus der Wahl des Vertrauensmannes ging Genosse John als solcher für Johaiiiiislhal, Nieder-Schönweide und Umgegend hervor. Revisoren sind B e r s i n s k i, Mann und Schäfer, während Rauch, John und V a u s e l o w die Lokalkommission dilden. Dan» berichtete an stelle Znbeil's Genosse Thomas aus Rixdorf über den Breslauer Parteitag. Er gab ein an- schauliches Bild der Verhandlungen und führte dabei aus, daß aus dem Parteitage eine geradezu unerklärliche Voreingenommen- heit gegen die Berliner Delegirten geherrscht habe; dagegen müsse«innial Front gemacht werden, umsomehr, da nieniand leugnen könne, daß die Berliner auch in finanzieller Hinsicht ihre Schuldigkeit nach besten Kräfteii thun. In Beziehung auf die Agrarfrage äußerte der Referent, daß diese schivierige Angelegenheit mit außerordentlichem Ernst und rein fachlich behandelt worden sei. Zu wünschen wäre im übrige», daß eine solche Vorlage, wie das Agrarprogramm nicht wiederkomme. Genosse Litstn bedauerte, daß der„Sozial« demokrat", der eine Uebersicht über die Bewegung gegebe», ein- gehen soll. Hinsichtlich der Agrarfrage sei ihm die Stellung Bebel'L unerklärlich, da dieser vorher mit aller Energie gegen jede Ver- flachung iniierhalb der Partei aufgetreten sei. Im übrigen war der Redner mit den Beschlüsse» des Parteitages einverstaiiden. Cr schloß mit der Mahnung, daß sich die Arbeiterschaft endlich ermanne» möchte, um mit Nachdruck etwas zu erreichen. Sogar Thier« schützten sich instinktiv gemeinsam vor Unbill und Ge- fahren, und die mit Vernunft begabten Menschen scheinen nicht im stände zu sei», sich gegen die Gefahren und Schäden zu schützen, die die heutige Gesellschaft in sich birgt. Die Versaml» lung ging mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie aus� einander. Steglftz-Friedennn. Die am 21. Oktober abgehaltene Ver- ämmlnng, die durch polizeiliches Eingreife» ein frühzeitiges Ende fand, erlebte ihre Fortsetzung am Sonntag im Lokale Gambrinus zu Steglitz. Der Vertrauensmann Diering gab den Jahresbericht. Für Steglitz sind vereinnahint 229,40 M., und verausgabt 217,85 M. Als Vertraueiismann für diesen Ort wurde dann gewählt S ch iv e r i ck e und für Friedenaii H>>> e. Die Lokalkoinuiiision wurde aus den Genoffen Brett» chneider, Diering, Haberlandt und M« i ß»<- r ziisaniniengesetzt; der letztere, wohnhaft Kielerstraße 3, ist der Odniaiin. Verschiedene Redner konstatirten, daß der Arbeiter» chnft in de» beiden in Frage kommenden Orten niehr Lokale zur Verfügung stehe» würden, wenn die Lokalkominissimi genügend unterstützl worden wäre. Bei der Diskussion über den Parteitag traten neue Momente nicht hervor; an der Debatte be- tbeiligtc» sich u. a. Schneider und Caspar, die in zwei Siesolurionen ihre abweichenden Ansichten niedergelegt hatten. Die Resolution Caspar's, worin bedauert war,„daß der in mancher Hiustchl sehr praktische Eutwurs zni» Agrarprogramm kurzcrbai-d abgelehnt ist", wurde nicht angenoniinen. Dagegen die des Genosse» Schneider, in der die Versanunlnng den Beschlüssen des Parteitages beipflichtet und hofft, daß durch weiteres reges Studium der'Aarnrfrage es möglich wird, späteren Parteitagen alle Parteigenossen befriedigende Vorschläge zu machen. Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Petition betreffend Beschästigiing von Arbeiislosen bei der Steglitzer Kanalisation von der Geiiieindeverwaltniig abschlägig beschieden ist. Er knüpfte hieran die Aufforderung, bei den nächsten Gemeinde- vertrcter-Wahlen die Antwort aus diesen Bescheid zu ertheilen. dann noch auf die regelniäßigcn Versammlnnge» der entgegentreten. demselben Reckte könnte jede andere Arbeiterkalcgorie, die von! Es wurde genouimen: Die Versnmmlnug erklärt sich' mit dem Reliilrat der dem Forlsckritte der Zeit geschädigt würde, herkoimne» und nolilifcheii Organisaiio», des A>beiler>Bildnngsver«iiis, hingewiesen. Verhandlung zwischen den Bertrelern der Kupserjchnuedegesellen s Protest erhebe».«die Dienstags im„Gumdrinns" stattfinden. Hiermit inachenwirall. Freunden uuö Bekaimlen die traurige Nach- richt, daß unser Vater 1043b Johann Schiitt, Putzer, am Sonnabend, den 26. d. M.. nach schweren Leiden um 81/2 Uhr verstorben iß. Die Beerdigung findet Mitt- ivoch, den 30. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhause Scharn- Horststraße aus, nach der Prinzen- Allee statt. Um zahlreiches Erscheinen bitte» VUdsIw Scbtttt. Harle Probat geb. Sohtttt. I Letbllsjj aller in i>er Metall- inkstrie besPstiflien Arbeiter Orrlin» und Umgegend. T odes-Anze ine. Am Sonnabend, den 26. Oktober, verstarb nach längerer Krankheit unser Mitglied, der Metallschleifer Stephan Tampe. Ehre seinem Andenren? Die Beerdigung erfolgt heute, Diens- tag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes zu Wilhelmsberg aus. UI/is Um zahreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. (1000) Aslracltaii(Damen)! 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Heule, Dienstag, nachmittags 2VsUhr, findet vom Krankenhaus Friedrichshain aus die Beerdigung des Kollegen Julius Xrüger statt. Um recht große Theilnahme bitlet 146/2 Der Vorstand deS Verbandes. Allen Freunden und Bekannten, ins- besondere dem Verein der Freien Ver- einigung der Bau-A»schläger Berlins, welche meinem lieben unvergeßlichen Mann, Sohn und Bruder die letzte Ehre eriviesen, meinen herzlichste» Dank. Ida Horgeuroth, geb. Weiuhold, 1036b und Verwandte. Krauzhinderei und Blumenhandlung Robert Meyer� Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. Widmungs»Kränze, Äuirlanden, Ball- sträußche», Bouquets u. s. w. werden sehr geschmackvoll und Preiswerth geliefert. Der Klempner Fritz Mündt wird aufgefordert, seinen Verpflichtungen dem Gesangverein„Freier Mannerchorti W." gegenüber nachzukommen. 1042b Kilnsti. Zähne 2 M. Vollkommen schmerzl. Zahnz. u. Kervtödten 1 M. Plomb.1,50. ßep. sof. Theilzahlg. Zahnarzt Wolf, l eipzigerstr. 22. 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Farbigmacher verl. Dresdenerstr. 97. Arbeiter auf Znnella-Chemisetts verl. Metzerstr. 41, 3 Tr. 1047b Ein Mädchen zum Belegen verlangt E. Jvers, Skalitzerstr. 28. 1043b Kartonarbeiterin in u. außerm Hanse verlangt Hätz, Muskauerstr. 29.(17 2 Eiilleisterv.Filzschuhfabr.Barnimstr.22. Mövel MÄgezzin Berlin NW., Bremerstrasse 67. Otto& SSotawa, 2. Geschäft: Gotzkowskystr. 3. [8246S*] naa OTffniamMMflg.wtia�� SQvg Mogozin und Beerdigungs-üomioir. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuuert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin.