Abendausgabe Ar. 568 B 291 44. Jahrgang ?LScheMnch 7V PsenaiA.«onaMch 3.-- Reichsmcu�, im voraus zahLbar. Unter Streifbond im In- und Ans» land SLO Reichsmart pro Monat. -K- Der„Vorwärts* mit der illuftrie» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit* sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen"..Aus der Filmwelt", .Stadtbeilage".Frauenstimme*, �.5»er Kndecfreund".Jugend-Do» worts".„Blick in die Bücherwelt* Kulturarbeit" und.Technik* erscheint wachentäglich zweimal. Sonntogo und Montags einmal. Berliner vol�Sblatt Dienstag 13. Dezember 1927 10 Pfennig tAe c t m p a 1 1 1 g c Ronpareillezett» 80 Pfennig. Retlamezet!« K.— Reich». mark.Kleine Atr.eige«" das fettge- druckte Wort 82 Pfennig lguläfsig zwei fettgedruckte Worte), ledes wettere Wort 12 Pfcnmg Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, zedes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte Ardeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Famtlienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahm» im Hauptgeschäft Linden- straße Z. wochentägl. von 8'/, bls 17 Uhr Jentralorgan der Gozialdemotratifchen Wavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoss 293—297 Telegramm-Adr.: Sozialdcmokrci, Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Ponlcheckkonio: Berlin 87 536- Bankkonto: Bank der Arbnter Angestevieu und Beamten Walllir. 65 Tiskonto�Selelllchalt Depositenkalle Lindenstr S Zwischenfall im Arensdorfer Prozeß. Der Junker von Alvensleben weigert sich, den Saal zu verlassen.- Das Gericht duldet ihn. Die Verteidigung bringt ihn hinaus. F. Kl. Frankfurt a. d. 13. Dezember. Da fitzt im Zuhörcrroum des Frankfurter Schwurgerichts noch immer der Junker Udo von Alvensleben, Ve- berrfcher des Stahchelms und— durch seine wirtschaftliche Vormachtstellung— auch der Arbeiter und der kleinen Leute in Arensdorf. Er ist der Mann, der die faschistisch- reaktionäre Stimmung unter den Landleuten seines Bezirks mit allen Mitteln der Beeinflussung zu vertiefen weiß. Au Beginn der Verhandlung liegt der Antrag vor, diesen Junker alsZeugenzuvernehmen-.das Gericht Hellt den Amraq immer wieder zurück. Heute wird er wiederholt und das Gericht aufgefordert, dem Junker wenigstens durch bösliches Ersuchen nahezulegen, denSaalzuverlassen. Das Gericht rafft sich endlich zu einer so harten Bitte auf. Aber der Junker erklärt kaltschnäuzig:„Einer solchen Bitte f ü g e i ch mich nicht, da sie darauf hinausläuft, mich aus der Sache auszuschalten.� Er bleibt also im Saal. und gibt damit deutlich zu erkennen, daß er die Aussogen der Arensdorfer Zeugen, die heute in großer Zahl aufmarschieren, vom Zuhörcrroum aus persönlich kontrollieren will. Die Bitte des Gerichts ist für ihn Hekuba— er besteht »uf dem Recht der Eintrittskarte. Und das Schwurgericht schweigt vor dem selbstgefälligen Dünkel eines adligen Groß- grundbefitzers. � Nach- einer Weile ober verläßt der junge Mann doch den Saal. Man fragt, ab bessere Einsicht seinen Sinn geändert habe. Indessen kommt bald die Mitteilung, daß dieser Herr v. Alvensleben durch die Vertreter der Nebenkläger direkt a. l s Z e u g c g e l a d e n sei. Die Ladung ist ihm vorschrifts- mäßig im Zuhörerroum zugestellt worden, er muß also— obgleich der völkische Anwalt Paul Bloch sich wundert— draußen warten. Inzwischen beginnt der Vernehmung der dörflichen Zeugen aus Arensdorf. Die Landwirtstochter Weinberg hak den Anfang des Konflikts an dem Unglücksabend von ihrem Jenstor aus beobachtet. Sie sah, daß der fünfzehn- jährige Wilhelm H o f f m a n n. der eine Werwols- mutze trug mit seinem Spazierstock auf den Reichsbanner- mann zuging, den Stock erhob und rief:„Bist du noch r i ch t raus?" Sie sah weiter, wie der Werwols- kn a n n Z e m k e mit der Hakcnkreuzbinde Hosfmann den Stock abnahm und von hinten aus den Reichsbannerradfahrer losschlug und wie Hofsmann und Zemke gemeinsam auf den Radler schlugen. Für die Stimmung im Orte an dem kritischen Tage ist hie Aussage des Reichsbannernntgliedes, Verwallungsinspck- tors Münster aus Berlin kennzeichnend. Münster hatte die Fahrt nach Frankfurt allein in Reichsbannertracht mit Wimpel am Rads, gemacht. Er hatte nirgends eine unfreund- liche Begegnung, aber in Arensdorf, das er etwa eine halbe Stunde vor dem Erknerauto passierte, wurde ervoneinem älteren Mann bedroht, der gleichzeitig junge Leute aufforderte, ihnoomRadezu holen. Schließlich hatte dieser Mann, der leider nicht festgestellt ist. auch noch einen Stein erhoben, um ihn auf Münster zu werfen. Die Verhandlung schleppt sich, da jede Einzelheit zehnfach wiederholt wird, nur langsam hin. Sie wird sich heute bis in die Abendstunden ausdehnen. fs R?. Frankfurt a. d. 0., 13. Dezember. Das Interesse an dem Arcnsdorser Prozch hält unvermindert an. In den Gängen drängten sich heute die Zeugen aus A r e n s d o r s. 2ö an der Zahl, darunter die beiden Werwo'flcute Zemke und Hosfmann. Da sich di-' Notwendigkeit von Gegenüberstellungen bei den zu erwartenden Widersprüchen zwischen den Bekundungen der Dorfbewohner und der Reichsoannermitglieder ergeben wird, sind auch die gestern vernommenen Reichsbannerleute für heute wieder bestellt worden. Vor Eintritt in die Verhandlung bat R.-A. Bloch, dem Führer der Acichsbonnerkamerodschait, Schmidt, noch einmal Gelegen« heit zu geben, einen Töil seiner gestrigen Aussage zu berichtigen, nämlich die Behauptung, daß er vom Auto aus stehend über die STuroe de r Dorf st rohe sehen konnte, wie der Radfahrer Klcmowlcz überfallen worden sei. Nach den an Ort und Stelle gc- trosscnen Feststellungen sei eine derartige Beobachiung unmöglich. Alvensleben provoziert.- Oer Vorsitzende kapituliert. Im Anschluß daran kam es zu einem unerwarteten Zwischenfall. R.-A. Dr. Zuliueberaer bat das Gericht, über dco gestern gestellten Antrag auf Vernehmung des cherrn v. Alvensleben möglichst sofort zu entscheiden, für den Fall der Zurückstellung dieses Mmrages ihn jedoch zu oeranlasien. denZuhörerraumzuoer- tafsen damit er nicht als eventueller späterer Zeuge der ganzen Verhandlung beiwohne. Narti kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende, daß das Gericht sich einen Beschluß über die Vernehmung des Herrn v. Alvens- leben vorbehalte, daß es ihn aber bitte, den Zuhörerraum zu verlassen, um etwaige Schwierigketten zu vermeiden. Vors.: Ist Herr v. Alvensleben da? V Alvcn-lcbeu(im Zuhörerraum aufstehend): Jawohl. Vors.: Also, Herr v. Zlloensleben, feien Sie gut. ja? V. Alvensleben(scharf): Soll das eilte Verweisung aus dem Saal sein, oder handelt es sich um eine Bitte des Gerichts? Vors.: Ich habe ja schon einmal gesagt, das Schwurgericht bittet Sie, den Saal zu verlassen. V. Alvensleben: So.dannbleibeichhier!(Bewegung.) Vors.: Aber Herr v. Alvensleben, warum wallen Sie denn nun einen„Fall* schaffen? Dr. Z uliusb erger: Herr Borsitzender, diesen Fall werden wir sehr schnell aus der Welt schaffen R.-A. Falkeuseld: Wir werden Herrn v. Alvensleben binnen einer halben Stunde unmittelbar hier im Gerichtssaal als Zeugen laden. Vors.(noch einmal begütigend zu Herrn v. Zlloensleben): E s hat doch keinen Zweck. Herr v. Alvensleben. Gutsbesitzer v. Alvensleben antwortet nicht und b l e i d t r u h i g aus seinen, Platz sitzen. Oie Beweisaufnahme. Nach diesen, Zwischenfall wurde in der Beweisaufnahme fortgefahren.' Zunächst wurde ein weiterer der damals verletzten Reichsbonnerleute namens Thiele, der die Bekundungen feiner Kameraden bestätigte und auch den Ruf:„Schieß doch!* gehört haben will, als siebenter Nebenkläger zugelassen. Rcichsbonnerinoin, Mnsier. der kurz var dem Zusammenstoß allein mit feinem Räd durch?lrcnsdorf gekommen war, bekundete, daß ein junger Mann mit der Hillcrmütze bei feinem Anblick zwei anderen zugerufen habe:„Holt doch den runter!" Als cr ihn zur Rede stellte, habe jener ei» Stück Holz oder einen Stein aufgehoben und gerufen:„Komm doch her, wenn du willst, du Lausejunge!" Da er sich aber schon aus einem Grundstück befand, näherte sich der Reichsbannern, am, nicht, sondern fuhr weiter, ohne daß es zu Tätlichkeiten kam. Aus verschiedene Vorbehalte erklärte dann der Angeklagte August Schmelzer noch einmal, daß er die ersten Schüsse in die Luit abge- feuert habe, und daß cr nicht mehr als vier Patronen hatte. Dagegen bekundete er heute im Gegensatz zu gestern, daß beichrAbseuern der Schrolschüsse niemand von den Arenedorsern vor ihm gewesen sei. Wabrend der Bernchmung der folgenden Zeugin, der Landwirts- tochtcr Weinberg aus Arcnsdorf, ging unter allgemeiner Spannung der diensttuende Justizwachtmeister in den Zuhörerraum und über- reichte dem dort mit seine» Freunden sitzenden Gutsbcsiizer Udo v. A l v e n s l e b e» die von den Vertretern der Nebenkläger bean- tragte Zcugcnladung. v. Alvensleben nahm das tochriflslütk au, prüfte es sorgfältig und verlies dann langsam den Saal. Iustizrot Folkenseld machte darauf dein Gericht van der Ladung und der Entfernung v. Alvenslebcns offiziell Mitteilung. Rechtsanwalt Bloch: Herr Iustizrot Falkcnfcld hat also durch diesen Schritt mit Gewalt errelcht(k), was das Gericht In die Form einer Bitte gekleidet hafte. Dazu sind doch schließlich Rechtsmaß- nahmen nicht da.(I) Vorsitzender: Jedenfalls ist Herr v. Alvensleben jetzt als Zeuge geladen und kann natürlich nickst mehr in, Zuhörerraum sein. Fräulein Weinberg schilderte dann das Renkontre zwischen Hofs- nKmn und Zemke einerseits und dem Rcichsbanncrradfahrer Kle- nwwicz andererseits. das damll begonnen habe, daß Hoffmanv dem Rcichsbannermann zugerufen habe:„Bist du hier noch nicht raus!" und daß dieser onkwotlele: Was willst du denn, du Sröle. du Aas! Dann schlug ihn Hofsmann mtk dem Stock nieder. Alle drei prügelten sich, wobei das Rad beschädigt wurde, so daß die zu Hilfe eilenden Reichsbannerleute das Rad von Zemke als Pfand mitnehmen wollten. Willi Hoffmann sagt aus. Dann wurde der läjähriae Landarbeiter Willi Hofs mann selbst vernommen, ein kleines Kcrlchcn, der das Wcrwolf-Abzcichcn trögt. Der Oberstaatsanwalt machte sofort darauf aufmerksam, daß gegen diesen Zeugen»ich gegen Zemke am letzten Freitag die Anklage wegen gemeinschaftlicher K ö r p e r v e r l c tz u n o. be- gongen an dem Reichsbai», ermann Klemvwicz, erhoben worden sei und das Verfahren vor dem Schöffengericht Fürstenwalde schwebe. Rechtsanwalt Dr. Bloch: Ist auch gegen die Rcichsbannermft' glieder Anklage erhoben, die mft Tromnielftvckci, geschlagen hoben? Oberstaatxawvall: Nein, rair gegen diese bei bei» Hossmann wurde darauf aufmerksam gemacht, daß cr die Aus- sage verweigern dürsc und blieb auch unvereidigt. Nach seine? Darslelliing fing die Sache damit an, daß vom Rcichsbanneronto dem Kleinowicz zugerufen wurde:„Sich dir den Mann mit der Wer- wolfmütze inal genauer an." Darauf soll der Radfahrer angehalten und ihn oufgciardert haben:„Mach, daß du mit dieser Mütze van der Straße kommst!*, woraus er antwortete:„Ich habe dasselbe Recht, aus der Straße zu sein, wie dul" Daun sei Zemke dazugekommen, habe Ihm. hosfmann, den Slock, weggenommen und auf Slemowicz eingeschlagen. Er selbst Hobe den Stock überhaupt nicht gebraucht und sich auch nicht an der Prügelei zwischen den beiden beteiligt, sondern nur, als die Reichsbannerleute kamen, feinen Stock wiederzuholen versucht und schließlich die Flucht ergriffen, während Zemke zu Baden ge- warfen?»ist dem Stock geschlagen und mit Füßen getreten worden sei. 5 bis 10 Rcichsbounerlcutc hätten ihn verfolgt und einer, der etwas in der Hand gehalten habe, da- wie ein Revolver aussah, habe ihm nachgerufen:„Diesmal bist du uns»och entwischt!" Als ihni der Vorsitzende einen der abgebrochenen Trommel- stocke der Reichsbannerleute vorhielt, gab Hoffmann zu, daß dies möglicherweise der Gegenstand gewesen sei, den er in der Hand seiner Verfolger gesehen habe. Die betressende» Reichsbannerleute bestritten auf die Frage des Vorsitzenden energisch, überhaupt Ra- volver zu besitzen oder damals bei sich gejührt zu haben. Die Vernehmung dauert an. Heute Gchlichtungsverhandlungen Vor der Entscheidung im Eisenkonflikt. Heuste morge« 1(1 Utzr ist die Tchlichtcrkammer für den Kvnflikt in der Eisenindustrie ick Düsseldorf wieder zusammengetreten. Tie Verhandlungen gestalte« ficl» sehr schwierig, da die Unternehmer keine Konzesssoncn machen wollen. Keine Lohnerhöhung. Die Antwort des Unternehmertums. Die Arbeiterschaft muß die Kosten tragen — das ist der gemeinsame Inhalt der Kommenlare der Unternehmerprcsse zur Antwort des Reichsarbeits- Ministers an die Eiscnindustriellen. Wird die Dreischichten- Verordnung prinzipiell ausrechterhalten. so gibt's keine Lohn- erhöhungen. Einem Schiedsspruch mit Lohnerhöhungen wird sich die Industrie nicht fügen— die erpresserische Drohung mit der Stillegung der Betriebe besteht fort. Das Blatt des Interessenten Hugenberg, der Berliner.Lokal-Anzeiger* schreibt kurz und brutal: „Wenn die Regierung in der Arheitszcitfroge keinerlei Konzession an die Arbeitgeber machen will oder machen konnte. sondern rücksichtslos die Durchführung der sozialen Schutzbestimmung«,, in der A r b c i t s zc i t o e r- l ü r z u n g verlangt, fo muß sie sich darüber klar fein und ist es auch nach ihrer eigenen Aeußerung, daß sie damit bis an die Grenze des Möglichen, wenn nicht schon darüber hinausgegangen ist. Die Durchführung des Arbeitzeltgefetzes stellt an kne Finanzen und die technischen Kräfte der Industrie so weitgehende Ansprüche, daß jede gleichzeitig eintretende weiter- gehe, che Belastung zur Katastrophe führen muß. Nachdem die Arbeiterschaft diesen Erfolg errungen hat. wird von gleichzeitigen Lohnerhöhungen nicht die Rede sein können.* „Wird von gleichzeitigen Lohnerhöhungen nicht die Rede sein könnenl" Das ist der Ton, in dem die Scharfmacher mit den Arbeitern reden. Ob die Arbeiterforderungcn berechtigt sind oder nicht, ob sie aus Not gestellt sind oder nicht— mit einer Handbewegung werden sie beiseite geschoben. Die Herren der Eisenindustrie sind auf Widerstand gestoßen, ihre Wünsche gehen nicht restlos in Erfüllung, also müssen die Arbeiter es büßen. Sic sind gut genug, daß die Scharfmacher ihren Zorn on ihnen austoben. Auf Arbeiterforderungen w i r d g e p f i f f e n— so erklärt das Blatt des Herrn Huaen» berg. Ein solches Blatt hat noch Massenauflage in Berlin! Krau Rasputin in Amerika. Ein verzauberter Gouverneur- Militär gegen Parlament. Oklahoma Cily. it. Dezember. vcmasfuetc Mitglieder der Staatsmiliz verspcrrlea im Aus. «rage de? Gouverueur? Zohufon einer Mehrheit von Mitglieder« des Unterhauses des Staates Oklahoma de« Zutritt zum Deratungs- saal im Kapital. Sie wollte« dort über Anschuldigungen beraten, die gegen de« Gouverneur wegen angcblicher Anreget- Mäßigkeiten in seiner Umtssuhrnng erhoben werden. Dir Mitglieder hielten schließlich Ihre Sitzung in einem Hotel ab. wo morgen weitere Sitzung?« siattfinden«erden. Diese eigenartige Situation ergibt sich daraus, daß die volksoertretung angeblich eigen- m y ch l i g ohne Einbernsuug durch den Gouverneur eine Session obdolien will. Der Goaoeracnr enoirkte vom Distriktsgericht eine eiustweilige Verfügung, um festzustellen, ob die Volksvertretung ermächtigt ist. ohne Einbernsiing durch den Gouverneur zusammenzutreten. 3n seiner Eingabe an das Gericht behauptete der Gouverneur, der Zementtrust stehe hinter der Anklagebewegung gegen ihn. Der Oberste Staalegerichlshof entschied in der letzten Woche, daß die Valtzsvertretung nicht berechtigt sei, eigenmächtig zu- sammenzuLreten. Die Führer der Volksvertretung erklärten wiederholt. sie würden die Gerichte ignorieren. In einer Proklamation, in der der Gouverneur den Generaladjotaaten der Staatsmiliz an- mies, jede Zusammenkunft der Volksvertretung zu verhindern, er- klärte der Gouverneur, die Mitglieder des Unterhauses schasslcn durch, Ihr gesetzwidriges vorgehen eine Art von Ausstand. Gebete für Gouverneurs Seelenheil. IZn einer Proklamation spricht der Gouvenwur van Oklahoma von einer Abgeordnete nrevolte, die unterdrückt werden müsse. Einer Gerichtsentscheidung werde er stch fügen. Vis zu dieser würde aber der Zustand so bleiben, wie er heute sei. Wenn w mit seine» Ptoßnabmen noch sechs Stunden gernnrM hatte, wäre er selbst aus seinem Bureau geflogen. Der Oberste Gerickstshof erkannte die Haltung des Gouverneurs van Oklahoma cm. Zu bemerken Ist aber, daß der Gerichtshof aus Partei- on gehörigen des Gouverneurs zusammengesetzt ist Dos Abgeordnetenhaus dagegen beabstchiigt, gegen den Gouver- neue ein Verfahren auf Amtsenthebung elnzulciten. Dieses Vor- fahren steht dem Senat des Staates Oklahomq zu, jedoch weiß dieser nichr, wo er, unbeläftigt vom Militär, über dieses Verfahren beraten soll. Dem Gouverneur wird von seinen Gegnern völlige kl n f ä h i g k« i t im Amte vorgeworfen. Unter seinen nächsten Beamten befände sich ein Detektiv für Banküberfälle, der selbst ro e g e u Bai, kroubes in Texas gesucht werde. Außer- dem befände sich in der nächsten Umgebung des Gouverneurs eine Sekretärin, die wegen ihres übersinnlichen Einflusies auf ihren ffhef Frau Rh f pv t i n genonnt wird. Diese sei überhaupt die . Herrin des Staates Oklahoma. Sie diktiere dem Gouverneur die Briefe in die Feder, sie beherrsche mit größter Strenge sein Vor- zimmer. Mit Vorliebe habe sie stets die Abgeordneten draußen lange warten lassen. Die Lehre, der sich der Gouverneur und seine Sekretärin hingeben, soll der absonderlichsten Zauberei gleich sein. Beide bestreiten dies ober olles. Fest steht ober, daß die Sekretärin aus dem Ku�Klux-Llon ousgeftohen worden ist, und daß dig Ebriststche Frsuenunton noch nor einer Woche f st r dos Seelenheil des Gouverneurs Gebete angeordnet hätte. Der Swcu OUahoma ist qiner der jüngsten Sioalen der Lei- einigten Staate» nsn Amerika. Erst IKÜst wurde er zum„Terri- Uiriurn" gemocht, erst 1906 zusammen mit dem bisherigen Indianer- territnrium als �Staat"' in die Uniyn aufgenommen. Er liegt im mittleren Süden, jenseits des Mississippi, umgehen von den Süd- staaten Louisiana, Arkansas, Kansas iin£> Reumexiko l im Süden stößt er on Msriko. Er hat reiche P e t r o l c u m q u« l l c n und Kohlen lager, Mais. Weizen, Baumwolle werden angebaut. Sein Umfang ist so groß wie Oesterreich, Schweiz, Belgien und Nieder- lande zusammen. Er hat aber nur zwei Millionen Ein- wohner, davon löst OVO Neger und 50 000 Indianer. Besoldungsdebatte im Reichstag. Bürge/blockregierung und Reichsarbeiterlöhne. Auf der Tagesordnung der heutigen Rcichstogssttzung, die be- ocits um 11 Uhr vormittags beginnt, steht als einziger Punkt die 2. Beratung des Besoldungsgesetzes. Präsident Lobe, der die Sitzung cräfsnct, teilt mit, daß nach den Beschlüssen des Aeltestenausschuifes die Beratung in zwei Sitzungen durchgeführt werden soll, für morgen ist also eine sehr lange Sitzung zu erwarten. Bis zum 14. Dezember müßten die Beschlüsse vorliegen, wenn die Aus, Zahlungen noch rechtzeitig zu Weihnachten erfolgen sollen. Als Redezeit sind für jede Fraktion insgesamt 2 Stunden vorgesehen. Den Bericht über die Bcrhandlungen im Ausschutz geben die Abgg. Dr. Ouaotz sDnat.j und Steinlops(Soz.) Es standen sich im Ausschutz zwei Anschauungen gegenüber, so berichtet insbesondere Abg. Sleinkopf. die eine wollte der neuen Besoldungsordnung grundsätzlich das bestehende Besoldungssystem von 1920 zugrunde legen, die andere Ansicht schloß sich der Kritik der in der Vorlage erörterten Mängel des Befoldungrinstems von 1920 an und trat für die Regierungsvorlage ein. Die A u s z a h- lungen der neuen Be.züge werden sich zunächst in dem Rahmen der Beschlüsse holte», durch die vorläufig noch nicht allen Beamten die ihnen zustehenden Zuwendungen zufließen. Do» Besoldungsgesetz mußte rechtzeitig verabschiedet werden, die Ansprüche der noch fehlenden Beamten fallen im Nachtragselat berücksichtigt werden. Von der W i e d e r e i n z l e h u n g überzahl- t e r Borschüsse sieht die Regierung ob, das gilt auch sür die Kriegsopfer, die Kriegshinterbliebenen und die Kriegswaissn. Die örtlichen Z o n d« r z u s ch l ä g e, die in der Inilationszeit ans jetzt nicht mehr vorliegenden Gründen gewährt wurden, sollen in einer besonderen Vorlage abgebaut werden. Der Rcichssinanz- minister geht von dem Gcsichtcpunkt aus, daß ein Teil dieser Zu- schläge durch die jetzige Bcfoldungserhöhung abgegolten sei. ei» weiterer Teil solle durch Abstandssummen abgelöst werden und mir ei» Reftteil, besonders im besetzten Gebiet, solle noch be- stehen bleiben. Eine Erhöhung der Mimster!al.zulogen ist einstim- mig abgelehnt worden. Zu der etwaigen Erhöhung der Tarislöhnc der Reichsarbeiter ließ die Regierung eine Erklärung abgeben, in der«s heitzt: Die Oolivverhältnisie der Arbeiter seien durch tarifliche Vereinbarung«nt den Gewerkschaften geregeil, und zwar entsprechend der tohnenlwicklunq in der privakeu Wirtschasi in kürzeren Feilräumen Da die Scamlenbezüge sür längere Zestcöume sestgclegt werden, müßte ihre Steigerung v-rhällnismäßig größer sein. Die zurzeit oeltendc tarislicbe Regelung der Reichsorbcikerlöhne laufe bis ZI. Mär, IMS. wolle man sie vorher durch eiae neue ver. einborung ersetzen, so würdr man«inen Vorgang schasseu, der das Grundprinzip des oeltenden Arbeiksrcchls. Sicherung de» sozialen Frieden» durch Tarifverträge autzerordenllich«richulterl. Eine allgemeine Erhöhung der Löhne der Reichsarbeiter vor Abiaus der tariilichen Bindung würde voraussichtlich schwere Kon- sliktc und Kämpfe in den Erwerbszcoei-oen der privaten Wirtschast auslösen, sür die gleicksalls tarifliche Bindungen noch bis in das Frühjahr 1928 hinein bestehen. Hierbei handelt es sich um mehr als die Hälfte der abgelchiosiencn Tarisverirägc An einzelnen Orte» sind die Löbnc der Reichsarbeiicr aller- ding? nachgeprüft worden, die Regierung hat darüber«ine Z�reinbarung mit den Gewerkschaften gctrosscn Ucber das Aus- motz eingr künftigen allgemeinen Lohnerhöhung könne gegenwärtig niäits gesagt werdeir. Der BerüHetsifliter ajnwhme dann noch, daß es leider nicht gelungen sei, die Bcloldungcordnung im Einvernehmen mit Preußen zu regeln. Das schließe die Gefahr in sich, daß die Unruhe innerhalb der Beamtenschaft neue Nahrung erholte. Die Aussprache über das Gesetz eröffnet! Abg. Bender(Soz): Drei Jahre haben die Regierungsparteien die Beamten auf die Gehaltserhöhung warten lasten, obwohl dos Reich zeitweise im Gslde schwamm und die Regierung den Ruhrindustriellen da s 7 00- M i ll i ö neu- G e s che» k machte Jetzt erst, kurz vor den Neuwahlen, kommen die Regierungsparteien mit der Bcjoldungsnorlagc, die schon vor Jahren fällig war. Hätten Sir I(nach rechts) im Sommer 1925 unserem Anrspg. den Beamten dc< unteren Besoldungsgruppen eine.zehnprozemige Geholt serhoäung zu gewähre», zugestimmt, dann wäre das Weniger von. damals melir gewesen, als Sie heute den Beamten geben!(«ehr richtig, de, den Scz.) Die Sozialdemokratie ist ständig sür ein- Besoldungspolm. eingetreten, die den Beamten Gehälter gewahrt, die te» i a i J a ch lichen Tcuerungsoerhöltnisjen eniwrechen W,r haben die Zoll- und Steuerpolitik rücksichtslss bekämpf«, die die Knunahig- teit der Gehälter und Löhne ans den gegenwaibgcn tiefe» �la,.a gebracht hat. Die Vertreter der ch r i st l i ch e n G e w« r t s ch ast-» würden den Interessen der Arbeiter und Beamten belser geh-ä haben, wenn sie, anstatt die Besoltmngsoorlvge zu be-ampsen, uns gemeinsam den Kampf um die Angleichung der Li-Hu- der Arbeiler sowie �r Gehälter der Angestellten an die neuen veamleubezuge gfliiizri hätten. Da» ein« Relation zwischen Beamtengehälter und Arbeiterlöhne besteht, kann crnsthast nicht bestritten werde». 3» i>cr Denkschrisr vom 20. Mai 1925, die die Regierung dem Reichstag über die Beamtenbesaldung vorlegte, wurden eine Reihe von Gegenüberstellungen zwischen den Beämtengehältern und Arbpuerlohnen gemacht. Wörtlich heißt es dort: „Die Bezüge der Beamten liegen also wieder wie vor dem tZxiege erheblich günstiger als die der vergleichbaren Arbeiter der öfientliSE» Betriebe. Am�Schlusie' der Denkschrift sogt die Regierung, daß sie Rücksicht aus diese Tatsache, also die n l ed e r e n A r b c> tx r- löhne, die Verantwortung für eine Erhöhung der Beamtcnbezugc.- im gegenwärtigen Augenblick nicht übernehmen könnte. Die gicrünqsparteien lehnten mit Grund dieser Denkschrstt dir Erhohunc- der Beamtcngchälter ab. Als die Sozialdemokratie im Detzems!- 1925 wieder eine Erhöhung der Bcaimengehölter beanlragte, legi» die Regierung wiederum Material vor, das auch eine Zusammen- stcllung der im Durchschnitt an Beamte der einzelnen Besolmings- g kuppen und an Arbeiter verschiedener Lohngruppen bczohlle cl-e- zöge enthielt. Danach hatten die Schajiner bei der Reichsbahn om durchschnittliches Einkommen von 2-01 M., die mit ihnen vcrglcic.- baren angelernten Arbeiter ein jährliches DuechschnittsemtpV'fr.eii von 1769 M. Der Postschaffner, Besoldungsgruppe Z.«rocht durch- schnittlich 2255 M., die Arbeiter der Deutschen Reichspost 1/12 Di. Auch diesmal lehnte die Regierung eine Erhöhung der BeSNItcu- bezüge mit Rücksicht auf die niedrigen Lohne der Arbeit e r ob., Die Regierung hol Immer wieder die«iedrigen Löhne der Arbeiter als besies Mittel zur vekämpsung der fazioldemokrnl, scheu # vesoldungsantröge benutzt. Wie das Finanzministerium jetzt aber darüber denkt, das will /eh an folgendem Beiipiel zeigen. Am 24. November hat mein Part«. freund Hermann Müller- Franken, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Frakt on. an den Rcichsjinanzminister einen Briet 'wegen der Erhöhung der Arbcitcrlöhnc gcrichlet, in den, aui das dem Reichstag vorgelegte Material Bezug genommen wird. In dem Antwortschreiben darauf heißt es über das Material, daß es„zur Begründung einer Lohnerhöhung sür die Reichsarbeiter n cht verwendet werden kann, da diese Zahlen unvergleichbare Größen sind". Warum wurden aber diese, Zahlen dazu benutzt. um unsere Anträge der Gehaltserhöbung der Beamten zu betämpsen? G-radc dieses Material hat doch den Regierungsparteien als Be- aründung für die Ablehnung unseres Antrages gedieM!(Hört? Hört! links.) Bei der Begründung der Besoldungsvorlage bat der Reichssinanzminister die Arbeiterlöhne wieder zum Vera!- äz herangezogen, aber diesmal in u m g c k c h r t e m S i n n e. Er bc- hauplcte, daß dir A r b e i t e r l ö h n e seit Dezember 1924 u m 27 b i s 28 P r o z. g c st i e g e n seien, während die Beamt-ngehalt-r nur um 4 bis 6 Proz. erhöht worden wären. Eine ähiüiche Beyaup- tung wird i» dem Antwortschreiben on meinen Parteisreukid Her- mann Müller ausgestellt. Wenn aber nun alle Regierungen seit der Stabilisierung eine Relation zw jchen Beämtengehältern und Ar- beitcriöhnen anerkannt haben, so kann man es verstehen, wenn auch Sexuelle Probleme im Film. Institut für Sexualwissenschaft. Vor einem ausgewählten Kreis M.lqden-r Gäste ljeh das In- st i t i�t sür V e x ua l w i s s'e n sch a s t om Sonntag zwei Aui- tlärungsfilme abrollen. Der erste der beiden,„Dos Gesetz der Liebe", wurde hier schon gewürdigt. Er demonstriert an Wanzen und Tieren das sexuelle Geschehen pnd ist vorzüglich geeignet, in der heranwachsenden Jugend die sexuelle Verrohung zu bekämpfen, sie mit Ehrfurcht vor den Problemen der Forlpslanzung und der Mutter- schast zu erfüllen. Der zweite Film,„Die Homosexualität", befaßt sich speziell nut dem gesellschastlichen Problem der gleichgeschlechtlichen Liebe, Es wixb dargestellt, wie ein homosexuell veraniagler junger Mann nach mancherlei Wirrnissen sich zur Künssterschast durchringt. dann aber in die Hände eines Erpressers fällt und zugrunde geht. Diesen zweiten Film hcu die Fikmprüfstclle verbeten, weil er an- gc, blich Propaganda sür die Homosexualität macht. Wir können dieser Begründung Nicht beipflichleu. Auf nicht homosexuell veranlagle Menschen wirken die Vorgänge nur fremd uns» gleichgültig, eher ab- stoßend atz anziehend. Der Film ist überdies schlecht gemocht, die HaMunq süßlich und kitschig(es ist schließlich nicht jever Homo- sexuelle ein großer Künstler!), die propagandistische Tendenz sognr teilweise daneben gelungen. Denn es überzeug: nicht gegen den t; 175, weön der angeklagte Künstler hervorragend vernünftige Richter sindet, die ihn mit der gesetzlichen Mindeststrafe, einem Tag Gefängnis, davonkommen lassen.(Oskar Wilde hat zwei Jahre im Zuchthaus gesessen.) Man sagt sich dann, daß es doch weniger der Äesetzesparograph ist, als das gesellschaftliche Dorurteil, an den, der bedauernswerte zugrunde geht. Uebrigens nimmt schon dieser Aus- ng den. Film die von der Prüsstelle bcsürchtele propazairdistische kung. E. K— r. »Zwischen Indien und Amerika." Mttnchener Uraufführung. I>» den„M ü n ch n x r K a m m e r s p i e l e n" gelangte in einer Nachtvorstellung der letztes Iuhr gegründeten.Lungen Bühne" .....«...--• id Amerika" oder„0 tz n l i d Plön zur ifrausführung. Erwartung eines Gastspiels des Pakvama Bahu givfelt die große Sensation, �hcrongespült durch die„indische Welle". Der Inder aber, in letzter stunde durch Krankheit am Erscheinen verhindert, wird durch die Keistc-gvgcnwart des Managers ersetzt, und zwar durch -Men crn-erikovischcn Seifensabrikanten, der, indisch ci'.wetlcidet, seine Rolle M Weiser naiv durck-iührt und dabei als Geschästs- mann auf sciOt Kosten kommt. Glänzend witzig sind mehr oder iwmger bekannte Typen ponrätient. die durch ihre Redewendungen wirksam heraus- und gegenübergestellt werden. Lion ist ein Unter- Halter von Rang und verheißt aus der Linie Kurt Götz nach dieser theatralischen Exkursion bäckst amüsantes Tbeatcr. Er wurde be- jubelt und mit ihm der Spielleiter Julius Gellner sowie die Dar- steller, unter denen sich besonder? Otto Wernlckc vom Staaistheater, Horwitz, Schweikart. Lieck und Dohm bcwärten. _ Alfred Mayer. ein«piel„Zwischen In dien und Ämeriko" oder L)hnc Schwerpunkt ppn Ferdinand?>on zur ifraussuhrung. vtf Autor, bekannt als politischer Essayist und Demss-n des Opern- textes„Eardillac", bezeichnet fein Stück in einem kurzen Prolog ils„Diskulsion" slstir haben es also mil einer neuen Spezies zu tun: ievuedlekussion. Ort der.Handlung: im Hause der Weisen(d. h. darmstadt. Schule der Wei-he!t). LioN parodiert mit Beherztheit wlitisle, gesellschaftitchc und künstlerische Zeilauewüchse, verfolgt nlt Humor und Grazie die geistige SiMotion des importierten »lmerikanismus und verquickt dabei die Schu!« der Weisheit mit dem bayerischen Elmau, wo sich um die Person des Leiters«ine bnuischeckige Gesellschaft drängt: Großher, zog, Manager, Fobrikanr. Diplomat/ Boxer, Schrtststeller, Amerikaner und Filmdiva. In der Ein Vorbild. In der„Täglichen Rundschau" plaudert ein Schutziruppenmajor von Ostairika. U. a. erzählt er van einem treuherzigen Negersuktan, der die Missionare ruhig leine Untertanen bekehren ließ, selbst aber vom Ehristentum durckaus nichts wissen wollte. Der schwarze Fürst meinte nämlich, er würde auch als Christ aewiß nicht in den Himmel kommen,� weil er als Herrscher Todesurteile aus- sprechen müßte,„was stch mit der christlichen Religion doch nun einwol nicht vertrüge'"!— Wenn doch uniere Deutschiwrionaien auch so konsequent wären! Sie fordern die Beibehaltung der Todesstrafe, kämpscn aber für das Keudellsch« Schulgesetz als„Christen". Und werden so an Logik von einem schwarzen IViden beschämt. Aber dieser Neger hat auch ftv-ff w.-orem c-q-?>-'.>-pn'-fr ker Deutscht a an der«piue seiner T'-upven nickr den Tod gefunden, leerte er narb dem enalis�en Slea lieber den G'ilb-cker. al» b-tz er nach i dem Musser W-lbelms II. slückrete, der al» E�-ist die S'""de des Selbstmordes oe-vbsckeick ofm-oM er 60 Nnj». aller Todesurteile bestätigt hat. Ja. die Wilden sind nickt bloß be�ere Menschen, sondern sie denken manchmal auch foloertchtioe'- al? uniere Edelsten der Nation.' H. zz. K. Oer zebnke üomel diese» Jah-e» cnkd-ck«. Noch einer fangen Reihe von Jähren, in denen zWa? zahlreiche, aber durchweg nur licktschMackc Kometen auigeiunden wurden, ist mm erMick zum ersten Male wi-der ein sehr Heller, für da? freie Auas sichtbarer Komet e'-tdeckt worden. Wie die astranomss�e Zentralll�lle in Kiel nach den ihr �uaeaanpenen Teferr<,mni»n mit- kS'lk. fanden ihn Ne und V�ri�un in dock am s"dlfcken Himn-->l Neden''en Sfe—-f-stf-e de? sf-neal? lNo-mral Cr bat die bedertende der? G'öhe«l"üe, leuckf?» daher ebenso Oark wie die de? Gmß-n Bären od?-' War---? und besitz«-Inen drei Grad langen Sckweis. Seine Be- wegnng ist noch Nordosten aericktet. es ist de�balh n-äast-s, daß er in einiaer Zeit auch in unseren r.ördlicken Br-llen stckttzar wird. Mlj d-ej-m bemerkenswerten Gehirn i-not die Zahl der im aearn- wänigcn Jahr bisher auigesmidenen Komefen aui zebn: ne wird nur noch übertrojsen von der des Jahres 1925. in dem sie elf betrug. Heinrich Biclsch, Proscssor der Musikwissenschaft und Rektor der Deutschen Universität in Prag, ist im 67. Lebensjahr g c st o r b e n. Er war In Falkenau(Eger) geboren, studierte an der Universität Wien und habilitierte sich an der Deutschen Universität in Prag. Bon seinen ipissenschaftliche» Berösientlichunge» seien erwähnt:„Die Tonkunst in der zweiten Hälstc des lü. Jahrhunderts, „Deutsche Liedwcise",„Die Grundlagen der. Tonkunst". Rielsch ist auch als Kompan st hervorgetreten. Sctne Opern„Woltker von der Logelwcide" und„Münchhausen" wurden jedoch nie vollständig aus. geführt. Höhenforschung im Freiballon. Der neue Höhensorschunas-Frei- ballon der Deutschen Versuchsanstalt sür Luftfahrt„Bartsch von Sigsseld", der kürzlich von Friedrichshafen aus seine Ausnahm-.'- fahrt ausführte, ist bestimmt, einen neuen Abschn tt aus dem Ge- biet der Höhenforschung zu bezelchnen. Mit 9Zl)s) Kubikmeter on halt ist c» der größte deutsche Freiballon. Der Ballon soll Crsahrunaen sammeln, wir sich Menschen und Material' en bei einem Luitvertehr in Höhen von etwa 12 bis 15 Kilometern verhalten. Die phvfiologiscken Untersuchungen werden den Einfluß von Lust- druck, Temperatur, Feuchtigkeit und Strahlung auf den Menschen klären. Technische stullurdenkmäler. Auf Anregung de? Deutschen Museums in München wird geplant, die technischen Kulturdenkmäler in ähnlicher Welse zu erhalten wie d'e Kunstdentmäler, die ja duräi eine organisierte Denkmalpflege geschützt sind. Der Verein Deutscher Ingenieur« hat für sein geschichllich-technisches Jahrbuch daher«ine Mater'.alsammlung begonnen, um erst einmal sestzustelle», wo in Deutschland nach technijche Anlagen vorhanden sind, deren Erballung anzustreben ist. Russische„ilnfl Weihnachten-Kampagne". Wie di«„Times" aus Riga ei fahren, sind d'.e Vorbereitungen zu der tiesjähri/en„Ann- Weihnackten-Kompaone" In Rußland umfanoreicker, als' je zuvor. Das soll daraus zurückzuführen sein, daß die'kommumsttscke Bart'i- leitung das Zentralkomitee der„Komsomolzen"(der tommunifüi'-.n Jugend verein! gunaen) beanfiragt hat, zusammen mit der„Ami- Gott-Vereinigung" darauf hinzucubesten daß die die-jöhrige„Anli- Weilmackien Kamnvgne" so nachdrücklich wie mir irgend mögi-ch g-sührt werde Die Hauptproaromn, punkte der Kampagne, die in öffentlichen Veranstaltungen. Aaskenzügen jowtc tn der Aufführung antireligiöser Film«— nach Möglichkeit auch aus öfjent.icb«n Plätzen und Strsßcn— bestehen, weichen in den Hauptttäblen an'den Weih- natfleiagen des Ka'snbers neuen Stils durchgeführt werden im, da? Bublikum möglichst vom Bfl"ch der Kirchen abzubatten. auf drm Lande dagegen nach dem Kalender alten Stils da die bSre'l'cke Bevölkerung sich uimeacktet aller Bnrschrjsten noch nach dem Ka» lender alten Sti's rietet. Man darf gespannt sein, cb kie Ami. Wechnackten-Fieilrst-Krmpcgne mehr Erfo'a baden wird alz frühere anftrepaiöse Veronsta'tungen. wo jedenfalls die Durch- fuhruno im Freien wecktzn der.feinMeliaen H-lllnw der Bevölkerung gegen dta antireligiöse Propaganda fiftien werden mußte. ftail Zuckm-yer und?»!« Zllomm lei.n tei'tc, tv':. Ubr. dem � D, Sierabend d-S Äeroavbc» Teullch.r Erzähler, w» Plenarsaal deS PerrenhaujeS aus ihren Werken. « legi von.»v?lrk>«iier>i diese Nation Hergestell! wird und Vergleiche zwischen den Äcamlcngehältern nnd den Zlrbciterlöhnen gezogen werden, um� so mehr, nachdem die Regierung und die Reichsbahn eine allgemeine Erhöhung der Zlrbeiteriöhne abgelehnt haben! In Wirklichkeit haben sich die Luhne der Arbeiter gegenüber de« tSchältern der Beamten wesentlich ungünstiger entwickelt. ?!ch begreife daher nicht, wie eine so billige und gerechte Forde- rung noch Wiederherstellung der Relation oon Dezember W23 abgelehnt werden kann. In der Presse werden jetzt geradezu p h a n> tostlsche Zahlen über die Höhe der Arbeitcrlöhne veröffentlicht. Dabei ist festgestellt, datz beispielsweise bei der Reichs- post nur in einem Ort, in chamburg, die Tciegraphenarbeiler ihren Friede u srcailohn erreicht haiieit, in alle» übrigen Oilcn bleiben sie wesentlich darunter. Wir haben uns stets :nit allen Kräften für die Erhöhung der Bezüge, der untere» Be- ltmten eingesetzt, das gibt uns dos Recht, und legt uns die Pflicht ouf, uns ebenso rücksichtslos für die E r h ö h u n g der Arbeiter- löhne einzusetzen. Ist es denn nicht auch ein Mahnruf an die Verantwortlichen, wenn nicht nur ein Beamter, sondern auch ein Posthelser wegen 20 bis 30 M. seine Existenz und die seiner Familie «uifs Spiel setzt? Weite Kreise unseres Volkes ahnen nicht die Tragödien, die sich in vielen Beomtenfomilicn abspielen. Und man mutz die unteren Gruppen geradezu bewundern, mir welcher SelbsioerleugMtng sie in den letzten Iahren den ichweren Gang des Leidens gegangen sind. Was der Minister in Magdeburg von den �tzeamten gesagt hat. ist richtig, es ist aber auch richtig, für die Staatsarbcilcr. deren Bezüge immer tief unter denen der Bc- umten lagen. Bei Btdcheri löhnen von 25 bis 35 211, wie sie heute noch in den Reichsbetrieben gezahlt werden, müssen die Arbeiter mit ihren Familien verelenden und vcr- kommen. Trotzdem-lehnt der Minister eine allgemeine Lohncr- höhung ab, weil die geltende tc.rislichc Regelung srühcstcns am 31. März 1928 abläuft. Aber weshalb wird nicht von der in dem Schreiben au meinen Parteifreund Müller genamüen Möglichkeit Gebrauch gemacht, und eine neue Vereinbarung gcschasjcn? Wo die Not in den Arbeiterfamilien so grotz ist, da sollte sich der Mtniftcr nicht hinter Formalicn perstecken. Nun sind ja in einzelnen Orten Zulagen gewährt worden. Im ganzen weiden in 700 Orten Rejchsarbeiicr bejchäjtigt, in 101 Orlen hat man Zulagen oon 1 bis 4 Pf. die Stunde gewährt. Die beiciligten Arbeiter erhalten zu Weihnachten eine Nachzahlung von 4,50 M. bis 18 M, 5(10 Orte bleiben gapz unberücksichtigt. Glaubt der Minister, datz da durch der gren.zenlofcn Rot der Arbeiter gesteuert werden kann? Wir haben gewitz noch Privaidetrlebr, wo ähnliche ksungerlöhne gezahlt werden, ober die Regierung eine» demokratischen Staate» darf sich doch das nicht zum Vorbild nehmen. Ich nehmen keinen Anstand zu erklären, datz Unternehmer und Behäiden, die den Ar- heuern Lohne zahlen, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu»*l sind, bei denen Arbeiter und ihre Familien sich nicht satt esse» können, und deshalb Schaden an ihrer Gesundheit nehmen, wie die ksehler gestohlenen Gutes behandelt werden sollte«. Wir fordern einen Lohn für die Arbeiter, der den not- wendigen Lebensunterhalt deckt, und der es ihnen er- loubt. auch an den kulturellen Gütern des dcutichen Volkes Anteil zu nehmen. Der Reichsfinanzminister Hot die Beamten als die besten Stützen der staatlichen Ordnung bezeichnet. Er wird wohl mit mir der Ansicht sei», dotz auch das 20- M i l l i o n e n- che e r der deutschen Arbeiter e»ne Stütze unseres Staates ist, datz man nicht dauernd in einem menschcnunwür- digen Dasein lafien kann. Die Ucamteu werden noch vor Weihnächte« in de« Besitz der erhöhten Bezüge kommen. Ei« Teil der Sorge wird ihnen abgenommen. Aber die Atbeiter in de« össeutlichen Betrieben mit Ihren Aamilien werden, wenn sie(nach rechts) unseren Antrag ablehnen, am cheiligen Abend vor leeren Tischen stehen. Nicht mst einem Gebet aus den Lippen, sondern mit einem Fluch gegen die Regierung und gegen den Reichstag, der für die Arbeiter kein Geld übrig hat, um ihre Not zu liiuein. Deshalb ersuche ich nochmal» dringend, nehmen Sie unseren Antrag an, damit auch die Arbeiter zu ihrem Rechte kommen!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemotraten.) Abg. L averenz(Dnat.) begrüßt«s, datz mit der Vorlage ein nlses der Beamtenschaft gegebenes Versprechen eingelöst wird. Die sozialdemokratische Anregung, einer Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jchre, lehnen die Deutschnatlonoien ab. Sie wünschen eine �iusammensasiiing des Behördenauibaues und in Verbindung mit 1 er Zterwaitungsreform eine durchgreifende Versa j su n gs- r e s o r m. Abg. 21lorath(D. Vp.) gibt für seine Fraktion cine ähnliche Erklärung ab. Er wünscht, datz die� Vorlage so schnell wie möglich verabschiedet werde. Die van der Sozialdemokratie gesordertc vorherige Verständigung mit den Bcamtenorgoniiationen lehne dir Deutsche Volkepertei ob, sie werde nicht zugeben, datz die Beamten aus eine gleiche Rechts st ufe mit den Arbeitern gestellt «erden.>_ Abg. Seppe!(So;.) erwidert diesem Redner, datz die Bcrab- schiedung der Vorlage schneller gegangen wäre, wenn die Regierung?- Parteien nicht so viel untereinander zu verhandeln gehabt hätten. Die Beratungen hätten auch kürzere Zeit in Anspruch genommen. wenn der Reichsfinanz mini st er sich vorher mit den Organisationen in Verbindung gesetzt hötke. Herr Dr. Köhler habe mit seiner Magdeburger Rede Unruhe in die Oci'entlichkeü dadurch hineingetragen, datz er für die Zulagen an die Beamten hohe Prozente nannte. Hätte er damals die wirk- n I i che n Zahlen genamrl. dann wäre diese Unruhe nicht entstanden. Denn in Wirklichkc t macken diese Zulagen besonders bei den unteren Grupven recht geringe Beträge'aus! Die Verhandlungen gehen weiter. Oer Gtalin-Artikel dementiert. Man erttärt ihn für eine Fälschung. Die Telegraphencgcntur der Sawielnnion veröjjemlicht eine Erklärung, in der es heißt: Ein von der Agentur„Newspaper Service" verbreiteter und von der„Neuen Freien Preise" sowie einigen anderen Zeitungen gebrachter angeblicher Artikel Stalins über die Politik der Sowjetunion hinsichtlich der Abrüstung, über die Luflstreft- Irölte der Sowjetunion und über die Einstellung der Sowjet- rcgierung gegenüber der griechisch-orthodoxen Kirche stellt von Anfang bis Ende die gröbste Fäifchuna dar. Keine einzige Zelle, die dem vermeintlichen Dersosiep des Artikels zugeschrieben wird, wurde und kcnmc von Stalin geschrieben oder gesprochen sein. Es ist festgestellt, dotz Stölln keinerlei Artikel über irgend. welche Fragen dc.r ausländischen bürgerlichen Presse zur Der- füzung gestellt hat. DieAzeniur.Inglo American Nemspapcr Service" ist ein Unter- nehmen, das fortlaufend Aussätze hervorragender Pcrsörlichkelten aus allen Ländern der Presse übermittelt. Der erwähnt« Aussatz war om Sonnabend der letzten Woche mit Ouellenongabe in der übcd. Die Meineidfabrik. 41/; Lahre Zuchthaus für Frau Ohlench wegen Anstistung zum Meiaeid. Der grohe Weineidspro zetz vor dem Schwurgericht I ging erst heute in der ersten Morgenstunde zu Ende. Frau O h i e r i ch wurde wiederum wegen Anstislung zum Meineide verurteilt, und es wurde auch jür diesen Fall eine Slrose von 3 Zähren Zuchthaus eingesetzt. Unter Einbeziehung des Urteils vom Schwurgericht III wurde gegen Frau Berta Ohlcrich aus eine Gesamtstrafe von 4 Zahren 6 Monaten Zuchthaus und 10 Zähren Ehrverlust erkannl. Außerdem wurde ihr die dauernde Eides- sähigkeil abgesprochen. Günstiger kam ihr Opier. Frau Helene M i t t e n d o r s, davon. Ihr wurde"der Schutz des K 157 als Milderungsgrund zugebilligt, da sie sich bei der Bekundung der Wahrheit durch ihre frühere uneidiiche unwahre Aussage vor dem Untersuchungsrichter selbst einer straibare» Handlung, nämlich der Begünstigung der Frau Ohlcrich bezichtigt hätte. Obwohl, wie Landgerichtsdirektor Schultzc im Urteil betonte, alle Milderungsgründc für Frau Mittcndors sprechen, ging das Schwurgericht jedoch bei der Einsatzstrasc über das Miiidesimnh hin- aus. und zwar aus der Erwägung, dotz Frau Mittendors in dem Wuchcrprozeh durch einen glückiimen Zufall vor einem Meineid, den sie bereit war, zu leisten, bewahrt worden sei. Trotz dieser Warnung ließ sie sich unmittelbar darauf überreden, dennoch einen Meineid zu leisten. Das Schwurgericht hatte für diesen Meineid 16 Monate Z u ch t h a us eingesetzt, die nach§ 157 auf die Hälfte herabzusetzen waren. Diese acht MonateZuchthaus wurden in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr um- gewandelt. Von einer Ehrcnstrase Hot das Schoo>rgeckchi bei Frau Mitlcndorf abgeiehen, da der Einflutz der Frau Qhiench auf sie ein zu starker geweicn ist. Bezüglich der Frau Ohierich hob das ilriei' die Hartnäckigkeit hervor, iiül der sie ohne Rücksicht auf Glück und Unglück ihrer Mitmenschen den Kamps gegen ihren Mann unter Außerachtlassung von Recht und Gesetz durchgeführt hat. Ein: derartige verbrecherische Energie ist dem Gericht bei einer Frau kaum je einmal vorgekommen. Frau Minendors nahm des Urteil sosorl an. während Frau Ohierich mit eiserner St»rn weiter behauptete, datz sie niemand verleitet oder angestistet habe. Sie will daher auch Revision beim Reichsgericht anmelden. Die Nach- Wirkungen dieses Meineidsprojesses aber werden sich in einer neuen Masjenantiage wegen Meineids auswirken. Die Generalftaäts- ciiwaltschast I beabsichtigt, ein Sonderdezernelit einzurichten und die sämtlichen Meineidjälle, die von Frau Ohlerich angestiftet worden sind, in einem Prozeßverfahren zusammen vor dem Schwurgericht l zur Avurleiinng zu dringen Unter Mcineidsoerdachk stehen noch acht bis neun Männer und Frauen, außerdem hat sich im Laufe des Prozesses ergeben, dotz in den zahlreichen Zioilprozesie« der Frau Ohlcrich immer mit eidesstattlichen Versicherungen gea'- heilet worden ist. Bisher sind bereits etwa 30 eidesstattlich« Versicherungen aus den Akten sestgestellt worden, von denen man nach den bisherigen Ergebnissen der Beweisaufnahme mit Sicherheit an- nehmen kann, daß sie sämtlich wissentlich falsch abgegeben worden sind Eine Reihe non Zeugen hat ihre Strafloten auch schon vor dem Schwurgericht gestanden. „Reuen Freien Pr-.sie" erschienen und von uns aiiszugsweist noirmen Die Berliner Stelle der Agentur, die zusammen w mit der „New?)o?k Times" den Artikel Stalin» erworden zu haben erklärt, j hält die Behauptung seiner Echtheit ausrecht. i Mord in Brandenburg. Oie berliner Mordkommission am Tatort. Brandenburg a. d. H.. 13. Dezcnrber.(Eigenbericht.) Eine entsetzliche Bluttat hat sich hier in der letzten Nacht ereignet. Als die Arbeiter der Brauerei Freydant Herne morgen an ihrer Arbeitestelle erschienen, fanden sie den Brancreibesitzer Frey- dank in der Brauerei hinter Fässern t o t aus. Die Leiche wies schwere Verletzungen am Kopf und am ganzen. Körper, vor allem auch am Unterleib, aus. Es steht noch nicht fest, ob«in Raubmord vorliegt. In der Wohnung sind allerdings einige Behälter er- krochen: die Ermittlungen darüber, ab etwas gestohlen ist, sind noch im Gange. Gegen die Annohm«, datz es sich um einen Raubmord handelt, spricht der Umstand, daß der Mörder fein Opfer so bestialifch hingeschlachtet hat, daß man eher an«inen Lustmord glauben muß. Der Getötete war Junggeselle. Ucbcr den Täter schevebt.zur Stunde noch völliges Dunkel. Auf Ersuchen des Oberstaalsanwalts in Potsdam hat der Ehes der Kriminalpolizei, Rcgierungsdirektor Hagemann, angeordnet, dotz die Mordkommission, Kriminalrot Gennat, Dr. Waechter und Kriminalkammissar Nr. Nebe, mit dem Erkennungsdienst des Polizeipräsidiums nach Brandenburg an der Havel zur Anstlärung des Raubmordes an dem Brauereibesiger Freydank fahren sollen. Wieder l�epublikbeschimpsung. Nationalsozialist zu einem Monat Gefängnis verurteilt. ' Am 10. Aplil dieses Jahres oeranstgltete das Tambourtorps des Reichsbanners Berlin-Mitte auf dem Brunnenplatz ein Konzert. Unter Absingung von Reichebannerliedem wurde der Rück weg angetreten. Als der etwa dreizehn Mann starke Trupp das K r i e g e r»e r e i n s h a u s in der Ehmisseestratze pastierte, ertönte plötzlich ein P s i M. und aus dem Bercinsiokal der Natioimisoziaiisten stürmten«tum vierzig bis fünfzig jung« Leute heraus und auf die Reicksbaimerleute z-i. Unter den üblichen Bejchiinpiungen der Repubiik:„Mistrepubtik", Tiudcnrepublik",„Drcckrepublik" und dergleichen mehr bedrängten sie das Tambourkarps, rissen einem der Trommler seine Stöcke aus der Hand,»nd wer u-«itz, ob die Sache bei der Uebennachl der Nationalsozialisten nicht bös ausgelaufen märe, wenn nicht zufällig Arbeilerradsahrer den Reichebannerleuten zu Hilje gekommen waren. Nun konnte das Tambolirkorps seinen Weg sortzuletzcn. die Notionaliozialisten gingen aber nebenher und gefielen sich weiter in Scksimpsereicn. Den Reichsbannerleiiten Lindemann»nd Buckhol,; gelang es aber, drei der Rädelsführer sestziistelien, Siegismund. Prelle»stein und M a r t i n. Der Neunzehnjährige Siegismund hotte durch seinen Pfiss die Nationalsozialisten alarmiert, Martin war anfangs gesliichiet, erschien jedoch später angeblich als Zeuge ans dem Polizeirevier und wurde hier gestellt. Die Gerichteverhandlung gegen Siegismiknd fand bereits vor einieer Zest st-stt! er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ergcbnisvollcr verlies gestern die Verhandlung gegen Marlin. Die Zlnllage lautere aus Beschimpfung der Republik und der Farben der Republik: er hatte nämlich die Reich sbannerleute al»„Mostrichs.ingen" bezeichnet, worin die Anklage eine Anspielung auf die Reicksforben erblickte. Der Angeklagt« behauptete, in keiner Weise ausfällig gegen die Republik gewesen zu sein: Lindemann und Buchholz erkannten ihn jedoch mit aller Bestimmtheit als einen der größten Maulhelden wieder. Das Gericht schenkte ihren Aussagen Glauben mid verurteilte den Angeklagten, allerdings nur w e.g c n Beschimpfung dTr Republik, z u einem Monat G e- f ä n g n i S. der gesetzlich zulässigen Mindeststrase Außerdem erhielt er auch Bewährungssrist für die Dauer von drei Jahren. Der Staats- anwalt hatte vier Monat« Geiängnis beantragt. Sine Stätte der Lugendpflege. Das Bezirkejugendöint Wilmersdorf veranstaltete am Montag eine Bestiiigung des Hauses an der ehemaligen Dorsaue (Wilhelmsaue 122/123), das für Zwecks, der Jugendpflege eingerichtet worden ist. Männer und Frauen, die in der Jugendpslege mit- arbeiten, Mitglieder der Bezirksverjammlung und des Bezirksamtes n>aren als Gäste erschienen. Aus dem Grundstück sind cine Säuglingssürsorge- stelle, eine lagestrippe, eine Kinderleschalle und ein Jugendheim untergebrachi. Dac Aeußere der alten Bau- lichkeiten ist unscheinbar, aber die Innenräume sind sehr hübsch aus- gestattet worden. Dem Jugendheim hat man acht Zimmer zu- gewiesen. Durch„Hormonikawände", die sich.zusammenschieben lasten, können mehrere Zimmer zu größeren Räumen jür Vorträg«, für Kpnzerte und für Theoteraussührungen vereinigt werden. Im November hatten bereit? 45 Iugendvereine dos Jugendheim belegt. und über 3400 Jugendliche kamen als Besucher. Für IlMerhoktungs- mittel ist gesorgt, und auch die heute unerlaßlicke Radloausrüstung fehlt nicht. Einen sehr freundlichen Eindruck machen die der«äug- lingspslege und der Kinderfürsorg« zuaewiesenen Räum«, ds� in hellen Farben gehalten sind. Ais wertvolle Beigab« ist der große „Dachgarten" zu begrüßen, der die Unterbringung von Kindern in freier Luft und heilender Sonne ermöglicht. Die Notwendigkeit einer Säuglingsfürsorgestelle auch für Wilmersdorf braucht nicht erst bewiese»-u werden. Schon jetzt ist die Jnanlpruch, nohme recht beträchtlich, weil der Segen dieser Wobijohrtsriurichlung in der Bevölkerung lichlig erkannt wird. Ein Nebengebäude des Grundstücks beherbergt zwei Iugendwerkstätien für Tisch- lerei und für Schlosserei. Sie sind bisher oon zugendiichen Erwerbs- lasen benutzt morden. Die steißigen Hände dieser Jugendlichen haben auch an den Möbeln des Jugendheims und an den Kulisteu der darin auigestellten Iugendbühne mitgea'bettet. Mit der Beiichtigung dieses Hanfes der Jugendpflege morde eine kleine Einweihungsseier verbunden. Stadtrat Dr. Krüger, der Dezernent des Bezirksjugendamtes, gab einig« Erläuie- runqen zu dem schönen Wert, das hier im Herzt» Alt-Wiimers- dorfs oeschasfen worden ist. Die Feier begann mit Konzert des Dr. Offeneyscheu Kammertrios und endete mit der Aussührug ciN» Heimatfpieles„Alt-Wilmersdorf" von Diederich Rohling. „Naiionatbsamage." Der Generalstaotsonwolt erhebt Anklage. „Der Montag"(die Montagsausgabe des„Berliner Loksl- Anzeigers") brachte in der Nummer 24 vom 27. Juni l0?7 einen Artikel mit der Ueberschrift„N atto n a l d l a m a g e". In dem Artikel, der sich mit der geplanten Einführung eines Nationnlieier- tages am 11. August beschäftigte, wurde im S. Absatz, Satz 2 gesagt. daß«um seinen Namen und Tag der Ludergenich des Zusammenbruchs,- die Schande eines jamincrvoilcn Puljches und das Bewußtsein vom tiefsten Tiejstand des deutschen Namens fei." Die Republikanische Beschwerdestelle stellte qrn 5. Juli wegen dieses Artikels Strafantrag nach Paragraph 6 des Gesetzes zum Schutze der Republik. Am 27. September 1027 teilte der Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht I amtlich soi-- gendes mit:„Der Berjastcr des Artikels Hussong macht geltend, datz ihm cine Beschimpfung der oerfastungsmätzig s estgestellten republikaniichen Staarssorm seriiqAegen habe. Eine selche ist in "dem van Ihnen beanstandeten Satze auch nicht notwendig;» finden. Er enthält eine ischmähuckg der Revolution, wie aus den Worten„Piitich, Zusammenbruch und tiesster Tiefstand".ge- folgert werden mutz. Dies wird zwar mit dem 11. August, dem Versostiiugstoge, in Verbindung gebracht, jedoch wohl nur in dem i Sinne, daß mit Rücksicht ouf den Ziisomiueubruch uitd die Revolution � eine Veranlassung zur Feier nicht besteht. Wenn auch rnii der ' Revolution die republikanische Etaatssorm des Reiches beruht, so ! enthält doch eine Beschimpfung der Revolution nicht notwendig eine Bejchiinpjung der«taatsform: diese ist auch im vorliegenden Falle nicht erkennbar in Bezug genommen. Ich Hobe daher das Verjähren eingestellt." Daraui übergab die Republikanische Beschwcrdeft-.Ue die An- gelegenheil der Oesientlichkeit und es wurde gegen diese Begründung in der Presse polemisiert. Auch der �.Vorwärts" Hot seinerzeit dazu � Stellung genommen. Nunmehr hat am 4. Dezember der Genera!- st a a t s a n w a l t bei dem Landgericht I der Nepublikan Ischen Beichwerdestellc folgendes miigeteill:„In der Strafsache gegen I Hussong ist unter dem 4. Dezember 1027 Anklage erhoben worden."— Man dnri auf den Ausgang dieses Prozesies gespannt sein. ! Eine Schuitlasse wegen Ziegenpeter geschlossen. Im Bezirk � Treptow wurde, wie das Hauptgesundheitsomt mitteilt, eine An- säiigerschlllklaste geschlossen, da 20«chuler an Ziegenpeter ertrankt sind. Die Zugänge an Diphtherie»nd Scharlach- kranken heben in den letzten Togen«two? nachgelösten. Zur- zeit sind 393 Schorlochkranke Und 289 Diphtherie- kranke in den städtischen Krankenhäiiscris. Em Autounglück und seine Folgen. lSchverer Verlust für die belgische Sozialdemokratie. Brüssel, 13. Dezember.(Eigenbericht.) • Ein schwcres Autounglück hat die belgische Arbeiierpam-i in Trauer versetzt. Drr srührre Ardeilsministet W o u t i r s baue in rinrr Demonstration in der Provinz Lütlich gesprochen und wurde von dem sozialistischen Regierungsmilgtied der Provinz Lültich. So rotte im Auto nach dem Bahnhof von Warcmmr gebrarbt, wo«r den Zug noch Brüssel befttz-g. Als Ba rotte mit seinem Agio. in dem sich auch der Oberlehrer Pirtet befand, vom Bahnhof zurückkehrte, stieß das Auto mit einem Zug der Lokalbahn zusammen und wurde zertrümmert. Baroste wurde ouf der Stelle getötet, Pirlet sehr schwer verwundet. Ireispruch im Prozeß Marek aufgehoben. Wie«, 1Z. Dezember. Der Oberste Gertchtshos als kastatiooegpricht hat in«lcht. öffentlicher Sitzung d«r Richtigkei»,b«schwbrde der Staats. onmallschast gegen da» freisprechende Urteil im V c o zeh Emil Wgrek und Gattin slollgegebe««nd da» Urteil a«sgeho4>en. Emil Marek«nd Jtqu stände« im Zun! d. Z.»ae dem Wiener Schüsseugertchk und halte« sich gegen die Anklage de, versiche- r«ng»schwlndel» z« veranlworlen. Höllewelle i« Polen. Während der letzten Tage Hot in Polen eine starke Kältewelle eingesetzt. Aus Wolsdctschiio, an der Ojtgrcnzc Polens, wurden heurc nacht 22 Grad unter Null gemesten. In Warschau zeigte das Thermometer heute mar«» 13 Grad unter Null. Oer Kampf der KPO. Sf gilt nur den Arbeiterorganisationen. Da die tmnmunistischc Presse seit der Zuspitzung des Nutzrionslittes täglich den Generalstreik sardcrt, konnte ein Ausruf des Zentralkomitees der KPD. nicht ousbleilicn. Es wird da u. a. behauptet, daß im Jahre 1923 der Zehn- und Zwölsstunden- tag auf Grund des Ermächtigungsgesetzes den Arbeitern ausgezwun gen worden sei. Nun weiß schließlich auch irgendjemand im Zentralkomitee der KPD., daß die Arbeitszeil im Ruhrgcbict aus Grund von S ch l i ch t u n g s o e r h a ii d l u n g c n und Schiedssprüchen zustande gekommen ist. Dann wird den„resormistischen Führern" zum Vorwurf gemocht, der Verordnung des Reichsardeitsministers zugestimmt zu haben, die zum 1. Januar 1923 das Drcischichtcnsystem für die Stahl- und Walzmerke scstsetzt. An sich wäre dieses Derbrechen zu tragen. Im übrigen wird man auch im Zentralkomitee der KPD. wissen, daß die Verordnung de? Rcichsarbeitsmiriisters ans Grund der Arbeitszcitocrordnung keiner Zustimmung des Reichstags benötigt. Dann wird von einem„Schiedsspruch" für die Ruhr- industrie gesprochen, der noch gar nicht gefällt ist und den anzunehmen angeblich die resorinislischen Führer den Arbeitern bereits geraten hätten. Wörtlich heißt es dann in dem Aufruf:„Seit Jahren war die deutsche Arbeiterklasse nicht mehr so kampsbereit wiese tz t— diese günstige Situation darf nicht ungenutzt ver- streichen!"— In derselben Nummer aber veröffentlicht die„Rote Fahne" einen Bericht aus Essen, in dem es heißt: „Die Stimmung, die jetzt die Arbeiterschaft des Rheinlandes ersaßt hat, zu erklären, ist nicht ganz einfach. Noch kann man eine gewisse Passivität, ein gewisses Nichtcrkcnnen der Situation wahrnehnien. Der„überlegene" Skeptiker., der den ganzen Bluff nicht ernst nimmt, eine häufige Erscheinung, gibt unter der indifferenten Arbeiterschaft den T o ii a n." Vielleicht hat der Berichterstatter, der ja auch der großen Ver- saminliing in Bochum am Freitagabend beiwohnte, deshalb etwas schwarz gesehen, weil die kommunistischen Parolen unter den Ruhr- arbcitern keinen Resonanzboden finden. Richtig ist, daß die Ruhrarbeiterschaft sich zunächst abwartend verhält. Wenn aber das Zentralkomitee von der„revolutionären Stimmung" der Arbeiterschaft spricht, so tut es das vor allen Dingen nur deshalb, tun auf die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei herum- hacken zu können. Die KPD. denkt gar nicht daran, etwa selbst den rcooliitionären Kampf zu organisieren und die Arbeiterschaft zum Eencralstreik auf-, zuruien. Sie beschränkt sich darauf, diese Forderungen an die Gc- werkschaften und die Sozialdemokratische Partei zu richten, und zu schimpfen, zoeil Gewerkschaften und Partei etwas' anderes zu tun hoben, als solche Parolen ernst zu nehmen.' Die KPD. führt nicht den Kampf gegen die Schwerindustricllcn, sondern nur gegen die Organisationen der Arbeiter.- „Polizei gegen Streikende." Im Verlaus des Kanipfes in der westdeutschen Kanalschiffahn brachten wir in Nr. 373 des„Vorwärts" eine« Bericht mit obiger Ileberjchrift, der den.fterri, Oberpräsidenten Gronowsti in M ii n st e r i. W. veranlasste, uns um folgende Entgegnung zu ersuchen: „Ein„Heraustreiben" Streitender aus den Schiiiswohniingen mit Hilfe der Polizei hat an keiner«telle stattgefunden. Die Firnia L e h ii k e I i n g u. E o. Hai zwar wegen Wohnungsräuchung. gegen streikende Schiffer Klage angestrengt. Hierüber entscheidet das Gericht, nicht die Polizei. Polizeiliche Kräfte zum Schutze der Schiffahrt und zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung auf den westdeutschen Kanälen sind bisher in nicht„sehr groß e m Ausmaß" oder„in äffen- weis c", sondern nur für c i n z c l n c wenige Stellen und »ur in solchem geringen Mäße cingesetzt worden, wie es zur Per- meidundg strafbarer Handlungen iinbedingt nötig war. Zu einer d a ii e r ii d c ii Begleitung von Kähnen durch Poli.zeikräit« ist es nur in wensgen Sailen gekommen,«est ohne Schutz fahrende Äädne belästigt, in einem Falle sogar mit schweren Steinen beworfen wurden, wobei das Steuerhaus beschädigt wurde. Der Rcichswasscrschutz ist, abgesehen von der Begleitung nur eines Schleppzuges aus der unteren Ems, bisher nicht in Tätigkeit getreten. Die Polizei mußte in Bn° sprach genommen werden, da Kähne widerrechtlich an der Weiter- fahrt behindert wurden. Ferner wurden fahrende Schisser bedroht, Steuerruder entwendet und auch andere Störungen der Schisfahrt sind vorgekommen. Der holländische Gesandte ist wiederholt beim Aus- wärtigen Amt vorstellig geworden und hat um Schutz der hol l ü n d i s ch e n Schiffe, die vom Streik nicht berührt werden, ge beten. Die Streikenden hoben es selbst in der Hand, ob und in wel- chem Umfange Polizcikräftc herangezogen werden müssen. Die Behörden haben die Aufgabe, die Ordnung aus den Schissahrts straßen aufrechtzuerhalten und dafür zu sorgen, daß unbestreiktc Tchstse— dazu gehören u a. auch die Holländer— unbehindert durchfahren können. Die Behörden denken gar nicht daran, ihre streng unparteilich« Haltung auszugeben, am allerwenigsten das Koalitionsrccht zu unterbinden." Hoffentlich hat unsere Veröffentlichung der Beschwerden dazu beigetragen, die Behörden in dieser Haltung zu bestärken. Solidarität der Scharfmacher. Stillegungsanträge auch, in Oberschiesieu. Gleiwih, 13. November. Die Oberschlesischen Eisenwerke, die Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerke A.-G. und das Borsig-Werk haben beim Regierung?- Präsidenten in Oppeln Still egungsantröge eingereicht, über die am kommenden Donnerstag in Glciwitz oerhandelt werden wird.___ Die Buchdrucker gegen die KPN. Sieg der Amsterdamer Gewerffchostsrichtung. Im Berein der Berliner Buchdrucker und Schristzießer wurde auch bei den in vier Bezirken noch erforderlichen Delegierten- wählen(in sieben Bezirken war keine Wahl erforderlich, weil die Kommunisten nicht die nötige Stimmcnzahl zur Unterstützung ihrer Kandidaten eihiclten) die Liste der Amsterdamer Ge- werkschaftsrichtung mit grofTer Mehrheit gewählt. Ebenso sind in allen Bezirken als B e z i r k s l e i t« r die Kandidaten der Amsterdamer Richtung zum Teil sogar einstimmig gewählt worden. Die Kommunisten hatten gerade für diese Wahlen alles aufgeboten. um bei den Buchdruckern Einfluß zu gewinnen. Trotzdem haben auch ihre Schmähschriften gegen die Berbandsinstanzen an der Tatsache nichts zu ändern vermocht, daß die Berliner Buchdrucker noch wie vor ihre Interessen nur durch die Richtung Amsterdam vertreten wissen wollen. Durchfall der KPD. bei den Metallarbeitern. llrich und Tirpiy wiedergewählt. Die Berliner Metallarbeiter hatten am Montag abend In den Sophicnsälen ihre urbciitliche Ouartalsgenoraloersamm» l u n q. Zu Beginn der Versammlung wurde ein Dringlichkeitsantrag der „Opposition" diskutiert, der sich mit dem Arbeitszeitkonslikt in der G r o ß c i s c n i n d u st r i e befaßte. In, diesem Antrag wird zunächst den MetbUarbeiterii dieser Jndiistric die vollste Sotidaettät versichert und erklärt, daß sich d>« Generalversammlung einmütig hinter die vom Haiiptvorstand des Deutschen Metallarbeiteroerbandes erhobenen Forderungen stellt. Es hieß dann jedoch in dem Antrag. weiter, daß die Erklärung der Berbandsinstanzen, an diesen Fordc- rnngen festzuhalten, nicht genüge, sondern daß entsprechcnd dem Aufruf der KPD. sowohl der Hauptvorstand wie der ADGB. alle Vorbereitungen treisen müsse, um am 1. Januar den Streik„aui breitester Basis", unter Einbeziehung der Bergarbeiter, Metallarbeiter usw. aufnehmen zu können. Genosse Aiska erklärte zu dem Antrag, daß es unmöglich fei, den leitenden Perbandsinstanzen die Taktik in diesem Kampfe«atk- zuschreiben, sondern daß über die Taktik des Borstandes der Ber- bandstag zu entscheiden habe. Roch einigen sehr lendenlahmen Aus- führunoen des Kommunist«» Enderle, der sich als Wiederkäuer seines Geschreibsels in der„Roten Fahne" produzierte, wurde der Antrag gegen die Stimmen der Kommunisten unter Weglaslung der Generolstreikparole angenommen. Wie aus dem vom Genossen Schmidt erläuterten Kassenbericht zu entnehmen ist, Hot sich der L o k o l k a s s e n b e st a n d im Laufe des dritten Quartals von 4-19181 M. auf 333 895 M, gehoben. Ilm endlich einmal wieder ein neues Argument für die Ablehnung der Entlastung des Kassierers zu haben, wurde von der„Opposition ein« längere Debatte emsacht über die zu geringen Ausgaben für Maßregcliingsuntcrstützungcn. Der Ort-v«rwaltung wurde vorge- morsen, glatte Maßregelungen nicht anerkannt zu haben. Trotzdem die betresfcnden Angestellten der Organisation nachwiesen, daß in den bezeichneten Fällen keine Maßregelungen vorlagen und diese Antrüge von der Verwaltung abgelehnt werden muhten, waren die Kommu- nisten natürlich nicht zu überzeugen. An Stelle der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der Orts- Verwaltung Urich, Tirpitz, Holz, Müller. Tischmann und S k u de l I a hatten die Kommunisten in einer geschlossenen Liste Kandidaten ihrer Richtung vorgeschlagen. � Die ausscheidenden Mitglieder wurden jedoch mit crdrückcnder Mehrheit wiedergewählt. Zum Schluß wurden dann die Anträge behandelt, die bis auf einen entweder zurückgezogen oder abgelehnt wurden. Dieser eine einstimmig ongenommeiie Antrag ersucht den Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes und den Bundesvorstand des ADGB,, dem Reichstag eine Novelle zur Aenderung des Z 383 Abs. 5 der Zivilprozeßordnung zugehen zu losien. damit auch die Mit- gliedcr der Betriebsvertretungen vor Gericht von dem Recht der Zeugnisvcnvcigcrung Gebrauch machen können. Lohnbewegung in der Weserschiffahrt. vorkmund, 13. Dezember.(Eigenbericht.) Das Deck- mrd Maschinenpersonal der Weserschijfahrt, orgoni- ficrt im Deutschen Berkekrsburcki und Zentrckverband der Maschini- sten und Heizer, hat seinen Lohntarif gekündigt. Be-rhand- langen über die Neuregelung der Löhne sind noch nicht angefetzt. Die Wcserfnhrzeug« verkehren nicht nur in der Weserschisfahrt, sondern auch in den w« st deutschen Kanälen, vornehmlich im Abtransport von Kohle aus dem Ruhrgebiet nach den W«ser- Häsen und Emden. Zestweilig fahren die Kähne auch auf dem Rhein._ Dentsck» Bertntfltzfwrtonb, Begtf 18. W gemeine Werkmeisternerfamm. Iiing i>«? Berliner Mrlollintustrie IZreitag. IS. Dezember, 1v Ulir, im Stubbaes Ohmftc. 2. tzn Anbetracht der autzcrord.'ntlichen Wichtiakeit der Tageeorbnunz ist ba» Srlchcinen jede? einzelnen Wertmcisicrkollepen Pflicht. Das Ptilgl-ebs- buch lezitimlert. llnorzanificrtc können durch Mitglieder eingeführt werben. _ P. Rath-. Aus der Partei. Der Inkernakionale Kongreß ISZS tritt am 5. Luzufi it* Brüssel zusammen und soll am 11. August beendet sein. Die frühere Absicht, den Weltkongreß in London abzuhalten» ist mit Rücksicht aus die— nach dem Riesenkampf im Bergbau und im Wahljahr noch schonungsbedürstigen— Finanzen der britischen. aber auch kontinentaler Arbeiterparteien, aufgegeben worden: Brüssel ist näher und der Aufenthalt erheblich wohlfeiler als in London. Alle Beteiligten hoben dieser Verlegung zugestimmt.— Genosse Emil Vandervelde nimmt, da er nicht mehr Minister ist, seinen Platz in der Exekutive der Internationale wieder ein. TNax Zelterbaum gestorben. Iii Meran ist Max Zctterbaum schwerem Leiden«rlegen, das ihn seit Jahren bemitleidenswert machte und das eine Folge seiner H u n g e r kindheit war. Er ge- Höne zu den bedeutendsten Theoretikern des Marxismus, Hot auch viel in der„Reuen Zeit" veröffeMlicht. Von Beruf war er Rechtsanwalt in Lemberg. Perantwsrllich kür Pslitik: Dr«utt(henet; Winfch-ft:®. Rlingclhöltr; Sewkcklchaftsbkwcgung: Jt. eglstn; tzfmlltlon; Jt H, DSschir- t'ofalrs und(Eonttigfs: gritz Rorflöb:; Anzeigen: Th. ftbde; sämllich in Berlin ■Snlos; Lorwärts-Lerlag GmbH,. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanllal« Paul Singer u Co, Berlin EW IS. Lindcnftraüe S. KINO-TAFEL Programm fflr die Zeit vom 13. bis 15. Dezember l BTL Potsdam« r Straße 38 Die indisKrcfe Frau mit Jenny Jugo und Üeorg Aievander Da�u: Der Geister/ug* Odeon, Potsdamer Str. 75 Verlängert: Daru: Alaskas weifle Wunderwell Rheinstraße 14 Dil! laiileM flau Eatllas mit Mary Juhnson, Friu Alben! Dazu: Der Benzinlcufel Turmstraße 12 Blond oder Braun 6 Akte mit Adolphe Meniou Daru; Die Frau im fdmiaK lim S!-�e!isltT*fr_I0-40 Dia AleU Flau Ml mit Mary Johnson, Fritz Albert) Dazu:, Alles Schwindel 7 Akte mit Reginald Danny Kritiallpaiatt. Priozenailee 1-6 Chang BQhnenschau- Juecndl. haben Zutrb fflarien&aii-Paiatt. Baflitraßi 35-36 Der Orion Bühncnschau Piinzespalast, PiHise kl-\] Das IDdiüD mit liea iüat Nallen Buhnsoschuu Älhambra, Badstraße 5ü Kampf um Liebe Buhntnschau Humboldt, Badstraße IS Der grobe DnbeKannle Buhnenschau Iflktflria-üdiiDililtüeater Frankfurter Allee 48 i Kleinstadtsfinder Ferner: 0. reit. Korne:. Bflhncnschau IdiwarzerJiaier, Uorter Alles 98 NAPOLEON Ferner: BGhncnschau.. kik. IiMft Paaage-LicittBliUS�Ä« ati Auf der Buhne; Geheimn. d. Harems fiini-Palaii itaniersaie TeUo''er . �traba>4 Die Dame oll dem Tigerfell mit Ellen R'chler [ODtordla-PaiasUndreassiraDefiA Die ASealener des Brigadier Gerard Ferner Kampf um Liebe ist« idu'j Welt-Kino, AlHnoabitsS ianyDaieela in JerlaltüiePriflf Harry Domcia stellt sich d. Gästen vo« Alles Schwindel FRANZ RAMANN FA8saitÄÄ=a„fÄ?g!,r,E 6ERUN 017 WARSCHAUERSTR 4.1-42- INDUJTRIE-PAIASTE FERNSPRECHER: KÖNIGSTAOT 364.3' 107o Weihnachts- Rabatt bis 15. Dezember! 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Sofibe Dreif«. • Ratenzahlung ohne Pielsaiilschlag# gibt bis auf veciteres Anzüge, Ükjer, Paleint, zu Fabrikpreisen Bitte, Überzeugen Sic sich. ab. Kalser-Vllhelni-Straße 24.ITr. Au? Teilzahlung aerres Garderobe Bellfedcrn Adolf Pobi Dresdener Straße IS iFatrisgebäudc, Ii Al.red Strecker StralaaerStr. 32, am MolKcnmarkt Größte Auswahl In nur bekanntesten Marken, sowie Weihnachtsartike'n usw. für Wiederverkäuler, Kinos, Theater. Restaurants, Kantinen, Vereine usw. ICIeioB Anzahluo�t Bequeme Abzahlung;. CAMNITZER £ch5tkbaiisrr Alle#*2« I am HOchbahnhof KTordrin« VeHonoen Sie Sonder-Angebot Eisu-.an Betten, K'nderbetle-i, Stahlmatr., rOn«t. an Priv Kat.2M9lr.Blacnm3belfab au.1(Thür. <7t Für �en absolut vorteilhaften Elakaut wirklich gediegener Herren- und Damsnttieldnod kaon die teil 1855 belebende Finna Carl Zobel, Berlin SO, Ecke MicheelkirchstraJ�e,«uf das Beste empfohlsn werden Größte Auswahl.— Billigste Preise«— Barzahlangs-Rabati,— .121 Eigene Werkstatt. 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