Morgenausgabe Nr.SS9 A 299 44. Ichrgang Wöchentlich /O Pfennig, monatlich S.— Reichsmark, im voraus zahlbor. Unter Streifband im In- und Aus» länd SLO Reichsmark pro Monat. * Der»Ponvörts* mit der tDuftrier» t/n Sonntagsbeiloge �Volk und Zeit" sowie den Beilagen �Unterhaltung und Wissen"»Äus der Filmwelt� .Stadtbeiloge"„Frauenstimme", „Der Kinderfreund".„Zugend-Dor- wcirts".„Blick m die Bückerwelt". „Kulturarbeit" und„Technik" erscheint' wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. G.« Verkwes VoWsbtM Mittwoch 1.4. Dezember 192? Groß-Äerlin lV pf. Auswärts 45 pf. „Kleine Anzeigen" das fettge» ! Wort 25 Pfennig(zulässig zwei Di« etnspalttg« NonparetUe�eN» 59 Pfennig. Reklamezeile 5.—- Reichs» rnort.(— druckt»?.. WW fettgedruckte Worte), jedes weitere�Äort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort lS Pfennig, jedes weitere Wort 19 Vsennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt Zeile 69 Pfennig. Familianzeigen für Llbonnenten Zeile 49 Pfennig.'Anieigen- annahm» im Hauptgeschäft Linden- straße 3. wochentägl. von 8�/2 bis 17 Uhr. Jentvalovsan der Gozialdemorvatischen Variei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhojs 292—207. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37256.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» und Beamten Wallstr. 65. Diskonto-Gesclllchast, Depositenkasse Linden str. S Arensdorser Gcharsschühen und Heher. Schweigende Staatsanwälte.— Schwer belastende Zeugenaussagen. ?. ET. Frankfurt a. ö. 0., 13. Dez.(Eigenbericht.) Die Beweisailfnahme im Arensdorfer Mordprozeß plät- schert langsam weiter. Der Vorsigendc ist von ausgesuchter Höflichkeit: ja. manchmal von einer Jovialität, die geradezu beängstigend wirkt. Er macht Scherze, die gewiß bestimmt sein mögen, die trostlose Atmosphäre des Gerichts- saales nicht noch zu verschlechtern, die aber doch oft die Zeugen in Verlegenheit bringen und im übrigen den E r n st des Verbrechens vergessen lassen, das hier zur Aburteilung steht. : Vom Justizministerium ist der Erste Staatsanwalt beim Kammergericht. Dr. B u r ch a r d i, dem örtlichen Oberstaots- «nwalt zur Hilfe beigegeben. Beider Verhalten bei den Zeugenvernehmungen erweckt fast den Anschein, als ob sie sich der Sache der Änklage völlig sicher seien: sie s ch w e i g e nl Der Vorsitzende mag fragen wieviel er mag, die Verteidiger mögen fragen, dir Anwälte der Nebenkläger mögen die Zeugen ins Kreuzverhör nehmen— die Anklagevertreter sitzen froh und selbstbewußt aus ihren Plätzen und schweigen! Nur zuweilen wirft der Frankfurter Oberstaatsanwast eins belanglose Bemerkung ein, im übrigen schweigen sie beide mit einer Sicherheit, als ob jedes Reden überflüssig und der Tatbestand längst einwandfrei festgestellt wäre. Für den politisch denkenden Menschen ist das Bild ja auch völlig klar, und der mit altmodischen Gas- kandelabsrn ausgestattete Schwurgenchtssaal.wird kaum neue politische Erleuchtung bringen. Aber für das S.t r a f- gericht handelt en sich ja angeblich nicht um politische Zu- lammenhänge, sondern um die juristische Frage, ob die beiden Angeklagten des ihnen zur Last gelegten V e r- brechens schuldig sind und ob der Nachweis für diese Schuld einwandfrei g?füh''t werden könne. Das Ergebnis des Zeugenverbörs ist allerdings ein- deutig genug. Urner den Zeugen aus Arensdorf kann man zwei Gruppen deutlich unterscheiden. Die einen haben immer nur gesehen, daß die Reichsbannerleulc kamen, liefen oder auf den hakenkreuzgeschmückten Werwolfmann los- schlugen— aber ihr Gedächtnis wird lückenhaft, wenn sie nach dem Verhalten der S t a h l h e l m e r, besonders der Ange- klagten selbst, gefragt werden. Die anderen erzäblen mit verhältnismäßiger O f f e n h e i t, wie sich aus der kleinen Rem- pelei zwiscben den beiden Werwölfen auf der einen und dem radelnden Reichsbannermann auf der anderen Seite schließ- lich die große T r�a q o d i e entwickelte, wie gerade die beiden Schmelzer die Führer des Tumults wurden. Einwand- ftri kann jetzt schon durch die Aussagen von Zeuginn-n als festgestellt angesehen werden, daß die Mutter des Mär- ders den Anttoß gab, als sie ihrem Mann und ihrem Sohn zurief:. Ihr wollt Stahlhelmer sein. pfui, schämt euch!" und sie dadurch auweitschte, mit Heugabeln und Säbeln auf die waffenlosen Reich�.bannerleute losschlugen. Einwandfrei fest steht auch, daß die Führer der Reichsbanner- kameraden wiederholt ibre vorwärtsstürmenden jungen Leute zurückriefen, damit sie auf das Auto zur Weiterfahrt kämen, während gleichzeitig der ältere Schmelzer neben seinem angeblich geistesschwachen Sohne herlief und ihn n i ch t am Gebrauch der Schußwaffe hinderte. Ein Knabe erscheint vor Gericht, 13?» Jahre alt und von aufgewecktem Wesen. Sein Vater gehört dem Krieger- verein an und hat schon am Tage vorher über das Reichs- bannerfest mit seinem Arbeitgeber, dem Vorsitzenden des Kriegeroereiiis. gesprochen. Um die Glaubwürdigkeit dieses Vaters und seines lljährigen Sohnes zu erschüttern, fragt der Verteidiger, ob dieser Kriegervereinler— die..Rote Fahne" lese: nein, er kennt sie gar nicht—. aber der Junge sagt doch wiederholt die Unwahrheit?" Dem Vater ist nichts davon bekannt. Warum so viel Fragen um den Jungen: er hat ganz deutlich gehört und sofort nach dem Ueberfall seinem Vater berichtet, daß der alle Schmelzer rief: „August, nun aber ran mit der Flinte!" Trotz aller Querfragen bleibt der Junge bei dieser Bekundung und läßt sich nicht aus der Fällung bringen. Es sollen noch Sach- verständige über die Glaubwürdigkeit von Kinderauslagen im allgemeinen gehört werden. Wie ihr Gutacbten ausfällt. mag dahingestellt bleiben. Dieser Vierzehnjährig? ist kaum noch ein Kind in dieser Hinsicht, er hat wache Sinne und scharfe Ohren, er bat das Gehörte sofort seinem Vater ge- meldet, aber gerade darum muß er von der Verteidigung des Angeklagten als unglaubwürdig hingestellt werden. Besondere Typen sind die beiden Werwolfsüna« M n g e, der ein»— fünfzehnjährig— gehört dem Iungkanb- bund an und soll erst dem Werwolf beitreten, aber schon trägt er dessen Mütze und das Dereinsab'-ichen. dieses auch im Gerichtssaal, und er ist stolz auf den Werwolf, zumal er dabei an S ch i e ß ü b u n g e n der Großen teilnehmen darf. Der andere, der neben der Werwolftracht auch das national- sozialistische Abzeichen— rote Armbinde mit H a k e n k r e u z — angelegt hat. muß. trotzdem er schon 20 Jahre zählt, de- kennen, daß er von der Bedeutung des Ab- zeickens keine Ahnung habe, oder er stellt sich wenigstens so. als ob er es nicht wüßte und da er äugen- scheinlich zu den körperlich Starken gehört, die gleichzeitig arm im Geiste sind, mag man es ihm glauben. Nur daß er auf den Radler, der die Farben des Reichs führte, mit dickem Eichenknüppel losschlagen mußte, das hielt er trotz seines Mindestmatzes an Geistesgaben für selbstverständlich. Es ist nicht ohne Interesse, während dieser Verhand- lungen die beiden Angeklagten zu beobachten. Sie sind sicherlich nicht von stürmender politischer Leidenschaft, viel- mehr erscheinen sie als typische Vertreter jener Art politisch Berhetzter, die verständnislos vor einer geistigen Be- wegung stehen, aber plötzlich brutal dreinschlagcn, wenn sie glauben, mit Sensen oder Dreschflegeln, m't Säbeln oder Büchsen diese Idee und ihre Träger niederknüppeln zu können. Kein Zug ihres Gesichtes, kein Zucken eines Muskels verrät, daß sie verantwortlich gemacht werden für den Verlust zweier blühender Menschenleben. Kein Ton des Bedauerns, nur Brutalität spricht aus ihnen. Inzwischen bemüht sich der als Sachverständige anwesende Irrenarzt aus Sorou durch Fragen festzustellen, wie es mit dem bsbaupteten Tobfuchtsanfall des Stahlhelm- August sei. Man erfährt aber nur, daß er sich einmal mit seinem Vater lärmend gezankt und dabei die Drohung aus- gestoßen habe, er werde den Vater erschießen. Es wäre ein neues Mittel, sich den Jagdschein der U n z u r e ch- n u n g s f ä h i g k e i t zu verschaffen, wenn man nur recht- zeitig"vorher irgend jemand mit Erschießen bedrohen und ein wenig Lärm im Hause zu machen braucht. Vor Gericht zeigt sich, baß der Mörder oder, wenn man so sagen will, der Totschläger auf direkte Frage ganz klar und in seinem Sinne zielbewußt zu antworten weiß. Eine merkwürdige Art von Unzurechnungsfähigkeit. Der Zeuge Willi fjoffmanu leugnete in seiner weiteren Vernehmung aus den Vorhalt von Iuslizrat Falken seld. daß er dem Reichsbannermann„M a st r i ch j u n g e!" zugerufen habe. Er habe auch nichts von dem Zwischenfall Herrn v. Alvensleben oder dessen Angestellten etwas erzählt. Scharfschießen in Arensdorf. Rechtsanwalt Ikehab: Welcher Organisation gehören Tie an* Zeuge: Dem I u n g l a n d bu ti d. Ich trage aber die Mütze vom Werwolf. Die habe ich mir in Fürsienwaldc selbst gekavsl. obgleich ich noch nicht im Werwolf drin bin, weil ich noch nicht 16 Jahre alt hin. Ich habe aber die feste Absicht, einzutreten. Rechtsanwalt stehab: Haben Sie denn als Kandidat des Wer- wols an seinen Veranstaltungen teilgenommen? Zeuge: Ja, an, Wehrsporttag in Potsdam und anderen Zu- sammenkünften. Wein Bruder ist nämlich im Werwoli und in Arensdorf orbeilen Zunglandbund und Werwolf zusammen. Rechtsanwalt Bloch: Hat Ihnen diese Mütze vielleicht Herr v. Alvensleben gekauft? Zeuge: Rein, die habe ich mir selbst gekauft, weil ich stolz bin ans die Wcrwolsorganisation. Auf weitere Fragen der Anwälte der Nebenkläger bekundet« der Zeuge, daß der Führer des Zunglandbundes und des Werwolfs in Arensdorf ein gewister Luis, Augestelller des Herrn v. Alvensleben. fei. Ei« Gefchworener Befindet sich bei Arensdorf ein Schieß- platz?--•- Zeuge: Jawohl, Junglandbund und Werwo'f schießen dort mi: Kleinkalibcrbiichsen. Justizrot Falkenseld: Haben Sie nickt auch einmal im Dorf selbst Scharfschießen geübt? Zeuge: Jawohl, bei Masewitz, im Garten, etwa zwei- bis dreimal, das letztemal im Januar oder Februar. Wir waren etwa 13 junge Leute, hatten aber nur eine Büchse. Hakenkreuzkaudidat Zemke. Der jugendliche Landarbeiter Zemke. der sich zusammen mit dem jungen Hossman» wegen Körperverletzung spater zu verantworten haben wird, gab zu. daß er Hossmann den Sforf abgenommen und „Cte wird nach Berlin marschiert!" Wie Herr v. Kahr, der„bayerische Bismarck", uns erobern wollie. München, 13. Dezember.(Eigenbericht.» In der heutigen Sitzung des Untersuchungsausschusses gab der sozioldemokrotische Berichterstatter Dr. H o e.g n e r wertvolle Einblicke in die Geschichte der bayerischen Putschakiion von 1st23. Das seinerzeit eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Kohr und Genossen njtiriy schleunigst eingestellt, nachdem sich gezeigt hatte, daß die bayerische Regierung Knilling Mitwissc- rin jener Pläne gewesen war. Kohr hatte am 27. März 1924 zu Protokoll erklärt:„Die bayerische Regierung hatte Kenntnis von unseren auf die Errichtung eines Direktoriums gerichteten Bcstre- bungen. Der Gesandle von preger war. wie mir n. knilling gesagt hat. im Sinne eines Direktoriums in Berlin iätig geworden." Ehrhardt erklärt« im Herbst 1923 den Zöglingen der Infanterie- schule:„Es wird unbedingt nach Berlin marschiert und Kohr bedauert nur, daß Hitler noch beiseite steht Sobald sich Räieregierung in Kanton. Nordamerikanische Truppenlandung. Shanghai, 14. Dezember. Zn Sankon haben die Kommunisten die Herrschost an sich ge- rissen. Die autlkommualsiischev Truppen sind abgezogen. Zlord- ame ikanische Seesoldaten sind zum Schuh der Kolonie gelandet worden. Aus der Vorstadt Tungschau hat ein britisches Sanonen- boot 56 Reichsdeutsche und andere Ausländer abgeholt und nach der Curopäerstadt S ch a m j e n gebracht. Gleichzeitig hat sich in verschedrnen Teilen Chinas ein wiederaiislebea der kommunistischen Agitation und Bewegung bemerkbar gemacht Zn h a n k a u sind mehrer« kommunistische Agitatoren hingerichtet worden. S» hat den Anschein, daß auch dort ein ähnlicher Handstreich wie In Sankon vorbereitet wird. der Kcmipibund anschließt, wird marschiert" Aehnlich äußerte sich der deutschnationvle Landtogsabgeordnete Bauer. Oberst ! y l o n d e r erklärte:„3(1) kwmne soeben von Kahr. Er wird marschieren und gewisse Fragen äbnlich wie Bismarck lösen." Inzwischen traf der seinem Eid untren gewordene Reichs- wehrtommandant Lossow die militärischen Vorbereitungen für de» Marsch nach Berlin. Alle kriegstauglichen Angehörigen von Wiking, Stahlhelm, Oberland usw. sollten in die Reichswehr eingegliedert werden. Den Studenten versprach man Anrechnung ihrer Dienstzeit aus die Studienzeit Mit den ärztsichen Untersuchungen war bereits begonnen. Auf das Stich- wort„Herbstubung" sollte die Aktion losgehen. Die kosten wurden ans der bayerischen Slaatskasie bestritten. Bei allen Beratungen war, wie Kahr bei seiner Vernehmung zu- gab, ein Vertreter des Finanzministeriums zugegen. Zum Rechts- anwalt Holl tat damals Lossow den berühmt gewordenen Aus- sprach:„Herrgott, ich will ja marschieren, wenn Ich nur 51 Proz. Wahrscheinlichkeit für das Gelingen habe... Einen Putsch aber will ich nicht, der in fünf bis sechs Tagen zusammen- bricht" Nach Aussage des Reichswehrkommandeurs in Regens- bürg, Oberst Etzel, jollien„innere Unruhen" nur zum Dorwand genommen werden. In Wirklichkeit handelte es sich um den Bewegungskrieg nach Norden, für den man schon mit den Eifenbahnbehörden wegen der Truppentransporte in Fühlung gc- treten war. Am 3. November reiste S« i ß e r im Auftrag Kahrs nach Ber- sin. um mit Geeckt zu verhandeln. Er mußte sich davon über» zeugen, daß die ganze bayerische Nordgrenze von Reichswehr- (nippen besetzt und der Marsch nach Berlin aussichtslos war. Nun wurde am S. November alle, abgeblasen. Ein paar Tag« darauf prellten Hitler und Ludendorss allein var. Mit der geplanten Diktatur Hitler-Ludendorss will sich der Ausschuß in seiner nächsten Sitzung beschäftigen. JwwiM Slemowicz über die Kchuller gebmren habe, und»war mit der ärücke. Ob ex hei her fpSteren Prügrlsr mü den A c i ch s- bonncrleutcn mit irgendwelchen Gegenständen geschlagen hat. weiß«r nicht. Prügel und Tritte habe er bis kommen. Auf Befragen des Vorsitzenden erklär� er. daß er Mit- glicd des Wer wolfs fei. daß er damals aber auch eine rate Hakenkreugbindc getragen habe. Ich wollt« nämlich auch gu den . Vors.: Wie weit warst du denn in dem Augenblick von Schmel- zers entfernt? Willi: Ich stand schon auf unserem Hof. das waren etwa tz S Meter. Vors.(der auf einer Generalstabskarte nachgemessen hat): Du hast eine gute Schätzung, es sind etwa�-IS bis 40 Meter. Woran hast du denn gemerkt, daß es der alte Schmelzer war? Haft du ihn denn bei diesem Ruf gesehen? Willi: Nein, aber ich kenne seine Stimme ganz genau. und er sprach sehr laut. Zeug« vormelcher(B a t e r): Der Zunge hol mir auch sosorl nachher erzählt:„vaker. weißt du. was der alkc Schmelzer gesagt hol:„August, ran mik die Flinle." Aber nach meiner Ansicht stono der Junge noch nicht auf dem Hof, sondern auf dem Vorplatz. Rechtsanwalt Bloch: Sagt Ihr Junge manchmal die U n- w a h r h e i t? Zeuge: Einmal als sechsjähriger Junge hat er dos getan. Da habe ich ihn so geschlagen, daß er liegen geblieben ist. Seitdem tut er«s nicht wieder. Rechtsanwatt Bloch: Doch, seine Lehrer behaupten es. Außer- dem wird gesagt, Sic wären mit Schmelzer verfeindet gtwesen. � Zeuge: Nein, wir waren gut befreundet und haben auch immer im Militärverein mit einander gesprochen. Rechtsanwalt Falken selb: Da. voiaus.zusehen ist, daß diese Kinderaussage angegriffen wird, beantrage ich, Professor Placze k zu laden, der aus dem Standpunkt steht, daß»ach der heutigen Ilebcrzeugung der Wissenschast Kindcraussagen unter Umständen von sehr hohem Werl sein können. R.-A. Bloch: Wir haben offen gesagt mehr Vertrauen zu der a bt e n Methode der freien Beweiswürdiqung. •' Da? Gericht beschloß eutsprechend dem Antrag« Iustizrats Ialkensslds, Prosessor Ploczek als Sachverständigen zu laden.. In einem gewissen Gegensatz zu dem lZjährigen Willi Vor- welcher, stand her. nächste Zeuge, d«r-47jährige Landarbeiter Grams, der auf die Frage des Vorsitzenden, ob er wisse, was ein Eid sei, erklärtc�daß er noch nie etwas davon gehört habe. Auch die Bc- (Hüte„Schwüre".„Meineid" waren ihm fremd. Das wesentlichst« seiner Bekundung war die Bestätigung, daß Zemke„Mostrichsunoe" oerusen bade. Zum Schluß der Aussoge gelang«« daün inst vieler Mühe, im beizubringen, daß er die Hand hochzuh.'lxn und die Eidesformel nachzuipreciren habe. In dos Haus des Landwirts Bafewilz in Arensdors,. des n-zchsten Zeugen, hatte sich Zemke vor den Reichsbannerleute,, geflüchtet. Di« Reichsbannerleute kamen zu mir und sagten:„Gebt den Schuft raus." Ich warnte sie aber davor, Hausfriedensbruch zu beochen. und sie 9-mzen dann weg. Spät« sah ich dann auf der Dorsstraße j die Schlägerei. Ich sah auch Schmelzer, der blutete, und hörte rufen:„Nehmt ihm daß Gewehr weg!" D« Schmied höhvoch wollic ihm die Waffe enkreißcn. mußte ab« wieder los- lassen. Daß ich den alten Schmelzer gesehen habe, kann ich mich nicht entsinnen. Den Angeklagten August Schmelzer schildert« der Angeklagte als an und für sich sehr gemütlich, aoer als«inen Menschen, der. wenn er wütend werde, außerordentliche Sräfte entwickle. So sei er einmal in einem Strest mit fünf Mann buchstäblich„durch die Tür gegangen". Die Frage des RA. Falkenfold, ob er Mitgli'ed des Werwolfs sei, bejahte der Zeuge. Mitglied des Werwolfs sei, bejahte der Zeuge. Er bestättgt, daß Schießübungen vorgenommen wurden, an denen August Schmelzer beteiligt war. Frau jeuber, die nächste Zeugin, bestritt aus Anfrage sehr energisch, von Schmelzer beeinflußt worden zu sein oder etwas Aehnliches zu Leuten im Dorfe geäußert.zu haben. Der Relchsbannerführcr Schmidt gab dazu an, daß nach Bc. kundungen zweier Reichsbannerleute, die heute vernommen werden sollen, in Arensdors Tagesgespräch sei, daß grau Teurer selb st erklärt habe, sie sei von Schmelzer beeinflußt worden. Auf die Frage von Iustizrot Falkenfcld an die Zeugin, weshalb sie denn mit Schmelzer verfeindet sei, meint« der Vorsitzende unter schallender Heiterkeit oller Anwesenden:„Die Parteien sind Mieter und Vermieter und deshalb perfciitdei." Von den Bekundungen der weiteren Zeugen war nur noch die Aussage einer Frau Schümann von Interesse, die gesehen haben will. wie Zemke schon vor dem eigentlichen Zwismenfall durch eine Gruppe von sieden Reichsbaitnerradsahrerit immer im Zickzack mit seinem Rod hindurchgesahren sei. Als später Zemke dann t» Bedrängnis kam. habe Frau Schmelz« ihren Sohn fortwährend angcseverk, ein- zugreifen und Zemke zu helfen. August Schmelzer Hab« zuerst nicht gewollt, aber sein Vater habe gerufen:„Los, Sensen und Forken raas." Spä'«. öf» August Schweizer mit dem Gewehr erschien, hätten einige gerufen: „Nehmt ihm das Gewehr weg!" Em anderer aber, den sie nicht sehen konnte, den sie aber der Stimme noch für den Vater hielt, habe entgegnet:„Laßt ihn dochloufew Die Bekundung dieser Zeugin, daß sie von Tobsucht»- anfallen August Schmelzers mehrmals gebärt Hab«, wurde auch von' den, Landwirt Tanke bestätigt� der selbst einmal gehört hat. wie August Schmelzer nach einem Streit mit seinem Bater in den Hof eilte und schrie:.Zch hole mir ne Flinte nud schieße votern tot." Um hz4 Uhr nachmittags vertagte der Dorsitzendc die Verhand- wng auf den heutigen Mittwoch Oit Uhr und entließ die Arens- dorser Zeugen mit der vielsagenden Bitte, direkt vom Gericht zum Bahnhof zu gehen und den nächsten Zug nach Haufe zu benutzen. Was es alles noch gibt! Eine Gtändekammer in der Republik.— Das Königliche Markgrafentum Ober- lausitz.— Gespenster, die bei Tage spazieren gehen. In der„Görlitzer Volkszeitung" schreibt der Reichstagsabgcord- nete Genosse B uch wi tz: Bor mir liegt das Kreisblatt des Landkreises Görlitz vom 8. Dezember 1927. An der Spitze des amtlichen Blattes sind« ich eine Bekanntmachung des Landrats, wonach die Gemeindevorstände aufgefordert werden, bis zum 22. Dezember die V o r b e r e i t u n- gen für die Wahl der Landgemeindeabgeordneten des Oberlaufißer Kommunallandtages zu treffen. Ich denke, ich seh« nicht richtig, glaube doch meine Heimat zu kennen und weiß nichts von eine,« Kommunallandtog. Ich frage alle Bekannten: Was ist der Kommunallandtag? Niemand weiß es. Nun renne Ich in alle Buchhandlungen, ob ich nicht eine Verfassung jenes mysteriösen Parlaments erholten könne Jetzt habe ich sie; man möchte heulen. Das Ding ist im Jahre 1922 neu gedruckt und nennt sich:..K'ommunol-Landtags-Verfassung im Königlich Preußische» Markgrafentum Oberlausttz." Aus der 10 Seiten umfassenden„Verfassung" schlägt uns die Moderlust vergangener Jahrhunderte entgegen. Die letzte Seite der Verfassung zeigt uns, woher die„Rechte" jener Dunkelkammer stammen. Dort ist zu lesen: Berlin, den 2. 3uni 1827. wir. Friedrich Wilhelm. von Golles Gnad n flänig von Brensten n'n,-Eli-p'rn llosero seltenen Ständen des Herzogtums Schlesien, der Grofschost Slatz und des Markgraf-ums Oberlau, iß Unfern gnädige« Gruß. Dann folgt die gnädige Erlaubnis, versuchsweise d« Ritt«, schast und den Ständen obengenannter Gebietsteile die Errichtung einer kommunalen Ständevertretung zu gestatten. Sehen wir uns die sogenannte V«sasfung jenes mittelalt«- lichsn Parlameitts einmal näher am Der§ 1 umgrenzt das Der» fasfungsgebist. Es gehören dazu: „Das königliche Alarkgrafenlum Oberlausttz. melche» au» den vier tandrällichen kreisen Sörlitz, Laubaa. Rothenburg und Hoyerswerda besieht". § 2 besagt, daß jede» Jahr einmal dieser Landtag in Görlitz tagt, die Tagungsdauer darf vier Wochen nicht überschreite. § 3 pellt die Wahlordnung fest. Es werden vi« Stände unter. schieden. Dem ersten Stand gehören an die Siandeshcrren von Muskau und Seidenberg und die Prälaten, dem zweiten Stand aste adligen Besitze� eines unmittelbaren Rittergutes usw., dem dritten Stand die Städte, dem vierten Stand die Gutsbesitzer bis zu einer gewissen Besitzorenze. Das„Wahlrecht" des vierten Standes ist van einem Besitz von iniiibestcns 50 Scheffel(etwa 50 Morgen) abhängig. Die persönliche Qualifikation jedes Mitgliedes dieses famosen Parlaments ist von folgenden drei Voraussetzungen abhängig: 1. die Gemeinschaft mit einer christlichen Kirche, 2. 24 Jahre alt, 3. unbescholtener Ruf. Damit der Witz in diesem Monstrum einer sogenannten Ver- fasiung nicht fehlt, besagt der Z 5: Den 1. und 2. Stand qualifiziert sein Grundbesitz ohne nähere Wcrtbesi.mmung. Dieser Satz kennzeichnet die alte Zeit und deren Anhänger von heute. Es kann jemand der größte Halunke sein, sein Besitz qualifi- ziert ihn in den Augen seiner Klasse zu einem unbescholtenen und tugendhaften Zeitgenossen! Frauen dürfen nur wählen, wenn sie Mitbesitzer der betreffen» den Besitzung sind. Köstlich mutet in der neuen Zeit eine Bestimmung des§ 11 an: Jede erste Wahl des Landesällesten bedarf der Allerhöchsten Landesherrlichen Bestätigung. Läßt also die republikanische Staatsregierung diesen nochmaligen Kornevalsscherz einer Neuwahl dieser Dunkelkammer zu, dann reist der nsugcwählte„Landesältefte" nach Doorn und läßt sich aller» untertänigst von Wilhelm dem Daoongelausenen bestätigen. Im ß 15 sind die„Arbeiten" dieser Dunkelkammer festgelegt. Nur einiges aus dieser Tätigkeit: 1. Die von Sr. Majestät dem Könige oder den höheren und höchsten Staatsbehörden ergangenen Reskripte und Verfügungen unter Anzeige, was hieraus entweder- geschehen Ist oder noch zu luv sein dürfte. 2. Gesuche und Anträge, welche an die Oandesbehördea oder an des Königs Majestät selbst formuliert werden sollen. Der Z 13 trennt den Plebs des dritten und vierten Stande» von den adligen, durch Besitz qualifizierten Nochkommen der ehe» maligen Raubritter. Dieser Paragraph bestimmt, daß d i e Stände gesondert an verschiedenen Tafeln Platz nehmen. Sollten wirklich bisher die Vertreter der Städte und des vierten Stades kein Gefühl für Marnteswürde gehabt haben? Die Sozialdemokraten im Stadtparlamcnt der Stadt Görlitz haben die Wahlbeteiligung abgelehnt. Im§ 20 kommen noch einmal Erscheinungen des Größen» wahns zum Ausbruck. Dort wird gesagt, daß da» Jnnenministerinw für alle Beschlüsse dieses „Landtages" die Allerhöchste Bestäl.gung einzuholen hat. Der Präses dieses tlebcrrestes einer grauen Vergangenheit ist der Herr v. E ich e l. Er läßt sich stolz Landeshauptmann nennen. Bei allen amtlichen Veranstaltungen erscheint er steif und würde» voll, als Ueberrest ein« längst verklungenen Zeit. W�i r Oberlausitzer Republikaner fordern von der S t a a t s re gi e ru n g. daß s i e Schluß macht mit dieserLächerlichkeit! Wird die Lohnsteuer gesenkt? Abg. Nr. Brüning verieidigi die Lex Brüning. Der Steuer a-uzschuß des Reichstag» begann am Dienslag die Beratung des Regicrungscntwurss über die Lohnsteuer. Die Sitzung nahm einen sehr interessanten Verlauf, da die Rc- gierungsportcien sich zum erstenmal sachlich äußerten, insbesondere aber, well der Abg. Dr. Brüning(Ztr.) sich in sehr wesentlichen Fragen den sozialdemokratischen Stand- punkt zu eigen mochte. Nachüein Genosse Dr Hertz noch einmal eindringlich dargelegt halte, daß der sozial denmlratijche Antrag durchführbar sei und sich in lleborcinstimmung mix der Lex Brüning befinde, legte Abg. Dr. Brüning den Standpunkt des Zentrums dar. Cr wies zunächst auf die Schwierigkeiten hin. die au» der Deckung der Bcsoldungs- reform entstehen. Die Länder wollen die Mehrkosten der Besoldung aus den erhöhten Ueberweijungen decken. Das sei nicht gerecht- fertigt. Besonder» bedenklich ober sei es. wenn Länder, die mit ihr« Besoldung üb« dlc Vorschläge de» Reich» hinausgehen, sie tnU den Lohngroschcu d« Arbeiter bezahlen wollen. Die Siellungnahni« des Rcichsrats bekunde eine merkwürdige staatsrechtliche Aussastung. Ein bestehendes Gesetz müste ausgeführt werden, wenn es nicht auf- gehoben werde. Gewiß' sei' der Sinn der Lex Brüning nicht ein- deulig formuliert. Die Zentrumsfraktion neige aber dazu, die Erhöh u n g des steuerfreien Existenzminimums als einen besseren Weg anzusehen o!r die Senkung des Steuersatzes. Die Senkung des Steuersatzes sei elne Bevorzugung der höheren Elnkommen. Das Zentrum sei mit der Sozialdemokratie voll- kommen darin rinverstanden, daß die Lex Brüning als Re- g u l a i o r der M a s s e u b e l a st u n g gedacht fei und auch jetzt das einzige Mittel ist, um einen Ausgleich für die steigende Masten- bslastung zu schaffen. Er könn« auch den Einwand der Länder, daß durch Steigerung des Existenzminimums eine große Zahl von Lohn- steuerpflichtigen steuerfrei werde, nicht als entscheidend ansehen. Das Zentrum anerkenne ferner, daß die steigende Lelastung bei gleichem Reallohn ausgeglichen werden müsse. Wenn die Länder dos große Elend der unteren Gehaltsempfänger kennen wurden, dann hätten sie sich nicht so leichtfertig über dl« Borloge der Reichs- reglerung hinweggesetzt. Abg. Kelnoth(DVp.) gesteht zu, daß die Deutsche Lolkspariri immer gegen die Lex Brüning gewesen ist, obwohl sie ihr seinerzeit zugestimmt habe. Der Einspruch der Länder gegen thre Ausführung sei nicht berechtigt, da dos Aufkommen über 1200 Millionen hinausgehe ustd ein Versprechen auf Senkung vorliege. Jedoch müsse man den Ländern recht geben, daß die einseitige Erhöhung des Existenz- mlitlmiims für einen Teil der Cond« und für alle Gemeinden furchtbare finanzlellc Folgen haben müsse. Die Heroufsetzung des Existenzminimums sei deshalb untragbar. Mit der Erhöhung der Familienermäßigung könne man sich einverstanden erklären. Der Redner kündigt zum Schluß Anträge auf Auflockerung de» Einkommensteuertariss bei den hohen Ein« kommen am Abg. Horlach«(VVp.) will die Grenze der Lohnsteuerpflichttoen enger gezogen haben. Da» Ainderprwileg müsse auf höchstens 3500 M. herabgesetzt werden. Die Lehnsteuer tm allgeyze'nen zu senken, sei im Hinblick auf den Finanzbedarf der Länder bedenklich. Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Mittwoch 10 Nbr. um die Generaldebatte zum Abschluß zu bringen. Inzwischen soll aber bereits ein II n t e r a u s s ch u ß die Frage klären, ob die. Regierung 1200 oder 1300 Millionen aus der Lohnsteuer herausziehen will, ur welchem Maße die Lex Brüning auszuführen ist. Vraunschweigs neue Regierung. Heute Wahl im Landtag. De? Landtag ovn Braunschweig wädlt heute sein« neue Regierung. Wie schon gemeldet, hat die sozialdemokratische Landtagsfraktion, die über'24 von 48 Ätzen verfügt, beschlossen, die Regierung allein zu übernehmen. Gie bringt die(Bsnoffen Dr. Jasper, Steinbrecher und Si ev er s in Vorschlag. Die Sozialdemokraten sahen sich ui diesem Schritt dadurch veranlaßt, daß die Demokraten die Rückkehr zur alten erprobten soziald?mokratisch-demokratischen Regierungs- Mehrheit ablehnten. Sie erstrebten den Einschluß des rechtsstehenden Wirtschaftsverbandes, zu dem sich unsere Frak- tion nicht verstehen konnte. E'ne Anlehnung an die V o l k s- partes versuchten selbst die Demokraten nicht, da die Volks- Partei dem Stahlhelm versprochen hatte, aus keinen Fall mit der Sozialdemokratie zu gehen. Sozialdemokraten und De- mokraten hätten mit ihren 24 plus 2 Stimmen zur Mehr- heitsbildung genügt, trotzdem blieben die Demokraten bei ihrer Ablehnung. So kam es am Montag zu dem scbon be- kannten Beschluß unterer Landtagsfraktion, der einstimmig gefaßt wurde. Ebenso einstimmig wurde eine Bindung an die zwei Mann starke Äommunistenfraktion obge-- lehnt. Nachdem die Braunschweigischen Kommunisten drei Jahre lang still und bescheiden hinter dem Wogen der Sozial- demokrotic hergelaufen waren, sordern sie jetzt mit einem Mal die Arbeiter auf, in Betrieben, Gewerkschaften usw. die Erfüllung ihrer Forderungen durch„außerparlamentarischen Aufmarsch" zu erkämpfen. Unbeirrt durch dieses Geschrei wird die sozialdemokratische Fraktion ihre eigene Politik machen. Sie hat den Kommunisten ihren Beschluß mitoeteilt und hinzugefügt, es müsse ihnen überlasten bleiben,„sich zu entscheiden, ob sie eine von uns gebildete Regierung unter- stützen wollen". Die Regierung kann sich ihre Mehrheit so- wohl bei den Kommunisten wie bei den Demokraten holen. Eine Möglichkeit, ohne sie zu regieren, besteht nicht. Rraonschweig, 13. Dezember.(Eigenbericht.) In der konstitiuierenden Sitzung des neuge- wählten Braunschweigischen Landtags wurde am Dienstag zum Präsidenten der sozialdemokratische Abgeordnete Wesemeier gewähU. Wesemeier dankt« für die Wohl und ver- las dann ein inzwischen eingegangenes Schreiben des bräun, f ch w e i g i s ch e n Ministeriums, in dem das Kabinett seinen Rücktritt erklärr. Aoch immer Fürstenabfindung. Annahme eines Vergleiches in Merflenbnrg-Schwerin. Schwerin, 13. Dezember.(Eigenbericht.) Der Mecklenburgische Landtag nahm am Dienstag eine Abfindungsoorlage über die Auseinandersetzung mU dem vormals großherzoglichen Hause an. Danach werden die von dem Großhorzog an den Freistaat Mecklenburg-Schwerin gestellten Auswertungsansprüchc mit vier Millionen abgegolten. Dieser Betrag soll am IS. Dezember zur Auszahlung gelangen. Das Land Mecklenburg erzielt mh der Annahme dieses Vergleichs eine Ersparnis von etwa 6 Millionen Mark."'/' Weihnachtsbeihilfe für Erwerbslose. Dt« mecklenburgisch« Linksregierung hat am Dienstag beschlossen, für Minderbemittelt«, die kurzfristig erwerbslos sind, zu Weihnachten ein« Beihilfe von ghl)00 Mark zur Vit- fügung zu stellen. Di« Fürsorgebehörden des Landes sind angewiesen, entsprechende Beträge noch vor Weihnachten zur Auszahlung zu bringen._ Kleinliche Kleinrentnerhilfe. Verwirrung unter den Rechtsblockpartelen. Di« Beratung im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages über Weihnochtsbelhilfen für Klein- und Sozialrentner offenbarte am Dienstag eine Verwirrung inner- der Regierungeparteien, die nicht mehr Überboten werden kann. Reickssinanzminifter Dr. Köhler erklärt« zunächst, daß die Reichsregierung insgesamt 2 S Millionen Mqrk bereitstelle und die Verteilung an die einzelnen Re,ktn«rlchicht«n dem Reichstag überlaste. Frau Abg. T e u f ch(Ztr.) bec-rstndet« darauf einen An- trag, wonach die Hauptuntcrftützungsempsängsr in der Kleinrentner- fiirforge der Invalidenversicherung und d«? Krisenfürsova« ein« «i npr o l i g e Beihilfe von je neun Mark, die Waisen und die Aulcklag-ewpläneer je drei Mark erholten sollen. Außerdem soll die Retchsverstcherungsanftalt für Angestellte ermäch- tigt werden, für ihre Rentner aus eigenen Vfitteln eine ent- sprechende Weihnachtcbrihilf« zu gewähren. Deutschnationole und Deutsche Volks Partei stellten den Gegenantrag, ledi�ich den Klein- rentnern eine Beihilfe in der Höh« der letzten Vtonvtsuniterstützung zu geben. Abg. Karsten(Soz.) entlarvte die Deutsckm.Uicnmlen. die erst vor wenigen- Dogen die Verabschiedung de, Kleinrentner- gesetzes verhindert haben und nun aus agitatorischen Äründ«» plötzlick nur noch für die Kleinrentner eintreten wollen. Er betont«. daß die Sozialdeirokiatie Entscheidenden Wert auf die Erhöhung der laufenden Renten leg«. Bei Gewährung einer einmaligen Bei- h-lfe müsse die gleiche Behandlung für Klein- und Sozialrentner ge'ordert werden. Karsten verlangte, daß auch den Empfängern von Kindergeld in der invaliden Versicherung so- wie den ehemaligen Reichsarbeitern und Reichsangestcllten, soweit sie keine Lnoalidenvcrsicherung beziehen, aber doch»nterstüi-ungs- be-x�tigt sind, ebenialls die Bs'hilien oewädr« werden. Ferner beantragte die Sozialdcmckratic in der Knappschaft,, und Unfall- ve.sicherung ebenso zu verfahren»vie bei der Angestellten- Versicherung. B?i der Abstinrmung wurde auf Antrag der Sozialdemokraten zunächst grundsätzlich entschieden, daß alle Gruppen eine gleiche einmalige Unterstützung bekommen. Deutschnatianole und Deutsche Volkspartei übten Stimmenthaltung. Die sozialdemokra- richcn Berbestsrungsanträge mit Ausnahme desjenigen, der sich auf die Knappschaft»- und Unsallverstcheruffg bezog, fanden Annahme. Ge-ren die Stimmen der Dcutfchnaiionalen wurde dann der ver. besserte Zentrumsantrag angenommen. Dolchübersall aus einen sotzollstischen Siirgerm etiler. Ver bojährige Bürgermeister von T o u l o n, der der i o z I a l i st I- schen Partei angehört, wurde am Dienstag vormittag, als er im Rathaus verschiedene Persönlichkeiten empiing, von der Mtwe eines im Kriege gefallenen Offizier, durch Dolchstich« am Arm und im Gesicht verletzt. Lunkerlicher llnfall. V -Autsch— wo ist mein Thrönchen geblieben?'' Besoldungsdebatte im Reichstag. Das Zentrum fättt auseinander.— Sozialdemokratische Korderungen. In der weiteren Reich»tags de batt« über die Be- soldungsreform, deren ersten Teil wir bereit» in unserer gestrigen Abendausgabe veröffentlichten, führt Abg. Sepp«!(Soz.) noch aus? Manche Beamte werden sich durch die Refdrm in Zukunft sogar noch schlechter stehen, von sozialen Gedanken ist in der Vorlage überhaupt keine Rede. Der Gefetzentwurf ist wohl nur deshalb so schlecht ausgefallen,«eil er seinen Ursprung in Marienbad hat und da wohl manche Störungen eingetreten sind.(Heiterkeit.) Einige veamlengruppen bekommen die Vrozenie, die anderen da» Geld. Die neu� Gruppen- eintcilung ist ein ausgesprochene» K i a s s e n s y st c M wer »nten ist, soll unten bleiben, wer in der Witt« ist, bleibt in der Mitte, aber die anderen bleiben immer hübsch u n t e r s i ch. ver alte Klastengeist unter den Beamten wird wieder erweckt. Der Reichsinnenminister könnte manches«teder aiisglsichen, was das Finanzministerium schlecht gemacht Hot, aber wir haben zu Herrn v. Keudell nicht das Vertrauen, daß er die Barschrifien über die Laufbahn der Beamten im demokratisäen Sinne anwenden wird. Die soziale Arbeitsgemeinschaft der Beamten hat von dieser Vorlage gesagt: Werft das Scheusol ln dt« Wolfs- i ch l u ch t! Wir haben eine Reihe unserer Anträge au» den, Aus- schütz hier wkdenholt, nicht all«, weil ja die Mehrbeiien sestfiehen. Merkwürdig ist nur, daß die Freund« des Herrn Steger wald draußen im Lande gegen die Vorlage Sturm lausen, während seine Partei, das Zentrum, hier beantragt bat, die b ö h e r e n G e- Hölter um 300 Mark zu erhöhen. Von entsprechenden RLckipirkunaen aus d-e unteren Grupven war dabei ober keine Rede Wir boffen, daß die preußische Rernerung von der Erhöhung der Mini sie r i g l z u l a g« n um 80 Rroz. noch etwa« nach- (äffen wird.'Dos Z ent rii m bat bei der BeT.nma dieser Dor- l-m« reine rühmlich« Rosl« gespiekt.? Erst wollte es nur 78 Pro.,, hen-fuchen, den Rest(»äter. dann ist es wioder umaeiallen. Bodanenr wüsten wir d'e �eiheß-'G'na fOnfjÄd'iireB D i ä t a rz e i t. KT-r««-ch« ist Hste varlnqe«in Dsna-e» geichenk. weu si- die Ausstiogsmögllchkeil erschwert.(Lebhafter Bei- fall bei den Soz.) Abg. D'ettich-Baden(Dem): Bei den Regierunosporteien hat sich der Mona et klarer Richtlinien und einer festen Führung gezei-t. Sehr bedauerlich sei e». daß auch die Beamten teilweis« des Glaubens seien, die Besolbungserhöhung werde durch eine allgemeine Teuerung wieder«ett gemacht werden Zu e'ner Rreiserhöhung lieg« gar kein Anlaß vor, da die Besoldung�resorm nicht zu Steu«nerböhungen führt. Di« A»s< besten, na der Beomtcnaebälter iei notwendig, nicht nur im Interesse der Beamten, sondern auch des Staates. Abg. lora'-r lÄomm.) behauptet, daß die Beamten nach dem Au-fall dieler Besoidunasreform ied« Hoffnung auf das Parlament aufgeben könnten Abg. Lücke(Wirffch. Vag.) bezweifelte es, ob c/ möglich sei. die Mittel für die Erhöhung der Beamtenoehäl'er ohne neu« Steuerbelastung zu beschaffen. Der Minister Dr. Köhler, der da» behauptet habe, habe nicht berücksichtigt, daß die gleichen Er« höbungen auch iiir die Beamten der Länder und Gemeinden«in- treten müsse. Die dadurch ensttehczchen Mehrkosten müßten in erster Linie vom aewerblichen Mittelstand in Form erhöhte, Realstcuern getragen werden. Jlechisblock für Minderung der Veamtenstellen. Inzwischen Ist von den Regterungspqrteten ein AenderungS- antrag eingegangen, wonach für die Dauer von zunächst S Jahren. beginnend mit dem 1. April 102«. von je drei freien oder frei werdenden planmäßigen Beamtenstellen der Befoldungsordnung A (aufsteigend- Gehälter) eine Stelle wegfallen soll, fall» die Geschäfte durch eine Hilfskraft wahrgenommen werden können. Diese Bestimmung soll für Länder, Gemeinden und Organe de» öffentlichen Rechts entsprechend« Anwendung finden. Ausnahmen solle» nur mit Zustimmung des Reichsfinanzministers statthaft sein. Abg. Allekolle(Z.) gibt für die ZeMrumssroktion die Erklärung ab, sie sei einig m der Erkenntnis, daß eine Erhöhung der Be- amtengchäiter nicht länger ausgeschoben werden könne. Mcimingsveoschiedenbeiten bestehen innerhalb der Fraltion nur über das A u s in a ß und die Voraussetzungen. Endgültiger Finanz- ausgleich und Verwaltungsreform ständen noch b-por. Breit« Schickten der Arbeiter und Angestellten litten noch unter unzu-- reichenden Löhnen und Gehältern. Infolge dieser Tat- fachen trage eine Minderheit der Zentnimsiraktian Bedenken. der Bsfoldung-relorm zuzustimmen. Die Mehrheit der Fraktion merde ihr unter der Varatissetzung zustimmen, daß der Antrag auf Berminderung der Beamtenstellen angenommen wird. Abg. Dr. Slegerwald(Z) erklgrt, als Vertreter der Fraktions- minde'heit sei er nickst grundsätzlicher Gegner einer Besoldnngs- Verbesserung, wolle ihr aber nur in Verbindung mit«hier Ver- walrunasrefarn, zustimmen. Abg. Groß(Z.) wirft der Wirtschaitspartei Demagogie vor. Im Plenum beklage ste die Belastung des Mitrelstondes durch die Besoldungsvorlags, während ihr Vertreter im Ausschuß Anträge stellte, die 100 Millionen Mehrausgaben gv- fordert hätte». Abg. Torgler(Komm.) verliest einen Brief des Abg. Steaer- wald, dieser habe die abgebauten Beamten als wind er- w e r t i g bezeichnet. Für die höheren Beamten habe er sich da- gegen warm eingesetzt. Dainit ist die allgemeine Aussprach« im Wesentlichen beendet. Abg. Aoßman«(Soz.) begründet einige Anträge der sozialdemokratischen Fraktion, di« im Iittcresie der Versorg ungsanwärter gestellt sind und die insbeirndere die diötartzcbe Dienstzeit und die Anrechnung der tatsächliH abgeleisteten Dienstzeit betreffen. Die Versorgulms- onwäner wurden eins schwere Enttäuschung erleben, wenn die setzt beabsichttgt» Regelung endgülttg bxschlosien werden sollt«. Weiter beantraat die Sozialdemokratie eine dels«'« B» r ü ck s i ch t i- gung der schwerkriegsbeschädigten Beamten, sowie der Beamten, die kein« Ehe eingehen können, aber ihre unehelichen Kinder in den Hausbalt aufgenommen haben, bei der Regelung des Wohnungsgeldzuschusses und des Kinderzuschlages. Abg. Steinkopf(Soz.) begründet einen Antrag der Sozialdemokratie, wonach die oberste Reich-behörde Kinderzuschläg« auch für Pflegekinder und Enkel gewähren kann, wenn der Beamte diese in seinem Hans- halt ausgenommen bat und für idr-n Unterhalt und für ihre Er- Ziehung keine Vergütung erhält. Ferner wünscht die Sozialdemo» kratte eine Erkläruna der Regierung, ob sie bereit ist, die Kinder- Zuschläge zu erhöhen. Gebeimrat veeoer vom Reichsiinanzmimsterium erwidert hier» auf, daß die Reaieruna eine solche Erkläruno nickt abgeben könne. Abg. Schuldt-Steglitz und Aha. Frau.Luders(Dem.) begründen einige Aboicheru'r'sriuräae der Demokratischen Partei, die An- rechnung der Dienstzeit bei den Persorgungsanwärtern. den Wohnunnsgeldzufchuß kür verheiratete weibliche Beamte und den Kinderzuschläg betreffend. Der erste Abschnitt der Besoldungsvorlage. enthaltend die 1 bis 14 wird unter Ablebnung oller Abäirderungsanträge a n g e» n o m m e n. Das Hans stimmt l-diglich einem so-ialdemokratifchen Antrag zu, wonach Kinderzuschläg« auch für Psleoekinder und Enkel, die im 5>aushalt des Beamten aufgenommen find, gewährt werden können. Um 10/4 Uhr vertagt sich das Haus o»s Mittwoch vormittag, 10 Uhr: Fo?tsetz"ng der Besalduno-beratuna,«imnoiige Weih- nachtsbeihils« an«sozial- und Kleinrentner. Scheinopposition. Schiele und die Zollfenkung für Innereien. Im Hondelspolittschen Ausschuß mgchten gestern hie Regierungsparteien ihrer sonst so hochschutzzollsrommen Re- gierung heftige Opposition, weil dies« es wagte,«in der doinschen Regierung gemachtes Zugeständnis, den Zoll auf Innereien (Ahweine-Leber,-Herz,-Nieren) von 32 auf 21 Mark zu er- in a ßig n, einzulösen wofür die dänisch« Regierung ihrerseits als Gegengabe auf Zollzugchändnisi« für Warmblutpferd« verzichte. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes redete den mit dieser Regierungsvorlage höchst unzufriedenen großen und kleinen Land- wirken gut zu, sie möchten dach berücksichtigen, daß Dänemark Hauptabsatzgebiet deutscher Waren sei.' Ein Piertei unserer gesamten'Ausfuhr gehe nach Skandinavien. Mangelndes Eptgegentomnien an Dänemark könne dort unter Umständen eine Regierungskrise auslösen, was die Gefahr einer Hochschutz- Mnerischen Bauernregierung heraufbeschwöre. Mit welchem Argu- ment der Regierungsvertreter sich, von ihm selbst unbemerkt- lebhaft «insetzte für Freihandel bei den anderen<' In der schwierigsten Lage aber befand sich der Ernährung«- minister für die Landwirtschaft, Herr Schiele. Er utandte upd drehte sich und mußte doch schließlich bekennen,»ach Last» de» Dinge habe es einen anderen Ausweg nicht gegeben, des- halb habe auch er dieser Zollherabsetzung..wenn auch schweren Herzens, zugestimmt. Nachdem er stch noch den Borwurf, die Inter- esien der Landwirtschaft nicht genügend wahrzunehnien. hatte ge- fasten lassen müssen, wurde gegen die Stimmen der Wirtschaftlichen Vereinigung, der Bayerischen Volkspartei und eines Deutschnatio- nalen die Herabsetzung des Zolles auf Innereien von 32 auf 21 M für den Doppelzentner angenommen. Regierungskrise in Lettland. Rücktritt der �inksregierung. Riga. 13. Dezember.(Eigenbericht.) Di« lettische Lmksregierunq ist zurückgetreten. Die Demission ist ayf die schwierigen parlamentarischen Verhältnisse zurückzuführen. durch die jede sachliche Arbelt seit Monaten unmög- lich gemacht wurde. Immerhin hat das Lintskabinett bisher samt- liche opposilionellen Angriffe überstanden. Die neue Regierung dürfte aus Mitgliedern sämtlicher bürgerlicher Parteien bestehen. Infolge Rücktritts der finnischen Sozialistenregierung ist S u- nila(Agrarparteii mit der Regierungsbildung brmistrcigi worden. Litauische oppositionelle Offiziere sind entlassen worden, und zwar der Chef des 2. Arineebezirks, Oberst P« t r u i t> s, der kurz vor der Genfer Tagung vom Staatspräsidenten den Rücktritt Waldemar a»' verlangt hatte, der Chef seine, Stabes, Oberst S ch u m f k i s und ein Leutnant. Die Verhandlungen in Düsseldorf. Die presse bekommt keinerlei Mitteilung. Düsseldorf. tZ. Dezember.(WTB.) Dle Parteien haben einstimmig beschlsssen, um ein ungestörtes Verhandeln zu sichern, solang? die Schlichtuugsoerhandlungcn dauern, über den Stand des Versahrens der Presse keinerlei Ali!- tcilung zukommen zu lassen. * Dieser Bcschliih beruht aus einer vollstanöigeii Verkennung der Aufgaben der Presse. Der Verlaus der Verhandlung kann durch Pressemeldungen nicht gestört werden. Wenn jedoch die 2k- fürchtung bestand, daß dies dennoch geschehen könne, dann mußte die Ausgab« einheitlicher, von den Parteien vereinbarter Berichte beschlossen werden. Die Verhandlungen sind keine Privatangelegenheit der 2k- feiligten, sondern«ine Angelegenheit von größter ösfentlicher 2k- deutung Den Nachteil von dieser Geheimniskrämerei hat die Arbeiterpresse, da die Unternehmer durch alle ihnen ver- silgborrn Kanäle die ihren Jnteressenstandpunkt entsprechenden An- schauungen in die Presse und damit in die Oesfentlichkeit bringen. OerGachverstandige gegen die ArSeiterfordemngen Vochum. 13. Dezember.(Eigenbericht.) Am Dienstag nornnttag wurden in Düsseldorf die Schlich- tungsverhairdlungen für die Metallindustrie Ztordwest fortgesetzt. Die Schlichtungskammer nahm den Bericht des auf Antrag der Arbeitgeber geladenen Gutachters Dr. van der Porten vom Reichsstatisttschen Amt des Reichswirtschafts- ministeriums entgegen. Das Gutachten Dr. von der Portens kam zu dem Ergebnis, daß auf Grund seiner Erhebungen bei den Vereinigten Stahlwerken«ine Arbeitszeitverkürzung in dem von den Gewerkschaften gesorbertcn Ausmaß nicht tragbar sei und daß eine neue'Arbeitszeitverkürzung nur schrittweise durchgeführt werden könne. Die Antwort der Gewerkschaftsvertreter aus dieses einseitige Sachrerständiaenglltachten war recht deutlich. Die Gewerkschaften erklärten, daß sie die Angaben des Gutachters solange anzweifeln müßten, als sie nicht selbst in der Loge seien, an den Erhebungen teilzunehmen. » Die Verhandlungen wurden gegen'A 3 Uhr unterbrochen lind nachmittags wieder fortgesetzt. Einen breiten Raum in den Ver- Handlungen nahm die Erörterung über die Durchführung der Ar- beitszeitverordnung vom 16. Juli ein. Die Arbeitgeber erklärten mit allem Nachdruck, daß die vom Reichearbeits- mini ff er angeordnete Durchführung der Arbeits- z« f t v e r o r d n u n g f ü r si e untragbar sei. Bei der Behandlung(»er Lohn- und A r b«> t s z e i t s o r d e r u n g e n der Gewerkschaften ergaben sich dieselben Gegensätze, wie bei den früheren Verhandlungen. Der Schlichter hat bisher nicht vermittelnd eingegriffen, sondern lediglich die Informationen der Parteien entgegengenommen. Es wurden im Laute der. heutigen Verhandlungen keinerlei Fort ichritte in der Richtung des Ausgleichs erzielt. Die Verhandlungen stehen auf demselben Punkt wie am letzten Sonnabend. Abends wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vor- mittag A 10 Uhr vertagt. Die Parteien verpflichteten sich, der Presse keinerlei Informationen über den Verlaus der Aussprache zu geben. Allgen, ein rechnet man mit dem Abschluß der Verhandlungen und dem Spruch des Schlichters bis Mittwoch abend, dem Borabend des Kündigungstermins für den größten Teil der in der Groß- induftrie beschäftigten Arbeiter. Beeinflussung der Lohnverhandlungen. Die„.Kölnische Zeitung" bemerkt zunächst zu der Entscheidung des Reichsarbeitsininisters, daß die Eisenindustrie es kaum werde wagen können, ihre Front weiterhin gegen die Verordnung und damit gegen die Autorität der Regierung zu kehren. Die Regierung habe gcsprocheir, und wenn die Eisenindustrie die bisher geplanten Stillegungen auch jetzt noch in Gong setzen würde— wohl bemerkt gegen die Drerschrchtenverordnung—, dann würde sie mit verkehrter Front kämpfen und in der össentlichen Meinung isoliert stehen. Dann ober wendet sich das Blatt zu dem ganzen Schwer- gewicht des Konflikts, das sich ans die Lohnfrogc ver- schiebe. Es sei anzunehmen und unverständlich, daß die Unter- nehmer, nun, wo sie in den sauren Apfel der Arbeitszeitverordnung beißen mußten, in der Loh ir frage unzugänglicher wer- den. Von den Gewerkschaften könne eine Zurückstellung der Lohnforderungen verlangt werden. Das gehe um so mehr, als iu.der eisenschaffenden Industrie ein Ausgleich i u dem'Akkord geschaffen werden könne. Bei den wenigen Zlr- beitern,. die nicht im Akkord stehen, mußte ein Ausgleich durch Prämien oder nachträgliche Uebernahrne in den'Akkord gewährt werden. Wenn dagegen in der eisenverarbeitenden Industrie die Gewerkschaften aus ihren Lohnsordernngen bestehen blieben oder wenn der Schlichler in seinem Spruch zu weil gehe, so würden eisenverarbeitende und eisenichasfende Industrie soiidarisch vorgehen müssen und entweder Forderungen auf Preiserhöhung stellen oder mit neuer Front den Kampf gegen die Lohnfordertkngen der Gewerkschaften ausnehmen müssen. �WaS man erwartet habe." Die Eisen- und Stahiherren hotten doch wohl von ihrer Still- legungsandrohurig die Wirkung erwartet, daß die gesamte Verord- nung des Reichsarbeitsministers über die Achtstundenschicht auf un- bestimmte Zeit vertagt würde. Stach Tische liest man's anders. „Man habe erwartet"— wird jetzt aus Unternehmerkreisen erklärt—„daß die Verordnung schon wegen der praktisch sehr schwie- rigen Umstellung zunächst nur in den Thomos-Werken und anschließenden Walzwerken durchgeführt werden sollte." Wenn„man" das erwartet hatte, weshalb dann die Geste mit dem Daum aufs Auge und die Hand an die Gurgel der Republik? Auffchub bis Februar gefordert? Esten. 13. Dezember.(Mib.) Im Konflikt um die Dreischichtenverordnung in der Eisenindustrie verlautet, daß etwa 9 3 Pro z. der Elsen- undStohlwerte im Ruhrgebiet den Antrag stellen werden, das Inkrafttreten der Arbeitszeitverordmmg bis zum 1. Februar 19 2 8 hin- auszuschiebe ir. Der Achtstundentag für 75 proz. der Eisenwerke. Nachdem der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns an der 2krord- ming vom 16. Juli 1927 festhält, also an der Durchführung des Achtstundentages fuk die unter schwersten Verhältnissen tätigen F e u e ra rbcite r Im Stahl-, Walz-. Preß- und H a m m erwe rk für diejenigen Betriebe, die T h o m a«- S t o h l- werke und Kaltwalzwerke sind, wird von unterrichteter Seite darauf hingewiesen, daß diese Werke etwa 7Z Proz. der Eisenhüttenbetriebc ausmachen, und zwar die Kaltwalzwerke etwa 59 Proz. und die Thomas- Walz- werk etwa 29 bis 2ö.Proz. Die Martinsstohlwerke stellen demgemäß etwa 2S Proz. der gesamten Eisenwerke dar. Tarisseinöschast der Anwattvsreine. Ein �eichsgerichtsnrteil. Der Änwattvcrein Frankfurt a. M. bemüht sich seit Jahren, van dem Zsarisverhältnis loszukommen, in.dem er zum Zentralverband der Ange st eilten steht. Der Schlichiuvgsausschuß hat regelmäßig Tarifschiedssprüche gegen ihn gefällt. Der Schlichter hat sie für verbindlich und der Reichs- o r b' e i t s m i n i st e r bat sie für allgemein verbindlich erklärt. Die Beteuerung des Anwaltvereins. daß er nicht mehr tärisfähig und feine Mitgliedschaft Gegner des Tarisveri träges sei. versing nicht. Dapaus Hai der Franksurier Anwaltverein die'Feststel- lungsklage gegen denZdA- eingereicht und darin beantragt. de« allgemeinverbindlich erklärken Schiedsspruch für rechlsunnnrksam zy erklären.> Das Landgericht hat diese Feststellungsklage a b g e- Giesen Mit feiner Berufung vor dem O b e rl a nd e s g e r i ch t Frankfurt o. M. hatte der Anwaliverein kein en anderen Er- folg. Kürzlich hat nun auch das Rcickisgericht die Re- vision des Anwaltvereins zurückgewiese n Damit ist sein B ersuch, von der tariflichen Regelung der Gehalts- und Arbeirsbedingungen für die Frankfurter Anwaltsangeftellten los zu- kommen, bis auf weiteres che s ch e i t e r t. Ebenso t a rt s f e t ir dli ch wie der Frankfurter Zlir- waltverein sind auch fast alle übrigen Organisationen der Anwälte. Führend in diesem Kampfe gegen den Toris- vertrag ist ji'e Spitzenorgantsation der Anwälte, derselbe Deutsche Anwalt verein, der vor nicht allzu langer Zei: bei dem Streit um die Zulassung zu den Arbeitsgerichten"die An- wälle„als die ei n Z ig berufenen Schützer des mo- dernen Arbeitsrechts" bezeichnet Hot. Leder Arbeiter und Angestellte besucht die Weihnachismesse der Äerliner Arbeiterschaft im Gewerkschaftshaus Aus der Praxis der Lanökrankenkassen. Was für schäbige Praktiken bei gewissen Land- k ta n k e n k a ss e n üblich sind, zeigt folgender bemerkenswerter Vorfall, den der Deutsche Landarbeiterverband aus Mecklenburg-Streliy meldet. Einige Landarbeiter boten einen Gastwiri. in ihrem Namen den entfernt wobnenden Arzt tele- phonilch herbeizurufen.. Der, Gastwirt kam dieser Bitte nach. Daraus«rhielr der Gastwirt von den Mecklenb.-Strel. Landkranken- kassen folgende schriftliche Mitteilung! „Neustrelitz, den 13. November 1927. Herrn Gastwirt..... Durch das unbegründete Heranrufen des Arztes durch Ihren Fernsprecher entstehen der Kasse unnötige hohe K o st e n. Wenn man bei Ihnen darum ersucht, den Arzt zu rufen, so sind Sie nicht in der Lage, nachzuprüfen, ob dies nötig ist oder nicht. Wir bitten Sic deshalb höflichst wie dringend, dem Ersuchen von Mitgliedern, an den Arzt zu telephonteren, nicht nachzukommen, vielmehr die Leute an die G u t s v< r w a l t u n g zu oerweisen. diese ist in der Lage, über die Notwendigkeit zu urteilen � Fahrlässiges Heranholen des Arztes zieht Schadenersatz- anspruch nach sich. I. A.;>2L Pelz, Geschäftsführer." Danach läge also die Entscheidung darüber, ob ärztliche Hilfe in den Landorbeilersamilien notwendig ist oder nicht, bei den Gutsverwaltungen. Ein reichlich starkes Stück! Was denkt sich der Gefchästsführcr der Mecklenb.-Strel. Landkrankenkasse, bzw. der Vorsitzende derselben. Gras B e r n st o f f,«igeiitlich? Soll der Gutsbesitzer etwa die Frau des �indarbeiters im Krankheitsfälle untersuchen, um festzustellen, ob eist Arzt benötigt wird? Bekanntlich haben die Versicherten zwei Drittel der Rechte in der Selbstverwaltung der Landkrankentasse und die Arbeitgeber nur ein Drittel. Was würden wohl die Gutsbesitzer sogen, wenn ein Landarbeiter das gleiche Recht für sich in Anspruch nehmen würde? Wäre die gnädige Frau damit einverstanden? Sicherlich würde sich der Gutsbesitzer im umgekehrten Falle eine der- ariige Einmischung in seine persönlichen Verhältnisse ganz ent- schieden verbitten. Aus dem Schreiben des Gelchästsführers der Mecklenb.-Strel. Landkrankenkasse können die Landarbeiter d i e Anmaßung der Gutsbesitzer erkennen, aber auch lernen, wie notwendig es ist, daß in die Londtrantenkossen endlich ein neuer, von dem Willen der Landarbeiterschast getrogener Geist einzieht. Drohender Bergarbeiierstreik in Schlesien. Die Gewerkschaften der Bergarbeiter hatten den Arbeitgebern im'November eine Forderung unterbreitet, die u. a. eine E r- b ö hn n g des S ch i ch t l o h n e s um 89 Pf. verlangt. Am Sonntag tagten in Waldenburg die Funktionäre der christlichen und der freien Gewerkschaften iniMehiiteN die Antwort der Arben- geber als völlig ungenügend ab. Sollten sie nicht bis 29. Dezember eine Antwort im Sinne ihrer Forderung erholten, dann soll am 22. Dezember die Arbeit niedergelegt werden. Rund 2 8 9 9 9 Bergarbeiter würden dann tn.dc n S t r e i k. t r c t c n. Sonderbare AngestelltenVahlen. Bei der sronzösischea Saarbergwerksverwoltung. Die in Saarbrücken zum letzten Sonntag anberaumte Wahl zur Disziplinarkammer deutscher Ange st eil tu r der französischen Saorbergwerksverwaltung fand n i ch i statt, weil sich keine Kandidaten meldeten. Nur in der Klasse der Jnspektionskassicrer hallen sich zwei K a n d i d a t.e n gemeldet. Da sich in dieser Älasle nur zwei Wähler befanden. und zwar die beiden Kandidaten, so wählten sie sich s elb ch------- Aufgehobene Sperre. Die Differenzen mit dem Lokal„Zur Münzglocke", Inhaber Döblcr, Münzstr.. wurden beigelegt. Die Sperre ist a u s g e h o b e n. Zenllaloervand der Hotel-, Restaurant- und Cafä-AilgesteUt«n. F«Il SewcrllSastijilg«»»«roß-Beilw. Heute, Mitlwo-ki. lflti Uhr, tagen die Gruppen: SteukSI»: Jugendheim Bergstr. 2S iHv'). Vortrag:„Wie vertrete ich meine Zntcresstn in Aelrieb uird Schule?"— zsanmituuleaiveg: Iugendlic.m ,Baumtchulenweg. grnststu. w.. Borlrag:„Sicligipb und Schule." Sitdweuc» Zugendheim Horckpr U, Fabrikgediiude. Vortrag:„?ie Entipickluug der ge- noisenschqftlichen Betriebe."— Siordriug: Jugendheim Gbet.<.walder Sir. Zv. Zimmer I?. Bortrag:»Heinrich Heine."—' Zentrum: Jugendheim Zehdentcker StraKe 34/25. Vortrag:„Eutuncklung und Bedeutung des Taritmelens."- Weißens«: Gruppenheim Weißens». Bartttr. z<5. Bocitag;»Die Setverl fcheften in ihrem inlernotionalen Slutdau."— Ostkreis-Surs»»: Iugendheiiu Diestelmenerstr.(...Wirtschaitswerden— Wirtschostswei.'n."— Zxgendkollegi». »en und Zugendtolegenl Deckt euren Bedarf an Weihnachtogeschenten in der Weihnnchtsmeffe der Berliner(bewertschoften. Engelufer 34/35.5 veöffnel m 20 Uhr. Zugrndgruppc d«» ZdA. Heute, Zgittwoch, 19' I Uhr finden folgende Ber- anstaltungen Natt: V«?ir> Rordweft: Zieolanmnalium Schlesmiger Ilier 14. Bortrog:„Bub und Madel tSchulße.Zrentiel).- Bezir» Spandau: tzugenddeim Liudenufer I- Arbcitsgemeinschatt:„Zugenddemegung llrdeirerbemegung.'' Leitung: Surr Michael.~ Bejitl Osten: Zugriidhcim der Schule Litauer Str. IS. Iultlopv unter una.. Bdzin Zteutölln: Zugrnddeim BädmNche Str. 14. Bor. trag:»August Bebel"927 wurde» im Jahre>92.5 in Rußland ans Grund von Gerichtsurteilen 1 200 Todesurteile vollst reck!. Hin zu kämme» aber nach ebeniaviel Lollstrecknngen auf Grund d�r Entscheidungen der Tscheka. Die Todesstrafe ist hier nichts anderes als eine Teilerscheinung des Terrors, der seit zehn Jahren gegen poliiiich Andersdenkend«, in erster Linie gegen Sozialisten und jetzt auch gegen die oppositionellen Kommunisten angewendet wird. Dieser Terror der bolichewistischen Regierung findet sein Gegenstück in dem Terror Mussolinis. Der Vorsitzende der Kundgebung, Genosse.Künstler, l-gie daraus der Berjonimlung eine Resolution vv., die einstimmig an- genommen wurde. Diese Resolution erheb» schönsten Protest gegen den Faschismus und sordeet die Abschassung ckes barbarischen Instituts der Todesstrase. Sie erklärt, daß sie in ihrem Kampfe gegen hie Greuel des Faschismus der balschewistilchc Terror, der zu einer bleibenden Einrichtung geworden ist, ein Hindernis bedeute», und sie brandmarkt die Lerfolgi-ngen der ioziolistiichen Arbeiter, Bauern und Intellektuellen"und fordert im Interesse des Proletariats und des internationalen Sozialismus die Au'h?bu»g de» Terrors und«ine oUgemeine Amnestie für die politischen Gefangene» der Sowjetunion. Drei Jahre Gefängnis für Wvop. Der Masienbetrugsprozeß gegen de»„Begründer"' der Weltfrauenloge Friedrich W o o p, einem„Organisator d?r Lüge und des Schwindels", wie der Staatsanwalt ihn bezeichnete, wurde gestern nach nicrwöchigcr Dauer aar einer Sandcrabteilung des Große» Schöffengerichts beendet. Es handelt sich bei den Betrügereien um zwei Gruppen. Einmal hatte Woap mite'- fchwindelhalten Versprechungen die Weltsranei.lage gegründet, die angeblich von den emerikanischen Froucnligen finanziert werden sollte. Bei einer Weinprobe hatte er die Präsidentschast ernannt und dann mit d-r Präsidentin einen Vertrag abgeschloijen, durch den er die Organ i- sation vollständig in die Hand bekam. Es wurden Kassiererinnen und Vertreterinnen mit hohem Gehalt und Pensionsberechtigung äuge- stellt. Vorbedingung war aber die Stellung einer K a n t i o n. Diese hat Waop ebenso wie die Mitgliedsbeiträge und die erworbenen Gut- �Aeruent. von Fjodor©labfm». Gljeb brüllte wie ein Stier und Sergeij hörte weder das Stampfen der Füße noch das Geschrei und die Schüsse in dieser undurchdringlichen Finsternis. Er flog leicht und gewichtlos und fühlte die Erde unter seinen Füßen nicht und nicht das Pfeifen des Windes in seinen Ohren und nicht den Schmerz der Dornen, die sich in sein Gesicht hineinbohrten und die Haut bis zum Fleisch zerrissen. Er keuchte, schrie— doch was er schrie, hörte er selber nicht. Aus dem Nebel jagte in federndem Galopp ein rasendes Pferd heraus. Wieherte und bäumte sich vor Sergeij auf. stolperte auf den Steinen, schlug mit den Hinterbeinen in die Luft. Wieder wieherte es laut und verschwand im Nebel. Und an der Stelle, aus der das Pferd gestanden hatte, gähnte ein Abgrund. Sergeij blieb stehen und horchte. Von weitem stampften die Hufe über die Steine, und Gljebs Schreie waren nicht mehr hörbar. Wilde Unruhe zitterte im Wetterleuchten, phosphorartig glänzte der Nebel. Man konnte nicht erkennen— wo dos Meer aufhörte und der Himmel begann. Unten türmte sich die Stadt wie ein Friedhof.— Riesengroße Hausblöcke, ohne Beleuchtung: riesengroße Gräber, Schutthaufen in den Stein- brüchen. Sergeij schaute sich um—�rückwärts irrten Fackeln in den Bergen. Auf der anderen«eite ist das Gebirge mit seinen Zacken, Uebergängen und Gipfeln und noch höher über ihnen flattern Sterne. Sie flammen auf und erlöschen. fliegen wie feurige Schlangen, brennen wie Scheiterhaufen und zerfließen in flammenden Strömen auf den Gipfeln, in den Schluchten und auf den Bergrücken. Unten— im Tale seufzten und flüsterten Menschen, viel- leicht waren es auch Hunde, die, um ein Aas versammelt, einander bissen. Steine klirrten wie Scherben. Dort ist Gljeb, und dort ist auch der Einarmige. Bon zwei Feinden— muß der eine besiegt werden. Es gibt so viel Einarmige, warum soll gerade dieser im Nebel verschwundene Sergeij so aufregen? Er sprang den Abgrund hinunter und die Steine spalte- ten sich unter seinen Füßen und oerwandelten stch in Staub. ... Gljeb krümmte sich zwischen den Steinen, bog seinen Nücke» und brüllte.— Sergeij sah, wie er mit seinem Knie die Brust eines der Länge nach hingestreckten Mannes eindrückte und mit den Händen sich in seinen Hals hineinkrallte. „Du lügst, niederträchtiger Kerl, wirst jetzt nicht mehr davonkommen!... Schluß mit dir. du Schurke!... Bist mein!... Hilf, Serjoscha... Durchsuch ihn, diesen Hund. ... Nimm aus seinen Taschen alles, was drin ist." Mit zitternden Händen und fieberhafter Geschwindigkeit suchte Sergeij die Taschen des Uniformrockes durch. Fand nur eine Schachtel mit Tabak, Zündhölzer und eine Brot- rinde. Und als er den Stumpf der rechten Hand berührte, erstarrte er unter dem heftigen Stoß, der seine Brust er- schütterte. „Ich wußte es. Gljeb.... Das ist— mein Bruder... das ist mein Bruder, Gljeb.... Ich werde ihn sofort, jetzt gleich erschlagen.... Ich werde ihn erschießen. Gljeb." „Gut!... Nimm seine Waffe unter meinem Fuß weg. ... Nun Freund, rüttle dich mal auf.... Stell dich neben ihn, Serjoscha. und halle dein Gewehr schußbereit.... Oder soll ich ihn, weil er dein Bruder ist, dir zur Begnadigung überlassen? Nun?... Was wirst du zu seiner Beneidiguna sagen?" Und in diesem Spott fühlte Sergeij eine Feindschaft, die ihm wehe tot Es schien ihm, daß Gljebs Augen wie bren- nendc Kohlen erglühten. „Laß deine Spaß«, Tschumalow.... Führ Ihn fort. oder ich werde ihn gleich hier... an Ort und Stelle er- schlagen.... Du host kein Recht,.in so einem Tone mit mir zu sprechen." „Sei nicht so wütend, Teufelskerl." Sergeijs Hönde und Füße zitterten. ... Dimitrij stand aus, wollte sich zurechtrecken, aber seine Hand war zwischen Gljebs Fingern festgeschmiedet. Er verschluckte sich und hustete. „Wieder eine ungewöhnliche Begegnung. Serjoscha.... Und doch bist du nicht den kleinen Finger dieses wilden Kerls hier wert. Des Regimentskommissars Gljeb Tschumalow! Ich hatte die Ehre. Ihnen im Hause meines lustigen Vaters zu begegnen, als Sie dort plünderten. Es tut mir leid, daß mein Bruder Sergeij damals nicht dabei war: ich hätte ihm gern den Schädel entzwei geschossen. Meine Hand kann noch Wunder verrichten." Gljeb beugte sich zum Gesicht des Einarmigen, lieh aber seine Hand' nicht los. „Aha, eine unerwartete Begegnung, mein Heldenhaupt- mann.... Im Garten, beim Alten... damals war ich recht dumm: man hätte Sie damals schon mit dem Lasso einfangen sollen. Das wäre gut gewesen.... Kommt, Kinder!... Genosse Tjchibis wird sich über so einen Gast freuen." Dimitrij wollte sprechen, aber ein Lachen zerriß seine Worte, und er keuchte vor Anstrengung, ruhig zu erscheinen. „Es ist sehr schmeichelhaft für mich, mit euch gehen zu dürfen, Freunde... besonders mit Ihnen, mein Helden- mütiger Regimentskommissar... aber lassen Sie doch meine Hand los. Ich bin kein Kind und kein junges Mädchen. Sie brauchen mir gegenüber nicht so eine rührende Sorgfalt an den Tag zu legen. Der besiegte Feind wird nicht weniger stolz und fest einhergehen, wie ihr, die Sieger.... Nur nehmen Sie bitte meinen Bruder ein wenig von mir weg. Ich bin überzeugt, daß ihn jetzt die schrecklichste Weiberhizsterte guölt.... Beruhige dich, Serjoscha, du regst dich zu sehr auf, mein Freund!" Sergeij klapperte mit den Zähnen und konnte nicht das Uebeljein in feiner Brust bekämvfen. Er machte die aller- größten Anstrengunge», um nicht aufzuschreien und in tieri- scher Wut sich auf seinen Bruder zu stürzen Und der Einarmige lachte wie ein lustiger, guter Kerl. „Nicht wabr, Serjoscha, wir sind noch nie mit so einem großen Vergnügen miteinander spazieren gegangen wie heute. ... Solche Augenblicke muß man zu schätzen wissen.... Um so mehr, als diese Minuten— die letzten in unserem Leben sind.... Du wirst mich noch ganz krank machen mit deinem düsteren Gesicht, du Krieger.... Man muß es leichter nehmen.... Du bist ein zu kläglicher Sklave deine'' Partei, um in dieser Stunde eures dummen Erfolges selber über dich verfügen zu können." Sie stiegen de» Abgrund hinauf und gingen über die Bergstraße. Uebcr den Berge» und dem trüben Himmel flackerten Blitze. „Und trotzdem stinkt eure Sache— ihr armseligen Pfuscher.... Morgen werden di- Pflaster mit eurem Hirn besudelt werden. Schade, daß ich das nicht mehr mit meinen Aztgen sehen werde.... Und dich. Serjoscha, möchte ich vor aller Augen an dem Tore unseres Hauses aufhängen." Sergeij lachte und wunderte sich: wie konnte er nur in diesem Moment lachen. .„Hättest du je erwartet. Bruder, daß ich dich zum Tode führen werde? Und nun ist es so?... Ich werde nicht sehen, wie man dich erschieß». Aber daß man dich gefangen hat— mit meiner Hilfe gefangen hat— schon das gibt mir eine ungeheuer große Befriedigung.... Ich führe dich mit schußbereitem Gewehr." lFortsetzung folg«.) Der Raubmord in Brandenburg. Nicht ein sondern mehere Mörder wahrscheinlich.— Bisher keine Spur. Das furchtbare verbrechen, da» gestern früh in Brandenburg a. d. Havel entdeckt wurde, hat die Einwohnerschaft in groß« Er- regung oersetzt. Der ermordete Brauereibesitzer Iuiu» Frey- dank, ein geborener Brandenburger, hielt sich zwar vom öffent- lichen Leben ziemlich zurück, war aber durch seinen Bieroertrieb zahlreichen Leuten wohlbekannt. Das Grundstück Plauener Str. 8— 0, auf dem sich die Brauerei befindet, liegt an einer der verkehrsreichsten Straßen im alten Teil der Stadt. Die nächste Polizeiwach« ist nur SV Meter von dem Mordhause entfernt Fast alle angrenzenden Gebäude werden von Wächtern bewacht, nur Frey- dank hielt solchen nächtlichen Schutz seiner Gebäude für unnötig. Den ganzen gestrigen Tag hindurch waren unter Leitung de» Pots- damer Oberstaatsanwalts Paffe Beamte der Brandenburger und Berliner Kriminalpolizei mit der Ausnahme des Tatbestandes und mit Ermittlungen beschäftigt. Es hat neuerdings den Anschein ge- wonnen, daß ein Mann allein die grauenhafte Tot nicht ausgeführt haben kann, sondern daß es zwei, vielleicht sogar drei gewesen sind. Frcydank war ein kräftiger Mensch, der einem Töter allein wohl erfolgreich Widerstand geleistet hätte. Aus der Lage der Leiche ist nun zu schließen, daß die Verbrecher sich ver- steckt dielten und den ahnungslos Eintretenden von zwei Sellen mit Mcsiern bearbeiteten. Ehe sie den Schauplatz des Verbrechens verließen, trugen sie noch einen Kasten Bier herbei und marken ihn in zynischer Roheit über die Leiche. Die Verbrecher suchten dann, wie Blutspuren deutlich zeigen, die Kontorräume auf. Wieviel Borgeld im Hause war, weiß man noch nicht. Do Frey- dank am 3. Dezember die letzte Einzahlung bei einer Brandenburger Dank besorgt hatte, müsien beträchtliche Summen im Hause gewesen sein. Im Priontkontor des Ermordeten befindet sich da» bereits erwähnte Aylinderbureau, in dem Freydank dos Geld in Schwingen oerwahrte. Hier haben die Täter alles Vor- handene geraubt mit Ausnahme der Rollen, die Kupfergeld ent- hielten. Auch im großen Kontor öffneten die Mörder einen Schrank und entnahmen ihm das Geld, das für tri« Taqesausgaben bereit lag. Eine Kosiette. die 3 00 Mark in alten Goldstücken enthielt, erbrachen sie zwar, ließen aber den Inhal» unberührt. Aus Fußspuren, die in der leichten Schneedecke noch zu sehen sind, ergibt sich, daß die Mörder, um zu spähen, dos Haus von allen Seiten umschlichen haben. Während zwei hineingingen, hat der dritte Scbmiere gestanden. Der von der Berliner Mordkom- Mission mitgeführte S u ch b u n d konnte leider nicht« mehr ausrichten, weil zuviel Personen hin und her gegangen waren. Bisher ist es noch nicht möglich gewesen, für die Person der Täter einen Anhalt zu gewinnen. Weder aus dem Zuchthaus« noch aus der Landesirrenanstast Görden sind Insassen entwicken. Für die Ermittlung und Ergreifung der Mörder wird eine hohe Belohnung ausgesetzt werden.,__ Oer Atteniatsversuch auf den D-Zug. 15 Lahre Zuchthaus für einen Eisenbahnattentäter. Das Potsdamer Schwurgericht verhandelte gestern unter Vorsitz von Landgerichtsrat Härtung in Brandenburg an der Havel gegen den Fabrikarbeiter Hans Schröder aus Magde- bürg, der sich wegen versuchten Mordes und Transportgefähr- dung zu verantworten halte. In der Nacht vom 28. zum 29. Juli d. I., gegen 11 Uhr nachts, versuchte der Angeklagte den Berliner D-Zug 38 kurz vor Brandenburg aus der Neujohrsgrabenbrllcke zum Entgleisen zu bringen. Der Angeklagte hatte die Schienen mit schweren' Steinen bepackt und erwartete so den D-Zug, um. falls eine Ent- gleisung zustandegekommen wäre, die Passagiere in der all- gemeinen Verwirrung des Zusammenstoßes zu berauben. Nur durch das gute Funktionieren�der Zuqräumer wurde das furcht- bare Unglück oerhütet. Der Sachverständige Reichsbahnrat Weese lMagdeburgi gab sein Gutachten dahin ab. daß die Hindernisse, di� der Anaeklagte aus den Bahnkörper gelegt hat. geeignet waren, den D-Zug zur Entgleisung zu bringen. Die Vorbereitungen zu dem Attentat waren vollkommen fachmännisch ausgeführt. Vorher hatte der Angeklagte oersucht, zwischen Potsdam und Brandenburg einen D-Zug entgleisen zu lassen. Auch diese Hindernisie wurden überfahren. Schröder ist ein moralisch verkommener Mensch: hat er doch seinen eigenen Eltern das Dach über den Kopf angezündet. Er ist aber geistig durchaus normal und für die Tat voll verantwortlich. Aus die Frage des Vorsitzenden, ob er denn nicht an die unglücklichen Menschen gedacht hat, die eine Entgleisung herbeigeführt hätte, antwortet« der Angeklagte: Jtzch wollte in den D-Zug klettern, um Geld zu holen. An Menschenopfer glaubte ich nicht. Ich wußte sa, daß die Leiferder Mörder zu lebenslängsichem Zuchthans begnadigt worden sind." Das Urteil erging dem Antrage des Stcatsanwchts gemäß auf 15 Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stel» lung unter Polizeiaufsicht. schein« l» die«igen» Tasche«esleckt. Da, Zwei», De- trugsmonöoer hatte Wrop mit einer Zirkusschou- nummer„Die Hungerkünstlerin in der Luft" verübt In dieser Rümmer sollte„Tatjana*, die Hungerkünstlerin, auftreten, eine an- gebliche russische Generalstochter Irmgard v. Karbanow, die aber in Wirllichleit«ine Berlinerin war. Für die Durchführung dieser Nummer wurde wiederum ein großes Personal unter Kauttons- leistung angeworben. Wegen fortgesetzten Betruges, begongen mit den beiden ge- nannten Unternehmungen, wuwe Medrich Woop zu einer G e> famt straf« von 8 Iahren Gefängnis, unter Anrech- nung von rund 12 Monaten Untersuchungshast, verurteilt. Dar Haftbefehl wurde aufrechterhaUen und ein« Bewährungsfrist wurde vorläufig abgelehnt._ folgenschwerer Zusammenstoß. Vier Autoinsossen verseht. An der Ecke Großgörschen- und Eulmstraße ereignet« sich gestern gegen IS Uhr ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Autobus der Linie 14 und einem mit vier Personen besetzten Brivatauto. Do» Auto wurde völlig zertrümmert. Die Insassen sowie der Fahrer und Schaffner des Autobus erlitten zum Teil er- hebliche Verletzungen. Der Privatwagen wurde von dem Autobus, der wahrscheinlich auf dem vereisten Straßenpfluster ins Schleudern geriet, mit großer Wucht angefahren. Da» Auto prallte gegen einen Gaskondelaber, der wie«in Streichholz wegbrach, überschlug sich und ging völlig in Trümmer. Passanten und Polizeibeamte bemühten sich um die Verunglückten und alarmierten gleichzeitig die Feuerwehr, die mit mehreren Rettungswagen an der Unfallstelle erschien. Di« Ver- letzten, der Chauffeur des Prioatautos, Willi Gutzmann aus der Thielallee 43 zu Dahlem, die Ehefrau v. Kuehnheim, die Ehefrau Ottilie Schumann,«l*ndort wohnhaft, und der Kauf- mann Johann Kaiser aus Anklam, die schwere Glas- fplitterverletzungen erlitten hotten, wurden in einen an der Unfallstelle gelegenen Laden gebracht, wo ihnen von den F�uer- wehrsamaritern Notoerbände angelegt wurden. Der Führer des Autobus, OskarHaubrecht aus der Gürtelstr. 12 in Weißensee, und der Schaffner Karl Heder au» der Brunnenstr. 1, Kolonie Kopland, erlitten außer Glossplitterverletzungen einen Nerven- schock. Zum Glück stellten sich die Verletzungen als nicht zu schwer deraus, so daß sämtliche Verunglückte in ihre Wohnung gebracht werden konnten. Die Trümmer des umgestürzten Auto» wurden von der Feuerwehr fortgeräumt. Di« Fahrgäste des Autobusse», der nur leicht beschädigt wurde, kamen mit dem Schrecken davon. Die Ur- fache des Zusammenstoßes konnte noch nicht geklärt werden. Ein neuer Toischlagsprozeß Borchardt. Gesamistrafe: fünf Lahre Gefängnis. Anfang November beriibteten wir ausführlich über den Prozeß gegen den Händler* Borchardt. der wegen Tatschlags an seiner Ehefrau zu drei Jahre» sechs Monaten Gelangius verurteitt wurde. Dk« Angelegenheit war deshalb besonders interessant, weit B. aus sogenannten„guten Verhältnissen* stammt: Er ist d«r Sohn eine» Bantdirektor», der freilich gewissenlos genug war, ihm schon im Atter von 10 Iahren das S e t t t r i n k« n yelzudringen. Später ergab sich der so sruh Verführt« vollkommen dam Trunk«, und von Stufe zu Stus« ging es bergab. Die erste Straf« kam. Während ihrer Berbüßung heiratet« V «ine Prostituierte, und sein bester Kumpan machte den T r a u- zeugen. Der Gatte ließ die Frau ihrem Gewerbe weiter nachgehen, erschoß sie aber, al» er sie zusammen mit seinem Freund«, dem Trauzeugen Berndt, einem Zuhälter aus dem Norden, b«i ehe- Ncher Untreue faßte. Wiederum stand setzt Borchardt wegen Totschlag» vor dem Schwuroericbt in Moabit. Zahlreirf>? Mitolieder �es Lotterie- klubs Norden*, die übrigens in Moabit zumeist nicht ganz unbe- kamtt sind, wohnten der Verhandlung gegen einen der Ihrigen, auf den Zuschouerbänten bei. Diesmal handett es sich um einen Fall, der schon ziemlich lange zurückliegt. Die Straftat ist schon am 12. Ja- nuar 1926 begangen. Borchardt war vom 11. Januar ab aus einer ausgedehnten Bierreise gewesen und hatte am 12. Januar nach- mittag» bei einem befreundeten Budiker in der Ülckerstr. 17 Einkehr gehalten. Nach ihm erschien der öOjöhrige Arbeiter L L d e r im Lokal, der freilich so sehr unter Alkohol stand, daß ihm der Aus- schank von Getränken verweigert wurde. Lüder verschwand und ging in eine Kneive, die aeaenüber lieot. No-b zwei S»'»iben kam er wieder, und als man ihm noch immer nichts zu trinken geben wollte, schlug er Lärm, und, nachdem er aus die Straße befördert war, bekam er mit der Wirtschafterin und einer anderen Frau einen Streit, au» dem schließlich ein« S ch I ä g»r« I wurde. Jetzt«ille Borchardt herbei und schlug Lüder mit der Faust von hinten auf den Kops, wobei er mit Lüder zusammen zu Boden siel. Cr sprang wieder auf und stieß Lüder mit dem Stieselabsatz Ins Gesicht. Lüder blieb liegen und wurde ins Krankenhaus gebracht, mo er nach«inigen Tagen verstarb.- Sein ehemaliger Freund Otto Berndt war der H a u p t z e u a e. er bekundete, daß fein damaliger Intimus an jenem Tage sinnlos betrunken gewesen war. Der Staatsanwalt beantragte gegen Borchardt«ine Zusatzstrafe von 2M Jahren Gefängnis. Das Schwurgericht verurteitt« ihn wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu einer neuen Strafe von 2 Jahren sechs Monaten Ge» f ä n g n i s, die es mit der Im November erkannten Strafe von 315 Jahren zu einem Gesamtverdikt von öIahren Gefängnis zusammenzog.__ „Caesar",„Vertreter" und„Pipel". Eine wohl organisierte Bande, die es auf die S ch a u- fensterouslagen absah, wurde von der Kriminalpolizei un° schädlich gemacht. Sie bestand aus neun Männern, die bis auf einen schon all« der Kriminalpolizei bekannt sind. Der neunte ist ein 29 Jahre alter verbummelter G y m n a s i a st. der es bis zur Obertertia gebrocht hatte. In Erinnerung an diese Zeit hatte er sich selbst den Spitznamen„C ä s o r* beigelegt. Der Anführer war ein 52 Jahre alter Franz Karow. Besondere Rollen spielten ein Fritz Mann» und ein 19 Jahre alt«r Alfred M a r i e n f e l d mit dem Beinamen„P i p e l*. Manns wohnte bei einer alten Frau in der Bergstraße in Neukölln. Er dielt« den„Vertreter eines auswärtigen Hauses*. Wenn er ausging, trug er einen eleganten Pelz und einen derben eichenen Spazierstock mit eiserner Zwinge und gebogener Krücke. Wie er sagte, brauchte er ihn als Stütze. In Wirklichkeit aber stich er mit der Zwing« zur Nachtzeit di« Schaufensterscheiben ein, und mit der Krück« angelt« er heran«, was er fasten konnte. „Pipel*, ein schmächtiger Bursche, hatte die Außqabe. durch die Luftklapp eg,«inzusch lüpfen, wo eine Zertrümmerung der Scheibe zu gefährlich erschien. Er ließ dann die Vakete durch die Klappe heraus. Man arbeitet« stet» in Gruppen. Zum Wegichaffen wurden oft zwei„Freundinnen* mitgenommen, di« alles in Rucksäcke steckten. Eine» Nachts hatte„Pipel* ein großes Paket Süßigkeiten au««tnem Loden an der Spandauer Brück« durch die Suscklapp« herausgeholt und außerdem di» Lodenkosse geplündert. Während die Gesellschaft das Geld in einem Lokal mderGontard- straße vertrank, wurde das Konsitürenpoket von einem anderen Gaste gestohlen. Da machte sie sich um 5 Uhr moroen« noch einmal auf, um neu« Ware zu holen. Al»„Pipel wieder au». steigen wollte, rutschte ihm der Stuhl, auf dem er an dl« Luft klopp« aestiegen war. unter den Füßen weg, und er siel rücklings i n d l e Pralines. Da packte ihn die Wut, und er warf olles, was da war, durch die Klappe auf die Straße. Seine Komplicen tonnten gar nicht so rasch aufsammeln, wie die Geschosse kamen. So nahmen denn auch Passanten an dem Bonbonsegen teil, ohne zu fragen, woher«» kamt Nachdem die Kriminalpolizei in den letzten Tagen ein Mitglied dieser Band« nach dem anderen hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, schloß gestern der �Vertreter* den Reigen. Eln neuer Voltspark für Neukölln. Aus unserem Leserkreis sind uns Zuschriften zugegangen, in denen lebhast Klage darüber geführt wird, daß der Eintritt in den Park bei den Schießständen in der Hosenheide nur gegen Ent- gelt gestattet ist. Für di« ärmere Bevölkerung, dt« noch dazu m den schlechtesten Wohnungen wohnt, ist aber Erholung in Grün- anlagen genau so wichtig, wie für di« Kreise, die das Eintrittsgeld erschwingen können. Auch wird in diesen Zuschriften darüber Klage geführt, daß verrosteter Stocheldraht di« Wege säumt, und daß es schon vorgekommen ist, daß sich Kinder beim Umhertollen geschnitten und zerriflen haben. Wir haben die Be- schwerden bei den zuständigen Stellen vorgelegt und können mit- teilen, daß schon seit langem Verhandlungen schweben, mit dem Ziel, die Schießstände von der Hosenheide zu verlegen und da» ganze Gebiet in einen Volkspark zu verwan- d e l n. Die Polizei, der diese Schießstände gehören, ist mit diesem Plan einverstanden, sie sucht nur noch ein geeignetes Gelände. So- bald ein solches Gelände gesunden ist, wird die Umwandlung des ganzes Platzes in einen Lolkspark erfolgen. Damit würde Neu- LC)mlJ8T!SC:tt� ARBEITERJUGEND GROSS-BERLIN Auf unserer Weihnachtsausstellung bis Freitag, den 23. Dezember 1927, im Jugendheim, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, II. Hof 3 Treppen, besorgt Jeder seine WelhnacMscinliiiufe Aluminium- und Wanderartikel./ Schöngeistige und wissenschaftliche Literatur./ Bilderbücher und Spiele. M o d e r n e s Antiquariat/ Musikinstrumente su den niedrigsten Preisen Geöffnet: Werktags 16-20 Uhr, Sonntags 10— 20 Uhr mußledergewesentein kölln eine so notwendige Vermehrung seiner Sport». Spiel- und Erhobmgsstätten erhalten. Es ist zu wünschen, daß dieser Plan schon bis zum nächsten Sommer ausgeführt wird. Die Wehrpolitik der Partei. Eine Aussprache bei den Lungsozialistea. Di« Jungsoziolisten veranstatteten am Montag im preu. ßischen Landtag einen Vortragsabend über dr«„W ehrpolitik der Arbeiterltb-rft*. Al» ReierenW wc"'?n die G-nosi-n Schützinger und S e e g e r gewonnen. Zlls erster nahm Genosse Schützinger das Morl und sührte aus: In drei Frontltellungen hat das deutsche Proletariat zu kämpfen. Neben den politischen und ökonomischen Auseinandersetzungen tobt aerobe in letzter Zeil wieder der Kampf um die militärische Macht tm Staat«. Der Stahlhelmsül)rer Seldte hat es offen ausgesprochen, daß eines Tages, wenn der Reichspräsident die Augen schließt, ein Mann kommen muß, der einige Kanonen auf den Reichstag richtet und die Abgeordneten„bittet*, nach Haus zu gehen. Die junge Rep-'t-sik bat losch» Sttinhen s-bon erlebt. Nach dem die Revotte der Berliner Truppen und der Kappistenstreich. In Bayern tonnte drei Jahre später nur in letzter Stunde eine Diktatur Hitler verhindert werden. Die Arbeiterschaft hat den General- streik als wirtsamste Waffe aeaen Putschplän? zur Verfügung und hat bewiesen, daß sie diese Waffe zu brauchen versteht. Neben diesem letzten und sicher am meisten durchgreifenden Mittel muß die Arbelterschalt w e h r h a s t sein. Nicht wehrhaft im Sinne einer be- maffneten Macht, wehrhast im Sinne des B e r e i t f« i n s für einen Kampf mtt dem Kapital und seinen Söldlingen. Im Reichs- b n n n e r flri mationen und sportgestählt, sind hunderttausende Proletarier bereit, sich für die Republik einzusetzen. Genosse S e e g« r vertrat als zweiter Relsrent den Standpunkt. daß für das Proletariat schon durch die Crziebung zur Wehrhaftiq- keit Folgen eintreten können, die positisch schädlich sind. Er will für proletarisch« Wehrbastigkeit nur unter der Dedinarmg eintreten, daß die dafür zu schailende Organisation auch wirklich mebrhast sei. Da es unmöglich wäre, die proletaris-hen Oraanisationen legal oder illegal zu bewaffnen, lehnte er diesen Gedanken ab. Das Proletariat, sagte er, darf sich nicht auf ein Kampffeld be- aeben, aus dem es aeaen die gedrillte Wehrmacht nicht an- kämpfen kann. Die Waise der Arbeiterschaft ist der General- streit und nach außen Hin die Förderung der Idee der Kriegs- dienstverweigeruna. In Zwickau sind bei einer Pros«- abstimmung 88 000 Einzeichnungen in die Listen der Kriegsdienst- verweiaerung erfolgt Die belhen Releroi» enlfesielten eine lehr lebhnste Diskussion. Mit dem Gesang der Internationale schloß die Kundgebung. Kottbns Im Film. Die Stadt Kottbus Hat vorfges Jahr das große Los gezogen. sie wurde mit einem Male weltberühmt, weil die ersten Ozean- flteger bei ihr landeten. Aber die Stadt versteht es, aus dem Zufall ein Verdienst zu machen: sie will den ihr in den Schoß ge- follenen Ruhm behaupten. So hat sie denn im Zusammenwirken mit der Kottbuser Industrie durch die E m e l k o einen Werbesbrn herstellen lasten, der die Schön hei und die Bedeutung der Stadt ins rechte Licht rücken soll. Großzügig wie ste ist, ließ ste den Film vor geladenen Gästen im Esplanade-Hotel zu Verlin vorführen und bereitete ihnen zudem unter der Leitung ih-es umsichtigen Oberbürgermeisters Dr. Kr.-utz einen gemißt eichen Abend. Der erste Teil des Films—„Im Rhythmus der Zeil* betitelt— zeigt das alte gemütliche Kottbus mit seinen altertüm- lichen Winkeln und herrlichen Parkanlagen. Unmittelbar danach erleben wir im Bilde die Landung und den Empfang Chamberlins ond Scrttw» mb, M« tn 42 Swnden di« Streift 9t et»?)ort— Sottbus jurüifgefegl haben. Stn zweiten Teil des FUnts wird im Rahmen einer Handlung das neu« Kottbus und sein« industrielle Bedeutung gezeigt. Die Teppich fabrikation und die T u ch� Herstellung werden uns eingehend vorgeführt Wir erhalten einen anschaulichen Kursus über den Fabrikationsprozeß, und der Ruf der alten Tuchmacherstadi wird im lebendigen Bilde aufs neue oeranfert. Selbstoerstäudlich wird auch der unvergleichlichen landschaftlichen Umgebung gebührend gedacht: schöne Aufnahmen aus dem Spree wald und den Spree wälde rinnen sind eingefügt. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde tindet in dieser Woche am Sonnabend, dem 17. Dezember, im Ge. fangssaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. IS/17, stall. Die Kinder müssen bereits um 7 Uhr erscheinen. Erwachsene um 8 Uhr. Schwere Sprenqstossexplofion in Dorpat. In Dorpot explodierte unter heftiger Detonation di« Spreng» stoffabtellung der chemischen Fabrik �Helios". Das Fabrikgebäude wurde ooll ständig zerstört, sieben Arbeiter wurden getötet und einer schwer ocrleßi. Der Sachschaden ist erheblich._ welhnachtsruhe im Luskverkehr. Nach einer Milleilung der Deutschen Lufthansa ruht von Sonnabend, dem 24. Dezember 1927, bis einschließlich Montag, dem 26. Dezember, der Luftoerkehr aus allen Strecken, während am 31. Dezember der Flugbetrieb im vollen Un.fonge durchgeführt wird. Ungetreuer Gcschäsissührer. Aus Anordnung der Siaatsan- waltschafi in Frantsurt a. M. ist der Gesckästsführer des Verbandes der Metallindustriellen, Dr.-Jiig. Fuchs, wegen Unter- jchlagung in Hohe von 100099 M. sestgenommen worden. veNerberlchl der SffeiNlche» weUerdlenslslelle?erNo und llmaegend. INachdr. veib» St r-aS gelind«, trocken, mir einzelnen leichien«chnee» sä:en.— Zur Veallchlan»! Im Süden ffortb�stand de« leichten Froll- weileis, ln Norddcu.schland stellenweise Schncesälle, Temperaturen wenig geändert. CtBlendaagern ffit liefe Sudrtl stob »ttllrn«SOI EiadtaftraJ* S. Parteinachrichten für Groß-Berlin stet» a» da» B«ztrt»Ietreturi«t i. Hol. 2 Tie», recht», za richte». 7.*«*t» Claibttnlat«. Frettoz, IS, Dec?mber. 18 Uhr, im Zimmer I de, Talhause» Eichung de» engereu Kreisoorstandes mit sämtliches Abteilung». leiter». VL«tri» rrm»elb,f. Heute, Mittwoch. 14. Dezember, vm Uhr, Fraktion». fiftuno in Dempelbok, Luzeiim iSermaniastruhe.— Lchtungl Feeilog, >».»«embr«. ifi Uhr,«teiotxlcgiertonorrsuwmtuug i» Muriendorj, .Alte»'s» 14.»rri, Iii ft. D-rfpr. I. ________. Freitag, 16. Dezember, im Saatdan Bergstr. 147 dritte «inooorstellung:.Die Weder", mit Beiprogramm. Äarien sind noch ob her Nasse zu haben. Zlichwertaufie Karten find an der Sasse abzurechnen. Hevle. ZMllwoch. l4. Dezember. Ifltt Uhr: Mitgliederversammlungen und Zahlabende. H.»it. Kablabend«:«ezirie» und Ki im Lokal Prenzlauer Alle- 132. B-. •idc BS hl* 70 bei»artelt, Wörlbcr Str. 1». Bezirk 71 bei Wegner. Äärther Str. 86. Bezirk» 76 di» 7« bei Ianecke, vagcnaucr Str. b. Bezirke fi» di»«7 bei Rechenberg, Shoriner Str. 48. Bezirke 88 und 88 bei Zunbcl, «asta-i-n-lle« HB/W. Bezirke 90 hl» 82 bei Rrner, Oderbcrger Str.«8. Ach.»dt. Zahlabende: Otto, Rigaer Str. 85. Borkowsti, Schreinerstr. 82. Schul» Eamariterstr. HO; Bortrag:„Der Radikal iemu» in der Arbeiter- tewechuna": Resercnt De nasse Schott. Bombe, Bo'gtstr. 25. Zab labend» tsir sämtliche Bezirke in den bekannten Lokalen. Partei. firofie 40. Bezirke 188 und KS bei Fronkenhaitser, JteHnte. 11 Bezirk 18! bei Wolter, Böckhftr. 49, Bezirk 132 Bei Srepp, Plaiiufer 74. Bezirk iW Reftrent»enoss» Bensch. Bezirk 159 bei Strauß, Pal'fad'nstr. N: Rrfrrent Dezirk» 185 bi» 187 und 195 bei Mnowifc. Barnimstr. 18; in. Bezirk 188 bei Späth. iScorgenklrchstr. 65; Referent «h«rsGzn�n.!s>. Lokal Brück-nklanl». Brücke" str. 15. Dir«onlum- Mitglieder müssen bestimmt erscheinen. Bortrag!„Das Attentat auf den Bosskssiggt." 161 Abt. Adlee-dns. Bogel, Bi»>arckstr. 74. Bortrag:..Wirilchast». und BorteipoNtl Mr d'r komm-nd'n Wgdl-N."»eferent Theodor Sotznr. Gr. scheinen all-r W-tgli-de? unbedingt«rtorherlich. LIGtenbern. 118. Abt. Zahladende: l. Srnnn- bei Gonell. Junge- Eck« Schgrn. weberstrgüe. 2. Grupn» bei Lodann. Oder- Ecke Iungestraß». 8. Grnvve bei Radtke. Msiagel- Ecke Scharnweberstrgsie. 4. Bezirk de, Seipke. Krön- Prinzen, Ecke Scharnwedeestrostc.— 117. Abt. Schule Lückttr. 60. Boet-ng: .Der So'ialismu» in der Familie." Relerentin Lenng"'eTnold.— 11». Abt. Eecilien-Lnzeum, ü'atdauasir, 8, Zkickicnsaal. Bortrag:.Di« Genossenschasts- beweguna. Referent Genosse Hille. Es wirb vm pünktliche» und zahl» reiche» Erscheinen gebeten. Sow--—«. 20 Ilde bei H'-mke. Wallstr. 55. Funktlonärverlainmlung. Da di» Mitalieberoerfanrmlung am 21 De»emder au»iöllt. steht e, alle» Mit, gliedern frei, an der Funktipnärocrtammlung teilzunehmen. Morgen. Donuerskag, 15. Dezember: 45- Abt. lSVz Mr bei Sommer, Wiener Str. 26,«am-teesttzung. Wemaud darf fehl-». Freitag. 16. Dezember: 46. Abt. 181ä Uhr Zusammenkunft aller Genossin»«» und Senossen, welche Mitglieder der Konsumgenossenschatt sind, bei«rüger. Seine u, str. 1. Stellunznahme zur Delogierte nwahl Ohne Mitgliedsbuch der Partei kein Zutritt. 01 Abt. reuepekhof. Kr-tedel? gierte»«: fgunnlun?.(Siehe Bekanntmachung unter 18. Kreis.) DI« Bezirksführer werden gebeten, die Kreisdelegterten bestimint einzuladen. Achtung, SPD.-Zeuerwchrleutel Am Freitag, 16., mld Sonnabend, 17. Dezember, 19 Vh Uhr. im Lokal.Schlesifche Heimat". Reue Friedrich- straße 1, werden zwei wichtige Bcrsammlungen aller SPD.-Genosse» abgehalten. Genosse W. Müller spricht über„Partei und Gewcrk- schotten". Diskussion. Wirbcmiiteiiungcn. Zagessrogen. Parteiaus- weis ist mitzubringen. Bollzähligen Besuch erwartet De« Werheausschuß. Jraueaveraastalluagev. 43. Abt. RenISI». Heute, Mittwoch, 14. Dezember, vormittag» 10 Uhr, trrffen sich die Genossinnrn am Bahnhos«aiser-Friedrich-Straße zur Besichtigung der Ausstellungsräume am Karlsbad IL/13. tH Abt. Grünau. Freitag, 16 Dezember, 20 Uhr, bei Werner,«öpenjckcr Steaße 125, Borirag:„Wohnungswefen und Wohnungskultur." Rcfercnti» Elfe Echeibenhuber. Jungsozialisten. ®r»».Berlii,:«rscheiut zum Bartrug de» S-u-sseu P-of-ssee Dr. Maz Adler, Wie», über:.Mamismu« und Zdeslogie" am D»»»«r»t«g, 15. Dezember, UVi Uhr- in der Schul-ul-«rorgenftr. Ri/zl t«ahuh»t Sriedrichstraßc) bei der Bereinigung Soz aldemolratilcher Slndierender. Gnppe RenkSlln Ii Der Gruppenabend fällt wegen der heutigen Mitglieder. Versammlungen au».— Gruppe Renlöll» l» Der Gruppenabend fällt heute au». Jeder Genosse ist verpflichtet, den Zahlabend feiner Partciabteilung bestimmt zu besuchen. Gruppe Schöneberg!«ounabeu», 17. Dezember, Weihnacht»,»ad IuMup. W" in der Iug'ndhe.boege Rowawe«. Treffpunkt ,ss. Uhr a» Bahnhoi »roßgörfcheustraße. Abfuhrt 19.55 Uhr. Zulllapgefcheuk« nud Stimmung mit- briugcnl «iaheitsuerbaud sozialistifcher Kaudel. na»«ewerbetreibenher»ud fsustig-r Berufe, Ortsgruppe»wß.Berlin. D-uuer-t-g. 15. Dezember. 20 Uhr. im G-wcrkschaftshaus, Engelufcr 24/25, Nciuer«onferenzsaal. Moautsueriammluug. Tagesordnung: L Vortrag:.Wie kann mau �i'ucrrftp--»>ss« erzielen?" Referrnt Kollege Fuchs. 2.«iskussio». 3. Berfchicdencs. Wir bitte» um zahlreiche,»ud püuMIche» ErfcheWn. vezirksausschuh für Zlrbeiterwohlfahr» und Sinderschutz. 4.«rel» Prenzlauer 9ttu. Donnerstag, 15. Dezember, 19 Uhr, Akten aus- S»h« an bekannter Stelle. Ebendort um 20 Uhr Arbeit-qemeinschoit. Ferner machen wir auf den am Dienstag, 20. Dezember, im Saaldau Friehrichshain stattfindenden ssilmvorirag auftneeisam. Gezeigt werden di. Film«.Arbeiter- Wohlfahrt" und.Mutterfürlorge". Bortragend»: Stabtoerortnete Minmi TodenlMgrn. Zum freien Gintritt berechtigt der Abschnitt eine» Lose» drr Arbeitcrwohlfahrtslotteri«. Lose werden noch am Saaleingang verkaust.~ Achtung! Unser« Helfer mllsscn«ine Stunde vor Beginn im Saalbau bestimmt anwesend sein. Sinderfrennde Groß-Verlin. »h«wislciter werden gebeten, cm Freitag, 15. Dezember, 20 llbr, in hi« Geschäitsstklle zur Auslosung der BolksdÜbnrnkarten zu kommen. Die genaue Zahl der teilnehmenden Kinder ist mitzubringen. Au» technischen Gründen ließ sich die Nachricht nicht eher»rmöglichc». Wir bitten Treffpunkt usw. tunlichst jMch festzulegen. Der Unkostenbelirag beträgt 20 Pf. Beginn der Feier s Sterbetafel der Gi-oß-Berliner Partei- Organisattoo� l». Abt.«aulsbors. Unser alter Senoss« Zoha»»»» P n ch m« n» ist verstorben. Ehr» seine» Alldei-ken Einäscherung morgeu, Donnerstag, 15. De. zembce. I8V) Uhr, im Krematorium BoumschulonweK. Dir bitteü um rege Beteiligung. AufcUto dUu/vcldsfCscti li Keckttcelcmcl 6erl*raücfrensl"r.2021 Tabahfchneidevei cfr\j r> unjerev 5 Die Arbeitersegler. Was sie sind und was sie wollen! Der»Freie Segler-Verb and" kann in diesem Jahr« auf eine erfolgreiche Tätigkeit in seglerisck)er wie in organisatorischer Hinsicht zurückblicken. In den 26 Jahren sein«« Bestehens ist es unaufhaltsam mit der Entwicklung als Organisation der Arbeitersegler aufwärts gegangen. Die Entwicklung. Hauptsächlich nach der Revolution tonnt« der bis dahin„feudale" Segelsport den breiten Volksschichten erschlossen werden, und Jahr um Jahr hat der FSB. seinen Kreis vergröbert. Trotzdem der Ausbreitung des Avbeitersegelsports außerordentliche Schwierigkeiten, hauptsächlich auf finanziellem Gebiet, entgegenstehen, wird es auch in den nächsten Jahnen vorwärtsgehen. Als Mittelpunkt des»Freien Segler- Verbandes" kann Berlin mit seinen 18 Ver- einen gelten. Wenn es in den letzten Jahren gelungen ist, Bereine dem FSV. zuzuführen, die am der Küste beheimatet find (Königsberg, Elbing, Danzig, Hantbuvg, Kiel, Wilhelmsburgs, so werden die kommenden Jahre ihm ein reiches Tätigkeitsfeld in den Orten Deutschlands geben, die an Seen und Flüssen Legen und wo die ersten Zeichen sich bildender Arbeiterfeglerverein« vorhanden stttd. Di« Einzelmitglieder des FSV. in diesen Orten werden helfen, den Weg zu bereiten. vereine und Klubhäuser. Die drei ältesten Verein« innerhalb des Freien Segler-Dev. Kandes, der S.- C. Fraternitas, S.-C. 1898 und die Frei« Vereinigung der Tourensegler Grünau können als die Pioniere des Avbeitersegelsports betrachtet werden. In unermüdlicher Schaffenskraft und unter großen finanziellen Opfern haben sie schmucke Bootshäuser gebaut und Steganlagen für die Boote während des Sommers, die die jüngeren Vereine zur Nachahmung anspornen. So konnten in diesem Jahne die Freie Vereinigung der Tourensegler Tegel und der Seglerverein Rahnsdorf sich eigene Bootshäuser errichten: der Segelklub Stößen see wind im kommenden Jahre an der Havel sein Bootshaus feriigstellen, an der Dahme bei Köpenick die Segleroereinigung Niederschöne- weide. Zum größten Teil werden die Baulichkeiten von den Mitgliedern selbst im Arbeitsdienst ausgeführt, um die Kosten möglichst zu beschränken. Sootsneubuukeu. Was das Bootsmaterial anbetrüfst, kann festgestellt Verden, daß es von Jahr zu Jahr besser wird. Eine große Anzohl von Sportgsnossen baut die Boote selbst unter fachkundiger Lestung. Wer einmal Gelegenheit hatte, sich einen Bootshofen der Arbeiter. fegler anzufehsn, wird Freudo empfunden haben über die schmucken Fahrzeuge. Es liegt in der Natur der Dinge, daß die aus- gesprochenen Rennboote an Zahl denen der Touren- und Wander- boote unterlegen sind. Die großen Kreuzer oerteilen sich wegen ihrer Seetüchtigkeit mehr aus die K ü st« n städt e, trotz- dem ist auch in Berlin eine beachtliche Zahl vorhanden. Am weitesten verbreitet ist die Klasse der 15- Quadratmeter- W a n d e r j o l l e n, die wegen ihrer schönen Form und ihrer soliden Bauausführung, die«ine lange Lebensdauer gewährleistet, als der Jdealtyv einer Zwei-Mann-Jolle angesehen wird. Neben dieser erfreut sich der ZÜ-Quadratmeter-Jollenkreuzer besonderer Beliebtheit, der jedoch für wenige«rschwmgtich ist. Einige Boote der letzten beiden Typen sind im Bau und w>rden ihre Klaffen im nächsten Jahr verstärken. Eine 20-Quadratmeter-Renn- jolle sowie zwei 10-QuadraUneter-Wand«rjollen sind ebenfalls auf Kiel gelegt. Frakernitas hat den Zugang eines Nationalen 3Z-Qua- dvawieter-Kreuzers zu verzeichnen: aus Elbing wird die An- schaffung zweier seetüchtiger Boot« mit 35 bzw. 4f) Quadrat- meter Beseaelung gemeldet. In fast allen Vereinen ist ein weiterer Auf. und Ausbau zu verzeichnen: überall vermehrt sich die Zahl der Boote trotz der wirtschaftlich schlechten Verhältnisse, natürlich unter Zurückstellung aller anderen Ansprüche an die Annehmlichkeit des Lebens. Fahrten und Regalien. Das eigentliche Tätigkeitsfeld des FSV. liegt in der Pflege des Regatta- und Wandsrsegelns mst geringen Mitteln, um es der arbeitenden Bevölkerung zugänglich zu machen. Der ethische Wert des Kampfes in der Regatta, die Erschließung der Naturschönhesten sind zwei Faktoren von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Gekrönt wurde die Fahrtensegelei in diesem Jahre durch ein Seetreffen in Swinemünde, an dem auch ein Boot aus Berlin mit 69 Quadratmeter Segelfläche teilnahm. Ein seetüchtiger Kreuzer unternahm ein« Ferienreise von Kiel über Hiddensenjt a ch Dänemark, besuchte dort u. o. die Zeittmg „Nubekjöbing Socialdemokrat", dann zurück nach Kiel. Eine beacht- liche Leistung.— Molorboate.— Zugendabteilung. Di« Motorboote innerhalb des JSF. sind. zu einer beson- deren Gruppe zusammengefchlosien. Bei den Wettfahrten der Segler stellen sie sich als Schiedsrickterbvote, zur Besetzung der Wendemarken usw. zur Verfügung. Eine Geschicklichkeitsprüfung wird im nächsten Jahre für die Motorboote ausgeschrieben werden. — Einen besonderen Aufschwung Hot in diesem Jahre die Iu g e n d- a b t e i l u n g genommen. Auch während des Wimevs ruht die Arbeit an der Jugend nicht. Vorträge segellechnischer Art. gemeinsam« Wanderungen, Museumsbesuche usw. halten die jungen Segler zuscrmm«n und wirken erzieherisch im Sinne der Ar- beitersportbewegung. • Der Freie Segler-Verband gibt eine eigene Zeitschrift„Der Freie Segler" heraus. Die monatlich erscheinenden Hefte auf Kunstdruckpapier in zweifarbigem Umschlag und mst vielen Bildern ge- schmückt, bilden Schmuckstücke in der Arbeitersportlsterotur. Sie find auch stn Straßenhandel für 49 Pf. erhältlich. Am 14. und 15. Januar des kommenden Jahres findet im Ge- werkschaftshaus der Freie Seglertag statt Delegierte des FSB. aus ollen Teilen Deutschlands sowie auch befreundeter v»- ganisationen kommen zusammen, um für die Zukunft des Arbeite� segelsports richtunggebend zu sein. Als jüngster Verein werden die „Freien Segler Brandenburg" ihre Delegierte« ent- senden. Andere Völker, andere„Sitten"! Aus Stettin wird uns geschrieben: Unter allerlei Ber- sprechungcn werden tüchtige Arbeitersportler ins bürgerlich« Lager hinübergeholt. Solchen Fahnen flüchtigen soll man keine Träne nachweinen. Die folgenden Vorfälle erscheinen aber doch der Bekannt- gäbe wert, da sie klar erkennen lassen, ein wie großer Unterschied zwischen dem Sport der Bürgerlichen und dem der Arbester llasst. Die„Freie Turnerschaft Bredow-Stettin" verlor ihr Mitglied I. an den bürgerlichen Züllchower Spartklub. I. trat dort nur einmal als Fußballspieler in Aktion und konnte sofort über«inen Beinbruch qui liieren. Er wurde geheilt, körperlich und seelisch, und trat der Freien Turnerschaft wieder bei. Derselbe bürgerliche Verein erwarb dos Mitglied U. vom Freien Sportklub Dorwärts-Stettin als Mitglied. Auch er erledigte nur ein Spiel und liegt seitdem cm einer schweren Blut- Vergiftung danieder, die aus Verletzungen entstand, welche nicht genügend Beachtung fanden. Sch., ebenfalls früheres Mitglied des„Vorwärts", spielte in der bürgerlichen Ballenmeisterelf Titanic,, lieber ein Gesellschaftsspiel berichtete der politisch neutrale„Generalanzeiger":„Nach halbstündiger Spielzeit verließ Suckow infolge einer„leichten Prellung" das cspielfeld... Tstcmia haste dos Pech, den erstmalig an Stelle des verhinderten Göll tätigen Junioren Sch,, der sich sehr gut eingeführt hatte, durch einen Beinbruch zu verlieren, doch sei betont, daß dieser Unfall lediglich die Folge eines unglücklichen Zusammenstoßes zwischen zwei Spielern war... Das ganze Spiel wurde von beiden Mann- schaften„überaus fair" durchgeführt... Wenig später pfiff der Schiedsrichter den Kampf auf Grund beiderseitiger Vereinbarung vorzeitig ab." In dem Bericht spricht man also von„überaus fair", meldet gleich zwei Verletzte und den Spiel- a b b r u ch. Drei ehemalige freie Fußballer haben somit innerhalb eines halben Jahres sehr üble Ersahrungen im bürgerlichen Sporrbetriebe machen müssen. Erwähnenswert ist dabei der Umstand, daß der verunglückte Sch. als Ursache seines Wechsels das„Kennenlernen bürgerlicher Sitten" angab. Sein Wunsch ging sehr schnell in Erfüllung. Sportgenosseu, die den Wunsch zum Uebertritt ins bürgerliche Lager haben sollten, mögen sich aus alles gefaßt macheu. Besonders zu empfehlen ist ihnen der Abschluß einer Lebens- und Unfollversichcrung und die rechtzeitige Niederschrift eines Testamentes. Altbewährt bei Nieren*, Blasen-, Harnleiden FMhtoger TersandsleMe, Berlin 5V II SchÖneb�rger Str. Iba- Tel. Lfltiow S26C-61 Schenkt den Kindern warme Kleidung BAER /OHN Zum Weihnadiislesf TRAURINGE ......__ I■ wygnyzaw- Gediegen und möllern.... Mk.12.— I Preisliste Schwere Ausführung..... Mk-IS-— JflnWlTSII„ratis! Skarat. Ringe v, Mk. bis 1.— p. Stück. 1 Gravieren gra is zum Mitnehmen. g oes. geschüßr llenvsmi Wiese, Berlin I_ Ständig ca. 3000 Ingeniöse Traaringe ani Lager.' WWWMM Sonntag, 18. Dezember, von 2- 6(ihr geSffnet. 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Es ist deshalb verständlich und richtig, wenn man bei dieser Gelegenheit die Erfahrungen prüft, die andere Länder mlt dem Uebergang vom Zwei- zum Dreischichtensystem gemocht haben. Man muß aber verlangen, daß diese Prüfung gewissenhast ist. und daß man die Zustände in anderen Ländern zur Klärung der Frage und nicht zur Irreführung der Oefsentlich- l e i t in die Debatte hineinzieht. Dieser Forderung entspricht aber die Haltung der Presse. die dem schwerindustriellen Kapital zur Verfügung steht, nicht. Man muß den Mut bewundern, mit welchem einige Organe die Wahrheit über die Erfahrungen in anderen Ländern, namentlich in Amerika, entstellen, um diese„Erfahrungen" gegen die Eisenarbeiter auszuspielen. Am 11. Dezember hat sich mit dieser Frage die „Deutsche Bergwerkszeitung" besaßt, und man konnte aus diesem Blatt erfahren, daß.chie amerikanische Eisenindustrie keine Sonntage, keine zweiten Feiertage... kennt". Wir gehen auf diese Frage hier iw, so lieber ein. weil die Erfahrungen, die in Amerika mit dem Uebergang zum Dreischichtensystem gemacht wurden, das beste ilrgumeul für die Forderungen Eisenarbeitcr sind der deukfcheo — trotz der Arbeit an Sonntagen und trotz der Tatsach«, daß die durchschnittliche Arbeitszeit in der amerikanischen Eisen- und Stahlindustrie länger als<8 Stunden ist. Die amerikanische Eisenindustrie kennt keine einheitliche Rege- lung der Arbeitszeit, was nicht zuletzt dadurch zu erklären ist, daß die Arbeiterschaft in dieser Industrie bis jetzt nicht o r g a n i» s i e r t ist. Trotzdem wurd« in den letzten Monaten 1323 in der großen Mehrzahl der Betriebe unter dem Druck der öffentlichen Meinung der Uebergang zum Drei schichtensystem vollzogen. Ein Teil der Arbeiter arbeitet aber allerdings sieben Tage in der Woche, und es gibt auch Arbeiter, deren Arbeit nicht nach Schichten ein- geteilt ist, di« täglich mehr als acht Stunden arbeiten. So kommen wir zu einer durchschnittlichen Arbeitszeit in den verschiedenen Zweigen der Industrie von<8.1 bis 53,8(Hochöfen) pro Woche »ach den offiziellen Feststellungen für 1326. In der offiziellen Veröffentlichung, der diese Angaben ent- nommen sind, wird aber ausdrücklich festgestellt, daß Schichten- arbeit während sieben Tagen in der Regel nur bei Hochöfeis und Martinwerken besteht. In anderen Werken wird im äußersten Fall die Wochenarbeit am Sonntag spät abends mit der Nacht» ichicht angefangen, und sonst nur Reparaturen und Einrichtungs- arbeiten am Sonntag ausgeführt. Die Unternehmerpresse verschweigt aber, daß in vielen Werken auch weniger als sechs Tage gearbeitet wird, so daß man in jeder Woche einen und jede zweite oder dritte Woche zwei freie Tage hat. Wie sich die Arbeiterschaft prozentual noch den einzelnen Gruppe» verteilt, zeigt die folgende Zusammenstellung. preußischer Staat und das Ferngas Gegen die Gefahren der privaten Monopolisierung. Wir geben ober gern zu, daß die amerikanischen Zustände in mancher Hinsicht sehr verbesserungssähig sind: so ist es z. L. ein unerträglicher Zustand, wenn bis setzt in Hochöfen 26 Proz. und in Martinwerken 17 Proz. aller Arbeiter mehr als 66 Stunden pro Woche arbeiten. Es ist jedoch wiederum ein« Irreführung, wenn man dabei verschweigt, wie stark die Arbeltszeit mit dem Uebergang zum Dreischichtensystem gekürzt wurde und wie groß deshalb der Lohnausgleich sein konnte und tatsächlich auch ist. In Deutschland handell es sich darum, daß man von einer Arbeitszeit von 57 zu<8 Stunden pro Woche übergeht, d. h. um die Der- kürzung der wöchentlichen Arbeitszeit um rund 16 Pro;., in Amerika hat sogar, weil man von sechs Schichten zu je 12 Stunden zu sieben Schichten zu je acht Stunden überging, eine Verkürzung der Arbeitszeit von 72 aus 56 Stunden, d. h. um 22 Droz., stattgefun- den. Für die Bessemerbirnen betrug die Verkürzung der Arbeits- zeit sogar durchschnittlich für alle Arbeiter in den gesamen Werken nicht weniger als 24 proz. Bei um 16— 24 Proz. verkürzter Arbeiiszeik«m 30— 41 Proz. höhere Löhne. Trotzdem wurden die Löhne völlig ausgeglichen: die Stundenlöhne und die Wochenoerdlenste sind gestiegen. Jetzt sind die durchschnittlichen Stundenlöhne in der gesamten Eisen- induftrie um 24 Proz. höher als 1322, und wenn wir die Zweige nehmen, in denen der Uebergang zum Dreischichtensystem stattfand, so sind die Stundenlöhne iu hochöseu um 30 Proz.. in Bessemer- birncn um 36 Pro;, und in Martinwerken 41 Proz. höher als unter dem Dreischichtensystem. Seitdem sind aber auch die Preise für Eisen- und Stahlwaren in Amerika stark gesunken. Wie war es möglich, daß die Industrie trotzdem nicht zugrunde ging? Darauf finden wir in der offiziellen Derösfentlichung des amerikanischen Arbeitsamts eine unzweideutige Antwort, die auch das offizielle Urteil über die Wirkung des Dreischlchteu- systems ist. „Die Wirkung der Abschassung des Zwöststundentages komm» in der letzten großen Produktivitätssteigerung de» Zohrcs 1325 zum Ausdruck. Trotz der umfangreichen ProduMou dieses Jahres waren weniger Arbeiter iu der Industrie beschäftigt als 1313. 1320 und 1323, obwohl die Arbeitszeit so weitgehend verkürzt worden war. Die Produktivität pro Mann und Stunde hat sich beim Achtstundentag in solchem Ausmaß erhöht, daß nicht mehr Arbeits- kräsie ersorderlich waren, als vor Einführung des Achtstundentages." Die Ferngasversorgung ist keineswegs das einzige oder das erste Gebiet der öffentlichen Versorgung, auf dem die Imeresien der Oeffenllichteit und die Interessen der Privatindustrie in Kampf ge- raten. Aus dem Gebiete der städtischen Elektrizitäts- und Wasscrver- sorgung, der Straßenbahnen, der lokalen Gasversorgung herrscht heute die öffentliche Hand bis auf ganz geringe Ausnahmen un- beschränkt. Aber diese Position hat sie erst durch geeignete Kon- zessions- oder Pacht- oder Beteiligungsoerträge erreicht. Dabei hat die öffentliche Hand(namentlich die Kommunen) von der ihr zu- stehenden . Verfügung über Sffeatliche Wege stets Gebrauch gemacht, um die Interesien der Oeffentlichkelt gegen ein Ueberhandnehmen des Prioatkopitals von vornherein zu sichern. Als dann später die Fernversorgung mit Elektrizität entstand, sich llcberlandzentralen bildeten, die weite über die Grenzen einzelner Kommunen hinausgehend« Gebiete mit Strom belieferten, haben die höheren öffentlichen Verbände, die Provinz, der Staat, ebenso wie früher die Kommunen, von dem Wegerecht Gebrauch gemacht, um entweder selbst die Versorgung in die Hand zu nehmen oder wenigstens eine ausreichende Beteiligung und Kontroll« für sich zu sichern. Auch auf dem Gebiete der Gasfernversorgung— sei es von der Grube aus, sei es von großen öffentlichen Gaswerke« aus— ist d«» Weg vorgeschrieben. Dem uneinheillicheu vorgehe« der Kommunen, namentlich auch der Haltung der bürgerlichen Parteien innerhalb der Kommunalverwaltungen, hat es aber die schwerindustrielle A.- G. für Kohleoerwertung zu danken, daß sich für sie tn der letzten Zeit einige Teilerfolge vorbereiten, und daß im rheinisch- westfälischen Gebiet die Uebernahme der Gasversorgung durch ein Privatmonopol ohne jegliche Beteiligung oder Kontrolle der öfsent- lichen Hand droht. Das bedeutet aber, daß dem Gasverbraucher die etwa vorhandenen Vorteile nicht in niedrigen Gaspreijen zugute kommen, sondern daß olle Ersparnisse, die namenllich aus der Ver- Wendung minderwertiger Kohle dicht an der Grube entstehen, r« st- los bei der Montanindustrie verbleiben. Das letzte Wort ist frellich noch nicht gesprochen. Aber was man in der Oeffentlichkeit von den zwischen der A�G. für Kohleverwertung und einigen großen Städten des Industriegebietes zustande gekommenen Vertragsent- würfen hört, läßt eine gefährliche Benachteiligung der öffentlichen und der Konsumenteninteressen befürchten. Der mögliche volkswirtschaftliche Vorteil der Fernversorgung würde den Gemeinden, den Konsumenten verlorengehen. Dieser oolks- wirtschaftliche Vortell besteht einmal in der Versorgung von großen Zentralen aus, bei denen die Erzeugungs-, Lager-, Transporianlogen am besten modernisiert werden können, zweitens in der Ersetzung des Kohlentransports per Bahn durch Gastransport per Rohr bei bestimmten Gasmengen in bestimmter Entferrning, drittens in der Benutzung derminderwertigenKohle. Was den e r st e n Vortell anbetrifft, so können selbstverständlich auch die Gemeinden durch Errichtung großer Gruppen-Gaswerke sehr gut Dorteile erzielen. Nur in den Gebieten der Montanindustrie. also namenllich im Ruhrgebiet selbst, läßt sich eine P a- r a l l e l- Versorgung aus Grubenkokereien und aus selbständigen Gaswerken volkswirtschaftlich vielleicht entbehren. Dies namentlich wegen des zweiten Vorteils, den wir erwähnt haben. Ob der Gastransport per Rohr bei großen Entfernungen billiger ist als der Kohlentransport per Bahn, ist heute bekanntlich durchaus be- stritten und hängt nameMlich von den Bahntorisen ab; die Bahn- tarife für Kohle sind aber bis zum Jahre 1336 durch den Friedens- vertrag insofern gebunden, als die Kohlentarife für die Reichsbahn für die Bemessung des Reparationskohlenpreises maßgebend sind. Man muß also, sowell große Entfernungnen in Betracht kommen, mindestens noch diese Zeit abwarten. Was nun den dritten Vorteil anbetrifft, so ist er in der Tat vorhanden und wird um so größer, je mehr die maschinelle Förderung in den Gruben den Anfall von Feinkohle steigert. Allerdings ist die Feinkohleverwertung nicht unbedingt an die Zechengaserzeugung gebunden. Dem Konsu- menten kommt bei Zechenversorgung dieser Vorteil aber erst dann zugute, wenn der Gaspreis auch wirklich auf der Grundlage des preise» für miuderwertige Sohle berechnet wird und nicht, wie es scheinbar bei den gegenwärtigen Preis- angeboten der A.-G. für Kohleverwertung der Fall ist. aus Grund- läge des Preises für hochwertige Kohle. Man wird nun am besten tun. den Kämpfen im Rheinland und Westfalen heut« die Hauptaufmerksamkell zu widmen, ohne das von der A.-G. für Kohleverwertung ursprünglich aufgeworsene Projekt der Gesamwersorgung des Reichs gebiets von der Ruhr aus ernst zu nehmen. Trotzdem muß man auch die schwebenden Verhandlungen in Mitteldeutschland(Dessauer Gas-Sl-G. sowie Braunkohlen-Gesell- schafter) unter dem gleichen Gesichtspunkt behandeln und sich auch dabei fragen: welche Minimalfordcrungen hat die öffentliche Hand z u stellen, um einer Gefahr des Privat- Monopols vorzubeugen. Im Ruhrgebiet liegen an sich di« Lerhältniffe, die für die Stärke der kämpfenden Parte, en ausschlaggebend sind, nicht ungünstig für die öffentliche Hand. Die Ruhrmdustrie steht vor einem baldigen lieber- angebot au Ga». Ja ihrem Bestreben, sich hohe Synditatsbeteiligungen an der Koks- erzeugung zu sichern und au» den neuen wirtschaftlich umwälzenden Methoden der Nebenproduktengewinnung Vorteile zu ziehen, haben sast sämlliche Ruhrkonzerne im Laufe dieses Jahres mit dem Neubau ihrer Koksöfen begonnen. Man muß mit einer Steigerung der Ka- pazität um mindestens ein Drittel rechnen. Die neuen technischen Konstruktionen ermöglichen der Industrie eine hohe Ausbeute von Nebenprodukten: sie hofft, die im Zusammenhang mit steigendem Automobilverkehr wachsende Nachfrage nach Straßentcer und Benzol auszunutzen: sie sucht, die Verwirklichung der neuen Stickstosserzeugungs. und Kohlenverflüssigungsverfahren in die Wege zu leiten. All dem dienen die großen Erweiterungen auf dem Gebiet des Kokereiwesens. Dabei muß auch der Anfall an Gas steigen. Die Gaskäufer sind also, wenn sie schon heuie bei dem Abschluß der Ver- träge diese künftig« Situation benutzen, imstande, günstige Bedin- gungen von dem Kontrahenten zu erlangen. Weil trotzdem der Komps bisher für einige Gemeinden nachtellig war. woran wahrscheinlich auch die gegenwärtige polltische Z u- sommensetzung mancher Kommunalverwaltungen nicht ohne Schuld ist. hat der Staat einzugreifen. Der Staat hat darüber zu wachen, daß dieser wichtige Zweig der Versorgung der Levälkerung mit Energie nicht in die Hand von Privatmonopolisten fällt. Er hat darüber zu wachen, daß diese Form des Energiehandels, deren Gebiet sich weit über die Grenzen ein- zelner Gemeinden hinaus erstreckt, nicht infolge des zersplltterten Vorgehens der Gemeinden sich außerhalb jeder öffentlichen Kontrolle stellt. Schon auf verwaltungsmäßigem Weg, durch Anweisungen an die Aufsichtsbehörden, hat es der Staat in der Hand, Uebcrvorteilun- gen der ösfenllichen Organe bei der Verleihung des Wegerechts zu oerhindern. Sollte es sich als nötig erweisen, so könnten die gesetz- geberischen Organe der Verwaltung zur Seite stehen. Auf diese Weise könnte es erreicht werden, daß Verträge, die nicht zum mindesten eine ZNchrhellsbeteiligung der öffentlichen Hand an der Versorgung garantieren, die nicht den Heimfall des Versorgungsapparatcs an die öffent- liche Hand nach Veriragsablaus vorsehen, die den Abnehmern einen Prel» aufzwingen, der weit über den wirklichen Gestehungskosten liegt, die das Gebiets- Monopol der Kommunen oerletzen oder die Industrie- belieserung den Kommunen entziehen, nicht in K r a f t t r« t e n. I. M. Oer Wiederaufbau der Landbank. Die Landbank A.-G., Verlin, wurde bekannllich bis zum Früh- jähr 1326 unter der Leitung und Verantwortung einer H u g e n- bergschen Clique bis kurz vor den Konkurs getrieben. Seit- dem haben der Preußische Staat und die Grenzmark Posen- Westpreußen, nachdem sie das Kapital der Landbank A.-G. erworben hatten, den Wioderaufbau dieses für die O st s i e d l u n g so außerordentlich wichtigen Bankinstituts in die Hand genommen. Die einschneidendste Maßnahme, an die sich bekanntlich ein von den Hugenberg-Leuten inszenierter sogenannter Sturm der Klein- aktionäre anschloß, war die Zusammenlegung des Aktienkapitals von 1366 606 M. aui 65 006 M., also auf ein Zwanzigstel. Ansechtungs- Prozesse, gefährliche Kreditbelastung und Kämpfe um zweiselhafte e orderungen haben aber auch im Jahre 1326/27 die Aktionskraft der anddank noch erheblich gehemmt. Eine große Erleichterung brachten vom Preußischen Staat und von der Preußischen Staatsbank ge- währte Kredite, die es der Landbant ermöglichten, von sonst un- erträglichen Zinsla st en herunterzukommen. Die niedrige Bewertung der zweisechaften Forderung gegenüber der Gothaer Kreditbank, gegen die insbesondere Sturm gelaufen wurde, hat sich als sehr berechtigt erwiesen, da das Reichsgericht eine zunächst im ganzen ungünstige Reoisionsentscheidung getroffen hat. Bilanz und Gewinnabschluß sind angesichts dieser sehr schwierigen Lage aber relativ günstig zu nennen. Gegenüber dem Verlust des Vorjahres mit 1,23 Millionen M., der aus die Hugcn- bergsche Mißwirtschast zurückzusühren war, konnten für das Jahr 1326 27 Einnahmen und Ausgaben in EinNang gehalten werden. Der Aufwand für Verwaltungskosten, Zinsen und Zuschüsse an Güter ging von 1.13 auf 6,33 Millionen M zurück. Es konnten im ver- gangenen Jahre 53 neue Siedlerstellen aufgebaut und 22 Siedlerstellen ausgebaut werden. Insgesamt wurden an 37 Sied- ler und Anlieger rund 1166 Hektar sowie an 8 Restgutskäufer rund 1373 Hektar vergeben. Angesichts der schwierigen Verhält- nisse eine beachtenswerte Leistung. Erhebliche cetstungsfleigeruni, auch tu ostdeutsche« Gießereien. Nach der Fusion der Wilhelmsh-iitte in Sprottau und des Eisen- wertes Marienhütte in Kotzenau(Niederschlesien) im Januar dieses Jahres veröffentlicht die neue Gesellschaft, die Eisen- und Emaillier werke A.-G. Sprottau Wilhelmshütte. ihren crsrcn Abschluß. Der Zusammenschluß dieser beiden Unter- nehmen, die in ihren Gießereien, Emaillier- und Maschinenbetrieben ein durchaus gleichlaufendes Produktionsprogramm aufweisen, ist offensichllich erst der Anfang eines noch im Fluß befindlichen großen Zusammenschlusses der ostdeutschen Eisengießereien. So laufen zurzeit noch Verhandlungen mit der W a r st e i n e r Eisenwerke A-G., die zumindest für ihre schlesischen Betriebe ein Fusionsinteresse zeigt. In der B i l o n z für 1326/27 treten in dem Ausbau der Anlagen und der Erhöhung der Abschreibungen bereits gewisse Auswirkungen des Zusammenschlusses zutage. Allerdings weist der Geschäftsbericht darauf hin, daß eine Senkung der Betriebskosten und Rattanalisierung der Betriebe sich erst im laufenden Jahr bemerkbar machen wird. Während die Belegschaften von 2432 auf 2215 Mann vermindert wurden, st i c g der Umsatz von 3,2 aus 11 Millionen Mark. Die Leistung je Kopf hat sich also um etwa 36 Pro;, erhöht. Di« Betriebs- gewinne werden mit 28 um 6,7 Millionen höher ausgewiesen, und trotz heraufgesetzter Abschreibungen von 6,51 Millionen Mark verbleibt ein um 33 Proz. erhöhter Reingewinn von 6,38 Millionen Mark, von dem 5 Proz. Dividend« auf das Aktienkapital von 68 Millionen Mark gezahlt werden. Die An- lagen, die mit insgesamt 6.1 Millionen Mark bewertet sind, weisen Zugänge von fast 706 666 Mark aus, die„iider Betrieb" finanziert wurden, also gleichfalls als Reingewinn anzusehen sind. Die gute Beschäftigung hat bis jetzt in unveränderter Stärke an- gehalten. Die nationale Aulomobllgesellschosl erzwingt eine Herabsehung der Dividende, und zwar bei der bekannten Presto-Werke A.- G. i n C h e m n i tz, für die die Fusion in der NAG. Berlin be- antragt ist. Statt, wie bisher beabsichtigt, 8 Proz. sollen die Presto- Werke ihren Aktionären nur 6 Proz. geben. Die Arbeiterschaft hat gewiß daran kein Interesse, wenn sich private Aktionäre mit einer niedrigeren Dividende zufrieden geben, als der tatsächliche Rein- gewinn sie ermöglicht. Die Belegschaften werden sich aber die Höbe des Reingewinns und nicht die auf Wunsch der NAG. künstlich verkleinerte Dividende merken, wenn sie ihrer Verwaltung Forderungen vorzutragen haben. Gemischte Gaswirtschast am Mktelrheia. Die Koblenzer Stadtverordnetenversammlung beschloß die lieber- sührung de» Koblenzer Gaswerks in einen gemischtwirt- fchaftlichen Betrieb, an dem die rechtsrheinische Gasaemeinschaft und die Thüringer Gaegesellschaft A.-G. beteiligt sind. Die Stadt erhält 66 Proz. der Anteile, die Thüringer Gasgesellschaft 26 Proz. und die rechtscheinische Gasgemeinschaft 8 Proz. Preußens Besoldungsreform. Oer Landing nimmi sie in zweiier und dritter Lesung an. Auf der Tagesordnung der Dienstqgssitzung stand die zweite Lejung der B c a m t c nb ef o td u ng s n»o rla g e. Deutschnatio� nate und Kommunisten, besonders ober die Deutsche Vollspartei hatten«ine große Anzahl von Abänderungsantrögen zu den Ans fchußbefchlüsten eingebracht.. lieber die AiisschußoerhemWungen berichten die Abgg. Ebers- doch(Dnat.), B a u m h o f f(SX Mü ll�r- channoner(Soz.), M o y> e r. chcrford(D. Ap.) und e r r m a nw- Breslau lDen,.). Fteongminister Dr. Höpker-Zl schaff: Noch den Besli�üssen des Houpkqusschufses wird die Besoldungsvoriage einen Mehrauf- wand von 202 Millionen Marl jährlich erfordern. Da diese Weliranforderung im Etat für 1928 mit anderen großen Auf' mendunG'n ziisainnrentrifst, wird im Boranschliag für 1928 ein D e f i z i t vcn fi3 Millionen entstehen. Dieser Fehlbetrag muß durch böherc Überweisungen des Reiches, HÄ)eren staatseigenen Ein nahmen olhM- Abstrichen im Etat ausgeglichen werden. Jedenfalls vertritt die Regierung den Etandpunlh, daß eine Steuer- erhöhung �ur Valancierung des Etats mi ch t in Frag« kommt. Abg Dr. Kähler-Greifswald(Dnat.):.Es handelt sich bei der BeointenbesoldiNsg nicht um«in Parteigcseß, nicht um das Verdienst einer einzelnen Partei, sondern um e rn e Staaten ot- wendigkeit. Abg Simon-Zteusalz sSoz.>: � Die Frage der Barmtenbesoldung läßt sich von den Gesamt- fragen der Wirtschast nicht loslöf«n, wenn auch die beiden Fragen nicht so verbunden sind, wie dar Abg. Ladandorff meint, daß der ch a u s b e s i tz die ganze Beamtenbesoldung bezahle.(Heiterkeit.) Ein Mittel der Agstation ist die Beamtenbesotdung für keine Partei: man wird mit Forderungen für die Beamten weder unter den Bauern, noch beim Mittelstand, noch auch in Arbeiter- kreisen Stimmen gewinnep könne?i. Aber die Sozial- demotratie hat es. für ihre Pflicht gehalten, nachdem sie die unselig« Zoll- und Mrtschaftspolilik im Reich nicht hat verhindern können, die Beamten wenigstens einigermaßen gemäß den Preis- steigenmgen aufzubessern, die durch die Reichsregierung längst ver- schuldet und eingetreten sind. Der Stegerwold-Flugcl des Zentrums verübt ein schweres Unrecht, weim er. als Ablenkungs- manover von den Taten des Bürgerblocks im Reiche, die Arbeiter gegen die Beamten aufputscht.(Sehr gutl bei den Soz.) Die Beamlenschosl verdankt es der preußische« Soalillo». daß die Vesoldungsvorlage jeht zustande kommt, und daß die Erhöhung nicht zu 7S Pro;., foudern voll bewilligt wird. Soweit wie möglich, hat die preußische Regierung und innerhalb der preußischen Koalition bif Sozialdemokratie auch dafür gesorgt, daß die mittleren und unteren Beamten nicht gar zu sehr van den höheren Beamten niedergeholten werden. Wir kämpfe» für den Tag. an dem Arbeiter, Angestellte und Beamte als einig« Der» braucherlchaft sich das Recht in der Republik erkämpfen, dos ihnen keine Besoldungsreform bringen kann.(Beifall bei de» Soz.) Abg. Vaumhofs(Z.); Wir danken der Opposition für ihre loyale Mitarbeit. Wir wissen, daß wir kein vollkommenes Gesetz geschaffen bähen, aber wir brauchen uns unserer Arbeit nicht zu schämen. Der einzige heftig angegriffene Punkt unserer Entscheidung ist die cher- unkersetzurig"des A n f a n g s g e h a l t« s der Höheiren Beamten. Dabei hat uns lediglich dos unabweisbare Bedürfnis geieitei, für notwendige. soziale Entschlüsse einen finanziellen Ausgleich zu schaffen. Abg. Meyer. Herford(D. Bp.): Die Durchführung der Beamten- bcsoldungserhöhung war unbedingt nottoendig. Aber daß Preußen die jungen Akademiker wesentlich schlSrdter stellt alz das Reich, ist für uns einfach unerträglich, üm übrige« beantragen wir eine .Herabsetzung der Ministerg.ehälter und der Diäten der Abgeordnete'».(Lachen links.) Abg. Cajper(Komm.): Nach einer erbärmlichen Berlzondlnngs- komödie von sechswöchiger Dauer ist die neue Beamtenbesoldung endlich fertig. Aber es sollte richtiger Zivilliste des Rcichsverbandes der böberen Beamten heißen; denn die mittlere und untere Beamten- schaff lehnt dieses Machwerk ab. Die Kommimisten sind die einzigen ehrlichen Freunde der Beamten. Abg. varleld-hannoner(Dem.): Die Ausführungen des Abg. Easper sind unlogisch; denn die Kommunisten lehnen da» Be- rufsbeanitentumgrundsätzlichab.(Zuruf bei den Kom- munisten: Schwindel!— Ordnungsruf.) Wir haben viele Bedenken im einzelnen, aber Hauptsache ist jetzt, daß vor Weihnachten de» Beamten ihr verbessertes Gehalt gesetzlich garantiert wird. Die An- träge der Deutschen Vollspartei sind reine Deniagogie. Abg. Ladendorff(Wp.): Was nützt den Beamte» mehr Geld, wenn die Preise wieder steigen? Jede Erhöhung der Stenern muß sofort zum Zusammenbruch der Wirtschaft führen. Darum handeln wir im Interesse der Beamten, wenn wir olle un- gedeckten Ausgaben ablehnen. Mit den dauernden Lohn- und Ge- haltserhöhunze» ist niemandem geholfen. Wir müssen endlich ernst mit dem Preisabbau machen.(Lachen links. Zurufe: Zoll- mucher! Mietwucher!) Abg. Körner(Bölk.) fordert Gehaltsverbesserung fiir die Ober- rcgicrungsrätx in den Oberpräsidien. Abg. Dr. Hamburger(Soz.): Aus. einen Preisabbau ist die Beamtenschaft und die übrig« Berbraucherschaft seit Iphren v e r t r ö sie t worden. Die gegen- wärtige Regierungskoalilion im Reiche hat umgekehrt die L e b e n s- haltungskostcn gan.) wefetitlich v e r t e u« r't, und so blieb uns in Preußen gar kein anderer Weg. als den Beamten eins Aus- gleichszulagc zu gewähren.(Sehr wahr! bei den Soz.) Herr Abg. Körner kämpft feit einigen Jahren hier um seine Ministeriol- Zulage. Jetzt hat er sein« Bemühungen aus die ihm besonders nahe- stehende Gruppe der Oberregierungsräte bei den Oberpräsidenten ver- schoben. Es macht keinen sehr günstigen Eindruck, daß der völkisch« Herr hier immer nur als Selbstversorger ousttitt.(Große .Heiterkeit irni) sehr gut! bei den Soz.). Dem Dank für die loyale Opposition der Rechtsparteien schließen wir uns an. Ich darf diesen Dank aber aus die K o in in u n i st i s ch e Partei ausdehnen; denn -Herr Caspar spricht zwar ekwas laut,(Heiterkeit) aber er hat uns jonst keinerlei Schwierigkeiten gemacht. Er hat z. B. im Ausschuß keinerlei Anträge auf Herabstufung der höheren Beamten gestellt.. Wenn die B.ol ts park ei uns jetzt mit einem Regen neuer Anträge überschüttet hat, von denen sie keinen einztgen im Aus- fchuß gestellt.hatte, so beweist sie lediglich, daß es ihr als einziger Partei hier nicht auf die Lage der Beamten, sondern aus Agitation und Slimmenfomg ankommt.(Sehr gut! links.) Hat die Volkspartei den Antrag auf Kürzung der MinisiergeHätter auch im Reiche gestellt?(Sehr gut! und Hetterkeit liykz.) Anderenfalls denken wir nicht daran, die Tätig- keit des Ministers Grzesinski niedriger einzuschätzen als die Tätigkeit des Herrn von Kcudell im Reich.(Sehr gutl bei den Soz.) Einer Partei, w!« der Volkspartei, deren Abgeordnete in der Privat» wirtfchoff vielfach Einkommen erzielen, die ein Mehrfaches der Mimitergehälttr sind, steht dieff Sorte schäbiger Demagogie besonders schlecht zu Gesscht.(Lebbaster Beifall bei den Soz.) Die Kürzung der Ansangsgehälter der höheren Beamten be- ruht auf keinerlei Abneigung oder politischer Voreingenommenheit. Im übrigen haben wir unsere Hauptaufgabe darr» gesehen. soziale härten auszugleichen. Die Kvmnrunistea haben für dieses Ziel durch Anträge gekämpft, die abgelehnt worden sind. Wir haben für das gleiche Ziel nach unserer Methode in einer wochenlangen, außerordentlich mühseligen Vir- Handlungsarbeit gekämpft und haben für zahlreiche untere Beamte erhebliche vraktifch« Aufbesserungen durchgesetzt. Warum wollen die Kommuntsten uns unsere Erfolge verübeln? linser Hauptverdlenst in Preußen ober bleibt, daß wir der Beamtenschast den Genutz der Erhöhungen nach in diesem Jahr« sicherstellen, Erhöhungen, auf die sie bei der Unsicherheit der ganzen Lag« im nächsten Jahre vielleicht überhaupt nicht mehr rechnen könnten.(Lebhafter Verfall bei den Soz.) Abg. Veuermonn(D. Bp.) verteidigt die Anträge der Volkspartei. Gegen einen«schlußantrog der Regierungsparteien erhebt Abg. Dr. von Campe(D. Bp.) lebhaften Protest; dieser Schlußantrag sei eine ungeheuerliche Vergewaltigung. Abg. Bauhofs(Z): Gestern hat uns Herr von Camp« beschimpft, «eil wir die Beamtenbesoldung auf Herne zurückstellten. Heute ist «r böse, daß wir sie fertig machen wollen. Der Schlußantrag wird angenommen. In zahllosen namenllichen Abstimmungen wurden alle Abände- rungsantröge abgelehnt und die Borlage in zweiter Lesung unddaraufenblocindritterLesungangenommen. Mittwoch: Einbringung des Etats durch den Finanzmimster. Wegen Beleidigung des urteill wurde der völkische Sä preußischen Minislerpröstdeute« ver. Schriftsteller Geora Krämer aus Leipzig n 600 Mark Geldstrafe. Krämer hatte die Verleumdung wiederholt. Otto Braun habe 4 Millionen Mark von Professor Oppenheimer zur Agitation in den Agrorprovinzen erhallen. Mannheims neuer Oberbürgermeister. Als Nachiolger des zum l. April ans seinem Amts scheidenden Mannheimer Oberbürger- meisters, Dr. Kutzer, ist nach einer Verständigung zwischen Sozial- demokraien und Zentrum der Kieler Bürgermeister Heimbrlch, der zur Sozialdemokratie zählt, in Aussicht genommen. Für den Posten des Ersten Bürgermeisters, der ebenfalls neu zu besetzen ist, hat das Zentrum Ministerialrat Seeger in Borschlog gebracht. Der kommunistische Reichskagsabgeordnelc Ikeddrrmeyer, gegen den«in Strafverfahren vor dem Reichsgericht schwebt, soll, wenn er sich nicht zu Verbandlung sttMt, oorgeführt oder verhastet werden. Der Geschästsordnungsausschutz des Reichstags hat diesem Antrag des Oberreichsanwalts stallgegeven. Und das Schutgeseh? Ourchpeitschuagspläae aufgegeben.— Preußen wehrt sich gegen die Konfefsionalisierung der Echnlaofsicht. Der Rechtsblock im Reichstag hat dem Anschein noch auf seine Absicht, das Rcichsschulgesetz durchzupeitschen» endgültig verzichte!. Die Differenzen innerhalb der Regierungsparteien sind z u groß geworden, als daß man sie mit GewoltmiUeln aus dem Wege räumen dürste. Herr Professor Schreiber vom Zentrum, der Bie'.gcwandte, hat deshalb notgedrungen unserem Genossen. L ö w c n st e i n zugeben müssen, daß eme sachliche und ausgiebige Klärung der Materie nicht zu umgehen sei. Also mit der Verabschiedung im Ausschuß vor Weihnachten nock, ist es vorbei. Der Ausschuß beschloß schon gestern, sich aus eine Ferienberoiung, beginnend am Montag, dem 9. Januar, nach' mittags 5 Uhr, einzustellen. Her? Pfarrer M u m m, der Vorsitzende und Haupttreiber— von ihm stammt das Wort:„Ich begrüße da? Gesetz. Die evangelische Kirche wird an ihm endlich wieder einmal kämpfen lernen I"—> Herr Mumm also sieht mit sehr süßlich-saurem Pausbackengesicht sein Gesetz und dessen Verabschiedung in etwas nebelgrauere Fernen sich verziehen, als er es gehofft hatte. Die sachliche Beratung brachte zum Abschnitt III des Gesetzes(Schulaufsicht und Schuloerwaltung)«ine Reihe von Regierungserklärungen zu einem der Kernprobleme des Entwurfs, zur Frage der Konfefsionalisierung der Schulaufsicht. Ministerialrat L ö f f l« r vom Reichslnnenministerium mußte zugeben, daß in sämtlichen Ländern mit Ausnahm« von Bayern, Württemberg, Braunschweig und Oldenburg keinerlei landesgesetzliche Dorschriften darüber bestehen, daß Schulaufsichts- bcamte der Konfession der Mehrheit der ihnen unterstellten Schüler angehören müssen. Ministerialdirektor Kästner gab als Vertreter der preu- ßischen Regierung die Erklärung ab. daß der Reichsrat einmütig die Wiedereinführung der geistlichen Schulaufsicht ab- lehne, und daß gerade Preußen unbedingt fordert, es in der Er- nennung der Schulaufsichtsbeamten bei der bisherigen Praxis zu belassen. Ministerialrat Landä erläuterte diese Praris in juristi- schen Darlegungen dahin, daß die preußische Schulgesetzgebung hier kein« gesetzlich« Bindung kenne, sondern lediglich nach Möglich- keit Rücksicht auf den konfessionellen Charakter eines Aufsicht- bezlrks nehme. Es müsse das Recht behalten, Ausnahmen zu machen. Eine Einmengung lehne Preußen unbedingt ab. .,,«waö.fas< öcr DA " 1 r-ürf '( lYi" !'«!. fiin Mi.. .sM M WM f- n 5' AI m} f: -M ftlT UV JOSEf-j.. Jl/IVo "Vi V St o" <> lr s. Jn Vorfreude und Erwmfung spür! in diesen Tagen Jeden den ZauJber des schonslen Fesfes> gilt es doch, zu beglücken und beglückt zu werden. Der Weih- nachiswunsch des Berliner Rauchers ist seine Lieblingsmarke. Wer ihn erfüllen will, schenk!: JUysettiJkino Berlins meistgerauchfe 4S Ggcme/ie M.>kA •.ttn-e Mittwoch 14. Dezember 1927 Unterhaltung unö ÄAissen Seilage des Vorwärts Der Käfig in der Nachtigall. Von Friedrich Woif. Eines Abends— es war im Dezember— erwog Mathias, ein Arbeitsloser, ob er das Asyl wieder aufsuchen, oder lieber eine strafbare Handlung begehen solle. Er entschloß sich für das Letziere. Er bestieg geflissentlich die Tram und würdigte die untergeordnete Frage des Schaffners: Noch jemand ohne Fahrkarte? keiner Entgegnung. Erst bei der dritten Fahrt gelang es ihm, oom Kontrolleur gestellt zu werden. Die Masse entschied sich unverzüglich für den Schaffner durch Entsendung dreier Zeugen:.zwei Schutz- laute nahmen sich des Falles an: im Polizeirevier wurde der Tat- bestand aufgenommen: Mathias— er hatte keinen Groschen mehr— des Betrugs im Vollendungsfallc überwiesen/ die Zeugen notiert, der Zugang nochmals überhört: dann endlich bekam er Brot, Kaffee und feine Zelle. Mathias atmete auf. Man kümmerte sich mn ihn: man hatte seinen Namen erfahren wollen, man hatte sich fast liebevoll mit seinen Familienverhältnissen beschäftigt, in seine Ahncnreihe sich vertieft: man wachte draußen um seinetwillen: morgen würden wieder Menschen bloß seinetwillen sich bemühen, schreiben, Fragen stellen, hin- und herlaufen, vielleicht sogar ein Auto bestellen(er mußte doch befördert werden). Cs gab mit einem Male viele Dinge» die um seinetwillen geschahen, Menschen, denen sein Leben Auf- gaben stellte: was tat es, ob unter dieser oder jener Benennung? Ja. draußen wachte man diese Nacht nicht der seelenlosen Dienst- Vorschrift gemäß: man wacht« um ihn! Mathias versank in seiner Zelle in einen tiefen, wohlverdienten Schlaf. Am folgenden Morgen weckte ihn eine rauhe Stimme:„Auf- stehen'" Er sprang hoch: er fröstelte: schon schob man einen großen Raps heißen Kaffee und ein Stück Brot hinein. Es waren große starke Männer in Uniform, gleichsain in Livree, die ihn bedienten, die ihn weckten, in deren Gedanken er lebte, deren Dasein er einen Sinn verlieh. Ihr etwas barsches äußeres Benehmen war offen. bar nur die rauhe Schale ihrer starken, männlichen Liebe zu dem Gegenstand,, an dem ihr Pflichtbewußtsein sich entzünden durfte. „Nichts als Kleindreck! Hühnernrist!' meinte der Kommissar bei der?lufstellung des zweiten Protokolls.„Was beabsichtigten Sie mit der Fahrt?' Das klang durchaus würdig und der Be- deutung des Augenblicks gemäß. Mathias schwieg feierlich.— Der Kontrolleur brüllte:„Sic! Wie konnten Sie es wagen, ohne Billett zu fahren?' Mathias wollte gerade antworten:„Wie Sie um mich sich bemühen, Herr Kommissar! Wieviel Wärmeeinheiten Sie zersprengen!' Aber er befürchtete des Beamten Evolution und Arbeitsfreude zu zerstören: er schwieg.—„Zum Donnerwetter!' hauchte ihn die glühende Kugel an,„geben Sie den Betrug im Vollendungsfalle zu?' Machias spürte deutlich, daß hier der ganze Angelpunkt des Problems lag, daß die Tatfache, daß er der Gebend« war, sich rncht langer mehr verheimlichen ließ: und so sprach er mit UeberzSAnng:„Ich gebe zu.' „Abführen!'" Nim begann die sublimere Teilnahme, die man einer Person midmet. Er wurde im Auto einem imposanten Bau zugcftibrt, dem ilntersuchungsgefängnis. Wiederum kamen starke Männer in einfacherer Livree, die sich um ihn bemühten, andere, die nach seinem Stammbaum sich erwndigtcn. dritte, die den Tatbestand nochmals prüften, wieder andere, die eine?lkte vorlegten. Er ließ sich ver- schiedcntlich von Assessoren, einmal sogar von einem Landgerichts- rat interviewen. Sein« Memoiren wurden— in einem blauen Deckel geheftet— von Staats wegen gesammelt, registriert und der Bibliothek des imposanten Gebäudes einverleibt. Selbst der Bureauchef muhte sich mit ihm beschäftigen. Der Aktenhejter mußte sich mit ihm beschästigen. Zwei Gerichtsschreiberaipiranten mußte» sich mit ibm beschästigen und ein Verhör nochmals abschreiben, weil sie„inkriminiert" mit„g" geschrieben. Der eine von ihnen kam zu spät zum Mittagstisch. und es gab eine Szene, bei der eine Äohlenschaufcl unglücklich flog und der Arzt hinzugezogc» werden mußte. Ein emfcrnter Arzt mußte sich mit ihm beschäftigen. Zn einer Nebenoerhondlung mußte die Reinigung des Tram- schaffners vom Verdacht der Beihilfe zum Betrug im Vollenüungs- falle stattfinden. Drei Zeugen mußten gelade», auf die Heiligkeit des Eides hingewiesen und entschädigt werden. Die ganze Neben- Verhandlung mußte sich mit ihm beschäftigen. Es wurde Mathias immer offenbarer, daß es sich hier uniuög- lich um das nicht gelöste Trambahnbillctt handeln konnte, noch um den Versuch, auf einer gutgeheizten Polizeistation zu übernachten. sondern daß es von ihm in jener unmerklichen Sekunde abgehangen hatte, ob Hunderte von Menschen durch ihn die Möglichkeit erlangen sollten, ihre Pflicht zu erfüllen. Er spürte deutlich, wie olle die Menschen, die er beschäftigte, oom Landgerichtsrot bis zum Aktenhefter, aus einem leisen und scheuen Gefühl der Dankbarkeit sich um Ihn bemühten: er spürte den inneren Segen leiner Tat, er kam sich wie ein stiller, weithin wirkender Wohltäter oor, der'vielen Menschen Austräge erteilte und Arbeitsgelegenheft verschaffte: wie ein Juwel, das man einschloß, dwnft es nicht gestohlen vrnrde. Als mn Mittag wieder ein Beamter in kleiner Livree erschien, ihm seine Brotsuppe hinstellte und mft gewisser Sorgfalt hinter sich zuriegelt«, da lächelte Mathias nicht ohne Stolz. Der Landgericdtsrat aber legte das Fruchttnesser hin und streckte sich lang. Derweil fein Weib ihm die Rolle unters Haupt schob und seine gefurchte Stirn glättend, mahnte:„Du überarbeftetst dich, Schatz!' knurrte er streng, doch mit Gemch:„Rur Arbeft adelt!'_ Ali« preußische Gesängnisbureaukraiie. In einem dänischen Weihnachtsakmanach bringt H. P. H a n s s« n der ehemalige Abgeordnet« der dänischen Minderheft im dcuilchen Reichstag, eine Schilderung seines Gefängnisaufenthalts in Neu- m ü n st e r, die so charakteristisch für die lächerliche Bureaukratte der ehemaligen preußischen Gefängnisverwaftung ist. daß hier zwei Vorfälle aus Hanstens Gefängniszeft wiedergegeben seien. ttanssen, der wegen einer politischen Angelegcnhcft drei Monate Gefängnis erhallen holte, durste, wie er schreibt, im Geiängnis feine eigene Kleidung tragen. Darum erschien er in Neumünster mit einem kleinen Handkosser, m dem er Wäsche und Strümpfe zum Wechseln, einen anderen Anzug, Schreibmaterialien und andere Klei- nigkeften hatte Seine naive Hvkfnuna. daß er diese Sachen mit in seine Zelle nehmen dürfe, erfüll»« sich tedoch nicht. Der Koffer mußte beim..Hausvater deponiert werden, nachdem sein v-haft haargenau Stück für Stück in ein Protokoll eingetragen worden war. AI» Hanssen das Malheur hatte, seinen Kragenknops zu verlieren, hielt er es für selbswerständlich, den Gefängniswärter zu bitten, ihm den Ersatzknopf aus feinem Koffer zu holen. Aber er hatte nicht mft der preußischen„Ordnung" gerechnet. Der Gefängniswärter delehrte ihn, daß er einen Antrag stellen müsse, um ienen neuen Kragenknops zu erhalten. Dieser Antrag könne von fianssen bei ihm mündlich gestellt werden: er müsse ihn aber schriftlich an den Oberwörter weitergeben, von dem er an den Gesängnisdirektor zu gehen habe. Die Preußen sind ordentliche Leute, aber ein Gesängnisdirektor hat ein mensch- liches Gemüt. Arn sechsten Tage nach dem„mündlichen Antrag" er- ichien der Unterinspektor, von einem Gefangenen begleitet, der sein Schlüsselbund trug, teilte Hanssen mit. daß sein Äragenknopsantrag bewilligt sei und ersuchte ihn, mit zum Hausvater zu gehen, um dort den Knopf persönlich in Empfang zu nehmen. Drei Mann hoch ging es also nach dem Gefängnisbureau. Dort lag das Einlieierungs- Protokoll aus dem Tische. Der Handkoffer stand daneben, und der Hausvater stellte fest, daß auf der dritten Folioseite des Protokolls als Nr. 83 ein Kragenknops verzeichnet war. Daraufhin wurde der Koffer geöffnet, der Knops herausgesucht und ebenfalls auf den Tisch gelegt. Roch immer durste ihn Hanssen nicht berühren, denn der Hausvater mußte erst protokollieren, daß der Gefangene Rr. Soundso am soundsovielten einen Antrag gestellt hatte, einen Kragenknops aus seinem beim Hausvater deponierten Koffer zu entnehmen, daß ferner durch„Verfügung" des Gesängnisdftektors dieser Antrag be- willigt worden sei, und daß daraufhin am soundsovielten der Gefangene Nr. Soundsoviel vom Hausvater den richtig im Koffer vor- gefundenen und ihm sittnommenen Knopf erhalten habe. Dieses schone Protokoll unterschrieben der Hausvater, der Unterinspektor, der Schlüsselbundaefangene als Zeuge und H. P. Hanssen. Erst dann durste H. P. Hanssen den Knopf„übernehmen'... Mindestens ebenso schön erging es Hanssen mit feinem Schreib- popier. Da er die Erlaubnis hatte, während seines Gesängmsausent- Halts schriftlich zu arbeiten, hatte er eine genau abgezähtte Menge Schreibpapier erhalten. Er verbrauchte davon einen Teil als Notiz- papier und einen Teil für die Reinschrift der Abhandlung, die er verfaßte. Einige Tage vor seiner Entlassung erschien der Gefängnis- direktor in höchsteigener Person, mn das Papier zu kontrollieren. Do- bei trifte er feierlich mit. daß Hanssen soundsoviel Boaen erhalten habe und die gleiche Anzahl nach vorhanden sein müsse. Zufällig stimmte es. Haussen mochte daraus aufmerksam, daß die Bogen mit den Notizen weggeworfen werden könnten. Das war wiederum nicht ja einfach. Wie der Gefängnisdirektor mitteilte, mutzte die Vernichtung des Papiers in Gegenwart Hanssens und eines Zeugens stattfinden. Am nächsten Tage erschien der Unterinspektor mit dem Gefangenen. der das Schlüsselbund trug, zur Vernichtung des ominösen Notiz- papiers. Nachdem die Bogen nochmals durchgezählt worden waren, erklärte der Unterinspektor, daß man mm mit den zur Vernichtung bestimmten Bogen zu dritt m'di« Küche gehen würde, um sie dort in Gegenwort Hanssens und des Gefangenen als Zeugen zu ver- brennen. In der Küche aber war gerade kein Feuer im Herd, da die Mittagszeit vorüber war. Da kam der Gefangene auf den guten Gedanken, daß man nach der Gefängnisschmiede gehen könnte. Dort wäre sicher Feuer in der Esse. Aber auch dort mar gerade Baust und wiederum kein Feuer. Der Gefangene wußte nochmals Rat. Er wie» darauf bin, daß es auch eine Gefängnisbäckerei mit Backofen gäbe. Die drei stolzierten dortbin— ebenfalls Feierabend und kein Feuer in den Oeien! H. P. Hanssen erzählt, daß der Unterinspektor nahe am Verzweifeln war, und daß er schließlich das Ei des Ko- lumbus fand, indem er daraus aufmerksam� mochte, daß es so etwas wie Streichhölzer gäbe. Wirklich hatte der Inspektor Streichhölzer in der Tasche. Das Papier wurde in den Ofen gesteckt, ein Streichholz daran geholten, und den reglementmäßigen Ernst in den Mienen verfolgten die drei, Inspektor, PapiervernichtungsantragsteUer und Zeuge, wie die Bogen vorschriftsmäßig zu Asche wurden. Als schließ- lich wirklich alles Asche war,-ging es ins Gefängniskontor, wo ein Protokoll über die Vernichtung des Papiers ausgenommen wurde... Der wertvollste Vogel der Erde. Als den wertnollsten Bogel der Erde kann man den„.Komoran von Peru' bezeichnen, da er an der südamerikanischen Küste die wirtschaftlich außerordenttich wichtigen Guanologer liefert, die bekamftlich ein kostbares Düngemittel dar- stellen. Dieser Bogel wohnt oft in riesigen Kolonien von mehr als einer Million Tieren: er lebt von Kleinfischen, besonders von Anchovis, und brütet in ungeheuren Scharen auf wüsten Inseln. Hier kommen auf einen Quadratmeter drei Nester! Durch keinen Lärm lassen sich die brütenden Nägel verjagen: sie haben auch unter störenden Beiuchern kaum zu leiden, da die National-Guanoverwal- tung von Peru die Ausbeutung der Guanolager, die bekanntlich nichts anderes als ungeheure Kotmengen dieser Vögel darstellen. genau geregelt hat. Kein ilnbeiugter darf die non den Vögeln be- wohnten Inseln betreten, auf jeder Insel wacht ein Wächter, und wissenschaftliche Beamte untersuchen dauernd alle Lebensbedingungen der Dögel, auch ihren Gesundheitszustand, da Parasiten nicht selten austreten und betämpst werden müssen. Da der oufrechtgehende, H Meter große Vogel jährlich wir zwei Junge großzieht, muh der Gesundheitszustand natürlich scharf überwacht werden, da es sonst leicht zu einer Abnahme der wertvollen Tiere kommen könnt«. Wie wichtig die Vögel für Peru sind, beweist die Tatsache, daß vor fünf- zehn Iahren etwa 25 000 Tonnen Guano jährlich gewonnen wurden. heute aber berefts über 00 000 Tonnen, von dctien allein 70 000 Tonnen in Peru selbst verbraucht werden. Ein nicht ungefährlicher Feind der„Kormoran« non Peru' ist eine Geierart, die»n den großen Eiern der Guonolieferanten Geschmack gesunden hat und gern die Rester plündert. Was ist die Schwerkraft? Von Willi Ley. Eins der interessantesten und Nebonswürdigsten Ergebnisse der Forschung ist das, daß sie das Weltbild vereinfacht. link) ie länger geforscht und gedaäft wird, desto einfacher und beariifl'ch klarer wird es.— Es fing damit an. daß Kopernikus dl« ummMich komplizierten und verwickelte» Bewegungen der Gestirne aus eine einfache gleichmäßige Bewegung, die allen Planeten ge- mclniam ist. zurückführt«. Vorher hatte man bekanntlich geglaubt. die Erde stehe ft" Mfttelpunkt fest, die Planeten(Sonne und Mond wurden daz,-gezählt) bewegten sich in Kreisbahnen um sie herum. Ilm dies Bild aber mft den Beobachtungen ft, Einklang.zu bringe». mar es nötig, die Erde etwas aus dem Mittelpunkt zu rücken, auf den Planet enkreifen Hilfskreise anzubringen, die Bewegung nicht ganz gleichmäßig erfolgen zu lassen und so fort bis an die absolute Bsrhedderungsgrenze für alle Leute, die das jemand anders er- klären sollten. (Sin weiterer Schritt zur Vereinfachung des Weltbildes war es, als Darwin dem seinerzeit schon„in der Lust liegenden" Gedanken Form gab. daß das Linnesche Dogma, daß die Tier- und Pflanzen- arten absolut unoeränderlich sein sollten, nicht.zutrifft Seitdem haben mir ja nun auch immer besser und immer sicherer gelernt, daß die ungeheure Mannigsaltigkeit der gesamten organischen Well letzten Endes aus das Problem„Leben" zusammenschmilzt, ohne daß es für die Lebenstatsach« an sich nötig wäre, auch noch die verschie- denen Erscheinungsformen zu erklären. Eine weitere und ganz kolossale Dereinsachung kam durch die Atomtheorie der Cbemi«(vorgeahnt und zuerst gelehrt von dem alt- griechischen Philosophen Demokritos), der sich ziemlich spät auch die Physik annahm und die zum Schluß zu dem Ergebnis führte, daß das Atom, das ja doch— es kommt vom griechischen unteilbar— das Unteilbare sein sollte, noch weiter aiisgelöst wurde in die Elek- trotten, die zugleich auch die Bausteine der Energie sind, so daß man also hier dazu kommen konnte, die Materie nur als eine be- sondere Form der Energie anzusprechen. Ebenfalls eine Vereinfachung des Weltbildes war es, als es gelang, die verschiedenen Begriffe der Wärm« des Lichts usw. alle als Strahlungen zu identifizieren, fo daß man fetzt von einem ge- schlössen«» Strahlen- oder Wellenband sprechen kann, das mft de» elektrischen Wellen als den längsten beginnt und über die fogenann- ten„Reststrahlen', die Wärn,«strahlen, das farbige Spektrum oom rot zum violett, die chemisch wirksamen Strahlen(ultraviolett) ins zu den Röntgenstrahlen führt. Eigenartigerweise hatte man gerade bei den Strahlungen de» Zusammenhang aber schon geahnt, weil man sie— soweit sie damals schon bekannt waren— alle zusammen in einen großen. „Fluidum" genannten Topf gesteckt hatte. Jedoch konnte man sich unter Wort nicht niel mehr ols eben ein Wort vorstelle», und als dann die Wellentheorie kam uich den Lichtälher erfand, ging der Fkuidumwpf in die Brüche. Rur eine einzig« Raturkraft fügt sich noch nicht recht in das übrige Weftbild, das ja fast alles mit Stroh- lang.zu machen pflegt, ein. Und das ist eigenartigerweise ein« Kraft, die allgogenwärtig ist, die man auch in ihrer Größe und in ihren Wirkungen genau berechnen gelernt hat: die Schwerkraft Zu- erst hatte man sie auch in die Rubrik„Fluidum" einsortiert, eine Weile gaft sie ols eine Art Magnetismus(fo wird sie in dem hübschen nachgelassenen Buch de» großen Kepler,„Somnium", unter dem Namen.Mondtraum' wetter bekannt, aufgefaßt), dann wußte man em« Weile gar nicht, was man daraus mache» sollt«. Der Diener Professor Sahulka meinte, sie sei dar Druck des hqpo- theltfche« Lichtäthers, er sagte sich, daß der Druck dieses Aekhers, bzw. keiner kleinsten Tei/che» von oben, aus dem Weltraum her. frei wirken könne, von unten der wobl einen Gegendruck ausübe. daß aber die Aetherpartikelchen durch den Durchgang durch den Erdball so geschwächt seien, daß ihr Gegendruck geringer sein müsse. als der direkte von oben. Auch mit dieser?l im ahme ist eine Schwerewirkung zu erklären. Die neueste Schwerkrofttheorie geht nun wieder aus die Mc- lodi«, eine ganze Anznbl verschiedener Tatsachen mit einem Griffe zu packen. Man kam eigentlich darauf, als man es erkläre» wallte, daß die Sonne trotz der riesigen Wärmemengen, die sie jede Stund« in das All strahlt, nicht tälter wird. Wir können die Erdgeschichte .bis in die geologische Periode des sogenannten Algonkutins zurück- nerfolgcn, das ist in Jahren nach den ziemlich gui zusaminenstim- Menden Rechnungen verschiedener Methoden(die Methode aus dem radioaktiven Att'm.zerfall ist die beste) etwa eine Milliarde! Wäb- rend dieser ganzen Zeit bat die Sonn« idre Temperatur, wie wir jetzt erkannt haben, kaum geändert, denn die vorübergehenden Eis- Zeiten find anders zu erklären. Nach einer reinen Wärinerechnung müßte die.Sonne aber in jedem Jahr« um zwei Grad kälter wer- den, wenn sie nickt ihre Eitergieverluste aus der Strahlung irgend- wie erfetzt. Man hat diesen Ersatz in einer sortschreftendeii Zu- saimnenziehung gesucht, anderersefts an die Hitzewirkung ouftref« f ender Meteoriten gedacht ohne jemals mit seiner Rechnung mit den Tatsachen auch mtr einigermaßen übereinzustimmen. Verschiedene Gelehrte haben dann aber, vollkommen unab- hängig voneinander, untersucht, wie die Sache liegt, meirn man dem Weltäther eine Energie.zuschreibt Und es sieht ganz so au». als wenn-man damft des Pudels Kern getroffen bäite. Die Energie des Weltäthers ist sogar»nvorstebbar groß. Nernst berechnet als Mindestmaß eme Billiarde Grammkalorien pro Kubikzentimeter, Wiechert und Lodge sind sogar davon überzeugt, daß jeder Kubik- Millimeter des„leeren" Raumes die Energie besitzt, eine Krastan- läge von einer Million Pferdestärke» M Millionen Jahre hindurch zn! peilen l Es ist bis jetzt noch nie gelungen, diese sogenannte Nullpunkte energie" auszulösen, man wüßte auch gar nicht, wie es geschehen könnte, und es ist nur z» hofien, daß es mich nie gelingen möge! Aus diesem unerschöpflichen Reservoir ergänzt also unsere Sonne ihre Kraft und alle anderen Fixstenisonnen des Weltalls tun es ebenfalls. Wobei es logisch ist, daß die größeren mehr Energie aus dem Aether absorbieren müssen, als die kleineren,— folglich auch heißer sind, wie es ja die Beobachtung bestätigt. Der früher gern zitterte Schrecken des Sonnentodes ist also nur ein Schreckschuß, denn die Sonne kann nicht sterben, da sie sich ja im „Strahlungsgleichgetpicht" befindet, d. h. ebensoviel Energie aus- niinnft wie ausstrahlt Schon der Genier Mathematiker Lesaa«(1734-~1803) hat theoretisch gezeigt, daß man die Schwertrast aus einer sehr durch- dringenden Strahlung ableiten könnte, wenn es gelänge, solche Stiahlungen zu entdecken. Da die Forscher übereinstimmend an- nehmen, daß chrc'Nullpunktsenergie in Strahlensorm im Weltäther vorbanden ist, ist alles weitere leicht denkbar. Da nun Nernst auch gleich noch eine Weltbildungshnpothes« auf der Nullpunktsstrahlung aufbauen konnte»— Materie und Energie sind ja dasselbe—, so erhellt wieder einmal ein« ungeheure Lereinfachung all« Naturgeschehens, in dem eins an das andere geknüpft ist, ohne jemals diesen Zusammenhängen entschlüpfen zu können. Die Nachmittagsveranstaltung heißt„Für unsere Kinder", alier es ist fraglich, ob die Kinder mit manchen der dargebotenen Äortiäge etwas anzufangen wissen. BusonI und selbst Ts cha i t o w s k i stilisieren sich in„der Kindersonatine" und in„Der Puppe Begräbnis" auf das 5lindliche. Ein Erwachsener stellt sicher- lich�as Naive dieser Komposition fest. Anders aber das Kind selbst, dem diese Well vielleicht doch zu sern liegt! Die Kinderlieder von Leo Blech oder die kleinen Blumenliedchen von T a u b e r t sind dagegen dem kindlichen Auffasiungsvcrmögen angepaßt. Hede Türk bemüht sich leider, diese Lieder zu kindlich zu singen, etwa für Fünfjährige. Aus diesen Ton stellt auch 5)anna Zweig ihre Rezi- tationen ein. Das ist nicht notwendig, da Hugh Lostinas Dojlittle Geschichten ohne weitere rezitawrische Beihilfe icdem Kino verstäub- lich sind und es interessieren müssen. Weiterhin hat solche Vorlesung keinen Zweck, wenn sie gerade im spannendsten Moment abgebrochen wird� Das wirkt fast wie eine Reklame für das Buch. Es muß unbedingt die Pointe der Geschichte gebracht werden. Unter Seidler-Winklers Leitung am Abend ein Sinfoniekonzert, das als erstes Mendelssohns Schollische Sinfonie bringt in ihrer ganzen melodischen und gläsern kühlen Schönheit. Professor Gustav H a o e m a n n spielt das V-Moll-Diolinkonzert von Julius Wciß- mann. Man glaubt, daß Weißmann, der heute annähernd Sl) Jahre ist, einer noch älteren Generation angehört, denn hier gibt allein die Melodik den Ausschlag, eine Melodik, die sich an die älteren Meister anlehnt Für den Hörer ist es beruhigend, nach allem möglichen Jazzgeknatter, nach allen erdenklichen disharmonischen Uebungen ein Konzert zu hören, dos eine Ausnahme hiervon bildet. Der Bar- trag von Professor Dr. Franz Müller über„W i n t e r k u r e n" bat nur für denjenigen Bedeutung, der in der Lage ist, in die Schweiz oder in andere schöne Gebirgsgegenden zur Erholung zu reisen. Erst dann kann er die weisen Ratschläge, wie man sich vor Sozialistische Ardettersugend Gwß-Veriin. «brechv-ag bei Beitrag-mar!«» usw. heute, Mittwoch, IS— 13 Übt. S!rbcit-gc»ei»schast Abraham: ISVj Uhr in her Schule Tevipelhofcr Ufer 2». Unsere Weih-achteaaaftrllung im Jugendheim Linhenstr. Z ist bis 23. Dezember, werktags von lk— 20 Uhr, Sonntags von 20 Uhr geöffnet. Jedes Mitglied muh die Ausstcllunz besuchen. a-lliarnweberstraße..Dolitif und Jugend.' � Sie». Lichtenberg: Heim Prinz. Albert-Strofte..Arbelter.Svortbrwcgung."— Lichte- berg-Rord: Heim Tone- strak« 22.„Bub und Mädclch 1 Teil.- Achten bern-West:.Das Komuiunistii'che Manifrft."— Pankow 1, ll und III: Heim Görschstr. 14. Miideladcnd..Das Madel l» der SAZ."— Neulölla VI, Besuch her Beihnachtoauostellung. Treff. punkt libd Uhr vor dem ,Borwört»",Dedäudc. Sonnenbrand im Winter schützt, befolgen. F.S. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Retcksballner.Schwarz Rot-Gold" GeschSttsstell«: Berlin s. l«. s-baftia-str. ZI KS. Hof! Er Donner-tag, IS. Dezember. Prenzlauer Ber«: Kameradschaft »öniqswr 20 Uhr Versammlung und«ortrag bei Vösner, Im. manuelkirchstr. 2a. Artebrichshai»: Kameradschaft Andreas IS!� Uhr Verfamm- lung bei Heinrich, Kraut, Ecke Lange Straße. Sportokatz Friedrichsfelb«: 20 Uhr Vereinshcim Sitzung der gesamten VorstLndc aller beteiligten Ort», vereine nebst Aufsichtspersonen.— Zrellag, 16. Dezember. Äharlottenbura: 20 Uhr im Zügen dheim Eprceslr. 20 LichtHldcruartrag des Nameraden Fall: .Aus dem Tagebuch der Erde." Auch ältzre Kameraden sind willkommen. Zempclhof: 20 Uhr Seneralversammlung bei Pommerening, Tempelhos, Ber» liner Str. 100. Bericht von der Eaugencralverfammlung. Neuwahl des Bor. ltandes. Köpenick: Ift-21 Uhr.Lchußsrort" sSporiabt.) in der Turnhalle der l. Semeindcschulc, Mitagelheimcr Straße. Kavlepops.Sub: Bersammiuna im Lokal Hlldner. Bahnhostiraße.— Prenzlaner Berg: Kameradschaft Nordkap: Die Monatzpcrsammlung findet ausnahmsweise Do., d. Id.. statt. Vortrag und Anträge zur Generalversammlung._ Reichsinnb her Krie-rbeschidlgt-n. Kri-a»teiluebmei und»riegerhlnter. bNebeaen. Ortsgruppe Norden 14: Mittwoch, lt. Dezember, 20 Uhr, Mit. «kt ederverfllitunlung k» rismas und Pazifismu«. jam* Zreidenkervolkghochfchute Berlin. Donnerstag, IZ. Dezember, IS'.Z Uhr, Askanisches Gnmnastum, SW, Hallesche Str. 26. Bortrag Dr. P. Krisch«: .Entwicklung und Bererbung." Deutsch« Sartenbaugeseklschaft. lichcn Hochschule, Znvalidenstr. t2, Gartenoberinspektor Bertram Krug ilber: IS. Dezember Hörsaal 6 der Landwirtschaft. .Obst, und Gartenbau In China.' und Ghina gelebt. Eintritt frei. Zrtsocrein Der Lortragende hat IS Jahre in Japan Ort,,crc:n Berlin im Verband Bollszcsunbheit. Donnerstag, IS. Dezember, l»th Uhr, Zfflandstr. 9. liest Genosse'*""-•--■ Satiren."— Zugeudgeuppe Osten: Freit straße 61, Lichtbildervortrag:.Entdeckung der Heimat."— Zngendgrupp« Freitag, 16. Dezember. I9ZH Uhr, Neukölln, Schierkestr. 44, Dlskussionsabend über:„Beobachtungen eines Großstädters." Landsmannschaft der Schleswig-Holsteiuer zu Berlin 1992. Donncrstog. IS. Dezember, 20 Uhr, Dresdener Garten, Dresdener Str. 4Z, geschäftliche Sitzung. Mieierbund de» Verwaltungsbezirk» Steglitz. Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr, im Lokal„Zum Hindenlnirg", Lichterfeld«, Hindenburgdamm US, öffentliche Versammlung. B-ud der Freidenkcrjugend. Gruppe Norden: Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr, Ledigenheim Pappelallee 15/16. Vortrag, Thema noch unbestimmt.— Gruppe Osten: Tonnerstag, IS. Dezember, 20 Uhr, Zugendheim Litauer Str. IL. Vor- trag:.Nevotutionöre Dichtung."— Mustkgrupp«: Jeden Donnerstag am de. kannten Ort.-«ach jedem Vortrag finden Aussprachen stall. Zugendliche find icderzeit zur Mitarbeit w'llkommen. Arbeiter-Nabiobund. abend, 17. Dezember, ge bildrrvortvag:..Die Bedeutung i__________________ Sonntag, 18. Dezember, geöffnet von 10—20 Uhr, große Ausstellung der vre. schicdenstcn Geräte im Eruppensokal Friedenstr. 61. Eintritt frei. All« Ar- beiter-Tundfunihärer müssen dabei sein.— Werbeueranstalinng»er Ortaaruppe Eharlottenburg: Sonnabend, 17. Dezember, lOs-i Uhr, bei Tunak, Gharlott-n. bürg, Wielandstr. 4. Vortrag:„Rundfunk und Arbeiterschaft." Ernst Frebrich: Rezitationen. DIpl.-Ing. Mendelsohn: Interessantes aus ber Funktechnik" (Fernempfang). Alle Arbeiter.Rodiofreunh- find herzlichst«ingeladen. l.onziestov lln- lt»d llebitlng-clu», Bülowfllaße:04 Mittwoch. 4. Dezember, 20 Uhr:„Senrra! Gompetltion" lleber IS g«! 006 Greiling.Zigoretten werden täglich geraucht. Mit ber Her, ---- dieser imposanten Menge sind übe: der stcllung, dem Vertriebe und der Verteilung dieser imposanten Menge stnd über 6000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. In über 9S 000 besseren Tabakwarcn. Handlungen sind Gretling.Figarettcn stet» zu haben. In etwa ebensoviel sonstigen Verkaufsstellen, wie Gaststätten. Bahnhofswirtfchaftc», Ko'on'al- Warenhandlungen usw. werden Greiling. Zigorctlen vorrätig gehalten. So wird dächst« Qualität anerkannt, und so schätzt man die milde Seschmacksrichtiing der Sreiling.�igaretten. Aus Gründen der Rat'onafisteriing werden nur drei Marken hergestellt, deren meistgerauchte die SreiImg.Au»lese zu 5 Pfennige ist. VoSks h ne ldszlit 361 WüVoÄI 8 Uhr Id. an idiiiitaaerSasim 8 Uhr: Scliieber öss Kahms I�IiomisdieOiier�j eut�rtige» Kcvue-Stuck iT SchweizsrMusikdaus Enorm billiger Weihnachis verkauf 15 cm Durchm SO Pf. 18 cm D irohm SS i f., 25 ein Durcbm L. o. s SQ M. ! sowie d.e üraiqmophoa RaumiOD•A.uIoabmeQ dei Poiylar-Sene, brunsw ck T�n�p atten und ni§ herr- ücben Homohord E ettro-F�ruaufnabmea entsprecben uem beutigen Zei gescbm&ck. Tlaslkapp&rat�: Mk. 15.—, t» 50, S*.-», 40—. 49.—, 55—, 59—, 6*.—, 85.—, 05.—, 110.—. 135.— usw. aXasik schränke: Mk. HO.-. 115.—, 15«.-. 175., S5«.— usw. I Fenjer alie übrigen Mu ikwaren in üblicher groSer 1 AuswahL VVerüe, s&mt icb© Eisarz elle itlr Sprech- i maac-hiuen und alle anderen losirumente. Sailen wie | siadt bekannt und em grobe« N'oien&üniment, so etwas man Speztalhaaa nennt. Ve. kaulsslellen: Bodstr. 97, Biunnen>lr. 29, Frledrldistr. 196. GiÖnauer Strabe 5. Reintdcendoiler 5 trabe 117, SdiOnhauser Allee 130. Turmjtr. 79, Warschauer Strafte 63 Weifeensee, Berliner Allee 2 1 Zentrale und Werkslalten: Michaslklrchstr. 19(Fabrikgeb) MgygSffli'rewwiGIWtu. mw Nach d. gleichn. Paris. Revue I .Tout nu'u. 200 Mitwirkende!| ] Original• Pariser Kostüme Parkelt 3,SO Mk. | Theaterkasse ununterbr.geöffn. No lendon-du». COngioa!) Frafellinli and andere weltberühmte. I j zum ersten Male in Berit» anf-| retende internationale Stars CASINO-THEATER« uhr Lothringer Str. 37 ~ Kiein Eletkersdorl!— Ausschneiden' Gutschein 1—4 Perb- Fauteuil nur 1.10 M** Sessel nur l,6uM. lieutsdies Itieater Morden 10334—37 S U F.nde II ü. ßoratliea IS�mam v.Oerh. Hauptmann «gie: Max Reinhardt Katsmerspiele Norden 10334—37 8--. Uhr: Ende nach 10 Uhr. BroiixExpreft 3ie Komödie Bismarck 3414 751 b Vl4V� Ende IOV2 U. 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