Morgenausgabe Nr. 593 Ä 301 44. Iahrgang Wöchentlich fO Pfennig, morrofüch ir— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In» und Aus- land bJiO Reichsmark pro Donat. * Sa wS3on»arts* mtf bei lllustrten- ten Sonntagsbeilage.Voll und Zeit� sowie den Beilagen.Umerhaltung und Wissen'.Äu» da frilrnweU'. »Stadtdeiloge'.Frauenstimme�, .Der Kinderfreund'..Iugend-Vor» roäris".Blill in die Bücherwelt*. �Lulturarbeit' und.Technik' erscheint wochenrSglich zweimal Sonntags und Montags einmal. � w Verliner volßsblatt Zrettag �6. Dezember 192? Groß-Äerlin li) Pf. Auswärts 4S Pf. Iii» e>»lpal«lg» Ronparetve�eNe ki0 Urnnlg. 5.— Reichs. muri A»z»io«i>" Da» f-ttge- brudt» ffiorl 25 Pfennig iznläffig zwei fettgcbrudt« fitartr). jedes Weiler» Wort >2 Pfenmo. Stellengefuch» da»«rfl« Won U Pfennig, jedes ro fiter» Bort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaden »äblen für zwei Worte Zlrdeitsmartt �eil» 50 Pfennig, gomilionzeigeo für Abonnenten geile<0 Pfennig. Antigen. annadm» im Hauptgejchljfl Linden- örofcti wochenlägi. von 8Vi bis 17 Uhr. Jsnttawvgatt der GoziatdemoSratifcheu Oariei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fcrnsprcch«: Tönhosf AS— 237 Telegramm-Wr.: Soztaldemotral Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postlchetklonlo: Berlin 37 b3S— vankkoiuo: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beanuen Wallstt.SS. DiSkomo-Gesellschasl, Deposilenkage Lindenstr 3 Oer Schiedsspruch von Düsseldorf. Anbefriebigendes Ergebnis für die Arbeiter.— Die Gewerkschaften lehnen ab.— Keine Kündigungen zum erften Januar. Düsseldorf, lS. Dezember.(Eigenbericht.) Der Schlichter im Eisenkouflitt hat am Tonnerstag gegen die Stimmen beider Parteien einen SchledS» sprach gefällt, der von den Arbeitern als völlig«nzu» reichend empfunden wird. Sofort nach der Bekanntgabe des Schiedsspruchs trat eiae Noafercnz in Düsseldorf zusammen, an der Vertreter des Vorstandes, Vertreter der Bezirksleitungen und die Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiter» Verbandes von Rheinland-Wcstfaleu teilnahmen. Sie haben zu den Schiedssprüchen Stellung genommeu und haben beschlosten, daß am Sonntag in Essen eine Funktionärversammlnug für die nord- westliche Gruppe stattfinden soll. Sie haben weiter bcschlosten. dieser Funktivaarkonfe. renz zu empfehlen, die beiden Schiedssprüche abzulehnen, weil erstens der Schiedsspruch für die Ar- beitszeit nicht die Verordnung des Arbeitsministers vom>6. Juli>327 einhält, weil der Schiedsspruch über d-u Lohu keine ausreichende Lohnerhöhung gebracht hat und weil ein« Bindung vorgesehen ist bis zum l. November 1S28 ohne jegliche Sicherheits- UanfeL Die Llnternehmer kündigen nicht! Bochum, IS. Dezember.(Eigenbericht.) Der Arbeitgeberverband der Nordwestlichen Gruppe, die die Betriebe von Hamm bis Düsseldorf umfaßt, hat beschlosten. die mit der Anmeldung der Stillegung ver» bundene« Kündigungen der Arbeiterschaft zum 1. Januar nicht vorzunehmen. * Der Schlichter hat gesprochen, nachdem in den Verstand- lungen der Parteien keine Einigung zustandegekommen ist. Der Schiedsspruch liegt vor. Die Gewerkschaften sind tief unzufrieden. Der Unterschied zwischen dem, was sie gefordert haben, und dem, was der Spruch den Arbeitern zugesteht, ist sehr groß. Die Unternehmer erklären sofort: schwerwiegende Belastung der Industrie— aber sie haben beschlossen, nicht zu t ä nd i g e ir Der Revolver, mit dem sie geknackt haben. wird zunächst nicht gegen die deutsche Wirtschaft abgeschossen. Das zeigt die Sachlage. Der Schiedsspruch über die Arbeitszeit hält sich eng an die Richtlinien, die der Bescheid des Arbeitsministers an die Unternehmer über die Dreischichtenverordnung gegeben hat. Die Verzögerung der Durchführung der Dreischichten- Verordnung wirkt gegen die Forderungen der Arbeiterschaft in der übrigen Industrie. In einem Punkte ist eine sehr interessante Vereinbarung zustandegekommen: in den Hammer- und Preßwerken und kalt einsetzenden Walzen- straßen glauben die Unternehmer mit zwei achtstündigen Schichten dieselbe Produktion zu erzielen wie bisher mit zwei Zwölfstundsnschichten! Im übrigen bleibt es bei der 52stündigen Arbeitswoche in der wsiterverarbeitenden Industrie! Der Spruch soll bis zum 31. Dezember 1928 verbindlich und unkündbar sein. Die Sabotage der Unternehmer und die Stillegungsdrohung haben erreicht, daß die Arbeiterschaft im Industriegebiet in ihrem Kamps für den Achtstundentag ein volles Jahr lang gehemmt wird. Der p o l l t i s ch e Kampf um den Achtstundentag muß um so entschiedener weitergeführt werden! Die Lohnforderungen der Arbeiterschaft sind nicht besser behandelt worden. Hier wird der Schiedespruch plötzlich beredt. Er hört auf, bloße Entscheidung und fach- liche Festsetzung zu sein und wird zum Plädoyer des Schlichters für seine Entscheidung. Das hat seinen guten Grund! Die Arbeiterschaft forderte Lohnerhöhung: zum Ausgleich der Teuerung im Laufe des vergangenen Jahres. zum Ausgleich für Lohnkürzung durch Arbeitszeitverkürzung im Verlauf der betrieblichen Rationalisierung Der Schiedsspruch gesteht ihr zu: 2 Proz. Lohnerhöhung zur Abgeltung dieser Forderung, dazu die Erhöhung des Zu- schlag- für Mehrarbeit und Ueberarbest von 12V4 auf 25 Proz. Der Schlichter schätzt beides zusammen als Lohnerhöhung um 4 Proz. In derselben Zeit haben die Unternehmer bei glänzender Konjunktur glänzende Gewinne gemacht— siehe Krupp. Also: die Arbeiterschaft hat die Kosten der betrieblichen Rationalisierung g e t r a g e n, sie soll sie zu einem erheblichen Teil in Zukunft weiter tragen! Die Arbester forderten Lohnausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit. Der Schiedsspruch gesteht den Ausgleich nur zu 59 bzw 60 Proz. zu. Er sagt offen heraus: die Arbeiter müssen zum Ausgleich für die Arbeitszeitverkürzung einen Teil der Kosten tragen. Mit anderen Worten: auch die Kosten der sozialen Rationalisierung werden auf die Schultern der Arbeiter gewälzt! Für wieviel Arbeiter eine Arbeitszeitverkür- zung in Betracht kommt, läßt sich zurzest nicht abschätzen. Für diese Arbeiter steht die L o h n f r a g e so: wenn sie bisher 12 Stunden gearbeitet haben, arbeiten sie künftig 8 Stunden, aber erhallen nur einen Lohn, der 10 Stunden- löhnen nach der bisherigen Regelung entspricht. Ihr Ein- kommen wird also gesenkt. Für die Arbeiter in der verarbellenden Industrie gibt es 4 Proz. Lohnerhöhung bei gleichbleibender Arbeitszeit. Da versteht tnan, warum der Schiedsspruch zum Plädoyer des Schlichters für sich selbst wird! Und diese Lohn- regelung soll etwa bis zum 1. November 1928 gellen— ohne Rücksicht auf die Teuerung! Die Gewerkschaften sagen: ein Schiedsspruch für die Unternehmer! Der Deutsche Metallarbeiteroerband empfiehlt seine Ablehnung. (Wir oerössentlichen den Inhalt des Schiedsspruches im Gewertjchaststeil, 4. Seite. Hauptblatt.) Oer Gewerkverein gegen Schiedsspruch. Der Hauptoorstand des Gewerkverein» Deutscher Metallarbeiter (Hirsch-Duncter) erklärt zu der Entscheidung über die Dreischichten- Verordnung und den Schiedespruch: „Durch die Entscheidung des Herrn Reichsorbeitsministers sind in überaus reichem Maße die Belang« der Wirt- s ch a f t und weniger die in ihrer Gesundheit gefährdet« Arbeiterschaft berücksichtigt worden. Zu dem inMischen gefällten Schiedsspruch, der bezüglich der Lohnfrag« und der Ardeitszest nicht befriedigen kann, wird der Gewerkverein Deutscher Metallarbeiter in einer Konferenz am Sonntag im rhei- nisch-westsälischen Industriegebiet Stellung nehmen." Oie Unternehmer klagen über Velasiung. Düsseldorf, 15. Dezember.(Eigenbericht.) Die Unternehmer weisen darauf hin, daß die Gesamtauswirkung der beiden soeben verösjentlichten Schiedssprüche in, Zusammenhang mit der Durchführung der Arbeitszeitverordnung vom 16. Juli 1327 sich noch nicht voraussehen läßt. Es steht ober fest, daß, wenn im weiteren Verlaufe des Verfahrens nicht noch eine wesentliche Milderung des Schiedsspruches zugunsten der Industrie eintrete, insgesamt eine sehr große Mehrbelastung sowohl der eisenschaffenden, wie auch der eisenverarbeitenden Indu- strie erforderlich werde. Man verweist insbesondere auf die Rege- lung des Lohnausgleichs, durch welche die Wert« sehr stark belastet werden, scwie weiter auf die Verdoppelung der bisherigen Mehr» stundenzuschläg«. Besonders aber betrachtet man die erfolgte all- gemeine Lohnerhöhung in ihrer weiteren Auswirkung sowohl sät die eifenschassende, als auch für die eisenverarbeitende Industrie und auch für die gesamte übrige Industrie als sehr schwerwiegend. Oer bayerische Landtag zur Arbeitszeiwerordnung. München, den 13. Dezember.(TU.) Im bayerischen Landtag wurde heut« ein Antrag angenommen. der die bayerische Regierung ersucht, bei der Durchführung der Arbeitszeitoerordnung für die Großeifen- Industrie in Bayern keine Ausnahme nach dem Artikel 3 dieser Verordnung zuzulassen. In der Aussprache erklärten Abgeordnete der bayerischen D o l k s p a r t e i, die Arbeit in den Werken der Groheisenindustrie sei s o ungesund und so lebcnsgesährllch, daß man sogar für den Sechs stunden tag eintreten müßt«. Die Arbeiter der Großeisenindustrie hätten neben den Bergleuten den meisten An- spruch auf den Achtstundentag. Von sozialdemokiatischer Seite wurden die Einwände der Arbeitgeber gegen die Durchführung des Achtstundentages als faden- scheinig bezeichnet. Erschießen und Erhängen? Ludendorffs Traum von-1923. München. 15. Dezember.(Eigenbericht) Im Untersuchungsausschuß berichtete heute Abg. Hoegner(Soz) über den Dikwlurplan hiller-Ludendorss. Der militärische Aufbau des Kompsbundes unterstand einem Oberkommando, dessen Besol» dung monatlich 1150 Schweizer Franken verschlang. Die Auslandsgelder wurden von der Hansadank in München verwollet. Ziel des Kampsbundes, dessen Mitglieder in Rcichswehrkasernen ausgebildet wurden, war die Ausrufung einer völkischen Reichsdiktatur in München mit dem Reichsdiktator Luden- dorff, dem Rcichswehrminister Lossow und mit Hiller in führender Regierungsstellung. Brutalster Terror war gegen alle vorgesehen, die sich diesen Plänen widerseßen konnten oder als unzuverlässig galten. Alle össentlichen Gebäude, Bahn, Post» und Telegraphenämter, sollten besetzt werden, ebenso die Zeitung-gebäude und Druckerelen. Die leitenden Beamten sollten in Schutzhaft wandern. Fest- genommen werden sollten alle sozialdemokrallschen ond kommunistischen Führer und Zonrnollslen. sowie die Oewerkschasissührer und die Dekrtebsrale. Jeitungspersonal, das den Versuch machen würde, die Gebäude zu oerlaflen, sollte an die Wand gestellt werden. Im Besitz des am 9. November an der Feldherrnhall« ge- fallen«« Oberlandesgerichtsrat» Freiherrn von der Psord- ten fand sich die neue Reichsoerfassung der Dlktakur Hlkler.cudendorfst SI, umfaßt« über 30 Paragraphen und stellt da, blutrünstigst» Dokument dar, da» dl« politische Seschlchl» Lberhanpi kennt. Für nicht weniger al» 40 verhältnismäßig harmlos« vergehen polllischer Ttgiur war die lodeeslrase durch Erschießen oder Sr- hängen ongedrohl. Im einzelnen bestimmte diese Verfassung: Die gesamte RelchsgewaU gehl auf Verweser über. Alle Körperschaften des Reiches, der Länder und der Gemeinden sind aufgelöst, wer an solcher Körperschaft noch teilnimnit oder zur Teilnahme aus- sordert, wird mit dem Tod« bestrast. Der Rechtsanspruch der Be- amten ist ausgehoben. An Stelle der aufgelösten Körperschaften treten Räle, gebildet aus den„besähigften" Angehörigen der wichtigsten Berufe in Stärke von 3 bis 50 Mann. Alle Männer und Frauen von 1b bis 50 Jahren flnd zum össenllichen volksdienst ver- pflichtet, alle Männer zwischen 20 und 45 Jahren zum polizeihilss- dienst. Heber das gesamte Reichsgebiet ist der Belagerungszustand oerhängt. Alle Verbände der Arbeitgeber undArbett- nchmer sind aufgelöst, jede Koalitions- und Versammlungsfreiheit ausgehoben: desgleichen die persönliche Freiheit. Brief- und Postgeheimnis und alle politischen Parteien und Vereine. Alle Druckereien können beschlagnahmt und enteignet werden. Aus- sperrungen und Streiks werden mit dem Tode destrast. Das gesamte vermögen der Juden wird beschlagnahmt. die Banken werden gesperrt und die Börsen geschlossen. Diese Verfassung sollte am Tage der nationalen Revolution in Kraft treten und stch auf eine ihr beigegebene Standgerichtsoerord- nung stützen, die ebenfalls bei dem toten von der Pfordt«« ge- funden wurde. Der Berichterstatter schilderte dann die bekannten Vorgänge beim Fehlschlagen des Putsche». An der Wafsenausgabe für die Kamps- bundtruppen hatten aktive Reichswehroffjzler« mitgewirkt. 54 jüdische Geißln wurde» in der Putschnacht verhaftet, ohne daß»» dem Landtag bisher gelungen Ist. dl» Akten über dl,s« Vorgänge zu erhallen, bei denen ungeheuerlich« Roheiten vvrtze- kommen sind. Die Ausschußmehrheit oerhinderte auch die Behandlung der gegen Offizier« der internationalen Kommission verübte» Ge- walltaten. Preußen und der Einheitsstaat. Gozialdemokraiifche Abrechnung mit Kendel! im Landtag. Auf der Tagesordnung der Donnerstagsttzung steht die e-tfle Lesung de» Haushaltsvoranschlages für 1928. Als erster Redner ergreift das Wort: Abg. Heilmann(Goz.): Weit über die Reihen der Regierungsparteien hinaus wird man dem preußischen Finanzmtnister Dr. Hopker- Aschoff für die kluge und fleißige Betreuung der Staatsfinanzen Dank wissen. Ader einige der intereffantesten Mnan�kapitel hat«r in seiner Einiüh- runasrede nur gestreift. Wie steht es mit der Z e n t r a l a e- nossenschaftstassed Wir glauben selbstverständlich nicht, daß sie irgendwie gefährdet ist. Aber wir wünschen Aufschluß dar. über, wie die Preußenkasse unter Leitung des Präsidenten Semper ihre Kredite auf Großgrundbesitz und Äleingrundbesitz verteilt. Welche Lich erhell bietet die Staatsregierung, daß sich unter dem gegenwärtigen Präsidenten der Preußenkasse»emper iäem(Heiter. teit) die Veleihungspoltlik diese, staattichen Instituts mit dem Willen der Slaatsrcgierung deckt, die bäuerliche WIrlschafi zu fördern.(Sehr gut! links.) Die zweite Finanzfrage ist die Abfindung der Siandeshmen. Das Sperrgesetz ist ja ab 1. Juli d. I. abgelaufen Wird Preußen von den Fürsten und Standesherren mit Klagen bedroht? Ich mache in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, daß, wenn Preußen nicht den Hohenzollernvergleich abgeschlossen hätte, jetzt ein Schiedsgericht unter dem Lorsitz des Herrn v. Keu» bell die Höhe der Abfindung festsetzen würd» Wir sind Nachträg. lich doch sehr froh, daß wir Preußen dieses peinliche und wahrscheinlich teuere Experiment erspart haben.(Sehr gutl bei den So,. Unruhe bei den Komm.) Jetzt fordern die Standesherren volle Aufwertung ihrer Brauzinse, Judenzinse usw. Hat sich der Reichsjustizininister Dr. Hergt endlich dem preußischen Per« langen gefügt, eine vernünftige Begrenzung der Auf- Wertung dieser mittelalterlichen Ansprüche eintreten zu lassen? Nicht mit Unrecht hat die„Germania" unlängst geschrieben, daß die Steuerzahler ein heiliger Zorn über die unverschämten Ansprüche der Standesherren ersassen müsse.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Schachts Anleihesabotage. Die dritte Finanzsrage betrifft die Schwierigkeiten, die Reichs- bankpräsident Schacht den preußischen Amerita-Anleihen, wie den Anleihen der Gemeinden in den Weg legt. Da» vorgehen des Dr. Schachl beruht auf einer Vereinbarung zwischen Ihm und der Schwerindustrie.(Hört, hört! links.) Der Reichsbankprastdent hat dementieren lassen, daß seiner Bochumer Rede«ine Konferenz mit den Jndustrieführern oorangepanaen sei. Aber zufällig a m gleichen Tage, an dem der Rcichsbankpräsident die Leuna- Werke besichtigt hat, haben das gleiche unwiderstehliche Wissens- bediirfnis empfunden Herr Dr. Siemens von der Elektroindustrie, Herr Bosch vom Farbentrust und Herr Dr. Reichard von der Schwerindustrie. Der Zufall ist mindesten» so merkwürdig wie der. der Ludendorff am 13. März 6 Uhr morgen» am Branden- burger Tor spazieren gehen ließ.(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Soz.) Wir stehen einer Verschwörung der großen Trusts und des Beichsbankpräsidenien gegenüber, die öffentlichen Unfernch. rnungeu zu drosseln und dem vrloalkapltal la die Hand z» spielen.(Lebhafte Zustimmung sink«.) Herr Dr. Schacht ist aus der Demokratischen Partei ausgetreten.« ist anscheinend übergetreten in die Partei H a v» n st e i n. der die Reichsbank und die deutsche Finanzvositik in den Dienst der Ätinnes und Hugenberg gestellt hat. Wir können uns im Kampf gegen die kapitalistische Finanzpolitik der Reichsbank nicht auf sine oerrraukich« Aussprache im Haushaltsausschuß beschränken, fondern rufen zum Komps gegen den Reichsbantpräsidenten die ganze Oeffentlichkrit auf.(Bravo! links.) Preußen und das Reich. Andere Konflikte zwischen dem Reich und Preußen entstammen aus dem Fall Luther und dem Fall K e u d e l l. Preußen hat vor dem vtaatsgerichtshof ein Urteil gegen das Reich erstritten, daß es einen Vertreter ssiner Wahl in den Verwaltungsbei- rot der Reichsbahn senden könne. Aber das Reich weigert sich, dem Urteil nachzukommen, und der Reichskanzler hat jetzt an den preußischen Ministerpräsidenten geschrieben, es stehe nicht fest. ob das Urteil des Staatsgerichtshofes ein F e st st e l l u n g s- oder ein Bollstreckungsurteil sei.(Große Heiterkeit.) Preußen soll sich also den Sitz im verwaltungsral der Reichsbahn mit Hilfe des Gerichtsvollzieher» holen. Tatsächlich ist es der Reichsregierung nicht gelungen, einen der hoch bezahlten Plätze im Verwaltungsrat der Reicksbahn freizubekommen, und auch Herr Dr. Hans Luther, früher Oberbürgermeister und Reichskanzler, jetzt Mitglied und Reichstagskandidat der Deutschen Lolkspartei. weigert sich, den Platz Preußens zu räumen, den er z u Unrecht inne hat. Herr v. K e u d e l l hat als Landrat und Beauftragter des„Reichs- tanzlers" Kapp die Oderbriicke bei ZSckerrick mit 6 Gendarmen heldenhaft gegen die rote Armee verteidigt, die glücklicherweise imr tu seiner Phantasie bestand. Er hat den Jungdo-Fllhrer v. Tresckow bovkottiert und dann als Reichsminister des Innern im Fall Badt unv In Sachen der Deutschen Studenten- s ch a f t die preußische Slaatsregierung angerempelt. Reichskanzler Marx sucht Herrn v. Keudell zu decken so gut es geht. Aber selbst die.Kölnische Volkszeitung" qualifiziert den Brief von Marx als schlechte Ausreden und entschuldigt ihn nur damit, daß man eine schlechte Sache nicht besser verteidigen könne.(Sehr gut linke.) Die preußische Staatsregierung tut recht daran, Herrn Marx nicht mehr zu antworten. Ihre Autorität steht so fest, ihre Stellung ist so gesickert, die Regicrungs. und Gesetz- aebungsarbeit in_ Preußen läuft so glatt, daß wir die wütende Oppostumi der früheren Jahre schon beinahe vergessen haben. Ernst- hatte Versuche zum Sturz der Regierung werden hier im Landtag kaum noch unternommen. Die D i k t a t u r p l 2 n e des Herrn Dr. Elaß. die jüngst der Dolksparteiler Seldte vom Stahlhelm wieder ausgenommen hat, sind ebenso dumme wie aussichtslose Phantasien. Ich würde es begrüßen, daß das Reichs- gericht in solchen Hirngespinsten keine Vorbereitung zum Hochoerrat erblicken kamt, wenn nicht gegenüber den K o m m u n ist e n das Reichsgericht die gerade entgegengesetzte Theorie aufgestellt hätte. (Sehr wahr! links.) Die Rechksprechung bietet auch sonst forkdauernd Anlaß zn lebhafter Beschwerde. In diesen Tagen ist«Ine Strafe wegen Beleidigung des Ministers G r z e s i» s k i von 1000 M. auf 50 M. herabgesetzt worden mit der originellen Begründung, die Persönlichkeit des Ministers stehe viel zu hoch, als daß sie durch derartige Angriffe eines völkischen Blattes wesentlich beeinträchtigt werden könnte.(Große Heiterkeit.) Der Untersuchungsrichter P i e t s ch in Hirschberg und der Untersuchungsrichter H o f i u» in Elberfeld— Fall Erichsen und Fall Dr. TolSmann— haben aus ihrer völkischen Voreingenommenheit keinerlei Hchl gemocht, und trotz der Kraßheit der Falle kommt es höchstens zu einer Mahnung des Landgerichispräsidenten. In der verfassunggebenden Landesversammlung haben dle drei Regisrungsparlcien Preußens sich unumwunden zu« deutschen Einheit» staal bekannt. Wir haben diesem Bekenntnis heute inmitten einer großen Agitation für den Einheitsstaat nichts hinzuzufügen. Aber wir können den Eitcheiisstaat nur annehmen, wenn er überall ehrlich durch- geführt wird. Nicht etwa so wie bei der Post mit der besonderen Abteilung 6 in München, bei der alle Funksendegesellschasten ihre Ueberschusse an die Reicksrundsuntgesellschaft abliefern müssen, nur die bayerischen Gesellschaften keinen Pfennig.(Hört, hörtl linkt.) Wir dürfen künftig kein preußisches Recht ausgeben, wenn es nicht gleichzeitig von ollen anderen deutschen Ländern ehrlich ausgegeben wird.(Sehr wahr!) Wir kommen auch dem Einheitsstaat nicht näher dadurch, daß man die Länder finanziell trocken legt und ihnen die Erfüllung ihrer Kulturaufgaben unmöglich macht. Ebensowenig können wir den Borschlag des Finanzminister« annehmen. Norodeutschland zum Reichsland zu machen und die lüddeutschen Staaten bestehen zu lassen. Das polt- tische Uebergewicht Süddeutschlands würde dann die Mainlinie oer- ewigen.(Sehr wahr! links.) Trotz aller Schwierigkeiten und Be- denken wird weder der nächste Reichstag, noch der nächste preußische und bayerisch« Landtag um die Fragen des EinKeusstaates und der Vor waltungereform herumkommen. Der nächste Reichstag! Warum ist es bloß vor den Wahle» so schrecklich still geworden? (Zurufs bei den Deutschnationolen.) Wollen Sl« wirklich Ihre Tage bis zum letzten absitzen?(Heiterkeit.) Wie Friedrich der Große bei Hochkirch seinen Grenadieren zurief, möchte ich Sie ermuntarn:„Ihr Kerle, wollt Ihr denn ewig leben?(Große Heiterkeit.) Ich halle den Angstartikel de» deutsch- nutionalen Kollegen Konnecko„Die Deutsch national« Volkeportel st i r k> t a u« l" für sehr übertrieben. Ihnen bleibt doch die Gefolgschaft derer, die nicht all.' werden.(Große Heiterkeit.) Wir sind etwas ungeduldig au� die Wahlen, obwohl sie für uns um so besser ausfallen, je länger sie warten, je länger der Bürger- blgck im Reich so präzis, so einheitlich und zielklar rsgiert. (Heiterkeit links.) Ich Möchte Sie deshalb zum Schluß beschworen. wie Dr. Faust den Teufel: Jncubus, Jncubus, tritt hervor und mache den Schluß!(Bravo! und große Hesterkelt links.) Abg. Bäcker(Dnot.): Von vo.nehmer Entsagung sollte Herr Heilmann nach der Barmat-Asfäre nicht reden.(Lachen link».) Der Einheitsstaat brächte keine Ersparnis. Viel notwendiger wäre die Beseitigung der Vielregicrerei. der ewigen Gesetzomacherei und der Alleinherrschaft der Parlamente. Finanzmtnister Dr. Höpker-Aschosf: Die Preußenkasse ist in keiner Weise gefährdet. Ihr« Kredite au die Großland. Wirtschaft sind nicht so umfangreich, wie in der Oeffentlichkell be- Haupt« worden ist. Wir werden die Zentralgeiioflenschaitskosse unbedingt als preußisches Institut erhalten. In der Frage der Standesherren sind wir mit dem Reich noch nicht einig, hoffen aber auf die Beratungen des Rechlsausschusses in, Januar 1928. B e r t l a g t hat uns bisher Fürst S a l m- H o r st- mar, Herzog van Arenberg und Freiherr von K r e u f ch, n- der letztere auf 682 Mark Rente für Verzicht auf die Leib- e i g e n s ch a f t.(Große Bewegung.) Abg. Dr. Graß Koblenz(Z.): Die Kreditmittel des Staates müssen oerecht verteilt werden. Die übertriebenen Forde- runqen der Standesherren lehnen wir mit Entrüstung ab. Für Wohlfahrtszwecke haben wir zu wenig Geld. Für die Volks» g e s u n d h e i t steht nur ein Viertelprozent der preußischen Staatsausgoben zur Verfügung. An der Derwaltungsreform wollen wir gern mitarbeiten, aber ein Ermächtigungsgesetz für die Staatsregierung lehnen wir ab. Abg Dr. von Richter(D. Vp.) fordert vom Justizminister eine Widerlegung der Angriff« des Abg. Heilmann. Er habe als Finanz» minister Ueberschusse gehabt, wahrend der demokratische Finanz- minister keinen Weg zur Beseitigung des Defizits weife. Es komm« eben Nicht nur darauf an, daß die Regierung fest im Sattel sitze, sondern auch, was sie schaffe. Die Derwaltungsresorm könne mir im Einklang mit dem Reich gemacht werden. Die weiter« Debatte wird auf Freitag 11 Uhr vertagt. Niederlage Rrauus* im Reichstag. Die Regierungsmehrheit schmilzt auf neunzehn Stimmen zusammen! Im Reichstag gab es gestern eine Katastrophe im kleinen. Die Regierung, vertreten durch den Arbeitsminister Brauns, erlitt sine Niederlage, und zwar mit einem Stitnmenver- hältnis, wie es in der parlamentarischen Geschichte noch nicht dagewesen ist. Mit 383 gegen 19 Stimmen wurde das Sterbegeld für Kriegerhinterdliebene be- schloffen, nachdem Herr Brauns ausdrücklich die Ablehnung gefordert hafte. Daß sich der taktisch sonst so gewandte Herr Brauns in eine solche Situation begeben hat, nimmt wunder. Hätte er das Ergebnis vorausgeahnt, so hätte er gewiß die Sache laufen lassen, zumal der Beschluß des Reichstags nur eine geringfügige Belastung des Reichsetats— mit etwa V 090 Mark im Jahre— mit sich bringt. Die deutschnationale Fraktion wollte aber offenbar ihre Rache haben für die A b st r a f u n g, die sie am Tage zuvor durch Frau T e u s ch erfahren hatte. Sie verschloß sich den Bitten des Ministers. Und als das Zentrum auf der Rechten überall weiße Karten aufblitzen sah, geriet es in Schrecken. Sollte es am Ende die e i n z i g e Partei sein, die das Sterbe- geld für die Kriegerhinterbliebenen ablehnte? Im Nu wurden auch bei ihm die roten Karten durch weihe ersetzt. Nur die schleunigst herbeigeholten Minister und einige der ganz Getreuen blieben beim Nein. Und als man auszählte, waren es neunzehn! Eine Derout« der Disziplin im Bürgerblock! Sie wird überall, besonders im Regterungslager selbst, die Ueberzeu- gung stärken, daß es mit diesem Reichstag nicht mehr lange geht! „Hören Sie, Herr Reichskanzler!" Wirth gegen Marx. Gegen die katastrovhalen Erklärungen des Reichskanzlers auf der Pressetagung des Zentrums—„die �entrumspartei war weder eme monarchistische, noch will fte eine r e p u- b l i t a n i s ch e Partei sein"— wendet sich Iosevh Wirth in der neuesten Nummer der„Deutschen Republik" mit fol- gendcr Anklage: Hören Sie, Herr Reichskanzler? Wir heißen die Verfassung vtrn Weimar nicht nur gut, weil sie.ordnungsgemäß zustandege- kommest und moralisch und staatsrechtlich absolut verbindlich ist". Wir haben diese Verfassung mit geschaffen, sie ist auch unser Werk, auch unsere Zentrumsseele lebt darin. Und wenn es in dem Mani- fest(des Zentrums) vom 21. Januar heißt: Es gibt für uns keine andere staatliche Wirklichkeit als die der deutschen R e- publik, so besagt das für«ine politische Partei nichts anderes, da sie doch eben von der Wirklichkeit und für die Wirklichkeit lebt, daß sie tn ihrer politischen Art republikanisch ist. Die ideologisch« Beschränkung des Parteicharafters auf„Lerfassungspartei" unter Ablehnung der Begriffe republikanische oder monarchistische Partei ist nickt aus der politischen Sphäre geboren und hat vor allem mtt siolitischer Zielstrebigkeit nichts zu tun, ist vielmehr ein schlechter Per- such, so etwas wie weltanschaulich« Ideologie mit politischer Äktuali- iiit zu verdichten. Aber daraus entsteht keine politische Willensbildung. Pel solcher tnneren Haftung sind wir für keinerlei Putschlstea ein Hindernis, sondern höchstens eia Ansporn, weil uns der politische Wert der republikanischen Perfassung für unsere Zeit über ihren Realitätscharatter nicht hinausgegangen ist. .-- MeS in allem vermag ich schwere Sorgen nicht zu oer- hehlen. Solange nicht die Gewißheit besieht, daß auch ein starkes Bürgertum mit ausgesprochenem politischen Willen schützend vor der Demotrotte steht, solange man im Zentrum glaubt, die Wählerschaft darüber t ä us ch e n zu können, daß die Koalition mit den Deutsch- nationalen ein politisches Fiasko war, daß sie höchstens deren Triebe stärllc, den Kampf gegen die bestehende Staalsform Mit neuem Willen aufzunehmen, solang« gehen die politischen Verhall- nisse in unserem Lande nicht vorwärts, sondern rückwärts, und mich dünkt, daß auch die Zentrumspartei schließlich die Kosten wird trogen müssen. Für uns ergibt sich daraus die zwingende Folgerung: Die Sozialdemokratie muß«inen ganz gewaltigen Aufschwung nehmen, wenn die politischen Verhältnisse nicht rückwärts, sondern trotz alledem vorwärtsgehen sollen.__ Verschlechierung der Lex Brüning. Völlig ungenügende Senkung der Lohnsteuer. Im Steuerausschuß des Reichstags begründete am Dannerstog Abg. Brüning(Z.) einen gemeinsamen Antrag des Zentrums, der Doutschitationalen und der Bayerischen Vollspartei, der das Einkommensteuergesetz folgendermaßen andern will: 1. Der Steuerabzug vom Arbeitslohn soll um 15 Proz., jedoch höchstens um 2 M. monatlich(30 Pf. wöchentlich) ermäßigt werden. 2. Die veranlagte Einkommensteuer wird ebenfalls um 15 Proz. ermäßigt, jedoch höchstens um 24 M. jährlich, wenn das Einkommen den Betrag von 8000 M. nicht übersteigt. ?. Die abzüglich en Sonderleistungen sollen für Ledige von 480 auf 600 Dt. und für Familienangehörige von 100 M. auf 250 M. erhöht werden. 4. S t e u e r b e t r ä g e, die monatlich eine Reichsmart (wöchentlich 0.25 M.) nicht übersteigen, werdennlchterhoben. Die entsprechenden Sätze waren bisher 0,80 und 0,20 M. 5. Das Gesetz über die Beschränkung der Einnahme aus der Lohnsteuer vom 8. September 1925(Lex Brüning) soll solgende Fassung erhallen: „Uebersteigt das Aufkommen aus der Lohnsteuer im K a- kendersahr 1928 oder in einem späteren Kalenderjahr den Betrag von 13 00 Millionen Reich smart, so hat die Retchsregierung einen Gesetzentwurf oorzuiegen, der eine Senkung der Lohnsteuer herbeiführt." Zu diesem Antrage erklärte die Reichsregierung durch den Staatssekretär P o p i tz ihre Zustimmung, da angenommen werden könne, daß die Länder und Gemeinden sich mtt ihm einverstanden erklären und daß der Ertrag von 1S00 Millionen mtt Sicherhett aufkommen werde. Auch die Methode der Lohnsteuersentung sei der Regierung angenehm, da niemand au» der Steuerpflicht völlig herausfalle, wie da» bei einer Erhöhung des Existenzminimums der Fall gewesen wäre. Reichsslnonzministe» Dr. Köhler beteuerte, die Reichsregierung habe In keiner Phase den Gedanken erwogen, von der Lex Brüning abzuweichen. Der Betrag von 1500 Millionen werde mit Rücksicht aus die Erhöhung der Beamtenbezüge erforderlich sein. Auf Verlangen der Op Positionsparteien, denen der neu« Antrag erst bei Beginn der Sitzung vorgelegt worden war, vertagt« sich der Ausschuß aus Freitag. Schon jetzt aber kann gesagt werden, daß der Antrag der drei Regierungsparteien— die Deutsche Volkspartet fehlt bezeichnenderweise— in jeder Hin- sicht ungenügend ist. Er bringt den einzelnen Lohnsteuerpflichkigen vor elne ttner- hebltche Senkung ihrer Sleuerleistung und wird ein wesentlich! höhere» Aufkommen als 1200 Millionen liefern. Außerdem wird die Lex Brüning, diese» Schutzgesetz der Lohnsleuerzahler. ganz erheblich verschlechtert. Sozialistische Aordostkonferenz. Sonntag in Berlin. Zur Besprechung der politischen Verhältnisse i» Nordosteuropa und zwischen den sozialdemokratischen Parteien dieser Länder hat das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationole nach Berlin eine Konferenz der angeschlossenen Parteien folgender Länder ein- berufen: Dan.stg, Deutschland, Litauen, Polen, Estland, Finnland, Lettland. Rußland und Schweden. Die Konferenz wird im Sitzungssaal des Parteivorstandes am Sonntag, dem 18. Dezember, ILIO Uhr vormittags, beginnen. Die Todesurteile gegen Fememörder. Das Reichsgericht venvirst die Revision. Leipzig, IS. Dezember. tEigenbericht.� Der zweite Strafsenat des Reichsgerichts verkündete heute die Entscheidung in den vor acht Tagen verhan- Velten Revisionen im Femcmordprozeß Wilms. Sowohl die Revisionen der Angeklagten gegen das Todesurteil wie auch die der Staatsanwaltschaft wurden verworfen. « Demnach bleibt das Todesurteil gegen Fuhrmann, Umhofer, Klapproth und Schulz bestehen. Di» Begrün- dung de« Spruches des Reichsgericht» hebt hervor, daß der Frei» spruch der Angeklagten von Poser, Stantien und' Budzinsty infolge Mangel« an Beweisen erfolgt ist. Di« Einwendtrn- gtn gegen die Zuständigkeit und gegen die Zusammensetzung des Gerichts werden zurückgewiesen. Bon einer Notwehr könne im Falle Wilms nicht die Rede sein. Die Beweiswürdigunz des lir- teils gehe mit Recht dahin, daß die ganze Art der Ausfüh- rung des Mordes eine kaltblütige Vollstreckung einer vorher mit sorgfältiger Erwägung allen Für und Wider» getroffenen Entscheidung darstellt, und daß die Entschei- dung aus den Angeklagten Schulz zurückgeht. Gutachten im Arensdorfer Prozeß. August Schmelzer war zurechnungsfähig.— Oer Sach« verständig gegen die Schullehrer. StaaTfnrf a. d. O. 15. Dezember. Nach der Pause wurde zunächst der Arzt Dr. Göhe aus Fürsten. watds cus Sachverständiger vernommen. Zusammenfassend meinte er. daß August Schmelzer ein reizbarer Mensch und Psychopath sei. der ruhig bleibe, wenn man ihm Ruhe und Frieden lasse. Dann erstattete Oberarzt Dr.»Ahrens von der Landesirven- anstalt Sorau, wo August Schmelzer sechs Wochen lang auf seinen Geisteszustand untersucht worden war. sein Gutachten. Vel dem Transport und bei der Aufnahme sei Schmelz» ruhig. logisch und klar gewesen. Erblich« Belastung liege nicht vor, ebenso« wenig Epilepsie. Was seine Kriegsverletzungen berresse. so sei in dem Rentenvsrfahrcn wohl Nervenschwäche festgestellt, es besteh« aber keine Aerktzung, die geistig« Störungen hätte hervorrufen können. In der Anstalt sei eine gewisse Nervenschwäche bei ihm festgestellt worden. Cr habe sich einmal nachts aus dem Bett fallen lassen und auch sonst oerschiedencs getan, was nach Ansicht der Aerzte den Eindruck der Mache heroorriei. Im übrigen habe er sich stets ruhig verhalten und auch etwas gearbeitet Bei Jntelli. gsnzprüfungen hätte er ziemlich versagt, so daß ein mäßiger Schwachsinn mittleren Grades bei ihm vorliege, der aber keineswegs so erheblich sei, daß er deswegen unter ß S1 falle. Zu berücksichtigen fei. daß er ein Psychopath und«in leicht erreg- barer Mensch sei, und daß er damals zweifellos sehr aufgeregt gewesen sei.§ 51 komme für ihn nicht in Frage, doch sei die Er« regung und die Tatsache, daß er zum Schießen ermuntert morden sei, als strafmildernd zu beurteilen. Vors.: Halten Sie ihn für vermindert zurechnungs- sähig. und zwar allgemein oder im Erregungszustand? Sach. verständiger; Allgemein wohl nur in ganz geringem Maße, dagegen in der Aufregung wohl etwas mehr. Bei einem Psychopathen druckt sich die Erregung anders aus. als bei einem gesunden Menschen. Auf Befragen von Justizrot Falkeaseld erklärte Dr. Abrens, daß die Rufe der Eltern zu Beginn des ganzen Tumuues, wenn sie tatsächlich gefallen fein sollten, für einen Menschen wie August Schmelzer eine Ermunterung bedeuten müßten. Dr Placzek gab sodann sein Gutachten mit einem gewissen Vorbehalt ab, da er erst im Laufe der Verhandlung hinzugezogen wurde und den Angeklagten nicht untersuchen könnt«. Er schloß sich im wesentlichen der Ansicht des Dr. Ahrens an.§ 51 komme nach keiner Richtung hin in tjrage. Nach kurzer Vernehmung des Assistenzarztes am Frankfurt«? Krankenhaus Dr. Schmidtdiehl, daß gegen den A b t r a n s» »ort Wollanks nach Erkner vom ärztlichen Standpunkt keine Bedenken bestanden hätten, wurde noch einmal in die Erörterung der Frage der Glaubwürdigkeit des kleinen Willi vormelcher ein- getreten. Dr. Plaszek erstattete auch über die Glaubwürdigkeit des kleinen Vormelcher sein Gutachten. Er inachte zunächst länger« prinzipielle Ausführungen über die Bewertung von Kinderauosagen, wobei er sich gegen den Versuck» der sogenannten Gerichtspsychologen wandt«. die heute ja meist dt» Kinderaussogen für unglaubwürdig halten. Dieser Leitsatz sei falsch. Tatsache s«i, daß Kinder mitunter in ihren Auesagen viel prägnanter und sorgfältiger seien als Erwachsene. Ausgabe der Justiz müsse es bleiben, ihre Auesag« selbst zu werten. In dem zur Red« stehenden Fall Hab« der klein« Vormelcher die fraglich« Aussag«, die der alte Schmelzer getan haben soll, sowohl in der Voruntersuchung, wie später imm»r in der gl»ich«n Form wiederholt. Lei«mer Imelligenzprüfung Hab« sich herausgestellt. daß der Jung« es fertiggebracht Hab«,«ln Bild mit 7ö Einzelheiten. das er«ine halbe Minute betrachtet habe, vollkommen sachgemäß zu btschreiben. Danach tayn man sagen, daß der Knabe, dem von seinen Lehrern ein so schlechtes Zeugnis ausgestellt sei, zum min- besten«ine überragend« M«rtfihrgk«it besitze. Dr. Plaezek demonstriert« dann noch im einzelnen, welche Arten von I n t elli genz p rü f u n g« n man mit dem kleinen Bor« melch« vorgenommen Hab«. Sbwohl dies« Aufgaben wig auch die» jenigen, die zur Ermittlung seine« Charakters dientsn. habe der Knabe geradezu tadellos gelöst. Auf den erregten Zwischenruf des haupllehrers hübner. daß es sich dabei um Dinge handle, die taglich in der schule durch. genommen würden, erwiderte der Sachverständige:„Dann ist das gerade ein Beweis, daß das Kind sich diese Sachen sehr gut ge- merkt Hot. Alles, was von den Lehrern hier voroebracht wird/ so fubr Dr. P la c z« t fort,„hat jedenfalls für die Glaubwürdigkeit des Schülers nichts zu sagen Aeberhaupt sind ja Schullcistunnea nach keiner Richtung hin ein Maßstab. Ich erinnere in diesem Zu- sammenhange auch an den Ricsenprozeß gegen den Freiherrn von Liitzow und mächt« dazu weiter sagen, daß Prügel in der Schul», auch wenn sie amtlich erlaubt sind, von einem Mangel an pädagogischen Fähigkeiten 5»ugen, und daß durch diese Züchtigungen sehr leicht das sexuelle Triebleben für das ganze Leben in eins perverse Richtung geleitet werden kann. Auf Grund der Tatsache, daß Willi Vormelcher stcreotyv immer diesslb« Asuße- ri'ng wiederholt hat. und ä»f Grund des Gesamtergebnisses meiner Feststellunaen über sein« Merk- und Reproduttionsfähigkeiten muß ich ohne Einschränkung sagen: Das Kind bat die Wahrheit gejagt! auch tn verdacht einet phantosielüge ist durchaus nicht möglich/ Oberstaalranwalt: Der Knabe ist auch gegenüber seinem Voter über den Standort, von wo aus der Junge das gehört hoben will, ganz fest bei seiner Darstellung geblieben. Erster Staatsanwalt Vurchardi: Außerdem ist der Junge mit dieser Behauptung zu einer Zeit ausgetreten, als noch nichts Be- lastende« gegen Bater Schmelzer vorhanden war und auch keine Er- mittliingen schwebten. Dr. Placzek: Dies« Feststellungen würden mein Urteil nur be- stütiaon. Im Anschluß hieran kam es zwischen den Sachverstan-- dl gen und der Verteidigung zu längeren Auseinander- setznngen. in die auch die Lehrer mit erregten Zwischenrufen ein- pfiffen. Um öX Ubr nachmittags wurde dann die Verhandlung auf Freitag früh 9H Uhr vertagt. Jedem das Seine! Wer He?am Geld von Moskau? Oer sozialistische Parteivorstand untersucht. pari,. 15. Dezember.(Eigenbericht.) Zu der Angelegenheit des tommimistifchen Bürgermeister» von Ivry, Maranne, der feine Aktentasche mit kompro- mittierenden Dokumenten in einer Autodroschke liegengelasien hatte, erfährt man, daß dies« DokumeM« ihrem Besitzer zurück- erstattet wurden, jedoch nicht ohne daß sie vorher sämtlich photo- graphlert worden wären. Photographien dieser Schriststücke wurden gestern nachmittag In den Wandelgängen der Deputierten- kammer und de» Rathauses herumgezeigt. Daraus ergibt sich, daß verschieden- hatbkommunistische Ge- bilde unter neutraler Flagge, z. B. ein„Verein der Genossenschaft- ler" und ein„Baucrnra/ je 4500 Franken aus der kommunistischen Parteikasie erhalten haben. Eine als.Linke der S o z I a l i st i- schcn Partei" bezeichnet« Gruppe hat 54000 Franken erholten. Es kann sich nur um die Gruppe M a u r i n handeln, die ei»«ige- nes Organ„Der Funke" herausgab, und die bereite auf Beschluß dos letzten Parteitages aus dem Parteiooistsnd entfernt worden Oie Deihnachtsbefcherung des Bürgerblocks für Generals- und für Alterspenstonäre. Zum letztenmal: Dolchstoßlegende. Letzte Abrechnung mit Admiral Vrüuinghaus im Llutersuchungsausschuß. Im weiteren Verlaus« der Sitzung d» Untersuchungsausschusses gebt Abg. Vrüninghau» zunächst auf die Belwupruugen«n, unser Schiffsmaterial sei d«m der englischen Marin« uitterlegsn gewesen. Sollt« da« zutreffen— Brüninghau» bestreitet das— so würde das ein ehrendes Zeugnis für die Leistungen der Marine- Mannschaften sei». Die vernommenen Matrosen und ihre Der- leidiger in unseren Reihen sind ihm Schwätzer und Hetzer. Die USP. hat— er wiederholt es zum tausendsten Male, ohne Be- wsisc beizubringen— systematisch geschürt und die Sabotage des Krieges organisiert. Mißhandlungen, Hunger. Schinderei— bochst selten« Ausnahmen. Et zitiert apo- kryphe Flugblätter und Urteile des Oberretchsanwott» als unattfecht- bare Beweisstück» seiner These. Aeußerungen verzweifelter Men» Ichcn, Zitats einzelner Zeitungen, Bruchstücke aus Sitzungeprotokollen der USP.. Bekenntnisse zum Klassenkampf und für«nternational« Verständigung, die Konferenzen von Ziinnierweld und Stockkflm. jeden Versuch, da» Ende der großen Metzelet herbeizuführen: alle» Beweise des hochverräterischen S y st« m e-, an das m zu glauben vorgibt. Abg. Prof. Bergströßet schlägt das ganze Gerede Brüninghaus mit dem Hinweis darauf nieder, daß« absolut untrlstsch sich sein Matendl zusammangestsllt Hab». Er weift hin auf die Ergebnisse de» Münchener Dolchstoßprozefsesl Die Legende ist ja längst zerstört. Abg. Dlkkmann(Soz.) hat leichtes Spiel mit diesem Schlußwort einer restlos zusam- mengebrochenen Anklage. Der Oberreicheanwalt hat während des Krieges eindeutig ausgesprochen, es sei keinerlei Beweis für ein« Schuld der USP.-Zentvale beizubringen. Cr hat eine Verhaftung der Abgeordneten während des Krieges ans- drückiich abgelehnt. Was heißt hier moralische Schuld Es war das Recht und die Pflicht aller Kriegsgegner und aller derer, die sich ihrer Menschlichkeit bewahren wollten, mit allen legalen Mitteln den Versuch zu machen, das Gen>etzel zu beendigen. Was die Schuld der erschossenen Matrosen anbelangt, so Hab« das gleiche Reichsgericht auf Grund des Akten- Materials keinerlei schlüssige» Beweismaterial sür die Bollziehung der Todesstrafe anzuführen gewußt, so gern es dazu bereit gewesen wäre. Selbst Helfserich mußte die Verhaftung der US?.-Abgeordneten ablehnen. Da das Material— leid«?— nicht ausreichte. Brüninghaus baut leichtfertig und verleumderisch mit Mutmaßungen und persönlichen Anschauungen auf. Die Zeugenvernehmungen de» Untersuchungsrichiers Dr. D o b r i n g sind von A bis Z politisch gefärbt. Deshalb lehnt das Reichsgericht jedes Einschreiten ab. Dobring selbst mußte zugeben, daß der Wortlaut der Aussagen der verhafteten Matrosen und de» angeblichen Programms der USP. von ihm selbst kon- struien worden seien. Das„Pragramm" des Herrn Dobring war das Phantasieprodutt eines politischen Ignoranten, der Todesurteils erzwingen wollt«. Er hat die Matrosen bedroht,„sie werden die Kugel bekommen". Der Prolotollsühver jener Uittersüchungen hat das unter seinem Eid bestätigt!„Ich würde Reichpielsch und Sobis noch einmal erschießen lassen!".zks kann um ihren(Kobis) Kops gehen!" Aeußerungen dieser Art gibt Dobring selbst als mö-'llch zu. Dieses Systtm der Drohungen erpreßt« Uns angeblichen Gesiändmss« der Matrosen, die die Basis für di« Todesurteile sowohl wie auch für das Lügengebäude des Hern Lrümghau» bilden. Man lest da» Tagebuch Stumpfs*), dies» furchtbar» Anklage «Jims christlich-nationalen Mannes. Wäre dies Tagebuch gesunden worden, auch Stumpf hätte das Schicksal von Reichpielsch und Köbis geleilt. „Der Seist der Besatzung," so schreibt Stumpf im Juni 1S17.„ist so, daß man zu jeder Stunde bereit wäre, dem Ersten Ossi- zier den Hol» abzuschneiden." So Stumpf, der gläubig« Ehrist! Das ganz« Buch Stumpfs, olle Schilderungen von Augen- zeugen aus Kiel, sinf> nichts als e i N e einzige furchtbar« Anklage gegen ein System, ,zu dessen Vollstreckern sich der größte Teil des Ossizierkorps hergab. Man erinnere sich auch an Nostes Aussagen, der von einer Organisation eines Aufruhrs nicht«, aber auch gar nichts gespürt, wohl aber überall Mißstände übelster Art gesunden habe. Littmann hält seinen Vorwurf, die Admirolc hätten einen letzten meuterischen Vorstoß gegen England als T o d es k a m p f der deutschen Flotte beabsichtigt voll aufrecht. Die Rebellion der Admiral« war das Signal zu dem Ausstand der verzweifelten Matrosen. Der Zündstoff kam nicht von außen, er entstand auf den Schissen selbst. Nicht politisch« Bropaganda. sondern die Verhältnisse an Bord haben da« Unheil herbeigeführt Der Novemberumsturz war ein Elementarereignis, das den Kadavergehorsam zerbrach. *) Richard Stumpf,________ Verlag I. H. W. DIetz Nachf., Berlin , eines christlichen Arbeiters, sW 68. war, weil man schon damals aus ihrem Austreten den Verdacht geschöpft hatte, daß sie von Moskau subventioniert sei. Des weite- rcn stehen auf der List« der Subventionierten oerschiedene Per- sonen, die allerdings nur mit Ihrem Anfangsbuchstaben be- zeichnet werden und di« durchschnittlich je 4500 Franken erhalten haben. Endlich ist auch ein Ausgabeposten in Höhe von 369 892,20 Franken für kommunistisch« Parteieinrichtungen ver- zeichnet. Der Parteivorstand der Sozialistischen Partei hat eine Untersuchung eingeleitet, um Licht in dies« Affäre zu bringen. insbesondere, soweit Parteimitglisder durch st« kompromittiert sind. Zaspar flegi mit sieben Stimmen. Sechsmonatige Oienstzeit abgelehnt. vrLssel. 1». Dezember. In der Kammer wurde heute der sozialistisch« Gesehenlwurs zur Einführung der sechsmonatigen Dienstzeit mit 74 gegen 67 Stimmen abgelehnt. Danach haben etwa 15 christlich« Demokraten sich der Stimme enthalten. Eisenbahnkatastrophe in Rußland. 20 Tote— 30 Schwerverletzte. Warschau. 15. lvezember»(XU.) Wie aus Riga gemeldet wird, stieß in der Näh« voa Dnjeprowsk«in Arbeiterzug mit einem Güterzug zu- sammeu. Mehrere Wagen des ArbeiterzugeS wurden zertrümmert- 30 Personen wurde« getötet. SO schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt. Hatvany im Horthy-Gefängnis. Aus Heimweh nach Ungarn zurückgekehrt. Ludwig Hatvany. der schwerreiche Literat. Kriegsgegner, Parteigänger, der demokratischen ungarischen Republik. Gegner der Räteregierung, die ihm sein Palais wegnahin, dann Flüchtling und Bekämpser d«s weißen Schreckens, ist freiwillig nach Ungarn zurück- gekehrt. Obwohl sein Buch„Da» verwundete Land" � von uns vor Jahren besprochen sehr viel dazu getan hat, das Friedensdiktat von Trianon um den Glauben zu bringen, daß es Halbweg» gerecht sei. hat das Horthy-Regime dieses Buch verboten und den Haftbefehl gegen Hatvany aufrechterhatten. Hatvany ge- hört zu den bedeutendsten philosophischen und sozialtrittschen Schrift- stellcrn unserer Zeit, sein„Bürger am Scheidewege" ist sehr be- achtlich.— Als er in Budapest härte, daß die Polizei ihn suche. stellte er sich ihr freiwillig und ist in Untersuchungshaft gesetzt worden. Bruch Südchma-Sowjetuniou. Oer Schanghai-Generalkonsul ausgerissen. Schanghai, 15. Dezember. Der stellvertretend- Außenminister der Ralionalreglerung hat dem Generalkonsul der Sowsetregierung in Schanghai die Pässe übergeben und ihn ersucht, innerhalb einer Woche abzureisen. Ausammenstöße in Athen gab es vor dem Parlament, das über die Ausschließung aller Kommunisten verhandelte. Etwa 500 Kommunisten versuchten angeblich in oas Gebäude einzudringen. Gendarmerie und Militär waren aufoeboten. De Feuerwehr bespritzt« die Demonstranten, doch wichen dies« nicht, Militär griff»in. me Parlament beschloß energische Maßnahmen gegen alle ilm- stürzler. Oer Schiedsspruch im Eisenkonflikt Oer Schlichter verteidigt sich selbst. Der Schlichter im Eisenkonflikt hat heute mit seiner Stimme gegen die Stimmen der beiden Parteien zwei Schiedssprüche gefällt, über die Arbeitszeit und über den Lohn. Der Schiedsspruch über die Arbeilszeil unterscheidet zwischen erzeugender und weiterverarbeitcnder Industrie. Die Begriffs- scheidung, was erzeugende und was weiterverarbeitende Industrie ist, soll durch eine paritätische Kommission vorgenommen werden. Arbeitszeit in der erzeugenden Industrie: Für Thomas- stahl werke und die zugehörigen Walzwerke*tritt die Dreischichtenverordnung in Kraft— Achtstundentag, als Ausgleich wird Sonntagsarbelt von 7 Uhr abends festgesetzt, von 7 bis 1l) Uhr als Uebcrarbeit mit 73 Proz. Lohnzuschlag, von 10 Uhr an als ordentliche Schicht. Für Hammer, und Preßwerke sowie kalt einsetzende Walzen st raße Zweischichtensystcm, pro Schicht achtStunden Arbeit und eine Stunde Pause. Für die Pausen werden A b l ö s e r eingestellt. Martin-, ElektrotundTiegel st ahlwerke behallen bis zum 31. Januar die bisherige Arbeitszeit bei, dann tritt die Dreischichtenverordnung in Kraft— sofern nicht Einzelausnohmen bewilligt werden. Die Arbeitszeit in den Gas- und Kraftzentrolen be- trägt ab 1. Januar 1328— 57 Stunden wöchentlich und Sonntags 5 Stunden, ab 1. April 1928 48 Stunden wöchenllich und Sonntags 8 Stunden. Für die übrigen Arbeiter der Hochofenbetriebe, soweit diese nicht durch die Verordnung erfaßt werden, wurde die Arbeits- zeit auf 57 Stunden wöchentlich festgesetzt(gegen bisher (50 Stunden). Für die wellerverarbeitende Industrie ist die Arbeitszeit von 52 Stunden bestehen geblieben. Für die Mehrarbeit und U eberarbeit gelten die am II. Mai und 23. Juni 1927 getroffenen Regelungen. Der Zuschlag erhöht sich danach mit Wirkung vom 1. Januar 1928 ab von 12� Proz. aus 25 proz. Der Schiedsspruch über den Lohn stellt zunächst fest, daß die Industrie in mißlicher Lage sei, und fährt dann fort: „Durch die Verordnung vom 16. Juli 1927 und die gemäß der Arbeitszeitvcrordnung erfolgte Verdoppelung der Mehrarbeitszuschläge wird die Industrie weiter stark be- lastet. Es liegen also zwischen den Parteien ganz besondere Ver- bältnisse vor. Beide müssen sich auf die Neuregelung der Arbeitszeit umstellen, und der Arbeitnehmer muß für den vorteil der Arbeitsverkürzung einen wenigstens zeitwelfen Aussall an verdienst aus sich nehmen. Unter Berücksichtigung alles dessen erscheint eine Erhöhung der Stundenoerdienst« um 2 Proz. angemessen. Darin und in der etwa zweiprozentigen Erhöhung, die sich aus der Ver» doppelung des Mehrstundenzuschlags ergibt, ist der Lohnaurgleich für die zurückliegende Zeit mit abgegolten. Für die weitere ab 1. Januar 1928 vorgesehene Arbeits- z e i t v e r k ü r z u n g ist. der Lohnausgleich für d i e Stunden- löhne im Verhältnis von 50:50 und bezüglich der Akkord- und Prä mienarbeiter so zu bemessen, daß sie 40 Hundertteile des Ausfalls tragen und der Arbeit- geber 60 Hundertteile. Der Stundenlohn für Tariflohn beträgt für den 21jährigen Fach- arbester 78 Pf., für den 21jährigen Hilfsarbeiter 60 Pf. Die Akkord- und Lchrlingslöhne sind gemäß der Vereinbarung vom 10. Dezember 1927 in den hierfür eingesetzten Kommissionen zu regeln. Die anderen Bestimmungen des Schiedsspruchs vom 18. Februar 1927 bleiben bestehen." Der Schlichter lobt seinen Spruch über den Lohn im Schiedsspruch selbst mit folgenden Worten: „Diese Entscheidung mag in der üblichen Weise herunter- gerissen— sie mag durch die Machtverhältnisie der Parteien usw. verschoben werden—, sie ist kein Kompromiß, sondern das wohl- abgewogene Ergebnis aus dem Inbegriff des gesamten VerHand- lungsmaterials und liegt daher sachlich richtig." Der Schiedsspruch über die Arbeitszeit gilt vom 1. Ianuar bis 1. Dezember 1928 und ist von da ab erstmals mit einmonatiger Frist zum Monatsschluß kündbar. Der Schiedsspruch über den Lohn gilt vom 1. Ianuar bis 1. Oktober 1928 unkündbar und ist von da ab erstmals mit einmonatiger Frist jeweils zum Monatsschluß kündbar. Erklärungsfrist für beide(gegenseitig und gegenüber dem Schlichter) bis 19. Dezember 1927, 18 Uhr. Besoldungsdittai der Reichsbahn. Große Empörung unter ihrer Beamtenschast! Die Reichsbahn-Gesellschaft ist auf Grund des Reichsbahngesetzes berechtigt, für ihre Beamten«ine eigene Besoldungs ord- n u n g aufzustellen, wie sie auch die übrigen Rechts- und Dienstver- Hältnisse der Reichsbahnbeamten in einer Personaloerordnung selb- st ä n d i g regelt, die nicht vom Gesetzgeber, sondern vom Ver- waltungsrat der Reichsbahn-Gesellschaft verabschiedet wird. Dieser Zustand hat bisher schon zu empfindlichen Nochteilen für die Reichsbahnbeamten geführt, obwohl das Reichsbahngefetz ausdrücklich vorschreibt, daß die Reichsbahn sich bei der Aufstellung der Personal- ordnung an die gesetzlichen Bestimmungen anzu- lehnen hat, die für die Reichsbeamten gelten. Von den Reichsbahnbeamten ist daher gewünscht worden. daß sie, wie bisher, auch zukünftig in die Reichsbesoldungsordnung eiubezogeu werden. Diese Forderung, die vom E i n h e i t s v e r b a n d der Eisenbahner sowie vom Allgemeinen Deutschen Be- a m t e n b u n d der Reichsregierung und der Reichsbahn-Gesellschaft schon bei Beginn der Vorarbeiten zur Besoldungsrcsorm übermittelt wurde, ist n1 ck t berücksichtigt worden. Bei dieser Sachlage hätte man erwarten können daß die Reichs- bahn-Tescllschaft dann wenigstens den gewerkschaftlichen Organisationen ein ausreichendes Mitwirkungs- recht bei der Vorbereitung und Durchführung einer so wichtigen Reform eingeräumt hätte. Leider ist auch dasnicht geschehen. Obwohl die Neuregelung der Beamtenbesoldung seit Monaten schon die Parlamente und die breiteste Oefsentlichkeit beschäftigt, hat die Reichsbahn-Gesellschaft die Organisationen der Reichsbahnbeamten — und auch die Personaloertretung— bis jetzt über ihre Absichten im Dunkeln gelassen. Erst in den letzten Tagen ist den Eisen- bahneroerbänden der Entwurf der Reichsbahn vorgelegt worden. Diese Besprechungen sind mit den einzelnen Organisationen getrennt geführt, die Dauer der Besprechungen ist von vorn-. herein auf wenige Stunden begrenzt worden. Sind durch diese Ver- handlungstakkik ordnungsmäßige Verhandlungen schon an sich un- möglich, so nöch mehr durch das V e rh a l t e n' der Reichsbahn- Gesellschaft gegenüber den Verbesserungsvorschlägen des Personals. Auch die geringsten Aenderungen der Verwaltungsvor- läge wurden abgelehnt. Di« Mitwirkuno des Reichsbahnpersonals an der Reform der Besoldung ist dadurch praktisch ausgeschaltet worden. Die Reichsbahn- Gesellschaft erläßt auch in dieser hochwichtigen Frage, die auf Jahre hinaus für das wirtschaftliche und soziale Schicksal von über 300 000 Reichsbahnbeamten bestimmend sein wird,«in Diktat. Zwar be- gründen die Vertreter der Reichsbahn-Hauptverwaltung diese kirktw- torische Regelung damit, daß die Reichsbahnvorlage sich an den Reichsentwurs anlehne, der Rahmen für die Defoldungsordnung der Reichsbahnbeamten also durch die Beschlüsse der Reichsregierung und des Reichstages zwangsläusig gegeben sei. Das trifft, soweit die zukünftige C i n st u f u NL s o r d- n u n g für die Reichsbahnbeamten in Betracht kommt, jsdocy nicht zu. So sind die bisherigen Gruppen I bis VI in nicht weniger als vierzehn neue Besoldungsgruppen auseinandergezogen worden(gegen acht im Reiche). Berücksichtigt man noch die Kategorien mit Stellenzulagen, so kommt man bei den Besoldungsgruppen I bis VI sogar auf 18 neue Gruppen! Allein die Beamten der Besoldungsgruppe V sind in fünf verschiedene Gruppen auseinandergezogen worden. In auffälligem Gegensatz dazu steht, daß bei den Besoldungsgruppen VII bis XIII eine derartige Vermehrung der Gruppen nicht vorgenommen worden ist— trotz Trennung der bisher in je einer Besoldungsgruppe vereinigten Reichsbahnräte und Amtmänner und Oberräte und Oberamtmänner in verschiedene Besoldungs- gruppen. Was bei den oberen Gruppen als o o r t e> i h a f t ange- sehen wird, kann bei den unteren und mittleren Gruppen doch wohl nicht unzweckmäßig sein! Diese starke Auseinanderziehung der bisherigen Besoldungsgruppe» I bis V! verfolgt den Zweck, die Beamten des schweren, verantwortlichen und gefahrvollen Be- triebs- und Verkchrsdienstes und des handwerkstechnijchen Dienstes bei der Reichsbahn in chrer Bewertung herabzudrücken. D>« von der Reichsbahn-Gesellschaft getroffene Regelung muß um so mchr be- fremden, als ihr schon im Oktober vom Einheitsoer- bandeinausführlicherBesoldungsoorschlagaller Beamtengruppen und Dien st zweige des Eisen- bahnpersonals vorgelegt worden ist, der im entgegen- gesetzten Sinne wie der Reichsbahnentwurf das Einstufungssystem vereinfacht und den Wünschen der Reichsbahnbeamten auf ihre besoldungsmäßige Bewertung gerecht wird. Das Befoldungsdiktat der Reichsbahn-Gesellschaft hat sofort nach seinem Bekanntwerden helle Empörung im Eisenbahnpersonal ausgelöst, die in Hunderten von Protesten zum A u s d r u ck k o m m t. Die Reichsbahn-Gesellschaft hat auch bei der Besoldungsresorm an den Tag gelegt, daß ihr anscheinend an einem zufriedenen und ruhigen Reichsöahnpersonal nichts liegt. Oer Streit um den Sitz. Das rheinische Landesarbeitsamt in Köln. Der Derwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermitklung und Arbeitslofenveistcherung hat sich endgültig dahin ausgesprochen. den S i tz des rheinischen Landesarbeitsamtes von Düsseldorf nach Köln zu oerlegen. Swi« Guoerll�astijvgenl»«roß-Berli-. Heute, ffreitoa, 191� llbr, tage" die Gruppen: Liittenberg! Jugendheim Gchurnweberslr. 39. SBir oelichligen um 1953 Uhr das Osram-Lichthaus.— Hermanuplotz: Zugeudheim Saaderstr. U. Eck« Hoürechtstraße. Besichtigung des Osram-Lichthauses.— Dchsueeoe.de: Jugendheim Laufener Str. 2,«>,»..Pfund 95Pt Traubenrosinen pm. 95 p«. WnUit Amoretlenbirnen 15Pt Goldrenetlen r>. Schßnerv.BoskopPH- 28pi. Amerik. Aepfel 38, 48Pt Zitronen.... Duzend 55 Pf. LandCeberwurst.• Dampfwurst...Piundi.20 Teewurst Jagdwurst.... Pfund 1.45 SchinkenpoinischePKi 1.45 Filetwurst.... Pwnd 1.50 Mettwurst 1.50 Leberwurst«eine, piund 1.70 Butter""Sri"3 83 Camembert"äJS'an« 20 rt Allgäuersi«ng,i'id 50, 62 Pt Holländer». Edamer 76 P> Gouda dttn..... Pfund 76 Pf» Tilsiter voiifc«, pfd 9 4 pi.»» Sldi-* Tafel- Q rische I S6 bulter 4m 04 Steinbuscher 33 � 95 Pf Schweizer �3 98 bayr. 1.45 Speisetalg i-pid-pakei 50P1 Kokosfett I-Piund-Tafel 55PI Margarine Pwnd 5Y, 53 Pi OhmpgS-HteK! Beufel I25 149 Hso Maispuder... Pwnd Kartoffelmehl. Pwnd Weizenpuder. Pwnd Mohn blau. Pfd 43«eio Mandeln»»0.. 1.92, Mandeln«»»>' 2.13, Lack pui ver» o-uwi Vmiille-Tclioten Sultaninen fw 45, 60, 75pi. Rosinen Pfund 52, 60, 78Pt Korinthen Pwnd 66pi. 78Pf Zitronat..... Pwnd 1.40 KokosnußeeraspaJt, Ptd 5 4 Pf Mandelio... Pwnd 60 p». 25 Pf. 28 Pf. 44 PI. 70 Pf 2.40 2 40 30 Pf , Back-Ooie und Essenzen Vanillin-Zucker ß*,,, 20Pf Konfitüren q« 2«t*iord-E!mer pr. AprikoKa lio leo 1.50 1.70 . Pfund 1 20 .... Plund 1.70 Schinkenspeck.Pwnd 1,70 Salamiwurst.. Pfund 1.70 Zervelatwurst. Pwnd 1.70 Nußschinken � 8 pfuunn� 1 85 Preise ttb x>\ hleidtr ohne Glos Besonders ausgewählte Qualitäten 1925 Niersteiner voii.«am,............... 1.40 1924 Ebernburger Berg krainsrer pmizer. 1921 Wiltinger«Ifcr Saarwein........ 1926 Oppenheimer Schloß»«He diumi,....... 1.S0 1921 Niersteiner Berg»um?. San.......... 2 m 1921 Trittenheimer Falkenberg 1924 RQdesheimer Berg ciejamer Bhcingauer.... 1925 Liebfraurniich fein«« dealecUendee Hamen fein.. 1921 Zeitinger Sohwarzia> i um Ehlen, rc.fer vollhlunl.-er Mosel 1921 Kreuznacher Bittenfeld Ä'�NaS 1921 DQrkheimer Hochbenn 1925 SL Justin voller spanischer Burgunder....... 1921 Chäb Cambon gepflegter Bordeaur........ 1920 Beaujolais Superieur Balliger Burgunder... 1922 Chät.Pichon-Longueville»ehr keiner Bordeaux 1922 Sautemes Wachst. Bernard. sllver, welller Bordeaux Sherry Imperator loiühn?. d,ars Meriio........ 2.90 3 M 4.20 7.50 2« 2.10 2.25 2.50 2.75 3m 1.50 1.75 2.25 2.70 2.85 Oouro-Portwein„Medium Rieh f�nnpial.Cuv�a tHausmarlce) einer Traubensekt, opeziai �uvco ni|| Sieuer[ind Deutscher Weinbrand„Jacob! 1880"...... Schaumwein u. Likör aller bekannten Marken a. Lager Wein und Spirituosen vom Faß << Dost Br.- u. Schnittbohnen 56 p« Prinzeßbohnen 90 pi Jge. Erbsen miiieiitin 93 pi Junge Schoten wi» 1.30 Stangenspargel 3.30 Pflaumen........ 65 pi Mirabellen".d 70 Pf 1.20 fe Dos« Ananas fe v»»« 75 Pf 1.20 Gemischte Früchte 1.40 Kalif. Pfirsiche-eFrud» 1.85 Oolsardinen v. Klttbdos« 46 P' 0 7flPl Brat- u. Bismarckhering Harbig tu Gelee, Rollmopi p je r>, 2. mnd-Oo»e Frisches Fleisch Sehweinebaueh ai'lÄ,"pS3 80«. Schwesneschinken».«.»»-. nd. 85 rt Kalbskamm»raii». saa-«». pfe»d 72pl ßinderkamm u. Brust pfe-d 80 n. Schmorfleisch 99«. Hammelvorder Heisch rw.« 88 rt Kaßfer, Speer u. Kamm P ud 95 n. Liesen pid. 78 p<. 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Mit ihren Stimmen und denen einiger Bürgerlicher wurde er an» genommen. » Die Stadtverordneten stimmten in der gestern abgehaltenen Siwing zunächst einem von allen Parteien empfohlenen Dring« l i ch k- i t» a n t r a g zu, noch dem der Magistrat ersucht wird, den städtischen Beamten noch vor Weihnachten Vor» j ch L s s« aus die bevorstehenden Gehaltserhöhungen zu g«- währen.— Ein« A n s r a g« der Demotraten wegen der DIphlheriecrlrankungea beantwortet« ein Vertreter de» ksauptgesundheitsomte» dahin, daß die in letzter Zeil in Berlin beobachteten Diphtherieerkrankungen nicht in so bedenklichem Umsong« zu verzeichnen sind. dost man von«iner»furchtbaren Epidemie' sprechen könnte. In bezug aus die Beobachtung, die Kontrolle und die Heilung der Erkrankten ist alle Borsorge getroffen. Wenn die vorbeugenden Diphtherie« i m p f u n g« n nicht In dem erwünschten Umfange angewendet«er- den, so ist demgepenüder zu betonen, daß dies» Impsungen in Deutsck� land sich noch nicht in dem Maß« durchgesetzt haben, wie in außer- deutschen Ländern. Richtsdestowemger Hot aber der Magistrat in Krankenhäusern, Fürsorgeheimen und anderen städtischen Stellen Jmpfstationen«ingerichtet, die auch gut in Anspruch g«. nommen werden. Nach Rücksprache mit den Gesundheitsdezernenten der einzelnen Bezirk« haben sich diese sofort bereit erklärt, ihrerseits alles erdenklich« und möglich« zu tun. um in der Bevölkerung da» Imeresie an den Schutzimpfungen, die allerdings«ine frei- willige, vorbeugende Maßnahmen darstellen, zu wecken und zu fördern.— Di« Versammlung stimmte dann dem Lusschußbeschlutz wegen der. Ausweisung von Heimstättengartengebiet gemäß dem von der Deputation für da» Siedlung», und Wohnung»- wesen aufgestelllen Plane zu. Stadt Michaell»(Dem.) vertrat in der oorhergehenoen Aussprache den Siondpuntt. daß in Privathand de- sindliche» Grundeigentum als HeimstäUenqartengebiet nicht ausge- wiesen werden dürfe. D>e Demokraten würden sich schützend vor da» Prioaleizenlom stellen. Genosse Lemperl setzt« sich für«in« weit- gehende GrünfiächenpoUtik ein. Ein großer, weitschauend angelegter Grüngürtel könne viel zur Hebung der Volk». aesundheit beitragen. Im Segensatz zum Vorredner meinte Genosse L e m p« r t, daß Eigentum doch wohl verpflichte und daß der Drioatbesitz da» seine zur Besserung der Volksgesundheil beizulrageu habe. Wo e« nötig sei, müsse denn auch Privatgelände ausgewiesen werden: dabei vertennen die Sozialdemokraten allerding» nicht die Schwierigkeiten, die da« geltende Recht dem entgegenstell«. Wo es irgend angängig sei, sollte man dieKleingärtner auf ihren Parzellen sitzen lassen tS] �Zeinent. £Koman von Fsodor Olabtom. In der Nacht wartete er nicht mehr auf Dascha. wie früher. Er schloß nicht die Türen und leate sich früh schlafen und wußte nicht, wann Dascha nach Haus« kam Und wenn er für kurze Augenblicke durch ihr» Anwesenheit erwarte, sah er: Dascha saß vor dem Tisch, hatte den Kopf aufgestutzt, bewegte unhörbar ihre Lippen, st« las. In der Frühe, wenn er zur Arbeit ging, lächelte sie lyn mit blühender Freud« an. Und in den Nächten(und manchmal auch am Tag«) näherte sich ihm— Polja, und berührte ihn hinter Daicha, über Dascha hinweg, mit ihren Locken. Si« kam langsam, liebesbereit, mit großen, lockenden Augen.... 2. Alarm. Man mußte sich selber davon überzeugen, was da» Jndustriebureau eigentlich ist— dieses unüberwindbar« Bollwerk des Volkswirtschaftsrates und der Fabrttleitung. Dieser mächtige Felsen stand ibm immer im Wege, und seine Fragen prallten an seinen schweren Kanten ab, ohne«ine Antwort zu erhalten. Er beschloß: hinfahren und an Ort und Stelle alle» nachprüfen. Wenn es ihm gelänge, dort verschiedenes aufzudecken— dann wird er, ohne zurückzukehren, seine Schritte nach Moskau lenken, zu Lenin, in den Obersten Dolkewirtschaftsrat, in den Rat für Arbeit und Landesverteidigung. Dort wird et alles berichten, alles aufdecken, die Schädel einbauen, Lärm schlagen, alle auf di« Beine bringen und sein Ziel erreichen. Das Wert muß in Betrieb gesetzt werden— unbedingt. In der Fabrttleitung herrschte vollständige Mltzwirtlckiaft, Untätigkeit. Bureaukratismus. und«» ging dort irgend«ine innere, unsichtbar« Arbeit vor sich. Und alle laufen sie dort geschäftig mit bauchigen Aktentaschen herum, nach Kommu- nistenart glatt rasiert. Das dreistöckige Haus zittert jeden Tag unter den geschäftig-wimnielnden Menschenmassen, die von Tür zu Tür huschen, und jeden Tag van zehn bis vier sind die Trottoirs vor den Mauern de« Gebäudes mit Reigen ungewöhnlich geschwätziger Menschen b«sud«lt, dt« sich früher in Kaffeehäusern und aus der Börse herumgetrieben hatten. Und diese Massen sind nur vor dem Bolkswirtschaftsrat. Bor Die Sozialdemokratie werde sich stets dafür einsehen, daß den Kleingärtnern ihr Recht werde. Stadtrat Genosse wuhky betonte, daß das ausgewiesene Gelände ge- nügen dürste, um die In absehbarer Zeit an die Stadt herantretenden Anforderungen in bezog aus Heimstättengelände zu befriedigen. Im Magistrat beabsichtige natürlich niemand, ansässig geworden« Klein- aärtner ohne Not zu verdrängen: wo aber unerläßlich« städtische Interessen zu befriedigen sind, müssen gelegentlich auch einmal Klein» gärten eingezogen werden. Nachdem noch ein« ganz« Reihe Redner die Stellung ihrer Fraktionen dargelegt hatten, wurde noch ein An- trag der sozialdemokratischen Fraktion einstimmig an- genommen, der verlangt, daß vor seder Einziehung von Heimstättengartengebiet die Stadtvcrordnetenversamm- lung zu hören sei. Bei der Beratung der Vorlage wegen de» Ankaufe» de» Ritlergut» Biesdorf erklärt« Stadto. Pfarrer koch(Dnar) di« grundsätzliche Gegnerschaft seiner Parteifreunde gegen den Ankauf und die Bewirtschaftung von Land durch die Stadt Berlin. Stadtrot Busch sagte ihm namens des Magistrats, daß der Magistrat und di« Stadtverordneten kein«„uferlosen Grnnderwer- düngen' vorgenommen habe, sondern mit dem Ankauf der Jungfern- Heid«, de» Geländes im Bötzoivviertel, am Diehh>f. im Südosten bei Britz, dem SüdgelSnd« bei Schöneberg und des Ritterguts Düppel «In« wohldurchdachte Planwirtschaft in der Boden- p olt t i t getrieben habe, die durchaus geeignet ist, preisregulierend auf dem Grundstücksmarkt zu wirken. Im übrigen sei der gefordert« Preis für Rittergut Biesdorf angemessen: die Stadt kann das Gut zur Abrundung seines Grundbesitzes gebrauchen, später wird es sicher teurer sein.— Der Ankauf wurde mit den Stimmen der Linken beschlossen.— Der Ausschuß zur Festlegung von Richtlinien für die Wiederausnahme von Wohnung« suchenden in die Wohnungslisten hotte beseblossen. daß die Personen, die wegen ihrer unterlassenen Meldung bei der Wohnung»- Zählung aus den Listen der Wohnungfuchenden gestrichen wurden, wieder im alten Rang«Inzutraaen sind, wenn sie den Nachweis der Bedürftigkeit erbringen. Die Versammlung trat nach kurzer Bera- tung dem Lusschußbeschluß bei.— Ein« längere Debatte entspann sich in vorgerückter Stund« au» Anlaß der kommunistischen Anträge wegen der Gewährung von Extrabelhiisen an Unterstützungsempfänger und Erwerbslose. Bürgermeister Scholh wie» dabei die Aninste des Stadt. Roth (Komm.) zurück.— Beschlossen wurde unter Ablehnung aller anderen Anträge, den Magistrat zu ersuchen, den Betrag von S M i t l I o n e n Mark für Winterbeihilfen an die Unterstützungsempfänger zur Verfügung zu stellen, die an der einmaligen Unterstützung aus Reichsmitteln nicht beteiligt sind. Wilhelm bleibt im Panoptikum. Der geschlagene piacator. Gestern um 15 Uhr wurde von der 4- Kammer des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Richter das Urteil im Prozeß des früheren Kaisers gegen Piscator gefällt. Enttäuscht war man sreilich darüber, daß nur der U r t e i l s- t e n o r mündlich verkündet wurde, während das Gericht die Gründe den Parteien schriftlich zustellen will. Das Land- gericht l hat di« einstweilig« Verfügung b k st ä t i g t und es Piscaior oerboten. In dem Stück„Rasputin, die Romanows, der Krieg und das Volk, dos gegen sie ausstand', den ehemaligen deutschen Kaiser auf die Bühne zu bringen. Das Urteil wird gegen Sicher- heitsleistung der Kläger in Höhe von 5000 M. für v o l l st r e ck b a r erklärt. Der Wert des Streitgegenstandes wird auf 2 0 0 0 0 M. festgesetzt. Gegen dieses Urteil steht den Parteien die Revision am Kammergericht offen. der Abteilung für soziale Fürsorge, vor der Boltsbildungs abteilung vor der Abteilung für Volkshygiene gibt es keinen solchen Menschenandrang. Uebrigens sieht man auch viele Menschen vor der Agrarsektion, vor der Kommunalwirtfchasts- abteilung und vor der Außenhandelsabteilung. Tljeb ging vor setner Abreise in das Exekutivkomitee, in den Volkswirtschaftsrat, in das Parreikomttee— sammelte Material, Berechnungen, Pläne und Verordnungen. Er nahm einen Brief von Badjin an dessen guten Freund und Genossen, Mitglied des Gebietsbureaus des ZK. der RKP.» und einen Brief von Schidkij an dessen Freund und Genossen, Mitglied der Gebietskontrollkommsssion. Cr ging über die Straße, beeilte sich, um nach Hause zu kommen. Vom Werk bis nach Hause waren es vier Werst. Er ging und es schien ihm. als ob er diese Straßen zum ersten Male sah. Das waren nicht dieselben Straßen, wie sie noch vor einem Monat waren. Damals waren di« Geschäfte mit den Spiegelfenstern leer oder als Magazine für alle mög- lichen Abteilungen oerwendet. Und die Fenster waren staubig und mit Schmutz bespritzt. Und jetzt... jetzt waren auch Magazine, aber zwischen ihnen— Hier wird in allernächster Zeit... ein Delikatessengeschäft ... Kaffeehaus mit ständigem Streichorchester.... Private Handelsgesellschaft.... Genossen, stärkt das Bündnis der Stadt mit dem Dorfe.... In allernächster Zeit.... Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen.... In dieser letzten Lotung, die mit ellenlangen Buchstaben an die Wand des Stadthauses geschrieben war— hatte eine spöttisch« Hand das erste nicht mit Schmutz ausgestrichen, und alle Vorübergehenden konnten sich an diese neue Kombi- Nation der Worte nicht gewöhnen und lachten laut. Wer arbeitet, soll auch nicht essen.... Arbeiterrationen... Feuerzeuge und Hamsterwesen... Handelsgesellschaft.... Sawtschuk, barfuß und zerlumpt... hungrige Kinder im Kinderheim... Verwüstung und Der- wilderung... Kaffeehaus und Streichorchester.... In den Spiegelfenstern der Geschäfte blühen die ersten Blumen der Auslagen.... Gljeb blieb unruhig und voller Sorge stehen, und wußte nicht, wie diese große Frage formulieren, die wie ein Nebel in seinem Hirn wirbelte: Neue ökonomische Politik... Regulierung und Kontrolle. Märkte. Natural- steuer. Genossenschaften. So, Kaffeehaus und Streichorchester.... Und ein halbes Pfund Rationsbrot? Und der Gutschein der Gewerk» Nach Bekanntwerden der Urteilsgründe wird vielleicht auf die Angelegenheit zurückzukommen sein. Das ein« aber wollen wir, abseits von allem Juristischen, heute schon seststellen: Der große Theater-Wilhelm darf Im Theater nicht gezeigt werden. Aber in jedem Iahrmarktspanoptikum darf er dem Publikum nebst Vater, Großvater und Urgroßmutter Luise präsentiert werden. Lassen wir ihn im Panoptikum. Dort gehört er hin. Die Brandenburger Mörder gesaßt? Die Festgenommenen schwer belastet. Unter dem dringenden Verdacht, den Raubmord an dem Brauereibesitzer Frey dank, Brandenburg, ausgefühn zu haben, sind dar 18 Jahr« alte Erich Schmidt und dessen Namensvetter, der 20 Jahre alte Willi Schmidt, festgenommen worden. Beide, arbeitslose Arbeitsburschen, haben sich dadurch verdächtig gemacht, daß sie jetzt, nach dem begangenen Raubmord, Neuanschaffungen gemacht haben, die ausfällig geworden sind. Einer von den Schmidts war früher in der Freydantschen Brauerei beschäftigt. Leide wurde gestern ermittelt und fest» genommen. Sie wurden von der Kriminalpolizei in Brandenburg einem Verhör unterzogen, haben aber noch kein Geständnis abgelegt. Bei der sofort nach der Ennordung vorgenommenen Durchsicht der Geschäftspapiere des Ermordeten stieß man bald auf die Namen zweier junger Leute, aus«inen 20 Jahre alten Willy Schmidt aus der Neuendorfer Str. 80 und einen 18 Jahre alten Erich Schmidt, der in derselben Straße im Haus« Nr. Z0 wohnt. Obwohl nur zufällig Namensvettern, sind sie doch enge Freund«. Willy Schmidt war früher einmal bei Frcydank tätig gewesen und kannte daher das Haus genau. Erich war bis zum vergangenen Sonnabend in der Freydantschen Brauerei angestellt Ohne ersichtlichen Grund hatte er seine Papiere gefordert und war cbgclohiit worden. Am Mittwoch meldete sich nun bei der Polizei eine Geschäftsfrau, die berichtete, daß Willy Schmidt bei ihr für m e h r a l s 4 0 M.« i n- getauft habe. Unter dem Gelde sei ihr ein Zehnmarkschein aufgefallen, der anscheinend Blutslecke auswies. Der Schein wurde sofort beschlagnahmt und zur mikroskopischen Untersuchung ein gesandt Aus Grund dieser belastenden Ermittlungen nahm man in den Wohnungen der beiden überraschend eine Durchsuchung vor, dw folgendes ergab: Bei Willy Schmidt wurde festgestellt, daß er am Dienstag ein Paar Stiefel zum Schuster gebracht halte, di«, als man sie besichtigt«, zahlreiche Vlutspritzer erkennen ließen. Ein Licytbild von sich, das er in der Mütze hatte, war ebenfalls mit Blut besudelt. Die wichtigste Entdeckung aber machte man in der Küche. Hier befindet sich hinter dem Herd ein so- genannter Wandschoner aus Wachstuch, der mit Reißzwecken angeheftet ist. Hinter diesem Schoner waren in Z e i t u n g s.p a p i c r eingehüllt, 27 0 M. verborgen. Auch in der Wohnung Erich Schmidts wurde Velastungsmote- »ial gesunden. Hier entdeckte man ein blaue« Jackett, das an den Aermeln Blutwischer zeigte. Die beiden jungen Leute leugnen jedes Verbrechen. Bemerkenswert ist auch ein Funfc, den man. in einer Schublad« in Willy. Schmidts Wohnung mochte. Dort lag ein Messer mit abgebrochener Spitze. Obwohl das Heft bereit» gesäubert war, sind noch Deichte Blut spuren zu er- kennen.' Die Ernuttlungen werden während der Nacht sortgest'tzf werden. � Altes Splcklzeug Im Märkischen Muscnm. In den unteren Räumen des Märkischen Museums hat sich eine kleine buntfarbige Welt ailsgetan, ein Reich für sich, dos ge- rade jetzt zu Weihnachten den rechten Zeitpunkt erwählt hat. Die Leitung des Märkischen Museum», in erster Linie Direktor Stengel. hat dort m!t viel Mühe, Liebe und Umsicht eine Spielzeug-Au?- sttlluna veranstaltet, die den Beschauer in die Tage der Kindheit zurücksührt und auch die Spielwaren unserer Vorfahren zeigt. In zahlreichen Schränken, aus Pulten uiü> in Nischen sieht man all dw vielen netten und harmlosen Sachen und Sächelchen, die das Kinderherz der Menschen des 10. und früherer Jahrhunderte beglückten. Da sind Puppenstuben und Puppen in allen möglichen Trachten und Aufmachungen. Bilder schaften für ein Arschin Stoff, eine Schnurrbartbinds und Damenstrumpfbänder?... Warum füllen sich die Aus- lagen so rasch, und warum ist es so schwer und qualvoll ums Herz?... � � Auf der anderen Seite der Straße, vor dem Fenster des Kaffeehauses, bemerkte er Polja. Sie stand'mit dem Rücken zu ihm gewendet, sah durch das Fenster hinein und konnte sich nicht losreißen. Ein Mann in einer neuen Joppe, mit einer Aktentasche unter dem Arm(wer trägt jetzt keine Akten- tasche?), lief eilig an ihr vorbei, stieß sie und riß sie durch seine Bewegung vom Fenster. Sie bemerkte ee nicht— kehrte auf ihren früheren Platz zurück. Gljeb überquerte die Straße, stellte sich neben Polja: sie wird seine Nähe schon fühlen und wird aufwachen. Aber Polja bemerkte auch ihn nicht— sie stand mit Augen, die in dem Dunkel der Fenster sich aufzulösen schienen. Dort in der dunstigen, dämmerigen Tiefe saßen an Tischchen, paarweise» einzeln und in Gruppen, Menschen, die aus der Vergangen- heit auferstanden waren... Kaffeehaus.... In aller- nächster Zeit.... Heiße Pastetchcn mit verschiedener Fül- lung.... Und aus der undurchsichtigen Dämmerung tönten aus dem Fenster gespenstisch-ferne Geigen. Hinter ihrem Rücken, auf dem Trottoir— näselnde, rasch sprechende Stimmen:„... feste Valuta, nur für feste Valuta ... die Reise nach Suchum.... Die Ware ist frisch aus dem Auslande geliefert... franko... Feluken... Prozente ... Reingewinn..." Gljeb drehte sich um— der Advokat Tschirsky und mit ihm ein ehemaliger Weingroßhändler Er war ihm im Volkswirtschaftsrat begegnet. Dort hatte er auch Tschirsky gesehen. Was für Geschäfte hatten sie im Volkswirtschaftsrat zu erledigen? Derflucht und verdammt! Im Werke riecht es noch nach dem Oktober und der Kopf hat sich noch nicht vom Bürgerkriege ausgeruht. Wenn man aber in die Stadt kommt— so vollzieht sich eine seltsame Verschiebung und dt« Welt oerändert ihr Antlitz.... Gljeb zog scherzend die Aktentasche aus Poljas Arm. Sie zuckte zusammen und erwachte. Erschrocken schaute sie Gljeb an und in ihren Augen sah er einen unterdrückten Schrei. „Schau nicht auf dies Gesindel, Genossin Mjechowa. Wenn dich der Neid packt— so dränge dich in diese Hölle hinein und zertritt das Ungeziefer.... Komm, gehen wir in die Frauengruppe." (Fortsetzung folgt.) Und Llld?rbüch«r mit sehr nützlich«» und anregend«» Zichalk. Äasperletheate? und Guckkästen, die sich emst«roher Beliebtheit er- freuten, Zinnfiguren, Zinnsoldaten. Hal?,spiei�eugs in mannigfachster Art, hol/ischnihereicn, Lithographien, Aquarelle, dazwischen in bun- ler Folge reizende Nippessachen und Modelle, kurz alles, was ein Kmderherz selig niachl.»sogar eine Weihnachtspvramide, die früher die Stelle des Weihilachtsliaumes vertrat, fehlt nicht. Es ist eine «rsreuliche, sehenswerte Ausstellung die bei freiem Eintritt täglich r-oni 19. Dezember bis zum 31. Januar geöffnet ist. „Vom Leben geiötei." ÄenzfungSverhandlung im Kolomak- Machan-Prozeß. Heute beginnt in B r e w e n vor der großen Strafkammer unter dqw Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Töwe die Berufung�- Verhandlung gegen Frau Elisabeth K o l o m a k. Wie erinnerlich, fjal das Schöffengericht sie am 17. Juni d. I. wegen Kuppelei an der eigenen Tochter und an der Prostituierten Trude Wolfs zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. In der Urteils- begründung hieß es u. a.. Frau Kolomak habe zwar nicht aus dem Männerverkchr ihrer Tochter Nutzen gezogen, jedoch sich dadurch strafbar gemacht, daß sie die sittliche Gefährdung der Liesbeth ge- duldet habe! vom Männerverkchr der Trude Wolff habe sie jedoch profitiert. Die Prostituierte Trude Wolff war aber die Haupt- belastungszeugin im Prozeß i sie durfte es fein, obgleich auf Grund ihrer Mitteilungen die Liesbeth verhaftet worden war und obgleich sie auf die Frau Kolomak wegen ihres Buches nicht gut zu sprechen war. Die Borgeschichte des Prozesses ist noch in guter Crinne- nrng. 3m katholischen Herder-Verlag waren Tagebücher eines fünf- zehnjährigen Mädchens unter dem Pseudonym Machan erschienen. Als On der Handlung wurde aber bald Bremen, als Berfastcrin die Schuftcrsirau Kolomak erkannt. Aus dem Inhalt des Buches , glaubten Polizei und Krankel, hous schwere Vorwürfe gegen sich ent- nehmen z-t müssen: es wurde da behauptet, die Polizei sei gegen die fünfzehnjährige Liesbeth zu scharf vorgegangen und habe sie zu einer Dirne gestempelt; das Krankenhaus habe sie zu Tode kuriert. Die Polizei ging von der Defensive zur Offensive über und erzwang bei der Staatsanwnltschast eine Anklage wegen Kuppelei. Die Anklage vertritt diesmal wieder der Staatsanwalt D r e ck s l e r; er hat die Zahl der Belastungszeugen auf Ist beschränkt. Als Verteidiger erscheint neben R.-Ä. Dr. Hertel auch Iustizrat Dr. W e r l h a u c r- Berlin. Es soll die Ladung einer größeren Anzahl von Zeugen beantragt werden zum Beweise dafür, daß Frau Kolomak ihrer ganzen geistigen Verfassung nach den Männer- verkehr ihrer Tochter für harmlos habe halten können und daß der Hauptbelastungszongin Trude nicht zu glauben sei. Auch soll die .Nolle der Polizei in dieser Verhandlung zur Sprache kommen. Der Prozeß wird voraussichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen. Das Internationale Arbeitsamt. Bei den sozialdemokratischen Juristen sprach der Direktor des Berliner Bursaus des Internationalen Arbeitsamtes. Regierungsrak Donau über die Organisation und die Tätig- keil des Internationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund. Aufgabe des Arbeitsamtes ist die Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit durch Vereinheitlichung der sozialpoli- lisch«, Eesep, gebung, die möglichst gleichmäßige Gestaltung der Ar- hsirergesetzgebttkig in allen Ländern. Es besitzt zwei Organe: die Arbeitskonserenzen und den Verwaltungsrat. An der Arbeitskonferenz nehmen außer den zw« Regierungsvertretern aus jedem von den SZ Völkerbundsländern je ein Vertreter der Ar? beitnehmer und der Arbeitgeber teil. Die Arbcitskowerenz tritt einmal in, Jahre in Genf zusammen. Ihre Aufgabe ist, Entwürfe Au späteren Vereinbaningen auszuarbeiten. Das Charakteristische in den Konferenzen und den Arbeitsausschüssen ist, daß die Zlb- stirmnungen nicht national, sondern gewissermaßen I n t e r n a t i o- nal orientiert sind: Arbeitnehmer stehen hier geschlossen gegen Arbeitgeber.. Bis jetzt sind 25 Abkommenentwürfc ausge- arbeitet worden. Von diesen Ucbercinkommcn hat z. B. Deutsch- land bis jetzt nur vier ratisiziert; die Ratifizierung zweier weiterer steht unmittelbar bevor. Das Achlstunden-Uebercinkommen ist von Ist Ländern ratifiziert worden. Die geringe An- zohl von R'atifizierungen hat dazu geführt, daß die Abkommen« entwürfe nicht mehr den sozialpolitisch am höchsten stcl>endeii Län- dorn angepaßt werden, sondern gewisse Mindestforderungen ent- halten; die Höchstfordcrungen werden gewissermaßen nur program- matisch festgelegt. Das Arbeilsamt selbst wirkt als beaufsichtigender Berwaltungskörper. Er besteht aus 24 Mitgliedern, von denen sich die eine Hälfte aus Regierungsvertretern zusammensetzt; die anders Hälfte besteht aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der Vorsitzende des Internationalen Arbeitsamtes, Thomas, übt seinerseits eine außerordentlich energische Tätig- feit aus, bereist persönlich die in Frage kommenden Länder, um mshesonbere die Gewerkschaften zu veranlasten, daß sie durch ihren Einfluß das Zustandekommen der Ratifizierungen be- wirken. Dies ist ihm schon oft verübelt worden. Dem äußerst interessanten Vortrage folgte eine rege Diskusston. Oer Kall des Bürgermeisters. Sein vielfach vorbestrafter Geldvermittler. Bor dein Schöffengericht in Ebcrswalde findet augenblick- ftch ein Berrugsprozeß gegen zwei deutschnationalc Männer statt: den Bürgermeister König und seinen Geldvermittler, dem mehr als in 30 Fällen wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Betruges und Steuerhinterziehung vorbestraften Pächter des Gutes „Neue Mühle", Hamann— die letzte Gtsamtstrafe dieses An- geklagten betrug nicht weniger als sieben Jahre Gefängnis. Aller. dings behauptet Bürgermeister König, daß er von dem Vorleben Hamanns keine Ahnung gehabt habe, das umsomehr, als- dieser beim Landrat Bogel ein- und ausging; hinzu komme noch, daß Hamann ihm öststststst M. Kredite für Bauten besorgt habe— ohne Gegenleistung. Den Ausgangepunkt dieses Prozesses bildet ein Wechsel in Höhe von 3- 5(5 st st st M., den die Stadt Liesenthal der bald daraus oerkrachten Luisenstödtischen Bant ausgestellt hat, sie erhielt Iststststst M. und einen Rückwechsel über die restlichen 175 Mst M., die jedoch anstatt ins Depot der Bant in den Ruhr-Berband ging. Ho mußte dieser Wechsel schließlich von der Stadt Biesenthal ein- gelöst werden; also hatte sie 175 000 M. verloren. Um den Schaden gutzumachen, wandte sich König an den Geldvermittler Hamann. Diesmal aber ohne jeden Erfoig für die Stadt, aber mit um so größerem für Hamanns Tasche. Zuerst beabsichtigte man. einem Ntttergntsbesitzer Herrn». Kniebel«inen Kredit von 350000 M. zu geben und bei dieser Gelegenheit den Wechsel loszuwerden. Aus der Operation wurde nichts. König gab aber Kniebel ohne Befragung des Magistrats 8 5 st st M. Vorschuß, die in Wirk- lichkeit eine Provision für Hamann darstellten. Dann versuchte man drei Häuser in Berlin zu beleihen. Gleichfalls ohne Erfolg. schließlich fand man einen Ausweg. Hamann kaufte im Jahre 1925 das Gill„Meiersdorf" und verlangte von der Stadt eine Hypo. thek von 18 0 ststst M., von denen 30 000 W. sofort an ihn ge« zahlt werden sollten. Er erhielt auch das Geld. Allerdings nicht durch die Sparkasse, sondern aus der Kämmereikasse, und zwar das Geld, das der Notar für v. Kniebel zu treuen Händen empfangen hatte. Den Betrag sollte man von der späteren Hypothek auf das Gut Meiersdorf abrechnen. Hamann aber erklärte sich bereit, unter diesen Umständen den notleidenden Wechsel in Zahlung zu nehmen. Mordverfahren gegen Primaner Krantz. Die Affäre in ein neues Siodivm getreten. Die von dem Verteidiger des Primaners Paul Krantz beantragte Erklärungsfrist zu der gegen Krantz erhobenen Anklage wegen ge- meinschaftllchen Mordes an dem Kochlehrling Stephan ist gestern abgelaufen. Rechtsanwall Dr. Frey hat den Antrag gestellt, das VerfaHrcn gegen Krantz wegen Mordes nicht zu eröffnen, da jeder Deweis fehle, daß er an der Tat des Günther Scheller teil- genommen habe. Ueber diesen Antrag wird von der Beschlußkammer des Schwurgerichts II entschieden werdet», sobald der Beschluß gefaßt wird, ob der Anklage gemäß das Hauptverfahren gegen Krantz zu eröffnen ist. Inzwischen fit die Mordaisäre Krantz in ein neues Stadium ge» treten. Ms Rechtsbeistand des Fabrikanten Scheller hotte Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt beantragt, das Verfahren gegen Paul Krantz auch wegen Ermordung von Günther Schelier ein- zuleiten und Anklage zu erhebe«. Da die Staatsanwaltschaft gegen diesen Antrag entschieden hat. ist jetzt Beschwerde beim General- staatsanwast des Kammergerichts gegen diesen Beschluß erhoben worden. Dieser Antrag wird damit begründet, daß Günther Scheller Linkshänder war und daß die beiden Schüsse, durch die Stephan getötet wurde, nachweislich linkshändig abgegeben worden sind, während der angebliche Selbstmordschuß des Günther Scheller in die rechte Schläfe abgegeben worden ist, so daß der Rechts- beistand daraus folgert, daß die Tötung Schellers nach norheriger Verabredung durch seinen Freund Krantz erfolgt sei. Außerdem aber hat Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt auch noch beantragt, Krantz wegen Bedrohung der Hilde Scheller und wegen Verabredung zur Ermordung der Hilde Scheller nach§ 49b des Strafgesetzbuches unter Anklage zu stellen. Bekanntlich hatte Krantz, als Hilde Scheller auf die Schüsse hin wieder ins Zimmer stürzte, ausgerufen:„R u n- mehr mache ich Schluß, es sind noch drei Kugeln im Laus!" Daraus folgert der Rechtsbeistand der Familie Scheller, daß Krantz beabsichtigt habe, auch Hilde Scheller, wie es vorher fest- gelegt worden war, zu töten. Krantz allerdings behauptet, daß er sich, selbst nur gemeint habe. Ein Gedicht, das kürzlich ver- öffemlicht wurde und aus dem eine gewisse sexuelle Ueberreise der sechzehnjährigen Hilde Scheller gefolgert wurde, stammt übrigens, wie wir erfahren, nicht von ihr, sondern sie hat es aus einer toamm« lung, die Krantz ihrem Bruder gegeben hatte, abgeschrieben und soll es dann auch noch mit fpötttfchen Bemerkungen versehen haben. Ob Krantz selbst der Dichter ist oder ob er es auch irgendwo abgeschrieben hat, steht noch nicht fest. Lei dem jetzigen Stands des Verfahrens dürste die Schwurgerichtsverhandlung voraussichtlich zusstIm.F ab-r v.a r. ftgtifiyden.-.. Aufklärung eines RanbüberfallS. In der Nacht zum 5. Dezember hatte ein« PerkäufeKn Frieda F., die mrf dem Bahnhof Grunewald einen Ausschank betreibt, nach der Durchfahrt des letzten Fernzuges die Tageslosung in ihre Geldtasche gesteckt und einige Sachen vom Büfett in einen Eimer gelegt. Gegen 1W Uhr ging sie dann vom Bahnsteig her- unter, um sich ziro» Abrechnen in das nahegelegene Wirsschafts- gebäude zu begeben. Da sprang plötzlich hinter einem Baum Iiervor ein junger Bursche ans sie zu und versuchte, ihr mit Gewalt die Geldtasche und den Eimer zu entreißen. Das gelang ihm aber nichts Die Ueberfallene setzte sich mit dem Eimer zur Wehr, rief um Hilfe und zwang den Räuber zur Flucht.. Der Bursche entkam Es ist hier schon oft die Feststellung gemacht worden, daß die Berliner Funkstunde ihre Programme ökonomischer einteilen muß. Will sie die Ucberlegenheit der klassifchen Musik über die modern« oder umgekehrt an einem Tage demonstrieren? Man kann gegen Unterhaltungsmusik mit der Maritana-Ouvertüre und ähnlichem allerlei einwenden, wenn am Abend irgendein Kunftpfeifer und ein Tiroler Quartett sich produziert. Aber"Bach, Beethoven und.Reger am Nachmittag und moderne Komponisten abends bedeutet etwas zu viel des Guten. Gibt man klassische Mussk am Nachmittag, dann wäre ein populäres Orchesterkongert abends angebracht, oder jazzt man kurz nach dem Mittagessen, dann könnte die Problematik der Modernen musikalisch am Abend misgewertet werden. Musik ist und bleibt für den Rundfunk das eigentliche Gebiet. Doch eine lieber- spammng ist auch in dieser Beziehimg abzulehnen. Die Stunde der Lebenden, eine Einrichnrna des Ruirdfimks, die nicht genug zu loben ist, patzt mn besten für den EomNagmittag. Hier hat jeder Zeit zu hören und ist ausgeruht. Die neuartige Einrichtung, Iazzkonzerte aus irgendeinem Theater zu übertragen, würde sich besser für die Abendstunden am Wochentag eignen, wo der Hörer, der von der Arbeit kommt, gern eine Entfpamnmg erlebt. Was soll er aber, müde und abgespannt, mit problematischen Kompositionen von Grojz. Weigl oder Petyrek anfangen? Auch der Arbeiter will die moderne Musik kennenlernen. Doch alles zu seiner Zeit. Was hiervon abgesehen im Rundfunk geschieht, hat unbedingt künstlerisches Niveau. Daß Paul Schmidt ein Meister des Orgelvortrags ist, bestätigt si-Y von neuem Earol Szreter spiest Beethovens Appassio- iraete farbig und ausdrucksvoll, und Maursts van den Berg ist als hochbegabter Interpret klassischer und moderner Komponisten bekannt. Die Stund« der Lebenden bringt diesmal gewissermaßen einen Ueberblick über die Zwiespältigkeit im modernen Musikleben. Atonales steht neben Melodiösem, Groteskes neben Pathetischem. Professor Weismann gibt kurze, scharf ummrissen« Charakteristiken der aufgeführten Tondichter. Verdienstvoll, daß Hermann Kastck die Cmitehung eines Buches schildert, die Schwierigkeiten, die ein Autor Hot, um sein Werk anzubringen, dc« Honorarsrag«. die Drucklegung und schließlich den Vertrieb. F. S. oljne Benfe in de» Grunewald hsnefn. Der Pokzei ist es gelungen, den Täter zu ermitteln. Es handell sich um zwei junge Menschen von 18 und 19 Iahren; sie sind beide wohmings- und arbeitslos und standen dem Richter gegenüber, Zahnplomben aus Kupferamalgam. Ihre Gefährlichkeit ist erwiefea. In der in diesen Tagen stattgefundenen Sitzung des„Vereins für innere Medizin" berichtete Prof. Dr. F l e i j ch m a n n über die Ergebnisse seiner Untersuchungen„zur Frage der Gefähr- lichkeit kleinster Q u e ck s i l be r m e n g e n". die er als Leiter der an der II. Inneren Universitätsklinik der Ehartte eigens dafür geschaffenen Untersuchungsstelle fest über einem Jahre ge- führt hat. Bekanntlich haben die aufsehenerregenden Befunde des Chemikers Prof. Stock(Berlin), die dieser vor etwa anderthalb Jahren mitteists, o>e Frage aufgeworfen, ob der Queck- filbergehatt der Amalganplomben zu chronischer Queck- silbergehast der Amalgamplomben zu chronischer Queck- wenn auch nur ganz geringe Aufnahme von Quecksilber in dem Körper stattfindet. Es wurde daher damals eine Stelle geschafien, an der Kranke, die an Oueckjilbervergifmng zu leiden glauben, genau umersucht wurden, sowohl aus ihre Beschwerden, wie auf die Beschaffenheit ihrer Z a h n s ü l l u n g e n und auf die Anwesenheit von Quecksilber im �larn. Prof. F l e i s ch m a n n teilte nun mit, daß seine Nachprüfung in- sofern eine Bestätigung der seinerzeit von Prof. Stock gemachten Beobachtungen erfahren hätten, als tatsächlich aus kuvferhaltigen Amalgamfüllungen bei Cdelamal- gamen nur festen— häufig kleinste Quecksilber mengen in den Körper übergehen. Allerdings sei dieser Nachweis noch nicht gleichbedeutend mit einer Schädigung, die nur dann ein- tritt, wenn außerdem eine gewlsse lleberempsindlichteit des Körpers vorhanden ist, wie sie auch bei gewissen anderen Medikamenten, zum Beispiel Jod' und sogar bei, gewissen Nahrungsmitteln (Krebsen, Erdbeeren), manchmal beobachtet wird. Jedenfalls erhebt Prok. Fleiichrnann die Forderung, daß das Kupfer- amalgam aus dem Ar.zneischtanf des Zahnarztes verschwindet und daß in Zukunft auch in der K a s s e n p r a x i s und in der Schul- Zahnpflege das Kupferamalgam nicht mehr g e- braucht wird, sondern daß es mangels anderer einwandsreier Füllungsmaterialien zunächst durch das sogenannte Edelamalgam ersetzt wird. Zu erklären sei diese relative Giftigkeit durch die un- angenehme Eigenschaft der Kupseramalgamfüllungeit, sich mit der Zeit auszuwaschen und porös zu werden und dadurch eine Ausscheidung von Quecksilber zu begünstigen. An der darausfolgenden Diskussion beteiligten sich Professor D i e ck(Berlin) und Dr. B o r i n f k n vom Hauptgelundhettsamt der Stadt Berlin. Letzterer gab einen Ueberblick über die bisherigen Ergebnisse der seit mehreren Moiiqlen an den Berliner Schulzahnkliniken gemachten O u e ck si l b e ru n t e r- suchungen, der Schulzahnärzte,-schwestern und Schultinder, die sowohl im Harn wie im Stuhl Quecksilber zeigten. Pro- fessor Stock(Berlin) gab seiner Befriedigung Ausdruck, daß seine tint sufeOUHlZICARRE\m Ijatr« ist.— Öit vormhm Qtdicgtne fhisflatfung macHt«it aum®efbhenfc.ürfih«j. st»ign*f LÄNZ» Rlakat führan,a>aa SU Juchtcw« JLhtta Jit au/ tSW2hliich. straßr 57) gehören, werden zu einer Bersammlung am Freitag, de» lK. Dezember, 30 Ahr, tn da« üalal von Mari. Aeue Bahnhofstr. 28. eingeladen. Tagesordnung: Ausstellung der Kandidaten zur General« versammlmig der iiovsumzenossenschast. Erscheine» ist Pflicht! Aus der Partei. Kommunalpolitische Neuerscheinungen. Das neueste Heit der komnmnalpolitischen Zeitschrift„D> c Gemeinde"(Nr. 24) bringt neben zahlreichen Mitteilungen und Anregungen für sozialistische Arbest in Stadt und Land einige beachtenswerte größere Artikel. Außer der Betrachtung der Schacht- Red« seien hier genannt„Die Deranlagung der Real- st c u e r n" von Stadtkämmerer Bruno Aich, Frankjurt o. M.; „Die kommunalen B e e r d i g u n g s i n st i t u t e" von Amts- Vertreter Schimmel-Derne. Stadtobersekretär Braune schreibt über die lilniicgerbciträge und Snidienrat Dr. Wille über die„Höheren Schulen Berlins". Oberbürgermeister Klimpel-Freital i. Sa. schildert in einem Reisebericht seine Eindrücke über„Jugoslooische Kommunalpolitik".„Die Gemeinde" erscheint vlerzehntogig beim Verlag I. H. W. Dietz Rochs., Berlin SW68, Lindenstr. 3 und ist zum Preise von monallich 90 Pf. durch alle Postonftalten und Buch- Handlungen zu beziehen. Die Kulturpflege in den Gemeinde«. Der Vorlag I. H. W. Dietz Rochs. hat das ausgezeichnete Referat des Stadtverordnete» K. Beyer, das aus der 2. Reichskonierenz für Kommunalpolitik in Magdeburg geHallen wurde, als Broschüre für 30 Pf. herausgegeben. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag, Berlin SW 68. Üindenftr. 3. Kommunale Wohnungswirtschaft« nd Woh- nungstultur. Di« auf der 2. Reichsronferenz für Kommunalpolitik in Magdeburg gehaltenen Referate de» Stadtrats Wutzki- Berlin und des Landtagsabgeordneten Meyer-Soltngen sind beim Derlag I. H. W. Dietz Rachf. als Broschüre zum Preis« von 40 Pf. erschienen.___ Di« jüdischen Sozialist«« polen, sind in den.Bund" und die „Poale-Zion" gespalten, letzter« wieder w eine Rechte und Linke. AU« lehnen die Beteiligung am Minderheitenblock ab; ihr Wahlbünd- nis miteinander würde ihnen voraussichtlich einige Mandate ver- schaffe»! bisher hatten sie nicht eins. Leon Fouruemout. fest Anfang der neunziger Jahr« Dar- lämpfer der Freidenterbewegung und Abgeordneter der belgischen Arbeiterpartei, ist in Brüstet. 6« Jahr« alt. gestorben. Sport. Kampfabend des Polizei-Gporwereius. Seinen letzten Kompfabend in diesem Jahr wickelte de? Polizei-Sportverein im„ftriegervereinshous" in der Ehauiseestroße ab. Der Besuch war schwach: die durchweg guten Leistungen der Borer hätten ein volles Haus verdient.— C a m p e l (PSB.) gegen P o b st e i n(Teut.1. V ö g l e r(Union) gegen Reichert(PSB.) trennten sich unentschieden Auch im Wellergewicht brachte es Anders(Pol. Schule Brdbg.) gegen Schwarz schulz(AEG.) nur zu einem Unentschieden. Durch genauen Trefser log A. etwas nor, doch reichte es nicht zu einem Punktsiege. Einen flotten, aber auch harten Kamps gab es im Mittelgewicht zwischen Thörey(Pol. Schule Brdbg.) und Frank(Ost): Schlagwechsel bis zur letzten Äampfesphaje. Di« Punktrichter gaben den Sieg an Tbvrey. Einen recht knappen Punktsieg errang Korduan(Teut.) im Mitteloewicht über den talentierten Dräbing(PSB.). In der drillen Runde drückte K. seinen Gegner in äußerst unfairer Weise aus dem Ring, so daß Dräbing rücklings auf den Saalboden stürzte. D. hielt sich dann trotz mehrerer Niederschläge bis zum Schluß recht tapfer. Im Halbschwergewicht schlug H o f f m a n n(Ost) den Poll- zisten Heide nach Punkten. Heid«, der über einen enormen Schlag verfügt, ist viel zn wenig Taktiker, als daß er seinem Gegner auch nur einmal hätte gefährlich werden können. Im Zwesten Halbschwer- gewicht skampf trennten sich Ansorg(PSA.) und Klein(Hon- nover) nach drei spannenden Runden unentschieden. Schließlich konnte Daniel(PSB.) über den guten Lücke(Hannover) im Schwergewicht knapp, aber verdient, nach Punkten gewinnen. Wetterbericht»er«ffe-kliche» WettrrdienfMrlle SerN- an» llmgrgrnd (Kachdr. oub.) Meist wolkig mit nur unerheblichen Schneefällen und weiter zunehmendem Frost— ZSr veutichlan»: 9.ut noch im Süden und Südosten geringe Hchneesülle. überall Tempctaiurabnahme. Der«l«etr»l«.»rlch«»l.»t>» ist«ine sehr«i degrilhend« Einrichtung tttr oUe. die ohne Zeitverlust ein Weihnachtsgeschenk auswählen wollen, von dem fiä sicher sind, dag e» dem Emosänaer IZeeud« machen wird, weil er nach eigene» lbeichmack feine Wünsche defried gen kann. Der«eschenk-Bon, dessen Geldwert dcrn Wunsche des Spenders entsprechend ausgestellt wird, ermSglich, dem Entp. känger die Auswahl der Electrola-Fabrikoie ganz nach eigener Dahl. Der dauernd rege Besuch der großen EIcetr-la.Au-.stellung in der Leipziger Str. 23 und am Kursürstendamm Sä beweist die Belicdthelt der Eleetral«. Fabrikate. Die richtige Behandlung der Verdannngsbeschwerden besteht in der Ueberwindung der Ursackic des Leidens— de» Säureüberschusses— durch den die empfindliche innere Magenwand an- gegriffen und schmerzlose, normale Verdauung behindert wird. Es gibt zu diesem Zweck nichts besseres, als die Anwendung von einem halben Teelöffel voll Biserirtc Magnesia, durch welche die Säure unschädlich gemocht wird, die Schmerzen und Beschwerden beseitigt werden, die Entzündung der Gewebe gemildert und der Magen in- stand gesetzt jvird, in schmerzloser, normaler Weise zu ftinktionieren. Probieren Sie es einmal! Beobachten Sie, wie der Schmelz verschwindet— als ob er weggezaubert wäre! Kaufen Sie noch heute Biserirte Magnesia von Ihrem Apotheker. Wichtig! hüten Sie sich vor Nachahmungen und bestehen 51« dnrani, nnr die echte Biserirte Magnesia zu erhalten, die den Namen vismag Ltd. London trägt. ;:s6 ''V.läu Praktisches Mnachlssesclienii Aachener Anzugsteffe i y Mk. I fea Aachener RoscnstoHe j Meter Mk Baer Sohn a.-o. ChausseaslraQe 29 30 Nichts von Bedeutung: Zwei Herren gerieten in einen lebhaften Meinungsaustausch, und einen Augenblick sah die Situation bedenklich aus.... Wenn nicht der Gast am Nebentisch die erhitzten Gemüter besänftigt hätte. Mit freundlichen Worten, mit Massary-Privat. Interessant zu beobachten, wie bedeutsan\ in solchen Situationen eine gute Zigarette ist, wie sie die Gedanken klärt und eine Atmosphäre der Verträglichkeit schafft. JtaMary-Privat 4-$ ohne Mundstück.- und mii Goldmundstück. amvwfMm AngssteMenverflchenmgsgesch. Gesetzentwurf zur Aenderung. 2llle Parteien des Reichstag» haben«inen Gesetzentwurf zur Llenderung des Angestelltenversicherungsgesetzes eingebracht, wonach für die freiwillige Leitragsentrichtung die Bei- tragsklasfenL, Ü. 1 undli gebildet werden. Der freiwillige Monatsbeitrag beträgt in der Beitragsklasse L 2 5 M.. i n H 3 0 M., in J 40 M. und i n X 60 B!. Das Gesetz, das der Reichstag in seiner Mittwochsttzung bereits verabschieoet Hot, tritt am 1. April 1928 in Kraft._ Oie Ortslohnzulagen der Eisenbahner. bei der Reichsbahn sollen bis Sonntag abgeschlossen werden. Bis jetzt wurde über zwölf Bezirke verhandell: verschiedene grotze Bezirke, wie Hamburg und Berlin sind zurück. gestellt worden. Die Zugeständnisse der Reichsbahn- Aauptoerwastung sind bis jetzt sehr mager. Ein Gesamturteil über die Regelung der Ortslohnzulogen läßt sich erst nach Abschluß der Verhandlungen fällen. Die Verhandlungen über die Gewährung einer Weih. n a ch t s b e i h i l f e für das gesamte Eisenbahnpersonal sind e r< g« b n i s l o s oerlaufen. Die Hauptverwaltung hat zunächst eine solche Beihilfe abgelehnt, sich aber bereiterklärt, erneut darüber zu verhandeln, wenn das Reich den Reichs. arbcitern ein« Weihnochtsbeihilfe gewährt. Die Forderung auf Bewilligung einer Weihnachtsbeihilfe ist von den Organisationen vor allem deshalb gestellt worden, weil die Reichsbahn-Gesellsibast eine generelle Lohnerhöhung abgelehnt hat. Die Reichsbahnhauptoerwaltung versteckt sich hinter dem Reichsfinanzmini st ertum. Zur Ab- wechslung hat man die Rollen vertauscht. Bei der Frage der generellen Lohnerhöhung hat sich das Reichssinan.zministerium hinter der Reichsbahn-Gesellschoft verschanzt. So sucht einer Deckung hinter dem anderen, und der Endeffekt ist. daß die Ar» beiter die Geprellten sind. (5!n Kommunlstenstretch. Gegen den Textilarbeiter-Verbond. Vergeblich kämpfen die Moskauandeter um die Eroberung der Ortsverwaltung. Es naht wieder die Zeit der Neuwahl, und weil die alberne und oft pöbelhaft«„Opposition' in den Dersamm- lungen nur Lächerlichkeit erntete, sucht sie schärfere Mittel onzu» wenden. Man hetzte mit lügenhaften Bersprechungen die u n o r- ganisierte Arbeiterschaft von Gebauer in«>nen wilden Streik, der schon bei seinem Beginn als völlig erfolglos bezeichnet werden mußte, well er mit seiner Spitze gegen den Textil- arbeiterverband gerichtet war. um die Ortsverwaltung durch»ine kommunistisch« Leitung zu oerdrängen. Hier eine kurze Schilderung de» Streikoerlaufs: Der Betriebsrat hatte von der Firma eine allgemein« Erhöhung der Stundenlöhne um lv Pf. gefordert. Es sollte in Gegenwart der Vertretungen des Textilarbeiterverbandes und des Vertehrsbundes mit der Firma oerhandelt worden. Kurz vor Beginn der Verhandlung verließ die Arbelterichaft ihre Ar- beitsplätze und versammelte sich aus dem Fabrikhof, um nach kommunistischer Weisheit die Verhandlung für sich günstiger zu ge» stalten. Die Firma aber lehnt« es ab. unter diesem Druck zu oer> handeln und verlangte Wiederaufnahme der Arbeit, eh« sie über eine Lohnerhöhung oder Teuerungszulage verhandeln wollte. Weil der Betriebsrat den anwesenden Gewerkschastsver- tretern von der geplanten Arbeitsniederlegung nichtsmilgeteilt hatte, erklärten diese ein solch unehrliches Vorgehen nicht mitzu» machen, lehnten jede Verantwortung ab und machten auf die ver- verblichen Folgen aufmerksam. Aber der kommunistisch« Unsixin hatte das Denkvermögen der Arbeiter so verwirrt, daß alle guten Ratschläge nicht beachtet wurden. FünfWochenlang mußte dir irregeführte Arbeiterschaft die 'chweren Opfer eines nicht von der Gewerkschaft geleiteten Streiks ertragen, um das zu erreichen, was vorher schon möglich war: Lohnoerhandlung nach Aufnahmt der Arbeit. Jetzt trat sogar« ineDersch.lechterung ein. denn 32 Opsei bleiben jetzt vor Weihnachten auf der Streck«, und das nennt die Kommu. nistiiche Partei einen„T e i l« r s o l g'. MV SLg«»»«öSchwfndef«i«««vrve die Arbeverschast indenStreikgetrieben und mitBeschimpsungender Gewerkschaften die Niederlage beendet. Ein echt kommu» nistischer Bubenstreich! Die organisierte Tertilarbeiterschaft wendet sich mit Ekel von solchem ardeiterseindlichen Treiben ab und wird nach wie vor die Führung ihrer Lohnkämpf« ihrem ihr lieb und wert gewordenem Textilarbeiterverband übertragen und nicht den kommunistischen Gewerkschafts, zerstörern. Hoffentlich wird auch die Gebauersche Arbeiterschaft durch diesen Schaden klug._ Tarifabschluß für die Sprihgußarbeiter. Seit längerer Zeit bestand für die Arbeiter in den Berliner Spritzgußsabriken kein Lohntarif mehr. Noch längeren Beihaich. lungen ist es dem Deutschen Metallarbelteroerband gelungen, wie» der einen Lohntaris für dies« Branche abzuschließen. Dos neue Lohnabkommen, da» mit 14tägiger Frist zum Ende eines jeden Monats, erstnmlig sedoch zum 81. März 1928 kündbar ist. sieht ab 28. November folgend« Mindest st undenlöhne vor: Für Formbauer 1,30 M., für Dreher. Hobler, Fräser. Schlei- f«r, Einrichter, Maschinenbauer, Schmelzer und Spritzer 1,20 M.. für Hilfsarbeiter 76 Pf. und für Arbeiterinnen über 21 Jahre 52 Pf. Jugendliche werden nach dem Tarif des Verbandes Berliner Metallindustrieller bezahlt. Spntzer erhalten den Lohn von 1.20 M. jedoch nur, wenn sie mit Spritzen beschäftigt sind. Während der ersten vier Wochen der Anlerrxzeit erhall der Spritzer 96 Pf. Stun- denlohn. Wird der Spritzer zu Halfsarbeiten herangezogen, sr er. hall er 1 M. pro Stunde und wenn er aus die Fertigstelluno der Form warten muß, 90 Pf Zu diesen Mindestlöhnen können Leistungszulagen In unbeschränkter Hohe gezahlt werden. Alle Ar- beller, mit Ausnahme der Spritzer, Hilfsarbeiter, Arbeiterinnen und Jugendlichen, erhalten eine Zrulag« von 4 Pf. pro Stunde, auch wenn sie bereit» mehr als den Mindestlohn verdienten oder die Aufbesierung zu dem Mindestlohn weniger als 4 Pf. detrogen würde. Lohnzulagen, die sell dem 1. September d. I. gegeben worden sind, werden auf dies« neu« Zulage angerechnet. fä*Kon0sdi€Oper 8"| Neuartige« Revne'Stück I Alles Nackt 21 Nach d. elelchn. Paris. Revue I J.Tout nu"). 2Ö0 Mitw rkenda:{ I Original» Pariser Kostüme Parkett 3,50 Mk. | fheaterkaase ununterbr.gedffn. I Renaissance- Theater Steinplau 901.— Täglich 8 Uhr: Die Sdiule von Dznadi. No lendon /iuu. Drei(Original) fralellini and andere wcliberühmtc, zum ersten Maie in Berlin aai- trclende internationale Stars Sonnabends n. Sonntags |e 2 Vorslellnngeh' J30». 8 Uhr— 3 Ä tu ermäBIgtae Preiten da« ganze Programm. Töeater am Kottbusser Tor Koltbusser Strafte 6. Täglich i U- u. Sonntagnchm. 3 U ESite- Sänger Wundervolles Welhnachtaprogramm. 1 Voiksprtise von SO PI. blt 2Jki M. , Slgs u. I. u. 2. feierlag nehm. 3 U uronf. lomilten-VortteUnng Volles Programm— Kleine Preise. Reichshallen•Ihea.er 8 ehr, Sonntg. nachm. 3 Uhr, Stettiner Sänger Lebende Weihn.-Lieder nachm. halbe Preise, volle» Programm, (i*n»iolff*Dr«ti'lt Varfetd.Tarz, Carl Braum ErnstWaltcr HäflesAe Lehetvrurst 0.95 0.25 „ Blutwurst. 0.95 0.25 Berfloer Mettvurst.... Mettwurst, Braunsdtw. Art Sülzwurst L....... Cef. Schinken...... Ascfiinger Bierwurst. Einige Prelsbeii piclei I Pfd. Pfd. ___ i pn. Teewurst.., Bierwurst, Kutmbadier Art Mettwurst Wtstfäl. Art. Kalbsleberwurst.... Peine Leberwurst..... 2-20 0.55 Fleisdiwurst, Thür. Art,, 1.73 0.45 • 1 Paar 35 Pfennig Asch Inger Schinken wurst. 1 Paar 35 Pfennig Mete, wtc ade aaderea Wurst« and Plcisdiwarca find trotz blfflfzter Prztes vom vorxQflidzater QaalltSl. die dank den Nomen„Asdiinf er" verbargt wird. Verkaufsstellen bei Aschlngcn Sphtelmarkt— Dtznhoffpfatz— Leipziger Straße 85— Bahnhof FrledriAstrnße KSniggrätzer Str. 29/ 30— Blücherplatz 2— Alexanderplatz— Alexanders tr. 55 Rosenthal er Platz— Turrostr. 73— Oranienburger Tor— Potsdamer Str. 57/59 Midies Theater Norden 10334-�37 8 ü. Ende II U. Ccrottiea flngsrtnann v.Gerh. Hauptmann •flte: Max Reinhardt Kammerspiele Norden l033V*-37 8", Uhr: Ende nach 10 Uhr. Brons-Expreft Die Komödie Bismarck 24U, 7516 8'/« U, Ende KP/, U. Die Ehe von Welt Berüner Theater Direktion KuhneiL UlT.allni5lr.99 Sl.Msh.WC Täglich k Uhr Max Adalbert in«Knock-oai'4 Hans Brausewetter. CASINO-THEATER« uh, Lothringer Str. 37. zssi Klein Kleskersdoril Vssi Aosscfanciden: Gutschein 1—4 Pers. Fauicuil nur 1.10 Sessel nur 1�0 AV Piscatorbtilme lieat. t. ROiliniloilfilil) KuriOrsi 2091/93 Anl.\Ende nach n Rasputin, Ri; Rcuacain. der Krieg and das Volk, das gegen sie anisl-nd von Alexey folstoi und Schtschegolew inbc. Erwin Plscaior 'isrnsSsky-Sainiei fh. Könlteräli. St, Bergm, 2110. 8»/, Uhr Sdiloss WettersteiD von Wedekind Stgl« Vitt», Samwikr Kombdirohaus Norden 63fi«. 8.1 S— 10 40 Uhr Hokuspokus von Cun Götz Iheater des ü/estens Täglich 8'/. Uhr: Frasquita Operens von Lehär VamiTErsSnger im JaCow.iri. C., RnUMr. sdulmr, Kttil. Cvell Residenz-Ilieater Uhr DerSensatianserfiilg! SAUn seim wir aas 30 lustige Bilder mit Henry Bender Sonnabi u. Sonntag Wcilwadilsm/rdicn; LOgen mlmdien dazu: Zauberkünstler Bellachlel. Jedes Kind erhllt ein Geschenk Trianon-Th. Tägl. 8'/, Uhr. Gastspiel Zum letzten Male Kasperle-Tiieaier IrlMgrHUIIian Sil. Künstler- Th. 8>. Uhr Chicago oessing-rhener 8 Uh. Milntfürtunn« Planetarium am Zoo leriZoz. Jcaäimsthaler Strai Noll. 1578 Im Baicbe der Vorführungen 16'/,, 18, 10'/� 21 Uh. Elmrlti I M. Infolgt der mir neuerdingt auferlegten restlosen Durchführung dar Liquidation ttht ich mich gezwungen, den T otal-pLusver\auf endgültig Iis zum 24, Dezemler 1927 stattfinden zu lasten. 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Ist es nicht nützlicher, zur Linderung der„Not" der Hausbesitzer die Mieten zu steigern und die Hauszinssteuer abzubauen? Aber ganz vergessen hat der Herr Reichsarbeitsminister sein Versprechen doch nicht. Er legt jetzt dem Reichstag eine Denk- s ch r i s t über die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung vor. Sie ist über 200 Seiten stark. Wer aber in ihr das Wohnungsbau- Programm suchte, würde bitte enttäuscht werden. Er fmdet nur, ungeachtet des ministe! iellen Versprechens, die Mitteilung, daß kein Wohnungsbauprogramm aufgestellt werden soll. Denn es hsitzt in dieser Denkschrift wörtlich: „Da die Entwicklung der Konjunktur nicht zu übersehen ist, empfiehl: es sich nicht, langfristig« Baupro- gramme aufzustellen. Richtig ist, im allgenieinen ledig- lich festzusetzen, wieviel Wohnungen auch bei Beanspruchung von Kopital und Arbeitskräften durch die übrige Wirtschaft mit den bereitgestellten össentlichen Mitteln, deren Höhe für«inen be- stimmten Weltraum sich übersehen läßt, erreicht werden können und diejenigen rechtlichen und wirtschaftlichen Vorbereitungen zu trafen, die es ermöglichen, bei flüssigerem Kapitalmarkt und größerem Angebot auf dem Arbeitsmarkt durch die stärkere Heranziehung privaten Kopitals den Wohnungsbau auszudehnen." Wenn diese Ausführungen besagen sollten, daß man nicht Wohnungsbauprogramme für einzelne Jahre aufstellen sollte, so wären sie vortrefflich. Da sie im Gegenteil gerade gegen ein lang- kristiges Wohnungsbauprogramm gerichtet sind, sind sie u n s i n n i g. Innerhalb eines fünfjährigen Zeitraumes treten erfahrungsgemäß alle Phasen einer Konjunkturentwicklung auf. Fixiert man z. B. die Zahl der in 5 Iahren zu bauenden Wohnungen auf eine Mil- lion, so ist es vernünftig, im Jahre guter Konjunktur vielleicht nicht 200 M) Wohnungen, wie dem Jahresdurchschnitt entsprechen würde, sondern nur ISO 000 zu bauen, um im Jahre schlechter Konjunktur 260 000 Wohnungen zu errichten. Aber ein solches Mlndestbauprogramm für einen längeren Zeiiraum aufzustellen, ist durchaus vernünftig und sogar notwendig. wenn man durch den Neubau von Wohnungen der Wohnungsnot etnsthaft begegnen will. Die Ausführungen der Denkschrift geben dpm Reichsarbcitsminister keine Berechtigung, die Einlösung seines Versprechens zu verweigern. Heraus mit dem fünfjährigen Mindest- bouprvgramml*.. Aber weit wichtiger tds das fünfjährige Bauprogramm, das der Arbeitsminister bisher schuldig geblieben, ist ihm der Abbau oer Wohnungszwangswirtfchaft, dessen wichtig st e Voraus- setzung weitere Mietsteigerungen sind. Wörllich heißt es in seiner Denkschrift: „Es ist immer wieder die Frage auszuwerfen, ob nicht eine weitere Erhöhung der geschlichen Mieten nötig ist." Wenngleich er sie auf absehbare Zeit für unmöglich hält, hält er grundsätzlich an diesem Programm fest. Einen anderen Grund als feine Ablehnung einer staatlichen Regelung des M i e t w e s e n s führt er für feine Auffassung nicht an, und daran, daß in jedem Fall die Wiederkehr so unmöglicher Wohnungs- Verhältnisse, wie sie in der Vorkriegszeit bestanden, verhindert werden muß, denkt er anscheinend überhaupt nicht. Zeder rechtlich mögliche Mißbrauch der wlrtschafllichen Ueberlegcnheit des ver- mieters, wie er in der„sreieu" Wohnunoswirtschaft der Vorkriegszeit üblich war. ist ihm lieber als eine Wohnungsregelung, die den Mieter in seinem Wohnrechw schützt. Der„Abbau der Zwangs- Wirtschaft" scheint ihm die wichtigste Aufgabe der Wohnungspolilik zu sein, als stellte nicht die heutige vielgelästerte„Zwongswirt- schaft" auf dem Gebiete des Wohnungswesens in Wahrheit eine Befreiung des Mieters von der unerträglichen Zwangswirtschaft dar, die für ihn die rechtliche und wirt- schoftliche Ueberlegenheit des Vermieters in der Vor- kriegszeit bedeutete. Um den Abbau der Zwangswirtschaft zu beschleunigen, um den Hauswirt möglichst bald wieder zum Haustyranncn zu machen, muß hier wie immer, wenn für falsche politische Ziele Stimmung gemacht werden soll, die S t 0 t i st i k herlzallen. Trotz aller Gegen- beweise hält der Reichsarbeitsminifter daran fest, daß der in den vergangenen Kriegs- und Inflationsjahren nicht gedeckte Woh- nungsfehlbedarf mit nur 600 000 Wohnungen anzusetzen sei. Gleichzeitig gibt er aber seiner Denkschrift eine Statistik bei, die zu anderen Ergebnisse» führt. Der Reichsarbeitsminister selbit nimmt an, daß der normale jährliche Neubeoarf an Woh- nungen 200 000 beträgt. Hinzukommt nach den von ihm selbst an- geführten Vorkriegserfahrungen ein normaler Abgang an Woh- nungen durch Zlbbruch und andere Ursachen von 50 000 Wohnungen, so daß der normale jährliche Neubedarf 250 000 Wohnungen brutto beträgt Zu den 8 Zahren von 1919 bis 1926 hätten also insgesamt 2 Millionen neue Wohnungen erstellt werden müssen. Tatsächlich wurden aber nur 1.1—1,2 Millionen Wohnungen er- richtet Allein in diesen acht Nachkriegsjahren ist also ein Fehlbetrag von über 800 000 Wohnungen nach den eigenen Rechnungsgrundlagen des Herrn Reichsarbeitsminifters entstanden. Er ist in dieser Höhe nur darum nicht sichtbar geworden, weil eine. Fülle von Wohnungen, die in der Vorkriegszest längst abgerissen worden wären, bestehen geblieben find, deren Abbruch und Ersatz aber dringend notwendig wäre. Das weiß der Aeichsarbeitsmmister natürlich, aber er bezieht es nicht in feine Rechnung ein, um einen möglichst niedrigen Fehlbetrag an Wohnungen auszuweisen. Die Zahl der stylenden Wohnungen beträgt tatsächlich nicht 600 000, wie er den Reichstag glauben lassen will, sondern mindestens das Doppelte davon. Aber der Zweck, dec„Abbau der Zwangs- wirtschast", heiligt bekanntlich jedes Mittel, auch das der unrich- tigen Auslegung der statistischen Zahlen, die in diesem Fall klar und wirklich unwiderlegbar sind. Hinsichtlich der Bekämpfung der Wohnungsnot enthält diese Denkschrift, die sich mit ollen Kräften bemüht, jedes Programm für die Zukunft zu vermeiden, kaum irgendwelche Hinweife. An- gedeutet wird nur, daß man hoffe, durch Rationalisierung im Baugewerbe die Baukosten zu senken, eine Hoff- nung, zu deren Erfüllung bisher nicht allzu viel geschelzen ist. Außerdem wird mit Recht betont, daß grundsätzlich der Bau von Kleinwohnungen, die im Preise auch für die Masse der Bc- völkerung erschwinglich sei» sollen, zu fördern sei und daß bisher der Wohnungsneubau diesem Erfordernis keineswegs immer gc- recht wurde. Die Forderung aber, die in der Denkschrift daran ge- knüpft wird, ist unerträglich. Es heißt dort wörtlich: „Es werden die Ansprüche, die an eine neu« Wchnung zu stellen sind, gegenüber der Vorkriegszeit... um ein Maß ge- senkt werden müssen, das sich den gesteigerten Baukosten anpaßt." Wir glauben nicht, daß der Herr Reichsarbeitsminister diese Forderung ernsthaft vertreten will. Nach der Berliner Wohnungs- Zählung von 1910 gab es in dem kleineren Berlin rund 10 000 Wohnungen, die überhaupt kein heizbares Zimmer hatten. Nach den Ausführungen des Reichsarbeits- Ministers hätten wir die Zahl dieser Wohnungen, die im Winter überhaupt keinen Schutz gegen Kälte gewähren, um min- bestens 7000 zu vermehren. In Groß-Berlin hätten wir. die Zahl dieser Wohnungen wahrscheinlich auf mindestens 30 000 zu bringen. Damals gab es in Berlin rund 42 000 Wohnungen mit höchstens einem heizbaren Zimmer, die von 6 und mehr als 5(bis zu 13) Personen bewohnt wurden. In Groß-Berlin hätten wir also nach den Worten dieser Denkschrift dafür zu sorgen, daß etwa 80000 Familien in derartig skandalösen Wohnungen ihr Leben verbringen sollten. Wir hoffen, daß der Herr Reichsarbeitsminister den miserablen deutschen Wohnungsstandard nicht noch tiefer herab- drücken will, und nehmen vorerst an, daß die zitierten Ausfüh- rungen seiner Denkschrift nicht ernst gemeint sind. Wenn heute 40 Prozent der Berliner Bevölkerung in Wohnungen leben, die eine Trennung der Familien nach Alter und Ge- schlecht völlig ausschließen, so wird er doch kaum ernst- Haft beabsichtigen, nun wirklich entsprechend den gesteigerten Vau- kosten 70 Prozent der Berliner Bevölkerung in solchen Wohnungen zusammenzupferchen? Wenn dies das Ziel seiner Wohnungspolitik ist. so mag er es in dürren Worten in.seiner nächsten Reichstags- rede sogen Der Beifall oller Scharfmacher und Hausbesitzer ist ihm dann sicher. Wer solchen Zielen zustrebt, kann in der Tat den Abbau der Zwangswirtschaft sofort vornehmen. Die wohuungspolikifchen Ziele des Bürgerblocks haben in dieser Denkschrift ihren Ausdruck gesunden. Sie übertressen all das. was selbst die industriellen Spitzen- verbände je au reaktionären und unsozialen Forderungen aufgestellt haben. gci QÜngeftellte, 13 OOO OOO Qve tli werden täglich geraucht: ;|W55POO Leffererh gewährung an den Großgrundbesitz ganz planmäßig getäuscht hat. In der bekannten Presfebesprechung wurde gesogt, daß von den gesamten landwirtschaftlichen Krediten nach Abzug der 93 Millionen Mark Rentenbankwechsel und der 78 Millionen Mark Düngerkredit«, rund 700 Millionen Mark— noch keine 100 Millionen Mark an den Großgrundbesitz gegeben seien. D i e s« Z a h l bezieht sich aber nicht auf die„gesamten" 700 Millionen Mark, sondern nur aus den Teilbetrag von 20ä Milsionen Mark(die sogenannten Kundenwcchsek). Von diesen allein sind schon, wie sich setzt herausstellt, mehr als 100 Millionen Mark, d. h. mehr als die ch ä l f t e, an die ostelbifchen Groß- agrarier gegeben worden. Wieviel aber van den übrigen 690 Millionen Mark an Landwirtschostskredite dem Großgrund- �sitz zugeflossen sind— darüber schweigt s i ch die Preußen- kasse gründlichst aus. Rur über die M4 Millionen Mark an Kundenwechseln wenden jetzt genaue Anoaben oerösfeutlicht, und da zeigt sich, daß 90 Millionen Mark(in Cinzelposten mit jeweils über 20 000 Mark) an noch nicht einmal 2000 Großagrarier gegeben sind, daß weitere 6900 Großagrarier und größere Betriebe(mit Krediten zwischen S000 und 20 000 M.) 56 Millionen Mark erhalten hoben, und daß die k l o i n- bäuerlich« Kundschaft, zu der sicherlich auch viele mittel- bäuerltcke Betrieb« zählen, mit Krediten, die im Einzelfalle UnterS OOOMark liefen, zusammen 70 000 Kreditnehmer! erst 68 Millionen M a r k»rbakten hat. Zu den 100 bis 190 Millionen Mark, die allein au» dem Posten -Äundenwschsel" in die chänd« des Großgrundbesitzes gegeben war- den sind, treten sicherlich mindestens noch einmal soviel Millionen als Anteil der Großagrarier, die in den übrigen Krediten<690 Millionen Mark) enthalten sind. Soviel ist über die Höhe der Großagrarierkrcdite zu sagen» »Sfrend über ihre Güte auch jetzt nach den Ausführungen des Minibers, noch aar nicht« bekannt ist. Die Tatsach«, daß von 80 Millionen Mark Kontokf rentkrediten kalt 60 Millionen Mark ileberziehunaskredit sind, also als überfällig angesehen werden müssen, wirst ein grelles Schlaglicht auch aufwiese Frage. Eines ist sicher: So wie bisher können die Verhälinisis in der Preußenbont nicht weitergehen. Da» Direktorium hat wie wir hören, wird die siafsee-Hag, Bremen, ihr« Kafsee-Hag- Skubc am kurfürflendomm 26a Witte d. M. schließen. Die Räume gehen in ander« Hände über. Di« Kafsee-Hag glaubt«, dos Cafe auf- geben zu können, nachdem heut« in jedem guten Eos«, Konditoreien und anderen Gaststätten der coffelnfrei« Kafsee-Hag geführt wird. Auch haben die geschäftssreundlchaftlichen Beziehungen, welche die Kafsee-Hag zu den Goststättenbesitzecn unterhält, in gewisser Weise dazu beigetragen. keine Uebtzrsicht mehr über die Berluftgefahren, die in den Krediten enthalten sind, und es hat keine finanzielle Möglichkeit mehr, helfend einzugreifen, wenn einmal die Lawine der Pleiten ins Rutschen kommen sollte. Deshalb muh, wie wir immer wieder betont haben, gerade im Interesse eines gesunden landwirtschaftlichen Genossen- schaftswesens und einer vernünftigen agrarischen Kreditpolitik, mit dem bisherigen Kurs in der Preußenkasse Schluß gemacht werden. Der Güterverkehr der Reichsbahn. In der Woche zum 3. Dezember ist die orbeitstöglichc Stellung von Güterwogen bei der Reichsbahn wieder etwas in die Höhe gegangen. Sie ist von 161200 auf 164 200 gestiegen, nachdem die vorhergehenden Wochen jene großen Schwankungen gebracht hatten� über die wir schon berichtet haben. Tabellarisch« Uebe-rsicht seit September(in 1000 Stück) Woche wöchentlich 1927 1926 1927 1926 25. 9.— 1. 10. 960,0 899,3 160,0 143,2 2. 10.— 8. 10. 962,8 880,3 160,5 146,7 9.10.— 15. 10. 1007,8 901,9 168,0 150,3 16. 10— 22. 10. 998,5 931,4 166,4 155,2 23. 10.— 29. 10. 1034,9 950,0 172,5 158,3 30. 10.— 5. 11. 970,8 900,3 1613 150,0 6,11—12.11. 997,4 943,2 166,2 157,2 13. 11—19.11. 889,5 848,4 177,9 169,7 20. 11—26. 11. 967,5 939,5 161,2 156,6 27. 11— 3. 12. 9853 907,2 164,2 1513 Der Vergleich mit den entsprechenden Vorwochen läßt deutlich erkennen, daß die Derkehrsstärle bei der Reichsbahn noch immer erheblich über dem Vorjahrsniveau liegti In den Wochen zum Dezember hin zeigte sich im vorigen Jahr aber nach dem Höhepunkt Mitte November ein starkes und ununter. brochencs Absinken, während In diesem Jahre die erste Dezember- wache sofort wieder eine gewiss« Steigerung brachte. Das Ab- sinken im Vorjahr dürft« sich aber wesentlich au? dem schnell ver- ringerten Kohlcnversand nach Abbruch des englischen Streiks er- klaren._ Offener Konkurrenzkampf öer Sparkassen. Sie Verständigung mit den Banken zu Ende.— Bedeut- same Erklärungen des Präsidenten Dr. Kleiner. Der Deutsch« Sporlossen- und Girooerband hat durch pro- grammatisch« Erklärungen seines Präsidenten Dr. Kleiner gestern unter die bisherigen Derständigungsverhe.ndlungen mit den privaten Danken jene» Strich gezogen, der nach dem offenen Uebergang der Berliner Groß- und der Privatbanken zur Kon- kurrenz im Sparkassengeschäst unvermeidlich war. Die wahlüberlegte Progrommrede des Führers der Spar- kassenbewegung reihte zunächst die Gründe aneinander, aus denen die heutige Tätigkeit der Sparkassen wieder als n o r m a l zu bezeichnen ist und aus denen das brüste Vorgehen der Privat- bauten gegen die Sportassen unberechtigt erscheint. Stetig« rasche Zunahme des Hypothekar besitze?, starker Rückgang des Anteils der kurzfristigen Kredite, wachsend« B-deutung des Kam- munaltredtts. Abbau der aus den ersten Stasilisierungs- johren stammenden G r o ß t r»d it« an die bewußte Förderung de« Kl e in t r ed it»,— mit diesen Stichworten wurde die Wieder- anpassung des Spartossengeschäfts an seine natürlichen und gesetz- lichen Zwecke deutlich umrissen. Die besondere Leistung der Sparkassen im Rahmen der gegenwärtigen drängenden volkS» wirtschaftlichen Bedürfnjss« wurde unterstrichen durch den Hinweis auf die rund 530 Millionen, die die deutschen Spar» lassen 1927 für die Finanzierung de» Kleinwohnung». Hoves aufgebracht haben, durch die erhcblick« Beteiligung der Sparkassen bei der Umschuldung kurzfristiger Kredit« der Landwirtschaft in langfristige Hypotheken gemeinsam mit den land- lichen Kreditgenossenschaften. Den programmatischen Willen, in d«n Sparkassengeschästen«ine bestimmte Grenze einzuhalten, umriß Dr. Kleiner dahin, daß sich in den tatsächlich durchgeführt«!» Kredit- gcichästen für 89 Proz. oller Kreditposten Höchstbeträge bis zu 5000 M. ergeben und daß mit der Tätigkeit für den Mittelstand eine Grenze gegenüber dem Bantgesckiäft gekennzeichnet werden soll, die sich vom eigeirtlichen Bankgeschäft noch relativ deutlich unterscheide». Nach dieser wirkungsvollen, sachlichen Feststellung der volkswirtschaftlichen Posttwn und Funktion der Sparkassen z«r- schnitt Dr. Kleiner das Tischtuch zwischen den Spar- lassen und den Banken Daß alle Verstörchigung, Verhandlungen mit den Banken jetzt zu Ende sind, kann man aus der Erllärun. entnehmen, daß eine Arbeitsteilung im engen Wortsinn p r a k t i' nicht möglich sei. Di« Derständigungsverhandlungen seien nicht unizutz gewesen, weil ohne sie in der Oefsenllichtelt der Eindruck entstanden vir«, daß nicht all« Möglichkeiten der �Verständigung ausgeschöpft sind. Damit wird auch von den Sparkassen der von den Privatbanken begonnene Kampfzustand bestätigt. Daß nach Lage der Dinge nur noch ein korrektes Nebeneinanderarbeiten und ein loyaler und gesunder Wettbewerb möglich und wünschenswert sei,— diese Formulierung des Sparkossen- und Giroverbandes umschreibt nur noch die Form, in der der valks- wirtschaftlich sicher nur nützlich« Konkurrenzkampf auf den de- stritten«» Gebieten geführt werden wird. -lOO-Millionen-Oollar-AnleiheSer�eichsbahn Es wird genieldet, daß die Deutsche Reichsbahn-Gosellschaft mit amerikanichen Banken übet die Beschaffung eines Dollarkredits über 400 Millionen Mark verhandelt. Diese Meldung ist erfreu» l i ch. Di« Bemühungen der Reichsbahn entsprechen unseren For- derungen, den Auslandskredit zur Durchführung ihres Baupro» granuns, das nach einer kürzlich«» Mitteilung aus dem Perwal» tungsrat für 1928 gedrosselt werden sollte, auszunützen. Die Ge- fahr der Drosselung der Reichsbahnausträge für die Entwicklung der Konjunktur liegt auf der Hand, ebenso der Nutzen Ihrer Durär- sührung. Man muß sich aber wundern, daß die Reichsbahn- Gesellschaft zuerst ihren Willen zur Einschränkung ihrer Aufträge erklärt hat. So ist man leider, so begrüßenswert die jetzigen An- leihebentühungen sind,.zu der Zlnnohm« genötigt, daß es nicht nur sachliche Erwägungen waren, die die schwankende Politik der Reichsbahn veranlaßt haben. Kohtenfiaub« gegen Oelfeuerung. Veue Heizverfohren für Ozeandampfer. Der Kampf zwischen der Motor- und der Dampfschiffahrt hat nach aus Amerika kommenden Nochrichten jetzt eine Wendung er- fahren, die den Siegeszug des Motors als Antriebskraft in der Ueberseeschiffahrt vermutlich beträchtlich verlangsamen wird. Nach mehrjährigen Versuchen ist e» nämlich den Amerika- nern kürzlich gelungen, die Kohlen st aubfeuerung unter Verwendung der vorhandenen normalen Zylin- d e r k e s s« l— ein Problem, an bellen Berwirklichung für die Schisfahrt schon seit langem gearbeitet wurde— in die Praxi? umzusetzen. Während bisher auf den Ozeandampfern neben dem Oel durchweg nur best« Kohle verwendet werden tonnt«, ist setzt die Möglichkeit gegeben, die Schissstessel auch mit minderwertigem Kohlenmaterial.zu heizen, und zwar so zu hei.zen, daß die Der- brennung jeder Kohle fast vollständig, d. h. unter Zurücklassung geringster Mengen Flugasche, durchgeführt werden kann. Die Versuche sind aus einem mittelgroßen amerikanischen Frachtdampser vorgenommen worden, und man hat dabei mit dein neuen Versahren«ine Derdompfungsleistung erreicht, die unter in- tensivster Ausnutzung des Brennstofses die normale Leistung der Kessel aus fast da» Zweieinhalbsach« erhöht hat. Außer der Derwendungsmöglichkeit des billigeren Brennmaterials bei Erhöhung der Kesselleistungen kommen als weitere Vorteile in Betracht die durch die aus maschinellein Wege erfolgende Zerkleinerung der Ä'ohle bewirkte Ersparnis an Personal für die Bedienung der Kesselanlog«, sowie die Hereinnähme eines geringeren Kohlenvorrats bei Antritt der Reise, wodurch Raum für andere bezahlt« Ladung frei wird. Gegenüber der bisher auf dem Bersuchsfchiff üblich gewesene» Oelfeuerung hat man allein aus diesem einen Dampfer eine Er» sporn is von mehr als 10000 Dollar jährlich errech- net. Das ergibt, auf die gesamte Weltschiffahrt umgerechnet, natür- lich ein« exorvitant hohe Summ«, und es ist hoher nicht weiter ver- wunderlich, daß die Reedereien der neuen Feuerungsart. die ihnen wieder eine lukrativere Ausnutzung ihre» Dampffchiffparke» neben den Moiarschisfen gestattet, ein gewattiges Interesse entgegen- bringen. Ga. ILI�TAHUINfi Kleinste Anzahlung, Wodienratcn von 1 1« an Herren- u. Darncn-BeKleldang Herren- nnd Damen-Pelze Teppiche» Lanier» Gardinen stcppdedteii» Tixbwaidie* BcUwasdic ..PAra" KotlbDsserDammTd' "■ rar Kali» Laden"W» atsers res im Qeschenkbeufei Mk. 5.60 580 900 920 9.90 9. LSL m 0/ IN MARKEN< zucker ausgeschlossen) AUF JHREN EIN KAUF VtniANäEN SIE IN UNSEREN FILIALEN elN SMÜBUCH A R's KAFFEEGESCHfiFT UBER 10 0 0 FILIALEN Umtausch nach dem Fest gern gestatiet. lackbesatz- Kinder- Stiefel mit graa beig« und Inupe Oiemau- CtauStMn. 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Für die au richtige Teilnahme an- lagiich ber Tranerieier für unseren Ucbsn Berltarbenen Fritz Koboldt sagen dic allen BeleMgien. tnsbr- wnb-re den Herren Rebnenr. unseren herzlichsten Dant Emilie«odoldt, geb. Laos nebit Slnbmt I»b Snlelfinbcm LJUERSENS ALEXANDER PLATZ Es ist nea trschiensn t KSnderland 1928 Ein proleurisches Jztirbjeti für die Buben und Midels des arbeitenden Volkes. An dem Kalender haben auch dieses Mal die Kinder selbst nichtig mitgearbeitet Das .Kinderland" kostet Maik 1.50 Zu haben in allen„Verwgrts''- Abaabeetellen und Parteibuchhandlungen oder direkt von dar ,.WorwSrt»"-Buchdruckorel und Verlageanstalt, Berlin BW 60 UndenatreBe 3 AI. red Strecker Stralauer 5tr 31, am Molkeamarki OröBt« Auswahl in nur bekanntesten Marken, sowie Welhnachtsartikeln usw. lOr Wlederverkiuler, Kinos, Theater, Restaurants, Kantinen, Vereine usw. 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Beilage des Vorwärts Ireitag. 46. Dezember 1921 Das Unrecht an den Kriegsopfern. Sozialdemokratischer Protest im Reichstag.- Der Rechtsblock uneinig. Auf ber Tozesordnung des gestrigen Reichstags stand die Zweite Beratung der Novelle zum Reichsverforgungsgefetz "nd anderer Berforgungsgesetze. Ueber die Ausschuß- �Handlungen berichtet Abg. Wülfer(Dnat.). Die Renten der �'egsbefchädigten und der Äriegerhinterbliebenen sollen der Be« ��tenbesoldung entsprechend erhöht und dos Heilverfohren Ösrbessert werden Die dadurch entstehenden Mehrkosten hat die Re- Gerung auf 19 Durchschnitt nur eine Zahresrente von 395 Mark vorgesehen. 'Lebhaftss hört, hörtl ünks.) Die Durchschuittsrevtc der Zluterbliebeueu beträgt einschließlich der Zujaßrenle rund 'öü Mark jährlich, die Durchschnittspenflon der Offiziers. h>nte«lbll«oenen dagegen 2515 Mark.(HSrt. hö.t!) Die Behandlung der Hinterbliebenen steht zu dem§ 87 des Perforgungsgesetzes in Widerspruch, denn die Erhöhung der Hinterbliebenenrente entspricht nicht entfernt der Desserslellung der vergleichbaren Gruppen der neuen Deamtenbesoldung. Der gare Wvrtlaitt dieses Paragraphen wird durch die Umgestaltung öes Begriffs der Vollrente umgangen. Es ist behauptet worden, daß '■'e holzen Bezüge der Witwen in ihrer Umgebung Aergcrnis 1* regt hätten. Hat man je etwa davon gehört, daß die hohen bansionen der O f f i z' e r e und ihrer Hinterbliebenen solches Aerger- »>s erregt hätten? Eine solche Vehandlung der Kriegerwitwen muß tiefe Erbitterung hervorrufen. Wn halten die einheitlich e Rente sür� dos Zweckmäßigste und wünschen den Einbau der uusaßrenie». Ärisg'erfräuen aller StLndL fuhrM' über die r i g o r o s e Durchs ü hr U n g der Bestimmungen lebhast Klage. Durch »SN Entzug der Zusätzrcnit taiM man die Arbeitsfreude nicht heben. �Un zu der Frage der hellbehaudluag der hiuterbliebeaen. zius diesem Gebiet ist unbedingt eine Besserung und eine Vere'.nheit. notwendig. Sie muß auch eine v o r b e u g e n ö e G c s u n o» ö-itsfürsorge enthalten. Unter der Verschiedenheit der Em- Achtungen in der Frage der Heilbelzairdlung hoben am meilten die Hinterbliebenen aus dem Lande zu leiden. Bedauerlich 'st. daß die Regierung den seit langein gewünschten Uebcrblick über »en Stand der Heilversorgung noch nicht gegeben hat. Prüfung »er Bedürftigkeit muß verbitternd wirken. Diese sortdauernden Prüfungen gehen schon seit dem Tage, an dem der Ernährer Rrn Krieqsdieirst eingezogen worden ist. Es ist ein ganz unwürdiger Zustand daß die Hrilbehaudlung der hinterbliebeneo unter Vormund. schaff gestellt wird. Sehr viel könnten die Frauen für die Vcr- �sserung der Versorgung leisten. Wenn nur die Frauen'vollen. ?ann ist chr Einfluß nicht gering. Erst gestern haben wir erlebt, daß drei weibliche Mitglieder der R egicrungspar- t«Un beinahe die Regierungskoalttion gesprengt dätten Und warum? Weil die eine dem sozialen Gedanken mehr Geltung verschaffen wollte. Die unsoziale vehondluug der Krieger- h'nierbllebeuen sollte der gesamten Frauenwelt Veranlassung sein. i'ch mehr als bisher um soziale und wirtschaftliche Dinge zu kümmern. tlur dann werden. die Frauen sich in der Gesetzgebung durchsetzen. töebhastcr Beifall bei den Soz.) AKq. Dr. Krahne(Z.) fuhrt aus. daß die Erfüllung weiter- Gehender berechtigter Wünsche durch die ungünstige Finanzlage un- Möglich gemacht worden sei. Abg. Hülser(Dnat.) behauptet, man werde auf absehbar« Zeii immer vor einer unlösbaren Aufgabe stehen, wie die große Zahl der Kl-iegsdeschädigten und Kriegerhinterdliebenen bei der ungchueren finanziellen Belastung Deutschlands versorgt werde» könne. Die Novelle biete zu einer Agitation gegen die Regierungsparteien keinen Anlaß. Abg. Thiel(D. Vp.) hält eine schemattsch? Gleichstellung der Bersargungeberechtigten mit den Sozialrentnern für unmöglich. Bei der großen Zahl der Kiiegsopser könne man nicht alle Wünsche erfüllen. Reichsarbeitsminister Brauns: Ich habe starke Bedenken gegen die Einführung von Sterbegelder für die Kriegerhintärbliebenen. Eis Rechts- anspruch dieser Art bestehe bisher weder in der Sozialversicherung noch in der Beamtenbesoldung. Die Einführung des Sterbegeldes beim Bersorgirngswessn würde aber.zu ähnlichen Forderungen auf anderen Gebieten sühren. zumal heute schon einig« Beamten. oerbände solche Ansprüche angemeldet hätten. Das Sterbegeld würde auch Personen zugute kommen, die in keinen näheren Be- ziehungen zu dem Krieg-gesallenen gestanden hätten. Er bitte dringend, diesen Beschluß des Ausschusses abzu- lehnen.(Hört, hört! bei der Opposition.) Abg. Sparer(Dem.) begründet einen Antrag, wonach' den Kriegerhinterdliebenen die Heilbehandlung obligatorisch gewährt werden soll. Er verlangt die Ausrechterholtting des vom Ausschuß beschlossenen Sterbegeldes. Abg. Weber. Düsseldorf(Komm.) führt rnis, wenn man Geld habe für die entthronten Fürsten, sür die Ruhrindustriellen, für überflüssige Rüstungen und sür die übcrhoch bezahlten hohen Be- amten, dann sollte auch Geld sür eine bessere Versorgung der Kriegsopfer vorhanden sein. Nach weiteren Reden der Führer von Splitterparteien ba- gründet Abg. Frau Ansorge(Soz.)«im» so.zialdenwkratischen Antrag aus Verbesserung der Elternbeihils«. isie verweist u. a. daraus, daß es WUwen gibt, die mehrere Söhne im Krieg verloren haben, ihnen muß jetzt durch aus- reichende Versorgung die Möglichkeit gegeben werden, die Er- zi e h u n g der ihnen verbliebenen Kinder durchzuführen.(Bravo bei den Soz.) Abg. pasiehl(Soz.): Die Lag« der Verforgungs- an Wörter läßt noch immer viel zu wünschen übrig. Die Sozial. damokratie sragt die Regierung, ob und wann sie endlich«in soziales und einheitliches versorguagsgesctz sür diese Anwärter -vorlegen will. Bei der jetzigen Vorlage würden sie am schlechtesten behandelt Vierden. Es muß jetzt das soziale Unrecht g'ttgemacht werden, das bisher an ihnen begangen wurde, insbesondere wenn man damit vergleicht, wie die Ossi zier« in dieser Beziehung behandelt werden. Der Redner begründet dami einen sozialdemo- ktatischen Antrag, wonach dar Betrag sür Erz ie.hu ngebei» Hilfen auf 2ö Millionen Mark erhöht wind.(Bravo b. d. Soz.) 19 Stimmen für die Regierung? Ueber den Aurschußbeschluß aus Gewährung eines Sterbe- geldcs, den die Regierung ablehnt, wird namentlich abgestimmt. 385 Abgeordnete stimmen dafür, 19 Abgeordnete da- gegen. Es waren vor allem die Mitglieder des Rcichskabinetls und einige Zenlrnmsabgeardnete. die für die Reglerungssassung ein- iraten. Der Ausschußbeschluh ist also angenommen. Dag Gesetz wird schließlich unter Ablehnung aller Abänderungs- anträge in der Ausschuhiassung in zweiter und dritter Lesung an- genommen. Protest der Sozialdemofratie. Vor der Schlußabstimmung gibt Abg. Roßmanu(Soz.) folgende Erklärung ab: Die Sozialdemokralische Fraktion stellt mit vedaueru fest, daß die 5. Novelle zum Reichsversorguagsgeseh die wünsche der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterdliebenen. die auch vom Reichstag seil langem als berechtigt anerkannt worden sind, im wesentlichen Umfange unerfüllt läßt. Der Einbau der Zusatzreule in die Gruudrenle wird in ganz unzuläug- licher weise durchgeführt. Die Folge ist, daß auch nach ter Verabschiedung der Novelle Zchnlouseude von Kriegsbeschädigleu noch nicht einmal die Renlenbezüge erhallen, aus die bei Kriegsausbruch ein Rcchisanspruch bestand. Zum schärssteu Widerspruch fordert die vchandlung heraus, die den Witwen. Waisen und Kricgercltern durch den Entwurf widerjährt. Die gesetzliche Garantie, daß die Beenge der K legsopser im gleichen Ausmaße wie die Bezüge sür die Beomleu erhöht werden müssen, ist durch die Novelle sür die Hinlerbiiebenen aus- drucklich ausgehoben morden. Diese Maßnahme hat in Verbindung mit einer Aenderung des Begriffes der Grundrente zu dem Ergcb- nis geführt, daß die kricgereltern nur eine Er h ö h u n g von 6 Prozent, die Witwen in der Mehrzahl eine Erhöhung von 19 Prozent erhalten, während die Erhöhung für die vergleich. baren Beamlengruppcn durchschnillllch 20 Proz. der Gssamlbezügc beträgt. Der für diese rücksichtslose Maßnahme geltend gemachte Grund, daß Ueberschneidungen mit dem mutmaßlichen Einkommen des verstorbenen Ernährers der Familie vermieden werden müßten. hört sich jelljam au aus dem Munde einer Regierung, die zusammen mit der hinter ihr stehenden Mehrhest des Reichstags es ablehnt. einer Begrenzung der Pensionen auf l 2 0 0 0 R M. im Zahre zuzustimmen und in eine bescheidene Kürzung der Peosionsbezüge zu willigen, die neben Privatcinkommen von durchschnitklich 8000 RM. im Zahre gezahlt werden. Der von den kriegerwitwen seit Zähren geforderte Rechts- anspruch aus heilbehaudluug wird ihnen auch fernerhin vor- enthalten. Dasselbe gilt von dem berechiiZten Wunsche nach einer einheitlichen Rente sür alle Witwen. Diese Zurückschuvg der h i nte r b l i e b e n e n hat in den Kreisen der Betclligken mit Recht eine starke Verstimmung hervorgerufen. Die sozialdemokratische Vertretung ist im Ausschuh mit allen Kräfteu bemüht gewesen, den Gesetzentwurf zu verbessern. Leid«. hat sie iu ihrem Bemühen liel den Regierungsparteien nur in ganz bescheidenem Maße und in verhältnismäßig untergeordneten Fragen Entgegenkommen gesunden. Selbst eine gesetzliche Regelung der Versorgung der Eltern, die den einzigen Sohn oder mehrere Söhrre durch den Krieg verloren haben, ist abgelehnt worden. Dia maßvollen Anträge, die von der Sozialdemokratischen Frakiion dem Plenum ünierbreikel wurden, würden auch bei sehr gespannter Finanzlage den Reichshaushall nicht aus dem Gleichgewicht bringe» können. Sie sind trotzdem untei schlebslos von den Regierungsparteien abgelehnt worden. Die Reglerungsvarleien traaen die volle Verantwortuvg dafür, daß die 5. Novelle zum Reichs- verforgungegefeh infolge ihres unzulänglichen G-ssam.'nhalis nicht die Befriedigung und die Beruhigung bei den Kriegsopfern hervor- rufen wird, die auch die Sozialdemokratie als das Ziel eines neuen gejetzgcbertschen Vorgehens auf dem GÄicle der Kriegsversörgung gewünscht häkle. wenn die- Sozialdemokratische Fraktion der Novelle in der Schlußabstimmung gleichwohl die Zustimmung gibt, so geschieht es im Hinblick auf die Talsache, daß die soziale Lage der Kriegs- beschädigten und Kriegerhinterdliebenen leider eine so schlechte ist. daß ihnen gegenüber eine Ablehnung selbst sehr bescheidener ver- desserungeu nicht veranlworlel werde» kann. Nachher verliest noch der kvmmmnstisch« Abg. Weber-Düssel- darf ein« außerordentlich lange Erklärung. Präsident Lobe bemerkt dazu, daß derartig lange Erklärungen die neue Angrisse ans andere Parteien enthatten, künftig nicht mehr zugelassen werden könnten. Eine Erwidcinng daraus könne nicht mehr erfolgen, da die Debatte bereits geschlossen sei. Die anderen Parteien würden dadurch benachteiligt. Nunmehr werden die Abstimmung« n über die Eni- schließungcn.zum Beloldungsgesetz nachgeholt. Eine sozialdemokratische Entschließung, wonach den Reichs- arbeilcrn sofort eine den TarlsverhäUnissen entsprechende Lohn- erhöh unq gewährt werden soll, wird abgelehnt, dagegen eln« Entschließung der Regierungsparteien angenommen, worin die Gewährung von örtlichen Zulagen unter Auf- rechterhaltung des bestehenden Tarifvertrages befürwortet wird. Um 20)4 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag, 1? Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Bcrlängenmg der Mieterschutz- gesetzgebung, Äraftfahr.zeugsteuergesetz, 1. Beratung s des Kriegsschädenschlußgefetzcs, txwtsch-dänischcs Abkommen über Zoll- erleichierungcn. 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Memelcr Str. 67. Alle Genossen find mit s i Zamilirnangchiirigcn, grenndca»od Belonntrn herzlichst einaclabcn. l:i Beginn 17 Uhr. l Bezirksaltsschuß für Arbeiterwohlfahrl und ümderschuh. 7. Krri» GhapSottenburg. Freitag, 16. Dezember, füllt die Aktenausgabe aus. Dafür vollzählige Beteiligung6, werden die Genossin»» und Genossen aus allen Ab. teilungcn d-si iü Kreises gebeten, sich recht zahlreich zu beteiligen. Ein. tritt frei gcgchr Barzelgung erncs Loses der Trdeitcrwohlfahrtslottcrie. IuogfoBalisten. heute, Freikag, 16. Dezember: Gruppe Weddi»ig.E»'»»dbr»n»e»! Pünktlich 20 Uhr im Zugendheim de« Ledigenheims Schöitstrdtstr. l, Eingang Orthstr. 10, Laden. Vorttaa:»Die Ereignisse i» China, feit 1911 Referent Mar Päßler. Die älteren Mitglieder der SAI. ssud freuiidlichst eingeladen.— Graps« Ritte: 20 Uhr in der Schule Gips sie. 20s xolit'sche Aussprache.— Eruppe Süden: 20 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindensstr. z, Vortrag:„Die russisch- Revolution." Gäste will. kommen.— Gruppe Siböneberg: 20 Uhr im Jugendheim Hauptstr. 10, Harzgau- zimmcr. Diskussion:.iDie Soz'o'og'e der Klasscniustiz." Morgen, Sonnabend. 17. Dezember, Wc'hnqchts. und Iulklappfeier in der Iua'vdherberge Nowowcs. Treffpunkt 10Z4 llhr> Abfahrt 1945 Uhr vom Bahnhof Eroßgörschcnftraße. Iulklappgeschenke und, Stimmung mitbringen. Linderfreunide Groß-Berlin. Die Generalprobe dg» Spreckchsv» zur Gemeinschaftsfeier findet am Sonn» abend UVi Uhr in der Volksbühne statt, Eingang Linienstraße. »ml» vilmewboek. We Kinder der Arbeiter«»hlsahei mi KinAerfremM treffen sich zur Veranstaltung in der Volksbühne am Sonntag, 16. Dezember, 10% Uhr, Fehrdelliner Platz, Untergrundbahnhof, Holzeingang. Kreis Charlottcuburg. Wir treffen uns am Sonntag zur Fahrt»ach der Volksbühne um 10'., Uhr Wilhelmpiotz, Antergrundbahnhof. 3fl Pf. sind mit, zubringen.__ Soziallstische Arveitersugend Groß-Serlin. Achtung, Abteilungsleiterl Liefert die Programme für Januar ab. Proletarische F-ierstund«»Aus dem Guckkasten der Jahrhunderte" Montag. 26. Dezember(2. Feiertag), 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus. Karte» zu erinäßigten Preisen sind im Sekretariat erhaltlich. Singkrei,: Beteiligung an der Connenwendfeler de« Werbebezirk» Prenz, lauer Berg am 17. Dezember. Treffpunkt morgen, Sonnabend, 18ZH Uhr, Potsdamer Vorortbahnhof. heule. Freilag, 16. Dezember, 13� Uhr: Moabit I: Schule Waldenserstr. 20..Alt-Berlin."— Roabit Uz Heim Lehrter Str. 16/19 �Koalition und Klassenkampf."— Ro«dosten: Heim Dan. zigcr Stt. 62.»Arbeiterjugend und Elternhaus."— R»se»th»l«r Borstadt: Heim flehdcnicker Str. 25. Z-hn.Minutcn.Nefcrat«.— Weißeufee: Heim Park- straße S6.»Jugend u. Kultur."- Boltenplatz: Heim Tilsster Stt. 1/5.„Kirche, Weihnachttn um> Arbeiterjugend."— Frankfurt» Viertel: Helm Litauer Stt. 1«. ZchN'Minutcn.Peferate.— Kohenschönhaufe»: Heim Freienwalder Str. 5/6. �Einführung In den Sozialismus", Z. Teil.— Stralau» Viertel: Heim Goßler, straße 61.»PoNtifch« Tagesfrogen."— Kottbusser Tar: Heim Reichend»«» Straße 66.«Äulturiragcn unter besonderer Brrückflchtigung d» Reform.. kleidung."— Schincberg Ii Heim Hauptstr. 16. Weihnachtsfeier.— Westen Ir Heim Hauptstr. 15.„Unsere kulturell« Arbeit."— tlharlotteni»«: Seim Posincnstr. i.»Buchdruckcrgewerls»often."— Kolcnsee: Schule Joachim. Fried.. rich.Stt. 35Ä*.„Die Bedeutung der Gewerkschafisbewegung"— Britz: Rat. Haus, Chaussceftt. tS. Weihnachtsfeier.— Adlershof: Keim Roonstr. 16. Generalprobe.— Banmfchnlenwcg: Heim Ernststt. 16.„Die sozialistische Welt. anlchauung."— Zohanuiithalz Rathaus.„Bub und Mädel."— RiedeefchSne. we'dc: Swule Berlin» Stt. 3L»Jugend recht» und link» von uns." Treptow: Heim Elscnstr. 3.»Tierleben ,n d» Mark Brand-nburg."— Feied» richsfelbe: Heim Schloß. Ecke Berliner Straß« Generalprobe.— Pento», Nord: Heim Görfchstr. It.„Bub und Mädel." * Rcniälln: Aelterengrnpp«: Der Heimabend fällt d« Parteiveranstolttnq wegen aus. Sonntag ssohrt nach Zeuthen. Schlittschuhe mitbringen. Treff. punkt 1% Uhr Bahnhof Neukölln. Klei6er8tokke WollripsiZOcm/- moi Farben, 7.90w•—e W Wollpopeline«r qp- prezwirnt, 100 cm Wollpopeline p- p-p, gezwirnt, iM cm. 2.75 Weschsamt l6kMW?l8SWMk Hemdentuch Linon, Renforci, /�v Äfr 80 cm, 0.85, 0.73 U.OD Bettwäsche Garnitur, 1 Bezug TT TCT 2 lit�, glatt. 12 90 11. /D B e t twä sehe Garnituren 1 Beauig. 2 Kissen, Tez(~\/�\ bestrickt.. 15.50 1D.�>U Bettwäsche Garnituren I Bezug, 2 Kissen tq r\r\ Dimiti....... lO.UU B 6 1 twä Sehe Garnituien 1 Bezug, 2 Kissen, TT er /~v Damast 29.- 22.- 1/.DU Herren- Artikel Oberhemden r* r\r\ mit 2 Kr. Perkai. St /.UU Oberhemden orr m. 2 Kr.. Zephir St lU.�D Oberhemden m. i Krg., Tricoline- Ersatz /-v r— v stück..... y.Dü Herren- und Damen- Schirme, sehr preiswert! Herren-Hüte, p- r-�. 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