Abendausgabe A Mttwsch Ür. 602 � �..."W*\£r 21. Dezember 1922 — GMM##### 10 Pfennig ISsdxnfll« n Sfinri«. wamaiM) EB I f/ H| HB � f t�- Jiüidlämarf, tai ooraus jabibox. M 1. JB M|B � HB HE VW H f EM üt«• I n I p a I. I« t nanparrtDrsnli Haft! Streifbonb im Sn. und Zu». �f9B iP— i W W> MZ>W HV JH- MW // 80 Wcnnlg Z>»Name,«iI» 5.- Reiche lesl)&S0 Keubswatt pr» Konat Vr�M W■ B B B B B B B 7zJ H B AL:r'act-igen" Dm»eng«. OI�W I H H �M MV MW �M �M»M druikl, Dar, Ä> M«nm9 zw»! »«.»a-w-n.-mttb-.iMMe,. jwi I B Hb AL HL�bV Hl H «ni S«ialag�>->lai,-.Satt nnd Z-i-- W! �H H x�H» �H�> HwL H //H« T«. � � ,awi» d«.»«Uaa«..Um-rtaltja« WH I Bll, �W/ sU/ MUV>/ HR Man 16»tennig, 1.0« w.i'n. ÜSoo cnb»tfftn-»Zuls b«r Filmwelt� HHlI H�S' S // HH 10 Pfenmg Wone üb« 15 T�cHtaden �6tabtb«Ia(R«*«.Örauenftirnnw"*,.. S Kohlen für zwei Wo«« SIrbefonwrfl r»er«inbcrfrtmib-.Sug-nd-Laa. �WMB�__ � � � �. V �- 4 Z.ll. 60»f-nm« FamU�nan��n tüi M�-ZM Vevttnev Vvttsblait ssss Jentralersan der Sozialdemokratischen Vavtei Neutschlands N�dakfion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhosi ZZZ— 237 Telegramm-Adr.: EozialdemoKa» Berlin Rom, 21. vezeinber. Alu�salmi Hai mit Ivrati. dem©cnmrtfefteför der Jafchiflm- parlei. und Suarda, dem Uvkersiantesekreiär de» Zunern. in Gegr.,- mirrl de» Foschistcnführer» von C r c m a n a, Zlbg. Aarinacci, die paMsche. Lage in dieser Provinz geprüfl. die zu ernsten Luscinandcr- se Hungen Ztnlatz gab. Per Legiernngsches hat deshalb ein- schneidende Mohnahmen angeordnet. Zwei Miliz- kommandanten der Provinz wurden abgeseht und ihnen jede politische Xärgfcli in der Partei aus unbestimmte Zelt verboten. Aarinaeci mußte der Partei aus» neue seinen Gehorsam und seine Ergebenheit beteuern. Ein Freispruch in Ltalien. ' Gin Kind angeschossen.— Der Vater Sozialist.— Die ' faschistischen Täter frei! Zkm der italienischen Grenze wird uns geschrieben: ?l« l.\ Dezember ist udu den Mailänder Geschworenen ein Wahlspruch gcsällt worden, der in furchtbarer Weis« zeigt, tn welche chänd« Leben und Gesundheit der italienischen Bürger heut« gegeben sind. Die ganze Verhandlung hat uns einen Ausschnitt aus der Togesgeschichte de» Faschismus geliefert, die scden Knlturhlstoriler interesstereu sollte, als erichüllernder Beweis dafür, wie l«icht es ist, auch in einem alten Äutturvolk, durch neue Machtverhältnisse das normale Rechtsbewußtsein zu ersticken. Am 3. Oktober des. vorigen Jahres fuhr der Prchestor am Poly- technikvm von MoUond, Graf B e Ni n o, m einem geschlossenen Auto mit seinen fünf kleinen Kindern durch den Ort Colpgno bei Mailand. Benins war als S o z i a l i st bekannt, der bis zu ihrer Auslösung der Moxinwlistischen Partei angehört hatte. Die Faschisten von Cologno organisierten daher, unter der Führung des lotälen Parteisekretärs, eines öljährigen Apothekers D' A m i c o, eine Jagd aus da» Auto mit dem Nest kleiner Kinder. Es waren schyn mehrere Schüsse abgegeben worden, ober dos Gefährt hatte doch«inen Borsprung vor den Bersolgern. Do rief DÄmiev: �Kann denn niemand den Schuft anhalten?" Das galt dem 22jährigrn faschistischen Tischler Ferruzzi als ein Befehl: er warj sich aus sein Zweirad, juhr dicht an das Auto heran und schoß zmeimat out dessen Insassen. Dann kam er zum Austrag- geber zurück, der ihn fragte:„chabcn Sie geschossen" und zur Ant- wort bemerkte:„Es sist gut so." Das achtjährige Töchterchen Beninos war durch«ine Revolocrkugel ins Rückgrat getroffen. Acht Tage hat es in Lebensgesahr geschwebt, noch heute ist es bettlägerig und hat dauernden Schaden daoongetragen, da ein Bein gelähmt bleibt. Dies der Hergang, wie er aus dem Prozeß heroorging. TerruzzI gab alles zu. D'Amico leugnete den Auftrag zum Schießen: Er hätte nur besohlen, das Auto ovszuhalten. Wahrscheinlich wäre man dann mit Knüppeln über olle süns Kinder hergesallen! Fest- gestellt wurde weiter, daß D'Amico, gegen den Prozesse wegen anderer Gewalttaten schweben, am Tage der Tat auch einen zwölf- jährigen Knaben geohrfeigt und mißhandelt hatte, weiter, daß er zwei Zeugen besohlen hotte, auszusagen, aus dem Auto wäre geschossen worden. Diese Behauptung tonnte Vemnv Lügen strafen, da alle Fenster geschlossen waren. Der Hergang war entseßlich, aber der Prozeß war doch noch schlimmer. Der Podestat de» Ortes sagte Ein Äürgerblockstreich. .Die Kirche in der Karikatur* beschlagnahmt. Beamte der Berliner Kriminalpolizei beschlagnahmten heute in de» Ges tästsräumen der Zentraloerwaltung des„Verbände; für Freidenkertum und Feuerbestattung' die noch vorhandenen Exem- plare des Buches„Die Kirch« tn der Karikatur" von Friedrich Wendel. Gegen de.» Genossen Friedrich Wendel ist ein Er» mittlungsnerfahren wegen Gotteslästerung und V« r ä ch t- sichmachung kirchlicher Einrichtungen g 16» des StGB-) eingeleitet worden. Als strafbar wird erachtet, daß m dem Buche«tu« Anzahl onti» katholischer Karikaturen au» d«r R«format,on,z«tt gezeigt werden. Es handelt sich um BiSnnoterial, da» in Lamm«!. werten ähnlicher Art mehrfach gezeigt worden ist und bisher nie Gegenstand«in« Beschlagnahm« oder Strafverfolgung gewesen ist. Die Kantoner Menschenschlächierei. Wieder ZSv Arbeiter hingerichtet! Die Sowjekdcpescheaogeakur Taß meldet, daß lu Kanton 350 Arbeiter, öle In einem Iheat« gefangen gehakten wurden, sämt LH p»« lade Vemrielll«d hl»,eetch«ek worden find. � Vonvärts-Verlag G. m. b. H. zugunsten des Angeklagten D'Amico aus, er hätte nie aus per- iönJichem Interesse gehandelt. Ein Podestat eines Nachbarortes ent- lastete D'Amiev noch weiter, indem er sagte, er wäre betrunken ge- wescn. Ein anderer sogt aus, daß ihm D'Amico nach der Tat sagte: „Wir haben's nicht schlau genug gemacht." Der Angeklagte über- schätzte seine Richter. Ein Centurume der Miliz sagte zugunsten D'Amicvs, daß er„sogar seine eigenen Interessen aus Liebe zur Partei vernochlässigte". Der Provinzialselretär von Mailand fand nicht Worte genug, um den faschistischen Eis« und die Disziplin D'Amicos zu verherrlichen, während er Denino als„bekannten Umstürzler" darstellt.. Run wußten die Geschworenen, was sie zu tun hatten.. Der Staatsanwalt beantragt« zwar noch die Verurteilung wegen»«suchten Totschlags und schwerer Körperverletzung, die Bcr- tret« de» Prwatklägers zogen sich zurückn Vorbeugungs- mittel erforderlich: damit die deutsche Marin« nicht mehr in die Gc- fahr kommt, vor aller Welt lächerlich zu erscheinen! Auf diese Weise werden die monarchistischen Offiziere zur Widersetzlichkeit gegen den Reichswehrminister förmlich aufgeputscht. Es wird ihnen zu verstehen gegeben, daß sie an der„größten Regierungspartei" einen mächtigen Schutz finden: der Minister aber, der nicht ganz mit ihnen einver- standen ist» wird heruntergeputzt wie ein Rekrut. Kettdell. Gla unmöglicher Minister einer unmöglichen Regierung. Der Berliner Korrespondent der volksparteilichen„Reuen Mannheimer Zeitung" zeichnet das folgende Charakterbild des Herrn von Keudell: „Aber dieser Minister von Keudell ist ein eigenartiger, ein schon fast psychologischer Fall. Ein liebenswürdiger, keineswegs kulturloser Mann von angenehmen Berkehrssormen, der, solange er als Abgeordneter in Reih und Glied stand, auch bei seinen politischen Gegnern wohlgelitten war. Und nun, seit er. dank einer Zufallsmehrhett von ein oder zwei Stimmen, von seinen Freunden zum Minister bestellt ward, ein absoluter Bcr- s a g e r. Wenn man durchaus will: ein beklagenswertes Opfer des von ihm beharrlich mißverstandenen parlamentarischen Systems. Herr von Keudell macht, überhastet und ohne über den wichtigsten Punkt, die K asl c n f r a g e. sich auch nur einen Augenblick das Hirn zu zergrübeln, dos Schulgesetz, weil er es „seinem Freunde Mumm versprochen" hat. Er ist. da der von Parker Gilbert taromlcrte Finanzminister Abstriche fordert, zu jedem Acrzicht bereit, nur nicht bei den Etatsposten, an denen derselbe Freund interessiert ist. Er will den Machtbereich der Technischen Nothtlfe weit über die verfassungsmäßig zu- lässig« Grenze«rwellern, nur weil er einem anderen politi- schen Freund sich verpflichtet glaubt. Werden Im Amt Akten gesucht, so stellt sich zu einiger Verlegenheit heraus, daß der Minister sie einem dritten oder vierten Freund zur An- ficht und gelegentlicher Meinungsäußerung schickte. Wieder andere „Vorgänge" lagen wachen, und monatelang in der Privatwohnung de» Mini st er s, aus der«r sich nur sollen in sein immerhin erfreulich lustiges und schönes Amtszimmer begibt. Dieser Minister von Keudell kommt zu nichts, zu keiner Entscheidung, well er alle an sich zu reißen wünscht. Und macht von der mit der Parlamentsherrschaft leider verbundenen . A e m t e r p a t r o n a g c" in einem Ausmaß Gebrauch, das. wenn seine Nochsahren an dem gleichen Platze ein derselben Methoden sich bedienen, noch wahrhaft verheerend wirken kann." Jede vernünftige Regierung würde Herrn von K e u- d e l l ausschiffen. Der Herr Reichskanzler jedoch, der durch Komplizität im Falle Tresckow an Herrn von Keudell ge- bunden ist und ihm besondere Paironaae versprochen hat, fühlt kein Bedürfnis, ihn loszuwerden. Eine unmögliche Re- gierung. ein unmöglicher Mmister! Die Ostpreußenhilfe. lieber 50 Millionen verbilligte Kredite mit Hilfe deck Beichck nud Preußens.- Heut« nachmittag findet eine bereit» fett längerem angekündigte gemeinsame Sitzung de» Reichs, und de» Preußen» k a b i n e t t s statt, in der der Reichspräsident Hindenburg den Vor- sitz führt. Dabei wird das Hilfsprogromm für Ost- preußen beraten werden, da» der bpdrängten Lage in der Grenz- mark Rechnung tragen soll. Die Sozialdemokratie hat bekanntlich wiederHoll aus die schweren Mißstände hingewiesen, die sich teilweise au» der isolierlen Lage des Landes und der großen Entfernung zu dem übrigen Absatzmarkt teilweise au»«Incm unberechtigten Mißtrauen zn firmleren, die höchstens den begüterten Snob amüsieren. Dies« Mischung von Geschäft, Frühstückspolitik und Theater ist wirklich «ine unerquicklich« Erfindung, und Ihering hat das Verdienst, noch einmal diese kunsi feindlichen Methoden getadelt zu haben. Deehelb darf man ihm durchaus gestatten, daß er die Theoterkrttiker. die noch als ölig« Festreporter ihr Handwerk betreiben, zusammen- trompetet, um ihnen mit Vehemenz einzuschärfen: Laßt euch nicht länger zu Reportern über gleichgültige und aufgeplusterte Kunst. inaekeraden mißbrauchen' S» geh» um dl« Zukunft, um die Würde des Kritiker« geht es. Der Kritiker hat sich zu entscheiden, ob er nur der Kunst oder mir dem Geschäft dienen will. Der Kritiker hat die Pflicht, die Kunst des Jahres 1950 schon heute vorzubreiten, damit er nicht auf den Schüdderump der Idioten geworfen wird. Da» ist alle» sehr tapfer, wenn auch nicht ganz originell gesagt. E» stimmt durchaus mit dem überein. was die Soziakisten van ein«m Theaterkritik«? verlangen. Es möge sich kratzen, wen es juckt, all oder jung'_ Oer neue Komei. Nach den ersten Beobachtungen de» neuen Kometen In Hanno- ver und Hamburg und am Sonntag in Bonn, hat sich der neue Gast unseres Sonnensystem? bisher noch nicht wieder den seine? harren- den Blicken gezeigt, da der Himmel mich Sonnenuntergano im Westen zum Teil bedeckt, zum Teil mit einer Dunstschicht oerhüllt war. Vermutlich löust d«r Komet langsamer als angenommen, und es würde in diesem Fall noch einige Tage dauern, bis er weit genug aus der hellen Dämmerung berausgelangt ist. um abends wahrgenommen werden zu können Man wird trotzdem den Aue- guck noch der seltenen Himmelserscheinung nicht auszugeben brauchen: es läßt sich auch noch keinerwegs lagen, ob nicht noch vlötzlüste Aenderungen. sowohl der Helligkeit des Kopse» wie der Ausdeh- rmng des Schweifes erfolgen. Nach der ooAäusigen D-'hi, derech. rnrnq batte er dos Perihcl kSonnennähe) schon am 1. Dezember passiert und war an diesem Tag 90 Millionen Kilomeier von der Sonne entfernt. E" war am l7. mit unocsähr der Hölste dieses Ent'ermingswertes ist seiner größten Erdnähe und muß m seiner der Milchstraße nordwärts so!gent«n Bahn am 21. Dezember an der Wcstgrenze de» Adl:rs angelangt sein. Die ooiläufige Bahn- berechnung fuhrt seine Bewegung dann bi» zum ersten Weihnachts- tag weiter nordwärts durch den südöstlichen Teil des Herkules, eine an hellen Sternen arm« Gegend der Milchstnaß«. immer«estsich vom Bild« des A'lers. Demgemäß hat der Komet den Himnisls» aquawr in der Richtung nach Norden bereit» öberschriiten und kommt während der nächsten Tage soweit nach Norden, daß die Bwbachtung kein« Schwierigkeiten machen kann, sofern die Licht- stärke inzwischen nicht iinozwöbnlich rasch a'-genoinmen habe» so'ste Für die Erkennung des Schweife, ist der Umstand störend, daß die Bahn durch die Milchstraße verläuft. Es ist Übrigens sebr wohl möglich, daß der neue Komet in Wirklichkeit ein alter Bekannter, und zwar der Komet de Vico- Swist ist. der am 22. August 1844 von d« Vico in Rom im Stern- in die pollilschen Perhällniffe dieses Lande», tevweise ab«? cmch«ms dem Mangel in Hilfsbereitschaft der besitzende« Kttise und der Kreditzurückhaltung der Banken ergeben haben. Las Programm, das jetzt zur Bcschlußfasiung steht, sieht nach mehreren Richtungen hin Erleichterungen für Ostpreußen vor. Einmal besteht die Absicht. Steuerermäßigungen zu gewähren, übe? deren Art und Umfang Näheres jedoch nicht feststeht. Außerdem wird man von der Re i ch s b a h n eine Senkung der wichtigste,'. Tarife für ostpreußische Waren verlangen. Das wichtigste jedarU ist«ine Aktion zur Entschuldung des jetzt außerordentlich überlasteten landwirtschastlichen Grundbesitze». Mcm plani. der ostpreußischen Landwinschast einen Detrag van mehr als 5l> Millionen Mark an langfristigen Krediten zu gewähren, die durch sechs- bis siebcnprozentige Psandbriesc aufzubringen sind. Die öffentliche Hand soll die Zinsdtsfercnz übernehmen, die dadurch entsteht, daß heute im allgemeinen Pfand. briefe nur zu höheren Sätzen unterzubringen sind. Außerdem will mon versuchen, durch öffentliche Hilfeleistung den Zinsfuß der zu gewährenden Hypotheken so niedrig al» möglich zu gestallen.' Kommen diese Maßnahmen auch zu einem Teck dem nicht immer vorsichtig wirtschaftenden Großgrundbesitz zugute, so ist nicht zu verkennen, daß bei einer zweckmäßigen Verteilung dieser Gelder auch die kleinen und mutieren Betriebe bedacht werden. Aus die richtige Verteilung kommt e» an. Daneben aber sollen noch neue Kredite für kleinbäuerliche Betriebe freigemacht werden. insbesondere für Hypotheken an zweiter und dritter Stelle, für die am freien Markt heute kein Geld zu hoben ist. Diese Sonderaktion verfolgt den Zweck, die drückende Sorge der überschuldeten werk- tätigen Bauern um ihren Besitz zu mildern. Hat man be» den Maßnahmen des Reiches den Eindruck, als di diese etwas Über die Uniätigkett und die Mißerfolg« der Reichs- polirik in den Grenzmarken hinwegtäuschen sollen, so Handell es sich für Preußen dabei um eines der wichtigsten Innerpoliti- schen Probleme. Durch tut Reichssteuerpolitik war nur der preußisch« Freistaat nicht muner imstande, der Grenzproctnz dio» jenigen Mittel zur Verfügung zu stellen, die angesichts der lltotlagc «rsorderlich waren. Trotzdem hat er z. B. au» Ostpreußen'w letzten Jahr« nur 5 Millionen Hauszinsstcuer gezogen, jedoch 12 Millionen dem Lande zur Verfügung gestellt, also auf Kosten der übrigen Do- völkerung einen Zuschuß von 7 Millionen Mark geleistet. Die Vertreter der Provinz Ostpreußen im Reichstag haben für die po'.iiijchen Notwendigkeiten bei dieser Frage nicht immer da» Der- ständnis gezeigt, das man eigentlich von ihnen erwarten sollte. Mao wird fordern«nüssen, daß wenigstens setzt gründliche Arbeit geleistet wird und daß das Reich Über dem pomphaft angekündigte» Ostpreußenprogramm nicht die übrigen Lande» teil« der Grenzmark vergißt, die der Hilf« dringend bedürfen und für die Preußen bereite Sonde rmoßnahmen vorbereitet Hot. Oer Washingioner Zreigabebeschluß. Roch nicht in Kraft. washingkon. 21. Dezember.(DTB.) Die gestern nach kurzer Aussprache mll großer Mehrheit im Repräsentantenhaus angenommene Gesctzesvorlage über die Rück- gäbe des beschlagnahmten deutschen Privateigentums steht ein« s o- fortig« Zahlung der Ansprüche amerikanischer Bürger gegen Deutschland bi» zö 100 000 Dollar vor. Der Rest soll in Raten gezahlt werden, außer bei Entschädigungen sür Tod oder Körperverletzung, di« sofort voll zahlbar sind. Die Vorlage enthäll ferner die sofortig« Zahlung von 80 Proz. de» deutschen Privateigentums, besten Rest erst später zahlbar sein soll, sowie die sofortige Zahlung von SO Proz. der Entschädigung für deutsche Schisse. Polente und Radiostationen. Die Restzahlung dieser Entschädigung, die 1 0 0 M I l l i o- neu Dollar nicht Übersteigen darf, soll ratenweise«r folgen. Der Gesetzentwurf geht nunmehran den Senat, der sich voraussichtlich im Februar mtt ihm beschäftigen dürste. bild des Wolfisches entdeckt worden Ist. Denn die Bahnelcmcnte der beiden Kometen losteft eine groß« Aehnlichkcil miteinander erkennen. Der Komet de Vico lief in einer Eiipse von:twa 51» Jahren Umlaufszeit um die Sonne, konnte aber während de» nächsten halben Jahrhunderts niemals miittr aufgefunden werden. Aber am 21. November 1894 entdeckte E. Ewiit einen äußerst licht- schwachen Komeien. bei dem schon die eisten Dahnbestimmungen die Identität beider Gestirn« wahrscheinlich machte, ein« Annahme. di« spätir zur Gewißh.-st wurde. Seither ist der Komet de Vico Swift nicht wieder erschienen. Oeuischlands niedrigste Temperaiur. Von Moritz Loeb. Seck Jahren starrt unser Erdteil um die Mittwinterzeit zum erstenmal wieder in Eis und Schnee: dr«i aufeinander q«folat» milde. zum Teil sogar abnorm mild« Winter lassen uns di« Kälte, die augenblicklich ganz Europa ergriffen hat. noch schärfer«mpstnden. als sie tn Wirklichkeit ist Temperaturen, wie sie xezenwärng aus den verschiedensten Gebieten gemeldet werden, kommen In kalte» Jahren immer wieder vcr: arch die Ausbrelt' n� de» Frrstc» über die im allgemeinen klimatisch so beqünftWen Mtttelmecrländer eine Begleiterscheinung der meisten strengen Winter. Immerhin gehören die Kältegrade, die während der letzten Tage zn verzeichnen waren, schon zu den auffallenderen mctfCTrfrglfcVn Aeusierungen winterlicher Kälteperioden. Denn abgesehen von Ost- preußen und einem Teil Hinterpcmmcrn» hat Mitteleuropa manch- mal mehrere Jahre lang in der Ebene keine Tempero'uren unter minus IS Grad Eelsius. Wenn in diesen Tonen z. B. Breslau 25 Grad Kälte hatte, wenn Hannover und Friedrichshofen es a 19 Grab unter Rull, Karlsruh« es auf minu« ltz Grad brachten, io sind dos zwar mch keineswegs Rekcrdzifsern. aber d-ch immerh n Werte, die est jahrelang nicht vcrkcmmcn. Die wirklichen Temge- raturminima, die überhaupt bei uns möAich sirch, wer. Ostens auf Grund der Erfahrungen von ein bis zwei Jahrhunderten, liegen ganz «rhebl'ch liefer und sind In den einzelnen klimotilchen Provinzen sthr voneinander verschieden. Mitteleuropas käliestes Gebiet ist un- streitig Masuren. und von dort ist auch die niedrigste Temperatur bekannt, die jemals in Deutschland cinwardfrei gemessen worden ist. Diejes abjolut« Temperatt'NNinimum wurde am IL. Januar 1S9Z zu Warggrobon'o mit Zöl4 Grad unter Null registriert. Die k'eine maslirische Stadt stellt srmit den.Käckcpol" de« deutsche» Reiche» wie überhaupt ganz Mittelevrrpa» dar. Erst vr? wenig mehr als einem Iahrzebnt ist bei uns«in« annähernd niedrin« Temperatur vrrgekvmmen, dl» iür da» mitt'ere Norddeutlchland einen bis dahin dort nicht erlebten Kälterckord be- deutete. Am 5. Februar 1917 wurden bei Potsdam— ZZ rn B.rlin- Zehlendori— 29)1« Grad Käste verzeichnet, ein W:rt. der in der Berliner Gegend seit längkr ctt» 125 Iahren nicht mehr vorgekommen ivar. Denn dos absolute Tcmperaturmlnimum, ollerdin-'s aus dem Innern der Stadt Berlin, stammt mit— 29 Grad Eelsius vom 28� Dezember 1788. Daß übrigens so abnorm« Kältegrade meist lrkal sehr eng degrenzt stnd. weil ste gewöhnlich durch star*« linier- kühlung der dodennächsten Lustschich.en entstehen, ztistt der Umstand, $ Raubüberfall im Vorortzug. Eine Frau niedergeschlagen und schwer verletzt. Ein schwere» verbreche« wurde heute mittag in dem Vorortzug Erkne r— G runewald verüb». 3n einem Abteil 2, Klasse wurde um 12 Lhr auf der Station Ariedrichshagen von hinzustelgendeu Fahrgästen eine etwa — 30 Zahre altr. besscrgekleidele Frau mit sckiweren Kops- und<3cfich»»vcrle. jungen am Boden liegend bewutztto» ausgesvnden. VIe Schwcrvellehle wurde in da» Söpcnicker Kreis- krankenhaus überge'ührt, wo sie bedenklich daniederliegt. Do die Leturrsallene keine Handtasche oder sonstigen Wertsachen bei sich siiijrk. wird angenommen, dah der oder die unbekannt entkomme- neu Täter damit das weite gesucht haben. Die Kriminalpolizei hat sofort die Ermittlungen ausgenommen. Es besteht auch die Möglichkeit, daß die Ueberfallenc das Opfer eine» Sittlichkeitsallentotes geworden ist. Jedenfalls lasse« Spuren in dem wagenablell erkennen, daß zwischen dem Täter und seinem Opfer, das nicht einmal die Not- bremse ziehen konnte, ein heftiger Kamps stattgesuuden haben muß. wie wir bei Schluß de» Blatte» erfahren, soll e» sich bei der Lebersalleuen um ein Fräulein p e r» k a au» Berlin handeln. Autounglück in Treptow. Oer Fahrgast getötet, der Ehauffeur schwer verletzt. Aus der Treptower Chaussee ereignete sich gestern nacht«in folgenschweres Autounglück, bei dem«ine Person getötet, drei ander« mehr oder minder schwere Verletzungen davontrugen. Der Führer einer Kraftdroschke versuchte vor dem Hause Ircp. low« Chaussee 52 eine Straßenbahn z u überholen. Er übersah hierbei einen aus entgegenkommender Richtung hernnkom. wenden Wogen der Linie 91 und fuhr in voller Fahrt in den Wagen hinein. Der Zusammcnprall erfolgte mit so großer Gewalt, daß das Auto völlig zertrümmert wurde. Der Chauffeur Karl Effert aus Neukölln, Germania. Promenade 20, wurde schwer verletzt unter den Trümmern hervorgezogen. Der Insasse, ein �Osübriger Pfarrer Waßmann aus der Wrongelftrage 20 wurde auf der Stelle getötet. Zwei jugindlich« Begleiter des Piarrers, der llsährig» h.inz 57. aus* der Köpenick«? Straße 190 und der l-tsahrige Leo P. au» der Sorauer Straß« erlitten Kopfverletzongen und mußten zur nächsten Rettungsstelle gebracht werden. Roch Anlegung von Notverbänden konnten die Linder in die etterliche Wohnung gebracht werden. Der schwerverletzt« Chauffeur fand im Urban-Krankenhaus Ausnahm«. Die Feuerwehr nahm die Lufräumungsorbciten vor. » Beim lieberschreiten des Potsdamer Platzes wurde heute früh um 1*8 Uhr der 70jühngc Krostwagenführer Paul M a s! i s aus der-Fruchtstraße Z7/S8 von einem Autobus übcrsahren und aus der Stelle getötet. Der neue Oeutschlandsenöer.' Südlich von Königswusterhausen, innriilen der waldigen, schneebedeckten Einöd«, die einst da» Gelände der Lustschisser Schütte-Lanz war. erheben sich setzt die zwei Rtesenmasten des größten deutschen Senders. Es ist der Sender von Zeesen, der zu der Sender. gruppe von Könlgswusterhauseu gehört und für die lange Welle von 1250" Metern bestimmt Ist Da» Sende Haus erhebt sich auf einem freigelegten Waldstück und wird flankiert von zwei je 210 Meter h o h e n M a st e n. Es ist ein schmucker hallenbau in märkischen GlLsurziegcin, der sich seltsam genug aus diesem Waldstück, dos zur völligen Einöd« ocrdamnlt scheint, herouehcbt. Das Hauptgebäude «nthöst die einzelnen Vetriebsräume und in einem mehrstöckigen Kopsban Di-enstwnhnungen für Beamte, die hier wie viyt aller Welt abggschlossen leben müssen. Ein Nebengebäude dient zur Ausnahme der Wasserkühlonloge für die Sender, und Gleichrichterröhren. Die Leistung des neuen Sender» ist doppelt so stark wie die de» Langen- daß an dem genannten 5. Februar 1917 im Lnnern Berlins die niedrigst« Temperatur nur— 22 Grad Celsius betrug. In anderen Teilen der Riesenstadt war das Quecksilber sogar nur auf—15 Grad gesunken. Beim Vergleich der absaluten Temperaturminima verschiedener Gebenden muß naturlich die jeweilige Höhenlage berücksichtigt werden. So sind z. B. im Salzburgischen, und zwar im Ort Tz zusammen, daß es auf den Meeren m Zeiten großer Fest- landskätte stets warm ist. Denn wenn, wie jetzt, die ganze eurasischc Äontinentalscholle, von hohem Luftdruck bedeckt, unter der herrsthast der weit nach Süden vorgedrungenen Polarfront steht, so befindet sich über dem Atlantik niedriger Druck, der in Gestalt tiefer Sturm- wirb«! an seiner Ostseite, also westlich von Europa, gewaltsam warm« Subtropikluft ansaugt. Daher kcenmt es auch, daß noch am Montag morgen, als im Lünern Südlrankr« chs 14 Grad Kälte herrschten, die nordspanische Statt San-Tandcr 14, Gibraltar soaar 17 Grad Wärme hatte, und daß selbst Süttsland 2 Grad über Null verzeichnen konnte gegenüber 31 Grad Kälte im mittelsiandinavischen Gebirg«. Bauvolk der kommenden Well. Bei den Kindersreunden in der Volksbühne. Die Kindcrfreunde und die Arbeiterwahlfahrt hatten auch dieses Jahr wieder ihre Linder kurz oar Weihnachten zu einer Feier in di« Volksbühne gerufen. Nicht eine Weihnachts- feier im hergebrachten Sinne sollte es werden, auch kein Weihnacht?- stück, wie es in vielen Thealern über die Bretter geht. Di« Er- Wartung der kleinen Theaterbesucher, dir das Haus bis zum dritten Ring hinaus süllien, war deshalb auch besonders gespannt. Sollten doch diesmal nicht Schauspieler austreten. Helfer und Äinderjrcunde und Kinder aus verschiedenen Kindersreundegruppen wollten mit ihrem sclbstgeschasfenen Spiel ein„Fest der Gemeinschaft' gestalten. Die Volksbühne hatte wohl kaum je ein lebhafteres„Publikum' gesehen. Das Haus schallte ordentlich wider von dem erregten Ge- plapper der kleinen Besucher, für die es immer ein besonderes Fest ist, wenn sie in» Theater können. Nun gar erst in dieses Theater. wo Arbeiterkinder für Arbeiterkinder spielen! In die frohe und laute Erregtheit dringt plötzlich ein Zeichen, daß es losgeht. Nicht die Theaterglocke schrillt. Von der Bühne herunter schallt im Sprcchchor dreimal der Gruß der Kindcrsreunde: .Freundschaft!' Da wurde es still. Ganz still. D.-r Borhang teilt sich. Die Bühne ist fast dunkel. Musik klingt in den Raum, ein wenig zu lang für die ungeduldigen Kleinen. Dann wird es hell. Musik verstummt. Die Bühne zeigt ein ödes Felsental. Männer mit nacktem Oberkörper brechen Steine. Frauen und Männer bearbeiten sie. Dumps dröhnen die Hämmer. In Staub und Schweiß erstickt die Freude. Die Kinder in diesem grauen Tal hungern sehn- süchtig nach Freude. Sie wollen sie suchen gehen und sind sicher, daß sie si; finden. Da klingt ein frohes Dandqrlied. Eine Kindcrsreunde- gruppe tu schmucken blauen Wanderkitieln zieht singend ins graue Tal. Entsetzen vackt sie über das freudlose Dosein dieser Arbeits- sklaven Nirgends grünt«in Halm oder Strauch Da pflanzt die Schar«in sunges Bäumchen In die Steinwüste. Wird es wachsen? Wird es gedeihen im steinigen Boden?— Stumm fragend schauen olle nach dem frischen, jungen Grün. Und das Böumchen wuchs. wurde größer, brachte ein wenig Freude ins graue Tal. Und zu frohem Festtag rüsten die Männer und Frauen der Arbeit mit ihren Kindern. Aber sie sollten keinen Fdertag haben. Brutale Arbeit- geberwillkür treibt all« wieder in die Fron und vernichtet das junge Bäumchen, das Freude brachte. Da bäumen sich die Arbeitssklaven auf. Si« wollen«Inen neuen Baum pflanzen, komnienjiber wieder davon ob. Der J)«T" könnte ihn wieder vernichten. Sie erwachen zum Bewußtsein ihrer Macht und machen sich ans Werk, ein Symbol ihres gemeinsamen Willen» zur Freiheit zu schaffen: Den..Turm der Gemeinschaft'. den keine Herrenwillkür je zerstören soll. Von allen Seiten werden Bausteine heranqeschafst. Der Grundstein ist„Die Arbeit'. Dann kommen Kohle, Eisen, Getreide. Und immer� sind es Gruppen von Kindern, die die Bausteine heranschleppen. Selbst aus dem Zuschauerraum kommen Gruppen von Lindern, und indem sie rufen:„Auch wir wollen mitbauen!", tragen sie Bausteine auf die Bühne und Helsen so mit, das Gcmcinschasiswcrk errichten Zuletzt bringen sie„die Freundschaft'. ,chie Freiheit". ,chie Gleichheit",„die Brüderlichkeit" und der Turm der Gemeinjlhasl wird gekrönt von dem Baustein„Die Freude". So wurde den Kindern der Gedanke nahegebracht, daß die Arbeiterschasl, wenn sie einig ist, auch die Lrait hat. dos Wert ihrer Befreiung zu vollenden. Durch die Gruppen, die aus dem Zuschauerraum kamen, wurde«ine enge Verbindung hergestellt zwischen dem Ge- schehen auf der Bühne und dem„Publikum". Verstärkt wurde die Verbindung noch am Schluß, als auf der Bühne uni den Turm der Gemeinschaft die roten Fahnen wehten und rechts und links von der Bühne herab Helfer und Kinder, sich die Hand« reichend, in den Zuschauerraum stiegen und ihn von beiden Seiten umfaßten. Ge- meiniamcr Gesang der kleinen Baumeister Ningt zum Schluß durch den Raum: Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt. Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld. Wir sind die Schnitter der kcmmend-en Maht, Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat! Dos ganze Theater klinat mit bei diesem zukunftssrohen Gesang der jungen Kehlen. Ein„Freundschost" von der Bühne zum Zu« schauerraum, eln„Freundschaft" von unten zur Bühne hinaus bc- schließt die Aufsührung. Aber die Kleinen denken noch nicht ans Nochhausegehen. Sie bleiben noch aus ihren Plätzen. Da�fängt einer auf dem Rang noch mal zu jingen an:„Brüer, zur Sonne, zur Freiheit" und die Kinder singen begeistert mit. Die Veranstaltung war ein beachtenswerter Anfang zu neuen Formen einer proletarischen Feier. Etwas zu ernst vielleicht für die Linder. Manches ist noch zu bemängeln, vor allem das fehlende Anklingen an die Weihnachtszeit. Man hätte auch gern etwas mehr Frohsinn, Spiel und Tanz in dem Stück gesehen. berger Sender». Sie beträgt 50 Kilowatt Telephonielejstung. Do» ist etwa da» Zwöiffoche der Sendeenergi« des Witz- lebener Senders. Die Besprechung erfolgt vom Berliner Funkhaus aus über die Hauptfunkstelle Königswusterhausen, von wo aus«in hochwertiges Speziolkabel zum neuen Sender verlegt worden ist. Die Gesamtlänge dieser Besprechungeleistung ist 35 Ltlometcr. Man erhofft von diesem Sender, der von Telefunkcn erbaut worden ist und heute seinen Probebetrieb ausnimmt, ganz außerordentliche Leistungen. Bei dem gestrigen auf die Besichtigung folgenden Empfang im Posterholungsheim Königswusterhausen begrüßte in Vertretung des verhinderten Reichspostministers Dr. Schätzet der Staatssekretär Dr. Feierobend vom Reich? Postministerium die Gäste. In längeren Ausführungen kam Reichsfv.ntkommissar Dr. Bredow aus die Geschichte des Rundsunks und ihren engen Zusammenhang niit Königswusterhausen zu sprechen, das man gewisicrmaßcn als Wiege des Rundfunks bezeichnen könne. Zum Schluß kam Dr. Bredow auf die großen Gefahren zu sprechen, die der Weiter- ezistenz der deutschen Welle durch die Beschlüsse der Washingtoner Konserenz drohten.(Er stellte mit Rachdruck fest, daß es nicht angehe, bei einer Beschränkung des Wellenraumes für die europäischen Großsender aus die schmal« Spanne von 1350 bis 1875 Meter den bis- her in diesem Wellenbereich arbeitenden Großsendern ein Darrecht gegenüber denjenigen Ländern zu geben, deren Großsendern erst«ine neue Well« zugeteilt werden müsse, und forderte, daß der großen Bedeutung Deutschlands mit der größten Funkteilnehinerzahl des Kontinents entsprechend auch nach Neuregelung der Wellenfrage Deutschland ein erstes Anrecht aus Betried seines Deutschlandsenders haben müsse._ Prozeß des Nachlaßpflegers Ruppolt. Als Semeinschuldner vor seiaeu Gläubigern. Der Nachlaßpsleger Paul Ruppolt wurde heute vormittag dem Konkursrichter beim Amtsgericht Charloltenburg, Amtsgerichts- rat Levy. vorgeführt, um dem ersten Prüsungstermin in dem Konkursoetsahrcn über sein Vermögen beizuwohnen: er kam unter sicherer Bewachung und in Begleitung seines Verteidigers, Dr. Siegfried Eisenftädt. zu dem Termin aus dem Untersuchungs- geföngnis Moabit. Ruppolt ist ein großer stattlicher Mann van gutem Aussehen und zeigte sich ziemlich ruhig. Eine Reih« von Rechtsanwälten und Nachfaßpflegcrn der durch die Nochloßpslegschost Ruppolt, ge- schädigten Gläubiger waren«bensall» anwesend. Zunächst erstattet« der jionturzverwaller Dr. Heumonn«inen Bericht über die Konkursmasse. Noch während seiner Tätigkeit als Kanzlei- angestellter des Amtsgerichts Schöneberg wurde Ihm 1918 die erste Pflegschaft eines Nachlasse« übertragen. Eine weitere Pfleg- schaft erhielt er im Jahre 1920, als er schon Mapiftrotsbeami-'r der Stadt Berlin war. In der Folgezeit wurden ihm nach und nach zahlreiche weitere Pslegjchaften von Nachlässen anvertraut. Infolge der Häufung dieser Tätigkeit lchied er im Jahre 1923 aus dem Dienst der Stadt aus und widmete sich ausschließlich der Nachlaßpfiegschaft. 3« N-ihm-n der.pr»'»»-ri'ch-i> �eWonde' findet am 2. Deih--aih>4- le'en.m, vorm. l l Usr, im Gcoy n Sh uvp eldau eine L-ran�a tu iz.Au« dem uckkarte ii der gl a l> r h u II d e r t«' Natt, itut de u P�o ram n! Sorcchch r.Die Ballade res Berzessens' vo> Kladund, Z dorzsuiel.Der Dmndrir und dc- Svuiter' von Haus sachS. auigeiü>rt no i Rrtglirdeiii des Siaatslbraltls. Po-a-szene aus Schillers.Dan Car>o>".»tluirus aus dem Lauerntrieg''.Äo wenls-Zzenc aus»Danwus Tod". Ko-niiche Ajenr.WVla and Schulz« im Jabie ISIS*.„Der F einde und der Huurr" von Leo Zoltto', .Der KriegSkrüpvrl' oo i Frau, Rotdenlewer. a i«.Smgedokle«' von HL- deUin. Lrgelvortiä t umrahmen die Darbietungen. Serlchlt nie. In den tünftleriichen Ausichuh der»BolktbShne' wurde nicht Fiitz, iondern HanS«oitjmcht»troö-iU. Sltoefletleirr der Po libühn« Serlhov nS IX. S'ntoni« wird dei der Silvrileiieier der B o l l S l> u d n e am dt., v» U-r. im Tbratei am vülawpla» zur»inMlniina celnnnrn. üriliing: Cilai Fi leb Mtwirlendr: Da«*Hil>aimoni>che Lrchefirr.r»im a flitlrllchet(Eher, Emn Y Land, Hei Iva D ctm low. Engen Tianily, Hri mann schry. Vi« OaNarfiever. Der italirnifchr NntertlchtsininUirr bat anawdnel. daß alle Italiener, die an italienilchrn Unlvrrfi töten ha« Dotlarexamen de- Nauden bade'', sädrlich LN Ltie Steuern zugunsten der Unteistutzmigskafie der Universitäten zahle» müsse». LoniS Ttopsack 70 Jahre alt. Das Wirken unsere» Veteranen, der heute sein. 70. Lebensjahr vollendet, im einzelnen zu schildern, wäre nur möglich, wenn man die Geschichte der Berliner Arbeiteibewegung und insbesondere die der Fo.mer und der Metollorbeiter in der achtziger und neunziger Jahren schreibe» wollte. Damals waren für die so wichtige Klein- arbeit d-"' vewe'ks-baftlichen"nd volitijck'cn Arbeiterbemeg'ng m-r wenige Kraft« vorhanden. Wir sahen ihn häusig in dem für die Arbeiterbewczrung historisch gewordenen Lokal van Stramm, Ritter- straße 123. Hier wurde 1887 unter Stopsacks tätiger Mitarbeü dpr Fachverein der Former gegründet. Den im gleichen Lokal tagenden Fachv«rein«n der Klempner, Maler, Glcher und anderen war er ein gern gesehener Berater, nicht nur seiner Kenntnisie wegen, sondern vor allem wegen seine» lauteren und geraden Cbarakters. Durch das Vertrauen seiner Beruft kollegen wurde er a's Berliner Vertreter 1888 zur allgemeinen Formerkonfe-enz nach Magdeb-'rg entsandt. In dem machtvoll aufblühenden Deutschen Metallarbeiterverband wirkt er dann weiter über?0 Jahre als Mitglied der engeren Orts- Verwaltung Berlin zum Wohle der Arbeiter. Lang« Zeit war Stop- ftrf stänttg Delegierter der Berliner aus den Berbandttagen. Im Betrieb stand er stets an hervorragender Stell«. Er ist einer der ersten der B'triebsvertiauenrleute oder Arbelterobmänoer überha"pt in Berlin. In der Vartei sehen wir Stopsock bereit« 1885 a's Mitglied de» Arbeitep-Bezirksvereins Lausitzer Platz. Roch jetzt finden auf den ZaHlabenden der 92. Abteilung(St. wohnt Elbestr. 16 I) seine Vorschläge und Anregungen stet»«in willges Ohr. Oer Kältestrom über Europa. Sieben Grad Därme auf Grönland. Die Kälte in Verlin hat inner halb der letzten 24 Stunden weiter zugenommen. Während gestern morgen das Thermometer 13 Gral» zeigt«, wurden heut« 18 Grad gemessen. Die Kälte hat sich in der Zahl der Obdachlosen, die im Asyl für Obdachlose Unterschlupf suchten, noch nicht ausgewirkt. Im Moval Dezember haben durchschnittlich in jeder Nacht 1800 Obdachlose im Asyl zugebracht. In den letzten Tagen ist die Zahl um etwa 20 ge- stiegen. Wie uns von der Leitung des Asyls für Obdachlose noch miigeteill wird, sind Borkehrungen getrossen, um bei stärker ein- setzendem Zustrom einer bedeutend höheren Zahl von Obdachlosen ein Nachtlager zu gewähren. Aussicht auf Milderung? Nach den letzten Mitteilungen des amtlichen Wetterdlenstes ist i n den nächsten Tagen ein Steigen der Temperaturen zu erwarten. Di« Kältsperiode scheint demnach mit— 18 Grad bzw. — 19 Grad in Berlin ihren Höbepunkt erreicht zu haben. Eine Ber- schärsung des Frostes, das wird mit ziemlicher Bestimmtheit betont, ist jcbensallz nicht zu erwarten. Die Nacht zum Donnerstag wird noch sehr kall bleiben, aber schon im Lause des Donnerstags wird die Quecksilbersäule— wenn die Prognose zutrissi— langsam steigen. Man rechnet mit einem Ansteigen zunächst bis aus— 5 Grad. Die bevorstehende Slenderung der Wetterlage hat ihre Ursache in einer vor England liegenden Depression, die die Wind? wesentlich bccin- slussen und Bewölkung hervorrufen dürsten. Für die Weihnachts- seiertage läßt sich bei der augenblicklichen Wetterlage noch nichts. sagen, immerhin werden die Temperaturen den Nullpunkt kaum übersteigen. Mit dem heiteren Wetter soll es jedoch zv Ende gehen, vor Freitag ist aber kaum auf Niedetschläge dzw Schncesälle zu rechnen. In Frankreich und England ist heute schon Tau- w e t te r eingetreten. Südengland verzeichnete heute früh-ßlO Grad. In der Rhcingegend hatte beispislsweise Frankfurt a. M.— 11, Aachen— 9 und Karlsruhe— 10 Grad. Die zu erwartenden westlichen Winde, die warme Luftmasien mit sich führen, werden die Tein- peraluren in den nächsten Tagen wesentlich beeinflussen. Auch in einem Teil O st p r e u ß e n s hat die Kälte beträchtlich nachgelassen. So meldete Königsberg heute— 2, Danzig— 4, Libau und Memel nur noch—1 Grad. In Schlesien sind die Temperaturen noch ziein» lich unverändert. Breslau hatte in der Nacht wieder—24 Grad. In Westdeutschland sind bei zunehmender Bewölkung leichte Schiiec-. sällc eingetreten. Kopenhagen, 21. Dezember. Während in ganz Mittel- und Südcuropa außerordentlich strenge Kälte herrscht, wurden aus Grönland am Montag nachmittag sieben Grad wärme gemessen. In Kopenhagen stellt sich die Tem- peratur auf süns Grad unter Null. Wien. 21. Dezember. Nach einer Meldung der Morgenblätter au» Belgrad wurden an der Eisenbahnstrecke Gewghcli— Demirkapu von 20 die Strecke bewachenden serbischen Soldaten bei der Ablösung l? aus ihrem Posten erfroren aasgesunden. Wie weiter gemeldet wird. sind ans der Strecke Göuyä— Mohacz 24 Dampfer und über hundert Schlepper im Eise stecken geblieben. Derkehrsstörunßen durch die Kälte. Der starke Frost der letzten Tage hat auch heute den gesamten Eisenbahndienst sehr erheblich beeinträchtigt. Im Personen- verkehr ist zwar eine leichte Besserung eingetreten, da die von Norden kommenden Züge, namentlich ans den Stettiner Fernst» ecken. soft regelmäßig verkehren. Auch die O st b o h n über Schneide- müht und Äönigsb rg hat nur unwesenlliche Verspätungen ouszuweisen. Dagegen kommen dl« s ch l e s i s ch e n Z ü g e mit Der- spätungen von 35 bis 40 Minuten an. Am schlimmsten ist e? auch beute wieder mit dem Verkehr au« Süden bestellt. Der Stuttgarter Zug traf heute morgen mit 150 Minuten, der Wiener D-Zug mit 125 Minuten Lerspätung in Berlin«in. Auch aus Sachsen werden sehr starke Lerspätungen gemeldet. Dort sind gestern wieder erhebliche Schneefälle niedergegangen und haben di« Gleise zum Teil gesperrt. Der Dresdener Personenzug traf heut« morgen z. D. mit 50 Minuten Verspätung in Berlin ein. Sehr unangenehm macht sich dagegen die Kälte im Güter- verkehr bemerkbar, der ersahningegemäß in den letzten Tagen vor d«m Feit außerordentlich stark zu sein pflegt. Während in Groß- Berlin die Güterzüge noch«inigcrmaß-n pünktlich erledigt werden können, da die Berliner Rangierbahnhösc über ausgezeichnete tech» niiche Hilfsmittel crfügen, liegen im Reich die Güterzüge zum großen Teil fest und können nur unter erheblich«» Schwierigkeiten und mit großen Verspätungen expediert werden. Die KPO. verräi die Ruhrarbeiier. Ihre Führer beugen sich vor Brauns. Gestern morgen überschrieb die„Rote Fahne" ihre Meldungen aus dem Ruhrgebiet:„Streik!— Kein Zurück vor der verbindlich- keitserkiärungl" Heute früh kann man nur in der Ucberschrtst lesen van einem„frechen Diktat des Bürgerblocks", von G e w e r k> schoftssührern, die„kuschen" und dah mit der„reformistischen Niedcrlagenstralcgic" Schluß gemacht werden müsse. Die KPD. ist nämlich der Meinung, daß sie das Privileg auf die Niederlagen- strategic Hobe. Die Linie und die Perspektiven der KPD., um Im kommu- nistischen Jargon zu sprechen, sind schon aus der Gegenüberstellung der Ileberschristen genau zu erkennen. Die von Moskau bezahlten „Führer" der KPD. strengen sich weiß Gatt nicht sonderlich an. Sie stellen Forderungen auf, die nicht die KPD., iondern die Sozial- dcmokraten oder die freien Gcwerlschasten durchzusetzen haben. Diese Forderungen werden möglichst hoch gestellt, jedenfalls so, daß die KPD. von vornherein die Sichheit hat, daß sie nicht erfüllt werden können. Und dann geht das Geschrei von dem„schamlosen Verrat der Gewerkschaftsführer und der Sozialdemokratie los. Wie die KPD. besonders im Ruhrgebiet gehaust Hot, haben wir ganz kurz und andtuiiingsweise bereits im heutigen Morgenblatt geschii dcrt. Nun schreibt die„Rote Fahne" heute morgen: „Solange daher ein an der Spitze stehender Gemerkschafts- führer den Grundsatz predigt, daß gegen einen verbindlich er- klarten Schiedssvruch nicht gestreikt werden kann, ist er ein ganz bewußter Verräter. Weil er an der Spitze der Arbeiterorgani- sation diese Politik durchführt, macht er die einzige Waffe der Arbeilerklnsse stunipf und unbrauchbar in dem Augenblick, �wo der Klassengegner mit der schärfsten Waffe über ihn herfällt." Die„Rote Fahne" hat. es nötig, von den stumpf und un- brauchbar gemachten Waffen der Arbeltertlasse zu reden! Die KPD. war es, die ganz besonders im Ruhrgebiet die stärkste Waffe der Arbeiterklaffe, ihre Organisation, stumpf und unbrauchbar gemacht hat. Nun hat die Arbeiterschaft des Ruhr- gebiels angesichts der Herausforderung der Unternehmer zu be- greifen begonnen, daß sie ohne«ine starke und geschlossene Organ!» salion dem Unternehmertum ausaellefm ist. Die Reihen der Gewerkschaft beginnen sich wieder zu füllen. Da? sieht man in der KPD. als ein Unglück an. Deshalb wird jetzt mit Hochdruck dahin gearbeitet, daß die Arveiter einander wieder bekämpfen und die Masie der durch die Niederlagen strategic der KPD. indifferent gewordenen Arbeiter von Miß- träum gegen die Gewerkschaften erfüllt werden. Wenn es irgach möglich ist, sollen an Stelle der ihren Mitgliedern verantwortlichen Go werkschoftsführer überall Äreaturcu von Moskau eingesetzt werden, die noch dem Beispiel in Solingen jederzeit dereit sind, die Arbeiter in einen aussichtslosen Kampf hineinzuhetzen und sie dann schmählich zu verraten. Die KPD. denkt gar nicht daran, die Parolen, die sie ausgibt, etwa selbst einzuhalten. Diese Parolen gelten nur für die anderen. Und wenn sich einige hundert oder einige tausend Arbeiter finden sollten, um die Parolen der KPD. durchzuiühren und am 1. Januar in den Streik zu trcten, wenn diese Arbeiter dann aus der Strecke bleiben, dann werden sich die gut bezahlten Kreo- turen Moskaus die Hände reiben und triumphierend noch Moskau berichten über den großen Einfluß der KPD. in Deutschland. Denn der Einfluß der KPD. in Deutschland mißt sich nicht an dem Wohlergehen, an dem A u f st i e g der Arbeiterklasse, sondern an den Niederlagen, die die Ärbelicr erleiben und an ihrer Verelendung. Vier Aihre hat es in Mitteldeutschland pedauen, bis es nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Niederlagenstralegie dem Bcrgarbciterverband wieder gelungen war, die Arbcitcrjchast zusamnienzuschließcn und zum Kampfe ,zu führen. Fm Ruhrgebict haben die Gewerkschaften einen noch schwereren Kampf zu führen. Es geht trotzdem wieder vorwärts. Deshalb glaubt die KPD. den Augenblick sür gekommen, um die Ruhrarbeitcr wieder einmal zu verraten und dem Großkapital auszuliefern. Sie selbst aber drückt sich und ihre Führer„tuschen" vor Brauns. Oer Kampf der Kanalfchiffer. Immer wieder Polizei und Gerichte gegen sie. Wie es mit dem Wohnungsterror gegenüber den Ausgesperrten in der westdeutschen Kanalschiff- fahrt, der von den Kanalreedern und ihrer Preff« ständig abgeleugnet wird, in Wirklichkeit bestellt ist, geht überaus drastisch aus folgenden Feststellungen des Deutschen Verkehrs- du n des hervor: In Bergeshövede, Dortmund, Wanne und Emden sind vor etwa 14 Tagen durch Beauftragte der Kanal- firmen den Ausgesperrten Anweisungen bekamitgegeben uwrden, wonach die Wohnungen auf den Fahrzeugen sofort v c r- lassen werden sollen und gedroht, daß, falls das nicht geschieht, die Polizei in Anspruch genommen wird. Es ist dabei zu Aus- rinandersetzungcn gekommen: die Beauftragten der Firmen hoben sich Polizei zum persönlichen Schutz geholt und der Polizei mitgeteilt, sie seien bedroht worden, was aber gar nicht der Fall war. Der» e u« st e Fall ist am Mrmtag, dem 12. Dezember, in Dortmund passiert, wo auf Beronlaffung der Westfälischen Irans- port A.-G. das Amtsgericht eine einstweilige Verfügung zur sofortigen Wohnungsräumung erlösten hat. Ob- wohl das Amtsgericht gar nicht zuständig ist, kam die Räu- mung zur Durchführung, und zwar mit Hilfe der Polizei, die sich in Begleitung des Beauftragten der Firma und des Gerichts- Vollziehers befand. Man hat die ausgeräumten Gegenstände nach dem Pfandhaus gebracht: bis heute sind sie noch nicht im Be- sitze des bctrcffendei Schiffers, der bei der Räumung gar nicht zugegen war. Die Räumung erfolgt, obwohl anderes Schiffsperfonal der Polizei bekannt gab, daß der Schiffer zum Ge� rieht fei, um Einspruch gegen die einstweilige Verfügung zu erheben. Aus der Nerliner Zigarettenindustrie. Oer Kampf um die Angestelltengehätter. Der ZdA. bittet uns um Aufnahme des nachstehenden Artikels: Seit Jahren velfuchen die Angestellte» der Berliner Zigareltsn- induftric zu einem Tarifvertrag.zu gelangen, vor allein aber zu einer Bezahlung, die es ihnen einigermaßen ermöglicht, ihr Leben zu fristen. Sechs versuche, sechs Schlichtungsverfahren sind ge s ch e i t e r t. Der Arbeitgeberverband, geführt von seinem Syndikus Dr. Engel, lehnt jeden Spruch, selbst wenn sein Der- trcter im Schlichningsausschiiß die Sätze mit ausgestellt hat, rund- weg ob. Eine Einigung scheitert, da der Syndikus für die An- gestellten mit voller Berufsausbildung und snl sprechender Erfahrung bis zum 2% Lebensjahre 14 0 Mk. IWMWWWMMWWWW|. hr- 140 1 pro Monat eis Bruttogehalt anbietet. Dafür fordert er allerdirgs nur 52 Stunden wöchentlich ohne jede Ueberstunden- Vergütung. Eine Einigung ist unmöglich. Der Schlichter verweigert die Berbindlichieitserklärnng eines Schiedlspruches, der etwas günstigere Bedingungen vorsieht. Alfs bleiben in der Ziparettemndustrie der Reichshauptstadt Gehälter von lOO bis 160 M. der Durchschnitt. Sie bleiben.zum großen Teil seit 1SZ4 unverändert, trotzdem Mieten. Fohrgelder, soziale Abgaben und Lebenshaltungskosten ln dieser Zeit gewaltig erhöht sind Sic bleiben auch die gleichen, trotzdem ein Min.-Erlaß die Industrie zwing», höhere Preise zu nehmen.— Er- böhurgcn, die sür einige Firmen in Berlin eine Mchrrinnahme von U>,!00 bis 200 000 M. pro Monat erbrachten. Als der ZdA. sich an einzelne F i r m en wandte mit dem Ersuchen um Einzeloerhandlungen, teilte der Arbeitgeberverband mit. daß diesen Finnen iolctie Verhandlungen verboten wären. Zllles das darf der Verband wagen, alles das hürfen die Ziparettc»- industriellen sich gestatten, tro!',dem die Arbeitnehmer und ollein diese die Abnehmer ihrer Produktion und damit ihre Ernährer sind und trotzdem jede Zigarette den Namen ihres Erzeugers trägt Wir denken nicht daran, die Tanfenbe und Millionen non Zigaretten raucheichen Arbeiter und Angestellten zu einem Boykott der Fabrikate der unsozialen Firmen anszurnien, da das Gesetz das verbietet. Eines aber wird kein Gesetz und kein Gericht vechindcrn können. Dez: ZdA. bemüht sich zurzeit um eine Berbefferung der De. zügc der Anaestellten in der Zigarclteniichnstrie ohne ein Abkomnien mit dem Arbeitgebcrverband. Den Erfolg dieser De mühungen werden wir veröffentlichen Wir werden auch die von den einzelnen Finnen gezahlten Gehälter veröffmt- lichen. Die Arbcitnehmcrschaft soll und darf erfahren, wie die so- -ialen Berhältnisse in den Detrirbrn aussehen, deren Abnehmer sie sind._ Riesengewinne bei Krupp. Kein Geld für alte Arbeiter. Essen, 21. Dezember. Bor der zuständigen Zivilkammer des Essener Landgerichts fand aestcrn die Hauptocrhandlung in dem Prozeß der Kruppschen Pensionäre gegen die Firma Krupp auf Weiterzahlung der Pensionen bzw. auf Aufwertung statt. Das Gericht halte eine ganze Anzahl ehemaliger Vorstandsmitglieder der P?n- stonskass« als Zeugen vernehmen lassen, um zu ermittelit. ob und in- wlsweit die Firma Krupp eigene Rechtsvcrpflichrungcn den Pensionären gegenüber nach der Schließung der Peiisionskasse übernommen Hol Die Firma oertritt die Auffassung, daß sie nur verpflichtet ist. die Pensionsansprüche„im Rahmen des Möglichen" der Penfionskasie zu befriedigen. Weitergehende persönliche Haftung lehne sie ob. Die Aussagen der Zeugen lauteten im allgemeinen günstig für den Kruppschen Standpunkt und ungünstig für die Sache der Pensionäre. Das Gericht beschloß, dos Urteil demnächst in einem besonderen Termin zu verkünden. Oeuischland nicht maßgebend. Achtstundentag in der Schwerindustrie Ostoberschlefienki. lvleiwlh, ZI. Dezember. Die Vertreter der vstoderschiesischen Metallarbeitergcwerkschasten begaben sich noch Warschau, um wegen Einführuvqdes Acht- stundentagcs in der oftobcrfchlcsischen Eisenindustrie vorstellig zu werden. Von dem Regierungsoertreter wurde den Delegierten «rklört, daß die augenblicklichen Vorgänge in der deutschen Eisenindustrie für Polen nicht maßgebend sein könnten. Die oolmsch« Regierung sei zu Konzessionen bereit und beabsichtige, den Achtstundentag bereits am 1. Januar in den Stahl- werke», Derzinkereien und Kesiclhäufcrn einzuführen. Eine dementfprechende Verordnung wird dieser Tage erwartet. Sonnenwenöfeier m 6er wettNchen(Schule. Als ein Fest, dem«in leiten schöner Stimmungswert inue- wohnte, erwies sich die von der 2 6 2. weltlichen Schule in den Pharusjälen in der Mülierstraße veranstaltete Sonnen- wcndfeier, an der über 160u Priluncn ceilnnhmcn. Das Orchester der Musikoereinigur.g„In Treue fest" eröffnete mit feinem zündenden Spiel den Reigen der Darbietungen: ihm folgte der Uihmann-Ehor mit einigen Liedern, sür deren gelungene Wiedergabe ebenfalls stark applaudiert wurde. Und dann entflanim« ten die unzähligen Kerzen des großen Tannenbaums, der dicht o» der Bühne stand, vor der ein langer Tiich ausgestellt war, dessen Anblick jedes Kinderherz vor Freude hüpfen ließ: 4 70 bunte Teller, beladen mit Aepfcln, Apfelsinen, Rüsien, Plefserkuchcs!. Bonbons und Schokolade, trug der Tisch. Auf ihm sah man auch sieben Ehrenpreise, die der„Bezirks verband Wcdding der Lauben- kolonisten" für die besten Schülcroufsätze über die Kleingartenkola- nie» gestiftet bott«: ein Buch, ein großes Reißbrett mit Gerätfchasten und fünf wundervolle Nähkästen. Nachdem der Schulleiter Rektor Pantke an Eltern und Kinder herzliche Dcgrüßungsworte gerichtet hatte, kamen die kleinen Künstler— Abgesandte aller Klassen— selbst zum Wort. Ob sie sich in der großen Geineinjchait eines Sprcchchors zeigten oder in lustigen Weihnachtsspielen, wie dem „Ueberfoll auf den Weihnachtsmann", dem entzückenden Tanzspiel „Wintersonnenwende" fzu dem Dr. K u n tz- Spandau seine Verse geschrieben hatte), der originellen„Reise ins Schlaraffenland" und der kunstvollen Pyramide am Turngerät— immer zeugten sie. van denen selbst die Kleinsten auf der Bühne so prächtig natürlich waren. von dem frischen Geist, der der weltlichen Schule zu eigen ist. Der Stolz, mit dem die Eltern das heitere Spiel ihrer Sprößlinge be- gleiteten, war ein berccbtigter und für den Gedanken der weltlichen Schulerziehung von bester Werbetrost. Da» Rofe-Theoter feiert in diesem Monat seinen 60. Geburts- tag. Man wählte als Festvorftellung„Orpheus in der Unterwelt", das fröhliche Werke des genialen Musikers Offenbach, der im Pariser Theatcrleben mir feiner Premiere um die Mitte des 10. Jahrhunderts einen wahren Aufruhr nerurfacht hatte. Gemeinsam mit dem Textdichter C r e m i e u x hatte er mit diesem Werk die Travestie neu erstehen lassen, deren Wesen darin besteht, alt- geheiligte Stoffe, meist der Sagenwelt entnommen, ihres mythischen Charakters zu entkleiden, Götter und Helden, die handelnden Per- fönen, wurden, ihres Heiligenscheines beraubt, unter der Lupe schärfster Kritik und beißendster Ironie in gewöhnliche Sterbliche verwandest, die Zeitgenossen des Dichters darstellen. So ist hier der göttliche Orpheus ein ganz gewöhnlicher, eitler Musikus, der es mit der ehelichen Treue nicht allzu genau nimmt, fein flatterhaftes Weibchen E u r y d i k c rächt sich für all die Unbill, indem sie sich �nit Pluto, dem Gott der Unterwelt, tröstet, der sie nach seinem Reich entführt. Im hohen Olymp muß Orpheus auf Befehl der öffentlichen Meinung die Gnade ers ehen, seine Gattin, deren Der- lust ihn doch fo gar nicht schmerzlich berührte, wieder zurückzuholen. Die Aufführung im Ruf c- Theater war wirklich gut. Lebendigstes Tempo, besonders am helleren Olonrp, wo gepunktrollert, ge- nienfendiekt und gekalauert wurde, daß es nur so eine Freude wer. Traute Rose iEurydike) brillierte wieder mll ihrer schönen Stimme, Kurt Mikulfki war ein heller-schnoddriger Göttervater, der seinen himmlischen Betrieb nach allen Gesetzen moderner Amüsierställen verstand. Auch olle anderen Darsteller boten ihr Bestes, in funkelnagelneuer Kostüiniening und blendender Laune. lieber allem die entzückende, ewig-schöne, ewig-neue, lebenssprühende Musik Meister Ossenbochs. Das vollbesetzte Haus spendete herzlichsten Bei call. Beranlmortlilti für ZZolstik Di ttart Dir:sckx»fl:«. All,««!»»!»; S-wirNchaUsbewiivinz: Ar. gtzl-r»; ssaiillewn: 9. A. Dilchtti Lokale» and sonstiges: Zeitz 9»»stadi:-Ziueigkn: ltz. Slog«! soaiilich in Berlin Verlatz: PorwäiI»>B erlag s m b H., Berlin Druck: Borwarta-Buchdriicker»! vny Berlatzsanstal« Paul Hinger o ck». Berlin SB SS. Lindcniirak» S. eder Ar: l:e«eri»re-«w»i Pnnt Ciollrta. Odra,«kto i'nn MirtannenstraSe 3. Ecke Raunqnllraße Anu Mdriooi.lOJ 03 Ii zor Niete Wttz.Aiubicliersir.) Kenner kaufen Sdk-Soiaoen Pralinen 7ee Kakao Kaffee Honigkuchen sowie alle WefhnachfAartikRl am preiswertesten und billigsten bei Sdiokoladen- Bunde Adalbertstr. 1 am Kottbusser Tor Prinzenstr.«, Ecke Dresdener Str. 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